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Title: Die jenische Sprache
Author: Wittich, Engelbert
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Die jenische Sprache" ***

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________________________________________________________________________



                    Anmerkungen zur Transkription


Dieses Buch ist ursprünglich erschienen als eine Serie von Artikeln in:
Groß, Hans (Hrsg.); Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik,
F. C. W. Vogel, Leipzig; Bd. 63 (1915), S. 1-46, 97-133, 372-396; Bd. 64
(1915), S. 127-183, 297-355; Bd. 65 (1916), S. 33-89.


                          Inhaltsverzeichnis

   I. Vorbemerkung
   II. Einleitung
   III. Verzeichnis veralteter, meist jetzt umgeänderter jenischer
      Wörter
   IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache
      stammen
   V. Deutsch-jenisches Wörterbuch
   VI. Alphabetisches Verzeichnis der jenischen Stammwörter
   VII. Sprachproben
   VIII. Jenische Schnadahüpfel
   Nachträge
   Anmerkungen

Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des Buches.

________________________________________________________________________



                        Die jenische Sprache.                             [63.1]


                        Von Engelbert Wittich.

   Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Prof. Dr. L. Günther
                              in Gießen.



                           I. Vorbemerkung.
                         Von Prof. _Günther_.


Daß das Rotwelsch der Gauner und die mit ihm verwandten sog.
Geheimsprachen (der Dirnen, »Kunden«, fahrenden Leute, Hausierer und
Händler) heute in langsamem, aber stetigem Abnehmen begriffen sind,
unterliegt wohl ebensowenig einem Zweifel wie die Tatsache, daß der
zurzeit noch gebräuchliche Rest dieser besonderen Ausdrucksweisen sich
in fortwährender Umgestaltung befindet. Daher erwirbt sich jeder, der in
der Lage ist, einigermaßen zuverlässige Mitteilungen über
den gegenwärtigen Wortbestand jener Jargons zu machen, ein
wissenschaftliches Verdienst, ähnlich dem des Ethnologen, der uns die
Sprachen aussterbender Naturvölker vor ihrem völligen Verschwinden noch
rasch zugänglich macht. Dem Gelehrten, der sich für diese Dinge
interessiert, also etwa einem Sprachforscher oder gar einem
Kriminalisten, wird es freilich nicht leicht gelingen, die noch heute
praktische Verwendung einer Geheimsprache aus eigener Anschauung kennen
zu lernen, da die Angehörigen des engeren Kreises, in dem die
betreffende Verständigungsart üblich ist, dem fremden, ihrem Tun und
Treiben sonst meist fernstehenden Eindringling begreiflicherweise ein
gewisses Mißtrauen entgegenzubringen pflegen. Selten sind aber auch
Aufzeichnungen von Geheimsprachen durch solche Leute, die sie selber aus
der »Praxis« kennen (also nach Art etwa des berühmten Gauner Wörterbuchs
des »Konstanzer Hans« von 1791), da dies außer dem Willen, den in der
Regel sorgfältig behüteten Schatz der Öffentlichkeit preiszugeben, doch
auch schon einen bestimmten Grad allgemeiner Bildung, namentlich aber
einen gewissen Sprachsinn voraussetzt.

In der Persönlichkeit des Sammlers des hier zu besprechenden              [63.2]
Wörterbuches der »jenischen Sprache«, Engelbert _Wittich_, erscheinen
jene Voraussetzungen im wesentlichen erfüllt. Er ist nämlich einerseits
von Jugend auf vertraut gewesen mit den Ausdrücken des von ihm
veröffentlichten Vokabulars[1], da er unter umherziehenden Handelsleuten
und Zigeunern aufgewachsen (wenn nicht gar ein geborener Zigeuner) ist,
während er andererseits an seiner im ganzen etwas dürftigen
Volksschulbildung als Autodidakt so fleißig weiter gearbeitet hat, daß
er sich auf dem Gebiete der »Zigeunerkunde« bei den Fachleuten einen
gewissen Namen erworben. Auch den meisten Lesern des »Archivs« dürfte er
bereits kein Fremder mehr sein. Seine Schrift »Blicke in das Leben der
Zigeuner« (Striegau 1911) ist z. B. im »Archiv«, Bd. 46, S. 363 von
Albert _Hellwig_ allen zur Lektüre warm empfohlen worden, weil sie »viel
Interessantes« enthalte, und schon in Bd. 31 (1908), S. 134 ff. ist eine
von ihm verfaßte kurze Grammatik der Zigeunersprache durch Johannes
_Jühling_ herausgegeben worden. Ebenso stammt das von demselben
Gelehrten in Bd. 32 (1909), S. 219 ff. veröffentlichte »alphabetische
Wörterverzeichnis der Zigeunersprache« eigentlich von _Wittich_ her[2].

Das — ursprünglich 125 Oktavblätter umfassende — Manuskript der
_Wittich_schen Arbeit, die außer dem eigentlichen Wörterbuch (Nr. V)
auch einleitende Bemerkungen (über die jenische Sprache im allgemeinen
sowie über veraltet gewordene und aus der Zigeunersprache stammende
Vokabeln insbesondere [Nr. II-IV]) und zum Schluß noch »Sprachproben«
und »jenische Schnadahüpfel« (Nr. VII u. VIII) enthält, ging mir im
Sommer 1914 mit der Bitte des Verfs. zu, die Veröffentlichung — am
liebsten in einer Zeitschrift — vermitteln zu wollen. Da mir die         [63.3]
Sammlung recht interessant und — trotz mancher Mängel — wohl wert
erschien, weiteren Kreisen bekannt gemacht zu werden, wandte ich mich
dieserhalb an den Herausgeber des »Archivs«, der dafür bereitwilligst
die Spalten seiner Zeitschrift zur Verfügung stellte, unter der
Bedingung jedoch, daß ich dem Ganzen eine annehmbare wissenschaftliche
Gestalt zu geben unternähme. Diese Klausel war allerdings notwendig,
denn in der »Urform« ließ das Manuskript nicht nur in der Stilistik
(bes. in der »Einleitg.«), Grammatik und Orthographie recht viel zu
wünschen übrig, es fehlte auch in dem Wörterverzeichnis durchweg eine
alphabetisch genaue Reihenfolge der Vokabeln, ja an manchen Stellen fand
sich in dieser Beziehung ein kaum zu beschreibender Wirrwarr, dessen
Lichtung sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat. Auch standen mehrere,
zu einzelnen Wörtern gegebene Bemerkungen prinzipieller Art nicht an der
richtigen Stelle und mußten daher umgesetzt werden.

[Fußnote 1: ([1] auf S. 63.2) Die Versicherung des Vrfs. (s. unten
»Einleitung«, S. 25), daß er das von ihm mitgeteilte Wortmaterial aus
eigener praktischer Kenntnis und »nicht aus Büchern« geschöpft habe,
erscheint im allgemeinen gewiß glaubwürdig. Immerhin hat er aber bei der
Zusammenstellung und Bearbeitung des Stoffs auch wohl einige Bücher zur
Hand gehabt, wie sich denn z. B. die Benutzung von Rich. _Liebichs_
Schrift »Die Zigeuner in ihrem Wesen und ihrer Sprache« (Leipz. 1863) an
mehreren Stellen (bes. auch der »Einltg.«) nachweisen läßt. S. Näh. in
m. Anmerkgn. zur »Einltg.«; vgl. auch in dieser »Vorbemerkg.« weiter
unten S. 16 ff.]

[Fußnote 2: ([2] auf S. 63.2) Aus der Überschrift ist dies übrigens
_nicht_ ersichtlich. Ich habe daher in meinen »Beiträgen zum Rotwelsch«
usw. (im »Archiv«, Bd. 33, 38 ff.) — in Übereinstimmung mit _H. Groß_,
Handbuch für Untersuchungsrichter, 6. Aufl. (1914), S. 503, Anm. 3 —
dieses Zigeuner-Vokabular unter _Jühlings_ Namen zitiert und halte daran
der Gleichmäßigkeit halber auch in der vorliegenden Arbeit fest. — Über
Aufsätze _Wittichs_ in einer anderen Zeitschr. s. noch _Groß_, a. a. O.,
S. 511, Anm. 2 a. E.]

Leider hat der Verf. für das Wörterbuch nur die Form »Deutsch-Jenisch«
— nicht (bzw. nicht _auch_) »Jenisch-Deutsch« — gewählt, was eine
bessere Übersicht über den geheimsprachlichen Wortbestand gegeben hätte.
Um jedoch diesen annähernd zu bestimmen, habe ich am Schlusse des
Vokabulars wenigstens die (in zahlreichen Verbindungen und
Zusammensetzungen wiederkehrenden) jenischen _Stammwörter_ alphabetisch
zusammengestellt (Nr. VI). Auch die »Sprachproben« enthielten noch
einige Wörter, die im Glossar ursprünglich fehlten. Ich habe sie diesem
eingefügt und durch den Zusatz »Spr.« besonders kenntlich gemacht. Im
übrigen wiederholen auch diese Sprachproben nur das Material des
Wörterbuchs in zusammenhängender Rede (meist in Gesprächsform)[3], wobei
aber mehrfache Wiederholungen und Weitschweifigkeiten anzutreffen waren,
die ich fortgelassen habe. Andere Partien dieses Teils mußten wegen
ihres obszönen oder doch allzu derben, frivolen Inhalts gestrichen
werden. Auch die »Schnadahüpfel« erscheinen in dieser Hinsicht zum Teil
recht bedenklich. Da sie jedoch nicht — gleich den Prosastücken — nur
der Phantasie _Wittichs_ entsprungen sind, sondern als altüberlieferter
Besitzstand der »jenischen Leute« zu betrachten sein dürften[4] und       [63.4]
mithin eine gewisse kulturgeschichtliche Bedeutung haben, ließ ich sie
unangetastet. Zu dem eigentlichen Wörterbuche habe ich fortlaufende
Anmerkungen hinzugefügt, auf deren Anordnung und Inhalt weiter unten
noch genauer einzugehen sein wird. Zuvor aber möchte ich hier über den
Begriff und die Eigenart der von _Wittich_ aufgezeichneten Geheimsprache
noch einige nähere Bemerkungen vorausschicken.

[Fußnote 3: ([1] auf S. 63.3) Zu der Nr. 25 der Sprachproben
(»Dächlespflanzerulme«) war vom Verf. bemerkt, daß »in dieser Skizze …
fast alle Wörter der jenischen Sprache enthalten« seien. Gerade hier
mußte ich aber — aus den im Text genannten Gründen — Kürzungen
vornehmen.]

[Fußnote 4: ([2] auf S. 63.3) Die in Nr. 1 u. 2 von W. mitgeteilten
»Schnadahüpfel« stimmen z. B. nach dem Inhalt und zum Teil auch nach der
Form fast ganz mit einigen »Strophen aus Jauner-Liedern« überein, die
den »Schmusereyen« im _W.-B. des Konstanzer Hans_ (1791) angehängt sind
(s. _Kluge_, Rotw. I, S. 260).]

Über die als Titel des Ganzen gewählte Bezeichnung »die jenische
Sprache« ist zunächst zu sagen, daß sie im vorliegenden Falle nicht etwa
schlechthin als gleichbedeutend mit dem Rotwelsch oder der Gaunersprache
aufzufassen ist, obwohl sich dieser Sprachgebrauch — dem auch die
Etymologie des Wortes »jenisch« nach herrschender Meinung sehr wohl
entspricht[5] — etwa seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts nachweisen
läßt und dann bis in die Neuzeit hinein erhalten hat[6]. Vielmehr liegt
_hier_ eine neuere, engere Auffassung zu Grunde, wonach man unter         [63.5]
»Jenisch« speziell die Sprache der »Landfahrer«[7], der Hausierer,
wandernden Krämer und Händler begreift[8]. Es handelt sich demnach bei
der »jenischen Sprache« _E. Wittichs_ um einen süddeutschen
Händlerjargon. Die Leute, die sich desselben noch bedienen, sind (nach
den eigenen Angaben W.s in seiner »Einleitung«) ihrem Gewerbe nach meist
Korbmacher, Bürstenbinder, Schirmhändler, Kesselflicker,
Scherenschleifer u. dergl., welche namentlich aus Württemberg, Baden und
dem Elsaß, ferner auch aus Bayern stammen. So erklärt sich das
Überwiegen der schwäbischen Mundart, insbesondere die weitgehende
Übereinstimmung mit den (von _Kluge_ u. a. bereits veröffentlichten)
»schwäbischen Händlersprachen«. Diese aber zeigen ihrerseits wiederum
eine ganz überraschende Ähnlichkeit mit der süddeutschen, namentlich der  [63.6]
schwäbisch-badischen Gaunersprache, auch älterer Zeit, also z. B. mit
dem »_Pfullendorfer Jauner-Wörterbuch_« von 1820, ja sogar mit Quellen
aus dem 18. Jahrhundert. Mit den letzteren (also z. B. dem nur
handschriftlich überlieferten »_Dolmetscher der Gaunersprache_« [vgl.
_Groß'_ Archiv, Bd. 56, S. 177, Anm. 2], den Mitteilungen von _Schöll_
in seinem »Abriß des Jauner- und Bettelwesens in Schwaben« [1793; vgl.
_Kluge_, Rotw. I, S. 268 ff.] sowie dem — hauptsächlich gleichfalls dem
schwäbischen Sprachgebiet angehörenden — Wörterbuch des _Konstanzer
Hans_[9]) weist gerade auch das _Wittich_sche »Jenisch« noch merkwürdig
viele Berührungspunkte auf[10].

[Fußnote 5: ([1] auf S. 63.4) Es soll nämlich herstammen vom hebr.
_jn(h)_ = »übervorteilen, überlisten«, das auch als das Stammwort von
»Gauner« angesehen wird. Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 5 vbd. mit
_Weigand_, W.-B. I, Sp. 632 u. _Seiler_, Lehnwort IV, S. 490]

[Fußnote 6: ([2] auf S. 63.4) In dem m. W. frühesten Beleg des Wortes
(näml. in der _Wiener Kellnersprache_ 1714 [176]) erscheint es
allerdings noch in speziellerem Sinne (»eine gewisse Redensart« [d. h.
Sprechweise] der Wiener Kellner, »welche sie _die jenische Sprache_
nennen«), aber schon wenige Jahre später (in der _Dillinger Liste_ 1721
[182]) findet sich — wie der Zusammenhang ergibt — »jenische Sprache«
für die Gaunersprache gebraucht, und noch deutlicher läßt dies die
_Ludwigsburger Gesamtliste_ 1728 erkennen (198: »_Jaunerisch oder
Jenisch_«). Weitere Belege sind dann: _Hildburghaus. W.-B._ 1753 ff.
(235); _Bierbrauer_ 1753/58 (242); _Sulzer Zigeunerliste_ 1787 (251:
»Die Sprache _der Jauner, die Jenische Sprache_ genannt«); _W.-B. des
Konst. Hans_ 1791 (252: »_Die Jauner-_ oder _Jenische Sprache_«; vgl.
258: sie [die Gauner] _schmusen auf Jenisch_ = »sie reden auf _ihre_
Sprache«); _Schwäb. Falschmünzerprozeß_ 1791/92 (260-262); _Schöll_ 1793
(268); _Schintermicherl_ 1807 (288: »Die sog. _jennische Sprache_«);
_Reichsanzeiger_ 1810 (290: _jännisch_); _Pfister_ 1812 (301: _kochemer
Lohschen_ = _jenische Sprache_); v. _Grolman_, _Aktenmäß. Gesch._ 1813
(310: »die eigentlichen _Gauner_, _Jenische_ [oder Romanische]
_Leute_«); _Brills Nachrichten_ 1814 (314); _Christensen_ 1814 (315,
316); _Falkenberg_ 1818 (333, im Titel); _Stradafisel_ 1822 (356: »in
der _jännischen_ oder sog. _Diebessprache_«); v. _Grolman_ 30 u. T.-G.
95 (_jenisch_ = gaunerisch, den Gaunern und ihren Vertrauten eigen;
_jenische Sprache_ = Gaunersprache); _Wenmohs_ 1821 (358); _Eberhardts
Poliz.-Nachrichten_ 1828 ff. (364: »Die sog. _Jenische_ oder _Kochemer
Sprache_«); _Pillwein_ 1830 (365: »Die sog. _Jähnische Sprache_«); v.
_Train_ 1832 (366, im Titel: »… Gauner- u. Diebs-, vulgo _Jenische
Sprache_«); _Karmayer_ 86-88 u. 158 (_jendig_, _jenisch_ [auch _innig_]
= gaunerisch, rotwelsch [_innig_ noch bes. = der jenischen Sprache
kundig]; _jenig_, _jenisch, der_ _jenische Stand_ = alle der jenischen
Sprache kundigen Gauner, Diebe und Räuber; _jen(d)ig_ oder _jendisch
parlen_ = jenisch reden); _Castelli_ 1847 (340); _Fröhlich_ 1851 (399:
_jênisch_ = gaunerisch, spitzbübisch, auch _klug_ [in _dieser_
Verallgemeinerung _hier_ zum _ersten Male_; vgl. die gleichsam
umgekehrte Bedeutungsentwicklg. von _kochem_, _Kochemer_ (= Gauner) vom
hebr. _chkm_ = »klug, gescheit«, »der Kluge, Gescheite« (s. _Günther_,
Rotwelsch, S. 5, Anm. 3 u. S. 17; _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm.
2)]; daher: _jênische Leute_ = kluge, gescheite Leute); A.-L. 551
(_jenisch_ = klug, gescheit, gaunerisch, Gauner; _jenische Leut_ =
kluge, gescheite, mit Gaunern einverstandene Leute, Gauner; _jenisch
kacheln_ [= kohlen] = in der Gaunersprache reden); _Wiener Dirnenspr._
1886 (417: _jenisch_ = klug, gaunerisch); _Lindenberg_ 185 (_jenisch_ =
klug, im Gaunertum erfahren); _Klausmann_ u. _Weien_ X (_jenisch_ =
klug, gescheit, gaunerisch; _jenische Leute_ = kluge, im Gaunertum
erfahrene Leute, mit denen man sich einlassen kann); _Groß_ 470
(_jenisch_ = klug, gescheit, Gauner; _jenisch kacheln_ = Gaunerspreche
reden) u. E. K. 42 (_innig_ = einer, der Rotwelsch kann und überhaupt
mit dem Gaunerwesen vertraut ist); _Pollak_ 217 (_Jenisch_ =
Gaunersprache); _Rabben_ 66 (_jenisch kacheln_ = in der Gaunerspreche
reden); _Ostwald_ (Ku.) 71 (_jenisch_ = klug, im Gaunertum erfahren;
vgl. 72: _jenisch kacheln_ = die Gaunersprache reden).]

[Fußnote 7: ([1] auf S. 63.5) So definiert _H. Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 93 den Begriff »jenisch« grundsätzlich durch »_wer oder was zu
Landfahrern u. dergl. gehört_«, und ähnlich sagt _Ostwald_ (Ku.) 71:
»_Jenisch_ sind _alle fahrenden Leute_, die nicht vom _Sinde_ (s. [Ku.]
143) abstammen, d. h. keine Zigeuner sind«. Dazu: _jenischer Adel_ =
»Landfahrer, Vagabunden« (bei _Fischer_, a. a. O. Sp. 93). Daß auch die
Kundensprache »_jenische Sprache_« genannt wird, erklärt _Ostwald_ (Ku.)
71 zwar für »irrtümlich«, doch hat er selber (Ku. [72]) die etwas engere
Bezeichnung _Jenisch-Tippern_ — im Anschluß an Ku. 11 (422) — durch
»Kundensprache« wiedergegeben.]

[Fußnote 8: ([2] auf S. 63.5) S. dazu näh. Angaben bei _Fischer_, a. a.
O., Sp. 93. Die Bezeichnung von Hausierer- und Händlersprachen als
»Jenisch« findet sich ausdrücklich z. B. auch bei _Kluge_ (Rotw. I, Sp.
476 ff., 490), _W. Zündel_ in d. Württembg. V.-J.-Heften für
Landesgesch., N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff. u. _R. Kapff_ in der Z.
f. deutsche Wortforschg., Bd. X (1908/9), S. 213 ff., 216.]

Worin liegt nun der Grund für diese Erscheinung? Man wird zunächst nur
allzu geneigt sein, das Schwabenland als die sog. _Ganfer-Medine_, d. h.
das ehemalige Eldorado aller Gauner[11], dafür verantwortlich zu machen,
umso mehr als man ja auch in anderen Gegenden unseres Vaterlandes, so z.
B. in dem oberhessischen Vogelsberg, ein — in letzter Linie auf den
Einfluß der großen Räuberbanden früherer Jahrhunderte zurückzuführendes
— Fortleben rotwelschen Sprachguts innerhalb bestimmter Berufsschichten
nachgewiesen hat[12]. Allein damit würde man doch etwas über das Ziel
hinausschießen; der Richtigkeit jener Schlußfolgerung steht nämlich die
Tatsache entgegen, — daß wie _Kluge_ (Rotw. I, S. 476) über die für die
schwäbische Händlersprache von ihm herangezogenen Ortschaften bemerkt
hat — »die des Jenischen kundige gewerbetreibende Bevölkerung _nicht
einheimisch_, sondern in ihren Ursprüngen zum größten Teil von _außen_«
hereingekommen ist. In gleicher Weise dürfte es sich aber auch bei
_Wittichs_ »jenischen Leuten« der Hauptsache nach _nicht_ um seßhafte
Eingeborene handeln, worauf schon die offenbar vorliegende (und weiter
unten noch näher zu berührende) Vermischung mit Zigeunern, jenem          [63.7]
Wandervolke par excellence, hindeutet. Auf alle Fälle zulässig bleibt
dagegen der Hinweis darauf, daß ja von jeher — schon von den Zeiten des
_Liber Vagatorum_ an — das Rotwelsch auch den im Lande umherziehenden
Krämern und Händlern geläufig gewesen ist[13].

[Fußnote 9: ([1] auf S. 63.6) Schon A.-L. IV, S. 165 hat richtig
erkannt, daß in dieser Quelle besonders »der _schwäbische_ … Dialekt
… überall stark hervor«tritt.]

[Fußnote 10: ([2] auf S. 63.6) Vgl. dazu auch schon oben S. 3, Anm. 4.]

[Fußnote 11: ([3] auf S. 63.6) S. dazu Näh. bei _Günther_, Rotwelsch, S.
7. Andererseits ist bekanntlich gerade im schwäbischen Gebiet _auch_ die
erste erfolgreiche _Bekämpfung_ des Gaunertums (durch Männer wie den
berühmten »Malefiz-Schenk«, den Oberamtmann _Schäffer_ u. a. m.)
eingeleitet worden. S. darüber Näh. jetzt bes. bei _E. Arnold_ in
_Groß'_ Archiv, Bd. 54 (1913), S. 80 ff., 84 u. Anm. 1; vgl. auch Bd.
53, S. 121 ff.]

[Fußnote 12: ([4] auf S. 63.6) S. den (von mir mit Erläuterungen
versehenen) Aufsatz von _H. Weber_, »Die Lingelbacher Musikantensprache
und die Geheimsprache der Vogelsberger Maurer«, in den »Hess. Blättern
für Volkskunde«, Bd. XI, 2. Heft (1912), S. 130/31.]

Die Ähnlichkeit unseres »Jenisch« mit der deutschen Gaunersprache zeigt
sich nun in den verschiedensten Punkten, nicht zum wenigsten gleich in
der starken Durchsetzung mit Wörtern _fremden Ursprungs_, unter denen
wieder — ganz wie beim Rotwelsch sowie bei vielen anderen
Händlersprachen — diejenigen, die sich auf das _Jüdischdeutsche_, in
letzter Linie also aufs _Hebräische_ zurückführen lassen, den breitesten
Raum einnehmen[14]. Es sei gestattet hier diese Vokabeln, und zwar in
alphabetischer Ordnung nach ihrer _jenischen_ Form, näher
aufzuzählen[15]. Mit ziemlicher _Sicherheit_ gehören dahin: a) die
_Hauptwörter_[16]: _Bäzem_ = Ei (bzw. _Betzam_ = »männliches Glied«),
_Beiz_ = Gasthaus (u. s. Ableitungen, wie _Beizer_ = Wirt usw.),
_Boschert_ = Kupfergeld, Pfennig, _Bossert_ = Fleisch, _Dofes_ = Arrest,
Gefängnis, _Gallach_ = Geistlicher, Pfarrer, _G'far_ = Dorf, _Goi_ =
Frau, _Jahre_ = Wald, _Kaffer_ = Bauer, Mann, _Kaim_ = Jude, _Keif_ =
das Borgen, Schulden, _Keiluf_ = Hund, _Kenem_ = Laus, Filzlaus, _Kies_   [63.8]
= Geld, _Klass_ = Büchse, Gewehr, _Kluft_ = Kleid (u. s. Abltgn.),
_Kohl_ = Lüge (u. s. Abltgn.), _Lechem_ oder _Lehm_ = Brot, _Leile_ =
Nacht, _Malfes_ = Rock, _Mocham_ oder _Mochum_ = Dorf, _More_ = Prügel,
Streit (bezw. _Morerei_ = Geschrei, Gezänk, das Streiten), _Rochus_ =
Zorn, _Ruf_ = Hunger, _Schaffel_ = Scheune, _Schenagel_ = Arbeit (u. s.
Ableitgn.), _Schmelemer_ = Zigeuner, _Schuk_ = Mark (als Geldstück),
_Schure_ = Ding (dann Aushilfswort für sehr verschiedene Begriffe),
_Schüx_ = Mädchen (jedoch nur in der Verbindg. _schofle Schüx_ = Hure),
_Sore_ = Ware, Ding, Sache (u. dann Aushilfswort ähnlich wie _Schure_),
_Soruf_ = Branntwein, _Ulme_(-ma) = Leute (bes. in Verbdgn. u. Zus.); b)
die (durch die Endung -e(n) oder -a »angedeutschen«) _Zeitwörter_[17]:
_achile(n)_ (-la) = essen, _begeren_ = sterben, _dalfen_ = betteln,
_diberen_ = reden, sprechen, _kaspere_ = betrügen, _schmusen_ (=
diberen) u. _schwächen_ = trinken[18]; c) die _Eigenschaftswörter_[19]:
_dof_ oder _duft_ = gut, _kochem_ = gescheit, klug, _massig_ = zornig,
_molum_ = berauscht, _schofel_ = schlecht, _wo(h)nisch_ =
katholisch[20]; d) das Umstandswort _kenn_ = ja. Dazu treten dann noch
als nur mit (größerer oder geringerer) Wahrscheinlichkeit hierhin zu
rechnen[21]: a) die _Hauptwörter_[22]: (_Boga_ = Kuh), _Bos_ = After,
_Duft_ = Kirche, _Galm_ (plur. _Galma_) = Kind, _Hamore_ = Fehde,
Streit, _Heges_ = Dörfchen, _Johle_ = Wein, (_Kafler_ = Metzger),         [63.9]
_Kober_ = Wirt, _Lanenger_ = Soldat, (_Lek_ = Zuchthaus [Arrest,
Gefängnis]), (_Schuker_ = Gendarm), _Stratz_ (plur. Stratze) = Kind; b)
die Zeitwörter[23]: (_baschen_ = kaufen), _derchen_ = betteln,
_schef(f)ten_ = sein, sitzen (gehen, kommen), _sicheren_ = kochen; c)
das (auch als Adv. u. Verneinungspartikel gebrauchte) unbestimmte subst.
Zahlfürwort: _Lore_ (lore) = nichts (nicht, nein)[24]. Daß übrigens
früher die Zahl der Vokabeln hebräischen Stammes sogar noch größer
gewesen ist, zeigt die von _Wittich_ in seiner »Einleitung« gegebene
Zusammenstellung jetzt veralteter Ausdrücke, von denen die Hauptwörter
_Bomm_ = die Schweiz und _Jamm_ = Tag sowie die Zeitwörter _holchen_ =
gehen (nebst _abgeholcht_ = fortgegangen) und _malochen_ (wohl für:
_schiebes malochen_) = fortgehen, gehen in diese Gruppe gehören (s. Näh.
dazu in den Anmerkgn. zur »Einltg.«).

[Fußnote 13: ([1] auf S. 63.7) Vgl. _Kluge_, Unser Deutsch (2. Aufl.,
Leipzig 1910), S. 71.]

[Fußnote 14: ([2] auf S. 63.7) Beachtenswert ist in dieser Hinsicht, daß
manche Händler, z. B. in der _Pfalz_ und in _Franken_ für ihren (bes.
stark mit Judendeutsch durchsetzten) Jargon die Bezeichnung
_Lôchne-kôdesch_ (so in der Pfalz [s. _Kluge_, Rotw. I, S. 438]) oder
_Lotekhôlisch_ (so in Franken [s. _Meisinger_ in d. Z. f. hochd.
Mundarten, Bd. III (1902), S. 121 ff.]) haben (vgl. auch _Groß'_ Archiv,
Bd. 33, S. 220, Anm. 2), die nichts anderes ist als eine Entstellung aus
dem jüd. _loschon (ha-)kodesch_ = die »Sprache der Heiligkeit« oder
»heilige Sprache«, d. i. das Hebräische. S. _Landau_ in d. Z. f. hochd.
Mundarten, Bd. III, S. 319 vbd. mit A.-L. III, S. 53 u. IV, S. 399; vgl.
auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1293. In der _schwäb. Händlerspr._
(482) bedeutet _lotekorisch_ nur »jüdisch.« Das _Wittich_sche Jenisch
kennt den Ausdruck (auch dafür) _nicht_.]

[Fußnote 15: ([3] auf S. 63.7) Über die _Etymologie_ dieser Wörter s.
das Näh. in den Anmerkgn. zum W.-B. selbst (unter den betr. deutschen
Bedeutgn.).]

[Fußnote 16: ([4] auf S. 63.7) Nur substantivisch gebrauchte
Eigenschaftswörter, wie _Dof_ = Glück, Pracht (eigtl. _dof_ = gut) —
bzw. _nobis Dof_ = Trübsal (eigtl. = nicht gut), _Molum_ = Rausch
(eigtl. m. = berauscht) u. _Schofel_ = Gefahr, Not, Schmach (eigtl. sch.
= schlecht) sind _nicht_ hier, sondern unter den Eigenschaftswörtern
(lit. c) aufgeführt worden. Ebenso ist für die substantivischen
_Ableitungen_ von Adjektiven (wie z. B. _Schofelei_ = Unglück,
_Schoflerei_ = Gericht von _schofel_) oder von Zeitwörtern (wie etwa
_Kasperer_ = Betrüger von _kaspere_, _Schmuser_ = Schwätzer von
_schmusen_ u. _Schwäche_ = Viehtränke, _Schwächerei_ = Trank,
Trinkgelage von _schwächen_) auf die Rubriken b u. c zu verweisen.]

[Fußnote 17: ([1] auf S. 63.8) Mit Ausnahme bloßer _Ableitungen_ von
(den unter a genannten) _Hauptwörtern_, wie z. B. _eidofema_ =
einkerkern (von _Dofes_), _a(n)kluften_, _aus-_, _verkluften_ =
ankleiden, ausziehen, verkleiden (von _Kluft_), _kohlen_ = belügen,
betrügen (von _Kohl_), _schenegeln_ = arbeiten (von _Schenagel_),
_schurele_ = begatten und in Zus. mit Präpos, für sehr verschiedene
Begriffe gebr. (von _Schure_) u. a. m.]

[Fußnote 18: ([2] auf S. 63.8) Über _substantiv. Ableitungen_ hiervon s.
schon S. 7, Anm. 16 a. E.]

[Fußnote 19: ([3] auf S. 63.8) Bloße _Ableitungen von Hauptwörtern_, wie
_scheneglich_ = fleißig von _Schenagel_), _schmelemerisch_ =
zigeunerisch (von _Schmelemer_), oder _von Zeitwörtern_, wie _begerisch_
= sterblich, krank (von _begeren_), _diberich_ u. _schmusich_ =
gesprächig (von _diberen_ u. _schmusen_), sind hier _nicht_
berücksichtigt worden.]

[Fußnote 20: ([4] auf S. 63.8) Über den Gebrauch von _dof_, _molum_,
_schofel_ als _Substantive_ s. schon oben S. 7, Anm. 16. — Auch
_begerisch_ (s. Anm. 19) kommt als Hauptw. (= Siechtum) vor.]

[Fußnote 21: ([5] auf S. 63.8) Die in Klammern gesetzten Vokabeln halte
ich persönlich _nicht_ (od. doch nicht in _erster_ Linie) für
hebräischer Herkunft. Näh. s. in den betr. Anmkgn. zum W.-B.]

[Fußnote 22: ([6] auf S. 63.8) Bloße substantivische _Ableitungen von_
(den unter b genannten) _Zeitwörtern_ (wie etwa _Bascher_ = Käufer,
_Dercher_ = Bettler, _Sichere_ = Küche u. a. m.) sind hier außer
Betracht geblieben.]

Sehr groß erscheint auch der Einfluß der _Zigeunersprache_ auf unser
Glossar. Schon die Zahl der mit Sicherheit unmittelbar hieraus
übernommenen Vokabeln steht nämlich nur wenig hinter derjenigen der
Wörter hebräischer Herkunft zurück, während sie die der sonst in
rotwelschen Quellen oder in anderen Krämersprachen etwa anzutreffenden
Mengen von Ausdrücken dieser Art erheblich übersteigt. Nur bei dem
Jenisch der schwäbischen Händler in _Unterdeufstetten_ macht sich — wie
Rudolf _Kapff_ (in der Zeitschr. für deutsch. Wortforschg., Bd. X. S.
214) nachgewiesen — ebenfalls ein stärkerer zigeunerischer Einschlag
bemerkbar. Während aber hier die Wörter dieses Stammes immerhin etwa
zwei Dutzend nicht übersteigen, sind sie im _Wittich_'schen Vokabular
ungefähr auf die doppelte Summe zu schätzen. Da der Verf. in seiner
»Einleitung« selber ein genaueres Verzeichnis dieser Vokabeln
angefertigt hat, kann hier auf ihre Aufzählung verzichtet werden; jedoch
sei der Vollständigkeit halber bemerkt, daß dort einerseits die weiteren
Ableitungen von den zigeunerischen Stammwörtern (wie z. B. die Zeitw.
_lubnen_ = »huren« und _matschen_ = fischen zu _Lubne_ = Hure und
_Matsche_ = Fisch oder das Adj. _bogelich_ = gierig u. dergl zu
_Bog[g]elo_ = Hunger) nicht berücksichtigt sind, während andererseits     [63.10]
einige der aufgezählten Vokabeln auch unmittelbar — nicht erst durch
Vermittlung der Zigeuner — aus dem Deutschen oder aus anderen Sprachen
ins Jenische eingedrungen sein könnten (Näh. s. in den Anmerkgn. zur
»Einleitg.«; vgl. auch gleich weiter unten die Anm. 26). Mit der bloßen
Rezeption der äußeren Form erscheint übrigens die Einwirkung des
Zigeunertums auf die _Wittich_sche Händlersprache noch lange nicht
erschöpft, vielmehr ist auch noch in einer ganzen Reihe von — ihrer
_äußeren_ Erscheinung nach dem _Deutschen_ oder _anderen_ Sprachen
zuzuweisenden — jenischen Ausdrücken _begrifflich_ die besondere
Anschauungs- und Denkweise des Zigeunervolks deutlich wahrnehmbar. Das
Nähere hierüber ist aber besser erst weiter unten in anderem
Zusammenhange mitzuteilen.

[Fußnote 23: ([1] auf S. 63.9) Ausgenommen solche, die (wie z. B.
_kafleren_ = schlachten u. _ei'leken_ = einkerkern) _sicher_ oder (wie
z. B. _bosen_ [bosme] = lecken) _vielleicht_ erst wieder von den unter a
genannten _Hauptwörtern_ (_Kafler_, _Lek_, _Bos_) _abgeleitet_ sind. S.
das Näh. in den einschläg. Anmerkgn. zum W.-B.]

[Fußnote 24: ([2] auf S. 63.9) _Selbständige Eigenschaftswörter_ dieser
Art sind nicht vorhanden. Für bloße _adjekt. Ableitungen_ (wie z. B.
_dercherich_ = bettelhaft, dürftig von dem Zeitw. _derchen_) sei auf die
Anmerkgn. zum W.-B. verwiesen.]

Von sonstigen fremden Sprachen haben nur das _Lateinische_[25] und seine
beiden Haupt-Töchtersprachen, das _Französische_ und _Italienische_,
etwas breitere Spuren hinterlassen[26], während sich auf das _Slawische_
und auf die _nordischen_ Sprachen mit Bestimmtheit nur ganz wenig
zurückführen läßt.[27]

[Fußnote 25: ([1] auf S. 63.10) S. z. B. _Patris_ = Vater, wohl auch
_g'want_ = anmutig u. dergl. (von _quantum_) und _Ki(e)bes_ = Kopf (von
_caput_) sowie _nobis_ = nicht, das jedoch in _erster_ Linie dem
_Italienischen_ zuzuweisen sein dürfte (s. das Näh. im W.-B. unter
»Dietrich«), ebenso wie _Vergondert_ = Konkurs und _bosten_ = gehen
(vermittelt durch unsere Lehnwörter _Gant_ und _Post_). Auf ältere
_Lehnwörter_ aus dem _Lateinischen_ gehen vermutlich noch zurück _Kolb_
= Pfarrer und _Sins_ = Herr (s. das Näh. im W.-B. selbst), während zu
_durme_ = schlafen, ruhen, liegen wohl zunächst das Französische
(_dormir_) heranzuziehen sein dürfte. Vgl. auch die Latinisierungen auf
_-us_ bei Wörtern deutscher oder fremder Herkunft (wie _Bikus_ = Essen,
_Rochus_ = Zorn).]

[Fußnote 26: ([2] auf S. 63.10) S. für das _Französische_: _Bommerling_
= Apfel (von _pomme_), _Mamere_ = Mutter(= »_ma mêre_«), _Scharrisele_ =
Kirschen (von _cerises_), ferner _Feneter_ = Fenster und _Furschet_ =
Gabel (die _Wittich_ in seiner »Einltg.« beide unter den Zigeunerwörtern
aufgeführt hat; s. dort in den Anm. das Näh. dazu). Über _durme_ s.
schon die vorige Anm. Das Zeitw. _baschen_ = kaufen (vgl. oben S. 9) —
vielleicht vom französ. _passer_ — kann auch dem _Italienischen_
(_passare_) zugeteilt werden. Mehr vom ital. _grande_ als vom französ.
_grand_ beeinfußt worden ist ferner wohl _grandich_ = groß usw. In
erster Linie _italien._ Herkunft sind endlich _nobis_ (s. oben Anm. 25)
und _Strade_ = Weg, Straße. Über _Fehte_ = »Quartier« s. das W.-B. unter
»Hauswirt«. Über _Vergondert_ und _bosten_ vgl. oben Anm. 25.]

[Fußnote 27: ([3] auf S. 63.10) Auf das _Slawische_ (Polnische) nämlich:
_sicher_ _Rawine_ = Leiter (nur _vielleicht_ auch _Bauser_ = Angst bezw.
_bausen_ = fürchten und _Stöber_ = Baum); s. das Näh. im W.-B. unter
»Leiter«, »Angst« und »Apfelbaum«; auf das _Nordische_ (Schwedische
usw.): _Fehma_ = Hand (und _vielleicht_ auch [das damit wohl
zusammenhängende] Zeitw. _febern_ = schreiben); s. das Näh. im W.-B.
unter »Hand« und »abschreiben«.]

Auch abgesehen von der »Sprachenmischung« treffen wir weiter in unserem   [63.11]
Jenisch fast alle charakteristischen Kennzeichen des Rotwelschs an. So
begegnet man beinahe auf jeder Seite des Vokabulars einer der typischen
rotwelschen Endungen _-erich_, _-ert_ (aus dem ältern _-hart_) und
_-ling_ (-linger) bezw. _-ing_ (vgl. z. B. _Toberich_ = Tabak,
_Glansert_ = Glas, _Rauschert_ = Stroh, _Flössling_ oder _Schwimmerling_
= Fisch, _Hitzling_ = Ofen usw.), die übrigens auch — ganz wie es bei
den Gaunern üblich — an Wörter _fremden_ Stammes angehängt sind (vgl.
z. B. _Schwächerich_ = Durst, _Boschert_ = Pfennig, _Bossert_ = Fleisch
[sämtl. aus d. Hebr.], _Babing_ = Gans [aus d. Zigeun.], _Bommerling_ =
Apfel [aus dem Franz.]). Weiter finden sich mehrfach Fälle der — zu
größerer Unkenntlichmachung der ursprünglichen Form dienenden —
_Abbreviaturen_ (und zwar in der Form der sog. _Aphärese_, d. h. der
Weglassung der Anfangssilbe[n], wie _Bolla_ [= Kartoffeln] statt und
neben _Schundbolla_, _Staude_ [= Hemd] statt [rotw.] _Hanfstaude_,
höchstwahrscheinlich auch _Boga_ [= Kuh] statt _Horboga_ und vielleicht
auch _Bos_ [= After] statt _Schundbos_ [vgl. das Näh. in den Anm. zum
W.-B.]), und vereinzelt erscheint auch eine sog. _Transposition_
(nämlich bei _Kopel_ = Beinkleid, Hose, vermutl. statt zigeun.
_cholep_). Bei der Begriffsbildung tritt u. a. auf der Gebrauch des
»_pars pro toto_« (wie z. B. _Langohr_ = Hase) und von Eigennamen als
Gattungswörtern (s. z. B. _Lattenkarle_ oder _August mit dem Ofenrohr_ =
Gendarm), auch für Tiere und Sachen (vgl. _Hornikel_ = Ochse,
_Groenikel_ = Schwein [zu _Ni(c)kel_, Kurzform von _Nikolaus_], _Dietz_
[wohl Kurzform von Dietrich] = penis, _Blauhanze_ = Zwetschgen), die
auch noch auf andere Weise _personifiziert_ erscheinen (vgl.
_Lachapatscher_ = Ente, _Strohbutzer_ = Gans sowie das merkwürdige
_Jerusalemsfreund_ = Schaf [s. Näh. in den Anm. zum W.-B. unter
»Hammel«]; _Linzere_ = Brille, _Stradelinzer_ = Wegweiser u. a. m.),
endlich das weite Gebiet der (im Rotwelsch so beliebten) _Metaphern_
oder Begriffsübertragungen (wie z. B. _Hasa_ [d. h. Hasen] = Flöhe,
_Schundflederling_ [eigtl. »Dreckvogel«] = Mistkäfer, _Kupferflederling_
[eigtl. »Heuvogel«] = Heuschrecke; _Schlang_ = Kette, _Fuchs_, _Füchsle_
= Gold, Goldstück, _Frösch_ = Monate; _Dächle_ = Regenschirm,
_Galgennägel_ = Rüben usw.).

Während sich in allen diesen und noch manchen anderen Erscheinungen der
mehr oder weniger enge Anschluß an rotwelsche Vorbilder unschwer
erkennen läßt[28], weist unser Jenisch auch einige ihm speziell eigene,   [63.12]
überall hervortretende Besonderheiten auf. Es sind dies namentlich: die
stark ausgeprägte _mundartliche Färbung_ der Vokabeln und die auffällig
große Zahl von (oft recht langen) _Zusammensetzungen_ oder
_Verbindungen_ mehrerer Wörter miteinander.

[Fußnote 28: ([1] auf S. 63.11) Hingewiesen sei bes. auch noch auf die
fast ganz mit dem Rotwelsch übereinstimmende Bildung der Standes- und
Berufsbezeichnungen, namentlich in der Form von Zusammensetzungen mit
gewissen substantisierten Tätigkeitsformen, wie _Pflanzer_ (vgl. _Groß'_
Archiv, Bd. 46, S. 12 ff.) — so z. B. _Funkpflanzer_ = Heizer,
_Schrendepflanzer_ = Zimmermann — und _Schenegler_ (vgl. Archiv, Bd.
46, S. 304ff.) — so z. B. _Bichschenegler_ = Münzarbeiter,
_Hitzlingschenegler_ = Ofensetzer — oder mit selbständigen Hauptwörtern
mit der Bedeutung »Mann« (»Herr«, »Kerl«, »Bursche« u. dergl.) bezw. —
für weibl. Personen — »Frau« (»Mädchen«), wie _Kaffer_ (vgl. Archiv,
Bd. 48, S. 328 ff.), _Gadscho_ (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 331 ff.), _Sins_
(vgl. Archiv, Bd. 38, S. 270), _Benk_ (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 344 ff.),
_Freier_ (vgl. Archiv, Bd. 49, S. 350 ff.), _Fiesel_ (vgl. Archiv, Bd.
50, S. 157 ff.) oder (für weibl. Pers.) _Moss_ und _Model_ (vgl. Archiv,
Bd. 50, S. 344 ff.). Beispiele: _Leilekaffer_ = Nachtwächter,
_Rädlingskaffer_ = Fuhrmann; _Begergadscho_ = Leichenbeschauer;
_Begersins_ = Arzt, _Sturmkittsins_ = Ratsherr; _Rattebenk_ =
Nachtwächter, _Stradebenk_ = Straßenwärter; _Fehtefreier_ =
»Quartierbursche«; _Verkemersfiesel_ = Handelsbursche, _Sicherfiesel_ =
Koch; _Deiselmoss_ = Hebamme, _Begermoss_ = Leichenfrau; _Galmamodel_ =
Kindermädchen usw.]

Die dialektische Ausgestaltung der Wörter — die natürlich durchweg die
süddeutsche, insbesondere schwäbische Eigenart an sich trägt[29], geht
zuweilen so weit, daß die ursprüngliche Grundform nur noch schwer zu
erkennen ist. So hat z. B. _Klettert_ = Tisch nichts mit unserm Zeitwort
»klettern« zu tun, sondern ist nur eine schlechte Aussprache von
_Glättert_ = _Glatthart_, und _Blatt_ (= blatt) _pflanzen_ = im Freien
übernachten gehört nicht etwa zu dem Subst. _Blatt_, sondern zum Adj.
_platt_ (vgl. auch _baschen_, _Bommerling_ u. ä. statt [der sonst — im
Rotw. usw. — vorherrschenden Formen] _paschen_, _Pommerling_; _bugle_
und _bukle_ = tragen, _gril(l)isch_ u. _kril(l)isch_ = protestantisch,
_Gluber_ u. _Kluper_ = Uhr u. a. m.). Fast noch häufiger als die
Konsonanten erscheinen die _Vokale_ verändert. So finden sich z. B.
neben den Formen _Groenert_, _Groenikel_, _Ruedel_, _nuschig_ auch die
breiteren: _Groanert_, _Groanikel_, _Ruadel_, _nuaschig_, neben _Kunde_,
_Rundling_, _Schund_ auch _Konde_, _Rondling_, _Schond_, und besonders
beliebt erscheint der Wechsel zwischen den Buchstaben i und e. Man        [63.13]
vergleiche: _nobis_ und _nobes_, _Patris_ und _Patres_, _linzen_ und
_lenzen_, _link_ und _lenk_. Auch die Endung _-ling_ ist demgemäß (wie
_Wittich_ auch in seiner »Einleitung« selber betont hat) häufig zu
_-leng_ umgewandelt worden. Da hierbei indessen nur völlige Willkür
(nicht irgendeine bestimmte Sprachregel) geherrscht zu haben scheint, so
erübrigt es sich, die einzelnen Gruppen der nur auf _-ling_, nur auf
_-leng_ und der bald auf die eine, bald auf die andere Weise
auslautenden Wörter genauer gegenüberzustellen[30]. Auch bei anderen
_Endungen_ von Hauptwörtern oder solchen von Zeitwörtern sind bald die
Formen der Mundart, bald die der Schriftsprache, bald beide
nebeneinander gewählt worden (vgl. z. B. _Fehma_ = Hand, _Hasa_ = Flöhe,
_Bolla_ u. _Bolle_ = Kartoffeln, _Buxa_ u. _Buxe_ = Hose, _Ulma_ u.
_Ulme_ = Leute, _Schei_ u. _Schein_ = Tag, _Kollerin_ = Müllerin, aber
_Deislere_ = Wöchnerin, _Stichlere_ = Schneiderin; _fuchsa_ = erzeugen,
_fu(h)la_ od. _schmelza_ = cacare, i. d. R. auch: _achila_ od. _kahla_ =
essen; _budera_ = begatten, _kaspere_ = betrügen, _schlummere_ = liegen,
_toberiche_ = rauchen; _biken_ od. _butten_ = essen, _bosten_ od.
_pfichen_ = gehen; dagegen [in Zus.]: _bohla_, _bohle_ und _bohlen_ =
fallen, _pfladera_ [-re, -ren] = waschen, _ruadla_ [-le, -len] = fahren
usw.). Als eine spezifisch schwäbische Endung von Hauptwörtern dürfte
wohl _-ete_ (od. _-ede_) angesehen werden, die uns (nach Analogie etwa
von _Gäutschete_ = Schaukel zu _gautschen_ = schaukeln [s. _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp, 109[31]]) z. B. in _Buklete_ = Traglast,
_Dämpfete_ = Zigarre, _Flösslete_ = Urin, _Schmelzede_ = »Abweichung«
(Diarrhöe) und — auch an einen fremden (zigeun.) Stamm angehängt — in
_Fu(h)lete_ (= Schmelzede) entgegentritt[32]. Sehr beliebt erscheint
auch die bekannte süddeutsche substantivische Verkleinerungsform
-le[33]. Die gewöhnliche Adjektiv-Endung schreibt _Wittich_ regelmäßig    [63.14]
_-ich_, nur ausnahmsweise _-ig_ (so z. B. neben _grandich_ seltener auch
_grandig_, neben _muffich_ auch _mufig_); eine kleinere Gruppe dieser
Wortgattung endigt auch auf _-isch_ (so z. B. _begerisch_, _biberisch_,
_gril[l]isch_, _jenisch_, _wo[h]nisch_, _schmelemerisch_).

[Fußnote 29: ([1] auf S. 63.12) Ausnahmen, wie z. B. die dem Rotwelsch
entlehnten, ursprünglich dem _niederd._ Sprachgebiet angehörenden
Vokabeln _Buxa(-e)_ = Hose u. _schlummere_ = liegen (eigtl. »schlafen«,
arg.: _Schlumerkitt_ = Herberge) oder wie _Strauberts_ = Haare, das wohl
mit dem _norddeutsch. Plural-S_, wie in »Jungens«, »Mädchens«, versehen
sein dürfte, bestätigen nur die Regel.]

[Fußnote 30: ([1] auf S. 63.13) Merkwürdig ist, daß zuweilen bei
demselben Worte der Singular auf _-leng_, der Plural dagegen auf _-ling_
gebildet worden, so z.B. bei _Schmaleng_ = Katze u. _Stupfleng_ = Igel.]

[Fußnote 31: ([2] auf S. 63.13) Mehrere ähnliche Beispiele enthält auch
das _Pleißlen der Killertaler_ (s. _Kluge_, Rotw. I, S. 435, 436).]

[Fußnote 32: ([3] auf S. 63.13) Dagegen ist die Endung _-es_ (wie z. B.
in _Benges_ = Bursche u. dgl., _dambes_ [eigtl. Rausch, dam =
berauscht], _Guf(f)es_ = Prügel) auch sonst im Rotw. u. den verw.
Geheimsprachen bekannt (vgl. _Pott_, Zigeuner II, S. 33, Nr. 2), aber in
den einzelnen Fällen wohl verschieden zu deuten (s. _Pott_ I, S. 103,
104; vgl. auch _Behaghel_, Deutsche Sprache [5. Aufl. 1911], S. 308).
Bei _Guf(f)es_ erblickt _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 905 in _-es_
die abgeschwächte hebr. Plural-Endg. _-ôth_.]

[Fußnote 33: ([4] auf S. 63.13) Auch sie ist (wie ebenfalls sonst in den
Geheimsprachen) nicht nur an Wörter deutschen Stammes, sondern _auch_ an
solche _fremder_ Herkunft angehängt worden (s. z. B. _Käfferle_, zu
_Kaffer_ [aus dem Hebr.]; _Doberle_ = Beil, zu _Dober_ = Axt, _Gachnele_
= Küchlein, d. h. Hühnchen, zu _Gachne_ = Henne, Huhn, u. _Gaschele_ =
Kinder, eigtl. »kleine Leute«, zu _Gasche_ od. _Gadsche_ = Leute, plur.
von _Gadscho_ = »Kerl« [_alle drei_ aus dem _Zigeun._], _Sinsle_ =
Junker, zu _Sins_ = Herr [vermittelt wohl durch e. latein. Lehnwort],
_Scharrisele_ = Kirschen [aus dem Französ.]). Im übrigen ist noch zu
beachten, daß sie nicht immer bloß eine Verkleinerung gegenüber dem
Stammwort bedeutet (wie dies z. B. allerdings der Fall bei _Fi[e]sele_
od. _Freierle_ = Junge, Knabe [zu _Fi[e]sel_, _Freier_ = Bube, Bursche
(Jüngling) bezw. fremder Bursche], _Mössle_ = Jungfrau [zu _Moss_ =
Frau], _Schmalerle_ = Kätzchen [zu _Schmaler_ = Katze], _Trabertle_ =
Füllen [zu _Trabert_ = Pferd] u. a. m.; vgl. auch noch _Doberle_ = Beil
[zu _Dober_ = Axt; s. oben], _Füchsle_ = Goldstück [zu _Fuchs_ = Gold],
_Späusle_ = Splitter [zu _Spraus_ = Holz]), sondern zuweilen den
ursprünglichen Begriff auch vollständig verändert (s. bes. _Schwächerle_
= Brust, Euter [aber _Schwächer_ = Rausch, Trunkenheit], _Krächerle_ =
Nuß [aber _Kracher_ = Wald]; vgl. auch _Schurele_ u. _Schure_ [worüber
Näh. im W.-B. unter »abbiegen«] u. _Hegesle_ = Knödel u. _Heges_ =
kleines Dorf [bei denen aber wohl _kein_ gleicher Stamm zu Grunde liegen
dürfte]). Eine Mittelstufe nehmen ein die Ausdrücke _Kittle_ (zu _Kitt_
= Haus), da es in _Wittichs_ Vokabular sowohl »Gartenhaus« als _auch_
spezieller »Arrest, Gefängnis« bedeutet (wie im Rotw. _Kittchen_), u.
_Käfferle_ (zu _Kaffer_ [s. oben]), das zwar »Junggeselle« und »Greis«,
aber _auch_ den »männlichen Samen« bedeutet [s. zu letzterer Bedeutg.,
die eine längere Erklärung erfordert, das Näh. in den Anm. zum W.-B.
unter »Onanie treiben«). Manchmal findet sich endlich sogar _nur_ die
Verkleinerung als selbständiger Begriff, während ein entsprechendes
_un_verkleinertes Stammwort (wenigstens im _Jenischen_) _fehlt_, so bei
_Dächle_ = (Regen-)Schirm, _Räp(p)le_ = Mark, _Scharrisele_ = Kirschen,
_Schuberle_ = Geist, Gespenst, _Steinhäufle_ = Stadt, _Stupfle_ = Dorn.]

Was sodann die zahlreichen _Zusammensetzungen_ (bezw. Verbindungen)
anbelangt, so dürften hierbei zunächst prinzipiell zwei Gruppen zu
unterscheiden sein. Bei einer _kleineren_ Kategorie dieser Fälle handelt
es sich einfach um wörtliche Übersetzungen von Ausdrücken, die zum Teil
auch im Deutschen schon etwas lang erscheinen, ins »Jenische«, und dabei
mag den Verfasser eine gewisse philologische Freude an diesen Gebilden
dazu verleitet haben, seinem Wörterbuche auch solche zungenbrecherischen
Kompositionen wie z. B. _Hornikelgielblättlingschottel_ (=
Ochsenmaulsalatschüssel) einzuverleiben[34], die in der Praxis des
täglichen Lebens doch kaum je in ihrer ganzen Fülle ausgesprochen zu      [63.15]
werden pflegen. Wesentlich anders liegt dagegen die Sache bei der
_Mehrzahl_ der Zusammensetzungen oder Verbindungen, insofern sie nämlich
als wirklich notwendige Umschreibungen für Begriffe eingestellt sind,
für die es im Jenischen überhaupt keine selbständigen Wörter gibt, wobei
übrigens der Vollständigkeit halber noch bemerkt werden muß, daß außer
_diesem_ Notbehelf auch noch mancherlei _andere_ Mittel, das Fehlende zu
ersetzen, Verwendung gefunden haben. So erscheinen z. B. nicht nur (wie
ja nicht selten auch in unserer Gemeinsprache) Zeitwörter als Aushilfe
für Substantive, sei es in Form des Infinitivs[35] oder von
Partizipien[36], sondern es sind — nach Vorbildern im Rotwelsch[37] —
auch Adjektive in gleicher Weise oder umgekehrt Hauptwörter für
Eigenschaftswörter gebraucht worden[38], und endlich haben dann noch      [63.16]
viele Substantive eine Verengerung vom Gattungsbegriffe zur
Artbezeichnung erfahren. Namentlich kommt dies für im Jenischen nicht
vorhandene Bezeichnungen einzelner Tiere und Pflanzen vor, so wenn _Kib_
= Hund auch den Pudel bedeutet, _Flössling_ (_Schwimmerling_ oder
_Matsche_) = Fisch auch den Karpfen oder Hering (argum.
_Flösslingschottel_ = Heringsbüchse), _Flederling_ (od. _Fläderling_) =
Vogel auch Elster, Kuckuk, Star und Taube, oder wenn _Stöber_ = Baum
auch für Birke, Buche, Eiche und Fichte gebraucht wird, _Kupfer_ =
Frucht, Getreide auch Heu, Klee, Häcksel und die meisten Getreidearten
(wie Hafer, Roggen, Weizen) umfaßt usw.[39]. Auf die ganz ungeheure
Ausdehnung, welche in _Wittichs_ Jenisch besonders noch die
Bezeichnungen _Sore_ und — mehr noch — _Schure_ (eigtl. wohl nur
»Ware«, dann »Ding«, »Sache«) als Aushilfsmittel für alles Mögliche (z.
B. nicht nur für leblose Gegenstände, sondern auch für abstrakte
Begriffe, ja selbst für Tiere) erfahren haben, hat der Verf. in seiner
»Einleitung« (S. 24) selber ausdrücklich hingewiesen[40] (vgl. für die
Einzelheiten, deren Aufzählung hier zu weit führen würde, m. Anmerkgn.
zu den Wörtern »abbiegen« und »Brücke« im W.-B.). Da solche
Begriffsverengerungen aber doch mehr oder weniger etwas Gewaltsames,
Künstliches an sich haben, so erklärt es sich unschwer, daß man sie
nicht ungern durch irgendeinen Zusatz doch häufig noch etwas näher
gekennzeichnet oder m. a. W. eben jene Gruppe umschreibender
Zusammensetzungen oder Verbindungen verwertet hat, von denen vorhin
schon die Rede gewesen. So sind doch z. B. _Schallerfleterling_
(d. h. »Singvogel«) für die Amsel oder den Kanarienvogel,
_grandicher Flederling_ (d. h. »großer Vogel«) für den Adler, oder
_Spronkert-Flössling_ (d. h. »Salzfisch«) für den Hering schon viel
nähere Kennzeichnungen jener Tiere als das einfache _Flederling_ und
_Flössling_.

[Fußnote 34: ([1] auf S. 63.14) Dieses Beispiel steht keineswegs etwa
vereinzelt da; vgl. u. a. auch noch _Krachersäftlingbrandling_ =
Heidelbeerkuchen u. _Jerusalemsfreundschenegler_ = Schäferknecht.]

[Fußnote 35: ([1] auf S. 63.15) So z. B. _Bereime_ u. _Zeine_ (doch wohl
beides eigtl. = _bereime[n]_, _zeine[n]_ = zahlen) = Zahlung, _Dupfen_
(eigtl. = stechen) = Stich, _Muffen_ (eigtl. = riechen) = Geruch,
_Glemsen_ (eigtl. = weinen) = Tränen und (mit interessanter
Begriffsverengerung) _Bleisgeren_ oder _Pfreimen_ (eigtl. = zahlen) =
Steuern.]

[Fußnote 36: ([2] auf S. 63.15) So z. B. _Begert_ (eigtl. = gestorben) =
Leiche, _Verdibert_ (eigtl. = verraten) = Verrat, _Vergondert_ (eigtl.
wohl = »vergantet«, ausgepfändet, im Konkurs) = Konkurs, _Vergrönt_
(eigtl. = verheiratet) = Ehe, _Vermuft_ (eigtl. etwa = »verfault«, dann
verarmt, heruntergekommen, bankerott) = Armut, Bedrängnis, Konkurs. —
Übrigens kommen natürlich Partizipien auch für _Adjektive_ vor (so z. B.
_begert_ = tot, _gefebert_ [geschrieben] = schriftlich, _grandich bikt_
[viel gegessen] = satt), u. außerdem sind dafür auch noch andere
Zeitwortformen üblich, vgl. z. B. die satzartigen Umschreibungen: _gneis
nobis_ (eigtl. »[ich] kenne nicht«] = unbekannt, _hauret nobis_ (eigtl.
»[es] ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig, _begert nobis_ (eigtl.
»[er, sie, es] stirbt nicht«) = unsterblich u. a. m.]

[Fußnote 37: ([3] auf S. 63.15) Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 63, Anm.
64.]

[Fußnote 38: ([4] auf S. 63.15) Beispiele: a) _Gebrauch von Adjektiven
für Substantive_: Mit _Flexion_ der Adjektive (also z. B. _Wo[h]nischer_
= Katholik, _nobis Dofs_ [d. h. eigtl. »nichts Gutes«] = Übel) kommt
dieser ja auch in unserer Gemeinsprache vor; das Jenische weist aber
Fälle auf, wo das Eigenschaftwort auch unflektiert zum Substantiv
erhoben worden, s. z. B. die schon oben S. 7, Anm. 4, in anderem
Zusammenhange erwähnten Wörter _Dof_ (bezw. nobis Dof), _Molum_ u.
_Schofel_, für letzteres als Synon. auch _Lenk_, ferner _Bauserich_
(eigtl. ängstlich, furchtsam) = das Grausen, _Begerisch_ (eigtl. krank)
= Siechtum, _Biberisch_ (eigtl. kalt, frostig) = Kälte, Frost,
_Dercherich_ (eigtl. dürftig) = Mangel, Not, _Grandich_ (groß) = Höhe,
Gewalt u. a. m.; über _Flu(h)tich_ = Nässe s. lit. b am Ende; über
_Stumpf_ = Ärger s. d. W.-B. unter diesem Worte; b) _Gebrauch von
Substantiven für Adjektive_: _schwächer_ (Rausch) u. _dambes_ (eigtl.
wohl ebenfalls = Rausch) = berauscht, _kohl_ (Lüge) = verlogen, _leile_
u. _ratte_ (Nacht) = dunkel, _schei(n)_ (Tag, Helle) = hell; vgl. auch
_flu(h)te_ = naß, während _Flu(h)tich_ für »Nässe« angeführt ist, wobei
aber vielleicht die Bedeutgn. doch umzustellen sein könnten
(Schreibfehler?).]

Hier ist nun die Stelle, wo noch etwas näher auf den Einfluß hinzuweisen
ist, den — gerade bei dieser Art von umschreibenden Aushilfs- oder
Ersatzbegriffen — die _Zigeunersprache_ geübt hat. Wenn man z. B.
_Wittichs_ Glossar mit dem »deutsch-zigeunerischen Wörterbuch« bei
_Liebich_ (Die Zigeuner usw. S. 171 ff.) vergleicht, wird man erstaunt    [63.17]
sein, dort die allermeisten dieser Sprachgebilde — nur eben in
_zigeunerischer_ Form — wiederzufinden. Sehr zahlreich sind zunächst
die Übereinstimmungen mit den — auch im Jenischen — durch
_Verbindungen_ von Substantiven und Eigenschaftswörtern umschriebenen
Begriffen, wie z. B.: _grandicher Kaffer_ (zig. bāro gādscho[41]),
d. h. »großer Mann« = Riese, _grandicher Sins_ (zig. bāro rai), d. h.
»großer Herr« = Amtmann, Richter u. dergl. m.[42], _grandich Babing_ od.
_Strohbutzer_ (zig. bāro pāpin), d. h. »große [od. größte] Gans« =
Schwan, _grandiche Schrende_ (zig. bāri tattin od. isma), d. h.
»große Stube« = Saal, _grandicher Kies_ (zig. bāro parr), d. h.
»großer Stein« = Felsen, _grandicher Funk_ (zig. bāro jāk), d. h.
»großes Feuer« = Feuersbrunst[43]; _oberkünftiger Giel_ (zig. pralduno
mui), d. h. »oberes Maul« = Gaumen, _unterkünftiger Tritt_ (zig.
telstuno pīro), d. h. »unterer Fuß« = Fußsohle, _näpfiger Schund_
(zig. danterpáskero tschikk), d. h. »beißender Dreck« = Kalk, _g'funktes
Gib_ (zig. chadschēdo gīb), d. h.: »gebranntes Getreide« = Malz,
_nobes dofer Glitschin_ (zig. tschi tschātschi glitin), d. h. »kein
guter [rechter] Schlüssel« = Dietrich und noch gar vieles andere, wofür
hier auf das W.-B. selbst verwiesen werden muß[44]. Ebenso steht es mit
derartigen jenischen _Zusammensetzungen_ im e. S. (d. h. der in _einem_
Wort geschriebenen Bildungen aus mehreren Substantiven u. dergl.), nur
daß die _Zigeuner_ auch hierbei regelmäßig die Form der lockereren
_Verbindung_ (u. zwar meist von Haupt- und Eigenschaftswörtern) kennen.   [63.18]
Auch dafür nur einige Beispiele, die zugleich die charakteristische
Denkweise der braunen Söhne des Ostens besonders ins Licht rücken:
_Schwächerlemamere_ (zig. tschutschĭnéngeri dai), d. h. »Brustmutter«
= Amme, _Trittgriffling_ (zig. heréngĕro gus[ch]to), d. h.
»Fußfinger« = Zehe, _Stöberschmaler_ (zig. rukkéskri mádschka), d. h.
»Baumkatze« = Eichhörnchen, _Mufferhorboga_ (zig. nakkéskĕri
gurumni), d. h. »nasige Kuh« = Nashorn, _Leile-_ oder _Ratteflederling_
(zig. rattjakro tschirkŭlo), d. h. »Nachtvogel« = Eule,
_Begerflederling_ (zig. muléskĕro tschirkŭlo), d. h. »Totenvogel«
= Käuzchen, Steineule, _Schmuserfläderling_ (zig. rakkerpáskĕro
tschirkŭlo), d. h. »der sprechende Vogel« = Papagei[45],
_Koelegroenert_ (zig. bengeskĕri trab), d. h. »Teufelskraut« =
Unkraut, _Begerkittle_ (zig. mīleskĕro kēr), d. h.
»Totenhäuschen« = Sarg, _Bossertschei_ (zig. [auch], massĕlo diwes),
d. h. »Fleischtag« = Sonntag, _Bäzamaschei_ (zig. jāringĕro
diwes), d. h. »Eiertag« = Karfreitag, _Bäzemaweisling_ (zig. [u. a.
auch] jāringĕro gurko), d. h. »Eiersonntag« = Ostern usw.[46]

[Fußnote 39: ([1] auf S. 63.16) Vgl. auch noch _Lanenger_ (Soldat),
sowohl = Infanterist wie Kavallerist (»Husar«), _Begerisch_ = Siechtum
im allgem., dann aber bes. auch Fallsucht, Epilepsie.]

[Fußnote 40: ([2] auf S. 63.16) S. daselbst auch über das — gleichfalls
eine Art Aushilfsfunktion versehende — von _Schure_ abgeleitete Zeitw.
_schurele_ (das bes. in Zus. mit Präpositionen vorkommt); ebends. ferner
über den ähnl. Gebrauch des Zeitw. _pflanzen_.]

[Fußnote 41: ([1] auf S. 63.17) Die zigeunerischen Ausdrücke sind im
folgenden ausschließlich nach dem Werke von _R. Liebich_ über die
Zigeuner angeführt, da von den mir zugänglich gewesenen neueren
Wörterbüchern (vgl. unten S. 22) keines eine _deutsch-zigeunerische_
Abteilung enthielt. Ich muß es deshalb aber dahin gestellt sein lassen,
ob die sämtlichen hier aufgezählten Bezeichnungen auch wirklich heute
noch im lebendigen Sprachgebrauch erhalten sind.]

[Fußnote 42: ([2] auf S. 63.17) S. Näh. noch im W.-B. unter »Amtmann«.
Die merkwürdige Art der Steigerung (bei Rangstufen u. dergl.) im
_Wittichschen_ Jenisch, wonach über _grandicher_ (als Komparativ
aufzufassen) wieder noch das einfache (unflektierte) _grandich_ — als
Superlativ — steht, so daß z. B. _grandich Sins_ mehr als _grandicher
Sins_, nämlich den König, bedeutet (worüber Näh. noch im W.-B. unter
»Bischof«), ist der Zigeunersprache unbekannt.]

[Fußnote 43: ([3] auf S. 63.17) Noch weitere Verbindungen dieser Art mit
_grandich_ s. im W.-B. in der Anm. zu »Adler«.]

[Fußnote 44: ([4] auf S. 63.17) Außer Verbindungen von Haupt- und
Eigenschaftswörtern gehören hierher auch noch solche von _mehreren
Hauptwörtern_, wie z. B. _Patris und Mamere_ (zigeun. o dad te i dai),
d. h. »Vater und Mutter« = Eltern, sowie satzartige Umschreibungen für
(im Deutschen) einfache Zeitwörter, z. B. _Flu(h)te bostet mer herab_
(zigeun. panin naschēla mande tele), d. h. »(das) Wasser läuft mir
herab« = ich schwitze.]

Man könnte nun geneigt sein, anzunehmen, daß _Wittich_, dem ja die
Zigeunersprache ganz geläufig ist, einfach die zigeunerischen
Umschreibungen ins »Jenische« übersetzt habe. Allein dem steht die
Tatsache entgegen, daß in vielen ähnlichen Fällen _keine wörtliche_
Übereinstimmung, vielmehr nur eine gewisse Analogie zwischen »Jenisch«
und »Zigeunerisch« besteht[47], ja in manchen sogar auch das nicht
einmal, sei es, daß die Zigeuner ihre Umschreibung einem anderen          [63.19]
Vorstellungskreise entnommen haben als die jenischen Leute[48] oder
überhaupt für den betreffenden Begriff ein selbständiges kurzes Wort
besitzen, während das im Jenischen nicht der Fall ist[49]. So muß man
wohl vermuten, daß infolge des Verkehrs zwischen den Händlern,
Hausierern usw. und den Zigeunern aus der Anschauungsweise der letzteren
zwar ein sehr beträchtlicher Teil auch bei den ersteren eingedrungen
ist, während dagegen ein — immerhin noch ganz stattlicher — Rest des
Jenischen sich von diesem Einfluß frei gehalten hat.

[Fußnote 45: ([1] auf S. 63.18) Weitere Bezeichnungen dieser Art für
Vögel s. im W.-B. unter »Adler«. Auch dem oben (S. 16) erwähnten
_Spronkert-Flössling_ = Hering entspricht das zig. lōndo mādscho,
d. h. »gesalzener Fisch«.]

[Fußnote 46: ([2] auf S. 63.18) Über den als _Wortspiel_ zu
betrachtenden Ausdruck _Sprauskritzler_ (zig. [u. a. auch] gaschtĕno
lil), d. h. »Holzbrief« = Steckbrief s. das Näh. noch in d. Anm. zum
W.-B. — Über den Einfluß des _Aberglaubens_, besonderer _Gebräuche_
usw. der Zigeuner auch auf das Jenische s. Näh. im W.-B. unter
»Bachstelze« und »Löwenzahn«.]

[Fußnote 47: ([3] auf S. 63.18) So heißt z. B. das Aas im Jensichen
_mufiger Bossert_ od. _Mass_ (d. h. »stinkendes Fleisch«), im Zigeun.
_mulo mass_ (d. h. »totes Fleisch«), der Pfau im Jenischen
_Dofefläderling_ (d. h. »schöner Vogel«), im Zigeun. (u. a. auch)
_gisĕwo tschirkŭlo_ (d. h. »stolzer Vogel«), die Wanze im
Jenischen _Mufkenem_ (d. h. »Stinklaus«), im Zigeun. _platti_ oder
_lōli tochīw_ (d. h. »platte oder rote Laus«), der Mond im
Jenischen _Leileschei_ (d. h. »Nachtlicht«), im Zigeun. _rattískĕro
kamm_ (d. h. »Nachtsonne«), der Steckbrief im Jenischen (u. a. auch)
_lenker_ oder _schofler_) _Kritzler_ (d. h. »schlechter [böser] Brief«),
im Zigeun. (u. a. auch) _gālo lil_ (d. h. »schwarzer Brief«) usw.]

Zum Schluß noch einige Bemerkungen über die Einrichtung meiner
»Anmerkungen« zu _Wittichs_ »Deutsch-Jenischem Wörterbuch«. Was zunächst
deren Reihenfolge betrifft, so habe ich dabei grundsätzlich die Methode
beobachtet, daß jedesmal _dort_ zu einer jenischen Vokabel die
erforderlichen Erläuterungen gegeben wurden, wo diese _zum ersten Mal_
auftritt, sei es nun für sich _allein_ oder auch nur in einer
_Zusammensetzung_ mit anderen Wörtern, sodaß also z. B. unter
»Apfelbaum« = _Bommerlingstöber_ — als der ersten Zusammensetzung mit
_Stöber_ = Baum — auch alles, was über _Stöber_ zu bemerken, mitgeteilt
worden[50], während andererseits unter der Zus. »Baumkatze« =
_Stöberschmaler_ (und nicht erst unter »Katze«) die Vokabel _Schmaler_
behandelt worden ist. In ganz derselben Weise wurde auch mit den
Verbindungen verfahren. Gleich bei der ersten Vokabel des Wörterbuchs:
Aas = _mufiger Bossert_ od. _Mass_ (d. h. eigtl. »stinkendes Fleisch«)    [63.20]
sind daher z. B. auch _mufig_ und sein Stammwort _muffen_ = riechen
(stinken) sowie _Bossert_ od. _Mass_ = Fleisch betrachtet und die
_weiteren_ Verbindungen und Zusammensetzungen damit aufgezählt
worden[51], wogegen an allen anderen Stellen, wo diese Vokabeln noch
wiederkehren, auf »Aas« zurückverwiesen worden ist. Es liegt auf der
Hand, daß hierdurch gerade zu Beginn des Glossars die Anmerkungen in
Zahl und Umfang reichlich anschwellen mußten, während sie dann
weiterhin geringer werden und gegen das Ende zu fast nur noch in
Zurückverweisungen bestehen.

[Fußnote 48: ([1] auf S. 63.19) So heißt z. B. im Jenischen der Adler
_grandicher Flederling_ (d. h. »großer Vogel« [vgl. oben S. 16]), im
Zigeun. dagegen _dui menakro tchírkŭlo_ (d. h. »der doppelhalsige
Vogel«, und zwar nach _Liebich_, S. 146 wahrscheinlich deshalb, »weil
dem Zigeuner das Bild dieses Vogels zuerst auf dem österreichischen
Wappenschilde begegnet ist«), weiter die Tanne im Jen. _Jahre-_ oder
_Kracherstöber_ (d. h. »Waldbaum«), im Zigeun. dagegen _mellĕlo ruk_
(d. h. »schwarzer Baum«), der Diamant im Jen. _dofer Kies_ (d. h.
»schöner Stein«), im Zigeun. _dikkapáskĕro parr_ (d. h.
»durchsichtiger Stein«), der Backstein im Jen. _Kittleskies_ (d. h.
»Hausstein«), im Zigeun. _chadschēdo_ od. _lōlo parr_ (d. h.
»gebrannter« od. »roter Stein«), der Bleistift im Jen. _Feberschure_ (d.
h. »Schreibding«), Im Zigeun. _geschtĕno pōr_ (d. h. »hölzerne
Feder«) usw.]

[Fußnote 49: ([2] auf S. 63.19) Vgl. z. B. _grandich Sins_ (eigtl.
»größter Herr«) = König (s. oben S. 17, Anm. 42), zig. (meist) _kralo_,
_grandiche Gachne_ (eigtl. »große Henne«) = Hahn, zig. _paschno_(-lo)
od. _pussin_, _Schofeleiflederling_ (eigtl. »Unglücksvogel«) = Rabe,
zig. _korāko_, _grandich Flu(h)te_ (eigtl. »großes [od. größtes]
Wasser«) = Meer, zig. _sēro_, _grandiche Kitt_ (eigtl. »großes Haus«)
= Hof, zig. _medrīa_, _dofe Kitt_ (eigtl. »schönes Haus«) = Schloß,
zig. _filĕzzin_, _dofer Schmunk_ (eigtl. »gutes Fett«) = Butter, zig.
_kīl_ u. a. m.]

[Fußnote 50: ([3] auf S. 63.19) Über _Bommerling_ konnte dagegen das
Erforderliche schon unter »Apfel« angegeben werden, da ja das _einfache_
Wort vor jeder anderen Zusammensetzg. im W.-B. steht.]

In den Anmerkungen habe ich außer der Übersicht über den jenischen
Wortbestand (Stammwort und Ableitungen davon[52], Zusammensetzungen,
Verbindungen und Redensarten damit) auch die etwa nachweisbaren _Belege_
in den _stammverwandten_ (rotwelschen oder sonstigen geheimsprachlichen)
_Quellen_ zusammengestellt. Dabei mußte indessen grundsätzlich eine
gewisse Beschränkung — nämlich auf das schwäbische (bzw. badische)
Sprachgebiet — platzgreifen. Es wurden demnach regelmäßig auf etwa
vorhandene Parallelen hin geprüft: a) _für das ältere Rotwelsch_: der
sog. »_Dolmetscher der Gaunersprache_« (nach einer im Reg.-Archiv zu
Sigmaringen befindlichen Handschrift aus dem 18. Jahrh. von Prof. _H.
Fischer_ in Tübingen abgedruckt in den »Mitteilungen des Vereins für
Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern«, Jahrg. 38 [1904/5], S.
89 ff.), zitiert: _Dolm. der Gaunerspr._;

das _Wörterbuch des Konstanzer Hans_, 1791 (vgl. näh. Titel u. Abdr. bei
_Kluge_, Rotw. I, S. 232 ff.), zitiert: _W.-B. des Konst. Hans_;

die rotwelschen Vokabeln in _Schölls_ »Abriß des Jauner- und
Bettelwesens in Schwaben«, 1793 (nach _Kluge_, a. a. O., S. 268 ff.),
zitiert: _Schöll_;

das _Pfullendorfer Jauner-Wörterbuch_ von 1820 (s. Titel u. Abdr. bei
_Kluge_, S. 336 ff.), zitiert: _Pfulld. J.-W.-B._;

[Fußnote 51: ([1] auf S. 63.20) Und zwar sind diese Aufzählungen der
Einfachheit halber — in Übereinstimmung mit der Anlage des W.-Bs. in
der Form »Deutsch-Jenisch« — regelmäßig nach der alphabet. Reihenfolge
der _deutschen_ Bedeutungen der Vokabeln vorgenommen worden.]

[Fußnote 52: ([2] auf S. 63.20) Wo im W.-B. sich etwa eine Ableitung vor
dem Stammworte findet, ist das letztere _dort_ mitbehandelt worden, so
z. B. _Schure_ unter »abbiegen« (= _abschurele_) u. nicht erst unter
»Achsel«, wo _Schure_ zum ersten Mal selbständig auftritt, _Funk_ =
Feuer unter »abbrennen« (_abfunken_), _Ruadel_ = Wagen unter »abfahren«
(_abruadlen_), das Zeitw. _muffen_ = riechen, wie schon im Text bemerkt
worden, unter »Aas« (= _mufiger Bossert_ od. _Mass_) usw.]

b) für die _Gauner-_ und _Kundensprache der Gegenwart_:                   [63.21]

F. X. _Mayer_, »Jenisch in der Verbrecherwelt«, in den »Württemb.
Vierteljahrsheften für Landesgeschichte«, N. F. Bd. XVI (1907), S. 66
ff., zitiert: _Schwäb. Gaun.- und Kundenspr._;

c) für die _schwäbischen Händlersprachen_:

die Sammlung von _Kluge_ in s. Rotw. I, S. 479 ff., zitiert: _Schwäb.
Händlerspr._; dazu die Ergänzungen von:

W. _Zündel_, »Jenisch in Pfedelbach«, in den »Württ. V.-J. H. f.
Landesgesch.«, N. F. Bd. XIII (1904), S. 202 ff.[53], zitiert nur durch
den Zus.: »_Pfedelbach_« nebst Seitenzahl zu »Schwäb. Händlerspr.«;

Rud. _Kapff_, »Nachträge zu _Kluge_, Rotwelsch I«, in der »Zeitschr. für
deutsche Wortforschung«, Bd. X (1908/9), S. 212 ff. Sofern sich diese
Nachträge auf die _schwäb. Händlerspr._ beziehen, sind sie nur nach den
Namen der betr. Ortschaften (_Unterdeufstetten_, _Lützenhardt_ u.
_Deggingen_) abgek. zitiert: _U., Lütz. u. Degg._ nebst Seitenzahl zu
»Schwäb. Händlerspr.«.

Berücksichtigt wurden auch noch das (der schwäb. Händlerspr. sehr
ähnliche) sog. _Pleißlen der Killertaler_ in Hohenzollern (nach _Kluge_,
a. a. O., S. 434 ff. vbd. mit R. _Kapff_, a. a. O., S. 212/13), ferner
die (ebenfalls manche Übereinstimmungen usw. enthaltende) _Pfälzer
Händlersprache_ (bei _Kluge_, S. 437 ff.), das (_dieser_ wieder
verwandte) Jenisch der Handelsleute aus der Gegend von _Metz_ nach
_Kapff_, S. 216/17 (zit.: Metzer Jenisch) und ausnahmsweise auch noch
sonstige Krämersprachen sowie anderen Gegenden angehörige Sammlungen der
Gaunersprache (wie z. B. die stets reichen Aufschluß bietende v.
_Grolmans_).

Für die _Etymologien_ der jenischen Vokabeln endlich konnte ich meistens
auf die Ausführungen in meinen, in dieser Zeitschr. (Bd. 33 und Bd.
38-56) veröffentlichten »Beiträgen zum Rotwelsch und den ihm verwandten
Geheimsprachen« (I, II) verweisen (zitiert einfach: _Groß'_ Archiv [mit
Band- und Seitenzahl]), während manches andere in meinen Erläuterungen
zu der oben S. 6, Anm. 12 angeführten Abhandlung von H. _Weber_ (zitiert
einfach: _Weber-Günther_) enthalten ist. Eine reiche Fundgrube
etymologischer Notizen über die Gauner-, Kunden- und Händlersprache in
Schwaben bildet sodann H. _Fischers_ »Schwäbisches Wörterbuch« (z. Zt. 4
Bände, Tübingen, 1901-1911). Da dieses groß angelegte Werk jedoch noch    [63.22]
nicht ganz abgeschlossen ist, wurde für das Fehlende auch das ältere
Schwäbische Wörterbuch von Joh. Christ. v. _Schmid_ (2. Aufl., Stuttg.
1844) herangezogen. Mancherlei etymologische Aufschlüsse verdanke ich
endlich wiederum der stets freundlichst gewährten Beihilfe von Dr. A.
_Landau_ (Wien). — Für die Zigeunersprache habe ich (außer den schon
erwähnten Vokabularen von _Liebich_ und _Jühling_(_-Wittich_) sowie den
bekannten Werken von _Pott_ und _Miklosich_ [vgl. _Groß'_ Archiv, Bd.
33, S. 225, 231 und Bd. 38, S. 252, Anm. 1]) noch benutzt: Franz
Nikolaus _Finck_, Lehrbuch des Dialekts der deutschen Zigeuner, Marburg
1903 (zitiert: _Finck_). Für die Zitierungsart der sonstigen Literatur
sei hier auf die Übersicht in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 222-232 (nebst
den Ergänzungen in Bd. 38 ff.) verwiesen. H. _Groß_, Handbuch für
Untersuchungsrichter wurde überall nach der neuesten (6.) Aufl.
(München, Berlin und Leipzig 1914) angeführt.

[Fußnote 53: ([1] auf S. 63.21) Hier sind (S. 206, Anm. 1) auch einige
Vokabeln angeführt, die bei den Händlern in _Eningen_ (einem von
_Kluge_, Rotw. I, S. 479 ff. _nicht_ berücksichtigten Orte) vorkommen.
Sie sind in der vorliegenden Arbeit gleichfalls herangezogen worden
(zitiert: _Eningen_ [S. 206, Anm. 1]).]



                           II. Einleitung.
       (»_Allgemeine Bemerkungen über die jenische Sprache_«).
                       Von _Engelbert Wittich_.


Die vorliegende Arbeit will und kann in keiner Weise auf Sprachforschung
— soweit man davon überhaupt bei der jenischen Sprache reden kann —
Anspruch erheben, sie soll nur einen bescheidenen Beitrag liefern zur
Sprachbereicherung, sozusagen zur Erschließung und Vervollständigung des
Sprachschatzes, zur Belehrung für jeden Interessenten. Vielleicht kann
sie auch in der Praxis der Kriminal- und Polizeibehörden verwendet
werden und ihnen einige Dienste leisten.

Ob die jenische Sprache eine direkte Gaunersprache ist, d. h. eine zu
polizeiwidrigen Zwecken erfundene Sprache[54], kann der Verfasser nicht
sagen oder beurteilen, denn dazu fehlen ihm alle notwendigen tieferen
Kenntnisse[55].

Der Verfasser hat die Sprache unter den »fahrenden Leuten« kennen
gelernt, welche mit ihren kleinen zwei- und vierrädrigen, mit Segeltuch   [63.23]
bedeckten Karren, die gewöhnlich Mann und Frau, Kind und Kegel
beherbergen, im Lande umherziehen. Diese Leute, die teils aus dem
Württembergischen, teils aus Bayern und Baden, aber auch aus dem Elsaß
stammen und in Bayern »Krattler«[56], sonst überall »Jenische« genannt
werden (daher auch die Bezeichnung »jenische Sprache«[57]), setzen sich
ihrem Berufe nach aus Bürstenbindern, Schirmhändlern, Sieb- und
Korbmachern, Kesselflickern (»Keßlern«), Scherenschleifern u. dergl.
zusammen.

[Fußnote 54: ([1] auf S. 63.22) Zu dieser Definition des Begriffs
»Gaunersprache« durch _Wittich_ vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 2 und Anm.
1 vbd. mit H. _Groß_, Handbuch für Untersuchungsrichter, Bd. I, S. 447
u. Anm. 2.]

[Fußnote 55: ([2] auf S. 63.22) Etwas weiter unten hat der Verf. aber
doch seine Ansicht hierüber in ziemlich bestimmter Form geäußert. Vgl.
dazu Anm. 58 auf S. 23.]

Früher wurde das Hausiergewerbe vielfach zum verschleierten Bettel
benutzt. Ein charakteristisches und wahrheitsgetreues Bild aus der
Vergangenheit dieser Leute gibt unter den »Sprachproben« die Skizze
»Dächlespflanzerulme« (Nr. 25; vgl. auch die »Schnadahüpfel« am Schluß
der Arbeit). Um aber meinem Gerechtigkeitssinne Genüge zu tun und zur
Ehre dieser modernen Nomaden, denen die stete Wanderschaft zwar Licht
und Luft in reichem Maße, aber auch ein kärgliches und unruhiges Dasein
bietet, sei es gesagt, daß der Bettel bei ihnen _heutigen_ Tages nur
noch in geringem Umfange oder gar nicht mehr vorkommt, daß sie also im
wesentlichen nur ihrem gesetzlich geregelten Wandergewerbe nachgehen.
Auch haben es sich die Heutigen bequemer gemacht als es vor Zeiten ihre
Väter hatten; sie haben die kleinen Schnappkarren, die sie selbst ziehen
mußten, abgeschafft und sich dafür größere, mit einer Plane überspannte
oder ganz aus Holz hergestellte Wagen (ähnlich denen der Zigeuner)
zugelegt samt einem Rößlein davor. Übrigens gehen diese Gewerbe
bedeutend zurück, und die fahrenden Leute verschwinden daher mehr und
mehr von der Landstraße; am häufigsten sind sie noch in den Reichslanden
und in Bayern anzutreffen.

Meiner, allerdings unmaßgeblichen Ansicht nach ist die jenische Sprache
ein gemachtes und ersonnenes Kauderwelsch, dem jedoch kein unerlaubter,
geheimer Zweck des jenischen Volkes zugrunde liegt, sondern lediglich
das Bestreben, sich vor Uneingeweihten abzuschließen und ihren Jargon
als harmlose Handelssprache zu benutzen[58], ähnlich wie es auch die
Handelsjuden tun, welche die jenische Sprache ebenfalls verstehen und
sprechen.

[Fußnote 56: ([1] auf S. 63.23) S. dazu Näh. im Vokabular unter
»fahrende Leute«.]

[Fußnote 57: ([2] auf S. 63.23) Diese Behauptung dürfte dahin zu
berichtigen sein, daß umgekehrt der Begriff »jenische _Sprache_« der
geschichtlich _früher_ auftretende gewesen ist. Vgl. dazu Näh. oben in
meiner »Vorbemerkung«, S. 4 und Anm. 6.]

[Fußnote 58: ([3] auf S. 63.23) In der Fassung dieses Satzes hat sich
der Verf. sehr eng an die Ausführungen angeschlossen, die _Liebich_, Die
Zigeuner, S. 114 über das Verhältnis der sog. Standes- oder
Berufssprachen zur _Gaunersprache_ gegeben hat.]

Beinahe selbstverständlich erscheint es, daß sich die jenische Sprache    [63.24]
auch durch zigeunerische Wörter bereichert hat, während umgekehrt die
Zigeunersprache — die ja eine richtige grammatikalische Sprache und als
solche mit der jenischen nicht zu vergleichen ist — aus dieser keine
Anleihen gemacht hat. Zwar versteht der Zigeuner fast ohne Ausnahme die
jenische Sprache, aber er verschmäht es, das defekte Gefieder der
seinigen mit jenischen Federn zu ergänzen und auszuflicken, denn zieren
würde er sie dadurch nicht, sondern nur herabwürdigen und schänden[59].

Im Laufe der Zeit haben sich manche Wörter der jenischen Sprache
verändert, sind z. B. abgekürzt worden usw., ja es scheint, daß sich
auch das zur Zeit noch gebräuchliche Wortmaterial in fortwährender
Umgestaltung und die jenische Sprache überhaupt im großen ganzen heute
im Rückgange befindet. Die schon veralteten Ausdrücke sowie die Vokabeln
zigeunerischen Ursprungs — von denen oben kurz die Rede war — sind vor
dem eigentlichen deutsch-jenischen Lexikon noch besonders
zusammengestellt worden (s. N. II u. III). Auffallend ist es, daß im
Jenischen sehr häufig besondere Ausdrücke für die meisten Tier- und
Pflanzengattungen, für Baum- und Straucharten, die doch jeden Tag
gesehen werden, fehlen[60], und daß zur Bezeichnung derselben — sowie
überhaupt aller Gegenstände (oder auch Tätigkeiten), wofür kein
spezieller Name vorhanden ist — die Wörter _Schure_ oder _Sore_ (bei
Tätigkeiten das [davon abgeleitete] Zeitw. _schurele_ [oder auch
_pflanzen_]) herhalten müssen, auf welche in dieser Beziehung fast
Unglaubliches abgeladen wird. _Schure_ oder _Sore_ bedeutet aber
zunächst nur eine (die) Sache oder ein (das) Ding ohne irgendwelche
genauere Angabe, so daß der richtige Sinn des Wortes lediglich erst aus
dem jeweiligen Zusammenhang der Rede zu entnehmen ist. Ein überaus
häufig gebrauchtes Wort der jenischen Sprache ist auch _grandich_.

Endlich möchte ich noch hervorheben, daß ich mich beim Aufschreiben
dieser Sprache sowohl an das schwäbische Idiom hielt als _auch_ an mein   [63.25]
Gehör. Daher kommt es, daß ich bald _l¶i¶nzen_, _Rädl¶i¶ng_,
_Scheinl¶i¶ng_, bald _l¶e¶nzen_, _Rädl¶e¶ng_, _Scheinl¶e¶ng_ geschrieben
habe u. a. m. Nur nebenbei sei bemerkt, daß ich die jenische Sprache
gewissenhaft und nach genauer Prüfung eines jeden Wortes aufgeschrieben
habe und nicht — aus Büchern! Leicht war es für mich, die Wörter dieser
Sprache zu sammeln, aber schwer, sie zu ordnen und zu erklären, was ja
selbst dem Fachmann Schwierigkeiten bereiten dürfte. Der Verfasser
bittet daher, etwaige Mißverständnisse, Schreibfehler usw., die sich
eingeschlichen haben sollten, zu entschuldigen.

[Fußnote 59: ([1] auf S. 63.24) Auch dieser Satz stimmt _fast wörtlich_
mit dem überein, was _Liebich_, a. a. O., S. 114, 115 über das
Verhältnis der Zigeunersprache zur _Gaunersprache_ bemerkt hat. — Der
_Sache_ nach ist das von _Wittich_ Gesagte übrigens unlängst auch von W.
_Zündel_ in den »Württemb. V.-J.-Heften für Landesgeschichte« usw., N.
F. Bd. XIII, S. 205 bestätigt worden. (»Auch weist der richtige Zigeuner
einen Stammesgenossen, der ihm gegenüber jenische Kenntnisse verwerten
will, zurecht: _goi dig hawo jenari_, d. h. ›sieh da, was für ein
Jenischer‹«.)]

[Fußnote 60: ([2] auf S. 63.24) Auch hierbei zeigt sich Anschluß an
_Liebichs_ ähnliche Bemerkungen über die _Zigeunersprache_ (a. a. O. S.
118).]

Möge die Arbeit gütige Aufnahme finden im Kreise der Leser und Forscher;
dann bin ich reichlich belohnt für den darauf verwandten Fleiß.

Stuttgart, im Juni 1914.

                                                  _Engelbert Wittich._



   III. Verzeichnis veralteter, meist jetzt umgeänderter jenischer
                             Wörter.[61]


   _früher_               _Bedeutung_            _heute dafür
                                                    (meistens)_
   abgeholcht[62]         fortgegangen           schiebes[63]
   Baiser                 Wirt                   Beizer[64]
   Bomm[65]               die Schweiz            heute unbekannt          [63.26]
   Fehma[66]              die Hände              Grifleng[67]
   holchen[68]            kommen                 bosten[69]
   Jamm[70]               Tag                    Schei[71]
   mich kohlert[72]       mich hungert           mich bickert('s)[73]     [63.27]
   Mahlbosch[74]          Rock                   Malfes[74]
   malochen[75]           fortgehen, gehen       schiebes bosten[76]
   Mogumle[77]            Stadt                  Steinhäufle[78]
   Mokem[77]              Stadt                  Mochum (aber auch =
                                                    Dorf)[77]
   Palar[79]              Dorf                   G'fahr[80]
   Schofelkitt[81]        Zuchthaus              Dofes, Lek[82]           [63.28]
   schornen[83]           stehlen                schoren[83]
   Schücksel[84]          Mädchen                Model[85]
   zopfen[86]             stehlen                schniffen[87]

[Fußnote 61: ([1] auf S. 63.25) Die Mehrzahl dieser veralteten Vokabeln
ist _hebräischen_ Ursprungs (vgl. schon m. »Vorbemerkung«, S. 9).
Während für _Bomm_ = Schweiz überhaupt kein (neueres) Ersatzwort
angeführt ist, sind für die übrigen unmodern gewordenen Bezeichnungen
teils Wörter eines _anderen Stammes_ eingetreten (so für _abgeholcht_,
_holchen_, _Jamm_, _mich kohlert_, _malochen_, _Mogumle_, _Palar_),
teils solche, die zwar auf den gleichen Stamm zurückgehen, aber in der
_Form_ geringere oder größere Veränderungen aufweisen (so für _Baiser_,
_Mahlbosch_, _schornen_). Als doch _nicht völlig_ veraltet erscheinen
nach dem _Vokabular_ selbst: _Fehma_ = Hand und _Schofelkitt_ =
Zuchthaus (vgl. dazu auch das Vokabular unter »Arrest«); _zopfen_ ist
zwar im Wörterbuch für »_stehlen_« nicht erwähnt, dagegen findet es sich
unter »erwischen« sowie in der Zusammensetzung _herauszopfen_ =
herausstehlen, u. zu vgl. ist ferner das von dem Zeitw. abgeleitete
Subst. _Zopferei_ = Diebstahl. Auch _Schücksel_ für »Mädchen« fehlt im
W.-B., aber unter »Hure« ist die Verbindg. _schofle Schüx_ (also
unverkleinert) angeführt. Daß _Mochum_ (statt des älteren _Mokem_) noch
jetzt sowohl »_Stadt_« wie »Dorf« bedeuten soll, ist aus dem Glossar
nicht ersichtlich, da der Ausdruck dort (neben der Form _Mocham_) _nur_
unter »Dorf« — nicht auch unter »Stadt« — aufgeführt ist. Das vom
Verf. im Manuskript ebenfalls als veraltet genannte _Rawine_ = Leiter
habe ich hier gestrichen, da es in ganz derselben Form _und_ Bedeutung
auch im W.-B. selber enthalten ist. — Über einige in das Verzeichnis
von _Wittich_ selber _nicht_ mit aufgenommene veraltete oder in der
Bedeutung veränderte Wörter hat er (unten S. 28) noch besondere
Bemerkungen gegeben.]

[Fußnote 62: ([2] auf S. 63.26) Das Stammwort _holchen_ (= gehen) findet
sich (in dem bes. _verwandten Quellenkreise_) schon im _Dolm. der
Gaunerspr._ 92, ferner im _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (= laufen,
springen; vgl. 260: _abg'holcht_), bei _Schöll_ 271, 272 (= laufen,
gehen) u. im _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 342 (ebenso). Vgl. auch noch
_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_hulchen_ = springen). Zur _Etymologie_ des
(schon bei G. _Edlibach_ um 1490 [20] in der Form _alcha_ bezeugten)
Wortes (vom hebr. _hlak_) sowie über weitere Belege s. die Angaben in
_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 213, Anm. 1 u. S. 227, Anm. 2; vgl. auch noch
_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1762.]

[Fußnote 63: ([3] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »davongehen«.]

[Fußnote 64: ([4] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »Gasthaus«.]

[Fußnote 65: ([5] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der
Gaunerspr._ 99 u. _W.-B. des Konst. Hans_ 256; im _Pfulld. J.-W.-B._
346: _Bum_ u. noch in der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 75: _Pumps_
(od. Pummerkessel). Zur _Etymologie_ (Abkürzung nach den
Anfangsbuchstaben von _Bores-Medine_ u. ähnl. [d. h. »Land der Kühe«]
aus hebr. _pr[h]_, jüd. _pôrô_ = »Kuh« und _medîn[h]_ = »Landschaft,
Gerichtsbezirk, Provinz«) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 43, S. 30 (unter »Pumser«) u. Anm. 1.]

[Fußnote 66: ([6] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B unter »Hand«.]

[Fußnote 67: ([7] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »Daumen«.]

[Fußnote 68: ([8] auf S. 63.26) Vgl. oben Anm. 62.]

[Fußnote 69: ([9] auf S. 63.26) S. im W.-B. unter »abgehen«.]

[Fußnote 70: ([10] auf S. 63.26) Übereinstimmend schon: _Dolm. der
Gaunerspr._ 100, _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. _Schöll_ 271; vgl.
_Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Jum_ [wie auch schon im _Basl. Gloss._ v. 1733
[202]). Dagegen hat auffälligerweise in der _schwäb. Gauner- u.
Kundenspr._ 71 (in Übereinstimmung mit neueren Sammlungen der Gauner- u.
Kundenspr. überhaupt [vgl. z. B. _Rabben_ 65 u. _Ostwald_ (Ku.) 71]) das
Dimin. _Jämchen_ (od. Jem[m]chen) die Bedeutung »Jahr« (daher z. B. _ein
Jemmchen abreißen_ = ein Jahr im Gefängnis zubringen [_Ostw._, a. a.
O.]). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _jôm_ = »Tag«) sowie über weitere
Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 249, lit. f (unter
»Jomschmi[e]r[e]«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 71 (unter
»Jam«), der jedoch über den Bedeutungswechsel bei _Jämchen_ keine
Auskunft gibt. Möglicherweise handelt es sich hierbei um eine
Verquickung von _Jamm_ = Tag mit _Jann_ = Jahr (s. z. B. _Pfister bei
Christensen_ 1814 [322]) u. ä., das etymolog. gleichfalls unsicher (vgl.
Näh. im W.-B. unter »alljährlich«), vielleicht aber als bloße
Entstellung des Auslauts von »Jahr« anzusehen ist. Auf gleiche Weise
könnte ev. auch _Jämchen_ selber entstanden sein.]

[Fußnote 71: ([11] auf S. 63.26) S. Näh. im W.-B. unter »alltäglich«.]

[Fußnote 72: ([12] auf S. 63.27) S. dazu schon _Dolm. der Gaunerspr._ 94
(_es kollert mich_ = es hungert mich); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_es
kohlert mi_); vgl. auch _Schöll_ 272 (_Koler_ = Hunger, _kolerig_ =
hungrig); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 340 (_Kolter_ = Hunger; _kolderig_ =
ausgehungert, _kolterik_ = hungrig). Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 574 (unter »koldere[n]«), vbd. mit Sp. 575 (unter
»kolderig«) und Sp. 574 (unter »Kolder«) dürften die Vokabeln in
Beziehung zu setzen sein zu griech.-lat. _cholera_ = »Galle«, wozu auch
das nhd. »Koller« gehört (vgl. darüber _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1095/96).
Dagegen ist in _Kohldampf_ u. ä. = Hunger (vgl. _Schütze_, S. 75, 76),
das auch der _schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ (71) sowie der _pfälz._ u.
_schwäb. Händlerspr._ (438, 482) geläufig ist, die erste Silbe doch wohl
zu unserem nhd. Kohl zu stellen; s. _Fischer_, a. a. O., Sp. 574; vgl.
auch _Weber-Günther_, S. 191.]

[Fußnote 73: ([13] auf S. 63.27) S. im W.-B. unter »Abendessen«.]

[Fußnote 74: ([14] auf S. 63.27) S. unter »Frauenrock«.]

[Fußnote 75: ([15] auf S. 63.27) Wahrscheinlich ist diese Bezeichnung
nur aufzufassen als eine Kürzung von _schiebes malochen_ (vgl. _Groß'_
Archiv, Bd. 46, S. 291, Anm. 2), das z. B. schon im _W.-B. des Konst.
Hans_ vorkommt (258: _Jetzt maloch i' schiabes_ = jetzt gehe ich fort).
Zur _Etymologie_ von _malochen_ (aus dem hebr. _mel'k[h]_ = »Arbeit,
Verrichtung«) s. _Groß'_ Archiv, B. 46, S. 289 ff.; vgl. auch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1426.]

[Fußnote 76: ([16] auf S. 63.27) S. über _schiebes_: oben S. 26, Anm.
63, über _bosten_: oben S. 26, Anm. 69.]

[Fußnote 77: ([17] auf S. 63.27) S. unter »Dorf«.]

[Fußnote 78: ([18] auf S. 63.27) S. unter »Stadt«.]

[Fußnote 79: ([19] auf S. 63.27) Übereinstimmend hiermit hat schon das
_W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 (in den »Schmusereyen«) _Palar_ u.
_Balar_ = Dorf, während das eigentl. Vokabular (254) dafür nur _Ballar_
anführt, das auch der _Dolm. der Gaunerspr._ 91 hat; ganz ähnlich ferner
_Schöll_ 272 u. das _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Balar_) sowie andere
Quellen des 19. Jahrb. (so z. B. v. _Grolman_ 5 u. T.-G. 90). Die
_Etymologie_ bleibt (nach _Fischer_, _Schwäb_. W.-B. I, Sp. 581)
»unklar«. Einen Zusammenhang mit dem für »Wald« vorkommenden
kundensprachl. _Ballat_ (s. z. B. _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77;
vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 59, S. 264, 268 u. 281) oder _Ballert_ (s.
dazu Archiv, Bd. 50, S. 360, Anm. 1) anzunehmen, erscheint wohl zu
gewagt.]

[Fußnote 80: ([20] auf S. 63.27) S. Näh. unter »Bauerndorf«.]

Die ältere Zusammensetzung _Gefinkelterjohle_ = Branntwein[88] ist heute
in zwei Wörter getrennt worden: _Gefinkelter_ und _Johle_, indem man
unter ersterem den Branntwein, unter letzterem den Wein versteht[89].
_Grandscharrle_ (= »Hatschier«) wurde früher (bei den jenischen Leuten)
eine Art Landjäger (Gendarm) genannt[90]. Sowohl »Hatschier« wie das
jenische _Grandscharrle_ sind jetzt nicht mehr gebräuchlich, aber ohne
Zweifel stammt von letzterem das heutige kürzere jenische _Scharrle_ für
»Schultheiß« (Bürgermeister) her[90]. _Kochem_, früher so viel wie der
Gauner, Dieb, bedeutet jetzt nur »schlau, gescheit« (z. B. _kochemer
Kaffer_ = ein gescheiter, kein dummer Mann, _sei kochem_ = sei gescheit
usw.)[91]. _Zwiss_ = zwei war früher das einzige Zahlwort in unserem
Jenisch[92], heute ist überhaupt keines mehr bekannt. Über das jetzt
gleichfalls veraltete _tschi_ = ja s. das Nähere noch unten S. 31, Anm.
118.

[Fußnote 81: ([21] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Abort«, »arg« und
»Arrest«.]

[Fußnote 82: ([22] auf S. 63.28) S. im W.-B. »Arrest«, vgl. auch
»Gefängnis« und »Zuchthaus«; unter letzterem Wort ist jedoch _Dofes_
nicht angeführt.]

[Fußnote 83: ([23] auf S. 63.28) S. unter »ausstehlen«.]

[Fußnote 84: ([24] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Hure«.]

[Fußnote 85: ([25] auf S. 63.28) S. unter »Beischläferin«.]

[Fußnote 86: ([26] auf S. 63.28) S. unter »Diebstahl«.]

[Fußnote 87: ([27] auf S. 63.28) S. unter »anfassen«.]

[Fußnote 88: ([28] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter diesem Worte.]

[Fußnote 89: ([29] auf S. 63.28) S. Näh. im W.-B. unter »Branntwein« und
»Apfelwein«. Die Trennung der beiden Wörter hat übrigens schon das
_Pfulld. J.-W.-B._ (338 u. 346).]

[Fußnote 90: ([30] auf S. 63.28) S. Näh. unter »Bürgermeister«.]

[Fußnote 91: ([31] auf S. 63.28) Mit dieser Bedeutungserweiterung ist
das Jenische wieder zu dem Begriffe des _hebr._ Stammwortes
zurückgekehrt; s. schon oben »Vorbemerkung«, S. 5, Anm. 8; vgl. auch das
W.-B. unter »besonnen«.]

[Fußnote 92: ([32] auf S. 63.28) _Zwis_ = zwei haben schon der _Dolm.
der Gaunerspr._ 102, das _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 257 u. das
_Pfulld. J.-W.-B._ 346 (hier [346] auch als Subst. = Paar), ja bereits
der _Niedd. Lib. Vagat_ (78) kennt die Form _swis_. Vgl. dazu _Kluge_,
Unser Deutsch (2. Aufl. 1910), S. 84; dort auch über das (ebenfalls in
dem _schwäb._ Quellenkreise bekannte) Zahlwort _tribis_ oder _dribis_ =
drei.]



   IV. Verzeichnis der jenischen Wörter, die aus der Zigeunersprache      [63.29]
                             stammen.[93]


   _jenisch_              _Bedeutung_            _zigeunerisch_[94]
   Babing                 Gans                   Babi[95]
   Balo                   Schwein                Bali[96]
   Bellel                 Kropf                  Bälel[95]
   Bet                    Mark (Geldstück)       Beti[95]
   bleisgeren             bezahlen               bleisern[97]
   Bochdam                Leinwand, Tuch         Pochtann[98]
   Bogeia                 Fischbein              Gogeia (d. h.
                                                    Knochen,
                                                    Bein)[95]
   Bog(g)elo              Hunger                 Bock, Bockelo[99]
   butsche                fragen                 putsche[100]
   Dibolde                Juden                  Bipolte[95]
   Dober                  Axt                    Tower[95]
   Doberle                Beil                   zu Tower[101]
   Feneter                Fenster                Fenetra[95]
   Fu(h)l                 Kot (menschl.od.       Ful[102]
                             tierische
                             Exkremente)
   Furschet               Gabel                  Forschreta[95]           [63.30]
   Gachne                 Huhn                   Kachni[103]
   Garo,                  Gari penis             Gar[104]
   Gasche                 Menschen, Leute        Gatsche[105]
   Gaschele               Kinder (eigtl.         zu Gatschen[105]
                             »kleine Leute«)
   Gib                    Frucht, Getreide       Gib[95]
   Girall                 Käse                   Girall[95]
   Glitschin              Schlüssel              Gliten[106]
   Jak                    Licht                  Jag (= Feuer)[95]
   kahla                  essen                  chala[107]
   Katschete              Branntwein             Chatscherti[95]
   Kopel                  Hose                   Cholep[108]
   Kuiete                 bes. Viehpulver, aber  Chuerti[109]
                             auch Pulver
                             überhaupt, z. B.
                             Schießpulver
   Lobe                   Geld                   Lowe[110]
   Loli, Lolo             Gendarm                vgl. lolo (d. h.
                                                    rot)[95]
   Lomel                  Messerklinge           Lommla[111]
   Lubne                  Dirne (= Hure)         Lubni[112]
   manga                  betteln                manga[95]
   Maro                   Brot                   Maro[95]
   Mass                   Fleisch                Mass[113]
   Matrele                Kartoffeln             Maträli[114]
   Matsche                Fisch                  Matscho[95]
   naschen                fliehen, gehen         nascha[95]
   Rat                    Blut                   Ratt[95]
   Ratte                  Nacht                  Rati[115]
   Romane                 Frau                   Romni[95]
   schoren                stehlen                vgl. Tschoraben, d.
                                                    h. das
                                                    Stehlen[116]
   Sende                  (die) Zigeuner         Sinte (sing.
                                                    Sinto)[95]
   Tschai                 Mädchen                Tschai (Tochter,
                                                    Mädchen)[95]
   tschanen               fliehen, gehen (auch   tschantamenge[95]        [63.31]
                             kommen)
   Tschuggel              Hund                   Tschukel[95]
   Tschure                Messer                 Tschuri[95]

[Fußnote 93: ([1] auf S. 63.29) Zu diesem Verzeichnis sei bemerkt, daß
ich es nach dem »deutsch-jenischen Wörterbuche« (sowie nach einzelnen
Stellen von _Wittichs_ »Einleitung«) noch vervollständigt habe (es
fehlten in ihm ursprünglich die Wörter _Bellel_, _Gib_, _Loli_ [Lolo],
_Maro_, _Rat_, _schornen_ und _Tschai_); _nicht_ darin aufgenommen sind
dagegen die _bloßen Ableitungen_ _bogelich_ = gierig, _lubnen_ = huren,
_matschen_ = fischen u. _Matscher_ = Fischer (s. oben S. 9) sowie solche
Vokabeln, bei denen nur _vermutungs_weise auch zigeunerischer Ursprung
angenommen werden könnte (wie z. B. bei _Ki[e]bes_ = Kopf [s. Näh. unter
»Angesicht«), _Kritsch_ = Bürgermeister [s. d.] u. _Toberich_ = Tabak,
auch Pfeife [s. d.]). Zu _Feneter_ u. _Furschot_ ist zu sagen, daß sie
zwar ins Jenische durch Vermittlung der Zigeunersprache eingedrungen
sein mögen (s. Näh. im W.-B. unter »Fenster« u. »Gabel«), eigentlich
aber natürlich, aus dem _Französischen_ herstammen, von dem sie ev. auch
direkt entlehnt sein könnten (vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 26).
_Lomel_ = Messerklinge kann wahrscheinl. unmittelbar auf ein deutsches
Lehnwort (aus dem Latein.) zurückgeführt werden (s. Näh. im W.-B. unter
»Klinge«). — Über den auffälligen Wechsel der Konsonanten im Anfang der
Wörter _Bogeia_ u. _Dibolde_ (statt zigeun.: _Gogeia_ u. _Bipolte_) s.
d. Näh. im W.-B. unter den deutschen Bedeutungen.]

[Fußnote 94: ([2] auf S. 63.29) Da _Wittich_ die Zigeunerwörter durchweg
in der Form angeführt hat, die sie in dem von ihm gesammelten, durch
_Jühling_ in _Groß'_ Archiv, Bd. 32, S. 219 ff. herausgegebenen
»alphabet. Wörterverzeichnis der Zigeunersprache« (vgl. »Vorbemkg.« S.
2, Anm. 2) zeigen, habe ich die Ergänzungen (s. oben Anm. 93) ebenfalls
_danach_ angeführt.]

[Fußnote 95: ([3] auf S. 63.29) S. das deutsch-jenische W.-B. unter der
deutsch. Bedeutg.]

[Fußnote 96: ([4] auf S. 63.29) S. das W.-B. unter »Eber«.]

[Fußnote 97: ([5] auf S. 63.30) S. das W.-B. unter »anzahlen«.]

[Fußnote 98: ([6] auf S. 63.30) S. unter »Barchent«.]

[Fußnote 99: ([7] auf S. 63.30) S. »Appetit«.]

[Fußnote 100: ([8] auf S. 63.30) S. »anfragen«.]

[Fußnote 101: ([9] auf S. 63.30) S. »Axt«.]

[Fußnote 102: ([10] auf S. 63.30) S. »Abort«.]

[Fußnote 103: ([11] auf S. 63.30) S. »Hahn«.]

[Fußnote 104: ([12] auf S. 63.30) S. »Glied (männliches)«.]

[Fußnote 105: ([13] auf S. 63.30) S. »Kerl«.]

[Fußnote 106: ([14] auf S. 63.30) S. »Dietrich«.]

[Fußnote 107: ([15] auf S. 63.30) S. »Abendessen«.]

[Fußnote 108: ([16] auf S. 63.30) S. »Beinkleid«.]

[Fußnote 109: ([17] auf S. 63.30) S. »Mastpulver«.]

[Fußnote 110: ([18] auf S. 63.30) S. »Bank«.]

[Fußnote 111: ([19] auf S. 63.30) S. »Klinge«.]

[Fußnote 112: ([20] auf S. 63.30) S. »Beischläferin«.]

[Fußnote 113: ([21] auf S. 63.30) S. »Aas«.]

[Fußnote 114: ([22] auf S. 63.30) S. »Erdäpfel«.]

[Fußnote 115: ([23] auf S. 63.30) S. »Abend«.]

[Fußnote 116: ([24] auf S. 63.30) S. »ausstehlen«.]

_Besondere Bemerkungen (Wittichs) zu einzelnen dieser Vokabeln_: In der
Zigeunersprache bedeutet _lolo_ rot, der Rote, im Jenischen wird mit
_Loli_ oder _Lolo_ der Gendarm bezeichnet, wahrscheinlich nach den
früheren roten Aufschlägen der Landjäger. _Gaschele_ = Kinder (d. h.
eigentl. »kleine Leute«) im Jenischen ist abzuleiten vom zigeun.
_Gatsche_, sing. _Gatscho_, der Nichtzigeuner, Mann, Bauer, im
Gegensatze zum zigeun. _Rom_, der Mann überhaupt[117], und _Sinto_, der
Zigeuner. _Tschai_ ist der jenische Ausdruck für jedes Mädchen (einerlei
ob Stadtfräulein, Kellnerin oder Bauernmädchen) sowie auch für die
Geliebte, während damit im Zigeunerischen nur ein Zigeunermädchen
(Tochter) oder eine Zigeunerfrau (Gattin) niemals aber eine
Nichtzigeunerin bezeichnet wird[118].

[Fußnote 117: ([1] auf S. 63.31) Über das fem. _Romane_ s. Näh. im W.-B.
unter »Frau«.]

[Fußnote 118: ([2] auf S. 63.31) An einer anderen Stelle der
»Einleitung« hatte der Verf. auch die heute in der »jenischen Sprache«
veraltete Vokabel _tschi_ = ja (vgl. übereinstimmend u. a. schm. _Dolm.
der Gaunerspr._ 94, _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 256 [_t'schi_] u.
_Pfulld. J.-W.-B._ 349) in Beziehung gesetzt zu dem zigeun. Ausdruck
_tschi_ = nicht(s) (nein) (vgl. _Pott_ I, S. 274, 323; _Liebich_, S.
164, 225 [_tsi_, _tschi_ = nicht, nichts]; _Miklosich_, Beiträge l/II,
S. 26 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 189 [_či_ = nicht(s)]; _Finck_, S.
91 [_tši_ = nicht]), das auch in die _schwäbische Händlersprache_
eingedrungen ist (s. U. [214]: _tschi_ = nein). Danach würde es sich
dann hierbei um einen — bes. merkwürdigen — Fall der sog.
_Enantiosemie_, d. h. der Umkehrung der Bedeutung in das gerade
Gegenteil (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 20, 21, Anm. 14) handeln. Es
dürfte jedoch _richtiger_ sein, mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432
das italienische _si_ (dial. _ši_ [spr. schi]) = »ja« (das auch in
deutsche Mundarten eingedrungen ist [vgl. _Lexer_, Kärnt. W.-B., Leipz.
1867, S. 216: _schi_ = ja]) als die Quelle zu vermuten.]



                   V. Deutsch-jenisches Wörterbuch.


                                  A.

Aas, _mufiger Bossert_ oder _mufiger Mass_, d. h. stinkendes
Fleisch[119]

[Fußnote 119: ([3] auf S. 63.31) a) Über die Analogie in der
Zigeunerspr. (_mulo mass_, eigtl. »totes Fleisch« [s. _Liebich_, S. 147,
171]) vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47. Das Adj. _mufig_ od.
_muffich_ = stinkend gehört zu dem Zeitw. _muffen_ = riechen
(»schmecken«), stinken; vgl. auch die Verbdgn. _dof muffen_ (eigtl. »gut
riechen«) = duften u. _Toberich muffen_ (eigtl. »Tabak riechen«) =
schnupfen (vgl. »Pfeife«). Eine _Zusammensetzg._ mit dem Stamme
(_muff-_) des Zeitworts ist _Muffkenem_ = Wanze (eigtl. »Stinklaus«;
vgl. über Analogie im Zig. »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47 u. Näh. unter
»Wanze« bezw. »Filzlaus«). Als _Subst._ gebraucht ist _Muffen_ = Geruch.
Weitere Ableitungen sind: _Muffer_ (eigtl. »Riecher«) = Nase (vgl. dazu
_Mufferhorboge_, eigtl. »Nasenkuh« = Nashorn [s. d. betr.
Übereinstimmung mit d. Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkg.« S. 18])
und _Mufferei_ = Gestank, Witterung (daher: _begerische Mufferei_ =
Totengeruch; vgl. Näh. unter »absterben«). Ein Zeitw. _vermuf(f)en_
setzt voraus das Partizip _vermuft_, eigtl. = verfault, dann (im
übertragenen Sinne) = arm (ärmlich, armselig), heruntergekommen,
bankerott, auch als Subst. gebraucht für Armut, Bedrängnis, Konkurs. _Zu
vgl. (aus dem bes. verwandten Quellenkreise)_: _Dolm. der Gaunerspr._ 96
(_Muffer_ = Nase); _Schöll_ 271, 272 (_muffen_ = riechen, _Muffer_ =
Nase); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 340, 342, 343 (_muffen_ = riechen,
_Muffer_ = Nase); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_Muffer_ = Nase,
_vermuft_ = bankerott, in _Pfedelb._ [210, 212] auch: _muffen_ = riechen
und _Muffert_ = Mist, in _Lütz._ [215]: _muffen_ = riechen, _vermuffen_
= im Spiel verlieren u. _Muffnagel_ = Zigarre, in _Degg._ [215]:
_Mufferling_ = = Schnupftabak). _Zur Etymologie_ (von dem deutsch.,
mundartl. weit verbreiteten Zeitw. _muffen_ = ȟbel, insbes. nach Moder
oder Fäulnis riechen« bezw. d. Adj. _muffig_ od. _mufficht_) s. _Pott_
II, S. 18 u. A.-L. 576 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 2625 und Sp.
2623 (unter »Muff«, I, Nr. 3), _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1573 ff.
u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1784; vgl. auch _Weigand_, W.-B. II,
Sp. 326.

b) _Bossert_ = Fleisch (auch speziell »Wellfleisch«), Braten, erscheint
sehr beliebt in allerlei _Zusammensetzgn._ (oder _Verbindgn._) und zwar
bes.: [Griechisch: a]) _ans Ende_ gesetzt, so: aa) für die Fleischarten
_nach den verschiedenen Tieren_, wie: _Babingbossert_ = Gänsefleisch
(_gesicherter Strohbutzerbossert_ = Gänsebraten), _Kibe(n)bossert_ =
Hundefleisch, _Stupflengbossert_ = Igelfleisch, _Schmalerbossert_ =
Katzenfleisch, _Horbogebossert_ = Kuh- oder Rindfleisch,
_Hornikelbossert_ = Ochsenfleisch, _Trabertbossert_ = Pferdefleisch,
_Groenikelsbossert_ = Schweinefleisch; ferner bb) für die _Art der
Zubereitung_: _eingespronktes Bossert_ = Pökelfleisch, _Hitzlingbossert_
= Rauchfleisch, _Spronkertbossert_ = Salzfleisch, _Schwäzlingbossert_ =
Schinken, _Schmunkbossert_ = Speck, _Rondlingbossert_ = Wurstfleisch;
cc) für _menschl. Körperteile_: _Näpflingbossert_ = Zahnfleisch; dd)
auch im _übertragenen Sinne_: _Koelebossert_ = »Teufelsbraten«;
[Griechisch: b]) _am Anfang_ der Zusammensetzg. stehend; aa) für
_Gerätschaften_, wie _Bossertschottel_ = Fleischbüchse, _Bossertnolle_ =
Fleischhafen; bb) für gewisse _Speisen_: _Bossertblättling_ = Gulasch
(eigtl. »Fleischsalat«), _Bosserträsling_ = Leberkäse; cc)
_Bossertschei_, d. h. eigtl. »Fleischtag« = Sonntag (s. d. betr. die
Übereinstimmung mit d. Zigeunerischen, vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18).
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkreise_): _Dolm. der Gaunerspr._ 92, 99
(_Boser_ = Fleisch, Speck); _Pfulld. J.-W. B._ 339, 340, 341 (_Bosert_ =
Fleisch, _Schwarzbosert_ = geräuchertes Fleisch, _B. von einem Horboge_
= Kalbfleisch); _Schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 69, 75 (_Bossert_ =
Fleisch, _Schmunkbossert_ = Speck); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Bosset_,
_Bôser_ od. _Bôßert_ = Fleisch; dazu noch in _Pfedelb._ [209, 213] bes.
_Graunikels-, Hobuchen-, Trappertbossert_ = Schweine-, Kuh-,
Pferdefleisch u. _Schmunkbossert_ = Speck sowie in _Lütz._ [213]:
_Flīse-bosert_ = Ente). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _bsr_, jüd.
_bôsôr_ = »Fleisch«) sowie über weitere Belege im Rotw. (seit d. 15.
Jahrh.) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 10 u. Anm. 2; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 154 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1316.

c) _Mass_ (im wesentl. gleichbed. mit _Bossert_ gebraucht) erscheint
nicht ganz so beliebt in _Zusammensetzgn._, doch findet es sich z. B.
(am Ende) in verschiedenen Bezeichnungen von Fleischarten nach Tieren,
wie _Babingmass_ = Gänsefleisch (_gesicherter B._ = Gänsebraten),
_Tschuggel-_, _Stupfleng-_, _Horboge-_, _Trabertmoss_ = Hunde-, Igel-,
Kuh-, Pferdefleisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkreise_); _Dolm.
der Gaunerspr._ 92, 99 (_Mas_ = Fleisch, Speck); _W.-B. des Konst. Hans_
245 (_Mass_); _Pfulld. J.-W.-B._ (nur in gewiss. Zusammensetzgn., z. B.
[343] _Horboge-Maß_ = Ochsenfleisch); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Maß_;
_Maßfetzer_ = Metzger; in _Pfedelb._ [214]: _Mast_ = Wurst). Vgl. auch
_Metzer Jenisch_ 216 (_Mās_ = Fleisch). Zur _Etymologie_: Am
wahrscheinlichsten ist es, daß das Wort ins Rotwelsch und die verw.
Geheimsprachen unmittelbar aus der Zigeunersprache eingedrungen ist
(vgl. »Einleitg.« S. 30), welche _mas_ od. (in Deutschl.) _mass_ (schon
altind. _māsa_) in gleicher Bedeutung kennt (s. die Angaben in
_Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 257 unter »Masengero« und dazu noch _Finck_,
S. 72); doch mag auch das tschechische, ebenfalls gleichbed. _maso_ mit
eingewirkt haben. Über das (auf die gleiche indogerm. Wurzel
zurückgehende) früher gemein-germanische, jetzt im wesentl. veraltete
_Mass_ = »Speise« (»zugemessene, ausgeteilte Kost für die Hausgenossen«,
schon ahd. u. mhd. _maz_ [vgl. _Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 2063],
got. _mats_, angels. _mete_, engl. _meat_) s. Näh. bes. bei _Grimm_, D.
W.-B. VI, Sp. 1721; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1517
(unter »Mass« II, Nr. 1 u. 2).]

abbeißen, _abnäpfen_[120]                                                 [63.33]

abbetteln, _abdalfen_[121], _abderchen_[122]

[Fußnote 120: ([4] auf S. 63.33) Das Zeitw. _näpfen_ bedeutet: beißen,
kauen, nagen (daher _abnäpfen_ auch = abnagen), auch jucken. Weitere
_Zusammensetzgn._ damit sind (außer _abnäpfen_) noch _ausnäpfen_ =
ausbeißen und _wegnäpfen_ = wegnagen, _Ableitungen_ davon: das Adj.
_näpfich_ (_-ig_) = bissig (beißend), krätzig, räudig (vgl. die
_Verbdg._ _näpfiger Schund_ [eigtl. »beißender Dreck«] = Kalk [s. d.
betr. Übereinstmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 17]) u.
das Subst. _Näpfling_ = Zahn, Gebiß (vgl. die Zus. _Ober-_ und
_Vordernäpfling_ = Ober- und Vorderzahn sowie _Näpflingsins_ = Zahnarzt
u. _Näpflingbossert_ = Zahnfleisch). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkreise_): nur _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_näpfen_ = beißen, in
_Pfedelb._ [209] = coire, in _Lütz._ [215]: _Näpfling_ = Zahn). Die
_Etymologie_ bleibt unklar. Auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1941
hat _näpfen_ = beißen nicht bestimmt erklärt. Über die Bedeutg. _coire_
s. ebds. vbd. mit Sp. 1914 unter »naffze(n)« u. »Naffke« (wozu zu vgl.
_Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 233).]

[Fußnote 121: ([5] auf S. 63.33) Das Zeitw. _dalfen_ bedeutet: betteln
(begehren, fordern). Weitere _Zus._ damit: _andalfen_ = anbetteln;
_Ableitungen_ davon: _Dalfer_ = Bettler u. _Dalferei_ = Bettelei. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_talfnen_
= betteln); _Schöll_ 273 (_Talfer_ od. _Talcher_ = Bettler); _Pfulld.
J.-W.-B._ 336, 337, 338, 340 (_dalven_ = abbetteln, _dalfen_ = betteln,
_ausdalfen_ = ausbetteln, _Dalver_ = Armer, _Dalfer_ [Dalcher] =
Bettler, _Talfkunde_ = Handwerksbursche); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
67, 68 (_dalfen_ = betteln, _Kaff abdalfen_ = Dorf abbetteln,
_Dalfianus_ = Bettler); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_dalfen_ = betteln).
Zur _Etymologie_ (wohl vom hebr. _dal_ = »arm«) sowie über sonstige
Belege im Rotw. s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 9 (unter
»Talfkunde«) vbd. mit Bd. 33, S. 241/42, Anm. 1. Nach _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 39 ist der Ursprung des Wortes »unklar«.]

abbiegen, _abschurele_[123]                                               [63.34]

abbinden, _abschurele_

[Fußnote 122: ([6] auf S. 63.34) Das Zeitw. _derchen_ erscheint im wes.
als Synon. zu _dalfen_ (Bedeutg. also bes.: betteln, ferner begehren,
bitten (daher _abderche_ auch = abbitten), [er]flehen, fordern,
verlangen); vgl. dazu die _Verbindg._ _derchter Lehm_ = Bettelbrot
(wörtl. »gebetteltes Brot«). Weitere _Zusammensetzungen_: _anderchen_ =
anbetteln, auch wohl _bederchen_ = bedanken, danken. _Ableitungen_: die
Subst. _Dercher_ = Bettler (fem.: -ere) u. _Dercherei_ = Bettelei (auch
Gesuch) u. das Adj. _dercherich_ = dürftig (ärmlich, bettelhaft),
verarmt, das auch als Subst. gebraucht wird (_Dercherich_ = Mangel,
Not). Beliebt sind allerlei _Zus._ mit _Dercher_, so: _Dercherbich_
(eigtl. = Bettelgeld, dann) = Almosen (s. d. betr. Übereinstimmung mit
d. Zigeun.), _Dercherulma_ = arme Leute (Bettelleute), _Dercherkritzler_
= Bettelbrief, _Dercherfiesel_, _-kaffer_, _-model_, _-moss_ =
Bettelbube, -mann, -mädchen, -frau, _Dercherrande_, _-stenz_ =
Bettelsack, -stab. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 90, 93 (_därgen_ = betteln, _Daerge-stozem_ =
Handwerksbursche); (_Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_türchen_); _Schwäb.
Händlerspr._ 479 (_derchen_, in _Pfedelb._ [213] auch: _Dercherkitt_ =
Bettelhaus). Die _Etymologie_ ist unsicher (vielleicht zu hebr. _dereq_,
jüd. _derech_ = »Straße, Weg«, jedoch ev. mit Einfluß deutscher Wörter);
s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 284/5 u. Anm. 2 u. 3 (unter
»Derfen-Schin«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W. B. II, Sp. 74 u. 159
(unter »därgen« und »derchen«).]

[Fußnote 123: ([7] auf S. 63.34) Das Zeitw. _schurele_ findet sich nur
vereinzelt ohne weiteren Zusatz gebraucht, nämlich für »begatten« oder
»erzeugen« (wozu der Gebrauch des Hauptw. _Schure_ für »männliches
Glied« paßt), dagegen versieht es in _Zusammensetzgn._ die Funktion
einer Art von Aushilfszeitw. (vgl. _Wittichs_ »Einleitung«, S. 24 und
meine »Vorbemerkung«, S. 16, Anm. 40). So bedeutet z. B. _abschurele_
(außer »abbiegen«) noch: abbinden, ablesen, abmähen, abpflücken,
abputzen, abreißen, abschirren, abschneiden, absondern, abwischen und
abziehen; ferner _anschurele_: anbinden, anblasen, anfangen, anhalten,
anschneiden; _aufschurele_: aufbewahren, aufbrechen, aufdecken,
aufheben, aufladen, auflesen, aufmachen, aufsuchen; _ausschurele_:
ausbürsten, ausfragen, ausrechnen; _einschurele_: einblasen, einbrechen,
einfangen, einfüllen, eingeben, einschneiden, einschnüren, einschütten,
einspannen. Zur _Etymologie_: Das Zeitw. ist offenbar eine (aus den
sonstigen Geheimsprachen mir nicht bekannte) Ableitung des Hauptworts
_Schure_, über dessen Gebrauch als Aushilfswort für die verschiedensten
Begriffe, für die es im Jenischen an besonderen Bezeichnungen fehlt,
schon in meiner »Vorbemerkung« (S. 16) und in _Wittichs_ »Einleitung«
(S. 24) kurz die Rede gewesen. Hier folgt nun eine genaue Aufzählung der
einzelnen Fälle. _Schure_ im allgem. = »Ding« (ursprüngl. wohl [wie
_Sore_] = »Ware«, obwohl es im Vokabular unter diesem Worte fehlt) kommt
vor: a) für sich _allein_ (ohne Zusatz), zunächst: [Griechisch: a]) für
mancherlei _Sachen_ (unbelebte Dinge), nämlich: Acker, Angel, Bindfaden,
Brecheisen, Brei, Bremse, Brücke, Buch, Bürste, Decke, Deckel, Deichsel,
Dorn, Dose, Draht, Eimer, Eis, Eisen, Faden, Fahne, Falle, Gitarre,
Gürtel, Puppe (Docke); vgl. das Dimin. _Schurele_ = Brett; ferner bes.
noch [Griechisch: b]) für gewisse _Pflanzen_ (Gemüse usw.), so: Binsen,
Blume, Bohne, Gurke; [Griechisch: g]) für den _abstrakten Begriff_
»Eid«; [Griechisch: d]) für _menschl. Körperteile_: Achsel, männliches
Glied; [Griechisch: e]) für _Tiere_: Affe, Bock, Bremse (? [s. d.]),
Dohle; vgl. das Dimin. _Schurele_ = Eidechse; b) in _Zusammensetzungen_:
[Griechisch: a]) für _Sachen_ (im w. S.): _Sauftschure_ = Bettuch
(»Bett[über]züge«), _Feberschure_ = Bleistift, _Lehmschure_ =
Brotschrank, _Rutscherschure_ = Bürsten, Kehrbesen, _Schmunk-Schure_ =
Butterfaß (Schmalzfaß), _Scheischure_ = Docht, _Bich-_, _Kies-_ oder
_Lobeschure_ = Geldkasse oder -kästen, _Begerschure_ = Gottesacker
(Kirchhof), Grab, Gruft, _Straubertsschure_ = Haarnadel, -öl oder Kamm,
_Dokschure_ = Hacke, _Niklengschure_ = Harfe, Harmonika, _Nikelschure_ =
Klarinette (_Nikleschure_ = Leierkasten), _Stöberschure_ = Obst,
_Toberichschure_ = (Tabaks-)Pfeife, Zigarre, _Streiflingschure_ =
Strumpfband; [Griechisch: b]) für einen mehr _abstrakt._ Begriff, näml.
_Randeschure_ = Bauchgrimmen (Bauchweh); vgl. auch die Verbindung
_grandiche Schure_ = Reichtum, Überfluß, Vermögen (vgl. auch
»vermögend«); [Griechisch: g]) für ein _Tier_: _Jahre-_ oder
_Kracherschure_= Hirsch; [Griechisch: d]) für _Personen_ (Berufe):
_Schoffeleischure_ = Gerichtsvollzieher (Spr.), _Groenikelschure_ = Sau-
(Schweine-)Hirt, _Jerusalemsfreundschure_ = Schafhirt, Schäfer. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Schwäb. Händlerspr._ 480, 481
(_Schure_ = Ding, Gegenstand, nur in _Wolfach_ [484] auch = Mund, in
_Lütz._ [215] = Ware). Die gaunersprachl. Quellen, bes. der _älteren_
Zeit, haben dafür meist die Form _Sore_ (s. darüber Näh. unter
»Brücke«). Über sonstige Formen sowie über die _Etymologie_ des Wortes
(vom hebr. _sĕchôr_ = »Handelsverkehr«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
Bd. 38, S. 241 u. Anm. 1 u. S. 242 (unter »Sorar«).]

abbitten, _abderche_[124]                                                 [63.35]

abbrennen, _abfunken_[125]

[Fußnote 124: ([8] auf S. 63.35) S. abbetteln.]

[Fußnote 125: ([9] auf S. 63.35) Das Zeitw. _funken_ bedeutet brennen
(vgl. _funkt_ = brennend, d. h. eigtl. »[es] brennt«), heizen, zünden;
vgl. die _Verbindg._ _g'funktes Gib_ = Malz (eigtl. »gebranntes
Getreide«, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. schon
»Vorbemerkung«, S. 17 sowie unter »Malz«]). Weitere _Zus._ sind:
_anfunken_ = anzünden (vgl. dazu _a'gefunkter Spraus_ = Kohle),
_ausfunken_ = ausbrennen, verlöschen, _einfunken_ = einbrennen,
einheizen, _niederfunken_ = niederbrennen, _verfunken_ = verbrennen,
versengen. Das Verbum gehört zu dem Stamme _Funk_ = Feuer (Brand,
Flamme, Glut); vgl. die _Verbindgn._ und _Zusammensetzgn._: _Funk
anpflanzen_ und _auspflanzen_ = anbrennen und (aus)löschen, _grandicher
Funk_ = Feuersbrunst (s. d. betr. d. Übereinstimmung mit der
Zigeunerspr.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17); _Funkkies_ =
Feuerstein, _Funkspreisle_ = Zündhölzer. _Ableitungen_: das Subst.
_Funker_ = Köhler, Kohlenbrenner (aber das Dimin. _Funkerle_ =
Zündhölzer) und das Adj. _funkich_ = feurig. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90, 100 (_funken_ = brandmarken,
_gefunkt werden_ = gebrandmarkt werden, _verfunkt werden_ = verbrannt
werden); _Schöll_ 274 (_Funkbruder_ = Brandbettler); _Pfulld. J.-W.-B._
336, 337, 339, 345 (_Funk_ = Feuer, _funken_ = brennen, feuern, _ab-_,
_verfunken_ = ab-, verbrennen); _Schwäb. Gauner- und Kundenspr._ 68
(_funken_ = brennen; _Funkerer_ = Brandstifter); _Schwäb. Händlerspr._
480, 483, 488 (_Funk_ [in _Pfedelb._ (209, 211): [_Funkert_] = Feuer,
Licht, _Funker_ [in _Pfedelb._ (214): _Funkert_] oder _Funkerle_ =
Zündholz; in _Degg._ [215]: _Funkspraus_ = Zigarre; in _Pfedelb._ 208,
213]: _funken_ = brennen, _abfunken_ = abbrennen, _anfunke[l]n_ =
anbrennen [dieses auch in _Lütz._ (214)], _verfunken_ = verbrennen).
Vgl. noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Funkert_ = Feuerzeug); _Metzer
Jenisch_ 216, 217 (_Funkert_ = Feuer, _funke_ = kochen, sieden). Zur
_Etymologie_ der Vokabeln (die sämtl. _deutsch._ Ursprungs sind) s. das
Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 48 unter »Funker«; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 187 (unter »Funkert«), sowie _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 1832 (unter »Funk« Nr. 3) und Sp. 1833 (unter »Funker«).]

abbrühen (»abschäumen«), _abflu(h)ten_[126]                               [63.36]

Abend, _Leile_[127], _Ratte_[128]

[Fußnote 126: ([10] auf S. 63.36) Diese Bezeichnung setzt ein Zeitw.
_flu(h)ten_ voraus, das aber (für sich _allein_) in _Wittichs_ Vokabular
nicht vorkommt. Das Stammwort ist das Subst. _Flu(h)te_ (masc. gen.),
hier im Sinne von »Brühe« (s. d.), sonst bes. = Wasser (Bach, Bad, Fluß,
Flut, Gewässer, Quelle, See, Strom, Teich), das auch als Adj. (= naß)
gebraucht wird. Es erscheint beliebt in Verbindungen, wie _biberischer
Flu(h)te_ (_Biberischerflute_) = Eiswasser (eigtl. »eisiges Wasser«),
_bostender Flu(h)te_ = laufendes Wasser (und dazu die Redensart:
_Flu[h]te bostet mer herab_ = ich schwitze (eigtl. »das Wasser läuft mir
herab«, in Übereinstimmung mit der Zigeunerspr. [vgl. das Näh. unter
»schwitzen«]) und _grandich Flu(h)te_ (eigtl. »großes [oder größtes]
Wasser«) = Meer (vgl. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49), namentlich aber
in _Zusammensetzgn._, wie a) _am Anfang_ stehend: _Flu(h)tesore_ =
Brücke (s. d.), aber auch Wasserfaß, _Flu(h)tekies_ (eigentl.
»Wasserstein«) = Insel (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen),
_Flu(h)tefläderling_ (eigtl. »Wasservogel«) = Bachstelze,
_Flu(h)tekupfer_ = Meergras oder Schilf, _Flu(h)tegroenikel_ =
Meerschweinchen, _Flu(h)tefu(h)l_ oder _-schund_ = Schlamm,
_Flu(h)tekib_ = Seehund, _Flu(h)tegachne_ oder _-stierer_ = Wasserhuhn,
_Flu(h)tenolle_ = Wasserkrug, _Flu(h)terolle_ = Wassermühle; b) _ans
Ende_ gesetzt: _Scheinlingflu(h)te_ = Augenwasser, _Flösselflu(h)te_ =
Harn (Urin), aber auch Regenwasser, _Pfladerflu(h)te_ = Waschwasser,
_Süßlingflu(h)te_ = Zuckerwasser; über _Biberischerflu(h)te_ (in einem
Wort geschr.) s. schon oben unter a. Eine weitere _Ableitung_ von
_Flu(h)te_ (außer _abflu[h]ten_) ist das Adj. _flu(h)tich_ = feucht,
wässerig, auch als Subst. (_Flu(h)tich_ gebr. = Nässe. — _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Flude_ = Wasser);
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342, 346 (ebenso, Bedeutg. auch: Bach; _grandig
Flotte_ = Meer); _Schwäb. Händlerspr._ 482, 488 (_Flude_ oder _Flute_,
auch _Flôte_ = Wasser, _Fludi_ = Kaffee [in _Pfedelb._ (210) dafür
_Schwarzflude_ od. _-floße_]; in _Lütz._ [215]: _flude[n]_ = regnen).
Der _Etymologie_ nach gehört das (auch sonst im Rotwelsch bekannte) Wort
(vgl. z. B. schon _Basl. Gloss._ 1733 [202: _Flodi_]) wohl zweifelsohne
zu unserem deutschen »Flut«. Vgl. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1597
vb. mit _Weigand_, W-B. I, Sp. 564/65.]

