Home
  By Author [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Title [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Language
all Classics books content using ISYS

Download this book: [ ASCII | HTML | PDF ]

Look for this book on Amazon


We have new books nearly every day.
If you would like a news letter once a week or once a month
fill out this form and we will give you a summary of the books for that week or month by email.

Title: Weltreise - Erster Teil: Indien, China und Japan
Author: Various
Language: German
As this book started as an ASCII text book there are no pictures available.
Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Weltreise - Erster Teil: Indien, China und Japan" ***

This book is indexed by ISYS Web Indexing system to allow the reader find any word or number within the document.



                          WELTREISE-FÜHRER.

                             ERSTER TEIL.



                         MEYERS REISEBÜCHER


      mit zahlreichen Karten, Plänen, Grundrissen und Panoramen.



  =Süddeutschland, Salzkammergut, Salzburg u. Nordtirol.= 10. Aufl.
      Geb. 6 M.

  =Rheinlande= (von Düsseldorf-Aachen bis Heidelberg). 13. Aufl.
      Geb. 5,50 M.

  =Schwarzwald, Odenwald, Bergstraße, Heidelberg und Straßburg= (unter
      Mitwirkung des Schwarzwald-Vereins). 13. Aufl. Gebunden 2,50 M.

  =Thüringen und Frankenwald= (unter Mitwirkung des
      Thüringerwald-Vereins).
       _=Große Ausgabe.=_ 20. Aufl. Gebunden 2,75 M.
  ---- _=Kleine Ausgabe.=_ 20. Aufl. Kartoniert 1,75 M.

  =Harz= und das Kyffhäusergebirge. _=Große Ausgabe.=_ 20. Aufl.
      Geb. 2,50 M.
  ---- _=Kleine Ausgabe.=_ 20. Aufl. Kartoniert 1 M.

  =Dresden, Sächsische Schweiz=, Böhmisches Mittelgebirge und Lausitzer
      Gebirge (Vereinsbuch des Gebirgsvereins). 9. Aufl. Kartoniert 2 M.

  =Riesengebirge, Isergebirge und die Gebirge der Grafschaft Glatz= (unter
      Mitwirkung der Gebirgsvereine). 17. Aufl. Kartoniert 2 M.

  =Ostseebäder und Städte der Ostseeküste.= 4. Aufl. Gebunden 4,75 M.

  =Nordseebäder und Städte der Nordseeküste.= 3. Aufl. Gebunden 4,50 M.

  =Norwegen, Schweden und Dänemark.= 10. Aufl. Gebunden 6,50 M.

  =Österreich-Ungarn, Bosnien und Herzegowina.= 8. Aufl. Gebunden 7 M.

  =Deutsche Alpen.= _=Erster Teil=_: Bayerisches Hochland, Algäu,
      Vorarlberg; Tirol: Brennerbahn, Ötztaler-, Stubaier- u. Ortlergruppe,
      Bozen, Schlern und Rosengarten, Meran, Brenta- und Adamellogruppe;
      Bergamasker Alpen, Gardasee. 11. Aufl. Gebunden 5,50 M.
  ---- _=Zweiter Teil=_: Salzburg--Berchtesgaden, Salzkammergut,
       Giselabahn, Hohe Tauern, Unterinntal, Zillertal, Brennerbahn,
       Pustertal und Dolomiten, Bozen. 10. Aufl. Gebunden 5 M.
  ---- _=Dritter Teil=_: Wien, Ober- u. Niederösterreich, Salzburg,
       Salzkammergut, Steiermark, Kärnten, Krain, Kroatien, Istrien.
       7. Aufl. Geb. 5,50 M.

  =Der Hochtourist in den Ostalpen=, von _L. Purtscheller_ und _H. Heß_.
      _=I. Band=_: Bayerische und Nordtiroler, Nordrätische, Ötztaler,
  ---- _=II. Band=_: Kaisergebirge, Salzburg-Berchtesgadener,
       Oberösterreichische, Steirische und Zillertaler Alpen, Hohe und
       Niedere Tauern. 4. Aufl. Gebunden 4,50 M.
  ---- _=III. Band=_: Dolomiten, Südöstliche Kalkalpen. 4. Aufl. Gebunden
       5,50 M.

  =Schweiz= (mit den Italienischen Seen). 21. Aufl. Gebunden 7 M.

  =Paris und Nordfrankreich= (nebst Brüssel). 5. Aufl. Gebunden 6 M.

  =Riviera, Südfrankreich, Korsika, Algerien und Tunis.= 8. Aufl. Geb.
      7,50 M.

  =Oberitalien und Mittelitalien= (bis vor die Tore Roms), von _Gsell
      Fels_. 8. Aufl. Gebunden 8 M.

  =Rom und die Campagna=, von _Gsell Fels_. 7. Aufl. Gebunden 12,50 M.

  =Unteritalien und Sizilien=, von _Gsell Fels_. 5. Aufl. Gebunden 7 M.

  =Italien in 60 Tagen= (bis einschließlich Neapel und weitere Umgebung),
      von _Gsell Fels_. 9. Aufl. Gebunden 9 M.

  =Türkei, Rumänien, Serbien, Bulgarien.= 7. Aufl. Gebunden 7,50 M.

  =Griechenland und Kleinasien.= 6. Aufl. Gebunden 7,50 M.

  =Ägypten= (Unter- und Oberägypten, Obernubien und Sudân). 5. Aufl.
      Geb. 9 M.

  =Palästina und Syrien.= 4. Aufl. Gebunden 7,50 M.

  =Das Mittelmeer und seine Küstenstädte=, Madeira und Kanarische Inseln.
      4. Aufl. Gebunden 6,50 M.

  =Weltreiseführer.= 2. Aufl. 2 Bände. Gebunden, mit Schutzhülle 25 M.



                  MEYERS REISEBÜCHER.



                       WELTREISE.


                      ERSTER TEIL:

                INDIEN, CHINA UND JAPAN.


                     ZWEITE AUFLAGE.

        MIT 22 KARTEN, 39 PLÄNEN UND 2 TAFELN.



                    LEIPZIG UND WIEN.

               BIBLIOGRAPHISCHES INSTITUT.

                          1912.



         Alle Rechte vom Verleger vorbehalten.



Vorwort.


Die überaus günstige Aufnahme, die unsre »Weltreise« in ihrer ersten
Auflage bei dem reisenden Publikum wie bei den im Ausland lebenden
Deutschen gefunden hat, beweist, wie sehr die Herausgabe des »Führers« in
der von uns gewählten knappen Fassung und handlichen Form dem jetzigen
Bedürfnis entsprach. Wir haben daher in der nun vorliegenden zweiten
Auflage die Anordnung des Stoffes nicht geändert, sondern die Grundidee
des Buches, dem _eiligen_ Reisenden auf einer Reise um die Erde einen
zuverlässigen und übersichtlichen Führer an die Hand zu geben,
beibehalten und uns in erster Linie auf eine gründliche Durcharbeitung
des gesamten Stoffes beschränkt; nur die Routen und Ausflüge, die
inzwischen durch Verbesserung der Verkehrswege mehr und mehr an
Bedeutung gewonnen haben, sind neu aufgenommen worden.

Die Bearbeitung des I. Teils, der Alten Welt, lag wiederum in der
bewährten Hand des Verfassers, des Herrn Admiralitätsrats _Georg
Wislicenus_ in Berlin, während den amerikanischen Teil des Buches Herr
_Max Wiederhold_, Redakteur der »New Yorker Staatsbürgerzeitung«,
übernommen hat. Beiden Herren gebührt für ihre mühevolle und sachkundige
Arbeit unser wärmster Dank. Wesentlich erleichtert wurde die Herausgabe
der neuen Auflage durch die wertvollen und zahlreichen Beiträge, die uns
aus aller Herren Länder von ortsansässigen Deutschen zugingen, unter
denen wir besonders der Herren Beamten der deutschen Konsulate sowie der
Vertreter großer deutscher Handelshäuser und Schiffahrtsgesellschaften
gedenken müssen; ihnen reihen sich alle die Reisenden, Touristen wie
Berufsreisende, an, die uns ihre Erfahrungen zugute kommen ließen und
dadurch es ermöglichten, daß der Text des Buches, auch der entlegensten
Orte, bis auf den heutigen Tag richtiggestellt werden konnte. Allen
diesen freundlichen Förderern des Unternehmens sei auch an dieser Stelle
unser verbindlichster Dank ausgesprochen.

Ein größeres Gewicht als in der ersten Auflage des Buches haben wir
diesmal auf alle _=landeskundlichen=_ Angaben gelegt, weil wir es für
überaus wichtig halten, daß der Weltreisende, der sich ja vor Antritt
der Reise an der Hand ausführlicher Werke eingehend unterrichten wird,
nochmals an Ort und Stelle in kurzen Zügen über die Eigenart von Land
und Leuten nachlesen und sich dadurch das richtige Verständnis für die
Verhältnisse des jeweilig bereisten Landes, somit den echten Genuß einer
Reise verschaffen kann. Anderseits soll ebenso der weniger gut
vorbereitete Tourist auf der Reise, wo ihm ausführliche Literatur selten
zur Verfügung steht, in dem »Führer« auch auf dem Gebiete der Landeskunde
schnell die nötigste Belehrung finden. Zu dem Zweck hat der Geograph
Herr Dr. _W. Gerbing_ in Leipzig das Buch vom geographischen
Gesichtspunkt aus durchgearbeitet, indem er jedem Band einen knappen
geographischen Abriß beigab oder bereits vorhandene vervollständigte
sowie in den einzelnen Routen auf alle charakteristischen Erscheinungen
landeskundlicher Art hinwies. Wenn dies auch, um den Umfang des
»Führers« nicht zu sehr zu vergrößern, auf Kosten einiger, uns weniger
wichtig erscheinender wirtschaftlicher Angaben geschehen mußte, so wird
dieser Fortfall wohl weniger vermißt, als jene Bereicherung freudig
begrüßt werden.

Die äußerst schwierige Frage der _=Schreibweise=_ fremder Ortsnamen
haben wir in der Weise zu lösen versucht, daß wir nach Möglichkeit die
_ortsübliche_ Schreibweise wählten, d. h. also diejenige, der der
Weltreisende zunächst begegnet. In Indien ist daher durchweg die
englische, in Niederländisch-Indien die holländische und in Japan die
kürzlich eingeführte amtliche Namensschreibung zugrunde gelegt.--Von
_=neu=_ aufgenommenen Routen nennen wir, abgesehen von zahlreichen
kleinern Ausflügen: _Lahore--Karachi_, von _Penang_ über Land nach
_Singapore_, _Hanoï--Yünnanfu_, _Peking--Jehol_, _Dairen_,
_Mukden--Söul--Fusan_, ferner _Chicago--Saint Orleans--New York_.

Wie der Text, ist auch das gesamte _=Kartenmaterial=_ sorgfältig
revidiert sowie durch neue Karten und Pläne ersetzt und bedeutend
erweitert worden. Neu sind der zweiten Auflage beigegeben worden die
_=Karten=_: _Vorderindien_ (nördlicher Teil und südlicher Teil),
_Zentral-Ceylon_, _Penang--Singapore_, _Kiautschou_,
_Tōkyō--Fuji-no-yama_, _Japanische Binnenlandsee_, _Zeitenkarte_
(Vereinigte Staaten), _Grand Cañon des Colorado_; ferner die _=Pläne=_
von _Simla_, _Darjeeling_, _Anuradhapura_, _Maduratempel_, _Mandalay_,
_Saïgon_, _Soerabaja_, _Hongkong_, _Kanton_, _Manila_, _Schanghai_,
_Wladiwostok_, _Dairen_ (Dalny), _Nagasaki_, _Kōbe-Hyōgo_,
_Ōsaka_, _Nagoya_, _Yokohama_, _Honolulu_, _San Francisco_,
_Buffalo_, _Niagara Falls_, _Milwaukee_, _New Orleans_, _Cincinnati_,
_Boston_.--Außerdem fügten wir der Flaggentafel eine neue Tafel der
_Hausflaggen_ und _Schornsteinabzeichen_ der größern
Schiffahrtsgesellschaften bei, die dem Weltreisenden auf weiter Fahrt
oder im Hafen manche erwünschte Auskunft geben soll.--Sehr freudig
begrüßt werden wird die aus Gründen möglichst großer Handlichkeit von
uns vorgenommene Teilung des »Führers« in zwei mit gesonderten Registern
versehene Bändchen: I. Teil: Indien, China, Japan; II. Teil: Vereinigte
Staaten von Amerika.

An alle Benutzer des »Führers« richten wir zum Schluß die Bitte, durch
Mitteilungen ihrer Reiseerfahrungen und etwaiger Berichtigungen zur
weitern Vervollkommnung des Buches beitragen zu wollen. Alle derartigen
an die »_Redaktion von Meyers Reisebüchern in Leipzig_« gerichteten
Beiträge (Beschwerden möglichst unter Hinzufügung schriftlicher Belege)
werden dankend entgegengenommen und bei spätern Abdrücken des Buches
bestens verwertet.

  _=Leipzig=_, März 1912.

                               Die Redaktion von Meyers Reisebüchern.



Inhalts-Verzeichnis des ersten Teils.


                                                                   Seite

     Einleitung zur Weltreise                                       1-20
       Reisezeit. Reiseplan S. 2.--Rundreisen. Reisegesellschaft
       S. 3.--Gesellschaftsreisen. Reiseausrüstung S. 4.
       --Reisekosten S. 6.--Geldverhältnisse. Reisepaß S. 7.--Zoll.
       Dampfer S. 8-13.--Post u. Telegraph S. 13.--Zeitvergleichung
       S. 14.--Sprache. Gasthöfe S. 15.--Landesübliche Ausdrücke
       S. 16.--Seewesen. Signalwesen S. 17.--Statistisches S. 18-20.


  I. Vorderindien und Hinterindien: Birma, Straits Settlements,
     Siam, Indochina, Sumatra und Java.

  1. Aus Europa durch den Suezkanal nach Bombay                    22-41
       Von Triest, Brindisi, Genua, Neapel, Marseille nach Port
       Saïd S. 22-25.--Port Saïd u. Suezkanal S. 25.--Rotes Meer
       S. 30.--Suakin S. 33.--Djibouti S. 36.--Eisenbahn
       Djibouti-Addis-Harrar. Abessinien S. 37.--Aden S. 38.

     _=Vorderindien=_                                              42-52

  2. Bombay                                                        53-63
       Malabar Hill. Türme des Schweigens S. 60.--Byculla.
       Elephanta. Ellora S. 61.

  3. Von Bombay über Jaipur, Agra, Delhi und Benares
     nach Calcutta                                                 63-96
       I. Von Bombay nach Delhi S. 63.--Ahmedabad S. 65.
       --Ajmer S. 67.--Jaipur S. 68.--Amber S. 69.--Delhi
       S. 70.--Kutab Minar. Delhi-Umballa-Simla S. 74.--
       Delhi-Amritsar-Lahore-Peshawar S. 75.--Von Rawal
       Pindi nach Srinagar (Kaschmir) S. 78.--Khaiber-Paß.
       Lahore-Karachi S. 80.--Delhi-Agra S. 82.--
       Sikandarah. Fatehpur. Sikri S. 86.--Gwalior S. 87.--
       Cawnpore. Lucknow S. 88.--Allahabad S. 89.--Benares
       S. 90.--Buddh Gaya S. 95.

  4. Von Bombay nach Madras                                       96-104
       Mahabaleshwar S. 97.--Bijapur. Hyderabad S. 98.
       --Secunderabad. Golkonda S. 99.--Tirupati. Madras
       S. 100.

  5. Aus Europa durch den Suezkanal nach Colombo. Die
     Insel Ceylon                                                104-125
       A. Von Genua oder Neapel S. 104; von Marseille, von
       Brindisi S. 105.--Triest. Die Insel Ceylon S. 106.--
       Colombo S. 110.--Mount Lavinia S. 114.--Kandy
       S. 115.--Peradeniya (Botanischer Garten) S. 117.--
       Anuradhapura S. 119.--Adams Peak S. 121.--Nuwara
       Eliya S. 122.--Hakgala. Badulla. Pedrotallagalla.
       Bandarawela S. 123.--Küstenfahrt rund um Ceylon
       S. 124.--Point de Galle S. 125.


  6. Von Colombo über Madras (-Ootacamund) nach Calcutta.
     Darjeeling                                                  125-143
       Tuticorin. Madura S. 126.--Trichinopoly. Tanjore S.
       127.--Ootacamund S. 129.--Mysore. Seringapatam.
       Bangalore S. 131.--Puri Jagganath S. 133.--Calcutta
       S. 134.--Darjeeling. Tiger Hill S. 141.--Phalut S. 142.

  7. Von Calcutta nach Rangoon. _=Birma=_                        143-155
       Birma S. 143.--Rangoon S. 145.--Pegu S. 150.--
       Mandalay S. 151.--Von Mandalay nach Bhamo und
       Talfahrt auf dem Irawaddy S. 153.--Pagan S. 154.

  8. Von Colombo über Penang nach Singapore. _=Sumatra=_         155-169
       Penang (Georgetown) S. 156.--Medan S. 158.--Padang.
       Merapi S. 159.--Krakatau. Penang-Singapore S.
       160.--Taiping S. 161.--Kuala Kubu. Kuala Lumpur
       S. 164.--Malacca Town S. 165.--Singapore S. 166.--
       Johor Bahru S. 169.

  9. _=Siam=_. _=Indochina=_                                     169-190
       Singapore-Bangkok S. 169.--Siam S. 170.--Bangkok
       S. 171.--Phrabat S. 176.--Ayuthia. Singapore-Saïgon
       S. 177.--Indochina. Cochinchina S. 178.--Kambodja.
       Saïgon S. 179.--Saïgon-Angkor-Thom S. 183.--
       Saïgon-Hanoï. Annam S. 185.--Hué S. 186.--Haïphong.
       Alongbucht S. 187.--Hanoï. Tonkin S. 188.--
       Hanoï-Yünnanfu S. 189.

 10. Von Singapore nach Batavia. _=Java=_                        190-214
       Java S. 191.--Batavia S. 195.--Buitenzorg S. 200.--
       Sindanglaja. Pangerango S. 202.--Bandoeng.
       Tangkoeban-Prahoe. Garoet S. 203.--Papandajan. Telaga
       Bodas S. 204.--Djokjakarta. Prambanan S. 205.
       --Bora-Boedoer. Magelang S. 206.--Soerakarta. Samarang
       S. 207.--Soerabaja S. 208.--Pasoeroean S. 210.--
       Tosari. Bromo S. 211.--Probolinggo S. 212.


 =II. China, Philippinen, Sibirische Bahn, Korea und Japan.=

     _=Südchina=_                                                    214

 11. Von Singapore nach Hongkong. Kanton. Macao.
     Philippinen: Manila                                         214-240
       Südchines. Meer S. 214.--Südchina S. 215.--Hongkong
       S. 220.--Kanton S. 225.--Macao S. 233.--Hongkong-Manila
       S. 234.--Philippinen S. 235.--Manila S. 236.--
       Baguio S. 240.

 12. Von Hongkong nach Schanghai. Die Yangtse-Fahrt              240-263
       Swatau. Amoy S. 241.--Futschou S. 243.--Kuschan.
       Jungfu. Ningpo S. 244.--Insel Formosa S. 245.--
       Ostchinesisches Meer. Schanghai S. 246.--Yangtse-Fahrt
       Schanghai-Hankau-Itschang S. 254.--Nanking S. 256.--
       Minggrab S. 257.--Nganking. Kiukiang S. 258.--
       Hankau S. 259.--Yangtse-Fahrt von Itschang nach
       Tschungking S. 262.--Tschöngtu S. 263.

     _=Nordchina=_ 264

 13. Von Schanghai nach Tsingtau, Tientsin und Peking            265-280
       Kiautschou S. 266.--Tsingtau S. 267.--Lauschangebirge
       S. 270.--Tsinanfu S. 272.--Taischan. Küfu
       S. 273.--Tientsin S. 275.--Weihaiwei. Tschifu S.
       278.--Tongku S. 279.


 14. Peking und Umgebung                                         280-301
       Pi-yün-sse S. 294.--Chinesische Mauer. Minggräber
       S. 296.--Jehol S. 298--Peking-Hankau S. 299.--
       Hsiling S. 300.

 15. Von Berlin nach Moskau und auf der _=Sibirischen Bahn=_
     über Charbin nach Wladiwostok, Dairen und Peking            301-329
       Moskau S. 305.--Omsk S. 313.--Kraßnojarsk. Jenissei.
       Irkutsk S. 315.--Baikalsee S. 316.--Kjachta. Maimatschin.
       Amurfahrt Strjetensk-Blagowjeschtschensk-Chabarowsk
       S. 317.--Mandschuria. Charbin S. 318.--
       Wladiwostok S. 320.--Chabarowsk. Von Charbin nach
       Dairen S. 323.--Mukden S. 324.--Peiling S. 325.--
       Dairen S. 326.--Port Arthur S. 327.--Von Charbin
       nach Peking. Yinkou S. 328.--Schanhaikwan S. 329.

 16. _=Korea=_                                                   330-337
       Von Mukden nach Söul S. 331.--Tschimulpo S. 332.--
       Söul S. 333.--Diamantberge S. 335.--Von Söul nach
       Fusan und Shimonoseki S. 336.

     _=Japan=_                                                       337

 17. Von Schanghai nach Nagasaki, durch die Binnenlandsee
     nach Kōbe, über Ōsaka, Kyōto nach Yokohama,
     Tōkyō und Nikkō                                             347-411
       Ostchinesisches Meer S. 348.--Nagasaki S. 349.--
       Eisenbahn Nagasaki-Moji. Kagoschima. Dasaifu. Hakata
       S. 353.--Von Nagasaki durch die Binnenlandsee nach
       Kōbe S. 354.--Shimonoseki S. 355.--Eisenbahn von
       Shimonoseki nach Kōbe S. 358.--Kōbe-Hyōgo S.
       361.--Eisenbahn von Kōbe über Ōsaka und Nara
       nach Kyōto S. 365.--Kyōto S. 369.--Von Kyōto
       über den Hiyeisan zum Biwasee S. 377.--Ōtsu.
       Hozugawa (Katsuragawa) S. 378.--Katsura no Rikyū.
       Mamoyama. Eisenbahn von Kyōto über Nagoya nach
       Yokohama S. 379.--Yamada S. 381.--Futami S.
       382.--Kunō-zan S. 383.--Fuji-no-yama
       S. 384.--Miyanoshita. Über den Hakonesee nach
       Atami S. 386.--Yokohama S. 388.--Kamakura S.
       391.--Enoshima S. 392.--Tōkyō S. 393.--
       Nikkō S. 404.--Chūzenjisee S. 407.--Yumotosee.
       Shiranezan. Kirifuri-no-taki. Nyohō-zan S.
       408.--Ikao-Harunasee-Harunatempel S. 409.

 18. Von Yokohama über Honolulu nach San Francisco               411-423
       Stiller Ozean S. 411.--Haiwai-(Sandwich-) Inseln S. 413.
       --Honolulu S. 416.--Hawai S. 421.--Kilauea.
       Mauna Kea. Mauna Loa S. 422.

     Register 424-436

       *       *       *       *       *

     _=[Hand] Wem der Umfang des Buches zu groß sein sollte, dem ist die
     Möglichkeit gegeben, es in zwei selbständige Teile zu zerlegen
     (Einlegedecken dazu sind in den Buchhandlungen für 50 Pf. zu
     haben); man zerschneide zu diesem Zweck das Rückenband des Buches
     zwischen den Seiten 20 und 21, 212 und 213, und erhält dann die
     Hefte: I. Vorderindien, Hinterindien, Sumatra, Java;-- II. China,
     Philippinen, Sibirische Bahn, Korea, Japan.=_



Verzeichnis der Karten und Pläne des ersten Teils.


Karten.

                                                             Seite

  Weltreise, _vor dem Titel_.

  Länder des Mittelmeers mit den Häfen Port Saïd und Suez       22

  Rotes Meer und Suezkanal                                      30

  Asien, Übersicht                                              40

  Ostindien, nördlicher Teil                                    64
    -- südlicher Teil                                           96

  Ceylon, _im Text_                                            106

  Mittel-Ceylon                                                114

  Hinterindien mit Java                                        155

  Penang-Singapore, _im Text_                                  162

  Französisch-Indochina                                        177

  China und Japan                                              215

  Hongkong-Kanton-Macao                                        219

  Länder des Gelben Meers                                      271

  Tientsin -- Peking mit Umgebung von Peking                   275

  Sibirische Bahn                                              301

  Japan                                                        337

  Japanische Binnenlandsee                                     356

  Tōkyō -- Fuji-no-yama                                        384

  Ikao-Haruna, _im Text_                                       410

  Hawai-Archipel mit Umgebung von Honolulu, _im Text_          414

  Weltverkehrskarte                                            424


  Pläne.

  Port Saïd, auf der Karte                                      22

  Suez, auf der Karte                                           22

  Aden, Lageplan, _im Text_                                     38

  Bombay                                                        53

  Simla, auf der Karte                                          64

  Darjeeling, auf der Karte                                     64

  Delhi, _im Text_                                              71

  Agra, _im Text_                                               84

  Benares, _im Text_                                            91

  Madras, _im Text_                                            101

  Colombo, _im Text_                                           111

  Anuradhapura, _im Text_                                      120

  Tempel in Madura, _im Text_                                  126

  Calcutta                                                     134

  Rangoon, _im Text_                                           147

  Mandalay, _im Text_                                          152

  Singapore, Lageplan                                          166

  Bangkok, Lageplan, _im Text_                                 172
    -- Stadtplan, _im Text_                                    174

  Saïgon, _im Text_                                            180

  Batavia, Stadtplan                                           195
    -- Lageplan, _im Text_                                     196

  Soerabaja, _im Text_                                         209

  Macao, auf der Karte                                         219

  Hongkong                                                     220

  Kanton                                                       226

  Manila, Lage- und Stadtplan, _im Text_                       237
    -- Plan der innern Stadt, _im Text_                        239

  Schanghai, innere Stadt                                      246
    -- Umgebung                                                252

  Tsingtau                                                     267
    -- Umgebung                                                267

  Port Arthur, auf der Karte                                   271

  Tientsin, auf der Karte                                      275

  Peking                                                       280

  Moskau                                                       305

  Wladiwostok, _im Text_                                       321

  Dairen (Dalny)                                               326

  Nagasaki, _im Text_                                          350

  Kōbe-Hyōgo, _im Text_                                        363

  Ōsaka, _im Text_                                             366

  Kyōto und Umgebung                                           369

  Nagoya, _im Text_                                            381

  Yokohama                                                     388

  Tōkyō                                                        393

  Nikkō und Umgebung, _im Text_                                405

  Honolulu, _im Text_                                          418

       *       *       *       *       *

  Flaggentafel                                                  18

  Hausflaggen und Schornsteinabzeichen                          18


Abkürzungen.

  abds.          = abends.
  B.             = Bedienung.
  bzw.           = beziehungsweise.
  c.             = Cent.
  d              = Pence (engl.).
  Di.            = Dienstag.
  Dîn., Dinn.    = Hauptmahlzeit.
  $              = Dollar.
  Do.            = Donnerstag.
  F.             = Frühstück.
  Fr.            = Franc (franz.).
  Fr.            = Freitag.
  Hst.           = Haltestelle.
  km             = Kilometer.
  L. (l.)        = links.
  £              = Pfund Sterling.
  m              = Meter. Die beigefügten Zahlen (75 m) geben die
                          _Höhe über dem Meer_ an.
  M              = Meile (engl., amerik.).
  M.             = Mark.
  Mi.            = Mittwoch.
  Min.           = Minuten.
  Mitt.          = Mittagessen.
  Mo.            = Montag.
  m. W.          = mit Wein.
  N.             = Norden.
  Nm.            = Nachmittag.
  NO.            = Nordosten.
  nö.            = nordöstlich.
  NW.            = Nordwesten.
  nw.            = nordwestlich.
  O.             = Osten.
  Pens.          = Pension (mit Zimmer).
  Pens. o. Z.    = Pension ohne Zimmer.
  Pes.           = Peseta.
  PTF            = Post, Telegraph, Fernsprecher.
  R.             = Route (Abschnitt des Buches).
  R. (r.)        = rechts.
  S.             = Seite.
  S.             = Süden.
  Sa.            = Sonnabend.
  Seem.          = Seemeile.
  Sh.            = Shilling (engl.).
  So.            = Sonntag (u. Festtag).
  SO.            = Südosten.
  sö.            = südöstlich.
  St.            = Stunden.
  Stat.          = Station.
  SW.            = Südwesten.
  sw.            = südwestlich.
  T.d'h.         = Table d'hôte.
  Tel. od. T     = Telegraph.
  ü. M.          = über dem Meer.
  Vm.            = Vormittag.
  w              = Werst (1,06 km).
  W.             = Westen.
  Z.             = Zimmer.

Eingeklammerte Buchstaben mit Zahlen, z. B. (C4), (CD5), (F2, 3), sind
Verweisungen auf die Quadrate des betreffenden Stadtplans.

Die bei den Gasthöfen angegebenen Zimmerpreise verstehen sich für Ein
Bett, einschließlich Licht und Bedienung, falls für letztere beide ein
besonderer Preis nicht angeführt ist.

Die Angaben vor einer Ortsbezeichnung und _in Klammer_, z. B. (18 km)
_Batavia_, (1-1/2 St.) _Johore_, bedeuten stets die Entfernung des Orts
vom _Ausgangspunkt der Strecke_; die Angaben _ohne Klammer_ im laufenden
Text bezeichnen die Entfernung von der _zunächst vorher gemachten
Zeitangabe_; z. B. »zuerst zum _Leuchtturm_ 1/4 St., dann durch Wald 1/2
St. nach _Gasturi_ und weiter in 1-1/4 St. zum (2 St.) _Biwa-See_.«



Einleitung zur Weltreise.


Der Pulsschlag des deutschen Volkes ist auf dem ganzen Erdenrund
fühlbar. Deutscher Unternehmungsgeist betätigt sich heutzutage in den
fernsten Gegenden der Erde, in den Bergwerken Sibiriens und Koreas wie
auf den Zuckerpflanzungen der glücklichen Sandwichinseln mitten im
Stillen Ozean. Allerwärts in der Alten wie Neuen Welt findet man
angesehene Handelshäuser, große technische Unternehmungen,
wissenschaftliche Anstalten, von Deutschen begründet oder von Deutschen
geleitet. Nach diesen Plätzen in weiter Ferne spinnen sich unzählige
Verkehrsfäden von der Heimat aus, alle sind durch feste Bande deutscher
Empfindung mit dem Vaterlande verknüpft; sie sind Brennpunkte, wohin
alljährlich jugendfrischer Nachwuchs hinausströmt, um die deutsche Kraft
mitten im friedlichen, doch scharfen Wettbewerb zwischen den Völkern der
Erde zur Geltung zu bringen und sich selbst da draußen eine
Lebensstellung zu schaffen. Diesen Vorkämpfern der Ausbreitung deutschen
Wesens in fernen Landen soll der »Weltreiseführer« ein treuer Begleiter
und Berater sein; sie in erster Linie werden für ihre Reisen wie auch
für die nähere und weitere Umgebung ihres Wirkungskreises das Sehens-
und Wissenswerteste in ihm verzeichnet finden.

In unsrer Zeit, die unser seekundiger Kaiser das Zeitalter des Verkehrs
getauft hat, beginnt aber auch der deutsche Vergnügungsreisende die
Scheu vor langer Seefahrt mehr und mehr zu überwinden. Zahlreiche
deutsche Weltreisende haben als besten Gewinn ihrer weiten Fahrten
weltmännischen Blick und reifes Urteil über das Völkergetriebe unsers
Planeten heimgebracht. Seitdem wächst überall in deutschen Landen
die Sehnsucht, ferne Länder, Meere und Völker mit eignen Augen zu
schauen, Stätten uralter oder junger, überreifer oder unreifer
Kultur zu betreten, Lebensart fremder Völker kennen zu lernen, um
Vorzüge und Fehler des eignen Kulturlebens an ihnen zu messen und
den eignen Gesichtskreis zu erweitern. Darum ist eine Weltreise ein
Vergnügen im besten, gediegensten Sinne des Wortes. Schon vor einem
Vierteljahrhundert konnte ein bekannter Weltreisender aussprechen, »daß
heutzutage eine Reise um die Welt ganz und gar kein Kunststück, sondern
vielmehr ein köstlicher, wenn auch mitunter etwas schwer zu erringender
Genuß ist«. Inzwischen ist das Reisen auf dem großen Reisewege um
die Erde sehr bequem geworden, wenn man die richtigen Gelegenheiten
auszunutzen versteht.--Der »Weltreiseführer« gestattet freie Wahl
für den besten Weg; er führt durch den Suezkanal nach Vorderindien,
Ceylon, Hinterindien, Java, China, Korea und Japan, dann über die
Sandwichinseln und San Francisco auf den großen Pacificbahnen nach
New York und von da nach Europa zurück; verschiedene Seitenausflüge,
z. B. nach Abessinien, Sumatra, Siam und den Philippinen, sind
eingeflochten; auch ist der Weg durch Rußland auf der Sibirischen Bahn
mit beschrieben, den Reisende, die nur Asien besuchen wollen, zur
schnellern Rückreise benutzen werden.

Ob die Weltreise ostwärts oder westwärts am zweckmäßigsten auszuführen
sei, das hängt davon ab, wann die Reise begonnen wird und welchem Lande
der Reisende längern Aufenthalt widmen will. Da die alte Kulturwelt
Ostasiens mit ihrem Völkergemisch dem gebildeten Deutschen viel mehr
Wunder zu weisen hat als das moderne Amerika, und es wohl logischer ist,
mit dem Ausgang der Kultur zu beginnen und mit dem Lande der jüngsten
Kulturentwickelung zu schließen, empfiehlt sich die Ostwärtsreise, wie
der »Weltreiseführer« sie schildert, weil erfahrungsgemäß die meisten
Reisenden gegen Ende der Reise nicht mehr den gleichen Genuß an
Reiseeindrücken empfinden. Wer schnell nach Japan reisen und dort
längere Zeit verweilen will, tut gut, westwärts, über Amerika, zu
fahren, falls er nicht den Landweg über Sibirien vorzieht, der für
Ostasien der schnellste Reiseweg ist. Reisende nach Ostindien,
Insulindien und Indochina wählen stets den östlichen Reiseweg.

=Reisezeit.= Für _Indien_ ist die beste Zeit Mitte November bis Mitte
März, für die nördl. Gegenden auch etwas früher und später; unbedingt
meiden sollte man den Aufenthalt im April, Mai und Juni, weil ungesund.
Für _Ceylon_ ist Mai, September, Oktober, November und für das Gebirge
Januar bis März die günstigste Zeit. Für _Java_ empfiehlt sich Mai und
Juni (die Regenzeit ist November bis April); für die _Philippinen_
Januar und Februar (Regenzeit August bis Dezember); für _Indochina_
November bis Februar. Für _China_ und _Japan_ ist die beste Zeit der
Frühling (in Japan die Zeit der Kirschblüte, April und Mai) und der
Spätherbst von Mitte Oktober bis Mitte Dezember, in China auch der
Winter bis zum April.

=Reiseplan.= Um den in Ostasien meist heißen und nassen Sommer zu
meiden, tut man gut, Europa im Hochsommer oder Anfang Herbst zu
verlassen, wobei freilich zu beachten bleibt, daß die Fahrt durchs Rote
Meer zwischen Port Saïd und Aden, d. h. etwa 5 Tage lang, im Sommer sehr
heiß ist; im Golf von Aden trifft man meist frische Winde. Im Oktober,
November und Dezember, der Hauptreisezeit, muß man Plätze auf den
Dampfern nach Indien und Ostasien schon lange im voraus bestellen.
August und September sind die Hauptzeit für Reisen von Europa nach den
Vereinigten Staaten, für diese Monate ist Vorausbestellung der Plätze
dringend nötig. Wer eine etwa einjährige Reise rund um die Erde machen
will, verzichte darauf, alle im Reiseführer beschriebenen Länder
Ostasiens zu besuchen. Er wird etwa im August von Triest nach Bombay
oder von Genua nach Colombo fahren, dann quer durch Indien nach Calcutta
(September und Oktober für Indien), von da über Rangoon und Singapore
(November) nach Java (Dezember) und wieder über Singapore nach Saïgon
und Hongkong (Januar), dann Schanghai, Tsingtau, Peking (Februar),
Hankau, Yangtsefahrt (März), über Schanghai nach Nagasaki,
Kobe-Kyōto-Tōkyō-Nikko (April, Mai), Honolulu (Juni), San
Francisco-New York (Juli).

=Rundreise= nach dem Spezialprogramm der Weltreise 1912 des Reisebureaus
der =Hamburg-Amerika Linie=: _=Ostwärts=_ (7-1/2 Monate): Ab Berlin über
Triest nach Bombay;--_Vorderindien_ (Jaipur, Delhi, Agra, Benares,
Calcutta, Darjeeling);--von Madras über Trichinopoly, Madura, Tuticorin
nach _Ceylon_ (Colombo, Kandy, Nuwara Eliya);--_Singapore_;--_Java_
(Batavia, Weltevreden, Buitenzorg, Garoet, Papandajan, Djokjakarta,
Soerabaja, Toesari, Bromo);--_China_ (Saïgon, Hongkong, Canton,
Schanghai, Tsingtau, Tientsin, Peking, Hankau, Schanghai);--_Japan_
(Kobe, Osaka, Kyōto, Nara, Miyanoshita, Yokohama, Tōkyō,
Nikko);--_Sandwich-Inseln_ (Honolulu);-- _Nordamerika_ (San Francisco,
Monterey, Yosemitetal, Yellowstone Park, Salt Lake City, Manitou,
Denver, Chicago, Niagara Falls, Hudson, Washington, Philadelphia, New
York);--von New York nach Hamburg. Ausführliche Programme beim
Reisebureau der Hamburg-Amerika Linie erhältlich.

=Reiseplan des Norddeutschen Lloyd= für 1912 (etwa 225 Tage): Ab Genua
über Neapel, Port Saïd, Suez, Aden nach Colombo-Kandy-Nuwara Eliya,
Colombo-Madura, Madras, Bombay, Jaipur, Delhi, Agra, Benares,
Darjeeling, Calcutta, Rangoon, Penang, Singapore, Batavia, Buitenzorg,
Garoet, Djokjakarta, Batavia, Singapore, Hongkong, Canton, Macao,
Hongkong, Schanghai, Tsingtau, Tientsin, Peking, Nankou, Peking,
Tientsin, Tschifu, Tsingtau, Schanghai, Nagasaki, Kobe, Osaka, Nara,
Kyōto, Miyanoshita, Yokohama, Tōkyō, Nikko, Yokohama, Honolulu,
San Francisco, Yosemitetal, Monterey, Yellowstone Park, Salt Lake City,
Manitou, Denver, Chicago, Niagara Falls, Albany, New York, Washington,
Philadelphia, New York, Bremerhaven, Bremen.

Wer seinen Reiseplan selbst aufstellen will, lese den »Weltreiseführer«
und die unter Reiseliteratur (auch bei den einzelnen Ländern)
angegebenen Reisebeschreibungen _vor_ Aufstellung des Plans, um je nach
Neigung die Länder auszuwählen, wo bei günstigster Reisezeit längerer
Aufenthalt erwünscht ist. Das Reisebureau der Hamburg-Amerika Linie
veranstaltet auch Reisen nach Indien, Ceylon, Java, China, Japan und
zurück mit der Sibirischen Bahn nach besonderm Programm. Es ist
unmöglich, alle zweckmäßigen Zusammenstellungen für die Weltreise, die
in hundertfältiger Weise genußreich ausgeführt werden kann, zu
beschreiben; es muß genügen, daß der »Weltreiseführer« alle Haupt- und
Nebenwege zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten angibt. Mit Hilfe
des »Weltreiseführers« kann der Reisende auch unterwegs nach Bedarf und
Wahl seinen Plan ändern, Seitenfahrten in seltener besuchte Länder (z.
B. Abessinien, Sumatra, Birma, Siam, Philippinen, Korea usw.) ausführen.

=Reisegesellschaft.= Solange die Weltreise nicht in Plätze führt, die
weit abseits vom Hauptstrom des Reiseverkehrs liegen, können auch Damen
unbedenklich allein reisen; besonders gilt dies für alle englischen und
amerikanischen Länder wie auch für Niederländisch-Indien und Japan; fast
überall reist man dort in den Gebieten des lebhaftem Europäerverkehrs
so sicher wie in Deutschland. Nur Ausflüge ins Innere von Ländern wie
Birma, Siam, China, Korea und die Philippinen unternimmt man besser mit
einem Gefährten zusammen, zumal sich auch dadurch viele Nebenausgaben
verringern.

=Gesellschaftsreisen= nach festem Plan unternehmen unter andern das
_Reisebureau der Hamburg-Amerika Linie_ (Berlin W. 64, Unter den Linden
8) jährlich auf etwa 7-1/2 Monate zum Preise von 11900 Mark (gewöhnlich
Mitte Januar beginnend), oder der _Norddeutsche Lloyd_ (Abteilung
Passage), Bremen, auf etwa 7-1/2 Monate für 11600 Mark (Schiff und Bahn
I. Kl., 50 kg Freigepäck), oder der _Österreichische Lloyd_ nach
Ostasien auf etwa 6 Monate für 8000 Mark (Mittelmeer- Reisebureau H.
Osc. Cahn & Co. in Hamburg 36, Neuer Jungfernstieg 6, Hauptagentur des
Österreichischen Lloyd übernimmt Leitung dieser Weltreisen, stellt auch
kombinierte Touren für Einzelreisende zusammen).--Auch unternimmt die
_Hamburg-Amerika Linie_ jährlich zwei je viermonatliche
=Vergnügungsreisen um die Welt= auf einem ihrer großen Ozeandampfer zum
Preise von 2750-34000 Mark (eingeschlossen programmäßige Landausflüge
und Eisenbahnfahrt zwischen San Francisco und New York); Abfahrt im
November von Neapel ostwärts, im Februar von San Francisco westwärts,
Anschluß zur Fahrt zwischen Hamburg und New York auf einem beliebigen
Dampfer der Gesellschaft. Ausführliche Prospekte bei der Hamburg-Amerika
Linie erhältlich.--Wer sich einer solchen Gesellschaftsreise anschließt,
ist aller Sorgen bei den Ausflügen überhoben, muß allerdings auf freie
Wahl der Orte und auf längern Aufenthalt an Orten, die ihm besonders
gefallen, sowie überhaupt auf Bewegungsfreiheit, die höchste Lust des
Reisephilosophen, verzichten; dafür werden ihm in kurzer Zeit viele
Sehenswürdigkeiten programmgemäß vorgeführt. Da diese Reisen nur in
zusammenpassender Gesellschaft erträglich sind, erkundige man sich
vorher genau nach den Teilnehmern der Fahrt. In den genannten
Reisebureaus erhält man auch Fahrkarten für selbständige Weltreisen und
Auskunft über die neuesten Fahrpläne aller Dampferlinien und
Eisenbahnen, die für die Weltreise in Betracht kommen. Die Zweigbureaus
sind im Text überall genannt.--Das englische Reisebureau von _Thos. Cook
& Son_ (London, E. C. Ludgate Circus) hat Filialen in allen Hauptplätzen
der Erde (sie sind im Text des Buches genannt) und unternimmt ebenfalls
die Führung von Reisegesellschaften, die aber meist aus Engländern
bestehen. Monatlich erscheint _Cook's Ocean Sailing List_ mit
praktischen Winken für See- und Weltreisende, deren Beschaffung vor
Antritt der Reise sehr zu empfehlen ist, da sie sehr genaue Übersichten
über die neuesten Fahrpläne und Fahrpreise bietet, besonders auch für
Reisen um die Welt.

=Reiseausrüstung.= Je weniger Gepäck, desto besser; indessen muß man für
eine Weltreise sich doch gründlicher ausrüsten als für einen
Pfingstausflug. Auf Dampfern kann man meist viel Gepäck zu mäßigem
Preise mitführen (vgl. S. 12). Unentbehrlich ist ein Kabinenkoffer (90
zu 60 zu 33 cm), für den Gepäckraum ein größerer (bis zu 1/2 cbm Raum);
außerdem (möglichst wenig) Handgepäck, am besten feste Ledertasche und
Segeltuchsack (für wollene Decke, Stiefel und schmutzige Wäsche).

_Herrenkleidung_: zwei bequeme Reiseanzüge aus kräftigem Wollenstoff,
ein dunkler warmer, ein heller leichter; ein guter Gesellschaftsanzug
aus leichtem schwarzen Kammgarn mit Gehrock, Smoking und Frack, der im
Ausland unentbehrlich ist, da überall bei Besuchen, im Klub, an der
Tafel auf Dampfern und in bessern Gasthöfen sehr viel mehr auf äußere
Form gegeben wird, als dies in Deutschland der Fall zu sein pflegt. Ein
Reitanzug aus derber Reithose mit Flanellhemd und Flanelljacke,
Leder- oder Wickelgamaschen. Weiße Waschanzüge sind schon im Roten Meer
unentbehrlich, daher nehme man etwa vier Paar Jackets nebst Beinkleidern
aus gutem Drillichstoff schon von Hause mit; später kann man den Vorrat
preiswürdig in Bombay, Colombo, Singapore oder Yokohama ergänzen. Anzüge
aus Rohseide (empfehlenswert) erhält man billig in Colombo etc.
Reichlichen Vorrat an Unterzeug, wollenes wie leichtes (seidenes kaufe
man in China); Netzunterjacken nach Lahmann oder Schießer sind sehr zu
empfehlen (sie schützen, wenn oft gewechselt, gegen den »Roten Hund«,
einen lästigen, stark juckenden, durch Schweiß und Baden im Salzwasser
hervorgerufenen ungefährlichen Hautausschlag, durch Frischwasserwaschung
und Einfetten mit Byrolin, Mentholsalbe oder ähnlichen Hautsalben zu
heilen); ferner reichlich farbige und weiße Hemdenwäsche (die überall
schnell gewaschen und dabei stark verdorben wird), leichte Schlipse,
wollene und leichte Strümpfe. An Schuhzeug: zwei Paar derbe, doch nicht
zu schwere Reiseschnürstiefel aus braunem Leder; Lackschuhe (für den
Frackanzug), weiße Segeltuchschuhe (unterwegs einkaufen); ein Paar
schwarze, kräftige Stiefel mit Doppelsohlen, innere Sohle Leder, äußere
Sohle Gummi, zum Gebrauch an Bord bei schlechtem Wetter. Reisehut,
Klapphut, blaue und weiße Schiffsreisemütze mit Schirm oder Sportmützen
(leichte und wärmere), Strohhut; Tropenhelm kauft man in Port Saïd
(meist schlecht), in Bombay etc. (sehr gut) in den verschiedensten
Formen. Warmer Reisemantel (»Mackintosh«) ist unentbehrlich, leichter
Staub- und Regenmantel zweckmäßig; dazu Plaid oder eine seidene oder
Kamelhaardecke. Sonnenschirm kaufe man unterwegs. Zwei tüchtige
Leibbinden, zwei seidene Halstücher, Glacéhandschuhe (in Stanniol
gewickelt oder in kleiner Blechbüchse verlötet, weil sie im feuchten
Tropenklima Stockflecke bekommen); Vorrat der Lieblingszigarren
(ebenfalls in Blechkasten verlöten!). Visitenkarten mit heimischer
Adresse und Lebensstellung (lateinische Buchstaben). Wer einen
photographischen Apparat mitnimmt, verpacke die Films oder Platten
sorgfältig in Blechbüchse, mit Heftpflaster verklebt, da sie sonst durch
Seeluft sehr leiden; auch lasse man nach Aufnahme _bald_ entwickeln,
was, ebenso wie das Abziehen, in allen größern Plätzen ausführbar, in
China und Japan z. B. sehr gut.

_Damenkleidung_ unterliegt verschiedeneren Ansprüchen als die
Herrenkleidung. Unentbehrlich ist für Damen ein dickes englisches
Reisekleid mit sehr fußfreiem Rock und Paletot, dazu passend in der
Farbe Mütze und Blusen; ferner ein weißwollenes oder hell gestreiftes
Kostüm mit weißseidener und Batistbluse nebst weißer Mütze für die
Seefahrt; ein dunkles Foulard- oder ganz leichtes Alpakakleid für
Bahnfahrten in Indien, Japan etc.; ein Nachmittagskleid und zwei
Abendtoiletten, darunter eine dekolletiert; drei weiße Waschkleider,
einfach gemacht und einige Blusen mehr. Ein warmer Reisemantel (Ulster)
und ein gegen Regen imprägnierter Staubmantel, ferner ein leichter
Schlafrock für Schiff und Nachtfahrten mit der Bahn. Unterzeugausrüstung
ähnlich wie für Herren; Ergänzung für die Tropen ist sehr billig und
zweckmäßig in Port Saïd bei _Simon Arzt_ oder in Bombay im _Army &
Navy-Basar_ zu kaufen, ebenfalls Tropenhut, Schirm, Schuhe und Razais
(baumwollene Steppdecken als Matratze für indische Schlafwagen). An
Schuhzeug: ein Paar feste braune Lederstiefel, ein Paar weiße
Segeltuchstiefel, je ein Paar braune und weiße Halbschuhe, ein Paar
Gesellschaftsschuhe und ein Paar elegante Morgenschuhe (auf dem Schiff
zu tragen). Strümpfe hauptsächlich dünn und hellfarbig. Leibbinden sind
auch für Damen dringend zu empfehlen und von Port Saïd an zu tragen.
Sehr nützlich sind etwa sechs kleine Seidenbeutel zum Anhängen, um
nachts Toilettensachen, wie Haarnadeln, Schmucksachen etc.
unterzubringen, weil der Raum in der Kabine beschränkt ist und beim
Schlingern alles vom Tischchen fällt.

In der Toilettenreisetasche sorge man für kleines Nähzeug mit
Reserve-Hemd- und Hosenknöpfen etc., für Nagelschere, Pflaster,
Verbandwatte und etwas Verbandstoff sowie »russische« Choleratropfen und
andre Augenblicksheilmittel in einer kleinen Reiseapotheke
zusammengestellt; wobei Chinin und Rizinus nicht vergessen werden
sollten. Ein Vorlegeschloß kann zuweilen nützlich sein. Ferner ein
kräftiges Taschenmesser mit Kork- und Schraubenzieher nebst Dosenbrecher
(für Konservenbüchsen). Revolver oder Browningpistole, in Ledertasche am
Gürtel unter der Jacke zu tragen, ist nur außerhalb der
Hauptverkehrsgebiete erforderlich; Büchse oder Jagdflinte ist je nach
dem Zweck der Reise auszuwählen, doch ist zu beachten, daß die Einfuhr
von Waffen in manchen Ländern nur mit obrigkeitlicher Erlaubnis
gestattet ist, auch tragen Waffen meist hohen Einfuhrzoll (der beim
Austritt nur manchmal zurückvergütet wird). Wer die Handwaffe
verheimlicht, kann damit, zumal in den Vereinigten Staaten, in recht
üble Lage geraten. Ein gutes Doppelfernglas und ein guter, nicht zu
kleiner Kompaß sind unentbehrlich, ein (vorher geprüfter)
Aneroid-Barometer (oder Hypsometer) angenehm.

     =Reiseliteratur.= Für die Vorbereitung zur Reise besonders zu
     empfehlen: _Victor Ottmann_, Rund um die Welt (Berlin 1905);
     _Julius Meurer_, Weltreisebilder (Leipzig 1906); _Cäcilie v. Rodt_,
     Reise einer Schweizerin um die Welt (Neuenburg 1903); _A. G.
     Plate_, Der ferne Osten (Bremen 1907); _Doflein_, Ostasienfahrt
     (Leipzig 1906); _Walter Frhr. v. Rummol_, Erster Klasse und
     Zwischendeck (Berlin 1912); _K. Günther_, Einführung in die
     Tropenwelt (Leipzig 1911); als medizinischer Ratgeber: _Kohlstock_,
     Ratgeber für die Tropen (Stettin 1910). Spezielle Literatur ist bei
     den einzelnen Ländern erwähnt.

Die =Reisekosten= richten sich natürlich nach den Ansprüchen des
Weltreisenden; man muß 1200-1800 M. monatlich, einschl. Fahrpreise, also
für die Gesamtkosten, bei einer etwa sechsmonatigen Reise rechnen;
längere Reisen sind entsprechend billiger, kürzere teurer für jeden
Monat. Eine Weltreisekarte Tour 1, via Japan und China, des
_Norddeutschen Lloyd_ kostet 2695 M., 2 Jahre gültig, nicht übertragbar;
mit solcher Karte würde eine dreimonatige Reise um die Erde etwa 5000
M. kosten. Die 7-1/2 monatige Gesellschaftsreise um die Erde des
Reisebureaus der _Hamburg-Amerika Linie_ kostet für 1912: 11900 M.,
Kosten der viermonatigen Vergnügungsreise s. S. 4.

=Reisegeld, Geldverhältnisse.= Bargeld nehme man für eine Weltreise
wenig mit. Auf den Dampfern gilt das Geld der Landesflagge, also
deutsches auf den deutschen Linien etc. Für den Bedarf der ersten
Tage versehe man sich mit kleinen Banknoten oder etwas Gold- und
Silbergeld des nächsten Hafenplatzes schon im voraus im letzten
Abgangshafen oder an Bord beim Zahlmeister oder Obersteward (meist
etwas teurer). Beim Geldwechseln unterrichte man sich vorher genau
über den Wert des fremden Geldes, bevor man sich den in jedem Hafen an
Bord kommenden Wechslern anvertraut. Im übrigen versehe man sich schon
in Deutschland mit einem _Weltkreditbrief der Disconto-Gesellschaft
in Berlin W._, Unter den Linden 35, oder einer andern größern Bank
in Deutschland, der den großen Vorteil bietet, an allen größern
fremden Hafenplätzen und Binnenstädten nach Bedarf Geld abzuheben;
jedem Weltkreditbrief wird eine Liste von Korrespondenten (bei der
Disconto-Gesellschaft am zahlreichsten, etwa 2000) beigefügt, bei
denen die Weltkreditbriefe ohne vorhergehendes Avis zahlbar sind,
und die auch in andern Angelegenheiten dem Reisenden Ratschläge und
Auskünfte erteilen. Im »Weltreiseführer« sind für alle Plätze die
Korrespondenten der Disconto-Gesellschaft in Berlin, der Deutschen
Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig unter
»Banken« angeführt. _Reise-Schecks des Reisebureaus der Hamburg-Amerika
Linie_ werden in Verbindung mit der Disconto-Gesellschaft vorläufig
im Werte von 50 und 100 M. sowie von $ 10, 20, 50 und 100 ausgegeben,
als Zahlungsmittel auf der Weltreise. Auch der _Norddeutsche Lloyd_
gibt derartige Schecks aus. Diesen Schecks sind die Gegenwerte der
meistbesuchten Länder aufgedruckt (vgl. die Münztabelle); sie werden
wie die Weltkreditbriefe an etwa 2000 Bankzahlstellen im In- und
Ausland (zum Tageskurs) eingelöst. Der Käufer der Schecks erhält
zugleich ein Einführungsschreiben, das er persönlich unterschreiben
muß; bei Einlösung eines Schecks ist das Schreiben vorzuzeigen und
gleichzeitig die eigene Unterschrift in Gegenwart des die Zahlung
leistenden Bankkorrespondenten auf die Rückseite des Schecks zu setzen.
Diese Reise-Schecks haben 3 Jahre Gültigkeit, werden aber nur im ersten
Jahre bei allen im Einführungsbrief aufgeführten Firmen eingelöst; im
zweiten und dritten Jahre können sie nur noch bei der Direktion der
Disconto-Gesellschaft in Berlin eingelöst werden; später verfallen sie.

=Reisepaß= sollte jeder Weltreisende zur Legitimation bei sich führen.
Für Rußland bestehen besondere Vorschriften, auch für den
Durchgangsverkehr auf dem sibirischen Landweg, vgl. S. 301. Für Reisen
auf Java (S. 194) ist ebenfalls ein Paß vorgeschrieben, in Indochina ist
er oft nützlich. In China besorgt der deutsche Konsul des Ankunftshafens
einen Reisepaß für die chinesischen Behörden, wenn man ins Innere reisen
will; dazu sind auch Visitenkarten in chinesischer Schrift (mit Namen,
Rang, Heimat und Reisezweck) erforderlich. Innerhalb eines Landes
besorgen auch oft die Gasthöfe die Pässe.

=Zollwesen= macht in Asien weniger Schwierigkeiten als bei Reisen
innerhalb der europäischen Zollvorschriften. Näheres im Texte des Buches
bei den Ankunftshäfen.

=Konsulate.= Man suche nach der Ankunft sein Konsulat auf und gebe dort
seine Karte ab (schon wegen dahin nachgeschickter Briefe), belästige
aber die Konsulatsbeamten nicht mit Kleinigkeiten, suche nur ihre
Unterstützung, wo man von fremden Behörden und deren Beamten nicht mit
gebührender Achtung behandelt wird. In Ägypten, Siam und China steht der
Deutsche unter deutscher Konsulargerichtsbarkeit, sonst überall unter
der Gerichtsbarkeit des Landes, wo er sich aufhält.

=Eisenbahnen.= Das Reichskursbuch enthält die Fahrpläne für die
Sibirische Bahn Berlin-Mandschuria-Wladiwostok, für die Nordchinesische
und die Schantung-Eisenbahn. Die Fahrpläne der übrigen Bahnen etc. muß
man sich an Ort und Stelle beschaffen.

=Dampferlinien.= _Norddeutscher Lloyd in Bremen_ (Abteilung Passage,
Papenstraße; Belegung von Dampferplätzen kann auch in dessen
Hauptagenturen, z. B. Berlin, Unter den Linden 5/6; ferner durch
Reisebureaus, wie das _Weltreisebureau Union_, Berlin, Unter den Linden
22; das _Amtliche Bayerische Reisebureau_ in München, Promenadeplatz 16;
_Thos. Cook & Son_, London, E. C. Ludgate Circus; _Schenker & Co._, Wien
I, Schottenring, u. a. erfolgen): Reichspostdampfer alle 14 Tage nach
Ostasien (abwechselnd von Hamburg und Bremerhaven) über Rotterdam (nur
die Dampfer von Bremerhaven), Antwerpen, Southampton, Gibraltar, Genua,
Neapel (hier können Reisende von Berlin 14 Tage nach Abfahrt des
Dampfers aus Deutschland ihn mit der Bahn noch erreichen), dann über
Port Saïd, Suez, Aden, Colombo, Penang, Singapore (Anschluß nach Bangkok
und Batavia etc.), Hongkong (Anschluß nach Manila), Schanghai (Anschluß
nach Hankau), Tsingtau (nur die Dampfer von Hamburg), Nagasaki (nur die
Dampfer von Bremerhaven), Kobe, Yokohama und ebenso zurück (ohne
Anlaufen von Rotterdam). Vgl. Reichskursbuch Nr. 697. Außerdem die
Australlinie bis Colombo, Reichskursbuch Nr. 707a. Schnellpostdampfer
zwischen Bremerhaven und New York alle 8-14 Tage, vgl. Reichskursbuch
Nr. 711a in 7 Tagen.--Eine _Weltfahrkarte des Norddeutschen Lloyd_
kostet 2695 M. I. Kl. für Tour 1 via China und Japan; die Reise kann
westwärts oder ostwärts gemacht werden, die Fahrkarte ist 2 Jahre gültig
und nicht übertragbar. Reiseunterbrechung ist in jedem Hafen gestattet,
doch Anmeldung beim Agenten der betreffenden Gesellschaft erforderlich
mit Angabe, wann die Weiterreise angetreten werden soll. Anspruch auf
freien Platz auf dem Dampfer für die Weiterreise hat der Reisende nicht.
Alle Kosten am Lande hat der Reisende selbst zu tragen. Verlust der
Weltfahrkarte wird nicht vergütet. Die Weltfahrkarte gibt Anrecht auf
einen Platz in Außenzimmern niedrigster Preislage, wenn der Platz
rechtzeitig bestellt wird; bei Benutzung eines Innenzimmers tritt keine
Preisermäßigung ein. Die Anweisung für die Reise über den Atlantischen
Ozean kann in New York durch die Firma Oelrichs & Co. (in Bremen durch
den Norddeutschen Lloyd) ohne Nachzahlung auf Wunsch des Reisenden auf
eine andre atlantische Linie übertragen werden. Wenn der Weltreisende
sich in Gibraltar, Genua oder Neapel ein- oder ausschifft, ermäßigt sich
der Preis der Fahrkarte um 88 M. Der Preis erhöht sich um 110 M., wenn
man von Port Saïd nach Bombay mit Dampfer des Österreichischen Lloyd
fährt. Die Reisekosten von Bombay durch Indien bis Colombo sind in den
Fahrpreis nicht mit eingeschlossen. Statt des Reichspostdampfers von
Colombo nach Singapore darf man einen Dampfer der British India S. N.
Co. (nicht empfehlenswert!) von Calcutta nach Singapore benutzen.
Gleiches gilt für die Westwärtsreise, auf der man schon bei der
Platzbelegung in Ostasien anmelden muß, falls man die Reise in
Singapore, Penang oder Colombo unterbrechen will; Meldung beim
Schiffszahlmeister vor Abfahrt von Colombo ist erforderlich, wenn man in
Suez oder Port Saïd die Rückreise unterbrechen will. Von Japan nach San
Francisco berechtigt die Weltfahrkarte zur Fahrt mit den Dampfern der
Pacific Mail S. S. Co. und der Toyo Kisen Kaisha, wobei
Reiseunterbrechung in Honolulu (bei den japanischen Schiffen nicht über
30 Tage) zulässig ist. Eisenbahnfahrten in Japan hat der Reisende selbst
zu bestreiten. Die Weltfahrkarte gestattet auch, mit Küstendampfer des
Norddeutschen Lloyd von Singapore über Bangkok (mit Fahrtunterbrechung
dort) nach Hongkong ohne Mehrkosten zu reisen. Für die Bahnfahrt von San
Francisco via Chicago oder via St. Louis oder via New Orleans nach New
York sind die Reisenden berechtigt, sich einen der vielen auf der
Fahrkarte genannten Reisewege auszuwählen; die Reise kann in weniger als
fünf Tagen ausgeführt, aber auch an jedem größern Platz unterbrochen
werden, wenn man dies dem Zugführer vorher anmeldet. Mahlzeiten und
Schlafwagenbenutzung (s. II. Teil, S. 4) hat der Weltreisende selbst zu
zahlen. Wenn die Eisenbahnfahrt von San Francisco nach New York nicht in
die Weltfahrkarte eingeschlossen werden soll, ermäßigt sich deren Preis
um 210 M.--Bei _Einschiffung_ für die Reichspostdampfer in Bremen oder
Hamburg müssen die Reisenden am Tage vor der Abfahrt des Dampfers in
Bremen (Papenstraße 5/6) oder in Hamburg (Baumwall 3) sich zwischen 10
Uhr vormittags und 5 Uhr nachmittags melden und Verladung des Gepäcks
(das vorausgesandt werden kann) veranlassen. In Rotterdam legen die
Dampfer (von Bremerhaven kommend) am Rynhaven am Kai an; die Reisenden
tun gut, schon am Tage vorher sich bei Wm. H. Müller & Co., Willemsplein
5, zu melden. Antwerpen verlassen die Reichspostdampfer der
ostasiatischen Linie Montags, sie liegen am Quai van Dyck 20 und 21;
Agentur in Antwerpen von Bary & Co., Place de Meir 23, die Reisenden
müssen sich meist schon am Abend vor der Abfahrt einschiffen. Reisende,
die die Seefahrt durch die nordeuropäischen Gewässer scheuen, benutzen
den _Lloyd-Expreßzug_ (täglich früh 6 Uhr 55 Min. von Altona, Hamburg
über Bremen, Düsseldorf, Köln, Wiesbaden, Straßburg, Basel, Luzern etc.
nach Genua in 28 Stunden, Fahrpreis Hamburg-Genua 168,40 M.).
Empfehlenswert ist Platzvorausbestellung bei den Lloydagenturen, der
Internationalen Schlafwagengesellschaft, bei Thos. Cook,
Union-Weltreisebureau oder Schenker & Co. für den Lloydexpreßzug. Das
_eingeschriebene_ Gepäck der Passagiere, die mit Lloyddampfer von Genua
weiterfahren, unterliegt im Lloydexpreßzug keiner Zollrevision; man
mache den den Zug begleitenden Beamten der Internationalen
Schlafwagengesellschaft darauf aufmerksam. Diese Beamten übernehmen
Überführung des Gepäcks von Genua-Bahnhof an Bord des Dampfers gegen
1,50 Fr. Gebühr für jedes Gepäckstück. Genua verlassen die
Reichspostdampfer der Ostasiatischen Linie jeden Donnerstag Mittag 12
Uhr, 1 Stunde nach Ankunft des Lloydexpreßzugs. Wer den Lloydexpreßzug
nicht benutzt, schifft sich am besten in _Neapel_ ein; Abfahrt des
Dampfers von dort Freitags um Mitternacht, 14 Tage nach Abfahrt aus
Deutschland. Während der Bahnfahrt sollten diese Reisenden die
Zolluntersuchung ihres Gepäcks an der italienischen Grenze _selbst_
überwachen und sich vergewissern, daß es mit ihrem Zuge wirklich
mitkommt, da sonst ihr Gepäck [Hand] _trotz gegenteiliger Zusicherung
der Bahnbeamten oft nicht rechtzeitig nach Neapel kommt_! In Neapel
melde man sich sofort bei Aselmeyer & Co., Corso Re Umberto I
(Rettifilo) Nr. 6; dort erhält man eine kostenfreie Fahrkarte für den
Tender, der zu jeder vollen Stunde von Land zum Dampfer fährt. (Genauere
Angaben enthält das neueste »Handbuch des Norddeutschen Lloyd für die
Reichspostdampferlinien nach Ostasien und Australien«.)

_Hamburg-Amerika Linie_ (Hamburg, Ferdinandstraße 58/62 und Alsterdamm
25, Abteilung: Personenverkehr, Reisebureau in Berlin, Unter den Linden
8, s. S. 4). In Ostasien Anschlußlinie (Reichskursbuch Nr. 697) von
Schanghai nach Tsingtau, Tschifu und Tongku (Tientsin) sowie nach
Dairen; im Winter statt Tientsin nur Dairen (Dalny). Außerdem sind
mehrere Dampfer des ostasiatischen Frachtdampferdienstes zur Aufnahme
von Reisenden eingerichtet; diese Dampfer laufen von Hamburg nach
Penang, Singapore, Manila, Hongkong, Schanghai, Tsingtau, Tongku
(Tientsin), Yokohama und Kobe, einzelne auch bis Wladiwostok; auch die
Dampfer des arabisch- persischen Dienstes, die Port Sudan, Djibouti,
Aden, Maskat, Bender-Abbas, Lingah, Bahrein, Buschir, Basra, Mohammerah
anlaufen, nehmen gelegentlich Reisende mit.--Schnelldampfer zwischen
Hamburg und New York s. Reichskursbuch Nr. 711 a.

_Österreichischer Lloyd_ (Triest, Kommerzielle Direktion; Berlin,
Generalagentur: Unter den Linden 47) unterhält die Linien: Triest-
Bombay, monatlich zwei-(Mai-August ein-) mal, in 15-16 Tagen;
Triest-Calcutta (über Port Saïd, Suez, Port Sudan, Djibouti, Aden,
Karachi, Colombo, Madras und Rangoon) in 40-44 Tagen, am 12. und 25.
jedes Monats; Triest-Kobe (über Port Saïd, Suez, Aden, Bombay, Colombo,
Penang, Singapore, Hongkong, Schanghai, Yokohama, Kobe in 70-72 Tagen) am
27. jedes Monats ab Triest (Reichskursbuch Nr. 700). Auswechselbare
Rückfahrkarten mit den Messageries Maritimes. Billige Fahrpreise: nach
Bombay Salonkl. 33,6 und 30 £, je nach Kabinenlage; Intermed.-Kl. 23,6
£, nach Colombo 36 £, nach Rangoon 38,10 £, nach Calcutta 40,3 £, nach
Hongkong 44 £, nach Schanghai 47,6 £, nach Kobe und Yokohama 50,1 £.
Rückfahrkarten für alle Plätze mit zweijähriger Gültigkeit. (Man wähle
eins der neuern Schiffe.)

_Messageries Maritimes_ (Paris, Rue Vignon 1; Berlin, Unter den
Linden 17/18; Hamburg, Eug. Cellier, Dovenfleet 21) von Marseille
jeden zweiten Sonntag über Port Saïd, Suez, Djibouti oder Aden,
Colombo, Singapore, Saigon, Hongkong, Schanghai, Kobe nach Yokohama
in 38 Tagen, mit Anschlußlinien: Singapore-Batavia in 2 Tagen und
Colombo-Pondicherry-Calcutta in 5 Tagen (Reichskursbuch Nr. 699).
Außerdem monatlich die Australlinie nach Bombay (Reichskursbuch Nr. 707
b).

_Società Nazionale di Servizi Marittimi_ (Rom, Piazza Venezia 11), eine
Linie ab Genua am 17. jedes Monats über Neapel, Messina, Catania, Port
Saïd, Suez, Aden nach Bombay in 17 Tagen (Reichskursbuch Nr. 701); eine
Linie am 18. jedes Monats von Bombay über Singapore nach Hongkong.

Ferner: _Stoomvaart Maatschappij Nederland_ (Amsterdam, Prins
Hendrikkade 159-160) und _Rotterdamsche Lloyd_ (Rotterdam, Veerkade 8),
je alle 14 Tage von Amsterdam und Rotterdam und Anschluß an die Dampfer
des Österreichischen Lloyd ab Port Saïd nach Batavia, erstere über
Sabang und Singapore, letztere über Padang (Reichskursbuch Nr. 699
a).--_Peninsular and Oriental Steam Navigation Co._ (London, E. C. 122
Leadenhall Street) von London, Marseille und Brindisi wöchentl. nach
Bombay, 14tägig nach Singapore, Hongkong und Schanghai (schnellste
Fahrgelegenheit Brindisi-Bombay, dann mit Sonderzug nach Calcutta);
Erkundigung durch Cooks Reisebureau (Reichskursbuch Nr. 698 u. 707
c).--Für Fahrten im Roten Meer: _Khedivial Mail S. S. & Graving Dock
Co._ (Alexandrien) von Suez über Port Sudan oder Dschidda nach Suakin
und Aden (Reichskursbuch Nr. 698).--Für Fahrten nach und in
Vorderindien: _British India Steam Navig. Co._ (Reichskursbuch Nr.
698).-- Für Fahrten von Antwerpen nach Japan, Korea, Golf von Petschili
und Wladiwostok: _Nippon Yusen Kaisha_ (Reichskursbuch Nr. 703).--
Zwischen Wladiwostok und Schanghai sowie Tsuruga: _Russische Freiwillige
Flotte_ (Reichskursbuch 705).--_Pacific Mail und Toyo Kisen Kaisha_ von
Hongkong über Schanghai oder Manila, Kobe, Nagasaki, Yokohama, Honolulu
nach San Francisco (Reichskursbuch 704).-- _Canadian-Pacific S. S. Line_
ab Vancouver, _Nippon Yusen Kaisha_ und _Great Northern S. S. Co._ ab
Seattle nach Yokohama, Kobe, Nagasaki, Schanghai und Hongkong
(Reichskursbuch Nr. 704), die schnellste Verbindung zwischen Asien und
Amerika.--Für Fahrten von New York nach Europa: s. II. Teil, S. 201
(Reichskursbuch Nr. 711 a).--Die zahlreichen Küstendampferlinien sind im
Texte des »Weltreiseführers« da, wo sie in Betracht kommen, angeführt.

=Allgemeines über die Dampferfahrt.= Die Schiffe sind nicht gleichgroß
und bequem; auch die Kabinen jedes Dampfers sind sehr verschieden im
Wert, hinsichtlich Lüftung und Sonnenbestrahlung. Für die deutschen
Reichspostdampfer sind genaue Preislisten (für jedes Zimmer verschieden)
festgesetzt. Man suche stets Außenzimmer (mit Fenster nach außenbords)
zu erhalten, und zwar, der Hitze wegen, auf der der Sonnenbestrahlung
abgewendeten Seite des Schiffes. Man meide Zimmer in der Nähe der
Maschinen und über den Kesselanlagen sowie solche im Vorschiff. Die
besten Zimmer liegen in den Decksaufbauten des Mittel- und Hinterschiffs.
Je länger die Seefahrt, um so sorgfältiger sei man in der Wahl des
Zimmers. Auf englischen Schiffen ist es für Ausländer erfahrungsgemäß
sehr schwer, im voraus ein Zimmer zu belegen; man verliert den in
Aussicht gestellten guten Platz oft, wenn im letzten Augenblick noch ein
englischer Fahrgast sich um denselben Platz bewirbt. Deshalb sollte man
stets deutschen und österreichischen Schiffen den Vorzug geben; sogar
Engländer und Amerikaner bevorzugen deutsche Schiffe. Im Fahrpreis ist
die Verpflegung einbegriffen, auf einigen Linien (z. B. den
französischen und italienischen) auch leichter Tischwein. Die
Verpflegung ist die guter Gasthöfe (auf deutschen Schiffen
sogar »Mastkur« I. Ranges); 1/2 Stunde vor den Mahlzeiten Signal zur
Vorbereitung des Anzugs (Hauptmahlzeiten stets im Gesellschaftsanzug,
Gehrock oder Smoking). Früh bringt der Kabinensteward Tee mit Zwieback
auf Wunsch in die Kabine; dann 20 Min. Badezeit, die man mit dem
Bademeister genau verabreden muß; von 8-10 Uhr Frühstück im Speisesaal
(kalte und warme Fleischgerichte etc.); 11 Uhr bringen die Deckstewards
Fleischbrühe mit Brötchen; um 12 oder 1 Uhr »Tiffin« (zweites
Gabelfrühstück mit mehreren Gängen nach Wahl); um 4 Uhr an Deck Tee oder
Limonade mit Gebäck; 7 Uhr »Dinner« (Hauptmahlzeit mit 5-10 Gängen). Auf
den Reichspostdampfern vormittags und zum Dinner Konzert der
Bordkapelle; abends häufig Tanz und Festlichkeiten, auch Skat mit Bier
und amerik. Poker mit Whisky, bis Mitternacht. Die Trinkgelder am Ende
der Fahrt sind nicht unbeträchtlich: Obersteward und Kabinensteward
(etwa je 1/4), Tafelsteward, Decksteward, Bademeister oder Badefrau,
Gepäckmeister und Stiefelputzer (etwa je 1/8 des Gesamttrinkgeldes, das
bis Colombo etwa 40 M., bis Yokohama etwa 70 M. insgesamt ausmacht). Je
nach Leistungen genügt es auch, etwa 3 M. auf den amerikanischen und 2
M. auf den asiatischen Linien an Trinkgeld für den Tag zu rechnen, wenn
man keine besondern Anforderungen (durch Seekrankheit etc.) gestellt
hat. Seekranke, die an Mahlzeiten nicht teilnehmen, erhalten nach Bedarf
Tee und Gebäck vom Steward im Zimmer oder an Deck, ohne dafür zu zahlen.
Nebenausgaben beschränken sich auf Getränke, Wäsche und Speisen
außerhalb der Mahlzeiten.

_Seekrankheit_ zeigt sich auf großen Dampfern oft nur als leichtes
Unwohlsein, ähnlich wie nach zu reichlichem Genuß geistiger Getränke;
sie ist bei gehöriger Willensstärke zu überwinden, wenn man ihr von
vornherein geringe Bedeutung beilegt. Es empfiehlt sich, dem Magen durch
Leibbinde Wärme und Halt zu geben und ihn gut zu füllen, auch zwischen
den Mahlzeiten Rostbrot, Schokolade, Kakes, Rotwein zu sich zu nehmen.
Andre alkoholische Getränke meide man, ebenso Kaffee, der bei Anwandlung
der Krankheit unbedingt Explosionen herbeiführt; dagegen ist Tee mit
Zitronenscheiben oder Zitronensaft sehr wohltätig. Man überwinde die
ersten Anwandlungen des Übels in frischer Luft an Deck in bequemer
Ruhelage (nach Beseitigung beengender Kleidung) in der Mitte des
Schiffes; schlechte Luft, Maschinenöl- und Essengeruch werden leicht
verhängnisvoll. Riechfläschchen belebt. Bei starken Schiffsbewegungen
lasse man die Augen öfters an der unbeweglichen Horizontlinie Ruhe
finden. Man liege flach auf dem Rücken und hebe, wenn es schlimm ist,
die Beine hoch; dadurch fließt das Blut wieder in das Gehirn zurück.
Sicherster Schutz für willensschwache Personen, die sich nicht
zusammennehmen können, ist Ruhelage in einer längsschiffs aufgehängten
Hängematte. Nahrungsverweigerung erhöht das Unbehagen bei der
Seekrankheit.

     =Kajütsgepäck= für die Fahrt auf Reichspostdampfern nach Ostasien
     muß den Namen des Reisenden, des Dampfers, des Abfahrttages und
     des Bestimmungsorts tragen sowie die Bezeichnung: »_Kabine_« oder
     »_Gepäckraum_«. Gepäckzettel mit Vordruck liefern die Agenturen des
     Norddeutschen Lloyd. Für Kabinengepäck und Gegenstände, die während
     der Reise im Verwahrsam und Gebrauch der Reisenden verbleiben, sowie
     für Gepäckstücke ohne vorschriftsmäßig ausgefüllten Gepäckzettel
     des Norddeutschen Lloyd übernimmt der Norddeutsche Lloyd keine
     Verantwortlichkeit. Ansprüche wegen beschädigten oder abhanden
     gekommenen Gepäcks müssen sogleich nach Ankunft des Dampfers am
     Bestimmungsorte beim Norddeutschen Lloyd oder dessen Vertreter erhoben
     werden, wenn der Eigentümer nicht seines Anspruchs auf Schadloshaltung
     verlustig gehen will. Kaufmannsgüter, Gelder, Wertpapiere, Juwelen
     und Kostbarkeiten dürfen sich nicht im Gepäck befinden und erklärt
     sich der Norddeutsche Lloyd für solche Artikel frei von jeder
     Verantwortlichkeit. Wertsachen sind während der Reise dem Kapitän oder
     Zahlmeister des Schiffes zur Aufbewahrung zu übergeben. Wein, Bier
     und Spirituosen dürfen von den Reisenden nicht mit an Bord gebracht
     werden, solche sind zu den tarifmäßigen Preisen an Bord zu kaufen. Die
     Mitnahme von feuergefährlichen, explosiven oder ähnlichen Gegenständen
     ist strengstens untersagt; Zuwiderhandelnde werden für allen Schaden
     haftbar gemacht und gerichtlich zur Verantwortung gezogen.

     Jeder Reisende hat Anspruch auf freie Beförderung seines
     Handgepäcks, eines Stuhls und eines Kabinenkoffers von höchstens 1
     m Länge, 0,6 m Breite und 0,4 m Höhe sowie andrer Gepäckstücke mit
     persönlichen Gebrauchsgegenständen, insgesamt 1 cbm Rauminhalt und
     200 kg Gewicht nicht übersteigend (halbzahlende Kinder 100 kg bei
     1/2 cbm Raumgehalt Freigepäck), zur Unterbringung im Gepäckraum.
     Für Gepäck-Überfracht im Gepäckraum wird 50 M. per cbm oder 200 kg
     berechnet. Mitnahme von Waren als Gepäck ist nicht gestattet.
     Ähnliche Bedingungen auf den andern Linien des Norddeutschen Lloyd
     und auf andern Dampferlinien.

     [Hand] Man achte stets auf sein Handgepäck und lasse Wertsachen nie
     unbewacht liegen; Abfahrt und Ankunft in Häfen sind bevorzugte
     Stehltage für »Händler« und Gelegenheitsdiebe! Auch vor Beginn der
     Seekrankheit alles abschließen!

     =Seereise-Unfallversicherungen= durch Weltpolicen auf Todes- und
     Invaliditätsfall (für Hin- und Rückreise und Aufenthalt in
     überseeischen Ländern), Prämie 80 M. für 1 Jahr und je 10000 M.
     Versicherungssumme sowie Reisegepäckversicherung (für je 1000
     Seemeilen etwa 1/10 Proz. des Wertes) übernimmt die
     Assekuranz-Abteilung des Norddeutschen Lloyd; ähnlich auch in Cooks
     Reisebureau.

=Post und Telegraph.= Besondere Angaben für die einzelnen Länder findet
man im Texte. Briefe und Depeschen adressiere man: _Herrn N. N._, an
Bord des Reichspostdampfers ... N. N...., am ... (Datum) von (Neapel)
nach (Colombo), Adresse Herren (Agent der Dampferlinie) in (Port Saïd).
Man erhält dann die Postsachen bei Ankunft in dem Hafen. Ebenso kann man
Briefe etc. an deutsche Konsulate (wo kein deutsches Postamt ist: _Care
of Imperial German Consulate in ..._), oder an die Agenturen von Cooks
Reisebureau, oder an die Dampferagenturen oder gute Gasthöfe adressieren
lassen. Während Landreisen in Indien, Siam, Indochina, Java, China und
Japan lasse man sich Briefe nicht direkt nachschicken, sondern
beauftrage einen Agenten (z. B. Cook) im Hafenplatz, sie auf Anweisung
an bestimmte Plätze nachzuschicken. Briefe im Weltpostverein kosten 20
Pf. Depeschen von Deutschland kosten: jedes Wort (bis 15 Buchstaben)
nach: Indien 2,05 M., Ceylon 2,15 M., Singapore 3,60 M., Java 4,10 M.,
Schanghai 4,55 M., Japan 5 M., San Francisco 1,60 M., New York 1,05 M.
Wer viel zu telegraphieren hat, kann viel sparen, wenn er einen
_Telegraphenschlüssel_ (z. B. den _Familientelegraphenschlüssel von Carl
Bödiker_, Hamburg, Verlag E. S. Mittler & Sohn, Berlin), mitnimmt.
Verabredungen über den Sinn der gekürzten Depeschen sind nicht
erforderlich, wohl aber empfiehlt sich vorherige Bestimmung einer
abgekürzten Telegrammadresse.

_Nachsendungen von Telegrammen, Geld, Paketen etc._ an Weltreisende
übernimmt die Firma _Bödiker_ (s. oben; Telegrammadresse, auch für die
Filialen in Tientsin und Tsingtau ist »Bödiker«); sie depeschiert mit
_Bödikers Familientelegraphenschlüssel_, der sehr beträchtliche
Ersparnisse gewährt; erteilt Auskunft, stellt Reisepläne auf, besorgt
Kabinenplätze, expediert Gepäck und Mobilar etc.

=Zeitvergleichung:= a) Mitteleuropäische Zeit (M. E. Z.) in Deutschland,
Österreich-Ungarn, Italien; b) Osteuropäische Zeit (O. E. Z.) 1 Stunde
vor gegen M. E. Z.: Ägypten (Rußland noch 1 Min. früher); c) Ostindische
Eisenbahnzeit (Indian Standard Time) 4 Stunden 30 Min. vor gegen M. E.
Z. (in den Städten wird nach Ortszeit gerechnet); d) Chinesische
Küstenzeit 7 Stunden vor gegen M. E. Z.; e) Japanische Zeit 8 Stunden
vor gegen M. E. Z; f) _Pacific Time_ (San Francisco) 9 Stunden nach
gegen M. E. Z.; g) _Mountain Time_ (Salt Lake City) 8 Stunden nach gegen
M. E. Z.; h) _Central Time_ (New Orleans) 7 Stunden nach gegen M. E. Z.;
i) _Eastern Time_ (New York) 6 Stunden nach gegen M. E. Z.; k)
Westeuropäische Zeit (W. E. Z.) in England, Frankreich, Belgien,
Niederlande, Spanien und Portugal 1 Stunde nach gegen M. E. Z.--Über den
Datumwechsel im Stillen Ozean s. S. 412.

_Um 12 Uhr mittags Mitteleuropäischer Zeit zeigt die Uhr in:_

  Moskau          1  Uhr   1  Min. Nm.
  Port Saïd       1   -   --   -    -
  Suez            1   -   --   -    -
  Aden            2   -   --   -    -
  Bombay          3   -   51   -    -
  Colombo         4   -   19   -    -
  Madras          4   -   20   -    -
  Calcutta        4   -   53   -    -
  Rangoon         5   -   25   -    -
  Penang          5   -   41   -    -
  Bangkok         5   -   42   -    -
  Singapore       5   -   55   -    -
  Irkutsk         5   -   58   -    -
  Saïgon          6   -   --   -   abds.
  Batavia         6   -    7   -    -
  Peking          6   -   46   -    -
  Hongkong        7   -   --   -    -
  Schanghai       7   -   --   -    -
  Tsingtau        7   -   --   -    -
  Manila          7   -    6   -    -
  Charbin         7   -   25   -    -
  Wladiwostok     7   -   48   -    -
  Yokohama        8   -   --   -    -
  -------------------------------------
  Honolulu        0  Uhr  28  Min. früh
  San Francisco.  3   -   --   -    -
  Salt Lake City  4   -   --   -    -
  Chicago         5   -   --   -    -
  New York        6   -   --   -   Vm.
  London         11   -   --   -    -
  Antwerpen      11   -   --   -    -

=Sprache.= Die vorherrschende Sprache für Weltreisende ist das
Englische; _=nur=_ französische Sprachkenntnisse genügen _nicht_!
Verkehrssprache auf den Dampferlinien ist die des Landes ihrer Flagge
(auf dem Österreichischen Lloyd ist sie italienisch). Für die fremden
Sprachen leisten im Verkehr »=Meyers Sprachführer=« (Verlag des
Bibliographischen Instituts in Leipzig), als Ergänzungen zu Meyers
Reisebüchern, ausgezeichnete Dienste. Sie sind eine eigenartige
Verschmelzung von Konversationsbuch und Taschenwörterbuch (in äußerst
handlichem Format), indem jenes in dieses hineingearbeitet wurde und
erst so, durch die _alphabetische Anordnung_ des ganzen Stoffs,
wirklichen Nutzen gewährt. Der Reisende findet _im Nu_ das gewünschte
Wort, daneben grammatische Anweisungen, lehrreiche Winke über Sitten und
Gebräuche und unter leicht zu merkenden Stichwörtern eine Fülle
zusammengehöriger Vokabeln und Redewendungen, die ihn befähigen, seine
Wünsche richtig auszudrücken und über die landläufigen Themata eine
jedermann verständliche Unterhaltung zu führen. Folgende Bändchen sind
wichtig für die Weltreise: _Englisch_, geb. 2,50 M.; _Französisch_, geb.
2,50 M.; _Portugiesisch_, geb. 3,50 M.; _Spanisch_, geb. 3 M.;
_Italienisch_, geb. 2,50 M.; _Russisch_, geb. 3 M.; _Arabisch_, geb. 3
M.; _Türkisch_, geb. 3 M.

=Gasthöfe.= Weltreisende finden in den Gasthöfen ersten Ranges aller
großen Hafenplätze Asiens europäische Bequemlichkeit; im Innern
der Länder darf man keine hohen Ansprüche stellen. In Indien gibt
es nur in Bombay, Colombo und Kandy Gasthöfe, die allen Ansprüchen
genügen; im übrigen sind sie mäßig, zuweilen schlecht nach heimischen
Begriffen, aber stets den Eigentümlichkeiten des Europäerlebens in
Indien angepaßt. Die Häuser sind meist einstöckig mit vielen Veranden
und Hallen in tropischen Gärten. An den hellen Speisesaal stoßen die
oft dunkeln Wohn- und Schlafzimmer mit Bade- und Toiletteraum nebenan;
die Betten sind hart. Bedienung und Reinlichkeit lassen zu wünschen.
Man zahlt fast in ganz Ostasien im Gasthof Pension für den Tag und
erhält dafür gegen 9 Uhr früh Gabelfrühstück, gegen 1 Uhr Lunch
(Tiffin) und gegen 7 Uhr abends Dinner; außerdem Tee mit Brot früh und
nachmittags. Das Essen ist sehr gewürzt, am besten Curry mit Reis;
Rindfleisch ist schlecht, Hammel und Geflügel sind in ganz Ostasien
die Hauptfleischnahrung; Wild ist selten. Man speist nach gemeinsamem
Speisezettel an kleinen Tischen, zum Dinner im Gesellschaftsanzug.
Getränke: Whisky mit Soda am bekömmlichsten, auch für Damen, Rotweine
erträglich (nirgends Weinzwang), Weißweine meist ungenießbar. In den
von der indischen Regierung unterhaltenen _Dâk Bungalows_ (Rasthäusern
für reisende Europäer) findet man meist bequeme Unterkunft (Bettzeug
mitbringen, wie für die Gasthöfe!), auch Baderaum und meist einfache
Beköstigung nach fester Preisliste; aber man kann die Plätze in
den D. B. nicht vorausbestellen; wer zuerst kommt, erhält zuerst
Platz, ist aber verpflichtet, nach 24 Stunden den nächsten Bewerbern
Platz zu machen; der Zimmerpreis ist mäßig. Wesentlich besser als
in Britisch-Indien sind die Gasthöfe in Niederländisch-Indien,
besonders auf Java; sie sind reinlich und luftig, die Verpflegung
meist recht gut, Bedienung gut. Den verwöhntesten Ansprüchen genügen
die (allerdings nicht billigen) ersten Hotels in Bombay, Singapore,
Schanghai, Tsingtau, Peking, Yokohama, Tōkyō, Kyōto, Miyanoshita und
Honolulu.--Die _Wäsche_ wird in den Gasthöfen oder durch Vermittelung
von deren Manager in ganz Ostasien schnell, gut und preiswürdig
besorgt.--Über amerikanische Gasthöfe vgl. II. Teil, S. 2.

=Restaurants= findet man nur in Hafenstädten; man ist meist auf die
Gasthöfe angewiesen; nach der Karte wird selten bedient.

=Bäder= sind in jedem, auch dem minderwertigsten Gasthof zu haben.

     =Automobile= geben dem Reisenden beste Gelegenheit, in kurzer Zeit
     viel zu sehen; sie sind in ostasiatischen Städten sehr verbreitet
     und entweder durch die Gasthöfe oder in den »Automobile« bzw.
     »Motorcargarages« zu mieten.


Erklärung einiger landesüblicher Ausdrücke:

a) Für Indien und Ceylon:

_Dâk Bungalow_, staatliches Rasthaus für Reisende (s. oben).

_Dandy_, Himalaja-Sänfte.

_Chota hasri_, Morgentee (»kleines Frühstück«).

_Bandar_, Hafen.

_Catamaran_, Brandungsfloß.

_Dagoba_, buddhist. Heiligenschrein.

_Dharamsala_, Pilgerherberge.

_Fakir_, mohammedan. Bettelmönch.

_Ghat_,  Flußtreppe, auch Bergpaß.

_Gopura_, Pagodentor.

_Jogi_, Hindu-Bettelmönch.

_Maidan_, Platz.

_Masjid_, Moschee.

_Monsun_, Regenzeit (Juni bis Sept.).

_Náuch_, ein Tanz.

_Pagode_, südindischer Tempel.

_Palankin_, Tragstuhl alter Art.

_Sahib_, Herr (Anrede für Europäer).

_Sarai_, Rasthaus für Reisende.

_Kitmitgar_, Diener.

_Tonga_, indischer Wagen.

_Ekka_, Einspänner, Ochsenwagen.

_Tikka Gharri_, Droschke.

_Razai_, indische Steppdecke.

_Gymkhana_, Spielplatz.

_Eurasier_, europ.-ind. Mischling.

_Kummurbund_, wollene Leibbinde.

_Sampan_, Flußboot (Indochina).


b) Für ganz Ostasien:

_Bungalow_, Wohnhaus.

_Godown_, Lagerraum.

_Rikscha_, von einem Mann gezogenes leichtes Wägelchen für
  einen Fahrgast, bei Regen geschlossen.

_Tiffin_, 2. Gabelfrühstück (1-2 Uhr).

_Easy chair_ } bequemer Liegestuhl
_Long chair_ } aus Bambusgeflecht.

_Sedan chair_, Tragstuhl aus Bambus.

_Curry_, scharfe, aromatische Tunke.

_Peg_, Sodawasser mit Whisky.

_Punkah_, Zimmerdeckenfächer.

_Bombay duck_, getrockneter Fisch.

_Chutney_, scharfes Eingemachtes.

_Bund_, Kaistraße am Hafen.

_Sarong_ (niederl.-ind.), Hauskleid.

_Kabaja_ (niederl.-ind.), Morgenkleid.

_Pyjama_, Morgen- und Nachtkleid (Hemdhose; Kombination).

_Hock_, Rheinwein.

_Sandwich_, belegtes Butterbrot.

_Lime drink_, Limonade.

_Sado_ (= dos à dos), niederländ.-ind. Droschke.

_Spada_ (niederländ.-ind.), Diener.

_Soja (Soy)_, japan. Pilztunke.

_Curios_, altertümliche Kunst- und Nippsachen etc.

_Cloisonné_, Schmelzfarbenkunst.

_Kimono_, japanischer Hausrock.

_Scrupkin_, Sekt auf Eis.


c) Für Japan:

_Daibuts_, große Buddhastatue.

_Daischi_, buddhistischer Heiliger.

_Gohai_, schintoist. Papierstreifen.

_Hatoba_, Bootshafen, Landungsplatz.

_Kagura_, schintoistischer Tanz.

_Kakemono_, Hängebild.

_Kawa_, Bach.

_Kiku-no-mon_, das kaiserliche Chrysanthemum-Wappen.

_Kuruma_ = Rikscha (Djinrikscha).

_Kwaisha_ = Gesellschaft.

_Kwankoba_, ein Basar.

_Mitsu-aoi_, die drei Blätter des Tokugawawappens.

_Nippon_ = Japan.

_Torii_, schintoistisches Tempeltor.

_Yama_, Berg.

=Seewesen.= Als Hilfsmittel für die Schiffsführung _=in der Nähe von
Land=_ dienen _Landmarken_ (Türme, Berggipfel, Gerüste, sogen. Baken),
schwimmende _Seezeichen_ (Tonnen verschiedener Form und Farbe) an den
Kanten von Riffen, Sandbänken und »blinden« (unter Wasser liegenden)
Klippen, auch _Feuerschiffe_. Nachts warnt die Küstenbeleuchtung auf
Leuchttürmen, Feuerschiffen und Leuchttonnen (Fettgas oder elektrisch)
vor Gefahren im Fahrwasser. Die Leuchtfeuer unterscheiden sich als
Festfeuer (gleichmäßig leuchtend), unterbrochene Feuer (mit zeitweisen
Verdunkelungen), Blinkfeuer (aufblinkend mit großen Dunkelpausen) und
Blitzfeuer (mit Blitzen von weniger als 2 Sekunden Dauer), ferner als
Wechselfeuer (Farbenwechsel rot, weiß oder grün); um verhängnisvolle
Verwechselungen zu meiden, brennen auf benachbarten Leuchttürmen
verschiedenartige Feuer. Seekarten, Seehandbücher (Beschreibungen der
Küste und der Gefahren des Fahrwassers und Anweisungen für die
Schiffahrt), Leuchtfeuerlisten sowie Kompaß, Lot, Logg, Sextant und
Chronometer dienen dem Kapitän zur Bestimmung des Schiffsorts. Durch
Peilungen (Kompaßrichtungen von Landmarken) wird der Schiffsort auf der
Seekarte in Sicht von Land bestimmt; der nach dem Kompaß gesteuerte Kurs
und die mit dem Logg gemessene Schiffsgeschwindigkeit geben die
Versegelung vom gepeilten Abfahrtspunkt. _=Auf hoher See=_ wird die
Koppelkurs- oder Loggrechnung berichtigt durch _astronomische Bestimmung_
des Schiffsorts, indem mit dem Sextant Sonnen- oder Gestirnshöhen
gemessen, dazu die Chronometerzeiten (nach Greenwich-Zeit) beobachtet
werden. Einfachste Bestimmung der geographischen Breite erfolgt durch
Beobachtung der Mittagshöhe der Sonne; die geographische Länge wird aus
Sonnenbeobachtungen vor- oder nachmittags gefunden, indem man den
Stundenwinkel der Sonne aus den Messungen berechnet und die daraus
gefundene Ortszeit mit der Greenwich-Zeit des Chronometers vergleicht;
der Unterschied ist die geographische Länge. Peilungen des
Sonnenauf- und -untergangs geben durch einfache Rechnung die wahre
Nordrichtung; mit ihr berichtigt man die Fehlweisung des Kompasses,
d. h. die örtliche magnetische Mißweisung und Ablenkung des Kompasses,
verursacht durch die Stahl- und Eisenmassen des Schiffs. Das tägliche
_Mittagsbesteck_ (geographische Breite und Länge) auf hoher See wird den
Reisenden bekannt gegeben.

=Signalwesen und Flaggen.= Wichtig für die Seeschiffahrt sind die
Signalsysteme zur Verständigung der Schiffe untereinander auf See. Das
Signalisieren mit _=Flaggen=_, vom englischen Kapitän Marryat 1848
eingeführt, geschieht mit Hilfe des (in allen Sprachen seefahrender
Völker herausgegebenen) _Internationalen Signalbuchs_.

     Die 26 _Signalflaggen_ des Internationalen Signalbuchs zeigen die
     Farben Rot, Gelb, Blau und Weiß und sind mit Buchstaben bezeichnet.
     Die Flaggen können wie folgt zusammengestellt werden: 650 Signale
     mit je zwei Flaggen, 15600 Signale mit je drei Flaggen und 358800
     Signale mit je vier Flaggen. Zum Austausch von Mitteilungen sind
     nur Signale mit zwei oder drei Flaggen erforderlich. Alle
     dringenden Mitteilungen, z. B. Gesuche um Aufmerksamkeit, Anzeigen
     von Gefahr oder Not, Aufforderung zur Hilfeleistung, werden nur mit
     zwei Signalflaggen gemacht; z. B. bedeutet

     Signal NC (Flagge N, darunter Flagge C): »Bin in Not, habe
     unverzügliche Hilfe nötig.« Mit drei Flaggen werden ganze Sätze und
     Satzteile, mit vier Flaggen geographische Namen, andre (zu
     buchstabierende) Namen und Schiffsnamen signalisiert. Die
     Signalgruppen von GQBC bis GWVT sind als Unterscheidungssignale für
     Kriegsschiffe, die Gruppen von HBCD bis WVTS für Handelsschiffe
     einer Landesflagge bestimmt. Von jedem Staat werden Listen der
     eignen Schiffsnamensignale (Unterscheidungssignale) jährlich
     veröffentlicht.

     Auf Entfernungen, welche die Farben nicht mehr erkennen lassen,
     treten an Stelle der bunten Flaggen die _=Fernsignale=_, für die
     das Signalbuch nur Körper: Ball, Kegel, Zylinder etc., eingeführt
     hat. Kein Fernsignal besteht aus mehr als drei Zeichen, und
     höchstens zwei sind von gleicher Form. Die 18 Signalbuchstaben
     werden durch Fernsignale wiedergegeben, die aus drei Signalzeichen
     bestehen. _=Nachtsignale=_ werden auf Grund besonderer
     Vereinbarungen durch Zeigen weißer oder farbiger Lichter, oft auch
     nach dem Morsesystem durch lange und kurze Lichtblinke gegeben.

     =Flaggen.= _Handelsschiffe_ sind als solche kenntlich an ihrer (am
     Heck gehißten) Nationalflagge, die sie im Hafen stets, in See in
     der Regel nur bei Begegnung von Schiffen führen. Die Reederei
     erkennt man an der am Großmast gesetzten Reedereiflagge und bei
     Dampfern auch am Anstrich oder Abzeichen des
     Schornsteins.--_Kriegsschiffe_ führen die Kriegsflagge am Heck und
     das Kommandozeichen (Wimpel, Stander, Admiralsflagge) am Topp.

     Die beifolgenden =Flaggentafeln= geben die Handels- und
     Kriegsflaggen der seefahrenden Nationen sowie die Reedereiflaggen
     und Schornsteinabzeichen der wichtigsten Dampfergesellschaften
     wieder.


[Einige nützliche Angaben für Weltreisende.]

=Entfernungen in Seemeilen= (1 Seemeile = 1852 Meter).

A. _=Von Hamburg nach=_:

  Cuxhaven           56
  Helgoland          90
  London            430
  Dover             390
  Southampton       510
  Plymouth          620
  Amsterdam         290
  Rotterdam         320
  Boulogne          420
  Havre             500
  Ouessant          693
  Lissabon         1340
  Gibraltar        1614
  Marseille        2300
  Genua            2469
  Neapel           2589
  Malta            2594
  Brindisi         2926
  Port Saïd        3543
  Alexandrien      3420
  Suez S           3630
  Aden S           4929
  Bombay S         6576
  Colombo S        7030
  Calcutta S       8243
  Rangoon S        8253
  Singapore S      8560
  Batavia S        8834
  Bangkok S        9354
  Saïgon S         9204
  Manila S         9883
  Hongkong S      10000
  Schanghai S     10800
  Tsingtau S      11100
  Tschifu S       11250
  Wladiwostok S   11570
  Yokohama S      11450
  Nagasaki S      10970
  Vancouver M     14673
  San Francisco M 13844
  New Orleans      5090
  Baltimore        3910
  Philadelphia     4080
  New York         3610
  Boston           3444
  Quebec           3286
  Montreal         3430

B. _=Zwischen andern Häfen=_:

  Bremerhaven-New York       3555
  Harwich-Hoek van Holland    108
  Antwerpen-London            191
  Calais-Dover                 23
  Havre-New York             3110
  Cherbourg-New York         3070
  Liverpool-New York         3040
  Southampton-New York       3190
  Bordeaux-New York          3187
  Genua-New York             4040
    -- -Alexandrien          1300
  Brindisi-Port Saïd          934
    --    -Alexandrien        840
  Triest-Port Saïd           1305
  New York-Hongkong S       11610
    --    -         K       13590
    --  -Yokohama S         13040
    --  -         K         15020
  New York-San Francisco M  13090
     --   -Honolulu M       13200
  Colombo-Calcutta           1254
  Bombay-Madras              1480
  Hongkong-Yokohama          1560
  Yokohama-San Francisco     4530
  Yokohama-Honolulu          3400
    --    -Vancouver         4340
  Honolulu-San Francisco     2100
  San Francisco-Shanghai     5800

S bedeutet durch den _Suezkanal_, K um das _Kap der Guten Hoffnung_, M
durch die _Magalhãesstraße_.--Tabelle B kann mit A zusammen benutzt
werden, um noch zwischen andern Plätzen die Dampferwege zu bestimmen.


Städte über 500000 Einwohner.

  New York (1910)         4766883
  London (1911)           4522961
  Paris (1911)            2846986
  Tōkyō (1908)            2186079
  Chicago (1910)          2185283
  Berlin (1910)           2070695
  Wien (1910)             2030850
  Philadelphia (1910)     1549008
  Moskau (1909)           1459800
  St. Petersburg (1909)   1454700
  Buenos Aires (1910)     1272124
  Osaka (1908)            1226590
  Konstantinopel      ca. 1200000
  Peking (1911)           1017209
  Tschöngtu           ca. 1000000
  Bombay (1911)            972892
  Hamburg (1910)           932166
  Kanton              ca.  900000
  Calcutta (1910)          890493
  Budapest (1910)          881601
  Rio de Janeiro (1908)    858000
  Hankau              ca.  820000
  Tientsin            ca.  800000
  Glasgow (1911)           783401
  Warschau (1909)          764054
  Liverpool (1911)         746566
  Manchester (1911)        714427
  St. Louis (1910)         687029
  Boston (1910)            670585
  Kairo (1907)             654476
  Schanghai           ca.  651000
  Bangkok (1910)           628675
  Tschungking         ca.  610000
  Sydney (1909)            605900
  Neapel (1910)            596000
  München (1910)           595053
  Leipzig (1910)           587635
  Mailand (1910)           584000
  Rom (1909)               574666
  Amsterdam (1909)         568130
  Melbourne (1909)    ca.  562300
  Cleveland (1910)         560663
  Barcelona (1910)         560080
  Baltimore (1910)         558485
  Madrid (1910)            549416
  Dresden (1910)           546882
  Pittsburg (1910)         533905
  Odessa (1909)            520000
  Marseille (1906)         517498
  Madras (1911)            517335
  Köln (1910)              516167
  Breslau (1910)           511891
  Sutschou            ca.  500000


Vergleichung der Thermometerskalen.

  ==============================
  Celsius | Réaumur | Fahrenheit
  --------+---------+-----------
    -40   |  -32    |    -40
    -35   |  -28    |    -31
    -30   |  -24    |    -22
    -25   |  -20    |    -13
    -20   |  -16    |     -4
    -15   |  -12    |      5
    -10   |   -8    |     14
     -5   |   -4    |     23
      0   |    0    |     32
      5   |    4    |     41
     10   |    8    |     50
     15   |   12    |     59
     20   |   16    |     68
     25   |   20    |     77
     30   |   24    |     86
     35   |   28    |     95
     40   |   32    |    104
     45   |   36    |    113
     50   |   40    |    122
     55   |   44    |    131
     60   |   48    |    140
     65   |   52    |    149
     70   |   56    |    158
     75   |   60    |    167
     80   |   64    |    176
     90   |   72    |    194
    100   |   80    |    212
  ==============================


=Windstärke= (Beaufortskala): 0. Still; 1. Leiser Zug; 2. Leichter Wind;
3. Schwacher Wind; 4. Mäßiger Wind; 5. Frischer Wind; 6. u. 7. Starker
Wind; 8. Stürmischer Wind; 9. Sturm; 10. u. 11. Starker Sturm; 12.
Orkan.


Flächeninhalt und Bevölkerung der Staaten über 5 Mill. Einwohner.

-------------------------------+-----------+-------------------+-------
                               | Fläche in |                   |   Auf
Staaten                        |   qkm     |    Bevölkerung    |  1 qkm
-------------------------------+-----------+-------------------+-------
Argentinien                    |  2806400  |   7121822[1]      |    2,5
Belgien                        |    29456  |   7516730 (10)[1] |  255
  Kongokolonie                 |  2382800  |  18000000[1]      |   --
Brasilien                      |  8550000  |  20515000[1]      |    2,5
China                          | 11138880  | 426000000[1]      |   30
Deutsches Reich                |   540778  |  64903423 (10)    |  120
    Davon:                     |           |                   |
  Preußen                      |   348702  |  40163333         |  115
  Bayern                       |    75870  |   6876497         |   90
  Sachsen                      |    14993  |   4802485         |  320
  Württemberg                  |    19512  |   2435611         |  124
  Kolonien                     |  2658500  |  13920000[1]      |   --
Frankreich                     |   536464  |  39252267 (06)    |   73
  Kolonien                     | 11319400  |  49286000[1]      |   --
Großbritannien und Irland      |   314433  |  45365599 (11)    |  144
  Kolonien und Schutzstaaten   | 30526214  | 356642113 (01)    |   --
  Davon: Vorderindien          |  4860000  | 316084000 (11)    |   65
         Kanada                |  9700600  |   7081869         |    0,7
         Australien und Südsee |  8259900  |   6235000         |    0,8
Italien                        |   286682  |  34686653 (11)[1] |  121
  Kolonien                     |   484050  |    596000[1]      |   --
Japan                          |   382415  |  51591361 (11)[1] |  138
  Kolonien                     |   291252  |  17015312 (11)[1] |   58
Mexiko                         |  1987201  |  15063207 (10)    |    8
Niederlande                    |    33079  |   5857949 (09)    |  180
  Kolonien                     |  2045647  |  38101800[1]      |   --
Österreich-Ungarn              |   676077  |  51304249 (10)    |   75,9
Persien                        |  1645000  |   9000000[1]      |    5,6
Portugal                       |    91943  |   5423132 (00)    |   59
  Kolonien                     |  2093000  |   8580000[1]      |   --
Rumänien                       |   131353  |   5956690 (99)    |   45,3
Rußland in Europa              |  5744058  | 114847043 (97)    |   20
  Sibirien und Mittelasien     | 16061468  |  13505540         |    1,2
Schweden                       |   447864  |   5521943 (10)    |   12
Siam                           |   600000  |   7000000[1]      |   17
Spanien                        |   504530  |  19588688 (10)    |   39
  Kolonien                     |   238900  |    330000         |   --
Türkisches Reich in Europa     |   169300  |   6130200         |   36
  Türkischer Besitz in Asien   |           |                   |
    und Afrika                 |  2817800  |  17898700[1]      |   --
  Außerdem Ägypten ohne Sudan  |   994300  |  11287359 (07)    |   11
Vereinigte  Staaten            |  7692225  |  91927267 (10)    |   11,9
  Kolonien und Alaska          |  1854287  |   8361963         |   --
-------------------------------+-----------+-------------------+-------



I. Ostindien, Siam, Sumatra, Indochina, Java.


 1. _Aus Europa durch den Suezkanal nach Bombay_                S. 22-41
    Von Triest, Brindisi, Genua, Neapel, Marseille S. 22-25.
    -- Suezkanal S. 26. -- Rotes Meer S. 30. -- Port Sudan
    S. 32. -- Suakin S. 33. -- Djibouti S. 36. -- Abessinien
    S. 37. -- Aden S. 38.

 2. _Bombay_       S. 53-63

 3. _Von Bombay über Jaipur, Agra, Delhi und Benares nach       S. 63-96
    Calcutta_
    Ahmedabad S. 65. -- Ajmer S. 67. -- Jaipur S. 68. -- Amber
    S. 69. -- Delhi S. 70. -- Kutab Minar. Delhi - Umballa -
    Simla S. 74. -- Delhi - Amritsar - Lahore - Peshawar
    S. 75. -- Von Rawal Pindi durch den Baramulapaß nach
    Srinagar (Kaschmir) S. 78. -- Khaiber Paß. Lahore -
    Karachi S. 80. -- Delhi - Agra S. 82. -- Sikandarah.
    Fatehpur Sikri S. 86. -- Gwalior S. 87. -- Cawnpore.
    Lucknow S. 88. -- Allahabad S. 89. -- Benares S. 90. --
    Buddh Gaya S. 95.

 4. _Von Bombay nach Madras_                                   S. 96-104
    Mahabaleshwar S. 97. -- Bijapur. Hyderabad S. 98. --
    Golkonda S. 99. -- Tirupati. Madras S. 100. --
    Mahabalipuram S. 104.

 5. _Durch den Suezkanal nach Colombo. Ceylon_                S. 104-125
    Von Genua oder Neapel S. 104; von Marseille; von
    Brindisi S. 105. -- Von Triest, Ceylon S. 106. --
    Colombo S. 110. -- Mount Lavinia S. 114. -- Kandy
    S. 115. -- Peradeniya S. 117. -- Anuradhapura
    S. 119. -- Adams Peak S. 121. -- Nuwara Eliya S. 122.
    -- Hakgala. Badulla. Pedrotallagalla. Bandarawela
    S. 123. -- Küstenfahrt um Ceylon S. 124. -- Point
    de Galle S. 125.

 6. _Von Colombo über Madras (-Ootacamund) nach Calcutta.
    Darjeeling_                                               S. 125-143
    Tuticorin. Madura S. 126. -- Trichinopoly. Tanjore
    S. 127. -- Ootacamund S. 129. -- Mysore, Seringapatam,
    Bangalore S. 131. -- Puri Jagganath S. 133. --
    Calcutta S. 134. -- Assam S. 140. -- Darjeeling.
    Tiger Hill S. 141. -- Phalut S. 142.

 7. _Von Calcutta nach Rangoon. Birma_                        S. 143-155
    Oberbirma. Pegu S. 150. -- Mandalay S. 151. -- Von
    Mandalay nach Bhamo u. Talfahrt auf dem Irawaddy
    S. 153. -- Pagan S. 154.

 8. _Von Colombo nach Singapore. Sumatra_                     S. 155-169
    Penang S. 156. -- Medan S. 158. -- Padang. Merapi.
    Krakatau S. 160. -- Malacca S. 161. -- Singapore
    S. 166. -- Johore S. 169.

 9. _Siam. Indochina_                                         S. 169-190
    Von Singapore nach Bangkok S. 169. -- Siam S.
    170. -- Phrabat S. 176. -- Ajuthia. Von Singapore
    nach Saïgon S. 177. -- Indochina. Cochinchina S.
    178. -- Cambodja. Saïgon S. 179. -- Cholon S. 182. --
    Pnom-penh S. 184. -- Angkor Thom. Anam S. 185. --
    Hué S. 186. -- Haiphong S. 187. -- Hanoï S. 188. --
    Hanoï - Yünnanfu S. 189.

10. _Von Singapore nach Batavia. Die Insel Java_              S. 190-212
    Java S. 191. -- Batavia S. 195. -- Buitenzorg S. 200.
    -- Sindanglaja S. 202. -- Bandoeng. Tangkoeban. Garoet
    S. 203. -- Papandajan. Telaga Bodas S. 204. --
    Djokjakarta. Prambanan S. 205. -- Boro-Boedoer.
    Magelang S. 206. -- Soerakarta. Samárang S. 207. --
    Soerabaja S. 208. -- Pasoeroean S. 210. -- Bromo.
    Tosari S. 211. -- Probolinggo S. 212.



1. Aus Europa durch den Suezkanal nach Bombay.

Vgl. die beifolgende Karte.


A. Von Triest nach Bombay.

     =Dampfer des Österreichischen Lloyd= am 1. und 16. jeden Monats
     (Mai bis August nur am 1.) von _Triest_ über (1305 Seem.) _Port
     Saïd_ durch den _Suezkanal_ nach (2690 Seem.) _Aden_ und von da
     nach (4340 Seem.) _Bombay_ in 15-16 Tagen.

     _=Fahrpreis=_ Triest-Bombay: Salonklasse 33,6 und 30 £ nach Kabine;
     Intermediateklasse 23,6 £, Deckfahrt mit Kost 10 £. Rückfahrkarten,
     zwei Jahre gültig, das Anderthalbfache. Reisende, welche die
     Ausreise voll bezahlt haben, erhalten bei Rückreise innerhalb zwölf
     Monate 25 Proz. Ermäßigung auf den Fahrpreis der Rückreise.
     Auswechselbare Rückfahrkarten mit der Messageries Maritimes: von
     Triest nach Bombay und von da nach Marseille oder umgekehrt
     Lloyd-Salonklasse --Messageries Maritimes I. Kl. 66,12, 63,12 und
     61,12 £; Lloyd-Salonklasse --Messageries Maritimes II. Kl. 53,14
     und 51,14 £; Lloyd-Intermediateklasse-- Messageries Maritimes II.
     Kl. 49,14 £.

In =Triest= (_Excelsior Palast-Hotel: De la Ville_, Z. von 3,50 K an;
_Delorme_, Z. von 3 K an; _Volpich zum Schwarzen Adler_, ebenso;
_Europa_, Z. 2-6 K) legen die Schiffe des Lloyd am Kai an. Die Ausfahrt
gewährt ein prachtvolles Landschaftsbild. Die Westseite des
_Adriatischen Meeres_ ist flach, einförmig und arm an Buchten und Häfen;
die Ostküste ist reich gegliedert, hafenreich, felsig und umsäumt von
zahllosen Kalkinseln, denn das Meer ist infolge einer Senkung des Landes
zwischen die parallelen Kalkzüge eingedrungen und hat diese teils in
Inseln, teils in Halbinseln verwandelt. Wohl infolge des geringen
Zuflusses von Süßwasser (außer Etsch und Po nur geringe Küstenflüsse)
ist der Salzgehalt der Adria sehr hoch, 3,8 Proz. (sonst Mittel 3,5
Proz.). Ebbe und Flut sind schwach, wie im Mittelmeer überhaupt (1/2-1
m); die durchschnittliche Tiefe beträgt nur 300 m, erreicht jedoch
zwischen Bari und Ragusa 1030 m.

Das Schiff umfährt die Halbinsel _Istrien_, so daß man nach und nach die
Städte _Capo d'Istria_, _Pirano_ mit altem Kastell, _Parenzo_, _Rovigno_
und zuletzt =Pola=, den Hauptkriegshafen der österreich.-ungarischen
Marine, meist noch am Horizont auftauchen sieht. Weiter behält man l.
die Küste Dalmatiens, reich an vorgelagerten Felseninseln, darunter die
weit vorgeschobene bergige Insel =Lissa=, die einen der besten Häfen des
Adriameers (Kriegshafen) hat und bekannt ist durch die Seeschlacht
zwischen der österreichischen und italienischen Flotte am 20. Juli 1866,
wo der österreich. Admiral Tegetthoff mit der Panzerfregatte Ferdinand
Max das italienische Admiralschiff Re d'Italia in den Grund
bohrte.--Nach etwa 24 St. Fahrt läuft der Dampfer mit SO.-Kurs durch die
nur 70 km breite Meerenge von Otranto, l. die Küste Albaniens mit der
Landmarke des über 2000 m hohen Kaps _Linguetta_, des Akrokeraunischen
Vorgebirges der Alten, und gelangt aus dem Adriatischen in das
_Ionische_ Meer. Weiterhin erblickt man l. die Ionischen Inseln _Korfu_,
_Kephalonia_ und _Zante_. Das Schiff durchläuft dann den Golf von
Arkadia mit den Bergen Messeniens l., passiert die Westseite der Insel
_Kreta_ (_Kandia_) mit großartiger Gebirgskette (bis 2498 m hoch) und
durchschneidet dann, außer Sicht von Land, das _Levantische_ _Meer_, um
am 5. Reisetag vor (1305 Seem.) =Port Saïd= anzukommen, dessen hoher,
schlanker Leuchtturm die einzige Landmarke ist. Port Saïd und Fahrt
durch den Suezkanal s. S. 25.


B. Von Brindisi nach Bombay.

     =Expreßdampfer der Peninsular and Oriental Steam Nav. Co.= jeden
     Sonntag abend, sobald die englisch-indische Post eingeschifft ist,
     von Brindisi nach (930 Seem.) _Port Saïd_, wo die Reisenden auf den
     über (2325 Seem.) _Aden_ nach (3989 Seem.) _Bombay_ bestimmten
     Postdampfer umsteigen. Die Expreßdampfer fahren im Anschluß an
     den »Brindisi-Peninsular and Oriental Limited-Express«, der als
     Luxuszug jeden Fr. 9 Uhr abds. von London (Charing Cross) abfährt
     und über Calais, Dijon, Mont Cenis, Turin, Ancona So. gegen Abend
     ankommt. Der Zug nimmt nur Reisende für den Expreßdampfer der P. &
     O.-Linie auf. Fahrpreis: London-Bombay nur I. Klasse 57 £ 10 sh. 2
     d; Brindisi-Bombay I. 48 £. Näheres in _Cooks_ Reisebureau (London:
     Ludgate Circus; Berlin: Weltreisebureau Union; Brindisi: Strada
     Marina). Die Route ist für deutsche Reisende wenig geeignet.

In =Brindisi= (_Grand Hôtel International_; _Europa_), dem alten
_Brundusium_, dem besten und bedeutendsten Naturhafen der Ostküste
Italiens, legen die Schiffe am Kai an.--Das Schiff nimmt SO.-Kurs und
folgt der unter A. beschriebenen Fahrt von Triest, um am 3. Tage in (943
Seem.) =Port Saïd= (S. 25) einzutreffen. Weiterfahrt s. S. 27.


C. Von Genua und Neapel nach Bombay.

     =Dampfer der Società Nazionale di Servizi Marittimi= am 17. jeden
     Monats von _Genua_ über _Neapel_, _Messina_, _Port Saïd_,
     _Massaua_, _Aden_ nach (4440 Seemeilen) _Bombay_ in 18 Tagen.
     Fahrpreis I. Kl. 33,7 £ (Innenkabine 26,14 £), II. Kl. 23,7 £, III.
     Kl. 11 £; Wein bei Tisch frei. Für Rückfahrkarten und Familien
     Ermäßigungen.

In =Genua= (_Miramare_, Z. von 6 L. an; _Eden Palace_, ebenso;
_Bristol_, Z. von 7 L. an; _De la Ville_, Z. von 4 L. an; _Gr. Hôtel
Savoia_, ebenso; _Continental_, Z. 4-10 L.; _Central_, Z. 2-4,50 L.)
gelangt man mit Boot an Bord. Die Ausfahrt gewährt prächtigen Blick auf
die amphitheatralisch aufgebaute Stadt. Das Schiff läuft mit sö. Kurs
durch das Ligurische Meer, l. die Insel Elba, passiert Civitavecchia,
die Tibermündungen und das über 500 m hohe Vorgebirge _Monte Circello_
(der Mythe nach Wohnsitz der Zauberin Kirke). Dann erscheint am Horizont
der Vesuv und die Küste des Golfs von Neapel, in den das Schiff, unweit
der (l.) Insel _Ischia_ mit Monte Epomeo vorbeidampfend, einläuft, eins
der berühmtesten Landschaftsbilder. Neben dem erdbebenreichen Ischia
liegt die Insel Procida, dann folgen am Festland Bajä, Pozzuoli, mit der
Vulkangruppe der Phlegräischen Felder dahinter, das Vorgebirge des
Posilipp, die Stadt Neapel, beherrscht vom Castel Sant' Elmo, dann
Portici, Resina, darüber der Vesuv, weiter Torre Annunziata und jenseits
der Sarnoebene die Kalkberge der Halbinsel Sorrent mit den
Küstenstädtchen Castellamare und Sorrent, südl. die Insel Capri. (Das
Schiff wird von Führern und Händlern überschwemmt, vor denen man sich
hüte.)

(340 Seem.) =Neapel= (_Grand Hôtel Hauser_, Z. von 6 L. an;
_Continental_, Z. 3,50-7 L.; _Haßler_, Z. von 4 L. an; _Café-Restaurant
Gambrinus_, Piazza S. Ferdinando), die reichste, belebteste und größte
Stadt Italiens mit 596000 Einw. Man hat meist Zeit, eine Promenade an
der _Riviera di Chiaja_ (Villa Nazionale) und durch die _Strada di Roma_
(Toledo) zu unternehmen und nach _San Martino_ (10-4 Uhr 1 L., So. 9-2
Uhr frei) hinaufzusteigen (bzw. zu reiten), um die wundervolle
*_=Aussicht=_ zu genießen. (Der Norddeutsche Lloyd veranstaltet
Führungen durch die Stadt.) Man benutze Taxameterdroschken.

Bei der Weiterfahrt läßt das Schiff die Insel _Capri_ l. und steuert
dann südl. Nach etwa 16 St. erscheinen die vulkanischen _Liparischen
Inseln_, deren nördlichste, _Stromboli_, mit stets schwach tätigem, 920
m hohem Vulkan, man sieht. Dann taucht die Küste von Kalabrien (l.) und
die von Sizilien (r.) auf, alsbald läuft das Schiff in die an ihrer
schmalsten Stelle nur 3150 m breite *_Straße von Messina_ ein, ein
prachtvolles Landschaftsbild! Die Meerenge ist erst in geologisch junger
Vergangenheit durch einen Einbruch entstanden, der noch jetzt
fortdauert, wie die häufigen und starken Erdbeben beweisen. L. das
Städtchen _Scilla_, das antike Scyllaeum, am Abhang des hohen Felsens
_Scilla_, an den die Phantasie der Alten den Mythus von dem allen
Schiffen Verderben bringenden Seeungeheuer Scylla knüpfte, überragt vom
Granitmassiv des _Aspromonte_ (im _Montalto_ 1964 m), bekannt durch den
Angriff der Italiener auf den Nationalhelden Garibaldi am 27. Aug. 1862.
Vor Scilla, Torre di Faro und an andern Stellen der Straße liegen
Stromwirbel, von denen der durch die Gezeitenströmung erzeugte
_Charybdis-Strudel_ einer der gefährlichsten für kleinere Fahrzeuge ist;
auch Dampfer meiden dessen Nähe. R. das flache _Capo di Faro_ (oder
_Peloro_) mit Leuchtturm, die NO.-Spitze Siziliens; im Hintergrund die
Trümmer des vom Erdbeben 29. Dez. 1908 zerstörten =Messina=,
Provinzhauptstadt Siziliens, in reizender Lage. Gegenüber zeigt sich
weiter l. =Reggio=, die Hauptstadt von Kalabrien, wie in einem großen
Garten gelegen, doch von Erdbeben besonders arg heimgesucht. L. folgt
_Kap Pellaro_, r. die Küste Siziliens, vom 3313 m hohen Ätna beherrscht;
dann steuert der Dampfer östl. in die offene See, man behält noch lange
den Ätna in Sicht und erblickt nach 24 St. l. die Berge der Insel
_Kreta_, überragt vom _Psiloriti_ (2498 m), dem _Ida_ des Altertums.
Dann nimmt das Schiff Kurs auf (1410 Seem.) _Port Saïd_ (S. 25).
Weiterfahrt s. S. 27.


D. Von Marseille nach Bombay.

     =Dampfer der Peninsular and Oriental Steam Nav. Co.= jeden Fr. von
     Marseille über _Port Saïd_ (Anschluß von Brindisi, S. 23) und
     _Aden_ nach (4545 Seem.) _Bombay_. Umschiffung in Aden mit jedem 2.
     Dampfer, Fahrzeit etwa 16 Tage, Fahrpreis Marseille-Bombay I. 48 u.
     42 £, II. 36 u. 30 £. Anschluß an den _Bombay-Marseille-Expreßzug_,
     der Do. von London (Victoria-Holborn) abfährt.

     =Dampfer der Messageries Maritimes= alle 4 Wochen Mi. von
     _Marseille_ über _Port Saïd_, _Suez_, _Aden_ nach (4545 Seem.)
     _Bombay_ (und weiter über Colombo nach Australien). Fahrzeit etwa
     15 Tage.-- Über auswechselbare Rückfahrkarten mit dem
     Österreichischen Lloyd s. S. 22. --Direktion der Messageries
     Maritimes in _Marseille_, Quai de la Juliette 2, Bureau des
     Passages, Rue Cannebière 16 (Telegrammadr. »Sicorne Marseille«).

In =Marseille= (_Grand Hôtel Noailles_; _De Russie et d'Angleterre_, Z.
5-12 Fr.; _De Genève_, Z. 3,50-5 Fr.) legen die Schiffe am Kai an. Bald
nach Ausfahrt nimmt der Dampfer SO.-Kurs, den er behält, bis nach etwa
20 St. die Inseln _Korsika_ (l.) und _Sardinien_ (r.) auftauchen,
getrennt durch die 12 km breite, flache, klippenreiche und daher nicht
ungefährliche _Straße von Bonifacio_, die das Schiff nun passiert. L.
auf 60 m hohem Kalkfelsen, an der Südspitze von Korsika, liegt die Stadt
_Bonifacio_, mit alten Befestigungen und Leuchtturm.--Der Dampfer nimmt
dann Kurs zwischen Sardinien, dessen mäßig hohe Berge mit niedrigem
Gestrüpp bewachsen sind, und kleinen Eilanden (l.): erst _Isola della
Maddalena_, dann die kahle Felseninsel _Caprera_ (Ziegeninsel), Wohnsitz
(1854-82) Garibaldis, der auch dort begraben ist. Das weiße Haus
Garibaldis ist im Hintergrund einer kleinen Bucht sichtbar. Das Schiff
durchfurcht dann sö. das _Tyrrhenische Meer_; dabei erscheinen die
vulkanischen _Liparischen Inseln_ (S. 24). Dann taucht die Küste von
Kalabrien (l.) und die von Sizilien (r.) auf, alsbald läuft das Schiff
durch die *_Straße von Messina_ (S. 24) und folgt dem S. 24
beschriebenen Kurs; nach 5 Tagen erreicht man (1516 Seem.) =Port Saïd=
(s. unten). Weiterfahrt durch den Suezkanal s. S. 27.

     [Hand] Wer =Ägypten=: Alexandrien, Kairo und die Pyramiden besuchen
     will, findet Näheres in =Meyers »Ägypten«=.


Port Saïd und der Suezkanal.

Vgl. die Kartons auf den Karten bei S. 22 und S. 28.

     =Ankunft.= Die Schiffe ankern nahe am Kai; Ausbooten 1-1/2 Piaster,
     nachts 2-1/2 Piaster, Gepäck 1 Piaster das Stück, großer Koffer 4
     Piaster; Gepäckträger zum Zollamt 2, zum Hotel 3, zum Bahnhof 4
     Piaster.

     =Gasthöfe:= _Savoy_ (Pl. a), Quai François-Joseph, deutsches gutes
     Haus in schöner Lage; 60 Z. 22, F. 8, Lunch 20, Dîn. 25, Pens. 62
     (16 Fr.) Piaster.-- _The Eastern Exchange_ (Pl. b), Rue Sultan
     Hassan, 13-15 sh.--_Continental_ (Pl. c), Mitte der Stadt, am
     Schnittpunkte der beiden Hauptstraßen, Faßbierausschank, 10-1/2-12
     sh. tägl.--_De la Poste_, Rue Hassan, tägl. von 12 Fr. an.--_Port
     Saïd Casino_, in schöner Lage an der Hafeneinfahrt,
     Konzertrestaurant (Mai bis September geöffnet). --=Cafés
     chantants:= _Eldorado_, Rue du Commerce.--_Café Khédivial_, Quai
     François-Joseph.

     =Straßenbahn= durch die Stadt, Europäern nicht zu empfehlen!

     =Post:= _Französische_ (Pl. 2);--_Ägyptische_ (Pl. 1), beide Rue
     Sultan Hassan. --Das _=Postwesen=_ in Ägypten ist gut. Briefe läßt
     man am besten an ein Hotel adressieren.--=Telegraph:= _Englischer_
     (für das Ausland), Quai François-Joseph (Pl. 4).--_Ägyptischer_,
     Rue du Commerce (Pl. 3).

     =Konsulate:= _Deutsches Reich_, Rue El Nil, Gerent Rickmers;
     _Österreich-Ungarn_, Vizekonsul Probizer.

     =Geld:= _Ägyptisches Pfund_ (= 20,80 M.) zu 100 _Piaster_ (ca. 20
     Pf.) zu je 10 _Millièmes_ (ca. 2 Pf.). Ägyptisches Gold sieht man
     nicht häufig. Dafür gelten englische Pfund Sterling (_Gineh
     inglisi_ = 97-1/2 Piaster), Zwanzigfrankstücke (_Bento_ [venti] =
     77 Piaster) und türkisches Pfund (_lira turk_ = 87-3/4 Piaster).
     Deutsches Gold ist nur beim Bankier (mit Verlust) zu wechseln, wird
     aber in den Hotels genommen. Von Silber- und Scheidemünzen
     kursieren _nur_ ägyptische Stücke: Silbertaler (20 Pi.), 1/2
     Silbertaler (10 Pi.), 1/4 Silbertaler (5 Pi.), 2 Silberpiaster,
     1 Silberpiaster, 1/2 Piaster in Nickel, 8-Parastücke (ca. 4 Pf.),
     4-Parastücke (2 Pf.) in Kupfer und Nickel.--=Banken:= _Deutsche
     Orient-Bank_; _National Bank of Egypt_; _Anglo-Egyptian Bank_;
     _Bank of Egypt_; _Comptoir National d'Escompte de Paris_.

     =Sprache:= Arabisch, doch wird im Verkehr viel Englisch,
     Französisch und Italienisch gesprochen oder geradebrecht.

     =Eisenbahn= von _Port Saïd_ über (80 km) _Ismailia_, dann westl.
     nach (236 km) _Kairo_, tägl. zwei Schnellzüge

     mit Speisewagen in 4 St., südl. nach (160 km) _Suez_ in 4 St.

     =Dampferagenturen:= Norddeutscher Lloyd, W. H. Müller & Co.;
     _Hamburg-Amerika-Linie_, Deutsches Kohlendepot; _Deutsche
     Ostafrika-Linie_ und zahlreiche Schiffahrtsgesellschaften andrer
     Nationen.

=Port Saïd=, Hauptstadt des ägyptischen Gouvernements Isthmus, im O. der
Nehrung, die den Mensalehsee vom Mittelmeer trennt, unter 31° 16' nördl.
Br. gelegen, wurde erst im Jahre 1860 beim Bau des Suezkanals gegründet
und zählte 1909: 60000 Einw., darunter 23000 Europäer (viele Griechen
und Franzosen). Durch die Lage an der Mündung des Suezkanals ist das
Geschäftsleben auf den Durchgangsverkehr von Fremden zugeschnitten. Die
Stadt, in deren höhern Klassen das französische Element überwiegt, ist
regelmäßig angelegt, die neuern Straßen sind mit Bäumen bepflanzt;
2-4stöckige Gebäude haben im europäischen Stadtteil die Holzhäuser fast
ganz verdrängt. Ihren Mittelpunkt bildet die _Place Lesseps_ mit Anlagen
(zuzeiten Militärmusik). Hauptgeschäftsstraßen sind: _Rue de Commerce_
mit Läden, _Quai François-Joseph_ mit den Konsulaten und
Dampferagenturen, _Rue Osman_ mit Banken und Gasthäusern. Sehenswert ist
der Hafen, _Grand Bassin Ismaïl_, 8 m tief, dessen Teile, von S. nach N.
gezählt, das _Bassin Chérif_, das _Bassin de l'Arsenal_ und das _Bassin
du Commerce_ bilden; weitere Hafenanlagen sind im Bau. In den
Kohlenlagerplätzen hat auch das _Deutsche Kohlendepot_, G. m. b. H.,
eine große Niederlage. Am Ostufer des Kanals die Werkstätten der
Kanalgesellschaft. Etwas nördl. vor der Stadt, am Kanal- und Meeresufer,
der 53 m hohe _Leuchtturm_, mit elektrischem Blitzfeuer, 20 Seemeilen
weit sichtbar; außerdem weiße Leuchtfeuer zu beiden Seiten des Kanals
und Leuchtbojen mit grünem und rotem Licht. Zwei riesige _Molen_, die
östliche 1600 m, die westliche 2250 m lang, beide aus Blöcken, die aus
hydraulischem Kalk und Wüstensand bestehen, schützen die Hafeneinfahrt.
Der westliche Damm soll die vom Nil ins Meer geführten Schlammmassen,
die die Strömung des Mittelmeers nach O. treibt, vom Hafen fernhalten;
auf ihm ein 16 m hohes _Standbild Ferdinand von Lesseps'_ (von Frémiet),
1899 von der Kanalgesellschaft errichtet. Östl. vom Hafenkanal sind
große Salinen angelegt.

Der =Suezkanal=, 1859-69 durch den französischen Ingenieur Lesseps
erbaut, hat eine Länge von 160 km, die Breite ist am Wasserspiegel
100-130 m, an der Sohle 38,5 m, die Tiefe 9,50 m; durch
Erweiterungsbauten soll die Sohlenbreite auf 45 m, die Tiefe auf fast 11
m gebracht werden. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 19 Mill. Pfd.
Sterl., von denen 12800000 durch Aktienzeichnungen aufgebracht wurden,
während den Rest der Khedive deckte. Letzterm kaufte England 1875 die
übernommenen Aktien (177602 Stück im Werte von 3,5 Mill. Pfd. Sterl.)
ab. Die Einnahmen der Gesellschaft ergaben 1910: 133,7 Mill. Fr., die
Ausgaben nur 43,8 Mill. Fr., also Überschuß 89,9 Mill. Fr., wovon 31,6
Proz. Dividende gezahlt wurden. Es benutzten den Kanal 1910: 4533
Schiffe von 16581898 Nettotonnen, darunter 2778 englische, 635 deutsche,
259 holländische, 240 französische, 191 österreichische, 103 russische,
87 italienische, 72 japanische, 34 dänische, 26 spanische, 26 türkische,
25 schwedische, 20 norwegische, 14 griechische, 11 siamesische, 8
amerikanische, 3 ägyptische, 1 belgisches. Die Abkürzung der
Entfernungen zwischen Europa und den östlichen Ländern beträgt für die
Dampferfahrt nach Bombay von Brindisi und Triest etwa 37, von Genua 32,
von Marseille 31, von Liverpool, London, Amsterdam oder Hamburg 24 Tage.
Der Kanalzoll beträgt 7,25 Fr. für die Netto-Reg.-Tonne, so daß z. B.
ein Dampfer von nur 3000 Ton. 21750 Fr. Kanalzoll zahlt. Die Taxe für
Passagiere beträgt 10 Fr. Die Benutzung des Kanals, zu der alle Nationen
berechtigt sind, ist Schiffen bis 8,53 m (in nächster Zeit sogar bis
9,45 m) Tiefgang mit elektrischem Leuchtapparat auch bei Nacht
gestattet. Die Durchfahrtszeit beträgt 16-22 St. Die Fahrt ist
landschaftlich teilweise recht interessant, besonders abends bei
Mondschein.

     Der _Kanal_ durchschneidet die an ihrer schmalsten Stelle nur 112
     km breite und ganz flache (in der Linie des Suezkanals nur bis zu
     16 m hohe) _Landenge von Suez_, ein verhältnismäßig junges Gebilde,
     das einst eine Bucht des Mittelmeeres war, aber dann zum Teil mit
     den Absätzen dieses Meeres, zum Teil mit Sedimenten des Nils
     ausgefüllt wurde, der in alter Zeit einen Arm weit ostwärts
     entsandte. Der Südteil der heutigen Landenge ist aus Absätzen des
     Roten Meeres gebildet. Ihre landfest gewordene Oberfläche wurde
     darauf von den benachbarten Festlandsteilen aus mit einer
     Sandschicht überweht und ist heute ebenso sandig und wüstenhaft wie
     diese. Reste der einstigen Meeresbucht sind der _Menzalehsee_ bei
     Port Saïd und die übrigen Seen, die der Kanal durchschneidet (siehe
     unten). Als einzige Landverbindung zwischen zwei gewaltigen
     Erdteilen mußte die Landenge von Suez, seitdem Menschen sich
     betätigen, eine sehr wichtige Völkerstraße werden. Der Zugang aus
     Vorderasien zu dem reichen Niltal führte über sie hinweg, und
     umgekehrt drangen die Ägypter oft genug über sie nach den alten
     Kulturländern Syriens und Mesopotamiens vor. Wie oft spielt sie in
     den Erzählungen der Bibel eine Rolle! Wichtige Handelsstraßen
     führten seit der ältesten Zeit über sie hinweg, und noch heute wird
     sie von einem viel benutzten Karawanen- und Pilgerweg zwischen
     Ägypten einerseits, Palästina und Arabiens heiligen Stätten
     anderseits gekreuzt. Während die Landenge von Suez so eine wichtige
     Landbrücke für den friedlichen und kriegerischen Verkehr darstellt,
     mußte sie umgekehrt schon bald als ein lästiges Hemmnis für die
     Schiffahrt empfunden werden, und so entstand schon vor mehr als
     3000 Jahren (um 1400 v. Chr.) die erste Wasserstraße zwischen dem
     Mittelländischen und dem Roten Meer, die, wie die Mehrzahl ihrer
     Nachfolger, vom Unterlaufe des Nil nach dem Nordende des Roten
     Meeres lief, also weit westlich vom heutigen Kanal.

=Kanalfahrt Port Saïd-Suez.= Der Kanal geht von Port Saïd südl. und
tritt bei (14km) _Râs el-Esch_ in den fischreichen =Menzaleh-See=, einen
flachen, durch eine Nehrung vom Mittelmeer getrennten Strandsee; auf den
Sandbänken hausen Millionen von Sumpf- und Wasservögeln (Pelikane,
Flamingos). Der Kanal durchschneidet zwischen Dämmen den See in
schnurgerader Linie; die östl. Teile sind bereits trocken gelegt,
gleiches wird für die westl. beabsichtigt. Am Südende des Sees folgt die
Ausweichestelle (44 km) Stat. =El-Kantara= (»die Brücke«), eine niedrige
Bodenschwelle, über die seit alters die Heerstraße von Ägypten nach
Syrien führte, noch jetzt von Karawanen benutzt. An Stelle der alten
Brücke ist jetzt eine Fähre getreten. --Dann tritt der Kanal in den
kleinen _Ballâh_-(Dattel)-_See_, durch den ebenfalls Sanddämme gelegt
sind. Südl. vom Ballâh-See wird bei (63 km) _El-Ferdân_ und _El-Gisr_
(r.) eine 14 km lange Kalk- und Sandsteinbank, die höchste, nur 16 m hohe
Erhebung der Landenge, durchschnitten. Man passiert eine Moschee und
eine Schwimmbrücke sowie die Kapelle der _Vierge du Désert_ auf einer
Anhöhe. Beim Eintritt in den tiefblauen =Timsâh-= (Krokodil) =See= liegt
r. am Kanalufer eine Villa (Chalet) des Vizekönigs; der See war früher
eine Lagune mitten in der Wüste; sein erhöhtes Ostufer heißt das
Hyänenplateau. Am NW.-Ende des Sees liegt (76 km) =Ismailia= (_Hôtel des
Voyageurs_; gute Bahnwirtschaft; PT am Bahnhof), während des Kanalbaues
entstandenes, stilles, hübsches Städtchen (7000 Einw.), Zentralamt und
Hauptstation der Dampfer der Kanalgesellschaft, durch Eisenbahnen mit
Kairo (2-1/2 St.), Suez (2 St.) und Port Saïd (1-1/2 St.) verbunden.
Hier mündet der vom Nil bei Kairo kommende _Süßwasserkanal_, der die
Ortschaften am Suezkanal mit Trinkwasser versorgt.--Am SW.-Ufer des
Timsâh-Sees der _Djebel Marjam_, nach arabischer Sage die Stätte, auf
der Mirjam, die Schwester von Moses und Aaron, sieben Tage fern vom
Lager der Israeliten zubrachte (4. Mos., Kap. 12). Bei (85 km) _Tusûn_
(r.) ein weit sichtbares Schêchgrab. Der Kanal führt nun durch
Sandsteinlagen und erreicht (bei 90 km) die Bahnstat. _Serapeum_ (r.),
kleinen, durch den Kanalbau entstandenen Flecken; westl. ein
_Darius-Denkmal_ auf einem Hügel zum Andenken an den ältesten Kanalbau.
2 km südl. durchbricht der Kanal harte Kreidefelsen und tritt dann in
die blaugrünen =Bitterseen= ein, an deren Ein- und Ausgang je ein
Leuchtturm steht; das Fahrwasser ist mit Leuchttonnen und Pfahlbaken
bezeichnet. Vor dem Kanalbau lag die Mulde der Bitterseen trocken, am
18. März 1869 lief das Mittelmeerwasser in sie hinein, am 15. Aug. wurde
der südliche Damm durchstochen und die Begegnung beider Meere
hergestellt. Der Große (nördliche) Bittersee ist ca. 20 km lang; auf
dieser Strecke dürfen Dampfer mit »Volldampf« laufen und sich auch
überholen, da das Fahrwasser breit genug ist. Eine ausgebaggerte
Fahrrinne führt vom Großen in den Kleinen Bittersee, an dessen NW.-Ufer
die Ruinen eines andern Perserdenkmals liegen. Nw. sieht man die Hügel
und die Bahnstat. von _Geneffe_. Im Kleinen Bittersee sind zwei
Anlegestellen für Schiffe. Südl. von den Bitterseen ist harter Boden;
bei (139 km) Stat. _Schalûf_ (r.) führt der Kanal durch Sandstein; dann
folgen Sandhügel. Der Kanal wird hier breiter, seine Dämme sind höher
als vorher. Beim sogen. (150 km) _Campement Madama_ bestehen die Ufer
aus festem Mergel und weichem Ton; westl. Ruinen zweier Denksteine mit
Inschrift von Darius in Hieroglyphen- und Keilschrift. Eine Wüstenstraße
(Pilgerstraße nach Mekka) kreuzt hier auf einer Schwimmbrücke den Kanal.
Östl. in einiger Entfernung liegen die Trümmer der alten Stadt
_Arsinoë_. Die Ausfahrt aus dem Suezkanal ins Rote Meer mündet an der
Ostseite der großen Bai von Suez; die Stadt Suez, die Hafenanlagen von
Port Ibrahim, die Ausweichestelle und die Kaianlagen von Port Taufik
bleiben r., ebenso die Avenue Hélène (S. 29); l. ein starker
Wellenbrecher zum Schutze der Kanalmündung.--(160 km) _Port Taufik_
(_Tewfik_), Ausweiche- und Anlegestelle an der Südeinfahrt des
Suezkanals, ist mit Hafenanlagen ähnlich wie Port Saïd ausgerüstet;
Einrichtungen zum Bekohlen von Dampfern nahe dem Gebäude der
Kanalgesellschaft. Die Dampfer halten hier gewöhnlich etwa 2 St.

(160 km) =Suez= (vgl. den Karton auf der Karte »Rotes Meer«).

     =Gasthöfe:= _Bel Air_, in Stadt Suez, Rue Colmar, am Bahnhof; 22 Z.
     4 Fr., Pens. 13 Fr., gut.--_Sinai_, auf Port Taufik, nahe dem
     Landeplatz der Dampfer; 16 Z., Pens. 13 Fr.

     =Bierstube:= _Bayer. Bierhalle_, gutes Essen u.
     Schlafzimmer.--=Cafés:= _Paradies_ und _Mahroussa_ (in beiden
     Konzert).

     =Post= (ägyptische), Hauptamt in Port Taufik, Avenue Hélène,
     Nebenamt in Suez-Stadt, nahe dem Zollamt.--=Telegraph:= Ägyptischer
     (für Ägypten) in Port Taufik, nahe dem Bahnhof (Suez-Dock), in
     Suez-Stadt im Gouvernementsgebäude; --_fürs Ausland:_ der englische
     Telegraph in Port Taufik, neben Hotel Savoy, in Suez-Stadt
     gegenüber Hotel Bel Air.

     =Konsulate:= _Deutsches Reich_, Konsul Geo. Meinecke (zugleich
     Vertreter des Deutschen Kohlendepots).--_Österreich-Ungarn_,
     Vizekonsul A. Pacho.

     =Banken:= _Geo. Meinecke_ (Deutsche Orientbank, Banque Imperiale,
     Ottomane etc.).--_Bank of Egypt Ltd._

     =Eisenbahn= über Ismailia nach (247 km) _Kairo_ in 4-1/2-5-1/2 St.

     =Dampfschiffagenturen:= _Norddeutscher Lloyd:_ W. H. Müller & Co.;
     _Hamburg-Amerika-Linie:_ Geo. Meinecke (deutsches Kohlendepot) und
     viele andre.

     Auf dem (unbedeutenden) =Basar= schöne Korallen, Muscheln etc. aus
     dem Roten Meer. Handeln!

_Suez_ liegt an der Nordecke des Meerbusens von Suez, eines Busens des
Roten Meers, im W. überragt vom Djebel Atakah. Die Stadt, mit etwa 18000
Einw., darunter 2774 Europäer, Sitz eines Gouverneurs, besteht aus dem
arabischen Viertel östl. vom Bahnhof, mit einigen unbedeutenden
Moscheen, und dem regelmäßig angelegten, sauberen europäischen Viertel
westl. und nördl. vom vorigen, mit einigen großen Häusern und
Warenlagern. Nw. vom europäischen Viertel die schmutzige arabische
Matrosenvorstadt _Arbaïn_.--Im N. der Stadt liegt auf dem Hügel Kôm
el-Kolzum ein verfallenes _vizekönigliches Landhaus_ mit schönem
Umblick. Von hier nö. die _Mündung des Süßwasserkanals_ mit
Schleusenwerk; der Kanal liegt hier 2 m ü. M. Etwas weiter nw. das
_Wasserhebewerk_ der Suezkanalgesellschaft; auf dem Ostufer des
Süßwasserkanals der frühere _Karawanenlagerplatz_.--Zu den im S. der
Stadt weit ins Meer hinausgebauten _Hafenanlagen_ führt ein 3,5 km
langer, 15 m breiter _Damm_, auf dem auch die Bahn läuft (stündl. ein
Zug zum Port Taufik [»Suês-Docks«]), die den Ankerplatz der Schiffe mit
Stadt und Bahnhof verbindet. Der Damm bildet einen aussichtsreichen
Spazierweg; östl. sieht man die Berge der Sinaihalbinsel, westl. den
Djebel Atakah. Am Ende des Dammes l. das _Bassin der Kanalgesellschaft_
und der _Port Taufik_ am Südausgang des Suezkanals; sodann Gebäude, die,
von den Kanallotsen und -beamten bewohnt, ihre Front dem Kanal zukehren
und die _Avenue Hélène_ bilden. Am Ende dieser Avenue das von Lesseps
errichtete _Standbild des Leutnants Waghorn_ (gest. 1850), eines
angeblich in Deutschland geborenen englischen Offiziers, der sein Leben
erfolglos der von Lesseps mit Glück durchgeführten Idee gewidmet hatte
und im Elend starb. Das Fahrwasser ist von hier nach S. noch 4 km weit
durch Pfähle und Bojen bezeichnet. Westl. von der Avenue Hélène liegt
das große Hafenbassin _Port Ibrahîm_, mit Trockendock (124 m lang),
durch eine mächtige Mauer in den Kriegs- und den Handelshafen
geschieden. Eine Bootfahrt im Hafen bei ruhigem Wetter ist lohnend.

     Der Ausflug nach der am Ostufer des Golfs von Suez gelegenen
     =Mosesquelle= (_Ain Musa_) erfordert 1/2 Tag mit Dampfpinnasse,
     sonst einen Tag Zeit und ruhiges Wetter. Man macht ihn entweder zu
     Esel (20 Pi. sowie 20 Pi. für Überfahrt des Esels) oder fährt mit
     Dampfpinnasse (1-2 £) in 1 St. hin, oder Segelboot (15 Pi. finden
     Tag) in 3-6 St. ans Ostufer und geht 3/4 St. durch die Wüste zu den
     Gärten an der Quelle (nach früherer Annahme das Schilfmeer, das die
     Juden bei ihrem Zug durch das Rote Meer passierten).
     Wahrscheinlicher ist es, daß die Israeliten weiter nördlich durch
     die Bitterseen gewatet sind.-- Die Mosesquelle ist eine kleine
     Oase, mit salzigbittern Quellen (natronhaltig), die nach der
     Tradition von Moses durch Hineinlegen eines Baumes aus einer
     bittern süß gemacht wurden (2. Mos. 15, 23-25). Die Oase ist von
     Arabern bewohnt, die Gemüsebau treiben.

     Tagesausflüge zu Kamel oder Esel ins Atâkahgebirge sind für Jäger
     und Naturfreunde lohnend.

Das =Rote Meer= (vgl. beifolgende Karte), ein 2250 km (entsprechend der
Entfernung von Berlin bis Batum) langes, aber im Mittel nur 275 km (=
Berlin-Sangerhausen) breites Meeresbecken, trennt als ein gewaltiger
Graben zwei wüstenhafte Hochländer ganz ähnlichen Charakters, die
Libysche Wüste und das Arabische Hochland. Im N. läuft es in die beiden
schmalen Zipfel des _Golfs von Suez_ und des _Golfs von Akaba_ aus, im
S. wird es durch die nur 26 km breite Einschnürung der Straße von _Bab
el-Mandeb_ vom Indischen Ozean geschieden. Dieser grabenartigen
Umrißgestalt des Roten Meeres entspricht auch seine Entstehungsweise: es
nimmt die Stelle eines in grauer Vorzeit (am Ende der sogen.
Tertiärzeit) in die Tiefe gesunkenen Stücks der nordostafrikanischen
Wüstentafel ein. Von der gleichen Entstehung ist auch der die SO.-Seite
der Sinaihalbinsel begrenzende Golf von Akaba (s. oben), der sich
als »Syrischer Graben« in dem landfest gebliebenen Wadi el Araba und dem
Jordantale noch weit nordwärts fortsetzt (vgl. S. 32).

Die Küsten des Roten Meeres zeigen noch heute seine Natur als
Grabenbruch: hinter einem schmalen, flachen Küstensaum (der Tihama),
einer jungen Meeresanschwemmung, erheben sich sowohl auf der ägyptischen
wie auf der arabischen Seite die Steilabfälle der benachbarten
Hochländer, die aus flachgelagerten Schichten von Kreidekalk und
tertiärem Sandstein bestehen, durch zahlreiche Trockentäler (Wadis)
zerrissen sind und durchaus ein gebirgsartiges Aussehen haben. Der
Gebirgscharakter der Küstenabfälle wird noch erhöht durch wirkliche
Gebirgszüge aus altkristallinen Gesteinen, die sie namentlich auf der
ägyptischen Seite überragen, sowie durch jungvulkanische, gleichzeitig
mit dem Einbruch des Roten Meeres aufgequollene Gebirgsstöcke, vor allem
in Südwestarabien; zu den erstern gehört der _Sinai_, zu den letztern
der _Djebel Schamschan_, die Berge um Aden.--Aber auch unterhalb der
heutigen Strandlinie setzt sich der Steilabfall noch fort, so daß das
Rote Meer trotz seiner geringen Breite namentlich in seiner nördlichen
Hälfte bedeutende Tiefen, bis zu 3000 m, aufweist. Größere Buchten
fehlen fast ganz, dafür ragen viele kleine Felsvorsprünge ins Meer
hinaus, und teilweise umsäumen zahlreiche Klippen die Küsten, die bei
der Wärme des Wassers auch reich an Korallenbauten sind.--Seinen Namen
trägt das Rote Meer zu Unrecht; es ist meist tiefblau und nur
stellenweise durch nahe der Oberfläche in großen Massen schwebende
niedere Organismen (sogen. Plankton) grünlich, gelblich oder rötlich
gefärbt. Das Tierleben in dem sehr warmen (bis 34,5°) Wasser ist
überhaupt reich, das Meeresleuchten oft prächtig.

     Das _=Klima=_ des Roten Meeres ist verrufen wegen seiner hohen
     Temperaturen. Schon Suez an seinem Nordende hat eine
     Jahrestemperatur von 22°, gehört also bereits der heißen Zone an,
     aber die südl. Küstenorte sind noch viel heißer, die Insel Perim in
     der Bab el-Mandeb-Straße hat mit 30° die höchste mittlere
     Jahrestemperatur von ganz Asien, und Massaua und Assab stehen ihr
     nicht nach. Als verhältnismäßig schmale Einsenkung zwischen den im
     Sommer gewaltig erhitzten großen Wüstenflächen Nordostafrikas und
     Arabiens verwandelt sich das Rote Meer, allseitig zwischen
     Steilabfälle eingebettet, im Sommer in einen wahren Glutkessel. Das
     Meerwasser selbst bringt der Luft keine Abkühlung, denn die
     Meeresoberfläche wird selbst sehr stark erwärmt, und durch die
     schmale und wenig über 300 m tiefe Bab el-Mandeb-Straße findet das
     kalte Tiefenwasser des Indischen Ozeans keinen Zutritt. So macht
     die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und die Verhinderung nächtlicher
     Abkühlung nur die Hitze unerträglicher, zumal auch keine stärkeren
     Luftströmungen herrschen. Die Dampfer sind daher gezwungen, für die
     Rote Meer-Fahrt arabische, somalische oder chinesische Heizer
     anzunehmen, und die Reisenden werden häufig von einem lästigen
     Hautausschlag, dem »Roten Hund«, befallen. Die beste Zeit zur Fahrt
     durchs Rote Meer ist deshalb der Winter. Regenfälle treten über dem
     Roten Meer im Sommer fast nie, im Winter selten ein; Stürme
     bedrohen die Schiffahrt nur selten, doch hat diese in der
     klippenreichen Küstenzone unter starken Strömungen zu leiden, und
     die Luft ist oft mit Staub erfüllt, der über den benachbarten
     Wüstenflächen aufgewirbelt ist.

