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Title: Unser Familien-Arzt - Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode
Author: Stout, H. R. (Henry Rice)
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Unser Familien-Arzt - Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische, Eclectische und Kräuter-Heilmethode" ***

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Anmerkungen zur Transkription:

      In der originalen Frakturschrift wird zwischen den Großbuchstaben
      ‚I‘ und ‚J‘ nicht unterschieden, daher wurden den Namensinitialen
      willkürlich der wahrscheilichere Buchstabe ‚J‘ zugeordnet. Bei
      ‚Iodide‘ wurde, passend zur entsprechenden englischen Bezeichnung,
      ein ‚I‘ verwendet; bei den deutschen Bezeichnungen ‚Jod‘ und
      ‚Jodid‘ aber der Buchstabe ‚J‘.

      Von der normalen Schriftart abweichenden Schriftschnitte werden
      durch die folgenden Sonderzeichen dargestellt:

      fett:         =Gleichheitszeichen=
      gesperrt:     +Pluszeichen+
      Antiqua:      ~Tilden~
      Kapitälchen:  /Schrägstriche/

      Eine Übersicht über die korrigierten Fehler findet sich am Ende
      dieses Textes.



UNSER FAMILIEN-ARZT.

Allöopathische, Homöopathische, Hydropathische,
Eclectische und Kräuter-
+Heilmethode+.

+Eine+
=vollkommen zuverlässige Anweisung=
+zur+
Entdeckung aller solcher Krankheiten, die ohne ärztliche Hilfe von
irgend einer intelligenten Person in ihrem Verlaufe
gehemmt oder behandelt werden können.

+Mit besonderer Berücksichtigung
der+
prompte, energische Maßregeln erheischenden, sowie der in Amerika
vorkommenden Krankheitsfälle.

+Nebst+
=einer vollständigen und deutlichen Anweisung zur Krankenpflege,
Zubereitung der Krankenkost u.s.w.=



Chicago.
J. S. Goodman & Co.
Cincinnati. C. F. Vent & Co.
San Francisco. H. H. Bancroft & Co.
1869.

Entered according to Act of Congress, in the year 1869, by
J. S. GOODMAN & CO.,
In the Clerk’s Office of the District Court of the United States,
for the Northern District of Illinois.



Vorwort der Verleger.


Schon längst sind wir davon überzeugt, daß sich in unserem Lande
das Bedürfniß nach einem +bündig gefaßten+ Werke, das +billig
verkauft+ werden kann, und welches eine zuverlässige Anweisung für
die erfolgreiche Behandlung solcher Unpäßlichkeiten, Krankheiten und
körperlichen Beschädigungen enthält, die von irgend einer intelligenten
Person ohne ärztliche Hülfe behandelt werden mögen, vorhanden ist: Ein
Werk, das nicht den Anspruch macht, alle die betreffenden Kenntnisse
zu bieten, noch unter allen Umständen die Hülfe eines Arztes unnöthig
zu machen, denn es giebt Fälle, deren Behandlung berufsmäßige
Geschicklichkeit und lange Erfahrung erfordert.

Es giebt jedoch -- dies ist einleuchtend -- eine große Anzahl
Krankheitsfälle, welche mit Hülfe solcher Belehrung, wie die in der
vorliegenden Abhandlung leicht gehoben werden können, während andere
gleich beim Anfang die promptesten, energischsten Mittel nöthig machen,
widrigenfalls sie sich, ehe noch ein Arzt eintreffen kann, so sehr
steigern, daß das Leben des Patienten gefährdet wird.

Der Schreiber dieses erinnert sich noch recht wohl des plötzlichen
Erkrankens seines Familienarztes, welcher unerwartet in seiner Office
von jener fürchterlichen Seuche, der Cholera, befallen wurde, und ehe
Hülfe geleistet werden konnte, dem Tode verfallen war.

Auch erinnert sich der Verfasser dieser Vorrede noch recht wohl, wie
dankbar er dafür war, daß er ein Buch hatte, welches +genau angab, was
bei Croup-Anfällen zu thun sei+, als er zum erstenmal mitten in der
Nacht durch den =Croup-Husten= seines einzigen Kindes aufgeweckt wurde.

Durchdrungen von der oben ausgedrückten Ueberzeugung, sahen wir uns
nach einem Autor um, welcher einerseits mit unseren Ansichten völlig
übereinstimmte und andererseits die Fähigkeit hatte, dieselben in
praktische Form zu kleiden, und nachdem wir längere Zeit vergeblich
uns bemühten, sind wir sicher, den rechten Mann gefunden zu haben, und
legen nun dem Publikum das Resultat seiner Arbeit mit der Zuversicht
vor, daß dieses längst gefühlte Bedürfniß durch dieses Werk vollkommen
befriedigt ist.

Um das Buch noch brauchbarer und praktischer zu machen, sind die
verschiedenen Behandlungsweisen der verschiedenen medizinischen
Schulen angegeben: die +allöopathische+, die +homöopathische+, die
+hydropathische+, die +eclectische+ und die +Kräuter-Heilmethode+, so
daß man je nach Bequemlichkeit oder Ueberzeugung zu der einen oder der
andern greifen, oder eine nach der andern anwenden kann, falls die erst
angewandte nicht den erwünschten Erfolg erzeugt hätte. Wenn z. B. eine
auf dem Lande, weit von einem Arzte oder einer Apotheke lebende Person
sich plötzlich eine heftige Erkältung zuzieht und ein Fieber im Anzuge
ist, mag sie -- obgleich die allöopathische Kurmethode vielleicht
vorziehend -- zur Kräuter- oder Wasser-Heilmethode mit dem besten
Erfolg greifen.

Diese Zusammenstellung der verschiedenen Heilmethoden ist originell und
wird, wie wir glauben, in keinem anderen Buche gefunden.

Der Name des Autors ist, wie der Leser bemerken wird, nicht angegeben
und zwar deshalb, weil er ein Graduirter eines medizinischen
Collegiums, ein angesehener Arzt einer der medizinischen Schulen
ist und seine Stellung unter seinen Fachgenossen verlieren würde,
sobald bekannt wäre, daß er nebst den in seiner Schule üblichen
Behandlungsweisen auch andere angegeben habe. Erst kürzlich wurde ein
hochgestellter allöopathischer Arzt in New-York „disciplinirt,“ weil
er mit einem ebenso intelligenten und ausgezeichneten homöopathischen
Arzte sich berathen hatte. So lange solcher Geist selbst noch unter den
intelligenteren Kunstgenossen herrscht, kann man es unserem Autor nicht
verargen, wenn er seinen Namen verschweigt, und dies um so mehr, als
durch die Nennung desselben doch nichts Gutes bezweckt würde.

Der =Werth= des Werkes wird demselben entweder +Erfolg+ sichern,
oder das Mißfallen des Publikums zuziehen; aber wir übergeben es der
Oeffentlichkeit mit dem festen Glauben, ja wir möchten sagen, mit der
+unzweifelhaften Gewißheit+, daß es +mit Beifall+ aufgenommen werden
und ein +kostbarer Familienschatz in tausenden Häusern+ werden wird.
Daß dies der Fall sein möge, ist der Wunsch

    =Der Verleger.=

    =Chicago, September 1868.=



Vorrede des Verfassers.


Dieses Werk der Beurtheilung des Publikums übergebend, bin ich
überzeugt, durch dasselbe einem langgefühlten Bedürfniß für ein
Familienbuch der Heilkunde, das allen Klassen entspricht, nachzukommen.
Dasselbe ist hauptsächlich für die Erfordernisse der Landbevölkerung
und solcher geschrieben, die weit entfernt von größeren Ortschaften
oder solchen Plätzen wohnen, wo zuverlässige Hülfe in Krankheitsfällen
beschafft werden kann. Viele können sich gewisser Zeiten erinnern,
in welchen, wäre ein solches Buch vorhanden gewesen, großen Leiden
vorgebeugt, oder selbst dann und wann ein Leben hätte gerettet werden
können. Da unser Leben, auch wenn wir ein hohes Alter erreichen,
immerhin ein sehr kurzes ist, so ist die Pflicht, dasselbe womöglich
bis zu der dem Menschen zugemessenen Zeit zu verlängern, eine
deutliche; Niemand kann sagen, wann ihn eine Krankheit befallen, wann
er durch einen Unfall körperlich bedeutend beschädigt werden wird, und
wir sollten gegen solche Fälle stets vorbereitet sein.

In der Ausarbeitung dieses Werkes habe ich mich bemüht, jede Krankheit
in so einfacher Weise zu beschreiben als möglich, indem ich mir Mühe
gab, technische und wissenschaftliche Ausdrücke so weit dies geschehen
konnte, zu vermeiden und +eine Sprache+ zu gebrauchen, die jedes Kind
verstehen kann. Alle Fremdwörter aber, die nothwendiger Weise gebraucht
werden mußten, sind entweder sogleich erklärt oder findet sich deren
Erklärung im Fremdwörterverzeichniß.

Um allen Klassen und den Anhängern der verschiedenen medizinischen
Schulen etwas zu bieten, habe ich bei jeder Krankheit die
Behandlungsweise der verschiedenen Methoden beigefügt und dabei alle
Vorurtheile, die ich für oder gegen diese oder jene Schule haben mag,
in den Hintergrund treten lassen, indem ich jeder derselben volle
Gerechtigkeit widerfahren ließ und sowohl meine Erfahrung als die
anderer benützte, denn es wurden die besten Autoritäten Europas und
Amerikas zu Rathe gezogen, so daß man sich auf die Angaben dieses
Buches verlassen kann.