Abendbrot (Abendtisch) s. Abendessen                                      [63.37]

Abendessen, _Leilebiken_[129], _z'Leilebutten_[130], _Rattekahla_[131]

[Fußnote 127: ([11] auf S. 63.37) _Leile_ hat die Grundbedeutg. »Nacht«,
kommt aber auch spezieller für Mitternacht, sowie ferner (außer für
Abend) noch für Dämmerung oder Finsternis vor, sodann als Adj. gebraucht
für dunkel oder finster. Auch sind damit ziemlich viele
_Zusammensetzgn._ gebildet (und zwar sämtl. so, daß das Wort am
_Anfange_ steht), nämlich: _Leilebiken_ = Abendessen (während Nachtessen
durch _Leilebikus_ u. _-achilerei_ wiedergegeben), _Leileschenagel_ =
Nachtarbeit, _Leileschei(n)_ = Nachtlicht, _Leilesitzling_ = Nachtstuhl,
_Leilekaffer_ = Nachtwächter, _Leilekitt_ = Wachthaus, _Leileschrende_ =
Wachtstube; bes. interessant sind noch die Umschreibungen
_Leilefläderling_ = (eigtl. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemrkg.«, S. 18),
_Leileschei(n)_ (eigtl. »Nachtlicht« [s. oben]) = Mond (s. d. betr.
Analogie im Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47) oder auch
Stern (daher _Leilescheischund_ [eigtl. »Nachtlichtschmutz«] =
Sternschnuppe). Zu _vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 96 (_Leile_ = Nacht); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_z' leili
schefte_ = »logieren«, _heute leile_ = heut' Nacht); _Schöll_ 271
(_Leile_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Beily_ [vedr. für _Leily_]);
_Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Laile_ od. [in _Pfedelb._ (211) _Leile_).
Vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Laile_). Zur _Etymologie_ (vom
hebr. _lail[h]_ = »Nacht«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 229
(unter »Leilest«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
1148/49.]

[Fußnote 128: ([12] auf S. 63.37) _Ratte_, für dieselben Bedeutungen wie
_Leile_ (also z. B. auch als Adj. für »dunkel«) gebraucht, kommt in
_Zusammensetzgn._ seltener vor, doch findet sich _Rattekahla_ =
Abendessen, _Rattebutterei_ = Nachtessen u. die Umschreibg.
_Rattefläderling_ = Eule (s. Anm. 127). _Zu vergl._ (aus d. _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Ratte_ = Nacht); _W.-B. des
Konst. Hans_ 255, 256, 257, 258 (_Ratiginger_ = Nachtdiebe, _Ratte_ =
Nacht, _zwei Rattene_ = zwei Nächte); _Schöll_ 272 (_Ratte_); _Pfulld.
J.-W.-B._ 342 (ebenso); _Schwäb. Gaun.-u. Kundenspr._ 73 (desgl.);
_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_ratt[e]_ = dunkel, in _Pfedelb._ [214] auch
_Ratte_ = Nacht. in U. [214]: _Rattebutte[n]_ = Nachtessen). Zur
_Etymologie_ (vom gleichbed. zigeun. _rat_ oder [in Deutschl.] _ratt_,
schon altind. _ratri_) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 212,
Anm. 1, u. dazu noch _Finck_, S. 82.]

[Fußnote 129: ([13] auf S. 63.37) Das (hier substantivisch gebrauchte)
Zeitw. _biken_ bedeutet: essen (kauen, schmausen, verzehren); vgl. dazu:
_grandich bikt_ = satt (eigtl. »viel gegessen«). Weitere
_Zusammensetzgn._: _ab-_, _auf-_, _ausbiken_ = ab-, auf-, ausessen.
_Ableitungen_: die Substantive _Bikerei_ = Essen (Frühstück, Gastmahl,
Gericht, Mahlzeit, [das] Speisen) oder (in latinis. Form) _Bikus_ =
Essen (Gastmahl, Gericht, Kost, Mahlzeit, Schmaus, Speise), beide
(namentl. aber das letztere) auch in _Zus._ beliebt; vgl.
_Schimmerlingsbikerei_ od. _Flößlingbikus_ = Fischessen,
_Strohbuzerbikus_ = Gansessen, _Langohrbikus_ = Hasenessen,
_Stupfelbikus_ = Igelessen, _Rondlingbikus_ = Wurstessen; ferner:
_Groenereibikus_ = Hochzeitsschmaus, _Begerbikerei_ od. _-bikus_ =
Leichenschmaus, _Leilebikus_ = Nachtessen (vgl. oben Anmerkung 127].
Vermutlich dürfen zu _biken_ aber auch noch in Beziehung gesetzt werden
das Zeitw. _bikern_ = hungern (_mich bikert['s]_ = mich hungert [wofür
_früher_ _mich kohlert_ gebräuchlich gewesen; s. _Wittichs_ »Einltg.«,
S. 21]) sowie das Adj. _bikerich_ = gierig, hungrig, dann auch =
habgierig, geizig. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 92 u. 94 (_bicken_ = essen u. _Bicker_ = Hunger); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 74 (_bicken_ = essen, _Bikus_ = Kost,
_Bickerle_ = Sparsamer [der nichts gibt]); _Schwäb. Händlerspr._ 480,
482 (_bicken_ = essen, _Bickerei_ od. _Bickus_ = Essen [in _Pfedelb._
(211): _Pickus_ = Kost]; _bikerisch_ = hungrig [in _Pfedelb._ (210)]:
_bikerischer Klob_ = Geizhals). Zur _Etymologie_ des (auch sonst im
Rotwelsch sowie in den verw. Geheimspr. [z. B. bei den _Pfälz. Händlern_
(437)] verbreiteten) Wortes (wohl jedenfalls vom deutsch. Zeitw.
_picken_, älter _bicken_ [so schon mhd. neben _becken_], d. h. eigtl.
[zunächst von Tieren gebr.] »mit der Schnabelspitze zufahrend stoßen
oder aufnehmen« [_Weigand_, W.-B. II, Sp. 425]) s. Näh. bei
_Weber-Günther_, S. 184 (unter »picken«); vgl. auch A.-L. IV, 69 u.
524/25 vbd. m. _Wagner_ bei _Herrig_, S. 227 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
I, Sp. 1096 (unter »picken«). Die Latinisierung _Pickus_ hat m. Wiss.
zuerst _Zimmermann_ 1847 (373, 383) verzeichnet.]

[Fußnote 130: ([14] auf S. 63.38) Das Zeitw. _butten_ wird in
_denselben_ Bedeutungen gebraucht wie _biken_ (daher z. B. auch
_grandich buttet_ = satt sowie die _Zus._ _ab-_, _auf-_, _ausbutten_).
Desgl. entspricht die _Ableitg._ _Butterei_ im wes. den
Substantivierungen _Bikerei_ u. _Bikus_, während es in _Zusammensetzgn._
seltener vorkommt (vgl. aber _Matschebutterei_ = Fischessen u.
_Rattebutterei_ = Nachtessen (s. oben S. 37, Anm. 128). Über das
stammverwandte _Pu(t)lak_ = Hunger s. das Nähere unter »Appetit«. _Zu
vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92
(_butten_ = essen); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (ebenso; vgl. [255]
_Buttschnurr_ = »Steigbettler«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337 (_butten_ =
essen, schlucken, _abbutten_ = abfressen); _Schwäb. Händlerspr._ 480
(_butten_ = essen, _Butterei_ = [das] Essen, in U. [214]:
_Rattebutte[n]_ = Nachtessen); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ (nach
_Kapff_ [212]: _butten_ = essen) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_butte_). Zur
_Etymologie_: Nach A.-L. 528 vbd. m. _Wagner_ bei _Herrig_ 226 ist
_butten_ wohl eine Nebenform zu ndd. _biten_ = »beißen« (vgl. schon
_Ndd. Lib. Vagat_ [75]: _botten_, wie noch jetzt im _Hennese Flick_ von
_Breyell_ [457]). Vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 52 sowie (über die
Verbreitg. des Ausdr. in den südd. Mundarten) _Fischer_, Schwäb. W.-B.
I, Sp. 1564, Nr. 2, der indessen über die Etymologie schweigt.]

[Fußnote 131: ([15] auf S. 63.38) Auch das (hierin substantivierte)
Zeitw. _kahla_ (seltener -le) bedeutet »essen, verzehren«; dazu die
_Zus._ _ab-_, _auf-_, _auskahla_. — Mit der _Ableitg._ _Kahlerei_ (im
wes. gleichbed. mit _Bikerei_ u. _Butterei_) sind gebildet worden die
_Zus._ _Flotschekahlerei_ = Fischessen u. _Groenereikahlerei_ =
Hochzeitsschmaus. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 92 (_kahlen_ = essen); _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_z'
kahlet_ = zu essen); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 340 (_kahlen_ =
abessen, abfressen, _kohlen_ = essen, _z' viel kahlen_ = überfressen);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_kahlen_); _Schwäb. Händlerspr._ (U.
[214] u. _Lütz_ [214]: _khäle[n]_). Zur _Etymologie_ (aus der
_Zigeunerspr._ [vgl. oben »Einleitg.«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 576 (unter »k¶o¶le[n]«) u. Sp. 165 (unter »k¶a¶le[n]«)
(der übrigens auch »eine Mischung« mit dem gleichbed., aus d. _Hebr._
stammenden _achlen_ für möglich hält) vbd. mit _Liebich_, S. 130, 195 u.
241 (_chāwa_ = ich esse, speise), _Miklosich_, Beiträge I/II, S. 22
(unter »khād«) u. Denkschriften, Bd. 26, S. 217/18 (unter »cha«: bei
d. _deutsch._ Zig. _chāva_ altind. _khād_), _Jühling_ 220 (_Chalo_
= Fresser, _Chaben_ = Essen, aber _chala_ = es beißt [anders oben
»Einltg.«, S. 30), _Finck_, S. 67 (Wurzel: _xā-_).]

aberwitzig, _nillich_, auch _ni(e)sich_, _nu(a)schich_[132]               [63.38]

abessen, _abbiken_, _abbutten_, _abkahla_[133]

[Fußnote 132: ([16] auf S. 63.39) Diese Ausdrücke werden wohl alle drei
(am häufigsten aber die beiden ersten) als miteinander _gleich_bedeutend
gebraucht, und zwar (außer in der obigen. Bedtg. noch) für: albern,
blöde (= blödsinnig), dämlich, dumm, geisteskrank, irrsinnig, läppisch,
närrisch, schwachsinnig, töricht, unklug, unsinnig, unvernünftig,
unverständig, wahnsinnig. _Zusammensetzungen_ damit sind:
_Nillicheschei_ od. _Ni(e)sicheschei_ (d. h. eigtl. »närrischer [oder
Narren-] Tag«) = Fastnacht (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
Zigeunerspr.) und _Nillichegiel_, _Ni(e)siche-_ und _Nuschichegiel_ (d.
h. eigtl. »närrisches Maul, Gesicht«) = Fastnachtsmaske, dann einerseits
noch spezieller = »Affengesicht« (s. d.) als Bezeichnung einer
besonderen Art von Fastnachtsmasken, andererseits allgemeiner = Larve
oder Maske überhaupt. Die genannten Adjektive sind _Ableitgn._ von den
Hauptw. _Nille_, _Ni(e)se_, _Nusche_ = Dummkopf (dummer Mensch), Geck,
Narr, Tor, Tropf (dazu die _Zus._: _Nille-_ od. _Ni[e]sekitt_ =
Irrenhaus [Narren-, Tollhaus] u. _Nille-_ od. _Ni[e]seki[e]bes_ =
Tollkopf). Eine weitere (substant.) _Ableitg._ von _Nille_, _Ni(e)se_,
_Nusche_ ist endlich _Nillerei_, _Ni(e)serei_ od. (seltener) _Nuscherei_
= Blödigkeit (d. h. Blödsinn), Dummheit, Kinderei, Irrsinn, Wahnsinn.
_Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96
(_Nille_ = Narr); _ebenso_: _Schöll_ 271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (hier
[339] ferner das Adj. _nilli_ = einfältig). Zur _Etymologie_: Nach
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2082 (unter »Nülle« I) ist _Nülle_ (od.
_Nille_) = Narr, Dummkopf usw. identisch mit _Nolle_ = dicker Mensch,
Einfältiger, das wohl zu _Knoll(en)_, schwäb. auch _G'noll_, _Noll_ =
»rundlicher harter Körper«, »zusammenhängende runde Masse« (schon mhd.
_knolle_ = »Erdscholle, Klumpen« _und_ »grober, plumper Mensch«; vgl.
ahd. _hnol_ = »Erhöhung«, angels. _cnoll_ = »Bergspitze«, engl. _knoll_
= »Hügel«) gehört; s. _Fischer_, a. a. O., Sp. 2055 (unter »Nolle«, Nr.
3) vbd. mit Sp. 541 (unter »Knoll[e(n)]«, bes. Nr. 3c) u. _Weigand_,
W.-B. II, Sp. 1080 (unter »Knollen«). Schon A.-L. 578 hat _Nille_ =
»Narr, Geck, Spaßmacher« und »penis« gleichfalls auf »Knolle«
zurückgeführt. Auch bei der letzteren Bedeutung, die (neben der
selteneren von »vulva«) auch sonst volkstümlich ist (s. _Müller_ in d.
»Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 4 u. 10, u. _Günther_, ebds. Bd. IX, S.
31, Anm. 2 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 980), handelt es sich
wohl um dasselbe Wort, denn _Grimm,_ a. a. O. leitet es zwar zunächst
von dem Zeitw. _nollen_ (od. _nullen_) = »futuere« her, stellt dieses
aber zum mhd. _nol_ = »mons Veneris« (s. Näh. a. a. O., Sp. 879 unter
»nollen«). Überhaupt werden die Begriffe »Dummkopf« u. »penis« öfter ja
durch denselben Ausdruck wiedergegeben (vgl. z. B. _Schmeller_, Bayer.
W.-B. II, Sp. 642 betr. d. Wort »Schwanz«). — Die Bezeichnung _Niese_ =
Dummkopf hat _Fischer_, a. a. O., IV, Sp. 2044 vbd. mit Sp. 2050 zu
_Nise_ als Kurzform des Eigennamens _Dionysius_ — freilich nur mit
einem Fragezeichen — in Verbindung gebracht. Über _Nusche_ wage ich
keine Vermutung aufzustellen.]

[Fußnote 133: ([17] auf S. 63.39) S. Abendessen.]

[Fußnote 134: ([18] auf S. 63.39) Das Zeitw. _ruadle(n)_ (-la, ruedle) =
fahren ist auch noch enthalten in den _Zus._ _aus-_, _darüber-_, _ein-_,
_heraus-_, _nach-_, _um-_ u. _wegruadle(n)_. Es gehört zu dem Subst.
_Ruadel_ (od. _Ruedel_) = Wagen, bes. Fahrzeug auf dem Lande, Karren.
_Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 488
(_Rudel_ = Wagen). Das in älteren rotw. Quellen vorkommende Zeitw.
_rodeln_ (s. z. B. auch _W.-B. des Konst. Hans_ 259 u. _Schöll_ 272)
dürfte wegen seiner Bedeutung (»führen, mit sich führen«) nicht ohne
weiteres zum Vergleiche herangezogen werden, jedenfalls dagegen aber
_gradeln_ od. _radeln_ = fahren, das z. B. _Schintermicherl_ 1807 (288)
u. _Karmayer_ 63 u. 129 haben. Denn seiner _Etymologie_ nach ist das
Zeitw. _ruadle(n)_ wohl nur aufzufassen als eine dialektische Färbung
von »radeln« (s. dazu _Günther_, Rotw., S. 98, 99, Anm. 118), ebenso wie
_Ruadel_ (_Ruedel_) eine solche von »Radel«, Dim. von »Rad«,
sein dürfte. Über das Symn. _Rädling_ (-leng) s. Näh. unter
»Eisenbahnwagen«.]

abfahren, _abruadlen_[134]                                                [63.40]

abfallen (abwerfen), _abbohlen_[135]

abgeben, _abdogen_ (gib's ab = _dog's ab_)[136]

abgehen (abspringen), _abbosten_[137], _abpfichen_[138]

[Fußnote 135: ([19] auf S. 63.40) Das Zeitw. _bohle(n)_ (-la) = fallen,
werfen (Spr.) kommt noch vor in den _Zus._ _ab-_, _auf-_, _einbohlen_ (=
einstürzen), _hin-_, _nach-_, _nieder-_, _umbohlen_. _Zu vergl._ (aus d.
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209, 210]:
_bohlen_ = fallen, _nausbolen_ = hinauswerfen). Für »werfen« ist
_bohlen_ auch in rotw. Quellen des 19. Jahrh. bekannt (s. z. B.
_Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [317]; _v. Grolman_ 10 u. T.-G. 133;
_Karmayer_ G.-D. 192). _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I,
Sp. 1271 handelt es sich um ein schwäbisches Wort mit der Grundbedeutung
»rollen, im Bogen werfen«, ahd. _bolôn_, mhd. _boln_ = »rollen, werfen,
schleudern« (_Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 324), das _transit._ u.
_intransit._ gebraucht wird, so daß daraus auch die Bedeutg. »fallen«
entstehen konnte. Über das stammverwandte _Bolle_ = Kartoffeln s. unter
»Bratkartoffeln«.]

[Fußnote 136: ([20] auf S. 63.40) Das einfache _dogen_ (-ga), auch
_doken_, kommt vor in dem Sinne von: a) geben (hergeben); b) beschenken;
c) schlagen (hauen, fechten). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer
_abdogen_ [s. auch unter »abliefern«]) die _Zus._ _aus-_, _heraus-_ u.
_vordogen_ = aus-, herausgeben und vorschießen (leihen), zu der unter
c): _zudogen_ = zuschlagen sowie das Subst. _Dokschure_ (eigtl.
»Hauding«) = Hacke (s. d. betr. die Übereinstimmung mit der
Zigeunerspr.). Als _Ableitg._ ist wohl anzusehen _Doge_ = Schläge (falls
nicht etwa = _Doge[n]_ als subst. Zeitwort). In dem bes. _verw.
Quellenkreise_ ist das Wort m. Wiss. unbekannt, dagegen kommt es sonst
vereinzelt vor im Rotw. des 19. Jahrh. (s. z. B. _v. Grolman_, _Akt.
Gesch._ 1813 [312: _Koberment gedockt_ = Schläge gegeben] u. W.-B. 16 u.
T.-G. 95 u. 118 [_docken_ = geben, schenken]; _Christensen_ 1814 [320,
331: _tocken_ = geben, _die Vehm tocken_ = die Hand geben]; _Karmayer_
30 [_docken_ = reichen, geben) sowie in d. _Krämerspr._ (s. _Eifl.
Hausierspr._ (491: _geduckt_ = gegeben). Die _Etymologie_ bleibt unklar.
Auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 241 (unter »docke[n]«) gibt keine
Erklärung.]

[Fußnote 137: ([21] auf S. 63.40) Das Zeitw. _bosten_ (wofür früher
_holchen_ gebräuchl. [s. oben »Einltg.«, S. 26]) = gehen, fliehen,
folgen, kommen, laufen, spazieren (gehen) kommt noch vor in den _Zus._:
_aufbosten_ = auflaufen, _ausbosten_ = ausgehen, auslaufen,
_darüberbosten_ = darübergehen, _ei'bosten_ = einlaufen, _herabbosten_ =
herabgehen, -laufen, _hinausbosten_ = hinausgehen, _nachbosten_ =
nachfolgen, _umher-_, _unterbosten_ = umher-, untergehen, _verbosten_ =
verlaufen, _wegbosten_ = weglaufen, _zurückbosten_ = zurücklaufen;
ferner in den _Verbindungen_: _schiebes bosten_ = davongehen, sich
entfernen, entspringen, entweichen, fliehen, fortgehen (früher dafür
_malochen_ [s. »Einltg.«, S. 27]), _schenzieren bosten_ = hausieren
gehen, _Jahre bosten_ = jagen (eigtl. [in den] Wald gehen [um zu
jagen]), _begerisch bosten_ = lahm gehen, _ins Sauft bosten_ (eigtl.
»ins Bett gehen«) = niederkommen, _grandiche Rande bosten_ (eigt. »[mit
einem] dicken Bauch gehen«) = schwanger gehen, endl. noch in der längern
Umschreibung _Flu(h)te bostet mer herab_ = ich schwitze (s. darüber
schon oben S. 36, Anm. 126 vbd. m. S. 17, Anm. 44). Eine _Ableitg._ ist
das Subst. _Boster_ = Läufer. _Zu vergl._ (aus d. _verw. Quellenkr._):
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 340, 342 (_posten_ = gehen, _boschen_ =
laufen, _auspostet_ = ausgelaufen, _durchbosten_ = durchlaufen,
_verposten_ = entfliehen); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_pō̆schten_
[in _Pfedelb._ (210): _boschten_] = gehen, _pl[^æ]te poschten_ [in
_Pfedelb._ (209): _boschten_] = fortgehen, durchgehen, in _Pfedelb._
[208/9]: _naus-_ u. _abboschten_ = auslaufen u. durch- od. fortgehen).
— Die Form _boschen_ (bôschen) = gehen hat auch schon _v. Grolman_,
_Akt. Gesch._ 1813 (312) u. W.-B. 11 u. T.-G. 96, das Subst. _Boster_
findet sich in der Zus. _Leili-Boster_ = Nachtdieb bei _Pfister_ bei
_Christensen_ 1814 (325). _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I,
Sp. 1318 bedeutet _poste(n)_ (bošte) im Schwäb. »herumlaufen, kleine
Aufträge besorgen« u. ä., eigentl. soviel wie »Postgänge machen«, so daß
es also zu unserem Lehnwort _Post_ (aus dem ital. _posta_, mlat. _posta_
= »[Post-] Standort«, aus _posita_, zu lat. _ponere_ [s. _Weigand_,
W.-B. II, Sp. 456, vbd. m. _Seiler_, Lehnwort III, S. 186) gehört.
Näheres (auch über andere südd. Mundarten) s. ebds. vbd. mit _Grimm_, D.
W.-B. II, Sp. 267 (unter »besten«) u. VII, Sp. 2025 (unter »posten«, Nr.
1)]

abgerahmte Milch, _abgeschunde Gleis_[139]                                [63.41]

abgeschlossen s. abschließen

[Fußnote 138: ([22] auf S. 63.41) Das Zeitw. _pfiche(n)_ = gehen, folgen
findet sich noch in den _Zus._ _auspfichen_ = ausbrechen, _herabpfichen_
= herabgehen, _hinauspfichen_ = hinausgehen sowie in den _Verbindgn._
_schiebes pfichen_ = davongehen, fortgehen (entrinnen) und _schenzieren
pfichen_ = hausieren gehen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 340 (_pfichen_ = gehen [ausgehen,
entfliehen, herumziehen]); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (u. _Lütz._ [214]
_pfiche[n]_ = gehen, _pficht_ = er ist fort). Die _Etymologie_ des
Wortes (das bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. nicht angeführt ist) bleibt
zweifelhaft. Nur unsichere Hypothesen bei A.-L. IV, 245/46.]

[Fußnote 139: ([23] auf S. 63.41) a) Das in dieser Verbindung enthaltene
Wort _Gleis_ = Milch kommt auch noch in folgenden Zus. vor: [Griechisch:
a]) am _Anfang_ stehend: in _Gleisnolle_ = Melkfaß (oder Milchtopf,
-napf), _Gleisschottel_ = Melkgefäß (eigtl. Milchschüssel),
_Gleiskechelte_ = Milchbrötchen (Spr.), _Gleisglansert_ = Milchglas,
_Gleisschnall_ = Milchsuppe und _Gleisschund_ (eigtl. »Milchdreck«) =
Rahm oder Sahne (dem das obige _abgeschunde Gleis_ entspricht!;
[Griechisch: b]) _am Ende_ stehend: _Schmunkgleis_ = Buttermilch. _Zu
vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._) _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Glais_);
_Pfullend. J.-W.-B._ (_Gleis_; _Gleiskittle_ = Milchhaus,
_Gleispolifska_ oder _-schnalla_ = Milchsuppe); _Schwäb. Händlerspr._
484 (_Gleiß_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Gleiss_). Zur _Etymologie_
des Wortes (höchstwahrscheinlich von unserem deutsch, _gleißen_, d. h.
glänzen) sowie über weitere Belege im Rotw. usw. s. Näh. _Groß'_ Archiv,
Bd. 33, S. 256, Anm. 2 verbd. mit Bd. 42, S. 49 (unter »Gleißer«); vgl.
auch _Weber-Günther_, S. 177/78 (unter »Klais«) und _Fischer_, Schwäb.
W.-B. III, Sp. 689. — b) Zu _abgeschunde_, das ein Zeitw. _abschunden_
voraussetzt, vgl. das ähnliche _einschunden_ = einsalben, einschmieren,
während das einfache _schunden_ im W.-B. durch »austreten (schwer«), d.
h. cacare, wiedergegeben ist. Es ist (gleich dem Adj. _schundich_
[schondich (Spr.)] = beschmutzt, dreckig, kotig, schmierig, schmutzig,
trübe, unflätig, unreinlich, unsauber) _abgeleitet_ von dem Hauptw.
_Schund_ od. _Schond_ = Dreck, Kot, Schmutz, Unflat, Unrat, auch
spezieller noch Asche, Dünger (Mist), Exkremente, Lehm. Dazu die
_Verbindg._ _näpfiger Schund_ = Kalk (worüber das Näh. schon oben S. 17)
sowie mannigfache _Zusammensetzgn._, so: a) mit Sch. _am Anfang_:
_Schundkitt_ = Abort, _Schundschottel_ = Aschenbecher, _Schundbolle_ =
Kartoffeln (eigtl. etwa »Dreckknollen«), _Schundfurschet_ = Mistgabel,
_Schundfläderling_ = Mistkäfer (eigtl. »Mistvogel«), _Schundsitzling_ =
Nachtstuhl; b) mit Sch. _am Ende_: _Gleisschund_ = Rahm, Sahne (s. oben
lit. a), _Flu(h)teschund_ (eigtl. »Wasserdreck«) = Schlamm,
_Leilescheischund_ = Sternschnuppe (worüber Näh. schon oben S. 37, Anm.
127). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89,
92, 93, 97 (_Schund_ = Exkremente, _Schund-Kitte_ = Abtritt,
_Schompolle_ [dial. statt: Schundbolle] = »Grundbirnen«, d. h.
Kartoffeln; _schunden_ = Notdurft verrichten; vgl. [90]: _beschunden_ =
betrügen [also ähnl. wie unser »bescheißen« gebr.; vgl. _Weigand_, W.-B.
I, Sp. 213]); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 341, 344 (_Schund_ = Dreck, Kot,
Schutt; vgl. auch [342] _Schunplotzer_ = Maurer); _Schwäb. Händlerspr._
479, 480, 482, 484, 486 (_Schund_ = Dreck, Schmutz, aber auch = Acker,
Feld; _schundig_ = dreckig, schmutzig, _Schumbolle_ = Kartoffeln,
_Schundplutzer_ oder _Schunplotzer_ [in _Degg._ (215): _Schundblozer_] =
Maurer, in U. [214]: _schunde[n]_ = cacare, _beschunden_ [in _Lütz._
(214): _b'schunderle(n)_] = betrügen). S. auch noch _Metzer Jenisch_ 216
(_schunde_ = cacare und _Schund-Bais_ = Abtritt). Zur _Etymologie_ (vom
deutsch. Stammwort »schinden«, daher Grundbedg. von Schund eigtl.
»Abfall beim Schinden«) sowie über weitere rotw. Belege s. d. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 139.]

abkaufen, _abbaschen_[140], _abbikeren_[141], _abgremen_[142],            [63.42]
_abkemere_[143]

[Fußnote 140: ([24] auf S. 63.42) Das Stammwort ist _basche(n)_ =
kaufen; vgl. _einbaschen_ (Spr.), _verbaschen_. _Ableitungen_ davon sind
die Subst. _Bascher_ = Käufer, _Verbascher_ = Handelsbursche,
_Verbaschere_ = Handelsfrau. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 341 (_baschen_ = kaufen, _verbaschen_ =
ausbieten); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_verpassen_ oder _verpschen_ =
verkaufen). S. auch _Metzer Jenisch_ 217 (_verpasse_ = verkaufen). Zur
_Etymologie_ sowie über weitere Belege im Rotw. (schon 1687: _verpassen_
= verkaufen) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 62 u. Anm. 1. Der dort (im
Anschluß an _Schmeller_, _Paul_, _Kluge_ u. a.) vertretenen Ansicht, die
das Wort _paschen_ (= schmuggeln usw.) vom französ. _passer_ oder ital.
_passare_ (= »[die Landesgrenze] überschreiten«) herleitet (dafür auch
z. B. _Seiler_, Lehnwort III, S. 101 u. Anm. 2), steht noch eine andere
gegenüber, die _hebräischen_ Ursprung annimmt; s. darüber Näh. bei H.
_Klenz_, W.-B. nach der neuen deutsch. Rechtschreibung, Leipzig 1904, S.
173, Sp. 3 und _Weigand_, W.-B. II, Sp. 379. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
II, Sp. 1261 (unter »verpaschen« u. »verpassen«, Nr. 4) hat keine
Erklärung gegeben.]

ablesen, _abschurele_[144]                                                [63.43]

abliefern, _abdogen_[145]

abmähen, _abschurele_[144]

abnagen, _abnäpfen_[146]

Abort, _Fu(h)lkitt_[147], _Schmelzkitt_[148], _Schundkitt_[149]

[Fußnote 141: ([25] auf S. 63.43) Stammwort: _bikeren_ = kaufen;
_Ableitung_: das Subst. _Bikerer_ = Käufer. In den _verw. Quellen_
unbekannt, ebenso m. Wiss. auch sonst im Rotw. Auch über die
_Etymologie_ läßt sich nichts Gewisses sagen; ein Zusammengang mit d.
Adj. _bikerich_ (s. oben S. 37, Anm. 129) dürfte kaum anzunehmen sein.]

[Fußnote 142: ([26] auf S. 63.43) Mit dem Zeitw. _greme(n)_ = kaufen
(erkaufen) sind noch gebildet die _Zus._: _ausgremen_ = auskaufen und
_vergremen_ = handeln. Dazu die _Ableitungen_: _Gremer_ = Käufer
(_Zus._: _Trabertgremer_ = Pferdehändler), _Vergremer_ = Handelsbursche,
_Vergremere_ = Handelsmädchen (_Zus._: _Vergremerskaffer_ = Handelsmann,
fem. aber _Vergremmoss_ [= Handelsfrau]). _Zu vgl._ (aus d. _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_vergrimmen_ = verkaufen; in
_Lütz._ [215]: _kremen_ = kaufen). Die _Etymologie_ ist unsicher. Auch
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1200 (unter »verkräme[n]«) und Sp. 1202
(unter »verkrümme[n]« Nr. 2) gibt keinen näheren Aufschluß darüber.]

[Fußnote 143: ([27] auf S. 63.43) Stammwort: _kemere_ = kaufen; vgl.
_verkemere_ = verkaufen, handeln. _Ableitungen_: _Kemerer_ = Käufer,
Krämer (_Zus._: a) mit K. _vorne_: _Kemererskitt_ = Kauf- oder
Krämerladen; b) mit K. _hinten_: _Trabertkemerer_ = Pferdehändler,
_Groenikelkemerer_ = Schweinehändler), _Verkemerer_ = Verkäufer,
Handelsmann, fem. _Verkemere_ = Handelsfrau (_Zus._ damit:
_Verkemerers-Benk_ oder _-Fiesel_ = Handwerksbursche und
_Verkemeresmodel_ [sic] = Handelsmädchen [aber _Verkemerskaffer_ =
Handelsmann]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 341 (_kimmern_ = kaufen, _verkimmern_ = anbieten).
Häufigere Belege im sonstigen Rotwelsch seit dem _Lib. Vagat_ (54, 55).
S. Näh. darüber sowie über die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ in
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 58 (u. Anm. 1), 59 (unter »Kümmerer«). Nur
Hypothesen bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 832, nach welchen d.
Ausdr. »kaum zu beurteilen« ist. — Während _verkümmeln_ = verkaufen (s.
_Schwäb. Händlerspr._ in _Pfedelb._ [215]) wohl bloß eine Weiterbildung
von _verkümmern_ ist (s. auch _Fischer_, a. a. O., Sp. 123), sind dem
Stamme nach davon zu sondern die Zeitw. _kündigen_ = kaufen (s. z. B.
ähnl. schon: _Dolm. der Gaunerspr._ 94 [_künnigen_]) und _verkündigen_ =
verkaufen (s. z. B. auch _Schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 77). Näh.
hierüber im Archiv, a. a. O., S. 58, 59, Anm. 1; vgl. auch _Fischer_, a.
a. O., Sp. 1204 vbd. mit Sp 1189 (unter »verkenne[n]«).]

[Fußnote 144: ([28] auf S. 63.43) S. abbiegen.]

[Fußnote 145: ([29] auf S. 63.43) S. abgeben.]

[Fußnote 146: ([30] auf S. 63.43) S. abbeißen.]

[Fußnote 147: ([31] auf S. 63.44) _Fu(h)lkitt_ bedeutet (ebenso wie
_Schundkitt_) wörtl etwa »Kothaus«, zu _Kitt_ = Haus u. _Fu(h)l_ =
Dreck, Kot (Exkremente), Mist. Weitere _Zusammensetzgn._ damit sind
noch: a) mit _F. vorne_: _Fu(h)lnolle_ = Nachthafen; b) mit _F. hinten_:
_Flu(h)tefu(h)l_ = Schlamm. _Ableitungen_ davon sind: das Subst.
_Fu(h)lete_ = »Abweichung« (Diarrhöe) u. das Zeitw. _fu(h)la_ =
»austreten (schwer)«, d. h. cacare. _Zu vergl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [214]: _fīle[n]_ =
cacare, _Fīl-kitt_ = Abtritt, _Fīl-nolle_ = Nachttopf). Zur
_Etymologie_ (vom zigeun. _fīl_ = Kot, Dünger u. dgl. [vgl. Einleitg.
S. 29]), s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Spalte 1821 (unter
»fīle[n]«) vbd. mit _Pott_ II, S. 391/92, _Liebich_, S. 135, 190,
216, _Miklosich_, Beiträge I/II, S. 10 u. Denkschriften, Bd. 26, S.
238/239 (unter »khul«) u. _Finck_, S. 58. Bei _Jühling_, S. 220 (unter
»Chen«) ist auch _fuhlen_ (od fuhla) = »schwer austreten« als zigeun.
angeführt. — _Kitt_ bedeutet Haus (Landhaus), ferner: Gebäude, Obdach,
Wohnung, auch Käfig od. Stall (für Tiere). Das Dimin. _Kittle_ ist
angeführt für: Gartenhaus sowie für Arrest, Gefängnis, Haft oder Kerker;
dazu: _im Kittle_ = gefangen. Verbindungen mit _Kitt_ sind: _grandiche
Kitt_ (d. h. »großes Haus«) = Hof u. _dofe Kitt_ (d. h. »schönes Haus« =
Schloß (vgl. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.) Sehr zahlreich sind die
_Zusammensetzungen_, so a) mit _Kitt voran_: _Kittkaffer_ = Hausherr,
_Kittpatris_ = Hausvater, _Kittmoss_ = Hausfrau, _Kittmamere_ =
Hausmutter, _Kittschenegler_ (fem. _-ere_) = Hausknecht (-magd),
_Kittkenluf_ od. _-kib_ = Haushund, _Kittglitschin_ = Hausschlüssel; b)
mit _Kitt hinten_ (außer den obigen drei Synon. für Abort) noch:
_Schenagelskitt_ = Arbeitshaus, _Dercherkitt_ = Armenhaus, _Bich-_ oder
_Lobekitt_ = Bank (d. h. Bankhaus; dazu: _grandiche Lobekitt_ = »Münze«,
d. h Münzwerkstätte, Syn.: _Bichpflanzerskitt_), _Ruechekitt_ =
Bauernhaus, _Zschorkitt_ = Diebesherberge, _Schlumerkitt_ = Herberge,
_Sinsekitt_ = Herren-(od. Herrschafts-)haus, _Finkelkitt_ = Hexenhaus,
_Nille-_, _Ni(e)se-_ od. _Nuschekitt_ od. _Hegelkitt_ = Irrenhaus,
Narrenhaus (vgl. auch »Tollhaus«), _Kemererskitt_ = Kauf- od.
Krämerladen, _Nikel-_ od. _Schnurrantekitt_ = Komödien- od.
Schauspielhaus (Theater), _Begerkitt_ = Krankenhaus (Siechenhaus,
Spital) od. Leichenhaus (vgl. _grandich Begerkitt_ = Hospital,
_Lanenger-Begerkitt_ [eigtl. »Soldaten-Krankenhaus«] = Lazarett),
_Bommer-_ od. _Keifkitt_ = Leihhaus, _Kaflerkitt_ = Metzgerhaus (vgl.
_grandiche Kaflerkitt_ = Schlachthaus), _Gallach-_ oder _Kolbekitt_ =
Pfarrhaus (vgl. _grandich Kolbekitt_ = Kloster [s. d. betr.
Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.], _Buzereikitt_ = Polizeiamt,
_Sturmkitt_ = Rathaus (s. Näh. unter dies. Wort), _Klasskitt_ =
Schießhaus, _Plauderkitt_ = Schule (auch: Lehrerhaus), _Blibelkitt_ =
»Stundenhaus« (d. h. »Versammlungshaus der Methodisten«), _Patriskitt_ =
Vaterhaus, _Leilekitt_ = Wachthaus (wörtl. »Nachthaus«), _Pfladerkitt_ =
Waschhaus, _Johlekitt_ = Weinhaus, _Schofelkitt_ = Zuchthaus. Während in
allen diesen Fällen _Kitt_ mehr oder weniger die Bedeutg. von »Haus« im
gewöhnl. Sinne des Wortes hat, erscheint es etwas spezieller gebraucht
in den Ausdrücken _Gachne-_, _Stenzel-_ od. _Stiererkitt_ = Hühnerhaus,
_Keiluf-_ od. _Kibekitt_, Hundehütte, _Fläderlingskitt_ = Vogelbauer u.
_Luberkitt_ = Uhrgehäuse. Mit dem Dimin. _Kittle_ sind gebildet: a) im
Sinne von »kleines Haus, Häuschen«: [Griechisch: a]) _am Anfang_:
_Kittlekies_ = Backstein od. Dachziegel; [Griechisch: b]) _am Ende_:
_Ruchekittle_ = Bauernhäuschen(Spr.), _Begerkittle_ (d.
h.»Totenhäuschen«) = Sarg (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.,
vgl. schon »Vorbmrkg.«, S. 18); b) im Sinne von »Gefängnis« u. dergl.:
_Kittlebuz_ = Gefangenwärter. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 89-93, 97, 98, 101 (_Kitt_ = Haus u. _kittlen_ =
schlafen; ferner schon mehrere _Zus._ mit _Kitt_ [Kitte], näml.:
_Sefle-_ od. _Schund-Kitte_ = Abtritt, _Prinzen Kitt_ = Amtshaus,
_Ruochen Kitt_ = Bauernhaus, _Kocheme-Kitt_ = Diebesherberge,
_Sturmkitt_ = Rathaus u. _Baiskitt_ = Wirtshaus; mit _engerer_ Bedeutg.
von K. noch: _Flotschen-Kitt_ = Fischkasten); _W.-B. des Konst. Hans_
253-255, 257, 258 (_Zus._: _Ruoche-Kitt_ = Bauernhaus, _T'schorr-Kitt_ =
Diebesherberge, _Gallacha-Kitt_ = Pfarrhaus, _Sturm-Kitt_ = Rathaus,
_Baiserkitt_ = Wirtshaus, _Schofelkitt_ = Zuchthaus); _Schöll_ 272, 274
(_die Kitteren_ = die Häuser u. _Kitts_ = Herbergen [der »Stappler«]);
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 340, 342, 343, 345, 346 (_Kitt_ =
Aufenhaltsort, Haus [Bauernhaus]; _Zus._: a) _mit Kitt_: _Bäkerischkitt_
od. _Bollerskitt_ = Krankenhaus, _Kollachekitt_ = Pfarrhaus,
_Rauschkitt_ = Strohhaus, _Baiserkitt_ = Wirtshaus, _Schofelkitt_ =
Zuchthaus; b) _mit Kit[t]le_: _Schmelzkittle_ = Abtritt, _Gleiskittle_ =
Milchhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 69 (_Kittchen_ = Arrest,
Gefängnis, _Kittchenbos_ = Arrestaufseher); _Schwäb. Händlerspr._ 479,
482, 488 (_Kitt_ = Haus, Arrest, _Kittle_ = Arrest, _Drîfekitt_ = Arrest
od. Zuchthaus, in U. [213]: _Schmelzkitt_ [in _Pfedelb._ (213):
_Schmelzkittle_] = Abtritt u. _Derches-_ od. _Mangkitt_ = Bettelhaus; in
_Lütz._ [214]: _Fīl-Kitt_ od. _Schofel-Kitt_ = Abtritt [hier
letzteres also in _anderem_ Sinne gebraucht als sonst üblich!]). S. noch
_Pfälz. Händlerspr._ 438 u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Kittche_ = Gefängnis
bezw. Arrest). Die _Etymologie_ des Wortes (das schon im Rotwelsch des
17. Jahrh. auftritt [vgl. _Schütze_, S. 74, unter »Kittchen«]) ist noch
_nicht_ sicher festgestellt (vgl. _Stumme_, S. 19 sowie _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 426), jedoch erscheint es wohl immer noch besser,
_deutschen_ Ursprung zu vermuten (s. Näh. darüber bei _Günther_,
Rotwelsch, S. 51 vbd. mit _O. Weise_ in d. Zeitschr. des Allgem.
Deutsch. Sprachvereins, Jahrg. XVI [1901], Sp. 328; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 177, unter »Kittche«) als (wie neuerdings z. B.
wieder _Seiler_, Lehnwort IV, S. 491 u. Anm. 1 in Übereinstimmg. mit
A.-L. 558 befürwortet hat) es herzuleiten von dem jüdischen _kissê_ =
»Sitz, Sessel«, dessen _Form_ und engere _Bedeutung_ dagegen Bedenken
erregen müssen.]

[Fußnote 148: ([32] auf S. 63.45) Der Ausdr. _Schmelzkitt_ gehört zu dem
Stamme _schmelz-_ des Zeitworts _schmelza_ = »austreten (schwer)«, d. h.
cacare. Eine ähnl. _Zus._ damit ist auch _Schmelznolle_ = Nachthafen.
_Ableitungen_ davon sind: die Subst. _Schmelzer_ = After, Hinterer u.
_Schmelzede_ = »Abweichung« (d. h. Diarrhöe). _Nicht_ zu _Schmelzer_ im
_obigen_ Sinne zu stellen, sondern unmittelbar von dem Zeitw.
_schmelzen_ abzuleiten ist die _Zus._ _Buxenschmelzer_ = Feigling, die
wörtlich dem gleichbed. südd. »Hosenscheißer« (vgl. dazu _Groß'_ Archiv,
Bd. 56, S. 183) entspricht. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 37 (_schmelzen_ = Notdurft verrichten); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337 (_Schmelzkitle_ od. _Schmelzköhrle_ = Abtritt); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 66, 68, 74 _schmelzen_ = cacare, _Schmelzer_ =
Podex, _Schmelzgusch_ = Abtritt [vgl. betr. _-gusch_, wohl zu franz.
_coucher_: _Fischer_, _Schwäb. W.-B._ III, Sp. 936)); _Schwäb.
Händlerspr._ 479, 480, 485 (hat ebenfalls _schmelzen_, _Schmelzer_ u.
_Schmelzgusch_ [od. _-kanti_, in U. (213): _Schmelzkitt_, in _Pfedelb._
(208): _Schmelzkittle_] in gleichem Sinne). Die _Etymologie_ des Wortes
ist zwar nicht ganz sicher, doch dürfte es kaum zu gewagt sein, darin
nur eine Begriffsverengerung zu erblicken von unserem gemeinsprachl.
_schmelzen_ = »flüssig werdend zergehen« od. vielmehr von dessen
_transit._ Bedeutg. »schmelzen _machen_, in Fluß bringen«. S. Näh. bei
_Weigand_, W.-B. II, Sp. 747. (bes. (für die Bedeutg. im _Jenischen_) zu
beachten dort: altnord. _melta_ = »verdauen«); vgl. ferner bei _Grimm_,
D. W.-B. IX, Sp. 1025 (unter »schmelzen«, Nr. IV): ndl. _smelten_ -
»stercus liquidum egerere«.]

abpflücken, _abschurele_[144]                                             [63.44]

abputzen, _abschurele_

abreißen, _abschurele_

abschaffen, _abschenegeln_[150]

[Fußnote 149: ([33] auf S. 63.46) S. (betr. _Schund_) das Näh. schon
unter »abgerahmte Milch«.]

[Fußnote 150: ([34] auf S. 63.46) Richtiger dürfte die Bedeutg. wohl
durch »sich abschaffen«, volkstüml. für »sich abarbeiten«, wiederzugeben
sein, da _schenegeln_ = arbeiten ist; vgl. dazu als Gegensatz: _nobis
schenegla_ = faulenzen (eigtl. »nichts arbeiten«). Das Zeitw. stammt her
von dem Subst. _Schenagel_ = Arbeit (auch Beruf, Geschäft, Gewerbe).
Weitere _Ableitungen_ davon sind: das Subst. _Schenegler_ = Arbeiter
(Dienstbote, Dienstknecht, Gesinde, Knecht. Lohndiener), fem.:
_Scheneglere_ = Magd u. das Adj. _scheneglich_ = fleißig. Mit den
Hauptw. _Schenagel_ u. (bes.) _Schenegler_ sind mancherlei _Zus._
gebildet worden, so a) mit _Schenagel_: [Griechisch: a]) _am Anfang_:
_Schenagelskitt_ = Arbeitshaus, _Schenagelsbich_, _-lobe_ od. _-kies_ =
Lohn (eigtl. »Arbeitsgeld«); [Griechisch: b]) _am Ende_:
_Griflingschenagel_ = Handarbeit, _Leileschenagel_ = Nachtarbeit; b) mit
_Schenegler_ (_nur_ am Ende u. bes. für Gewerbe od. Berufe beliebt):
_Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter, Straßenarbeiter, _Rutschenegler_
= Eisenbahnarbeiter, _Glansertschenegler_ = Glaser, _Kittschenegler_ =
Hausknecht (fem.: _-ere_ = Hausmagd), _Bichschenegler_ = Münzarbeiter,
_Hitzlingschenegler_ = Ofensetzer, _Trabertschenegler_ = Pferdeknecht,
_Jerusalemsfreundschenegler_ = Schäferknecht (zur Erklärg. s. d. Näh.
unter »Hammel«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 89 (_schinnageln_ = arbeiten); _Schöll_ 271 (_schönegle_);
_Pfulld. J.-W.-B._ 337-348 (_schinepeln_ [sic] u. _Schineplerei_ =
Arbeit, aber [richtig] _Schinegglerei_ = Handwerk; vgl. auch
_Schiankterei_ = Kanzlei; für: »_Manobisch, schinegeln_« = »Faulenzer«
[339] ist wohl zu lesen: »_[ma] nobisch schinegeln_« = »faulenzen«; vgl.
noch _Schineller[in]_ = [Bauern] Knecht [bzw. -Magd], _Fuchsschineller_
= Goldarbeiter); _Schwäb. Gaun. u. -Kundenspr._ 66, 67 (_schenägeln_,
_Schenagel_ = Arbeit, _Schenagelswinde_ = Arbeitshaus); _Schwäb.
Händlerspr._ 479 (_schenig[e]len_ oder [seltener] _schineg[e]len_ [in
_Pfedelb._ (208): auch _schenegln_], _Schenachel_ = Arbeit, auch
Handwerkszeug, vgl. dazu in _Degg._ [215]: _de[n] Schenagel reiße[n]_ =
arbeiten; in U. [214]: _Schenal-penk_ u. _-mŏs_ = Knecht u. Magd).
Vgl. auch noch _Pleißlen der Killertaler_ 416 (_schenēge[n]_),
_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schineggel_ = Arbeit, _schenigle_ = arbeiten)
u. _Metzer Jenisch_ 216 (_schinnegle_ = arbeiten). Zur _Etymologie_ (vom
rotw. _Schinagole_ = Schubkarren, Zus. vom _Schin_ = hebr. _schîn_, dem
Anfangsbuchstaben des Wortes »Schub« und _Agole_ = »Karren, Wagen«, vom
gleichbed. hebr. _agl[h]_, jüd. _agôlô_) s. das Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 46, S. 304 ff. vbd. mit Bd. 38, S. 22 (unter »Aglon«) u. 283
(unter »Schien«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 164 (unter
»schenägeln«).]

abschießen, _abschnellen_[151]                                            [63.97]

abschirren, _abschurele_[152]

abschließen, _beschrenken_ (abgeschlossen, _b'schrenkt_)[153]

[Fußnote 151: ([1] auf S. 63.97) Mit _schnellen_ = schießen (auch
knallen) sind noch zusammengesetzt: _herab-_ und _niederschnellen_,
 ferner — als Substantivierung — _Fläderlingschnellen_ = (das)
Vogelschießen. _Ableitungen_: _Schnelle_ oder _Schneller_ = Büchse,
Flinte, Gewehr (Schießgewehr), Pistole (dazu _Schnellepflanzer_ =
Büchsenmacher). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 99, 101 (_schnellen_ = schießen, _geschnellt_ = geschossen,
_verschnellen_ = verschießen); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_g'schnellt_
= geschossen); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_schnellen_ = schießen, als
Subst. _Schnellen_ = Schuß); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_schnellen_, in
_Lütz._ [214]: _Schneller_ = Gewehr). Zur _Etymologie_ des (schon seit
dem 17. Jahrh. im Rotw. auftretenden) Wortes s. A.-L. 602 vbd. mit
_Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1296 unter »schnellen«, Nr. I, 1, bes. lit.
[Griechisch: d] sowie _Weigand_, W.-B. II, Sp. 764, wonach _schnellen_,
mhd. _snellen_ (Ableitg. vom Adj. _schnell_) = »durch starken Widerdruck
in hohem Grade sich fortbewegen machen« besonders von Bogen und Pfeilen,
dann auch von Kugeln gebräuchl. gewesen; vgl. auch _Schneller_ u. a. =
»die Vorrichtung zum Abdrücken am Schießgewehr« (1691 bei _Stieler_).]

[Fußnote 152: ([2] auf S. 63.97) S. abbiegen.]

[Fußnote 153: ([3] auf S. 63.97) _Beschrenken_ bedeutet auch schließen
(oder sperren) schlechthin sowie ver- od. zuschließen (daher
_b'schrenkt_ auch = verschlossen); dazu die _Zus._ _anb'schrenke_ =
anschließen und die _Ableitg._ _Beschrenker_ = Schließer. Dagegen setzt
_zuschrenken_ = zuschließen ein einfaches _schrenken_ = schließen
voraus, das aber im Vokab. fehlt. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_aufschrenken_ = aufmachen); _Pfulld.
J.-W.-B._ 339, 344 (_schränken_ = schließen, einschließen,
_aufschränken_ = eröffnen); _Schwäb. Gaun.- und Kundenspr._ 73
(_Schränker_ = Hausdieb); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [215]:
_schränke[n]_ = schließen, _Schrenke_ = Tür, in U. [214]:
_abschränke[n]_ = verschließen). Zur _Etymologie_ des zweifellos rein
deutschen (mit »Schrank« und »Schranke« verwandten) Wortes _schränken_
usw., das schon im Rotw. des 17. Jahrh. bekannt gewesen, s. d. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 73, 74 (unter »Schränker«).]

abschreiben, _abfeberen_[154]                                             [63.98]

absingen, _abschallen_[155]

absondern, _abschurele_[152]

abspringen, _abbosten_[156]

absterben, _abbegeren_[157]

[Fußnote 154: ([4] auf S. 63.98) Das Zeitwort _febere(n)_ (-ra) =
schreiben oder beschreiben (daher _gefebert_ = schriftlich) kommt noch
vor in den _Zus._: _auf-_, _aus-_, _ein-_, _heraus-_, _nach-_,
_nieder-_, _über-_, _unter-_ und _vorfebern_. Mit dem Stamm _feber-_
sind gebildet die Subst. _Feberschure_ = Bleistift (eigentl.
»Schreibding«) und _Feberklettert_ = Schreibtisch. _Ableitungen_ sind:
_Feberer_ = Schreiber (dazu _grandicher Feberer_ = Schriftgelehrter) und
_Feberei_ = Schrift oder (das) Schreiben. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._) _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_febren_ und _Febrer_); _W.-B.
des Konst. Hans_ 254, 257 (_febere_ und _Feberer_, _ausfeberen_ =
ausschreiben); _Schöll_ 274 (_febern_ = schreiben [in der Bettlerspr.]);
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 341, 344 (hier ebenfalls _febern_, _Feberer_ und
_ausfebern_, ferner noch _Feberei_ = Schreibzeug); _Schwäb. Händlerspr._
480, 486 (_f[^æ]beren_ oder _fêberen_ und _Pfeberei_ = Brief). Vgl. auch
_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_fêwere_ = schreiben). Zur _Etymologie_, die
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 996 als »unklar« bezeichnet, s.
Hypothesen (betr. nordischen Ursprungs) in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 64
ff. unter »Feberer«; vgl. dazu auch weiter unten über _Fehma_ (unter
»Hand«).]

[Fußnote 155: ([5] auf S. 63.98) Mit _schallen_ = singen sind noch
zusammengesetzt: _nach-_ und _vorschallen_. _Ableitungen_: _Schaller_ =
Sänger (fem.: _-erin_, _Zus._: _Schallerfläderling_ = Singvogel, insbes.
Amsel, Kanarienvogel) und _Schallerei_ = Gesang. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_schallen_ = singen);
desgl. _W.-B. des Konst. Hans_ 254 und _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier
[340, 342] auch: _Schallen_ = Gesang und _Schaller_ = Sänger); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 73, 74 (_schallen_, _Schaller_ = Sänger,
_Schallerle_ = Organist, _Schallerkasten_ = Kirche); _Schwäb.
Händlerspr._ 483, 486 (_schallen_, _Schaller_, _Duftschaller_ [d. h.
»Kirchensänger«] = Lehrer). Zur _Etymologie_ (von unserm deutsch. Zeitw.
_schallen_) sowie über weitere Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
S. 69-71; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 180 u. 188.]

[Fußnote 156: ([6] auf S. 63.98) S. abgehen.]

[Fußnote 157: ([7] auf S. 63.98) _Begeren_ bedeutet: sterben, umkommen,
auch spezieller ersticken. Dazu das Partiz. _begert_ = gestorben,
verstorben (entleibt, entseelt, leblos, starr, tot) sowie die Negation
_begert nobis_ (eigtl. »stirbt nicht«) = unsterblich und die Zus.
_Begertflössling_ (d.h. »toter Fisch«) = Hering. Als Subst. gebraucht
ist _Begert_ = Leiche. Die dafür sonst im Rotwelsch vorkommende Vokabel
_Beger_ u. ähnl. (auch = Tod), das Stammwort für das Zeitw. _begern_
(vgl. unter »Etymologie«), ist für sich _allein_ in _Wittichs_ Vokabular
_nicht_ angeführt, wohl aber sind _damit_ (od. vielleicht auch bloß mit
dem Stamme _beger-_ des Zeitw. _begeren_) zahlreiche _Zusammensetzgn._
gebildet worden, so _Begersins_ = Arzt (Doktor), auch bes. Wundarzt (u.
dazu die Verbdg. _schofler Begersins_ = Quacksalber), _Begerschure_ =
Gottesacker (Kirchhof), auch Grab, Gruft, _Begerkies_ = Grabstein,
Leichenstein, _Begerfläderling_ = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu betr.
die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. schon »Vorbemerkung«, S. 18
sowie unter »Käuzchen«), _Begerkitt_ = Krankenhaus (Siechenhaus, Spital)
u. Leichenhaus (vgl. _grandiche B._ = Hospital, _Lanenger B._ =
Lazarett, u. das Dim. _Begerkittle_ = Sarg [s. dazu schon oben S. 44,
Anm. 147 unter »Abort«]), _Begergadscho_ od. _Begerkaffer_ =
Leichenbeschauer, letzteres auch Totengräber, _Begersauft_ = Leichenbett
(Sterbe-, Totenbett), _Begermoss_ = Leichenfrau, _Begerbikus_ =
Leichenschmaus, _Begerbochdam_ = Leichentuch, _Begerkluft_ =
Sterbekleid, _Begersore_ = Totenbahre, _Begerkritzler_ = Totenschein.
_Ableitungen_ (von _begeren_) sind: das Subst. _Begerei_ = (das)
Sterben, Krankheit, auch speziell Seuche, u. das Adj. _begerisch_ =
sterblich, krank (gebrechlich, leidend, unpäßlich) u. speziell lahm
(daher: _begerisch bosten_ = lahm gehen; vgl. ferner die Negat. _nobis
begerisch_ = wohl [gesund], die Verbdg. _begerische Mufferei_ =
Totengeruch u. die Zus. _Begerischsauft_ = Krankenbett). Auch als Subst.
wird _Begerisch_ gebraucht = Siechtum oder spezieller: Epilepsie
(Fallsucht), während _grandich Begerisch_ die Schwindsucht bedeutet. _Zu
vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95
(_begerisch_ = krank, vgl. auch 98: _begerisch gekeilt werden_ = hart
geschlagen werden); _Schöll_ 271, 273 (_Beger_ = Tod, _begern_ =
sterben); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 345 (_bäkeren_ = sterben, _bägeret_ =
gestorben, _bäkeret_ = tot, _Bäkerei_ = Krankheit, _bäkerisch_ = krank,
_Bäkerischkitt_ = Krankenhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 72,
76 (_begern_ = sterben od. krank sein [hierfür auch _bechern_],
_abgebegert_ = gestorben, _Begerer_ = Arzt, _Begerwinde_ = Krankenhaus);
_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_bêkeren_ = sterben [vgl. in _Pfedelb._
(213): _bägert_ u. _beechert_ = gestorben], _bêkerisch_ [in _Pfedelb._
(213): _beecherisch_] = sterbenskrank, todkrank, _Bêkerwinde_ = Spital).
Zur _Etymologie_ (vom hebr. _peger_ = »Leichnam«) sowie über weitere
Belege im Rotw. s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 69 u. Anm. 1
(unter »Begerschaberer«) vbd. mit Bd. 43, S. 29 (unter »Pöckerer«). Vgl.
auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 576 vbd. mit Sp. 363/64 (unter
»auf-bägere[n]«).]

Abt s. Priester,                                                          [63.99]

abtragen, _abbugle_[158]

Abtritt s. Abort

[Fußnote 158: ([8] auf S. 63.99) Mit _bugle_ (-la) od. _buk(e)le(n)_
(-la) = tragen, bringen, holen (Spr.) finden sich noch die
_Zusammensetzungen_: _fortbugla_ = fortbringen, forttragen,
_herausbukla_ = heraustragen, _mitbukle_ = mitbringen, _umher-_,
_wegbukle_ = umhertragen, wegtragen sowie die Verbindung _schiebes
bukle_ = davontragen. _Ableitungen_ sind: die Subst. _Bukler_ (in der
Zus. _Kritzlerbukler_ = Briefträger, Postbote) u. _Buklete_ = Last,
Traglast. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
100 (_buckeln_ = tragen); _Schöll_ 272 (_buklen_); _Pfulld. J.-W.-B._
345 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_buckeln_); _Schwäb.
Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213] _bukeln_, in _Lütz._ [215]
_buckle[n]_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. _Buckel_ od. _Puckel_)
sowie über weitere rotw. Belege s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S.
209 u. Anm. 2. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1504 (mit
weiteren Angaben).]

abwaschen, _abpfladeren_[159]                                             [63.100]

abwerfen s. abfallen

Abweichung (Diarrhöe), _Fu(h)lete_[160], _Schmelzede_[160]

abwischen, _abschurele_[161]

abzahlen, _abpfreimen_[162], _abzaine_[163]

abziehen, _abschurele_[164]

Achsel, _Schure_[164]

Acker, _Schure_[164]

Adler, _grandicher Flederling_[165]

[Fußnote 159: ([9] auf S. 63.100) Mit _pfladere(n)_ (-ra) = waschen
(auch: baden, ferner putzen, reinigen, säubern, wischen) sind noch
zusammengesetzt: _auf-_ u. _auspfladere(n)_ (-ra) = auf- u. auswaschen
(ausspülen). Mit dem Stamme _pflader-_ zusammenges. Hauptwörter sind
_Pfladerschottel_ = Waschbecken, _Pfladersore_ = Wäsche, _Pfladermoss_ =
Wäscherin, _Pfladerkitt_ = Waschhaus, _Pfladerflu(h)te_ = Waschwasser.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 91,
101 (_Fladerei_ = Wäsche, _Fladerer_ = »Balbierer«, Doktor); _Pfulld.
J.-W.-B._ 343, 346 (_fladeren_ = waschen, _Flader-Schury_ =
Schermesser); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_flattern_ = waschen);
_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_pfladere_); vgl. auch _Pleißlen der
Killertaler_ 435 (_fladere[n]_) u. _Metzer Jenisch_ 207 (_flādere_).
Zur (nicht ganz sichern) _Etymologie_ sowie über weitere rotw. Belege s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 44, 45 u. Anm. 1, 2. — _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 1537 gibt keine Erklärung.]

[Fußnote 160: ([10] auf S. 63.100) S. Abort.]

[Fußnote 161: ([11] auf S. 63.100) S. abbiegen.]

[Fußnote 162: ([12] auf S. 63.100) Mit _pfreimen_ (-ma) = bezahlen
(zahlen), vergüten ist noch zusammenges. _auspfreimen_ = auszahlen; als
Subst. gebraucht: _Pfreimen_ = Steuern. _Ableitung_: _Pfreimerei_ =
Zahlung (Sold, Verdienst). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 346 (_pfräumen_ = auszahlen, bezahlen,
zahlen); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488 (_pfreimen_ = bezahlen, zahlen).
Zur _Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1078 ist
_pfreimen_ wohl nur eine Nebenform von _bereimen_ (s. darüber das Näh.
weiter unten unter »bezahlen«), wozu die (z. B. bei _Karmayer_ 17
vorkommende) Form _bepreimen_ (vgl. _Groß'_ Archiv, B. 33, S. 305, Anm.
3, lit. a) den Übergang zu vermitteln scheint.]

[Fußnote 163: ([13] auf S. 63.100) Mit _z¶a¶ine[n]_ (od. _z¶e¶ine[n]_) =
bezahlen (zahlen) sind noch zus. _an-_ u. _auszeine[n]_ (-na). Als
Subst. gebraucht ist _Zeine_ = Zahlung. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_zainen_ = zahlen); _Schwäb.
Händlerspr._ in U. [214]: _zaine[n]_= bezahlen). Die _Etymologie_ ist
unklar.]

[Fußnote 164: ([14] auf S. 63.100) S. abbiegen.]

[Fußnote 165: ([15] auf S. 63.100) _Grandicher Flederling_ heißt
wörtlich »großer Vogel«, während _¶grandich¶ Flederling_ = Storch,
eigentlich wohl durch »größter Vogel« (d. h. der in Deutschland bekannte
größte Vogel) wiederzugeben sein dürfte mit Rücksicht auf das, was
_Wittich_ an anderer Stelle (s. unter »Bischof«) über den Gebrauch von
_grandich_ (im Gegensatz zu _grandicher_) als Superlativ im Jenischen
ausgeführt hat (vgl. dazu auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42 u.
Näh. noch in m. Anm. zu »Bischof«). — Mit _Flederling_ (od.
_Fläderling_) schlechthin werden auch einzelne Vogelarten bezeichnet, so
die Elster, der Kuckuck, der Star und die Taube (vgl. dazu
»Vorbemerkung«, S. 16). Aber auch manche _Zusammensetzungen_ mit dem
Worte finden sich sowohl für bestimmte _Gattungen_ von Vögeln (s.
_Schallerflederling_ = Singvogel, _Flu[h]teflederling_ = Wasservogel)
als auch für einzelne _Arten_. So kommt _Schallerflederling_ auch
spezieller für die Amsel und den Kanarienvogel und _Flu(h)teflederling_
für die Bachstelze (als e. Art Übersetzung) vor (neben der Bezeichng.
_jenischer Flederling_, worüber das Näh. noch weiter unten bei
»Bachstelze«); vgl. ferner: _Stämpfflederling_ (eigtl. »der schimpfende
Vogel«) = Elster (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.),
_Leile-_ od. _Ratteflederling_ (d. h. »Nachtvogel«) = Eule (s. d. betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl. auch oben S. 37, Anm. 127),
_Begerflederling_ (d. h. »Totenvogel«) = Käuzchen, Steineule (vgl. dazu
schon oben S. 98, Anm. 157), _Schmuserflederling_ (d. h. »der sprechende
Vogel«) = Papagei (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr., vgl.
auch schon »Vorbemerkung«, S. 18), _Dofeflederling_ (d. h. »der schöne
Vogel«) = Pfau (s. d. betr. Analogie im Zigeun., vgl. auch
»Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47), _Schofeleiflederling_ (d. h.
»Unglücksvogel«) = Rabe (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 49) u.
_Furschetflederling_ (d. h. »Gabelvogel«) = Schwalbe (nach deren
gabelförmigem Schwanze; s. betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. unter
»Schwalbe«). Beachtenswert ist, daß _Flederling_ in gewiss. Zus. auch
für _andere_ Tiere (Insekten) vorkommt, so in _Kupferflederling_ =
Heuschrecke und _Schundflederling_ = Mistkäfer. Seltener sind endlich
Zus., in denen das Wort _vorangesetzt_ ist, so: _Flederlingskitt_ =
Vogelbauer, _Fl.-bäzeme_ = Vogeleier, _Fl.-nolle_ = Vogelnapf u.
_Fl.-schnellen_ = Vogelschießen. — _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Fletterling_ = Vogel);
_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Fläterling_ = Vogel [in _Pfedelb._ (213):
_Flätterling_ auch spezieller = Taube, wozu noch bemerkt sei, daß gerade
_diese engere_ Bedeutg. im alten Rotw. zuerst vorkommt; s. z. B. _Hildb.
W.-B._ 1753ff (227) u. _Rotw. Gramm._ n. 1755 (18. u. D.-R. 47)]).
Seiner _Etymologie_ nach gehört das Wort natürlich zu »_flattern_«; s.
_Günther_, Rotwelsch, S. 60 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp.
1545 (unter »Flätterling«). —

Das (in der Verbindg. _grandich[er] Flederling_ enthaltene) Adj.
_grandich_ (oder _grandig_) hat außer der häufigsten und allgemeinsten
Bedeutung »groß« noch folgende: bedeutend, begütert, dick, erwachsen,
gewichtig, hoch, hochherzig, lang, mächtig, prächtig, reich, viel, voll,
vorzüglich, endlich auch noch »wütend« (doch geht es in _diesem_ Sinne
wahrscheinl. auf einen _anderen_ Stamm zurück; s. d. Näh. unten bei der
»Etymologie« a. E.); mit vorgesetzter Verneinung (_nobis grandich_) ist
es = wenig, winzig, als _Adverb_ gebraucht bedeutet es: oft (häufig),
als _Subst._ (_Grandich_): Gewalt, Höhe. Der Komporat. _grandicher_
kommt nicht nur für »größer«, sondern auch für »mehr« (»mehrfach«,
»vielmals«) vor. In _Verbindungn._ erscheint _grandich_: a) zuweilen mit
einem _Zeitw._, so _grandich¶e¶ pflanzen_ (eigtl. etwa »den Großen
spielen«) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein (wogegen
_grandich¶e¶r pflanzen_ nur durch »verlängern« wiedergegeben ist), viel
häufiger aber natürlich: b) mit _Hauptwörtern_, und zwar in d. R. (und
nicht selten in unmittelbarem Anschluß an die Zigeunersprache) als
umschreibender Ersatz für Begriffe, für die es im Jenischen keine
besonderen selbständigen Bezeichnungen gibt (vgl. »Vorbemerkung«, S.
17ff.), so [Griechisch: a]) für Sachen im weit. S. (einschl. z. B.
Gebäude u. dergl.): _grandiche Jahre-_ od. _Krachersäftling_ (d. h.
»große Waldtraube«) = Ananas, _grandiche Duft_ (d. h. »große Kirche«) =
Dom (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandicher Kies_ (d. h. »großer Stein«) =
Felsen (s. d. betr. d. Zigeun.), auch Quaderstein, _grandiche Kitt_ (d.
h. »großes Haus«) = Hof, _grandiche Kolbekitt_ (d. h. »großes
Pfarrhaus«) = Kloster (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandiche Schoflerei_
(d. h. »großes Gericht«) = Kreis- (Land-, Kriminal-) Gericht (s. betr.
d. Zigeun. unter »Kreis-« u. »Kriminalgericht«), _grandicher
Sins-Obermann_ (d. h. etwa »des großen Herrn- [des Landesherrn] Hut«) =
Krone (s. d. betr. d. Zigeun.), _grandiche Lobekitt_ (d. h. »großes
Geldhaus«) = Münze, Münzwerkstätte, _grandiche Hegerle_ (d. h. »große
Knödel«) = Nudeln, _grandiche Kaflerkitt_ (d. h. »großes Metzgerhaus«) =
Schlachthaus, _grandiche Schrende_ (d. h. »große Stube«) = Saal (s. d.
betr. d. Zigeun.), _grandicher Spraus_ (d. h. »großes [langes] Holz«) =
Stange (s. d. betr. Analog. im Zigeun.); ferner [Griechisch: b]) auch
für — mehr od. weniger — _abstrakte Begriffe_; so: _grandich Flu(h)te_
(d. h. »großes« [od. größtes] Wasser) = Meer (vgl. schon oben S. 36,
Anm. 126), _grandich Ulma_ (d. h. »viele Leute«) = Menge, _grandich
Lanenger_ (»viele Soldaten«) = Heer (s. d. betr. d. Zigeun.), ferner
_grandicher Funk_ (d. h. »großes Feuer«) = Feuersbrunst (s. d. betr. d.
Zigeun.), _grandich Bogelo_ (d. h. »großer Hunger«) = Heißhunger,
_grandich Begerisch_ (d. h. »großes [schweres] Siechtum«) =
Schwindsucht, _grandich Schure_ od. _Sore_ (d. h. »viele Dinge«) =
Reichtum, Überfluß, Vermögen; sodann [Griechisch: g]) für _Tiere_: so
(außer _grandich[er] Flederling_ noch); _grandiche Gachne_ (d. h.
»großes Huhn«) = Hahn, _grandich Jerusalemsfreund_ (d. h. »großes Schaf
[Hammel]«) = Schafbock, _grandich Babing_ od. _Strohbuzer_ (d. h. »große
Gans«) = Schwan (s. d. betr. d. Zigeun.); endlich [Griechisch: d]) für
_Menschen_, und zwar: aa) nach deren _Eigenschaften_, wie _grandicher
Kaffer_ (d. h. »großer Mann«) = Riese (s. d. betr. d. Zigeun.) bezw.
_nobis grandicher Kaffer_ = Zwerg; zu vgl. auch die (wohl als partes pro
toto für die Personen _selbst_ gebräuchl.) Bezeichngn. _grandicher
Rande_ = Dickbauch, _grandicher Ki(e)bes_ = Dickkopf oder Starrkopf u.
_grandicher Giel_ (Grandichergiel) = Großmaul (wobei noch zu erwähnen,
daß _solche_ Verbindungen auch als Adjektive gebraucht vorkommen, s. z.
B. _grandicher Rande_ = beleibt, wohlbeleibt, bes. auch schwanger,
trächtig, _grandicher Muffer_ = großnasig; vgl. auch _grandich Sore_ (s.
oben) = vermögend; bb) nach dem _Stande_ od. _Beruf_, wie z. B.
_grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«) = Amtmann, Richter (s. d. betr.
d. Zigeun.), aber auch Fürst, Herrscher u. dgl. m. (s. d. betr. d.
Zigeun.), _grandicher Feberer_ (d. h. »großer Schreiber«) =
Schriftgelehrter u. a. m. Auf die weiteren Beispiele _dieser Art_ ist —
um Wiederholungen zu vermeiden — ausführlicher erst in der Anm. zu dem
Worte »Bischof« eingegangen, da dort _Wittichs_ Bemerkung über die in
seinem Jenisch eigentümliche Art steht, die Steigerung von Rangstufen
durch Hinzufügung von _grandicher_ (als Komparativ) u. _grandich_ (als
Superlativ) vorzunehmen (vgl. S. 101). Als bloße wörtl. Übersetzungen
unserer deutsch. Bezeichnungen erscheinen natürlich _Grandicher-Patres_
u. _Grandichemamere_ = Großvater, -mutter. — _Zu vgl._ betr. _grandich_
(aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259
(_grandig_ = gewaltig, stark); _Schöll_ 271 (_grandig_ = groß, stark,
viel); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 340, 342, 344, 345 (_grandig_ = groß,
_grandiger Kanoffer_ od. _Gschor_ = »Erzdieb«, _grandiges Schuberle_ od.
_Balderle_ = Gespenst, _grandig Flotte_ = Meer, _grandige Kehr_ = Schloß
[Gebäude], _grandige Duft_ [od. _Kangeri_ (aus dem Zigeun.)] = Tempel);
_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_grandig_ = groß); auch dem _Metzer Jenisch_
(216) bekannt. Der _Etymologie_ nach geht das (schon zu Beginn des 17.
Jahrh. im Rotw. auftretende) Wort wohl unmittelbar auf roman. Ursprung,
und zwar noch eher auf das italien. _grande_ als auf das französ.
_grand_, zurück. S. Näh. in _Groß'_ Archiv Bd. 38, S. 270 (unter »Sens«)
u. dazu noch _Weber-Günther_, S. 173 (unter »garant«) sowie _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp. 790. Nur in dem Sinne »wütend« — wozu das bes.
in der bayr. Mundart allgemeiner gebräuchl. _grandig_ = »mürrisch,
verdrießlich, übel aufgelegt« u. dergl. zu vergleichen ist — dürfte es
wohl auf einen _anderen_ Stamm zurückgehen. S. dazu d. Näh. bei
_Fischer_, a. a. O. unter u. zu »grandig«, Nr. 2, c verbd. mit
_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1003 (unter »Grand«) sowie Sp. 999
(unter »grennen«).]

Affe, _Schure_[166]                                                       [63.102]

Affengesicht (Fastnachtsmaske), _Ni(e)sichegiel_, auch _Nilliche-_ od.
_Nuschichegiel_ (d. h. »närrisches Maul«)[167]

After, _Bos_[168], _Schmelzer_[169]                                       [63.103]

[Fußnote 166: ([16] auf S. 63.103) S. abbiegen.]

[Fußnote 167: ([17] auf S. 63.103) Über die Adj. _ni(e)sich_, _nillich_
od. _nuschich_ s. d. Näh. schon oben unter »aberwitzig«. _Giel_
bedeutet: Maul (Schnauze), Mund (Lippe), dann auch allgemeiner
(gleichsam als pars pro toto) Gesicht, Miene, Signalement (s. d. betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Andere _Zus._ bzw. _Verbdgn._ mit
_Giel_ sind noch _Grandichergiel_ = Großmaul (s. dazu schon oben S. 100,
Anm. 165), _Schmusichergiel_ = Plappermaul sowie _oberkünftiger Giel_
(d. h. eigtl. etwa »Obermaul«) = Gaumen (s. d. betr. Übereinstimmg. m.
d. Zig., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 17). _Vielleicht_ dürften als
Ableitungen von _Giel_ auch das Zeitw. _giele(n)_ (-la) = (sich)
erbrechen, übergeben (auch als Subst. gebr.) u. das Adj. _gielerich_ =
übel (»zum Übergeben [Erbrechen] schlecht« [Spr.]) betrachtet werden.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 342, 345
(_Giel_ = Maul, _gillen_ = erbrechen, speien); _Schwäb. Händlerspr._
4841 (_Gîl_ = Mund). Der _Etymologie_ nach gehört das (als rotw. schon
im _Lib. Vagat._ [54] bekannte) Wort zu dem bereits mhd. _giel_ = »Maul,
Rachen, Schlund« (s. _Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1011; vgl. auch
_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 892), bildet also »einen der nicht
häufigen Fälle der Erhaltung von _Archaismen_ im Rotwelsch« (so:
_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 651; vgl. auch schon _Wagner_ bei
_Herrig_, S. 207 u. _Behaghel_ in d. Z. der Allg. Deutsch. Sprachver.
Jahrg. 1905, Sp. 158). Das Zeitw. _gil(l)en_ = erbrechen usw. hat
_Fischer_, a. a. O., Sp. 658 — freilich nur mit einen Fragezeichen —
zu dem hebr. _gilla_ = »enthüllen« in Beziehung gesetzt.]

[Fußnote 168: ([18] auf S. 63.103) Als eine _Zus._ mit _Bos_ = After
(Hinterer) könnte vielleicht aufgefaßt werden _Boslem_ = Exkremente (das
wäre dann eigtl. — da _Lehm_ auch im _Wittich_'schen Vokabular für
»Brot« vorkommt — soviel wie »Afterbrot«). Ebenso scheint ein gewisser
Zusammenhang vorzuliegen zwischen _Bos_ u. dem Zeitw. _bosen_ od.
_bosme_ = lecken, zu dem möglicherweise die Redensart _jann'_ _mei Bos_
= »leck mich (im A….)« (s. d. W.-B.) den Übergang gebildet hat. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74
(_Bos_ = Podex [ganze Hinterseite]); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Boß_ =
Podex; vgl. dazu noch in _Pfedelb._ [211]: _muff mei Boß_ = »l. m. i.
A.«). Die _Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.
1303 hat das hebr. _bōš_ = »sich schämen« herangezogen, jedoch nur
mit einem Fragezeichen. Weniger gesucht erscheint es m. E., in _Bos_ zu
erblicken nur eine Abkürzung (nach Art der sog. Aphärese) von der
Zusammensetzg. _Schundbos_ u. ä. (wörtl. etwa »Kothaus«, zu _Schund_ =
Kot u. dgl. [s. oben S. 41, Anm. 139] u. _Bos_ = Haus, älterer rotw.
Form für _Bais_ u. ä., aus dem gleichbed. hebr. _bajit_ [vgl. Archiv,
Bd. 38, S. 221, Anm. 1]), die sich zu Anfang des 19. Jahrh. in einzelnen
Sammlungen der Gaunerspr. als Bezeichnung für den »Hinteren« findet (so
z. B. bei _Karmayer_ 150 [neben _Schandbus_ (138)]; vgl. _Pfister_ 1812
[303: _Schonnboos_] u. _v. Grolman_ 58 u. 63 u. T.-G. 101 [_Schonboos_
u. _Schandbus_ od. _-buß_]).]

albern s. aberwitzig                                                      [63.104]

alljährlich, _jedes Ja(h)ne_ (d. h. jedes Jahr)[170]

alltäglich, _jeden Schei_ (d. h. jeden Tag)[171]

[Fußnote 169: ([19] auf S. 63.104) S. Abort.]

[Fußnote 170: ([20] auf S. 63.104) Dieselbe Ausdrucksweise haben auch
die Zigeuner (s. _Liebich_, S. 139 u. 174: _hakko bersch_ [d. h. »jedes
Jahr«] = alljährlich). — _Jane_ od. _Jahne_ = Jahr findet sich auch
noch in den _Verbdgn._ _voriges Ja(h)ne_ = vorjährig u. _nobis dofs
Ja(h)ne_ (d. h. eigtl. »kein gutes Jahr«) = Mißjahr (s. d. betr. d.
Zigeunerspr.) u. in den Zus. _Ja(h)neschei_ = Jahrestag u. _Neuja(h)ne_
= Neujahr (Spr). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 94 (_Jone_ = Jahr, daher _Jone Gschok_ = Jahrmarkt); _W.-B.
des Konst. Hans_ 257, 259 (_Jane_ = Jahr, _Jann_ = Jahre); _Pfulld.
J.-W.-B._ 341 (_Jane_ = Jahr). Die _Etymologie_ bleibt zweifelhaft.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 74 hat hingewiesen teils auf _Jam_ =
Tag (in der Form _Jäm[m]chen_ = Jahr [s. dazu schon oben »Einleitg.«, S.
26, Anm. 70]), teils auf das hebr. _schānā_, jüd. _schōnō_ =
Jahr, das auch in die Gaunerspr. eingedrungen ist (s. z. B. schon
_Christensen_ 1814 [322: _Schone_], u. dann öfter bis zur Neuzeit [vgl.
A.-L. 603 u. _Groß_ 492 (_Schono_, _-num_), _Rabben_ 121 u. _Ostwald_
137 (_Schone_, _-num_)]). Jedoch erscheint es vielleicht am einfachsten,
auch hier (gleichwie möglicherweise ja bei _Jäm[m]chen_) nur eine
absichtliche Entstellung des Auslauts von »Jahr« anzunehmen.]

[Fußnote 171: ([21] auf S. 63.104) Auch diese Umschreibung ist bei den
Zigeunern gebräuchlich (s. _Liebich_, S. 139 u. 174: _hakko diwes_ [d.
h. »jeden Tag«] = alltäglich). — Das jenische _Schei_ (od. _Schein_) =
Tag (wofür früher _Jamm_ gebräuchlich gewesen [vgl. oben »Einltg.«, S.
26, Anm. 70]), hat noch verschiedene Nebenbedeutungen, so: Helle (auch
als Adj. gebr. = hell), Licht (Wachslicht, Kerze), Fackel (Wachsfackel),
Ampel, Lampe, Laterne u. endlich Fenster. Mehrere dieser Bedeutungen
begegnen auch in den _Zusammensetzungen_ mit dem Worte, so: a) = Tag
(nur _ans Ende_ gestellt) in: _Nilliche-_(_Ni[e]siche-_ od.
_Nuschiche-_)_schei_ = Fastnacht (vgl. oben S. 39, Anm. 132),
_Ja(h)neschei_ = Jahrestag (vgl. oben Anmerkg. 170), _Bäzemeschei_
(eigtl. »Eiertag«) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
Zigeunerspr., vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18), _Brandlengschei_ (eigtl.
»Kuchentag«) = Kirchweihe, _Flössleschei_ = Regentag, _Bossertschei_
(eigtl. »Fleischtag«) = Sonntag (vgl. schon oben S. 31, Anm. 119); b) =
_Licht_ (od. _Lampe_): [Griechisch: a]) _vorangestellt_: in
_Scheischure_ (eigtl. »Licht- [od. Lampen-] Ding«) = Docht u.
_Scheinpflanzer_ = Lichtzieher; [Griechisch: b]) _ans Ende_ gestellt: in
_Schuberleschein_ (d. h. »Gespensterlicht«) = Irrlicht (s. d. betr. die
Zigeunerspr.), _Leileschei(n)_ = Nachtlicht, dann aber auch Mond u.
Stern (vgl. dazu schon oben S. 37, Anm. 127); c) = _Fenster_: in
_Scheiglansert_ = Fensterglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_W.-B. des Konst. Hans_ 255, (_Sch¶ai¶springer_ = »Diebe, die bei Tag
stehlen«); übereinstimmend damit in der Bedeutg.: _Sch¶ein¶springer_ bei
_Schöll_ 269, 270 u. im _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (vgl. hier [339] auch
noch _Prenzenschein_ = Feiertag, während _Schein_ — _ohne_ Zusatz —
[337] so viel wie »Auge« bedeutet); _Schwäb. Händlerspr._ 487 vbd. mit
479, 480, 483 (_Schein_ = Tag, Nebenbedtgn.: Auge, Fenster, Licht; vgl.
in _Pfedelb._ [214]: _Bichschein_ = Zahltag). In den übrigen rotw.
Quellen findet sich _Schein_ für »Tag« (abges. von der oben erwähnten
Zus.) m. Wiss. zuerst bei _Schintermicherl_ 1807 (288), für »Auge«
zuerst bei _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 (328), dagegen schon im
_Basl. Glossar v. 1733_ (201) für »Glas«. Aus den Krämerspr. vgl. noch:
_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schainche_ = Auge, Fenster, Lampe), _Metzer
Jenisch_ 216 (_Scheinche_ = Augen), u. _Winterfeld_. _Hausierspr._ 441
(_Scheincher_ = Fenster). Der _Etymologie_ nach gehört das Wort wohl
zweifelsohne zu unserem gemeinsprachl. _Schein_ (in dem ursprünglichsten
Sinne von »ins Auge fallende Helle«, mhd. _schîn_, ahd. _scîn_ = »Glanz,
Helligkeit, Sichtbarkeit« usw. (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 690/91);
vgl. auch A.-L. 597. Über das stammverwandte _Scheinling_ = Auge s. das
Näh. unter »Augapfel«.]

Almosen, _Dercherbich_ (d. h. »Bettelgeld)«[172]                          [63.105]

Amme, _Schwächerlemamere_ (d. h. »Brustmutter«)[173]

[Fußnote 172: ([22] auf S. 63.105) Dieselbe Umschreibung kennt auch die
Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 145 u. 174 (_mangamáskero lowo_, d. h.
eigtl. »Bettelgeld« = Almosen). — Betr. _Dercher-_ s. das Näh. unter
»abbetteln«. Das jenische _Bich_ = Geld (Geldstück, Kupfergeld), Münze,
dann auch Barschaft, Gehalt (Sold), Summe kommt in mancherlei
_Zusammensetzgn._ vor, so a) _am Anfang_ stehend: [Griechisch: a]) für
Personen: in _Bichsins_ = Bankier, aber auch Münzmeister, u.
_Bichschenegler_ = Münzarbeiter (auch wohl _Bichpflanzer_, argum.:
_Bichpflanzerskitt_ = Münzwerkstätte, vgl. auch noch die Umschreibg.
_nobis dufter Bichpflanzer_ [d. h. eigtl. »kein guter Geldmacher«] =
Falschmünzer); [Griechisch: b]) für Sachen: _Bichkitt_ = Bankhaus,
_Bichschure_ = Geldkasse od. -kasten, _Bichrande_ = Geldsack; b) _ans
Ende_ gesetzt: (außer in _Dercherbich_ noch) in _Stradebich_ =
Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), _Schenagelsbich_ = (Arbeits-) Lohn,
_Duftbicht_ (eigtl. »Kirchengeld«) = Opfergeld, _Kritzlerbich_ =
Papiergeld. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Schwäb.
Händlerspr._ 481 (_Bich_, _Pich_ od. _Spich_ = Geld; dazu [in _Pfedelb._
(214): _Bichschein_ = Zahltag]); die _Pfälz. Händlerspr._ 438 hat die
Form _Pech_. Über sonstige Belege im Rotwelsch usw. (wo die Form _Pich_
od. _Picht_ — neben _Bicht_ — vorwiegt) sowie die (nicht sichere)
_Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 279, 280
u. Anm. 1 u. 2 (im Anschluß an A.-L. 583 [unter »Pich«]). — _Fischer_,
Schwäb. W.-B. I, Sp. 1094 gibt keine Erklärung.]

[Fußnote 173: ([23] auf S. 63.105) Auch hiermit (wie schon in der
»Vorbemerkung« S. 18 erwähnt) sachlich übereinstimmend die Zigeunerspr.;
s. _Liebich_, S. 174 (_tschutschĭnéngĕri_ _dai_, d. h. »die
Brustmutter« = Amme; doch wird _dai_ dabei auch wohl weggelassen [s. S.
166, vgl. auch _Finck_, S. 93]). Das jenische Wort _Schwächerle_ = Brust
(bes. Weiberbrust), bei Tieren = Euter (daher _Horbogen-_, _Trabert-_,
_Groenikelsschwächerle_ = Kuh-, Pferdeeuter, Schweinezitzen), dann auch
= Herz, geht zurück auf das Zeitw. _schwächen_ = trinken (saufen,
zechen), aber auch = dursten (in der Wendg. _mich schwächert's_). Zu
_ersterer_ Bedtg.: _geschwächt_ = betrunken, berauscht, _halbgeschwächt_
= halbtrunken sowie die _Zus._: _ausschwächen_ = austrinken (aber
_schwäch' [a]uf_ = trink' aus), _beschwächen_ = betrinken, _ver-_ u.
_vorschwächen_ = ver-, vortrinken. Zu beachten ist, daß das
(_un_verkleinerte) Subst. _Schwächer_ nur so viel wie »Rausch,
Trunkenheit« (auch wohl »berauscht, betrunken«) bedeutet (vgl.
»Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 33). Weitere _Ableitungen_ (von _schwächen_)
sind dann noch: d. Adj. _schwächerich_ = durstig (Spr.), als Subst. =
Durst, u. d. Subst. _Schwäche_ = Tränke, Viehtränke (daher
_Trabertschwäche_ = Pferdetränke), _Schwächet_ = Getränk, _Schwächerei_
= Sauferei, Trank, Trinkgelage, Zeche. _Zusammensetzgn._ mit dem Stamm
_schwäch-_ (des Zeitworts _schwächen_) sind endlich: _Schwächglansert_,
_-nolle_, _-schottel_ = Trinkglas, -schale, -schüssel, alle drei aber
auch (allgemeiner) = Trinkgefäß. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 91 u. 100 (_schwächen_ = trinken, _Dobrisch
schwächen_ = Tabak rauchen; _es schwächet mich_ = es dürstet mich);
_W.-B. des Konst. Hans_ 255, 256, 258, 259 (_schwäche[n]_ = trinken, _z'
Schwächet steken_ = zu trinken geben, _Dow're schwäche_ = Tabak rauchen;
_es schwächert mi_ = es durstet mich); _Schöll_ 271 (_schwächen_ =
trinken, _Schwächer_ = Durst); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 343, 345
(_schwächen_ = trinken, saufen, aussaufen, _verschwächen_ = versaufen
[verdr.: erlaufen], _Schwäche_ od. _Schwächer_ = Rausch, _Schwächerei_ =
Trunkenheit); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 68, 76 (_schwächen_,
_ausschwächen_, _Schwäche_ = Trunk; _Schwäche¶m¶_ = Durst); _Schwäb.
Händlerspr._ 487 (_schwächen_, in _Pfedelb._ [208, 209, 212-14]:
_ausschwächen_, ferner _Schwäche_ = Trank, _Schwächem_ = Durst,
_Schwächere_ = Wirtshaus, _schwecherisch_ = durstig, _Schwächbruder_ =
Saufbruder, in _Lütz._ [215] _Schwächer_ = Rausch). Vgl. noch _Metzer
Jenisch_ 216, 217 (_schwäche_ = trinken, _beschwächt_ = betrunken). Zur
(nicht sicheren, aber vermutl. auf das Hebr. zurückzuführenden)
_Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 42 ff. (unter
»Schwächer«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 169 (unter »Schwäche«). —

Das zweite (in der Zus. _Schwächerlemamere_ enthaltene) Wort, _Mamere_ =
Mutter, findet sich auch noch in der Verbindg. _Patres_ (d. h. Vater)
_und Mamere_ = Eltern (s. d. betr. d. Zigeunerspr., die ebenfalls kein
eigenes Wort für »Eltern« hat [vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 17, Anm.
44]) sowie in den folgenden _Zus._: a) _am Anfang_ stehend:
_Mamereglied_, das drei Bedeutgn. hat, nämlich [Griechisch: a]) Oheim
(als »Mutterbruder«), [Griechisch: b]) Tante (als »Mutterschwester«),
[Griechisch: g]) Neffe (v. mütterl. Seite her; vgl. zu [Griechisch: a]
u. [Griechisch: b] betr. die Überstimmg. mit d. Zigeun. Näh. unter
»Oheim« u. »Tante«), weiter _Mameregroenikel_ = Mutterschwein; b) ans
_Ende_ ges.: _Grandichemamere_ = Großmutter, _Kittmamere_ = Hausmutter,
_Schoflemamere_ (eigtl. »schlechte Mutter«) = Stiefmutter. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Mam¶ai¶re_ =
Mutter), _Schöll_ 271 (_Ma¶mm¶ere_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Mamere_);
_Schwäb. Händlerspr._ 484 (wie _Schöll_). Zur _Etymologie_: Nach
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1432 ist das (auch sonst noch im Rotw.
vorkommende) Wort — wie übrigens auch schon _Schöll_ 271 vermutet hat
— wohl ohne Bedenken herzuleiten vom französ. »_mamère_«. Eine
Heranziehung der Zigeunersprache ist daher nicht nötig, wie denn z. B.
auch die _Sulzer Zigeunerliste v. 1787_ (251) ausdrückl. das rotw.
_Mammere_ dem gleichb. zigeun. _Mamma_ (vgl. _Finck_, S. 71: _máma_)
gegenübergestellt hat.]

Ampel, _Schei_ (d. h. mehr das Licht in der Ampel als diese selbst)[174]  [63.107]

Amsel, _Schallerfläderling_ (d. h. eigtl. nur Singvogel; vgl.
Kanarienvogel)[175]

Amtmann, _grandicher Sins_[176]

Amtsdiener, _Bu(t)z_[177]

[Fußnote 174: ([24] auf S. 63.107) Auch die Zigeunerspr. hat _denselben_
Ausdruck (_momĕlin_) für Licht (Fackel, Kerze) u. Ampel (Lampe,
Leuchter); s. _Liebich_, S. 147, 174, 196, 214, 218 u. 219. Im übrigen
s. über _Schei(n)_. Näh. schon oben unter »alltäglich«.]

[Fußnote 175: ([25] auf S. 63.107) S. unter »absingen« u. »Adler«.]

[Fußnote 176: ([26] auf S. 63.107) Auch die Zigeunersprache kennt (wie
schon in der »Vorbemerkung«, S. 17 erwähnt) diese Umschreibung (eigtl.
»großer Herr« für »Amtmann« u. dergl. (s. _Liebich_, S. 127 u. 174:
_bāro rai_; vgl. auch _Jühling_, S. 225 [= »Bezirksamtmann«]), desgl.
für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr« (s. d. Vork. im
W.-B.), während für die weiteren Bedeutgn. »Fürst« u. »Landesherr« bes.
Benennungen bestehen. Über _grandich Sins_ = König (fem. _grandich
Sinse_) — wobei _grandich_ als Superlativ zu betrachten — s. d. Näh.
noch unter »Bischof«; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42.
_Zusammensetzgn._ mit _Sins_ (od. Sens) = Herr (Edelmann, Gebieter [vgl.
fem. _Sinse_ od. _Sense_ = Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimin. _Sinsle_
= Junker]) sind: a) _im Anfang_: _Sinsekitt_ = Herrenhaus,
Herrschaftshaus u. _Sinseschrende_ = Herrenzimmer, während in
_Sinsemoss_ = Herrin (Dame, Edeldame) und _Sinsemodel_ = Fräulein doch
wohl eher das fem. _Sinse_ steckt; b) _am Ende_ (beliebt bes. als
Berufsbezeichngn.): _Begersins_ = Arzt (Doktor), Wundarzt (u. dazu
_schofler Begersins_ = Quacksalber, vgl. auch oben S. 98, Anm. 157),
_Bich-_, _Kies-_, _Lobesins_ = Bankier (_Bichsins_ auch = Münzmeister),
_Fehtesins_ = Quartierherr (fem. _-sinse_ = Quartierfrau),
_Sturmkittsins_ = Ratsherr, _Dupfsins_ = Wundarzt, _Näpflingsins_ =
Zahnarzt. _Zu vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_
254, 259 (_Sinz_ = Herr, _Sinst_ = der regierende Herr); _Schöll_ 272
(_Sens_ = Herr); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 340, 341 (_Sens_ = Herr,
_Obersens_ = Beamter, _Senserei_ = Herrschaft, Kanzlei); _Schwäb.
Händlerspr._ 482 (_Sens_ = Herr, in U. [213] = Amtsrichter [in
_Pfedelb._ (208) dafür: _Seetzer_] u. _Senserei_ = Amtsgericht). Über
weitere Belege im Rotw. seit d. 15. Jahrh. (woraus hier bes. erwähnt
sei, daß _grandiger Sims_ für »Amtmann« od. »Edelmann« schon bei _A.
Hempel_ 1687 [168] vorkommt) sowie über die nicht sichere) _Etymologie_
s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 269ff (unter (»Sens«).]

[Fußnote 177: ([27] auf S. 63.107) _Bu(t)z_ bedeutet bes. auch noch
Büttel, Polizeidiener, Polizist. Eine _Verbindung_ damit ist _grandicher
Bu(t)z_ = Polizeiwachtmeister und (als nochmal. Steigerung) _grandich
Bu(t)z_ = Polizeidirektor (s. dazu das Näh. noch unter »Bischof«).
_Zusammensetzgn._ damit sind: a) _am Anfang_: _Bu(t)zekeiluf_ od. _-kib_
= Polizeihund; b) _am Ende_: _Dofes-_, _Kittle-_ oder _Lekbu(t)z_ =
Gefangenwärter. Eine _Ableitung_ ist: _Bu(t)zerei_ = Polizei (dazu
weiter die _Zus._ _Bu[t]zereikitt_ = Polizeiamt). _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Butz_ = »Bettelvogt«);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 63, 73 (_Buz_ = Polizei, _verdeckter Buz_
= Geheimpolizist): _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Butz_ od. _Betz_ [in
_Pfedelb._ (212): auch _Buz_] = Polizist; vgl. in _Lütz._ [215]:
_Grünlingsbutz_ = Waldhüter). Vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 437 u.
_Metzer Jenisch_ 216 (_Buts_ bzw. _Butz_ = Polizist). Zur _Etymologie_
des (rein deutschen) Wortes sowie über seine sonstigen Belege im Rotw.
(in der Form _Putz_ schon seit d. Mitte des 18. Jahrh.) s. ausführl.
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 10ff u. zu vgl. dazu etwa noch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. I, Sp. 1571 (unter »Butz«, Nr. 3, b).]

Ananas, _grandiche Jahresäftling_ od. _gr. Krachersäftling_ (d. h. »die   [63.108]
große Waldtraube«, abzuleiten von _Säftling_ = Traube[178] und _Jahre_
oder _Kracher_ = Wald[179]). Mit _Jahre-_ od. _Krachersäftling_ werden
fast alle beerenartigen Früchte bezeichnet (vgl. Anm. 178 im Anf.).

[Fußnote 178: ([28] auf S. 63.108) S. auch unter »Weinbeere« u.
»Weintraube«. _Zus._ mit dem Worte sind (außer _Jahre-_ od.
_Krachersäftling_, das in gleicher Weise für Brombeere,
Erdbeere, Heidelbeere u. Himbeere gebräuchl. ist) noch das ähnl.
_Staubertsäftling_ = Mehlbeere (so daß _Säftling_ also bes. auch die
»Beere« bedeutet [vgl. _Wittichs_ Bemerkg. im Text], obwohl es dafür
[_ohne_ Zus.] im W.-B. — vielleicht bloß versehentlich — _nicht_
aufgeführt ist) sowie (am _Anf._ stehend) _Säftlingsore_ = Weinberg (s.
dazu betr. _Sore_ Näh. unter »Brücke«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Saftling_ = Trauben);
_Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Säftling_ = Rebe); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 75 (_Säftling_ = Traube); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (ebenso;
vgl. im _Pfedelb._ [214]: _Säftlingjole_ = Wein). Der _Etymologie_ nach
gehört das Wort natürlich zu unserem gemeinspr. _Saft_; vgl. _Günther_,
Rotwelsch, S. 61.]

[Fußnote 179: ([29] auf S. 63.108) a) Mit _Jahre_ = Wald (Forst, Gehölz,
auch bes. Fichtenwald) sind (außer _Jahresäftling_) noch folgende _Zus._
gebildet worden: _Jahrekrächerle_ = Haselnuß, _Jahrestöber_ (d. h.
»Waldbaum« = Tanne; _Jahreschure_ (d. h. etwa »Waldding«) = Hirsch u.
_Jahrestierer_ (d. h. »Waldhuhn«) = Rebhuhn (s. d. betr. Übereinstimmg.
mit d. Zigeun.). Als _Verbindg._ erscheint _Jahre bosten_ (eigtl. nur
»[in den] Wald gehen« [vgl. oben S. 40, Anm. 137]) für das Zeitw.
»jagen«. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_
254 (_Jahre_ = Wald); _Schöll_ 271 (_Jaare_); _Pfulld. J.-W.-B._ 346
(_Jahre_; vgl. [339, 341]: _Jahrhegel_ = Förster, Jäger); _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Jre_). Über weitere rotw. Belege sowie die
_Etymologie_ (vom hebr. _jaa'r_ = »Wald«) s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv,
Bd. 38, S. 251, Anm. 2; vgl. auch Bd. 42, S. 7 (unter »Jahrhegel«) sowie
noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 79 (unter »Jare«).

b) Mit _Kracher_ (das in _denselben_ Bedeutgn. wie _Jahre_ gebraucht
wird) sind im wes. auch die _gleichen Zusammensetzgn._ gebildet worden,
so außer _Krachersäftling_ noch _Kracherkrächerle_ (= Haselnuß),
_Kracherstöber_ (= Tanne) u. _Kracherschure_ (= Hirsch); dagegen ist
neben _Jahrestierer_ (= Rebhuhn) allerdings nur _Krachergachne_ als
Synon. angeführt. Auch _Kracher bosten_ hat den _gleichen_ Sinn wie
_Jahre bosten_. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 340, 346 (_Krach_ = Holz, Wald); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 77 (_Kracher_ = Wald sowie die geogr. Bezeichg.
_Schwarzkracher_ = Schwarzwald); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Kracher_ =
Wald). Über weitere rotw. Belege sowie zur _Etymologie_ (von unserem
gemeinspr. Zeitw. _krachen_) s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 11
(u. Anm. 1) u. 12; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 181 (unter »Krachet«)
u. _Fischer_ Schwäb. W.-B. IV, Sp. 662 (unter »Krachert«).]

anbeten, _anbliblen_[180]                                                 [63.109]

anbetteln, _andalfen_, _anderchen_[181]

anbinden, _anschurele_[182]

anblasen, _anschurele_

anbrennen, _den Funk anpflanzen_ (d. h. das Feuer anmachen)[183]

[Fußnote 180: ([30] auf S. 63.109) Mit _blible(n)_ = beten, auch
predigen sind ferner noch zusammengesetzt: _nach-_ u. _vorblible(n)_ =
nach- u. vorbeten, sodann (mit dem Stamme _blibel-_ [des Zeitworts]) die
Substantive _Blibelulma_ = fromme Leute, auch »Stundenleute«, d. h.
Methodisten, _Blibelkaffer_, _-moss_, _-kitt_ = »Stundenmann, -frau,
-haus« (in gleichem Sinne) und _Blibelschlang_ (eigtl. »Betkette«) =
Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.).
_Ableitungen_ sind: das Subst. _Bliblerei_ = Gebet u. das Adj.
_bliblich_ = gläubig, heilig (dazu die _Verbdg._ _bliblicher Schuberle_
= heiliger Geist). In dem _verw. Quellenkreise_ hat das Wort nur die
_schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [214]: _b'lipple[n]_ = beten). Zur
_Etymologie_ bietet einigen Aufschluß das veraltete schwäb.
_Blippenplapper_, eine »spöttische Ablautbildung« für »Plapperer« (nach
_Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1206).]

[Fußnote 181: ([31] auf S. 63.109) S. abbetteln.]

[Fußnote 182: ([32] auf S. 63.109) S. abbiegen.]

[Fußnote 183: ([33] auf S. 63.109) Über _Funk_ = Feuer s. abbrennen. Das
Zeitw. _pflanzen_ (Grundbedeutg.: machen [daher: _aufpflanzen_ =
aufmachen (Spr.)], verfertigen) versieht in Verbindg. mit anderen
Wörtern die Rolle eines Aushilfsbegriffs in vielen Fällen, wo im
Jenischen keine besonderen Bezeichnungen vorhanden sind (vgl. darüber
schon die »Einleitg.« S. 24 sowie m. »Vorbemerkg.«, S. 16, Anm. 40), so
z. B. in den Redensarten _grandiche pflanzen_ (d. h. eigtl. »den Großen
machen« oder »spielen«) = hoffärtig (aufgeblasen, stolz, übermütig) sein
(dagegen: _grandicher pflanzen_ [eigtl. »größer machen«] = verlängern),
_Blatt_ (blatt) _pflanzen_ = im Freien übernachten (s. d. Näh. unter
»übernachten«), _Strauberts pflanzen_ (eigtl. »Haare machen«) = kämmen,
_Bomme_ od. _Keif pflanzen_ (eigtl. »Schulden machen«) = leihen,
_Käfferle pflanzen_ = Onanie treiben (s. zur _Erklärung_ Näh. unter
diesem Ausdr.), _schofle Falle (-la) pflanzen_ (eigtl. »böse Sachen
machen«) = »huren« (s. Näh. unter »böse«); mit _auspflanzen_ ist endlich
(als Gegensatz zu dem obigen _den Funk anpflanzen_) gebildet: _d(en)
Funk auspflanzen_ = löschen (auslöschen), wonach dann wohl auch das
_einfache auspflanzen_ die Bedeutg. von »ausblasen« erhalten hat.
Besonderer Beliebtheit erfreut sich aber (ganz wie im Rotwelsch) die
Ableitung _Pflanzer_, fem. _-erin_ (= »Verfertiger[in]«) in
_Zusammensetzgn._ mit Substantiven als Bezeichnungen für
die verschiedensten Berufsarten, insbes. die Gewerbe, so:
_Klass-_ od. _Schnellepflanzer_ = Büchsenmacher, _Schures-_ od.
_Stiepenpflanzer_ = Bürstenbinder, _Griflengtrittlingpflanzer_ =
Handschuhmacher, _Nollespflanzer_ = Häfner, Töpfer, auch Kesselflicker,
_Oberman(n)pflanzer_ = Hutmacher (Kappen-, Mützenmacher) od. Kürschner,
_Straubertsschurepflanzer_ = Kammacher, _Schottel_ (od. _Schottle-_)
_pflanzer_ = Korbmacher, _Rädlengpflanzer_ = Kutschenbauer, Wagner,
_Bochdampflanzer_ = Leineweber, Tuchmacher, _Scheinpflanzer_ =
Lichtzieher, _Scharflingpflanzer_ = Messerschmied, _Kies-_ od.
_Lobepflanzer_ = Münzarbeiter (auch wohl _Bichpflanzer_, argum.:
_Bichpflanzerskitt_ = Münzwerkstätte u. zu vgl. _nobis dufter
Bichpflanzer_ = Falschmünzer [worüber Näh. auch schon oben S. 105, Anm.
172]), _Hitzlingpflanzer_ = Ofensetzer, _Kritzlerpflanzer_ =
Papiermacher, _Dächles-_ od. _Pflotscherpflanzer_ (fem.: _-erin_) =
Schirmflicker(in), _Glitschinpflanzer_ = Schlosser, _Trittlingpflanzer_
= Schuhmacher (Schuster), _Sprauspflanzer_ = Stockmacher,
_Streiflingpflanzer_ = Strumpfwirker, _Gengle-_ od. _Luberpflanzer_ =
Uhrmacher, _Lattepflanzer_ = Waffenschmied, _Schrendepflanzer_ =
Zimmermann. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 98 (_Nuschepflanzer_ = Schuhmacher); _Pfulld. J.-W.-B._
337-339, 342-344 (_pflanzen_ = machen, _toxpflanzt_ = abgerichtet,
_krank_ od. _dildi pflanzen_ = einstecken; _Fleppapflanzer_ =
Büchermacher, _Tschuripflanzer_ = Messerschmied, _Girchen-_ od.
_Nuschenpflanzer_ = Schuhmacher, _Zinkenpflanzer_ = Petschaftfälscher);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (_Pflanzer_ [ohne Zus.] =
Schuhmacher); _Schwäb. Händlerspr._ 483, 486, 487 (_Schottelpflanzer_ =
Korbmacher, _Stichlingpflanzer_ = Schneider, _Trittlingpflanzer_ =
Schuster, _Gänglingpflanzer_ [in _Pfedelb._ (213): _Gluckerspflanzer_] =
Uhrmacher; ferner ebenfalls noch in _Pfedelb._ [208, 210-213]: _Krach_
[od. _Hallas_] _pflanzen_ = lärmen, _Bummen pflanzen_ = Schulden machen,
_Plamppflanzer_ = Bierbrauer, _Schuberlespflanzer_ = »Geistererlöser«
[Tätigkeit des kathol. Pfarrers], aber auch = Teufel, _Obermannpflanzer_
= Hutmacher, _Zainepflanzer_ = Korbmacher, _Dickköpfpflanzer_ =
Nagelschmied, _Staudenpflanzerin_ = Näherin, _Kluftenpflanzer_ =
Schneider; endl. noch in U. [213]: _Mulumpflanzer_ = Arzt). Zur
_Etymologie_ s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 12ff. (wo auch die
meisten der oben angeführten Zus. erklärt sind).]

anfangen, _anschurele_[184]                                               [63.110]

anfassen, _anschniffen_[185]

[Fußnote 184: ([34] auf S. 63.110) S. abbiegen.]

[Fußnote 185: ([35] auf S. 63.110) Mit _schniffen_ = anpacken, erfassen,
nehmen, holen (Spr.), bes. aber = stehlen (entwenden, rauben, berauben)
sind noch zusammengesetzt: _aus-_, _heraus-_ u. _wegschniffen_ = aus-,
heraus-, wegstehlen. _Ableitungen_: die Subst. _Schniffer_ = Dieb,
Gauner, Räuber (dazu die _Zus._ _Schnifferulma_ = Diebesbande) u.
_Schnifferei_ = Diebstahl sowie das Adj. _schniffich_ = diebisch. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 345
(schniffen = ausplündern, stehlen, als Subst. _Schniffen_ = Diebstahl);
_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_schniffen_ = stehlen [ausplündern (s.
_Pfedelb._ [208])], _Schniffer_ = Strolch). Übrigens sind die Vokabeln
_schniffen_, _Schniffer_ (Nebenf. _schnipfen_ [auch _schnüffen_] u.
_Schnipfer_) u. _Schnifferei_ schon dem Rotwelsch des 17. u. 18. Jahrh.
bekannt gewesen (vgl. z. B. _A. Hempel_ 1687 [168: _schniffen_ =
»mausen«, _Schnifferey_ = »Mauserei«, _ein grandiger Schniffer_ = »ein
rechter Erzdieb«, _Hornickel-_, _Trabertschniffer_ = Kuh-, Pferdedieb];
_Waldh. Lex._ 1726 [187-189, 190: alles im wes. ebenso, außerdem noch
für Pferdedieb auch _Zußgenschniffer_ u. _Schniffer_ auch = »einer, der
das Geld aus der Ficke (Tasche) ziehet«]; _Münchner Deskription_ 1727
[192: _schniffen_ u. das _Schniffen_ oder Rauben]; _Basl. Glossar_ 1733
[202: _schnüffen_ = stehlen]; _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [288, 231:
_geschnipft_ = gestohlen, _Schnipffer_ = »Spitzbub«]; _Körners Zus._ zur
_Rotw. Gramm._ v. 1755 [241: _schniffen_ od. _schnipfen_ = stehlen]).
Zur _Etymologie_ s. _Landau_ im Schweiz. Archiv für Volksk., Bd. IV, S.
240 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1333 (unter »schnipfen«, Nr. 3).
Danach bedeutet _schnipfen_ od. _schniffen_ mundartlich (so z. B. im
_Schwäbischen_ [vgl. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 474]) soviel wie »mit
einer schnellen Bewegung etwas wegschnappen, entwenden, listig stehlen«;
es ist hauptsächl. auf die oberdeutschen Mundarten beschränkt geblieben;
vgl. u. a. noch _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 578 u. _Hügel_, Wien.
Dial.-Lex., S. 143.]

anfragen (fragen), _butschen_[186]                                        [63.111]

Angel, _Schure_[187]

angenehm, _dof_, _duft_[188]

[Fußnote 186: ([36] auf S. 63.111) Mit _butschen_ ist zusammengesetzt
_ausbutschen_ = ausfragen, ausforschen, forschen. Es ist sonst m. Wiss.
in den Geheimsprachen nicht bekannt. Der _Etymologie_ nach stammt es aus
der Zigeunersprache her (s. »Einltg.«, S. 29). Vgl. Näh. bei _Pott_ II,
S. 375 (unter »Pchuczav«), _Liebich_, S. 154 u. 198 (_putschawa_ = ich
frage, forsche), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 41 (unter
»phuč«: bei d. deutsch. Zig.: _pučava_ = ich frage, _pučjum_ =
Frage usw.), _Jühling_, S. 225 (_putsch_ = frage [Imperat.],
_Putschaben_ = die Frage, das Fragen), _Finck_, S. 81 (_p'utš-_,
_p'utšew-_ [p'utšej-, p'utšed-] = »fragen, forschen«).]

[Fußnote 187: ([37] auf S. 63.111) S. abbiegen.]

[Fußnote 188: ([38] auf S. 63.111) Das Adj. _dof_ (weit seltener: _duft_
[das in der modern. Gaun.- u. Kundensprache überwiegt]) mit der
Grundbedtg. »gut« (dazu Komparat.: _döfer_ = besser) wird in überaus
weitem Sinne gebraucht, wie folgende Übersicht der verschiedenen
einzelnen Begriffe (bei denen das [gleichzeitige od. alleinige]
Vorkommen der Form _duft_ in Klammern angemerkt ist) dartut. Es bedeutet
nämlich noch: anständig, anwendbar (auch _duft_), artig, aufrichtig,
beliebt, bequem, bieder, brav, brauchbar (nur _duft_; s. d. Verbdgn.
unter dies. Worte), dienstfertig, dienstwillig, echt, edel, ehrbar,
ehrenhaft, ehrenwert, ehrlich, fein, folgsam, freundlich, friedfertig,
frisch (Spr.); geeignet, zufällig, gefühlvoll, geheilt, gemütlich,
gemütvoll, genesen, geschmeidig, gesund, getreu, gerecht, geziemend,
gnädig, günstig (auch _duft_), gütig, gutmütig, heil, heilsam, herzlich,
hochherzig, höflich, hold (auch _duft_), hübsch (auch _duft_), keusch,
kostbar, leutselig, lieb, liebenswürdig, lieblich (auch _duft_),
liebreich (auch _duft_), nobel (auch _duft_), nützlich, prächtig, sanft,
sauber, schamhaft, schön, sittsam, tauglich (auch _duft_), treu, tüchtig
(auch _duft_), tugendhaft, unschuldig, verschämt, vortrefflich,
vorzüglich, wahrhaft, wohlwollend, willig, züchtig; dazu weiter die
Verneinung _nobis dof_ (eigtl. »nicht gut«) = garstig, nichtswürdig,
treulos, unecht, unkeusch, unnütz, unrichtig, untauglich, untreu,
unzüchtig, wertlos. Sowohl _dof_ wie _nobis dof_ sind dann auch zu
Hauptwörtern erhoben worden, und zwar ersteres für »Glück« od. »Pracht«,
letzteres für »Trübsal« oder (flektiert: _nobis Dofs_) für »Übel« (vgl.
»Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38). Die Umschreibung _dof diberen_ od.
_schmusen_ (d. h. »gut reden«, [von jmd.]), bedeutet »(jmd.) loben«.
Ferner sind _dof_ u. _nobis dof_ in Verbindg. mit Substantiven zur
Umschreibung zahlreicher Begriffe verwendet worden, für die es im
Jenischen an besonderen (selbständigen) Bezeichnungen fehlt (vgl. dazu
»Vorbemkg.«, S. 17, 18, Anm. 47 u. S. 19, Anm. 48). So: a) Verbindgn.
mit _dof_: _dofer Schmunk_ (d. h. etwa »gutes Fett, Schmalz«) = Butter,
_dofer Kies_ (d. h. »schöner Stein«) = Diamant, Edelstein, _dofer
Schwimmerling_ (d. h. »schöner Fisch«) = Forelle, _dofer Benges_ od.
_Benk_ (d. h. etwa »lieber Bursche«) = Geliebter, Liebhaber u. _dofe
Model_ (d. h. »liebes Mädchen«) = Geliebte, Liebhaberin (wogegen bei
_dofer Benk_, _Freier_ od. _Fiesel_ im Sinne von »Junker« nach _Wittich_
_dofer_ als Komparativ aufgefaßt werden soll, so daß die Umschreibung
soviel wie »_besserer_ Jüngling« od. »_besserer_ junger Mann« bedeute),
_dofer Rädling_ (d. h. »schöner Wagen«) = Kutsche, _dofer Lanenger_ (d.
h. etwa »schöner [feiner] Soldat«) = Offizier, _dofe Kitt_ (d. h.
»schönes Haus«) = Schloß. Durch die Zusammenziehung in _ein_ Wort sind
noch _enger_ verbunden worden: _Dofefläderling_ (d. h. »schöner Vogel«)
= Pfau (s. dazu schon oben S. 18, Anm. 47) u. _Dofelehm_ (d. h. »gutes
[feines] Brot«) = Weißbrot (Gegens. _Schoflelehm_ [d. h. »schlechtes
Brot«] = Schwarzbrot); b) Verbdgn. mit _nobis_ (-es) _dof_ od. _duft_:
_nobes dofer Glitschin_ (d. h. »kein guter Schlüssel«) = Dietrich (s. d.
betr. Analogie in d. Zigeunerspr., vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S.
18), _nobis dufter Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ = Falschmünzer (s.
dazu schon oben S. 105, Anm. 172) u. _nobis dofs Jahne_ = Mißjahr (s.
dazu schon oben S. 104, Anm. 170). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_tof_ = gut); _W.-B. des Konst.
Hans_ 256, 259 (_dof_ = gut); _Schöll_ 271 (_tov_ = gut); _Pfulld.
J.-W.-B._ 338, 340, 344 (_tofe_ = gut, _töfer_ = besser, _dov_ = schön,
_Tofe_ = Biedermann); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_duft_ [_dov_]
= gut); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 484 (_dof_ [in _Pfedelb._ (212):
_dov_] = gut, schön; in _Pfedelb._ [209]: auch _döver_ = besser). Vgl.
auch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_dôf_ od. _tôf_ = gut. Zur _Etymologie_
(vom hebr. _Tôb[h]_ [_tōf_] = »gut«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S.
156; vgl. auch _Weber-Günther_, S. 155, _Seiler_, Lehnwort IV, S. 490,
u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 246 (unter »tof«) u. 445 (unter
»duft«).]

Angesicht, _Ki(e)bes_ (d. h. eigtl. Kopf)[189]                            [63.112]

Angst, _Bauser_[190]

[Fußnote 189: ([39] auf S. 63.112) _Ki(e)bes_ (-bis), eigtl. = Haupt,
Kopf, Schädel, auch bes. Hinterkopf, ferner noch = Stirn u. Hals findet
sich in der Verbindg. _grandicher Ki(e)bes_ = Dickkopf od. Starrkopf (s.
dazu schon oben S. 100, Anm. 165), in der längeren Umschreibung _nobis
Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h. eigtl. »keine Haare auf dem Kopfe«) =
Kahlkopf sowie in den folgenden _Zus._: a) _am Anfang_: in
_Ki(e)besschlang_ = Halskette, _Ki(e)besstrauberts_ = Haupthaare,
Kopfhaare; b) _am Ende_: in _Straubertski(e)bes_ = Lockenkopf,
_Vorderki(e)bes_ = Vorderkopf sowie (in übertrag. Sinne) in _Nille-_ od.
_Ni(e)seki(e)bes_ = Tollkopf u. _Toberichki(e)bes_ = Pfeifenkopf. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_Kiebes_
= Kopf); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Kibes_); _Schöll_ 272 (ebenso;
vgl. _kibesen_ = enthaupten); _Pfulld._ _J.-W.-B._ 341 (desgl.);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 (_Gîbes_); _Schwäb. Händlerspr._ 483
(_Kibes_ od. _-bis_; vgl. dazu in _Pfedelb._ [210]: _Kahlkibes_ =
Kahlkopf). Vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kiwes_ = Kopf) u.
_Metzer Jenisch_ 216 (_Kibes_ [Kibes] = Kopf). Im _Pleißlen der
Killertaler_ 435 ist _Kîvis_ = Verständnis. — Über die sonstigen
verschiedenen Formen im Rotwelsch s. _Groß'_ Archiv, Bd. 56, S. 55 u.
Anm. 1. Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ vgl. _Pott_ II, S. 16,
_Günther_, Rotwelsch, S. 36 u. Anm. 1 u. bes. jetzt noch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 360/61 (»wenn nicht etwa zu zigeun. _chīw_ =
»Deckel« [s. _Finck_, S. 68: xīw] … nur zu _Kabas_, rotw. = Kopf
[s. schon _Lib. Vagat._ (54)] zu stellen«, wozu mhd. _kabez_, aus lat.
_caput_ [Haupt], heranzuziehen, vielleicht mit ablaut. Form _Kibes_,
_Kabes_ wie _piff_, _paff_).]

ängstlich, _bauserich_[190]                                               [63.113]

anhalten, _anschurele_[191]

ankaufen, _anbaschen_, _angremen_, _ankemeren_[192]

anklagen, _anschurele_[191]

ankleiden, _a(n)kluften_[193]

[Fußnote 190: ([40] auf S. 63.113) _Bauser_ = Angst (Beängstigung),
Entsetzen, Erschrecken, Furcht, Schreck ist vielleicht — ebenso wie das
Adj. _bauserich_ = ängstlich, furchtsam, auch als Subst. (für »das
Grauen«) gebraucht (vgl. dazu _bauserich sein_ = befürchten, [sich]
beunruhigen sowie die Verneinung _nobis bauserich_ = furchtlos) erst
eine Ableitung von dem Zeitw. _bausen_ = fürchten. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_bausen_ = fürchten);
_W.-B. des Konst. Hans_ 257 (ebenso, auch: _es baust ihm_ = er fürchtet
sich, ferner noch: _Bauser_ = Angst); _Schöll_ 271, 273 (_bausen_ =
fürchten, _Bauser_ = Angst); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343, 344 (_Bauser_
= Angst, Schauer, _bauserich_ = ängstlich, scheu); _Schwäb. Händlerspr._
479 (_Baußer_ u. _Baußam_ [in _Pfedelb._ (208): _Bausam_] = Angst). Die
_Etymologie_ ist unsicher, denn die Hypothesen A.-L.'s (523: Ableitg.
vom deutsch. Zeitw. _bauschen_ [pauschen], mhd. _bûschen_, _biuschen_, =
»schwellen machen« bzw. spätmhd. u. älternhd. _bûsen_, _bausen_ =
»aufschwellen«; s. Näh. bei _Weigand_, W.-B. I, Sp. 171) erscheinen doch
wohl zu gewagt. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 733 gibt keine
Erklärung. Nach gefl. Mitteilgn. von _Dr. A. Landau_ (Wien) soll
vor etwa 50 Jahren _Boitsi haben_ = »Furcht haben« in der
galizisch-jüdischen Schülersprache gebräuchlich gewesen sein, das
wahrscheinlich auf das kleinruss. _bojati sja_ = »sich fürchten«, poln.
_bać sie_ (3 Pers. Sing. Praes.: _boi sie_) zurückgeht, doch wagt L.
keinen unmittelbaren Zusammenhang dieser Ausdrücke mit dem rotw.
_bausen_ anzunehmen.]

[Fußnote 191: ([41] auf S. 63.113) S. abbiegen.]

[Fußnote 192: ([42] auf S. 63.113) S. abkaufen.]

[Fußnote 193: ([43] auf S. 63.113) Das Zeitw. _kluften_ scheint in
_Wittichs_ Jenisch nur im _Zus._ üblich zu sein, wie (außer _ankluften_
[wozu _nobis ankluftet_, d. h. »nicht angekleidet«, »unbekleidet« =
nackt] noch): _auskluften_ = ausziehen, entkleiden (daher _auskluftet_
ebenfalls = nackt) u. _verkluften_ = verkleiden. Es gehört zu den Subst.
_Kluft_ = Kleid (Anzug, Gewand, Tracht), womit auch einige
_Zusammensetzgn._ (so: _Kafferskluft_ = Manneskleid, _Lanengerkluft_ =
»Montur«, _Begerkluft_ = Sterbekleid) sowie die _Verbdg._ _unterkünftige
Kluft_ = Unterkleid gebildet sind. Eine weitere _Ableitg._ (von _Kluft_,
bzw. _kluften_) ist dann _Klufterei_ = Kleidung, Bekleidung (Anzug,
Gewand), womit ebenfalls wieder zwei _Zus._ vorhanden sind, näml.
_Mossklufterei_ = Frauenkleid u. _Kafferklufterei_ = Männerkleider. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_eine
ganze Klufterei_ = »Kleidung von Kopf bis Fuß«); _W.-B. des Konst. Hans_
253 (_Klufterey_ = die Kleider); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Klufterei_ =
Kleid, vgl. [337] _Klufting usmalochen_ od. _abketschen_ = auskleiden);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 66, 71 (_Kluft_ od. _Klufterei_ = Kleid,
_ankluften_ = anziehen); _Schwab. Händlerspr._ 483 _Kluft_ = Kleid, u.
dazu noch in _Pfedelb._ [208, 212]: _Kluftenpflanzer_ = Schneider u.
_ankluften_ = anziehen); vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ 435
(_Kliftle_ = Kleid, Anzug) sowie noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Klăft_ =
Rock). Über die sonstigen Belege u. Formen im Rotw. sowie die
_Etymologie_ (vom hebr. _chălîfôt_ = »Kleider, insbes. Feier- od.
Ehrenkleider«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 273/74 (unter
»Kluftier«) u. d. Anm. verbd. mit Bd. 46, S. 10, Anm. 1. Vgl. auch noch
_Seiler_, Lehnwort IV, S. 491 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 508
(unter »Kluft« II) vbd. mit Sp. 435 (unter »Klaffot«).]

ankommen, _anbosten_, _anpfichen_[194]                                    [63.114]

anlachen, _anschmol(l)en_[195]

anmutig, _g'want_[196]

[Fußnote 194: ([44] auf S. 63.114) S. abgehen.]

[Fußnote 195: ([45] auf S. 63.114) Als Zus. mit _schmol(l)en_ = lachen
(kichern) findet sich noch _ausschmol(l)en_ = auslachen. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_schmollen_ = scherzen); _Pfulld.
J.-W.-B._ 342 u. _Schwäb. Händlerspr._ 483 (= lachen). Zur _Etymologie_:
Da wir heute unter _schmollen_ meist soviel wie »mit mürrischem
Stillschweigen unfreundlich sein« verstehen (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp.
751), erscheint die in den Geheimsprachen begegnende — fast
_entgegen_gesetzte — Bedeutung zunächst auffällig; jedoch handelt es
sich hier _nicht_ etwa um eine sog. _Enantiosemie_, d. h. Umkehrung des
Sinnes in das Gegenteil (s. _Behaghel_ in d. Z. des Allg. Deutsch.
Sprachv., Jahrg. 1905, Sp. 158 gegen _Günther_, Rotwelsch, S. 21, Anm.
14), vielmehr hat _schmollen_ (mhd. _smollen_) anfangs nur die gleichsam
»neutrale« Bedeutg. »das Gesicht verziehen« gehabt, aus der sich dann
_sowohl_ der Begriff »das Gesicht _zum Lächeln_ verziehen« od.
»_lächeln_« (so z. B. noch bei _Schiller_ u. _Uhland_) entwickeln konnte
(vgl. d. engl. _to smile_) als auch der uns jetzt geläufige des
_mürrischen_ Stillschweigens. Vgl. (außer _Weigand_, a. a. O.) noch v.
_Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 472 u. _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1105/6, Nr.
1.]

[Fußnote 196: ([46] auf S. 63.114) Das Adj. _g'want_ hat in _Wittichs_
W.-B. noch folgende Bedeutungen: anständig, artig, behend, brauchbar,
fein, flink, geschickt, geschmeidig, gewandt, nützlich, tauglich,
tüchtig; dazu die Verneinung _nobis g'want_ = nichtsnutzig. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 257, 258 (_e
Gwandter_ = »ein Handfester« u. _der gwandtste_ = der Beste); _Schwäb.
Händlerspr._ 481 (_gwant_ = gut [in _Pfedelb._ (210, 212): _quant_ =
geschickt, gut, schön; ebendas. (212) _Quantheit_ = Schönheit, in
_Eningen_ (206, Anm. 1): _Gwanderpenk_ = Schultheiß]); vgl. auch
_Pleißlen der Killertaler_ 435, 436 (_gwant_ = gut, schön, _gwanter
Jôle_ od. _Plempel_ = Wein) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_gewandt_ = gut).
Über die sonstigen Belege im Rotw. (s. z. B. schon _Ndd. Lib. Vaget_
[77: _quant_ = »vel eft grot«) u. den Geheimspr. sowie über die
_Etymologie_ s. _Weber-Günther_, S. 172 (unter »gewahnd«). Der Ableitung
des Wortes vom latein. _quantum_ (s. A.-L. IV, S. 70; _Günther_,
Rotwelsch S. 34; _Stumme_, S. 22, 23) steht gegenüber die Auffassung,
die darin nichts anderes als unser deutsches »gewandt« erblickt. So u.
a. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 607, der jedoch ausdrückl.
bemerkt, daß in Schwaben das Wort (das z. B. auch die Tübinger Studenten
gebrauchen) aus der Schriftsprache aufgenommen sein müßte, da das
Partiz. zu »wenden« schwäb. _g(e)wend(e)t_ heißt.]

anpacken, _schniffen_ (daher: _schniff' ihn_ = pack' ihn)[197]            [63.115]

anreden, ansprechen, _andiberen_[198]

ansagen, _anschmusen_[199]

[Fußnote 197: ([47] auf S. 63.115) S. anfassen.]

[Fußnote 198: ([48] auf S. 63.115) Das Zeitw. _dibere(n)_ (-ra) = reden,
sprechen (erzählen, plaudern, auch spezieller antworten, beantworten)
kommt noch vor in den _Zus._: _nachdiberen_ = nachsagen, _verdiberen_ =
verraten (dazu das subst. Partiz. _Verdibert_ = Verrat) u. _vordiberen_
= vorsagen sowie in d. _Verbdgn._ _dof diberen_ = loben (vgl. oben S.
111, Anm. 188) u. _nobis diberen_ = stumm sein (s. d. betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr.). Dazu die _Ableitungen_: _Diberer_ =
Plauderer, Sprecher, _Verdiberer_ = Verräter, _Diberei_ = Erzählung,
Gerede, Gespräch, Geschwätz, dann auch spezieller Untersuchung od.
Verhör u. das Adj. _diberich_ = gesprächig. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. d. Gaunerspr._ 49 97, 99 (_tiebern_ od. _madiebern_
= reden, schwatzen, _Madiberei_ = »Jaunersprache«); _Pfulld. J.-W.-B._
337, 340, 343-45 (_diberen_ = aussagen, sprechen, schwatzen, _gedibert_
= abgeredet, _Dib(l)erei_ = Sprache, Geständnis); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 70, 74, 75 _diberen_ = reden, sprechen, _Gediwer_ =
Geschwätz); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_diberen_ = sprechen, in
_Pfedelb._ [210]: _Gediewer_ = Geschwätz); vgl. auch _Pleißlen der
Killertaler_ 435 (_debere[n]_ = schimpfen) u. _Pfälz. Händlerspr._ 437
(_dîbere_ = sprechen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die
_Etymologie_ (vom hebr. _dibbêr_ = »reden, sprechen«, Partiz.
_mĕdabbêr_) s. Näh. bes. bei _Weber-Günther_, S. 162 (unter
»dewern«); vgl. auch _Wagner_ bei _Herrig_, S. 236; _Günther_,
Rotwelsch, S. 27; _Seiler_, Lehnwort IV, S. 489/90; _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 186.]

[Fußnote 199: ([49] auf S. 63.115) Das Zeitw. _schmusen_ hat im wes.
dieselben Bedeutgn. wie _diberen_. Von _Zus._ damit finden sich:
_aufschmusen_ = aufsagen, _ausschmusen_ = aussagen, aussprechen,
_nachschmusen_ = nachsprechen u. _vorschmusen_ = vorsagen, von
_Verbindungen_: _dof schmusen_ u. _nobis schmusen_ in gleichem Sinne wie
_dof_ u. _nobis diberen_ (s. oben Anm. 198) sowie _Bremser schmusen_ =
»auslassen« (d. h. furzen). _Ableitungen_ sind: _Schmuser_ = Plauderer,
Schwätzer, Sprecher (vgl. _Schmuserfläderling_ = Papagei [s. oben S.
100, Anm. 165]) u. _Schmuserei_ = Diberei sowie das Adj. _schmusich_ =
gesprächig (vgl. dazu _Schmusichergiel_ = Plappermaul). _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_schmusen_ = reden);
_W.-B. des Konst. Hans_ 256 (= sagen; vgl. 258: _auf Jenisch schmusen_);
_Schöll_ 272 (= sagen; vgl. 273: _Schmusereyen_ [ohne Übers.]); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 340, 344-46 (_schmusen_ od. _schmußen_ = aussagen,
schwatzen, sprechen, verraten, _verschmusen_ = ausplaudern,
_abgeschmust_ = abgeredet, abgeurteilt, _Schmuserei_ = Geständnis);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (_schmußen_ = reden, sprechen; vgl.
[68] _Glattschmuser_ = Denunziant); _Schwäb. Händlerspr._ 486
(_schmusen_ = sprechen, [in _Pfedelb._ (208): aussagen; vgl. ebendas.
(214) _zuschmusen_ = zutragen]). _Zu vgl._ auch noch _Schwäb.
Falschmünzerprozeß 1791/92_ (261, 263: _anschmusen_ = anreden), ferner
_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_schmûsen_ = sprechen) u. _Winterfeld.
Hausiererspr._ 442 (_doufe schmusen_ für a) »beichten« u. b) »sich
verbürgen«). Noch weitere Belege bei _Schütze_, S. 90. Zur _Etymologie_
(vom hebr. _schĕmû'ôth_ [jüd. _schemûoß_ ausgespr.] = »Erzählungen«,
plur. von _schĕmû'_ = »Nachricht [Geschichte], Gerücht, Gerede«) s.
_Stumme_, S. 14 u. 21 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1135,
_Weigand_, W.-B. II, Sp. 755 (unter »Schmus«) u. _Seiler_, Lehnwort IV,
S. 494.]

anschauen, _anlinzen_[200]                                                [63.116]

anschließen, _anb'schrenke_[201]

anschneiden, _anschurele_[202]

ansehen s. anschauen

ansprechen s. anreden

anständig, _dof_[203], _g'want_[204]

Antlitz s. Angesicht u. Gesicht

antworten, _diberen_[205], _schmusen_[206]

anwendbar, _dof_, _duft_[203]

[Fußnote 200: ([50] auf S. 63.116) Das Zeitw. _linzen_ (od. _lenzen_) =
bedeutet a) blicken, schauen, sehen (auch: beobachten, besehen,
besichtigen, betrachten, ersehen, gaffen, gucken, spähen; ferner aber
auch b) fragen (erfragen). Zu der Bedeutg. unter a) gehören (außer
_anlinzen_) noch die _Zus._ _auflinzen_ = aufsehen, _auslenzen_ =
aussehen, _herablinzen_ = herabschauen, _herumlinzen_ = herumblicken,
_nachlinzen_ = nachsehen, _niederlinzen_ = niederblicken, _überlinzen_ =
übersehen, _umlinzen_ = umblicken, -schauen, _weglinzen_ = wegsehen,
_zulinzen_ = zuschauen, _zurücklinzen_ = zurücksehen; zu der unter b):
_auslinzen_ = (aus)forschen. _Ableitgn._: _Linzer_ = Spiegel, _Linzere_
(fem.) = Brille (_Zus._: _Stradelinzer_ = Wegweiser) u. (mit dem Stamme
des Zeitw.: _linz-_): _Linzgrifling_ = Zeigefinger. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Verlenz_ = Verhör);
_W.-B. des Konst. Hans_ 257, 259 (ebenso, ferner _lenzen_ = sehen,
_anlenzen_ = ansehen); _Schöll_ 273 (_Verlenz_ = Verhör); _Pfulld.
J.-W.-B._ 343-345 (_linzen_ = schauen, sehen, _verlenzen_ = verhören,
_Verlinz_ = Verhör); _Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _lensen_ =
sehen). Zur _Etymologie_ des Wortes (das deutsch. Ursprungs ist) s. d.
Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 60, 61 unter »Linser« (ebds. Anm. 4
noch weitere rotw. Belege); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
1258 (unter _linzen_) vbd. mit Sp. 1175 (unter »lenzen«).]

[Fußnote 201: ([51] auf S. 63.116) S. abschließen.]

[Fußnote 202: ([52] auf S. 63.116) S. abbiegen.]

[Fußnote 203: ([53] auf S. 63.116) S. angenehm.]

[Fußnote 204: ([54] auf S. 63.116) S. anmutig.]

[Fußnote 205: ([55] auf S. 63.116) S. anreden.]

[Fußnote 206: ([56] auf S. 63.116) S. ansagen.]

anzahlen, _anbleisgeren_[207], _anpfreimen_[208], _anzeinen_[208]         [63.117]

anziehen s. ankleiden

Anzug, _Kluft_, _Klufterei_[209]

anzünden, _anfunken_[210]

Apfel, _Bommerling_[211]

Apfelbaum, _Bommerlingstöber_[212]

[Fußnote 207: ([57] auf S. 63.117) Zu _bleisgeren_ = bezahlen, zahlen
(auch als Hauptw.: _Bleisgeren_ = Steuern) s. noch die _Zus._
_ausbleisgeren_ = auszahlen. In dem _verw. Quellenkr._ (u. wohl auch
sonst im Rotw.) anscheinend _un_bekannt. _Etymologie_: aus der
Zigeunerspr. (s. »Einltg.«, S. 29). Vgl. Näh. bei _Liebich_, S. 152 u.
185 (_pleisserwāwa_ = »ich bezahle, vergelte«); _Miklosich_,
Denkschriften, Bd. 27, S. 46, 47 (unter »pleisker«: bei d. deutsch. Zig.
_pleisservāva_ = »bezahlen«, vgl. slaw. _plati-ti_); _Finck_, S. 78
(_plaiserw_ - [_plaiserd_ -]= »bezahlen, ersetzen, lohnen, vergelten«).]