Bei der großen Regenarmut sind die Küsten des Roten Meeres wüstenhaft
und schwach besiedelt, Küstenstädte bei der Hafenarmut spärlich
vorhanden und von geringer Bedeutung, da auch ihre Hinterländer arm an
Menschen und an Erzeugnissen sind. Der gewaltige Verkehr dieser
wichtigen Weltverkehrsstraße flutet an den Küsten des Roten Meeres nur
vorbei. Dagegen bestand im Altertum ein reger Handel zwischen Südarabien
und Ägypten und Palästina (Salomo bezog von der Königin von Saba
Weihrauch, Myrrhen etc.). Im Mittelalter hatte Südarabien als
Kaffeeproduktionsgebiet eine gewisse Bedeutung, jetzt deckt es aber kaum
noch ein Hundertstel des Weltverbrauchs, und der einst wichtige
Kaffeeversandhafen Mocha ist ganz vereinsamt. Auch die Küstenplätze der
europäischen Kolonien, die an der dem abessinischen Hochlande
benachbarten Küste entstandenen sind, vermögen wegen des Fehlens regerer
Handelsbeziehungen zum Binnenland und wegen eines mörderischen Klimas
vorläufig zu keiner Blüte zu gelangen. Nur das schon außerhalb des
eigentlichen Roten Meeres nahe der SW.-Spitze Arabiens gelegene Aden ist
als wichtiger strategischer Stützpunkt der Engländer und durch seinen
guten Hafen zu größerer Bedeutung gekommen.

=Fahrt durch das Rote Meer= (Suez-Aden 1318 Seem.). Auf der Reede von
Suez, außerhalb der Kanalmündung (s. S. 29) sind gute Ankerplätze für
große Dampfer, doch müssen mehrere gefährliche Riffe, die aber mit
Leuchtbaken bezeichnet sind, gemieden werden; das große mittlere
Korallenriff _Kalaa el-Kebira_ hat drei rote Gerüstbaken. Die Küsten an
beiden Seiten der Suezbai sind kahl und öde; an der Westseite erhebt
sich der auffällige _Djebel Atakah_ zu 831 m Höhe. Die Mosesquelle (S.
30) an der Ostseite der Bai erkennt man an den Palmen, die sie umgeben,
sowie an der Quarantäneanstalt für Reisende. Bei der Fahrt durch den
Golf von Suez halten sich die Schiffe näher der Westküste, die
Leuchttürme auf _Râs Safarana_, _Râs Gharib_, auf den _Aschrafi-Riffen_
und auf der _Schadwan-Insel_ hat. Das Land ist an beiden Seiten
sichtbar, an der afrikanischen die gleichförmigern Steilabfälle der
Wüstentafel, die stellenweise rötliche Färbung haben und im _Djebel
ed-Dêr_ 1450 m Höhe erreichen; an der Ostseite, auf der Sinaihalbinsel,
erheben sich die »mächtig trotzigen, scharfzackigen Wände« des _Sinai_,
ein schönes Alpenland zerklüfteter Felsmassen, das sich hinter
wallartigen Vorbergen aufbaut und keine Spur von Pflanzenwuchs zeigt.
Der Hauptgipfel, _Djebel Musa_ (2270 m), und der etwas westlichere
Gipfel _Djebel Katherina_ (2602 m) treten für das Auge zurück gegenüber
der kühnen und großartigen Gestalt des _Djebel Serbâl_ (2050 m), der
neuerdings als der Berg der mosaischen Gesetzgebung angesehen wird.

     Den =Sinai= besucht man vom Hafenplatz =Tor= aus (Quarantäneplatz
     für heimkehrende Mekkapilger, deren 1907 dort 45000 die Quarantäne
     durchmachten), von wo man in 2-1/2 Tagen auf Kamelen das _Kloster
     auf dem Sinai_ erreicht; der Reitweg ist aber sehr schlecht und
     durch Räuber gefährdet. Nach Tor laufen Postdampfer der Khedivial
     Mail Line der Linie Suez-Djidda wöchentlich; auch führt ein Reitweg
     längs der Küste nach Suez.

Vom Golf von Suez gelangt man durch die ziemlich enge, mit vielen
gefährlichen Riffen an beiden Seiten besetzte _Djobal-Straße_ in das
Rote Meer; auf den Aschrafi-Riffen (r.) ein Leuchtturm. Östl. von der
Djobal-Straße zweigt längs der Ostküste der Sinaihalbinsel der wenig
befahrene _Golf von Akaba_ (S. 30) ab, in dessen Fortsetzung das
Jordantal mit dem Toten Meer und dem See Genezareth liegt.-- Am Roten
Meer liegen auf ägyptischer Seite ein neuer Phosphathafen in der
_Safadjabucht_ sowie der nur monatlich einmal von einem
Regierungsdampfer besuchte Handelsplatz =Kossêr= mit 2200 Einw. an der
Mündung des Trockentals _Wadi Ambagni_; die Stadt ist sauber und hat
eine gute Reede. Eine Karawanenstraße führt nach _Kench_ am Nil nahe bei
Karnak. Weiter südl., am Fuße der _Berenice-Berge_ (1350 m), liegt unter
dem _Râs Benas_ der gute Ankerplatz _Port Berenice_ dicht bei den Ruinen
der altägyptischen Handelsstadt _Berenike_, von Ptolemäus II.
Philadelphus gegründet und nach seiner Mutter benannt; eine alte
Stationsstraße führte von dort nach Kench. In der Nähe Smaragdminen. Die
Umgegend ist reich an Antilopen.--Einer der besten Häfen an der Küste
von Nubien ist

=Port Sudan= (früher _Mirsa Schêch Barud_ genannt) auf 19° 35' nördl.
Br., der durch Eisenbahn und Telegraph mit Suakin und Berber am Nil
verbunden ist und im Jahre 1906 eröffnet wurde. Die Einsteuerung in den
gut geschützten Hafen ist sehr bequem. Die Hafenanlagen sind modern und
mit elektrischen Kohlentransportern, Ladebrücken, Kranen, Werkstätten,
Lagerhäusern etc. reich ausgestattet. Port Sudan hat sich schnell zum
Haupthandelshafen für den Sudan und Nubien entwickelt; Ausfuhr umfaßt
besonders Baumwolle, Gummi, Vieh und Häute. Die junge Stadt hat bereits
an 5000 Einw., darunter 1000 Europäer, besitzt Elektrizitätswerk,
Wasserwerk, Post und Telegraph. Zollamt und Bahnhof in der Oststadt,
europäische Geschäftshäuser, Gouvernementsgebäude, Schule, Krankenhaus
in der Weststadt; Garnison und Polizei. Port Sudan soll gesund sein,
trotz großer Hitze im Juni-September. Die Stadt liegt auf baumloser
Ebene, im Hintergrund mit malerischer Gebirgsgegend.

     =Eisenbahn=: Mehrere Züge tägl. in 24 St. nach (792 km) _Chartum_,
     über (39 km) _Sallom Junction_, von da Anschluß nach (20 km)
     Suakin.

     =Dampferlinien=: Wöchentlich ein Dampfer der Khedivial Mail nach
     _Suez_; außerdem laufen Dampfer der Hamburg-Amerika Linie
     (Vertreter Geo. Meinecke), des Norddeutschen Lloyd, der British
     India Steam Nav. Co. und der Società Nazionale di Servizi Marittimi
     Port Sudan an.

=Suakin= (_Sauakin_), bisher wichtigster englisch-ägyptischer Hafen, hat
sehr viele Riffe und Inseln vorgelagert, die die drei Einfahrten sehr
schwierig machen, so daß 1903 während des Bahnbaues hier 10 Dampfer
strandeten. Die Stadt hat etwa 7000 Einw., liegt auf einer Insel mitten
in vorzüglicher Hafenbucht, die während des englischen Sudanfeldzugs
(1884-91) gegen den Mahdi und seinen Nachfolger als Hauptstützpunkt der
kriegerischen Unternehmungen diente, aber auch von den Mahdisten
mehrmals belagert und hart bedrängt wurde. Auf dem Festlande liegt die
Arabervorstadt _El-Kef_, nach der von Suakin ein Damm führt; die
Vorstadt besteht meist aus Lehmhütten, hat mehrere Moscheen aus
Lehmziegeln und einen guten Basar. Die Landseite ist durch einen
halbkreisförmigen Befestigungsgürtel geschützt. Die Stadt Suakin hat
Post und Telegraph, zwei Krankenhäuser, katholische Missionskapelle,
mehrere Moscheen. Gouverneur ist der rangälteste englisch-ägyptische
Offizier der Garnison. Suakin ist in (20 km) _Sallom Junction_ mit der
Bahnlinie Port Sudan-Berber-Chartum verbunden (vgl. _Meyers_ »Ägypten«).
Dampfer der Khedivial Mail laufen wöchentlich an und gehen nach Suez,
Massaua, Dschidda, Hodêda und Aden alle 14 Tage. Suakin ist wichtig als
Einschiffungsplatz der sudanesischen Pilger, die von hier nach Dschidda
überfahren. Die Hitze ist im Juni, Juli und August am größten, bei
Sandstürmen über 40° C; Sonnenstich und Unterleibstyphus sind dann für
Europäer besonders gefährlich.

An der wüstenhaften _=arabischen=_ Küste des Roten Meeres liegen
folgende Seeplätze und heilige Städte:

=Janbo el-Bahr=, auf 24° 5' nördl. Br., ist Anlegeplatz für
Pilgerschiffe mit geschützter kleiner Hafenbucht. Die Stadt ist
verfallen und ärmlich; das Landtor führt auf den Karawanenweg nach
Medina. Die Bewohner sind Araber, Besatzung und Kaimakam (»Landrat«)
sind Türken. Der Handelsverkehr nimmt etwas zu; ägyptische, britische
und türkische Dampfer laufen den Hafen an.

     Etwa 200 km östl. von Janbo liegt =Medina=, die Stadt des Propheten
     mit dem Heiligtum _El-Haram_, einer Moschee auf der Stelle, wo
     Mohammed starb. Der Zutritt zur Stadt ist Ungläubigen streng
     verboten, doch haben einige Europäer die Stadt verkleidet besucht
     und beschrieben (Burton 1852).

=Dschidda=, auf 21° 28' nördl. Br., mit etwa 20000 Einw., ist der
bedeutendste Seehandelsplatz dieser Küste und Hauptlandungsplatz der
zahlreichen Dampfer und Segler mit Mekkapilgern (jährlich etwa 40000).
Der Ort hat seine Bedeutung wahrscheinlich durch den Umstand erlangt,
daß der Wintermonsun die Segelschiffe von Südosten her gerade noch bis
hierher zu treiben vermag; anderseits waren die Schiffer häufig
gezwungen, hier länger liegen zu bleiben, um günstigen Wind abzuwarten,
und benutzten diese unfreiwillige Muße zu einem Besuche der heiligen
Stätte im Hinterlande, der Ka'aba (s. unten), die dadurch bis in weit
entfernte Gegenden bekannt wurde. Von See macht die Stadt mit hohen
weißen Häusern und vielen Minarets sowie den Türmen und Basteien der
Stadtmauer einen großartigen Eindruck. Im Hintergrund erhebt sich hohes
Gebirgsland. Dem Ankerplatze vor der Stadt sind gefährliche Riffketten
vorgelagert, durch die schwierige Fahrwasser hindurchführen. Vom Seetor
am Strande gelangt man durch enge, schmutzige Straßen geradeaus auf den
Basar; am Ostende der Stadt liegt das Mekkator. Die Tore bleiben von
Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang geschlossen. Die fanatische
Bevölkerung ist christenfeindlich; die Einwohner und die Beduinen aus
der Umgegend gehen stets bewaffnet; außer einigen Konsuln (England,
Frankreich, Rußland, Holland und Österreich) gibt es fast keine Europäer
in der Stadt; außerhalb der Stadt lasse man sich nicht sehen und sei
auch in der Stadt sehr vorsichtig!--Dampferlinien für den Pilgerverkehr
sind die Ocean Steamship Co., die Khedivial Mail, drei britisch-indische
und drei niederländische Linien. Telegraph nach Suakin, Medina, Mekka.

     =Mekka=, die Geburtsstadt Mohammeds und Hauptstadt des Hedschas,
     liegt etwa 95 km östl. von Dschidda und 400 km südl. von Medina und
     hat etwa 60000 Einw. Um die _Ka'aba_ (den heiligen schwarzen Stein)
     zu besuchen, der in der Mitte des Mekkatals in der SO.-Ecke des
     _Beit Allah_ (Haus Gottes) eingemauert ist, strömen dort jährlich
     bis zu 100000 mohammedan. Pilger zusammen. Mekka ist
     Hauptpflegestätte der mohammedanischen Theologie.

Die Dampfer im Hauptfahrwasser des Roten Meeres steuern, nachdem sie bei
der Insel Schadwan die Djobal-Straße verlassen haben (S. 32), SSO.-Kurs
und sichten zunächst nach etwa 6 St. den Leuchtturm (mit neuem
Blitzfeuer) der beiden Koralleninseln _Die Brüder_, behalten dann
SSO.-Kurs 100 Seem. weiter, bis der Leuchtturm des _Dädalus-Riffs_ in
Sicht kommt. Von da 656 Seem. bis zur Insel _Djebel Tair_; dabei sieht
man r. die 213 m hohe _St. John-Insel_, die _Elba-Berge_ und andre
Gipfel der ägyptischen Küste. Nur einzelne Dampfer nehmen etwa vom 18.°
nördl. Br. südl. Kurs, um innerhalb der nördl. _Dahlak-Inseln_ längs der
Küste der italienischen Kolonie _Eritrea_ nach deren Haupthafen

=Massaua= zu steuern, der, von mehreren Inseln und einer Halbinsel
eingeschlossen, einen vorzüglichen Ankerplatz bildet. Die Stadt mit etwa
35000 Einw. liegt auf der gleichnamigen Insel; am Hafen liegen
Kaufhäuser, Kaffeehäuser und Kolonialgebäude, Marinewerft, Vorratslager,
Marinelazarett. _=Bank=_: _Società Coloniale Italiana_ (Korresp. der
Deutschen Bank). Aufblühender Handel, Ausfuhr von abessinischem Kaffee,
Elfenbein, Gold, Gummi, Fellen, Perlen u. a. Funkentelegraphenstation,
Post und Telegraph. Die Dampfer der Società Nazionale di Servizi
Marittimi laufen wöchentlich an. Das Klima ist eins der heißesten auf
der Erde, vom Juni bis September sinkt das Thermometer im Durchschnitt
nicht unter 30° herab; im April und Mai herrscht Malaria. Der
vorzügliche Hafen diente schon 1867/68 Lord Napier (of Magdala) als
Landungsplatz und Hauptstützpunkt beim Feldzug gegen Abessinien, wurde
später von den Engländern wieder aufgegeben und 1885 von den Italienern
besetzt. Eine Eisenbahn führt von Massaua westl. über _Dogali_ nach
_Sahati_. Der militärische Statthalter der Kolonie Eritrea wohnt in
_Asmara_, etwa 45 km sw. von Massaua.

Von Massaua laufen die Dampfer mit sö. Kurs längs der Eritrea-Küste nach
=Assab=, dem südlichsten Hafen und Handelsplatz der italienischen
Kolonie, von dem ein Karawanenweg nach _Magdala_ in Abessinien führt.
Assab liegt auf 13° nördl. Br. in einer durch Inseln und Riffe
geschützten Bucht und hat 5000 Einw.; die Einfahrt ist schwierig,
besonders durch das Ostfahrwasser. Die italienischen Dampfer laufen
Assab an.

     Schiffe, welche die Hafenplätze der Küste von _Jemen_ besuchen,
     müssen schon auf dem 20.° nördl. Br. aus dem Hauptfahrwasser des
     Roten Meeres ostwärts auf die Stadt _el-Lid_ zusteuern und dann das
     _=Innere Fahrwasser=_ innerhalb der Korallenriffe vor der
     arabischen Küste benutzen. =El-Lid= liegt auf 20° 7' nördl. Br.;
     Dampfer des Österreichischen Lloyd besuchen etwa vierteljährlich
     diesen und die folgenden Hafenplätze, von denen der nächste im S.,
     =Kunfuda=, eine befestigte türkische Stadt mit etwa 10000 Einw.,
     auf 19° 8' nördl. Br. liegt. Beträchtlichern Handel mit Kaffee und
     Getreide hat die kleinere Stadt =Lohêja=, mit 2000 Einw., auf 15°
     42' nördl. Br.; der Ankerplatz liegt etwa 4 Seem. von der
     Stadt.--Als Quarantäneplatz für indische Pilgerschiffe ist der
     =Kamaran-Hafen= an der Ostseite der großen Insel _Kamaran_ wichtig.
     Gegenüber liegt auf dem Festland die Stadt _Saliff_, aus deren
     Steinsalzwerken viel Salz verschifft wird. Durch den _Kamaran-Paß_
     führt die Küstenfahrt dann nach dem wichtigen Handelsplatz =Hodêda=
     (_Hodeida_) auf 14° 47' nördl. Br.; die aufblühende Stadt hat etwa
     45000 Einw. und regen Schiffsverkehr; Ausfuhr: Kaffee, Felle, Korn.
     Kleiner Schutzhafen für Sambuks und Boote ist neu gebaut. Etwa
     wöchentlich Dampfer der Khedivial Mail nach Suez und Aden und
     italienische nach Massaua. Der Telegraph ist selten gebrauchsfähig,
     man sendet schneller Telegramme mit Dampfer nach Aden. Cholera
     tritt in Hodêda häufig auf.

Der _=Hauptdampferweg=_ führt l. an der 245 m hohen, vulkanischen Insel
_Djebel Tair_ vorbei, dann südl. und l. von den _Sebajir-Inseln_.
_Djebel Sugur_ und die _Hanisch-Inseln_ werden auf der Ausreise meist r.
gelassen, wobei aber die gefährliche _Avocet-Klippe_ auf 14° 22' nördl.
Br. gemieden werden muß; sie hat nur 4,6 m Wassertiefe und ist rings von
tiefem Wasser umgeben, auch nicht zu erkennen, so daß schon mehrere
Dampfer auf ihr Schaden erlitten haben. Die meisten Dampfer steuern
durch die _Abu Ail-Durchfahrt_ östl. von Djebel Sugur und halten dann
auf Mocha zu, wobei die _Hanisch-Inseln_ r. bleiben.--=Mocha= (_Mokka_)
ist von Bord aus an den Minarets und Moscheen zu erkennen; im
Hintergrund der Stadt erheben sich hohe Berge, an deren Abhängen der
berühmte Kaffee wächst; während nämlich der Küstenstrich selbst wüst und
öde ist, empfangen die terrassenförmig abfallenden Gehänge des
Hochlandes von Jemen oberhalb von 800 m Meereshöhe ziemlich ergiebige
Niederschläge und sind daher reich bewässert und bebaut. Die Gipfel
sind meist in Dunstschleier gehüllt. Früher war Mocha wichtigste
Handelsstadt von Jemen, ist aber jetzt von Hodêda weit überholt; die
Stadt sieht wie ein Trümmerhaufen aus. Die Reede hat viele Riffe.--
Dampfer nach Aden steuern in Sicht von Mocha südl. längs der arabischen
Küste durch die _Kleine Straße Bab el-Mandeb_ (S. 30) und dann östl.
meist in Sicht der im _Djebel Churruz_ bis 829 m hohen Küste nach _Aden_
(S. 38).

=Perim=, englische Insel in der Straße Bab el-Mandeb, ist kahl, felsig
und vulkanischen Ursprungs; auf dem 65 m hohen Gipfel der Insel am
SO.-Ende liegt eine Lloydsignalstelle, die passierende Schiffe
telegraphisch nach London meldet; Telegraphenkabel führen von der Insel
nach Aden, Suez, Obock, Assab, Massaua und Suakin. Der bequeme
natürliche Hafen an der SW.-Seite der Insel ist an die _Perim Coal
Comp._ verpachtet, die ein großes Lager an Kohlen zur Ausrüstung von
Dampfern unterhält. Indische Mekkapilger-Schiffe müssen die Insel zur
ärztlichen Untersuchung anlaufen. Perim ist strategisch als englischer
Flottenstützpunkt wichtig, aber unbefestigt. Zur Brutzeit
Schildkrötenfang am Hafen.

Dampfer nach Djibouti laufen westl. von Perim durch die _Große Straße
Bab el-Mandeb_ zwischen _Râs Sijan_, einem 135 m hohen rötlichen
Küstenvorsprung, und den _Sechs Brüdern_ (_Djesiret es-Sawahib_), sechs
auffälligen Felseninseln, hindurch, steuern dann um _Râs el-Bir_ herum
in den _Golf von Tadjura_, an dessen NO.-Ecke der von Riffen
eingeschlossene Hafen von _Obock_ liegt, früher Haupthafen der
französischen Somali-Küste, jetzt, weil ungesund, verlassen. Im Innern
des Golfs von Tadjura liegen die unwichtigen Handelsplätze _Tadjura_,
_Ambabo_, _Sagallo_ und das schwer zugängliche Becken _Ghubbet Charab_.
Am SO.-Ausgang des Golfs liegt die Hauptstadt der französischen Kolonie
_Somali_.

=Djibouti=, Stadt mit ca. 16000 Einw., davon 1800 Europäer, Sitz eines
Gouverneurs; zwei deutsche Firmen; Stadt mit steinernen Häusern, gut
gebaut. Polizeitruppe von 500 Gallaleuten.

     =Gasthöfe=: _Continental_ (gelobt);-- _Des Arcades_;--_De France_,
     Pens. 10-12 Fr.--=Cafés= am _Place du Port_ und am _Place de
     Menelik_.--=Dampfer=: _Messageries Maritimes_, 14tägig nach
     Marseille, Ostasien, Australien, Madagaskar und Mauritius;
     Küstendampfer der _Cie. de l'Afrique Orientale_ nach Aden, außerdem
     Dampfer des _Österreichischen Lloyd_, der _Hamburg-Amerika Linie_
     und der _Cie. Harraise_ etwa monatlich einmal.--=Post u. Tel.=
     französisch; =Telephon= nach Harrar und andern abessinischen Orten
     bis Addis-Abeba. --=Eisenbahn= bis Diré-Daua (vgl. S. 37),
     Fortsetzung bis Addis-Abeba im Bau.--=Geld= französisch: die
     Eingebornen nehmen auch indische Rupien und Silber-Annas in
     Zahlung.

     =Konsulate=: _Abessinischer Konsul_ Ato Joseph, bei dem man
     vorspreche vor einem Ausflug nach Abessinien zur Ausstellung eines
     Waffenscheins (gratis). --=Bank=: Filiale der _Banque de
     l'Indochine_.

     =Geschichtliches=: Erste französische Niederlassung 1862 in Obock,
     gekauft vom Sultan Ibrahim Abu Bekr; Kohlenlager wurden erst 1883
     dort eingerichtet; 1896 wurde Djibouti Hauptstadt der Kolonie »_Côte
     Française des Somalis_«.

An der Landungsbrücke für Leichter mit Schmalspurbahn liegen die
Kohlenlager und Gebäude der Messageries Maritimes. An der kleinern
südlichen Landungsbrücke, die dem Bootsverkehr zum Dampfer dient, das
Regierungsgebäude. Krankenhaus für Europäer. Trotz der Hitze sind die
Gesundheitsverhältnisse für Europäer gut, nur Sonnenstich kommt häufig
vor. Größte Hitze im Juli, August und September. Man trage stets
Tropenhelm!--Trinkwasser aus Wasserleitung ist nicht einwandfrei,
Darmkatarrhe treten häufig auf. Lebhafter Handel mit Elfenbein, Kaffee,
Gold und Häuten; Waffenausfuhr nach der arabischen Küste. Handelshäuser
am _Place du Port_ und _Place de Menelik_.

     =Eisenbahn Djibouti-Diré-Daua=, 310 km in 16 St., zweimal wöchentl.
     Personenverkehr für I. 180, II. 62, III. (nur Eingeborne) 15,50
     Fr., Rückfahrkarten mit 8 Tagen Gültigkeit I. 220, II. 75 Fr.
     Spurweite der Bahn 1 m. Die Bahn durchläuft die wasserarme,
     hügelige Küstenebene und fährt dann in Trockentälern in das innere
     Gebirgsland hinein. Nachdem bei (89 km) _Ali Sabiet_ in 734 m Höhe
     der französische Grenzposten passiert ist, kommt man durch
     besonders schöne Gebirgslandschaften hindurch. In 831 m Höhe bei
     (106 km) _Daouanlé_ ein Bahnhofsgasthaus. Das Gebirgsland endet bei
     (132 km) _Adelé_, die Bahn tritt auf eine unabsehbare, mit
     einzelnen Büschen und Bäumen besetzte Hochebene, erreicht (190 km)
     _Col du Harr_ (887 m) und, zuletzt wieder durch Bergland, den
     vorläufigen Endpunkt in (310 km) _Diré-Daua_ (1100 m), 1905
     gegründeter Stadt mit 15000 Einw., darunter 500 Europäer.
     _=Gasthöfe=_: _Continental_; _De France_; _Vigier_; _Hermelides_;
     _Michaelides_. _=Geld=_: Mariatheresientaler und Meneliktaler (Bör)
     = 12-16 Mahalek (abessinische Silbermünze, etwa 12-13 Piaster
     [Girsch]). Französisches Geld wird in Zahlung genommen.

     _=Ausflug=_ von Diré-Daua nach _Harar_, 60 km in 1-2 Tagen auf
     Kamelen, Pferden, Mauleseln oder Eseln; Preis für ein Tier 3-5
     Taler. Die gebahnte Straße führt am See Hiramaya (abessinisches
     Wirtshaus zum Übernachten) vorbei, überschreitet einen Bergpaß von
     2030 m Höhe und senkt sich dann nach der Stadt =Harar= (_Hôt.
     Universel_, Pens. 15 Fr.), die 1856 m ü. M. auf einem Berge liegt
     und 50000 Einw. hat, davon 8-10000 Abessinier, an 7000 Galla und
     Somali, Rest Fremde (Araber, Türken, Armenier, Hindus und
     Griechen). Harar ist alte Handelsstadt, 1886 von Menelik erobert,
     Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, Sitz eines Gouverneurs. Die
     fünf Tore der Stadt werden bei beginnender Dunkelheit geschlossen
     und unter keiner Bedingung vor dem nächsten Morgen geöffnet; vor
     der Stadt ist _keine_ Unterkunft, das Kampieren im Freien ist wegen
     des Geheuls der Hyänen und Schakale unangenehm. Die Stadt, mit
     Mauern umgeben, inmitten von Bananenpflanzungen und Kaffeegärten
     reizvoll gelegen, hat typisch orientalisches Gepräge. Sehr gesundes
     Klima, gute Wasserleitung. _=Bank=_: _Bank of Abyssinia_, eine
     Filiale der gleichnamigen Bank in Addis-Abeba. _=Münzwesen=_ s.
     unter Diré-Daua; PT, Telephon nach Djibouti und Addis-Abeba.
     _=Konsulate=_: England, Italien sind vertreten. Französisches
     Hospital.

     Lebhafter Handel, besonders in Kaffee und Häuten; der Markt wird
     tägl. von etwa 10000 Angehörigen der Stämme dieser Provinz besucht.
     Die Umgegend ist sehr fruchtbar, das Klima mild. Etwa 4 St. von
     Harar Jagd auf Wildschweine etc.

     Das eigentliche =Abessinien= (_Habesch_, _Äthiopien_), das man bei
     diesem Ausfluge nicht berührt, umfaßt ein wildzerklüftetes
     Alpenland mit wald- und wildreichem Tafelland im Innern, mit
     gesundem europäischen Hochgebirgsklima, geeinigt 1889 vom Negus
     Negesti (König der Könige = Kaiser) _Menelik_, der infolge schwerer
     Krankheit im Jahr 1911 von der Regierung zurücktrat. Seitdem ist
     der (1896 geborne) Enkel Meneliks, _Lidji Jeassu_, König von
     Abessinien. Die südl. Provinzen werden künftig mit der Bahn
     erreichbar, die von Diré-Daua westwärts 470 km weiter bis zur
     Hauptstadt Meneliks, =Addis-Abeba=, im Bau ist. Addis-Abeba, etwa
     2400 m ü. M. von Bergen umgeben in der Landschaft _Schoa_ gelegen,
     zählt ca. 50000 Einw.; etwa 60 km westlicher liegt die zeitweilige
     Residenz _Addis-Alam_ des Königs. Schoa hat in den Höhenlagen sehr
     gesundes Klima, doch tropische Regenzeit vom Juni bis September.

     _=Jagdgelegenheit=_ bei Addis-Abeba am Hawasch-Fluß und an den
     Robi-Seen auf Nilpferde, Krokodile, Warrans, Löwen, Leoparden,
     Büffel und Antilopen sowie auf Federwild, wie Marabus, Kuhreiher
     etc.; zur Jagd sind Empfehlungen und Regierungserlaubnis
     erforderlich.


Aden.

Vgl. den untenstehenden Lageplan.

[Illustration: Lageplan von Aden.]

     =Ankunft.= Östl. und westl. von Aden ist die Küste niedrig und
     sandig, so daß sich die drei Halbinseln _Râs Amran_, _Djebel
     Hassan_ und _Aden_ scharf hervorheben; die Halbinsel Aden hat viel
     Ähnlichkeit mit Gibraltar, ihr turmartiger, 541 m hoher Gipfel
     _Djebel Schamschan_ kommt bei klarem Wetter schon auf 40 Seem.
     Abstand in Sicht. Die aus dem Roten Meere kommenden Dampfer halten
     geradeswegs auf die Leuchtbake auf _Elephants Back_ und die
     Leuchttonnen bei _Steamer Point_ zu. Die Dampfer des Norddeutschen
     Lloyd ankern meist sw. von den äußern Leuchttonnen im Außenhafen,
     nur während des stärksten Südwestmonsuns, im Juni, Juli und August,
     gehen sie des hohen Seegangs wegen in den innern Hafen (oder nehmen
     in Perim Kohlen). Alle übrigen (kleinern) Dampfer suchen stets den
     Binnenhafen auf.-- Die meisten Dampfer haben nur 3-6 St.
     Aufenthalt, man erkundige sich genau nach der Abfahrtszeit, ehe man
     an Land fährt, und bleibe bei starkem Seegang besser an Bord, weil
     dann die Bootfahrt nach _Steamer Point_ zeitraubend u. schwierig
     und rechtzeitige Rückkehr unsicher ist. Der äußere Ankerplatz liegt
     etwa 2 km vom Lande, die Überfahrt kann 1 St. dauern. Am
     Landungsplatz hängt ein Bootstarif (in Deutsch, Englisch und
     Französisch) mit allen Gebühren für Personen und Gepäck. Ein
     Bootsinspektor ist am Landungsplatz zu finden. --Aden ist
     Freihafen, Waffen und Munition dürfen nicht eingeführt werden,
     Weine und Spirituosen zahlen hohen Zoll.

     =Gasthöfe=: _Grand Hôtel de l'Univers_ (15 Z. 6-10, F. 2, Dîn. 3
     sh.);--_De l'Europe_ (Z. 4, F. 1, Déj. 3, Dîn. 4, Pens. 10 sh.)
     sind die besten Gebäude am Strand von Steamer Point, gut mit
     Veranden geschützt und bequem eingerichtet; Pens. etwa 8 Rup. tägl.

     =Post= am Strand von Steamer Point. --=Telegraph= am Landungsplatz;
     nur Rupies oder englisches Gold wird in Zahlung genommen. Kabel
     nach Perim und Suez, Bombay, Zanzibar. _Funkentelegraphenstation_
     bei Marbut Hill.

     =Wagen= sind knapp, viersitzige Einspänner; Kutscher hat gedruckten
     Tarif; bei Zweifel wende man sich an die Polizei an der
     Landungsbrücke.

     =Dampferagenturen:= _Norddeutscher Lloyd_, _Hamburg-Amerika Linie_,
     _Deutsche Ostafrika-Linie_ und _Deutsche Hansa-Linie_, Agentur für
     alle vorgenannten die Aden Coal Co. (Tel.-Adr.
     »Cory«).--_Österreichischer Lloyd_, Cowasjee Dinshaw & Br., ferner
     Agenturen mehrerer nichtdeutscher Dampfschiffgesellschaften.

     =Dampferlinien= nach Bombay s. S. 22 und nach Colombo S. 105;
     Deutsche Ostafrika-Linie viermal monatl. nach Mombasa und
     Daressalam; British India Co. und Messageries Maritimes monatl.
     nach Mombasa und Zanzibar; Küstendampfer nach Djibouti, Hodêda und
     Berbera wöchentl.

     =Geld.= Silberwährung: 1 (indische) Rupie = 16 annas; 1 anna = 12
     Pie. Es gibt Silbermünzen zu 1/8, 1/4, 1/2, 1 Rup. (15 Rup. gleich
     20 Mark).-- =Bank:= _National Bank of India_, Korr. der Berliner
     Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.

     =Sprache:= Englisch und Arabisch.

     =Konsulate:= _Deutsches Reich_, Konsul C. E. L. Kappelhoff jun.,
     nahe der Landungsstelle in Prince of Wales
     Crescent.--_Österreich-Ungarn_ und _Holland_, zurzeit vom Deutschen
     Konsulat verwaltet.

     =Krankenhaus= für Europäer in Steamer Point (European General
     Hospital mit europäischen Ärzten und Krankenschwestern) oberhalb
     der Postamtsbrücke auf einem Abhang in guter Lage.

     =Kaufläden= für Straußenfedern, Felle, Geweihe, Muscheln, Korallen
     und arabische Kuriositäten. Vorsicht im Einkauf bei den zum Dampfer
     kommenden Händlern!

=Aden=, 54 qkm große, seit 1839 den Engländern gehörende Halbinsel an
der Südspitze Arabiens, unter 12° 46' nördl. Br., hängt mit dem
Festlande durch einen 1233 m breiten Flachlandstreifen zusammen (s.
Plan). Sie besteht aus einer steilrandigen erloschenen Vulkanruine, die
im Djebel Schamschan zu 531 m aufsteigt und deren nach dem Meere zu
geöffneter Krater das Hafenbecken bildet. Am Ostabhang liegt, von hohen,
völlig kahlen Felsmassen umgeben, die _Stadt Aden_, 37 m ü. M.,
gegenüber der befestigten Insel _Sirah_. Die Hafenstadt (»Steamer
Point«) liegt nw. davon an der von Bergen umschlossenen Bai _Tawaji_
(Tawahe). Aden war schon im Altertum (als Adana) und im Mittelalter ein
wichtiger volkreicher Handelsplatz, geriet aber später in Verfall, so
daß 1838 die Einwohnerzahl auf 600 gesunken war. Die Engländer
erstürmten die Halbinsel 1839, befestigten sie stark und machten sie zu
einem wichtigen Stützpunkt für den indisch-ostasiatischen Seeverkehr.
Auch die Ausfuhr von Kaffee, Aloe, Harz, Federn, Perlen, Häuten und
Fellen ist bedeutend (mit Perim 1904/05: 43 Mill. Rupien). Aden mit
Schech Othman und Perim hat (1901) 43974 Einw., darunter 23998 Araber,
8631 Inder, 7364 Somali und 2271 Europäer, meist Engländer. Seit
Eröffnung des Suezkanals hat sich die Bedeutung der Stadt als stark
befestigte Flottenstation, von der aus der Eingang zum Roten Meere
blockiert werden kann, ungemein gehoben. Der vollen Ausnutzung der
günstigen Lage steht nur die Schwierigkeit der Süßwasserbeschaffung
entgegen. Quellen fehlen, und das Trinkwasser muß durch Destillation von
Seewasser beschafft werden, wenn die vermutlich schon um 1700 v. Chr. in
die Felsen gehauenen, von den Engländern wiederhergestellten Zisternen
versagen. Neuerdings wird geplant, eine Wasserleitung vom Festlande bei
Lahadsch (Lahedj) herzuführen. Die Halbinsel Aden ist der
Präsidentschaft Bombay unterstellt; der politische Resident wohnt am
Nordabhang von Râs Tarschein, der Westspitze der Halbinsel. Die Stadt
Aden liegt am Ostende, das Geschäftsviertel mit Warenlagern am
Innenhafen.

Vom Landungsplatz _Steamer Point_ nach _Aden_ fährt man in etwa 3/4 St.
In Steamer Point beginnt das Straßenleben der Europäer nach 5 Uhr Nm.,
wenn die Sonne hinter die Berge tritt; dann versammeln sich die
Offiziere und Beamten nebst Familien beim Sportplatz. Die Straße nach
Aden führt anfangs am Strand entlang, dann vorbei am Dorfe _Malla_ und
durch mehrere Felsentunnel und Festungstore in die _Stadt Aden_, die
regelmäßig erbaut ist und nur wenig Grün zeigt. Der _Basar_ ist
sehenswert (Fettschwanzschafe, Kamele). Außerhalb der alten Stadt haben
die Parsen einen Feuertempel und einen Turm des Schweigens (S. 60)
angelegt. Die großen Zisternen liegen in einer Schlucht, wo das
Regenwasser von den Bergen zusammenfließt; ihre Umgebung zeigt als
einziger Punkt der Umgebung frisches Grün. Etwa 50 Zisternen sind
vorhanden, doch bisher nur etwa 13 wieder instand gesetzt; sie liegen
stufenförmig übereinander, am SO.-Ende der Stadt bildet ein großes
Becken den untern Abschluß. Das Wasser wird auf Eseln und Kamelen zur
Stadt geschafft. Die Zisternenanlage ist (auch landschaftlich) die
größte Sehenswürdigkeit Adens.

     Das =Klima= von Aden ist nicht ungesund, doch in der großen Hitze
     während des Südwestmonsuns kommen Hitzschläge häufig vor.
     Passagiere von Europa sollten _stets_ mit Tropenhelm an Land gehen!
     In der kühlen Jahreszeit (Mitte Oktober bis Ende März) hüte man
     sich vor Erkältungen nach Sonnenuntergang. Gegen Sonne und Staub
     ist eine graue Sonnenbrille empfehlenswert. Der Regenfall beträgt
     im Jahresdurchschnitt 58 mm, bleibt jedoch manchmal jahrelang ganz
     oder fast ganz aus; die mittlere Jahreswärme ist 28° C. Bei längerm
     Aufenthalt wirkt das Klima sehr erschlaffend.

=Fahrt von Aden nach Bombay=, 1650 Seem., in 4-5 Tagen. Um heißes Wetter
und Regenzeit zu meiden, wähle man für die Fahrt die Zeit zwischen Ende
Oktober und Ende Februar. Mai und September sind heiß; zwischen Mai und
September, im Südwestmonsun, steht meist hoher Seegang zwischen Aden und
Bombay, dann ist die Überfahrt sehr rauh, naß und unfreundlich.

     =Der Golf von Aden= und das _Arabische Meer_, der Nordwestteil des
     Indischen Ozeans, stehen wie das übrige Südasien während des ganzen
     Jahres unter dem Einfluß der _Monsunwinde_, jahreszeitlicher
     Luftströmungen, die durch den Temperaturgegensatz zwischen Festland
     und Ozean hervorgerufen werden. Das Innere der gewaltigen
     asiatischen Festlandsmasse erwärmt sich im Sommer viel stärker als
     die umgebenden Meere, kühlt sich aber auch im Winter viel stärker
     ab. Infolgedessen steigt im Sommer die erhitzte Luft über
     Innerasien in die Höhe, und die obern Luftschichten fließen gegen
     die kühlem Meere hin ab, während unten umgekehrt eine Strömung vom
     Meere zum Lande hin einsetzt. Diese äußert sich über dem Arabischen
     Meer als Süd- und Südwestwind, als sogen. _Südwestmonsun_, der als
     Seewind feucht ist und für den größern Teil Indiens die Regenzeit
     bringt. Die umgekehrte Luftzirkulation tritt im Winter ein; dann
     herrscht über dem Arabischen Meer der _Nordostmonsun_, ein trockner
     Landwind, der viel schwächer weht, weil die gegen 6000 m hohe Mauer
     des Himalaja die Luftmassen aus Innerasien nur in der Nordwestecke
     Vorderindiens in dieses eindringen läßt.

     Schwere Wirbelstürme sind im Arabischen Meer seltener als in der
     Bai von Bengalen und im Chinesischen Meer, kommen aber doch,
     besonders in den Monaten April, Mai, Juni sowie im November, vor
     und bringen zuweilen sintflutartigen Regen und Gewitter. Fallen des
     Barometers um 7-8 mm ist ein sicheres Anzeichen für einen
     Wirbelsturm, dessen Zentrum meist im Winkel von etwa 6 Strich (=
     68°) zur Monsunrichtung fortschreitet. Auch große Dampfer suchen
     dem Zentrum nach Möglichkeit auszuweichen.

Während der Fahrt bietet sich häufiger als im Roten Meere Gelegenheit,
fliegende Fische, Delphine und auch Haie nahe am Bug und am Heck des
Schiffes zu beobachten; gelegentlich sieht man Tintenfische und
Prachtquallen (Siphonophoren), kreisrunde Scheiben von 5-6 cm
Durchmesser, wie schwimmende Kokarden, gelber Fleck mit rotem Zentrum.
Nach _E. Haeckel_ zeigt das _=Meerleuchten=_ im Arabischen Meere
zweierlei Formen: zuweilen erscheinen abends Tausende von
größern »Leuchtkugeln«, meist Medusen (_Pelagia_, _Rhizostoma_,
_Zygocannula_ u. a.), geisterhaft aus der dunkeln Flut auftauchend und
wieder verschwindend; von weitem leuchten sie nur schwach, doch von
einer Welle erfaßt, leuchten sie heller auf. Bei der zweiten Form
leuchten Milliarden kleiner Krebstiere (Ruderkrebse = _Copepoda_ und
Muschelkrebse = _Ostracoda_, von letztern hat eine kleine eiförmige
Cythere besonders starke Leuchtkraft); zwischen ihnen sind viele kleine
leuchtende Radiolarien und Infusorien, Peridineen und Pyrocysten. Dieses
Leuchten des Meerwassers erscheint am prächtigsten in den kämmenden
Bugwellen des Schiffes und im Kielwasser oder wenn Delphine dem Schiffe
folgen, auch ist es sehr schön zu beobachten, wenn man es zum Baden
benutzt und den Strahl einer Pumpe im Dunkeln auf den Körper richtet;
dann ist der Badende wie mit Phosphor übergossen.--Land sichtet man
gewöhnlich nicht zwischen Aden und Bombay. Die entlegene, selten von
Schiffen besuchte Insel _Sokotra_ bleibt meist außer Sicht r.; sie liegt
500 Seem. östl. von Aden und 130 Seem. vor Kap Guardafui. Die über 1400
m hohen Berge der Insel sind meist in Dunst gehüllt, so daß man oft die
Insel nicht sehen kann, auch wenn man ihr nahe ist. Der
Lloyddampfer »Oder« strandete 1887 bei der Insel im Nebel infolge von
Stromversetzung.

Etwa 700 Seem. onö. von Aden und 100 Seem. nördl. vom Dampferkurs liegen
vor der arabischen Küste die fünf, ebenfalls englischen
_Churja-Murja-Inseln_, die im Notfalle geschützte Ankerplätze bieten.
--Bei der Ansteuerung Bombays erscheint die niedrige Küste der Insel,
auf der die Stadt liegt; ihr höchster Punkt, Malabar Hill, ist nur 55 m
ü. M. Näher kommend erkennt man die Back Bay mit der Stadt. Prächtig
wird das Landschaftsbild, wenn der Prong-Leuchtturm vor Colaba Point
umsteuert ist und der Dampfer in den Hafen von Bombay an der Ostseite
der Stadt einläuft. Die Colaba-Kirche, das Taj Mahal Hotel und der
schlanke Turm der Universität sind besonders auffällig. Im N. und O.
sieht man kleine Inseln, darunter auch _Elephanta_. Die Festlandberge im
O. erheben sich bis zu 800 m, auffällig unter ihnen ist der _Funnel Hill
(Karnala)_ wegen seiner seltsamen Form und ganz l. der _Cathedral Rock
(Bawa Malang)_, auch Mallangadh genannt, dessen Gipfel ein senkrechter
Felsenabhang mit einem verfallenen Fort krönt.


Vorderindien.

Vgl. die Karten S. 64 und 96.

     =Allgemeines über die Tropen.= Mit Vorderindien oder Ceylon betritt
     der Weltreisende, der der in unserm Führer beschriebenen Route
     folgt, zum erstenmal ein auch seinem äußern Ansehen nach
     _tropisches_ Land. Zwar gehören, rein klimatisch betrachtet, auch
     das Rote und das Arabische Meer der Tropenzone an, aber die Pracht
     und Fülle der Pflanzenwelt, die das Wesen und den Hauptreiz der
     Tropen ausmacht, fehlt den öden Gestaden des Roten Meeres gänzlich.

     Die Vegetation ist ihrerseits abhängig von den
     _=Klimaverhältnissen=_, in erster Linie von Temperatur und
     Niederschlag. Ein allen Tropengebieten der Erde gemeinsames Merkmal
     ist die _=hohe Temperatur=_, die durch den hohen Stand der Sonne
     hervorgerufen wird. Zugleich ist aber auch die Schwankung der
     Temperaturverhältnisse im Laufe des Jahres viel geringer als bei
     uns, denn der Sonnenstand wechselt viel weniger als in unsern
     Breiten, und damit bleibt ihre Strahlungskraft und auch die
     Tageslänge während des ganzen Jahres ziemlich gleich. Der höhere
     Stand, den das Tagesgestirn am Himmel erreicht, offenbart sich
     durch die Kleinheit der Schatten, die auch hohe Gegenstände um die
     Mittagszeit werfen, und vor allem in der Kürze, mit der sich der
     Auf- und Untergang der Sonne vollzieht. Bei der Steilheit ihres
     Auf- und Abstieges sind die Übergänge zwischen Tag und Nacht viel
     plötzlicher als bei uns, und eine eigentliche Dämmerung fehlt fast
     ganz. Wenn nun auch in einem großen Teile der Tropen trotz der
     ziemlich gleichbleibenden wärmespendenden Kraft der Sonne ein
     Wechsel der Jahreszeiten vorhanden ist, so ist dies auf den zweiten
     Hauptklimafaktor zurückzuführen, die _=Niederschlagsverhältnisse=_.
     Die Hauptjahreszeiten sind nicht wie bei uns Winter und Sommer,
     sondern _=Regenzeit=_ und _=Trockenzeit=_. Der Regenfall aber ist
     wieder abhängig von den Luftströmungen im indischen Klimagebiet,
     also von den Monsunwinden, die schon (S. 40) erläutert worden sind.
     Die Niederschläge drücken die Temperaturen herab, und infolgedessen
     geht die größte Hitze der Regenzeit voraus, tritt also in
     Vorderindien im März bis Mai ein. Man unterscheidet zwar in Indien
     gewöhnlich drei Jahreszeiten, nämlich die kühle (während unsers
     Herbstes und Winters), die heiße (März bis Mai) und die Regenzeit;
     aber der Unterschied zwischen den beiden ersten ist viel geringer
     als der zwischen der trocknen und der Regenzeit. Innerhalb dieser
     Jahreszeiten ist das Wetter in den Tropen viel gleichmäßiger als in
     Mitteleuropa, dessen Witterung hauptsächlich durch die westöstl.
     wandernden Gebiete hohen und niedrigen Luftdruckes beherrscht wird.
     Während bei uns »gutes« und »schlechtes« Wetter so unregelmäßig
     aufeinanderfolgen, daß man die kommende Witterung kaum über einen
     Tag hinaus mit einiger Sicherheit voraussehen kann, besteht in den
     Tropen ein ähnlicher Wechsel nur in den Übergangszeiten zwischen
     den Jahreszeiten. Innerhalb der letztern aber ist der
     Witterungsverlauf mit seltenen Ausnahmen Tag für Tag derselbe, so
     daß man z. B. in Manila in der Regenzeit einen Spaziergang vor oder
     nach dem täglichen Nachmittagsgewitterregen zu verabreden pflegt.

     Das Tropenklima bedingt nun überall da, wo zur Wärme auch die
     Feuchtigkeit kommt, jenes _=üppige Pflanzenkleid=_, das gemeinhin
     als Hauptcharakterzug der Tropen betrachtet wird. Dieses
     Pflanzenkleid ist freilich innerhalb der Tropen je nach den
     Niederschlagsverhältnissen wieder sehr verschieden. Dauerndes
     Wachstum und das ganze Jahr hindurch fortdauernder Laubschmuck ist
     dem Tropenwalde nur in _den_ räumlich beschränkten Gebieten
     beschieden, die Regen zu allen Jahreszeiten empfangen, wie in
     Vorderindien z. B. am Westabfall des Dekhans und in Sikhim. Der
     größere Teil der Tropenwälder aber steht zur Trockenzeit ebenso
     entlaubt da wie unsere Laubwälder zur Winterszeit, und die
     Trockengebiete haben in den Tropen nicht weniger Steppen- und
     Wüstencharakter wie in den andern Klimagürteln der Erde auch. Den
     immergrünen wie den regengrünen Laubwald der Tropen unterscheidet
     von den Wäldern höherer Breiten vor allem die äußerste
     Mannigfaltigkeit der ihn bildenden Gewächse, während unsre
     europäischen Wälder aus nur wenigen Arten zu bestehen pflegen; zwar
     ist auch im gemäßigten und subtropischen O. Nordamerikas der Wald
     sehr mannigfaltig zusammengesetzt, aber diese Vielheit von
     Waldbäumen hat sich auch nur aus einer Periode mit tropischem Klima
     in unser Zeitalter herübergerettet.

      Im Tropenwald wird das Durcheinander der Pflanzenarten wieder
     einigermaßen ausgeglichen durch das Einerlei der ungeteilten,
     glänzend lederartigen, dunkelgrünen Blätter, die den meisten
     Tropenbäumen eigen sind. Man bezeichnet den Tropenwald meist
     schlechthin als _=Urwald=_, und in der Tat ist eine geregelte
     Forstkultur auch in den unter engerer europäischer Verwaltung
     stehenden Tropenländern kaum in den ersten Anfängen vorhanden.
     Trotzdem werden die meisten Reisenden wirklich unberührten
     »jungfräulichen« Urwald kaum zu sehen bekommen oder wenigstens
     sein Inneres nicht betreten. Der ursprüngliche, geschlossene
     Tropenurwald ist in seinem Innern vielfach kaum schwerer zu
     durchwandern als etwa der Buchenhochwald in unsern Breiten;
     das Laubdach, gebildet durch die mächtigen Baumkronen und noch
     verdichtet durch üppiges Lianengewirr, ist so geschlossen, daß
     unter ihm tiefe Dämmerung herrscht und Unterholz aus Lichtmangel
     wenig aufkommt. Anders ist es freilich an den sehr zahlreichen
     Stellen, wo alte, morsch gewordene Bäume gestürzt sind und bei
     ihrem Fall die Nachbarn mit zu Boden gerissen haben; in diesen
     Lücken entfaltet sich am Boden sofort der üppigste Pflanzenwuchs,
     den man nur mit Hilfe des Buschmessers durchdringen kann, und
     ebenso ist es überall da, wo der Mensch in den Urwald Breschen
     geschlagen hat, wo er Pflanzungen angelegt und vielleicht zum
     Teil wieder verlassen, wo er Straßen hindurchgebaut und auf
     beiden Seiten noch einen Urwaldstreifen niedergeschlagen hat,
     kurz, an den Stellen, die der Reisende meist berühren wird.
     Hier und an den ursprünglichen Waldrändern, namentlich entlang
     den Flußläufen sowie in den niedrigen Sumpfwäldern (in Indien
     Dschangel genannt), sind die Hauptstandorte für die niedrigern
     _Palmen_, die _Musazeen_ (Bananen), _Bambusarten_ und andre
     Gewächse, die uns als besonders charakteristische Vertreter
     der Tropenflora gelten, die aber doch nur die Kulissen für den
     Hochwald bilden. Im Hochwald selbst kommen an Palmen nur die ganz
     hochstämmigen Arten und die Kletterpalmen vor, die mit Hilfe ihrer
     Haftorgane bis hinauf ins Licht zu gelangen verstehen. Neben deren
     strickförmigen, blattlosen Stämmen enthält aber der Tropenurwald
     in seinen untern Partien auch zahlreiche Gewächse, die das Auge
     erfreuen: das sind die _Epiphyten_, Pflanzen, die an den Stämmen
     und auf den Bäumen wachsen, ohne doch auf ihren Wirtspflanzen
     zugleich zu schmarotzen und ihnen Nährstoffe zu entziehen. Sie
     entsprechen also nicht unsrer einheimischen Mistel, sondern
     unsern Flechten. Es sind vor allem Bromeliazeen und _Orchideen_,
     letztere häufig mit prachtvollen, stark duftenden Blüten, die
     vielerlei interessante Anpassungen an ihre eigenartige Lebensweise
     zeigen. Ein besonderer Schmuck des Tropenwaldes der höhern
     Bergzonen sind die hochstämmigen _Baumfarne_, die, zierlichen
     Palmen vergleichbar, unter den Kronen höherer Bäume anmutige
     Gruppen bilden.-- Eine besondere Art des tropischen Waldes ist der
     _Mangrovenwald_, der Flachküsten und die Flußmündungen innerhalb
     des Bereiches von Ebbe und Flut begleitet. Er hat sich den
     wechselnden Wasserständen durch Stelzwurzeln angepaßt, zwischen
     deren Geflecht das Wasser unschädlich ein- und ausströmt.

       *       *       *       *       *

     =Vorderindien= zerfällt seinem Aufbau nach in drei große Gebiete,
     die auch in ihrem landschaftlichen Charakter stark voneinander
     abweichen: das Hochland des Dekhans, das aus sehr alten Gesteinen
     besteht und schon längst landfest war, als Hindostan und der
     Himalaja noch vom Meer bedeckt wurden; das Punjab und Hindostan,
     ein Tiefland jungen Ursprungs, in seinen oberflächlichen Schichten
     von den mächtigen, dem Himalaja entströmenden Flüssen aufgebaut;
     und endlich den Himalaja, ein gewaltiges Faltengebirge, dessen
     Gebiet aber ebenfalls bis ins Tertiärzeitalter hinein vom Meer
     bedeckt war und das sich somit erst in verhältnismäßig sehr kurz
     verflossener Zeit emporgerichtet hat.

     Dieser Entstehungsgeschichte entspricht der allgemeine
     landschaftliche Charakter der drei Gebiete: Das _Dekhan_, in seinen
     obern Partien aus flach gelagerten Gesteinsschichten bestehend und
     seit unvordenklichen Zeiten der nivellierenden Tätigkeit von Wind
     und Wasser preisgegeben, hat trotz seiner ziemlich bedeutenden
     Erhebung über das Meeresniveau keinen Gebirgs-, sondern mehr
     Hochlandscharakter, und nur die Abfälle dieses Hochlandes gegen den
     Arabischen und den Bengalischen Meerbusen, die sogen. _Ghats_,
     erwecken den Eindruck von Gebirgen. Entlang diesen Steilrändern ist
     einst die Fortsetzung des Dekhans in die Tiefe gesunken. Nach N. zu
     fällt das Hochland langsam ab und geht schließlich ohne schroffen
     Abfall in die Tiefländer des _Punjabs_, _Hindostans_ und
     _Bengalens_ über. Ihre weiten Ebenen reichen bis an den Fuß des
     Himalaja im N. und des Grenzgebirges gegen Beludschistan und
     Afghanistan im W.

     Der _Himalaja_ zeigt alle Merkmale eines jungen Faltengebirges.
     Tiefeingeschnittene, steilwandige Längstäler verlaufen dem
     Gebirgsrande parallel ostwestl. und sind mit der Ebene durch enge,
     zuweilen schluchtartige Quertäler verbunden, deren schmale Sohlen
     fast ganz von rauschenden Flüssen eingenommen werden; Straßen wie
     Ortschaften sind dann auf die steilen Talflanken angewiesen. Von
     der Alpenlandschaft unterscheidet sich die Himalajalandschaft vor
     allem durch das Fehlen eiszeitlicher Spuren unterhalb 2500 m
     Seehöhe, wie Gebirgsseen, Kare etc. Die Bergketten steigen in so
     rascher Folge hintereinander bis zur Zentralkette, die die höchsten
     Gipfel der Erde trägt, auf, daß man vom tropischen Tieflande des
     östl. Gangesgebietes aus vielfach in nur 75 km Entfernung die
     Schneegipfel erblickt. Im Westen, z. B. in der Gegend von Simla,
     sind die mittelgebirgsartigen Vorketten des Himalaja breiter, und
     die Schneegipfelzone ist weiter zurückgerückt.

     Für Vorderindien besitzt der Himalaja in zweifacher Hinsicht eine
     ungeheure Wichtigkeit: einmal hält er die eisigen Winterwinde
     Zentralasiens ab, die z. B. den in gleicher Breite gelegenen
     Küstenorten Chinas rauhe Winter bringen, und sodann fangen seine
     Südhänge gewaltige Niederschlagsmassen auf, die dem nördl.
     indischen Tiefland in Gestalt der Ströme des Fünfstromlandes
     (Punjab) sowie des Ganges und des Brahmaputra nebst ihren
     Nebenflüssen wieder zugute kommen und die Kultivierung weiter
     Flächen des an sich trocknen nordwestl. Indiens überhaupt erst
     ermöglichen.

     =Klima.= Die beste Jahreszeit für den Besuch Indiens bildet unser
     Winter, etwa von Mitte November bis Mitte März (vgl. S. 2). Dann
     ist in der Regel nicht nur schönes, regenfreies Wetter, sondern die
     Temperaturen weichen auch, wie die kleine Tabelle auf S. 45 zeigt,
     von europäischen Verhältnissen kaum ab. Der _=kühlste=_ Monat, im
     größten Teile des Landes der Januar, hat an den Küsten des Dekhans
     immer noch dieselbe Mitteltemperatur wie der _=wärmste=_ Monat in
     Oberitalien; die Dezember- oder Januartemperatur im Dekhan und auch
     in Calcutta entspricht der Julitemperatur in Süddeutschland, und
     erst im mittlern Hindostan und östlichen Punjab sinkt die
     Wintertemperatur etwa auf die unseres Mai oder Juni herab. Am
     kühlsten wird es im nordwestl. Winkel Vorderindiens, gegen die
     afghanische Grenze hin. Im Sommer dagegen muß man im Himalaja schon
     auf 2000 m Seehöhe hinaufsteigen, um mitteleuropäische
     Temperaturverhältnisse anzutreffen; auch ist in dieser Jahreszeit
     die regelmäßige Abnahme der Temperaturen von S. nach N. und NW.
     nahezu aufgehoben; aus der Tabelle ist zu entnehmen, daß Agra,
     Peshawar und Allahabad sogar höhere Julitemperaturen aufweisen wie
     selbst

     Bombay und Madras: die weite Entfernung vom Meer und von den
     Seewinden steigert im Punjab die Temperaturgegensätze zwischen
     Winter und Sommer in demselben Maße wie etwa in Rußlands Steppen
     gegenüber Nordwesteuropa. Ebenso ist an diesen Orten auch die
     tägliche Temperaturschwankung, also der Gegensatz zwischen
     Mittags- und Nachttemperatur, viel größer als an den Küsten; einer
     sengenden Mittagshitze steht daher im Punjab in der heißen
     Jahreszeit wenigstens in den allerersten Morgenstunden eine
     erfrischende Kühle gegenüber.

     Im folgenden geben wir (im Anschluß an _Jul. Hanns_ »Handbuch der
     Klimatologie«) eine kleine Liste der Mitteltemperaturen des
     wärmsten und des kühlsten Monats an je einem Orte der
     Hauptlandschaften Indiens sowie an zwei Bergorten am Abhang des
     Himalaja, in die man sich zurückziehen kann, wenn es im Tiefland zu
     heiß wird. Die dritte Spalte gibt die hygienisch besonders wichtige
     mittlere tägliche Schwankung an.

========================================================================
                               |   Heißester  | Kühlster   | Mittlere
                               |     Monat    |   Monat    |   tägl.
_=Ort=_                        |              |            | Schwankung
-------------------------------+--------------+------------+------------
_Vorderindien:_                |              |            |
  Bombay (Westküste)           |  29,2° Mai   | 23,6° Jan. |   6,1°
  Agra (östl. Punjab)          |  34,4°  -    | 15,6°  -   |  12,8°
  Peshawar (Nordwestgrenze)    |  32,9° Juni  |  9,8°  -   |  14,7°
  Simla (2160 m; Vorberge des  |              |            |
    westl. Himalaja)           |  19,4°  -    |  3,8°  -   |   6,1°
  Srinagar (1586 m; Kaschmir)  |  22,8° Juli  | -0,7°  -   |  12,2°
  Allahabad (mittleres         |              |            |
    Hindostan)                 |  33,6° Mai   | 15,8°  -   |  13,0°
  Calcutta (Bengalen)          |  29,8°  -    | 18,4°  -   |   8,9°
  Darjeeling (2255 m; Vorberge |              |            |
    des östl. Himalaja)        |  16,4° Juli  |  4,5°  -   |   6,1°
  Nagpur (Zentralprovinzen)    |  34,7° Mai   | 19,5° Dez. |  12,9°
  Bangalore (920 m;            |              |            |
    südl. Dekhan)              |  27,6° April | 19,7°  -   |  11,1°
  Madras (Ostküste)            |  31,5° Mai   | 24,1° Jan. |   9,1°
                               |              |            |
_Ceylon:_                      |              |            |
  Colombo                      |  27,8°  -    | 26,1°  -   |   6,4°
                               |              |            |
_Hinterindien:_                |              |            |
  Rangoon (Niederbirma)        |  29,4° April | 23,7°  -   |   9,3°
  Mandalay (Oberbirma)         |  31,8°   -   | 20,4°  -   |   7,4°
  Singapore (Malakka)          |  27,5° Mai   | 25,7°  -   |    --
  Bangkok (Siam)               |  28,6° April | 23,8° Dez. |    --
-------------------------------+--------------+------------+------------

     Wie schon oben (S. 40) erwähnt, wird ganz Indien samt den
     umgebenden Meeren von dem Wechselspiel der _=Monsune=_ beherrscht,
     im Sommer vom feuchten Südwestmonsun, im Winter vom trocknen
     Nordostmonsun. Der Sommermonsun ist für den größten Teil Indiens
     der Regenbringer, wenngleich seine Spenden in den einzelnen
     Landesteilen sehr verschieden ausfallen; sie sind um so größer, je
     weniger der Monsun noch abgeregnet und je mehr er zum Aufsteigen an
     Gebirgen gezwungen ist. Da er nun zunächst das Dekhan von dessen
     Südwestseite her bis nach Assam und dem Himalaja hin überweht,
     durch diesen aber abgelenkt wird und nun nach NO. zum Punjab
     weiterzieht, so sind am regenreichsten die Südwestabdachung des
     Dekhans, der Himalaja und der davorliegende Landstreifen,
     namentlich Assam, das auch aus dem Bengalischen Meerbusen direkt
     die Regenwinde zugeführt erhält. Hier, in den Khasiabergen, liegt
     bei Cherrapunchi die regenreichste Stelle des Erdballs, die eine
     jährliche Regenhöhe von 12-1/2 m hat (Deutschland 1/2-1 m). Das
     Innere des Dekhans und sein Ostabfall sind schon viel regenärmer,
     und am trockensten ist der Nordwesten des Landes. Die Regenzeit
     beginnt in Südindien zu Ende Mai oder Anfang Juni und breitet sich
     im Laufe des Juni über das ganze Land hin aus; ihr Ende fällt im
     allgemeinen in die erste Oktoberhälfte.

     Bei der großen Abhängigkeit der =Pflanzenwelt= von den
     Niederschlägen könnte eine Karte der Niederschlagshöhen Indiens
     beinahe auch zur Darstellung der wechselnden Üppigkeit des
     Pflanzenkleides dienen. Eigentlichen tropischen, immergrünen
     Regenwald tragen nur die Westghats (s. S. 42 die Bemerkungen über
     die Tropen). Das Innere des Dekhans und dessen Ostabfall sind schon
     mehr steppenartig und großenteils von lichtem Wald und von
     Grassavanne überzogen. Hier begegnet man Wäldern aus _Teakbäumen_,
     die in der Trockenzeit blattlos stehen, und Hainen der schönen
     _Palmyrapalmen_. Üppiger ist die Vegetation wieder in Assam und in
     Bengalens Niederungen, die großenteils von dichtem, teilweise
     sumpfigem Wald bedeckt sind, dem _Jungle_ (Dschangel). In diesen
     Gebieten wuchert der _Lotos_ in den Gewässern und wächst der
     _Banyanfeigenbaum_, der aus seinen Ästen rings Luftwurzeln zur Erde
     sendet und dadurch allmählich einen Säulenhain um sich herum
     aufbaut, sowie sein Verwandter, der _Bobaum_, ersterer den
     Brahmanen, letzterer den Buddhisten heilig. In Hindostan wird das
     Pflanzenkleid westwärts immer spärlicher, die laubabwerfenden Bäume
     nehmen immer mehr zu, und das Punjab gehört schon ganz dem
     vorderasiatischen Trockenraum an: _Dattelpalme_, _Mangobaum_ und
     _Gummiakazie_ sind seine Charakterbäume, die lange Dürrezeiten zu
     überstehen vermögen, in denen sonst alles oberirdische
     Pflanzenleben abstirbt. Nur in der Regenzeit bedeckt hier frisches
     Grün die weiten Ebenen, deren Kultur zum großen Teil nur durch
     künstliche Bewässerung möglich ist. Das untere Indusgebiet ist
     sogar großenteils gänzlich wüstenhaft und vegetationslos (Wüste
     Thar). Eigentliche Höhenzonen der Vegetation sind nur im Himalaja
     vorhanden, wo hinter einem Sumpfgestrüppsaum, dem Tarai, die
     untersten 1000 m von tropischem Regenwald bedeckt sind, der in den
     Flußtälern auch tief ins Gebirge eindringt. Darüber folgt bis 2500
     m der schönste Teil des Himalajawaldes, ein äußerst mannigfaltig
     zusammengesetzter tropischer Gebirgswald, in dessen Gebiet unter
     anderm auch Simla und Darjeeling liegen. Ihm schließen sich bis
     3700 m hinauf nichttropische Wälder an, dann die Zone der
     _Alpenrosen_ (Rhododendren) und Alpenkräuter bis zur Montblanchöhe,
     und dann erst beginnt der ewige Schnee. Der Artenreichtum der
     gesamten indischen Flora wird auf etwa 20000 geschätzt.

     Die hauptsächlichsten =Charaktertiere= Vorderindiens: _Elefant_,
     _Tiger_ und _Pfau_, sind Bewohner der Urwälder und Dschangeln, die
     auch _Affen_, _Tapir_ und _Wildschweine_, verschiedene
     _Wildrinder_, _Fasanen_, zahlreiche _Papageienarten_, in Südindien
     außerdem _Nashornvögel_ und _Halbaffen_ (Makis) beherbergen. In den
     Savannen und lichten Wäldern des Dekhans streifen das _Nashorn_,
     verschiedene _Antilopenarten_, die _gestreifte Hyäne_, der
     _Lippenbär_ und das _Schuppentier_ umher. In den Gewässern hausen
     _Krokodile_ und _Gaviale_. Zahlreich sind die _Schlangen_,
     namentlich die Giftschlangen (Brillenschlange!) des Dekhans, an
     deren Biß jährlich etwa 12000 Menschen zugrunde gehen. Der _Löwe_
     kommt nur noch in den Gebirgen des Indusgebietes vereinzelt vor.

     Die =Bevölkerung= ist so dicht wie kaum sonst in einem großen
     Ländergebiet der Erde, China und Westeuropa ausgenommen. 1901
     lebten im eigentlichen Vorderindien auf 3,5 Mill. qkm etwa 280
     Mill. Menschen, d. h. 81 auf 1 qkm (Europa ohne Rußland: 4,4 Mill.
     qkm, 300 Mill. Einw., etwa 70 auf 1 qkm). Die Volksverdichtung
     Vorderindiens würde aber viel höher sein, wenn nicht selbst jetzt
     noch, unter der geordneten Verwaltung der Engländer, Pest, Cholera
     und Hungersnöte (letztere hervorgerufen durch die namentlich im
     Nordwesten öfters ausbleibenden Regenzeiten und darauffolgende
     Mißernten) alljährlich zahlreiche Opfer forderten.

     Trotz der Abgeschlossenheit der Halbinsel, die von zwei Seiten
     durch schwer überschreitbare Gebirgszüge, von den beiden andern
     durch inselarme Meere isoliert ist, ist die heutige indische Nation
     aus sehr mannigfachen Bestandteilen erwachsen, die größtenteils
     durch die einzige Zugangsstraße zu Lande, die Kabulpforte im NW.,
     eingedrungen sind; erst seit dem 15. Jahrh. kamen sie übers Meer
     herüber (Portugiesen, Franzosen, Engländer).

     Zu Beginn der geschichtlichen Zeit kam um 2000 v. Chr. das
     Viehzüchter- und Kriegervolk der _Arier_, die Träger der
     Sanskritsprache, aus Iran ins Indusgebiet, und ihnen sind im Laufe
     von vier Jahrtausenden noch viele Völkerwellen -- Perser, Griechen,
     Skythen, Araber, Afghanen, Turktataren -- gefolgt. Aber schon die
     Arier fanden sowohl im Indusgebiet als auch im Gangestal, in das
     sie vom 14. Jahrh. v. Chr. an vorrückten, zahlreiche ältere
     Völkerschaften vor, die sie großenteils in die Himalajawälder und
     ins Dekhan verdrängten. Heute ist daher die Völkergruppierung im
     wesentlichen die folgende: das ganze Indus- und Gangesgebiet und das
     nordwestliche Dekhan nehmen die _Hindu_ ein, die im Tropenklima
     schlaff und weichlich gewordenen und stark mit andern Völkerstämmen
     vermischten Nachkommen der alten Arier. Den Südostteil der
     Halbinsel bewohnen die _Drawida_ oder Südindier, häufig auch nach
     einem ihrer Hauptstämme _Tamulen_ genannt; sie sind länger in
     Indien heimisch als die Arier. Eine noch ältere Völkerschicht
     stellen die _Mundavölker_ in der Nordostecke des Dekhans und dem
     angrenzenden Stück des Gangestales dar, die noch heute auf ziemlich
     primitiver Kulturstufe leben, und einige Naturvölker Südindiens,
     besonders die _Toda_ im Nilgirigebirge um Ootakamund (S. 130).
     _Mongolische_ Völkerstämme, Verwandte der Tibeter, wohnen im
     Himalaja, sowohl im W., in Kulu und Spiti, wie namentlich im O., in
     Nepal, Sikhim und Bhutan. Bei einem Ausflug nach Darjeeling kann
     man sie kennen lernen.

     Unter den außerordentlich mannigfaltigen Erscheinungsformen der
     indischen Halbkultur treten besonders das _=Kastenwesen=_ und die
     _=religiösen Verhältnisse=_ in den Vordergrund. Die _=Kasten=_, die
     auf die Berufsteilung und auf die Rassenunterschiede zurückgehen,
     sind unzählige, vom Brahmanen, dem Angehörigen der einstigen
     arischen Herrenschicht, bis zum verachteten Paria. Äußerlich
     unterscheiden sich die Kasten durch gewisse Abzeichen in der
     Tracht.

     Viel stärker als die Kasten machen sich die religiösen Gegensätze
     im Volksleben wie in den Volkstrachten bemerkbar. Die
     _=Religionsgeschichte=_ Indiens ist so reich, wie wohl die keines
     andern Landes der Erde. Am weitesten verbreitet ist heute der
     _Brahmanismus_ oder richtiger der Neu-Brahmanismus (_Hinduismus_).
     Die Idee des Brahma, der Weltseele, geht auf den in den Veden
     niedergelegten Dämonen- und Naturgötterglauben der alten Arier
     zurück. Diese Vedenreligion ist einerseits zu einem hochstehenden
     philosophischen System weitergebildet worden, anderseits aber durch
     Aufnahme immer neuer Ideen aus den religiösen Vorstellungen der
     ältern Volksstämme Indiens, wozu namentlich der
     Seelenwanderungsglaube und die Verehrung von Wischnu und Schiwa und
     ihrer Gemahlinnen Lakschmi und Kali zu rechnen sind, zu dem
     heutigen Hinduismus herabgesunken, der sich scheinbar ganz in
     Äußerlichkeiten, Prozessionen zu den prächtigen Tempeln, religiösen
     Aufführungen, Bajaderentänzen, Wallfahrten zum heiligen
     Gangesflusse, Fakirtum, erschöpft und in zahlreiche Sekten
     zerfällt. Indien ist ferner um 500 v. Chr. die Geburtsstätte des
     _Buddhismus_ geworden, der aber nach 1200 Jahren dem ältern
     Brahmanismus wieder hat weichen müssen; nur Tempel- und
     Klosterruinen halten die Erinnerung an seine indische Blütezeit
     wach. Bis heute hat sich dagegen der _Islam_ erhalten, der in
     Nordwestindien über 60 Mill. Bekenner zählt, und in Bombay und
     Umgegend die an Mitgliederzahl (etwa 95000) kleine, aber
     einflußreiche Sekte der _Parsen_, d. h. der Anhänger der Lehren
     Zoroasters (vgl. S. 61). Mohammedaner wie Parsen unterscheiden sich
     von den Hinduisten scharf durch ihre Kopfbedeckungen, die
     Mohammedaner durch den Turban, die Parsen durch ihre hohen
     schwarzen Glanzstoffhüte.

     =Wirtschaftliche Verhältnisse.= Die Nahrung der indischen
     Eingebornenbevölkerung ist fast ausschließlich vegetabilisch,
     und so ist auch der Bodenbau die Grundlage von Indiens
     Reichtum. _Reis_, _Weizen_, _Hirse_ und _Sorghum_ sind die
     wichtigsten angebauten Nahrungspflanzen. Davon werden die
     beiden letztgenannten im Lande verbraucht, während der Reis, die
     Hauptfrucht des östlichen, besonders des nordöstlichen Indiens
     (Bengalens und Assams), und der Weizen, der besonders im nw.
     Trockengebiet und den angrenzenden Teilen des Dekhans und des
     Gangestales angebaut wird, auch in großer Menge ausgeführt
     werden. Wichtige Zweige der Bodenkultur gelten den Genußmittel
     liefernden Pflanzen, nämlich dem _Mohn_ (zur Opiumgewinnung)
     und dem neuerdings in Assam mit großem Erfolg eingeführten
     _Teestrauch_. Noch weit bedeutungsvoller ist aber der Anbau von
     Industriepflanzen, nämlich der _Baumwolle_ in größern Teilen des
     Dekhans und des Indusgebiets und der _Jutepflanze_ im untern
     Gangestal und einiger _Ölpflanzen_. Jute und Baumwolle und die
     daraus hergestellten Waren stehen in der Ausfuhr mit mehr als 1
     Milliarde Mark Wert an erster Stelle. Ein nicht geringer Teil
     der Baumwolle und Jute wird nämlich im Lande selbst verarbeitet,
     die Baumwolle in Bombay, die Jute in und bei Calcutta; beide
     Industrien beschäftigen zusammen etwa 400000 Arbeiter, und wenn
     man von Malabar Hill auf den Fabrikteil Bombays herabblickt, kann
     man sich nach Manchester versetzt glauben.--Die _=Tierzucht=_
     (hauptsächlich Büffel und Buckelrind; das Schwein wird von allen
     Indern verabscheut) liefert große Mengen Häute sowie die berühmte
     Ziegenwolle aus Kaschmir.

     Gegenüber den Produkten der Landwirtschaft treten die des
     _=Mineralreiches=_ in bezug auf volkswirtschaftliche Bedeutung
     stark zurück; es werden Gold, Steinkohlen, Manganerze und Petroleum
     gewonnen sowie Edelsteine, während die früher beträchtliche
     Diamantengewinnung jetzt nur noch sehr geringfügig ist.

       *       *       *       *       *

     =Staatswesen.= Das _=Britisch-ostindische Kaiserreich=_ umfaßt
     an unmittelbaren Besitzungen 2815743 qkm mit 232 Mill. Einw. Die
     einheimischen Staaten (zus. 1759556 qkm mit 62 Mill. Einw.) sind
     Vasallen-, Schutz- oder Bundesstaaten; die wichtigsten: Kashmir
     mit Baltistan, Sikhim, die Fürstentümer der Rajputen und der
     Mahratten, Hyderabad, Baroda, Mysore, Cochin etc. Die allgemeine
     Aufsicht des indobritischen Reiches führt (mit Ausnahme von
     Ceylon, das einen eignen Gouverneur hat) der Generalgouverneur
     (Vizekönig) in Delhi, dem ein Ausführender und ein Gesetzgebender
     Rat zur Seite stehen; die Präsidentschaften Madras, Bombay und
     Bengalen stehen unter selbständigen, nicht vom Vizekönig ernannten
     Gouverneuren mit besondern Gesetzgebenden Räten, die vereinigten
     Provinzen von Agra und Audh, das Punjab, Birma und die neue
     Provinz Behar unter stellvertretenden oder Lieutenant-Governors,
     endlich die Zentralprovinzen, die nw. Grenzprovinz, Assam, sowie
     die Andamanen und Nikobaren unter Oberkommissaren.--_=Armee=_
     73668 Mann englische und 166090 Mann einheimische Truppen,
     außerdem 190000 Mann militärisch organisierte Polizei.

     =Geschichtliches= (vgl. auch S. 47). Die _=Europäer=_ begannen
     in Vorderindien alsbald nach Auffindung des Seewegs nach
     Ostindien (1498) festen Fuß zu fassen. Zahlreiche Forts und
     Faktoreien wurden an den Küsten Indiens durch die Portugiesen
     gegründet, die gegen Ende des 16. Jahrh. durch die Holländer
     und Engländer verdrängt wurden. Letztere stifteten 1600 die
     _Englisch-Ostindische Kompanie_ und kämpften seit dem 18. Jahrh.
     mit den Franzosen und den einheimischen Fürsten um die Herrschaft
     in Ostindien. Lord Clive begründete durch den Sieg bei Plassey
     (26. Juni 1757) über den Nabob von Bengalen die britische Macht
     in Ostindien. Die englische Macht wuchs dann durch die Kämpfe
     mit den Mahratten (seit Ende des 18. Jahrh.), die 1818 mit deren
     Ruin endigten. Ende 1843 wurde auch der Maharadscha Sindiah
     unterworfen. Das Reich der Sikh im Punjab wurde 1845-46 erobert.
     Der Aufstand, der im Mai 1857 unter den Sepoys zu Meerut ausbrach
     und, von den Mohammedanern genährt, sich rasch verbreitete,
     ward nur durch die größte Energie und Grausamkeit der Engländer
     bewältigt. Im September wurde Delhi, im März 1858 Lucknow, im
     Dezember Audh wiedererobert und im Februar 1859 der Aufstand
     unterdrückt. Schon vorher war 1. Nov. 1858 die Ostindische
     Kompanie aufgelöst und Ostindien unter Verwaltung der Krone
     genommen worden. Der Vizekönig Lord Lytton proklamierte 1. Jan.
     1877 in Delhi die Erhebung zum Kaiserreich Indien und begann
     1878 Krieg mit Afghanistan, in dem ein Grenzstrich am Chaiberpaß
     erworben wurde. 1886 kam Birma hinzu.

     =Reiseliteratur für Indien:= _Katharina Zitelmann_, Indien (Leipzig
     1905); _Dahlmann_, Indische Fahrten (Freiburg 1908); _Eustace
     Reynolds-Ball_, The Tourist's India (London 1907); _Murray_,
     Handbook for Travellers in India, Burma and Ceylon (7. Aufl.,
     London 1911); _O. Kaufmann_, Aus Indiens Dschungeln (Leipzig): _H.
     Zache_, Mit dem Kronprinzen durch Indien (Berlin 1911);
     _Winternitz_, Geschichte der indischen Literatur (Leipzig 1909);
     _Fergusson_, History of Indian and Eastern Architecture (London
     1910); _Havell_, Ideals of Indian Art (London 1911).


     Reisen in Indien.

     Beste =Reisezeit=, s. S. 2.

     =Reiseausrüstung= wie für jede Tropengegend. Vm. Leinen- oder
     Rohseideanzug u. Tropenhelm, nach 4 Uhr leichter wollener
     Jackettanzug und Strohhut, abds. Frack oder Smoking; schwarzer
     Rock und Zylinder sind nicht gebräuchlich. Für Winterreisen ins
     Innere sind dicke Überröcke nötig, dazu wasserdichte Reitmäntel.
     Man beachte, daß der Abendtau die Kleidung naß macht, und daß
     Nächte und Morgen kalt sein können, wenn auch der Tag heiß war.
     Im südlichen Indien und an der Küste genügt leichtere Kleidung;
     Anzüge erhält man billig und gut überall von tüchtigen Schneidern
     und in guten Geschäften für europäische Bedürfnisse. Für
     Gebirgsreisen ist wollenes Unterzeug und lange wollene Leibbinde
     (»Kummurbund«) unentbehrlich. Derbe Reithosen nicht vergessen;
     Tropenhelm ist überall in indischen Häfen zu haben. In Ceylon ist
     leichteste Kleidung erforderlich, nur in den Bergen ist es kühl.
     Bettzeug (ein Kopfkissen, zwei Steppdecken nebst Laken sowie
     einige warme Decken, das Ganze in wasserdichtem Sack verpackt) muß
     man stets mit sich führen, auch auf der Eisenbahn (_Razais_, s.
     S. 16) und wenn man Bekannte besucht. In den Gasthäusern und den
     Dâk Bungalows im Innern findet man meist gar kein oder unsauberes
     Bettzeug. Wegen der Feuchtigkeit schimmeln verpackte Gegenstände
     leicht, das gesamte Gepäck, Kleidung, Wäsche, Bettzeug, Schuhzeug,
     muß also oft in der Sonne an trockenen Tagen gelüftet werden,
     Vorräte und Medikamente etc. müssen luftdicht verpackt sein.
     Auch Bücher und Papiere sehe man gelegentlich nach, damit sie
     nicht schimmeln. Moskitonetz findet man in den meisten Hotels und
     Bungalows vor.

     =Geld.= Goldwährung; Einheit ist die _Rupie_, 1,33-1,38 Mark. 15
     Rupies = 1 £ = 20,40 M. 1 Rup. = 16 annas; 1 anna = 12 Pie (= 4
     Pice). Silbermünzen zu 2, 4, 8 annas und 1 Rupie. Nickelmünzen zu 1
     anna (etwa 8 Pf.), Kupfermünzen zu 1 Pie, 1 Pice (1/4 anna), 1/2
     anna. Goldmünze (Pfund Sterling) kann nur in größern Geschäften
     gewechselt werden. Der Gold-Mohur (= 16 Rup.) ist nur noch im
     Sprachgebrauch (wie die englische Guinea) vorhanden. Banknoten zu
     5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Rupies gibt es von Bombay,
     Calcutta, Madras und Rangoon, deren Noten über 50 Rupies meist nur
     in der betreffenden Provinz ohne Abzug genommen werden. Man lasse
     sich bei größern Summen nur die jetzt für ganz Indien gültigen
     Banknoten mit _rotem_ Aufdruck, _payable at any office_,
     geben!--_=Kreditbriefe=_ (_Letters of credit_, _circular notes_),
     zahlbar bei _Thos. Cook's Offices_, sind für Reisende sehr bequem
     (vgl. auch S. 7); sie werden von Cook's Banking Department (London,
     Ludgate Circus) ausgegeben. Die Agenturen wechseln indisches Geld.

     =Zoll.= Eigne Kleidung ist frei; sonst zahlt alles, auch Bettwäsche
     und Handtücher, photographische Geräte nebst Zubehör etc., etwa 5
     Proz. vom Werte (in Bombay); Sportswaffen 10 Proz.; Tabak, Wein
     etc. wird ebenfalls höher verzollt; Opium 12 Rupien das Pfund.

     =Eisenbahn.= Das Bahnnetz ist weit verzweigt, das Reisen trotz
     der großen Entfernungen bequem und billig. Man sei mindestens
     10 Min. vor Abfahrt zur Stelle; auf einigen Hauptstationen sind
     die Schalter den ganzen Tag offen zum Verkauf von Fahrkarten und
     zur Gepäckaufgabe. Man benutze stets den neuesten Fahrplan, da
     häufig Änderungen in den Zeiten und Wegen eintreten. Am besten
     sind _Newman's Indian Bradshaw_ (9 annas), erscheint monatlich
     neu; ferner _Indian ABC-Guide_ und _Indian Railway Traveller's
     Guide_; sie geben auch Auskunft über Fahrposten und andre
     Fahrgelegenheiten sowie über Flußdampferfahrten und andres mehr.

     Einen _=Platz=_ im Zuge bestelle man sich, besonders für
     Nachtfahrten, schon einen Tag oder an der Abgangsstelle des Zugs
     mehrere Stunden vor Antritt der Reise beim Stationsvorsteher; auf
     Zwischenstationen so frühzeitig, daß telegraphische Bestellung bei
     der Abgangsstelle _=vor=_ Abfahrt des Zugs noch möglich ist. Am
     Zuge weist der Stationsvorsteher (_station master_), nicht der
     Schaffner, die Plätze an. Wenn man zu viert reist oder vier
     Fahrkarten I. Kl. bezahlt, kann man ein Abteil für sich haben, in
     II. Kl. zu sechs. Die Abteile I. Kl. haben geräumige Längssitze und
     Liegestätten (2 obere, 2 untere), II. Kl. hat noch eine Mittelbank;
     Waschraum etc. ist neben jedem Abteil I. und II. Kl. Es gibt
     Damenabteile (_Ladies only_) I. und II. Kl. in allen Schnellzügen
     und vielen andern Zügen. In Schnellzügen dürfen Reisende I. Kl.
     drei eingeborne Diener, solche II. Kl. zwei Diener zum Preise III.
     Kl. in besondern Räumen mitführen. Alle Wagen sind hoch und luftig,
     mit Doppeldach und Jalousiefenstern. Für richtiges Aussteigen muß
     man selbst sorgen, die Stationen werden nicht ausgerufen, die Türen
     auch nicht überall geöffnet. Die Sicherheit des Reisenden und
     seines Gepäcks ist so gut wie in Deutschland.

     _=Eisenbahnzeit=_ (_Indian Standard Time_) geht 4-1/2 St. vor gegen
     mitteleuropäische Zeit, 39 Min. vor gegen Bombay-Ortszeit, 9 Min.
     vor gegen Madras-Ortszeit, 24 Min. nach gegen Calcutta-Ortszeit.
     _Man achte also auf die Bahnhofsuhren!_ Die Eisenbahngesellschaften
     und ihre Fahrpläne rechnen den Tag (wie in Italien) zu 24 St., von
     Mitternacht zu Mitternacht gezählt (also 12 Uhr ist Mittag, 24 Uhr
     ist Mitternacht).

     _=Fahrkarten.=_ Gültigkeitsdauer für Strecken bis 25 M (40 km) 2
     Tage, bis 300 M (483 km) 4 Tage, bis 450 M (724 km) 9 Tage, bis 600
     M (966 km) 12 Tage, bis 750 M (1207 km) 15 Tage und auf größern
     Strecken 18 Tage.
     Außer den einfachen Fahrkarten gibt es zusammengestellte
     _Fahrscheinhefte (Specimen Tours)_ mit zweimonatiger Gültigkeit,
     die Fahrtunterbrechung an allen interessanten Plätzen unterwegs
     gestatten. Bei gewöhnlichen Fahrkarten (_single journey tickets_)
     ist Fahrtunterbrechung nur für einen Tag für je 100 M (161 km) und
     auch nur an Orten, die mindestens 101 M vom Abfahrtsort entfernt
     sind, erlaubt; deshalb sollten sich Vergnügungsreisende stets von
     _Cooks Reisebureau_ ein Fahrscheinheft (_Specimen Tours_)
     zusammenstellen lassen, weil sie dann billiger reisen, als wenn sie
     abschnittweise die Fahrkarten von Ort zu Ort (wo längerer
     Aufenthalt geplant ist) nehmen.

     _=Gepäck.=_ Jeder Reisende hat in I. Kl. 1-1/2 maund (etwa 56 kg)
     frei, in II. Kl. 30 seers (etwa 28 kg). Überfracht kostet zwischen
     Bombay und Calcutta über Delhi etwa 15 Rup. das maund (für je 37
     kg), über Nagpur nur 7 Rup. 6 annas, zwischen Bombay-Delhi,
     Bombay-Madras, Delhi-Calcutta etwa 7-1/2 Rup. Schweres Gepäck,
     Deckstühle etc. übergebe man _Cook_ zur Versendung als Frachtgut
     (etwa halber Preis). Gepäck, das man unterwegs nicht braucht, kann
     gleich bis zur Endstation aufgegeben werden und lagert dort frei,
     solange der Fahrschein gültig ist; später kostet Tag und Stück 4
     annas Lagergeld. Gepäckaufbewahrung für kurze Zeit auf
     Zwischenstationen übernehmen die Stationsvorsteher gegen
     Gepäckschein.

     _=Handgepäck.=_ Erforderlich für längere Fahrten sind ein
     wasser- und staubdichter Sack mit Bettzeug (weil Nachtfahrten oft
     sehr kühl sind), wollene Decken, eine seidene Decke und
     ein »Razai« (Baumwollsteppdecke, als Matratze dienend, zu 6 Rup.,
     einige weiße Laken und Handtücher, Kopfkissen aus Leder mit
     Überzug; gesamte Reisebettausrüstung ist in den größern
     europäischen Geschäften der Hafenstädte für 20-25 Rup. zu kaufen);
     sehr zu empfehlen ist die Mitnahme von Mundvorrat in geschlossenem
     Frühstückskorb (_tiffin basket_), auch Rotwein, Sodawasser, einer
     Flasche mit abgekochtem Wasser zum Mundspülen (in den Zügen
     _=nicht=_ zu haben), Kognak und Teekocher oder kaltem Tee sowie
     Körbchen mit Früchten, denn nur die Schnellzüge (_mail trains_)
     haben zuweilen Speisewagen. Für alle Züge geben die Fahrpläne die
     Aufenthaltsorte für Frühstück und Mittagessen an, aber die
     Bahnhofswirtschaften (_refreshment rooms_) sind nur auf Hauptlinien
     gut, sonst oft schlecht und gesundheitsgefährlich; rohe Milch
     sollte man stets selbst abkochen. Mahlzeiten bestelle man in den
     Bahnhofswirtschaften telegraphisch (gratis) beim Zugführer,
     Schaffner oder Bahnhofsvorsteher voraus, da bei großem Andrang
     diese Wirtschaften nicht genügend vorbereitet sind; meist wird
     einige Stationen vorher angefragt, ob Vorausbestellung gewünscht
     wird.

     _=Gepäckträger=_ erhalten etwa 2 annas für nicht schweres Gepäck.

     Die =Gasthöfe= sind in letzter Zeit besser geworden, auch in
     kleinen Orten findet man jetzt meist gute Hotels. Man erkundige
     sich unterwegs bei europäischen Geschäftsreisenden, die das Land
     öfters besuchen, welche Häuser zurzeit am besten sind. Das Reisen
     ist in Indien nicht unverhältnismäßig teuer, aber man braucht viel
     Fahrgelegenheit, weil vieles Gehen in der Hitze
     gesundheitsschädlich ist.

     Die =Unterkunftshäuser= für Reisende (Dâk Bungalows) in den Dörfern
     gehören der Regierung; man erkundige sich vorher, ob sie frei sind,
     meist muß man nach 24 Stunden seinen Platz an Neuankommende
     abgeben; einzelne haben einen Wärter, der gute Verpflegung (Tee und
     Eier fast stets vorhanden) liefert sowie Beleuchtung, aber manche
     sind fast leer und ohne Bedienung.

     Ein =Reisediener= (Boy) muß mit Sorgfalt, womöglich durch
     Vermittelung des Konsuls oder eines Reiseagenten (S. 54), am
     besten durch _Cook_ oder den Hotelmanager ausgewählt werden und
     zuverlässige Zeugnisse beibringen; man miete nur nach genauer
     Prüfung des Dienstbuches, gebe außer 10 Rup. für Kleidung keinen
     Gehaltsvorschuß und nur Geld für kleine Auslagen, die der Boy
     billiger als man selbst macht. Auch als Dolmetscher muß der
     Boy dienen. Gute Boys, die Englisch, Singhalesisch, Tamulisch,
     Hindostanisch und Malaiisch sprechen, sind kaum unter 1-1/2 Rup.
     tägl. zu haben; es empfiehlt sich (außer wenn man besonders
     zufrieden ist), den jeweiligen Boy in Indien, Ceylon, Birma,
     Siam etc. zu entlassen, um Reisekosten (hin und zurück für den
     Boy) zu sparen. Der gewöhnliche Monatslohn ist 35-40 Rup., worin
     Selbstbeköstigung inbegriffen, dazu beim Dienstantritt 10 Rup. für
     »warme Kleidung«. Fahrkarte für den Boy auf den indischen Bahnen
     kostet ein Viertel der Fahrkarte I. Kl.; Heimreise muß ihm voll
     gezahlt werden. Einzelne gewandte Reisende mit nicht zu hohen
     Ansprüchen sehen neuerdings vom Mieten eines Boys ab; sie helfen
     sich für Gepäck etc. mit den in allen Hotels herumlungernden Boys,
     die gegen kleines Trinkgeld sehr dienstwillig sind und meist auch
     etwas Englisch verstehen. Nach Erfahrung einzelner Reisenden sind
     die Fremdenboys »eine dauernd auf den Geldbeutel ihrer Herren
     schielende, mit allen Hunden gehetzte Tagediebkaste«-- also ist
     Vorsicht mit ihnen geboten. Bei gutem Dienst verspreche man ein
     Extrageschenk zum Schluß. Diener aus dem Innern (_Up-country
     servants_) sind oft zuverlässiger und billiger als die der
     Hafenstädte; doch die Madras-Boys gelten als die besten in Indien.
     Hat man solchen sprachkundigen Eingebornen als Diener, kann man
     mit englischen Sprachkenntnissen überall auskommen. Den vollen
     Lohn zahle man erst bei der Entlassung.

     Die =Verpflegung= ist in Indien meist nicht gut, der Genuß frischer
     Milch und Butter ist gefährlich, Wasser muß filtriert und abgekocht
     werden (Filter allein genügt nicht!). Abseits von Hauptreisewegen
     führe man stets gut gefüllten Eßkorb (_tiffin basket_, in allen
     Ausrüstungsgeschäften zu haben) und Sodawasser mit, vgl. oben.

     Die =Lebensweise= soll in allem mäßig sein; nicht zu viel Schlaf;
     gymnastische Bewegungen zur Förderung des Blutumlaufs nicht
     versäumen, aber nur morgens vor der großen Hitze; früh aufstehen,
     zeitig zu Bett. Morgenspaziergänge und -ritte sind am besten,
     abends kann man sich im starken Tau leicht erkälten. Nach den
     Mahlzeiten ruhe man! Man bade täglich, aber nie mehr als zweimal.
     Wollene Leibbinde sollte man namentlich nachts tragen; sie
     schützt gegen Darmerkrankungen. Nachts schlafe man in Nachtanzug
     (Pyjamas) aus Rohseide oder leichtem Wollen- oder Baumwollenstoff
     und nie auf fremden Matratzen oder Kissen ohne reine Bezüge.
     Man hüte sich vor Zugwind, weil Europäer in Indien viel unter
     Rheumatismus zu leiden haben, und sitze nicht im Abendtau im
     Freien! Nicht zu schwere Fleischkost, nicht viel Bier, überhaupt
     wenig Alkohol. Unreife Früchte und rohe Früchte, deren Wirkung man
     nicht kennt, saure Weine, auch rohe indische Austern, trotzdem sie
     wohlschmeckend sind, sollte man stets meiden. Sehr stärkend für
     den Magen ist der indische Curry mit Reis, auch wenn er dem, der
     ihn noch nicht aß, zu scharf schmeckt. Sekt auf Ei (»Scrupkin«)
     wird als Mittel gegen Dysenterie empfohlen. Durchfall soll man
     nicht gleich stopfen, sondern nur durch Diät (nur Reis essen und
     gekochtes Reiswasser trinken!) mildern; wo ein Arzt ist, ziehe man
     ihn rechtzeitig zu Rate, weil er die klimatischen Einflüsse zu
     beurteilen versteht; auch Verstopfung nicht vernachlässigen! Tee
     genügt als Stimulans völlig.

     =Landreisen= sind auf Hauptstraßen im Anschluß an die Bahn mit
     Postwagen (Dâk) oder andern ortsüblichen Fuhrwerken ausführbar. Die
     eigne Verpflegung nehme man mit, für die Eingebornen ist fast in
     jedem Dorfe das Nötigste zu haben. Moskitonetz; übrige Ausrüstung
     dem Reiseziel anpassen. Chinin ist nötig. Als Vorbeugungsmittel
     wird Chinin in größerer Dosis (bis zu 1 g) an zwei
     aufeinanderfolgenden Tagen wöchentlich oder jeden fünften Tag 1/2 g
     zu nehmen empfohlen; kleine Dosen täglich sind unwirksam. Während
     Fieberanfall nehme man Phenazetin nach ärztlicher
     Vorschrift.--_=Empfehlungsbriefe=_ an englische Beamte oder Klubs
     und an Radschas sind nützlich und bei Reisen in Birma
     unentbehrlich.

     =Gefahren für Reisende.= _=Bisse wilder Tiere=_ (Pariahunde,
     Schakale) muß man, falls Wutverdacht vorliegt, im Pasteur-Institut
     in Kasauli nahe bei Kalka (S. 75) und in Coonoor (Nilgiris)
     behandeln lassen. In Bombay wird ein Pasteur-Institut eingerichtet.
     --Schlangen (namentlich Cobras, Brillenschlangen) zeigen sich
     gelegentlich (auch noch auf Malabar Hill in Bombay), Europäer
     verscheuchen die Tiere aber meist durch das Geräusch ihrer Schuhe.
     Schlangenbisse werden ähnlich wie Kreuzotterbisse behandelt: man
     verhüte, daß das Gift zum Herzen gelangt, durch Abschnüren des
     gebissenen Gliedes; die Wunde öffnen, ausbluten lassen, auswaschen
     mit Lösung von übermangansaurem Kali oder (falls dies nicht zur
     Hand ist) mit heißem Eisen oder Pulver ausbrennen, dazu tüchtig
     Bewegungen machen, Alkohol trinken etc., um das
     Gift »auszuschwitzen«. Als Gegengift erhält man in Indien
     »Calmette's Antivenene Serum« oder Chlorpastillen. -- Skorpionbisse
     sind schmerzhaft, aber selten gefährlich; man wasche sie mit
     Ammoniak oder Essig aus.--Bestreichen mit Eukalyptusöl schützt vor
     den wegen Malaria-Ansteckung gefährlichen Moskitostichen, die man
     auch mit Ammoniak oder Essig behandelt.

     _=Krankheiten=_, denen Reisende in Indien ausgesetzt sind: Cholera
     (Ansteckung meist durch Wasser); Verstopfung (man nehme
     Cascara-Tabletten); Durchfall (nie vernachlässigen); Dysenterie;
     Malariafieber; Augenentzündung; Typhus; Geschlechtskrankheiten.
     --Die Pest (engl. _plague_) ist fast überall in Indien heimisch,
     tritt unter den Eingebornen mehr oder minder stark auf, im März am
     schlimmsten. Europäer bleiben ziemlich verschont, wenn sie nicht in
     nahe Berührung mit dem Volke kommen. Die religiösen Feste der
     Hindus tragen viel zur Verbreitung der Pest bei.

2. Bombay

Vgl. den beifolgenden Plan.

     =Ankunft zur See.= Die meisten Dampfer ankern auf der Reede;
     Reisende werden mit Dampfboot gelandet. Zolluntersuchung in der
     Halle bei der Landungsbrücke. Schußwaffen, auch gebrauchte, zahlen
     hohen Zoll (s. S. 49), wenn man sie nicht im selben Jahre schon in
     Indien verzollt hat. Der Zoll wird bei der Abreise gegen Vorzeigen
     der Quittung (Receipt) zurückerstattet. Meist erhält man schon auf
     dem Dampfer oder im Zollamt ein Formular, in das jeder Reisende
     Zahl der Gepäckstücke, Inhalt und Wert anzugeben hat. Wenn das
     schwere Gepäck innerhalb 24 St. nicht untersucht ist, wird es nach
     dem städtischen Zollamt (_Town Custom House_; C4) gebracht. 5 St.,
     nachdem die Ankunft eines P. & O.-Dampfers signalisiert ist, gehen
     Schnellzüge für Durchreisende nach dem Osten ab.--Beauftragte der
     bessern Hotels sowie von Thos. Cook & Son kommen mit den
     Zollbeamten an Bord und übernehmen Aufträge zur Besorgung des
     Gepäcks. Falls der Dampfer nachts ankommt, bleibt man am besten bis
     Tagesanbruch an Bord.

     [Hand]Man hüte sich vor aufdringlichen Agenten unbekannter Firmen!

     =Gasthöfe:= _Taj Mahal Palace Hôtel_ (Pl. e, C5), erstklassiges
     Prachthotel (meist deutscher Direktor) mit europäischer
     Einrichtung, der größte und schönste Gasthof in Indien, elektr.
     Licht, Fahrstühle etc.; 400 Z., Pens. (bei 7 Tagen Aufenthalt) von
     10 Rup. an.--_Majestic_ (Pl. e, B5), Wodehouse Road, 95 Z., Pens.
     10-25 Rup., modern eingerichtet.--_Great Western Hotel_ (Pl. b,
     C4), Apollostraße; bequem; Fahrstuhl, elektr. Licht.--_Apollo
     Hotel_ (Pl. c, B5), Colaba Causeway, nahe dem gleichnamigen
     Bootshafen. --Die größern Gasthöfe haben =Bars=, an denen man Bier
     erhält.

     =Restaurants:= _Victoria Station Restaurant_, im Hauptbahnhof.--_W.
     B. Green & Co._--_The Apollo Hotel Restaurant_ (Pyrke).--_The
     Majestic_ (gegenüber Apollo Hotel).--_Mongini_, Church Gate
     Street.--_Cornaglia_, Konditorei, Meadow Street 83.

     =Diener.= Je nach Bedürfnis nimmt man sofort nach Ankunft einen
     Diener (_Boy_), jeder Europäer in Bombay hat ihn; Gehalt vgl. S.
     51. Doch können Reisende in Bombay ohne Diener durchkommen, je nach
     Ansprüchen auf Bequemlichkeit. Über Annahme etc. vgl. S. 51
     (wichtig!).

     =Post, Telegraph, Telephon= (B4) neben dem Victoria Terminus
     (Hauptbahnhof) und in der Esplanade Road, etwa 10 Min. sw. vom
     Hauptbahnhof. Ein _Post Office Guide_ und ein _Indian Telegraph
     Guide_ (zu je 4 annas) sind bei jedem Amt zu haben.

     =Wagen und Droschken:= Man frage den Hotelportier, wieviel man
     zahlen soll, weil die Tarife zuweilen unverständlich sind. Die
     _Autodroschken_ (Taxicabs) haben Fahrpreisanzeiger.

     =Straßenbahnen= werden von Europäern wenig benutzt; ihre Endpunkte
     sind Colaba Station und Sailors Home am Südende der Stadt; sie
     laufen bis zum Nordende der Stadt, über Grant Road, nach Parell und
     nach den Docks.

     =Eisenbahnen.= Zwei Hauptlinien: 1) Die _Great Indian Peninsula
     Railway_ (G. I. P.) vom Hauptbahnhof Victoria Terminus (C3) für
     Fahrten nach Allahabad, Cawnpore, Lucknow, Agra und Delhi, Benares,
     Calcutta, Poona, Hyderabad, Madras und nach dem Süden. Schnellzüge
     nach Calcutta via Jubbulpore in 46 St., via Nagpur in 48 St.--2)
     Die _Bombay, Baroda & Central Indian Railway_ (B. B. & C. I.), von
     Colaba Station (B5) für Fahrten nach Ahmedabad, Ajmer, Jaipur,
     Agra, Delhi, Lahore und nach dem Norden, hat mehrere Bahnhöfe in
     Bombay; Reisende, die nahe dem Fort wohnen, benutzen _Church Gate
     Station_ (B4) oder _Colaba Station_ (B5); die auf Malabar Hill oder
     in Byculla wohnen, benutzen _Grant Road Station_. Man erhält
     Rundreisekarten bei Thos. Cook & Son, s. S. 54.

     =Dampfer:= _Österreichischer Lloyd_, Agentur: W. Denso
     (Telegrammadr.: »Lloydiano-Bombay«, Church Gate Street 50; nach
     Triest jeden Monat zweimal (Mai bis August nur einmal) in 16 Tagen;
     ferner nach Colombo, Penang, Singapore, Hongkong und Schanghai
     monatl.--_Messageries Maritimes_, alle 4 Wochen nach Marseille,
     Agentur: Hornby Road, Albert Buildings; beide Gesellschaften haben
     gemeinschaftliche Rückfahrkarten (S. 9).--_Peninsular & Oriental
     S. N. Co._ (P. & O.), Agentur: 3 Rampart Row; jeden So. nach
     Brindisi und London, 14tägig nach Colombo, China, Japan und
     Australien; ähnlich _Ellerman Line_ und _Anchor Line_.--_Società
     Nazionale di Servizi Marittimi_, Agentur Hornby Road 59, nach
     Neapel und Genua.--_British India S. N. Co._, Agentur: Mackinnon,
     Mackenzie & Co., Ballard Road; wöchentl. nach indischen
     Küstenhäfen, Calcutta, Karachi, dem Persischen Golf, Birma und
     der Ostküste von Afrika.--_Deutsche Ostafrika-Linie_ (Hamburg),
     Agentur A. Strandes, 14tägig nach Ostafrika (Daressalam etc.).
     --Fahrpläne geben die Tageszeitungen.

     =Bankgeschäfte:= _Hongkong and Shanghai Banking Corporation Ltd._,
     Church Gate Street 40;--_Chartered Bank of India Australia & China
     Ltd._, Elphinstone Circle, gegenüber Telegraphenamt. --_National
     Bank of India Ltd._ (Korr. der Deutschen Bank und der Allgem.
     Deutschen Creditanstalt in Leipzig), Rampart Row;--Mercantile Bank
     of India, Esplanade Road; alle Korr. der Berl.
     Disconto-Gesellschaft.

     =Sprache.= Englisch wird in allen Hotels, auch in den meisten
     Rasthäusern (Dâk Bungalows) gesprochen. Von den vielen neuindischen
     Sprachen, die in den verschiedenen Gebieten Vorderindiens
     gesprochen werden, ist das _Hindostani_ oder _Urdu_ die
     verbreitetste; es ist ein Hindudialekt mit vielen persischen und
     arabischen Beimischungen, auch einigen malaiischen, portugiesischen
     und englischen Wörtern. Grammatik und Wörterbuch von _Forbes_
     (London 1855 und 1846) gelten noch jetzt als beste Sprachführer.
     Zum Gebrauch für Reisende genügt aber der »_Hindustani Manual for
     Beginners_« (Times of India-Press, Bombay), der viele Wörter und
     Sätze enthält; ferner: »_Marlborough's Hindustani Self Taught_« (2
     Rup. 4 annas); »_How to speak Hindustani in a Month_« (1
     Rup.).--Betreffs der Aussprache englisch geschriebener
     geographischer Namen sei bemerkt, daß u im allgemeinen wie a
     gesprochen wird: Kalkatta (geschrieben Calcutta), Dschamna
     (geschrieben Jumna), Lackno (geschrieben Lucknow) etc.

     =Reisebureaus, Agenten.= _Norddeutscher Lloyd:_ Thos. Cook &
     Son.--_Hamburg-Amerika Linie_, Volkart Brothers. --_Thos. Cook &
     Son_ (B4), Esplanade Road 13 (Lesezimmer); geben »Cooks India.
     Information for Travellers landing at Bombay and Calcutta« mit
     Angaben über Reisewege und Fahrpreise heraus, ein sehr nützliches
     Heft. Fahrkarten sind oft für die Bahn billiger und schneller in
     Cooks Office zu haben als auf den Bahnhöfen. Cook gibt auch
     Hotelcoupons, für ganz Indien gültig, aus, seine Fahrkarten können
     getauscht oder zurückgegeben werden. Es empfiehlt sich, Briefe aus
     der Heimat an Cook schicken zu lassen, der sie dem Reisenden nach
     Verabredung nachschickt (Deutsch wird aber im Bureau nicht
     gesprochen!).--_=Reiseagenten=_, die Reise- und Geldgeschäfte, auch
     eingeborne Diener besorgen, Briefe nachsenden etc., sind: _Latham &
     Co._ (empfohlen), Apollo Street; _King King & Co._, Standard
     Buildings, Hornby Row; _Grindlay, Groom & Co._, Hornby Road.
     (Vorsicht ist bei Agenten geboten!)

     =Konsulate:= _Deutsches Reich_ (B5), Konsul Dr.
     Heyer.--_Österreich-Ungarn_ (B5), Konsul Graf Thurn.

     =Polizei= (_Police Courts_; C3) gegenüber dem Victoria-Bahnhof.
     Polizeiwache neben Apollo Hotel. Polizeipräsidium gegenüber
     Crawford Market.

     =Bäder= in allen Gasthöfen. Seewasserbäder zum Schwimmen in _Back
     Bay_ (B5) und _Breach Candy_ (im NW.); Badezeit im Hotel erfragen

     =Ärzte:= Dr. _Alphons Mayr_ (Deutscher), Konsulatsarzt, Roosevelt
     House, Apollo Reclamation (gegenüber Taj Mahal Hotel), zu
     empfehlen.--Zahnärzte: Dr. _Barr_, Mayo Road; Dr. _Davison_,
     Landsdowne Road.

     =Apotheken:= _Thompson & Taylor_, Esplanade Road; _Kemp & Co._,
     Elphinstone Circle (C4), Sassoon House und im Taj Mahal Hotel.

     =Buchhandlungen:= _Taraporevala_, Meadow Street; _Thacker & Co._;
     Esplanade Road (B4);--_Combridge & Co._, Esplanade Road.--_Presse:_
     _The Times of India_; _The Bombay Gazette_; _Advocate of India_
     (Abendblatt).

     =Photographien:= _Metzker_ (Deutscher, gelobt), Hornby Road,
     Whiteways Building.--_Bourne & Shepherd_, Esplanade Road 18,
     liefern Films und Platten jeder Art;--_Clifton & Co._ (Mitbesitzer:
     Schultz), Meadow Street, sprechen Deutsch.

     =Geschäftsadressen.= _=Indische Kuriositäten:=_ _Tarachund_, Meadow
     Street;--_Ramswamy_, ebenda;-- _Hurjimuli_ und in den Läden in der
     Kalbadevi Road und deren Nebenstraßen. --_=Reiseausrüstung:=_ _Army
     & Navy Stores_; _Badham & Pile_; _Asquith & Co._; _Whiteway,
     Laidlaw & Co._; _Hoar & Co._; sämtlich Esplanade Road.

     =Vergnügungen, Theater= (nur zeitweise): _Royal Opera House_,
     Queens Road; _Gaiety Theatre_ und _Novelty Theatre_ (BC 3), nahe
     Victoria-Bahnhof. --_Native Theatre_ (A1), Grant Road.--
     _=Öffentliche Musik=_ an bestimmten Tagen im Yacht Club und
     am »Bandstand« (Musiktempel); Sa. in Byculla, Victoria Gardens;
     ebenda _Botanischer_ und _Zoologischer Garten_ und _Museum_.

     =Klubs, Vereine:= _Deutscher Klub_, Kennedy Sea Face.--_Byculla
     Club_, Bellasis Road, Byculla, mit Schlafgelegenheit. _Bombay
     Club_, 26 Esplanade.--_Yacht Club_, Apollo Bandar (C5).--_Bombay
     Gymkhana and Golf Club_, Esplanade Road.--_Ladies' Gymkhana_, The
     Ridge, Malabar Hill, abds. sehr besucht.

     =Zeiteinteilung.= 1. Tag Vm.: Wagenfahrt Fort, Europäerstadt und
     Native Town (Eingebornenstadt), bequem in 4-5 St. zu durchfahren;
     Nm. 2 Uhr: Mit Cooks Dampfer (s. S. 61) nach Elephanta, zurück 7
     Uhr;--2. Tag Vm.: Wagenfahrt nach Malabar Hill zu den Türmen des
     Schweigens (7-1/2-9) mit Eintrittskarte vom Hotelportier; Nm.:
     Native Town-Basar »shopping« und Wagenfahrt nach Victoria Gardens und
     Museum. Abendspaziergang zum Studium des Volkslebens gegen 6
     Uhr;--3. und 4. Tag: Ausflug nach Ellora (S. 61);--5. Tag früh:
     Autofahrt nach Mahim und Vehar Lake. Weitere Ausflüge s. S. 62.

     =Geschichtliches.= Bombay wurde 1530 vom Sultan Balladur, dem König
     von Gujarat, an die Portugiesen abgetreten, die dort eine
     befestigte Handelsfaktorei einrichteten. Bei der Heirat Karls II.
     von England mit der portugiesischen Infantin Katharina ging Bombay
     als Mitgift an die englische Krone über, wurde aber schon 1668 der
     Ostindischen Kompanie gegen einen Pachtschilling von 10 £ jährlich
     übergeben. Diese Kompanie verstand die günstige Lage des Platzes zu
     würdigen und auszunutzen; schon 1686 wurde der Sitz der westlichen
     indischen Statthalterei aus Surate nach Bombay verlegt,
     gleichzeitig Postamt und Münze errichtet. Durch geschickte
     Maßregeln, Zoll- und Religionsfreiheit für die Ansiedler, Ausbau des
     Hafens entwickelte sich der Platz und übertraf schließlich den
     alten Handelsplatz Surate bedeutend. Im 19. Jahrh. bewirkte die
     Steigerung der Baumwollausfuhr infolge des nordamerikanischen
     Sezessionskrieges schnelles Aufblühen Bombays. Seit Eröffnung des
     Suezkanals ist Bombay die zweite Handelsstadt Indiens geworden, hat
     aber seit 1896 durch Mißernten und Pest gelitten.

     Das =Klima= von Bombay ist in der Trockenzeit nicht so heiß wie in
     andern indischen Plätzen. Der SW.-Monsun (Regenzeit) setzt etwa in
     der zweiten Juniwoche ein, der Regen dauert regelmäßig bis Ende
     September. Mai und Oktober sind die heißesten Monate, aber auch
     dann wird die Hitze durch kühle Seebrise gemildert, anderseits
     macht sie sich infolge der großen Luftfeuchtigkeit und der geringen
     nächtlichen Abkühlung oft fühlbarer als im Innern des Landes. Die
     mittlere Jahrestemperatur beträgt 26,3° C, zwischen 23,6° im Januar
     und 29,2° im Mai. Die mittlere jährliche Regenmenge beträgt 1880
     mm, wovon 1800 mm allein in der Zeit von Juni bis Ende September
     fallen.

=Bombay=, nach der Göttin Mumba benannt, wichtigster Seehafen der
indischen Westküste und Hauptstadt der gleichnamigen Präsidentschaft des
britisch-indischen Kaiserreichs, unter 18° 55' nördl. Br., liegt auf der
55 qkm großen Insel _Bombay_, die durch einen schmalen Sund von den
Inseln _Salsette_ und _Trombay_ getrennt ist; von Bombay führen zwei
Eisenbahnbrücken und eine Straßenbrücke (_Sion Causeway_) über diesen
Sund. Der Ghodbandar-Fluß trennt die Salsette-Insel vom Festlande. Die
Südküste der Bombay-Insel ist tief eingebuchtet; die malerische, aber
seichte _Back Bay_, mit gefährlichen Riffen, begrenzt die eigentliche
Stadt Bombay nach W.; _Malabar Hill_, der SW.-Zipfel der Insel Bombay,
schließt die Back Bay nach NW. ab. An der Ostseite der Stadt liegt die
Reede mit Ankerplätzen für die größten Schiffe, mit Hafenanlagen,
Werften und Trockendocks. Am _Apollo Bandar_ (C5) ist das neue
Europäerviertel; dort liegt der Yacht Club. Die Hauptgeschäftsstraße,
_Esplanade Road_ (B3, 4), trennt das (östliche) Geschäftsviertel, _The
Fort_ (BC3, 4) genannt, von den öffentlichen Gebäuden an der Westseite.
Nördl. vom _Victoria-Bahnhof_ (Terminus; C3) dehnt sich bis zu den
Fabrikvorstädten _Mazagon_ und _Byculla_, die dichtbevölkerte
Eingebornenstadt (_Native Town_ A-C1), aus. Nördl. davon liegt der
Vorort _Parel_.--Der gesündeste und malerischste Vorort liegt auf
_Malabar Hill_; dort ist das Villenviertel der Europäer und wohlhabender
Eingeborner, in dessen Mitte die Türme des Schweigens (S. 60) liegen.
Nahe der Südspitze von Malabar Hill, auf _Malabar Point_, steht das Haus
des Statthalters (_Government House_) neben dem heiligen Hindutempel von
_Walkeshwar_ (S. 60).--Küstenbefestigungswerke liegen auf _Elefanta_,
auf _Oyster Rock_ östl. von Colaba, auf _Middle Ground Shoal_, auf
_Cross Island_ und auf _Colaba Point_; ferner im W. der Stadt bei
_Mahalakschmi_ und auf _Malabar Point_ (man hüte sich, in der Nähe der
Festungswerke zu photographieren). Nö. von Malabar Hill, auf _Camballa
Hill_ und an dessen Seeseite, _Breach Candy_, liegen ebenfalls Villen.

Bombay hatte 1911: 972930 Einw. (davon 20000 Europäer, 50000 Parsen, 2/3
Hindu, 1/5 Mohammedaner). Die Industrie umfaßt Baumwollfabriken,
Kunstgewerbe, Holzschnitzereien. Bombay ist Ausfuhrhafen für die
Präsidentschaft Bombay und für das westliche Dekhan; die Ausfuhr umfaßt
Baumwolle, Getreide (besonders Weizen) und Hülsenfrüchte, Ölsamen,
Opium, Schafwolle, Häute und Felle; die Einfuhr Baumwollwaren,
Wollen- und Seidenstoffe, Metallwaren, Glas, Porzellan, Leder, Zucker,
rohe Seide, Tee u. a. Im Jahre 1909 liefen 897 Schiffe von 1963000
Registertonnen in den Hafen von Bombay ein.

_=Rundfahrt=_ (zu Fuß gehen ist für den Europäer gegen die Sitte und
wegen der Sonnenhitze gesundheitschädlich, man benutze die billigen
Droschken; nur Abendspaziergänge sind üblich und nicht nachteilig). Vor
_Colaba Point_, der Südspitze der Halbinsel, auf der die Stadt Bombay
erbaut ist, sieht man auf einem Riff den _Prongs-Leuchtturm_, der
nachts ein weißes Blinkfeuer zeigt, das wichtigste Hafenfeuer für die
Einsteuerung in den Hafen bei Nacht. Auf der äußersten Landspitze liegt
der alte englische Kirchhof und nördl. von ihm ein Irrenhaus (_Lunatic
Asylum_). Neben einem alten Leuchtturm steht östl. vom Kirchhofe das
magnetische, astronomische und meteorologische _Observatorium_. Folgt
man der Hauptstraße _Colaba Road_ nördl., so sieht man an beiden
Seiten die Kasernen (_Barracks_) der europäischen Besatzungstruppen
mit Familienwohnhäusern, Gärten und Schießplätzen; r. liegt eine
Landungsbrücke (_Pilots Bandar_) für Lotsenboote sowie der Schuppen
für das Rettungsboot. Dicht l. an der Straße folgt dann die hübsche
_St. John's-Kirche_ (»Afghan Memorial Church of John the Evangelist«),
zum Andenken an den Feldzug in Afghanistan (1838-43) erbaut; der
Kirchturm ist zum Teil vom Parsen Cowasjee Jehangir 1864 gestiftet.
Eine andre Stiftung der sehr wohltätigen und liberalen Parsen ist das
_Parsi-Sanatorium_ l. am schmalsten Teile der Colaba Road, dicht an
der Back Bay, mit Palmen umgeben. An dieser Stelle wird die Halbinsel
plötzlich breiter; l. breitet sich das neue Villenviertel _Colaba
Reclamation_ dicht am Meere aus, das durch die Brücke _Wodehouse
Bridge_ mit Queens Road verbunden ist; r. von der Straße liegt das
_Sassoon Dock_, das älteste künstliche Hafenbecken, jetzt fast nur zum
Landen von Truppen benutzt. Daneben liegen Baumwollager, in denen die
Baumwolle, zur Verschiffung in feste Ballen mit hydraulischen Pressen
(bis zu 800 Ton. Druck auf jeden Ballen) zugerichtet, aufgestapelt
liegt. Ein Baumwollballen hat über 100 Rup. (etwa 150 M.) Wert. Andre
Fabriken und Warenlager liegen in der Nähe des Colaba-Bahnhofs,
dessen Gleise bis zum Hafen führen. Colaba Station (B5) ist Endpunkt
der _Bombay, Baroda & Central Indian Railway_ (S. 53). -- Nördl. von
diesem Bahnhof heißt die Hauptstraße _Colaba Causeway_; sie führt am
Schuppen der Straßenbahn vorbei, wo der sehenswerte Baumwollmarkt
(jährlich über 4 Mill. Zentner) abgehalten wird. L. am Nordende des
Colaba Causeway stehen das _Apollo Hotel_ (Pl. c) und das _Majestic
Hotel_ an einem großen freien Platz mit dem neuen _Museum_ und den
Standbildern des _Königs Eduard VII._ (Pl. 13) und des _Königs Georg
IV._ Unweit davon in Wodehouse Road die römisch-katholische Kathedrale
und der Wohnsitz des (deutschen) Erzbischofs Dr. Juergens, S.J. -- R.
das _Royal Alfred Sailor's Home_ (BC5), Seemannsheim mit Schlafstätten,
und einige noch freie Bauplätze, daran schließt sich die _Marinewerft_
(Dockyard, C5), 1767 vom Parsen Lowji Naushir begründet; hier wurden
von parsischen Schiffbaumeistern und Zimmerleuten viele vorzügliche
große Segellinienschiffe aus Teakholz erbaut; jetzt enthält die Werft
6 Docks und mehrere Schiffbauhelgen. -- Eine Seitenstraße führt vom
Seemannsheim sö. nach dem _Apollo Bandar_ (C5), Bootsanlegeplatz
mit Flutmesserhäuschen, vor dem das _Haus des Jachtklubs_ (C 5) mit
Signalmast steht und vor dessen Strand nur Jachten ankern dürfen;
an zwei Abenden der Woche versammelt sich dort bei Musik die
»Gesellschaft« Bombays. -- Vom Seemannsheim führt der Weg um den
vorerwähnten Platz zur _Rampart Row_, an deren SO.-Ende, Ecke der
Marine Street, die 1818 erbaute schottische _St. Andrew's Kirk_ (C4)
steht. Daneben der ehemalige Eiskeller aus der Zeit, als das Eis noch
in Segelschiffen von Nordamerika nach Indien gebracht wurde. Gegenüber
der Rampart Row liegt _Sassoon's Mechanic's Institute_ (Pl. 14, B4),
eine Gewerbeschule mit guter Bibliothek (auch für Fremde benutzbar),
neben Watson's Hotel. Dicht dabei steht _Elphinstone College_ (B4)
zur höheren Bildung Eingeborner, nach dem berühmten Gouverneur Sir
Mountstuart Elphinstone benannt und hauptsächlich von dem Parsen
Sir Cowasjee Jehangir Readymoney gestiftet, mit Freistellen für
begabte unbemittelte Schüler. Die Rundfahrt führt um das Südende des
_Institute of Science_ in die Mayo Road, wo der erste Prachtbau r.
in venezianisch-gotischem Stil das =Presidential Secretariat= (B 4)
ist, der Regierungspalast des Governor und der Members of Council,
zugleich die Amtsräume der Finanz- und Rechtsverwaltung. Sw. davon
liegt am Strande der Back Bay die Schwimmanstalt (B 5) und die
Station für drahtlose Telegraphie; auf dem Platz in der Nähe ist eine
Halle für die Musikkapelle, die hier abends spielt. Dahinter einige
Sportklubs: _Commercial Gymkhana_, _Princess Victoria Gymkhana_,
_Japanese Club_. -- Der nächste Prachtbau neben dem Regierungspalast
ist die =Universität= (_University Hall_, B 4), auch von Sir Cowasjee
Jehangir gestiftet; ihr prächtiger Glockenturm (oben hübsche Rundsicht
über Bombay) ist gestiftet vom Parsen Premchand Raichand und zum
Andenken an dessen Mutter _Rajabai Tower_ genannt; die Halle neben
dem Turm enthält die Universitätsbibliothek. Diese »Universität« ist
nur eine Prüfungsanstalt; Vorlesungen werden nicht gehalten; in den
hübschen Gartenanlagen zwischen ihr und Esplanade Road sollen große
Prüfungshallen erbaut werden. -- Der nächste Prachtbau, in englischer
Frühgotik, ist der _High Court of Justice_ (höchster Gerichtshof, Pl.
6); hinter ihm liegt an der Esplanade Road der Bombayklub (S. 55). Der
nächste Bau in Mayo Road ist das _Public Works Secretariat_ (Pl. 7),
Regierungsamt für öffentliche Arbeiten (in der Nähe Standbilder von Sir
Rich. Temple [Pl. 5] und Lord Reay [Pl. 4]), dessen Vorderseite nach
der Querstraße Church Gate Street zeigt, an deren Westende dicht am
Strande _Church Gate Station_, Verwaltungsgebäude und Bahnhof der B. B.
& C. I.-Bahn, B 4) liegt. Folgt man nördl. der Mayo Road, so passiert
man r. das alte _Postamt_ (Post Office, B 4) mit drei weiten Hallen
in venezianisch-gotischem Stil (Hauptamt östl. vom Victoria-Bahnhof
kürzlich fertiggestellt), dann folgt das modern-gotische
_Telegraphenamt_ (Telegraph Office), vor dessen Nordende ein gutes
_Marmorstandbild der Königin Victoria_ (B 3/4) von Noble steht,
gestiftet von dem indischen Fürsten Khande Rao Gaekwar.--Nun fahre
man die Esplanade Road südl. zurück bis zur _Floral-Fontäne_ (Pl.
8), dann l. in die Church Gate Street bis zu dem Platz _Elphinstone
Circle_ (C 4) mit Gartenanlagen, vor der =Town Hall= (C 4), die große
Versammlungsräume enthält, darunter einen für die wissenschaftliche
_Bombay Asiatic Society_, mit großer, 10-5 Uhr auch für Fremde (mit
Empfehlungen) geöffneter Bibliothek und Museum mit Gemälden und
Standbildern verschiedener Governors. Die _Anthropological Society_
und _Bombay Geographical Society_ sind mit der Bombay Asiatic Society
verbunden. Auch Konzerte finden in der Town Hall statt. -- Gegenüber
der Town Hall liegt die =Kathedrale=, _Cathedral of St. Thomas_ (Pl.
9, C 4), erbaut 1718; im Schiff historische Gedenksteine: für den
Governor Duncan; für Kapitän Hardinge, der 1808 in einem siegreichen
Seegefecht fiel; für Oberst Campbell, der die Festung Mangalur
monatelang gegen Tippu Sahibs Übermacht hielt; für den Admiral Sir
Frederic Maitland, der Napoleon I. auf dem Bellerophon nach St. Helena
brachte, u. a. -- Nahebei in der Apollo Street Nr. 6 das kleine Museum
der _Natural History Society_. Südl. neben der Town Hall das _Zollamt_
(C 4), wohl das älteste Gebäude Bombays, das 1665 noch portugiesische
Kaserne war. Dicht nördl. von der Town Hall die _Münze_ (The Mint,
C4); daneben an der Ballard Road ist das _Hafenamt_ (Port Trust, C4)
mit Signalmast und vor diesem die alte Landungsbrücke (Ballard Pier,
C4); dort werden Sturmsignale und andre Hafensignale gegeben, die am
Centre Dock-Signalmast am Victoria Dock wiederholt werden. Nördl. von
Ballard Pier wird ein riesiges neues Hafenbecken, _Alexandra Docks_,
ausgeschachtet. -- Vor der Münze liegt ein rundes Süßwasserbecken,
südl. davon die alte _Zitadelle_ (The Castle, C4), von der nur noch die
Seeseite erhalten ist; auf dem Uhrturm fällt täglich 2 Uhr indischer
Einheitszeit (Indian Standard Time) der Zeitball zum Uhrvergleich für
Schiffe und Stadt. Mit dem Castle verbunden ist ein _Arsenal_ (C4),
Zeughaus mit Waffensammlung. Nun zurück durch Church Gate Street
zur _Floral-Fontäne_, dann nördl. in die Straße r., die Hornby Row,
bis zum _Rathaus_ (Municipal Buildings, BC3) mit 76 m hohem Turm.
Daneben in Cruikshank Road das _Polizeigericht_ (Police Court), dann
das _Kamahospital_ (Stiftung von Pestonji Hormusjee Kama, für Frauen
und Kinder, von weiblichen Ärzten geleitet), weiter _St. Xavier's
College_ (Pl. 1, B3), eine vorzügliche Jesuitenschule; weiterhin
folgen _Elphinstone High School_, eine Hochschule mit 28 Klassen für
den Mittelstand der Eingebornen, wo unterrichtet wird in Englisch,
Guzerati, Sanskrit, Latein und Parsisch; daneben _St. Xavier's High
School_, von deutschen Patres geleitet, an der Carnac Road. --
Weiter das _Gokaldas Tejpal-Hospital_ (nach dem Stifter benannt),
für Eingeborne bestimmt, das jährlich an 13000 Kranke behandelt. Das
Eckhaus von Carnac und Hornby Road ist das Polizeipräsidium; ihm
gegenüber an der Hornby Road liegt der =Crawford Market= (C2) mit
Markthallen, in deren Mitte ein Brunnen, gestiftet von Sir Cowasjee
Jehangir Readymoney; sehenswerte Verkaufsstände mit indischen Früchten,
Blumen, Gemüsen und Fischen (den Bombay duck [gedörrter Fisch] ißt man
zum Curry; sehr gut ist auch der Sargutali oder Pomfret). In derselben
Straße folgen die _School of Arts_ (C2), eine 1857 errichtete Kunst-
und Kunstgewerbeschule, und daneben, gegenüber dem Victoria-Bahnhof,
die _Anjuman-i-Islam School_ (Pl. 3, C3), eine mohammedanische
höhere Schule (eröffnet 1893). An der Ostseite der Hornby Road liegt
*=Victoria Terminus= (C3), ein gotisch-indischer Prachtbau; er gibt
ein Bild vom Reichtum der Stadt und ist einer der schönsten Bahnhöfe
der Erde. Gegenüber vom Bahnhof liegt der Neubau des Hauptpostamts und
weiterhin, östl. vom Bahnhof, an der Frere Road, liegt das auch für
Reisende empfehlenswerte Krankenhaus _St. George's General Hospital_,
begründet 1889. Rückfahrt über Esplanade Road zum Hotel.

=Native Town= (_Black Town_; A-C1), die Eingebornenstadt, dicht
bevölkert, mit meist engen, oft krummen Gassen, beginnt nördl.
vom Crawford Market; sehenswerte _Basare_, allerdings mit viel
Trödel, aber mit interessantem Menschengetriebe an Indern (Hindus
und Mohammedaner), Parsen, Afghanen, Arabern. Man achte auf die
verschiedenen Kopfbedeckungen. Gelegenheit zur Teilnahme an parsischen
Hochzeitsfesten oder hinduistischen Götterfesten (z. B. zu Ehren der
Glücksspenderin Lakschmi) sollte man ausnutzen, um das Volk kennen
zu lernen. Mitten im Eingebornenviertel liegt _Pinjrapol_ (B1/2),
ein Tierasyl (sehenswert, aber nichts für schwache Nerven), wo altes
Rindvieh, Ziegen, Schafe, Esel, Büffel und Hunde das Gnadenbrot
erhalten; als Weihgeschenke sind auch gesunde starke Tiere dort.
Verschiedene Wasserbehälter mitten in der Stadt sind mit Tempeln
umgeben. -- Im nördlichen Teile der Native Town liegt das _Grant
Medical College_ (C1), eine medizinische Hochschule zur Ausbildung
von Indern zu Ärzten; damit verbunden ist das große _Sir Jamsetjee
Jeejeebhoy Hospital_ (für Parsen getrennt, doch auch für Brahmanen und
Mohammedaner), ein Hospital für Unheilbare mit Baracken für ansteckende
Krankheiten. -- An der Queen's Road, 10 Min. nördl. von Marine Lines
Station, sind die _Leichenverbrennungsstätten_ (A2, Hindu Burning
Ground), längliche Höfe mit Warteräumen, in deren Mitte auf eisernen
Gabelständern der Leichnam mit Holz umgeben wird (bei Reichen kostbare
Hölzer!); Asche und Knochenreste werden nachher ins Meer geworfen.

=Umgebung:= 1) =Malabar Hill= (etwa 6 km von Colaba Station, zu
erreichen mit Wagen vom Hotel aus, oder mit Bahn von Colaba bis Grant
Road Station, wo man frühmorgens in der Bellasis Road die Araberställe
und -pferde besichtige, die von Arabern nach Bombay zum Verkauf
gebracht werden, dann mit Wagen) auf der Halbinsel an der Westseite
der Back Bay; Fahrweg dahin sehr schön längs des Strandes. Auf der
Südspitze der Halbinsel _Malabar Point_ stehen die Villengebäude des
Gouverneurs; in ihrer Nähe eine Batterie. Die Spazierfahrt längs
der Westseite des Malabar-Hügels bis nach Breach Candy ist eine der
schönsten von Bombay und abends von Wagen und Reitern viel besucht.
Auf Malabar Hill ist das gesündeste und vornehmste Viertel mit Villen
und Gärten. Dicht beim Gouvernements-Bungalow sind die malerischen
Tempelanlagen von _Walkeshwar_, ein berühmtes Hinduheiligtum. Gibbs
Road, die nördliche Fortsetzung der Ridge Road, führt nach dem Gipfel
des Malabar Hill. Dort nordöstlich der Villenanlage die

*=Türme des Schweigens= (_Towers of Silence_), die Begräbnisstätte der
Parsen, die größte Sehenswürdigkeit Bombays (Eintrittskarten zur
Besichtigung [7-1/2-9, 2-1/2-4-1/2 Uhr] besorgt der Hotelportier). Der
Eingang führt durch ein modernes eisernes Tor, eine steinerne Freitreppe
hinauf in einen schönen Garten durch eine innere Mauer; von da nimmt ein
Parsi-Priester die Führung. Bei dem steinernen Bethaus, in dem das ewige
heilige Feuer brennt, hat man einen prächtigen Rundblick über ganz
Bombay und die See. Der Führer zeigt ein Modell der Türme.

     Es sind fünf Türme, die _Hans Meyer_ wie folgt beschreibt: »
     ... sie können besser runde Terrassen genannt werden. Jeder hat
     nur einen Eingang, der durch einige Stufen von außen zugänglich
     ist. Nur den die Leiche begleitenden Trägern und Priestern ist
     der Zutritt zum Turm gestattet. Die innere Einrichtung ist sehr
     einfach. Der Turm ist in drei konzentrische Ringe geteilt, in
     deren jedem eine gewisse Anzahl von Mulden ausgehöhlt ist. In die
     Mulden des äußern Ringes werden die männlichen Leichen, in die des
     mittlern die weiblichen und in die des innersten die Kinderleichen
     gelegt. Nach dem Zentrum hin sind die Ringe etwas geneigt. Dort
     ist ein runder Schacht in das Mauerwerk eingelassen, in den das
     Regenwasser abfließt und der später die Gebeine aufnimmt.« Sobald
     eine Leiche in den Turm gelegt ist, fallen Scharen von Geiern
     über sie her und fressen in kaum einer Stunde alles Fleisch
     auf. Beim Ausbruch der Pest mußten mit großen Kosten mehr Geier
     herbeigeschafft werden. Die Knochen werden in den Schacht geworfen
     und zerfallen da. Das aus dem Schacht abfließende Regenwasser wird
     durch eine Kohlenschicht geleitet und desinfiziert, ehe es in See
     fließt. Der größte Turm hat etwa 7,6 m Höhe und 84 m Umfang.«
     -- Diese Bestattungsweise der Parsi entspricht dem Gebote des
     Zendavesta, der Bibel der von Zoroaster gegründeten iranischen
     Nationalreligion, daß die Elemente nicht durch Berührung mit
     Verwesungsstoffen verunreinigt werden dürfen, und daß im Tode
     reich und arm sich begegnen müssen.

Auf demselben Bergrücken, der die Türme des Schweigens trägt, liegt der
Sportplatz _Ladies' Gymkhana_, mit Tennis- und andern Spielplätzen,
abends sehr besucht; Ehrenmitglieder werden zugelassen. -- Nördl. von
Malabar Hill liegt _Camballa Hill_ (88 m), ebenfalls mit vielen hübschen
Bungalows und Villen besetzt und nahe bei Grant Road Station. Man achte
in den Gärten auf Schlangen!

     2) =Byculla= (etwa 4 km mit Bahn von Victoria Stat.), an der Parel
     Road das _Albert- und Victoria Museum_, mit Standbild des
     Prinzgemahls, im =Victoriapark= (_Victoria Gardens_), einem schönen
     Botanischen Garten mit Tiergarten; zweimal wöchentl. Militärmusik.
     -- In =Parel= (4 km nördl. von Byculla, an derselben Bahn) wird der
     alte Gouverneurspalast als Laboratorium für Pestuntersuchungen
     benutzt.

     3) =Elephanta= (Fahrt von Apollo Bandar mit Cooks Dampfer in 1-1/2
     St., 7 Rup. die Person, meist tägl. Nm. 2 Uhr ab Taj Mahal Hotel,
     Rückkehr 7 Uhr), eine kleine Felseninsel, 9,5 km östl. von Bombay,
     ist wegen ihres alten Hinduhöhlentempels sehenswert, der aus dem 8.
     Jahrh. stammt. Prächtige, aber meist heiße Fahrt durch den Hafen.
     Vom Landungsplatz vor der Ostseite der Insel führen bequeme
     Steinstufen zu dem Höhlentempel, der etwa 76 m über dem Meere
     liegt, 43 m breit und lang sowie 4 m hoch ist; er war durch 42 aus
     dem Felsen gehauene Säulen gestützt, die zum Teil zerstört sind.
     Gegenüber dem Haupteingang ein 6 m hohes Brustbild der
     Dreieinigkeit Brahmas, Wischnus und Schiwas; die
     vielverschnörkelten Riesenreliefs sind schwülstig und ohne
     künstlerischen Wert, aber die Technik des Baues ist zu bewundern.
     Giftschlangen sollen zahlreich auf Elephanta vorkommen. Der
     Hinduname für Elephanta ist _Gharapuri_ (Felsen- oder Höhlenstadt).
     (Andre Höhlentempel findet man in _Kanhari_ in der Mitte der Insel
     Salsette; in _Montpezir_, Bahnstation Borivli; in _Jogeshivar_,
     Bahnstation Goregaon.)

      4) *=Ellora= (_Elura_), ein Ausflug auf 2-3 Tage, beschwerlich,
     aber sehr lohnend; mit Great Indian Peninsula-Bahn von Victoria
     Station in etwa 9 St. zu erreichen; Fahrpreis I. 14 Rup., II. 7
     Rup.; Entfernung 212 M. Erlaubnis zur Benutzung der Rasthäuser
     (Rest houses) in Ellora erhält man auf Antrag vom Residenten in
     Hyderabad. -- Die Fahrt zwischen Bombay und Igatpuri ist eine
     äußerst malerische Strecke und sollte bei Tage gemacht werden;
     man fahre mit Mittagszug bis Igatpuri dem Schnellzug, der abends
     fährt, voraus. Bei _Riva_ verläßt die Bahn die Insel Bombay und
     führt über einen Damm (_Sions Causeway_) nach (10 M) _Kurla_ mit
     früher berühmten Baumwollmühlen, dann an der Ostküste der Insel
     _Salsette_ nach (21 M) Stat. =Thana= (_Tanna_; Rasthaus), einer
     sehr alten portugiesischen Niederlassung (1298 erwähnt schon
     Marco Polo den damals blühenden Handelshafen), die im 16. Jahrh.
     blühende Seidenindustrie hatte, jetzt von Katholiken bewohnt;
     viele portugiesische Nachkömmlinge. Die Bahn führt südl. von Thana
     über eine Brücke zum Festland und dann am l. Ufer des Usher- und
     Ulhasflusses nach der sehr alten Stadt (34 M) Stat. =Kalyan=
     (_Bahnwirtschaft_), wo r. die Madras-Bahnlinie (S. 96) abzweigt.
     Dann steigt die Bahn nö. hinan auf das Dekhan-Hochland durch den
     Bergpaß _Thal (Thull) Ghat_; bei (75 M) Stat. _Kasara_ beginnt der
     Aufstieg mit Berglokomotive, Steigung von 320 m auf 9-1/2 M; er
     endet bei (85 M) Stat. =Igatpuri=, Sommerluftkurort für Bombay,
     mit Bungalows für die Bahnbeamten. Man befindet sich hier schon
     an der Wasserscheide der Halbinsel, die sich von hier an langsam
     ostwärts nach dem Golfe von Bengalen senkt. Im September ist der
     Pflanzenwuchs hier sehr schön. -- Dann ebene Strecke mit niedrigen
     Bergen bis --(117 M) Stat. =Nasik= (580 m); die hochheilige alte
     Hindustadt am Oberlauf des Godavery, des 1800 km (Rhein 1300 km)
     langen Hauptflusses des Dekhan (mit 35000 Einw., darunter 1300
     Brahmanenpriester), liegt 10 km nw. vom Bahnhof (Straßenbahn
     dahin; Dâk Bungalow; Tongas zu mieten); sie hat viele sehenswerte
     Tempel, darunter der _Kapáleshwar_, der _Sundar Narayan_, Rama's
     Kund; die Missionsschule Sharanpur; die Lena-Höhlentempel in
     einem Hügel 5 M sw. von Nasik.--Dann folgt (162 M) Stat. =Manmad=
     (_Manmar_; _Bahnwirtschaft_; _Dâk Bungalow_), Kreuzungspunkt,
     wo man in den Zug nach Aurangabad umsteigt; man fährt aber nur
     bis (212 M) Stat. =Daulatabad=, wo man auf dem Bahnhof speisen
     kann; man bestelle von Bombay aus vorher beim Stationsvorsteher
     telegraphisch einen Wagen (Tonga), Preis 12 Rup. Von Daulatabad 16
     km Wagenfahrt nach

     =Ellora= (_Rasthaus_, für jedermann zugänglich, Verpflegung ist
     mitzubringen). Die berühmten Höhlentempel von Ellora besuchte schon
     1306 Aladdin; sie sind in einen halbkreisförmigen, 2,5 km langen
     Abhang aus dem Fels herausgearbeitet. Am Südende liegen die
     ältesten buddhistischen Tempel, dann folgen brahmanische, zum
     Schluß Dschaintempel. Am prächtigsten ist der dravidische Tempel
     _Kailasa_, aus dem 8. Jahrh.; er ist von einem 45 m breiten und 84
     m tiefen Hof umgeben, der innen 32 m hoch ist. Vor dem Hof ist ein
     steinerner Vorhang mit Riesengestalten Schiwas und Wischnus
     geschmückt, mit kleinem Eingang in der Mitte. Im Hofe steht der
     Tempel, aus einem einzigen Felsen gehauen, umgeben von riesigen
     Steinbildern von Elefanten, Löwen und Greifen. -- 16 Höhlentempel
     liegen südl. vom Kailasa und fast ebenso viele nördl. Unter den
     buddhistischen sind wichtig: der _Dherwara_ (der älteste), der
     _Vichwakarma_, der _Don Tal_ (mit 2 Stockwerken), der _Tin Tal_
     (mit 3 Stockwerken). Eine der schönsten Hindutempelhöhlen
     ist der _Dumar Lena_ (46 m lang und breit). Von diesen Tempeln
     führt ein Fußsteig (1,5 km) nach den Dschaintempelhöhlen
     _Jagannath_ und _Indra Sabhas_. [Hand] Wer Ellora gesehen hat,
     braucht weiter keine Höhlentempel zu besuchen!

     Etwa 1 km vom Ellora-Rasthaus liegt das besuchenswerte, mit
     Ringmauer umgebene Städtchen _Roza_ oder _Khuldabad_ (2200 Einw.),
     600 m ü. M., Hauptwallfahrtsort für die südindischen Mohammedaner;
     neben der großen Moschee das unscheinbare Grab Aurangzebs, des
     letzten bedeutenden Großmoguls (gest. 1707), sowie die Gräber Husan
     Shahs, des letzten Königs von Golkonda, und Asaf Shahs, des
     Begründers der jetzigen Dynastie von Hyderabad. Auf dem Hin- oder
     Rückweg von Ellora fahre man bis zur Bergfeste _Daulatabad_, um den
     höchsten Punkt der bis 180 m aus der Hochebene aufragenden
     Basaltfelsen der uralten Zitadelle zu besteigen (Erlaubnis erteilt
     der Stationsvorsteher von Daulatabad). Dann folge man der
     Hauptstraße nach (25 km von Ellora) =Aurangabad= (Dâk Bungalow,
     gut, doch klein; 38000 Einw.), 1610 gegründet, Kaiser Aurangzebs
     bevorzugte Residenz, jetzt betriebsame Handelsstadt, im Dekhan mit
     prächtigem Mausoleum der Lieblingsgattin _Rabi'a Durrani_ des
     Kaisers Aurangzeb (Nachahmung des Taj Mahal in Agra). Außerdem
     sehenswert der _Pan Chakki_, ein Schrein, die große Moschee und
     viele holzgeschnitzte Häuserfronten.

     5) =Mahim= und =Vehar Lake=, Ausflug von Bombay mit Auto, Vm.
     über Queen's Road, dann quer durch die Insel Bombay und den
     sehr schönen *_Palmenwald von Mahim_ in ihrer Mitte, der den
     Reisenden den ersten großen Eindruck der Tropenflora gibt; am
     Wege prachtvolle hängende Gärten. Das Dorf Mahim liegt malerisch
     am Nordweststrande der Insel; dort ist ein 1859 begründetes
     schottisches Waisenhaus (_Scottish Orphanage_). Mahim ist auch
     Station der B. B. & C. I.-Eisenbahn (14 km von Bombay). Die
     Landstraße führt dann über den _Sion Causeway_, einen Damm,
     auf die Insel Salsette, wo etwa 27 km von Bombay der künstlich
     aufgestaute See _Vehar Lake_ mit dem großen Wasserwerk der Stadt
     Bombay; der Weg führt durch dichte Dschungeln, die früher reich an
     Tigern waren; jetzt sind diese »_man eaters_« (Menschenfresser)
     dort seltener. Auch andres Wild ist frühmorgens dort zu treffen;
     der See ist sehr fischreich. 3 km nördl. liegt der Stausee _Tuki
     Lake_ und nochmals 3 km weiter die 109 Höhlentempel von _Kanhari_
     (weniger sehenswert als die von Ellora, S. 62).

     _=Andre Ausflüge=_ (bei längerm Aufenthalt sehr zu empfehlen!) nach
     *_Bassein_ (S. 64), *_Matheram_ (S. 96), _Khandalah_ und _Karli_,
     _Poona_ und *_Mahabaleshwar_ (S. 97).


3. Von Bombay über Jaipur, Agra, Delhi und Benares nach Calcutta.

Vgl. die Karten bei S. 96 und 64.

     =Eisenbahn von Bombay nach Calcutta.= 1) _Bengal-Nagpur Railway_,
     die kürzeste Verbindung durch die südl. Zentralprovinzen, 1221 M
     (1965 km), sogen. _Calcutta-Mail_ (Schnellzug) über Bhusawal,
     Nagpur in 41-3/4 St., Fahrpreise: I. Kl. 91 Rup. 1 anna, II. 45
     Rup. 9 annas; Rückfahrkarten I. Kl. 171 Rup. 8 annas, II. Kl. 80
     Rup. 8 annas, III. Kl. 15 Rup. 10 annas. Abfahrt von Bombay,
     Victoria Terminus Stat. mittags, Ankunft Calcutta (Howrah) Vm.

     2) _Great Indian Peninsular Railway_ und _East India Railway_, 1400
     M (2253 km), sogen. _Midland Route_ durch die nördl.
     Zentralprovinzen über Nasik, Jubbulpore, Allahabad in 42-1/4 St.;
     Fahrpreise: I. Kl. 99 Rup. 1 anna; II. Kl. 45 Rup. 14 annas; III.
     16 Rup. 6 annas (für Diener). Auf dieser Strecke läuft wöchentlich
     ein Sonderzug (_Special Train_) mit Speisewagen nach Ankunft des P.
     & O.-Dampfers in Bombay in 40 St., Fahrpreis 6 £ 12 sh, mit nur 32
     Plätzen, daher Anmeldung vor Ankunft in Aden nötig.

     3) _Bombay, Baroda and Central Indian Railway_ und _East Indian
     Railway_ durch Radjputana und Hindustan über Jaipur, Delhi, Lahore,
     Agra, Allahabad, Benares; die Radjputana-Route kombiniert mit der
     East India-Route. Es ist der beste Reiseweg für Weltreisende,
     zugleich die bestgeleitete Bahnlinie Indiens; wo die Unterkunft in
     den auf dieser Strecke gelegenen sehenswerten Städten zu mangelhaft
     ist, findet man im Stationsgebäude gute Verpflegung und bequeme
     Schlafräume (zuweilen etwas lärmend) mit Bädern.


Von Bombay nach Delhi.

Vgl. die Karten bei S. 96 und 64.

     =Eisenbahn:= Linie 3) (s. oben). Abfahrt von Bombay von _Colaba
     Station_ (am besten, um guten Platz zu bekommen, l. sitzen!).
     Schnellzug bis (849 M, 1367 km) _Delhi_ mit Bombay Baroda & Central
     Indian-Bahn in 35 St. für I. Kl. etwa 62 Rup. 7 annas, II. Kl. 31
     Rup. 4 annas, Diener 8 Rup.

     Der Reisende gelangt auf dieser Linie aus dem regenreichen, von
     üppiger Tropenvegetation bedeckten Westküstengebiet des Dekhans,
     das den Regen bringenden Südwestmonsun aus erster Hand erhält, in
     immer trockenere Zonen; dementsprechend ändert sich auch die
     Vegetation, die in Radjputana schon mehr Ähnlichkeit mit der des
     trockenen Vorderasien hat, als mit der tropischen des südl. und
     östl. Vorderindien. Die Temperaturverhältnisse ändern sich im
     Sommer zwischen Bombay und Delhi nicht so sehr, als man es nach der
     etwa 10 Breitengrade betragenden Entfernung erwarten sollte;
     dagegen ist der Winter in Bombay ganz bedeutend wärmer als in Agra
     und Delhi (Januartemperatur in Bombay 23,6°, in Agra 15,6°).
     Die täglichen Temperaturschwankungen, die für das körperliche
     Befinden des Menschen besonders wichtig sind, sind in
     Nordwestindien viel größer als in dem beständig feucht-warmen
     Bombay.

Die Bahn geht von _Bombay_ nördl. längs der Back Bay mit Blick auf
Malabar Hill und die Türme des Schweigens, durchläuft die flache Insel
Bombay, Dörfer mit Kokospalmen, und kreuzt bei (10 M) _Mahim_ das
seichte Meer zwischen den Inseln Bombay und Salsette auf einem Damm (von
hier ab vgl. die Karte S. 96). Jenseit des Dammes (11 M) _Bandra_ mit
alten portugiesischen Kapellen, beliebtes Seebad mit frischerem
Seeklima; ein Ritt längs der Westküste der Insel von Bombay nach Bandra
ist sehr lohnend zum Kennenlernen tropischer Natur (s. S. 42).--Die Bahn
führt nun nahe längs der Westküste der Insel Salsette nach (18 M)
_Goregaon_, dicht am Meer; etwa 2 km nö. vom Bahnhof liegen die
Tempelhöhlen von _Jogeshwar_ aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrh.--(22
M) _Borivli_. Von der Stat. _Borivli_ in 1 St. (mit Tonga) über waldige
Hügel nach den interessanten Höhlen von _Kanhari_, 109 in Felsen
gemeißelte buddhistische Mönchszellen (jetzt verlassen).--Bei (23 M)
_Bhayndar_ (_Ghorbandar_) überschreitet die Bahn auf 2 M langer Brücke
den _Basseïn Creek_, einen Meeresarm, der die Insel Salsette vom
Festlande trennt; jenseits liegt (29 M) Stat. _Basseïn Road_ (Dâk
Bungalow).

     Von Basseïn Road mit Tonga (stets bereit) auf Landstraße südwestl.
     nach (8 km) *=Basseïn= (Dâk Bungalow, Frühstückskorb mitnehmen,
     Unterkunft beim Stationsvorstand schriftlich vorausbestellen!), als
     starke Seefestung 1532 von den Portugiesen angelegt, 1674 von
     arabischen Piraten geplündert, 1739 von den Mahratten, 1744 und
     1780 von den Engländern erobert, den Mahratten aber zurückgegeben,
     wurde erst 1817 englisch. Das Rasthaus nahe den Ruinen hat Tische
     und Stühle. Man fährt durch das mächtige Seetor (aus Teakholz, gut
     erhalten) in das Fort; der Hauptweg führt zur Kathedrale _Matriz
     St. Joseph_ mit gut erhaltenem Turm. Mitten im Fort liegt die
     Zitadelle, in ihr die älteste Kirche Indiens, _Nossa Senhora da
     Vida_, mit sehenswertem Kanzeldach. Im W. Hindutempel und Tank.
     Zwischen Tank und Municipal Road liegen Kirche und Hospital
     _Misericordia_, letzteres mit herrlichen Klosterhallen; die
     Kirchenfront ist das schönste Architekturstück Basseïns. Im Kloster
     pflegte der heilige Francis Xavier während seiner Besuche 1544 und
     1548 auszuruhen. Auch das Landtor _Porto da Terra_ ist sehenswert.
     (Der Besuch der Ruinen Basseïns wird von Kennern sehr empfohlen!)