Zur Bequemlichkeit und Nachhülfe beim Nachschlagen ist das Werk
eingetheilt wie folgt:


+Erster Theil: Allgemeine Krankheiten.+

Jedes Kapitel dieses Theils führt Krankheiten verschiedener
Körpertheile auf, sowie allgemeine Krankheiten. Jede derselben ist
deutlich behandelt, indem die Symptome, die Ursachen und die Behandlung
der verschiedenen medizinischen Schulen pünktlich angegeben sind.


+Zweiter Theil: Frauenkrankheiten.+

Unter dieser Ueberschrift wird über Menstruation, mit ihren Störungen,
Schwangerschaft und die Behandlung der Krankheiten während derselben,
Entbindung u. s. w. abgehandelt.


+Dritter Theil: Kinderkrankheiten.+

In diesem Theile finden sich wertvolle Winke bezüglich der
Verpflegung, der Kost und der allgemeinen Behandlung der Kinder, sowie
Abhandlungen über Kinderkrankheiten.


+Vierter Theil: Verschiedene Krankheiten.+

Unter dieser Ueberschrift werden die nicht im ersten Theile
eingeschlossenen Krankheiten aufgeführt, und sind Anweisungen gegeben,
wie man die Scheintodten wieder zum Leben bringen kann. Dieser
Abtheilung sind auch werthvolle Bemerkungen über die Krankenpflege
beigefügt, nebst einer vollständigen Anweisung für die hydropathische
Behandlung der Krankheiten.

Unter dem Titel -- +Pharmacie+ ist die Zubereitung mancher in diesem
Buch angegebenen Arzneien vorgeschrieben.


+Fünfter Theil: Wundarzneikunst.+

In diesem Theil werden solche Behandlungen und Mittel der
Wundarzneikunde angegeben, welche von jeder intelligenten Person in
Anwendung gebracht werden können. Außerdem finden hier die Gifte nebst
ihren Gegenmitteln und ein Verzeichniß der medizinischen Ausdrücke
einen Platz.

In dem +Symptom-Verzeichniß+ sind die hauptsächlichen Symptome der am
häufigsten vorkommenden Krankheiten angegeben, und wird dasselbe den
Personen, die unwohl fühlen, aber nicht gerade sagen können, was ihnen
fehlt, gute Dienste leisten.

Daß das Werk zum Besten der Menschheit eine weite Verbreitung finden
und hierdurch die darauf verwendete Arbeit vergüten möge, ist der
aufrichtige Wunsch des

    =Verfassers.=

    =Chicago, Januar 1869.=



+Zeugnisse.+


Die folgenden anerkennenden Zeugnisse wurden von ausgezeichneten
Aerzten der Homöopathischen, Allöopathischen und Eclectischen Schulen
ausgestellt.


Herren J. S. Goodman & Co., Verleger:

+Meine Herren+! -- Daß in Ihrem zu publizirenden Werk „Unser
Familien-Arzt“ die Krankheiten genau und richtig beschrieben sind, und
daß die darin angegebene Heilkunde zuverlässig ist, kann ich nach einer
Prüfung der mir zugesandten Probebogen des Buches bezeugen.

    +N. F. Cooke, ~M. D.~+,

    =Professor der Theorie und Praxis am Hahnemannischen medizinischen
    Collegium.=

  =Chicago den 6. Febr. 1869.=

       *       *       *       *       *

Ich beglaubige hiermit, daß ich das Werk „Unser Familien-Arzt,“ welches
von J. S. Goodman & Co. publizirt werden wird, geprüft habe und in
demselben die Symptome der Krankheiten richtig angegeben sind, wie denn
das Buch überhaupt das Vertrauen des Publikums verdient.

    +H. S. Hahn, ~M. D.~+

  =Chicago den 8. Febr. 1869.=

+Meine Herren+! -- Auf Ihr Ersuchen habe ich die Probebogen Ihres
Werkes „Unser Familien-Arzt“ durchgelesen und es macht mir Vergnügen
dasselbe zu empfehlen. Es gibt die richtige Behandlungsweise der
Krankheiten an und verdient eine weite Verbreitung.

    +J. F. Cooke, ~M. D.~+,

    =Professor im Bennett medizinischen Collegium, Chicago.=

  =Den 8. Febr. 1869.=



Inhalts-Verzeichniß.


Erster Theil. -- Allgemeine Krankheiten.


Erstes Kapitel.

(Seite 17.)

  =Krankheiten der Haut.= -- 1. +Ausschlagfieber.+ -- Ausschlag --
  Nesselfieber -- Rose -- Masern -- Scharlachfriesel -- Scharlachfieber
  -- Windpocken -- Blattern -- Varioliden.

  2. +Chronische Hautausschläge.+ -- Jucken und Reizung der Haut --
  Frostbeulen -- Zittermahl oder Gürtelrose -- Flechten -- Krätze --
  Milchschorf -- Grindkopf -- Hühneraugen -- Warzen.


Zweites Kapitel.

(Seite 65.)

  =Fieber.= -- Gewöhnliches oder eintägiges Fieber -- Entzündliches
  Fieber -- Nervenfieber oder Typhus -- Gehirnfieber oder
  Gehirnentzündung -- Remittirendes oder Gallenfieber --
  Intermittirendes oder Wechselfieber -- Gelbes Fieber.


Drittes Kapitel.

(Seite 99.)

  =Geisteskrankheiten.= -- Hypochondrie oder Schwermüthigkeit --
  Hysterie oder Bauchnervensucht -- Melancholie oder Trübsinn -- Manie,
  Irr- oder Wahnsinn.


Viertes Kapitel.

(Seite 106.)

  =Krankheiten des Kopfes.= -- Congestion oder Blutandrang nach dem
  Kopfe -- Schwindel (~Dizziness~) -- Schlagfluß -- Gehirnentzündung
  -- Sonnenstich -- Kopfweh durch Catarrh verursacht -- Kopfweh durch
  Blutandrang verursacht -- Kopfweh durch Rheumatismus verursacht --
  Kopfweh durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden verursacht
  -- Sympathetisches Kopfweh (~Sick Headache~) -- Nervöses Kopfweh
  (~Neuralgia in the Head~) -- Ausfallen des Haares.


Fünftes Kapitel.

(Seite 131.)

  =Augenkrankheiten.= -- Niederfallen des Augenlids -- Entzündung und
  Anschwellen des Augenlids -- Entzündung des Rands des Augenlids --
  Entzündung des Augapfels -- Chronische Augenentzündung -- Chronische
  skrophulöse Augenentzündung -- Gerstenkorn am Augenlid -- Nasse oder
  thränende Augen -- Schwarzer Staar -- Augenschwäche -- Blindheit --
  Kurzsichtigkeit -- Weitsichtigkeit -- Schielauge -- Fremde Körper im
  Auge.


Sechstes Kapitel.

(Seite 147.)

  =Ohrenkrankheiten.= -- Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden
  Theile -- Ohrenentzündung -- Ohrenweh -- Ohrensausen --
  Schwerhörigkeit -- Ohrlaufen -- Durchstechen des Ohrläppchens --
  Fremde Körper im Ohr.


Siebentes Kapitel.

(Seite 155.)

  =Krankheiten der Nase.= -- Entzündung und Anschwellen der Nase
  -- Nasenbluten -- Schnupfen oder Erkältung im Kopf (~Catarrh~) --
  Eiterung der Nase -- Nasenpolyp -- Nasenkrebs -- Fremde Körper in der
  Nase.


Achtes Kapitel.

(Seite 166.)

  =Krankheiten des Gesichts, der Lippen und der Kinnbacken.= --
  Gesichtsrose -- Gesichtsausschlag -- Nervöser Gesichtsschmerz oder
  Neuralgie -- Gesichtsflecken -- Gesichts- und Kinnbackenlähmung.


Neuntes Kapitel.

(Seite 178.)

  =Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.= -- Zahnweh
  -- Verfall und Leiden der Zähne -- Widerwärtiger Geruch des Athems --
  Schlechter Geschmack im Munde -- Zahnfleischschwären -- Entzündung
  und Anschwellen der Zunge -- Mundkrebs -- Scorbut -- Speichelfluß --
  Stammeln.


Zehntes Kapitel.

(Seite 194.)

  =Krankheiten des Halses.= -- Weher Hals oder gewöhnliche
  Halsentzündung -- Eiternde und putride (Fäulniß erzeugende), oder
  bösartige Halsentzündung -- Entzündung und Anschwellung der Mandeln
  oder Tonsillen -- Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens.


=Eilftes Kapitel.=

(Seite 208.)

  =Krankheiten der Luftröhre und der Brust.= -- Heiserkeit --
  Luftröhrenentzündung oder Bronchitis -- Influenz oder Grippe, auch
  Flußfieber -- Husten (~Tussis Convulsiva~) -- Lungenentzündung
  -- Lungenentzündung bei alten Leuten -- Pleuresie, Brustfell-,
  Rippenfell-Entzündung -- Scheinbare Pleuresie oder Seitenstechen
  -- Herzentzündung -- Herzklopfen -- Rheumatische Herzschmerzen --
  Brustbeklemmung -- Lungenbluten -- Engbrüstigkeit oder Asthma --
  Brustwassersucht -- Auszehrung -- Brustquetschung -- Fremde Körper in
  der Luftröhre.


Zwölftes Kapitel.

(Seite 253.)

  =Krankheiten des Magens und der Eingeweide.= -- Mangel an Appetit
  -- Heißhunger, Schlinglust -- Dyspepsie oder schwacher Magen --
  Sodbrennen, oder Unverdaulichkeit, oder versäuerter Magen --
  Uebelkeit und Erbrechen -- Seekrankheit -- Magen-Neuralgie --
  Magenweh oder Magenkolik -- Magenentzündung -- Gedärmentzündung
  -- Leberentzündung -- Gelbsucht -- Milzentzündung -- Würmer --
  Hartleibigkeit -- Diarrhöe oder Durchfall -- Ruhr -- Cholera Morbus
  -- Asiatische Cholera -- Hämorrhoiden -- Mastdarmvorfall -- Bruch --
  Unterleibswassersucht.