[Fußnote 208: ([58] auf S. 63.117) S. abzahlen.]

[Fußnote 209: ([59] auf S. 63.117) S. ankleiden.]

[Fußnote 210: ([60] auf S. 63.117) S. abbrennen; vgl. auch anbrennen.]

[Fußnote 211: ([61] auf S. 63.117) Mit _Bommerling_ sind gebildet die
_Zus._ _Bommerlingstöber_, _-kies_, _-brandling_, _-jo(h)le_ =
Apfelbaum, -kern, -kuchen, -wein sowie (ans _Ende_ gesetzt)
_Scheinlingbommerling_ = Augapfel. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89 (_Bommerlen_ = Apfel); _W.-B.
des Konst. Hans_ 254 (_Bommerling_); _Schöll_ 271 (_Pommerling_);
_Pfulld. J.-W.-B._ 337 (ebenso, Bedtg.: = _Äpfel_; vgl.
_Pommerlingsteberling_ = Apfelbaum); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 66
(_Bommerling_, Nebenbdtg. [71]: _Kartoffel_); _Schwäb. Händlerspr._ 479,
484 (_Bommerling_ = Apfel, Obst); _dieselbe Form_ hat auch die _Pfälz.
Händlerspr._ 437 (für Apfel); vgl. noch _Metzer Jenisch_ 216
(_Bomeche_). Auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. bekannt. Zur
_Etymologie_ (vom französ. _pomme_) s. _Pott_ II, S. 36; A.-L. 585,
_Günther_, Rotwelsch, S. 38; _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1283.]

[Fußnote 212: ([62] auf S. 63.117) _Stöber_ = Baum (Dimin. _Stöberle_ =
Bäumchen) wird auch als Bezeichnung _einzelner_ Baumarten gebraucht, für
die keine besonderen jenischen Ausdrücke vorhanden sind (vgl. d. W.-B.
unter »Birke«), so für Birke, Buche, Eiche und Fichte. Dagegen sind für
andere Bäume (bzw. baumartige Gewächse) besondere _Zusammensetzgn._ mit
_Stöber_ gebildet worden, so (außer _Bommerlingstöber_) noch:
_Stielingstöber_ = Birnbaum, _Scharriselestöber_ = Kirschbaum,
_Staubertsäftlingstöber_ = Mehlbeerbaum, _Krächer(le)stöber_ = Nußbaum,
_Blaulingstöber_ = Pflaumenbaum, _Jahre-_ oder _Kracherstöber_ = Tanne
(vgl. oben S. 108, Anm. 179, lit. a u. b), _Kupferstöber_ (eigtl. etwa
»Grasbaum«) = Weidenbaum, _Jo(h)lestöber_ = Weinstock, _Blauhanzestöber_
= Zwetschgenbaum. Andere _Zus._ mit _Stöber_ (am _Anfang_ stehend) sind
noch: _Stöberspraus_ = Baumholz oder Stamm (s. d. betr. Übereinstimmg.
mit d. Zigeunerspr.), _Stöberschmaler_ = »Baumkatze«, d. h. Eichhörnchen
(s. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeunerspr. schon. »Vorbemerkung«, S. 18
sowie noch unter »Baumkatze«), _Stöbersschure_ oder _-sore_ = Obst. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 271 (_Steber_ = Baum);
_Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Stöberling_, vgl. [337] _Pommerlingsteberling_
= Apfelbaum); in der _schwäb. Händlerspr._ (479, 487) ist dagegen nur
_Stemmerling_ = Baum, Stock bekannt. Die _Etymologie_ des (auch sonst
noch im Rotw. [bes. in d. Form _Steber_] vorkommenden) Wortes ist
_unsicher_; vielleicht gehört es zu unserem »Stab« od. damit stammverw.
Ausdr. in andern Sprachen (vgl. bei _Weigand_, W.-B. II, Sp. 940 unter
»Stab«: lit. _stabarai_ = »trockene _Baum_äste«). _Miklosich_, Beitr.
III, S. 19 (unter »Steber«) hat zunächst _slaw._ Ursprung (vgl. neusl.
_steber_ = »Säule« u. bes. serb. _stabar_ = »Stamm«) vermutet.]

Apfelkern, _Bommerlingkies_[213]                                          [63.118]

Apfelkuchen, _Bommerlingbrandling_[214]

[Fußnote 213: ([63] auf S. 63.118) _Kies_, eigentl. a) = Stein
(Gestein), bes. auch Kieselstein, dann auch b) = Kern, kommt in _beiden_
Bedeutgn. in zahlreichen _Verbindgn._ u. _Zusammensetzgn._ vor, so in
der Bdtg. unter a: in den _Verbdgn._ _dofer Kies_ = Diamant, Edelstein
u. _grandicher Kies_ = Felsen (s. dazu schon oben S. 100, Anm. 165) od.
Quaderstein sowie in den folgenden _Zus._: [Griechisch: a]) mit K.
_vorne_: _Kieslobe_ = Pflastergeld (eigtl. »Steingeld«) u. _Kiesguffer_
= Steinhauer, Steinmetz; [Griechisch: b]) mit K. _am Ende_: _Kittlekies_
= Backstein od. Dachziegel, _Funkkies_ = Feuerstein, _Begerkies_ =
Grab-, Leichenstein, _Flu(h)tekies_ (eigtl. »Wasserstein«) = Insel (vgl.
schon oben S. 36, Anm. 126); _Stradekies_ = Kilometer-, Meilenstein;
ferner in der Bedtg. unter b: (außer _Bommerlingkies_) noch:
_Stieling-_, _Scharrisele-_, _Kräckerle-_, _Blauling-_ u.
_Blauhanzekies_ = Birnen-, Kirschen-, Nuß-, Pflaumen- u. Zwetschgenkern.
— Eine _Ableitg._ von _Kies_ = Stein ist das Adj. _kiesich_ = steinig.
Zu trennen ist der Etymologie nach: _Kies_ = Geld, worüber das Näh.
unter »Bank«. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
344 (_Kißel_ = Stein); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Kûß_ od. _Kisel_ [in
_Lütz._ (215): _Khis_] = Stein; vgl. auch [484]: _Kîseler_ [in
_Pfedelb._ (218): _Kieseler_], _Kî(e)slerspink-_ od. _Kî(e)slerfisl_ =
Maurer). _Etymologie_: wohl jedenfalls zu unserem gemeinsprachl. »Kies«
bzw. »Kiesel« (mhd. _kis_, _kisel_); vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 9
(unter »Kîseler«), auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 420 (unter
»Kis«, Nr. 4, c), 422 (unter »Kisel«, Nr. 3) u. 872 (unter »Kus«).]

[Fußnote 214: ([64] auf S. 63.118) _Brandling_ (-leng) = Kuchen
erscheint noch in d. folgenden _Zus._ a) am _Anfang_ stehend:
_Brandlingschei_ (= eigtl. »Kuchentag«) = Kirchweihe u.
_Brandlingweisleng_ (eigtl. »Kuchensonntag«) = Kirchweihsonntag; b) ans
_Ende_ gesetzt: (außer _Bommerlingbr._ noch): _Bäzemebrandling_ =
Eierkuchen, _Niesichescheibrandling_ = Fastnachtskuchen,
_Krachersäftlingbr._ = Heidelbeerkuchen, _Girall-_ od. _Räslingbr._ =
Käsekuchen, _Scharriselebr._ = Kirschkuchen, _Süßlingbr._ = Lebkuchen,
_Blauhanzebr._ = Zwetschenkuchen, _Sorebrandling_ = Zwiebelkuchen. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Brandling_
= Küchlein); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (Form ebenso, Bedtg.:
Pfannkuchen); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (Bedtg.: Kuchen, in _Pfedelb._
[212] = Pfannkuchen). Vielleicht ist auch statt _Bundling_ = Kuchen im
_Dolm. der Gaunerspr._ 35 zu lesen: _Brandling_. _Etymologie_: Das Wort,
das sonst im Rotwelsch, wenigstens in der Form _Brändling_ (od.
_Brendling_), für »Kaffee« (s. z. B. auch schon _Dolm. der Gaunerspr._
94 [_Brendling_]) oder »Schnaps« (vgl. A.-L. 526) u. dergl. m. (s. z. B.
schon _Körners_ _Zus. zur Rotw.-Gramm._ v. 1755 [209: _Brandling_ =
»Kofent«]) vorkommt, gehört wohl zu unserem Zeitw. _brennen_.]

Apfelwein, _Bommerlingjo(h)le_[215]; s. auch Most                         [63.119]

Appetit, _Bog(g)elo_[216], _Putl(t)ak_[217], _Ruf_[218]; s. auch Hunger

[Fußnote 215: ([65] auf S. 63.119) _Jo(h)le_ = Wein (Rebensaft) kommt
noch vor in der Verbdg. _gesicherter Jo(h)le_ = Glühwein, Punsch, und in
den folgenden _Zusammensetzgn._: _Jo(h)lesore_ = Weinfaß,
_Jo(h)leglansert_ = Weinglas od. -flasche, _Jo(h)lekitt_, _-spraus_,
_-schnall_, _-stöber_ = Weinhaus, -rebe, -suppe, -stock. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ (_G'finkelterjole_ =
Branntwein [vgl. dazu oben »Einltg.«, S. 28]); _Pfulld. J.-W.-B._ 346
(_Jole_ = Wein); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (ebenso); _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Jole_ od. _Jôli_ [in _Pfedelb._ (214): _Jole_ od.
_Säftlingsjole_] = Wein; vgl. 484]: _Stielingsjôle_ [eigtl.
»Birnenwein«] = Most); vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ 435 (_Jôle_
od. _gwanter Jôle_ = Wein) u. _Metzer Jenisch_ 217 (_Jole_ = Wein). Die
Form _Joli_ hat schon das _Basl. Glossar_ v. 1733 (202). Die
_Etymologie_ ist unsicher; nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 103/4
(unter »Jole«, Nr. 1) handelt es sich vielleicht um eine der zahlreichen
rotw. Verunstaltungen des hebr. _jajin_ = Wein (s. darüber Näh. bei
_Weber-Günther_, S. 156; vgl. auch A.-L. 550 u. _Günther_, Rotwelsch, S.
81).]

[Fußnote 216: ([66] auf S. 63.119) Zu _Bog(g)elo_ (od. Bogalo) = Hunger
(Appetit) vgl. noch die _Verbdg._ _grandich Bogelo_ = Heißhunger u. die
_Ableitung_ _bogelich_, das aber im W.-B. nur durch »gierig« od.
»knickerig« (nicht durch »hungrig«) wiedergegeben ist. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._) nur: _Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [215]:
_Boggelo_ = Hunger). _Etymologie_: aus der Zigeunerspr. (s. »Einleitg.«,
S. 29); vgl. A.-L. 526 (unter »Bock« [wo auch _bokelo_ (-kalo) =
hungrig, _Bokillo_ = Geiz u. _bockelig_ = geizig od. hungrig als
_gauner_sprachl. angeführt ist]) u. _Günther_, Rotwelsch, S. 31 vbd. mit
_Pott_ II, S. 396 (unter »Bokh«), _Liebich_, S. 129, 201, 206, 211
(_bōk_ = Hunger, Geiz, Habgier, _bōkĕlo_ [od. -ŏlo] =
hungrig, geizig, habgierig), _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 20, 25 u.
Denkschriften, Bd. 26, S. 180/81 (unter »bokh«: bei den deutsch. Zig.:
_bōk_ = Hunger), _Jühling_, S. 220 (_Bok_ = Hunger), _Finck_, S. 52
(_bok_ = Hunger, Geiz u. _bok'elo_ = hungrig, geizig). Über d. Ursprung
aus dem Altind. s. _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.]

[Fußnote 217: ([67] auf S. 63.119) Mit _Put(t)lak_ = Hunger (Appetit,
auch Gier) ist gebildet die _Verbdg._ _grandich P._ (= gr. Bogelo), also
= Heißhunger. _Zu vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
340 (_Buttlak_ = Hunger); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69
(_puttlachen_ = essen). — In der Form _Buttlack_ (nebst d. Adj.
_buttlakig_ = hungrig) tritt die Vokabel auch sonst im Rotw. des 19.
Jahrh. auf (vgl. z. B. _Pfister_ 1812 [296] u. bei _Christensen 1814_
[318]; _v. Grolman, Aktenmäß. Gesch._ 1813 [313] u. W.-B. 12 u. T.-G.
103; _Karmayer_ 24). _Etymologie_: Der erste Bestandteil des Wortes
gehört wohl ohne Zweifel zu _butten_ = essen (worüber das Näh. schon
oben S. 38, Anm. 130 unter »Abendessen«). Einige Schwierigkeiten macht
dagegen die Endung _-lak_. Vielleicht dürfte sie in Beziehung gesetzt
werden zu dem rotw. bezw. geheimspr. Adj. _la(c)k_ = schlecht, böse,
schlimm u. dgl. (s. z. B. aus dem _verw. Quellenkr._: _Dolm. der
Gaunerspr._ 100 [_lack_ = übel]; _Pfullend. J.-W.-B._ 337, 338, 344
[_lak_ = abgemattet, bös, schlimm]; _Schwäb. Händlerspr._ 480, 486
[_lack_ = dumm, schlecht (in _Pfedelb._ [209] auch bös, vgl.
ebds. _lacke Schix_ = Dirne)]; mit flekt. Endung [_laker_ =
liederlich,falsch], bei _Schöll_ 272, womit zu vgl. _locker_ = falsch,
schlecht bei _Pfister_ bei _Christensen 1814_ [325], zu welcher Form
dann wieder noch _lock_ = klein, schlecht, arm usw. in dem [freilich
nicht mehr verwandten] _Hennese Flick von Breyell_ [456] paßt). Danach
wäre dann _Put(t)lak_ od. _Buttla(c)k_ zu deuten etwa als Umschreibung
für »(mit dem) Essen (steht es) schlecht« oder als reine Negation »Essen
— nicht«. Fraglich bleibt übrigens auch noch die Herkunft des Adj.
_la(c)k_. Während z. B. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 910 ff. das
zigeun. _láko_ = »leicht, gering« (_Finck_, S. 69) herangezogen hat, ist
darin vermutl. eher eine mundartl. Nebenform zu _lau_ = »nicht frisch,
matt, abgestanden, ohne Salz, ungewürzt« u. dgl. (vgl. _Schmeller_,
Bayer. W.-B. I, Sp. 1432; _Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 34 vbd. m. Sp.
285/86) zu erblicken (nach gefl. Mitteilungen von Dr. A. _Landau_).]

Äquilibrist (Seiltänzer), _Schnurrand_[219]                               [63.120]

Arbeit, _Schenagel_[220]

arbeiten, _sch(e)negle(n)_[220]

Arbeiter, _Schenegler_[220]

Arbeitshaus, _Schenagelskitt_[221]

[Fußnote 218: ([68] auf S. 63.120) _Ruf_ = Hunger (Appetit) ist m. Wiss.
in dem speziell _verw. Quellenkr. nicht_ bekannt, dagegen die Form
_Roof_ u. ähnl. (sowie d. Adj. _roofig_ = hungrig) _sonst_ hier u. da im
Rotw. usw. anzutreffen (vgl. z. B. _Christensen_ 1814 [318 u. 324]; _v.
Grolman_ 57 u. T.-G. 1 B.; _Karmayer_ G.-D. 215; _Thiele_ 297; A.-L. 592
u. _Groß_ 487 [hier _Roëw_, _Roow_ u. _Raiwon_]; _Rabben_ 112; _Ostwald_
123; in der _Pfälz. Händlerspr._ [438]: _Rôch_ od. _Rauch_). Zur
_Etymologie_ (vom hebr. _r 'b_ = »Hunger« s. A.-L. 592 u. 457 unter
»Roëw«).]

[Fußnote 219: ([69] auf S. 63.120) _Schnurran¶d¶_ od. (besser)
_Schnurran¶t¶_ hat auch noch die (etwas allgemeinere) Bedeutgn.
»Gaukler« od. »Komödiant« (Schauspieler). S. dazu die _Zus._ a) mit Sch.
_voran_: _Schnurrantekitt_ = Komödien-, Schauspielhaus,
_Schnurrantekritzler_ = Komödienzettel, Programm; b) mit Sch. _am Ende_:
_Randeschnurrant_ = Taschenspieler. In dem _verw. Quellenkr._ m. Wiss.
unbekannt, dagegen hat d. _Kundenspr._ II (423): _Schnurrant_ = Bettler.
Zur _Etymologie_ s. A.-L. IV, Sp. 293: »Nach dem mhd. snarrence ist
_Schnurrant_ der umherziehende Bettelmusikant, wahrscheinlich vom
schnarrenden Laute seiner Leier so genannt«. Es handelt sich (nach
_Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1413) bei dem mundartlich, besonders auch in
_Schwaben_, verbreiteten Ausdruck (s. v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S.
475), der aber auch noch der Schriftsprache unserer klassischen
Literatur (z. B. bei _Goethe_) — für einen »Possenreißer« — geläufig
gewesen, um eine Ableitung von dem latinisierten Zeitwort _schnurrare_,
gleichbed. mit _schnurren_ (od. schnorren), d. h. eigtl. »(mit der
Schnurrpfeife [u. dgl.]) als Bettelmusikant umherziehen«, dann »betteln«
überhaupt (vgl. _Grimm_, a. a. O., Sp. 1420, Nr. 8), wofür es insbes.
bekanntl. auch im Rotwelsch usw. verbreitet erscheint (vgl. A.-L. 293 u.
602 sowie [aus dem _verw. Quellenkr._]: _Dolm. der Gaunerspr._ 90
[_schorren_ (sic) = betteln]; _W.-B. des Konst. Hans_ 255 [_Schnurrer_ =
Bettelleute]; _Schöll_ 273 [Form ebenso]; _Pfulld. J.-W.-B._ 336 bis 338
[_schnurren_ = (ab)betteln, _ausschnurren_ = ausbetteln, _Schnurrer_ =
Bettler]; _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 68 [_schnurren_ (gehen) =
betteln (gehen), _auf die Schnurre_ = auf den Bettel]); _Schwäb.
Händlerspr._ 479 [_schnurren_]). In _Wittichs_ W.-B. ist es aber _nicht_
angeführt.]

[Fußnote 220: ([70] auf S. 63.120) S. abschaffen.]

[Fußnote 221: ([71] auf S. 63.120) Betr. _Kitt_ s. Abort.]

Arbeitslohn, _Schenagelsbich_[222], vgl. Lohn                             [63.121]

arg, _lenk_[223], _schofel_[224]

[Fußnote 222: ([72] auf S. 63.121) Betr. _Bich_ s. Almosen.]

[Fußnote 223: ([73] auf S. 63.121) Das Adj. _lenk_ (mundartl. = _link_
[so bei _Wittich_ nur in d. Spr. u. vereinzelt in einer _Zus._] = arg
(Grundbed.: falsch) umfaßt (ähnlich wie sein Gegenstück _dof_ od.
_duft_) noch eine große Zahl mehr od. weniger ähnlicher Begriffe,
nämlich: bösartig, böse (vgl. dazu d. Komparat.: _lenker_ = böser),
böswillig, buhlerisch, eifersüchtig, elend, erzürnt, frech, garstig,
gefährlich, gehässig, gefühllos, gemütlos, gewalttätig, gottlos,
grausam, grimmig, grob, hartherzig, haßartig, heftig, nichtswürdig,
ruchlos, streng, tückisch, unverschämt, wüst; als Subst. gebr.: = Gefahr
od. Schmach. Dazu die _Verbdg._ _lenker Kritzler_ (eigtl. »böser Brief«)
= Steckbrief (s. d. betr. Analogie im Zigeuner., vgl. auch
»Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47) u. d. _Zus._ _Linkfi(e)sel_ = böser Mann
(Syn.: _lenker Kaffer_). _Zu vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _Dolm.
der Gaunerspr._ 92, 97 (_link_ = falsch, _linke Fleppe_ = falscher Paß);
_Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_link_ = falsch); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
74 (_link_ = falsch, schlecht, _Linkmichel_ = falscher Mensch, _linker
Schenagel_ = nicht passende Arbeit); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_lenk_ =
schlecht [in _Pfedelb._ (209): auch = bös, falsch]; in _Degg._ [215]:
_Linkmichel_ = schlechter Kerl). Über sonstige rotw. Belege (seit d. 17.
Jahrh.) s. _Schütze_ 78; betr. _Linkmichel_ s. auch _Groß'_ Archiv, Bd.
51, S. 152, Anm. 2 u. Bd. 59, S. 266. Zur _Etymologie_ (Erweiterng. des
gemeinspr. _link_ als Gegensatz zu _recht_, nach der _Hand_ genommen
[_Weigand_, W.-B. II, Sp. 70]) s. _Pott_ II, S. 15, 16; A.-L. 567, vgl.
auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1254 (betr. lenk).]

[Fußnote 224: ([74] auf S. 63.121) Das Adj. _schofel_ (auch schoffel)
hat im wes. die gleichen Bedeutgn. wie _lenk_. Es fehlt nur unter
»gemütlos« u. »wüst« (wohl bloß versehentlich), während anderseits _nur_
_schofel_ (_nicht_ aber _lenk_) angeführt ist unter den Ausdrücken: arm,
entzwei, gemein, kümmerlich, lasterhaft, niederträchtig, schamlos,
schlecht (wofür _lenk_ gewiß nur versehentl. fortgelassen), traurig,
treulos, unanständig, verrucht; als _Subst._ gebraucht ist es = Gefahr,
Schmach (wie _Lenk_) u. außerd. noch = Not. Der Komparat. _schofler_ ist
durch »böser« wiedergegeben. Viel häufiger als mit _lenk_ sind mit
_schofel_ _Verbindgn._ od. _Zusammensetzgn._ für selbständige Begriffe
gebildet worden, nämlich: a) _Verbindgn._ _schofle Model_ =
Beischläferin, Dirne (Freudenmädchen, Hure [für letzteren Ausdr. Syn.
auch: _schofle Schüx_]), _schofle Moss_ = Ehebrecherin, Kebsweib (für
letzt. auch: _schofle Goi_), _schofler Kaffer_ (auch — _Benk_, —
_Fiesel_ od. — _Freier_) = Heuchler (alles [außer _sch. Benk_] auch
unter »Hurenkerl« angeführt; _sch. Benk_ [Benges] oder _Fiesel_ auch =
Krüppel); _schofler Begersins_ = Quacksalber, _schofler Kritzler_ (wie
_lenker Kr._ [s. oben Anm. 223] = Steckbrief; vgl. auch noch
die Redensart _schofle Falle (-la) pflanzen_ = »huren«; b)
_Zusammensetzungen_ (d. h. in _einem_ Wort geschr.): _Schoflelehm_ =
Schwarzbrot (vgl. als Gegenst. _Dofelehm_ = Weißbrot [oben S. 111, Anm.
188]), _Schoflergalm_ = Stiefkind, _Schoflemamere_ = Stiefmutter,
_Schoflerpatris_ = Stiefvater, _Schofelkitt_ = Zuchthaus. _Ableitungen_:
_Schofelei_ = Unglück (s. dazu _Schofeleifläderling_ = Rabe [vgl. oben
S. 100, Anm. 165]), _Schoflerei_ = Gericht, Amtsgericht (vgl. dazu
_grandige Schoflerei_ = Land- [Kreis-, Kriminal-] Gericht u.
_Schoflereisitzling_ = Richterstuhl, dagegen _Schoffeleischure_ =
Gerichtsvollzieher). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 91, 92, 97, 99, 101 (_schofel_ = falsch, streng,
_Schofel-fleppe_ = falscher Paß, _schofel Marum_, _Lehm_ [od. Lechem] =
schwarzes Brot, _Schofel Kitt_ = Zuchthaus); _W.-B. des Konst. Hans_
256, 257, 259 (_schofel_ = bös, _schofler Kaffer_ = böser Mann,
_Schofelkitt_ = Zuchthaus); _Schöll_ 272, 273 (_schovel_ = schlimm,
_schovel Gasche_ = schlimme Leute); _Pfulld. J.-W.-B._ 344, 346
(_schofel_ = schlimm, _Schofelkitt_ = Zuchthaus); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 74 (_schofel_ = schlecht); _Schwäb. Händlerspr._ 486
(ebenso, abweichend vom sonst. Sprachgebr. in _Lütz._ [214]:
_Schofel-Kitt_ = Abtritt [vgl. oben S. 44, Anm. 147]). _Etymologie_: Die
Vokabel, die etwa seit Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. u. dann auch in
unserer Schriftsprache auftritt, ist jüdisch-deutscher Herkunft (von
»einem nicht gerade üblichen« _schōfēl_ (statt: _schāfāl_),
dem Partizip des hebr.-rabb. _schāfēl_ = »niedrig gemacht,
gedemütigt werden, sinken«). S. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 776 vbd. mit
A.-L. 603 u. 475, _Günther_, Rotwelsch, S. 94, _Stumme_, S. 19 u.
_Seiler_, Lehnwort IV, S. 495.]

Ärger, _Stumpf_[225]                                                      [63.122]

ärgerlich, _stumpfich_[225]; s. auch zornig

[Fußnote 225: ([75] auf S. 63.122) Zu _Stumpf_ (auch = Entrüstung,
Trotz, Zorn) gehören als _Ableitungen_: a) das Adj. _stumpfich_ oder
(seltener) _stämpfich_) = ärgerlich, empfindlich, entrüstet, ergrimmt,
erzürnt, gereizt, grimmig, trotzig, unwillig, verdrießlich, verstimmt,
wütend, zänkisch, zornig; b) das Zeitw. _stumpfen_ (stümpfen) oder
(häufiger) _stämpfen_ (_erstere_ Formen für: schmähen, lästern,
_letztere_ Form für: bedrohen, beleidigen, beschimpfen, drohen, fluchen,
schelten, schimpfen, zanken; dazu die _Zus._: _ausstämpfen_ =
ausschelten, -schimpfen, -zanken); c) die (zunächst auf das Zeitw.
_stämpfen_ zurückgehenden) Substantive: _Stämpfer_ = Schmäher, Zänker
und _Stämpferei_ = Wortwechsel, Zank, Zänkerei, Zwist. Zu dem
Stamme _stämpf-_ (des Zeitw. stämpfen) gehört auch die _Zus._
_Stämpffläderling_ (d. h. eigtl. der »schimpfende Vogel«) = Elster (s.
d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 340, 343, 346 (_stumpf_ = bös
[345: = taub], _Stumpf_ = Haß, Zorn, _stimpfen_ = schelten, zanken);
_Schwäb. Händlerspr._ 485, 488 (_stumpf_ = zornig [in _Pfedelb._ (214)
als Subst. _Stumpf_ = Zorn], _stumpfen_ = schimpfen). Übrigens dürften
sich die Vokabeln bis ins 18. Jahrh. hinein verfolgen lassen. So findet
sich z. B. im _W.-B. von St. Georgen_ 1750 (219, 220) _stumpf_ =
unsicher, im _Schwäb. Falschmünzerprozeß_ von 1791/92 (261 ff.) mehrmals
_Stumpf_ oder _stumpf machen_ = »Lärmen« oder »Angst machen« (v. S. der
Gauner) sowie das Subst. _Stumpfmacher_ = »Lermen- (d. h. Lärm-)
Macher«; vgl. noch ebds. (263) sowie in der _Uracher Jauner- und
Betrügerliste_ 1792 (268): _anstimpfen_ od. _anstempfen_ (= anschmusen),
d. h. etwa Überreden eines leichtgläubigen Opfers v. S. der Betrüger.
Bei _Schintermicherl_ 1807 (288) — der auch _stumpf_ = »hart od. böse«
hat — bedeutet das Zeitw. _stimpfen_ = bellen (von Hunden).
_Etymologie_: Bei _Stumpf_ = Ärger, Zorn usw. liegt wohl nur eine
Substantivierung vom Adj. _stumpf_ vor, das u. a. in dem Sinne von
»böse« schon im Mhd. bekannt gewesen (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 999)
und sich noch bis in die neuere Zeit hinein in der bayr.-österreich.
Mundart erhalten hat (vgl. bes. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 761 m.
Hinweis auf _Castelli_ [Öster. W.-B., 1847], S. 239: _stumpf_ = böse,
verdrießlich). Für das Zeitw. _stumpfen_, _stämpfen_ vgl. noch bes.
_Schmeller_, a. a. O., Sp. 760 (_stimpfen_, _stümpfen_ = »sticheln,
[be]kritteln, schmähen«) u. Sp. 762 (_stumpfieren_ = »kritteln,
[be]spotten«); auch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 518 vbd. m. 515
(_stumpfieren_ = schimpfen, lächerlich machen, _stumpflerisch_ =
spöttisch, anzüglich).]

arm (ärmlich, armselig), _vermuft_[226], auch wohl _schofel_ (Spr.)[227]  [63.123]
u. _dercherich_[228]

arme Leute, _Dercherulma_ (d. h. eigtl. »Bettelleute«)[229]

Armenhaus, _Dercherkitt_[230]

Armut, _Vermuft_[231]

Arrest, _Dofes_[232], _Kittle_[233], _Lek_[234]. Eigentlich soll mit
_Dofes_ das Gefängnis im e S., mit _Kittle_ der Arrest (Haft) und mit     [63.124]
_Lek_ (od. _Schofelkitt_) das Zuchthaus bezeichnet werden.

[Fußnote 226: ([76] auf S. 63.123) S. Aas.]

[Fußnote 227: ([77] auf S. 63.123) S. arg.]

[Fußnote 228: ([78] auf S. 63.123) S. abbetteln.]

[Fußnote 229: ([79] auf S. 63.123) Über _Dercher-_ s. abbetteln. —
_Ulma_ (-me) = Leute kommt noch vor: a) in den _Zusammensetzungen_:
_Schniffer-_ od. _Schorerulma_ = Diebesbande, _Fehteulme_ =
Herbergsleute (Spr.), _Dächlespflanzerulma_ = Schirmflickerleute (Spr.),
_Steinhäuflesulme_ = Städter, _Blibelulma_ (-e) = fromme Leute,
»Stundenleute« (d. h. Methodisten); b) in den _Verbindgn._: _jenische
Ulma_ = »fahrende Leute« u. _grandich Ulma_ (d. h. »viele Leute«) =
Menge (s. d. betr. Übereinstimme, mit d. Zigeun.). Das Wort ist in dem
bes. _verw. Quellenkr._ m. Wiss. unbekannt u. auch sonst im Rotwelsch
(wenigstens in _gleicher Form u. Bedeutg._) selten; vgl. aber z. B.
schon _Lib. Vagat_ 55 (_Wyßulm_ = »einfaltig volck«), dann öfter
wiederholt, ferner _Münchner Deskription_ 1727 (192: _die platten Ulm_,
etwa im Sinne von »Gaunern« u. dergl.) u. _Schintermicherl_ 1807 (289:
_Ulm_ = Leute); dagegen hat _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 (327) die
Form _Ohlem_ (= Menge), die sich dem jüd. (hebr.) Stammworte mehr
annähert. Ihrer _Etymologie_ nach geht die Vokabel nämlich zurück auf
das hebr. _'ôlm_ = »Ewigkeit, Welt«, jüd. _ôlem_ od. _ulen_ = »Welt,
dann Leute, Menschenmenge« (wie französ. _monde_ = »Welt« u. »Leute«);
vgl. A.-L. 426 (unter »Olam«) u. _Wagner_ bei _Herrig_, S. 237.]

[Fußnote 230: ([80] auf S. 63.123) S. abbetteln u. Abort.]

[Fußnote 231: ([81] auf S. 63.123) S. Aas, vgl. »Vorbemerkung«, S. 15,
Anm. 36 (subst. Partiz.).]

[Fußnote 232: ([82] auf S. 63.123) _Dofes_ ist im W.-B. auch durch
»Gefängnis, Gewahrsam, Haft« u. »Kerker« wiedergegeben; dazu: _im Dofes_
= gefangen sowie die _Zusammensetzg._ _Dofesbu(t)z_ = Gefangenwärter.
_Ableitg._: das Zeitw. _ei'dofema_ = einkerkern (einsperren,
einstecken). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
340 (_Doves_ = Gefängnis); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67 (_Doves_ =
Arrest, _Ratte-Doves_ = Dunkelarrest); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 488
(_Dôfes_ [in _Pfedelb._ (214): _Doves_] = Arrest, Zuchthaus). Vgl. auch
_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Dôfes_ = Gefängnis). Über sonstige Belege im
Rotwelsch sowie die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom hebr. _tfaf_ =
»ergreifen, gefangen nehmen«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 288 (mit
weiteren Angaben); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp.
246/47, welcher meint, daß der Ausdruck »vielleicht volkstümlich an
_tōf_ (gut) ironisch angelehnt« sei.]

[Fußnote 233: ([83] auf S. 63.123) S. Abort.]

[Fußnote 234: ([84] auf S. 63.123) _Lek_ hat dieselben Bedeutgn. wie
_Dofes_ u. außerdem noch insbes. die von »Zuchthaus« (s. oben i. Text);
vgl. dazu: _im Lek_ = gefangen; _Zus._: _Lekbu(t)z_ = Gefangenwärter;
_Ableitg._: _ei'leken_ = _ei'dofema_. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92, 100 (_Leck_ = Gefängnis, _Leik_
= Turm); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Lek_, plur. _Leke_ = Gefängnis);
_Schöll_ 272 (ebenso, vgl. 273: _in der Leke_ = in der Gefangenschaft);
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Leke_ [sing.] = Gefängnis); in der _schwäb.
Händlerspr._ unbekannt. Zur _Etymologie_ bemerkt _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 1172 nur, daß sie »unklar« sei; _Stumme_, S. 21, hat das
hebr. _lqach_ = »nehmen, ergreifen« herangezogen; vgl. auch A.-L. 566
unter »Lekach« vbd. mit 561 unter »Leck«, wo jedoch in erster Linie
_deutscher_ Ursprung des Wortes angenommen (mhd. _lûchen_ od. _liechen_,
ahd. _lûhhan_, _liohhan_ = »schließen, zuschließen«, das auch das
Stammwort für unser »Loch« [schon mhd. _loch_ oder (seltener) _luch_
auch = Gefängnis]) gewesen ist; s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 75, vbd. mit
_Grimm_, D. W.-B. VI, Sp. 1093, 1094, Nr. 4). Demnach dürfte _Lek_ =
Loch zu deuten sein, wofür auch die Form _L¶o¶cke_ (= Gefängnis) schon
im älteren Rotwelsch (s. A. _Hempel_ 1687 [169]; _Waldheim. Lex._ 1726
[187]; _Körners Zus. zur Rotw. Gramm._ von 1755 [240]) spricht, ferner
der gleiche Gebrauch von _Loch_ in der _modernen Gaun.- u. Kundenspr._
(s. z. B. _Rabben_ 83 u. _Ostwald_ [Ku.] 96), bei den _Studenten_ (vgl.
_Kluge_, Studentenspr., S. 18 [schon in älterer Zeit]: _Hundsloch_ =
Karzer), _Schülern_ (s. _Eilenberger_, Pennälerspr. S. 15 u. 42: _Loch_
= Karzer) und _Soldaten_ (s. _Horn_, Soldatenspr., S. 9 u. 121: _Loch_ =
Arrestlokal) sowie auch wohl in der allgemeinen Umgangssprache (vgl.
dazu u. a. _Blumschein_ in d. Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg.
Deutsch. Sprachv. III, S. 117).]

artig, _dof_[235], _g'want_[236]

Arzt, _Begersins_[237]

Asche, _Schund_[238]

Aschenbecher, _Schundschottel_[239]

[Fußnote 235: ([85] auf S. 63.124) S. angenehm.]

[Fußnote 236: ([86] auf S. 63.124) S. anmutig.]

[Fußnote 237: ([87] auf S. 63.124) S. absterben und Amtmann.]

[Fußnote 238: ([88] auf S. 63.124) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 239: ([89] auf S. 63.124) _Schottel_ (plur.: _Schottle_) =
Schüssel, Büchse (Gefäß, »Gelte«, Geschirr, Korb, Kübel, Schale, Tasse,
Teller, Wanne) ist beliebt in zahlreichen _Zusammensetzungen_ für
allerlei Behältnisse, so (außer _Schundschottel_) noch: _Lehmschottel_ =
Brotbüchse, _Soreschottel_ = Erbsen- od. Linsenschüssel, aber auch
Pfefferbüchse u. Porzellantasse, _Schmunkschottel_ = Fettbüchse,
_Bossertschottel_ = Fleischbüchse, _Flößlingschottel_ = Heringbüchse,
_Süßlengschottel_ = Kaffeetasse, aber auch Zichorienbüchse,
_Staubschottel_ = Mehlschüssel, _Gleisschottel_ = Milchgefäß,
eigtl. Milchschüssel, _Hornikelgielblättlingschottel_ =
Ochsenmaulsalatschüssel, _Horbogebossertschottel_ = Rindfleischbüchse,
_Spronkertschottel_ = Salzbüchse, _Schwächschottel_ = Trinkgeschirr,
Trinkschale, _Pfladerschottel_ = Waschbecken. Mit _Schottel_ am Anfang
ist dagegen nur _eine Zus._ gebildet worden, nämlich _Schottelpflanzer_
= Korbmacher. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 95, 98 (_Schodel_ = Schüssel, _Schottel_ = Korb,
_Schottelpflanzer_ = Korbmacher); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Schottel_ =
Kachel); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 483, 488 (_Schottele_ = Korb, Glas
[in _Pfedelb._ (212): Schoppen], Wanne, _Schottelepflanzer_ =
Korbmacher). _Etymologie_: Die Vokabel, die sonst im Rotw. auch in der
Form _Schuttel_ vorkommt (s. z. B. _Pfister_ bei _Christensen_ 1814
[330]), ist doch wohl nur eine (dialekt.) Veränderung von uns.
gemeinspr. »Schüssel« (mnd. _schottel_ od. _schuttel_ [_Weigand_, W.-B.
II, Sp. 805]); s. _Günther_, Rotwelsch, S. 52; vgl. auch _Groß'_ Archiv,
Bd. 46, S. 31.]

Ast (Baumast), _Sprate_[240], _Stenz_[241]                                [63.125]

Attest, _Kritzler_[242]

[Fußnote 240: ([90] auf S. 63.125) _Sprate_ hat auch die allgemeinere
Bedeutung von »Stecken« od. »Stock«. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Sprade_ = Stock); _ebenso_:
_Pfulld. J.-W.-B._ 345 u. _Schwäb. Händlerspr._ 487. Die _Etymologie_
ist unsicher. Da sich jedoch in der _Pfälzer Händlerspr._ (439) die Form
_spte_ = Stock findet, könnte man vielleicht an unser gemeinsprachl.
»_Spaten_« denken, das verwandt ist mit dem griech.-lat. _spatha_ =
»zweischneidiges Schwert« u. dergl. (s. Näh. bei _Weigand_, W.-B. II,
Sp. 904), ital. _spada_, auch rotw. (z. B. bei _Pfister_ bei
_Christensen_ 1814 [330]) _Spaden_ = Degen (vgl. dazu _Pott_ II, S. 17;
_Günther_, Rotwelsch, S. 37).]

[Fußnote 241: ([91] auf S. 63.125) _Stenz_ heißt ebenfalls eigentlich
»Stock« (»Stecken«), bedeutet dann aber auch (die damit ausgeteilten)
Prügel (auch im plur. _Stenze_ = Schläge). _Zus._ damit: _Dercherstenz_
= Bettelstab; _Ableitgn._: zunächst das Zeitw. _stenzen_ = hauen,
prügeln, schlagen (_Zus._ _niederstenzen_ = niederschlagen, _verstenzen_
= verhauen, _zustenzen_ = zuschlagen) u. davon wieder das Subst.
_Stenzerei_ = Schlägerei (Fehde). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 72, 76 (_Stenz_ =
Stock, _Flatter-_ od. _Flosserstenz_ = Schirm; _stenzen_ = durchhauen);
_Schwäb. Händlerspr._ 487, 488 (_Stenz_ od. _Stanz_ [in _Pfedelb._
(213): auch _Stenzling_] = Stock, _Stenz kriegen_ = Prügel bekommen;
Nebenbdtg. [483]: »Louis«; in U. [215]: _stenzen_ = schlagen, in
_Pfedelb._ [213] dagegen = stehlen). Über weitere Belege im Rotw. sowie
die (nicht sichere) _Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
S. 76 u. Anm. 1 u. 2 (unter »Stanzer«) vbd. m. Bd. 56, S. 59, Anm. 1.]

[Fußnote 242: ([92] auf S. 63.125) _Kritzler_ hat noch die Bedeutgn.:
Brief, Dokument, Schreiben oder Schrift, Urkunde, Zettel. Dazu folgende
_Zusammensetzgn._: a) mit _Kr. vorne_: _Kritzlerbukler_ = Briefträger,
Postbote, _Kritzlerrande_ = Brieftasche, auch Papiersack, _Kritzlerbich_
od. _-lobe_ = Papiergeld, _Kritzlerpflanzer_ = Papiermacher,
_Kritzlerrädling_ = Postwagen; b) mit _Kr. hinten_: _Dercherkritzler_ =
Bettelbrief, _Schnurrantekritzler_ = Komödienzettel (Programm),
_Sprauskritzler_ = Steckbrief (ein wohl aus der Zigeunersprache
übernommenes Wortspiel [vgl. schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 46],
worüber das Näh. noch unter »Steckbrief«), _Begerkritzler_ =
Totenschein. Als _Verbindg._ erscheint _lenker_ od. _schofler Kritzler_
= Steckbrief (vgl. Näh. schon oben S. 121, Anm. 223 u. Anm. 224). _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 480
(_Kritzler_ = Brief); auch _Pleißlen der Killertaler_ 435 (Bedtg.:
Brief, auch [nach _Kapff_ 213]: Paß, Wandergewerbeschein; _kritzle[n]_ =
schreiben). In der Pennälersprache bedeutet _Kritzler_ den Federhalter
(s. _Eilenberger_, S. 38). Der _Etymologie_ nach gehört der Ausdr.
jedenfalls zu unserem gemeinspr. Zeitw. _kritzeln_ = »kratzend fein
schreiben«, Dim. von d. ält. nhd. u. mhd. _kritzen_, ahd. _krizôn_ =
»einritzen«, vielleicht mit Kreis verw., aber schwerlich zu kratzen (s.
_Weigand_, W.-B. I, Sp. 1155); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
Sp. 771.]

aufbewahren, _aufschurela_[243]                                           [63.126]

aufbrechen, _aufschurela_

aufdecken, _aufschurela_

aufessen, _aufbiken_, _aufbutten_, _aufkahla_[244]

auffallen, _aufbohlen_[245]

aufgeblasen sein s. hoffärtig (stolz) sein

aufhängen, _aufschnüren_[246]

aufheben, _aufschurelen_[243]

aufhenken s. aufhängen

aufhören, _sich (auf)schupfen_ (bes. als Imperat.: hör' auf, _schupf
dich [auf]_)[247]

[Fußnote 243: ([93] auf S. 63.126) S. abbiegen.]

[Fußnote 244: ([94] auf S. 63.126) S. (betr. alle drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 245: ([95] auf S. 63.126) S. abfallen.]

[Fußnote 246: ([96] auf S. 63.126) Das einfache _schnüren_ = erhängen,
hängen (henken) ist schon dem ältesten Rotwelsch (so z. B. dem _Lib.
Vagat_ [55: _schnuren_]) bekannt gewesen. Aus dem _verw. Quellenkr._
vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_schüren_ [sic] = henken u. _geschürt_
[sic] _werden_ = gehenkt werden); _W.-B. des Konst. Hans_ 257
(_g'schürt_ [sic] = gehängt); _Schöll_ 271 (_schmieren_ [sic] = hängen,
aber richtig [273]: _die Geschnürten_ = die Gehängten); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 340 (_schnüren_ = aufhenken, _schniren_ = henken).
_Etymologie_: Der Ausdr. ist wohl nichts anderes als eine
Begriffsverengerung unseres gemeinsprachl. schnüren. Vgl. A.-L. 602,
vbd. m. _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1407, Nr. 1; s. auch _Horn_,
Soldatensprache, Sp. 124 u. Anm. 6.]

[Fußnote 247: ([97] auf S. 63.126) Die Aufforderung _schupf dich_ (od.
_schupf dich auf_) ist auch wiedergegeben durch »sei ruhig«, »schweig
still« od. »halts Maul« (für letzteres auch: _schupf' de' Giel_ [s.
unter »Maul«]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
Händlerspr._ 487 (_schupf dich auf_ = still). _Etymologie_: Die auch
schon dem älteren Rotwelsch bekannte Wendung (s. schon A. _Hempel_ 1687
[169: _schuff dich_ = pack dich]) braucht nicht erst mit A.-L. 599 auf
hebr. Ursprung zurückgeleitet zu werden, sondern gehört wohl (wie das
schles. _schupf dich_ = »setz' dich nieder« [s. _Grimm_, D. W.-B. IX,
Sp. 2010, Nr. 4, d] u. das schwäb. _verschupfen_, _ab-_, _wegschupfen_ =
wegschieben, -stoßen [s. v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 481 u.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1322]) einfach zu unserem mundartl.
Zeitwort _schupfen_ (od. schuppen) = schieben; vgl. dazu auch _Groß'_
Archiv, Bd. 47, S. 145, 146. Dort insbes. auch Näh. über _schupfen_ =
backen, eine Bedeutung, die ebenfalls in _Wittichs_ Jenisch bekannt ist.
Dazu die _Ableitungen_: _Schupfer_ = Bäcker, jedoch nur in der _Zus._
_Lehmschupfer_, fem. _-ere_ (d. h. eigtl. »Brotbäcker[in]«; vgl. dazu
die weitere Zus. _Lehmschupferhitzling_ = Backofen) u. _Schupferei_ =
Bäckerei. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst.
Hans_ 254 (_Leemschlupfer_ [sic] = »Beck«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337
(_Lächumschupfer_); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_schupfen_ = backen,
_Schupferei_ = Bäckerei, _Lêmschupfer_ [in _Pfedelb._ (208): auch
_Schupferbink_] = Bäcker).]

aufladen, _aufschurelen_[248]                                             [63.127]

auflaufen, _aufbosten_ (_-tet_)[249]

auflesen, _aufschurela_[248]

aufmachen, _aufschurelen_, _aufpflanzen_ (Spr.)[250]

aufnähen, _aufstichlen_[251]

aufrichtig, _dof_[252]

aufsagen, _aufschmusen_[253]

aufschlagen, _aufguffen_[254]

[Fußnote 248: ([98] auf S. 63.127) S. abbiegen.]

[Fußnote 249: ([99] auf S. 63.127) S. abgehen.]

[Fußnote 250: ([100] auf S. 63.127) S. anbrennen.]

[Fußnote 251: ([101] auf S. 63.127) Mit _stichle(n)_ = nähen ist ferner
noch zusammengesetzt _ei'stichle_ = einnähen. _Ableitungen_: _Stichler_
= Schneider (vgl. dazu _Stichlersmoss_ = Schneidersfrau) u. _Stichlere_
= a) Schneiderin, b) Nadel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._);
_Dolm. der Gaunerspr._ 96, 98 (_Stichler_ = Schneider, _Stichlerin_ =
Näherin); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Stichler_ = Schneider); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr._ 484, 486
(ebenso, doch _Stichler_ auch = Metzger [wie _nur_ so im _Pleißlen der
Killertaler_ 436]; _sticheln_ = nähen). Zur _Etymologie_ (v. deutsch
_sticheln_, d. h. eigtl. »Stiche machen« [beim Nähen usw.]) s. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 24 u. 76 (unter »Stichling« u. »Stich[e]ler«
[= Schneider]). Über das stammverwandte _Stichling_ = Gabel s. unter
diesem Worte.]

[Fußnote 252: ([102] auf S. 63.127) S. angenehm.]

[Fußnote 253: ([103] auf S. 63.127) S. ansagen.]

[Fußnote 254: ([104] auf S. 63.127) Weitere _Zus._ mit _guffe(n)_
(_-fa_) = schlagen (prügeln, auch fechten) sind noch: _einguffen_ =
einhauen, einschlagen, _niederguffa_ = niederschlagen, _verguffen_ =
verhauen, _zuguffen_ = zuschlagen. _Ableitungen_: _Guffe_ = Schläge
(wenn nicht bloß subst. Infin.), _Guf(f)es_ = Hieb(e), Prügel;
_Guf(f)erei_ = Fehde, Schlägerei, auch _Guffer_ in den _Zusammensetzgn._
_Galmeguffer_ = Lehrer, Schullehrer (eigtl. »Kinderprügler«) u.
_Hertling-_ od. _Kiesguffer_ = Steinhauer, Steinmetz. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_guft_ = geschlagen);
_Pfulld. J.-W.-B._ 343-345 (_gufen_ = schlagen, prügeln, _niedergufen_ =
niederschlagen, _Gufes_ od. _Guves_ = Prügel, Schlag, Streich); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 72, 74 (_guffen_ = schlagen, _Guffer_ =
»Bickel« [d. h. Spitzhacke], Meißel, _Gufferei_ = Schlägerei); _Schwäb.
Händlerspr._ 483, 485-487 (_guffen_ = prügeln, schlagen, _Galmeguffer_ =
Lehrer [in U. (214): _Galme¶n¶guffer_, in _Pfedelb._ (211): Form ebenso,
Bedeutg. spezieller: Oberlehrer, während der »Unterlehrer«
_Schrazeskneppler_ (vgl. dazu: _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 140) heißt],
_Hertlingguffer_ = Steinhauer; speziell in _Pfedelb._ [212, 213] ferner
noch: _Gufes_ = Schläge, _Gufferei_ = Schlägerei, _Galmegufferei_ =
Schule u. _Guffertemente_ = Ohrfeige). Vgl. auch noch _Pfälz.
Händlerspr._ 438 (_kuffese_ = schlagen). Über weitere rotw. Belege sowie
die _Etymologie_ des Wortes (vom mundartl. [ält. bayr.] _Goffe_ =
»Hinterbacke«) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 137 u. Anm. 2;
vgl. auch _Weber-Günther_, S. 178 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
905 (der in der Endung _-es_ bei _Guf[f]es_ das hebr. _-ôth_ erblickt
[vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 32]).]

aufschreiben, _auffeberen_[255]                                           [63.128]

aufsehen, _auflinzen_[256]

aufspielen (zum Tanz), _aufnikla_[257]

aufsuchen, _aufschurele_[258]

aufwachen, _aufdurme_[259]

[Fußnote 255: ([105] auf S. 63.128) S. abschreiben.]

[Fußnote 256: ([106] auf S. 63.128) S. anschauen.]

[Fußnote 257: ([107] auf S. 63.128) Das einfache _nikle(n)_ (-la) hat
die doppelte Bedeutung von a) = tanzen u. b) = »spielen«, d. h.
musizieren (daher auch _vornikle_ = a) vortanzen u. b) vorspielen),
während _nur_ die _erstere_ (u. wohl jedenfalls ursprünglichere [vgl.
die rotw. Belege u. die Etymologie]) festgelegt ist in _herum-_ (od.
_umher-_) _nikla_ (-le) = herum- (od. umher-) tanzen. _Ableitungen_:
_Nikler_ = a) Tänzer, b) Musikant, Spieler (Zus.: _Vornikler_ =
Vortänzer); fem.: _Niklere_ = Tänzerin; _Niklerei_ = Tanz, Theater,
_Nikelei_ (besser wohl gleichfalls _Niklerei_[?]) = Musik, Spiel. Mit
dem Stamm des Zeitw. (_nikel-_) sind gebildet die _Zus._: _Nikelkitt_ =
Komödienhaus u. _Nikelschure_ = Klarinette od. Klavier (vgl. auch
_Nikleschure_ = Leierkasten, während für »Harfe« und »Harmonika« das
vollere _Niklengschure_ angeführt ist). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_nikle_ = tanzen [wohl
zugleich der früheste Beleg]); _Schöll_ 272 (_niklen_ = tanzen);
_Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_nikeln_, Bedeutg. ebenso); _Schwäb.
Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _nickle[n]_ = tanzen). Die _Etymologie_ des
Wortes ist zwar nicht ganz sicher, doch liegt es jedenfalls viel näher,
es mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 2028 (wie d. schwäb. _nickle(n)_
= »Kopf und Nacken hin- und herbewegen«) zu unserem Zeitw. _nicken_ zu
stellen, als es mit _Stumme_, S. 20 mit dem hebr. _niggên_ = »Musik
machen« in Zusammenhang zu bringen, zumal ja die ursprünglichere
Bedeutg. doch wohl zweifelsohne »tanzen« gewesen ist.]

[Fußnote 258: ([108] auf S. 63.128) S. abbiegen.]

[Fußnote 259: ([109] auf S. 63.128) Das Zeitw. _durme(n)_ bedeutet:
schlafen, (schlummern), dann auch: liegen, ruhen; daher: _aufdurme_
eigtl. wohl = »aufhören zu schlafen«; weitere _Zus._ sind noch:
_ausdurme(n)_ = ausschlafen (vgl. _ausdurmt_ = erwacht), _ei'durme_ =
einschlafen, _herumdurma_ = herumliegen, _hindurmen_ = (sich) hinlegen,
_niederdurmen_ = (sich) niederlegen. _Ableitung_: das Adj. _durmerich_ =
schläfrig. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
344 (_Durmklamine_ = Schlafzimmer [während schlafen hier durch
_schlaunen_ wiedergegeben]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74, 77
(_durmen_ = schlafen, _Durmel_ = Schlaf, _Durmmalfes_ = Schlafrock);
_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_durmen_ [in _Pfedelb._ (212): _dormen_] =
schlafen, desgl. in _Pfedelb._ [212]: _dormisch_ = schläfrig, _i hab
Darming_ = ich bin schläfrig u. _Dormmalfes_ = Schlafrock). Vgl. auch
_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_durme_ = schlafen). Über weitere Belege im
Rotw. usw. (seit Anf. des 17. Jahrh.) sowie über die _Etymologie_
(zunächst vielleicht vom deutsch. mundartl. _durmeln_ [turmeln u. ä.]) =
taumeln, schlummern, leicht schlafen, _Durmel_ [Turmel u. ä.] = Taumel,
Schläfrigkeit, leichter Schlaf [mhd. _türmeln_, _turmeln_ = taumeln,
_türmel_, _turmel_ = Taumel, Schwindel (vgl. _Grimm_, D. W.-B. II, Sp.
1733 ff; _Schmeller_, _Bayer. W-B. I_, Sp. 621/22 u. a. m.)], das aber
auch wohl vom französ. _dormir_ [in letzter Linie also vom lat.
_dormire_] beeinflußt worden [vgl. »Vorbemerkung«, S. 10, Anm. 25 u. 26)
s. Näheres bei _Weber-Günther_, S. 172 u. 174, Anm. 2 vbd. mit _Pott_
II, S. 17, A.-L. 534 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 23, vgl. auch
_Fischer_, Schwab. W.-B. II, Sp. 500 (unter »durme[n]« vbd. mit Sp. 499
(unter »Durmel«).]

aufwaschen, _aufpfladeren_[260]                                           [63.129]

aufzehren s. aufessen

Augapfel, _Scheinlingbommerling_[261]

Auge, _Scheiling_[261]

Augenbrauen, _Scheinlingstrauberts_[262]

Augenwasser, _Scheinlingflu(h)te_[263]

ausbeißen, _ausnäpfen_[264]

[Fußnote 260: ([110] auf S. 63.129) S. abwaschen.]

[Fußnote 261: ([111] auf S. 63.129) Wörtl. Übersetzg. aus dem Deutschen
in Übereinstimmg. auch mit der Zigeunerspr. (s. _Liebich_, S. 140 u.
178). Mit _Schei(n)ling_ = Auge (Blick) sind noch zusammengesetzt auch:
_Scheinlingstrauberts_ (d. h. eigtl. »Augenhaare«) = Augenbrauen (s. d.
betr. die Zigeunerspr.) u. _Scheinlingflu(h)te_ = Augenwasser. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89 (_Scheinling_ =
Auge); _Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342 (ebenso,
Nebenbdtg. auch: Licht); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Scheinling[e]_ =
Augen [in _Pfedelb._ (209) auch = Brille]). Vgl. auch _Pleißlen der
Killertaler_ 435 (_Schenling_ = Augen, Fenster). Zur _Etymologie_ des —
auch sonst im Rotwelsch (etwa seit Anf. des 18. Jahrh.) öfter
begegnenden — Wortes (mit den Nebenbedeutgn. »Fenster« [so schon bei A.
_Hempel_ 1687 (168: _Schein¶d¶ling_)], »Laterne« [s. schon _Hermann_
1818 (336)], »Spiegel« [s. _Fröhlich_ 1851 (410); vgl. A.-L. 597 u.
Neuere] u. ä. m.) — vom deutsch. Zeitw. _scheinen_ — s.
_Weber-Günther_, S. 186 vbd. mit _Pott_ II, S. 20 u. A.-L. 597.]

[Fußnote 262: ([112] auf S. 63.129) Mit _Strauberts_ = Haar(e),
(Borsten) sind noch folgende _Zus._ gebildet worden: a) am _Anfang_
stehend: _Straubertsschure_ = Haarnadel, Haaröl u. Kamm,
_Straubertski(e)bes_ = Lockenkopf; b) ans _Ende_ gesetzt:
Ki(e)besstrauberts = Haupt-, Kopfhaar, _Trabertstrauberts_ = Pferdehaar,
_Groenikelsstrauberts_ = Schweinsborsten, _Jerusalemfreundsstrauberts_
(d. h. »Schafhaare«) = Wolle (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
Zigeunerspr.). Als _Verbindgn._ kommen vor: _Straubertspflanzen_ (d. h.
etwa »Haare machen«) = kämmen, _nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«)
= kahl sowie das längere _nobis Strauberts auf dem Ki(e)bes_ = Kahlkopf.
Eine _Ableitg._ ist das Adj. _straubertsich_ = haarig. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Straupert_ = Haar);
_Schöll_ 271 (_Straubert_); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 481 (_Straubert_
[in _Pfedelb._ (210) auch _Straub_ od. _Straupert_ = Haar, letztere Form
sowie [in _Pfedelb._ (208) auch _Straub_] auch = Bart [womit schon das
ältere Rotwelsch übereinstimmt, s. u. a. W. _Scherffer_ 1650 (160)).
Vgl. noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Straubert_ = Haar). Der _Etymologie_
nach gehört das Wort wohl zu unserem Zeitw. _(sich) sträuben_, d. h.
»sich starr empor richten (vom Haar)« (s. _Weigand_, W.-B. II, Sp. 984).
Über das -s am Ende s. schon »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29.]

[Fußnote 263: ([113] auf S. 63.129) Betr. _Flu(h)te_ s. abbrühen.]

[Fußnote 264: ([114] auf S. 63.129) S. abbeißen.]

ausblasen, _auspflanzen_[265]                                             [63.130]

ausbrechen, _auspfiche_[266]

ausbrennen, _ausfunken_[267]

ausbürsten, _ausschurele_[268]

ausessen, _ausbiken_, _ausbutten_, _auskahla_[269]

ausfahren, _ausruadlen_[270]

ausfegen, _ausschurele_[268]

ausforschen, _ausbutschen_[271], _auslinzen_[272]; vgl. forschen

ausfragen, _ausbutchen_[271]

ausgeben, _ausdogen_[273]

ausgehen, _ausbosten_[274]

ausgekleidet, _auskluftet_[275]

ausgeschlafen, s. ausschlafen

auskleiden, _auskluften_[276]

auskochen, _aussicheren_[275]

auslachen, _ausschmol(l)en_[277]

auslassen, _bremsere_[278], _Bremser schmusen_[279]

[Fußnote 265: ([115] auf S. 63.130) S. anbrennen.]

[Fußnote 266: ([116] auf S. 63.130) S. abgehen.]

[Fußnote 267: ([117] auf S. 63.130) S. abbrennen, vgl. anzünden.]

[Fußnote 268: ([118] auf S. 63.130) S. abbiegen.]

[Fußnote 269: ([119] auf S. 63.130) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 270: ([120] auf S. 63.130) S. abfahren.]

[Fußnote 271: ([121] auf S. 63.130) S. anfragen.]

[Fußnote 272: ([122] auf S. 63.130) S. anschauen.]

[Fußnote 273: ([123] auf S. 63.130) S. abgeben.]

[Fußnote 274: ([124] auf S. 63.130) S. abgehen.]

[Fußnote 275: ([125] auf S. 63.130) S. ankleiden.]

[Fußnote 276: ([126] auf S. 63.130) Stammwort: _sicheren_ = kochen
(braten); vgl. dazu: _gesichert_ (= gekocht, gebraten) in den Verbindgn.
_gesicherter Babingermass_ od. _Strohbutzerbossert_ = Gänsebraten u.
_gesicherter Jo(h)le_ = Glühwein,Punsch; _nobis gesichert_ = ungekocht;
ferner (als _Zus._ mit dem Stamm _sicher-_): _Sicherbenk_, _-fiesel_
oder _-kaffer_ = Koch. _Ableitung_: _Sichere_ = Küche (u. dazu
_Sichereglitschin_ = Küchenschlüssel). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_sichern_ = kochen, _Sicherei_
= Küche); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 257 (_Sicherey_ od. _Zicherey_ =
Küche); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 340, 342, 344 (_sichern_ = aussieden,
schmälzen, _gesichert_ = gesotten, _versichern_ = ausschmälzen,
_Sicherei_ = Küche); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 72 (_sichern_ =
kochen, _gesichert_ = gekocht, _Sichere_ = Küche); _Schwäb. Händlerspr._
483 (_sichern_ = kochen, in _Pfedelb._ [210, 211]: _gesichert_ =
gesotten u. _Sichere_ = Küche). Über die unsichere _Etymologie_
(vielleicht vom hebr. sîr = »Topf«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 51.]

[Fußnote 277: ([127] auf S. 63.130) S. anlachen.]

[Fußnote 278: ([128] auf S. 63.130) Was hier unter »auslassen« zu
verstehen ist, ergibt sich aus der deutlicheren Bezeichnung bei _Kapff_
in seinen Ergänzungen zur _schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ 214:
_bremse[n]_ = »furzen«, _Bremser_ = »Furz«). Die _Etymologie_ bleibt
unsicher, doch könnte man vielleicht an einen Vergleich mit dem
knarrenden Geräusch des Bremsens denken; vgl. etwa auch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. I, Sp. 1395 (unter »bremse[n]«, Nr. 5: _bremse[n]_ =
»prickeln in der Nase, z. B. vom kohlensaurem Getränke«).]

auslaufen, _ausbosten_[280]                                               [63.131]

auslöschen s. löschen

ausrechnen, _ausschurele_[281]

aussagen, _ausschmusen_[282]

ausschalten, _ausstämpfen_[283]

ausschimpfen, _ausstämpfen_

ausschlafen, _ausdurmen_[284], _ausschlauna_[285]

ausschreiben, _ausfeberen_[286]

aussehen, _auslenzen_[287]

ausspotten, _ausschmol(l)en_[288]

aussprechen, _ausschmusen_[289]

[Fußnote 279: ([129] auf S. 63.131) Zu dieser Redensart s. (betr.
_schmusen_) das Näh. unter »ansagen«.]

[Fußnote 280: ([130] auf S. 63.131) S. abgehen.]

[Fußnote 281: ([131] auf S. 63.131) S. abbiegen.]

[Fußnote 282: ([132] auf S. 63.131) S. ansagen.]

[Fußnote 283: ([133] auf S. 63.131) S. Ärger.]

[Fußnote 284: ([134] auf S. 63.131) S. aufwachen.]

[Fußnote 285: ([135] auf S. 63.131) Das Zeitw. _schlanne(n)_ (-na)
entspricht in seinen Bedeutgn. (schlafen [schlummern], liegen, ruhen)
ganz dem Syn. _durme(n)_, so auch in den _Zus._, nämlich (außer
_ausschlauna_ [wozu zu vgl.: _ausg'schlaunet_ = erwacht]) noch
_einschlauna_ = einschlafen, _herumschlauna_ = herumliegen,
_hinschlaunen_ = (sich) hinlegen, _niederschlaune_ = (sich) niederlegen.
_Ableitung_: das Adj. _schlaunerich_ = schläfrig. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_schlaunen_ = schlafen);
_W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_schlauna_ = schlafen); _Schöll_ 271
(_Schlauna_ = Schlaf); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342, 344 (_schlaunen_ =
schlafen, _verschlaunen_ = einschlafen, _nobus schlaune_ = schlaflos
sein, _Schlane_ = Schlaf, _Schlaunklamine_ = Schlafzimmer,
_Schlaumalfes_ [sic] = Schlafrock, _schlaunerig_ = schläfrig); _Schwäb.
Händlerspr._ (_Lütz._ 215: _schlaune[n]_ = schlafen). _Etymologie_: Der
Ausdruck, der sich bis in den _Lib. Vagat._ zurückverfolgen läßt (s.
dort 55: _schlun_ = schaffen [lies: schlaffen]) stammt her von einem in
deutsch. Mundarten bekannten Zeitwort (z. B. alemann: _schlunen_). S.
_Pott_ II, S. 17, A.-L. 601 (unter _schlonen_), _Kluge_, Unser Deutsch
(2. Aufl.), S. 81 vbd. mit W.-B. (7. Aufl.), S. 43 (unter »schlummern«)
u. _Stalder_, Schweiz. Idiotikon usw., Bd. II, S. 333 (_schlunen_); vgl.
auch _Weber-Günther_, S. 180. Über das stammverwandte _schlummern_ s. d.
Näh. unter »Herberge«.]

[Fußnote 286: ([136] auf S. 63.131) S. abschreiben.]

[Fußnote 287: ([137] auf S. 63.131) S. anschauen.]

[Fußnote 288: ([138] auf S. 63.131) S. anlachen.]

[Fußnote 289: ([139] auf S. 63.131) S. ansagen.]

ausspülen, _auspfladera_[290]                                             [63.132]

ausstehlen, _ausschniffen_[291], _ausschoren_[292]

austreten (schwer), d. h. cacare, _fu(h)la_, _schmelza_[293],
_schunden_[294]

austreten (leicht), d. h. _mingere_, _flösle_[295]

[Fußnote 290: ([140] auf S. 63.132) S. abwaschen.]

[Fußnote 291: ([141] auf S. 63.132) S. anfassen.]

[Fußnote 292: ([142] auf S. 63.132) Das Zeitw. _schoren_ (z'schore
[Spr.]) = stehlen (entwenden), (be)rauben), findet sich noch in d.
_Zus._: _herausschoren_ = herausstehlen u. _wegschoren_ = wegstehlen.
_Ableitungen_: _Schorer_ = Dieb, Räuber (vgl. dazu _Schorerulma_ =
Diebesbande) u. _Schorerei_ = Diebstahl. Mit dem stammverw. Hauptw.
_Zschor_ = Dieb, Räuber, dagegen ist zusammenges. _Zschor-Kitt_ =
Diebesherberge. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des
Konst. Hans_ 253, 255, 257, 260 (_schornen_ = stehlen, _T'schor_ od.
_Schorne_ = Dieb, _T'schorr-Kitt_ = Diebesherberge, _T'schor-Bais_ =
Diebeswirtshaus, _T'schor-Kaffer_, _-Gaya_ = Mann [bzw. Frau], der [die]
gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 268, 271-73 (_dschornen_ = stehlen,
_Dschorn_ = Raub, _Tschor_ = Dieb, »Jauner«); _Pfulld. J.-W.-B._ 337-39,
343, 345 (_schornen_ = stehlen, ausplündern, _Schornen_ = Diebstahl,
_Gschor_ = Dieb, Schelm, Spitzbube); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75
(_tschornen_ = stehlen); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_schôren_ [in U.
(214): _tschōren_] = stehlen). Zur _Etymologie_ der (auch _sonst_ im
Rotwelsch [seit Anf. des 18. Jahrh.] bekannten) Vokabeln — aus der
Zigeunersprache (vgl. Einltg., S. 30) — s. die Angaben in _Groß'_
Archiv, Bd. 48, S. 326, Anm. 1 u. dazu noch _Jühling_, S. 227
(_Tschoraben_ = das Stehlen, _Tschormasskäro_ = Dieb) u. _Finck_, S. 92
(_tšōr_ = »Dieb, Räuber«, _tšōr[d]_- = »stehlen, rauben«);
vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschor[n]« bzw.
»tschor[n]e[n]«).]

[Fußnote 293: ([143] auf S. 63.132) S. (zu beiden Ausdr.) Abort.]

[Fußnote 294: ([144] auf S. 63.132) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 295: ([145] auf S. 63.132) Das Zeitw. _flös(s)le(n)_ od.
_flessle_ bedeutet (außer: »harnen«, »pissen«) auch noch »regnen« (Spr.)
u. dementsprechend das Subst. _Flösle_ = a) Harn (»Pisse«, Urin), b)
Regen. Für die Bedeutg. unter a) auch: _Flöslete_. Mit dem Stamm
(_flössel-_) des Zeitw. _flöss(e)le(n)_ erscheinen gebildet die _Zus._
_Flösselflu(h)te_ = a) Harn (»Pisse«), Urin, b) Regenwasser,
_Flösselnolle_ = Nachthafen, Urintopf u. _Flösselglansert_ = Uringlas,
ferner noch _Flösselreifling_ = Regenbogen u. _Flösselschei_ = Regentag.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101
(_flöslen_ = »Wasser abschlagen«); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_flößeln_ =
»brunzen«, Nebenbedtg.: beweinen, heulen); _Schwäb. Händlerspr._ 484,
485, 488 (_flößlen_ = mingere, _flößeln_ od. _flößeren_ = regnen [aber
_flôßeren_ = weinen]; dazu in _Pfedelb._ [211] noch _Flößl_ = »Kandel«,
d. h. Dachrinne). Vgl. auch _Pleißlen der Killertaler_ (nach _Kapff_
[212]: _flüssne[n]_ = mingere). Zur _Etymologie_ von _flös(s)len_ u. ä.
(dessen Bedeutungen im sonstigen Rotwelsch sehr wechseln [vgl. z. B.: a)
_Basler Betrügnisse_ um 1450 (15: _geflösselt_ = ertränkt) u. dann öfter
im 16. u. 17. Jahrh.; b) _Lib. Vagat._ 53 (_flößlen_ = »seichen«) u.
dann öfter (s. oben; vgl. auch noch _Pfister_ 1812 [298: _Flössel_ =
Urin]); c) _D. Schwenter_ um 1620 (140: _flösseln_ = sieden; vgl. _Flos_
= Suppe); d) _A. Hempel_ 1687 (168: _flösseln_ = weinen); e)
_Schintermicherl_ 1807 (289: _flösseln_ = regnen; vgl. _Flos_ =
Wasser)]) s. A.-L. 541 (unter »Floß«) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II,
Sp. 1585/86 (unter »flössere[n]« u. »flössle[n]«). An erster Stelle
dürfte wohl als Quelle dafür zu betrachten sein das mundartl. _Floß_ für
»kleines fließendes Wasser« (vgl. auch mhd. _vlôz_ = »Fluß, Strömung« u.
a. m. [s. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 558 u. 559 unter »Floß« 1 u. 2]),
weiterhin überhaupt das gemein-deutsche _Fluß_ bzw. _fließen_ usw. Vgl.
auch das stammverwandte (rotw. u.) jenische _Flößling_ = Fisch, worüber
d. Näh. noch weiter unten, sowie das alte rotw. _Floßart_ (_Flossert_)
u. ä. = Wasser (vgl. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 186).]

austrinken, _ausschwächen_ (trink aus, _schwäch [a]uf_)[296]              [63.133]

auswaschen s. ausspülen

ausweinen, _ausglemsa_[297]

auszahlen, _ausbleisgeren_[298], _auspfreima_, _auszeina_[299]

auszanken, _ausstämpfen_[300]

ausziehen, _ausklufta_ (-ten)[301]

Axt, _Dober_[302]

[Fußnote 296: ([146] auf S. 63.133) S. Amme.]

[Fußnote 297: ([147] auf S. 63.133) Zu _glemse(n)_ (-sa) = weinen
(beweinen), heulen, jammern, schreien (als Subst. _Glemsen_ = Tränen,
_Ableitung_: _Glemserei_ = Heulerei) _vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 101 (_klemsen_ = heulen,
weinen); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _glimse[n]_ = weinen). Die
_Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B. hat das Wort nicht
aufgeführt.]

[Fußnote 298: ([148] auf S. 63.133) S. anzahlen.]

[Fußnote 299: ([149] auf S. 63.133) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]

[Fußnote 300: ([150] auf S. 63.133) S. Ärger.]

[Fußnote 301: ([151] auf S. 63.133) S. ankleiden.]

[Fußnote 302: ([152] auf S. 63.133) Dazu das Diminutiv _Doberle_ = Beil.
In den _verw. Quellen_ m. Wiss. unbekannt u. desgl. wohl im älteren
Rotwelsch (denn in der _Sulzer Zigeunerliste_ v. 1787 [252] ist es nur
als Zigeunerwort — für rotw. _Hekerling_ — aufgeführt), dagegen findet
es sich in einigen Sammlungen des 19. Jahrh. (wie _Pfister_ 1812 [297],
_v. Grolman_ 17 u. T.-G. 84, _Karmayer_ G.-D. 196). Zur _Etymologie_ aus
der Zigeunerspr. (vgl. »Einltg.«, S. 29) s. Näh. bei _Liebich_, S. 162,
180 u. 182 (_tōwer_ = Axt, Beil); _Miklosich_, Beiträge III, S. 20 u.
Denkschriften, Bd. 27, S. 83 (unter »tover«: bei den deutsch. Zig.:
_tover_; vgl. pers. u. hind. _tabar_, kurd. _taver_, armen. _tapar_,
russ. _topor_ usw.); _Jühling_, S. 89 (_Dowär_ = Axt, Beil); _Finck_, S.
89 (_tower_ = »Axt, Beil«).]


                                  B.                                      [63.372]

Bach, _Flu(h)te_[303]

Bachstelze, _Flu(h)tefläderling_[304]. Häufiger ist indessen die
Bezeichnung _jenischer Fläderling_, d. h. »der jenische Vogel«[305].
Dieser Name erklärt sich aus dem Aberglauben der fahrenden Leute, daß
sie, wenn sie eine Bachstelze sehen, bald mit ihresgleichen
zusammentreffen werden, und daß dies noch sicherer und früher (und mit
vielen »Fahrenden«) geschehen werde, wenn es sich um mehrere solche
Vögel handelt. Alle jenischen Leute halten felsenfest an diesem Glauben,
den sie jedenfalls von den Zigeunern übernommen haben, bei denen die
Bachstelze noch eine andere, besondere Bedeutung hat, so daß sie von
ihnen ausschließlich als ihr _romano tschirklo_, d. h. »Zigeunervogel«
angesehen wird[306].

[Fußnote 303: ([1] auf S. 63.372) S. abbrühen.]

[Fußnote 304: ([2] auf S. 63.372) Betr. _Fläderling_ s. Adler.]

[Fußnote 305: ([3] auf S. 63.372) Der Ausdruck _jenisch_ ist hier, wie
die nachfolgenden Bemerkungen _Wittichs_ im Text zeigen, in dem Sinne
von »zu den fahrenden Leuten gehörig« oder »auf sie Bezug habend« (vgl.
»Vorbemerkung«, S. 5 u. Anm. 7) genommen. Übereinstimmend damit die
weiteren Verbindungen: _jenischer Benk_ (Benges) od. _Fi(e)sel_ =
»fahrender Bursche«, _jenische Moss_ u. _Model_ = »fahrende Frau« u.
»fahrendes Mädchen«, _jenische Ulma_ = »fahrende Leute«. Bemerkt sei
hierzu noch, daß nach _Jühling_, S. 220 von den Zigeunern »alle
herumziehenden Leute«, die »_nicht_ Zigeuner« sind, als _Chalo-Jenische_
(zu _Chalo_ = Fresser [ebds. S. 220]?) bezeichnet werden. Im übrigen
vgl. betr. die _Etymologie_, die verschiedenen _Bedeutungen_ u. die
_Belege_ für das Wort _jenisch_ (im Rotw. usw.) die ausführl. Angaben in
m. »Vorbemerkg.«, S. 4, Anm. 6 ff.]

[Fußnote 306: ([4] auf S. 63.372) Bestätigt ist dieser Ausdruck auch von
_Liebich_, S. 156, 165 u. 180 u. _Finck_, S. 92 (_rómeno tširklo_),
die jedoch beide keine Erklärung hinzugefügt haben. Näheres darüber soll
sich nach einer Mitteilg. _Wittichs_ in seinen (auch von _Groß_, Handb.
für Untersuchungsrichter, S. 511, Amn. 2 a. E. angeführten) Aufsätzen im
Jahrg. 1912, Heft 1 der »Mitteilungen über die Vogelwelt« (S. 89, 212
ff.) finden, die ich leider nicht einsehen konnte.]

backen, _schupfen_[307]                                                   [63.373]

Bäcker (Bäckermeister), _Lehmschupfer_, d. h. eigtl. (genauer)
»Brotbäcker«[307][308]

Bäckerei, _Schupferei_[307]

Bäckerin, _Schupferin_[307]

Backofen, _Lehmschupferhitzling_[309]

Backstein, _Kittleskies_, d. h. »Hausstein«[310]

[Fußnote 307: ([5] auf S. 63.373) S. aufhören.]

[Fußnote 308: ([6] auf S. 63.373) _Lehm_ (od. [seltener] _Lechem_) =
Brot kommt auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._ vor: a) _im Anfang_
stehend: _Lehmschottel_ = Brotbüchse, _Lehmrande_ = Brotsack,
_Lehmschure_ = Brotschrank; b) _ans Ende_ gesetzt: _Dercherlehm_ =
Bettelbrot, _Schmunklehm_ = Butterbrot, _Lanengerlehm_ od. _-lechem_ (d.
h. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
Zigeun.), _Schoflelehm_ od. _Schofellechem_ (Spr.) = Schwarzbrot,
_Dofelehm_ od. _dofer Lehm_ (Spr.) = Weißbrot, _Süßlinglehm_ =
Zuckerbrot. Betr. die Vermutung, daß auch _Boslem_ = Exkremente zu
_Lehm_ zu ziehen s. schon oben unter »After«. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Lechem_ od. _Lehm_ = Brot,
_schofel —_, _gehechelter —_ (= schwarzes, weißes Brot); _W.-B. des
Konst. Hans_ 254 (_Leham_ = Brot, _Lehmschlupfer_ [sic] = Bäcker);
_Schöll_ 271 (_Lehem_ = Brot); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338 (_Lächum_ =
Brot, _Lächumschupfer_ od. _Lemer_ = Bäcker, _Lächumrande_ = Brotsack);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67 (_Lechum_ od. _Lehm_ = Brot,
_Kafferlechum_ = Bauernbrot); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 480 (_Lêm_ [in
_Pfedelb._ (209): _Lehm_] od. _Lechem_ = Brot, _Lêmschupfer_ = Bäcker,
in _Pfedelb._ [208]: _Kafferlehm_ = Bauernbrot). S. auch noch _Pfälz.
Händlerspr._ 436, 437 (_Lêchem_ od. _Leachem_ = Brot, _Finne Lêchum_ =
Stück Brot) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Lēm_). Zur _Etymologie_ (vom
gleichbed. hebr. _lĕchĕm_) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 25, 26
(dort in den Anmerkgn. auch über die sonst. Belege im Rotw.); vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 157/58 (unter »Legem«) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 1081 u. 1082 (unter »Lechem« u. »Lehm«).]

[Fußnote 309: ([7] auf S. 63.373) Mit _Hitzling_ = Ofen (_am Anfang_)
sind noch folgende _Zus._ gebildet: _Hitzlingschwä(t)zling_ = Ofenruß
(s. d. betr. _Schwetzling_ [wohl für Schwärzling] = Ruß),
_Hitzlingpflanzer_ od. _-schenegler_ = Ofensetzer, _Hitzlingbossert_ =
Rauchfleisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 89, 91 (_Hitzling_ = Ofen, _Lechem-_ od. _Lehmhitzling_ =
Backofen); _Schöll_ 271 (_Hitzling_ = Ofen, aber auch = Sonne); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 343 (_Hitzling_ = Ofen, _Lächumschupferhitzling_ =
Backhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Hitzling_). Zur _Etymologie_ des
Wortes (das im Rotw. schon 1687 — bei _A. Hempel_ [167] — für »Stube«
vorkommt) vom deutsch. Subst. _Hitze_ vgl. A.-L. 549, _Günther_,
Rotwelsch, S. 60 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1702.]

[Fußnote 310: ([8] auf S. 63.373) S. (betr. _Kittle_) Abort u. (betr.
_Kies_) Apfelkern; vgl. dazu auch »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm. 48 sowie
die Anm. zu »Ziegelstein« im W.-B.]

Bad, _Flu(h)te_[311]                                                      [63.374]

baden, _pfladeren_[312]

Bahn, _Rutsch_[313]

Bank (zum Sitzen), _Sitzleng_[314]

Bank (= Bankhaus), _Bichkitt_[315] oder _Lobekitt_[316]

bankerott vgl. Konkurs

Bankier, _Bichsins_[317], _Kiessins_[318] oder _Lobesins_[319]

[Fußnote 311: ([9] auf S. 63.374) S. abbrühen.]

[Fußnote 312: ([10] auf S. 63.374) S. abwaschen.]

[Fußnote 313: ([11] auf S. 63.374) Mit _Rutsch_ = Bahn, Eisenbahn sind
_zusammengesetzt_: _Rutschschenegler_ = Eisenbahnarbeiter u.
_Rutschrädling_ = Eisenbahnwagen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_Rutsch_ = Eisenbahn);
_Schwäb. Händlerspr._ 480 (ebenso); s. auch _Pleißlen der Killertaler_
436 (_Rutscher_ = Wagen, Eisenbahn). _Zur Etymologie_ (vom Zeitw.
_rutschen_) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 67 (unter »Rutscher«).]

[Fußnote 314: ([12] auf S. 63.374) _Sitzleng_ (-ling) = Bank (Kanapee)
oder Stuhl (Schemel, Sessel) kommt auch vor in den _Zus._ _Leile-_ od.
_Schundsitzl¶e¶ng_ = Nachtstuhl u. _Schoflereisitzl¶i¶ng_ =
Richterstuhl. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
Händlerspr._ 487 (_Sitzling_ = Stuhl, Bank); s. auch im _Metzer Jenisch_
(217) _Setzerling_ = Stuhl, während der _Hennese Flick_ von _Breyell_
(450) dafür _Sitterd_, das _Bargunsch von Zeele_ (470) _Zitterik_ hat.
Der _Etymologie_ nach gehört der Ausdr. natürlich zu _sitzen_.]

[Fußnote 315: ([13] auf S. 63.374) S. Almosen u. Abort.]

[Fußnote 316: ([14] auf S. 63.374) Vgl. dazu die _Verbindg._ _grandiche
Lobekitt_ = Münze, Münzwerkstätte. — _Lobe_ = Geld, Geldstück, Münze
(ferner Barschaft, Gehalt, Sold, Summe) findet sich ferner noch in
folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Lobesins_ = Bankier,
_Lobeschure_ = Geldkasse od. -kästen, _Loberande_ = Geldsack,
_Lobepflanzer_ = Münzarbeiter (dazu: _nobis dufter Lobepflanzer_ =
Falschmünzer); b) _am Ende_: _Stradelobe_ = Chausseegeld,
_Schenagelslobe_ (eigtl. »Arbeitsgeld«) = Lohn, _Duftlobe_ (eigtl.
»Kirchengeld«) = Opfergeld, _Kieslobe_ (eigtl. »Steingeld«) =
Pflastergeld. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
340 (_Labe_ = Geld); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Labai_);
_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Lôbe_); ebenso auch im _Metzer Jenisch_ 216.
Über weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie zur _Etymologie_ aus der
_Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd.
33, S. 270/71 und Anm. 3 vbd. noch m. _Liebich_, S. 144, 201, 223
(_lōwo_ = Geld, Münze), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 7 (bei
d. deutsch. Zig.: _lōvo_) u. _Finck_, S. 71 (_lōwo_ = Münze, plur.
_lōwe_ = Geld); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 901 (unter
»Labe«) u. 1310 (unter »Lobe«).]

[Fußnote 317: ([15] auf S. 63.374) S. Almosen und Amtmann.]

[Fußnote 318: ([16] auf S. 63.374) Mit _Kies_ = Geld, Geldstück, Münze
sind ferner noch _zusammengesetzt_: a) _am Anfang_: _Kiesreiber_ =
Beutel, Geldbeutel (-tasche), Säckel, _Kiesschure_ = Geldkasse od.
-kästen, _Kiesrande_ = Geldsack, _Kiespflanzer_ = Münzarbeiter (vgl.
_nobis dufter Kiespflanzer_ = Falschmünzer); b) _am Ende_:
_Schenagelskies_ = Lohn u. _Duftkies_ = Opfergeld. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Kis_ = Beutel u.
_kislen_ = Beutel schneiden); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. 258 (_Kies_
= Silber, Geld; vgl. auch [255]: _kiesle_ = Beutel schneiden); _Schöll_
269, 270 (_Kis_ = Beutel, Geld; _Kißler_ = Beutel schneiden); _Pfulld.
J.-W.-B._ 340 (_Kiß_ = Geld, _Kißrande_ = Geldbeutel); _Schwäb. Gaun.-
u. Kundenspr._ 69, 70 (_Kies_ = Geld, _Kiesreiber_ = Geldbeutel);
_Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Kîs_ [in _Pfedelb._ (211): _Kies_] = Geld,
_Kis-_ [od. Kies]_reiber_ = Geldbeutel). Über weitere Belege im Rotw.
und die _Etymologie_ (vom hebr. _kîs_ = »Beutel, Geldbeutel, Geld«,
jedoch vielleicht auch mit Einfluß des rotw. _Kisow_ od. _Kisof[f]_ =
Silber[geld] aus hebr. _kesef_ = »Silber«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
Bd. 33, S. 254, Anm. 1 u. bes. S. 260 ff. u. die Anmerkgn.; vgl. auch
noch _Seiler_, Lehnwort IV, S. 491 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
420 (unter »Kis«, Nr. 4, lit. a u. b, mit Hinweis auf d. zigeun. _kísik_
= »Beutel, Geldbeutel« [_Finck_, S. 64]).]

Barchent, _Bochdam_[320]                                                  [63.375]

Barschaft, _Bich_[321], _Gore_[322], _Lobe_[323]

Bauch, _Rande_[324]

[Fußnote 319: ([17] auf S. 63.375) S. Bank u. Amtmann.]

[Fußnote 320: ([18] auf S. 63.375) _Bochdam_ bedeutet auch allgemeiner
Leinwand od. Tuch. _Zus._ damit sind: a) _am Anfang_: _Bochdampflanzer_
= Leinenweber od. Tuchmacher; b) _am Ende_: _Begerbochdam_ =
Leichentuch. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 100 (_Bockdam_ = »Tuch en général«); _W.-B. des Konst. Hans_
255 (_Bokdam_ = Tuch); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 u. 345 (_Bokdame_ =
wollenes Tuch; _Dame_ = Leinwand, Tuch). Auch sonst im Rotw. (bei
_Schintermicherl_ 1807 [288] z. B. in der Form _Poktam_ [= Leinwand])
bekannt. Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S.
29]) s. A.-L. 585 (unter »Pochtam« [der an eine zigeunerische
Verstümmelung von _begodim_, Plur. des hebr. _beged_ = »Kleid«, dachte])
vbd. mit _Pott_ II, S. 367/68 (unter »Pochtan«), _Liebich_, S. 152, 181,
219 (_pōchtánn_ = Leinwand, Barchent), _Miklosich_, Beiträge III, S.
17 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 48 (bei den deutsch. Zig.: _pōchtan_
= Leinwand), _Jühling_ 220 (_Bochtan_ = Leinwand) u. _Finck_, S. 79
(_póxtan_ = »Leinwand, Tuch, Barchent«).]

[Fußnote 321: ([19] auf S. 63.375) S. Almosen.]

[Fußnote 322: ([20] auf S. 63.375) _Gore_ hat ungefähr dieselben
Bedeutgn. wie _Bich_, _Kies_ u. _Lobe_, also (außer Barschaft noch) bes.
Geld (Geldstück, Münze), auch Gehalt, ist aber in _Zus._ weniger
beliebt; vgl. jedoch _Stradegore_ = Chausseegeld. Unter den _verw.
Quellen_ hat das Wort nur die _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Gore_
= Geld). Nach _Horn_, Soldatenspr., S. 96, soll es auch bei den
württembergischen Soldaten gebräuchlich sein. Die _Etymologie_ ist
unsicher; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 751 gibt darüber keinen
Aufschluß.]

[Fußnote 323: ([21] auf S. 63.375) S. Bank.]

[Fußnote 324: ([22] auf S. 63.375) Die Bedeutung von _Rande_ = Bauch
(Wanst) ist erst eine Begriffsübertragung, denn ursprünglich ist der
Ausdr. so viel wie: Beutel, Sack (Bündel, Felleisen, Quersack, Ranzen
[auch: Büchsenranzen], Rucksack, Tornister), Tasche. In _diesem_ Sinne
ist er verwendet in folgenden _Zus._: a) _am Anfang_ (selten):
_Randeschnurrant_ = Taschenspieler; b) _am Ende_ (sehr häufig):
_Dercherrande_ = Bettelsack, _Kritzlerrande_ = Brieftasche, _Lehmrande_
= Brotsack, _Bich-_, _Kies-_ u. _Loberande_ = Geldsack, _Bäzemerande_ =
Hodensack, _Sprausrande_ = Holzsack, _Buxen-_ od. _Kopelrande_ =
Hosensack (-tasche), _Stupflengrande_ = Igelsack, _Schmalerrande_ =
Katzensack, _Staubertrande_ = Mehlsack, _Malfesrande_ = Rocktasche,
_Dächlesrande_ = Schirmsack, _Toberichrande_ = Tabaksbeutel,
_Toberichschurerande_ = Zigarrentasche. Mit _Rande_ = Bauch sind
gebildet nur die _Zus._ _Randeschure_ = Bauchgrimmen u. die _Verbindg._
_grandicher Rande_ = Dickbauch, als Adj. gebr. = beleibt, wohlbeleibt,
insbs. auch schwanger (trächtig); vgl. dazu _gr. Rande bosten_ =
schwanger gehen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 98 (_Rante_ = Sack); _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 260
(_Rande_ = Sack, Felleisen); _Schöll_ 271 (_Rande_ = Sack); _Pfulld.
J.-W-B._ 338, 340, 343, 345 (_Rande_ = Bündel, Sack, Tasche,
_Lächumrande_ = Brotsack, _Kißrande_ = Geldbeutel); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 67 (_Rande_ = Bauch [_nur_ so!]); _Schwäb. Händlerspr._ 485,
487 (_Rande_ = Ranzen, Tasche, [in _Pfedelb._ (208) auch = Bauch]); s.
auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Rande_ = Portemonnaie). Zur
_Etymologie_ des — im Rotwelsch schon früh auftretenden Wortes (vgl.
_Lib. Vagat._ [55]: _Rantz_ = Sack), das auch als Quelle unseres
gemeinsprachl. »Ranzen« zu betrachten ist, s. _Günther_, Rotwelsch, S.
96 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 111 (unter »Ranzen«, Nr. 2),
_Kluge_, W.-B. (7. Aufl.), S. 363, Sp. 2 und _Weigand_, W.-B. II, Sp.
526 (unter »Ranzen« u. »Ränzel«); vgl. auch _Horn_, Soldatenspr., S. 65.
Auch unser _Ranzen_ ist wohl für »Bauch«, »dicken Leib, auch im Zustand
der Schwangerschaft«, zunächst als »ein niedriges Volkswort des 18./19.
Jahrhunderts«, dann auch im Schriftdeutsch gebräuchlich geworden. S.
_Grimm_, D. W.-B., a. a. O. vbd. mit _Kluge_, a. a. O.]

Bauchgrimmen, _Randeschure_[325]                                          [63.376]

Bauer, _Kaffer_[326], _Ruch_[327]; vgl. auch Landmann

[Fußnote 325: ([23] auf S. 63.376) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 326: ([24] auf S. 63.376) _Kaffer_ (Plur. _Käffer_ [Spr.]) hat
auch in _Wittichs_ Jenisch — in wesentlicher Übereinstimmg. mit dem
Rotwelsch (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 331/32) — mehrfache
Bedeutgn., nämlich: a) Mann (Kerl); b) spezieller: Ehemann (Gatte,
Gemahl); c) Bauer (Landmann). Zu der Bedeutg. unter a gehört das Dimin.
_Käfferle_ mit den Bedeutgn. a) Junggeselle u. b) Greis (alter Mann),
während die Redensart _Käfferle pflanzen_ = Onanie treiben wohl (wie
noch weiter unten auszuführen ist) an die Bedeutung unter c angeknüpft
hat. Mit K. in der Bedeutg. unter a (= Mann) sind gebildet worden:
[Griechisch: a]) _die Verbindungen_: _grandicher Kaffer_ = Riese (s. d.
betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch »Vorbemerkung«, S.
17) nebst dem Gegensatz _nobis grandicher Kaffer_ = Zwerg sowie
_schofler Kaffer_ = Heuchler (od. auch »Hurenkerl«); [Griechisch: b])
folgende _Zusammensetzgn._: aa) mit K. _am Anfang_: _Kaffermalfes_ =
Gewand für Männer, _Kafferkluft_, _-klufterei_ = Mannskleid, -kleider,
_Kafferstreifling_ = Socken; bb) mit K. _am Ende_ (bes. beliebt für
_Standes-_ u. _Berufsbezeichnungen_, wie im Rotw. [vgl. »Vorbemerkung«,
S. 12, Anm. 29]): _Dercherkaffer_ = Bettelmann, _Rädlingskaffer_ =
Fuhrmann, _Vergremers-_ od. _Verkemerskaffer_ = Handelsmann,
_Kittkaffer_ = Hausherr, _Fehtekaffer_ = Hauswirt, Herbergsgeber,
Quartierherr, _Finkelkaffer_ = Hexenmeister, Schwarzkünstler,
_Sprauskaffer_ = Holzmacher, _Sicherkaffer_ = Koch, _Begerkaffer_ =
Leichenbeschauer, aber auch Totengräber, _Leilekaffer_ = Nachtwächter,
_Blibelkaffer_ = »Stundenmann« (Methodist). Mit K. in der Bedeutg. unter
b (= Ehemann) sind _zusammengesetzt_: [Griechisch: a]) _im Anf._:
_Kaffersglied_ = Mannsschwester; [Griechisch: b]) _am Ende_:
_Modelkaffer_ = Tochtermann (Schwiegersohn); zu vgl. hierzu auch das
(gleichsam menschliche Begriffe auf Tiere übertragende) _Trabertkaffer_
= Hengst (eigtl. »Pferde[ehe]mann«, männl. Pferd im Gegens. zu
_Trabertmoss_ = Stute [s. d.]; betr. der Zigeunerspr. s. unter
»Hengst«). Mit K. in der Bedeutg. unter c (= Bauer) sind _keine Zus._
od. _Verbdgn._ gebildet worden. Mit dem Dimin. _Käfferle_ findet sich
noch die _Verbdg._ _nobis vergrönter Käfferle_ (eigtl. »nicht
verheiratetes Männchen«) = Junggeselle, die insofern pleonastisch
erscheint, als ja auch schon das einfache _Käfferle_ dasselbe
bezeichnet. Über die Redensart _Käfferle pflanzen_ s. schon oben. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 96, 98
(_Kaffer_ = Mann, _Grönkaffer_ = Ehemann, _Gaskekaffer_ = Schulmeister);
_W.-B. des Konst. Hans_ 255, 256, 259 (_Kaffer_ = Kameraden [s. dazu:
_Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 22 u. Anm. 1], _schofler Kaffer_ = böser
Mann, _T'schorkaffer_ = Mann, der gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 271
(_Gaver_ = Mann); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 341, 342 (_Kafer_ = Mann,
Biedermann, _kochemer Kafer_ = kluger Mann); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 67 (_Kaffer_ = Bauer, Dorfbewohner, _Kafferlechem_ =
Bauernbrot.); _Schwäb. Händlerspr._ 479, 483 (_Kaffer_ = Mann, Bauer).
S. noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kafrînum_ = Mann). Über weitere
Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (aus dem Hebr. [_kfr_,
Verbindgsform _kĕfar_, = Dorf, bzw. rabbin. _kaphri_ = »Dorfbewohner,
Bauer«]) s. d. ausführl. Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 328 ff.
u. dazu noch _Weber-Günther_, S. 165, _Seiler_, Lehnwort IV, S. 490 u.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 145.]

Bauerndorf, _Rucheg'fahr_[328]                                            [63.377]

[Fußnote 327: ([25] auf S. 63.377) Mit _Ruch_ = Bauer (Landmann) sind
_zusammengesetzt_: _Rucheg'fahr_ = Bauerndorf (vgl. dazu die _folgende_
Anm.), _Ruchamoss_ = Bauernfrau (vgl. S. 378, Anm. 329) u. _Ruchekitt_ =
Bauernhaus. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 90 (_Ruoch_ = Bauer, _Ruochen Kitt_ = Bauernhaus); _W.-B.
des Konst. Hans_ 253 (im wes. ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Ruech_ =
Bauer, _Ruechekehr_ = Bauernhaus, _Ruchemalfes_ = Bauernkittel,
_Ruchegasche_ = Bauernvolk u. a. m.); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Rûch_
od. _Ruoch_ = Bauer); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Ruch_).
Über sonstige Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (wahrscheinl. vom
mhd. Adj. _rûch_ u. ä. = »rauh«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S.
5.]

[Fußnote 328: ([26] auf S. 63.377) Für _G'fahr_ (Gefahr) = Dorf
(Ortschaft) war früher im Jenischen _Palar_ gebräuchlich (s.
»Einleitung«, S. 27); über d. Synon. _Mochum_ (-am) bzw. _Hegesle_ (=
kleines Dorf) s. unter »Dorf«. Außer _Rucheg'fahr_ finden sich _keine
Zus._ mit dem Worte. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 91 (_G'far_ = Dorf); _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Gfart_);
_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Gefar_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
(_G'fār_), u. _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kfr_). Dagegen hat die
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68 die stammverwandte Form _Kaff_;
ähnlich bei den _schwäb. Händlern_ in _Lütz._ 214 (_Khāf_). Über
sonstige Belege im Rotwelsch u. die _Etymologie_ (vom hebr. _kfr_ =
Dorf [vgl. oben Anmerkung 326 (zu _Kaffer_)]) s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
Bd. 48, S. 328 u. Anm. 3; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
135 (unter »G[e]fahr« II); insbs. noch über die Form _Kaff_ s. Archiv,
Bd. 48, S. 329, Anm. 2 u. dazu noch _Fischer_, a. a. O., Bd. IV, Sp. 143
(unter »Kaf[f]«, Nr. 1) vbd. mit Bd. III, Sp. 2 (betr. _Gab_ = Dorf, das
nach ihm zum zigeun. _gāw_ = Dorf [s. _Finck_, S. 58; vgl. _Jühling_,
S. 221] zu stellen ist).]

Bauernfrau, _Ruchamos(s)_[329]                                            [63.378]

Bauernhaus, _Ruchakitt_ (Dimin.: _Ruchekittle_ [Spr.])[330]

Bauersleute, _Rucheulme_ (Spr.)[331]

Baum, _Stöber_[332]

Bäumchen, _Stöberle_[332]

[Fußnote 329: ([27] auf S. 63.378) _Moss_ od. (seltner) _Mos_ bedeutet:
a) Frau (Frauensperson, Frauenzimmer), Weib, sodann enger b) entsprechd.
der Bedtg. von _Kaffer_ unter b): Ehefrau (Gattin, Gemahlin); dazu das
Dimin. _Mössle_ = Jungfrau; eine _Ableitung_ davon ist _mossich_ =
weiblich od. weibisch. In der Bedeutg. unter a) findet sich das Wort in
den _Verbindungen_: _schofle Mos(s)_ = Ehebrecherin, Kebsweib und
_jenische Mos(s)_ = fahrende Frau sowie in folgenden _Zusammensetzgn._:
[Griechisch: a]) _am Anfang_ stehend: _Mos(s)malfes_ = Gewand für
Frauen, Frauen- od. Weiberrock, _Mos(s)klufterei_ = Frauenkleid,
_Mos(s)fīrflamme_ = Frauenschürze, _Mos(s)schrende_ = Frauenstube;
[Griechisch: b]) _ans Ende_ gesetzt (bes. für _Standes- u.
Berufsbezeichn._ [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29]): _Derchermos(s)_
= Bettelfrau, _Vergremmos(s)_ = Handelsfrau, _Kittmos(s)_ = Hausfrau,
_Deisel-_ od. _Disselmos(s)_ = Hebamme, _Finkelmos(s)_ = Hexe,
_Begermos(s)_ = Leichenfrau, _Fehtemos(s)_ = Quartiersfrau,
_Jerusalemsfreundmos(s)_ = Schäferin, _Blibelmos(s)_ = »Stundenfrau«
(Methodistin), _Pfladermos(s)_ = Wäscherin. Dagegen beziehen sich
_mehr_ auf die Bedeutg. unter b (= Ehefrau) die _Zus._:
_Ruchamos(s)_ = Bauernfrau, _Stichtlersmos(s)_ = Schneidersfrau,
_Trittlingpflanzersmos(s)_ = Schustersfrau u. _Lanengersmos(s)_ =
Soldatenfrau, wohl auch noch _Sinsemos(s)_ = Dame, Herrin, das aber auch
zu Gruppe a gerechnet werden könnte. Über _Trabertmos(s)_ = Stute (als
Gegens. zu _Trabertkaffer_) s. schon oben S. 376, Anm. 326; vgl. dazu
betr. d. Zigeunerspr. Näh. unter »Hengst«. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 101 (_Moos_ = Weib,
_Grünt'-Moss_ = Ehefrau); _Schöll_ 272 (_Moos_ = Weib); _Pfulld.
J.-W.-B._ 339, 340, 342, 346 (_Mosch_ = Eheweib, _Musch_ = Frau, _Muß_ =
Weib, _Fingelmuß_ = Hexe, _Oldrischmus_ = Mutter); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 69, 70 (_Moß_ = Frau, _Mößle_ = Fräulein, _Finkelmos_ =
Hexe); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Moß_ = Frau, Weib [in _Pfedelb._
(211) auch: Mutter]; _Dimin._: _Mößle_ od. _Mêßle_ = Mädchen [in
_Pfedelb._ (209 u. 213) auch = Fräulein, Tochter]; _Zus._: _Finkelmoss_
= Hexe, in _Pfedelb._ [208 u. 214]: _Rammelsmoß_ = Bäuerin, _Baizersmoß_
= Wirtin, _Wittmoß_ = Witwe, in U. [214]: _Schenalmoss_ = Magd). S. auch
noch _Metzer Jenisch_ 217 (_Muss_ = Weib) u. _Pfälz. Händlerspr._ 438
(_Moss_ = Frau). Über noch weitere Belege im Rotwelsch u. die
_Etymologie_ des Wortes (das _deutschen_ Ursprungs u. eigentl. eine pars
pro toto [spätmhd. _mucze_ od. _mutz(e)_ = »weibl. Geburtsglied«]
gewesen) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 345 ff.; vgl. auch
»Anthropophytoia«, Bd. IX, S. 34 ff. u. _Weber-Günther_, S. 178 (unter
»Moß«) sowie _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1770 (unter »Moß«) vbd.
mit Sp. 1827 (unter »Musch«).]

[Fußnote 330: ([28] auf S. 63.378) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 331: ([29] auf S. 63.378) S. (betr. _Ulme_) arme Leute.]

[Fußnote 332: ([30] auf S. 63.378) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 333: ([31] auf S. 63.378) _Spraus_ = Holz hat auch noch die
engeren Bedeutgn.: Block, Dorn, Pfahl, Pflock, Prügel, Scheitholz, Stab,
Stecken, Stock; dazu das Dimin. _Spräusle_ = Splitter u. die _Ableitung_
_sprausich_ = hölzern. _Zus._ mit _Spraus_ sind noch: a) _am Anf._:
_Sprausrande_ = Holzsack, _Sprauskaffer_ = Holzmacher, _Sprauskritzler_
= Steckbrief (s. Näh. unter diesem Worte; vgl. auch schon
»Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 46 sowie die Anm. zu »Attest«),
_Sprauspflanzer_ = Stockmacher; b) _am Ende_ (außer _Stöberspraus_):
_Johlespraus_ = Weinrebe. Mit _Spräusle_ ist gebildet _Funkspr¶ei¶sle_
(sic) = Zündhölzer. Eine _Verbindg._ ist _grandicher Spraus_ = Stange
(s. d. betr. wes. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. _a'gefunkter Spraus_
(eigtl. »angebranntes Holz«) = Kohle. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunersprache_ 94 (_Spraus_ = Holz); _W.-B. des
Konst. Hans_ 255 (_Sprauß_, Bedeutg. ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340,
346 (_Form_: ebenso, _Bedtg._: auch Wald, _Sprausfetzer_ = Zimmermann);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Sprausfetzer_); _Schwäb.
Händlerspr._ 482, 488 (wie _Pfulld. J.-W.-B._, dazu in _Degg._ [215]:
_Funk-Spraus_ = Zigarre). Auch das _Metzer Jenisch_ (216) kennt _Spraus_
= Holz. Zur _Etymologie_ des Wortes (wohl verwandt mit unserem
gemeinspr. »Sproß«) sowie noch über sonstige Belege im Rotw. s. _Groß'_
Archiv, Bd. 42, S. 55, Anm. 1.]

Baumholz, _Stöberspraus_[333]; vgl. auch Stamm                            [63.379]

Baumkatze (d. h. Eichhörnchen), _Stöberschmaler_[334]

Beängstigung, _Bauser_[335]

[Fußnote 334: ([32] auf S. 63.379) Die Bezeichnung des Eichhörnchens als
_Stöberschmaler_, d. h. »Baumkatze«, ist sicher aus der Zigeunersprache
übernommen, in der das Tier sachlich ganz ebenso heißt (näml. [nach
_Liebich_ 156, 181, 191] _rukkéskri_ od. _rukkengĕri mádschka_ od.
[nach _Finck_ 72] _rakéskeri mátška_, d. h. etwa die sich auf Bäumen
aufhaltende Katze, zu _ruk(k)_ = Baum u. _mátška_ (madschka) = Katze
[s. _Liebich_, S. 156, 181, 214 u. _Finck_, S. 72, 82]); vgl. auch schon
»Vorbemerkung«, S. 18. Ein Synon. damit ist auch _romésk(e)ri
mátška_, d. h. »Zigeunerkatze« (s. _Liebich_, S. 156 u. 191 u.
_Finck_, S. 72), wie denn das Eichhörnchen neben dem Igel und dem Fuchs
(sowie dem Federvieh) zu den »Leckerbissen« der Zigeunerküche gehört (s.
_Liebich_, S. 85). — Neben _Schmaler_ = Katze (auch Kater; Dimin.:
_Schmalerle_ = Kätzchen) findet sich im Jenischen auch die gleichbd.
Form _Schmaleng_ (plur. _Schmaling_ [vgl. »Vorbemerkung«, S. 13, Anm.
30). Mit _Schmaler_ sind _zusammengesetzt_ noch _Schmalerbossert_ =
Katzenfleisch und _Schmalerrande_ = Katzensack. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Schmaling_ = Katze);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Gschmaling_); _Schwäb. Händlerspr._
482/83 (_Schmle_ [in _Pfedelb._ (211): _Gschmale_], _Schmling_ [in
_Pfedelb._ (211): _Schmarling_] oder _Gschmling_ [in _Pfedelb._ (211):
auch _Gschmarling_] = Katze); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438
(_Schmalert_) u. _Regensb. Rotwelsch_ 489 (_Schmali_ u. a. m.). Der
_Dolm. der Gaunerspr._ (98) kennt das Synon. _Schmalfus_, das schon im
_W.-B. von St. Georgen_ 1750 (207) verzeichnet ist und sich — gleich
den Formen _Schmaler_ (zuerst dial.: _Schmola_ bei _Schintermicherl_
1807 [289]) u. _Schmaling_ — bei den Gaunern bzw. Kunden bis in die
Neuzeit erhalten hat (vgl. z. B. _Groß_ 491 u. _Ostwald_ [Ku.] 133). Der
_Etymologie_ nach gehören alle diese Ausdrücke gewiß zu unserem Adj.
_schmal_; s. _Pott_ II, S. 23; _Wagner_ bei _Hersig_, S. 249; _Günther_,
Rotwelsch, S. 57 u. 63, Anm. 64; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III,
Sp. 481 (unter »G[e]schmaling«).]

[Fußnote 335: ([33] auf S. 63.379) S. Angst.]

beantworten, _dibera_[336], _schmusen_[337]                               [63.380]

bedanken, _bederchen_[338]

bedeutend, _grandich_[339]

Bedrängnis, _Vermuft_[340]; vgl. Armut und Konkurs

bedrohen, _stämpfen_[341]

befragen, _lenzen_[342]; vgl. fragen

befürchten, _bauserich sein_[343]

begatten (Begattung), _bodera_ oder _budera_[344], _kirmen_[345]
_schnirgla_[346], _schurela_[347]

[Fußnote 336: ([34] auf S. 63.380) S. anreden.]

[Fußnote 337: ([35] auf S. 63.380) S. ansagen.]

[Fußnote 338: ([36] auf S. 63.380) S. abbetteln.]

[Fußnote 339: ([37] auf S. 63.380) S. Adler.]

[Fußnote 340: ([38] auf S. 63.380) S. Aas; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15,
Anm. 36 (Substantivierung eines Partizips).]

[Fußnote 341: ([39] auf S. 63.380) S. Ärger.]

[Fußnote 342: ([40] auf S. 63.380) S. anschauen.]

[Fußnote 343: ([41] auf S. 63.380) S. Angst.]

[Fußnote 344: ([42] auf S. 63.380) Das Zeitw. _bodera_ (-re) od.
_budera_ (-re) = begatten (erzeugen), als Subst. gebr. = Begattung
(Beischlaf) ist m. W. nicht nur in dem _verw. Quellenkreis_, sondern
auch _sonst_ im Rotw. usw. _un_gebräuchlich. Es ist nach _Fischer_,
Schwäb. W.-B. I, Sp. 1557 (unter »budere[n]«) ein gemein-schwäbischer
Ausdruck mit den Bedeutungen: a) »klopfen, schlagen«, b) »poltern« u. c)
»_Unzucht treiben_«, der seinerseits zu dem Hauptw. _Buder_ (Nebenf. zu
_Bauder_) = »Stoß« (s. W.-B. I, Sp. 1506 vbd. m. Sp. 69) gehört, wobei
(bezügl. der Bedeutg. unter c) »volkstüml. etymol. an _buttern_, auch an
_pudern_ (d. h. ›mit Puder bestreuen‹) gedacht werden« mag.]

[Fußnote 345: ([43] auf S. 63.380) Das Zeitw. _kirme(n)_ (mit _gleicher_
Bedeutg. u. Verwendung wie _bodera_) kommt für »Unzucht treiben« auch in
der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ (76) vor, desgl. (noch etwas
allgemeiner) für »coire« in der _schwäb. Händlerspr._ (in U. [213]). Es
scheint sich auch hier zunächst um ein _schwäb._ (bzw. überhaupt südd.)
Dialektwort (mit ursprüngl. wohl allgemeinerer Bedeutg.) zu handeln; s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 213 (unter »g[e]hirme[n]«) mit weitern
Angaben über südd. Mundarten.]

[Fußnote 346: ([44] auf S. 63.380) Das Zeitw. _schnirgla_ (-le) —
ebenfalls gleichbed. m. _bodera_ — ist m. Wiss. sonst in den
Geheimsprachen _nicht_ bekannt. _Etymologisch_ darf man es (nach gefl.
Mitteilung von Dr. _A. Landau_-Wien) vielleicht stellen zu mundartl.
_Schneck(e)_ = »feminal«, vulva u. dgl. (s. z. B. _Schmeller_, Bayer.
W.-B. II, Sp. 567 [unter »Schneck«, lit. g] u. ausführl. Angaben bes.
bei _Aigremont_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VI, S. 48, 49; vgl. auch
_Müller_, ebds. Bd. VIII, S. 11) bzw. (schwäb. u. bayr.) _Schnickel_ =
»penis« (s. v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 474 u. _Schmeller_, a. a. O.,
Sp. 567 [mit Anführg. v. holl. _sneukelen_ = »Hurenhäuser besuchen«])
oder (schles.) _Schnicke_ = »penis«, _schnicken_ = »supprimere abiquam«
(s. _Weinhold_, Beitr. zu e. schles. W.-B., S. 87; vgl. auch _Müller_,
a. a. O. S. 6).]

[Fußnote 347: ([45] auf S. 63.380) S. abbiegen.]

begehren, _dalfen_, _derchen_[348]                                        [63.381]

begütert, _grandich_[349]

behend, _g'want_[350]

behext, _verfinkelt_[351]

Beil, _Doberle_[352]

Beinkleid, _Buxa_[353], _Kopel_[354]; vgl. Hose(n)

[Fußnote 348: ([46] auf S. 63.381) S. abbetteln.]

[Fußnote 349: ([47] auf S. 63.381) S. Adler.]

[Fußnote 350: ([48] auf S. 63.381) S. anmutig.]

[Fußnote 351: ([49] auf S. 63.381) Diese Vokabel setzt ein Zeitw.
_verfinkeln_ = behexen voraus, das aber im Vokabular nicht angeführt
ist, ebenso wie ein einfaches _finkeln_ (im Rotw. für »kochen [sieden,
braten]« usw. bekannt) fehlt, während als _Ableitungen_ von letzterem
die Subst. _Finkler_ = Zauberer, Schwarzkünstler, _Finklere_ = Zauberin,
_Finklerei_ = Hexerei, Zauberei u. als _Zus._ mit dessen Stamm
_finkel-_: _Finkelmoss_ = Hexe, _Finkelkaffer_ = Hexenmeister u.
_Finkelkitt_ = Hexenhaus erscheinen. Über das — gleichfalls zu diesem
Zeitw. gehörige — Subst. _Gefinkelter_ = Branntwein s. Näh. unter
diesem Ausdr. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 270
(_Fenkel Caspar_ = Betrug mit Hexerei); _Pfulld. J.-W.-B._ 340
(_Fingelschize_ = Hexe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Finkelmos_
= Hexe); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210]: _Finkelmoß_ = Hexe,
_Finkelschütz_ = Hexenmeister). — Das einfache _Finckel_ = Hexe kannte
die _Scharfrichtersprache_ v. 1813 (308). Zur _Etymologie_: Den Übergang
von der Bedeutg. des — zu dem Stammwort _Funk_ u. ähnl. = Feuer (vgl.
Bd. 63 S. 35 u. Anm. 125) gehörenden — Zeitw. _finkeln_ od. _fünkeln_ =
kochen usw. (s. schon _Lib. Vagat_ [53]: _fünckeln_ = sieden od. braten
u. dann öfter) zu den Begriffen _Finklerei_ = Hexerei, _Finklere_ od.
_Finkelmoss_ = Hexe usw. haben höchstwahrscheinlich Ausdrücke wie
»Teufelsbraten« u. »Hexenküche« (u. überhaupt die Vorstellung von dem
Zubereiten [Kochen] von allerlei Zaubertränken durch die Hexen)
vermittelt; s. dazu _Pott_ II, S. 34; vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 50,
S. 350 (unter »Fingelmusch«).]

[Fußnote 352: ([50] auf S. 63.381) S. Axt.]

[Fußnote 353: ([51] auf S. 63.381) _Buxa_ (-e), plur. _Buxen_ =
Beinkleid, Hose kommt auch vor in _Zus._, nämlich _Buxeschmelzer_ =
Feigling (vgl. dazu schon Bd. 63, S. 132, Anm. 293 zu »austreten
[schwer]«) u. _Buxerande_ = Hosensack. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Buchsen_ = Hosen); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Buxen_ = Hosen); _Schwäb. Händlerspr._ 482
(ganz ebenso). S. auch _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Form_: ebenso,
_Bedtg._: auch Unterhosen) u. _Regensburg. Rotw._ 490 (_Buxen_ = Hose).
_Etymologie_: Es handelt sich um ein schon früh (17. Jahrh.) ins
Rotwelsch — auch in Süddeutschl. — eingedrungenes _niederd._ Wort. S.
_Pott_ II, S. 17 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 51 vbd. mit _Kluge_, Unser
Deutsch (2. Aufl.), S. 81; vgl. auch _Fischer_, Schwab. W.-B. I, Sp.
1495 (unter »Buchse[e]«).]

[Fußnote 354: ([52] auf S. 63.381) Mit _Kopel_ (plur. _Kopla_) =
Beinkleid, Hose _zusammengesetzt_ ist nur _Kopelrande_ (= Buxerande). In
dem _verw. Quellenkr._ ist der Ausdr. unbekannt. Der _Etymologie_ nach
handelt es sich zwar wahrscheinlich um ein _Zigeunerwort_ (s.
»Einleitung« S. 30), jedoch müßte bei seiner Aufnahme ins Jenische eine
Umstellung (Transposition) der Buchstaben der letzten Silbe
stattgefunden haben, da es im Zigeunerischen — nach _Jühling_, S. 221
— _Cholep_ lautet (s. ebds. S. 228: früher dafür auch _Ch¶och¶lep_).
Vgl. ferner _Pott_ II, S. 163, 170 (unter »Chólov«); _Liebich_, S. 130,
182, 211 (_chōlib_ od. _chóleb_ = Beinkleid, Hose); _Miklosich_,
Denkschriften, Bd. 26, S. 222 (unter »cholov«: bei den deutsch. Zig.:
_cholib_); _Finck_, S. 69 (_xóli¶w¶_ od. _xólu¶w¶_ = »Hose«). In
_dieser_ Form ist die Vokabel vereinzelt wohl auch ins Rotwelsch
eingedrungen (vgl. z. B. _v. Grolman_ 39 u. T.-G. 102 [_Kolle¶w¶_ od.
_Kollet_ = Hosen] u. _Karmayer_, G.-D. 206 [ebenso]).]

Beischlaf s. begatten                                                     [63.382]

Beischläferin, _Lubne_[355], _schofle Model_ (d. h. »schlechtes
Mädchen«)[356]

beißen, _näpfen_[357]

beiwohnen s. begatten

Bekleidung, _Klufterei_[358]

[Fußnote 355: ([53] auf S. 63.382) _Lubne_ hat im W.-B. auch die
Bedeutgn.: Hure (Dirne [Buhldirne], Freudenmädchen), Ehebrecherin,
Kebsweib (Mätresse). Dazu die _Zus._ _Lubnebenk_ = »Hurenkerl« und die
_Ableitg._: _lubnen_ = »huren«. In dem _verw. Quellenkr._ ist das Wort
_un_bekannt, dagegen ist es sonst im Rotw., wenngleich selten,
anzutreffen. S. darüber sowie über die _Etymologie_ (aus der
Zigeunersprache [vgl. »Einleitung«, S. 30]) d. näh. Angaben in _Groß'_
Archiv, Bd. 38, S. 256/57 u. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 19 (vgl.
auch Bd. IX, S. 26) u. dazu noch _Finck_, S. 71 (zig. _lúbni_ [-li,
-lin] = »Hure«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1311
(unter »Lubegane«). Nach _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 32 u.
Denkschriften, Bd. 27, S. 7 geht das Zigeunerwort auf das altind. _lubh_
= »verlangen, begierig sein« zurück.]

[Fußnote 356: ([54] auf S. 63.382) Über _schofel_ s. unter »arg«. —
_Schof(e)le Model_ (auch _Schoflemodel_) ist im W.-B. auch noch durch
»Dirne«, »Freudenmädchen« u. »Hure« wiedergegeben. Mit _Model_ = Mädchen
(Frauensperson, Frauenzimmer), auch Braut, Schwester und Tochter (dazu
d. Dimin. _Mödele_ = junges [kleines] Mädchen) sind noch gebildet: a)
die _Verbindgn._: _dofe Model_ = Geliebte (Liebhaberin, Liebste [wogegen
_dufte Model_ nur allgemeiner ein »brauchbares Mädchen« bedeuten soll])
u. _jenische Model_ = »fahrendes Mädchen«; b) mehrere _Zusammensetzgn._,
näml. [Griechisch: a]) _am Anfang_: _Modelgalm_ = Tochterkind,
_Modelkaffer_ = Tochtermann (Schwiegersohn), _Modelfiesel_ =
Tochtersohn; [Griechisch: b]) _am Ende_ (bes. für _Stände_ u. _Berufe_
[vgl. »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]): _Derchermodel_ = Bettelmädchen,
_Sinsemodel_ = Fräulein, _Verkemeresmodel_ = Handelsmädchen, _Galma-_
od. _Schrabinermodel_ = Kindermädchen, _Fehtemodel_ = Quartiermädchen,
_Jerusalemsfreundmodel_ = Schäferin, _Schmelemermodel_ =
Zigeunermädchen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 342 (_Model_ = Mädchen); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 483
(_Môdel_ = Mädchen, Frau [in _Pfedelb._ (209): auch Fräulein u.
Tochter]). Über die Belege im _sonst._ Rotwelsch usw. sowie die (nicht
ganz sichere) _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 344
ff.; vgl. auch »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 27 sowie _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 1725 (nach dem _Model_ »vielleicht einfach« aus »Modell«
entstanden ist).]

[Fußnote 357: ([55] auf S. 63.382) S. abbeißen.]

[Fußnote 358: ([56] auf S. 63.382) S. ankleiden.]

bekommen, _bestieben_ (als Partiz. _bestiebst_)[359]                      [63.383]

Bekümmernis haben s. befürchten

beleibt, _grandicher Rande_[360]

beleidigen s. bedrohen

beliebt, _dof_[361]

beloben, _dof schmusen_ (d. h. »schön reden«)[362]; vgl. loben

belügen, _ko(h)len_[363]

bemittelt s. begütert

beobachten, _linzen_[364]

[Fußnote 359: ([57] auf S. 63.383) _Bestieben_ heißt auch noch
spezieller: erwischen od. fangen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 89, 90, 92 (_bestieben_ = bekommen,
_bestiebt werden_ = arretiert od. erwischt werden); _W.-B. des Konst.
Hans_ 256, 257 ff. (_bestieben_ [Partiz.: _bestiebt_] = bekommen);
_Schöll_ 272 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 339 (_bestieben_ =
bekommen, ertappen, fangen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (auch _Lütz._
[214]: _besti[e]be[n]_ = bekommen [in _Pfedelb._ (209, 210, 212) auch =
ertappen, fangen, geben u. schenken; in _Eningen_ (S. 206, Anm. 1):
_stieben_ = geben u. die merkwürd. Subst. _Beistieber(in)_ = Knecht,
Magd u. _Käppelesstieber_ = Pfarrer (zu _Käppele_ = Kirche [vgl. _Groß'_
Archiv, Bd. 49, S. 349]), wozu vielleicht _stieben_ = laufen im
_Pleißlen der Killertaler_ 436 herangezogen werden dürfte]). Die
_Etymologie_ bleibt unsicher. A.-L. 524 hat das Wort zu dem gemeinspr.
»stöbern« gestellt, _Stumme_, S. 19 denkt an einen Zusammenhang mit
»stibitzen« (wofür _bestieben_ = bestehlen im _Hildburgh. W.-B._ 1753
ff. [226] sprechen würde) od. auch an das latein. _stipare_ = stopfen
(»in die Tasche stopfen?«), _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 941 (zu
»bestieben«, Nr. 2) bemerkt nur negativ: »vielleicht ein anderes Wort«
als »bestäuben«.]

[Fußnote 360: ([58] auf S. 63.383) S. Adler und Bauch.]

[Fußnote 361: ([59] auf S. 63.383) S. angenehm.]

[Fußnote 362: ([60] auf S. 63.383) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]

[Fußnote 363: ([61] auf S. 63.383) Das Zeitw. _ko(h)len_ = belügen,
erlügen (während es für das einfache »lügen« — wohl nur versehentlich
— im W.-B. fehlt), ferner verleugnen u. betrügen — nebst der _Zus._
_vorko(h)len_ = vorlügen — gehört zu dem Hauptwort _Kohl_ = Lüge
(Fabel), das auch adjektivisch (= erlogen, verlogen) gebraucht wird.
_Ableitungen_ davon sind: _Kohler_ = Lügner u. _Kohlerei_ = das Lügen,
der Betrug. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 90 (_Kohl machen_ = »einen zum besten haben«); _W.-B. des
Konst. Hans_ 259 (_Kohl malochen_ = lügen); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342
(_kohlen_ = erzählen, lügen, _ankohlen_ = anführen, anlügen; _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 68, 72 (_Kohl_ = Aufschneiderei, Lüge, _Kohl
reissen_ od. _kohlen_ = lügen, _ankohlen_ od. _verkohlen_ = betrügen);
_Schwäb. Händlerspr._ 479, 483 (_Kohl reissen_ od. _kôlen_ = lügen,
_verkôlen_ = betrügen; dazu in _Pfedelb._ [208, 209, 211] noch: _Kohl_ =
Lüge, _ankohlen_ = anlügen u. betrügen sowie _wegkohlen_ = leugnen).
Über sonstige Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ (vom hebr.
_qôl_ = »Stimme«) s. d. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 135 (unter
»Oberkohler«) u. Anm. 1 u. 2; vgl. auch noch _Seiler_, Lehnwort IV, S.
491 u. _Fischer_, Schwab. W.-B. IV, Sp. 570 (unter »Kol« II).]

[Fußnote 364: ([62] auf S. 63.383) S. anschauen.]

bequem, _dof_[365]                                                        [63.384]

berauben, _schniffen_[366], _schoren_[367]

berauscht, _dambes_ (= Dambes)[368], _geschwächt_[369], _molum_[370],
_schwächer_ (= Schwächer)[369][371]

Beruf, _Schenagel_[372]

[Fußnote 365: ([63] auf S. 63.384) S. angenehm.]

[Fußnote 366: ([64] auf S. 63.384) S. anfassen.]

[Fußnote 367: ([65] auf S. 63.384) S. ausstehlen.]

[Fußnote 368: ([66] auf S. 63.384) Bei _dambes_ = berauscht liegt
offenbar der Fall eines adjektiv. Gebrauchs eines Substantivs (_Dambes_
= Rausch [Spr.]) vor; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38). Der
_Etymologie_ nach gehört _Dambes_, das als _Dam¶p¶es_ auch in
süddeutsch. Mundarten (Schwaben, Bayern, Tirol usw.) für einen Rausch
(mäßigen Grades) gebräuchlich ist (vgl. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp.
510 u. bes. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46 mit ausführl.
Lit.-Angaben über die verschied. Mundarten), vermutlich zu _Dampf_ od.
auch zu dem Zeitw. _dämmen_ = »prassen, schwelgen« u. dgl. (s.
_Schmeller_, a. a. O., Sp. 509 vbd. m. _Grimm_, D. W.-B. II, Sp 709).
Die Endung _-es_ (vgl. »Vorbemerkung«, S. 13, Anm. 32) ist _hier_ wohl
als eine Abschwächung des latein. _-us_ zu betrachten. — Im Rotw. u. in
sonstigen Geheimspr. ist der Ausdr. m. W. _nicht_ bekannt.]

[Fußnote 369: ([67] auf S. 63.384) S. Amme.]

[Fußnote 370: ([68] auf S. 63.384) _Molum_ = berauscht kommt (gleichsam
als Gegenstück zu dem ursprüngl. Subst. _Dambes_ für »berauscht«) auch
als Hauptw. — für »Rausch« — gebraucht vor. _Zu vgl._ (aus d. _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 u. _Schwäb. Händlerspr._
485, die übereinstimmend nur _Molum_ = Rausch (also _nicht_ als Adj.)
haben. Seiner _Etymologie_ nach ist das Wort aber als Adj. (bzw.
Partiz.) aufzufassen, da es _nicht_ etwa zu dem zigeun. _mōl_ =
»Wein« (s. _Finck_, S. 74; vgl. _Liebich_, S. 146 u. 259, _Miklosich_,
Beitr. I/II, S. 14 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 16 sowie _Jühling_, S.
224) gehört, sondern zurückgeht auf d. jüd. _môle_ (hebr. _mle'_ =
»erfüllend, voll«, zu _ml'_ [_mlê'_] = »erfüllen« [vgl. A.-L. 403]),
das in die meisten deutschen Mundarten als _mole_ (moule, moile) od.
_molum_ (målum) eingedrungen (so z. B. bes. in Thüringen u. Sachsen,
Hessen u. Westfalen) und (in d. Form _molum_ = »besoffen«) auch der
Studentensprache (seit Anf. des 19. Jahrh.) bekannt gewesen ist (s.
_Kluge_, Studentenspr., S. 105). Daß es jedoch in diese erst aus der
Gaunersprache aufgenommen wäre (s. _J. Meier_, Hall. Studentenspr., S.
10), ist kaum anzunehmen, da im eigtl. Rotwelsch das Wort (und zwar i.
d. R. in der Form _mole_) m. Wiss. nicht vor dem 19. Jahrh. vorkommt,
und auch dann _meist_ nur in dem allgemeinen Sinne von »voll, gefüllt«
überhaupt (s. z. B. _v. Grolman_, T.-G. 131; _Karmayer_, G.-D. 121;
_Groß_ 479; nur bei _Thiele_ noch bes. _mole jajin_ = »voll Weines«;
erst bei A.-L. 575 in d. Form _molum_ = »betrunken« u. bei _Groß_ 479
vbd. m. 476 [unter »lunen«]: _Molum_ (-lun) = »Rausch«). S.
_Weber-Günther_, S. 159/60 (unter »moule«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 1733 (unter »Molum«).]

[Fußnote 371: ([69] auf S. 63.384) Auch hierbei handelt es sich (wie bei
d. Syn. _dambes_) um den adjektiv. Gebrauch eines Substantivs,
_Schwächer_ = Rausch (vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38).]

[Fußnote 372: ([70] auf S. 63.384) S. abschaffen.]

beschenken, _dogen_[373], _ste(c)ken_[374], s. auch schlagen              [63.385]

beschimpfen, _stämpfen_[375]

beschmutzt, _schundich_[376]

beschreiben, _febera_ (d. h. eigtl. nur »schreiben«)[377]

besehen, _linzen_ (d. h. eigtl. »sehen«)[378]

Besen s. Kehrbesen; vgl. Bürste

besichtigen, _linzen_[378]

besonnen, _kochem_[379]

[Fußnote 373: ([71] auf S. 63.385) S. abgeben.]

[Fußnote 374: ([72] auf S. 63.385) _Ste(c)ken_ hat (gleich _dogen_) auch
die allgemeinere Bedeutung von »geben« (so z. B. _Fehma_ oder _Grifling
ste[c]ken_ = die Hand geben), dann aber auch die von »hauen, prügeln«
(s. auch: »fechten«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 92 (_stecken_ = geben); _W.-B. des Konst. Hans_ 256, 259
(_steken_ = geben, aber auch: sagen); _Schöll_ 272 (ganz ebenso);
_Pfulld. J.-W.-B._ 340, 344 (_steken_ = hergeben, schenken, _Fehma
steken_ = Hand geben, _usserkinnig steken_ = herausgeben); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_stecken_ = geben); _Schwäb. Händlerspr._ (in
_Pfedelb._ [210]: _stecken_ = geben, _Griffling stecken_ = die Hand
geben); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_st¶i¶cken_ = geben). Zur
_Etymologie_: Es handelt sich um nichts anderes als unser gemeinsprachl.
Zeitw. _stecken_, das »Bewirkungswort« zu _stec¶h¶en_ (_Weigand_, W.-B.
II, Sp. 957 unter »stecken« 1), das wohl auch (z. B. nach _Ku._ IV
[433]) gleichbedeutend damit gebraucht wird, in der _neueren_
Gaunersprache aber meist in einem engeren Sinne (nämlich: »_heimlich_
geben« [»zustecken«], »_heimlich_ zu _verstehen_ geben« (vgl. z. B.
A.-L. 610; _Groß_ 495; _Rabben_ 125] od. »_heimlich_ Unterschrift geben«
[s. _Ostwald_ 148]) vorkommt. Von Verbindungen wie _den Kohl stecken_ =
»den Staupenschlag geben« oder _einem Guffti_ od. _Macks stecken_ =
»schlagen« (eigtl. »jmdm. Schläge geben«) im älteren Rotwelsch (s. für
die erstere Wendung: _A. Hempel_ 1687 [168] u. _Waldheim. Lex._ 1726
[189], für die letztere: _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [218 u. 220])
sowie dem mundartl. volkstüml. »_einem eine_ (näml. Ohrfeige) _stecken_«
(s. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 726) u. dgl. m. konnte sich dann
die engere Bedeutung von »prügeln« usw. leicht entwickeln; außerdem mag
auch der Anklang an »Stecken« (= Stock) dabei vielleicht noch mit
eingewirkt haben.]

[Fußnote 375: ([73] auf S. 63.385) S. Ärger.]

[Fußnote 376: ([74] auf S. 63.385) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 377: ([75] auf S. 63.385) S. abschreiben.]

[Fußnote 378: ([76] auf S. 63.385) S. anschauen.]

[Fußnote 379: ([77] auf S. 63.385) _Kochem_ hat im W.-B. noch folgende
Bedeutungen: gelehrt, gescheit, klug, schlau, vernünftig, verschlagen,
verschmitzt, verständig. In dem _verw. Quellenkreise_ der _älteren_ Zeit
tritt das Wort nur in dem bekannten engeren Sinne von »gaunerisch«, »auf
die Gauner bezüglich« u. dgl. oder in d. R. vielmehr _substantivisch_
gebraucht für »Gauner« (»Spitzbube«, »Dieb«) u. ä. auf, während es in
der _neueren_ Zeit dann wieder mehr seine ursprüngliche Bedeutung (vgl.
unten »Etymologie«) — von »klug«, »gescheit« usw. — angenommen hat,
also mit _Wittichs_ Jenisch übereinstimmt (s. auch schon »Einleitung«,
S. 28 u. Anm. 92 vbd. mit »Vorbemerkung« S. 5, Anm. 8). _Vgl._ _Dolm.
der Gaunerspr._ 91, 93, 94 (_Kocheme_ [sing.] = Spitzbub, _Kocheme-Kitt_
= Diebsherberge, _Kocheme Grunerej_ od. _Gascherey_ = Diebshochzeit,
_Kochemgeis_ = Diebsvolk u. a. m.); _W.-B. des Konst. Hans_ 256
(_Kochem_ = Dieb); _Schöll_ 268, 271, 273 (_Kochum_ = Dieb, _Kochumer_
[plur.] = »Jauner«, _Kochumebaiser_ = Diebswirt); _Pfulld. J.-W.-B._
308, 341, 343 (_Kochemer_ = »Schelm«, _Kochemer Kehr_, _-Kitt_ od.
_-Baiss_ = Diebsherberge, als Adj. gebr. aber _kochem_ = klug, daher
_kochemer Baiser_, _Kaim_, _Kafer_ = kluger Wirt, Jud, Mann); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 70, 71, 77 (_kochem_ = klug, _kochum_ = hochfein,
_cochum_ = vortrefflich); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210]:
_kochem_ = gescheit, klug). Zur _Etymologie_ (vom hebr. _chkm_ =
»klug, weise«) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 197, Anm. 2
u. bei _Weber-Günther_, S. 157 (hier auch weiter _rotw._ Belege); vgl.
auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 560.]

besser, _döfer_[380]                                                      [63.386]

bestehlen s. berauben

bestrafen s. schlagen; vgl. auch beschenken

bestraft (gerichtlich), _g'strupft_[381]

besudelt s. beschmutzt

beten, _bliblen_[382]

betrachten, _linzen_[383]

betrinken, _beschwächen_[384]

Betrug, _Kasperei_[385], _Kohlerei_[386]

betrügen, _kaspere_[385], _kohlen_[386]

[Fußnote 380: ([78] auf S. 63.386) Komparativ zu _dof_; s. angenehm.]

[Fußnote 381: ([79] auf S. 63.386) Ein danach zu erwartender Infin.
_strupfen_ = strafen ist im W.-B. nicht angeführt. Dagegen findet sich
noch das (wohl als Stamm zu betrachtende) Hauptw. _Strupf_ = Strafe (u.
dazu: _Strupf bereimen_ = Strafe bezahlen). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213]: _Strups_ =
Strafe [aber _schripfen_ od. _stricheln_ = strafen]). Die _Etymologie_
erscheint nicht sicher. Die z. B. bei v. _Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 514
und _Schmeller_, Bayer. W.-B. III, Sp. 818 (unter »strupfen«)
angeführten Bedeutgn. wollen nicht recht passen; vielleicht liegt daher
nur bloße Verunstaltung von »Strafe«, »strafen« vor. Mit Bezug auf den
(aus der Wendg. _Strupf bereimen_ [für _Strupf_] zu entnehmenden)
engeren Begriff »_Geld_strafe« könnte man allenfalls auch an das
wienerische _Strupf'n_ = Gulden (s. _Schranka_, Wien. Dial.-Lex., S.
167) denken.]

[Fußnote 382: ([80] auf S. 63.386) S. anbeten.]

[Fußnote 383: ([81] auf S. 63.386) S. anschauen.]

[Fußnote 384: ([82] auf S. 63.386) S. Amme.]

[Fußnote 385: ([83] auf S. 63.386) _Kasperei_ = Betrug (bes. auch
Wahrsagen) u. _Kasperer_ = Betrüger (Wahrsager, Zauberer [Spr.]), fem.
_Kaspere_ = Wahrsagerin sind _Ableitungen_ von dem Zeitw. _kaspere_ =
betrügen, auch zaubern (Spr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Kasperer_ = »Betrüger mit falschen
Arzneien«); _Schöll_ 270, 271 (_kaspern_ = betrügen, _Fenkel Caspar_ =
»Betrug mit Hexerei«, _Höllich Caspar_ = »Betrug mit Beschwörung
unschädlicher Geister u. Erhebung verborgener Schätze«); _Pfulld.
J.-W.-B._ 338 (_kaspern_ = betrügen, lügen); _Schwäb. Händlerspr._ (in
_Pfedelb._ [209]: _kaspern_ = betrügen). Über weitere Belege im Rotw. s.
_Schütze_, S. 72, 73. Zur _Etymologie_ (vom hebr. _kzab_ = »belügen«)
s. _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 21, 22 (unter »Kasper-Fehlinger«); vgl.
auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 250 (unter »kaspern«) betr.
Angaben über die mundartl. Verbreitg. des Wortes.]

Betrüger, _Fehlinger_[387], _Kasperer_[385]                               [63.387]

betrunken s. berauscht; vgl. trunken.

Bett, _Sauft_, plur. _Sauften_, _Säufter_ oder _Säuftlinge_ (letzteres
Spr.)[388]

Bettelbrief, _Dercherkritzler_[389]

Bettelbrot, _derchter Lehm_ (d. h. »gebetteltes Brot«)[390]

Bettelbube, _Dercherfi(e)sel_[391]

[Fußnote 386: ([84] auf S. 63.387) S. belügen.]