Die Bahn berührt unbedeutende Stationen. Von (108 M) Stat. _Daman
Road_ (Dâk Bungalow) führt eine Landstraße westl. nach (7 M) =Daman=,
einer 1531 begründeten, noch jetzt portugiesischen Niederlassung, die
zu Goa gehört; kleine befestigte Seehandelsstadt an einem Flusse mit
seichter Barre und schlechtem Ankerplatz für Schiffe. -- Weiter nach
(115 M) Stat. _Udvada_ mit dem ältesten parsischen Feuertempel in
Indien, dessen Feuer aus Persien vor einem Jahrtausend (700 n. Chr.)
mitgebracht wurde und seitdem brennt. Es folgt die kleine Stadt (149
M) _Navsari_, Erziehungsort für parsische Priester. -- (167 M) Stat.
=Surat= (Dâk Bungalow), Stadt mit 114116 Einw., früher als Hauptort
der englischen Handelskompanie im 18. Jahrh. mit über 3/4 Mill. Einw.;
viele Moscheen, Hindu- und Parsitempel, große Basare (Intarsien,
Sandelholzschnitzereien), Tierspital; Baumwoll- und Seidenspinnereien;
da der Hafen von Surat, _Siwalli_, an der Tapti-Mündung eine schlechte
Reede und versandete Barre hat, hat Surat seine Bedeutung als
Seehandelsplatz längst verloren. -- 2 M weiter überschreitet die Bahn
auf langer Brücke den Tapti. -- Vor (204 M) Stat. _Broach_ (_=von
hier ab vgl. die Karte bei S. 64=_) führt die Bahn auf einer schönen
Brücke über den Nerbudda (spr. narbadda), den 1280 km langen Hauptfluß
der Zentralprovinzen, der den Hindus nicht viel weniger heilig ist
als der Ganges. Im Spätsommer, gegen Ende der Regenzeit, ist er
mächtig angeschwollen. Die kleine Stadt Broach ist sehr alt, hat auch
fünf »Türme des Schweigens«. 16 km östl. liegt der Hindu-Pilgerort
_Shukaltirth_. -- (248 M) Stat. =Baroda= (gute _Bahnwirtschaft_ mit
Schlafgelegenheit), Stadt mit 99376 Einw., am Flüßchen Wiswamitri,
Hauptstadt des gleichnamigen Gaekwar-(Kuhhirt-) Staates, mit starker
englischer Besatzung, deren Kasernen durch einen hübschen Park von
der Eingebornenstadt getrennt sind. In dem alten _Nazar Bagh-Palast_
liegen viele Juwelen, auch zwei Feldgeschütze, deren Rohre aus massivem
Gold, die Lafetten aus Silber sind. Weiße Stiere als Geschützbespannung
werden nahebei gehalten.--Nw. von Baroda durchläuft die Bahn die ebene,
fruchtbare, im Winter kahle und öde, in der Regenzeit aber grüne,
parkähnliche Landschaft _Guzerat_, durch die man bei Tage fahren
sollte. Besonders die Baumwolle von Guzerat ist berühmt. -- Vom Bahnhof
(292 M) _Mehmadabad_ (guter Warteraum im Bahnhof) malerischer Blick
auf den Fluß; abends und morgens spielen Affenherden dicht beim Zuge;
günstiger Jagdausflug auf schattiger Straße von Mehmadabad nach _Kaira_
(11 km), einer 3-1/2 Jahrtausende alten Stadt; die Umgegend ist reich
an Nilgai und andern Antilopen, Affen, wildem Geflügel (Kraniche,
Papageien) und Alligatoren. -- Die weitere Bahnstrecke bis nach Delhi
ist überreich an schönen Gebäuden und Ruinen. Man erreicht nun

(310 M, 496 km) Stat. *=Ahmedabad=, eine der schönsten Städte Indiens,
berühmt durch ihre Denkmäler; man sollte wenigstens 24 St. Aufenthalt
nehmen (5 Tage genügen kaum zu gründlichem Besuch).

     =Bahnhof= der _Bombay & Baroda Railway_ beim Kaloopur Gate an der
     östl. Stadtmauer. -- =Gasthöfe=: _Empire Hotel_, Bhadar, Pens.
     10-12 Rup., in guter Lage; _Grand Hotel_, Mirzapur Road, Pens. 7
     Rup., einfacher, gelobt. -- =Bank=: Filiale der _Bank of Bombay_.
     -- =Einkäufe=: Empfehlenswerte Schnitzereien u. Einlegearbeiten.
     -- =Wagen= in den Hotels; Droschken I. und II. Kl. nach Tarif.

_Ahmedabad_, Bezirkshauptstadt mit 215448 Einw. (2/3 Hindu, 1/5
Mohammedaner, viele Dschainas, d. h. Anhänger einer etwa gleichzeitig
mit dem Buddhismus entstandenen religiösen Sekte), am l. Ufer des
Sabarmatiflusses, mit alten Mauern und Türmen, ist Anfang des 15. Jahrh.
von Ahmad Schah, dem zweiten mohammedanischen König von Guzerat,
gegründet, war später zur Zeit des Mogulreichs eine der glänzendsten
Städte des westlichen Indiens und stets berühmt durch sein
Kunsthandwerk; hat bedeutendes Goldwaren-, Seiden- und Baumwollengewerbe.
Die Stadt ist reich an schönen Denkmälern, Moscheen, Mausoleen,
Dschain- und Hindutempeln und hat echt orientalisches Gepräge; die
schmutzigen Straßen haben viele marmorne Futterstellen für Vögel, die
Häuser sind reich an Holzschnitzereien. -- Bei einer Rundfahrt sind die
Hauptsehenswürdigkeiten: der _Hathi Sing's Tempel_ im Dschainstil,
Prachtbau mit reichen, kunstvollen Skulpturen (1848 erbaut) aus weißem
Marmor, von einem Vorhof mit 53 Pagodenkuppeln umgeben, auch im Innern
(Diener liefern Leinwandüberschuhe, die man aus zeremoniellen Gründen
tragen _muß_!) sehr sehenswert; er liegt nahe vor dem Nordtore (_Delhi
Gate_) der Stadt, im Grünen, von Affen und Papageien umschwärmt. Östl.
davon vor der Stadt die *_Mata Bhawani_ (große Zisterne). -- Man fahre
dann durch Delhi Gate südl. am _Manik Burj_ (Rubinbastei) vorbei (l.),
die über dem Grundstein der Stadt erbaut ist. -- Am Platz in der Mitte der
Stadt liegen die *_Gräber der Königinnen des Ahmad Schah_, ein großer
Bau aus schwarzem und weißem Marmor. Gegenüber, mitten auf dem Platze,
die Hauptmoschee, *_Jama Masjid_, 1424 von Ahmad Schah erbaut; Eingang
von N. auf einer Freitreppe; ihre beiden Minarets wurden im Erdbeben 16.
Juni 1819 halb zerstört. -- Ebenfalls ein Prachtbau ist die *_Rani
Sepree's Moschee_ nebst Grabdenkmal der Lieblingsgattin Mahmud
Bigarah's, am Ende der Straße nahe südl. von den Gräbern der Königinnen,
dicht beim _Astoria Gate_, erbaut 1514. Dicht westl. davon liegt _Dastur
Khan's Moschee_, erbaut 1486. -- Durch das Astoriator führt ein Weg nach
(2,5 km) dem *_Grabmal des Schah Alam_; nahe südl. davon liegt in
hübscher Umgebung ein Wasserbehälter. -- Auf der Rückfahrt besuche man
östl. vom Weg den großen *_Kankariya-Teich_ mit prächtigen Anlagen,
Marmortreppen und Kuppeltoren, 1451 vom Sultan Kutab-ud-din erbaut. -- Am
Fluß, mitten in der Westmauer der Stadt, liegt die alte Zitadelle
*_Bhadr_ (spr. bödder), 1411 von Ahmad Schah erbaut; an ihrer
Ostseite liegt _Azam Khan's Palast_, jetzt Gefängnis. Sehr schön ist das
Nordtor des Bhadr; in der NO.-Ecke der Zitadellenmauer liegt die *_Sidi
Said's Moschee_ mit reichen Pflanzenornamenten aus Marmor.

     Etwa 3,5 km sw. der Stadt, jenseit des Flusses, liegt das
     Prachtmausoleum _Azam and Mu'azzam Khan's Tomb_, aus dem 15. Jahrh.
     Derselbe Weg führt nach (11 km) *=Sarkhej=, einer prächtigen
     Sommerpalastruine aus dem 15. Jahrh., vom Sultan Mahmud Bigarah's
     erbaut, gut erhalten, mit vielen prächtigen Mausoleen, Moscheen und
     Palästen an einem künstlichen Teich; selten besucht, aber sehr
     sehenswert.

     Ein größerer Ausflug von Ahmedabad mit der Bahn durch die Provinz
     Kathiawar über Viramgam nach (165 M) _Songad_ (bequeme
     Karawanserei); von da mit Fahrgelegenheit, die der Deputy Assistant
     Political Agent verschafft, nach dem etwa 24 km südl. von Songad
     gelegenen Wallfahrtsort *=Palitana=, wo die schönsten, doch selten
     besuchten Dschaintempel Indiens auf dem *=Satrunjaya= (Heiliger
     Berg) liegen, eine großartige Tempelstadt, die sich über zwei Hügel
     und das Tal dazwischen erstreckt. Auf Bequemlichkeit ist unterwegs
     nicht zu rechnen. Schließt man daran noch den weitern Ausflug nach
     den Tempeln von *_Girnar_ bei der Bahnstation _Junagarh_ (Dâk
     Bungalow und staatliches Logierhaus), so muß man 6 Tage für den
     anstrengenden, aber sehr lohnenden Ausflug rechnen.

Die Bahn kreuzt nördl. von Ahmedabad den _Sabarmati_ (_Saburmuttee_) auf
einer schönen Brücke und führt dann durch reich bebaute Gegenden des
nordwestlichen Guzerat; die Dörfer haben elende Lehmhütten. Nach
Überschreiten der Nordgrenze von Guzerat wird die Gegend wieder
hügeliger.

(425 M) _Abu Road Station_ (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow). Motorwagen
(7 Sitze, 35 Rup., Fahrzeit 1-1/2 St.; ein Sitz 5 Rup., fährt nur für
mindestens 4 Personen). Ponies (4 Rup.), Rikschas, Tongas, Ekka (4-1/2
Rup.) sind zu haben. Wagen 24 St. vorausbestellen!

     Von hier besuche man die 30 km nw. gelegene, 1200-1700 m hohe
     Berggruppe des *_Mount Abu_. Sie ist der südl. und zugleich höchste
     Teil des Aravalligebirges, das in 500 km Länge die Grenze zwischen
     dem nordwestl. Dekhan und dem nordostindischen Wüsten- und
     Trockengebiet bildet; seine Hänge fangen die Regenwinde ab und
     haben deshalb eine viel üppigere Vegetation als die umgebenden
     Niederungen. Es besteht aus sehr alten Gesteinsarten und ist reich
     an Erzen und Edelsteinen. Guter Weg zu Wagen (Tonga 10 Rup., hin
     und zurück 18 Rup.), zum Schluß mit Rikscha oder zu Fuß bis zum
     Kamm (2-1/2 St.). Der Ort =Mount Abu= (_Rajputana Hotel_, gut,
     Pens. 7 Rup., Platz vorausbestellen!) in 1200 m Höhe ist
     vielbesuchter Sommeraufenthalt und Sitz der Rajputana-Regierung
     sowie eines militärischen Sanatoriums. In der Nähe liegen die
     berühmten, ganz aus Marmor bestehenden *=Dilwarratempel= (11.
     Jahrh.), Dschaintempel, viel von Reisenden besucht (von 12 Uhr an
     zu sehen), äußerst lohnend; man benutze Rikscha mit 3 Kulis für 2
     Rup. hin und zurück; Paß zum Besuch vom Magistrat in Mount Abu
     besorgt das Hotel. Von den Dilwarratempeln gelangt man zu Fuß in
     2-1/2 St. oder mit Rikscha nach _Achilghar_ (_Achalgrah- Fort_) mit
     hochgelegenen Tempeln mit schöner Fernsicht.

Nach etwa 20 St. Fahrt von Ahmedabad erreicht man (615 M, 990 km)
=Ajmer=, _Adschmer_ (496 m ü.M.; _Railway Hotel_, mäßig, vorzügliche
Schlafzimmer und Restaurant im Bahnhof; Dâk Bungalow; Club Kaisar Bagh;
Bank: Alliance Bank of Simla; Droschken), Stadt mit 86273 Einw., mit
Mauer (fünf schöne Tore) umgeben, als Handelsstadt wichtig;
Bankgeschäfte für einheimische Fürsten und Baumwollmarkt; im März große
Messe »Aruss-Mela«. Aufenthalt 1-2 Tage ratsam. Hauptsehenswürdigkeit ist
die _Dargah_, ein Mausoleum aus dem 13. Jahrh., das Grab des
mohammedanischen Märtyrers Khwajah Muin-ud-din Chishti (genannt
Chodscha-Sahib), der allgemein als Heiliger verehrt wird; das von vielen
Pilgern besuchte Grab ist ein viereckiger Bau aus weißem Marmor mit
Kuppel; einer der beiden Eingänge hat einen silbernen Bogen. Christen
dürfen sich dem Heiligtum nur auf 20 m nähern!--Im alten Fort ist jetzt
ein _Museum_ eingerichtet.--Der im 11. Jahrh. angelegte künstliche See
_Ana Saugar_ ist mit Marmorbauten umgeben. Auch die Moschee
_Arhai-din-ka-jhompra_, um 1200 von Kutab-ud-din aus den Trümmern eines
Dschaintempels erbaut, am Hügel außerhalb der Stadt und dicht vor dem
Tore nahe der Dargah, ist sehr sehenswert.

     Oberhalb von ihr vom Gipfel des =Taragarh-Hügels= (1000 m; morgens
     mit Sänfte oder Pony bequem in 1-1/2 St. zu erreichen) hat man bei
     der zerfallenen Burg prächtige *Aussicht auf die Stadt und die
     weite Rajputana-Ebene. --Umgegend und Stadt Ajmer sind sehr
     malerisch und reich an seltenen Motiven. Die alten Häuser und
     Straßen sind gut gepflegt, das Straßenleben viel bunter
     und »indischer« als in Bombay.--Ausflug nach dem heiligen
     Brahmanensee *_Pushkar_ (11 km; Dâk Bungalow) mit mehreren Tempeln,
     sehr lohnend; wird im Oktober und November von etwa 100000 Pilgern
     besucht.


     Seitentour nach Udaipur.

     =Eisenbahn= von _Ajmer_ mit der Bombay, Baroda and Central India
     Railway über (116 M) _Chitorgarh_ nach (185 M) _Udaipur_ in 12-1/2
     St. für I. 17-1/2, II. 7-3/4 Rup. (bester Zug abds von Ajmer; man
     bestelle vorher beim Stationsvorsteher von Ahmedabad oder Ajmer
     durchgehenden Wagen (keine Nachzahlung), sonst umsteigen in
     Chitorgarh (Chitorgarh besuche man erst auf der Rückfahrt).

     *=Udaipur= (620 m; guter Gasthof mit beschränktem Raum, deshalb
     Vorausbestellung zu empfehlen; _Tongas_ zu haben; Missionsarzt der
     Church of Scotland am Orte), die wunderbar malerische Hauptstadt
     des Mewarstaats und Sitz des Maharana (Fürstentitel) _Dhiraj Sir
     Fateh Singh_, des Hauptes der ältesten indischen Adelsfamilie,
     gegründet 1568 von dessen Vorfahren, dem Maharana _Udai Singh_, hat
     jetzt etwa 46000 Einw. und ist mit bastionierten Mauern umgeben.
     Dr. _J. Schmittmann_ nennt sie eine der schönsten Städte
     Indiens: »Dort verwirklichen sich die Träume, die man in Europa von
     der Pracht und dem Farbenreichtum Indiens träumt: das bunte
     Volksleben und die malerischen Marmorpaläste findet man sonst
     nirgendwo mehr«.--Sofort nach Ankunft bitte man den englischen
     Residenten um Erlaubnisschein zur Besichtigung der Paläste, um
     einen Reitelefanten des Maharanas und ein Boot zum Befahren des
     Sees; alles wird kostenlos zur Verfügung gestellt (Trinkgeld!).
     Nähere Auskunft gibt der Wirt des Gasthofs. Die Residency und die
     Missionshäuser liegen westl. vom Gasthof. Die Hauptstraße der Stadt
     führt vom _Hathi Pol-Tor_ vorbei an einem Uhrturm und an dem großen
     *_Jagannath-Tempel_ (1640 erbaut) zum *_Palast des Maharanas_, der
     in beherrschender Lage einen Hügel krönt. Durch das Große Tor
     (_Bari Pol_, 1600 erbaut) gelangt man in den Schloßhof, wo viele
     Elefanten angekettet bereitstehen. Geführt von einem Diener,
     durchwandert man die vielen sehenswerten Räume des Palastes; von
     einem Dachgarten *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Nach S. dehnen
     sich die Gärten des Maharanas aus, nördl. unter dem Palast breitet
     sich ein märchenhafter See mit kleinen Palmeninseln und
     Marmorkiosken aus. Zur Kahnfahrt auf dem See nehme man einen
     Nachmittag und beobachte von einer Insel den Sonnenuntergang.

     Bei Rückfahrt gegen Mittag ab Udaipur hat man einige Stunden Zeit,
     die alte Ruinenstadt von *=Chitorgarh= (Dâk Bungalow 1,5 km vom
     Bahnhof, gut, auch gutes Essen; wegen Erlaubnis zur Besichtigung
     des Forts und Benutzung eines Reitelefanten schriftlich beim Hâkim,
     Oberbeamten des Ortes). Die Ruinen liegen auf einem steil
     abfallenden Hügel von 150 m Höhe (Rudyard Kipling beschreibt das
     Fort in »_The Naulakha_« und »_Letters of Marque_«). Ein breiter
     Zickzackweg führt durch mehrere Tore in die Feste hinauf. Man
     besteige die berühmten beiden Dschaintürme des Ruhmes und des
     Sieges; der siebenstöckige *_Tower of Fame_ (Sri Allat) soll 896
     erbaut sein und ist ebenso wie der 1458 bis 1468 erbaute *_Tower of
     Victory_ (Jai Stambha) ganz mit interessantesten Skulpturen
     bedeckt.

Von _Ajmer_ führt die Hauptbahnlinie (S. 67) weiter nach:

(699 M, 1125 km) Stat. =Jaipur=, _Dschaipur_, _Jeypore_ (482 m;
_Jaipur Hotel_ [Bes. Parse], von Deutschen gelobt, Pens. 7 Rup.;
_Kaisar-i-Hind-Hotel_, nahe dem Bahnhof, 1,5 km vor der Stadt,
leidlich, Pens. 6 Rup.; Wagen, Tongas, Ponies, Elefanten besorgen
die Gasthöfe), Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums und Residenz
des Maharadscha, eine wunderlich malerische und gesunde Stadt mit
136491 Einw., zwischen Hügeln; viele Tempel und Moscheen, große
Bankgeschäfte, Kunstgewerbe für Export und Touristenwaren (Einkäufe
in der sehenswerten indischen Kunstgewerbeschule »School of Art«
[feste Preise] oder in den Werkstätten von Zoroaster, sonst Vorsicht
[tüchtig handeln!]: Emaillesachen, Metallvasen, Schmuckdecken, Teller,
Granaten, gelbe Topase); Teppich-, Musselin- und Kattunwebereien.
Aufenthalt 2-3 Tage ratsam, um auch Amber (S. 69) besuchen zu können.
Eine Mauer mit hohen Türmen und sieben prächtigen Toren umgibt die
Stadt. Der Maharadscha hält eignes Militär (Musik geleitet von einem
deutschen Kapellmeister); Zeughaus, Geschützgießerei.--_=Rundfahrt=_
vom Hotel 1,5 km zum Bronzetor vor der prächtigen, breiten Hauptstraße,
deren Häuser, alle in gleichem Stil, rosa bemalt sind mit weißen
Ornamenten; buntes Straßenleben, viele Tauben, interessanter Markt.
Der *_Palast des Maharadscha_ (Erlaubnis zum Besuch besorgt das Hotel)
mit prächtigem Garten (Teich mit Krokodilen), der siebenstöckigen
_Chandra Mahal_, das Hauptgebäude mit dem Audienzsaal Diwan-i-Khas
aus weißem Marmor. Östl. davon die berühmte alte _Sternwarte_ des
Radscha Jai Singh II. (der Jaipur 1728 gründete und den Namen gab)
mit seltsamen Instrumenten. Daneben der große _Marstall_ mit 300
Pferden (viele glasäugige und Schecken, aber nur etwa 10 besserer
Klasse) und einigen Elefanten; hier auch die _Zenana_ (Harem).--Ein
bizarrer Bau ist der _Hawah Mahal_ (Palast der Winde, von Jai Singh
II. erbaut), dessen Front nach der Hauptstraße liegt; Uhrturm und
Zeughaus sowie eine Druckerei liegen im innern Palasthof. Östl.
vom Audienzsaal ist der von Kolonnaden umgebene Exerzierplatz. Vor
dem Haupteingang steht das _Ushwari Minar Swarga Sul_, »das Himmel
durchbohrende« Minaret.--An der Stadtmauer ein schöner _Park_ mit
Tiergarten (sehr wilde Königstiger) und in der Mitte der Prachtbau
_Albert Hall_, ein reichhaltiges =Museum= für alte und neue
indische Kunst, nebst naturwissenschaftlichen Sammlungen; es ist
eins der größten Museen Indiens und wird durch die Freigebigkeit
des Maharadscha fortwährend bereichert.--Man besuche auch das
_Maharaja's College_, eine Schule des Maharadscha für etwa 1500
Zöglinge aller Religionen, mit schöner Bibliothek, sowie die _School
of Art_, eine indische Kunstgewerbeschule.-- Dicht nö. der Stadtmauer
liegen die *=Gedächtnistempel= (_Chhatris_, _Chuttries_) über den
Verbrennungsplätzen der Radschas; man nehme einen Führer, da der Weg
durch einen verwilderten Park (Schlangen!) führt. Auf dem Hinweg
zahllose Affenherden, die man füttern kann (aber Vorsicht; nicht necken
oder reizen). Jai Singh's Chhatri ist der schönste.--11 km südl. von
Jaipur liegt _Sanganer_, mit altem Palast und Krischna-Tempel.

     =Ausflug nach Amber= (_Alt-Jaipur_), 8 km von Jaipur in den
     Bergen des Aravalligebirges gelegen. Erlaubnis zum Besuch
     erteilt der Resident (durch Vermittelung des Gasthofs);
     Elefanten durch den Hotelwirt für 10 Rup. (doch ist das
     Reiten unbequem); bis zu den Bergen fährt man im Wagen. Der
     Weg ist sehr schön, er führt zwischen Parks und Villen der
     Radschputen-Aristokratie, Palastruinen (eine mit Krokodilteich)
     und Kandelaberkaktusgebüschen hindurch in 1 St. bis zu einem
     freien Platz, wo man den Wagen mit Pferden verläßt (Ochsenwagen
     fahren bis Amber) und wo event. der Elefant wartet (hier Rasthaus,
     Essen vorausbestellen, Getränke zu haben). Von hier geht (oder
     reitet) man auf gutem Weg in 40 Min. bequem bis *=Amber=; oben
     prächtige Aussicht auf die graue Ruinenstadt von Amber in einer
     Talsohle und das helle Jaipur in der Ebene. Das alte _Schloß_ ist
     völlig verlassen, nur einige Fakire hausen in den Ruinen; man
     reitet bis zum Tor, geht dann durch den großen Hof über Terrassen
     und Gänge, sieht prächtige Marmorbauten mit Steingitterfenstern,
     Kiosken, Bädern, Gärtchen in edelstem maurischen Stil.--Amber
     wurde 1728 wegen Wassermangel oder nach der Überlieferung infolge
     einer Prophezeiung von Jai Singh II. verlassen, weil die Stadt
     ein Jahrtausend alt sein sollte und er, um sein Herrscherhaus
     zu erhalten, eine neue Hauptstadt gründen müßte. In der Zenana
     (Harem) von Amber hielt sich der letzte mohammedanische Herrscher
     928 Frauen, darunter nur 28 Ranis (Königinnen); die Fenster der
     Zenana sind noch dicht vergittert.--Schon Ptolemäus erwähnt die
     malerische Schönheit von Amber; nur in Gwalior ist noch ein
     indischer Palast von ähnlicher Schönheit.

     =Ausflug nach Gulta.= Mit Wagen durch die Stadt zum Fuß des Berges
     in 3/4 St., dann 1/2 St. zu Fuß auf guter Straße hinauf und auf der
     andern Seite hinab 1/4 St. nach *=Gulta=; ein enges Felsental mit
     1500 Jahre alten, teils verlassenen Hindutempeln in herrlicher Lage
     in enger Schlucht mit reizenden Tankanlagen. Zurück auf demselben
     Wege; für den _sehr_ lohnenden ganzen Ausflug genügt ein
     Nachmittag.

Die Bahn von Jaipur nach Delhi durchläuft in 8 St. die einförmige Ebene
des Bangangaflusses und sodann das fruchtbare Hügelland des Staates
Alwar und berührt (792 M) Stat. =Alwar= (597 m; _Dâk Bungalow_),
Hauptstadt (56740 Einw.) eines Radscha. _Königspalast_ mit wertvoller
Bibliothek orientalischer Manuskripte (ein »Gulistan«, von Agha Sahib
[angeblich einem Deutschen] geschrieben, der 200000 Mk. wert sein
soll!); ferner Zeughaus (reich), Marstall mit 500 Pferden, Mausoleum des
Bakhtawar Singh, ein Elefanten-Festwagen, das _Tripuliya_ (Grabdenkmal
des Tarang Sultan, gest. 1350), mehrere Tempel. Vom _Fort_, 300 m über
der Stadt, prachtvolle Aussicht, man nehme zum Aufstieg eine Sänfte
(chair). Tigerjagd in der Umgebung.

Nach Überschreiten des Sabiflusses, der hier in der Trockenheit schon
versiegt, geht es nun durch die weite Jumna-Ebene bis Delhi. Die Bahn
bleibt westl. vom Kutab Minar und den Grabdenkmälern und Ruinen südl.
von Delhi, dreht nahe der Stadt nach O. und läuft durch die nw.
Stadtmauer beim Kabul Gate in den Hauptbahnhof von (890 M, 1432 km)
_Delhi_ ein.


Delhi.

Vgl. den Plan S. 71.

     =Ankunft.= Der Hauptbahnhof vereinigt die Linien der _Rajputana
     Malwa Railway_ (von Jaipur), der _East Indian Railway_ (nach
     Calcutta) und der _Delhi-Umballa-Kalka Railway_ mit einer Linie
     nach Lahore.

     =Gasthöfe=: _Hotel Cecil_ (Hotz, Schweizer), Civil Lines, nahe
     Ludlow Castle, in schöner, hoher Lage mitten in wohlgepflegten
     Anlagen, I. Ranges, recht gelobt, auch die Küche, Deutsch
     gesprochen, Pens. von 7 Rup. an.--_Maidens Metropolitan Hotel_,
     nördl. vom Bahnhof, ganz gut, Pens. von 7 Rup. an.-- _Grand Hotel_,
     Civil Lines, Pens. 5 Rup. --_Woodlands Hotel_, bei der St.
     Jameskirche, Kashmir Gate, Pens. 5-6 Rup.

     =Post und Telegraph= in der Querstraße östl. vom
     Bahnhof.--=Droschken= I. und II. Klasse nach Tarif.

     =Banken=: _Bank of Bengal_.--_Delhi Bank_, letztere Korr. der
     Berliner Disconto-Gesellschaft. --=Polizei= in Hamilton Road und
     nw. vom Kashmir Gate, nahe bei Ludlow Castle.-- Bungalow des
     Distriktsresidenten nahe bei Kashmir Gate.--=Zeitung=: _The Morning
     Post_.--=Apotheke=: _Narain & Co._, New Druggist's Hall.--Zwei
     =türkische Bäder= in der Stadt.--=Photograph=: _Sultan Ahmad Khan_,
     innerhalb des Delhi Gate.--=Geschäftsadressen.= Indische
     Kuriositäten: _Imre Schweigar_, Kashmir Gate, große Auswahl von
     Kunstschätzen; _Jadu Kissen_, am Kashmir Gate, Photographien von
     Indien; Juweliere in der Hauptstraße Chandni Chauk (besonders
     Goldfiligran!); ebenda Geschäfte für Emaille-Metallsachen,
     Elfenbeinschnitzereien (_Rughnat Das_, Kinari Basar) und -malereien,
     Seidenstickereien, gestickte Schuhe, Kleider, Decken u.
     dgl.--=Klub=: _Delhi Club_ im Ludlow Castle.

     =Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vm. Besuch des Forts und Königspalastes,
     der Moscheen Jama Masjid und Kalan Masjid; Nm. Rundfahrt in der
     Stadt, Basare in der Hauptstraße Chandni Chauk.--2. Tag: Frühzeitig
     Wagenfahrt nach Firozabad (Asokasäule) und Indrapat, dann zum
     Mausoleum Humayun's und andern Grabdenkmälern; von da zum Kutab
     Minar (Essen vorausbestellen!). Rückfahrt Nm. über Jai Singhs
     Sternwarte. Wagen zum Kutab und zurück 12-16 Rup. den Tag.

[Illustration: Plan von Delhi.]

     =Geschichtliches.= Delhi nimmt geschichtlich den ersten Rang unter
     den Städten Indiens ein; als _Indraprastha_ (griech. _Indabara_)
     kommt es schon im »Mahȧbhârata«, dem altindischen Heldengedicht,
     vor. Der Name stammt von einem Fürsten _Dilu_, der im 1. Jahrh. v.
     Chr. 10 km stromabwärts einen Burgbau aufführte. Unter
     einheimischen Fürsten verwüstet, wurde Delhi 1011 n. Chr. von dem
     Ghasnawidensultan Mahmud erobert und mußte 1052 durch Anang Pal II.
     neu bevölkert werden. 1193 eroberte Kutab ed-din Eibek, Feldherr
     des Ghoriden Moizz ed-din, die Stadt. Kutab als Statthalter machte
     sich 1206 als Beherrscher Hindustans unabhängig und begründete
     damit die »Sklaven«-Dynastie (1206-90), die in ihrer Hauptstadt
     Delhi großen Glanz entfaltete. 1290 folgten die tatarischen
     Dynastien Khildschi und Tughlak, bis 1398 der Mongole Timur Delhi
     eroberte und niederbrannte. Als die Stadt sich wieder erholt hatte,
     kam sie 1451 unter die afghanische Dynastie des Bahlul Lodhi; diese
     stürzte 1526 ein Nachkomme Timurs, Baber, der sich zum Großmogul
     erklärte. 1739 plünderte Nadir Schah von Persien die Stadt. 1803
     wurde Delhi an die Engländer abgetreten. Im Mai 1857 versuchten die
     Sepoys (eingeborne Truppen) die Herrschaft der Briten abzuwerfen
     und ermordeten die Europäer; aber 20. Sept. 1857 wurde die Stadt
     von den englischen Truppen gestürmt und der letzte Scheingroßmogul
     nach Rangoon verbannt. 1911 wurde anläßlich der Krönung König
     Georgs V. zum Kaiser von Indien bestimmt, daß der Regierungssitz
     des indischen Kaiserreichs von Calcutta nach Delhi verlegt werde.

_Delhi_ (252 m), Hauptstadt der britischen Division der Provinz Punjab,
demnächst Hauptstadt des indischen Kaiserreichs, mit 232859 Einw. (zur
Hälfte Hindu, etwa 80000 Mohammedaner), liegt inmitten der
steppenartigen Jumna-Ebene, die nur in der Regenzeit mit frischem Grün
überzogen ist, am rechten, hohen und aufgemauerten Ufer des schiffbaren
Flusses Jumna (Dschamna) und ist rings mit einer hohen und starken
Stadtmauer umgeben (mit Graben und Glacis). Die schmutzige, enge
SW.-Hälfte ist die Eingebornenstadt; in der andern Hälfte liegen
prächtige Bauwerke, darunter im Fort der alte Königspalast (s. unten).
Wegen seiner vielen Moscheen und Tempel wird Delhi das »Rom
Asiens« genannt. Eine aus der Blütezeit Delhis stammende Wasserleitung
wurde von der englischen Regierung wiederhergestellt. Delhi besitzt
viele Schulen, Druckereien und Zeitungen. Die Industrie ist nicht
bedeutend; berühmt sind die Gold- und Silberarbeiten, Musselin- und
Schalweberei und die Schnitzerei. Die Bedeutung von Delhi beruht
gegenwärtig auf der Größe des Handels (Indigo, Baumwolle, Seide, Korn,
Ölsaaten, Metalle, Salz, Hörner, Häute, Tabak, Zucker, Öle, Gold- und
Silberwaren). Die Umgebung ist meilenweit bedeckt mit den Ruinen des
_alten Delhi_ oder _Indrapat_, zwischen denen wieder eine Reihe von
Dörfern entstanden ist. Unter den vielen zerstörten Palästen, Moscheen
und Grabmälern ist am berühmtesten der (14 km südl.) _Kutab Minar_ (S.
74).

_=Rundgang.=_ Das stark befestigte =Fort= mit dem alten *=Königspalast=,
1632 von Schah Jahan aus gewaltigen Mauern von rotem Sandstein erbaut,
liegt auf einer Anhöhe über dem Flußufer an der Ostseite der Stadt
(Besichtigung erlaubt), Haupteingang von der Hauptstraße Chandni Chauk
(Silver Street) durch das gewaltige _Lahore Gate_; ein Arkadengang führt
geradeaus in die Musikhalle _Nakkar Khana_ (Pl. 1), dahinter die
öffentliche Audienzhalle _Diwan-i-Am_ (Pl. 2), mit Marmorthronsockel an
der Rückwand (den juwelengeschmückten Pfauenthron, der hier oder im
Diwan-i-Khas stand, raubte 1739 Schah Nadir, er steht jetzt in Teheran);
nun nach l. durch Quergebäude in die private Audienzhalle
*_Diwan-i-Khas_ (Pl. 3), eine offene Marmorhalle von seltenster innerer
Schönheit und Pracht, mit vier vergoldeten Marmorkuppeln und Mosaiken,
deren Edelsteine leider längst geraubt sind (mit der persischen
Inschrift: »Und gibt es ein Eden der Wonne auf Erden---- Du findest es
hier! und nur hier kann's Dir werden!«). R. von der Halle liegt der
_Saman Burj_ (Jasminturm, Pl. 4) mit märchenhaften Frauengemächern und
der _Rang Mahal_ (Pl. 5), eine gemalte Halle. Nördl., also l. vom
Diwan-i-Khas, prächtige Marmorbäder (_Akab Baths_, Pl. 6) und westl.
daneben die kleine, aber feine *_Perlmoschee_ (_Moti-Masjid_, Pl. 7) aus
weißem und grauem Marmor mit Bronzetor und drei Kuppeln, erbaut um 1660
von Aurangzeb, benannt nach jetzt gestohlenen Perlmuttereinlagen.
Dazwischen reizende Anlagen mit Marmorterrassen. Jetzt ist der Palast
teilweise in Kasernen verwandelt; seit 1904 wird auf Betreiben des
damaligen Vizekönigs Lord Curzon (der die schöne Decke im Diwan-i-Khas
herstellen ließ) für Erhaltung und Ausbesserung der Meisterwerke
indischer und mohammedanischer Architektur von einer ständigen
Kommission gesorgt. Statt der frühern Sorglosigkeit ist strenge Aufsicht
eingeführt. Ein kleines _Museum_ im Fort enthält besonders
Miniaturmalereien der Schule von Delhi unter den Großmoguln. Ausgang
durch das sehenswerte _Delhi Gate_ am Südende. --Über die Torbrücke
führt ein Fußweg zur Elgin Road, die man kreuzt, um geradeaus durch Khas
Road auf den Platz zu gelangen, wo die großartige =Jama Masjid=
(_Dschama Masdschid_), die größte Moschee der Erde, steht. Sie erhebt
sich auf einem 9,5 m hohen, 140 m breiten und langen Viereck von roten
Sandsteinquadern und ist aus weißem Marmor erbaut, der mosaikartig mit
rotem Sandstein abwechselt. Den Haupteingang bildet eine prächtige
Freitreppe, die Decke drei weiße Marmorkuppeln mit schwarzen Streifen,
an jedem Ende der Front ein 45,6 m hohes Minaret (oben prächtiger
*Rundblick). Besuch der Moschee am besten Freitag mittags, wo Tausende
von Mohammedanern den Platz füllen, um zu beten und die Vorlesung aus
dem Koran anzuhören.--Nun südl. nach der Schwarzen Moschee, _Kalan
Masjid_, 1386 vom Firoz Schah Tughlak im Stil der ursprünglichen
arabischen Moschee erbaut, nahe dem Turkuman Gate.--Zurück denselben Weg
und am Dschaintempel (_Jain Temple_) nw. von Jama Masjid vorbei zur
Hauptstraße =Chandni Chauk= (_Silver Street_), die vom Lahore Gate des
Forts fast 2 km bis zum Lahore Gate der Stadtmauer westl. läuft und mit
den besten indischen Kunstgewerbeläden besetzt ist; an ihrem Westende
die _Fatehpuri-Moschee_ (1650 aus rotem Sandstein erbaut). In der Mitte
der Chandni Chauk ein Springbrunnen, dabei die _Sonahri Masjid_ oder
_Goldene Moschee_ mit drei Goldkuppeln; östl. und r. davon der
_Moti-Basar_.--Dann östl. weiter und durch die nächste Querstraße l.
nach dem prächtigen _Queen's Garden_ mit steinernem Elefanten (aus
Gwalior 1645 vom Großmogul Schah Jahan hierher geschafft). An der
Nordseite des Queen's Gardens läuft die _Queen's Road_ am Bahnhof
vorbei; man folge ihr östl. bis zur ersten Querstraße l., in der Post
und Telegraph liegen; dann l. in die _Hamilton Road_, hier r. die
Bibliothek, l. das Polizeiamt.

     =Umgebung=:
     1) Fahrt nach =Alt-Delhi= (_Firozabad_). Die Trümmer
     der alten riesigen Millionenstadt reichen fast 30 km südl. vom
     jetzigen Delhi; man fahre aus dem südl. Stadttore Delhi Gate südl.
     am Gefängnis und Irrenhaus vorbei; etwa 4 Min. östl. liegt das alte
     dreistöckige =Fort Firozabad= (_Kotila_ genannt); auf seinem Dach
     steht die *_Lat-_ oder _Asoka-Säule_, ein Monolith aus rotem
     Sandstein, 13 m hoch, mit Inschriften, wovon die zunächst
     sichtbaren, in etwa 3 m Höhe, im Nagri-Dialekt aus dem Jahre 1524,
     darüber aber das wichtige Edikt von Asoka, um 255 v. Chr., in den
     ältesten bisher in Indien bekannten Schriftzeichen abgefaßt sind.
     Weiter sö. (3 km südl. vom Delhi Gate) die alte _Feste Purana Kila_
     (_Indrapat_) mit Tor; innen die stilvolle _Kila Kona-Moschee_ (1541
     erbaut).--Etwa 1,5 km südlicher das prachtvolle *_Mausoleum des
     Großmoguls Humayun_ in einem wohlgepflegten Park; Humayun, Sohn
     Babers, des Erneuerers der Dynastie Timurs auf dem Thron von Delhi,
     starb infolge Sturzes von der Treppe in Purana Kila 1556; sein
     Mausoleum ist eins der prächtigsten Indiens, in ihm sind 150
     Mitglieder der Familie der Großmoguln beerdigt.--Nun westl.
     zum Grabmal des heiligen _Nizam-ud-din Aulia_, einem
     Säulenprachtbau mit großer Kuppel; man steige aus und gehe durch
     die Säulenhalle _Chausath Khambe_, in deren Umgebung noch viele
     stimmungsvolle Grabdenkmäler liegen, darunter westl. vom Chausath
     Khambe das Grab des Dichters _Amir Khusrau_ (der Papagei von
     Hindustan), gest. 1315; nahebei das Grab der frommen _Jahanara_,
     Tochter des Schah Jahan (gest. 1681). Auch das Mausoleum _Safdar
     Jangs_, etwa 1,5 km westl., ist sehenswert. Dann Rückweg auf der
     Hauptstraße nach Delhi, an der 3 km südl. vom Ajmer Gate r. (östl.)
     _Jai Singh's Sternwarte_ liegt (1724 erbaut). Man tut gut, den
     Ausflug nach Alt-Delhi in Abschnitte (s. die Zeiteinteilung, S. 71)
     zu teilen wegen der vielen Sehenswürdigkeiten.

     2) Fahrt zum *=Kutab Minar=, der größten Sehenswürdigkeit Delhis,
     etwa 17 km südl. vom Ajmer Gate; beansprucht frühen Aufbruch,
     dauert etwa 4 St. (Dâk Bungalow, mit gutem Essen, vorhanden, man
     bestelle aber voraus; während der Reisezeit ist für Essen und
     Getränke genügend gesorgt, doch für größere Gesellschaften auch
     dann Vorausbestellung ratsam. Ein etwa 1/2 km vom Gasthaus
     entferntes Mausoleum ist als Dâk Bungalow für höhere englische
     Beamte eingerichtet; Reisende mit besondern Empfehlungen können auf
     Wunsch Erlaubnis zum Übernachten erhalten, um am nächsten Tag die
     alte Festung _Tughlakabad_ (8 km; s. weiter unten) zu besuchen. Man
     fährt durch das Ajmer Gate an der Sternwarte Jay Singh's und dem
     Mausoleum von Safdar Jang (s. oben) vorbei; weiterhin liegt r. vom
     Wege (3,5 km nördl. von Kutab) der große verfallene Wasserbehälter
     _Hauz Khas_ (vom Sultan Ala ud-din Khiliji 1293 erbaut) und südl.
     davon eine Gelehrtenschule und das Grabmal von _Firoz Schah_.--Das
     *=Kutab Minar= ist ein Riesenminaret (»Polarstern«-Minaret) von 76
     m Höhe, 14,5 m unterm und 3 m oberm Durchmesser mit fünf äußern
     Galerien; 375 Stufen führen zur Turmspitze, von der prächtige
     *Aussicht auf die Trümmer von Alt-Delhi und über die weite
     Punjab-Ebene. Neben dem Minaret steht die teilweise verfallene
     =Moschee Kuwat-ul-Islam= (Bau 1191 begonnen), einst ein Prachtwerk
     ersten Ranges, im Innern eine Säule aus massivem Schmiedeeisen von
     7 m Höhe und 40 cm Durchmesser mit Sanskritinschrift aus dem 3.
     Jahrh. n. Chr.; vor der NW.-Ecke der Moschee das älteste bekannte
     indische _Grabmal des Altamsh_ (gest. 1236). Sö. vom Kutab Minar
     liegt das Tor _Alai Darwazah_, daneben das _Grabmal des Imam Zamin_
     und nördl. von dem großen Ala ud-din-Hof, der, mit Resten von
     Säulengängen umschlossen, die ganze Anlage quadratisch einfaßt,
     liegt der dicke, runde, niedrige _Turm Alai Minar_ (etwa 1312
     erbaut).--Etwa 8 km östl. vom Kutab Minar liegt die alte _Festung
     *Tughlakabad_ und südl. daneben das schöne _Grabmal des Tughlak_.

_=Fortsetzung der Bahnfahrt=_ nach Calcutta (s. S. 82).


1. Seitentour: Delhi-Umballa-Simla.

219 M (352 km) =Eisenbahn=, in etwa 12 St. etwa für I. Kl. 37 Rup., II.
Kl. 20 Rup.--Von Delhi nach _Umballa_ zwei Linien: Die westliche kürzere
über _Panipat_ bleibt auf dem rechten Jumna-Ufer, die östliche macht
einen Umweg über _Meerut_.

Man benutze den Schnellzug über (54 M) _Panipat_; der östlichste Teil
des Punjab, den man hier durchfährt, wird von vielen kleinern, aus den
Vorbergen des Himalaja kommenden Flüssen durchströmt, die sich später in
der Tharwüste verlieren. Die Landschaft bleibt flach bis (123 M)
=Umballa= (_Ambala_), _Cantonment Station_, Knotenpunkt mehrerer
Bahnlinien (_Umballa City_ und _Civil Station_ liegen 9 km westl.),
Distriktshauptstadt von 80082 Einw. (1/2 Hindu, 3/8 Mohammedaner);
_Lumley's Hotel_, nahe dem Bahnhof, Pens. 4 Rup. _Droschken_ zu haben.
Bank: _Alliance Bank of Simla_. Viele englische Läden, Kirchen,
Krankenhäuser. Hier umsteigen in den Simla-(Kalka-)Zug, wenn man in
einem Lahore-Zug fährt.--Das Land steigt allmählich und trägt gegen den
Himalaja hin mit der Zunahme der Seehöhe und damit auch der
Niederschlagshöhe immer reichere Vegetation.--(162 M) =Kalka= (730 m;
_Dâk Bungalow_; _Lowries Hotel_, daneben PT), der Endpunkt der
Hauptbahn, liegt schon in den Vorhöhen des Himalaja. Von hier führt eine
Bergbahn in 7 St. hinauf nach

(219 M) =Simla= (2159 m; _Hotel Cecil_ [Hotz, Schweizer], I. Ranges,
Deutsch gesprochen, vorzüglich, Pens. von 7 Rup. an; _Grand [Peliti's]
Hotel_, gut; _Lowries Hotel_, ähnliche Preise; _Longwood Hotel_, Pens. 6
Rup.; _Elysium_; _Metropole_, Pens. von 6 Rup. an; die Preise sind hoch;
Banken: _Alliance Bank_, _Delhi & London Bank Ltd._, Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft; Klubs; PT bei der Union Church; Zeitung: _Simla
News_; Photographen: _Hotz_ (Deutscher), _Bourne & Shepherds_;
europäische Schneider- und Modegeschäfte etc. vorhanden). Berühmter
Himalaja-Luftkurort, Distriktshauptstadt mit 15000 (im Sommer 30000)
Einw., europäisch gebauten Häusern, Palast des Vizekönigs etc. Simla ist
eine großstädtisch angelegte europäische Sommerfrische, seit 1864
Sommerhauptstadt Indiens, in der der Vizekönig mit allen
Regierungsbehörden sechs Monate jährlich den Amtssitz hat (im Winter in
Delhi); es bietet jede Bequemlichkeit für verwöhnte Europäer auch für
längern Aufenthalt; Konzerte, Theater, Bälle; Bibliothek, Schulen, auch
katholische Schule und Kapelle; Sanatorien und Krankenhäuser. Mittlere
Jahrestemperatur 12,8° C (Juni 19,4°, Januar 3,8°; die Jahrestemperatur
von Simla entspricht also etwa der der französischen Riviera; doch sind
die jährlichen und auch die täglichen Temperaturschwankungen geringer
als dort. Darjeeling ist im Sommer nicht unbeträchtlich kühler als
Simla). Die Regierungsgebäude liegen auf einem Bergrücken 2180-2450 m ü.
M., weit verstreut inmitten des prachtvollen Pflanzenwuchses der
subtropischen Bergwaldregion des Himalaja; Laub- und Nadelbäume,
besonders prächtige Libanonzedern und Rosen (die noch im November
blühen!). Prächtige Fernblicke auf die schneebedeckten Bergriesen des
Himalaja. (Man lese Rudyard Kiplings »Under the deodars«.)

     Die unvergleichliche Naturschönheit Simlas erkennt man erst voll,
     wenn man Fußmärsche in die Umgegend macht; einer der
     beschwerlichsten, aber lohnendsten führt nach =Sultanpur= (etwa 88
     km in der Luftlinie nördl. Simla, Weg dahin etwa 200 km mit 11
     Bungalows-Zwischenplätzen), dort guter Bungalow mit Verpflegung.
     Sultanpur, die alte Hauptstadt des Sultanats von Kullu, das schon
     großenteils Hochgebirgscharakter trägt, liegt im Kullutale;
     Jagdgelegenheit auf Fasanen und andres Wild, in den höhern Bergen
     auch auf Bären und Steinböcke.


2. Seitentour: Delhi-Umballa-Amritsar-Lahore-Peshawar.

627 M (999 km) =Eisenbahn= von _Delhi_ nach _Peshawar_ in 30 St. für I.
Kl. 36 Rup., II. Kl. 18 Rup.

Von Delhi nach (123 M) _Umballa_, s. oben. Die Weiterfahrt mit der North
Western Railway führt durch einen großen Teil des östl. Punjab; von den
fünf Flüssen, nach denen es genannt ist, überschreitet man den Sutlej
und seinen Nebenfluß Bias. Die Landschaft ist einförmig und mit
Ausnahme der Regenzeit dürr, staubig und kahl; Dattelpalmen und Pappeln
machen sich am meisten bemerklich.

(278 M) =Amritsar= (_Bahnwirtschaft_, leidlich; _Hotel Cambridge_
[deutsche Besitzerin], Pens. 8 Rup., leidlich; _Hotel Amritsar_ und
andre dürftige, weshalb man Amritsar besser von Lahore aus besucht
[1-1/2 St. Bahnfahrt] oder den Frühzug von Delhi benutzt und mittags
nach Lahore weiterfährt), interessante Stadt mit 152866 Einw. (1/2
Mohammedaner, 3/8 Hindu, 1/8 Sikh; schöne Bevölkerung), in flacher,
ungesunder Gegend, aber die reichste und wichtigste Handelsstadt des
Punjab (die _Delhi & London Bank Ltd._ und die _National Bank of India
Ltd._ sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, die letztere auch
der Deutschen Bank) und für den Handel mit Kaschmir, Hauptmarkt für
Teppiche und Kaschmirschals (man kauft auch in Amritsar Stickereien etc.
zu billigern Preisen als sonstwo in Indien, doch muß man tüchtig
handeln!); zugleich religiöse und einst auch politische Hauptstadt der
Sikh, der durch kriegerischen Geist ausgezeichneten Anhänger einer um
1500 entstandenen religiösen Sekte, deren Lehren zwischen denen des
Brahmanismus und des Mohammedanismus zu vermitteln streben; als Volk
bilden die Sikh keine Einheit, da sie zum Teil dem Volksstamme der
Dschat, zum Teil den Hindu angehören. Das heilige Buch der Sikh, der
Granth-Sahib, ist Mittelpunkt des Gottesdienstes und wird deshalb in dem
großen *=Goldenen Tempel= _Darbar-Sahib_ fortlaufend vorgelesen. Der
Tempel liegt in der Mitte der Stadt, am »Teich der Unsterblichkeit« (=
_Amritsar_), mit vergoldeter Kuppel und vier silbernen Türen (Eintritt
für Fremde nur in Überziehschuhen durch die Nordtür) sowie schönem
Glockenturm. Priester schenken Blumenketten oder Pfauenfedern oder
Zuckersaft und erhalten dafür 1 Rupie; zum Dienst am Heiligtum sind mehr
als 500 Priester angestellt. Jeder Sikh badet im Teiche. An der Südseite
des Teiches liegt der weniger sehenswerte _Darbargarten_ mit
Fruchtbäumen und kleinen Pavillons; am Südende der malerische Turm
_Baba-Atal_ über dem Grabe des Sohnes des Apostels (Guru) Govind Singh
erbaut; die Fakire im Garten werden 7 Uhr abends von den Priestern
gefüttert.-- In der Stadt besichtige man die weltbekannte Teppich- und
Kaschmirschalfabrik von _Chamba Mal_ und _Devi Sarai_ und den _Kaisar
Bagh_, eine moderne Karawanserei, reich an Volkstypen aus Mittel- und
Ostasien.

     =Ausflug= von Amritsar nö. mit der »Amritsar Pathankot Railway« bis
     (67 M, 108 km) =Pathankot= (_Bahnwirtschaft_; _Dâk Bungalow_), am
     Gebirgsfuße; von da mit Tonga (15 Rup., ein Platz 7 Rup.) bis (34
     M) _Danera_ (Übernachten im Dâk Bungalow), dann mit Pony (5 Rup.)
     oder Dooly (9 Rup.) nach (22 M, 35 km) =Dalhousie= (_Strawberry
     Bank Hotel_; _Springfield Hotel_; _Bull's Head Hotel_), reizender
     Sommerfrische mit Sanatorium im Waldgebirge, 2350 m ü. M., mit
     ähnlichen Klima- u. Vegetationsverhältnissen wie Simla. Lohnender
     Ausflug nach (19 km) _Chamba_ (Dâk Bungalow) in prächtiger
     Landschaft.

Von Amritsar südwestwärts weiter nach dem Bahnknotenpunkt

(349 M) =Lahore= (254 m; _Bahnwirtschaft_, gut; _Nedous Hotel_, Pens.
7-8 Rup., gut, sehr erweitert, gegenüber Lawrence Gardens, 3,5 km vom
Bahnhof, 1,5 km von der Altstadt; _Faletti's Hotel Cecil_, Pens. von
7 Rup. an, gelobt, neu;--Banken: _Bank of Bengal_; _Alliance Bank of
Simla_ etc.--Klubs;--Droschken nach Tarif;-- Zeitungen: »_Tribune_«,
»_Civil and Military Gazette_«; Photographen: _Craddock_; _Burke_;
_Jadukishan_; mindestens 2 Tage Aufenthalt zu empfehlen), Hauptstadt
der Provinz Punjab, nahe dem Raji, dem dritten Fünfstromlandfluß, mit
dem östl. gelegenen Garnisonsort _Meean Meer_, 228318 Einw. (120000
Mohammedaner, 70000 Hindu, 7000 Sikh, 5600 Christen), im April 1905
von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Wie Amritsar durch die Sikhs,
so hat Lahore durch die Herrschaft der mohammedanischen Mogulkaiser
(turktatarischen Stammes) seinen Charakter aufgeprägt erhalten. Die
Altstadt mit engen Straßen von Mauern umgeben, mit vielen Moscheen,
Karawansereien, Pagoden, Märkten; in der NW.-Ecke der Stadt die
_Zitadelle_ (Fort; Besichtigung nur mit Paß, vom Deputy Commissioner zu
bekommen) mit Werkstätten, an deren Ostende der _Akbar-Palast_ liegt;
im Fort die _Perlmoschee_ (Moti Masjid), daneben der Spiegelpalast
_Shish Mahal_ (vom Schah Jahan und Aurangzeb erbaut); östl. davon
ein kleiner Sikh-Tempel. Mitten in der Westmauer liegt der weiße
Marmorpavillon *_Nau Lakha_. Im Zeughaus alte indische Waffen, auch
Kamelgeschütze und merkwürdige Revolverkanonen. Neben dem Turme
von _Shish Mahal_ stand im Großmogulpalast noch ein größerer, der
_Saman Burj_. Nun östl. zum _Diwan-i-Khas_ (Marmorsäulenhalle),
jetzt als Kirche benutzt; östl. davon der Hindupavillon _Akbari
Mahal_ (jetzt Apotheke) und der rote Sandsteinbau an der Nordmauer
_Khwabgha-i-Kalan_. Mitten im Fort der _Diwan-i-Am_ (jetzt Kaserne),
östl. davon ein Hospital.--Die _Bank of Bengal_ und die _National Bank
of India Ltd._ sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere
auch der Deutschen Bank.

_=Rundfahrt=_. Vom Bahnhof durch die europäische Villenstadt sö. von der
Eingebornenstadt durch Empress Road über _Charing Cross_, vorbei am
_Government House_ (früher Mausoleum des Muhammed Kasim Khan, Vetter des
Kaisers Akbar); dann westl. durch Upper Mall Road zum _Lawrence Garden_,
Botanischem Garten mit Raubtierhaus; l. bleibt _Lawrence Hall_ und
_Montgomery Hall_ mit Porträtsammlung; dann r. am _Punjab Club_ und an
der _Kathedrale_ vorbei (in deren Nähe das Telegraphenamt); dann l. am
_Postamt_ und den *_Museen_ (Punjabsammlungen verschiedener Art,
besonders die reichhaltigste Sammlung von »Gandharaskulpturen«, etwa 2400
Nummern) nach den _Anarkali Gardens_; hier ein lange als christliche
Kirche benutztes _Grabmal der Anarkali_ (»Granatblüte«), Favoritin des
Kaisers Akbar, von ihm lebendig eingemauert, weil sein Sohn Salim sie
liebte; Salim (der spätere Kaiser Jahangir, dessen Lieblingsresidenz
Lahore war) erbaute 1615 das Mausoleum. Sehr interessant ist der
_Anarkali-Basar_.--Dann nördl. an den Regierungsgebäuden, Schulen,
Krankenhäusern und dem protestantischen Kirchhof vorbei über die
Schiffbrücke des Raviflusses nach (9 km) _Shah-Dara_. Man kreuzt die
Bahn und sieht l. einen Kuppelbau, das _Grab des Asaf Khan_; dann r. in
einen Park mit prächtigem Marmorpflaster zum *_Grabmal des Kaisers
Jahangir_, einem Quadratbau mit vier 30 m hohen Minarets in den Ecken,
aus weißem Marmor und rotem Sandstein 1627 erbaut; man beachte die
Feinheit der Steinskulptur der weißen Marmoreinfassung des Grabmals.
Rückfahrt durch das Westtor der Stadt über die _Esplanade_ nach dem
_Fort_ (s. oben).--Sehenswerte Moscheen sind die von _Wazir Khan_ (mit
sehr schöner Kachelfassade), die Goldene Moschee _Sonahri Masjid_ und
die Hauptmoschee _Jama_ (oder _Badshahi_) _Masjid_. In der englischen
Niederlassung ist ein Schwimmbad. Die Umgebung von Lahore ist durch vom
Ravi abgezweigte Kanäle bewässert.

     =Ausflug= von Lahore nach den _Shalimar Gardens_ (4 km onö. vom
     Hauptbahnhof) auf der »Grand Trunk Road«, l. (3 km) das Tor des
     Rosengartens _Gulabi Bagh_ (von Sultan Beg, Admiral des Schahs
     Jahan, erbaut) und gegenüber, 1 km sö. von der Straße, das Grabmal
     des Baumeisters _Ali Mardan Khan_ (der 1637 für Schah Jahan die
     Shalimar-Gärten anlegte). Die einst weltberühmten, leider
     verfallenen *=Gärten von Shalimar= haben drei Terrassen mit 450
     Fontänen. In ihrer Umgebung, besonders südl. der Straße, liegen
     noch andre, teilweise ebenfalls sehenswerte Gärten.

Die Fahrt mit der North Western Railway von Lahore nach Peshawar (288 M
in 17-1/2 St.) berührt (391 M von Delhi) _Gujranwala_, Geburtsort
Randjit Singhs (geb. 2. Nov. 1780, Maharadscha, genannt »Löwe des
Punjab«).--Bei (452 M) _Jhelum_ (Dschilam) überschreitet die Bahn den
vierten der Punjabflüsse und tritt bald darauf aus dem Tiefland in das
Mittelgebirgsland, das sich in etwa 500 m durchschnittlicher Seehöhe
hier in großer Breite dem Himalaja vorlegt. Man sieht im N. die bis 4730
m hohen Schneegipfel Kaschmirs.--(523 M) =Rawal Pindi= (520 m;
_Flashman's Hotel_, gut, Pens. 8 Rup.; _Limetree Hotel_, am Bahnhof;
_Imperial Hotel_, Havelock Road, Pens. 8 Rup.; _Rawal Pindi Hotel_;
_Mellors Hotel_ u.a. _Droschken_ nach Tarif; Banken: _Alliance Bank_,
_Commercial Bank of India_), eine junge Stadt mit 86248 Einw. (1/2
Mohammedaner), starke Festung und größte Militärstation des nördl.
Indiens (6 Regimenter und 5 Batterien), liegt am r. Sohanufer; Handel
mit Kaschmir.


     =Von Rawal Pindi nach Srinagar in Kaschmir.=

     195 M = 314 km; einer der besten Zugänge nach Kaschmir, in 3 Tagen
     auf guter Landstraße zurückzulegen; dreisitzige Tonga 124 Rup., ein
     Sitz 48 Rup. (geliefert von der Firma _Dhaujibhoy & Son_, Hin- und
     Rückfahrt 228 Rup.); die Posttonga fährt nachts nicht; Ekkas für
     Diener und Gepäck 22 Rup. Die Reise ist für mindestens 8tägigen
     Aufenthalt in Kaschmir sehr lohnend, aber sehr anstrengend; die
     Tonga ist ein zweiräderiger, niedriger Karren mit drei Sitzen,
     Gepäck kann wenig mitbefördert werden. Man muß 3 Tage lang je 10
     St. mit 1/2 St. Mittagspause in schlecht gefedertem, unbequemem
     Wagen, der fast nur im Galopp fährt, mit häufigem Pferdewechsel,
     sich zusammenrütteln lassen. Der starke Staub verursacht leicht
     Augenentzündung. Im Winter ist die Fahrt der Kälte wegen nicht
     ratsam. Man kann auch in bequemern Landauern fahren, die aber sehr
     teuer sind und 4 Tage brauchen. Die Dâk Bungalows unterwegs sind
     meist gut, haben aber nur leere Bettgestelle, also Reisebettzeug
     mitnehmen! Ausflüge von Srinagar in das Alpenland erfordern Zelt,
     Feldküche, Ponies zum Reiten und Gepäcktragen; diese Ausrüstung wie
     auch Träger können in Srinagar durch _Cockburn's Agency_ beschafft
     werden (am besten vorher briefliche Abmachungen).

     Man fährt über (37 M) =Murree= (2300 m; _Powell's Hotel_;
     _Rowbury's Hot._), einen Höhenluftkurort mit europäischer
     Temperatur, mit Sanatorien und Kasernen, hinter denen sich 2700 m
     hohe Berggipfel erheben; im Sommer sind viele britische Truppen
     hier in der Sommerfrische. Dann Abstieg in das tief
     eingeschnittene, enge Durchbruchstal des Jhelum (Dschilam) nach (64
     M) _Kohala_ (guter Dâk Bungalow); von hier talaufwärts (das Tal ist
     im Sommer so heiß, daß Dattelpalmen gedeihen, und man am besten
     frühmorgens oder abends fährt; im April und Mai prächtige
     Schneegebirgslandschaft) über eine Hängebrücke (Zoll!) über (75 M)
     _Dulai_ (guter Dâk Bungalow) nach (85 M) _Domel_ (guter Dâk
     Bungalow), wo das Tal eine scharfe Biegung nach SW. macht, aber
     immer noch eng bleibt, über (99 M) _Garhi_ (guter Dâk Bungalow) und
     (108 M) _Hatti_ in wild-schöner Landschaft nach (119-1/2 M)
     _Chagoti_ (Dâk Bungalow über der Drehbrücke); dann folgt (133 M)
     _Uri_ (guter Dâk Bungalow) und (146 M) _Rampur_ (Dâk Bungalow), von
     da ebene Straße nach (162 M, 261 km) _Baramula_ (guter Dâk
     Bungalow), kleinem Ort am untern Ende des weiten Hochgebirgsbeckens
     von Kaschmir, das einst von einem großen See eingenommen war; hier
     mieten Reisende, die längere Zeit in Kaschmir bleiben wollen, ein
     Hausboot (Preis je nach Größe und Einrichtung mit Bootsleuten
     30-150 Rup. monatlich) zu schönen Ausflügen auf dem großen
     _Wularsee_ und nach Srinagar. Von Baramula fährt man in 3 St. mit
     Wagen (Hausboot braucht dazu einen Tag) nach (195 M, 314 km)
     =Srinagar= (1600 m), d. h. _heilige Stadt_, auch _Suradjnagar_ oder
     _Kaschmir_ genannt, Stadt mit 126358 Einw. (5/6 Mohammedaner),
     Sommerresidenz des Maharadscha von Kaschmir und Jammu, im
     prachtvollen Kaschmirtal am Jhelumfluß gelegen. _=Unterkunft=_:
     _Dâk Bungalow_; _Nedou's Hotel_, sehr gut; viele Besucher leben in
     Hausbooten oder Zelten; beste Zeltplätze im _Chenar Bagh_ für
     Junggesellen, im _Munshi Bagh_ und _Ram Bagh_ am r. Flußufer nahe
     der englischen Kirche; ferner am Dal-Den im _Nasim Bagh_. Der Agent
     des Maharadscha gibt Auskunft für Reisende über Unterkunft, Preise,
     Kulis etc.; _Cockburn's Agency_ besorgt Boote, Zelte und jede andre
     Ausrüstung; englische Ärzte in den Missionen und beim Residenten,
     wo man auch amtliche Vorschriften für das Reisen im Lande erhält.
     _=Bank=_: _Punjab Bank_. _=Leihbibliothek=_ vorhanden.
     _=Photographen=_: _Millais_; _Jadu Kishan_.--Die Stadt hat enge,
     oft übelriechende Straßen mit Holzhäusern, darin eine prächtige,
     aus Zedernholz mit reichen Schnitzereien hergestellte Hauptmoschee
     (_Jama Masjid_). Man besteige zunächst den Hügel
     *_Takht-i-Suleiman_ (300 m über der Stadt), auf dem ein Tempel
     steht; eine gerade Pappelallee führt hinauf, oben prachtvoller
     Blick auf das »Glückliche Tal«. Auch der Aufstieg auf den 76 m hohen
     Festungsberg _Hari Parbat_ im N. der Stadt ist sehr lohnend.
     _=Bootsfahrt=_ auf dem malerischen _Dal_ (_City Lake_) nö. der
     Stadt, vorbei an den schwimmenden Gärten (man lese Thomas
     Moore: »Light of the Harem« und »Lallah Rookh«) nach _Nishat Bagh_ am
     Ostufer, dann nach dem vom Schah Jahangir erbauten Lustschloß
     _Shalimar Bagh_ in der NO.-Ecke des Sees mit Reiherstand, von da
     zum »Garten des Segens« _Nasim Bagh_ am NW.-Ufer und zurück am Dorfe
     _Hazrat Bal_ vorbei, am Westufer nach S. durch den Kanal unterhalb
     Hari Parbat und den Nasim Bagh-Kanal nach dem Dal Gate.
     --_=Ausflug=_ von Srinagar auf verschiedenen Wegen, zuerst mit
     Boot, dann zu Wagen nach (ca. 26 km) =Gulmarg= (Schatten der
     Rosen), in einem Tage, einer kühlen, etwas feuchten Sommerfrische
     (_Nedou's Hotel_, gut; Besucher wohnen auch in Holzhütten oder
     Zelten), 2590 m ü. M., mit Ausblick auf den 8120 m hohen
     _Nanga-Parbat_.

Die _=Eisenbahn=_ führt von Rawal Pindi weiter, zuletzt hinab in das
hier breite Industal und bei (581 M) _Attock_, nahe der
Vereinigungsstelle des Kabulflusses mit dem Indus (Stat. _Attock
Bridge_, Dâk Bungalow), über den 200 m breiten _Indus_ auf einer
fünfbogigen Gitterbrücke. Das starke Fort _Attock_ beherrscht den Zugang
zu Vorderindien von NW. her; alle Eroberer Indiens, so Alexander d. Gr.
326 v. Chr., Timur 1397, Schah Nadir 1738 u. a., drangen durch das
Kabultal und über Attock ein, daher ist die kleine Festung noch jetzt
strategisch wichtig. Die Bahn bleibt nun in der Ebene des Kabulflusses,
passiert =Peshawar=, die Hauptstadt der neuen nordwestlichen
Grenzprovinz und Sitz eines High Commissioner, in ungesunder Lage, mit
ziemlich extremen Temperaturverhältnissen (Juni 32,9°, Januar 9,8°,
gelegentlich kommen Fröste vor), 97392 Einw. (3/4 Mohammedaner), engen,
gewundenen Gassen, vielen Basaren für den wichtigen Durchfuhrhandel von
Kabul, Buchara und Zentralasien, dem alten Palast _Bala-Hissar_, mit
vielen Moscheen und den Resten einer berühmten mohammedan. Akademie. Im
_Museum_ reiche archäologische Funde: »Gandharaskulpturen« aus der
Umgegend, besonders aus Sari Bohlol, 40 km nö. von Peshawar.--3,5 km
westl. liegt der Endpunkt der Bahn, (627 M, 999 km) _Peshawar Cantonment
Station_ (Dâk Bungalow; _Flashman's Hotel_, Pens. 7 Rup., nahe dem
Bahnhof; _Droschken_ nach Tarif; _Bank_ Punjab Banking Co.--_Geschäfte_
für mittelasiatische Waren in der Stadt: _Safdar Ali_; _Haji Rahman_);
in öder Ebene das an die Stadt gelehnte englische Truppenlager (über
20000 Mann), Stützpunkt für Unternehmungen gegen Afghanistan. Peshawar
verdient trotz mangelhafter Unterkunft mehrtägigen Aufenthalt schon
wegen des Ausflugs zum Khaiberpaß, dessen Besuch leider seit 1910 auf
_einen_ Wochentag beschränkt ist.

     =Ausflug= nach dem *=Khaiberpaß=, der südl. des unzugänglichen
     Durchbruchs des Kabulflusses den Safed Kuh, das Grenzgebirge
     zwischen Afghanistan und Indien, überschreitet und die Verbindung
     zwischen Afghanistan und der indischen Nordwestprovinz herstellt.
     Zu seinem Besuch ist eine Erlaubnis des »Political Officer in
     charge« in Peshawar nötig. Ausflug zu Wagen (14 Rup.) 5 St. hin und
     zurück, interessant sowohl landschaftlich wie wegen des regen
     Karawanentreibens. Man fährt auf guter Straße bis zum (17 km) _Fort
     Jamrud_ (501 m; Dâk Bungalow), am Ostende des Passes, mit starker
     englischer Besatzung. Der nach Afghanistan führende _Khaiberpaß_
     zieht 53 km lang in Windungen bis 1011 m Höhe über das Gebirge; er
     ist nur Dienstags und Freitags für Karawanen geöffnet, wird dann
     vom Afridi-Stamm (_Khaiber Rifles_) bewacht, die auch die
     befestigten Posten (26 km) _Ali Musjid_ (730 m) und _Landi Kotal_
     (520 m) besetzt halten. In Ali Musjid, wo die englischen
     Befestigungen gegen Afghanistan beginnen, muß man leider umkehren.
     Die Fahrt des deutschen Kronprinzen bis Landi Kotal war eine
     besondere Höflichkeit. Neuerdings dürfen sogar englische Offiziere
     nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Oberkommandierenden (zurzeit
     General James Wilcocks) bis Landi Kotal reisen. Die wilde,
     malerische Landschaft des Passes ist sehr sehenswert.--Eine
     Eisenbahn von Peshawar bis Landi Kotal ist im Bau.


3. Seitentour: Lahore--Karachi.

     =Eisenbahn=: _North Western Railway_ von Lahore über Mooltan und
     Hyderabad (Sindh) nach (784 M) Karachi, Schnellzug in 24 St. für I.
     Kl. 58 Rup. 6 annas, II. Kl. 29 Rup.

     Die »Industalbahn« führt durchweg durch Gebiete, die viel mehr
     vorderasiatischen als indischen Charakter tragen. Die beiden großen
     Landschaften, die sie durchfährt, das Punjab und das Sindh, sind
     wirtschaftlich geeint durch den Indusstrom, klimatisch einander
     ähnlich als Trockengebiete, die nur spärliche und unregelmäßige
     Regen empfangen und großenteils geradezu wüstenhaft sind. Die von
     O. her ziemlich nahe an das untere Industal herantretende Wüste
     Thar soll streckenweise die Sahara an Öde und vollkommener
     Vegetationslosigkeit übertreffen. Der Indus hat für das Sindh eine
     ähnliche kulturelle Bedeutung wie der Nil für Unterägypten, aber es
     bestehen doch gewisse schwerwiegende Unterschiede:
     während die alljährliche Anschwellung des Nils, die auf der
     Regenzeit in Innerafrika beruht, regelmäßig und ruhig verläuft,
     nimmt die des Indus nicht selten dadurch stürmischen Charakter an,
     daß sich der normalen Sommerflut, die durch die Schneeschmelze im
     obern Einzugsgebiet des Stromes erzeugt wird und im Unterlauf ihren
     Höhepunkt im Juli erreicht, noch Regenwasserwellen aufsetzen, die
     auf den Sommerregen im Punjab beruhen. Dadurch ist der Mensch
     gezwungen worden, den Strom in Dämme einzuschließen. Die
     befruchtende und befeuchtende Wirkung der Indusfluten kann daher
     nur durch Vermittelung von Kanälen erfolgen, die zahlreich vom
     Strome abgezweigt sind. Sie ermöglichen, daß ein etwa 20 km breiter
     Kulturstreifen den Indus begleiten kann. Ähnlich liegen die
     Verhältnisse längs der Punjabströme, doch sind hier die
     Kulturstreifen nicht so breit, und die Hochwasserbetten sind durch
     breite Kies- und Schotterflächen bezeichnet. Die Erträgnisse dieser
     Kulturstreifen, in denen die Dattelpalme vielfach der auffallendste
     Baum ist, wie das Kamel das häufigste Nutztier, wo Akazien,
     Pappeln, Tamarisken und andre Gewächse trockner Zonen gehölzbildend
     auftreten, sind mannigfaltig: Baumwolle, Ölsaaten, Zucker, Indigo,
     namentlich aber Weizen, dessen Anbau in neuerer Zeit rasch
     zugenommen und das Aufblühen von Karachi, das als Ausfuhrhafen
     dient, verursacht hat. Als Verkehrsstraße hat der Indus trotz
     seines geringen Gefälles im Unterlaufe nur wenig Bedeutung, weil
     die Arme des Deltas, mit dem er mündet, für Schiffe unbenutzbar
     sind; denn auch darin ist der Indus gegen den Nil benachteiligt,
     daß er nicht wie letzterer in ein ruhiges Meer, sondern in ein
     solches mit lebhafter Gezeitenbewegung mündet. Durch die Flut
     werden die massenhaften Sinkstoffe immer wieder flußaufwärts
     getragen und verschlämmen die Mündungen. Die Dampfschiffahrt reicht
     daher nur von Tatta am Hauptmündungsarm bis Mooltan am Jilam. Den
     Hauptverkehr vermittelt die Industalbahn.

Von Lahore (S. 76) führt die Bahn über (116 M) _Harapa_, einen kleinen
Ort, wo Alexander d. Gr. einen Sieg erfocht, nach der sehr alten Stadt
(207 M) _Mooltan_ (Erfrischungs- und Warteraum, Dâk Bungalow) mit alten
Grabdenkmälern, 85708 Einw., meist Mohammedaner; wichtiger Stapelplatz
für die an Bodenerzeugnissen reiche Umgebung. Ein Stück südl. davon
passiert die Bahn das alte Bett des Biasflusses, der jetzt weit oben in
den Sutlej mündet, früher aber diesem parallel in den Jilam floß. Weiter
auf der (270 M) _Adamwahanbrücke_ von 1287 m Länge über den Sutlejfluß
nach (272 M) _Bahawalpur_ (Dâk Bungalow), Hauptstadt eines
Eingebornenstaates mit 15000 Einw. (4/5 Mohammedaner), mit sehenswertem
Palast des Nawab. Bei (488 M) Rohri _zweigt_ die Bahnlinie nach
Belutschistan und Afghanistan ab; Rohri liegt malerisch am l. Ufer des
Indus auf felsiger Höhe, die 4-5stöckigen Häuser haben flache Dächer
mit Geländern; die große Moschee (Jama Masjid) ist ein schöner roter
Ziegelbau, die drei Kuppeln mit Porzellanziegeln gedeckt. Bei Rohri sind
die großen Bewässerungsschleusen des _Eastern Nara-Kanals_.

(674 M) =Hyderabad (Sindh)=, _Haidarabad_ (guter Dâk Bungalow im
Cantonment; _Brind's Hotel_; _Bank of Bengal_; Droschken nach Tarif),
Distriktshauptstadt der Provinz Sindh der Präsidentschaft Bombay,
am Beginn des Indusdeltas gelegen, mit 75964 Einw. (Hindus und
Mohammedanern), 6 km östl. vom Indus, wahrscheinlich von Alexander
d. Gr. gegründet, hat Industrie in Seidenstickereien, Juwelier- und
Lacksachen. Sehenswürdigkeiten sind das alte, sehr unregelmäßig
geformte _Fort_ mit dem alten Palast Mir Nasir Khans, jetzt
Absteigequartier hoher britischer Offiziere; vom Fort über dem Torweg
interessanter Ausblick auf den Basar mit buntem Völkergemisch. Auf dem
Nordende des Hügels der Stadt sind die Grabmäler der Kalhoras- und
Talpura-Fürstengeschlechter. Die Bahn kreuzt nun den Indus und führt
nach

(784 M) =Karachi= (mehrere Bahnhöfe; wer nicht sofort an Bord des
Dampfers muß, steige Station Frere Street, auch Cantonment Station
genannt, aus).

     =Gasthöfe=: _Paul's Hotel_, dicht bei Frere Street Station,
     gut;--_The Devon Villa Hotel_, gut.

     =Banken=: _National Bank of India_; _Bank of Bombay_ etc.

     =Klubs=: _Sindh Club_; _Gymkhana, Ladies Club_; _Golf Club_.

     =Zeitung=: »_Sindh Gazette._«

     =Konsulate=: Deutsches Reich: Konsul _A. Thöle_;
     Österreich-Ungarn: Konsul _W. U. Nicholas_, Vizekonsul _K. S.
     Anderson_.

     =Dampfer=: _Österreichischer Lloyd_ (Anderson & Co.,
     Tel.-Adr.: »Lloydiano«), monatlich nach Triest in 20 Tagen;
     _Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa_ (Bremen); _British India
     Steam Nav. Co._ (Mackinnon, Mackenzie & Co.), wöchentl. nach Europa
     und Bombay sowie nach dem Persischen Golf; _Messageries Maritimes_
     (H. Curjel Bombay Co.), monatl. nach Marseille; außerdem noch andre
     britische Linien.

     =Geschäfte=: _Sadar Bazaar_, gut.

_Karachi_ (Kurrachee, Karatschi), Distriktshauptstadt der Provinz Sindh,
mit 159270 Einw., am äußersten Nordwestende des Indusdeltas (nahe dem
Fuße des Pabgebirges, des Grenzgebirges gegen Belutschistan, gelegen),
ist trotz seiner Entlegenheit zum größten Teile Indiens und trotz seines
steter Versandungsgefahr durch die Sinkstoffe des Indus unterliegenden
Hafens der drittgrößte Seehafen Indiens geworden (1910 liefen 525
Schiffe mit 758000 Reg.-Ton. ein), weil es unter der Herrschaft der
Engländer (seit 1842) als Hauptausfuhrhafen des Punjabs dient; Einfuhr
von Eisenbahnmaterial, Stückgütern, Metallen, getrockneten und
gesalzenen Fischen etc.; Ausfuhr von Baumwolle, Weizen, Wolle, Ölsaat,
Häuten, Apothekerwaren, Pferden. Die Stadt hat Handelskammer,
Baumwollpressen, Eisenwerke, Schiffswerft mit Trockendock, Kohlenlager.
Der Seehafen ist durch Wellenbrecher geschützt und mit modernen
Kaianlagen, Ladebrücken etc. gut versehen. Die vorgelagerte Halbinsel
_Manora_ ist durch mehrere Küstenforts verteidigt. Die Eingebornenstadt
nahe am Hafen ist eng gebaut und stark bevölkert; der europäische
Stadtteil weiter aufwärts am Layarifluß macht einen ganz modernen
Eindruck, weitläufig und regelmäßig angelegt, mit vielen schönen
Gebäuden, darunter die _Frere Hall_ mit Bibliothek, Ball- und
Versammlungssälen. Sehenswürdigkeiten enthält die Stadt nicht, doch wird
sie infolge ihrer Handelsbedeutung besucht.


B. Von Delhi nach Agra.

     =Eisenbahn=: _East Indian Railway_ von _Delhi_ über _Aligarh_ nach
     _Agra_ in 6 St. für I. Kl. etwa 11, II. Kl. 6 Rup.; --_Great Indian
     Peninsula Railway_ (»Agra-Delhi Cord Line«) über _Muttra_ in 4-1/2
     St. (Speisewagen).

     Die Great Indian P. R. ist die direkte Linie; sie hält sich in der
     Nähe des r. Jumna-Ufers, an dem sowohl Delhi wie Agra liegen. Die
     East Indian R. beschreibt einen Bogen durch das Gebiet zwischen
     Jumna und Ganges und überschreitet zweimal die Jumna. Sie
     durchfährt in ihrer ganzen Erstreckung die »Vereinigten
     Provinzen« (Agra und Audh), während die  Great Indian zunächst den
     Südostzipfel des Punjabs durchläuft. Obgleich das Land mit Hilfe
     der Kanäle, die seit 100 Jahren namentlich in dem zwischen dem
     Ganges und der Jumna gelegenen Gebiete angelegt worden sind, reich
     angebaut ist, macht sich die Trockenheit des Klimas in den der
     Regenzeit unmittelbar vorhergehenden Monaten (Februar bis Mai)
     durch große Dürre und Staubplage recht bemerkbar.

Von _Delhi_ (S. 70) führt die East Indian Railway zunächst nach

(78 M) =Aligarh= (_Kellner's Refreshment and Sleeping Rooms_, am
Bahnhof, bequem für kurzen Aufenthalt, auch Schlafgelegenheit; guter
_Dâk Bungalow_), Distriktshauptstadt und sehr alte Festung, die die
Stadt _Koil_ schützt; mit dieser zusammen 63715 Einw. (2/3 Hindu, 1/3
Mohammedaner), Sitz des _Anglo-Oriental College_ zur Erziehung vornehmer
Mohammedaner. Anfang Februar hier eine sehenswerte Messe. Beim dritten
Meilensteine (5 km) südl. von Aligarh an der Straße ein riesiger
heiliger Banyanfeigenbaum (_Ficus religiosa_), und in dessen Nähe ein
Malteserkreuz zur Erinnerung an einen Überfall englischer Truppen
während des Aufstandes 1857.--Bei (127 M) _Tundla Junction_
(Bahnwirtsch.) muß man event. in den Zug nach Agra umsteigen, der in
entgegengesetzter Richtung auf einer andern Linie noch 24 km westl. bis
Agra läuft. Dicht vor Agra führt die Bahn auf großartiger vierbogiger
Brücke über den Jumna-Fluß.

     Fährt man mit der Great Indian Peninsula Railway, so empfiehlt sich
     der Besuch von (89 M) _Muttra_ oder _Mathura_ (Dâk Bungalow),
     uralter Stadt (schon Ptolemäus bekannt) von 60000 Einw., am r.
     Jumna-Ufer. Muttra wurde 1017 vom Afghanenfürsten Mahmud seiner
     kostbarsten Tempelschätze beraubt, ist noch heute mit der kleinern,
     10 km stromauf an der Jumna gelegenen Stadt _Brindaban_ (einem
     hochheiligen Wallfahrtsort der Hindus) einer der Hauptsitze der
     Brahmanen, mit zahlreichen Tempeln, in denen der Krischnakult
     gepflegt wird. Bootfahrt auf der Jumna, wo morgens Tausende vor den
     Tempeln baden (ein kleines Benares).

(142 M, 228 km) =Agra= (204 m), Ankunft _Fort Station_ oder (über
Muttra) auf _Cantonment (Road) Station_, 10 Min. von den Gasthöfen.

     =Gasthöfe=: _Hotel Cecil_ (Hotz, Schweizer), I. Ranges, Deutsch
     gesprochen, sehr gelobt, Pens. von 8 Rup. an. -- _Laurie's Great
     Northern Hotel_ (20 Min. sw. vom Bahnhof), Pens. 7 Rup.--
     _Metropole._ -- _Savoy_, Pens. 6 Rup. -- Guter _Dâk Bungalow_ nahe
     dem Postamt am Drummond Road. -- Speiseräume im Bahnhof. --
     =Droschken= nach Tarif. -- =Post u. Tel.= nahe beieinander, 2,5 km
     südl. vom Bahnhof. -- =Polizeiämter= 1 km nw. vom Bahnhof. --
     =Geschäftsadressen=: _Bank of Bengal_, Korr. der Berliner
     Disconto-Gesellschaft. -- Teppichfabrik _Otto Weylandt_ (deutscher
     Besitzer), nahe I'timad-ud-daulah. -- Schals, Gold- und
     Silberstickereien: _Ganeshi Lall & Sons_, Johari-Basar. --
     Seifenstein und Marmormosaik: _Nathoo Ram_, gegenüber Agra College.
     -- Miniaturmaler: _Badri Pershad._ -- Photograph: _Priya Lal._

     =Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vm. Fort, Nm. Fahrt nach Sikandarah,
     abds. nach Dinner *Taj Mahal (bei Mondschein); -- 2. Tag: Vm. Taj
     Mahal (bei Sonnenaufgang), dann Fahrt zum I'timad-ud-daulah-Grab,
     zu Weylandt (Teppichfabrik) und Chinika-Roza-Grab, Nm. 2 Uhr mit
     Auto (Pers. 10 Rup.) in 1 St. nach Fatehpur-Sikri; -- 3. Tag:
     Nochmals Fort und Stadt.

     =Geschichtliches.= Unter dem Lodhikönig Nizam Iskander (1488-1517)
     ward Agra, damals noch ein Dorf, Residenz; 1526 wurde es von Baber,
     dem Begründer des mohammedanischen Reiches der Großmoguln,
     genommen, der es jedoch wieder an die Afghanen verlor. Erst Akbar
     besetzte es 1559 dauernd und machte es zur Hauptstadt. Schah Jahan
     I. (1632-56) errichtete die Prachtbauten. Aber schon Aurangzeb
     (1656-1706) verlegte die  Residenz nach Delhi, und nach seinem
     Tode wurde die Stadt von den Dschat, Persern, Afghanen etc.
     verwüstet, bis die Ostindische Kompanie sie den Mahratten nahm.
     Während des Sepoyaufstandes im Juli 1857 wurden die Engländer im
     Fort belagert, aber am 10. Okt. vom Oberst Greathed entsetzt.

[Illustration: Plan von Agra.]

_Agra_, Hauptstadt der Division Agra, hat mit der Garnison 182419 Einw.
(2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, einige tausend Christen), starke Industrie
in Schuhen, Pfeifen, Goldtressen und schönen Mosaikarbeiten sowie
lebhaften Handel mit baumwollenen und feinen wollenen handgeknüpften
Teppichen (die Fabrik des Deutschen, Herrn Otto Weylandt, ist sehr
sehenswert) und bearbeiteten Steinen. Agra besitzt vier Colleges und ist
Sitz der obersten Divisionsbehörden. --Die Stadt liegt in dem großen
Bogen, den die schiffbare _Jumna_ (Dschamna) hier nach O. macht; in der
Tiefe des Bogens das Fort, südl. davon die Kasernen und nw. die
Regierungsgebäude, dazwischen die besser als in andern indischen Städten
gebauten Eingebornenviertel. Agra ist reich an Prachtbauten im reinsten
maurischen Stil, die auf die Zeit zurückgehen (Mitte des 17. Jahrh.), da
die Stadt die Residenz der mohammedanischen Großmoguln (turktatarischen
Stammes, mit persischer Umgangssprache) war.

_=Rundgang=_: Das *=Fort= (zweimaliger Besuch von je 2-1/2-3-1/2 St.
sehr lohnend, es ist das schönste und mannigfaltigste seiner Art in
Indien), aus rotem Sandstein etwa 1568 von Akbar begonnen, von seinem
Sohn Jahangir fortgesetzt (die meisten Bauten stammen vom Schah Jahan,
dem kunstsinnigen Enkel des großen Kaisers), berührt mit dem Nordturm
das rechte Jumna-Ufer; seine Mauern sind fast 21 m hoch; sein »Water
Gate« (Pl. 2) ist geschlossen, Haupteingang von NW. durch das _Delhi
Gate_ (Pl. 1); außerdem am Südende das _Amar Singh Gate_ (Pl. 3).
Innerhalb des Delhi Gate ist noch ein zweites Tor, _Elephant Gate_ oder
_Hathi Pol_. Geradeaus geht man über den Mina-Basar zur *_Perlmoschee_
(_Moti Masjid_, Pl. 4), der schönste weiße Marmorbau mit drei Kuppeln
und prächtiger Vorhalle, in deren Mitte ein Marmorbecken.--R. von
der Moschee der große Zeughausplatz, vor dessen Ostseite die große
öffentliche Audienzhalle _Diwan-i-Am_ (Pl. 5), mit Thronstufen in der
Mitte. Einige Stufen führen nun in den großen =Palast Schah Jahans=
(Pl. 6), der aus vielen prächtigen Einzelbauten von weißem Marmor
besteht; zunächst vorbei am _Machhi Bhawan_ zur kleinen dreikuppeligen
»Edelsteinmoschee« (_Naginah Masjid_), für die Königinnen bestimmt;
darunter lag ein Basar, wo die Hofdamen Einkäufe machten. Oberhalb nach
dem Fluß auf offener Terrasse ein schwarzer Thron; südl. davon die
Hausmoschee des Kaisers (_Mina Masjid_) und weiterhin die wunderbar
schöne Privataudienzhalle _Diwan-i-Khas_ mit Ausblick auf den Fluß und
die Gärten (1637 erbaut). Im kleinsten Marmorsaal wurde der von seinem
Sohn Aurangzeb entthronte Jahan 7 Jahre gefangen gehalten, gepflegt
von seiner Tochter Jahanara; Jahan starb im kleinen Pavillon (mit
schönen Fenstern), die Augen nach dem Taj Mahal (s. unten) gerichtet.
Eine Treppe führt zum _Saman Burj_, eigentlich _Jesamine (Yâsmin)
Burj_ (Jasminturm, Wohnung der Favoritsultanin), mit Springbrunnen
in einem schönen Pavillon; südl. daneben der »Goldene Pavillon« mit
vergoldetem Dach und Frauengemächern; westl. von diesen Pavillons
lagen die Marmorbäder der Prinzessinnen; von da durch den Weingarten
(_Anguri Bagh_) gelangt man zu dem _Shish Mahal_ (Spiegelpalast) in der
NO.-Ecke des Gartens. Der alte, sehr sehenswerte, aus rotem Sandstein
erbaute _Jahangir Mahal_ (oder _Akbar-Palast_) am Südende der übrigen
Bauten ist gut erneuert und hat prächtige Sandsteinornamente. -- Nahe
vor dem Delhi Gate nw. jenseit der Bahn liegt die _Hauptmoschee_ (_Jama
Masjid_), erbaut 1644 vom Schah Jahan zu Ehren seiner Tochter Jahanara;
nördl. davon die _Kalan Masjid_, älteste Moschee in Agra. -- Von da
fahre man über die Eisenbahnbrücke nach dem prachtvollen *_Mausoleum
von I'timad-ud-daulah_, einem reichgeschmückten weißen Marmorbau mit
Mittelkuppel und vier Ecktürmen mitten in herrlichem Park; es enthält
sieben Gräber, in der Mitte das des Wesirs Ghiyas Beg, Schwiegervaters
Schah Jahangirs und Vaters der Nur Jahan. -- Die Hauptsehenswürdigkeit
Agras (etwa 3 km sö. von den Gasthöfen) ist der **=Taj Mahal= (kurz
_Tadsch_ oder _Tadschmahal_ = Kronpalast, eigentlich _Taj bibi ka
Roza_ = Grab der Kronendame), »ein Traum in Marmor«, am r. Ufer der
Jumna; es ist das aus weißem Marmor ausgeführte und auf einer 18 m
hohen Plattform ruhende _Mausoleum Schah Jahans_ (regierte 1628-58)
und seiner Lieblingsgattin Mumtaz-i-Mahal (Stolz des Palastes, gest.
1629), mit weithin sichtbarer Kuppel von 18,8 m Durchmesser, woran
20000 Arbeiter 22 Jahre unter Leitung des Baumeisters Austin von
Bordeaux gearbeitet haben sollen. Der Taj ist vielleicht das schönste
und stimmungsvollste Denkmal ganz Indiens und gilt für edler als die
Alhambra und andre berühmte maurische Bauten. Im Innern, umschlossen
von einem zart in Marmor ausgeführten Gitterwerk, stehen zwei
Kenotaphe, die wie die Wände reich mit Blumen aus kostbaren Steinen
und mit anmutigen Ornamenten geschmückt sind. Umgeben ist das Gebäude
von einem prachtvollen Garten, in dem herrliche Zypressen und ein
langes, geradliniges Wasserbecken mit vielen Springbrunnen liegen. Der
Eingang zum Taj ist durch das _Taj Ganj Gate_, das zu dem prächtigen
großen *Torweg (_Great Gateway_) des Gartenhofs führt (mit 26
Marmorkuppeln!); außerhalb eine schöne Karawanserei und andre Gebäude
aus rotem Sandstein. Es ist dringend zu empfehlen, den Taj mehrmals,
und womöglich einmal bei Mondschein, zu besuchen. NB. Die Hotels wissen
die Zeiten, wann der Taj bis Mitternacht geöffnet bleibt! Im Mausoleum
beten und bringen Blumen zu den Sarkophagen Vertreter aller Religionen
Indiens, Hindus, Buddhisten, Mohammedaner und Parsi.

     =Ausflüge=: 1) Nach =Sikandarah=, mit Wagen in 3/4 St. Man fährt
     durch die Eingebornenstadt, vorbei am _Central Jail_
     (Hauptgefängnis; Besichtigung der Teppichwebereien der Gefangenen
     empfehlenswert, man schicke seine Karte dem Inspektor), dann etwa 6
     km nw. Der Weg führt an vielen Gräbern vorbei; in Sikandarah liegt
     das _Mausoleum Begum Miriam_, der angeblich christlichen Frau Maria
     des Kaisers Akbar, ein zweistöckiger roter, zurzeit recht
     verwahrloster Sandsteinbau; im Unterstock 40 Kammern, im Oberstock
     ein weißer Marmorkenotaph. Ein prachtvolles Tor aus rotem
     Sandstein, mit Einlagen von weißem Marmor führt zum *_Grabe
     Akbars_; von den Minarets zu Seiten des Tores schöne Aussicht bis
     nach Fatehpur-Sikri. Ein breiter Weg führt zum Mausoleum, einem
     vierstöckigen Pyramidenbau, die untern drei Stockwerke von rotem
     Sandstein, das oberste aus weißem Marmor; auf der Plattform steht
     der weiße Marmorkenotaph genau über der Stelle, wo unten im
     Kellergeschoß sein Sarkophag, umgeben von andern Gräbern, steht. Am
     Nordende des *Kenotaphs eine 1 m hohe *Marmorsäule, auf der lange
     Zeit der berühmte Diamant »Koh-i-Nur« lag, bis ihn der persische
     Eroberer Nadir Schah raubte (jetzt gehört er zum britischen
     Kronschatz). -- In einem modernen Hause in Sikandarah befindet sich
     ein _Waisenhaus_. Man tut besser, Sikandarah früher als den Taj zu
     besuchen.

     2) Westwärts nach (38 km) *=Fatehpur-Sikri= (_Dâk Bungalow_, neu
     und groß, mit guter Verpflegung, für längern Aufenthalt
     eingerichtet; für kurzen Aufenthalt Frühstückskorb vom Hotel
     mitnehmen!) mit Wagen (25 Rup. in 3-1/2 St.) oder Automobil (45
     Rup., einzelne Sitze bei Fahrten, die das Hotel unternimmt, 10
     Rup., in 1 St.) auf guter, schattiger Landstraße, von Akbar d. Gr.
     angelegt, wie die alte verlassene Residenzstadt selbst, deren
     Paläste noch sehr gut erhalten sind. Durch das Agra-Tor einfahrend,
     sieht man r. von der Straße die alte Münze, gegenüber die
     Schatzkammer, dann fährt man in den Kaiserpalast hinein, vor den
     _Diwan-i-Am_; l. liegen die Räume der Sultana und daneben der Dâk
     Bungalow (wo man auf Wunsch meistens auch einen Führer erhält);
     gegenüber sind türkische Bäder. In der NO.-Ecke des Palastes ist
     das Haus der türkischen Königin; am Nordende des Hofs eine schöne
     Privataudienzhalle _Diwan-i-Khas_, südl. davon der _Panch Mahal_
     (ein »Damenheim« oder Zenana) und sw. von diesem das kleine _Haus der
     Miriam_ (Akbars angeblich christlicher Gattin, einer Prinzessin von
     Jaipur) mit Garten und Bad; westl. davon das geschmackvolle
     _Birbal's Haus_. Ferner sind zu erwähnen der Turm _Harem (Hiran)
     Minar_, mit steinernen Elefantenzähnen geziert, über den Gräbern
     des kaiserlichen Lieblingselefanten, und die Grabmoschee (weißer
     Marmor in rotem Sandstein) des heil. *_Salim Chistis_ in der Nähe
     des großen _Siegestors_ und dieses selbst.

     3) Südwärts nach *=Gwalior=; von _Agra Road Station_ mit der
     _Indian Midland Railway_ durch steiniges, hügeliges Gebiet, die
     nördl. Ausläufer des Malwaplateaus, das schon zum Dekhan gerechnet
     werden muß, über (35 M) _Dholpur_ und 6 km weiter südl. über eine
     schöne Brücke aus rotem Sandstein über den Fluß _Chambal_
     (_Chumbul_) nach (76 M, 122 km) *=Gwalior= (161 m; _Gwalior Hotel_
     [von einem Parsen geführt], außerdem staatliches Fremdenhaus
     _Musafir Khana_, in dem Unterkunft nur bei Empfehlung und
     Vorausbestellung zu haben ist. Reitelefanten durch Hotelmanager zu
     bestellen, Bakschisch an den Führer. Droschken, mäßig, zu haben [im
     Notfall Sänfte nehmen]), Hauptstadt des Vasallenstaats der
     Mahratten, hat mit der neuen Garnisonstadt _Lashkar_ 89154 Einw.
     (5/6 Hindu, 1/6 Mohammedaner), liegt in einer Flußebene zwischen
     den Ausläufern des Malwaplateaus und hat schmutzige Häuser. Vor den
     Toren der alten Stadt steht die schöne Hauptmoschee _Jama Masjid_;
     in der Stadt der prachtvolle *_Palast des Maharadschah_ (einer der
     schönsten in Indien) sowie mehrere Dschaintempel. Die berühmte
     *=Festung Gwalior= erhebt sich auf einem 110 m hohen senkrechten
     Sandsteinfelsen (oben 1900 m lang und 600 m breit) an der Westseite
     der Stadt; sie ist noch jetzt eine der stärksten Indiens. Am
     NO.-Ende die sechstürmige Zitadelle.
     Im Innern der Festung sind Acker und Wasserbecken, für 15000 Mann
     Besatzung ausreichend. Wahrscheinlich wurde sie 275 n. Chr.
     gegründet von Suraj Sen, der den Sonnentempel baute;
     jahrhundertelang war die Feste Herrschersitz, viel bestürmt und
     selten erobert. Englische Truppen nahmen die Festung 1803, 1844 und
     1858; 1886 wurde sie an den Maharadschah übergeben. Zum Besuch der
     Feste ist keine Erlaubnis erforderlich, man schreibt sich ins
     Fremdenbuch am Eingang ein; der Leiter (»Keeper«) des Fremdenhauses
     (Musafir Khana) sorgt für Bereitstellung des Elefanten, falls der
     Maharadschah geneigt ist, solchen für Besucher zur Verfügung zu
     stellen. Vom Fremdenhaus fährt man bis zum Fuße der Feste, dort
     wartet dann der Elefant für den steilen Aufstieg. Ein steiler Weg
     führt durch folgende sechs Tore in die Feste: _Alamgiri Gate_ (das
     nördlichste Tor, 1660 erbaut), *_Badalgarh_ (oder _Hindola_)
     _Gate_, ein schöner Hindubau; r. steht dicht unter dem Felsen der
     Festung der _Gujari Mahal_, Schloß der Königin von Man Sing, schon
     sehr verfallen; _Bhairon_ (oder _Bansur_) _Gate_, 1485 erbaut; dann
     das _Ganesh Gate_ mit dem Taubenhaus (_Kabutarkhana_) davor und
     einem Hindutempel daneben; nun vorbei an dem Felsentempel
     _Chatar-bhuj-mandir_ (erbaut 876), ein Wischnuheiligtum mit
     Wasserteich (in dessen Nähe sehr alte Skulpturen), durch das
     _Lakhshman Gate_ weiter hinauf längs der Ostseite der Paläste
     zum »Elefantentor« _Hathiya Pol_ (_Paur_), neben dem das _Hawa Gate_
     in den _Man Singh Mandir_ führt, der, 1486-1516 erbaut, bunte
     Mosaikwände hat. Nördl. schließen sich noch vier Paläste an:
     _Vikram Mandir_, _Karan Mandir_, _Jahangiri Mahal_ und _Shah Jahan
     Mahal_ am Nordende der Feste. Von den elf Hindutempeln der Feste
     ist der mittelste, _Teli-ka-Mandir_ (Anfang des 12. Jahrh.), der
     sehenswerteste; er ist dem Schiwakult gewidmet, auf höchster
     Berghöhe mit prächtiger *Aussicht erbaut und um 1880
     wiederhergestellt. -- Die Felsenskulpturen an den Abhängen der
     Feste, besonders die südwestl. Gruppe in der Schlucht _Urwahi_,
     sind ebenfalls sehr sehenswert, weil einzig in ihrer Art in ganz
     Nordindien; die meisten Skulpturen, im 13. Jahrh. hergestellt (laut
     Inschrift aus den Jahren 1440, 1453, 1497 etc.), wurden unter dem
     ersten Großmogul Babar zum Teil stark beschädigt. Es sind fünf
     Gruppen.
     Das durchfahrene Gebiet gehört zu den reichsten Kulturgebieten
     Indiens; Audh, der Ostteil der »Vereinigten Provinzen«, ist schon so
     weit in Kultur genommen, daß die Wälder großenteils (außer im
     nördl. Randgebiet gegen den Himalajastaat Nepal hin) verschwunden
     sind und mit ihnen auch viele wilde Tiere, wie der Tiger. Dabei hat
     das Land, das großenteils von Natur genügend befeuchtet ist (der
     künstlich bewässerte Anteil des Kulturlandes wird, je weiter
     ostwärts, um so kleiner), schon ganz tropischen Charakter.


C. Von Agra über Cawnpore, Lucknow und Allahabad nach Benares.

     =Eisenbahn=: Agra-Cawnpore in 5-1/2 St.; Cawnpore-Lucknow in 2 St.;
     Lucknow-Allahabad in 5-1/2 St.; Allahabad-Benares in 3-1/2 St.;
     Agra-Allahabad in 9 St.

Von _Agra Fort Station_ (S. 83) mit der East Indian Railway (am besten
mit Nachtzug, der etwa 3/4-12 Uhr abfährt) über die prächtige
Jumna-Brücke mit 16 Bogen nach (15 M) _Tundla_; dort meist umsteigen in
den von Delhi kommenden Zug, dann östl. weiter über _Ferozabad_ nach (72
M) Stat. =Etawah=, _Itawah_ (Bahnwirtschaft mit Gastzimmer; _Dâk
Bungalow_, 1 km vom Bahnhof), Stadt mit 40000 Einw. in malerischer Lage
zwischen Schluchten und Abhängen am Nordufer der Jumna, mit schöner
Hauptmoschee; *Aussicht vom teilweise zerstörten Fort auf dem Hügel über
der Stadt; unterhalb vom *_Fort Bathing Gats_ am Flußufer. -- Die Bahn
erreicht im weitern Verlaufe das rechte Gangesufer bei

(158 M, 254 km) Stat. =Cawnpore=, _Khanpur_ (Bahnwirtsch., gut; _Civil
and Military Hotel_, gut; _Empress Hotel_, Pens. 7-9 Rup.; _Victoria
Hotel_; die _Bank of Bengal_ und die _National Bank of India Ltd._ sind
Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen
Bank; _Droschken_ nach Tarif), Knotenpunkt von fünf Bahnlinien und an
der untern Einmündungsstelle des östl. Gangeskanals in den Ganges
gelegen, mit enger, schmutziger Eingebornenstadt von 197170 Einw. (1/4
Mohammedaner), wo auf den Basaren gute Früchte, Leder- und
Juwelierarbeiten feilgehalten werden und interessantes Leben und Treiben
herrscht. Die Stadt ist ohne andre Sehenswürdigkeiten als solche, die an
den Aufstand erinnern; in Cawnpore ließ Nana-Sahib im Mai und Juni 1857:
446 englische Soldaten, Frauen und Kinder hinmorden, wofür die Engländer
im November weit blutigere Rache nahmen. Wo General Wheeler sich gegen
Nana-Sahib verschanzt hatte, steht die _Memorial Church_; etwa 3 km
nördl. liegt nahe dem Gangesufer der _Memorial Garden_ mit
_Gedächtnisbrunnen_, in dessen Mitte ein Friedensengel (von Marochetti)
aus Marmor.

     =Seitentour.= Von Cawnpore mit der Indian Midland Railway oder mit
     einer Zweiglinie der Oudh and Rohilkhand Railway über die
     Ganges-Eisenbahnbrücke durch die reichbebaute Ebene von Audh nach
     (44 M, 71 km) Stat. =Lucknow= oder =Lakhnau= (122 m;
     Bahnwirtschaft; _Wutzler's Royal Hotel_ [Bes. Deutscher], eins der
     besten in Indien, 2-1/4 km vom Bahnhof; _Savoy and Imperial Hotel_,
     Abbott Road, Pens. 7 Rup.; _Civil and Military Hotel_; _Prince of
     Wales Hotel_; mehrere Klubs; _Bank of Bengal_, Korr. der Berliner
     Disconto-Gesellschaft; _Droschken_ nach Tarif), Knotenpunkt von 6
     Bahnlinien, Stadt mit 264049 Einw. (1/3 Mohammedaner), am _Gumti_,
     einem schiffbaren l. Nebenflusse des Ganges; großstädtisches Leben,
     aber weniger sehenswert als Delhi und Agra. Auch die großen
     Prachtbauten von Lucknow sind architektonisch dürftig; von
     Engländern ebenso wie Cawnpore nur wegen der Ruinen und
     Gedächtnisstellen aus der Aufstandszeit (es wurden hier 2000
     Engländer getötet) besucht. -- _=Rundfahrt=_: Nw. von der
     _Residency_, den Regierungsgebäuden, liegt im _Machhi Bhawan Fort_
     die interessante große Halle _Great Imambarah_ in altem Palast,
     jetzt Zeughaus; man gelangt dann über die _Iron Bridge_ zum
     Lichttempel _Hussainabad_, der nur von außen sehenswert ist. In der
     Nähe der interessante _Kaisar Bagh_ (Kaisergarten mit Palästen). In
     der Stadt sind die Basare, besonders der _Nakhkhas_ oder
     Vogelbasar, sehenswert. Filigran- und Goldschmiedearbeiten,
     Pfeifenmacher, Tonfiguren. Auch die Elefantenställe der Regierung
     sind sehenswert sowie das Museum (bis 3-1/2 Uhr offen; Fr.
     geschlossen) mit buddhistischen Reliquien aus Muttra (S. 83) etc.,
     und viele schöne Gärten.

Von _Cawnpore_ weiter mit der »East Indian Railway« sö. nach
(277 M, 445 km) =Allahabad= (61 m; _Kellner's Rooms_, am Bahnhof, mit
guter Schlafgelegenheit, Chota-hazri im Zimmer, andre Mahlzeiten in der
Bahnwirtsch.; _Laurie's Great Northern Hotel_, Pens. 6 Rup.; _Central
Hotel_; _Bank of Bengal_, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft;
_Droschken_ nach Tarif; die Zeitung »_Pioneer_« ist eine der wichtigsten
in Indien, »_Pioneer Mail_« Wochenausgabe für Europa). Besuch von
Allahabad ist nur bei reichlicher Zeit zu empfehlen; Benares, Agra und
Delhi bieten weit mehr indische Kulturbilder.

     =Geschichtliches.= Allahabad kommt um 250 v. Chr. unter dem Namen
     _Prayâga_ (»Opferstätte«) vor. Akbar baute 1572 hier sein Fort
     _Ilâhabâs_, das Schah Jahan I. (1632-56) dann Allahabad (»Stadt
     Gottes«) nannte. Die Stadt gehörte zum Reiche des Großmoguls, bis
     sie 1753 durch den Wesir Safter Jang von Audh erobert ward. Aber
     schon 1765 wurde sie von den Briten besetzt und dem Großmogul Schah
     Alam zur Residenz angewiesen. Nachdem dieser 1771 Allahabad
     verlassen hatte, überließen es die Engländer durch den Vertrag vom
     Jahre 1773 dem Naib von Audh, der es endlich an die Ostindische
     Kompanie abtrat.

Die Stadt _Allahabad_, Hauptstadt der Nordwestprovinzen, mit 172032
Einw. (etwa 2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, 6000 Christen), liegt auf der
Landzunge an der Mündung der Jumna in den Ganges, an deren Spitze das
große, von Akbar erbaute, von den Briten umgestaltete _Fort_ liegt
(Besichtigung nur mit Erlaubnis der Militärbehörde; längere Wagenfahrt
dazu erforderlich); es umschließt Kasernen, Pulvermagazin, Arsenal für
30000 Mann, die berühmte Säule des _Asoka_ (240 v. Chr.), einen
unterirdischen Tempel mit dem ewigen Feigen- oder Banyanbaum. Allahabad
besteht aus dem engen Eingebornenviertel mit ärmlichen Lehmhütten neben
prächtigen Palästen und dem schönen, gartenreichen europäischen Viertel.
Hervorragende Bauten hat die Stadt wenige, z. B. den Palast des
Gouverneurs, Kasernen, Verwaltungs- und Gerichtsgebäude, die Große
Moschee, das Serail von Khusru zur unentgeltlichen Aufnahme von
Reisenden, den _Khusru Bagh_ (mit malerischem, hohem Festungstor, durch
das man in die gepflegten Gärten mit drei Mausoleen gelangt),
katholische und anglikanische Kirche, Bibliothek und Museum, Stadthaus,
das Muir Central College, das große Zentralgefängnis zu Náini. Allahabad
ist berühmter Wallfahrtsort, wo sich, um im Ganges zu baden, im Dezember
und Januar 250000, alle 12 Jahre aber eine Million Pilger versammeln.
Dann wird hier die _Magh Mela_, eine religiöse uralte Messe, abgehalten.

Mit der Bahn über (363 M) _Mughalo Sarai Junction Station_ (Speiseraum
im Bahnhof), hier umsteigen! Dann über die fast 1,5 km lange Stahlbrücke
über den Ganges nach (373 M, 560 km) _Benares_ (82 m).


Benares.

Vgl. den Plan S. 91.


     =Ankunft= auf _Cantonment Station_ der Oudh and Rohilkhand Railway;
     auch direkt von _Lucknow_ (S. 88) über (88 M) _Fyzabad_ und (118 M)
     _Jampur_ nach (199 M, 320 km) _Benares_; letztere Strecke ist etwa
     88 km kürzer.

     =Gasthöfe= (beide liegen 4,5 km landeinwärts vom Ganges und von der
     Eingebornenstadt): _Clark's Hotel_, 25 Z., Pens. von 7 Rup. an,
     gelobt; _Hôtel de Paris_, 60 Z., gelobt; beide Hotels mit
     Garten.--=Bank=: _Bank of Bengal_, Korresp. der Berliner
     Disconto-Gesellschaft. --=Führer= zum Besuch der Eingebornenstadt
     und Basare sind unentbehrlich wegen der engen, wirren
     Straßen.--=Wagen= besorgt das Hotel, Zweispänner 8 Rup. für 1, 4
     Rup. für 1/2 Tag; _Droschken_ nach Tarif; empfohlenen Fremden
     stellt zuweilen der Maharadschah von Vijayanagrum seinen
     Staatswagen.--=Kuriositäten=: Seidenstickereien, Schals,
     Messinggefäße, indische Nippsachen, Malereien, Goldschmiedearbeiten
     in den Basaren der Eingebornenstadt.

     =Geschichtliches.= Benares war schon im 6. Jahrh. v. Chr. der
     Mittelpunkt der Religion des Buddha, der hier zuerst »das Rad
     seiner Lehre drehte«, was durch eine riesige Stûpa
     (Reliquienbehälter) 5 km nördl. von Benares der Nachwelt
     überliefert wurde. Später, nach dem Untergang des indischen
     Buddhismus, war es einer der Hauptsitze des Brahmanismus und wurde
     dann nach seiner Einnahme durch die Mogulkaiser (1194) 600 Jahre
     lang von Mohammedanern beherrscht. Diese vermochten den
     Brahmanismus nicht ganz zu unterdrücken, der sich seit dem 18.
     Jahrhundert, nach dem Sturz der Herrschaft der Großmoguln, rasch
     von neuem erhob und heute in Benares wieder eine der
     Hauptpflegestätten brahmanischer Philosophie verehrt. So ist
     Benares durch die Mannigfaltigkeit der in seinen Mauern gepflegten
     Religionen wie seiner Denkmäler religiöser Baukunst eine der
     merkwürdigsten Städte der Erde geworden: Buddhismus, Brahmanismus
     und Islam haben ihre Andachtsstätten hier errichtet, Brahmanismus
     (Hindu-Religion) und Islam blühen noch heute, dazu der Schiwa-Kult,
     der in ziemlich starkem Gegensatze zum Brahmanismus steht, da seine
     Anhänger (die Lingaiten, nach dem Symbol des Schiwa, dem Lingam,
     genannt) die Vorrechte der Brahmanen verwerfen, und schließlich die
     Sekte der Dschain, die ebenso alt wie der Buddhismus ist und diesem
     in mancher Hinsicht ähnelt.

     =Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vor Sonnenaufgang Stromfahrt auf dem
     Ganges vom Dasaswamedh Ghat aufwärts mit Besichtigung der
     Leichenverbrennungsstätte Manikarnika Ghat, der Aurangzeb-Moschee
     und des nur vom Boot aus besuchbaren Nepalese-Tempels (Boot für 2
     St. 3 Rup.--Frühstück mitnehmen). Nach Frühstück mit Boot zum
     Affentempel, Goldenen Tempel, kleine Aurangzeb-Moschee, andere
     Tempel, den _Brass Market_ (Messingarbeiten sind Spezialität von
     Benares). Dann Lunch im Hotel; nachher Fahrt nach Sarnath
     (Museum).--2. Tag: Droschkenfahrt zum Kuhtempel Annapurna, dann
     verschiedene Tempel, Brunnen des Wissens, Anand-Bagh-Garten, Annie
     Besant's Hindu College (theosophische Gesellschaft), Basare in der
     Eingebornenstadt.--Nm. Fahrt nach Belipur, Spazierfahrt im
     englischen Viertel.

[Illustration: Plan von Benares.]

_Benares_ (82 m), _Banaras_, _Warânasi_ (»im Besitz des besten Wassers«,
früher auch _Kasi_ genannt), Bezirkshauptstadt mit 209331 Einw.
(vorwiegend Hindu), ist seit 2-1/2 Jahrtausenden Hauptsitz brahmanischer
Gelehrsamkeit und als heiligste Stadt der Hindu der besuchteste indische
Wallfahrtsort. Viele reiche Hindu haben sich hier Paläste erbaut, wo sie
ihre letzten Tage hinbringen; wer in der heiligen Stadt in der Gunst der
Brahmanen stirbt, ist sicher, unmittelbar in den Schoß der Gottheit
aufgenommen zu werden. Täglich pilgern Tausende, an Festtagen
Hunderttausende hierher, um im Ganges Gebete und Waschungen zu
verrichten oder Krüge mit dem Wasser des heiligen Stromes zu füllen, das
bis zur Südspitze Indiens getragen wird; seine Versendung ist ein
wichtiger Industriezweig. Kranke lassen sich hierhertragen, um
angesichts des heiligen Stromes zu sterben. Benares hat 1454 meist
kleine Hindutempel, 272 Moscheen, mehrere Dschaintempel, einen
buddhistischen Tempel. NB. _Eintritt in alle Tempel, außer Affentempel
und Kuhtempel, ist Europäern verboten!_ Die prächtigste Ansicht gewährt
die Stadt von dem 540-780 m breiten Ganges aus, an dessen weitem Bogen
sie sich hinzieht. Alle andern Gebäude überragt die _Moschee Aurangzebs_
mit ihren schlanken, 35 m hohen Minarets. Ein mächtiger Bau ist auch
die 1693 errichtete Sternwarte (s. unten). Zwischen Paläste und Tempel
drängen sich elende Hütten, das Innere der Stadt ist ein Gewirr enger,
schmutziger Gassen. Das saubere englische Viertel (_Sikraul_) enthält
eine Kirche, ein Hospital, Kasernen, 3 höhere Schulen, 3 englische
Missionsanstalten, eine Bank. Die durch den Fremdenverkehr geförderte
Industrie erzeugt Seidenstoffe, Schals, Gold- und Silberstickereien,
Juwelierwaren, Messinggefäße (berühmt auf dem Messingmarkt, _Brass
market_), Lackwaren. Der Handel, unterstützt durch Dampfschiffahrt auf
dem Ganges und die Bahnen, vertreibt heimischen Zucker, Indigo, Salpeter
und führt europäische Waren ein. Benares enthält eine höhere Hindu- und
eine höhere Sanskritschule, das Benaresinstitut, eine Gesellschaft meist
eingeborner Männer, und die Carmichael-Bibliothek.

     Die Stadt zeigt das indische Leben unverfälscht; _Hans Meyer_ sagt
     von Benares: »Da ist der unfaßbare Wust bizarrer Häuser und
     Häuschen. Da sind die Hunderte und aber Hunderte von wunderlichen
     Tempeln mit Kuppeln, Pagoden, Götzenfratzen, Rüsselschnörkeleien,
     mit farbigen, silbernen, kupfernen und goldenen Anhängseln und
     Bedachungen. Da sind die massiven, aus dem Strom aufsteigenden
     Paläste der einheimischen Prinzen und Radschas, da tobt und windet
     sich die endlose Menschenmenge aus dem Gewühl enger Gassen nach dem
     heiligen Fluß und zurück ... --Heilige Stiere wandeln an den
     Häuserreihen entlang und setzen die Gemüsekrämer in Schrecken,
     Affen sitzen auf den Sonnenzelten u. Dachgesimsen, schreiend,
     fressend oder spielend, unter Tamburin- und Schellenbegleitung
     werden Götzen auf Tragbahren herumgeschleppt, feierlichen Aufzügen
     begegnet man in jeder Straße.« An Festtagen ist das Menschengewühl
     beängstigend: trotz der Scheu der Hindu vor Europäern empfiehlt es
     sich, einen indischen Schutzmann (gegen guten Bakschisch) zur
     Begleitung mitzunehmen und keine Innenräume der Tempel zu betreten.

_=Rundfahrt=_ durch die _Eingebornenstadt_, 3 km vom englischen Viertel.
Man kann über _Belipur_ fahren und dort den _Palast des Maharadschah von
Vijayanagrum_ besichtigen, falls Erlaubnis erteilt wird; *Aussicht vom
Terrassendach des Palastes über den Ganges; man sieht Aurangzebs Moschee
und den Goldenen Tempel. Dicht beim Palast liegen Dschain-Tempel.--Etwa
1 km südl. vom Palast liegt der _Durga-Tempel_, der finstern Gattin
Schiwas geweiht, die täglich blutige Opfer (früher Menschen, jetzt
Ziegen) fordert, *=Affentempel= genannt, weil darin die heiligen Hum-man
(Semnopithecus entellus) zu Hunderten hausen; der Tempel aus rotem Stein
mit gelben Ornamenten ist umgeben von hohen Mauern; im Haupteingang ein
Raum mit Musikinstrumenten: Glocken, Trommeln, Tamtams u. a.; neben dem
Tempel ein schöner Wasserbehälter.-- Man fahre bis zum _Dasaswamedh
Ghat_, eine der heiligsten Pilgerstätten von Benares (»Ghât« sind die mit
Tempeln, Palästen, Pavillons und Badeplätzen eingefaßten langen
Badetreppen, die zum Gangesufer führen), wo Brahma zehn Pferde geopfert
haben soll.-- In der Nähe die =Sternwarte=, ein schöner Bau mit
seltsamen Instrumenten (darunter ein Mauerquadrant Bhittiyantra, zwei
große Steinkreise, zwei Samrat Yantra zur Bestimmung der Polhöhe, ein
Chakrayantra zur Bestimmung der Deklination, ein Digamsayantra zur
Azimutbestimmung).--Auf dem Wege zum Dasaswamedh Ghat liegt der Tempel
des Regengottes _Dalbhyeswar_, dessen Abbild in einen Wasserbehälter
versenkt wird, solange der Gott seine Pflicht versäumt; seine Gefährtin
_Sitala_ heilt die Blattern.--Am bequemsten steigt man vom Dasaswamedh
Ghat in ein Boot (flacher Prahm mit Stühlen, von etwa sechs Mann
gerudert) und läßt sich zunächst eine Strecke stromauf rudern, um die
etwa zwei Dutzend Ghats oberhalb von Dasaswamedh Ghat vom Strom aus zu
betrachten; unter ihnen gehört das _Asi Ghat_ (das äußerste
stromaufwärts, 1. von oben) ebenfalls zu einer der fünf heiligsten
Pilgerstätten in Benares. Eins der schönsten und besuchtesten ist das
_Shivala Ghat_ (6. von oben); viele _Yogin_ (Dschogin), d. h.
brahmanische Büßer (meist mit den Fakiren, den indisch-mohammedanischen
Büßern verwechselt), sieht man auf den Badetreppen, deren Bußübungen
schon in den Sanskritwerken beschrieben und angeordnet sind. Beim
_Machan Ghat_ (9. von oben) ist eine Leichenverbrennungsstätte, die aber
weniger berühmt als die unten beschriebene beim Manikarnika Ghat
ist.--Beim _Kedar Ghat_ (11. von oben) liegt der _Kedarnath-Tempel_ mit
vielen Heiligtümern, dem Brunnen _Gauri Kund_ und dem
_Mansarovar_-Wasserbehälter, umgeben von 60 Heiligenschreinen. Beim
_Chauki Ghat_ (12. von oben) werden unter einem Pippalbaum Schlangen
verehrt; viele Schlangenbilder ringsum.--Die Stufen des (13. von oben)
_Chatr Ghat_ oder _Rajah Ghat_ führen zu einem großen Rasthause für
Fremde, vom _Rajah Amrita Rao_ erbaut.--Beim _Komeshwar Ghat_ (14. von
oben) steht der _Mondtempel_, der jede Krankheit heilt. Eine der
ältesten Badetreppen ist _Chausathi Ghat_ (20. von oben); die
malerischste ist das _Munshi Ghat_ (22. von oben) mit schönem Bau am
obern Ende. _Dasaswamedh Ghat_ (s. oben) ist das 25. von oben,
stromabwärts daneben liegt _Man Nandat Ghat_. Wenn Zeit, oder bei
zweiter Fahrt fahre man stromabwärts längs der untern Hälfte der Ghats
bis zur Schiffbrücke.

     [Hand]_=Zur Beachtung=_: Unmittelbar vor Sonnenaufgang ist die
     Stromfahrt am lohnendsten, weil dann das Baden und Beten der Büßer
     und Pilger am lebhaftesten ist, während Vm. die Ghats von Händlern
     mit Blumen, Obst, Futter (für die heiligen Kühe) etc. besetzt sind.
     Bei Sonnenaufgang steigen zahllose Brahmanenpriester ins Wasser,
     dann folgen die Pilger und daran schließen sich Andachten vor den
     Priestern an; alles feierlich und schön, auch das züchtige Baden
     der Hindumädchen.

Beim _Bachhraj Ghat_ (27. von oben) ist ein _Shivala-Götzenbild_,
daneben ein Hundebild; ein Brahmane mit Pfauenwedel beschützt durch
sein Wedeln die Besucher vor bösen Geistern und fordert dafür
Opfergeld. In der Nähe werden täglich Hunde gefüttert, an Festtagen
mit Butterkuchen und Zucker. Vom _Mir Ghat_ (28. von oben) aus kann
man nur zu Boot den _Nepalese-Tempel_ besuchen; malerisch, aber mit
sehr derb-naturalistischen Schnitzereien; viel von Frauen besucht,
um Nachkommenschaft zu erbitten. Hinter dem Tempel eine sehenswerte
Ringkämpferschule.--Zwischen _Lalita Ghat_ und _Jal Sain Ghat_ (31.
von oben) liegt der berühmte =Goldene Tempel=, dem _Bisheshwar_
(Bisheshwar = Herr der Welt) geweiht, einer der ältesten und
wichtigsten Tempel für den Lingam-(= Phallus-)Kult zur Ehre Schiwas,
dessen Kuppeln mit dünnem Goldblech gedeckt sind, der aber leider
in Gassen und Mauern eingebaut ist. Gegenüber dem Eingang verkauft
ein Priester Opferblumen; man gebe Bakschisch, wenn er Blumen oder
andres als Geschenk überreicht. Der Bisheshwar-Tempel gilt als der
heiligste Hindutempel in Indien, weil er an der Stelle steht, wo
das Gangeswasser am heiligsten ist.--Neben dem goldenen Turme des
Bisheshwar-Tempels steht der rote, kegelspitze _Mahadeo-Tempel_,
umgeben von zahlreichen kleinen Spitzkuppeln, _Sikras_ oder _Vimanas_
genannt, wie sie bei Hindutempeln häufig sind. Zwischen beiden Tempeln
hängen neun prächtige Glocken an steinernem Rahmenwerk. Im Hofe auf
einer Plattform stehen aufrechte, ziemlich formlose Steinklötze
(Lingam), uralte Gegenstände der Anbetung. --Im Viereck zwischen dem
Goldenen Tempel und der schönen *=Aurangzeb-Moschee= (*Aussicht von
den Minarets, eine steile Mitteltreppe führt bis zum Dache) liegt
auch die kleine _Aurangzeb-Moschee_ und der *_Brunnen des Wissens_,
_Gyan Kup_, in dem Schiwa sitzen soll; ein Götzenbild soll von einem
Priester hineingeworfen sein, daher riesiger Pilgerzustrom zu dem
stinkigen Wasser; man hüte sich, in das Gedränge von Pilgern, Frauen
und Kühen auf der Plattform des Brunnens zu kommen. Interessante
Pilgerbräuche sind beim Brunnen zu beobachten. Der Blick in den
Brunnen ist nur Hindu erlaubt, und nur barfuß.-- Dicht außerhalb
des Goldenen Tempels ist der _Sanichar-Schrein_ und einige Schritte
weiter der Tempel der Nahrung spendenden Göttin _Annapurna_, bei dem
sich viele lästige Bettler aufhalten; je ein Schrein des Tempels ist
der Sonne, dem Elefanten- und Glücksgotte Ganesh, dem Gauri Shankar
und dem Affengotte Hanuman geweiht. --Zwischen diesem Tempel und dem
Weissagungstempel, _Sakhi Vinayak_, ist ein seltsames rotes Standbild
von Ganesh mit silbernen Händen und Rüssel auf einer Plattform.--Eins
der fünf größten Heiligtümer von Benares, von Hindupilgern stets
besucht (am stärksten im November), ist das *=Manikarnika Ghat= (33.
von oben); über seiner Treppenflucht steht der _Manikarnika-Brunnen_,
voll fauliger Blumenopfer zum Himmel stinkend, aber von Millionen
Pilgern jährlich besucht.--Daneben steht der _Tarkeshwara-Tempel_
und an dessen Wasserseite die größte _Leichenverbrennungsstätte von
Benares_ (Anblick und Geruch für schwache Nerven nicht zu empfehlen!),
wo ohne Feierlichkeit die Leichen zunächst ans Ufer mit den Füßen ins
Wasser gelegt werden, dann von den Angehörigen der (oft nur kleine)
Scheiterhaufen errichtet wird.

     Sechs Mann der untersten Kaste (Domra, die aber reich werden wegen
     ihres Monopols des Scheiterhaufenansteckens, wofür sie bis 1000
     Rup. Abgabe erhalten) heben auf Bambusstangen den Toten aus dem
     Fluß, einer flößt ihm den letzten Trunk Gangeswasser ein, dann wird
     er auf den Scheiterhaufen gelegt und dieser angezündet. Während das
     Feuer brennt, werden die Körperteile nach Bedarf mit Bambusstangen
     ins Feuer gestoßen; schließlich wird die Asche, oft auch nur
     halbverkohlte Stücke, in den Fluß geworfen. Totenkult kennt der
     Brahmane nicht, die Leiche ist ihm nur unreiner Stoff, der zur
     Läuterung der Seele von den Elementen vernichtet werden muß. Trotz
     der Leichenwäsche baden und trinken die Hindu unmittelbar
     stromabwärts davon im Fluß, weil die Stelle als besonders heilig
     gilt.

Weiter stromabwärts liegt das allmählich sinkende _Sindhia's Ghat_ (34.
von oben); groß und schön ist _Ghosla Ghat_ (37. von oben).-- Oberhalb
_Panchganga Ghat_ (39. von oben) erhebt sich die stolze
_Aurangzeb-Moschee_ (S. 94), mit zwei Minarets.--Viele heilige Kühe
benutzen das _Gai Ghat_ (42. von oben), wo auch ein steinernes
Kuhstandbild steht.--Nebenan das _Trilochana Ghat_ soll zwischen seinen
Türmchen besonders heiliges Wasser haben.--Das unterste (47.) ist das
_Raj Ghat_, neben der Schiffbrücke.--Von da kann man zu Wagen noch den
_Palast Nandeshwar Kothi_ des Maharadschah von Benares (mit hübschem
Garten) auf der Rückfahrt durch Grand Trunk Road sehen (historisch
merkwürdig).

     Vom Affentempel (S. 92) fahre man, falls Zeit genug, in den
     =Anand-Bagh-Garten=, wo im 19. Jahrh. der Heilige von Benares,
     _Swami Saraswati_, lebte, dessen Schüler, gelehrte Panditen, die zu
     seinen Ehren errichtete _Sanskritschule_ leiten.--Das =Hindu
     College=, wo Frau Annie Besant ihre Theosophie unter jungen
     Hindu-Mystikern verbreitete, ist des Besuchs wert; es ist in einem
     Palast des Maharadschah von Benares.--Auch das christliche
     _Missionswaisenhaus_ (von einer Deutschen geleitet) wird manchem
     sehenswert sein.

     =Ausflüge=: 1) Nach =Sarnath=, 6,5 km nördl. von Benares, der
     Stätte, wo die alte Stadt Benares stand und Buddha lehrte; der Weg
     führt über die Barnabrücke und längs der Ghazipur Road bis zum 3.
     Meilenstein, dann l.; bald kommen zwei Türme, einer auf einem
     Hügel, in Sicht. Ein Turm (39 m hoch) liegt in einem frühern
     Wildpark, wo Buddha mit seinen fünf Jüngern im Beginn seiner
     Lehrtätigkeit lebte und später (im 11. Jahrh.) ein großes
     buddhistisches Kloster stand; er ist von Asoka als _Tope_ oder
     _Dhamek Stûpa_ erbaut und enthält im Innern Buddhabilder und
     Reliquien; er gilt als besterhaltener Tope in Bengalen. Nicht weit
     davon ein zweiter Turm (33 m hoch), ebenfalls eine ehemalige
     Stûpa.--Westl. von Dhamek Stûpa liegt ein Dschaintempel, bei dessen
     Ostende der Torso eines Buddhagötzen; in der Nähe ein Brunnen,
     _Ranis Bad_. In Sarnath finden jetzt Ausgrabungen statt, ein
     archäologisches _Museum_ ist im Entstehen. --2) Nach =Ramnagar=
     (dazu vorher Erlaubnis beim Sekretär des Maharadschah einholen) am
     Gangesufer; beim Ramnagar Ghat Überfahrt über den Strom; vom Palast
     *Blick auf Benares. Ein Wasserbehälter liegt 2 km nö. vom Palast,
     daneben ein Tempel.


D. Eisenbahn von Benares nach Calcutta.

     487 M (784 km) =East Indian Railway= von _Benares_ bis _Calcutta_
     Schnellzug in 14-1/2 St. für I. Kl. etwa 36, II. Kl. 18 Rup.--Die
     Fahrt geht durch die regenreichen, echt tropischen, äußerst
     fruchtbaren (vor allem Reis-, Mohn-, Indigo- und Jute-Anbau) und
     dicht besiedelten, aber auch cholera- und fiebergefährlichen Ebenen
     _Bengalens_ bis an den Westrand des ausgedehnten Gangesdeltas.

Von _Benares_, Cantonment Stat., über die prächtige, fast 1,5 km lange
stählerne Brücke nach (10 M) _Mughal Sarai_ (Bahnwirtschaft; man
erkundige sich, ob Umsteigen nötig); von da nach (149 M) =Bankipur= (52
m; _Bahnwirtschaft_; guter _Dâk Bungalow_, nahe Bahnhof), am rechten
Gangesufer, mit dem Grab Schah Arganis (wo bei dem Maharremfest 100000
Menschen zusammenströmen); es ist westliche Vorstadt und Sitz der
Behörden der großen Handelsstadt =Patna= (53 m; _Dâk Bungalow_) mit
136470 Einw.; Patna hat neun Geschäftsviertel mit vielen Basaren; Handel
mit Opium, Indigo, Töpfer- und Baumwollwaren. _Bank of Bengal_, Korresp.
der Berliner Disconto-Gesellschaft in Bankipur. Patna war 450 v. Chr.
die wichtigste Stadt Indiens, jetzt schmutzig und eng, ohne
Sehenswürdigkeiten.

     =Seitentour= nach *=Buddh Gaya=. Mit der Patna Gaya Railway von
     _Bankipur_ südl. nach (57 M, 92 km) Stat. =Gaya= (_Dâk Bungalow_,
     fast 2 km vom Bahnhof, Wagen 2-1/2 Rup. für 1/2 Tag), Stadt mit
     71288 Einw.; 5 km östl. vom Bahnhof liegt ein Hindutempel und 2,5
     km von diesem der Tempel _Bishn Pad_ (Wischnus Fußtritt) in der
     alten Stadt. Hauptziel für Buddhaforscher und Archäologen ist der
     =Tempel von Buddh Gaya= (11 km südl. von der Stadt Gaya), eine
     neunstöckige Pagode (nahebei ein Dâk Bungalow. Betten, Essen und
     Sodawasser mitbringen!); er ist 543 v. Chr. erbaut und ist als
     Wiege des Buddhismus die heiligste Stätte für einen großen Teil der
     Menschheit; von Pilgern viel besucht. Der Tempel ist voll von
     Überlieferungen aus dem Leben Buddhas. Man fährt in 2 St. bis vor
     den Tempel, meist durch schattige Straße; zur Besichtigung etwa
     1-1/2 St. erforderlich. Asoka umgab den Tempel mit prächtiger
     Pfeilermauer (älteste indische Skulpturen: Kentauren,
     Lotosornamentik, Seejungfrauen, märchenhafte Krokodile mit
     Elefantenohren, Pferdekopfmenschen). Hinter dem Tempel auf einer
     Plattform der heilige _Bo-_ oder _Pippalbaum_ (_Ficus religiosa_).
     In der Nähe der Palast eines Maharadschah, wo Fremde um 4 Uhr
     empfangen werden.--Nw. ein kleiner, sehr alter Tempel mit stehendem
     Buddhastandbild.

Von Bankipur sö. weiter nach (305 M, 490 km) Stat. _Madhupur_.

     Ausflüge von hier ins _Parasnath-Gebirge_ auf tempelreicher
     Pilgerstraße bis 1365 m ü. M. in malerischer Landschaft mit vielen
     Aussichtspunkten; Eisenbahn (24 M, 39 km) bis _Giridh_, dann guter
     Fahrweg 29 km bis zum Fuß der Berge; Träger zum Aufstieg (2-3/4
     St.) sind in _Madhuban_ zu haben.

Dann über (366 M) Stat. _Raniganj_, am Ostende der großen Kohlenfelder
von Bengalen (viele Fossilien, besonders Farren, ähnlich denen in den
australischen und englischen Kohlenflözen, sind dort gefunden). --Bei
(463 M) _Hooghly Junction Station_ überschreitet die Eastern Bengal
Railway auf schöner Brücke den Hooghly-Fluß, während unsre East Indian
Railway auf dem rechten Ufer bleibt und über (466 M) _Chandernagore_ (S.
139) und _Serampore_ die Endstation (487 M, 784 km) =Calcutta=, _Howrah
Terminus_ (S. 135), erreicht.



4. Von Bombay nach Madras.

Vgl. die Karte S. 96.


     =Eisenbahn= von Bombay nach (793 M, 1278 km) Madras: Great Indian
     Peninsula Railway und Madras and Southern Mahratta Railway nächster
     Weg; Schnellzüge (mail trains) mit durchgehenden Wagen I. und II.
     Kl. in 32 St. für I. Kl. etwa 59, II. Kl. 29-1/2 Rup.

     Die Bahnstrecke führt in sö. Richtung quer durch das südl.
     _Dekhan_, dessen Aufbau man gut verfolgen kann: die schmale westl.
     Küstenebene, den hohen gebirgsartigen Westrand, das langsam gegen
     O. sich senkende Hochland, das keinen eigentlichen Gebirgscharakter
     trägt, und den im Verhältnis zu den Westghats niedrigen Ostrand,
     dem aber eine breite Küstenebene vorgelagert ist.--Der Einfluß der
     wechselnden Niederschlagshöhen macht sich in der Vegetation
     geltend, die am üppigsten an den feuchten Westghats, auf dem
     Hochland aber streckenweise beinahe steppenartig ist.

Von _Bombay_ (S. 53), Victoria Stat., bis (34 M) _Kalyan_ s. S. 61; hier
zweigt die Madraslinie sö. ab, erreicht (54 M) _Neral_ (gute
Bahnwirtschaft mit Bädern etc.).

     =Kleinbahn= von Neral in 2 St. nach (13 M) *=Matheran= (Gasthöfe:
     _Rugby Hotel_, in freier Lage; _Gymkhana Hotel_, mit schöner
     Aussicht; _Granville Hotel_; Reitpferde zu haben), 800-1100 m ü.
     M.; sehr lohnender und beliebter Ausflug von Bombay, vgl. S. 63 (im
     Sommer Sa. bis Mo. stark besucht), bewaldetes Hochland mit
     prachtvollen Ausblicken auf wilde Felspartien, in die Ebene und
     bis zum Meer. Schönste Punkte: *_Panorama Point_ im N., *_Chaux
     Point_ im S.; außerdem lohnend zu besuchen: _Louisa Point_ und
     _Alexandra Point._

Nun steigt die Bahn nach Maschinenwechsel bei (62 M) _Karjat_ das _Bore
Ghat_ (550 m; Wasserscheide) steil (1:42 bis 1:37) hinauf durch schöne
Gebirgslandschaft (bei Tage fahren!). Bei 410 m ü. M. hält der Zug, um
die Maschine ans andre Ende zu setzen, und erreicht dann (78 M) Stat.
=Khandala= (550 m; _Dâk Bungalow_ am Rande der Schlucht; _Glendale
Hotel_, gut; _Khandala Hotel_; _Convalescent Hospital_ der All
Saints-Schwestern), schöne Sommerfrische (Wasserfall von 90 m Höhe, sehr
schön in der Regenzeit) der reichen Bewohner Bombays. Nahebei liegt (80
M) =Lonauli= (_Lanauli_ oder _Lonavla_; Bahnwirtschaft; zwei Gasthöfe 5
Min. vom Bahnhof), der Platz, von wo man nach dem Höhlentempel von Karli
in Tonga fährt.

     Der *=Höhlentempel (Karli Cave)=, einer der größten und
     besterhaltenen Indiens, ist in eine fast senkrechte, über 250 m
     hohe Felswand 38 m tief hineingearbeitet; er liegt etwa 3,5 km nw.
     vom Dâk Bungalow und 11 km vom Bahnhof Karli (ebenso weit vom
     Bahnhof Lonauli). Der Bau erinnert sehr an frühchristliche Kirchen
     mit Chor etc.; er ist wahrscheinlich um 200 v. Chr. errichtet und
     künstlerisch ausgeschmückt.-- 5 km südl. vom Karli-Bahnhof liegen
     die alten Hügelfestungen _Lohogarh_ und _Visapur_.--Andre sehr alte
     Höhlentempel liegen 3 km südl. von Karli in _Bhaja_ und in _Bedsa_,
     9 km östl. von Bhaja.

Von Lonauli mit der Hauptbahnlinie über (85 M) Karli (Dâk Bungalow)
durch malerische Landschaft mit blühenden Dörfern.-- (119 M) =Poona=,
Puna (554 m; _Connaught Hotel_, bestes; _Royal Family Hotel_; _Napier
Hotel_ und _Poona Hotel_; _Bombay Bank_; _Droschken_ nach Tarif;
_Automobile_ nach Mahabaleshwar der _West India Motor Co._, 3 Pers. 75
Rup., 6 Pers. 120 Rup.; Zeitung: »_Deccan Herald_«; Photographen:
_Metzker_, _Stewart_; europäische Geschäfte; _Western India Club_ u.
a.), ein Hauptsitz der Brahmanenkaste, mit Angehörigen über ein Drittel
der einheimischen Bevölkerung), alte Mahrattenhauptstadt, jetzt Residenz
des Gouverneurs von Bombay während der Regenzeit und das größte
Militärkantonnement für die Bombay-Armee, seitdem die Pest in Bombay
herrscht (ist aber auch nicht pestfrei), hat 157666 Einw., berühmte
Gold- und Silberarbeiten; auch Fächer und Tonfiguren sind zu kaufen.

     =Ausflüge=: 1) Mit Wagen (sehr anstrengend) nach (24 km sw.)
     =Sinhgarh=, einer berühmten Hügelfeste in schöner Landschaft.--2)
     Nach *=Mahabaleshwar=. Mit Auto (s. unter Poona) oder der »Southern
     Mahratta Railway«, die bei Poona abzweigt, bis (109 km) Stat.
     _Wathar_ (Bahnwirtsch., Mittagessen vorausbestellen!); von da mit
     vorausbestelltem Wagen (beim Postagenten in Mahabaleshwar für 20-30
     Rup.) in 5 St., schöner, doch sehr anstrengender Bergweg; durch (29
     km) _Wai_ (guter Dâk Bungalow), schönes Landstädtchen mit riesigem
     Banyanbaum in 13 km Entfernung am Fuße des Hügels Wairatgarh (der
     30 Ar Schatten wirft); dann ins Gebirge steigend durch das große,
     von Europäern viel bewohnte Dorf _Panchganni_ nach (64 km)
     *=Mahabaleshwar= (1438 m; _Race View Hotel_, Pens. 7 Rup.;
     _Fountain Hotel_, ebenso, beide gut, *Aussicht; _Mahabaleshwar
     Hotel_; _Ripon Hotel;_ Klub mit Schlafgelegenheit; Postagent [Mail
     Contractor] _Ardeshir Framjee_, in Poona Civil Lines), eine gesunde
     und regenreiche Sommerfrische; in der Nähe die _Yena-Wasserfälle_
     und die *Aussichtspunkte _Lodwick Point_ und _Elphinstone Point_.
     An letzterm stürzt der Felsen etwa 600 m sehr steil zum Tiefland
     ab. Prachtvoller Ausblick  gegen Sonnenuntergang auf die wilde
     Felslandschaft und das Meer.

     Ausflug von Mahabaleshwar nach _Pratabgarh_; hübsche Fahrt 10 km
     zum Fuß des Felsenhügels, dann steiler und schwieriger Aufstieg zu
     der malerischen Burg des Mahrattenkönigs Shivaji; _Pratabgarh_ ist
     um 1656 erbaut.

Von Poona führt die Eisenbahn weiter durch bergige Gegend über (283 M)
Stat. =Sholapur= (483 m; _Dâk Bungalow_), Stadt mit 55212 Einw., nach
(292 M) _Hotgi Junction Station_.

     =Seitentour= mit der »Southern Mahratta Railway« nach (59 M, 95 km)
     Stat. *=Bijapur=, _Vidjajapura_ im Sanskrit = Siegesstadt (510 m;
     _Dâk Bungalow_, in der Stadt; _Bahnwirtsch._; Tongas 2 Rup. für 1
     Tag), Distriktshauptort mit 17000 Einw. Bijapur, eine uralte
     Siedelung, gelangte erst unter den Fürsten der Adil Shahi-Dynastie
     (1489-1686) zu hoher Blüte als Millionenhauptstadt, die in ihren
     hohen Steinmauern einst 1600 Moscheen und viele prächtige Paläste
     einschloß; begründet 1489 vom Adil Shah Jusaf Khan, verlor sie die
     Selbständigkeit durch den Mogulkaiser Aurangzeb. Sehenswert der
     runde _Dom Gol Gumbaz_ dicht beim Bahnhof (innerhalb der
     Stadtmauer; seine Grundfläche ist größer als die des Pantheon in
     Rom); die _Hauptmoschee Jama Masjid_; ferner das Schloß _Gagan
     Mahal_ und das Mausoleum (_Ibrahim Roza_) von Ibrahim II. Adil Shah
     nebst Königin Taj Sultana, ein großes Fort mit 109 Türmen innerhalb
     der Ringmauer, u. a. Die Umgebung der Stadt ist sehenswert.

Hinter Hotgi tritt die Bahn in das Gebiet des größten Vasallenstaats
des britisch-indischen Kaiserreichs, in das Reich des Nizam von
_Hyderabad_ (11-1/2 Mill. Einw., 82000 engl. QM.; die Dynastie
regiert seit 1740), und führt durch gutbewässerte Ebenen über die
Stadt (353 M) _Gulbarga_ (Dâk Bungalow) nach (376 M) _Wadi Junction
Station_ (427 m; Bahnwirtsch.); Umsteigen in die »Nizam's State
Railway« und über (420 M) Stat. _Tandur_ (Bahnwirtsch.) nach (491
M) =Hyderabad=, _Haidarabad_ (620 m; _Bahnwirtsch._; _Montgomery
Hotel_, gegenüber dem Bahnhof, gut, Pens. 7 Rup.; _Brind's Hotel_,
Pens. 7 Rup.; wegen Hotelwagen vorher vereinbaren; _Droschken_ nach
Secunderabad I. Kl. 1 Rup. die Stunde, 9 Rup. den Tag, II. Kl.
4-1/2 Rup. den Tag), Hauptstadt des Nizam mit 499840 Einw. sehr
verschiedener Völkerschaften (Hauptsprachen: Telugu und Mahratti,
außerdem hört man Kanaresisch, Hindustani, Hindi, Marwori, Gondi u.
a.) und dem buntesten *_Straßenleben_ von malerischstem Reiz, mit
beachtenswerten *_Basaren_ (_Bidriwork_, d. h. Silbereinlegearbeit
aus Bidri). Die Bevölkerung trägt noch Waffen. Die Stadt liegt am
Musi-Flusse zwischen Gärten und ist mit einer bastionierten Mauer
umgeben. Im Herbst 1908 wurde die Stadt durch Überschwemmung des
Flusses infolge von Dammbrüchen der oberhalb gelegenen Stauseen schwer
geschädigt. Baumwoll- und Papierfabrikation bedeutend. _Bank of Bengal_
(Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft).--_=Rundfahrt.=_
Zum Besuche der Sehenswürdigkeiten in Hyderabad und Golkonda hole man
(vor der Rundfahrt morgens im gewöhnlichen Anzug) bei der Palastwache
am Palast des Nizam einen Erlaubnisschein der Adjutantur Sr. Hoheit
des Nizam; der Besuch gilt dem Flügeladjutanten (Empfehlungen sind
wertvoll); gewöhnlich schickt der Adjutant den Paß durch einen
Soldaten; man kann auch durch die Hotels Erlaubnisscheine auswirken.
Die englische _Residency_ liegt außerhalb der Stadtmauern in _Chadar
Ghat_; zwischen ihr und der Stadt ist eine 180 m lange Granitbrücke,
die _Oliphant Bridge_. Man kreuze den Fluß über die nächste nach W.,
die _Afzal Ganj Bridge_, dann gelangt man durch das _Afzal Ganj Gate_
in eine breite Straße, die fast durch die ganze Stadt führt. In der
Nähe des Tores liegt die _Afzal Ganj-Moschee_ mit vier Minarets neben
dem städtischen Hospital; etwa 100 m innerhalb des Tores ist der
Palast des berühmten Ministers Sir _Salar Jang Bahadur_ (gest. 1883),
der dem Lande viel genützt hat.--Weiter in der Hauptstraße trifft
man an einer Straßenkreuzung, wo jede Straße mit einem 15 m hohen
Bogen überwölbt ist, auf den _Char Minar_, eine alte Gelehrtenschule
mit vier schlanken Minarets, 1591 erbaut.--Östl. davon liegt die
_Mecca-Moschee_, groß und finster, mit vier Minarets und sechs
Bogen.--Der _Nizam's Palast_ liegt westl. vom Char Minar; er ist
modern eingerichtet und reichlich mit unzugänglichen, durch sechsfache
konzentrische Einfriedigung von der Stadt getrennten Harems versehen,
und noch reichlicher mit Dienerschaft. Man besuche den Elefantenhof,
wo meist etwa 60 Elefanten angefesselt stehen. Am 5. Muharreni (erster
Monat des mohammedanischen Jahres) findet der _Langar_, ein Umzug der
gesamten Truppen des Nizam um den Palast, statt (der Nizam und gegen
100000 Einw. der Hauptstadt sind Mohammedaner). --Sehenswerter ist
der _Felikan-Palast_ (_Falak Numa_), 1 km südl. von der Stadt, mit
reizendem Terrassengarten, auf einem Hügel mit *Aussicht; es ist ein
moderner Prunkbau zur Aufnahme fürstlicher Besucher (im Innern ein Saal
mit Lachspiegeln).--_Öffentlicher Garten_ mit kleinem Zoologischen
Garten (Fr. Abend Konzert).

10 km nördl. von Hyderabad (Bahn dahin) liegt =Secunderabad=,
_Sikanderabad_ (_Montgomery Hotel_, sehr gut, Pens. 7 Rup.; _Brind's
Parade Hotel_; _Wagen_ 10 Rup. für 1 Tag, nach Golkonda und zurück 12
Rup.), das stärkste Militärlager der Engländer im mittlern Indien,
weitläufig auf 50 qkm angelegt; mehrere Kantonnements sind in der Nähe
in _Bolaram_ und _Trimalgiri_ (mit befestigtem Rückzugslager). Hier
stehen etwa 10000 Mann englische Truppen. Der _Parade Ground_ liegt
südl. vom Bahnhof.

     =Ausflug= nach =Golkonda=, 11 km nw. von Hyderabad. (Man besorge
     sich vorher Erlaubnisschein, s. oben.) Von Secunderabad 1-1/2 St.
     Wagenfahrt durch eine Gegend voller einzelner, oft seltsam
     geformter Granitblöcke. Ein Granithügel trägt das alte
     _Königsschloß von Golkonda_, durch eine 4850 m lange Mauer mit über
     80 Basteien aus Granitblöcken und 2, früher 8 Toren, von breitem
     Graben umschlossen. Im Granittor prüft die Wache den
     Erlaubnisschein, dann führt eine steile, zum Teil zerfallene Treppe
     zwischen Ruinen von Palästen und Moscheen zum 130 m hohen Gipfel,
     auf dem der Königspalast mit flachem Dach (Aussicht) liegt.--In der
     Ebene nördl. und östl. vom Schloß liegen 18 gut erhaltene,
     granitene Mausoleen der Kutab Shahi-Dynastie mit stattlichen
     Kuppeln; eins der höchsten ist das der Sultanin _Haiyat Baksh
     Begum_ (gest. 1617). Schöner ist das Grab ihres Mannes, des Sultans
     _Muhammad Kuli Kutab Shah_ (gest. 1612).

Von Hyderabad Rückfahrt mit »Nizam's State Railway« nach (121 M) _Wadi_
(S. 98), dort umsteigen in den Madraszug der »Great Indian Peninsula
Railway«. Man fährt dann durch eine weite Ebene mit Granitblöcken über
(385 M von Bombay) _Nalwar_ und auf 1170 m langer Brücke über den Fluß
_Kistna_, südl. von (427 M) _Krishna_, nach (443 M) _Raichur_ (400 m;
Bahnwirtsch., Dâk Bungalow), Stadt aus dem 14. Jahrh., mit sehenswertem
Nord- und Westtor; von der hohen Zitadelle *Aussicht. Hier beginnt
die »Madras Railway«; sie führt über (486 M) Stat. _Adoni_, uralte Stadt
aus dem 10. Jahrh. v. Chr., mit dem größten Baumwollenmarkt im Dekhan,
und über den wichtigen Bahnknotenpunkt (518 M) _Guntakal_
(Bahnwirtschaft), dann vorbei an der Hügelfestung südl. (r.) von (536 M)
_Gooty_ (Bahnwirtschaft), ferner über die Stationen (566 M) _Tadpatri_
und (632 M) _Cuddapah_ (beide mit Bahnwirtschaft) nach

(710 M) _Renigunta_ (im Bahnhof Wirtschaft und Schlafzimmer, vorher
brieflich beim Station-Master anzumelden!).

     =Kleinbahn= von Renigunta nach (13 km) =Tirupati= (Dâk Bungalow),
     Stadt mit 14000 Einw., stets mit Pilgern gefüllt. Etwa 13 km vom
     Bahnhof steht auf dem siebengipfeligen heiligen Hügel _Tirumala_
     (760 m) eine sehr alte _Pagode_ (die heiligste Hügelpagode in
     Südindien). Der Aufstieg ist schwierig. Der Nordaufstieg führt vom
     Dorfe _Balapilli_ durch dicke Dschungeln und über Hügel, wo Tiger
     und Panther vorkommen sollen. Auf dem 7. Gipfel, _Sri
     Venkataramanachellam_, erhebt sich die Pagode zwischen Mango-,
     Tamarinden- und Sandelholzbäumen (Eintritt ist für Europäer nicht
     erlaubt). Hier auch ein Bungalow für europäische Besucher.

Von Renigunta führt die »Madras Railway« über den Knotenpunkt (751 M)
_Arkonam_ (Bahnwirtschaft) nach (793 M, 1278 km) _Madras_.


Madras.

Vgl. den Plan S. 101.

     =Ankunft zur See.= Der auch beim besten Wetter stark brandende
     flache Strand ist eingefaßt mit europäischen Häusern, die sich vom
     Grün der Gummibäume, Bananen, Palmen, Banyanbäume malerisch
     abheben. Die Dampfer ankern im Hafen; die Landung geschieht in
     flachen Booten, sogen. Masulas; Taxe 2-1/2 Rup., für Jollen 1 Rup.
     Die Boote landen an der Landungsbrücke. Hafengeld für Gepäck 1 Rup.
     pro Tonne, mindestens 4 annas, Tragelohn für jeden Kuli 2-4 annas.
     Zollabfertigung im Zollamt am Hafen.

     =Ankunft am Bahnhof.= Von _Colombo_ über Tuticorin kommend, steigt
     man am Hauptbahnhof der _South Indian Railway_, _Egmore Stat._,
     aus, Bahnwirtschaft; von _Bombay_ kommend, steigt man an der
     _Central Station_ der _Madras and Southern Mahratta Railway_ aus;
     beide Bahnhöfe liegen 1,5 km voneinander. Von _Calcutta_ Ankunft
     auf der _Central Station_.

     =Gasthöfe=: _Hôtel d'Angelis_, Mount Road; 40 Z., Pens. 10 Rup.,
     gut, neu eingerichtet, beste Küche.--_South Indian Railway Hotel_,
     mit dem Bahnhof verbunden; 80 Z.--_Spencer's Hotel_, Mount Road;
     Pens. 10 Rup.-- _Connemara_, mäßig.--_Prince of Wales_, Pens. 6
     Rup., in guter Lage dicht an der Mount Road.--_Victoria_, Pens. 6
     Rup.--_Elphinstone Hotel._--_Elphinstone Branch Hotel_ (Egmore) u.
     v. a.-- NB. Die Häuser am Hafen in der »George Town« sind nicht zu
     empfehlen! Tägl. Pens. 5-10 Rup.--=Restaurant=: _D'Angelis_, Mount
     Road, gute Küche, auch Zimmer.

     =Post.= Hauptamt (_General Post Office_) in George Town, nahe dem
     Hafen; ein andres Amt etwa 1/2 km westl. vom Connemara Hotel. NB.
     Man gebe Briefe eigenhändig am Postamt auf. --=Wagen.= Wegen der
     großen Entfernungen auch innerhalb der Stadt miete man für den
     ganzen Tag.-- =Straßenbahnen= (elektrische) zwischen den Vorstädten
     und den Hauptpunkten der alten Stadt.

     =Eisenbahnen=: _South Indian Railway_ (Egmore Station) nach
     Tuticorin (und Colombo); _Madras and Southern Mahratta Railway_
     (Central Station u. a.) nach Bangalore, Goa, Poona, Hyderabad,
     Bombay (S. 100-96); nach Calcutta (S. 135).