Dreizehntes Kapitel.

(Seite 323.)

  =Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechts-Organe.= --
  Nierenentzündung -- Blasenentzündung -- Harnverhaltung -- Harnfluß
  -- Harnruhr -- Blasenpolyp -- Blasenstein -- Blutharnen --
  Selbstbefleckung -- Syphilis oder Lustseuche -- Samenfluß, Tripper.

       *       *       *       *       *


Zweiter Theil. -- Frauenkrankheiten.


Erstes Kapitel.

(Seite 344.)

  =Menstruation.= -- Eine vollständige Beschreibung dieser Funktion.


Zweites Kapitel.

(Seite 349.)

  =Störungen der Menstruation.= -- Verzögerte Menstruation -- Chlorose
  oder Bleichsucht -- Uebermäßige Menstruation -- Schwere Menstruation
  oder Menstrualkolik -- Unterdrückte Menstruation -- Aufhören der
  Menstruation oder Uebergangszeit.


Drittes Kapitel.

(Seite 367.)

  =Vorfall der Gebärmutter.= -- Weißer Fluß.


Viertes Kapitel.

(Seite 375.)

  =Schwangerschaft.= -- Anzeichen der Schwangerschaft -- Kleidung
  -- Bewegung -- Diät -- Erbrechen -- Scham-Jucken während der
  Schwangerschaft -- Krampfadern oder varicöse Adern -- Hämorrhoiden
  oder Goldader -- Anschwellen der Füße -- Hartleibigkeit während der
  Schwangerschaft -- Diarrhöe während der Schwangerschaft -- Zahnweh
  und Speichelfluß -- Dyspepsie oder versäuerter Magen, auch Sodbrennen
  genannt -- Hysterische Anfälle -- Herzklopfen -- Kopfweh -- Husten
  -- Krämpfe -- Urin- oder Harnträufeln -- Unterdrückung des Urins --
  Blutfluß -- Frühgeburt oder Abortion -- Falsche Wehen -- Behandlung
  der Brüste.


Fünftes Kapitel.

(Seite 396.)

  =Entbindung oder Kindbett.= -- Geburtswehen -- Schmerzen bei den
  Geburtswehen -- Entbindung -- Behandlung nach der Entbindung --
  Verbinden des Nabels -- Licht, Temperatur und Lüftung -- Nachwehen
  -- Blutfluß -- Dauer des Kindbetts -- Diät und Regeln während des
  Kindbetts -- Lochien oder Geburtsfluß -- Unterdrückung der Lochien --
  Uebermäßige und lang anhaltende Lochien -- Milchfieber -- Ausbleiben
  der Milch -- Uebermäßige Ansammlung der Milch -- Wunde Brustwarzen --
  Brustfieber -- Brustgeschwulst -- Hartleibigkeit nach der Entbindung
  -- Diarrhöe nach der Entbindung -- Puerperal- oder Kindbettfieber --
  Weiße Schenkelgeschwulst -- Der wunde Mund der Stillenden.

       *       *       *       *       *


Dritter Theil. Kinderkrankheiten.

(Seite 415.)

  Kleidung des Kindes -- Scheintod (~Asphyxia~) -- Diät der
  Neugeborenen -- Anschwellen und Verlängerung des Kopfes --
  Anschwellen der Brüste -- Kindspech (~Meconium~) -- Gemüthsbewegungen
  beeinflussen die Milch -- Abgewöhnung -- Kost während des Säugens --
  Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit der Kinder -- Durchscheuern und
  Wundheit der Haut -- Gelbsucht -- Krämpfe -- Zahnen -- Verstopfte
  Nase oder Schnupfen -- Mundschwamm -- Hartleibigkeit -- Diarrhöe
  -- Kopfwassersucht -- Remittirende Fieber -- Cholera Infantum
  -- Sommerkrankheit -- Häutige Bräune -- Keuch- oder Stickhusten
  (~Hooping cough~; ~Pertussis~) -- Gaumenlähmung -- Kolik -- Würmer --
  Gehirnentzündung -- Kehlsucht, auch Ziegenpeter.

       *       *       *       *       *


Vierter Theil. -- Verschiedene Krankheiten.


Erstes Kapitel.

(Seite 448.)

  =Verschiedene Krankheiten.= -- Rheumatismus -- Gicht -- Skropheln --
  Hüftenentzündung -- Krämpfe -- Kropf -- Schlaflosigkeit -- Lähmung --
  Säuferwahnsinn -- Fallsucht -- Veitstanz -- Ohnmacht -- Starrkrampf.

  +Scheintod+ durch Hunger -- durch Ertrinken -- durch Erfrieren --
  durch Erhängen -- durch Blitzschlag -- durch schädliche Dünste --
  durch einen Fall oder Schlag -- durch heftige Aufregung.


Zweites Kapitel.

(Seite 474.)

  =Das Krankenzimmer.= -- Krankenpflege -- Zubereitung der Speisen für
  Kranke und Wiedergenesende -- Brauchbare Anweisungen.


Drittes Kapitel.

(Seite 484.)

  =Hydropathische Behandlung.=


Viertes Kapitel.

(Seite 495.)

  =Arzneibereitungskunst.=


       *       *       *       *       *


Fünfter Theil. -- Wundarzneikunst und Gifte.

(Seite 503.)

  =Wundärztliche Hülfsmittel.= -- Umschläge -- Bähmittel -- Pflaster --
  Wickelbänder und Bandagen -- Schienen.

  =Unglücksfälle.= -- Bruch des Nasenbeins -- des untern Kinnbackens
  -- der Rippen -- des Schlüsselbeins -- des Schulterblatts -- des
  Oberarms -- des Ellbogens -- des Vorderarms -- des Fingers -- des
  Schenkels -- des Beins -- des Fußes -- der Zehe -- Zusammengesetzte
  Brüche.

  =Ausrenkungen.= -- Ausrenkung des Kinnbackens -- des Genicks -- der
  Schulter -- des Ellbogens -- des Faustgelenks, Handwurzel -- des
  Hüftknochens -- der Kniescheibe -- des Kniegelenks -- des Knöchels.

  =Wunden, Quetschungen.= -- Verstauchungen und Erschütterungen --
  Brand- und Brühwunden -- Erfrorene Gliedmaßen -- Beulen -- Karfunkel
  -- Fingergeschwür -- Einwachsen des Zehenagels.

       *       *       *       *       *

(Seite 524.)

=Gifte und Gegengifte.= -- Animalische Gifte -- Vegetabilische Gifte --
Mineralische Gifte.

       *       *       *       *       *

(Seite 527.)

=Angabe der Symptome der verschiedenen Krankheiten.=

       *       *       *       *       *

(Seite 536.)

=Alphabetisches Fremdwörter-Verzeichniß.=

       *       *       *       *       *

(Seite 540.)

=Alphabetisches Inhalts-Verzeichniß.=



Unser Familien-Arzt.



+Erster Theil. -- Allgemeine Krankheiten.+



Erstes Kapitel. -- Krankheiten der Haut.


1. Ausschlag-Fieber.

Ausschlag.

Diese Krankheit wird häufig durch Erkältung, Mattigkeit, verdorbenen
Magen u. s. w. hervorgerufen. Sie zeigt sich in der Form von kleinen
rothen Flecken, welche besonders des Nachts unerträglich jucken, ist
aber nicht lebensgefährlich.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Wenn das Jucken sehr stark wird, dabei Frost
  oder Hitze und Schlaflosigkeit, gebe man alle Stunden eine Dosis (6
  Kügelchen) ~Chamomilla~. Wird es nach 2 bis 3 Stunden nicht
  besser, so gebe man eine Dosis (6 Kügelchen) ~Ledum Palustre~.
  Ist es am nächsten Tage noch nicht besser, so gebe ~Rhus~ und
  ~Sulphur~ abwechselnd alle 2 bis 3 Stunden. Laue Bäder werden
  sehr erfrischen.

  =Allöopathisch.= Das folgende gelinde Abführmittel mag gegeben
  werden:

    Magnesia                                              ½ Pfund.
    Ingwer (~Ginger~) fein pulverisirt                    1 Unze.
    Rhabarber fein pulverisirt                            2 Unzen.

  Dies zu mischen. Für Kinder ungefähr einen halben, für Erwachsene
  einen Theelöffel voll oder mehr.


Nesselfieber (~Hives~, ~Urticaria~).

Dies ist ein Ausschlag der Haut, ähnlich den Verletzungen durch
Brennnesseln; derselbe ist aber weder ansteckend, noch gefährlich.

+Ursachen.+ -- Einige Personen haben eine Anlage zu dieser
Krankheit, so daß sie sich nach dem kleinsten Diätfehler einstellt.
Nahrungsmittel wie Schellfisch, Gurken, Pilze, Erdbeeren, Makrele &c.
werden häufig die Ursache zu einem Anfall. Kinder, die eine zarte,
feine Haut haben, sind besonders geneigt dazu.

+Kennzeichen.+ -- Der Ausschlag besteht in erhabenen Flecken auf
der Oberfläche der Haut, die zuweilen roth, aber im Allgemeinen weiß
und roth gemischt und ziemlich hart sind und eine brennende, juckende
Empfindung erzeugen. Nesselausschlag erscheint häufiger bei kleinen
Kindern in der Form von großen Blattern, die außen von unregelmäßiger
Gestalt und hellrother Farbe, im Mittelpunkt aber weiß und ein wenig
erhaben sind. Der Ausschlag zeigt sich bald an dem einen bald an dem
andern Ort. Zuweilen geht der Krankheit ein wenige Stunden anhaltendes
Fieber, Kopfschmerz, Uebelkeit, Erbrechen, bitterer Geschmack im Munde
voraus; hin und wieder gleicht auch der Ausschlag den Striemen von
Peitschenhieben.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Geht die Krankheit vom Magen aus, so gebe man
  das folgende Brechmittel:

    Brechweinstein (~tartar emetic~)                      1 Gran.
    Ipecacuanha-Pulver                                    1 Skrupel.
    Gewöhnlicher Syrup                                    1 Drachme.
    Quellwasser                                          10 Drachmen.