[Fußnote 387: ([85] auf S. 63.387) _Fehlinger_ findet sich schon in den
_verw. Quellen_ des 18. Jahrh., jedoch in dem engeren Sinne von
»Betrüger mit falschen Arzneien« (so: _Dolm. der Gaunerspr._ 90; Synon.:
_Kasperer_ [s. oben Anm. 385]; vgl. [89] _Feling_ = Arznei) u. dergl.
(s. _W.-B. des Konst. Hans_ 255 [= »falsche Ärzte, Ölträger«]). Eine
nähere Einteilung der _Fehlinger_ (in _Staats-_ u. _gemeine Fehlinger_)
gibt dann _Schöll_ 1793 (269/70; vgl. 272: _Feling_ = Arzneien); s. auch
noch _Schwäb. Falschmünzerprozeß_ 1791/92 (262) und _Uracher Jauner- u.
Betrügerliste_ 1792 (268) sowie weitere Belege in _Groß'_ Archiv Bd. 42,
S. 21 (unter »Fe(h)ling«). In _neuerer_ Zeit ist dagegen der Ausdruck m.
Wiss. sonst nirgends mehr gebräuchlich. Zur (nicht sicheren)
_Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_ Archiv Bd. 42, S. 20, 21. _Fischer_,
Schwäb. W.-B. II, Sp. 1042 hat die Vokabel nicht erklärt.]

[Fußnote 388: ([86] auf S. 63.387) _Sauft_ (wohl auch im Sing.
_Säuftl¶e¶ng_, argum.: plur. _Säuftling_ [vgl. »Vorbemerkg.«, S. 13,
Anm. 30]) = Bett (Federbett), Lager, auch Kissen erscheint noch in der
Redensart _in Sauft bosten_ = niederkommen sowie in folgenden _Zus._: a)
im _Anfang_: _Sauftschottel_ = Bettschüssel u. _Sauftschure_ =
Bettüberzug (Bettuch, Bettzüge); b) _am Ende_: _Rauschertsauft_ = Streu-
od. Strohlager u. _Galmesauft_ (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld J.-W.-B._ 338, 341 (_Sa¶n¶ft_ =
Bett, Kissen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Sonft_ od. _Saunft_ = Bett;
Nebenformen: _Senftling_ u. _Sänftel_ [in _Eningen_ (206, Anm. 2):
_Seifle_]); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_Sempfle_ oder
_Siampfle_). Zur _Etymologie_: Es handelt sich wohl jedenfalls nur um
eine (mundartl.) Verunstaltung von _Sanft_ (bzw. _Sänftling_), einer
alten rotw. Vokabel, die — in der Form _Senfterich_ — schon im 15. u.
16. Jahrh. auftritt (s. _Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15]; _Lib. Vagat._
55 [_Senfftrich_]), dann später als _Senftling_ (so schon _A. Hempel_
1687 [167]), _Sänftling_, _Senffte_ (s. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753
ff. [231]), _Sänft_ (s. A.-L. 594) u. a. m. begegnet und ohne Zweifel zu
unserem Adj. »sanft« gehört (s. _Weber-Günther_, S. 181 vbd. im _Pott_
II, S. 11, A.-L. a. a. O., _Stumme_, S. 25). Der Übergang von _Sanft_
(Sonft) zu _Sau¶n¶ft_ (s. _Schwäb. Händlerspr._) und von da zu _Sauft_
ist leicht gegeben.]

[Fußnote 389: ([87] auf S. 63.387) S. abbetteln u. Attest.]

[Fußnote 390: ([88] auf S. 63.387) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]

[Fußnote 391: ([89] auf S. 63.387) _Fi(e)sel_ = Bube (Jüngling) bedeutet
auch noch spezieller: Freund, Kamerad, Kollege sowie ferner: Bräutigam,
Geliebter, Liebhaber; dazu das Dimin. _Fi(e)sele_ = Junge (Knabe), Sohn.
_Verbindungen_ damit sind: _schofler Fi(e)sel_ = Heuchler, ferner,
»Hurenkerl« u. auch Krüppel, _jenischer Fi[e]sel_ = fahrender Bursche,
_dofer Fi(e)sel_ = Junker (während _dufter Fi(e)sel_ für »brauchbarer
Bursche« angeführt ist); als _Zusammensetzgn._ damit kommen (_bes._ auch
als Standes- u. Berufsbezeichgn. [vgl. »Vorbemerkung« S. 12, Anm. 29])
noch (außer _Dercherfi[e]sel_) vor: _Linkfi(e)sel_ = böser Mensch
(Mann), _Verkemerfi(e)sel_ = Handelsbursche, _Sicherfi(e)sel_ = Koch,
_Kenemerfi(e)sel_ = »Lausbube«, _Fehtefi(e)sel_ = Quartierbursche,
_Modelfi(e)sel_ = Tochtersohn (während unter »Sohn« nur das Dim.
_Fi[e]sele_ [s. oben] angeführt ist), _Schmelemerfi(e)sel_ =
Zigeunerbursche. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 338, 341, 344 (_Fißel_ = Bube, Junge, Knabe, _Visel_ = Sohn);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 76 (_Fiesel_ = Bursche, _Bruchfiesel_
= lumpiger Stromer); _Schwäb. Händerspr._ 482-84, 486 (_Fîsel_ [Fisel],
_Fîßel_ = Junge, Mann, Sohn [in _Pfedelb._ (209, 210): Bursche,
Junggeselle]; _Zus._: _Kîslerfîsl_ = Maurer, in _Pfedelb._ [209, 211,
212]: _Stibbersfisel_ = Bettler, _Wägersfisel_ = Kaufmannslehrling,
_Facklersfisel_ = Schreiberlehrling). Über sonstige Belege in Rotw.
sowie die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 137 ff.:
vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1523 (unter »Fisel«, Nr.
5).]

Bettelei, _Dalferei_, _Dercherei_[392]                                    [63.388]

Bettelfrau, _Derchermoss_[393]

bettelhaft s. arm; vgl. dürftig

Bettelleute, _Dercherulma_ (-me)[394]

Bettelmädchen, _Derchermodel_[395]

Bettelmann, _Dercherkaffer_[396]

betteln, _dalfen_, _derchen_[392], _manga_[397]

Bettelsack, _Dercherrande_[398]

Bettelstab, _Dercherstenz_[399]

[Fußnote 392: ([90] auf S. 63.388) S. (zu beiden Ausdr.) abbetteln.]

[Fußnote 393: ([91] auf S. 63.388) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 394: ([92] auf S. 63.388) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]

[Fußnote 395: ([93] auf S. 63.388) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]

[Fußnote 396: ([94] auf S. 63.388) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]

[Fußnote 397: ([95] auf S. 63.388) Zu _manga_ (dial. = mange[n]) vgl.
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 330, 338 (_mangölen_ =
abbetteln, betteln, _Mangöler_ = Bettler); _Schwäb. Händlerspr._ 479
(_mangen_ = betteln; in U. [213]: _Mangkitt_ = Bettelhaus); s. auch noch
_Metzer Jenisch_ 216 (_mange_ = betteln). Zur _Etymologie_ (aus der
_Zigeunerspr._ vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 1438 vbd. m. _Pott_ II, S. 445 (unter »Mangawa«), _Liebich_, S.
145, 184 u. 197 (_mangāwa_ = ich bitte, flehe, bettele), _Miklosich_,
Beitr. III, S. 15 (unter »mangen«) u. S. 30 u. Denkschriften Bd. 27. S.
9, 10 (unter »mang«: bei d. deutsch. Zig.: _mangāva_ = bitten,
betteln), _Jühling_, S. 224 (_manga_ = betteln) u. _Finck_, S. 72
(Stamm: _mang-_ [mangd-] = »bitten, betteln, fordern«).]

[Fußnote 398: ([96] auf S. 63.388) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 399: ([97] auf S. 63.388) S. (betr. _Stenz_) Ast.]

Bettelweib s. Bettelfrau                                                  [63.389]

Bettler, _Dalfer_, _Dercher_ (fem. _Derchere_ [Spr.])[392]

Bettschüssel, _Sauftschottel_[400]

Bettüberzug, _Sauftschure_[401]

Bettuch, " "

Bettzüge, " "

beunruhigen (sich), _bauserich sein_[402]

Beutel, _Kiesreiber_[403], _Rande_[404]

beweinen, _glemsen_[405]; vgl. weinen

bewerfen, _plotzen_[406]; vgl. werfen

bezahlen, _bereimen_[407], _bleisgeren_[408], _pfreimen_, _zainen_,
(zeinen [Spr.])[409]

[Fußnote 400: ([98] auf S. 63.389) S. Bett u. Aschenbecher.]

[Fußnote 401: ([99] auf S. 63.389) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 402: ([100] auf S. 63.389) S. Angst.]

[Fußnote 403: ([101] auf S. 63.389) _Kiesreiber_ bedeutet eigentl.
spezieller _Geld_beutel, _Geld_börse (Börse, Säckel), zus. aus _Kies_ =
_Geld_ u. dgl. (s. Näh. unter »Bankier«) u. _Reiber_ = Beutel, das
jedoch in _Wittichs_ W.-B. nicht für sich allein vorkommt, sondern nur
in gewiss. _Zus._ wie (außer _Kiesreiber_) noch _Toberichreiber_ =
Tabaksbeutel u. _Dämpferereiber_ = Zigarrenbeutel. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 98 (_Reipert_ = Sack)
_Megesreipert_ = Geldbeutel [wozu betr. _Meges_ = Geld zu vgl. _Groß'_
Archiv, Bd. 33, S. 257, Anm. 2, lit. b u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
Sp. 572: zu hebr. _mäkäs_ = »Abgabe«]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
70 (_Kiesreiber_ = Geldbeutel); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Kîsreiber_,
Bedtg. ebenso). Über weitere Belege im Rotw. — seit dem 16. Jahrh. (s.
schon _Lib. Vagat._ 54 [_Rippart_ = »Säckel«]) — u. die _Etymologie_
(wohl zu unserem Zeitw. _reiben_, mhd. _rîben_) s. Näh. bes. bei
_Weber-Günther_, S. 179; vgl. auch _Pott_ II, S. 34, 35; A.-L. 591
(unter »Reiber«); _Stumme_, S. 24.]

[Fußnote 404: ([102] auf S. 63.389) S. Bauch.]

[Fußnote 405: ([103] auf S. 63.389) S. ausweinen.]

[Fußnote 406: ([104] auf S. 63.389) Mit _plotze[n]_ (-za) = werfen
(bewerfen), schmeißen sind zusammengesetzt: _einplotza_ = einwerfen
(oder einfallen), _herab-_, _hin-_, _nach-_, _niederplotze[n]_ = herab-,
hin-, nach-, niederwerfen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343 (_plozen_ = fallen, _aufplozen_ =
aufbrechen, aufmachen, _niederplozen_ = niederwerfen; _Schunplotzer_ =
Maurer); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Schumplotzer_ od. _Schundplotzer_
[in _Degg._ (215): _Schund-blozer_] = Maurer; in _Pfedelb._ [212]:
_niederpletzen_ = niederwerfen). Zur _Etymologie_ (zu d. mundartl., bes.
schwäb. _plotzen_ od. _blotzen_ = »stoßen, schlagen [prügeln], _werfen_«
[bes. mit Geräusch »hin- und herwerfen« u. dgl.]) s. die Angaben in
_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 139, Anm. 2 u. dazu auch _Fischer_, Schwäb.
W.-B. I, Sp. 1217.]

[Fußnote 407: ([105] auf S. 63.389) Zu _bereimen_ = bezahlen (auch
vergüten) s. die Wendung _Strupf bereimen_ = Strafe bezahlen (vgl. oben
unter »bestraft«). Auch _Bereime_ = Zahlung ist wohl nichts anderes als
der substantiv. Infinitiv (in dial. Aussprache), während _Bereimerei_ =
Verdienst als eine Ableitung davon erscheint. _Zu_ _vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_beräumen_ [in
_Pfedelb._ (209): _bereimen_] = bezahlen, in _Pfedelb._ [208] auch:
_ausbereimen_ = auszahlen). Über sonstige Belege im Rotw. (vom 18.
Jahrh. [s. _Kluge_ Rotw. I, S. 239] bis zur Gegenwart) s. _Groß'_ Archiv
Bd. 33, S. 305, Anm. 3 unter lit. a. Ebds. auch über die _Etymologie_
des Wortes, das von A. L. 524 zu dem ahd. (h)rim = Zahl (vgl. Näh. bei
_Graff_, Althd. Sprachsch. II, Sp. 506) gestellt worden, während
_Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 863 zwar den Ausdruck »bereinigen« (im
Sinne von »bezahlen«) zum Vergleiche herangezogen hat, dann aber doch
meint, eine Entstellung aus »bereinen« passe deshalb nicht, weil dieses
ebenso wie das Adj. »rein« in Schwaben nicht volksüblich sei.]

bieder, _dof_[410]                                                        [63.390]

Bier, _Blamb_[411]

Bierglas (-flasche), _Blambglansert_[412]

Bindfaden, _Schure_[413]

Binsen, "

Birke, _Stöber_ (d. h. Baum). Damit werden — mit wenigen Ausnahmen —
_alle_ Bäume bezeichnet[414]

[Fußnote 408: ([106] auf S. 63.390) S. anzahlen.]

[Fußnote 409: ([107] auf S. 63.390) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen.]

[Fußnote 410: ([108] auf S. 63.390) S. angenehm.]

[Fußnote 411: ([109] auf S. 63.390) Mit _Blamb_ ist _zusammengesetzt_
nur _Blambglansert_ (s. d. W.-B.), das auch unter »Schoppenglas«
angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 90 (_Blembel_ = Bier); _W.-B. des Konst. Hans_ 254
(_B[l]empel_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Blamp_ od. _Blempel_); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 68 (_Plampe_); _Schwab. Händlerspr._ 480 (_Plamp_
= Bier, dazu in _Pfedelb._ [208]; _Plamppflanzer_ = Bierbrauer;
abweichend in _Eningen_ [206, Anm. 1]: _Plempel_ = Wein). Im _Pleißlen
der Killertaler_ (436) ist _Plamp_, _Plempel_ od. _Plimpel_ = Getränk
schlechthin, _Gañsplempel_ = Wasser, _gwanter Plempel_ = Wein. Über
sonstige Belege in Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) u. die _Etymologie_ s.
ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 46. S. 25 (u. Anm. 1) u. 26; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 179 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1153 (unter
»Plämpel«).]

[Fußnote 412: ([110] auf S. 63.390) Mit _Glansert_ = Glas (Humpen,
Schoppen) aber auch Flasche (»Bouteille«, »Pulle«) finden sich ferner
noch folgende _Zus._: _Gefinkelter-_ oder _Sorufglansert_ =
Branntweinpulle (-flasche), _Feneter-_ oder _Scheiglansert_ =
Fensterglas, _Gleisglansert_ = Milchglas, _Grabegautsehertglansert_ =
Mostglas, _Schwächglansert_ = Trinkglas, -geschirr, _Flösselglansert_ =
Uringlas, _Johleglansert_ = Weinglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Glensert_ = Glas); _Schwäb.
Händlerspr._ (U. [213]: _Glänzerle_ = Glas). _Etymologie_: Das Wort, dem
sich auch sonst im Rotwelsch noch manche _ähnliche_ Formen zur Seite
stellen lassen, gehört wohl sicher zu unserem gemeinspr. »Glanz« bzw.
»glänzen«. Vgl. _Pott_ II, S. 33; _Weber-Günther_, S. 189; _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp. 607 (unter »Glänzer«).]

[Fußnote 413: ([111] auf S. 63.390) S. abbiegen.]

[Fußnote 414: ([112] auf S. 63.390) S. alles Nähere unter »Apfelbaum«.]

Birnbaum, _Stielingstöber_[415]                                           [63.391]

Birne, _Stieling_

Birnenkern, _Stielingkies_[416]

Bischof, _grandicher Kolb_, d. h. »der große Pfarrer«[417], während der
Papst als _grandich Kolb_, d. h. »der größte Pfarrer«, bezeichnet
wird[418]. Im Jenischen wird nämlich mit _grandicher_ immer die nächste
höhere Charge, Rangstufe usw. bezeichnet, mit _grandich_ dagegen stets
der höchste Rang usw.[419].

[Fußnote 415: ([113] auf S. 63.391) Mit _Stieling_ = Birne ist ferner
noch zusammengesetzt _Stielingkies_ = Birnenkern. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 (_Stieling_ = Birne);
_Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Stühling_); _Schwäb.
Händlerspr._ 480, 484 (_Stîling_; vgl. _Stîlingsjôle_ = Most); s. auch
noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Stilche_ od. _Stîlche_). Der _Etymologie_
nach gehört das (schon Mitte des 18. Jahrh. im Rotw. bekannte) Wort
(vgl. _Kluge_, Rotw. I. S. 232) ohne Zweifel zu unserm gemeinspr.
»Stiel«; vgl. _Pott_ II, S. 38 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 61.]

[Fußnote 416: ([114] auf S. 63.391) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]

[Fußnote 417: ([115] auf S. 63.391) Vgl. auch Hoherpriester. Mit _Kolb_
= Geistlicher, Pfarrer (Prediger, Priester) finden sich folgende
_Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Kolbekitt_ = Pfarrhaus (u. dazu die
Verbindg. _grandiche Kolbekitt_ = Kloster [s. d. betr. Übereinstimmg.
mit d. Zigeunerspr.]) u. _Kolbemalfes_ = Priesterrock; b) _am Ende_:
_Kaimekolb_ (d. h. »Judenpfarrer«) = Rabbiner (s. d. betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). _Zu vergl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 343 (_Kolb_ = Pfarrer, Priester,
_Unterkolb_ = Kaplan); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (unter »katholisch«) u.
484 (_Kol¶p¶_ [in _Pfedelb._ (212): _Kol¶b¶_] = Pfarrer, in _Pfedelb._
[212]: _Oberkolb_ = Oberpfarrer). Über weitere Belege im Rotw. u. die
_Etymologie_ des Wortes (vermutl. zu d. älteren Lehnw. [aus d. Latein.]
_Kolbe_ = »geschorener Kopf« mit Bez. auf die Tonsur der kathol.
Geistlichen) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 267/68; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 172 (unter »Kolm«).]

[Fußnote 418: ([116] auf S. 63.391) Auch die Zigeunersprache kennt die
Umschreibung »großer Pfarrer«, _bāro rašai_ (raschai), für
»Bischof« oder »Superintendent« (s. _Finck_, S. 82) u. dergl. (z. B.
»Hoherpriester, Abt, Prälat, Oberpfarrer« [s. _Liebich_, S. 127]), ja
nach _Jühling_, S. 225 sogar für den Papst (für den sonst [nach
_Liebich_, S. 131 u. 228] _schwendo dād_, d. h. »heiliger Vater«
gebräuchlich ist). Die von _Wittich_ im Text erwähnte Art der Steigerung
der Rangstufen im Jenischen (durch _grandicher_ — _grandich_) ist
mithin den Zigeunern hier — wie auch i. d. Regel sonst — _nicht_
bekannt (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17, Anm. 42; s. jedoch auch
weiter unten die Anm. zu »Förster«).]

[Fußnote 419: ([117] auf S. 63.391) Diese merkwürdige Art der
Steigerung, bei der _grandicher_ als eine Art _Komparativ_ erscheint
(wie es denn auch zuweilen zur Erklärung dabei ausdrücklich durch
»größer« wiedergegeben ist), während die einfache — unflektierte —
Grundstufe (der »Positiv«) als _Superlativ_ fungiert, erinnert an einen
in gewissem Umfange auch in unserer Gemeinsprache zu beobachtenden
Sprachgebrauch, wonach etwa ein »besseres Kindermädchen« nicht so hoch
geschätzt wird wie ein »gutes«, ein »älterer Herr« jünger zu sein pflegt
als ein »alter« usw. Konsequent ist diese Gradsteigerung im W.-B.
durchgeführt (außer bei _Kolb_, _grandicher_ _Kolb_, _grandich Kolb_)
noch in folgenden Fällen: _Sins_ = »Herr« (Edelmann, Gebieter),
_grandicher Sins_ = Fürst (Herrscher), Oberherr (Landesherr) — jedoch
auch für Beamte (Amtmann, Richter) gebr. —, _grandich Sins_, d. h. »der
größte Herr«, = König (fem. _grandich Sinse_ = Königin); _Grünwedel_ =
Forstmann (schlechthin) od. Forstwart, _grandicher Grünwedel_ (d. h. —
wie hier ausdrückl. hinzugefügt ist — eigtl. »der größere Forstmann«) =
Förster, _grandich Grünwedel_ (d. h. »der größte Forstmann«) =
Oberförster; _Schuker_ = Gendarm, _grandicher Schuker_ = Wachtmeister
(Obergendarm), _grandich Schuker_ = Oberwachtmeister; _Bu(t)z_ =
Polizeidiener, _grandicher Bu(t)z_ = Polizeiwachtmeister, _grandich
Bu(t)z_ = Polizeidirektor. Dagegen fehlt zu _Lanenger_ = Soldat,
_grandicher Lanenger_ (_Grandicher-Lanenger_) = Offizier, insbes.
Hauptmann ein Superlativ _grandich L._, den man etwa für den Oberst oder
General erwarten dürfte; vielmehr hat _grandich Lanenger_ im Vokab. die
Bedeutg. von »Heer«, ist demnach als Plural und in dem Sinne von »(sehr)
_viele_ Soldaten« auszulegen. In gleicher Weise ist _grandich_ auch
sonst noch verwendet worden, so z. B. in _grandich Ulma_ = Menge (eigtl.
»[sehr] viele Menschen«), _grandich Schure_ od. _Sore_ = Reichtum,
Überfluß, Vermögen (eigtl. »[sehr] viele Dinge«), u. in anderen Fällen
ist es, weil ein (durch den Zusatz von _grandicher_ gekennzeichnetes)
Mittelglied fehlt, wohl einfach durch »groß« oder »sehr groß«
wiederzugeben, so z. B. bei _grandich Flu(h)te_ = Meer (eigtl. »[sehr]
großes Wasser«), _grandich Begerisch_ = Schwindsucht (eigtl. »[sehr]
großes Siechtum«) oder _grandich Babing_ od. _Strohbutzer_ = Schwan
(eigtl. »[sehr] große Gans«). Dagegen könnte man die Verbindg. _grandich
Flederling_ = Storch (in entsprechender Übertragung der für menschliche
Rangunterschiede aufgestellten Regel auf die Tiere) ihrem eigtl. Sinne
nach wohl durch »_größter_ Vogel« (nämlich unter den bei uns in
Deutschland bekannten Arten) wiedergeben, da in _grandicher Flederling_
= Adler eine Mittelstufe gegeben ist (vgl. schon oben unter »Adler«).]

bissig, _näpfich_ (-ig)[420]                                              [63.392]

bitten, _derchen_[421]

Bittschrift s. Bettelbrief

Bleistift, _Feberschure_[422]

Blick, _Scheileng_[423]

blicken, _linzen_[424]

Block s. Holz

blöde (blödsinnig) s. aberwitzig; vgl. albern

Blödigkeit (Blödsinn), _Ni(e)sserei_, _Nillerei_, _Nuscherei_[425]

Blume, _Schure_[426]

[Fußnote 420: ([118] auf S. 63.392) S. abbeißen.]

[Fußnote 421: ([119] auf S. 63.392) S. abbetteln.]

[Fußnote 422: ([120] auf S. 63.392) S. abschreiben u. abbiegen; vgl.
dazu auch, »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 48.]

[Fußnote 423: ([121] auf S. 63.392) S. Augapfel.]

[Fußnote 424: ([122] auf S. 63.392) S. anschauen.]

[Fußnote 425: ([123] auf S. 63.392) S. aberwitzig.]

[Fußnote 426: ([124] auf S. 63.392) S. abbiegen.]

Blut, _Rat_[427]                                                          [63.393]

blutig, _ratich_[427]

Bock, _Schure_[426]

Bohnen, "

Bohrer, "

Borg (Kredit), auf —, auf _den Bengel_[428], _auf Keif_[429]; vgl. auch
Schulden

borgen (leihen), _Bomma_ od. _Keif pflanzen_ (d. h. »Schulden
machen«)[430]

Börse, _Kiesreiber_[431]

[Fußnote 427: ([125] auf S. 63.393) Zu _Rat_ = Blut (Geblüt) gehören die
_Ableitungen_ _ratich_ = blutig u. _verratten_ = verbluten. In dem
_verw. Quellenkr._ ungebräuchlich u. auch sonst im Rotw. selten (vgl.
jedoch z. B. _Groß_ 486). Zur _Etymologie_ (aus der _Zigeunersprache_
[vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. Näh. bei _Pott_ II, S. 272 (unter »Rat«),
_Liebich_, S. 154 u. 186 (_rād_), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27,
S. 54 (bei d. deutsch. Zig.: _rād_, zu altind. _rakta_, hind.
_rātā_ = »rot«), _Jühling_, S. 225 (_Ratt_) u. _Finck_, S. 82
(_rat_).]

[Fußnote 428: ([126] auf S. 63.393) Diese Wendung, die m. Wiss. sonst
nirgends bekannt ist, bleibt auch etymologisch unklar.]

[Fußnote 429: ([127] auf S. 63.393) _Keif_ = Borg(en), Kredit, aber auch
Schulden kommt noch vor in der _Verbindg._ _Keif pflanzen_ (eigtl.
»Schulden machen«) = borgen, leihen u. in der _Zus._ _Keifkitt_ =
Leihhaus. Aus dem _verw. Quellenkr._ darf wahrscheinlich schon _keif_ =
teuer im _W.-B. des Konst. Hans_ (260) hierher gezogen werden, als
Subst. erscheint das Wort in der _Pfälz. Händlerspr._ (438) in der Form
_Kôfes_ = Schuld. — Die (allgem.) _Kundenspr._ kennt die Redensart
_Keif machen_ = Schulden (auf der Penne) machen (s. _Ku._ III [426] u.
IV [431]; _Ostwald_ [Ku.] 78) sowie ein Adj. _keif_ = schuldig (s.
_Ostwald_, a. a. O.). Seiner _Etymologie_ nach stammt _Keif_ wohl
jedenfalls aus dem Hebr. (_chôb_ = »Schuld«, jüd. _chuf_, _chof_,
poln.-jüd. _choiw_); s. A.-L. 368 (unter »Chuw«); vgl. auch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 310 (der jedoch auch eine Ableitung vom jüd.
_Keifel_ = »Geldstück« zur Wahl stellt).]

[Fußnote 430: ([128] auf S. 63.393) Betr. _pflanzen_ s. anbrennen. —
_Bomma_ (od. Bomme[r]) = Schulden kommt außerdem noch vor in der _Zus._
_Bommerkitt_ = Syn. zu _Keifkitt_ (s. Anm. 429). _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Bommer_ [in _Pfedelb._
(212): _Bummen_] = Schulden; dazu in _Pfedelb._ [212] noch _bummich_ =
schuldig); _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Bommer_ = Schulden).
_Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.1286 (unter bzw. zu
»Pommer«, Nr. 6 [d. i. schwäb. = »Schulden, spez. Trink- u.
Spielschulden«]) gehört der Ausdruck zu dem volkstüml. »Pump« bzw.
»pumpen«, dessen Ursprung bekanntlich in der Gaunersprache zu suchen
ist. (S. schon bei _A. Hempel_ 1687 [168]: _pompen_ — borgen, u. _so_
auch noch bei den _schwäb. Händlern_ [in _Pfedelb._ (209)]; in _Körner's
Zus. zur Rotw. Gramm._ v. 1755 [241]: die Subst. _Pumpes_ = Schuld,
_Pumpesmacher_ od. _Pumper_ = Borger). Vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 54
vbd. m. _Kluge_, W.-B. S. 358 u. _Weigand_, W-B. II, Sp. 491 (unter
»pumpen«, Nr. 3).]

[Fußnote 431: ([129] auf S. 63.393) S. Beutel; vgl. Bankier.]

Borsten, _Strauberts_[432]                                                [63.394]

bösartig, _lenk_, _schofel_[433]

böse, _lenk_ (_link_ [Spr.]), _schofel_[433]

böse Frau, _lenke Goi_[434] od. _Moss_[435]

böse Sachen (Dinge) machen, _lenke_ od. _schofle Falla pflanzen_[436];
vgl. huren

böser (Komporativ), _lenker_, _schofler_[433]

böser Mann (Mensch), _lenker Kaffer_[437], _Linkfi(e)sel_ (Spr.)[438]

böses Kind, _Gof_, plur. _Gofa_[439]

böses kleines Kind, _Göfle_ (_Gefle_ [Spr.])[439]

Bouteille (Flasche), _Glansert_[440]

[Fußnote 432: ([130] auf S. 63.394) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 433: ([131] auf S. 63.394) S. (zu beiden Ausdr.) arg.]

[Fußnote 434: ([132] auf S. 63.394) Mit _Goi_ (= Frau, Weib) kommt noch
vor die _Verbindg._ _schofle Goi_ = Kebsweib (also mit engerem Sinne als
_lenke Goi_, während sonst die Adj. _lenk_ u. _schofel_ ja ungefähr
gleichbedeutend gebraucht werden; vgl. Näh. unter »arg«). _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Tschor-Gaya_ =
Frau, die gestohlene Sachen kauft); _Schöll_ 272 (_Gaja_ = Weib);
_Pfulld. J.-W.-B._ 339, 346 (_Gai_ = Frau, _Gaie_ = Weib, _Grängoi_ =
Eheweib); _Schwäb. Händlerspr._ 481 u. 483 (_Goie_ = Frau, _Goi_ =
Mädchen) s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Gôje_ = Frau). Über
weitere Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ (fem. zu rotw. _Goi_ =
»Mann« [in Zus.], vom hebr. _gôi_, pl. _gojim_, = »Volk, Nichtjude,
Heide, Christ«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 325 ff. vbd. m.
323/24; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 736 (unter
»Goi«, Nr. 2).]

[Fußnote 435: ([133] auf S. 63.394) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 436: ([134] auf S. 63.394) Um was für »böse Sachen« es sich bei
dieser Redensart wohl speziell handelt, dürfte daraus zu entnehmen sein,
daß sie auch gleichbedeutend mit »huren« gebraucht wird, so daß das Wort
_Falla_ (Falle) hier vielleicht in der Bedeutg. von »Bett« zu nehmen
ist, die es in volkstüml. Redeweise in manchen Gegenden hat (s. _H.
Meyer_, Richt. Berliner, S. 39 u. _Horn_, Soldatensprache, S. 9 u. 100).
Die rotw. Wendg. _Falle machen_ u. ä. (für »zum [betrüglichen] Spiel
verlocken« [s. A.-L. 538]) wird man dagegen — wegen ihres engeren
Begriffs — wohl kaum damit in Zusammenhang bringen dürfen. — Erwähnt
sei übrigens noch der Ausdruck _Falbais_ = »Hurenschenke« bei _Castelli_
1847 (391), _Fröhlich_ 1851 (397) u. in der _Wiener Dirnenspr._ 1886
(417).]

[Fußnote 437: ([135] auf S. 63.394) S. Bauer.]

[Fußnote 438: ([136] auf S. 63.394) S. Bettelbube.]

[Fußnote 439: ([137] auf S. 63.394) _Gof_ (plur. _Gofa_) = böses Kind
(Dim. _Göfle_ [Gefle (Spr.)] ist in _gleicher_ Bedeutg. auch der
_schwäb. Händlerspr._ bekannt (483: _Gôf_ = böses Kind, im Plur.
[_Gôfe_] dagegen = Kinder _schlechthin_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. III,
Sp. 735 bemerkt dazu, daß die Bezeichnung (in Schwaben überhaupt) »nur
geringschätzig od. tadelnd als Ausdruck des Unmuts« gebraucht wird, bes.
für ein »unartiges, naseweises, widerwärtiges, krittliges Kind«
(»Range«, »Göre«), während er sie der _Etymologie_ nach unerklärt
gelassen hat.]

[Fußnote 440: ([138] auf S. 63.394) S. Bierglas.]

Brand, _Funk_[441]                                                        [63.395]

Branntwein, _Gefinkelter_[442], _Katschete_[443], _Soruf_[444]

Branntweinpulle (-flasche), _Gefinkelterglansert_ od.
_Sorufglansert_[445]

braten, _sicheren_[446]

Braten, _Bossert_, _Mass_, d. h. »Fleisch«[447]

Bratkartoffeln, _Schmunkbolle_ (Spr.)[448]

[Fußnote 441: ([139] auf S. 63.395) S. abbrennen.]

[Fußnote 442: ([140] auf S. 63.395) _Zusammengesetzt_ hiermit sind a)
_am Anfang_: _Gefinkelterglansert_ = Branntweinpulle (-flasche) u. b)
_am Ende_: _Blauhanzegefinkelter_ = »Zwetschgenwasser«. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 90 ([_Finkeljochem_ od.]
_gefinkelter Jaiem_ = Branntwein); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 256
(_G'finkelterjole_ = Branntwein); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Gfinkelter_ =
Branntwein); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_G[e]finkelte[r]_ = Schnaps); s.
auch noch _Metzer Jenisch_ 217 (_Fünkeler_ = Schnaps). Zur _Etymologie_:
Wie die älteren Quellen zeigen, lautete der Ausdruck ursprünglich
_Gefinkelter Jaiem_, _-jole_, d. h. »gebrannter Wein« (vgl.
»Einleitung«, S. 28), zu _finkeln_ (fünkeln) u. ä. = »sieden, braten,
kochen« (s. dazu schon oben unter »behext«). Vgl. _Günther_, Rotwelsch,
S. 81; _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 163 (unter »g[e]finkelt«).]

[Fußnote 443: ([141] auf S. 63.395) Mit _Katschete_ sind im W.-B. _keine
Zus._ gebildet worden, auch _fehlt_ es in dem _verw. Quellenkreise_ und
kommt auch sonst im Rotw. nur _selten_ vor (so z. B. bei _Pfister_ 1812
[300: _Katschedi_, in einer Zusammensetzg.], _v. Grolman_ 33
[_Katschedi_] u. _Karmayer_, G.-D. 203 [ebenso]: vgl. auch _Miklosich_,
Beitr., S. 11 u. 22). Über die _Etymologie_ des Wortes aus der
_Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) s. Näh. bei _Pott_ II, S.
160 (unter »Chatschjevava«), _Liebich_, S. 130 u. 186 (_chatschérdi_),
_Miklosich_, Beitr. III, S. 11 u. Denkschriften, Bd. 26, S. 218 (unter
»chačar«: bei den deutsch. Zig.: _chačerdi_ = Branntwein, Partiz.
von _chačāva_ od. _chačevava_ = »brennen, anzünden«),
_Jühling_, S. 220 (_Chatschärti_ = Schnaps) u. _Finck_, S. 68
(_xátšerdi_ = »Branntwein«).]

[Fußnote 444: ([142] auf S. 63.395) _Soruf_ erscheint in _gleicher_
Weise in _Zus._ verwendet wie _Gefinkelter_ (_Sorufglansert_,
_Blauhanzesoruf_). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 486 (_Sorof_ = Branntwein); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75
(_Soruff_ od. _Soroff_ = Schnaps); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Sôruf_ =
Schnaps); ebenso auch in der _Pfälz. Händlerspr._ 439. Über weitere
Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (vom hebr. _frûf_, Part. pass.
von _fraf_ = »brennen«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 223 u.
Anm. 1 u. S. 229 u. Anm. 1; vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 85 u. in
d. »Wiss. Beiheften zur Zeitschr. des Allgem. Deutsch. Sprachvereins«,
V. Reihe, Heft 36 (1913), S. 184.]

[Fußnote 445: ([143] auf S. 63.395) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]

[Fußnote 446: ([144] auf S. 63.395) S. auskochen.]

[Fußnote 447: ([145] auf S. 63.395) S. (zu beiden Wörtern) Aas.]

[Fußnote 448: ([146] auf S. 63.395) a) _Schmunk_ bedeutet soviel wie:
Schmalz (Fett, Mark, »Schmer«), in _Zus._ auch Butter, wofür sonst
spezieller _dofer Schmunk_, d. h. »gutes (od. besseres) Fett (Schmalz)«,
gebraucht wird. Die _Zusammensetzgn._ sind: [Griechisch: a]) mit _Schm.
voran_ (außer _Schmunkbolle_ noch): _Schmunklehm_ = Butterbrot
_Schmunkschure_ = Butter-(od. Schmalz-)faß, _Schmunkgleis_ = Buttermilch
_Schmunkschottel_ = Fettbüchse, _Schmunkhornikel_ = Mastochse,
_Schmunkbossert_ = Speck; [Griechisch: b]) mit _Schm. am Ende_:_
Bogaschmunk_ = Kuhbutter, _Hornikelschmunk_ = Ochsenfett, auch Unschlitt
(s. d. betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr.), _Horbogeschmunk_ =
Rindsfett sowie ebenfalls Unschlitt. Eine _Ableitg._ ist das Zeitw.
_schmunken_ = schmälzen (schmelzen). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 98 (_Schmunk_ = Butter,
Schmalz); _W.-B. des Konst. Hans_ 253 (_Form_: ebenso, _Bedtg._:
Schmalz), _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (ebenso, dazu: _schmunkig_ =
schmutzig); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74, 75 (_Schmunke_ = Schmalz;
_Zus._: _Schmunkbossert_ = Speck); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Schmunk_
= Schmalz; dazu in _Pfedelb._ [209, 213]: _Rindschmunk_ = Butter u.
_Schmunkbossert_ = Speck); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 436
(_Schmoñg_ = Schmalz) u. _Metzer Jenisch_ 216 (_Schmunk_ = Butter). Über
weitere Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ des Wortes (das nach
richtiger Ansicht _deutsch._ Ursprungs ist) s. das Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 47, S. 210 (unter »Schmunk-Buckeler«); vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 180. — b) _Bolle_ (-la) bedeutet — ebenso wie die
Zus. _Schundbolla_ (s. dazu Näh. schon unter »abgerahmte Milch«) —:
Kartoffeln (Erdäpfel). Zwei andere _Zus._ damit sind noch (nach den
Spr.) _Bolleblättling_ = Kartoffelsalat u. _Bolleschottel_ =
Kartoffelschüssel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 93 (_Schompollen_ = »Grundbieren« (d. h. Grundbirnen,
schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Bolle_ = Kartoffeln);
_Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Bolle_ od. _Schunbolle_ = Kartoffeln). Zur
_Etymologie_ s. bes. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1274 (unter
»Bolle«, Nr. 5, bes. lit. b), wonach _Bolle_ im allgem. einen »runden
Körper, Klumpen, Kugel«, weiter eine »rundliche (knorpelige) Frucht« u.
bes. die Kartoffel bedeutet; vgl. dazu auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S.
298 (betr. _Bolle_ = a) Zwiebel, b) Taschenuhr) sowie bes. über die Form
_Schundbolle_ u. ä. A.-L. 605 u. _Groß'_ Archiv, Bd. 59, S. 263, 265,
283. Über die Verwandschaft von _Bolle_ mit d. mhd. Zeitw. _boln_ (ahd.
_bolôn_) = »rollen, wälzen, werfen, schleudern« u. dgl. s. _Kluge_,
W.-B., S. 64 u. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 265; vgl. auch schon oben (unter
»abfallen«) betr. das jenische Zeitw. _bohlen_.

[Fußnote 449: ([147] auf S. 63.396) S. angenehm.]

brauchbar, _duft_[449], _g'want_[450]                                     [63.396]

brauchbare Frau, _dufte Mos(s)_[451]

[Fußnote 450: ([148] auf S. 63.396) S. anmutig.]

[Fußnote 451: ([149] auf S. 63.396) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

brauchbarer Bursche, _dufter Benges_, — _Benk_[452] oder —              [64.127]
_Fi(e)sel_[453]

[Fußnote 452: ([1] auf S. 64.127) _Benges_ od. _Benk_ = Bube, Bursche,
Jüngling, dann auch: Freund, Kamerad, Kollege, ferner: Geliebter,
Liebhaber (Bräutigam), endlich noch: Sohn (sowie dazu d. Dimin.
_Bengesle_ = Junge, Knabe) erscheint beliebt in _Verbindungen_ und
_Zusammensetzgn._ (sowohl für Eigenschafts- wie Standes- u.
Berufsbezeichnungen [vgl. dazu »Vorbemerkung«, S. 12, Anm. 29]), so: a)
in _Verbindgn._ (außer _dufter B._ noch): _jenischer Benges_ od. _Benk_
= fahrender Bursche, _schofler Benk_ = Heuchler, auch Krüppel, _dofer
Benk_ = Junker, dann (gleich _dofer Benges_) auch: Geliebter (also wie
das einfache _Benges_ od. _Benk_ [s. oben], während _dufter Benk_ od.
_Benges_ nur durch »brauchbarer Bursche« wiedergegeben ist (s. oben im
Text), _nobis vergrönter Benges_ (d. h. eigtl. »nicht verheirateter
Bursche«) = lediger Mann; b) in _Zus._: [Griechisch: a]) für
_Eigenschaften_: _Lubnebenges_ = »Hurenkerl«, _Kenemerbenges_ (_-benk_)
= »Lausbube«; [Griechisch: b]) für _Berufe_: _Verkemersbenk_ =
Handelsbursche, _Sicherbenk_ = Koch, _Rattebenk_ = Nachtwächter,
_Groenikelbenk_ = Sauhirt, Schweinehirt, _Jerusalemsfreundbenk_ =
Schäfer, Schafhirt, _Stradebenk_ = Straßenwärter. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_Bink_ = Vater);
_Schwäb. Händlerspr._ 482-484 (_Penk_ = Herr, _Pink_ [in _Pfedelb._
(211, 213): _Bink_] = Mann [in _Pfedelb._ (a. a. O) auch: Meister,
Vater]; _Kislerpink_ = Maurer, in _Pfedelb._ [208, 210, 211, 213] noch:
_alter Bink_ = »Ausdinger«, _Schupferbink_ = Bäcker, _Treppertsbink_ =
Fuhrmann, _Hausbink_ = Hausherr, _Wägersbink_ = Kaufmann,
_Langraßlersbink_ = Stationsvorstand [an d. Eisenbahn], in _Eningen_
[206, Anm. 1]: _Penk_ = Mann, _Stichelpenk_ = Landjäger, _Gwanderpenk_ =
Schultheiß, _Plempenteilespenk_ = Wirt; in U. [214]: _Schenägelspenk_ =
Knecht, _Balespenk_ = Waldhüter). Sehr beliebt sind Zus. mit _Penk_
(Pink) = Mann (vgl. dazu _Penkle_ = Bube, Knabe) auch im _Pleißlen der
Killertaler_, und zwar auch hier sowohl für Berufe (s. darüber Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 349) als auch zur Kennzeichng. von
Eigenschaften (s. z. B. [435, 436]: _Fetschnerspink_ = schlechter Kerl
u. _Schnellpenk_ = geiler Mann; vgl. auch [nach _Kapff_ 213]:
_Schwenzlerspenk_ = Dieb (zu _schwenzle(n)_ = stehlen]). Über weitere
Belege aus dem Rotw. sowie die _Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv,
Bd. 49, S. 344 ff.; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 819 (unter
»Penk«).]

brauchbarer Mann, _dufter Kaffer_[454]                                    [64.128]

brauchbares Kind, _dufter Galm_[455]; im Plural: _dufte Galme_ oder
_Schrabiner_[456]; vgl. braves Kind

brauchbares Mädchen, _dufte Model_[457]

Braut, _Model_[457]

Bräutigam, _Benges_[458], _Fie(s)el_[459]

brav, _dof_[460]

braves Kind, _dofer Galm_, plur.: _dofe Galme_ oder _Schrabiner_[461]

[Fußnote 453: ([2] auf S. 64.128) S. Bettelbube.]

[Fußnote 454: ([3] auf S. 64.128) S. Bauer.]

[Fußnote 455: ([4] auf S. 64.128) _Galm_ = Kind, plur. _Galme_ (od. -ma)
= Kinder (Nachkommen), Dimin. _Gälmle_ (Kindlein [Spr.]) findet sich
noch in der _Verbdg._ _dofer Galm_ = braves Kind sowie in den folgenden
_Zusammenstzgn._: a) _am Anfang_: _Galmamodel_ = Kindermädchen (-magd),
_Galmeguffer_ (d. h. eigtl. »Kinderprügler«) = Lehrer, Schullehrer,
_Galmesauft_ (eigtl. »Kinderbett«) = Wiege; b) _am Ende_: _Schoflergalm_
= Stiefkind. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 95 (_Gallme_ = Kind); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Galma_ =
Kind); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Galme_ = Kinder [sowohl kleinere wie
auch größere], _Galmeguffer_ = Lehrer [in _Pfedelb._ (211, 213):
_Galmen_ = Kind (sic), _Galmenguffer_ = Oberlehrer [im Gegensatze zu dem
_Schrazeskneppler_ = Unterlehrer; vgl. dazu schon oben unter
»aufschlagen«] u. _Galmegufferei_ = Schule]): s. auch _Metzer Jenisch_
216 (_Galmes_ [neben Galster u. Gambes] = Kind). Über noch weitere rotw.
Belege sowie die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ (vielleicht in erster
Linie zu hebr. _gôlem_ = »Leibesfrucht, Embryo« u. dergl.) s. _Groß'_
Archiv, Bd. 47, S. 138 (womit im wes. übereinstimmt auch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp. 34); vgl. jedoch auch Archiv Bd. 48, S. 350
(Nachtr. u. Berichtigungen: _Galme_ zu mhd. _galmen_ = »schallen«?)]

[Fußnote 456: ([5] auf S. 64.128) _Schrabiner_ od. _Schrawiner_ =
Kinder, Nachkommen (nur im Plural) scheint weniger gebräuchlich zu sein
als _Galme_ (-ma), auch in _Verbdgn._ u. _Zus._; s. jedoch noch _dofe
Schrabiner_ und _Schrabinermodel_ als Synon. zu _dofe Galme_ u.
_Galmamodel_ (s. d.) _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
Händlerspr._ 483 (_Schrawêner_ = Kinder). — Nach _Schütze_ 90 soll
_Schrab(b)iner_ (das auch schon in _Ku._ III [428] angeführt) gemäß
einer Mitteilung eines ostpreußischen »Kunden« der Plural zu _Schrappen_
= Kind sein. Letzteres findet sich (jedoch meist für die _Mehrzahl_
[»Kinder«]) vereinzelt auch in der Gaunersprache (s. z. B. _v. Grolman_
64 u. T.-G. 105 [_Schrappen_ = Kinder]; _Karmayer_ 149 (_Schrapp_ od.
_Schrampen_ = Kind [also beides _sing._]; A.-L. 604 [_Schrappen_,
_Schrabben_ od. _Schrammen_ = Kinder]; _Groß_ 492 [_Schrapfen_ = kleine
Kinder]; vgl. ferner noch _Hall. Lattcherschmus_ 492 [_Schräppchens_ =
Kinder]). Die _Etymologie_ bleibt unsicher (s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47,
S. 140, Anm. 3 a. E.); vgl. A.-L. 604, der das angels. _screpan_ (nach
_Kluge W.-B._, S. 415: _crimpan_) = »schrumpfen«, das engl. _shrimp_ =
»Knirps, Zwerg« sowie unser volkstüml. spött. _Krabbe_ (eigtl. »kleiner
Seekrebs«) für ein kleines (munteres) Kind (s. _Paul_, W.-B., S. 304 u.
_Weigand_, W.-B. I, Sp. 1131) herangezogen hat. — Über das Synon.
_Stratz_ (plur.: Stratze) s. unter »Hurenkind«.]

Brecheisen, _Schure_[462]                                                 [64.129]

Brei, "

Bremse, "

brennen; _funken_[463]

brennend, _funkt_ (d. h. »es brennt«)

Brett, _Schurele_[462]

Brief, _Kritzler_[464]

Brieftasche, _Kritzlerrande_[465]

Briefträger, _Kritzlerbuckler_[466]

Brille, _Linzere_[467]

Brombeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[468]

Brot, _Lechem_ od. _Lehm_[469], _Maro_[470]

Brotbäcker, _Lehmschupfer_[471]

Brotbüchse, _Lehmschottel_[472]

[Fußnote 457: ([6] auf S. 64.129) S. Beischläferin.]

[Fußnote 458: ([7] auf S. 64.129) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 459: ([8] auf S. 64.129) S. Bettelbube.]

[Fußnote 460: ([9] auf S. 64.129) S. angenehm.]

[Fußnote 461: ([10] auf S. 64.129) S. brauchbares Kind.]

[Fußnote 462: ([11] auf S. 64.129) S. abbiegen. Ob es sich bei _Schure_
= Bremse um die Tierbezeichnung oder um das gleichnamige Werkzeug
handelt, ist nicht ersichtlich.]

[Fußnote 463: ([12] auf S. 64.129) S. abbrennen.]

[Fußnote 464: ([13] auf S. 64.129) S. Attest.]

[Fußnote 465: ([14] auf S. 64.129) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 466: ([15] auf S. 64.129) S. (betr. _-buckler_) abtragen.]

[Fußnote 467: ([16] auf S. 64.129) S. anschauen.]

[Fußnote 468: ([17] auf S. 64.129) S. Ananas.]

[Fußnote 469: ([18] auf S. 64.129) S. Bäcker.]

[Fußnote 470: ([19] auf S. 64.129) _Maro_ = Brot (seltener als _Lechem_
od. _Lehm_) kommt im W.-B. nur in _einer Zus._ vor, _Lanengermaro_
(eigtl. »Soldatenbrot«) = Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. mit der
Zigeunerspr.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 91 (_Marum_ = Brot, _gehechelter, schofel M._ = weißes,
schwarzes Brot); _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Maro_ = Brot, _Kächeltema¶n¶o_
(sic, Druckf.) = »Bäckerbrot«); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Maro_); s.
auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). — Über weitere Belege in Rotw.
sowie die _Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S.
30]) s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 22, 23 u. Anm. l u.
dazu noch _Finck_, S. 72 (_māro_). Nach _Miklosich_, Denkschriften,
Bd. 27, S. 10 läßt sich das Wort bis ins Altindische (_manḍha_ =
»eine Art Gebäck«) zurückverfolgen.]

[Fußnote 471: ([20] auf S. 64.129) S. Bäcker.]

[Fußnote 472: ([21] auf S. 64.129) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

Brötchen s. Semmel (Weck)                                                 [64.130]

Brotsack, _Lehmrande_[473]

Brotschrank, _Lehmschure_[474]

Brücke, _Flu(h)tesore_[475], _Schure_[474]

Bruder, _Glied_. Unter _Glied_ versteht man die Kinder (den Sohn, die
Tochter) einer Familie, aber auch sonstige Verwandte, z. B. einen Bruder
oder eine Schwester (des Vaters oder der Mutter); vgl. Geschwister,
Schwester, Sohn, Tochter, ferner Oheim, Tante u. Neffe[476]

[Fußnote 473: ([22] auf S. 64.130) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 474: ([23] auf S. 64.130) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 475: ([24] auf S. 64.130) Betr. _Flu(h)te_ s. abbrühen. — Das
Wort _Sore_ nimmt eine ähnliche Aushilfsstellung ein wie (das auf
_denselben_ Stamm zurückzuführende) _Schure_ (vgl. »Einltg.«, S. 24 u.
»Vorbmkg.«, S. 16), jedoch kommt es für sich _allein_ doch seltener vor
als letzteres und auch in _Verbindgn._ u. _Zusammensetzgn._ mit anderen
Vokabeln erreicht es nicht die gleiche Beliebtheit wie _Schure_. a)
_Ohne_ Zusatz erscheint es gebraucht: [Griechisch: a]) für _Tiere_: im
Sinne von »Vieh«; [Griechisch: b]) für _Sachen_: in den Bedeutgn. »Ding,
Sache«, ferner »Ware« (wohl die ursprüngl. Bedtg.) u. spezieller noch:
Porzellan, Zwirn sowie versch. Produkte des Pflanzenreichs, näml.:
Erbsen, Linsen, Pfeffer und Zwiebeln. b) Eine _Verbindg._ mit _Sore_ für
einen allgemeinen (abstrakten) Begriff ist _grandich Sore_ (ebenso wie
_gr. Schure_) = Reichtum, Überfluß, Vermögen (eigtl. = »[sehr] viele
Dinge«; vgl. dazu oben unter »Bischof«). c) _Zusammensetzgn._ mit _Sore_
sind: [Griechisch: a]) im _Anfang_: _Soreschottel_ = Erbsen- od.
Linsenschüssel, aber auch: Pfefferbüchse und Porzellantasse u.
_Sorebrandling_ = Zwiebelkuchen; [Griechisch: b]) _am Ende_: (außer
_Flu[h]tesore_, das noch die Nebenbdtg. »Wasserfaß« hat, noch):
_Stöbersore_ = Obst, _Kupfersore_ (d. h. eigtl. »Grasding«) = Sense,
_Begersore_ = Totenbahre, _Pfladersore_ = Wäsche, _Johlesore_ = Weinfaß,
_Säftlingsore_ = Weinberg, _Rondlingsore_ = Wursthaut. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._ [in dem der Aushilfscharakter des Wortes im
allgem. noch nicht so scharf hervortritt wie in _Wittichs_ Jenisch]):
_Dolm. der Gaunerspr._ 89, 95, 99, 101 (_Sore_ = allerhand Ware, _Mette
Sōre_ = Barche[n]t [zu _Mette_ = Bett, vom jüd. _mittō_, hebr.
_mittā_; s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1642], _g'socht Sore_ =
Krämerware, _Gschock Sore_ = gestohlene Marktware); _W.-B. des Konst.
Hans_ 253 (_Sore_ = »die in den Kammern und Kisten befindliche Ware«);
_Schöll_ 272 (_Sore_ = Ware, _Achelsore_ = Eßwaren); _Pfulld. J.-W.-B._
339, 341-343, 345, 346 (_Sore_ = Ware, Zeug, Sache, _Achselsore_ od.
_schluckige Sore_ = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen, _Kangerisore_ =
Kirchengerät [zu _Kangeri_ = Kirche, aus d. Zigeunerspr.; vgl. z. B.
_Finck_, S. 63], _Sichereisore_ = Küchengerätschaften); _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Sore_ = Ware). Über weitere Belege im Rotw. und die
_Etymologie_ des Wortes (die die gleiche wie die von _Schure_ ist) s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 241/42; vgl. oben unter »abbiegen«.]

[Fußnote 476: ([25] auf S. 64.130) _Glied_ bedeutet demnach: Bruder,
Schwester (Geschwister) bzw. Sohn, Tochter. Dazu die _Zusammensetzgn._:
_Kafferglied_ = Mannesschwester (Schwägerin), _Patrisglied_ = a) Oheim
väterlicherseits (»Vatersbruder«), b) Tante väterlicherseits
(»Vatersschwester«), c) Neffe (väterlicherseits), _Mamereglied_ = a)
Oheim mütterlicherseits (»Mutterbruder«), b) Tante mütterlicherseits
(»Mutterschwester«), c) Neffe (mütterlichereits). S. dazu betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeunerspr. unter »Oheim« u. »Tante«. — _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 344 (_Glied_
= Bruder, Schwester); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: _Glied_ =
Schwester). _Etymologie_: Ein Zusammenhang mit dem rotw. _Gli(e)d_ =
Hure (worüber Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 13, 14 u.
»Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 22 ff.) wird kaum vorliegen, vielmehr
dürfte der Ausdruck wohl — wie im wes. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
III, Sp. 692 (unter »Glid« II) anzunehmen scheint — schlechthin mit
unserem gemeinsprachl. »Glied« (hier im Sinne etwa von »Familienglied«)
gleichbedeutend sein.]

Brühe, _Flu(h)te_[477]                                                    [64.131]

Brust (weibliche), _Schwächerle_[478]

Bube _Benges_[479], _Fi(e)sel_[480]

Buch, _Schure_[481]

Buche, _Stöber_[482]

Büchse (als Behältnis), _Schottel_[483]

Büchse (= Flinte), _Klass_[484], _Schnelle_[485]

Büchsenmacher, _Klass-_ od. _Schnellepflanzer_[486]

Büchsenranzen, _Rande_[487]

Buhldirne, _Lubne_[488]

buhlerisch, _lenk_, _schofel_[489]

[Fußnote 477: ([26] auf S. 64.131) S. abbrühen.]

[Fußnote 478: ([27] auf S. 64.131) S. Amme.]

[Fußnote 479: ([28] auf S. 64.131) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 480: ([29] auf S. 64.131) S. Bettelbube.]

[Fußnote 481: ([30] auf S. 64.131) S. abbiegen.]

[Fußnote 482: ([31] auf S. 64.131) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 483: ([32] auf S. 64.131) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 484: ([33] auf S. 64.131) _Klass_ = Büchse (Flinte, Gewehr
[Schießgewehr], Muskete) findet sich nur in zwei _Zus._, näml.
_Klasspflanzer_ = Büchsenmacher und _Klasskitt_ = Schießhaus. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaun._ 93 (_Klosheim_ =
Gewehr); _W.-B. des Konst. Hans_ 256 (_Klasse_ [plur.] = Pistolen);
_Schöll_ 271 (_Glasse_ = Flinte, Gewehr); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 344
(_Klassa_ = Geschütz, _Klasse_ = Gewehr, Schießgewehr, _klassen_ =
schießen, _Klasset_ = Schuß); _Schwäb Gaun.- u. Kundenspr._ 70, (_Klass_
= Gewehr); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Klaß_ [in _Pfedelb._ (209):
_Klasse_] = Gewehr, Flinte). — Im sonst. Rotw. (wo das Wort übrigens
schon 1724 [im _Duisb. Vokab._ (184)] — als _Classey_ = Pistole —
nachweisbar ist) gehen die Formen sehr auseinander. S. Näh. darüber
sowie über die _Etymologie_ (entw. vom hebr. _kĕli ēma_ = »Gerät
der Furcht« od. vom hebr. _kĕli zimma_ — »Gerät der Schädlichkeit«)
in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 12, Anm. * (zu »Klassensenteser«).]

[Fußnote 485: ([34] auf S. 64.131) S. abschießen.]

[Fußnote 486: ([35] auf S. 64.131) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 487: ([36] auf S. 64.131) S. Bauch.]

[Fußnote 488: ([37] auf S. 64.131) S. Beischläferin.]

[Fußnote 489: ([38] auf S. 64.131) S. arg.]

[Fußnote 490: ([39] auf S. 64.131) _Hornikel_ od. _Hornigel_ = Ochse
(Bulle, Stier) findet sich in den folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am
Anfang_: _Schmunkhornikel_ = Mastochse; b) _am Ende_: _Hornikelschmunk_
= Ochsenfett, auch Unschlitt (s. d. betr. Übereinstmmg. mit d. Zigeun.),
_Hornikelbossert_ = Ochsenfleisch, _Hornikelgielblättling_ =
Ochsenmaulsalat, _Hornikelkafler_ = Ochsenmetzger, _Hornikelstenkert_ =
Ochsenstall. In dem spez. _verw. Quellenkr._ ist der Ausdr. m. W.
unbekannt, dagegen findet er sich im _Metzer Jenisch_ 216 (in der Form
_Hornigl_ für »Kuh«) sowie auch schon im ältern Rotwelsch für »Ochse«
oder »Kuh« (s. z. B. _Schwenter_ 1620 [137: _Hornnickl_ = Ochsen]; bei
_A. Hempel_ 1687 [167: _Hornickel_ = Kuh) u. a. m.). Zur _Etymologie_
(wohl von _Horn_ u. _Nickel_, Kurzform von _Nikolaus_, also e. Art.
Personifizierung des Tiers durch e. menschl. Eigennamen) s. _Günther_,
Rotwelsch, S. 80; vgl. auch _Pott_ II, S. 11 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
III, Sp. 850 (betr. das analog gebildete _Gronickel_ = Schwein, worüber
Näh. auch noch unten unter »Eber«).]

Bulle (= Ochse), _Hornikel_[490]                                          [64.132]

Bündel, _Rande_[487]

Bürgermeister, _Kritsch_[491], _Schar(r)le_[492]

Bursche s. Bube; fahrender Bursche, _jenischer Benges_, _Benk_ oder
_Fi(e)sel_[493]

Bürste, _Stiepa_, Plural: _Stiebe_ (Spr.)[494], _Rutscherschure_[495]
oder bloß _Schure_[496]

[Fußnote 491: ([40] auf S. 64.132) _Kritsch_ = Bürgermeister
(Ortsvorsteher, Schultheiß, Ratsherr) ist schon dem _Dolm. der
Gaunerspr._ 98, 101 bekannt gewesen (_Kritsch_ = Schulz, Vogt; vgl.
[89]: _Krisch_ = Ammann [sic]); vgl. ferner: _Pfulld. J.-W.-B._ 346
(_Gritsch_ = Vogt) u. _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Kritsch_ =
Schultheiß). Die _Etymologie_ ist zweifelhaft. Von _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 770 (unter »Kritsch« II) ist das zigeun. _krísni_ = »Amt,
Gericht« (s. _Finck_, S. 66; vgl. auch _Pott_ II, S. 123 [unter
»Krisni«]; _Liebich_, S. 138, 174 u. 202 [_grisni_ = Gericht, Amt];
_Jühling_, S. 222 [_Grissni_ = Gericht]) herangezogen worden.]

[Fußnote 492: ([41] auf S. 64.132) _Schar(r)le_ (Synon. zu _Kritsch_)
kommt in _dieser_ Form und Bedeutung im _Dolm. der Gaunerspr._ noch
_nicht_ vor, vielmehr findet sich hier (93) nur das längere
_Grandscharle_ für »Hatschier«, das _früher_ auch in _Wittichs_ Jenisch
gebräuchlich gewesene (vgl. »Einleitung«, S. 28), dagegen hat schon das
_W.-B. des Konst. Hans_ neben _Grandscharle_ = Hatschier (so: 257, in
den »Schmusereyen«) auch noch _Scharle_ = Schultheiß, Dorfvogt (so: 254,
im Vokabular), und ebenso führt das _Pfulld. J.-W.-B._ _beide_ Vokabeln
auf (s. 339: _Granscharle_ = Gardist; 346: _Scharle_ = Vogt). Die
neueren schwäb. Quellen kennen dagegen nur noch die letztere Form; s.
_Schwäb. Gaun. u. Kundenspr._ 74 u. _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Scharle_
od. _Schrle_ = Schultheiß). _Etymologie_: Die Herkunft des Wortes
_Schar(r)le_ (auch in Grandscharle) bleibt unsicher; auch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp. 790 (unter »Grandscharle«) hat keine Erklärung
gegeben. Über Hypothesen s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 347
(unter »Scha[a]rbin[c]k«); ebends. (in Anm. 2) auch noch weitere rotw.
Belege für _Scha(a)r(r)le_ u. _Gran(d)schar(r)le_.]

[Fußnote 493: ([42] auf S. 64.132) S. (betr. _jenisch_) Bachstelze,
(betr. _Benges_ od. _Benk_) brauchbarer Bursche u. (betr. (_Fi[e]sel_)
Bettelbube.]

[Fußnote 494: ([43] auf S. 64.132) _Stiepa_ (plur. Stiebe [Spr.]) =
Bürste (Kehrbesen [Besen]) — u. dazu die Zus. _Stiepenpflanzer_ =
Bürstenbinder (Spr.) — ist dem _verw. Quellenkr._ sowie auch sonst im
Rotw. m. Wiss. _nicht_ bekannt. Der _Etymologie_ nach dürfte es wohl zu
unserm gemeinsprachl. »stieben« bezw. »stäuben« gestellt werden (s.
_Weigand_, W.-B. II, Sp. 955: _stäuben_, [eigtl.] »_stieben_ machen,
Staub erregen; _aber auch_ in _denselben_ Bedeutgn. wie _stauben_«, d.
h. »Staub von sich geben, Staub erregen, _Staub entfernen_ [in
_abstauben_]«; vgl. Sp. 970 unter »stieben«).]

Bürstenbinder, _Schurespflanzer_ oder _Stiepenpflanzer_ (beides           [64.133]
Spr.)[497]

Busen s. Brust

Büttel, _Buz_[498]; vgl. Polizeidiener

Butter, _dofer Schmunk_, d. h. »(gutes oder) besseres Fett
(Schmalz)«[499]

Butterbrot, _Schmunklehm_[500]

Butterfaß (Schmalzfaß), _Schmunkschure_[501]

Buttermilch, _Schmunkgleis_[502]


                                  C.

Charfreitag s. Karfreitag

Chaussee (Straße, Weg), _Strade_[503]

[Fußnote 495: ([44] auf S. 64.133) In _Rutscherschure_ (sonst m. Wiss.
nirgends bekannt) gehört der erste Bestandteil natürlich zu unserem
Zeitw. _rutschen_ (= »sich gleitend bewegen«); vgl. Näh. bei _Weigand_,
W.-B. II, Sp. 630. — Betr. _Schure_ s. d. folgde. Anm.]

[Fußnote 496: ([45] auf S. 64.133) S. abbiegen.]

[Fußnote 497: ([46] auf S. 64.133) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 498: ([47] auf S. 64.133) S. Amtsdiener.]

[Fußnote 499: ([48] auf S. 64.133) S. angenehm und Bratkartoffeln; vgl.
auch »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.]

[Fußnote 500: ([49] auf S. 64.133) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]

[Fußnote 501: ([50] auf S. 64.133) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 502: ([51] auf S. 64.133) S. (betr. _Gleis_) abgerahmte Milch.]

[Fußnote 503: ([52] auf S. 64.133) _Strade_ = Straße (Chaussee, Pfad,
Weg) findet sich auch in einer Reihe von _Zusammensetzgn._ (nur am
Anfang), nämlich: _Stradeschenegler_ = Chausseearbeiter
(Straßenarbeiter), _Stradebich_, _-gore_ oder _-lobe_ = Chausseegeld
(Pflaster-, Wegegeld), _Stradekies_ od. _-hertling_ = Kilometerstein
(Meilenzeiger), _Stradebenk_ = Straßenwärter, _Stradelinzer_ =
Wegweiser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gauerspr._
99, 101 (_Strade_ = Weg; _Stratekehr_ = Straßenräuber); _W.-B. des
Konst. Hans_ 254, 259 (_Strade_ = Weg, Straße, _Stradekehrer_ u.
_-kehr¶a¶_ = Straßenräuber u. -raub); _Schöll_ 271 (_Strade_ = Straße);
_Pfulld. J.-W.-B._ 346 (Form: ebenso, Bdtg. Weg); _Schwäb. Händlerspr._
487 (_Strate_ [in _Pfedelb._ (212): _Strade_] = Straße); s. auch _Metzer
Jenisch_ 216 (_Strālje_ = Straße). Über weitere rotw. Belege sowie
die _Etymologie_ (Wurzel wohl: ital. _strada_ bzw. lat. _strata_, zu
vgl. ndd. _Strt_) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 65, Anm. 1
(zu »Straderadler«); vgl. auch Bd. 54, S. 158-164 (unter »Stradehändler«
u. »Stradekehrer«).]

Chausseearbeiter (Straßenarbeiter), _Stradeschenegler_[504]               [64.134]

Chausseegeld (Pflaster-, Wegegeld), _Stradebich_[505],
_Stradegore_[506], _Stradelobe_[507]

Cichorie s. Zichorie

Cigarre s. Zigarre


                                  D.

Da (hier), da herum, _her(r)les_ oder _her(r)lem_[508]

Dachziegel s. Backstein

daher (= hierher), _her(r)les_[508], komme daher (= hierher), _bost'
her(r)lem_, _pfich' her(r)les_[509], _schef(f)t' her(r)les_[510]

[Fußnote 504: ([53] auf S. 64.134) S. (betr. _-schenegler_) abschaffen.]

[Fußnote 505: ([54] auf S. 64.134) S. (betr. _Bich_) Almosen.]

[Fußnote 506: ([55] auf S. 64.134) S. (betr. _Gore_) Barschaft.]

[Fußnote 507: ([56] auf S. 64.134) S. (betr. _Lobe_) Bank.]

[Fußnote 508: ([57] auf S. 64.134) Zu _her(r)les_ od. _her(r)lem_ =
hier, da (daher, daneben, danieder) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_herles_ = hier oder da); _W.-B. des Konst.
Hans_ 256 (_herrles_ = hier); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_hirles_ = hier,
hierher); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 482 (_hirles_ [in _Pfedelb._ (209)
dagegen: _herlis_] = dieser, _herles_ od. _hirles_ = hierher! [komm
her!], in _Lütz._ [214]: _hirlem_ = hier); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
(_herlis_ = hier). Zur _Etymologie_ des (auch sonst hin und wieder im
Rotw. begegnenden) Wortes s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1680
(unter »hirles«), wonach es »gewiß« zu unserem »hier« zu stellen ist.]

[Fußnote 509: ([58] auf S. 64.134) S. (betr. _bosten_ u. _pfichen_) =
abgehen.]

[Fußnote 510: ([59] auf S. 64.134) Das Zeitwort _schef(f)ten_ hat
mehrfache Bedeutungen, nämlich: a) die ganz allgemeine von »sein« (s.
weiter unten im Vokabular: _das schef[f]t Lore_ = das ist nichts u.
_schef[f]t a Ruch_ = das ist ein Bauer; vgl. auch _dof schef[f]t's_ =
heil, d. h. eigtl. »es _ist_ [geht] gut«), sodann b) die spezielleren
von [Griechisch: a]) »sitzen« (niedersitzen) u. [Griechisch: b])
»kommen« (vgl. oben: _schef[f]t' her[r]les_ = komm daher [hierher]) oder
»gehen«, bes. in der Verbindg. _schiebes schef(f)ten_ = davongehen
(fort-, weggehen), sich entfernen (s. [betr. _schiebes_] Näh. unter
»davongehen«). Auch in dem _verw. Quellenkr._ lassen sich diese
verschiedenen Bedeutgn. verfolgen, wobei in der ältern Zeit die unter a,
in der neuern die unter b, [Griechisch: b] überwiegt. _Vgl._ _Dolm. der
Gaunerspr._ 94 (_scheft_ = ist); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u. 256
(_scheften_ = sein); _Schöll_ 272 (_scheften_ = sein, aber auch: haben,
ferner: sich setzen); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 _schefften_ = gehen);
_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210, 214]: _schee[f]ten_ = gehen
[vgl. _scheeft ab_, _ist abgescheeft_], _zusammenscheften_ =
zusammenkommen; in _Lütz._ [215]: _schäfte[n]_ = laufen); vgl. auch noch
_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_scheften_ = sein; gehen). Über weitere rotw.
Belege s. _Weber-Günther_ S. 185 (wo jedoch die ältesten Beispiele [s.
_Kluge_, Rotw. I, S. 218, 248, 251] aus Versehen fortgelassen sind).
Ebends. auch Näh. über die _Etymologie_ des Wortes, die nicht ganz
sicher und vielleicht für seine verschiedenen Bedeutungen zu sondern
ist. So hat es _Stumme_, S. 14 für die Bedeutg. »sein« und bes. »sitzen«
auf das hebr. _schebet_, infinit. construct. von _jschab_ = »sitzen,
verweilen«, zurückgeführt, während bezügl. der _anderen_ Bedeutungen von
A.-L. 597 u. _Meisinger_ in d. Z. f. hochd. Mundarten, Jahrg. III
(1902), S. 125 (unter Nr. 59) unser Zeitw. »_schaffen_« als Quelle
betrachtet worden ist.]

Dame, _Sense_, _Sinsemos(s)_[511]                                         [64.135]

dämlich s. aberwitzig; vgl. albern

Dämmerung, _Leile_, _Ratte_ (eigtl. »Nacht«)[512]

daneben (danieder), _her(r)les_, _her(r)lem_[513]

danken (bedanken), _bederchen_[514]

darüberfahren, _darüberruadla_[515]

darübergehen (-springen), _darüberbosten_[516]

das ist nichts, _das sche(f)ft[517] Lore_ (lore)[518], das ist ein
Bauer, _schef(f)t[517] a Ruch_[519]

[Fußnote 511: ([60] auf S. 64.135) S. Amtmann u. (betr. _Mos[s]_)
Bauernfrau.]

[Fußnote 512: ([61] auf S. 64.135) S. Abend.]

[Fußnote 513: ([62] auf S. 64.135) S. da.]

[Fußnote 514: ([63] auf S. 64.135) S. abbetteln.]

[Fußnote 515: ([64] auf S. 64.135) S. abfahren.]

[Fußnote 516: ([65] auf S. 64.135) S. abgehen.]

[Fußnote 517: ([66] auf S. 64.135) S. unter »daher« a. E.]

[Fußnote 518: ([67] auf S. 64.135) _Lore_ (lore) = nichts, nicht, auch
wohl: nein (Spr.) ist sonst m. Wiss. in den Quellen nicht anzutreffen.
Wahrscheinlich liegt hier aber nur eine Verunstaltung (wenn nicht gar
ein Schreibfehler für _Lo¶n¶e_ (lo[h]ne) vor, das vereinzelt schon im
ältern Rotw. (etwa seit d. 18. Jahrh.) in den Bedeutungen »nichts«
(nicht), nein (auch: »niemand«) vorkommt (s. z. B. _Körners Zus. zur
Rotw. Gramm._ v. 1755 [241 unter »wächeln«: _lone_ = nichts]; _Krünitz'
Enzyklopädie_ 1820 [351: _Lohne_ = niemand, nein]; _v. Grolman_ 43 u.
T.-G. 112, 113 u. _Karmayer G.-D._ 208 [_lo[h]ne_ = nein, nicht,
nichts]). Dieses aber ist seinerseits (nach _Weber-Günther_, S. 156)
vermutlich eine Abkürzung der volleren Form _lolohne_, _laulo(h)ne_, die
in den älteren jüdisch-deutschen Glossaren durch »mit nichten« u. dergl.
wiedergegeben ist (s. z. B. v. _Reitzenstein_ 1764 [247]; vgl. _Thiele_
273) und auch im Rotw. den Begriff einer bes. starken Verneinung an sich
trägt (s. z. B. _Kluge_, Rotw. 325, 367; vgl. auch 441). Es entspricht
dem hebr. _lô lnû_, d. h. eigtl. »nicht uns« (s. schon _Thiele_ 272,
Anm.**), einer Abwehrformel bei Erwähnung schädlicher Sachen, eines
traurigen Ereignisses, also etwa »Gott behüte« (nach gefl. Mitteilg. von
_A. Landau_). Das _einfache lo_ (loo), _lau_, _law_ u. a. = nicht
(nichts), nein ist im Rotw. öfter anzutreffen (s. Belege bei
_Weber-Günther_, a. a. O.), so namentl. auch in dem _schwäb.
Quellenkr._; vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_lau_ = nein); _W.-B. des
Konst. Hans_ 255 (ebenso); _Schöll_ 270 (Form: ebenso, Bedtg.: nichts);
_Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_lau_, _lo_ = nichts); _Schwäb. Händlerspr._ 484
(_lo_ = nicht); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_lô_ = nein);
merkwürdig die Form _lopach_ = nichts (es ist nichts) in der _schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (während nein dort _none_ heißt). Zur
_Etymologie_ von _lo_, _lau_ (u. s. Nebenbedeutg. »falsch, schlecht«) s.
noch A.-L. 565 (unter »Lametaleph«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 1020 u. 1261.]

[Fußnote 519: ([68] auf S. 64.135) S. Bauer.]

Daumen, _Grif(f)leng_[520]                                                [64.136]

davongehen, _schiebes[521] bosten_[522], — _pfichen_[522], —
_schef(f)ten_[523]

davontragen, _schiebes bukle_[524]

Decke, _Schure_[525]

Deckel, "

Degen, _Latt_[526]

[Fußnote 520: ([69] auf S. 64.136) _Grif(f)leng_ (-ling) = Hand (Faust,
auch Finger und spezieller Daumen) findet sich auch in der Wendung
_Grif(f)leng steken_ = die Hände geben sowie in folgenden
_Zusammenstzgn._: a) _im Anfang_: _Grif(f)lingobermann_ = Fingerhut,
_Gri(f)lengschenagel_ = Handarbeit, _Grif(f)lingtrittling_ = Handschuh;
b) am _Ende_: _Trittgrif(f)leng_ (eigtl. »Fußfinger«) = Zehe (s. d.
betr. Übereinstimmung mit d. Zigeun.), _Linzgrif(f)ling_ = Zeigefinger.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (hier
_Griffling_ = Handschuh, während die Hand durch _Feme_ wiedergegeben
ist); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Grifling_ = Hand); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 70 (_Griffling_); _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Griffling_ =
Hand, Finger). Das _Pleißlen der Killertaler_ 435 kennt _Greiferle_ =
Hand. S. weiteres, bes. auch zur _Etymologie_ des Wortes (das natürlich
zu unserm »Griff« bezw. »greifen« gehört), noch in _Groß'_ Archiv, Bd.
42, S. 50 (unter »Greifer«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
834.]

[Fußnote 521: ([70] auf S. 64.136) _Schiebes_ (davon, fort, weg) kommt
in _Wittichs W.-B._ nur vor in den Wendungen _schiebes bosten_,
_pfichen_ od. _schef(f)ten_ = davongehen (fortgehen); vgl. auch: sich
entfernen, entrinnen, entspringen, entweichen, fliehen, weggehen) sowie
_schiebes bukle_ = davontragen. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Schiebes[-]machen_ = durchgehen od.
»echappieren« [womit im wes. übereinstimmend auch schon d. W.-B. von
_St. Georgen_ 1750 (216: _Schübes machen_, Bdtg. ebenso)]; _W.-B. des
Konst. Hans_ 258 (_schiabes malochen_ = fortgehen [vgl. dazu
»Einleitung«, S. 27, Anm. 75]; _Schöll_ 273 (_schiebes machen_ = sich
aus dem Staube machen); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342 (_schibes_ = fort,
los, _schibisnaschen_ = scheiden [s. betr. _naschen_ in _Wittichs W.-B._
unter »fliehen«]); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_schiebes_ = fort) u.
_Eifler Hausiererspr._ 491 (_bod schiebes_ = geh fort). Zur
_Etymologie_: Am einfachsten ist das Wort _schiebes_ doch wohl (mit
_Stumme_, S. 20) von unserm deutsch. Zeitw. »schieben« (über dessen
Gebrauch im Rotw. zu vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 146 ff.)
herzuleiten, jedoch könnten immerhin auch _hebr._ Vokabeln mit von
Einfluß gewesen sein; s. darüber Näh. bei _Weigand_ im »Intelligenzblatt
für die Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 73, S. 296 (der zu jüd.
_Schībes gehen_ = zu Grunde, verloren gehen das hebr. _schêbet_ =
»Ruhe, Aufhören« herangezogen); vgl. auch A.-L. 599 unter »schieben« u.
_Weber-Günther_, S. 192.]

[Fußnote 522: ([71] auf S. 64.136) S. abgehen.]

[Fußnote 523: ([72] auf S. 64.136) S. unter »daher« a. E.]

[Fußnote 524: ([73] auf S. 64.136) S. (betr. _bukle_) abtragen.]

[Fußnote 525: ([74] auf S. 64.136) S. abbiegen.]

[Fußnote 526: ([75] auf S. 64.136) _Latt_ = Degen, Säbel (Hirschfänger)
kommt auch vor in der _Zus._ _Lattenkarle_ = Gendarm (s. darüber Näh.
unter diesem Worte) u. _Lattenpflanzer_ = Waffenschmied. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 486 (_Latt_ =
Seitengewehr); s. auch noch _Hennese Flick_ von _Breyell_ 450 (_Lott_ =
Degen). Auch in der Soldatensprache ist _Latt_ in _gleichem_ Sinne
bekannt (s. _Horn_, Soldatenspr. S. 68), doch bedeutet es bei den
bayrischen Soldaten _auch das Gewehr_, und _ebenso_ auch wohl bei den
Gaunern (s. _Pollak_ 221; _Ostwald_ 93) u. Kunden (arg.: _August mit der
Latte_ = Landjäger, Gendarm [_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 u.
_Ostwald_ (_Ku._) 15]), was eigentlich auch natürlicher erscheint, da
man doch den Ausdr. etymologisch wohl zu unserm Hauptw. _Latte_ stellen
darf (vgl. dazu noch _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 140 u. _Fischer_ Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 1015 unter »Latt[e]«, Nr. 2).]

Deichsel, _Schure_[525]                                                   [64.137]

Diamant, _dofer Kies_[527]

dick, _grandich_[528]

Dickbauch, _grandicher Rande_[529]

Dickkopf, _grandicher Ki(e)bes_[530]

Dieb, _Schniffer_[531], _Schorer_[532]

Diebesbande, _Schnifferulma_, _Schorerulma_[533]

Diebesherberge, _Zschorkitt_[534]

diebisch, _schniffich_[531]

Diebstahl, _Schnifferei_[531], _Schorerei_[532], _Zopferei_[535]

[Fußnote 527: ([76] auf S. 64.137) S. angenehm u. Apfelkern. Eine etwas
abweichende Umschreibung für »Diamant« kennt die Zigeunersprache,
nämlich _dikkapáskĕro parr_, d. h. »durchsichtiger Stein« (_Liebich_,
S. 132, 189); vgl. »Vorbemerkung« S. 19, Anm. 48.]

[Fußnote 528: ([77] auf S. 64.137) S. Adler.]

[Fußnote 529: ([78] auf S. 64.137) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 530: ([79] auf S. 64.137) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]

[Fußnote 531: ([80] auf S. 64.137) S. anfassen.]

[Fußnote 532: ([81] auf S. 64.137) S. ausstehlen.]

[Fußnote 533: ([82] auf S. 64.137) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]

[Fußnote 534: ([83] auf S. 64.137) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 535: ([84] auf S. 64.137) _Zopferei_ = Diebstahl ist eine
Ableitung von dem Zeitw. _zopfen_, das für »stehlen« — nach _Wittichs_
»Einleitung« (S. 28) — jetzt veraltet sein soll, jedoch auch in diesem
Sinne noch im W.-B. in der Zus. _herauszopfen_ = herausstehlen angeführt
ist, während es hier außerdem (ähnl. wie im Rotw.) — ohne Zus. — für
»erwischen« vorkommt. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des
Konst. Hans_ 259 (_krank zopfen_ = gefangen nehmen); _Schöll_ 271, 273
(_zopfen_ = nehmen, _krank zopfen_ = gefangen nehmen); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 339-341, 345 (_zopfen_ = ausplündern, herausnehmen,
stehlen, _Zopfen_ [als Subst.] = Diebstahl; _krankzopfen_ =
gefangennehmen, _kiwiszopfen_ = köpfen u. a. m.); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 67 (_zopfen_ = ausplündern); _Schwäb. Händlerspr._ 484, 486
(_zopfen_ = ausplündern, nehmen, stehlen [in _Pfedelb._ (208, 213) auch:
ausplündern, nehmen u. verhaften], _Staubzepfer_ [eigtl. »Mehldieb«] =
Müller). Über weitere Belege im Rotw. (seit d. 17. Jahrh.) sowie die
_Etymologie_ (= Nebenform zu »zupfen«, die bes. auch der allgem. schwäb.
Mundart bekannt ist) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 152, Anm. 1
vbd. m. _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 550.]

Dienstbote, _Schenegler_ (Knecht), _Scheneglere_ (Magd)[536]; vgl.        [64.138]
Gesinde

dienstfertig, _dof_[537]

Dienstknecht s. Dienstbote

Dienstmagd " " " "

dienstwillig, _dof_[537]

Dietrich _Glitschin_[538] oder (genauer) _nobes dofer Glitschin_, d. h.
»kein guter Schlüssel«[539]; vgl. Nachschlüssel

[Fußnote 536: ([85] auf S. 64.138) S. abschaffen.]

[Fußnote 537: ([86] auf S. 64.138) S. angenehm.]

[Fußnote 538: ([87] auf S. 64.138) _Glitschin_, eigtl. = Schlüssel, dann
auch Dietrich findet sich — außer in der Verbindg. _nobes dofer
Glitschin_, ebenfalls = Dietrich (s. oben) — auch noch in folgenden
_Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Glitschinpflanzer_ = Schlosser; b)
_am Ende_: _Kittglitschin_ = Hausschlüssel, _Duftglitschin_ =
Kirchenschlüssel, _Sichereglitschin_ = Küchenschlüssel,
_Sturmkittglitschin_ = Rathhausschlüssel, _Luberglitschin_ =
Uhrschlüssel. In dem _verw. Quellenkr._ ist das Wort zwar nicht bekannt,
wohl aber kommt es sonst in der neueren Gaunersprache sowie — in
_ähnl._ Formen — auch schon im ältern Rotwelsch vor. S. _Groß'_ Archiv,
Bd. 43, S. 53, Anm. 1 vbd. mit S. 52, Anm. 3. Ebds. S. 52, 53 (im Text)
auch ausführl. Angaben über die _Etymologie_ — aus der
_Zigeunersprache_ (s. »Einleitung« S. 30); vgl. dazu auch noch _Finck_,
S. 65 (der jedoch nur die Form _klídi[n]_ anführt, während die älteren
Sammlungen meist _glitschin_ u. _glitin_ als gebräuchlichste Form bei d.
_deutsch._ Zig. haben).]

[Fußnote 539: ([88] auf S. 64.138) Eine ähnliche Umschreibung kennt auch
die Zigeunersprache, wenigstens nach _Liebich_, S. 189, der _tschi
tschātschi glitin_, d. h. »kein _rechter_ Schlüssel«, für »Dietrich«
hat (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17), wogegen der Begriff bei _Finck_, S. 65
einfacher durch _bángi klídin_, d. h. etwa »falscher Schlüssel«,
wiedergegeben ist. — _Nobes_ od. (häufiger) _nobis_ hat außer der
Hauptbedeutg. »nicht« auch noch die von »nein«, »niemals« und »umsonst«,
ferner von »unbedeutend« od. »unnütz« sowie (als Subst. gebraucht) von
»Null« u. »Tand« (s. d. Wörter betr. die Übereinstimmg. m. d. Zigeun.).
Dazu zahlreiche _Verbindungen_, nämlich: a) mit _Zeitwortformen_, u.
zwar [Griechisch: a]) mit _Infinitiven_: _nobis sehenegla_ (d. h.
»nicht[s] arbeiten«) = faulenzen, _nobis diberen_ od. _schmusen_ (d. h.
»nicht[s] reden, sprechen«) = stumm sein (s. d. betr. die Übereinstimmg.
mit d. Zigeun.); [Griechisch: b]) mit der _ersten u. dritten Pers.
Präs._ (als Umschreibg. für deutsche Adjektive): _gneis nobis_ (d. h.
»[ich] kenne [es] nicht«) = unbekannt, _hauret nobis_ (d. h. »[es] ist
nichts«) = ungültig, unzweckmäßig, _begert nobis_ (d. h. »[er, sie, es]
stirbt nicht«) = unsterblich (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.);
[Griechisch: g]) mit _Partizipien_ (z. Teil für deutsche Adjektive):
_nobis vergrönt_ (eigtl. »nicht verheiratet«) = ledig (unverheiratet),
_nobis ang'kluftet_ (d. h. »nicht angekleidet«) = nackt (unbedeckt),
_nobis geschert_ = ungekocht; b) mit _Adjektiven_: _nobis bauserich_ =
furchtlos, _nobis dof_ = garstig, nichtsnutzig, unecht, unkeusch,
unnütz, untauglich, untreu, unzüchtig, wertlos (vgl. auch die
Substantivierung _nobis Dofs_ = Trübsal, Übel), _nobis grandich_ =
machtlos, wenig, winzig, _nobis g'want_ = nichtsnutzig, _nobis
wo(h)nisch_ (bzw. _gril[l]isch_, _diboldisch_), d. h. eigtl. »nicht
katholisch (bzw. protestantisch, jüdisch«) = ungläubig, _nobis
begerisch_ (d. h. »nicht krank«) = wohl (gesund, unverletzt); c) _mit
einem Substantiv_ (für ein deutsches Adjektiv): _nobis Strauberts_ (d.
h. »keine Haare«) = kahl; d) mit _Substantiven und_ vorgesetzten
_Adjektiven_ (zur Umschreibung von Begriffen, für die es im Jenischen an
einfachen Hauptwörtern fehlt): — außer _nobes dofer Glitschin_ =
Dietrich noch — _nobis dofer Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ =
Falschmünzer, _nobis vergrönter Käfferle_ = Junggeselle, _nobis dofs
Jahne_ = Mißjahr (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _nobis
grandicher Kaffer_ = Zwerg; endlich erscheint es noch e) in einer fast
satzartigen Wendung: nämlich _nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h.
»keine Haare auf dem Kopfe«) für das deutsche Subst. Kahlkopf. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 342, 345 (_noves_
= nicht; _nobus schlaune_ = schlaflos; _Manobisch_, _schinegeln_ =
Faulenzer [wofür wohl richtig zu lesen, (ma) _nobisch schinegeln_ =
faulenzen], _nobis maker_ [v. hebr. _makr_ = »bekannt«; s. _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1371] od. _nobis knais_ = unbekannt); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_nobes_ = nichts [es ist nichts], _lauter
nobes_ = alles nichts); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_nobis_ = nein,
_nôbis_ = nicht [in _Pfedelb._ (212): _nowes_ = nein, nicht u. _binowes_
= gar nichts]). Auch in _nicht_ verwandten Krämersprachen findet sich
das Wort (s. z. B. in _nordwestfäl. Bargunsch_ 446 [_nobis_ = nein,
nicht] u. im _Hennese Flick von Breyell_ 456 [_nobes_ = nein]). Über das
Auftreten der Vokabel im ältern Rotwelsch (seit Auf. des 17. Jahrh. [s.
z. B. schon _Ulenhart_ 1617 [132, 132: _nobis_ = nicht] u. dann öfter in
verschiedenen Formen) s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 173/74 unter
»_nowes_«; desgl. bezügl. der _Etymologie_, worüber u. a. folgendes
ausgeführt ist: »Nach _Wagner_ bei _Herrig_, S. 225 hängt das Wort ›ohne
Zweifel … mit dem alten _Nobis_ zusammen, welches wieder von der
italienischen Nebenform _nabisso_ (= in abisso; französ. _abîme_,
griech.-lat. _abyssus_ = Abgrund, Hölle) herzuleiten ist‹. Dazu das
bekannte _Nobiskrug_ = Hölle; eigtl. ›Höllenschenke‹ (s. dazu _Kluge_,
W.-B. S. 332/33, _Weigand_, W.-B. II, Sp. 308 u. bes. _Grimm_, D. W.-B.
VII, Sp. 862 ff.). Unbeschadet _dieser_ Etymologie besteht aber
vielleicht (nach gefl. Mitteilg. von Dr. _A. Landau_) auch noch ein
gewisser Zusammenhang zwischen _nobis_ = nicht und dem oben (Anm. 518)
betrachteten _lo[h]ne_. Da nämlich _lô lnû_ (woraus _lolone_, _lone_
entstanden) der Anfang des 115. Psalmes ist, der in der Vulgata (Ps.
113) ›Non nobis, Domine …, sed nomini tuo da gloriam‹ lautet, so
könnte dies analog zur Anwendung von _non nobis_ _allein_ in der
Bedeutung ›nein‹ geführt haben, zumal, gleichwie in _lone_ lautlich _lô_
= nein steckt, auch in _nobis_ das _no_ als _Negation_ empfunden werden
konnte. Ob aber dieser Parallelismus mehr als Zufall ist, muß
dahingestellt bleiben.« Über weitere Bedeutungsveränderungen von _nobis_
in den _Krämersprachen_ s. noch ebds. S. 174, Anm. 1.]

Ding, _Schure_[540], _Sore_[541]                                          [64.139]

Dirne, _Lubne_[542], _schofele Model_[543] (bes. ersteres in der üblen
Bedeutg. von »Hure«); vgl. Buhldirne.

Docht, _Scheischure_[544]

[Fußnote 540: ([89] auf S. 64.139) S. abbiegen.]

[Fußnote 541: ([90] auf S. 64.139) S. Brücke.]

[Fußnote 542: ([91] auf S. 64.139) S. Beischläferin.]

[Fußnote 543: ([92] auf S. 64.139) S. arg. u. Beischläferin.]

[Fußnote 544: ([93] auf S. 64.139) S. alltäglich u. abbiegen.]

Docke s. Puppe                                                            [64.140]

Dohle, _Schure_[540]

Doktor (Arzt), _Begersins_[545]

Dokument s. Attest; vgl. Brief

Dolch, _Scharfling_[546]

Dom, _grandiche Duft_[547] (d. h. »große Kirche«)[548]

Dorf, _G'fahr_ (Gefahr)[549], _Mocham_, _Mochem_ (Spr.) od.
_Mochum_[550]

[Fußnote 545: ([94] auf S. 64.140) S. absterben u. Amtmann.]

[Fußnote 546: ([95] auf S. 64.140) Mit _Scharfling_ (od. _Scharpflengl_
= Messer (auch spezieller: Federmesser od. Rasiermesser), Dolch ist nur
die _Zus._ _Scharflingpflanzer_ = Messerschmied gebildet. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Schärfling_ =
Messer), wogegen in der _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 der Ausdr.
soviel wie »Rettich« bedeutet. Der _Etymologie_ nach gehört er natürlich
zu unserem Adj. _scharf_.]

[Fußnote 547: ([96] auf S. 64.140) _Duft_ = Kirche (Gotteshaus, Kapelle,
Tempel) erscheint auch noch in der _Verbindg._ _Duft halten_ =
Gottesdienst halten sowie in den _Zus._: _Duftnolle_ = Kelch,
_Duftglitschin_ = Kirchenschlüssel, _Duftkies_ = Opfergeld. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 (_Duft_ =
Kirche); ebenso übereinstimmend auch _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u.
_Pfulld. J.-W.-B._ 341 (hier [345] auch: _grandiche Duft_ = Tempel);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Duft_ = Kirche, _Duftreiter_ =
Kirchenräuber); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Duft_, Bedg. ebenso,
_Dufter_ od. _Duftschaller_ = Lehrer), s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216
(_Duft_ = Kirche) u. _Eifler Hausiererspr._ 490 (_Doft_). Über weitere
Belege im Rotw. sowie die (unsichere) _Etymologie_ des Wortes
(vielleicht vom hebr. _tefill[h]_ = »Gebet« od. zu _duft_ [heb. _Tôb_]
= gut) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 70 u. Anm. 2 u. S. 71 (unter
»Duftschaller«); vgl. auch _Weber-Günther_, S. 169. _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 445 hat der Ausdr. — allerdings nur mit einem
Fragezeichen — zu dem Weihrauchduft in den katholischen Kirchen in
Beziehung gesetzt.]

[Fußnote 548: ([97] auf S. 64.140) Dieselbe Umschreibung kennt auch die
Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 189 (_bari kangri_ = Dom).]

[Fußnote 549: ([98] auf S. 64.140) S. Bauerndorf. — Über das frühere
(jetzt veraltete) Synon. _Palar_ s. »Einleitung«, S. 27 u. Anm. 79.]

[Fußnote 550: ([99] auf S. 64.140) Die dritte Form (_Mochum_ [Dim.
_Mochumle_ (Spr.)]) soll nach der »Einltg.«, S. 27 — gleich den
früheren, jetzt veralteten _Mokem_ u. _Mogumle_ — _auch_ »Stadt«
bedeuten (wie auch fast allgem. im Rotwelsch), während im W.-B. für
»Stadt« nur _Steinhäufle_ angeführt ist (vgl. »Einltg.«, S. 25, Anm.
61). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._); _Dolm. der Gaunerspr._ 99
(_Mokum_ = Stadt); _W.-B. des Konst. Hans_ 251, 257 (_Mokem_ = Stadt,
Dimin.: _Mogumle_ = Städtchen); _Schöll_ 271 (_Mokum_ = Stadt,
_Ortschaft_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339, 345 (_Mochum_ = Stadt, _Dorf_);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 (Form.: ebens., Bedtg. Stadt); Schwäb.
Händlerspr. 480 (Form: ebens. Bedtg.: _Dorf_ [in _Degg._ (215) =
Stadt]). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (v. hebr.
_mqôm_ = »Ort«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 213 u. Anm. 2 u. S. 214;
vgl. auch _Weber-Günther_, S. 159 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
1720/21 (unter »Mochum«).]

Dörfchen (Dörflein), _Heges_[551], auch _Mochumle_ (Spr.)[550]            [64.141]

Dorn, _Schure_[552], _Spraus_[553], _Stupfle_[554]

Dose, _Schure_[552]

Draht, "

Dreck, _Fu(h)l_[555], _Schund_ od. _Schond_[556]

dreckig, _schundich_[556]

Drehorgel s. Leierkasten

drohen, _stämpfen_[557]

[Fußnote 551: ([100] auf S. 64.141) Die Vokabel ist im _obigen_ Sinne
sonst nirgends bekannt; herangezogen werden könnten ja allenfalls (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Hegis_ = Spital,
Bettelhaus), _Pfulld. J.-W.-B._ 337 (_Heges_ = Armenhaus) u. _Schwäb.
Händlerspr._ 482 (_Hêges_ = kleines Haus), _wenn_ man nämlich eine
Bedeutungsveränderung von »kleines _Haus_« (Bettel- oder Armenhaus usw.)
zu »kleines _Dorf_« für möglich hält. Auch für _Hegis_ (-es) usw. in
_jenem Sinne_, das auch z. B. schon im _Lib. Vagat_, 54 (_Hegiß_ =
Spital) vorkommt, ist die _Etymologie_ übrigens zweifelhaft; A.-L.s
Hypothesen (548 unter »Heckdisch«) erscheinen zu gesucht. Dagegen könnte
das jüd. _hekdisch_ = »Siechenhaus, Bettlerherberge«, vom neuhebr.
_hekdêsch_ = »was dem Heiligtum geweiht ist«, »Geheiligtes« (zu
_hkdasch_ = »abgesondert sein«) als Quelle herangezogen werden (nach
Dr. _A. Landau_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1351 (unter »Hegis«)
hat keine Erklärung gegeben. — Vielleicht könnte _Heges_ = Dörflein
auch einfach aus unserm _deutsch. Hege_ (= »Umhegung, Umzäunung« [vgl.
_Weigand_, W.-B. I, Sp. 831]) weiter gebildet worden sein.]

[Fußnote 552: ([101] auf S. 64.141) S. abbiegen.]

[Fußnote 553: ([102] auf S. 64.141) S. Baumholz.]

[Fußnote 554: ([103] auf S. 64.141) _Stupfle_ = Dorn, Stachel ist in dem
_verw. Quellenkr._ zwar _nicht_ bekannt, dagegen findet sich hier das
Zeitw. _stupfen_ = stechen, zu dem das Hauptw. als _Ableitg._ gehört;
vgl. _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 342, 344 (_ausstupfen_ = ausstechen;
_stupfeln_ = nähen, _Stupfler_ = Schneider [schon im _W.-B. des Konst.
Hans_ dafür: _Stupfer_]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 u. 75
(_stupfen_ = stechen, erstechen); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._
[209, 213]: ebenso, sonst [486] dafür: _dupfen_ [worüber Näh. in
_Wittichs W.-B._ unter »stechen«]; vgl. 484, 486: _Stupfer_ = Schneider,
_Stupflerin_ = Näherin, womit auch zu vgl. _Pleißlen der Killertaler_
436 [_Stupferles-Penk_ = Schneider, _Stupferles-Senn_ = Näherin, auch
Floh, für _erstere_ Bedtg. auch _Stupferin_, während _Stupfer_ hier
»Gabel« bedeutet]). Zur _Etymologie_: das Stammwort _stupfen_ = stechen
(s. oben) gehört der südd., insbes. schwäbisch. u. bairischen Mundart
an. S. Näh. bei _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 79 (unter »Stupfer«) vbd. mir
_v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 515, Nr. 3 u. _Schmeller_, Bayer. W.-B.
II, Sp. 774. Über den auf den _gleichen_ Stamm zurückgehenden jenisch.
Ausdr. _Stupfel_ od. _Stupfleng_ = Igel s. noch weiter unten.]

[Fußnote 555: ([104] auf S. 64.141) S. Abort.]

[Fußnote 556: ([105] auf S. 64.141) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 557: ([106] auf S. 64.141) S. Ärger.]

duften, _dof muffen_ (eigtl. »gut riechen«; _herles muft's dof_, hier     [64.142]
riecht es gut[558]

dumm, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[559]

dummer Mensch s. Dummkopf

Dummheit, _Hegelei_[560], _Ni(e)serei_, _Nillerei_, _Nuscherei_[559]

Dummkopf, _Hegel_[560], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[559]

Dünger s. Dreck

dunkel, _leile_ (= Leile), _ratte_ (= Ratte, d. h. Nacht)[561]

dürftig, _dercherich_ (eigtl. »bettelhaft«)[562]

Durst, _Schwächerich_ (subst. Adj.; s. durstig)[563]

dursten, mich durstet, _mich schwächert's_[563]

durstig, _schwächerich_ (Spr.)[563]


                                  E.

Eber, _Balo_[564], _Groanikel_[565]

[Fußnote 558: ([107] auf S. 64.142) S. angenehm u. Aas.]

[Fußnote 559: ([108] auf S. 64.142) S. aberwitzig.]

[Fußnote 560: ([109] auf S. 64.142) _Hegelei_ ist — ebenso wie das Adj.
_hegelich_ = unverständig — eine Ableitung von _Hegel_ = Dummkopf
(dummer Mensch), Einfaltspinsel, Geck, Narr; dazu die Zusstzgn.
_Hegelkitt_ = Irrenhaus u. _Hegellauti_ = närrischer Kerl, Possenreißer
(wobei die Bedtg. des _-lauti_ zweifelhaft bleibt). Auch das _Metzer
Jenisch_ 216 kennt _Hēgel_ = Dummkopf, wogegen das Wort in den
zunächst _verw. Quellen_ in diesem Sinne _un_bekannt erscheint (s.
jedoch _Pfulld. J.-W.-B._ 389 [_Jahrhegel_ = Förster]). Über das
Vorkommen der Vokabel im sonstigen _Rotwelsch_ (in d. Formen _Hegel_,
_Heckel_, _Häckel_, _Hög[e]l_ mit den Bedtgn. »Narr, Geck; Lump; Schaf;
Bauer«) sowie ihre _Etymologie_ s. die Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd.
42, S. 6, 7 u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1330 (unter
»Hegel«) vbd. mit Sp. 1011 (unter »Häckel« I, Nr. 2), der Heckel =
»roher Mensch« zu »_hacken_« stellt. Vgl. auch _Weber-Günther_, S. 183
(unter »Häckel«).]

[Fußnote 561: ([110] auf S. 64.142) S. Abend; vgl. über den Gebrauch des
Substantivs als Adjektiv: »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38 a. E.]

[Fußnote 562: ([111] auf S. 64.142) S. abbetteln.]

[Fußnote 563: ([112] auf S. 64.142) S. Amme.]

[Fußnote 564: ([113] auf S. 64.142) _Balo_ = Schwein, Sau (Eber, Hauer,
auch Ferkel) findet sich (in dem _verw. Quellenkr._) schon bei _Schöll_
271, während das _Pfulld. J-W.-B._ 343, 344 die Form _Bale_ (= Sau,
Schwein), die _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75 aber _Male_ (= Schwein)
hat, was wohl nur verdruckt sein dürfte. Über weitere Belege im Rotw.
sowie die _Etymologie_ des Wortes (aus der _Zigeunerspr._ [vgl.
»Einleitung«, S. 29]) s. d. näh. Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S.
32 u. Anm. 3 u. S. 33 u. Anm. 1 (zu »Balebumser«), u. dazu noch
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1419 (unter »Male«) vbd. mit _Finck_,
S. 49 (_bálo_ oder _bālo_ = »Schwein«).]

[Fußnote 565: ([114] auf S. 64.142) _Groanikel_ od. (häufiger)
_Groenikel_, Syn. zu _Balo_, findet sich auch in verschied.
_Zusammensetzgn._ (während solche mit _Balo_ _nicht_ gebildet sind) u.
zwar: a) _am Anfang_: _Groenikelbenk_ od. _-schure_ = Sau- od.
Schweinehirt, _Groenikelstenkert_ = Sau- od. Schweinestall,
_Groenikelbossert_ = Schweinefleisch, _Groenikelkemerer_
= Schweinehändler, _Groenikelkafler_ = Schweinemetzger,
_Groenikelschwächerle_ = Schweinezitzen, _Groenikelstrauberts_ =
Schweinsborsten; b) _am Ende_: _Flu(h)tegroanikele_ = Meerschweinchen u.
_Mameregroanikel_ = Mutterschwein. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Kranickel_ = Schwein);
_Pfulld. J.-W.-B._ 343, 344 (_Kronickel_ = Sau, Schwein); _Schwäb.
Händlerspr._ 486 (_Krûnikel_, _Krônikel_ [_in Pfedelb._ (213):
_Graunickel_], auch wohl bloß _Nickel_ = Schwein). Über weitere rotw.
Belege sowie die _Etymologie_ (zu mundl. _gronen_ [_graunen_] u. ä. =
»grunzen« [s. bes. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1000] u. _Ni[c]kel_,
Abkürzung vom Eigennamen _Nikolaus_ [vgl. oben unter »Bulle« betr.
_Hornickel_], also eigtl. »Grunznikel« [wie in _Strelitz. Gloss._ v.
1747 (214/15)]) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 33 u. Anm. 2 (zu
»Kronickels-Bumser«); vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
849/50 (unter »Gronickel«, mit Anfühg. von bayr. _Gronigl_ = »Murrkopf«
nach _Schmeller_, a. a .O. 1, Sp. 1772 unter »Nickel«).]

echt, _dof_[566]                                                          [64.143]

edel, _dof_[566], _g'want_[567]

Edelmann, _Sins_, femin. (Edeldame), _Sense_[568]

Edelstein s. Diamant

Ehe, _Vergrönt_ (= _vergrönt_, d. h. eigtl. »_in_ der Ehe«,
»verheiratet«)[569]; vgl. Heirat u. Hochzeit

[Fußnote 566: ([115] auf S. 64.143) S. angenehm.]

[Fußnote 567: ([116] auf S. 64.143) S. anmutig.]

[Fußnote 568: ([117] auf S. 64.143) S. Amtmann.]

[Fußnote 569: ([118] auf S. 64.143) Es liegt hier wohl vor der Fall des
Gebrauchs eines Partizips (_vergrönt_ = verheiratet [ehelich], von dem
Zeitw. _vergrönen_ od. _vergröneren_ = [ver]heiraten, verehelichen) als
Substantiv (s. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36); vgl. als Gegensatz:
_nobis vergrönt_ = ledig (unverehelicht, unverheiratet) u. daher _nobis
vergrönter Benges_ od. _Käfferle_ = lediger Mann, Junggeselle. Eine
_Ableitg._ von _vergröne(re)n_ ist _Vergrönerei_ = Heirat, während
_Groenerei_ = Hochzeit (nebst d. _Zus._ _Groenereibikus_ od. _-kahlerei_
= Hochzeitsschmaus) ein einfaches _groenen_ = heiraten voraussetzt, das
aber im W.-B. nicht angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 93, 94 (_Grunerej_ = Hochzeit,
_Kocheme Grunerej_ = Diebshochzeit, _Grünt'schaj_ od. _-Mos_ = Ehefrau,
_Grün-Kaffer_ = Ehemann); _Schöll_ 271 (_Grunerey_ = Hochzeit); _Pfulld.
J.-W.-B._ 339, 340 (_Gränerei_ = Ehe, Hochzeit, _Kränerei_ = Heirat,
_Grenzgasch_ = Ehe, _Grängoi_ = Eheweib); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._
68-70 (_krönern_ = heiraten, _Krönerin_ = Ehefrau, _Kroner_ = Ehemann,
_Krone_ = Frau); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_krönen_ od. _krö[h]nern_ =
heiraten, dazu [in _Pfedelb._ (209): _Krönerei_ = Hochzeit, _Kröner_,
_Krönerin_ = Ehemann, -frau, ferner _vergrünt_ [in _Pfedelb._ (213):
_verkrönert_] = verheiratet). Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ des
Wortes (das vermutlich mit dem Aufsetzen einer Krone als
Hochzeitszeremonie zusammenhängt) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S.
56 u. Anm. 1 u. S. 57 u. Anm. 2 (unter »Krönerin«) sowie Bd. 56, S. 69
(unter »Krone«).]

Ehebrecherin, _Lubne_[570] od. _schofle Mos(s)_[571]                      [64.144]

Ehefrau, _Mos(s)_[571]

ehelich s. Ehe

Ehemann, _Kaffer_[572]

ehrbar, _dof_[573]

ehrenhaft, ehrenwert, "

ehrlich, "

Ei, _Bäzem_, plur. _Bäzema_ (od. _-me_)[574]

Eiche, _Stöber_[575]

Eichhörnchen s. Baumkatze

Eid, _Schure_[576]

[Fußnote 570: ([119] auf S. 64.144) S. Beischläferin.]

[Fußnote 571: ([120] auf S. 64.144) S. arg u. Bauernfrau.]

[Fußnote 572: ([121] auf S. 64.144) S. Bauer.]

[Fußnote 573: ([122] auf S. 64.144) S. angenehm.]

[Fußnote 574: ([123] auf S. 64.144) Der Plural _Bäzeme_ bedeutet auch:
»Hoden«. Ebenso handelt es sich bei dem — nach _Wittich_ (im
Manuskript) mit Unrecht davon scharf gesonderten — _Betzam_ od. _Bezem_
= männliches Glied, penis, das — wie er selber bemerkte — »in der
Aussprache kaum davon zu unterscheiden« ist, um _dasselbe_ Wort, nur in
etwas anderer Schreibung (vgl. die Etymol.). _Zus._ a) mit _Bäzem(e)_ =
Ei(er) sind: [Griechisch: a]) _am Anfang_: _Bäzemabrandleng_ =
Eierkuchen, _Bäzemagachne_ od. _-stierer_ = Legehuhn, _Bäzemaschei_
(eigtl. »Eiertag«) = Karfreitag (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d.
Zigeun.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18); [Griechisch: b]) _am
Ende_: _Fläderlingbäzeme_ = Vogeleier, _Strohbutzersbäzeme_ = Gänseeier.
b) Mit _Bäzeme_ = Hoden ist gebildet _Bäzemerande_ = Hodensack. c) Mit
_Betzam_ (Bezem) = penis fehlen Zusammensetzgn. im W.-B. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Betzum_ = Ei);
_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Betze_ od. _Betzum_ = Eier, in _Pfedelb._
[209]: _Bezem_ = Ei u. Eier, ebds. [211] _Bēzĕmĕ_ = membrum
muliebre, dagegen in _Lütz._ [215] — übereinstimmend mit _Wittichs_
Jenisch — = membrum virile); s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 437 u.
_Metzer Jenisch_ 212 (_Bĕtzche_ = Ei). Die Bedeutg. von _Betzam_
(Bezem) = membrum virile kennt auch schon das Rotwelsch des 19. Jahrh.
(s. z. B. _Pfister_ 1812 [_Pehzem_ = männliches Glied]; _v. Grolman_ 7
u. _T.-G._ 98 [_Behzem_]; _Castelli_ 1847 [391: _Bedzem_]; ebenso:
_Fröhlich_ 1851 [394] u. _Wiener Dirnenspr._ 1886 [417], während A.-L.
523 _Bezem_ hat). — Über die sehr verschiedenen Formen des Wortes (in
der _ursprgl._ Bedeutg. »Ei«) im Rotw. sowie die _Etymologie_ (vom
gleichbed. hebr. _bêça_ [jüd. bezo], plur. _beçîm_) s. _Weber-Günther_,
S. 152/53 (unter »Bärkse«) vbd. mit A.-L. 523 (unter »Beitze«) u. 341
(unter »Beza«), _Günther_, Rotwelsch, S. 26, _Stumme_, S. 23 u.
_Kleemann_, S. 235. Über die Bedeutungserweiterung (zu dem Begriff
_penis_) s. _A.-L._ 523 u. _Müller_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII,
S. 4 mit weiteren Angaben. Ob der Gebrauch des Wortes für membrum
_muliebre_ (bei d. schwäb. Händl. i. _Pfedelb._ [s. oben]) auf einer
weiteren Bedeutungsverschiebung oder auf Ungenauigkeit beruht, mag
dahingestellt bleiben.]

[Fußnote 575: ([124] auf S. 64.144) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 576: ([125] auf S. 64.144) S. abbiegen.]

Eierkuchen, _Bäzemabrandleng_[577]                                        [64.145]

eifersüchtig, _lenk_, _schofel_[578]

Eimer, _Schure_[576]

einblasen, _einschurele_[576]

einbrechen, "

einbrennen, _einfunken_[579]

einfahren, _einruadla_[580]

einfallen, _einplotza_[581]

einfältig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[582]

Einfaltspinsel, _Hegel_[583]

einfangen, _einschurele_[576]

einfüllen, "

eingeben, "

einhandeln s. einkaufen

einhauen, _einguffen_[584]

einheizen, _einfunken_[579]

einkaufen, _einbaschen_ (Spr.), _eingreme_[585]

einkerkern, _eindofema_, _einleken_[586]

einlaufen, _ei'bosten_[587]

einnähen, _ei'stichle_[588]

einsalben, _einschunde_[589]

einsalzen, _einspronken_[590]

[Fußnote 577: ([126] auf S. 64.145) S. (betr. _Brandleng_) Apfelkuchen.]

[Fußnote 578: ([127] auf S. 64.145) S. arg.]

[Fußnote 579: ([128] auf S. 64.145) S. abbrennen.]

[Fußnote 580: ([129] auf S. 64.145) S. abfahren.]

[Fußnote 581: ([130] auf S. 64.145) S. bewerfen.]

[Fußnote 582: ([131] auf S. 64.145) S. aberwitzig.]

[Fußnote 583: ([132] auf S. 64.145) S. Dummheit.]

[Fußnote 584: ([133] auf S. 64.145) S. aufschlagen.]

[Fußnote 585: ([134] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 586: ([135] auf S. 64.145) S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.]

[Fußnote 587: ([136] auf S. 64.145) S. abgehen.]

[Fußnote 588: ([137] auf S. 64.145) S. aufnähen.]

[Fußnote 589: ([138] auf S. 64.145) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 590: ([139] auf S. 64.145) Das Zeitw. _einspronken_ (s. dazu
die _Verbdg._ _eingespronkter Bossert_ = Pökelfleisch) ist ebenso wie
das einfache _spronkere_ = salzen (richtiger doch wohl: _spronken_?) —
u. dazu _g'spronkt_ od. _gesprunkt_ = gesalzen, salzig — eine Ableitung
von dem Hauptwort _Spronkert_ = Salz. Mit diesem sind zusammengesetzt:
_Spronkert-Flössling_, _Spronkertflotscher_ od. _-schwimmerling_ (d. h.
eigtl. »Salzfisch«) = Hering (s. d. betr. Übereinstimmg m. d. Zigeun.),
_Spronkertschottel_ = Salzbüchse, _Spronkertbossert_ = Salzfleisch,
_Spronkertnolle_ = Salznapf. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Sprunkert_ = Salz); übereinstimmd.: _Schöll_
271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (hier [339] auch: _einsprunken_ =
einsalzen); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Sprungert_ [in _Pfedelb._ (212):
_Sprunk_] = Salz). Auch die _Pfälz. Händlerspr._ 439 kennt _Sprungert_.
Über weitere Belege des Wortes in Rotw. (wo es schon seit d. 15. Jahrh.
— in sehr wechselnden Formen — auftritt) u. seine (nicht sichere)
_Etymologie_ s. Näh. bei _Weber-Günther_, S. 187/88 (unter »Sprunkert«)
vbd. m. _Pott_ II, S. 35, _A.-L._ 610 u. _Hoffmann-Krayer_ im Schweiz.
Archiv für Volkskunde, Bd. III, S. 246, Anm. 132 (die an die Zeitw.
»springen«, »sprenkeln« u. »[be]sprengen« gedacht haben).]

einschlafen, _ei'durme_ (-ma)[591], _einschlauna_[592]                    [64.146]

einschlagen s. _einhauen_

einschlummern s. einschlafen

einschmieren s. einsalben

einschneiden, _einschurelen_[593]

einschnüren, "

einschreiben, _einfebera_[594]

einschütten, _einschurelen_[593]

einspannen, "

einsperren s. einkerkern

einstecken " "

einstürzen, _einbohla_[595]

einwerfen, _einplotza_[596]

Eis, _Schure_[593]

Eisen, "

Eisenbahn, _Rutsch_[597]

Eisenbahnarbeiter, _Rutschschenegler_[598]

Eisenbahnwagen, _Rutschrädling_[599]

[Fußnote 591: ([140] auf S. 64.146) S. aufwachen.]

[Fußnote 592: ([141] auf S. 64.146) S. ausschlafen.]

[Fußnote 593: ([142] auf S. 64.146) S. abbiegen.]

[Fußnote 594: ([143] auf S. 64.146) S. abschreiben.]

[Fußnote 595: ([144] auf S. 64.146) S. abfallen.]

[Fußnote 596: ([145] auf S. 64.146) S. bewerfen.]

[Fußnote 597: ([146] auf S. 64.146) S. Bahn.]

[Fußnote 598: ([147] auf S. 64.146) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]

[Fußnote 599: ([148] auf S. 64.146) _Rädling_ (-leng) = Fahrzeug (auf
dem Lande), Wagen findet sich noch in der _Verbindg._ _dofer Rädling_
(d. h. »schöner Wagen«) = Kutsche sowie in folgenden _Zusammensetzgn._:
a) _am Anfang_: _Rädlingkaffer_ = Fuhrmann u. _Rädlingpflanzer_ =
Kutschenbauer, Wagner; b) _am Ende_: _Kritzlerrädling_ (eigtl.
»Briefwagen«) = Postwagen u. _Schmelemerrädling_ = Zigeunerwagen. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255
(_Rädling_ = Landkutsche); _Pfulld. J.-W.-B._ 346 (= Wagen); _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (ebenso; Syn. _Rdel_ od. _Rudel_). Über weitere rotw.
Belege u. die _Etymologie_ (zu »Rad«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
S. 25 u. Anm. 1 (unter »Radlinger«) vbd. m. _Pott_ II, S. 37, _A.-L._
583 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 99, Anm. 118; vgl. auch Archiv, Bd. 46,
S. 27 (_Radlingpflanzer_ = Wagner bei _Karmayer_ 130).]

eisig, _bib(e)risch_ (eigtl. »kalt«)[600]                                 [64.147]

Eiswasser, _Biberischerflu(h)te_ (d. h. eigtl. »kaltes Wasser«)[601]

elend, _lenk_, _schofel_[602] (elend daran gewesen, _schofel daran
gehauret_)[603]

Elster, _Flederling_[604] oder (genauer) _Stämpfflederling_[605], d. h.
»der schimpfende Vogel«[606]

Eltern, _Patris[607] und Mamere_[608], d. h. »Vater und Mutter«[609]

[Fußnote 600: ([149] auf S. 64.147) Das Adj. _biberisch_ (bibrisch
[Spr.]) = kalt (eisig, frostig), das auch als Subst. (= Kälte, Frost)
gebracht wird, ist eine _Ableitung_ von dem Zeitw. _biberen_ = frieren
(_mich biberts'_ = mich friert's). Eine _Zus._ mit _biberisch_ ist
_Biberischerflu(h)te_ = Eiswasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_biberisch_ = kalt); _Pfulld.
J.-W.-B._ 339, 341 (_biberisch_ = kalt, _biberen_ = frieren, _verbibern_
= erfrieren); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_biberisch_ = kalt, in
_Pfedelb._ [209, 210]: _biberen_ = frieren [z. B. _mi bibert's an d'
Grifling_ = mich friert's an den Händen] u. _verbiberen_ = erfrieren).
Sowohl das Adj. wie das Zeitw. sind auch sonst im Rotw. bekannt
(letzteres auch mit den _Neben_bedeutgn. »beten« u. »lesen«; s. A.-L.
524). Der _Etymologie_ nach erscheint _biberen_ (wie auch das gemeinspr.
_bebern_ = »heftig beben« u. d. mundartl. _bibbern_ od. _bebbern_ =
»zittern« [s. z. B. _H. Meyer_, Richt. Berliner, 7. Aufl. (1911), S.
19]) wohl als »Iteritivbildung« von »beben«. _S. Pott_ II, S. 17 vbd.
mit _Weigand_, W.-B. I, Sp. 173; vgl. auch _Günther_, Rotwelsch, S. 79,
Anm. 81 u. S. 98, Anm. 118 sowie _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 338, Anm. 1
(zu S. 336).]

[Fußnote 601: ([150] auf S. 64.147) S. (betr. _Flu[h]te_) abbrühen.]

[Fußnote 602: ([151] auf S. 64.147) S. arg.]

[Fußnote 603: ([152] auf S. 64.147) Das Zeitw. _hauren_ hat (ähnl. wie
_schef[f]ten_) die doppelte Bedeutg. von: a) sein u. b) sitzen
(niedersitzen). S. zur _ersteren_ Bedeutg. noch die Umschreibung _hauret
nobis_ (eigtl. »es ist nichts«) = ungültig, unzweckmäßig (vgl. oben
unter »Dietrich«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 338, 342, 344-46 (_hauren_ = ausruhen, bleiben, liegen,
sitzen, _oberkinnig hauren_ = aufsitzen, _beducht hauren_ = still stehen
[vgl. dazu betr. _beducht_: _Weigand_, W.-B. I, Sp. 225 unter
»betuchen«], _scheffhauren_ = warten, _Haurigerlaninger_ = Schildwache);
_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209, 210]: _hawern_ = dasein,
sein, _ghawert_ = gewesen). Über sonstige Belege im Rotw. sowie die
_Etymologie_ des Wortes (vom ältern deutsch, _hauren_ [od. hauern] =
»niederhocken, kauern«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 27, 28 u.
Anm. 1 zu »Haurigerlaninger«).]

[Fußnote 604: ([153] auf S. 64.147) S. Adler.]

[Fußnote 605: ([154] auf S. 64.147) S. (betr. _Stämpf-_) Ärger.]

[Fußnote 606: ([155] auf S. 64.147) Übereinstimmend hiermit auch die
Zigeunersprache. _S. Liebich_, S. 118, 164 u. 193 u. _Finck_, S. 92
(_tšingerpáskero tširklo_ = Elster, eigtl. der »zänkische«, der
»Zank- u. Streitvogel«).]

[Fußnote 607: ([156] auf S. 64.147) _Patris_ od. _Patres_ = Vater findet
sich auch in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_: _Patrisglied_
(das — gleich _Mamereglied_ [s. dazu oben unter »Amme«] — drei
Bedeutgn. hat, näml.): [Griechisch: a]) Oheim (im Sinne
v. »Vatersbruder«); [Griechisch: b]) Tante (im Sinne von
»Vatersschwester«), [Griechisch: g]) Neffe (väterlicherseits; vgl. schon
oben unter »Bruder« sowie betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun. noch unter
»Oheim« u. »Tante«), _Patriskitt_ = Vaterhaus, _Patrissteinhäufle_ =
Vaterstadt; b) _am Ende_: _Grandicher-Patres_ = Großvater, _Kittpatris_
= Hausvater, _Schoflerpatris_ = Stiefvater. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Patres_ = Vater [so: auch
_Sulz_, _Zigeunerliste_ 1787 (251)]); _Schöll_ 271 (_Patris_); _Schwäb.
Händlerspr._ 487 (_Ptris_). Über weitere rotw. Belege u. die
_Etymologie_ (von latein. _pater_, gen. _patris_) s. Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 50, S. 355 u. Anm 1; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
I, Sp. 677.]

empfindlich, _stumpfich_[610]                                             [64.148]

emporblicken, _linzen_[611]

Ente, _Lachapatscher_[612]

Entenfuß, _Lachepatscherstritt_[613]

[Fußnote 608: ([157] auf S. 64.148) S. Amme.]

[Fußnote 609: ([158] auf S. 64.148) Nach _Liebich_, S. 131 u. 193
umschreiben auch die Zigeuner den Begriff »Eltern« in gleicher Weise (_o
dad te i dai_, d. h. Vater u. Mutter); vgl. »Vorbemerkung«, S. 17, Anm.
44.]

[Fußnote 610: ([159] auf S. 64.148) S. Ärger.]

[Fußnote 611: ([160] auf S. 64.148) S. anschauen.]

[Fußnote 612: ([161] auf S. 64.148) _Lacha-_ od. _Lachepatscher_ = Ente
(s. dazu die _Zus._: _Lachepatscherstritt_ u. _-stenkert_ = Entenfuß,
-stall sowie das _Dimin._ _Lachepatscherle_ = »Küchlein« [d. h.
_Enten_küchlein]) findet sich auch in der _schwäb. Händlerspr._ 480
(_Lachepatscher_ od. _Lachpatsche_). Das ältere Rotwelsch kannte dafür
den Ausdr. _Dreckpatscher_ (s. z. B. auch: _Dolm. der Gaunerspr._ 92:
_Treckpatscher_). S. dazu, insbes. auch über die _Etymologie_ der
Wörter, Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 215, 216 u. Anm. 1; vgl. auch
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 908.]

[Fußnote 613: ([162] auf S. 64.148) _Tritt_ = Fuß (auch Fußstapfe,
Fußtritt), Ferse, Schenkel, ferner (bei Tieren) Pfote sowie auch Schuh
kommt noch vor in der _Verbindg._ _unterkünftiger Tritt_ (d. h. eigtl.
»der untere Fuß«) = Fußsohle (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.)
sowie in den folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:
_Trittgrif(f)leng_ (-ling) (eigtl. »Fußfinger«) = (Fuß-) Zehe (s. d.
betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.); b) _am Ende_: (_außer
Lachepatscherstritt_ noch): _Babinger-_ od. _Strohbutzerstritt_ =
Gänsefuß, _Traperttritt_ = Gaul- od. Pferdefuß, _Gachne-_, _Stanzel-_
od. _Stierertritt_ = Hühnerfuß u. _Vordertritt_ = Vorderfuß. Für
»Handschuhmacher« ist im W.-B. _Grif(f)lingstrittpflanzer_ angeführt,
woraus sich _Grif(f)lingstritt_ = Handschuh ergibt, obwohl im Vok. dafür
nur _Grif(f)lengstrittleng_ genannt ist. Auch in dem _verw. Quellenkr._
kommt statt _Tritt_ durchweg in gleicher Bedeutg. das stammverwandte
_Trittling_ vor (s. darüber Näh. unter »Ferse«), während sich in der
sonst. Gaunerspr. vereinzelt auch _Tritt_ für »Schuh« findet neben dem
(häufigern) Dimin. _Trittchen_ u. ä., das bes. auch in der neueren
Kundenspr. u. in den Krämerspr. beliebt ist (vgl. z. B. auch: _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 76 [_Trittchen_ = Stiefel] u. _Metzer Jenisch_ 217
[_Trittche_ = Schuh]). Ausführl. _Belege_ s. (betr. _Tritt_) in _Groß'_
Archiv, Bd. 46, S. 299 u. 309 u. (betr. _Trittchen_ u. ä.) ebds., Bd.
46, S. 18, 19, Anm. 2 vbd. mit _Weber-Günther_, S. 191/92. Die
_Etymologie_ bedarf keiner näheren Erläuterung.]

Entenstall, _Lachepatschersstenkert_[614]                                 [64.149]

entfernen (sich), _schiebes bosten_ od. _schef(f)ten_, entferne dich,
gehe fort, _schef(f)te schiebes_[615]

entkleiden, _ausklufte_[616]

entleibt, _begeret_ (d. h. »gestorben«)[617]

entrinnen, _schiebes pfichen_[618]

entrüstet, _stumpfich_[619]

Entrüstung, _Stumpf_[619]

entschlafen s. entleibt

entseelt " "

Entsetzen, _Bauser_[620]

entspringen, entweichen, _schiebes bosten_[615]

entwenden (Entwendung), _schniffen_[621], _schornen_[622]

entwischen s. entspringen

entzwei, _schofel_ (Spr.)[623]

Epilepsie, _Begerisch_ (subst. Adj.)[624]

[Fußnote 614: ([163] auf S. 64.149) Mit _Stenkert_ od. (seltener)
_Stenker_ = Stall (Käfig) sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet:
_Strohbutzerstenkert_ = Gänsestall, _Gachnestenkert_ = Hühnerstall,
_Keiluf-_ od. _Kibestenkert_ = Hundestall, _Horbogestenkert_ = Kuhstall,
Rinderstall, _Hornikelstenkert_ = Ochsenstall, _Trabertstenker_ (hier
so!) = Pferdestall (s. dazu das Dimin. _Trabertstenkertle_ =
Füllenstall, wofür eigentlich _Trabertlestenkert_ zu erwarten, da das
Füllen _Trabertle_, Dimin. zu _Trabert_ [od. Trapert] Pferd, heißt; vgl.
Näh. unter »Füllen«), _Groenikelstenkert_ = Sau- (Schweine)stall,
_Jerusalemsfreundstenkert_ = Schafstall. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (Stenkert = Stall); _W.-B. des
Konst. Hans_ 255 (_Stenker_); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Stinker_; vgl.
aber auch [343] unter »Roßstall«: _Stenger_, ferner [340]:
_Stierestinker_ = Hühnerstall); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 75
(_Stenkert_); _Schwäb. Händlerspr._ 486 (ebenso, in _Pfedelb._ [213]
aber _Stinkert_, das übrigens hier auch »Käs« bedeutet, während es in
_Lütz._ [214] soviel wie »Abtritt« ist). Das auch sonst im Rotw.
verbreitete Wort gehört der _Etymologie_ nach natürlich zu unserm Zeitw.
»stinken«; s. _Pott_ II, S. 35 u. _A.-L._ 610 (unter »Stänker«).]

[Fußnote 615: ([164] auf S. 64.149) S. davongehen; vgl. (betr.
_bosten_): abgehen u. (betr. _schef[f]ten_): daher a. E.]

[Fußnote 616: ([165] auf S. 64.149) S. ankleiden.]

[Fußnote 617: ([166] auf S. 64.149) S. absterben.]

[Fußnote 618: ([167] auf S. 64.149) S. (betr. _schiebes_) Anm. 615 u.
(betr. _pfichen_) abgehen.]

[Fußnote 619: ([168] auf S. 64.149) S. Ärger.]

[Fußnote 620: ([169] auf S. 64.149) S. Angst.]

[Fußnote 621: ([170] auf S. 64.149) S. anfassen.]

[Fußnote 622: ([171] auf S. 64.149) S. ausstehlen.]

[Fußnote 623: ([172] auf S. 64.149) S. arg.]

[Fußnote 624: ([173] auf S. 64.149) S. absterben.]

erbitten s. bitten                                                        [64.150]

erbittert s. entrüstet; vgl. auch zornig

erbrechen (sich), übergeben (sich), _giela_ (Spr.), auch als Subst.: das
Erbrechen, Übergeben, _Giela_ (-le)[625]

Erbsen, _Sore_[626]

Erbsenschüssel, _Soreschottel_[627]

Erdäpfel, _Bolla_[628], _Matrele_[629]; vgl. Kartoffel

Erdbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[630]

erfassen, _schniffen_[631]

erflehen, _derchen_[632]

erforschen s. ausfragen

erfragen (fragen), _lenzen_[633]

ergrimmt s. entrüstet

erhängen, _aufknüpfen_[634], _schnüren_[635]

erkaufen, _grema_[636]

erkennen, _kneisen_ (gneis[s]en)[637]

[Fußnote 625: ([174] auf S. 64.150) S. Affengesicht.]

[Fußnote 626: ([175] auf S. 64.150) S. Brücke.]

[Fußnote 627: ([176] auf S. 64.150) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

[Fußnote 628: ([177] auf S. 64.150) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 629: ([178] auf S. 64.150) Diese Vokabel ist im W.-B. _nicht_
zu _Verbindgn._ od. _Zusammensetzgn._ verwendet worden. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Matrellen_ =
»Grundbieren« (d. h. Grundbirnen, schwäb. = Kartoffeln); _Pfulld.
J.-W.-B._ 341 (_Matrella_ = Kartoffeln); _Schwäb. Händlerspr._ (U.
[214]: _Matrelle_ = Kartoffel). Über weitere rotw. Belege sowie die
_Etymologie_ — aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) — s.
das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 311 (unter »Matrelen-Bosseler«)
u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1524 (unter
»Matērelle«) vbd. mit _Finck_, S. 72 (_matrēli_ = »Kartoffel«).]

[Fußnote 630: ([179] auf S. 64.150) S. Ananas.]

[Fußnote 631: ([180] auf S. 64.150) S. anfassen.]

[Fußnote 632: ([181] auf S. 64.150) S. abbetteln.]

[Fußnote 633: ([182] auf S. 64.150) S. anschauen.]

[Fußnote 634: ([183] auf S. 64.150) Der Ausdruck bedarf keiner
Erläuterung, ist aber sonst im Rotw. u. in den Geheimspr. nicht
gebräuchlich; vgl. jedoch bei _Karmayer_ 95 die Bezeichng.
_Knüpfschragen_ für den Galgen (wohl zu _Schagen_ = »Holzgestell mit
schräg od. kreuzweise stehenden Füßen« nach _Weigand_, W.-B. II, Sp.
784).]

[Fußnote 635: ([184] auf S. 64.150) S. aufhängen.]

[Fußnote 636: ([185] auf S. 64.150) S. abkaufen.]

[Fußnote 637: ([186] auf S. 64.150) Das Zeitw. _kneisen_ od.
_gneis(s)en_ bedeutet: erkennen (kennen), merken, aber auch: können
(wissen, verstehen); dazu die Umschreibung _gneis nobis_ = unbekannt
(vgl. schon oben unter »Dietrich«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95 ([einen] _kneisen_ = [einen]
kennen); _Schöll_ 272 (_kneissen_ — »inne werden«); _Pfulld. J.-W.-B._
338, 339 (_begneist_ = bekannt, _verkneissen_ = erkennen); _Schwäb.
Händlerspr._ 479, 484, 488 (_kneißen_ od. _kneißen_ = bemerken, merken,
verstehen, in _Pfedelb._ [213]: _kneissen_, auch = sehen). Über weitere
Belege im Rotw. (schon seit dem 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ s.
Näh. bei _Weber-Günther_, S. 178 (unter, »kneisen«). Zu den dortigen
Zitaten (A.-L. 559 vbd. mit _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 980 u. 1759
[_g'neißen_ = »(etwas) in die Nase bekommen, wittern, merken,
wahrnehmen, ahnen«]) s. auch noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 357
(unter »g[e]neisse[n]«); zu vgl. ferner _H. Meyer_, Richt. Berliner (7.
Aufl.), S. 72 (wonach auch in Berlin _kneißen_ für »scharf hinsehen«
bekannt ist).]

erlogen, _kohl_ (eigtl. _Kohl_ = Lüge)[638]                               [64.151]

ermorden, _deisen_ (Partiz.: ermordet, _deist_)[639]

erschlagen, " "

erschießen, _verschnellen_ (erschossen, _verschnellt_)[640]

Erschrecken (das), _Bauser_[641]

ersehen (sehen), _linzen_[642]

ersticken, _begeren_[643]

erwachsen, _grandich_ (od. -dig)[644]

erwacht, _ausdurmt_[645], _ausg'schlaunet_[646]

erwischen, _bestieben_[647], _zopfen_[648]

erwürgen, _deisen_[649]

[Fußnote 638: ([187] auf S. 64.151) S. belügen.]

[Fußnote 639: ([188] auf S. 64.151) Das Zeitw. _deisen_ kommt vor für:
ermorden (morden), erschlagen, töten (totmachen, totschlagen [Spr.]),
unterbringen, vernichten, dann auch spezieller für »erwürgen« sowie für
»schlachten«; dazu die _Zus._ _halbdeist_ = halbtot u. die _Ableitg._
_Deiser_ = Mörder od. Totschläger. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (_deisen_ od. _teißen_ =
schlagen, _Teißerei_ = Schlägerei); _Schwab. Händlerspr._ 484, 487
(_deißen_ = töten, metzgen, schlachten, dazu: _Klæbedeißer_ =
Pferdemetzger; in _Pfedelb._ [212]: _deisen_ = schlachten, aber _deißen_
= coire [Grundbedtg. auch hier wohl »schlagen«, vgl. (209): _eindeißte
Bezem_ = »eingeschlagene Eier«], ferner in _Lütz._ [215): _deisse[n]_ =
schlagen, _Deisser_ = Metzger u. in _Degg._ [215]: _Deiss_ = Schlag).
Über sonstige rotw. Belege und die (nicht ganz sichere) _Etymologie_ s.
Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 46 u. Anm. 2 u. S. 47 (unter lit. k.:
»Teissflamerer«). Auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 139 bezeichnet
die Etymol. als »unklar«.]

[Fußnote 640: ([189] auf S. 64.151) S. abschießen.]

[Fußnote 641: ([190] auf S. 64.151) S. Angst.]

[Fußnote 642: ([191] auf S. 64.151) S. anschauen.]

[Fußnote 643: ([192] auf S. 64.151) S. absterben.]

[Fußnote 644: ([193] auf S. 64.151) S. Adler.]

[Fußnote 645: ([194] auf S. 64.151) S. aufwachen.]

[Fußnote 646: ([195] auf S. 64.151) S. ausschlafen.]

[Fußnote 647: ([196] auf S. 64.151) S. bekommen.]

[Fußnote 648: ([197] auf S. 64.151) S. Diebstahl.]

[Fußnote 649: ([198] auf S. 64.151) S. ermorden.]

erzählen, _dibere_[650], _schmusen_[651]                                  [64.152]

Erzählung, _Diberei_, _Schmuserei_

erzeugen, _bodere_ (od. budere), _kirme_, _schnirgle_[652],
_schurele_[653], auch _fuchsa_[654]

erzürnt, _stumpfich_[655], auch wohl _lenk_ od. _schof(f)el_[656]

essen, _achila_[657], _biken_, _butten_, _kahla_[658]

Essen (das), _Achilerei_[657], _Bikerei_ (od. _Bikus_), _Butterei_,
_Kahlerei_[658]

Eule, _Leile-_ od. _Ratteflederling_, d. h. »Nachtvogel«)[659]

Euter, _Schwächerle_[660]

[Fußnote 650: ([199] auf S. 64.152) S. ansagen.]

[Fußnote 651: ([200] auf S. 64.152) S. anreden.]

[Fußnote 652: ([201] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.) begatten.]

[Fußnote 653: ([202] auf S. 64.152) S. abbiegen.]

[Fußnote 654: ([203] auf S. 64.152) Das oben unter »begabten« nicht als
Syn. angeführte Zeitw. _fuchsa_ kommt sonst m. Wiss. in den Geheimspr.
nicht vor. Es ist ein (ziemlich selten gebr.) schwäb. Ausdruck für
»unehelich beiwohnen« od. — allgemeiner — »Unzucht treiben«; s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1810 (unter »fuchse[n]« vbd. mit _v.
Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 208 (unter »fugsen« [u. neben »vögeln«], der
zwar das Wort zunächst zu _fügen_ im Sinne von »vereinigen« stellt,
jedoch weiter bemerkt, daß es »auch von Vögeln wegen ihrer
Begattungslust und vom _Fuchs_ hergeleitet werden« könne, »da auch das
lateinische _lupa_ und seine Verwandten ähnliche Begriffe bezeichnen«.]

[Fußnote 655: ([204] auf S. 64.152) S. Ärger.]

[Fußnote 656: ([205] auf S. 64.152) S. arg.]

[Fußnote 657: ([206] auf S. 64.152) Von dem Zeitw. _achila_, _achile(n)_
= essen (kauen, schmausen, verzehren) ist abgeleitet das Hauptw.
_Achilerei_ = (das) Essen (Frühstück, Kost, Mahlzeit, Speisen); s. dazu
die _Zus._: _Fösslingachilerei_ = Fischessen, _Leileachilerei_ =
Nachtessen, _Rundlingachilerei_ = Wurstessen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schöll_ 271, 272 (_achlen_ = essen, _Achelsore_ =
Eßwaren); _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 339, 342, 345 (_acheln_ = essen,
_abacheln_ = abfressen, _Achelsore_ = Eßwaren, Lebensmittel, Speisen);
_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_ach[e]len_ [in _Pfedelb._ (209):
_ach¶i¶len_] = essen); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 337 (_achîle_ =
essen). Die zuletzt genannten (mit ¶i¶ in der zweiten Silbe gebildeten)
Formen kommen auch in der Gauner- u. Kundenspr. vereinzelt vor (s. z. B.
_Thiele_ 223 u. A.-L. 516 [_Achile-Bajes_ = Speisehaus, Restaurant];
_Ostwald_ [Ku.] 11 [_ach¶ie¶len_ neben _acheln_]). Über weitere rotw.
Belege im allg. (seit d. _Lib. Vagat_ [52]) sowie die _Etymologie_ (vom
gleichbed. hebr. _kal_ [od. _āchal_]) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S.
154 (unter »Achelpeter«) vbd. mit _Schütze_, S. 70; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 162 (mit Angaben über die Verbreitg. in d. deutsch.
Mundarten), ferner _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 90 (unter »achle[n]«)
u. _Seiler_, Lehnwort IV, Sp. 489.]