     =Dampfer=: _Österreichischer Lloyd_, monatl. nach Colombo und
     Calcutta; Agentur: Volkart Brothers; auch für _Messageries
     Maritimes_;--nach Colombo und Calcutta: _British India Steam Nav.
     Co._, wöchentl., Agentur: Binny & Co.; nach Rangoon und Singapore
     dieselbe wöchentl.;--nach Penang und Singapore: _British India
     Steam Nav. Co._ alle 14 Tage.--Agent des Norddeutschen Lloyd: _Carl
     Simon Söhne_.

     [Illustration: Lageplan von Madras.]

     =Banken=: _National Bank of India Ltd._, I. Line Beach, Korr. der
     Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in
     Leipzig.--_Chartered Bank of India, Australia & China_,
     Esplanade.--_Mercantile Bank of India Ltd._, Armenian Street. Alle
     drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.-- =Reisebureau=:
     _Binny & Co._--=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul M.
     Miersch.--_Österreich-Ungarn_, Konsul E. Steiner.--=Polizei=:
     _Egmore Police Court_, Pantheon Road.

     =Ärzte=: Dr. _Niblock_; Dr. _Giffard_; Dr.
     _Robertson_.--=Zahnärzte=: _Badcock_; _P. Furnival_.--=Apotheken=:
     _Smith & Co._, Mount Road und Esplanade; _Maclure_, Mount Road, u.
     a.--=Krankenhaus=: _General Hospital_, nahe Central Station.

     =Buchhandlungen=: _Higgenbotham & Co._; _Combridge & Co._, beide
     Mount Road.--=Photographien=: _Wiele & Klein_; _Del Tufo_, beide
     Mount Road.

     =Geschäftsadressen=: Optiker: _W. E. Smith & Co._; _Lawrence &
     Mayo_, beide Mount Road.--Kleidermacher: _Moses & Co._; _Smith &
     André_; _Oakes & Co._, sämtlich Mount Road.--Reiseartikel: _Spencer
     & Co_.--Juweliere: _Orr & Sons_; _T. R. Tawker & Sons_, beide Mount
     Road.--=Zeitungen=: _Madras Mail_; _Madras Times_; _Hindu_; _Madras
     Standard_.

     =Zeiteinteilung.= Für die Stadt Madras, Museum, Botanischer Garten
     und Marina genügt 1-1-1/2 Tag. Madras ist aber ein guter Platz, um
     die südindischen Tempelanlagen in Trivalur, Conjeeveram,
     Mahabalipuram, Tanjore (S. 127) sowie die Nilgiri-Berge (S. 128) zu
     besuchen.

     =Geschichte.= Fort St. George in Madras wurde 1639 von den
     Engländern erbaut; die Agentur der Englisch-Ostindischen Kompanie
     wurde 1653 Präsidentschaft; die Stadt hatte Anfang des 18. Jahrh.
     schon etwa 300000 Einw., wurde 1746 von La Bourdonnais erobert,
     fiel aber im Aachener Frieden 1748 wieder an England zurück. In den
     Kriegen gegen Haidar Ali wurde Madras hart bedrängt, entwickelte
     sich später aber zur dritten Handelsstadt Ostindiens.

     =Klima.= Im Sommer heiß und trocken, aber ungefährlich, im Winter
     gesund. März bis Oktober, wo der SW.-Monsun weht, sind heiß und
     trocken, Regenzeit im NO.-Monsun, Oktober bis Dezember. Das
     Einsetzen des NO.-Monsuns Mitte Oktober ist meist von heftigen
     Stürmen begleitet. Heißeste Monate sind Mai und Juni
     (Mitteltemperatur etwa 31,5° C), kühlste (aber nicht kalt) Dezember
     bis Februar (Mitteltemperatur etwa 24,3° C). [Hand] _Man trinke
     kein Leitungswasser, sondern nur Sodawasser!_

=Madras= (_Madrissa_, d. h. Hochschule, oder _Mandar-raj_, von den
Eingebornen _Chennapatnam_ genannt), Hauptstadt der _Presidency
of Madras_ (_of Fort St. George_), wichtigster Platz an der
Koromandelküste und drittgrößte Seestadt Indiens, hat 517335 Einw.
und ist Sitz des Gouverneurs. Die Stadt zieht sich 15 km am flachen
Strande hin und ist mit den Vorstädten 6 km breit. In der Mitte
des Strandes liegt das alte _Fort St. George_ (auch _White Town_
genannt), worin das _Grand Arsenal_ mit historischer Waffensammlung,
ferner die Kasernen der europäischen Truppen, die _St. Mary's Church_
und die Regierungsgebäude. Die _Esplanade_ trennt das Fort von der
_George Town_, dem Eingebornenviertel und Geschäftsviertel mit
engen, schmutzigen Straßen; davor am Strande liegt der durch zwei
Wellenbrecher gebildete Hafen mit Zollamt, Hafenamt, Postamt, Bank of
Madras, Geschäfts- und Warenhäusern. Auch größere Schiffe können jetzt
nach Umbau des Hafens in diesem ankern.--Südl. vom Fort zieht längs des
Strandes die Hauptpromenade, _The Marina_, hin, die auf der _Napier's
Bridge_ über den _Cooum-Fluß_ führt; hinter der Marina liegt etwa 1 km
sw. vom Fort das _Government House_ (Palast des Gouverneurs) mit Park
und südl. davon der _Chepauk Park_, mit dem alten Palast der Nabob
von Karnatik, jetzt _Board of Revenue_.--Westl. vom Fort liegen das
_Pacheappah's College_, eine Stiftung des reichen Hindu _Pacheappah
Mudelliar_, ferner das _General Hospital_.--Westl. von der _Central
Railway Station_ ist der schöne öffentliche _People's Park_, ein
Volkspark mit Musikpavillon, Tennisplätzen und Tierkäfigen.--Vom
Government House führt die 11 km lange _Mount Road_, die Hauptstraße
für europäische Geschäfte, sw. nach _St. George Cathedral_, neben der
der kleine, aber schöne *_Botanische Garten_ liegt, und weiter nach
_Little Mount_, wo der heilige Thomas den Märtyrertod erlitten haben
soll, und schließlich nach dem etwas größern Hügel _St. Thomas Mount_
oder _Great Mount_, auf dessen etwa 90 m hohem Gipfel eine alte, jetzt
armenische _Kirche_ (1547 von Portugiesen erbaut) steht; in ihr ein
1111 Jahre altes nestorianisches Kreuz mit Inschrift von 801.--In der
katholischen _Kathedrale St. Thomé_ am Südende der Marina sollen die
Gebeine des heiligen Thomas ruhen.--In der _Pantheon Road_ liegt das
_Museum_, daneben das _Victoria Technical Institute_ (s. unten); 1,5 km
westl. davon das 1792 gegründete _Madras Observatory_ (Sternwarte), wo
der Nullpunkt der trigonometrischen Aufnahme Indiens ist, und wo die
_Standard Time_ (die indische Ortszeit) bestimmt wird.

_=Rundfahrt=_. Morgens zunächst durch das _Fort St. George_, dessen
Waffensammlung im Grand Arsenal nur für Kenner Interesse bietet, über
die _Esplanade_ nach dem Hafen (sehenswerte Landungsbrücke), von da nach
dem _People's Park_, wo man die Tigerkäfige und Markthalle besichtigt.
Dann nach der _Pantheon Road_ zum *=Government Central Museum=, tägl.
geöffnet 6-1/2 Uhr früh bis 5 Uhr abds. (der erste So.-Nm. im Monat nur
für eingeborne Frauen!); es enthält unter anderm eine gute Sammlung von
Rohstoffen und fertigen Erzeugnissen des Chinin sowie von südindischen
Pflanzenfarbstoffen; ferner südindische ethnographische Altertümer;
große Sammlung von Gipsmasken indischer Rassen und naturhistorische
Sammlung. Dann in das *=Victoria Technical Institute=, einen schönen
mohammedanischen Bau, tägl. geöffnet von 7-1/2 früh bis 6 Uhr abds.
(außer Di.), staatliche Verkaufsstätte für alle Kunstprodukte
Südindiens, auch für gute und preiswerte Antiquitäten. Dann durch
_Harris Road_ und über _Harris Bridge_ zur _Mount Road_, an deren Ecke
in prächtigem Park (mit Rudeln halbzahmer Gazellenantilopen) das
_Government House_ liegt; nun sw. durch den mit europäischen Geschäften
besetzten Teil der Mount Road, vorbei an der Statue des Generals _Neil_
vor dem Eingang zum Klub, an der _St. George Cathedral_ (l.) vorüber zum
*=Botanischen Garten=, neben der Kathedrale, nicht sehr groß, aber recht
geschmackvoll angelegt, mit von Schlingpflanzen umrankten Lusthäuschen
und schilfumsponnenen Teichen, auf denen prächtige Lotos und Victoria
Regia blühen. Viele seltene Prachtbäume, Hibiscus tiliaceus, Pompelmus,
Teakbaum u. v. a.--Wenn Zeit vorhanden, fahre man über _Little Mount_
bis _Great Mount_ (s. oben) und durch den Ort _Mailapur_ (_St. Thomé_),
mit vielen indischen Tempeln und nur von Brahmanenpriestern und ihren
Familien bewohnt, richte sich aber so ein, daß man vor 1/2-5 Uhr Nm. bei
der _St. Thomé Cathedral_ am Strand ist, um von da nordwärts auf die
zwischen 5 und 6 Uhr abds. belebte Promenade am Meer, die *_Marina_, zu
fahren und dabei auch den an Gazellen reichen _Chepauk Park_ zu
besichtigen. Man kann auch vom Botanischen Garten direkt durch die
Cathedral Road nach der Marina gelangen. An der Marina liegt auch ein
kleines, aber sehenswertes _Aquarium_ mit farbenprächtigen und
merkwürdigen Fischen.

     =Ausflüge= (alle landschaftlich wenig lohnend, aber zu
     interessanten Kunstdenkmälern führend): 1) Nach =Trivalur=
     (_Trivellore_) mit »Madras and Southern Mahratta Railway« (26 M in
     1-1/2 St.) zum Besuch einer großen _Tempelanlage_ mit 5 äußern und
     2 innern Gopuras, einer unvollendeten 1000-Säulenhalle (688 stehen
     noch) und vielen sehenswerten Heiligtümern.

     2) Nach =Conjeeveram= (das südindische Benares) mit derselben
     Bahnlinie (in 3 St. über _Arkonam_), eine der 7 heiligen Städte,
     mit 40000 Einw.; 3 km vom Bahnhof liegt der _Ekambarah Swami_
     geweihte große _Saiva-Tempel_, an dessen Südseite eine 57 m hohe
     zehnstöckige Gopura, durch die man eintritt; innen l. eine
     1000-Säulenhalle (nur noch 540). Außerhalb der Umfassungsmauer nach
     O. ist ein hoher kunstvoller Wagen mit schweren Holzrädern. In das
     Allerheiligste (_Vimanah_) darf kein Europäer, kann sich aber an
     den Naúch-Tänzerinnen in nächster Nähe ergötzen. Etwa 3 km weiter
     liegt der _Wischnutempel_ in _Little Conjeeveram_, in dem man die
     kostbarsten Geschmeide und mit Edelsteinen besetzte Goldketten der
     Statuen der Gottheiten besichtigen kann. (Wer Madura und
     Trichinopoly gesehen, kann sich diese beiden Ausflüge sparen.)

     3) Nach *=Mahabalipuram=, sehr lohnend; man lasse durch den
     Hotelbesitzer die Fahrt sowie Ausrüstung mit Lebensmitteln gut
     vorbereiten. _Mahabalipuram_ (guter Dâk Bungalow) liegt am
     Meeresstrande, etwa 56 km südl. von Madras. Man fährt (NB. mit gut
     gefülltem Frühstückskorb!) zunächst mit Wagen bis (9 km) _Guindy
     Bridge_, nahe Little Mount; von dort fährt man in Booten (jedes
     Boot etwa 10 Rup., trägt 2 Reisende ohne Diener) auf dem
     _Buckingham Canal_ 12-14 St., am besten nachts, bis gegenüber vom
     Dorfe _Balipitham_. Man kann auch von Madras (Egmore Station) mit
     der _South Indian Railway_ nach (35 M) _Chingleput_ (guter Dâk
     Bungalow) fahren, vorher den Station-Master benachrichtigen, der
     das Nötige bestellt; man fährt von Chingleput mit Tonga (2-1/2
     Rup.) über _Tirukalikundrum_ zum Kanal und von da mit Boot weiter.
     Man steigt an der Ostseite des Kanals aus, wo sich aus dem flachen
     Strandgürtel ein niedriger Rücken Gneisfelsen erhebt. Dort liegen,
     aus dem Stein gehauen, die berühmten *=Sieben Pagoden= (_Seven
     Pagodas_), teils sehr alte Nischentempel, reich mit Skulpturen
     geschmückt, dann auch freistehende Pagoden und kolossale
     Skulpturmonumente (Elefanten, Affen und andre Tiere). Hier ist die
     ganze Brahminenlehre in Stein dargestellt, zum Teil in weit über
     ein Jahrtausend alten Denkmälern. Die ganze Anlage war eine uralte
     Brahminen-Freistätte, wie sie (nach _W. Gallenkamp_) rätselhafter
     und weniger bekannt nirgends in Indien anzutreffen ist.
     Bootsrückfahrt am besten wieder nachts, wobei man sich gegen
     Moskitos mit Netz und Rauch schütze.

     4) Nach =Ootacamund= (sehr lohnend), s. S. 128.



5. Aus Europa durch den Suezkanal nach Colombo.

Die Insel Ceylon.

Vgl. die Karte S. 107.


A. Von Genua oder Neapel nach Colombo.

     =Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd= (abwechselnd von
     _Bremerhaven_ oder _Hamburg_ ausgehend, über Rotterdam, Antwerpen,
     Southampton, Gibraltar in 14 Tagen nach Genua) gehen jeden zweiten
     Do. von =Genua= (_Lloyd-Expreß_, s. S. 9), dann über (336 Seem.)
     _Neapel_, (1446 Seem.) _Port Saïd_ und den _Suezkanal_ in 17 Tagen
     (von Neapel) nach (4934 Seem.)

     =Colombo= (Ankunft So. oder Sa.). Die Schiffe gehen weiter nach
     _Singapore_, _Hongkong_, _Schanghai_, _Nagasaki_ oder _Tsingtau_,
     _Kobe_ und _Yokohama_. Fahrpreis von _Bremen_ oder _Hamburg_ nach
     _Colombo_ I. Kl. 1170 M., II. 765, III. 405 M. (hin und zurück I.
     Kl. 1760 M., II. 1145, III. 605 M.); von _Genua_ oder _Neapel_ I.
     Kl. 1080 M., II. 720, III. 360 M. (hin und zurück I. Kl. 1625 M.,
     II. 1080, III. 540 M.; Näheres s. neuestes Handbuch der
     Reichspostdampferlinien des Norddeutschen Lloyd, erscheint zweimal
     jährlich).

Die Reichspostdampfer laufen von _Neapel_ (S. 23) in 4 Tagen nach (1110
Seem. von Neapel) _Port Saïd_ (S. 25), dann durch den _Suezkanal_ über
(1197 Seem.) _Suez_ und durch das _Rote Meer_, wie S. 31 u. 36
beschrieben, nach (2505 Seem.) _Aden_ (S. 38); von da mit östl. Kurs
durch den Golf von Aden; die Reichspostdampfer nehmen dann den stets
sichern Weg nördl. um die Insel _Sokotra_ (S. 41), die nicht immer in
Sicht kommt (sie hat keine Leuchtfeuer), während einzelne andre Dampfer
_Kap Guardafui_ (Râs Assir), dessen Abhänge von O. gesehen einem
schlafenden Löwen gleichen, ansteuern und dann südl. von den kleinen
Inseln und Sokotra auf die Südspitze Vorderindiens, _Kap Comorin_,
zusteuern. Die Reichspostdampfer laufen mit OSO.-Kurs meist durch den
_Neungrad-Kanal_ nahe nördl. an der Koralleninsel _Minikoi_ vorbei,
deren Leuchtturm eine gute Landmarke ist; oder auch durch den
_Achtgrad-Kanal_ südl. von Minikoi (vgl. die Karte bei S. 96). Nachts
sind nahe über dem südl. Horizont die schönen Sternbilder des Südlichen
Kreuzes sowie des Schiffs zu sehen. Dann südl. vom _Kap Comorin_
entlang. Bei der Annäherung an Colombo begegnet man zuweilen schon den
einfachen Fischerbooten mit viereckigen Segeln und Ausliegern, ehe die
schönen Berglinien der Küste von Ceylon auftauchen; später sieht man
dunkleres Vorland. Die große Hafenstadt erkennt man früher an den vielen
Schiffsmasten und Schornsteinen als an den Häusern, die größtenteils
zwischen üppigem Pflanzenwuchs (namentlich Kokospalmen) verborgen
liegen. Der hohe Leuchtturm und der Palast des Gouverneurs südl. davon
sind deutlich zu erkennen. Charakteristisch ist schon von weitem der
2241 m hohe Adamspik östl. von Colombo.--(4934 Seem. von Genua, 7570
Seem. von Bremerhaven) _Colombo_; Ankunft s. S. 110.


B. Von Marseille nach Colombo.

     =Messageries Maritimes=, jeden 2. So. von _Marseille_ (S. 24) über
     (1510 Seem.) _Port Saïd_ und (1597 Seem.) _Suez_, abwechselnd über
     (2881 Seem.) _Djibouti_ (S. 36) oder über _Aden_ nach (5098 Seem.)
     _Colombo_ in 16 Tagen. Über auswechselbare Rückfahrkarten mit dem
     Österreichischen Lloyd s. S. 22. (Die Dampfer gehen weiter nach
     _Singapore_, _Hongkong_, _Schanghai_, _Yokohama_.)

     =Peninsular and Oriental Co.=, von _Marseille_ jeden 2. Fr. über
     _Port Saïd_ und _Aden_ nach _Colombo_ in 15 (von Brindisi in 13)
     Tagen; Fahrpreis ab Brindisi I. Kl. 48 £. (Die Schiffe gehen weiter
     nach Australien.)

     =Orient Line= jeden zweiten Do. von _Marseille_ über _Neapel_,
     _Port Saïd_, _Suez_ nach _Colombo_ in 17 Tagen. Fahrpreis ab Neapel
     I. Kl. 34-48 £ (weiter nach Australien).


C. Von Brindisi nach Colombo.

=Expreßdampfer der Peninsular and Oriental Co.= (vgl. S. 23) haben in
_Port Saïd_ Anschluß an die von Marseille (s. oben B.) kommenden Dampfer
derselben Gesellschaft, mit denen _Colombo_ in 13 Tagen erreicht wird.


D. Von Triest nach Colombo.

=Österreichischer Lloyd= (vgl. S. 22), am 12. und 25. jedes Monats über
(1305 Seem.) _Port Saïd_, _Suez_ (2700 Seem.), _Aden_, dann abwechselnd
über _Karachi_ oder _Bombay_ in etwa 30 Tagen nach _Colombo_. Fahrpreis:
Salonklasse 36 oder 32 £, Intermediate Kl. 26 £. Umtauschbare
Rückfahrkarten mit den Messageries Maritimes (S. 22) mit 24 Monaten
Gültigkeit.--Diese Lloyddampfer gehen weiter abwechselnd über _Madras_,
_Rangoon_ nach _Calcutta_ oder über _Penang_, _Singapore_ nach
_Hongkong_, _Schanghai_, _Yokohama_, _Kobe_.



Die Insel Ceylon.

=Ceylon= (im Sanskrit _Singhala_ [»Löwenwohnort«], bei den Eingebornen
_Lankadiva_, arabisch _Serendib_), britische Insel im Indischen Ozean,
an der Südspitze von Vorderindien, von dem sie durch den _Golf von
Manár_ und die 93 km breite _Palkstraße_ getrennt wird, ist von N. nach
S. 445 km (München-Magdeburg) lang, bis 235 km (Ulm-Passau = 250 km)
breit und 66000 qkm (Bayern 76000 qkm) groß. Ceylon besteht in seinem
südl. Hochland aus denselben alten Gesteinen wie das Dekhan und bildete
wohl, bevor das dazwischenliegende Landstück in die Tiefe sank, einen
Teil des Kontinents, nach dem jetzt wieder im NW. der Insel die sogen.
_Adamsbrücke_ (S. 124), ein junges Gebilde aus verkittetem Meeressand,
hinzieht. Fast das ganze nördliche Drittel der Insel ist eine prächtig
bewaldete Ebene; ein breiter Gürtel von Tiefland umgibt auch das
Bergland des südl. Teils, das im Durchschnitt 650 m hoch ist. Auf der
innern Hochebene _Nuwara Elya_ erheben sich zahlreiche Einzelgipfel,
darunter der 2241 m hohe _Adam's Peak_ (S. 121), der _Pedrotallagalla_
(2538 m), der _Kirigalpolla_ (2387 m), der _Totapolla_ (2353 m).
Zwischen den Bergen dehnen sich schöne und fruchtbare Täler aus. Die
Nordküste und die mit Kokospalmen bedeckte Westküste sind flach, die
Süd- und Ostküste steil und felsig; hier bietet der vorzügliche Hafen von
_Trincomalí_ Raum und Schutz für die größte Flotte. Die Flüsse sind nur
zur Regenzeit wasserreich, der bedeutendste ist der _Mahawelli Ganga_,
330 km lang und zur Hälfte schiffbar. Ceylon besteht in seiner
Hauptmasse aus archäischen Gesteinen, nur in den ausgedehnten flachen
Landstrichen im N. herrschen junge quartäre Bildungen (Meeressand,
Madreporenkalk etc.) vor. Berühmt sind die Lager von Edelsteinen
(Saphir, Rubin, Zirkon, Spinell, Granat, Turmalin, Katzenaugen etc.),
die aus den alten Gesteinen des Berglandes ausgewaschen sind und nun im
Schwemmlande der Flüsse gefunden werden. --Die _=Bevölkerung=_ beträgt
(1911) 4,1 Mill. Seelen, darunter 2,7 Mill. Singhalesen und 1 Mill.
Tamulen. Daneben zählte man 1904 224719 Mauren (d. h. Indo-Araber),
23312 Eurasier oder Burghers (Mischlinge von Europäern und
Singhalesinnen), 11207 Malaien, 9583 Europäer und 21115 Araber, Afghanen
etc., dazu wenige Tausend Weddas (S. 108). Die Herkunft der
_Singhalesen_ ist noch ganz unsicher; meist nimmt man an, daß sie
arischen Ursprungs, also Verwandte der Hindu und unter Umgehung der ganz
Südindien erfüllenden Drawida (Tamulen) auf dem Seewege von
Nordwestindien her nach der Insel gekommen seien.

[Illustration: Karte von Ceylon.]

Sie sind mittelgroß, mit feinen, regelmäßigen Zügen und hübsch gebaut,
namentlich die Frauen oft überraschend schön. Die Hautfarbe wechselt
von Hellbraun oder Olivenfarbe bis ins Schwarze; die Augen sind
bisweilen lichtbraun, das Haar (in dem auch die Männer stets Kämme
tragen) meist schwarz (selten blond), lang und seidig. Polygamie ist
selten. Einfache Kleidung, fast nur vegetabilische Nahrung, Wohnung
in Hütten (oft hoch auf Bäumen). Die Toten werden beerdigt. Das
Kastenwesen ist hier nie in der Weise wie auf dem Festlande ausgebildet
gewesen; an Stelle der dortigen, auf Rassenunterschiede zurückgehenden
Kasten bestehen Berufskasten, von den vornehmen Goiwansa bis herab
zu den aus jeder sonstigen Gemeinschaft ausgeschlossenen Rodiya. Die
Singhalesen haben wohl einst die ganze Insel besessen, sind aber
dann von den vom Festlande nachdrängenden südindischen Drawidas
(Tamulen) auf den größern Südwestteil beschränkt worden. Der älteste
und interessanteste Bevölkerungsteil der Insel sind die _Weddas_;
sie sind noch kleiner als die Singhalesen, doch schlank, haben es
nie über einen sehr geringen Grad materieller Kultur hinaus gebracht
(sehr geringe Kleidung, mit Bogen und Pfeil bewaffnete Sammler und
Jäger), doch haben sie eine verhältnismäßig hochentwickelte Sprache und
ein strenges Sittengesetz. Heute sind sie auf wenige tausend Seelen
zusammengeschmolzen und von der Regierung in einigen Dörfern im SO. der
Insel fest angesiedelt. Herrschende _=Religion=_ ist der Buddhismus,
dem eine glanzvolle Priesterschaft vorsteht; doch ist auch hier die
ursprüngliche Lehre Buddhas verloren gegangen. Die Tamulen sind meist
Verehrer Schiwas, die Mauren Mohammedaner. 1891 zählte man 1877043
Buddhisten, 615932 Schiwaanbeter, 211995 Mohammedaner, 302127 Christen.

     Das =Klima= Ceylons ist rein tropisch, d. h. gleichmäßig
     feuchtheiß; nur mit der Erhebung über den Meeresspiegel nimmt die
     Temperatur ab (Jahrestemperatur von Colombo an der Küste 26,7°, von
     Kandy in 500 m Seehöhe 24,2°, von Nuwara Eliya in 1900 m Höhe
     14,1°). Der kühlste und der wärmste Monat weichen in Colombo nur um
     je 1,1° bis 1,2° von jener Mitteltemperatur ab. Die
     _=Niederschläge=_ sind auf der ganzen Insel nicht gering, da auch
     der Nordostmonsun, der auf dem Festlande trocken ist, sich vor dem
     Eintreffen auf der Insel über dem Golf von Bengalen mit
     Feuchtigkeit beladen hat. Jedoch ist die Westseite der Insel
     regenreicher als die Ostseite, und erstere empfängt
     merkwürdigerweise in der Zeit des Nordostmonsuns (Winter) mehr
     Niederschläge als zur Zeit des Südwestmonsuns (Sommer), den sie
     doch aus erster Hand erhält. Colombo hat zwei Regenzeiten, eine im
     Frühjahr (Höhepunkt Mai) und eine im Herbst (Höhepunkt Oktober).
     Die trockensten Monate (Januar, Februar und August) empfangen immer
     noch so viel Niederschläge wie deutsche Orte in den Sommermonaten.
     Die Ostküste hat vorwiegend Winterregen (Höhepunkt Dezember) und
     einen relativ trocknen Sommer (April bis September). Zeiten fast
     ununterbrochenen Regens und stürmischen, gewitterreichen Wetters
     sind die ersten Wochen nach dem Ausbruche des neuen Monsuns, also
     durchschnittlich Mai und Oktober; in den Zwischenzeiten ist das
     Wetter besser. Für die Westküste ist die Zeit des Nordostmonsuns,
     der als Landwind nach Colombo kommt und Krankheitserreger aus dem
     Innern der Insel mitbringt, gesundheitsgefährlich; man tut in
     dieser Zeit gut, möglichst rasch das Bergland des Innern
     aufzusuchen.--

     Dank dem feuchtheißen Klima ist das _=Pflanzenkleid=_ Ceylons von
     einer solchen Üppigkeit, daß die Insel mit Recht immer wieder als
     das _Urbild tropischer Landschaft_ gepriesen und geschildert wird
     (vgl. _K. Günther_, Einführung in die Tropenwelt. Leipzig 1911. Mit
     einer Karte von Ceylon. Auch als Führer bei einem Aufenthalt auf
     der Insel zu empfehlen). Freilich ist nur der West- und Südteil der
     Insel ursprüngliches Regenwaldland, der Ostteil aber mehr von
     parkartigem, lichterem Trockenwald bestanden. Zum großen Teil hat
     außerdem der Wald den Kulturen weichen müssen, denn Ceylon ist etwa
     ebenso dicht bevölkert wie das gleichgroße Ost- und Westpreußen.
     Doch bietet gerade die vorgeschrittene Kultivierung der Insel
     bequeme und gefahrlose Gelegenheit zum Studium der Tropennatur, der
     Botanische Garten von Peradeniya (S. 117) eine Zusammenstellung von
     Tropenpflanzen, wie sie sonst nur in Java (S. 200) wiederzufinden
     ist.--_=Ackerbau=_ ist Hauptbeschäftigung; Reis, Früchte, Fisch und
     Gemüse sind die Hauptnahrung der Eingebornen. Die Insel ist die
     Heimat der Zimtbäume (Cinnamomum ceylanicum), der Piper-Arten
     (Chavica Roxburghii) und vieler Kukurbitazeen, während zahlreiche
     Kulturgewächse andrer Länder zugleich eine fruchtbare Stätte
     gefunden haben.--Früher wurde viel Kaffee gebaut; seitdem aber
     dessen Pflanzungen durch den Pilz Hemileia vastatrix vernichtet
     worden sind, sind die Teeplantagen an deren Stelle getreten; Tee
     ist jetzt der wichtigste Ausfuhrartikel der Insel. Außerdem sind
     wichtig: Kakao, Tabak, Zimt (Regierungsmonopol), Kautschuk,
     Baumwolle, Kokosöl. Die Viehzucht ist beträchtlich. --Die
     Landstraßen sind für Automobilfahrten geeignet.--_=Tierwelt:=_ Der
     in Indien weitverbreitete Tiger fehlt (wahrscheinlich ausgerottet),
     während der Panther noch vorkommt. Der Lippenbär (Ursus labiatus)
     ist ein Charaktertier Ceylons. Der Elefant ist wild und gezähmt
     vorhanden und spielt als Last- und Reittier eine wichtige Rolle. An
     Reptilien ist die Familie der Schildschwänze (Uropeltidae), von
     Amphibien die interessante Blindwühle (Ichthyophis glutinosus) zu
     nennen.

     Die Küsten werden manchmal von der indischen Seekuh (Halicore)
     besucht, im Golf von Manár wird Perlenfischerei (stark
     zurückgegangen) ausgeübt.

     =Geschichtliches=: Schon die Griechen und Römer kannten das an
     Edelsteinen und Gewürzen reiche, von ihnen _Taprobane_ genannte
     Ceylon. Die Insel wurde seit 543 v. Chr. von Fürsten beherrscht,
     die aus Nordindien stammten, und von denen bis 1815 im ganzen 165
     herrschten. 245 v. Chr. wurde die Lehre des Buddha in Ceylon
     eingeführt. Im 8. Jahrh. ließen sich mohammedanische Araber auf
     Ceylon nieder. Seit 1505 begannen die Portugiesen regelmäßigen
     Verkehr mit Ceylon, machten sich aber so verhaßt, daß der König die
     Holländer zu Hilfe rief. Die Portugiesen wurden 1632-58 verdrängt,
     und die Holländer besetzten das Küstenland. Im Kriege zwischen
     England und Holland wurde Ceylon von den Engländern besetzt und
     1802 förmlich an sie abgetreten; 1815 wurde die Insel nach
     Beseitigung des eingebornen Fürsten englische Kronkolonie; ihre
     Verwaltung ist durchaus unabhängig von der des festländischen
     Vorderindien.

     =Reisepläne für Ceylon.= Auf 3 _=Tage=_. 1. u. 2. Tag: Colombo und
     Fahrt nach Peradeniya und Kandy. 3. Tag: Colombo, Kelanitempel,
     Museum, Mount Lavinia.--_=Auf 5 Tage.=_ 1. Tag: Peradeniya und
     Kandy. 2. u. 3. Tag: Nuwara Eliya mit Pedrotallagalla. 4. Tag:
     Rückfahrt über Kandy nach Colombo. 5. Tag: Colombo mit Mount
     Lavinia.--_=Auf 10 Tage.=_ 1. Tag: Colombo. 2. Tag: Peradeniya und
     Kandy. 3. Tag: Kandy, Zahntempel, Lady Horton's Walk. Nm. Fahrt
     nach Matale, dort über Nacht. 4. Tag: Post über Dambulla nach
     Anuradhapura. 5. Tag: Anuradhapura. 6. Tag: Rückfahrt über Dambulla
     und Matale nach Kandy. 7. Tag: Fahrt nach Nuwara Eliya. 8. Tag:
     Nuwara Eliya, Besteigung des Pedrotallagalla. 9. Tag: Rückfahrt
     über Kandy nach Colombo. 10. Tag: Colombo.--_=Auf 14 Tage.=_ 1.
     Tag: Colombo. 2. Tag: Fahrt nach Nuwara Eliya. 3. Tag: Nuwara
     Eliya. 4. Tag: Besteigung des Pedrotallagalla. 5. Tag: Fahrt nach
     Kandy und Peradeniya. 6. Tag: Kandy. 7. Tag: Fahrt nach Matale. 8.
     Tag: Fahrt nach Dambulla, Felsentempel. 9. Tag: Fahrt nach
     Anuradhapura. 10. u. 11. Tag: Anuradhapura. 12. Tag: Rückfahrt mit
     Bahn nach Colombo. 13. Tag: Bahnfahrt nach Point de Galle und
     zurück. 14. Tag: Colombo.

     [Hand] Wer die Kosten nicht scheut, mache die Reise durch Ceylon
     (oder einen Teil derselben) mit _=Automobil=_, durch Cook & Son
     oder die Hotels in Colombo (s. unten) zu beschaffen, womöglich
     schon von Aden aus telegraphisch zu bestellen; man benutze
     möglichst leichte Wagen mit besten Reifen. Benzin ist in jedem
     größern Ort zu haben.


Colombo.

Vgl. den Plan S. 111.

     =Ankunft zur See.= Die Postdampfer machen an den Tonnen im Hafen
     von Colombo fest, der durch Wellenbrecher gut geschützt ist. Boote
     mit Händlern, Zauberern umschwärmen sofort das Schiff und kommen an
     Bord (Kabine abschließen, da die Tamulen tüchtig stehlen!). Die
     Landung geschieht mit Tendern der Dampfergesellschaften (frei) oder
     mit kleinen Booten; man achte auf sein Gepäck und weise die
     unverschämten Forderungen der Bootsführer zurück. 10 Min. Fahrt bis
     zur Landungsbrücke am Südende des Hafens kostet 1/4 Rup. = 25
     cents, nach 7 Uhr Nm. 40 cents; dort liegt das Zollamt;
     Zolluntersuchung für Vergnügungsreisende meist ohne Schwierigkeit,
     die Zollbeamten sind höflich und gefällig. Beim Zollamt nehme man
     eine Rikscha zur Fahrt nach dem Gasthof.

     =Gasthöfe=: _Galle Face Hotel_ (deutscher Direktor: G. Peters), an
     der Galle Face Esplanade, etwa 2 km vom Landungsplatz, in schöner,
     ruhiger Lage am Meer, mit Garten und Seeterrasse, für längern
     Aufenthalt geeignet, gut geleitet; 250 Z., Pens. 10-15 Rup. (Pens.
     vorher vereinbaren!), Z. 4, Tiffin 1-1/2 Uhr 2,50 Rup., Dinner
     7-1/2 Uhr 4 Rup.; Schwimmbad.--_Grand Oriental Hotel_, beim Zollamt
     an der Landungsbrücke bequem gelegen, Küche gerühmt; 154 Z. 4-6,
     Lunch 2-1/2, Dinner 4, Pens. 10 Rup.--_Bristol Hotel._-- _British
     India Hotel_, schöne Lage am Meer neben dem Fort, II. Ranges, aber
     von einzelnen Herren viel besucht, Pens. 5 Rup.--_Mount Lavinia
     Grand Hotel_, s. S. 114. Man beachte, daß alle Gasthöfe auf Ceylon
     zeitweise stark überfüllt sind, z. B. bei Rennen und Sportwochen in
     Nuwara Eliya (S. 122), bei Besuch größerer Reisegesellschaften
     etc., daher ist stets Voraussicherung der Unterkunft im Innern
     Ceylons sehr zu empfehlen!

     =Post u. Tel.=: Queen's Street, 5 Min. vom
     Landungsplatze.--=Telephon= in allen Gasthöfen und Geschäften.

     =Wagen= und =Rikschas= nach Tarif (s. unten).

     =Straßenbahnen=: Zwei Linien; eine führt vom Landungsplatz nach
     Kelani, die andre südl. nach Borella. Beide werden fast nur von
     Eingebornen und Mischlingen benutzt; Fahrpreis I. Kl. 10 cents die
     engl. Meile.

     =Kraftwagen= (für 2-6 Reisende) zu Ausflügen ins Innere sind durch
     _Cook's Office_ oder die Hotels und bei Walker Sons & Co., Fort, zu
     mieten; bei andern Unternehmern sollen die Preise sehr willkürlich
     sein (man kann ungefähr 1-1/4 Rup. für jede engl. Meile
     rechnen).--=Postautomobilverbindungen= (vgl. die Karte S. 107),
     meist recht gut, bestehen auf der Insel Ceylon bereits viele Linien
     und werden fortwährend vermehrt; man erkundige sich bei der
     Postverwaltung.

     =Eisenbahnen.= _Hauptbahnhof_ (_Maradana Junction_) der Linie nach
     Kandy sowie über Anuradhapura nach Jaffna, etwa 2 km osö. von der
     Landungsbrücke.-- _Fort Station_, am Hafen, dient der Linie über
     Mount Lavinia nach Point de Galle und Matara.--_=Eisenbahnzeit=_
     wie in Indien, S. 50. Fahrpläne (_Fare tables_) auf allen Stationen
     für 10 cents, enthalten auch Tarife für Wagen und Rikschas für alle
     Orte. Europäer fahren stets nur I. Kl. So. weniger Züge als
     wochentags.

[Illustration: Colombo 1:60000]

     =Dampfer=: _Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd_ (Agentur
     Freudenberg & Co., Tel.-Adresse: Nordlloyd-Colombo) alle 2 Wochen
     nach Ostasien über Penang und Singapore bzw. nach Europa, alle 4
     Wochen nach Australien.--_Österreichischer Lloyd_ (Agentur Darley,
     Butler & Co.), nach Bombay, Calcutta, Ostasien und Europa.
     --_Messageries Maritimes_ (Agent P. de Bure, Telegrammadresse:
     Messageries-Colombo), nach Indochina, Ostasien, Australien, Europa;
     Zweiglinie nach Pondichéry und Calcutta.--Außerdem zahlreiche
     englische Linien (_Peninsular & Oriental Co._, _Orient Line_,
     _British India Line_, _Bibby Line_ etc.) nach allen europäischen,
     indischen und ostasiatischen Häfen. Fahrpreise und Fahrpläne sind
     häufig Änderungen unterworfen.

     =Geld.= Landesmünze für Ceylon ist die Rupie (S. 49), geteilt in
     100 cents. Im Umlauf sind folgende Geldstücke: Pfund Sterling
     englisch in Gold = 15 Rup.; Silbermünzen zu 1 Rup., 50, 25 und 10
     cts.; Nickel zu 5 cts.; Kupfer zu 1, 1/2 und 1/4 cts. Papiergeld:
     1000, 100, 50, 10 und 5 Rup.-Scheine. Schecks werden nur solche auf
     Ceylon-Bankhäuser in Zahlung genommen. _=Kreditbriefe=_, vgl. S. 7.
     Indisches Papiergeld ist nur mit Verlust anzubringen, dagegen wird
     indisches Silbergeld genommen, nur nicht die Zwei-Annasmünzen.

     =Banken=: _Freudenberg & Co._, Korr. der Deutschen Bank, Dresdner
     Bank, Disconto-Gesellschaft und Deutsch-Asiatischen
     Bank;--_National Bank of India_, Korr. der Allg. Deutschen
     Creditanstalt in Leipzig;--_Chartered Bank of India, Australia &
     China;_ --_Hongkong & Shanghai Bank;_-- _Mercantile Bank of India
     Ltd.;_ sämtlich Korrespondenten der Berliner
     Disconto-Gesellschaft.--Größere Beträge lasse man sich
     hauptsächlich in 50 und 100 Rup.-Scheinen, _nicht_ nur kleinen (5
     und 10), zahlen.

     =Sprache.= Das Singhalesische (Elu) ist mit Indisch durchsetzt,
     daneben ist auch das Tamul (Sprache der Tamulen) vorherrschend,
     außerdem Hindostani. Die Nachkommen der Portugiesen sprechen
     verdorbenes Portugiesisch, die Mauren verdorbenes Arabisch. Die
     kirchlichen und philosophischen Schriften der (buddhistischen)
     Singhalesen sind in Pâlisprache abgefaßt.

     =Tempelgelder.= In buddhistischen Klöstern und Tempeln liegt meist
     ein Fremdenbuch aus; man trage sich ein und gebe dabei (für 1-2
     Personen) 1 Rup., weise dann andre Gabenforderungen ab.

     =Reisebureau=: _Thos. Cook & Son_, 1 Victoria Arcades, York Street;
     besorgt auch Automobile (womöglich schon von Aden aus telegraphisch
     zu bestellen); hier sind Reisehandbücher (_Cook's Handbook Ceylon_)
     zu haben.-- =Führer= tragen dunkelblaue Röcke mit grünen
     Aufschlägen und müssen Zeugnis und Tarif (_pocket register_)
     vorzeigen; Lohn für die erste Stunde 50 cts., jede Stunde mehr 25
     cts. Man sehe sich vor bei der Wahl des Führers.

     =Literatur=: _Henry W. Cave_, The Book of Ceylon, reich illustriert
     (Lond. 1908); _Norddeutscher Lloyd_, Automobiltouren auf Ceylon
     (Bremen 1910).

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul Reinhart
     Freudenberg.--_Österreich-Ungarn_, beauftragter Konsul R.
     Freudenberg.

     =Polizeiamt=: Belästigungen und unverschämte Forderungen von
     Kutschern, Kulis etc. melde man sofort dem nächsten Polizisten; die
     Polizei ist streng und gefürchtet.

     =Ärzte=: Prof. _Castellani_ u. Dr. _Gordon_ im Galle Face Hotel;
     _Llewellyn Thomas_; _Jas. Craik_; _J. Rockwood_; Zahnarzt Dr.
     _Sidney Same_.--=Apotheke= im Warenhaus _Cargill's & Apothecaries
     Co._

     =Buchhandlungen=: _H. W. Cave & Co._ (Reisehandbücher für Ceylon)
     und im Warenhaus _Apothecaries Co._

     =Photographien=: _Plate_ (Deutscher), hat hübscheste Ansichten,
     verkauft Films etc. und entwickelt; _Colonial Photographic Co._,
     Victoria Arcade, Fort (gegenüber Grand Oriental Hotel), auch Films
     und Platten etc.--_Colombo Apothecaries Co._, neben Grand Oriental
     Hotel; stellen Reisenden Dunkelkammer frei und haben Ansichten,
     Volkstypenbilder etc.--_Skeen & Co._, Chatham Street.

     =Geschäftsadressen=: In der Geschäftsstraße an der Landungsbrücke
     Basare mit Teppichen, Ebenholzschnitzereien, Sandelholzsachen,
     Gold- und Silbersachen, geschliffene Steine; beim Einkauf besonders
     von Steinen ist Vorsicht geboten, da vieles unecht ist, und man
     stets stark herunterhandeln muß. Schildpattschmucksachen,
     Mondsteine, Katzenaugen, Kuriositäten, Ebenholzsachen etc. bei _D.
     F. de Silva_, Chatham Street 7, und _Don Theodori & Co._, Chatham
     Street 40. Steine gut und reell (aber handeln!) bei _Caffoore_ im
     Bristol Hotel.

     =Vereine=: _Deutscher Verein._--_Colombo Club_, Galle Face
     Esplanade.-- _Golf Club._

     =Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vm. Fahrt durch die Stadt nach Kelani;
     Nm. nach Mount Lavinia.--2. Tag: Victoria Park und Museum. Längern
     Aufenthalt benutze man zum Ausflug ins Gebirge.

     =Geschichtliches.= Colombo wurde 1505 von den Portugiesen zur
     Handelsniederlassung gemacht, dann 1518 befestigt. Nach langer
     Belagerung eroberten die Holländer 1658 den Platz und befestigten
     ihn stark. 1796 bemächtigten sich die Engländer des guten
     Seehafens, der erst seit den 70er Jahren des 19. Jahrh. an Stelle
     von Point de Galle zu Bedeutung gelangte.

     =Klima= (vgl. S. 108). Die Sonnenwärme in der freien Sonne ist in
     Colombo fast stets so groß, daß Europäer sich durch Tropenhelm und
     Tropenkleidung, Sonnenschirm und Sonnenbrille etc. dagegen schützen
     müssen. _Man meide es, ohne dringende Ursache zwischen 10 Uhr Vm.
     und 4 Uhr Nm. auszugehen!_ Sonnenstich und andre Schäden sind
     besonders bei frisch aus Europa gekommenen Fremden nicht selten;
     Alkoholgenuß ist vor Sonnenuntergang zu meiden. Man richte sich bei
     längerm Aufenthalt nach der Lebensweise gebildeter, am Orte
     akklimatisierter Europäer!

=Colombo=, von den Engländern zur Hauptstadt Ceylons gemacht, hat etwa
180000 Einw., meist Singhalesen (S. 106), dann Tamulen (von der
Malabarküste), die kräftiger und arbeitsamer sind, und Mauren; ferner
Parsen, Juden, Malaien und Mischlinge. Das Volksleben ist bunt und sehr
interessant.--Die Stadt liegt unter 6° 56' nördl. Br. an einer Bucht,
die durch einen 1,5 km langen Hafendamm nach W. und einen Wellenbrecher
nach N. gegen Seegang geschützt wird. Ein großes Trockendock sowie andre
Einrichtungen zur Ausbesserung von Seeschiffen sind vorhanden. Nördl.
von der Hafenbucht mündet der Fluß _Kelani_ (Kelaniya Ganga). Das
europäische Viertel am SW.-Ende des Hafens hat ein _Fort_, neben dem der
hohe _Leuchtturm_, zugleich Uhrturm, steht; dicht dabei die
Zeitsignalstation und südl. davon ein freier Platz, die _Esplanade_, an
der die Residenz des Gouverneurs, _Queen's House_ (Pl. 1), mit der
Vorderseite nach See liegt. Kasernen liegen südl. vom Palast. Colombo
besitzt mehrere Kirchen, Buddha- und Schiwatempel, ein Museum, zwei
Bibliotheken und große Wasserwerke, die das Wasser 48 km weit herleiten.
Die Eingebornenstadt _Pettah_ mit engen Straßen liegt nö. vom
Europäerviertel längs der Ostküste des Hafens.--Der Handel von Colombo
ist sehr bedeutend, da fast die ganze Einfuhr (Reis, Kohlen,
Baumwollwaren, gesalzene Fische etc.) sowie die Ausfuhr (Tee, Zimt,
Kokosöl, Kokosnüsse, Kaffee, Graphit, Chinarinde, Kopra, Kautschuk etc.)
für Ceylon über Colombo geht. Er befindet sich fast ganz in englischen
Händen.

_=Rundfahrt=_ (mit Rikscha) durch die Stadt kann fast planlos geschehen,
weil Colombo reich an malerischen Wegen ist; man beachte, daß das
Geschäftsleben sich nahe dem Hafen abspielt. Von der Landungsbrücke der
Boote gelangt man in die _York Street_; l. Marmorstandbild der Königin
Viktoria, r. Grand Oriental Hotel und l. Victoria Arcades. Dann am
Postamt (Pl. 2) vorbei über die Esplanade zum Galle Face Hotel. Weiter
am Strand entlang an den Kasernen vorbei zum Standbild von Sir E.
Barnes, dann r. an einem alten holländischen Glockenturm (Pl. 4) vorbei
über den Marktplatz mit dem Rathaus (_Town Hall_, Pl. 5). Dort führt l.
die _Sea Street_ zu zwei malerischen kleinen Hindutempeln, während nach
r. die _Wolfendahl Street_ zu der alten hochgelegenen holländischen
_Wolfendahl-Kirche_ führt (*Aussicht auf Stadt und Hafen). Dann nö.
weiter nach der katholischen _Kathedrale St. Lucia_ und an andern
Kirchen vorbei zu dem (r.) schönen Hause _Uplands_ und weiter durch die
malerische Fischervorstadt _Mutwal_ bis zum Fluß und zurück durch _Grand
Pass Road_ bis _Skinners Road_, nun l. diese Allee entlang bis zum
Maradanabahnhof; von hier westl. bis zum Süßwassersee und an diesem
entlang zum Gasthof zurück.--Ein andrer Rundweg führt vom Galle Face
Hotel über die Brücke, dicht hinter dem Hotel, nach _Slave Island_ und
dann am Rande des malerischen Sees vorbei an dem hübschen Wohnsitz des
kommandierenden Generals für Ceylon in den _Victoria Park_. Man beachte
vorher den kleinen malerischen Buddhatempel über dem See, ungefähr
gegenüber vom Generalshaus. Der Park liegt auf dem Platz alter
Zimtgärten (_Cinnamon Gardens_) und ist reich ausgeschmückt. Im Park das
*_Museum_ (1877 erbaut), das wertvolle historische, kultur- und
naturhistorische Sammlungen für Ceylon und eine Bibliothek enthält;
originelle Sammlung _Kandy-pottery_ (wunderliche Tonfiguren), ferner
Teufelstänzermasken gegen jede Krankheit; Inschriftensteine aus
Anuradhapura (von den deutschen Gelehrten Dr. Goldschmidt und Dr. Müller
entziffert); ein Buddhazahn. Auf dem Flur ein Riesenlöwe aus Pollonarua,
der als Königsthron diente, und ein *Fenster aus den Ruinen von Yapahoo.
Vor dem Museum ein Standbild des Gouverneurs Gregory.

     =Ausflüge=: 1) =Kelaniya=. Wagenfahrt (etwa 1 St. hin) zunächst
     durch die enge, heiße und staubige Eingebornenstadt _Pettah_ (etwa
     6 km), dann über den Kelanifluß und durch Kokospalmenpflanzungen
     bis (10 km) zu einem alten _Buddhatempel_ (1240 erbaut über einem
     306 v. Chr. errichteten Reliquienschrein des Prinzen Yatalatissa)
     mit im Nirwana weltfernen Buddha, dem die weißen Blüten des
     Sakakibaums dargebracht werden. Beim Maivollmond hier großes
     Tempelfest. Auf der Rückfahrt kann man gegen SO. einen Umweg machen
     (2 St. Fahrt).

     2) *=Mount Lavinia= mit der _Sea Coast Railway_, deren sechs
     Bahnhöfe in Colombo sind: _Pettah_, _The Fort_ (beim Hafen), _Slave
     Island_ (etwa 1/2 km vom Galle Face Hotel), _Kollapitiya_,
     _Bambalapitya_ und _Wellawatta_; die Bahn fährt teils durch
     Palmenwald, teils am Strand nach (11 km) *=Mount Lavinia= (_Grand
     Hotel_, Z. von 3 R. an, Tiffin 2-1/2, Dinn. 3, Pens. von 7 Rup.
     an), in entzückender Lage am Meer auf malerischem Vorgebirge. In
     der Nähe ein Buddhatempel. Sehr beliebter Ausflugsort, auch für
     längern Aufenthalt. Die Fahrt dahin im Wagen (Einsp. 10 Rup.) vom
     Galle Face Hotel an der Kollapitiya (Colpatty) Road entlang durch
     reizende Eingebornenvororte und Palmenhaine, fortgesetzt im
     Schatten, ist sehr lohnend.--Die Bahnlinie führt weiter über _Point
     de Galle_ (S. 125) nach _Matara_.

     3) *=Negombo=, 37 km nördl. von Colombo, lohnender Automobilausflug
     (Eisenbahn von Colombo über Ragama, außerdem zweimal tägl. _Coach
     service_ (_Autobus_), etwa früh 7 Uhr und 2 Uhr Nm. ab Colombo,
     Fahrzeit 3-1/2 St., ab Negombo etwa früh 7 Uhr und 3-3/4 Uhr Nm.
     Fahrpreis 3 Rup.) an der Westküste Ceylons durch malerische Dörfer,
     Kokospalmenwälder und Zimtgärten, für Künstler und
     Liebhaberphotographen eine Fülle landschaftlicher Schönheit
     bietend; die kleine Hafenstadt _Negombo_ mit vorzüglichem Rasthaus
     hat 20000 Einw.; sie liegt zwischen Meer und Lagune, zeigt
     altholländischen Charakter mit Kanälen und verschiedenen Bauten
     (altes Tor, sehr malerisch).

[Illustration: Mittel-Ceylon. Maßstab 1:1000000]


Von Colombo nach Kandy.

     =Colombo-Kandy Railway= vom Hauptbahnhof; Morgenschnellzug bis (75
     M = 121 km) _Kandy_ 3-3/4 St., I. Kl. hin und zurück 9 Rup.,
     Abfahrt von Kandy Nm., Ankunft in Colombo gegen Abend. _Cooks
     Reisebureau_ gibt Rückfahrkarten I. Kl. 15 Rup. einschließlich 1.
     und 2. Frühstück im Speisewagen und Wagenfahrt in Kandy.

     Für eine kurz dauernde Inselreise nehme man Rückfahrkarte
     Colombo-Kandy, fahre mit Morgenzug, steige in Peradeninya aus, mit
     nächstem Zug weiter; von Kandy Rückfahrkarte nach Nurelia, auch
     Rückfahrt mit beiden Karten bis Polgahawela, dort Fahrt
     unterbrechen (Bescheinigung nötig), dann mit Rückfahrkarte
     Polgahawela-Anuradhapura und schließlich zurück nach Colombo. Man
     achte darauf, daß von Nurelia das Gepäck richtig bis Anuradhapura
     aufgegeben wird (sagen, daß man Fahrkarte in Polgahawela
     nachkauft).

Die Bahnfahrt in die kühle Gebirgsgegend ist allen zu empfehlen, die
unter der Tropenhitze gelitten haben; wer von Kandy weiter ins Gebirge
hinauf will, nehme warme Kleidung und wollene Decken mit! Wer Zeit hat,
widme mindestens eine Woche dem tropischen Berglande. Die genußreiche
Fahrt führt zunächst über den Kelanifluß und weiter durch herrliche
Tropenlandschaften mit vielen Palmenarten und Riesenblumen (Talipot),
Brotfruchtbäumen, Jak, Frangipani etc. über (9 M) _Ragama_ (von hier
Zweigbahn nach Negombo, s. S. 114) und _Mahara_ (mit Steinbrüchen
für den Hafenbau) nach (16 M) _Henaratgoda_; 1,5 km vom Bahnhof
sind die _Government Tropical Gardens_ (für Botaniker wichtig!) für
tropische Pflanzen. Dann fährt die Bahn etwa 26 km durch dichten
Kokospalmenbestand nach (34 M) _Ambepussa_, schon im Hügelland in
ungesunder Sumpfgegend gelegen, wo dichte Dschungeln die Bahn umgeben.
Dann folgen angebaute Flächen, Kokospalmen und Teepflanzungen. --(45 M)
_Polgahawela_ (Bahnwirtschaft und gutes Rasthaus; 74 m); hier zweigt l.
die Northern Railway nach Anuradhapura (S. 119) ab. Unsre Bahn führt
weiter nach (52 M) _Rambukkana_, wo der Aufstieg ins Gebirge beginnt.
Die Bahn steigt nun 22 km lang mit 1:45 Steigung bis zu 517 m Höhe.
Prächtiger Pflanzenwuchs und überraschende Ausblicke (_Sensation Rock_)
an jeder Biegung der Bahn; viele Tunnels und senkrechte Felswände,
an denen die Bahn entlang führt. Zuweilen Blick auf das Tiefland von
Colombo, dann über zerklüftete Täler. Bei (65 M) _Kadugannawa_ ist
die Höhe des Ghats erreicht, die Luft wird schon kühler. Jenseit
des Bahnhofs sieht man den Belungalahügel (775 m), der früher als
Wachtposten diente. Nun senkt sich die Bahn wieder 40 m bis nach (71
M) _Peradeniya_, mit den berühmten *_Royal Botanic Gardens_ (S. 117);
hier teilt sich die Bahn, die Hauptlinie läuft südl. ins Gebirge,
eine Zweiglinie nördl. über Kandy nach Matale.--Die Bahn fährt am
Botanischen Garten vorbei nach

(75 M) =Kandy= (512 m; _Queen's Hotel_, gut, 112 Z. von 3 Rup. an, Lunch
2-1/2, Dinn. 4, Pens. 8-25 Rup.; _The Firs Hotel_, am See reizend
gelegen, Pens. 7-15 Rup.; _Florence Villas Hotel_, klein, aber bequem,
Pens. 5 Rup.; _Wagen_ in den Hotels, eine Fahrt Vm. oder Nm. 4-1/2-6
Rup.; Klub, am See; _=Banken=_: _Mercantile Bank of India Ltd._ und
_National Bank of India Ltd._ [beide Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank]; Reisebedarf
bei _Miller & Co._; _Cargills_; photographische Artikel bei
_Apothecaries & Co._ und _Skeen & Co._; Ärzte: Dr. _Hay_, Dr. _Anderson
Smith_), die alte singhalesische Hauptstadt von Ceylon, mit 26519 Einw.,
darunter viele Europäer, malerisch an einem kleinen, vom Gebirge
halbumschlossenen See gelegen; hat einen 1600 erbauten, jetzt
halbverfallenen großen Königspalast, 4 Hindutempel, 12 Buddhatempel,
darunter den sehr heiligen mit dem Zahn Buddhas (Dalaba). Abgesehen vom
Eingebornenviertel ist Kandy modern angelegt; während die
Eingebornenhäuser dicht beieinander auf der Talsohle stehen, sind die
Bungalows der Europäer rings an den Berghängen im Grünen versteckt. Vor
Queen's Hotel breitet sich der malerische See von Kandy aus. Das Klima
von Kandy ist erfrischend, obgleich bei Tage die Hitze noch empfindlich
wird; Abende und Nächte sind kühl; Zimmertemperatur im Dezember 20-25°
C.--Der Zahntempel zu Kandy, *=Dalaba Maligawa=, ist eins der großen
buddhistischen Heiligtümer; durch eine zinnengekrönte Umfassungsmauer
mit Graben gelangt man in eine große Vorhalle und von da in den innern
Hof, wo auf niedrigem Unterbau der eigentliche Tempel, die _Vihara_,
steht (zudringliche Priester und Bettler, man gebe einmal eine
Kleinigkeit; vgl. Tempelgelder S. 112).

     Man steigt auf enger Treppe ins Allerheiligste, wo die Reliquie auf
     silbernem Tischchen unter glockenförmigem, goldenem Behälter, der
     mit Diamanten und Perlen besetzt ist und auf goldener Lotosblume
     ruht. (Der »Zahn Buddhas« soll so groß wie ein Krokodils-,
     Ochsen- oder gar Elefantenzahn sein; über seine Echtheit bestehen um
     so mehr Zweifel, als die Reliquie 1560 in portugiesische Gewalt
     fiel und vom Erzbischof von Goa feierlich verbrannt wurde, trotzdem
     der König von Pegu 20 Mill. Francs Lösegeld geboten haben soll;
     König Wikrama Bahu von Ceylon ließ aber bald darauf durch Priester
     verkünden, der echte Zahn sei gerettet, die Portugiesen hätten
     einen falschen verbrannt.) Die Reliquie wird selten gezeigt.--Die
     bunten Fresken im Tempel stellen die Höllenstrafen, besonders für
     die Untugenden des weiblichen Geschlechts, dar.-- Sehenswert sind
     die kostbar gebundenen heiligen Schriften auf präparierten
     Talipotpalmblättern in einem achteckigen Pavillon des Tempels (man
     gebe dem Priester 1 Rup. für die von ihm überreichten Buddhasprüche
     auf solchem Palmenblatt).--In der Nähe ist in kleiner Kapelle ein
     großer Buddha zu sehen. Neben dem Tempel steht der renovierte
     Königspalast (jetzt Besitz des Gouvernements, von dem
     Gouvernementagenten bewohnt; sehenswert ist die alte Audienzhalle
     mit herrlich geschnitzten Säulen, jetzt Gerichtssaal, ferner ein
     _Museum_ mit altsinghalesischer Kunst (dort wird vor den Besuchern
     gewebt, geschnitzt etc.).

Spazierfahrt über _Lady Horton's Walk_ und _Lady Gordon's Walk_ ist
gegen Abend sehr lohnend; der Weg führt rings um den See und den
Talkessel an den Höhen hinauf mit vielen prächtigen Ausblicken auf Kandy
und das Tal des Mahawelli Ganga. _Gregory Road_ führt durch herrlichen
Wald mit Ausblicken auf den See. _Lady Black's Walk_ führt nach
Peradeniya.--Eine Rikschafahrt gegen Abend bis zum Flusse nach dem
Elefantenkral bietet Gelegenheit, (zahme) Elefanten baden zu sehen; dann
fahre man über die Mahawelli Ganga-Brücke bis zu dem interessanten Dorfe
_Katugastota_. In einem Park in Kandy liegt der schöne Wohnsitz (_King's
Pavillon_) des Gouverneurs von Ceylon. [Hand] _Schlangen kommen in der
Umgegend von Kandy vor, besonders Cobra und Carawilla, auch_ _Blutegel
und Skorpione_, die sich im Unterzeug festsetzen, weshalb man nach
Spaziergang auf Rasen oder in weglosem Wald und Garten nachsehen sollte.
Solange man auf Kieswegen und Straßen bleibt, besteht keine Gefahr!

     =Ausflug= nach (5 km) *=Peradeniya= (gutes _Rasthaus_ mit
     Betten), mit Bahn in 10 Min. zu erreichen, am besten mit Wagen
     (1/2 St.) durch eine hübsche Vorstadt von Kandy, wo jedes Haus
     von Palmen, Brotfruchtbäumen und Kaffeebüschen umgeben ist und
     auf den Dächern Ananas wachsen. Am Bahnhofswege liegen die
     Bungalows der am Botanischen Garten angestellten Naturforscher.
     Die *=Royal Botanic Gardens in Peradeniya=, gegründet 1819, sind
     60 ha groß und enthalten eine nahezu vollständige Sammlung aller
     wichtigen Tropenpflanzen der Erde. (Ein guter Plan des Gartens
     nebst Führer ist am Eingang zu 25 cts. zu bekommen.) Der Garten
     enthält Denkmäler der verdienten Direktoren Dr. _Gardiner_ und
     Dr. _Thwaites_. Einzelne Singhalesengärtner sind gute Führer für
     den Park.--Den Eingang bildet ein großer Dom alter Gummibäume
     (Ficus elastica) mit wirren, freiliegenden Wurzeln. Vor dem Portal
     stehen drei Baumriesen: ein Mahagonibaum, ein südamerikanischer
     Fruchtbaum (_Chrysophyllum_) und ein Nutzholzbaum (_Pterocarpus
     indicus_) aus Birma. Man fahre nun langsam durch den Garten
     und steige gelegentlich aus, um kleine Ausflüge zu Fuß auf den
     Promenadenwegen seitlich von den Fahrwegen zu machen. Zu beiden
     Seiten der Einfahrt stehen zwei mächtige westafrikanische Ölpalmen
     (_Elaeis guineensis_), dicht dabei eine Gruppe einheimischer
     und fremder Palmen: die Kokospalme (_Cocos nucifera_); _Areca
     Catechu_: die kubanische Königspalme (_Oreodoxa regia_); die
     Dattelpalme (_Phoenix dactylifera_) aus Nordafrika; _Areca
     concinna_; _Loxococcus rupicola_ und die wundervolle Coco de
     mer (_Lodoicea sechellarum_) von den Seychellen, deren Frucht
     früher als heilkräftig galt. Der _Mahawelli Ganga_ umgibt mit
     einer starken Windung den Park von drei Seiten. Eine lange,
     gerade Allee von hohen, schattigen Bäumen mit vielen Zierblumen
     dazwischen führt quer durch den größten Teil des Parks; von
     ihm zweigt sich ein andrer Fahrweg ab, der zur Wohnung des
     Direktors, auf kleiner Anhöhe gelegen, führt; dieser Bungalow
     ist von den seltensten Pflanzen mit den farbenprächtigsten
     Blüten umgeben. Sehr sehenswert ist der *_Farngarten_ an einem
     Bach im Schatten großer Bäume mit den seltsamsten kleinen und
     Riesenfarnen; ferner die Orchideen, blühenden Schlingpflanzen,
     Lianen, Trompetenblumen, Ipomoeen (Trichterwinden), die _Bauhinia
     scandens_ und _racemosa_ (wie ein Ankerkabel aussehend). Am Ufer
     des Mahawelli Ganga stehen hohe Bambusgebüsche, darunter der bis
     40 m hohe birmanische Riesenbambus (_Dendrocalamus giganteus_),
     dessen Wurzelschößlinge nach der Regenzeit (im Juni) austreiben
     und in 2-3 Monaten diese enorme Höhe erreichen. In der Nähe ist
     eine prachtvolle Oreodoxa-Palmenallee. In einem Teich wachsen
     Lotosblumen, Wasserrosen und andre Nymphäen sowie die mächtige
     _Victoria regia_; in der Nähe Nutzpflanzen: Kakao-, Kaffee-
     und Gewürznelkensträucher, Zimtbäume, Vanille, Erythroxylon
     coca (Kokain), Manihot (Tapioka), Pfeffer, Sagopalmen,
     Indigo- und Jutepflanzen, Citronellagras u. a.; ferner eine
     Muskatnußbaumallee. Auch die tropischen Giftbäume sind vertreten;
     der javanische Upas (_Antiaris toxicaria_), der Pfeilgiftbaum
     (unter den man sich nicht stellen soll) u. a., ferner verschiedene
     Gattungen von Kautschuk- und Guttaperchabäumen (_Castilloa
     elastica_, _Hevea brasiliensis_); außerdem prächtige Gruppen von
     Agaven, Cycas, Eucalyptus und (am Ende des Gartens) seltsamen
     Pandanusarten. Von merkwürdigen Pflanzen seien noch erwähnt:
     die _Mimosa pudica_, die insektenfressenden _Nepenthes_-Arten
     mit riesigen kannenähnlichen Blättern, der nachts seine Blätter
     schließende südamerikanische Regenbaum (_Pithecolobium Saman_),
     der Sandbüchsenbaum (_Hura crepitans_), dessen Früchte mit lautem
     Knall platzen, der Kanonenkugelbaum (_Couroupita guianensis_).
     Von den zahllosen Palmenarten ist eine der schönsten die in
     mehreren Alleen angepflanzte, in Ceylon heimische Talipotpalme
     (_Corypha umbraculifera_); ihr kerzengerader weißer Stamm
     wird mehr als 30 m hoch, ihre Gipfelkrone entwickelt riesige
     Blattfächer; im Alter zwischen 50 und 80 Jahren blüht die Palme
     ein einziges Mal und stirbt dann ab. Sehr interessant ist der
     sogen. »Baum der Reisenden« (_Ravenala madagascariensis_), eine
     prächtige Musazee, die in ihren Blattscheiden schmackhaftes,
     kühles Wasser ansammelt. Der Garten ist voll tropischer Vögel,
     Eichhörnchen und Fliegender Hunde.

     Im Garten ist ein sehenswertes *_Museum_ (tropische Hölzerarten,
     Pflanzenfasern, Drogen, getrocknete Früchte u. a.) und daneben eine
     _botanische Versuchsstation_ (sehenswert, mit riesigem Garten für
     sich, Direktorwohnung und Wirtschaftsgebäuden) für
     landwirtschaftliche, chemische und zoologische Untersuchungen (auch
     für Mikroskopie und Photographie), dessen Benutzung auf Antrag beim
     Direktor des Gartens (_J. C. Willis_) auch fremden Forschern
     gestattet wird. Man fährt vom Hauptgarten in kleinem Boot über den
     Fluß und meldet sich im Kontor des Direktors, nachdem man sich an
     der Landungsstelle in ein Buch eingeschrieben hat.

     Gegenüber vom Bahnhof eine Teepflanzung nebst Fabrik und in der
     Nähe die Kakaopflanzung _Gangaruva_.

     =Ausflug= nach =Lanka Telika=. Die Umgebung von Kandy bietet
     Gelegenheit zu lohnenden Ausflügen, worüber »_Burrow's local guide
     to Kandy_« Auskunft gibt. Rikschafahrt (etwa 1-1/2 Rup.) zum
     Mahawelli Ganga, dann mit Fähre übersetzen und 20 Min. zu Fuß zum
     Felsentempel (_Rock temple_), wo in Granithöhle ein 10 m langer
     schlafender Buddha aus dem Felsen gehauen, grell bemalt.--Drei ganz
     verschiedene Buddhatempel kann man besuchen, indem man von Kandy
     zunächst 8 km auf der Straße nach Kadugannawa zu fährt, dann auf
     schmalem Pfad reitet, zunächst zu dem neuen, aber schön zwischen
     Felsenhängen gelegenen Tempel von _Gadaladenya_, dann zu dem alten,
     halbverfallenen Tempel von _Galangolla_ und schließlich zu dem
     architektonisch seltsamen, auf dem Gipfel eines Felsens erbauten
     Tempel von _Lanka Telika_. Den Wagen trifft man auf Verabredung
     wieder 14 km von Kandy auf der Straße nach Gampola.


Von Kandy nach Anuradhapura.

     =Northern Railway= von _Kandy_ über _Polgahawela_ nach (111 M)
     _Anuradhapura_ in 5-1/2 St. Von Colombo direkt in 5-3/4 St.

Von Kandy nach (30 M) _Polgahawela_ s. S. 115. Von hier geht die
Northern Railway nördl. über (43 M) =Kurunegala= (_Rasthaus_), der
Hauptstadt der NW.-Provinz, die auf einem vereinzelten, über 300 m hohen
Felsen mitten in der Ebene liegt (*Aussicht).--Nicht weit nö. das alte
Buddhistenkloster _Ridi Vihare_, sehr malerisch auf einer
Anhöhe.--Weiter führt die Bahn über (70 M) _Maho_ (von hier Ausflug nach
[7 km, davon etwa 2 km Fußweg durch Dschungeln] =Yapahu=, wo einer der
malerischsten alten Tempel, der _Malagawa_, früher Aufenthalt des
heiligen Zahns von Buddha, liegt; der Tempel hat prächtige
Treppenanlagen und seltsame Fenster mit reichem Bildhauerschmuck; man
bitte den Station Master der Abfahrtstation in Maho-Station einen Wagen
[Bullock car] telegraphisch vorauszubestellen).--Die »Northern
Railway« führt weiter nach (111 M) _Anuradhapura_ (s. unten) und über den
_Elephant Pass_ (Meerenge) nach (230 M) _Jaffna_ (S. 124) an der
Nordspitze Ceylons sowie bis zur Hafenstadt (241 M) _Kankesanturai_ (s.
124); Fahrzeit von Colombo bis Jaffna 12-1/2 St., bis Kankesanturai 13
St.

Um das Innere Ceylons kennen zu lernen, fährt man von _Kandy_ am besten,
wenn man die Kosten nicht scheut, mit Privatautomobil (s. S. 110), eine
herrliche Fahrt, bis Anuradhapura auf guter Fahrstraße; oder zunächst
mit der Bahn nach (26 km) _Matale_ (Rasthaus gut, Ankunft vorausmelden;
Verpflegung zu haben), einem blühenden Dorf mitten in Teepflanzungen.
Von Matale nach Dambulla fährt täglich ein Postautomobil (etwa 10 Uhr
Vm. ab) in 4-1/2 St., Fahrpreis 6 Rup., von da weiter nach Trincomali in
18 St., Fahrpreis 15 Rup. Der Weg führt bald hinter Matale an dem
sehenswerten Buddhatempel _Alu Vihara_ vorbei, dessen Kloster über der
Straße malerisch zwischen Felswänden liegt. Kurzer Aufenthalt in (48 km)
_Nalande_ (Rasthaus gut, mit Verpflegung, liegt unter einem riesigen
Tamarindenbaum versteckt); dann folgt schöne Berglandschaft, bis (72 km)
_Dambulla_ (Rasthaus so gut wie ein Gasthof), großem Dorf am Abhang
eines dunkeln Felsens mit Höhlentempel. (Ausflug mit Automobil oder
Bullockcar nach (24 km) *=Sigiri=, senkrechter Felsen mit herrlichen
Ruinen aus der Ebene aufsteigend, einst starke Feste, aus dem 5. Jahrh.,
mitten im Wald; nach Sigiri floh König Kasyapa, nachdem er seinen Vater
Dhatu Sena ermordet hatte. Der Rasthauswart von Dambulla hilft bei
Anordnungen für den Ausflug; in Sigiri ist auch ein Rasthaus.) Dann mit
Privat-Bullockcar (beim Rasthauswart in Dambulla vorausbestellen) weiter
auf hoher Brücke über den _Mirisgoni Oya_ nach (93 km) _Kekerawa_ (gutes
Rasthaus); von hier kann man auf gutem Fahrweg (13 km) den großen
Wasserbehälter von _Kalawewa_ besuchen (Staudamm erbaut im Jahre 460 vom
König Dhatu Sena), der mehr als 100 Dörfer und die Stadt Anuradhapura
mit Wasser versorgt. Von Kekerawa durch einförmigen Wald über (113 km)
_Tirapane_ (Rasthaus) nach

(135 km) =Anuradhapura= (_Hotel Anuradhapura_, gut, Pens. 10 Rup.;
Führer und Auskunft zu haben; in der Nähe wohnt der englische Government
Agent; Postautomobil tägl. nach Trincomali, gegen 2 Uhr mitt. vom Hotel,
Fahrpreis etwa 30 Rup.; man erkundige sich vorher, vgl. S. 110), jetzt
großes Dorf, ehemals Hauptstadt von Ceylon, wurde um 500 v. Chr. vom
König Anurado erbaut (von Ptolemäus _Annurogrammum_ genannt) und war
dann viele Jahrhunderte die prächtigste Kultusstätte des Buddhismus.

     Der chinesische Pilger _Fa Hiam_ schilderte 412 n. Chr. seinen
     Besuch der Stadt; er staunte über »die Pracht der Bauwerke, den
     Reichtum der edelsteinbesetzten Statuen, die überwältigende Größe
     der Dagobas, die Zahl der Priester, die in der Stadt mehr als 5000,
     im Kloster zu Mihintale an 2000 betrug«. Etwa 2 Jahrhunderte später
     schreibt das singhalesische Buch Lankawistariyaye: »Die Entfernung
     vom Haupttor zum Südtor beträgt 4 Stundenmärsche, ebenso vom Nord-
     zum Südtor. Hauptstraßen sind die Mondstraße, die König
     Hingururek-Straße und die Mahawellastraße, deren erstere an 11000
     Häuser zählt, viele davon zwei Stockwerke hoch. Kleinere Straßen
     gibt es unzählige. Der Palast hat lange Reihen von Gebäuden, manche
     2-3 Stockwerke hoch, und seine unterirdischen Gänge sind von großer
     Ausdehnung« (nach _Hans Meyer_). Mit den Einfällen der Tamulen und
     Malabaren verschwand die Stadt aus der Geschichte und wurde von
     Urwald überwachsen; seit 1872 hat der Gouverneur Gregory das
     Dickicht lichten und die wichtigsten Ruinen freilegen lassen.

[Illustration: Plan von Anuradhapura.]

_=Rundfahrten=_ am besten mit Wagen (Bullockcar) 1) im Innern der Ruinen
(inner circle), 2) im »Außenring« (outer circle), 3) nach Mihintale; nach
Bedarf aussteigen. Zuerst besuche man die Palastruine _Lowamahapaya_
(»Brazen Palace«, d. h. Bronzepalast [Pl. 1], genannt), ein Wald von
etwa 1000 monolithischen vierkantigen Pfeilern in Reihen von 40 zu 40
(mit 9 Stockwerken und 1000 Klausen vor 2000 Jahren vom König Datagamana
für die Priester erbaut). Dahinter steht eins der größten buddhistischen
Heiligtümer, der Riesenbaum (umgeben von einer Mauer) _Siri-maha Bodhin
Wahanse_, _der heilige Bo-Baum_ (Pl. 2), ein Abkömmling des Baumes,
unter dem Gautama erleuchtet (d. h. Buddha) wurde; der Baum stammt aus
Buddh Gaya (S. 95), wurde 245 v. Chr. vom König Dewananpiya Tissa
gepflanzt, ist also der älteste historische Baum auf der Erde; Priester
beschützen ihn und verschenken (Gegengeschenk angebracht) seine Blätter.
Der Weg führt dann zurück vorbei an umgestürzten Buddhabildern,
Wischnustieren etc. nach den _sieben Dagobas_ (erbaut vom 4. Jahrh. vor
bis zum 3. Jahrh. nach Chr.), die im Umkreis von 2 St. über das alte
Stadtgebiet verstreut sind; sie heißen nach der Größe _Abhayagiriya_
(Pl. 3; jetzt nur noch 100 m, früher 123 m hoch), _Jaytawanarama_ (Pl.
8), _Ruwanwella_ (_Ruanwelli_; Pl. 6), _Miriswetiya_ (Pl. 7),
_Thuparama_ (Pl. 4), _Lankarama_ (Pl. 9) und _Kujjatissamara_ (Pl. 5).
Die Thuparama, die älteste, ist mit drei Reihen geschmückter Säulen
umgeben, enthält das rechte Schulterblatt Buddhas als Reliquie. Die
Ruwanwella-Dagoba (140 v. Chr. erbaut) hat noch künstlerischen Wert,
ihre Terrasse ist mit Altären, Götterbildern und Säulen wie der Vorhof
eines klassischen Tempels bestellt; darunter sind zwei männliche,
zurzeit infolge Einsturzes der Seitenwand verschüttete Statuen den
ältesten Erzeugnissen griechischer Kunst zur Seite zu stellen.
Stellenweise stört ungeschickte Ausbesserung (nach _Hans Meyer_).--Auch
die großen alten _Badebecken_ in der Umgebung der Stadt, die zur
Wasserversorgung und als königliche Bäder dienten, _Pokunas_ genannt,
sind sehenswert, namentlich die großen von _Tissawewa_ (Pl. 10),
_Nuwerawawa_ und _Basawakulam_ (Pl. 11); in der Nähe des erstern ist der
kleine Felsentempel _Isuruminiya_. Sehenswert sind auch eine
_Buddhastatue_, der _Pfauenpalast_, die _Mondsteine_ etc.
(vgl. »Baudenkmäler aus ältester Zeit in Ceylon«, nach dem Englischen des
Henry W. Cave, deutsch von Anna, Gräfin von Zech, Berlin 1901).

     13 km östl. von Anuradhapura liegt der heilige Felsenhügel
     *=Mihintale= (Rasthaus), gekrönt von zwei sehr alten Dagobas und
     völlig bedeckt mit Ruinen von Tempeln, Klöstern und Einsiedeleien.
     Die Chaussee dahin führt durch Dschungeln; man sieht im Walde
     Dschungelhühner, Nashornvögel, Pfefferfresser, Papageien, Affen.
     _Rasthaus_ am Fuße des Hügels. Eine riesige Freitreppe von fast
     2000 Stufen führt in drei Fluchten zum Gipfel, vorbei an der
     kleinen seltsamen _Ambastalawa-Dagoba_, welche die Asche des
     Buddhaapostels Mahindo, 3. Jahrh. v. Chr., enthält, von 50 Säulen
     mit dem Bilde der heiligen Gans umgeben (man besichtige auch das
     aus dem Felsen gehauene schöne Badebecken _Naka Pokuna_ und die
     Felsenzelle, _Mahindos Bett_ genannt, wo der Apostel schlief) und
     zur _Mahaseya-Dagoba_ (vom König Bhatiya Tissa über einem Schrein
     erbaut, der ein Haar von Buddhas Stirn enthält). Ein Pfad führt um
     die Dagoba, der prächtigen *Ausblick auf den Wald, die Dagoba von
     Anuradhapura und die fernen Berge von Matale gewährt.

     _=Rückfahrt=_ von Anuradhapura am besten mit der Northern Railway
     (S. 118) direkt nach Colombo oder _Kandy_; man kann aber auch von
     Anuradhapura mit Postautomobil (s. oben) über (53 km)
     _Horawapotana_ (Rasthaus) und (80 km) _Pankulam_ (Rasthaus), mit
     den heiligen heißen Quellen von _Chimpiddi_, nach (105 km)
     _Trincomali_ (S. 124) durch wilde Tropenlandschaft fahren, von da
     zurück nach _Colombo_ (S. 110).


Von Kandy nach Nuwara Eliya.

     =Eisenbahn= von _Kandy_ in 6 St. nach _Nuwara Eliya_; Speisewagen
     im Zug. In der Reisezeit im Oktober bis Februar Zimmer
     vorausbestellen! Man versehe sich mit warmer Kleidung und wollenen
     Decken; die Zimmer werden geheizt. --Die Gebirgsfahrt ist sehr
     reizvoll; man beobachtet die Änderung des Pflanzenwuchses innerhalb
     kurzer Strecken: Tropenwald, Teepflanzungen, angepflanzte
     Eucalyptus, Grevillea, Casuarina; in feuchten Tälern Baumfarne,
     Moose, Flechten; in 2000 m Meereshöhe weite Strecken mit niedrigem
     Rhododendron, einzelne hohe Farnbäume, hochstämmiger Laubwald und
     hohe pinienähnliche Keenabäume (Calophyllum tomentosum), Aloen,
     auch noch Tee- und Chinchonapflanzungen sowie Reisfelder.

Die Bahn führt von _Kandy_ (S. 115) über _Peradeniya_ (S. 117) nach (34
M) =Hatton= (_Hatton Hotel_; _Adams Peak Hotel_, Pens. 8 Rup.; Arzt _Dr.
Thomas_ in [7 km] Norwood; _Hatton Bank;_ Wagen und Reitpferde zu
haben), 1263 m ü. M.; nahebei große Teepflanzungen in den Tälern von
_Dickoya_, _Dimbula_ (wo bis 1870 reiche Kaffeepflanzungen lagen, die
durch einen Pilz, Hemileia vastatrix, zerstört wurden) sowie in
_Maskeliya_.

     =Besteigung= des =Adam's Peak= (2262 m) von Hatton aus (32 km) am
     bequemsten, auch schon von Damen ausgeführt, obgleich nicht
     ungefährlich. Besteigung ist nur lohnend, wenn der Himmel ganz
     wolkenfrei ist, also meist im Februar und März. Der
     zuckerhutförmige Gipfel ist allen Religionen heilig (vgl.
     _Haeckels_ »Indische Reisebriefe«); auf ihm wölbt sich ein kleiner
     Tempel über der _Sripada_ (heiligen Fußstapfe). Die Pilger verehren
     hierin je nach ihrem Bekenntnis die Fußspur Adams, Schiwas, Buddhas
     oder des heiligen Apostels Thomas; es herrscht dabei erstaunliche
     Eintracht zwischen allen Bekennern. Nach arabischer
     (mohammedanischer) Sage soll Ceylon das Paradies gewesen sein, aus
     dem Adam vom Engel auf den Berg getrieben wurde, wo Adam so lange
     stand, bis sein Fuß sich in den Gneisfelsen bohrte; seine Tränen
     flossen zu einem kleinen See zusammen, dessen Wasser noch heute als
     wundertätig und heilwirkend gilt. Ehe Buddha in den Himmel
     zurückkehrte, berührte sein Fuß zum letzten Male den Gipfel des
     _Samanala_ (so wird der Adam's Pik von den Buddhisten genannt).
     Ähnliches erzählen die Tamulen und Malabaren von Schiwa, die
     Christen vom heiligen Thomas. Die erste Beschreibung einer
     Besteigung des Piks stammt vom arabischen Arzt Ibn Batuta (1340);
     schon damals führten zwei Pilgerwege hinauf: der rauhe
     beschwerliche Baba- (Adams-) Weg und der bequemere Mama-(Evas-)
     Weg; ersterer führt zuletzt auf eingehauenen Stufen eine steile
     Felswand hinauf, für die fromme Pilger Festhalteketten gestiftet
     haben; die letzte ist die »Kette der Erkenntnis«, weil sie plötzlich
     einen Ausblick in einen Abgrund gewährt (nach _Cäcilie von
     Rodt_, »Reise einer Schweizerin um die Welt«).

     Wenn man von Kandy Wagen, Träger und Führer vorausbestellt, kann
     man die Besteigung von Hatton in einem Tag ausführen; doch
     übernachtet man gewöhnlich in einer Hütte auf dem Gipfel, um den
     Sonnenaufgang und dabei den merkwürdigen Schatten des Piks zu
     sehen. Proviant mitnehmen! Der Aufstieg wird jährlich von Tausenden
     von Pilgern jedes Alters und Geschlechts ausgeführt, ist aber für
     Personen, die an Schwindel leiden, nicht völlig sicher! Man fährt
     mit Wagen von Hatton bis (22 km) _Laxapana_ (guter Gasthof); dann
     ist noch Reitweg etwa 5 km (Pferde mitnehmen von Hatton).
     Tragsessel sollen in Laxapana zu haben sein. Der steile Aufstieg
     von etwa 460 m führt anfangs noch durch Teepflanzungen auf
     ausgetretenen Wegen zum Tempelchen auf dem Gipfel.

Von Hatton führt die Bahn zunächst etwas bergab nach (41 M) _Talawakele_
und steigt von da gleichmäßig nach (54 M) _Nanuoya_ (1613 m), dann
umsteigen und auf Zweiglinie mit weiterer Steigung von 280 m in
zahlreichen Windungen bis zur Endstation

(61 M, 98 km) =Nuwara Eliya=, englisch abgekürzt _Nurelia_ (1893 m;
wegen Vorausbestellung der Unterkunft vgl. S. 110! _Grand Hôtel_
[deutscher Manager P. Werner], 122 Z. von 3-1/2 Rup. an, Lunch 2, Dinner
3, Supp. 1-1/2, Pens. [wenigstens 3 Tage] von 11 Rup. an, gut; _St.
Andrews Hotel_ [deutscher Besitzer Humbert], Pens 8-10 Rup., einfacher,
aber gut und in bester Lage; _New Keena House_, kleines Familienhaus,
zum Grand Hôtel gehörig, Pens. 12 Rup., 18 Z.; außerdem Pensionshäuser
und Klubhaus; _National Bank of India Ltd._, Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank), auf einer Hochebene
gelegen, besteht aus vielen, zum Teil im Wald oder Garten versteckten
Bungalows, darunter der Sommersitz des Gouverneurs. Von November bis
April ist es von den Europäern auf Ceylon sehr besucht; in dieser Zeit
heiße Tage, aber kalte Nächte. Von Mitte Mai bis Mitte September im
SW.-Monsun nasses und kaltes Wetter; Mitte Oktober bei Eintritt des
NO.-Monsuns Regen und Sturm. Das Klima ist sehr feucht, aber im
Gegensatz zum Tropenklima sehr gesund und erfrischend, die Gegend
fieberfrei; Luftwärme im Jahresmittel 14,1° C, im Januar 13,1°, im Mai
15,5°, im Juli 13,8°, im Oktober 14,4°; gelegentlich tritt Frost auf,
aber die Sonnenwirkung ist doch stets kräftig. 202 Regentage im
Jahre.--Nahe bei Nurelia eine Teefaktorei (_Naseby Estate_), wo man die
Bearbeitung des Tees beobachten kann (interessant).

     Längerer Aufenthalt in Nuwara Eliya bietet Ausflüge zu Pferde oder
     im Wagen auf der Hochebene nach dem _Rambodapaß_ (hin und zurück 10
     km; jenseit des Passes Teefaktoreien, Betrieb gern gezeigt); um den
     See (10 km); um die _Moon Plains_ (15 km); 2 Tage fordert ein
     Ausflug zu Pferd nach den _Horton Plains_ (großes Rasthaus, sehr
     gut, Platz vorausbestellen), 45 km von Nuwara Eliya, in wilder
     Gebirgsgegend an schroffen Abhängen. Herrlicher *Blick in der
     SW.-Ecke (2100 m) von Horton Plains, bei »_World's End_«, senkrecht
     1500 m hinab ins Tiefland. Man hüte sich vor dem weichen Moorgrund,
     der bei Nuwara Eliya häufig vorkommt. (Horton Plains und Elk Plains
     sind Eldorados für Jäger: Hirsche, Rehe, Wildschweine, Hasen,
     Fasanen, sogar Leoparden.)--Vom Grand Hôtel 3/4 St. bequemer Weg
     auf den _Single Tree Hill_, herrliche Rundschau (man nehme einen
     Jungen zur Führung mit, um sich nicht zu verlaufen).--Von Nuwara
     Eliya mit der Bahn 3/4 St. (zu Wagen 1 St.) nach =Randapola= (2070
     m), herrlicher Blick ins Tiefland.

     =Ausflug= nach =Hakgala=, 10 km sö., mit Wagen (Zweisp. 6 Rup. hin
     und zurück; Rikscha 3,30 Rup.) am malerischen See entlang nach dem
     kleinen Botanischen Garten von =Hakgala=, der sehr malerische
     Ausblicke auf die Hakgala-Berge bietet. Von den Terrassen sieht man
     hinter einem tiefen Tale den _Mamuna-Pik_.--Von Hakgala östl. guter
     Fahrweg über (21 km) _Wilson's Bungalow_ (gutes Rasthaus) durch
     tiefe Täler über (42 km) _Etampitiya_ (gutes Rasthaus) nach (60 km)
     =Badulla= (gutes _Rasthaus_), der Hauptstadt der Provinz Uva, einer
     der ältesten und malerischsten Städte Ceylons, mitten zwischen
     Teepflanzungen.

     =Besteigung= des *=Pedrotallagalla= (engl. _Pidauru Talagala_; 2538
     m), des höchsten Berges auf Ceylon, nicht zu versäumen; von Nuwara
     Eliya aus sehr bequem zu Fuß (auch für Damen) in 2 St. auszuführen.
     Der sehr gute Promenadenweg führt am Keena House vorüber durch
     hochstämmigen Rhododendronwald mit Keenabäumen zwischen dichtem
     Gestrüpp von wilden Rosen und Farnen über verschiedene Bäche durch
     Dschungeln. Oft trifft man Scharen schwarzer Affen.

     »Die Spitze trägt eine kreisrunde Steinmauer mit einem
     trigonometrischen Signalkreuz. Die *Aussicht trifft ringsum auf
     Bergland; von unten blinkt der See von Nuwara Eliya herauf, um den
     sich die Häuschen als dunkle Punkte gruppieren; die Straßen winden
     sich wie Schlangen in die Berge« (_Hans Meyer_). Auch der Adam's
     Peak und das Meer sind bei klarem Wetter zu sehen. Da der Berg
     Wetterscheide ist, trifft man oben meist sehr kalten Wind (also
     zuletzt langsam steigen und oben Decke oder Mantel benutzen!).
     Achtung beim Abstieg, der lehmige, feuchte Boden ist oft sehr
     schlüpfrig.

     =Ausflug= nach =Bandarawela=: Mit der Bahn von Nuwara Eliya über
     (16 km) _Nanuoya_ (S. 122) und weiter über (49 km) _Haputale_
     (Rasthaus) und den höchsten Punkt der Bahn (1896 m) nach (71 km)
     =Bandarawela= (guter _Gasthof_), einer aufblühenden Sommerfrische,
     einfacher als Nuwara Eliya, aber mit dem angenehmsten Klima; von
     hier mit Postwagen über (23 km) _Dikwella_ nach (etwa 30 km)
     _Badulla_ (s. vorher).

     Von Bandarawela sehr schöne =Autofahrt= (s. S. 110) über _Haputale_
     (s. oben) nach (24 km) _Haldamulla_ (Rasthaus)--von hier Seitenweg
     nach _Koslande_ (Rasthaus), am sehr schönen _Naulawasserfall_
     vorbei in das Jagdgebiet von _Wellawaya_ (Rasthaus), dann zurück
     nach Haldamulla und auf der Hauptchaussee weiter über (37 km)
     _Beliholoya_ (Rasthaus) in romantischer Landschaft nach (56 km)
     _Balangoda_ (Rasthaus); von da durch prächtige, abwechselungsreiche
     Tropenflora nach (102 km) *=Ratnapura= (gutes Rasthaus),
     Provinzhauptstadt mit berühmter Edelsteingewinnung (Katzenaugen,
     Rubine, Türkisen, Opale, Saphire, Topase) durch Auswaschung des
     Lehmbodens; schönste Landschaftsbilder bieten Blicke vom Gipfel des
     Forts, von der Hängebrücke und der Circular Road; nahebei auf dem
     Saumpfad, der von der Brücke nach Gilimale führt, prächtiger
     *Ausblick auf den Adam's Peak (S. 121), der auch von Ratnapura aus
     bestiegen werden kann: Man reitet bis (11 km) _Gilimale_, einem
     großen  Dorf, wandert von da zu Fuß über (8 km) _Palabaddala_,
     Pilgerhaltestelle, steigt dann steil nach (21 km von Gilimale)
     _Heramitipana_ (großer Pilgerbungalow) am Fuß des Peaks und hat
     dann noch 5 km steilen Aufstieg zum Gipfel (S. 121).

     Von Ratnapura Rückfahrt über _Pussella_, _Avisawella_, _Hanwella_
     und _Kaduwella_ (Orte mit Rasthäusern) nach Colombo.

     Die =Rückfahrt= von _Nuwara Eliya_ nach _Kandy_ über (64 km)
     _Gampola_ (Rasthaus), Wagenfahrt auf guter Straße meist bergab,
     bietet bessere Gelegenheit als die Bahnfahrt, die Veränderungen des
     Pflanzenwuchses nach der Höhenlage zu beobachten. Etwa halbwegs in
     _Ramboda_ (gutes Rasthaus mit Verpflegung) liegt etwa ein Dutzend
     schöner Wasserfälle nahe beieinander. Von _Gampola_ mit der
     _=Bahn=_ zurück nach _Kandy_.

     Nach _Lanka Telika_ s. S. 118.


Küstenfahrt rund um Ceylon.

     =Dampfer= der _Ceylon Steamship Co._ (Agent _Walker, Sons & Co._,
     Colombo) von _Colombo_ jeden zweiten Mi. u. Fr. Nm. abwechselnd
     nach Norden oder nach Süden; Fahrzeit etwa 8 Tage; Fahrpreis 125
     Rup.

     Die Nordrundfahrt führt zunächst nach =Pambam= auf dem Westende der
     Insel Rameswaram, am Westende der _Adamsbrücke_, einer 23 km langen
     Kette kleiner Inseln und großer Riffe zwischen der Westspitze der
     Insel _Manár_ und der Ostspitze der flachen, sandigen Insel
     _Rameswaram_ (Eisenbahnüberbrückung nach Indien im Bau). Nach
     mohammedanischem Glauben soll Adam über die Adamsbrücke aus dem
     Paradiese (Ceylon) vertrieben sein. Pambam liegt an der einzigen
     Durchfahrt (_Pambam Passage_) zwischen dem Golf von Manár und der
     Palkstraße.

     *=Rameswaram= (_Ramisseram_), Überfahrt von _Mandapam_ (Endpunkt
     der Zweigbahn von Madura, S. 126) mit Dampfboot, hat den schönsten
     drawidischen *Tempel Indiens mit berühmten Heiligtümern, die von
     großen Pilgerscharen besucht werden. Der große Tempel steht im
     nördl. Teil der Insel, südl. von ihm liegt ein Frischwassersee;
     besonders schön sind die fast 120 m langen Tempelhallen.

     Von Pambam nordwärts dampfend, erreicht man am nächsten Morgen
     _Kankesanturai_, den Hafen von =Jaffna= (_Rasthaus_), einer
     blühenden Stadt mit alten holländischen Forts und Kirchen, Sitz
     amerikanischer Missionsgesellschaften. Jaffna hat sehenswerte
     Hindutempel sowie schöne Umgebung. _=Eisenbahn=_ von Jaffna über
     _Pallai_ nach _Anuradhapura_ (S. 119).--_Point Pedro_, der nächste
     Anlegeplatz des Dampfers, bietet nichts.--Dann steuert der Dampfer
     sö.

     =Trincomali= (_Rasthaus_); Postautomobile nach Anuradhapura (S.
     119) und Dambulla (S. 119), wichtiger Kriegshafen in der Geschichte
     der Seekriege des 17. und 18. Jahrhunderts, wurde 1622 den
     Malabaren von den Portugiesen entrissen, 1639 von den Holländern
     erobert, 1673 den Franzosen, 1674 den Holländern, 1782 den
     Franzosen, 1783 den Holländern und schließlich von den Engländern
     seit 1795 behauptet. Im innern Hafen eine Marinewerft; der Ort ist
     stark befestigt und hat etwa 10000 Einw. Guter Fahrweg nach (92 km)
     Anuradhapura (S. 119).--In der nächsten Nacht läuft der Dampfer
     nach

     =Batticaloa= oder _Baticalia_ (_Rasthaus_), Hauptstadt der
     Ostprovinz Ceylons, mit berühmten Webereien, auf einer Insel in
     einem tief einschneidenden Meeresarm; im Gewässer nahe der Stadt
     leben die berühmten _=singenden Fische=_ (Cerithium palustre), eine
     Art Muschelfisch, deren volle, sonore Töne man in den Nächten vor
     und nach Vollmond im Boot belauschen kann (sehr wirkungsvoll, wenn
     man das Ohr durch einen Stock oder Zweig mit dem Wasser
     verbindet).-- Der Dampfer fährt weiter nach =Hambantota=
     (_Rasthaus_), einem kleinen, schlechten Hafen; in dessen Nähe an
     der Küste nö. liegt (34 km) =Kirinde= (_Rasthaus_), von wo ein Weg
     nach (13 km) _Tissamaharama_, einer der ältesten verlassenen
     Königsstädte von Ceylon mit sehr alten, sehenswerten Ruinen, führt.

     13 km nö. von Kirinde liegt =Palutupane= (_Rasthaus_), ein
     vorzüglicher Platz zur Jagd auf Elefanten, Büffel, Bären,
     Leoparden, Rehwild und Fasanen; in den Dschungeln trifft man viele
     sehr alte Ruinen. Von Palutupane guter Reitweg nach (209 km)
     _Batticaloa_ (s. oben). Das Waldgebiet des Flusses _Yala_ ist
     besonders schön.--Von Hambantota läuft der Dampfer nach =Matara=
     (_Gasthof_ und bequemes _Rasthaus_), einer großen blühenden Stadt,
     Endpunkt der Küstenbahn nach Colombo.--Nach kurzer Dampferfahrt
     erreicht man =Point de Galle= (_Oriental Hotel_), meist nur _Galle_
     genannt, sehr alte Seefestung mit 30000 Einw., aber schlechter
     Reede, daher seit dem Hafenbau von Colombo nicht mehr
     Dampferknotenpunkt. Die Umgebung ist sehr schön, der Palmenbestand
     wird als schönster auf Ceylon gerühmt. Landungsplatz an der
     Nordseite des Hafens. Mehrere Buddhistenklöster sind sehenswert.--
     Rückfahrt von Galle nach _Colombo_ mit Dampfer oder mit Bahn (119
     km) über _Bentota_, _Kalutara_ und _Mount Lavinia_.



6. Von Colombo über Madras(-Ootacamund) nach Calcutta. Darjeeling.

Vgl. die Karten bei S. 96 und 64.


     =Dampfer= der _British India Steam Nav. Co._ meist mangelhaft,
     Verpflegung etc. mäßig. Von =Colombo= nach (180 Seem.) =Tuticorin=
     in 13 St., dann =South Indian Railway= nach (443 M, 713 km)
     =Madras= in 22 St. Abfahrt von Colombo gegen Abend, Ankunft in
     Tuticorin etwa 7 Uhr Vm.; Ankunft in Madras (Egmore) am nächsten
     Morgen; Fahrpreis Tuticorin-Madras I. Kl. etwa 28, II. 14 Rup.
     Zusammengestellte Fahrscheine, 2 Monate gültig, sind nur in Cook's
     Office zu haben, desgleichen solche für 2 Monate, mit Erlaubnis,
     überall die Reise zu unterbrechen, für die Fahrt von Colombo über
     Madras nach Calcutta. Fahrzeit Madras-Calcutta 43 St. auf der neuen
     Ostküstenroute (_New East Coast Route_). Eisenbahnzeit (_Standard
     Time_) ist 9 Min. früher als Madras-Ortszeit. (Über indische
     Bahnverhältnisse s. S. 49.) In allen Schnellzügen ist bei Tage Eis
     und Selterwasser zu bekommen. Die Bahnwirtschaften der South Indian
     Railway sind meist gut.

     [_Eisenbahn nach Indien über die Adamsbrücke_ ist im Bau (vgl. S.
     124); die neue Linie wird über Anuradhapura (S. 119) führen und bei
     Medawachehiya nach Manár abzweigen, dann über Rameswaram nach
     Mandapam und Madura; dort Anschluß an die South Indian Railway, die
     über Döndigul und Trichinopoly nach Madras führt. Die Linie soll in
     einigen Jahren in Betrieb kommen.]

     =Dampfer Colombo-Madras=: _British India Steam Nav. Co._
     wöchentlich, wobei sie Küstenhäfen anlaufen.

     =Österreichischer Lloyd= monatl. von _Colombo_ über _Madras_ (3
     Tage) und _Rangoon_ (8 Tage, 2 Tage Aufenthalt) nach _Calcutta_ in
     14 Tagen.

     =Dampfer Colombo-Calcutta=: wie nach Madras; außerdem: _Messageries
     Maritimes_, monatliche Zwischendampfer laufen Pondichéry
     an;--_Peninsular & Oriental Co._ Zwischendampfer alle 14 Tage.

     =Geographisches.= Die Ostküste der vorderindischen Halbinsel, die
     _Koromandelküste_, ist ganz flach, sandig, teilweise mit Dünenzügen
     besetzt, von Nehrungen begleitet und ohne alle natürlichen Häfen.
     Die Flüsse des Dekhans schütten vor ihr meist Deltas auf, ein
     Zeichen dafür, daß die Küste in langsamer Hebung begriffen ist.
     Hinter ihr breitet sich bis zum Abfalle der Ostghats eine
     durchschnittlich 100 km breite, sandige Küstenebene aus, die
     außerhalb der Regenzeit meist dürr und gelb aussieht und zum Teil
     nur mit Hilfe künstlicher Bewässerung bebaut werden kann. Sie ist
     reizlos und ungesund. Landschaftliche Schönheiten bieten sich dem
     Reisenden erst wieder dar, wenn er die Nilgiriberge (S. 128)
     aufsucht.

Auf der Überfahrt von _Colombo_ in NW.-Richtung über den _Golf von
Manár_ hat man meist bewegte See; man sieht christliche Fischerboote
mit rotem Kreuz im Segel und mit Ausliegern. Die Dampfer ankern in
_Tuticorin_ 8 km außerhalb vom Lande, die Landung geschieht auf kleiner
Dampfbarkasse, die bei bewegter See 3/4 St. bis zum Landungsplatze
fährt. In Tuticorin _=Zolluntersuchung=_ (S. 49); für Waffen jeder Art,
auch Jagdgewehre, ist Zoll zahlbar und Passierschein erforderlich.

[Illustration: Grosser Tempel in Madura.]

=Tuticorin= (_Robert's Hotel_, gut; _Royal Hôtel_; _Dâk Bungalow_;
_Bahnwirtschaft_; wenn der Dampfer verspätet eintrifft, wird Frühstück
im Zuge angerichtet), Stadt mit 28000 Einw., Baumwollpressen und
Spinnerei; _National Bank of India Ltd._, Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank. Die frühere Perlfischerei
ist jetzt nur noch unbedeutend (die Perlen haben keine gute Farbe).
In der Nähe der Stadt große Salzfaktorei.--Hier beginnt die _South
Indian Railway_ (die Wagen stehen auf der Landungsbrücke); sie fährt
über (19 M) _Maniyachi_ in 5 St. durch die sandige Küstenebene nach
(99 M) *=Madura= (148 m; _Bahnwirtschaft_ mit 9 Betten, gut; guter
_Dâk Bungalow_, am Bahnhof; _Bank of Madras_. Fahrgelegenheiten knapp,
zeitig bestellen; _Einkäufe_: Messingsachen und Gewebe in Seide und
Wollmusseline, tüchtig handeln), Distriktshauptstadt mit 105984 Einw.,
einst Hauptstadt des Königreichs _Karnatak_. Madura, das »Athen«
Südindiens, mit großartigen Trümmern und gut erhaltenen Tempeln, gilt
als sehenswerteste Stadt Indiens nächst Benares (S. 90). Der *=große
Tempel Meenachi= (1,5 km westl. vom Bahnhof) ist das größte religiöse
Bauwerk der Erde und bildet eine kleine Stadt für sich; er ist von neun
»Gopuras« (reich mit Bildsäulen geschmückte pyramidale Turmbauten,
Eingangstore für die Gottheiten) umgeben, deren höchste 46 m hoch ist.
Am Nordende liegt die berühmte _Halle der 1000 Säulen_ (_Sahasrastambha
Mandapam_), von denen nur drei fehlen. Hunderte von Priestern halten
sich in den vielen großen Räumen ständig auf. Die westl. Anlage
ist Schiwa geweiht, hier _Sundareshwar_ genannt; die östl. der
_Minakshi_, der fischäugigen Gattin Schiwas. Innerhalb des letztern
Tempeltores liegt der gemalte Säulengang der _Ashta Lakshmi_, nach
acht Statuen dieser Göttin benannt, die das Dach stützen. In der Nähe
der Wasserbehälter (_Teppa Kulam_) »Tank der goldenen Lilien« (_Swarna
pushpakarini_), umgeben von einem Säulengang. Es ist schwierig, sich im
Tempel zurechtzufinden, man nehme einen Führer und besuche die Anlage
zweimal, wenn Zeit vorhanden, womöglich einmal abends, bei wunderbarer
Beleuchtung durch Tausende von Öllämpchen, besonders bei hohen
Festtagen (z. B. Anfang Dezember); auch kann man sich den Juwelenschatz
zeigen lassen (Auslegung kostet bei Vorausbestellung 15 Rup.), ziemlich
sehenswert. Prächtig ist die neue Halle _Tirumala's Choultry_ östl.
vom Tempel.--Der stilvolle _königliche Palast von Tirumala Nayak_ (2
km westl. vom Bahnhof) dient als englisches Regierungsgebäude.--Nördl.
von der Stadt liegt jenseit des _Vaigai-Flusses_ das _Tamkam_, eine
Arena für Kämpfe mit wilden Tieren, auch vom König Tirumala erbaut,
jetzt Steueramt.-- 5 km östl. vom Bahnhof und nördl. vom Fluß ist ein
Teppa Kulam (heiliger Wasserbehälter), in dessen Mitte eine Insel mit
Tempelanlage; schöne Fahrstraße führt durch prächtige Banyanallee
dahin. Der größte dieser Banyanbäume (_Ficus indica_) beschattet eine
Fläche von 55 m Durchmesser.

Die Bahn führt von Madura über (138 M) _Dindigul_ (Bahnwirtschaft),
Stadt mit Tabakmanufaktur und alter Felsenfestung, nach (184 M)
_Trichinopoly Junction Station_ (Bahnwirtschaft).

     =Zweigbahn= (nach Erode) nach (3 M) =Trichinopoly=,
     _Tritschinapalli_ (66 m; _Bahnwirtschaft_; _Dâk Bungalow_, 1,5 km
     vom Bahnhof; _Robert's Hotel_ in Cantonment; Spencer & Co.'s
     Erfrischungsräume, gut; Schlafgelegenheit im Bahnh.), Stadt von
     104721 Einw., aus 17 Dörfern bestehend; Gold- u. Silberarbeiten,
     Webereien, Tabakmanufaktur. Nahe dem Bahnhof, im Fort am Nordende
     der Stadt, erhebt sich ein schroffer, 83 m hoher Felsen, Zugang zur
     Treppe von der Südseite, am Eingange steinerne Elefanten und
     Säulen; 290 weiße, steile Stufen führen hinauf; oben ein kleiner
     Tempel mit prächtiger *Aussicht auf Stadt, Tempel, Palmenhaine, im
     Hintergrund Gebirge. Adler und Geier umstreichen den
     Felsen.--_=Ausflug=_ mit Wagen nach (3 km) _Sri Rangam_ über die
     Brücke des Coleroon (_Cauvery_); etwa 1,5 km nw. von der Brücke
     liegt der große _Tempel von Sri Rangam_ mit schöner Umgebung,
     ähnlich der Tempelanlage in Madura. Eine der Hallen ist mit
     Edelsteinen geschmückt. Ein schöner, kleinerer _Tempel des
     Jambukeshwar_ liegt noch 1,5 km weiter. --Sehenswert sind auch die
     _Anikuts_, Dämme im Coleroon zur Bewässerung, etwa 15 km westl. und
     östl. von Trichinopoly. --Seitentour von Trichinopoly nach
     _Ootacamund_ s. S. 128.

Von Trichinopoly Junction fährt der Schnellzug in 1-1/4 St. nach

(226 M) *=Tanjore=, _Tandschur_ (111 m; _Bahnwirtschaft_ mit
Schlafgelegenheit für 10-12 Pers.; unbequemer _Dâk Bungalow_ am
Bahnhof, östl. vom Kleinen Fort, wo Ponys und Bullockwagen zu haben),
Stadt mit 58000 Einw., Kunstgewerbe in Gold und Silber, Kupfer,
Teppichen, Seide, an der Wurzel des Cauvery-(Coleroon-)Deltas gelegen.
Der _Palast der Prinzessin von Tanjore_ im Großen Fort ist etwa 1550
erbaut; im dritten Hof ein achtstöckiger Bau, früher Waffenkammer; im
Versammlungsraum (Teluga Durbar) ein Standbild des letzten Radschah und
eine Sanskritbibliothek von 18000 Handschriften, davon 8000 auf
Palmblättern.--Der _Große Tempel von Tanjore_ im Kleinen Fort ist der
älteste und schönste Bau dieser Art, er stammt zum Teil aus dem 11.
Jahrh., ist später erneuert und aus einem Wischnuheiligtum in einen
Schiwatempel verwandelt worden; in der NW.-Ecke der äußern
Umfassungsmauer ist der prächtige Schrein (_Subrahmanya Kovil_) des
_Karttikeya_, des Kriegsgottes und Sohnes von Schiwa, des Schutzheiligen
der Brahmanen; Pilger trinken das über die Statue des Gottes gegossene
Wasser. Im Tempel zahllose Lingam, auf dem Vorhof ein *Riesenbulle.--Die
_Schwartz's Church_ ist zum Andenken an einen alten dänischen Missionar
erbaut; daneben der _Shivaganga Tank_ mit kleinem Park.

Von Tanjore über (250 M) =Kumbakonam= (_Bahnwirtschaft_; _Dâk
Bungalow_); Stadt mit 60000 Einw. und großer elfstöckiger Pagode, in
deren Nähe der _Mahamokam Tank_, umgeben von 16 kleinen malerischen
Pagoden, liegt, der nach dem Volksglauben alle 12 Jahre vom Ganges
Wasser bekommt.--Dann über (290 M) _Chidambaram_ (Dâk Bungalow, 2,5 km
vom Bahnhof), Stadt mit den ältesten südindischen Tempeln und Pagoden,
nach (299 M) _Porto Novo_, der ersten portugiesischen Niederlassung an
der Koromandelküste; die Bahn läuft längs des Strandes bis (316 M)
=Cuddalore=, Stadt mit 52000 Einw., Indigo- und Zuckerfabrikation, Handel
mit Reis und Zucker; der südliche Bahnhof, _Old Town Station_, hat
Bahnwirtschaft, die 3 km nördlichere _New Town Station_ ist näher dem
Dâk Bungalow und den Behörden. Dampferstation der British India Steam
Nav. Co. Für Weltreisende ist der Ort ohne Belang.--Bei (345 M)
_Villupuram_ (Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft) Zweigbahn westl. (24 M) nach
der französischen Stadt _Pondichéry_, deren Besuch nicht lohnt; dann
über (409 M) _Chingleput_ (Zweigbahn nach Conjeeveram, S. 104) nach (443
M) =Madras= (_Egmore Station_), S. 100. _=Fortsetzung der Bahn=_ vgl. S.
132.


Seitentour nach Ootacamund.

Vgl. die Karte bei S. 96.

     A. =Eisenbahn= von =Madras= mit der _South Indian Railway_ über
     (302 M) _Podanur_, dann mit Zweigbahn nach _Mettupalaium_ und mit
     Gebirgsbahn (_Nilgiri Mountain Railway_) über _Coonoor_ nach
     _Ootacamund_ (29 M von Mettupalaium) in 18-1/2 St. (336 M),
     ungefährer Fahrpreis I. Kl. 31, II. 16 Rup. --B. =Eisenbahn= von
     =Trichinopoly= über _Erode Junction_ (umsteigen!) und _Podanur_
     über Coonoor nach (198 M) Ootacamund, in etwa 17 St. für etwa I.
     Kl. 22, II. 11 Rup.--Zusammenstellbare Fahrscheine besorgt Th.
     Cook's Office.

     Die _Nilgiriberge_, durch eine breite Senke von dem südlichern
     Kardamumgebirge getrennt, aber nordwärts mit dem Dekhan (Staat
     Mysore) unmittelbar zusammenhängend, sind der südl. Eckpfeiler des
     gebirgigen Westrandes (Westghats) des Dekhans. Sie bilden
     einen Gebirgshorst, dessen allseitig steil abfallende bewaldete
     Flanken von schluchtartigen Erosionstälern zerfurcht sind, während
     sich oben ein verhältnismäßig wenig zerschnittenes Hochplateau
     ausdehnt, mit breiten, flachen Tälern und parkartiger Vegetation.

Von _Trichinopoly_ (S. 127) schmalspurige Eisenbahn bis (88 M; 243 M von
Madras) _Erode Junction_ (165 m; Bahnwirtschaft; gute Schlafgelegenheit
im Bahnhof); umsteigen auf die Hauptlinie der _South Indian Railway_
(Madras-Calicut-Mangalore); die folgenden Entfernungen sind von Madras
gerechnet. In (302 M) _Podanur_ zweigt unsre Linie nach den
Nilgiribergen r. ab (man frage, ob Umsteigen nötig!) und erreicht,
allmählich durch prächtige Gegend ansteigend, über (305 M) _Coimbatore_
(436 m), Stadt mit 40000 Einw., in der Nähe die schöne Pagode von
_Perur_, den Endpunkt der Hauptbahn (327 M) _Mettupalaium_
(_Matipolliam_; Bahnwirtschaft), 451 m ü. M. Von hier führt eine
schmalspurige Zahnradbahn (Nilgiri Mountain Railway), l. sitzen!, durch
herrliche Gebirgslandschaft mit wilden Bächen und Wasserfällen, Ausblick
auf blaue Berge und dichtbewaldete Hügel, nach (344 M) =Coonoor= (1860
m; _Bahnwirtschaft_; _Glenview Hotel_ [deutscher Besitzer Wutzler],
Pens. von 6 Rup. an; _Gray's Hotel_; _Hill Grove Hotel_; sämtlich gut;
Pasteursches Institut für Südindien), eine besuchte, windgeschützte
Sommerfrische mit etwa 18° C mittlerer Jahreswärme und 1400 mm
Regenmenge im Jahr; _Sim's Park_ und Umgegend sehr schön, besonders der
etwa 11 km entfernte, 90 m hohe _Kartairi-Wasserfall_.--Von Coonoor
fährt die Zahnradbahn über _Wellington_ (Militärlager 5 km von Coonoor)
und mehrere kleine Haltestellen durch prächtige Berglandschaft aufwärts
in 1-1/2 St. nach

(356 M) _Ootacamund_, _Utakamand_, kurz _Ooty_ oder _Uti_ genannt, der
besten Sommerfrische Südindiens, 2390 m ü. M., mit 13,5° C mittlerer
Jahreswärme (Januar 11,6°, April 16,1°).

     =Gasthöfe=: _Sylk's Hotel_, Inhaber G. D'Angelis & Son,
     Madras.--_Rosemount Hotel._--_Shoreham House_, empfohlen, Pens. 5
     Rup. im Vorfrühling.-- _Farrington_; _Fir Crove_; _Centre Hotel_.
     --=Post= u. =Tel.= nahe der St. Stephanskirche und dem NO.-Ende des
     Sees.-- =Wagen= (Tongas) für Ausflüge; Ponys zum Reiten.--=Bank=:
     _Bank of Madras._ --=Sanatorium= ist während des Sommers im
     Betrieb, dann sind auch =Ärzte= anwesend.--=Buchhandlung= und
     Geschäfte für europäische Bedürfnisse; =Photograph=: _Wiele &
     Kleine_.

_Ootacamund_ ist die Hauptgesundheitsstation der Präsidentschaft Madras;
im Sommer haben der Gouverneur und der Höchstkommandierende ihre
Amtssitze hier. Die Bungalows des Ortes liegen weit verstreut in einem
von Bergen umgebenen flachen Tale, der größte Teil von Ooty liegt nördl.
und nö. von dem schönen (künstlichen) See (2201 m), der 2,5 km lang ist.
Ortsvorsteher (Municipal Office), Postamt, Buchhandlung und europäische
Läden liegen nö. vom Basar der Eingebornen, etwa 1 km nördl. vom
NO.-Ende des Sees. Etwa 3 km südl. vom See liegt _Lawrence Asylum_, eine
Knabenschule mit Turm. Das Regierungsgebäude (_Government House_) liegt
etwa 1 km nö. vom Postamt; dicht dabei der prachtvolle *_Botanische
Garten_, der in einer Reihe Terrassen ansteigt und neben der indischen
auch die europäische und australische Flora berücksichtigt; Heliotrope
erreichen hier 3 m Höhe und 9 m Umfang, eine Verbena-Art wird 6 m hoch.
Am obern Hang des Talkessels ist eine Chinchonapflanzung
(Chinarindenbaum, Lieferant des Chinins); auch Tee-, Eukalyptus- und
Lorbeerpflanzungen finden sich in der Umgebung von Ooty, die sich durch
wundervollen, parkartigen Pflanzenwuchs auszeichnet.

     =Ausflüge= (stets Mundvorrat mitnehmen!) mit Tonga und zu Fuß sind
     sehr lohnend; der höchste Gipfel Südindiens, der 2628 m hohe
     _Dodabeta_, liegt etwa 4 km östlich vom See von Ooty: oben
     meteorolog. Observatorium: *Aussicht. --Um den merkwürdigen,
     aussterbenden Stamm der =Todas=, der hellfarbigen, großen,
     kräftigen Ureinwohner der Berge mit kühner Adlernase und fast
     europäischen Gesichtszügen, kennen zu lernen, muß man ihre
     Ansiedelungen, _Mands_, etwa 4 halbrunde Hütten, aufsuchen oder
     ihren heiligen Mand, die pyramidenförmige Strohhütte, _Tiriri_
     genannt, in der nur der Priester (_Pālāl_) mit seinem die
     heilige Büffelherde bewachenden und die Butter bereitenden Diener
     (_Kawilāl_) haust. Im Tiriri wird die heilige Büffelschelle
     aufbewahrt, als Sinnbild der Hauptgottheit, des Hiriadewa; dieser
     bringen die Priester Gebete (wobei sie den rechten Daumen auf die
     Nasenspitze halten und mit den übrigen gespreizten Fingern die
     Stirn berühren). Die Todas sind dem Christentum völlig
     unzugänglich. Man ist jetzt geneigt, sie für einen Zweig der
     drawidischen Völkergruppe zu halten, der sich hier in
     abgeschiedener Bergeinsamkeit besonders rein erhalten konnte, also
     das Urdrawidatum repräsentiert. Auf verschiedenen Hügeln, besonders
     auf dem _Karoni Hill_, 5 km südlich von Ooty, findet man die
     sonderbaren Steinkreise der Todas, _Phins_ genannt, die Reliquien,
     Urnen und hübsche goldene Ornamente enthalten. Ein heiliger Ort der
     Todas ist der _Murkurti Peak_ (2560 m), etwa 32 km westl. von Ooty,
     wovon aber nur 13 km im Wagen zurückgelegt werden können, den Rest
     muß man reiten (man nehme reichlich Lebensmittel und Jagdgewehr
     mit). Der Weg folgt den Windungen des Pavakflusses bis zur Gabelung
     mit dem _Paikari-(Pykara-)Fluß_; man folgt dann letzterm bis zu
     seiner Quelle, die nur 2,5 km vom Gipfel liegt. Die Westseite des
     Gipfels fällt schroff etwa 2000 m tief ab. (Vorsicht, da der Boden
     am Rande sehr locker und unsicher ist!) Oben *Aussicht auf den
     _Kundah_ (2240 m) und den _Avalanche Hill_ (2590 m). (Andre
     lohnende Ausflüge nach dem _Ranga Swami_-Tempel, den Wasserfällen
     auf dem _Sigur Ghat_ und bei _U-Yal-Hatti_.)

Den Rückweg von Ootacamund nimmt man am bequemsten über _Coonoor_ nach
_Madras_, s. S. 100.

     =Von Ootacamund durch das Nilgirigebirge und das südliche Dekhan
     über Mysore und Bangalore nach Madras;= für Jagdfreunde und
     kräftige Wanderer sehr lohnend, aber anstrengend. Man miete in Ooty
     einen Bullockcar (etwa 40-45 Rup.) und lasse sich vom »Transitman«,
     dem Fuhrunternehmer, schriftlich die Bezahlung, auch für den
     Ochsenwechsel unterwegs, quittieren, versehe sich mit reichlichen
     Lebensmitteln (Konserven), Getränk und Jagdgewehr, Matratze und
     Decken und fahre nur in den kühlern Morgen- und Abendstunden. Diese
     Fahrt fordert von Ooty nordwärts etwa 80 km bis _Nanjangud_ 3 Tage;
     etwa alle 8 km werden die Ochsen gewechselt, in elenden Dörfchen;
     zwischen 10 und 4 Uhr Rast im Schatten. Die 1. Tagereise führt
     durch Hochland mit Tiroler Landschaftsbildern, sodann senkt sich
     die Straße am Nordabfall des Nilgirigebirges in Zickzacklinien bis
     zum einsamen Bungalow von _Sigur_, wo man übernachtet.--Die 2.
     Tagereise führt durch die Vorberge des Nilgirigebirges durch fast
     unbewohnte Gegend; gute Jagd auf Dschungelhühner, Holztauben,
     Falken, zuweilen auch auf große schwarze Adler und Eulen; ferner
     auf Antilopen, Sambarhirsche, Wildschweine, Stachelschweine (sehr
     wohlschmeckend!), Hasen, Steinböcke (sehr scheu!), Marder,
     Schakale, zuweilen auch auf schwarze Bären und Panther. Zwischen
     dem mannshohen Gras und in den Dschungeln trifft  man auch nicht
     selten auf Königstiger. Übernachtung im Bungalow von
     _Goondloped_.--Die 3. Tagereise führt wiederum durch gutes
     Jagdgebiet, abends erreicht man

     =Nanjangud= (_Nandschangad_), Stadt mit sehr heiligem Tempel, wo im
     März dreitägiges Wagenfest stattfindet; Endpunkt der _Madras and
     Southern Mahratta Railway_; man benutze womöglich noch den Abendzug
     nach

     (15 M) =Mysore=, _Maisur_ (770 m; _Dâk Bungalow_; _Bahnwirtschaft_;
     _Gordon Hotel_, gut; _Royal Hotel_), Hauptstadt des gleichnamigen
     Staates, mit 68111 Einw., am Fuße des Chamundihügels, auf dem ein
     Tempel steht, wo bis zur Zeit von Haidar Ali Menschen geopfert
     wurden; auf dem Wege zum Gipfel steht ein riesiger _Nandi_
     (heiliger Stier des Schiwa). Alter und neuer Palast des Radschah.
     Marstall, Zoologischer Garten.

     Ausflug nach =Seringapatam= (wo keine Schlafgelegenheit für
     Europäer und [Hand] der großen Fiebergefahr wegen dringend vor
     Übernachten dort gewarnt wird) mache man mit Wagen von Mysore.
     _Seringapatam_ (_Srirangapattan_), die alte Hauptstadt des Staates
     Mysore, liegt auf einer Insel des Flusses Cauvery (Kaveri), hat nur
     noch 2000 Einw., zur Zeit Tippu Sahibs aber 150000. Im Mausoleum
     ruhen Haidar Ali und sein Sohn Tippu Sahib. Die Stadt ist nach dem
     sehr alten Tempel _Vishnu Sri Rangam_ genannt. Der Besuch der
     engen, ungesunden Stadt hat geschichtliches Interesse.

     Die _Madras and Southern Mahratta Railway_ führt über

     (54 M) =Maddur= (_Bahnwirtschaft_), unbedeutende Stadt mit zwei
     großen Wischnutempeln, _Narasinh Swami_ und _Varada Raja_. Von hier
     Ausflug mit Tonga (10 Rup., 24 St., Vorausbestellung nötig) nach
     den Cauvery-Wasserfällen (lohnend in der Regenzeit; elektrische
     Kraftstation für das Kolargoldfeld), südlich nach (27 km)
     _Malvalli_ (Dâk Bungalow), dann 20 km nach dem »See von Siva«. Die
     Wasserfälle sind bei der Insel _Sivasamudram_ während der Regenzeit
     eine 1 km breite Wasserfläche; Höhe der Fälle etwa 90 m.

     Von Maddur fährt die Bahn in 3 St. durch welliges Gelände mit
     bizarren Felsbrocken, Maisfeldern und Palmenwäldern nach

     (102 M, 164 km) =Bangalore= (916 m; _City Station_ mit
     Bahnwirtschaft; _West End Hotel_, 45 Z., Pens. 6-8 Rup.; _Cubbon
     Hotel_, 36 Z., Pens. 5 Rup.; _Bowring Hotel_; _Cunningham Hotel_;
     _Droschken_ nach Tarif; _Motorwagen_ der _Indian Cycle & General
     Engineering Co._, Stafford House, und des _Motor House_, South
     Parade; Bank of Madras), Hauptstadt des Vasallenstaates Mysore, mit
     159046 Einw.; stark besetzte Militärstation und wichtiger
     Handelsplatz für Getreide, Baumwolle und Teppiche. Bangalores
     dichtbevölkerte Altstadt (_Petta_) hat enge, krumme Straßen, viele
     Moscheen und Hindutempel, in einem eine berühmte Statue der Göttin
     der Schönheit; südl. davon liegt das alte _Fort_ mit dem _Arsenal_,
     im NO. das englische Viertel mit vielen Kirchen, der Wohnung des
     britischen Residenten für Maisur, Regierungsgebäude, Central
     College, Zentralgefängnis. Außerhalb der Stadt liegt der neue
     _Palast des Maharadschah_ und der schöne Park _Lal Bagh_ mit
     Botanischem Garten. Bedeutend ist die Teppichweberei, Anfertigung
     von goldenen und silbernen Tressen, Gerberei. Die Stadt liegt im
     Grünen, das aber weniger tropisch als in Madras ist; man sieht
     Ahorn und Pappeln. Bangalore ist als gesunde Stadt mit angenehmem
     Klima beliebter Ruhesitz für englisch-indische Pensionäre.

     1) =Ausflug nach den Cauvery-Wasserfällen= mit Motorwagen von
     Bangalore (s. oben) teurer, aber schneller und bequemer als von
     Maddur mit Tonga (s. unter Maddur).

     2) =Ausflug nach den *Gersoppa-Fällen= von Bangalore mit der Bahn
     (Poona-Linie) über (131 M) _Birur_ (umsteigen; in 9 St.,
     Rückfahrkarten I. Kl. 24, II. 12 Rup.) nach (169 M) =Shimoga= (_Dâk
     Bungalow_), Distriktshauptstadt mit 8000 Einw., am l. Ufer der
     Tunga; Manganeisengruben in der Nähe; von da mit Motorwagen (in
     Bangalore vereinbaren und Platz bestellen bei der Indian Cycle etc.
     Co.; 4 Personen je 38, 3 je 50, 2 je 75 Rup.; die Gesellschaft
     trifft auf Bestellung auch Fürsorge für Unterkunft und Verpflegung,
     Tag 10 Rup.). Der Ausflug dauert von Shimoga je einen Tag hin und
     zurück mit Automobil; für Reisende mit Bullock-Tonga sind
     Rasthäuser in (24 km) _Ayanur_, (48 km) _Anantpur_, (74 km)
     _Sagar_, (88 km) _Talgappe_ und (104 km) *_Gersoppa-Fälle_ (auch
     _Gairsoppa_ oder _Jog Falls_ genannt); die vier Wasserfälle des
     _Sharasvati_-Flusses sollen zu den schönsten der Erde rechnen, der
     erste (_Radschah_ genannt) fällt 240 m fast senkrecht hinab, der
     zweite (_Roarer_) hat zwei Stufen, der dritte (_Rocket_) besteht
     aus vielen kleinen Fällen, der vierte (_Dame Blanche_) aus einer
     Reihe von Strudeln. Das Landschaftsbild mit dem Felsenbett und
     Uferdschungeln ist großartig; die malerische Wirkung wechselt mit
     dem Sonnenstand; Felsentauben umflattern die Fälle, Regenbogen
     überspannen das Flußtal. Dicht bei den Fällen sind zwei Bungalows
     für Fremde, deren Wächter auch einfache Nahrung kochen: doch nehme
     man reichlich Lebensmittel und Getränk mit.

     Zur Fahrt nach Madras in Bangalore City Stat. umsteigen, dann über
     (145 M) _Bowringpet Junction_ (Zweigbahn [10 M] nach _Marikuppam_,
     mit Goldminen des Kolargoldfeldes) nach (189 M) _Jalarpat Junction_
     (Bahnwirtschaft; umsteigen in den Zug nach Madras, dann über (241
     M) _Katpadi_ (Bahnwirtschaft; 6 km südl. die Tempel von _Vellore_,
     an einer Zweigbahn, die auch nach _Villupuram_, S. 128, führt);
     ferner über (256 M) _Ranipet_ (Stat. für die [8 km südl.]
     geschichtlich interessante Stadt _Arcot_, die schon Ptolemäus
     erwähnt) und über (279 M) _Arkonam_ nach (321 M) _Madras_ (S. 100).


Von Madras nach Calcutta.

     =Madras and Southern Mahratta Railway= vom Zentralbahnhof in
     =Madras=, Schnellzug Vm. mit durchgehenden Wagen bis (1032 M, 1661
     km) =Calcutta= (Howrah Stat.) in 43 St. für I. Kl. 91, II. 44 Rup.
     4 annas; Gepäcküberfracht (S. 50) pro maund 6 Rup. 4 annas. (Wegen
     Änderungen des Abfahrtbahnhofs erkundige man sich vorher.)

     =Geographisches.= Die Bahnfahrt längs der flachen Ostküste des
     Dekhans bietet landschaftlich wenig, ist aber doch weniger
     einförmig als die durch die Gangesebene. Der östliche
     Küstenstreifen der vorderindischen Halbinsel ist gut angebaut; da
     die natürliche Feuchtigkeit dazu vielfach nicht ausreichte, sind
     zahlreiche Kanäle angelegt, die das Flußwasser überallhin
     verteilen. Der Bahnbau hat zahlreiche Brücken nötig gemacht; denn
     das Dekhan dacht sich nach O. hin ab, und die Zahl der in die Bai
     von Bengalen mündenden Wasserläufe ist deshalb sehr groß. Meist
     sind es kleinere Flüsse, die von den Ostghats, dem östl.
     Randgebirge des Dekhans, herabkommen, aber dazwischen auch einige
     große, nahe der Westküste der Halbinsel entspringende Ströme:
     Kistna, Godavery, Mahanadi. Der größte von ihnen ist der Godavery,
     150 km länger als der Rhein und mit einem Einzugsgebiet von der
     Größe Preußens. Die Verkehrsbedeutung aller dieser Flüsse ist
     gering. Die großen Ströme laufen in Deltas aus, die besonders
     fruchtbar sind, aber von der Bahn umgangen werden müssen. Der
     Küstenstrich selbst ist hafenlos, sandig, vielfach mit Dünen
     besetzt, aber mit Kokos- und Palmyrapalmen bewachsen. Mehrfach sind
     große Haffe entstanden, so nahe nördlich von Madras, und der
     Chilkasee (S. 133). Küstenstädte von Bedeutung fehlen.

Von _Madras_ fährt man über (23 M) _Ponneri_ (Bahnwirtschaft)
nach (85 M) _Gudur_ (Bahnwirtschaft) und (110 M) _Nellore_
(Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow, gut), in dessen Hindutempel römische
Münzen aus dem 2. Jahrh. gefunden wurden, Stadt von 30000 Einw.,
am Pennar-Fluß, Missionsquartier; dann über (130 M) _Bitragunta_
(Bahnwirtschaft) und (182 M) _Ongole_ (Bahnwirtschaft) über den breiten
Kistna-(Krischna-)Fluß nach (268 M) _Bezwada Junction_ (Bahnwirtschaft;
Dâk Bungalow), Stadt mit 12000 Einw., Bahnknotenpunkt für Hyderabad
(S. 98) und Bellary; in der Nähe der Höhlentempel _Undavilli_ und der
_Amararshnaraswami-Tempel_, 1361 erbaut, und andre Sehenswürdigkeiten
für Reisende, die noch nicht tempelmüde sind.--Bei (305 M) _Ellore_
(Bahnwirtschaft), mit Teppichwebereien, ist der Vereinigungspunkt der
Kistna- und Godaverykanäle; die Bahn überschreitet später auf großer
Brücke den 3,5 km breiten _Godaveryfluß_ und erreicht gleich darauf
die alte Orissa-Königsstadt (361 M) _Rajahmundry_ (Radschamandry;
Bahnwirtschaft); etwa 40 km flußaufwärts durchbricht der Godavery die
Ostghats in landschaftlich schönen Schluchten.--Bei (392 M) _Samalkot
Junction_ führt r. eine Zweigbahn (8 M) nach der kleinen Hafenstadt
_Cocanada_ (Hotel Viktoria) mit Reede für Küstendampfer. --Der
Schnellzug fährt über (426 M) _Tuni_ (Bahnwirtschaft) nach (485 M)
_Waltair_ (Bahnwirtschaft; von hier Zweigbahn [3 km] nach dem kleinen,
geschützten Hafenplatz _Vizagapatam_ [Dâk Bungalow], mit 41000 Einw.,
in hübscher Lage).--Dann über (522 M) _Vizianagram_ (Bahnwirtschaft),
Hauptstadt eines der größten Zanindari-Staaten mit schönem Palast des
Maharadschah, und (656 M) _Berhampore_ (Bahnwirtschaft) nach (686
M) _Rambha_, am Südende des schönen _Chilkasees_, eines Haffes, an
dessen Ufern man vielerlei Wild, in der kühlen Jahreszeit viele Arten
Wasserhühner sieht.

(749 M) _Khurda Road_ (Bahnwirtsch.), Bahnknotenpunkt.

     =Zweigbahn= von _Khurda Road_ nach (28 M) *=Puri Jagganath= (_Hotel
     Seaside_, gelobt, 10 Z., Pens. 6 Rup., 2 Pers. 10 Rup.; _Dâk
     Bungalow_), Küstenstadt von 20000 Einw., berühmt wegen des
     _Krischna-Heiligtums_, zu dem im Juni, bei dem großen Wagenfeste
     (_Rath Dschatra_), Hunderttausende von Pilgern aus ganz Indien
     wallfahren. Am Südende der Stadt, deren Hauptstraße fast nur aus
     heiligen Bauten besteht, liegt der große _Haupttempel_, der dem
     Wischnu-Krischna als Dschaganath (Weltherr) geweiht ist, und dessen
     Inneres nur von Hindu betreten werden darf; man besichtige den
     Tempel vom Dach eines Gasthauses (für Eingeborene) gegen Trinkgeld;
     drei hölzerne Blöcke mit verzerrten Gesichtern bedeuten Krischna,
     seinen Bruder Balabhadra und seine Schwester Subhadra; für diese
     drei Götzen sind 14 m hohe Wagen mit 16 Rädern von 2 m Durchmesser
     vorhanden, auf denen sie beim Fest von den Pilgern zum Gartenhaus
     gezogen werden.--Der Haupttempel ist von etwa 120 kleinen Tempeln
     für alle indischen Gottheiten umgeben, die mit einer hohlen innern
     und einer großen, mit vier Gopuratoren versehenen hohen äußern
     Mauer umgeben sind, wovon letztere ein Quadrat von 225 m
     Seitenlänge umschließt. 18 Feste werden im Tempel abgehalten, davon
     ist das Wagenfest das 10. im Jahre. Vor dem östl. oder Löwentor
     steht eine prächtige Säule mit Statue des Aruna. Am Strandstreifen
     _Swarga Dwara_ (Himmelstor) baden die Pilger.

Die Bahn fährt von Khurda Road über (760 M) _Bhubaneswar_ (mit vielen
alten Tempeln, mehr als 500 Heiligenschreinen und Höhlentempeln in der
Umgegend) und über (778 M) _Cuttack_ (Bahnwirtsch.; Dâk Bungalow),
Hauptstadt von Orissa, am obern Ende des Mahanadideltas, dann weiter
über die Flüsse Mahanadi und Brahmani nach (850 M) _Bhadrak_
(Bahnwirtsch.), (888 M) _Balasore_ (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow) und
(960 M) _Kharagpur_ (Bahnwirtsch.) nach (1032 M, 1661 km) =Calcutta=,
_Howrah Stat._


Calcutta.

Vgl. den beifolgenden Plan.

     =Ankunft zur See.= Calcutta liegt am linken Ufer des _Hooghly_
     (Hugli), des westlichsten Seitenarms des Gangesdeltas, und zwar 130
     km oberhalb des Golfes von Bengalen, 83 Seem. oberhalb der
     untersten Deltainsel _Saugor_ (berüchtigt wegen ihres
     Tigerreichtums, es sollen hier jährlich an 2000 Eingeborne von
     Tigern getötet werden). Die Einsteuerung ist besonders bei Nebel
     sehr schwierig. In der Nähe des _Pilot's Ridge_-Feuerschiffs kommt
     der Lotse an Bord. Große Dampfer können nur bei Hochwasser über die
     Barren im Flusse einlaufen. Das Wasser ist schmutziggelb. Die Ufer
     zeigen niedriges, schlammbedecktes Gebüsch, Dschungeln und
     Grasflächen; den Fluß beleben Möwen, Seeschwalben, später auch
     Weihen, Sumpf- und Landvögel. Etwa 34 Seem. flußaufwärts von Saugor
     liegt am l. Ufer (r.) _Diamond Harbour_, das Cuxhaven Calcuttas.
     Von hier führt die »Eastern Bengal State Railway« von _Diamond Head_
     in etwa 2 1/2 St. nach (38 M) _Beliaghatta Stat._ in
     Calcutta.--Etwa 10 Seem. oberhalb Diamond Head liegt am rechten
     Ufer (l.) die uralte kleine Stadt _Tamluk_, im 5. Jahrh. ein
     wichtiger Seehafen. Etwas oberhalb liegt die gefährlichste Barre,
     die »James and Mary-Bank« (mit nur etwa 3 m Tiefe bei Niedrigwasser).
     Weiter stromaufwärts wird der Pflanzenwuchs an den Ufern immer
     üppiger; man sieht Dörfer, Pagoden und Tempel, Anlegeplätze für
     Flußboote mit hohen Treppenterrassen, und hinter der scharfen
     Krümmung bei _Hangman Point_ erblickt man aus 11 km Abstand die
     Häuser von Calcutta. Nun erscheint l. der prächtige Botanische
     Garten, r. _Garden Reach_ (A 6), die großen _Kidderpur-Docks_ (B
     6), in denen die Frachtdampfer neben den Warenspeichern liegen.
     Auch der Fluß dient als Hafen und ist oft mit Schiffen stark
     gefüllt. Der Hafenmeister bestimmt den Liegeplatz für die Schiffe;
     wenn kein Kai frei, muß man vom Strom im Boot fahren und landet am
     besten am Chandpal Ghat, an der NW.-Seite vom Fort William; dort
     Zollabfertigung, falls nicht schon vorher an Bord erledigt, was
     meist der Fall sein wird (vgl. S. 49). Jeder Reisende erhält vom
     Zollbeamten einen Paß, ohne den er sein Gepäck keinem Wagen
     übergeben darf. Zollpflichtige Güter werden ins Zollamt (_Custom
     House_; Pl. 4, C 3) nahe der Hooghlybrücke geschafft.

     =Ankunft am Bahnhof=: Von Bombay (S. 53), Benares oder Madras (S.
     100) kommend, in _Howrah Station_ (C 3) am r. Hooghlyufer, dicht
     bei der Schiffbrücke; von Darjeeling oder aus Assam kommend, in
     _Sealdah Station_ (E 4) an der Ostseite der Stadt, nahe Bow Bazar
     Street; von Diamond Head in _Beliaghatta (Mutla) Stat._,
     unmittelbar südl. von Sealdah Stat.

     =Gasthöfe=: _Continental_ (Italiener F. A. Boscolo), Chowringhee
     Road 9/12 am Maidan (D 4).--_Great Eastern_, Old Court House Str.
     1/3 (D 4); größtes Haus, renoviert, Essen gut.-- _Grand Hotel_
     (Frau Mack, österreich. Manager Mayer), Chowringhee Road, 150 Z.,
     Pens. von 10 Rup. an; von Deutschen besucht.--_De Paris_, 27
     Dhurrumtollah (D 4).--_Spence's Hotel_, 4 Wellesley Place (CD 4).
     Pension in allen je nach Jahreszeit und Zimmer 8-20 Rup.--[Hand]
     Man beachte, daß die Reisezeit von Mitte Dezember bis März
     zusammenfällt mit der Heimreisezeit der in Indien ansässigen
     Europäer und mit der Hauptfestzeit an Bällen, Wettrennen etc. in
     Calcutta, daher sollte man beizeiten Zimmer vorausbestellen.

     =Boarding Houses= gibt es viele, allerdings wenig gute; zu
     empfehlen das von _Mrs. Monk_ (Middleton Row 11); _Mrs. Walter's_
     (Russel Street 6-9) und _Mrs. Pell's_ (Camac Street 1). Man zahlt
     meist 175 Rup. für den Monat oder 7 Rup. für den Tag Pension, doch
     in der Reisezeit bis 10 Rup. und mehr, dann ist Vorausbestellung zu
     empfehlen.

     =Restaurant= und =Konditorei=: _Peliti_, Esplanade, East 10. --
     _Bristol Hotel_, Chowringhee Road, gute Billards; weniger für
     Damen.

     =Post u. Tel.=: _Post Office_ (Pl. 2, C4), Ecke Dalhousie Square
     und Koila Ghat Street. --_Telegraph Office_ (Pl. 3,  D4), Ecke von
     Dalhousie Square South und Old Court House Street.

     =Wagen=: _Carriages_ (Landauer), _Einspänner_ (billig) und _Ticca
     gharis_ (Droschken) nach Tarif.

     =Automobile= für Tage, Wochen oder Monate stellt die _French Motor
     Car & Electric Co._, Bentinck Street 55.

     =Straßenbahnen=, elektrische mit vielen Linien, billig und bequem.

     =Eisenbahnen=: 1) Von _Howrah Station_ (Pl. 10, C3) geht die _East
     Indian Railway_ nach Benares und bis Peshawar (S. 80); nach Bombay
     via Jubbulpore (S. 63) od. via Nagpur (S. 63); die _Madras and
     Southern Mahratta Railway_ nach Madras und Tuticorin (S. 126).--2)
     Von _Sealdah Station_ (E4) die _Eastern Bengal State Railway_ nach
     Darjeeling (S. 141) und Assam (S. 140) sowie von _Beliaghatta
     (Mutla) Station_ nach Diamond Head.

     =Dampfer=: _Norddeutscher Lloyd_ (Agent: _Schröder, Smidt & Co._),
     Old Court House Str. 6/7 (Pl. 30, D4), mit fremdem Zwischendampfer
     oder Bahn bis Colombo, von da mit Reichspostdampfer nach Europa;
     mit Zwischendampfer bis Singapore, von da mit Reichspostdampfer
     nach Ostasien.-- _Österreichischer Lloyd_ (Agent: _R. de Calò_)
     zweimal monatlich über Madras, Colombo, Bombay, Aden, Suez nach
     Triest in 31 Tagen.--_Messageries Maritimes_ (Agent: _Grézoux_,
     Hare Street 5-6), Zwischendampfer alle 4 Wochen über Pondichéry
     nach Colombo.-- _Peninsular & Oriental Steam Nav. Co._ (Agent: _R.
     A. A. Jenkins_, Strand 19) alle 14 Tage über Colombo nach Europa;
     ebenso über Singapore nach Ostasien.--_British India Steam Nav.
     Co._ (Agent: _Mackinnon, Mackenzie & Co._, Strand 16) wöchentlich
     nach allen indischen Häfen und Colombo; dreimal wöchentlich nach
     Rangoon.-- _River Steam Nav. Co._ (Agent: _Mac Neill & Co._, Clive
     Ghat Street 2), Flußdampfer nach Assam etc.

     =Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank,_ 32 Dalhousie Square (Pl. 31,
     C4).-- _National Bank of India Ltd._, Clive Str. Beide Korr. der
     Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere der
     Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; ferner _Chartered Bank of
     India, Australia and China_, Council House Street 5.--_Hongkong
     and Shanghai Banking Corporation_, Dalhousie Square 31, beide mit
     Zweigstellen in Hamburg.--Für Reisende besorgt auch _Cook's Office_
     (s. unten) Bankgeschäfte, Kreditbriefe etc.

     =Reisebureaus=: _Thos. Cook & Son_ (Pl. 3, C4), Old Court House
     Street 11, gegenüber dem Telegraphenamt.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Auckland Place 3 (Pl. 28, E5),
     Generalkonsul _Prinz Heinrich XXXI. Reuß j. L._, Durchl.,
     Vizekonsul Dr. Remy; deutsches Konsulat (Pl. 28a, CD3), Clive Row
     9, Konsul Hans R. Schuler.-- _Österreich-Ungarn_, Generalkonsulat,
     Theatre Road 36 (Pl. 29, E5), Generalkonsul Dr. Ferd. Freyesleben,
     Vizekonsul W. R. Czerwenka.--=Deutscher Klub= (Pl. 32, D5), Elysium
     Row 13, einer der schönsten im Osten. Besuch 6-8 Nm.--=Polizeiamt=
     (Pl. 9, D3), Bow Bazar Street.

     =Ärzte=: Dr. _H. Finck_, 19 Camac Str., der einzige deutsche
     Arzt.--Dr. _A. Caddy_, Harrington Str. 2.--Frauenärzte: Dr. _Peck_,
     Harrington Str. 6.-- Miß _Baumler_, Chowringhee Road 15.--
     =Zahnärzte=: _Miller_, Chowringhee Road 35.--_Woods_, Chowringhee
     Road 25. --=Apotheken=: _Bathgate & Co._, Old Court House
     Street.--_R. Scott Thomson & Co._, Government Place 15.-- _Smith,
     Stanistreet & Co._, Dalhousie Square, u. a.--=Krankenhäuser=:
     _Presidency General Hospital_ (D6); _Eden Hospital_ (D3) u. a.

     =Buchhandlungen=: _Thacker, Spink & Co._, Government Place (CD4).--
     _W. Newman & Co._, Dalhousie Square.
     --=Zeitungen=: »Englishman«; »Statesman«; »Indian Daily News« u. a.--
     =Photographien=: _John Blees_ (Kodaks, frische Films etc.),
     Chowringhee Road, neben Grand Hotel.--_Johnston & Hoffmann_,
     Chowringhee Road 22 (D4/5).--_Bourne & Shepherd_, Chowringhee Road
     8.

     =Theater=: _Theatre Royal_ (Pl. 14, D4), Chowringhee Road, zum
     Grand Hotel gehörig.--_Opera House_ (Pl. 15, D4), Lindsay
     Street.--Indische Theater meist in Beadon Street.

     =Geschäftsadressen=: Optiker: _Lawrence & Mayo_; _Solomons & Co._;
     _Lazarus_. --Kleiderhändler: _Ranken & Co._, _H. Clark & Co._, Old
     Court House Street 5, und andre Firmen, sämtlich Old Court House
     Street.--Reiseartikel: _Whiteaway, Laidlaw & Co._, Esplanade, East
     7.--Jagdgewehre etc.: _Manton & Co._, Old Court House Street 13 und
     Mangoe Lane 1.--_F. Schonert & Co._ (Deutsche), Konserven, Wein,
     Zigarren; besorgen Ausrüstung für Jagd- und Bergausflüge (gleich
     als Trägerlasten verpackt).--Indische Juweliere: _Esoofally,
     Hiptoolla & Co._, Chowringhee Road 6-2 und Radha Bazar 9-10;
     _Hamilton & Co._, Old Court House Street; _Boseck & Co._, Wellesley
     Place.--Hindubuchhändler: _Shambhu Chandra Addy_, Wellington
     Street.

     =Zeiteinteilung=: 1. Tag: Botanischer Garten, Museum,
     Eden-Garten.--2. Tag: Basare, Zoologischer Garten, Kidderpur
     Docks.--Zum Ausflug nach _Darjeeling_ rechne man mindestens 4,
     besser 10-14 Tage. Ausflüge nach _Assam_ fordern mehrere Wochen.--
     Nach _Puri Jagganath_, vgl. S. 133, mindestens 2 Tage.

     =Geschichte.= Calcutta wurde 1686 durch englische Kaufleute, die
     der Mogulstatthalter von Bengalen aus ihrer Faktorei Hugli
     vertrieben hatte, im Dorfe Tschatanati gegründet, das mit Kali Ghat
     (daher der Name) die Stelle der heutigen Stadt einnahm. Am 20. Juni
     1756 wurde der Ort durch Suradsch ed Daulah eingenommen, wobei 146
     englische Gefangene in das »Black Hole« eingesperrt wurden, in dessen
     engem Raum 123 während der Nacht umkamen. Nachdem aber Clive 2.
     Jan. 1757 die Stadt zurückerobert hatte, hob sich Calcutta rasch
     wieder. 1772-1911 war es Sitz der britisch-ind. Regierung.

     =Klima.= Die Lage Calcuttas im feuchtheißen, von dichter Vegetation
     bedeckten Gangesdelta, nur 6 m über dem Meeresspiegel, ist
     gesundheitlich wenig günstig. Cholera und Fieber sind endemisch,
     doch ist in der Europäerstadt an sanitären Einrichtungen das
     Mögliche geleistet. Man unterscheidet drei Jahreszeiten: die heiße
     von Mitte März bis Mitte Juni, die Regenzeit bis Ende September und
     die kühle Jahreszeit von November bis Anfang März. Der Sommer ist
     wegen seiner feuchten Hitze sehr ungesund, deshalb leben alle
     wohlhabenden Europäer, soweit es die Geschäfte erlauben, von Ende
     März bis Oktober in der Sommerfrische in _Darjeeling_ (S. 141) oder
     _Simla_ (S. 75), wo dann auch der Vizekönig residiert. Als höchste
     Temperatur wurde 42,3°, als niedrigste 6,8° gemessen, als
     Durchschnitt im heißesten Monat (Mai) 30°, im kältesten (Januar)
     18°. Sehr stark ist der Regenfall; Zyklone (Wirbelstürme), die
     gewaltige Sturmfluten im Hooghly hervorrufen, richten durch
     Windwirkung und Überschwemmung gelegentlich große Verheerungen an;
     neben Cholera und Malaria (s. oben) ist in Calcutta seit 1902 auch
     die Pest stark aufgetreten.

=Calcutta= (spr. kalkatta; der Name bedeutet: Flußtreppe [Ghat] der
Kali, einer Göttin) ist im Gegensatz zu den zahlreichen uralten
indischen Kulturstädten eine Gründung der Europäer und in einer von
Natur sehr ungünstigen Umgebung (nahe dem Westrande des sumpfigen,
ungesunden Gangesdeltas am Hooghlyufer, weit über 100 km vom Meer
entfernt) erst emporgeblüht, nachdem 1772 der unbedeutende Ort zum Sitze
des Generalgouverneurs erhoben worden war. Seitdem hat die vortreffliche
strategische und kommerzielle Lage der Stadt ihre Wirkung entfaltet, und
heute ist Calcutta, das »Hamburg« Indiens, der Hauptausfuhrhafen des
Landes und eine wichtige Industriestadt geworden, deren weitere
Entwickelung auch durch die 1911 beschlossene Verlegung der
Zentralregierung nach Delhi nicht sehr wesentlich beeinflußt werden
wird. Es besteht aus drei Hauptteilen: die White town, die
Europäerwohnstadt, vom Charakter einer europäischen Großstadt, und die
Black town, die schmutzige Eingebornenstadt, liegen auf dem l.
Hooghlyufer. Ihnen gegenüber zieht sich die Fabrikstadt Howrah hin. Die
eigentliche Stadt, vom Fluß und der Circular Road eingeschlossen,
enthält die Esplanade, den _Maidan_ (CD5), an dem das =Fort William=,
1773 erbaut, einen Raum von 3 km Umfang einnimmt, mit großem Arsenal,
619 Geschützen und 25000 Mann. Im N. des Maidan der Palast des
Vizekönigs und das Rathaus. Die Stadt hat 27 protestantische (St.
Paulskathedrale), 8 katholische Kirchen, ein theistisches Gotteshaus der
_Brahma Samaj-Sekte_, aber keine orthodoxen Hindutempel; ferner
zahlreiche Denkmäler. Die Bevölkerung beträgt: 890493 (mit Vorstädten
1216514) Köpfe (davon ca. 2/3 Hindu, ca. 30 Proz. Mohammedaner und etwa
6000 Europäer). Die Industrie ist auf _Howrah_ (B2, 3) konzentriert. Mit
diesem hatte Calcutta 1902: 26 Jutefabriken (die Hauptindustrie) mit
15132 Webstühlen und 80000 Arbeitern, 8 Baumwollspinnereien mit 324038
Spindeln, Papierfabriken, Zuckerfabriken, Indigofabriken etc. Der Staat
besitzt eine große Geschützgießerei in Kosipur. Großartig ist der
_Handel_, er wertete 1906/07: 1300 Mill. Rupien. Aus Deutschland kam
1902 für 11159460, dorthin ging für 82683580 Mark Ware. Die wichtigsten
Ausfuhrartikel sind Jute und Jutesäcke, Opium, Tee, Reis, dann Häute,
Baumwolle, Ölsaaten, Indigo, Rohseide, Gummi. Kohle wird aus Calcutta
stark ausgeführt (1905: 7 Mill. Ton.). Der Hafen für sehr große,
schwerbeladene Schiffe ist _Diamond Harbour_ (S. 134); die meisten
Schiffe können bis zur Stadt gelangen, deren Hafen sich 16 km lang am
Ufer hinzieht. Die über den Hooghly nach Howrah führende Schiffbrücke
wird zu bestimmten Stunden geöffnet. Es liefen 1910: 539 Schiffe mit
1550000 Reg.-Ton. ein. Die Stadt besitzt zahlreiche Bildungsanstalten,
darunter das Hindu College, Sanskrit College, Medical College, die
berühmte _La Martinière_ (Stiftung eines französischen Abenteurers, der
1808 als Millionär starb), einen prächtigen Botanischen und Zoologischen
Garten, ist Sitz der _Asiatic Society of Bengal_ (Park Street 57,
gegründet 1784, mit Bibliothek von 15000 Bänden, Münz-, Gemälde- und
Büstensammlung), des Lieutenant-Governors von Bengalen, vieler
Verwaltungsbehörden, eines katholischen Erzbischofs, eines
anglikanischen Bischofs und andrer Behörden.