  Mische und nehme es auf einmal.

  Diesem lasse man untenstehendes schnell wirkendes Abführmittel folgen:

    Zusammengesetzter Extrakt von Coloquinthen            ½ Drachme.
     (~Colocynth~)
    Extrakt von Jalappenwurzel (~Jalap~)                 15 Gran.

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. 2 oder 3 Pillen werden ihre
  Wirkung nicht verfehlen.

  Bei starken nervösen Symptomen gebe man je nach dem Alter des Kranken
  5-20 Tropfen Schwefel-Aether -- alle halbe Stunden.

  Zur äußerlichen Anwendung gebrauche man eins von den folgenden:

    Bleizucker                                            ½ Drachme.
    Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of Ammonia~)        1 Drachme.
    Rosenwasser                                           ½ Pint.

  Mische es.


  Oder:

    Alcohol                                              1½ Unze.
    Rosenwasser                                           4 Unzen.

  Mische es.

  Oder folgendes von Dr. Erasmus Wilson empfohlene:

    Aetzendes Quecksilber (~Corrosive Sublimate~)         6 Gran.
    Rosmarin-Spiritus                                     1 Unze.
    Alcohol                                               1 Unze.
    Kühltrank von bittern Mandeln                         6 Unzen.

  Mische es.

  Es ist rathsam, hiervon sorgfältig äußerlich Gebrauch zu machen,
  weil der Ausschlag nach Innen getrieben werden kann, was bedenkliche
  Folgen hat.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wo immer der Ausschlag erscheint, reibe
  man den Körper mit Waizenmehl und lasse den Kranken ungehindert
  Saffran-Thee, oder Salbei- und Sassafras-Thee trinken. Bessert
  sich der Kranke, so gib folgendes beruhigendes Arzneimittel: 3
  Theile ~Cremor Tartari~, ein Theil Schwefel mit Molasses gemischt;
  davon einen Theelöffel dreimal des Tages mehrere Tage hinter
  einander. Wirkt es nicht hinreichend, nehme man eine Dosis Salz und
  Sennablätter. Warmes Saleratuswasser ist ein gutes Einreibmittel für
  die Haut.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wo dem Ausschlag Fieber, heiße Haut,
  Durst, belegte Zunge und Schlaflosigkeit vorausgeht oder wo es
  denselben begleitet.

  ~Dulcamara.~ -- Wenn der Anfall durch Erkältung hervorgerufen ist,
  und von Uebelkeit, Erbrechen, bitterem Geschmack im Munde, Diarrhöe
  begleitet ist, die Symptome des Nachts oder in der Stubenhitze
  stärker, dagegen im Freien schwächer sind. Dieses Mittel kann
  abwechselnd mit ~Antimonium Crudum~ gegeben werden.

  ~Rhus toxicodendron.~ -- Wird der Ausschlag von Jucken und Brennen
  begleitet, besonders nach Bewegung im Freien oder dem Genusse
  gewisser Speisen.

  ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Anfall durch reiche und fette Kost
  hervorgerufen wurde.

  ~Calcarea Carbonica.~ -- Wenn der Ausschlag beim Aufenthalt in
  der frischen Luft verschwindet und er durch die Anwendung des
  kalten Wassers verstärkt wird, das Gesicht gelb, die Haut rauh mit
  Gänse-Finnen bedeckt ist, mit einem betäubenden Schmerz im Kopf,
  Uebelkeit und Schwindel des Nachts oder beim Erwachen des Morgens.

  Wenn durch feuchtes Wetter Erkältung, mit Schmerzen in den Gliedern,
  Frost und Kopfschmerz hervorgerufen, so gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus
  toxicodendron~ abwechselnd, alle 3 bis 4 Stunden eine Gabe (4 oder
  6 Kügelchen). ~Ledum Palustre~ ist ein anderes Mittel, das bei den
  meisten Fällen mit Erfolg angewendet werden kann.

  Sollte sich der Ausschlag nach Innen werfen und der Kranke über einen
  krankhaften Zustand des Magens, große Schwäche klagen, gebe man
  ~Ipecacuanha~ (~Ipecac~) oder ~Bryonia~ jede Stunde mehrere Stunden
  hintereinander, tritt nach drei Stunden keine Besserung ein, so
  nehme man ~Arsenicum~. Gleichzeitig hülle man den Kranken wohl ein
  und lasse ihn viel Wasser trinken, um Schweiß hervorzurufen.

  Hat Jemand diese Krankheit eine lange Zeit, oder hat er besonders
  Anlage dazu, so lasse man ihn jeden vierten Tag am Abend eine Dosis
  ~Calcarea Carbonica~ nehmen. Bessert er sich nicht innerhalb einiger
  Wochen, gebe man entweder ~Lycopodium~, ~Sulphur~, ~Acidum Nitri~
  oder ~Carbo Vegetabilis~ in derselben Weise.

  +Die Darreichung der Arzneimittel.+ -- Wenn die Dosis nicht mit dem
  Mittel erwähnt ist, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel Wasser und
  gebe alle 2 oder 3 Stunden, je nach der Heftigkeit des Auftretens der
  Symptome, eine Dosis.

  +Kost.+ Kein Fleisch, oder erhitzende Getränke, nur Wasser, schwarzer
  Thee, Haferschleim, Zwieback (~Toast~), gebackene Aepfel und
  altbackenes Brod.


Die Rose (St. Antonius Feuer, ~Erysipelas~).

Die Rose oder Rothlauf ist eine Entzündung der Haut, die sich leicht
ausbreitet und zuweilen weit in das Zellengewebe dringt. Sie ist
ansteckend und Personen, deren Verdauungsorgane nicht in Ordnung, oder
die der Feuchtigkeit und Kälte ausgesetzt sind, haben besonders Anlage
dazu. In der Regel finden wir die Rose im Gesicht, häufig aber auch an
den Gliedern.

+Kennzeichen.+ -- Der Rose gehen gewöhnlich Fieber, eine allgemeine
Erschlaffung, Frost, Kopfschmerz und belegte Zunge voraus; diesen
Symptomen folgen dann heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schmerzen
im Rücken und den Gliedern, die Haut wird roth oder purpurn, und ein
starkes stechendes, brennendes Gefühl mit Spannung und Schmerz wird
wahrgenommen. Die betreffenden Theile fangen an zu schwellen, und
befindet sich die Entzündung am Kopf oder im Gesichte, so schwellen
die Augen zu und die Züge können nicht wieder erkannt werden. Blasen
mit Wasser gefüllt, gleich jenen, die vom Verbrennen herrühren, bilden
sich zuweilen auf der Oberfläche. Der Kranke, besonders wenn sich
die Entzündung am Kopfe befindet, phantasirt des Nachts und der Hals
schwillt beträchtlich an. In den schlimmsten Fällen steigert sich
dieser Zustand bis zum Irrsinn; Schlafsucht tritt ein und der Kranke
kann in Folge eines inneren im Kopfe erfolgenden Ergusses sterben. Wird
das Zellengewebe tief angegriffen, so kann sich Eiter bilden und die
betreffenden Theile können sich von dem gesunden Fleisch ablösen. Sind
die Theile bedeutend angegriffen, die Farbe hochroth, das Prickeln
und Brennen sehr heftig, die Oberfläche fest und hart, so wird die
Entzündung Phlegmone oder unächter Rothlauf genannt. Ist die Geschwulst
weich und schwammig -- beim Druck beweglich -- die Farbe blaßroth oder
wachsgelb und gewöhnlich schwächliche Constitutionen angreifend, so
wird sie Blasen- oder Blatterrose (~Erysipelas ædematodes~) genannt.

Wenn der Rothlauf als eine blasse Röthe ohne Fieber auftritt, nennt man
ihn ~Erythema~ (kalte Hautröthe).

+Ursachen.+ -- Die Ursachen der Rose sind mannigfach, einige von ihnen
sind folgende: Einfluß der Witterung, ungeregelte Lebensweise, Mangel
an Reinlichkeit. Die meisten Veranlassungen dazu sind: Unmäßigkeit,
heftige, geistige Aufregung, das sich Aussetzen der kalten Luft nach
Erhitzung oder Aufregung, besonders wenn der Magen nicht in Ordnung
ist, Wunden und Quetschungen. Große Sorgfalt muß getragen werden, die
Ausbreitung der Entzündung zu verhindern. Man lüfte das Zimmer gut aus
ohne den Kranken der Zugluft auszusetzen, halte ihn sehr reinlich und
gebe ihm hinreichend Nahrung. Personen, die an Wunden leiden, oder in
irgend einer Weise erkrankt sind, und besonders Frauen unmittelbar
vor oder nach der Entbindung sollte der Aufenthalt in der Nähe eines
an der Rose Erkrankten nicht gestattet werden; auch sollten die mit
dieser Entzündung Behafteten an Wunden Leidende oder Frauen im Kindbett
nicht besuchen, ohne die größte Sorgfalt anzuwenden, um gegen die
Uebertragung der Krankheit zu schützen, z. B. durch den Wechsel der
Kleider, Baden u. s. w.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Beginne die Behandlung, besonders
  wenn Fieber vorhanden ist, mit folgendem Abführmittel:

    ~Potophyllum peltatum~ (Gemeines Fußblatt)           1½ Gran.
    ~Leptandrin~                                          4 Gran.
    ~Cremor Tartari~                                     20 Gran.