[Fußnote 658: ([207] auf S. 64.152) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 659: ([208] auf S. 64.152) S. Abend u. Adler. —
Übereinstimmende Bezeichnung der Eule (als _rattjakro tschirkulo_, d. h.
gleichfalls »Nachtvogel«) auch in der Zigeunersprache nach _Liebich_, S.
165 u. 193 (vgl. »Vorbemerkung«, S. 18).]

[Fußnote 660: ([209] auf S. 64.152) S. Amme.]

evangelisch, _gril(l)isch_ od. _kril(l)isch_ (Spr.)[661]                  [64.153]

Exkremente (tierische u. menschliche), _Boslem_[662], _Fu(h)l_[663],
_Schond_[664]


                                  F.

Fabel, _Kohl_[665]

Fackel, _Schein_[666]

Faden, _Schure_[667]

Fahne, "

fahren, _ruadla_[668]

fahrende Leute, _jenische Ulma_[669], _Krattler_[670]

Fahrzeug (auf dem Lande), _Rädleng_[671], _Ruadel_[668]

Falle, _Schure_[667]

fallen, _bohla_[672]

[Fußnote 661: ([210] auf S. 64.153) Das Adj. _gril(l)isch_ od.
(seltener) _kril(l)isch_ = evangelisch (protestantisch) erscheint auch
als Substantivierung _Gril(l)ischer_ = Protestant sowie in die
Verneinung _nobis gril(l)isch_ = ungläubig. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_grillisch_ = lutherisch);
_W.-B. des Konst. Hans_ 257 (ebenso, vgl. [256]: _Grillische
Käfer-Märtine_ = Württemberg [u. dazu _Günther_ i. d. Zeitschr. »Die
Polizei«, Jahrg. IV (1906), Nr. 3, S. 51, Sp. 2]); _Schöll_ 274 (in d.
»Bettlersprache«: _crilisch_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_grillisch_);
_Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [209]: _krillisch_ [oder
_krittisch_] = evangelisch, in _Lütz._ [215]: _grillisch_ =
protestantisch). Zur _Etymologie_ (des auch sonst im Rotw. [des 19.
Jahrb.] bekannten Wortes s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 835 (unter
»Grill[e]« Nr. 2). Danach nennt die katholische Bevölkerung in gewissen
Gegenden Schwabens die Protestanten _Grillen_ (wobei zunächst wohl an
unsere _Tier_bezeichnung zu denken ist), u. dazu ist dann als Adj.
_grillisch_ (in schlechter Ausspr. _krillisch_) gebildet worden (s. a.
a. O., Sp. 836 unter »grillisch«).]

[Fußnote 662: ([211] auf S. 64.153) S. After u. Bäcker.]

[Fußnote 663: ([212] auf S. 64.153) S. Abort.]

[Fußnote 664: ([213] auf S. 64.153) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 665: ([214] auf S. 64.153) S. belügen.]

[Fußnote 666: ([215] auf S. 64.153) S. alltäglich.]

[Fußnote 667: ([216] auf S. 64.153) S. abbiegen.]

[Fußnote 668: ([217] auf S. 64.153) S. abfahren.]

[Fußnote 669: ([218] auf S. 64.153) S. Bachstelze u. arme Leute.]

[Fußnote 670: ([219] auf S. 64.153) _Krattler_ ist eine mundartliche,
besonders in Bayern allgemein übliche Bezeichnung für die »fahrenden
Leute«, zunächst eigtl. für »die Tiroler, die gewöhnlich in Gesellschaft
ihrer ganzen Familie kleine Karren« (mit zwei Rädern, _Kratten_ genannt,
v. latein _caretta_) »voll Obst, Kreide usw. zum Verhandeln nach Bayern
ziehen und für den Rückweg Hafnergeschirr usw. zu laden pflegen«.
(_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1385). Vgl. auch _Grimm_, D. W.-B. V,
Sp. 2070 (unter »Kratte« Nr. 3) u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 693
(unter »Kratte[n]«). In den Geheimsprachen ist der Ausdruck m. Wiss.
sonst nicht gebräuchlich.]

[Fußnote 671: ([220] auf S. 64.153) S. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 672: ([221] auf S. 64.153) S. abfallen.]

fallende Sucht (Fallsucht), _Begerisch_ (subst. Adj.)[673]; vgl.          [64.154]
Epilepsie

falsch, _lenk_, _schofel_[674]

Falschmünzer, _nobis dofer Bich-_, _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ (d. h.
»kein guter Geldmacher«)[675]

fangen, _bestieben_[676]

Fastnacht, _Ni(e)sicheschei_ od. _Nillicheschei_ (d. h. der »närrische«
oder »Narrentag«)[677]

Fastnachtsküchle, _Nillichescheibrandling_[678]

Fastnachtsmaske, _Ni(e)sichegiel_, _Nilliche-_ od. _Nuschichegiel_ (d.
h. »närrisches Maul«)[679]

faul s. falsch

faulenzen, _nobis schenegla_ (d. h. »nicht[s] arbeiten«)[680]

Faust, _Grif(f)leng_[681]

fechten, _doga_[682], _guffa_[683], _ste(c)ken_[684]; vgl. schlagen

Federbett, _Sauft_[685]

Federmesser, _Scharfling_ od. _Scharpfleng_[686]

Fehde, _Guferei_[683], _Hamore_[687], _Stenzerei_[688]

[Fußnote 673: ([222] auf S. 64.154) S. absterben.]

[Fußnote 674: ([223] auf S. 64.154) S. arg.]

[Fußnote 675: ([224] auf S. 64.154) S. Dietrich; vgl. auch (betr.
_Bich_) Almosen, (betr. _Kies_) Bankier, (betr. _Lobe_) Bank u. (betr.
_-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 676: ([225] auf S. 64.154) S. bekommen.]

[Fußnote 677: ([226] auf S. 64.154) S. aberwitzig u. alltäglich. In
_gleicher_ Weise wird Fastnacht auch bei den Zigeunern bezeichnet; s.
_Liebich_, S. 169 (_narbuléngĕro diwes_, d. h. »Narrentag«) u.
_Finck_, S. 55, (_narwelengero díwes_).]

[Fußnote 678: ([227] auf S. 64.154) S. (btr. _Brandling_) Apfelkuchen.]

[Fußnote 679: ([228] auf S. 64.154) S. Affengesicht.]

[Fußnote 680: ([229] auf S. 64.154) S. (betr. _nobis_) Dietrich u.
(betr. _schenegla_) abschaffen.]

[Fußnote 681: ([230] auf S. 64.154) S. Daumen.]

[Fußnote 682: ([231] auf S. 64.154) S. abgeben.]

[Fußnote 683: ([232] auf S. 64.154) S. aufschlagen.]

[Fußnote 684: ([233] auf S. 64.154) S. beschenken.]

[Fußnote 685: ([234] auf S. 64.154) S. Bett.]

[Fußnote 686: ([235] auf S. 64.154) S. Dolch.]

[Fußnote 687: ([236] auf S. 64.154) _Hamore_ = Streit (Fehde, Gefecht,
Geschrei, Gezänk, Handgemenge, Kampf, Prügelei, Schlägerei) erscheint in
_Wittichs_ W.-B. gewissermaßen als Synonym zu _More_ (= Prügelei,
Streit) od. _Morerei_ (= Geschrei, Gezänk, Streiten), die wohl gleichen
Stammes sein dürften (s. d. Etymologie). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Hamore_ = Händel); _Schöll_
272 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345 (_More_ = Händel, _Mori_ =
Streit, Zus. _Morekaffen_ [lies: _-kaffer_] = »bestohlene
Diebsverfolger«); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Môrest_ od. _Mores_ =
Angst, in U. [214]: _Mōre_ = Streit u. _mōre[n]_ [in _Lütz._
(214): _hamīre(n)_] = streiten); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438
(_Môres_ = Angst). Über weitere Belege im Rotw. sowie d. _Etymologie_ s.
noch Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 334, Anm. 4. Da das _Pfulld.
J.-W.-B._ (340) _More_ durch ganz denselben Ausdruck (»Händel«)
verdeutscht wie die _älteren_ rotw. Quellen _Hamore_, so läßt dies wohl
darauf schließen, daß es sich hier um dasselbe Wort handelt. _More_ aber
(von dem weiter _Morerei_ — ev. durch Vermittlung eines Zeitw.
_mōren_ [s. _Schwäb. Händlerspr._ in _Lütz._ (214)] — leicht
gebildet werden konnte), dürfte wohl zu dem hebr. _môr'_ = »Furcht«
gestellt werden, wie es denn auch im Rotw. (des 19. Jahrh.) mehrfach
durch »Angst« od. »Furcht« wiedergegeben ist (u. ebenso in d. _Schwäb.
u. Pfälz. Händlerspr._ [s. oben]). Jedenfalls erscheinen diese
Hypothesen wohl weniger gesucht als die bei _Fischer_, Schwäb. W.-B.
III, Sp. 1093 — allerdings nur mit einem _Fragezeichen_ —
aufgestellte, wonach zu _Hamore_ das hebr. _chămôr_ = »Esel«
herangezogen worden.]

Feiertag, Festtag, _Weisleng_[689]. (Obgleich _Weisleng_ eigentlich       [64.155]
Sonntag bedeutet, wird doch auch jeder andere Feiertag damit bezeichnet)

Feigling, _Buxeschmelzer_ (d. h. eigtl. »Hosenscheißer«)[690]

fein, _dof_, _g'want_[691]

feines Haus, _dofe Kitt_[692]; vgl. Schloß

Feldschütz s. Flurschütz

Felleisen, _Rande_[693]

Felsen, _grandicher Kies_ (d. h. »großer Stein«)[694]

[Fußnote 688: ([237] auf S. 64.155) S. Ast.]

[Fußnote 689: ([238] auf S. 64.155) Mit _Weisleng_ (-ling) = Sonntag
(Feier-, Festtag) sind folgende _Zus._ gebildet worden:
_Brandlingweisling_ (d. h. eigtl. »Kuchensonntag« = Kirchweihsonntag
(der durch Kuchenessen gefeiert zu werden pflegt), _Bäzemaweisling_ (d.
h. eigtl. »Eiersonntag«) = Ostern (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
Zigeun.), _Schuberleweisling_ (d. h. eigtl. »Geistsonntag« [mit Bez. auf
die Ausgießung des heiligen Geistes]) = Pfingsten (s. d. betr. Analogie
in d. Zigeunerspr.). Aus dem _verw. Quellenkr._ kennt nur die _schwäb.
Händlerspr._ in _Deggingen_ (215) _Weissling_ in der Bedeutg. »Sonntag«.
Im _Rotw._ kommt dagegen die Vokabel in diesem Sinne _nicht_, dagegen
für sehr verschiedene Dinge (mit weißer od. glänzender Farbe) vor, so z.
B. für _Ei_ (so auch in der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68), für
_Milch_ (so auch in der _schwäb. Händlerspr._ 484), für _Schnee_ (s. z.
B. schon _Schintermicherl_ 1807 [288]), für den »Silbergnanziger« (s.
_Fröhlich_ 1851 [419]; vgl. in der neueren Kundenspr. die Bdtg.
»Zwanzig- od. Fünfpfennigstück«) usw. Vgl. _Pott_ II, S. 8, A.-L. 621,
_Günther_, Rotwelsch, S. 62 u. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 296 u. Anm.
3. Der _Etymologie_ nach nimmt _Weissling_ = Sonntag usw. jedenfalls
wohl Bezug auf das Weiße als »Farbe des Tages, Lichtes .. und _der
festlichen Freude_« (vgl. Näh. dazu bei _H. Schrader_, Wundergarten, S.
70).]

[Fußnote 690: ([239] auf S. 64.155) S. Beinkleid u. Abort.]

[Fußnote 691: ([240] auf S. 64.155) S. angenehm u. anmutig.]

[Fußnote 692: ([241] auf S. 64.155) S. angenehm u. Abort.]

[Fußnote 693: ([242] auf S. 64.155) S. Bauch.]

[Fußnote 694: ([243] auf S. 64.155) S. Adler u. Apfelkern. — Dieselbe
Umschreibung kennt auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_ S. 196
(_bāro parr_, d. h. »großer Stein« [od. _pesso parr_, d. h. »dicker
Stein«] = Fels).]

Fenster, _Feneter_[695], _Schei_[696]                                     [64.156]

Fensterglas, _Feneter-_ od. _Scheiglansert_[697]

Ferkel, _Balo_, _Groanikel_[698]

Ferse, _Tritt_[699], _Trittleng_[700]

Fett, _Schmunk_[701]

Fettbüchse, _Schmunkschottel_[702]

feucht, _flu(h)tich_[703]

Feuer, _Funk_[704]

[Fußnote 695: ([244] auf S. 64.156) _Zusammengesetzt_ damit ist nur
_Feneterglansert_ = Fensterglas. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_Fenette_ [fem. gen.] = Fenster); _Schöll_
271 (_Feneter_); _Pfulld. J.-W.-B._ 389 (_Finetter_) _Schwäb.
Händlerspr._ 480 (_Feneter_ od. _Finêter_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
(_Fenēt_); _Eifler Hausiererspr._ 490 (_Finet_) u. _Winterfeld_,
_Hausiererspr._ 441 (_Finester_ = Fenster u. Auge). Zur _Etymologie_
(vom franz. _fenêtre_ [ital. _finestra_]) s. _Pott_ II, S. 17,
_Günther_, Rotwelsch, S. 37 u. _Weber-Günther_, S. 173; vgl. auch
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1052. Da _Wittich_ in sr. »Einleitung«
(S. 29) die Vokabel unter den aus der _Zigeunersprache_ stammenden (in
der Form _Fenetra_) aufgeführt hat, mag es sein, daß seine »jenischen
Leute« sie _zunächst_ von den Zigeunern übernommen haben, die sie (in
ähnl. Form) auch kennen (s. _Finck_, S. 57: _fenétri_ = »Fenster«,
während _Liebich_ S. 196 dafür nur _wochni_ hat [vgl. bei _Jülling_, S.
227: _Wochli_ = Fensterscheiben]); doch geht natürlich auch das
Zigeunerwort wohl zweifelsohne auf das Französische zurück (vgl.
»Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26 u. »Einleitg.« S. 29, Anm. 93).]

[Fußnote 696: ([245] auf S. 64.156) S. alltäglich.]

[Fußnote 697: ([246] auf S. 64.156) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]

[Fußnote 698: ([247] auf S. 64.156) S. (zu beiden Ausdr.) Eber.]

[Fußnote 699: ([248] auf S. 64.156) S. Entenfuß.]

[Fußnote 700: ([249] auf S. 64.156) _Trittleng_ (-ling) bedeutet
(ähnlich wie _Tritt_) Fuß (Ferse), aber besonders auch Schuh
od. Stiefel. _Zusammensetzgn._ damit sind: a) _im Anfang_:
_Trittlengstreifling_ = Fußlappen; b) _am Ende_: _Grif(f)lingtrittling_
= Handschuh, _Halbtrittleng_ = Halbstiefel, _Traperttrittling_ = Huf
(eigtl. wohl Pferdefuß; vgl. _Traperttritt_ = »Gaulfuß« [s. oben unter
»Entenfuß«]. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 92, 98 (_Trittling_ = Füße, Schuh); _Schöll_ 271 (Form:
ebenso, Bedtg.: Fuß); _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (ebenso); _Schwäb. Gaun.-
u. Kundenspr._ 75, 76 (_Trittling_ = Schuh, Stiefel); _Schwäb.
Händlerspr._ 481, 486, 487 (Form: ebenso, Bedtgn.: Fuß, Schuh, Stiefel,
vgl. _Trittlingspflanzer_ = Schuster); auch im _Pleißlen der
Killertaler_ (436) hat _Trittling_ _dieselben_ Bedeutgn. Über weitere
Belege im Rotw. u. die _Etymologie_ (zu »Tritt« bzw. »treten«) s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 18 u. Anm. 1 u. S. 19.]

[Fußnote 701: ([250] auf S. 64.156) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 702: ([251] auf S. 64.156) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

[Fußnote 703: ([252] auf S. 64.156) S. abbrühen.]

[Fußnote 704: ([253] auf S. 64.156) S. abbrennen.]

Feuersbrunst, _grandicher Funk_ (d. h. »großes Feuer«)[705]               [64.157]

Feuerstein, _Funkkies_[706]

feurig, _funkich_[707]

Fichte, _Stöber_[708]

Fichtenwald, _Jahre_, _Kracher_ (d. h. überhaupt »Wald«)[709]

Filzlaus, _Kenem_[710]

Finger, _Grif(f)ling_[711]

Fingerhut, _Grif(f)lingoberman(n)_[712]

[Fußnote 705: ([254] auf S. 64.157) S. Adler u. abbrennen. — Auch die
Zigeuner haben keinen besonderen Ausdruck für Feuersbrunst, sondern
sagen dafür _bāro jāk_, d. h. gleichfalls »großes Feuer«, oder
_diwii jāk_, d. h. »wildes, wütendes Feuer« (s. _Liebich_, S. 197);
vgl. »Vorbemerkg.«, S. 17.]

[Fußnote 706: ([255] auf S. 64.157) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]

[Fußnote 707: ([256] auf S. 64.157) S. abbrennen.]

[Fußnote 708: ([257] auf S. 64.157) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 709: ([258] auf S. 64.157) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]

[Fußnote 710: ([259] auf S. 64.157) Mit _Kenem_ (= Laus, Filzlaus, plur.
_Keneme_ = Ungeziefer) sind _zusammengesetzt_: a) am _Anfang_:
_Kenemebenges_, _-benk_ od. _-fi(e)sel_ = »Lausbub«; b) am _Ende_:
_Muffkenem_ (d. h. eigtl. »Stinklaus«) = Wanze (vgl. Aas). _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Kinum_ =
Läuse); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Künum_ = Laus, plur. hier: _Künumer_);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, 72 (_Kinum_ od. _Kinem_ = Läuse,
_Kinumrechen_ = Kamm [vgl. das volkstüml. »Lauseharke«]); _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Kenum_, _Kînum_ od. _Kîneme_ [in _Pfedelb._ (211):
_Kinnem_] = Laus, in _Pfedelb._ [211] auch _Kinnemrechen_ = Kamm); s.
auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kînum_ = Laus). Zur _Etymologie_
aus dem Hebr. (bibl. _kinnîm_ od. _kinnm_, eigtl. = »Stechmücken«, jüd.
_kinnim_ = »Läuse«) s. _Günther_, Rotwelsch, S. 67 u. Anm. 67 vbd. mit
A.-L. 538 u. 390 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 387; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 157 (unter »Kinnem«), woselbst auch noch weitere
Belege aus d. Rotw. angeführt sind.]

[Fußnote 711: ([260] auf S. 64.157) S. Daumen.]

[Fußnote 712: ([261] auf S. 64.157) _Oberman(n)_ = Hut (Haube, Kappe,
Mütze) kommt auch noch in folgenden _Zus._ vor: a) _am Anfang_:
_Oberman(n)pflanzer_ = Hutmacher (Kappenmacher) od. Kürschner; b)
_am Ende_: _Lanengeroberman(n)_ = Helm od. Soldatenmütze,
_Grandicher-Sins-Oberman(n)_ (d. h. eigtl. »Königshut«, zu _grandich
Sins_ = König [s. oben unter »Bischof«], weshalb genauer
_Grandich-Sins-Oberm._ zu erwarten wäre) = Krone (s. d. betr. die
Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. _Süslingoberman(n)_ = Zuckerhut (wobei
der Ausdr. — wie in _Grif[f]lingoberman[n]_ — im _übertrag._ Sinne
gebraucht ist). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 94 (_Obermann_ = Hut, dann auch Rahm); _Pfulld. J.-W.-B._
339-342 (_Aberma_ = Filzhut, _Oberma_ = Hut, auch Milchrahm, _Obermäne_
= Kappe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Obermann_ = steifer Hut,
vgl. _Strohmann_ = Strohhut); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Oberman_ =
Hut; dazu in _Pfedelb._ [210] noch: _Obermannspflanzer_ = Hutmacher).
Über weitere Belege in Rotw. usw. sowie die _Erklärung_ des Ausdrucks s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 336, Anm. 4; vgl. auch _Weber-Günther_, S.
191/92 (unter »Öwermännche«).]

Fingerring, _Reifling_[713]                                               [64.158]

finster, _leile_ (eigtl. _Leile_ = Nacht)[714]

Finsternis, _Leile_

Fisch, _Flössling_[715], _Flotscher_[716], _Matsche_[717],
_Schwimmerling_[718]

[Fußnote 713: ([262] auf S. 64.158) _Reifling_ = Ring (Fingerring) kommt
(in übertrag. Bedeutg.) auch noch vor in der _Zus._ _Flösselreifling_
(d. h. eigtl. »Wasserring«) = Regenbogen (s. d. betr. Übereinstimmg. m.
d. Zigeun.). Das (natürlich zu unserem »Reif[en]« gehörende) Wort ist
auch der _schwäb. Händlerspr._ (485) bekannt, in sonstigen Geheimspr.
dagegen kaum gebräuchlich. Das _Pleißlen der Killertaler_ (436) hat
_Raifle_ = Ring.]

[Fußnote 714: ([263] auf S. 64.158) S. Abend.]

[Fußnote 715: ([264] auf S. 64.158) _Flössling_ wird (ähnlich wie
_Flederling_ = Vogel für bestimmte Vogel_arten_) auch für einzelne
_Fischarten_ verwendet, so z. B. für den Karpfen und (wie wohl auch in
der _Gaunerspr._ [s. A.-L. 541]) für den Hering (s. in letzterer Bdtg.
als argum.: _Flösslingschottel_ = »Heringbüchse«), der übrigens auch
genauer durch _Spronkertsflössling_ (d. h. »Salzfisch«) oder
_Begertflössling_ (d. h. »toter Fisch«) wiedergegeben wird (s. hierzu
auch betr. Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. Näh. unter »Hering«; vgl.
auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 45). Für andere Fischsorten
erscheinen Verbdgn. od. Zus. mit den Synon. _Schwimmerling_ (s. unten
Anm. 4) gebräuchlicher. _Zusammensetzgn._ mit _Flössling am Anfang_ sind
noch _Flösslingachilerei_ od. _-bikus_ = Fischessen. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Flösling_); _Schöll_
271 (_Flößling_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339 (_Fl¶e¶ßling_, vgl. _fleßlinge_
= fischen); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Flößling_ [plur.] = Fische).
_Etymologie_: Nach _Stumme_, S. 24 ist der — im Rotwelsch schon im 15.
Jahrb. (s. z. B. _Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15]) auftretende —
Ausdruck »weniger von der _Flosse_ des Fisches (s. dazu _Weigand_, W.-B.
I, Sp. 559) als von _Floß_ = ›Wasser‹ (s. dazu _Weigand_, a. a. O., Sp.
559 unter »Floß« Nr. 2; vgl. für d. Rotw. z. B. _Schintermicherl_ 1807
[289: _Flos_ = Wasser]) ausgehend zu deuten«. S. auch A.-L. 541 (unter
»Floß«). — Vgl. oben _flösle(n)_ usw. unter »austreten (leicht)«.]

[Fußnote 716: ([265] auf S. 64.158) _Flotscher_ (od. _Pflotscher_)
erscheint weniger gebräuchlich als die Synon. _Flössling_ u.
_Schwimmerling_, auch in _Zus._, von denen nur _Spronkertflotscher_ =
Hering (vgl. Anm. 715) u. _Flotscherkahlerei_ = Fischessen zu nennen
sind. Außerdem hat aber _Flotscher_ od. _Pflotscher[t]_ auch noch die
Bedeutung: Schirm, bes. Regenschirm. (_Zus._: _Bogeiepflotschert[t]_ =
Fischbeinschirm [vgl. dazu unten Anm. 719] u. _Pflotscherpflanzer[in]_ =
Schirmflicker[in]). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 92 (_Flotschen_ = Fisch, _Flotschenkitt_ = Fischkasten;
_Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Flotscher_ = Fisch; vgl. auch [488]:
_pflötsche_ = [sich] waschen). _Zur Etymologie_: In der Bedeutg. »Fisch«
dürfte _Flotscher_ doch wohl in _letzter_ Linie mit _fließen_ (im Sinne
von »schwimmen« [s. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 554 unter »fließen«, Nr. 2
u. 559 unter »Flosse« a. E.]) als Stammwort irgendwie zusammenhängen. Zu
der _zweiten_ Bedeutg. (Regenschirm) gibt _Fischer_, Schwäb. W.-B. I,
Sp. 1068 (unter »Pflotsch«) vbd. mit Sp. 1057 (unter »Pflatsch«) u. 1058
(unter »pflatsche[n]«) einigen Aufschluß. Danach bedeutet im Schwäb.
_pflatsche(n)_ »mit klatschendem Laut (eigtl. mit dem Laut:
»_pflatsch_«) auf den Boden fallen«, was besonders vom Wasser und
_Regen_ gebraucht wird, daher _Pflatschregen_ od. auch bloß _Pflatsch_
(Pflatscher) od. _Pflotsch_ = Regenguß (vgl. »Platzregen«). Das Wort
geht (nach _Fischer_) »etwa parallel mit _patschen_« (worüber zu vgl.
_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 215), »nur daß es sich weit mehr auf das
Wasser bezieht« (vgl. auch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 406). Übrigens
läßt _Fischer_ (a. a. O.) es noch dahingestellt sein, ob _pflotsche[n]_
(das auch für »im Wasser waten« vorkommt) nicht »ein Wort für sich« sein
könnte.]

Fischbein, _Bogeia_[719]                                                  [64.159]

Fischbeinschirm, _Bogeilepflotschert_[720]

[Fußnote 717: ([266] auf S. 64.159) _Matsche_ kommt (gleich _Flössling_)
ebenfalls in der spezielleren Bedeutg. »Karpfen« vor. _Zus._ damit:
_Matschebutterei_ = Fischessen; _Ableitungen_ davon: _matschen_ =
fischen u. (_davon_ wieder) _Matscher_ = Fischer. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Matsche_ = Fische, in
U. [214] auch d. sing. _Mătsch_ = Fisch); nur vereinzelt auch im
Rotw. bekannt (s. z. B. _Pfister_ 1812 [302: _Matsche_ = Fisch]; _v.
Grolman_ 46 [ebenso] u. T.-G. 93 [hier: _Matscho_ als sing.]; _Karmayer_
G.-D. 209 [wie _v. Grolm._]). Zur _Etymologie_: (aus der _Zigeunerspr._
[vgl. »Einleitung«, S. 30]) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IX, Sp. 1525
(unter »Matsch«) vbd. mit _Pott_ II, S. 437 (unter »Maczo«), _Liebich_,
S. 145 u. 197 (_mādscho_ od. _mādschin_), _Miklosich_, Beitr. III,
S. 14 (bei d. _deutsch._ Zigeun.: _mādšo_ od. _-šin_) u.
Denkschriften, Bd. 27, S. 8 (unter »mačo«: bei den _deutsch._
Zigeun.: _māčo_ [mādscho]), _Jühling_, S. 224 [_Matscho_, plur.
-e) u. _Finck_, S. 73 (_mātšo_). Nach _Miklosich_ (a. a. O.) läßt
sich die Vokabel bis ins Altindische (_matsja_) zurückverfolgen.]

[Fußnote 718: ([267] auf S. 64.159) Auch _Schwimmerling_ kommt (gleich
_Flössling_ u. _Matsche_) noch spezieller für »Karpfen« vor. Für andere
Fischarten erscheint es in der _Verbindg._ _dofer Schwimmerling_ (d. h.
etwa »schöner Fisch«) = Forelle sowie in der _Zus._ _Fuchsschwimmerling_
= Goldfisch u. _Spronkertschwimmerling_ = Hering (vgl. die Synon.
_Spronkertflössling_ u. _-flotscher_). An den _Anfang_ gestellt ist
dieses Wort in der _Zus._ _Schwimmerlingbikerei_ = Fischessen u.
_Schwimmerlingsflederling_ = Fischreiher (d. h. eigtl. nur
»Fischvogel«). In dem _verw. Quellenkr._ ist die Vokabel (die natürlich
zu »schwimmen« gehört) nicht bekannt, im _sonst. Rotw._ vereinzelt
anzutreffen, während die _Kundenspr._ ein kürzeres _Schwimmling_ =
Hering kennt. S. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 314 u. Anm. 1.]

[Fußnote 719: ([268] auf S. 64.159) Dieses Wort (mit dem die _Zus._
_Bogeiepflotschert_ = Fischbeinschirm [s. oben Anm. 716] gebildet ist)
hat auch die _schwäb. Händlerspr._ 480 (_Bogeie_ = Fischbein), während
es sonst m. Wiss. nirgends bekannt ist. Seiner _Etymologie_ nach stammt
es wohl aus der _Zigeunersprache_ her (vgl. »Einleitung«, S. 29), in der
es allerdings statt mit B mit G anlautet u. zugleich eine allgemeinere
Bedeutg. zu haben scheint. S. bes. _Jühling_, S. 222 (wo _Gogcia_ =
»Beiner[?]« u. als Sing. _Gogalo_ [= Bein] angeführt ist, das auch in
anderen Sammlungen vorkommt [s. _Liebich_, S. 137, 182 u. 215
(_gogālo_ od. _kokālo_ = Bein od. Knochen); _Miklosich_,
Denkschriften, Bd. 26, S. 243 (unter »kokalo«: bei den _deutsch._
Zigeun.: _gogālo_); _Finck_, S. 65 (_kókalo_ = »Knochen, Bein,
Knöchel«)] und [nach _Mikl._, a. a. O ] mit dem neugriech. [Griechisch:
kokalon] zusammenhängt).]

fischen, _matschen_[721]                                                  [64.160]

Fischer, _Matscher_

Fischessen, _Flösslingachilerei_[722] od. _-bikus_[723],
_Flotscherkahlerei_, _Matschebutterei_ od. _Schwimmerlingbikerei_[724]

Fischreiher, _Schwimmerlingsflederling_[725]

Flamme, _Funk_[726]

Flasche, _Glansert_[727]

flehen, _derchen_[728]

Fleisch, _Bossert_, _Mas(s)_[729]

Fleischbüchse, _Bossertschottel_[730]

Fleischer, _Kafler_[731]

[Fußnote 720: ([269] auf S. 64.160) S. Fischbein u. Fisch (oben. S. 158,
Anm. 716).]

[Fußnote 721: ([270] auf S. 64.160) S. Fisch (oben S. 159, Anm. 717).]

[Fußnote 722: ([271] auf S. 64.160) S. Fisch u. essen.]

[Fußnote 723: ([272] auf S. 64.160) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]

[Fußnote 724: ([273] auf S. 64.160) S. (zu allen drei Ausdr.) Fisch und
Abendessen.]

[Fußnote 725: ([274] auf S. 64.160) S. (betr. _Flederling_) Adler.]

[Fußnote 726: ([275] auf S. 64.160) S. abbrennen.]

[Fußnote 727: ([276] auf S. 64.160) S. Bierglas.]

[Fußnote 728: ([277] auf S. 64.160) S. abbetteln.]

[Fußnote 729: ([278] auf S. 64.160) S. Aas.]

[Fußnote 730: ([279] auf S. 64.160) (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

[Fußnote 731: ([280] auf S. 64.160) Mit _Kafler_ = Fleischer (Metzger,
Schlächter) finden sich folgende _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:
_Kaflerkitt_ = Metzgerhaus (u. dazu die weitere _Verbdg._ _grandich
Kaflerskitt_ = Schlachthaus); b) _am Ende_: _Kibekafler_ = Hundemetzger,
_Stupfelkafler_ = Igelmetzger, _Horboge-_ od. _Bogakafler_ = Kuh-
(ersteres auch Rindvieh-) Metzger, _Trabert-_, _Hornikel-_,
_Groenikelkafler_ = Pferde-, Ochsen-, Schweinemetzger. _Ableitungen_ von
_Kafler_ sind das Zeitw. _kaflere_ = schlachten (s. dazu die _Zus._
_niederkaflere_ = niedermetzeln) u. das Subst. _Kaflerei_ = Metzgerei
(s. dazu die _Zus._ _Kaflereischnall_ = »Metzelsuppe«). _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Kafler_ =
Schinder); _Pfullend. J.-W.-B._ 338, 340, 341, 344 (_Kaffler_ =
Abdecker, Metzger, _Kafler_ = Henker, Schinder, _Kaflerei_ = Schinderei,
_kaflen_ = schlachten); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 484, 485 (_Kfler_ =
Metzger, Schinder [in U. (213) = Gendarm], _kfelen_ = schlachten,
_Kfel_ = Fleisch von verrecktem Vieh). _Etymologie_: Der Ausdruck, der
im Rotwelsch (wie auch schon aus den angeführten Belegen des verw.
Quellenkreises ersichtlich ist) ursprünglich die engere Bedeutung von
»Abdecker« oder »Schinder« (dann auch wohl von »Henker«) gehabt hat, ist
offenbar nur eine Weiterbildung des gleichbed. älteren _Caviller_ od.
_Kafiller_ u. ä., über dessen Ursprung die Ansichten zwar noch nicht
ganz einig sind, auf das aber jedenfalls — selbst wenn man es zunächst
vom _Hebräischen_ (syr. _kephál_ = »abdecken, ziehen«) herleiten will —
doch _auch_ das md., früher auch hochd. _fillen_ (mhd. _villen_) = »das
Fell abziehen« Einfluß geübt haben wird. So jetzt auch _Seiler_,
Lehnwort IV, S. 490; vgl. Näheres noch in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 36
ff. (unter »Caviller«; s. hier insbs. auch S. 38, lit. e u. f betr. die
notw. Belege für _Kaf[f]ler_ u. _Caffler_). _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
Sp. 146 (unter »Kafler«) gibt keine bestimmte Erklärung.]

Fleischhafen, _Bossertnolle_[732]                                         [64.161]

fleißig, _scheneglich_[733]

flicken, _pflanzen_ (Spr.)[734]

fliehen, _bosten_[735] od. _schiebes bosten_[736], _naschen_ (geflohen,
_genascht_)[737] od. _tschanen_[738]

[Fußnote 732: ([281] auf S. 64.161) _Nolle_ ist eine beliebte
Bezeichnung für ein »Gefäß« verschiedener Art, insbs. Topf (Hafen,
Tiegel), auch Kessel u. Napf (in Zus.), ferner Kanne, Krug (Humpen,
Pokal, Schoppen), namentl. auch in _Zusammensetzgn._ Als solche sind zu
nennen: a) mit N. am _Anfang_: _Nollepfanzer_ = Hafner (Töpfer),
Kesselflicker; b) mit N. _am Ende_ (außer _Bossertnolle_ noch):
_Süslengnolle_ = Kaffeekanne, _Duftnolle_ (d. h. eigtl. »Kirchenpokal«)
= Kelch, _Gleisnolle_ = Milchtopf (-napf), auch Melkfaß (s. d. betr.
Übereinstimmg. m. d. Zigeun.), _Fu(h)lnolle_ od. _Schmelznolle_ =
Nachthafen, _Flösselnolle_ = Nachttopf (Urintopf), _Spronkertnolle_ =
Salznapf, _Schwächnolle_ = Trinkgeschirr, _Fläderlingsnolle_ =
Vogelnapf, _Flu(h)tenolle_ = Wasserkrug, _Johlenolle_ = Weinkrug. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 100
(_Nolle_ = Hafen, Topf); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Nolle_ =
Kochhafen); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Servnolle_ = Kessel [Brennkessel]);
_Schwäb. Händlerspr._ 486, 487 (_Nolle_ = Schüssel, Topf, in _Lütz._
[214]: _Fülnolle_ = Nachttopf). Zur (_nicht_ sicheren) _Etymologie_ s.
etwa A.-L. 579 vbd. mit _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 409 (_Noll_
[G'noll, Knoll] = »rundlicher, harter Körper«), _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 2055 (unter »Nolle« Nr. 2) u. _Grimm_, D. W.-B. VII, Sp. 879
vbd. m. VI, Sp. 1144; vgl. auch _Keiper_ in d. Z. f. hochd. Mundarten,
Bd. II (1901), S. 53 ff.]

[Fußnote 733: ([282] auf S. 64.161) S. abschaffen.]

[Fußnote 734: ([283] auf S. 64.161) S. anbrennen.]

[Fußnote 735: ([284] auf S. 64.161) S. abgehen.]

[Fußnote 736: ([285] auf S. 64.161) S. davongehen.]

[Fußnote 737: ([286] auf S. 64.161) Das Zeitw. _naschen_ (= fliehen,
auch wohl gehen, kommen) findet sich in dem _verw. Quellenkr._ m.
Wissens nur im _Pfulld. J.-W.-B._ (342) für »laufen« (vgl. auch 341:
_naschirlen_ = kommen) sowie (337, 339, 340, 343, 345) in einer ganzen
Reihe von _Zusammensetzgn._ (nämlich: _ausnaschen_ = ausgehen,
_durchnaschen_ = durchlaufen, _innerkinnignaschen_ = einsteigen,
_vernaschen_ = entfliehen, _hinternaschen_ = hintergehen,
_schibisnaschen_ = scheiden, _beduchtnaschen_ = schleichen,
_hordignaschen_ od. _guantnaschen_ = springen). Für sich allein kommt es
hier u. da noch im sonst. Rotw. (des 19. Jahrh.) vor (s. z. B. _Pfister
bei Christensen_ 1814 [= gehen]; _v. Grolman_ 50 u. T.-G. 96 [ebenso];
_Karmayer_ 116 [desgl., doch hier _auch_ andere Bedeutgn.]). Zur
_Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30]) s.
A.-L. IV, S. 245 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1959 vbd. mit
_Pott_ II, S. 324 (unter »Naszavav«), _Liebich_, S. 149, 197, 218
(_naschāwa_ = ich laufe [fließe], fliehe), _Miklosich_, Beitr. III,
S. 16 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 21 (unter »naš«: bei den
_deutsch._ Zigeun.: _našav̄a_ = laufen, fließen), _Jühling_, S.
224 (_nascha_ = fliehen) u. _Finck_, S. 75 (Stamm: _naš-_,
_nāšs-_, _našew-_ u. ä. = »laufen, gehen, fließen, schwärmen,
jagen«).]

flink, _dof_[739], _g'want_[740]                                          [64.162]

Flinte, _Klass_[741], _Schnelle(r)_[742]

Flöhe, _Hasa_[743]

fluchen, _stämpfen_[744]

Flurschütz (Feldschütz), _Grünleng_[745]

Fluß, _Flu(h)te_[746]

Flut, "

Fohlen s. Füllen

folgen, _boste_[734], _pfichen_[734]

folgsam, _dof_[739]

fordern, _dalfen_, _derchen_[747]

Forelle, _dofer Schwimmerling_ (d. h. etwa »schöner [guter] Fisch«)[748]

[Fußnote 738: ([287] auf S. 64.162) Zu dem Zeitw. _tschanen_ = fliehen
(auch wohl gehen, kommen) ist _zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_tschanen_ = herumziehen) u. _Schwäb.
Händlerspr._ (in _Lütz._ (214]: _tschāne[n]_ = gehen). Seiner
_Etymologie_ nach stammt der Ausdr. gleichfalls (wie d. Syn. _naschen_)
aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 31). S. Näh. bei
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 431 vbd. mit _Pott_ II, S. 212/13
(unter »Dscha«), _Liebich_, S. 133 u. 201 (_dschāwa_ = ich gehe),
_Miklosich_, Denkschriften, Bd. 26, S. 206/7 (unter »dža«: bei den
_deutsch._ Zigeun.: _džava_ = ich gehe), _Jühling_, S. 227 (_tschah_
= geh!) a. _Finck_, S. 56 (Stamm: _dša-_ = gehen; vgl.
_dšā́ben_ = »Gang, Tritt«).]

[Fußnote 739: ([288] auf S. 64.162) S. angenehm.]

[Fußnote 740: ([289] auf S. 64.162) S. anmutig.]

[Fußnote 741: ([290] auf S. 64.162) S. Büchse.]

[Fußnote 742: ([291] auf S. 64.162) S. abschießen.]

[Fußnote 743: ([292] auf S. 64.162) Die gleiche Bezeichnung (nur im
Sing.) kennt auch die _schwäb. Händlerspr._ 481 (_Hase_ = Floh). Es
handelt sich hier jedenfalls um eine der auch im Rotwelsch beliebten
metaphorischen Verwendungen einer Tiergattung für eine _andere_ (vgl.
dazu _Günther_, Rotwelsch. S. 70, 71), wobei offenbar das schnelle
Laufen bezw. Springen (Hüpfen) der beiden Tiere das tertium
comparationis gewesen ist. Vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
1206 (zu »Hase«, Nr. 3).]

[Fußnote 744: ([293] auf S. 64.162) S. Ärger.]

[Fußnote 745: ([294] auf S. 64.162) Zu _Grünleng_ = Jäger, Flur-od.
Feldschütz vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 341
(_Grün¶d¶ing_ = Jäger, das nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882
vielleicht nur ein Schreibfehler für _Grünling_ ist; vgl. auch _Groß'_
Archiv, Bd. 56, S. 184) u. _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Grünling_
[_Groêling_] = Waldhüter [in _Lütz._ (215) = Jäger, während der
Waldhüter dort _Grü(n)lingsbutz_ heißt]); s. auch noch _Regensburg.
Rotw._ 489 (_Grünling_ = Jäger, Förster). Zur _Etymologie_ s. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 22. Über andere Bedeutgn. von _Grünling_ im
Rotw. s. _Günther_, Rotwelsch, S. 62. Über das ähnliche _Grünwedel_ s.
unter »Förster«.]

[Fußnote 746: ([295] auf S. 64.162) S. abbrühen.]

[Fußnote 747: ([296] auf S. 64.162) S. abbetteln.]

[Fußnote 748: ([297] auf S. 64.162) S. angenehm u. Fisch. Über die
_abweichenden_ Bezeichnungen in d. _Zigeunerspr._ s. Näh. unter
»Hering«.]

forschen, _ausbutschen_[749], _auslinzen_[750]                            [64.163]

Förster, _grandicher Grünwedel_, d. h. »der größere Forstmann«)[751]

Forstmann, Forstwart, _Grünwedel_

fortbringen, _fortbugla_[752]

fortfahren, _abruadla_[753]

fortgehen, _schiebes bosten_, — _pfichen_ od. — _schef(f)ten_[754]

fortschleichen s. fortgehen

forttragen s. fortbringen

fragen, _butschen_[749], _lenzen_[750]

Frau, _Goi_[755], _Mogel_[756], _Mos(s)_[757], _Romane_[758]

[Fußnote 749: ([298] auf S. 64.163) S. anfragen.]

[Fußnote 750: ([299] auf S. 64.163) S. anschauen.]

[Fußnote 751: ([300] auf S. 64.163) S. über die Rangsteigerung
_Grünwedel_ = Forstmann (-wart), _grandich¶er¶ Gr._ = Förster,
_grand¶ich¶ Gr._ = Oberförster schon oben unter »Bischof«. _Zwei_
ähnliche Abstufungen kennen (nach _Liebich_, S. 198) auch die Zigeun.,
nämlich: _wēschéskero_ = Forstmann, Förster u. _barĭdīr w._ (d.
h. »der größere [höhere] Forstmann«) = Forstmeister. Dagegen fehlt eine
dem Jenischen entsprechende Bezeichng. für den Oberförster (vgl. Bd. 63,
S. 391, Anm. 418 [zu »Bischof«]). Für die Bezeichg. _Grünwedel_ _vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Grünwedel_ =
Jäger); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); in der _Schwäb. Gaun.-, Kunden-
u. Händlerspr._ _nicht_ bekannt, obwohl dort mancherlei _ähnliche_
Ausdrücke vorkommen (wie z. B. _Grünstäudle_ = Jäger [so: _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 71 und _Schwäb. Händlerspr._ 82], _Grünstaudler_ =
Feldhüter, _Grünstäudel_, _-staud_ od. _-stäudling_, _Grünsteiger_,
_-rattler_ u. a. m. = Waldhüter [s. _Schwäb. Händlerspr._ 480 u. 488]).
Über weitere Belege (für _Grünwedel_) aus dem Rotw. sowie die
_Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 55, S. 179, Anm.
2.]

[Fußnote 752: ([301] auf S. 64.163) S. abtragen.]

[Fußnote 753: ([302] auf S. 64.163) S. abfahren.]

[Fußnote 754: ([303] auf S. 64.163) S. davongehen; vgl. (betr. _bosten_
u. _pfichen_) abgehen u. (betr. _schef[f]ten_) unter »daher« a. E.]

[Fußnote 755: ([304] auf S. 64.163) S. böse Frau.]

[Fußnote 756: ([305] auf S. 64.163) Zu _Mogel_ od. _Mokel_ = Frau
(Frauensperson, Frauenzimmer), Weib _vgl._ _Schwäb. Händlerspr._ 481,
484 (_Mockel_ = Frau, _Mokel_ = Mutter). Die _Etymologie_ bleibt
unsicher. Herangezogen könnte etwa werden bes. schwäb. _Mockel_, u. a. =
»plumpes _Weibsbild_«, _Mockele(in)_ = »rundliches Kind, _Mädchen_«
(aber _beides auch_ für Rindvieh, bes. _Kuh_ od. _Kalb_ gebraucht) nach
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1722. Nr. 4 u. Nr. 8, b u. c; vgl. bei
_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1566 (_Mockel_ [auch] = »weibliche
Geschlechtsteile«). Über ein seltenes rotw. _Muck_ (od. _Mück_) = Frau
s. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 347. Anm. 1.]

[Fußnote 757: ([306] auf S. 64.163) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 758: ([307] auf S. 64.163) Zu _Romane_ = Frau vgl. (aus d.
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69, 72 (_Rumie_ =
Frau, femin. zu _Romno_ = Mann u. _Schwäb. Händlerspr._ (in U. [214]:
_Romli_ = Mädchen [vgl. _Rom_ = Mann]). Auch im sonstig. (neueren) Rotw.
ist das Wort (dial. entstellt) hier und da anzutreffen (s. z. B.
_Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [_Rumini_ = Frau]; _v. Grolman_ 57
[ebenso]; _Karmayer_ G.-D. 215 [verdr.: _Runinni_]). _Etymologie_: Die
Vokabel stammt aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) u.
bildet das fem. (_romni_ u. ä.) zu _rom_ = Mann, Ehemann, Zigeuner,
(vgl. _rōmano_ [romeno] = zigeunerisch). S. Näh. bei A.-L. 589 (unter
»Rammenin«) vbd. mit _Pott_ I, S. 35, 42 u. II, S. 259, 275 u. 528,
_Liebich_ S. 156 u. 191, 198, 262 (_romni_ = Frau, Ehefrau, Zigeunerin),
_Miklosich_, Beitr. III, S. 18 u. 23 u. Beitr., Bd. 27, S. 56, 57 (unter
»rom«: bei den _deutsch._ Zig. _romni_ = Frau [Eheweib], Zigeunerin),
_Jühling_, S. 227 (unter »Tschai«: _Romni_ = Frau).]

Frau, fahrende, _jenische Mos(s)_ od. — _Model_[759]                     [64.164]

Frau, junge, _Mössle_ (das jedoch _auch_ »kleines Mädchen« u. »alte
Frau« bedeutet)[760]

Frauenkleid, _Mos(s)klufterei_[761]

Frauenrock, _Mos(s)malfes_[762]

Frauenschürze, _Mos(s)fürflamme_[763]

[Fußnote 759: ([308] auf S. 64.164) S. Bachstelze, Bauernfrau u.
Beischläferin.]

[Fußnote 760: ([309] auf S. 64.164) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 761: ([310] auf S. 64.164) S. (betr. _Klufterei_) ankleiden.]

[Fußnote 762: ([311] auf S. 64.164) _Malfes_ (neuere Form für das ältere
_Mahlbosch_ [vgl. »Einleitung«, S. 27]) = Rock (Jacke, Kittel, Kutte,
Überrock) ist verwendet in folgenden _Zusammensetzgn._: a) _am Anfang_:
_Malfesrande_ = Rocktasche; b) _am Ende_: (außer _Mos[s]malfes_ noch):
_Gadscho-_ od. _Kaffermalfes_ = Männerrock, _Plauderermalfes_ =
Lehrerrock, _Gallach-_ od. _Kolbemalfes_ = Priesterrock. Eine
_Verbindg._ damit ist _unterkünftiger Malfes_ = Unterrock. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94, 98 (_Malebosch_
od. _Malus_ = Rock, _ein ganzer M._ = Rock und Kamisol, _ein halber M._
= Kamisol); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Malves_ = Kamisol, _Mahlbosch_
= Rock); _Schöll_ 271 (Formen: _Malves_ u. _Malbosch_, Bedeutgn.: wie im
_W.-B. des Konst. Hans_); _Pfulld. J.-W.-B._ 338, 341, 343, 344:
_Malves_ od. _Malboschum_ = Kittel, _Malfes_ od. _Maleboschen_ = Rock,
_Ruchemalfes_ [od. _Mahlboschen_] = Bauernkittel, _Schlaumalfes_ =
Schlafrock); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Malfes_ = Weste,
dagegen _Walmusch_ [sic] = Rock, aber wieder _Dormmalfes_ = Schlafrock);
_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Malfes_ u. _Walmusch_ = Rock, dazu [in
_Pfedelb._ (212)]: _Dormmalfes_ = Schlafrock); s. auch noch _Pfälzer
Händlerspr._ 438, 439 (_Malebīsch_ = Anzug, _Walmüsch_ = Rock) u.
_Metzer Jenisch_ 216 (_Malbosche_ = Kleider). Über weitere, in der Form
sehr verschiedene Belege aus dem Rotw., der Kundenspr. usw. sowie über
die _Etymologie_ (vom. hebr. _mlbûsch_ = »Kleider«) s. ausführl.
_Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 348 u. Anm. 2 u. S. 349 vbd. m. _Schütze_ S.
98 (unter »Walmusch«); vgl. _Weber-Günther_, S. 167 u. _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1418.]

[Fußnote 763: ([312] auf S. 64.164) Zu _Fürflamme_ = Schürze vgl. (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Vorflam_ = Schürz);
_Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_Flamme_ = Schürze). Auch in d. _sonst._ rotw.
Quellen ist das Wort teils in der kürzern Form _Flamme_ (od. Flammert),
teils in der längeren _Vorflamme(rt)_ od. _Fürflamme(rt)_ u. ä. mehrfach
anzutreffen. S. z. B. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. (227: _Flamme_);
ferner _Krünitz' Encyklopädie_ 1820 (353: _Vorflamme_); _v. Grolman_ 21,
22 u. T.-G. 120 (_Fürflamm[e]_, _Für-_ od. _Vorflammert_ od. _Flamme_,
_Flammert_); _Karmayer_ 52 (_Fürflamm_ [masc. gen.]) Die _Etymologie_
ist zwar nicht ganz sicher, doch ist wohl an den hellen Schein einer
weithin leuchtenden (gleichsam »flammenden«) _weißen_ Schürze zu denken;
vgl. A.-L. 540 (unter »Flamme« [wo auch die Nebenbedeutgn. von
_Flamme(rt)_ — wie z. B. Hals- od. Schnupftuch — angegeben sind]); s.
auch noch _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 302 u. Anm. 2. — _Fischer_,
Schwäb. W.-B. II, Sp. 1538 (unter »Flamme«) hat keine Erklärung
hinzugefügt.]

Frauensperson (Frauenzimmer), _Goi_[764], _Model_[765], _Mogel_[766],     [64.165]
_Mos(s)_[767]; vgl. Frau

Frauenstube, _Mos(s)schrende_[768]

Fräulein, _Sinsemodel_[769]

frech, _lenk_, _schofel_[770]

Freien, im — übernachten s. übernachten

Fremder (d. h. ein Herr, Bursche, Mann, aber kein Bauer), _Freier_[771]

[Fußnote 764: ([313] auf S. 64.165) S. böse Frau.]

[Fußnote 765: ([314] auf S. 64.165) S. Beischläferin.]

[Fußnote 766: ([315] auf S. 64.165) S. Frau.]

[Fußnote 767: ([316] auf S. 64.165) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 768: ([317] auf S. 64.165) Mit _Schrende_ = Stube (Gemach,
Zimmer) sind gebildet die _Verbdgn._ _grandiche Schrende_ = Saal) (s. d.
betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.) sowie folgende _Zusammensetzgn._: a)
_am Anfang_: _Schrendepflanzer_ = Zimmermann; b) _am Ende_ (außer
_Mos[s]schrende_ noch) _Sinseschrende_ = Herrenzimmer, _Leileschrende_
(eigtl. »Nachtstube«) = Wachtstube. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Schrende_ = Stube);
_übereinstimmend_ (in Form _und_ Bedeutg.) auch: _W.-B. des Konst. Hans_
254, _Schöll_ 271 u. _Pfulld. J.-W.-B._ 345; dagegen in der _schwäb.
Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [213]): _Schrenze_ = Stube. Über weitere
Belege im Rotwelsch sowie _Etymologie_ des Wortes (das ohne Zweifel
_deutsch._ Ursprungs ist) s. das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 54, S. 165,
Anm. 2 u. dazu etwa auch noch _v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 478 (unter
»Schrand«).]

[Fußnote 769: ([318] auf S. 64.165) S. Amtmann u. Beischläferin.]

[Fußnote 770: ([319] auf S. 64.165) S. arg.]

[Fußnote 771: ([320] auf S. 64.165) Zu _Freier_ = Fremder (auch Herr,
Jüngling) s. das Dimin. _Freierle_ = Junge, Knabe, auch Sohn, die
_Verbindungen_ _dofer Freier_ = Junker u. _schofler Freier_ = Heuchler
od. auch »Hurenkerl« sowie die _Zus._ _Fehtefreier_ = Quartierbursche
(vgl. »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 (_Freier_ = »ein gewachsener
Bub«); _Schwäb. Händlerspr._ 480 (_Freier_ = Mann). Über sonstige Belege
im Rotw. sowie die _Etymologie_ s. _Groß'_ Archiv, Bd. 49, S. 350 ff.
Daß _Freier_ in _Wittichs_ Jenisch niemals für einen Bauer verwendet
werden soll, ist insofern bes. zu beachten, als die ursprünglichste
Bedeutg. im _Rotwelsch_ gerade »Bauer« gewesen sein dürfte (s. u. a.
schon _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 [350]).]

Freudenmädchen, _Lubne_, _Schoflemodel_[772]                              [64.166]

Freund, _Benges_ od. _Benk_[773]; _Fi(e)sel_[774]

freundlich, _dof_[775]

friedfertig, "

Friedhof s. Gottesacker

frieren, mich friert's, _mich bibert's_[776]

frisch, _dof_ (Spr.)[775]

fromm, "

fromme Leute, _Blibelulma_[777]

Frost, _Bib(e)risch_ (subst. Adj.)[778]

frostig, _bib(e)risch_[776]

Frucht, _Gib_[779], _Kupfer_[780]

[Fußnote 772: ([321] auf S. 64.166) S. (zu beiden Ausdr.)
Beischläferin.]

[Fußnote 773: ([322] auf S. 64.166) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 774: ([323] auf S. 64.166) S. Bettelbube.]

[Fußnote 775: ([324] auf S. 64.166) S. angenehm.]

[Fußnote 776: ([325] auf S. 64.166) S. eisig.]

[Fußnote 777: ([326] auf S. 64.166) S. anbeten u. arme Leute.]

[Fußnote 778: ([327] auf S. 64.166) Vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 779: ([328] auf S. 64.166) _Gib_ (= Frucht, bedeutet bes. auch
Getreide sowie — noch spezieller — Weizen und wohl auch Gerste (wie
aus der _Verbdg._ _g'funktes Gib_ [»gebranntes Getreide« (Gerste)] =
Malz [s. d. betr. d. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.; vgl, auch schon
»Vorbemerkg.«, S. 17] zu schließen sein dürfte). _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 339-341 (_Gi[e]b_ = Frucht,
Korn, Hafer, für letzteres auch: _Spitzgib_); _Schwäb. Händlerspr._ 481
(_Gîp_ = Getreide), im sonst. Rotw. ziemlich selten. _Etymologie_: Das
Wort stammt aus der _Zigeunerspr._ (vgl. »Einleitung«, S. 30) u. in
letzter Linie aus dem Altind. S. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 647
(unter »Gip«) vbd. m. _Pott_ II, S. 67 (unter »Gieb«), _Liebich_, S. 136
u. 203, 216 (_gīb_ = Getreide, Korn), _Miklosich_, Beitr. III, S. 21
u. Denkschriften, Bd. 26, S. 214 (unter »_giv_«: bei d. _deutsch._
Zigeun.: _gīb_ = Getreide, Korn), _Jühling_ 222 (_Gib_ = Frucht,
Feld) u. _Finck_, S. 59 (_giw_ = »Getreide [Korn, Weizen, Gerste,
Roggen«]).]

[Fußnote 780: ([329] auf S. 64.166) Auch _Kupfer_ = Frucht, dann
Getreide (Korn), auch Futter kommt (gleich _Gib_) noch spezieller für
einzelne Getreide_arten_ vor, nämlich für Hafer, Roggen, Weizen, und
endlich noch für Gras, Heu (Grummet), Klee und Häcksel (Häckerling).
Auch sind damit (im Gegens. zu _Gib_) verschiedene _Zusammensetzgn._
gebildet worden, nämlich a) am _Anfang_: _Kupfertrapert_ = Heupferd,
_Kupferflederling_ (eigtl. »Heuvogel«) = Heuschrecke, _Kupfersore_
(eigtl. etwa »Gras- od. Heuding«) = Sense (s. d. betr. Analogie in d.
Zigeunerspr.), _Kupferstöber_ (eigtl. »Grasbaum«) = Weidenbaum; b) _am
Ende_: _Flu(h)tekupfer_ = Meergras, Schilf. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Kupfer_ = Heu); _Schöll_ 271
(ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (desgl.); _Schwäb. Händlerspr._ 481,
482 (_Kupfer_ = Futter [für Vieh], Heu). Auch im sonstigen Rotw. kommt
die Vokabel (für »Heu«) wohl (seit d. 18. Jahrh.) vor (s. z. B. schon
_Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [271: _Kuffert_ (sic) = Heu] u. dann [i. d.
Form _Kupfer_] öfter; merkwürdig die Umkehrung _Heu_ [als _rotw._ Vok.]
= Kupfer im _W.-B. von St. Georgen_ 1750 [217], die aber vielleicht bloß
auf einem Irrtum beruht). Die _Etymologie_ ist ungewiß, auch von
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 854 nicht erläutert worden; es bleibt
daher fraglich, ob wirklich eine Gleichsetzung mit unserem deutsch.
(Lehn-)Worte »Kupfer« — als Metallbezeichnung — (vgl. _Günther_,
Rotwelsch, S. 66) anzunehmen ist.]

Frühstück, _Achilerei_[781], _Bikerei_ od. _Bikus_, _Kahlerei_[782]       [64.167]

Fuhrmann, _Rädlingskaffer_ (d. h. »Fuhrwerksmann«)[783]

Füllen (Fohlen), _Trabertle_ (d. h. »Pferdchen«)[784]

Füllenstall, _Trabertstenkertle_[785]

Furcht, _Bauser_[786]

fürchten, _bausen_[786]

furchtlos, _nobis bauserich_ (d. h. »nicht furchtsam«)[787]

furchtsam, _bauserich_[786]

Fürst, _grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«)[788]

Furz, _Bremser_[789]

[Fußnote 781: ([330] auf S. 64.167) S. essen.]

[Fußnote 782: ([331] auf S. 64.167) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 783: ([332] auf S. 64.167) S. Eisenbahnwagen u. Bauer.]

[Fußnote 784: ([333] auf S. 64.167) _Trabertle_ ist Dimin. zu _Trabert_
od. _Trapert_ = Pferd (Roß, auch [mehr verächtl.] Gaul, Klepper, Mähre
sowie spezieller: Hengst, Rappe u. Schimmel), es wird also zunächst ohne
Rücksicht auf das Geschlecht oder sonstige Beschaffenheit (z. B. die
Farbe) des Tieres gebraucht, jedoch findet sich für »Hengst« noch
spezieller auch _Trabertkaffer_ (d. h. eigtl. »Pferdemann«, männliches
Pferd), wozu dann als Gegenstück _Trabertmos(s)_ (eigtl. »Pferdefrau«) =
Stute erscheint (vgl. dazu schon oben in d. Anm. zu »Bauer« u.
»Bauernfrau« sowie weiter unten unter »Hengst«). Weitere
_Zusammensetzgn._ mit _Tr._ sind noch: a) am _Anfang_: _Trapertstritt_ =
Gaul- od. Pferdefuß, _Traperttrittleng_ = Huf (eigtl. wohl auch
»Pferdefuß«), _Trabertbossert_ od. _-mass_ = Pferdefleisch,
_Trabertstrauberts_ = Pferdehaare, _Trabertkemerer_ = Pferdehändler,
_Trabertschenegler_ = Pferdeknecht, _Trabertstenkert_ = Pferdestall (u.
dazu das Dimin. _Trabertstenkertle_, wofür logischer _Trabertlestenkert_
zu erwarten [s. schon oben unter »Entenstall«]) u. _Trabertschwäche_ =
Pferdetränke (wogegen _Trabertschwächerle_ »Pferdeeuter« bedeutet [vgl.
oben unter »Amme«]); b) _am Ende_: _Kupfertrapert_ = Heupferd (vgl. oben
S. 166, Anm. 780). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 97 (_Trappert_ = Pferd); _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Trappen_);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Trappert_ u. _Trapperle_ = Pferd);
_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Trappert_ [Treppert, Treppling] u.
_Traber_); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Trappert_). Über weitere rotw.
Belege (seit d. 17. Jahrh.) sowie die _Etymologie_ (zu »traben« bzw.
»trappeln« usw.) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 27 u. Anm. 1 (zu
»Trappert-Leininger«).]

[Fußnote 785: ([334] auf S. 64.167) S. Entenstall; vgl. auch die vorige
Anm.]

[Fußnote 786: ([335] auf S. 64.167) S. Angst.]

[Fußnote 787: ([336] auf S. 64.167) S. (betr. _nobis_) Dietrich.]

[Fußnote 788: ([337] auf S. 64.167) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]

[Fußnote 789: ([338] auf S. 64.167) S. auslassen.]

furzen, _bremsere_[789], _Bremser schmusen_[790]                          [64.168]

Fuß, _Tritt_[791], _Trittleng_[792]; vgl. auch Schuh, Stiefel

Fußlappen, _Trittlengstreifleng_[793]; vgl. Socken

Fußsohle, _unterkünftiger Tritt_ (d. h. »der untere Fuß«)[794]

Fußstapfe, Fußtritt, _Tritt_[791]

[Fußnote 790: ([339] auf S. 64.168) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]

[Fußnote 791: ([340] auf S. 64.168) S. Entenfuß.]

[Fußnote 792: ([341] auf S. 64.168) S. Ferse.]

[Fußnote 793: ([342] auf S. 64.168) _Streifleng_ (-ling, plur. -linge),
eigtl. = Strumpf findet sich auch noch in folgenden _Zusammensetzgn._:
a) _am Anfang_: _Streiflingschure_ = Strumpfband u. _Streiflingpflanzer_
= Strumpfwirker; b) _am Ende_ (außer in d. _obigen Vok._ noch in)
_Kafferstreifling_ = Socken (eigtl. »Männerstrümpfe«). _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Streifling_ =
Paar Strümpfe); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (Form: ebenso, Bedtg.: Strumpf);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76 (_Streifling_ = Strümpfe); _Schwäb.
Händlerspr._ 484 (wie im _Pfulld. J.-W.-B._); s. auch noch _Metzer
Jenisch_ 217 (_Stre[i]fche_ = Strumpf). Im sonst. Rotwelsch usw. tritt
die Vokabel zunächst in der Bedeutg. »Hose« (s. schon _Lib. Vagat._
[55]), erst seit d. 17. Jahrb. auch für »Strumpf« auf (s. _Schwenter's
Steganologia_ um 1620 [138] u. dann öfter bis zur Gegenwart; vgl.
_Schütze_, S. 94, auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 29, Anm. 2). Zur
_Etymologie_ (von _streifen_ = »überstreifen [über den Fuß]«) s. Archiv,
a. a. O., S. 29: vgl. auch _Pott_ II, S. 37.]

[Fußnote 794: ([343] auf S. 64.168) Übereinstimmende Umschreibung des
deutschen Ausdrucks auch bei den Zigeunern; s. _Liebich_, S. 199
(_telstīno pīro_ [d. h. »der untere Fuß«] = Fußsohle); vgl. auch
schon »Vorbemerkg.«, S. 17. Das Adj. unterkünftig = unterer — als Adv.
gebr. = unten — (im Gegensatze zu _oberkünftig_ = oberer, als Adv. =
oben [s. Näh. unter »Gaumen«]) kommt auch noch vor in den _Verbindgn._:
_unterkünftige Kluft_ = Unterkleid u. _unterkünftiger Malfes_ =
Unterrock. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst.
Hans_ 256 (_unterkönig_ = unten); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 345
(_unterkönig_ = hinab [Gegens.: _oberkönig_ = hinauf] u. _unterki¶m¶ig_
[besser wohl zu lesen: _unterkinnig_] = unten; vgl. auch _inner-_,
_usler-_ u. _ennenkönig_ = hinein, hinaus, hinüber); _Schwäb.
Händlerspr._ 487 (_unterkünftig_ = unten; vgl. [484]: _oberkünftig_ =
oben). Auch im sonstigen Rotw. findet sich die Vokabel, u. zwar schon
seit dem 18. Jahrh. (s. _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 [219]:
_unterkünftig_ = unten, Gegens. [218]: _oberkünftig_ = oben), während
sie in neuerer Zeit wohl bes. in der _Kunden_sprache fortlebt (vgl. z.
B. _Ku._ III, 429 u. _Ostwald_ [Ku.] 159 vbd. m. _Ku._ III 427 u.
_Ostwald_ [Ku.] 109 [Gegenstz.: _oberkünftig_]), obgleich sie in der
_schwäb. (Gaun.- u.) Kundenspr._ fehlt, die dafür (76) aber
_hinterkünftig_ = hintenherum kennt. _Etymologie_: Man darf wohl mit
A.-L. 557 (unter »kenntlich«) u. 579 (unter »oberkünftig«) den zweiten
(zu einer »_Verstärkung_« der Ortsbezeichnung dienenden) Bestandteil des
Wortes (_-künftig_, verunstaltet zu _-kinnig_, _-könig_ usw.) — gleich
unserem gemeinspr. Adj. _künftig_ — zu dem jetzt nur noch in
Zusammensetzgn. (wie Ankunft, Herkunft, Zukunft) gebräuchl. Subst.
_Kunft_ (mhd. _kunft_, _kumft_) = »das Kommen«, einem »Verbalabstraktum«
zu dem Zeitw. _kommen_ (vgl. _Weigand_, W.-B. I, Sp. 1172), in Beziehung
setzen.]

Fußzehe, _Trittgrif(f)leng_ (d. h. eigtl. »Fußfinger«)[795]               [64.169]

Futter, _Kupfer_[796]


                                  G.

Gabel, _Furschet_[797], _Stichling_[798]

gaffen, _linzen_[799], _spannen_[800]

[Fußnote 795: ([344] auf S. 64.169) S. (betr. _Grif[f]leng_) Daumen. —
Auch diese Umschreibung findet sich nach _Liebich_, S. 199 u. 262 (unter
»Zehe«) bei den _Zigeunern_ (näml.: _berengĕro gus[ch]to_, d. h.
eigtl. »Fußfinger«).]

[Fußnote 796: ([345] auf S. 64.169) S. Frucht.]

[Fußnote 797: ([346] auf S. 64.169) _Zusammensetzgn._ hiermit sind: a)
_am Anfang_; _Furschetfläderling_ (d. h. eigtl. »Gabelvogel«) = Schwalbe
(s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); b) _am Ende_:
_Schundfurschet_ = Mistgabel. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
nur _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Furschett_ = Gabel). Im Rotw. m. Wiss.
sonst kaum gebräuchlich. Zur _Etymologie_: An und für sich kann der
Ausdruck _unmittelbar_ vom Französischen (_fourchette_) hergeleitet
werden (vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1869), jedoch mag die
Vokabel (gleich _Feneter_ = Fenster [s. d.]) in _Wittich's_ Jenisch wohl
durch die Vermittlung von _Zigeunern_ eingedrungen sein und insofern auf
_deren_ Sprache zurückgeführt werden (vgl. »Einleitung«, S. 30), in die
sie aber natürlich gleichfalls aus dem Französischen übernommen ist. S.
ausdrücklich auch _Liebich_, S. 116; vgl. »Einleitung«, S. 29, Anm. 93
vbd. m. »Vorbemerkg.«, S. 10, Anm. 26. Als zigeun. Form führt _Liebich_
(a. a. O. S. 135 u. 199): _forschétta_, _Finck_, S. 58: _foršéta_,
_Jühling_, S. 221 dagegen: _Forsch¶r¶äta_ (vgl. i. d. »Einltg.«: -reta)
an.]

[Fußnote 798: ([347] auf S. 64.169) Mit _Stichling_ ist nur
_zusammengesetzt_: _Fu[h]lstichling_ = Mistgabel (Syn. zu
_Schundfurschet_). Auch _Stichling_ = Gabel ist in dem _verw.
Quellenkr._ nur der _schwäb. Händlerspr._ (481) bekannt, doch deutet
hier das Vorkommen des Ausdrucks _Stichlingspflanzer_ = Schneider (486)
hin auf die Nebenbedeutg. »Nadel«, wofür die Vokabel z. B. auch in der
_schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ (73) — allein — angeführt ist, während
sie bei den _Pfälz. Händlern_ (439) — wieder abweichend — »Messer«
bedeutet. Über die versch. Bedeutgn. des Wortes im Rotw. bezw. in der
Kundenspr. (näml.: a) Schneider; b) Nadel; c) Zaunpfahl) sowie die
_Etymologie_ (zu »Stich«, »stechen«) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42,
S. 24 u. Anm. 1.]

[Fußnote 799: ([348] auf S. 64.169) S. anschauen.]

[Fußnote 800: ([349] auf S. 64.169) Zu dem Zeitw. _spannen_ = sehen
(gaffen, gucken) vgl. (aus dem _vorw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
337, 343 (_spannen_ = ausschauen aussehen, schauen); _Schwäb.
Händlerspr._ 486 (_spannen_ = sehen; vgl. [470] _Spanner_ = Augen); s.
auch _Pleißlen der Killertaler_ 436 (_spanne[n]_ = sehen, beobachten,
_Spanner_ = Augen). Über weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_
des Wortes (das _deutschen_ Ursprungs ist) s. ausführl. _Groß'_ Archiv,
Bd. 42, S. 75 (unter »Spanner«) vbd. mit _Weber-Günther_, S. 181 (unter
»spennen«, wonach der wohl _älteste_ Beleg für das Zeitw. [in der Form
_spenden_] bereits bei _A. Hempel_ 1687 [169: _der spendts_ = »der
siehets«] anzutreffen ist).]

Gans, _Babing_[801], _Strohbutzer_[802]                                   [64.170]

Gänsebraten, _gesicherter Babingermass_ od. _gesicherter
Strohbutzerbossert_ (d. h. »gekochtes [gebratenes] Gänsefleisch«)[803]

Gänseeier, _Strohbutzersbäzeme_[804]

Gänsefleisch, _Babingerbossert_ od. _-mass_ oder
_Strohbutzerbossert_[805]

[Fußnote 801: ([350] auf S. 64.170) Mit _Babing_ (plur. Babinger) sind
gebildet die _Verbindg._ _grandich Babing_ (d. h. etwa [»sehr] große
Gans« [vgl. oben unter »Bischof«]) = Schwan (s. d. betr. Übereinstimmg.
mit der Zigeunerspr.; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17) sowie die
_Zusammensetzgn._ _Babingerbossert_ od. _Babingermass_ = Gänsefleisch
(letzteres in der weiteren Verbdg. _gesicherter Babingermass_ =
Gänsebraten) u. _Babingerstritt_ = Gänsefuß. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): nur _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Bappe_ = Gans); im
_sonst._ Rotw. tritt die Form _Babing_ u. a. etwa seit Anfang des 19.
Jahrh. (s. _Pfister_ 1812 [295] u. a. m.) auf. Zur _Etymologie_ (aus der
_Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 29]) s. _A.-L._ 521 u. _Günther_,
Rotwelsch, S. 31 u. 62 vbd. mit _Pott_ II, S. 350 (unter »Papin«),
_Liebich_, S. 149 u. 200 (_pāpin_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 17,
23 u. Denkschriften, Bd. 27, S. 29, 30 (bei d. _deutsch._ Zig.:
_pāpin_), _Jühling_ S. 220 (_Babni_), _Finck_, S. 76 (_pāpi[n]_).
Das Wort ist (nach _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.) verwandt mit
ngriech. [Griechisch: pappia] = »Ente«.]

[Fußnote 802: ([351] auf S. 64.170) Mit _Strohbutzer_ (Dimin.
_Strohbutzerle_ = »Küchlein«, d. h. Gänschen) sind gebildet die
_Verbindung grandich Strohbutzer_ = Schwan (s. dazu die Bemerkg. zu
dem Synon. _gr. Babing_ [oben Anm. 801]) sowie die _Zus._
_Strohbutzerbossert_ = Gänsefleisch (u. dazu weiter _gesicherter
Str.-bossert_ = Gänsebraten), _Strohbutzerbäzeme_ = Gänseeier,
_Strohbutzerstritt_ = Gänsefuß, _Strohbutzerbikus_ = Gansessen,
_Strohbutzerstenkert_ = Gänsestall. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 92 (_Strohbuz_ od. _Budel_ = Gans);
_W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Strohbuze_); _Pfulld. J.-W.-B._ 339
(_Strohbutzer_ od. _Strohbudel_); _Schwäb. Händlerspr._ 481
(_Strbudel_); s. auch noch _Regensb. Rotwelsch_ 489 (_Strohbuze_). Zur
_Etymologie_: Bei der Form _Strohbutzer_, dial. = _Strohputzer_ (so z.
B. schon _Waldheim. Lex._ 1726 [187]) liegt es nahe, nur eine weitere
Ausgestaltung der noch älteren Form _Strohbohrer_ (s. z. B. schon _Lib.
Vagat._ [55: _Stroborer_] u. öfter) anzunehmen, die ja keiner bes.
Erklärung bedarf. Da jedoch schon seit Anf. des 17. Jahrh. im Rotw. auch
die Form _Strohbuz(e)_ u. ä. (s. z. B. schon _Schwenters Steganologia_
um 1620 [137] u. öfter [vgl. dazu die Belege aus dem verw.
Quellenkreise]) — u. dann auch _bloß_ _Butze_, _Buhze_, _Budel_ u. a.
m. — als gleichbedeutend vorkommt, so könnte man _diese_ auch wohl zu
_Butz(-e)_ im Sinne von »Person oder _Tier_ von _kleiner_ Gestalt« (s.
dazu _Grimm_, D. W.-B. II, Sp. 591 unter »Butze«, Nr. 1; _Schmeller_,
Bayer. W.-B. II, Sp. 317; auch _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 10 unter
»Putz«) in Beziehung setzen. Vgl. im allgem. noch _Pott_, II, S. 22,
A.-L. 612 (unter »Strohbohrer«) vbd. mit 528 (unter »Buze«) u.
_Günther_, Rotwelsch, S. 73, Anm. 74 u. 75.]

[Fußnote 803: ([352] auf S. 64.170) S. (betr. _gesichert_) auskochen u.
(betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]

[Fußnote 804: ([353] auf S. 64.170) S. (betr. _Bäzeme_) Ei.]

[Fußnote 805: ([354] auf S. 64.170) S. (betr. _Bossert_ u. _Mass_) Aas.]

Gänsefuß, _Babingerstritt_[806]                                           [64.171]

Gansessen, _Strohbutzerbikus_[807]

Gänsestall, _Strohbutzerstenkert_[808]

garstig, _nobis dof_ (d. h. »nicht schön«)[809], auch _lenk_,
_schofel_[810]

Gartenhaus, _Kittle_[811]

Gastgeber s. Gastwirt

Gasthaus, _Beiz_, _Beizerei_,[812] _Kober_, _Koberei_[813]

[Fußnote 806: ([355] auf S. 64.171) S. (betr. _Tritt_) Entenfuß.]

[Fußnote 807: ([356] auf S. 64.171) S. Abendessen.]

[Fußnote 808: ([357] auf S. 64.171) S. Entenstall.]

[Fußnote 809: ([358] auf S. 64.171) S. Dietrich u. angenehm.]

[Fußnote 810: ([359] auf S. 64.171) S. arg.]

[Fußnote 811: ([360] auf S. 64.171) S. Abort.]

[Fußnote 812: ([361] auf S. 64.171) Zu _Beiz_ oder (seltener) _Beizerei_
= Gasthaus, Wirtshaus (Kneipe, Schenke) gehört die _Zusammensetzg._
_Lanengerbeiz_ = Soldatenwirtschaft und die _Ableitung_ _Beizer_ (in
früherer Zeit: _Baiser_ [vgl. »Einleitung«, S. 25]) od. (seltner)
_Beizerer_ = Wirt (Gast-, Schenkwirt), femin.: _Beizere_. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 101 (_Beis_ = Haus,
_Beisskitt_ od. _Koberbeis_ = Wirtshaus, _Baiser_ = Wirt, _Baiserin_ =
Wirtin); _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 256, 258 (_Bais_ od. _Baiser-Kitt_
= Wirtshaus, _T'schorbais_ = Diebswirtshaus, _Baiser_ = Wirt); _Schöll_
271, 272 (_Bais_ = Haus, plur. _Baiser_ = Wirtshäuser); _Pfulld.
J.-W.-B._ 338, 339, 346 (_Kochemer-Baies_ = Diebsherberge, _Baiser_ =
Wirt, Gastwirt, _Baiserkitt_ = Wirtshaus); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 77 (_Baiz_ = Wirtshaus, _Baizer[in]_ = Wirt[in]); _Schwäb.
Händlerspr._ 482, 488 (_Baiß_ = Haus, aber — sowohl in _dieser_ Form
wie in den Nebenformen _Baitz_, _Boitz_, _Beitzg_ [_Beitzle_] — _auch_
= Wirtschaft; _Baiser_, _Baitzer_ od. _Beitz[g]er_ = Wirt); s. auch noch
_Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Baitze_ = Wirtshaus), während die
_Pfälz. Händlerspr._ (437) _Bais_ od. _Bôies_ nur in dem allgem. Sinne
von »Haus« kennt. Über weitere Belege aus dem Rotw. (wo schon in den
_Basl. Betrügnissen_ um 1450 [15] das Wort in der Form _Pöse_ = Herberge
auftritt, während es in der Form _Bais_ zunächst für »Haus« [s. _W.-B.
v. St. Georgen_ 1750 (216)], für »Wirtshaus« dagegen zuerst im _W.-B.
des Konst. Hans_ [s. oben] vorkommt) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43,
S. 15 (u. Amn. 2) u. 16 (unter »Baiser«) vbd. m. Bd. 38, S. 221, Anm. 1
u. _Weber-Günther_, S. 153. Ebds. auch über die _Etymologie_ (vom hebr.
_bajit_ = »Haus«); vgl. auch A.-L. 524 (unter »Bes«); _Günther_,
Rotwelsch, S. 27; _Stumme_, S. 27; _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.
580/81.]

[Fußnote 813: ([362] auf S. 64.171) Zu _Kober_ od. (seltener) _Koberei_,
Synon. zu _Beiz_ (_Beizerei_) s. d. _Zusammensetzgn._ _Lanengerkober_ (=
Lanengerbeiz) u. die _Ableitung_ _Koberer_ = Wirt (Gast-, Schankwirt),
femin. _Kobere_. Bemerkenswert erscheint, daß auch _Kober_ in _Wittichs_
Jenisch das _Wirtshaus_ bedeutet, während es im Rotwelsch (ebenso wie d.
längere _Koberer_) i. d. R. für den _Wirt_ vorkommt (über _Ausnahmen_ s.
_Groß'_ Archiv Bd. 43, S. 24, Anm. 3 [zu S. 23] a. E). _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Koberbeis_ =
Wirtshaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68 (_Kober_ = Diebswirt);
_Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Koberer_ = Wirt, _Koberei_ = Wirtschaft); s.
auch _Metzer Jenisch_ 217 (_Koberei_ = Wirtshaus). Über weitere Belege
aus dem Rotw. usw. sowie die (nicht sichere, vielleicht aber zu dem
hebr. _chber_ = »Gefährte, Genosse« in Beziehung zu setzende)
_Etymologie_ s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 22 ff. u. d.
Anmkgn. vbd. m. Bd. 38, S. 197, Anm. 2 — _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
Sp. 59 hat keine Erklärung gegeben.]

Gastmahl, _Bikerei_, _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[807]                 [64.172]

Gastwirt, _Beizer(er)_[812], _Koberer_[813]

Gastwirtin, _Beizere_[812], _Kobere_[813]

Gatte, _Kaffer_[814]

Gattin, _Mos(s)_[815]

Gaukler, _Schnurrant_[816]

Gaul, _Trapert_[817]

Gaulfuß, _Traperttritt_[818]

Gaumen, _oberkünftiger Giel_ (d. h. etwa »Obermaul«)[819]

Gauner, _Schniffer_[820], _Zschor_[821]; vgl. Dieb

gebären, _Deislere werden_ (d. h. eigtl. »Wöchnerin werden« od.
»niederkommen«)[822]

Gebäude, _Kitt_[823]

[Fußnote 814: ([363] auf S. 64.172) S. Bauer.]

[Fußnote 815: ([364] auf S. 64.172) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 816: ([365] auf S. 64.172) S. Äquilibrist.]

[Fußnote 817: ([366] auf S. 64.172) S. Füllen.]

[Fußnote 818: ([367] auf S. 64.172) S. Entenfuß.]

[Fußnote 819: ([368] auf S. 64.172) Dieselbe Umschreibung ist auch bei
den Zigeunern üblich nach _Liebich_, S. 153 u. 200 (_praldīno mui_,
d. h. »das Obermaul«, = Gaumen; vgl. »Vorbemerkung«, S. 17). — Betr.
_Giel_ s. Affengesicht. Das Adj. _oberkünftig_ (= oberer) — als Adv.
gebr. = oben — ist der Gegens. zu _unterkünftig_ [s. darüber schon oben
unter »Fußsohle«). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 340 (_oberkönig_ = hinauf, _oberkinnighauren_ =
aufsitzen); _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_oberkünftig_ = oben); s. auch
_Pfälz. Händlerspr._ 439 (_überkindig_ = gegenüber). Im sonst. Rotw.
tritt _oberkünftig_ (ebenso wie s. Gegens. _unterkünftig_) z. B. schon
im _W.-B. v. St. Georgen_ 1750 (218) auf, ist dagegen in d. Neuzeit
hauptsächl. _Kunden_ausdr. geworden. S. darüber sowie über die
_Etymologie_ das Näh. schon oben unter »Fußsohle«.]

[Fußnote 820: ([369] auf S. 64.172) S. anfassen.]

[Fußnote 821: ([370] auf S. 64.172) S. ausstehlen.]

[Fußnote 822: ([371] auf S. 64.172) Zu _Deislere_ = Wöchnerin
(»Kindbetterin«) s. die Weiterbildg. _Deislerei_ = Geburt u. die (zu dem
Stamme (_Deis[e]l-_ gehörige) _Zusammensetzg._ _Deiselmoss_ (od.
_Disselmoss_) = Hebamme. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm.
der Gaunerspr._ 35 (_Deuslerin_ = Kindbetterin) u. _Pfulld. J.-W.-B._
341 (_Deußleri_ [-rin] = Kindbetterin u. _Deußlerei_ = Kindbett). Sonst
m. W. unbekannt. Die _Etymologie_ ist unsicher. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
II, Sp. 139 hat die Vokabel zu d. Zeitw. _deisen_ (deißen) = schlagen,
töten, schlachten, auch coire (s. oben unter »ermorden«) gestellt (aber
weshalb?).]

[Fußnote 823: ([372] auf S. 64.172) S. Abort.]

geben, _dogen_[824], _ste(c)ken_[825]                                     [64.173]

Gebet, _Bliblerei_[826]

Gebieter, _Sins_[827]

Gebiß, _Näpfling_ (d. h. »Zähne«)[828]

Geblüt, _Rat_[829]

Geburt, _Deislerei_[830]

gebratene Kartoffeln s. Bratkartoffeln

gebrechlich, _begerisch_[831]

Geck, _Hegel_[832], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[833]

geeignet, _dof_[834]

Gefahr, _Lenk_, _Schofel_[835]

gefällig, _dof_[834]

gefangen, _im Dofes_[836], _im Kittle_[837], _im Lek_[836]

Gefangenwärter, _Dofesbu(t)z_, _Kittlesbu(t)z_, _Lekbu(t)z_[838]

Gefängnis, _Dofes_[836], _Kittle_[837], _Lek_[836]

Gefäß, _Nolle_ (bes. Topf, Hafen)[839] od. _Schottel_ (bes.
Schüssel)[840]

Gefecht, _Hamore_[841]

gefühllos, _lenk_, _schofel_[842]

gefühlvoll, _dof_[834]

Gehalt, _Bich_[843], _Gore_[844], _Lobe_[845]

[Fußnote 824: ([373] auf S. 64.173) S. abgeben.]

[Fußnote 825: ([374] auf S. 64.173) S. beschenken.]

[Fußnote 826: ([375] auf S. 64.173) S. anbeten.]

[Fußnote 827: ([376] auf S. 64.173) S. Amtmann.]

[Fußnote 828: ([377] auf S. 64.173) S. abbeißen.]

[Fußnote 829: ([378] auf S. 64.173) S. Blut.]

[Fußnote 830: ([379] auf S. 64.173) S. gebären.]

[Fußnote 831: ([380] auf S. 64.173) S. absterben.]

[Fußnote 832: ([381] auf S. 64.173) S. Dummheit.]

[Fußnote 833: ([382] auf S. 64.173) S. aberwitzig.]

[Fußnote 834: ([383] auf S. 64.173) S. angenehm.]

[Fußnote 835: ([384] auf S. 64.173) Substantivierung der entsprechd.
Adjektive (s. arg); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7,
Anm. 16.]

[Fußnote 836: ([385] auf S. 64.173) S. Arrest.]

[Fußnote 837: ([386] auf S. 64.173) S. Abort.]

[Fußnote 838: ([387] auf S. 64.173) S. (betr. _Bu(t)z_) Amtsdiener.]

[Fußnote 839: ([388] auf S. 64.173) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 840: ([389] auf S. 64.173) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 841: ([390] auf S. 64.173) S. Fehde.]

[Fußnote 842: ([391] auf S. 64.173) S. arg.]

[Fußnote 843: ([392] auf S. 64.173) S. Almosen.]

[Fußnote 844: ([393] auf S. 64.173) S. Barschaft.]

[Fußnote 845: ([394] auf S. 64.173) S. Bank.]

gehängt, _g'schnürt_[846]                                                 [64.174]

gehässig, _lenk_, _schofel_[842]

geheilt, _dof_[834]

gehen, _bosten_, _pfichen_[847] (wohl auch _naschen_, _tschanen_)[848]

gehenkt s. gehängt

Gehölz, _Jahre_, _Kracher_[849]

Geist (Gespenst), _Schuberle_[850]

geistesarm, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[851]

Geistlicher, _Gal(l)ach_[852], _Kolb_[853]

[Fußnote 846: ([395] auf S. 64.174) S. aufhängen.]

[Fußnote 847: ([396] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) abgehen.]

[Fußnote 848: ([397] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) fliehen.]

[Fußnote 849: ([398] auf S. 64.174) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]

[Fußnote 850: ([399] auf S. 64.174) Mit _Schuberle_ = Geist (Gespenst,
Spuk) ist gebildet die _Verbindg._ _bliblischer Schuberle_ = heiliger
Geist u. die _Zusammensetzg._ _Schuberleschein_ (d. h. eigtl.
»Gespensterlicht«) = Irrlicht (s. d. betr. Analogie im Zigeunerischen).
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93
(_Schuberle_ = Gespenst); _Uracher Jauner- u. Betrügerliste_ 1792 (268:
_Schuberlenspflanzer_ = »ein vorgeblicher Geistererlöser« [als
Betrügerart]); _Schöll_ 272 (_Schuberle_ = Geist, Gespenst); _Pfulld.
J.-W.-B._ 340, 342 (_grandiges Schuberle_ = Gespenst, _Tschuberle_ =
Nachtgespenst); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210, 213]:
_Schuberle_ [od. _Schubachtle_], plur.: _Schuberlich_ = Geist;
_Schuberlespflanzer_ = a) Geistererlöser (»Tätigkeit des kathol.
Pfarrers«); b) Teufel; dazu als Zeitw. _es schubert_ = es spukt). Im
sonst. Rotw. findet sich vereinzelt — neben dem Dim. auf -le — auch
wohl ein unverkleinertes _Schuhwer_ (od. _Schuwe_) in gleicher Bedeutg.
(s. z. B. _Pfister_ 1812 [305]; _v. Grolman_ 64 u. T.-G. 97; _Karmayer_
G.-D. 218). Die _Etymologie_ des Wortes ist noch nicht festgestellt;
vgl. auch _Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 15, Anm. 1.]

[Fußnote 851: ([400] auf S. 64.174) S. aberwitzig.]

[Fußnote 852: ([401] auf S. 64.174) Mit _Gal(l)ach_ = Geistlicher
(Pfarrer, Prediger, Priester) sind gebildet die _Verbdg._ _grandicher
Gal(l)ach_ = Hoherpriester (betr. d. Syn. _gr. Kolb_ s. unter »Bischof«)
u. folgd. _Zus._: a) _am Anfang_: _Gal(l)achkitt_ = Pfarrhaus,
_Gal(l)achmalfes_ = Priesterrock; b) _am Ende_: _Diboldegal(l)ach_ (d.
h. eigtl. »Judenpriester«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
Zigeun.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
37 (_Galloch_ = Pfarrer); _W.-B. des Konst. Hans_ 257, 258 (_Galach_,
_Galoch_ u. _Gallach_ = Pfarrer; _Galacha-Kitt_ = Pfarrhaus); _Pfulld.
J.-W.-B._ 343 (_Kollach_ = Pfarrer, _Rollach_ [verdruckt] = Priester,
_Kollachekitt_ = Pfarrhaus); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Galach_
= Pfarrer [neben _Galorum_ = »Pfaffe«], _Galachswinde_ = [kathol.]
Pfarrhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 483, 484 (_Gallach_ = Pfarrer, aber
auch Kaufmann; vgl. [486] d. merkwürd.: _Gallach reißen_ = »Spektakel
machen«); s. auch noch _Metzer Jenisch_ 216 (_Gallach_ = Pfarrer). Über
das Vorkommen der (alten u. sehr verbreiteten) Vokabel im Rotwelsch usw.
sowie die _Etymologie_ (vom aram. u. nhebr. _gelach_ = »scheren«,
Bedeutg. also »der Geschorene«, mit Bez. auf die Tonsur der kathol.
Geistlichen) s. ausführt. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 225 ff.; vgl. auch
noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 23.]

geistlos s. geistesarm.                                                   [64.175]

geizig, _bikerich_[854]

Geld, _Bich_[843], _Gore_[844], _Kies_[855], _Lobe_[845]; vgl.
Kupfergeld

Geldbeutel, _Kiesreiber_[856]

Geldkasse, Geldkasten, _Bichschure_, _Kies-_ od. _Lobeschure_[857]

Geldsack, _Bich-_, _Kies-_ od. _Loberande_[858]

Geldstück (Münze) s. Geld

Geldtasche s. Geldbeutel

gelehrt, _kochem_[859]

Geliebte, _dofe Model_ oder (bloß) _Model_[860]

Geliebter, _Benges_[861], _Fi(e)sel_[862], _dofer Benges_ (od. Benk)

Gelte (Gefäß für Flüssigkeiten), _Schottel_[863]

Gemach, _Schrende_[864]

Gemahl, _Kaffer_[865]

Gemahlin, _Mos(s)_[866]

gemein, _schofel_[867]

Gemüse, _Groanert_[868]

[Fußnote 853: ([402] auf S. 64.175) S. Bischof.]

[Fußnote 854: ([403] auf S. 64.175) S. Abendessen.]

[Fußnote 855: ([404] auf S. 64.175) S. Bankier.]

[Fußnote 856: ([405] auf S. 64.175) S. Beutel.]

[Fußnote 857: ([406] auf S. 64.175) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 858: ([407] auf S. 64.175) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 859: ([408] auf S. 64.175) S. besonnen.]

[Fußnote 860: ([409] auf S. 64.175) S. Beischläferin; vgl. angenehm.]

[Fußnote 861: ([410] auf S. 64.175) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 862: ([411] auf S. 64.175) S. Bettelbube.]

[Fußnote 863: ([412] auf S. 64.175) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 864: ([413] auf S. 64.175) S. Frauenstube.]

[Fußnote 865: ([414] auf S. 64.175) S. Bauer.]

[Fußnote 866: ([415] auf S. 64.175) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 867: ([416] auf S. 64.175) S. arg.]

[Fußnote 868: ([417] auf S. 64.175) Mit _Groanert_ od. _Groenert_ =
Gemüse, dann (auch spezieller) Kohl, Kraut (Sauerkraut) sind
_zusammengesetzt_: a) _am Anfang_: _Groanertblättling_ = Krautsalat; b)
_am Ende_: _Koelesgroenert_ (d. h. eigentl. »Teufelskraut«) = Unkraut
(s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.; vgl. auch schon
»Vorbemerkg.«, S. 18) _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 95 (_Gronert_ = Kraut); _W.-B. des Konst. Hans_ 254
(_Gruonert_ = Kraut); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 343 (_Kronet_ = Kraut
neben _Kro¶m¶et_ [wohl verdruckt] = Salat); _Schwäb. Händerspr._ 483
(_Grûnert_ = Kraut). Über weitere Belege aus dem Rotwelsch (wo die
Vokabel als _Grunhart_ = Feld z. B. schon im _Lib. Vagat_ [54] u. dann
öfter, als _Grünert_ = Heu bei _A. Hempel_ 1687 [167] u. a. m., als
_Grunert_ = Krauthaupt im _Waldheim Lex._ 1726 [188], als _Gronert_ =
Kraut im _Hildburgh. W.-B._ 1783 ff. [228] vorkommt) s. _Weber-Günther_,
S. 187 (unter »Kronert«). Zur _Etymologie_ (von »grün« in versch.
mundartl. Aussprache) s. ebds. vbd. mit _Pott_ II, S. 9, _Günther_,
Rotwelsch, S. 62 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 882 (unter
»Grunert«).]

gemütlich, _dof_[869]                                                     [64.176]

gemütlos, _lenk_[867]

gemütskrank, _ni(e)sich_, _nil(l)ich_[870]

gemütvoll, _dof_[869]

Gendarm, _Lolo_ od. _Loli_[871], _Schuker_[872], auch (humoristisch)
_August mit dem Ofenrohr_[873] od. _Lattenkarle_[874]

[Fußnote 869: ([418] auf S. 64.176) S. angenehm.]

[Fußnote 870: ([419] auf S. 64.176) S. aberwitzig.]

[Fußnote 871: ([420] auf S. 64.176) _Lolo_ od. _Loli_ = Gendarm findet
sich zwar nicht in dem bes. verwandten Quellenkr., dagegen kennt das
_Metzer Jenisch_ (216) die Bezeichg. in _fast_ gleicher Form (_Lole_)
und in derselben Bedeutung; im Rotw. ist sie m. Wiss. unbekannt.
_Etymologie_: aus der _Zigeunersprache_, u. zwar vom Adj. _lōlo_ =
rot, nach _Wittich_ wohl mit Bez. auf die roten Aufschläge an der
frühern Uniform der »Landjäger« (vgl. »Einleitung«, S. 31). Vgl. (über
das Zigeunerwort, das sich aufs Altind. [_lōha_ = »rötlich, eisern«]
zurückführen läßt) noch _Pott_ II, S. 338, _Liebich_, S. 144, 187 u. 233
(_lōlo_ = rot, bunt), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 27, S. 6 (wie
_Liebich_) u. _Finck_ 71 (_lōlo_ = rot); bei _Jühling_, S. 223 nur im
Zus. angeführt.]

[Fußnote 872: ([421] auf S. 64.176) Zu _Schuker_ s. die (schon oben
unter »Bischof« näher besprochenen) Gradsteigerungen _grandicher
Schuker_ = Wachtmeister (Obergendarm) u. _grandich Schuker_ =
Oberwachtmeister. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 338, 344 (_Tschugger_ = Bettelvogt neben _Schuker_ = Gardist);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 67, 72, 73, 75 (_Schucker_ = Aufseher,
_Schuker_ od. _linker Schucker_ = Landjäger, _Oberschucker_ =
Oberaufseher, Stationskommandant); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 483
(_Schu[c]ker_ [in _Pfedelb._ (211): auch _Schoker_] = Gendarm,
Landjäger). Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. _Groß'_
Archiv, Bd. 43, S. 40, 41 (unter »Schoter«, lit. i). Zu der (noch nicht
sicher festgestellten) _Etymologie_ s. ebds. S. 39, 40 u. Anm. 2 vbd.
mit Bd. 56, S. 185 (in d. »Nachträgen u. Berichtigungen«), wo die
Ableitung vom deutsch. mundartl. Zeitw. _schucken_ = »werfen, stoßen,
schubsen« als die wahrscheinlichste angenommen ist.]

[Fußnote 873: ([422] auf S. 64.176) Diese (einen beliebten Eigennamen
zum _Gattungsbegriff_ erhebende) Verbindung dürfte wohl aufzufassen sein
als eine Weiterbildung des synon. Ausdrucks _August mit der Latte_, der
z. B. (neben _windiger August_) auch in der schwäb. _Gauner- u.
Kundenspr._ 72 (für den »Landjäger«) bekannt ist (ebenso wie auch
_sonst_ in der Kundenspr.; s. _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 140 [u. oben
unter »Degen«]; vgl. auch ebds. S. 139 über d. Syn. _blanker August_).]

[Fußnote 874: ([423] auf S. 64.176) Bei dieser (zu _Karle_, südd. Dim.
zum Eigennamen _Karl_, gehörigen, also sprachlich der vorigen
Umschreibung gleich zu beurteilenden) Bezeichnung (vgl. auch schon oben
unter »Degen«) liegt vermutlich eine Kombination vor von dem gauner- u.
kundenspr. _Lattenseppel_ (bes. [wie _August mit der Latte_] = Gendarm),
doch auch wohl allgemeiner Polizeibeamter (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 51,
S. 154]) mit _Klempners Karl_, das (bei Gaunern u. Kunden) gleichfalls
für den Gendarmen (Polizisten od. Schutzmann) vorkommt (s. Näh. darüber
in _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 149/50).]

genehm, _dof_[875]                                                        [64.177]

genießen, _achila_[876], _biken_, _butten_, _kahla_[877]

Gerät s. Geschirr

Gerede, _Diberei_ od. _Gedieber_ (Spr.)[878], _Schmuserei_[879]

gereizt, _stumpfich_[880]

Gericht (= Speise), _Bikerei_ od. _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[877]

Gericht (bes. Amtsgericht), _Schoflerei_[881]

Gerichtsvollzieher, _Schoffeleischure_ (Spr.)[882]

Gerste, wohl durch _Gib_ auszudrücken[883]; vgl. Malz

Geruch, _Muffen_ (d. h. eigtl. »das Riechen, Stinken«)[884]

gesalzen, _g'spronkt_, _gesprunkt_[885]

Gesang, _Schallerei_[886]

Geschäft, _Schenagel_[887]

gescheit, _kochem_[888]

geschickt, _g'want_[889]

Geschirr (als Gerät), _Schottel_[890]

geschmeidig, _dof_[875], _g'want_[889]

Geschrei, _Hamore_, _Morerei_[891]

Geschwätz, _Diberei_[878], _Schmuserei_[879]

Geschwister, _Glied_[892]

[Fußnote 875: ([424] auf S. 64.177) S. angenehm.]

[Fußnote 876: ([425] auf S. 64.177) S. essen.]

[Fußnote 877: ([426] auf S. 64.177) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 878: ([427] auf S. 64.177) S. anreden.]

[Fußnote 879: ([428] auf S. 64.177) S. ansagen.]

[Fußnote 880: ([429] auf S. 64.177) S. Ärger.]

[Fußnote 881: ([430] auf S. 64.177) S. arg.]

[Fußnote 882: ([431] auf S. 64.177) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 883: ([432] auf S. 64.177) S. Frucht.]

[Fußnote 884: ([433] auf S. 64.177) S. Aas; vgl. »Vorbemkg.«, S. 15,
Anm. 38.]

[Fußnote 885: ([434] auf S. 64.177) S. einsalzen.]

[Fußnote 886: ([435] auf S. 64.177) S. absingen.]

[Fußnote 887: ([436] auf S. 64.177) S. abschaffen.]

[Fußnote 888: ([437] auf S. 64.177) S. besonnen.]

[Fußnote 889: ([438] auf S. 64.177) S. anmutig.]

[Fußnote 890: ([439] auf S. 64.177) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 891: ([440] auf S. 64.177) S. (zu _beiden_ Ausdr.) Fehde.]

[Fußnote 892: ([441] auf S. 64.177) S. Bruder.]

Gesicht, _Giel_ (d. h. eigtl. »Mund« od. »Maul«)[893], auch _Ki(e)bes_    [64.178]
(d. h. eigtl. »Kopf«)[894]

Gesinde, _Schenegler_ (Knecht) bezw. _Scheneglere_ (Magd)[895]; vgl.
Dienstboten

Gespenst, _Schuberle_[896]

Gespräch, _Diberei_[897], _Schmuserei_[898]

gesprächig, _diberich_[897], _schmuserich_[898]

Gestank, _Mufferei_[899]

Gestein, _Hertling_[900], _Kies_[901]

gestorben, _begert_[902]

Gesuch, _Dercherei_[903]

gesund, _dof_[904]

Getränk, _Schwächet_[905]

Getreide, _Gib_, _Kupfer_[906]

getreu, _dof_[904]

[Fußnote 893: ([442] auf S. 64.178) S. Affengesicht.]

[Fußnote 894: ([443] auf S. 64.178) S. Angesicht.]

[Fußnote 895: ([444] auf S. 64.178) S. abschaffen.]

[Fußnote 896: ([445] auf S. 64.178) S. Geist.]

[Fußnote 897: ([446] auf S. 64.178) S. anreden.]

[Fußnote 898: ([447] auf S. 64.178) S. ansagen.]

[Fußnote 899: ([448] auf S. 64.178) S. Aas.]

[Fußnote 900: ([449] auf S. 64.178) _Hertling_ hat im W.-B. zwei
verschiedene Bedeutungen, nämlich: a) Stein (Gestein) u. noch spezieller
Kieselstein; b) Messer. _Zusammensetzgn._ sind jedoch nur mit dem Worte
_im ersterem Sinne_ gebildet worden, u. zwar: a) _am Anfang_:
_Hertlingsguffer_ = Steinhauer, Steinmetz; b) _am Ende_: _Rollehertling_
= Mühlstein, _Stradehertling_ (d. h. eigtl. »Wegstein«) =
Kilometerstein, Meilenzeiger (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d.
Zigeun.). Unter den _verw. Quellen_ kennen die Sammlungen der _Gaun.- u.
Kundenspr._ die Vokabel _nur_ in der Bedeutung »Messer«, während die
_schwäb. Händlerspr._ _Härtling_ = Messer, dagegen _Hertling_ = Stein
hat. Vgl. _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Hertling_ = Messer); _Pfulld.
J.-W.-B._ 342 (_Hettling_ [sic] = Messer, _Hettlingflammerer_ =
Messerschmied); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 (_Hertling_ = Messer);
_Schwäb. Händlerspr._ 484, 487 (_Härtling_ = Messer, _Hertling_ = Stein,
_Hertlingsguffer_ [in _Pfedelb._ (213) auch _Hertlingskneppler_] =
Steinhauer). Über weitere Belege im Rotw. (wo die Bedeutg. durchweg
»Messer« u. dgl. [Axt, Schwert, Säbel] ist) sowie die _Etymologie_ (zu
»hart«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 45, 46 u. Anm. 1 vbd. m. Bd. 47,
S. 139/40; vgl. auch _Pott_, S. 33, _Günther_, Rotwelsch, S. 59 u.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1194.]

[Fußnote 901: ([450] auf S. 64.178) S. Apfelkern.]

[Fußnote 902: ([451] auf S. 64.178) S. absterben.]

[Fußnote 903: ([452] auf S. 64.178) S. abbetteln.]

[Fußnote 904: ([453] auf S. 64.178) S. angenehm.]

[Fußnote 905: ([454] auf S. 64.178) S. Amme.]

[Fußnote 906: ([455] auf S. 64.178) S. (zu beiden Ausdr.) Frucht.]

Gewahrsam, _Dofes_, _Lek_[907]                                            [64.179]

Gewalt, _Grandich_[908]

gewalttätig, _lenk_, _schofel_[909]

Gewand, _Kluft_, _Klufterei_[910], _Kaffermalfes_ (Gew. für
Männer)[911], _Mos(s)malfes_ (für Frauen)[912]; vgl. Männerrock,
Frauenrock

gewandt (flink) _dof_[913], _g'want_[914]

Gewässer, _Flu(h)te_[915]

Gewehr, _Klass_[916], _Schnelle_[917]

Gewerbe, _Schenagel_[918]; vgl. Arbeit, Beruf

Gewerbeschein, _Flebbe_[919]

gewichtig, _grandich_[920]

gewogen (= wohlgesinnt), _dof_[913]

Gezänk, _Hamore_, _Morerei_[921]

[Fußnote 907: ([456] auf S. 64.179) S. (zu beiden Ausdr.) Arrest.]

[Fußnote 908: ([457] auf S. 64.179) Substantivierung des Adj. _grandich_
(s. Adler); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 909: ([458] auf S. 64.179) S. arg.]

[Fußnote 910: ([459] auf S. 64.179) S. ankleiden.]

[Fußnote 911: ([460] auf S. 64.179) S. Bauer u. Frauenrock.]

[Fußnote 912: ([461] auf S. 64.179) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 913: ([462] auf S. 64.179) S. angenehm.]

[Fußnote 914: ([463] auf S. 64.179) S. anmutig.]

[Fußnote 915: ([464] auf S. 64.179) S. abbrühen.]

[Fußnote 916: ([465] auf S. 64.179) S. Büchse.]

[Fußnote 917: ([466] auf S. 64.179) S. abschießen.]

[Fußnote 918: ([467] auf S. 64.179) S. abschaffen.]

[Fußnote 919: ([468] auf S. 64.179) Zu _Flebbe_ (das auch noch »Paß«
bedeutet) gehört als _Ableitung_ das Zeitw. _flebben_ od. _fleppen_ für
»(die Papiere) kontrollieren« od. »(den Paß) visieren«, das jedoch im
Vokabular nur im Partiz. _geflebbt_ od. _gefleppt_ (= »kontrolliert,
visiert«) angeführt ist. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm.
der Gaunerspr._ 97 (_Fleppe_ = Paß); _Schöll_ 271 (_Flebbe_ = Brief);
_Pfulld. J.-W.-B._ 337, 338, 343, 344 (_Flepp_ [Fleppe, -en] = Attestat,
Brief, Buch, Paß, Schrift, _Fleppapflanzer_ = Bücherschreiber,
_Fleppemalocher_ = Paßmacher); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73, 76
(_Fleppe_ = Papiere zum Wandern, _fleppen_ = die Papiere visitieren);
_Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Flepp_ [in _Pfedelb._ (212): _Flebbe_] =
Papiere zum Ausweis, Paß [in _Pfedelb._ (213, 214) auch = Wanderbuch,
Zeugnis], auffällig [in _Pfedelb._ (210)] _flebben_ = gehen); s. auch
_Pleißlen der Killertaler_ 435 (_Flepp_ = Papiere zum Ausweis) u.
_Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Flebbe_ od. _Flêber_ = Legitimation). Über
weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. sowie die (nicht sichere)
_Etymologie_ s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 252/53 u. Anm. 4 u.
Bd. 42, S. 41, Anm. 1 vbd. m. _Weber-Günther_, S. 186 (unter »Flebbert«)
u. _Schütze_, S. 68. — _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1567 (unter
»Flepp[e]«) gibt keine etymol. Erklärung.]

[Fußnote 920: ([469] auf S. 64.179) S. Adler.]

[Fußnote 921: ([470] auf S. 64.179) S. (zu beiden Ausdr.) Fehde.]

geziemend, _dof_[913]                                                     [64.180]

Gier, _Put(t)lak_[922]

gierig, _bikerich_[923], _bogelich_[922]

Gitarre, _Schure_[924]

Glas, _Glansert_[925]

Glaser, _Glansertschenegler_[918]

gläubig, _bliblich_[926]

Glied, männliches (penis), _Betzam_ od. _Bezem_[927], _Dietz_[928],
_Garo_ od. _Gari_[929], auch _Schure_ (letzteres in diesem Falle kräftig
gesprochen)[924]

Glied, weibliches (»Scham«), _Geschmu_ od. _G'schmui_[930]

[Fußnote 922: ([471] auf S. 64.180) S. Appetit.]

[Fußnote 923: ([472] auf S. 64.180) S. Abendessen.]

[Fußnote 924: ([473] auf S. 64.180) S. abbiegen.]

[Fußnote 925: ([474] auf S. 64.180) S. Bierglas.]

[Fußnote 926: ([475] auf S. 64.180) S. anbeten.]

[Fußnote 927: ([476] auf S. 64.180) Die Bemerkung _Wittichs_, die hierzu
im Text hinzugefügt gewesen, daß man nämlich die Vokabel _nicht_
verwechseln dürfe mit _Bäzam_ od. _Bäzem_ = Ei, obwohl dieses »in der
Aussprache kaum davon zu unterscheiden« sei, erledigt sich dadurch, daß
es sich in der Tat doch (auch der _Etymologie_ nach) um _dasselbe_ Wort
handelt. Vgl. das Näh. schon unter »Ei«.]

[Fußnote 928: ([477] auf S. 64.180) Der Ausdruck (der sonst m. Wiss. in
den Geheimsprachen nicht vorkommt) dürfte aufzufassen sein als die
Kurzform des Eigennamens _Dietrich_, dessen Gebrauch für den penis in
deutsch. Mundarten nachweisbar (u. schon 1710 in d. Literatur bezeugt)
ist. Vgl. _Müller_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 2 (wo noch das
obersächs. _Schwippkedietrich_ als Synon. angeführt ist).]

[Fußnote 929: ([478] auf S. 64.180) Zu _Garo_ (-ri) vgl. in der _schwäb.
Händlerspr._ (484) _Anglersgre_ = »membrum virile«. _Ohne_ Zusatz ist
_Gari_ (-ro) in _gleichem_ Sinne in einzelnen rotw. Quellen des 19.
Jahrh. angeführt (s. z. B. _Pfister_ 1812 [298], _v. Grolman_ 23 u.
T.-G. 98; _Karmayer_ 58) und auch sonst mundartlich gebräuchlich (so z.
B. im Elsaß; vgl. _Martin-Lienhardt_, Els. W.-B. II, Sp. 940). Zur
_Etymologie_ — aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 30) —
s. die Lit-.Angaben in _Groß'_ Archiv, Bd. 56, S. 58, Anm. 3 u. dazu
noch _Finck_, S. 63 (_kār_, _kāro_ = »Schwanz, Schweif, männliches
Glied, Ziemer« [in den übrigen zig. W.-Büchnern usw. meist: _gāro_,
bei _Jühling_, S. 221: _Gār_]).]

[Fußnote 930: ([479] auf S. 64.180) Zu _G(e)schmu(i)_ _vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 (_Schmoi_ =
»membr. fem.«); _Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ [215]: _G'schmu_ =
»membrum muliebre«, während in U. [214] die _Zus._ _G'schmufink_ für den
penis gebraucht wird, in _Degg._ [215] dagegen _Schmufink_ die Zigarre
bedeutet [Metapher?]). S. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Schmu_ = »membrum
muliebre«) sowie aus dem älteren Rotw.: _Körner's Zus. zur Rotw. Gramm._
v. 1755 (240: _Schmoje_ = Weibesscham; _Pfister_ 1812 (305: _Schmue_ =
weibliche Scham); _Brills Nachrichten_ 1814 (324: ebenso); _v. Grolman_
62 u. T.-G. 98 (_Schmu_); _Karmayer_ 145 (ebenso). Die Etymologie ist
unsicher. Auch _Müller_ in d. »Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 9 u.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 485 geben keine Erklärung. Nach A.-L.
601 soll es sich — bei der Form _Schmu(e)_ — um eine »Transposition«
von _Musch_ handeln (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 346); in
_G(e)schmu(i)_ wäre dann das Wort wohl mit der (bes. bayr.-österr.)
Vorsilbe _Ge-_ versehen; vgl. das _Geschmudel_ = »feminal« (_Schmeller_,
Bayer. W.-B. II, Sp. 545 unter »schmudeln«).]

Glück, _Dof_[931]                                                         [64.181]

Glühwein, _gesicherter Johle_[932]

Glut, _Funk_[933]

gnädig, _dof_[913]

Gold, _Fuchs_[934]

Goldfisch, _Fuchsschwimmerling_[935]

Goldstück, _Füchsle_ od. _Goldfüchsle_[934]

Gottesacker, _Begerschure_[936]; vgl. Friedhof, Kirchhof

Gottesdienst (halten), _Duft (halten)_[937]

Gotteshaus, _Duft_[937]; vgl. Kirche

gottlos, _lenk_, _schofel_[938]

Grab, _Begerschure_[936]

Grabstein, _Begerkies_[939]

Gras, _Kupfer_[940]

gewaltsam, _lenk_, _schofel_[938]

Grausen (das), _Bauserich_[941]

Greis, _Käfferle_ (d. h. eigtl. etwa »[altes] Männchen«)[942]

grimmig, _lenk_, _schofel_[938]

grob, " "

groß, _grandich_ (-dig)[943]

[Fußnote 931: ([480] auf S. 64.181) Substantivierung des Adj. _dof_ (s.
angenehm); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 932: ([481] auf S. 64.181) S. auskochen u. Apfelwein.]

[Fußnote 933: ([482] auf S. 64.181) S. abbrennen.]

[Fußnote 934: ([483] auf S. 64.181) Zu _Fuchs_ (Dimin. _Füchsle_ [od.
_Goldfüchsle_] = Goldstück, _Zus._: _Fuchsschwimmerling_ = Goldfisch)
_vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254 u.
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Fuchs_ = Gold). Über weitere Belege aus dem
Rotwelsch u. d. Kundenspr. sowie zur _Etymologie_ (metaphor.
Tierbezeichng.) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 317 ff. u. Anm.
3 vbd. m. Bd. 55, S. 157, Anm. 1; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. II,
Sp. 1808, Nr. 7.]

[Fußnote 935: ([484] auf S. 64.181) S. Fisch.]

[Fußnote 936: ([485] auf S. 64.181) S. absterben u. abbiegen.]

[Fußnote 937: ([486] auf S. 64.181) S. Dom.]

[Fußnote 938: ([487] auf S. 64.181) S. arg.]

[Fußnote 939: ([488] auf S. 64.181) absterben u. Apfelkern.]

[Fußnote 940: ([489] auf S. 64.181) S. Frucht.]

[Fußnote 941: ([490] auf S. 64.181) Wohl Substantivierung des Adj.
_bauserich_ = ängstlich (s. Angst); vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm.
38.]

[Fußnote 942: ([491] auf S. 64.181) S. Bauer.]

[Fußnote 943: ([492] auf S. 64.181) S. Adler.]

große Arbeit, _grandicher Schenagel_[944]                                 [64.182]

große Augen, _grandiche Scheiling_[945]

große Dame, _grandiche Sense_[946]

große Kirche, _grandiche Duft_[937]

große Nase, _grandicher Muffer_[947]

große Schulden, _grandich Bomme_[948]

großer Bauer, _grandicher Ruch_[949]

großer Herr, _grandicher Sins_[946]

großer Kopf, _grandicher Ki(e)bes_[950]

großer Mann, _grandicher Kaffer_[951]

großer Mund, _grandicher Giel_[952]

großes Herrenhaus, _grandiche Sinsekitt_[953]

Großmaul, _Grandichergiel_[952]

Großmutter, _Grandichemamere_[954]; vgl. Mutter

großnasig; _grandicher Muffer_[947]

Großvater, _Grandicher-Patres_[955], vgl. Vater

Gruft s. Grab

Grummet, _Kupfer_[956]

gucken (schauen, sehen), _linzen_[957], _spannen_[958]

Gulasch, _Bossertblättling_ (d. h. eigtl. »Fleischsalat«)[959]

[Fußnote 944: ([493] auf S. 64.182) S. abschaffen.]

[Fußnote 945: ([494] auf S. 64.182) S. Augapfel.]

[Fußnote 946: ([495] auf S. 64.182) S. Amtmann.]

[Fußnote 947: ([496] auf S. 64.182) S. Aas.]

[Fußnote 948: ([497] auf S. 64.182) S. borgen.]

[Fußnote 949: ([498] auf S. 64.182) S. Bauer.]

[Fußnote 950: ([499] auf S. 64.182) S. Angesicht.]

[Fußnote 951: ([500] auf S. 64.182) S. Bauer.]

[Fußnote 952: ([501] auf S. 64.182) S. Affengesicht.]

[Fußnote 953: ([502] auf S. 64.182) S. Amtmann u. Abort.]

[Fußnote 954: ([503] auf S. 64.182) S. Amme.]

[Fußnote 955: ([504] auf S. 64.182) S. Eltern.]

[Fußnote 956: ([505] auf S. 64.182) S. Frucht.]

[Fußnote 957: ([506] auf S. 64.182) S. anschauen.]

[Fußnote 958: ([507] auf S. 64.182) S. gaffen.]

[Fußnote 959: ([508] auf S. 64.182) _Blättling_ (= Salat) findet sich
auch noch in folgenden _Zus._ (nur vorne): _Schureblättling_ =
Gurkensalat, _Spronkertflösslingblättling_ = Heringsalat,
_Bolleblättling_ = Kartoffelsalat (Spr.), _Groanertblättling_ =
Krautsalat, _Schmelemerblättling_ (d. h. eigtl. »Zigeunersalat«)
= Löwenzahn (s. zur Erklärung Näh. unter diesem Worte),
_Hornikelgielblättling_ = Ochsenmaulsalat. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Blättling_ = Salat, aber [341,
342] auch = Karte u. Teller); _Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Bl[^æ]tling_
[in _Pfedelb._ (212): _Blättling_] = Salat); s. auch _Pleißlen der
Killertaler_ 434 (_Blättlinger_ = Salat, aber auch Kuchen). Der
_Etymologie_ nach gehört der Ausdr. ohne Zweifel zu »Blatt«, während
_Blättling_ = Kuchen (richtiger _Plattling_ [s. z. B. _Schlemmer_ 1840
(369)]), Teller (s. oben u. auch _sonst_ im Rotw. des 19. Jahrh.) oder
Tisch (s. z. B. _v. Grolman_ 9 u. T.-G. 127) mit »Platte« od. »platt«
zusammenhängt. Vgl. _Pott_ II, S. 38 u. _Günther_, Rotwelsch S. 61.]

Gurke, _Schure_[960]                                                      [64.183]

Gurkensalat, _Schureblättling_[959]

günstig, _dof_, _duft_[961]

günstiger Bursche, _dufter Benges_ od. _Benk_[962], _dufter
Fi(e)sel_[963], — _Freier_[964]

günstiges Mädchen, _dufte Model_[965]

Gürtel, _Schure_[960]

gut, _dof_[961]

gute Frau, _dofe Goi_[966], _dofe Mos(s)_[967]

guter Bursche, _dofer Benges_ (Benk)[962], — _Fi(e)sel_[963], —
_Freier_[964]

guter Mann, _dofer Kaffer_[951]

gutes Mädchen, _dofe Model_[965]

gütig, _dof_[961]

gutmütig, "

[Fußnote 960: ([509] auf S. 64.183) S. abbiegen.]

[Fußnote 961: ([510] auf S. 64.183) S. angenehm.]

[Fußnote 962: ([511] auf S. 64.183) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 963: ([512] auf S. 64.183) S. Bettelbube.]

[Fußnote 964: ([513] auf S. 64.183) S. Fremder.]

[Fußnote 965: ([514] auf S. 64.183) S. Beischläferin.]

[Fußnote 966: ([515] auf S. 64.183) S. böse Frau.]

[Fußnote 967: ([516] auf S. 64.183) S. Bauernfrau.]


                                  H.                                      [64.297]

Haar, _Strauberts_[968]

haarig, _straubertsich_[968]

Haarnadel, _Straubertsschure_[969]

Haaröl, "

Haber s. Hafer

habgierig, _bikerich_[970]

Hacke, _Dogschure_ (d. h. eigtl. ein »Hauding«, zu _dogen_ = hauen)[971]

Häckerling, Häcksel, _Kupfer_[972]

Hafen s. Toof

Hafer, _Kupfer_[972], _Spitzling_[973]; vgl. Futter

[Fußnote 968: ([1] auf S. 64.297) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 969: ([2] auf S. 64.297) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 970: ([3] auf S. 64.297) S. Abendessen.]

[Fußnote 971: ([4] auf S. 64.297) S. abgeben und abbiegen. — Auch die
zigeun. Vokabel für Hacke (_dawmáskeri_) soll nach _Liebich_, S. 206
eigtl. soviel wie ein »Hauding« bedeuten.]

[Fußnote 972: ([5] auf S. 64.297) S. Frucht.]

[Fußnote 973: ([6] auf S. 64.297) Zu _Spitzling_ = Hafer _vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Schwäb. Händlerspr._ 481 (_Spitzling_ [od.
(seltener) _Spitz_] = Hafer; Nebenbdg. [488]: Weidenbaum), während das
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 dafür _Spitzgib_ (od. bloß _Gib_ [s. oben unter
»Frucht«]) hat und das _W.-B. des Konst. Hans_ 255 u. _Schöll_ 271
_Spitznase_ für »Gerste« kennen. Im sonstigen Rotwelsch kommt
_Spitzling_ zwar schon seit d. 16. Jahrh. (s. _Lib. Vagat_ [55]) für den
Hafer vor, hat jedoch auch noch mehrere Nebenbedeutungen, wie
(Näh-)Nadel, Nagel, Ahle (Pfriem) u. Messer; s. _Günther_, Rotwelsch, S.
60 vbd. mit _Schütze_, S. 93 (nach dem noch heute _Spitzling_ = Hafer
»besonders in Süddeutschland von fahrenden Künstlern u. dgl., die für
ihr Wagenpferd fechten«, gebraucht werden soll).]

Häfner, _Nollespflanzer_[974]                                             [64.298]

Haft, _Dofes_[975], _Kittle_[976], _Lek_[975]

Hahn, _Grandiche-Gachne_ (d. h. »große Henne« od. »großes Huhn«)[977]

Halbstiefel, _Halbtrittleng_[978]

halbtot, _halbdeist_[979]

halbtrunken, _halbgeschwächt_[980]

Hals, _Ki(e)bes_[981]

Halskette, _Ki(e)besschlang_[982]

[Fußnote 974: ([7] auf S. 64.298) S. Fleischhafen u. anbrennen.]

[Fußnote 975: ([8] auf S. 64.298) S. Arrest.]

[Fußnote 976: ([9] auf S. 64.298) S. Abort.]

[Fußnote 977: ([10] auf S. 64.298) Diese Bezeichnung ist den Zigeunern
(die sonst ja ähnliche Umschreibungen wohl kennen [s. z. B. _bāri
pāpin_ (jen.: _grandich Babing_), d. h. »(sehr) große Gans« =
Schwan]) nicht bekannt; vgl. auch, »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49. —
Mit _Gachne_ = Henne, Huhn (Dimin. _Gachnele_ = »Küchlein«) ist auch
eine Reihe von _Zusammensetzgn._ gebildet worden, nämlich: a) _am
Anfang_: _Gachnekitt_ = Hühnerhaus, _Gachnetritt_ = Hühnerfuß,
_Gachnekeiluf_ = Hühnerhund, _Gachnestenkert_ = Hühnerstall; b) _am
Ende_: _Bäzemegachne_ (d. h. eigtl »Eierhuhn«) = Legehuhn,
_Krachergachne_ (d. h. eigtl. »Waldhuhn«) = Rebhuhn (s. d. betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), _Flu(h)tegachne_ = Wasserhuhn. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Kachine_ =
Huhn); _Sulzer_, _Zigeunerliste_ 1787 (251: _Gachene_ = Hennen); _W.-B.
des Konst. Hans_ 254 (_Gachene_ [sing.] = Henne); _Schöll_ 271 (ebenso);
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Gachem_ = Henne); _Schwäb. Händlerspr._ 482
(_Kachum_ = Henne [in _Pfedelb._ (210): dafür _Gagak_]). Zur
_Etymologie_ des Wortes — aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«,
S. 30) — s. Näh. bei _Pott_ II, S. 16, _Günther_, Rotwelsch, S. 31 u.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 142 (unter »Kachine«) vbd. mit _Pott_
II, S. 91 (unter »Kachni«), _Liebich_, S. 141, 208 u. 211 (_kachní[n]_ =
Huhn, Henne), _Miklosich_ Beitr. I/II, S. 29, III, S. 11 u.
Denkschriften, Bd. 26, S. 228 (unter »kahni«: bei d. _deutsch._ Zigeun.:
_kachni[n]_), _Jühling_, S. 223 (_Kachni_ = Huhn, plur.: _-ia_) u.
_Finck_, S. 62 (_káxni_, _káxnin_ od. _káxli_ = »Huhn, Henne«). Bei der
Form _Gagak_ — bei den schwäb. Händlern in _Pfedelbach_ (s. oben) —
liegt wohl eine — ev. zugleich mit Anlehnung an das zigeun. Stammwort
vorgenommene — lautnachahmende Bildung (mit Bez. auf das »Gackern« der
Hennen) vor, wie sie bes. die Kindersprache liebt. S. auch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp. 16.]

[Fußnote 978: ([11] auf S. 64.298) S. Ferse.]

[Fußnote 979: ([12] auf S. 64.298) S. ermorden.]

[Fußnote 980: ([13] auf S. 64.298) S. Amme; vgl. berauscht.]

[Fußnote 981: ([14] auf S. 64.298) S. Angesicht.]

[Fußnote 982: ([15] auf S. 64.298) Mit _Schlang_ = Kette, Leine (Spr.)
sind noch folgende _Zus._ gebildet (nur _am Ende_): _Loslingschlang_
(eigtl. »Ohrkette«) = Ohrring, _Blibelschlang_ (eigtl. »Betkette«) =
Rosenkranz (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.), _Lubertschlang_
= Uhrkette. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 90, 95 (_Schlangen_ = Borten, Ketten); _Pfulld. J.-W.-B._
337 (_Schlang_ = Kette; vgl. [341] das Zeitw. _schlangen_ =
anschließen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71 (_Schlange_ = Kette);
_Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schlang_ = Kette [in _Degg._ (215) dagegen:
_Schlang(e)_ = Wurst]). Über weitere Belege des Wortes (einer alten
_Metapher_ aus dem Tierreiche) im Rotwelsch s. Näh. in _Groß'_ Archiv,
Bd. 42, S. 72 u. Anm. 1 (unter »Schlangemer«).]

halt das Maul!, _schupf dich auf!_[983]                                   [64.299]

Hammel, _Jerusalemsfreund_[984]; vgl. Schaf

Hand, _Fehma_[985], _Grif(f)leng_[986]

[Fußnote 983: ([16] auf S. 64.299) S. aufhören.]

[Fußnote 984: ([17] auf S. 64.299) Mit _Jerusalemsfreund_ = Schaf
(Hammel) sind gebildet die _Verbdgn._ _grandich Jerusalemsfreund_ =
Schafbock u. folgende _Zus._: _Jerusalemsfreundbenk_ od.
_-schure_ = Hirt, Schäfer, _Jerusalemsfreundmodel_ = Schäferin,
_Jerusalemsfreundkib_ = Schäferhund, _Jerusalemsfreundschenegler_ =
Schäferknecht, _Jerusalemsfreundstenkert_ = Schafstall,
_Jerusalemsfreundstrauberts_ (d. h. eigtl. »Schafhaare«) = Wolle (s. d.
betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.). — Diese auffällige Bezeichnung
(die nach e. Mitteilg. _Wittichs_ bes. bei den Bürstenhändlern u.
Schirmflickern des schwäb. Dorfes _Lützenhardt_ gebräuchlich sein soll)
findet sich _weder_ in dem _verw. Quellenkreise_ _noch_ m. Wiss. sonst
im Rotw. u. ihm verw. Geheimsprachen. Zur Erklärung dürfte vielleicht
herangezogen werden die Verwendung des Ausdr. _Jerusalem_ für eine
bestimmte _Klee_sorte (Jerusalemsklee, Trifolium hierosolimitanum; vgl.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 94) wie überhaupt auch sonst noch in
_Pflanzennamen_ (vgl. dazu schon _Frisch_, Teutsch-Latein. W.-B., Berl.
1741, Bd. I, S. 186; _Grimm_, D. W.-B. IV, 2, Sp. 2312; Schweiz. Idiot.
III, Sp. 67). Da nun schon im ältern Rotw. für das Schaf die Benennung
_Kleebeißer_ gebräuchlich gewesen (s. z. B. _A. Hempel_ 1687 [169] u.
dann öfter; vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 38, S. 276), so wäre der Übergang
hiervon zu dem »Freund« guten Klees, dem »_Jerusalemsfreund_«, wohl
leicht gegeben.]

[Fußnote 985: ([18] auf S. 64.299) _Fehma_ = Hand (Hände) ist demnach
doch im Jenisch noch _nicht_ völlig veraltet (vgl. »Einleitung«, S. 25,
Anm. 61), jedoch erscheint es außer in der Verbindg. _Fehma ste(c)ken_ =
die Hände geben wenig gebräuchlich, namentl. _nicht_ in Zusammensetzgn.,
während mit dem Synon. _Grif(f)ling_ (-leng) eine Reihe solcher gebildet
ist (vgl. Näh. schon unter »Daumen«). _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Feme_ = Hand, plur. _Fenem_
[wohl verschrieben], u. _Fehm¶a¶_ [sic] _stecken_ = die Hand geben
[wogegen _Griffling_ hier »Handschuhe« bedeutet); _W.-B. des Konst.
Hans_ 256 (_Fehma_ = Hand); _Schöll_ 272 (_Feme_ = Hand); _Pfulld.
J.-W.-B._ 337, 340 (_Fehma_ = Arm, Hand, _Fehma stecken_ = die Hand
geben); in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u. Händlerspr._ nicht mehr
bekannt, dagegen noch im _Metzer Jenisch_ 216 (_Fēm_ = Hand). Über
weitere Belege im Rotwelsch sowie die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom
_nord._ Zahlwort _fem_ = 5, mit Bez. auf die fünf Finger der Hand) s.
Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 65, 66 u. Anm. 1. _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 1051 (unter »Feme«) hat keine Erklärung hinzugefügt.]

[Fußnote 986: ([19] auf S. 64.299) S. Daumen.]

Handarbeit, _Grif(f)lengsschenagel_[987]                                  [64.300]

Hände, die — geben, _Fehma_ od. _Grif(f)leng ste(c)ken_[988]

handeln, _verbaschen_, _vergremen_, _verkemeren_[989],
_verkitschen_[990]

Handelsbursche, _Verbascher_, _Vergremerer_[991],
_Verkemerers-Benk_[992] od. _-Fi(e)sel_[993]

Handelsfrau (-weib), _Verbaschere_, _Vergremere_, _Verkemerere_[991],
_Vergremmos(s)_[994]

Handelsmädchen, _Vergremere_[991], _Verkemeresmodel_[995]

Handelsmann, _Verkemerer_[991], _Vergremerskaffer_ od.
_Verkemerskaffer_[996]

Handgemenge, _Hamore_[997]

[Fußnote 987: ([20] auf S. 64.300) S. abschaffen.]

[Fußnote 988: ([21] auf S. 64.300) S. (betr. _ste[c]ken_) beschenken.]

[Fußnote 989: ([22] auf S. 64.300) S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 990: ([23] auf S. 64.300) Das Zeitw. _verkitschen_ = handeln,
verkaufen (s. dazu die Ableitg. _Verkitscher_ = Verkäufer) findet sich
(in dem _verw. Quellenkr._) auch in der _schwäb. Gaun.-, Kunden- u.
Händlerspr._ (s. _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 71, 77 [_kitschen_ =
kaufen, _verkitschen_ = verkaufen]; _Schwäb. Händlerspr._ 487
[_verkitschen_ od. _vergitschen_ = verkaufen]), auch ist es — in etwas
abweichender Form (nämlich _verkitzen_ [od. _verklitschen_]) u. im etwas
_engeren_ Sinne (nämlich »erbetteltes Zeug verkaufen«) der _älteren
Kundenspr. überhaupt_ bekannt gewesen (s. _Ku._ III [429]). Zur
_Etymologie_: Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1194 (unter
»verkitschen«) u. IV, Sp. 426 (unter »kitschen«) bedeutet in der schwäb.
Mundart _(ver)kitschen_ »im Kleinen (ver)handeln«, dann spezieller auch
»auf listige Art (ver)kaufen« (vgl. bei _Grimm_, D. W.-B. XII, Sp. 641:
_verkitschen_ = »auf unehrliche Weise verkaufen«) und könnte vielleicht
gedeutet werden als eine Ableitung von _Kitsch_, das u. a. für »kurzes
Holz, Abfall von Reisig, schlechte Holzware« vorkommt. In der letzteren
Bedeutg. (»schlechte Holzware«) stimmt _Kitsch_ merkwürdig zu dem
(neuerdings — bes. für schlechte Gemälde — sehr beliebt gewordenen)
Künstlerausdruck _Kitsch_ = »wertloser Schund« (s. _Fischer_, a. a. O.),
der jedoch nach der Z. d. Allgem. Deutsch. Sprachv., Jahrg. 24 (1909),
Sp. 126 erst aus dem oben erwähnten Zeitw. _(ver)kitschen_ entstanden
sein soll (wofür auf die Wiedergabe seiner Bedeutg. bei _Schmeller_,
Bayer. W.-B. I, Sp. 1313 [durch »etwas für Geld anbringen, los werden,
z. B. _ein Gemälde verkitschen_«] verwiesen worden).]

[Fußnote 991: ([24] auf S. 64.300) S. abkaufen.]

[Fußnote 992: ([25] auf S. 64.300) S. (betr. _Benk_) brauchbarer
Bursche.]

[Fußnote 993: ([26] auf S. 64.300) S. Bettelbube.]

[Fußnote 994: ([27] auf S. 64.300) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 995: ([28] auf S. 64.300) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]

[Fußnote 996: ([29] auf S. 64.300) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]

[Fußnote 997: ([30] auf S. 64.300) S. Fehde.]

Handschuh, _Grif(f)lengstrittleng_[998]                                   [64.301]

Handschuhmacher, _Grif(f)lingstrittpflanzer_[999]

Handwerksbursche, _Konde_ od. _Kunde_[1000]

hängen (= aufhängen, henken), _schnüren_[1001]

Harfe, _Niklengschure_ (d. h. etwa »Spielding«)[1002]

Harmonika, " " "

Harn (Urin), _Flösle_, _Flösslete_, _Flösselflu(h)te_[1003]

harnen, _flössle_[1003]; vgl. auch regnen

hartherzig, _lenk_, _schofel_[1004]

Hase, _Langohr_[1005]

Hasenessen, _Langohrbikus_[1006]

Haselnuß, _Jahrekrächerle_ od. _Kracherkrächerle_ (d. h. eigtl.
»Waldnuß«)[1007]

haßartig, _lenk_, _schofel_[1004]

[Fußnote 998: ([31] auf S. 64.301) S. Daumen u. Ferse. — Synon. wohl
auch _Grif(f)lingstritt_, wie aus der Zus. _Grif(f)lingstrittpflanzer_ =
Handschuhmacher zu schließen.]

[Fußnote 999: ([32] auf S. 64.301) Vgl. die vor. Anm. a. E.; betr.
_-pflanzer_ s. anbrennen.]

[Fußnote 1000: ([33] auf S. 64.301) Zu _Konde_ od. _Kunde_ (=
Handwerksbursche) vgl. (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
340 (_Talfkunde_ = Handwerksbursche [zugleich wohl _erster_ Beleg für
das Wort im Rotw. _überhaupt_]); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70
(_Kunde_ = Handwerksbursch); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Kundi_ [in
_Pfedelb._ (209): _Kunde_] = Bettler). Über weitere Belege im Rotwelsch
(nach 1820) u. in der Kundenspr. (Bedtg. meist: _wandernder_
Handwerksbursche, Vagabund u. dgl.) sowie d. _Etymologie_ des Wortes (zu
»kennen«, also eigtl. soviel wie »der Bekannte«, als Anrede der Kunden
unter sich) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 8, 9.]

[Fußnote 1001: ([34] auf S. 64.301) S. aufhängen.]

[Fußnote 1002: ([35] auf S. 64.301) S. aufspielen u. abbiegen.]

[Fußnote 1003: ([36] auf S. 64.301) S. austreten (leicht) u. (betr.
_Flu[h]te_) abbrühen.]

[Fußnote 1004: ([37] auf S. 64.301) S. arg.]

[Fußnote 1005: ([38] auf S. 64.301) Zu _Langohr_ = Hase, auch Kaninchen
(_Zus._: _Langohrbikus_ = Hasenessen) _vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (_Grünspreit-Langohr_ = Hase [zu
_Grünspreit_ = Feld], während _Langohr_ [ohne Zusatz] hier = Esel ist);
_Schwäb. Händlerspr._ 481 = Hase [in _Pfedelb._ (210) _auch_ = Esel); s.
auch _Regensb._ Rotwelsch 490 (_Langöhrl_ = Hase). Im sonst. Rotw. tritt
_Langohr_ zunächst für den Esel auf (s. z. B. _Hildburgh. W.-B._ 1753
ff. [229], während d. Hase hier _Langfuß_ heißt, in _Körners Zus. zur
Rotw. Gramm._ v. 1755 [240] aber zwischen _gross Langohr_ = Esel u.
_klein Langohr_ [od. _Langfuß_] = Hase unterschieden ist), seit d. 19.
Jahrh. dagegen überwiegt die Bedeutg. »Hase« (s. schon _Pfister_ 1812
[301] u. a. m.). Es handelt sich hierbei um eine der vielen, bes. gerade
zur Kennzeichnung der Tiere im Rotwelsch beliebten partes pro toto; vgl.
_Pott_ II, S. 23; _Günther_, Rotwelsch, S. 58; _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 985.]