_=Rundfahrt.=_ Man beginne morgens mit der _Chowringhee Road_ (D4/5), wo
gute Geschäfte sind und am Nordende der _Dhurrumtola-Basar_ (Pl. 16, D4)
liegt. Nun zur *=Esplanade= (CD5), dem _Maidan_, Exerzierplatz und
Promenade der eleganten Welt; an dessen Nordseite vorbei, r. zwischen
dem _Palast des Vizekönigs_ (CD4; Government House, erbaut 1804) und dem
_Rathaus_ (Town Hall; Pl. 1, C4) über den _Dalhousie Square_ (CD4) und
durch die Eingebornenstadt zur _Hooghly-_ (Schiff-)_Brücke_ (C3), von
deren Mitte prächtiger Blick über die Ufer, belebt mit Schiffen und
Booten sowie mit Badenden auf den Treppen der Ghats; auf dem rechten
Ufer sieht man _Howrah_ (B2, 3) mit Bahnhof, Werften, Docks und
Fabriken. Von der Brücke zurück und nach Süden am linken Ufer entlang;
r. Anlegebrücken der Seedampfer (Export and Import Jettis), l. vorbei am
_Zollamt_ (Custom House; Pl. 4, C3), dem _Generalpostamt_ (Pl. 2, C4),
der Bank of Bengal (Pl. 8, C4), dann l. der sehenswerte *=Eden-Garten=
(C4), ein hübscher kleiner Park, von den Misses Eden, den Schwestern
Lord Aucklands, angelegt und 1856 mit einer birmanischen Pagode aus
Prome geschmückt, am besten abds. (6-7 Uhr Militärmusik) zu besuchen.
Der weitere Weg, _The Strand_ (C4), führt dann westl. am großen _Fort
William_ (S. 136, nichts Sehenswertes) vorbei, läßt _Prinsep's Ghat_ r.,
dann über _Hastings Bridge_ auf die _Garden Reach Road_ (BC6), die am
Nordende des _Kidderpur-Docks Nr. 1_ (B6) vorbeiführt; man fahre nun
nach l. längs der Westseite dieses Docks, besichtige dort das Löschen
und Laden der zahlreichen Frachtdampfer (sehenswert!) und fahre über die
Brücke zwischen Dock Nr. 1 und 2 zurück durch Kidderpur zum
_Zoologischen Garten_ (C6) mit Prachtexemplaren von Königstigern,
Orang-Utans, schwarzen Panthern, Fasanen etc., der auch als
Picknickplatz beliebt ist (Konzerte So., Eintr. 1 Rup.).--Sw. liegt das
_Meteorologische Observatorium_, südl. von ihm der Palast _Belvedere_
(C6) des Lieutenant-Governors mit schönem Park und nahe sö. davon die
_Agri-Horticultural Gardens_. Vom Zoologischen Garten fährt man auf der
_Zeerut Bridge_ (CD6) über den _Tolly Nullah-Kanal_ (CD6), dann r.
vorbei am _Rennplatz_ (Race Course; C5/6), wo das ganze Jahr Wettrennen
stattfinden, dann schräg über den _Maidan_, vorbei an der _Victoria
Memorial Hall_ und den Standbildern von Lord Dufferin (Pl. 21) und
Outram (Pl. 26), zum =Imperial Indian Museum= (Pl. 6, D4; Chowringhee
Road 27 und 28; guter Katalog am Eingang zu haben; geöffnet 10-4 bzw. 5
Uhr), 1866 erbaut; es enthält wertvolle Fossilien- und
Mineraliensammlungen (darin prächtige Edelsteine aus dem Bundelkund und
Südindien), ferner eine Antiquitätensammlung, besonders buddhistische
Altertümer aus der Tope von Bharhut, aus Muttra und Gandhara (Punjab),
die zum Teil griechisch-klassische Schönheit erreichen. In einem Anbau,
vom ersten Stock des Museums zu erreichen, eine sehenswerte
kunstgewerbliche Sammlung. In der Fossiliensammlung beachte man den
Hyänenbär (Hyänoarktos), den Amphikyon, den Machairodos (Säbelzahntiger
mit 18 cm langen Zähnen), die Siwalikkatze (so groß wie ein Tiger), den
Megaloscelornis (ein Siwalikstrauß); ferner Knochen vom Dinormis, den
Kolossochelys (eine Siwalik-Riesenschildkröte) und viele andre
Seltenheiten.-- Zum _=Botanischen Garten=_ (11 km sw., Wagenfahrt in
1-1/2 St. hin, auch den ganzen Garten besichtigt man im Wagen, insgesamt
1/2 Tag Zeit nötig, 9 Rup.) fährt man über die Hooghlybrücke, am Bahnhof
Howrah vorbei, dann l. südl. am r. Flußufer auf dem Grand Trunk Road
durch die Vororte _Howrah_, _Ramkrishnapur_ (B4) und _Sibpur_ nach den
*=Government Botanical Gardens= (A5, 6), die am rechten Hooghlyufer
gegenüber dem _Garden Reach_ (A6) liegen. Es sind herrliche Parkanlagen
mit tropischen Bäumen, Blumenparketts, Sträuchern, Wiesenflächen,
Teichen und Bewässerungskanälen. Breite Fahrstraßen durchkreuzen den
Park. Am NW.-Eingang stehen drei Prachtbäume, ein Banyanbaum in der
Mitte, je ein Bobaum (Ficus religiosa, unter dem Buddhas Erleuchtung
stattfand) an jeder Seite; ersterer ist den Brahmanen, letztere sind den
Buddhisten heilig! Eine Palmyrapalmenallee führt nach r., eine
Mahagonibaumallee nach l.; man bleibe auf der mittlern Fahrstraße, die
durch Kasuarinenbäume mit Kletterpalmen darauf in die Palmenpflanzung
führt. Dann gelangt man über eine Brücke r. in den Blumengarten mit
Orchideenhäusern etc. Ein breiter Weg führt dann zum Flußufer, das man
l. läßt, um auf den *_großen Banyanbaum_ (Ficus indica) zuzufahren, der
mit mehreren hundert stammartigen Luftwurzeln eine Fläche von 80 qm mit
etwa 300 m Umfang bedeckt; man geht unter dem Baum, der von weitem wie
ein dichtbewaldeter Hügel aussieht, wie in einem Gehölz spazieren.
Westl. vom _Botanical Garden Ghat_ (A5), wo man mit Boot über den
Hooghly nach Garden Reach ans linke Ufer sich übersetzen und von da mit
Wagen über Kidderpur-Docks (S. 138) zurückfahren läßt, liegt das
Direktorgebäude (_Superintendent House_) am Fluß, und in seiner Nähe das
berühmte große Herbarium mit etwa 40000 Pflanzen (vom Direktor Dr.
Wallich um 1829 angelegt) nebst Bibliothek. Dem Botanischen Garten ist
unter anderm die Akklimatisation und Kultur der Teepflanze im Himalaja
und in Assam zu danken.

     Ausflug auf der Bahn nach =Chandernagore= (_Hôtel de France_, gute
     Weine), einer 30 km nördl. von Calcutta gelegenen kleinen
     französischen Kolonie.


Von Calcutta nach Darjeeling

Vgl. die Karte bei S. 64

     =Eisenbahn= von =Calcutta= nach (379 M) _Darjeeling_ in 19-1/2 St.
     für I. Kl. 49 Rup. 12-1/2 annas; II. Kl. 24 Rup. 14-1/4 annas;
     Rückfahrkarten mit 14 Tagen Gültigkeit I. Kl. 66 Rup. 6 annas, II.
     Kl. 33 Rup. 3 annas. Schnellzug: ab Calcutta Nm.; an Darjeeling
     Mitt.; Bettzeug, wollene Decken und warme Kleidung, auch Schleier
     oder Rauchbrille mitnehmen. Schlafplätze für den Nachtzug von Sara
     Ghat aus am besten bei Cook & Son vorausbestellen oder
     telegraphisch von Calcutta aus.--Die Bahnwirtschaften sind
     verhältnismäßig gut; bei der Rückfahrt Dinner in Siliguri. --Bei
     der Ankunft in Siliguri (auf der Bergfahrt) sichere man sich sofort
     einen Platz in der Kleinbahn, ehe man zum Morgenkaffee in den
     Wartesaal geht.

     =Geographisches.= Durch die heißen, ziemlich einförmigen und
     kahlen, aber vortrefflich angebauten Ebenen Unterbengalens, die von
     dem gewaltigen, in seiner Breite fast unüberschaubaren Ganges
     durchflossen werden, geht es bis an den Fuß des Himalaja. Ein Saum
     von dicht verfilztem, ziemlich niedrigem Sumpfwald (Tarai)
     umkleidet ihn und leitet bald in üppigen tropischen Regenwald über,
     der die untern Berghänge verhüllt. Bei etwa 1000 m Seehöhe beginnt
     der prächtige subtropische Bergwald mit seiner mannigfaltigen
     Zusammensetzung (die aber von der des östl. Himalaja in der Gegend
     von Simla ziemlich stark abweicht) aus mancherlei Laubbäumen,
     Palmen, Bambus etc., zu denen weiter oberhalb noch die schönen
     Baumfarne treten. Darjeeling selbst bietet gute Gelegenheit zum
     Studium dieses Waldes wie der mongolischen Bevölkerung des
     indisch-tibetischen Grenzgebietes (eine große Straße führt von hier
     nach Tibet hinein) und des Aufbaues des Himalaja aus einer Reihe
     schmaler paralleler Gebirgsketten (vgl. S. 44).

Von _Sealdah Stat._ im O. von Calcutta mit der »Eastern Bengal State
Railway« vorbei am Vororte (5 M) _Dum-Dum_ (spr. damdam), bekannt durch
seine Gewehrmunitionsfabrik, in der zuerst die berüchtigten
Dum-Dum-Geschosse mit Sprengwirkung angefertigt wurden; dann über (14 M)
_Barrackpur_, mit Landsitz des Vizekönigs und alten Kasernen, nach (46
M) _Ranaghat Junction_ (Bahnwirtsch.) und über (58 M) _Bogoola_
(Bahnwirtsch., 10 Min. Aufenthalt zum Nachmittagstee) nach (103 M)
_Poradaha Junction_ (von hier Zweigbahn [47 M] nach _Goalanda Ghat_,
nahe der Vereinigung des Ganges mit dem Brahmaputra, dann mit
Flußdampfer und Bahn über _Dacca_, die alte Hauptstadt Bengalens, nach
dem Seehafen _Chittagong_).--Die Bahn erreicht den Ganges bei (120 M)
_Damukdia Ghat_; hier umsteigen auf die Dampffähre, die in 25 Min. über
den sehr breiten Gangeshauptstrom setzt; währenddessen Abendessen an
Bord. Die Dampffähre landet bei (132 M) _Sara Ghat_ gegen 21 Uhr; man
beachte an den Wagentüren des Zugs die Zettel mit Namen, wenn man
telegraphisch Schlafplatz bestellt hat. Dann mit der »Northern Bengal
State Railway« in kleinen Wagen von 1 m Spurweite über (156 M) _Nattore_
(bei Rückfahrt wird hier stark geläutet zum Wecken der Fahrgäste, ehe
sie zur Fähre kommen) nach

(244 M) _Parbatipur_ (Bahnwirtschaft).

     =Abstecher nach Assam=; _Zweigbahn_ von Parbatipur nach (90 M)
     _Dhubri Ghat_, dann Dampferfahrt (wegen Anschluß vorher bei Cook
     erkundigen!) auf dem =Brahmaputra=, dem »indischen Rhein«, in 4
     Tagen nach =Dibrugarh= (123 m; _Dâk Bungalow_), das schon nicht
     mehr allzu weit von der Austrittsstelle des Brahmaputra aus dem
     Himalaja entfernt liegt. Der Brahmaputra, ein gewaltiger Strom,
     fließt durch Assam in einem weiten bewaldeten Tale, meist in
     zahlreiche Arme aufgelöst. Bei Gauhati (s. unten), wo er nicht
     geteilt ist, ist er 1-1/2 km breit. Sein Hochwasser, gespeist aus
     der Schneeschmelze im fernen Tibet und aus den gewaltigen
     Regenmengen, die im Sommer über Assam niedergehen, reicht von Mitte
     März bis in den September. Nahe seinem l. (südl.) Ufer beginnen die
     Vorhügel der Khasiaberge, eines schönen, niederschlagsreichen u.
     gut bewaldeten Gebirges mit reichen Teepflanzungen. An der
     Südseite, südl. von Shillong, liegt Cherra Punji, der regenreichste
     Ort der Erde (jährlicher Niederschlag 11600 mm).

     Die Brahmaputrafahrt gibt Gelegenheit zu Ausflügen nach _Shillong_,
     Hauptquartier der Regierung von Assam, 1200 m ü. M., und in die
     prächtigen Waldberge des _Khasiagebirges_; sie sind aber
     beschwerlich, langwierig und teuer; nähere Auskunft gibt _Cook's
     Office_ in Calcutta.

Von Parbatipur weiter über (305 M) _Jalpaiguri_ nach (328 M) =Siliguri=
(_Bahnwirtsch._, gut; _Dâk Bungalow_). Hier beginnt die
_Darjeeling-Himalayan Railway_, eine kleine Gebirgsbahn von 60 cm
Spurweite, sehr schmale Wagen, I. und II. Klasse geschlossen oder offen.
Rauchbrille oder Schleier zum Schutz gegen den Rauch der Lokomotive
sowie warme Decken sind erforderlich. L. sitzen, ein Eckplatz im offenen
Wagen gewährt beste Aussicht, man schwebt aber zuweilen über Abgründen;
der Mittelplatz ist weniger zugig. Der Temperaturwechsel macht sich
stark fühlbar, je höher die Bahn steigt; die Fahrt (51 M) dauert 6 St.,
anfangs durch Flachland mit Feldern, bald aber Aufstieg in dichtem
Urwald (der sogen. »Tarai«) meist längs der alten Fahrstraße; in den
Dschungeln hausen Tiger, Elefanten, Rhinozerosse, Leoparden und andres
Wild. An Waldlichtungen sieht man auch zuweilen Holz schleppende
gezähmte Elefanten. Man übersieht Schluchten mit Himalajazedern (Cedrus
Deodara), Palmenwäldern, Feigen- und Mandelbäumen und riesigen
Rhododendronbüschen. Bei scharfen Kurven sind Schleifen (_loops_)
angelegt, an andern Stellen Kopfstationen (Spitzkehren), wo die
Lokomotive an das Ende des Zugs gesetzt wird. In größerer Höhe werden
die Zedern und Eichen seltener, häufiger die Baumfarne (_Ferntree_, bis
10 m hoch, wie Palmen aussehend).--In (360 M) =Kurseong=
(_Bahnwirtsch._, gut; _Clarendon Hotel_; _Dâk Bungalow_), einem
Hauptplatz der Teeplantagen, etwa 1500 m ü. M., ist 19 Min. Aufenthalt
zum Frühstück. Der Wald macht Teepflanzungen Platz. (Auf der Rückfahrt
kann man von Kurseong einen Teil des Abstieges auf einem Richtweg zu Fuß
machen, sehr lohnend; man erkundige sich beim Station Master in
Kurseong.)--Auf dem weitern Anstieg wird es kühl. Bald hinter Kurseong
erster Blick auf den Kanchanjanga (8582 m), dann noch einmal kurz vor
Ghoom.--In (376 M) _Ghoom_, 2600 m ü. M., erreicht die Bahn den höchsten
Punkt; gelegentlich Ausblicke auf die Himalaja-Bergkette, dann bergab
nach

(379 M) =Darjeeling= (2184 m), tibetan. _Dar-rgjas-glin_ (d. h. Land des
diamantenen Donnerkeils des Lamas), Stadt mit 13000 Einw., Endstation
der Bahn.

     =Gasthöfe=: _Woodland's Hotel_, gut. --_Woodland's Annex Hotel_,
     sehr gut, Pens. 8-15 Rup., 2 Pers. 14-18 Rup., Abfahrt 24 St.
     vorher anmelden.-- _Boscolo's Hotel Oakfield_ (neu), am Chaurasta;
     _Central Hotel_ (neu), Post Office Road, gut, Pens. von 5 Rup. an.
     --_Drum Druid Hotel._--_Grand Hotel Rockville_, das ganze Jahr
     geöffnet; 44 Z., Pens. von 8 Rup. an.--_Jones Hotel_ und
     _Restaurant_.--_Boardinghouses Ada Villa_; _Bellevue_; _Himalaya
     Cottage_.--=Droschken= nach Tarif.-- =Photographen=: _Baar_,
     Deutsch-Österreicher; _Burlington Smith_.--=Bank.=--
     =Apotheken.=--=Antiquitäten= bei verschiedenen Firmen.--=Skating
     Rink=, bei der Kirche, gegen Abend Konzert.

_Darjeeling_, Hauptstadt des gleichnamigen britisch-indischen Distrikts,
an der Grenze von Sikhim, zwischen Nepal und Bhutan, liegt auf den
Vorbergen des Himalaja, ist Sommersitz des Lieutenant-Governors von
Bengalen, vielbesuchte Sommerfrische (für Reisende, die in Benares oder
Calcutta einen Malariaanfall erleiden, ist schleunigste Reise nach
Darjeeling die beste und schnellste Kur) mit dem vorzüglichen
_Eden-Sanatorium_, mehreren Schulen und einem Pensionat zur Ausbildung
von Forschungsreisenden und Dolmetschern. Mittlere Jahrestemperatur
11,5° C (Januar 4,5°, Juli 16,4°), größte Kälte-6,7°, größte Wärme etwa
27° C. Das Klima ist regenreich (3200 mm, etwa das Fünffache wie in
Deutschland); die Regenzeit beginnt Anfang Juni. Die Hauptstraße _The
Mall_ mit Musikhalle (April bis November spielt Mi. und Sa. Musik) führt
zum _Observatory Hill_; dort *Aussicht über die Bergketten von Sikhim
hinweg auf den _Kanchanjanga_ (8582 m) und andre Gipfel des Himalaja
(großartigste Hochgebirgslandschaft der Erde). In den Basaren und auf
dem Markt *Sonntag früh interessantes Volksleben (Mongolen, Tibetaner,
Bhutias, Leptschas, Lopos, Nepalesen neben Hindu, Parsen u. a.). Da die
Gebirge bei Tage häufig durch Nebel verdeckt sind, suche man die
Aussichtspunkte bei Sonnenauf- oder -Untergang auf.--Etwa 1,5 km östl. und
300 m steil bergab liegt das malerische Dorf _Bhutia Busti_ mit
tibetanischem Tempel, vor dem mannsgroße bunte Gebetsmühlen stehen (auf
den Papierstreifen der Mühlen steht das Gebet: »Om mani padme hum' = O,
du Kleinod im Lotos, Amen!«; jede Umdrehung rechnet als ein Gebet!). Auf
dem Rückwege sieht man eine Stûpa (oder Dagoba = Grabhügel), umgeben von
weißer Mauer.-- Der _Botanische Garten_ unterhalb des Eden-Sanatoriums
enthält eine Sammlung von Himalajapflanzen, auch schöne Sammlung von
Himalajaschmetterlingen, -vögeln und Eiern.

     =Ausflüge=: 1) Nach *=Tiger Hill= (2600 m), 10 km vor Darjeeling,
     500 m Steigung auf Reit- oder Fußwegen, mit Führer in 2 St.; am
     besten zu Pferde (im Gasthof bestellen, hin und zurück etwa 5
     Rup.), Damen im  Tragstuhl. Äußerst lohnend! Um den Sonnenaufgang
     zu beobachten, ist Aufbruch mit Laternen früh 4 Uhr nötig. Man
     nehme Feldstecher mit! Bei günstigem Wetter (früh am wenigsten
     Wolken oder Nebel) ist der Sonnenauf- oder -Untergang unvergleichlich
     großartig; man übersieht die Hochgipfelkette des Himalaja vom
     _Mount Everest_ (8750 m) im NW. in riesigem Bogen über den
     _Kanchanjanga_ (8582 m) und _Donkia Ri_ (7051 m) bis im O. an die
     Grenze von Bhutan und Tibet; überraschend ist die Schärfe der
     Umrisse wie das wunderbare Farbenspiel auf den Schneeflächen. Die
     Schneegrenze liegt bei 4500 m. Der *Blick auf den Himalaja ist das
     wunderbarste Hochgebirgsbild der Erde.

     2) Nach =Phalut= (3600 m), 82 km nördl. von Darjeeling, quer durch
     Sikhim; beschwerlich, da der Weg quer zu den ostwestl. laufenden
     Bergketten verläuft, aber sehr lohnend für Alpentouristen zu Fuß,
     mit Führer, der, zugleich Koch und Dolmetscher, tägl. 2 Rup.
     erhält, und mindestens 10 Kulis zum Proviant- und Gepäcktragen, für
     Tag und Mann 12 annas; man kann auch Saumpfade benutzen, dazu ein
     Pony (mit Wechsel) 4 Rup. tägl. oder für Damen eine Dandy,
     Tragstuhl mit stellbarem Wachstuchdach nebst 8 Kulis zum Tragen; in
     dieser Art kostet der Ausflug, in 6-7 Tagen mit dem
     empfehlenswerten Führer _Nadar Sirdar_ und 27 Kulis gemacht, für
     ein Ehepaar etwa 250 Rup. mit Trinkgeldern etc. Wenn man von Phalut
     über Rinchinpong durch Sikhim zurückkehrt, dauert der Ausflug 10
     Tage: Woodlands Hotel übernimmt die Ausrüstung, Stellung der Pferde
     etc. für zwei Personen für 440 Rup.; mit Trinkgeldern und Getränken
     kann man dann 500 Rup. rechnen. Proviant besorgt F. Schonert & Co.
     in Calcutta, Anwerbung der Pferde und Kulis der zuvorkommende
     Manager des Woodland-Hotels. Wer selbst die Ausrüstung übernehmen
     will, nehme einen Führer an (zu empfehlen auch _Keschur Sing
     Markar_), der auch Pferde etc. stellt. Ohne Führer kann man weder
     mit den Pferden (die im Gebirge leicht erkranken) noch mit den
     Kulis fertig werden, die Sprachkundige zur Beaufsichtigung
     erfordern.

     --Paßerlaubnis für Benutzung der Bungalows muß vorher in Darjeeling
     beim _Deputy Commissioner_ eingeholt werden, und zwar je ein Paß
     für Ausreise und Rückreise für jeden Bungalow, den man besuchen
     will. Man tut gut, die Kulis mit den Lebensmitteln einen Tag
     vorauszuschicken. Mitnahme von Verbandstoffen und einer
     Hausapotheke sowie Jagdgewehren ist zu empfehlen. Die erste
     Tagereise führt durch einsame Täler und über größere Höhen als
     Darjeeling bis zum Dâk Bungalow von (37 km) _Tanglu_ (3070 m; jede
     Person über Nacht 1 Rup. und 2 annas für Brennholz), auf einem
     schroffen Bergvorsprung mit *Aussicht mitten im Wald. Zweite
     Tagereise durch wunderbare Gebirgslandschaft über Berg und Tal nach
     dem Dâk Bungalow von (61 km) _Sandakphu_ (_Sindukphu_), 3630 m, mit
     prachtvollem *Ausblick auf Mount Everest und Kanchanjanga. Dritte
     Tagereise über stellenweise schmalen Berggrad zum Dâk Bungalow von
     (82 km) _Phalut_ (3600 m). Vor Sonnenunter- und -Aufgang besteige man
     den höchsten Vorsprung des Bergrückens (etwa 3660 m), wo fünf
     spitze Steinhaufen mit tibetanischen Inschriften stehen. Die
     Bergriesen erglühen rosig (Alpenglühen); man befindet sich nur noch
     einen Tagesmarsch vom Kanchanjanga entfernt, sieht diesen
     Bergriesen dicht vor sich, dazwischen ein Labyrinth von Tälern
     unter gigantischen Abhängen, tief unten Dschungeln; *_=Blick auf
     Mount Everest.=_ Wer weiter in die Gletscherwelt des Himalaja
     eindringen will, studiere vorher die Reiseberichte von _Freshfield_
     im »Alpine Journal« und von Dr. _K. Boek_ in dessen Werk »Indische
     Gletscherfahrten«; sie rüsteten ihre großen Gebirgsreisen in
     Darjeeling aus.--Rückreise von Phalut: 1. Tag nach Sandakphu, 2.
     Tag bis Tanglu, 3. Tag Ankunft in Darjeeling. _Viel schöner ist die
     Rückreise durch das Land Sikhim_ in 5 Tagen: 1. Tag von Phalut über
     den Dâk Bungalow von (10 km) _Chiabhanjon_ (3150 m) nach dem Dâk
     Bungalow von (21 km) _Dentam_ (2000 m); 2. Tag bis Dâk Bungalow von
     (40 km) _Pamiongchi_ (1500 m); 3. Tag bis Dâk Bungalow von (56 km)
     _Rinchinpong_ (1520 m); 4. Tag bis Dâk Bungalow von (75 km)
     _Chakang_ (1550 m); 5. Tag zurück nach (107 km) Darjeeling (2180
     m).

     3) Nach =Teesta Bridge=, 2 Tage zu Pferd, etwas anstrengend
     (Paßerlaubnis für Benutzung der Bungalows vorher in Darjeeling beim
     _Deputy Commissioner_ und beim _Executive Engineer_ einholen), am
     1. Tag zum Bungalow von (12 km) _Badatam_ (760 m), dort
     übernachten, dann durch das Teesta-Tal über _Teesta Bridge_ (Dâk
     Bungalow; 210 m) und (27 km) _Pashoke_ (Dâk Bungalow; 1000 m),
     zurück nach Darjeeling. Man kann auch von Darjeeling über Pashoke
     ins Teesta-Tal hinabreiten, dann über Teesta Bridge (dort im
     Bungalow übernachten) nach _Riang_ (Dâk Bungalow) und (51 km)
     _Kalithora_ (Dâk Bungalow; 170 m) nach Siliguri (S. 140) reiten und
     von da mit der Bahn nach Darjeeling oder Calcutta zurück. (Näheres
     siehe »Meine indische Reise« von _Eugenie Schaeuffelen_, Berlin
     1906.)



7. Von Calcutta nach Rangoon. Birma.

Vgl. Karte S. 155.


     =Dampfer Calcutta-Rangoon=, 787 Seem.: _British India Steam Nav.
     Co._ (Agent _Mackinnon, Mackenzie & Co._, Calcutta, Strand 16),
     dreimal wöchentlich, So. Di. Fr., in 50 St. für I. Kl. 75, II. Kl.
     37-1/2 Rup. Fahrkarte Calcutta-Singapore mit 4 Wochen Unterbrechung
     in Rangoon I. Kl. 150, II. Kl. 75 Rup. Verpflegung und
     Platzbesorgung für deutsche Reisende lassen zu wünschen; man
     bestelle durch Cook Plätze voraus.

Von _Calcutta_ fährt man den Hooghly abwärts (S. 134), durchquert den
innersten Teil des Golfs von Bengalen mit SO.-Kurs bis zum _Kap
Negrais_, dann mit östlichem Kurs an den Mündungen des _Irawaddy_ (spr.
iráwadi) entlang, die sich durch lehmfarbige Trübung des Seewassers
ebenso wie die Gangesmündungen weit außerhalb der Küste kenntlich
machen. Schließlich steuert man mit NO.-Kurs in den _Golf von Martaban_
bis zur Mündung des _Rangoonflusses_, auf dem das Schiff aufwärts nach
(787 Seem.) _Rangoon_ (S. 145) fährt.

     =Birma= (oder _Barma_, engl. _Burma_) erstreckt sich zwischen 27°
     und 10° nördl. Br. von der Ostküste des Golfs von Bengalen aus
     nordwärts in die hinterindische Halbinsel hinein. _Niederbirma_
     (_Lower Burma_) ist seit 1826 und 1852, _Oberbirma_ (_Upper Burma_)
     erst seit 1886 englisch. Zu letzterm rechnen noch Luschai- und
     Katschinland sowie die Schanstaaten, so daß die gesamte jetzige
     Provinz Burma, die einen Teil des Kaiserreichs Indien bildet, etwa
     613000 qkm (Deutsches Reich 540778 qkm) mit 10500000 Einw. umfaßt.
     Oberbirma und auch die Gebirgszüge Unterbirmas sind noch wenig
     erforscht, so daß Touristenreisen im Lande sich auf die wenigen
     unten beschriebenen Linien beschränken müssen. Das ganze Land
     gliedert sich in nordsüdlich verlaufende Gebirgsketten und
     dazwischen eingesenkte Täler, von denen nur eins, das untere
     Irawaddytal, eine große Ebene bildet, die sich südwärts durch die
     Deltabildung des Flusses noch ständig vergrößert. Der zweite große
     Strom des Landes, der Salween, der wie der Irawaddy fern im N. im
     Grenzgebirge Tibets seinen Ursprung hat, durchfließt bis zu seiner
     Mündung ein verhältnismäßig schmales Gebirgstal.

     Das _=Klima=_ weicht von dem Vorderindiens wenig ab. Wie dort
     unterscheidet man drei Jahreszeiten: die kühle (Mitte November bis
     Anfang März), die heiße (März bis Mai) und die Regenzeit. Das
     Küstengebiet wird von Ende Mai bis Anfang Oktober durch den
     Südwestmonsun mit großen Regenmengen überschüttet. Landeinwärts
     läßt die Regenfülle, abgesehen von den Gebirgen, rasch nach, da ein
     küstennaher Gebirgszug einen großen Teil der Feuchtigkeit abfängt.
     Die _=Temperatur=_ nimmt in der kühlen  Jahreszeit landeinwärts ab
     (Rangoon Januar 23,7°, Mandalay 20,4°), in der heißen aber zu
     (Rangoon April 29,4°, Mandalay 31,8°). Die _=Vegetation=_ des
     Küstengebiets ist sehr üppig; die Inseln des Irawaddydeltas sind
     großenteils von Sumpfwald und Röhricht bedeckt, die Berge von
     tropischem Regenwald. Die dichten Wälder, die einen großen Teil des
     Innern bedecken, bestehen vielfach aus Teakbäumen, die weniger
     Regen bedürfen; ihr Holz bildet einen Hauptausfuhrgegenstand;
     daneben gibt es Feigen- und Magnolienbäume sowie Brotfruchtbäume.
     _=Tierwelt=_ wie in Ostindien, dazu vier Arten Nashörner. Vögel und
     Reptilien sind sehr farbenprächtig.

     _=Bevölkerung.=_ Das herrschende Halbkulturvolk der _Birmanen_ ist
     wohl ein Mischvolk aus mongolischen, vorderindischen und
     malaiischen Elementen. Sie sind klein, hellbraun, wohlgestaltet,
     sehr lebhaft und geschäftlich rührig, gegen Fremde meist höflich
     und gastfrei, aber unzuverlässig und verschlagen. Männer und Frauen
     sind sehr putz- und vergnügungssüchtig und in ihrem Leben und
     Gebräuchen wesentlich von den Hindu verschieden. Die _=Kultur=_ ist
     vom benachbarten Vorderindien aus stärker beeinflußt als von China
     her. Aus Vorderindien ist sowohl der Brahmanismus gekommen, der
     zahlreiche schöne Tempelbauten, namentlich in Oberbirma,
     hinterlassen hat, wie auch der heute herrschende Buddhismus, der
     übrigens mit brahmanischen Ideen ganz durchsetzt ist. Jeder Mann
     muß eine Zeitlang als Mönch leben; Klöster, _Phoongyi-Kyaung_,
     findet man in jeder Stadt und jedem Dorf, ältere sind oft prächtig
     aus Teakholz geschnitzt und mit Spitztürmen, _Pyathats_, geziert.
     Die Priester, kahlgeschoren und mit gelben Seidengewändern, sind
     hochangesehen, worauf der Reisende stets Bedacht nehmen muß, um
     sich vor Unannehmlichkeiten zu bewahren. Der Oberpriester,
     _P'ha-T'hena-Baing_, ein hoher Reichswürdenträger, hat seinen Sitz
     in Mandalay. Die Tempel, _Phra_, sind Prachtbauten, die Pagoden
     stets pyramidenförmig. Die Priester sind gegen höfliche Fremde sehr
     artig und zeigen alles gern. Öffentliche Theateraufführungen
     (_Pwe_), die abds. 8 Uhr im Freien beginnen und oft über Nacht
     dauern, sind sehenswerte Volksfeste.

     Den _kulturellen Mittelpunkt_ des Landes bildet das
     _=Irawaddytal=_, in dessen Ebenen große Mengen von Reis, Baumwolle,
     in viel geringerm Umfang auch Erdnüsse, Tabak, Zuckerrohr und Sesam
     gebaut werden; die Ausfuhr von Reis (nach China) ist sehr stark. Im
     nördl. Gebiet kultiviert man Mais, Weizen, Hirse, Hülsenfrüchte,
     Ölsaat; im Gebirge auch Tee, der teils als Gemüse gegessen, teils
     eingesalzen zur Getränkbereitung benutzt wird. Viehzucht ist
     unbedeutend, man hält nur Zug- und Lasttiere: Pferde, Büffel,
     Elefanten, Rinder. Wichtig ist der _=Bergbau=_ auf Edelsteine
     (besonders Rubine und Saphire), Petroleum und Kohle.

     Der _=Handelsverkehr=_ findet vorwiegend auf den schiffbaren
     Flüssen statt, auf dem Irawaddy mit Dampfern der Irawaddy Flotilla
     Co. bis Bhamo, 1180 km von der Mündung, und auf dem Chindwin.
     Außerdem mehrere Bahnlinien, s. S. 145 und 150.

     Der Ostteil Oberbirmas wird von dem wilden Gebirgslande der sogen.
     _Schanstaaten_ eingenommen, die erst in ihrem Nordteil durch die
     bis nahe an die Grenze der chinesischen Provinz Yünnan führende
     Eisenbahn ein wenig erschlossen, im ganzen aber noch ziemlich
     unerforscht sind. Die Staaten der Schanvölker, die dieses Gebiet
     hauptsächlich bewohnen, stehen zu England im Verhältnis von
     Schutzstaaten. Die Schan sind ein Naturvolk, aber mit einer nicht
     ganz geringen Kultur, und leisten im Ackerbau (Tee und Baumwolle)
     und Viehzucht Tüchtiges. Sie sind mongolischen Ursprungs, also
     Verwandte der Chinesen.

     Beste _Reisezeit_ nach der Regenzeit, etwa von Mitte November bis
     Ende Februar; aber auch der März ist oft noch angenehm kühl und
     sehr geeignet für Ausflüge.

     Die Hauptreize einer Reise ins Innere Birmas bestehen in der Fahrt
     auf dem majestätischen Irawaddystrom, die den Genuß der Tropennatur
     unter den angenehmsten Verhältnissen ermöglicht, und im Studium der
     äußerst liebenswürdigen Bewohner und ihrer Kultur, besonders ihrer
     religiösen Bauwerke.


Rangoon.

Vgl. den Plan S. 147.

     =Ankunft zur See.= Bei _China Bakir_ kommt der Lotse an Bord, dann
     dampft man auf dem _Rangoonfluß_ (dem östlichsten Mündungsarm des
     Irawaddy) aufwärts und ankert nach etwa 2 St. Fahrt vor der Stadt,
     24 Seem. oberhalb der Mündung. Beide Flußufer zeigen reichen
     Pflanzenwuchs; von weitem sieht man Schornsteine und die
     goldglitzernde Dachspitze der Shwe Dagon-Pagode, später erkennt man
     Warenschuppen und Holzlager und Häuser der Stadt. Landung erfolgt
     mit Dampfbarkassen der betr. Dampfergesellschaft oder mit Booten
     der Eingebornen (»sampans«; 4 annas für 10 Min. Fahrt). Bei hohem
     Wasserstand legt der Dampfer am Ufer vor der Mitte der Stadt an.
     Zolluntersuchung wie in Indien (S. 49); von indischen Häfen
     kommende Reisende haben keinen Zoll zu zahlen.

     =Gasthöfe=: _Minto Mansions Hotel_, im Cantonment nahe Gymkhana; 80
     Z., neu und besteingerichtet, gute Verpflegung, Din. 3 Rup., Pens.
     9-15 Rup., Oktober bis April 15-17 Rup.--_Strand Hotel_ (Pl. a), in
     schöner Lage, empfohlen. --_Royal_ (Pl. b), Pens. von 10 Rup.
     an.--_Criterion Hotel._--Viele =Boarding Houses=: _Allendale_, im
     Cantonment, _Aberdeen House_ u. a.; Pens. 5-11 Rup.
     Vorausbestellung von Zimmern ist zweckmäßig. Man kann auch auf den
     Irawaddy-Dampfern gut übernachten. --=Restaurants= in den großen
     Gasthöfen; ferner _Chiesa_, italienische Konditorei; _Vienna
     Bakery_, Fytche Square.

     =Post u. Tel.= in Strand Road.

     =Wagen=: _Ticca gharries_ nach Tarif. Man beachte, daß die Kutscher
     meist »Madrassis« sind, die Hindostanisch verstehen, aber weder
     Straßen-noch Geschäftsnamen kennen! Man nehme den Stadtplan mit!

     =Straßenbahnen= (elektr. Bahn mit 2 Klassen). Eine Linie von Strand
     Road zur großen Shwe Dagon-Pagode; eine andre zum Dalhousie Park,
     eine dritte Linie nach Pazundaung.

     =Eisenbahnen=: _Burma Railway_, Hauptlinie nach Mandalay und
     Myitkyina mit Zweiglinien nach Moulmein, Myingyan, Alon, Lashio
     und Katha; außerdem Linie Rangoon-Prome mit Zweiglinie nach
     Bassein (vgl. Karte »China und Japan« und die bei S. 155). Der
     Hauptbahnhof (Terminus) liegt Ecke Phayre Street und Montgomery
     Street; die Prome-Linie hat noch Nebenstationen bei Godwin Road,
     Prome Road und Alon sowie eine große Station im Vorort Kemmendine;
     die Mandalay-Linie hat den Bahnhof Pazundaung.--Lokalverkehr
     besteht zwischen Rangoon-Hauptbahnhof-Pagoda
     Road-Lanmadaw-Cantonment-Gymkhana-Mission
     Road-Kemmendine-Kamayut-Okkyin-Tamaing-Gyogon und Insein und
     zurück.

     =Dampfer=: _British India Steam Nav. Co._ (Agent Bulloch Bros.,
     Strand Road), nach Calcutta 3mal wöchentl.; nach Madras (Fahrzeit 4
     Tage), nach Tavoy und Mergui, nach Penang und Singapore
     wöchentl. -- _Norddeutscher Lloyd_ (Agent: Krüger & Co., Ltd.,
     Tel.-Adr. »Nordlloyd, Rangoon«), durch Zweiglinie der British India
     Steam Nav. Co. alle 14 Tage nach Penang (Fahrzeit 3 Tage,
     Aufenthalt in Penang etwa 3 Tage), dort Anschluß an die aus- und
     heimreisenden Reichspostdampfer. -- _Bibby Line_, nach Colombo alle
     14 Tage (Fahrzeit 4 Tage).--_Österreichischer Lloyd_ (Agent Società
     an. Coloniale di Trieste, Tel.-Adr.: »Lloydiano-Rangoon«), einmal
     monatl. nach Calcutta (von Colombo und Madras kommend) und von da
     nach Triest.--_Henderson Line_, 14tägig über Port Said nach London.

     =Geld= wie in Indien, s. S. 49; aber indisches Papiergeld muß in
     Birma mit Verlust gewechselt werden; Banknoten des Rangoon Treasury
     gelten in ganz Birma. 1 £ = 15 Rup. -- =Banken=: _Bank of Bengal_,
     Strand Road. --_Hongkong and Shanghai Banking Corporation_; Korr.
     der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig. -- _National Bank of
     India_, Phayre Street; Korr. der Deutschen Bank; alle drei der
     Berl. Disconto-Gesellschaft. -- _Nederlandsche Handels
     Maatschappij._ -- _Cook's Office_ (s. unten) besorgt ebenfalls
     Bankgeschäfte.

     Die =Sprache= der Birmanen ist ein Glied der indochinesischen
     Sprachfamilie. Man beachte _Judson_, »Grammar of the Burmese
     language« und dessen »Dictionary«. Englisch wird jedoch in den
     Gasthöfen und auf den Eisenbahnen gesprochen.

     =Theater=: Reisende europäische Gesellschaften geben zuweilen in
     der _Jubilee Hall_ in Pagoda Road Vorstellungen. -- Nationale
     Vergnügungen (Pwes) suche man zu erkunden: _Zat Pwe_ ist
     Vorstellung mit Gesang, Tanz und Ulk; _Yokthwe Pwe_ ein
     Marionettentheater; _Yein Pwe_, Ballettänze mit Musik und Gesang,
     finden nur bei besondern Festlichkeiten statt, sind frei (werden
     vom Veranstalter des Festes bezahlt) im Freien von 8 Uhr abds. die
     Nacht hindurch.

     =Reisebureau.= _Thos. Cook & Son_, östl. Ecke der Phayre Street und
     Merchant Street (Tel.-Adresse: »Coupon, Rangoon«), besorgt
     zusammenstellbare Fahrscheine für alle Ausflüge mit Bahn oder
     Flußdampfer und erledigt auch alle Geldgeschäfte. (Nützlich ist
     _Cook's Handbook Burma_.) -- _Scott & Co._, Merchant Street.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul C. Kauffeld. --
     _Österreich-Ungarn_, Konsul Michael Sevastopulo. -- =Deutscher
     Klub= in Commissioners Road.

     =Polizeiamt= in der Pagoda Road beim Bahnübergang und an andern
     Plätzen.

     =Ärzte=: Die Zivilärzte im Cantonment; Dr. _de Souza_, Dalhousie
     Street; Dr. _Pearse_, Dr. _Pedley_, beide Signal Pagoda Road. Die
     Ärzte haben Sprechstunden in den Apotheken.--=Zahnärzte=: Dr.
     _Panhans_ (deutsch), Solay Pagoda Road; _Osborn_ (Amerikaner),
     Phayre Street.--=Apotheken=: _De Souza & Co._, Dalhousie Street
     215.--_Rangoon Medical Hall_, Merchant Street 72. --=Krankenhaus=:
     _General Hospital_ in der Commissioners Road; Ärzte: Major _Barry_,
     Major _Röst_.

     =Buchhandlung=: _Myles Standish & Co._, Merchant Street
     75.--=Zeitungen=: _Rangoon Gazette_; _Rangoon Times_; _Burma
     Herald_.--=Photographien=: _P. Klier & Co._, Signal Pagoda Road 3
     und Merchant Str., Ecke der Phayre Street. --_D. A. Ahuja_ (für
     photographische Artikel), Sule Pagoda Road.

     =Geschäftsadressen.= Reiseartikel und europäische Bedürfnisse:
     _Laidlaw & Whiteway_.--_Rowe & Co._, Fytche Square.--_Watson, Allen
     & Roberts_, Merchant Street 73.--_W. Macfie &_  _Co._, Merchant
     Street 16.--Kuriositäten, Ebenholzschnitzereien, Elfenbein-,
     Gold- und Silberwaren: _Klier & Co._, Merchant Str., Ecke der Phayre
     Street.--Goldschmiede und Holzschnitzer in Godwin Road; gute
     Schnitzarbeiten liefert auch das Hauptgefängnis (_Central Jail_),
     Old South Boundary Road; Buddhafiguren in Bronze und Alabaster und
     andre Spezialitäten im Vorort Kemendine.--=Basare=: _Suratee
     Bazaar_ in China Street.--_Rangoon Bazaar_ gegenüber; außerdem
     öffentliche Märkte (_Municipal Bazaars_), Strand Road u. in
     Kemendine.

     =Zeiteinteilung für Birma.= a) _=Für 10 Tage=_ (die gewöhnliche
     Zwischenzeit zwischen zwei Dampferabfahrten): Ankunftstag früh
     Stadt Rangoon, Nm. Bahnfahrt nach Katha, von da am 3. Tag früh mit
     Dampfer nach Bhamo;-- 4. Tag Bhamo;--mit demselben Expreßdampfer am
     5. Tag früh zurück, Nm. an Katha, mit Bahn von da nach
     Mandalay;--6. Tag: Mandalay;--7. Tag: früh ab nach Gokteik Gorge,
     Nm. dort an;--8. Tag: Vm. ab Gokteik Gorge nach Rangoon;--9. Tag:
     abds. Ankunft Rangoon;--10. Tag: Vm. Rangoon, mitt. Abfahrt mit
     Dampfer.

     b) _=Bei längerm Aufenthalt:=_ 1. Tag: Rangoon;--2. Tag: Bahnfahrt
     nach Mandalay;--3. u. 4. Tag: Mandalay; --5. Tag: Amarapura und
     Ava; --6. u. 7. Tag: Gokteik Gorge;-- 8. Tag: Bahnfahrt nach
     Katha;--9. Tag: Dampferfahrt nach Bhamo;-- 10. Tag: Bhamo;--11. bis
     etwa 20. Tag: Dampferfahrt Bhamo-Mandalay-Prome-Rangoon. Der
     Reiseplan ist abhängig vom Fahrplan der Irawaddy Flotilla Co.

     =Geschichte.= Der Platz, wo Rangoon steht, ist seit alters heilig
     durch die Shwe Dagon-Pagode. In den Kämpfen zwischen den Ländern
     Ama und Pegu vertrieb der Bauer Alompra die Bewohner Pegus und
     machte 1753 Rangoon zur Hauptstadt der letzten Königsdynastie von
     Birma. Der Übermut des Königs Phagyidan führte zum Kriege mit
     England, Rangoon wurde 1824 von den Engländern erobert, aber erst
     1852 zur Hauptstadt von Britisch-Birma gemacht. Seitdem hat sich
     die Stadt zu einem wichtigen Ausfuhrhafen für Reis und Teakholz
     entwickelt.

[Illustration: Lageplan von Rangoon.]

_Rangoon_, Hauptstadt von Britisch-Birma und Sitz des Lieutenant
Governor's, mit 234881 Einw., liegt auf 16° 47' nördl. Br. am Ostrande
des Irawaddydeltas, am linken Ufer des _Rangoonflusses_ (Hlaing), des
östlichsten Mündungsarmes des Irawaddy, dicht oberhalb der Einmündung
des _Peguflusses_ und nach O. begrenzt von dem schmalen Wasserarm
_Pazundaung Creek_ (an dessen Ufern die meisten Reismühlen liegen). Die
Stadt ist weitläufig gebaut mit regelmäßigen Straßen. Im W. liegt das
_Chinesenviertel_, im NW. das _Cantonment_, zugleich Europäerviertel,
mit breiten Straßen und schönen Gärten sowie vielen Kasernen. Im
nördlichen Teile dieses Viertels liegt die große Tempelanlage der _*Shwe
Dagon-Pagode_ (s. unten) und östl. davon der prächtige _*Dalhousie Park_
mit den _*Royal Lakes_. Südl. angrenzend der _*Victoria Park_, in dem
sich die _Agri-Horticultural Gardens_, das kleine _Phayre Museum_ und
der _Zoologische Garten_ befinden. Erwähnenswerte Gebäude sind das
Seemannsheim (_Sailor's Home_) und der _Chinesische Tempel_ in Strand
Road, das _Sekretariat_ in der Dalhousie Street, das _General Hospital_
in Commissioners Road, das _Gouvernment House_ in Kemmendine Road, die
_Kathedrale_ und das _Rangoon College_ mit Bibliothek, alten Pali- und
Birmahandschriften auf Palmenblättern in China Street. Nicht alle
Straßen haben Namen und Hausnummern, was das Zurechtfinden in der Stadt
erschwert. Die Sägewerke für Teakholz (in denen Elefanten zum
Lastentragen verwendet werden) liegen meist in Aloon, am Westende der
Strand Road. Man versäume nicht, die arbeitenden Elefanten (wood piling
elephants) am Fluß anzusehen, früh 6-9, dann 3 Uhr bis abends.

_=Rundfahrt.=_ Morgens 1/2-8 Uhr beginne man mit den Basaren (S. 146),
insbesondere dem _Suratee Bazaar_ in der China Street und dem _Municipal
Bazaar_ am Strand; dann ist die beste Zeit, um die Tätigkeit der sehr
geschäftsgewandten, Riesenzigarren rauchenden interessanten Birmaninnen
zu bewundern; die Basare werden viel besucht, nur um Erkundigungen
einzuziehen, zu schwatzen und zu flirten. Dann fahre man durch China
Street bis zur Commissioners Road, in diese l. zum sehenswerten neuen
_General Hospital_, gegenüber das _Rangoon College_ und der _Deutsche
Klub_; von da weiter zum _Central Jail_ (eins der größten Zuchthäuser im
britischen Reich), das Verkaufsräume der Sträflingsarbeiten (meist
schöne Holzschnitzereien) hat und auch innen sehenswert sein soll;
Erlaubnis zur Besichtigung beim Superintendent im Gefängnis.--Dann durch
Dalhousie Street bis zum Fytche Square, wo die achteckige
_Sule-(Solay-)Pagode_ steht; ihr äußerer Bau ist kaum 70 Jahre alt, aber
die Stûpa im Innern soll aus dem 1. Jahrh. stammen und schließt noch
eine kleinere Stûpa von der Königin Schinsobu ein. Auf der Terrasse der
Pagode interessante Reliquienschreine und Statuen.--Die
Hauptsehenswürdigkeit Rangoons, die =*Shwe Dagon-Pagode=, besichtigt man
am besten 4 Uhr Nm. Man fährt vom Strand durch China Street und Pagoda
Road bis vor ihren nach S. gelegenen Haupteingang. Sie ist der heiligste
Buddhatempel in ganz Hinterindien, wahrscheinlich fast 2-1/2
Jahrtausende alt (588 v. Chr. erbaut) und steht mitten auf befestigten
Terrassen auf einem Hügel des Pegu Jomagebirges. Eine schöne Allee
führt von der Stadt zum Haupteingang mit reich verziertem, von
fabelhaften Ungetümen aus weißem Stuck bewachtem Tor, zu dem man auf
breiter Freitreppe hinansteigt. Auf der Treppe Verkäufer aller Art;
Gebetfähnchen, Opferkerzen, Puppen, Tempelblumen, Gongs und Glocken,
Eßwaren, dazu Führer und Bettler in Menge. Innerhalb des Tores öffnet
sich der farbenprächtige Tempelplatz, in dessen Mitte die große, im
untern Teil mit Blattgold, im obern Teil mit Goldplatten bedeckte Pagode
über achteckiger Grundfläche von 413 m Umfang sich in vielen Abstufungen
flaschenförmig 98 m hoch erhebt. Ihre Spitze trägt als Herrscherzeichen
ein goldenes Schirmgestell, reich mit Edelsteinen, besonders den
prächtigen birmanischen Rubinen, verziert und mit goldenen und silbernen
Glöckchen behängt, und »_Ti_« genannt; der letzte Ti von 14 m Höhe und 4 m
Durchmesser und 1,2 Mill. Mk. Wert wurde 1871 vom König Mindun Min von
Oberbirma gestiftet. Acht Haupthaare Gautamas (Buddhas) im Innern der
Pagode werden von unzähligen Pilgern jährlich verehrt.

     Die Vergoldung der Pagode ist verschwenderisch dick, die
     Edelsteine, mit denen die Pagode und ihre zahlreichen Buddhastatuen
     und andern Figuren u. Tempel früher geschmückt waren, sind seit
     Besitznahme des Landes durch die Engländer fast sämtlich
     verschwunden. Die Pagode (auf deren Sockel noch im Jahre 1903 ein
     wilder Tiger, der sich zur Stadt verlaufen hatte, geschossen wurde)
     ist rings umgeben von kleinern Tempeln und Altären mit
     Buddhastatuen aus Teakholz geschnitzt oder aus Stuck oder Marmor;
     dazwischen stehen Elefanten, Löwen und phantastische
     Manotthika-Figuren aus Stein und reichem Holzschnitzwerk, ferner
     heilige Pfosten, wie Flaggenstangen mit langen Eisenbändern, und
     gekrönt mit dem Adler Wischnus, Karaweik; dazwischen wachsen
     heilige Bo-Bäume und Palmyra-Palmen.--Diese seltsame Tempelanlage
     wird von Priestern und Mönchen, Bettlern, Musikanten,
     Wahrsagerinnen, hübschen, aber geschwätzigen Weibern, Krähen und
     Hunden bevölkert, während stets zahllose Glöckchen läuten. Man
     besuche dieses »Märchenbild« öfters und zu verschiedenen Tages- und
     Abendstunden und wird stets neue Reize entdecken.--Am Osteingang
     steht die fast 40 Tonnen schwere Glocke, die in den Fluß fiel, als
     die Engländer sie als Beute mitnehmen wollten, später aber wieder
     von den Birmanen gefischt und zum Tempel gebracht wurde.

Noch vor Sonnenuntergang sollte man eine Spazierfahrt durch den
künstlerisch angelegten =*Victoria Park= mit _Zoologischem Garten_ und
_Agri-Hortikultur-Garten_, dann durch den schönen _Dalhousie-Park_ um
den _Royal Lake_ herum machen, der durch Bougainvillea-Hecken eingerahmt
ist und kaum 1 km östl. von der großen Pagode liegt; die goldene
Pagodenspitze ist im Hintergrund des Parks zu sehen.--Um _birmanische
Klöster_ kennen zu lernen, wende man sich an den liebenswürdigen alten
Mönch _Uthilawuntha_, der dicht beim Bahnhof Pazundaung eine gute Schule
leitet und gern europäische Besucher empfängt. Dort ist man in der Nähe
der Reismühlen, deren Besichtigung zu empfehlen ist; Erlaubnis wird
meist gern gegeben.

     =Ausflüge:= 1) Nach dem =Victoria-See=, etwa 13 km nördl. der
     Stadt, an der Landstraße (in der trocknen Jahreszeit sehr staubig)
     nach Prome; die Landschaft ist hübsch, man fährt durch große,
     schattige Ananasgärten zurück auf der Kokine-Straße, insgesamt 24
     km in etwa 4 St.--2) Nach =Syriam=, wo die Raffinerien der _Burma
     Oil Co._ liegen, mit Dampfbarkasse, von der Landungsbrücke beim
     Zollamt, Strand Road, etwa 5,5 km östl. zum l. Peguufer, wo eine
     Landungsbrücke ist; das jetzige Dorf war die erste portugiesische
     Ansiedelung in Birma, später holländische Faktorei (1631-77);
     Ruinen dieser Niederlassung sind noch zu sehen.

     --10 km von Syriam steht eine große Pagode auf einem Hügel.--3)
     Nach _Pegu_ (sehr lohnend) s. unten.

Von Rangoon nach Oberbirma.

     Zusammenstellung von Fahrscheinheften besorgt _Cook's Office_ in
     Rangoon (S. 146); z. B. die Tour Nr. 5 für 10 Tage: Bahnfahrt
     Rangoon-Mandalay-Katha; Dampferfahrt Katha-Bhamo-Mandalay-Prome;
     Bahnfahrt Prome-Rangoon; Fahrpreis I. Kl. 157-3/4, II. Kl. 83 Rup.

     =Burma Railway=, Expreßzug von _Rangoon_ (ab 11 Uhr Vm.) nach (386
     M, 620 km) _Mandalay_ (an früh) in 20 St., für I. Kl. 30 Rup. 3
     annas, II. Kl. 18 Rup. 1-1/2 annas. (Man achte auf sein Gepäck und
     verriegele das Abteil, wenn man schläft, es wird viel gestohlen!)--
     Die Bahn läuft nicht in der Irawaddy-Ebene aufwärts, sondern wendet
     sich über die südl. Ausläufer des die Irawaddy-Ebene ostwärts
     begrenzenden _Pegu-Yoma-Gebirges_ dem zwischen diesem und dem
     ostbirmanischen Gebirgslande verlaufenden breiten Talzuge zu.
     Dieser wird in seinem größern Südteile (von Yamethin ab) durch den
     _Sittangfluß_ südwärts zum Golf von Martaban entwässert, im
     Nordteil aber nordwärts durch den _Isamonfluss_, der bei Ava (S.
     153) in den Irawaddy mündet.

Abfahrt in _Rangoon_ vom Terminus (Phayre Street) über (1 M) _Pazundaung
Stat._ durch wasserreiches, gut bebautes Flachland, aus dessen üppigem
Pflanzenwuchs viele Pagoden aufragen.

(47 M) =Pegu= (_Bahnwirtsch.;_ Wagen zu haben), Stadt von 14000 Einw.,
angeblich 573 begründet, war im 16. Jahrh. eine blühende Großstadt,
wovon noch sehenswerte Spuren vorhanden. Vom Bahnhof sieht man an der
Westseite die ruhende Riesenfigur Buddhas, den _Shwethayaung_ (55 m
lang, 15 m hoch) und nahebei die 1476 erbaute Ordinationshalle für
Mönche, _Kalyanisima_, mit Pali- und Talainginschriften, sowie die
_Kyaikpun-Pagode_ mit vier Buddhafiguren, 27 m hoch, mit den Rücken
gegeneinander sitzend. Größtes Heiligtum ist die _Shwemodo-Pagode_, auf
einem Hügel malerisch gelegen und von 128 kleinen Pagoden umgeben. In
der SO.-Ecke der Stadtmauer steht die _Shweaungyo-Pagode_, *Aussicht
über Pegu und Vorstädte. --Etwa 1,5 km westl. liegt die
_Shweguzale-Pagode_ mit 64 Buddhafiguren, 1588 erbaut. (Zur Besichtigung
von Pegu fahre man mit dem Frühzug von Rangoon ab, dann hat man bis zur
Ankunft des Expreßzugs etwa 4 St. Zeit.)

Der Expreßzug fährt dann über (88 M) _Pyuntaza_, (166 M) _Toungoo_, (226
M) _Pyinmana_, (275 M) _Yamethin_, (306 M) _Thazi Junction_ (Zweigbahn
nach Myingyan am Irawaddy), (359 M) _Kyaukse_, sämtlich mit
Bahnwirtschaften, nach (383 M) _Myohaung Junction_ (Zweigbahn nach
Amarapura, S. 153).

     =Zweigbahn= von hier nö. nach (181 M) =Lashio=, Hauptstadt der
     nördl. Schanstaaten, und _Kung-Lon_ am Salween, nahe der Grenze der
     chinesischen Provinz Yünnan. Ein sehr empfehlenswerter 1-1/2tägiger
     Ausflug von Mandalay (s. unten) führt auf dieser Zweigbahn mit
     Kehren durch sehr schöne Gebirge (ähnlich Darjeeling, S. 141) bis
     (83 M) =**Gokteik Gorge= (Rasthaus der Bahngesellschaft auf
     vorherige Anmeldung beim Station Master der Abfahrtstation
     verfügbar, doch nehme man Lebensmittel mit), einer großen Schlucht
     in wunderbarer Landschaft, überbrückt von einem der höchsten
     Bahnviadukte der Erde, einem Meisterwerk der Technik, etwa 700 m
     lang, 100 m hoch, auf etwa 15 schlanken Pfeilern. Darunter eine
     herrliche Schlucht, worin der Fluß die Felswand in einer Höhle mit
     zahllosen Stalaktiten und Stalagmiten durchbricht; man steigt
     steil etwa 300 m zur Höhle hinab, deren Ein- und Ausgang man sieht;
     sie ist etwa 1200 m lang, 100 m hoch und 60 m breit. Fahrzeit von
     Myohaung bis _Gokteik Viaduct_ etwa 8 St., bis _Lashio_ etwa 23
     St., weil der Zug in (124 M) _Hsipaw_ übernachtet, auch auf der
     Rückfahrt von Lashio.

Der Expreßzug von Rangoon erreicht nach 20 St. (386 M) _Mandalay_.


Mandalay.

     =Gasthöfe:= _Salween House Hotel_, Pens. 12 Rup.--_Gale's Hotel_,
     neben dem Postamt, beide mäßig.--Schlafgelegenheit auch im _Dâk
     Bungalow_, gut, gegenüber dem Bahnhof (nur mit Erlaubnis des
     Distriktskommissars), und im _Upper Burma Club_ im Palastviertel,
     wenn man Empfehlung hat (auch Damen können eingeführt werden). Wer
     mit Dampfer weiterfährt, kann sofort auf dem Dampfer (sehr gut)
     wohnen.

     =Wagen:= Minderwertige Ticca gharries zu festen Preisen.--=Dampfer=
     der _Irawaddy Flotilla Co._ zweimal in der Woche flußaufwärts bis
     _Bhamo_, flußabwärts bis _Rangoon_.--=Bank:= _National Bank of
     India_, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen
     Bank in Berlin.--=Theater:= Gelegentlich sehenswerte Yein Pwes (S.
     146).--=Ärzte:= mehrere englische.-- _Apotheken:_ _Burma Medical
     Hall;_ _Mandalay Medical Hall._--=Zeitungen:= _Mandalay Herald_;
     _Mandalay Times_.-- =Photograph:= _Johannes & Co._

     =Geschäftsadressen:= Reiseartikel und europäische Bedürfnisse:
     _Moses & Friends_; _E. Solomon & Co._; _Rowe & Co._ Kunstsachen:
     _Samuels_. Seidenstoffe (feinste, handgewebte Seide der Erde):
     _Makkim_.

Die Stadt _Mandalay (Pattaniapura)_, 96 m, hat 183816 Einw. und war
1857-85 Hauptstadt des Königreichs Birma; die Stadt besteht aus drei
ineinandergeschobenen Vierecken, von denen die innern noch mit Mauern
umgeben sind. Stark befestigt und bewacht ist das englische Cantonment,
_*Fort Dufferin_ genannt, das alte Palastviertel, von den Birmanen »Mitte
des Weltalls« genannt, vom König Mindon Min 1857 erbaut; die alten
Paläste des Königs, der Königinnen, die geheime Ratskammer, das
Königskloster, die Audienzhallen sind mit reich vergoldeten
Schnitzereien geziert und werden von den Engländern als
Regierungsgebäude und Kasernen benutzt. Das _Government House_ liegt im
großen Wachtturm auf der Mauer des Palastviertels. Eine 2,5 km lange, 9
m hohe weiße Zinnenmauer umgibt die Königsstadt, über den sie
umschließenden Graben führen fünf Brücken, davon die nördliche,
die »Brücke des Todes«, nur für Leichenzüge. Im breiten Wassergraben
wachsen rote Lotosblumen. Schöne Reste von Ziergärten. Von einem runden
Aussichtsturm überblickt man das Palastviertel.--Vom _*Mandalayhügel_
prachtvoller Überblick über die _*450 Pagoden_ (jetzt 729 kleine weiße
Pavillonpagoden, die am Fuße des Hügels einen großen Mitteltempel
umgeben); man sieht bis Amarapura (S. 153); in der Nähe das
_Glasskloster_.--Nahe dem Bahnhof das schönste und größte Kloster von
Birma, das _*Goldene Kloster der Königin_ (mit unzähligen Tis,
phantastischen Figuren, Balkonen und Säulenpfosten, ein Musterwerk
birmanischer Holzschneidekunst), Priester dienen gern als Führer. In
derselben 85. Straße liegt die _Saik Yah Theehahpagode_ mit großer
Marmorfigur Buddhas.--Der _*Basar_ ist wegen seiner Volkstypen
sehenswert, und weil man sehr gute Seidenstoffe und gelegentlich auch
Antiquitäten preiswert kauft; Gelegenheit zu photographischen Aufnahmen
des Volkslebens.--

[Illustration: Plan von Mandalay.]

Die =*Arrakanpagode= (_Maha Myat Muni_) ist nächst der Shwe Dagon in
Rangoon (S. 148) die heiligste und größte in Birma; ihr sehr schönes,
berühmtes bronzenes Buddhastandbild soll nach der Legende von Buddha
selbst zusammengefügt sein; es ist 1784 von Akyab über die Berge nach
Mandalay geschafft. (Sehr besuchter Wallfahrtsort.)--Außerdem enthält
Mandalay noch viele Sehenswürdigkeiten, deshalb ist mehrtägiger
Aufenthalt für Reisende, die birmanisches Leben kennen lernen wollen,
sehr empfehlenswert.

_Rundfahrt:_ Bei wenig Zeit beginne man mit der Arrakanpagode, dann zum
Goldenen Kloster der Königin, dann Saik Yah Theehahpagode, Fort Dufferin
und Mandalayhügel mit den 729 Pagoden und dem Glasskloster. Man beachte,
daß der Basar gegen 1/2-5 Uhr Nm. schließt.

     =Ausflüge:= 1) Nach den Hügeln von =Yankintaung=, zu Pferde (weil
     schlechter Weg für Wagen), etwa 8 km östl. von Mandalay; man sieht
     viele Klöster und Pagoden und ein Buddhastandbild in einem tiefen
     Bodenspalt.--2) Nach den Hügeln von =Maymyo=, zunächst mit der Bahn
     bis (31 M) _Thondaung_ an der Lashiozweigbahn, dann mit
     Reitgelegenheit in die Berge, zurück über Stat. _Maymyo_ (42 M von
     Mandalay) mit der Bahn.--3) Nach =**Gokteik Gorge= vgl. S. 150.--4)
     Nach =*Amarapura= (mit Bahn über Myohaung [S. 150], 10 km von
     Mandalay, Stationsvorsteher von Amarapura besorgt ortskundigen
     Führer); diese alte Hauptstadt von Birma ist voll malerischer
     Ruinen von Königspalästen und Pagoden, unter letztern die
     _Shinbinkugyi-Pagode_ und die schöne _Patawdawgyipagode_ auf fünf
     Terrassen, mit teilweise humoristischen und grotesken
     Marmorreliefs. Südl. vom _Taungthamansee_ ist ein riesiger
     sitzender Buddha, der _Mahasakyavansa_.-- 5) Nach =Ava=, 6,5 km sw.
     von Amarapura, am Zusammenfluß des Irawaddy mit dem Bergfluß
     Mjitnge, älteste Hauptstadt von Birma, mit vielen Pagoden, aber
     wenig alten Ruinen.-- 6) Nach =*Mingoon= (10 km oberhalb Mandalay)
     mit Lokaldampfer, am r. Irawaddy-Ufer stromaufwärts. In Mingoon
     eine unvollendete Riesenpagode mit der größten (nicht gesprungenen)
     Glocke der Erde, von 81 Ton. Gewicht; sie ist 4 m hoch und hat
     unten 5 m Durchmesser; die Glocke ist in einem Pavillon nahe über
     dem Erdboden aufgehängt und muß mit schweren Balken durch neun Mann
     geläutet werden.


Von Mandalay nach Bhamo und zurück nach Rangoon.

     [Hand]Abfahrtstag ist abhängig vom Dampferfahrplan!--=Burma
     Railway= über (3 M) _Myohaung Junction_ und (6 M) _Amarapura_ nach
     (9 M) _Amarapura Shore Stat._, Überfahrt auf Fährdampfer über den
     Irawaddy nach (13 M) _Sagaing_, Distriktshauptstadt mit vielen
     sehenswerten Pagoden (Erlaubnis zum Besuch erteilt der Deputy
     Commissioner in Sagaing), am r. Irawaddy-Ufer. --Dann mit der Bahn
     durch Prärien und Dschungeln, an Hügeln vorbei über (66 M)
     _Shwebo_, (112 M) _Kanbalu_ und (166 M) _Wuntho_, sämtlich mit
     Bahnwirtschaft, und durch die malerische Schlucht zwischen (181 M)
     _Nankan_ und (197 M) _Meza_ nach (212 M) _Naba Junction_
     (Bahnwirtschaft); von hier Zweigbahn nach (227 M) =Katha=, am
     rechten Irawaddy-Ufer in schöner Landschaft.

     [Die Hauptbahnlinie führt nördl. weiter bis (344 M) =Myitkyina=,
     einem wichtigen Ort für den Karawanenverkehr mit Tibet und China,
     am r. Irawaddy-Ufer, von wo bei günstigem Flußwasserstand ein
     kleiner Dampfer durch prächtige Landschaft und die »Erste
     Stromenge« (_First Defile_) abwärts nach _Bhamo_ läuft.]

     Von Katha mit Dampfer der _Irawaddy Flotilla Co._ (I. Kl. sehr gute
     Verpflegung und gute Kammern) flußaufwärts durch die »Zweite
     Stromenge« (_Second Defile_), eine schmale Felsenstraße, nach
     =Bhamo= (107 m) am l. Ufer des Irawaddy (1180 M oberhalb seiner
     Mündung), einem von verfallenen Palisaden umgebenen Handelsplatz
     mit 14000 Einw., an der Karawanenstraße nach der chinesischen
     Provinz Yünnan, deren Grenze 50 km östl. liegt; auf dem Basar
     verkehren die Bergvölker der Schanstaaten und aus Katschin.
     Sehenswert ist die _Theindawgyi-Pagode_ (spr. tenndotschi) und das
     reichgezierte chinesische _Joß-Haus_ am Nordende der Hauptstraße.
     Ein schöner Weg (1-1/4 St. zu Fuß) führt auf der Landstraße nach
     China durch Dschungeln zu den _Sojima-Pagoden_; unterwegs begegnet
     man vielen Karawanenzügen und Schan- und Katschin-Leuten. Man
     übernachtet und ißt auf dem =Dampfer=, der nach Einnahme der
     chinesischen Ladung seine =*Talfahrt auf dem Irawaddy= beginnt, die
     in 1-1/2-2-1/2 Tagen nach _Mandalay_ führt, wenn niedriger
     Wasserstand nicht unvorhergesehenen Aufenthalt verursacht. Unter
     den Ortschaften, die der Dampfer anläuft, ist am l. Ufer
     =Thabeitkyin= (guter Dâk Bungalow), der Hafen für die Rubinengruben
     in _Mogok_, etwa 80 km östl. Früh gegen 6 Uhr geht ein Motoromnibus
     (Fahrpreis I. Kl. 30, II. 15 Rup., Europäer können II. Kl. fahren,
     da für Eingeborne noch III. Kl. da ist) in 6 St. nach _Mogok_
     (guter Dâk Bungalow). Besichtigung der Rubinenminen erfordert einen
     Tag. Meist kann man mit dem nächsten Dampfer weiter fahren.

     Wer Zeit hat, kann die Irawaddyfahrt von Mandalay nach Bhamo auf
     Frachtdampfer machen, Verpflegung und Unterkunft ist gut; diese
     Dampfer halten längere Zeit an vielen Plätzen, haben auch Basar an
     Bord, der von den Eingebornen überall zu Einkäufen viel besucht
     wird. Rückfahrt wie oben mit Expreßdampfer.

     In _Mandalay_ (S. 151) haben auch die Expreßdampfer meist einen Tag
     Aufenthalt; dann Weiterfahrt auf dem Irawaddy, vorbei an den
     Pagoden und Ruinen von Amarapura (S. 153) und Ava (S. 153) l. und
     Sagaing (S. 153) r.--Erste Anlegestelle ist l. in =Myingyan= (74
     m), einer großen Baumwollenhandelsstadt, die durch Zweigbahn mit
     der Hauptlinie Rangoon-Mandalay verbunden ist. Zwischen Myingyan
     und Nyaungu mündet von r. der Chindwin, der größte Nebenfluß, der
     ebenfalls für Dampfer schiffbar ist. In _Nyaungu_
     (Regierungs-Bungalow) schiffen sich die Reisenden für Pagan aus.

     =*Pagan=, am l. Ufer des Irawaddy, alte heilige Hauptstadt von
     Birma vom 5.-13. Jahrh., mit vielen Tempelruinen, deren jetzt noch
     etwa tausend vorhanden sind, darunter das älteste Denkmal indischen
     Stils, die _*Kyaukku Onhmiu-Pagode_, mit reicher und sehr grotesker
     Ausschmückung und fast arischem Buddhabildnis. Ebenfalls aus
     grünlichem Sandstein ist der _Maunha-Palast_ erbaut, der im
     Thronsaal feine Schnitzereien zeigt. Die zahlreichen Pagoden in
     Pagan weisen andre Bauart auf als in Niederbirma; sehenswert sind
     die _*Ananda-_, _Sinbinthayaung-_, _Gaudapallin-_ und
     _Thapinyu-Pagoden_ aus dem 11. und 12. Jahrh. Man besteige die
     Terrasse einer der höchsten Pagoden, um die Trümmerstadt Pagan zu
     überblicken. (NB. Zur Besichtigung von Pagan und Benutzung des
     Regierungs-Bungalows in Nyaungu ist die Erlaubnis des Deputy
     Commissioner in Myingyan erforderlich!)-- Ungefähr 50 km wsw. von
     Pagan erhebt sich der Vulkan _Popa_ etwa 1400 m über die
     Irawaddy-Ebene.

     Beim Anlegeplatz _Yenangyaung_ (l. Ufer) sind die wichtigen
     Petroleumquellen der _Burma Oil Co._; das Petroleum wird durch eine
     Röhrenleitung direkt in die Schiffe geführt. Die Flußufer zeigen
     auffällige fossile Baumstämme am Grund. In hübscher Landschaft die
     Stadt _Minbu_ (r.); einige Minuten vom Landungsplatz liegen
     Schlammvulkane. Dann folgt r. _Minhla_, alte befestigte Grenzstadt;
     von hier bis etwa 160 km weiter abwärts durchläuft der Irawaddy
     dicht bewaldetes Hügelland, das stellenweise an die Rheinufer
     erinnert. In schönster Landschaft liegt am l. Ufer, am Fuße schöner
     Hügel.

     =Prome=, schon vor Christi Geburt Hauptstadt eines großen
     Königreichs, mit etwa 27000 Einw.; Eisenbahn nach Rangoon. Die
     größte Pagode in Prome, die _Shwe Sando_, erhebt sich auf einem
     Hügel etwa 300 m sw. vom Bahnhof; sie ist völlig vergoldet und etwa
     55 m hoch und umgeben von 83 kleinen vergoldeten Tempeln; am
     Eingang zwei Löwenungeheuer. Ebenfalls sehenswert sind die _Shwe
     Mokto-_ und _Shwe Bongan-Pagode_, letztere am rechten Ufer. Etwa 10
     km östl. von Prome die Ruinen der alten Stadt _Sirikhetra_, jetzt
     _Yathemyo_ genannt, und etwa 25 km südl. von Prome die _Shwe
     Nattaung-Pagode_ auf einer Anhöhe. --Flußabwärts von Prome bei
     _Thomboo_ ein hoher, senkrechter Uferfelsen, der reich mit
     Buddhabildern in Nischen versehen und von einer Pagode gekrönt
     ist.--Der Dampfer passiert die Städte _Myanoung_, _Henzada_,
     _Donabew_; bei _Yandoon_ beginnt das Delta des Irawaddy, die
     Gegend ist ganz flach und reich bebaut; reichster Ort ist _Maubin_.
     In der Mündung des _To-Flusses_ (oder _China Bakir_) biegt der
     Dampfer in Sicht der offenen See scharf nach l. in den _Bassein
     Creek_, durch den man nach kurzer Fahrt in den _Rangoon_-Fluß und
     zur Mandalay Wharf in _Rangoon_ gelangt.

     _=Eisenbahn Prome-Rangoon=_ (259 km, in 10 St. für I. Kl. 12 Rup. 9
     annas, II. 7 Rup. 8-3/4 annas) Schnellzug ab Prome abds. über (84
     M) _Letpadan Junction_, Bahnwirtschaft [Zweigbahn r. nach (115 M)
     =Bassein=, wichtiger Seehafen für die Reisausfuhr, in ungesunder
     Lage am Bassein-Flusse, mit 30000 Einw.; deutsches Konsulat; sehr
     alte _Shwe Mudo-Pagode_] nach (161 M) =Rangoon= (S. 145).



8. Von Colombo über Penang nach Singapore. Sumatra.

Vgl. beifolgende Karte »Hinterindien«.


     =Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd= alle 14 Tage von
     _Colombo_ in 6 Tagen über _Penang_ (etwa 5 St. Aufenthalt) nach
     _Singapore_. Fahrpreise: Colombo-Penang I. Kl. 214-1/2, II. 165
     Rup., Colombo-Singapore I. Kl. 274-1/2, II. 181-1/2 Rup.
     Rückfahrkarte 1-1/2facher Preis.--=Österreichischer Lloyd= einmal
     monatl. von _Colombo_ über _Penang_ in 8 Tagen nach _Singapore_.
     Fahrpreise: Colombo-Penang Salonklasse 110 Rup., Colombo-Singapore
     Salonklasse 132 Rup.--=Messageries Maritimes= alle 14 Tage von
     _Colombo_ direkt nach _Singapore_; =Peninsular and Oriental Steam
     Nav. Co.=, ebenso. =Stoomvaart-Maatschappij Nederland= alle 14 Tage
     von _Suez_ (in 14 Tagen) über _Sabang_ (in 3 Tagen) _nach
     Singapore_ (in 17 Tagen von Suez).-- =British India Steam Nav. Co.=
     von _Calcutta_ (S. 134), _Madras_ (S. 100) und _Rangoon_ (S. 145)
     über _Penang_ nach _Singapore_.

Von _Colombo_ (S. 110) geht der Dampfer zunächst an der Südküste von
Ceylon entlang, nahe an Point de Galle (S. 125) vorbei, läuft dann an
der Südseite des Golfs von Bengalen, auf 6° nördl. Br. entlang, östl.
auf _Atchin Head_ (seemännischer Name der Nordspitze der Insel Sumatra)
zu, wobei auch die südlichste Insel der _Nikobaren_, Groß-Nikobar, meist
nicht in Sicht kommt. Auf der kleinen Insel _Poeloe Weh_, die einen
guten Leuchtturm trägt und dichtbewaldete Hügel zeigt, liegt mitten in
tropischem Urwald der wichtige niederländische Kohlenhafen =Sabang= (S.
158), der von mehreren niederländischen Dampferlinien regelmäßig besucht
wird; in der Nähe sind noch mehrere kleinere Inseln dem gebirgigen
Nordende Sumatras vorgelagert, dessen 1726 m hoher kegelförmiger
_Goldberg (Seulawai Agam)_ weithin sichtbar ist.--Der Kurs bleibt auch
weiterhin östl., bis die _Insel Penang_ in Sicht kommt, die auf etwa
5-1/2° nördl. Br. 5 km vor der Küste der Halbinsel _Malakka_ liegt und
den Nordeingang in die Malakkastraße bezeichnet; sie liegt 1268 Seem.
von Colombo, 360 Seem. von Singapore.

     =Straits Settlements= sind die englischen Niederlassungen an der
     Straße von Malakka, die eine Kronkolonie mit etwa 1 Mill. Einw.
     bilden; es sind: _Penang_ mit _Wellesley_, _Dindings_, _Malacca_
     und _Singapore_; dazu eine Anzahl malaiische Schutzstaaten (_the
     Federated Malay States_), nämlich Pérak, Selángor, Negri Sembilan
     und Pahang, deren Sultane durch englische Residenten überwacht
     werden, sowie fünf andre Malaienstaaten: Kedah, Kelantan,
     Trengganu, Johor und Perlis, deren Sultane durch englische Ratgeber
     (Adviser) beeinflußt werden. Sehr viele Chinesen wandern in die
     »Straits« ein, um sich als fleißige Arbeiter und tüchtige
     Geschäftsleute meist schnell zu bereichern. Gewonnen wird Kaffee,
     Zucker, Pfeffer, Zinn und Zinnerz, Bauholz, Tapioka, Sago,
     Rohgummi, Kopra, Gold etc., Gesamthandel 1909: 14,3 Mill. £.
     Regierungseinnahmen 2,9 Mill. £


Penang (Georgetown).

     =Ankunft zur See.= Die schöne, mit Wald und Palmen bewachsene, bis
     834 m hohe =Insel Penang= (_Prince of Wales Island_) umsteuert der
     Dampfer, um zwischen der Insel und dem Festland auf der Reede zu
     ankern oder, während der Sumatra-Tabakernte (Dezember bis März), am
     Kai festzumachen. An der Malakkaküste ist flacher Strand mit
     Palmenwald, dahinter erheben sich mehrere Bergketten, darunter der
     Kedah Peak; dieses Gebiet ist die ebenfalls englische Provinz
     _Wellesley_ und der Malaienstaat Kedah. Die Dampfer halten meist
     nur 5 St., im Dezember bis März länger (bis 12); man erkundige sich
     genau nach der Abfahrtszeit, ehe man mit dem Tender des Nordd.
     Lloyd (Überfahrt frei) oder mit Sampan an Land fährt (einfache
     Fahrt 10 cents). Penang ist Freihafen, daher keine Zollbelästigung;
     Spirituosen einzuführen ist verboten.

     =Gasthöfe:= _Eastern and Oriental Hotel_, in guter Lage am Strande,
     Farqhar Street 10. -- _Raffles Hotel_, mit Restaurant; -- _Crag
     Hotel;_ -- _Sea View Hotel;_ -- _Hôtel de l'Europe;_ -- _Runnymede
     Hotel;_ in allen Pens. von 8 Rup. an. -- =Post u. Tel.= -- Kabel
     nach Medan, Madras, Bangkok und Singapore. -- =Wagen:= _Tikka
     gharries_ oder _Hackney Carriages_. -- =Rikschas.= -- =Elektrische
     Straßenbahn.=

     =Dampfer= (vgl. S. 155): _Norddeutscher Lloyd_ (Agent: Behn, Meyer
     & Co. Ltd., Tel.-Adresse: Nordlloyd Penang). -- _Österreichischer
     Lloyd_ (Agent: Schmidt, Küstermann & Co., Tel.-Adr.: »Lloydiano
     Penang«). -- _Stoomvaart Mij. Nederland_ und _Koninkl. Paketvaart
     Mij._ (Agent: Hüttenbach, Liebert & Co.); _Messageries Maritimes_
     (Agent: Boustead & Co.); _Peninsular & Oriental Co._ (Agent:
     Gilfillan, Wood & Co.); _British India Steam Nav. Co._ (Agent:
     Hüttenbach, Liebert & Co.). -- =Ortszeit.= Penang rechnet nach der
     Zeit von Singapore.

     =Eisenbahn= s. S. 161.

     =Geld:= vgl. S. 167. -- =Banken:= _Hongkong & Shanghai Banking
     Corporation;_ -- _Nederlandsche Handels-Maatschappij._ Beide Korr.
     der Berliner Disconto-Gesellschaft. -- _Chartered Bank of India,
     Australia & China._ Beide letztere Korrespondenten der Deutschen
     Bank. -- =Sprache:= vgl. S. 167. -- =Konsulate:= _Deutsches Reich_,
     Vizekonsulat (Behn, Meyer & Co.) in der Office des Nordd.
     Lloyd. -- =Zeitungen:= »_Pinang Gazette_«; »_Straits Echo_«.

     Das =Klima= ist tropisch heiß, im Mittel etwa 27° C, doch bis 33°
     und mehr, morgens kühl bis 16°; auf den Bergen im Mittel 21° C. Der
     Niederschlag ist groß, Dezember bis März sind verhältnismäßig
     trocken, im Sommer zwei Regenzeiten, die kleinere im Mai, die
     Hauptregenzeit von August bis Oktober.

=Penang= (_Pulu Pinang_ = Insel der Betelpalme), von den Engländern
_Georgetown_ getauft, Stadt mit etwa 150000 Einw. (meist Chinesen,
Klings [Arbeiter aus Vorderindien] und Malaien), gehört seit 1785 den
Engländern, liegt auf 5° 25' nördl. Br., hat saubere Straßen, auch
im Chinesenviertel, und ein feines europäisches Villenviertel mit
prächtigen Gärten am Race Course und am Hafen; dort liegt das _Postamt_
mit großer Halle sowie das alte Fort mit Signalstation. Sehenswert
sind die _Markthallen_ und Beach Street; in Chulia Street und Campbell
Street sind _Teehäuser_ und ein _chinesisches Theater_. Penang hat
lebhaften Handel und starke Zinn- und Sago-Ausfuhr. 1910 liefen 2355
Schiffe mit 2956000 Reg.-Ton. in den Hafen ein. -- _=Rundfahrt=_ nach
dem =*Botanischen Garten= mit Wagen von Downing Street l. an der Schule
vorbei durch schattige Straßen des Villenviertels zur Northam Road,
dann am Rennplatz vorbei, durch M'calister Road, Sepoy Lines zum
Eingang des Gartens, der zwar klein, aber vorzüglich gepflegt und mit
seltenen, üppigen Pflanzen bestellt ist. Er liegt etwa 5 km vom Hafen
in einem von hohen Felsen umgebenen Talkessel; ein hoher Wasserfall
bewässert ihn. In reizvollen Gruppen findet man zahlreiche seltene
Tropenpflanzen, insbesondere prächtige Orchideen, Gewürznelkenbäume
(_Caryophyllus aromaticus_), Farne, _Ravenala_ (Baum der Reisenden
aus Madagaskar) u. a. -- Neben dem Eingange zum Garten führt ein
teilweise steiler Weg auf den =*Crag Hill=, von dessen Gipfel (834 m)
_=*Aussicht=_ über die Insel, den Hafen und das Meer; der Weg ist bis
zum Fuße des Hügels 5 km, der Aufstieg 7 km lang; Tragstühle erhält
man am Fuß des Hügels; Auf- und Abstieg im Tragstuhl 4 St. (eine Bahn
hinauf ist im Bau). Auf dem Gipfel das _Crag Sanitarium_ (Hotel;
kleine Zimmer, gute Verpflegung). Man sollte den Aufstieg, wenn man
irgend Zeit hat, nicht unterlassen. -- Auch ein Besuch des =*Großen
chinesischen Tempels= in Ayer Itam (am Endpunkte der elektrischen
Straßenbahn) ist sehr zu empfehlen; Führung durch den Priester, der
auch Erfrischungen anbietet; man gebe Tempelspende (1 $). Ein längerer
Aufenthalt (etwa eine Woche) auf der landschaftlich sehr schönen
Insel Penang, die etwa halb so groß ist wie der Bodensee, ist sehr
genußreich. -- _=Fortsetzung der Route=_ s. S. 160.


Seitentour Penang-Sumatra.

1) =Anschlußdampfer des Norddeutschen Lloyd= von Penang dreimal in 14
Tagen, sw. die Malakkastraße querend, nach _Belawan_ (Deli) in 16
St. -- Außerdem =Dampfer= der _Koninklijke Paketvaart Maatschappij_
(Fahrpläne veränderlich).

     =Sumatra= ist die zweitgrößte der Sundainseln. Bei einer
     Längserstreckung von 1650 km (= Kopenhagen-Neapel) ist es mit den
     benachbarten kleinern Inseln etwa so groß wie die vier deutschen
     Königreiche zusammengenommen. Den Westteil der Insel durchzieht ein
     landschaftlich schönes Gebirge, das als die Fortsetzung des
     westbirmanischen Küstengebirges und des Inselbogens der Andamanen
     und Nikobaren gilt und von einer Anzahl zum Teil noch tätiger
     Vulkankegel überragt wird. Der Ostteil der Insel wird von einem
     vielfach sumpfigen und ungesunden Flachland eingenommen. -- Das
     _=Klima=_ ist rein tropisch (der Äquator durchschneidet die Mitte
     der Insel), die Temperatur äußerst gleichmäßig, die Westseite noch
     bedeutend regenreicher als die Ostseite. Keine Jahreszeit kann als
     trocken bezeichnet werden, doch hat die Nord- und Ostküste
     vorwiegend Herbst- und Winterregen, während an der Westküste
     Höhepunkte des Niederschlags auf den April und den Oktober bis
     November fallen; Februar und Juli sind auf der ganzen Insel relativ
     trocken. -- Die _=Vegetation=_ ist von echt tropischer Üppigkeit,
     doch ist das Waldkleid des Gebirges bei weitem nicht so lückenlos,
     wie man es bei den hohen Niederschlägen erwarten sollte; große
     Flächen sind von Savannen eingenommen, die zum Teil vielleicht erst
     dem Menschen, der den Urwald rodete, ihre Entstehung verdanken. Das
     östl. Tiefland ist dagegen, soweit nicht sumpfig, großenteils von
     Urwald eingenommen, da das ungesunde Klima eine stärkere
     Besiedelung nicht gestattet. -- Die _=Tierwelt=_ ist sehr reich und
     der des hinterindischen Festlands so nahe verwandt, daß die
     Abtrennung von ihm erst in ganz junger geologischer Vergangenheit
     erfolgt sein kann. Nashorn, Elefant und Tiger sind vorhanden, dazu
     der Orang-Utan und zwei andre große Affenarten (Gibbons), Halbaffen
     (Makis), Tapir, Argusfasan und viele andre, weniger hervortretende.
     --_=Bewohner=_ der Insel sind die _Malaien_, deren auf Pfählen
     errichtete Dörfer (Kampongs) überall zwischen Reis- und
     Baumwollfeldern sich verstecken. Daneben gibt es noch Reste älterer
     Bevölkerungsschichten, wie die _Bataker_, die noch ein reines
     Naturvolk sind. -- Die wichtigsten _=Welthandelsprodukte=_ sind
     Tabak und Kaffee, von denen der erstere im östl. Flachlande, der
     letztere im westl. Gebirgsland am besten gedeiht. Die beiden unten
     beschriebenen Routen führen nach dem Bezirke des besten Tabaks
     (Delideckblattabak) und des besten Kaffees (um Medan in den
     Padangschen Hochlanden). Daneben liefert die Insel noch zahlreiche
     wertvolle Wald- und Bodenprodukte, vor allem Kohle und Petroleum.
     Sumatra beginnt erst seit kurzer Zeit einen raschen
     wirtschaftlichen Aufschwung zu nehmen, da die Holländer, denen es
     gehört, lange Zeit ihre Haupttätigkeit dem benachbarten Java
     zuwandten und bis in die letzte Zeit hinein sich mit den
     ungebärdigen Gebirgsstämmen des Nordteils der Insel, des
     Malaienstaates Atjeh, in blutigen und kostspieligen Guerillakämpfen
     herumschlagen mußten. Nachdem _Atjeh_ jetzt unterworfen ist, wird
     es rasch ein wertvolles Plantagengebiet werden, doch ist die Insel
     dem Touristenverkehr noch fast nicht erschlossen.

     [Hand]Für Reisen auf Sumatra ist Erlaubniskarte nötig, die vom
     Justizdepartement ausgestellt wird und durch das deutsche Konsulat
     zu beschaffen ist.

=Belawan-Deli=, der Hafen von Deli, liegt Penang gegenüber an der
flachen Nordküste Sumatras, an der Mündung des _Koeala Belawan_, dessen
Ufer mit Mangroven bewachsen sind. Nur kleine Dampfer können über die
Barre und ankern dicht beim Bahnhof der _Delibahn_; Zollamt auf der
Landungsbrücke. Übernachten in Belawan ist wegen Malariagefahr ungesund;
man fahre 1/2 St. mit der Bahn nach _Kampong Besar_, wo der Agent des
Norddeutschen Lloyd zuvorkommend für Unterkunft sorgt. Die Europäer
wohnen meist in _Laboean Deli_ und _Medan_. Der Zug fährt bald nach
Ankunft des Dampfers in etwa 2 St. über die 380 m lange Brücke über den
Fluß und durch Tabakfelder hindurch nach (etwa 20 km)

=Medan= (_Orange Hotel_; _Medan Hotel_; PT; Klub: _De Witte
Sociëteit_), Hauptstadt des Residenten der Ostküste von Sumatra und
eines eingebornen Sultans, mit etwa 15000 Einw. Große chinesische
und andre Geschäfte, Hauptort der Tabakausfuhr. Bank: _Nederlandsche
Handels-Maatschappij_, Korr. der Deutschen Bank und der Berliner
Disconto-Gesellschaft. Deutsches Konsulat (Konsul Karl Hick). Mehrere
Bahnlinien führen ins Innere des Ostküstengebiets von Sumatra.
Sehenswert ist der _Palast des Sultans_ und der chinesische _Tempel_.
Die sehenswerten _Tabakpflanzungen_ der Deli-Maatschappij werden meist
mit chinesischen Kulis bearbeitet. Die Tabakblätter erfahren eine
außerordentlich umständliche und sorgfältige Behandlung, bis aus ihnen
die vortrefflichen Delideckblätter entstanden sind. Im Gebirge kann
man die _Batak-Stämme_ (s. oben) kennen lernen und hat Gelegenheit zu
Jagden auf Elefanten, Tiger etc.

     2) =Dampfer des Rotterdamsche Lloyd= fahren alle 14 Tage über
     _Marseille_, Port Said, Suez in 20 Tagen direkt nach _Padang_. --
     Die =Stoomvaart Maatschappij Nederland= alle 14 Tage von _Genua_
     in 20 Tagen direkt nach _Sabang_, _Singapore_, _Batavia_. In Sabang
     direkter Anschluß an die =Dampfer der Koninklijke Paketvaart
     Maatschappij=, die alle 14 Tage im Anschluß an die
     Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd von _Penang_ über
     _Sabang_ nach _Padang_ in 7 Tagen fahren.

Der Dampfer fährt von _Sabang_ (S. 155) längs der gebirgigen,
landschaftlich sehr schönen Westküste Sumatras, läuft unterwegs mehrere
unbedeutende Hafenplätze an, passiert nun den Äquator (S. 191) und
steuert dann in die von felsigen Hügeln umgebene _Koninginnen-Bai_
(unter etwa 1° südl. Breite), deren Ufer dicht bewaldet sind und
malerische Dörfer (Kampongs) zeigen. Dann legt der Dampfer an den
schönen Kais im _Emmahaven_ dicht am Bahnhof (mit Bahnwirtschaft) an;
alle 2 St. fährt ein Zug in 17 Min. für 1/4 Fl. auf 100 m langer Brücke
über den Padangfluß nach

=Padang= (_Oranje Hotel_, Pens. 5-6 Fl.), Hauptstadt des
niederländischen Gouvernements Westküste von Sumatra, in flacher Gegend
an der Mündung des Padangflusses. Diese älteste Niederlassung der
Niederländer auf der Insel (seit 1666) ist Sitz der obersten Zivil- und
Militärbehörden, eines deutschen Konsuls (Joh. Schild) und vornehmster
Ausfuhrplatz für die reichen Produkte (Kaffee, Stuhlrohr, Zimt,
Muskatnüsse, Gummi, Benzoe, Häute, Kopra, Tabak, Gambir) der Westhälfte
von Sumatra, mit 47607 Einw., darunter 5103 Chinesen, 1784 Europäer.
Bank: _Nederlandsche Handels-Maatschappij_, Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank. Padang ist mit den
Hafenplätzen Emmahaven und Pulu Ajer sowie mit dem Hochlande durch
Staatsbahn verbunden. Das Europäerviertel ist eine ruhige, anmutige
Gartenstadt mit angenehmem Klubleben (zwei _Sociëteiten_). Die
Besteigung des nahen _Affenbergs_ (_Goenoeng' Monjet_) bietet schöne
*Aussicht auf die Stadt und das Meer.

     =Ausflug= ins =Padangsche Oberland= mit dem »Staats
     Spoorweg« (teilweise Zahnradbahn) zunächst durch reich mit
     Reisfeldern, Bananenpflanzungen und Kokospalmen bebaute Ebene
     (zuletzt ansteigend) bis _Kajoe-Tanam_ (143 m), von da (mit
     Zahnradhilfe) durch die prachtvolle Schlucht _Anei-Kloof_ von 15 km
     Länge (das tropische Gegenstück zur Gotthardstraße von Göschenen
     nach Andermatt!); l. Ausblick auf die Vulkanriesen _Tandikat_ (2438
     m) und _Singgalang_ (2877 m), r. auf den Ambatjang (959 m); l. der
     25 m hohe _Ajer-Mantjoer-Wasserfall_. Auf dem Hochland sieht man
     den _Merapi_ (s. unten) vor sich; vorbei an vielen Kampongs, mit
     zierlichen Reisscheunen (_rankiang_) seltsamer Bauart, gelangt man
     nach 4 St. Fahrt nach =Padang-Pandjang= (_Hotel Merapi_, klein,
     aber gut) am Knotenpunkt der Bahn (man lasse sich in den sehr
     angenehmen Militärklub einführen).

     Von Padang-Pandjang führt die Zahnradbahn, 19 km, in 1-1/4 St. am
     Vulkan Merapi (s. unten) vorbei nach =Fort de Kock= (921 m;
     _Sawah-Hotel_, 2 Min. vom Bahnhof), Hauptort des Padangschen
     Oberlands; von hier beste Gelegenheit zu vielen lohnenden
     Ausflügen: zum interessanten Malaiendorf _Kota-Gedang_; zum
     Wasserfall von _Soengei-Poear_, am Hange des Merapi; zu den Grotten
     von _Kamang_, 12 km vom Fort de Kock; mit Karre nach dem frischen
     Schwimmbad (4-1/2 km) _Soengei Tanang_.--*Schöner Tagesausflug vom
     Fort de Kock über _Simpang_ nach (18 km) _Matoer_ (Rasthaus), von
     da mit Karre nach =Padang-Galanggang=, hier prächtiger Ausblick auf
     den _*Manindjau-See_. Zurück durch das seltsame =*Karbouwengat=
     nach (15 km) Fort de Kock.--Zur Besteigung des noch tätigen Vulkans
     =*Merapi= (2891 m) fährt man mit Karre (_bendy_) am besten von Fort
     de Kock 1 Uhr Nm. in 4 St. über Soengei-Poear zum Rasthaus
     _Pagolèan_ (1800 m), dort übernachten. Früh 5 Uhr Aufstieg steil in
     2-1/2 St. zum Krater (_Kapoendan_). Oben kalter Wind! Prächtige
     _=*Aussicht=_ frühmorgens, sonst meist bewölkt.

     Von Fort de Kock mit der Bahn oder durch schönere Landschaft mit
     Karre (7 Fl.) nach _Paja-Kombo_ (kleiner, guter Gasthof, Ankunft
     telephonisch von Fort de Kock melden!); der *Markt hier So. früh
     ist berühmt (malaiische Waffen, Kleider, Schmucksachen), noch
     berühmter die Schönheit der Frauen des Ortes. Von hier mit Karre
     für 3 Fl. in etwa 2 St. zu dem riesigen Wasserfall *_Batang-Harau_.
     Schöne Wege auch nach _Fort van der Capellen_.

     Von Padang-Pandjang (s. oben) führt die Bahn längs des Nordufers
     des 21 km langen, schönen Bergsees _Singkarah_ in etwa 4 St. nach
     =Solok= (387 m; einfacher _Gasthof_); von hier durch
     abwechselungsreiche prächtige Berglandschaft in das Tal von
     _Sawah-Loentoe_, Bahnfahrt etwa 1-1/2 St.; Besichtigung der mit
     javanischen und malaiischen Kulis und Sträflingen betriebenen
     _Oembilin_-Kohlengruben, wo täglich bis 1000 Ton. gefördert werden.
     Alle Ausflüge in das kühle Hochland von Padang sind von
     unvergleichlichem Reiz.


Von Padang nach Batavia.

     Mit Dampfern des »Rotterdamsche Lloyd« und der »Koninklijke Paketvaart
     Mij.« über _Benkoelen_ und vorbei an der vulkanischen Insel
     =Krakatau= (_Poeloe Rakata_), die bei einem Ausbruch durch eine
     gewaltige Explosion am 27. Aug. 1883 zum größern Teil vernichtet
     wurde, während durch die Auswurfmassen die umliegenden Küsten und
     Fahrwasser verändert, durch eine gewaltige Flutwelle etwa 40000
     Menschen getötet, Schiffe hoch ins Land hinein geworfen wurden etc.

     Die Explosion war das in seinen Wirkungen am weitesten reichende
     vulkanische Ereignis, das jemals bekannt geworden ist. Sie wurde
     wahrscheinlich dadurch hervorgerufen, daß Meerwasser in das Innere
     des durch vorhergehende Eruptionen teilweise ausgeräumten
     Magmaherdes Zutritt fand und sich durch die hier herrschende hohe
     Temperatur in Dampf verwandelte. Die Wirkungen waren furchtbar.
     Eine in der nähern Umgebung der Explosionsstelle bis zu 30 m hohe
     Meeresflutwelle verwüstete die Küsten der umliegenden Inseln,
     namentlich Javas und Sumatras, wurde aber an allen Küsten des
     Indischen Ozeans und sogar noch an der Westküste Nordamerikas (San
     Francisco) und stellenweise am Atlantischen Ozean wahrgenommen. Der
     Schall der Explosion drang bis nach Ceylon, Saigon, Neuguinea und
     Australien. Ungeheure Massen von Asche (zerstäubte Lava) und
     Bimsstein wurden ausgeworfen und bedeckten nach dem Niederfallen
     eine Fläche größer als das Deutsche Reich; die feinsten
     Staubteilchen wurden bis zu 60 km Höhe emporgeschleudert und von
     Luftströmungen um die ganze Erde herumgeführt, überall Monate
     hindurch merkwürdige optische Erscheinungen-- Blaufärbung der
     Sonne, den »Bishopschen Ring« um diese und prachtvolle
     Dämmerungserscheinungen--hervorrufend. Die durch die Explosion
     erzeugten Luftwellen umkreisten mehrmals die ganze Erde, wozu sie
     jedesmal etwa 36 St. brauchten. Jetzt sieht die zersprengte
     Kraterinsel wie eine Haifischflosse aus, schroff abstürzend nach
     einer Seite und hier einen prächtigen Durchschnitt durch einen
     Vulkanberg zeigend, soweit nicht die Vegetation schon wieder davon
     Besitz genommen hat.

     Nach Passieren der Insel Krakatau läuft der Dampfer nun durch die
     Sundastraße nahe an der Insel _Dwars in den Weg_ vorbei um die
     NW.-Ecke Javas, die _Sankt Nikolaas-Huk_, ostwärts längs der Küste
     und an kleinen grünen Inseln vorbei nach =Batavia= (S. 195).


Von Penang nach Singapore.

A. Über See.

Der Dampfer (S. 155) fährt in Sicht der Küste von Malakka anfangs mit
südlichem, dann südöstlichem Kurs vorbei an den kleinen Häfen _Port
Weld_ (S. 163), _Telok Anson_ (S. 164), _Port Swettenham_ (S. 165),
_Port Dickson_ (S. 165) und _Malacca Town_ (S. 165), die alle
Bahnanschluß nach dem Innern haben, zur Verschiffung von Gummi und
Zinn.--Die Fahrt durch den südlichen, engsten Teil der Malakkastraße,
_The Straits_, führt zwischen Korallenriffen und Koralleninseln vorbei
am Kap _Tanjong Bulus_, dem südlichsten Punkte des asiatischen
Festlandes, und nördl. von den größern, zum Teil vulkanischen
_Riouw-Inseln_ nach =Singapore= (S. 166).


B. =Über Land= (vgl. die Karte S. 162).

     =Eisenbahn.= Mit der _Federated Malay States Railway_ tägl. 8 Uhr
     früh von Penang in 23 St. für I. Kl. $29,83 nach (465 M) Singapore;
     Schlaf- und Speisewagen (F. 75 c., Tiffin 1, Dinn. $1,50) im Zuge;
     Freigepäck 133 Pfund engl.; man achte auf richtige Abfertigung des
     Gepäcks.

     Die Bahnfahrt gibt Gelegenheit, die landschaftlich sehr schöne,
     noch wenig bereiste Halbinsel Malakka mit ihren großartigen
     Zinngruben und Gummiplantagen kennen zu lernen. Man sollte 10-14
     Tage für die lohnende und interessante Tour verwenden. Moskitonetz
     mitnehmen!

     Der Westteil der =Malaiischen Halbinsel= (_Malakka_) ist der Typus
     eines Tropenlandes, reich befeuchtet durch den Südwestmonsun, mit
     hoher, äußerst gleichmäßiger Temperatur und entsprechend üppigem
     Pflanzenkleid. Ein dichtbewaldetes Gebirge mit nordsüdl.
     verlaufenden Bergketten durchzieht die Halbinsel, erreicht aber
     nicht sehr große Höhen. Als höchste Erhebung gilt der 2172 m hohe
     _Kerbau_, den man am 2. Tage der unten beschriebenen Fahrt durch
     die Halbinsel etwa 50 km östl. läßt. Das Gebirge enthält mit die
     größten Zinnlagerstätten der Erde. Zinnerz bildet denn auch den
     Hauptausfuhrgegenstand der Halbinsel, daneben Waldprodukte, vor
     allem Guttapercha (auch schon aus Pflanzungen gewonnen) und Kopal,
     sowie Gewürze. -- Die _=Bevölkerung=_ ist, wie in ganz
     Hinterindien, stark gemischt, doch überwiegt in den heutigen
     Bewohnern der niedrigem Landesteile der malaiische Einschlag bei
     weitem, während in den entlegenem Gebirgsgegenden noch Naturvölker
     hausen, wie vor allem der Stamm der blasrohrbewaffneten _Sakei_
     (S. 164). Die Städte bergen noch zahlreiche Bauwerke, die unter
     dem Einfluß altindischer, brahmanischer Kultur entstanden sind;
     umgekehrt findet jetzt in immer stärkerm Maße chinesische
     Einwanderung statt. -- In den unten angeführten malaiischen
     Ortsnamen bedeutet _Bukit_ Berg, _Gunong_ Gebirge, _Kuala_ Mündung,
     _Pulo_ Insel.

     _=Zeiteinteilung für 9 Tage=_: 1. Tag: früh ab Penang, Fahrt
     unterbrechen (3 St.) in Taiping, dann nach Kuala Kangsar;--2. Tag:
     nach Ipoh; --3. Tag: nach Kuala Kubu;--4. Tag: nach Kuala
     Lipis;--5. Tag: nach Kuala Lumpur;--6. Tag: Kuala Lumpur;--7. Tag:
     über Seremban nach Kuala Pilah und zurück nach Seremban;--8. Tag:
     nach Port Dickson, zurück über Seremban nach Malacca Town;--9. Tag:
     nach Singapore.

[Illustration: Penang-Singapore.]

Von Station Penang (S. 156) fährt eine Dampfbarkasse der
Bahngesellschaft von der Fahrkartenausgabe am Hafen (wo auch
Gepäckannahme) in 1/2 St. zur Festlandstation _Prai_. Von hier geht
nun die Bahn durch Reisfelder, Zuckerpflanzungen etc. über die
englische Grenzstation (25 M) _Parit Buntar_ (Rasthaus, tägl. $1,50,
Verpflegung $2,50), durch die künstlich bewässerte, fruchtbare Ebene
des Krian-Distrikts im Staat Perak bis (34 M) _Bagan Serai_ (Rasthaus,
tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 1,50), hier Oktober bis März früh und
abends Gelegenheit zur Schnepfenjagd; weiter über _Bukit Merah_, wo
die Bahn durch einen Hügel schneidet und ein Bewässerungs-Staubecken
kreuzt, durch hügeliges Land vorbei an den größten (von über 4000
Chinesen bedienten) offenen Zinngruben der Erde, zwischen _Krian Road
Station_ und (53 M) _Kamunting_ nach (56 M) =Taiping= (Rasthaus, tägl.
$ 1,50, Verpflegung $ 1,50), einer der malerischsten Malaienstädte, mit
schattigen Straßen voller gelb blühender Angsena-Bäume (_Pterocarpus
indicus_), einem englischen und einem chinesischen Viertel. Auf einem
Hügel das Haus des britischen Residenten für Perak, oberhalb der roten
Gebäude des Staatsgefängnisses und nicht weit von dem weißen *_Museum_
(_Perak State Museum_) mit sehenswerten zoologischen, geologischen
und ethnographischen Sammlungen der Malaiischen Halbinsel. Nahe dem
Sportplatz (_Recreation Ground_) mit zwei Klubhäusern (_Perak Club_ und
_New Club_) liegt ein sehr schöner öffentlicher Garten mit See, in der
Nähe ein schöner Wasserfall. Vom Schießplatz der malaiischen Garnison
führt ein guter Weg am Teegarten-Bungalow vorbei durch Dschungeln auf
den *_Larut-Hügel_, mit schönen Ausblicken auf die Perak-Landschaft;
auf dem Gipfel sieben Bungalows. -- Schwierig und unsicher ist von da
der Aufstieg zum _Gunong Hijan_ (1448 m), der weite Aussicht bieten
soll (man erkundige sich vorher und nehme Führer mit). Für Ärzte ist
das Eingebornen- Krankenhaus beim Bahnhof sehenswert.

     =Zweigbahn= von Taiping über (7 M) _Matang Fort_, das im britischen
     Perak- Feldzug 1876 Hauptstützpunkt war, nach (11 M) =Port Weld=,
     Seehafen für kleine Dampfer am Sungi Sengar Besar, wo Zinn aus- und
     Reis eingeführt wird; tägl. Dampfer nach Penang.

Die Hauptlinie führt von Taiping durch schöne Hügellandschaft über
_Bukit Gantang_ mit Fortruine (Umgegend reich an Tigern), steigt dann
durch mehrere Tunnels auf die Höhe eines Passes und über eine eiserne
Brücke mit schönem Ausblick auf die hohen Felsen von _Gunong Pontok_,
deren Höhlen die schwarze Ziegenantilope bewohnt, über (71 M) _Padang
Rengas_ nach

(79 M) =Kuala Kangsar= (Rasthaus $ 1,50, Verpflegung $ 1,50), Hauptstadt
und Residenz des Sultans Idris von Perak (ein hochgebildeter
Mohammedaner, ausgezeichneter Herrscher und Vater seines Landes) und des
britischen High Commissioner der Verbündeten Malaienstaaten, am r. Ufer
des Perak-Flusses, der die untere Stadt öfters überschwemmt; höher
liegen die drei Paläste des Sultans, Regierungsgebäude und die Häuser
der britischen Beamten sowie die malaiische Hochschule _Malay College_,
nach dem Muster der Eton-Schule; ferner eine *_Kunstschule_ (wo schöne
Silberarbeiten etc. zu kaufen sind).

     Empfehlenswerte Erfrischung ist ein Elefantenritt auf gutem Weg (5
     km) nach einem flachen Wasserfall, wo man baden und dabei den Fall
     hinabgleiten kann. Menggelunchor nennen die Malaien diesen Sport
     (man bade nicht ohne Badehose oder ähnliches).--Beliebt sind
     Ausflüge mit Hausbooten von Kuala Kangsar auf dem Perak-Flusse
     stromab bis Telok Anson (S. 164); sie fordern aber mindestens 3-4
     Tage (Hausbootmiete nach Übereinkunft, mit Hilfe des
     Distriktsoffiziers, sieben Mann Besatzung erhalten je 50 c. tägl.,
     man gibt etwas Vorschuß zum Einkauf von Nahrung; ein Steuermann
     nach Übereinkunft; für Damen ist ein richtiges, geschlossenes
     Hausboot erforderlich). Moskitonetze u. Verpflegung, auch Getränke
     und Jagdgewehre sind mitzunehmen. Wegen der Krokodile sei man sehr
     vorsichtig beim Baden, befolge genau den Rat des malaiischen
     Steuermanns. Nachts ankert man meist mitten im Strom, um die
     Malariastechmücken (Anopheles) zu meiden. Unterwegs ist reichlich
     Jagdgelegenheit auf Schnepfen, Enten, Krokodile etc., am besten bei
     _Parit_, _Bota_ und _Pulau Tiga_; Fischen mit malaiischen Netzen.
     Rückkehr von Telok Anson s. S. 164.

Die Bahn führt von Kuala Kangsar bei (83 M) _Enggor_ zur Pontonbrücke
über den Perak-Fluß, dann über (93 M) _Sungei Siput_ und (101 M)
_Chemor_ nach

(111 M) =Ipoh= (Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $ 1,50, und ein
Gasthof), aufblühende Handelsstadt im Kinta-Tal, gesund gelegen,
Mittelpunkt der Zinngruben, deren Besichtigung sehenswert ist, da nach
allen Systemen mit chinesischen Kulis und elektrischen Maschinen dort
gearbeitet wird.--In der Umgebung, bei _Gunong Rapat_ und _Sungei Raia_,
schöne Kalksteinfelsen mit sehenswerten chinesischen Felsentempeln. In
Ipoh originelle *malaiische, tamilische und chinesische Theater.--Im
Kinta-Distrikt leben an den Abhängen des 2172 m hohen _Gunong Kerbau_,
etwa 35 M östl. von Ipoh, die _Sakei_, ein Stamm scheuer Ureinwohner
hellerer Hautfarbe, die noch lange Blasrohre (sumpit) mit vergifteten
Bolzen benutzen und nackt in offenen Pfahlhütten leben.

Die Bahn führt von Ipoh über mehrere kleine Stationen nach (149 M)
_Tapah Road_ (Rasthaus); Zweigbahn nach (35 M) =Telok Anson=, einem
Hafen für Zinnausfuhr am Perak-Fluß mit Küstendampferverkehr nach Penang
und Singapore; Telegraph. Durch reich angebautes Plantagenland, dann
durch dichte Dschungeln und Wälder mit tropischen Nutzhölzern über
unbedeutende Stationen nach

(221 M) =Kuala Kubu=, kleiner, hübsch gelegener Malaienstadt im Staate
Selangor.

     =Ausflug= von hier mit Motoromnibus der Bahngesellschaft
     (vorausbestellen) auf guter Landstraße durch das malerische Gebirge
     und durch wilde Dschungeln über (44 M) _Raub_ (Rasthaus) nach (ca.
     60 M) =Kuala Lipis= (gutes Rasthaus, tägl. $ 1,50, Verpflegung $
     2,50), Hauptstadt des Staates Pahang am Jelai, Nebenfluß des
     Pahang-Flusses. Der Sultan residiert in _Pekan_ (Rasthaus) an der
     Mündung des Pahang, wohin man von Kuala Lipis mit malaiischem
     Hausboot in etwa einer Woche gelangen kann. (Dieser ganze wilde und
     romantische Ausflug von Kuala Kubu quer durch die Halbinsel Malakka
     bis zum Südchinesischen Meer ist anstrengend und nicht ohne
     Gefahren, daher nicht für jeden Weltreisenden zu empfehlen! Er
     bietet aber Naturschönheiten und große Jagdgelegenheit seltener
     Art.)--Von Pekan ist zuweilen Gelegenheit, mit Küstendampfer nach
     Singapore zu gelangen, aber die Einschiffung ist bei Nordostmonsun
     (Oktober bis März) oft wegen hohen Seegangs auf der Barre der
     Flußmündung unmöglich; Rückkehr von Pekan über Land oder auf dem
     Fluß sehr langwierig; vielleicht kann man im Notfall über _Kuantan_
     (Rasthaus; Hafen im Bau) Dampfer erreichen oder mit Automobil auf
     der (zum Teil 1911 noch im Bau begriffenen) Straße nach _Benta_ an
     der Straße Kuala Lipis-Kuala Kubu zurückkehren. (Man ziehe vor
     solchem Ausflug Erkundigung bei den englischen Behörden in Kuala
     Kangsar und Kuala Lipis ein.) Von Kuala Lipis mit Motoromnibus
     zurück nach Kuala Kubu.

Von Kuala Kubu führt die Bahn über (235 M) _Serendah_, (241 M) _Rawang_,
Bahnhof für den Ort _Bandar Baharu_, und (254 M) _Batu_, lauter
Minenstädte, nach

(259 M) *=Kuala Lumpur= (_Station Hotel_, neu, am Bahnhof, Pens. von
$ 6 an, mit Restaurant; _Empire Hotel_ und ein Rasthaus, tägl. $
1,50, Verpflegung $ 1,50), Hauptstadt der Malaiischen Bundesstaaten
mit etwa 35000 Einw., in schöner Lage, mit prächtigen Gärten im
europäischen Viertel und verhältnismäßig kühlem Klima. Residenz des
britischen »Resident General« der Malaiischen Bundesstaaten. Vor
einem schönen öffentlichen Park mit See das _Museum_ mit reichen
zoologischen (besonders Vögel und Fische) und ethnographischen
(besonders Tonwaren und Matten) Sammlungen. Kuala Lumpur ist für
längern Erholungsaufenthalt geeignet, hat gute Basare, Hospital
etc.--_=Ausflüge=_ nach (26 km) _Dusun Tua_, einem Bungalow mit heißer
Quelle in malerischer Landschaft an einem Fluß, wo man tropisches
Tierleben beobachten kann (fliegende Eidechsen, fliegende Hunde, Affen
etc.).

     =Zweigbahn= von Kuala Lumpur durch den mit Gummiplantagen
     bestandenen Klang-Distrikt nach (etwa 18 M) _Klang_ (Rasthaus beim
     Bahnhof), Residenzstadt des Sultans von Selangor, Mittelpunkt des
     Gummihandels, durch ein Hügelfort mit britischer Garnison
     beherrscht, und von da nach (etwa 6 M) =Port Swettenham= (Rasthaus,
     Post und Tel.), dem modern ausgebauten wichtigsten Hafen für
     Küstendampfer zwischen Penang und Singapore, mit beträchtlichem
     Seeverkehr; Dampfer nach Penang und Singapore.

Von Kuala Lumpur weiter durch Gummiplantagen über (274 M) _Kajang_
(Rasthaus), einem hübschen Dorf mit Zinngruben, nach (302 M) =Seremban=
(Rasthaus), Hauptstadt des Malaienstaates Negri Sembilan, in ähnlich
schöner Lage wie Kuala Lumpur, auch mit britischem Viertel.

     =Ausflug= von Seremban mit Motoromnibus auf malerischem Weg über
     das Gebirge nach (24 M) =Kuala Pilah= (Rasthaus), Residenz des Yam
     Tuan von Sri Menanti, dessen *_Palast_ (_Astana_) in einem
     prächtigen Seitental 8 km von Kuala Pilah liegt. Die Stadt Kuala
     Pilah liegt am Muar-Fluß und an einer Zweigbahn nach Gemas (S.
     166); auf dem höchsten Hügel (*Aussicht) in der Stadt ist das
     Amtsgebäude des britischen Residenten; in der Hauptstraße der Stadt
     ein Standbild des ersten britischen Residenten, Martin Lister, von
     Chinesen gestiftet. Zurück mit Motoromnibus nach Seremban oder mit
     Wagen (Gharries) auf ebenfalls schönem Gebirgsweg nach Tampin (s.
     unten).

     =Zweigbahn= von Seremban in 1-1/2 St. nach (etwa 22 M) =Port
     Dickson= (Rasthaus), auch _Arang Arang_ genannt, Hafen für
     Küstendampfer, mit guter Seebadegelegenheit, beste Badezeit
     5-1/4--6-1/4 Uhr Nm.; man übernachte im Port Dickson Sanitarium
     (Platz vorausbestellen), dicht am Badestrand.

Die Bahn führt von Seremban weiter durch gut bebaute Obstgärten und
Reisfelder und stark bevölkerte, wohlhabende Malaiendörfer über _Pedas_,
_Rembau_ und _Chengkau_ nach (334 M) _Tampin_ (Rasthaus). _=Fortsetzung
der Route=_ S. 166.

Von hier Zweigbahn (22 M) nach

=Malacca Town= (Rasthaus am Bahnhof, dem Seebad am nächsten; andres
Rasthaus an der Seeseite der Stadt), wichtiger Seestadt und
Hauptausfuhrhafen der Malaienstaaten, mit etwa 95000 Einw. Malacca Town
liegt auf 2° nördl. Br. und ist die älteste europäische Niederlassung
auf der Halbinsel, 1511 von den Portugiesen unter Albuquerque begründet
und zu einem wichtigen Gewürzhandelsplatz gemacht, 1641 von den
Niederländern und 1795 von den Engländern erobert, dann 1818
zurückgegeben, aber 1824 gegen Benkoelen von den Niederländern wieder
eingetauscht. Man trifft noch Nachkommen der Portugiesen sowie die
portugiesische Kirche Nossa Senhora do Monte auf dem Gipfel des St.
Pauls-Hügels, neben dem Leuchtturm am l. Ufer der Mündung des
Malacca-Flusses. Der Hügel ist mit alten Festungswerken umgeben. Mehrere
Brücken führen über den Fluß zu dem Stadtteil des r. Ufers. Malacca Town
ist Sitz der Regierung des britischen Malacca-Territoriums (Teil der
Kolonie Straits Settlements, vgl. S. 155). Am Fuß des St. Pauls-Hügels
liegen Schulen (darunter die sehenswerte Chinesenhochschule des Dr.
Morrison), Post und Telegraph, Gericht, Krankenhäuser etc.; sehenswert
ist an der Seeseite _Albuquerques Tor_. Die Stadt ist ziemlich gesund,
obgleich etwas wärmer als Singapore. --Etwa 8 km westl. von Malacca Town
liegt der hübsche Badeort *_Tanjong Kling_ (Regierungsbungalow,
Erlaubnis zur Benutzung für Seebadezwecke erteilt die Public Works
Office in Malacca Town). Malacca Town hat durch Inseln geschützte
Reede; lebhafter Verkehr von Küstendampfern nach Penang, Port
Swettenham, Port Dickson und Singapore.

_=Fortsetzung der Hauptroute.=_ Von Tampin (S. 165) führt die Bahn über
einige unbedeutende Stationen nach (364 M) _Gemas_, Grenzstation des
Staates Negri Sembilan (Zweigbahn von Gemas im Betrieb über _Rompin_
nach [22 M] _Bahau_, von da im Bau nach _Temerloh_ im Staat Pahang;
Zweigbahn von Bahau nach [12 M] _Kuala Pilah_ [S. 165] im Betrieb), und
durch Urwald und Dschungeln des Staates Johor über mehrere kleine
Ortschaften nach (450 M) _Johor Bharu_ (S. 169); von da Fährdampfer nach
_Woodlands_ (s. unten) und Bahn nach (465 M) _Singapore_.


Singapore.

Vgl. beifolgenden Plan.

     =Ankunft.= Die Ansteuerung des Hafens ist wegen vieler gefährlicher
     Riffe und Bänke vor der Hafeneinfahrt schwierig; Handelsdampfer
     laufen zum Teil, die Reichspostdampfer stets in den engen Hafen
     innerhalb der Inseln und machen meist am _Tanjong Pagar-Kai_ dicht
     am Lande fest. Am Landungsplatze stehen europäische und malaiische
     Diener von allen Gasthöfen sowie reichliche Fahrgelegenheiten
     (Wagen und Rikschas, auch elektr. Straßenbahn). Fahrt bis zur Stadt
     etwa 20 Min. Keine Zolluntersuchung, aber Waffen dürfen ohne
     Polizei-Erlaubnis nicht eingeführt werden!

     =Gasthöfe=: _Raffles' Hotel_, Beach Road 2, nahe der Esplanade, 130
     Z. --_Hôtel de l'Europe_ (Pl. 13), an der Esplanade, in besserer
     Lage. Küche in beiden mäßig, Pens. etwa $ 8.-- _Hotel Adelphi_,
     Colman Street, 100 Z., Pens. von $ 5 an.--_Hôtel de la Paix_,
     Colman Street 3, 40 Z. $ 2-3, Tiffin 1-1/4, Dinn. 1-1/2, Pens. $
     6-8.--_Hotel van Wijk Co. Ltd._, Stamford Road 2, 80 Z. 2, F. 1,
     Lunch 1, Dinn. 1,50, Supp. 2, Pens. $ 5-6, Küche gelobt. --Die
     meisten Gasthöfe sind zugleich =Restaurants=.

     =Post= (Pl. 18), an der Südseite der Cavanagh-Brücke neben der
     Börse. --=Telegraph=, Robinson Quai. Kabel führen nach Penang,
     Saigon, Labuan, Soerabaya und Batavia.--=Wagen=: _Tikka gharries_
     oder _Hackney Carriages_ nach gedrucktem Tarif.--=Rikschas=
     ebenfalls mit fester Taxe.--=Reitpferde= zu
     haben.--=Straßenbahnlinien= (s. den Plan), auch von Europäern
     benutzt.--

     =Eisenbahn=: _Singapore & Kranji Railway_ (Bahnhof Tank Road), vom
     Landungsplatz der Postdampfer in 25 Min. mit Straßenbahn zum
     Bahnhof, von da in 1-1/4 St. bis zur Endstat. _Woodlands_ (von wo
     Fährboot nach Johor mit Anschluß an die _Federated Malay States
     Railway_, S. 161).

     =Dampfer=: _Norddeutscher Lloyd_ (Agent: Behn, Meyer u. Co.,
     Tel.-Adr. »Nordlloyd Singapore«): Reichspostdampfer alle 14 Tage
     nach Ostasien und Europa; Anschlußdampfer nach Bangkok und Deli
     sowie nach Britisch-Nordborneo, Makassar, Menado (auf Celebes),
     Süd-Philippinen und Neuguinea (über Batavia)--_Koninklijke
     Paketvaart Maatschappij_ (Agent: J. Deandels & Co.):
     Anschlußdampfer an die deutschen Reichspostdampfer nach u. von
     Batavia, Samarang und Soerabaya. --_Stoomvaart Maatschappij
     Nederland_ (Agent: J. Daendels & Co.) alle 14 Tage nach Batavia und
     nach Europa über Sabang.--_Österreichischer Lloyd_ (Agent:
     Rautenberg, Schmidt & Co.), monatlich einmal nach Ostasien und
     Europa.--_Messageries Maritimes_ (Agent: C. Tournaire;
     Telegrammadresse: »Messageries Singapore«) alle 14 Tage über Saigon
     nach Ostasien und über Colombo nach Europa; Anschlußdampfer nach
     Batavia. --_Peninsular & Oriental Co._ alle 14 Tage nach Ostasien
     und Europa, mit Anschlußlinien nach Java, Sumatra, Celebes u.
     a.--_British India Steam Nav. Co._ alle 14 Tage nach Vorderindien.

     =Geld.= Einheitsmünze ist der _Straits-Dollar_ ($) = 2,40 Mark oder
     2 sh. 4 d.; Silbermünzen außerdem zu 50, 20, 10, 5 cents. 1 $ = 100
     cents. Außerdem Kupfergeld.--=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_,
     Korr. sämtlicher deutschen Großbanken.--_Hongkong & Shanghai
     Banking Corporation_, Korr. der Berliner
     Disconto-Gesellschaft.--_Chartered Bank of India, Australia &
     China._-- _Nederlandsche Handels-Maatschappij._ Beide letztere
     Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.

     =Sprache= ist malaiisch, die allgemeine Verkehrssprache Hinter- und
     Insulindiens.

     =Theater=, malaiische sind besuchenswert.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Generalkonsul Feindel, Vizekonsul
     Dr. Saunier. --_Österreich-Ungarn_, Dr. Erwin Ritter von
     Zach.--=Deutscher Klub=, sehr schön gelegen.

     =Polizeiamt=: South Bridge Road und North Bridge Road, letzeres
     nahe dem Hôtel de l'Europe.--=Ärzte=: an 30; deutsche Ärzte Dr.
     _Werner_, Medical Hall; Dr. _Wertheim_.--=Zahnarzt.=-- =Deutsche
     Apotheken.=--=Krankenhaus=: _General Hospital_.--=Buchhandlungen=:
     _Kelly & Walsh_, Raffles Place.--_Fraser & Neave._--=Zeitungen=:
     _Straits Times_; _Government Gazette_; _Singapore Free Press_;
     _Colonial Press_. Einige malaiische, tamulische und chinesische
     Zeitungen.

     =Photographieren= von Festungswerken (die oft _nicht_ zu erkennen
     sind) ist streng verboten und wird mit 1 Jahr Zuchthaus bestraft,
     da Singapore Kriegshafen ist. (Deutsche Liebhaberphotographen
     werden mit Vorliebe böser Absichten verdächtigt!)

     =Einkäufe=: Korallen, Muscheln, Korbstühle, Ananas frisch und
     konserviert (sehr billig).

     =Zeiteinteilung.= 1. Tag: Markt in der Chinesenstadt, Museum,
     Botanischer Garten, Esplanade.--2. Tag: Fahrt nach Johor.--3. Tag:
     Ausflug nach dem Sea View Hotel, östl. von Singapore, an der See.

     =Geschichte.= Das alte Singapura soll in der 2. Hälfte des 12.
     Jahrh. von dem aus Sumatra eingewanderten Radschah Sang Nila Utama
     begründet sein; sein Nachfolger Sikander wurde von den Javanen
     vertrieben und gründete die Stadt Malakka, während die javanischen
     Herrscher zum Islam übertraten (jetzt Hauptreligion der Malaien)
     und das Sultanat Johor begründeten. Sir Stamford Raffles drang
     darauf, daß das im Anfang des 19. Jahrh. zum Seeräuberschlupf
     gewordene Singapore englisch werde; 1819 wurde die britische Flagge
     auf der Insel gehißt, entwickelte sich aber erst mit dem Aufblühen
     der Dampferfahrt zu einem der wichtigsten Stapelplätze und
     Stützpunkte für den Seeverkehr nach und von Ostasien.

     Das =Klima= ist heiß, doch nicht ungesund, mit sehr gleichmäßiger
     Temperatur, auch für Kinder gut. Mittlere Jahrestemperatur etwa 27°
     C; höchste im Jahre vorkommende Temperatur durchschnittlich 38°,
     die niedrigste 17,5°. Stürmisches Wetter herrscht meist beim
     Monsunwechsel (SW.-Monsun im April bis Oktober), aber nur kurze
     Zeit. Die Regenmenge ist beträchtlich (2350 mm); es regnet in
     Schauern mindestens zweimal alle 3 Tage, am stärksten im November
     und Dezember. Dem Regen ist der üppige Pflanzenwuchs zu danken. Die
     Sonne geht stets gegen 6 Uhr auf und unter.

=Singapore= (bedeutet entweder Löwenstadt = singa puru, oder
Raststadt--sing gah pura), die Hauptstadt der Straits Settlements (S.
155), liegt auf der gleichnamigen Insel unter 1° 16' nördl. Br., mithin
nur 141 km vom Äquator. Die vorzügliche Lage am Hauptseeweg von Europa
nach Ostasien sowie zwischen dem Golf von Bengalen und der Chinasee und
in der Nähe der großen Sundainseln und der Philippinen haben die Stadt,
die schon frühzeitig zum Freihandelsgebiet erklärt wurde, zu einem
blühenden Stapelplatz für den Seehandel und einem wichtigen Kohlen- und
Ausrüstungshafen für zahlreiche, stetig wachsende Dampferlinien im
Indischen und Stillen Ozean gemacht. Für die englische Kriegsflotte ist
Singapore ein wichtiger Stützpunkt außerhalb der europäischen Gewässer.
Es ist seestrategisch äußerst günstig gelegen.--Die Stadt zeigt
europäisches Großstadtgepräge und hat etwa 250000 Einw., davon sind 4/5
Chinesen, 1/8 Malaien, 3/80 Europäer (etwa 250 Deutsche) und Eurasier,
3/80 Indier (insgesamt 3/4 Männer, 1/4 Frauen); darunter auch Klings
(Arbeiter aus Vorderindien), Araber, Armenier, Parsen, Juden, Birmanen,
Siamesen etc. Die Chinesen spielen also der Zahl nach die Hauptrolle;
sie leben hier nicht nur als Kulis und Kleinhändler, sondern auch ein
großer Teil des Handels liegt in ihren Händen.--Der neue _Hafen_ von
Singapore ist nach S. durch die Inseln _Blakan Mati_ und _Pulubrani_
geschützt, mit guten Kaianlagen, Kohlenlagern und Warenschuppen
reichlich versehen. --Die _=Ausfuhr=_ umfaßt Zinn, Kautschuk, Pfeffer,
Stuhlrohr, Reis, Tapioka, Kopra, Sago, Lack, Patschuli, Zitronellaöl;
Einfuhr: Kohle, Petroleum, Eisenwaren, Baumwollwaren. 1908 liefen 5187
Schiffe mit 6984980 Reg.-Ton. in den Hafen ein.-- Das Stadtgebiet teilt
sich in die Chinesenstadt, das Europäerviertel und das Malaienviertel.
Drei Hügel, _Pearls Hill_ (49 m), _Government Hill_ (48 m), gekrönt vom
Palast des Gouverneurs, und _Mount Sophia_ (33 m), überragen die Stadt.
Gegenüber der Reede liegen die europäischen Geschäftshäuser, einige
Klubs und nahe der _Johnston Pier_ die _Börse_ (Pl. 17) und das
_Postamt_ (Pl. 18). Auf der _Esplanade_ steht das Gymkhana-Klubhaus und
in der Mitte ein Standbild des _Sir Thomas Stamford Raffles_ (Pl. 10),
gegenüber die _St. Andrews-Kathedrale_ (Pl. 7). Von der Esplanade führt
die High Street nw. zu dem alten _Fort Canning_ (jetzt Signal- und
Salutstation); sw. von diesem liegt am linken Ufer des Singaporeflusses
der _Kampong Malacca_ und ihm gegenüber auf einer Insel der _Kampong
Saigon_. Die Chinesenstadt liegt südl. vom Flusse, den viele Brücken
überschreiten; sie enthält viele Buddhatempel, chinesische Läden und
einen großen Basar. Viele reiche Chinesen haben außerhalb der Stadt
prächtige Besitzungen.

_=Rundfahrt.=_ Morgens fahre man über die Cavenaghbrücke in die
Chinesenstadt auf den *_Markt am Raffles Quai_ oder einen andern Markt,
wo seltsame Fische, andre Seetiere und Tropenfrüchte, wie Ananas, Mango,
Mangustins, Rambutans, Brotfrucht, Zuckerrohr u. v. a. verkauft wird;
dann nach Wahl durch einige enge Straßen der Chinesenstadt westl. zur
Havelock Road, über die Brücke r. durch _Kampong Saigon_ und _Kampong
Malacca_, nördl. durch Mirabeau Road, Tank Road und Orchard Road, oder
Tank Road über _Government House Hill_ (nahe am Gouvernementshaus
vorbei), Cavenagh Road, Bukit Timah Road (an alten Friedhöfen vorbei),
Scotts Road (am Teutonia Club vorbei) und Orchard Road zum *=Botanischen
Garten= (Fahrt 1 St. nnw. vom Dampfer-Anlegeplatz), der auserlesene
tropische Bäume und Gewächse zeigt, z. B. Sago- und Kokospalmen,
Muskatnußbäume, Kaffeebäume, Kroton- und Kakaobäume, Bananen (auch die
_Ravenala_ aus Madagaskar, Baum der Wanderer), Farne (darunter die
zierlichen Baumfarne), Lianen, Orchideen, Calamus-Rotang (spanisches
Rohr) etc. Nm. zwischen 4 und 5 Uhr besucht die vornehme Welt Singapores
den Botanischen Garten; Rückfahrt durch _Orchard Road_, eine prächtige
Allee, zum _Raffles Museum_ (Pl. 9), 1887 begründet, mit
naturhistorischen und ethnographischen Sammlungen und wissenschaftlicher
Bibliothek. Vor Sonnenuntergang besuche man die _Esplanade_ und _Raffles
Plain_, den Sportplatz, wo um diese Zeit eleganter Wagenkorso
stattfindet.

     =Ausflüge=: 1) Nach =Sea View Hotel= 9 km östl. vom Postamt in
     Singapore, im Palmenwald an der See, mit Ausblick auf die östl.
     Einfahrt zur Reede. Man fährt dahin mit Wagen G der Straßenbahn, ab
     Tanjong Pagar durch die Hauptverkehrsstraße der Stadt, oder mit
     Automobil oder Wagen.--2) Nach =Johor=; täglich fünf Züge
     der »Singapore and Kranji Railway« vom Bahnhof Tank Road in etwa
     1-1/4 St. nördl. nach _Woodlands_. Fahrplan in der Zeitung; die
     Bahn führt durch das nw. Villenviertel der Stadt, dann durch
     Malaiendörfer, Gärten, Ananasfelder und Wälder an die Nordküste der
     Insel Singapore; ein kleiner Dampfer fährt von da über den schmalen
     Wasserarm _Selat Tabray_ in 8 Min. auf das Festland der
     Malakkahalbinsel und landet vor dem kleinen Orte =Johor-Bahru=
     (_Johore Hotel_, am Strande, modern, preiswürdig, elektr. Licht,
     gute Verpflegung; 41 Z. 2, F. 1,50, Lunch 2, Dinn. 2, Pens. $ 6-7),
     der neuen, mit Grün umgebenen Hauptstadt des Sultans von Johor in
     malerischer Lage. Mit Rikscha fährt man zu dem auf der Höhe
     gelegenen *_Palast des Sultans_ (_Istana_), umgeben von schönem
     Palmenpark; er enthält nüchtern-europäisch eingerichtete
     Empfangsräume; sehenswert sind die wertvollen Waffen und mancherlei
     malaiisches Rüstzeug. Schöner Blick von der Anhöhe, auf der die
     große neue _Moschee_ nahe dem Palaste steht. Im Park einige Käfige
     mit Raubtieren. Im Chinesenviertel des Ortes Johor ist eine
     *_Spielbank_ mit kleinen Spieltischen; So. Nm. großer Betrieb
     (englischen Offizieren verboten!); daneben ist ein _chinesisches
     Theater_ (mit lärmender Musik). Im Ort ein _Postamt des Sultans_
     mit eignen Johor-Briefmarken (für Sammler!).



9. Siam. Indochina.

Von Singapore nach Bangkok.

Vgl. die Karte bei S. 155.


     =Anschlußdampfer des Norddeutschen Lloyd= gehen bald nach Ankunft
     des Reichspostdampfers von _Singapore_ in 4-5 Tagen nach _Bangkok_.

Das Schiff geht mit östlichem Kurs um die SO.-Spitze der Halbinsel
Malakka ins Südchinesische Meer (S. 214), dann mit NNW.-Kurs an mehreren
kleinen Küsteninseln, darunter die 1050 m hohe Insel _Tioman_, vorbei
längs der Ostküste der Halbinsel Malakka, die zuletzt beim _Kap Laboha_
(Labuan) auf etwa 4-1/2° nördl. Br. gesichtet wird; östl. von diesem Kap
liegt die 283 m hohe Insel _Teng-gol_. Dann gelangt man in den _Golf von
Siam_, dessen Ostseite die Küste von Kambodja bildet; im innern,
nördlichsten Teile des Golfs passiert man r. beim _Kap Liant_ (r.)
kleine grüne Inseln, ehe das Flachland des Menamflusses in Sicht kommt.
Die Menammündung ist nur für kleinere Dampfer mit etwa 4 m Tiefgang
zugänglich, weil eine seichte Barre ihr vorgelagert ist; größere Schiffe
müssen auf der Reede von Koh ti Chang oder Ang Hin ankern. Das
Fahrwasser ist mit Seezeichen und Leuchtfeuern gut versehen, ein
Feuerschiff bezeichnet die Barre. Die Flußfahrt (s. die Karte auf S.
172) dauert 3 St. und zeigt schon die Reize des seltsamen Landes; in der
schönen Landschaft tauchen die weißen, sonderbaren Tempelbauten, _Wat_
genannt, mit vergoldeten Spitzen und merkwürdigen Giebeln auf. Am
linken Ufer liegt die Zollstation _Paknam_ (PT, Zollamt, Bahnhof, Bahn
nach Bangkok) mit einem Küstenfort. Auf dem Fluß ist reger Verkehr von
Fischerbooten, kleinen Dampfern und Seglern. Die Ufer zeigen Reisfelder,
Dörfer, Zuckerplantagen, Fischbuhnen, Fischereihallen und Festungswerke
zwischen Palmen. Gegenüber von Paknam sieht man zwei Inseln mit dem Fort
_Sua-Son-Lek-Tin_ (Tiger mit verborgenen Klauen) und prächtige
Tempelbauten (_Wat Phra-tschedi_), zu denen im Oktober beim Thot
Kathin-Fest siamesische Pilger wallfahren. Weiter aufwärts liegt an
einer Schleife des Flusses der Ort _Paklat_; man passiert erst
_Unter-Paklat_, umfährt große Orangegärten am rechten Ufer und erreicht
dann _Ober-Paklat_ in der Nähe großer Palmenhaine. Die gute Landstraße
_Chareun Krung_ führt von Paklat nach (etwa 16 km) Bangkok. Bei der
nächsten Biegung des Flusses gelangt man vorbei an Schiffswerften und
Docks, an Gärten und Reismühlen im Vorort _Bang Koläm_, und biegt an der
letzten Krümmung in das Stadtgebiet von _Bangkok_ ein, wo die
Kriegsschiffe und Königsjachten vor Anker liegen, neben zahllosen
schwimmenden Häusern; dahinter moderne Fabrikschlote und siamesische
Tempel.

     =Siam= ist ein unabhängiges Königreich (Pufferstaat) zwischen dem
     englischen Birma im W. und dem französischen Indochina im O., das
     letzte Gebiet Hinterindiens, das noch nicht unter europäischer
     Herrschaft steht; es umfaßt heute nur noch das Gebiet des
     Menamflusses und einen Teil der Halbinsel Malakka, etwa 314000 qkm
     mit 6,7 Mill. Einw. Die allermeisten Reisenden werden ihren Besuch
     auf Bangkok nebst Umgebung und Ayuthia beschränken, d. h. auf den
     untersten Teil der Menamebene, die von diesem Fluß aufgebaut ist
     und noch jetzt alljährlich von ihm weithin überflutet wird. Der
     Menam hat einen viel kürzern Lauf (700-800 km) als die andern
     großen Flüsse Hinterindiens; er entspringt im Nordteil Siams, dem
     gebirgigen Laosland, das die südl. Fortsetzung der Schanstaaten
     Ostbirmas bildet, und durchfließt in seinen untern Teilen eine
     große Ebene, die ebenso ein Kulturzentrum geworden ist wie die
     Ebene des Irawaddyflusses, Unterbirma. Das _=Klima=_ der Menamebene
     ist tropisch-warm, wenn auch nicht so gleichmäßig wie in Penang und
     Singapore. Die Niederschläge werden auch hier vom SW.-Monsun
     gebracht, der von Ende April bis September weht; bald nach seinem
     Beginn (im Mai) und gegen sein Ende zu (im September) sind die
     Regen am stärksten. Dementsprechend beginnt auch der Menam Ende Mai
     oder Anfang Juni zu steigen und verbreitet sich von Anfang August
     bis zum November weithin über die umgebende Niederung, ihr
     fruchtbaren Schlamm und die nötige Feuchtigkeit für die Reiskultur
     zuführend. Da die Niederschläge und die Überschwemmungshöhe von
     Jahr zu Jahr ziemlich stark schwanken, haben die Siamesen zur
     Regelung der Überflutungen zahlreiche Kanäle (_=Klongs=_) angelegt.

     Das herrschende _=Volk=_ des Landes, die _Siamesen_, sind ein
     Mischvolk wie alle Völker Hinterindiens, doch überwiegt der
     mongolische Einschlag bei ihnen. Sie sind klein und kräftig, aber
     als Buddhisten ziemlich indolent, sehr abergläubisch und
     vergnügungssüchtig; die Frauen sind tüchtiger als die Männer.
     Musik, Theater, Tierspiele und Geldspiele sind sehr beliebt, jede
     Gelegenheit wird benutzt, um Feste zu feiern (vgl. S. 176). Neben
     den Siamesen spielen im Wirtschaftsleben Siams die _Chinesen_ eine
     wichtige Rolle. Während die Siamesen vor allem dem Reisbau, der in
     Siams Volkswirtschaft bei weitem die wichtigste Rolle spielt,
     obliegen, haben die Chinesen die Verarbeitung und Verwertung des
     Reises in Händen und sind Handwerker und Arbeiter. Auch einige 1000
     Europäer leben im Land als Regierungsbeamte und Kaufleute; zum Teil
     sind sie mit der Ausbeutung der Teakholzwälder Nordsiams
     beschäftigt.

     _=Staatsreligion=_ ist der Buddhismus, der durch seine zahlreichen
     Priester und Mönche (jeder Siamese muß, wie der Birmane, eine
     Zeitlang als Mönch leben) wie durch seine prunkvollen Tempelbauten
     und vielen Feste und Aufzüge dem öffentlichen Leben das
     Hauptgepräge gibt. Die Tempel Ayuthias, der alten Hauptstadt,
     zeichnen sich vor denen des übrigen Indiens dadurch aus, daß sie
     sich nach oben hin nicht verjüngen, sondern aus einer Anzahl von
     Stockwerken gleichen Umfanges bestehen. Das Hauptmerkmal der
     religiösen Bauten Bangkoks ist die Überladenheit mit allerlei
     Schmuck. Der _=Hauptverkehr=_ in der Menamebene findet trotz
     neuerdings angelegter Bahnen noch zu Wasser statt; der
     Handelsverkehr zu Lande nach den südl. Schanstaaten in Birma und
     nach der chinesischen Provinz Yünnan (S. 189) erfolgt durch
     Karawanen, die von der wichtigsten Stadt Obersiams, Chiengmai,
     ausgehen; diese Stadt liegt im wichtigsten Teakholzbezirk an der
     obern Schiffahrtsgrenze des Maping, des Hauptnebenflusses des
     Menam. Die jetzige Dynastie beherrscht Siam seit 1782. Der König
     _Maha Vadjiravudh, Phra Mongkut Klao_, geb. 1. Jan. 1881, in London
     erzogen, regiert seit 24. Okt. 1910. Das Heer ist europäisch
     geschult. Zur Flotte gehören 1 Kreuzer, einige Kanonenboote und
     Torpedofahrzeuge etc. Landesflagge ist rot mit dem _=Weißen
     Elefanten=_, dessen Heiligkeit aus der frühesten buddhistischen
     Geschichte stammt. (Gautama, d. i. Buddha, ging als weißer Elefant
     in den Leib seiner Mutter ein.) Zu den Titeln des Königs gehört
     auch der »Herr des Weißen Elefanten«. Wird ein »weißer« Elefant (d. h.
     nur heller grau als die andern) gefangen, dann wird er mit großen
     Festlichkeiten in den königlichen Marstall aufgenommen.


Bangkok.

Vgl. die Pläne S. 172 und S. 174 sowie die Karten S. 155 und 177.

     =Ankunft zur See.= Die Dampfer ankern auf dem Menamflusse, die
     Landung geschieht mit Sampans am l. Ufer, wo der Hauptteil der
     Stadt liegt.

     =Gasthöfe=: _Oriental Hotel_, am Flußufer, mäßig und nicht billig;
     schickt Motorboot zum Dampfer.--_Hôtel de l'Europe_, ganz
     mäßig.--_Bristol Hotel und Restaurant_ (Deutscher, C. Prüfer),
     gelobt, sauber, preiswert, deutsches Faßbier, Pens. 6, monatl. 150
     Tikals; Treffpunkt deutscher Kapitäne.-- Pension in den Gasthöfen
     8-12 Tikals (Frühst. 8 Uhr, Tiffin 12 Uhr, Dinner 7 Uhr).

     =Post=: Siamesisch. Briefe und Karten gebe man auf der Post ab,
     nicht in die Straßenbriefkasten.--=Telegraph=: Überland nach Birma,
     Singapore und Indochina.--=Telephon= in den Gasthöfen etc.

     =Wagen=: Europäische Droschken und Rikschas (die Kutscher verstehen
     nicht englisch).

     =Straßenbahn=: elektrisch, führt vom südlichen Vorort _Bāng
     Koläm_ durch die New Road bis zur Königsstadt.

     =Eisenbahnen=: Von Bangkok nach (20 km) _Paknam_ und nach (264 km)
     _Korat_ mit Zweigbahn nach Paknam-Poh; über Rat-buri nach (152 km)
     _Petscha-buri_ (deutsche Ingenieure); Staatsbahn nach (63 km)
     _Patriu_; Privatbahn nach (33 km) _Tacheen_ und weiter nach (34 km)
     _Meklong_ an der Westküste des Golfs von Siam. (Die deutschen
     Eisenbahnbaumeister kennen das Land; Auskünfte nur bei der
     Staatsbahn.)

     =Ortszeit= von Bangkok 5 St. 42 Min. vor gegen M.E.Z.

     =Dampfer=: _Norddeutscher Lloyd_ (Agent: A. Markwald & Co.,
     Telegr.-Adresse: »Nordlloyd, Bangkok«) etwa zweimal wöchentlich
     nach und von Singapore und Hongkong, mit I. Kl.-Kabinen.
     --_Messageries fluviales de Cochinchine_, alle 14 Tage über
     _Schantabun_ (Siam), Samit und Pulo Condor nach (510 Seem.)
     _Saïgon_.--Auf dem _=Menam=_: _Siam Steam Packet Co._ täglich nach
     _Ayuthia_ (in 8 St.) und _Muong Angton_; wenn der Wasserstand es
     zuläßt, auch bis _Muong Paknam-Poh_.

     =Geld.= Silbermünzen: 1 _Tikal_ (oder Bat = 15 g Silber) hat etwa
     1,54 M. Wert; man rechnet 5 Tikals = 4 $ mexikanisch, 1 Tikal = 100
     Satang. Auch 10-, 5- und 1-Cents-Stücke werden geprägt. Einige
     Banken geben Banknoten aus. Bei schwierigern Geldgeschäften wende
     man sich womöglich stets an das Konsulat.

     [Illustration: Lageplan von Bangkok.]

     =Banken=: _Hongkong & Shanghai Banking Corporation_, Korr. der
     Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; _Chartered Bank of India,
     Australia & China_, Korr. der Deutschen Bank; _Banque de
     l'Indo-Chine_; alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.
     _Siam Commercial Bank._

     =Sprache=, _Tai_ genannt, ist einsilbig und verwandt mit dem
     Chinesischen, doch kommen auch mehrsilbige Wörter aus dem Sanskrit
     und Pali vor. Vgl. _Wershoven_, Lehr- und Lesebuch der siamesischen
     Sprache und deutsch-siamesisches Wörterbuch, Wien 1892.
     --=Zeitungen=: »_Bangkok Daily Mail_«; »_Bangkok Times_«; »_Siam
     Observer_«.-- =Theater=: siamesische und chinesische.
     --=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Gesandter Frhr. v. d. Goltz;
     Vizekonsul Frhr. Rüdt v. Collenberg. --_Österreich-Ungarn_, der
     deutsche Vertreter. --Deutsche unterstehen in Siam deutscher
     Gerichtsbarkeit. Paß erforderlich. -- =Deutscher Klub.=
     --=Amerikanische Mission= (gibt sehr liebenswürdig Auskunft über
     Land und Volk). --=Polizei= gegen Fremde im allgemeinen
     zuvorkommend, event. rufe man sofort den Schutz des Konsulats an.

     =Ärzte=: Leibarzt des Königs und die deutschen Ärzte Dr. Schäfer
     und Dr. Hintze.

     =Geschäftsadressen=: Gute europäische und chinesische Läden in der
     New Road; beim Einkauf von Rubinen und Saphiren ist Vorsicht
     geboten; die besten Edelsteine gehen roh zum Schleifen nach Europa.
     Deutscher Juwelier, auch Curios: _F. Grählert & Co._ Auch ein
     deutscher _=Photograph=_ (_Rob. Lenz & Co._) sowie zwei deutsche
     _=Apotheken=_: Bangkok Dispensary (_R. Schulz_) und Tatten
     Dispensary (_M. Mannsfeldt_) sind in Bangkok.

     =Zeitteilung.= 1. Tag: Wagen- und Bootsfahrt durch die Stadt, Märkte
     besuchen, Nm. New Road und Dusit-Park. --2. Tag: Vm. Tempel, Nm.
     Palastviertel.--3. Tag: Ausflug nach Ayuthia. Zum Kennenlernen
     Siams sind 14 Tage Zeit gut zu verwerten.

     =Klima.= Die Gesundheitsverhältnisse sind nicht sehr gut, da die
     Stadt auf flachem, feuchtem Boden erbaut und von zahlreichen
     Kanälen durchzogen ist, die allen Unrat aufnehmen und bei niedrigem
     Wasserstand sehr schlimme Gerüche aussenden. Die mittlere
     Jahrestemperatur beträgt 26,7° (Dezember 23,8°, April 28,6°). Man
     unterscheidet, wie in Indien, drei Jahreszeiten: die kalte Zeit vom
     November bis Februar, die heiße im März und April und die Regenzeit
     von Ende April bis in den Oktober hinein. Die kalte Zeit mit
     vorwiegendem NO.-Wind bringt nach warmen Tagen recht kühle Nächte,
     so daß man sich vor Erkältungen sehr hüten muß, und ist fast
     regenlos. Die Wärme nimmt dann rasch zu und wird im April
     namentlich dann sehr unangenehm, wenn die Seebrise ausbleibt. Der
     gegen Ende April einsetzende SW.-Monsun bringt auch hier die
     Regenfälle, die am heftigsten zu Beginn (Mai) und gegen Ende seines
     Wehens (September) fallen. Die Gesamtregenmenge ist vergleichsweise
     gering (1500 mm), da das Gebirge Malakkas viel Feuchtigkeit
     abfängt.

     =Geschichte.= Nach Zerstörung der alten Hauptstadt Ayuthia 1767
     durch die Birmanen wurde das Dorf Bangkok Hauptstadt des
     chinesischen Feldherrn Phya Tak, der dort seine Dynastie
     begründete, aber 1782 durch den siamesischen Chan Phya Chakkri
     entthront wurde; amtlich heißt die Stadt deshalb noch _Si Ayuthia
     Mahä_ = große, erhabene Stadt. Nach Abschluß der Handelsverträge
     mit England, den Vereinigten Staaten und Preußen (um 1861)
     entwickelte sich Bangkok zur wichtigsten Handelsstadt; ihr
     schnelles Aufblühen wurde durch den 1910 verstorbenen König
     Tschulalongkorn tatkräftig und erfolgreich gefördert. 1893
     erzwangen 2 französische Kanonenboote die Durchfahrt durch die
     Küstenbefestigungen und bedrohten Bangkok; seitdem sichert die
     Eifersucht der europäischen Großmächte dem Lande vorläufig die
     Unabhängigkeit.

=Bangkok= (»Stadt der Obstbäume«), Hauptstadt von Siam, mit 628675 Einw.
(darunter über 100000 Chinesen) und 18 km Umfang, unter 13° 45' nördl.
Br., beiderseits des Menam, 33 km oberhalb dessen Mündung. Wichtiger
Seehafen für Ausfuhr von Reis, Teakholz, Büffelhäuten etc.; 1908 liefen
830 Schiffe mit 774424 Reg.-Ton. ein. Die Ufer haben Landungsanlagen;
die siamesische Flotte liegt beim Königspalast an Bojen, fremde
Kriegsschiffe ankern gegenüber Oriental Hotel. Bangkok besteht aus einer
innern, mit 10 m hoher Zinnenmauer umgebenen und einer äußern Stadt. Die
Häuser liegen meist in Gärten, sind am Ufer aus Holz oder Bambus und auf
Pfählen gebaut, sonst jetzt auch aus Stein erbaut, während früher Stein
außer von Europäern nur zu Tempeln und Klöstern, deren Bangkok an 700
besitzt, und bei den königlichen Palästen verwendet wurde. Viele
schwimmende Häuser auf Bambusflößen werden in den die Stadt
durchziehenden Kanälen an Pfählen festgebunden, mit Kramläden oder
Werkstätten; da viel Marktverkehr auf dem Wasser, ist der Fluß sehr
belebt.

[Illustration: Stadtplan von Bangkok.]

In der innern Stadt liegt der =Palast des Königs= (s. unten) hinter
einer hohen Mauer von 1300 m Umfang; der Boden im Innern ist ganz mit
Marmor- und Granitfliesen belegt; inmitten des Hofes erhebt sich, von
einem spitzen, vergoldeten Turm überragt, der _Mahāprasāt_, die Halle,
in der der König ausländische Gesandte empfängt; in einem weitern
Saal erteilt der König Gehör.-- Der schönste Schmuck Bangkoks ist die
_Pagode Wat Tscheng_ (S. 176), die sich in Terrassen bis zu einer
Kegelspitze verjüngt. Mit den Pagoden sind stets Klöster verbunden,
wo oft 200-300 Mönche wohnen, außerdem Güter, Höfe, Teiche, Tempel
und Kapellen, alle umschlossen von einer großen Mauer.--Besuchswert
ist auch die _Vajirañan-Bibliothek_ (Dir. Dr. O. Frankfurter),
1881 gegründet, mit wertvollen Handschriften.--Die _=Bevölkerung=_
besteht aus Tai oder Siamesen, ferner Birmanen, Chinesen, Malaien,
Leuten aus Laos, Pegu, Annam, Kambodja.--Die heimische _=Industrie=_
ist seit Zulassung des Fremdhandels sehr gesunken, nur der Bau von
Flußschiffen und Dampfern, mit Maschinen aus Europa, noch bedeutend;
ferner besteht in Bangkok eine Gesellschaft für elektrische Anlagen,
viele Reisschälmühlen, Dampfsägewerke. Bangkok ist Mittelpunkt des
aufblühenden Außenhandels von Siam.