  Mische es, theile es in zwei Pillen und gib alle 6 Stunden eine, bis
  Stuhlgang erfolgt ist. Hierauf erhalte regelmäßigen Stuhlgang durch
  folgendes:

    Schwarzwurzel (~Blackroot~)                           5 Unzen.
    Wilde Indigo Wurzel (~Wild Indigo Root~)              1 Unze.

  Mische es und rühre die Mischung in 4½ Pint kochendes Wasser. Man
  nehme einen Theelöffel voll mehrere Male des Tages.

  Treten die Symptome heftig auf, so beginne man die Behandlung mit
  einem Brechmittel. Gegen Magensäure gib Magnesia, Kreide oder
  doppeltkohlsaures Soda (~Bicarbonate of Soda~). Erscheint die
  Entzündung am Körper, so wird ein Dampfbad Erleichterung gewähren.
  Wenn sich die Rose im Gesicht oder am Kopf befindet, bähe die
  betreffenden Theile mit einer Abkochung von Boneset, Farnkraut
  (~Tansy~), oder Katzenmünze (~Catnip~) mehrere Male des Tages. Ein
  Umschlag von Preiselbeeren wird von Vielen für ein ganz besonderes
  Mittel gegen diese Krankheit gehalten. Koche ein oder zwei Pint, bis
  sie weich sind und mische sie mit pulverisirter Ulmenrinde oder Mehl
  und mache einen Umschlag auf den erkrankten Theil. Ist die Entzündung
  heftig, gebrauche

    Eisen-Chlor-Tinctur (~tincture of chloride of iron~)  1 Drachme.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~)    2 Drachmen.

  Mische es. Dosis: 25 Tropfen in ein Weinglas mit einem Aufguß von
  Hollunderblüthe und Frauenhaar (~Elder flowers and Maiden hair~) 1
  Unze von jedem, in 2 Pints kochenden Wassers.

  Bilden sich Blasen und tritt Eiterung ein, mache Umschläge von
  Ulmenrinde und Hopfenmalz. Verschwindet die Entzündung plötzlich,
  oder wird eine Neigung hierzu bemerkbar, gebe man folgendes:

  Blutwurzel, Pleuresiewurzel, Ipecacuanha und Salpeter, jedes
  pulverisirt, eine Drachme. Gieb eine Dosis von 12 zu 15 Gran alle 3
  oder 4 Stunden. Zur Milderung des Juckens und Brennens kann eines
  der folgenden Mittel gebraucht werden: Gleiche Theile von Lobelia-
  und Blutwurzel-Tinctur mit ein wenig Essig; drei- oder viermal des
  Tages anzuwenden. -- Eine Abkochung von Flöhkraut und Stinkkamille
  (~Smartweed and Mayweed~) kann kalt gebraucht werden. Ein anderes
  Mittel: Lobelia-Tinctur, Lorbeer-Rinden- (~Bay berry~) Tinctur, eine
  satte Auflösung von Salmiak, von jedem eine Unze; bade die Theile
  mehrere Male des Tages damit. Ebenso noch einen erweichenden Umschlag
  von gebranntem Mehl oder Ulmen-Rinde. Wenn der Rothlauf chronisch
  ist und nach einigen Monaten immer wieder ausbricht, kann zu dessen
  Vertreibung folgende Behandlung angewendet werden: Man halte die
  Eingeweide mit guten Abführungspillen oder einem gemischten Pulver
  von Rhabarber und Potasche in Dosen von fünf oder zehn Gran dreimal
  des Tages zu nehmen in Ordnung; gleichzeitig nehme man das folgende:
  Wilde Indigo-Wurzel, Blut-Wurzel und Scharlachbeere-Wurzel (~Poke
  root~) von jedem eine Unze; holländischen Wachholderbranntwein
  (~Gin~) und Branntwein 1 Pint; man lasse es eine Woche stehen und
  füge 2 Drachmen hydriosaures Potasche-Salz, aufgelöst in einer Unze
  Wasser; Dosis einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Das folgende
  Mittel wird gleichfalls empfohlen: Blaue Schwertlilien-Wurzel,
  gelbe Ampferkraut-Wurzel, Kletten-Wurzel, die Rinde der
  Bittersüß-Wurzel, Sassafras-Rinde, von jedem, grob gepulvert, eine
  Unze; Hollunder-Blüthe 2 Unzen, dazu 6 Pint kochendes Wasser; bedecke
  das Gefäß und lasse es 24 Stunden stehen; presse ferner die Kräuter,
  durchseihe und versüße es. Dosis: Ein Weinglas voll dreimal des
  Tages. Das Baden der angegriffenen Theile mehrere Male in der Woche
  in schwachem Laugenwasser wird gleichfalls von guter Wirkung gefunden
  werden.


  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn starkes Fieber, heiße, trockene
  Haut, Durst u. s. w. vorhanden ist.

  ~Belladonna.~ -- Ein wichtiges Mittel, besonders gegen Gesichtsrose,
  bei geschwollenen Augen, trockener Haut, Durst und Phantasiren.
  ~Aconitum~ und ~Belladonna~ kann abwechselnd gegeben werden. Alle 2
  Stunden eine Dosis. Bessern sich die Symptome nicht, klagt der Kranke
  über Schmerz im Hals, Trockenheit, Husten ohne Auswurf, gebe man
  ~Lachesis~. ~Apis mellifica~ kann abwechselnd damit gegeben werden.

  Wenn diese Mittel eine Zeitlang gegeben worden sind und sich
  der Zustand des Kranken noch verschlimmert, während eine große
  Empfindlichkeit gegen Geräusch und Licht vorhanden, die Haut glänzend
  und sehr zart ist, zuweilen Blasen bildet, gebe man ~Belladonna~
  und ~Rhus toxicodendron~ abwechselnd, einen Theelöffel voll alle
  zwei Stunden. Wird der Kranke schläfrig, gebe man eine Dosis (4
  Kügelchen) ~Opium~. Wenn aufgeregt und schlaflos, gebe man Kaffee und
  ~Belladonna~ abwechselnd, alle Stunden eine Dosis. ~Arsenicum~ kann
  gegeben werden, wenn die Entzündung eine dunkle Farbe annimmt und der
  Kranke sehr schwach wird.

  ~Pulsatilla~ -- ist zu geben, wenn die Krankheit durch gewisse
  Nahrungsmittel, wie Austern, Clams u. s. w. Auch dann, wenn die
  Entzündung an einem Orte verschwindet und an einem anderen wieder
  erscheint oder wenn sie die Ohren angreift. Gegen Rothlauf in den
  Gelenken ~Bryonia~ und ~Rhus toxicodendron~ abwechselnd.

  Wenn sich Blasen bilden, die faulig werden, gebe man ~Arsenicum~ und
  ~Carbo vegetabilis~ abwechselnd.

  ~Mercurius~ und ~Hepar sulphuris~ kann gegeben werden, wenn sich der
  Rothlauf in Eitergeschwüre verläuft.

  Wenn die Krankheit chronisch wird und der Leidende derselben hin und
  wieder unterworfen ist, gebe man ~Rhus toxicodendron~ und ~Graphites~
  einen Tag um den andern. Eine Dosis 6 Kügelchen.

  Die Anwendung des Wassers -- in Form von nassen Tücherumschlägen --
  um Schweiß hervorzurufen, wird sehr zuträglich gefunden werden.

  +Anwendung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe stündlich oder alle 2 bis 3 Stunden einen Theelöffel
  voll, wenn nicht anders verordnet.

  +Kost.+ -- Trockenes geröstetes Brod, Haferschleim, schwarzer Thee,
  warme Limonade, wenn keine Diarrhöe vorhanden ist, und geschmorte
  Pflaumen.


  =Allöopathisch.= Beim Ausbruch gebe man ein Abführmittel wie
  Bittersalz oder folgendes:

    ~Magnesia sulphurica~                                 1 Unze.
    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of Potash~)         10 Gran.
    Lakritzen-Saft (~Liquorice~)                          1 Skrupel.
    Gemischten Aufguß von Sennablättern                  5½ Unze.
    Tinctur von Senna-Blättern und Jalappenwurzel         3 Drachmen.
    Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of sal
    volatile~)                                            1 Drachme.

  Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll. Wenn die Krankheit nicht
  heftig ist, ist es nicht gut, ein Brechmittel anzuwenden. Das
  folgende kann, wenn nothwendig, gebraucht werden:

    Brechweinstein (~Tartar Emetic~)                      1 Gran.
    Ipecacuanha-Pulver                                    1 Skrupel.
    Syrup                                                 1 Drachme.
    Quellwasser                                          10 Drachmen.

  Mische es und nimm es auf einmal.

  Wenn auf die Eingeweide gewirkt wurde, kann das folgende gegeben
  werden:

    Eine Auflösung des essigsauren Ammoniak
   (~solution of acetate of Ammonia~)                    1½ Unzen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet Spirits of
    Nitre~)                                               2 Drachmen.
    Syrup                                                 2 Drachmen.
    Campher-Mischung                                      4 Unzen.

  Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.

  Ist der Magen reizbar, gebe man folgendes:

    Doppelkohlsaure Potasche (~Bicarbonate of Potash~)    2 Drachmen.
    Syrup                                                 2 Drachmen.
    Destillirtes Wasser                                   6 Unzen.

  Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll. Zu jedem füge einen Theelöffel
  voll frischen Lemon-Saft oder 15 Gran Citronen-Säure, zuvor in einem
  Eßlöffel voll Wasser aufgelöst; trinke es während des Aufschäumens.