[Fußnote 1006: ([39] auf S. 64.301) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]

[Fußnote 1007: ([40] auf S. 64.301) Betr. _Jahre_ od. _Kracher_ = Wald
s. Ananas. — Mit _Krächerle_ = Nuß (Nüsse) sind auch noch gebildet die
_Zusammensetzgn._: _Krächerlestöber_ (i. d. Spr.: _Krächerstöber_ [wohl
versehentlich]) = Nußbaum u. _Krächerlekies_ = Nußkern. In dem _verw.
Quellenkr._ lauten die Formen (im wes. Übereinstimmg. mit dem Rotw.
_überhaupt_ [s. z. B. schm. _Lib. Vagat_ (54) u. dann öfter]):
_Krächling_ od. _Kracherling_. _Vgl._ _Dolm. der Gaunerspr._ 93, 97
(_Kracherling_ = Nuß, _Heckenkracherling_ = Haselnuß); _Pfulld.
J.-W.-B._ 338, 342 (_Krächling_ = Baumnuß, Nuß; Nebenbedtg. [346]:
Zahn); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 73 (_Krächling_ = Nuß); _Schwäb.
Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [212]: _Krächling_, in U. [214]:
_Kracherling_). Zur _Etymologie_ (vom deutsch. Zeitw. »krachen«) s.
_Pott_ II, S. 38; _A.-L._ 562 (unter »Kracher«); _Günther_, Rotwelsch,
S. 61; _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 663 (unter »Krachling«).]

Haube, _Oberman(n)_[1008]                                                 [64.302]

hauen, _dogen_ od. _doken_[1009], _ste(c)ken_[1010], _stenzen_[1011]

Hauer (wilder Eber), _Balo_, _Groanikel_[1012]

häufig, _grandich_[1013]

Haupt, _Ki(e)bes_[1014]

Haupthaar, _Ki(e)besstrauberts_[1015]

Hauptmann, _Grandicher-Lanenger_. Mit _Lanenger_ werden alle Soldaten
(ohne Unterschied der Waffengattung) bezeichnet, Offiziere nur unter
Hinzufügung der Eigenschaftswörter _dof_ od. _grandich_, also _dofer
Lanenger_, d. h. eigtl. guter (od. besserer) Soldat, od. _grandicher
L._, d. h. großer, hoher (od. höherer) Soldat[1016]

[Fußnote 1008: ([41] auf S. 64.302) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1009: ([42] auf S. 64.302) S. abgeben.]

[Fußnote 1010: ([43] auf S. 64.302) S. beschenken.]

[Fußnote 1011: ([44] auf S. 64.302) S. Ast.]

[Fußnote 1012: ([45] auf S. 64.302) S. Eber.]

[Fußnote 1013: ([46] auf S. 64.302) S. Adler.]

[Fußnote 1014: ([47] auf S. 64.302) S. Angesicht.]

[Fußnote 1015: ([48] auf S. 64.302) S. (betr. _Strauberts_)
Augenbrauen.]

[Fußnote 1016: ([49] auf S. 64.302) S. dazu auch die Bemerkgn. in d.
Anm. zu »Bischof«. — _Lanenger_ = Soldat (Krieger, Kriegsmann), plur.
_Lanengere_ = Soldaten (Militär, Truppen), ist im W.-B. auch für »Husar«
und »Infanterist« angeführt worden (vgl. _Wittichs_ Bemerkg. oben im
Text). — Die _Verbindg._ _grandich Lanenger_ (mit der Bedeutg. »[sehr]
viele Soldaten«) wird für »Heer« gebraucht (vgl. schon oben unter
»Bischof« sowie betr. die Übereinstimmg. mit d. Zigeun. noch weiter
unten unter »Heer«). Als _Zusammensetzgn._ mit dem Wort erscheinen:
_Lanengeroberman(n)_ (d. h. eigtl. »Soldatenhut«) = Helm,
_Lanengerlechem_, _-lehm_ oder _-maro_ (d. h. »Soldatenbrot«)
= Kommißbrot (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d. Zigeun.),
_Lanengerbegerkitt_ (d. h. »Soldatenkrankenhaus«) = Lazarett,
_Lanengerkluft_ (d. h. »Soldatenkleidung«) = Montur, _Lanengermoss_ =
Soldatenfrau, _Lanengerbeiz_ od. _-kober_ = Soldatenwirtschaft. _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99
(_Laninger_ = Soldat); _Schöll_ 271 (_Launinger_); _Pfulld. J.-W.-B._
338, 339, 344 (_Laninger_ = Soldat, aber auch Bettelvogt,
_Schmirlaninger_ = Wache, _Haurigerlaninger_ = Schildwache); _Schwäb.
Händlerspr._ 483, 486 (_Laninger_ od. _Lanenger_ = Soldat, erstere Form
[neben _Lner_] auch = Landjäger). Über weitere Belege im Rotwelsch
sowie die (nicht sichere) _Etymologie_ des Wortes s. Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 42, S. 26 ff. (unter »Lenninger«); vgl. auch noch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. IV, Sp. 989 (der auf einen ev. Zusammenhang mit »Land«,
wie in »Landsknecht [Lanzer, Landel]« hinweist).]

Haus, _Kitt_[1017]                                                        [64.303]

Hausfrau, _Kittmos(s)_[1018]

Hausherr, _Kittkaffer_[1019]

Haushund, _Kittkeiluf_[1020] od. _Kittkip_[1021]

hausieren (gehen), _schenzieren_ (_bosten_ od. _pfichen_) (Spr.)[1022]

[Fußnote 1017: ([50] auf S. 64.303) S. Abort.]

[Fußnote 1018: ([51] auf S. 64.303) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau; vgl.
auch die Anm. zu »Hauswirt«.]

[Fußnote 1019: ([52] auf S. 64.303) S. Bauer.]

[Fußnote 1020: ([53] auf S. 64.303) Mit _Keiluf_ = Hund, auch spezieller
Pudel, sind noch folgende _Zusammensetzgn._ gebildet: a) _im Anfang_:
_Keilufkitt_ = Hundehütte, _Keilufstenkert_ = Hundestall; b) _am Ende_:
_Gachnekeiluf_ = Hühnerhund, _Bu(t)zekeiluf_ = Polizeihund. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Keluf_);
_W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Kohluf_); _Schöll_ 271 (ebenso): _Pfulld.
J.-W.-B._ 340 (_Gilof_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kailuf_); s. auch
_Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Kêluf_). Über noch weitere rotw. Belege sowie
die _Etymologie_ des Wortes (vom gleichbed. hebr. _keleb_) s. Näh. bei
_Weber-Günther_, S. 156 (unter »Keilef«); vgl. auch _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 309 (unter »Kailuf«).]

[Fußnote 1021: ([54] auf S. 64.303) Mit _Kip_ oder (häufiger) _Kib_
(plur. _Kibe_, Dimin. _Kible_ [Spr.]), Synon. zu _Keiluf_ (daher _auch_
= Pudel), sind noch mehr _Zusammensetzgn._ gebildet als mit letzteren,
nämlich: a) _im Anfang_: _Kibe(n)bossert_ = Hundefleisch, _Kibekitt_ (=
Keilufkitt), _Kibekafler_ = Hundemetzger, _Kibestenkert_ (=
Keilufstenkert), _Kibeschwächerle_ = Hundezitzen; b) _am Ende_:
_Stierer-_ od. _Stenzelkib_ (= Gachnekeiluf), _Stupfelkib_ = Igelhund
(Spr.), _Bu(t)zekib_ (= Bu(t)zekeiluf), _Jerusalemsfreundkib_ =
Schäferhund, _Flu(h)tekib_ = Seehund, _Schmelemerkib_ = Zigeunerhund.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _W.-B. des Konst. Hans_ 254
(_Kipp_ = Hund [wohl zugleich erster Beleg im Rotw. überhaupt]);
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Kib_); _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Kipp_); s.
auch _Metzer Jenisch_ 216 (ebenso). Die _Etymologie_ des (auch in sonst.
rotw. Quellen des 19. Jahrh. noch vereinzelt anzutreffenden) Wortes
bleibt dunkel; auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 388 gibt keinen
Aufschluß darüber.]

[Fußnote 1022: ([55] auf S. 64.303) Betr. _bosten_ u. _pfichen_ s.
abgehen. — Zu _schenzieren_ = hausieren finde ich keinen Beleg in
anderen Quellen. Dagegen kennt das _Metzer Jenisch_ 216 _sch¶r¶anze_ in
gleicher Bedeutung, während schon _Schöll_ 269 ein Subst.
_Sch¶r¶enzierer_ als Synon. für die sonst als _Scheinspringer_
bezeichneten Gauner (die sich bei Tage in Wohnungen einschleichen, um zu
stehlen) anführt, das auch A.-L. 604 neben der Form _Sch¶ra¶nzierer_ (zu
dem Zeitw. _schr¶a¶nzieren_ od. _schrenzieren_ = »sich [unter
irgendeinem Vorwande] in Häuser [bes. Gasthöfe] einschleichen, um zu
stehlen [oder zu baldowern]«) erwähnt u. vom ahd. _schr¶a¶nz_ = List
hergeleitet hat. Indessen liegt es wohl mindestens ebenso nahe, das
rotw. _Schrende_ (Schr¶a¶ntz, Schren[t]z[e] u. ä. = Stube (vgl. _Groß'_
Archiv, Bd. 54, S. 165/66, Anm. 3) als Quelle dafür heranzuziehen, das
zugleich auch für _schranze_ = hausieren passen würde. Danach aber
dürfte dann vielleicht auch in _Wittichs_ Jenisch statt _schenzieren_
richtiger _sch¶r¶enzieren_ zu lesen sein.]

Hausknecht, _Kittschenegler_[1023]                                        [64.304]

Hausmagd, _Kittscheneglere_

Hausmutter, _Kittmamere_[1024]

Hausschlüssel, _Kittglitschin_[1025]

Hausvater, _Kittpatris_[1026]

Hauswirt, _Fehtekaffer_ (Dimin.: _-käfferle_ [Spr.])[1027]; vgl.
Herberge

Hebamme, _Deiselmos(s)_ od. _Disselmos(s)_[1028]

Hebräer, _Kaim_[1029]; vgl. Juden

[Fußnote 1023: ([56] auf S. 64.304) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]

[Fußnote 1024: ([57] auf S. 64.304) S. Amme.]

[Fußnote 1025: ([58] auf S. 64.304) S. Dietrich.]

[Fußnote 1026: ([59] auf S. 64.304) S. Eltern.]

[Fußnote 1027: ([60] auf S. 64.304) Betr. _Kaffer_ s. Bauer. — Mit
_Fehte_ = Herberge (Quartier, Wohnung) sind (außer _Fehtekaffer_, das
auch durch »Herberggeber«, »Herbergsvater« und »Quartierherr«
wiedergegeben) noch zusammengesetzt: _Fehteulme_ = Herbergsleute (Spr.),
_Fehtefi(e)sel_ od. _-freier_ = Quartierbursche, _Fehtemos(s)_ od.
_-sinse_ = Quartierfrau (ersteres in den Spr. durch »Hausfrau«
wiedergegeben), _Fehtesins_ = Quartiersherr (also Syn. zu _Fehtekaffer_)
u. _Fehtemodel_ = Quartiermädchen. _Ableitung_: _fehten_ = übernachten,
auch das »Übernachten erlauben« (v. S. des Wirts) nach Spr. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Schöll_ 272 (_Fede_ = Herberge; _Pfulld.
J.-W.-B._ 343 (_Fede_ = Quartier; vgl. [338] das Zeitw. _feden_ =
beherbergen); _Schwäb. Händlerspr._ 479 (_Fêde_ = Bett [in _Pfedelb._
(212) _auch_ = Quartier; vgl. ebd.: _in d' Fede hotschen_ = schlafen]);
auch sonst im Rotw. seit Anf. des 18. Jahrh. (s. _Basl. Glossar_ v. 1733
[201] hin und wieder angeführt. Zur (nicht sicheren) _Etymologie_ s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II. Sp. 999/1000, wonach die Bedeutung
»Quartier« aus dem ital. _fede_ im Sinne von »Verschreibung« (warum?),
die Bedeutung »Bett« aber aus unserem deutsch. »Feder« erklärt werden
könnte.]

[Fußnote 1028: ([61] auf S. 64.304) S. gebären und Bauernfrau.]

[Fußnote 1029: ([62] auf S. 64.304) _Kaim_ = Jude (Hebräer), fem.:
_Kaime_, plur.: _Kaimen_, erscheint noch in der _Zus._ _Kaimkolb_ (d. h.
»Judengeistlicher«) = Rabbiner (s. d. betr. Übereinstimmg. m. d.
Zigeun.). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
94 (_Kaim_ = Jude); _Pfulld. J.-W.-B._ 341 (ebenso); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 71 (_Keim_ [_Gheim_, _Goim_] = Juden); _Schwäb. Händlerspr._
482 (_Kaim_ [in _Pfedelb._ (210): _Keim_] od. _Kaimchen_ = Jude). Über
weitere Belege im Rotw. sowie die _Etymologie_ (aus dem Hebr.
[_chajjim_]) s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 323/24 u. Anm. 2.
_Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1286 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
Sp. 143 geben keine genügende Erklärung.]

Heer, _grandich Lanenger_ (d. h. »[sehr] viele Soldaten«)[1030]           [64.305]

heftig, _lenk_, _schofel_[1031]

Heidelbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[1032]

Heidelbeerkuchen, _Krachersäftlingbrandling_[1033]

heil, _dof schef(f)t's_ (d. h. »es ist [geht] gut«)[1034]

heilig, _bliblich_[1035]

heiliger Geist, _bliblischer Schuberle_[1036]

heilsam, _dof_[1037]

Heirat, _Vergrönerei_[1038]

heiraten, _vergröneren_[1038]

Heißhunger, _grandich Bogelo_ od. _grandich Put(t)lak_[1039]

heizen, _funken_[1040]

Heizer, _Funkpflanzer_[1041]

hell, _schei_ (= _Schei_)[1042]

Helle, _Schei_[1042]

Helm, _Lanengeroberman(n)_, d. h. »Soldatenhut«)[1043]

Hemd, _Hamfert_[1044], _Staud_[1045]

[Fußnote 1030: ([63] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. vgl. Bischof. —
Dieselbe Umschreibung kennt nach _Liebich_, S. 207 auch die Zigeunerspr.
(_but līrde_, d. h. »viel Soldaten« = Heer).]

[Fußnote 1031: ([64] auf S. 64.305) S. arg.]

[Fußnote 1032: ([65] auf S. 64.305) S. Ananas.]

[Fußnote 1033: ([66] auf S. 64.305) S. (betr. _Brandling_) Apfelkuchen.]

[Fußnote 1034: ([67] auf S. 64.305) S. angenehm u. daher (a. E.).]

[Fußnote 1035: ([68] auf S. 64.305) S. anbeten.]

[Fußnote 1036: ([69] auf S. 64.305) S. (betr. _Schuberle_) Geist.]

[Fußnote 1037: ([70] auf S. 64.305) S. angenehm.]

[Fußnote 1038: ([71] auf S. 64.305) S. Ehe.]

[Fußnote 1039: ([72] auf S. 64.305) S. Adler u. Appetit.]

[Fußnote 1040: ([73] auf S. 64.305) S. abbrennen.]

[Fußnote 1041: ([74] auf S. 64.305) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1042: ([75] auf S. 64.305) S. alltäglich; über _schei_ als Adj.
gebr. vgl. auch »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 a. E.]

[Fußnote 1043: ([76] auf S. 64.305) S. Hauptmann u. Fingerhut.]

[Fußnote 1044: ([77] auf S. 64.305) Diese Vokabel findet sich in ganz
gleicher Form _und_ Bedeutung in der _Schwäb. Händlerspr._ in _Degg._
(215), während für _Lütz._ (214) die Schreibung _Ha¶n¶fert_ angeführt
ist. Sie dürfte aufzufassen sein als eine (mit der typischen Endung
_-ert_ versehene) Abkürzung (durch Weglassung der Endsilbe, sog.
_Apokope_) von dem älteren — als eine Art _pars pro toto_ (nach dem
_Hauptbestandteil_) erscheinenden — Synon. _Hanfstaud(e)_ (s. schon
_Lib. Vagat._ [54] u. a. m., so z. B. auch _Dolm. der Gaunerspr._ 93
sowie noch _Schwäb. Händlerspr._ 482). Vgl. _Pott_ II, S. 23 und
_Günther_, Rotwelsch, S. 67 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp.
1145 (unter »Hanfert«) u. 1146 (unter »Hanfstaude«); s. auch die
folgende Anm.]

[Fußnote 1045: ([78] auf S. 64.305) Für _Staud_ = Hemd sind aus dem
_verw. Quellenkr._ anzuführen: _Pfullend. J.-W.-B._ 340 und _Schwäb.
Händlersprache_ 482 (neben _Hanfstaude_ [s. oben Anm. 1044], in
_Pfedelb._ [210]: _Staude_ neben den längeren Synon. _Hanf-_,
_Flächse-_, _Wergstaude_; vgl. ebds. [211]: _Staudenpflanzerin_ = =
Näherin); s. auch noch _Winterfelder Hausierersprache_ 442 (_Staudche_)
Auch bei diesem Ausdrucke, der auch im _sonstigen_ neueren Rotwelsch
(des 19. Jahrh.) sowie in der Kundensprache beliebt ist (s. die Belege
bei _Schütze_, S. 92), handelt es sich (gleichwie bei _Hamfert_) um eine
Abkürzung von _Hanfstaude_, jedoch in der Form des sog. _Aphärese_
(Weglassung der _Anfangs_silbe). S. A.-L. 610; vgl. auch _Horn_,
Soldatensprache, S. 63, Anm. 6.]

Hengst, _Trapert_ (-bert)[1046] od. (genauer) _Trabert-Kaffer_ (d. h.     [64.306]
eigtl. »Pferdemann«, »männliches Pferd«)[1047]

henken ([auf]hängen), _schnüren_[1048]

Henne, _Brawari_[1049], _Stenzel_[1050], _Stierer_[1051]

[Fußnote 1046: ([79] auf S. 64.306) S. Füllen.]

[Fußnote 1047: ([80] auf S. 64.306) S. (betr. _Kaffer_) Bauer; vgl.
Stute (= _Trabertmoss_, d. h. eigtl. »Pferdeweib«, »weibliches Pferd«).
— Auch bei den Zigeunern heißt nach _Liebich_, S. 208, 244 der Hengst
_morschkerdino grai_, d. h. »männliches Pferd«, die Stute (grasni oder)
_graieskĕri tschuwli_, d. h. etwa »Pferdeweib«.]

[Fußnote 1048: ([81] auf S. 64.306) S. aufhängen.]

[Fußnote 1049: ([82] auf S. 64.306) Über diese (im W.-B. unter »Huhn«
_nicht_ angeführte) Vokabel, die m. Wiss. sonst nirgends in den
Geheimsprachen vorkommt, vermochte ich auch in _etymolog._ Beziehung
_nichts Sicheres_ in Erfahrung zu bringen. Da mir jedoch _Wittich_ auf
eine Anfrage hin mitteilte, daß er das Wort von »_böhmischen_ jenischen
Leuten« gehört habe, so könnte es vielleicht mit dem tschech. _brav_
(worin v wie w ausgesprochen wird) = »Schmal- od. Kleinvieh« in
Zusammenhang gebracht werden, obwohl ja dessen Form _und_ Bedeutung noch
einigermaßen abweicht (nach gefl. Mittlg. v. _Dr. A. Landau_).]

[Fußnote 1050: ([83] auf S. 64.306) Mit _Stenzel_ = Henne (Huhn) sind
gebildet die _Zusammensetzgn._: _Stenzeltritt_ = Hühnerfuß,
_Stenzelkitt_ = Hühnerhaus u. _Stenzelkib_ = Hühnerhund. _Zu vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Stenzel_ = Huhn);
_Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Stanzla_ = Henne); _Schwäb. Händlerspr._ 482
(_Stenzel_, _Stenzling_ [in _Lütz._ (214): _Stelzling_] od. _Stanzel_ =
Henne, in letzterer Form auch = Gans [481]). Die _Etymologie_ bleibt
zweifelhaft. Auch _Hoffmann-Krayer_ u. _Landau_ im Schweiz. Archiv für
Volksk., Bd. III, S. 243, Anm. 75 u. Bd. IV, S. 239 geben — in ihren
Erläuterungen zu den Vokabeln des _Basler Glossars_ v. 1733 (das [201]
schon _Stenzel_ = Huhn angeführt hat) keinen befriedigenden Aufschluß
über die Herkunft des Wortes.]

[Fußnote 1051: ([84] auf S. 64.306) _Stierer_, Syn. zu Stenzel, kommt
nicht nur in _denselben Zus._ wie dieses vor (also: _Stierertritt_,
_-kitt_ u. _-kib_), sondern auch noch in einigen _anderen_, so: a) _am
Anfang_: _Stiererstenkert_ = Hühnerstall; b) _am Ende_: _Bäzemestierer_
= Legehuhn und _Flu(h)testierer_ = Wasserhuhn. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 340 (_Stire_ = Henne; _Stirestinker_ =
Hühnerstall); _Schwäb. Händerspr._ 482 (_Stîrer_ = Henne); s. auch
_Regensb. Rotw._ 489 (_Stieri_ = Hahn [aber auch = Ochse]). Über weitere
Belege im Rotw. (schon seit d. 17. Jahrh.) u. in der Kundenspr. sowie
die _Etymologie_ des Wortes (wohl vom deutsch. mundartl. Zeitw.
_stieren_ [stüren, stören] = »durchsuchen, scharren«) s. Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 38, S. 231, Anm. 1.]

herabblicken, -schauen, _herablinzen_[1052]                               [64.307]

herabgehen, -laufen, _herabbosten_, _-pfichen_[1053]

herabschießen, _herabschnelle_[1054]

herabwerfen, _herabplotzen_[1055]

herausfahren, _herausruadla_[1056]

herausgeben, _herausdogen_[1057]

herausschreiben, _herausfeberen_[1058]

herausstehlen, _herausschniffen_[1059], _herausschoren_[1060],
_herauszopfen_[1061]

heraustragen, _herausbukla_[1062]

Herberge, _Fehte_[1063] od. _Schlumerkitt_[1064]

[Fußnote 1052: ([85] auf S. 64.307) S. anschauen.]

[Fußnote 1053: ([86] auf S. 64.307) S. abgehen.]

[Fußnote 1054: ([87] auf S. 64.307) S. abschießen.]

[Fußnote 1055: ([88] auf S. 64.307) S. bewerfen.]

[Fußnote 1056: ([89] auf S. 64.307) S. abfahren.]

[Fußnote 1057: ([90] auf S. 64.307) S. abgeben.]

[Fußnote 1058: ([91] auf S. 64.307) S. abschreiben.]

[Fußnote 1059: ([92] auf S. 64.307) S. anfassen.]

[Fußnote 1060: ([93] auf S. 64.307) S. ausstehlen.]

[Fußnote 1061: ([94] auf S. 64.307) S. Diebstahl.]

[Fußnote 1062: ([95] auf S. 64.307) S. abtragen.]

[Fußnote 1063: ([96] auf S. 64.307) S. Hauswirt.]

[Fußnote 1064: ([97] auf S. 64.307) Diese _Zusammensetzung_ bedeutet
wörtlich »Schlafhaus«, zu _Schlummer_ = Schlaf (das in _Wittichs_ Vokab.
nicht angeführt ist) bezw. dem Zeitw. _schlummern_ (das zwar im W.-B. in
der Form _schlummere_ enthalten ist, jedoch nicht unter »schlafen«,
sondern nur unter dem weiteren Begriffe »liegen«) u. _Kitt_ = Haus (s.
Abort). _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
98 (_Schlummer_ = Schlaf, _schlummern_ = schlafen); _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 76 (_schlummern_ = übernachten; _Schwäb. Händlerspr._ 485
(_schlummern_ = schlafen). Über weitere Belege im Rotw. s. Näh. bei
_Weber-Günther_, S. 179/180 (wo jedoch die Bemerkung, daß in den Quellen
das Hauptw. _Schlummer_ früher als das Zeitw. _schlummern_ auftrete, zu
berichtigen ist, da — ganz abgesehen von dem alten gleichbed. _slöm_ im
_Ndd. Lib. Vagat._ [78] — auch die Form _schlummern_ schon im _W.-B.
von St. Georgen_ 1750 [218] als rotw. Vokabel vorkommt, während
_Schlummer_ sich m. Wiss. zuerst im _Hildburgh. W.-B._ v. 1753 ff. [231]
findet). Ebds. auch Näh. über die _Etymologie_ des Wortes, das aus den
deutsch. Mundarten, insbes. dem niederdeutsch. Sprachgebiet, übernommen
sein dürfte; vgl. auch _Pott_ II, S. 17 u. _Kluge_, Unser Deutsch, S. 81
vbd. mit Et. W.-B., S. 403 (unter »schlummern«) u. _Weigand_, W.-B. II,
Sp. 738 (unter »Schlummer«). Über den Ausdr. _Schlummerpech_ =
Schlafgeld (bes. in d. Kundenspr.) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 279,
Anm. 1.]

Herberggeber, Herbergsvater, _Fehtekaffer_[1065]                          [64.308]

Herbergsleute, _Fehteulme_ (Spr.)[1066]

Herd, _Hitzling_[1067]

hergeben, _dogen_[1057]

Hering, _Spronkert-Flössling_, _Spronkertflotscher_ od. _-schwimmerling_
(d. h. »Salzfisch«)[1068] od. auch _Begertflössling_ (d. h. »toter
Fisch«)[1069]

Heringsbüchse, _Flösslingschottel_ (d. h. eigtl. nur
»Fischbüchse«)[1070]

Heringsalat, _Spronkertflösslingblättling_[1071]

Herr, _Freier_[1072], _Sens_ od. _Sins_[1073]

Herrenhaus (Herrschaftshaus) _Sinserkitt_[1074]

Herrenzimmer, _Sinseschrende_[1075]

Herrin, _Sinse_[1073], _Sinsemos(s)_[1076]

[Fußnote 1065: ([98] auf S. 64.308) S. Hauswirt und Bauer.]

[Fußnote 1066: ([99] auf S. 64.308) S. (betr. _Ulme_) arme Leute.]

[Fußnote 1067: ([100] auf S. 64.308) S. Backofen.]

[Fußnote 1068: ([101] auf S. 64.308) S. einsalzen und Fisch.]

[Fußnote 1069: ([102] auf S. 64.308) S. (betr. _Begert-_) absterben. —
Während die Umschreibung »salziger (od. gesalzener) Fisch« (_lon̄do
mādscho_ [od. lon̄di mādschin]) für den Hering auch den
Zigeunern bekannt ist (s. _Liebich_, S. 144 u. 209 und _Finck_, S. 73
[_lon̄do mātšo_]; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm.
45), bedeutet dagegen bei ihnen »toter Fisch« (_mīlo mādscho_
[matšo]) die Forelle (für die aber auch _lolo mādscho_, d. h.
»roter [bunter] Fisch«, vorkommt); s. _Liebich_, S. 147 u. 198 sowie
_Finck_, S. 73. Zur Erklärung des _ersteren_ Ausdrucks bemerkt
_Liebich_, S. 32, 33 (gegen Zweifel bei _Pott_ II, S. 437): »(Der)
Ängstlichkeit (mit dem der Zigeuner den Namen Verstorbener auszusprechen
vermeidet) verdankt der unter dem Namen Forelle bekannte Fisch seine
jetzt übliche zigeunerische Bezeichnung als _mulo madscho_, _mulĕno
madscho_, d. h. der tote Fisch. Als nämlich eine Zigeunerin mit Namen
_Forella_ gestorben war, wollte man auch die gleichlautende Bezeichnung
des Fisches aufgeben, um nicht bei dem Anblick des Fisches an die
Verstorbene direkt erinnert zu werden, deshalb hieß von da an der Fisch
Forelle der tote Fisch, und dieser Ausdruck ist (neben _lolo madscho_
[s. oben]) jedem Zigeuner geläufig, jedem verständlich.« Wie nun aber
die _gleiche_ Umschreibung in der _jenischen_ Sprache für den _Hering_
zu deuten ist, vermag ich nicht zu sagen.]

[Fußnote 1070: ([103] auf S. 64.308) S. (betr. _Schottel_)
Aschenbecher.]

[Fußnote 1071: ([104] auf S. 64.308) S. (betr. _Blättling_) Gulasch.]

[Fußnote 1072: ([105] auf S. 64.308) S. Fremder.]

[Fußnote 1073: ([106] auf S. 64.308) S. Amtmann.]

[Fußnote 1074: ([107] auf S. 64.308) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1075: ([108] auf S. 64.308) S. (betr. _Schrende_) Frauenstube.]

[Fußnote 1076: ([109] auf S. 64.308) S. (betr. _Mos(s)_) Bauernfrau.]

Herrscher, _grandicher Sins_ (d. h. »großer Herr«)[1077]                  [64.309]

herumblicken, _herumlinzen_[1078]

herumfahren, _herumruadla_[1079]

herumliegen, _herumdurma_[1080], _herumschlauna_[1081]

herumtanzen, _herumnikla_[1082]

herumtragen, _herumbukla_[1083]

heruntergekommen, _vermuft_[1084], _verschoffelt_[1085]

Herz, _Schwächerle_[1086]

herzlich, _dof_[1087]

Heu, _Kupfer_[1088]

Heuchler, _schofler Benk_[1089], _schofler Fi(e)sel_[1090], —
_Freier_[1091], — _Kaffer_[1092]

heulen, _glemsen_[1093]

Heulerei, _Glemserei_

Heupferd (Heuschrecke), _Kupfertrabert_[1094], _Kupferflederling_ (d. h.
eigtl. »Heuvogel«)[1095]

Hexe, _Finkelmos(s)_[1096]

Hexenhaus, _Finkelkitt_[1097]

Hexenmeister, _Finkelkaffer_[1092]

Hexerei, _Finklerei_[1096]

Hieb(e), _Guffes_[1098]

[Fußnote 1077: ([110] auf S. 64.309) S. Adler u. Amtmann, vgl. Bischof.
Dieselbe Art der Umschreibung für Herrscher (näml. _baro rai_) kennen
auch die Zigeuner nach _Liebich_, S. 209.]

[Fußnote 1078: ([111] auf S. 64.309) S. anschauen.]

[Fußnote 1079: ([112] auf S. 64.309) S. abfahren.]

[Fußnote 1080: ([113] auf S. 64.309) S. aufwachen.]

[Fußnote 1081: ([114] auf S. 64.309) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1082: ([115] auf S. 64.309) S. aufspielen.]

[Fußnote 1083: ([116] auf S. 64.309) S. abtragen.]

[Fußnote 1084: ([117] auf S. 64.309) S. Aas.]

[Fußnote 1085: ([118] auf S. 64.309) S. arg.]

[Fußnote 1086: ([119] auf S. 64.309) S. Amme.]

[Fußnote 1087: ([120] auf S. 64.309) S. angenehm.]

[Fußnote 1088: ([121] auf S. 64.309) S. Frucht.]

[Fußnote 1089: ([122] auf S. 64.309) S. arg u. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1090: ([123] auf S. 64.309) S. (betr. _Fi[e]sel_) Bettelbube.]

[Fußnote 1091: ([124] auf S. 64.309) S. (betr. _Freier_) Fremder.]

[Fußnote 1092: ([125] auf S. 64.309) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]

[Fußnote 1093: ([126] auf S. 64.309) S. ausweinen.]

[Fußnote 1094: ([127] auf S. 64.309) S. Frucht u. Füllen.]

[Fußnote 1095: ([128] auf S. 64.309) S. Frucht und Adler.]

[Fußnote 1096: ([129] auf S. 64.309) S. behext und Bauernfrau.]

[Fußnote 1097: ([130] auf S. 64.309) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1098: ([131] auf S. 64.309) S. aufschlagen.]

hier, _her(r)les_, _her(r)lem_[1099] (hier ist er, _da hauret er_; hier   [64.310]
ist es, _her[r]les hauret's_)[1100]

Himbeere, _Jahresäftling_ od. _Krachersäftling_[1101]

hinausgehen, _hinausbosten_[1102]

hinauskommen, _hinauspfichen_[1102]

hinfallen, _hinbohla_[1103]

hinlegen, _hindurmen_[1080], _hinschlaunen_[1081]

hinken s. lahmgehen

Hintere (der), _Bos_[1104], _Schmelzer_[1105]

Hinterkopf, _Ki(e)bes_[1106]

hinwerfen, _hinplotzen_[1107]

Hirsch, _Jahreschure_ od. _Kracherschure_[1108]

Hirschfänger, _Latt_[1109]

Hirt, _Jerusalemsfreundschure_ (d. h. zunächst bes. »Schafhirt,
Schäfer«)[1110]

hoch, _grandich_[1111]

hochherzig, _dof_[1112], _grandich_[1111]

Hochzeit, _Grönerei_[1113]

Hochzeitsschmaus, _Grönereibikus_[1114]

Hoden, _Bäzeme_ (d. h. eigtl. »Eier«)[1115]

Hodensack, _Bäzemerande_[1116]

Hof, _grandiche Kitt_ (d. h. »großes Haus«)[1117]

hoffärtig sein, _grandiche pflanzen_ (d. h. eigtl. etwa: »den Großen
spielen«)[1118]

[Fußnote 1099: ([132] auf S. 64.310) S. da.]

[Fußnote 1100: ([133] auf S. 64.310) S. unter »elend«.]

[Fußnote 1101: ([134] auf S. 64.310) S. Ananas.]

[Fußnote 1102: ([135] auf S. 64.310) S. abgehen.]

[Fußnote 1103: ([136] auf S. 64.310) S. abfallen.]

[Fußnote 1104: ([137] auf S. 64.310) S. After.]

[Fußnote 1105: ([138] auf S. 64.310) S. Abort.]

[Fußnote 1106: ([139] auf S. 64.310) S. Angesicht.]

[Fußnote 1107: ([140] auf S. 64.310) S. bewerfen.]

[Fußnote 1108: ([141] auf S. 64.310) S. Ananas u. abbiegen.]

[Fußnote 1109: ([142] auf S. 64.310) S. Degen.]

[Fußnote 1110: ([143] auf S. 64.310) S. Hammel und abbiegen.]

[Fußnote 1111: ([144] auf S. 64.310) S. Adler.]

[Fußnote 1112: ([145] auf S. 64.310) S. angenehm.]

[Fußnote 1113: ([146] auf S. 64.310) S. Ehe.]

[Fußnote 1114: ([147] auf S. 64.310) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]

[Fußnote 1115: ([148] auf S. 64.310) S. Ei.]

[Fußnote 1116: ([149] auf S. 64.310) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 1117: ([150] auf S. 64.310) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1118: ([151] auf S. 64.310) S. (betr. _pflanzen_) anbrennen.]

höflich, _dof_[1112]                                                      [64.311]

Höhe, _Grandich_[1111][1119]

Hoherpriester, _grandicher Gallach_[1120] od. _grandicher Kolb_[1121]

holen, _buk(e)le(n)_ (Spr.)[1122], _schniffen_ (Spr.)[1123]

hold, _dof_, _duft_[1112]

Holz, _Spraus_[1124]

hölzern, _sprausich_[1124]

Holzmacher, _Sprauskaffer_[1125]

Holzsack, _Sprausrande_[1126]

hör auf, _schupf dich_[1127]

Hose, _Buxe_, _Kopel_ (plur.: _Buxen_, _Kopla_)[1128]

Hosensack(-tasche) _Buxerande_, _Kopelrande_[1126]

Hospital, _grandiche Begerkitt_[1129]

hübsch, _dof_, _duft_[1112]

Huf, _Traperttrittleng_[1130]; vgl. Gaulfuß

Huhn, _Gachne_[1131], _Stenzel_, _Stierer_[1132]

Hühnerfuß, _Gachnetritt_, _Stenzel-_ od. _Stierertritt_[1133]

Hühnerhaus, _Gachnekitt_, _Stenzel-_ oder _Stiererkitt_[1134]

Hühnerhund, _Gachnekeiluf_, _Stenzel-_ od. _Stiererkib_[1135]

Hühnerstall, _Gachne-_ od. _Stiererstenkert_[1136]

Humpen, _Glansert_[1137], _Nolle_[1138]

humpeln s. lahm gehen

[Fußnote 1119: ([152] auf S. 64.311) S. Substantivierung des Adjektives
_grandich_; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1120: ([153] auf S. 64.311) S. Geistlicher.]

[Fußnote 1121: ([154] auf S. 64.311) S. Bischof.]

[Fußnote 1122: ([155] auf S. 64.311) S. abtragen.]

[Fußnote 1123: ([156] auf S. 64.311) S. anfassen.]

[Fußnote 1124: ([157] auf S. 64.311) S. Baumholz.]

[Fußnote 1125: ([158] auf S. 64.311) S. (betr. _Kaffer_) Bauer.]

[Fußnote 1126: ([159] auf S. 64.311) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 1127: ([160] auf S. 64.311) S. aufhören.]

[Fußnote 1128: ([161] auf S. 64.311) S. (zu beiden Ausdr.) Beinkleid.]

[Fußnote 1129: ([162] auf S. 64.311) S. Adler, absterben u. Abort.]

[Fußnote 1130: ([163] auf S. 64.311) S. Füllen und Ferse.]

[Fußnote 1131: ([164] auf S. 64.311) S. Hahn.]

[Fußnote 1132: ([165] auf S. 64.311) S. (zu beiden Ausdr.) Henne.]

[Fußnote 1133: ([166] auf S. 64.311) S. (betr. _Tritt_) Entenfuß.]

[Fußnote 1134: ([167] auf S. 64.311) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1135: ([168] auf S. 64.311) S. (betr. _Keiluf_ u. _Kib_)
Haushund.]

[Fußnote 1136: ([169] auf S. 64.311) S. (betr. _Stenkert_) Entenstall.]

[Fußnote 1137: ([170] auf S. 64.311) S. Bierglas.]

[Fußnote 1138: ([171] auf S. 64.311) S. Fleischhafen.]

Hund, _Keiluf_, _Kib_ (Dimin.: _Kible_ [Spr.])[1135], _Tschuggel_[1139]   [64.312]

Hundefleisch, _Kibe(n)bossert_, _Tschuggelmass_[1140]

Hundestätte, _Keilufkitt_ od. _Kibekitt_[1134]

Hundemetzger, _Kibekafler_[1141]

Hundestall, _Keiluf-_ od. _Kibestenkert_[1136]

Hundezitzen, _Kibeschwächerle_[1142]

Hunger, _Bog(g)elo_, _Put(t)lack_, _Ruf_[1143]

hungern, mich hungert's, _mich bikert's_[1144]

hungrig, _bikerich_ (Spr.)[1144]

Hure, _Lubne_, _schofle Model_[1145], _schofle Schüx_[1146]

[Fußnote 1139: ([172] auf S. 64.312) Im Gegensatz zu dem Synon. _Keiluf_
u. bes. _Kib_, die mehrfach in _Zusammensetzgn._ erscheinen, tritt
_Tschuggel_ bloß in der _Zus._ _Tschuggelmass_ = Hundefleisch auf. Unter
den _verw. Quellen_ kennt schon der _Dolm. der Gaunerspr._ 94 die
Vokabel in der Form _Schokel_ sowie noch jetzt die _schwäb. Händlerspr._
in _Lütz._ (214) in der Form _Tschŭglo_, weiter findet sie sich auch
im sonst. neuern Rotw. (seit d. 19. Jahrh.) öfter (in verschied. Formen)
angeführt (vgl. z. B. _Pfister_ 1812 [305, 307: _Schukel_ od.
_Tschukel_]; _Christensen_ 1814 [323, 324: _Juckel_]; _v. Grolman_, 31,
64, 72 u. T.-G. 102 [hier alle drei Formen]; _Karmayer_ G.-D. 202, 218
u. 222 [im wes. ebenso] u. a. m.) Zur _Etymologie_ aus der Zigeunerspr.
(vgl. »Einleitung«, S. 31) s. Näheres bei A.-L. 605 (unter »Schuckel«)
und _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 432 (unter »Tschuckle«) [wo
übrigens _auch_ das mhd. _zohe_ = Hündin herangezogen]) vbd. mit _Pott_
II, S. 213/14 (unter »Xukel«), _Liebich_, S. 166 u. 211 (_tschukklo_),
_Miklosich_, Beitr. I/II, S. 13, III, S. 9, 22 u. Denkschriften, Bd. 26,
S. 209 (unter »džukel«: bei d. deutsch. Zig.: _čukklo_), _Jühling_
(S. 207 (_Tschukäl_) u. _Finck_, S. 56 (_dšuklo_ od. _dšukel_).
Das Wort ist (nach _Pott_ u. _Miklosich_, a. a. O.) bis aufs Altindische
zu verfolgen.]

[Fußnote 1140: ([173] auf S. 64.312) S. (betr. _Bossert_ u. _Mass_)
Aas.]

[Fußnote 1141: ([174] auf S. 64.312) S. Fleischer.]

[Fußnote 1142: ([175] auf S. 64.312) S. (betr. _Schwächerle_) Amme.]

[Fußnote 1143: ([176] auf S. 64.312) S. (zu allen drei Ausdr.) Appetit.]

[Fußnote 1144: ([177] auf S. 64.312) S. Abendessen.]

[Fußnote 1145: ([178] auf S. 64.312) S. (zu beiden Ausdr.)
Beischläferin, vgl. arg.]

[Fußnote 1146: ([179] auf S. 64.312) _Schüx_, früher wohl auch
_Schücksel_ (= Mädchen; vgl. »Einleitung«, S. 28) ist natürlich nur eine
mundartl. gefärbte Nebenform zu den im Rotw. u. in der Kundenspr. sehr
verbreiteten Ausdr. _Schix_, _Schi(c)kse_, _Schicksel_ usw. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Schickse_ =
Mädchen); _W.-B. des Konst. Hans_ 255 (_Schikse_ = ein Mägdlein);
_Schöll_ 271 (_Schikse_ = Mädchen, Beischläferin); _Pfulld. J.-W.-B._
342, 345 (_Schix_ = Mädchen, Tochter; vgl. [340]: _Fingelschize_ =
Hexe); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 68, 77 (_Schix_ = Dirne,
Weibsperson, dazu versch. _Zus._ wie z. B. _Dippelschix_ = Landfahrerin,
_Gallachschixe_ = Pfarrköchin); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Schix_ =
Mädchen [in _Pfedelb._ (214): = Weibsbild, ebds. (209): _lacke Schix_ =
Dirne, eigtl. »schlechtes Weibsbild« (vgl. betr. _lack_: Bd. 63, S. 119,
Anm. 217 zu _Put[t]lak_)]); s. auch _Metzer Jenisch_ 216 (_Schicksi_ =
Mädchen). Über weitere Belege im Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ (aus
dem Hebräischen) s. ausführl. _Groß'_ Archiv, Bd. 48, S. 341 ff.; vgl.
auch »Anthropophyteia«, Bd. IX, S. 15 ff., _Weber-Günther_, S. 160/61
(unter »Schecks«) u. _Seiler_, Lehnwort IV, S. 493.]

huren, _lubnen_[1145], _schofle Falle pflanzen_[1147]                     [64.313]

Hurenkerl, _Lubnebenges_[1148], _schofler Fi(e)sel_[1149], —
_Freier_[1150] od. — _Kaffer_[1151]

Hurenkind (uneheliches Kind), _Stratz_ (plur.: _Stratze_). Dieses Wort
ist aber auch für Kind im _allgem._ gebräuchlich[1152]

hurtig, _g'want_[1153]

Husar, _Lanenger_ (d. h. eigtl. nur »Soldat«)[1154]

Hut, _Oberman(n)_[1155]

Hutmacher, _Oberman(n)pflanzer_[1156]


                                  I.

Igel, _Stupfel_ od. _Stupfleng_ (plur.: _Stupfl¶i¶ng_)[1157]

[Fußnote 1147: ([180] auf S. 64.313) S. unter »böse Sachen machen«; vgl.
auch anbrennen.]

[Fußnote 1148: ([181] auf S. 64.313) S. (betr. _Benges_) brauchbarer
Bursche.]

[Fußnote 1149: ([182] auf S. 64.313) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1150: ([183] auf S. 64.313) S. Fremder.]

[Fußnote 1151: ([184] auf S. 64.313) S. Bauer.]

[Fußnote 1152: ([185] auf S. 64.313) Die Vokabel findet sich (in der
Form _Stratze_ als sing. für »Kind« schlechthin) auch in der _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 71, sonst aber m. Wiss. nicht in den
Geheimsprachen. Die _Etymologie_ ist unsicher, falls man nicht annehmen
will, daß es sich bloß um eine Nebenform oder Entstellung von _Schraze_
handelt, das — gleichfalls für »Kind« — sowohl im Rotw. überhaupt als
auch speziell in dem _verw. Quellenkr._ vorkommt. Vgl. _Pfullend.
J.-W.-B._ 341 (_Schraze_ = Kind [s. auch _Schrada_ = Knabe]); _Schwäb.
Händlerspr._ 483 (_Schrtze_ = [kleinere] Kinder [in _Degg._ (215): auch
als sing. = Kind], (_Schratzesknippler_ [in _Pfedelb._ 211):
_Schrazeskneppler_], d. h. eigtl. »Kinderprügler«, = Lehrer [in
_Pfedelb._: spez. Unterlehrer im Gegens. zu _Galmenguffer_, dem
Oberlehrer (vgl. dazu schon oben unter »brauchbares Kind« u.
»aufschlagen«)]). Über weitere rotw. Belege für _dieses_ Wort sowie
seine (gleichfalls _nicht_ ganz sichere) _Etymologie_ s. d. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 47, S. 140 u. Anm. 3; vgl. auch _Weber-Günther_, S.
168.]

[Fußnote 1153: ([186] auf S. 64.313) S. anmutig.]

[Fußnote 1154: ([187] auf S. 64.313) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1155: ([188] auf S. 64.313) S. Fingerhut]

[Fußnote 1156: ([189] auf S. 64.313) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1157: ([190] auf S. 64.313) S. dazu die _Zusammensetzgn._:
_Stupfelbikus_ = Igelessen, _Stupfelmass_ od. _Stupflengbossert_ =
Igelfleisch, _Stupfelkib_ = Igelhund (Spr.), _Stupfelkafler_ =
Igelmetzger, _Stupfel-_ od. _Stupflengrande_ = Igelsack. Sowohl in der
Form _Stupfel_ wie auch _Stupfling_ ist die Vokabel auch der _schwäb.
Händlerspr._ 482 bekannt (in _Lütz._: [215] daneben noch _Stachling_,
während in _Matzenbach_ dafür die latinisierte Form _Stachelinus_
gebräuchlich ist, ähnlich wie sich bei den Zigeunern (bei denen der Igel
eine große Rolle, bes. auch als beliebte Speise, spielt [s. _Liebich_,
S. 39, 85, 86]) dafür (u. a.) wohl _stachlino_ (bei den deutsch. Zigeun.
allerdings meist _stacheléngĕro_) findet (vgl. _Pott_ II, S. 245
[unter »Stàchlo«], _Liebich_, S. 160 u. 212 [_stachélengĕro_],
_Miklosich_, Beitr. III, S. 19 [ebenso], _Jühling_ 226 [hier:
_Stachlino_, dagegen plur.: _Stachlingäre_], _Finck_, S. 87
[_štaxeléngero]_). Der _Etymologie_ nach gehört _Stupfel_ od.
_Stupfleng_ (-ling) zu dem gauner-, kunden- und geheimsprachl. sowie
auch allgem. mundartl. _stupfen_ = stechen mit Rücks. auf die Stacheln
des Igels (vgl. jen.: _Stupfle_ = Stachel [s. dazu Näh. schon oben unter
»Dorn«]), denen natürlich auch die Syn. _Stachling_, _Stachelinus_ u.
die ähnlichen Zigeunerwörter ihre Entstehung verdanken.]

Igelessen, _Stupfelbikus_[1158]                                           [64.314]

Igelfleisch, _Stupfelmass_, _Stupflengbossert_ od. _Stupfelbossert_
(Spr.)[1159]

Igelhund, _Stupfelkib_ (Spr.)[1160]

Igelmetzger, _Stupfelkafler_[1161]

Igelsack, _Stupfel-_ od. _Stupflengrande_[1162]

Infanterist, _Lanenger_ (d. h. »Soldat«)[1163]

ingrimmig, _stumpfich_[1164]

Insel, _Flu(h)tekies_ (d. h. eigtl. »Wasserstein«, als Stein = Gebirge,
das aus dem Wasser hervorragt[1165]

irr, irrsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[1166]

Irrenhaus, _Hegelkitt_[1167] od. _Ni(e)sekitt_, _Nillekitt_,
_Nuschekitt_[1168]

Irrlicht, _Schuberleschein_ (d. h. »Gespensterlicht«[1169]

Irrsinn s. Wahnsinn.


                              J (= Jod).

ja, _kenn_[1170]

[Fußnote 1158: ([191] auf S. 64.314) S. (betr. _Bikus_) Abendessen.]

[Fußnote 1159: ([192] auf S. 64.314) S. (betr. _Mass_ u. _Bossert_)
Aas.]

[Fußnote 1160: ([193] auf S. 64.314) S. Haushund.]

[Fußnote 1161: ([194] auf S. 64.314) S. Fleischer.]

[Fußnote 1162: ([195] auf S. 64.314) S. Bauch.]

[Fußnote 1163: ([196] auf S. 64.314) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1164: ([197] auf S. 64.314) S. Ärger.]

[Fußnote 1165: ([198] auf S. 64.314) S. abbrühen u. Apfelkern. —
Ähnlich heisst bei den Zigeunern (nach _Liebich_, S. 149 u. 212) die
Insel _paninjākri montaia_, d. h. »Wasserberg« od. »Wassergebirge«.]

[Fußnote 1166: ([199] auf S. 64.314) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1167: ([200] auf S. 64.314) S. Dummheit u. Abort.]

[Fußnote 1168: ([201] auf S. 64.314) Vgl. Anm. 1166 u. 1167 a. E.]

[Fußnote 1169: ([202] auf S. 64.314) S. Geist u. alltäglich. — Ähnlich
ist die Bezeichnung des Irrlichts bei den Zigeunern, näml. _muléskĕri
momelin_, d. h. eigtl. »Totenlicht« (Syn. auch: _dschapáskĕri
momelin_, d. h. »wanderndes Licht«) nach _Liebich_, S. 147 u. 212.]

[Fußnote 1170: ([203] auf S. 64.314) _Vgl._ dazu (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr. _71 (_kenn_ = ja, _kenn
Mathilde_ = ganz richtig); _Schwäb. Händlerspr._ 481, 482 (_kenn_ = ja,
_kenn Mathilde_ = »grüß Gott«); s. auch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_kent_
= ja) sowie d. _Winterfelder u. Eifler Hausiererspr._ 441, 491 (_kenn_).
Über weitere Belege im Rotw. u. in der Kundenspr. s. _Schütze_, S. 73,
vbd. mit _Groß'_ Archiv, Bd. 51, S. 162 (unter »Mathilde«) und Anm. 2
(betr. _kenn Kunde_, wozu auch zu vgl. Bd. 59, S. 267, 287). Über die
_Etymologie_ (vom hebr. _kên_ od. _ken_ = »so [richtig], ja«) s. A.-L.
556 und _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 330, vgl. jedoch auch Archiv,
Bd. 51, S. 162, Anm. 2 a. E. (über einen Einfluß auch des deutschen
Zeitw. »kennen« bei dem Ausdr. _kenn Kunde_ od. _Mathilde_).]

Jacke, _Malfes_[1171]                                                     [64.315]

jagen, _Jahre_ od. _Kracher bosten_ (d. h. eigtl. »[in den] Wald gehen
[zum Jagen]«)[1172]

Jäger, _Grünleng_[1173]

Jahr, _Ja(h)ne_[1174]

Jahrestag, _Ja(h)neschei_[1175]

jammern, _glemsen_[1176]

jucken, _näpfen_[1177]

Jude, _Kaim_ (plur.: _Kaimen_[1178] od. _Dibolde_[1179])

[Fußnote 1171: ([204] auf S. 64.315) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1172: ([205] auf S. 64.315) S. Ananas u. abgehen.]

[Fußnote 1173: ([206] auf S. 64.315) S. Flurschütz.]

[Fußnote 1174: ([207] auf S. 64.315) S. alljährlich.]

[Fußnote 1175: ([208] auf S. 64.315) S. (betr. _Schei_) alltäglich.]

[Fußnote 1176: ([209] auf S. 64.315) S. ausweinen.]

[Fußnote 1177: ([210] auf S. 64.315) S. abbeißen.]

[Fußnote 1178: ([211] auf S. 64.315) S. Hebräer.]

[Fußnote 1179: ([212] auf S. 64.315) Zu _Dibolde_ = Juden gehören die
_Zusammensetzg._ _Dibolde-Gallach_ (d. h. »Judenpriester«) = Rabbiner
(s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun.) u. die _Ableitg._
_diboldisch_ = jüdisch (Gegensatz: _nobis diboldisch_ [eigtl.
nicht-jüdisch] = ungläubig [vom jüd. Standpunkt aus; Syn. _nobis
gril(l)isch_, — _wonisch_, d. h. eigtl. »nicht-evangelisch,
-katholisch«]). Die Vokabel, die in dem _verw. Quellenkreise_ unbekannt
ist, kommt im sonstig. Rotwelsch (d. 19. Jahrh.) vereinzelt vor, jedoch
mit anderem Anlaut (_Ba-_, _Bi-_, _Pi-_); s. z. B. _Pfister_ 1812 (295:
_Babolde_); _v. Grolman_ 5 u. T.-G. 103 (ebenso); _Karmayer_ G.-D. 190
(desgl.); _Derenbourgs Glossar_ 1856 (414: desgl.); A.-L. 584
(_Pipolte_, fem. _Pipoltiza_); _Groß_ 458 (_Biboldo_). Der _Etymologie_
nach stammt der Ausdr. aus der Zigeunersprache her (vgl. »Einleitung«,
S. 29), in der _biboldo_ (od. bipoldo) eigtl. »der Ungetaufte« bedeutet
(von _boldo_ [od. poldo], zu _[me] polāwa_ = »[ein]tauchen, taufen«
[s. _Liebich_, S. 152 u. 245; vgl. _Finck_, S. 52 (Stamm: _bōl_ [od.
bold] = »[ein]tauchen, taufen«, das sich bis ins _Hind._ [_bōrnā_
= »eintauchen«] verfolgen läßt)] u. dem Negativpräfix _bi-_). S. Näh.
bei _Pott_ II, S. 422 (unter »Bolaw«), _Liebich_, S. 128 u. 213
(_bipoldo_), _Miklosich_, Beitr. III, S. 8 u. Denkschriften, Bd. 26, S.
181 (unter »bol«: bei den deutsch. Zig.: _bipoldo_), _Finck_, S. 51
(_bibóldo_); bei _Jühling_ nicht angeführt. — Über die Veränderung des
Anlauts im Jenischen s. auch _Pott_, a. a. O.]

Jüdin, _Kaime_[1178]                                                      [64.316]

jüdisch, _diboldisch_[1179]

Junge, _Bengesle_[1180], _Fi(e)sele_[1181], _Freierle_[1182]

junges (kleines) Mädchen, _Mödele_[1183]

Jungfrau, _Mössle_[1184]

Junggeselle, _Käfferle_ (d. h. eigtl. »Männchen«)[1185] od. (genauer)
_nobis vergröntes Käfferle_ (d. h. »nicht verheiratetes Männchen«)[1186]

Jüngling, _Benges_ od. _Benk_[1180], _Fi(e)sel_[1181], _Freier_[1182]

Junker, _dofer Benk_[1180] od. _Fi(e)sel_[1181] (d. h. etwa ein »guter
[od. besserer] junger Mann«) od. _Sinsle_ (d. h. »Herrchen«)[1187].


                                  K.

Kadaver, _mufiger Bossert_ od. — _Maas_[1188]

Kaffee, _Süs(s)leng_ (-ling [Spr.])[1189]

Kaffekanne, _Süs(s)lengnolle_[1190]

Kaffeetasse, _Süs(s)lengschottel_[1191]

[Fußnote 1180: ([213] auf S. 64.316) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1181: ([214] auf S. 64.316) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1182: ([215] auf S. 64.316) S. Fremder.]

[Fußnote 1183: ([216] auf S. 64.316) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1184: ([217] auf S. 64.316) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 1185: ([218] auf S. 64.316) S. Bauer.]

[Fußnote 1186: ([219] auf S. 64.316) S. (betr. _nobis vergröntes_)
Dietrich u. Ehe.]

[Fußnote 1187: ([220] auf S. 64.316) S. Amtmann.]

[Fußnote 1188: ([221] auf S. 64.316) S. Aas.]

[Fußnote 1189: ([222] auf S. 64.316) _Süs(s)leng_ (od. _-ling_) bedeutet
außer Kaffee (Zichorie) auch noch: Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit.
Dazu folgende _Zusammensetzgn._: _Süs(s)lengnolle_ = Kaffeekanne,
_Süs(s)lengschottel_ = Kaffeetasse, auch Zichorienbüchse,
_Süs(s)lingbrandling_ = Lebkuchen, _Süs(s)linglehm_ = Zuckerbrot,
_Süs(s)lingoberman(n)_ = Zuckerhut, _Süs(s)lingflu(h)te_ = Zuckerwasser.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 u. 101
(_Süsling_ = Zucker, auch Honig); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (_Süßling_ =
Zucker). Im _Pfulld. J.-W.-B._ 340 bedeutet _Süß_ den Honig, im
_Pleißlen der Killertaler_ 436 _Süessler_ od. _Süssholz_ den Zucker.
Über weitere Belege im Rotw. (s. schon _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [222,
232: _Süßling_ = Honig oder Bienenstock] u. dann öfter [mit versch.
Bedeutgn.]) sowie über die Nebenform _Süssert_ s. noch _Weber-Günther_,
S. 188 (unter »Zosset«). Der Stamm des Wortes ist natürlich unser Adj.
»süß«; vgl. _Pott_ II, S. 10; A.-L. 612; _Günther_, Rotwelsch, S. 60. —
Zu der Bedeutg. »Kaffee« sei noch bemerkt, daß (nach _Liebich_, S. 138
u. 213) auch bei den Zigeunern der Kaffee _gudli_, d. i. etwa »der Süße«
(vgl. _gudlo_ = Zucker), heißt (neben _mellĕli_, d. i. »der
Schwarze«;) vgl. auch _Finck_, S. 59.]

[Fußnote 1190: ([223] auf S. 64.316) S. (betr. _Nolle_) Fleischhafen.]

[Fußnote 1191: ([224] auf S. 64.316) S. Aschenbecher.]

Käfig, _Kitt_ (d. h. »Haus«)[1192], _Stenkert_ (d. h. »Stall«)[1193];     [64.317]
vgl. Vogelbauer

kahl, _nobis Strauberts_ (d. h. »keine Haare«)[1194]

Kahlkopf, _nobis Strauberts auf'm Ki(e)bes_ (d. h. »keine Haare auf dem
Kopf«[1195]

Kalb, _Horbögle_[1196]

Kalk, _näpfiger Schund_ (d. h. »beißender Dreck«)[1197]

kalt, _biberisch_ (_bibrisch_ [Spr.])[1198]

Kälte, _Biberisch_ (subst. Adj.)[1198]

[Fußnote 1192: ([225] auf S. 64.317) S. Abort.]

[Fußnote 1193: ([226] auf S. 64.317) S. Entenstall.]

[Fußnote 1194: ([227] auf S. 64.317) S. Dietrich u. Augenbrauen,]

[Fußnote 1195: ([228] auf S. 64.317) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]

[Fußnote 1196: ([229] auf S. 64.317) _Horbögle_ (= Kalb) ist Dimin. zu
_Horboge_ (-boga) oder (abgekürzt in der Form der Aphärese) bloß _Boga_
= Kuh, Rind. Von _Zusammensetzgn._ mit _diesen_ Wörtern vgl. a) _am
Anfang_: _Horbogaschwächerle_ = Kuheuter, _Horbogebossert_ od. _-mass_ =
Kuh- od. Rindfleisch, _Horbogekafler_ od. _Bogakafler_ = Kuhmetzger
(letzteres auch Rindermetzger), _Horbogestenkert_ = Kuh- od.
Rinderstall, _Horbogeschmunk_ = Rinderfett, auch Unschlitt (s. d. betr.
Analogie mit der Zigeunerspr.), wogegen _Bogaschmunk_ nur durch
»Kuhbutter« wiedergegeben; b) _am Ende_: _Mufferhorboge_ (d. h. eigtl.
»Nasenkuh«) = Nashorn (s. d. betr. Übereinstimmg. mit d. Zigeun). _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 95, 97
(_Hobogen_ = Kuß [wofür jedenfalls zu lesen: Kuh, argum.: _Hohrbogen_ =
Ochs); _W.-B. des Konst. Hans_ 254 (_Hohrboge_ = Stück Rindvieh);
_Schöll_ 271 (_Haarbogen_ = Rindvieh); _Pfulld. J.-W.-B._ 340, 342, 343
(_Horboge_ = Kuh, Ochs, Rind, _junge Horboge_ = Kalb, _Horbogemaß_ =
Ochsenfleisch); _Schwäb. Händlerspr._ 482, 483, 485, 487 (_Hôrbôg[e]_
[in _Pfedelb._ (211): _Hobuche_] = Kuh, Rind, Stier, _Hôrb[^oe]gle_ =
Kalb, _Hôrbôgmost_ = Rindfleisch); s. auch _Regensb. Rotw._ 489
(_Haarbogen_ = Kuh). Über weitere Belege im Rotw. s. _Groß'_ Archiv, Bd.
43, S. 31/32, Anm. 3. Der _Etymologie_ nach handelt es sich wahrscheinl.
um eine Verunstaltung aus dem älteren Synon. _Hornbock_, das schon im
_Lib. Vagat._ (54) vorkommt. S. Näh. darüber im Archiv, Bd. 43, S. 32 u.
Anm. 1 u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 1822 unter
_Ho(r)nbog(e[n])_, der zwar die Silbe _Hor-_ ebenfalls als »Horn«
auslegt, dagegen _-boge(n)_ »eher zu hebr. _bakar_ = Rindvieh«,
poln.-jüd. _boker_ (vgl. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 32) »als zu Bogen«
in Beziehung setzen möchte. Die kürzere Form _Boga_ könnte natürlich
_unmittelbar_ von der hebr. Vokabel hergeleitet werden, doch halte ich
die Auffassung derselben als Abbreviatur von _Horboga_ für richtiger
(vgl. »Vorbemerkung«, S. 8). Über das ähnl. _Hornikel_ = Ochse s. schon
oben unter »Bulle«.]

[Fußnote 1197: ([230] auf S. 64.317) S. abbeißen und abgerahmte Milch.
— Dieselbe Umschreibung (näml. _danterpaskĕro tschikk_) kennt auch
die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 131, 164 u. 213 sowie auch
_Finck_, S. 91 (_danderpáskero tšik_) vbd. m. S. 54 (_danderpáskero_
= »ätzend, beißend«); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 17.]

[Fußnote 1198: ([231] auf S. 64.317) S. eisig; über _Biberisch_ als
subst. Adj. vgl. auch »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]

Kamerad, _Benges_ od. _Benk_[1199], _Fi(e)sel_[1200]                      [64.318]

Kamm, _Straubertsschure_[1201]

Kammacher, _Straubertsschurepflanzer_[1202]

kämmen, _Strauberts pflanzen_ (d. h. »die Haare machen«)[1202]

Kampf, _Hamore_[1203]

Kanapee, _Sitzleng_[1204]

Kanarienvogel, _Schallerfläderling_ (d. h. »Singvogel«)[1205]; vgl.
Amsel

Kaninchen, _Langohr_[1206]

Kanne, _Nolle_[1207]

Kapelle, _Duft_[1208]

Kappe, _Oberman(n)_[1209]

Kappenmacher, _Oberman(n)pflanzer_[1202]

Karfreitag, _Bäzamaschei_ (d. h. »Eiertag«)[1210]; vgl. Ostern

Karpfen, _Flössling_, _Matsche_, _Schwimmerling_ (d. h. eigentl. nur
»Fisch«)[1211]

Karren, _Rädleng_[1212], _Ruadel_[1213]

Kartoffeln, _Bolla_ od. _Schundbolla_[1214], _Matrele_[1215]

    " , gebratene s. Bratkartoffeln.

Kartoffelsalat, _Bolleblättling_ (Spr.)[1216]

Kartoffelschüssel, _Bolleschottel_ (Spr.)[1217]

[Fußnote 1199: ([232] auf S. 64.318) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1200: ([233] auf S. 64.318) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1201: ([234] auf S. 64.318) S. Augenbrauen und abbiegen.]

[Fußnote 1202: ([235] auf S. 64.318) S. (betr. _-pflanzer_ [pflanzen])
anbrennen.]

[Fußnote 1203: ([236] auf S. 64.318) S. Fehde.]

[Fußnote 1204: ([237] auf S. 64.318) S. Bank.]

[Fußnote 1205: ([238] auf S. 64.318) S. absingen u. Adler.]

[Fußnote 1206: ([239] auf S. 64.318) S. Hase.]

[Fußnote 1207: ([240] auf S. 64.318) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1208: ([241] auf S. 64.318) S. Dom.]

[Fußnote 1209: ([242] auf S. 64.318) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1210: ([243] auf S. 64.318) S. Ei u. alltäglich. — Auch in der
Zigeunersprache heißt der Karfreitag (aber auch wohl das Osterfest)
_jāréngĕro_ (od. jāríngĕro) _diwes_, d. i. gleichfalls der
»Eiertag«; s. _Liebich_, S. 140 u. 188 vbd. m. _Finck_, S. 55 (hier nur
= Ostern); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18. Über eine der _jenischen_
Umschreibg. für _Ostern_ genau entsprechende zigeun. Bezeichnung s. noch
weiter unten (unter »Ostern«).]

[Fußnote 1211: ([244] auf S. 64.318) S. Fisch. Das Synm. _Flotscher_ ist
hier nicht angeführt.]

[Fußnote 1212: ([245] auf S. 64.318) S. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 1213: ([246] auf S. 64.318) S. abfahren.]

[Fußnote 1214: ([247] auf S. 64.318) S. Bratkartoffeln; vgl. abgerahmte
Milch.]

[Fußnote 1215: ([248] auf S. 64.318) S. Erdäpfel.]

[Fußnote 1216: ([249] auf S. 64.318) S. Gulasch.]

[Fußnote 1217: ([250] auf S. 64.318) S. Aschenbecher.]

Käse, _Girall_[1218], _Räsleng_[1219]                                     [64.319]

Käskuchen, _Girall-_ od. _Räslengbrandleng_[1220]

Kater s. Katze

Katholik, _Wo(h)nischer_[1221]

katholisch, _wo(h)nisch_

[Fußnote 1218: ([251] auf S. 64.319) Zu _Girall_ s. die _Zus._
_Girallbrandleng_ = Käskuchen. Die Vokabel ist _sonst_ m. Wiss. in den
Geheimsprachen _nicht_ bekannt. Der _Etymologie_ nach stammt sie aus der
_Zigeunersprache_ (vgl. schon »Einleitg.«, S. 30). Näh. s. darüber bei
_Pott_ II, S. 257/58 (unter »Giral«); _Liebich_, S. 142 u. 213
(_kīral_); _Miklosich_, Beitr. I/II, S. 12 u. Denkschriften, Bd. 26,
S. 234 (unter »keral«: bei den _deutsch._ Zig.: _kiral_) vbd. mit S. 238
(unter »khil«); _Jühling_, S. 222 (_Girall_); _Finck_, S. 64 (_kiral_).
Das Wort läßt sich (nach _Pott_ und _Miklosich_, a. a. O.) bis ins
Altind. (_kšīra_ = Milch) zurückverfolgen.]

[Fußnote 1219: ([252] auf S. 64.319) Mit _Räsleng_ ist (außer
_Räslengbrandleng_ = Girallbrandleng) noch _zusammengesetzt_:
_Bosserträsleng_ (eigtl. »Fleischkäse«) = Leberkäse. _Zu vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): nur _Schwäb. Händlerspr._ 482 (_Ræßling_ = Käse,
aber [485] auch = Rettich). Sonst nirgends erwähnt. Zur _Etymologie_:
Vermutlich handelt es sich um eine durch Anhängung der typischen rotw.
Endung _-ling_ (= leng) vorgenommene Substantivierung des mundartl.,
insbes. schwäbischen Adj. _räs_, das (nach _v. Schmid_, Schwäb. W.-B.,
S. 425) u. a. etwa bedeutet was »die Zunge reizt«, im Geschmack »scharf«
(wie Rettich) oder »herb« ist.]

[Fußnote 1220: ([253] auf S. 64.319) S. (betr. _Brandleng_)
Apfelkuchen.]

[Fußnote 1221: ([254] auf S. 64.319) _Wo(h)nischer_ ist Substantivierung
des Adj. _wo(h)nisch_ = katholisch (Gegens. _nobis wo[h]nisch_ =
ungläubig [vom Standpunkt der Katholiken aus]); s. auch »Vorbemerkung«,
S. 15, Anm. 38. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 94 (_wohnisch_ = katholisch); _W.-B. des Konst. Hans_ 257
(_wahnisch_); _Schöll_ 274 (Bettlersprache: _wohnisch_); _Pfulld.
J.-W.-B._ 341 (ebenso); _Schwäb. Händlersprache_ 482 (_wônisch Kolp_ [in
_Pfedelb._ (212): _Kolb_] = katholischer Pfarrer). Auch im sonstigen
Rotw. hier u. da anzutreffen (z. B. _Pfister_ bei _Christensen_ [332:
_wohnisch_]; _v. Grolman_ 75 u. T.-G. 105 [_wo(h)nisch_]; _Karmayer_ 182
[_wonnisch_] usw.). Zur _Etymologie_ s. Näh. bei _Günther_ in der
Zeitschr. »Die Polizei«, Jahrg. 4 (1906), Nr. 5, S. 99, Sp. 2 u. Anm.
29. Danach handelt es sich bei _wo(h)nisch_ wohl um »eine zugleich mit
Änderung des Anlauts vorgenommene Abkürzung« (in der Form der
»Aphärese«) von dem Synon. _doflemonisch_ oder _toflemonisch_ (s. z. B.
_Pfister_ 1812 [296]; _v. Grolman_ 16, 71 u. T.-G. 105; _Karmayer_ 166
usw.; vgl. auch _Pfälz. Händlerspr._ 437 [_dôfelmnisch_]), einer
Adjektivbildung aus _Toflemone_ u. ä. = »katholische Religion« (s. z. B.
bei _v. Grolman_ 71 [neben _Toflenemone_]), zusammengesetzt aus _tofel_
oder _dofel emone_, d. h. zunächst »der andere Glaube«, dann aber wohl
auch der »falsche«, d. i. der christliche (katholische) »Glaube« (vom
hebr. _Tifla_ = »das Falsche, Unrechte« u. _'amn[h]_ oder
_'emûmn[h]_, jüd. _emônô_, _emûnô_ = »Glaube, Religion«). Daß _dofel_
oder _tofel_ in den Vokabularien der Gaunerspr. nicht bloß für
»ungereimt, abgeschmackt«, sondern auch für »alt« angeführt ist (s.
_Thiele_ 316 vbd. mit _Pfister_ 1812 [297], _Christensen_ 1814 [327] u.
_v. Grolman_ 16, 71 u. T.-G. 81, die _nur_ die letztere Bedeutg. haben),
erklärt sich daraus, daß nach der Reformation die protestantische
Religion mit _chodesch emone_ (chadesch emûnô) u. ä., d. h. »neuer
Glaube« (vgl. _v. Grolman_ 12 [_Cadisch - Amune_ oder _-nemone_] u.
A.-L. 367 u. 530) bezeichnet wurde, wodurch sich der früher für den
_christlichen_ Glauben _überhaupt_ gebrauchte Ausdruck _tofel_ od.
_dofel emone_ u. ä. zu dem Begriff »_katholischer_«, mithin jetzt
»_alter_ Glaube«, verengerte.]

Kätzchen, _Schmalerle_[1222]                                              [64.320]

Katze, _Schmaleng_ (plur. _Schmaling_) od. _Schmaler_[1222]

Katzenfleisch, _Schmalerbossert_[1223]

Katzensack, _Schmalerrande_[1224]

kauen, _achile_[1225], _biken_, _butten_[1226], _näpfen_[1227]

kaufen, _bascha_, _bikeren_, _gremen_, _kemere_[1228]

Käufer, _Bascher_, _Bikerer_, _Gremer_, _Kemerer_[1228]

Kaufladen, _Kemererskitt_[1229]

Käuzchen, _Begerflederling_ (d. h. »Totenvogel«)[1230]; vgl. Steineule

Kebsweib, _Lubne_[1231], _schofle Goi_ od. — _Mos(s)_[1232]

Kehrbesen, _Rutscherschure_[1233], _Stiepa_[1234]

Kelch, _Duftnolle_[1235]

kennen, _gneissen_[1236]

Kerker, _Dofes_[1237], _Kittle_[1229], _Lek_[1237]; vgl. Gefängnis

[Fußnote 1222: ([255] auf S. 64.320) S. Baumkatze.]

[Fußnote 1223: ([256] auf S. 64.320) S. (betr. _Bossert_) Aas.]

[Fußnote 1224: ([257] auf S. 64.320) S. Bauch.]

[Fußnote 1225: ([258] auf S. 64.320) S. essen.]

[Fußnote 1226: ([259] auf S. 64.320) S. Abendessen.]

[Fußnote 1227: ([260] auf S. 64.320) S. abbeißen.]

[Fußnote 1228: ([261] auf S. 64.320) S. abkaufen.]

[Fußnote 1229: ([262] auf S. 64.320) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1230: ([263] auf S. 64.320) S. absterben u. Adler. — _Zu vgl._
dazu bei _Karmayer_ 122: _Pegerfletterl_ = Nachteule oder Kauz. In
derselben Weise umschreiben (nach _Liebich_, S. 214 u. 243) auch die
Zigeuner das Käuzchen od. die Steineule, (näml. als _muléskĕro [-ri]
tschirkŭlo_, d. i. »Totenvogel«; vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S.
18.]

[Fußnote 1231: ([264] auf S. 64.320) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1232: ([265] auf S. 64.320) S. arg u. böse Frau bezw. (betr.
_Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 1233: ([266] auf S. 64.320) S. abbiegen, vgl. auch Bürste.]

[Fußnote 1234: ([267] auf S. 64.320) S. Bürste.]

[Fußnote 1235: ([268] auf S. 64.320) S. Dom u. Fleischhafen.]

[Fußnote 1236: ([269] auf S. 64.320) S. erkennen.]

[Fußnote 1237: ([270] auf S. 64.320) S. Arrest.]

Kerl, _Gadscho_[1238], _Kaffer_[1239]                                     [64.321]

Kern, _Kies_[1240]

Kerze, _Schein_[1241]

Kessel, _Nolle_[1242], _Russling_[1243]

Kesselflicker, _Nollepflanzer_[1244]; vgl. Häfner

Kette, _Schlang_[1245]

keusch, _dof_[1246]

kichern, _schmol(l)en_[1247]

Kieselstein, _Hertling_[1248], _Kies_[1240]

Kilometerstein, _Stradehertling_ od. _-kies_ (d. h. eigtl.
»Straßenstein«)[1249]

Kind, _Galm_ (Dimin. _Gälmle_ [Spr.])[1250], _Gof_[1251], _Stratz_[1252]

[Fußnote 1238: ([270a] auf S. 64.321) Zu _Gadscho_ = Kerl, auch Landmann
(dagegen nicht unter »Bauer« angeführt) — im Plural _Gadsche_ od.
_Gasche_ = Leute, Dim. _Gaschele_ = Kinder — gehören die
_Zusammensetzgn._: _Gadschomalfes_ = Männerrock u. _Begergadscho_ =
Leichenbeschauer (vgl. dazu auch »Vorbemerkg.«, S. 12, Anm. 29). _Zu
vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94 (_Kochem
gasche_ = »Hurenleben führen und im solchen herumziehen«); _Schöll_ 272
(_Gasche_ = Leute, _schovel Gasche_ = schlimme Leute); _Pfulld.
J.-W.-B._ 338, 342, 343 (_Gasche_ = Leute, Menschen, Personen,
_Ruchegasche_ = Bauernvolk); _Schwäb. Händlerspr._ 483 (_Gsche_ =
Leute, in _Lütz._ [215]: _Gātsche_ = Kind); s. auch _Metzer Jenisch_
216 (_Gātsch_ = Mann). Über weitere Belege im Rotw. sowie die
_Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 30], in der
_gadžo_ od. _gadšo_ [gadscho] od. gatscho zunächst den
»Nichtzigeuner«, dann aber wohl auch allgemeiner »Mensch« oder — wieder
spezieller — »Bauer« bedeutet) s. d. ausführl. Angaben in _Groß'_
Archiv, Bd. 49, S. 331/32, u. dazu noch _Finck_, S. 58. Bei _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III, Sp. 78 (unter »Gasche« II) u. Sp. 87 (unter
»Gatsche«) ist über die Etymologie nichts angegeben.]

[Fußnote 1239: ([271] auf S. 64.321) S. Bauer.]

[Fußnote 1240: ([272] auf S. 64.321) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1241: ([273] auf S. 64.321) S. alltäglich.]

[Fußnote 1242: ([274] auf S. 64.321) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1243: ([275] auf S. 64.321) Zu _Russling_ = Kessel (Pfanne,
Tiegel) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 94
(_Rusling_, hier = Kamin); _Pfulld. J.-W.-B._ 343 (_Rußling_ = Pfanne).
Über weitere rotw. Belege (mit _verschied._ Bedeutgn.) sowie die
_Etymologie_ (von »Ruß«) s. _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 72 (unter
»Russlings-Schlangemer«).]

[Fußnote 1244: ([279] auf S. 64.321) S. Fleischhafen u. anbrennen.]

[Fußnote 1245: ([280] auf S. 64.321) S. Halskette.]

[Fußnote 1246: ([281] auf S. 64.321) S. angenehm.]

[Fußnote 1247: ([282] auf S. 64.321) S. anlachen.]

[Fußnote 1248: ([283] auf S. 64.321) S. Gestein.]

[Fußnote 1249: ([284] auf S. 64.321) S. (betr. _Strade_) Chaussee; vgl.
Meilenstein.]

[Fußnote 1250: ([285] auf S. 64.321) S. brauchbares Kind.]

[Fußnote 1251: ([286] auf S. 64.321) _Gof_ wird besonders für ein
unartiges Kind, jedoch _auch_ in allgemeinerem Sinne gebraucht; s. böses
Kind.]

[Fußnote 1252: ([287] auf S. 64.321) S. Hurenkind.]

Kindbetterin, _Deislere_[1253]                                            [64.322]

Kinder, _Galma_[1250], _Gaschele_ (d. h. eigtl. »kleine Leute«)[1244],
_Schrabiner_[1254], _Stratze_[1252]

Kinderei, _Ni(e)serei_, _Nillerei_[1255]

Kindermädchen (-magd), _Galmamodel_ od. _Schrabinermodel_[1256]

Kirche, _Duft_[1257]

Kirchenschlüssel, _Duftglitschin_[1258]

Kirchhof s. Gottesacker

Kirchweih, _Brandlingschei_ (d. h. »Kuchentag«)[1259]

Kirchweihsonntag, _Brandlengweisling_ (d. h. »Kuchensonntag«)[1260]

Kirschbaum, _Scharriselestöber_[1261]

Kirsche, _Scharrisele_

Kirsch(en)kern, _Scharriselekies_[1262]

Kirsch(en)kuchen, _Scharriselebrandling_[1263]

Kirschenstein s. Kirsch(en)kern

Kissen, _Sauft_[1264]

Kittel, _Malfes_[1265]

Klarinette, _Nikelschure_[1266]

Klavier, "

Klee, _Kupfer_[1267]

[Fußnote 1253: ([288] auf S. 64.322) S. gebären.]

[Fußnote 1254: ([289] auf S. 64.322) S. brauchbares Kind (am Ende).]

[Fußnote 1255: ([290] auf S. 64.322) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1256: ([291] auf S. 64.322) S. (betr. _Model_) Beischläferin.]

[Fußnote 1257: ([292] auf S. 64.322) S. Dom.]

[Fußnote 1258: ([293] auf S. 64.322) S. (betr. _Glitschin_) Dietrich.]

[Fußnote 1259: ([294] auf S. 64.322) S. Apfelkuchen u. alltäglich.]

[Fußnote 1260: ([295] auf S. 64.322) S. (betr. _Weisling_) Feiertag.]

[Fußnote 1261: ([296] auf S. 64.322) S. (betr. _Stöber_) Apfelbaum. —
_Scharrisele_ = Kirsche (_nur_ als _Dimin._ gebräuchl. [vgl.
»Vorbemerkg.«, S. 13, Anm. 33 a. E.]) findet sich noch in den
_Zusammensetzgn._: _Scharriselekies_ = Kirsch(en)kern od. -stein u.
_Scharriselebrandling_ = Kirsch(en)kuchen. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gauerspr._ 95 (_Scharriselen_ = Kirschen);
_Pfulld. J.-W.-B._ 341 (_Scharisele_ = Kirsche). Die _Etymologie_ des
(sonst zieml. seltenen) Ausdrucks gebt zweifelsohne auf das gleichbed.
französ. _cérise_ (ital. _ciriegia_, lat. _cerasus_) zurück; vgl.
_Günther_, Rotwelsch, S. 37.]

[Fußnote 1262: ([297] auf S. 64.322) S. (betr. _Kies_) Apfelkern.]

[Fußnote 1263: ([298] auf S. 64.322) S. (betr. _Brandling_)
Apfelkuchen.]

[Fußnote 1264: ([299] auf S. 64.322) S. Bett.]

[Fußnote 1265: ([300] auf S. 64.322) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1266: ([301] auf S. 64.322) S. aufspielen u. abbiegen.]

[Fußnote 1267: ([302] auf S. 64.322) S. Frucht.]

Kleid, _Kluft_[1268]                                                      [64.323]

kleiden, _a'klufte_[1269]

Kleidung, _Klufterei_[1268]

Klepper, _Trabert_[1269]

Klinge, _Lomel_[1270]

Kloster, _grandiche Kolbekitt_[1271]

Kloß s. Knödel.

Klotz, _Spraus_[1272]

klug, _kochem_[1273]

Knabe, _Bengesle_[1274], _Fi(e)sele_[1275], _Freierle_[1276]

knallen, _schnelle_[1277]

knauserig, _bogelich_[1278]

Knecht, _Schenegler_[1279]

Kneipe, _Beiz_, _Kober_[1280]

Kneipwirt s. Gastwirt; vgl. Wirt.

Knödel (»Knöpfle« [Spr.], »Spätzle« [Spr.]), _Hegesle_ (nicht zu
verwechseln mit _Heges_ = kleines Dorf)[1281]

[Fußnote 1268: ([303] auf S. 64.323) S. ankleiden.]

[Fußnote 1269: ([304] auf S. 64.323) S. Füllen.]

[Fußnote 1270: ([305] auf S. 64.323) S. Für _Lomel_ = Klinge,
Messerschneide finde ich im Rotw. u. i. d. sonst. Geheimspr. keine
Belege. Das Wort soll (nach _Wittichs_ »Einleitg.«, S. 30) aus der
_Zigeunersprache_ stammen, auch findet sich bei _Liebich_, S. 215 in der
Tat _lommla_ = Klinge verzeichnet (während in den anderen zigeun.
Vokalbularien, auch bei _Jühling_, etwas Ähnliches nicht anzutreffen
ist). Nach _Fischer_, Schwab. W.-B. IV, Sp. 938 (unter »Lamel«) ist
_Lamel_ (od. Lomel) = Messerklinge (insbes. eine lahme, stumpfe) allgem.
schwäbisch, und ebenso ist der Ausdr. in Bayern (als _Lammel_, _Lämmel_
od. _Lommel_ [fem. u. neutr. gen.]; s. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp.
1470) u. in anderen Gegenden (Kurhessen, Elsaß, Schweiz) bekannt. Er
soll nach _Fischer_ (a. a. O. vbd. mit _Schmeller_, a. a. O.) vom mhd.
_lmel_ (s. _Lexer_, Mhd. Hand-W.-B. I, Sp. 1816) abzuleiten sein, das
seinerseits auf das latein. _lamella_ od. _lamina_ zurückgeht.]

[Fußnote 1271: ([306] auf S. 64.323) S. Adler, Bischof u. Abort. —
Dieselbe Umschreibung (die etwa »großes Haus für Geistliche [Mönche]«
bedeutet) findet sich auch bei den Zigeunern; s. _Liebich_, S. 127 u.
215 (_baro raschaiéngĕro kēr_ = Kloster).]

[Fußnote 1272: ([307] auf S. 64.323) S. Baumholz.]

[Fußnote 1273: ([308] auf S. 64.323) S. besonnen.]

[Fußnote 1274: ([309] auf S. 64.323) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1275: ([310] auf S. 64.323) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1276: ([311] auf S. 64.323) S. Fremder.]

[Fußnote 1277: ([312] auf S. 64.323) S. abschießen. Vgl. dazu das rotw.
_knallen_ = schießen (Belege in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 54).]

[Fußnote 1278: ([313] auf S. 64.323) S. Appetit.]

[Fußnote 1279: ([314] auf S. 64.323) S. abschaffen.]

[Fußnote 1280: ([315] auf S. 64.323) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]

[Fußnote 1281: ([316] auf S. 64.323) _Hegesle_ (_nur_ als Dimin. gebr.)
bedeutet _Knödel_ u. insbes. »Knöpfle« u. »Spätzle«, beides mundartl.
Bezeichnungen für südd., bes. schwäb. knödelartige Mehlspeisen (vgl.
[über _Knöfle_, Dimin. zu _Knopf_] _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 544
unter »Knopf«, Nr. 4, a; [über _Spätzle_, Dimin. zu _Spatz_ = Sperling]
_v. Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 499 unter »Spatzen« u. _Schmeller_,
Bayer. W.-B. II, Sp. 692 unter »Spatz«, lit. c). Dazu die _Zus._
_Hegesleschnall_ = Spätzlessuppe (Spr.) u. die _Verbdg._ _grandiche
Hegesle_ = Nudeln. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der
Gaunerspr._ 95 (_Hegesle_ = »Knöpflen«); _Pfulld. J.-W.-B._ 341
(_Hegesle_ = Knopf). Die _Etymologie_ bleibt dunkel. Auch _Fischer_,
Schwäb. W.-B. III. Sp. 1331 (unter »Hegis«, Nr. 2) gibt keine
Erklärung.]

Koch, _Sicherbenk_, _Sicherfi(e)sel_ od. _-kaffer_[1282]                  [64.324]

kochen, _sichere_[1282]

Kohl, _Groanert_[1283]

Kohle, _a'gefunkter Spraus_ (d. h. »angebranntes Holz«)[1284]

Kohlenbrenner, Köhler, _Funker_[1284]

Kollege, _Benges_[1285], _Fies(e)l_[1286]

kommen, _bosten_[1287]

Kommißbrot, _Lanengerlehm_ od. _-lechem_[1288], _Lanengermaro_[1289]

Komödiant, _Schnurrant_[1290]

Komödienhaus, _Schnurrantekitt_[1291], auch _Nikelkitt_[1292]

Komödienzettel (Programm), _Schnurrantekritzler_[1293]

König, _grandich Sins_ (d. h. »der größte Herr«)[1294]

Königin, _grandich Sinse_ (d. h. »die größte Dame«)[1294]

können (verstehen, wissen), _gneisen_ (daher z. B.: ich kann's nicht,
_ich gneis es nobis_)[1295]

Konkurs, _Vergondert_[1296]

[Fußnote 1282: ([317] auf S. 64.324) S. abkochen vbd. mit brauchbarer
Bursche, Bettelbube u. Bauer.]

[Fußnote 1283: ([318] auf S. 64.324) S. Gemüse.]

[Fußnote 1284: ([319] auf S. 64.324) S. abbrennen u. Baumholz.]

[Fußnote 1285: ([320] auf S. 64.324) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1286: ([321] auf S. 64.324) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1287: ([322] auf S. 64.324) S. abgehen.]

[Fußnote 1288: ([323] auf S. 64.324) S. Hauptmann u. Bäcker.]

[Fußnote 1289: ([324] auf S. 64.324) S. (betr. _Maro_) Brot.]

[Fußnote 1290: ([325] auf S. 64.324) S. Äquilibrist.]

[Fußnote 1291: ([326] auf S. 64.324) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1292: ([327] auf S. 64.324) S. (betr. _Nikel-_) aufspielen.]

[Fußnote 1293: ([328] auf S. 64.324) S. (betr. _Kritzler_) Attest.]

[Fußnote 1294: ([329] auf S. 64.324) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1295: ([330] auf S. 64.324) S. erkennen.]

[Fußnote 1296: ([331] auf S. 64.324) _Vergondert_ ist ein
substantiviertes Partizip (vgl. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 36) von
_vergondere_ = verpfänden, das etymolog. gehört zu gemeinsprachl.
_verganten_ = versteigern, einer Ableitg. von dem (bes. in Bayern u.
Österreich gebräuchl.) Hauptw. _Gant_ (f.), d. h. gerichtlicher Verkauf
an den Meistbietenden, Zwangsversteigerung, dann auch Konkurs, aus dem
ital. _incanto_ = lat. incantum, in quantum, d. h. »für wie viel«, »wie
hoch«, nach dem Rufe des Versteigerers. S. u. a. _Weigand_, W.-B. I, Sp.
619 vbd. mit _A. Schirmer_, W.-B. der deutschen Kaufmannssprache (1911),
S. 68 u. 69, Anm. 1 ff. (woselbst noch näh. Angaben).]

Konkurs, _Vermuft_[1297] (d. h. eigentlich »im Konkurs« oder              [64.325]
»bankerott«)

kontrolliert, _gefleppt_[1298]

Kopf, _Kie(b)es_[1299]

Kopfhaar, _Ki(e)besstrauberts_[1300]

Korb, _Schottel_, plur. _Schottle_[1301]

Korbmacher, _Schottel-_ od. _Schottlepflanzer_[1302]

Korn, _Kupfer_[1303]

Kost, _Achilerei_[1304], _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[1305]

kostbar, _dof_[1306]

Kot, _Fuhl_[1307], _Schond_ od. _Schund_[1308]

kotig, _schundich_[1308]

Krämer, _Kemerer_[1309]

Krämerladen, _Kemererskitt_[1310]

krank, _begerisch_[1311]

Krankenbett, _Begerischsauft_[1312]

Krankenhaus, _Begerkitt_[1311][1310]

Krankheit, _Begerei_[1311]

krätzig, _näpfich_[1313]

Kraut, _Groanert_[1314]

[Fußnote 1297: ([332] auf S. 64.325) S. Aas. — Auch _Vermuft_ ist
substantiv. Partizip (s. »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 36); vgl. Armut u.
Bedrängnis.]

[Fußnote 1298: ([333] auf S. 64.325) S. Gewerbeschein.]

[Fußnote 1299: ([334] auf S. 64.325) S. Angesicht.]

[Fußnote 1300: ([335] auf S. 64.325) S. (betr. _Strauberts_)
Augenbrauen.]

[Fußnote 1301: ([336] auf S. 64.325) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1302: ([337] auf S. 64.325) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1303: ([338] auf S. 64.325) S. Frucht.]

[Fußnote 1304: ([339] auf S. 64.325) S. essen (Essen).]

[Fußnote 1305: ([340] auf S. 64.325) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 1306: ([341] auf S. 64.325) S. angenehm.]

[Fußnote 1307: ([342] auf S. 64.325) S. Abort.]

[Fußnote 1308: ([343] auf S. 64.325) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1309: ([344] auf S. 64.325) S. abkaufen.]

[Fußnote 1310: ([345] auf S. 64.325) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1311: ([346] auf S. 64.325) S. absterben.]

[Fußnote 1312: ([347] auf S. 64.325) S. (betr. _Sauft_) Bett.]

[Fußnote 1313: ([348] auf S. 64.325) S. abbeißen.]

[Fußnote 1314: ([349] auf S. 64.325) S. Gemüse.]

Krautsalat, _Groanertblättling_[1315]                                     [64.326]

Kredit, auf —, _auf den Bengel_, _auf Keif_[1316]

Kreisgericht, _grandiche Schoflerei_[1317]

krepieren, _begere_[1311]

Krieger, Kriegsmann, _Lanenger_[1318]

Kriminalgericht, _grandiche Schoflerei_[1317][1319]

Krone, _grandicher Sins-Oberman(n)_ (d. h. »des Königs Hut«)[1320]

Kropf, _Bellel_[1321]

Krug, _Nolle_[1322]

Krüppel, _schofler Benges_ od. _Benk_, schofler Fi(e)sel[1323]. (Das
_schofel_ soll hier soviel ausdrücken wie: »Der Mann [Bursche] ist übel,
schlimm daran«).

Kübel, _Schottel_[1324]

Küche, _Sichere_[1325]

Kuchen, _Brandleng_[1326]

Küchenschlüssel, _Sichereglitschin_[1327]

Küchlein (als Tierbezeichng.), _Gachnele_ (d. h. »Hühnchen«)[1328],       [64.327]
_Lachebatscherle_ (d. h. »Entlein«)[1329], _Strohbutzerle_ (d. h.
»Gänschen«)[1330]

[Fußnote 1315: ([350] auf S. 64.326) S. (betr. _Blättling_) Gulasch.]

[Fußnote 1316: ([351] auf S. 64.326) S. Borg (auf —).]

[Fußnote 1317: ([352] auf S. 64.326) S. Adler u. arg.]

[Fußnote 1318: ([353] auf S. 64.326) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1319: ([354] auf S. 64.326) Auch bei den Zigeunern heißt (nach
_Liebich_, S. 217) das _Kriminal_gericht _bāri grisni_, d. h.
»großes, hohes Gericht«, das _Kreis_gericht _bāri zephāni_, d. h.
eigtl. wohl »großer Kreis« (_zephāni_ allein auch = Landgericht);
vgl. _Liebich_, S. 216, 218.]

[Fußnote 1320: ([355] auf S. 64.326) S. Adler, Amtmann u. Fingerhut;
vgl. Bischof u. König. — Dieselbe Umschreibung für »Krone« kennt auch
die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 217 (_kraléskĕro
dschakkerpenn_, d. h. »des Königs Hut«, od. _bāro raiéskĕro_ [od.
_scheréskĕri] stātin_, d. h. »des großen Herrn [od. Häuptlings]
Hut«).]

[Fußnote 1321: ([356] auf S. 64.326) Diese Vokabel _fehlt_ sowohl in dem
_verw. Quellenkr._ als auch _sonst_ in d. Geheimsprachen (falls nicht
etwa _Belly_ [= Bauch?] in d. _Rotw. Gramm._ v. 1755 [III, 59; vgl.
_Kluge_, Rotw. I, S. 237, Anm. 1] hierher zu rechnen). Sie soll (nach
»Einleitung«, S. 29) aus der _Zigeunersprache_ stammen; s. dazu
_Jühling_, S. 219, wo _Bälel_ in gleicher Bedeutg. angeführt ist,
während m. Wiss. in den übrigen zigeun. Vokabularien nichts Ähnliches
enthalten ist.]

[Fußnote 1322: ([357] auf S. 64.326) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1323: ([358] auf S. 64.326) S. arg u. brauchbarer Bursche bzw.
Bettelbube.]

[Fußnote 1324: ([359] auf S. 64.326) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1325: ([360] auf S. 64.326) S. abkochen.]

[Fußnote 1326: ([361] auf S. 64.326) S. Apfelkuchen.]

[Fußnote 1327: ([362] auf S. 64.326) S. (betr. _Glitschin_) Dietrich.]

[Fußnote 1328: ([363] auf S. 64.326) S. Hahn.]

Kuckuck, _Flederling_[1331]

Kuh, _Horboga_, auch _Boga_[1332]

Kuhbutter, _Bogaschmunk_[1333]

Kuheuter, _Horbogaschwächerle_[1334]

Kuhfleisch, _Horbogebossert_ od. _-mass_[1335]

Kuhmetzger, _Horbogekafler_ od. _Bogakafler_[1336]

Kuhstall, _Horbogestenkert_[1337]

kümmerlich, _schofel_[1338]

Kupfergeld, _Bich_[1339], _Boschert_[1340]

Kürschner, _Oberman(n)pflanzer_[1341]; vgl. Kappenmacher

Kutsche, _dofer Rädleng_ (d. h. »schöner Wagen«)[1342]

Kutschenbauer, _Rädlengpflanzer_[1343]; vgl. Wagner

Kutte, _Malfes_[1344]


                                  L.

lachen, _schmol(l)en_[1345]

Lager, _Sauft_[1346]

[Fußnote 1329: ([364] auf S. 64.327) S. Ente.]

[Fußnote 1330: ([365] auf S. 64.327) S. Gans.]

[Fußnote 1331: ([366] auf S. 64.327) S. Adler.]

[Fußnote 1332: ([367] auf S. 64.327) S. Kalb.]

[Fußnote 1333: ([368] auf S. 64.327) S. (betr. _Schmunk_)
Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1334: ([369] auf S. 64.327) S. Amme.]

[Fußnote 1335: ([370] auf S. 64.327) S. Aas.]

[Fußnote 1336: ([371] auf S. 64.327) S. Fleischer.]

[Fußnote 1337: ([372] auf S. 64.327) S. Entenstall.]

[Fußnote 1338: ([373] auf S. 64.327) S. arg.]

[Fußnote 1339: ([374] auf S. 64.327) S. Almosen.]

[Fußnote 1340: ([375] auf S. 64.327) Zu _Boschert_ = Kupfergeld (bes.
Pfennig) _vgl._ (aus d. _verw. Quellenkr._): _Schwäb Gaun.- u.
Kundenspr._ 70 (_Boscher_ = Pfennig); _Schwäb. Händlerspr._ 485
(_Bôscher_ u. _Bôschet_ = Pfennig, in _Lütz._ [215] dafür:
_Bōschem_); s. auch _Pleißlen der Killertaler_ 434 (_Bôscher_ =
Pfennig) u. _Pfälz. Händlerspr._ 437 (_Bôsche_, Bdtg. ebenso). Über
weitere Belege aus dem Rotw. usw. sowie die _Etymologie_ (wohl vom
neuhebr. _paschut_, jüdisch _poschut_ od. _poschit_ = »Kleingeld«) s.
Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 268/69 u. Anm. 2 ff.; vgl. auch
_Weber-Günther_, S. 154. Bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 1310 ist
keine Erklärung gegeben.]

[Fußnote 1341: ([376] auf S. 64.327) S. Fingerhut u. anbrennen.]

[Fußnote 1342: ([377] auf S. 64.327) S. angenehm u. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 1343: ([378] auf S. 64.327) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1344: ([379] auf S. 64.327) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1345: ([380] auf S. 64.327) S. anlachen.]

[Fußnote 1346: ([381] auf S. 64.327) S. Bett.]

lahm, _begerisch_[1347]                                                   [64.328]

lahm gehen, _begerisch bosten_[1348]

Lampe, _Schein_[1349]

Landesherr, _grandicher Sins_[1350]

Landgericht, _grandige Schoflerei_[1351]

Landhaus, _Kitt_[1352]

Landmann, _Gadscho_[1353], _Kaffer_, _Ruch_[1354]

lang, _grandich_[1355]

läppisch, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[1356]

Larve, _Ni(e)sichergiel_, _Nillichergiel_[1357]; vgl. Fastnachtsmaske

Last (Traglast), _Buklete_[1358]

lasterhaft, _schofel_[1359]

lästern, _stümpfen_[1360]

Laterne, _Schein_[1349]

laufen, _bosten_[1348]

laufendes Wasser, _bostender Flu(h)te_[1361]

Läufer, _Boster_[1348]

Laus, _Kenem_[1362]

Lausbube, Lausejunge, _Kenemebenges_ (-benk) od. _-fi(e)sel_[1363]

Lazarett, _Lanenger-Begerkitt_ (d. h. »Soldaten-Krankenhaus«)[1364]

Leberkäse, _Bosserträsling_ (d. h. eigtl. »Fleischkäse«)[1365]

Leberwurst, _Rundling_. (Damit wird aber auch jede andere Wurst
bezeichnet)[1366]

[Fußnote 1347: ([382] auf S. 64.328) S. absterben.]

[Fußnote 1348: ([383] auf S. 64.328) S. (betr. _bosten_) abgehen.]

[Fußnote 1349: ([384] auf S. 64.328) S. alltäglich.]

[Fußnote 1350: ([385] auf S. 64.328) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1351: ([386] auf S. 64.328) S. Adler u. arg; vgl. die Anmkgn.
zu »Kriminalgericht«.]

[Fußnote 1352: ([387] auf S. 64.328) S. Abort.]

[Fußnote 1353: ([388] auf S. 64.328) S. Kerl.]

[Fußnote 1354: ([389] auf S. 64.328) S. (zu beiden Ausdr.) Bauer.]

[Fußnote 1355: ([390] auf S. 64.328) S. Adler.]

[Fußnote 1356: ([391] auf S. 64.328) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1357: ([392] auf S. 64.328) S. (betr. _Giel_) Affengesicht.]

[Fußnote 1358: ([393] auf S. 64.328) S. abtragen.]

[Fußnote 1359: ([394] auf S. 64.328) S. arg.]

[Fußnote 1360: ([395] auf S. 64.328) S. Ärger.]

[Fußnote 1361: ([396] auf S. 64.328) S. (betr. _Flu[h]te_) abbrühen.]

[Fußnote 1362: ([397] auf S. 64.328) S. Filzlaus.]

[Fußnote 1363: ([398] auf S. 64.328) S. (betr. _Benges_ [Benk] u.
_Fi[e]sel_) brauchbarer Bursche u. Bettelbube.]

[Fußnote 1364: ([399] auf S. 64.328) S. Hauptmann, absterben u. Abort;
vgl. Krankenhaus.]

[Fußnote 1365: ([400] auf S. 64.328) S. Aas u. Käse.]

[Fußnote 1366: ([401] auf S. 64.328) Mit _Rondling_ = _Rundling_ (im
Sinne von »Wurst« schlechthin) sind folgende _Zus._ gebildet:
_Rondlingachilerei_ od. _-bikus_ = Wurstessen, _Rondlingbossert_ =
Wurstfleisch, _Rondlingsore_ = Wursthaut, _Rondlingschnall_ =
Wurstsuppe. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Rundling_ = Wurst; Synon. _Darmling_ u. _Schling_).
Sonst kommt der (natürlich von »rund« abzuleitende) Ausdruck noch vor:
a) in der (neueren) _Gaunerspr._ für Kugel, b) in der _Kundenspr._ (im
Plural) für Kartoffeln (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 60), während das
übliche Gauner- u. Kundenwort für Wurst u. a. _Längling_ ist (so z. B.
auch schon im _Dolm. der Gaunerspr._ 90 [_Lengling_ = Bratwurst]), das
jedoch auch noch Nebenbedeutungen hat; vgl. dazu _Groß'_, Archiv, Bd.
46, S. 313 u. Anm. 1 vbd. mit _Weber-Günther_, S. 186.]

Lebkuchen, _Süslingbrandling_ (d. h. »Zuckerkuchen«)[1367]                [64.329]

leblos, _begert_ (d. h. »gestorben, tot«)[1368]

lecken, _bosen_ (bosme)[1369], _jannen_[1370]

leck mich … (Einladung des _Götz von Berlichingen_), _jann mei
Bos_[1370][1369]

ledig, _nobis vergrönt_ (d. h. »nicht verheiratet«)[1371]

lediger Mann, _nobis vergrönter Benges_[1372]; vgl. Junggeselle

Legende, _Kohl_[1373]

Leghuhn, _Bäzemagachne_[1374], _Bäzemastierer_[1375]

Lehm, _Schund_[1376]

Lehrer, _Galmeguffer_ (d. h. »Kinderprügler«)[1377], _Plauderer_[1378]

[Fußnote 1367: ([402] auf S. 64.329) S. Kaffee und Apfelkuchen. — Eine
ähnliche Umschreibung für den Lebkuchen kennt auch die Zigeunersprache,
nämlich _gīlo maro_, d. h. »süßes Brot« (s. _Liebich_, S. 138 u.
218).]

[Fußnote 1368: ([403] auf S. 64.329) S. absterben.]

[Fußnote 1369: ([404] auf S. 64.329) S. After.]

[Fußnote 1370: ([405] auf S. 64.329) Zu _jannen_ = lecken _vgl._ (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_janne mich_ =
»lecke mich im Hintern«). Zur _Etymologie_ s. _Fischer_, Schwäb. W.-B.
IV, Sp. 75 mit Hinweis auf das Vorkommen des Ausdr. in den deutsch.
Mundarten, z. B. im _Elsaß_ (s. _Martin-Lierhardt_, Els. W.-B. I, 407)
und in der _Schweiz_ (s. Schweiz. Idiotikon III, Sp. 45). _Hier_ lautet
die Form _jenne[n]_ und kommt nur in der Redensart »_du cha[nn]st mer
jenne[n]_« als »schnöder Abfertigung« vor. Dazu ist bemerkt, daß es sich
vielleicht nur scheinbar um ein Zeitwort, in Wirklichkeit dagegen um ein
Pronomen (»jenen«) im Sinne von »Hinteren« handle (wobei zu ergänzen
»lecken«), so daß das Ganze sich als eine _elliptische_ Redeweise
darstelle.]

[Fußnote 1371: ([406] auf S. 64.329) S. Dietrich u. Ehe.]

[Fußnote 1372: ([407] auf S. 64.329) S. (betr. _Benges_) brauchbarer
Bursche.]

[Fußnote 1373: ([408] auf S. 64.329) S. belügen.]

[Fußnote 1374: ([409] auf S. 64.329) S. Ei u. Hahn.]

[Fußnote 1375: ([410] auf S. 64.329) S. (betr. _Stierer_) Henne.]

[Fußnote 1376: ([411] auf S. 64.329) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1377: ([412] auf S. 64.329) S. brauchbares Kind u.
aufschlagen.]

[Fußnote 1378: ([413] auf S. 64.329) Mit _Plauderer_ sind
_zusammengesetzt_: _Plaudererskitt_ = Lehrershaus (auch: Schule) u.
_Plauderersmalfes_, Lehrersrock. Eine _Ableitung_ davon ist _Plauderei_
= Schule. _Zu vergl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 72, 75 (_Plauderer_ = Lehrer, Schullehrer [_s' Plauderle_ =
Herr Lehrer], _Plauderwinde_ = Schulhaus); _Schwäb. Händlerspr._ 483
(_Plauderer_ = Lehrer). Über weitere Belege im Rotw. u. in der
Kundenspr. sowie die _Etymologie_ (von unserm Zeitw. »plaudern«) s.
_Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 64; vgl. auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.
1182 (unter »Plauder«).]

Lehrershaus, _Plaudererskitt_[1379]; vgl. Schule                          [64.330]

Lehrersrock, _Plauderersmalfes_[1380]

Leibweh (-schmerz), _Begerisch_ (subst. Adj.)[1381]

Leiche, _Begert_ (d. h. »der Gestorbene, Tote«)[1381]

Leichenbeschauer, _Begergadscho_[1382], _Begerkaffer_[1383] (d. h. »der
Totenmann«); letzteres auch = Totengräber

Leichenbett (Totenbett), _Begersauft_[1384]

Leichenfrau, _Begermos(s)_[1385]

Leichenhaus, _Begerkitt_[1379]; vgl. auch Krankenhaus

Leichenschmaus, _Begerbikerei_ od. _-bikus_[1386]

Leichenstein, _Begerkies_[1387]

Leichentuch, _Begerbochdam_[1388]

leidend, _begerisch_[1381]

Leierkasten, _Nikleschure_[1389]

leihen; _Bomma_ od. _Keif pflanzen_ (d. h. »Schulden machen«)[1390]

Leihhaus, _Bommerkitt_, _Keifkitt_[1379]

Leine, _Schlang_ (Spr.)[1391]

Leinenweber, _Bochdampflanzer_[1392]

Leinwand, _Bochdam_

Leiter, _Rawine_[1393]

[Fußnote 1379: ([414] auf S. 64.330) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1380: ([415] auf S. 64.330) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1381: ([416] auf S. 64.330) S. absterben; vgl. »Vorbemerkung«,
S. 15, Anm. 36 u. 38.]

[Fußnote 1382: ([417] auf S. 64.330) S. Kerl.]

[Fußnote 1383: ([418] auf S. 64.330) S. Bauer.]

[Fußnote 1384: ([419] auf S. 64.330) S. Bett.]

[Fußnote 1385: ([420] auf S. 64.330) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 1386: ([421] auf S. 64.330) S. Abendessen.]

[Fußnote 1387: ([422] auf S. 64.330) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1388: ([423] auf S. 64.330) S. Barchent.]

[Fußnote 1389: ([424] auf S. 64.330) S. aufspielen u. abbiegen.]

[Fußnote 1390: ([425] auf S. 64.330) S. borgen u. Borg (auf —).]

[Fußnote 1391: ([426] auf S. 64.330) S. Halskette.]

[Fußnote 1392: ([427] auf S. 64.330) Barchent u. anbrennen.]

[Fußnote 1393: ([428] auf S. 64.330) Zu _Rawine_ _vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Revine_ = Leiter); _W.-B. des
Konst. Hans_ 253, 258 (_Rawine_); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (_Rabine_); in
der _schwäb. Kunden- u. Händlerspr._ unbekannt. Im sonst. Rotw. findet
sich die Vokabel in recht verschied. Formen, s. z. B. schon _Koburg.
Designation_ 1735 (204: _Trapin_); ferner _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff.
(228: _Harbine_ = Stiege); _Pfister bei Christensen_ 1814 327
(_Rawine_); _v. Grolman_ 55, 71 u. _T.-G._ 109 (_Rawine_ od. _Trapin_ =
Leiter; zu vgl. auch 72 u. _T. G._ 127: _Treppine_, _Treppone_ =
Treppe); _Karmayer G.-D._ 214 u. 221 (im wesentl. ebenso). _Etymologie_:
Die Bezeichnung stammt her von dem gleichbed. poln. _drabina_. S.
_Landau_ in d. Mitteilgn. zur jüd. Volkskunde, Jahrg. 10 (1908), S. 37.]

Leute, _Gadsche_ od. _Gasche_[1394], _Ulma_[1395]                         [64.331]

leutselig, _dof_[1396]

Licht, _Jak_[1397], _Schein_[1398]

Lichtzieher, _Scheinpflanzer_[1399]

lieb, _dof_[1396] (mein lieber Bursche, _mein dofer Fi[e]sel_[1400],
mein liebes Mädchen, _meine dofe Model_[1401])

liebenswürdig, _dof_[1396]

Liebhaber, _Benges_ od. _Benk_[1402], _Fi(e)sel_[1400]

Liebhaberin, _Model_[1401]

lieblich, _dof_[1396]

liebreich, "

Liebste, _dofe Model_[1396][1401]

liegen, _durmen_[1403], _schlaune_[1404], _schlummere_[1405] (eigtl.
»schlafen, schlafend daliegen«)

Linsen, _Sore_[1406]

Linsenschüssel, _Soreschottel_[1407]

[Fußnote 1394: ([429] auf S. 64.331) S. Kerl.]

[Fußnote 1395: ([430] auf S. 64.331) S. arme Leute.]

[Fußnote 1396: ([431] auf S. 64.331) S. angenehm.]

[Fußnote 1397: ([432] auf S. 64.331) Zu _Jak_ = Licht _vgl._ (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Fak_ = Licht [doch wohl
= _Jak_, wenn nicht = _Funk_]); _W.-B. des Konst. Hans_ 255, 258 (_Jak_
= Licht); _Schöll_ 271 (_Jak_ = Feuer). _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 342
(_Jak_ = Licht, Kerzenlicht). Auch sonst noch im Rotw. des 19. Jahrh.
seit _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [322: _Jak_ = Feuer]. Zur
_Etymologie_ (aus der _Zigeunerspr._ [vgl. »Einleitung«, S. 30]) s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 65 vbd. mit _Pott_ II, S. 47 (unter
»Ack«), _Liebich_, S. 140 u. 197 (_jāk_ = Feuer, Flamme),
_Miklosich_, Beitr. I/II, S. 15, III, S. 11, 22 u. Denkschriften, Bd.
26, S. 225 (unter »jag«: bei d. _deutsch._ Zig.: _jāk_), _Jühling_,
S. 223 (_Jag_ = Feuer) u. _Finck_, S. 61 (_jāk_ = Feuer).]

[Fußnote 1398: ([433] auf S. 64.331) S. alltäglich.]

[Fußnote 1399: ([434] auf S. 64.331) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1400: ([435] auf S. 64.331) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1401: ([436] auf S. 64.331) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1402: ([437] auf S. 64.331) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1403: ([438] auf S. 64.331) S. aufwachen.]

[Fußnote 1404: ([439] auf S. 64.331) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1405: ([440] auf S. 64.331) S. Herberge.]

[Fußnote 1406: ([441] auf S. 64.331) S. Brücke.]

[Fußnote 1407: ([442] auf S. 64.331) S. (betr. _Schottel_)
Aschenbecher.]

Lippe, _Giel_[1408]                                                       [64.332]

Liste, _Kritzler_[1409]

loben, _dof diberen_[1410] od. _dof schmusen_[1411] (d. h. »gut reden«).

Lockenkopf, _Straubertskiebes_[1412]

Löffel, _Schnabel_ (plur. _Schnäbel_)[1413]

Lohn, _Schenegelsbich_, _-kies_, _-lobe_[1414]

Lohndiener, _Schenegler_[1414]

löschen, _d' Funk auspflanzen_ (d. h. »das Feuer ausmachen«)[1415]

Löwenzahn (Pflanze), _Schmelemerllättling_, d. h. »Zigeunersalat«.[1416]
(Aus dieser Pflanze machen die Zigeuner für ihr Leben gern Salat und      [64.333]
nennen ihn wegen der harntreibenden Eigenschaft des Saftes der Pflanze
_muterdo schach_, d. h. »Urinkraut«)[1417]

[Fußnote 1408: ([443] auf S. 64.332) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1409: ([444] auf S. 64.332) S. Attest.]

[Fußnote 1410: ([445] auf S. 64.332) S. angenehm u. anreden.]

[Fußnote 1411: ([446] auf S. 64.332) S. (betr. _schmusen_) ansagen.]

[Fußnote 1412: ([447] auf S. 64.332) S. Augenbrauen u. Angesicht.]

[Fußnote 1413: ([448] auf S. 64.332) _Zu vgl._ dazu (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Schnabel[-lapp]_ = Löffel,
_Kesurener Schnabel_ = silberne Löffel); _Pfulld. J.-W.-B._ 341, 342
(_Schnabel_ = Kochlöffel, _Schnabelholz_ = Löffel). Auch sonst noch im
Rotw. des 19. Jahrh. (seit _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [229]). Zur
_Etymologie_: Wie aus _Schnabelholz_ zu entnehmen, handelt es sich bei
_Schnabel_ wohl nur um Abkürzung (Apokope) dieser od. einer ähnl.
längeren Form (vgl. bei _Schintermicherl_ 1807 [290: _Schnapelberger_ =
Löffel]); s. _Günther_, Rotwelsch, S. 46.]

[Fußnote 1414: ([449] auf S. 64.332) S. abschaffen u. Almosen bezw.
Bankier u. Bank.]

[Fußnote 1415: ([450] auf S. 64.332) S. abbrennen u. anbrennen.]

[Fußnote 1416: ([451] auf S. 64.332) Mit _Schmelemer_ = Zigeuner sind
noch _zusammengesetzt_: _Schmelemerfi(e)sel_ u. _-model_ =
Zigeunerbursche u. -mädchen, _Schmelemerkib_ = Zigeunerhund,
_Schmelemerrädling_ = Zigeunerwagen. Eine _Ableitg._ davon ist:
_schmelemerisch_ = zigeunerisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 101 (_Schmelemer_ = Zigeuner); _Pfulld. J.-W.-B._
340 (_Schmälemer_ = »Heide« [während es unter »Zigeuner« fehlt]);
_Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 (_Schmälemer_ = »fahrende Leute«);
_Schwäb. Händlerspr._ (in _Lütz._ 215: _Schmēlemer_ = Zigeuner). S.
auch schon _Bruchsaler Liste_ 1770 (248: »die _schmählem_ oder
Zigeuner-Sprach«); ferner noch _Eberhardts Poliz. Nachrichten_ 1828 ff.
(364: »Die _Schmelmer_- oder Zigeunersprache«). Zur _Etymologie_:
Unhaltbar erscheint die Hypothese A.-L.'s, der (601 unter »Schmal« vbd.
mit 606/7 unter »Schwelemer«) den Ausdr. _Schmelemer_ (oder
_Schmälinger_ [vgl. auch _Groß_ 491 (neben _Schmelinger_)]) zu »schmal«
in Beziehung gesetzt hat, während er betr. der Nebenform _Schwelemer_
od. _Schwählemer_ (s. _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [330]; _v.
Grolman_ 65 u. _T.-G._ 135 _Karmayer G.-D._ 218) zu keinem festen
Ergebnis gelangt ist. Richtig erscheint dagegen seine Bemerkung (544
unter »Gischmol«), daß _Schmälinger_ wohl »gleicher Abstammung« sei wie
_Gischmol_ u. ä., das als Synon. dafür ebenfalls hier und da vorkommt
(s. z. B. _Christensen_ 1814 [330: _Gischschmol_ od. _Geschmeilen_]; _v.
Grolman_ 24 u. _T.-G._ 135 [_Geschmol(l)_, plur.: _Geschmeilim_];
_Karmayer_ G.-D. 199 [ebenso]; _Derenbourgs Glossar_ 1856 [414:
desgl.]). Von _dieser_ Form ist nämlich bei der Erklärung auszugehen.
Sie ist entstanden aus dem jüd. _Jischmô(e)l_, vom hebr. _jischm'êl_ =
Ismaël. Die früher nicht nur in England, Spanien und Griechenland,
sondern auch in Deutschland (vgl. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 544)
verbreitete Meinung von der Herkunft der Zigeuner aus _Ägypten_ wird
noch von den Juden geteilt. Sie haben nun offenbar diese Annahme auch
geneologisch zu begründen versucht, indem sie _Ismaël_, dessen Mutter
und Frau nach 1. Mos. 16, 1 u. 21, 21 Ägypterinnen waren, zum Stammvater
der Zigeuner machten. Aus dem oben angeführten Plur. _Geschmeilim_, d.
h. eigtl. »Ismasēliter«, ist dann _Schmelemer_ u. ä. hervorgegangen
(nach gefl. Mittlg. von Dr. _A. Landau_).]

Luder, _mufiger Bossert_[1418]

Lüge, _Kohl_ (_aufs Kohl_, d. h. »es ist erlogen«)[1419]

Lügen (das), _Kohlerei_

Lügner, _Kohler_


                                  M.

machen, _pflanzen_ (Spr.)[1420]

mächtig, _grandich_ (-dig)[1421]

machtlos, _nobis grandich_[1422]

Mädchen, _Model_[1423], _Tschai_[1424]

   " , fahrendes, _jenische Model_[1425]

Magd, _Scheneglere_[1426]

[Fußnote 1417: ([452] auf S. 64.333) Bestätigt ist dies auch schon von
_Liebich_, S. 86; vgl. ebds. (im Vokab.) S. 147 u. 220.]

[Fußnote 1418: ([453] auf S. 64.333) S. Aas.]

[Fußnote 1419: ([454] auf S. 64.333) S. belügen. — Das Zeitw. _kohlen_
= lügen fehlt hier wohl nur aus Versehen.]

[Fußnote 1420: ([455] auf S. 64.333) S. anbrennen.]

[Fußnote 1421: ([456] auf S. 64.333) S. Adler.]

[Fußnote 1422: ([457] auf S. 64.333) S. (betr. _nobis_) Dietrich.]

[Fußnote 1423: ([458] auf S. 64.333) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1424: ([459] auf S. 64.333) _Zu vgl._ dazu (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91 u. 101 (_Tschai_ = Weib;
_Grünt'schaj_ = Ehefrau); _Schwäb. Händlerspr._ (U. 214: _Tschoj_ [od.
Tschigi] = Mädchen). Über weitere rotw. Belege sowie die _Etymologie_
(aus der _Zigeunersprache_ [vgl. »Einleitung«, S. 30 u. 31]) s. Näheres
in _Groß'_ Archiv, Bd. 50, S. 366 u. Anm. 2 u. »Anthropophyteia«, Bd.
IX, S. 19 (unter »Guidillerschey«) u. dazu noch _Fischer_, Schwäb. W.-B.
II, S. 431, 432 (unter »Tschoj« u. »Tschigi«) vbd. mit _Finck_, S. 90
(_tšai_ = Mädchen, Tochter). Nach _Jühling_, S. 227 ist _Tschai_ nur
als Anrede bei den Zigeunern untereinander gebräuchlich; vgl. oben unter
»Frau« betr. _Romni_.]

[Fußnote 1425: ([460] auf S. 64.333) S. (betr. _jenisch_) Bachstelze;
vgl. »Vorbemerkung«, S. 4, 5, Anm. 6 ff.]

[Fußnote 1426: ([461] auf S. 64.333) S. abschaffen.]

Mahl, Mahlzeit, _Achilerei_[1427], _Bikerei_ od. _Bikus_,                 [64.334]
_Butterei_[1428]

Mähre (Pferd), _Trabert_[1429]

Malz, _g'funktes Gib_ (d. h. »gebranntes Getreide«)[1430]

Mangel, _Dercherich_ (subst. Adj.)[1431]

Mann, _Kaffer_ (plur.: _Käffer_ [Spr.])[1432]

Männerrock, _Gadschomalfes_[1433] _Kaffermalfes_

männliches Glied, _Betzam_ (Bezem)[1434], _Dietz_, _Gari_ (od.
Garo)[1435], _Schure_[1436]

Mannskleid, _Kafferskluft_[1437]

Mannskleider, _Kaffersklufterei_[1437]

Mannesschwester, _Kaffersglied_[1438]

Mark (das), _Schmunk_[1439]

Mark (die), _Bet_[1440], _Flachs_ od. _Flächsle_[1441], _Räp(p)le_[1442]  [64.335]
od. _Schuk_[1443]

[Fußnote 1427: ([462] auf S. 64.334) S. essen.]

[Fußnote 1428: ([463] auf S. 64.334) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 1429: ([464] auf S. 64.334) S. Füllen.]

[Fußnote 1430: ([465] auf S. 64.334) S. abbrennen u. Frucht. — Betr.
die Übereinstimmg. mit der Zigeunerspr. (vgl. »Vorbemerkung«, S. 17) s.
_Liebich_, S. 130 u. 220: _chadschēdo gib_ (d. h. »gebranntes
Getreide«) = Malz, wozu noch zu betonen, daß nach _Finck_, S. 59 das
zigeun. _gīw̱_ (= gib) u. a. auch _spezieller_ für »Gerste«
gebraucht wird (vgl. oben unter »Frucht«).]

[Fußnote 1431: ([466] auf S. 64.334) S. abbetteln; vgl. »Vorbemerkung«,
S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1432: ([467] auf S. 64.334) S. Bauer.]

[Fußnote 1433: ([468] auf S. 64.334) S. Kerl u. Frauenrock.]

[Fußnote 1434: ([469] auf S. 64.334) S. Ei.]

[Fußnote 1435: ([470] auf S. 64.334) S. (zu beiden Ausdr.) Glied
(männliches).]

[Fußnote 1436: ([471] auf S. 64.334) S. abbiegen.]

[Fußnote 1437: ([472] auf S. 64.334) S. (betr. _Kluft[erei]_)
ankleiden.]

[Fußnote 1438: ([473] auf S. 64.334) S. (betr. _Glied_) Bruder.]

[Fußnote 1439: ([474] auf S. 64.334) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1440: ([475] auf S. 64.334) _Zu vgl._ zu dieser Vokabel (aus
dem _verw. Quellenkr._): nur _W.-B. des Konst. Hans_ 254, 259 (_Beta_ =
Jahrmarkt, Markt, _grandig beta_ = Messe). Danach würde es sich offenbar
bei der Bedeutung »Mark« (als Geldstück) um eine Begriffsübertragung auf
Grund des (fast völligen) Gleichklangs der _deutschen_ Wörter »Markt« u.
»Mark« handeln, wie sie auch bei dem (auch rotw.) _Schuk_ (s. unten Anm.
1443) vorgenommen worden. Nach _Wittich_ (»Einleitung«, S. 29) soll
_Bet_ = Mark _zigeunerischen_ Ursprungs sein, ich finde aber in den
zigeun. Vokabularien (außer bei _Jühling_, S. 220: _Beti_ [Bete] = Mark)
nichts Ähnliches angeführt.]

[Fußnote 1441: ([476] auf S. 64.334) Die Vokabel ist u. a. bekannt auch
in der _schwäb. Händlerspr._, S. 484 (_Flachs_, _Flächsle_ [in
_Pfedelb._ (210) auch _Flucks_ od. _Flux_] = Mark). Über sonstige Belege
(aus dem Rotw. u. der Kundenspr.) sowie zur _Erklärung_ des Ausdrucks s.
das Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 245 u. Anm. 6. _Fischer_, Schwäb.
W.-B. II, Sp. 1553 schweigt über die Deutung.]

[Fußnote 1442: ([477] auf S. 64.334) S. dazu die Verbdgn. _drei
Räp(p)le_ = Taler. _Räpple_ = Mark ist auch der _schwäb. Händlerspr._ in
U. (214) bekannt. Zur _Etymologie_ (Dimin. von _Rappen_) s. d. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 302 u. Anm. 5 vbd. mit S. 305, Anm. 3 u. dazu
noch _Weigand_, W.-B. II, Sp. 528 (unter »Rappen«), wo bemerkt ist, daß
das Wort nach _E. Schröder_ »ursprünglich eine spöttische Bezeichnung
der schlechten Pfennige« gewesen, »die der Herr _von Rappoltstein_ bei
Kolmar 1291 unbefugterweise prägte«; vgl. Schweiz. Idiot. VI, Sp. 1178.]

Maske, _ni(e)sicher_, _nillicher_ od. _muschicher Giel_[1444]

Mastochse, _Schmunkhornikel_ (eigtl. »Fettochse«)[1445]

Mastpulver, _Kuiete_ (Das Wort wird auch für Pulver jeder Art gebraucht;
vgl. Pulver, Schießpulver)[1446]

Maßkrug, _Blambnolle_ (eigtl. = »Bierkrug«)[1447]

Mätresse, _Lubne_[1448], _schofle Model_[1449]

Maul, _Giel_[1450] (halt's Maul, _schupf[1451] de Giel_ [od. _schupf
dich_])

Meer, _grandich Flu(h)te_[1452]

Meergras, _Flu(h)tekupfer_[1453]

[Fußnote 1443: ([478] auf S. 64.335) _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 70 (_Schuk_ = Mark);
_Schwäb. Händlerspr._ 484 (ebenso); s. auch _Metzer Jenisch_ 216
(_Schockum_ = Mark). _Etymologie._ Hier liegt (gleichwie wohl auch bei
_Bet_ [s. Anm. 1440]) zweifelsohne eine auf Grund der Ähnlichkeit von
»Markt« und »Mark« vorgenommene Begriffsübertragung, nämlich von dem
hebr. _schûq_ = »Straße, Markt, Jahrmarkt«, vor. S. Näh. hierzu sowie
über die Belege für _Schock_ (Geschock, G'schuk) u. ä. = (Jahr-)Markt im
Rotw. u. (das seltenere) _Schuk_ (od. Schock) = Mark in der neueren
Gaun.- u. Kundenspr. in _Groß'_ Archiv, Bd. 33, S. 283/84 u. Anm. 5 vbd.
m. Bd. 59, S. 285; vgl. auch noch _Fischer_, Schwäb. W. B. III, Sp. 490
(unter »G[e]schock«).]

[Fußnote 1444: ([479] auf S. 64.335) S. aberwitzig u. Affengesicht.]

[Fußnote 1445: ([480] auf S. 64.335) S. Bratkartoffeln u. Bulle.]

[Fußnote 1446: ([481] auf S. 64.335) Mit _Kuiete_ = Pulver ist
zusammengesetzt _Kuieterolle_ u. _-roller_ = Pulvermühle, -müller. Das
Wort, das m. W. im Rotw. usw. _nicht_ vorkommt, stammt wohl aus der
_Zigeunersprache_ (s. »Einleitung«, S. 30); vgl. Näh. bei _Pott_ II, S.
159 (unter »Churdo« [Adj. = klein, zerbröckelt]), _Liebich_, S. 230
(_gurdi_ = Pulver [Schießpulver]) vbd. mit S. 131, 206, 242 (_churdin_ =
Spreu, Häcksel), _Miklosich_, Denkschriften, Bd. 26, S. 223 (unter
»churdo«: bei den _deutsch._ Zig.: _churdin_ [Bedtg. wie bei _Liebich_],
bei den _böhm._ Zigeun.: _churdo_ = klein, mürbe, bei den span.:
_churdi_ = Pulver; _Etym._ wohl zu altind. _khud_ = brechen), _Jühling_,
S. 221 (_Chuiärti_ = Pulver) u. _Finck_, S. 69 (_xúrdi[n]_, Bedtg. wie
bei _Liebich_).]

[Fußnote 1447: ([482] auf S. 64.335) S. Bierglas u. Fleischhafen.]

[Fußnote 1448: ([483] auf S. 64.335) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1449: ([484] auf S. 64.335) S. arg u. Beischläferin.]

[Fußnote 1450: ([485] auf S. 64.335) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1451: ([486] auf S. 64.335) S. aufhören.]

[Fußnote 1452: ([487] auf S. 64.335) S. Adler u. abbrühen; vgl.
Bischof.]

[Fußnote 1453: ([488] auf S. 64.335) S. (betr. _Kupfer_) Frucht.]

Meerschweinchen, _Flu(h)tegroanikele_[1454]                               [64.336]

Mehl, _Staubert_[1455]

Mehlbeere, _Staubertsäftling_[1456]

Mehlbeerbaum, _Staubertsäftlingstöber_[1457]

Mehlschüssel, _Staubertschottel_[1458]

Mehlsack, _Staubertrande_[1459]

mehr, _grandich_[1460]

mehrfach, _grandicher_

Meilenstein (Meilenzeiger), _Stradehertling_[1461] od. _Stradekies_ (d.
h. »Straßenstein«)[1462]; vgl. Kilometerstein

Melkfaß, _Gleisnolle_ (d. h. eigtl. »Milchnapf«)[1463]

Melkgefäß, _Gleisschottel_ (d. h. eigtl. »Milchschüssel«)[1464]

Menge, _grandich Ulma_ (d. h. »[sehr] viele Leute«)[1465]

[Fußnote 1454: ([489] auf S. 64.336) S. Eber.]

[Fußnote 1455: ([490] auf S. 64.336) S. hierzu die _Zusammensetzgn._:
_Staubertsäftling_ = Mehlbeere (_-stöber_ = Mehlbeerbaum),
_Staubertschottel_ = Mehlschüssel, _Staubertrande_ = Mehlsack. _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Staupert_ =
Mehl); _Pfulld. J.-W.-B._ 342 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr._ (in
_Pfedelb._ [211]: _Staubert_ u. _Staub_, in _Lütz._ [215]: _Staubert_).
Die einfachere Form _Staub_ = Mehl kennt auch die _schwäb. Gaun.- u.
Kundenspr._ 72, die _Händlerspr._ 484 (abgesehen von _Lützenhardt_)
sowie das _Pleißlen der Killertaler_ 436. Über weitere Belege des sehr
alten rotw. (schon im _Lib. Vagat._ 55 in der Form _Stupart_
vorkommenden) Wortes, das natürlich zu unserem gemeinspr. Staub gehört,
s. Näh. in _Groß'_ Archiv, Bd. 42, S. 77 (unter »Stöber«).]

[Fußnote 1456: ([491] auf S. 64.336) S. (betr. _Säftling_) Ananas.]

[Fußnote 1457: ([492] auf S. 64.336) S. Apfelbaum. — Bemerkt sei hierzu
beiläufig, daß der Mehlbeerbaum (zig. _jarriéngĕro rukk_, zu
_jár[r]o_ = Mehl [s. _Liebich_, S. 140 u. 221]) bei den Zigeunern für
_heilig_ gilt, weshalb die Mehlbeere u. a. auch _deweléngēro
brōl_, d. i. »Götterbirne«, heißt (_Liebich_, S. 38 u. 221).]

[Fußnote 1458: ([493] auf S. 64.336) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1459: ([494] auf S. 64.336) S. Bauch.]

[Fußnote 1460: ([495] auf S. 64.336) S. Adler.]

[Fußnote 1461: ([496] auf S. 64.336) S. Chaussee u. Gestein.]

[Fußnote 1462: ([497] auf S. 64.336) S. (betr. _Kies_) Apfelkern. —
Auch bei den Zigeunern wird der Meilenstein wohl bezeichnet als
_troméskĕro parr_ (d. h. »Wegstein«) od. auch als _tschiréskĕro
parr_ (d. h. »Zeitstein«); s. _Liebich_, S. 162 u. 221.]

[Fußnote 1463: ([498] auf S. 64.336) S. abgerahmte Milch u.
Fleischhafen. — Dieselbe Ausdrucksweise kennen die Zigeuner; s.
_Liebich_, S. 221 vbd. m. S. 162 (_thīteskĕri pīri_, d. h.
eigtl. »_Milch_napf«, = Melkfaß).]

[Fußnote 1464: ([499] auf S. 64.336) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.
— Auch hiermit fast übereinstimmend das Zigeunerische; s. _Liebich_, S.
221 u. 162 (_thīteskĕri turdli[n]_, d. h. eigtl. »_Milch_faß«, =
Melkgefäß).]

[Fußnote 1465: ([500] auf S. 64.336) S. Adler u. arme Leute; vgl. auch
Bischof. — Die Zigeuner sagen für »Menge« _bīt kettenè_, d. h.
»viele zusammen«; s. _Liebich_, S. 221.]

merken, _gneisen_[1466]                                                   [64.337]

Messer, _Scharfling_ (od. Scharpfleng)[1467], _Tschure_[1468], auch
öfter _Hertling_[1469]

Messerklinge, Messerschneide, _Lomel_[1470]

Messerschmied, _Scharfling-_ (od. Scharpfleng-)_pflanzer_[1471]

Methodist, _Blibelkaffer_[1472]; femin.: _Blibelmos(s)_[1473], plur.:
_Blibelulme_[1474]

Methodistenhaus, _Blibelkitt_[1475]

Metzelsuppe, _Kaflereischnall_[1476]

Metzger, _Kafler_[1476]

Metzgershaus, _Kaflerskitt_[1476][1475]

[Fußnote 1466: ([501] auf S. 64.337) S. erkennen.]

[Fußnote 1467: ([502] auf S. 64.337) S. Dolch.]

[Fußnote 1468: ([503] auf S. 64.337) _Zu vgl._ dazu (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 96 (_Tschuri_ = Messer); _Pfulld.
J.-W.-B._ 342, 345 (ebenso [u. dazu _Tschuripflanzer_ = Messerschmied];
Nebenformen: _Schury_ [= Scheermesser; Syn.; _Flader-Schury_] od.
_Schuri_ [= Stilett]). Zur _Etymologie_: Es handelt sich hier _nicht_
etwa bloß um eine etwas veränderte Schreibung des (ja allerdings in
_Wittichs_ Jenisch sehr speziell verwendeten) Wortes _Schure_, sondern
um eine Entlehnung aus der _Zigeunersprache_ (vgl. »Einleitung«, S. 31).
S. darüber die näh. Angaben (einschl. weiterer Belege im Rotw.) in
_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 22 u. Anm. 1 (unter »Tschuripflanzer«) u.
dazu noch _Finck_, S. 93 (_tšuri[n]_ = Messer). Nach _Miklosich_,
Denkschriften, Bd. 26, S. 197 (unter _čurī_) läßt sich die Vokabel
bis ins Altindische (_čhurī_ od. _kšurī_) zurückverfolgen.]

[Fußnote 1469: ([504] auf S. 64.337) S. Gestein.]

[Fußnote 1470: ([505] auf S. 64.337) S. Klinge.]

[Fußnote 1471: ([506] auf S. 64.337) S. (betr. _-planzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1472: ([507] auf S. 64.337) S. anbeten u. Bauer.]

[Fußnote 1473: ([508] auf S. 64.337) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 1474: ([509] auf S. 64.337) S. arme Leute.]

[Fußnote 1475: ([510] auf S. 64.337) S. Abort.]

[Fußnote 1476: ([511] auf S. 64.337) S. (betr. _Kaflerei_ u. ä.)
Fleischer. — Mit _Schnall_ = Suppe sind ferner noch _zusammengesetzt_:
_Gleisschnall_ = Milchsuppe (Dimin.: _Gleisschnälle_ = Milchsüppchen
[Spr.]), _Hegesleschnall_ = Spätzlessuppe (Spr.) u. _Rondlingschnall_ =
Wurstsuppe. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._
345, 347 (_Schnallen_ = Suppe, _Gleisschnalla_ = Milchsuppe); _Schwäb.
Gaun.- u. Kundenspr._ 76, 77 (_Schnalle_ = Suppe, _Wasserschnalle_ =
Wassersuppe); _Schwäb. Händlerspr._ 480, 487 (_Schnall_ = Suppe,
_Wasserschnall_ = Brotsuppe; vgl. auch [484] _Gräbeschnalle_ =
Fallobst); s. auch noch _Pfälz. Händlerspr._ 438 (_Schnell_ od.
_Schneltse_ = Suppe); auch im sonst. Rotw. bekannt in versch. Formen (s.
z. B schon im _Basl. Gloss._ v. 1733 [202]: _Schnallen_, im 19. Jahrh.
[seit _Pfister_ bei _Christensen_ [329]) öfter auch _Schnelle_). Zur
_Etymologie_ (vom mundartl. _schnallen_ = »geräuschvoll schlürfen«
[_Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp. 574 u. _Grimm_, D. W.-B. IX, Sp. 1163
unter »Schnalle«, Nr. 7, 6 u. Sp. 1164 unter »schnallen«, Nr. 2] s.
_Weber-Günther_, S. 180; vgl. auch Wiss. Beih. zur Z. der Allg. Deutsch.
Sprachv., 5. Reihe, Heft 36 (1913), S. 186.]

Miene (Gesicht), _Giel_ (eigtl. »Mund, Maul«)[1477]                       [64.338]

Milch, _Gleis_[1478]

Milchbrötchen, _Gleiskechelte_ (Spr.)[1479]

Milchglas, _Gleisglansert_[1480]

Milchnapf (-hafen, -topf), _Gleisnolle_[1481]

Milchschüssel, _Gleisschottel_[1482]

Milchsuppe, _Gleisschnall_, (Dimin.: _Gleisschnälle_ = Milchsüppchen
[Spr.])[1476]

Militär, _Lanengere_ (d. h. Soldaten)[1483]

Mist, _Fuhl_[1484], _Schund_[1485]

Mistgabel, _Fuhlstichling_, _Schundfurschet_[1486]

Mistkäfer, _Schundflederling_ (d. h. eigtl. »Dreckvogel«)[1487]

Mißjahr, _nobis dofs Ja(h)ne_ (d. h. »kein gutes Jahr«)[1488]

[Fußnote 1477: ([512] auf S. 64.338) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1478: ([513] auf S. 64.338) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1479: ([514] auf S. 64.338) _Zu_ _Kechelte_ = Brötchen (Semmel,
Weck) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 91, 95
(_gehechelter Lechem_, _Lehm_ od. _Marum_ = weißes Brot, _Gehechelter_ =
Kuchen); _W.-B. des Konst. Hans_ 258 (_Kächelterleam_ = Weißbrot);
_Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Kächelterma¶n¶o_ [sic] = Bäckerbrot); _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Kĕchelte_ [in _Pfedelb._ (214): _Ghechelter_] =
Weck, Semmel). Über weitere Belege im Rotw. (wo das Wort zum Teil arg
verunstaltet worden] sowie in sonst. Geheimspr. (s. z. B. _Frickhöfer
Sprache_ 442 [_Geh[^æ]chelter_ = Brötchen]) s. Näh. bei _Weber-Günther_,
S. 189; ebds. auch über die _Etymologie_ des Ausdrucks, über die hier
folgendes bemerkt sei. _Kechelte(r)_ ist die schlechte (mundartl.)
Aussprache von _Gehechelte(r)_ u. dieses ein substantiviertes Partizip,
bei dem eigentl. _Lechem_ (= Brot) od. dergl. zu ergänzen ist (s. _W.-B.
v. St. Georgen_ 1750 [219: _gehechelter Legum_ od. _Löben_ = Weißbrot]
sowie die oben angeführten älteren schwäb. Quellen). Zu denken ist aber
dabei (nach _Pott_ II, S. 24) »an die Beutelung des Mehls, die sich
entfernt mit der Aushechelung des _Flachses_ vergleichen läßt«, wie denn
_hecheln_ im allgemeinen Sinne (etwa von »schön machen«) früher auch
sonst gebraucht worden, so z. B. sogar in der Verbindg. _gehechelter
Wein_ für einen solchen, der irgendwie künstlich behandelt war. S.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 190 vbd. mit _Grimm_, D. W.-B. IV, 1,
Sp. 2335; vgl. auch _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 1041.]