_=Rundfahrt durch die Stadt.=_ Das siamesische Leben und das Treiben auf
den Märkten sieht man auf Fluß- und Kanalfahrten mit Dampfbarkasse oder
Sampan oder mit Wagen zunächst morgens nach dem 2 km langen Hauptbasar
_Talāt Noï_, wo das Völkergemisch erstaunlich ist, oder nach dem
kleinern Basar _Talāt Vat Koh_; die meisten Fremden, besonders
Chinesen, trifft man auf dem Basar *=Sampeng= im SO. der Stadt, mit
vielen Verkaufsstellen von Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen, mit
Niederlagen von Buddhafiguren und Götzenbildern; auch chinesische
Spielhöllen fehlen nicht. Von den vielen, meist prächtigen Tempeln sind
die schönsten im Palastviertel. (NB. Zutritt zum Palastviertel und zu
dem großen Tempel sowie zum Museum ist nur gegen besondere Erlaubnis
gestattet, die man durch Konsul oder Empfehlung erlangt.) Das
*=Palastviertel=, wohin man durch die New Road mit Wagen fährt, besteht
aus vielen großen und kleinen Gebäuden, in deren Mitte der _Palast des
Königs_ (s. oben), ein moderner Prachtbau mit siamesischem Dach, liegt.
Wer gut empfohlen ist, erhält junge vornehme Siamesen (die fertig
Englisch sprechen) als Führer. Es empfiehlt sich, Nm. gegen 5 Uhr zum
Palast zu fahren; dann findet dort meist Promenadenkonzert statt. Hinter
dem Empfangspalast liegt das Königshaus _Khāng Nai_, worin der König
wohnt. Im Marstall werden die »weißen« Elefanten (schmutzig hellgrau oder
graubraun mit weißen Flecken auf den Ohren, vgl. S. 171) gezeigt; sie
nehmen mit Dankverbeugung Zuckerrohr.--Prächtig ist der Tempel *_Wat
Phra Käo_ (Tempel der Kleinodien), dessen Hauptbau _Phra Ubosat_
verschwenderisch reich an Goldmosaik ist; sein Hauptaltar, der eine
Buddhafigur aus Jaspis mit Kopf aus Smaragd trägt, ist mit Gold und
Edelsteinen übersät, die Türen sind mit Perlmutter eingelegt, die
Ziegeln vergoldet etc. Zahlreiche Phratschedis (kegel- und
pyramidenspitze kleine Pagoden) umgeben den Haupttempel; unter ihnen ist
die _Si Rathana Phratschedi_ außen bis zur Spitze mit Goldmusiv
bekleidet.-- In der Nähe liegt der Krönungstempel _Putaprang Phrasat_
und daneben der feine Pavillon _Phra Mondop_.

     Phantastische Figuren schmücken die Eingänge der Tempel; oft sieht
     man den Vogelmensch _Khrut_, aus Bronze, obere Hälfte Mensch,
     untere Vogel, mit spitzer Kopfbedeckung und Maske und grüner
     Fayencerüstung, daneben fast europäische Groteskfiguren, Antiken,
     Elefanten, Affen, Tiger, Pferde und Adler. Um die Altäre stehen
     Vasen mit betäubend duftenden Tempelblumen: Ylang-Ylang, Plumeria
     und Tuberosen, dazu Weihrauch, hell- und dunkelgelb gekleidete
     Priester mit Ylang-Ylangblüten in der Hand, Blumen und Reis
     opfernde Frauen and Kinder.

Außerhalb des Palastes liegt das _Museum_, eine Schatzkammer von
Edelsteinen und chinesischem Porzellan. Daneben ein als Museum benutzter
Tempel mit vielen Buddhafiguren.--Südl. vom Schloß sind Staats- und
Wirtschaftsgebäude und Gartenanlagen mit Kiosken; am Menamufer ist ein
Wasserpavillon und Anlegeplatz für Boote.--Im nördlichen Teile liegen
das Ministerium des Auswärtigen, die Münze und die Druckerei. In der
Nähe hat König Tschulalongkorn den schönen _Dusit-Park_ (Paradiespark)
angelegt, wo gelegentlich bei elektrischem Licht Musik spielt und Feste
gefeiert werden; in der Nähe ist ein großes *_siamesisches Theater_, wo
nur junge Mädchen meist sehr phantastische Stücke aus der indischen
Göttersage spielen.--Von den vielen Tempelanlagen ist *=Wat Tscheng= mit
dem 70 m hohen _Phraprangturme_ weithin sichtbar; von der obersten
Galerie prächtige Aussicht. Den Mittelbau krönen vier Türmchen, aus
deren Nischen dreiköpfige Elefanten hervortreten. --Ebenfalls weithin
sichtbar erhebt sich über einer Baumgruppe auf einem Hügel der _Wat
Saket_.--Die größte Tempelanlage nahe dem Königsviertel ist der _Wat
Poh_ mit 49 m langer, schwer vergoldeter liegender Buddhafigur, auf
deren mit Perlmutter eingelegten Fußsohlen die 64 Zeichen der Schönheit
und Bilder aus Buddhas Leben dargestellt sind.--Noch zu erwähnen ist der
_Wat Radschabophit_ mit den Grabmälern der Königskinder; _Wat Sutat_ mit
Riesenbuddha, dem 72 überlebensgroße Jünger gegenüber sitzen; der Palast
_Sarānrom_ mit schönen Fresken.

     =Siamesische Volksfeste.= Das Hauptfest _Kathin_ (Besuch der
     Tempel) ist im Oktober; der König besucht am ersten Tage zu Wagen,
     die beiden nächsten zu Fuß oder in prächtigem vergoldeten Tragstuhl
     mit militärischem Aufzug die Tempel, wobei die ganze Stadt festlich
     geschmückt ist, an den folgenden vier Tagen in seiner 50 m langen
     grotesken Galeere _Rüa Pratinang_, von 60 Ruderern bewegt, mit etwa
     40 märchenhaft ausgerüsteten Prachtbarken, worin die Prinzen und
     der Hofstaat folgen, mit Musik und Gesang der Ruderer die Tempel
     auf dem rechten Flußufer. Wenn diese Aufzüge zu Ende sind, beginnen
     die Volksfeste mit Illumination, Feuerwerk und phantastischen
     Aufzügen.--Andre Feste sind: die Zeremonie des
     Haarknotenabschneidens bei den Königskindern; die Verbrennung
     verstorbener Prinzen und Prinzessinnen, wo die Festlichkeiten:
     Paraden, Umzüge, Feuerwerke, Laternentänze, Theater- und
     Marionettenvorstellungen, meist drei Tage dauern, u. a.--Ähnlich,
     mit märchenhafter Illumination des Palastes, der Stadt und der
     Kriegsschiffe, wird der Geburts- und Krönungstag des Königs
     gefeiert.

     =Ausflüge=: 1) Nach =Phrabāt= (oder _Prabat_), einem berühmten
     Wallfahrtsort, 16 km nördl. von Bangkok auf einem Berg. Eisenbahn
     (nach _Lop buri_) bis (102 km) _Tarna_, von da mit Straßenbahn noch
     20 km. Phrabāt ist ein Kloster, das in vergoldetem Turm auf mit
     Silberplatten belegtem Fußboden hinter silbernem Gitter eine
     heilige Fußspur Buddhas, mit goldenem Geschmeide bedeckt, enthält;
     im Hintergrund eine Buddhafigur unter goldenem, mit Edelsteinen
     verziertem Thronhimmel.

     2) Nach *=Ayuthia=, 70 km nördl., sehr lohnend, Führer und
     Mundvorrat mitnehmen! _=Eisenbahn=_ von Bangkok nach _Ayuthia_ in 2
     St.; der Bahnhof in Ayuthia liegt 1/2 St. von den Ruinen und dem
     Elefantenkral. Empfehlenswerter ist die *_Fahrt auf dem Menam_ mit
     selbstgemietetem kleinen _=Dampfer=_ der Siam Steam Packet Co.; man
     muß für Verpflegung selbst sorgen. Fahrzeit zu Berg etwa 10-12 St.,
     zu Tal 6-9 St. Auf der Flußfahrt beobachtet man siamesisches Leben
     auf den schwimmenden Häusern; die Ufer sind mit wohlhabenden
     Dörfern, Gärten und Reisfeldern bestanden. Grüne Ufer findet man
     beim königlichen Sommerschlosse _Bang Pha-in_ (auch mit der Bahn zu
     erreichen; zum Besuch ist Erlaubniskarte erforderlich, 4-5 Tage vor
     dem Ausflug beim Konsulat zu bestellen), mit schönen Gärten,
     zierlichen Pavillons, Elefantenstall, Bädern etc., auch einen
     Buddhatempel in gotischem Kirchenstil! Nun teilt sich der Fluß, der
     östliche Arm führt zum Ort =Ayuthia=; man landet beim
     *_Elefantenkral_, Riesenzaun aus 3-4 m hohen und 1/2 m dicken
     Teakholzpfosten, die etwa 1/2 m voneinander in die Erde gerammt
     sind; mit zahmen weiblichen Elefanten werden die wilden Herden aus
     den Dschungeln der Umgegend in die Nähe des Krals gelockt, dann
     durch eine Treiberkette mit Geschrei, Tamtam, Fackeln und Schüssen
     in den Kral getrieben. Der König sieht dem Eintreiben auf hohem
     Pavillon zu. Dann besorgen zahme Elefanten das Zähmen der wilden,
     von denen die schönsten in den Marstall des Königs kommen (noch im
     Anfang des 19. Jahrh. sollen bis zu 6000 Kriegselefanten an den
     Schlachten in Hinterindien teilgenommen haben), die übrigen als
     Arbeitstiere bei den Holzfällern, an Sägemühlen und Bauunternehmer
     verkauft werden.--Die malerischen Ruinen der alten Hauptstadt (ihre
     Blüte war 1350-1767) liegen auf einer Insel von 8 km Umfang, die
     mit Zinnenmauer umgeben war; kleine Kanäle führten vom Fluß in die
     Stadt; am schönsten sind die Trümmer des alten Palastes mit
     *Riesenbuddha und die der königlichen Tempel. Am Südende der Stadt
     hatten die Niederländer eine Handelsfaktorei, gegenüber die
     Portugiesen und französischen Jesuiten, die eine Zeitlang sehr
     einflußreich waren. Von einem vierstöckigen Wachtturm guter
     Überblick über Alt- und Neu-Ayuthia; der neue Ort _Krungkao_ mit
     etwa 20000 Einw. ist eine Pfahlbautenstadt, in der man mit Sampan
     in die Läden und Spielhöllen, viele in schwimmenden Hütten,
     fährt.--Etwa 6 km von der Stadt liegt in der Ebene die sehr hohe
     und daher sehr heilige Pyramide oder Phratschedi _Palavi_, umgeben
     von Sümpfen, daher nur im Sampan oder auf Elefanten zu erreichen;
     oben *Aussicht; im dritten Stockwerk eine riesige vergoldete
     Buddhafigur.

     3) Nach =Lopburi=, etwa 50 km stromauf von Ayuthia am Menam, mit
     Dampfer; der Ausflug soll sehr anstrengend, aber auch sehr lohnend
     sein (Auskunft bei den deutschen Eisenbahnbaumeistern in Bangkok).


Von Singapore nach Saïgon.

Vgl. beifolgende Karte.

     =Messageries Maritimes= alle 14 Tage von _Singapore_ in 2 Tagen
     nach (648 Seem.) _Saïgon_; außerdem eine 14tägige Zweigdampferlinie
     zwischen _Saïgon_ und _Singapore_, wo die Dampfer Anschluß haben:
     nach Europa mit den deutschen Reichspostdampfern oder holländischen
     Dampfern, nach Ostasien mit englischen Dampfern.-- Von Saïgon
     Anschlußdampfer alle 8 Tage über _Quinhone_ und _Tourane_ nach
     _Haïphong_.

Die Fahrt von _Singapore_ geht mit NNO.-Kurs durch das Südchinesische
Meer (S. 214), vorbei an der Granitinsel _Pulo Condor_, Strafkolonie für
Anamiten und Chinesen, mit Leuchtturm. Bei _Kap Saint-Jacques_, dem
SW.-Ende des Gebirgsbogens von Anam, kommt die Küste von Cochinchina in
Sicht; das Kap ist ein oben kahler, unten dichtbewaldeter Bergrücken
(mit Leuchtturm), an dessen Fuß ein Seebad mit Sanatorium für Offiziere
und Beamte (Hôtel de la Plage) liegt. Auf den Höhen starke
Küstenbefestigungen. (NB. Man hüte sich, diese zu photographieren, wenn
man auf einem französischen Dampfer fährt!) Hübsche Spazierwege sind in
der Umgebung des Seebades; in der Nähe liegt eine Pagode an einer
Stelle, wo ein Walfisch gestrandet, 1848 von anamitischen Fischern
erbaut. Dann fährt der Dampfer in dem schmalen und sehr gewundenen
_Donnaï-Fluß_ 60 km zwischen flachem Sumpflande, dichten Dschungeln,
dann Reisfeldern, Bananen- und Palmenhainen. Bei der Einfahrt in den
_Saïgonfluß_ sieht man die roten Türme der Kathedrale der Stadt
_Saïgon_; auf dem Fluß ist wenig Verkehr.

     =Indochina.= Der östl. Teil Hinterindiens ist unter dem Gesamtnamen
     Indochina französisches Kolonialgebiet unter einem
     Generalgouverneur (in Hanoï), das sich in folgende sechs Gebiete
     gliedert: _Cochinchina_, _Cambodja_, _Anam_, _Laos_, _Tonkin_ und
     _Kwangtschou_; letzteres liegt außerhalb Hinterindiens an der
     Ostseite der südchinesischen Halbinsel Leitschou. Cochinchina und
     Tonkin stehen unter unmittelbarer französischer Verwaltung, Laos
     und Anam haben noch einheimische Fürsten, die von französischen
     Oberresidenten geleitet werden. Das ganze Gebiet umfaßt etwa 800000
     qkm (annähernd = Deutsches Reich und Österreich) mit 16 Mill. Einw.
     Es enthält im S. und im NO. zwei Ebenen, die des _Mekong_ und des
     _Roten Flusses_ (Songkoi); erstere umfaßt Cochinchina und den
     Hauptteil von Cambodja, letztere das Zentrum von Tonkin. Der
     Hauptteil des französischen Besitzes aber ist Gebirgs- und Hochland
     und gliedert sich in die Kordillere von Anam und die
     dahinterliegenden Plateaus und Stufenlandschaften von
     Laos.--_=Klimatisch=_ gehört ganz Indochina dem südasiatischen
     Monsungebiet an, doch unterliegt der jährliche Klimaverlauf in den
     verschiedenen Landesteilen ziemlich starken Abweichungen, von der
     beständig feuchtheißen Sumpfniederung von Cochinchina bis zu dem
     schon viel extremern Klima Tonkins und den rauhen Hochebenen des
     innersten Laoslandes und von dem Sommerregen Saïgons bis zu dem
     Herbst- und Winterregen von Huë.--Auch die
     _=Vegetationsverhältnisse=_ sind sehr verschieden, vom tropischen
     Regenwalde bis zur Wüstensteppe einiger trockener Kalkplateaus im
     Laoslande.--Die bekanntesten Vertreter der _=Tierwelt=_ sind hier
     wie im übrigen Hinterindien Elefant, Tiger, Panther und der
     Gibbonaffe. --Die beiden Tiefebenen sind zugleich Mittelpunkte der
     _=Kultur=_ und Volksverdichtung und wichtige Reisbaugebiete; Reis
     bildet den Hauptgegenstand der Ausfuhr, dem erst in weitem Abstande
     Zinn, Fische und Bodenbauprodukte folgen.--Die _=Bevölkerung=_
     teilt sich wie im übrigen Hinterindien in Halbkulturvölker, die die
     leichter zugänglichen Landesteile, namentlich die Küsten und
     Flußebenen, bewohnen, und in Gebirgsstämme, die noch nicht über das
     Naturvölkertum hinausgekommen sind. Körperlich und in ihrem
     Kulturbesitz sind alle diese Völker, wie es der von den Franzosen
     ihrem Kolonialbesitz gegebene Name sehr glücklich ausdrückt, sowohl
     von Indien wie von China her vielfältig beeinflußt worden, in
     diesem Teile Hinterindiens naturgemäß mehr von dem näherliegenden
     China aus, wie denn auch heute die Chinesen einen wichtigen
     Bevölkerungsteil ausmachen. Doch haben sich für den alten Einfluß
     der indischen Kultur auch in diesem Teile Hinterindiens glänzende
     Zeugen in den Ruinen von Angkor-Thom in Cambodja (S. 185) erhalten.

     =Cochinchina= besteht in der Hauptsache aus dem feuchtheißen und
     ungesunden, aber sehr fruchtbaren und für den Reisbau vorzüglich
     geeigneten Delta des gewaltigen _Mekongstromes_, das sich rasch
     weiter ins Meer hinausschiebt und vom Mekong allsommerlich von
     neuem überschwemmt und befruchtet wird. Ein Stauwerk zur Regelung
     des Flutverlaufes, wie es die Engländer in Ägypten bei Assuan
     errichtet haben, brauchten die Franzosen nicht zu bauen, weil der
     Mekong ein riesiges natürliches Regulierungsbecken im _Tonlé-sap_,
     einem See, der die Mitte des Beckens von _Cambodja_ einnimmt,
     besitzt. Bei der Hauptstadt von Cambodja, _Pnom-Penh_, beginnt das
     Mekongdelta mit einem zu diesem See führenden Arm, der während der
     sommerlichen Hochflut des Stromes der Seemulde einen bedeutenden
     Teil des Mekongwassers zuführt, so daß der Tonlé-sap im Sommer von
     110 auf 200 km Länge, von 1 auf 12 m Tiefe und von 3000 auf 25000
     qkm Fläche wächst. Im Herbst, wenn der Mekong fällt, beginnt der
     Tonlé-sap sich wieder zu entleeren und führt Cochinchina im Winter
     die nötige Feuchtigkeit zu. --Ein Netz von Kanälen regelt den
     Zu- und Abfluß des Wassers in der Mekongtiefebene, besonders im
     Delta, das, so groß wie das rechtsrheinische Bayern, flach und
     sumpfig, fast ganz dem Reisbau gewidmet ist.

     Das nw. von Cochinchina angrenzende =Cambodja= ist in seinem
     Hauptteil eine Beckenlandschaft, deren Mittelpunkt der Tonlé-sap
     bildet. Um die Sumpflandschaften in der Umgebung dieses Flachsees,
     die dichte Waldungen mit vielen Kautschuk liefernden Gewächsen
     tragen, reihen sich fruchtbare Reisbaugebiete, die nur in der
     Regenzeit überschwemmt sind. Weiter nach außen folgt eine
     Steppenzone mit Lateritboden und endlich eine niedrige
     Gebirgsumrahmung, die wieder bewaldet ist; sie besteht im SW. aus
     dem Küstengebirge, bis 1000 m hoch, und im N. aus dem
     _Pnom-dangrek_, dem Steilabfall des nördl. gelegenen Plateaus von
     Nieder-Laos.

     Das feuchtheiße _=Klima=_ Cochinchinas ist als sehr wenig günstig
     bekannt. Man unterscheidet auch hier drei Jahreszeiten, die kühle,
     die heiße und die Regenzeit; letztere dauert vom Mai bis zum
     November, solange der SW.-Monsun weht, und erreicht ihren Höhepunkt
     im September; sie bringt täglich Gewitter. Gesundheitlich am
     gefährlichsten ist die Zeit nach der Regenzeit, bis der Boden
     ausgetrocknet ist. Saïgon hat eine mittlere Jahrestemperatur von
     27,4°, am kühlsten ist der Dezember mit 25,4°, am wärmsten der
     April mit 29,3°, die Wärmeschwankung ist also sehr gering.

     Cochinchina umfaßt 57000 qkm mit 2,9 Mill. Einw., Cambodja 175000
     qkm mit 1,2 Mill. Einw. Seine Hauptstadt ist Pnom-Penh, wo der
     König Sisowath residiert. Die Hauptmasse der _=Bevölkerung=_
     Cochinchinas wird von _Anamiten_ gebildet, die als vorzügliche
     Reisbauern, Handwerker und Soldaten gerühmt werden, den ganzen
     Handel jedoch, wie die Siamesen, den Chinesen überlassen haben.

     =Reisen in Indochina.= Beste Zeit ist Dezember bis Februar. Der
     Sommer ist nur an der Küste und im Hochgebirge erträglich. Paß ist
     von Nutzen; chinesische Diener müssen mit Paß versehen sein. Für
     längere Reisen ins Innere sind mehrere Diener nötig, die sorgfältig
     ausgewählt werden müssen; Koch und Dolmetscher der Landessprache
     ist nötig. In Anam verschafft man sich Träger beim Ortsvorstand
     oder Postverwalter. Europäer finden an Orten, wo Gasthäuser fehlen,
     meist im Gemeindehaus Unterkunft. Bei Schwierigkeiten wende man
     sich an die anamitischen Behörden und, wenn nötig, an den
     französischen Residenten. Man reist, wo es keine Pferde gibt, meist
     im Tragsessel oder im Palankin; Sessel ist vorzuziehen. Zur
     Ausrüstung gehören Feldbett, Zelt, Moskitonetz, Medikamente gegen
     Malaria und giftige Stiche, Lebensmittel und Kochgeschirr.
     Unterwegs sind Eier und Geflügel zu haben. Man benutze nach
     Möglichkeit die Flußdampfer.

     =Reiseliteratur=: _Gräfin Montgelas_, Bilder aus Südasien (München
     1906); _Madrolle_, Indo-Chine (Paris 1902).


Saïgon.

Vgl. den Plan S. 180.

     =Ankunft zur See.= Der Dampfer macht an einer Landungsbrücke fest;
     Zolldurchsicht ist streng. Man fährt mit Rikscha in 15 Min. zum
     Gasthof.

[Illustration: Plan von Saïgon.]

     =Gasthöfe=: _Grand Hôtel Continental_, Rue Catinat; 100 Z. 4, F.
     0,75, Déj. 2, Dîn. 3, Pens. von $ 8 an; zu empfehlen. --_De
     l'Univers_, Rue Turc; 70 Z., Dîn. $ 1,50, Pens. $ 4-9.-- _Des
     Nations_, Boulevard Charner, ganz bescheiden.--_Des Colonies_, Rue
     Nationale, nur als Restaurant zu benutzen. =Restaurants=: _Grand
     Hôtel Restaurant de l'Hôtel de Ville_, guter Mittagstisch $
     1,50.--=Cafés= sind viele vorhanden.

     =Post und Telegraph=: Place de la Cathédrale.--=Telephon= im
     Stadtgebiet.

     =Wagen=: Zweispänner und Einspänner (_Malabar_) nach Tarif (Fahrt
     nach _Cholon_ 70 bzw. 50 c.).--=Rikschas= (_Poussepousse_) nach
     Cholon 40 c., hin und zurück mit 1 St. Aufenthalt 80 cents.--
     =Sampans= (Boote) mit zwei Ruderern nach _Cholon_ 40 cents.

     =Dampfstraßenbahn=: Nach (6 km) _Cholon_ zwei Linien, davon eine
     bis (5 km) _Bin-dong_; eine nach (18km) _Hok-mon_ mit Zweiglinien
     nach Da-kao. --=Eisenbahnen=: Von Saïgon über _Cholon_ nach _Mytho_
     71 km; von Saïgon über _Bienhoa_ und _Giaray_ (79 km) nach
     _Tanh-linh_, 132 km, und nach _Phanthiet_ soll an der Küste bis
     _Vinh_ (im nördl. Anam) geführt werden (dann Anschluß bis Yünnanfu
     in China, S. 189).

     =Automobile= werden bei den guten Straßen viel, auch zu Postfahrten
     (z. B. nach _Tay-ninh_ [100 km nw.], nach [23 km] _Bienhoa_ und
     [120 km] _St.-Jacques_) verwendet. Automobile zum Besuch der
     Umgebung sind zu mieten, einschl. Chauffeur $ 30 für den Tag.

     =Dampferagenturen=: _Messageries Maritimes_: de Baillou
     (Tel.-Adresse: Messageries Saïgon).--_Messageries fluviales de
     Cochinchine._--_Norddeutscher Lloyd_: Speidel & Co. (Tel.-Adresse:
     Speidel, Saïgon).

     =Geld.= Amtlich französisches Geld: 1 Fr. =100 Centimes; im
     Landesverkehr ist die Hauptmünze der Dollar (_Piastre_ genannt) zu
     100 cents; vgl. S. 219. Ein Silberdollar etwa = 2 Fr. 15 c. = 1,80
     Mk.--=Banken=: _Banc de l'Indo-Chine_, Korr. der Deutschen
     Bank.--_Hongkong & Shanghai Banking Corporation_, beide am Kai des
     Arroyo chinois, beide Korresp. der Berliner
     Disconto-Gesellschaft.--_Chartered Bank of India, Australia and
     China._

     =Sprache= der Anamiten ist einsilbig, isolierend mit sechs
     Tonakzenten und stark mit chinesischen Lehnwörtern durchsetzt.
     Grammatik von _Dignet_ (Paris 1897) und _Dirr_ (Wien 1894),
     Wörterbuch (anamitisch-französisch) von _Bonet_ (Paris 1899-1900).
     In den Gasthöfen, Bahnhöfen und Agenturen wird Französisch und
     Englisch gesprochen.

     =Theater.= _Théâtre municipal_, französische Truppe, Spielzeit
     Oktober bis April, Vorstellungen am Di. Do. Sa. So., Logenplatz $
     2, Fauteuil $ 1,50.-- _Anamitische Theater_, sehenswert!

     =Militärkonzerte=: Mi. abds. am Boulevard Charner, So. Nm. im
     Jardin de Ville oder Jardin Zoologique.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul
     Reinsdorf.--_Österreich-Ungarn_, Konsul Franz Fischer.--=Deutscher
     Klub.=-- =Polizeiamt=: Ecke Quai du Commerce und Boulevard Charner.

     =Ärzte=: französische Zivil- u. Militärärzte. Großes
     _Militärhospital_.--=Buchhandlungen=: _Schneider_, im Continental
     Hotel; _Rey & Curiol_; _Claude_, die beiden letztern Rue
     Catinat.--=Zeitungen=; _Opinion_; _Courrier Saïgonnais_; _Nam-ky_.
     --=Geschäfte= in der Rue Catinat.

     =Zeiteinteilung=: 1. Tag: Vm. Markt, Stadt und Zoologischer Garten;
     Nm. nach Cholon und zurück.--2. Tag: Ausflüge in die
     Umgebung.--3.-10. Tag (oder länger): Reise über Pnom-penh nach
     Angkor-Thom.

     =Geschichte.= Die anamitische Ortschaft wurde von Chinesen
     besiedelt; 1789-1811 war Saïgon Hauptstadt des anamitischen Kaisers
     Hia-long, der, durch den Taysonsaufstand aus Hué vertrieben, erst
     1811 wieder sein altes Reich eroberte. Seitdem nennen die Anamiten
     die Stadt _Gia-dinh_; 1790 befestigte Oberst Ollivier, ein Franzose
     im Dienste Anams, die Stadt. 1859 nahm Admiral Rigault de Genouilly
     Saïgon, das bis 1902 Hauptstadt Indochinas blieb und wichtiger
     Kriegshafen wurde.

=Saïgon=, Hauptstadt von Cochinchina, liegt nahe dem Ostrande des
Mekongdeltas, 55 km vom Meer entfernt, am r. Ufer des Saïgonflusses,
der im Gegensatz zu den verschlammten Mündungsarmen des Mekong für
Dampfer befahrbar ist, auf 10° 40' nördl. Br. und hat etwa 51000 Einw.,
darunter 5500 Franzosen, 300 andre Europäer und 12000 Chinesen. Die
Stadt ist sorgfältig und geschmackvoll gebaut mit reinlichen Straßen,
der Sumpfboden ist durch Kanäle trockengelegt. Als Hafen dient der
Fluß; Warenschuppen und Kohlenlager der Messageries Maritimes (BC5)
liegen am Südende, die Marinewerft mit großem Trockendock am Nordende
der Stadt. An die Marinewerft grenzt der Zoologische und Botanische
Garten (BC1, 2); letzterer reicht bis zu der großen _Zitadelle_ (mit
europäischen Kasernen; B2). Von der Ostseite der Zitadelle führt
der breite _Boulevard Norodom_ (AB2, 3) zu dem mitten in großem
Park gelegenen _Palast des Gouverneurs_ (A3), hinter dem sich der
_Volkspark_ (A4; _Jardin de Ville_) anschließt. Saïgon hat eine große
_Kathedrale_ (A3) in romanischem Stil, eine Sternwarte, mehrere Schulen
und verschiedene Denkmäler. Das Klima ist für Europäer nicht gesund.
Hauptausfuhr: Reis, gesalzene Fische, Baumwolle, Pfeffer, Gummi, Kopra,
Häute, Felle, Hörner und Kautschuk. Einfuhr: Textilwaren, Maschinen,
Chemikalien u. a. -- _=Rundfahrt.=_ Um das Volksleben kennen zu lernen,
fahre man frühmorgens auf den Markt (B4; _Marché_) in der Nähe des
Arroyo chinois, dann durch die hübschen Anlagen des _Jardin de Ville_;
nördl. von diesem Volkspark liegt das _Collège Chasseloup-Laubat_
(A3), wo Eingeborne als Dolmetscher ausgebildet werden; dann nach
r. um den Park des Gouverneurs herum durch den _Boulevard Norodom_,
vorbei r. am _Denkmal Gambettas_ (A3) und der Kathedrale, l. der
Zitadelle, zum _Botanischen Garten_ (_Jardin Botanique_), der reich an
tropischen Zier- und Nutzpflanzen ist (mit Baumschule und botanischer
Versuchsstation); im daranschließenden _Zoologischen Garten_ (_Jardin
Zoologique_) sind sehr große Königstiger, Leoparden, Bären, Elefanten,
Pelikane sowie Schlangen. Nm. besuche man die Promenaden in der
Umgebung (A1; _Tour de l'Inspection_), wenn man das Villenviertel und
die vornehme Welt Saïgons sehen will.

     =Ausflüge=: 1) Nach der Eingebornenstadt =Cholon=, 5 km sw.
     Dampfstraßenbahn (2 Linien) alle 20 und 30 Min. in 14 Min.;
     Eisenbahn in 9 Min.; oder mit Wagen auf verschiedenen Wegen. Man
     fährt am Arroyo chinois entlang durch die anamitischen Vororte,
     vorher am Hospital von _Choquan_ über mehrere Brücken über den mit
     Sampans und Dschunken besetzten Arroyo (Kanal). -- Ein andrer Weg,
     die »Route stratégique«, führt vorbei an europäischen Gärten sowie
     an chinesischen und anamitischen Gemüsegärten; dann vorüber an den
     Trümmern einer Königspagode bei der _Ferme des Mares_ (einem
     Landgut) und über die _Gräberebene_ (_Plaine des tombeaux_) mit
     vielen Grabhügeln.

     =Cholon= (_Bahnwirtschaft_; _Café de Paris_, Avenue
     Jaccareo.--Juweliere: _Chan Binh_, Rue Gia-long 78; _Ngo Phuoc_,
     Rue des Jardins 47; _Taquang Thanh_, Rue de Canton 80;
     Holzschnitzereien, Möbel mit Perlmuttereinlagen; Stickereien:
     _Duyet-hoa Xuong_, genannt _O-chau_, Rue de Canton 73), Stadt von
     138000 Einw., die wichtigste Gewerbe- und Handelsstadt von
     Cochinchina und Hauptstapelplatz für den Reishandel; von Chinesen
     1780 gegründet, sieht Cholon ganz chinesisch aus, mit chinesischen
     und anamitischen Theatern und buntem Straßenleben sowie mehreren
     Pagoden. Das Drachenfest wird jährlich wie in China sehr
     gefeiert.-- In der Nähe von Cholon liegt die Tonwarenfabrik
     _Caï-maï_.

     2) _=Eisenbahn=_ über (23 km nö.) _Bienhoa_ (am Donnai) nach dem
     800 m hohen, prächtig bewaldeten Berge =Nui-Chuachan=, mit
     Observatorium und landwirtschaftlicher Versuchsstation, unweit des
     derzeitigen Endpunktes der Bahn (Giaray). Man nehme Verpflegung
     mit.

     3) Mit _=Automobil=_: a) Über Bienhoa nach den Wasserfällen des
     _Donnai_, oberhalb _Trian_, 48 km; Mundvorrat mitnehmen.--b) Über
     Bienhoa und _Baria_ (Gasthof) nach _Kap St.-Jacques_ (S. 177), 120
     km.--c) Nach (30 km nördl.) _Thudau mot_ (Gasthof, gute Küche) am
     Saïgonfluß, Hauptstadt der wegen intensiver Tropenkulturen
     bekannten Provinz gleichen Namens.


Seitentour: Von Saïgon über Pnom-Penh nach Angkor-Thom.

Vgl. die Karte auf S. 177.

     Für Weltreisende lohnt der Besuch Saïgons nur, wenn damit eine
     Reise nach Cambodja (beste Zeit November, Dezember, Januar) zum
     Besuch der berühmten _Khmer-Bauten in Angkor-Thom_ verbunden wird.

     Die _Société des Études Indochinoises_, an deren Spitze gebildete
     Franzosen stehen, welche die Reise nach Angkor selbst gemacht haben
     (Adresse im Museum und in der Stadtbibliothek zu erfragen), macht
     sich eine Ehre daraus, den Reisenden mit Auskünften zu helfen. Die
     Dampfergesellschaft _Messageries fluviales_ hat zwei Ausflüge
     eingerichtet (Nr. 1 für 8 Tage zu 350 Fr., Nr. 2 für 12 Tage zu 450
     Fr.) nach folgender

     =Zeiteinteilung=: _=Ausflug für 8 Tage=_: Dampferabfahrt von Saïgon
     Do. abds. (man kann auf eigne Kosten, I. Kl. $ 2,55, II $ 1,70, Fr.
     Nm. mit Bahn ab Saïgon fahren nach [71 km] =Mytho=
     [_Hotelrestaurant Viol_], wichtige Hafenstadt in der Cua
     Tieu-Mündung des Mekong-Deltas mit 6950 Einw.; Ausfuhr von Reis,
     Mais, Tabak und Kopra. In Mytho erreicht man den Dampfer);-- Sa.
     früh Ankunft in Pnom-Penh;-- So. früh ab Pnom-Penh;--Mo. früh an
     Siem-Reap-Mündung, mittags an Angkor-Wat, Tempelbesuch;--Di. früh
     nach Angkor-Thom, Nm. Rückkehr nach Angkor-Wat;--Mi. früh ab
     Angkor, nachts an Pnom-Penh;-- Do. ab Pnom-Penh Vm.;--Fr. früh an
     Saïgon.

     _=Ausflug für 12 Tage=_: Fr., Sa., So. wie vorher;--Mo. Angkor-Wat;
     --Di. Angkor-Thom;--Mi. Preah-Khan; --Do. Ta-Prohm;--Fr. Bat
     Choum;--Sa. Me-Bom etc.;--So. Abfahrt und nachts an Pnom-Penh;
     --Mo. ab Pnom-Penh;--Di. früh an Saïgon. Die Zeiten stimmen gut mit
     den Dampfergelegenheiten nach und von Hongkong und Singapore.

     Die =Khmervölker= bilden den östlichen Zweig der Austroasiaten,
     einer sehr alten Bevölkerungsschicht Südasiens, die im
     Gesichtstypus zwischen den Mongolen und den Malaien steht, aber mit
     keiner dieser beiden Völkergruppen näher verwandt ist. Die heutigen
     Khmer (die Cambodjaner) sind liebenswürdig, friedlich, heiter,
     gastlich, sehr wahrheitsliebend, mit starkem Nationalgefühl, stehen
     aber in ihren wirtschaftlichen Leistungen weit hinter den Anamiten
     zurück. Ihre Ehen meist monogamisch, die Frauen sehr frei; der
     Bräutigam dient um die Braut und lebt im Hause der Eltern der Frau.

     Die Blütezeit ihrer _=Kunst=_ und die Zeit ihrer politischen
     Vormachtstellung liegen weit zurück. Ihre Kunst blühte im 10.-14.
     Jahrh. und war eine Tochter der vorderindischen (neubrahmanischen)
     Kunst; von dieser hat sie die Grundlagen für die bauliche Anordnung
     ihrer Pagoden und Paläste übernommen, diese aber durchaus
     selbständig und glücklich weiterentwickelt, so daß Bauten
     entstanden sind, die sowohl durch die Großartigkeit der
     Gesamtanlage wie die Schönheit der Einzelteile und den reichen
     Schmuck an Bildwerken noch heute als Ruinen unser Staunen wachrufen
     und sehr vorteilhaft von der überladenen neusiamesischen Baukunst
     abstechen. Besonders merkwürdig ist das Durcheinander brahmanischer
     und buddhistischer Darstellungen und Götterbilder in diesen
     Tempeln, die als brahmanische Verehrungsstätten errichtet, aber
     später vom Buddhismus in Besitz genommen worden sind.

     Das _Khmer-Reich_ begründete in der zweiten Hälfte des 1. Jahrh. n.
     Chr. der sagenhafte Held _Preah Thong_ (lebt noch in Volksliedern),
     der die jungfräuliche Königin _Neang_ heiratete.

     Ende des 5. Jahrh. führte _Kambu_, ein indischer oder nach Indien
     verbannt gewesener cambodjanischer Prinz, indische Religion und
     Sitten ein; ihm folgten andre bedeutende Herrscher, deren Reich
     sich auf ganz Hinterindien bis an den Golf von Bengalen und auf die
     Malakkahalbinsel ausdehnte; 811 wurde die prächtige Hauptstadt
     _Angkor-Thom_ eingeweiht, die nach noch vorhandenen chinesischen
     Schilderungen nirgends ihresgleichen gehabt hat. Die Erbauung von
     _Angkor-Wat_ unter König _Suryavarman II._ fällt schon in den
     Beginn des Verfalls (12. Jahrh.); 200jährige blutige Kriege
     zwischen Cambodja und den Thaï (jetzigen Siamesen und Laoten) im
     13.-15. Jahrh. verursachten den Zusammenbruch des Khmer-Reiches,
     dessen Hauptstadt Angkor-Thom 1462 nach dreimaliger Zerstörung
     endgültig verlassen wurde. Die zur Herrschaft gelangten _Thaï_, die
     dem Buddhismus anhingen, machten Angkor-Wat zum buddhistischen
     Heiligtum (ob es im Khmer-Reich nur Tempelstadt oder auch
     Königspalast war, ist zweifelhaft, doch wahrscheinlich). Cambodja
     hütet die alten Überlieferungen des Khmer-Reiches; die alte hohe
     Kultur ist noch überall sichtbar und unterscheidet das
     interessante, noch zu wenig bekannte Land sehr von allen andern
     hinterindischen Ländern.

Von Mytho (s. S. 183) fährt man mit Flußdampfer über _Vinhlong_, hübsche
Niederlassung am r. Ufer, und über _Sadec_, den »Garten von Cochinchina«,
vorbei an Ortschaften in fruchtbaren Niederungen mit bergigem Hinterland
und erreicht

=Pnom-Penh= (_Grand Hôtel_ [Unterbringung im Hotel auf Kosten der
Messageries fluviales. Das Hotel gibt für den Aufenthalt in Angkor einen
Boy als Koch sowie Proviant, Wein und Mineralwasser mit. Zur
Stadtbesichtigung ist 1 Tag Zeit]; _Banque de l'Indo-Chine_, Korresp.
der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Post und
Tel.; viele französische Geschäfte; Agent des Norddeutschen Lloyd:
_Speidel & Co._), Hauptstadt des Königreichs Cambodja mit 46000 Einw.,
darunter 360 Europäer (meist Franzosen), 6800 Chinesen; einige
Stadtteile haben modernen Zuschnitt, im Khmerstil gebaut. Viele
Spielhöllen, von Chinesen geleitet, wo »ba-quan« gespielt wird. Eine große
Allee führt parallel zum Flusse durch die Stadt zum *_Königspalast_, mit
vielen Gebäuden mit Perlmutterornamentik, großem Thronsaal mit
Deckengemälden (Nymphen und Göttinnen). Sehr sehenswert ist das Ballett
der Bajaderen des Königs, mit anmutigen Körperbewegungen von klassischer
Schönheit. Mitten in der Stadt liegt der *_Pnom_, ein Hügel mit einer
986 erbauten Pagode, umgeben von schattigem _Volkspark_ mit Käfigen
wilder Tiere und Vogelhäusern. Prächtige Steintreppe mit Löwen- und
Kriegerfiguren führt zur Pagode, *Aussicht auf Fluß und Umgegend. Modern
sind das _Heiligtum des großen Bonzen_ und der _Königstempel Vaht
Phrakeo_; auch die Leichenverbrennungsstätte ist sehenswert.

Die Fahrt geht von Pnom-Penh in den Ausfluß des _Tonlé-sap_ (S. 179) und
erreicht den großen See bei _Kompong Luong_, dem Landungsplatz für den 6
km westlichern alten Königssitz _Ou-dong_, mit seltsamen Mausoleen und
einem Riesenbuddha sowie mehreren reich mit Figuren, Reliefs etc.
geschmückten Pagoden. Am r. Ufer liegt flußaufwärts das Malaiendorf
_Lo-vek_ und 8 km westl. davon die Ruinen von _Lo-vek_, einer noch
ältern Hauptstadt Cambodjas als Ou-dong. Am NW.-Ende des großen Sees
liegt die Mündung des _Siem-Réap_; dort liegen l. Sampans bereit für
Reisende und Gepäck. Man fährt etwa 4-1/2 St. mit Sampan je nach
Wasserstand den kleinen Fluß hinauf, bis man die Ochsenkarren erreicht,
die den Reisenden zum _Rasthause_ (ganz neu, mit 10 Z. und 14 Betten
sowie Speisesaal) bei _Angkor-Wat_ bringt; Mitnahme von Decken für die
zuweilen sehr kühlen Morgenstunden im Boot ist zu empfehlen. Nm. Besuch
des wenige Schritte vom Rasthaus entfernten, noch gut erhaltenen, von
Prea-ket Mealea im J. 57 n. Chr. erbauten Tempel *=Angkor-Wat=, etwa 3
km nördl. von Siem-Réap; er steht in einem Park, zeigt viele
brahmanische Inschriften, Denkmäler, seltsame Tiergestalten,
Säulenhallen, große Gopuratürme, prächtige Tore etc. Von da Besuch des
Königspalastes von *=Angkor-Thom=, 4 km nördl. vom Rasthaus; er ist von
einem Mauerviereck mit 4 km Seitenlänge umgeben, das fünf Tore mit
Türmen und Terrassen hat; im Innern stehen sonderbare Zeugen der alten
Khmerkunst: der _Bhan-yong_ (_Bayon_), ein mehrstöckiger Hallenbau mit
14 Türen sowie andere fast rätselhafte Bauwerke, die als Paläste und
Tempel dienten. Nach Angkor-Wat wallfahrten jetzt noch zahlreiche
Pilger; die Tempelstätten werden von Priestern gepflegt. Die ganze
Umgegend ist reich an Tempelruinen.

     Die Dampfer fahren noch weiter bis _Battambang_ am Seng-ke; die
     Stadt ist des Handels wegen wichtig, hat auch viele alte Tempel im
     Innern und in der Umgegend.

     Von Pnom-penh nach =Khôn= (276 Seem.) auf dem Mekong aufwärts mit
     Dampfern der »Messageries fluviales« im August bis Dezember in 4
     Tagen, zurück in 18 St. Auf dem obern Mekong Dampfer je nach
     Wasserstand bis _Pak-moun_, dann Bootsfahrt in 15 bis 20 Tagen bis
     _Luang-prabang_ im obern _Laos_. Sehr interessante und
     landschaftlich lohnende Fahrt durch das meist ziemlich enge,
     stellenweise schluchtartige, tief (bis 1000 m) ins Gebirge
     eingesenkte, aber infolgedessen auch ziemlich heiße Mekongtal. Die
     Strombreite wechselt zwischen 1/2 km und 50 m; mehrfach sind
     Stromschnellen zu überwinden. Man treffe Vereinbarungen mit
     den »Messageries fluviales«.


Von Saïgon nach Haïphong und Hanoï.

     =Messageries Maritimes= alle 8 Tage von _Saïgon_ nach _Tourane_ für
     I. Kl. 128, II. 89-1/2 Fr. und weiter nach _Haïphong_ für I. 192,
     II. 140 Fr. Dann 101 km =Eisenbahn= von Haïphong nach _Hanoï_.

     =Anam.= Das unter französischer Oberherrschaft stehende Königreich
     _Anam_, 160000 qkm groß mit 5,5 Mill. Einw., Hauptstadt Hué,
     besteht größtenteils aus Gebirgsland, das im südlichen Teil steil
     unmittelbar zur Küste abfällt und erst von Hué ab nordwärts einer
     schmalen, sehr fruchtbaren Küstenebene Raum läßt. Die etwa 1200 km
     lange Küste von Anam ist der Schiffahrt sehr ungünstig; häufig von
     Stürmen und im Herbst und Winter von starker Brandung heimgesucht,
     bietet sie in ihrem südlichen Teil durch Felsriffe, im nördlichen
     durch Sandbarren der Annäherung von Schiffen gefährliche
     Hindernisse, enthält aber viele gute Häfen, darunter die _Bucht von
     Tourane_; Tourane hat sich schnell zur Hafenstadt für die etwa 80
     km nördl. gelegene Hauptstadt _Hué_ entwickelt, die ihrerseits ihre
     Vorrangstellung der Lage am Südende der Küstenebene und am
     Ausgangspunkte eines bequemen Überganges über das Gebirge hinüber
     nach _Laos_ (Paß von Ailao, 410 m) verdankt. Das Gebirge,
     die »Kordillere« von Anam, erhebt sich durchschnittlich bis 600 oder
     700 m, doch mit einigen Gipfeln auf 2500 m. Es zeigt zwar eine
     Reihe von durch tiefe Täler getrennten Ketten, ist aber
     wahrscheinlich nicht, wie die Gebirgsketten des westlichen Teils
     von Hinterindien, ein Faltungsgebirge, sondern durch Bruchbildung
     entstanden; es besteht meist aus alten und widerstandsfähigen
     Gesteinen und ist gut bewaldet.

     Nordwärts von Hué beherbergt es noch viele Naturvölker. Das
     _=Klima=_ der nördlichem Küstenstrecke Anams weicht von dem
     Cochinchinas ziemlich stark ab; der jährliche Temperaturverlauf ist
     weniger gleichmäßig, der Winter kühler, die heiße Zeit um einige
     Monate verschoben (Hué Jahr 25,4°; Februar 19,7°, Juni und August
     29,5°), die Regenzeit wird nicht vom SW.-Monsun, sondern vom
     NO.-Monsun gebracht und fällt in die Monate September bis Dezember,
     Höhepunkt im Oktober.

Die Seefahrt vom Kap Saint-Jacques (S. 177) längs der Küste von Anam
bietet vom Leuchtturm des Kap _Padaran_ (mit Blitzfeuer von 32 Seem.
Sichtweite) schöne Gebirgslandschaft. Ein sehr schöner Hafen liegt in
der Bucht von _Cam-ranh_, der als Schutz bei stürmischem Wetter dient.
Manche Dampfer laufen den Hafen von _Nha-Trang_ an, in dessen
Laboratorium 1897 Dr. Yersin den Pestbazillus entdeckte. Man passiert
dann _Kap Varella_ mit Leuchtturm und gelangt nach _Quinhone_,
Hafenplatz in einer großen geschützten Bucht; in der Ebene viele
Baudenkmäler der Khmer (S. 183); 18 km nw. liegt die Zitadelle von
_Binh-dinh_ (15000 Einw.). Auf 16° 15' nördl. Breite erreicht man die
schöne Bucht von

=Tourane= (_Tourane Hôtel_ oder _Hôtel Morir_, 40 Z. 4, Ged. 3,50, Pens.
12 Fr.;--_Banque de l'Indo-Chine_, Korr. der Deutschen Bank und der
Berliner Disconto-Gesellschaft); moderne Stadt (vgl. S. 185) mit 4300
Einw. (100 Europäer); Ausfuhrplatz der Kohlengruben von _Nang-Son_;
_=Eisenbahn=_ von hier über _Hué_ nach _Quangtri_, 175 km. Im Volkspark
Skulpturen von Khmerbauten. Der Hafen mit 8 m Wassertiefe liegt 3/4 St.
von der Stadt. Ausflug im Palankin mit Trägern (durch die französische
Residentschaft vorher zu bestellen), die alle 10 km gewechselt werden
(Preis 10 c. für jeden Mann), über den 470 m hohen Bergkamm _Col des
Nuages_ bis (107 km) _Hué_; soll sehr lohnend sein. Schneller gelangt
man mit der _=Eisenbahn=_ (s. S. 185) nach

=Hué= (_Grand Hôtel Guérin Hué_), Hauptstadt des Königreichs Anam, mit
50000 Einw., auf 16° 35' nördl. Br. am l. Ufer des _Huong-giang_ oder
Huéflusses; gegenüber liegt die französische Oberresidentschaft
(_Résidence supérieure_) und ein kleines französisches Viertel.
Sehenswert sind die Königsstadt und die Königsgräber, zur Besichtigung
ist Erlaubnis durch die Residentschaft zu erwirken. Der *_Palast_ des
Königs _Duy-Tan_ ist mit hoher Mauer umgeben, viele Gebäude liegen innen
in Gärten. Die Stadt umgibt die Königsstadt, hat viele Pagoden, Schulen,
Zeughäuser und ist mit Festungsmauern nach Vaubans System umgeben.
Gewerbe und Handel sind unbedeutend. Bahn nach _Hanoï_. Beim Ausflug
nach den *_Königsgräbern_ (1 Tag, Mundvorrat mitnehmen!) fährt man von
Hué im Wagen bis zum Fluß und nimmt hier Sampan zum Besuch der
flußaufwärts gelegenen Gräber (es ist verboten, durch die Mittelpforte
der Mausoleen einzutreten, die nur für den König da ist). Man besichtigt
zuerst das Mausoleum von _Gia-long_, dann das hervorragend schön
gepflegte von *_Minh-mang_ (mit Gärten). Dann zurück zum Wagen und
Besichtigung der interessanten Totenstadt von *_Tu-duc_ in der Nähe von
_Thieu-tri_.

Von Tourane (s. oben) steuert der Dampfer mit NNW.-Kurs durch den Golf
von Tonkin auf die kleine Insel _Hon-dau_ mit Leuchtfeuer zu, die vor
der _Cua-Cam-Mündung_ des Roten Flusses liegt; r. läßt man die
_Norwayinseln_ mit 22 Seem. weit sichtbarem Blitzfeuer, die den großem
Inseln vor der Alongbucht vorgelagert sind. Bei =Do-Son= (_Grand Hôtel_;
_Doson Hôtel_, gut), 22 km so. von Haïphong, ist auf einer Halbinsel ein
hübsches, vielbesuchtes Seebad mit vielen Villen angelegt. In die
Mündung des _Cua-Nam-trieu_, dem neuen Hauptfahrwasser nach Haïphong,
das durch den _Dinh-Vu_-Durchstich mit dem Cua-Cam (oberhalb dessen
Mündung) verbunden ist, können jetzt große Dampfer bis 8,5 m Tiefgang
einsteuern.

=Haïphong=, Stadt mit 27000 Einw., ist der Haupthafen von Tonkin, wie
Saïgon der von Cochinchina ist, und hat in seiner Lage Ähnlichkeit mit
jenem; es liegt nicht im Delta des Hauptflusses von Tonkin, des Roten
Flusses, dessen Mündungsarme zum Teil wie die des Mekong verschlammt
sind, sondern etwas seitlich am Zusammenfluß des _Song Tam-bac_ mit dem
_Cua-Cam_, 37 km vom Meere.

     =Gasthöfe=: _De Commerce._--_De l'Univers_, beide ersten Ranges;
     einfacher _De Marseille_; _De l'Europe_.--=Post u.
     Tel.=--=Telephon= nach Hanoï; Kabel nach Saïgon und
     Hongkong.--=Eisenbahn= nach Hanoï und weiter, vgl. unten.
     --=Dampfer=: _Messageries Maritimes_ nach Saïgon und Marseille;
     _Correspondances fluviales du Tonkin_ nach Hanoï zweimal wöchentl.,
     außerdem nach vielen Plätzen in Tonkin; _Norddeutscher Lloyd_:
     Agent Speidel & Co.-- =Geld=: S. 181.--=Banken=: _Banque de
     l'Indo-Chine_, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der
     Deutschen Bank; _Hongkong Shanghai Banking Corporation_; _Chartered
     Bank of India, Australia and China_ (Agent Speidel & Co.).

     =Sprache=, vgl. S. 181.--=Theater= mit französischer Truppe;
     Societé musicale. --=Ärzte=: _Dr. Forest_; _Mazot_.-- =Apotheken=:
     _Brousmiche_; _Pharmacie Coupard_.--=Buchhandlung=: _Schneider_.
     --=Zeitungen=: _Courrier de Haïphong_ etc.--=Photographen=: _Bonal
     & Co._; _A-kit_, Rue du Commerce 3; _A-dong_, Rue du Commerce 59.

Die Stadt macht europäischen Eindruck; an den Flußufern liegen
Warenschuppen und Schiffswerften, gute Kai-Anlagen und ein Trockendock.
Haïphong ist Ein- und Ausfuhrhafen für Tonkin und die chinesische Provinz
Yünnan, bis zu deren Hauptstadt eine Eisenbahn führt. Deutsche
Frachtdampfer der Hamburg-Amerika Linie und der Reederei Jebsen laufen
Haïphong regelmäßig an. Ausfuhr: Reis, Zinn, Farbhölzer (Gambir), Mais,
Paddy (ungeschälter Reis), Maniok (Manihot), Galmei (Zinkspat), Wolfram.
Außer einem Denkmal Jules Ferrys keine Sehenswürdigkeiten.

     =Ausflug= in die *=Alongbucht= und den *=Faitsilong-Archipel= ist
     sehr lohnend, doch beschwerlich; man fährt am besten mit
     Küstendampfer von Haïphong bis _Hongay_ (kleiner Gasthof) und
     mietet dort einen großen Sampan (mit Schlafgelegenheit); bequemer,
     doch teurer ist das Mieten einer Dampfbarkasse in Haïphong. Zur
     Fahrt ist ein ortskundiger Schiffer unentbehrlich. Thos. Cook's
     Office in Hongkong stellt Heckraddampfer für 2-4tägigen Ausflug von
     Haïphong aus; Kosten nach Zahl der Teilnehmer. Die grotesken
     Felseninseln der Bucht sind Naturwunder größter Sehenswürdigkeit,
     besonders folgende: _Ile de la Surprise_, _Grottes des Merveilles_,
     _le Cirque_, _le Tunnel_ (2 km lange, enge Tropfsteinhöhle, durch
     die man hindurchfährt) und viele andre seltsam geformte, meist
     steile Klippen und Inseln, deren grüne Kalkfelsen mit Orchideen,
     Gräsern und Gebüsch prachtvoll bewachsen ist. Vor der Fahrt
     beschaffe man sich Seekarten der Bucht beim Hafenkapitän in
     Haïphong. Photographien sind in Haïphong und Hanoï zu haben.

_=Eisenbahn=_ nach Hanoï, 101 km in 3 St. 40 Min. für I. $ 7,07, II. $
5,05. Man fährt um Haïphong herum, dann über eine 90 m lange Drehbrücke
durch die Flußniederung vorbei an der Zitadelle von (44 km) _Haïduong_,
Stadt mit 8000 Einw., 25 m hohem Uhrturm und schönem Park; dann über (60
km) _Cam-giang_, (76 km) _Lac-dao_ und (95 km) _Gia-lam_ und über die
prächtige, 1682 m lange Brücke _Pont Doumer_ über den Roten Fluß nach

=Hanoï=, Hauptstadt Indochinas, auch _Kescho_(d. i. Markt) genannt.

     =Gasthöfe=: _Grand Hôtel Métropole_, Boulevard Henri Rivière, gute
     Pens. 15-25 Fr. -- _Hanoï-Hôtel_, Rue Paul Bert. -- _De la Paix_,
     Rue Paul Bert. -- _Du Lac_, Rue Jules Ferry.--=Post u. Tel.=:
     Square Paul Bert. -- =Telephon=, auch nach Haïphong. --
     =Elektrische Straßenbahn= von Place de Négrier nach Bac-moi-phuong,
     _Village du Papier_ und Tan-ap; I. Kl. 5 cents. -- =Eisenbahn=:
     nach _Haïphong_; nach _Lang-son_ und noch 465 km über die
     chinesische Grenze bis Yünnanfu soll zum Yangtse-Tal geführt werden
     (S. 189); nach _Ninh-binh_ im Bau bis Vinh und weiter nach Anam; im
     Bau nach _Sontay_. -- =Dampfer= der _Correspondances fluviales_
     nach Haïphong, Nam-dinh und Laokay. -- =Bank=: _Banque de
     l'Indo-Chine_, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. --
     =Theater=: _Théâtre municipal_, französische Truppe am Boulevard
     Amiral Courbet; chinesisches Theater. -- =Konzerte=: Militärmusik
     Do. abds. Square Paul Bert, So. Nm. im Botanischen Garten; _Société
     philharmonique_. --=Militärhospital.= -- =Buchhandlungen=:
     _Schneider_; _Crébassac_, beide Rue Paul Bert. -- =Zeitungen=:
     _Avenir du Tonkin_; _Indépendance tonkinoise_; _Indo-Chinois_;
     _Tribune_; _Revue indochinoise_.

     =Geschichte.= Hanoï wurde angeblich 767 n. Chr. von Chinesen
     gegründet und lag damals dem Meere ganz nahe, ist ihm aber durch
     Anwachsen des Flußdeltas entrückt worden. 1427 wurde Hanoï durch
     die Le-Dynastie Hauptstadt von Anam und Tonkin. Infolge Vertrags
     von 1874 wurde neben zwei andern Häfen auch Hanoï dem Fremdhandel
     eröffnet und ein französischer Konsul mit militärischer Bedeckung
     in der Stadt zugelassen, die in dem Kriege von 1882 beschossen,
     besetzt und mit Tonkin 1883 unter französisches Protektorat
     gestellt wurde.

     =Tonkin.= Die Ebene des _Roten Flusses_ oder _Songkoi_, dessen
     Mittelpunkt Hanoï bildet, ist nur so groß wie Sachsen oder Baden,
     aber von den Bewohnern mit chinesischem Fleiß bestellt und darum
     sehr volkreich. Die Reisproduktion des Songkoideltas würde freilich
     noch viel bedeutender sein, wenn der Songkoi nicht während seines
     Hochwassers, das seinen Wasserstand um 8-9 m erhöht, häufig
     ausbräche und sich ein neues Bett suchte; auch die Ausbildung des
     die Wasserverteilung im Delta regelnden Kanalnetzes ist infolge
     dieser Unbeständigkeit des Flusses zurückgeblieben.-- Das _=Klima=_
     Tonkins ist insofern dem Cochinchinas ähnlich, als die Regenzeit
     wie dort vom SW.-Monsun gebracht wird und in den Sommer fällt
     (Höhepunkt Juli). Dagegen macht sich die nördlichere Lage im Winter
     schon ziemlich bemerkbar: die Junitemperatur beträgt noch 28,7°,
     aber die Februartemperatur nur noch 16,5°, der mittlere jährl.
     Tiefstand der Temperatur 6,7°.

Die Stadt _Hanoï_, unter 21° 2' nördl. Br. am r. Ufer des Songkoi, 175
km von dessen Mündung, malerisch gelegen, ist terrassenförmig angelegt,
mit breiten, modernen Straßen und hübschen Promenaden, hat schöne
Wohnhäuser, Geschäftshäuser, Villen und große moderne Magazine (Debeaux
frères, Union commerciale indo-chinoise etc.) im europäischen, andre
Häuser aus Stein und Ziegeln im chinesischen Stil. Hanoï ist Sitz des
französischen Generalgouverneurs und Oberresidenten, mit 103188, mit
Nachbarorten 150000 Einw., darunter 2000 Chinesen, 1088 Europäer (ohne
Militär). Die eingeborne Industrie erzeugt Baumwollen- und Seidenstoffe,
schöne Seidenstickereien, Perlmutterarbeiten (Inkrustationen),
Filigranarbeiten aus Gold und Silber, lackierte Waren. Der Handel, meist
in den Händen von Chinesen, neuerdings auch von Europäern, ist
bedeutend; Ausfuhr: Reis, Zuckerrohr, Seide, Mais, Bohnen, Schellack,
Erze. Fahrzeuge können bis Hanoï hinaufgelangen, Boote (in der guten
Jahreszeit auch Dampfschaluppen) bis Laokay. Außerhalb der Stadt liegt
die hohe alte, für den damaligen Herrscher von Anam nach Vaubans System
durch französische Offiziere erbaute Zitadelle mit schöner Pagode,
Wohnungen der Mandarinen, Kasernen, Magazinen, Arsenal, Schatzkammer
etc.--_=Rundfahrt.=_ Morgens besuche man die _Markthallen_ in der
Eingebornenstadt, in der Rue du Riz; dicht dabei, in der Rue des Voiles,
ist die _Pagode des Kriegsgottes Ba Mã_ mit *Bronzestatue auf
Drachenthron. Beim Teich von _Truc-bach_ liegt die *_Pagode des Großen
Buddha_ mit schöner Riesenbronzestatue Buddhas; auch die Pagode der
beiden Schwestern _Trung_ (_Trung-Liet_, zweier tonkinesischer
Jungfrauen von Orléans, die Anam 38 n. Chr. vom chinesischen Joch
befreiten) ist sehenswert. Im Kleinen See (_Petit Lac_) liegt die
*_Pagode de l'île de Jade_ (auch _Ngoc Son_ genannt). Von da fahre man
an der _Kathedrale_ vorbei zum *_Museum_ beim Bahnhof am Boulevard
Gambetta, worin Baudenkmäler der hinterindischen Kunststile gesammelt
sind; in Nebenhallen sind permanente Ausstellungen von Kunst-,
Gewerbe- und Handelsgegenständen. Vor dem Museumsplatz steht am Boulevard
Gambetta ein schönes _Denkmal_ (von Rivière): »Frankreich beschützt
Indochina«.--Nun zum _Botanischen Garten_ (_Jardin Botanique_), in
dessen Mitte der kleine Hügel _Nui-sa_ liegt; oben *Aussicht über Stadt
und Roten Fluß. Außer Pflanzensammlung findet man Käfige mit Tigern,
Hirschen, Vögeln, Schlangen etc.--Neben dem Botanischen Garten liegt in
schönem Park der _Palast des Generalgouverneurs_.--Südl. vom Botanischen
Garten die Lotospagode _Chua Mot-cot_, aus dem 11. Jahrh.-- Die bis zur
Hauptstadt der benachbarten chinesischen Provinz Yünnan seit 1910
fertiggestellte Bahn (s. unten) ermöglicht einen bequemen Besuch des
südwestlichen China.


Von Hanoï nach Yünnanfu.

Vgl. die Karte bei S. 215.

     =Eisenbahn=: Die _Tonkin-Yünnanbahn_ (von der Compagnie française
     de chemin de fer de l'Indochine et du Yunnan erbaut und 1. April
     1910 dem Verkehr übergeben) verbindet die Tiefebene von Tonkin
     durch das großartige Erosionstal des _Songkoi_ (Roter Fluß) mit der
     südwestlichsten chinesischen Provinz _Yünnan_. Wegen der prächtigen
     Naturbilder und der zahlreichen kühnen Bauwerke dieser Gebirgsbahn
     ist ihre Befahrung zu empfehlen trotz zurzeit noch vorkommender
     Betriebsstörungen. [Hand] Über Fahrzeiten, Fahrpreise, Unterkunft
     etc. erkundige man sich in Hanoï oder Haïphong.

     Den größern Ostteil der =chinesischen Provinz Yünnan= bildet ein im
     Mittel 2000 m hohes, von Gebirgszügen überragtes Kalksteinhochland,
     das wegen seiner Wasserarmut eine ziemlich dürftige Vegetation hat;
     die Bergzüge tragen jedoch vielfach Laub- und Nadelwälder. Die
     Talmulden sind teilweise mit rotem Ton, den Zersetzungsprodukten
     des Kalksteins, ausgekleidet und zuweilen von Seen eingenommen.
     --Das _=Klima=_ soll für Europäer angenehm sein.
     --Die _=Bevölkerungszahl=_ beträgt nur 12 Mill., darunter einige
     beinahe unabhängige Stämme der Ureinwohner (_Lolo_ und _Lissu_).
     Etwa ein Drittel der Bewohner sind Mohammedaner (_Panthoi_ oder
     _Choitsu_), die nichtchinesischer Herkunft, aber stark mit Chinesen
     vermischt sind. Letztere machen die Hauptmasse der Bevölkerung aus.
     Infolge seiner Abgelegenheit sind in Yünnan besonders häufig
     Aufstände gegen die Zentralregierung erfolgt, zuletzt der große
     Mohammedaneraufstand 1853-72.-- Der Hauptreichtum des Landes liegt
     in seinen _=Bodenschätzen=_, vor allem Zinn, Zink, Kupfer, Silber,
     Gold, Kohlen und Salz sowie Edel- und Halbedelsteine (Rubine,
     Saphire, Jade, Jadeit, Nephrit). Durch den Bau der Yünnanbahn haben
     sich die Franzosen die Ausbeutung dieser Erzlager gesichert
     (englisch-französisches Bergwerkssyndikat). Der Westteil Yünnans
     steht durch Tragtierkarawanen in regem Handelsverkehr mit Birma und
     Siam, der Nordteil mit Suifu am Yangtse (S. 254).

Von _Hanoï_ (S. 188) über eine große Eisenbahnbrücke auf das l. Ufer des
_Songkoi_ und durch den obersten Teil der angebauten Deltaebene bis zur
Austrittsstelle des Songkoi aus dem Gebirge. Das Tal des Mittellaufes
des Flusses ist 1000-1200 m tief in das regenreiche Gebirgsland von
Obertonkin eingeschnitten und größtenteils mit Urwald bedeckt, der
zahlreiches Wild birgt; der Strom ist trotz mancher Stromschnellen in
der Regenzeit (Sommer) mit großen Schiffen aufwärts bis Laokay zu
befahren. Die Bahn folgt dem Songkoital bis

(296 km) =Laokay=, dem französischen Grenzort, an der Mündung des
Bergflusses Namti in den Songkoi; wichtiger Handelsplatz; kleine
Zitadelle, erzreiche Umgebung.--Über den _Namtifluß_ nach dem
chinesischen Grenzort _Hokeon_ (d. h. Flußmündung). Dann beginnt der 180
km lange Aufstieg zum Hochlande von Yünnan, im Tale des Namti aufwärts,
mit Hilfe von 78 Tunneln und 123 Brücken, davon 24 Tunnel und eine
zwischen zwei Tunnel eingeschaltete Brücke auf einer 15 km langen
Strecke (Boucle, Schleife), die zur Überwindung eines Talkessels dient,
bis--(476 km) _Möngtse_ (1370 m), Stadt mit etwa 12000 Einw., seit 1889
dem Fremdenhandel geöffnet; in der Umgebung Zinn-, Silber- und
Bleibergwerke. Weiter nordwestwärts wieder über zahlreiche Brücken und
Tunnel über _Tschikai_ und die Kreishauptstadt _Lin-ngan_ (1380 m),
sodann über einen Gebirgszug ins Tal des _Holiukiang_, des
Hauptquellflusses des Hsikiang (S. 254), und in diesem aufwärts auf die
Hochfläche von _Hsin-hsing_ (1643 m), zuletzt um den See _Tienschi_
(1950 m) herum nach

(773 km) =Yünnanfu= (1960 m), Hauptstadt der Provinz Yünnan und Amtssitz
des Generalgouverneurs von Yünkwei (Provinzen Yünnan und Kweitschou);
Missionsstation, Telegraph nach Tschungking (S. 263) und weiter nach
Mittelchina sowie nach Birma; berühmte Seidenstoffe und Teppiche.



10. Von Singapore nach Batavia. Die Insel Java.

Vgl. den Karton auf der Karte von »Hinterindien« bei S. 155.


     =Koninklijke Paketvaart Maatschappij=: Von _Singapore_ innerhalb 24
     St. nach Ankunft des Reichspostdampfers des Norddeutschen Lloyd aus
     Europa nach _Batavia_. Außerdem wöchentlich ein Dampfer direkt von
     _Singapore_ nach _Batavia_ in 2 Tagen. Rundreisekarten
     Singapore-Batavia-Soerabaja-Singapore I. $ 90, II. $ 54.

     =Stoomvaart Maatschappij Nederland= alle 14 Tage von _Singapore_
     nach _Batavia_ in 2 Tagen.

     =Messageries Maritimes= alle 14 Tage im Anschluß an die
     ostasiatische Hauptlinie von Europa, in 2 Tagen von _Singapore_
     nach _Batavia_.

Die Fahrt von Singapore nach Batavia führt durch die Riouwstraße
zwischen den Inseln _Batam_ r. und _Bintang_ l., passiert dann die
»Linie« (den Äquator), zuweilen durch »Linientaufe« (Fest der
Schiffsbesatzung mit Begießung von Wasser äußerlich und Rum innerlich)
gefeiert, und geht an bewaldeten Inseln des _Riouw-_ und _Lingga-
Archipels_ mit südlichem Kurs meist durch die schmale _Bangkastraße_,
zuweilen zwischen den Inseln Bangka und Billiton durch die
_Gasparstraße_. Die Zinninsel _Bangka_ ist flach mit etwa 700 m hohen
Bergen, ihr Hauptort _Muntok_ am Westende wird von Dampfern angelaufen.
_Billiton_ (_Blitong_) ist ebenfalls bergig, bis 600 m hoch und reich an
Zinn und Eisen; der Hauptort _Tandjong-Pandang_ liegt an der Westküste.
Bei der Ansteuerung der Bataviabai ist der weiße Leuchtturm auf einer
kleinen Insel auffällig; die Küste ist flach, die hohen Berge des
Hinterlandes geben ein prächtiges Bild, sind aber häufig im Dunst
verdeckt.


Die Insel Java.

Vgl. die Karte bei S. 155.

     =Java=, die kleinste, aber wichtigste der Großen Sundainseln, ist
     der reiche und stark bevölkerte Hauptsitz des
     _niederländisch-ostindischen Kolonialreiches_, das insgesamt 1,9
     Mill. qkm (das 3-1/2fache des Deutschen Reiches) umfaßt, aber nur
     38 Mill. Einw. zählt. Der Besuch Javas ist äußerst lohnend wegen
     der reichen tropischen Pflanzen- und Tierwelt, der zahlreichen
     Vulkane, der interessanten, freundlichen Bevölkerung, der
     buddhistischen und brahmanischen Denkmäler und des Charakters der
     Insel als einer ungewöhnlich blühenden tropischen
     Pflanzungskolonie. Die gute niederländische Verwaltung hat dafür
     gesorgt, daß die ganze Insel bequem und gefahrlos bereist werden
     kann.

     Die Insel erstreckt sich von der Sundastraße im W. in 1060 km Länge
     bei 70-200 km Breite bis zur Balistraße im O. und ist mit
     Nebeninseln, Madoera etc., 131500 qkm groß. Bis zur jüngern
     Tertiärzeit befand sich an der Stelle von Java wahrscheinlich eine
     Gruppe von kleinern Inseln; dann begannen an zahlreichen Stellen
     vulkanische Ausbrüche, deren Auswurfsmassen (meist Schlamm und
     Asche, wenig Lava) den Archipel zu der heutigen langgestreckten
     Insel zusammenschweißten. So zeigt das heutige Java ein etwa 1000
     km langes Gebirgsrückgrat, dem zahlreiche Vulkankegel aufgesetzt
     sind; gegen die Nordküste senkt es sich zu einem hügeligen
     Flachlande, das sich von der Ebene Ostsumatras (S. 157) durch die
     geringe Ausdehnung des Sumpflandes sehr vorteilhaft unterscheidet.
     Der Landschaftscharakter wird, namentlich im Südteile der Insel,
     ganz von den _=Vulkangipfeln=_ beherrscht; es gibt ihrer weit über
     100, von denen fünf noch in jüngster Zeit tätig waren, während
     viele andre wohl nur scheinbar erloschen sind. Sie ordnen sich in
     einer Längsreihe und mehreren Querreihen an. Die Höhe der Vulkane
     ist sehr verschieden; 45 von ihnen sind höher als 2000 m, am
     höchsten ist der _Semeroe_ mit 3680 m. Sie zeigen meist nicht
     Spitzkegel-, sondern mehr Flachkegelform, ihre Krateröffnungen
     haben teilweise mehrere Kilometer Durchmesser, und ihre Abhänge
     sind von regelmäßig angeordneten Regenrinnen zerfurcht und förmlich
     gerippt.

     Das =Klima= ist entsprechend der Nähe des Äquators und der
     Inselnatur des Landes äußerst gleichmäßig. Die mittlere
     Jahrestemperatur von Batavia beträgt 26°, von der die höchste und
     die niedrigste durchschnittlich im Jahr vorkommende Temperatur nur
     um je 6,5° abweichen. Es gibt demzufolge nur zwei Jahreszeiten, die
     feuchte und die trockne, die auf den beiden Längsseiten der Insel
     entgegengesetzt sind: auf der Nordseite fällt die Regenzeit in
     unsern Winter (Dezember bis Februar), die Zeit des NW.-Monsuns, auf
     der Südseite in unsern Sommer (April bis Oktober), die Zeit des
     SO.-Monsuns; letzterer liefert bedeutend mehr Feuchtigkeit. Das
     Innere hat keine ausgeprägte Regen- und Trockenzeit. Im Hochland
     entsprechen die Temperaturen etwa den Mai- und Junitemperaturen in
     Süddeutschland: Tosari, 1780 m hoch, hat 16° Jahrestemperatur, als
     kältesten Monat den August mit 15°, als wärmsten den Januar mit 17°
     (in dieser Umkehr des jährlichen Temperaturganges offenbart sich
     die Lage auf der Südhalbkugel der Erde!). Das Klima des Hochlandes
     ist für den Europäer durchaus zuträglich, nur das des feuchtheißen,
     fiebergeschwängerten Küstenstrichs (also auch der Städte Soerabaja
     und Batavia) ist gefährlich.

     Die =Pflanzendecke= ist infolge der beständigen feuchten Wärme und
     der Regenfälle sehr üppig und läßt sich in den Mangroven- und
     Sumpfgürtel der Küste, die Flachlandvegetation, in der besonders
     Palmen und Bambus hervortreten, den tropischen Regenwald der untern
     Berghänge, den tropischen Gebirgswald und die Strauchvegetation der
     höchsten Gipfel gliedern. Ein nicht geringer Teil des Waldgebiets
     wird von Savannen eingenommen, die mit mannshohem _Alang-Alanggras_
     bestanden sind. Ein großer Teil des ganzen Landes ist in
     Kulturland, Reisfelder der Eingebornen und Pflanzungen der
     Europäer, verwandelt.

     Die =Tierwelt= Javas weicht von der des hinterindischen Festlandes
     und Sumatras schon ziemlich stark ab. Zwar beherbergt die Insel
     noch den Tiger, das Nashorn und den Gibbonaffen, aber der Elefant,
     der Tapir, der Orang-Utan und der schöne Argusfasan fehlen ihr.
     Trotzdem ist die Fauna noch sehr reich, besonders an Affen, Vögeln
     (Pfau, Nashornvögel etc.) und prächtigen Schmetterlingen. Andre
     bekannte Bewohner der Insel sind Fliegende Hunde, Panther, wilde
     Hunde (Canis rutilans), Banteng (Bos banteng), Wildschweine (Sus
     ritlatus und verruccosus), Hirsche, sehr viele Schlangen, darunter
     Pytons, Eidechsen, Leistenkrokodile und Kaimane.

     Die =Bevölkerung= Javas beträgt (1905) etwa 30 Mill. (darunter
     65000 Europäer und Mischlinge, 300000 Chinesen und 19000 Araber)
     und ist mit 229 auf 1 qkm beinahe doppelt so dicht wie im Deutschen
     Reiche (vgl. S. 20); dabei ist etwa ein Fünftel der Insel
     (Küstensümpfe, Alangsteppen, Bergwälder) noch Wildnis, und
     Großstädte gibt es nur drei. Die Hauptmasse der Bevölkerung besteht
     aus _Malaien_ und sondert sich in zwei verschiedensprachige
     Hauptgruppen, die _Sundanesen_ im W. der Insel, klein (1,57 m),
     untersetzt, kräftig, mit groben Gesichtszügen, und die etwas
     größern (1,61 m), feiner gebauten, hübschern _Javaner_ im O., zu
     denen man auch die Bewohner der Nachbarinseln Madoera und Bali
     rechnet. Die Malaienbevölkerung Javas ist freundlich, bescheiden
     und unterwürfig, willig, aber nicht ausdauernd im Fleiß und für
     größere Anstrengungen ungeeignet und läßt sich von den eingebornen
     Fürsten und den Holländern völlig leiten; die natürliche Hinterlist
     und Rachsucht der Malaien kommt verhältnismäßig wenig zum
     Durchbruch. Die eigne Kultur der Malaien ist nicht gering, freilich
     auch von Vorderindien aus seit alters stark beeinflußt. Hausgewerbe
     sind Weberei und das _Batiken_, bei dem man weiße Arabesken und
     andre Muster auf farbigem Stoff dadurch erzeugt, daß man die
     Stellen, die weiß bleiben sollen, durch Aufgießen von Wachs vor dem
     Gefärbtwerden schützt. Hauptbekleidungsstück ist der _Sarong_, ein
     um den Unterkörper geschlagenes Tuch. Bei der Herstellung der auf
     Pfählen errichteten Häuser und der Gerätschaften finden Bambus und
     Rotangstricke die vielseitigste Verwendung. Unter den Vergnügungen
     spielen _Hahnen- und andre Tierkämpfe_ sowie _Schatten- und
     Puppenspiele_ (Wajang), in denen unter Orchesterbegleitung
     namentlich Szenen aus alten Heldenepen aufgeführt werden, die
     Hauptrolle. Hauptnahrungspflanze ist der Reis; seine Kultur erfolgt
     mit Hilfe des Wasserbüffels von den kleinen weilerartigen Dörfern
     (Kampongs) aus, die mit allerlei Fruchtbäumen (Kokos-,
     Areka-[Betelnuß-] und Sagopalmen) umpflanzt sind.

     Unter der fremden Bevölkerung spielen außer den Europäern die
     _Chinesen_ und die _Araber_ die Hauptrollen. Erstere betätigen sich
     als Großkaufleute und Pflanzer, vor allem aber als Kleinhändler.
     Die Araber spielen als Wucherer, religiöse Fanatiker und
     Unruhestifter eine sehr unliebsame Rolle. Die _Europäer_ sind als
     Beamte, Soldaten, Kaufleute und Pflanzer auf der Insel. Der
     europäische _=Plantagenbau=_ steht in hoher Blüte und liefert für
     den Welthandel mannigfaltige Produkte, deren Zahl von den in
     Buitenzorg und Boeboelat bestehenden botanischen Gärten und
     Versuchsstationen noch immer zu erhöhen gesucht wird. Die
     Hauptkulturen liefern für den Welthandel Kaffee (besonders im
     trocknen Osten), Tee (viel, aber nicht gut), Kakao, Zimt, Zucker
     (aus den Zuckerrohrpflanzungen der östl. Ebene), Pfeffer, Reis,
     Kopra, Indigo, Cochenille, Tabak (in Mitteljava), Chinarinde (im
     feuchten Gebirgslande Westjavas) etc. Monopol der Regierung sind:
     Seesalzgewinnung, Sammeln der eßbaren Schwalbennester,
     Opiumverkauf, Pfandhäuser, dann Teakholzschläge der Tectona grandis
     in den Staatsforsten (Djattiwälder).

     Die =Industrie= umfaßt viele Reismühlen und Zuckerfabriken, eine
     Chininfabrik, eine Petroleumraffinerie, Arrakbrennereien, Seifen-,
     Eis- und Mineralwasserfabriken und 52 Druckereien. _=Eisenbahnen=_
     sind auf Java (1909) 4200 km (einschließlich Nebenbahnen) im
     Betrieb.

     =Verwaltung.= Die Insel Java ist in 23 Residentschaften geteilt. An
     der Spitze jeder Residentschaft steht ein mit großer
     Machtvollkommenheit ausgestatteter Resident mit
     Assistent-Residenten und Kontrolleuren, sämtlich Niederländer,
     dagegen sind die Vorsteher der Regentschaften, Distrikte und Dessa
     (Gemeindebezirke, aus mehreren Kampongs bestehend) angesehene
     Eingeborne, von denen die der beiden ersten von der Regierung
     ernannt, die der letzten von den Gemeinden gewählt und vom
     Residenten bestätigt werden.

     In den beiden »Fürstenländern« Soerakarta und Djokjakarta regieren
     einheimische Fürsten unter Oberaufsicht des Residenten. Der
     Landbesitz einer Dessa ist Gesamteigentum der Gemeinde und wird
     jährlich neu verteilt. Jeder Grundbesitzer hat Grundsteuer zu
     entrichten und Frondienste zu leisten.

     =Geschichte.= Java erscheint schon bei seinem ersten Auftreten in
     der Geschichte (um 100-200 n. Chr.) als hochkultiviertes Land.
     Später wanderten aus Nordindien _Hindu_ ein, die zwar als Rasse
     nicht bestehen blieben, sondern in den Malaien aufgingen; aber sie
     beeinflußten die Kultur und besonders die religiösen Verhältnisse
     sehr stark und gewannen auch vielfach die politische Herrschaft.
     Noch heute gehören die Ruinen sowohl der buddhistischen
     (Boro-Boedoer; S. 206) wie der brahmanischen religiösen Bauwerke
     mit zu den schönsten Beispielen indischer Bauweise. Politisch
     zerfiel die Insel in eine Reihe von Hindureichen. Bis Ende des 15.
     Jahrh. war das mächtigste Reich das von _Madjapahit_. Um 1400 wurde
     von arabischen Kaufleuten der Islam eingeführt; Mohammedaner
     gründeten die Reiche _Bantam_ und _Mataram_ und eroberten
     Madjapahit um 1480. Bei Ankunft der Europäer auf Java bestanden
     hauptsächlich die Reiche _Bantam_, _Jakatra_, _Tscheribon_ und
     später _Mataram_, das mächtigste von allen. Um 1520 hatten die
     Portugiesen Handelsverbindungen mit den Eingebornen angeknüpft;
     aber 1596 erschienen die Holländer, verdrängten die Portugiesen und
     siedelten sich an. Sie bemächtigten sich Jakatras, erbauten 1619
     Batavia, wußten die einheimischen Fürsten durch Zwiespalt zu
     schwächen und zu unterwerfen und verjagten auch die Engländer, die
     ebenfalls Kolonisationsversuche gemacht hatten. 1684 nötigten sie
     den Sultan von Bantam, ihnen seine Hauptstadt einzuräumen; um 1700
     wurde Tscheribon unterworfen, und 1742 ward Bantam ein Lehen der
     Holländisch-Ostindischen Kompanie. Vom Kaiser von Mataram gegen die
     Makassaren und Maduresen zu Hilfe gerufen, zwangen ihn die
     Holländer in ein Lehnsverhältnis. 1755 teilten sie das Reich in
     zwei Hälften, deren eine sie dem rechtmäßigen Erben gaben, der nun
     den Titel _Susuhunan_ führte, während sie über die andre einen
     Seitenverwandten des Kaisers mit dem Titel _Sultan_ setzten. Die
     Fürsten wurden in strengster Abhängigkeit erhalten und mußten an
     ihren Höfen holländische Residenten aufnehmen, auch dulden, daß
     die Holländer bei ihrer Residenz ein Fort besetzt hielten. 1811
     kam die Insel in den Besitz der Engländer. Nach dem Pariser Frieden
     erhielten die Holländer 1815 Java zurück. Eine der gefährlichsten
     Erhebungen war die 1825 von Diepo-Negoro; 1846, 1848-49 und 1908
     mußten gegen die benachbarte Insel Bali Kriegszüge unternommen
     werden.

     =Literatur=: _J. Veth_, Java, geographisch, ethnologisch,
     historisch (Haarlem 1896-1903); _J. Giesenhagen_, Auf Java und
     Sumatra. Streifzüge und Forschungsreisen im Lande der Malaien
     (Leipzig 1901); _Haeckel_, Aus Insulinde (Leipzig 1908).


Reisen in Niederländisch-Indien.

Beste =Reisezeit= ist Mai und Juni.

=Ausrüstung.= Reiseanzug im Gebirge wie in Deutschland, da die Nächte
kalt und der Witterungswechsel oft schroff ist. An der Küste und in der
Ebene ist Tropenausrüstung unentbehrlich, dazu Gesichtsschleier,
baumwollenes Unterzeug, reichlich Wäsche, seidene oder leinene
Jackettanzüge, dazu Tropenhelm. Abends trägt man in den Klubs und ersten
Hotels geschlossene weiße Anzüge; für Festlichkeiten leichter Frackanzug
ohne Futtereinlagen. Pyjamas und Sarong. In den Hauptplätzen auf Java
kann man jede Ausrüstung zu mäßigen Preisen beschaffen. Weiße Anzüge in
Singapore $ 2-1/2, in Batavia beim europäischen Schneider 8-10 Fl., beim
Chinesen 6 Fl., in 24 St. herstellbar. Verpackung der Vorräte muß gegen
Feuchtigkeit und Kakerlaken schützen, also am besten in Blechbüchsen.

=Geld= wie in den Niederlanden, 1 _Silbergulden_ (Fl.) etwa = 1,70 Mk.
= 100 _cents_ oder 10 _dubbeltjes_. -- _=Goldmünzen=_: 10-Guldenstücke.
-- _=Silbermünzen=_: _Rijksdaalder_ = 2-1/2 Fl., _gulden_ = 1
Fl., _halve gulden_ = 1/2 Fl., _kwartgulden, kwartje_ = 1/4 Fl.,
_dubbeltje_ = 1/10 Fl. -- _=Kupfermünzen=_: 2-1/2, 1 und 1/2 cent. --
_=Banknoten=_ der Niederländisch-Indischen Regierung und der Javasche
Bank sind vollwertig, Banknoten des Mutterlandes (Niederlande) gelten
etwas geringer. Falsche Rijksdaalder, Gulden und 1/2-Guldenstücke sind
häufig!

=Verkehrssprache=: Für die niederländisch-indischen Namen beachte
man, daß _oe_ = u im Deutschen, _ou_ = au, _ui_ = eu, _ij_ = e-i; für
Kenner des Plattdeutschen macht das Holländische keine allzu großen
Schwierigkeiten; die gebildeten Holländer verstehen meist Deutsch.
-- Die _=javanische Sprache=_, die von der Bevölkerung Mittel- und
Ostjavas (im W. der Insel spricht man Sundanesisch, im O. viel
Maduresisch), d. h. von etwa 18 Mill. Menschen gesprochen wird, ist
ein Zweig des malaiisch-polynesischen Sprachstammes. Sie ist die
Tochter der altjavanischen oder sogen. _Kawisprache_ und enthält
viele Lehnwörter aus dem Sanskrit. In der Umgangssprache ist der
Unterschied zwischen der vertraulichen und der höflichen Rede ungemein
scharf ausgeprägt. Die _=javanische Schrift=_ hat sich entwickelt
aus der alten Kawischrift, die einer altertümlichen indischen
Schrift entstammt. Die beste Grammatik des Javanischen ist _T.
Roordas_ »Javaansche grammatika« (Amsterd. 1855), in kürzerer Fassung
desselben »Beknopte javaansche grammatika« (das. 1875, 4. Aufl. 1893),
Javanisch-Niederländisches Wörterbuch, ebenfalls von _T. Roorda_.
»Praktische Grammatik der javanischen Sprache« von _Bohatta_ (Wien).
-- Im Verkehr ist die _=malaiische Sprache=_ sehr üblich (s. unter
Singapore, S. 167); ein sehr nützlicher Sprachführer ist für Deutsche:
_Hüttenbach_, Anleitung zur Erlernung der malaiischen Sprache (Verlag
von J. Haltermann, Medan-Delhi, S. 158, Sumatra), auch in Batavia zu
haben, Preis 1 Fl.

=Lebensweise= vorsichtig wie in Indien (s. S. 51). Märsche, Ritte nur
morgens anzuraten; in der heißesten Tageszeit bleibe man im Hause oder
ruhe im Schatten. Bad morgens und nach Bedarf nachmittags.

[Illustration: BATAVIA.]

     =Gasthöfe= gibt es jetzt auch in den kleinern Städten, sie sind
     meist recht gut, mit luftigen Zimmern, vorzüglichen Betten,
     Moskitonetzen. Empfohlen wird telegraphische Bestellung der Zimmer
     (nach kurzem Code des Touristenbureaus). -- Die über das Land
     verteilten staatlichen =Rasthäuser= (ähnlich den brit.-ind. Dâk
     Bungalows), die sogen. Pesanggráhans, dienen nur den niederländ.
     Staatsbeamten und sind von Reisenden nur mit Erlaubnis der
     Provinzregierung zu benutzen.

     =Eisenbahnen= (staatlich) sind in I. Klasse bequem und sauber,
     größere Bahnhöfe mit guten Wirtschaften, auf kleinern sind stets
     Früchte zu haben. (Man reist viel angenehmer als in Indien!) Nachts
     fahren keine Züge. Europäer benutzen auf Java auch die II. Klasse;
     in einigen Zügen Speisewagen. Freigepäck 30 kg, Handgepäck darf nur
     20 kg wiegen.

     =Führer= für Niederländisch-Indien: »Guide through Netherlands
     India of the Royal Packet Company«, herausgegeben von der
     Koninklijke Paketvaart Maatschappij (Amsterdam 1903).

     =Touristenbureau= in Weltevreden (Batavia) und Rijswijk, Gang Pool,
     gibt freie Auskunft, verschafft Karten und Fahrpläne (Sprechzeit
     7-1/2-1 u. 4-1/2-7-1/2 Uhr), gibt auch den Reiseführer »_Trips in
     the Isle of Java_« heraus.

     =Paß.= Zum Reisen auf Java ist eine vom Residenten auszustellende
     »_Toelatingskaart_« erforderlich. Das Touristenbureau (s. oben)
     soll ermächtigt sein, diese Karte sofort auf Wunsch auszustellen.
     Für Reisen auf Sumatra, Borneo, Molukken, Celebes ist
     Reiseerlaubnis nötig, die vom Justizdepartement ausgestellt wird
     und durch das deutsche Generalkonsulat zu beschaffen ist.


Batavia.

Vgl. den Lageplan S. 196 und den beifolgenden Stadtplan.

     =Ankunft zur See.= Die meisten Dampfer laufen in den durch zwei
     lange Molen geschützten Hafen von _Tandjong-Priok_ ein, der etwa 9
     km östl. vom alten Hafenkanal vor der Stadt Batavia liegt. Aber
     auch die Bai von Batavia, in der die größten Dampfer und Segler mit
     feuergefährlicher Ladung ankern, ist durch Riffe und Inseln gut
     gegen Seegang geschützt; von den Dampfern auf der Reede gelangt man
     mit Dampfbarkassen zum Hafen. Die Dampfer der Koninklijke
     Paketvaart-Maatschappij, überhaupt alle Passagierdampfer, machen
     stets dicht am Kai im Hafen fest. Gepäck-Kulis erhalten 10 cents
     für jedes Stück; zunächst etwas umständliche (aber loyale)
     Zolluntersuchung im Zollamt (Zoll 6 Proz. vom Wert). Zur Einfuhr
     von Waffen bedarf es einer vorherigen Erlaubnis des Residenten.
     Gezogene Gewehre unter 9-1/2 mm Kaliber und ebensolche
     Repetierpistolen dürfen nur mit Erlaubnis des Generalgouverneurs
     eingeführt werden, deshalb empfiehlt es sich, solche größern
     Kalibers mitzunehmen. --Der Bahnhof zur Fahrt nach Batavia liegt
     neben dem Zollamt. Man kann sich telephonisch Gasthofswagen zum
     Bahnhof _Noordwijk_ in _Weltevreden_ bestellen; dann nehme man
     Fahrkarte bis dahin; nach 20 Min. umsteigen in Stat. _Batavia_, in
     der Unterstadt. Wer in _Alt-Batavia_ zunächst Geschäfte hat
     (Geldwechseln), steige schon da aus. Neuerdings ist Weltevreden
     direkt mit Tandjong-Priok durch Bahn verbunden; man nimmt
     Fahrkarten bis Stat. _Kemajoran_ in Weltevreden.

     =Gasthöfe= liegen in Weltevreden; _Hôtel der Nederlanden_
     (deutscher Bes. Merten) in Rijswijk, in bester Lage (Pl. 1, B4),
     empfohlen; 100 Z., Pens. 6-10 Fl.; stellt Auto.--_Hôtel des Indes_
     (Pl. 2, B4), Molenvliet; 150 Z., gut, gelobt, Pens. von 6 Fl.
     an.--_Grand Hôtel Java_ (G. G. Lion), Rijswijk (Pl. 3, B4) bei
     Stat. Noordwijk; 70 Z., F. 1, Lunch 1,50, Din. 2, Pens. 6
     Fl.--_Hôtel Wisse_ (Pl. 4, B4), Noordwijk, Ecke Molenvliet.
     --Bescheidener: _Hôtel Ort_ (Pl. 5, B4), Molenvliet; Z. 2,50-4 Fl.
     Überall Pension tägl. von 6 Fl. an, bei längerm Aufenthalt
     billiger; Deutsch wird meist gesprochen. Neben europäischem
     Gabelfrühstück die gute »_Reistafel_«, Curryreis mit vielen scharfen
     Zutaten: Huhn, Fisch, Gemüse, Früchte etc., sehr gesund und
     nahrhaft.

     =Pensionen=: _Tramzicht_; _Weltevreden_; _Molenvliet_; alle in
     Molenvliet Ost.

     =Restaurant=: _Restaurant-Hôtel der Nederlanden_ in der
     Benedenstad.

     =Post=: In der Benedenstad, nahe Stat. Batavia, in
     Binnen-Nieuwpoortstraat (A2); in Weltevreden, Schoolweg, neben dem
     Theater und auf Rijswijk, Tanah abang, nahe Klub Harmonie, geöffnet
     8-6 Uhr, an Posttagen bis 8 Uhr abds. Poste restante-Briefe gehen
     zum Postamt Weltevreden.-- =Telegraph= im Postamt. Kabel nach
     Singapore, Banka und über Billiton nach Borneo.--=Telephon= in
     allen Gasthöfen; öffentliches Amt in Kali Besar Unterstadt.

     =Wagen=: _Sádo_ (aus: dos-à-dos); auch gedeckte Wagen (_ebro_ und
     _ropo_), 1 St. 1 Fl.; Sänften (_planki_) nur in der Unterstadt.
     --Gasthofswagen.

     =Automobile= stellen Hotel der Nederlanden, Hotel des Indes, Hotel
     Wisse, ferner »_Het Centrum_« (Noordwijk) und _Fuchs_ (Parapatan und
     Tanah abang).

     [Illustration: Lageplan von Batavia.]

     =Straßenbahnen=: Dampftram (_trem setum_) von der Unterstadt bis
     Meester-Cornelis alle 10 Min.--Elektrische Bahn nach Rijswijk und
     Tanah abang (A5) alle 10 Min.

     =Eisenbahnen=: _Staatsspoor_ (»S. S.«) nach Oberstadt (Pasar Senèn,
     C5), Meester-Cornelis, Bekasi, Keedoenggedeh und je eine Linie nach
     Tandjong-Priok und Anjer.--_Nederland. Indie Spoorweg_ (»N. I. S.«)
     zur Oberstadt (Stat. Noordwijk und Koningsplein), Meester-Cornelis
     und nach Buitenzorg, von da Anschluß an das große staatliche
     javanische Bahnnetz, [Hand] Man kaufe den neuesten Fahrplan!

     =Dampferagenturen=: _Norddeutscher Lloyd_, Behn, Meyer & Co.
     (Tel.-Adr.: Nordlloyd Batavia. Passagekontor Kali Besar
     West.--_Koninklijke Paketvaart Maatschappij_; _Stoomvaart Mij.
     Nederland_, beide Weltevreden, nahe Sluisbrug, auch Kali Besar Ost
     und Tandjong-Priok.--_Rotterdamsche Lloyd_: Internationale
     Crediet- en Handelsvereeniging »Rotterdam« in Weltevreden, nahe
     Sluisbrug und Kali Besar Ost.--_Messageries Maritimes_: Reynst &
     Winju (Tel.-Adr.: Messageries-Batavia), Kali Besar Ost.

     =Reisebureau=: Weltevreden, Koningsplein (O5), besorgt Fahrkarten
     etc.; vgl. auch S. 195: »Touristenbureau«.

     =Banken=: _Javasche Bank_ (A2), gegenüber der Post in der
     Unterstadt.-- _Nederlandsche Handel-Maatschappij_, Korresp. der
     Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.--
     _Nederlandsch-Indische Handelsbank_, Unterstadt und
     Noordwijk.--_Nederlandsch-Indische Escompto Maatschappij_
     (Wechselstube in der Oberstadt bei Sluisbrug und in Tandjong-Priok
     am Landeplatz).--_Chartered Bank of India_, Korr. der Berliner
     Disconto-Gesellschaft. --_Hongkong & Shanghai Banking Corporation_,
     Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft u. der Allg. Deutschen
     Creditanstalt in Leipzig; die beiden letzten in Kali Besar West.

     =Theater= (C4) am Komedieweg.

     =Konzerte= in der Harmonie und im Konzertgarten am Waterlooplein,
     So. 5-1/2 bis 6-1/2 Uhr Nm., auch abds. im Botanisch-Zoologischen
     Garten (C5).

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, in Weltevreden, Koningsplein West,
     nahe dem Museum, Generalkonsul Dr. Lettenbauer; Sekretär
     Schleifenbaum. Tel.-Adr.: »Germania«.--_Österreich-Ungarn_, Konsul
     Th. Quellhorst, Noordwijk, gegenüber Java-Hôtel.--_Schweiz_, Konsul
     A. E. J. Buß (in Firma Maintz & Co.), Kali Besar West.

     =Vereine=: _Deutscher Turnverein_.-- Vornehmster niederländischer
     Klub: _Harmonie_, Rijswijk; Militärklub _Concordia_, Waterlooplein
     (C4).

     =Ärzte.=--=Apotheken.=--=Krankenhäuser=: Militärhospital am
     Hospitaalweg (C5); Diakonissenhaus _Tjikini_.

     =Buchhandlungen=: _G. Kolff & Co._, Batavia, Benedenstad, Kali
     Besar 24. --In Weltevreden: _Noordwijk_, gegenüber dem
     Java-Hôtel.--_H. M. van Dorp & Co._, Benedenstad, gegenüber dem
     Bahnhof der N. I. S. (Reiseführer vorrätig).--=Zeitungen=: _Het
     Bataviaasch Nieuwsblad_; _Java Bode_; _Het Nieuws van den Dag_.

     =Photographen=: _Charls & van Es_; _Koene & Co._ (beide Firmen
     deutsch).-- =Geschäftsadressen=: _van Arcken & Co._, Uhrmacher und
     Juwelier.--Verkaufsstelle für Kuriositäten, Landeserzeugnisse »_Ost
     und West_« (staatlich unterstützt) in Weltevreden, nahe der
     Harmonie.

     =Zeiteinteilung für Java.= _=Auf 7 Tage=_: 1. Tag Batavia; 2. Tag
     Buitenzorg; 3. Tag Fahrt nach Garoet; 4. Tag Besteigung des
     Papandajan; 5. Tag Bandoeng; 6. Tag Besteigung des Tangkoeban
     Prahoe; 7. Tag Rückfahrt nach Batavia.--_=Auf 14 Tage=_: 1. Tag
     Batavia; 2. Tag Buitenzorg; 3. Tag Fahrt nach Maos; 4. Tag
     Djokjakarta; 5. Tag Ausflug nach Boro-Boedoer; 6. Tag Fahrt nach
     Soerabaja; 7. Tag Fahrt nach Pasoeroean und Tosari; 8. Tag
     Besteigung des Bromo; 9. Tag Rasttag in Tosari; 10. Tag Rückfahrt
     nach Soerabaja; 11. Tag Fahrt nach Maos; 12. Tag Fahrt nach Garoet;
     13. Tag Besteigung des Papandajan; 14. Tag Rückfahrt nach Batavia.
     Andre Reisepläne im Touristenbureau in Batavia und bei den
     Agenturen von Thos. Cook & Son in andern Plätzen (nicht in Batavia)
     zu erkunden.--Wer die reizende, weiche javanische Landschaft, über
     die ein lichtes wunderschönes Grün gebreitet ist
     (daher »Smaragdinsel«), aus dem die großen vereinzelten
     Vulkanpyramiden aufsteigen, genießen will, mag gern einen Monat auf
     Java verwenden.

     =Geschichte.= Der niederländische Generalgouverneur Pieter Both
     legte 1610 bei Jakatra eine Faktorei an, die der berühmteste seiner
     Nachfolger, Jan Pieterzoon Coen, anstatt Amboinas 1619 zur Residenz
     machte.

     Von den Engländern unterstützt, versuchten 1618 die Fürsten von
     Bantam und Jakatra die niederländische Besatzung zu vertreiben;
     doch 1619 besiegte Coen den Fürsten von Jakatra und besetzte sein
     Reich. Ein Fort wurde zum Schutz der nun Batavia getauften Stadt
     angelegt, das alle Angriffe des Susuhunan von Mataram, des
     Herrschers über Zentral- und Ostjava, überstand und sich schnell
     entwickelte. Als aber infolge eines Erdbebens 1699 die Mündung des
     Tjiliwong verschüttet und das Uferland sumpfig wurde, verlegte 1809
     der Generalgouverneur Daendels die Residenz nach der 6 km landwärts
     gelegenen Ebene von _Weltevreden_ und ließ die Befestigungswerke
     abtragen. 1811 wurde die Stadt von den Engländern besetzt, aber
     1816 an die Niederlande zurückgegeben.

=Batavia=, Hauptstadt Niederländisch-Ostindiens und der gleichnamigen
Residentschaft Javas, mit (1905) 138500 Einw. (darunter über 8000
Europäer und 28000 Chinesen), liegt nahe dem Westende der Nordküste,
unter 6° 7' südl. Br., an der Südseite einer geräumigen, durch 17 kleine
Koralleninseln geschützten Bai und am Flüßchen Tjiliwong, inmitten
ausgedehnter Reisfelder und Kokospflanzungen. Die Unter- oder Altstadt
(_Benedenstad_, AB2) enthält das große Stadthaus, eine Kirche, die
Javasche Bank, die Zollgebäude, ein für Chinesen und ein für Eingeborne
bestimmtes Hospital sowie ein Gefängnis für letztere, die Magazine der
Regierung und der Niederländischen Handelsgesellschaften, die Kontore
und Speicher der großen Handelshäuser und der Schiffsagenturen, ist aber
nur noch von Malaien, Javanen, Arabern und Mauren, Mischlingen und
Chinesen (im chinesischen Kampong) bewohnt, während die Europäer ihre
ehemaligen Wohnhäuser in der Unterstadt nur während der Geschäftsstunden
aufsuchen, sonst aber in dem neuen Stadtteil _Weltevreden_ (=
Wohlzufrieden; C4/5) wohnen, wohin der fast 4 km lange, gleichfalls
europäische Stadtteil _Molenvliet_ (AB3) über die Stadtteile _Noordwijk_
und _Rijswijk_ (B4) hinüberführt. Die luftigen großen Häuser, mit
Veranden, liegen getrennt zwischen Zierbäumen. In Rijswijk das
großartige Harmoniegebäude, das Palais des Generalgouverneurs, südl.
angrenzend der schöne Rasenplatz _Koningsplein_ (B4, 5), der ringsum von
schönen Gebäuden, darunter die armenische Kirche, das Gebäude der
Naturhistorischen Vereinigung, das Museum der Gesellschaft für Künste
und Wissenschaften und die Wilhelmskirche, umgeben ist. An die NO.-Ecke
von Koningsplein schließt sich die Zitadelle _Prinz Frederik Hendrik_
(B4) und das neue Gebäude der _Koninklijke Paketvaart Maatschappij_.
Östl. vom Tjiliwong liegen um den großen Platz _Waterlooplein_ (C4) die
römisch-katholische Kirche, das Theater, die Freimaurerloge, das
Gefängnis für Europäer, das Regierungsgebäude (_Het Paleis_), das
Laboratorium, Infanterie- und Artilleriekaserne (Kavallerie im Stadtteil
Rijswijk); südl. das große Militärhospital und das Arsenal (C5). Hieran
schließen sich die von Eingebornen und Chinesen bewohnten Kampongs.--
Die Industrie beschränkt sich auf Kalkbrennerei, Ziegelfabrikation,
Töpferei, Gerberei und Destillation von Arrak; Hausindustrie ist die
Matten- und Korbflechterei, Batiken etc. Der Fluß Tjiliwong ist in ein
Kanalnetz zerlegt, von dem Batavia durch- und umzogen wird. Da in der
seichten innern Reede nur flachgehende Schiffe ankern können, hat man 9
km östl. bei _Tandjong-Priok_ einen Hafen angelegt, der durch Kanal,
Eisenbahn und Fahrstraße mit Batavia verbunden ist.--Ausfuhrartikel
sind Kaffee, Zucker, Tabak, Gewürze, Pfeffer von Sumatra, Zinn aus
Bangka und Billiton, Damaraharz, Indigo, Reis, Rotang, Gambir, Kopra,
Bambushüte, Häute, Tee, Arrak, Palm- und Kajeputöl, Teakholz,
Büffelhörner und Büffelhäute, Chinarinde, Kampfer, Kassia, Sandel- und
Sapanholz, Tamarinden, während die Einfuhr in europäischen Manufakturen,
Eisen, Luxusartikeln, Wein, Butter, Konserven besteht. Die Hälfte des
Umsatzes fällt auf das Mutterland. Der Schiffsverkehr ist lebhaft.-- Zu
den Bildungsanstalten gehören das Gymnasium Wilhelm III., je eine höhere
Bürgerschule für Knaben und Mädchen, 13 andre Regierungsschulen, 5
Privatschulen, die Parapatan-Waisenstiftung. Für Nichteuropäer bestehen
30 Schulen, außerdem 1432 mohammedanische Schulen. Eine medizinische
Bildungsanstalt für eingeborne Ärzte (Doctors Djawa) ist am
Militärhospital. Weiter sind zu nennen die Batavische Gesellschaft für
Künste und Wissenschaften (1778 gegründet), die Gesellschaft für
indische Sprach-, Länder- und Völkerkunde, die Gesellschaft für Landbau
und Industrie, die Gesellschaft für Minenwesen (mit großen
mineralogischen Sammlungen).--Batavia ist Sitz des Generalgouverneurs
und der höchsten Regierungs-, Gerichts- und Militärbehörden, eines
katholischen Erzbischofs, einer Handelskammer.--Die Umgebung ist bedeckt
mit den von Eingebornen und Chinesen bewohnten Dörfern (Kampongs)
inmitten ausgedehnter Kokospflanzungen und Reisfelder.

_=Rundfahrt.=_ Früh zwischen 6 und 9 Uhr fahre man durch die schönen
Straßen von Weltevreden im Wagen (durch Tanah abang, Kebon Sirih,
Tjikini, Pegangsaan, Matraman, Kramat, Waterlooplein, Koningsplein) oder
um 6 Uhr mit der Dampfstraßenbahn in die Benedenstad und gehe zum
_Kleine Boom_ (A1) durch das alte Tor des Bataviakastells, wo die alte
Kanone _Merians besar_ (oder _djagoer_) liegt, die von der eingebornen
Bevölkerung als Fruchtbarkeitsspenderin verehrt wird. Nicht weit davon
ist der sehenswerte Fischmarkt _Pasar Ikan_; dann über eine Zugbrücke
und durch _Kali Besar_, wo die alten holländischen Kaufhäuser stehen;
zurück zur Straßenbahn durch das chinesische Viertel (A2). Dann kann man
Kaufleute etc. in der Altstadt im Geschäftsviertel besuchen, hierauf
fahre man zum *=Museum= (B5) am Koningsplein (8-3 Uhr geöffnet, Mi. und
So. frei); es enthält eine vollständige javanische ethnographische
Sammlung: Häusermodelle, Hausgerät, Waffen, interessante
Musikinstrumente, besonders das Gamelang (16 Kupferplatten über zwei
Bambustragbalken, in C-Dur ohne halbe Töne), große und kleine Gongs in
Holzgerüsten, groteske Wajang-Puppenfiguren für das javanische
Schattenspiel, kunstvolle Sarongs, bunte Stroharbeiten, Modelle von
Folterwerkzeugen und Hinrichtungsarten; in einer Schatzkammer sind
Schmucksachen, mit Edelsteinen besetzte Kris, ein goldener Sultansthron.
Auch die Archäologische Sammlung ist sehenswert; berühmt ist die
*_Münzensammlung_. Vor der _Bibliothek_ (Mi. und Sa. 7-1/2-9 Uhr Vm.,
So. 8-11 Uhr) steht ein kleiner Bronzeelefant (Geschenk des Königs von
Siam).--Nach der Reistafel, zwischen 1-5 Uhr Nm., ruhen alle Holländer
der Hitze wegen, die Straßen sind leer; nach 5 Uhr unternehme man
Spazierfahrten in den prächtigen Straßen Weltevredens (s. oben) zu den
Plätzen, wo die Musik spielt und die vornehme Welt Batavias promeniert.
Dabei sieht man die Denkmäler von Jan Pieterzoon Coen, den Begründer der
Stadt, das Waterloo-Denkmal mit Löwen, ein Siegesdenkmal mit Eisernem
Kreuz, das Denkmal des Generals Michiels, letztere drei auf dem
Waterlooplatz.


Von Batavia nach Buitenzorg.

Eisenbahn (am besten mit Morgenschnellzug, etwa 7 Uhr) von Batavia,
Stat. Noordwijk, in etwa 1-1/4-2-1/2 St., für I. Kl. 4-3/4, II. 3-1/4
Fl. Man fährt durch Reisfelder und Obstgärten, Kaffeeplantagen und
üppige Wälder mit hohen Palmen, Tamarinden, Banyans, Bananen, Farnen und
Bambusgebüschen. Herrliche Ausblicke auf das Bergland Javas; die Bahn
steigt durch die Vorberge bis (62 km) _Buitenzorg_.

     =Führer= für Buitenzorg: Dr. _W. Burck_, »Wandelingen door den
     Botanischen tuin«, auch in deutscher Übersetzung zu haben; »Gids
     van Buitenzorg en Omstreken«, Verlag von Gr. Kolff & Co. in
     Batavia; Führer des Touristenbureaus (S. 195).

=Buitenzorg= (spr. beutensorch, d. h. Ohnesorge = Sanssouci), 263 m
ü. M. (_Hôtel Bellevue_, sehr gerühmt, man nehme eine »bergkamer«,
Zimmer nebst Veranda, mit Aussicht aufs Gebirge [Vulkan Sálak], Pens.
tägl. 6-8 Fl., Wagen am Bahnhof, man fährt 10 Min. durch die Allee
Djalan besar; _Hôtel du Chemin de Fer_, am Bahnhof, Pens. 6 Fl.,
Restaurant), ist eine vornehme, entzückende Villenstadt, seit 1746
Residenz des Generalgouverneurs, mit Klubhaus, protestantischer Kirche,
großem Markt, Rennplatz. Vor dem schönen Palais des Generalgouverneurs
liegt eine große Wiese mit Gazellen und Hirschen. Zwischen 2 und 5
Uhr Nm. meist Gewitter mit starkem Regen in Buitenzorg, wonach man
sich mit den Ausflügen einrichten muß. Mehrere Besuche erfordert die
Hauptsehenswürdigkeit, der *=Botanische Garten=, der wissenschaftlich
wertvollste, schönste und reichhaltigste Tropengarten der Erde,
begründet 1817 von dem deutschen Botaniker _Kaspar Georg Reinwardt_,
1880-1909 unter Leitung des Prof. Dr. _Melchior Treub_, seit dessen Tod
ist Dr. _H. J. Wigman_ Direktor; ihm untersteht ein Stab von 24 meist
niederländischen Naturforschern, die in Laboratorien arbeiten. Zum
Garten gehören ein großartiges Herbarium, eine botanische Bibliothek
von 20000 Bänden, ferner der Kulturversuchsgarten von _Tjikömöh_
(72 ha, etwa 1/2 St. Fahrt von Buitenzorg) und der Gebirgsgarten
von _Tjibodas_ (mit Urwald 313 ha). Zum Besuch der Laboratorien
und Sammlungen ist Erlaubnis im Kontor am Haupteingang einzuholen.
Plan des Gartens erhält man gratis im Kontor. Der Garten ist nach
wissenschaftlichen Grundsätzen geordnet, Art bei Art, bietet aber
trotzdem wunderbare landschaftliche Bilder.

     Durch das alte Steintor beim Chinesischen Marktplatz am
     Haupteingang, wo die Direktorialgebäude etc. liegen, gelangt man in
     eine vom Hortikulturist Teysmann 1828 angepflanzte Allee; jeder der
     hellen Riesenstämme trägt eine Schlingpflanze, meist Aroïdeen und
     Orchideen, darunter die Riesenorchidee _Grammatophyllum speciosum_
     (die bis 3000 Blüten gleichzeitig hat!) und _Philodendron_ mit
     durchlöcherten Blättern. R., hinter dem  Hause des Torwarts,
     findet man die riesige Liane (_Entada scandens_). In dem Fahrweg,
     der nach r. führt, wächst die _Amherstia nobilis_ mit roten
     Blütenzweigen und großen, flachen Schoten, ferner die _Saracca_ mit
     gelbem Blütenbüschel; in der Nähe _Pithecolobium_ und ein sehr
     großer Schattenbaum, _Schizolobium excelsum_. L. vom Wege stehen
     Farngruppen und ein Baum mit auffällig runder Krone, _Xanthophyllum
     vitellinum_ (eine Polygalee); auch die schraubenförmig gewachsenen
     Pandanus-Arten sind sehr bemerkenswert. In der Nähe, unter den
     Zykadeen, ist eine große Orchideenkultur unter schattenspendenden
     Bäumen, der _Plumeria acutifolia_, der auf javanischen Kirchhöfen
     vielfach angepflanzt ist.-- In der prächtigen Palmensammlung r. vom
     Seitenfahrwege fällt an einer Wegecke die ungewöhnlich hohe und
     schlanke Niboeng-Palme (_Oncosperma filamentosa_) auf, und
     weiterhin die rote Pinang (_Cyrtostachys Rendah_), dann die
     stachlige _Zalacca_, die aufrechtwachsende Königspalme (_Oreodoxa_)
     aus Brasilien, verschiedene _Phoenix_-Arten, darunter die
     Dattelpalme (_Ph. dactylifera_), viele Varietäten von Kokospalmen
     (_Cocos nucifera_), die Ölpalme (_Elaeis Guinensis_), Sagopalmen
     (_Metroxylon_) und die berühmte Coco-de-mer (_Lodoicea
     Sechellarum_) mit riesigen Wedeln und eigenartigen großen schwarzen
     Früchten. Von den Palmen l. stehen tropische Nadelbäume,
     Araukarien, Damara-Arten mit breiten blattartigen Wedeln u. a.--Im
     untern Garten, am Tjiliwong-Flusse, wachsen Mangroven
     (_Rhizophorae_), in der SO.-Ecke die _Sonneratia acida_, ein
     Sumpfriesenbaum, wie die Mangroven, mit Luftwurzeln, und der
     ägyptische Papyros (_Cyperus papyrus_).--Weiterhin am Fluß, nahe
     dem Badeplatz des Generalgouverneurs, stehen Myrtazeen, darunter
     Gewürznelkenbäume, Djamboes und Eukalyptus; gegenüber die
     Lontarpalme, der Eisenholzbaum und Ficus-Arten.--Am Nordende des
     Gartens findet man den Advokaatbaum, verschiedene Zimtbaumarten,
     Kroton- und Cearagummibäume, dazwischen Kassavasträucher (_Manihot
     utilissima_, »Mandiok«); in der Nähe Eisenholzbäume, der Paranußbaum
      (_Bertholletia excelsa_), blühende _Barringtonia_,
     Sandelholzbäume und verschiedene zu den Anonazeen gehörende
     indische Fruchtbäume sowie süßduftende Magnoliazeen. Gleichzeitig
     Blüten und Früchte trägt der _Stelechocarpus Burahol_; schönen Duft
     verbreitet die _Myristica Horsfieldii_. Zwischen den
     Diospyros-Arten (Ebenholzbaum, Kaki-Fruchtbaum, _Styrax Benzoin_
     und Gutta percha) und giftigen Apocyneen sieht man nahe dem Palast
     des Generalgouverneurs die _Kigelia pinnata_ (mit wurstförmigen,
     etwa 40 cm langen und 10 cm dicken Früchten) und in einem Teich, am
     Nordende der alten Allee, die riesige _Victoria regia_, am Ufer die
     zierliche _Urostigma Rumphii_. Zwischen _Sapindus Rarak_ (Frucht
     als Seife verwendbar) und andern Sapindazeen, wie das _Filicium
     decipiens_ aus Ceylon, die amerikanische _Cecropia_; in der Nähe
     ein kleiner Teich mit Nymphäen, beschattet von einer riesigen
     _Ficus elastica_ (mit Luftwurzeln). In der Nähe Mahagonibäume, ein
     _Urostigma giganteum_ und der Cocabaum (_Erythroxylon Coca_).--Am
     untern Ende der großen Allee steht ein Baum mit Früchten wie
     Wachskerzen (_Parmentiera cerifera_).--Am Ende des großen Teiches
     mit schönen Lotosblumen steht der sogenannte »Baum der Reisenden«,
     die imposante Musazee _Ravenala Madagascariensis_.--Eine prächtige
     Livingstonia-Palmenallee führt zum Rosengarten, wo ein Denkmal
     Teysmanns steht. In der Nähe Rohrarten und der giftige Upasbaum
     nahe dem Orchideenhause; dort findet man außer zauberhaften
     Orchideen auch Passifloren, Maranten, Calatheen, Bromeliazeen,
     Dieffenbachia- und Anthurium-Arten. --(Haeckel, Haberlandt,
     Giesenhagen u. a. haben den Botanischen Garten ausführlich
     beschrieben.)

       *       *       *       *       *

     _=Ausflug=_ nach =Gadok=, etwa 12 km von Buitenzorg, zu Wagen auf
     guter Landstraße, vorbei an malerischen malaiischen Dörfern
     (Kampongs) über _Batoe-Toelis_ (Inschriftenstein) mit schönem
     Ausblick auf die Umgegend.

     Ausflug nach _Sindanglaja_ (S. 202), etwa 30 km von Buitenzorg, mit
     Wagen soll lohnend sein.


Von Buitenzorg durch die Preanger-Regentschaften nach Soerabaja.

     =Eisenbahn= (vgl. S. 196) von _Batavia_ (Weltevreden) nach
     _Soerabaja_ I. Kl. 39,25, II. Kl. 25 Fl.--_=Touristenkarte=_:
     Batavia-Soerabaja-Pasoeroean-Soerabaja (60 Tage gültig) I. Kl.
     55,35 Fl.--_=Rundreisekarten=_: Batavia-Djokjakarta-Batavia (30
     Tage gültig) I. Kl. 60,95 Fl.; Batavia-Garoet-Batavia (30 Tage
     gültig) I. Kl. 28,20 Fl.-- _=Speisewagen=_ in den Zügen zwischen
     Batavia und Soerabaja sowie im Java-Expreß Bandeng-Soerabaja;
     Mahlzeiten 1,50 Fl.--Da nachts keine Züge fahren, dauert die Reise
     bis zum Ostende der Insel 3 Tage. Man kaufe den neuesten Fahrplan.

Die _Javanische Staatseisenbahn_ (von Buitenzorg ab) »Staatsspoor« (S.
S.), die Java in der ganzen Länge durchzieht, läuft von _Buitenzorg_
durch Hügelland über Brücken und Viadukte erst nach S., übersteigt den
Paß zwischen dem _Sálak-Vulkan_ (2215 m) und dem dreigipfeligen
_Gedeh-Vulkan_ (3023 m), wendet sich dann nach O., durchläuft Kaffee- und
Teepflanzungen und Wälder mit schönem Blick auf die südlichen Vorberge
(r. sitzen!) und erreicht nach 4 St. Fahrt

(60 km) =Soekaboemi= (d. h. Entzücken der Welt), 650 m ü. M. (_Hotel
Sela Batoe_, mit Schwimmbad, Familienpavillons, Billardsaal, *Aussicht
auf Baros und den Gedeh, 28 Z., F. 1, Lunch 1,50, Dîn. 2,50, Pens. 6
Fl., gelobt; _Viktoria Hotel_ [deutscher Besitzer Lenné], in Park mit
Einzelvillen, Pens. 6 Fl.; Wagen am Bahnhof). Der entzückende, als
Erholungsaufenthalt beliebte Ort, zu längerm Aufenthalt geeignet, mit
Rivieraklima, liegt in den _Preanger-Regentschaften_, der größten,
reichsten und landschaftlich reizvollsten Residentschaft Javas, mit etwa
21000 qkm und 2 Mill. Einw.; Männer und Frauen haben auffallend schöne
Körperformen. Das _Javanische Märchentheater_ (vgl. S. 192) ist
sehenswert. In der Nähe (10 Min.) das gute Hotel und Sanatorium _Sela
Batoe_ (1700 m).--_=Ausflüge=_ mit Wagen (3-6 Fl.) nach dem Kratersee
*_Sitoe Goenoeng_ (1300 m); zum Wasserfall _Tjibeureum_ von 130 m Höhe;
zur Barosbrücke (Aussicht); zum schmucken Javanendorf _Tjisaët_ u. a.

Die Bahn führt weiter durch einen Tunnel und über eine kleine Schlucht
nach (100 km) _Tjiandjoer_ (579 m; guter Gasthof), unbedeutendem Ort in
einem heißen Talkessel voller Reisfelder; _=Fortsetzung der Bahn=_ s.
unten.--Von hier fährt man, ohne sich aufzuhalten, mit Sádo (4-5 Fl.)
oder Wagen (11 Fl.) auf prachtvollem Bergweg nach *=Sindanglaja= (1074
m; _Hotel Sindanglaja_, in herrlicher Lage, Pens. 6 Fl., vorzüglich,
Arzt), einer ausgezeichneten Sommerfrische. In der schönen Umgebung
liegt das (20 Min.) Sommerschloß _Tjipanas_ des Generalgouverneurs;
nahebei heiße Quellen zum Baden. Vom _Poentjak_, dem höchsten Punkte der
Landstraße nach Buitenzorg, hat man schöne *Aussicht über das
Preangerland; schöner Ruheplatz etwas weiterhin am _Telaga Warna_ (d. h.
Farbe wechselnder See, 200 m Tiefe).

     =Ausflüge.= Die Umgegend bietet Gelegenheit zu schönen Ausflügen:
     nach =Kandang-Badaq= (d. h. Nashorns Lust), eine Schutzhütte mit
     Ausblick in den Bergen, 2392 m ü. M., in 2-1/2 St. zu erreichen,
     mit Pony und Kulis als Führer und Wegbahner durchs Dickicht; von da
     in 1-1/2 St. auf den Gipfel des Vulkans =Pangerango=
     (_Mandalawangi_, 3022 m) oder auf den gefährlichern Kraterrand des
     =Gedeh= (2962 m), zu dessen Besteigung man bei Vollmond abds. von
     Sindanglaja aufbreche, um bei Sonnenaufgang oben anzukommen;
     großartige *Aussicht und seltsam geformter, riesiger Krater von 250
     m Tiefe und 700 m Breite. Wegen Ausrüstung und bester Zeit zum
     Aufstieg hole man Rat im Hotel.--Beim Abstieg vorbei an dem
     Wasserfall des _Koeripan_-Wildbachs in tiefer Schlucht. --Von
     Sindanglaja aus besuche man den 14 km entfernten botanischen
     Berggarten =Tjibodas= (1425 m), zu Pferd oder mit Sänfte; hier ist
     ein herrlicher Park mit Zedern, Araukarien, Baumfarnen, Grasbäumen
     (_Xanthorrhoea australis_); dahinter ein Urwald mit drei 130 m
     hohen Wasserfällen, Lianen, Vogelnestfarnen, grauen Gibbonaffen und
     Felswänden.--Ferner Ausflüge nach _Goenoeng Kasoer_; nach den
     Wasserfällen von _Tjibeureum_, _Tjikoendoel_ und vielen andern
     Punkten.

Von Tjiandjoer (S. 202) führt die Bahn (r. sitzen!) über einen Viadukt
über den _Tjisokan_-Fluß, r. prachtvoller Wasserfall, dann über die
Schlucht des _Tjitaroem_-Flusses und über den Goenoeng Mesighit an
steilen Abhängen entlang in das Tal hinunter nach

(160 km) =Bandoeng= (700 m; _Hotel Preanger_, Pens. 6 Fl.; _Hotel
Homann_, 50 Z., Pens. von 6 Fl. an; beide sehr gut; deutsche Zeitungen;
Wagen am Bahnhof; _Hotel Wilhelmina_, Mitte der Stadt, Pens. 5 Fl.),
Hauptstadt der Preanger-Regentschaften mit etwa 22000 Einw., breiten
Straßen mit Villen, vor dem großen Platze das luftige Regierungsgebäude
(Mesighit), nebst Park; in der Nähe der Markt (pasar), ein Seminar für
javanische Lehrer und ein Rennplatz (Rennen im Juli), von dem aus guter
Blick auf die südlichen Bergketten. Bei Bandoeng ein Sanatorium. Gute
Badeanstalt mit frischem Bergwasser in _Tjiampelas_, etwa 3 km vom
Regierungsgebäude, mit Sänfte (1/2 Fl.) in 20 Min. zu erreichen (Bad 10
cents). Fahrt in 1/2 St. (2-1/2-3 Fl.) zum Wasserfall _Tjoeroeg_ (13 m
hoch), landschaftlich schön.

     Besteigung des =Tangkoeban-Prahoe= (2075 m). Aufbruch von Bandoeng
     abds. (oder frühmorgens) mit Wagen auf guter Kunststraße über eine
     Bambusbrücke bis (24 km) _Lembang_ (Hotel Bergzicht, deutscher
     Besitzer, Pens. 5 Fl, bei längerm Aufenthalt billiger, ein Monat
     120 Fl.); dort Reitpferd nach dem Krater für 3,50 Fl., Sänfte 5 Fl.
     Nun vorbei an Chinarindenbaumpflanzungen im dichten Urwald bergauf;
     nach 2 St. erreicht man einen 2 km langen und 1 km breiten, 200 m
     tiefen Krater; bald erblickt man westl. daneben noch einen kleinern
     Krater von etwa 100 m Tiefe. Der größere, _Kawa Ratoe_ (2000 m),
     ist noch tätig, aus der braunen Schlammfüllung steigen
     Schwefeldämpfe auf; am Ostrande sind Solfataren mit schönen
     Schwefelblumen. Die Wand zwischen beiden Kraterbecken ist schmal,
     man hüte sich vor dem Abrutschen! Der Abstieg, auch mit Führer in
     den westlichen Krater, _Kawa Oepas_ (Giftkrater), ist gefährlich
     und sehr ermüdend. Vom Rande des _Tangkoeban-Prahoe_ (d. h.
     gekentertes Boot) *Aussicht über Krawang auf die Sunda-See vor der
     Nordküste Javas.

Von Bandoeng durch das malerische (200 km) _Tjitjalengka_, in prächtiger
Gebirgslandschaft mit zahlreichen Vulkanen, noch steigend bis (220 km)
_Tjibatoe_ (850 m; umsteigen in die Zweigbahn nach Garoet).
_=Fortsetzung der Hauptroute=_ S. 204.

=Zweigbahn= (20 km) südl. nach

=Garoet= (710 m; _Touristenhotel Papandajan_ [Bes. A. Hacks, Hamburger,
steht mit Rat und Tat zur Seite, sorgt in allem für seine Gäste],
vortrefflich, empfohlen, mit Badeanstalt, 20 Z., Pens. 6 Fl.; _Van
Horcks Hotel_, Pens. 5 Fl., schöner Garten, gelobt; _Klub_, für Fremde
zugänglich; _Automobile_ zum Besuch der Ausflugsorte), Bergstädtchen in
schönster Lage, Gelegenheit zu schönen Spaziergängen; Fahrt in 40 Min.
zum malerischen See *_Sitoe Bagendit_, Überfahrt über den See auf
bedachtem Floß nach der andern Seite, wo man einen Hügel besteigt, von
dem aus Blick auf 7 große Vulkane (in der Umgebung von Garoet sind 14
Vulkane, von denen der _Goenoeng-Goentoer_ [Donnerberg; 2244 m] der
unruhigste ist. Fahrt in 1-1/2 St. (3 Fl.) zum Wasserfall _Tjitis_ am
Fuße des Goenoeng-Goentoer.

     Besteigung des =Papandajan= (2600 m). Aufbruch früh 5 Uhr von
     Garoet mit Dreigespann-Wagen (5 Fl.) in 2-1/2 St. Trabfahrt bis zum
     Dorfe _Tjiseroepan_ (1222 m), 18 km südl. von Garoet; dort
     (Mundvorrat mitnehmen oder Frühstück [2 Fl.] in _Villa Pauline_)
     mit vorausbestellten Pferden (3,50 Fl.), für Damen Tragsessel
     (_Tandu_, 3,50 Fl.), Führer (75 cts.) und Kuli (50 cts.) aus dem
     Rasthause (_pesanggrâhan_) an Datura-Hecken entlang und dann im
     dichten Urwald steil bergauf; in etwa 2-3 St. gelangt man an einen
     gelblichen Hang von Lavagestein und Schwefelasche, dann zu Fuß
     durch eine abgestürzte Kraterwand in einen dampfenden Kraterkessel,
     der von drei Seiten noch Wände hat; aus zahllosen Spalten dringen
     zischend Säulen gelblicher Schwefeldämpfe empor. Unter Vorantritt
     der Führer kann man den Kraterboden stellenweise betreten, aber
     Vorsicht! der Boden ist hohl und bricht stellenweise leicht durch,
     auch kann man bei umspringendem Winde von den Schwefeldämpfen stark
     belästigt werden. Der Kraterrand wurde abgesprengt bei einem
     mächtigen Ausbruch des Papandajan 1772, wobei 40 Dörfer verwüstet
     und 3000 Menschen umkamen. Gute Bergsteiger sollten vom
     Kraterbecken an der Windseite bis zum obersten Kraterrande (noch
     270 m höher) steigen, wo sie vom geodätischen Signal in 2600 m Höhe
     prächtige *Aussicht über die Gebirgsketten haben, soweit der
     Schwefeldampf es zuläßt. Am Fuße des Kraters liegt das _Todestal_
     (s. unten). Auf- wie Abstieg sind wegen des lockern Lavagerölls
     schwierig.

     Ausflug zum =Telaga Bodas=. Aufbruch früh 5 Uhr von Garoet mit
     Wagen (hin und zurück 3,50 Fl.) bis (11 km) _Wanaradja_, dort
     Reitpferd (4,50 Fl.), Tragsessel mit 4 Kulis (5,50 Fl.) und Führer
     (1 Fl.); man steigt durch Kaffeepflanzungen und Urwald bis 1724 m
     ü. M. und erreicht dann den von hohen Kraterwänden eingeschlossenen
     _Weißen See_ (_Telaga Bodas_), dessen milchige, grünlichweiße Farbe
     durch Schwefel und Alaun erzeugt ist. Man kann in 1/2 St. um den
     fast runden See von 600 m Durchmesser herumgehen, der den Krater
     des _Geloenggoeng_ ausfüllt, und sieht dabei einen Wasserfall,
     heiße Quellen und eine Solfatara. Seit 1822 hat kein Ausbruch
     stattgefunden. Beim Abstieg geht man durch das 150-250 m tiefere
     kleine _Todestal_ (_Pedjagolan_) an der NW.-Seite des Berges, von
     Gebüsch umgeben, mit kahlem, graugelblichem Boden, auf dem giftige
     Gase lagern, die kleine Tiere sofort töten.

     Ausflug zum =Tjangkoewang-See=. Früh 1/2-6 Uhr mit Dreispänner (10
     Fl.) über (9 km) _Tjiboejoetan_ (Badeplatz mit kaltem Wasser) und
     _Tjitjapar_ (kalter Schwimmplatz) zum See von *_Lèlès_
     (_Tjangkoewang_): von da zurück am See _Sitoe Bagandit_ (s. oben)
     vorbei und über _Tjipanas_ (heiße Quellen) nach Garoet (Ankunft
     gegen 1 Uhr mittags).

     Besteigung des *=Kawa Kemodjang=, eines sehr aktiven Kraters, mit
     prächtiger Aussicht und auf großartig schönem Weg zu erreichen.
     Aufbruch 1/2-5 Uhr vom Hotel mit Dreispänner (4-5 Fl.) zum Dorf
     _Tjiparai_; von da mit Reitpferd (3 Fl.) oder Tragstuhl (4 Fl.)
     nebst Kuli zum Tragen der Frühstückstrommel und Führer. Rückkehr
     nach Garoet gegen 3 Uhr Nm.

Die _=Hauptbahnlinie=_ führt von _Tjibatoe_ (S. 203) weiter über
Tjamis bergab durch die fruchtbare Ebene von _Tasik-Malaja_, den
üppigsten Teil des Preanger-Landes, und dann durch die Tiefebene der
Residentschaft Banjoemas durch wildreiche Dschungeln und Sümpfe nach
(380 km) =Maos= (guter _Gasthof_ am Bahnhof u. a.), wo die Züge von
Batavia und Soerabaja kreuzen. Der _Java-Expreßzug_ geht von Bantoeng
früh ab, kommt Nm. in Djokjakarta und abds. in Soerabaja an. [Hand] Man
schütze sich in dieser Malariagegend besonders vor Moskitostichen durch
Schleier und Rauchen!

     =Zweigbahn= von Maos nach =Tjilatjap=, ein unbedeutender Seehafen
     und verrufenes Fiebernest, an der landschaftlich schönen Südküste
     Javas, der die lange »Blumeninsel« (_Noesa Kembangan_) vorgelagert
     ist.

Weiter über _Gombong_, _Koboemen_, _Koeto Ardjo_; nach 5-1/2 St. Fahrt

(560 km) =Djokjakarta= (meist kurz _Djokja_ genannt; _Hotel Toegoe_ [A.
Herscheit], am Bahnhof, 40 Z., F. 1, Dej. 1,50, Din. 2, Pens. 5-6 Fl.,
gelobt; _Hotel Centrum_; _Hotel Mataram_, alle drei nahe dem Bahnhof),
Hauptstadt des gleichnamigen Vasallenstaats, Sitz des Sultans und eines
niederländischen Residenten mit starker Garnison im holländischen
Fort _Vredenburg_ und etwa 60000 Einw., davon 4000 Chinesen und 2000
Europäer. Der Sultanssitz, _Kraton_, ist ein mit 4 m hohen und 5 m
breiten Mauern umgebenes Stadtviertel, in dessen Straßen 15000 zum
Hofstaat des Sultans gehörige Javaner leben; mitten im Kraton, hinter
zwei Toren und Gittern, ist der Palast des Sultans mit großem Harem.
(Erlaubnis zum Besuch des Kraton ohne Audienz wird durch den Residenten
gern erlaubt, wenn man ein kurzes Schreiben an ihn rechtzeitig
einreicht; beste Besichtigungszeit Vm.; die Residentschaft stellt einen
niederländischen Unterbeamten, der Deutsch spricht, zur Führung). Das
Stadtleben ist sehenswert. -- _=Rundfahrt.=_ Vom Gasthof morgens mit
Wagen 3 Fl.) durch eine Allee zum *_Waterkastell_, die Ruine eines
mit Graben umgebenen märchenhaften Lustschlosses mit Bädern, Teichen,
Irrgärten, Hallen und Türmen. (Man nehme einen Jungen als Führer.) Dann
weiter über den großen Paradeplatz, wo sich abends bei Militärmusik die
Europäer zeigen, in den _Kraton_ (soweit ohne Erlaubnis zugänglich),
ein Labyrinth von Höfen, Gärten und Tempeln, Häusern, Leibwachträumen,
Elefantenställen, Leopardenkäfigen etc. Der Platz vor dem Schloß ist
schön, die Schlösser sind nicht sehenswert. Man versäume nicht, über
einen Markt in der Stadt (pasar) zu fahren und das Malen der Sarongs
(_Batiken_) vor den Hütten anzusehen.

     =Ausflüge=: 1) Nach =Prambanan=; mit der Bahn (Rückfahrkarte I.
     1,75, II. 1 Fl.) von Djokja in 40 Min. nach dem Dorf Prambanan, der
     dritten Station der Bahnlinie Djokja-Solo, dann zu Fuß oder mit
     Wagen in 1/4 St. zum alten *=Hindutempel von Prambanan=; beim
     Tempel gutes Rasthaus mit Kaffeehaus. Drei Mauern umgeben die
     riesige Anlage; mitten zwischen 157 kleinen Dagobas stehen auf
     quadratischer Terrasse acht große Tempel, gopuraartige Aufbauten
     mit breiten Treppen. Der größte Tempel hat noch zwei Seitentreppen,
     im obern Tempelraum ist eine Schiwafigur, im Nebenraum seine Gattin
     Durga auf getötetem Stier; die Javanen nennen das schöne
     Erzbild »Lora Djonggrang«, eine Märchenprinzessin, der sie
     Frucht- und Blumenopfer bringen. Im dritten Tempelraum ist der
     elefantenköpfige Sohn beider, Ganesa. In einem andern Tempel ist
     ein großen Reichtum spendender steinerner Zebustier. Das Schönste
     sind die kunstvollen, oft naiv-lustigen Steinfriese an den
     Außen- und Innenwänden der Haupttempel; sie stellen die brahmanische
     Götterlehre und das indische Epos Ramâyana dar; vorzüglich erhalten
     ist die Geschichte vom treuen Affen Hanumân. Der Nebentempel zeigt
     groteske Darstellungen zu Ehren der Göttin der Fruchtbarkeit. Die
     Tempelanlage gilt als Grabstätte der alten hindustanischen Kaiser
     von Mataram, etwa im 8. Jahrh. erbaut. -- Rückweg zum Bahnhof nehme
     man über die _Tausend Tempel_ (_Tjandi Sèwoe_), 20 Min. nördl., mit
     einem großen Mitteltempel, umgeben von 240 kleinen in vier Reihen;
     der Haupttempel ist beim Erdbeben 1867 beschädigt, zeigt aber noch
     vorzügliche Götterbilder; erwähnenswert sind die schönen
     Frauenfiguren an den Treppenmauern der Westseite, die eine Vision
     Buddhas darstellen. (Beschreibung des Tempels von Dr. _Groneman_
     beim Tempelwächter zu haben.)

     2) Nach *=Boro-Boedoer= (wer in Djokja mit Mittagsschnellzug
     ankommt, hat auf dem Bahnhof sofort Anschluß mit der
     Dampfstraßenbahn nach Moentilan), 32 km nw.; 2 St. Fahrt mit
     Automobil (stellt Hotel Toegoe für 65 Fl. für 5 Personen, hin und
     zurück über Magelang); oder mit Dampfstraßenbahn, vom Bahnhof
     Djokja abgehend, nördl. durch gut bebautes Land, meist Reisfelder,
     Dörfer mit Märkten, bis nach (25 km) _Moentilan_; von da mit
     Zweispänner (3,5 Fl.; Dreispänner [7 Fl.] kaum nötig, Fuhrwerk
     bestelle man unterwegs beim Zugführer oder beim Bahnhofsvorstand)
     in das Hochland von Kadoe, das »Paradies von Java«, in dessen Mitte
     der wunderbare Tempel von Boro-Boedoer liegt, umgeben von Bergen,
     darunter die Vulkane _Merapi_ (2875 m) und _Merbaboe_ (3145 m). Man
     fahre zuerst zum Vortempel _Tjandi-Mendoe_, mit Riesensteinbild
     Buddhas. Etwa 4 km weiter, nach 15 Min. Fahrt, erreicht man nach
     Überschreiten eines Flusses den Hügelrücken, worauf, gegenüber dem
     Haupttempel, das (14 km) _Rasthaus_ (_pesanggrâhan_) mit Wirtschaft
     (gut zum Essen und Übernachten) steht. Wenn Zeit ist, übernachte
     man dort, weil Sonnenunter- und -aufgang in Boro-Boedoer
     unvergleichlich schön sind. Der Tempelwächter ist ein
     Deutscher.--Der große *=»Tempel« von Boro-Boedoer= ist das
     großartigste buddhistische Bauwerk auf Java, erbaut im 8. oder 9.
     Jahrh., 1907-11 durch die Regierung gut renoviert. Er ist kein
     eigentlicher Tempel, sondern ein kuppelförmiges Denkmal ohne
     Innenraum zum Andenken Buddhas (Stupa). Auf quadratischer
     Grundfläche von 153 m Seitenlänge erhebt sich »jenes in Terrassen
     aufsteigende, seltsam grandiose Bauwerk, das an Mächtigkeit alle
     andern buddhistischen Tempelbauten so weit überragt, wie das Land,
     in dem es steht, an Schönheit den Standort jener übertrifft« (_Hans
     Meyer_). Der Unterbau besteht aus fünf 20-eckigen, von 1,5 m hohen
     Steinmauern eingefaßten Terrassen übereinander, jede mit
     reichverziertem Tor in der Mitte, neben dem Treppenstufen zur
     höhern Terrasse hinaufführen. Alle Terrassen sind mit
     Buddhafiguren, Löwen und Stieren und reichen Ornamenten geschmückt.
     Über der obersten 20eckigen Terrasse erheben sich noch drei
     kreisrunde, die je 32, 24 und 16 (insgesamt 72) sitzende
     Buddhafiguren unter offenen (teilweise eingestürzten) Kuppeldächern
     (Dagobas) tragen. Als Krönung des ganzen Baues steht auf der
     obersten 37 m hohen Terrasse eine 6 m hohe Dagoba; sie enthielt
     früher einen Buddha, der jetzt vor dem Tempel steht. Leider sind
     viele Steinfiguren barbarisch verstümmelt; man zählt über 400
     Buddhabilder. Von den 1500 Basreliefs sind fast 1000 noch gut
     erhalten und bilden den künstlerisch wertvollsten Teil des Ganzen;
     man erkennt auf ihnen Segelschiffe mit zwei Masten, prächtige
     Rüstungen, Speichenräder. *_=Aussicht=_ prächtig von der Kuppel des
     Tempels, besonders bei Sonnenauf- und -untergang! (Beschreibung des
     Tempels von Dr. _Groneman_ ist beim Tempelwächter zu haben;
     ausführlicher ist das Werk: »Die Buddhalegende in den Skulpturen
     des Tempels von Bôrô-Budur« von _C. M. Pleyte_, mit 120 Abbildgn.,
     Amsterdam, Verlag de Bussy.)

     Vom Tempel zurück kann man mit der Dampfstraßenbahn ab Moentilan 16
     km nach =Magelang= (_Hôtel Loze_) fahren und von da mit Wagen in
     die Hochebene von _Diëng_ (2171 m; gutes Rasthaus), die mit dem
     amerikanischen Yellowstone Park (II. Teil, S. 151) verglichen
     wird.--Sehr schön ist die Wagenfahrt (17-20 Fl.) von Magelang durch
     das paradiesische *_Kedoetal_ über den _Pinggit-Paß_ (686 m) nach
     (35 km) =Ambarawa= (_Hotel van Rheeden_, genannt _di Atas_, gute
     Verpflegung, Pens. 4 Fl.; _Hotel di Bawa_), einem idyllischen
     Landstädtchen; von dort Eisenbahn nach Samarang (s. S. 207).

Von Djokjakarta fährt die Bahn durch Reisfelder und große Dörfer am
Fuße des Vulkans Merapi entlang, r. die scharfzackigen Felsen der
südlichen Gebirge, nach dem Bahnknotenpunkt

(620 km) =Soerakarta= oder _Solo_ (104 m; _Hotel Slier_, weit vom
Bahnhof, Wagen zu haben), Hauptstadt des gleichnamigen Vasallenstaats
mit 109459 Einw., darunter etwa 5000 Chinesen und 1200 Europäer, Sitz
des Susuhunan (Kaisers) des ehemaligen Reiches von Mataram und des von
diesem unabhängigen Prinzen _Mangkoe Negoro_ sowie eines beide
überwachenden niederländischen Residenten. Der _Kraton_, die
Kaiserstadt, ist mit hohen Mauern umgeben; Eintrittserlaubnis erhält man
durch ein Schreiben an den Residenten. Gelegenheit zur Teilnahme an
Hoffesten mit interessanten, Jahrhunderte alten Hofbräuchen und schönen
Tänzen der kaiserlichen _Bedojohs_ (Tänzerinnen fürstlicher Abkunft),
dazu Gamelang-(Orchester-) Spiel, »wajang-wong« (Schattenspiele; vgl. S.
192) und »topèng« (Maskentanz). Der Kaiser erscheint stets von Zwergen,
Lanzen- und Schildträgern und großem Hofstaat umgeben. (Gesuche um
Audienz müssen vom Generalgouverneur befürwortet sein und mindestens
vier Tage voraus beim niederländischen Residenten in Soerakarta
angemeldet werden.)--_=Rundfahrt=_ durch die Stadt sehr lohnend wegen
des bunten Volkslebens; morgens besuche man den Markt (pasar).
Sehenswert der schöne Palast (_dalem_) des Prinzen Mangkoe Negoro,
mehrere Tigerkäfige und der Elefantenstall des Kaisers; kleiner
Zoologischer Garten mit schönen Schlangen, Affen und Tigern. Prächtige
Tamarindenalleen führen zum holländischen Fort _Vastenburg_, in der
Mitte des Europäerviertels. Auch das lebhafte Chinesenviertel ist
besuchenswert.

=Von Soerakarta nach Samarang.= Von der Hauptroute zweigt eine nördliche
Linie ab und führt über _Goendih_ und _Kedoengdjatti_ (Zweigbahn nach
Ambarawa, s. oben) nach

(125 km) =Samárang=, Seehafenstadt mit 96000 Einw. (5000 Europäer).

     =Gasthöfe=: _Hôtel du Pavillon_, am Bodjongweg, Pens. 5,5-6,5
     Fl.;--_Hôtel Jansen_, Heerenstraat, beide gut.-- _Hôtel Tjandi_,
     für längern Aufenthalt, oberhalb der Stadt, Dampfstraßenbahn bis
     Djomblang, dann mit (voraus zu bestellendem) Gasthofswagen
     hügelaufwärts. Viele =Pensionen=; gute =Restaurants=.

     =Post u. Tel.= neben dem Rathaus, =Telephon= neben dem
     Rathaus.--=Wagen= zu haben.--=Straßenbahnen=: vom Bahnhof zur
     Zentralstation und von da am Rathaus vorbei den Bodjongweg entlang
     zur Wohnung des Residenten; vom Bahnhof durch Oengaran-Allee
     südwärts bis Djomblang.-- =Eisenbahn= nach _Cheribon_
     (Anschlußstrecke nach Krawang im Bau, zur Herstellung einer
     direkten Linie Batavia-Samarang) und über Soerakarta nach
     _Soerabaja_.--=Dampfer= der _Koninklijke Paketvaart Mij._,
     wöchentlich in 2 Tagen nach und von Batavia und in 1 Tag nach und
     von Soerabaja Landung in Samarang mit Dampfbarkassen (2 Fl.) oder
     Segelprauen (1-1/2 Fl.). Im Westmonsun ist die Landung oft
     gefährlich. --=Dampferagenturen=: _Norddeutscher Lloyd_, C. A.
     Bertsch (Tel.-Adr.: Nordlloyd, Samarang); _Rotterdamsche Lloyd_,
     Internationale Credieten Handelsvereeniging »Rotterdam«; _Stoomvaart
     Mij. Nederland_ und _Koninklijke Paketvaart Mij._; _Messageries
     Maritimes_.

     =Bank=: _Javasche Bank_; _Nederlandsche Handels-Maatschappij_,
     Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen
     Bank.--=Konsulat=: _Deutsches Reich_: Generalkonsulat in Batavia.

Die alte Stadt Samarang, nahe der Mündung des Ngaran oder
Samarangflusses, war bis 1824 befestigt, wovon noch das _Fort Prins van
Oranje_ erhalten ist. Der neue Stadtteil liegt hauptsächlich an der von
Kanarienbäumen und Tamarindenbäumen beschatteten _Bodjong-Allee_. Im
Stadtgarten Mi. und So. Konzert. Eine Oberstadt liegt auf einem 100 m
hohen Hügel etwa 3,5 km südl. von Samarang in _Tjandi_; dorthin führt
die schöne Oengaran-Allee bis _Djomblang_, einen Teil des
Chinesenviertels durchschneidend. Lohnende Wagenfahrt nach dem
chinesischen Felsentempel _Gedong Batoe_. Am Westende der Stadt liegt
das arabische und javanische Viertel, das bei Westmonsun früher oft
überschwemmt wurde. Samarang bietet wenig für Vergnügungsreisende, ist
aber der zweitgrößte Handelsplatz Javas; lebhafte Ausfuhr von Kaffee,
Zucker, Kopra, Indigo und Büffelhäuten.

=Von Soerakarta nach Soerabaja= führt die Hauptbahnlinie durch die
mitteljavanische Ebene zwischen den nördlichen Hügelketten und den
südlichen Vulkangebirgen hindurch nach (95 km) _Madioen_ (Hotel Madioen)
und weiter über (175 km) _Djomblang_ und (215 km) _Modjokerto_ nach

(265 km) =Soerabaja= (_Surabaya_), Seehafenstadt mit (1905) 163611
Einw., darunter 8000 Europäer und 11200 Chinesen.

     =Ankunft zur See.= Mit Dampfer der _Koninklijke Paketvaart Mij._
     von Batavia dampft man, wenn im SO. der weiße Leuchtturm von
     Soerabaja in Sicht und der Lotse an Bord, durch das schwierige und
     sehr seichte Fahrwasser der _Madoera-Straße_, r. Java, l. die
     gebirgige, von den unzuverlässigen Maduresen bewohnte, mit üppigem
     Grün bewachsene Insel _Madoera_, vorbei an vielen ins Wasser
     hineingebauten Fischerdörfern, vor denen zahllose Fischerprauen
     segeln oder treiben, auf die mit Dampfern und Seglern meist
     dichtgefüllte Reede von Soerabaja, wo der Dampfer bei dem weißen
     Wachtschiff ankert, dicht beim Landungsplatz _Oedjong_, an der
     Mündung des Flusses _Kalimas_, beim _Wilhelminatoren_. Man landet
     im Tambangan (Ruderboot, wie Sampan) für 1/2 Fl. beim Zollamt
     (kleine Boom), wo stets, auch wenn man von Batavia kommt,
     Zolluntersuchung stattfindet; Einfuhr von Schußwaffen ist nur mit
     Erlaubnis (S. 195) gestattet. Viel Gepäck lasse man mit Boot zum
     Gasthof schaffen; sonst nehme man beim Zollamt einen Wagen.

     =Ankunft am Bahnhof=: Man steige womöglich an Hst. _Stat. Goebeng_
     bei Simpang aus, oder an Hst. _Soerabaja_ (Kotta), je nach Wahl des
     Gasthofs.

     =Gasthöfe=: _Oranje Hotel_, am Simpangweg; 72 Z. mit Bad u.
     Telephon, modern, Pens. 7-12 Fl., Auto.--_Hotel Embong Malang_
     (_Wijnveld_), gut; 40 Z., Pens. 6 Fl., am Djalan Embong-Malang,
     nahe Stat. Goebeng.--_Hotel Sarkies_, Pens. 6 Fl.--_Hotel Simpang_,
     am Simpangweg; 40 Z., Pens. 6 Fl.--_Hôtel des Indes_, in der untern
     Stadt; 50 Z., Pens. 5 Fl.--_Hotel-Pension van Vlooten_,
     Simpang.--_N. V. Hotel & Pens. v. d. Blij_, Embong Malang, Pens. 5
     Fl.--=Restaurants=: _Restaurant Grimm_ und _Hellendoorn_, die
     besten Kaffeehäuser auf Java, nahe dem Stadtpark und Stat.
     Soerabaja (Kotta).--=Bierhaus= eines Chinesen, beim
     Bültzingslöwen-Denkmal, europäisches Faßbier.

     =Post u. Tel.= nahe dem Stadtbahnhof. --=Telephon= ebenda.--Kabel
     nach Celebes, Singapore, Australien, Borneo.--=Wagen=: Zweisp.
     (_Kosongs_) sind kaum teurer als Sádos.--=Straßenbahn=: vom Hafen
     zum Südende der Vororte.--=Eisenbahn=: nach Batavia über
     Soerakarta, nach Samarang etc.

[Illustration: Plan von Soerabaja.]

     =Dampfer= der Koninklijke Paketvaart Mij. wöchentl. in 3-4 Tagen
     nach und von Batavia über Samarang. --=Dampferagenten=: _Koninkl.
     Paketvaart Mij._, Geschäftshaus: Willems Kade.--_Norddeutscher
     Lloyd_, Behn, Meyer & Co., Societeitstraat (Tel-Adr.: Nordlloyd,
     Soerabaja).-- _Rotterdamsche Lloyd_, Internationale Crediet-en
     Handelsvereeniging »Rotterdam«. --_Stoomvaart Mij. Nederland._
     --_Messageries Maritimes_, Anemaet & Co.

     =Banken=: _Javasche Bank_; _Nederlandsche Handels-Maatschappij_,
     Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank;
     _Hongkong & Shanghai Banking Corporation_; _Chartered Bank of
     India, China & Australia_; _Ned. Ind. Escompto Mij._, Korrespondent
     der Deutsch-Asiatischen Bank (Behn, Meyer & Co.).

     =Theater=: Javanische und chinesische im Hafenviertel, sind nicht
     empfehlenswert. --=Zeitung=: »_Soerabaja Handelsblad_«.

     =Konsulate.= _Deutsches Reich_: Konsul G.
     Rademacher.--_Österreich-Ungarn_: Vizekonsul Bernhard Wolf.
     --=Vereine=: _Simpangsche Societeit_ (_Club_) und _Concordia_,
     beide international; _Deutscher Verein_ (eignes Haus in Genteng,
     deutschen Reisenden sehr zu empfehlen).--=Ärzte=: Dr. _Grün_,
     Genteng; Dr. _van Steden_, ebenda; Dr. _van Hasselt_, Simpang
     Doekoe.--=Zahnarzt=: Dr. _Schöppe_, Kaliassin.--=Apotheke=: _De
     Vriendschap_, Dir. P. C. Gilde in Aloen-Aloen.--_Simpangsche
     Apotheke_, Simpang.--=Krankenhäuser=: Militärkrankenhaus, auch für
     Zivilisten; Zivilkrankenhaus Ngemplak.