  Wird der Kranke schwach und der Fall nimmt einen typhösen Charakter
  an, so gebraucht man folgendes stärkende Mittel:

    Eine Abkochung von Baumrinde                          6 Unzen.
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         8 Gran.
    Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~)     ½ Drachme.
    Zusammengesetzte Baumrinden-Tinctur                   ½ Unze.
    Syrup von Orangen-Schale                              2 Drachmen.

  Mische es. Dosis: 2 Eßlöffel voll alle 4 Stunden. Wein, Molken,
  Milch, Punsch, Eier und Wein u. s. w. können ebenfalls mit Vortheil
  angewendet werden.

  Schlägt die Krankheit aus irgend einem Grunde nach Innen, muß die
  krankhafte Oberfläche mit Senf abgerieben und der ganze Körper in
  ein heißes Bad gebracht werden. Um das Jucken und Brennen der Haut
  zu vermeiden, ist eines von den folgenden Mitteln anzuwenden:
  Pfeilwurzpulver, Roggenmehl, pulverisirte Stärke, ein Thee von
  Buchweizenmehl; leinene Umschläge, mit folgender Mischung getränkt:

    Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution
    of Acetate of Ammonia~)                               4 Unzen.
    Wein-Spiritus                                         1   „
    Hollunderblüthe oder Rosenwasser                      3   „

  Gegen die Ausbreitung der Entzündung wende man Jod-Tinctur an, Dr.
  Wood empfiehlt einen Rand von ungefähr zwei Zoll, eine Hälfte auf
  der entzündeten Oberfläche und die andere auf der gesunden Haut zu
  malen; nach Belieben anzuwenden und täglich, wenn nothwendig, zu
  wiederholen. Salpetersaures Silber wird von Higgenbottom empfohlen
  und wie folgt angewendet:

    Salpetersaures Silber (~Nitrate of Silver~)           2 Skrupel.
    Salpetersäure (~Nitric Acid~)                        12 Tropfen.
    Wasser                                                1 Unze.

  Mische es. Wende es mit einem an einen Stock gebundenen Lappen oder
  einer Kameelshaarbürste an.

  +Anmerkung.+ Bei heftig auftretenden Fällen wende man sich an einen
  geschickten Arzt.


Masern (~Measels~, ~Rubeola~).

Dies ist eine Krankheit, die hauptsächlich in der Kindheit auftritt;
doch werden auch Erwachsene davon befallen, die derselben weit
härter als Kinder unterworfen sind. Ein Anfall wird in der Regel den
Betreffenden gegen einen zweiten sichern. Es ist eine ansteckende
Krankheit, deren Verlauf 7 bis 20 Tage nach dem Erscheinen erfordert.

+Kennzeichen:+ Die Symptome sind anfänglich jenen des Katarrhs oder
Schnupfens sehr ähnlich. Frost, Durst, Schlaflosigkeit, zuweilen
Kopfschmerzen, Niesen, kurzer trockner Husten, Laufen der Nase, rothe
und wässrige Augen sind vorhanden. Dies ist das erste Stadium, welches
in der Regel ungefähr drei Tage dauert. Am vierten Tage zeigt sich ein
Ausschlag. Derselbe beginnt im Gesicht, gewöhnlich auf der Stirne, und
geht hinab nach dem Nacken, Rumpf und untern Körpertheilen. Dieser
Zustand dauert ungefähr 48 Stunden, während dessen das Fieber sehr
stark ist. Der Ausschlag besteht in ganz kleinen tief rothen Punkten,
welche den Flohbissen sehr ähnlich sind, sind leicht erhaben auf der
Oberfläche und fühlen sich rauh an, wenn man mit der Hand über die
Haut streicht. Am siebten oder achten Tage nach den ersten Symptomen
der Krankheit verschwindet der Ausschlag und zwar zunächst da, wo er
sich zuerst zeigte. Am neunten Tage werden in der Regel nur noch
einige gelbrothe Flecke gesehen. Die Haut wird trocken und löst sich
in kleinen kleiartigen Stückchen ab. Masern können mit einer Unordnung
des Magens, Entzündung der Lungen oder einer solchen der Eingeweide
verwickelt sein. Fällt die Krankheit auf die Lungen, so verschwindet
der Ausschlag viel früher als er sollte -- in 36 oder 48 Stunden.

Die Masern können mit Scharlachfieber verwechselt werden, wer aber
die Symptome genau beachtet, kann kaum einen solchen Irrthum begehen.
Die unterscheidenden Merkmale zwischen den beiden Krankheiten sind
folgende: 1) Den Masern gehen stets Katarrh-Symptome, wie Niesen,
Husten, Laufen der Nase voraus, was bei dem Scharlachfieber nicht
der Fall ist. 2) Das Ausbrechen der Masern zeigt sich in Flecken in
der Gestalt eines Halbmonds, ähnlich den Flohbissen, welche auf der
Oberfläche leicht erhaben sind. Die Flecken des Scharlachfiebers
sind nicht erhaben, breiten sich über den ganzen Körper aus und sind
von einer hellen Scharlachfarbe. Bezüglich der Farbe könnte man
die Masern mit der der Himbeere und die des Scharlachfiebers mit
jener eines gekochten Krebses vergleichen. 3) Böser Hals wird stets
beim Scharlachfieber gefunden, bei Masern selten oder nie. 4) Der
Masernausschlag erscheint am vierten und jener des Scharlachfiebers am
zweiten Tage.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Masern erfordern in der Regel nur wenig medizinische
  Behandlung. Der Kranke sollte in ein großes luftiges Zimmer geschafft
  werden, und es ist besser, wenn er im Bett bleibt. Man sollte ihm
  keine warmen Getränke oder Brechmittel geben, da diese das Fieber
  nur erhöhen. Kaltes Wasser kann er so viel trinken, als er wünscht.
  Die Kost muß leicht sein, wie: Weizen- oder Reismehl, Haferschleim,
  Zwieback-Wasser, Milch und Wasser, Tapiocamehl, Sago oder andere
  leicht verdauliche Nahrungsmittel. Wenn das Fieber abnimmt, kann eine
  kräftigere Kost gestattet werden. Die Augen schütze man gegen das
  Licht.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn das Fieber stark und die Symptome
  ernstlich, mag die Tinctur von Virginischer Schlangenwurzel (~Snake
  root~) in Dosen von 10 bis 60 Tropfen in warmem Katzenmünze-
  (~catnip~) oder Balsam-Thee, alle 2 oder 4 Stunden eingenommen
  werden. Kommt der Ausschlag lange nicht heraus, oder schlägt er nach
  seinem Erscheinen wieder zurück, mache man Senfumschläge auf den
  Unterleib, die Füße, Knöchel und die Handgelenke. Ist der Husten
  stark, gieb eine gemischte Tinctur von Lobelia in einem Aufguß
  von Ulmenrinde (~slippery elm~) alle ein oder zwei Stunden. Sind
  Anzeichen von einer Lungenentzündung vorhanden, so mache man einen
  Senfumschlag über die ganze Brust, der entfernt werden kann, sobald
  er eine bestimmte Röthe hervorgerufen hat, dann einen Umschlag
  von Hopfen- und Lobeliablättern, wechsle sie alle halbe oder alle
  Stunden. Man gebe die gemischte Lobelia-Tinctur, die Uebelkeit
  verursachen wird. Auch wasche man den Kranken öfters vermittelst
  eines Schwammes mit warmem, schwachem Laugenwasser, um das Jucken und
  Brennen zu vermindern. Ist Diarrhöe vorhanden, gebe man einen Aufguß
  von Brombeerenwurzel (~blackberry root~) oder Einspritzungen von
  Stärkewasser mit einigen Tropfen Laudanum.

  =Allöopathisch.= Gegen den Husten gebe man Flachssamen- oder
  Ulmenrindenthee (~slippery elm~). Die Eingeweide halte man durch
  geröstete Aepfel, gekochte Pflaumen oder mit folgendem Mittel offen:

    Schwefelsaures Magnesia (~sulphate of Magnesia~)      3 Drachmen.
    Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution of
    Acetate of Ammonia~)                                  1 Unze.
    Ipecacuanha-Wein (~wine of Ipecac~)                   1 Drachme.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~)    1    „
    Mohn-Syrup (~syrup of Poppies~)                       2    „
    Zimmet-Wasser                                         1 Unze.

  Hinreichend Wasser, um vier Unzen zuzubereiten.

  Mische es. Dosis: 1 Eßlöffel voll 3 oder 4 Mal des Tages.

  Wenn der Ausschlag von zu starkem Fieber zurückgehalten wird, gebe
  man die Tinctur von grüner Nieswurz (~veratrum viride~),
  Ipecacuanha, Bienen-Syrup oder Lobelia in Dosen, die hinreichen, um
  Uebelkeit im Magen hervorzurufen, so wie die zusammengesetzte Tinktur
  der Virginischen Schlangenwurzel theelöffelweise.

  Ist der Husten sehr stark, gebe man folgendes:

    Gewöhnlichen Sauerhonig (~oxymel simple~)             1 Unze.
    Ipecacuanha-Wein (~Wine of Ipecac~)                   ½ Drachme.
    Meerzwiebel-Tinctur (~tincture of Squills~)           1    „

  Genügend Wasser, um 6 Unzen zu bereiten.

  Mische es. Dosis: Vier- oder fünfmal des Tages einen Theelöffel voll.

  Oder:

    Tolu-Syrup                                           1½ Unze.
    Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of Gum Arabic~)    1½   „
    Ipecacuanha Wein                                      1 Drachme.
    Meerzwiebel-Tinctur                                   1    „

  Hinlänglich Wasser, um 6 Unzen zuzubereiten.

  Mische es. Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll. Am dritten oder
  vierten Tage, nachdem der Ausschlag verschwunden ist, gebe man ein
  zusammengesetztes Pulver von Jalappenwurzel oder Scammonium-Harz.