[Fußnote 1480: ([515] auf S. 64.338) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]

[Fußnote 1481: ([516] auf S. 64.338) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1482: ([517] auf S. 64.338) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1483: ([518] auf S. 64.338) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1484: ([519] auf S. 64.338) S. Abort.]

[Fußnote 1485: ([520] auf S. 64.338) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1486: ([521] auf S. 64.338) S. (betr. _Stichling_ u.
_Furschet_) Gabel.]

[Fußnote 1487: ([522] auf S. 64.338) S. (betr. _Flederling_) Adler.]

[Fußnote 1488: ([523] auf S. 64.338) S. Dietrich, angenehm u.
alljährlich — Auch die Zigeuner haben die sachlich gleiche Umschreibung
(_kek ladscho bersch_) für »Mißjahr«; s. _Liebich_, S. 222.]

mitbringen, _mitbukle_[1489]                                              [64.339]

Mitternacht, _Leile_, _Ratte_ (d. h. Nacht)[1490]

Möhren, _Galgennägel_[1491]

Monat, _Frosch_, plur. _Frösche_[1492]

Mond, _Leileschein_ (d. h. »Nachtlicht«)[1493]

Montur, _Lanengerkluft_ (d. h. »Soldatenanzug, -kleidung«)[1494]

morden, _deisen_[1495]

Mörder, _Deiser_; vgl. auch Totschläger

Most, _Grabagautschert_[1496]

[Fußnote 1489: ([524] auf S. 64.339) S. abtragen.]

[Fußnote 1490: ([525] auf S. 64.339) S. (zu beiden Ausdr.) Abend.]

[Fußnote 1491: ([526] auf S. 64.339) Diese eigenartige Metapher ist auch
bekannt der _schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 74 (Bedtg.: Rüben) sowie der
_schwäb. Händlerspr._ (in _Pfedelb._ [210], Bedtg.: gelbe Rüben). Sie
ist ferner sonst im neueren Rotw. (schon seit _Pfister_ bei
_Christensen_ 1814 [320] u. noch bei _Rabben_ 53) u. in der Kundenspr.
(s. _Ostwald_ [Ku.] 55) beliebt, desgl. auch bei den Soldaten. S.
_Günther_, Rotwelsch, S. 15 u. in d. Wiss. Beih. zur Z. d. Allg.
Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, Heft 36 (1913), S. 189; _Fischer_, Schwäb.
W.-B. III, Sp. 29, Nr. 3; _Horn_, Soldatensprache, S. 91; vgl. i. allg.
auch noch _Grimm_, D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 1176.]

[Fußnote 1492: ([527] auf S. 64.339) _Zu vgl._ hierzu (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 72 (_Frosch_ od.
_Fröschchen_ = Monat) u. _Schwäb. Händlerspr._ 484 (_Frösch_ = Monate).
Nach der letzteren Stelle dürfte der sonderbare Ausdruck besonders für
die Angabe der Dauer einer Freiheitsstrafe gebraucht werden, wie dies —
nach _Ostwald_ (Ku.) 53 (6 _Frösch_ = 6 Monate Gefängnis) — auch in der
allgemeinen Kundenspr. üblich zu sein scheint. Die Entstehung bleibt
dunkel; auch bei _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 1791, Nr. 8 ist
darüber keine Erklärung gegeben.]

[Fußnote 1493: ([528] auf S. 64.339) S. Abend u. alltäglich. — Bei den
Zigeunern heißt der Mond — ähnlich — die »Nachtsonne«, _rattiskĕro
kamm_ (s. _Liebich_, S. 141 u. 223).]

[Fußnote 1494: ([529] auf S. 64.339) S. Hauptmann u. ankleiden. —
Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunersprache (s. Näh. bei
_Liebich_, S. 223).]

[Fußnote 1495: ([530] auf S. 64.339) S. ermorden.]

[Fußnote 1496: ([531] auf S. 64.339) Zu _Grab¶a¶gautschert_ od.
_Grab¶e¶gautschert_ = Most (u. s. _Zus._ _Gr.-glansert_, _Gr.-nolle_ =
Mostglas, Mostkrug) _vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.-
u. Kundenspr._ 72 (_Grabbengautscher_) u. _Schwäb. Händlerspr._ 488
(_Grabbegautschert_ [in _Pfedelb._ (211): _-scher_]); s. auch _Pleißlen
der Killertaler_ 436 (_Rappegautscher_); wieder anders, nämlich
_Krabberkautscher_ bei _Ostwald_ (Ku.) 87. Zur _Etymologie_: Da
_gautschen_ in der schwäb. Mundart allgemein gebräuchlich ist für
»schaukeln, (sich) _schaukelnd_ hin- und herbewegen, wiegen, schwanken«
(s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 109), so erscheint es sehr
verführerisch, den ersten Bestandteil in _Grabegautschert_ u. ä. mit
unserem »Graben« in einen Zusammenhang zu bringen, weil ja der Most den
Zecher leicht in den Graben wirft; jedoch hat der Ausdruck damit nichts
zu tun, er soll vielmehr (wie die Form _Rappegautscher_ bei den
_Killertalern_ am deutlichsten erkennen läßt) herzuleiten sein von
_Rapp_ od. _Krapp_ (Krabb, Grab) = Rabe, Krähe (s. _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 690/91 unter »Krapp[e]«) und würde demnach (weil die Raben
häufig auf den Obstbäumen sitzen) soviel bedeuten wie »das Ergebnis des
›Gautschens‹ der Raben auf den Obstbäumen«, d. i. Obst, Obstmost, Most
(nach gefl. Mittlg. von Prof. Dr. _O. Meisinger_ in Karlsruhe); vgl.
auch Wiss. Beih. zur Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe,
Heft 36, S. 187 u. Anm. 1. — _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 691
(unter »Krappe[n]gautscher«) weist noch (für die allgemeinere Bedeutg.
»saurer Wein«) hin auf den Anklang an »Rachenputzer«; vgl. ebds. V, Sp.
139.]

Mostglas, _Grabegautschertglansert_[1497]                                 [64.340]

Mostkrug, _Grabegautschertnolle_[1498]

müde s. schläfrig

Mühle, _Rolle_[1499]

Mühlstein, _Rollerhertling_[1500], _Rollerkies_[1501]

Müller, _Roller_; Müllerin, _Rollerin_[1500]

Mund, _Giel_[1502]

Münzarbeiter, _Bichschenegler_[1503], _Kies-_ od. _Lobepflanzer_ (diese
beiden eigtl. = »Geldmacher«)[1504]

Münze (= Geldstück), _Bich_[1503], _Gore_[1505], _Kies_, _Lobe_[1504]

Münze (= Münzwerkstätte), _Bichpflanzerskitt_ (d. h.
»Geldmacherhaus«)[1506] od. _grandiche Lobekitt_ (d. h. »großes
Geldhaus«)[1507]

Münzmeister, _Bichsins_[1508]; vgl. Bankier.

Musik, _Nikelei_[1509]

[Fußnote 1497: ([532] auf S. 64.340) S. Bierglas.]

[Fußnote 1498: ([533] auf S. 64.340) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1499: ([534] auf S. 64.340) Mit _Rolle_ sind _zusammengesetzt_:
a) _im Anfang_: _Rollehertling_ oder _-kies_ = Mühlstein; b) _am Ende_:
_Kuieterolle_ = Pulvermühle u. _Flu(h)terolle_ = Wassermühle.
_Ableitg._: _Roller_ = Müller (dazu _Kuieteroller_ = Pulvermüller),
fem.: _Rollerin_. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 342 (_Roll_ = Mühle, _Roller_ = Müller); _Schwäb. Händlerspr._
484 (ebenso). Über weitere Belege der schon früh im Rotw.
weitverbreiteten Vokabeln sowie die _Etymologie_ s. das Näh. in _Groß'_
Archiv, Bd. 42, S. 65 u. Anm. 2 u. S. 66.]

[Fußnote 1500: ([535] auf S. 64.340) S. Gestein.]

[Fußnote 1501: ([536] auf S. 64.340) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1502: ([537] auf S. 64.340) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1503: ([538] auf S. 64.340) S. Almosen u. abschaffen.]

[Fußnote 1504: ([539] auf S. 64.340) S. (betr. _Kies_) Bankier, (betr.
_Lobe_) Bank u. (betr. _-pflanzer_) anbrennen. Nicht erwähnt ist hier
_Bichpflanzer_ als Synon., auf dessen Vorkommen jedoch aus der _Zus._
_Bichpflanzerskitt_ = Münze (Münzwerkstätte) zu schließen ist; vgl. auch
_nobis dofer Bichpflanzer_ (_Kies-_ od. _Lobepflanzer_) = Falschmünzer.]

[Fußnote 1505: ([540] auf S. 64.340) S. Barschaft.]

[Fußnote 1506: ([541] auf S. 64.340) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1507: ([542] auf S. 64.340) S. (betr. _grandich_) Adler.]

[Fußnote 1508: ([543] auf S. 64.340) S. (betr. _Sins_) Amtmann.]

[Fußnote 1509: ([544] auf S. 64.340) S. aufspielen.]

Musikant, _Nikler_                                                        [64.341]

musizieren, _nikle_

Muskete (Gewehr), _Klass_[1510]

Mutter, _Mamere_[1511]

Mutterbruder (od. -Schwester), _Mameresglied_[1512]

Mutterschwein, _Mameregroenikel_[1513]

Mütze, _Oberman(n)_[1514]

Mützenmacher, _Oberman(n)pflanzer_[1515]


                                  N.

nachbeten, _nachblible_[1516]

nachfahren, _nachruadle_[1517]

nachfallen, _nachbohle_[1518]

nachfolgen, _nachbosten_[1519]

Nachkommen (die), _Galma_, _Schrawiner_[1520]

nachschießen, _nachschnelle_[1521]

Nachschlüssel, _nobes dofer Glitschin_[1522]

nachschreiben, _nachfebere_[1523]

nachsehen, _nachlinzen_[1524]

nachsingen, _nachschalle_[1525]

nachsprechen, _nachdiberen_[1526], _nachschmusen_[1527]

Nacht, _Leile_, _Ratte_[1528]

Nachtarbeit, _Leileschenagel_[1529]

[Fußnote 1510: ([545] auf S. 64.341) S. Büchse.]

[Fußnote 1511: ([546] auf S. 64.341) S. Amme.]

[Fußnote 1512: ([547] auf S. 64.341) S. (betr. _Glied_) Bruder.]

[Fußnote 1513: ([548] auf S. 64.341) S. Eber.]

[Fußnote 1514: ([549] auf S. 64.341) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1515: ([550] auf S. 64.341) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1516: ([551] auf S. 64.341) S. anbeten.]

[Fußnote 1517: ([552] auf S. 64.341) S. abfahren.]

[Fußnote 1518: ([553] auf S. 64.341) S. abfallen.]

[Fußnote 1519: ([554] auf S. 64.341) S. abgehen.]

[Fußnote 1520: ([555] auf S. 64.341) S. (zu beiden Ausdr.) brauchbares
Kind.]

[Fußnote 1521: ([556] auf S. 64.341) S. abschießen.]

[Fußnote 1522: ([557] auf S. 64.341) S. Dietrich; vgl. angenehm.]

[Fußnote 1523: ([558] auf S. 64.341) S. abschreiben.]

[Fußnote 1524: ([559] auf S. 64.341) S. anschauen.]

[Fußnote 1525: ([560] auf S. 64.341) S. absingen.]

[Fußnote 1526: ([561] auf S. 64.341) S. anreden.]

[Fußnote 1527: ([562] auf S. 64.341) S. ansagen.]

[Fußnote 1528: ([563] auf S. 64.341) S. Abend.]

[Fußnote 1529: ([564] auf S. 64.341) S. (betr. _Schenagel_) abschaffen.]

Nachtessen, _Leileachilerei_[1530], _Leilebikus_, _Rattebutterei_[1531]   [64.342]

Nachthafen, _Fuhlnolle_, _Schmelznolle_[1532]

Nachtlicht, _Leileschein_[1533]

Nachtstuhl, _Leilesitzleng_[1534], _Schundsitzleng_[1535]

Nachttopf, _Flöselnolle_[1536]

Nachtwächter, _Leilekaffer_[1537], _Rattebenk_[1538]

nachwerfen, _nachplotzen_[1539]

nackt, _nobis ang'kluftet_ (d. h. »nicht angekleidet«) od. _auskluftet_
(d. h. »ausgezogen«)[1540]

Nadel, _Stichlere_[1541]

nagen, _näpfen_[1542]

nähen, _stichle_[1541]

Napf, _Nolle_[567)

Narr, _Hegel_[1543], _Ni(e)se_, _Nille_, _Nusche_[1544]

Narrenhaus, _Hegelkitt_, _Ni(e)sekitt_, _Nillekitt_, _Nuschekitt_[1545]

närrisch, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[1544]

närrischer Kerl, Mensch, _Hegellauti_[1543]

Nase, _Muffer_[1546]

Nashorn, _Mufferhorboga_ (d. h. eigtl. »Nasenkuh«)[1547]

Nässe, _Flu(h)tich_[1548]

naß, _flu(h)te_[1549]

[Fußnote 1530: ([565] auf S. 64.342) S. essen.]

[Fußnote 1531: ([566] auf S. 64.342) S. (zu beiden Ausdr.) Abendessen.]

[Fußnote 1532: ([567] auf S. 64.342) S. Abort u. Fleischhafen.]

[Fußnote 1533: ([568] auf S. 64.342) S. (betr. _Schein_) alltäglich.]

[Fußnote 1534: ([569] auf S. 64.342) S. Bank.]

[Fußnote 1535: ([570] auf S. 64.342) S. (betr. _Schund_) abgerahmte
Milch.]

[Fußnote 1536: ([571] auf S. 64.342) S. austreten (leicht).]

[Fußnote 1537: ([572] auf S. 64.342) S. Bauer.]

[Fußnote 1538: ([573] auf S. 64.342) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1539: ([574] auf S. 64.342) S. bewerfen.]

[Fußnote 1540: ([575] auf S. 64.342) S. (zu beiden Ausdr.) ankleiden.]

[Fußnote 1541: ([576] auf S. 64.342) S. aufnähen.]

[Fußnote 1542: ([577] auf S. 64.342) S. abbeißen.]

[Fußnote 1543: ([578] auf S. 64.342) S. Dummheit.]

[Fußnote 1544: ([579] auf S. 64.342) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1545: ([580] auf S. 64.342) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1546: ([581] auf S. 64.342) S. Aas.]

[Fußnote 1547: ([582] auf S. 64.342) S. (betr. _Horboga_) Kalb. — Auch
die Zigeuner bezeichnen das Nashorn als _(baro) nakkésk(ĕ)ri
gurumni_, d. h. »(groß)nasige Kuh«; s. _Liebich_, S. 139 u. 225.]

[Fußnote 1548: ([583] auf S. 64.342) S. abbrühen.]

[Fußnote 1549: ([584] auf S. 64.342) Wenn _nicht_ im Vokabular
vielleicht doch zu lesen ist: Nässe, _Flu(h)te_, naß, _flu(h)tich_,
würde es sich bei _Flu(h)tich_ = Nässe handeln um die Substantivierung
eines Adjektivs (s. _flu[h]tich_ = feucht), bei _flu(h)te_ = naß dagegen
um Gebrauch eines Hauptworts (Bedeutg.: Wasser u. dgl.) als
Eigenschaftswort (vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 a. E.).]

Neffe (von väterlicher Seite) _Patrisglied_[1550], (von mütterlicher      [64.343]
Seite) _Mamereglied_[1551]; vgl. auch Oheim u. Tante

nehmen, _schniffen_[1552]

nein, _nobis_[1553], auch _lore_ (Spr.)[1554]

Neujahr, _Neujahne_[1555]

nicht, _nobis_[1553]

nichts, _Lore_ (Spr.)[1554]

nichtsnutzig, _nobis dof_[1556], _nobis g'want_[1557]

nichtswürdig, _lenk_, _schofel_[1558]

nie, _nobis_[1553]

niederblicken, _niederlinzen_[1559]

niederbrennen, _niederfunken_[1560]

niederfallen, _niederbohle_[1561]

niederkommen, _Deislere werden_ (d. h. »Wöchnerin werden«)[1562] od. _in
Sauft bosten_ (d. h. »ins [Wochen-]Bett gehen«)[1563]

niederlegen (sich), _niederdurme_[1564], _niederschlaune_[1565]

niedermetzeln, _niederkaflere_[1566]

niederschießen, _niederschnelle_[1567]

niederschlagen, _niederguffa_[1568], _niederstenze_[1569]

niederschreiben, _niederfebere_[1570]

[Fußnote 1550: ([585] auf S. 64.343) S. Eltern u. Bruder.]

[Fußnote 1551: ([586] auf S. 64.343) S. (betr. _Mamere_) Amme.]

[Fußnote 1552: ([587] auf S. 64.343) S. anfassen.]

[Fußnote 1553: ([588] auf S. 64.343) S. Dietrich.]

[Fußnote 1554: ([589] auf S. 64.343) S. »das ist nichts.«]

[Fußnote 1555: ([590] auf S. 64.343) S. alljährlich.]

[Fußnote 1556: ([591] auf S. 64.343) S. Dietrich u. angenehm.]

[Fußnote 1557: ([592] auf S. 64.343) S. (betr. _g'want_) mutig.]

[Fußnote 1558: ([593] auf S. 64.343) S. (zu beiden Ausdr.) arg.]

[Fußnote 1559: ([594] auf S. 64.343) S. anschauen.]

[Fußnote 1560: ([595] auf S. 64.343) S. abbrennen.]

[Fußnote 1561: ([596] auf S. 64.343) S. abfallen.]

[Fußnote 1562: ([597] auf S. 64.343) S. gebären.]

[Fußnote 1563: ([598] auf S. 64.343) S. Bett u. abgehen.]

[Fußnote 1564: ([599] auf S. 64.343) S. aufwachen.]

[Fußnote 1565: ([600] auf S. 64.343) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1566: ([601] auf S. 64.343) S. Fleischer.]

[Fußnote 1567: ([602] auf S. 64.343) S. abschießen.]

[Fußnote 1568: ([603] auf S. 64.343) S. aufschlagen.]

[Fußnote 1569: ([604] auf S. 64.343) S. Ast.]

[Fußnote 1570: ([605] auf S. 64.343) S. abschreiben.]

niedersitzen s. sitzen                                                    [64.344]

niederträchtig, _schofel_[1571]

niederwerfen, _niederplotzen_[1572]

niemals s. nie

nobel, _dof_, _duft_[1573]

Not, _Dercherich_[1574], _Schofel_[1571] (beides subst. Adj.); vgl.
Mangel

Nudeln, _grandiche Hegesle_ (d. h. »große Spatzen« od. »Knöpfle«
[Knödel])[1575]

Null, _Nobis_ (d. h. eigtl. »nichts«)[1576]

Nuß (Nüsse), _Krächerle_[1577]

Nußbaum, _Krächerlestöber_ (in d. Spr: »_Krächerstöber_«)[1578]

Nußkern, _Krächerlekies_[1579]

nützlich, _dof_[1573], _g'want_[1580]


                                  O.

Obdach, _Kitt_[1581]

oben, _oberkünftig_[1582]

Oberförster, _grandich Grünwedel_ (d. h. »der größte Forstmann«)[1583]

Obergendarm, _grandicher Schuker_[1584]; vgl. Wachtmeister

Oberherr, _grandicher Sins_[1585]

Oberwachtmeister, _grandich Schuker_ (d. h. »der größte Gendarm«)[1584]

Oberzahn, _Obernäpfling_[1586]

[Fußnote 1571: ([606] auf S. 64.344) S. arg; betr. das Subst. _Schofel_
vgl. »Vorbemerkg.« S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 1572: ([607] auf S. 64.344) S. bewerfen.]

[Fußnote 1573: ([608] auf S. 64.344) S. angenehm.]

[Fußnote 1574: ([609] auf S. 64.344) S. abbetteln (vgl. »Vorbemerkg.«,
S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1575: ([610] auf S. 64.344) S. Adler und Knödel.]

[Fußnote 1576: ([611] auf S. 64.344) Sachlich übereinstimmend damit auch
die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 226 (_tschi_, d. h. »nichts« =
Null).]

[Fußnote 1577: ([612] auf S. 64.344) S. Haselnuß.]

[Fußnote 1578: ([613] auf S. 64.344) S. (betr. _Stöber_) Apfelbaum.]

[Fußnote 1579: ([614] auf S. 64.344) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1580: ([615] auf S. 64.344) S. anmutig.]

[Fußnote 1581: ([616] auf S. 64.344) S. Abort.]

[Fußnote 1582: ([617] auf S. 64.344) S. Gaumen.]

[Fußnote 1583: ([618] auf S. 64.344) S. Adler u. Forstmann; vgl.
Bischof.]

[Fußnote 1584: ([619] auf S. 64.344) S. Adler u. Gendarm; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1585: ([620] auf S. 64.344) S. Adler u. Amtmann; vgl. Bischof.
— Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S.
227.]

[Fußnote 1586: ([621] auf S. 64.344) S. abbeißen.]

Obst, _Stöberschure_[1587] oder _Stöbersore_[1588]                        [64.345]

Ochse, _Hornikel_[1589]

Ochsenfett, _Hornikel-Schmunk_[1590]

Ochsenfleisch, _Hornikelbossert_[1591]

Ochsenmaulsalat, _Hornikelgielblättling_[1592]

Ochsenmaulsalatbüchse, _Hornikelgielblättlingschottel_[1593]

Ochsenmetzger, _Hornikelkafler_[1594]

Ochsenstall, _Hornikelstenkert_[1595]

Ofen, _Hitzling_[1596]

Ofenruß, _Hitzlingschwä(t)zling_[1597]

Ofensetzer, _Hitzlingpflanzer_[1598], _Hitzlingschenegler_[1599]

Offizier, _grandicher_ (od. auch _dofer_) _Lanenger_[1600]

oft, _grandich_[1601]

Oheim (von väterl. Seite), _Patrisglied_[1602], (von mütterl. Seite),
_Mamereglied_[1603]; vgl. Neffe u. Tante

Ohr, _Losling_[1604]

[Fußnote 1587: ([622] auf S. 64.345) S. Apfelbaum u. abbiegen.]

[Fußnote 1588: ([623] auf S. 64.345) S. (betr. _Sore_) Brücke.]

[Fußnote 1589: ([624] auf S. 64.345) S. Bulle.]

[Fußnote 1590: ([625] auf S. 64.345) S. (betr. _Schmunk_)
Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1591: ([626] auf S. 64.345) S. Aas.]

[Fußnote 1592: ([627] auf S. 64.345) S. Affengesicht u. Gulasch.]

[Fußnote 1593: ([628] auf S. 64.345) S. (_Schottel_) Aschenbecher.]

[Fußnote 1594: ([629] auf S. 64.345) S. Fleischer.]

[Fußnote 1595: ([630] auf S. 64.345) S. Entenstall.]

[Fußnote 1596: ([631] auf S. 64.345) S. Backofen.]

[Fußnote 1597: ([632] auf S. 64.345) _Schwä(t)zling_ (od. Schwetzling) =
Ruß kommt noch vor in der _Zusammensetzg._ _Schwä(t)zlingbossert_ =
Schinken (d. h. eigentl. »Ruß- od. Rauchfleisch«). Der _Etymologie_ nach
ist es jedenfalls nur schlechte Aussprache für _Schwärzling_, gehört
also zu »schwarz«. Doch findet sich — auch in der richtigen Schreibung
— die Vokabel in der _jenisch. Bedeutg._ m. Wiss. nicht in den _verw.
Quellen_ oder im sonst. Rotw., in dem vielmehr _Schwärzling_ für
»Kaffee(bohne)« vorkommt; s. u. a. _v. Grolman_ 65 u. T.-G. 104;
_Karmayer_ G.-D. 218; A.-L. 606; _Groß_ 493; nach _Ostwald_ (Ku.) 141
auch = Tinte.]

[Fußnote 1598: ([633] auf S. 64.345) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1599: ([634] auf S. 64.345) S. abschaffen.]

[Fußnote 1600: ([635] auf S. 64.345) S. Hauptmann vbd. m. Adler u.
angenehm; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1601: ([636] auf S. 64.345) S. Adler.]

[Fußnote 1602: ([637] auf S. 64.345) S. Eltern u. Bruder.]

[Fußnote 1603: ([638] auf S. 64.345) S. (betr. _Mamere_) Amme. — Auch
von den Zigeunern wird für »Oheim« unterschieden _dādéskĕro_ und
_dākro prāl_, d. h. »väterlicher (des Vaters)« u. »mütterlicher
(der Mutter) Bruder«; s. _Liebich_, S. 131 u. 207.]

[Fußnote 1604: ([639] auf S. 64.345) _Zus._ damit: _Loslingschlang_ =
Ohrring. _Zu vgl._ (aus dem. _verw. Quellenkr._): _Schwäb Händlerspr._
484 (_Loser_ = Ohr; vgl. [482] _losere_ [in _Pfedelb._ (210): _losen_] =
hören); s. auch _Regensb. Rotw._ 489 (_Luser_ = Ohr); auch schon (mit
der Endung _-ling_) im älteren Rotw. des 15. u. 16. Jahrh. (s. schon
_Basl. Betrügnisse_ um 1450 [15: _Luselinge_ = Ohren]; _Lib. Vagat._ 54
[_Lüßlinng_ = Ohr] u. a. m.) bekannt. _Etymologie_: Der Ausdr. gehört,
wie das weidmänn. (u. wohl auch sonst mundartl. gebr.) _Loser_ (Luser) =
Ohr des Wildes (eigentl. »Aufhorcher« [vgl. mhd. _losære_ = Horcher,
Lauscher, ahd. _losari_ = Hörer, Zuhörer]), zu dem Zeitw. _losen_ (schon
mhd. _losen_, ahd. _[h]losên_, _losên_) = aufhorchen, zuhören; s. _Pott_
II, S. 20 vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1297 (unter Loser,
Nr. 3), Sp. 1298 (unter »losere[n]«, Sp. 1346 (unter »Luser«) u.
_Weigand_, W.-B. II, Sp. 85.]

Ohrring, _Loslingschlang_[1605]                                           [64.346]

Onanie treiben, _Käfferle pflanzen_[1606]

Onkel s. Oheim

Opfergeld, _Duftbich_[1607], _Duftlobe_ oder _-kies_[1608] (d. h.
»Kirchengeld«).

Orgel s. Leierkasten

Ortschaft, _G'fahr_[1609]

Ortsvorsteher, _Kritsch_, _Schar(r)le_[1610]

Ostern, _Bäzemaweisling_ (d. h. »Eiersonntag«)[1611]

o weh!, _o Laich!_[1612]

[Fußnote 1605: ([640] auf S. 64.346) S. (betr. _Schlang_), Halskette.]

[Fußnote 1606: ([641] auf S. 64.346) Bei dieser (m. Wiss. im Rotw. u. in
d. sonstigen Geheimsprachen nicht bekannten) eigentümlichen Redensart
ist _Käfferle_ wohl _nicht_ (wie bei _Käfferle_ = Junggeselle oder
Greis) zu _Kaffer_ im Sinne von »Mann (Kerl)«, sondern im Sinne vor
»Bauer« zu stellen, und zwar dürfte es sich sehr wahrscheinlich handeln
um eine _jenische Übersetzung_ der mundartl. fast in ganz Deutschland
(einschl. Schweiz und Österreich) verbreiteten Bezeichnung »_kalter
Bauer_« für Onanie bzw. Pollution u. deren Spuren; s. dazu die
Redensarten: _den kalten Bauern schlagen_ od. _herunterreißen_ (steir.)
u. zu vgl. im einzelnen über die deutsch. Mundarten: _Grimm_, D. W.-B.
I. Sp. 1176 (unter »Bauer«, Nr. 2) vbd. mit _Müller_ in den
»Anthropophyteia«, Bd. VIII, S. 20. Ob nun aber hierbei der Ausdruck
»Bauer« _wirklich_ = _rusticus_ (Landmann) aufzufassen ist (wofür z. B.
unbedenklich _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp. 703 [unter »Bauer«, Nr. 3,
d] eingetreten) oder ob man ihn mit _Grimm_, a. a. O., Sp. 1175 als ein
eigenes (auf das _Gotische_ zurückzuführendes) Wort im Sinne von
_voluptas_, _libido_ nehmen will, mag dahingestellt bleiben. Für das
Adj. _kalt_ (hier etwa = »wider die Natur«) verweist _Fischer_, a. a. O.
auf »die Vorstellung von der ›kalten‹ Natur der Teufelsbuhlschaft.«]

[Fußnote 1607: ([642] auf S. 64.346) S. Dom u. Almosen.]

[Fußnote 1608: ([643] auf S. 64.346) S. (betr. _Lobe_ u. _Kies_) Bank u.
Bankier.]

[Fußnote 1609: ([644] auf S. 64.346) S. Bauerndorf.]

[Fußnote 1610: ([645] auf S. 64.346) S. (zu beiden Ausdr.)
Bürgermeister.]

[Fußnote 1611: ([646] auf S. 64.346) S. Ei u. Feiertag. — Auch bei den
Zigeunern kommt wohl _jāréngĕro gurko_ (d. h. »Eiersonntag«) für
Ostern vor, doch scheint dafür jetzt _jāréngĕro diwes_ (d. h.
»Eiertag«) gebräuchlicher zu sein, das jedoch auch entsprechend dem
jenisch. _Bäzamaschei_ — den Karfreitag bedeutet; s. _Liebich_, S. 140
u. 227 vbd. mit _Finck_, S. 55; vgl. oben unter »Karfreitag«.]

[Fußnote 1612: ([647] auf S. 64.346) Eine Deutung des Wortes _Laich_ in
dieser Verbdg. vermag ich nicht zu geben.]


                                  P.                                      [64.347]

Pallasch (Säbel), _Latt_[1613]

Papagei, _Schmuserfläderling_ (d. h. »der sprechende Vogel«)[1614]

Papiergeld, _Kritzlerbich_[1615], _Kritzlerlobe_[1616]

Papiermacher, _Kritzlerpflanzer_[1617]

Papst, _grandich Kolb_ (d. h. »der größte Pfarrer«)[1618]

Paß, _Flebb(e)_[1619]

Pastor, _Gallach_[1620], _Kolb_[1618]

penis s. Glied (männliches)

Pfad, _Strade_[1621]

Pfahl, _Spraus_[1622]

Pfanne, _Russling_[1623]

Pfarrer, _Gallach_[1620], _Kolb_[1618]

Pfarrhaus, _Gallachekitt_, _Kolbekitt_[1624]

Pfau, _Dofefläderling_ (d. h. »der schöne Vogel«)[1625]

[Fußnote 1613: ([648] auf S. 64.347) S. Degen.]

[Fußnote 1614: ([649] auf S. 64.347) S. ansagen u. Adler. — Sachlich
übereinstimmend auch die Zigeunerspr. (_rak[k]erpáskĕro tschirkulo_
[tširklo], d. h. etwa »der gesprächige Vogel«, = Papagei): s.
_Liebich_, S. 118, 155 u. 228 vbd. m. _Finck_, S. 92; vgl. auch schon
»Vorbemerkg.«, S. 18.]

[Fußnote 1615: ([650] auf S. 64.347) S. Attest u. Almosen.]

[Fußnote 1616: ([651] auf S. 64.347) S. (betr. _Lobe_) Bank.]

[Fußnote 1617: ([652] auf S. 64.347) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1618: ([653] auf S. 64.347) S. Adler u. Bischof. Ebds. (S. 391,
Anm. 116) auch betr. die Zigeunersprache.]

[Fußnote 1619: ([654] auf S. 64.347) S. Gewerbeschein.]

[Fußnote 1620: ([655] auf S. 64.347) S. Geistlicher.]

[Fußnote 1621: ([656] auf S. 64.347) S. Chaussee.]

[Fußnote 1622: ([657] auf S. 64.347) S. Baumholz.]

[Fußnote 1623: ([658] auf S. 64.347) S. Kessel.]

[Fußnote 1624: ([659] auf S. 64.347) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1625: ([660] auf S. 64.347) S. angenehm u. Adler. — Bei den
Zigeunern kommt für den Pfau (neben _pōno_ od. _pōni_ [s. _Pott_
II, S. 362; _Liebich_, S. 152 u. 228; _Finck_, S. 79]) auch _gisĕwo
tschirkulo_ (tširklo), d. h. »stolzer Vogel«, vor (nach _Liebich_, S.
228); vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18, Anm. 47.]

[Fußnote 1626: ([661] auf S. 64.347) S. dazu das Zeitw. _dämpfe(n)_ =
(Tabak) rauchen sowie die weitere _Ableitung_ _Dämpfere_ od. _Dämpfete_
(Spr.) = Zigarre (u. dazu die _Zus._ _Dämpferereiber_ = Zigarrenbeutel).
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 343, 345
(_Dämpfköllen_ = Pfeife, Tabakspfeife); _Schwäb. Händlerspr._ 485, 488
(_dämpfen_ = rauchen, _Dämpfere_ = Zigarre); s. auch _Pleißlen der
Killertaler_ 434 (_Dämpfer_ = Schnupftabak). Zur _Etymologie_ (von
»Dampf«, »dampfen«) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 46.]

Pfeife, _Dämpfe_[1626] _Toberich_[1627] od. (genauer)                     [64.348]
_Toberichschure_[1628] (d. h. »Tabakspfeife« [s. d.]); vgl. Tabak u.
Zigarre

Pfeifenkopf, _Toberichki(e)bes_[1629]

Pfeffer, _Sore_[1630]

Pfefferbüchse, _Soreschottel_[1631]

Pfennig, _Boschert_[1632]

Pferd, _Trabert_ od. _Trapert_[1633]

Pferdeeuter, _Trabertschwächerle_[1634]

Pferdefleisch, _Trabertbossert_ od. _Trabertmass_[1635]

Pferdefuß, _Trapertritt_[1636]

Pferdehaar, _Trabertstrauberts_[1637]

Pferdehändler, _Trabertgremer_, _Trabertkemerer_[1638]

[Fußnote 1627: ([662] auf S. 64.348) Mit _Toberich_ (= a) Tabak; b)
Pfeife [Tabakspfeife]) sind mehrere _Zusammensetzgn._ gebildet worden,
u. zwar: a) in der _ersten_ Bedeutg.: _Toberichrande_ od. _-reiber_ =
Tabaksbeutel, _Toberichschure_ = (Tabaks-) Pfeife, auch Zigarre (od.
bloß Tabak); b) in der _zweiten_ Bedeutg.: _Toberichki(e)bes_ =
Pfeifenkopf. _Ableitung_: _toberiche_ = (Tabak) rauchen, während für
»schnupfen« die _Verbindg._ _Toberich muffe(n)_, d. h. eigtl. »Tabak
riechen«) gebraucht wird. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm.
der Gaunerspr._ 100 (_Dobrisch_ = Tabak, _Dobrischfinne_, _-klinge_ =
Tabaksdose, -pfeife; _D. schwächen_ = Tabak rauchen); _W.-B. des
Konstanzer Hans_ 255 (_Dow're_ = Tabak, _D. schwäche_ = Tabak rauchen);
_Pfulld. J.-W.-B._ 343-345 (_Dobere_ = Tabak, Schnupftabak,
_Dobereckling_ = Tabakspfeife); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 76
(_Doverich_ = Tabak); _Schwäb. Händlerspr._ 485, 487, 488 (_Tôberich_
[in _Pfedelb._ (213): _Dowerich_] = Tabak, Zigarre [für letzteres auch
_Tob(e)rich(s)stengel_], _Tôberichskling_ [in _Pfedelb._ (213):
_Dowerichsklinge_] od. _Tôbere_ = [Tabaks-]Pfeife, _tôberichen_ [in
_Pfedelb._ (212): _dowrichen_] = rauchen). Über weitere Rotw. Belege
(seit d. _Basl. Glossar_ v. 1733 [202: _Doberen_]) sowie die
_Etymologie_ des Wortes (das von einigen mit der Zigeunersprache
[_tīvăli_ = Rauchtabak (s. z. B. _Liebich_, S. 166, 244 u.
_Finck_, S. 94)] in Verbindg. gebracht worden, einfacher aber doch wohl
als bloße Verunstaltung von »Tobak« aufzufassen sein dürfte) s. Näh. in
_Groß'_ Archiv, Bd. 43, S. 46, 47 u. Anm. 2; vgl. auch Wiss. Beih. zur
Zeitschr. des Allg. Deutsch. Sprachv., 5. Reihe, 36. Heft, S. 186, Anm.
1 sowie _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 235/36.]

[Fußnote 1628: ([663] auf S. 64.348) S. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 1629: ([664] auf S. 64.348) S. Angesicht.]

[Fußnote 1630: ([665] auf S. 64.348) S. Brücke.]

[Fußnote 1631: ([666] auf S. 64.348) S. (betr. _Schottel_)
Aschenbecher.]

[Fußnote 1632: ([667] auf S. 64.348) S. Kupfergeld.]

[Fußnote 1633: ([668] auf S. 64.348) S. Füllen.]

[Fußnote 1634: ([669] auf S. 64.348) S. (betr. _Schwäche[rle]_) Amme.]

[Fußnote 1635: ([670] auf S. 64.348) S. Aas.]

[Fußnote 1636: ([671] auf S. 64.348) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1637: ([672] auf S. 64.348) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 1638: ([673] auf S. 64.348) S. (zu beiden Ausdr.) abkaufen.]

Pferdemetzger, _Trabertkafler_[1639]                                      [64.349]

Pferdestall, _Trabertstenker_[1640]

Pferdetränke, _Trabertschwäche_[1634]

Pfingsten, _Schuberleweisling_ (d. h. »Geistsonntag«)[1641]

Pflastergeld, _Kieslobe_[1642]; _Stradebich_[1643]

Pflaume, _Blauling_ od. _Bloling_ [Spr.][1644]

Pflaumenbaum, _Blaulingstöber_[1645]

Pflaumenkern, _Blaulingkies_[1646]

Pflock, _Spraus_[1647]

Pfote, _Tritt_[1648]

Pisse (= Harn, Urin), _Flösle_, _Flösslete_, _Flösselflu(h)te_[1649]

pissen, _flöslen_[1649]

Pistole, _Schneller_[1650]

Plappermaul, _Schmusichergiel_[1651]

plaudern, _diberen_[1652], _schmusen_[1653]

Plauderer, _Diberer_, _Schmuser_

Pokal, _Nolle_[1654]

Pökelfleisch, _eingespronkter Bossert_ (d. h. »eingesalzenes
Fleisch«)[1655]

[Fußnote 1639: ([674] auf S. 64.349) S. Fleischer.]

[Fußnote 1640: ([675] auf S. 64.349) S. Entenstall.]

[Fußnote 1641: ([676] auf S. 64.349) S. Geist u. Feiertag. — Die
Beziehung auf die Ausgießung des _heiligen Geistes_ in diesem Ausdrucke
tritt noch deutlicher hervor in dem gleichbed. zigeunerisch. _dīlo
tucho dīwes_, d. h. »heiliger Geisttag« (neben d. einfacheren
_dīlŏ dīwes_, d. h. »heiliger Tag«); s. _Liebich_, S. 228 u.
134 vbd. m. _Finck_, S. 55.]

[Fußnote 1642: ([677] auf S. 64.349) S. Apfelkern u. Bankier.]

[Fußnote 1643: ([678] auf S. 64.349) S. Chaussee u. Almosen.]

[Fußnote 1644: ([679] auf S. 64.349) S. zu diesem (natürlich von »blau«
hergeleiteten) Worte die _Zus._ _Blaulingstöber_ u. _-kies_ =
Pflaumenbaum u. -kern. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): nur
_Schwäb. Händlerspr._ 485 (_Bläuling_ = Pflaume); im Rotw. gleichbed.
wohl _Blauerling_ (s. z. B. bei _v. Grolman_ 9 u. T.-G. 114 u.
_Karmayer_ G.-D. 192), während schon in älterer Zeit (z. B. im _W.-B.
von St. Georgen_ 1750 [217]) _Blauling_ für »Milch« vorkommt. Über
_Blauhanze_ s. unter »Zwetschgen«.]

[Fußnote 1645: ([680] auf S. 64.349) S. (betr. _Stöber_) Apfelbaum.]

[Fußnote 1646: ([681] auf S. 64.349) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1647: ([682] auf S. 64.349) S. Baumholz.]

[Fußnote 1648: ([683] auf S. 64.349) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1649: ([684] auf S. 64.349) S. austreten (leicht) u. (betr.
_Flu[h]te_) abbrühen.]

[Fußnote 1650: ([685] auf S. 64.349) S. abschießen.]

[Fußnote 1651: ([686] auf S. 64.349) S. ansagen u. Affengesicht.]

[Fußnote 1652: ([687] auf S. 64.349) S. anreden.]

[Fußnote 1653: ([688] auf S. 64.349) S. ansagen.]

[Fußnote 1654: ([689] auf S. 64.349) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1655: ([690] auf S. 64.349) S. einsalzen u. Aas.]

Polizei, _Bu(t)zerei_[1656]                                               [64.350]

Polizeiamt, _Bu(t)zereikitt_[1657]

Polizeidiener, Polizist, _Bu(t)z_[1656]

Polizeidirektor, _grandich Bu(t)z_ (d. h. »der größte Polizist«)[1658]

Polizeihund, _Bu(t)zekeiluf_, _Bu(t)zekibe_[1659]

Polizeiwachtmeister, _grandicher Bu(t)z_[1658]

Porzellan, _Sore_[1660]

Porzellantasse, _Soreschottel_[1661]

Possenreißer, _Hegellauti_[1662]

Postbote, _Kritzlerbukler_[1663]

Postwagen, _Kritzlerrädling_[1664]

Pracht, _Dof_ (= dof)[1665]

prächtig, _dof_[1665], _grandich_[1658]

predigen, _blible_[1666]

Prediger, _Gallach_[1667], _Kolb_[1668]

Priester s. Prediger

Priesterrock, _Gallachmalfes_, _Kolbemalfes_[1669]

Protestant, _Gril(l)ischer_[1670]

protestantisch, _gril(l)isch_ od. _kril(l)isch_[1670]

Prügel (= Stock), _Spraus_[1671]

Prügel (= Hiebe), _Gufes_[1672], _Stenz_[1673]

Prügelei, _Hamore_, _More_[1674]

prügeln, _guffen_[1672], _ste(c)ken_[1675], _stenzen_[1673]; vgl.
schlagen

[Fußnote 1656: ([691] auf S. 64.350) S. Amtsdiener.]

[Fußnote 1657: ([692] auf S. 64.350) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1658: ([693] auf S. 64.350) S. (betr. _grandich_) Adler; vgl.
Bischof.]

[Fußnote 1659: ([694] auf S. 64.350) S. (zu beiden Ausdr.) Haushund.]

[Fußnote 1660: ([695] auf S. 64.350) S. Brücke.]

[Fußnote 1661: ([696] auf S. 64.350) S. (betr. _Schottel_)
Aschenbecher.]

[Fußnote 1662: ([697] auf S. 64.350) S. Dummheit.]

[Fußnote 1663: ([698] auf S. 64.350) S. Attest u. abtragen.]

[Fußnote 1664: ([699] auf S. 64.350) S. (betr. _Rädling_)
Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 1665: ([700] auf S. 64.350) S. angenehm; vgl. auch
»Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 1666: ([701] auf S. 64.350) S. anbeten.]

[Fußnote 1667: ([702] auf S. 64.350) S. Geistlicher.]

[Fußnote 1668: ([703] auf S. 64.350) S. Bischof.]

[Fußnote 1669: ([704] auf S. 64.350) S. (betr. _Malfes_) Frauenrock.]

[Fußnote 1670: ([705] auf S. 64.350) S. evangelisch.]

[Fußnote 1671: ([706] auf S. 64.350) S. Baumholz.]

[Fußnote 1672: ([707] auf S. 64.350) S. aufschlagen.]

[Fußnote 1673: ([708] auf S. 64.350) S. Ast.]

[Fußnote 1674: ([709] auf S. 64.350) S. Fehde.]

[Fußnote 1675: ([710] auf S. 64.350) S. beschenken.]

Pudel, _Keiluf_, _Kib_[1659]                                              [64.351]

Pulle (Flasche), _Glansert_[1676]

Pulver (jeder Art), _Kuiete_[1677]

Pulvermühle, _Kuiete-Rolle_[1678]

Pulvermüller, _Kuieteroller_ (fem.: _-rollerin_)[1678]

Punsch, _gesicherter Johle_[1679]; vgl. Glühwein

Puppe (Docke), _Schure_[1680]

putzen (reinigen), _pfladere_[1681]


                                  Q.

Quacksalber, _schofler Begersins_ (d. h. »schlechter Doktor
[Arzt]«[1682]

Quaderstein, _grandicher Kies_[1683]

Quartier, _Fehte_[1684]

Quartierbursche, _Fehtefi(e)sel_ od. _-freier_[1685]

Quartierherr, _Fehtekaffer_ od. _-sins_[1686] vgl. Hauswirt

Quartierfrau, _Fehtemos(s)_ od. _-sinse_[1687]

Quartiermädchen, _Fehtemodel_[1688]

Quelle, _Flu(h)te_[1689]

Quersack, _Rande_[1690]


                                  R.

Rabbiner, _Diboldegallach_[1691] od. _Kaimekolb_[1692] (d. h.
»Judengeistlicher od. -pfarrer«)[1693]

[Fußnote 1676: ([711] auf S. 64.351) S. Bierglas.]

[Fußnote 1677: ([712] auf S. 64.351) S. Mastpulver.]

[Fußnote 1678: ([713] auf S. 64.351) S. (betr. _Rolle[r]_) Mühle.]

[Fußnote 1679: ([714] auf S. 64.351) S. abkochen u. Apfelwein.]

[Fußnote 1680: ([715] auf S. 64.351) S. abbiegen.]

[Fußnote 1681: ([716] auf S. 64.351) S. abwaschen.]

[Fußnote 1682: ([717] auf S. 64.351) S. arg, absterben u. Amtmann. —
Bei den Zigeunern findet sich der Begriff _negativ_ umschrieben durch
_tschi tschātscho_ (od. ladscho) _radíngĕro_ (radískĕro), d. h.
»kein rechter (od. guter) Arzt«; s. _Liebich_, S. 154 u. 230.]

[Fußnote 1683: ([718] auf S. 64.351) S. Adler u. Apfelkern.]

[Fußnote 1684: ([719] auf S. 64.351) S. Hauswirt.]

[Fußnote 1685: ([720] auf S. 64.351) S. (betr. _Fi[e]sel_ u. _Freier_)
Bettelbube u. Fremder.]

[Fußnote 1686: ([721] auf S. 64.351) S. Bauer u. Amtmann.]

[Fußnote 1687: ([722] auf S. 64.351) S. Bauernfrau u. Amtmann.]

[Fußnote 1688: ([723] auf S. 64.351) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1689: ([724] auf S. 64.351) S. abbrühen.]

[Fußnote 1690: ([725] auf S. 64.351) S. Bauch.]

[Fußnote 1691: ([726] auf S. 64.351) S. Jude u. Geistlicher.]

[Fußnote 1692: ([727] auf S. 64.351) S. Hebräer u. Bischof.]

[Fußnote 1693: ([728] auf S. 64.351) Die gleiche Umschreibung
(_bipoldéngĕro raschai_, d. h. »Judenpriester«) kennen auch die
Zigeuner; s. _Liebich_, S. 128 u. 230.]

Rabe, _Schofeleiflederling_ (d. h. »Unglücksvogel«)[1694]                 [64.352]

Rahm, _Gleisschund_ (d. h. eigtl. »Milchdreck«)[1695]

Ranzen, _Rande_[1690]

Rappe, _Trabert_[1696]. Für die verschiedene _Farbe_ der Pferde gibt es
keine nähere Bezeichnung (vgl. Schimmel); dagegen wird das _Geschlecht_
der Tiere wohl kenntlich gemacht; vgl. Näh. unter »Hengst« u. »Stute«

Rasiermesser, _Scharfling_[1697] od. _Tschure_[1698] (d. i. beides
eigtl. nur »Messer«)

Rathaus, _Sturmkitt_[1699]

Rathausschlüssel, _Sturmkittglitschin_[1700]

Rathausuhr, _Sturmkittgluber_[1701]

[Fußnote 1694: ([729] auf S. 64.352) S. arg u. Adler; vgl.
»Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 49.]

[Fußnote 1695: ([730] auf S. 64.352) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1696: ([731] auf S. 64.352) S. Füllen.]

[Fußnote 1697: ([732] auf S. 64.352) S. Dolch.]

[Fußnote 1698: ([733] auf S. 64.352) S. Messer.]

[Fußnote 1699: ([734] auf S. 64.352) S. dazu die _Zusammensetzgn._
_Sturmkittglitschin_ u. _-gluber_ = Rathausschlüssel u. -uhr sowie
_Sturmkittsins_ = Ratsherr. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._):
_Dolm. der Gaunerspr._ 97 (_Sturmkitt_ = Rathaus); _W.-B. des Konst.
Hans_ 254 (ebenso); _Schwäb. Händlerspr._ (U. [214]: ebenso; vgl. ebds.
[214]: _hohe Sturmkitt_ = Amtsgericht). Auch sonst im Rotw. neben den
Synon. _Sturm-Kaste(n)_ (s. z. B. schon _A. Hempel_ 1687 [167]),
_Sturm-Bayes_ (s. z. B. _Pfister_ bei _Christensen_ 1814 [331]) od.
_Sturmkandich_ (s. z. B. _v. Grolman_ 70 n. T.-G. 116). Zur _Etymologie_
s. _Pott_ II, S. 18 u. A.-L. 612, nach denen die erste Silbe in diesen
Zusammensetzgn. zu unserem Worte »Turm« gehört (also _Sturmkitt_ wohl =
»s'Turmkitt«, abgek. für _das Turmkitt_, d. h. »das Turmhaus«), weil die
Rathäuser »gewöhnlich mit einem Turm geziert« sind (A.-L., a. a. O.).]

[Fußnote 1700: ([735] auf S. 64.352) S. (betr. _Glitschin_) Dietrich.]

[Fußnote 1701: ([736] auf S. 64.352) Mit _Gluber_ (auch _Gluper_ od.
_Kluper_ od. — am richtigsten wohl — _Luber_) = Uhr sind auch noch
_zusammengesetzt_ (am Anfang): _Luberkitt_ = Uhrgehäuse, _Luberschlang_
= Uhrkette, _Luberpflanzer_ = Uhrmacher, _Luberglitschin_ =
Uhrschlüssel, _Luberrande_ = Uhrtasche. _Zu vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 98 (_Lupper_ = Sackuhr); _W.-B. des
Konst. Hans_ 254 (ebenso; vgl. auch 258: _Lopper_ u. _Lapper_); _Pfulld.
J.-W.-B._ 345 (_Lupper_ [od. Nopper] = Uhr, _Randelupper_, bes. =
Sackuhr); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Lôber[e]_, _Lubbere_, _Klupper_
[in _Pfedelb._ (213): _Glupper_ (od. Gluckere), in _Lütz._ (215):
_Klepper_] = Uhr, Taschenuhr). Über weitere Belege im Rotw. s. noch
_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 23, Anm. 2. Ebds. S. 24 auch über die
Hypothesen betr. die (zweifelhafte) _Etymologie_, unter denen diejenige,
die den Ausdruck mit d. niederd. _lupen_ (lopen) = laufen in
Zusammenhang gebracht hat, wohl noch am annehmbarsten erscheint; s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV., Sp. 1263 (unter »Lober« II) vbd. mit Sp.
1346 (unter »Lupper[e]«). Vgl. auch unten die Anm. zu dem ähnl. Synon.
_Gengle_ (unter »Uhr«).]

Ratsherr, _Sturmkittsins_[1702], auch _Kritsch_ od. _Schar(r)le_[1703]    [64.353]

rauben, _schniffen_[1704], _schoren_[1705]

Räuber, _Schniffer_[1704], _Schorer_ od. _Tschor_[1705]

rauchen, _dämpfen_, _toberiche_[1706]

Rauchfleisch, _Hitzlingbossert_[1707]

räudig, _näpfich_[1708]

Rausch, _Molum_ (subst. Adj.)[1709], _Schwächer_[1710], nach den Spr.
auch _Dambes_[1709]

Rebe s. Weinrebe

Rebensaft, _Johle_[1711]

Rebhuhn, _Jahrestierer_ od. _Krachergachne_[1712] (d. h.
»Waldhuhn«)[1713]

reden, _dibere_[1714], _schmuse_[1715]

Regen, _Flössle_[1716]

Regenbogen, _Flösselreifling_ (d. h. eigtl. »Regenring«)[1717]

Regenschirm s. Schirm

Regentag, _Flösselschei_[1718]

Regenwasser, _Flösselflu(h)te_[1719]

regnen, _flössle_ od. _flessle_ (Spr.)[1716]

reich, _grandich_[1720]

reicher Bauer, _grandicher Ruch_[1721]

[Fußnote 1702: ([737] auf S. 64.353) S. (betr. _Sins_) Amtmann.]

[Fußnote 1703: ([738] auf S. 64.353) S. (zu beiden Ausdr.)
Bürgermeister.]

[Fußnote 1704: ([739] auf S. 64.353) S. anfassen.]

[Fußnote 1705: ([740] auf S. 64.353) S. ausstehlen.]

[Fußnote 1706: ([741] auf S. 64.353) S. (zu beiden Ausdr.) Pfeife.]

[Fußnote 1707: ([742] auf S. 64.353) S. Backofen u. Aas.]

[Fußnote 1708: ([743] auf S. 64.353) S. abbeißen.]

[Fußnote 1709: ([744] auf S. 64.353) S. berauscht; vgl. »Vorbemerkung«,
S. 15, Anm. 38 vbd. mit S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 1710: ([745] auf S. 64.353) S. Amme.]

[Fußnote 1711: ([746] auf S. 64.353) S. Apfelwein.]

[Fußnote 1712: ([747] auf S. 64.353) S. Ananas u. Henne bezw. Hahn.]

[Fußnote 1713: ([748] auf S. 64.353) Die sachlich gleiche Ausdrucksweise
kennen auch die Zigeuner; s. _Liebich_, S. 152 u. 231 (_porréskĕri
kachnin_ = Rebhuhn, eigtl. »Busch- od. Waldhuhn«, zu _porr_ = Busch,
Gebüsch, Gehölz, Wald u. dergl.).]

[Fußnote 1714: ([749] auf S. 64.353) S. anreden.]

[Fußnote 1715: ([750] auf S. 64.353) S. ansagen.]

[Fußnote 1716: ([751] auf S. 64.353) S. austreten (leicht).]

[Fußnote 1717: ([752] auf S. 64.353) S. (betr. _Reifling_) Fingerring.
— Auch bei den Zigeunern heißt der Regenbogen _brschindéskĕri
gusterin_, d. i. »Regenring« od. _deweléskĕri (an)gusterin_, d. i.
»Gottes Ring« (nach _Liebich_, S. 129 u. 231).]

[Fußnote 1718: ([753] auf S. 64.353) S. alltäglich.]

[Fußnote 1719: ([754] auf S. 64.353) S. abbrühen.]

[Fußnote 1720: ([755] auf S. 64.353) S. Adler.]

[Fußnote 1721: ([756] auf S. 64.353) S. (betr. _Ruch_) Bauer.]

reicher Herr, _grandiger_ (sic) _Sins_[1722]                              [64.354]

Reichtum, _grandich Schure_ od. _Sore_ (d. h. »[sehr] viele
Sachen«)[1723]

reinigen, _pfladere_[1724]

reizend, _dof_, _duft_[1725]

Richter, _grandicher Sins_[1722] (d. h. eigtl. »großer Herr«)[1726]

Richterstuhl, _Schoflereisitzling_ (d. h. eigtl. »Gerichtsstuhl«)[1727]

riechen, _muffen_[1728]

Riese, _grandicher Kaffer_ (d. h. »großer Mann«)[1729]

Rind, _Horboge_[1730]

Rinderfett, _Horbogeschmunk_[1731]

Rinderstall, _Horbogestenkert_[1732]

Rindfleisch, _Horbogebossert_[1728]

Rindfleischbüchse, _Horbogebossertschottel_[1733]

Rindvieh s. Rind

Rindviehmetzger, _Horbogekafler_[1734]

Ring, _Reifling_[1735]

Rock, _Malfes_[1736]

Rocktasche, _Malfesrande_[1737]

Roggen, _Kupfer_[1738]

Rosenkranz, _Blibelschlang_ (d. h. »Betkette«)[1739]

[Fußnote 1722: ([757] auf S. 64.354) S. (betr. _Sins_) Amtmann; vgl.
auch Bischof.]

[Fußnote 1723: ([758] auf S. 64.354) S. (betr. _Schure_) abbiegen u.
(betr. _Sore_) Brücke; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1724: ([759] auf S. 64.354) S. abwaschen.]

[Fußnote 1725: ([760] auf S. 64.354) S. angenehm.]

[Fußnote 1726: ([761] auf S. 64.354) Über die sachlich gleiche
Bezeichnung (_bāro rai_) für den Richter bei den Zigeunern s. Näh.
bei _Liebich_, S. 232; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 17.]

[Fußnote 1727: ([762] auf S. 64.354) S. arg u. Bank.]

[Fußnote 1728: ([763] auf S. 64.354) S. Aas.]

[Fußnote 1729: ([764] auf S. 64.354) S. Adler u. Bauer. — Sachlich
übereinstimmende Ausdrucksweise auch in der Zigeunersprache; s.
_Liebich_, S. 232 (_bāro dschēno_ od. _gādscho_, d. h. »großer
Mensch (Kerl)«, = Riese); vgl. »Vorbemerkung«, S. 17.]

[Fußnote 1730: ([765] auf S. 64.354) S. Kalb.]

[Fußnote 1731: ([766] auf S. 64.354) S. (betr. _Schmunk_)
Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1732: ([767] auf S. 64.354) S. Entenstall.]

[Fußnote 1733: ([768] auf S. 64.354) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1734: ([769] auf S. 64.354) S. Fleischer.]

[Fußnote 1735: ([770] auf S. 64.354) S. Fingerring.]

[Fußnote 1736: ([771] auf S. 64.354) S. Frauenrock.]

[Fußnote 1737: ([772] auf S. 64.354) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 1738: ([773] auf S. 64.354) S. Frucht.]

[Fußnote 1739: ([774] auf S. 64.354) S. anbeten u. Halskette. —
Sachlich übereinstimmend hiermit auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_,
S. 153 u. 233 u. _Finck_, S. 95 (_pris[s]ermásk[ē]ri wērklin_, d.
h. »die Betkette«, = Rosenkranz).]

Roß s. Pferd                                                              [64.355]

Roßmetzger s. Pferdemetzger

Rüben s. Möhren

ruchlos, _lenk_, _schofel_[1740]

Rucksack, _Rande_[1737]

ruhen, _durme_[1741], _schlaune_[1742]

ruhig sein s. schweigen; vgl. aufhören

Rüssel, _Muffer_[1728]

Ruß, _Schwetzling_[1743]

[Fußnote 1740: ([775] auf S. 64.355) S. arg.]

[Fußnote 1741: ([776] auf S. 64.355) S. aufwachen.]

[Fußnote 1742: ([777] auf S. 64.355) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1743: ([778] auf S. 64.355) S. Ofenruß. ]


                                  S.                                      [65.33]

Saal, _grandiche Schrende_ (d. h. »große Stube«)[1744]

Säbel, _Latt_[1745]

Sache, _Sore_[1746]

Sack, _Rande_[1747]

Säckel, _Kiesreiber_[1748]

sagen s. reden; vgl. sprechen

Sahne, _Gleisschund_[1749]; vgl. Rahm

Salat, _Blättling_[1750]

Salz, _Spronkert_[1751]

Salzbüchse, _Spronkertschottel_[1752]

salzen, _spronkere_[1751]

salzig, _g'spronkt_

Salzfisch, _Spronkertschwimmerling_[1753]; vgl. Hering

Salzfleisch, _Spronkertbossert_[1754]

[Fußnote 1744: ([1] auf S. 65.33) S. Adler u. Frauenstube. — Sachl.
übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 234
(_bāri_ [od. buchli] _tattin_ [od. isma], d. h. »große [od. weite]
Stube« = Saal); vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 17.]

[Fußnote 1745: ([2] auf S. 65.33) S. Degen.]

[Fußnote 1746: ([3] auf S. 65.33) S. Brücke.]

[Fußnote 1747: ([4] auf S. 65.33) S. Bauch.]

[Fußnote 1748: ([5] auf S. 65.33) S. Beutel; vgl. Bankier.]

[Fußnote 1749: ([6] auf S. 65.33) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1750: ([7] auf S. 65.33) S. Gulasch.]

[Fußnote 1751: ([8] auf S. 65.33) S. einsalzen.]

[Fußnote 1752: ([9] auf S. 65.33) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

[Fußnote 1753: ([10] auf S. 65.33) S. (betr. _Schwimmerling_) Fisch.]

[Fußnote 1754: ([11] auf S. 65.33) S. (betr. _Bossert_) Aas.]

Salznapf, _Spronkertnolle_[1755]                                          [65.34]

sanft, _dof_[1756]

Sänger, _Schaller_; Sängerin, _Schallerin_[1757]

Sarg, _Begerkittle_ (d. h. »Totenhäuschen«)[1758]

Satan, _Koele_[1759]; vgl. Teufel

satt, _grandich bikt_ od. _buttet_ (d. h. »viel gegessen«)[1760]

Sau, _Balo_, _Groenikel_[1761]

sauber, _dof_[1756]

säubern, _pfladere_[1762]

Sauerkraut, _Groenert_[1763]

saufen, _schwächen_[1764]

Sauferei, _Schwächerei_

Sauhirt, _Groenikelbenk_, _Groenikelschure_[1761][1765]

Saustall, _Groenikelstenkert_[1766]

[Fußnote 1755: ([12] auf S. 65.34) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1756: ([13] auf S. 65.34) S. angenehm.]

[Fußnote 1757: ([14] auf S. 65.34) S. absingen.]

[Fußnote 1758: ([15] auf S. 65.34) S. absterben u. Abort. — Auch bei
den Zigeunern kommt für den Sarg _muléskĕro ker_, d. h. »Totenhaus«,
vor neben _muléskĕri kistari_, d. h. »Totenkiste«, oder _muléskéro
rukk_, d. h. »Totenbaum« (»weil vormals ein ausgehöhlter Baum als Sarg
diente«); s. _Liebich_, S. 147 u. 234; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 18.]

[Fußnote 1759: ([16] auf S. 65.34) S. dazu die _Zusammenstzgn_.:
_Koelebossert_ = »Teufelsbraten«, _Koeleklettert_ = »Teufelstisch« (?)
u. _Koelesgroenert_ (d. h. eigtl. »Teufelskraut«) = Unkraut (s. d. betr.
Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); eine Ableitg. davon ist das Adj.
_koelich_ = teuflisch. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld.
J.-W.-B._ 345 (_Kohle_ = Teufel, _kohlezopfen_ = »Teufelholen«);
_Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Kôle_, _Koule_ [od. _Quane_] = Teufel).
Sonst m. Wiss. unbekannt. Die _Etymologie_ des Wortes ist unsicher. Bei
der Form _Ko(h)le_ könnte man ja allenfalls an eine Metapher mit Bez.
auf die (kohl)schwarze Farbe des Teufels denken (vgl. _Günther_,
Rotwelsch, S. 66); nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 575 (unter
»Kole« I) liegt dagegen — ebenso wie bei _Quane_ in der _schwäb_.
_Händlerspr._ (s. Sp. 889) — vielleicht eine koseformartige
Verunstaltung des Eigennamens _Konrad_ vor, der (gleich verschiedenen
anderen Eigennamen) in manchen Gegenden für den Teufel vorkommt (vgl.
dazu _Fischer_, a. a. O. IV, Sp. 608 unter »Konrad«, Nr. 4 vbd. mit
_Wackernagel_, Kleinere Schriften [Leipz. 1872 ff.], Bd. III, S. 151/52
u. _O. Meisinger_, die Appellativnamen in den hochd. Mundarten [Progr.]
I [Lörrach 1904], S. 15, 16).]

[Fußnote 1760: ([17] auf S. 65.34) S. Adler u. Abendessen; vgl.
»Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 38.]

[Fußnote 1761: ([18] auf S. 65.34) S. Eber.]

[Fußnote 1762: ([19] auf S. 65.34) S. abwaschen.]

[Fußnote 1763: ([20] auf S. 65.34) S. Gemüse.]

[Fußnote 1764: ([21] auf S. 65.34) S. Amme.]

[Fußnote 1765: ([22] auf S. 65.34) S. (betr. _Benk_) brauchbarer Bursche
u. (betr. _Schure_) abbiegen.]

[Fußnote 1766: ([23] auf S. 65.34) S. Entenstall.]

Schädel, _Ki(e)bes_[1767]                                                 [65.35]

Schaf, _Jerusalemsfreund_[1768]

Schafbock, _grandich Jerusalemsfreund_[1769]

Schäfer, _Jerusalemsfreundschure_[1770]

Schäferhund, _Jerusalemsfreundkib_[1771]

Schäferin, _Jerusalemsfreundmos(s)_[1772]

Schäferknecht, _Jerusalemsfreundschenegler_[1773]

Schafhirt s. Schäfer

Schafstall, _Jerusalemsfreundstenkert_[1766]

Schale (Schüssel), _Schottel_[1752]

Scham, (weibliche), _Geschmu_, _G'schmui_[1774]

schamhaft, _dof_[1756]

schamlos, _schofel_[1775]

schauen, _linzen_[1776]

Schauspieler s. Komödiant

Schauspielhaus, _Schnurrantekitt_[1777]; vgl. Komödienhaus

Scheit, Scheitholz, _Spraus_[1778]

schelten, _stämpfen_[1779]

Schemel, _Sitzleng_[1780]

Schenke, _Beiz_, _Kober_[1781]

Schenkel, _Tritt_[1782]

schenken s. beschenken

Schenkwirt, _Beizerer_, _Koberer_; Schenkwirtin, _Beizere_,
_Kobere_[1781]

Scheune, _Schaffel_ (Dimin.: _Schaffelle_ [Spr.])[1783]

[Fußnote 1767: ([24] auf S. 65.35) S. Angesicht.]

[Fußnote 1768: ([25] auf S. 65.35) S. Hammel.]

[Fußnote 1769: ([26] auf S. 65.35) S. (betr. _grandich_) Adler; vgl.
auch Bischof.]

[Fußnote 1770: ([27] auf S. 65.35) S. Anm. 1765 a. E.]

[Fußnote 1771: ([28] auf S. 65.35) S. Haushund.]

[Fußnote 1772: ([29] auf S. 65.35) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 1773: ([30] auf S. 65.35) S. abschaffen.]

[Fußnote 1774: ([31] auf S. 65.35) S. Glied (weibliches).]

[Fußnote 1775: ([32] auf S. 65.35) S. arg.]

[Fußnote 1776: ([33] auf S. 65.35) S. anschauen.]

[Fußnote 1777: ([34] auf S. 65.35) S. Äquilibrist u. Abort.]

[Fußnote 1778: ([35] auf S. 65.35) S. Baumholz.]

[Fußnote 1779: ([36] auf S. 65.35) S. Ärger.]

[Fußnote 1780: ([37] auf S. 65.35) S. Bank.]

[Fußnote 1781: ([38] auf S. 65.35) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]

[Fußnote 1782: ([39] auf S. 65.35) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1783: ([40] auf S. 65.35) Zu _Schaffel_ = Scheune (Schuppen,
Speicher, Tenne), Dimin.: _Schaffelle_ (Spr.), vgl. (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 344 (_Schaffel[e]_ = Scheuer); _Schwäb.
Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _Schafell_ = Scheune). Im sonst. Rotw.
findet sich (in _älterer_ Zeit) die Form _Schabelle(n)_ — für Scheune,
»Stadel« u. dgl. = (s. z. B. _Hempel_ 1687 [169]; _Waldheim. Lex._ 1726
[188]; _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. [251] u. a. m.), später _auch_
_Schowelle_ (s. z. B _Pfister bei Christensen_ 1814 [330]; _v. Grolman_
63 u. T.-G. 118; Thiele 311), _Schabolle_, _Schapolle_, _Schewelle_ u.
ä. (s. A.-L. 598 unter »Schibboles«). Ob auch das _gleichbed._
_Schambutter_ (so z. B. schon im _W.-B. des Konst. Hans_ 258 sowie im
19. Jahrh.) nur eine Weiterbildung desselben Stammes ist, wage ich nicht
zu entscheiden; wegen _der abweichenden Bedeutung_ zu trennen dürften
dagegen wohl sein _Schaffel_ (_Schaffehl_ oder _Schaffihl_) = Schüssel
(z. B. bei _Pfister bei Christensen_ 1814 [328] und _v. Grolman_ 58 u.
T.-G. 120) bezw. _Schaffel_ = Schlüssel (z. B. bei _Falkenberg_ 1818
[334]). _Etymologie_: Der Ausdruck darf wohl mit A.-L. 598 hergeleitet
werden vom hebr. _schibbôlet_ = Ähre (Kornähre), woraus die
Begriffserweiterung zu »Scheune« u. dgl. unschwer zu erklären ist.]

schießen, _schnelle_[1784]                                                [65.36]

Schießgewehr, _Klass_[1785], _Schnelle_[1784]

Schießhaus, _Klasskitt_[1786]

Schießpulver, _Kuiete_[1787]

Schilf, _Flu(h)tekupfer_ (d. h. »Wassergras«)[1788]

Schimmel, _Trabert_[1789]; vgl. die Bemerkung unter »Rappe«

schimpfen, _stämpfen_[1779]

Schinken, _Schwärzlingbossert_ (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch-]
fleisch«)[1790]

Schirm (bes. Regenschirm), _Dächle_ (Spr.)[1791], _Flotscher_ od.
_Pflotscher(t)_ (Spr.)[1792]

Schirmflicker(in), _Dächlespflanzer(in)_ od. _Pflotscherpflanzer(in)_
(Spr.)[1793]

[Fußnote 1784: ([41] auf S. 65.36) S. abschießen.]

[Fußnote 1785: ([42] auf S. 65.36) S. Büchse.]

[Fußnote 1786: ([43] auf S. 65.36) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1787: ([44] auf S. 65.36) S. Mastpulver.]

[Fußnote 1788: ([45] auf S. 65.36) S. abbrühen u. Frucht.]

[Fußnote 1789: ([46] auf S. 65.36) S. Füllen.]

[Fußnote 1790: ([47] auf S. 65.36) S. Ofenruß u. Aas — An das in
_Schwär(z)ling_ steckende »schwarz« erinnert auch die Ausdrucksweise der
Zigeuner, die den Schinken (nach _Liebich_, S. 135 u. 236) durch
_gālo mass_, d. h. »_schwarzes_ (geräuchertes) Fleisch«, od.
_baléskĕro méllelo mass_, d. h. »_schwarzes_ Schweinefleisch«,
umschreiben.]

[Fußnote 1791: ([48] auf S. 65.36) _Zu_ _Dächle_ = (Regen-)Schirm s. die
_Zus._: _Dächlespflanzer(in)_ = Schirmflicker(in) (u. dazu
_Dächlespflanzerulma_ = Schirmflickerleute) u. _Dächlesrande_ =
Schirmsack (sämtl. in den Spr.). Der (in den Geheimsprachen sonst m.
Wiss. nicht gebräuchl.) Ausdruck ist wohl nur eine Weiterbildung
(verkleinerte Verkürzung) des (neueren) volkstüml. »Regendach« für
Regenschirm (vgl. dazu _Grimm_, D. W.-B. VIII, Sp. 519).]

[Fußnote 1792: ([49] auf S. 65.36) S. Fisch.]

[Fußnote 1793: ([50] auf S. 65.36) S. (betr. _-pflanzer[in]_)
anbrennen.]

Schirmflickerleute, _Dächlespflanzerulma_ (Spr.)[1794]                    [65.37]

Schirmsack, _Dächlesrande_ (Spr.)[1795]

schlachten, _deisen_[1796], _kaflere_[1797]

Schlächter, _Kafler_

Schlachthaus, _grandich Kaflerskitt_[1798]

schlafen, _durme_[1799], _schlaune_[1800]

schläfrig, _durmerich_[1799], _schlaunerich_[1800]

Schläge, _Doge_[1801], _Guffe_[1802], _Stenze_[1803]; vgl. Prügel

schlagen, _dogen_[1801], _guffen_[1802], _koberen_[1804],
_stenzen_[1803]; vgl. prügeln

Schlägerei, _Gufferei_[1802], _Hamore_[1805], _Stenzerei_[1803]

Schlamm, _Flu(h)tefu(h)l_ od. _Flu(h)teschund_ (d. h. eigtl.
»Wasserdreck«)[1806]

schlau, _kochem_[1807]

schlecht, _schofel_[1808]

[Fußnote 1794: ([51] auf S. 65.37) S. (betr. _Ulma_) arme Leute.]

[Fußnote 1795: ([52] auf S. 65.37) S. Bauch.]

[Fußnote 1796: ([53] auf S. 65.37) S. ermorden.]

[Fußnote 1797: ([54] auf S. 65.37) S. Fleischer.]

[Fußnote 1798: ([55] auf S. 65.37) S. (betr. _Kitt_) Abort; vgl.
Metzgerhaus.]

[Fußnote 1799: ([56] auf S. 65.37) S. aufwachen.]

[Fußnote 1800: ([57] auf S. 65.37) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1801: ([58] auf S. 65.37) S. abgeben.]

[Fußnote 1802: ([59] auf S. 65.37) S. aufschlagen.]

[Fußnote 1803: ([60] auf S. 65.37) S. Ast.]

[Fußnote 1804: ([61] auf S. 65.37) S. dazu _verkobere_ = verhauen. —
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Pfulld. J.-W.-B._ 337, 343, 345
(_koberen_ = auspeitschen, prügeln, schlagen, _makoberen_ od.
_mulkobern_ = totschlagen [s. betr. _mul_ = tot (aus dem Zigeun.):
_Groß'_ Archiv, Bd. 46, S. 81], _Koberei_ = Schlag, Streich); _Schwäb.
Händlerspr._ 486 (_Koprement[e]_ = Schläge). Im sonst Rotw. selten; s.
jedoch z. B. noch _v. Grolman_, _Aktenmäß. Gesch._ 1813 (312: _Koberment
gedockt_ = Schläge gegeben). Die _Etymologie_ ist zweifelhaft.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 627 hat zu _Koprement_ das ital.
_coprire_ = »zudecken« (mit einem Fragezeichen) herangezogen. Nach
_Grimm_, D. W.-B. V, Sp. 1546, Nr. 3, lit. g u. Sp. 1547 soll das in
deutschen Mundarten verbreitete _kobern_ = »durchprügeln« (auch _Kober
kriegen_ = »Prügel kriegen« u. ä. m.) entstanden sein aus dem latein.
_recuperare_ = »sich erholen« (vielleicht in scherzhafter Anwendung),
das jedoch zugleich wohl auch mit einem abgestorbenen _germanischen_
Stamm verwachsen sei.]

[Fußnote 1805: ([62] auf S. 65.37) S. Fehde.]

[Fußnote 1806: ([63] auf S. 65.37) S. abbrühen u. Abort bezw. abgerahmte
Milch. — Bei den Zigeunern wird der Schlamm (nach _Liebich_, S. 164 u.
236 durch _sāno tschikk_, d. h. »dünner Schmutz«, umschrieben.]

[Fußnote 1807: ([64] auf S. 65.37) S. besonnen.]

[Fußnote 1808: ([65] auf S. 65.37) S. arg.]

schließen, _beschrenken_[1809]                                            [65.38]

Schließer, _Beschrenker_

Schlosser, _Glitschinpflanzer_[1810]

Schloß (Gebäude), _dofe Kitt_ (d. h. »schönes Haus«)[1811]

schluchzen, _glemsen_[1812]

schlummern, _durme_[1813], _schlaune_[1814]

Schlüssel, _Glitschin_[1815]

Schmach, _Lenk_, _Schofel_ (subst. Adj.)[1816]

schmähen, _stämpfen_ od. _stumpfen_[1817]

Schmäher, _Stämpfer_

Schmalz, _Schmunk_[1818]

schmalzen, _schmunken_

Schmaus, _Bikus_, _Butterei_, _Kahlerei_[1819]

schmausen, _achilen_[1820], _biken_, _butten_[1819]

schmecken, (= riechen), _muffen_[1821]

schmeißen, _plotzen_[1822]

schmelzen (richtiger wohl: schmalzen), _schmunken_[1818]

Schmiere, _Schmunk_[1818]

schmierig, _schundich_[1823]

Schmutz, _Schund_[1823]

schmutzig, _schundich_ od. _schondich_ (Spr.)

Schnabel, _Muffer_[1821]

Schnaps s. Branntwein

Schnauze, _Giel_[1824]

Schneider, _Stichler_; Schneiderin, _Stichlere_[1825]

[Fußnote 1809: ([66] auf S. 65.38) S. abschließen.]

[Fußnote 1810: ([67] auf S. 65.38) S. Dietrich u. anbrennen.]

[Fußnote 1811: ([68] auf S. 65.38) S. angenehm u. Abort.]

[Fußnote 1812: ([69] auf S. 65.38) S. ausweinen.]

[Fußnote 1813: ([70] auf S. 65.38) S. aufwachen.]

[Fußnote 1814: ([71] auf S. 65.38) S. ausschlafen.]

[Fußnote 1815: ([72] auf S. 65.38) S. Dietrich.]

[Fußnote 1816: ([73] auf S. 65.38) S. (zu beiden Ausdr.) arg; vgl.
»Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 vbd. m. S. 8, Anm. 20.]

[Fußnote 1817: ([74] auf S. 65.38) S. Ärger.]

[Fußnote 1818: ([75] auf S. 65.38) S. Bratkartoffeln.]

[Fußnote 1819: ([76] auf S. 65.38) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 1820: ([77] auf S. 65.38) S. essen.]

[Fußnote 1821: ([78] auf S. 65.38) S. Aas.]

[Fußnote 1822: ([79] auf S. 65.38) S. bewerfen.]

[Fußnote 1823: ([80] auf S. 65.38) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 1824: ([81] auf S. 65.38) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1825: ([82] auf S. 65.38) S. aufnähen.]

Schneidersfrau, _Stichlersmos(s)_[1826]                                   [65.39]

schnupfen, _Toberich muffe_ (d. h. »Tabak riechen«)[1827]

schön, _dof_[1828]

Schoppen, _Glansert_[1829], _Nolle_[1830]

Schoppenglas, _Blambglansert_ (d. h. »Bierglas«)[1829]

Schreck(en), _Bauser_[1831]

schreiben, _feberen_[1832]

Schreiben (= Schreiberei, Schrift), _Feberei_[1832], (= Brief),
_Kritzler_[1833]

Schreiber, _Feberer_

Schreibtisch, _Feberklettert_[1834]

schreien, _glemsen_[1835]

Schrift, _Feberei_[1832], _Kritzler_[1833]

Schriftgelehrter, _grandich Feberer_[1836]

schriftlich, _gefebert_ (d. h. »geschrieben«)[1832]

Schuh, _Tritt_[1837], _Trittling_[1838]

Schuhmacher, _Trittlengspflanzer_[1839]

[Fußnote 1826: ([83] auf S. 65.39) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 1827: ([84] auf S. 65.39) S. Pfeife u. Aas. — Sachlich
übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 160, 238 u. 244
(_me sungāwa tuwăli_, d. h. »ich rieche Tabak«, = ich schnupfe.)]

[Fußnote 1828: ([85] auf S. 65.39) S. angenehm.]

[Fußnote 1829: ([86] auf S. 65.39) S. Bierglas.]

[Fußnote 1830: ([87] auf S. 65.39) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 1831: ([88] auf S. 65.39) S. Angst.]

[Fußnote 1832: ([89] auf S. 65.39) S. abschreiben; betr. _gefebert_ =
schriftlich vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36.]

[Fußnote 1833: ([90] auf S. 65.39) S. Attest.]

[Fußnote 1834: ([91] auf S. 65.39) Mit _Klettert_ (= Tisch [Tafel]) sind
weiter noch zusammengesetzt: a) im Anfang: _Klettertpflanzer_ =
Tischler; b) am Ende: _Koeleklettert_ = »Teufelstisch« (?). _Zu vgl._
(aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Glettert_ =
Tisch); _W.-B. des Konst. Hans_ 259 (_Kleppert_ = Tisch). Zur
_Etymologie_: Ohne Zweifel ist die ältere Form _Glettert_ (aus der durch
mundartl. Aussprache leicht _Klettert_ entstehen konnte) richtiger als
_Kleppert_ und (wie auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 676 meint)
nichts anderes als das ältere _Glattert_ (s. z. B. _A. Hempel_ 1687
[167] u. _Waldh. Lex._ 1726 [190]), das seinerseits dem noch älteren
_Glatthart_ u. ä. (s. _Lib. Vagat._ 53 u. schon bei _G. Edlibach_ um
1490 [20: _Glatthar_]) entspricht (mit Bez. auf die Glätte der
Tischplatte; vgl. im _Pfulld. J.-W.-B._ 345: _Glatt_ = Tisch). S.
_Stumme_, S. 24; _Günther_, Rotwelsch, S. 59; vgl. auch _Pott_ II, S. 34
u. A.-L. IV, S. 282/83 sowie schon »Vorbemerkg.«, S. 10.]

[Fußnote 1835: ([92] auf S. 65.39) S. ausweinen.]

[Fußnote 1836: ([93] auf S. 65.39) S. (betr. _grandich_) Adler; vgl.
Bischof.]

[Fußnote 1837: ([94] auf S. 65.39) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1838: ([95] auf S. 65.39) S. Ferse.]

[Fußnote 1839: ([96] auf S. 65.39) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

Schulden, _Bomma_[1840], _Keif_[1841]                                     [65.40]

Schule, _Plaudererskitt_[1842], auch _Plauderei_ (Spr.)

Schullehrer, _Galmeguffer_[1843], _Plauderer_[1842]

Schultheiß, _Kritsch_, _Schar(r)le_[1844]

Schuppen, _Schaffel_[1845]

Schürze, _Fürflamme_[1846]

Schüssel, _Schottel_[1847]

Schuster s. Schuhmacher

Schustersfrau, _Trittlingpfanzersmos(s)_[1848]

Schutzmann s. Polizeidiener

schwachsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_[1849]

Schwalbe, _Furschetefläderling_ (d. h. »Gabelvogel«, nach der
gabelförmigen Gestalt des Schwanzes)[1850]

Schwan, _grandich Babing_ od. _Strohbutzer_ (d. h. etwa »[sehr] große
Gans«)[1851]

schwanger, _grandiche Rande_ (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[1852]

schwanger gehen, _grandiche Rande bosten_[1853]

Schwarzbrot, _Schoflelehm_ od. _Schofellechem_ (Spr.) (d. h. »schlechtes
Brot«)[1854]

Schwarzkünstler, _Finkelkaffer_[1855]

Schwätzer, _Schmuser_[1856]

schweigen, _(sich) schupfen_, _sich aufschupfen_ (schweig still,
_schupfte_ [Spr.], _schupf dich [auf]_)[1857]

[Fußnote 1840: ([97] auf S. 65.40) S. borgen.]

[Fußnote 1841: ([98] auf S. 65.40) S. Borg (auf —)]

[Fußnote 1842: ([99] auf S. 65.40) S. Lehrer u. Abort.]

[Fußnote 1843: ([100] auf S. 65.40) S. brauchbares Kind u. aufschlagen;
vgl. Lehrer.]

[Fußnote 1844: ([101] auf S. 65.40) S. (zu beiden Ausdr.)
Bürgermeister.]

[Fußnote 1845: ([102] auf S. 65.40) S. Scheune.]

[Fußnote 1846: ([103] auf S. 65.40) S. Frauenschürze.]

[Fußnote 1847: ([104] auf S. 65.40) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1848: ([105] auf S. 65.40) S. Ferse, anbrennen u. Bauernfrau.]

[Fußnote 1849: ([106] auf S. 65.40) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1850: ([107] auf S. 65.40) S. Gabel u. Adler. — Sachl.
übereinstimmend auch die Zigeunerspr. (_forschettākro tschirkŭlo_,
d. h. »Gabelvogel«, — neben _forschettākri porin_, d. h.
»Gabelschwanz«); s. _Liebich_, S. 135 u. 239.]

[Fußnote 1851: ([108] auf S. 65.40) S. Adler u. Gans; vgl. Bischof. —
Dieselbe Art der Umschreibung kennen die Zigeuner; s. _Liebich_, S. 239
(_bāri pāpin_, d. h. »große Gans« = Schwan); vgl. schon
»Vorbemerkung«, S. 17.]

[Fußnote 1852: ([109] auf S. 65.40) S. Adler u. Bauch.]

[Fußnote 1853: ([110] auf S. 65.40) S. (betr. _bosten_) abgehen.]

[Fußnote 1854: ([111] auf S. 65.40) S. arg u. Bäcker.]

[Fußnote 1855: ([112] auf S. 65.40) S. behext u. Bauer.]

[Fußnote 1856: ([113] auf S. 65.40) S. ansagen.]

[Fußnote 1857: ([114] auf S. 65.40) S. aufhören.]

Schwein, _Balo_, _Groenikel_[1858]                                        [65.41]

Schweinefleisch, _Groenikelbossert_[1859]

Schweinehändler, _Groenikelkemerer_[1860]

Schweinehirt s. Sauhirt

Schweinemetzger, _Groenikelkafler_[1861]

Schweinestall s. Saustall.

Schweinezitzen, _Groenikelschwächerle_[1862]

Schweinsborsten, _Groenikelstrauberts_[1863]

Schwert, _Latt_[1864]

Schwester, _Glied_[1865], _Model_[1866]; vgl. Geschwister

Schwiegersohn s. Tochtermann.

Schwindsucht, _grandich Begerisch_[1867]

schwitzen (ich schwitze, _Flu[h]te bostet mer herab_, d. h. »das Wasser
läuft mir herab«)[1868]

See, _Flu(h)te_[1868]

Seehund, _Flu(h)tekib_[1869]

sehen, _linzen_[1870]

sei ruhig (still) s. schweigen

Seiltänzer, _Schnurrant_[1871]

Semmel (Weck), _Kechelte_[1872]

Sense, _Kupfersore_ (d. h. etwa »Grasding«)[1873]

Sessel, _Sitzleng_[1874]

[Fußnote 1858: ([115] auf S. 65.41) S. (zu beiden Ausdr.) Eber.]

[Fußnote 1859: ([116] auf S. 65.41) S. (betr. _Bossert_) Aas.]

[Fußnote 1860: ([117] auf S. 65.41) S. abkaufen.]

[Fußnote 1861: ([118] auf S. 65.41) S. Fleischer.]

[Fußnote 1862: ([119] auf S. 65.41) S. Amme.]

[Fußnote 1863: ([120] auf S. 65.41) S. Augenbrauen.]

[Fußnote 1864: ([121] auf S. 65.41) S. Degen.]

[Fußnote 1865: ([122] auf S. 65.41) S. Bruder.]

[Fußnote 1866: ([123] auf S. 65.41) S. Beischläferin.]

[Fußnote 1867: ([124] auf S. 65.41) S. Adler u. absterben; vgl. Bischof;
s. auch (betr. die Substantivierung des Adj) »Vorbemerkg.«, S. 15, Anm.
38.]

[Fußnote 1868: ([125] auf S. 65.41) S. abbrühen u. abgehen. — Sachlich
übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. das Näh. schon in der
»Vorbemerkg«, S. 17, Anm. 44 a. E. vbd. mit _Liebich_, S. 240 (unter
»schwitzen«).]

[Fußnote 1869: ([126] auf S. 65.41) S. (betr. _Kib_) Haushund.]

[Fußnote 1870: ([127] auf S. 65.41) S. anschauen.]

[Fußnote 1871: ([128] auf S. 65.41) S. Äquilibrist.]

[Fußnote 1872: ([129] auf S. 65.41) S. Milchbrötchen.]

[Fußnote 1873: ([130] auf S. 65.41) S. Frucht u. Brücke. — Im Zigeun.
heißt (nach _Liebich_, S. 164 u. 240) die Sense _kasséskĕri
tschinamáskĕri_, d. h. »ein Heuschneideding« (zu _kass_ = Heu), od.
wohl auch bloß _tschinamáskĕri_.]

[Fußnote 1874: ([131] auf S. 65.41) S. Bank.]

Seuche, _Begerei_[1875]                                                   [65.42]

Siechenhaus s. Krankenhaus; vgl. Spital

Siechtum, _Begerisch_[1875]

Signalement, _Giel_ (d. h. »Gesicht«)[1876]

singen, _schallen_[1877]

Singvogel, _Schallerfläderling_[1878]

sinnlos, _ni(e)sich_, _nillich_[1879]

sittsam, _dof_[1880]

sitzen (niedersitzen), _hauren_[1881], _schef(f)ten_[1882]

Socken, _Kafferstreifling_ (d. h. »Männerstrümpfe«)[1883]

Sohn, _Bengesle_[1884], _Fi(e)sele_[1885], _Freierle_[1886], auch
_Glied_[1887]

Sold, _Bich_[1888], _Lobe_[1889], _Pfreimerei_[1890]

Soldat, _Lanenger_[1891]

Soldaten, _Lanengere_

Soldatenfrau, _Lanengermos(s)_[1892]

Soldatenmütze, _Lanengeroberman(n)_[1893]

Soldatenwirtschaft, _Lanengerbeiz_ od. _-kober_[1894]

Sonntag, _Bossertschei_ (d. h. »Fleischtag«)[1895] od. _Weisleng_[1896]

Sorge, _Bauser_[1897]

[Fußnote 1875: ([132] auf S. 65.42) S. absterben.]

[Fußnote 1876: ([133] auf S. 65.42) S. Affengesicht.]

[Fußnote 1877: ([134] auf S. 65.42) S. absingen.]

[Fußnote 1878: ([135] auf S. 65.42) S. (betr. _Fläderling_) Adler.]

[Fußnote 1879: ([136] auf S. 65.42) S. aberwitzig.]

[Fußnote 1880: ([137] auf S. 65.42) S. angenehm.]

[Fußnote 1881: ([138] auf S. 65.42) S. elend.]

[Fußnote 1882: ([139] auf S. 65.42) S. daher (a. E.)]

[Fußnote 1883: ([140] auf S. 65.42) S. Bauer u. Fußlappen.]

[Fußnote 1884: ([141] auf S. 65.42) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1885: ([142] auf S. 65.42) S. Bettelbube.]

[Fußnote 1886: ([143] auf S. 65.42) S. Fremder.]

[Fußnote 1887: ([144] auf S. 65.42) S. Bruder.]

[Fußnote 1888: ([145] auf S. 65.42) S. Almosen.]

[Fußnote 1889: ([146] auf S. 65.42) S. Bank.]

[Fußnote 1890: ([147] auf S. 65.42) S. abzahlen.]

[Fußnote 1891: ([148] auf S. 65.42) S. Hauptmann.]

[Fußnote 1892: ([149] auf S. 65.42) S. (betr. _Mos[s]_) Bauernfrau.]

[Fußnote 1893: ([150] auf S. 65.42) S. Fingerhut.]

[Fußnote 1894: ([151] auf S. 65.42) S. Gasthaus.]

[Fußnote 1895: ([152] auf S. 65.42) S. Aas u. alltäglich. — Auch die
Zigeuner kennen für Sonntag (neben dem einfachen _gurko_) die
Umschreibung _más(s)elo diwes_, d. h. ebenfalls »Fleischtag« (s.
_Liebich_, S. 145, 190 u. 241 sowie _Finck_, S. 55 u. 72), weil an
diesem Tage ausnahmsweise »Fleisch aufgetragen zu werden pflegt«
(_Liebich_, S. 85); vgl. auch schon »Vorbemerkg.«, S. 18.]

[Fußnote 1896: ([153] auf S. 65.42) S. Feiertag.]

[Fußnote 1897: ([154] auf S. 65.42) S. Angst.]

spähen, _linzen_[1898]                                                    [65.43]

Spätzle (schwäb. Mehlspeise), _Hegesle_ (Spr.)[1899]

Spätzlessuppe, _Hegesleschnall_ (Spr.)[1900]

spazieren (gehen), _bosten_[1901]

Speck, _Schmunkbossert_ (d. h. »Fettfleisch«)[1902]

Speicher, _Schaffel_[1903]

Speise, _Bikus_[1904]

Speisen (das), _Achilerei_[1905], _Bikerei_, _Butterei_,
_Kahlerei_[1904].

sperren (schließen), _beschrenken_[1906]

Spiegel, _Linzer_[1898]

Spiel (Musik), _Niklerei_[1907]

spielen (musizieren), _niklen_

Spieler (Musikant), _Nikler_

Spital, _Begerkitt_[1908]

Splitter, _Spräusle_[1909]

sprechen, _dibere_[1910], _schmusen_[1911]

Sprecher, _Diberer_, _Schmuser_

Spuk (Gespenst), _Schuberle_[1912]

Staar, _Fläderling_[1913]

Stab, _Spraus_[1909]

Stachel, _Stupfle_[1914]

Stadt, _Steinhäufle_[1915]

[Fußnote 1898: ([155] auf S. 65.43) S. anschauen.]

[Fußnote 1899: ([156] auf S. 65.43) S. Knödel.]

[Fußnote 1900: ([157] auf S. 65.43) S. (betr. _Schnall_) Metzelsuppe.]

[Fußnote 1901: ([158] auf S. 65.43) S. abgehen.]

[Fußnote 1902: ([159] auf S. 65.43) S. Bratkartoffeln u. Aas.]

[Fußnote 1903: ([160] auf S. 65.43) S. Scheune.]

[Fußnote 1904: ([161] auf S. 65.43) S. Abendessen.]

[Fußnote 1905: ([162] auf S. 65.43) S. essen.]

[Fußnote 1906: ([163] auf S. 65.43) S. abschließen.]

[Fußnote 1907: ([164] auf S. 65.43) S. aufspielen.]

[Fußnote 1908: ([165] auf S. 65.43) S. absterben u. Abort.]

[Fußnote 1909: ([166] auf S. 65.43) S. Baumholz.]

[Fußnote 1910: ([167] auf S. 65.43) S. anreden.]

[Fußnote 1911: ([168] auf S. 65.43) S. ansagen.]

[Fußnote 1912: ([169] auf S. 65.43) S. Gespenst.]

[Fußnote 1913: ([170] auf S. 65.43) S. Adler.]

[Fußnote 1914: ([171] auf S. 65.43) S. Dorn; vgl. Igel.]

[Fußnote 1915: ([172] auf S. 65.43) Mit _Steinhäufle_ sind
_zusammengesetzt_: a) _im Anfang_: _Steinhäuflesulme_ = Städter; b) _am
Ende_: _Patrissteinhäufle_ = Vaterstadt u. _Vorsteinhäufle_ = Vorstadt.
_Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99
(_Steinhäufle_ = Stadt); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (ebenso); _Schwäb.
Händlerspr._ 486 (desgl., nur in _Wolfach_ auch = Dorf [s. 480]). Zur
_Etymologie_ (Dimin. von dem humorist., im Rotw. schon seit dem 18.
Jahrh. [s. z. B. _Hildburgh. W.-B._ 1753 ff. (232)] auftretenden Ausdr.
_Steinhaufen_ = Stadt [s. A.-L. 611]) vgl. Näh. noch (z. B. auch über
_Verbindgn._ u. _Zus._ mit dem Worte zur Bezeichnung _bestimmter
Städte_) bei _Günther_ in der Zeitschr. »Die Polizei«, Jahrg. IV (1906),
S. 122/23. — Nach _Wittichs_ »Einleitung«, S. 27 soll für _Steinhäufle_
im Jenischen früher _Mogumle_ od. _Mokem_ gebräuchlich gewesen u.
_Mochum_ sogar noch jetzt üblich sein, obwohl es mehr für »Dorf«
vorzukommen scheint; vgl. Näh. unter »Dorf«.]

Städter, _Steinhäuflesulme_[1916]                                         [65.44]

Stall, _Stenkert_[1917]

Stamm, _Stöberspraus_[1918]

Stange, _grandicher Spraus_ (d. h. etwa »langes Holz«)[1919]

starr, _begert_ (d. h. »gestorben«, »tot«)[1920]

Starrkopf (Dickkopf), _grandicher Ki(e)bes_[1921]

stechen, _dupfen_[1922]

Steckbrief, _lenker_ od. _schofler Kritzler_ (d. h. »schlechter
Brief«)[1923] oder auch _Sprauskritzler_ (d. h. eigentl.
»Holzbrief«)[1924]

[Fußnote 1916: ([173] auf S. 65.44) S. (betr. _Ulme_) arme Leute.]

[Fußnote 1917: ([174] auf S. 65.44) S. Entenstall.]

[Fußnote 1918: ([175] auf S. 65.44) S. Apfelbaum u. Baumholz. Sachlich
übereinstimmend auch die Zigeunersprache; s. _Liebich_, S. 242
(_rukkéskĕro gascht_, eigtl. etwa »Baumholz«, = Stamm).]

[Fußnote 1919: ([176] auf S. 65.44) S. (betr. _grandich_) Adler; vgl.
Bischof. — Vgl. i. d. Zigeunerspr.: _bāro sāno gascht_, d. h.
»großes (langes) dünnes Holz«, = Stange; s. _Liebich_, 242.]

[Fußnote 1920: ([177] auf S. 65.44) S. absterben. — Vgl. auch im
Zigeun.: _mulo_ (eigtl. »tot«) = starr (_Liebich_, S. 242).]

[Fußnote 1921: ([178] auf S. 65.44) S. betr. (_Ki[e]bes_) Angesicht. —
Vgl. im Zigeun.: _pesso schēro_, d. h. »Dickkopf«, = Starrkopf
(_Liebich_, S. 242).]

[Fußnote 1922: ([179] auf S. 65.44) Zu _dupfen_ = stechen (auch als
Subst. _Dupfen_ = Stich, das Stechen) s. d. _Zus._ _Dupfsins_ =
Wundarzt. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._
101 (_vertupfen_ = verstechen); _Schöll_ 271 (_verdupfen_ = erstechen);
_Pfulld. J.-W.-B._ 339, 346 (_dupfen_ = verstechen, _verlupfen_ [lies:
verdupfen] = erstechen); _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 69 u. 75
(_dupfen_ = stechen, _tupfen_ = erstechen); _Schwäb. Händlerspr._ 486
(_dupfen_ = stechen). Auch sonst noch im (neueren) Rotw. gebr. (s. z. B.
_Schintermicherl_ 1807 (288: _tupfen_ = stechen], _Pfister bei
Christensen_ 1814 [319: _dupfen_ = stechen] u. a. m.). Zur _Etymologie_
(von unserem gemeinspr., bes. in Süddeutschl. gebräuchl. Zeitw. _tupfen_
= »gelinde spitz anstoßen«) s. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 472-73
(unter »tupfen«) vbd. mit _Weigand_, W.-B. II, Sp. 1088; vgl. auch
_Schmeller_, W.-B. I, Sp. 615.]

[Fußnote 1923: ([180] auf S. 65.44) S. arg u. Attest.]

[Fußnote 1924: ([181] auf S. 65.44) Vgl. (betr. _Spraus_) Anm. 1909. —
Es handelt sich hierbei um ein Wortspiel, indem man das »Steck-« in
Steckbrief als »Stecken« (= Stock, Holz) aufgefaßt und dann ins Jenische
übersetzt hat (vgl. Stock). Sachlich übereinstimmend auch die
Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 242 u. _Finck_, S. 70 (_gaschtĕno_
[od. kašteno] _līl_, d. h. eigtl. »hölzerner Brief« od.
»Steck¶en¶brief«, = Steckbrief neben _gālo_ [od. _kālo] līl_,
d. h. eigtl. »schwarzer Brief«); vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18, Anm.
46 u. 47.]

Stecken s. Stock                                                          [65.45]

Steg, _Strade_[1925]

stehlen, _schniffen_[1926], _schoren_ od. _z'schoren_ (Spr.)[1927]

Stein, _Hertling_[1928], _Kies_[1929]

steinern, _kiesich_[1929]

Steineule, _Begerfläderling_ (d. h. »Totenvogel«)[1930]; vgl. Käuzchen

Steinhauer, Steinmetz, _Hertlingsguffer_ oder _Kiesguffer_[1931]

Steinklopfer s. Steinhauer

Sterbebett, _Begersauft_[1932]

Sterbekleid, _Begerkluft_[1933]

sterben, _begeren_[1932]

Sterben (das), _Begerei_

sterblich, _begerisch_

Stern, _Leileschei_ (d. h. »Nachtlicht«)[1934]; vgl. Mond

Sternschnuppe, _Leileschei-Schund_ (d. h. »Nachtlichtschmutz«)[1935]

Steuern, _Bleisgeren_[1936], _Pfreimen_[1937]

Stich (= »das Stechen«), _Dupfen_[1938]

Stiefel, _Trittleng_[1939]

Stiefkind, _Schoflergalm_[1940]

[Fußnote 1925: ([182] auf S. 65.45) S. Chaussee.]

[Fußnote 1926: ([183] auf S. 65.45) S. anfassen.]

[Fußnote 1927: ([184] auf S. 65.45) S. ausstehlen.]

[Fußnote 1928: ([185] auf S. 65.45) S. Gestein.]

[Fußnote 1929: ([186] auf S. 65.45) S. Apfelkern.]

[Fußnote 1930: ([187] auf S. 65.45) S. absterben u. Adler; betr. die
Übereinstimmung mit d. Zigeunern s. Käuzchen.]

[Fußnote 1931: ([188] auf S. 65.45) S. (betr. _-guffer_) aufschlagen.]

[Fußnote 1932: ([189] auf S. 65.45) S. (betr. _Sauft_) Bett.]

[Fußnote 1933: ([190] auf S. 65.45) S. ankleiden.]

[Fußnote 1934: ([191] auf S. 65.45) S. Abend u. alltäglich.]

[Fußnote 1935: ([192] auf S. 65.45) S. (betr. _Schund_) abgerahmte
Milch.]

[Fußnote 1936: ([193] auf S. 65.45) S. anzahlen.

[Fußnote 1937: ([194] auf S. 65.45) S. abzahlen. — _Beide_ Ausdr.
bedeuten eigentl. nur »das Bezahlen«; vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm.
35. Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S.
242: _pleisserpenn_, d. h. »die Bezahlung«, = Steuer.]

[Fußnote 1938: ([195] auf S. 65.45) S. stechen; vgl. »Vorbemerkung«, S.
15, Anm. 35.]

[Fußnote 1939: ([196] auf S. 65.45) S. Entenfuß.]

[Fußnote 1940: ([197] auf S. 65.45) S. arg u. brauchbares Kind.]

Stiefmutter, _Schoflemamere_[1941]                                        [65.46]

Stiefvater, _Schoflerpatris_[1942]

Stier, _Hornigel_ (sic)[1943]

still schweigen (still sein) s. schweigen

stinken, _muffen_[1944]

stinkend, _muffich_ (mufig)

Stirn, _Ki(e)bis_ (sic)[1945]

Stock (Stecken), _Spraus_[1946], _Sprate_, _Stenz_[1947]

Stockmacher, _Sprauspflanzer_[1948]

stolz sein, _grandiche pflanzen_ (d. h. »den Großen machen«, »den großen
Herrn spielen«)[1949]

Storch, _grandich Flederling_ (wohl = »der größte Vogel«)[1950]

Strafe, _Strupf_[1951]; Strafe bezahlen, _Strupf bereimen_[1952]

strafen s. bestraft

Straße, _Strade_[1953]

Straßenarbeiter, _Stradeschenegler_[1954]

Straßenwärter, _Stradebenk_[1955]

Streichhölzer s. Zündhölzer

Streit, _Hamore_, _More_[1956]

Streiten (das), _Morerei_

streng, _lenk_, _schofel_[1957]

Streu, _Rauschert_[1958]

[Fußnote 1941: ([198] auf S. 65.46) S. (betr. _Mamere_) Amme]

[Fußnote 1942: ([199] auf S. 65.46) S. Eltern.]

[Fußnote 1943: ([200] auf S. 65.46) S. Bulle.]

[Fußnote 1944: ([201] auf S. 65.46) S. Aas.]

[Fußnote 1945: ([202] auf S. 65.46) S. Angesicht.]

[Fußnote 1946: ([203] auf S. 65.46) S. Baumholz.]

[Fußnote 1947: ([204] auf S. 65.46) S. (zu beiden Ausdr.) Ast.]

[Fußnote 1948: ([205] auf S. 65.46) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1949: ([206] auf S. 65.46) S. (betr. _grandiche_) Adler.]

[Fußnote 1950: ([207] auf S. 65.46) S. Adler; vgl. Bischof.]

[Fußnote 1951: ([208] auf S. 65.46) S. bestraft.]

[Fußnote 1952: ([209] auf S. 65.46) S. (betr. _bereimen_) bezahlen.]

[Fußnote 1953: ([210] auf S. 65.46) S. Chaussee.]

[Fußnote 1954: ([211] auf S. 65.46) S. (betr. _Schenegler_) abschaffen.]

[Fußnote 1955: ([212] auf S. 65.46) S. brauchbarer Bursche.]

[Fußnote 1956: ([213] auf S. 65.46) S. Fehde.]

[Fußnote 1957: ([214] auf S. 65.46) S. arg.]

[Fußnote 1958: ([215] auf S. 65.46) Zu _Rauschert_ = Streu, Stroh
(_Zus._: _Rauschertsauft_ = Streu- od. Strohlager, Strohbett) vgl. (aus
dem _verw. Quellenkr._): _Dolm. der Gaunerspr._ 99 (_Rauscher_ = Stroh);
_Schöll_ 271 (ebenso); _Pfulld. J.-W.-B._ 345 (_Rauschet_ = Stroh,
_Rauschkitt_ = Strohhaus); _Schwäb. Gaun.- u._ _Kundenspr._ 76
(_Rauscher_); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Rauschet_). Auch sonst im
Rotw. schon früh (seit d. _Basl. Betrügnissen_ um 1450 [16: _Ruschart_ =
Strohsack] u. _Lib. Vagat._ 54 [_Rauschart_, Bedtg. ebenso]) weit
verbreitet. Zur _Etymologie_ (vom »Rauschen« des Strohs) s. _Pott_ II,
S. 34; A.-L. 590; _Stumme_, S. 15, 21; _Günther_, Rotwelsch, S. 59.]

Streulager, _Rauschertsauft_[1959]                                        [65.47]

Stroh, _Rauschert_

Strohbett (Strohlager), _Rauschertsauft_

Strom, _Flu(h)te_[1960]

Strumpf, _Streifling_ (plur.: _Streiflinge_)[1961]

Strumpfwirker, _Streiflingpflanzer_[1962]

Stube, _Schrende_[1963]

Stuhl, _Sitzling_[1964]

stumm sein, _nobis dibere_ od. _schmuse_[1965] (d. h. »nicht[s]
sprechen«)[1966]

Stundenfrau (Methodistin), _Blibelmos(s)_[1967]

Stundenhaus (Methodistenhaus), _Blibelkitt_[1968]

Stundenleute (Methodisten), _Blibelulme_[1969]

Stundenmann (Methodist), _Blibelkaffer_[1970]

Stute, _Trabertmoss_ (d. h. eigtl. »Pferdefrau«, weibliches
Pferd)[1971]; vgl. Hengst

Summe, _Bich_[1972], _Lobe_[1973]

Suppe, _Schnall_[1974]

Süßigkeit, _Süs(s)ling_[1975]

[Fußnote 1959: ([216] auf S. 65.47) S. (betr. _Sauft_) Bett.]

[Fußnote 1960: ([217] auf S. 65.47) S. abbrühen.]

[Fußnote 1961: ([218] auf S. 65.47) S. Fußlappen.]

[Fußnote 1962: ([219] auf S. 65.47) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 1963: ([220] auf S. 65.47) S. Frauenstube.]

[Fußnote 1964: ([221] auf S. 65.47) S. Bank.]

[Fußnote 1965: ([222] auf S. 65.47) S. Dietrich u. anreden bezw.
ansagen.]

[Fußnote 1966: ([223] auf S. 65.47) Ähnlich auch in der Zigeunerspr.; s.
_Liebich_, S. 244 (unter »stumm sein«: _me naschti rakkerwāwa_, d. h.
»ich kann nicht reden«).]

[Fußnote 1967: ([224] auf S. 65.47) S. anbeten u. Bauernfrau.]

[Fußnote 1968: ([225] auf S. 65.47) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 1969: ([226] auf S. 65.47) S. arme Leute.]

[Fußnote 1970: ([227] auf S. 65.47) S. Bauer.]

[Fußnote 1971: ([228] auf S. 65.47) S. Füllen u. Bauernfrau. — Betr.
Analogie in der Zigeunerspr. s. schon oben unter »Hengst«.]

[Fußnote 1972: ([229] auf S. 65.47) S. Almosen.]

[Fußnote 1973: ([230] auf S. 65.47) S. Bank.]

[Fußnote 1974: ([231] auf S. 65.47) S. Metzelsuppe.]

[Fußnote 1975: ([232] auf S. 65.47) S. Kaffee.]


                                  T.                                      [65.48]

Tabak, _Toberich_[1976]; Tabak rauchen, _dämpfe_ oder _toberiche_[1976];
Tabak schnupfen, _Toberich muffe_ (d. h. »Tabak riechen«)[1977]

Tabaksbeutel, _Toberichrande_[1978] od. _Toberichreiber_[1979]

Tabakspfeife, _Toberichschure_[1980] od. auch bloß _Toberich_

Tafel, _Klettert_[1981]

Tag, _Schei_[1982]; Tag und Nacht, _Schei und Leile_[1983]

Taler, _drei Räp(p)le_ (d. h. »drei Mark«)[1984]

Tand, _Nobis_ (d. h. eigtl. »nichts«)[1985]

Tanne, _Jahrestöber_ od. _Kracherstöber_ (d. h. »Waldbaum«)[1986]

Tante (von väterl. Seite), _Patrisglied_[1987], (von mütterl. Seite),
_Mamereglied_[1988]; vgl. Oheim u. Neffe

Tanz, _Niklerei_[1989]

tanzen, _nikle_

Tänzer, _Nikler_, fem.: _Niklere_

Tasche, _Rande_[1990]

Taschenspieler, _Randeschnurrant_[1991]

Tasse, _Schottel_[1992]

Taube, _Fläderling_[1993]

[Fußnote 1976: ([233] auf S. 65.48) S. Pfeife.]

[Fußnote 1977: ([234] auf S. 65.48) S. Aas; vgl. schnupfen; daselbst
auch über die Zigeunersprache.]

[Fußnote 1978: ([235] auf S. 65.48) S. Bauch.]

[Fußnote 1979: ([236] auf S. 65.48) S. Beutel.]

[Fußnote 1980: ([237] auf S. 65.48) S. abbiegen.]

[Fußnote 1981: ([238] auf S. 65.48) S. Schreibtisch.]

[Fußnote 1982: ([239] auf S. 65.48) S. alltäglich.]

[Fußnote 1983: ([240] auf S. 65.48) S. Abend.]

[Fußnote 1984: ([241] auf S. 65.48) S. Mark.]

[Fußnote 1985: ([242] auf S. 65.48) S. Dietrich. — Sachlich
übereinstimmend auch die Zigeunerspr. nach _Liebich_, S. 244 (_Tschi_,
d. h. »nichts«, = Tand).]

[Fußnote 1986: ([243] auf S. 65.48) S. Ananas u. Apfelbaum; vgl. dazu
auch über die Zigeunerspr. »Vorbemerkung«, S. 19, Anm. 48.]

[Fußnote 1987: ([244] auf S. 65.48) S. Eltern u. Bruder.]

[Fußnote 1988: ([245] auf S. 65.48) S. (betr. _Mamere_) Amme. — Auch
von den Zigeunern wird für »Tante« unterschieden _dadéskĕri pēn_
u. _dākri pēn_, d. h. »väterliche (des Vaters)« u. »mütterliche
(der Mutter) Schwester«; s. _Liebich_, S. 244; vgl. dazu auch oben die
Anm. zu »Oheim«.]

[Fußnote 1989: ([246] auf S. 65.48) S. aufspielen.]

[Fußnote 1990: ([247] auf S. 65.48) S. Bauch.]

[Fußnote 1991: ([248] auf S. 65.48) S. (betr. _Schnurrant_)
Äquilibrist.]

[Fußnote 1992: ([249] auf S. 65.48) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 1993: ([250] auf S. 65.48) S. Adler.]

tauglich, _dof_ od. _duft_[1994], _g'want_[1995]                          [65.49]

Teich, _Flu(h)te_[1996]

Teller, _Schottel_[1992]

Tempel, _Duft_[1997]

Tenne, _Schaffel_[1998]

teuer, _grandich_[1993]

Teufel, _Koele_[1999]

Teufelsbraten, _Koelebossert_[2000]

Teufelstisch (?), _Koeleklettert_[2001]

teuflisch, _koelich_[1999]

Theater, _Niklerei_[1989]

Thee, _Süs(s)ling_[2002]

Tiegel, _Nolle_[2003], _Russling_[2004]

Tisch, _Klettert_[2001]

Tischler, _Klettertpflanzer_[2005]

Tochter, _Model_[2006], auch wohl _Glied_[2007]

Tochterkind, _Modelgalm_[2008]

Tochtermann, _Modelkaffer_[2009]

Tochtersohn, _Modelfi(e)sel_[2010]

Tollhaus, _Ni(e)sekitt_, _Nilleskitt_[2011]

Tollkopf, _Ni(e)seki(e)bes_, _Nilleki(e)bes_[2012]

Topf, _Nolle_[2003]

Töpfer, _Nollepflanzer_[2005]

Tor, _Ni(e)se_, _Nille_[2011]

[Fußnote 1994: ([251] auf S. 65.49) S. angenehm.]

[Fußnote 1995: ([252] auf S. 65.49) S. anmutig.]

[Fußnote 1996: ([253] auf S. 65.49) S. abbrühen.]

[Fußnote 1997: ([254] auf S. 65.49) S. Dom.]

[Fußnote 1998: ([255] auf S. 65.49) S. Scheune.]

[Fußnote 1999: ([256] auf S. 65.49) S. Satan.]

[Fußnote 2000: ([257] auf S. 65.49) S. (betr. _Bossert_) Aas.]

[Fußnote 2001: ([258] auf S. 65.49) S. (betr. _Klettert_) Schreibtisch.]

[Fußnote 2002: ([259] auf S. 65.49) S. Kaffee.]

[Fußnote 2003: ([260] auf S. 65.49) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2004: ([261] auf S. 65.49) S. Kessel.]

[Fußnote 2005: ([262] auf S. 65.49) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 2006: ([263] auf S. 65.49) S. Beischläferin.]

[Fußnote 2007: ([264] auf S. 65.49) S. Bruder.]

[Fußnote 2008: ([265] auf S. 65.49) S. (betr. _Galm_) brauchbares Kind.]

[Fußnote 2009: ([266] auf S. 65.49) S. Bauer.]

[Fußnote 2010: ([267] auf S. 65.49) S. Bettelbube.]

[Fußnote 2011: ([268] auf S. 65.49) S. aberwitzig u. Abort.]

[Fußnote 2012: ([269] auf S. 65.49) S. (betr. _Ki[e]bes_) Angesicht.]

töricht, _ni(e)sich_, _nillich_                                           [65.50]

Tornister, _Rande_[1990]

tot, _begert_ (d. h. »gestorben«)[2013]

töten (totmachen, totschlagen [Spr.]), _deisen_[2014]

Totenbahre, _Begersore_[2015]

Totenbett, _Begersauft_[2016]

Totengeruch, _begerische Mufferei_[2017]

Totengräber, _Begerkaffer_[2018]; vgl. auch Leichenbeschauer

Totenschein, _Begerkritzler_[2019]

Totschläger, _Deiser_[2014]; vgl. Mörder

Tracht (Kleidung), _Kluft_[2020]

trächtig, _grandiche Rande_ (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[2021]; vgl.
schwanger

tragen, _buk(e)le(n)_ (Spr.)[2022]

Tränen, _Glemsen_ (substantivierter Infinitiv)[2023]

Trank, _Schwächerei_[2024]

Tränke (Viehtränke), _Schwäche_[2024]

Traube, _Säftling_[2025]; vgl. Weintraube

traurig, _schofel_ (Spr.)[2026]

treu, _dof_[2024]

treulos, _lenk_, _schofel_[2026] od. _nobis dof_[2027]

trinken, _schwächen_[2024]

Trinkgelage, _Schwächerei_

Trinkgeschirr, _Schwächglansert_ (eigentl. »Trinkglas«)[2028],
_Schwächnolle_ (eigtl. »Trinktopf«)[2029] od. _Schwächschottel_ (eigtl.
»Trinkschüssel«)[2030]

[Fußnote 2013: ([270] auf S. 65.50) S. absterben; vgl. »Vorbemerkg.«, S.
15, Anm. 36.]

[Fußnote 2014: ([271] auf S. 65.50) S. ermorden.]

[Fußnote 2015: ([272] auf S. 65.50) S. (betr. _Sore_) Brücke.]

[Fußnote 2016: ([273] auf S. 65.50) S. Bett.]

[Fußnote 2017: ([274] auf S. 65.50) S. Aas.]

[Fußnote 2018: ([275] auf S. 65.50) S. Bauer.]

[Fußnote 2019: ([276] auf S. 65.50) S. Attest.]

[Fußnote 2020: ([277] auf S. 65.50) S. ankleiden.]

[Fußnote 2021: ([278] auf S. 65.50) S. Adler u. Bauch.]

[Fußnote 2022: ([279] auf S. 65.50) S. abtragen.]

[Fußnote 2023: ([280] auf S. 65.50) S. ausweinen; vgl. »Vorbemerkung«,
S. 15, Anm. 35.]

[Fußnote 2024: ([281] auf S. 65.50) S. Amme.]

[Fußnote 2025: ([282] auf S. 65.50) S. Ananas.]

[Fußnote 2026: ([283] auf S. 65.50) S. arg.]

[Fußnote 2027: ([284] auf S. 65.50) S. angenehm.]

[Fußnote 2028: ([285] auf S. 65.50) S. (betr. _nobis_) Dietrich.]

[Fußnote 2029: ([286] auf S. 65.50) S. (betr. _Glansert_) Bierglas.]

[Fußnote 2030: ([287] auf S. 65.50) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2031: ([288] auf S. 65.50) S. Aschenbecher.]

Trinkglas, _Schwächglansert_                                              [65.51]

Trinkschale, _Schwächschottel_

Tropf, _Ni(e)se_, _Nille_[2031]

Trotz (Zorn) _Stumpf_[2032]

trotzig (zornig), _stumpfich_

trübe, _schundich_ (d. h. eigtl. »schmutzig«)[2033]

Trübsal, _nobis Dof_ (d. h. »nicht gut, nichts Gutes«)[2034][2027]; vgl.
Übel

trunken (betrunken), _geschwächt_[2024]; vgl. berauscht

Trunkenheit, _Schwächer_

Truppen, _Lanengere_ (d. h. »Soldaten«)[2035]

Tuch (Gewebe), _Bochdam_[2036]

Tuchmacher, _Bochdampflanzer_[2037]

tüchtig, _duft_[2038], _g'want_[2039]

tückisch, _lenk_, _schofel_[2026]

tugendhaft, _dof_[2038]


                                  U.

übel (zum Übergeben, Erbrechen schlecht), _gielerich_ (Spr.)[2040]

Übel (das), _nobis Dofs_ (d. h. »nichts Gutes«)[2027][2034] vgl. Trübsal

Überfluß, _grandich Schure_ od. _Sore_[2041]; vgl. Reichtum

übergeben (sich) (= sich erbrechen), _giele_[2040]

Übergeben (das) (= Erbrechen), _Giele_

übermütig sein, _grandiche pflanzen_[2042]; vgl. stolz sein

übernachten, auch das Übernachten erlauben (v. S. des Wirtes), _fehten_
(Spr.)[2043]

übernachten, im Freien —, _Blatt_ (blatt) _pflanzen_ (Spr.)[2044]

[Fußnote 2032: ([289] auf S. 65.51) S. aberwitzig.]

[Fußnote 2033: ([290] auf S. 65.51) S. Ärger.]

[Fußnote 2034: ([291] auf S. 65.51) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 2035: ([292] auf S. 65.51) Vgl. dazu »Vorbemerkung« S. 15, Anm.
38 vbd. m. S. 7, Anm. 16.]

[Fußnote 2036: ([293] auf S. 65.51) S. Hauptmann.]

[Fußnote 2037: ([294] auf S. 65.51) S. Barchent.]

[Fußnote 2038: ([295] auf S. 65.51) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 2039: ([296] auf S. 65.51) S. anmutig.]

[Fußnote 2040: ([297] auf S. 65.51) S. Affengesicht.]

[Fußnote 2041: ([298] auf S. 65.51) S. Adler u. abbiegen bezw. Brücke;
vgl. Bischof.]

[Fußnote 2042: ([299] auf S. 65.51) S. Adler u. anbrennen.]

[Fußnote 2043: ([300] auf S. 65.51) S. Hauswirt.]

[Fußnote 2044: ([301] auf S. 65.51) In dem _verw. Quellenkr._ m. Wiss.
unbekannt; dagegen kennt die _Wiener Gaunerspr._ nach _Pollak_ 207
_Blatt machen_ = »unter freiem Himmel schlafen«. Das _Blatt_ (= _blatt_)
in diesen Redensarten aber ist offenbar nur eine mundartliche Form für
_platt_, was sich ergibt aus den sonst weiter verbreiteten neueren
gauner- und kundensprachlich. _gleichbedeut._ Wendungen _platt machen_,
_platt_ od. (eine) _Platte(n) reißen_ (s. _Lindenberg_ 188; _Groß_ 484;
_Rabben_ 102; Ku. II [423], III [427], IV [432]; _Schütze_ 83; _Pollak_
[Ku.] 190; _Ostwald_ [Ku.] 114; vgl. auch _Weber_ im Archiv, Bd. 59, S.
283) — wofür in der älteren Zeit auch _platte Penne machen_ (s. z. B.
schon _Hermann_ 1818 [336]; _Krünitz Enzyklopädie_ 1820 [352]; _Thiele_
292; _Zimmermann_ 1847 [384]; A.-L. 584) —, worin sich das »platt«
(bzw. »Platte«) auf das Liegen auf der »platten« Erde bezieht.]

Überrock, _Malfes_[2045]                                                  [65.52]

überschreiben, _überfeberen_[2046]

übersehen, _überlinzen_[2047]

Uhr, _Gluber_ (Gluper [Spr.]), _Kluper_ (Spr.) od. _Luber_[2048], auch
_Gengle_[2049]

Uhrgehäuse, _Luberkitt_[2050]

Uhrkette, _Luberschlang_, _Gluperschlang_ (Spr.)[2051]

Uhrmacher, _Genglespflanzer_, _Luberpflanzer_[2037]

Uhrschlüssel, _Luberglitschin_[2052]

Uhrtasche, _Luberrande_[2053]

umblicken, _umlinzen_[2044]

umbringen (töten), _deise_[2054]

umfahren, _umruadle_[2055]

umfallen, _umbohle_[2056]

umhergehen, _umherbosten_[2057]

umhertanzen, _umhernikle_[2058]

umhertragen, _umherbukle_[2059]

[Fußnote 2045: ([302] auf S. 65.52) S. Frauenrock.]

[Fußnote 2046: ([303] auf S. 65.52) S. abschreiben.]

[Fußnote 2047: ([304] auf S. 65.52) S. anschauen.]

[Fußnote 2048: ([305] auf S. 65.52) S. Rathausuhr.]

[Fußnote 2049: ([306] auf S. 65.52) Zu _Gengle_ = Uhr (u. dazu die
_Zus._ _Genglespflanzer_ = Uhrmacher) _zu vgl._ in der _schwäb.
Händlerspr._ (487) _Gängling_ = Uhr und _Gänglingpflanzer_ = Uhrmacher,
wo die Schreibung mit ä deutlicher auf die Ableitung des Wortes von
»Gang« (mit Bez. auf das »Gehen« der Uhr) hinweist; s. _Groß'_ Archiv,
Bd. 46, S. 31 sowie auch _Fischer_, Schwäb. W.-B. III, Sp. 46; vgl. auch
die ähnliche Auslegung des Synon. _Luper_ (oben unter »Rathausuhr«).]

[Fußnote 2050: ([307] auf S. 65.52) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 2051: ([308] auf S. 65.52) S. Halskette.]

[Fußnote 2052: ([309] auf S. 65.52) S. Dietrich.]

[Fußnote 2053: ([310] auf S. 65.52) S. Bauch.]

[Fußnote 2054: ([311] auf S. 65.52) S. ermorden.]

[Fußnote 2055: ([312] auf S. 65.52) S. abfahren.]

[Fußnote 2056: ([313] auf S. 65.52) S. abfallen.]

[Fußnote 2057: ([314] auf S. 65.52) S. abgehen.]

[Fußnote 2058: ([315] auf S. 65.52) S. aufspielen.]

[Fußnote 2059: ([316] auf S. 65.52) S. abtragen.]

umkommen (sterben), _begere_[2060]                                        [65.53]

umschauen, _umlinzen_[2047]

umsonst, _nobis_ (eigtl. = »nichts«)[2061]

umwerfen, _umbohle(n)_ (Spr.)[2056]

unanständig, _schofel_[2062]

unbedeckt, _nobis ankluftet_ (d. h. »nicht angekleidet«)[2063]

unbekannt, _gneis nobis_ (d. h. »[ich] kenne [es] nicht«)[2064]

unecht, _nobis dof_ (d. h. »nicht gut«)[2065]

Unflat, _Schund_[2066]

unflätig, _schundich_

ungekocht, _nobis gesichert_[2067]

Ungeziefer, _Keneme_[2068]

ungläubig, _nobis wo(h)nisch_ (d. h. »nicht katholisch«)[2069], _nobis
gril(l)isch_ (d. h. »nicht evangelisch«)[2070], _nobis diboldisch_ (d.
h. »nicht jüdisch«)[2071]

Unglück, _Schofelei_[2062]

Unglücksvogel, _Schofeleifläderling_[2072]; vgl. auch Rabe

ungültig, _hauret nobis_ (d. h. »[es] ist nichts«)[2073]

unkeusch, _nobis dof_[2065]

unklug, _ni(e)sich_, _nillich_[2074]

Unkraut, _Koelesgroenert_ (d. h. »Teufelskraut«)[2075]

unnütz, _nobis_ (d. h. eigtl. »nichts«)[2061]

unpäßlich, _begerisch_[2076]

[Fußnote 2060: ([317] auf S. 65.53) S. absterben.]

[Fußnote 2061: ([318] auf S. 65.53) S. Dietrich.]

[Fußnote 2062: ([319] auf S. 65.53) S. arg.]

[Fußnote 2063: ([320] auf S. 65.53) S. (betr. _ankluftet_) ankleiden.]

[Fußnote 2064: ([321] auf S. 65.53) S. (betr. _gneis_) erkennen; vgl.
»Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 a. E.]

[Fußnote 2065: ([322] auf S. 65.53) S. (betr. _dof_) angenehm.]

[Fußnote 2066: ([323] auf S. 65.53) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 2067: ([324] auf S. 65.53) S. abkochen.]

[Fußnote 2068: ([325] auf S. 65.53) S. Filzlaus.]

[Fußnote 2069: ([326] auf S. 65.53) S. Katholik.]

[Fußnote 2070: ([327] auf S. 65.53) S. evangelisch.]

[Fußnote 2071: ([328] auf S. 65.53) S. Jude.]

[Fußnote 2072: ([329] auf S. 65.53) S. (betr. _Fläderling_) Adler.]

[Fußnote 2073: ([330] auf S. 65.53) S. unter »elend«; vgl.
»Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36 a. E.]

[Fußnote 2074: ([331] auf S. 65.53) S. aberwitzig.]

[Fußnote 2075: ([332] auf S. 65.53) S. Satan u. Gemüse. — Sachlich
übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_ 127 u. 249 vbd. mit
_Finck_, S. 55 (_bengéskĕro_ [od. -ri] _trāb_ [od. drāw], d. h.
»des Teufels Kraut« od. noch genauer »teuflische Wurzel«, = Unkraut);
vgl. auch »Vorbemerkung«, S. 18.]

[Fußnote 2076: ([333] auf S. 65.53) S. absterben.]

Unrat, _Schund_[2077]                                                     [65.54]

unrein, _schundich_[2077]

unrichtig, _nobis dof_[2075]

unsauber, _schundich_[2074]

Unschlitt, _Horboge-_ od. _Hornikelschmunk_ (d. h. »Rinds- od.
Ochsenfett«)[2078]

unschuldig, _dof_[2065]

unsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_[2074]

unsittlich, _schofel_[2062]

unsterblich, _begert nobis_ (d. h. »stirbt nicht«)[2076][2079]

untauglich, _nobis dof_[2075]

unten, _unterkünftig_[2080]

untergehen, _unterbosten_[2081]

Unterkleid, _unterkünftige Kluft_[2082]

Unterrock, _unterkünftiger Malfes_[2083]

unterschreiben, _unterfebere_[2084]

Untersuchung, _Diberei_[2085] od. _Schmuserei_[2086] (d. h. [beides]
etwa = »Fragerei«)[2087]

untreu, _nobis dof_[2065]

unverehelicht (unverheiratet), _nobis vergrönt_[2088]

unverletzt, _nobis begerisch_[2076]

unvernünftig, _hegelich_[2089], _ni(e)sich_, _nillich_ od.
_nuschich_[2074]

unverschämt, _lenk_, _schofel_[2062]

unverständig s. unvernünftig

unwillig, _stumpfich_[2090]

unwissend, _nillich_[2074]

[Fußnote 2077: ([334] auf S. 65.54) S. abgerahmte Milch.]

[Fußnote 2078: ([335] auf S. 65.54) S. Kalb bezw. Bulle u.
Bratkartoffeln.]

[Fußnote 2079: ([336] auf S. 65.54) Vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36
a. E. sowie auch bei den Zigeun.: _nāno merēla_ (d. h. »stirbt
nicht«) = unsterblich; s. _Liebich_, S. 249.]

[Fußnote 2080: ([337] auf S. 65.54) S. Fußsohle.]

[Fußnote 2081: ([338] auf S. 65.54) S. abgehen.]

[Fußnote 2082: ([339] auf S. 65.54) S. (betr. _Kluft_) ankleiden.]

[Fußnote 2083: ([340] auf S. 65.54) S. Frauenrock.]

[Fußnote 2084: ([341] auf S. 65.54) S. abschreiben.]

[Fußnote 2085: ([342] auf S. 65.54) S. anreden.]

[Fußnote 2086: ([343] auf S. 65.54) S. ansagen.]

[Fußnote 2087: ([344] auf S. 65.54) Sachl. übereinstimmend auch die
Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 154, 250, 252 (_putschäpenn_, d. h. »die
Frage, Fragerei«, = Verhör, Untersuchung).]

[Fußnote 2088: ([345] auf S. 65.54) S. Ehe.]

[Fußnote 2089: ([346] auf S. 65.54) S. Dummheit.]

[Fußnote 2090: ([347] auf S. 65.54) S. Ärger.]

unzüchtig, _nobis dof_[2065]                                              [65.55]

unzweckmäßig, _hauret nobis_ (d. h. »[es] ist nichts«)[2091]; vgl.
ungültig

Urin, _Flösle_, _Flösslete_[2092] od. _Flösselflu(h)te_[2093]

Uringlas, _Flösselglansert_[2094]

Urintopf, _Flösselnolle_[2095]

Urkunde, _Kritzler_[2096]


                                  V.

Vater, _Patris_[2097]

Vaterhaus, _Patriskitt_[2098]

Vaterstadt, _Patrissteinhäufle_[2099]

verarmt, _dercherich_[2100]

verbluten, _verratten_[2101]

verbrennen, _verfunken_[2102]

Verdienst, _Bereimerei_[2103], _Pfreimerei_[2104] (d. h. »Bezahlung,
[Lohn]«)[2105]

verdrießlich, _stumpfich_[2090]

verehelichen (sich) s. heiraten

verehelicht (verheiratet), _vergrönt_[2088]

verfault, _vermuft_[2106]

verfertigen, _pflanzen_[2107]

Verfertiger, _Pflanzer_ (nur in Zus. gebräuchlich)

vergüten, _bereimen_[2103], _pfreimen_[2104]

[Fußnote 2091: ([348] auf S. 65.55) S. unter »elend«.]

[Fußnote 2092: ([349] auf S. 65.55) S. austreten (leicht).]

[Fußnote 2093: ([350] auf S. 65.55) S. (betr. _Flu[h]te_) abbrühen.]

[Fußnote 2094: ([351] auf S. 65.55) S. Bierglas.]

[Fußnote 2095: ([352] auf S. 65.55) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2096: ([353] auf S. 65.55) S. Attest.]

[Fußnote 2097: ([354] auf S. 65.55) S. Eltern.]

[Fußnote 2098: ([355] auf S. 65.55) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 2099: ([356] auf S. 65.55) S. Stadt.]

[Fußnote 2100: ([357] auf S. 65.55) S. abbetteln.]

[Fußnote 2101: ([358] auf S. 65.55) S. Blut.]

[Fußnote 2102: ([359] auf S. 65.55) S. abbrennen.]

[Fußnote 2103: ([360] auf S. 65.55) S. bezahlen.]

[Fußnote 2104: ([361] auf S. 65.55) S. abzahlen.]

[Fußnote 2105: ([362] auf S. 65.55) Vgl. dazu auch in der Zigeunerspr.:
_pleisserpenn_, d. h. »Bezahlung, Lohn«, = Verdienst; s. _Liebich_, S.
251 vbd. mit S. 152.]

[Fußnote 2106: ([363] auf S. 65.55) S. Aas.]

[Fußnote 2107: ([364] auf S. 65.55) S. anbrennen.]

verhauen, _verguffe_[2108], _verkobere_[2109], _verstenze_[2110]          [65.56]

Verhör, _Diberei_ (eigentl. etwa »Fragerei«)[2111]; vgl. Untersuchung

verkaufen, _verbaschen_ (Spr.), _vergremen_, _verkemere_[2112],
_verkitschen_[2113]

Verkäufer, _Verkemerer_, _Verkitscher_

verkleiden, _verkluften_[2114]

verlachen, _ausschmol(l)en_[2115]

verlangen, _derchen_[2116]

verlängern, _grandicher pflanzen_ (d. h. »größer machen«)[2117]

verlaufen, _verbosten_[2118]

verleugnen, _kohlen_ (eigtl. »lügen«)[2119]

verlogen, _Kohl_[2120]

verlöschen, _ausfunken_[2121]

Vermögen, _grandich Schure_ od. _Sore_[2122]; vgl. Reichtum

vermögend, _grandich Schure_[2120]

vernichten, _deisen_[2123]

vernünftig, _kochem_[2124]

verpfänden, _vergondere_[2125]

verprügeln s. verhauen

Verrat, _Verdibert_[2111][2126]

verraten, _verdibern_

Verräter, _Verdiberer_

[Fußnote 2108: ([365] auf S. 65.56) S. aufschlagen.]

[Fußnote 2109: ([366] auf S. 65.56) S. schlagen.]

[Fußnote 2110: ([367] auf S. 65.56) S. Ast.]

[Fußnote 2111: ([368] auf S. 65.56) S. anreden; vgl. (betr. die
Zigeunerspr.) oben Anm. 2087.]

[Fußnote 2112: ([369] auf S. 65.56) S. (zu allen drei Ausdr.) abkaufen.]

[Fußnote 2113: ([370] auf S. 65.56) S. handeln.]

[Fußnote 2114: ([371] auf S. 65.56) S. ankleiden.]

[Fußnote 2115: ([372] auf S. 65.56) S. anlachen.]

[Fußnote 2116: ([373] auf S. 65.56) S. abbetteln.]

[Fußnote 2117: ([374] auf S. 65.56) S. Adler u. anbrennen.]

[Fußnote 2118: ([375] auf S. 65.56) S. abgehen.]

[Fußnote 2119: ([376] auf S. 65.56) S. belügen.]

[Fußnote 2120: ([377] auf S. 65.56) Vgl. (betr. den Gebrauch des Subst.
als Adj.) »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 38 E.]

[Fußnote 2121: ([378] auf S. 65.56) S. abbrennen.]

[Fußnote 2122: ([379] auf S. 65.56) S. Adler u. abbiegen bezw. Brücke.]

[Fußnote 2123: ([380] auf S. 65.56) S. ermorden.]

[Fußnote 2124: ([381] auf S. 65.56) S. besonnen.]

[Fußnote 2125: ([382] auf S. 65.56) S. Konkurs.]

[Fußnote 2126: ([383] auf S. 65.56) Substant. Partiz. von _verdibern_;
vgl. »Vorbemerkung«, S. 15, Anm. 36.]

verrucht, _schofel_[2127]                                                 [65.57]

verrückt, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_[2128]

verschämt, _dof_[2129]

verschlagen s. verschmitzt

verschließen, _beschrenken_[2130]

verschlossen, _beschrenkt_

verschmitzt, _kochem_[2124]

versengen, _verfunken_[2121]

verspotten, _ausschmol(l)en_ (d. h. »auslachen«)[2115]

verständig, _kochem_[2124]

verstimmt (ärgerlich), _stumpfich_[2131]

verstorben, _begert_[2132]

vertrinken, _verschwächen_[2133]

verwahrlost s. heruntergekommen

verzehren, _achilen_[2134], _biken_, _butten_, _kahle_[2135]

Vieh, _Sore_[2136]

Viehpulver, _Kuiete_[2137]

Viehtränke, _Schwäche_[2133]

viel, _grandig_[2138]

vielmals, _grandicher_ (wohl Komparativ)

visieren (den Paß kontrollieren), _flebben_; visiert, _geflebbt_[2139]

Vogel, _Fläderling_[2138]

Vogelbauer (Käfig), _Fläderlingskitt_[2140] od.
_Fläderlingsstenkert_[2141]

Vogeleier, _Flederlingsbäzeme_[2142]

[Fußnote 2127: ([384] auf S. 65.57) S. arg.]

[Fußnote 2128: ([385] auf S. 65.57) S. aberwitzig.]

[Fußnote 2129: ([386] auf S. 65.57) S. angenehm.]

[Fußnote 2130: ([387] auf S. 65.57) S. abschließen.]

[Fußnote 2131: ([388] auf S. 65.57) S. Ärger.]

[Fußnote 2132: ([389] auf S. 65.57) S. absterben.]

[Fußnote 2133: ([390] auf S. 65.57) S. Amme.]

[Fußnote 2134: ([391] auf S. 65.57) S. essen.]

[Fußnote 2135: ([392] auf S. 65.57) S. (zu allen drei Ausdr.)
Abendessen.]

[Fußnote 2136: ([393] auf S. 65.57) S. Brücke.]

[Fußnote 2137: ([394] auf S. 65.57) S. Mastpulver.]

[Fußnote 2138: ([395] auf S. 65.57) S. Adler.]