_Soerabaja_ ist die erste Handelsstadt Niederländisch-Indiens und liegt
auf 7° 14' südl. Br. Am schönsten ist das Stadtviertel _Simpang_ mit
dem *_Simpang_- und _Scheepsmakerspark_ und schönen Villen, darunter
das Haus des Residenten. In der Nähe des schönen Restaurant Grimm
ist ein Denkmal zu Ehren des tapfern freiwilligen Krankenträgers
_v. Bültzingslöwen_. In der eigentlichen Stadt stehen die Häuser
nahe beieinander, auch sind die Wohnungen, Geschäftsräume, Läden der
Europäer kaum von denen der Eingebornen getrennt, infolgedessen die
Straßen schmutzig und häßlich sind. Reger Handelsverkehr herrscht
auf dem Flusse _Kalimas_, an dem die Warenspeicher und großen
Exportgeschäfte liegen. Am Nordende der Stadt liegt das alte _Fort
Prins Hendrik_, nördl. davon am Hafen eine große Marinewerft mit
Trockendocks und vielen Werkstätten sowie dem Kasino _Modderlust_.
Der Handelshafen wird neu ausgebaut. Für Vergnügungsreisende bietet
Soerabaja nichts. Der Handel der Stadt ist sehr bedeutend, Ausfuhr
umfaßt Zucker, Tabak, Kaffee, Kopra; Einfuhr europäischer Waren ist
groß.--Nahe südl. von Soerabaja liegen am Strande von Kalangandjar zwei
_Schlammvulkan_-Hügel. (Von Soerabaja beste Dampfergelegenheiten zu
Ausflügen nach Borneo, Celebes und den Molukken.)


Von Soerabaja auf den Bromo.

     =Eisenbahn= bis _Pasoeroean_; dann mit =Sádos= (Zweispänner) für
     2-1/2 Fl. in 1-1/2 St. nach _Pasrepan_ und weiter mit =Bergwagen=
     für 3 Fl. (2 Personen) nach _Poespo_. Von hier zu Fuß oder zu Pferd
     (auch Tragsessel für Damen) in 3 St. nach _Tosari_, wo man
     übernachtet, um am andern Morgen vor Sonnenaufgang die Besteigung
     (am besten zu Pferd) des _Bromo_ unternimmt.

     Man kann auch an bestimmten Tagen mit =Automobil= von Soerabaja
     nach Tosari fahren (Mi. und Sa. Nm. für 75 Fl., zurück Do. und Mo.
     früh für 60 Fl.)

     [Hand] In Pasoeroean oder Soerabaja bestelle man telegraphisch
     Zimmer für die Nacht in Tosari, weil oben oft alles besetzt ist;
     der Agent in Pasoeroean besorgt auch Karten für 6 Fl. zur Fahrt
     nach Tosari.

Von Soerabaja mit der Bahn (Automobilverbindung s. oben) über
_Sidhoardjo_ und _Bangil_ in etwa 3 St. nach (65 km) =Pasoeroean=,
»Betelgarten« (_Marine-Hotel_; _Hotel Morbeck_), einer hübschen
Hafenstadt mit 35000 Einw. (500 Europäer), Hauptstadt der gleichnamigen
Residentschaft, die bei _Malang_ den besten Kaffee und Tabak Javas sowie
Zucker und Indigo liefert. Bank: Nederlandsche Handels-Maatschappij
(Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft).

Von Pasoeroean im Sádos-Zweispänner (s. oben) durch schattige Alleen auf
guter Straße durch das Dorf _Gondang-wètan_, mit lebhaftem Markt, in
1-1/2 St. nach _Pasrepan_ am Fuße des Berges; von da mit kleinem
Bergwagen (s. oben; wenig Gepäck, wollene Decke und Überzieher
mitnehmen!) durch dichten tropischen Urwald steil bergauf nach _Poespo_
(kleiner Gasthof und Sanatorium), 630 m. Nach Einnahme des
Reistafelfrühstücks geht man in 3 St. hinauf bis _Tosari_; wem die Hitze
zu groß, nehme Reitpferd (2 Fl.) nebst Saumpferd (2 Fl.) für Gepäck
(größere Koffer werden von Poespo durch Kulis [je 60 cts.]
hinaufgetragen), oder für Damen Tragsessel (3,60 Fl.) mit 6-8 Trägern
(je 60 cts.). Ein guter Weg führt in vielen Windungen bergan durch den
mit großen schwarzen und grauen Affen und überraschend buntfarbigen
Vögeln belebten Urwald, zuletzt durch Felder, mit europäischen Gemüsen
und Kartoffeln, Mais und Zwiebeln.

=Tosari= (1777 m; _Sanatorium Tosari_, 1845 begründet, Dir. und Arzt Dr.
_Fangmann_, vorzüglich, angenehme Geselligkeit, Zimmer telegraphisch
vorausbestellen, Telephon nach Pasoeroean, Pasrepan und Poespo, 104 Z.,
F. 2, Lunch 2, Din. 2,50, Pens. 7 Fl.; noch etwas höher das _Kurhaus
Tengger_ [1840 m], Inhaber _J. Elfferich_, Z. 5-6 Fl.), die höchste
Sommerfrische Javas, wird wegen seines frischen und trocknen Bergklimas
(Luftwärme zwischen 10 und 20° C) viel von Erholungsbedürftigen besucht.
Schöner »europäischer« Garten am Kurhaus. Im April und Mai sowie Oktober
und November ist Tosari am stärksten besucht. Spaziergang zum
*_Nymphenbad_ mit prächtigem Wasserfall in 40 Min.

     =Besteigung des Bromo.= Von Tosari Aufstieg zum *=Bromo= (2300 m)
     möglichst früh vor Sonnenaufgang zu Pferde (besser als im
     Tragsessel); zu Fuß hin und zurück ist etwas anstrengend, da man
     sowieso zu Fuß klettern muß. Führer 90 cts.; Zeit zur Besteigung
     etwa 3-4 St. Die Gegend zeigt anfangs europäisch-alpinen
     Pflanzenwuchs (Wolfsmilch, Brombeeren, Kamillen, Rhododendron,
     Alpenveilchen, Edelweiß, Baldrian, Erdbeeren, Vergißmeinnicht
     etc.). Auf halber Berghöhe prächtiger Ausblick nach S., auf den
     höchsten Berg Javas, den Vulkan _Semeroe_ (3676 m), dessen ovaler
     Riesenkrater von 9 km Durchmesser in 2125 m Höhe mit Asche
     ausgefüllt ist (nur der Kilaueakrater, S. 422, ist noch größer).
     Nach etwa 2 St. Ritt erreicht man den _Moenggal-Paß_ (2482 m); der
     Weg teilt sich, l. erreicht man nach kurzer, steiler Steigung eine
     kleine Fläche, auf der eine Hütte steht; dort, am innern, schroffen
     Abhang, *Blick auf den etwa 200 m tiefer liegenden _Sandsee_ des
     alten _Tengger-Vulkans_, dessen Riesenkrater von etwa 8 km
     Durchmesser mit Sand gefüllt ist; im Sandsee (_Dasar_) erheben sich
     vier kleine Vulkankegel: der _Widodarèn_, der _Giri_ (von N.
     gesehen, hinter ersterm), der stets tätige _Bromo_ und der
     alleinstehende _Batok_. Nun etwa 200 m mühsamer Abstieg (Pferde
     besser führen) zum Sandsee, dann Ritt über den Sand in 3/4 St.
     westl. und nw. um den Fuß des Batok zum Fuße des Bromo bis zu der
     neuen Steintreppe, die mit etwa 250 Stufen zum obern Kraterrand
     führt, wo die Pferde mit Kulis zurückbleiben. Dann Aufstieg zum
     obern Kraterrand des =Bromo= (2300 m). Auf 3/4-Höhe hört man schon
     das grollende Donnern und Dröhnen des  Bromo; man glaubt, der
     Krustenrand zittere. Oben ist eine breite Fläche, wo man das von
     den Kulis heraufgebrachte Frühstück verzehrt. Ein etwa 1/2 m
     breiter Fußpfad (nur Schwindelfreien zu empfehlen) führt in 1 St.
     um den 200 m tiefen Kratertrichter herum, dessen Anblick _Hans
     Meyer_ wie folgt beschreibt:

     »Aus dem Boden heben sich wiederum zwei kleinere Kegel, die zurzeit
     von kleinen, schmutziggrünen Teichen ausgefüllt sind und bisweilen
     große Blasen treiben. Dicht daneben aber gähnt unter einem
     überhängenden Fels ein feuriger Schlund, so furchtbar großartig,
     daß die Phantasie eines Höllenbrueghel keinen greulichern
     Höllenschlund hätte ersinnen können. Daraus fährt sausend, zischend
     und heulend eine Glutflamme, angefacht wie von Tausenden von
     Hochofengebläsen und tobend, daß man mühsam seine fünf Sinne
     zusammenhalten muß, und hoch über uns verdichten sich die
     Wasserdämpfe zu jener weißen Wolke, die wir schon vom Rande des
     großen Kraters aus beobachtet hatten. Ich machte trotz der
     Einwendung meines Führers einen Versuch, in den Krater
     hinabzuklettern, fand aber an der abschüssigen Wand und in dem
     nachrutschenden Sandschlamm so wenig Halt, daß ich schleunigst
     umkehrte.« In der Nähe von Tosari liegt ein *_Tenggeresen-Dorf_,
     dessen Bambushütten viele kleine Kammern haben. Die Tenggeresen
     sind Ureinwohner, die noch der alten javanischen Naturreligion treu
     geblieben sind; sie sind ein sittsamer, friedlicher und fleißiger
     Volksstamm, deren Andachtsstätte der Bromo ist, in dessen Sandmeer
     sie sich an jedem zwölften Vollmond mit ihren Priestern (Dunkun's)
     in Festkleidern versammeln, dort Gelübde erfüllen (z. B.
     Tänzerinnen tanzen lassen); schließlich wird auf ein Zeichen des
     Oberpriesters unter Vorantritt aller Priester von Tausenden von
     Männern, Frauen und Kindern der etwa 220 m höhere Kraterrand des
     Bromo erstürmt; oben werden als Opfer Früchte, Hühner, Kleider,
     Münzen, Kuchen  niedergelegt, von den Priestern gesegnet und dann
     in den Krater geworfen (wobei Jungen aber im innern Kraterrand
     auffangen, was sie fassen können). Das Opfer gilt für die Seelen
     der Verstorbenen, die ein Fegfeuer im Bromokrater durchmachen
     müssen, ehe sie auf den Gipfel des benachbarten, 1000 m höhern
     Seméroe, wo ihr Gott-Vater Batoro Guru lebt (die Walhalla!),
     gelangen.

     Wer vom Tengger-Gebirge noch mehr sehen will, kehrt nicht nach
     Tosari zurück, sondern reitet durch den Sandsee nach dem Passe von
     _Ngadisari_, nach etwa 200 m Aufstieg wird der Oberrand des
     Tenggerberges wieder erreicht, auf dessen äußerm sanften Hang das
     von grünen Wiesen und Bäumen umgebene höchste Tenggeresendorf
     =Ngadisari= liegt. Nach 1-2 St. gelangt man weiter auf
     landschaftlich sehr schönem Gebirgsweg (mit vielen steilen Abhängen
     und schwierigen Stellen) nach =Soekapoera=, wo man in dem
     prachtvoll gelegenen Rasthaus, _pasanggrâhan_, übernachtet (gute,
     reine Betten). Man telegraphiere schon von Tosari zum Residenten
     von Pasoeroean um Erlaubnis zum Übernachten im Rasthaus. In
     Soekapoera bestelle man telegraphisch von Probolinggo einen Wagen
     zum Fuß des Gebirges. --Am andern Morgen recht früh zu Wagen (6
     Fl.) in etwa 6 St. nach =Probolinggo= (_Hotel Egener_, gut),
     Bahnstation und kleiner, malerischer Seehafenplatz mit 8000 Einw.,
     an der Madoerastraße, mit schönen Tamarinden-Alleen. Von hier
     zurück mit der Eisenbahn (100 km) über _Soerabaja_ (S. 208) nach
     _Batavia_ (S. 195).

       *       *       *       *       *

     Von Tosari sind sehr viele schöne Ausflüge auf guten Pferden (Tarif
     im Sanatorium) zu machen; die Leitung des Sanatoriums gibt
     Auskünfte und besorgt alles. Man muß stets sehr früh aufbrechen, da
     mittags meist Nebel eintritt. Sehr schön und bequem ist der Ritt
     nach dem *_Penandjaan_ (2780 m); man hat das Sandmeer tief unter
     sich und schaut in den Bromokrater hinein. Prächtiger Rundblick!


 II. China, Philippinen, Sibirische Bahn, Korea, Japan.

 11. _=Südchina=_: _Von Singapore nach Hongkong.
    Kanton. Macao.
    Philippinen: Manila_                              S. 214-240
    Südchines. Meer S. 214. -- Südchina S. 215. --
    Hongkong S. 220. -- Kanton S. 225. -- Macao
    S. 233. -- Von Hongkong nach Manila S. 234. --
    Philippinen S. 235.

 12. _Von Hongkong nach Schanghai. Yangtse-Fahrt_     S. 240-265
    Swatau. Amoy S. 241. -- Futschou S. 243. --
    Kuschan. Jungfu. Ningpo S. 244. -- Insel Formosa
    S. 245. -- Ostchines. Meer. Schanghai S. 246. --
    Yangtse-Fahrt Schanghai-Hankau-Itschang S. 254.
    -- Nanking S. 256. -- Minggrab S. 257. --
    Kiukiang S. 258. -- Hankau S. 259. -- Itschang
    S. 262. -- Tschungking S. 263.

 13. _=Nordchina=_: _Von Schanghai nach Tsingtau,
    Tientsin und Peking_                              S. 265-280
    Kiautschou S. 266. -- Tsingtau S. 267. --
    Lauschangebirge S. 270. -- Tsinanfu S. 272. --
    Küfu S. 273. -- Tientsin S. 275. -- Weihaiwei.
    Tschifu S. 278. -- Tongku S. 279.

 14. _Peking und Umgebung_                            S. 280-301
    Große Chinesische Mauer S. 295. -- Minggräber
    S. 296. -- Jehol S. 297. -- Peking-Hankau S. 299.

 15. _Von Berlin nach Moskau und auf der Sibirischen
    Bahn über Charbin nach Wladiwostok, Dairen u.
    Peking_                                           S. 301-329
    Moskau S. 305. -- Tomsk S. 314. -- Krassnojarsk.
    Jenissei. Irkutsk S. 315. -- Baikalsee S. 316.
    -- Amurfahrt Srjetensk-Chabarowsk S. 317. --
    Charbin S. 318. -- Wladiwostok S. 320. --
    Chabarowsk S. 323. -- Von Charbin nach Dairen
    S. 323. -- Mukden S. 324. -- Chienshan. Dairen
    S. Port Arthur S. 327. -- Von Charbin nach
    Peking S. 328.

 16. _=Korea=_                                        S. 330-337
    Von Mukden nach Söul S. 331. -- Tschimulpo S.
    332. -- Söul S. 333. -- Von Söul nach Fusan
    und Shimonoseki S. 336.

 17. _=Japan.=_ _Von Schanghai nach Nagasaki, durch
    die Binnenlandsee nach Kōbe, über Osaka,
    Kyōtō nach Yokohama, Tōkyō und
    Nikkō_                                         S. 341-411
    Ostchines. Meer S. 348. -- Nagasaki S. 349. --
    Eisenbahn Nagasaki-Moji. Kagoshima. Dazaifu.
    Hakata S. 353. -- Von Nagasaki durch die
    Binnenlandsee nach Kōbe S. 354. --
    Shimonoseki S. 355. -- Eisenbahn von Kōbe
    über Osaka und Nara nach Kyōtō S. 356. --
    Eisenbahn von Shimonoseki nach Kōbe S. 358.
    -- Kōbe-Hyōgo S. 361. -- Kyōtō S.
    369. -- Über den Hiyei-zan zum Biwasee S. 377.
    -- Hozugawa S. 378. -- Momoyama. Eisenbahn von
    Kyōtō nach Yokohama S. 379. -- Yamada.
    Futami S. 382. -- Kunozan S. 383. --
    Fuji-no-yama S. 384. -- Mianoshita. Über den
    Hakonesee und den Jikkokutoge nach Atami S.
    386. -- Yokohama S. 388. -- Kamakura S. 391.
    -- Enoshima. Kanazawa S. 392. -- Tōkyō
    S. 393. -- Nikkō S. 404. -- Chuzenjisee
    S. 407. -- Yumotosee. Nyohō-zan S. 408. --
    Ikao. Harnausee. Harunatempel S. 409. --
    Asama-yama S. 411.

 18. _Von Yokohama über Honolulu nach San Francisco_  S. 411-423
    Stiller Ozean S. 411. -- Haiwai- (Sandwichs-
    Inseln) S. 413. -- Honolulu S. 416. -- Kilauea.
    Mauna Kea. Mauna Loa S. 420.



Südchina.


     China wird durch das Tsinlinggebirge und seine niedrigere östl.
     Fortsetzung, das Hwaigebirge, die sich aus Innerasien heraus bis
     nahe an die Meeresküste bei Nanking erstrecken, in zwei Hauptteile
     zerlegt, Südchina und Nordchina, die sich in den mannigfachsten
     Beziehungen unterscheiden.

     =Südchina=, auf dessen Betrachtung wir uns zunächst beschränken,
     umfaßt von den 18 Provinzen, in die das eigentliche China geteilt
     ist, folgende zehn: _Yünnan_, _Szetschuan_ und _Kweitschou_ im SW.,
     _Kwangsi_ und _Kwangtung_ im SO., _Hunan_, _Hupeh_ und _Kiangsi_ in
     der Mitte, _Fukien_, _Tschekiang_ und den _Südteil von Nganhwei_ im
     NO. Für den Weltreisenden kommen fast nur die Küstenprovinzen
     Kwangtung (mit Kanton und Swatau), Fukien (mit Amoy und Futschou)
     und Tschekiang (mit Ningpo und Hangtschou) sowie die Provinzen des
     untern Yangtsegebiets: Kiangsu, Nganhwei (Anhwei) und Hupeh in
     Betracht.

     Die Küstenprovinzen Südchinas sind, abgesehen von der Delta-Ebene
     des Hsikiang, an der Kanton und Macao liegen, fast ganz von
     Gebirgsland erfüllt, das sich mit meist von SW. nach NO.
     streichenden Ketten hinter einer insel- und buchtenreichen, trotz
     Verschlammung der Buchten nicht hafenarmen Küste erhebt. Die
     Längstäler dieses Gebirgslandes werden von gut schiffbaren und
     durch niedrige Talwasserscheiden miteinander in bequemer Verbindung
     stehenden Flüssen durchzogen, deren bedeutendster der gegenüber
     Hongkong mündende _Hsi-kiang_ ist. Die Flüsse stellen die besten
     Verkehrswege des Landes dar, da Eisenbahnen noch fast ganz fehlen
     und Landstraßen nicht vorhanden sind. Der Landverkehr ist vielmehr
     ausschließlich auf Saumpfade angewiesen und auf Fußwege, auf denen
     Menschenkraft als wichtigstes Transportmittel verwendet wird.

     =Klima.= In gleicher Breite wie das nördl. Drittel Vorderindiens
     gelegen, hat Südchina doch ein viel rauheres Klima als dieses
     abnorm warme Gebiet, weil ihm die schützende nördl. Gebirgsschranke
     fehlt. Ganz Ostasien steht ebenso wie Südasien unter der
     klimatischen Wechselwirkung zwischen der großen asiatischen
     Landmasse, deren Inneres sich im Winter stark abkühlt und im Sommer
     stark erhitzt, und den viel gleichmäßiger temperierten Randmeeren;
     es hat also Monsunklima (vgl. S. 40). Der sommerliche SW.-Monsun,
     der weiter nordostwärts in S.- und SO.-Monsun übergeht, ist auch
     hier warm und bringt Trübung und Regen; der winterliche NW.-Monsun
     weht dagegen in ganz Ostasien viel stärker als der Sommerwind, ist
     kalt, sehr trocken und bringt heiteres Wetter. So haben nur
     Hongkong und Kanton noch ein einigermaßen tropisches Klima mit
     feuchtheißem Sommer, aber regenarmem und ziemlich rauhem Winter;
     weiter nordostwärts wird der Temperaturgegensatz zwischen Sommer
     und Winter immer stärker, die Sommerhitze erreicht überall noch
     tropische Höhe, während im Winter schon im Hinterland von Swatau
     unterm Wendekreis die Berge bis tief hinab gelegentlich in Schnee
     gehüllt sind.

     Die =Pflanzendecke= hat gleichfalls nur im S. noch tropischen
     Charakter mit Palmen, Bananen, Bambus u. dgl.; weiter nordostwärts
     und im Gebirge spielen immergrüne, hartblätterige (subtropische)
     Gewächse die Hauptrolle, unter denen die Kamelien und deren
     Verwandter, der Teestrauch, die bekanntesten sind. Die
     ursprüngliche Vegetation tritt jedoch stark zurück hinter den
     Kulturgewächsen, denn die Küstenprovinzen sind äußerst dicht
     bevölkert und sogar die Berghänge bis zu 1500 m hinauf mit Hilfe
     von _=Terrassenkultur=_ in Benutzung genommen. Außer
     Nahrungspflanzen, unter denen Reis, Mais, Hirse und andre
     Getreidearten, Zuckerrohr, Hülsenfrüchte und Gemüse die Hauptrolle
     spielen, werden besonders Baumwolle, der Teestrauch und der
     Maulbeerbaum (für die Seidenraupenzucht) kultiviert. Ebenso ist
     auch von der freilebenden höhern =Tierwelt= außer den schönen
     Fasanen wenig mehr zu merken.

     Die =Chinesen= und ihre Werke werden daher fast überall für den
     Besucher Chinas im Vordergrunde des Interesses stehen. Seitdem sie
     seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. aus Innerasien in ihr heutiges Land
     vorgedrungen sind, das (mit Ausschluß der Mandschurei, der
     Mongolei, Ilis und Tibets) etwa 4 Mill. qkm umfaßt (annähernd
     7-1/2mal so viel wie das Deutsche Reich), haben sie dieses in ein
     Kulturland zu verwandeln verstanden, wie kein anderes Volk der Erde
     seinen Wohnsitz. Die Fruchtbarkeit und das dem Ackerbau günstige
     Klima sowohl des lößbedeckten Nordteils des Reiches wie des
     lößfreien Südteils wiesen von jeher auf den Ackerbau als die
     natürliche Grundlage der Volkswirtschaft hin, und die rasch
     zunehmende Volksverdichtung zwang zu immer weiterer Ausdehnung des
     Kulturlandes und zu immer sorgfältigerer Ausnutzungsweise
     desselben, die heute geradezu als »Gartenbau« bezeichnet werden
     kann. Die starke Volksvermehrung (die große Zahl der Kinder ist
     eine der auffälligsten Erscheinungen im menschenwimmelnden China)
     hat ihren Hauptgrund in der den Grundzug der chinesischen
     Volksreligion bildenden Ahnenverehrung, welche die Darbringung von
     Ahnenopfern durch männliche Nachkommen verlangt und auch die
     Ärmsten zu frühzeitiger Heirat zwingt. Die Gesamtbevölkerung Chinas
     soll nach der letzten Volkszählung (1910) reichlich 400 Mill.
     betragen, was einer mittlern Volksdichte von 100 entspräche
     (Deutsches Reich 1910: 65 Mill. auf 541000 qkm, Dichte 120). Doch
     ist diese Zahl wohl zu hoch angenommen. Indem so die
     Lebensbedingungen für den einzelnen auf dem gegebenen Raum immer
     knapper wurden, sind höchste Genügsamkeit und ausdauernder Fleiß
     (Sonntag in China unbekannt) Haupteigenschaften des Chinesen
     geworden; der chinesische Bauer ernährt sich und seine Familie von
     einem uns Europäern winzig erscheinenden Stückchen Land, der Kuli
     von einem lächerlich geringen Arbeitslohn. Das namentlich im N.
     stark kontinentale Klima mit seinen plötzlichen
     Witterungsschwankungen vertilgte alle weichlichen Individuen und
     hat die Chinesen durch natürliche Auslese gegen Witterungseinflüsse
     unempfindlich gemacht; sie sind das einzige Volk der Erde, das in
     _=allen=_ Klimaten arbeitsfähig bleibt; daher die weite Verbreitung
     chinesischer Kulis. Trotzdem die Chinesen ein Ackerbauvolk sind und
     der Bauernstand (außer den Akademikern) als der höchste gilt,
     wohnen sie nur in einzelnen Landesteilen auf dem Lande verstreut;
     meist drängen sie sich vielmehr in großen, volkreichen Dörfern und
     in mauerumgürteten _=Städten=_ zusammen, den Plätzen der großen
     Märkte, des Warenaustausches und des Handels, in denen der lebhafte
     Handelsgeist des Volkes seine Wirkungsstätten findet. Das enge
     Zusammenwohnen und die starke Konkurrenz in diesen Wohnplätzen hat
     als sehr unangenehme Eigenschaften Hinterlist und Unreinlichkeit
     sowie anderseits eine einseitig materielle Lebensauffassung
     hervorgerufen. Der maßlose nationale Hochmut des Chinesen, der ihn
     auch in uns Europäern nur »Barbaren« sehen läßt, und die Erstarrung
     ihrer Kultur, die sich erst in allerjüngster Zeit zu lösen beginnt,
     finden ihre Erklärung in dem Umstande, daß China, das »Reich der
     Mitte«, stets von kulturell tieferstehenden Völkern umgeben war und
     alle seine Bedürfnisse selbst erzeugte, so daß es sich Jahrtausende
     hindurch nach außen ganz abschließen konnte.

     Die chinesische =Volksreligion= sieht, wie bereits oben erwähnt,
     ihren Endzweck in der Verehrung der Ahnen und des Herrschers. Ihre
     philosophische Weiterbildung hat sie im _Konfuzianismus_, der Lehre
     des _Kungfutsze_ (551-478 v. Chr.), gefunden, dessen noch heute im
     höchsten Ansehen stehende Philosophie den einzelnen lehrt, sich nur
     als Glied der Gesamtheit zu betrachten und dessen Wohle sich
     unterzuordnen. Der Buddhismus hat in China, so weit seine Klöster
     dort auch verstreut sind, nie eine große Rolle zu spielen vermocht.
     Der Islam zählt etwa 30 Mill. Anhänger in entlegeneren Teilen des
     Reiches. Sehr gering sind auch die Aussichten auf Ausbreitung des
     Christentums unter diesem ältesten Kulturvolk Asiens; nur die
     Jesuiten haben einst (um 1600) große Erfolge erzielt, aber nur,
     weil sie dem Volke ihren Ahnenglauben und die Verehrung des
     Kungfutsze ließen.

     Die gegenseitige Eifersucht der verschiedenen christlichen
     Konfessionen, Sekten und Richtungen, die heute noch alle
     Anstrengungen der Missionen illusorisch machen, haben schon damals
     das Werk der Jesuiten zerstört: gerade als der kaiserliche Hof in
     Peking im Begriffe stand, zum Christentum überzutreten, wurden die
     Jesuiten dank den Einflüsterungen der Dominikaner und Franziskaner
     vom Papst zurückgerufen. Heute zählt man unter den Chinesen etwa 1
     Mill. katholische und 150000 protestantische Christen, die
     vorwiegend den untern Volksklassen angehören.

     Die ganzen =staatlichen Verhältnisse= sind zurzeit in stärkster
     Umbildung begriffen; den Hauptanteil an dieser Umwälzung haben die
     Südchinesen. Das Beamtenheer der _Mandarinen_ erfährt seine
     Ausbildung auf rein formalistischem Wege durch das Studium der
     Klassiker. Die darin erlangten Kenntnisse werden durch Prüfungen
     nachgewiesen, an denen jedermann teilnehmen kann. Es herrscht
     Ämterkauf. Die Amtssitze der höhern Beamten (die durch kleine
     Knöpfe auf den Mützen und Stickerei des Brustlatzes gekennzeichnet
     sind) tragen die Bezeichnung fu (z. B. Singanfu, Tschifu).

     =Geschichte.= Ursprünglich war China von unzivilisierten Stämmen
     bewohnt; um 2600 v. Chr. drangen die Stammväter der heutigen
     Chinesen aus Zentralasien in das nordwestchinesische Lößgebiet ein.
     Singanfu in der heutigen Provinz Schensi wurde ihre Hauptstadt. Sie
     brachten aus ihren trocknen Ursitzen die Teekultur und die
     Berieselungskunst mit. Im Laufe langer Zeiten dehnten sie ihre
     Herrschaft über das ganze heutige China und noch weiter aus, wurden
     aber später vielfach von fremden Dynastien unterworfen, die teils
     von W., teils von N. kamen. Im ersten nachchristlichen Jahrtausend
     waren es vor allem tungusische Stämme, die aus der nördl.
     Mandschurei ins Liautal (um Mukden) gelangt waren und nun durch die
     schmale Pforte von Liauhsi (vgl. S. 329) nach Nordchina vordrangen.
     Am bekanntesten unter ihnen sind die _Kitan_ geworden, die die in
     China von 905-1125 n. Chr. herrschende _Liau-Dynastie_ begründeten;
     auf sie geht die Bezeichnung Chinas als _Kitai_ zurück.

     Zu Anfang des 13. Jahrh. wurde China ein Teil des gewaltigen
     Reiches der _Mongolen_, und _Kublai Chan_, der Enkel Dschingis
     Chans, machte Peking zu seiner Hauptstadt und begann den Bau des
     gewaltigen Kaiserkanals (S. 265); Marco Polo stand längere Zeit in
     seinen Diensten. Schon 1356 machte sich aber ein chinesischer
     Priester, _Tschuyüentschang_, zum Herrn von Nanking und begründete
     1368 als Kaiser die einheimische _Ming-Dynastie_, die bis 1644
     herrschte, dann aber dem tatkräftigen jungen Chan der gleichfalls
     von N., aus dem Liautal, gekommenen tungusischen _Mandschu_ weichen
     mußte, der als Kaiser _Schuntschi_ die _Tsing-Dynastie_ begründete.
     1662 wurden die Holländer aus Formosa vertrieben, das sie 1625
     besetzt hatten. Im 17. und 18. Jahrh. wurden vereinzelte
     Niederlassungen der Russen, Franzosen und Engländer geduldet.
     Wichtig für die Eröffnung des Handelsverkehrs mit Europa war der
     Opiumkrieg 1840-42, in dem die Engländer Hongkong erwarben und die
     Öffnung der Häfen Kanton, Amoy, Futschou, Ningpo und Schanghai
     erzwangen. Ernstlich bedroht wurde die Tsing-Dynastie durch den
     Taiping-Aufstand, dessen Führer _Hung-Siutsuen_ Anhang unter
     christenfreundlichen Chinesen fand, sechs Provinzen und 1853 die
     alte Hauptstadt Nanking einnahm. Bald darauf geriet die kaiserliche
     Regierung in Krieg mit England und Frankreich; 1860 wurde Peking
     besetzt, der Sommerpalast geplündert und zerstört und China zu
     Handelsverträgen mit allen Seemächten gezwungen. Dann unterstützten
     aber die Engländer und Franzosen die chinesische Regierung gegen
     die Taiping, deren letzte Stütze, die Stadt Nanking, 1864 genommen
     wurde. Im Krieg um Korea zwischen Japan und China 1894/95 verlor
     letzteres Formosa und die Pescadores-Inseln. 1897 nahm Deutschland
     als Sühne für die Ermordung zweier Missionare die Kiautschoubucht,
     1898 Rußland Port Arthur und Talienwan, Frankreich Kwangtschou und
     England Weihaiwei und Nord-Kowloon bei Hongkong; hierdurch entstand
     eine fremdenfeindliche Stimmung, die zu der Boxerbewegung führte.

     Nach Zerstörung der Takuforts am 17. Juni 1900, Ermordung des
     deutschen Gesandten (20. Juni), Befreiung des Landungskorps unter
     Admiral Seymour und Entsatz Tientsins wurde Peking am 14. Aug.
     genommen. Seit dem Ausbruch der Revolution im Herbst 1911, welche
     die Stürzung der monarchischen Dynastie und republikanische
     Verfassung anstrebt, ist das chinesische Reich in innere Wirren
     verwickelt; europäische Streitkräfte schützen Leben und Eigentum
     der fremden Staatsangehörigen.

     =Reiseliteratur für China=: _v. Richthofen_, Schantung und seine
     Eingangspforte Kiautschou (Berlin 1898); _E. Tiessen_, China
     (Berlin 1902); _W. Grube_, Religion und Kultus der Chinesen
     (Leipzig 1910); _M. v. Brandt_, 33 Jahre in Ostasien (Leipzig
     1901); _G. Wegener_, Zur Kriegszeit durch China 1900/01 (Berlin
     1902); _Madrolle_, Chine du Sud; _Ders._, Chine du Nord (Paris
     1904).


     Reisen in China.

     Reisepaß für die chinesischen Behörden besorgt der deutsche Konsul
     im Ankunftshafen; man tut gut, sich mit Visitenkarten in
     chinesischer Schrift zu versehen (die Namen, Rang, Heimatsort und
     Reisezweck angeben). Das Gepäck ist zu beschränken, weil die
     Verkehrsverhältnisse schlecht sind. Am bequemsten reist man in
     Südchina auf Flußdampfern und Flußbooten (gemieteten
     »Hausbooten« [Sampans] oder Dschunken); letztere sind auch bei
     Kanalfahrten zu gebrauchen, aber die Reise geht langsam vonstatten,
     flußaufwärts mit Ziehleuten. Landreisen am besten zu Pferde, viel
     unbequemer sind die Maultiersänfte und der zweiräderige Reisekarren
     (ohne Federn!); letzterer ist für größeres Gepäck unentbehrlich,
     doch gibt es Fahrstraßen nur vereinzelt und nur in Nordchina;
     Südchina kennt außer den Wasserstraßen nur Saumpfade und als
     Transportmittel nur Menschen und Tragtiere. Wenn man die Karre mit
     eignen Feldbettstücken polstert, ist sie allenfalls erträglich.
     Reittiere kauft man am besten, Packtiere (Maultiere) mietet man. v.
     Richthofen empfiehlt die Benutzung von Reit- und Packtieren für alle
     Landesteile von Nordchina; man kann mit ihnen auf Fußwegen auch
     Berge übersteigen.

     Gute Maultiere leisten die besten Dienste. Moskitonetz ist im
     Sommer unentbehrlich. Im Winter sorge man für warme Kleidung,
     Decken und mit Schaffell gefütterten Mantel sowie hohe, derbe
     Wasserstiefel. Laterne, großer Vorrat an Stearinlichten,
     europäisches Tischgerät, Glas und Porzellan zwischen Filzplatten
     verpackt, Kochgerät.

     Der Diener muß europäisch kochen können, die chinesische Kost ist
     ungesund, nur gekochter Reis und Brot sind frisch brauchbar.
     Hühner, Enten und deren Eier sind billig, Rind- und Hammelfleisch
     nur in Städten, wo Mohammedaner wohnen und in den Städten mit
     größern Europäerkolonien; die Chinesen selbst verwenden das Rind
     nur als Zugtier. Chinesisches Schweinefleisch ist wegen großer
     Verbreitung der Trichinose ungenießbar. Zum Mundvorrat nehme man
     reichlich Fleischextrakt, gepreßte Gemüse, Kakao, Tee (schwarzen,
     die Chinesen trinken grünen), kondensierte Milch.

     Über den Verkehr mit der Bevölkerung hole man sich vorher bei
     Landeskennern Rat; niemals vergesse man, daß man sich unter einem
     Kulturvolk befindet. In größern Orten mache man dem
     Gemeindevorsteher Besuch; wenn er Geschenke schickt, gebe man dem
     Hauptdiener etwa so viel, wie die Lebensmittel wert sind.

     =Geld.= In Hongkong werden Silbermünzen zu 1 $ (Dollar), 50, 20, 10
     und 5 cents geprägt; 1 _Hongkong-Dollar_ = 100 cents = 1,78-1,95
     M., je nach dem Kurs. Post und Telegraph nehmen nur Hongkong-Dollar
     sowie Noten der Lokalbanken, kein englisches Geld etc. Im
     Geschäftsverkehr ist der _Tschop-Dollar_ (mit meist rotem
     chinesischen Geschäftsstempel versehener Kanton-Dollar), auch »old
     und new Mexican Dollar«, dem Hongkong-Dollar ungefähr gleichwertig.
     Höheren Wert, etwa 2-2,40 M., hat der echte _Mexikanische Dollar_,
     der überall an der chinesischen Küste vollwertig ist (man hüte sich
     vor falschen Dollars, die am Klang kenntlich sind!); der
     Hongkong-Dollar ist nur in Hongkong, Kanton, Swatau, Amoy und
     Singapore vollwertig, an andern chinesischen Plätzen wird er gar
     nicht oder nur mit Verlust genommen. Kupferstücke von 20 Käsch
     gelten nur im südlichen China. Auch mit dem Papiergeld ist Vorsicht
     geboten; manche Noten sind nur in Hongkong und dem südlichen China
     vollwertig, während man (selbst bei Scheinen der Hongkong-Shanghai
     Bank, die in Hongkong ausgestellt sind) in Schanghai 10 Proz. und
     mehr Verlust erleidet. Deshalb erkundige man sich vor größern
     Geldabhebungen bei zuverlässigen Bankgeschäften, ob das
     aufgenommene Geld auch im nächsten Hafen noch vollwertig ist.

     Im chinesischen Reiche laufen als =Münzen= die _Tungtsien_,
     _Sapeken_ oder _Käsch_ um, das sind auf einer Seite bezeichnete
     Rundstücke aus Kupfer mit Zinn, Blei und Zink, von ungleicher Größe
     und Dicke mit vierkantigem Loch. Je 100 werden zu einem _Mahs_ oder
     _Tsiën_ aufgereiht und 10 Schnüre zu einem _Liang_ oder _Tael_
     gebündelt. Diesem wurde ein Kegel fast reinen Silbers (engl. sycee)
     von in Schanghai 34,246 g Gewicht gleichgesetzt; aber man erhält
     für solches Tael 750-2000 Käsch, je nach dem Platzkurs. In
     _Haikuan-Tael_ von 38,246 g oder bei vertragsmäßig 1-1/3 Unze
     Avoirdupois = 37,799 g werden die Zölle bezahlt. 1 Haikuan-Tael =
     1-1/2 mexikan. Dollar = etwa 2,95 M. = 0,70 amerikan. Dollar. Als
     wirkliche Münzen, jedoch vielfach verunstaltet, benutzt man
     mexikanische und andre Dollars, die seit 1873 auch in Kanton
     geprägt werden und hier 24,494 g fein wiegen sollen; dieser Dollar
     von Kanton, = 4,409 M. Silber, erhielt 1890 Gültigkeit im ganzen
     Reiche, wird aber, wie die übrigen Edelmetallmünzen, außerhalb der
     Vertragshäfen in der Regel gewogen. Größere Barzahlungen erfolgen
     in gestempelten Silberbarren von meist 50 Tael. Außerdem zahlt man
     in Goldblättern, deren Feinheit der Goldschmied in chinesischer
     oder englischer Schrift beglaubigt. Alle diese Wertzeichen haben
     gegeneinander veränderlichen Kurs.

     Den Geldverkehr mit Europa und Amerika vermitteln in den
     Vertragshäfen ansässige =Banken=. Von den chinesischen
     Bankgeschäften sind die wichtigsten u. sichersten
     die »Schansi-Banken« (Hsihao). Der Zinsfuß beträgt durchschnittlich
     10-15 Proz. Die chinesischen Banken geben eigne Noten aus. Allein
     in Tientsin emittieren gegen 300 Banken solche. Sie haben ungefähr
     die Größe europäischer Banknoten, sind auf starkes, grobes Papier
     gedruckt und mit einer Menge Stempel versehen, um Fälschungen zu
     verhüten. Die Noten lauten auf 100-10000 Käsch.

     =Sprache.= Mit chinesischen Dienern, Geschäftsleuten, Boys spricht
     man meist das _Pidgin English_ (Geschäftssprache), ein Gemisch aus
     Englisch, Portugiesisch und Chinesisch, bei den europäischen
     Wörtern stets l statt r, also plople statt propre = rein.
     Beispiele: Gut so, macht nichts, genug = maskee; Art und Weise =
     fashion; Ort, Gegend, Haus = side; holen, kaufen, bekommen = catch;
     bring' mir = catch this side; holen = makee come; oben = topside;
     trage hinauf = catch topside; schnell = tschop; sofort =
     tschop-tschop; sehr gut (Nr. 1) = numbel one; haben Sie bekommen =
     have gott?; ich oder er kann oder darf nicht = no can do!; der Herr
     weiß schon = master savee; Kellner, hol' einen kräftigen Träger,
     der mir meine beiden Koffer sofort hier heraufbringt, hast du
     verstanden? = boy! makee come numbel one side kuli tschop-tschop
     two piecee topside must have this side! savee?; Wünscht der Herr
     Frühstück? = Master wantchee tschau-tschau? Ich will sofort eine
     Selterwasser haben = My wantchee soda, tschop-tschop!; Whisky und
     Soda, ich verstehe = Whisky soda! My savee!; Bring' Champagner her
     = champaign-lai!; das Wasser gehört nicht dem Herrn, es gehört ihm,
     und er will Geld dafür = Water no belong master, water belong he,
     he wantchee money!; Du bist ein sehr schlechter Diener = You belong
     very bad boy; Verstand = savee-box; es ist sehr schlecht (kaput,
     zerrissen, verdorben etc.) = belong bad; ich weiß nicht = my no
     savee; Ich bin ein Deutscher = My belong German.

     Die _Sprache der Chinesen_ ist unter allen Kultursprachen die
     einfachste. Sie besteht nur aus einsilbigen Wörtern. Ihr fehlen
     alle Beugungen, jede Unterscheidung von Haupt- und Zeitwort, jede
     Wortbildung überhaupt, außer Zusammensetzung der Silben. Die
     Bedeutung der Wörter im Satz wird  durch ihre Stellung
     hervorgebracht. Die Umgangssprache zerfällt in zahlreiche Dialekte,
     die in Aussprache und Artikulation so voneinander abweichen, daß
     sich die Angehörigen verschiedener Provinzen oft kaum verstehen.
     Allgemein verbreitet ist dagegen das sogen. _Kwānhoá_
     (Hochchinesisch) als Sprache der Gebildeten und als
     Verkehrssprache. Die chinesische _Schrift_ ist aus einer
     Bilderschrift hervorgegangen.--Über _Namenschreibung_ vgl. S. 281.

     Für Erlernung der wichtigsten hochchinesischen Worte und
     Redewendungen zu empfehlen: »Konversationsbuch für die Reise und den
     Selbstunterricht« von _Hsüeh Chi Tschong_.



11. Von Singapore nach Hongkong. Kanton. Macao. Philippinen: Manila.

Vgl. die Karte S. 155 und die beifolgende Karte.


     =Reichspostdampfer des Nordd. Lloyd= (S. 166) von _Singapore_ alle
     14 Tage Fr. oder Sa. in 5 Tagen nach (1437 Seem.) _Hongkong_, für
     I. Kl. 8 £ 16 sh., II. Kl. 6 £ 12 sh. Rückfahrkarte 1-1/2facher
     Preis. -- =Österreich. Lloyd= monatl. einmal von _Singapore_ nach
     (1448 Seem.) _Hongkong_ in 6 Tagen. -- =Messageries Maritimes= alle
     14 Tage von Singapore über (648 Seem.) _Saïgon_ (S. 179) in 7 Tagen
     nach (1582 Seem.) _Hongkong_. -- =Peninsular and Oriental Co.= von
     _Singapore_ alle 14 Tage in 6 Tagen nach (1440 Seem.) _Hongkong_.

Von _Singapore_ führt der kürzeste Seeweg mit NNO.-Kurs etwas westl. an
den holländischen _Anambas-Inseln_ vorbei, dann in Sicht der
französischen Inseln _Great Catwick_ und _Cécir de Mer_, weiter während
des SW.-Monsuns mit nördlichem Kurs unter der Küste von Annam entlang,
wobei _Kap Padaran_ mit Leuchtfeuer eine gute Ansteuerungsmarke bildet,
und westl. von den _Paracel-Inseln_ vorbei, dann vom 17.° nördl. Br. ab
mit NO.-Kurs nach _Hongkong_. Dieser Weg ist der beste für die Monate
April bis September; trotzdem laufen viele Dampfer während des ganzen
Jahres von Cécir de Mer mit nordöstl. Kurs zwischen den _Paracel-Inseln_
und Riffen und der großen, mit gefährlichen Riffen besetzten
_Macclesfield-Bank_ hindurch, obwohl dieser mittlere Seeweg etwas länger
ist. Bei starkem NO.-Monsun macht der Dampfer gewöhnlich einen östlichen
Umweg, weil dann im östlichen Teile des Südchinesischen Meeres
schwächerer Gegenwind als nahe vor der Küste von Annam vorgefunden wird.
Bei der Annäherung an Hongkong kommen kleine Inseln, dann die schön
geformte hohe Felseninsel _Hongkong_ (S. 222) in Sicht. Von den
vorgelagerten _Ladronen_ und _Kaipong-Inseln_ ist die 448 m hohe _Große
Ladronen-Insel_ an ihrer Bergkuppe zu erkennen; die Insel _Paktsim_
(Kaipong-Inseln) zeigt die auffälligen _Eselsohren_, zwei fast
senkrechte, 286 m hohe spitze Gipfel. Die vorgelagerte, 30 m hohe
_Gap-Klippe_ trägt einen weißen Leuchtturm (mit Blinkfeuer von 18 Seem.
Sichtweite), von dem aus ankommende Dampfer telegraphisch nach Hongkong
gemeldet werden. Bei der Annäherung an den _Tschukiang_ (Perlfluß) oder
_Kantonfluß_, dem die _Insel Hongkong_ inmitten einer Gruppe kleiner
Felseninseln östl. vorgelagert ist, trifft man meist auf große
Flottillen kleiner Fischerdschunken. Die _Gap-Klippe_ r. lassend,
steuert der Dampfer mit nördlichem Kurs östl. von der _Lingting-Insel_
auf die _West-Lamma-Durchfahrt_ zu und dann r. drehend durch die
_Sulphur-Durchfahrt_ zwischen _Green Island_ und der Insel Hongkong auf
die _Reede von Hongkong_, die einen geschützten Hafen bildet.

Das =Südchinesische Meer= (_Nanhai_) erstreckt sich von der Halbinsel
Malakka bis zur Formosa-Straße (vgl. beifolgende Karte). Der südliche
Teil wie auch die Golfe von Siam und Tonkin haben weniger als 200 m
Tiefe, während im nordöstlichen Teil, zwischen den Philippinen und
Hongkong, mehr als 4000 m Wassertiefe gefunden sind. Sehr gefährliche
Korallenriffe findet man an vielen Stellen, besonders ausgedehnt westl.
von der Insel _Palawan_ bis 110° östl. L. Im nördlichen Teile liegen die
_Paracel-Inseln_, umgeben von Riffen und Bänken; östl. davon die große
_Macclesfield-Bank_ u. a. Die Strömungen im Südchinesischen Meere sind
von den herrschenden Winden abhängig: während des SW.-Monsuns setzt der
Strom zwischen Singapore und Hongkong sowie unter der Küste von Annam
nnö., während des NO.-Monsuns ssw. Der SW.-Monsun beginnt im Golf von
Tonkin Mitte April und weht im Juni, Juli und August überall zwischen
Singapore und Hongkong. Der NO.-Monsun ist am stärksten und
gleichmäßigsten im Januar, Februar und März. In der zweiten Hälfte des
SW.-Monsuns treten vor dem Golf von Siam, der Küste von Indochina und
dem Golf von Tonkin häufig heftige Gewitterböen mit dunklem Gewölk auf.
_Taifune_ kommen im Mai bis November, doch meist nur im August,
September und Oktober vor; bei westlichem Sturm ist die Gefahr, in die
Mitte des Taifuns zu geraten, für Schiffe, die von Singapore nach
Hongkong fahren, nicht groß, weil man sich wahrscheinlich an der linken
Seite der Sturmbahn befindet und nur beizudrehen braucht, bis das Wetter
besser und der Wind sw. geworden ist. Wenn der Barometerstand sich wenig
ändert, kann das Sturmgebiet an seiner Südseite umsteuert werden, mit
südlichen und östlichen Kursen. Bei südlichem Wind kann man den Kurs
beibehalten, muß sich aber hüten, der Sturmmitte zu nahe zu kommen. Am
unsichersten ist die Lage des Schiffes, wenn der Sturm aus Richtungen
zwischen NO. über N. bis NNW. weht. Nur wenn der Wind dann nach l.
dreht, oder wenn er gleich aus NNW. beginnt, kann man mit SW.-Kurs
abhaltend sicher sein, der gefährlichen Sturmmitte zu entgehen.


Hongkong.

Vgl. die beifolgenden Pläne.

     =Ankunft zur See.= Der Hafen ist stark belebt mit großen Dampfern,
     deren täglich bis zu 60 ein- und auslaufen (vgl. S. 223). Die
     Hafenstadt _Victoria_ baut sich am Fuße des Pik der Insel Hongkong
     stufenweise auf, ihre weißen, palastartigen Häuser liegen zwischen
     schönen Gärten mit grauem Felsenhintergrund. Alle großen
     Dampferlinien haben Festmachetonnen für Dampfer; die deutschen
     Reichspostdampfer legen an dem Pier von _Kowloon_ an; Ausschiffung
     erfolgt mit Dampfbarkassen der Gasthöfe oder mit Sampan (1/2 St.
     Fahrt, 10 cents jede Person). Da Hongkong Freihafen ist, findet
     keine Zolluntersuchung statt.

     =Gasthöfe=: _Hongkong Hotel_, 170 Z., Pens. $ 6-12. --_Grand Hotel_
     (deutscher Besitzer), Pens. von $ 5 an. -- _King Edward Hotel_, Ice
     House Street, sehr mäßig (indischer Manager); 85 Z., F. 1, Lunch
     1,25, Dinn. 1,25, Sup. 1, Pens. $ 6-12. -- _Astor House Hotel_,
     Queen's Road Central. -- _Peak Hotel_, nahe dem Endpunkte der
     Drahtseilbahn auf dem Pik, für Fremde zu empfehlen, die Zeit haben,
     außerhalb der Stadt zu wohnen; Pens. von $ 5 an. -- _Connaught
     Hotel_, Main Street; 90 Z., Pens. $ 5-15, monatl. $ 90-100. --
     _Grand Carlton Hotel_ (Familienpension), Ice House Road 8 u. 10,
     Pens. von $ 4 an. -- _Thomas Hotel._ -- _Kowloon Hotel._
     -- _Privatpension Kingsclerc_, Kennedy Road, gelobt (deutsche
     Besitzerin G. Sachse).

     =Cafés= (mit kalter Küche): _Weismann_, Des Voeux Road. -- _Wiener
     Café_, Queen's Road.

     =Post=: Queen's Road, beim Uhrturm; Briefe nach Deutschland 10
     cents, Postkarten 4 cents. -- =Telegraph=: New Praya, Connaught
     Road. Die Preise für Telegramme schwanken nach dem Dollarkurs.
     -- _=Kabel=_ nach Saïgon, Labuan, Manila, Schanghai und Macao.
     -- =Telephon.=

     =Wagen= gibt es nicht.

     =Elektr. Straßenbahn= von _Westpoint_ bis _Shankiwan_ am Meeresufer
     entlang, in 60 Min. für 40 cents, Teilstrecken 5 cents. Umsteigen
     bei _Happy Valley_.

     =Tragstühle= (_chair_) mit 2 Trägern, nach Tarif: in der Stadt 1/2
     St. 20 cents, 1 St. 30 cents, 3 St. 70 cents; für den Tag $ 1;
     außerhalb der Stadt mit 4 Trägern: 1 St. 60 cents, 3 St. $ 1, für
     den Tag $ 2. Im Bergdistrikt die Hälfte höher.

     =Rikschas=: 1/4 St. 5 cents, 1/2 St. 10 cents, 1 St. 15 cents, jede
     Stunde mehr 10 cents. -- =Drahtseilbahn= (_Peak tramway_) von
     Garden Road zum Pik in 7 Min., einfache Fahrt 30 cents, Hin- u.
     Rückfahrt 50 cents; von 7-1/2 Uhr früh bis 8 Uhr abds. alle 10 u.
     15 Min.; von 8-11-1/4 Uhr abds. jede 1/2 St. -- =Fahrräder=:
     Verleihgeschäft in Queen's Road Central, westl. von New Praya. --
     =Pferde= zu mieten in Kennedy Stables.

     =Flußdampfer.= 1) _=Nach Kanton=_: _Hongkong, Canton and Macao
     Steamboat Co._ 3mal tägl. (außer So.), 8 Uhr Vm. und 9 u. 10,30 Uhr
     Nm.; Fahrpreis $ 8, jede Mahlzeit $ 1-1/2, F. 9 Uhr, Tiffin 1 Uhr,
     Dinner 7-1/2 Uhr. Schlafkabine, wenn frei. _Französische Dampfer_
     (vorzuziehen!) jeden Abend 5-1/2 Uhr (außer So.), Fahrpreis $ 5,
     Mahlzeit $ 1-1/2; Schlafkabine. -- 2) _=Nach Macao:=_ _H. C. & M.
     S. Co._ tägl. (außer So.) abds., Fahrpreis $ 4; _Wing-on Steamship
     Co._ jeden Morgen 8 Uhr, Fahrpreis $ 3; Sonntags Sonderschiffe hin
     und zurück $ 2, Aufenthalt ca. 4 St.

     =Fährdampfer= (_Ferry launch_) von _Hongkong_, Ice House Street,
     nach dem nördl. gegenüberliegenden _Kowloon_, Godown Wharf, in 9
     Min. für 15 cents; von 5-1/2 Uhr früh bis 7-3/4 Uhr abds. alle 10
     Min., bis 9-1/4 Uhr jede 1/4 St., bis Mitternacht jede 1/2 St.

     =Seedampfer=: _Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd_ (Agentur:
     Melchers & Co., Queen's Building I., Tel.-Adresse
     »Nordlloyd-Hongkong«) alle 14 Tage nach Schanghai und Japan, ebenso
     nach Singapore und Europa; Anschlußdampfer über Manila, Angaur,
     Jap, Friedrich-Wilhelmshafen, Rabaul und Brisbane nach Sydney. --
     _Österreichischer Lloyd_ (Agentur: Sander, Wieler & Co., Tel.-Adr.:
     »Lloydiano Hongkong«) monatlich nach Schanghai, Yokohama, Kobe
     sowie über Singapore nach Europa. -- _Messageries Maritimes_
     (Agentur: de Champeaux, Tel.-Adr.: »Messagerie-Hongkong«) alle 14
     Tage über Schanghai, Kobe nach Yokohama, ebenso über Saïgon,
     Singapore nach Europa. -- _Peninsular and Oriental Co._ alle 14
     Tage nach Europa und über Schanghai nach Japan. -- _Pacific Mail
     Steamship Co._, _Great Northern S. S. Co._, _Toyo Kisen Kaisha_ und
     _Nippon Yusen Kaisha_ etwa alle 10 Tage über Japan nach San
     Francisco. -- Nach den Philippinen (Manila) vgl. S. 234.

     =Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_, Tel.-Adr. »Teutonia«, Queen's
     Road Central Nr. 7, Korr. sämtlicher deutschen Großbanken; --
     _Hongkong-Shanghai Bank_ und _Banque de l'Indochine_, beide Korr.
     der Berliner Disconto-Gesellschaft.

     =Theater=: Im Winter zuweilen eine europäische Truppe; außerdem
     chinesische, eins (_Koshing_ in Queen's Road West), wo stets
     gespielt wird, auch Singspielhallen; mitunter Promenadenkonzerte am
     Drahtseilbahnhof.

     =Reisebureau=: _=Thos. Cook & Son=_, Des Voeux Road Central 16,
     gibt gratis: »_Information for Travellers landing at Hongkong_«;
     liefert Fahrkarten für Führung und Fahrt nach Kanton,
     empfehlenswert.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul Dr. E. A. Voretzsch, Wyndham
     Street 8 u. 10, etwa 5 Min. von Blake Pier, mit Lesezimmer für
     deutsche Seeleute. -- _Österreich-Ungarn_, Konsul Ritter v. Wiser,
     Princes' Buildings. -- =Deutscher Klub= »Germania«, Kennedy Road,
     nahe Union Church und Drahtseilbahn; _Hongkong Club_ (engl.), am
     Hafen, Connaught Road, New Praya. -- =Deutscher Gottesdienst=
     (deutscher Pfarrer) in der Kapelle des Berliner Findelhauses, So.
     11 Uhr. -- =Deutsche Schule=, Kennedy Road, hinter Union Church.

     =Polizei=: Hauptamt (Central Police Station) Old Bailey Street,
     südl. vom katholischen Dom.

     =Deutsche Ärzte=: Dr. _Müller_; Dr. _Justi_, Mansion House; Dr.
     _Hoch_. -- =Deutsche Apotheke=: _Medical Hall_ (Inhaber E.
     Niedhardt & H. Kammel), Ecke Ice House Str. u. Des Voeux Road.
     -- =Krankenhäuser=: _Civil Hospital_, Queen's Road West; _Peak
     Hospital_.

     =Buchhandlungen=: _Kelly & Walsh Ltd._ -- _W. Brewer & Co._ --
     =Presse=: _Hongkong Daily Press_; _China Mail_; _Hongkong
     Telegraph_; _South China Morning Post_. -- =Photographien=: Viele
     Geschäfte, die auch Platten und Films in gutem Tropenverschluß
     liefern, z. B. _Long Hing & Co._, Queen's Road Central. [Hand] Das
     Photographieren der Festungswerke und Marineanlagen ist streng
     verboten.

     =Geschäftsadressen=: Queen's Road ist Hauptgeschäftsstraße.
     _=Optiker=_: _Charles J. Gaupp & Co._ (deutsch), Alexandra
     Building. -- _N. Lazarus_, im Hongkong Hotel. -- _=Zigarren=_,
     _=Ansichtskarten=_: _Kruse & Co._ (deutsch), Mansion House. --
     Warenhaus _Lane Crawford & Co._, Ecke Ice House Street und Chater
     Road. -- _=Kleider-=_ und _=Wäschehändler=_: _Tak Cheong_, Queen's
     Road Central; _Bon Ton_, D'Aguilar Street 2. -- Curios und
     japanische Waren: _Kun & Komor_, Hongkong Hotel Building (sehr
     gut); _Loong Shing Co._, Queen's Road Central 26. -- Seidenspitzen
     und Grasleinen: _Madame Flisch & Co._ -- Blackwood-Möbel:
     _Lok-Hing_; _Kwong Hing_. -- Porzellan: _Wing Hing_. -- Juwelier
     _J. Ullmann & Co._, Queen's Road Central 34, gegenüber Hauptpost.
     -- Silbersachen: _Wang Hing_; _Wing Nam_, sämtlich Queen's Road
     Central. -- Man kauft sehr preiswürdig schöne Seidenstickereien,
     Goldstickereien auf Seide u. Samt, Grasleinenstickereien,
     Blackwood-Kunstmöbel und andre Kunstschnitzarbeiten in Elfenbein,
     Ebenholz, Speckstein, Cloisonné-(Metallemaille-)Kunstsachen,
     Bronzen, Silberarbeiten verschiedenster Art, goldene Ringe etc.,
     Eisenschmiedearbeiten, Korb- u. Strohflechtereien, mottensichere
     Kampferkisten, chinesische Bilder auf Reispapier und in Öl etc.

     =Zeiteinteilung= auf 5 Tage. I. Tag: Hongkong, Fahrt auf den Peak;
     Queen's Road; Nachtfahrt nach Kanton. -- 2. Tag: Kanton. -- 3. Tag:
     Kanton. -- 4. Tag: Früh Rückfahrt nach Hongkong; Nm. Park und
     Promenade Kennedy Road oder Bowen Road (Wasserleitung). -- 5. Tag:
     Vm. Happy Valley, Nm. Einkäufe. -- _=Auf 8 Tage=_: 1.-4. Tag wie
     vorher. -- 5. Tag: Früh nach Macao. -- 6. Tag: Macao, Nm. Rückfahrt
     nach Hongkong. -- 7. Tag: Happy Valley, Nm. Einkäufe. -- 8. Tag:
     Fahrt auf den Peak, zu Fuß Nm. zurück.

=Hongkong=, chines. _Heung Kong_ (»Tal der reichen Wasser«), britische
Insel östl. der Einfahrt in den Kantonfluß, ist 15 km lang, 7-8 km
breit, 75 qkm groß mit (1905) 377850 Einw., von denen nur 17977
Nichtchinesen (Engländer, Portugiesen, Inder, etwa 300 Deutsche etc.).
Dazu kommt auf der gegenüberliegenden Halbinsel _Kowloon_ (Kaulun) ein
seit 1898 gepachtetes Gebiet von 974 qkm mit 85011 Einw. Die ganz aus
Granit und Basalt bestehende Insel erhebt sich im _Victoria Peak_ 551
m ü. M. Das Klima kann mit einer mittlern Jahrestemperatur von 22°
(Februar 14,3°, Juli 27,6°) noch als tropisch bezeichnet werden, wenn
auch die jährliche Temperaturschwankung schon stark (absolute Extreme
etwa 35° und 2°) ist. Doch hat Hongkong unter den kalten trocknen
Landwinden nicht so stark zu leiden wie das benachbarte Festland. Die
Regen fallen hauptsächlich im Sommerhalbjahr. Europäern ist das Klima
Hongkongs nicht sehr zuträglich; die angenehmste Zeit ist November
bis Januar, August und September sind wegen der feuchten Hitze sehr
ungesund. Die Pflanzenwelt war auf der Felseninsel ursprünglich
dürftig, trägt aber nun in den von den Engländern geschaffenen
Gartenanlagen tropischen Charakter. Auch vermag Hongkong seinen
Bedarf an Gemüse sowie etwas Reis, Yams, süße Kartoffeln zu erzeugen;
Mango-, Birn- und Orangenbaum sind heimisch. Von Tieren finden sich
die Wildkatze, Ameisenfresser, zahlreiche Vögel, Landschildkröte,
einige Schlangen (auch giftige), das Holzwerk zerstörende Termiten
(»weiße Ameisen«). Taifune richten zuweilen großen Schaden an. Die
Hauptstadt der Insel, =Victoria=, an der Nordküste, ist in 7 km Länge
terrassenförmig am Abhang des Gebirges aufgebaut, hat einen Palast
des Gouverneurs, Stadthaus, Theater, Museum, Bibliothek, Kasernen,
Marinehospital, Marinedepot, Marinedock, Sternwarte, Kohlenmagazine,
ist Sitz eines anglikanischen Bischofs, des Vizeadmirals der englischen
Flottenstation für China (etwa 60 Schiffe), des kommandierenden
Generals der Truppen (139 Offiziere, 3659 Mann), hat eine Polizeitruppe
von 1018 Mann (Engländer, Sikh, Chinesen) und 83 öffentliche und
mehrere private Schulen, darunter eine deutsche Vorschule der
deutschen Kirchen- und Schulgemeinde. Die Stadt ist sehr reinlich und
ordentlich, unregelmäßig gebaut ist nur das westliche Chinesenviertel.
-- Die Industrie ist jung; Werft und Dock in Kowloon, zwei große
Zuckerraffinerien, Baumwollspinnerei, Stuhl-, Hanfseil-, Zement- und
Seifenfabrik; berühmt sind die Hongkongstühle aus geflochtenem Rattan
(span. Rohr). Die Bedeutung der Stadt liegt in Handel und Schiffahrt;
die Insel beherrscht den Zugang zur Mündung des Hsikiang, des
Hauptflusses und Hauptverkehrsweges Südchinas, und hat vor Schanghai
die sichere Lage voraus. Als Freihafen begünstigt, steht es mit Europa
und den Seehäfen des Stillen und Indischen Ozeans in lebhaftem Verkehr.
Die Einfuhr umfaßt Reis, Zucker, Baumwolle, Opium, Salz, Öl, Tee,
Seide; da Hongkong Umschlagshafen ist, werden dieselben Waren auch
wieder ausgeführt.

_=Rundfahrt=_ (in den untern Straßen mit Rikscha, in den obern mit
Tragstuhl). Vom Landungsplatz bei der Ice House Street in die große
Geschäftsstraße _Queen's Road Central_, vorbei am _Stadthaus_ (City
Hall), neben dem mehrere Bankgebäude stehen, weiterhin der Uhrturm
neben dem _Postamt_ und vorbei an der _Zentralmarkthalle_ bis zur
Queen's Road West im Chinesenviertel; von da am Hafen längs Connaught
Road oder durch eine der obern Straßen, z. B. Holywood Road, zurück
zum Park (_Public Gardens_), an dessen Nordseite in schönem Garten
der _Palast des Gouverneurs_ liegt. In der Nähe ist der Bahnhof der
Drahtseilbahn (S. 221), die hinaufführt nach *=Victoria Peak= (551 m);
Auffahrt sehr malerisch mit prächtigen Ausblicken; vom obern Bahnhof
führt eine Treppe zum _Peak Hotel_; der Weg r. führt an Kasernen vorbei
zum Gipfel mit Signalstation (20 Min.), wo herrliche *Aussicht auf
das Meer im S. mit den Inseln und auf den Hafen. Zurück gehe man die
steile Peak Road bergab, oder wende sich vom obern Bahnhof nach l.
um die kleine Bergkuppe nach O. und kehre auf Bowen Road zur Stadt
zurück. Oder man steigt sw. hinab vorbei am Wasserbehälter und dem
französischen Kloster _Pok Fulum_ (Erholungsstation) und wendet sich
um die SW.-Ecke der Insel, erreicht nach etwa 3 St. anstrengendem
Marsche die Chinesenstadt und kehrt auf der Game Road oder Bonham Road
zurück. Man beachte, daß alle diese Wege, da sie viele Windungen und
Zickzacklinien machen, länger sind, als man sie vom Gipfel des Peak
schätzen kann. Den Peak besuche man öfters, lasse sich nicht durch
trübes Wetter abhalten, da man oben stets reine, frischere Luft (und
gute Verpflegung im Hotel) findet. Auf allen Wegen kann man sich ohne
Führer auf den Zickzackwegen leicht verlaufen und zu sehr großen
Umwegen gezwungen sehen. Auch hüte man sich, einen photographischen
Apparat zu zeigen. -- Schöne Spaziergänge bieten _Kennedy Road_ und
_Bowen Road._ -- _=Ausflug=_ nach _Happy Valley_ mit Rikscha oder
elektrischer Straßenbahn bis Stat. »Bowen Road«, bis Robinson Road,
dann l. auf der schönen Bowen Road 6 km; oder (event. im Tragstuhl)
vom Uhrturm am stattlichen _Army Hospital_ vorbei bis zum _Rennplatz_
(Race course), an dessen Westseite nebeneinander der mohammedanische,
katholische, protestantische, parsische und hindustanische _Friedhof_
liegen. An Renntagen im Frühjahr versammelt sich ganz Hongkong auf
dem Rennplatze; die Gasthöfe und Klubs haben Tribünen dort. In der
Nähe liegt der Spielplatz (_Recreation Ground_) des Golf Club und
östl. davon der hübsche _East Point Hill._ Rückfahrt am bequemsten
durch das östliche Chinesenviertel (_Wanshai_), vorbei am _Royal Naval
Hospital,_ und durch die Queen's Road East, an der r. die englische
_Marinewerft_ mit Werkstätten, Vorratslagern und Trockendock liegt. --
Mit Fährdampfer (S. 221) in 9 Min. hinüber nach _Kaulun_ (_Kowloon_);
Rikschas sind zu haben; dort liegen die großen Waren- und Kohlenlager,
Werftanlagen mit Docks und Kasernen für englisch-indische Truppen. Der
Ort ist ohne Sehenswürdigkeiten, aber wichtig für den Seehandel. Etwa
3 km nördl. liegt der chinesische Fischereihafen _Yaumati_, wo auch
Dschunken gebaut werden.

     =Eisenbahn Kaulun-Kanton= (170km; I. Kl. $ 5,40, II. 2,70; Fahrzeit
     des Schnellzugs 5 St.). Die 1910 fertiggestellte Bahn beginnt im
     Nordzipfel der östl. an Kowloon grenzenden _Hongham Bay_. Um Raum
     für die Bahnhofsanlagen und Kais zu gewinnen, mußte ein Teil der
     Bucht zugeschüttet werden. Die vorgelagerte Bergkette
     durchschneidet die Bahn in dem 2198 m langen Beacon Hill-Tunnel und
     läuft am _Tolohafen_ entlang in NW.-Richtung über _Lofa_, wo das
     chinesische Gebiet beginnt, und _Schaklung_ (der einzigen Station
     des Schnellzugs) nach _Kanton_ (S. 225).


1. Seitentour: Hongkong-Kanton.

=Dampfer=, s. S. 221 (die französischen Schiffe haben bessere Küche, die
englischen bessere Kabinen); 90 Seem.; Fahrzeit etwa 7 St. bei Tage, 12
St. nachts. Für die Nachtfahrt Schlafkoje vorausbestellen. Eilige fahren
am besten nachts nach Kanton, verbringen hier den Tag und kehren 5 Uhr
abds. mit dem gleichen Dampfer nach Hongkong zurück, da Nachtlager in
Kanton nicht zu empfehlen. Ankunft Mitternacht, man schlafe auf dem
Dampfer bis früh. -- Cook & Son geben Fahrkarten für Kanton einschl.
Dampferfahrt und Führung aus; zu empfehlen. -- =Eisenbahn= s. oben.

Die Fahrt ist landschaftlich schön; zunächst mit westl. Kurs zwischen
den Inseln _Mahwan_ und _Lantao_ durch, dann nördl. in die 30 km breite
Mündung des _Kantonflusses_, eigentlich eine Meeresbucht, die von W. her
durch das Delta des Sikiang schon großenteils ausgefüllt ist. Man sieht
anfangs nur einzelne kleine Inseln, bis die kahle Küste mit
geschwungenen Berglinien näher tritt, das Wasser gelb wird und die Ufer
in der _Bocca Tigris_ zusammentreten; diese Enge wird von Inseln
gebildet, auf denen chinesische Küstenwerke, meist verfallen, zu sehen
sind. Durch die Enge gelangt man in den _Perlfluß_, dessen Ufer gut
bebaut sind; man sieht in der Ebene Bananen, Obstbäume und Reisfelder.
Zum Abgeben von Post und Reisenden stoppt der Dampfer bei =Whampoa=
(_Huangpu_), chinesischer Stadt mit verfallenen Werftanlagen, Marine- und
Militärakademie, Torpedo- und Seeminenabteilung; es ist der Ankerplatz
für große Seeschiffe mit Ladung für Kanton. Weiter oberhalb wird das
Fahrwasser flach (3,5 m Tiefe). Die Zahl der Dschunken und Sampans nimmt
zu, das Getümmel und Getöse wirkt sinnverwirrend; die Dampfpfeife muß
ununterbrochen heulen, um eine schmale Fahrrinne zu erzwingen. Einzelne
Türme von Kanton erscheinen: etwa 100000 Kantonesen leben auf dem Wasser
in Booten aller Art, in zehnfachen Reihen dicht nebeneinander.
Schmutzige Holzhütten und ärmliche Steinhäuser, Speicher, Pagoden,
einzelne Gärten, ein Stück Stadtmauer mit Wachttürmen, das ist der
Anblick der Riesenstadt vom Fluß aus; das schönste Wahrzeichen ist der
Turm der französischen Kathedrale.


Kanton.

Vgl. die Karte S. 226.

     =Ankunft.= Der Dampfer legt im Stadtgebiet nicht weit von der Insel
     Schamien an; man gelangt mit Tragsessel oder wegen des Gepäcks mit
     Sampan (5-10 cents) nach dem Gasthof. Für eintägigen Aufenthalt
     (genügt!) vermittelt der Dampferkapitän Führer mit Tragsessel; der
     Dampfer gibt Tiffin mit (das man an der fünfstöckigen Pagode
     verzehrt), in der Stadt erhält man nichts für Europäer Eßbares.

     =Gasthof=: _Hotel Victoria_, auf der Insel Schamien; 20 Z., Pens. $
     8-12, Ged. $ 1-1/2, Hausboot zum Dampfer 50 c.; als Nachtquartier
     nicht zu empfehlen. Die sogen. _Blumenboote_ (_Flower Boats_), wo
     halb chinesische, halb europäische Gastmahle zu haben waren, sind
     1909 abgebrannt und nicht erneuert worden.

     [Hand] Europäer werden dringend davor gewarnt, sich ohne Begleitung
     bekannter Chinesen in einem Boot auf dem Fluß aufzuhalten!

     =Post=: Deutsches, englisches, französisches, japanisches Postamt
     auf der Insel Schamien, chinesisches in der Stadt. -- =Telegraph=
     chinesisch auf Schamien.

     =Tragsessel= (_chair_) mit 3 Trägern $1-1/2-2-1/4 für den Tag. --
     =Sampans= (Boote) für Flußfahrten nach Zeit, etwa $ 1 stündlich.

     =Dampfer= nach _Hongkong_: Abfahrt 8 Uhr Vm. (Fahrzeit 7 St.); 5
     Uhr Nm. (Fahrzeit 7-12 St.). Fahrpreise: englische Dampfer $ 8,
     französische 5, chinesische 4, ohne Mahlzeiten; -- nach _Macao_:
     jeden Wochentag 8 Uhr Vm. für $ 5; -- nach den Vertragshäfen
     _Samschui_ und _Wutschau_ am Westfluß dreimal wöchentl., für $ 15,
     hin und zurück $ 25.

     =Eisenbahn=: Kanton-Samschui in 2 St.; Kanton-Hankau im Bau, 90 km
     im Betrieb; Kanton-Kaulun (S. 224).

[Illustration: Plan von Kanton.]

     =Banken=: _Hongkong & Shanghai Banking Corp._; _Banque de
     l'Indochine_, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft;
     _Deutsch-Asiatische Bank_ im Hause der Herren Arnold Karberg & Co.;
     _Carlowitz & Co._, Korr. der Deutsch-Asiatischen Bank, sämtlich auf
     der Fremdenniederlassung Schamien.

     =Fremdenführer= sind unentbehrlich, man nehme aber nur solche mit
     guten Empfehlungen durch Vermittelung von Thos. Cook in Hongkong
     (s. S. 221), der die alte Führerfamilie _Ah-Cum_ (_John_ und
     _Ah-On_) als zuverlässigste empfiehlt, oder des Dampferkapitäns
     oder des Gasthofs; sie erhalten etwa $ 2 und einen Tragsessel für
     den Tag, größere Gesellschaften nach Übereinkunft; man überträgt
     ihnen am besten die Gestellung der Tragsessel nebst je drei Kuli
     (zu etwa $ 2); Besichtigungsplan verabrede man vorher mit dem
     Führer womöglich mit Hilfe eines ortsansässigen Europäers. Der
     Führer ist auch bei Einkäufen nicht gut zu entbehren, aber nicht
     stets zuverlässig; auch chinesische Speise- und Spielhäuser kann man
     mit ihm besuchen. [Hand] Wegen des oft fremdenfeindlichen Pöbels
     gehe man nicht ohne Führer und Tragsessel in die Stadt und meide
     jede Volksansammlung. Besuch öffentlicher Hinrichtungen ist des
     gebildeten Europäers unwürdig und ekelhaft.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul. Dr. W. Rößler, Dolmetscher
     Tigges.

     =Klub=: _Canton Club_, auf Schamien, international für Europäer,
     Einführung durch Mitglieder.

     =Krankenhaus=: Ein französisches und ein amerikanisches Hospital.

     =Einkäufe=: Die Gewerbe liegen meist gassenweise zusammen. Man
     findet: Jade-Schmucksachen (Nephrit), Silber, alte und neue
     Seidenstickereien, Specksteinschnitzereien, Schwarzholz- und
     Elfenbeinschnitzereien u. a. Die Preise sind meist billiger als in
     Hongkong und Schanghai; viele der dortigen Waren werden in Kanton
     hergestellt, doch ist in Schanghai die Auswahl für europäischen
     Geschmack leichter. Für Europäergeschmack bestimmte Waren (Seide,
     Silber, Elfenbein) in der Sai Hing Gei (2 Minuten von der Brücke).

=Kanton=, _Canton_ (chines. _Kwang-tschou-fu_), die wichtigste
Handelsstadt Südchinas, zweitgrößte Stadt des chinesischen Reiches
und Hauptstadt der Provinz Kwangtung, liegt unter 23° 8' nördl. Br.
am l. Ufer des _Perl-_ oder _Kantonflusses_, nahe dem Nordrande
des Sikiangdeltas, in einem Gebiete, das noch üppige, tropenartige
Vegetation besitzt, aber im Winter zuweilen schon Nachtfröste erleidet.
Durch sein Straßenleben ist es die interessanteste Stadt Chinas. Die
Stadt ist von der üblichen rechteckigen Backsteinmauer (nebst Graben)
umgeben, die hier 10 km lang, 12 m hoch und an der Krone 7 m breit
ist, und zerfällt in die dem Fluß zugekehrte Neustadt und die durch
Mauer mit Graben von ihr getrennte, fünf Sechstel der Gesamtfläche
einnehmende alte Tatarenstadt. Hervorzuheben sind hier die Yamen
(Residenzen) des Generalgouverneurs und des Tatarengenerals, das
Kungfutszekollegium und der kaiserliche Tempel, die Fünfstockpagode,
120 andre Tempel, eine Moschee, mehrere buddhistische Klöster, die
Münze, der große Exerzierplatz und die französische katholische Kirche.
Neu- und Weststadt sind das Geschäftsviertel. Ein interessantes
Wirrwarr von Straßen, Gassen, Sackgassen und Wassergraben, 1,2-4
m breit, mit Granitquadern belegt, darunter meist Wasser- oder
Schlammgräben, darüber von April bis Oktober Strohmatten oder
»Himmelsfenster« (mosaikartige Schiebefenster aus Muschelschalen),
darin Menschenknäuel wie in keiner andern Großstadt (vor den
Essenszeiten in den Märkten!), Gewimmel, Gelärm, Geschrei, Geruch.
Auf dem flachen, durch zahllose Kanäle durchkreuzten Ufer (außerhalb
der Mauer), auf Pfahlbauten, sowie in den bis nahe an die Flußmitte
verankerten Booten der »Wasserstadt« wohnt gleichfalls eine
zahlreiche Bevölkerung. Die Fremdenniederlassung befindet sich
auf der Insel _Schamien_, die, ehemals eine Schlammbank, 1859-61
erhöht und ummauert wurde und jetzt mit ihren breiten Banyanalleen
angenehmen Eindruck macht; die Engländer erhielten 4/5, die Franzosen
1/5. Unter den erstern haben sich auch Deutsche, Amerikaner,
Niederländer niedergelassen. Die Einwohnerzahl wird auf 900000
angegeben, darunter 2000 Mönche und Nonnen (9/10 buddhistische);
mehr als 100000 Menschen wohnen auf etwa 84000 Fahrzeugen im Strom.
-- Als Industriestadt nimmt Kanton in China den ersten Rang ein als
Hauptsitz der Seidenspinnerei und -weberei und Seidenstickerei,
durch Borten- und Schnurenfabrikation, Färberei, Glasbläserei, Glas-
und Steinschleiferei, Lackwaren- und Papierfabrikation, Holz- und
Elfenbeinschnitzerei, Möbelschreinerei; in der Umgebung beschäftigt
die Seiden-, Metall- und Porzellanindustrie ganze Dörfer, zur
Zeit der Zuckerernte arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in
den Zuckermühlen. -- Der Handel Kantons liegt zum größten Teil
in englischen und deutschen Händen. Werden die meist für Kanton
bestimmten, in Kaulun und Lappa verzollten Waren eingerechnet, so
beläuft sich der Gesamtwert des Handels von Kanton auf etwa 900 Mill.
Mark. Hauptposten der Ausfuhr sind Tee, Rohseide und Seidenwaren (für
31,4 Mill. Taels), Matten, Zucker, Kassia, Porzellan, Feuerwerkskörper;
der Einfuhr Opium (für 5,3 Mill. Taels), Baumwollenzeuge,
Baumwollengarne, Wollwaren, Metalle, Petroleum, Kohlen, Erdnüsse. Der
Handel wird stark durch Hongkong beeinflußt, wo der Schwerpunkt des
auswärtigen Geschäfts liegt. -- Stadt und Hafen sind durch Forts und
Batterien geschützt; auf den im N. der Stadt gelegenen Bergen liegen
fünf kleine Forts, auf der Südseite vier, darunter _Dutch Folly_,
jetzt Station für drahtlose Telegraphie, auf einer kleinen Felseninsel
mitten im Fluß, am Westende der Insel Whampoa das Haukwa-, Napier-
und Barrierenfort. Die Forts an der Bocca Tigris (S. 225), mit vielen
Geschützen bewaffnet, aber ungeschickt gebaut, wurden in den Kämpfen
mit England 1841, 1847 und 1857 leicht genommen.

Das _=Klima=_ von Kanton zeigt starke Extreme, das Thermometer steigt im
Sommer bis 38° C und sinkt im Winter bis 4,5°, Schnee und Eis sollen als
Seltenheit vorgekommen sein (z. B. 1893).

_=Rundfahrt=_ mit Führer (S. 227) und im Tragsessel (kaltes Frühstück
sowie an Kleingeld etwa $ 2 für Priester und Händler mitnehmen,
dessen Verteilung man dem Führer überlasse; Trinkgelder nur, wo
Wächter Türen öffnen: im Wa Lam Tse, in der Fünfstockpagode, in Tsans
Ahnenhalle, etwa 5-10 cents). Beim Gasthof über die Brücke in die
engen Gassen der Chinesenstadt. Durch die Schuhmacherstraße geradeaus
zum _Hung Sing-Tempel_, dort r. in die Ha Gao Po (Hauptstraße für
chinesische Seidenstoffe, am Anfang der Straße, r., Läden mit Sänften
für Hochzeiten- und Begräbnisse), dann l. durch die Sai Loi Tso Te
(Schwarzholzmöbel mit Marmor- und Perlmuttereinlagen) zum *=Tempel der
500 Götzen= (_Wa Lam Tse_; »Tse« = buddhistische, »Kün« = taoistische
Klöster). Am Eingang die sagenumsponnenen Torwächter, buntbemalte
Figuren aus gebrannter Erde hinter schmutzigen Holzgittern. Erste
Halle: die drei Buddha. Zweite Halle: siebenstöckige Marmorpagode,
Geschenk des Kaisers Kien Lung. Dann l.: _Halle der 500 »Lohan«_
(Schüler Buddhas): 500 lebensgroße Tonfiguren sitzen in langen
Reihen an den Wänden. Dem Eingange gegenüber Kaiser Kien Lung in
goldschimmerndem Gewande. Rechts von ihm zeigt der Tempelwächter
»Marco Polo«. Wer will, kann sich die Priesterwohnungen ansehen.
Zurück zur Ha Gao Po, durch die Ta Tung Gei (chinesische Banken,
Apotheken; Seidenfaden) nach der Tsong Yün Fong (Seidenstickereien,
Bilder in Schwarzholzrahmen). In Nachbarstraßen alle Arten Laternen.
Die nächste Straße, Dai Sann Gei, ist eine Haupthandelsstraße
(Elfenbein, Kuriositäten, Fächer; Nephrit = »Jadestone« fast nur hier
echt zu haben). In der Parallelstraße Ho Bunn Gei Schwarzholzmöbel,
Musikinstrumente und Felle. Durch das »_Tor der Tugend_« (_Kwai
Tak Mun_) in die =Altstadt=. Am Tor viele Läden mit Käfigvögeln,
Schlangen, Affen und anderm Getier. L. durch die Dai See Gei in das
Mandschuviertel. Hier der »_Tempel der fünf Genien_« (_Ng Sin Gunn_).
»Die fünf Genien flogen auf Rammblöcken durch die Luft nach Kanton. Die
Balken wurden in Steine verwandelt und hier aufbewahrt«. Eine große
Glocke (5000 kg schwer) hängt hier: »ihr Klang bringt Unglück über
die Stadt«; 1857, bei der Belagerung durch Franzosen und Engländer,
schlug eine Granate ein Stück aus ihr heraus und machte sie tönen. Im
Tempelhof eine Fußspur Buddhas. -- Nordwestl., ganz nahe, die älteste
Moschee (_Wai Sing Tse_) in China, um 626 gegründet; über ihr der
»Nackte Turm« (_Kwong Tap_) als Minaret; die Moschee soll von einem
Onkel Mohammeds gebaut sein, dessen Grab sich in einer andern der drei
Moscheen Kantons befindet. In der Nähe der »Kwong Tap« wohnen meist
Mohammedaner, deren Gesamtzahl auf 3000 angegeben wird . -- Nördl.
anschließend das Reservat der Bannertruppen, auch Mandschu. Ihre Häuser
sind meist klein, unordentlich, weiß gestrichen mit schwarzgemalten
»Querbalken« über der Tür. Keine Läden hier, die Männer sind Soldaten,
Wächter oder ohne Gewerbe. Die Mandschufrauen fallen durch lange,
hellblaue Gewänder auf, während Chinesenfrauen Obergewänder, die nur
bis zum Rumpfende reichen, tragen. -- Nach N., durch die Fa Tap Gei
nach der *=Blumenpagode= (_Fa Tap_, richtiger »Geschmückter Turm«,
im Gegensatz zum»Nackten Turm«, Kwong Tap), einem achtseitigen,
neunstöckigen, rosaübertünchten Turm von 51 m Höhe; 505 n. Chr. erbaut;
ins Innere kein Zutritt. -- Weiter nördl. bis zum großen Nordtor (_Dai
Pak Mun_); unterwegs hübscher Blick auf das Wachthaus über dem Tor. --
Von hier besuche man ein »=Totenhaus=« (z. B. das Buddhistenkloster
_Sao San_).

     Ein hof- oder gartenartiger Raum, oft im Anschluß an ein Kloster,
     ist mit Längs- und Quermauern durchzogen, an jeder Wandseite liegen
     Zimmerfluchten; das Ganze gleicht einer Miniaturstadt aus kleinen
     viereckigen Grabkapellen. Gegen Eintrittsgeld und jährliche Miete
     lassen reiche Leute hier ihre Toten niederlegen, bis der Wahrsager
     Ort und Zeit für die Beerdigung bestimmt hat, was Jahrzehnte dauern
     kann. Die Ausstattung des Raumes ist verschieden; meist ist in der
     Mitte ein Altartisch, dahinter hängt ein Vorhang oder Teppich zum
     Verhüllen des Sarges. Auf oder neben dem Altar sind Opfergefäße,
     Räucherstäbchen, Speisen, große Figuren aus buntem Papier, an den
     Wänden Bilder, an der Decke hängen Lampen und, senkrecht oder
     wagerecht, gestickte oblongische Läufer. Oft ist auch ein Diener
     anwesend, wohnt oder schläft in einem Nebenraum der »Totenstadt«
     und sorgt für frisches Essen und Wasser. »Bei Kindersärgen steht
     Spielzeug, bei Frauensärgen Spiegel, Salbentöpfe, kostbare Kleider.
     Zuweilen wird der Tote betrogen und erhält Speisen aus Wachs, die
     haltbarer sind. In manchen Kapellen lesen in weiße Trauerkleider
     gehüllte Chinesen aus Folianten laut Totengebete, während ein
     buddhistischer Priester den Takt in Pentametern auf einer kleinen
     Topftrommel schlägt« (nach _Hans Meyer_). Die Herstellung der
     Papierwaren für Toten- und Opferkult (Papierblumen, -sänften,
     -treppen, -figuren, -tabakspfeifen, -geld, -opferschnitzel) ist
     eine bedeutende Industrie der Stadt.

Nahe beim Nordtor der _Kun Yam-Berg_, einer der heiligen Orte Kantons.
Kun Yam ist die buddhistische Göttin der Barmherzigkeit (Sanskrit
_Avalokitêshvara_) und eine der häufigsten Bildsäulen hier. 1858-62 war
am Berg das Hauptquartier der Engländer und Franzosen. Unten das
Taoistenkloster _Sam Yün Kung_, einer der saubersten und schönsten
Tempel der Stadt; eine lange Flucht breiter Granitstufen führt empor zum
Kun Yam-Tempel; vom Tempelhof schöner Blick über die Stadt. -- Zwei
Minuten weiter die =Fünfstockpagode= (_Ng Tsang Lao_), keine Pagode,
sondern ein mächtiger Burgturm von Hausgröße, rechteckig, fünfstöckig,
aus rotem Gestein, die Simse weit vorspringend, erbaut unter dem ersten
Ming-Kaiser (zwischen 1366 und 1399). Vom Obergeschoß weiter *Ausblick:
Im S. die Stadt, der Perlfluß als schimmerndes Band, an seinen Ufern
zwei Neunstockpagoden, in der Ferne die _Sai Siu-Hügel_. Im O. und W.
die dörferbesäte Ebene, im N. und NO. dicht hinter der Stadtmauer
die »Weißen Wolkenberge« (ein andrer heiliger Ort; hier findet der
Totenkult sein letztes Ziel: vom Fuße bis zum Gipfel liegen die
Hufeisengräber neben- und übereinander). Im Oberstock zwei Bildsäulen:
_Kun Yü_ und _Wan Tsèng_ (heilig gesprochener Kultusminister aus dem 7.
Jahrh.), denen die Prüflinge opfern, um gut zu bestehen. Höhe und Lage
auf der schon an sich 10 m hohen Stadtmauer machen die Fünfstockpagode
zu einer Landmarke. Die Chinesen sagen: Kanton gleicht einer mächtigen
Dschunke, die Fünfstockpagode ist der Hintermast mit gespreiteten
Segeln, die Blumenpagode der Vordermast (Zeichen des steigenden Handels
und steigenden Wohlstandes der Stadt).

Auf der _Stadtmauer_ (zu Fuß) oder durch die Stadt (in Sänfte) nach dem
kleinen Nordtor (_Siu Pak Mun_). Geradeaus, immer nach S., bis zur
Hauptstraße der Altstadt, der etwa 1 St. langen _Wei Ngoi Gei_ (»Straße
der Wohltätigkeit und Liebe«), dann r. zum »=Tempel des
Schreckens=« (_Sing Wong Miu_, »Sing Wong« ist der Schutzgott der
ummauerten Städte, deshalb findet sich sein Tempel ebenso in jeder Stadt
wie der des Kungfutsze).

     Der _Sing Wong Miu_ ist ein typisch-kantonesischer Tempel: klein,
     neuerdings renoviert. Er wird von Frauen, Landleuten, Soldaten
     besucht, gleichzeitig von »Bauernfängern«; Bettler, Spieler,
     Wahrsager, Hausierer drängen sich hier, zumal an Festtagen. An den
     Wänden des Hofes werden die Strafen der buddhistischen Hölle in
     Bildern vorgeführt (r. und l. je fünf).

     »Da wird ein Kerl lebendig in Öl gesotten, während grausige
     Ungeheuer die Glut des Ofens anfachen; dort wird ein armer Sünder
     aufgeschraubt wie ein Korkzieher, an andrer Stelle wird ein
     Bösewicht Zoll für Zoll zerstückelt, am dritten Ort ein andrer
     unter einer Riesenglocke zu Tode geläutet, und so geht es fort
     durch alle erdenklichen Stufen der raffiniertesten
     Grausamkeit« (_Hans Meyer_). Das Ganze erinnert an ein Panoptikum.

Dem Sing Wong-Tempel gegenüber durch die Fu Hog Tung Gei nach
dem *=Kungfutsze-Tempel= (_Kuong Tsao Fu Hog Kung_). Kanton hat
drei Kungfutsze-Tempel, dieser ist der erste. An bestimmten Tagen
im Frühling und Herbst versammeln sich hier alle Zivil- und
Militärbeamten, an ihrer Spitze der Generalgouverneur. Die Verehrung
des großen Weisen besteht im Räuchern, Verbrennen von Kerzen, Opfern
von Reis, Wein, Fleisch, Musik, Niederknien u. a. -- Nicht weit davon,
in der _Söng Mun Dai Gei_ (Hauptstraße der chinesischen Buchhändler)
die *_Wasseruhr_. Sie besteht aus vier Kupferkübeln, die auf Stufen
stehen. Das Wasser tropft von einem zum andern; im untersten schwimmt
ein Anzeiger, der angibt, wie lange das Wasser fließt. Nach 12 St.
wird es ins oberste Gefäß zurückgegossen. Erbaut wurde die Wasseruhr
um 1320. -- Nördl. zurück zur _Wei Ngoi Gei_ und diese entlang bis
zum _Westtor_ (_Sai Mun_). Auf dem Weg mehrere Yamen (Amtsgebäude).
Das Schatzmeistersyamen (der Einmündungsstelle in die Wei Ngoi Gei
gegenüber), dann ein wenig weiter, r., das Präfektsyamen, zuletzt das
des Tatargenerals (die Straße führt durch die großen Tore des Vorhofs,
l. eine Wand mit dem kaiserlichen Drachen). -- Nach Schamien zurück
durch die Sap Tsat Po und Sap Bat Po (wichtige Handelsstraßen, hier
auch viele europäische Waren).

     _=Kürzere Rundfahrt=_: Wem diese Fahrt zu lang ist, gehe von der Ha
     Gao Po zum Westtor und hier auf die Stadtmauer: schöne Blicke auf
     den Tempel der fünf Genien, den »Nackten Turm«, die Blumenpagode,
     den Kun Yam San, die Fünfstockpagode. (Vom Nackten Turm auf der
     Stadtmauer zum Großen Nordtor; uralte Geschütze auf der Stadtmauer,
     Schweine und Hühner liegen darunter, menschliche Faulenzer schlafen
     darauf, daneben kochen die Wächter ihr Essen; auch l. durch die
     Mauerluken manch hübsches Bild; bis zum Großen Nordtor 25 Minuten
     zu Fuß, vom Tor aus gehe man wie bei der ersten Fahrt beschrieben.)

Zwei hervorragend schöne Gebäude erfordern weitere Ausflüge: 1) =die
Ahnenhalle der Familie Tsan=. Man fahre mit der Nordbahn (7 Min.)
nach der ersten Station Hgai Chim. L. vom Bahnhof die Hochschule
der beiden Kuong-Provinzen (mauer- und grabenumzogenes Viereck, mit
vielen Gebäuden und Baumgruppen, einer kleinen Stadt ähnlich). Mit
Sänfte nach der Ahnenhalle (15 Min.), einem der schönsten Gebäude in
Südchina, drei Reihen Hallen hintereinander. Überreiche Stuckarbeiten
an Dach und Mauerwerk, die weiten stillen Höfe erinnern an die
Alhambra; in der letzten Halle viele kleine Ahnentafeln. -- 2) =Der
Kungfutsze-Tempel des Pünjü-Distrikts= (_Pun Yü Hog Kung_), großer
Bau, prächtig gelbrotes Ziegeldach, ornamentale Drachen über dem
Eingang zur Haupthalle (nur an Kungfutszes Geburtstag geöffnet, sonst
Eingang durch Seitentüren), im Innern seltsame Riesenfigur des großen
Philosophen. -- Daneben die Amtsgebäude des Pun Yü-Magistrat; Besuch
der Gefängnisse (Erlaubnis des Beamten!) nicht uninteressant. Die
Schauerszenen, früher häufig, sind jetzt unterdrückt. Am Flußufer der
_Richtplatz_, in »Friedenszeiten« werden hier Töpfe getrocknet. Soviel
Hinrichtungen am Tage stattfinden, soviel Holzkreuze werden vorher
dort etwas erhöht aufgebaut; das Schauspiel (meist Kopfabschlagen) ist
widerlich. -- Unter den vielen Tempeln der Stadt sind noch zu erwähnen:
der _Medizintempel_, vor dessen Eingang eine vergoldete Holzschnitzerei
hängt; im Innern schöne Reliefs und im Nebensaal 60 Götzenbilder,
von denen jedes ein Jahr des Menschenlebens und der 60jährigen
Kalenderperiode darstellt; vor jedem steht eine Vase zum Opfern von
Räucherkerzen. Eine kreisrunde Tür führt in einen andern Saal mit
zwei Altären. -- Einer der ältesten Tempel, 362 erbaut, liegt im NW.
der alten Stadt, nahe der Blumenpagode, im _Kloster der glänzenden
Elternliebe_ (_Kwang hiao tse_); er hat zwei kleine siebenstöckige,
eiserne Türme mit Inschriften aus dem 10. Jahrh. -- Bemerkenswert ist
noch der _Kaiser-Tempel_ (_Wan tscheu kong_) ein Staatsgotteshaus,
wo die Zivil- und Militärbeamten Kantons an Kaisers Geburtstag,
beim Neujahrsfest und bei Verheiratung des Kaisers Festgottesdienst
abhalten. Auf dem kahlen Altar steht eine Tafel, auf der der goldene
Namenszug des Kaisers auf grünem Lack angebracht ist. -- Für weitere
Auskunft ist zu empfehlen: »_A Guide to the city and suburbs of Canton,
by Dr. Kerr_« (Hongkong, Kelly and Walsh).

     =Ausflug.= Kanton gegenüber, am Südufer des Perlflusses, die
     Vorstadt =Honam= auf gleichnamiger Insel; Bootsbauerei, Hauptsitz
     der Mattenindustrie, etwa 200000 Einw. Mit Sampan fährt man (nicht
     ohne ortskundigen Europäer!) über den Fluß. Sehenswert sind eine
     große _Tempelanlage_ (_Hoi tswang tse_) im _Kloster des
     Meer-Banners_, zu der man durch eine lange Reihe von Toren und
     Holzstatuen gelangt, zwei Hauptpagoden und drei riesige
     Buddhafiguren; am interessantesten sind die vielen Bonzen, die man
     in ganzen Rotten trifft (listige Augurenphysiognomien). -- Dann
     fährt man flußaufwärts zur Insel =Fati=, gegenüber von Schamien, wo
     sehenswerte _Ziergärten_ liegen; sie enthalten außer vielen
     Blütengewächsen, Palmen, Dracaenen auch absonderliche
     Buschpflanzen, die zu allerlei Figuren (Menschen, Drachen, Fische,
     Fächer u. a.) zurechtgestutzt sind, denen mit Glas und
     Porzellanansätzen nachgeholfen wird; sehr eigenartig sind auch die
     Miniaturlandschaften, meist Berge mit Häusern, Grotten, Brücken,
     Menschen, Bäumen. Bei der Wasserfahrt kann man gelegentlich
     beobachten, wie Priester auf großen Dschunken Andachten abhalten;
     auch das Treiben auf dem Wasser, das Familienleben in den
     Fahrzeugen bietet Sehenswertes. Am angenehmsten sind Fahrten mit
     »Hausboot« der auf Schamien ansässigen Europäer; sie sind für
     Ausflüge zu Wasser bestimmt.


2. Seitentour: Hongkong-Macao.

     =Dampfer=, s. S. 221. 40 Seem.; Fahrzeit etwa 3-1/2 St., Ausflug
     auf 1 Tag (besser 2 Tage). Fahrpreis $ 4; So. Sonderschiffe hin und
     zurück $ 2, 6 St. Aufenthalt (genügt für Rickschafahrt, Besuch der
     Spielhöllen und aller Sehenswürdigkeiten). (NB. Man kann auch von
     Kanton direkt nach Macao in etwa 8 St. fahren [Fahrpreis $ 5], doch
     sind die Dampfer [S. 225] sehr klein, daher bei Seegang unbequem.)

Die Fahrt von _Hongkong_ ostwärts, je nach dem Wetter dicht längs der
Nord- oder Südküste der großen Insel _Lantao_, ist reizvoll; dann durch
die ziemlich offene Mündung des _Kantonflusses_, vorbei an kleinen
Inseln nach dem versandenden Hafen von Macao, der an landschaftlicher
Schönheit mit Hongkong wetteifert, trotzdem die Felsenhalbinsel Macao
nur 100 m hoch ist. Auf dem Fort _Nossa Senhora da Guia_ steht der
erste europäische Leuchtturm, der in China brannte; die Hügel tragen
alte Festungswerke. Die kleine Stadt sieht von See mit ihren Kirchen,
Terrassen, Arkaden und Balustraden malerisch aus. Im Hafen liegen meist
nur Fischerfahrzeuge.


Macao (vgl. den Karton auf der Karte S. 219).

     =Gasthöfe=: _Hotel Boa Vista_, über der Stadt in schönster Lage,
     Rua do Tanque do Mainato 1, gut, allein zu empfehlen; Pens. $ 8. --
     _Macao-Hotel_ an der Grande Promenade, mäßige Preise. -- =Post u.
     Tel.= (Kabel) portugiesisch. -- =Rikschas=: 1 St. 10 cents in der
     Stadt, 15 cents außerhalb. -- =Tragsessel= mit 2 Trägern ein Weg 15
     cents; 6 St. 50 cents; für den Tag $ 1. -- =Dampfer=: nach
     _Hongkong_ tägl. früh, Sa. und So. 2mal tägl., für $ 4-2; nach
     _Kanton_ Mo. Mi. Fr. früh. -- =Sprache= portugiesisch, doch kommt
     man mit Englisch überall durch. -- =Geld= portugiesisch; 1
     _Milreis_ (1000 _reis_) etwa 4,53 M., also 100 reis = 45 Pf. Es
     gelten Banknoten der Hongkong-Schanghai Banking Co. und das in
     Hongkong umlaufende Kleingeld. Der Goldkurs schwankt täglich. --
     =Spielhöllen= (mit Roulette): _Fantam_; _Wong hang_; _Wong wo_;
     Einsatz von $ 1 an, man gewinnt beim »fan tam« den vierfachen
     Einsatz, weniger 10 Proz.; Spielzeit den ganzen Tag, das Spiel ist
     primitiv (man wird enttäuscht sein).

     =Macao= wurde 1517 von den Portugiesen besetzt und diente einst als
     alleiniger Vermittelungsplatz des europäischen Handels mit China.
     Seitdem aber die Fremden in Kanton selbst Zutritt gefunden, und
     vollends, seitdem die Engländer die Insel Hongkong und die
     Halbinsel Kaulun besetzt haben, ist Macao als Handelsplatz völlig
     bedeutungslos geworden, zumal auch der Hafen durch die Sinkstoffe
     des Hsikiang ganz verschlammt ist. Der Besuch des Ortes lohnt aber
     auch heute noch wegen seiner herrlichen, an Monte Carlo erinnernden
     Lage auf einer kleinen Felsenhalbinsel und wegen der zahlreichen
     Zeugen der einstigen portugiesischen Kolonialherrlichkeit. Es ist
     kein größerer Gegensatz denkbar als zwischen dem reichen Leben, das
     in Honkongs Straßen und Hafen pulsiert, und dem menschenleeren
     Macao. Die Portugiesen selbst haben hier wie überall in ihren
     Kolonien ihr Volkstum nicht rein erhalten, sondern sind zu einer
     Mischrasse herabgesunken. Der Baucharakter der Europäerstadt ist
     dagegen noch rein portugiesisch. -- Das _=Klima=_ ist im Sommer
     weniger heiß, angenehmer und gesünder als auf Hongkong.

=Macao= (spr.-kāu) liegt 60 km westl. von Hongkong auf einer felsigen
Halbinsel, die eine nur 100 m breite Landzunge mit der flachen
chinesischen Insel _Heongschan_, des Südteils des Hsikiang-Deltas,
verbindet. Die Grenzmauer, deren Tor früher chinesische Soldaten
bewachten, ist jetzt verfallen. Macao hat 63991 Einw. Der Handel
ist sehr im Niedergang (Waffenschmuggel) und ganz in Händen von
Chinesen. -- Die _Stadt Macao_ ist malerisch auf einer Hügelreihe
erbaut, die bis 100 m vom Strand aufsteigt; die Straßen sind vielfach
steil. Auf den Höhen mehrere alte Forts, die mit je einer Kompanie
Festungsartillerie und Infanterie besetzt sind. Macao scheidet sich
in die regelmäßig gebaute portugiesische (jetzt verödete) Stadt
mit fünf Kirchen, darunter die St. Pauls-Kathedrale, zahlreichen
Kapellen und (seit 1834 aufgehobenen) Klöstern, aber auch nicht minder
zahlreichen Spielhöllen, und das chinesische Viertel mit großem
Basar und engen, schmutzigen Gassen. Macao ist Sitz des Gouverneurs,
eines Bischofs und eines chinesischen Mandarins und Hauptsitz der
französischen Missionen in China. -- Der äußere _Hafen_ ist ungenügend
geschützt, zwei innere Häfen sind eng und verschlammen, daher nur
für Flußdampfer und Dschunken brauchbar, während große Seeschiffe
9-10 km von Macao ankern müssen. Eingeführt wird aus China: Seide,
Matten, Tee, Zucker, Schweine, Tabakblätter, Bambus; aus Hongkong:
Reis, Erdnußöl, Petroleum, Kohle, Mehl. Ausgeführt werden nach China
Opium, Baumwollengarn und Reis. -- Die Portugiesen erhielten bereits
1557 gegen jährliche Zahlung von 500 Taels an China das Recht zur
Niederlassung; diese Summe wurde bis 1848 entrichtet. -- Seit 1845
ist Macao Freihafen, konnte sich aber neben Hongkong nicht behaupten,
besonders seit 1873 der Kulihandel verboten wurde.

_=Rundfahrt in der Stadt=_ mit Rikscha vom Gasthof Boa Vista hinunter
in die Hauptstraße der Stadt, _Praia Grande_, wo der _Palast des
Gouverneurs_ und andre Regierungsgebäude liegen und am Nordende ein
_Park_, in dem Nm. Musik spielt, während ganz Macao dort promeniert.
-- Dann l. den Berg hinauf zur Ruine der _São Paolo-Jesuitenkirche_
mit schönem Portal und etwas weiterhin zum _Camões-Garten_, wo der
verbannte Dichter seine »Lusiaden« vollendet haben soll und eine
Büste des Dichters steht, mit mehreren Inschriften, darunter einer
sehr stimmungsvollen Widmung eines Franzosen. -- Ein guter Weg, die
Avenida Vasco da Gama, führt nördl. zur chinesischen Grenze; auf einer
Anhöhe sieht man einen terrassenförmigen Parsenfriedhof. -- Jenseit
des kleinen Grenztores 8 km weiter liegt eine reiche chinesische
Besitzung mit sehenswertem Park.--In dem fleißigen, aber häßlichen
Chinesenviertel von Macao ist eine Opiumfabrik sehenswert. -- Die
_=Spielhöllen=_ (_Casa do Jogo_, _Gambling saloon_) liegen meist in
der Rua da Felicidade. Macao gewährt wegen seiner idyllischen Ruhe und
malerischen Umgebung genußreichen Aufenthalt für 2-8 Tage. -- 26 km von
Macao liegen die heißen Quellen von _Yo muh_.


=3. Seitentour: Hongkong-Manila= (vgl. Karte s. 155).

     =Dampfer= der _China Navigation Co._ und der _Indo-China Steam
     Navigation Co._ (wöchentl.), der _Philippine Steamship Co._
     (14tägig) laufen von Hongkong nach Manila (640 Seem.) in 2-1/2
     Tagen; Fahrpreise veränderlich, je nach Güte der Dampfer $ 30-50,
     Hin- und Rückfahrt $ 50-80. Der _Norddeutsche Lloyd_ (Austral-Japan
     Linie) läuft Manila alle 28 Tage an. Es ist notwendig, einen Paß
     bei sich zu haben, der vom amerikanischen Konsul in Hongkong
     visiert ($ 1 Gold) wird. Bei der Passagebelegung in Hongkong wird
     von allen Dampferlinien die auf den Philippinen verlangte
     Immigration Tax von 8 Pesos = $ 4 Gold hinzugerechnet. Bleibt der
     Reisende weniger als 3 Monate auf den Philippinen, kann er diese
     Summe durch die Agentur der Linie, mit der er nach Manila fuhr,
     reklamieren. Das Beste ist, dies 14 Tage oder 3 Wochen vor der
     Abreise zu veranlassen, da es solange dauert, bis das Zollamt den
     Betrag zurückzahlt.

Die Fahrt von _Hongkong_ (S. 220) mit südöstl. Kurs durch das
Südchinesische Meer (S. 214) ist sowohl im NO.-wie im SW.-Monsun des
Seeganges wegen unbequem und besonders unruhig beim Monsunwechsel. Bei
Ansteuerung der Westküste von _Luzon_ erkennt man meist zuerst den 1070
m hohen _Monte Agudo_ auf der Halbinsel, hinter der die kleine Bucht von
_Subic_ liegt, und erst später die 1300 m hohe _Sierra de Mariveles_ auf
der großen Halbinsel, die die große Bai von Manila nach W. abschließt.
Zwischen dem Kap Mariveles und der gefährlichen Klippe _La Monja_ und
der 1 km östlichern Felseninsel _Corregidor_ (mit Leuchtturm; diese
Insel und die Inseln Caballo, Carabao, Fraile in der Einfahrt sind sehr
stark befestigt) hindurch steuert man in die geräumige Bucht ein, deren
Küstenumfang etwa 150 km mißt. Der Leuchtturm auf der San Nicholas-Bank
bleibt r., dann erscheint r. die flache Waldküste von _Cavite_, und
voraus sieht man auf künstlichem Ufer neue große Gebäude der Manila
Hotel Co., des Army und Navy Club und Elk Club, dahinter die düstern
Festungsmauern, Kirchtürme und Häuser der Stadt _Manila_, im
Hintergrunde die Höhen von _San Mateo_.

     Die =Philippinen=, die nördlichste Inselgruppe des Indischen
     Archipels, im W. vom Chinesischen Südmeer, im O. vom Stillen Ozean
     begrenzt, besteht aus 3146 größern und kleinen Inseln, darunter die
     größten: _Luzon_, _Mindanao_, _Samar_, _Negros_, _Palawan_,
     _Mindoro_, _Leyte_, _Cebu_, _Bóhol_, _Basilan_, _Panay_, _Masbate_,
     mit (einschließlich der Suluinseln) 296310 (Italien 286682) qkm
     Gesamtfläche. Die Küsten sind meist zerrissen und von
     Korallenriffen umrahmt. Die Inseln werden von dichtbewaldeten
     Bergketten durchzogen, die, wo sie nicht von Laven, Aschen und
     Tuffen der Vulkane überdeckt sind, aus kristallinischen Schiefern
     bestehen. Die zum Teil noch tätigen Vulkane bilden zwei Reihen,
     eine östliche, die mit dem erloschenen _Butulan_ (1097 m) auf
     Mindanao beginnt und sich über die erloschenen Vulkane _Malutun_
     (2000 m) und _Apo_ (3200 m) bis zu der erst 1871 entstandenen, 1627
     m hohen Insel _Camiguin_ und bis zu dem _Bulusan_, dem 2530 m
     hohen, noch tätigen _Mayon_ oder _Albay_ in Südluzon fortsetzt, und
     eines westliche, die von dem _Cotaboto_ auf Mindanao über den
     tätigen _Canloon_ (2497 m) auf Negros und über den _Halcon_ (2700
     m) auf Mindoro bis zu den Vulkanen bei Manila hin und weiter nördl.
     sich erstreckt. Einige Vulkane sind erst in jüngster Zeit
     entstanden, Erdbeben sind ziemlich häufig. Der Reichtum an Metallen
     ist groß, aber noch wenig ausgenutzt, Gold ist auf fast allen
     größern Inseln nachgewiesen; einige zwanzig amerikanische
     Gesellschaften sind an der Arbeit. Mit Gold kommen Silber, Platin
     (Kizal), Eisen, Kupfer, Blei und Zink (Camarines) vor, außerdem
     Zinnober, Schwefel, Petroleum, Steinsalz, Kaolin u. a. Das
     wichtigste Fossil ist eine treffliche Braunkohle, die auf der Insel
     Batan gefördert und von den Küstendampfern viel benutzt wird.

     Das _=Klima=_ ist ein tropisch-insulares Monsunklima mit
     gleichmäßig hoher mittlerer Wärme und zwei Jahreszeiten, einer
     Regen- und einer Trockenzeit. Die Periode des NO.- Monsuns (Oktober
     bis April), der für die Nord- und Ostküsten regnerisch ist, ist die
     kühlere, die des SW.-Monsuns, der hauptsächlich der Westseite Regen
     bringt, die wärmere Jahreszeit. Die Verteilung der Regen über das
     Jahr ist an den einzelnen Orten je nach ihrer Lage zu den
     Gebirgszügen sehr verschieden; Manila hat seine Regenzeit, in der
     jeden Nachmittag ein starker Gewitterregen niedergeht, vom Juni bis
     September. Sprichwörtlich (aber übertrieben): 6 Monate Staub, 6
     Monate Schlamm. Manila: Januar 25°, Mai 28,6°; mittlere
     Jahresextreme 36,3° und 17,1°; Regenmenge 1927 mm (davon Juni bis
     November 1700 mm). Der Wechsel der Monsune (Mai-Juni und
     September-Oktober) ist mit heftigen Wirbelstürmen verbunden. Die
     nördlichen Inseln sind häufiger, die südlichen seltener furchtbaren
     Zyklonen (Taifunen) ausgesetzt.

     Die _=Pflanzenwelt=_ ist die malaiisch-tropische der Sundainseln
     und besonders reich an Palmen; die Tierwelt gehört zwar ebenso der
     malaiischen an, doch fehlen ihr fast sämtliche, auf den übrigen
     Sundainseln allgemein verbreitete Großtiere; die Raubtiere sind nur
     durch eine Viverre und eine Marderart vertreten.

     Die _=Bevölkerung=_ zählt (1909) 8189760, davon 30000 Amerikaner,
     100000 Chinesen, 650000 Negritos, d. h. Ureinwohner, die in den
     entlegenern Gebirgsteilen leben; die Hauptmasse der Eingebornen
     besteht aus (stark  mit fremdem Blut gemischten) Malaien mit
     zahlreichen Stämmen. Eine große Rolle spielen die Mestizen
     (Mischlinge aus Malaien und Spaniern). Die christlichen Malaien von
     Luzon nennt man Tagalen. Sie haben die Niederungen und Gebirge
     zwischen ihren unter Kokospalmen versteckten Pfahlbaudörfern gut
     angebaut mit Nahrungspflanzen (vor allem Reis), Zuckerrohr, Tabak
     und der Bananenart Musa textilis, der Lieferantin der
     Manilahanffasern. Gewerbebetriebe: Schnitzarbeiten,
     Manilahanfverarbeitung zu Stoffen und Matten; Trepang- und
     Perlenfischerei, Entenzucht. Ausfuhr: Manilahanf, Kopra, Zucker,
     Tabak, Kaffee, Farbholz, Ilang-Ilang, Aloefaser, Gold. Der
     Straßenbau in den Provinzen schreitet rüstig vorwärts. Auf Luzon
     sind bis jetzt 600 km, auf Cebu 110 km, auf Panay 125 km
     Eisenbahnen im Betrieb. Unter dem Zivilgouverneur stehen das
     Oberhaus, bestehend aus neun von Washington aus ernannten Beamten,
     das Unterhaus aus 81 gewählten Abgeordneten, ferner die 40
     Provinzen mit vom Volke gewählten Gouverneuren; die Städte haben
     Selbstverwaltung.

     _=Geschichtliches.=_ _Magalhães_ entdeckte und besetzte die Inseln
     1521 und taufte sie Inseln des heiligen Lazarus; 1543 wurde der
     Name nach dem Kronprinzen (spätern König Philipp II.) in »Islas
     Filipinas« umgeändert. 1645 erlitten die Philippinen ein schweres
     Erdbeben. Im 18. Jahrh. begannen die Spanier eifrige
     Plantagenwirtschaft und Missionstätigkeit durch geistliche Orden
     (Augustiner, Dominikaner und Jesuiten); die Ordensgeistlichen
     machten sich durch Härte verhaßt, so daß seit 1876 Aufstände unter
     Führung aufgeklärter Filipinos kein Ende nahmen. Nach Beendigung
     des spanisch-amerikanischen Kriegs 1898 trat Spanien die
     Philippinen an die Vereinigten Staaten ab, die aber in der kurzen
     seitdem verflossenen Zeit trotz großer Geldopfer die schweren, dem
     Wirtschaftsleben der Inseln durch die spanische Mißwirtschaft
     geschlagenen Wunden und das tiefgewurzelte Mißtrauen der
     Eingebornen gegen die weißen Beherrscher noch nicht beseitigen
     konnten. Die Eingebornen sind auch jetzt noch recht unruhig.

     Beste _=Reisezeit=_ Januar und Februar.


=Manila= (vgl. den Plan S. 237).

     =Ankunft zur See.= Seedampfer ankern innerhalb des Wellenbrechers,
     Küstendampfer im Pasigfluß. Schiffe bis zu 10 m Tiefgang können
     Passagiere und Ladung in den beiden Landungshallen absetzen.
     Strenge Zolluntersuchung; Waffen werden, solange keine Erlaubnis
     zum Tragen eingeholt ist, zurückbehalten.

     =Gasthöfe= (sehr mäßig): _Delmonico Hôtel_, das beste am Platz,
     Deutsch gesprochen; -- _Hôtel Métropole_, Plaza Goiti; -- _Hôtel
     Bay View_, San José, Ermita; -- _Hôtel de France_, Escolta, in
     allen Pens. 5-10 Pesos. -- _Manila Hotel_, modern, im Bau.--_H.
     Wechsler_, deutsche Gastwirtschaft und Bierhalle, Anloague (an der
     deutschen Flagge kenntlich); Mitt. $ 1 (2,10 M.).

     =Post.= Brief nach Deutschland 10, Postkarte 4 centavos, über
     Sibirien (besonders zu vermerken) 20 u. 8 centavos.

     =Telegraph=: _Eastern Extension_, überall hin; _Pacific Cable Co._
     nach Manila, Schanghai und San Francisco. Sämtliche
     Philippinen-Inseln sind durch Kabel miteinander verbunden.

     =Mietswagen= kosten für die erste St. 40 cts., jede folgende St. 30
     cts. -- =Elektrische Straßenbahn= bis Malabon und Fort Mac
     Kinley. -- =Eisenbahn= von Manila nach Camp I und San Fernando mit
     Zweigbahnen, Manila-Batangas, Manila-Cavite, Manila-Antipolo, etwa
     600 km.

     =Dampfer=: Nach Hongkong s. S. 234; -- _Great Northern Steamship
     Co._, monatl. über Hongkong, Schanghai nach Seattle; -- _Pacific
     Mail S. S. Co._ (Agentur Castle Bros. Wolf & Sons) und _Tojo Kisen
     Kaisha_, monatl. über Hongkong, Schanghai nach San Francisco;
     -- _Norddeutscher Lloyd_ (Agentur Behn, Meyer & Co., Ltd.,
     Tel.-Adr. Nordlloyd Manila), alle 4 Wochen nach Australien und
     Neuguinea; -- Küstendampfer der _Philippine Steamship Co._ (Agentur
     Warner, Barnes & Co.), nach allen Inseln des Archipels. -- Außerdem
     Agenturen der _Hamburg-Amerika Linie_, _Messageries Maritimes_ u.
     a.

[Illustration: Karte der Umgebung und Lageplan von Manila.]

     =Geld=: 1 Peso = 1/2 $ Gold (Vereinigte Staaten, II. Teil, S. 2) =
     2,10 M. -- =Banken=: _Hongkong & Shanghai Banking Corporation_ und
     _Chartered Bank of India, Australia & China_; beide Korrespondenten
     der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank;
     _International Banking Corporation_; _Banco Español Filipino_.

     =Sprache.= Mit Englisch kommt man gut aus.

     =Vergnügungen=: Militärkonzerte an der Luneta (Reede), Hahnenkämpfe
     etc.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Dr. Zitelmann, Calle Real 346,
     Malate etc. --_Österreich-Ungarn_, Konsul Peter Krafft.

     =Deutscher Klub=: General Solano 402, San Miguel, im Villenviertel;
     von seiner Terrasse *Aussicht.

     Die =Polizei= ist gut; die amerikanischen Polizisten geben höflich
     Auskunft und zeigen den Weg.

     =Deutscher Arzt=: _Dr. Bartels_, Calle Marina 67, Ermita.

     =Deutsche Apotheken=: _Stahl & Rümcker_, Escolta 83; _Santos &
     Jährling_, Plaza Goiti.

     =Zeitungen.= _=Englisch=_: _Manila Times_, Abendzeitung; _Cablenews
     American_, _Daily Bulletin_, Morgenzeitungen. _=Spanisch=_: _El
     Comercio_, _El Mercantil_.

     =Sehenswürdigkeiten=: Kathedrale und die alten Kirchen in
     Intramuros, Museen, alte Festungswälle in Cavite, Bilibid Prison.

     =Geschäftsadressen.= Viele deutsche Kaufleute leben in Manila; man
     frage im Gasthof nach dem »Directory«.

     =Zeiteinteilung.= Für Manila genügen einige Tage; für Ausflüge nach
     Baguio 4 Tage, nach den Majayjay-Fällen 3 Tage, zur Insel und dem
     Vulkan Taal 4 Tage, nach Sibul Springs 3 Tage, nach Los Baños 1-1/2
     Tag.

     =Geschichtliches.= Manila wurde 1572 begründet, 1590 als Festung
     ausgebaut; 1643 wurde es von den Holländern, später von asiatischen
     Piraten und aufständischen Eingebornen bedroht, aber nie
     eingenommen. Am 1. Mai 1898 erzwang der amerikanische Admiral Dewey
     die Einfahrt in die Bucht von Manila, zerstörte in der Bucht von
     Cavite das aus kleinen, alten Schiffen bestehende spanische
     Geschwader und blockierte Manila von der Seeseite, während die
     verbündeten Filipinos sie von der Landseite einschlossen, so daß
     die spanische Besatzung 13. Aug. 1898 kapitulieren mußte. Auch
     während der Kämpfe, die bald zwischen den Amerikanern und den
     Filipinos ausbrachen, wurde Manila wiederholt von letztern
     angegriffen.

=Manila=, Hauptstadt und Haupthandelshafen der Philippinen, liegt im
Südteile der größten, nördlichsten Insel des Archipels, Luzon, am
Ostufer der prächtigen Bai von Manila, unter 14° 35' nördl. Br., hat
234409 Einw. (Tagalen, Mestizen, Spanier und etwa 30000 Ausländer, meist
Chinesen), macht den Eindruck einer südeuropäischen Stadt. Die meisten
Häuser sind wegen der Erdbeben aus Holz (nur das Erdgeschoß aus Stein),
aber darum den Wirkungen der Wirbelstürme preisgegeben; der letzte
Zyklon (1882) verwüstete in einer Stunde die halbe Stadt. Manila besteht
aus der alten, von moosbewachsenen Ringmauern umgebenen innern Stadt
(_Intramuros_) und den durch eine Stein- und drei eiserne Brücken mit
dieser verbundenen Vorstädten (_Extramuros_). Erstere, am l. Ufer der
Pasig, hat gerade Straßen, Palast des Erzbischofs, Rathaus, 10
reichgeschmückte Kirchen, viele Klöster, Hospitäler, Kasernen,
Observatorium (von dem berühmten Meteorologen und Taifunspezialisten
Jesuitenpater _José Algué_, Verfasser des Werks »The Cyclones of the Far
East«, vorzüglich geleitet). Die innere Stadt, an die sich die Vororte
_Ermita_, _Paco_ und _Malate_ und das _Fort Santiago_ eng anschließen,
ist Sitz des Zivilgouverneurs und des obersten Gerichtshofs und hat nur
etwa 20000 Einw.

[Illustration: Manila, Plan der Innern Stadt.]

Die Vorstädte _Binondo_ und _Santa Cruz_ am r. Pasigufer sind Sitze des
europäischen, amerikanischen und chinesischen Handelsverkehrs, dagegen
blüht in dem von Mestizen und Fremden bewohnten _Tondo_ der Kleinhandel.
Hauptindustrie ist Zigarrenfabrikation und Verarbeitung von Manilahanf;
daneben Verfertigung von Nanking, Flechtarbeiten, Teppichen,
Goldschmiedearbeiten und andern Metallwaren; durch europäische und
amerikanische Unternehmer sind Zuckerraffinerie, Maschinenfabriken,
Brennereien und Zündhölzchenfabrik entstanden. Der Handel liegt meist in
den Händen von Engländern, Deutschen und Amerikanern. Die Einfuhr umfaßt
Baumwollengewebe, Eisenwaren, Petroleum, Seiden- und Wollwaren, Papier,
Kohlen, Kupfer, Reis, Wein, Schirme etc., Ausfuhr Zucker, Hanf, Tabak,
Zigarren, Kopra, Kokosnußöl u.a. Der Handel richtet sich größtenteils
nach den Vereinigten Staaten und England. Von Unterrichtsanstalten
besitzt Manila eine Universität, höhere Schulen, Lehrerseminar für
Eingeborne, Sternwarte, bürgerliches und militärisches Hospital. Das
Klima ist trotz Feuchtigkeit gesund (Durchschnittstemperatur 27°, Januar
25°, Mai 28,6°), Cholera und Pest aber haben zahlreiche Opfer gefordert.
Zyklone und Erdbeben haben die Stadt wiederholt schwer heimgesucht.
--_=Rundfahrt.=_ Man besuche die Geschäftsstraße _La Escolta_; sie ist
Hauptsitz des Handels- und Schiffsverkehrs, lebhafter Verkehr bei
Geschäftsschluß an der großen Pasigbrücke, Puente de España; von dort
wandert man zum Strande. Der _Bagumbayan_ und die _Luneta_, wo
Militärmusik spielt, sind beliebte Spaziergänge. Auf der _Plaza_ steht
das _Standbild Isabellas II._, in der Nähe der alten Festung, bei der
Brücke, die _Magalhães-Säule_ und vor dem frühern erzbischöflichen
Palast, jetzt Sitz des amerikanischen Truppenbefehlshabers, das _Denkmal
Karls IV_. Sehenswert sind die Zigarrenfabriken und die Barbierläden
sowie die Vororte der Eingebornen, die Tabakpflanzungen, Bambushaine und
Kokospalmenhaine in der Umgebung.

     =Ausflüge=: Lohnend ist ein Ausflug nach dem Kratersee _Laguna
     encantada_ (bezauberter See) und nach dem Wasserfall in der
     prächtigen Schlucht bei _Santa Cruz_ (bequem mit Auto, die Stunde
     4-6 Pesos), ferner nach dem Kriegshafen _Cavite_ mit Bahn in 1-3/4
     St., zurück mit Fährdampfer 1 St.; mit Bahn westl. nach _Laguna de
     Bay_ zum Kurort _Los Baños_ (gutes Hotel) mit heißen Quellen; in
     die Berge von _San Mateo_, _Montalbani_ und _Antipolo_. [Hand] Vor
     größern Ausflügen ziehe man Erkundigungen über den Reiseweg ein.

     =Ausflug nach Baguio= (4 Tage erforderlich): Mit Frühzug der
     _Dagupan Railway_ nordwärts Manila durch die Provinzen Rizal,
     Bulacan, Pampanga, Tarlac und Pangasinan, gut angebautes, ebenes
     Land mit Reis- und Zuckerrohrfeldern, dann durch Wälder von
     Nipa-Palmen und sandige Moore mit 5-8 m hohem Cogan-Gras. Hinter
     _Dagupan_ steigt die Bahn etwa 100 m zum vorläufigen Endpunkt _Camp
     One_; hier beginnt das Gebirgsland der Provinz _Benguet_ (man fährt
     ab Camp One mit staatlichen Gebirgsautomobilen); die
     Benguet-Landstraße steigt in der Talschlucht des Bued-Flusses
     durchschnittlich 1: 25 etwa 40 km in prächtigem Alpenpanorama
     empor; erste Haltestelle (20 km) _Twin Peaks_ (Bungalow mit
     Erfrischungen). Von da in 2 St. auf großartigem Weg zum Gebirgskamm
     (eine der schönsten Landschaften der Erde); halbwegs hört die
     Tropenflora auf, Myrten und Nadelholz beginnen, die Luft wird kühl.
     Man sieht r. einen Durchhau nach _Camp John Hay_ und erreicht 100 m
     weiter _Hill Side_ (*Aussicht) und bald darauf *=Baguio= (_Hotel
     Pines_, gelobt, in prächtiger Lage), die Sommerresidenz der
     amerikanischen Beamten mit frischem, gesundem Bergklima, 1456 m ü.
     M., in schönster Landschaft gelegen, als Kurort sehr beliebt. Die
     höchste in 4 Jahren beobachtete Temperatur beträgt nur 26,4°, die
     niedrigste 6,8°, die Niederschlagsmenge aber nicht weniger als 4000
     mm, der meiste Regen fällt im Mai-Oktober, Dezember-März sind ganz
     trocken.--Etwa 5 km weiter liegt _Gibraltar_ und weiter l.
     _Topside_, die Residenz des Zivilgouverneurs mit Park und
     Sportplatz. L. vom Hotel liegt der Bezirk _Brook Side_.



12. Von Hongkong nach Schanghai. Die Yangtse-Fahrt.

Vgl. die Karte S. 215.


     =Dampfer= (Österr. Lloyd, Messageries Maritimes und P. & O. Line)
     in 3-4 Tagen von Hongkong nach Schanghai, vgl. S. 221.--Die
     =Reichspostdampfer= (s. S. 245 B.) gehen von _Hongkong_ in 3 Tagen
     nach (870 Seem.) _Schanghai_ und laufen auf der Rückreise zur
     Teezeit _Futschou_ an. Fahrpreise Hongkong-Schanghai I. Kl. $ 66,
     II. Kl. $ 44.--Außerdem _Pacific Mail Steamship Co._, _Canadian
     Pacific Steamship Co._, _Toyo Kisen Kaisha_ und _Nippon Yusen
     Kaisha_.--Nach _Formosa_ gehen Dampfer der _Osaka Shosen Kaisha_
     über Swatau, Amoy und Futschou nach (930 Seem.) _Schanghai_ in 7
     Tagen.-- =Küstendampfer= (s. unten A.), darunter die _Deutsche
     Reederei M. Jebsen_, die _Douglas Steamship Co._, die _Indo-China
     Steam Nav._ u. a., berühren Swatau, Amoy, Futschou und Ningpo.
     Näheres in den Tageszeitungen in Hongkong.

A. Die =Küstenfahrt= zwischen Hongkong und der Yangtse-Mündung wird nur
von kleinen Dampfern ausgeführt, da der große Bogen der südchinesischen
Küste zwar außerordentlich viele Buchten besitzt und zum Teil in
Inselscharen aufgelöst ist, aber wenige tiefe Häfen besitzt. Die
Buchten sind entstanden, indem das Land sich senkte und das Meer in die
Täler des bisherigen Küstenlandes eindrang; nachträglich sind sie zum
Teil durch Sinkstoffe der Flüsse wieder verschlammt worden. So bestehen
auf der ganzen langen Strecke nur drei bedeutendere Hafenorte, bei denen
wie bei Kanton Flußmündungen die Stelle von Häfen vertreten: Swatau,
Amoy und Futschou. Sie alle haben es nicht zu größerer Bedeutung bringen
können, weil ihre Hinterländer zwar sehr reich und mit guten Wasserwegen
ausgestattet, aber nicht allzusehr ausgedehnt, sondern gegen das Innere
durch eine höhere Gebirgsschranke abgeschlossen sind. Kleinere, dem
Fremdenhandel zugängliche Häfen sind Santuao, Funing, Wentschou.--Man
verläßt Hongkong durch den _Lyemun-Paß_, läuft zwischen den Küsteninseln
und nahe unter Land bis zum _Kap Gute Hoffnung_ (_Good Hope Cape_), 50 m
hoch, mit kleinem weißen Leuchtturm an der Mündung des _Han-Flusses_;
zwischen Inseln und Klippen steuert man durch das Zuckerhut-Fahrwasser
(_Sugarloaf Channel_) über die Barre in den mit Fischerbuhnen besetzten
Fluß und gelangt nach 1 St. Fahrt nach

(175 Seem.) =Swatau= (_Astor House Hotel_, Pens. $ 6-12; _Swatow Hotel_,
an der Landestelle, mäßig), _Scha-tou_, Hafenstadt der Provinz
Kwangtung, dem fremden Handel seit 1858 geöffnet, auf 23°22' nördl. Br.,
also etwa unterm Wendekreis gelegen, mit etwa 48000 Einw. (unter 250
Ausländern etwa 30 Deutsche), hat bedeutenden Seeverkehr, namentlich als
Mittelpunkt der Rohrzuckererzeugung, und europäische Niederlassungen an
beiden Ufern des Hanflusses 8 Seem. innerhalb der Mündung; deutsches
Konsulat (Dr. v. Borch) und deutsches Postamt am Nordufer, größere
Niederlassung auf der Insel _Kakchioh_ am Südufer zwischen schönen
tropischen Gärten und felsigen Hügeln; je ein (internationaler) Klub auf
jedem Ufer (Einführung durch Mitglied). Einkäufe: Zinkteebüchsen,
Zigarrenkasten, Grasleinengewebe, Fächer und Curios. Chinesische
Flußdampfer fahren bis zu der volkreichen Industriestadt
_Tschautschoufu_ (_Chaochowfu_; bis hierher auch Eisenbahn, 48 km,
täglich 3 Züge) und _Kityang_, dem Mittelpunkte des Zuckerrohrbaues. Auf
dem Fluß im Winter Jagdgelegenheit auf Wildenten und Wildgänse etc.

Nördl. von Swatau gelangt man in die _Formosastraße_, die im NO.-wie
SW.-Monsun meist starken Seegang hat; man fährt in Sicht der Küste an
vielen Inseln vorbei und biegt, nachdem man die _Nantai Wuschan-Pagode_
auf 524 m hohem Berggipfel erblickt hat, in eine weite Bucht; im Innern
liegt

(310 Seem.) =Amoy= (_Hsiamen_, in der Provinz Fukiën), dem fremden
Handel seit 1842 geöffnet, auf etwa 24° 30' nördl. Br., mit 114000 Einw.
(30 Deutsche), Sitz eines Titu (Admirals), eines Taotai und eines
Haifangting (Seepräfekt), auf der Insel _Amoy_, die, 15 km lang und 11
km breit, von 400000 Menschen in 136 Ortschaften bewohnt ist und an der
Mündung des Drachenflusses (_Kiulungkiang_) liegt. Letzterer bildet eine
gute Wasserstraße ins Hinterland. Die Bedeutung des Ortes als
Handelsplatz ist stark zurückgegangen, seitdem Japan die
gegenüberliegende große Insel Formosa besetzt hat und der Verkehr
zwischen dieser und dem Festland gering geworden ist. Die Innenstadt,
in der die Yamen der chinesischen Beamten liegen, ist mit Mauern
umgeben. Vor dem Südtor eine alte Ehrenpforte mit Steinfiguren, die eine
im 17. Jahrh. vom Vizekönig in Futschou empfangene holländische
Gesandtschaft darstellen, und Inschriften, wonach den Holländern
gestattet wurde, in Amoy Handel zu treiben. Reste der Mauern um die alte
holländische Niederlassung hinter dem New Amoy Dock. Amoy wurde 1544 von
Portugiesen besucht; später war den Spaniern dort der Verkehr
gestattet.--Bei _Amingkang_, Dorf 1 km südl. von Amoy, liegt das _Grab
des Prinzen Lu Wang_, der 1660 auf der Flucht vor den Mandschus in Amoy
starb, daneben zwei Steinfiguren und ein steinernes Pferd, die Symbole
der Abstammung vom Herrscherhaus.--An den Bergabhängen ein weißer
Grabstein neben dem andern, aus der Taiping-Rebellion herrührend.
--Gegenüber Amoy die alte _Nan tai wu-Pagode_.--Vier große Forts
verteidigen die Stadt.--Im Hafen sehr lebhafter Handelsverkehr; Einfuhr
hauptsächlich Opium und Baumwollwaren, Ausfuhr schwarzer Tee und Zucker.
_Eisenbahn nach Tschangtschoufu_ (_Changchowfu_) im Bau. Gelegenheit zu
billigen Einkäufen (man muß stark handeln!) chinesischer Kuriositäten:
Katzenaugen, Schnitzereien aus Pfirsichkernen, hölzerne Götzenfiguren,
Speckstein. Sehenswert sind auch die Fabriken für Spitzen, künstliche
Blumen, Porzellan und Seide, die Markthallen, Malerwerkstätten und der
Fischmarkt, Teehandlungen. Amoy ist eine der schmutzigsten Städte
Chinas, man nehme Riechsalz mit; auch herrschen Cholera und und Pest
dort häufig.--Gegenüber dem Hafen von Amoy liegt =Kulangsu=, eine kleine
Insel mit der sehr gesunden und malerischen internationalen
Fremdenniederlassung unter eigner Verwaltung, dem _Sea view Hotel_ und
dem _New Amoy Hotel_, dem _Amoy Club_, der _Masonic Hall_, dem
_Deutschen Postamt_, ferner den Banken: _Hongkong & Shanghai Banking
Co._ (Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft) und _National Bank of
China/_; _Deutsches Konsulat_ (Konsul Dr. Merz). Spaziergang (2 St.)
rund um die malerische Insel auf bequemem Weg, beliebte Promenade der
Europäer, die auf Kulangsu international zusammenhalten und sehr
gastfrei sind.

     =Ausflüge= von Amoy (Überfahrt mit Sampan von Kulangsu; man nehme
     Führer vom Hotel mit, nach der Landungsstelle bei der Asiatic
     Petroleum Co.) zum =Weißen Hirsch- und Tigertempel= in schöner
     Landschaft, in 1 St. auf gutem Weg mit Ausblick auf Stadt und
     Hafen.--Unterhalb des Tigertempels lag der _Wackelstein_, ein
     schwerer, früher beweglicher (jetzt umgeworfener) Felsen.--Beim
     Rennplatz, vom Seeräuberkönig _Koxinga_ (der Mitte des 17. Jahrh.
     die Holländer aus Formosa verdrängte) angelegt, liegt der
     _Lamputan-Tempel_. Vor dem Tempel stehen von Schildkröten getragene
     Grabsteine berühmter Chinesen; hinter dem Tempel ein Park mit
     Grotten. Im Innern des Tempels stehen in der großen Vorhalle vier
     riesige Holzbildwerke, r. ein Lautenspieler, daneben ein Krieger in
     goldenem Panzer, gegenüber zwei andre Tempelwächter, von denen
     einer eine Schlange erdrückt, der andre eine Pagode in der Hand
     hält. Im Heiligtum steigt man eine Treppe hinauf in eine Halle, wo
     ein milder Buddha einer goldenen Lotosblume entsteigt, ihm zur
     Seite betende Gestalten. An den Wänden stehen hinter Glas
     Götzenbilder. Auf der Bergkuppe oberhalb des Tempels *Aussicht.

     Lohnend ist auch ein Ausflug etwa 20 Seem. flußaufwärts zu der 330
     m langen, aus gigantischen Steinblöcken  erbauten Brücke, deren
     Bau ein technisches Wunder darstellt. Ferner zu empfehlen eine
     Fahrt auf der zum Teil schon im Betriebe befindlichen Bahnlinie von
     Amoy nach der großen Binnenstadt Tschangtschoufu.

_=Die Küstenfahrt von Amoy=_ nordwärts führt an der Westseite der
_Formosastraße_ (S. 245) zwischen vielen Inseln und durch die
_Haitanstraße_ (innerhalb der großen Insel _Haitan_) zur Mündung des
_Minflusses_. Die Einsteuerung in den Fluß ist sehr schwierig und geht
über zwei Barren zur _Pagodenreede_ (_Pagoda Anchorage_), wo eine
siebenstöckige Pagode auf der Insel _Losing_ steht; am Westende der
Insel chinesische Marinewerft mit Trockendock. Die Ufer sind sehr
malerisch und von hohen steilen Felskuppen begleitet; hohe Berge bilden
das Nordufer. Nachdem der Dampfer geankert, fahren die Reisenden mit
einer Dampfbarkasse in 2 St. flußaufwärts nach

(510 Seem.) =Futschou= (_Brockett's Hotel_; _W. Brand's Boarding House_,
für längern Aufenthalt zu empfehlen, in der Fremdenniederlassung auf der
Insel _Nantai_, wo das Dampfboot anlegt; _Foochow Club_; _Hongkong &
Shanghai Bank_, _Chartered Bank of India_ [beide Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank in Berlin];
_Deutsches Konsulat_ [Konsul G. Siemssen]), engl. _Foochow_ (in der
Volkssprache _Hoktschiu_), Hauptstadt der chines. Provinz Fokiën, am l.
Ufer des schiffbaren Minflusses, 32 km von dessen Mündung, von
malerischen Hügeln umgeben, in fruchtbarer Ebene, eingeschlossen von 9 m
hohen, 4-7 m dicken Mauern, auf unebenem Boden unregelmäßig, aber
typisch »chinesisch« erbaut, hat 630000 Einw., wovon 10000 Mandschu, die
ein ummauertes Viertel bewohnen, und 200 Europäer (18 Deutsche) in der
Vorstadt _Nantai_ in schönen Villen mit Gärten auf dem r. Ufer. Die
Vorstädte ziehen sich bis an den Fluß, der eng besetzt ist mit
schwimmenden Wohnungen; über ihn führt eine 301 m lange Brücke
(die »Brücke der 10000 Lebensalter«), die längste in China, die auf 40
Pfeilern mit bis 14 m langen Steinplatten ruht. Futschou ist Sitz des
Vizekönigs von Mintsche (Fokiën und Tschekiang), des Gouverneurs von
Fokiën und des Oberbefehlshabers der Mandschutruppen; es hat große
Bauwerften für Dschunken, Fabriken für Seiden- und Baumwollengewebe und
Papier, auch ein deutsches Dampfsägewerk, und ist seit langem nächst
Hankau der erste Teemarkt Chinas für die Ausfuhr. Für Einkäufe zu
beachten: Seifenstein-Kunstgewerbe, gute und sehr originelle Lacksachen,
künstliche Blumen, Schnitzereien aus Teeholzwurzeln, Silbersachen.
Ferner werden Papier und Holz aus-, Opium, Baumwolle, Wollwaren, Garne,
Metalle, Kerosen eingeführt. Zwei Dampferlinien laufen zweimal wöchentl.
nach Hongkong.-- Futschou wurde 1842 dem Fremdenhandel geöffnet; 1884
wurde hier eine Abteilung der chinesischen Flotte durch französische
Kriegsschiffe vernichtet. In der Teezeit (Juni bis November) legen die
von Ostasien zurückkehrenden Reichspostdampfer in Futschou an.--
_=Rundgang=_ nur in Sänfte ausführbar (vgl. Kanton, S. 225), auch des
Schmutzes wegen. Über die Brücke (auf ihr kann man den Fischereibetrieb
mit Kormoranen beobachten) gelangt man durch die Südvorstadt, vorbei an
den Niederlassungen der amerikanischen, Methodisten- und
Dommikanermissionen, durch das Südtor in die Stadt. Dicht innerhalb des
Tores liegt r. der _Tempel des Kungfutsze_ (Tempel der Literatur),
dahinter in der SO.-Ecke der Stadt das Mandschuviertel. --An der
mittlern Hauptstraße, die vom Südtor zum Nordtor führt, liegen der
_Yamen des Vizekönigs_ und andre Paläste.-- Nahe dem Westtore liegt der
_Tempel des Kaisers_, im nördl. Stadtviertel ist eine Prüfungshalle für
Beamte und in deren Nähe ein Tempel der Schutzgötter der Stadtmauern.
Von der nördl. Stadtmauer, nahe der siebenstöckigen roten Pagode, hat
man guten Überblick über die Stadt. Interessanter *Rundgang auf der
Stadtmauer um die Stadt (6-8 St.).--Der Garten des deutschen Konsulats
am Siemssen-Bund mit schönen Orchideen ist Reisenden gern geöffnet.
Futschou nebst Umgegend bietet vielerlei Lohnendes für eine Woche
Aufenthalt. Das Klima ist gesund; Taifune sind selten.

     =Ausflüge=: 1) Nach dem =Kuschan= und nach =Kuliang=, Sommerfrische
     der Europäer im schönsten Hochwald mit 20° C im Sommer; erfordert 1
     Tag. Man fährt mit Sampan oder Hausboot flußabwärts, landet am l.
     Ufer und steigt auf bequemem Weg (etwa 3000 Stufen) bergan zum
     buddhistischen _Mönchskloster_ (in halber Berghöhe, in 1 St. zu
     erreichen), das über 200 Mönche aus allen Gegenden Chinas
     beherbergt. Im Kloster herrscht überraschende Sauberkeit; man sieht
     praktisch-moderne große Speisesäle und Küchenanlagen mit
     Wasserleitung, Kesseln u. Backöfen. Im Haupttempel thront Fo
     (Buddha) auf großem Altar, umgeben von vielen Untergöttern.
     Tierstallungen und Fischteich liegen neben dem Kloster. (Man gebe
     dem führenden Mönch ein Geldgeschenk.)--Vom Kloster Aufstieg auf
     schmalem Fußweg auf die Höhe des _Kuschan_, wo die Wohnhäuser der
     europäischen Sommerfrischler liegen. Auf dem Bergkamm prächtige
     *Aussichten. Der 885 m hohe Gipfel des _Kuschan_ hat im Februar
     zuweilen eine Schneekappe.-- 2) Zum =Leitschikloster= (Kloster der
     Lehre vom alten Stein des Westens), nahe beim Nordende der Insel
     Nantai, im 9. Jahrh. vom heiligen Tukma gegründet; es liegt nahe
     dem Minfluß in uraltem Park, umgeben von Bergen. Das Heiligtum hat
     sehr viele Statuen. --3) Dreitägiger Ausflug den Nebenfluß =Jungfu=
     aufwärts, der bei der Mitte der Südseite der Insel Nantai in den
     Min mündet; malerisch bewaldete Ufer mit Wasserfall, Bambuswald und
     heißen Quellen; man besuche das *_Yungfu-(Yuenfu-)Kloster_, den
     _Bambu Creek_, die Schwefelquellen (_Pokau_) und steige bergauf bis
     *_Banker's Glen_.--4) Lohnende Ausflüge können mit Hausbooten oder
     Dampfbarkassen gemacht werden, aufwärts bis _Schuikou_ (_Shuikow_),
     Stadt 40 Seem. oberhalb Futschou am Zusammenfluß des Minkiang und
     Hsiangki.

Auf der _=Küstenfahrt=_ werden nördl. von Futschou zuweilen die
unbedeutenden Vertragshäfen _Santuao_ (8000 Einw.) in der Samsabucht, 10
km östl. von der größern Stadt _Ningteh_, und _Wentschou_ (_Wenchowfu_;
80000 Einw.) angelaufen; Wentschou am Wukiang, einem Fluß, der durch den
Sanpwan-Paß zwischen Inseln angesteuert wird; die Stadt zeichnet sich
durch Sauberkeit aus, ist aber geschäftlich still.--Dann steuern die
Küstendampfer durch den _Nimrodsund_ in den landschaftlich schönen
_Tschusanarchipel_ am SO.-Ende der großen Hangtschoubucht hinein, laufen
zuweilen den Ankerplatz von _Tinghai_ auf der Hauptinsel an und dampfen
von da in die Mündung des _Yungflusses_, wo sie je nach dem Wasserstand
vor der befestigten Hafenstadt _Tschinhai_ (mit 26000 Einw.) ankern oder
weiterlaufen bis zum Hafen von

=Ningpo=, Stadt mit 400000 Einw. in der Provinz Tschekiang, auf 29° 53'
nördl. Br., ist Sitz eines Taotai (etwa Regierungspräsident). Die
Bewohner sind fleißig, klug und friedlich, die Straßen reinlich.
Zahlreiche Tempel, buddhistische Mönchs- und Nonnenklöster,
Erziehungsanstalten und Versammlungshäuser. Die Chinesenstadt liegt auf
der Halbinsel zwischen den Flüssen _Yujao_ und _Funghwa_, die zusammen
den _Yung_ bilden. Über beide Flüsse führen Schiffbrücken. Die
_Fremdenniederlassung_ (Gasthof; Campoklub; britisches Konsulat; Dampfer
nach Tschinhai, Schanghai zweimal tägl. etc.) liegt nö. von der
Chinesenstadt auf der Halbinsel zwischen dem Yungfluß und dem Yujao.
Ningpo war 1522-42 portugiesische Niederlassung und wurde 1842 dem
Fremdhandel als erster Hafen eröffnet. Klima wie Schanghai, doch
gesünder. Einfuhr: Woll- und Baumwollwaren, Opium, getrocknete Früchte;
Ausfuhr: Tee, Baumwolle, Seidenwaren, Matten, Hüte, Fächer, getrocknete
Fische (Tintenfische). Lebhafter Dampferverkehr.--_=Rundgang.=_ Die
860-873 erbaute Stadtmauer ist 8 m hoch, 5 m breit und hat 8 Tore. Das
älteste Bauwerk ist der im 9. Jahrh. erbaute sechseckige, siebenstöckige
_Himmelsturm_ (_Tienfengta_), auf dessen Plattform eine Wendeltreppe mit
150 Stufen führt. Aus dem 12. Jahrh. stammt der _Tempel der
Himmelskönigin_ (_Tiengheukong_), ein Heiligtum der Seefahrer; er zeigt
sehr schöne Skulpturen.

Von Ningpo gehen die Küstendampfer nördl. durch die _Hangtschou-Bai_ und
folgen dem Dampferweg zur Yangtsemündung nach _Wusung_ und (930 Seem.)
_Schanghai_ (S. 246).

       *       *       *       *       *

B. Die =Reichspostdampfer= fahren von _Hongkong_ nö. durch die
=Formosa-= (oder =Fukiën-=)=Straße=, außerhalb (östl.) der
_Ockseuinseln_ und der _Turnaboutinsel_ östl. Haitan (beide mit
Leuchttürmen). Diese Gewässer sind reich an Seetieren; man kann
Menschenhaie, auch Hammerhaie, Walfische und große Fliegende Fische
sowie Delphine beobachten, außerdem große dunkelbraune Möwen und andre
Vögel. Die See ist meist lebhaft bewegt, so daß sich bei nicht seefesten
Reisenden zuweilen nochmals Seekrankheit einstellt; dann empfiehlt es
sich, die frische Luft an Deck als bestes Heilmittel zu genießen, denn
auf der Höhe von Swatau tritt man beim Überschreiten des Wendekreises
des Krebses aus dem Tropengürtel in die gemäßigte Zone. Der NO.-Monsun
bringt frischkühles Wetter.

     Die Ostseite der Formosastraße bildet die Insel =Formosa=, von den
     Chinesen und Japanern =Taiwan= genannt, 395 km lang und etwa so
     groß wie Ostpreußen. Abgesehen von der kultivierten Küstenniederung
     im W., die von Chinesen bewohnt wird, ist die Insel noch sehr wenig
     bekannt. In dem gebirgigen, bis über 4000 m aufsteigenden Innern
     wohnen malaiische Stämme, wohl auch noch ältere Stämme bisher nicht
     sicher erforschter Herkunft. Seit 1895 gehört die Insel den
     Japanern, die Eisenbahnen, Landstraßen und Telegraphen angelegt
     haben. Wichtigster Seehafen ist _Kiirun_, am Nordende der Insel,
     mit vorzüglichem, von den Japanern stark befestigtem Hafen,
     Hauptstadt ist _Taihoku_ mit etwa 100000 Einw.--Ein Besuch der
     landschaftlich sehr schönen Insel ist wohl lohnend, wird aber wohl
     kaum für den flüchtigen Weltreisenden in Betracht kommen, zumal die
     Unterkunftsverhältnisse auf der Insel noch sehr primitiv sind und
     der Reisende vielfach auf die Gastfreundschaft ortsansässiger
     Kaufleute u. a. angewiesen ist.

     Vor der Westküste von Formosa liegen die basaltischen
     _Pescadoresinseln_ (japanisch _Hōko rettō_), die auf der
     Insel _Ponghau_ (_Hōko tō_) den vorzüglichen Schutzhafen
     _Makung_ (_Makyū kō_ oder _Bakō kō_) haben, der als
     japanischer Flottenstützpunkt ausgebaut ist; sein Besuch ist
     Europäern nicht erlaubt.

Nördl. von Turnabout erreicht man das =Ostchinesische Meer=, das
ähnliche Windverhältnisse wie das Südchinesische Meer (S. 220) hat; doch
weht der NO.-Monsun im November und Dezember als voller Sturm. Die
besten Monate sind Februar, März und April mit meist heiterm Himmel.
_Taifune_ sind im Mai bis September nicht selten, Hauptzeit ist August,
September und Oktober. Im Ostchinesischen Meer ist die Bahnrichtung der
Taifune meist nördl. bis nö. (doch kommen auch andre Richtungen vor),
deshalb sind die gefährlichen Windstriche andre als im Südchinesischen
Meer, und dementsprechend ändern sich die Regeln zur Vermeidung der
Sturmmitte.--Von Turnabout steuern die Postdampfer östl. der Insel
_Hieschan_ und dann zwischen den Felseninseln _Tongting_ und _Piting_
durch; dann wird der Leuchtturm der _Steepinsel_ angesteuert und
zwischen dieser Insel und andern durch auf die 118 m hohe südlichste
_Bonhaminsel_ (mit Leuchtturm) zugedampft. Nachdem die _Bonhamstraße_
zwischen den Bonhaminseln und der Insel _Pirie_ durchlaufen ist, steuert
man auf die kegelförmige, etwa 80 m hohe _Gützlaffinsel_ (mit
Leuchtturm) zu, die wichtigste Ansteuerungsmarke für die Yangtsemündung;
sie ist Signalmeldestelle für Schiffe, fünf Telegraphenkabel landen auf
der Insel, davon laufen zwei nach Schanghai, eins nach Amoy, zwei nach
Nagasaki. In der Nähe der Insel sichtet man das _Tungscha-Feuerschiff_,
das auf der großen Yangtsebank die Einfahrt in die seichte Flußmündung
bezeichnet; dort kommt der Lotse an Bord (falls er nicht schon in
Hongkong sich einschiffte) und führt den Postdampfer in die an
schmutziggelbem Wasser kenntliche Mündung des Riesenstroms, des
_Yangtsekiang_, hinein, wo man anfangs nur Feuerschiffe und Seezeichen,
später l. auch einen ganz flachen und öden Küstenstreifen sieht. Große
Dampfer ankern bei niedrigem Wasserstand im Huangpu auf der Reede von

=Wusung= (_Woosung Forts Hôtel_), als Vorhafen für Schanghai wichtig,
liegt an der Mündung des _Huangpu_ in den Yangtse; die alte Stadt ist
durch Überschwemmungen zerstört; jetzt sieht man nur einige Häuser und
Lagerschuppen. Die 16 km lange Bahn nach Schanghai wurde 1876 erbaut,
1877 durch fanatische Chinesen zerstört (die in der Lokomotive eine
Verhöhnung des Drachengottes sahen) und erst 1898 neu gebaut. Am Flusse
sind Schiffbauwerften. Chinesische Kanonenboote und Zollkreuzer liegen
vor Wusung.


Schanghai.

Vgl. beifolgende Pläne.