  Bei großer Schwäche des Patienten gebe man:

    Anderthalb Kohlensaures Ammoniak (~sesquicarbonate
    of Ammonia~)                                          ½ Drachme.
    Süßen Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~)    2 Drachmen.
    Opium-Tinctur                                        30 Minims.
    Kampfer-Mischung                                      6 Unzen.

  Mische es. 2 Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.

  Oder:

    Salzsaures Ammonium (~muriate of Ammonia~)            1 Unze.
    Destillirtes Wasser                                   9 Unzen.

  Mische es. Alle 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll.


  =Homöopathisch.= Wenn der Anfall gelind ist, gebe man abwechselnd
  ~Aconitum~ und ~Pulsatilla~ (4 Kügelchen) alle 2 bis 3 Stunden, was
  in der Regel die gewünschte Wirkung haben wird. Bei Magenbeschwerden
  gebe man gelegentlich eine Dosis Ipecacuanha oder Belladonna. Bei
  bösem, trockenem, schmerzhaftem (beim Schlucken) Hals, Durst,
  krampfartigem Husten, auch wenn Andrang nach dem Kopfe bei erhöhtem
  Fieber, Schlaflosigkeit, Delirium vorhanden ist.

  ~Aconitum~ und ~Bryonia~ sollten alle zwei bis drei Stunden
  abwechselnd gegeben werden (12 Kügelchen aufgelöst in 12
  Theelöffelvoll Wasser). Gebe einen Theelöffel voll bei heftigem,
  trocknem Husten mit stechenden Schmerzen in der Brust, welche
  Bronchitis oder Lungenentzündung anzeigt.

  ~Ipecacuanha~ und ~Bryonia~ gebe man abwechselnd alle Stunden oder
  alle halbe Stunden, wenn der Ausschlag nicht recht herauskommt oder
  plötzlich zurückschlägt -- bei Blässe und Magenschmerzen. ~Euphrasia~
  bei entzündeten wässerigen Augen.

  ~Rhus Toxicodendron~ sollte abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden,
  wenn Symptome von Nervenfieber vorhanden sind, wie: trockene rothe
  Zunge, heiße und trockene Haut, sowie Delirium. Kommt hierzu starker
  Durst, Schlaflosigkeit, bräunliche Diarrhöe, gebe man ~Arsenicum~ und
  ~Rhus~ abwechselnd alle 1 oder 2 Stunden eine Dosis.

  Bei Ohrenfluß mit Ohrenschmerzen verbunden nach den Masern gebe man
  ~Pulsatilla~, ~Sulphur~ oder ~Mercurius~. Gegen das Anschwellen der
  Drüsen des Nackens ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Rhus~, ~Arnica~. Gegen
  das Brennen und Jucken der Haut ~Sulphur~ und ~Arsenicum~.

  Während einer Epidemie der Masern ist eine Dosis (4 Kügelchen) von
  ~Pulsatilla~ alle Abend zu empfehlen, sie wird entweder den Anfall
  ganz verhindern oder doch schwächen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Ist die Dosis nicht mit den Mitteln
  angegeben, so löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und
  gebe einen Theelöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.

  +Anmerkung.+ Wenn die Masern bösartig sind, sich Symptome eines
  Faulfiebers, sowie ein dunkler, schwarzgelber Ausschlag, mit
  dunkelrothen Flecken, großer Schwäche einstellen und der Ausschlag
  einmal heraustritt, dann wieder verschwindet, so ziehe man einen
  geschickten Arzt zu Rathe.


Das Scharlachfriesel (~Scarlatina familiaris~, ~scarlet rash~.)

Dasselbe ist eine vom Scharlachfieber verschiedene Krankheit, obgleich
es zuweilen mit demselben, sowie auch mit den Masern verwechselt wird.
Der Ausschlag des Scharlachfriesels besteht in ganz kleinen kronartigen
Erhöhungen, welche bei einem Streichen mit der Hand über die Oberfläche
der Haut leicht gefühlt werden können, während der Ausschlag des
Scharlachfiebers vollkommen glatt ist.

+Ursachen.+ Kinder irgend eines Alters sind empfänglich dafür,
wird aber häufiger bei Säuglingen gefunden. Es wird durch einen
gewissen Reiz des Magens und der Eingeweide, durch plötzlichen
Witterungswechsel, plötzliche Unterdrückung der Hautausdünstung, durch
kaltes Trinken, wenn der Körper erhitzt ist, und durch übermäßige
Bewegung hervorgerufen. Es ist nicht ansteckend.

+Kennzeichen.+ Dem Ausschlag geht in der Regel Frost und Hitze --
abwechselnd -- Schwäche, Schwere und Eingenommenheit des Kopfes,
Schlaflosigkeit, Hitze und Trockenheit der Haut, Appetitlosigkeit u.
s. w. voraus. Diese Symptome verschwinden, sobald sich der Ausschlag
zeigt, was in der Regel am dritten oder vierten Tage der Fall ist.
Scharlachfriesel kann von Scharlachfieber dadurch unterschieden werden,
daß bei dem Letzteren der Ausschlag eine hellrothe oder scharlachartige
Farbe besitzt und sich gleichmäßig über die Oberfläche des Körpers
verbreitet; bei dem Ersteren ist der Ausschlag viel dunkler, zuweilen
fast purpurfarbig, und erstreckt sich in unregelmäßigen runden
Flecken über den Körper, läßt auch beim Druck mit den Fingern keinen
weißen Eindruck zurück. Das Scharlachfieber wird stets von bösem Hals
begleitet, was bei dem Scharlachfriesel nicht der Fall ist. Durch das
Laufen der Nase, Augen u. s. w., Symptome der Masern, können dieselben
vom Scharlachfriesel unterschieden werden.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Bei gewöhnlichen Fällen reicht ~Aconitum~ hin, das,
  wenn Reizbarkeit und Schlaflosigkeit vorhanden ist, abwechselnd mit
  ~Coffea~ gegeben werden kann.

  Bei Uebelkeit und Erbrechen ~Ipecacuanha~ oder ~Pulsatilla~.

  Verschwindet in Fällen der Ausschlag plötzlich: ~Ipecacuanha~ und
  ~Bryonia~, abwechselnd alle halbe Stunden oder alle Stunden eine
  Dosis, gleichzeitig halte man den Kranken wohl zugedeckt.

  Bei Andrang nach dem Kopfe, Schläfrigkeit gebe man ~Opium~. Wenn
  plötzliche Anfälle eintreten, die Augen mit Blut unterlaufen und der
  Kopf schwer wird, wende man ~Belladonna~ an.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe alle 1, 2 oder 3 Stunden, der Strenge der Symptome
  angemessen, einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Gewöhnlich ist nur wenig, wenn irgend welche
  Behandlung erforderlich. Bei starken Anfällen beschränke man den
  Kranken auf das Haus, setze ihn auf schmale Kost und gebe folgendes:

    Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak
   (~solution of acetate of Ammonia~)                    1½ Unzen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~)    2 Drachmen.
    Syrup                                                 2    „
    Kampfer-Mischung                                      4 Unzen.

  Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.

  Ist Säure in dem Magen vorhanden, gelegentlich eine Dosis Magnesia
  -- bei starkem Fieber die neutrale Mischung (~neutral mixture~).
  Auf die Eingeweide suche man mit Castoröl oder Bittersalz u. s. w.
  einzuwirken.

  =Wasserheilkur.= Die Anwendung des Wassers wird bei dieser Krankheit
  von ausgezeichnetem Erfolge gefunden werden. Hülle den Kranken in
  nasse Tücher und decke ihn mit wollenen Decken gut zu. In dieser
  Lage mag er gelassen werden, bis eine ungehinderte Ausdünstung
  eintritt, worauf man ihn mit lauwarmem Wasser abwäscht. Ruft die
  erste Einhüllung nicht die gehörige Ausdünstung hervor, so sollten
  die nassen Tücher wiederholt werden, und zwar so oft, bis das Fieber
  eintritt. Wenn der Ausschlag plötzlich verschwindet und der Kranke
  wird schwach, schlaflos und reizbar, so wasche man ihn über und über
  mit kaltem Wasser, hülle ihn unabgetrocknet in wollene Decken ein
  und gebe ihm reichlich kaltes Wasser zu trinken. Er wird dadurch in
  Schweiß gerathen und der Ausschlag wird wieder erscheinen.

  Betreffs der Kost müssen alle reichen, überreifen und fetten Speisen
  vermieden werden und man darf dem Kranken nur leichte Diät erlauben,
  wie z. B. Weizen- oder Reismehlschleim, Milch und Wasser, Sago,
  Tapioca oder Zwiebackwasser (~toast water~).


Das Scharlachfieber (~Scarlatina~, ~laevis~).

Dies gehört zu den ansteckenden Fiebern und ist in der Regel von
Ausschlag und bösem Halse begleitet. Es giebt drei verschiedene Arten:
~Scarletina Simplex~ oder einfaches Scharlachfieber; ~Scarletina
Anginosa~, wo Hals und Haut angegriffen sind, und ~Scarletina Maligna~,
wo der böse Hals ein vorwiegendes Kennzeichen ist und daher zuweilen
auch bösartige Halsentzündung genannt wird. Diese verschiedenen Formen
aber entspringen alle aus ein und derselben Quelle. Scharlachfieber
kommt im Frühjahr und Herbst am häufigsten vor. Die einzige Krankheit,
mit der sie verglichen werden kann, sind die Masern, und unter dem
Abschnitt „die Masern“ wurde bereits der Unterschied dieser beiden
Krankheiten angegeben. Der böse Hals kann die Folge eines gelinden
Scharlachfiebers sein, wie auch nicht selten in Folge einer bösartigen
Halsentzündung gelindes Scharlachfieber entsteht. Diese Formen erhöhen
unmerklich eine die andere (Watson). Oft tritt das Scharlachfieber
so gelinde auf, daß es den Kranken kaum an’s Haus bindet, während es
wieder in andern Fällen in wenigen Tagen, ja sogar in wenigen Stunden
eine schlimmere Wendung nimmt.