[Fußnote 2139: ([396] auf S. 65.57) S. Gewerbeschein.]

[Fußnote 2140: ([397] auf S. 65.57) S. (betr. _Kitt_) Abort.]

[Fußnote 2141: ([398] auf S. 65.57) S. Entenstall.]

[Fußnote 2142: ([399] auf S. 65.57) S. Ei.]

Vogelnapf, _Fläderlingsnolle_[2143]                                       [65.58]

Vogelspießer, _Fläderlingsschnellen_[2144]

voll, _grandig_[2138]

vorbeten, _vorblible_[2145]

Vorderfuß, _Vordertritt_[2146]

Vorderkopf, _Vorderki(e)bes_[2147]

Vorderzahn, _Vordernäpfling_[2148]

vorjährig, _voriges Ja(h)ne_[2149]

vorlügen, _vorkohlen_[2150]

vorsagen, _vordibere_[2151], _vorschmuse_[2152]

vorschießen (leihen), _vordogen_ (eigentl. »vorgeben«)[2153]

vorschreiben, _vorfeberen_[2154]

vorsingen, _vorschallen_[2155]

vorspielen, _vornikle_[2156]

Vorstadt, _Vorsteinhäufle_[2157]

vortanzen, _vornikle_[2156]

Vortänzer, _Vornikler_

vortrefflich, _dof_[2129]

vortrinken, _vorschwächen_[2133]

vorzüglich, _dof_[2129], _grandich_[2138]


                                  W.

Wachsfackel (-kerze, -licht), _Schein_[2158]

Wachthaus (d. h. eigtl. »Nachthaus«), _Leilekitt_[2159]

[Fußnote 2143: ([400] auf S. 65.58) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2144: ([401] auf S. 65.58) S. abschießen.]

[Fußnote 2145: ([402] auf S. 65.58) S. anbeten.]

[Fußnote 2146: ([403] auf S. 65.58) S. Entenfuß.]

[Fußnote 2147: ([404] auf S. 65.58) S. Angesicht.]

[Fußnote 2148: ([405] auf S. 65.58) S. abbeißen.]

[Fußnote 2149: ([406] auf S. 65.58) S. alljährlich.]

[Fußnote 2150: ([407] auf S. 65.58) S. belügen.]

[Fußnote 2151: ([408] auf S. 65.58) S. anreden.]

[Fußnote 2152: ([409] auf S. 65.58) S. ansagen.]

[Fußnote 2153: ([410] auf S. 65.58) S. abgeben.]

[Fußnote 2154: ([411] auf S. 65.58) S. abschreiben.]

[Fußnote 2155: ([412] auf S. 65.58) S. absingen.]

[Fußnote 2156: ([413] auf S. 65.58) S. aufspielen.]

[Fußnote 2157: ([414] auf S. 65.58) S. Stadt.]

[Fußnote 2158: ([415] auf S. 65.58) S. alltäglich.]

[Fußnote 2159: ([416] auf S. 65.58) S. Abend u. Abort.]

Wachtmeister, _grandicher Schuker_ (d. h. »großer« oder [genauer]         [65.59]
»größerer [od. Ober-] Gendarm«)[2160]; vgl. Oberwachtmeister

Wachtstube, _Leileschrende_[2161]

Waffenschmied, _Lattepflanzer_[2162]

Wagen, _Rädling_[2163], _Ruedel_[2164]

Wagner (Kutschenbauer), _Rädlingpflanzer_[2156][2155]

Wahnsinn, _Ni(e)serei_, _Nillerei_[2128]

wahnsinnig, _ni(e)sich_, _nillich_, _nuschich_

wahrhaft, _dof_[2129]

Wahrsagen (das), _Kasperei_[2165]

Wahrsager, _Kasperer_; Wahrsagerin, _Kaspere_

Wald (Waldung), _Jahre_, _Kracher_[2166]

Waldhüter s. Flurschütz.

Wallnuß, _Krächerle_[2167]

Wanne, _Schottel_[2168]

Wanst, _Rande_[2169]

Wanze, _Mufkenem_ (d. h. »Stinklaus«)[2170]

Ware, _Sore_[2171]

Waschbecken, _Pfladerschottel_[2172][2168]

Wäsche, _Pfladersore_[2172][2171]

waschen, _pfladeren_

Wäscherin (Waschfrau), _Pfladermoss_[2173]

Waschhaus, _Pfladerkitt_[2174]

Waschwasser, _Pfladerflu(h)te_[2175]

Wasser, _Flu(h)te_[2176]

[Fußnote 2160: ([417] auf S. 65.59) S. Adler u. Gendarm; vgl. Bischof.]

[Fußnote 2161: ([418] auf S. 65.59) S. (betr. _Schrende_) Frauenstube.]

[Fußnote 2162: ([419] auf S. 65.59) S. Degen u. anbrennen.]

[Fußnote 2163: ([420] auf S. 65.59) S. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 2164: ([421] auf S. 65.59) S. abfahren.]

[Fußnote 2165: ([422] auf S. 65.59) S. Betrug.]

[Fußnote 2166: ([423] auf S. 65.59) S. (zu beiden Ausdr.) Ananas.]

[Fußnote 2167: ([424] auf S. 65.59) S. Haselnuß.]

[Fußnote 2168: ([425] auf S. 65.59) S. Aschenbecher.]

[Fußnote 2169: ([426] auf S. 65.59) S. Bauch.]

[Fußnote 2170: ([427] auf S. 65.59) S. Aas u. Filzlaus; — Bei den
Zigeunern wird (nach _Liebich_, S. 258 vbd. m. S. 166) die Wanze durch
_platti tschīw_ od. _lōli tschuw_, d. h. »platte« od. »rote Laus«,
umschrieben; vgl. auch schon »Vorbemerkung«, S. 18, Anm. 47]

[Fußnote 2171: ([428] auf S. 65.59) S. Brücke.]

[Fußnote 2172: ([429] auf S. 65.59) S. (betr. _Pflader-_ [pfladeren])
abwaschen.]

[Fußnote 2173: ([430] auf S. 65.59) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 2174: ([431] auf S. 65.59) S. Abort.]

[Fußnote 2175: ([432] auf S. 65.59) S. abbrühen.]

Wasserfaß, _Flu(h)tesoe_[2171]                                            [65.60]

Wasserhuhn, _Flu(h)tegachne_[2166] od. _Flu(h)testierer_[2177]

wässerig, _flu(h)tich_; vgl. feucht

Wasserkrug, _Flu(h)tenolle_[2178]

Wassermühle, _Flu(h)terolle_[2179]

Wasserstelze s. Bachstelze

Wassersuppe, _Flu(h)teschnall_[2180]

Wasservogel, _Flu(h)tefläderling_[2181]

Weck s. Semmel

weg (fort)!, _schef(f)t' schiebes_ (d. h. »geh weg [fort]!«)[2182]

Weg, _Strade_[2183]

Wegegeld, _Stradebich_[2184]

wegfahren, _wegruadla_[2185]

weglaufen, _wegbosten_[2186]

wegnagen, _wegnäpfen_[2187]

wegnehmen s. nehmen

wegsehen, _weglinzen_[2188]

wegstehlen, _wegschniffen_[2189], _wegschoren_[2190]

wegtragen, _wegbukle_[2191]

Wegweiser, _Stradelinzer_[2183][2188]

Weib, _Goi_[2192], _Mokel_[2193], _Mos(s)_ (Dim.: _Mös[s]le_
[Spr.])[2194]

Weiberbrust, _Schwächerle_[2195]

Weiberrock, _Mos(s)malfes_[2196]

[Fußnote 2176: ([433] auf S. 65.60) S. Hahn.]

[Fußnote 2177: ([434] auf S. 65.60) S. Henne.]

[Fußnote 2178: ([435] auf S. 65.60) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2179: ([436] auf S. 65.60) S. Mühle.]

[Fußnote 2180: ([437] auf S. 65.60) S. Metzelsuppe.]

[Fußnote 2181: ([438] auf S. 65.60) S. Adler.]

[Fußnote 2182: ([439] auf S. 65.60) S. daher a. E. u. davongehen.]

[Fußnote 2183: ([440] auf S. 65.60) S. Chaussee.]

[Fußnote 2184: ([441] auf S. 65.60) S. (betr. _Bich_) Almosen.]

[Fußnote 2185: ([442] auf S. 65.60) S. abfahren.]

[Fußnote 2186: ([443] auf S. 65.60) S. abgehen.]

[Fußnote 2187: ([444] auf S. 65.60) S. abbeißen.]

[Fußnote 2188: ([445] auf S. 65.60) S. anschauen.]

[Fußnote 2189: ([446] auf S. 65.60) S. anfassen.]

[Fußnote 2190: ([447] auf S. 65.60) S. ausstehlen.]

[Fußnote 2191: ([448] auf S. 65.60) S. abtragen.]

[Fußnote 2192: ([449] auf S. 65.60) S. böse Frau.]

[Fußnote 2193: ([450] auf S. 65.60) S. Frau.]

[Fußnote 2194: ([451] auf S. 65.60) S. Bauernfrau.]

[Fußnote 2195: ([452] auf S. 65.60) S. Amme.]

[Fußnote 2196: ([453] auf S. 65.60) S. (betr. _Malfes_) Frauenrock.]

weibisch, weiblich, _mossich_[2196]                                       [65.61]

weibliches Glied s. Glied; vgl. Scham

Weide (= Weidenbaum), _Kupferstöber_ (d. h. eigtl. etwa
»Grasbaum«)[2197]

Weidmann (Jäger), _Grünling_[2198]

Wein, _Johle_[2199]

Weinbeere, _Säftling_[2200]

Weinberg, _Säftlingsore_[2201]

weinen, _glemsen_[2202]

Weinfaß, _Johlesore_[2199][2201]

Weinflasche (-glas), _Johleglansert_[2203]

Weinhaus, _Johlekitt_[2204]

Weinkrug, _Johlenolle_[2205]

Weinrebe, _Johlespraus_[2206]

Weinstock, _Johlestöber_[2207]

Weintraube, _Säftling_[2200]

Weißbrot, _Dofelehm_ (od. _dofer Lehm_ [Spr.]) (d. h. »gutes [feines]
Brot«)[2208]

Weizen, _Gib_, _Kupfer_[2209]

Wellfleisch, _Bossert_, _Mass_ (d. h. [beides] eigtl. nur
»Fleisch«)[2210]

wenig, _nobis grandig_ (d. h. »nicht viel«)[2211]

werfen, _plotzen_[2212], auch _bohlen_ (Spr.)[2213]

wertlos, _nobis dof_ (d. h. »nicht gut«)[2129]

Wiege, _Galmesauft_ (wörtlich »Kinderbett«)[2214]

willig, _dof_[2129]

[Fußnote 2197: ([454] auf S. 65.61) S. Frucht u. Apfelbaum.]

[Fußnote 2198: ([455] auf S. 65.61) S. Flurschütz.]

[Fußnote 2199: ([456] auf S. 65.61) S. Apfelwein]

[Fußnote 2200: ([457] auf S. 65.61) S. Ananas.]

[Fußnote 2201: ([458] auf S. 65.61) S. (betr. _Sore_) Brücke.]

[Fußnote 2202: ([459] auf S. 65.61) S. ausweinen.]

[Fußnote 2203: ([460] auf S. 65.61) S. Bierglas.]

[Fußnote 2204: ([461] auf S. 65.61) S. Abort.]

[Fußnote 2205: ([462] auf S. 65.61) S. Fleischhafen.]

[Fußnote 2206: ([463] auf S. 65.61) S. Baumholz.]

[Fußnote 2207: ([464] auf S. 65.61) S. Apfelbaum.]

[Fußnote 2208: ([465] auf S. 65.61) S. angenehm u. Bäcker.]

[Fußnote 2209: ([466] auf S. 65.61) S. (zu beiden Ausdr.) Frucht.]

[Fußnote 2210: ([467] auf S. 65.61) S. (zu beiden Ausdr.) Aas.]

[Fußnote 2211: ([468] auf S. 65.61) S. Dietrich u. Adler.]

[Fußnote 2212: ([469] auf S. 65.61) S. bewerfen.]

[Fußnote 2213: ([470] auf S. 65.61) S. abfallen.]

[Fußnote 2214: ([471] auf S. 65.61) S. brauchbares Kind u. Bett. — Vgl.
bei den Zigeunern (nach _Liebich_, S. 260): _tschawéskĕro
schukklepenn_, d. h. etwa »Kinderschaukel«, = Wiege.]

winzig, _nobis grandig_ (d. h. »nicht groß«)[2211]                        [65.62]

Wirt, _Beizer_, _Koberer_[2215]

Wirtin, _Beizere_, _Kobere_

Wirtshaus, Wirtschaft, _Beiz_, _Kober_ od. _Koberei_

wischen, _pfladere_[2216]

Witterung (= Geruch), _Mufferei_[2217]

Wöchnerin, _Deislere_[2218]

wohl (gesund), _nobis begerisch_ (d. h. »nicht krank«)[2219]

wohlbeleibt, _grandicher Rande_ (d. h. eigtl. »dicker Bauch«)[2220]

wohlwollend, _dof_[2129]

Wohnung, _Fehte_ (bes. Herberge)[2221], _Kitt_ (bes. Haus)[2222]

Wolle, _Jerusalemsfreundstrauberts_ (d. h. »Schafhaare«)[2223]

Wortwechsel (Zank), _Stämpferei_[2224]

Wundarzt, _Begersins_[2225] od. (genauer) _Dupfsins_ (d. h. etwa »der
Stechmann«)[2226]

Wurst, _Rondling_ od. _Rundling_[2227]

Wurstessen, _Rondlingachilerei_[2228] od. _Rondlingbikus_[2229]

Wurstfleisch, _Rondlingbossert_[2230]

Wursthaus, _Rondlingsore_[2231]

Wurstsuppe, _Rondlingschnall_[2232]

wüst, _lenk_ (Spr.)[2233]

wütend, _grandich_[2211], _stumpfich_[2224]

[Fußnote 2215: ([472] auf S. 65.62) S. (zu beiden Ausdr.) Gasthaus.]

[Fußnote 2216: ([473] auf S. 65.62) S. abwaschen.]

[Fußnote 2217: ([474] auf S. 65.62) S. Aas.]

[Fußnote 2218: ([475] auf S. 65.62) S. gebären.]

[Fußnote 2219: ([476] auf S. 65.62) S. (betr. _begerisch_) absterben.]

[Fußnote 2220: ([477] auf S. 65.62) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 2221: ([478] auf S. 65.62) S. Hauswirt.]

[Fußnote 2222: ([479] auf S. 65.62) S. Abort.]

[Fußnote 2223: ([480] auf S. 65.62) S. Hammel u. Augenbrauen. —
Sachlich übereinstimmend auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S. 261
(_bakoréngere balla_, d. h. »Schafhaare«, = Wolle); vgl. auch _Finck_,
S. 49 (_bakréskero bal_ = Schafwolle).]

[Fußnote 2224: ([481] auf S. 65.62) S. Ärger.]

[Fußnote 2225: ([482] auf S. 65.62) S. absterben u. Amtmann.]

[Fußnote 2226: ([483] auf S. 65.62) S. (betr. _Dupf-_) stechen.]

[Fußnote 2227: ([484] auf S. 65.62) S. Leberwurst.]

[Fußnote 2228: ([485] auf S. 65.62) S. (betr. _Achilerei_) essen.]

[Fußnote 2229: ([486] auf S. 65.62) S. Abendessen.]

[Fußnote 2230: ([487] auf S. 65.62) S. Aas.]

[Fußnote 2231: ([488] auf S. 65.62) S. Brücke.]

[Fußnote 2232: ([489] auf S. 65.62) S. Metzelsuppe.]

[Fußnote 2233: ([490] auf S. 65.62) S. arg.]


                                  Z.                                      [65.63]

zahlen s. bezahlen.

zahlreich, _grandich_[2211]

Zahlung, _Bereime_[2234], _Pfreimerei_, _Zeine_[2235]

Zahn, _Näpfling_[2236]

Zahnarzt, _Näpflingsins_[2237]

Zahnfleisch, _Näpflingbossert_[2238]

Zank, _Stämpferei_[2224]

zanken, _stämpfen_

Zänker, _Stämpfer_

Zänkerei s. Zank

zänkisch, _stämpfich_

zärtlich, _dof_[2129]

Zauber, _Finklerei_[2239]

zaubern, _kaspere_ (Spr.)[2240]

Zauberer, _Finkler_, _Kasperer_ (Spr.); Zauberin, _Finklere_

Zeche, _Schwächerei_[2241]

zechen, _schwächen_

Zehe, _Trittgriffling_ (d. h. »Fußfinger«)[2242]

Zehnpfennigstück (»Zehner«), _Schafnase_[2243]

Zeigefinger, _Linzgriffling_[2244]

Zettel, _Kritzler_[2245]

[Fußnote 2234: ([491] auf S. 65.63) S. bezahlen; vgl. auch
»Vorbemerkg.«, S. 15, Anm. 35 (_Bereime_ [u. _Zeine_] wohl = subst.
Infinitive).]

[Fußnote 2235: ([492] auf S. 65.63) S. (zu beiden Ausdr.) abzahlen; vgl.
(betr. _Zeine_) auch die vor. Anm. a. E.]

[Fußnote 2236: ([493] auf S. 65.63) S. abbeißen.]

[Fußnote 2237: ([494] auf S. 65.63) S. (betr. _Sins_) Amtmann.]

[Fußnote 2238: ([495] auf S. 65.63) S. Aas.]

[Fußnote 2239: ([496] auf S. 65.63) S. behext.]

[Fußnote 2240: ([497] auf S. 65.63) S. Betrug.]

[Fußnote 2241: ([498] auf S. 65.63) S. Amme.]

[Fußnote 2242: ([499] auf S. 65.63) S. Entenfuß u. Daumen.]

[Fußnote 2243: ([500] auf S. 65.63) Diese merkwürdige Bezeichnung findet
sich schon in dem _Dolm. der Gaunerspr._ 93 (in der Form _Schofnase_ u.
mit der Bedeutg. »Groschen«); sonst ist sie m. Wiss. unbekannt im
Rotwelsch u. in den Geheimsprachen. Ob es sich um eine Metapher handelt
oder wie die Umschreibung sonst zu erklären ist (ob vielleicht nach
einem mit einer »Schafnase« ausgestatteten Regentenkopfe auf einer Münze
[Hypothese von Dr. _A. Landau_, Wien]), bleibt zweifelhaft.]

[Fußnote 2244: ([501] auf S. 65.63) S. (betr. _Linz-_) anschauen.]

[Fußnote 2245: ([502] auf S. 65.63) S. Attest.]

Zichorie, _Süs(s)ling_[2246]                                              [65.64]

Zichorienbüchse, _Süs(s)lingschottel_[2247]

Ziegelstein, _g'funkter Kies_ (d. h. »gebrannter Stein«)[2248]

zierlich, _dof_[2129]

Zigarre, _Dämpfere_ od. _Dämpfete_ (letzteres Spr.)[2249],
_Toberichschure_ (das jedoch auch »[Tabaks-]Pfeife« bedeutet)[2250]

Zigarrenbeutel, _Dämpferereiber_[2251]

Zigarrentasche, _Toberichschurerande_[2252]

Zigeuner, _Schmelemer_[2253], _Sende_[2254]

zigeunerisch, _schmelemerisch_[2253]

[Fußnote 2246: ([503] auf S. 65.64) S. Kaffee.]

[Fußnote 2247: ([504] auf S. 65.64) S. (betr. _Schottel_) Aschenbecher.]

[Fußnote 2248: ([505] auf S. 65.64) S. abbrennen u. Apfelkern. —
Sachlich übereinstimmend damit auch die Zigeunerspr.; s. _Liebich_, S.
262 (_chadschēdo parr_, d. h. »gebrannter Stein« = Ziegelstein; Syn:
_lōlo parr_, d. h. »roter Stein«). _Beide_ Ausdr. auch bei
_Lieblich_, S. 180 unter »Backstein«, während in _Wittichs_ Jenisch
_dafür nur Kittleskies_ angeführt ist; vgl. »Vorbemerkg.«, S. 19, Anm.
48.]

[Fußnote 2249: ([506] auf S. 65.64) S. Pfeife.]

[Fußnote 2250: ([507] auf S. 65.64) S. Pfeife u. abbiegen.]

[Fußnote 2251: ([508] auf S. 65.64) S. (betr. _Reiber_) Beutel.]

[Fußnote 2252: ([509] auf S. 65.64) S. (betr. _Rande_) Bauch.]

[Fußnote 2253: ([510] auf S. 65.64) S. Löwenzahn.]

[Fußnote 2254: ([511] auf S. 65.64) Zu _Sende_ = Zigeuner vgl. (aus dem
_verw. Quellenkr._): _Sulzer Zigeunerliste_ 1787 (252: _die Sende_ = die
Zigeuner); _W.-B. des Konst. Hans_ 257 (_die Sente_ [ebenfalls
_plur._]); _Schwäb. Gauner- u. Kundenspr._ 77 (_Sendo_ = Zigeuner);
_Schwäb. Händlerspr._ (_Lütz._ [215]: _Sĭndo_). Auch in der sonstigen
Gauner- u. Kundenspr., bes. d. 19. Jahrh. (seit _Pfister_ 1812 [206])
öfter in versch. Formen (_Sende_, _Sente_, _Sande_, _Sinde_ usw.)
angeführt u. bis in die Neuzeit erhalten s. _Groß_ 494 [_Sinte_;
Nebenbedtg.: Genosse]; _Rabben_ 123 [_Sinter_; auch hier Nebenbedtg.:
Genosse, Komplize); _Ostwald_ [Ku.] 143 [hier getrennt: _Sinde_ =
Zigeuner; _Sinter_ = Komplize). Zur _Etymologie_ des aus der
_Zigeunerspr._ entlehnten Wortes (vgl. »Einleitung«, S. 30) von noch
_unsicherer_ Herkunft s. Näh. bei _Pott_ I, S. 32 ff. vbd. m. _Liebich_,
S. 7, Anm. 1. Die Form lautet bei den deutsch. Zig. nach den meisten
Vokab. _sínto_ (plur. _sīnte_); s. (außer _Pott_, a. a. O. u. II, S.
239 u. _Liebich_, S. 159 u. 262) auch _Miklosich_, Beitr. III, S. 19 u.
_Finck_, S. 85; bei _Jühling_, S. 226 dagegen: _Sendo_, plur. _Sendi_;
fem. _Sendaza_; vgl. _Sendeaza_ = »Volk der Sendi«. — Über das zigeun.
Synon. _rom_ (eigtl. »Mann«) s. oben unter »Frau« (Anm. zu _Romane_ a.
E.). Die ebenfalls gleichbed. Bezeichnung _mānuš_ (»mānusch«),
d. h. eigtl. »Mensch« (vgl. darüber Näh. bei _Pott_ II, S. 446;
_Liebich_, S. 145 u. 262; _Miklosich_, Beitr. III, S. 15 u.
Denkschriften, Bd. 27, S. 10; _Jühling_, S. 224; _Finck_, S. 72), fehlt
in _Wittichs_ »Jenisch«, obwohl sie mit veränderter Form mehrfach im
Rotwelsch des 19. Jahrh. (seit _Pfister bei Christensen_ 1814 [326])
anzutreffen und auch in die _schwäb. Händlerspr._ eingedrungen ist (s.
_Lütz._ [215]: _Manischer_ = Zigeuner; vgl. 488: _mônisch_ =
zigeunerisch); vgl. _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 1440 sowie noch
Archiv, Bd. 59, S. 263, 64.]

Zigeunerbursche, _Schmelemerfi(e)sel_[2255]                               [65.65]

Zigeunerhund, _Schmelemerkib_[2256]

Zigeunermädchen, _Schmelemermodel_[2257]

Zigeunerwagen, _Schmelemerrädling_[2258]

Zimmer, _Schrende_[2259]

Zimmermann, _Schrendepflanzer_[2260]

Zorn, _Rochus_[2261], _Stumpf_[2224]

zornig, _massig_[2262], _stämpfich_ od. _stumpfich_[2224]

Zuchthaus, _Lek_[2263], _Schofelkitt_[2264]

züchtig, _dof_[2129]

Zucker, _Süs(s)ling_[2246]

[Fußnote 2255: ([512] auf S. 65.65) S. (betr. _Fi(e)sel_) Bettelbube.]

[Fußnote 2256: ([513] auf S. 65.65) S. Haushund.]

[Fußnote 2257: ([514] auf S. 65.65) S. Beischläferin.]

[Fußnote 2258: ([515] auf S. 65.65) S. Eisenbahnwagen.]

[Fußnote 2259: ([516] auf S. 65.65) S. Frauenstube.]

[Fußnote 2260: ([517] auf S. 65.65) S. (betr. _-pflanzer_) anbrennen.]

[Fußnote 2261: ([518] auf S. 65.65) _Zu Rochus vgl._ (aus dem _verw.
Quellenkr._): _Schwäb. Gaun.- u. Kundenspr._ 77 (_Roches_ od. _Broches_
= Zorn); _Schwäb. Händlerspr._ 488 (hier nur das Adj. _prouches_ =
zornig; vgl. in _Pfedelb._ [215]: _broches_ = trotzig). Im sonst. Rotw.
kommt die Vokabel vorwiegend als Adjektiv vor (s. z. B. _Pfister_ 1812
[286: _brooges_ = bös, feind] u. dann so öfter, mit lateinisch. Endung
— _brochus_ = böse — in _Krünitz' Enzyklopädie_ 1820 [349], in der
_Handthierka_ 1820 [354]: _braukes_ = böse, bei _Thiele_ 236 und
_Fröhlich_ 1851 [395]: _brauges_, das auch A.-L. 592 — neben
_b[e]roges_ [= zornig, tobend] — hat, desgl. auch _Groß_ 459 [= böse,
erzürnt]), jedoch vereinzelt auch als Hauptwort (s. A.-L. 592 u. _Groß_
487: _Roges_ = Unruhe, Zorn, Toben, desgl. _Ostwald_ 123 [Bedeutg.:
Zorn]). _Etymologie_: _Rochus_ (gleichsam latinisiert), richtiger
_Roges_, stammt her vom hebr. _rôgez_ = »Unruhe, Zorn«, das Adj.
_b(e)roges_ usw. aus _be rôges_, d. h. »im Zorn«. Vgl. A.-L. 592 (unter
»Roges«) u. 454 (unter »Rogas«) vbd. mit _Fischer_, Schwäb. W.-B. I, Sp.
1433.]

[Fußnote 2262: ([519] auf S. 65.65) Nach _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV,
Sp. 1519, Nr. 2 bedeutet _massig_ im Schwäbischen (ähnlich wie auch in
anderen südd. Mundarten, z. B. im Elsaß) so viel wie: unzuverlässig,
störrisch (von Menschen u. Tieren, z. B. Pferden, gebr.), eigensinnig,
_zornig_, wütend, ungestüm, wild, derb, grob, mürrisch, widerwärtig,
zänkisch u. a. m. und wird auch als Subst. für »roher, derber Mensch«
gebraucht. Seiner _Etymologie_ nach gehört der Ausdruck wohl zu dem
neuhebr. _mazziq_ = »böser Geist, verderbenbringendes Wesen« (vom hebr.
Stamm _nzaq_ [vgl. A.-L., S. 410 unter »Nĕsack«]), das als _Massig_
od. _Massik_ = Teufel ins Rotwelsch eingedrungen sowie (in der Form
_Massing_ und mit gleicher Bedeutg.) auch der _schwäb. Händlerspr._
bekannt ist. S. _Dolm. der Gaunerspr._ 100 (_Massig_ = Teufel); _Pfulld.
J.-W.-B._ 345 (_Massik_); _Schwäb. Händlerspr._ 487 (_Massing_). Vgl.
_Fischer_, a. a. O.]

[Fußnote 2263: ([520] auf S. 65.65) S. Arrest; vgl. Gefängnis.]

[Fußnote 2264: ([521] auf S. 65.65) S. arg u. Abort; vgl. Arrest sowie
»Einleitung«, S. 28 u. S. 25, Anm. 61.]

Zuckerbrot, _Süs(s)linglehm_[2265]                                        [65.66]

Zuckerhut, _Süs(s)lingoberman(n)_[2266]

Zuckerwasser, _Süs(s)lingflu(h)te_[2267]

zünden, _funken_[2268]

Zündhölzer, _Funkerle_[2268], _Funkspreisle_[2269]

zurücklaufen, _zurückbosten_[2270]

zurücksehen, _zurücklinzen_[2271]

zuschauen (zusehen), _zulinzen_

zuschlagen, _zudogen_[2272], _zuguffen_[2273], _zustenzen_[2274]

zuschließen, _zub'schrenken_ od. auch (einfach) _beschrenken_
(Spr.)[2275]

Zwerg, _nobis grandicher Kaffer_ (d. h. »kein großer Mann«)[2276]

Zwetschgen, _Blauhanze_ (od. _-hanse_ [Spr.])[2277]

Zwetschgenbaum, _Blauhanzestöber_[2278]

Zwetschgenkern (-stein), _Blauhanzekies_[2279]

Zwetschgenkuchen, _Blauhanzebrandling_[2280]

[Fußnote 2265: ([522] auf S. 65.66) S. (betr. _Lehm_) Bäcker.]

[Fußnote 2266: ([523] auf S. 65.66) S. Fingerhut.]

[Fußnote 2267: ([524] auf S. 65.66) S. abbrühen.]

[Fußnote 2268: ([525] auf S. 65.66) S. abbrennen.]

[Fußnote 2269: ([526] auf S. 65.66) S. (betr. _Spreisle_) Baumholz.]

[Fußnote 2270: ([527] auf S. 65.66) S. abgehen.]

[Fußnote 2271: ([528] auf S. 65.66) S. anschauen.]

[Fußnote 2272: ([529] auf S. 65.66) S. abgeben.]

[Fußnote 2273: ([530] auf S. 65.66) S. aufschlagen.]

[Fußnote 2274: ([531] auf S. 65.66) S. Ast.]

[Fußnote 2275: ([532] auf S. 65.66) S. abschließen.]

[Fußnote 2276: ([533] auf S. 65.66) S. Dietrich, Adler u. Bauer. — Die
Zigeuner umschreiben (nach _Liebich_ S. 264) den Begriff etwas einfacher
durch _dikkno gādscho_, d. h. »kleiner Mann«; vgl. oben unter
»Riese«.]

[Fußnote 2277: ([534] auf S. 65.66) Mit _Blauhanze_ (od. _-hanse_) sind
zusammengesetzt: _Blauhanzestöber_ = Zwetschenbaum, _Blauhanzekies_,
_-brandling_ u. _-g'finkelter_ od. _-soruf_ = Zwetschgenkern (-stein),
-kuchen u. -wasser. _Zu vgl._ (aus dem _verw. Quellenkr._): _Schwäb.
Händlerspr._ 488 (_Blauhansen_ = Zwetschgen neben dem gleichbed.
_Blauhosen_ [das auch das _Pfulld. J.-W.-B._ 346 sowie (in der Form
_Blohosen_) schon der _Dolm. der Gaunerspr._ 102 kennt]); s. auch
_Metzer Jenisch_ 218 (_Blauhänsche_ = Zwetschge). Über Belege (für
_Blauhan[n]se_) im Rotw. (des 19. u. 20. Jahrh.) s. _Groß'_ Archiv, Bd.
51, S. 145, Anm. 3. Ebds. zur _Etymologie_ (gleichsam Personifizierung
durch Verbindung mit dem Eigennamen _Hans_); vgl. auch _Pott_ II, S. 9
u. 36 u. _Günther_, Rotwelsch, S. 84. = Über _Blauling_ = Pflaume s.
schon oben.]

[Fußnote 2278: ([535] auf S. 65.66) S. (betr. _Stöber_) Apfelbaum.]

[Fußnote 2279: ([536] auf S. 65.66) S. Apfelkern.]

[Fußnote 2280: ([537] auf S. 65.66) S. Apfelkuchen.]

Zwetschgenwasser (Branntwein), _Blauhanzeg'finkelter_ od.                 [65.67]
_Blauhanzesoruf_[2281]

Zwiebel, _Sore_[2282]

Zwiebelkuchen, _Sorebrandling_[2280]

Zwirn, _Sore_[2282]

Zwist, _Stämpferei_[2224]

[Fußnote 2281: ([538] auf S. 65.67) S. (zu beiden Ausdr.) Branntwein;
vgl. (betr. _G'finkelter_) auch behext.]

[Fußnote 2282: ([539] auf S. 65.67) S. Brücke.]



      VI. Alphabetisches Verzeichnis der jenischen Stammwörter.


                                  A.

_achile(n)_ (-la) s. essen.

_aufknüpfen_ s. erhängen.

_August mit dem Ofenrohr_ s. Gendarm.


                                  B.

_Babing_ s. Gans.

_Balo_ s. Eber.

_baschen_ s. abkaufen.

_bausen_ s. Angst.

_Bäzem_ (Betzam, Bezem) s. Ei.

_begeren_ s. absterben.

_Beiz_ s. Gasthaus.

_Bellel_ s. Kropf.

_Bengel, auf den_ — s. Borg, auf den —

_Benges_ vgl. _Benk_.

_Benk_ (Benges) s. brauchbarer Bursche.

_bereimen_ s. bezahlen.

_beschrenken_ s. abschließen.

_bestieben_ s. bekommen.

_Bet_ s. Mark.

_Betzam_ (Bezem) vgl. _Bäzem_.

_bibern_ (mich bibert's) s. eisig.

_Bich_ s. Almosen.

_biken_ s. Abendessen.

_bikeren_ s. abkaufen.

_Blamb_ s. Bier.

_Blatt_ (pflanzen) s. übernachten (im Freien.)

_Blättling_ s. Gulasch.

_Blauhanze_ s. Zwetschgen.

_Blauling_ s. Pflaume.

_bleisgeren_ s. anzahlen.

_bliblen_ s. anbeten.

_Bochdam_ s. Barchent.

_bodere_ (-ra) (budere [-ra]) s. begatten.

_Boga_ s. Kalb; vgl. _Horboge_.

_Bogalo_ vgl. _Bog(g)elo_.

_Bogeia_ s. Fischbein

_Bog(g)elo_ (Bogalo) s. Appetit.

_bohle(n)_ (-la) s. abfallen.

_Bolle_ (-la) s. Bratkartoffeln.

_Bomme_ (-ma) s. borgen.

_Bommerling_ s. Apfel.

_Bos_ (bosen) s. After.

_Boschert_ s. Kupfergeld.

_bosen_ vgl. _Bos_.

_Bossert_ s. Aas.

_bosten_ s. abgehen.

_Brandling_ (-leng) s. Apfelkuchen.

_Brawari_ s. Henne.

_bremsere_ s. auslassen.

_budere_ (-ra) vgl. _bodere_ (-ra).

_buk(e)le(n)_ (-la) od. _bugle_ (-la) s. abtragen.

_butschen_ s. anfragen.

_butten_ s. Abendessen.

_Bu(t)z_ s. Amtsdiener.

_Buxe_ (-xa) s. Beinkleid.


                                  D.

_Dächle_ s. Schirm.

_dalfen_ s. abbetteln.

_dambes_ s. berauscht.

_dämpfe(n)_ s. Pfeife.

_deisen_ s. ermorden.

_Deislere_ s. gebären.

_derchen_ s. abbetteln.

_dibere(n)_ (-ra) s. anreden.                                             [65.68]

_Dibolde_ s. Jude.

_Dietz_ s. Glied (männliches).

_Dober_ s. Axt.

_dof_ (duft) s. angenehm.

_Dofes_ s. Arrest.

_dogen_ (-ga), _doken_ s. abgeben.

_Duft_ s. Dom.

_duft_ vgl. dof.

_dupfen_ s. stechen.

_durme(n)_ s. aufwachen.


                                  F.

_Falle_ (-la) (schofle — pflanzen) s. böse Sachen machen.

_febere(n)_ (-ra) s. abschreiben.

_Fehlinger_ s. Betrüger.

_Fehma_ s. Hand.

_Fehte_ s. Hauswirt.

_Feneter_ s. Fenster.

_Fi(e)sel_ s. Bettelbube.

_Finkel-_ = (bzw. Finkler u. ä.) s. behext.

_Flachs_ (Flächsle) s. Mark.

_Fläderling_ vgl. _Flederling_.

_Flebbe_ s. Gewerbeschein.

_Flederling_ (Fläderling) s. Adler.

_flös(s)le(n)_ s. austreten (leicht).

_Flössling_ s. Fisch.

_Flotscher_ (Pflotscher[t]) s. Fisch.

_Flu(h)te_ s. abbrühen.

_Freier_ s. Fremder.

_Frosch_ s. Monat.

_Fuchs_ s. Gold.

_fuchsa_ s. erzeugen.

_Fuhl_ s. Abort.

_Funk_ s. abbrennen.

_Fürflamme_ s. Frauenschürze.

_Furschet_ s. Gabel.


                                  G.

_Gachne_ s. Hahn.

_Gadscho_ s. Kerl.

_Galgennägel_ s. Möhren.

_Gal(l)ach_ s. Geistlicher.

_Galm_ s. brauchbares Kind.

_Garo_ (-ri) s. Glied (männliches).

_G(e)fahr_ s. Bauerndorf.

_Gefinkelter_ vgl. _Finkel-_; s. auch Branntwein.

_Gengle_ s. Uhr.

_G(e)schmu(i)_ s. Glied (weibliches).

_Gib_ s. Frucht.

_Giel_ s. Affengesicht.

_Girall_ s. Käse.

_Glansert_ s. Bierglas.

_Gleis_ s. abgerahmte Milch.

_glemsen_ s. ausweinen.

_Glied_ s. Bruder.

_Glitschin_ s. Dietrich.

_Gluber_ (Kluber, -per) vgl. _Luber_.

_gneis(s)en_ vgl. _kneisen_.

_Goi_ s. böse Frau.

_Gof_ s. böses Kind.

_Gore_ s. Barschaft.

_Grabegautschert_ (oder Grabagautschert) s. Most.

_grandich_ (-dig) s. Adler.

_gremen_ s. abkaufen.

_Grif(f)ling_ (-leng) s. Daumen.

_gril(l)isch_ (kril[l]isch) s. evangelisch.

_Groanikel_ (od. Groenikel) s. Eber.

_Groanert_ (Groenert) s. Gemüse.

_Groenerei_ vgl. _vergroene(re)n_.

_Groenert_ vgl. _Groanert_.

_Groenikel_ vgl. _Groanikel_.

_Grünleng_ s. Flurschütz.

_Grünwedel_ s. Förster.

_guffe(n)_ (-fa) s. aufschlagen.

_g'want_ s. anmutig.


                                  H.

_Hamfert_ s. Hemd.

_Hamore_ vgl. _More_ (Morerei).

_Hasa_ s. Flöhe.

_hauren_ s. elend.

_Hegel_ s. Dummheit.

_Heges_ s. Dörfchen.

_Hegesle_ s. Knödel.

_her(r)les_ (-lem) s. da.

_Hertling_ s. Gestein.

_Hitzling_ s. Backofen.

_Horboge_ s. Kalb; vgl. _Boga_.

_Hornikel_ (-nigel) s. Bulle.


                              J. (Jod).

_Ja(h)ne_ s. alljährlich.

_Jahre_ s. Ananas.

_Jak_ s. Licht.

_jannen_ s. lecken.                                                       [65.69]

_jenisch_ s. Bachstelze.

_Jerusalemsfreund_ s. Hammel.

_Johle_ s. Apfelwein.


                                  K.

_Kaffer_ s. Bauer.

_Kafler_ s. Fleischer.

_kahle_ (-la) s. Abendessen.

_Kaim_ s. Hebräer.

_Karle_ (in Lattenkarle) s. Gendarm; vgl. _Latt_.

_kaspere_ s. Betrug.

_Katschete_ s. Branntwein.

_Kechelte_ s. Milchbrötchen.

_Keif_ s. Borg, auf —

_Keiluf_ s. Haushund.

_kemere_ s. abkaufen.

_Kenem_ s. Filzlaus.

_kenn_ s. ja.

_Kib_ s. Haushund.

_Ki(e)bes_ s. Angesicht.

_Kies_ (= Stein, Kern) s. Apfelkern.

_Kies_ (= Geld) s. Bankier.

_kirmen_ s. begatten.

_Kitt_ s. Abort.

_Klass_ s. Büchse.

_Klettert_ s. Schreibtisch.

_Kluft_ s. ankleiden.

_Kluber_ (Kluper od. Gluber) vgl. _Luber_.

_kneisen_ (gneis[s]en) s. erkennen.

_Kober_ s. Gasthaus.

_koberen_ s. schlagen.

_kochem_ s. besonnen.

_Koele_ s. Satan.

_Kohl_ s. belügen.

_Kolb_ s. Bischof.

_Konde_ vgl. _Kunde_.

_Kopel_ s. Beinkleid.

_Kracher_ s. Ananas.

_Krächerle_ s. Haselnuß.

_Krattler_ s. fahrende Leute.

_Kritsch_ s. Bürgermeister.

_Kritzler_ s. Attest.

_kril(l)isch_ vgl. _gril(l)isch_.

_Kunde_ (Konde) s. Handwerksbursche.

_Kuiete_ s. Mastpulver.

_Kupfer_ s. Frucht.


                                  L.

_Lache-_ od. _Lachapatscher_ s. Ente.

_Laich, o_ — s. o weh.

_Lanenger_ s. Hauptmann.

_Langohr_ s. Hase.

_Latt_ s. Degen.

_Lechem_ vgl. _Lehm_.

_Lehm_ (od. Lechem) s. Bäcker.

_Leile_ s. Abend.

_Lek_ s. Arrest.

_lenk_ (link) s. arg.

_lenzen_ vgl. _linzen_.

_link_ vgl. _lenk_.

_linzen_ (lenzen) s. anschauen.

_Lobe_ s. Barschaft.

_Lolo_ (-li) s. Gendarm.

_Lomel_ s. Klinge.

_Lore_ (lore) s. das ist nichts.

_Losling_ s. Ohr.

_Luber_ (Gluber, Kluber, -per) s. Rathausuhr.

_Lubne_ s. Beischläferin.


                                  M.

_Malfes_ s. Frauenrock.

_Mamere_ s. Amme.

_manga_ s. betteln.

_Maro_ s. Brot.

_Mass_ s. Aas.

_massig_ s. zornig.

_Matrele_ s. Erdäpfel.

_Matsche_ s. Fisch.

_Mocham_ (-um) s. Dorf.

_Model_ s. Beischläferin.

_Mogel_ (-kel) s. Frau.

_molum_ s. berauscht.

_Moss_ s. Bauernfrau.

_More_ (Hamore, Morerei) s. Fehde.

_muffen_ s. Aas.


                                  N.

_näpfen_ s. abbeißen.

_naschen_ s. fliehen.

_Ni(e)se_ s. aberwitzig.

_nikle(n)_ s. aufspielen.

_Nille_ s. aberwitzig.

_nobis_ s. Dietrich.

_Nolle_ s. Fleischhafen.

_Nusche_ s. aberwitzig.


                                  O.                                      [65.70]

_oberkünftig_ s. Gaumen.

_Oberman(n)_ s. Fingerhut.


                                  P.

_Patris_ (-tres) s. Eltern.

_pfiche(n)_ s. abgehen.

_pfladere(n)_ s. abwaschen.

_pflanzen_ s. anbrennen.

_pfreimen_ (-ma) s. abzahlen.

_Pflotscher(t)_ vgl. _Flotscher_.

_Plauderer_ s. Lehrer.

_plo(t)ze(n)_ (-za) s. bewerfen.

_Put(t)lak_ s. Appetit.


                                  R.

_Rädling_ (-leng) s. Eisenbahnwagen.

_Rande_ s. Bauch.

_Räp(p)le_ s. Mark.

_Räsleng_ s. Käse.

_Rat_ s. Blut.

_Ratte_ s. Abend.

_Rauschert_ s. Streu.

_Rawine_ s. Leiter.

_Reiber_ (in Zusammensetzgn.) s. Beutel.

_Reifling_ s. Fingerring.

_Rochus_ s. Zorn.

_Rolle_ (Roller) s. Mühle.

_Romane_ s. Frau.

_Rondling_ vgl. _Rundling_.

_Ruadel_ (Ruedel) s. abfahren.

_Ruch_ s. Bauer.

_Ruedel_ vgl. _Ruadel_.

_Rundling_ (Rondling) s. Leberwurst.

_Ruf_ s. Appetit.

_Russling_ s. Kessel.

_Rutsch_ s. Bahn.

_Rutscherschure_ s. Bürste.


                                  S.

_Säftling_ s. Ananas.

_Sauft_ s. Bett.

_Schaffel_ s. Scheune.

_Schafnase_ s. Zehnpfennigstück.

_schallen_ s. absingen.

_Scharfling_ (od. Scharpfleng) s. Dolch.

_Scharrisele_ s. Kirschbaum.

_Schar(r)le_ s. Bürgermeister.

_schef(f)ten_ s. daher (a. E.)

_Schei(n)_ s. alltäglich.

_Schei(n)ling_ (-leng) s. Augapfel.

_Schenagel_ (schenegle usw.) s. abschaffen.

_schenzieren_ s. hausieren.

_schiebes_ s. davongehen.

_Schlang_ s. Halskette.

_schlaune(n)_ (-na) s. ausschlafen.

_schlummere_ s. Herberge.

_Schmaleng_ od. _Schmaler_ s. Baumkatze.

_Schmelemer_ s. Löwenzahn.

_schmol(l)en_ s. anlachen.

_Schmunk_ s. Bratkartoffeln.

_schmuse(n)_ s. ansagen.

_Schnabel_ s. Löffel.

_Schnall_ s. Metzelsuppe.

_schnelle(n)_ s. abschießen.

_schniffen_ s. anfassen.

_schnirgle_ (-la) s. begatten.

_schnüren_ s. aufhängen.

_Schnurrant_ (-rand) s. Äquilibrist.

_schofel_ s. arg.

_Schond_ vgl. _Schund_.

_schoren_ s. ausstehlen.

_Schottel_ s. Aschenbecher.

_Schrabiner_ (-winer) s. brauchbares Kind.

_Schrende_ s. Frauenstube.

_Schuberle_ s. Geist.

_Schuk_ s. Mark.

_Schuker_ s. Gendarm.

_Schund_ (od. Schond) s. abgerahmte Milch.

_schupfen_ (sich) s. aufhören.

_Schure_ (schurele) s. abbiegen.

_Schüx_ s. Hure.

_schwächen_ s. Amme.

_Schwä(t)zling_ (Schwetzling) s. Ofenruß.

_Schwimmerling_ s. Fisch.

_Sende_ s. Zigeuner.

_sichere(n)_ s. auskochen.

_Sins_ s. Amtmann.

_Sitzling_ (-leng) s. Bank (zum Sitzen).

_Sore_ s. Brücke.

_Soruf_ s. Branntwein.

_spannen_ s. gaffen.

_Spitzling_ s. Hafer.

_Sprate_ s. Ast.

_Spraus_ s. Baumholz.

_Spronkert_ s. einsalzen.

_stämpfen_ (stämpfich) vgl. _Stumpf_.

_Staubert_ s. Mehl.

_Staud_ s. Hemd.                                                          [65.71]

_ste(c)ken_ s. beschenken.

_Steinhäufle_ s. Stadt.

_Stenker(t)_ s. Entenstall.

_Stenz_ s. Ast.

_Stenzel_ s. Henne.

_stichle(n)_, _Stichling_ s. aufnähen u. Gabel.

_Stieling_ s. Birne.

_Stiepa_ s. Bürste.

_Stierer_ s. Henne.

_Stöber_ s. Apfelbaum.

_Strade_ s. Chaussee.

_Stratz_ s. Hurenkind.

_Strauberts_ s. Augenbrauen.

_Streifling_ (-leng) s. Fußlappen.

_Strohbutze_ s. Gans.

_Strupf_ s. bestraft (gerichtlich).

_Stupfle_ (Stupfel, Stupfleng) s. Dorn u. Igel.

_Sturmkitt_ s. Rathaus.

_Stumpf_ (stümpfen [stämpfen], stumpfich [stämpfich] s. Ärger.

_Süsling_ (-leng) s. Kaffee.


                                  T.

_Toberich_ s. Pfeife.

_Trabert_ (-pert) s. Füllen.

_Tritt_ s. Entenfuß.

_Trittling_ (-leng) s. Ferse; vgl. _Tritt_.

_Tschai_ s. Mädchen.

_tschanen_ s. fliehen.

_Tschuggel_ s. Hund.

_Tschure_ s. Messer.


                                  U.

_Ulme_ (-ma) s. arme Leute.

_unterkünftig_ s. Fußsohle.


                                  V.

_verfinkelt_ vgl. _Finkel-_.

_Vergondert_ s. Konkurs.

_vergröne(re)n_ s. Ehe.

_verkitschen_ s. handeln.


                                  W.

_Weisling_ (-leng) s. Feiertag.

_wo(h)nisch_ s. Katholik.


                                  Z.

_zaine(n)_ od. _zeine(n)_ (-na) s. abzahlen.

_zopfen_ s. Diebstahl.



                       VII. Sprachproben.[2283]


   Jenisch.                           Deutsch.

   1. Meinst', scheffte keine         1. Meinst du, es seien keine
      Grünwedel herles im Kracher?       Forstwärter hier im Wald?
   2. Herles im Steinhäufle schefft   2. Hier in der Stadt ist der
      der Kolb krillisch und der         Pfarrer evangelisch und der
      Kritsch wonisch.                   Schultheiß katholisch.
   3. Hauret herles das G'fahr        3. Ist hier das Dorf evangelisch    [65.72]
      krillisch oder wonisch?            oder katholisch? Nein, Juden
      Nobis, Kaime schefften             sind darin.
      herlem.
   4. Herlem im Gefahr schefft ein    4. Hier im Dorf ist ein strenger
      lenker Schuker; Buz und            Gendarm; der Polizeidiener
      Scharle hauret aber dof.           und der Schultheiß sind aber
                                         gut.
   5. _Diberei_: Schmus', Kaffer,     5. _Gespräch_: Sag, Mann, bist du   [65.73]
      hauerst begerisch? Nobis,          krank? Nein, Frau. Hungrig?
      Moss. Bikerich? Nobis.             Nein. Durstig? Nein.
      Schwächerich? Nobis.               Schläfrig? Nein. Betrunken?
      Durmerich? Nobis. Geschwächt?      Nein, Frau. Ist es dir
      Nobis, Moss. Schefft's dir         schlecht? Nein. Zum Übergeben
      schofel? Nobis. Gielerich?         schlecht (übel)? Nein. Gut?
      Nobis. Dof? Kenn, Moss.            Ja, Weib.
   6. Moss, was sicherst? Ich         6. Frau, was kochst du (da)? Ich    [65.74]
      sichere Hegesle mit                koche »Knöpfle« (»Spätzle«)
      Stupfelbossert und pflanz'         mit Igelfleisch und mache
      ein Blättling.                     (dazu) einen Salat.
   7. Der Sore scheft in dem          7. Die Sache ist in dem
      vermuften Ruchekittle.             verwahrlosten Bauernhäuschen.
   8. _Lenzerei_: Model, lenz' die    8. _Fragerei_: Mädchen, frag' die   [65.75]
      Rucheulme, was herles der          Bauersleute, was hier der
      Ruch schefft? Kenn, Patris.        Bauer ist? Ja, Vater. —
      — Ulme, hauret der Kaffer         Leute, ist der Mann
      wonisch? Nobis, Model.             katholisch? Nein, Mädchen.
      Krillisch? Kenn. Schefft er        Evangelisch? Ja. Ist er dumm?
      niesich? Nobis. Nillich?           Nein. Verrückt?[2284] Nein.
      Nobis. Schofel? Nobis.             Arm? Nein. Vergantet (im
      Vermufft? Nobis. Grandich?         Konkurs)? Nein. Reich? Ja.
      Kenn. Haurets ein                  Ist's ein Hexenmeister? Nein.
      Finkelkaffer? Nobis.               Ein Zauberer? Nein. Ein
      Kasperer? Nobis.                   »Stundenmann« (Methodist)?
      Blibelkaffer? Kenn. Schefft's      Ja. Ist es ein hungriger oder
      ein bikerischer oder lenker        böser Mann? Nein, ein guter.
      Benk? Nobis, ein dofer.            Ist er hier vom Dorfe? Ja.
      Schefft er herles vom Gefahr?      Gibt er schlecht (beim
      Kenn. Stekt er lenk? Nobis,        Betteln)? Nein, Mädchen. Gut?
      Model. Dof? Kenn. —               Ja. — Es ist gut, Mädchen,
      Schefftet dof, Model, schupf       höre auf und gehe fort. Ja,
      dich auf und bost' schiebes.       Vater.
      Kenn, Patris.
   9. Warum glemst unterkünftig das   9. Warum weint da unten das böse    [65.76]
      Gefle so grandig? Den Malfes       (kleine) Kind so sehr? Den
      hats verfunkt am Hitzling.         Rock hat's verbrannt am Ofen.
      Jetzt schefft's bauserich, 's      Jetzt fürchtet es (wörtl.:
      bestiebt Guffes.                   ist es ängstlich), es bekomme
                                         Hiebe.
   10. Oberkünftig herles in der      10. Oben hier in dem großen
      grandiche Ruchekitt schefft        Bauernhaus ist ein
      ein Nille. Der hauret link.        geistesgestörter Mensch. Der
      Spann', da linzt er zum            ist (sehr) böse. Sieh', hier
      Feneter am Stenkert. Kenn,         schaut er zum Fenster am
      ich bost' schiebes.                Stall heraus. Ja, ich gehe
                                         fort.
   11. Fiesel, — dibert der          11. Kamerad, — sagt der
      Schurespflanzer — heut'           Bürstenbinder — heute Nacht
      Leile bostemer in Stupfling;       gehen wir auf den Igelfang;
      mei' Keiluf scheft ein dofer       mein Hund ist ein guter
      Stupfelkib, aber link auf d'       Igelhund, aber bös auf die
      Schmaler und Langohren. Ich        Katzen und Hasen. Ich nehme
      schniff' ein Rande und Stenz       einen Sack und einen Stock
      mit, vielleicht bestiebemer        mit, vielleicht bekommen wir
      ein Schmaler und spannet           eine Katze und sehen Kraut
      Groenert zum Schniffen.            zum Stehlen.
   12. Bostet, bostet, herles im      12. Kommt, kommt, hier im
      Kober schefft ein dofer            Wirtshaus ist ein freigebiger
      Freier, der pfreimt grandich       Fremder, der bezahlt viel zum
      z'schwächet.                       Trinken.
   13. Schwäch' Grabegautschert,      13. Trink' Most, Freund, hier im
      Benges, herles im Nolle            Krug ist (er), und im Glas
      hauret, und im Glansert            ist Branntwein. Trink' fest,
      schefft Gefinkelter. Schwäch'      bis du umfällst. — Nein, ich
      grandig, bis d' umbohlst. —       bekomme keinen Rausch,
      Lore, ich bestieb' kein            Kamerad, falle nicht und
      Dambes, Benk, bohl' nobis und      übergebe (breche) mich (auch)
      giel' nobis.                       nicht.
   14. Linz', Kaffer, herles im       14. Schau', Mann, hier im           [65.77]
      Dofes schefft mei' Patris          Gefängnis sitzt mein Vater
      zwei Frösch wegen                  zwei Monate wegen Enten- und
      Lachepatscher und Stenzel          Hühnerstehlens ab.
      schniffe.
   15. Jetzt schwäch' ich Blamb und   15. Jetzt trink' ich Bier und
      bik' Räsling. Schwächst du         esse Käse. Trinkst du nichts,
      nobis, Benges? — Kenn, ich        Kamerad? — Ja, ich trinke
      schwäch' Johle und kahl'           Wein und esse Wurst. Meine
      Rundling. Mei' Moss schwächt       Frau trinkt Kaffee.
      Süssling.
   16. Schon Leile, und mei' Kaffer   16. Schon Nacht, und mein Mann
      schefft nobis herles. Ich          ist (noch) nicht hier. Ich
      baus' mir herlem in der            fürchte mich hier in der
      grandigen Schaffel — schmust      großen Scheune — sagt die
      die jenisch' Moss —, ich          fahrende Frau —, ich gehe
      boste und beschrenk'.              und schließe zu.
   17. So, Galme, — dibert die       17. So, Kinder, — sagt die
      Mamere — ist Schnall und          Mutter — habt ihr (eigtl.:
      Bolle' buttet und Gleis            ist) die Suppe und die
      geschwächt? — Kenn, Mamere.       Kartoffeln gegessen und Milch
      — Dann bostet in Sauft und        getrunken? — Ja, Mutter. —
      schlaunet.                         Dann geht zu (ins) Bett und
                                         schlaft.
   18. Fiesel, linz', herles bostet   18. Kamerad, schau, hier kommt
      ein Kaffer aus dem                 ein Mann aus dem Bauerndorf
      Rucheg'fahr mit einem              mit einem großen Hund an der
      grandigen Kib an der Schlang       Leine und (einem) Regenschirm
      und Pflotscher in de'              in der Hand. Es regnet doch
      Griffling. Es flösslet doch        nicht? — Nein, es ist ein
      nobis? — Nobis, 's hauret         Herr, kein Bauer, ich sehe es
      ein Sins, kein Ruch, ich           an dem feinen Anzug und (den)
      spann's an der dofe Kluft und      Stiefeln. — Ja, es ist ein
      Tritt. — Kenn, 's schefft         Herr, schau seinen schönen
      ein Sins, spann' sein dofer        Hut auf dem Kopfe, die
      Oberman auf 'em Kiebes, die        Uhrkette und (die) Uhr in der
      Gluperschlang und Gluper im        Tasche. — Regnen wird's
      Rande. — Flössle wird's           heute bei Tage nicht, es hat
      heut' nobis am Schei, es hat       heute Nacht viel (stark)
      heut' Leile grandig                geregnet. Sieh', der Herr
      g'flesslet. Linz' der Sins         lacht, er merkt es, daß wir
      schmollt, er gneist's, dass        von ihm und (dem) Hunde
      wir von ihm und Keiluf             sprechen. Komm', wir gehen
      schmuset. Pfich', wir              fort. — Ja, wir gehen.
      schefften schiebes. — Kenn,
      wir pfichet.
   19. Patris, — dibert der Galm —  19. Vater, — sagt das Kind —
      ruedlemer in das Mochumle, wo      fahren wir in das Dörfchen,
      wir am grandigen Fluhte            wo wir am großen Wasser
      halten mit dem Rädling, und        halten mit dem Wagen, und
      sicheren? In der Schaffel vom      kochen (da)? Übernachten
      Scharle fehten? — Kenn, —        (wir) in der Scheune vom
      schmust die Mamere — das          Schultheiß? — Ja, — sagt
      Gefahr hauret's, wo neben der      die Mutter — dieses Dorf ist
      Fehte der Trabertkober             es, wo neben der Herberge die
      schefft mit der dof Beizere        Rößleswirtschaft ist mit der
      und Beizer mit dem grandigen       guten Wirtin und (dem) Wirt
      Muffer, wo wir vor'm Jahne so      mit der großen Nase, wo wir
      grandich Sore verbaschten. —      voriges Jahr so viel Ware
      Schwächet und buttemer heut'       verkauften. — Trinken und
      Leile nobis in der Beiz? —        essen wir heute Abend nichts
      lenzt der Kaffer seine Moss.       in der Wirtschaft? — fragt
      — Nobis, nobis, — schmust        der Mann sein Weib. — Nein,
      die Moss — kein Boschert          nein, — sagt die Frau —
      Lobe schefft herles.               kein Pfennig Geld ist (dafür)
                                         da.
   20. Schupf' dich auf und sei       20. Sei ruhig und gescheit und      [65.78]
      kochem und stämpf' nicht so        schimpfe nicht so viel,
      grandich, Fiesel. — Nobis,        Freund. — Nein, ich bin
      ich schupf' mich lore, ich         nicht still, ich habe einen
      schefft' grandich stumpfich        großen Zorn (eigtl.: bin sehr
      auf den bikerichen Beizer          zornig) auf den geizigen Wirt
      herles und schmusem's noch.        hier und sage es ihm noch.
      Der Beizer schefft ein             Der Wirt ist ein böser
      Linkfiesel, der kemeret nobis      Mensch, der kauft keine
      keine Stiebe und Schottle.         Bürsten und keine Körbe. Die
      Die Beizerin hauret nobis so       Wirtin ist nicht so schlecht.
      schofel. — Kenn, das schefft      — Ja, das ist ein braves
      ein g'want's Mössle. —            Weibchen. — Schweig still,
      Schupfte, schefft' nobis           sei nicht dumm. Schau, der
      nillich. Spann, der Koberer        Wirt sieht ganz zornig (aus).
      linzt massig. Fiesel, er           Kamerad, er merkt unser
      gneist die lenke Diberei. —       schimpfendes Gespräch. — Ich
      Ich kahl' und schwäch' nobis       esse und trinke nichts mehr
      mehr herles. Pfich', wir           hier. Komm, wir bezahlen den
      zeinet den Beizer und              Wirt und gehen fort. — Ja,
      schefften schiebes. — Kenn,       Kamerad.
      Fiesel.
   21. Linz', in dem Mochem, wo man   21. Schau, in dem Dorfe, das man
      spannt, schefft ein g'wanter       (da) sieht, ist ein braver
      Plauderer. Der stekt dof           Schulmeister. Der gibt gut zu
      z'biket und z'schwächet und        essen und zu trinken und
      kemeret grandich Sore.             kauft viel Ware.
   22. Herles in dem Gefahr           22. Hier in dem Dorfe sind
      schefften schofle Ruchen, da       schlechte Bauern, da bekommt
      bestiebtmer nobis zu dalfen.       man nichts beim Betteln.
   23. Schefft Schnall nobis          23. Ist die Suppe nicht kalt, ist   [65.79]
      bibrisch, hauretse auch dof        sie auch gut geschmalzen und
      geschmunkt und gesprunkt?          gesalzen?
   24. _Stiepenpflanzer_: Ulme,       24. _Bürstenbinder_: Leute,
      schwächet grandicher Blamb         trinket (lieber) mehr Bier
      und Grabegautschert als            und Most anstatt zu
      dibere. Beizer, ich schwäch'       schwätzen. Wirt, ich trinke
      ein Stielingsjohle. Schwächet      einen Birnenmost. Trinket
      auf, Ulme! Benges, Käffer,         aus, Leute! Burschen, Männer,
      schwächet grandiger                trinkt mehr Branntwein und
      Gefinkelter und niklet!            tanzt. Weiber, Mädchen,
      Mossen, Modle, schwächet           trinkt Wein und singt!
      Johle und schallet!
   _Model_ (nikelt und schallt):      _Mädchen_ (tanzt und singt):
   »Und a' jenische Model             »Und ein fahrendes Mädchen
   Schnifft a' jenischer Fiesel«      Nimmt sich einen fahrenden
                                         Burschen«
   — — — — — — —               — — — — — — —
   _Koberer_: Lore, Ulme, herles      _Wirt_: Nichts, Leute, hier wird
      wird nobis g'schallet.             nicht gesungen.
   _Beizere_: Model, schupf dich      _Wirtin_: Mädchen, höre auf!
      auf!
   _Jenischer Benk_: Und nobis        _Fahrender Bursche_: Und (darf
      nikle?                             man auch) nicht tanzen?
   _Beizer_: Nobis, nobis!            _Wirt_: Nein, nein!
   25. _Dächlespflanzerulme._         25. _Schirmflickersleute._
      _Dächlespflanzer_: Moss,           _Schirmflicker_: Weib, (es)
      schefft Leile, pfich'              ist Abend, geh' fort, (um
      schiebes Fehte linze. Galme,       nach einer) Herberge (zu)
      schupfetich, bis Mamere vom        sehen. Kinder, seid ruhig,
      Fehte linzen bostet herles im      bis (die) Mutter zurückkommt
      Heges. —                          von dem Suchen (eigtl. Sehen)
                                         (nach) einer Herberge hier in
                                         dem Dörfchen. —
   Patris, linz', die Mamere pficht.  Vater, schau', die Mutter kommt.
      —                                 —
   Kenn, schniffet den Rädling,       Ja, nehmt den Wagen, Kinder, und
      Galme, und bostet.                 gehet.
   _Dächlespflanzerin_: Kaffer, die   _Schirmflickerin_: Mann, die
      Fehteulme hauret nobis             Herbergsleute sind nicht da
      herles, aber's Glied hat           (zu Hause), aber der Sohn hat
      gefehtet. —                       uns das Übernachten erlaubt.
                                         —
   Wo schlaunetmer, Moss, im          Wo schlafen wir, Weib, im Stall
      Stenkert oder Schaffel? Wo         oder (in der) Scheune? Wo ist
      schefft Fehte? — Spann',          die Herberge? — Schau, hier
      herles das Schaffelle              die kleine Scheune ist es. —
      hauret's. — Galme, pflanzet       Kinder, macht (die) Scheune
      Schaffel auf und schefftet         auf und geht fort zum
      schiebes zum Dalfen. Moss,         Betteln. Weib, mach' das
      pflanz' den Sauft. — Linz',       Bett. — Sieh', Mann, die
      Kaffer, die Galme bosten vom       Kinder kommen vom Betteln,
      Derchen, und heiles pficht         und hier kommt (auch) der
      der Fehtekaffer. Dibere mit        Hauswirt. Sprich mit dem
      dem Hegel. — Kenn, Moss. —       Einfaltspinsel. — Ja, Frau.
                                         —
   Moss, ich haure begerisch. Der     Weib, ich bin krank. Der Hauswirt   [65.80]
      Fehtekaffer schmust, es            sagt, es stehe schlecht (mit
      scheffte schofel.                  mir).
   _Moss_: Kaffer, ich bestieb'       _Frau_: Mann, ich bekomme Angst;
      Bauser; boste in Begerkitt         gehe in (das) Krankenhaus
      oder zum Begersins. — Nobis,      oder zum Doktor. — Nein,
      nobis, nur nobis in                nein, nur nicht ins Spital.
      Begerkitt. — Kenn, 's ist         — Ja, es ist besser, Mann,
      döfer, Kaffer, du buttest          du ißt hier (die) Kartoffeln
      herles Schundbolle mit             mit Butter und Rahm. Ich esse
      Schmunk und Gleisschund. Ich       Brot und trinke Milch; dann
      bik' Lehm und schwäch' Gleis;      gehen wir in (unsere) Betten.
      dann pfichet mir in
      Sauftlinge.
   _Model_: Mamere, ich hab' nobis    _Mädchen_: Mutter ich habe nichts
      g'buttet bestiebt und hab'         zu essen bekommen und habe
      grandig Puttlak. Dog' mir          (sehr) großen Hunger
      Schofellechem oder Bolle und       (Heißhunger). Gib mir
      abg'schunde Gleis.                 Schwarzbrot oder Kartoffeln
                                         und abgerahmte Milch.
   _Mamere_: Kenn, kenn, herles       _Mutter_: Ja, ja, hier nimm den
      schniff' den Gleisnolle mit        Milchhafen mit (dem) Löffel
      Schnabel und Bolleschottel.        und (die) Kartoffelschüssel.
   _Patris_: Moss, bukle die Stratze  _Vater_: Frau, bringe die Kinder
      in Sauft. _Galme_ (glemsen         zu Bette. _(Die) Kinder_
      und schmusen): Bostet heut'        (weinen und sagen): Kommt
      Leile nobis a' Schuberle?          heute Nacht (auch) kein
                                         Gespenst?
   _Patris_ (stumpfich):              _Vater_ (zornig): Seid still,
      Schupfetich, Galme, oder der       Kinder, oder der Teufel soll
      Koele mussich bukele.              (muß) euch holen.
   _Moss_: Schupfte, Kaffer, mit dem  _Frau_: Hör' auf, Mann, mit dem
      lenken Gedieber oder ich           wüsten Gerede oder ich
      bestieb' ein Stumpf. Galme,        bekomme einen Zorn. Kinder,
      bliblet z'Leile und                betet zur Nacht und schlaft.
      schlaunet.
   _Kaffer_: Durmet die Schrawiner?   _Mann_: Schlafen die Kinder?        [65.81]
      _Moss_: Kenn. —                   _Frau_: Ja. —
   _Kaffer_: Dann schniff'            _Mann_: Dann nimm (ein) Zündholz
      Funkspreisle und funk' herles      und zünde hier das Licht an
      den Schein an und linz' nach       und sieh nach Läusen im Rock
      Keneme im Malfes und               und (in den) Strümpfen. Ich
      Streifling. Ich linz' im           schaue im Hemd und (in der)
      Hanfert und Buxen. Es näpft        Hose (nach). Es beißt mich so
      mich grandig, seit der             sehr, seit der Wagen (mit)
      Rädling Schwelemer herles          Zigeuner(n) bei uns gewesen
      gehauret und ein Schei             und einen Tag mit (uns)
      mitgerudelt ist. Moss, ich         gefahren ist. Weib, ich
      linz' und linz' und bestieb'       schaue und schaue und bekomme
      nobis und spann' nobis kei'        und sehe keine Laus.
      Kenem.
   _Moss_: Kaffer, soll der Fiesel    _Frau_: Mann, soll der Junge
      nobis aufs Kohl in Stupfling       nicht fortgehen und so tun,
      bosten und Bommerling,             als wolle er Igel fangen und
      Stieling und Blauhanse             (statt dessen) Äpfel, Birnen
      schniffe?                          und Zwetschgen stehlen?
   _Kaffer_: Ich schmoll', der        _Mann_: Ich muß lachen, der
      Hegellauti … Ich boste am        närrische Kerl … Ich gehe
      Schei und schniff Säftling,        am Tage (selbst) und stehle
      Bloling und Scharrisele und        Trauben, Pflaumen und
      bukles' im Buxe- und               Kirschen und trage sie in
      Malfesrande.                       (meiner) Hosen- und
                                         Rocktasche (heim).
   _Moss_: Schupfte, Kaffer, ich      _Frau_: Sei still, Mann, ich sehe
      spann' ein Schein. Linz',          ein Licht. Schau, hier kommen
      herles pfichet Ulme!               Leute!
   _Kaffer_: Kenn, 's hauret das      _Mann_: Ja, es ist der bankrotte
      vermufft' Fehtekäfferle und        kleine Hauswirt und (die)
      Fehtemoss. Sie bosten in           Hausfrau (= Quartiersfrau).
      Horbogestenkert.                   Sie gehen in den Kuhstall.
   _Moss_: Kenn, linz', sie           _Frau_: Ja, schau, sie sind
      schefften im Stenkert.             (schon) im Stall. Mann, …
      Fiesel, … der Ruch pflanzt       der Bauer macht einen wüsten
      ein linker Giel.                   Mund.
   _Kaffer_: Kenn, der Fehtekaffer    _Mann_: Ja, der Hauswirt ist
      schefft stumpfich, er hauret       zornig, er ist in Konkurs
      vermufft vor grandich Bommen.      geraten wegen großer
                                         Schulden.
   _Moss_: Vergondert hauret er?      _Frau_: Im Konkurs ist er? Jetzt
      Jetzt gneiss' ich den              verstehe ich seinen großen
      grandigen Rochus.                  Zorn.
   _Kaffer_: Kenn, g'schnifft und     _Mann_: Ja, (weg)genommen und
      verkemeret hat der                 verkauft hat der
      Schoffeleischure ein               Gerichtsvollzieher ein
      Groenikel, Trabert und             Schwein, (ein) Pferd und
      Hornikel, und die Horboge          (einen) Ochsen, und die Kühe
      hauret am Kaim.                    gehören dem Juden.
   _Moss_: Das schefft schofel,       _Frau_: Das ist traurig, Mann.      [65.82]
      Benges. Linz', die Moss            Schau, die Frau geht vom
      bostet vom Stenkert zur            Stall in die Scheune und holt
      Schaffel und schnifft Kupfer.      Heu.
   _Kaffer_: Nobis, sie pficht        _Mann_: Nein, sie kommt hierher
      herles und bukelt Rauschert        und trägt Stroh in (den)
      in Stenkert.                       Stall.
   _Pflotscherpflanzerin_: Dofe       _Schirmflickerin_: Guten Abend,
      Leile, Fehtemoss, noch nobis       Hausfrau, noch nicht im (zu)
      im Sauft? — Nobis, noch           Bett? — Nein, noch nicht.
      nobis. Durmeter noch nobis?        Schlaft ihr noch nicht? Ich
      Ich pfich' heut' Ratte lore        komme heute Nacht nicht ins
      in Sauft, wir bestieben ein        Bett, wir bekommen ein junges
      Horbögle. Herles hauret ein        Kalb. Hier ist ein Hund.
      Kib. Napft er nobis? —            Beißt er nicht? — Nein,
      Nobis, Fehtemoss. — Das           Hausfrau. — Das ist gut.
      schefft dof. Dofe Leile, Goi,      Gute Nacht, Frau, schlaft
      schlaunet dof! — Dofe Leile,      gut! — Gute Nacht, Hausfrau,
      Fehtemoss, pflanzet's dof!         macht's gut!
   _Moss_: Spannst nobis, Kaffer,     _Frau_: Siehst du nichts, Mann,
      herles bostet ein grandiger        da läuft eine große Katze.
      Schmaler.
   _Kaffer_: Das schefft g'want,      _Mann_: Das ist gut, Weib, gib
      Moss, dog' mir mein Sprate,        mir meinen Stock, dann (will
      dann deisen, und Scharfling,       ich sie) totschlagen, und
      dann dupfen.                       mein Messer, dann (will ich
                                         sie) stechen.
   _Moss_: Nobis, Fiesel,             _Frau_: Nein, Mann, Katzenfleisch
      Schmalerbossert bik' ich und       esse und koche ich nicht.
      sichere nobis.
   _Kaffer_: Was muft herles so       _Mann_: Was riecht hier so
      schofel?                           schlecht?
   _Moss_: Spann', der Schein         _Frau_: Schau, das Licht ist es,
      hauret's, er bostet schiebes,      es geht aus, jetzt gehen wir
      jetzt pfichet mir in Sauft,        (auch) zu (ins) Bett, Mann.
      Kaffer. —                         —
   Die Leile ist schiebes, es         Die Nacht ist vorbei, es ist Tag.
      schefft Schei. Wo hauret           Wo sind meine Kleider? Guten
      meine Klufterei? Dofer Schei,      Morgen, Mann. Gib mir meinen
      Kaffer! Stek' mir mein Malfes      Rock und (meine) Schuhe zum
      und Trittling zum Ankluften,       Anziehen, ich gehe hausieren.
      ich boste schenzieren. Dog'        Gib mir Wasser zum Waschen
      mir Fluhte zum Pfladeren und       und Haarmachen. — Kinder tut
      Straubertspflanzen. — Galme,      (eigtl.: werft) (die) Betten
      bohlet Säuftling in Rädling,       in (den) Wagen (und) macht
      pflanzet den Rauschert             das Stroh weg. —
      schiebes. —
   Moss, pfich' schenzieren und       Weib, geh' hausieren und verkaufe   [65.83]
      vergrem' grandig. —               viel. —
   Kenn, kenn, Kaffer, aber ich       Ja, ja, Mann, aber ich sehe es
      spann's, in dem krillischen        (schon), in diesem
      Heges verkemere ich nobis          lutherischen Dorfe verkaufe
      grandig. Doge mir mein             ich nicht viel. Gib mir
      Dächlesrande, Kaffer, und          meinem Schirmsack, Mann, und
      pflanzte Sore, dann scheffte       (die) gemachte Ware, dann
      schiebes. —                       gehe (ich) fort. —
   Galme, pflanzet Strauberts,        Kinder, macht (euch) die Haare,
      pfladert eure schondiche           wascht (euch) eure
      Griffling und Kiebes.              schmutzigen Hände und (das)
      Schnifft Spraus zum Sicheren.      Gesicht. Nehmt Holz (mit) zum
      Linzet, herles scheft ein          Kochen. Seht, hier ist ein
      g'wantes Schurele,                 schönes Brett(chen), stehlet
      z'schoret's. — Kenn, Patris.      es. — Ja, Vater. —
      —
   Pflanzet den Kib vom Rädling und   Macht den Hund vom Wagen (los)
      Schaffel auf! Fiesel, boste        und (die) Scheune auf! Junge,
      Bolle und Schmunk dalfen. Die      gehe fort, (um) Kartoffeln
      Mamere dercht Gleis und Lehm.      und Schmalz (zu) betteln. Die
      Model, schniff herles den          Mutter bettelt Milch und
      Staubertrande und pfich' zur       Brot. Mädchen, nimm hier den
      Rolle und derch' Staubert zu       Mehlsack und gehe zur Mühle
      Hegesle pflanzen. Der Roller       und bettle um Mehl zum
      schefft g'want und stekt dof.      Spätzlemachen. Der Müller ist
      Ich schniff' dofen Fluhte zum      brav und gibt gut. Ich nehme
      Süsling sichere und ruedle         frisches Wasser (mit) zum
      vor's Gefahr und pflanz' den       Kaffeekochen und fahre vor's
      Funk. —                           Dorf hinaus und brenne das
                                         Feuer an. —
   Fiesel, pfichst? —                Junge, kommst du? —
   Kenn, Patris. —                   Ja, Vater. —
   Schmunk und Bolle bestiebt? —     (Hast du) Schmalz und Kartoffeln
      Kenn. —                           bekommen? — Ja. —
   Patris, linz', die Mamere und      Vater, schau', die Mutter und
      Model bosten. —                   (das) Mädchen kommen. —
   Verkemeret nobis, kein Boschert,   Verkauft (habe ich) nichts, (für)
      Kaffer; aber grandig z'dalfet      keinen Pfennig, Mann; aber
      bestiebt und ein g'wanter          viel zu betteln (habe ich)
      Bogeiepflotschert ein'bascht,      bekommen und einen noch guten
      spann'! —                         Fischbeinschirm eingehandelt,
                                         schau! —
   Kenn, die Bogeie schefften dof     Ja, die Fischbeine sind gut zum     [65.84]
      zum verkitschen, da derche         Verkaufen, da(für) verlange
      ich grandig. —                    ich viel. —
   Model, herles hauret Bich. Boste   Mädchen, hier ist Geld. Gehe zum
      zum Lehmschupfer und grem'         Bäcker und kaufe für zehn
      für a' Schafnas' Kechelte zum      Pfennige Wecken zum Kaffee.
      Süsling. Dem Patris pflanze        Dem Vater mache (ich)
      Schmunkbolle. —                   Bratkartoffeln. —
   Patris, linz', 's pficht ein       Vater, sieh, es kommt ein
      Schuker! —                        Gendarm! —
   Nobis, Fiesel, 's schefft ein      Nein, Junge, es ist ein
      Grünwedel. Linze die dof Latt      Forstwart. Schau (nur) den
      und Klass. —                      schönen Hirschfänger und
                                         (das) Gewehr. —
   Moss, spann, die Model buklet ein  Weib, sieh (nur), das Mädchen
      Brandling. Die Model schefft       bringt einen Kuchen. Das
      wie a' Finkelmoss und hauret       Mädchen ist wie eine Hexe und
      eine g'wante Derchere. —          (ist) eine tüchtige
                                         Bettlerin. —
   Wo bestiebt, Model? In der         Wo (hast du das) bekommen,
      Schupferei 'dalft? —              Mädchen? (Hast du es) in der
                                         Bäckerei gebettelt? —
   Kenn, Patris. —                   Ja, Vater. —
   Es schefft gesichert. Galme,       Es ist gekocht. Kinder, Mann,
      Kaffer, bostet zum Bicken.         kommt zum Essen! Werft nichts
      Bohlet nobis um! Herles            um! Hier sind (die) Löffel,
      hauret Schnäbel,                   Kaffeetassen und Milchhafen.
      Süslingschottle und                Esset! —
      Gleisnolle. Achilt! —
   Dog' mir ein Stichling, Moss. Ich  Gib mir eine Gabel, Weib. Ich
      pfich' und butte meine             gehe und esse meine
      Schmunkbolle unter dem             gebratenen Kartoffeln unter
      Stöber. —                         diesem Baum. —
   Kenn, Kaffer, herles schefft       Ja, Mann, hier ist deine Gabel.
      deine Furschet. —                 —
   Doge mir Spronkert, Fiesel, die    Gib mir Salz, Junge, die
      Bolle hauret nobis dof             Kartoffeln sind nicht genug
      g'sprunkt. Wie hauret's,           (eigtl.: nicht gut) gesalzen.
      Galme, bostet ihr nobis zur        Wie steht es, Kinder, geht
      Plauderei? —                      ihr nicht zur Schule? —
   Nobis, Patris, der Plauderer und   Nein, Vater, der Lehrer und (der)
      Kolb schefften schiebes in's       Pfarrer sind fort in die
      Steinhäufle und pfichet in         Stadt und gehen in die schöne
      die dof Duft. —                   Kirche. —
   Patris, Mamere, linzet herles      Vater, Mutter, sehet, da kommt
      bostet ein Rädling                 ein Wagen (mit) Zigeuner(n).
      Schmelemer! Nobis, es              — Nein, es sind »jenische
      schefften jenische Ulme,           Leute«, Korbmacher oder
      Schottlepflanzer oder              Schirmmacher. —
      Dächlespflanzer. —
   Lore, 's hauret Ulme, wo kasperet  Nein, es sind Leute die zaubern,    [65.85]
      oder Dercherulme. —               oder Bettelleute. —
   Nobis, nobis, Schurespflanzer      Nein, nein, Bürstenbinder sind
      hauret's. —                       es. —
   Kenn, aber ich gneise's nobis. —  Ja, aber ich kenne sie nicht. —
   Pflanzet den Funk aus! Die Sore    Macht das Feuer aus! Packt
      in Rädling bohlt! Patris und       (eigtl.: werft) die Ware in
      Fiesel, schniffet den Rädling      den Wagen. Vater und Junge,
      in Griffling, und                  nehmt den Wagen in die Hand,
      abgeruadelt! Pfich', Model,        und (dann) abgefahren! Komm,
      wir bosten.                        Mädchen, wir laufen.
   Patris, bostet mir ins dofe        Vater, gehen wir in die schöne
      Steinhäufle, wo der grandich       Stadt, wo der König ist? —
      Sins schefft? —
   Kenn, Fiesel. —                   Ja, Kind. —
   Gremst wieder Trabertbossert beim  Kaufst (du da) wieder
      Trabertkafler, Patris? — Der      Pferdefleisch beim
      Mass vor'm Jahne ist dof           Roßmetzger, Vater. Das
      g'hauret. —                       Fleisch voriges Jahr ist gut
                                         gewesen. —
   Nobis Fiesel, wir kemeret, ein     Nein, Junge, wir kaufen ein
      Kible. Kibenbossert hauret         Hündchen. Hundefleisch ist
      döfer. —                          besser. —
   Kaffer, wenn's nobis flösslet,     Mann, wenn's nicht regnet,
      pflanzet mir Blatt unter dem       übernachten wir am Sonntag im
      grandichen Krächerstöber in        Freien unter dem großen
      dem wonischen Ruchegefahr          Nußbaum in dem katholischen
      über'n Weisling. Rauschert         Bauerndorf. Stroh bekommen
      bestiebet mir. Wenn's nobis        wir (schon). Wenn's (nur)
      ein Flösselschei schefft! —       kein Regentag wird! —
   Kenn, Moss, und sicheret eine      Ja, Weib, und (dann) kochen wir
      Hegesleschnall, Groenert und       eine »Spätzles«suppe, Kraut
      Groenikelbossert. —               und Schweinefleisch. —
   Lore, Kaffer, Bolleblättling und   Nein, Mann, Kartoffelsalat und
      Stupfelmass.                       Igelfleisch.
   26. Stichler, — dibert der        26. Schneider, — sagt der
      Schmelemer — schefftet so         Zigeuner — seid so gut und
      dof und pflanzet diese             macht mir diese schlechte
      schofle Buxe. Ich bereim' ein      (zerrissene) Hose. Ich
      Flächsle. —                       bezahle (dafür) eine Mark. —
   Nobis, nobis, — schmust der       Nein, nein, — sagt der Schneider   [65.86]
      Stichler — ich pflanz' die        — ich flicke (eigtl.: mache)
      schundich' Buxe nobis. Ich         diese schmutzige Hose nicht.
      will lore Kenemer.                 Ich will keine Läuse
                                         (bekommen).
   27. _Ruch_ (butschet ein           27. _Bauer_ (fragt ein
      jenischen Galmen): Wo              »jenisches« Kind): Woher seid
      haureter schureles?[2285] —       ihr? —
   Dibert des Schrawiners _Patris_:   (Es) sagt des Kindes _Vater_:
      Schmus' nobis, Galm! —            Sag' (es) nicht, Kind! —
   _Galm_: Von Schmusdernobishausen   _Kind_: Von »Sag' - dir's - nicht
      am Niesebach. —                   - hausen« am Narrenbach. —
   _Ruch_: Wo hauret's? —            _Bauer_: Wo liegt (denn) das?
   _Galm_: Bei Nobisgneis am          _Kind_: Bei »Ich - weiß - (es) -
      Nilleberg aufs Kohl und            nicht« am Dummkopfberg, und
      Blauangestrichen[2286].            alles ist recht erlogen.
   28. Pflanz', doge mir ein          28. Mach', gib mir ein
      Funkerle zum Toberich              Streichholz zum Anzünden der
      anfunken. —                       Pfeife. —
   Herles, meine Dämpfete funkt,      Hier, meine Zigarre brennt, nimm
      schniffse zum anfunken.            sie zum Anzünden.
   29. Herles, Galme, schefft der     29. Hier Kinder, sitzt (ist) der
      Patris ein' Schei im Kittle        Vater einen Tag im Arrest
      wegen Hamore und Stenzerei.        wegen Händel und Schlägerei.
   30. Linz, Moss, herlem in der Lek  30. Sieh, Frau, hier im Gefängnis
      schefft mein Glied ein Jahne       sitzt (ist) mein Bruder ein
      wegen Dupfen und Schnellen.        Jahr (lang) wegen Stechens
                                         und Schießens.
   31. Herles im Gefahr scheffte      31. Hier im Dorf wurde (ich)
      gestrupft wegen Derchen und        bestraft wegen Bettelns und
      link Schenzieren. Mein Kaffer      unerlaubten Hausierens. Mein
      stämpft und pflanzt Hamore         Mann schimpft und fängt
      mit Buz und Scharle.               Streit an (eigtl.: macht
                                         Streit) mit dem Polizeidiener
                                         und dem Schultheiß.
   32. Spann', die grandich Kitt      32. Schau, das große Haus hier!     [65.87]
      herles! — Kenn, Gneistse          — Ja. Kennst du es nicht? —
      lore? — Nobis. — Die             Nein. — Das Zuchthaus ist
      Schoffelkitt schefft's.            es.
   33. _Derchermoss_: Hauret so dof,  33. _Bettelweib_: Seid so gut,
      Lehmschupfer, und dogt mir         Bäcker, und gebt mir (etwas)
      dofen Lehm oder Gleiskechelte      Weißbrot oder Milchbrötchen
      für mein Gälmle zum                für mein Kindlein, um eine
      Gleisschnälle sicheren.            Milchsuppe zu kochen.
   _Lehmschupfer_: Nobis, nobis, für  _Bäckermeister_: Nein, nein,
      Dercherulme wird lore 'dogt.       Bettelleuten wird nichts
                                         gegeben.
   34. Mir schefft's gielerich vor    34. Mir ist (es) schlecht vom
      grandig Grabegautschert            vielen Apfelmost-Trinken,
      schwächen und lore biken. —       ohne etwas (dazu) gegessen zu
      Herles, schwäche Fluhte. —        haben (wörtlich: »und nichts
      Nobis.                             essen«). — Hier, trinke
                                         Wasser. — Nein.
   35. Mei' Kluper schefft schofel.   35. Meine Uhr ist entzwei. Ich
      Ich pfich' schiebes zum            gehe fort zum Uhrmacher. —
      Genglespflanzer.

[Fußnote 2283: ([1] auf S. 65.71) Schon in meiner »Vorbemerkung« (S. 3)
habe ich erwähnt, daß die »Sprachproben« — aus dort näher angegebenen
Gründen — nicht unwesentlich gekürzt worden sind. Sie umfaßten
ursprünglich 46 Nummern, die auf 35 reduziert werden konnten; außerdem
wurden aber auch noch _innerhalb_ einzelner Nummern (s. bes. in Nr. 25)
mehrfache Streichungen vorgenommen. Bei der Übersetzung der jenischen
Gespräche ins Deutsche habe ich grundsätzlich soweit wie möglich den
_Wittichschen_ Wortlaut beibehalten und nur hier und da einzelne Stellen
in eine etwas flüssigere Form gebracht. Der jenische Text stellt sich
als wichtige Ergänzung zu dem »Wörterbuch« dar, nicht nur durch die
Verwendung mancher dort ursprünglich fehlender (und erst von mir mit dem
Zusatz »Spr.« hinzugefügter) Vokabeln, sondern namentlich auch insofern,
als wir erst hier erfahren, wie die einzelnen Wörter in einer konkreten
Satzverbindung gebraucht zu werden pflegen. Während z. B. im Wörterbuch
über das _Geschlecht der Hauptwörter_ nur ganz ausnahmsweise etwas zu
entnehmen ist, erscheinen sie hier regelmäßig in Verbindung
mit dem (bestimmten oder unbestimmten) Artikel, also unter
Geschlechtsbezeichnung. Diese aber weicht in zahlreichen Fällen von der
in unserer Gemeinsprache üblichen ab (vgl. z. B. _der_ Galm = _das_
Kind, _der_ Funk = _das_ Feuer, _der_ Flu[h]te = _das_ Wasser [vgl.
_die_ Flut], _der_ Stichling = _die_ Gabel [aber — in Übereinstimmg.
mit dem Deutsch. u. Französ. — _die_ Furschet], _die_ Model = _das_
Mädchen, _die_ Kitt = _das_ Haus usw.). Zuweilen scheint auch der
Sprachgebrauch zu schwanken. So findet sich z. B. in Nr. 7 _der_ Sore =
_die_ Sache (in Übereinstimmg. u. a. mit dem _W.-B. des Konst. Hans_
[254]), während an einer anderen Stelle (Nr. 26) das Wort als _femin._
gebraucht wird (_pflanzte Sore_ = die gemachte Ware), was auch in der
_neueren_ Gaunersprache der Fall ist (vgl. z. B. [Griechisch: Ô]
[Griechisch: S] in Z. V, 429 u. _Rabben_ 124). In einzelnen Fällen ist
aber _kein_ Artikel gesetzt worden, während wir nach dem deutschen Text
einen solchen erwarten würden, so z. B. in Nr. 23 (_Schefft Schnall
nobis bibrisch?_ = Ist _die_ Suppe nicht kalt?); Nr. 25 (_Wo schefft
Fehte?_ = Wo ist _die_ Herberge?; … _pflanzet Schaffel auf_ = …
macht _die_ Scheune auf; _bohlet Säuftling in Rädling_ = tut [eigtl.
werft] _die_ Betten in den Wagen; … _pflanzet Strauberts_ = … macht
[euch] _die_ Haare), namentlich auch dann, wenn schon ein _anderes_,
_mit_ (dem bestimmten od. unbestimmten) Artikel versehenes Hauptwort
_voran_gestellt worden; vgl. z. B. Nr. 11 (_Ich schniff' ein Rande und
Stenz_ = Ich nehme einen Sack und _einen_ Stock mit); Nr. 19 (_mit der
dof Beizere und Beizer_ … = … mit der guten Wirtin und _dem_ Wirt
…); Nr. 25 (_Linze die dof Latt und Klass_ = Schau [nur] den schönen
Hirschfänger und _das_ Gewehr).

Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — _Grammatik_ und _Syntax_ sich auch
beim Gebrauch des »Jenischen« grundsätzlich den allgemeinen Regeln
unserer Muttersprache anschließen, enthalten naturgemäß Gespräche, die
zwischen Leuten aus dem niederen Volke geführt werden, auch in dieser
Beziehung mancherlei Abweichungen von der Schriftsprache.

I. Zunächst seien hierfür zwei (nicht bloß auf einzelne Mundarten
beschränkte, vielmehr) wohl durch ganz Deutschland verbreitete
Besonderheiten der volkstümlichen Redeweise erwähnt, nämlich:

1. daß »des Nachdrucks halber _Verneinungen doppelt_ (ja dreifach)
gesetzt werden können, _ohne einander_ aufzuheben« (_Polle-Weise_, Wie
denkt das Volk über die Sprache?, 3. Aufl., Leipzig 1904, S. 108; vgl.
Näh. noch bei _R. Hildebrand_, Ges. Aufsätze, Leipzig 1890, S. 214 ff.).
_Beispiele_: in Nr. 20 (… _der kemeret nobis keine Stiebe_ … = …
der kauft keine Bürsten …) u. Nr. 25 (… _ich spann' nobis kei Kenem_
= … ich sehe keine Laus);

2. die Verwechselung des _Dativs_ u. _Akkusativs_ bei den _persönlichen
Fürwörtern_ (also mir statt mich, dir statt dich usw. und umgekehrt).
_Beispiel_: in Nr. 16 (_Ich baus' mir_ = ich fürchte mich).

II. Folgende Eigentümlichkeiten sind dagegen auf die _Mundarten_
namentl. die süddeutschen (bayr.-schwäb. Dialekt) beschränkt:

1. der Gebrauch des _Nominativs statt_ des _Akkusativs_ bei
Hauptwörtern. Während sich für den _umgekehrten_ Fall (also Gebrauch des
Akkus. für den Nomin.), der z. B. auch im Schwäbischen vorkommt (s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 579 unter »ein« Nr. I: das ist ein_en_
gut_en_ Mann) m. Wiss. in _Wittichs_ Jenisch kein Beispiel findet,
enthält es für die _zuerst_ genannte Besonderheit — außer einigen
unsicheren Fällen (in denen der unbestimmte Artikel _ein_ ev. auch als
Akkusativ eines Neutrums aufgefaßt werden könnte) — mehrere
_zweifelsfreie_, so z. B. Nr. 11 (… _vielleicht bestiebemer ein
Schmaler_ = … vielleicht bekommen wir eine Katze), Nr. 18 (… _spann'
sein dofer Oberman_ = … schau seinen schönen Hut), Nr. 24 (… _ich
schwäch' ein Stielingsjohle_ = … ich trinke einen Birnenmost; …
_schwächt … Gefinkelter_ = … trinket … Branntwein), Nr. 25 (…
_ich bestieb' ein Stumpf_ = … ich bekomme einen Zorn; … _der Ruch
pflanzt ein linker Giel_ = … der Bauer macht einen wüsten Mund) usw.;
2) der Gebrauch des relat. räuml. Adv. _wo_ statt des Relativpronomens
_welcher_ (-e -es) bezw. der (die das), worüber zu vgl. u. a. _v.
Schmid_, Schwäb. W.-B. S. 536/37 u. _Schmeller_, Bayer. W.-B. II, Sp.
828 (unter »wo«, lit. c). _Beispiele_: Nr. 21 (… _in dem Mochem, wo
man spannt_ = in dem Dorfe, das man ḍ sieht); Nr. 25 (… _Ulme, wo
kasperet_ = Leute, die zaubern).

III. _Zum Teil_ gleichfalls auf die _Mundarten_ beschränkt, _zum Teil_
aber auch _allgemein_ volkstümlich erscheinen gewisse (übrigens nur
_neben_ den schriftdeutschen Formen auftretende) _Veränderungen_
(namentlich _Kürzungen_) verschiedener (kurzer) Wertgattungen) so: 1)
_des_ (bestimmten und [häufiger] des unbestimmten) _Artikels_; s. Nr. 11
(_d' Schmaler_ = die Katzen); Nr. 18 (_in de' Griffling_ = in der Hand;
_auf'em Kiebes_ = auf dem Kopfe); Nr. 19 (_vor'm Jahne_ = vor einem
Jahre); Nr. 25 (_s' Glied_ = der Sohn; _in's Steinhäufle_ = in die
Stadt); bes. aber (betr. a' = _ein_ [einer, eine]; vgl. dazu _v.
Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 1 u. _Fischer_, Schwäb. W.-B. II, Sp. 578):
Nr. 24 _a' jenisches Model_; _a' jenischer Fiesel_); Nr. 25 (_a'
Schuberle_; _a' Schafnas'_; _a' Finkelmoss_); 2) des _adj. Zahlpronomens
kein_ (-ner, -ne) = _kei'_ (vgl. dazu _Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp.
310); s. Nr. 25 (_kei' Kenem_ = keine Laus); 3) _des besitzanzeigenden
Fürworts mein_ (-ner, -ne) = _mei'_; s. z. B. Nr. 11 (_mei' Keiluf_);
Nr. 14 (_mei' Patris_); Nr. 15 (_mei' Moss_); Nr. 35 (_mei' Kluper_); 4)
_der persönlichen Fürwörter_ in Verbindung mit Zeitwörtern; vgl. z. B.
a) _du_ = d'; s. z. B. Nr. 13 (_bis d' umbohlst_ = bis du umfällst); b)
_dir_ = _der_; s. Nr. 27 (_Schmusder nobis_ = sag' dir['s] nicht); c)
_dich_ = _te_ in der (z. B. in Nr. 20, 25 [öfter] begegnenden)
Imperativform _schupfte_ (für: schupf dich) = hör' auf (schweig' still);
d) _ihm_ = (e)m; s. Nr. 20 (_ich schmusem's_ = ich sage es ihm); e)
_sie_ (Nom. u. Akkus.) = s(e); s. z. B. 23 (_hauretse_ …? = ist sie
…?); Nr. 25 (_ich … bukles'_ = ich trage sie); Nr. 28 (_schniffse_ =
nimm sie); Nr. 32 (_gneistse lore_ …?); f) _es_ (Nom. u. Akkus.) = 's;
s. Nr. 8, 9, 18 (_s' schefft_ od. _s' hauret ein Sins_ = es ist ein
Herr; _ich spann's_ = ich sehe es; _er gneist's_ = er merkt es); Nr. 19,
25 (_s' hauret_ = es ist) u. a. m.; g) _man_ = _mer_ (vgl. dazu _v.
Schmid_, Schwäb. W.-B., S. 382 unter »mer«, Nr. 1; _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 1433 unter »man«; auch _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp.
1642 unter »mir«, lit. c); s. Nr. 22 (… _da bestiebtmer nobis_ = …
da bekommt man nichts); h) _wir_ = _mer_ oder (etwas seltener) _mir_
(vgl. _v. Schmid_, a. a. O., S. 382 unter »mer«, Nr. 2 u. S. 533 unter
»wir«; _Fischer_, a. a. O. IV, Sp. 1433 unter »man« a. E.; _Schmeller_,
a. a. O. I, Sp. 1641 unter »mir«, lit. b); _Beispiele_: [Griechisch: a])
für _mer_: Nr. 11 (_bostemer_ = gehen wir; _bestiebemer_ = bekommen
wir); Nr. 19 (_ruedlemer_ …? = fahren wir …?; _buttemer_ …? =
essen wir …?); Nr. 25 (_Wo schlaunetmer_ = Wo schlafen wir?) u. a. m.;
[Griechisch: b]) für _mir_: Nr. 25 (_Dann [Jetzt] pfichet mir in
Sauft[linge]_ = dann (jetzt) gehen wir zu Bett; _bostet mir_ = gehen
wir; _pflanzet mir Blatt_ = übernachten wir im Freien; _bestiebet mir_ =
bekommen wir); i) _ihr_ = _er_; s. Nr. 25 (_durmeter noch nobis?_ =
schlaft ihr noch nicht?); Nr. 27 (_haureter?_ = seid ihr?); k) _euch_ =
_ich_; s. Nr. 25 (_schupfetich_ = seid still; _der Koele mussich bukele_
= der Teufel muß [soll] euch holen). — Oft werden auch die persönl.
Fürwörter ganz weggelassen; s. z. B. Nr. 4 (_hauerst begerisch?_ = bist
du krank?); Nr. 6 (_was sicherst?_ = was kochst du?); Nr. 13 (_in Nolle
hauret_ = im Krug ist er [näml. d. Most]); Nr. 25 (_spannst nobis_ =
siehst du nichts; _dann scheffte schiebes_ = dann gehe ich fort;
_pflanze_ = mache ich) u. a. m.

IV. Auch allerlei _Abkürzungen_ durch Weglassung der _Endsilben_
(Buchstaben) _oder_ der _Anfangssilben_ — bei Haupt-, Eigenschafts-,
Umstands-, namentlich aber Zeitwörtern — stehen (gleich den Fällen
unter III) in Übereinstimmung mit der allgemein oder doch mundartlich
üblichen Redeweise des Volkes überhaupt. _Beispiele_: 1) für Kürzung
durch Weglassung der _End_silbe -e (-en): a) _bei Substantiven_: Nr. 25
(_a' Schafnas'_); b) _bei Adjektiven_: u. a. Nr. 16 (_die jenisch
Moss_); Nr. 19 (_mit der dof Beizere_); Nr. 25 (_in die dof Duft_; _die
dof Latt_) usw.; c) _bei Adverbien_: Nr. 11 und öfter (_heut'_ [Leile] =
heute [Nacht]; d) _bei Verben_: hier ist dieser Sprachgebrauch für _die
erste Person Präsentis_ und _den Imperativ_ so häufig, daß er fast als
_Regel_ erscheint, immerhin finden sich in diesen Fällen _auch_ noch die
volleren Formen, und zwar zuweilen unmittelbar _neben_ den kürzeren;
vgl. z. B. (für die _1. Person Präs._) Nr. 16 (_Ich boste und
beschrenk'_ = ich gehe und schließe zu) und (für den _Imperativ_) Nr. 28
(_Pflanz', doge mir ein Funkerle_ = Mach', gib mir ein Streichholz); 2)
für Kürzung durch Weglassung der _Anfangssilbe_ (ge-): bei Zeitwörtern
(Partizipien): Nr. 17 (_'buttet_ = gegessen); Nr. 25 (_ein'bascht_ =
eingekauft; _'pflanzte Sore_ = gemachte Ware; _'dalft_ = gebettelt); Nr.
33 (_'dogt_ = gegeben) usw. Den Übergang dazu vermittelt g' statt ge-;
s. z. B. Nr. 24 (_g'schallet_ = gesungen); Nr. 25 (_abg'schunde Gleis_,
_g'sprunkt_, _g'hauret_ usw.).

V. Eine spezielle (wohl auch auf _mundartlichen_ Einfluß
zurückzuführende) Eigentümlichkeit des _Wittichschen_ Jenisch ist
endlich noch der Gebrauch der Endsilbe _-et_ statt des im Schriftdeutsch
üblichen _-en_ in mehreren Zeitwortformen, nämlich für den _Infinitiv_,
für die _erste_ und für die _dritte Person Pluralis des Präsens_, wofür
sich übrigens mehrfache Beispiele auch schon im _W.-B. des Konstanzer
Hans_ (»Schmusereyen«) finden, dessen Ähnlichkeiten mit unserem Jenisch
ja auch sonst mehrfach auffallen (vgl. schon »Vorbemerkung«, S. 3, Anm.
4, S. 6 u. in _dieser_ Anm. oben S. 73 sowie noch weiter unten die Anm.
2284 zu den »jenischen Schnadahüpfeln«). _Beispiele_: 1) für den
_Infinitiv_: a) in _W.-B. des Konst. Hans_: 256 u. 258 (_z' malochet_ =
zu plündern; _z' holchet_ = zu laufen); 259 (_z' kahlet und z'
schwächet_ = zu essen und zu trinken); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr.
12 (_z' schwächet_ = zum Trinken [zu trinken]); Nr. 21 (_z' biket und z'
schwächet_ = zu essen und zu trinken); Nr. 25 (_z' buttet_ = zu essen;
_z' dalfet_ = zu betteln); 2) _für die erste Person Plur. des Präs._: a)
im _W.-B. des Konstanzer Hans_: 256 (_Holchet mir_ …? = Kommen wir
…?); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr. 11 (_vielleicht bestiebemer …
und spannet_ = vielleicht bekommen wir … und sehen); Nr. 18 (_dass wir
… schmuset_ = daß wir … sprechen); ebds. (_wir pfichet_ = wir
gehen); Nr. 19 (_Schwächet und buttemer_ …? = Trinken und essen wir
…?); Nr. 20 (_Wir zeinet … und schefften schiebes_ = wir bezahlen
… und gehen fort); Nr. 25 (_wir kemeret_ = wir kaufen usw.); ebds.
([schon oben unter Nr. III, 3 lit. h als Belege für den Gebrauch von
_mer_ und _mir_ = _wir_ angeführt]: _Wo schlaunetmer?_; _Jetzt pfichet
mir in Sauft_; _bostet mir_; _pflanzet mir Blatt_; _bestiebet mir_); 3)
für die _dritte Person Plur. des Präs._: a) im _W.-B. des Konst. Hans_:
256 (… _den Kochem, die schiaunet_ = … den Dieben, die schlafen;
_S'e schmuset_ = sie sagen; _Jetzt schwächet s'e_ = Jetzt trinken sie);
260 (… _Grandscharrle schefftet lau und Prinzen schefftet lau schofel_
= … Die Hatschier' sind für nichts, und die Herren sind gar nicht
scharf); b) in _Wittichs Sprachpr._: Nr. 4 (_Buz und Scharle hauret …
dof_ = Polizeidiener und Schultheiß sind … gut); Nr. 25 (_Durmet die
Schrawiner?_ = Schlafen die Kinder?; _herles pfichet Ulme_ = hier kommen
Leute; _die Horboge hauret am Kaim_ = die Kühe gehören dem Juden) u. a.
m. — Die sonst noch vorkommenden Abweichungen von der Schriftsprache
bedürfen kaum einer besonderen Hervorhebung oder Erläuterung.]

[Fußnote 2284: ([2] auf S. 65.75) Nach dem Wörterbuch bedeutet
_ni(e)sich_ und _nillich_ sowohl dumm als _auch_ verrückt.]

[Fußnote 2285: ([1] auf S. 65.86) Das hier in Verbindung mit »wo« (für
»woher«) vorkommende Wort _schureles_ habe ich nicht ins
jenisch-deutsche Wörterbuch eingestellt, weil es sehr schwierig
erscheint, eine passende Verdeutschung dafür (ohne Rücksicht auf den
ganzen Satz) zu geben. (Das einfache »her« würde kaum deutlich genug
sein.) In der _schwäbischen Händlersprache in Unterdeufstetten_ (213)
ist _schurles_ für »fort!« gebräuchlich. Dahingestellt lasse ich es auch
sein, ob dieses Adverb — etwa gleich dem Zeitw. _schurele(n)_ — noch
in Verbindung mit dem — einen Aushilfscharakter an sich tragenden —
Hauptw. _Schure_ (Schurele) gebracht werden darf oder etwa anders zu
erklären ist.]

[Fußnote 2286: ([2] auf S. 65.86) Eine wörtliche Übersetzung dieser
Redensart erscheint nicht gut möglich. Ins W.-B. ist sie deshalb nicht
mit eingetragen worden.]



                 VIII. Jenische Schnadahüpfel.[2287]


1.

   Ei, g'want sein Kocheme,
   Denn sie tun nobis als schoren,
   Wann sie lore Rande füllen
   Und dof mit der Sore springen.
      Hei ja! Viva!
   Grandscharle was pflanzst du da?[2288]

[Fußnote 2287: ([1] auf S. 65.87) _Wittich_ hat hierzu in einer
Anmerkung bemerkt, daß er von einer Übersetzung dieser »Schnadahüpfel«
abgesehen habe, weil teils ihr Sinn sich leicht mit Hilfe des
jenisch-deutschen Wörterbuchs herausbringen lasse, teils dagegen (wie z.
B. bei Nr. 3) eine Wiedergabe der jenischen Unflätigkeiten im Deutschen
kaum möglich erscheine. Ich kann dem nur beistimmen. Die Gründe, weshalb
ich von diesen »Schnadahüpfeln« — trotz ihres groben Inhalts — nichts
gestrichen habe, sind in meiner »Vorbemerkung.«, S. 3, 4 angegeben
worden.]

[Fußnote 2288: ([2] auf S. 65.87) Die Nummern 1 u. 2 (bezw. 4) der
»Schnadahüpfel« stimmen (wie schon in der »Vorbemerkg.«, S. 3, Anm. 4
erwähnt) auffälligerweise dem _Inhalte_ nach _fast ganz_ und auch in der
_Form zum Teil_ noch mit »ein paar Strophen aus _Jauner-Liedern_«
überein, die sich am Schluß des »_Wörterbuchs des_ _Konstanzer Hans_«
von 1791 (bei _Kluge_, Rotw. I, S. 260) abgedruckt finden. Da mir nun
_Wittich_ auf eine Anfrage hin versicherte, daß ihm das W.-B. des
Konstanzer Hans gänzlich _unbekannt_ gewesen sei, so muß man wohl
schlechterdings annehmen, daß es sich hier um alte, bis in die Gegenwart
hinein erhaltene Überlieferungen aus der Blütezeit des deutschen
Gaunertums handelt, die bei den »jenischen Leuten« nur in der äußeren
Form einige Abänderungen erfahren haben. — Von Nr. 1 lautet (nach
_Kluge_, a. a. O.) die ältere Fassung folgendermaßen:

   Ey lustig seyn Kanofer (die Diebe, Schorne)
   Dann sia thun nichts als Schofle;
   Wann sia kenne Rande fülla
   Und brav mit der Sore springa.
      Hei ja! Vi va!
   Grandscharrle, was machst du da?

Zu _Kanofer_, das auch das _Pfulld. J.-W.-B._ 338 (_Kanoffer_ = Dieb;
vgl. 339, 343, 345) kennt u. das auch sonst im Rotwelsch vorkommt, s.
_Fischer_, Schwäb. W.-B. IV, Sp. 193, der das Wort in erster Linie zwar
zu jüd. _chonef_ = »Heuchler, Betrüger«, _chanufa_ = »Heuchelei«
gestellt hat (vgl. dazu auch _Weigand_ im »Intelligenzblatt für die
Provinz Oberhessen«, Jahrg. 1846, Nr. 74, S. 300 [unter Nr. 13]), jedoch
hinzufügt, daß es »doch (auch) wohl nicht ohne Beziehung zu _ganfen_,
stehlen« sei.]

2.                                                                        [65.88]

   Schicksel, was hat auch der Kochem g'schmust?
   Er hat g'schmust: Wann er vom Schoren pficht,
   Schefft er gleich wieder zu mir[2289].

3.

   Jann mei' Bos,
   Bos mei' Bos,
   Pflanz' mei Bos um,
   Bik' mein Schund,
   Zehnthalb Pfund,
   Weil der'n wohl gunnt!

4.

   Model, was hat der Fiesel g'schmust,
   Wo er ist 'bostet zu dir?
   Er hat g'schmust, wenn er nobis eine andere bestiebt,
   Bostet er gleich wieder zu mir[2289].

5.

   Do' drüben auf'm Bergele
   Haun i d' Derchermodel karessiert,
   No' hauret ihrs Schmunkschottele,
   Der Berg na' g'marschiert.

[Fußnote 2289: ([1] auf S. 65.88) Zu dieser Nummer (sowie auch zu Nr. 4)
vgl. die folgende Fassung beim »_Konstanzer Hans_«:

   Schicksal, was hot auch der Kochern g'schmußt,
   Wia er ist abgeholcht von dier?
   Er hat g'schmußt: Wann er vom Schornen holch,
   Scheft er gleich wieder zu mier.
]

6.                                                                        [65.89]

   Jenischer Benges, bist nena g'want,
   I schmelz dir in d'Griffling,
   No' bohlst da an d' Wand.

7.

   Jesses Marerkele, vors Grandscharleskitt
   Grandscharleskitt, Grandscharleskitt,
   Wenn du mi' nobis schniffst,
   No' schmelz d'r in's G'nick.
      Holdri, Holdra, Holdro!



                              Nachträge.


Nachträge zu Band 63. _Zu S. 5, Anm. 8_: Die Verallgemeinerung des
Wortes _jenisch_ zu der Bedeutg. »klug« findet sich auch schon bei
_Thiele_ 259, dem _Fröhlich_ 1851 gefolgt ist.

_Zu S. 19, Anm. 48 a. E._: Mit dem zigeun. _chadschē do parr_, d. h.
»gebrannter Stein« = Backstein steht in Übereinstimmg. in _Wittichs_
W.-B. _g'funkter Kies_ = Ziegelstein.

_Zu S. 105, Anm. 173 a. E._: Der (im Anschluß an _Fischer_, Schwäb.
W.-B. IV, Sp. 1432) vertretenen Herleitung von _Mamere_ = Mutter vom
französischen _ma mère_ steht entgegen, daß die rotw. Quellen ganz
überwiegend die Vokabel mit mm (also _Mammere_ od. [wie z. B. _v.
Grolman_ 44 u. T.-G. 112 u. andere] _Mammer_) schreiben, woraus zu
schließen, daß der Ton auf die _erste_ Silbe zu legen ist. Nach einer
gefl. Mitteilung von Dr. _A. Landau_ (Wien) würde es sich deshalb wohl
um das in den meisten Mundarten (auch im Schwäbischen [s. _Fischer_, a.
a. O.]) bekannte Wort _Mamme_ = Mutter handeln, das mit der Endung -re
versehen worden. Zur Erklärung dieses Vorgangs aber vermag allerdings
auch _Landau_ nur zu verweisen auf »die polnisch-jüdische verächtliche
Bezeichnung für Mutter: _Mammeru_ (mit dem Hauptton auf a und der
Pejorativendung -ru)«.

_Zu S. 123, Anm. 229_: Die Vokabel _Ulme_ (-ma) = Leute findet sich in
der Form _Ohlen_ und mit der Bedeutg. »Welt« auch bei _Pfister_ 1812
(303); vgl. _Fischer_, Schwäb. W.-B. V, Sp. 55 unter »Olem« vbd. mit I,
Sp. 448 unter »Aulem«.

Nachträge zu Band 64. _Zu S. 138, Anm. 539_ (Zeile 5 von unten) ist das
_non_ vor _nobis_ zu streichen.

_Zu S. 140, Anm. 550_: Die Beschränkung des Ausdrucks _Mokum_ auf die
Bedeutung »Dorf« findet sich auch in der von _H. Weber_ in _Groß'_
Archiv, Bd. 59 veröffentlichten Liste von Wörtern der Kundensprache (s.
das. S. 283 vbd. m. S. 266). _Zu S. 174, Anm. 850_: Eine Zusammensetzung
mit _Schuberle_ ist auch noch _Schuberleweisling_ (d. h. eigentl.
»Geistsonntag« = Pfingsten (worüber das Näh. schon S. 155, Anm. 689 [zu
»Feiertag«] angeführt).

_Zu S. 142, Anm. 565 vbd. mit S. 336, Anm. 1454_ ist zu
_Flu(h)tegroanikele_ = Meerschweinchen zu bemerken, daß es sich hierbei
wohl um eine _Diminutivbildung_ von _Groanikel_ handelt.

_Zu S. 164/165, Anm. 763._ Für _Fünflamme_ = Schürze stellte mir Dr. _A.
Landau_ die folgende Etymologie zur Verfügung, die in der Tat weniger
gesucht erscheint als die von A.-L. 540 gegebene, der ich mich
angeschlossen. Er denkt nämlich an die ältere Bedeutung von _Flamm_
(Flamme) = »Haut, Lappen« (s. _Grimm_, D. W.-B. III, Sp. 1712, Nr. 2),
wozu zu vgl. auch französ. _flamme_ — »Lappen, Wimpel, Fähnchen« (vom
lat. _flamma_). In den vom D. W.-B. III, Sp. 1714, Nr. 3 zitierten
Stellen aus _Musculus_ (»Hosenteufel«) scheint _Flamme_ u. _Hosenflamme_
soviel wie »Hosenlatz« zu bedeuten. _Fünflamm(e)_ wäre demnach aus
_Flamm(e)_ analog gebildet wie _Fürfleck_ = »Schurzfell, Schürze« (s. D.
W.-B. IV 1, 1, Sp. 727; vgl. _Schmeller_, Bayer. W.-B. I, Sp. 786) aus
_Fleck_ (Grundbedtg.: »pannus, Lappen, Fetzen«; s. D. W.-B. III, Sp.
1741, Nr. 1). Vgl. auch _Fürschurz_ u. bes. noch _Fürtuch_ (=
»[Weiber-]Schürze«; s. Näh. D. W.-B. IV, 1, 1, Sp. 920/21, Nr. 2).

_Zu S. 180, Anm. 929_: _Gari_ = penis ist (nach _Pollak_ 213) auch noch
der neueren _Wiener Gaunersprache_ bekannt.

Nachtrag zu Band 65. _Zu S. 65, Anm. 2262_: In rotwelschen Quellen des
19. Jahrhunderts (so z. B. bei _Pfister bei Christensen_ 1814 [326], _v.
Grolman_ 46 u. T.-G. 130 u. _Karmayer_ G.-D. 209) kommt das Wort
_Massi(c)k_ auch für »Schwätzer« oder »Verräter« vor. Man könnte dabei
an einen Zusammenhang mit dem rotw. _massern_, hebr. _masr_ =
»verraten« (vgl. _Günther_, Rotwelsch, S. 76) denken; jedoch kann sich
jene Bedeutung auch _ohne dem_ entwickelt haben, da es ja nur
begreiflich ist, daß die Gauner, um ihren gefährlichsten Feind, den
Verräter, zu bezeichnen, zu den stärksten Ausdrücken greifen.

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                    Anmerkungen zur Transkription


Dieses Buch ist ursprünglich erschienen als eine Serie von Artikeln in:
Groß, Hans (Hrsg.); Archiv für Kriminal-Anthropologie und Kriminalistik,
F. C. W. Vogel, Leipzig; Bd. 63 (1915), S. 1-46, 97-133, 372-396; Bd. 64
(1915), S. 127-183, 297-355; Bd. 65 (1916), S. 33-89. Die einzelnen
Artikel wurden zu einem zusammenhängenden Text vereinigt.
Fortsetzungshinweise und Wiederholungen der Zwischenüberschriften wurden
entfernt und die »Nachträge« am Ende der jeweiligen Artikel an einer
Stelle zusammengefaßt. Seitennummern wurden durch Voranstellung der
Nummer des jeweiligen Bandes des »Archivs« ergänzt.

Die Fußnoten mußten vom Fließtext getrennt und durchgängig neu numeriert
werden. Auf Grund der großen Anzahl von Fußnoten (2289) und der
zahllosen Querverweise zwischen den Fußnoten wurde eine Liste der
ursprünglichen Nummern, der entsprechenden neuen Nummern und der
zugehörigen Seitennummern zum Vergleich weiter unten angefügt.

Außerdem wurden die Fußnoten mit der ursprünlichen Nummer sowie der
Seitennummer markiert.

Einige Seiten enthielten nur Fußnoten. Die entsprechenden Seitennummern
wurden entfernt.

Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit
Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. Fettdruck wurde ¶so¶ markiert.

Offensichtliche Fehler wurden berichtigt, teilweise unter Verwendung der
zitierten Quellenliteratur. Eine Liste der Änderungen findet sich weiter
unten. Der folgende Fall ließ sich nicht eindeutig klären: Anm. 302,
»topor«: Am Ende des russischen Wortes _topor_ (Axt) erscheint im Druck
ein Buchstabe, der wie ein kleines b oder das Weichheitszeichen des
kyrillischen Alphabetes aussieht, dort aber nicht hingehört (entfernt).



Liste der Änderungen am Originaltext


Die Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend
beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier
aufgeführt (vorher/nachher):

   [S. 63.7]:
   … jenischem Form, näher aufzuzählen. Mit ziemlicher Sicherheit …
   … jenischen Form, näher aufzuzählen. Mit ziemlicher Sicherheit …

   [S. 63.8]:
   … berauscht, schofel = schlecht, wo(h)nisch = katholisch; c)
       das …
   … berauscht, schofel = schlecht, wo(h)nisch = katholisch; d)
       das …

   [S. 63.14]:
   … Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffee [s. oben]), das zwar
       »Junggeselle« und …
   … Kittchen), u. Käfferle (zu Kaffer [s. oben]), das zwar
       »Junggeselle« und …

   [S. 63.19]:
   … grundsätzlich die Methode beobachtet, das jedesmal dort zu
       einer …
   … grundsätzlich die Methode beobachtet, daß jedesmal dort zu
       einer …

   [S. 63.33]:
   … Zahnfleich). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): nur
       Schwäb. Händlerspr. …
   … Zahnfleisch). Zu vgl. (aus dem verw. Quellenkreise): nur
       Schwäb. Händlerspr. …

   [S. 63.42]:
   … Erkärung gegeben. …
   … Erklärung gegeben. …

   [S. 63.43]:
   … Gauerspr. 94 [künnigen]) und verkündigen = verkaufen (s. z.
       B. auch …
   … Gaunerspr. 94 [künnigen]) und verkündigen = verkaufen (s. z.
       B. auch …

   [S. 63.100]:
   … S. 173 (unter »garant«) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp.
       790. Nur in den …
   … S. 173 (unter »garant«) sowie Fischer, Schwäb. W.-B. III, Sp.
       790. Nur in dem …

   [S. 63.105]:
   … Dobrisch schwächen = Tabak rauchen; es schwachet mich = es
       dürstet …
   … Dobrisch schwächen = Tabak rauchen; es schwächet mich = es
       dürstet …

   [S. 63.107]:
   … desgl. für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr«
       (s. d. Vok. …
   … desgl. für die Bedeutgn. »Richter«, »Herrscher« u. »Oberherr«
       (s. d. Vork. …

   [S. 63.107]:
   … Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimien. Sinsle = Junker]) sind:
       a) im Anfang: …
   … Herrin (Dame, Edeldame) u. d. Dimin. Sinsle = Junker]) sind:
       a) im Anfang: …

   [S. 63.107]:
   … (fem. -sinse = Quatierfrau), Sturmkittsins = Ratsherr,
       Dupfsins = …
   … (fem. -sinse = Quartierfrau), Sturmkittsins = Ratsherr,
       Dupfsins = …

   [S. 63.109]:
   … (dazu die Verbdg. biblicher Schuberle = heiliger Geist). In
       dem verw. …
   … (dazu die Verbdg. bliblicher Schuberle = heiliger Geist). In
       dem verw. …

   [S. 63.109]:
   … (eigtl. »böse Sachen machen«) = »huren« (s. Näh. unter
       »böse«); mit auspfanzen ist …
   … (eigtl. »böse Sachen machen«) = »huren« (s. Näh. unter
       »böse«); mit auspflanzen ist …

   [S. 63.115]:
   … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerpr. 97 (schmusen = reden); W.-B.
       des …
   … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 97 (schmusen = reden);
       W.-B. des …

   [S. 63.120]:
   … = Taschenspieler. In den verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt, …
   … = Taschenspieler. In dem verw. Quellenkr. m. Wiss. unbekannt, …

   [S. 63.130]:
   … (Lütz. 214: bremse[n] = »furzem«, Bremser = »Furz«). Die
       Etymologie …
   … (Lütz. 214: bremse[n] = »furzen«, Bremser = »Furz«). Die
       Etymologie …

   [S. 63.390]:
   … ([109] auf S. 63.390) Mit Blamb ist zusammgesetzt nur
       Blambglansert (s. d. W.-B.), …
   … ([109] auf S. 63.390) Mit Blamb ist zusammengesetzt nur
       Blambglansert (s. d. W.-B.), …

   [S. 64.130]:
   … Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343,
       34ö, 34ô (Sore …
   … Ware, Achelsore = Eßwaren); Pfulld. J.-W.-B. 339, 341-343,
       345, 346 (Sore …

   [S. 64.136]:
   … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerpr. 91 (Schiebes[-]machen =
       durchgehen …
   … Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 91 (Schiebes[-]machen =
       durchgehen …

   [S. 64.138]:
   … Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); [Greek: b]) mit der ersten u.
       dritten Perf. Präs. (als …
   … Übereinstimmg. mit d. Zigeun.); [Greek: b]) mit der ersten u.
       dritten Pers. Präs. (als …

   [S. 64.138]:
   … zumal, gleichwie in lone lautlich lô = nein steckt, auch in
       nobis des no als …
   … zumal, gleichwie in lone lautlich lô = nein steckt, auch in
       nobis das no als …

   [S. 64.147]:
   … s. A.-L. 524). Der Etymolgie nach erscheint biberen (wie auch
       das gemeinspr. …
   … s. A.-L. 524). Der Etymologie nach erscheint biberen (wie
       auch das gemeinspr. …

   [S. 64.149]:
   … Zusammensetzgn. gebildet: Srohbutzerstenkert = Gänsestall, …
   … Zusammensetzgn. gebildet: Strohbutzerstenkert = Gänsestall, …

   [S. 64.150]:
   … verw. Quellenkr.): Dolm. der Gauerspr. 95 ([einen] kneisen =
       [einen …
   … verw. Quellenkr.): Dolm. der Gaunerspr. 95 ([einen] kneisen =
       [einen …

   [S. 64.155]:
   … [288]), für dem »Silbergnanziger« (s. Fröhlich 1851 [419];
       vgl. in der neueren …
   … [288]), für den »Silbergnanziger« (s. Fröhlich 1851 [419];
       vgl. in der neueren …

   [S. 64.170]:
   … sind gebildet die Verbindung grandich Stohbutzer = Schwan (s. …
   … sind gebildet die Verbindung grandich Strohbutzer = Schwan
       (s. …

   [S. 64.178]:
   … dem verw. Quellen kennen die Sammlungen der Gaun.- u.
       Kundenspr. die …
   … den verw. Quellen kennen die Sammlungen der Gaun.- u.
       Kundenspr. die …

   [S. 64.181]:
   … Goldstück, Füchsle od. Godfüchsle …
   … Goldstück, Füchsle od. Goldfüchsle …

   [S. 64.182]:
   … große Dame, grandische Sense …
   … große Dame, grandiche Sense …

   [S. 64.303]:
   … dürfte dann vielleicht auch in Wittichs Jensich statt
       schenzieren richtiger …
   … dürfte dann vielleicht auch in Wittichs Jenisch statt
       schenzieren richtiger …

   [S. 64.311]:
   … ([152] auf S. 64.311) S. Subtantivierung des Adjektives
       grandich; vgl. »Vorbemerkung«, …
   … ([152] auf S. 64.311) S. Substantivierung des Adjektives
       grandich; vgl. »Vorbemerkung«, …

   [S. 64.314]:
   … Liebich, S. 149 u. 212) die Insel paninjākri monteia, d.
       h. »Wasserberg« od. …
   … Liebich, S. 149 u. 212) die Insel paninjākri montaia, d.
       h. »Wasserberg« od. …

   [S. 64.314]:
   … Anm. 2 a. E. (über einem Einfluß auch des deutschen Zeitw.
       »kennen« bei dem …
   … Anm. 2 a. E. (über einen Einfluß auch des deutschen Zeitw.
       »kennen« bei dem …

   [S. 64.316]:
   … Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende
       Zusammensetzgn.: Süs(s)plengnolle …
   … Tee, Zucker u. allgem. Süßigkeit. Dazu folgende
       Zusammensetzgn.: Süs(s)lengnolle …

   [S. 64.319]:
   … Näh. s. darüber bei Pott II, S. 257/58 (unter »Ciral«);
       Liebich, S. 142 u. 213 …
   … Näh. s. darüber bei Pott II, S. 257/58 (unter »Giral«);
       Liebich, S. 142 u. 213 …

   [S. 64.329]:
   … Brot« (s. Liebisch, S. 138 u. 218). …
   … Brot« (s. Liebich, S. 138 u. 218). …

   [S. 64.340]:
   … zu schließen ist; vgl. auch nobis dofer Bichpflanzer (Kies-
       od. Lobepfanzer) …
   … zu schließen ist; vgl. auch nobis dofer Bichpflanzer (Kies-
       od. Lobepflanzer) …

   [S. 64.342]:
   … nacht, nobis ang'kluftet (d. h. »nicht angekleidet«) od.
       auskluftet …
   … nackt, nobis ang'kluftet (d. h. »nicht angekleidet«) od.
       auskluftet …

   [S. 64.345]:
   … Ochenmaulsalat, Hornikelgielblättling …
   … Ochsenmaulsalat, Hornikelgielblättling …

   [S. 64.351]:
   … Begriff negativ umschrieben dursh tschi tschātscho (od.
       ladscho) radíngĕro …
   … Begriff negativ umschrieben durch tschi tschātscho (od.
       ladscho) radíngĕro …

   [S. 65.35]:
   … = Scheuer); Schwäb. Händerspr. (Lütz. [215]: Schafell =
       Scheune). …
   … = Scheuer); Schwäb. Händlerspr. (Lütz. [215]: Schafell =
       Scheune). …

   [S. 65.36]:
   … Schinken, Schwäzlingbossert (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch- …
   … Schinken, Schwärzlingbossert (d. h. eigtl. »Ruß- [od. Rauch- …

   [S. 65.38]:
   … schmelzen (richtiger wohl: schmälzen), schmunken …
   … schmelzen (richtiger wohl: schmalzen), schmunken …

   [S. 65.39]:
   … ([96] auf S. 65.39) S. (betr. -planzer) anbrennen. …
   … ([96] auf S. 65.39) S. (betr. -pflanzer) anbrennen. …

   [S. 65.41]:
   … Schwester, Glied, Model; vgl. Gsschwister …
   … Schwester, Glied, Model; vgl. Geschwister …

   [S. 65.56]:
   … verlängere, grandicher pflanzen (d. h. »größer machen«) …
   … verlängern, grandicher pflanzen (d. h. »größer machen«) …

   [S. 65.64]:
   … sīnte); s. (außer Pott, a. a. O. u. II, S. 239 u.
       Liebisch, S. 159 u. 262) …
   … sīnte); s. (außer Pott, a. a. O. u. II, S. 239 u. Liebich,
       S. 159 u. 262) …

   [S. 65.70]:
   … Schure (shcurele) s. abbiegen. …
   … Schure (schurele) s. abbiegen. …

   [S. 65.87]:
   … Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntex
       sich …
   … Obwohl sonst — wie beim Rotwelsch — Grammatik und Syntax
       sich …

   [S. 65.87]:
   … oder (etwa seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382
       unter »mer«, Nr. 2 u. …
   … oder (etwas seltener) mir (vgl. v. Schmid, a. a. O., S. 382
       unter »mer«, Nr. 2 u. …

   [S. 65.89]:
   … eine Diminitivbildung von Groanikel handelt. …
   … eine Diminutivbildung von Groanikel handelt. …



Liste der Fußnotennummern vor und nach der durchgehenden Neunumerierung

Band 63


S. 2 [1]: [1], S. 2 [2]: [2], S. 3 [1]: [3],
S. 3 [2]: [4], S. 4 [1]: [5], S. 4 [2]: [6],
S. 5 [1]: [7], S. 5 [2]: [8], S. 6 [1]: [9],
S. 6 [2]: [10], S. 6 [3]: [11], S. 6 [4]: [12],
S. 7 [1]: [13], S. 7 [2]: [14], S. 7 [3]: [15],
S. 7 [4]: [16], S. 8 [1]: [17], S. 8 [2]: [18],
S. 8 [3]: [19], S. 8 [4]: [20], S. 8 [5]: [21],
S. 8 [6]: [22], S. 9 [1]: [23], S. 9 [2]: [24],
S. 10 [1]: [25], S. 10 [2]: [26], S. 10 [3]: [27],
S. 11 [1]: [28], S. 12 [1]: [29], S. 13 [1]: [30],
S. 13 [2]: [31], S. 13 [3]: [32], S. 13 [4]: [33],
S. 14 [1]: [34], S. 15 [1]: [35], S. 15 [2]: [36],
S. 15 [3]: [37], S. 15 [4]: [38], S. 16 [1]: [39],
S. 16 [2]: [40], S. 17 [1]: [41], S. 17 [2]: [42],
S. 17 [3]: [43], S. 17 [4]: [44], S. 18 [1]: [45],
S. 18 [2]: [46], S. 18 [3]: [47], S. 19 [1]: [48],
S. 19 [2]: [49], S. 19 [3]: [50], S. 20 [1]: [51],
S. 20 [2]: [52], S. 21 [1]: [53], S. 22 [1]: [54],
S. 22 [2]: [55], S. 23 [1]: [56], S. 23 [2]: [57],
S. 23 [3]: [58], S. 24 [1]: [59], S. 24 [2]: [60],
S. 25 [1]: [61], S. 26 [2]: [62], S. 26 [3]: [63],
S. 26 [4]: [64], S. 26 [5]: [65], S. 26 [6]: [66],
S. 26 [7]: [67], S. 26 [8]: [68], S. 26 [9]: [69],
S. 26 [10]: [70], S. 26 [11]: [71], S. 27 [12]: [72],
S. 27 [13]: [73], S. 27 [14]: [74], S. 27 [15]: [75],
S. 27 [16]: [76], S. 27 [17]: [77], S. 27 [18]: [78],
S. 27 [19]: [79], S. 27 [20]: [80], S. 28 [21]: [81],
S. 28 [22]: [82], S. 28 [23]: [83], S. 28 [24]: [84],
S. 28 [25]: [85], S. 28 [26]: [86], S. 28 [27]: [87],
S. 28 [28]: [88], S. 28 [29]: [89], S. 28 [30]: [90],
S. 28 [31]: [91], S. 28 [32]: [92], S. 29 [1]: [93],
S. 29 [2]: [94], S. 29 [3]: [95], S. 29 [4]: [96],
S. 30 [5]: [97], S. 30 [6]: [98], S. 30 [7]: [99],
S. 30 [8]: [100], S. 30 [9]: [101], S. 30 [10]: [102],
S. 30 [11]: [103], S. 30 [12]: [104], S. 30 [13]: [105],
S. 30 [14]: [106], S. 30 [15]: [107], S. 30 [16]: [108],
S. 30 [17]: [109], S. 30 [18]: [110], S. 30 [19]: [111],
S. 30 [20]: [112], S. 30 [21]: [113], S. 30 [22]: [114],
S. 30 [23]: [115], S. 30 [24]: [116], S. 31 [1]: [117],
S. 31 [2]: [118], S. 31 [3]: [119], S. 33 [4]: [120],
S. 33 [5]: [121], S. 34 [6]: [122], S. 34 [7]: [123],
S. 35 [8]: [124], S. 35 [9]: [125], S. 36 [10]: [126],
S. 37 [11]: [127], S. 37 [12]: [128], S. 37 [13]: [129],
S. 38 [14]: [130], S. 38 [15]: [131], S. 39 [16]: [132],
S. 39 [17]: [133], S. 39 [18]: [134], S. 40 [19]: [135],
S. 40 [20]: [136], S. 40 [21]: [137], S. 41 [22]: [138],
S. 41 [23]: [139], S. 42 [24]: [140], S. 43 [25]: [141],
S. 43 [26]: [142], S. 43 [27]: [143], S. 43 [28]: [144],
S. 43 [29]: [145], S. 43 [30]: [146], S. 44 [31]: [147],
S. 45 [32]: [148], S. 46 [33]: [149], S. 46 [34]: [150],
S. 97 [1]: [151], S. 97 [2]: [152], S. 97 [3]: [153],
S. 98 [4]: [154], S. 98 [5]: [155], S. 98 [6]: [156],
S. 98 [7]: [157], S. 99 [8]: [158], S. 100 [9]: [159],
S. 100 [10]: [160], S. 100 [11]: [161], S. 100 [12]: [162],
S. 100 [13]: [163], S. 100 [14]: [164], S. 100 [15]: [165],
S. 103 [16]: [166], S. 103 [17]: [167], S. 103 [18]: [168],
S. 104 [19]: [169], S. 104 [20]: [170], S. 104 [21]: [171],
S. 105 [22]: [172], S. 105 [23]: [173], S. 107 [24]: [174],
S. 107 [25]: [175], S. 107 [26]: [176], S. 107 [27]: [177],
S. 108 [28]: [178], S. 108 [29]: [179], S. 109 [30]: [180],
S. 109 [31]: [181], S. 109 [32]: [182], S. 109 [33]: [183],
S. 110 [34]: [184], S. 110 [35]: [185], S. 111 [36]: [186],
S. 111 [37]: [187], S. 111 [38]: [188], S. 112 [39]: [189],
S. 113 [40]: [190], S. 113 [41]: [191], S. 113 [42]: [192],
S. 113 [43]: [193], S. 114 [44]: [194], S. 114 [45]: [195],
S. 114 [46]: [196], S. 115 [47]: [197], S. 115 [48]: [198],
S. 115 [49]: [199], S. 116 [50]: [200], S. 116 [51]: [201],
S. 116 [52]: [202], S. 116 [53]: [203], S. 116 [54]: [204],
S. 116 [55]: [205], S. 116 [56]: [206], S. 117 [57]: [207],
S. 117 [58]: [208], S. 117 [59]: [209], S. 117 [60]: [210],
S. 117 [61]: [211], S. 117 [62]: [212], S. 118 [63]: [213],
S. 118 [64]: [214], S. 119 [65]: [215], S. 119 [66]: [216],
S. 119 [67]: [217], S. 120 [68]: [218], S. 120 [69]: [219],
S. 120 [70]: [220], S. 120 [71]: [221], S. 121 [72]: [222],
S. 121 [73]: [223], S. 121 [74]: [224], S. 122 [75]: [225],
S. 123 [76]: [226], S. 123 [77]: [227], S. 123 [78]: [228],
S. 123 [79]: [229], S. 123 [80]: [230], S. 123 [81]: [231],
S. 123 [82]: [232], S. 123 [83]: [233], S. 123 [84]: [234],
S. 124 [85]: [235], S. 124 [86]: [236], S. 124 [87]: [237],
S. 124 [88]: [238], S. 124 [89]: [239], S. 125 [90]: [240],
S. 125 [91]: [241], S. 125 [92]: [242], S. 126 [93]: [243],
S. 126 [94]: [244], S. 126 [95]: [245], S. 126 [96]: [246],
S. 126 [97]: [247], S. 127 [98]: [248], S. 127 [99]: [249],
S. 127 [100]: [250], S. 127 [101]: [251], S. 127 [102]: [252],
S. 127 [103]: [253], S. 127 [104]: [254], S. 128 [105]: [255],
S. 128 [106]: [256], S. 128 [107]: [257], S. 128 [108]: [258],
S. 128 [109]: [259], S. 129 [110]: [260], S. 129 [111]: [261],
S. 129 [112]: [262], S. 129 [113]: [263], S. 129 [114]: [264],
S. 130 [115]: [265], S. 130 [116]: [266], S. 130 [117]: [267],
S. 130 [118]: [268], S. 130 [119]: [269], S. 130 [120]: [270],
S. 130 [121]: [271], S. 130 [122]: [272], S. 130 [123]: [273],
S. 130 [124]: [274], S. 130 [125]: [275], S. 130 [126]: [276],
S. 130 [127]: [277], S. 130 [128]: [278], S. 131 [129]: [279],
S. 131 [130]: [280], S. 131 [131]: [281], S. 131 [132]: [282],
S. 131 [133]: [283], S. 131 [134]: [284], S. 131 [135]: [285],
S. 131 [136]: [286], S. 131 [137]: [287], S. 131 [138]: [288],
S. 131 [139]: [289], S. 132 [140]: [290], S. 132 [141]: [291],
S. 132 [142]: [292], S. 132 [143]: [293], S. 132 [144]: [294],
S. 132 [145]: [295], S. 133 [146]: [296], S. 133 [147]: [297],
S. 133 [148]: [298], S. 133 [149]: [299], S. 133 [150]: [300],
S. 133 [151]: [301], S. 133 [152]: [302], S. 372 [1]: [303],
S. 372 [2]: [304], S. 372 [3]: [305], S. 372 [4]: [306],
S. 373 [5]: [307], S. 373 [6]: [308], S. 373 [7]: [309],
S. 373 [8]: [310], S. 374 [9]: [311], S. 374 [10]: [312],
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Band 64

S. 127 [1]: [452], S. 128 [2]: [453], S. 128 [3]: [454],
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Band 65

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