     =Ankunft zur See.= Die Postdampfer laufen jetzt meist durch das
     ausgebaggerte _Asträa-Fahrwasser_ bis Schanghai; müssen sie
     gelegentlich in Wusung ankern, so befördern sie ihre Reisenden mit
     Tendern (Dampfbooten) nach _Schanghai_; da in der Hauptreisezeit
     die Gasthöfe in Schanghai oft überfüllt sind, tut man gut, auf
     seinem Dampfer zu bleiben, wenn man erst Nm. in Wusung ankommt und
     nicht Zimmer telegraphisch von Hongkong vorausbestellt hat.--Die
     fast zweistündige Fahrt im Huangpufluß bietet  wenig Sehenswertes,
     da die Ufer flach und eintönig sind; der Dschunkenverkehr auf dem
     Fluß ist sehr lebhaft. Vor Schanghai wimmelt der Fluß von
     Fahrzeugen und Schiffen. Am l. Ufer liegt die Stadt an der starken
     Krümmung des Flusses. Man passiert zuerst Schiffswerften,
     Petroleumniederlagen, Fabriken, besonders Baumwollspinnereien und
     dann das Stadtviertel Hongkiu und landet meist am Bund, gegenüber
     den Geschäftshäusern und Dampferagenturen an einem neuen Ponton.
     Zolluntersuchung findet bei der Landung statt; verboten ist Einfuhr
     von Waffen und Munition, Morphium, Kokain.

     =Ankunft mit der Bahn= von _Wusung_, etwa jede 2. St. in 30 Min.
     für I. 60, II. 40 cents, nur bis 8 Uhr Nm.; Bahnhof in Schanghai in
     Hongkiu, mit Rikscha, Wagen oder Straßenbahn zum Gasthof in 15 Min.

     =Gasthöfe=: _Hotel Kalee_ (geleitet von Alfr. Mildner, Deutscher,
     sehr aufmerksam), Ecke Kiukiang Road und Kiangse Road, 130 Z. (Bad
     bei jedem Zim.), Pens. $ 6-10; sehr beliebt und zu empfehlen.
     --_Astor House_, Ecke Broadway, gegenüber dem deutschen
     Generalkonsulat, vergrößert, sehr komfortabel, I. Ranges, Pens. $
     7-10.-- _Palace Hotel_, am Bund, Ecke Nanking Road, besonders
     amerikanischer Verkehr, Pens. $ 9.--_Hôtel des Colonies_, im
     französischen Viertel, Rue du Consulat, 80 Z., Pens. $ 5-12.

     =Pensionen=: _Leechu_ (Frau A. Lührs), Quinsan Gardens 6-7; Frau
     _H. Diederichs_, North Szechuan Road 11-12; Frau _M. Schütz_, North
     Szechuan Road 15; Frau _A. Schubert_ (Mount Pleasant), North Honan
     Road 24.

     =Restaurants=: _Rich. Neumann_, Astor Road (nahe dem Astor House),
     Frühstücksstube (Schlächterei), vorzüglich. --_Café Riche_, Rue
     Montauban.-- _Sweetmeat Castle-Konditorei_, Nanking Road
     36.--_Social Shanghai Tea Rooms_, Kiangse Road 39.--_=Teehäuser=_:
     _Mandarinenteehaus_ in Alt-Schanghai.-- _=Gartenwirtschaften=_:
     _St. Georges Farm_, Ende der Bubbling Well Road. --_Point-Hotel_, 4
     km vom Astor House.

     =Post=: _Deutsches Postamt_, Ecke Szechuan Road und Foochow Road;
     außerdem englisches, französisches, amerikanisches, russisches,
     japanisches und chinesisches Postamt.--=Telegraph= am Bund,
     Deutsch-Niederländische Telegraphengesellschaft im deutschen
     Postamt. Landlinien nach Peking, Hankau etc.

     =Wagen= jeder Art sind zu mieten; Rikschas, 1 Meile 5, 1 St. 25
     cents; Sampans (Boote), 1/2 St. 25 cents.-- =Reitpferde= sind zu
     mieten, auch =Fahrräder= (1 St. 50 cents).--=Automobile= $ 6 je 1
     St.

     =Straßenbahnen=: mehrere Linien; eine französische nach Zikawei,
     mit Zweiglinie nach Lokawei; im Internationalen Settlement Linien
     nach Bubbling Well, Railway Station, Public Park und Yangtsepoo
     (sehr gut und regelmäßig).

     =Dampfer=: _Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd_ (Agent:
     Melchers & Co., Tel.-Adr.: »Nordlloyd Schanghai«), alle 14 Tage nach
     Europa bzw. Japan, jeder 2. Dampfer über
     Tsingtau.--_Hamburg-Amerika Linie_ Schanghai-Tsingtau-Dienst
     (Agentur Kiukiang Road 2a), zweimal wöchentl. nach Tsingtau.
     Dieselben Reichspostdampfer jeden Mi. nach Chefoo-Tientsin, jeden
     Sa. nach Dairen-Tientsin und zurück (laufen im Winter Dairen statt
     Tientsin an).--_Yangtse-Linie_ (Agenten: Melchers & Co.), wöchentl.
     nach Hankau, dorthin auch englische, französische, chinesische und
     japanische Linien, so daß fast jeden Tag ein oder mehrere Dampfer
     fahren.-- _Österreichischer Lloyd_ (Agent: Sander Wieler & Co.),
     einmal monatl. nach Kobe und Yokohama sowie nach
     Europa.--_Messageries Maritimes_ (eigne Agentur, Tel.-Adr.
     Messageries Schanghai), alle 14 Tage nach Kobe und Yokohama sowie
     nach Europa.--_Peninsular & Oriental Co._, alle 14 Tage nach Japan
     und Europa. --_Pacific Mail Co._ und _Toyo Kisen Kaisha_, etwa
     10tägig nach San Francisco, _Canadian Pacific Co._ (gelobt), etwa
     alle 3 Wochen nach Vancouver (alle drei Linien über Yokohama).--
     Direkte Postdampfer der _South Manchurian Railway_ (Bureau der
     Nippon Yusen Kaisha oder bei Ackermann & Co.) zweimal wöchentl.
     nach Dairen (S. 326) zum Anschluß an die sibirische Route (kürzeste
     Verbindung mit Europa in 16 Tagen).--[Hand] Man beachte, daß der
     Überfahrtspreis nach Amerika der gleiche bleibt, wenn man erst in
     Yokohama an Bord geht.--Außerdem wöchentl. japanische Dampfer nach
     Japan und Korea.--NB. Die Zeitungen in Schanghai enthalten tägliche
     Listen über die Fahrzeiten und Bestimmungshäfen aller
     Dampferlinien, auch für die chinesischen, japanischen, englischen
     und französischen Flußdampfer auf dem Yangtse und die
     Küstendampferlinien. Bevor man aber fremde Linien benutzt,
     erkundige man sich bei deutschen Firmen.

     =Eisenbahnen=: 1) Nach _Wusung_ (S. 246).--2) Über Sutschou
     (_Soochow_) und _Tschinkiang_ (_Chinkiang_) nach _Nanking_, durch
     an Seiden-, Reis- und Baumwollbau reiche Gegend; Schnellzug in 2 St.
     nach Sutschou, in 7 St. nach Nanking. Fahrgäste der Lloyddampfer
     nach und von Hankau dürfen die Strecke Schanghai-Nanking oder
     zurück mit der Bahn fahren.--3) Nach _Hangtschou_ (_Hangchow_) s.
     S. 252.

     =Geld= (s. S. 217) empfiehlt sich nur so viel zu wechseln, wie man
     am Platze braucht, und zwar bei einer europäischen Bank.--=Banken=:
     _Deutsch-Asiatische Bank_, Bund 14 (Hauptgeschäft, mit Filialen in
     Berlin, Hamburg, Tsingtau, Calcutta, Hongkong, Tientsin, Peking,
     Singapore, Tsinanfu, Hankau, Yokohama und Kobe), Korresp. der
     Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der Allg. Deutschen
     Creditanstalt in Leipzig; vermittelt Bankgeschäfte nach allen
     Plätzen der Erde. Man erbitte dort Auskunft über die
     Geldverhältnisse.--_Hongkong & Shanghai Bank. Corp._, Korresp. der
     Berliner Disconto-Gesellschaft.--_Chartered Bank of India,
     Australia & China_, Korr. der Deutschen Bank in Berlin.
     --_International Banking Corporation._ --_Sino Belgian
     Bank._--_Imperial Bank of China._--_Nederlandsche Handels
     Maatschappij._--_Yokohama Specie Bank._

     =Sprache=: Chinesisch, vgl. S. 218; in Gasthöfen und im
     Handelsverkehr wird überall Englisch, oft auch Deutsch gesprochen.

     =Theater=: Im Winter spielen zuweilen durchreisende europäische
     Gesellschaften oder Dilettanten (Deutscher Theaterverein sowie je
     eine englische und französische Gesellschaft) im _Theatre Lyceum_
     (nahe dem englischen Konsulat, Soochow Road).--_American_
     _Cinematograph_ und _Victoria Hall_ jeden Abend
     Spezialitätenvorstellung. _Symphoniekonzerte_ der vorzüglichen
     städtischen Kapelle (deutscher Kapellmeister Prof. Buch) in der
     Stadthalle, Nanking Road, So. Nm. 4-1/2-6 Uhr, Eintritt frei, nur
     im November bis Juni, sehr besucht!--_Chinesische Theater_ in
     Canton Road, Foochow Road, Hankow Road und am chinesischen Bund.
     --_Teehäuser_ mit »Singsong Girls« (chinesische Sängerinnen) in der
     Foochow Road, sehr interessant.

     =Fremdenführer= (nötig) im Gasthof zu erhalten oder am Eingange zur
     Chinesenstadt (Preis nach Vereinbarung, etwa 50 cents).

     =Reiseführer=: _C. Fink_, Führer durch Nord- und Mittelchina (sehr
     zu empfehlen!); _The Palace Hotel_: Guide to Shanghai.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Generalkonsul Wirkl. Legationsrat
     von Buri, Konsul Dr. Ney, vier Vizekonsuln, zwei Dolmetscher etc.,
     Whangpoo Road 9 und 10, an der Einmündung des Soochow Creek,
     gegenüber Astor House. --_Österreich-Ungarn_, Generalkonsul Dr.
     Bernauer, Avenue Paul Brunat.

     =Klubs=: Deutscher Klub _Concordia_ (mit Lesezimmer und
     Bibliothek), am Bund, sehenswert.--_Shanghai Club_ (international),
     am Bund (Pl. 13). In beiden sind für Mitglieder und eingeführte
     Herren sehr bequeme, modern eingerichtete Zimmer zum Wohnen zu
     mieten.--_Shanghai Race Club_; _Masonic Club_; _Deutscher
     Gartenklub_, Avenue Paul Brunat; englischer _Country Club_,
     Bubbling Well Road--alle mit eignen Klubhäusern.

     =Polizei=: _Central Police Station_, Ecke Foochow Road und Honan
     Road.

     =Deutsche Ärzte=: Dr. _Krieg_, Dr. _v. Schab_, Dr. _Kurt Schultze_,
     Dr. _Gerngroß_, Dr. _Birt_, sämtlich nahe dem deutschen
     Generalkonsulat und Astor House, außerdem Dr. _Blumenstock_, Dr.
     _Liese_. _=Zahnarzt=_: Dr. _Mosberg_, Kiukiang Road
     2.--=Apotheken=: _Pharmacie de l'Union_ (Inhaber Voelkel &
     Schröder, deutsch), Nanking Road 37.--_Bubbling Well Dispensary_
     (deutsch), Ecke Nanking Road und Lloyd Road.--_Watson &
     Co._--_Medical Hall, Llewellyn Co._, Nanking Road
     4.--=Krankenhäuser=: _General Hospital_, North Soochow
     Road.--_Victoria_; _Nursing Home_.

     =Buchhandlungen=: _Max Noeßler & Co._, Nanking Road 38, deutsche,
     auch englische und französische Literatur. --_Kelly & Walsh_,
     Bund.--_Öffentliche Bibliothek_ in der Stadthalle, Nanking
     Road.--=Zeitungen=: _Ostasiatischer Lloyd_ (Chefredakteur C. Fink,
     Nanking Road 24a, Sprechzeit 9-12 Vm.), erscheint einmal
     wöchentlich, mit täglicher Ausgabe europäischer und asiatischer
     Depeschen. Täglich erscheinen: _North China Daily News_, _Shanghai
     Times_ und _Echo de Chine_ morgens. _Shanghai Mercury_ und _China
     Gazette_ abds.--- Fremde Wochenschriften: _North China Herald_ u.
     a.; chinesische Zeitung: _Hsieh-ho-pao_ etc.

     =Photographien=: _Mactavish & Lehmann_, gegenüber Astor House;
     _Burr Photo Co._ und mehrere chinesische Firmen, von denen _Ying
     Cheong & Co._, Canton Road, als beste gilt (entwickeln
     Liebhaberaufnahmen).--_Denniston & Sullivan_ (Amerikaner), Nanking
     Road.

     =Geschäftsadressen=: Optiker, Uhrmacher und Juwelier: _C. Ismer &
     Co._ (deutsch); _Hirsbrunner & Co._, beide Nanking
     Road.--Schneidergeschäft: _Wilck & Mielenhausen_, Nanking Road
     26.--Reiseausrüstung: _Weeks & Co._; _Hall & Holtz_; _Lane,
     Crawford & Co._; _Whiteaway, Laidlow & Co._, sämtlich Nanking
     Road.--Seidenhaus: _Laou Kai Fook & Co._, Ecke Kiukiang Road und
     Honan Road 8/9.--Silberwaren: _Luen Wo_, Nanking Road.--Japanwaren
     und Kuriositäten: _Kuhn & Komor_, Nanking Road 2, im Palace Hotel.
     --Holzschnitzereien: am Broadway. --Rohseide, Pongeen, Spitzen
     etc.: _Industrial Mission Depot_ (Deutsch gesprochen), Nanking Road
     21.--Grasleinensachen: _Young La Woo_, Broadway A, Nr. 1288.

     =Zeiteinteilung= für Schanghai und für die Yangtsefahrt: Schanghai
     2-4 Tage; Hangtschou 3 Tage; Schanghai-Nanking und zurück 2 Tage;
     Schanghai-Hankau und zurück 12 Tage. [Hand] Weltreisende tun gut,
     von Schanghai zunächst nach Tsingtau zu fahren, von da mit Bahn
     über Tsinanfu-Tientsin nach Peking, von da mit Bahn nach Hankau,
     zurück mit Yangtsedampfer bis Nanking, von da mit Bahn nach
     Schanghai, dann direkt nach Japan.

     =Geschichtliches.= Der Hafen von Schanghai war schon im 10. Jahrh.
     wichtig und wurde unter den Mandschus 1292 Unterpräfektur (hien).
     Die Stadtmauern wurden 1522-66 erbaut. Im 17. Jahrh. gründeten die
     Jesuiten die Niederlassung Zikawei; der Minister Zi Kwangki, Freund
     des Jesuiten P. Ricci, hatte das Land geschenkt; als er mit Familie
     zum Christentum übertrat, wurden die Missionare vertrieben, und der
     Orden erhielt erst durch den Vertrag von Nanking seinen Besitz
     wieder. Im Opiumkrieg zerstörte die englische Flotte am 16. Juni
     1842 die Wusungforts und nahm Schanghai. Durch den Vertrag von
     Nanking wurde Schanghai dem Fremdhandel geöffnet, und den sich
     ansiedelnden Engländern, Franzosen und Amerikanern wurde Landgebiet
     in Erbpacht zugewiesen, wofür dem Kaiser von China jährlicher Zins
     zu zahlen ist. Während des Taipingaufstandes, der das reiche
     Hinterland von Schanghai besonders hart betraf und großenteils
     entvölkerte, wurde die Stadt 1853 und 1861 von den Rebellen
     bedroht, aber durch englische und französische Truppen geschützt.
     Die Stadt entwickelte sich schon während des Aufstandes günstig,
     weil viele reiche chinesische Kaufleute in der Fremdenniederlassung
     Schutz fanden. Später wurden die 1843 begründete englische und die
     seit 1848 bestehende amerikanische Niederlassung zu einer Gemeinde
     (_International Settlement_) vereint; sie werden von einem
     Gemeinderat (Municipal council) geleitet, in dem die Engländer die
     Mehrheit haben, aber auch Deutsche und Amerikaner sitzen. Die seit
     1847 bestehende französische Niederlassung (_Concession française_)
     bildet eine eigne Gemeinde. Während des Boxerkriegs waren starke
     englische, deutsche, französische, japanische und russische Truppen
     zum Schutze der reichen Handelsstadt gelandet.

=Schanghai= (d. h. »oberhalb des Meeres«), die wichtigste internationale
Seehandelsstadt Ostasiens, verdankt ihre Bedeutung der Lage nächst der
Mündung des Yangtse, der wichtigsten Wasserstraße Chinas. Da an den
flachen Ufern der Mündungsstrecke des Riesenflusses selbst wegen der
Schwankung in der Wasserführung des Stromes und des starken
Unterschiedes von Ebbe und Flut keine Mündungsstadt entstehen konnte, so
ist diese seitwärts 14 Seem. oberhalb der Mündung des Wusung- oder
Huangpu-Flusses entstanden. Letzterer dient als einzige Ausmündung
sämtlicher Kanäle und Flußläufe des flachen und tiefgelegenen, aber
außerordentlich fruchtbaren und dichtbevölkerten Gebietes zwischen dem
untersten Yangtse und der Hangtschoubucht, das sowohl nach dem Yangtse
wie nach dem Meere zu eingedeicht ist. In den unter chinesischer
Verwaltung stehenden Stadtteilen leben etwa 175000 Chinesen. In den
beiden Fremdenniederlassungen wohnten 1910 zusammen 548137 Chinesen,
ferner 15006 Nichtchinesen, darunter 4779 Briten, 3466 Japaner, 1088
Deutsche, 114 Österreicher und 76 Schweizer. Unmittelbar außerhalb der
Fremdenniederlassungen haben sich noch etwa 5000 Japaner angesiedelt.
Wirtschaftlich stehen Engländer, Deutsche und Amerikaner den andern
Nationen weit voran. Die Stadt verfügt über ein gutbewaffnetes
Freiwilligenkorps, eignes Polizeikorps und Feuerwehr. Die Straßen der
Fremdenniederlassungen sind gut gepflegt, weitläufig und meist
rechtwinklig zueinander angelegt. Am Flusse liegt eine breite
Uferstraße, _Bund_, mit Bäumen und Rasenplätzen, wo die großen
Dampferlinien eigne Landungsbrücken haben. An der Stadtseite des Bund
erheben sich stattliche Gebäude: das _Zollhaus_ am Eingang in die Hankow
Road; ihm gegenüber die _Deutsch-Asiatische Bank_; nördl. davon der
Prachtbau der _Russisch-Chinesischen Bank_, dann die Chartered Bank und
die Yokohama Specie Bank; Ecke der Yinkee Road der Prachtbau des
*_Deutschen Klubs Concordia_, 1906/07 im Renaissancestil erbaut, das
schönste Klubhaus in Ostasien. Am Nordende des Bund liegt die _Masonic
Hall_ (Freimaurerhalle). Dazwischen südl. vom Zollamt liegen
Geschäftshäuser europäischer Großkaufleute, die Hongkong & Shanghai
Bank, das Telegraphenamt und der sehr schöne *Neubau des _Shanghai Club_
im Barockstil (Pl. 13). Dahinter sowie nördl. und südl. vom Bund dehnen
sich die Stadtteile der Fremdenniederlassungen aus, die sämtlich mit
Kanalisierung und elektrischem Licht versehen sind. Die Stadt hat
vorzügliche Schulen, darunter die 1911 errichtete deutsche
_Kaiser-Wilhelm-Schule_ an der Weihaiwei Road (Vorschule, Realgymnasium,
höhere Mädchenschule), eine große englische Bürgerschule, Mittelschulen
für Chinesen, eine _deutsche Medizinschule_ (1907 von deutschem
Kuratorium gegründet) zur wissenschaftlichen Ausbildung chinesischer
Ärzte, große moderne Krankenhäuser für Europäer und Chinesen, unterhält
Sportplätze am Beginn der Bubbling Well Road und im Hongkiu Park.
Elektrische Straßenbahnen durchziehen die Hauptstraßen. Am Beginn der
Bubbling Well Road liegt der Rennplatz, Eigentum des Shanghai Race Club.
Im Stadtviertel _Hongkiu_ ist eine _deutsche evangelische Kirche_. Im
französischen Viertel ist die große katholische St. Josephskirche.
Schanghai ist Sitz eines katholischen und eines anglikanischen Bischofs,
eines englischen Gerichtshofs _Supreme Court of China_ (zur Schlichtung
von Streitsachen, in denen Engländer die Beklagten sind) sowie eines
amerikanischen Obergerichts, des Statistischen Amts der chinesischen
Seezollbehörde sowie einer Abteilung der Royal Asiatic Society.--Die
_Chinesenstadt_ liegt südl. vom französischen Viertel, ist mit Mauern
umgeben und hat große Vorstädte, in denen am Wasser auch Warenlager
(_Godowns_) europäischer Kaufleute liegen. Der Handelsverkehr ist sehr
lebhaft, eingeführt werden Baumwollenstoffe, Opium, Petroleum, Kohlen,
Maschinen u. a., ausgeführt besonders Seide, Tee, Borsten, Federn, Hanf,
Moschus, Galläpfel, Strohgeflechte, Rhabarber, Wachs, Häute und Talg.
Schanghai ist der wichtigste Umschlagsplatz für alle Erzeugnisse Chinas,
weil es durch den Yangtsestrom mit vielen wichtigen Provinzen gute
Verkehrsverbindung hat.

_=Rundfahrt=_ (mit Rikscha, Wagen oder Straßenbahn). Im _Internationalen
Viertel_ ist der _Bund_ die besuchteste Promenade; mehrere Denkmäler
stehen im nördl. Teil, eins für _Sir Harry Parkes_ vor der Nanking Road,
dann das *_Iltisdenkmal_ (zum Andenken an die Besatzung des am 23. Juli
1896 vor Kap Schantung gestrandeten deutschen Kanonenboots) und in dem
kleinen Park (_Public Garden_) am Nordende des Bund ein englisches
Kriegerdenkmal (The ever victorious army) sowie ein Standbild von
Margary; dort im Sommer Nm. oder abds. dreimal wöchentl. zuweilen Musik
der 50 Mann starken Stadtkapelle (deutscher Kapellmeister, Prof.
Buch).--Hauptgeschäftsstraße ist die _Nanking Road_ mit sehenswerten
Markthallen, in deren Verlängerung, _Bubbling Well Road_, der Rennplatz
nebst andern Sportplätzen sowie eine Gartenwirtschaft (_St. George's
Farm_) und ein europäischer Friedhof liegen.--Das Villenviertel im W.
der Stadt ist neuerdings weit ausgebaut, eine Spazierfahrt durch die
hübschen Alleen ist wegen des internationalen Treibens sehr interessant.
--Im frühern Amerikanischen Viertel ist _Broadway_ die Geschäftsstraße,
an deren Ende Seide- und Baumwollwebereien liegen. Ein Teil von Hongkiu
ist Villenviertel.--In das _Französische Viertel_ gelangt man vom
Südende des Bund auf einer Brücke über den Yangkingpang-Kanal, die
Fortsetzung des Bund nach S. bildet der _Quai de Wampoo_, an dem dicht
bei der Brücke ein _Wettersignalturm_ steht, der die Wetterberichte und
wichtigen Taifunwarnungen des vorzüglichen meteorologischen
Observatoriums der Jesuiten im benachbarten Zikawei veröffentlicht; die
Wetterkarten für das ostasiatische Gebiet hängen dort (täglich erneut)
aus; außerdem _Zeitball_ (Pl. 14) sowie Wetter- und Sturmwarnungssignale.
Die ersten Gebäude am Quai de Wampoo sind die Banque de l'Indochine, das
Geschäftshaus der deutschen Firma _Melchers & Co._ (Agenten des Nordd.
Lloyd etc.), das Gebäude der Messageries Maritimes, das französische
Konsulat und das Gebäude der französischen »Mission étrangère«. Dann
gelangt man zum _Quai de France_, wo viele Lagerhäuser (Godowns) liegen.
Hauptstraße der »Concession Française« ist die _Rue du Consulat_, in der
das Rathaus (Hôtel de la Municipalité) mit dem Denkmal des Admirals
Protet und das Hôtel des Colonies liegen. Durch die Rue du Consulat und
die Avenue Paul Brunat führt die elektrische Straßenbahn nach Zikawei.
Durch die neuen Stadtteile der Französischen Niederlassung führen
elegante Villenstraßen, so die 11 km lange _Avenue Paul Brunat_, an der
auch der Deutsche Gartenklub liegt. Zahlreiche Straßen vermitteln den
Verkehr zwischen der Französischen und der Internationalen
Niederlassung.--Die _Chinesenstadt_ grenzt dicht an das Französische
Viertel, ist mit Mauern umgeben und hat so enge (schmutzige) Straßen,
daß man sie nur zu Fuß oder mit Sänfte besuchen kann (im Sommer wegen
der übeln Ausdünstungen nicht zu empfehlen). Einige Tempel sind
sehenswert, besonders die Kungfutsze-Pagode und der Tempel der
Stadtgötter, in dessen Nähe das auf einem Teich erbaute alte Teehaus
Husingting nebst Mandarinenklub steht; Marktplatz und Werkstätten, wo
Schnitzereien hergestellt werden, besuche man im Vorbeigehen. Man nehme
einen Führer, da es sehr schwierig ist, sich in den engen Gassen
zurechtzufinden. Wenn man Kanton gesehen hat, kann man sich den Besuch
der Chinesenstadt von Schanghai ersparen.

    =Ausflüge=: 1) Nach *=Zikawei=, einer großartigen Niederlassung der
    Jesuiten, 8 km östl. von Schanghai, mit elektrischer Bahn
    (einsteigen bei Melchers & Co.), Einspänner ($ 3) oder Rikscha auf
    ebener Straße; auf den Feldern vor der Stadt viele Gräber. Man fährt
    dann in einen Park und durch steinernen Torbogen in den
    Klostergarten mit Säulenhalle. Die große Anlage von _Zikawei_
    besteht aus vielen Gebäuden, darunter das Gebäude des Bischofs von
    Kiangnan, ein Seminar, Jesuitenkollegium, große Bibliothek, Museum
    und Wetterwarte, Waisenhaus für Chinesenmädchen mit
    Klosterschwesternschule (sehenswert; 1000 Personen im Kloster, 35
    Nonnen; Stickereien, Klöppeleien werden gefertigt und billig
    verkauft), Kapelle und Karmeliterkloster, ein Waisenhaus für
    Chinesenknaben mit Druckerei, Maler- und Bildhauerschule; die hier
    zum Verkauf gestellten Schnitzereien sind sehr begehrt und
    preiswert. In der Wetterwarte (zum Besuch ist Erlaubnis _vorher_
    einzuholen) wirken die Jesuitenväter, insbesondere der berühmte
    Meteorolog P. Froc zum Besten der gesamten Schiffahrt in den
    ostasiatischen Gewässern; ihre Taifunwarnungen, die mit auf den
    Beobachtungen der Observatorien von Hongkong, Manila und neuerdings
    Tsingtau beruhen, sind wohl die sichersten Wettervorhersagen, die
    überhaupt irgendwo gemacht werden. Daher hat jeder Ostasienreisende
    alle Ursache, diese Tätigkeit zu bewundern und den gelehrten Vätern
    zu danken für die Fürsorge, die jedem Weltreisenden zugute kommt, da
    alle Schiffe sich nach den Sturmwarnungen von Zikawei richten.
    Hauptklimadaten für Zikawei nach 34jährigen Beobachtungen:
    Mitteltemperatur des Jahres 15°, des Januar 3,1°, des Juli 26,9°.
    Mittlere Jahresextreme 37,2° und -7,4°. Jährliche Niederschlagshöhe
    1118 mm. Die Jesuitensternwarte in Zose liegt 20 km von Zikawei auf
    einem 100 m hohen Hügel. Vom Turm der Wetterwarte in Zikawei hat man
    gute Aussicht über die Umgegend.--Auf dem Weg nach Zikawei kommt man
    am _Lihungtschang-Tempel_ vorbei, in dessen Garten ein Bronzedenkmal
    für den chinesischen Staatsmann _Lihungtschang_ (in Europa
    angefertigt) steht. In der Nähe von Zikawei (Spaziergang 1/2 St.
    durch saubere Dörfer) liegt hinter einem dreistöckigen Torbau mit
    Drachenbildern die siebenstöckige Pagode _Lischuangta_ in _Longhua_
    nahe dem Wusungufer (vom obersten Stock *Aussicht über die
    Flußebene; Besteigung aber zurzeit unmöglich, da die Treppen
    zerfallen sind). Von dort Rückfahrt mit Wagen (den man vorher
    hinbestellen muß) am _Kiangnin-Arsenal_ vorbei (Besuchserlaubnis
    _vorher_ einholen!). Diese Fahrt sowie der Gang von Zikawei nach
    Longhua sind sehr lohnend zur Zeit der Pfirsichblüte.

    2) =Hangtschou=, tägl. mit der Bahn, Mittagsschnellzug (Speisewagen)
    ab Schanghai in 6 St.; oder mit Dampfbarkassen, hübsche Fahrt an
    malerischen Ortschaften vorbei und unter gewölbten Brücken hindurch,
    über den Vertragshafen _Sutschou_ (einst eine Millionenstadt, aber
    in der Taipingrevolution schrecklich verwüstet) oder direkt nach
    _Kiahsing_, von da auf dem _Kaiserkanal_ nach =Hangtschou=,
    Hauptstadt der Provinz Tschekiang, mit etwa 350000 Einw., dem
    Fremdhandel seit 1896 geöffnet. Englisches Konsulat. Große
    Seidenwebereien und Werkstätten für kostbare Goldstickereien. Die
    Stadt hat 10 Tore und 35 Li (= 20 km) Umfang. Seit 1650 besteht in
    der NW.-Ecke der Stadt ein befestigtes Mandschuviertel. Mitten in
    der Stadt der Stadthügel (City Hill) mit Tempeln und schöner
    Rundsicht. In der Nähe liegt der große, von Bergen eingerahmte
    _Sihu_ (Westsee) mit Trümmern prächtiger Bauwerke; am See auf einem
    Hügel liegt die alte Pagode _Paoschuta_, auf dem See die Insel
    _Kuschan_ mit Kiosken, Tempeln und Palast. (Marco Polo hat die ganze
    Anlage als eine der prächtigsten in China seinerzeit beschrieben.)
    Viele Tempel und Klöster sind in der Umgebung des Sees, darunter die
    sogen. Hinduklöster. Als der Mönch Odoric im 13. Jahrh. Hangtschou
    besuchte, wurden hier am Fuße des Berges zahlreiche Affen mit
    Menschengesichtern von den Priestern gefüttert, die die Seelen edler
    Menschen sein sollten.-- Andre berühmte Tempelanlagen liegen im
    nahen _Tienmuschan_ (»Gebirge der Himmelsaugen«).

     3) *=Flutbrandung (Bore) des Tsientangkiang=, bei Voll- und Neumond,
     am sehenswertesten zur Tag- und Nachtgleiche (21. März, 23.-24.
     Sept.), eine großartige Naturerscheinung, die man am besten von der
     Pagode bei _Haining_ beobachtet; man gelangt dahin von Hangtschou
     mit der Bahn bis _Lining_, von da auf bequemen Wegen mit Rikscha
     nach (20 km) _Haining_, am l. Ufer des Tsientangkiang, etwa 45 km
     unterhalb Hangtschou; dort besteige man die Pagode. Bei Haining
     tritt die Flutbrandung zwar fast mit jeder Flut ein, erreicht aber
     nur zur Springzeit (Voll- und Neumond) große Höhe und
     Geschwindigkeit; dann bildet sie eine 3-8 m hohe, steile Kaskade
     schäumenden Wassers in gerader, 2 km langer Linie quer über den
     Fluß; die gewaltige Wassermasse nähert sich mit
     Dampfergeschwindigkeit unter starkem Rauschen. Man beachte, daß das
     Phänomen zur Tag- und Nachtgleiche in Haining schon einige Stunden
     vor Voll- und Neumond eintritt.

     4) =Saddle Islands=, eine malerische Gruppe von 25 Felseninseln
     und zahlreichen Klippen, ist die nördlichste Gruppe des großen
     _Tschusan-Archipels_, der beim Nimrodsund (S. 244) beginnt und der
     großen Bai von Hangtschou vorgelagert ist; die größten Inseln sind
     _North Saddle_, _South Saddle_, _East Saddle_, die wie auch viele
     kleinere von fleißigen Fischern bewohnt sind. Bäume wachsen nur an
     einigen geschützten Stellen, sonst sieht man nur Gestrüpp zwischen
     den Felsen. Während der Fischzeit (April, Mai, Juni) beleben
     Tausende von Fischerdschunken aus Ningpo und Wentschou und
     unzählige Sampans die Inselgewässer. Gefangen wird besonders
     Tintenfisch in riesiger Menge; der Fang wird ausgeweidet und auf
     den Klippen in der Sonne getrocknet, aber nur bis Mitte Juni, dann
     ist der durch dieses Verfahren erzeugte Gestank vorbei.

     =North Saddle= wird jetzt als Seebad und Sommerfrische besucht;
     Dampfer laufen in 7-8 St. von Schanghai dahin (Entfernung 84
     Seem.). Der höchste Gipfel (238 m) von North Saddle ist bequem zu
     besteigen und gewährt prächtige *_Aussicht_ über die Inselgruppe.
     Drei gute Buchten ermöglichen, in ruhigem Wasser mit Sampan zu
     landen; sehr malerisch ist die Südostbucht. Auf dem Nordende steht
     ein Leuchtturm (europäische Wärter). Die Insel bietet
     Erholungsbedürftigen beste Gelegenheit zum Seebaden, Fischen,
     Segeln, Klippenklettern. Der Bau eines Sanatoriums auf North Saddle
     ist geplant.--Wegen Dampfergelegenheit, Unterkunft und Verpflegung
     erkundige man sich in Schanghai beim Coast Inspector des Kaiserl.
     Chinesischen Seezollamts.

     5) =Sutschou= (_Soochow_), an der Bahnlinie Schanghai-Nanking und
     am Kaiserkanal, Hauptstadt der Provinz Kiangsu, seit 1896 dem
     Fremdhandel geöffnet, mit 500000 Einw. (vor der Taipingrevolution 1
     Mill.) und lebhaftem Seidenhandel. Von Sutschou Gelegenheit mit
     Boot und Sänfte zu Ausflügen in die Hügel der Umgebung; gerühmt
     werden die Hügel _Fan-fen-san_ mit den Gräbern der Fan-Familie, der
     _Goldhügel_, der _Tien-bing-san_, der _Ling-gan-san_ (südl. vom
     Fan-fen-san) mit berühmter alter Pagode und Ruinen alter Paläste
     der Könige Wu und Yueh; ferner der _Schang-fang-san_ (der
     Flutfluchthügel, wo das Volk des Königs Wu sich bei Überschwemmung
     gerettet haben soll), der berühmte _Hung Schan_, alle mit
     zahlreichen altchinesischen Bauwerken. Man benutze dabei die Karte
     »_Country round Soochow_«, von Thomas Ferguson, in Schanghai zu
     haben, und lese vorher »_History of Soochow_« von Dr. A. P. Parker
     (Schanghai).


Auf dem Yangtsekiang von Schanghai nach Hankau und Itschang.

Vgl. die Karte bei S. 215.

     =Dampfer= der _Deutschen Yangtselinie_ (etwa wöchentl. einmal), der
     _China Merchant's Co._ sowie englische, französische und japanische
     laufen auf dem Yangtsekiang von _Schanghai_ nach (1085 km)
     _Hankau_, so daß jeden Tag einmal, oft zweimal, Fahrgelegenheit
     ist. Fast alle Dampfer sind gut eingerichtet und bieten gute
     Verpflegung. Die Fahrtdauer (bis Hankau etwa 4 Tage) ist vom
     Wasserstand im Yangtse abhängig (s. unten). Die Fahrpreise sind bei
     _Melchers & Co._ sowie den Agenturen der fremden Linien in
     Schanghai zu erfahren. Da die Dampferfahrkarten auch für die
     Bahnfahrt Schanghai-Nanking und zurück gültig sind, empfiehlt es
     sich, um Zeit zu gewinnen, diese (wenig lohnende) Strecke mit der
     Bahn, Fahrzeit 7 St., zu machen. Wegen Anordnung des Reisewegs für
     _Weltreisende_ durch Nordchina vgl. S. 249; man beachte, daß die
     Bergfahrt nach Hankau zeitraubend ist, daher sollte man womöglich
     nur von Hankau zu Tal nach Schanghai fahren.

     Der =Yangtsekiang=, der Hauptfluß Südchinas, ist mit einer Länge
     von ungefähr 5000 km (Donau 2860 km) und einem Stromgebiet von 1,9
     Mill. qkm (dem 10fachen des Rheingebiets) einer der mächtigsten
     Ströme der Erde. Er kommt wie die Hauptzuflüsse seines Oberlaufs
     aus dem Hochgebirge Osttibets und fließt in seinem ganzen Oberlauf
     in tiefeingeschnittenem Tal ungefähr südwärts, bis er an der
     Nordgrenze von Yünnan ostnordöstl. Richtung annimmt, die der
     Mittel- u. Unterlauf durch die Provinzen Szetschuan, Hupe, Nganhwei
     und Kiangsu im großen ganzen beibehält. Leider erfüllt der Yangtse
     die Aufgabe, einen bequemen Weg durch die schwer überschreitbaren
     Gebirgsketten des innern Südchina zu bieten, wegen zahlreicher
     Stromschnellen nur während der kurzen Perioden mittlern
     Wasserstandes im Frühjahr und Herbst, so daß von der
     Austrittsstelle aus dem innern Gebirgslande bei Itschang bis zu dem
     äußerst fruchtbaren, dichtbesiedelten und ertragreichen »Roten
     Becken« der Provinz Szetschuan hinauf Dampfschiffverkehr erst seit
     1909 versuchsweise hat eingerichtet werden können. Um so größere
     Bedeutung hat der Strom in seinem immer noch 1700 km langen
     (deutsche Elbstrecke 740 km) Unterlaufe von Itschang (S. 262) an,
     wo er zwar auch noch vielfach durch Bergland fließt, aber mit
     gleichmäßig geringem Gefälle. Mit seinen Nebenflüssen bildet er
     hier innerhalb eines der reichsten Teile Chinas ein
     weitverzweigtes, vortreffliches Wasserstraßennetz. Große Seeschiffe
     können bei Flußhochwasser im Sommer bis Hankau hinauf fahren. Eine
     ganze Reihe volkreicher und wichtiger Städte sind daher an seinem
     Unterlauf entstanden: Tschinkiang (großer Nahrungsmittelhandel),
     Nanking, Wuhu (Reis), Kiukiang (Tee u. Porzellan) und vor allem die
     Städtegruppe Hankau-Wutschang-Hanyang; weiter oben Yautschou,
     Tschangscha, Tschangte und Itschang. Im Frühjahr, wenn die
     Schneeschmelze eingesetzt hat, beginnt der Strom zu steigen und
     erreicht seinen Höchststand, der das winterliche Niedrigwasser in
     eingeengten Strecken des Mittellaufs bis 30 m, bei Hankau 15 m, bei
     Kiukiang noch um 14 m übersteigt, erst im Juli oder August, weil
     ihm auch die Sommerregen viel Wasser zuführen. Da auch die
     Nebenflüsse im Sommer Hochwasser haben, so würde die Anschwellung
     im Unterlaufe des Yangtse noch stärker sein, wenn nicht zwei große
     Flachseen, der _Poyangsee_ und der _Tungtingsee_, die
     Hauptwassermassen dreier großer rechtsseitiger Nebenflüsse, des
     _Kan_, des _Hsiang_ und des _Yüen_, aufnähmen und nur allmählich
     wieder abgäben, so wie regulierende »Talsperren« größten Stiles
     wirkend.

     Die Fahrt auf dem untern Yangtse und den angrenzenden Strecken
     seiner Nebenflüsse ist zwar keineswegs reizlos, doch vermag sie
     große landschaftliche Schönheiten nur stellenweise zu bieten;
     solche steigern sich erst in dem großartigen Durchbruchstale
     oberhalb Itschang. Die Reize einer Yangtsefahrt beruhen
     hauptsächlich auf dem großen Verkehr und den interessanten
     Städtebildern und auf den interessanten Einblicken in das
     Wirtschaftsleben des chinesischen Volkes.

Die Fahrt von _Schanghai_ führt zunächst flußabwärts bis _Wusung_
(S. 246), dann in den über 30 km breiten Mündungstrichter
_Yangtsekiang_ (die Chinesen nennen den Strom _Ch'ang-chiang_, spr.
tscháng-djang, d. h. Langer Strom). Die ersten 160 km aufwärts
von Wusung fährt man in dem Ästuar wie auf einem großen gelben See,
dessen Ufer nur stellenweise sichtbar werden. Von den Häusern sieht
man nur die Dächer, ihr unterer Teil ist hinter Deichen verborgen,
die die Dörfer der Flußniederung gegen Überschwemmung schützen.
Nur die Lotsen vermögen sich durch die vielen Bänke im Fahrwasser
hindurchzufinden; die jährlichen Überschwemmungen ändern die Fahrrinnen
fortwährend, schwemmen Inseln an oder reißen Uferstrecken fort.
Landmarken bilden Pagoden auf Hügeln, so die _Pauschanpagode_ nahe
bei Wusung, oder Baumgruppen und Gerüstbaken, so r. auf der großen,
flachen Insel _Tsungming_. Nach etwa 16 St. Fahrt zeigen beide Ufer
Hügel. Bei den mit einer Pagode gekrönten _Langschanhügeln_ (110 m
hoch), einem besuchten Wallfahrtsort mit vielen Tempeln, wird der
Strom schmäler, die Berge werden höher, beim _Huangschan_ ist der Fluß
kaum 1400 m breit, am r. Ufer liegen 6 Forts, am l. Ufer gegenüber
der Stadt _Kiangyin_ (Stadtmauer 1506 erbaut) noch drei Batterien.
Hier ist der Telegraph von Schanghai nach Peking mit Kabel durch den
Yangtse geführt. Oberhalb erweitert sich das Bett, der Kurs führt an
Wäldern, Feldern und vielen Dörfern vorbei; der Fluß ist mit Dschunken
und Dampfern reich belebt. Weithin sichtbar ist die siebenstöckige
_Tschusanpagode_ auf dem Gipfel eines hohen Berges mit Fichtenwald;
am Fuße des Berges liegt eine zweite befestigte Flußsperre mit acht
Batterien, Kuppelfort und kasemattiertem Erdwerk, in der Nähe ein
Militärlager. Vor Tschinkiang wird die Landschaft sehr malerisch;
mitten im Strom liegt die _Silberinsel_ (_Tsianschan_; ähnlich der
Böcklinschen Toteninsel), deren bewaldeter Hügel eine niedrige Pagode
und andre Tempelanlagen trägt; auch hier Festungswerke am Südende der
Insel und an beiden Ufern.

(260 km) =Tschinkiang= (chines. _Chên-chiang_, spr. djö́n-dyáng),
seit 1861 Vertragshafen mit 184000 Einw., als Handelsstadt wichtig,
weil sie an der Kreuzung des _Kaiserkanals_ mit dem Yangtse liegt,
der von Peking nach Hangtschou läuft und 1100 km lang ist (zwischen
Peking und Tschinkiang 800 km); jetzt ist der Kanal allerdings
stark verfallen und ohne Bedeutung für den Handelsverkehr zwischen
Süd- und Nordchina. Seit 1907 ist Tschinkiang Station der Bahnlinie
Schanghai-Nanking. Anlegebrücken für die Flußdampfer. Die Stadt hat
eine Fremdenniederlassung (deutsches Postamt; Agentur von _Melchers
& Co._) oberhalb der Chinesenstadt am Hügel Yintai-schan mit gut
gepflegtem Bund mit Bäumen und ist mit starken Mauern umgeben. Der
Kaiserkanal (s. oben), der den Yangtse ohne Schleusen kreuzt, bildet
einen Teil des Festungsgrabens. In der Umgegend Jagd auf Wildschweine
und Fasanen. Der schönste Punkt der Umgebung ist die *_Goldinsel_
(_Kinschan_) dicht oberhalb der Fremdenniederlassung am r. Ufer, die
noch 1823 am l. Ufer und 1842 mitten im Fluß lag; an ihrem Westabhang
ein großes buddhistisches Kloster mit Pagode.

Die Fahrt geht weiter an der hohen, siebenstöckigen Pagode von
_Yitsching_ (_Jitschöng_) am l. Ufer vorbei; die Stadt ist Hauptplatz
für den Salzhandel. Dann werden die Ufer flach, am r. Ufer zeigt der
Hintergrund bewaldete Berge; auf einem hohen Berge am l. Ufer steht die
_Ninganschan-Pagode_. Die Gegend wird immer fruchtbarer. Auf dem r. Ufer
hohe Zyklopenmauern über Hügeln, auch mehrere Pagoden und Schornsteine
einer Marinewerft, sowie der Löwenhügel (_Schetseuschan_), mit modernen
Batterien bewaffnet; dann erreicht man _Hsiakuan_ (zwei europäisch
geleitete Gasthöfe), die Ufervorstadt von

(330 km) =Nanking= (chines. [»Südresidenz«] _Chiang-ning-fu_, spr.
dyáng-ning-fú), Stadt mit 267000 Einw., darunter etwa 160 Europäer (14
Deutsche), am r. Yangtseufer in hügeliger Gegend, seit 1899 dem
Fremdhandel geöffnet; es war die uralte Kaiserstadt Chinas seit 200 v.
Chr. bis 1404 und blühte am meisten in den ersten Zeiten der
Ming-Dynastie, seitdem schwand ihre Größe; 1854 wurde sie im
Taipingaufstand zerstört (wobei auch der berühmte, 165 m hohe
Porzellanturm völlig zugrunde ging); heute ist sie zwar als Handelsplatz
von Tschinkiang überflügelt, aber als Sitz des Generalgouverneurs der
Provinz Kiangsu, Anhui und Kiangsi sehr wichtig (zurzeit Regierungssitz
der Revolutionäre), hat Provinzialhochschule (Nanking ist der
literarische Mittelpunkt Chinas, mit großen Büchereien und Druckereien),
Militärstation, drei Militärschulen, Marineschule und Arsenal,
zahlreiche Missionen. Die rege Industrie stellt aus der hier wachsenden
Baumwolle den als »Nanking« bekannten Stoff her; berühmt ist der Nankinger
Seidenbrokat. _Eisenbahnen_ nach Schanghai (S. 248), Bahnhof in Hsiakuan
bei der Dampferbrücke, und von _Pukow_ (gegenüber Hsiakuan am l. Ufer)
nach Tsinan am Hoangho (und weiter nach Tientsin), davon 110 km im
Betrieb; die ganze Strecke soll im Herbst 1912 fertig sein. Das
Fremdenviertel vor dem Nordtor der Stadt, in Hsiakuan, dient wegen
ungesunder Lage fast nur als Geschäftsviertel; fast alle Fremden wohnen
innerhalb der Stadtmauer. P und T in Hsiakuan und Nanking. _Deutsches
Konsulat_ (Konsul: Dr. Wendschuch) liegt 4,5 km vom Hafen, an der r.
Seite der Hauptstraße in Nanking; deutscher Arzt 9 km vom Hafen, kann
telephonisch gerufen werden. Nanking ist mit Mauern umgeben, die bis zu
15 m hoch und 56 km lang sind. Aus der Ufervorstadt _Hsiakuan_ gelangt
man auf einer guten Straße über eine Brücke, die über einen Kanal führt,
durch das stattliche Tor _Yifongmen_ in die Stadt Nanking; der südliche
Stadtteil enthält noch Reste der Mauer, die den von den Taipings
zerstörten Palast der Ming-Dynastie umgab; man benutze Wagen (am
Hafenplatz zu haben, täglich $ 3-4) oder Rikscha, da die Entfernungen
sehr groß sind, z. B. bis zur französischen Jesuitenmission 8,5 km vom
Landungsplatz. Im SO. der Stadt liegt das moderne chinesische
Geschäftsviertel, sehr belebt, mit engen Straßen. Im O. das ehemalige
Mandschuviertel, weitläufig gebaut, mit dem Palast (Yamen) eines
Bannergenerals, der als Stellvertreter des Kaisers sogar den
Generalgouverneur überwacht. Östl. vom Mandschuviertel lag die alte »Rote
verbotene Stadt«, in der die Ruinen des Palastes der Mingkaiser liegen.
Im N. Gärten, Reis- und Gemüsefelder innerhalb der Stadtmauern,
dazwischen überall Grabdenkmäler, auch ein öffentlicher Garten und eine
Rennbahn. Die Gebäude der Ersten chinesischen allgemeinen
Landesausstellung von 1910 dienen weiter einer Dauerschau für
Unterrichtswesen und Industrie der Provinz Kiangsu. Gegenüber Nanking
liegt _Pukou_ (_Pukotschöng_), Endstation der Bahn nach Tientsin und
Peking (s. oben).

     =Ausflug= zum =Minggrab= (bei schlechtem Wetter nicht ratsam). Von
     der Mitte Nankings braucht man gut 1-1/2 St. mit Rikscha für den
     Hinweg, der durch das Tor Tschaoyangmen führt. Die Gräberstraße
     beginnt mit einem dreibogigen Tor, hinter dem eine höhere Torhalle
     folgt, die am Abhang eines heiligen Gräberhügels liegt, um den nun
     der Weg, die groteske »Geisterallee«, herumführt; paarweise stehen
     die steinernen Ungeheuer zu beiden Seiten des Wegs, Pferde, Löwen,
     Kamele, Elefanten; dann folgen die Steinbilder von Militär- und
     Zivilmandarinen. Dahinter liegen die Grabanlagen. Die
     ursprünglichen Grabanlagen sind im Taipingaufstand 1854 vernichtet
     worden; die jetzigen Gebäude sind nur eine notdürftige Kulisse, die
     der Kaiser Tsait'ien errichten ließ, um darin alljährlich den Manen
     des großen Gründers der Ming-Dynastie opfern zu lassen. Im zweiten
     Hof vom Kaiser K'ang Hsi (1662-1723) verfaßte Inschriften zur
     Erinnerung an seinen Besuch der Stätte; der hinterste Hof mündet in
     einen Tunnel, der zu einer Terrasse mit roter Mauer führt. Dahinter
     erhebt sich ein bewaldeter Hügel, in dem der Kaiser Hungwu
     (1368-98) ruht.

Die Flußfahrt aufwärts führt an der _Fasaneninsel_ vorbei, wo im Herbst
gute Jagd ist, und weiterhin an der Stadt =Taiping=, am r. Ufer, schon
von weitem an einer siebenstöckigen Pagode zu erkennen; die Stadt war
der Herd des großen, nach ihr benannten Aufstandes (1852-64) der
christenfreundlichen Chinesen gegen die Tsing-Dynastie, ihre Mauern sind
810 erbaut.--Dann folgt

(413 km) =Wuhu=, Stadt mit 129000 Einw., 1 km landeinwärts, mit Mauern
umgeben, am r. Ufer des Yangtse, Vertragshafen seit 1877, als
Handelsplatz wichtig, weil es durch Wasserwege mit großen
Handelsstädten, besonders mit dem Teestapelplatz _Taipinhsien_, ferner
mit den wichtigen Seidenhandelsplätzen _Nanling_ und _Kinghsien_ sowie
mit _Ningkuofu_ verbunden ist. Einfuhr: Opium und Baumwollwaren;
Ausfuhr: Seidengewebe, Tee und Steinkohlen, vor allem aber Reis, der in
riesigen Mengen verfrachtet wird. Die europäische Niederlassung liegt
auf Hügeln unterhalb der Chinesenstadt, bisher nur von der
amerikanischen Methodistenmission besiedelt. Agentur der deutschen Firma
Arnhold, Karberg & Co. ist in Wuhu. Wuhu hat elektrische Beleuchtung.
Eisenbahn von Wuhu nach _Kuangtetschou_ ist im Bau und soll bis
Hangtschou (S. 252) weitergeführt werden.

Oberhalb Wuhu wird das Flußbett enger, das l. Ufer zeigt hohe Berge.
Etwa 3 km unterhalb (512 km) _Tatung_ (Dampferstat.), Stadt am r. Ufer,
steht die auffällige Pagode _Kiangschanki_ auf 30 m hohem, überhängendem
Steilufer.--Weiter oberhalb am l. Ufer (588 km) =Nganking= (_Ankingfu_),
Hauptstadt der Provinz Anhui, von großen Mauern umgeben, mit 40000 Einw.
und einer der schönsten siebenstöckigen Pagoden Chinas; obgleich nicht
Vertragshafen, dürfen die Dampfer doch anlegen sowie Reisende und Güter
aus- und einschiffen. --16 km nnö. von Nganking, beim Dorfe
_Huoschangkiao_, liegt eine berühmte Pagode am Eingang einer
Tropfsteinhöhle. Die Gebirge der Umgegend sind reich an landschaftlicher
Schönheit, besonders im Frühjahr, wenn die Azaleen, Rhododendren und
Glycinen blühen; im Herbst und Winter Jagdausflüge auf Fasanen, Enten,
Gänse, Hasen, Ziegen, Füchse und Panther.--Weiter flußaufwärts zeigt die
mit Mauern umgebene Stadt _Tungliu_ am r. Ufer zwei siebenstöckige
Pagoden, davon eine auf einem Hügel.--Die malerischste Stelle des untern
Yangtse ist bei *=Siaukuschan= (»kleiner Waisenknabe«), einer 90 m hohen
Granitinsel mit großen Tempelanlagen, Laubwald und einer Pagode auf dem
Gipfel; gegenüber, am r. Ufer, liegt der 200 m hohe _Kingtseschan_
(»Spiegelberg«), von dem ein 30 m hoher Granitfels in das Strombett
vorspringt. Etwa 3 km oberhalb Siaukuschan am r. Ufer auf schroffem
Felshang die befestigte Stadt _Pengtse_, der Stammort der Familie
_Lihungtschangs_.--An der Mündung des _Poyangsees_, dessen Zuflüsse in
die reiche Provinz Kiangsi führen, liegt die befestigte Stadt (714 km)
_Hukau_ mit 10000 Einw.; sw. von ihr sieht man 1400 m hohe Berge. Reis,
Weizen, Seide, Baumwolle, Indigo, Tee und Zucker werden in Menge mit
Dschunken aus dem Poyangsee zum Yangtse, meist nach Kiukiang,
verschifft. --24 km oberhalb Hukau am r. Yangtseufer liegt

(738 km) =Kiukiang=, Stadt mit 36000 Einw., Vertragshafen seit 1862, vor
dem Taipingaufstand sehr reich. Die Fremdenniederlassung mit etwa 100
Europäern (britisches Konsulat, Missionen) liegt oberhalb der
Chinesenstadt, deren Mauer am Yangtseufer 0,5 km lang ist. Russische
Ziegelteefabrik. In der Chinesenstadt gute Silberschmiede, die hübsche
Sachen in chinesischem und europäischem Geschmack anfertigen (Adresse
auf dem Flußdampfer zu erfahren). Hauptausfuhr: Porzellan der
kaiserlichen Manufaktur in Tschingtetschen, Kiungtschau-Teesorten. In
der Nähe liegt _Kuling_, eine von Missionaren gegründete europäische
Sommerfrische (über 900 m hoch) mit etwa 130 Häusern und Telegraph, mit
Sänften zu erreichen. Regelmäßige Verbindung mit Dampfbarkassen durch
den Poyangsee und den Kankiang nach _Nantschang_ (P und T, Missionen),
der Hauptstadt der Provinz Kiangsi. Eisenbahn Kiukiang-Nantschang im
Bau. Von hier wichtige Straße des Eingebornenhandels auf dem für Boote
schiffbaren _Kankiang_ aufwärts bis fast zur Quelle, über einen
niedrigen Paß (_Meiling_; 300 m) herüber zu einem schiffbaren Nebenfluß
des _Peikiang_ und diesen abwärts nach _Kanton_ (S. 225).--Oberhalb
Kiukiang liegt am l. Ufer die Stadt (779 km) _Wusüeh_, Dampferstat.;
etwa 13 km weiter erreicht man das Eiserne Tor des Yangtse,
_Pwanpienschan_, wo bewaldete Berge das Strombett einengen; die Enge ist
beiderseits stark befestigt.--Sehr schön ist auch die Strecke zwischen
den Städten _Kitschou_ und _Schiwuiyao_ (Ausfuhrhafen der Eisenerze der
von Deutschen angelegten Staatsbergwerke von _Tiehschanpu_ und der
Kohlengruben in _Huangsanschi_). --Bei der Stadt _Wutschang_ am r. Ufer
liegen die Sischanhügel, während gegenüber bis zu der mit Mauern
umgebenen, an Hügeln gelegenen Stadt _Huangtschoufu_, Dampferstat., das
Ufer flach ist. Die letzte Strecke bietet nichts Besonderes, bis viele
Schornsteine und Masten die Annäherung an die drei großen Städte
_Hankau_, _Hanyang_ und _Wutschang_ an der Mündung des Hanflusses in den
Yangtse ankünden.--(960 km) _Hankau_.


Hankau.

     =Ankunft auf dem Yangtse.= Man sieht zuerst am l. Ufer den
     Flußbahnhof, dann die Fremdenniederlassungen. Die Flußdampfer legen
     an Landungsbrücken an dem breiten, mit Bäumen bepflanzten Bund
     (Kai) an.

     =Ankunft mit der Bahn= von Peking auf dem Bahnhof in der
     französischen Niederlassung.

     =Gasthöfe=: _Boemers Hotel_ (deutscher Wirt), neu, am Bund, 22 Z.,
     Pens. $ 6-8, gute Verpflegung.--_Terminus-Hotel_, am Bahnhof,
     teuer.

     =Post=: _Deutsches Postamt_, mit Telephonnetz;
     =Telegraph=.--=Rikschas, Wagen, Ponys= und Sänften sind zu haben.

     =Eisenbahn=: _Hankau-Peking_ ist im Betrieb (s. S. 280); die
     Bahnfahrt Hankau-Berlin über Peking dauert 15 Tage; die Linien
     _Hankau-Kanton_ und _Hankau-Tschöngtu_ sind im Bau und auf
     Teilstrecken schon im Betrieb.

     =Dampfer=: Tägl. nach _Schanghai_, vgl. S. 247; etwa 3mal
     wöchentlich nach _Itschang_ (S. 262) mit englischen, chinesischen
     und japanischen Dampfern; durch den Tungtingsee nach Tschangte,
     Tschangscha und Hsiangtan mehrmals wöchentlich japanische und
     chinesische Dampfer.

     =Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_ (Korresp. der Allgemeinen
     Deutschen Creditanstalt in Leipzig und der Deutschen Bank;
     _Hongkong-Shanghai-Bank_; _Banque de l'Indochine_; _Chartered Bank
     of India, Australia & China_; alle vier Korresp. der Berliner
     Disconto-Gesellschaft; _Russisch-Chinesische Bank_.

     =Konsulat=: _Deutsches Reich_, Konsul Müller, am Bund.--=Deutscher
     Arzt=: Dr. _Röse_.--=Apotheke=: _Watson_.-- =Geschäftsadressen=:
     Deutsche Großkaufleute am Orte: Arnhold, Karberg & Co., Melchers &
     Co., Siemssen & Co., Carlowitz & Co., Schlichting, Schwarz Goumer &
     Co., Bornemann & Co., Schwartzkopff & Co., Adolf Krämer, Max
     Mittag, Siemens-Schuckert-Werke. Deutsche Handwerker.-- Deutsche,
     englische, russische, französische und japanische Niederlassungen.

=Hankau= (engl. _Hankow_, chines. _Hàn-Kŏū_;, d. h. Mündung des
Han), Vertragshafen seit 1861, bildet zusammen mit Hanyang und Wutschang
einen der wichtigsten Wohnplätze der Erde, dessen Gesamteinwohnerzahl
auf etwa 1,5 Mill. geschätzt wird; davon entfallen auf Hankau 820000,
auf Wutschang 400000, auf Hanyang 200000. Die drei Orte gruppieren sich
derart um die Mündung des Hankiang in den Yangtsekiang, daß Hanyang im
spitzen Winkel oberhalb der Einflußstelle, Hankau im stumpfen Winkel
unterhalb der Einmündung, Wutschang aber gegenüber auf dem r.
Yangtseufer liegt; Hanyang und Wutschang liegen etwas erhöht auf
hügeligem Gelände, Hankau tief und flach. Nur Hanyang und Wutschang sind
mauerumgürtete Städte; Hankau hat trotz seiner großen Volkszahl und
Handelsbedeutung nur den Rang eines offenen Marktfleckens. Jeder der
drei Orte hat seine besondere Bedeutung: Hankau ist in erster Linie
Großhandelsplatz, Wutschang Lokalhandelsplatz, Hanyang als Hauptstadt
der Provinz Hupe Verwaltungsplatz. Die Entwickelung einer
Millionenansiedelung an dieser Stelle war dadurch bedingt, daß die
Mündung des Han in den Yangtse den räumlichen Mittelpunkt und das
natürliche Verkehrszentrum Mittelchinas bildet, das bisher der
Knotenpunkt der großen Handelsstraßen war und künftig der großen
Eisenbahnlinien sein wird; außerdem ist es der küstenfernste Punkt
Chinas, der von größern Seeschiffen erreicht werden kann und daher in
_direktem_ Verkehr mit den Überseeländern steht, die mit China Handel
treiben; liegen doch alljährlich während der Teeernte im Mai Dutzende
großer Seedampfer und bis zu 3000 Dschunken vor Hankau. Durch den obern
Yangtsekiang, der noch 800 km aufwärts für Flußdampfer, 2000 km für
Boote fahrbar ist, und durch den Hankiang zieht es die Produkte von
Szetschuan und Hupe, durch den Yüenkiang und Hsiangkiang die von
Kweitschou und Hunan an sich und wird für die Reichtümer dieser
Provinzen zum natürlichen Stapelplatz und Umschlagsort.

Die Ausfuhr umfaßt Tee, Seide, Eisenschienen, Bohnen und Bohnenkuchen,
Erze, Sesamsaat, Häute, Tabak, Holzöl, Baumwolle, Talg, Wachs, Gallnüsse
u. a. Die Einfuhr: Opium, Baumwoll- und Wollwaren, Kohlen, Seife, Glas,
Eisenwaren, Lampen, Petroleum, Kriegsmunition u. a. Der Teehandel ist
hauptsächlich in russischen Händen; im Gesamthandel Hankaus ist der
deutsche Anteil bedeutender als der englische (244 Deutsche leben in
Hankau). Auch als Industriestadt entwickelt sich Hankau, es besitzt
Baumwollspinnereien, ein sehr leistungsfähiges modernes Eisen- und
Stahlwerk, das etwa 20000 Arbeiter beschäftigt, Gewehr-, Geschütz- und
Patronenfabrik in Hanyang, Streichholzfabrik, fünf russische
Ziegelteefabriken, sechs Albuminfabriken (vier deutsche), zwei Münzen in
Wutschang, Nagel- und Nadelfabrik, Papierfabriken, Lederfabrik,
Grasleinenfabrik, Seidenweberei, Elektrizitätswerk, Getreidemühlen,
Tuchfabrik, Zementfabrik, Exportschlachterei, Bauwerft für Flußdampfer
(Yangtse Engeneering Work) etc. Die deutsche Niederlassung hat
vorzügliche Kaianlagen.--In der _Chinesenstadt_ ist sehenswert das
_Klubhaus der Schansi-Gilde_, der die reichen aus der Provinz Schansi
stammenden Bankiers angehören, mit dem Tempel des Kriegsgottes _Kuan Ti_
(als »Kuan Yü« berühmter Feldherr des 2. Jahrh. v. Chr., im 12. Jahrh.
selig gesprochen und 1594 vom Kaiser Wan Li als »Kuan Ti« unter die
Götter versetzt; er ist Schutzpatron der Schansi-Leute), fünf großen
Theaterbühnen und stattlichen Klubräumen. (Erlaubnis zur Besichtigung
leicht, event. durch das Konsulat zu erhalten.) [Hand] Man vermeide es,
bei Umzügen und Volksfesten in die engen Straßen der Chinesenstadt zu
gehen!

     =Ausflüge= (auf je 1/2 Tag): 1) Zu Boot nach dem sogen. =Joss House
     Hill= bei Hanyang mit Tempeln des Flußgottes und des sagenhaften
     Kaisers Yü (s. S. 261).--2) Zu Boot nach dem =Shêchan= (spr.
     schōĕ-chan), »Schlangenberg« in Wutschang, weithin kenntlich
     an dem seinerzeit vom Gouverneur Tuan-fang zum Empfang fremder Gäste
     in europäischem Stil aufgeführten (aber nie benutzten)
     Backsteingebäude mit Turm, das wie eine Kirche aussieht. Dahinter
     eine am Berg ansteigende Tempelanlage mit Kultusstätten
     verschiedener Gottheiten. Hindurchgehen! Oben ein _Teehaus_ mit
     Terrasse und herrlicher *Aussicht über die Dreistadt
     Wutschang-Hanyang-Hankau. Kleine Trinkgelder öffnen alle Türen. Die
     obere Anlage heißt Huàng-has-lŏū, d. h. »Turm des gelben
     Kranichs«. Hinter dem Empfangsgebäude eine 1868 vom
     Generalgouverneur Kuan Wên errichtete Kopie (das Original ist bei
     Hèng choufou in Hunan) der berühmten Inschrifttafel des großen Yü
     (2207 bis 2197 v. Chr.) mit der sogen. Kaulquappenschrift, das
     sagenumwobene älteste Denkmal der chinesischen Literatur.

Von =Hankau nach Itschang= hat man mehrmals wöchentlich Fahrgelegenheit
mit englischen, japanischen und chinesischen Dampfern (vgl. S. 259).
Oberhalb Hankau fließt der Yangtse mit zahlreichen großen Windungen (zu
deren Abschneidung ein Kanal von Hankau nach Schasi [Piënhokanal]
besteht) teils inmitten einer großen Ebene, teils an deren Rand; auf der
linken Seite ist er daher meist von einem Deich begleitet.

Die Schiffe laufen zunächst die große Handelsstadt (150 km) =Hsingti=
an, dann (250 km) =Yotschau=, Stadt mit 20000 Einw., Vertragshafen seit
1898, am Einfluß des großen _Tungtingsees_ in den Yangtse. Die Stadt ist
auf Anhöhen erbaut und mit Mauern umgeben, zum Westtor führt eine
Steintreppe vom Ufer. In der Hafenvorstadt südl. von Yotschau eine
schlanke Pagode. Die Fremdenniederlassung, mit Seezollamt, P u. T, liegt
malerisch auf einer roten Sandsteinanhöhe nördl. vom Dorfe _Tschenglin_
(_Chengling Settlement_), etwa 7 km unterhalb Yotschau. Der Ort ist sehr
schön, gesund und der kühlste am mittlern Yangtse. Alle Dampfer zwischen
Hankau und Itschang laufen Tschenglin an, ebenso die Dampfer, die im
Sommer nach Tschangscha laufen. Die Eisenbahn (im Bau) Hankau-Kanton
wird Yotschau berühren.

     Der =Tungtingsee= ist etwa 110 km lang und 55 km breit; er nimmt
     die großen r. Nebenflüsse Hsiang und Yüen auf, die im Sommer für
     kleine Dampfer schiffbar sind. Der See ist das obere Staubecken des
     Yangtse, bei den Sommerüberschwemmungen stehen viele Ortschaften
     unter Wasser, im Winter verliert er völlig das Aussehen eines Sees
     und wird zu einer welligen Schlickebene, die von einem Netz
     schmaler Wasserläufe durchsetzt ist. Nur der Hsiang hat ein tiefes
     Flußbett durch den See gegraben. Der _Hsiangkiang_ mündet in der
     Südostecke des Tungtingsees; an ihm liegt etwa 210 km oberhalb
     Tschenglin die wichtige Handelsstadt =Tschangscha=, Hauptstadt der
     Provinz Hunan mit etwa 300000 Einw.; ihre Mauern haben 9 km Umfang
     und sieben Tore, die mit Ausnahme des Westtors bei Dunkelwerden
     geschlossen werden. Die Straßen sind breit und zeigen schöne
     Geschäfte, viele Tempel und Gildehallen. Vor der Ostmauer steht
     eine große Militärschule. Tschangscha ist seit 1904 Vertragshafen,
     Fremdenviertel soll außerhalb der Nordmauer angelegt werden.
     Britisches Konsulat; chinesische Gasthöfe; Missionen; gute Polizei;
     P u. T. Industrie: Streichholzfabriken, Bambus-, Lack- und
     Neusilberwaren; zwei Antimonraffinerien, Kupfer- und Silbermünze.
     Ausfuhr: Tee, Reis, Bauholz, Kohlen, Baumwolle. _Dampfer_:
     englische, chinesische und japanische regelmäßig nach Hankau und
     Hsiangtan. Die im Bau begriffene Bahnlinie Kanton-Hankau berührt
     Tschangscha; die erste Teilstrecke _Tsaoschan-Tschütschou_
     (_Chuchow_) ist seit Ende 1910 im Betrieb, die Strecke
     Tschangscha-Tschütschou (70 km) sollte 1911 fertig werden.

Oberhalb Yotschau (s. oben) laufen die Yangtsedampfer den Vertragshafen
(450 km) =Schasi=, mit 96000 Einw., P u. T, Mittelpunkt der Webebezirke,
am l. Ufer an; er ist Hafenplatz für die 10 km nw. gelegene große Stadt
=Kintschau=, mit über 100000 Einw. Etwa 6 km oberhalb Schasi mündet, von
S. kommend, der _Taipingkanal_ in den Yangtse. Weiter oberhalb passiert
man die große Stadt (525 km) =Tschikiang= mit rotem Sandsteinufer in
gebirgiger Gegend; 17 km oberhalb liegt ebenfalls am r. Ufer die Stadt
=Ituhien= an der Mündung des _Tsinkiang_ in den Yangtse. Nun zeigen die
Yangtseufer schroffe Sandsteinhänge. Ein Kloster auf 376 m hohem Berg am
l. Ufer und eine siebenstöckige Pagode künden die Annäherung an

(575 km) =Itschang=, Stadt mit 70000 Einw. (80 Europäer), Vertragshafen
seit 1876, am l. Ufer, mit Mauern eingefaßt. Viele europäische Firmen
haben hier chinesische Agenten. Deutsches Konsulat, deutsches Postamt
wird von Hankau verwaltet. Bahn von Itschang nach Wanhsien im Bau, soll
bis Tschungking geführt werden.-- Man besteige den Itschang
gegenüberliegenden Berg, von den Fremden »die Pyramide« genannt; schöne
Aussicht über die Umgebung.-- Tagesausflng (event. im Tragstuhl) nach
dem (3 St.) Höhlentempel _Lungwang-tung_ (»Grotte des Drachenkönigs«)
mit unterirdischem See.

=Von Itschang nach Tschungking= (740 km) bietet die Fahrt auf dem
Yangtse (Eisenbahn, s. oben) wegen gefährlicher Stromschnellen oft
große Schwierigkeiten. Nachdem frühere Versuche, eine Dampferverbindung
herzustellen, fehlgeschlagen waren, hat von März bis Dezember 1910
der Flußlotse, der englische Kapitän Plant, mit dem chinesischen
Dampfer Shutung (mit Prahm im Schlepp) einen etwa 14tägigen Verkehr
aufrechterhalten (Fahrpreise für Bergfahrt, 6-9 Tage, I. Kl. $ 50,
Talfahrt [2-4 Tage] I. Kl. $ 25). Vorausbestellung der Fahrkarten
in Itschang ist zu empfehlen. Sehr lebhaft ist dagegen, weil der
Yangtse die einzige Verkehrsader zwischen den östlichen Provinzen
und der reichen Provinz Szetschuan (50 Mill. Einw.) bildet, der
Dschunkenverkehr, der die gesamte Güterbeförderung und den größten
Teil der Personenbeförderung zwischen Itschang und Tschungking
besorgt; letztere erfolgt auf »Passagierbooten«, die die Strecke in
der günstigsten Reisezeit (von Oktober bis Mai bei niedrigem Wasser)
in 25-32 Tagen zurücklegen; Boote mittlerer Größe enthalten 3 Zimmer,
Küche und Gepäckraum; der Fahrpreis beträgt 150-200 Taël. Konserven und
Getränke sind aus Hankau mitzubringen, Fleisch und Gemüse ist unterwegs
erhältlich. In Itschang empfiehlt sich die Mitnahme eines Rotbootes, d.
h. Rettungsbootes (durch Vermittelung des Konsulats von der Ortsbehörde
zu erlangen). Die Fahrt durch das tiefeingeschnittene Erosionstal ist
landschaftlich äußerst lohnend; eine der von NO. nach SW. streichenden
Bergketten nach der andern wird durchbrochen, ihre hohen Steilabstürze
wechseln mit den flachen Einmündungen, der dazwischen liegenden Täler,
Talengen mit Talweiten. _Friedr. Hirth_ (seinerzeit Seezolldirektor
in Tschungking) berichtet von seiner Reise wie folgt: »Die Reise ist
im ganzen kaum gefährlicher als eine Seereise, trotz der reißenden
Stromschnellen, deren man täglich mehreren begegnet. Die Landschaft ist
während eines großen Teils der Reise großartig und stets interessant.
Man denke sich die Sächsische Schweiz mehrfach übereinander getürmt
und die Elbe um das Drei-bis Vierfache verbreitert, um sich ein Bild
von den berühmten '_Gorges_' von Itschang zu machen, so heißen bei den
Engländern jene Engpässe, durch die sich der große Strom bis zu einigen
Tagereisen oberhalb Itschang hindurchzwängt. Zwischen Itschang und
Kweitschoufu überschreitet man die Grenze von Szetschuan. Die Mitte
der Reise bildet die Stadt _Wanhsien_, ein wichtiger Knotenpunkt für
den Handel in Ost-Szetschuan«, mit schönen Straßen, Läden, Tempeln und
Pagoden, auf einem Hügel; Bahn nach Itschang im Bau, nach Tschungking
und weiter nach Tschöngtu geplant; etwa 1000 Handwebstühle sind in der
Stadt in Betrieb; in den nahen Bergen Kohlengruben. Ein Telegraph führt
von Itschang über Wanhsien nach Tschungking und Tschöngtu und von dort
über _Ja-tschou_ nach _Tachienlu_ (tibetanisches Grenzgebiet); von
Tschungking nach _Suifu_.

(740 km) =Tschungking= (Unterkunft nur in chinesischen Gasthäusern),
Stadt mit 610000 Einw., seit 1890 Vertragshafen, die Handelsmetropole
der Provinz Szetschuan, liegt am l. Yangtseufer (über 2500 km oberhalb
Schanghai) an der Einmündung des _Kialingkiang_ halbinselförmig auf
einer 30 m hohen Felsplatte. Die Umgebung ist sehr malerisch, im
S. am r. Ufer liegt der heilige Berg _Tuschan_, wo der mythische
Kaiser Yü seine Gattin heiratete. --_=Konsulate=_: _Deutsches Reich_,
Konsul Weiß; ferner Großbritannien, Frankreich, Japan und Amerika.--
_=Post=_: _Kaiserl. Chinesische Post_ und ein _Französisches
Postamt_.--_=Krankenhäuser=_: _Deutsche Poliklinik_ (unter Leitung
eines Stabsarztes); englisches, französisches und amerikanisches
Missionshospital (letzteres mit Frauenabteilung).--_=Fremde
Firmen=_: _Arnhold, Karberg & Co._ und _Carlowitz & Co._, beide
deutsch; englische: _Mackenzie & Co._ und _British-American
Tobacco Co._--_=Ladengeschäfte=_: ein französisches, das Konserven
und Spirituosen vertreibt, ein amerikanisches, Apotheke und
Gebrauchsgegenstände. --_=Klub=_: _Seezoll-Klub_ mit Billardzimmer. P
u. T.-- Tschungking ist der Hauptflußhafen und -handelsplatz für das
»Rote Becken« von Szetschuan, ein von schiffbaren Flüssen durchzogenes,
dicht besiedeltes (40 Mill. Einw., 250 auf 1 qkm) Hügelland von
800-1000 m Durchschnittshöhe, das sehr fruchtbar ist und günstiges
Klima hat. Seine Hauptprodukte, die von Tschungking zur Ausfuhr
kommen, sind: Seide, Häute, Moschus, Rhabarber, Opium, Wolle, Borsten,
Gallnüsse, Ziegenfelle; Einfuhr: Baumwollengarn, Wollenstoffe. Etwa
1600 Dschunken verkehren jährlich in Tschungking.

Der Yangtse wird oberhalb Tschungking bis _Pingshanhien_ (westl. von
Suifu) befahren; er ist noch weiter schiffbar, aber unsicher wegen
der Überfälle durch unabhängige Lolostämme. (Vgl. _H. Hackmann_, An
den Grenzen von China und Tibet; Halle a. S. 1904.)-- Lohnend ist
ein Ausflug von Tschungking nach der Provinzhauptstadt =Tschöngtu=,
die auf einer der besterhaltenen Straßen Chinas in 10-12 Tagen zu
erreichen ist, am besten im Tragstuhl (Tragkulis erhalten für die ganze
Reise 4000 Käsch oder etwa $ 4). Die Gasthöfe sind verhältnismäßig
sauber und billig, Kosten des Nachtlagers 300-1000 Käsch; Moskitonetz
und Insektenpulver sind unentbehrlich. Tschöngtu, Sitz des
Generalgouverneurs und der obersten Provinzialbehörden, mit etwa 600000
Einw., liegt nicht weit vom Fuße des das Rote Becken im N. begrenzenden
Hochgebirges in einer sehr fruchtbaren Ebene, die etwa halb so groß ist
wie die Oberrheinische Tiefebene. Es ist das »Paris Chinas« und gilt
als die gebildetste, reinlichste und schönste Stadt des ganzen Reiches.
Die Stadt zerfällt in die chinesische, die Tataren- und die (ehemalige)
Kaiserstadt. In letzterer sind die Räume des Arbeitsamtes (einer Art
Industrieschule). In der Tatarenstadt mandschurische Bevölkerung
mit kleiner Mandschurengarnison. Die Zahl der Ausländer ist gering,
da Tschöngtu nicht Vertragshafen. Außer drei Konsuln (deutschem,
englischem und französischem) und einigen Ausländern (meist Japanern)
in chinesischen Diensten wohnen dort nur Missionare. Mit den Missionen
sind Hospitäler verbunden. (Vgl. _A. Genschow_, Unter Chinesen und
Tibetanern, Rostock 1905.)

Etwa 60 km nw. von Tschöngtu, am Rande der Ebene, wo der Min aus dem
Gebirge tritt, liegt =Kuanhsien=, berühmt durch das mehr als 2000 Jahre
alte Bewässerungssystem, dem die Tschöngtuebene ihre Fruchtbarkeit
verdankt. Von dort aus werden die unzähligen künstlichen Kanäle, die die
ganze Ebene durchziehen, mit Wasser versorgt. Die Öffnung der Dämme bei
Kuanhsien erfolgt im Frühjahr unter großem Zeremoniell. Dem Begründer
dieser Bewässerungsanlage ist dort einer der prächtigsten Tempel Chinas
errichtet worden.

Ausflug (etwa 5 Tage) nach dem heiligen Berge =Omi= (3380 m), einem der
interessantesten und schönsten Punkte Westchinas.



Nordchina.


     =Nordchina= unterscheidet sich in seinem ganzen
     Landschaftscharakter von Südchina sehr stark. Schon die
     Oberflächengestaltung ist ganz anders; denn während Südchina
     größtenteils aus Gebirgsland besteht, bildet den wichtigsten Teil
     Nord Chinas ein Flachland: die 300000 qkm einnehmende (Preußen
     350000 qkm) _Große Ebene_, die das weit ins Nordchinesische Meer
     vorspringende, Bayern an Größe gleichende _Gebirgsland von
     Schantung_ umschließt. Erst westl. der Großen Ebene beginnt
     zusammenhängendes Gebirgsland. Mehr noch unterscheidet sich aber
     der Norden des »Reiches der Mitte« vom Süden durch seine Kahlheit.
     Außer Nutzbäumen (Obst- und Maulbeerpflanzungen) und Gräberhainen
     gibt es keine holzigen Gewächse mehr, alles ist ausgerodet. Nackt
     steigen die Granitberge von Schantung empor, waldlos das Gebirge im
     N. von Peking; kahl, einförmig, im Winter geradezu trostlos ist
     auch die Große Ebene. Sogar die Graswurzeln rauft der Chinese mit
     eigens dazu hergestellten Gerätschaften aus, denn die Bevölkerung
     ist dicht, der Winter kalt, die Kohle teuer und das Brennmaterial
     rar. Eine dritte Haupteigenschaft Nordchinas, sein Reichtum an Löß,
     jener lehmartigen, aber ungeschichteten und kalkreichen, äußerst
     fruchtbaren Bodenart, die in trockenem Klima durch Verwitterung
     entsteht und vom Wind fortgetragen und in Tälern und an Berghängen
     abgelagert wird, tritt dem Weltreisenden nur in der gelben Farbe
     des Gelben Meeres, des Hoangho, d. h. des Gelben Flusses, und des
     Peiho, entgegen. Der _Hoangho_ durchfließt vor seinem Eintritt in
     die Große Ebene diejenigen Gebirgsländer, die hauptsächlich von
     einer dicken Lößdecke verhüllt sind; er bringt daher so viel
     gelösten Löß in die Ebene mit hinaus, daß er nicht nur gelb
     aussieht und auch das Meer, in das er mündet, weithin gelb färbt,
     sondern daß er sein Bett immer wieder über seine Umgebung erhöht
     und, trotzdem er von den Chinesen in Dämme eingeschlossen wird,
     ständig die Neigung hat, seitwärts auszubrechen. Diese Neigung wird
     noch erhöht durch die starke Anschwellung, der er, wie der
     Yangtsekiang, allsommerlich unterliegt. So kann es nicht
     wundernehmen, daß der Hoangho in den letzten 2-1/2 Jahrtausenden
     neunmal seinen Unterlauf gewechselt hat; sein jetziges Bett, das am
     Gebirgslande von Schantung nördl. vorbeiführt, hat er erst seit
     1852 inne; von 1280-1852 floß er südostwärts und mündete halbwegs
     zwischen Schanghai und Kiautschou. Solche Laufwechsel des Stromes
     und auch schon Dammbrüche bilden für die dicht bevölkerte Ebene
     natürlich immer furchtbare Ereignisse; bei dem letzten Ausbruch im
     Jahre 1887 wurden 22000 qkm (etwa = Westfalen oder Schlesien)
     überschwemmt, und 1,5 Mill. Menschen kamen ums Leben. So wertvoll
     also der Yangtse für China ist, so unnütz, ja verderblich ist ihm
     der Hoangho, um so mehr, als er wegen zu großen Gefälles auch im
     Unterlauf kaum schiffbar ist.

     Das =Klima= Nordchinas ist wie das des übrigen Ostasien ein reines
     Monsunklima; im Sommer herrscht feuchtwarmer Seewind, im Winter
     kalter und trockner Landwind. Die Regenzeit fällt daher in den
     Sommer; der Winter ist, je weiter nach Norden, um so trockner. Die
     Temperatur bleibt im Sommer durch ganz Nordchina trotz seiner
     Erstreckung durch neun Breitengrade gleich hoch, nur an den Küsten
     wird sie durch die Seenähe etwas gemildert (Julitemperatur in
     Schanghai 26,9°, in Peking 26,6°, in Tsingtau aber nur 23,4°).
     Dagegen nimmt sie im Winter nordwärts stark ab (Januartemperatur in
     Schanghai 3,1°, in Peking-4,7°, in Tsingtau aber nur-0,4°, wieder
     wegen der Seenähe). Man sieht schon aus diesen wenigen Zahlen, daß
     das Klima nordwärts immer extremer, der Unterschied zwischen Sommer
     und Winter immer schroffer wird; unsre Kolonie Kiautschou ist
     klimatisch noch recht begünstigt.

     =Bodenwirtschaft.= Die Große Ebene sowohl wie das gebirgige
     Schantung sind dicht besiedelt, denn die Ebene ist, von einigen
     sandigen Strichen abgesehen, fruchtbar, und die feuchtheißen Sommer
     gestatten meist noch den Anbau empfindlicher Pflanzen, wie des
     Reises und der Baumwolle; außerdem werden eine Menge andrer
     Nahrungspflanzen (namentlich auch Bohnen), Ölpflanzen (Erdnuß)
     und Obstarten gezogen; der Teestrauch kommt nur im SW. der
     Großen Ebene noch fort, die Seidenraupenzucht ist weit verbreitet,
     doch wird der gewöhnliche, auf dem Maulbeerbaum lebende
     Seidenspinner im Gebirgslande Schantungs durch zwei andre Arten
     vertreten, deren Raupen auf Eichen leben und die sogen.
     Schantungseide liefern. Die Berghänge Schantungs werden, soweit sie
     nicht nackter Felsboden sind, mit Terrassenkultur bewirtschaftet.
     Die einzelnen Familien besitzen, wie in Südchina, meist nur sehr
     kleine Grundstücke, die entsprechend intensiv ausgenutzt werden.

An guten _Häfen_ sind auch die Küsten Nordchinas, die teils sandig und
flach, teils felsig und steil sind, nicht reich, und von diesen ist
wieder die Mehrzahl während einiger Wintermonate durch Eis
gesperrt; »eisfrei« sind nur unsre Kiautschoubucht und das erst neuerdings
benutzte Tschinwangtao am Nordostzipfel des Gelben Meeres, dem Golfe von
Liautung. Der Hauptweg für den Warenverkehr zwischen Süd- und Nordchina
war in frühern Zeiten der _Kaiserkanal_, der vom Kaiser Kublai Chan
(1280-95), dem Gründer Pekings, angelegt wurde, von Hangtschou südwestl.
von Schanghai bis Tientsin reicht, aber im Winter gleichfalls
großenteils zufriert und stark verfallen ist. Der _Landverkehr_ erfolgt
auf schlechten Straßen mit Lasttieren (Kamelen, Maultieren, Ponys), auf
zweiräderigen, ungefederten, stark gebauten Karren, und für Waren auch
auf Schubkarren, die zum Teil mit Segeln versehen sind. Der Weltreisende
wird von diesen unbequemen Transportmitteln aber kaum Gebrauch machen
müssen, da das _Eisenbahnnetz_ Nordchinas die wichtigsten Städte bereits
sämtlich miteinander verbindet. Folgende Hauptlinien bestehen: von der
Küste des Gelben Meeres (Tongku, nahe der Peihomündung) über Tientsin
nach Peking; von Tongku nordostwärts über Schanhaikwan nach Mukden und
den Häfen der Halbinsel Liautung; von Peking über das Nankaugebirge und
Kalgan nach Suijuenwan in der Mongolei; von Peking entlang dem Westrande
der Großen Ebene und zuletzt über das Waigebirge nach Hankau am Yangtse
(S. 259); von Tientsin durch den Ostteil der Großen Ebene und den
Westteil des Gebirgslandes von Schantung nach Pukou gegenüber Nanking
(diese Strecke ist erst teilweise dem Verkehr übergeben, soll aber im
Herbst 1912 fertig sein); endlich von Tsingtau nach Tsinanfu, der
Hauptstadt Schantungs, die an der vorgenannten Strecke liegt.



13. Von Schanghai nach Tsingtau, Tientsin und Peking.

Vgl. die Karten S. 215 und 275.


     =Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie= »Admiral v.
     Tirpitz« und »Staatssekretär Kraetke« jeden So. ab Schanghai über
     (390 Seem.) Tsingtau und (550 Seem.) Dairen nach (690 Seem.)
     Tientsin, Fahrzeit 4 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Sa. oder
     So.--Ferner Dampfer »Gouverneur Jaeschke« und »Sikiang« jeden Mi. von
     Schanghai über Tsingtau und (500 Seem.) Tschifu nach Tientsin,
     Fahrzeit 5 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Mi. oder Do. Im
     Winter (Dezember-März) ist der Hafen von Tientsin durch Eis
     geschlossen, dann laufen die Dampfer nach Dairen oder Tschinwangtao
     (von da mit Bahn nach Tientsin). Fahrpreise: von Schanghai nach
     Tsingtau I. Kl. $ 33, II. 20, hin und zurück $ 50 und 30; nach
     Tschifu I. 35, II. 20, hin und zurück 55 und 33; nach Dairen I. 45,
     II. 27,50, hin und zurück 67,50 und 41,25; nach Tientsin I. Kl. $
     60, II. 33, hin und zurück $ 90 und 50. (Der Wert des mexikanischen
     Dollars schwankt nach
     dem Silberkurs, z. B. Anfang 1903 = 1,66 M., Anfang 1907 = 2,40 M.,
     zurzeit 2,35 M.).

=Eisenbahn= von _Tsingtau_ nach _Peking_ s. S. 271; der Landweg ist
besonders im Winter zu empfehlen, wenn die Schiffahrt nach Tientsin
durch Eis gesperrt ist.

Fahrt von _Schanghai_ nach _Wusung_ S. 246; die Yangtsemündung wird
durch das nördl. Fahrwasser verlassen, das nahe an der 60 m hohen Insel
_Schaweischan_ (mit Leuchtturm) vorbeiführt. Die niedrige Küste kommt
bald aus Sicht, das Wasser bleibt aber gelb gefärbt, solange der Kurs
die seichten Bänke nördl. vom Yangtse kreuzt. Nach etwa 30 St. taucht
das _Lauschangebirge_ (S. 270) auf, dessen Ost- und Südseite fast
unmittelbar aus dem Meere bis 700 m ansteigt; die Hauptkette hat über
1000 m Höhe, der höchste Punkt, der _Lauting_, 1130 m. Die Küste in der
Umgebung der Kiautschoubucht ist kahl, ebenso sehen die vorgelagerten
Inseln _Tschalientau_ (Leuchtturm mit starkem Blitzfeuer) und Taikungtau
aus. Später erkennt man die Einfahrt in die _Kiautschoubucht_ zwischen
dem _Kap Jaeschke_ an der Südseite, hinter dem sich ein 166 m hoher
Hügel erhebt, und der niedrigen Halbinsel _Yunuisan_ an der Nordseite
unmittelbar vor der felsigen Halbinsel, auf der die Stadt Tsingtau (S.
267) liegt, deren stattliche europäische Häuser aus großer Entfernung zu
erkennen sind.

     =Kiautschou.= Das am 14. November 1897 besetzte, der Verwaltung des
     Reichsmarineamts (Gouverneur: Kapitän z. S. Meyer-Waldeck)
     unterstellte deutsche Schutzgebiet umfaßt die große Kiautschoubucht
     bis zur Hochwassergrenze, die darin liegenden Inseln Yintau und
     Huangtau und die den Eingang zur Bucht bildenden Halbinseln sowie
     einige kleinere Inselchen; das ganze landfeste Gebiet ist nur etwa
     550 qkm groß (Staat Hamburg 415 qkm). Eine 50 km breite »neutrale
     Zone« umgibt es. Der wichtigste Teil des Schutzgebietes ist die
     nördl. Halbinsel, nahe deren Spitze die Stadt Tsingtau angelegt
     worden ist. Die Kiautschoubucht selbst ist zwar groß u. vor Stürmen
     ziemlich geschützt, aber kein guter Naturhafen, da sie großenteils
     ganz flach ist; nur der Eingang und die diesem naheliegenden Teile
     sind tiefer, der Handelshafen ist auf der Innenseite der
     Tsingtau-Halbinsel durch Errichtung eines großen halbkreisförmigen
     Steindammes und Molen künstlich geschaffen. Tsingtau ist in erster
     Linie der politische Stützpunkt Deutschlands in Ostasien; doch hat
     es auch alle Aussicht, ein wichtiger Handelshafen zu werden,
     obgleich ihm die Wasserwege nach dem Binnenlande, die Hongkong bez.
     Kanton und Schanghai groß gemacht haben, fehlen; dieser Mangel wird
     aber zum Teil durch die Schantungeisenbahn ersetzt, die für den
     Zugang zum nördl. Teil der Großen Ebene eine breite, hinter der
     Kiautschoubucht sich öffnende Senke im Gebirgslande von Schantung
     benutzen konnte, und durch die Eisfreiheit des Hafens ausgeglichen.
     Das schon obenerwähnte, für nordchinesische Verhältnisse angenehme
     Sommerklima hat Tsingtau rasch zu einem beliebten Seebad für die
     Europäer ganz Chinas werden lassen.

     In den wenigen Jahren, die seit der deutschen Besitzergreifung
     verflossen sind, ist unter den Gouverneuren Rosendahl, Jaeschke und
     Truppel an Stelle des armseligen, verseuchten Fischerdörfchens
     Tsingtau eine gesunde, mit allen modernen Einrichtungen versehene
     Europäerstadt mit zahlreichen öffentlichen Gebäuden und neben ihr,
     in der Nähe des Hafens, das Chinesenviertel Tapautau
     emporgewachsen. Die kahlen Berghöhen der Umgebung beginnen unter
     der Pflege der deutschen Forstverwaltung sich zu begrünen, und ein
     reger »Bergverein« sorgt für die touristische Erschließung des
     Lauschan mit dem Mecklenburghaus (S. 270).-- Vgl. _Gg. Wegener_,
     Das Kiautschougebiet (in Hans Meyer, Das Deutsche Kolonialreich,
     Band II).


Tsingtau.

Vgl. beifolgende Karte mit Plan.

     =Ankunft zur See.= Der Dampfer steuert durch die 3 km breite
     Einfahrt zwischen Kap Jaeschke (l.) und Yunuisan-Leuchtturm (r.) in
     die Kiautschoubucht hinein, dann um die Tonne des Hufeisenriffs
     (r.) herum durch die Baggerrinne in den großen, neu angelegten
     Handelshafen, an dessen Kai festgemacht wird. Das Hafengebiet ist
     Freihafen; Tsingtau selbst gehört seit 1906 zum chinesischen
     Zollgebiet, doch ist Privatgepäck von Reisenden zollfrei.
     Zollabfertigung durch das chinesische Seezollamt an der Grenze des
     Freihafengebiets (C 2).

     =Gasthöfe=: _Prinz Heinrich_ (Pl. B5), Kaiser-Wilhelm-Ufer; 90 Z.,
     F. $ 1, Ged. 1,50, Pens. $ 5-10, monatl. von $ 100
     an.--_Strandhôtel_ (D3), an der Auguste-Viktoria-Bucht (Kurhaus,
     geöffnet Mai-Oktober); 30 Z., F. $ 1, Ged. 1,50, Pens. $ 8-12,
     Monatspreise billiger. --_Central_ (Pl. B5), 30 Z., Pens. $
     5-6.--_Metropole_, Friedrichstr. 260; 15 Z., Pens. $
     3-4.--_Familienpension Luther_, Hohenloheweg, Pens. $ 6. Küche
     gerühmt.--_Pension Frau Mohrstedt_; _Pension Frau Röper_, beide
     billiger und Irenestraße.

     =Restaurants=: _Hotel Kiautschou_, Ecke Friedrich- und
     Prinz-Heinrich-Straße. --_F. Vogt_, Friedrichstr.--_Zum
     Pschorrbräu_ (_Dachsel_), echte Biere, Küche gut,
     Tirpitzstr.--_Haase_, Friedrichstr. --_Zur Börse_, Schantungstr.--
     _Lehmann_, Schantungstr.--_Bahnrestaurant_,
     Hohenzollernstr.--=Café=: _Keining_, Friedrichstr., auch
     Konditorei.

     =Post, Tel. und Telephon= (Pl. B5), Albertstraße. Telegraphenkabel
     nach Schanghai und Tschifu.

     =Wagen= liefern _J. Richardt_ und _A. W. Heinzel_,
     Speditionsgeschäfte.-- =Reitpferde= (chines. Ponys) ebenda.--
     _Rikschas_ I. und II. Kl. sind reichlich vorhanden. _Automobile_
     sind zu mieten.

     _Eisenbahn_ (Bahnhof A5) von Tsingtau über _Kiautschou_ und
     _Weihsien_ in 11-1/2 St. nach (412 km) _Tsinanfu_ (S. 272);
     Zweigbahn nach _Poschan_. (Direktion der _Schantung-Eisenbahn_ in
     Berlin, Behrenstr. 14.) Die Strecke Tsinanfu-Tientsin (335 km) der
     _Tientsin-Pukou-Eisenbahn_ ist bis auf die Hoanghobrücke fertig
     (vgl. S. 275 und Reichskursbuch Nr. 706).

     =Dampfer= (S. 265): jeden Di. u. Sa. nach Schanghai, jeden Di. u.
     Fr. nach Dairen und Tientsin. Einmal monatl. direkter
     Reichspost-(Lloyd-)Dampfer nach und von Deutschland. Außerdem
     Fahrgelegenheiten mit englischen, chinesischen und japanischen
     Passagierdampfern (Fahrpläne in den
     Tageszeitungen).--_Hamburg-Amerika Linie_, Agentur
     Friedrichstr.--_Norddeutscher Lloyd_, Agent Melchers & Co.,
     Kaiserstraße (Tel.-Adr.: »_Nordlloyd, Tsingtau_«).

     =Münzwesen und Geldverhältnisse= chinesisch, vgl. S. 219; deutsche
     Nickelmünzen zu 5 u. 10 Cents; chinesische 5-, 10- u. 20-Centsstücke
     werden nur mit 10-20 Proz. Verlust genommen. Silbergeld:
     Mexikanische Dollars; Banknoten der Deutsch-Asiatischen Bank zu $
     50, 20, 10, 5, 1.--=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_ (Pl. B5),
     Kaiser-Wilhelm-Ufer (Zentrale in Berlin, Behrenstr. 14); Korr. der
     Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der
     Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.--_Hongkong &
     Shanghai Banking Corporation_, Agentur: Arnhold, Karberg & Co.

     =Theater=: ein chinesisches.

     =Klub=: _Tsingtau-Club_ (Einführung durch Mitglied erforderlich),
     am Kaiser-Wilhelm-Ufer.

     =Fremdenführer=: »Führer für Tsingtau und Umgebung« von Dr. _Fr.
     Behme_ und Dr. _M. Krieger_ (4. Aufl., Wolfenbüttel 1911); in den
     Buchhandlungen in Tsingtau und auf den deutschen Dampfern zu haben
     (auch eine englische Ausgabe).

     =Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs= (Vorsitzender _H. v.
     Kropff_) erteilt Auskünfte und gibt den _Führer des
     Verkehrsausschusses_ (Preis 30 Cents) heraus.--=Bäder=: Seebad mit
     Strandhotel (s. oben).--=Ärzte=: Mehrere Marineärzte; Zivilarzt Dr.
     _Wunsch_, Prinz-Heinrich-Straße; Zahnarzt _Buchinger_,
     Friedrichstraße.--=Rote Kreuz-Apotheke=, Prinz-Heinrich-Straße (Pl.
     B5). --=Krankenhäuser=: Vorzügliches _Marinelazarett_ mit
     Frauenpavillon; _Faber-Krankenhaus_, für Europäer (Pl. B4);
     _Faber-Hospital_ (C2), für Chinesen.
     =Buchhandlungen=: _Paul Lindner_; --_E. Rose_, beide
     Friedrichstraße.-- Deutsch-chinesische Druckerei und Verlagsanstalt
     _Walther Schmidt_, auch Buchhandlung, Friedrichstr. 410, gibt
     heraus die Tageszeitung: »Tsingtauer Neueste Nachrichten« nebst
     Wochenausgabe »Kiautschou-Post« (Redakteur H. v.
     Kropff).--=Photograph=: _F. Takahashi_,
     Friedrichstr.--_Photographische Gebrauchsgegenstände_ liefert die
     _Rote Kreuz-Apotheke_, Prinz-Heinrich-Straße. --Das Photographieren
     von Festungswerken ist wie in Deutschland verboten.

=Geschäftsadressen.= Optiker und Uhrmacher: _Fischer_, Ecke
Prinz-Heinrich- und Albertstr.; Kleiderhändler: _Paul Heinrich_,
Friedrichstr.; Warenhäuser: _Sietas Plambeck & Co._; _Schwartzkopf &
Co._, Hohenzollernstr.; _Baumann_; _Grill_, beide Friedrichstr.;
Konserven und Materialwaren: _Boedicker & Co._; _O. Linke_,
Prinz-Heinrich-Straße; China- und Japanwaren in Lack, Seide und
Porzellan: _Singtai & Co._, Friedrichstr.; _Cheap Jack & Söhne_,
chinesisches Seidenhaus, Kiautschoustraße.

=Konsulate=: _Vereinigte Staaten von Amerika_, Diederichsweg, Konsul
_Mac Nelly_; _England_, bei Firma _Cornabé, Eckford & Co._, Ecke
Schansi- und Tsinanstr.; _Rußland_, Vizekonsul _Kropatschek_,
Bismarckstraße.

=Tsingtau= (»grüne Insel«), die Hauptstadt des deutschen
Kiautschougebiets, hat (1910) 38000 Einw., darunter 1600 Europäer (ohne
2500 Mann Militär), im Landgebiet wohnen 127000 Chinesen; die Stadt
liegt auf 36° 4' nördl. Br. (wie Gibraltar) zwischen Hügeln auf der
Halbinsel an der Ostseite der Kiautschoubucht. Sämtliche Hafenanlagen,
städtischen Anlagen, Wege und Bahn sind deutsche Arbeit, mit deutschem
Gelde geschaffen. Der _Handelshafen_ (BC1; _Großer Hafen_ genannt, im
Gegensatz zum _Kleinen Hafen_ [B2], der dem Dschunken und Bootsverkehr
dient) mit großem Schwimmdock nimmt Schiffe jeder Größe auf, seine
Kaianlagen sind mit Bahngleisen, Warenschuppen und mit einer größern
Reparaturwerft versehen. Die Stadt ist weitläufig und gesund angelegt;
an der _Tsingtaubucht_ liegen das deutsche Geschäftsviertel (BC2, 3) mit
dem alten Yamen, Lazarett und Kasernen (C3). Nördl. davon erstreckt sich
bis zum Kleinen Hafen das Chinesenviertel _Tapautau_ (C2, 3) mit
Markthalle und Missionsanstalten. Zwischen _Tapautau_ und dem
Handelshafen sind die Lagerhäuser und Bureaus der großen Exportfirmen.
Östl. vom Yamen liegt das Villenviertel an der _Auguste-Viktoria-Bucht_
(D3). In der _Tsingtaubucht_ (BC3) sind mehrere Landungsbrücken für
Boote. Die Gesundheitsverhältnisse von Tsingtau sind dank der guten
hygienischen Einrichtungen die besten an der ganzen ostasiatischen Küste
geworden, daher und wegen des angenehmen Sommerklimas wird die Stadt von
europäischen Badegästen aus allen Häfen Ostasiens als Seebad besucht.
Die _Gouvernementschule_ (C5) ist ein Reformrealgymnasium (1910 mit 170
Schülern und 10 Lehrern) in 9 Klassen (Vorschule, Sexta bis Sekunda);
Alumnat für Auswärtige bei einem Oberlehrer sowie in einzelnen Familien.
Die deutsche _Mädchenschule_ wird von Franziskanerinnen geleitet. Die
_Kiautschoubibliothek_ umfaßt bereits etwa 30000 Bände, im Lesezimmer
liegen 70 deutsche und englische Zeitungen und Zeitschriften aus. Die
_meteorologische Station_ (Direktor Dr. _Meyermann_; ein großes
Observatorium, Geschenk des Flottenvereins, ist Anfang 1912 in Benutzung
genommen) auf dem Wasserberg (BC4) gibt tägliche Wetterkarten heraus.
Mehrere _Krankenhäuser_ sind von den Missionen eingerichtet.

_=Rundgang.=_ Vom Kaiser-Wilhelm-Ufer führt in der Richtung der
_Tsingtau-Landungsbrücke_ (C3), in deren Nähe das Haus des
Tsingtau-Clubs steht, die Friedrichstraße nach N.; an ihr liegt r. das
1902 eröffnete _Seemannshaus_ (B4), zur Erholung für die Mannschaften
des Kreuzergeschwaders und der Garnison bestimmt. Westl. von der
Tsingtau-Landungsbrücke liegt die am 25. Okt. 1909 eröffnete
*_Deutsch-Chinesische Hochschule_ (B3), die nach Anmeldung beim Leiter,
Prof. Keiper, dem frühern Dozenten an der Universität in Peking,
besichtigt werden kann. Die Hochschule bezweckt, jungen Chinesen mit
genügenden Vorkenntnissen ihrer Mutterschrift etc., was ein chinesischer
Studieninspektor beaufsichtigt, staatswissenschaftliche, technische,
medizinische oder land- und forstwissenschaftliche Ausbildung nach
deutscher Lehrmethode und in deutscher Sprache zu geben. (Von 200
Angemeldeten bestanden 93 die Aufnahmeprüfung; 17 wurden dazu noch
bedingt eingestellt, insgesamt 110; die Neubauten der Hochschule rechnen
auf 520 Zöglinge.) Am Nordende der Friedrichstraße liegt r. die
Markthalle (B4); hinter ihr beginnt das Chinesenviertel _Tapautau_ (B4),
durch das die Schantungstraße zum _Kleinen Hafen_ (B2) führt, von dem
man auf der Rechternstraße längs des Strandes zum großen _Handelshafen_
(BC1) gelangt. Vom _Bauhafen_ (C2) vor dem Handelshafen gelangt man auf
der Westpaßstraße vorbei am _Faberhospital_ (C2) und der _evangelischen
Missionsanstalt_ bis in die Nähe des _Gouvernementslazaretts_ (C2), doch
benutze man den Fußweg, der vorher l. nördl. von Villa Crusen auf den
_Diederichsberg_ (99 m) hinaufführt; oben bei der Signalstation (C4)
*Aussicht über Stadt und Hafen. (Die Station zu betreten ist verboten!)
Abstieg nach S. vorbei am _Diederichsstein_ (mit Felsinschrift zum
Andenken an die Besitznahme durch den Admiral v. Diederichs); in der
Nähe das neue _Gouverneurswohnhaus_ (D5), 1906/07 erbaut. Der Fußweg
mündet unterhalb des Lazaretts, in der Nähe der neuen _evangelischen
Christuskirche_ (C5), in die Bismarckstraße, von der r. am Hohenloheweg
das stattliche _Gouvernementsgebäude_ (B5) liegt. Man folgt der
Bismarckstraße, an der l. die alte Gouvernementsschule und ehemalige
Kapelle, die neue Gouvernementsschule (s. oben) und unterhalb davon bei
den »Fünfzehn Eichen« ein der Meeresgöttin geweihter _Tempel_ (C5) steht,
worin eine Figur dieser Göttin nebst andern Figuren und Malereien
sehenswert sind. Man biegt nun l. und folgt dem Kaiser-Wilhelm-Ufer zum
alten _Yamen_ (C5), dem frühern Sitz des chinesischen, dann
provisorischer Amtssitz des deutschen Gouverneurs, mit bemerkenswerter
_Fengschuimauer_ (zum Schutz gegen Wind- und Wassergeister) vor dem
Eingang; auf der Innenseite ein Bild des Ungeheuers Tan. Von da fahre
man mit Rikscha nach S. und längs des Auguste-Viktoria-Ufers zum
Badestrand (D3), wo im Sommer wöchentl. zweimal Nachm. die Militärmusik
spielt; dahinter breitet sich das Villenviertel von Tsingtau aus. Vom
Seebad führt die Iltispaßstraße über den Exerzierplatz und l. vorbei am
_Europäerfriedhof_ (mit Denkmal des Gouverneurs Jaeschke und des
Missionars und Sinologen E. Faber) am Fuße des _Bismarckbergs_ (D2),
dann r. an den Iltiskasernen auf guten Wegen auf den _Iltisberg_ (E2; 4
km von Tsingtau) mit sehenswertem *Forstgarten und mehreren
Aussichtspunkten sowie Granitfelsen (»Mausefalle« 2/3 km östl. von den
Kasernen). Beachtenswert ist die durch die deutsche Marineverwaltung
ausgeführte Aufforstung der früher kahlen Berge. Bückweg am
_Bismarckberg_ entlang, über den Europäerfriedhof und an den (r.)
_Bismarckkasernen_ (D2) vorbei durch die Ostlagerstraße zur Stadt
zurück. Tsingtau, ursprünglich nur als Flottenstützpunkt gedacht, ist
eine mustergültige Schöpfung der deutschen Marineverwaltung, die von
deutschen Weltreisenden als »Kleinod unseres Volksgeistes« bezeichnet
wird, das deutschen Baustil, deutsche Behaglichkeit, Sauberkeit und
Ordnungsliebe im fernen Osten rühmlichst zur Geltung bringt. Kein
Weltreisender sollte versäumen, diese zukunftsreiche deutsche Siedelung
zu besuchen!

     Ein =Ausflug= in den =Lauschan=, zwei Tage, zu Wagen (hin und
     zurück $ 12) oder zu Pferde, auf guter Fahrstraße, ist
     landschaftlich sehr lohnend und gewährt gute Einblicke in den
     Charakter des Berglandes von Schantung. Der Hauptast des Lauschan
     (»beschwerliches Gebirge«), der die höchsten Gipfel (Lauting, 1130m
     = Brockenhöhe, Steinerne Säge, Fünffingerspitze) trägt, zieht
     nordsüdl. an der Ostgrenze des Schutzgebietes entlang und fällt
     ostwärts steil zur großen Lauschanbucht ab. Westwärts sind ihm
     einige Seitenäste mit tiefen Tälern dazwischen vorgelagert. Trotz
     seiner geringen Höhe macht das Gebirge einen sehr unwirtlichen,
     beinahe alpinen Eindruck; steil steigen die nackten felsigen Hänge
     der Granitberge zu zackigen Graten auf, ihre untern Teile sind von
     mächtigen Trümmerhalden umhüllt. Kahl und waldlos ist alles, fast
     jede Vegetation ist den brennholzsuchenden Chinesen zum Opfer
     gefallen, nur ganz niedrige, struppige Kiefernholzschonungen
     bestehen hier und da. Auch in den Tälern findet man Grün nur in der
     Nähe der Ortschaften und um die Tempel und Klöster.

     Nördl. über (4 km) _Taitungtschen_, durch malerische Dörfer und
     über Höhen nach (15 km) _Litsun_, großem Marktflecken mit
     Bezirksamt am gleichnamigen Fluß; von da östl. am r. Flußufer
     entlang über _Tschengtan_ nach (21 km) _Hsiaho_, dann über den
     Bergrücken östl. weiter nach (24 km) _Nanlungkou_, von da östl.
     über (26 km) _Hanho_ ins Lauschantal nach (28 km) _Tschiuschui_ und
     dann flußaufwärts, vorbei am Tempel (30 km) _Tschiuschui-an_ mit
     Bambushain bis zum (33 km) _Tempelpaß_ (447 m), wo in prächtiger
     Gebirgsgegend das =Deutsche Genesungsheim= (_Mecklenburghaus_,
     zugleich Gasthof mit mäßigen Preisen) für das Kiautschougebiet
     liegt; Aussicht aufs Meer und ins Lauschantal. Man übernachte im
     Genesungsheim und gehe am nächsten Morgen 2 km bergab ins
     Peischahotal nach (35 km) _Peitschiuschuimiau_, Kloster mit schönen
     Kiefern- und Bambuspflanzungen; südl. vom Kloster liegen sechs
     Landhäuser von Europäern. Man folgt nun dem Peischahotal aufwärts
     bis (37 km) _Schuangschywu_, dann steigt l. ein Fußweg zum (39 km)
     _Tempel Waldfrieden_ (Gelegenheit zum Übernachten, der Schlüssel zu
     den dem Bergverein Tsingtau gehörigen Räumen im Genesungsheim); von
     da auf bezeichnetem Fußweg zum (43 km) _Kuhpaß_ (961 m) am
     deutschen Grenzstein Nr. 5, dann südl. weiter zum (47 km) _Lauting_
     (1130 m), dem höchsten Gipfel des Lauschan, schon außerhalb des
     Schutzgebiets; von da führt ein bezeichneter Fußweg zur (51 km)
     _Irenenbaude_, dem steinernen Haus des Bergvereins Tsingtau
     (bequeme Unterkunft, im Sommer geöffnet, sonst Schlüssel im
     Genesungsheim). Von der Irenenbaude führt ein bezeichneter Fußweg
     zum Genesungsheim zurück; von andern Wegen führt einer nach
     _Schuangschywu_, einer nach _Schatstykou_ südl. durch das
     _Prinzental_ und ein dritter nach _Tschiu-schui_ über den
     Mattenstock. Alle Wege im Lauschan sind rot-weiß-rot und mit Nummer
     bezeichnet.--Für Wanderungen im Lauschan benutze man die Wegkarte
     des »Bergvereins«; der Gebirgswart des Vereins (zurzeit Obersekretär
     _Bergemann_) erteilt gern Auskunft.


A. Von Tsingtau über Land nach Peking.

     Von _Tsingtau_ bis (412 km) _Tsinanfu_ mit der
     =Schantung-Eisenbahn= in 11-1/2 St. für I. Kl. $ 14, II. $ 7; keine
     Rückfahrkarten (vgl. Reichskursbuch 706). --Von Tsinanfu bis (335
     km) Tientsin mit der =Tientsin-Pukou-Eisenbahn= in 10-3/4 St.,
     tägl. in jeder Richtung ein Zug; bis Fertigstellung der
     Hoanghobrücke bei Tsinanfu Überfahrt über den Fluß auf Fähren (vgl.
     Reichskursbuch 706). Von Tientsin bis Peking s. S. 277.

     Die _Schantung-Eisenbahn_ soll für unsre Kolonie die fehlende
     Schiffahrtsstraße ins Hinterland ersetzen, den Ausfuhr- und
     Einfuhrhandel aus der Provinz Schantung und dem nördl. Teil der
     Großen Ebene nach Tsingtau lenken und vor allem auch die
     Kohlenlager von Fangtse und Poschan erschließen. Die
     Schantung-Eisenbahngesellschaft, die die Bahn erbaut hat und seit
     1. Juni 1904 betreibt, beutet
     als »Schantung-Bergbaugesellschaft« auch die Kohlenfelder aus. Das
     Gebirgsland von Schantung öffnet sich gerade im Hintergrunde der
     Kiautschoubucht zu einer hügeligen Senke, die einen bequemen Zugang
     nach Tsinanfu, der Hauptstadt Schantungs, gewährt.

     Die =Provinz Schantung=, die man durchfährt, ist, trotzdem sie
     großenteils gebirgig ist, außerordentlich dicht bevölkert (im
     Durchschnitt 258 Bewohner auf 1 qkm, in Deutschland nur 120);
     trotzdem sie als metallreich gilt, beruht ihr Hauptreichtum doch
     auf der Landwirtschaft, die außer Nahrungsmitteln auch Baumwolle
     und Opium hervorbringt, dem Obstbau und der Seidenzucht. Die
     Bevölkerung ist kräftig, intelligent und dem Fortschritt zugeneigt.
     Die beiden großen chinesischen Philosophen Kungfutsze und Mengtse
     entstammen ihr. Zahlreiche, von Karren und Schubkarren reich
     belebte Straßen durchziehen das Land. Die einzige Industrie ist die
     Strohflechterei, die auch stark exportiert.

Vom Bahnhof in Tsingtau (S. 267) an der Prinz-Heinrich-Straße (B3) fährt
die Bahn um das Nordende der Stadt am Kleinen Hafen und großen
Handelshafen vorbei, dann längs der Küste der Kiautschoubucht über den
Haipofluß nach dem Dorf--(8 km) _Syfang II_; gute Gartenschänke
(_Paradiesgarten_, Molkerei [Kusserow]), Ausflugsort der Tsingtauer; in
der Nähe schöner Totenhain.--Weiter nach (18 km) _Tsangkou_, Dorf mit
Gartenlokal (Bang), bequemem Ausflugsort, in dessen Nähe die große
Seidenspinnerei der Deutsch-Chinesischen Seidenindustriegesellschaft
(Kolonialgesellschaft) liegt, die jetzt außer Betrieb ist, doch neu
verpachtet werden soll.--Die Bahn wendet sich dann in großem Bogen,
viele reiche Dörfer berührend, westl. und erreicht nach 2-1/4 St.

(81 km) =Kiautschou=, unansehnliche Stadt mit etwa 84000 Einw.,
außerhalb des deutschen Schutzgebiets, aber in der neutralen Zone. Vom
Bahnhof führt ein Weg zum Nordtor; innerhalb dessen l. ein Wohnhaus für
die Bahnbeamten, gegenüber die evangelische Mission (Missionar Töpper),
r. ein kleiner Tempel; jenseit des Bahnhofs liegt die ehemalige Kaserne
der deutschen Besatzung. Vom Nordtor sw. gelangt man in einen schönen
Park (Lotos, Bambus etc.), dann zum _Tempel des Gottes der Reichtümer_,
von da zum Tempel der Himmelskönigin, ferner zum _Literaturtempel_ und
dem verwahrlosten (meist geschlossenen) _Kungfutszetempel_ mit Drachen
auf den Dachfirsten. Das Yamen des Unterpräfekten liegt nahe dem
Westtor, in seiner Nähe die Prüfungshalle. Außerhalb des Osttores der
_Tempel des Kriegsgottes_. Im NW. der Stadt die katholische Mission.

Hinter Kiautschou durchläuft die Bahn fruchtbare Gegend mit hübscher
Landschaft.--(107 km) =Kaumi=, lebhafte Marktstadt, 20 Min. vom
Bahnhof, mit hohen Mauern, sehenswerten Läden, Tempeln und schönem
*Mandarinengrab. 15 Min. vom Gasthof liegt auf einem Hügel mit Park die
Kaserne der ehemaligen deutschen Besatzung, in der jetzt ein
chinesischer Hauptmann sowie die deutsche evangelische Mission (mit
Schule und Krankenhaus) wohnen.--Bei (183 km) Stat. =Fangtse= liegt 20
Min. südl. das große Kohlenbergwerk nebst Wäscherei und eine
Brikettfabrik der deutschen Schantung-Bergbaugesellschaft. Die Kohle
eignet sich leider nur zum Hausbrand, nicht zum Verbrauch auf
Schiffen.--Die Bahn führt durch das Tal des Weiho, überschreitet diesen
und seinen Nebenfluß Yunho auf eisernen Brücken. Man sieht
Obstpflanzungen, bewaldete Hügel und einen schönen Zypressenhain bei
_Nanliu_; die Dörfer werden dichter, die Häuser sehen wohlhabender
aus.-- (196 km) =Weihsien=, lebhafte Handelsstadt, von Mauern umgeben,
mit deutschem Postamt und amerikanischer Missionsstation (Lou tao yüan);
der Pailangho fließt mitten durch die Stadt. Die Gewerbe sind
straßenweise geordnet.--Dann führt die Bahn über (220 km) _Tschanglo_
nach (255 km) =Tsingtschoufu=, Stadt mit 35000 Einw., Stammsitz der
Ming-Dynastie mit amerikanischer Mission. Vom Bahnhof führt eine breite
Straße in die Hauptstraße der Chinesenstadt, in deren Nähe die
Mandschustadt liegt. Im Kloster _Tschinglungtse_ (4 km) eine große
*Tempelanlage.--Die Bahn führt nun über (270 km) _Tschotien_ nach (302
km) _Tschangtien_.

     =Zweigbahn= von hier nach (43 km) =Poschan=, nach v. Richthofen der
     industriellsten Stadt in China in schöner Landschaft. In Poschan
     sind alte Kohlenbergwerke, ferner eine Glasfabrik nach europäischem
     Muster (gläserne Schnupftabakfläschchen von Poschan sind berühmt);
     auch wird dort der Schmelz für das Pekinger »Cloisonné« gewonnen. Die
     deutsche Schantung-Bergbaugesellschaft besitzt in _Hungschan_ (7 km
     nw. von der Bahnstation _Tsetschuan_, 32 km von Tschangtien) einen
     Förderschacht für Fettkohle.

Die Hauptbahn läuft über (320 km) _Tschoutsun_, Haupthandelsplatz für
Schantungseide, Tussah genannt, nach (406 km) _Tsinanfu-Ost_, dann um
die Stadt herum nach (409 km) _Tsinanfu-Nordwest_ bis zum Endpunkt der
Bahn, dem (412 km) _Westbahnhof_ von

=Tsinanfu= (_Hotel Trendel_, am Westbahnhof, mäßig, Pens. $ 5; Gasthaus
des Schlächtermeisters _Stein_, nahe dem Bahnhof, bescheiden, sauber,
gelobt), Hauptstadt der chinesischen Provinz Schantung und wichtige
Handelsstadt der Kreuzungsstelle des Hoangho mit dem Kaiserkanal, Sitz
des Gouverneurs, mit etwa 360000 Einw., Hochschule, Rechtsakademie,
Lehrerseminar, Gewerbeschule (mit Ausstellung der in der Schule
hergestellten Gegenstände), Polizeischule, Kadettenschule und Arsenal;
die Stadt hat elektr. Licht und Telephon. _Deutsches Konsulat_, Konsul
Dr. Betz.

     =Zeitteilung=: Bei eintägigem Aufenthalt besichtige man die heißen
     Quellen, den Lotosteich und mache einen etwa vierstündigen Ausflug
     zum Tausend-Buddha-Berg.

Sehenswert sind der *=Lotosteich= (_Ta ming hu_) im N. der Stadt mit
Tempeln und Ahnenhallen am Rand und auf den Seeinseln und hübschen
Ausblicken (Bootsfahrt); die _Provinzialbibliothek_ mit alten Relief- und
Inschriftensteinen am Seeufer; das Provinziallandtagsgebäude; die
*=heißen Quellen= (Pai tu tsuan), in denen das die Straßen
durchfließende heiße Wasser entspringt, mit altem Quellentempel, worin
ständiger Markt abgehalten wird, in der südl. Vorstadt; ganz im S. die
weitläufige Anlage der Englischen Baptistenmission mit Medizinschule und
Museum; vor dem neuen Westtor (_Pu li men_) der stattliche Neubau des
Ober- und Landgerichts, dahinter das Mustergefängnis, an der zur
Handelsniederlassung am Westbahnhof führenden Straße; in der
Niederlassung liegen das _Deutsche Konsulat_ (Konsul Dr. Betz), das
große Verwaltungsgebäude der Tientsin-Pukou-Eisenbahn, das _Sanatorium
Dr. Kautzsch_, Niederlassungsamt; _Deutsches Postamt_ im Westbahnhof.
Bank: _Deutsch-Asiatische Bank_ (Korresp. der Deutschen Bank).

     =Kleinere Ausflüge= in die Berge im S. zum *=Tschien fo schan=
     (_Tausend-Buddha-Berg_), buddhistischem Wallfahrtstempel über der
     Stadt mit hübschem Blick auf die Umgebung bis zum Hoangho; in
     hochromantischer Talschlucht im Gebirge; nur mit Führer zu Fuß
     durch die Berge in 3-1/2 St. oder zu Pferd auf Umweg um das Gebirge
     herum in 2-1/2 St.

     =Ausflug= zur =Geburtsstadt und dem Grabe des Kungfutsze=. Von
     Tsinanfu mit der Südlinie der Tientsin-Pukou-Bahn in etwa 3 St.
     nach (etwa 70 km) _Taianfu_ (Bahnhofshotel) mit den sehenswerten
     Tempeln der _Pihiayüen kün_ und des _Taimiau_. Von da Besteigung
     des *=Taischan= (1550 m), des schönsten Punktes von Schantung,
     hochberühmter, alter heiliger Wallfahrtsberg, Aufstieg 4 St.,
     Abstieg 3 St.; mit Bergsänften für Tag und Träger 1000 Käsch (etwa
     $ 0,40) und Trinkgeld, vier Träger erforderlich. Der Weg führt von
     Taianfu an der Ostmauer des Taimiau entlang nach der Stadtmauer,
     außerhalb nach W. durch den großen Ehrenbogen _Taitsungfang_ (16.
     Jahrh.), der den Anfang des berühmten Treppenwegs (etwa 6000
     Stufen) zum Gipfel bildet, dann zwischen Zypressen, Tempeln, Toren,
     Gedenksteinen und Raststellen bergauf; viele Ausblicke in
     zerklüftete Gebirgslandschaft. Der obere Teil der »Treppe zum
     Himmel« schmiegt sich wie eine Riesenschlange an die steile
     Felswand; oben hinter dem ersten Tor hält _Kuanti_, der Kriegsgott,
     die Wacht. Auf einem Sattel zwischen zwei Kuppen sind
     Unterkunftshütten: die Hochfläche ist übersät mit Tempeln; der
     schönste Tempelpalast mit hohen Toren, Trommel- und Paukenturm,
     Höfen und Pavillons ist der Himmelsmutter (_Pihiayüen kün_)
     geweiht: auf schwerem Sockelbau mit Freitreppe erhebt sich ein
     Kungfutszetempel; alle Anlagen überragt der Tempel des
     Edelsteinkaisers (_Yühuangti_) auf dem höchsten Gipfel am Nordrand
     des Berges. Herrlicher Blick auf den Fluß _Tawönho_, die Stadt
     Taianfu in der Ebene und das Trümmerfeld ähnliche Gebirge nach O.,
     N. und W. vom »Lebensgipfel« aus. In der Nähe berühmte
     Felseninschrift aus der Zeit der Tang-Dynastie (7. Jahrh.); man
     kann im Gebirge in einem Kloster übernachten. Von Taianfu gelangt
     man weiter mit der Bahn nach (etwa 130 km) _Yentschoufu_, von da zu
     Pferd oder zu Fuß nach (18 km) *=Küfu= am Fuß des großen
     Schantunger Gebirgsdreiecks, wo _Kungfutsze_ (Confucius) 551 v.
     Chr. geboren wurde und 478 starb; den größten Teil der Stadt nimmt
     die großartige Anlage des _Kungfutszetempels_ ein. Durch fünf
     Vorhöfe und hallenartige Tore, mit Inschriften und Gedenksteinen
     geschmückt, führt der breite Weg zum Hauptheiligtum _Tatschengtien_
     (»Zur großen Harmonie«) des Kungfutszetempels mit gelb glasiertem,
     doppeltem Dach, auf dessen First Fabeltiere die bösen Geister
     fernhalten; die marmornen Monolithsäulen des Tempels (16. Jahrh.),
     auf denen Wasser, Berge und Wolken mit den beiden nach dem
     Edelstein greifenden Drachen in erhabener Arbeit gemeißelt sind,
     stehen auf 3 m hoher Plattform; die Tempelhalle ruht auf roten
     Hartholzsäulen; in der Halle stehen fünf geschnitzte Schreine mit
     Opfertischen, im mittlern erhebt sich die goldglänzende Statue des
     Kungfutsze mit kaiserlichen Insignien, am seltsamen Zeremonienhut
     12 grün- und rotseidene Quasten mit Perlen, zu den Füßen die
     Seelentafel mit Inschrift: »Tschescheng siensche Kungtse
     schen-wei« (d. h. des allerheiligsten hehren Lehrers Kungtse
     geistiger Thron).

     Im Schrein l. Jenfutse, der Neffe, und Tsesetse, der Enkel des
     Weisen, r. die andern Hauptschüler Tsengtse und Mengtse (Mencius).
     Um den Haupthof liegen mauerumzogene Unterkunftshäuser für die
     Kaiser und ihr Gefolge, in denen sie sich fastend auf die Opfer
     vorbereiteten, ferner kleine Tempel für die Eltern und Vorfahren
     des Weisen, Hallen für die geweihten Musikinstrumente, Übungsräume
     für die Musikanten etc.

     Kleiner ist der Tempel des Jenfutse, hinter dem in einem noch viel
     kleinern Tempel der Frau des großen Schülers geopfert wird. Nahebei
     eine gute chinesische _Herberge_. In Küfu residiert das
     gegenwärtige Haupt der Familie, der _ »heilige Herzog« Kun_ (_yen
     scheng kung_), der 74. direkte Nachkomme des Kungfutsze.
     (Ausführliche Schilderungen und Abbildungen der Sehenswürdigkeiten
     auf dem Taischan und in Küfu in: »_Studien und Schilderungen aus
     China_«, Nr. I: _Der Taischan_; Nr. II: _Heiligtümer des
     Konfuzianismus_; Verlag der katholischen Mission in Yentschoufu, zu
     haben in den Buchhandlungen in Schanghai und Tsingtau.) Der Weg von
     Küfu zum einfachen und schlichten Grab des Weisen führt durch den
     *_Geisterweg_, dessen Allee aus der Zeit der Han-Dynastie (206 v.
     Chr. bis 220 n. Chr.) stammen soll. Marmorbogen, mit Löwen
     geschmückt, überspannen den Weg, an dem Kioske mit Inschriften
     stehen. Man gelangt in einen urwaldähnlichen Totenhain; die spitzen
     Grabhügel der Verwandten des Kungtse sind dicht überwachsen. Durch
     einen alten Ehrenbogen und über eine spitzbogige Brücke erreicht
     man ein Torgebäude, hinter dem der Ehrenweg beginnt, der an den
     großen Steinfiguren der »hochehrwürdigen Oheime« zu seiten einer
     Rauchopferschale vorbei zum Grabhügel des »_Allerheiligsten_« führt,
     der, mit Gestrüpp bewachsen, einen großen, nach S. gerichteten
     Grabstein voll altertümlicher Schriftzeichen mit schwerem
     Opfertisch zeigt--das *_Grab Kungfutszes_, umgeben von den Gräbern
     seiner nächsten Verwandten.

     Sehr anstrengend, aber lohnend, ist der Rückweg von Küfu in östl.
     Richtung über das Gebirge nach Poschan (S. 272) mit einräderigen
     Reisekarren (wheelbarrows, in Pidgeon: bibalos), von je zwei Kulis
     gezogen; drei Tagereisen bis Poschan, auf schmalen Gebirgspfaden,
     an Abgründen vorbei, über den Poschanpaß (mit steinerner
     Ehrenpforte), auf sehr schlechten, mit Steingeröll übersäten Wegen.
     Unterwegs viele schöne Ausblicke. In Poschan sehenswerte
     Glasbläsereien und Töpfereien. Rückfahrt von Poschan mit der
     Schantung-Bahn nach Tsingtau.

     _Kungfutsze_, der bedeutendste Staats- und Sittenlehrer Chinas,
     griff, um der Zerrissenheit Chinas in viele kleine Einzelstaaten
     abzuhelfen, auf den altchinesischen Ahnenkultus und die alten
     Schriften der chinesischen Weisen zurück, erklärte als vornehmste
     Pflicht den unbedingten Gehorsam des Sohnes gegen den Vater, des
     Untertanen gegen den Kaiser als Statthalter Gottes; außerdem lehrte
     er die Tugenden Menschlichkeit, Rechtlichkeit, Schicklichkeit,
     Weisheit und Treue. Die weitgehende chinesische Elternverehrung ist
     durch ihn noch gefördert worden. In verschiedenen Büchern stellte
     er die Aussprüche der Kaiser des Altertums und ihrer Ratgeber
     zusammen. Trotzdem er kein Religionsstifter war, wurden nach seinem
     Tode ihm zahllose Tempel geweiht und Gedenkopfer dargebracht. Einer
     der schönsten Tempel Chinas ist in Küfuhsien ihm zu Ehren errichtet
     und mit Inschriften, Vasen und Schnitzereien aller Zeiten
     geschmückt. In der Stadt führen etwa vier Fünftel der Einwohner
     seinen Namen, darunter der Herzog von Kung, der sein direkter
     Nachkomme ist.--_Mengtse_ (_Mencius_), der berühmteste aus der
     Schule des Kungfutsze hervorgegangene Philosoph, geb. 372 v. Chr.,
     gest. 289, hat seine Lehren in frischer, lebendiger Form in sieben
     Büchern zusammengefaßt, die zu den klassischen Schriften Chinas
     rechnen (auch ins Englische und Französische übersetzt). Seine
     Nachkommen werden seit zwei Jahrtausenden in dem Nachbarorte
     _Tschouhsien_, der Heimat des Mengtse, in einem heiligen Wald von
     Eichen und Zypressen begraben.

=Von Tsinanfu nach Tientsin= weiter mit der Tientsin-Pukou-Bahn (S.
271), einer wichtigen Bahnlinie, die künftig Schanghai über Nanking
(Überfahrt über den Yangtse mit Fährdampfer nach Pukou S. 256), Tsinanfu
und Tientsin mit Peking verbindet, die Bahn ist auf der nördlichen, mit
deutschem Geld und von deutschen Firmen gebauten Hauptstrecke
(Tsinanfu-Tientsin) bereits im Betrieb, trotzdem die Hoangho-Brücke,
deren Fundamentierung ungeheure Schwierigkeiten machte, voraussichtlich
erst Ende 1912 betriebsfertig wird (Fährdampfer über den Hoangho vgl. S.
271). Die Nordstrecke zwischen Tsinanfu und Tientsin berührt keine
großen Städte und führt durch den Nordteil der Großen Ebene über 30
meist kleine Stationen; etwa 120 km nördl. von Tsinanfu trifft die Bahn
bei _Tötschou_ den Kaiserkanal (_Nan yün ho_) und hält sich dann bis
Tientsin nahe östl. von ihm.


Tientsin.

Vgl. den Plan auf beifolgender Karte.

     Der =Bahnhof= liegt am l. Peihoufer nahe der eisernen Brücke, die
     in die Fremdenniederlassungen führt. Man beachte, daß man in Stat.
     _Tientsin Settlement_ aussteigt; der zweite, nördliche Bahnhof
     _Tientsin City_ liegt am Nordende der Chinesenstadt.

     =Gasthöfe=: _Astor House_ (Pl. 1; deutsche Leitung), Victoria Road,
     im Englischen Viertel, gegenüber dem Victoriagarten, gelobt, Pens.
     $ 5-10, für ein Ehepaar $ 12.--_Imperial Hotel Ltd._, Rue de
     France, 50 Z., Pens. $7.--_Hôtel de la Paix_ (Pl. 2), Rue du
     Consulat, 40 Z., Pens. $ 5-8.--_Queen's Hotel_, Victoria Road, 20
     Z., Pens. $ 4-7.

     =Post=: Deutsches Postamt (Pl. 7).-- =Telegraph.=--=Wagen=,
     =Rikschas= und =Reitpferde= sind zu haben.--=Eisenbahnen=:
     _Nordchinesische Bahn_ nach Peking, Tongku, Mukden und Yingkou (S.
     328); _Tientsin-Pukou-Bahn_ im Betrieb bis Tsinanfu (S. 272) mit
     Anschluß nach Tsingtau (S. 267) und bis Taianfu (S.
     273).--=Dampfer= vgl. unter Tongku, S. 279. Dampfer-Agenturen:
     _Norddeutscher Lloyd_, Melchers & Co. (Telegr.-Adresse:
     Nordlloyd-Tientsin); _Hamburg-Amerika Linie_, Carlowitz & Co.

     =Elektr. Straßenbahn= durch die Chinesenstadt, die österreichische,
     italienische, russische, französische und japanische bis zur
     englischen Niederlassung.

     =Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_ (Pl. 3), Korresp. der Allg.
     Deutschen Credit-Anstalt in Leipzig; _Hongkong & Shanghai Banking
     Corporation_ (Pl. 5), beide Korresp. der Deutschen Bank; _Chartered
     Bank of India_ (Pl. 4), alle drei Korr. der Berliner
     Disconto-Gesellsch.

     =Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul Legationsrat Knipping;
     Vizekonsul Freih. v. Grote.--_Österreich-Ungarn_, Konsul M. Kobr
     und Dr. F. Stumvoll. --=Deutscher Klub=: _Concordia_, in der
     deutschen Konzession; _Tientsin Club_, Victoria Road.

     =Deutscher Arzt= und drei Krankenhäuser für Europäer sowie ein
     Lazarett des Deutschen Ostasiatischen Detachements mit
     Tollwut-Impfstation.-- =Deutsche Apotheke=: _S. J. Betines & Co._
     --=Deutsche Buchhandlung=: _Aug. Michels;_ Zeitungen: »Tageblatt für
     Nordchina«; »Peking and Tientsin Times«; »Courrier de
     Tientsin«.--=Photograph=: _F. Scholz_.--=Photographische
     Gegenstände=: in der Deutschen Apotheke. --=Geschäftsadressen=: _E.
     Lee_; _Wolff & Kierulff_ (beide deutsch); _Hall & Holtz_
     (englisch); _A. H. Jaques_ (engl.), alle drei Victoria Road, für
     allgemeine Ausrüstung.

     =Geschichtliches.= Tientsin ist die Hauptstadt des Vizekönigs der
     Provinz Tschili; hier wurden 1858 und 1860 die ersten
     Handelsverträge mit europäischen Mächten abgeschlossen. Infolge
     chinesischen Vertragsbruchs wurde 26. Aug. 1860 die Stadt von den
     Engländern und Franzosen genommen. 1870 Niedermetzelung der
     Europäer.

     Im Boxeraufstand wurden die europäischen Niederlassungen vom 17.
     Juni bis 13. Juli 1900 von chinesischen Truppen belagert; an den
     heftigen Kämpfen nahmen die Marinemannschaften der
     Seymour-Expedition teil, die am 10. Juni zum Entsatz der belagerten
     Gesandtschaften in Peking ausgezogen war, aber durch chinesische
     Truppen zum Rückzug nach Tientsin gezwungen wurde, wo sie am 26.
     Juni nach schweren Verlusten wieder eintraf. Die deutschen
     Streitkräfte zählten 21 Offiziere, 4 Ärzte, 757 Mann
     (Schiffsbesatzungsteile und 3. Seebataillon); außerdem kämpften in
     Tientsin 3500 Russen, 1800 Engländer, 500 Amerikaner, 300
     Franzosen, 150 Japaner, 100 Italiener, 75 Österreicher. Am 11. Juli
     standen 12650 Mann europäische und japanische Truppen in der Stadt,
     denen es bald gelang, die chinesischen Belagerungstruppen zu
     vertreiben. Seitdem war Tientsin Hauptstützpunkt für die
     Unternehmungen gegen Peking und wurde erst 1902 den Chinesen
     zurückgegeben.

=Tientsin=, wichtigste Handelsstadt Nordchinas, seit 1860 dem
Fremdhandel geöffnet, liegt auf 39° 10' nördl. Br. (etwa wie Lissabon)
am Zusammenfluß des Peiho mit dem Hunho (Hsiho); von O. mündet der
Lutaikanal, von W. der Kaiserkanal bei der Chinesenstadt in den Peiho,
so daß Tientsin der wichtigste Stapelplatz für den Durchgangshandel aus
den Provinzen Tschili, Schensi, Schansi, Kansu, Turkistan, Mongolei und
einen Teil der Mandschurei ist. Das Hinterland hat die Größe Europas mit
etwa 100 Mill. Einw. Tientsin hat etwa 800000 Einw. 1909 liefen 952
Schiffe mit 1159000 Reg.-Ton. den Hafen von Tientsin an. Der untere
Peiho ist nur für kleine Dampfer und Dschunken befahrbar. Die
_Chinesenstadt_ (Altstadt) ist ein Rechteck, früher rings von
Zinnenmauern umschlossen, die von der provisorischen Regierung (1900-02)
zum Teil niedergelegt wurden, um breiten Straßen Platz zu machen. In den
großen Vorstädten auf beiden Flußufern und an den Kanälen ist der Sitz
des lebhaftesten Handelsverkehrs. Alle chinesischen Stadtteile sind
schmutzig und ungesund, doch haben sich die hygienischen Verhältnisse
seit der europäischen Verwaltung durch Anlage eines Wasserwerks etc.
verbessert. Die deutschen Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie
gelangen bei günstigem Wasserstand bis zu den Fremdenniederlassungen der
Stadt; der Peiho, dessen Mündung bei Tongku (S. 279), der Hafenstadt von
Tientsin, etwa 75 km osö. liegt, friert zwischen Ende November und Mitte
März zu, als Hafen für Tientsin und Peking dient in dieser Zeit
Tschinwangtau (S. 329). Der Kaiserkanal ist nur für Fahrzeuge mit 1 m
Tiefgang schiffbar.-- Die _Fremdenniederlassungen_ (_Tientsin
Settlement_) der Deutschen, Engländer, Franzosen und Japaner liegen am
r. Peihoufer, gegenüber und südl. vom Bahnhof, zu dem über den Fluß eine
eiserne Brücke führt. Die Russen, Italiener, Österreicher und Belgier
haben ihre Konzessionen am l. Ufer. Die 1896 begründete deutsche
Niederlassung (mit Kriegerdenkmal für die im Jahre 1900 Gefallenen) ist
die südlichste und hübscheste der ganzen Villenstadt, von der das
englische Viertel mit Rathaus und kleinem Museum im _Anglo-Chinese
College_ hauptsächlich Geschäftsviertel ist. Die französische
Niederlassung wurde während des Boxerkriegs fast ganz zerstört; in ihr
liegt ein Krankenhaus und das chinesische Zollamt. Die japanische
Niederlassung liegt in der südlichsten Vorstadt der chinesischen
Stadt.--_=Rundfahrt=_ durch die Chinesenstadt mit Rikscha, Wagen oder
Straßenbahn; die Werkstätten der Handwerker, meist straßenweise
dieselben Gewerke, sind vielfach sehenswert. Gelegenheit zu Einkäufen
von Fellen, besonders von Tigern und Leoparden. Es ist nicht ratsam,
nach Sonnenuntergang sich in der Chinesenstadt und ihren Vorstädten
aufzuhalten. Sehenswert sind außer dem _Yamen_ des Vizekönigs etwa noch
der dem Gedächtnis Lihungtschangs gewidmete Tempel sowie verschiedene
Theater und Versammlungshallen der großen Gilden. Vom Turm des Astor
House Hotel überblickt man Stadt und Umgegend.

=Von Tientsin nach Peking= (140 km) mit der _=Nordchinesischen
Eisenbahn=_, tägl. 3 Züge in 3 St. (Reichskursbuch Nr. 706). Der Bahnhof
Tientsin Settlement liegt neben der russischen Niederlassung; jenseits
liegt ein großes Gräberfeld, um das die Bahn im Bogen über die Brücke
des Lutaikanals und durch den Außenwall nach Stat. _Tientsin City_
führt. Man sieht l. das Arsenal von _Hsiku_ (Schauplatz der Kämpfe des
Seymourschen Korps am 22. Juni 1900), erreicht (11 km) _Peitsang_
(Kämpfe am 21. Juni und 5. Aug. 1900) in öder, melancholischer
Landschaft. Dicht vor (26 km) _Yangtsun_ überschreitet die Bahn den
Peiho; man sieht Dörfer, Getreide-(meist Mais-)Felder, dazwischen
zahllose Erdhügel, die Gräber sind, auch strichweise Grün und gelangt
über (41 km) _Lofa_ nach (60 km) _Langfang_, dem äußersten Punkt, den
Seymour erreichte; heftige, zwar siegreiche, aber erschöpfende Kämpfe am
14. und 18. Juni 1900, unter Beteiligung deutscher Marinetruppen (»the
Germans to the front«).--Bei (95 km) _Huangtsun_ beginnt das mit Mauern
eingehegte Gebiet des kaiserlichen Wildparks _Nun-yüan_ (»Südgarten«),
volkstümlich _Haitze_, der reich an Hirschen und Damwild war und fast
bis Peking reicht; dient als Truppenübungsplatz.-- Bei (112 km)
_Fêngtai_ zweigt nach SW. die Bahnlinie Paotingfu-Hankau ab (S. 299).
Bald erblickt man l. Berge und dann l. die Mauern der Chinesenstadt,
deren alter Bahnhof _Machiapu_ vor dem Südtore nicht mehr benutzt wird,
die Bahn durchbricht die Südmauer der Chinesenstadt, geht durch deren
schwach bebauten östl. Teil, biegt in der NO.-Ecke der Chinesenstadt
nach l. und läuft westl. außerhalb der Mauer der Mandschustadt zum
Endbahnhof am Wassertor (140 km) _Peking-Tschiën-mönn_ (S. 280) dicht
beim Gesandtschaftsviertel.


B. Von Tsingtau über See nach Peking.

Der Dampfer (vgl. S. 265), von Tsingtau (S. 267) mit nö. Kurs abfahrend,
umsteuert das niedrige SO.-Vorgebirge von Schantung, auf dem ein
Leuchtturm vor den Riffen warnt; in der Nähe liegt der _Iltisfriedhof_,
wo die Besatzung des in nächster Nähe im schweren Taifun 23. Juli 1896
gestrandeten deutschen Kanonenboots »Iltis« ihre Ruhestätte hat; der
Friedhof hat schmiedeeisernes Gitter mit Kaiseradler, in der Mitte eine
Porphyrsäule. Dann erblickt man die scharfen, zerklüfteten, bis 277 m
hohen felsigen Hügel des _Schantungvorgebirges_ (_Tatschingschan_) und
steuert mit WNW.-Kurs in das _Gelbe Meer_ zwischen Nordchina und Korea.
Westl. vom Schantungvorgebirge liegt im Schutze einer Insel der Hafen
von

=Weihaiwei= (_King's Hotel_, 60 Z., Pens. $ 6; _Clark's Hotel_),
englischer Freihafen ohne Handelsbedeutung. Ursprünglich chinesischer
Kriegshafen, wurde Weihaiwei im Februar 1895 vom Marschall Oyama von der
Landseite erobert und blieb bis 1898 als Faustpfand in japanischem
Besitz; 1898 wurde es von der chinesischen Regierung an England
verpachtet, das aber seit dem Bündnis mit Japan und der Vertreibung
Rußlands aus der gegenüberliegenden Halbinsel Liautung (Hafen Port
Arthur) nur wenig Wert mehr auf diese Besitzung legt, um so mehr, als
der Hafen selbst schlecht und die Verbindung mit dem innern China sehr
mangelhaft ist. Der Ort ist aber gesund und hat angenehmes Sommerklima,
er dient daher ähnlich wie Tsingtau als Erholungsort und Seebad. Die
Stadt liegt auf einem Bergabhang an der Westseite der Bucht. In der
Umgebung sind heiße Schwefelquellen.

Von Weihaiwei steuert man auf die _Kungkungtauinseln_ zu, die der Reede
von Tschifu vorgelagert sind; auf der größten Insel steht ein
Leuchtturm. Die Schiffe ankern auf der Reede innerhalb der Inseln so
nahe den Landungsbrücken, als ihr Tiefgang es gestattet; der Hafen ist
durch keine Mole geschützt und das Landen bei Nordwind schwierig und oft
unmöglich (der Bau eines Wellenbrechers ist begonnen).

=Tschifu= (_Chefoo_), chinesischer Vertragshafen in der Provinz
Schantung, seit 1862 dem Fremdhandel geöffnet.

     =Gasthöfe=: _Astor House Hotel_ (österreichischer Direktor,
     französischer Koch), mit Terrasse am Strande, neu, empfehlenswert,
     Z. von $ 3,50 an.-- _Beach Hotel_, mit Terrasse am Strande, Pens. $
     4-8.--=Deutsches Postamt= mit =Telegraph= und Kabel nach Tsingtau,
     Tientsin, Schanghai etc. =Telephon= unter chinesischer
     Verwaltung.--=Sampan= (Boote) 10-25 c. von der Reede an Land. Die
     Gasthöfe schicken ihre Boote zu den Postdampfern.--=Eisenbahn= über
     _Töngtschoufu_ an der Miautau-Straße nach _Weihsien_ (S. 272) mit
     Anschluß an die Schantungbahn ist geplant.-- =Dampfer= nach
     Tsingtau, Tientsin (tägl.), Schanghai (tägl.), Korea (Tschimulpo,
     Fusan), Dairen, Japan und Wladiwostok. Agentur des _Norddeutschen
     Lloyd_: Anz & Co. (Tel.-Adr.: Nordlloyd-Chefoo). --_Hamburg-Amerika
     Linie_ (Tel.-Adr.: Halinie-Chefoo), Agentur: H. Diederichsen & Co.;
     Postdampfer Schanghai-Tsingtau-Tschifu-Tientsin
     wöchentl.--=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_, Agentur: Anz & Co.;
     _Russisch-Asiatische Bank_, Korr. der Deutschen Bank.--=Deutscher
     Konsul= Dr. Lenz, 10 Min. von den Landungsbrücken auf dem
     Jentaihügel, nahe der _Signalstelle_ (Sturm- und
     Schiffsmeldesignale). Österreichischer Vizekonsul Baron v.
     Babo.--Französisches =Hospital=.--Internationaler =Chefoo-Club=.
     _Custom-Club._

     Das =Klima= von Tschifu ist an sich gesund, aber Fieber und
     Dysenterie kommen auch unter den Europäern vor; Cholera und Pocken
     sind in der Chinesenstadt stets zu finden. Man meide das
     Brunnenwasser und das rohe Obst. Im Mai herrschen heiße Südwinde
     (bis 40° Wärme), Juli bis August heiße Regenzeit, im Winter häufig
     heftige Schneestürme, im Februar bis 10° Kälte.

Die Stadt Tschifu, sehr schön von Bergen umgeben, hat 75000 Einw.,
darunter 300 Europäer; das Europäerviertel liegt am Strand an und auf
dem Signalhügel. Als Tschifu im Jahre 1862 dem Fremdhandel geöffnet
wurde, hatte es wegen einer durch den Hoangho verursachten
Überschwemmung, einer Störung im Betrieb des Kaiserkanals und des
Taipingaufstandes Aussichten auf eine gute Entwickelung. Diese
Hoffnungen haben sich wegen der mangelhaften Verbindungen mit dem
Innern Chinas nicht erfüllt, und in neuester Zeit ist Tschifu vom
günstiger gelegenen Tsingtau rasch überflügelt worden. Der Handel mit
Rohseide, Seidenstoffen (Pongées), Spitzen (in Seide und Baumwolle)
belief sich 1909 auf etwa 200 Mill. M. 38 Seidenspinnereien. Schule der
China-Inland-Mission mit 300 Schülern. Mehrere Missionsanstalten.
Berühmte Obstkulturen, Weinbau (The Chang yu Pioneer Wine Co., Leiter
ein Österreicher, Baron v. Babo). Die zum Teil ummauerte Chinesenstadt
ist schmutzig und wenig sehenswert. Spaziergang auf die höchste
Hügelkuppe (405 m) mit kleiner Pagode bei Tschifu bietet *Aussicht über
das Meer und das gebirgige Hinterland. Im Sommer wird Tschifu von
europäischen Badegästen und amerikanischen, französischen und
chinesischen Kriegsschiffen besucht. Tschifu ist Durchgangshafen für die
nach N. fahrenden Dampfer.

_=Dampferfahrt.=_ Aus dem Gelben Meere dampft man von Tschifu durch die
mit Inseln reich besetzte Straße von Petschili in den _Golf von
Petschili_ (_Tschili_), dessen nördlichster Teil _Liautunggolf_ heißt.
Im Winter kann die Fahrt sehr kalt und stürmisch sein; meist benutzen
die Dampfer die _Tschangschan-Durchfahrt_, wobei die Große Bambusinsel
(Tatschuschan) etwa 4 Seem. und die Kleine Bambusinsel (Siautschuschan)
r. und die Insel _Tschangschan_ l. bleiben und dann das Blinkfeuer der
Insel Hauki nahe passiert wird. Das Land an der Peihomündung ist so
flach und niedrig, daß man nur die Schiffe auf der Reede, das
Feuerschiff und r. den Leuchtturm auf der Insel Schaluitien sieht.
Kleine Dampfer werden vom Lotsen über die _Takubarre_ gebracht, während
große auf der _Reede_, 8 Seem. seewärts von Taku, ankern; die Reisenden
werden mit Dampfbarkassen in 1 St. an Land gesetzt. Bei der Einsteuerung
in den Fluß sieht man die am 17. Juli 1900 während der Wirren
eingenommenen _Takuforts_, bei deren Beschießung sich das deutsche
Kanonenboot »Iltis« unter Korvettenkapitän Lans hervorragend auszeichnete;
die durch Kapitän z. S. Pohl eroberten Forts sind jetzt gänzlich
zerstört und dürfen nicht wiedererbaut werden; hinter dem alten Südfort
am r. Ufer liegen die Lotsenhäuser der europäischen Takulotsen. Nach
zwei scharfen Biegungen in der flachen Flußniederung des Peiho (vgl.
beifolgende Karte), wo viele wagerecht drehende Windmühlen (Salzmühlen)
die seichten Salzbecken mit Seewasser zur Salzgewinnung speisen, nahebei
hohe Salzlager, vorbei am großen Fischerdorf _Taku_, erreicht man

=Tongku= (_Station Hotel_; _Hôtel du Louvre_, französische Küche, 12 Z.,
Pens. $ 6; _Bahnwirtschaft_), Hafenstadt für Tientsin und Peking,
zugleich Ausgangspunkt der Bahnlinien nach Peking und Yingkou (Inkau),
ein schmutziges Nest, in dem vorläufig noch deutsche, englische,
japanische und französische Truppenposten stehen. Passagierdampfer
landen an den Anlegebrücken nahe dem Bahnhof. Agentur des _Norddeutschen
Lloyd_ in Tongku (Taku): Melchers & Co. Außer den S. 278 angeführten
deutschen Dampfern nach Tschifu, Tsingtau und Schanghai laufen
japanische, englische und chinesische ebendahin und nach Nagasaki, Kobe,
Dairen, Antung (am Yalu), Tschimulpo und Hongkong. Man beachte, daß die
nach Japan verkehrenden Dampfer meist klein, daher bei schlechtem
Wetter recht unbequem sind; Weltreisende sollten möglichst die
Vorschläge S. 249 beachten, also von Berlin mit der Bahn über
Peking-Hankau nach Schanghai reisen und von da mit großem Postdampfer
nach Japan. Da außerdem für die Fahrt Tientsin-Japan meist wenig Kabinen
I. Klasse verfügbar sind, muß man frühzeitig vorausbestellen.

=Von Tongku nach Peking= mit der _=Nordchinesischen Bahn=_ in 1-1/2 St.
für I. $ 1,6o, II. $ 1. (Die meisten Bahnbeamten sind Chinesen.)
Haltestellen sind _Hsinho_ und _Künliangtschöng_; nach schneller Fahrt
durch die im Winter eintönige, im Sommer meist mit Kauliang, einer bis 3
m hohen Hirseart, bestandenen Ebene der Peihoniederung am l. Ufer des
Flusses erreicht die Bahn (43 km) Stat. _Tientsin Settlement_.--Weiter
nach Peking vgl. S. 277.



14. Peking und Umgebung.

Vgl. beiliegenden Plan.


     =Ankunft.= Die beiden Kopfstationen der _Nordchinesischen Bahn_ und
     der _Peking-Hankau-Bahn_ liegen östl. und westl. vom Haupttor
     Tchiën-mönn. Vom Mukdenbahnhof erreicht man das Hôtel des
     Wagons-Lits zu Fuß in 3 Min. durch das »Water Gate«. Vom
     Hankaubahnhof fährt man in Rikscha 10 Min. zum Hotel durch das
     Tchiën-mönn. Hausdiener der Gasthöfe sind am Bahnhof.

     =Gasthöfe=: _Grand Hôtel des Wagons-Lits_ (deutsche Leitung), I.
     Haus, mit allem Komfort, 100 Z., Pens. $ 8-12, oft überfüllt, daher
     telegraphische Vorausbestellung (»Wagonlits-Peking«) dringend
     anzuraten.--_Hôtel du Nord_ (deutscher Inhaber O. Ludwig), beim
     Tore Hatamönn, billiger, aber (sehr primitiv) in alten
     Chinesenhäusern.-- _Hôtel de Pékin_ (italienische Leitung), am
     Nordglacis.--Chinesische Gasthöfe sind für europäische Reisende
     unbewohnbar. Chinesische Speisehäuser (stets ungemütlich und
     schmutzig) zeigt der Führer. Vorher zu Hause essen!

     =Telegraph= in der Telegraph Lane (vgl. Plan).

     =Postanstalten=, deutsche, französische, japanische, russische, im
     Gesandtschaftsviertel.