~Scarlatina Simplex~ -- beginnt mit Frostschauer, heißer Haut,
Kopfschmerz, Uebelkeit und einer leichten Halsentzündung. Am zweiten
Tage zeigt sich ein Ausschlag von feinen rothen Punkten -- zuerst im
Gesicht und auf dem Nacken und bedeckt bald den ganzen Körper. Der
Ausschlag nimmt am vierten oder fünften Tage ab und verschwindet in der
Regel am siebten oder achten Tage der Krankheit ganz. Die Epidermis
oder Oberhaut schält sich in großen Flecken von den Händen und
Endgliedern und schuppt sich vom Gesicht und den übrigen Körpertheilen
ab.

~Angina scarlatinosa.~ -- Die Symptome treten schärfer und stärker
bei dieser Art als bei der vorhergehenden auf. Die Vorläufer oder
ersten Kennzeichen dauern länger, der Ausschlag zeigt sich nicht vor
Ablauf des zweiten, in manchen Fällen nicht vor dem dritten Tage und
zeigt sich mehr in der Form von großen rothen Flecken. Der Frost
ist bedeutend, der Hals entzündet und Hals und Drüsen hochroth und
geschwollen. Das Schlucken geht schwierig und die Drüsen schwellen
so bedeutend an, daß sie den Eingang zum Halse fast verstopfen.
Anhaltendes Kopfweh, geschwollene, rothe Augen verbinden sich mit
Steifheit des Nackens und Kinnbackens. Die Hitze der Haut ist groß
und die Haut erscheint fast roth gesotten. Sollte sich der Ausschlag
auf den Magen, die Lungen oder das Gehirn erstrecken, so werden die
Symptome sehr bedenklich und der Fall erfordert eine sehr umsichtige
Behandlung. Wenn der Fall günstig verläuft, verschwindet der Ausschlag
ungefähr am sechsten oder achten Tag.

~Scarlatina Maligna.~ -- Diese Krankheit ist sehr gefährlich. Die
Symptome sind ungefähr dieselben, wie bei der vorhergehenden Form,
nur nähern sie sich bald denen des Typhoid und verursachen große
Schwäche und gänzliche Erschöpfung. Die Entzündung des Halses ist
bedeutend, Geschwüre bilden sich, welche die zarten Theile des Halses
zerstören können. Der Ausschlag zeigt sich in unregelmäßigen Flecken,
verschwindet zuweilen und kommt wieder. Die Drüsen des Nackens sind
sehr geschwollen und die Nasenhöhlen verstopft und angeschwollen. Eine
scharfe und brennende Absonderung aus der Nase und dem Halse macht die
Lippen sowie die Nase wund. Die Zunge ist trocken und hat eine dunkle
mahagoniholzartige Farbe. Der Puls ist schwach und die Hitze der Haut
unter dem normalen Stand.

Das Aussehen der Zunge ist bei Scharlachfieber eigenthümlich. Beim
Beginn der Krankheit ist sie mit einer dicken, rahmartigen Lage
bedeckt und die Kanten sind von einer dunkelrothen Farbe; nach den
ersten zwei oder drei Tagen reinigt sie sich und gleicht jetzt einem
Stück rohen Fleische. Gewisse Krankheiten, die zuweilen einem Anfall
von Scharlachfieber folgen, sind fast eben so gefährlich, als das
Fieber selbst. Hierher gehören die Entzündung des Inneren des Ohres,
von welchem eine eiterartige Absonderung stattfindet und die den
Kranken vollständig taub machen kann, scrophulöses Anschwellen der
Nackendrüsen, chronische Entzündung der Augen. Die am meisten zu
befürchtende Folge ist die Wassersucht, die entweder den ganzen Körper
oder nur den Kopf und die Brust befallen kann. Gewöhnlich wird sie
durch eine Erkältung während der Wiedergenesung hervorgerufen, und es
kann daher nicht genug Sorgfalt während der Hautabschuppung beobachtet
werden. Dieser Abschnitt der Genesung ist der gefährlichste der ganzen
Krankheit, denn während die Eltern meinen, daß das Kind wieder gesund
wird, lassen sie in ihrer Wachsamkeit nach, indem sie dem Kinde
gestatten, in ein kaltes Zimmer zu gehen, das Feuer abgehen lassen und
sich noch anderer grober Sorglosigkeiten schuldig machen. In Folge
einer solchen Krankheit wird der Kranke hinfällig, matt, fieberisch
und schlaflos. Die Haut ist trocken und heiß, die Abschuppung stellt
sich ein, das Gesicht schwillt an, bald dehnt sich dieses Anschwellen
auf Hände und Füße und schließlich auf den ganzen Körper aus. Wenn
auch der Anfall von Scharlachfieber nur ein leichter war, so sollte
doch dem Kranken nicht gestattet werden, sein Bett vor dem fünfzehnten
Tage und das Haus nicht vor vier Wochen, vom Beginn der Krankheit an,
zu verlassen. Sein Leben kann von der genauen Befolgung dieser Regel
abhängen.

+Ursachen.+ -- Scharlachfieber kann durch Ansteckung fortgepflanzt
werden, oder auch als eine Epidemie herrschen. Dr. Hood empfiehlt in
seinem Werk über das „Scharlachfieber“, die Kleider mit Chlorsalz zu
tränken und sie auf Stühle in dem Zimmer eines an dieser Krankheit
Leidenden zu hängen. Dies zerstört die Ansteckungskraft und die Gefahr
der Ausbreitung dieser Krankheit ist weit geringer, als es andrerseits
der Fall sein würde.


+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die milderen Formen dieser Krankheit erfordern nur
geringe Behandlung. Man halte den Kranken in einem gut gelüfteten
Zimmer, setze ihn auf schmale Kost und wasche die Oberfläche des
Körpers gelegentlich mit lauwarmem Wasser, wenn die Hitze der Haut groß
ist. Einige Aerzte empfehlen anstatt der Waschung mit lauwarmem Wasser
eine Einreibung mit Nierenfett sehr. Dr. West sagt in seinem Buche
„über Krankheiten der Kinder,“ daß er dieses Mittel mit großem Erfolg
angewendet habe. Es entfernt jene stechende Hitze weit erfolgreicher
als das Wasser, macht die Haut geschmeidig und braucht nicht mehr als
zweimal innerhalb 24 Stunden wiederholt zu werden. Die Einreibung
besteht aus folgendem: Man nehme Talg oder fetten Speck und reibe damit
den Kranken vom Kopf bis zum Fuß, ausgenommen das Gesicht und die
Kopfhaut, Morgens und Abends. Anstatt des Speckes empfiehlt Dr. Meigs
in seinem „Krankheiten der Kinder“ folgende Salbe:

    Glycerin                                              1 Drachme.
    Salbe von Rosenwasser                                 1 Unze.

  Diese Einreibung sollte sofort nach dem Erkennen der Krankheit
  angewendet und während dem ganzen Verlaufe fortgesetzt werden.
  Während der Genesung, oder wenn sich die Haut abschuppt, wende sie
  des Morgens an, gebe dem Kinde ein warmes Bad am Abend und reibe es
  gut mit einem weichen Handtuche ab.

  Nasse kalte Wasserumschläge sollten um den Hals, wenn er böse und
  entzündet ist, gemacht werden. Der Umschlag muß immer nach einigen
  Augenblicken entfernt werden, bis sich der Hals bessert. Anstatt der
  Einreibung wasche die Oberfläche mit einer schwachen Auflösung des
  Saleratus oder Laugenwasser, was den Reiz vermindern wird. Im Falle
  der Ausschlag plötzlich verschwindet und es ist augenscheinlich,
  daß er sich nach Innen geschlagen hat, empfiehlt Dr. Mundle die
  Behandlung vermittelst der Wasserkur, als ein ausgezeichnetes Mittel,
  und zwar wie folgt: Im Falle, daß das Scharlachfieber plötzlich nach
  Innen schlägt, muß der Kranke am ganzen Körper mit kaltem Wasser
  gewaschen werden, und falls Krampf erfolgt, muß kaltes Wasser in
  größerer Menge über ihn gegossen werden, bis der Krampf aufhört, dann
  wird er in wollene Decken, ohne abgetrocknet oder abgerieben worden
  zu sein, gewickelt, und muß soviel als möglich kaltes Wasser trinken.
  In den meisten Fällen tritt Schweiß ein, der Ausschlag erscheint
  wieder und der Kranke ist gerettet.

  Die gehörige Regelung der Kost ist ein wesentlicher Bestandtheil
  der Behandlung. In der Regel zeigt der Kranke kein besonderes
  Verlangen nach Nahrung, besonders wenn das Fieber seinen Höhepunkt
  erreicht hat. Wünscht aber der Kranke etwas zu genießen, so gebe
  man ihm Reismehl- oder Pfeilwurzschleim, Tapioca, Farina, Wasser
  von geröstetem Brod, Eiswasser oder Flachssamenthee. Ein sehr
  erfrischender Trank wird dadurch hergestellt, daß man dem kalten
  Wasser Erdbeeren-, Himbeeren- oder anderen Fruchtsyrup hinzufügt.
  Wenn die Lippen und Zähne mit einem Schorf oder einer Kruste bedeckt
  werden, entferne man sie vermittelst warmer Milch oder warmen
  Wassers. Wird er besser und die Genesung schreitet vorwärts, so kann
  Haferschleim, geröstete Milchschnitten (milk toast) und sehr leichte
  Fleischbrühe gestattet werden. Wenn die Verdauung gut ist, erlaube
  man Suppen, zartes, leicht verdauliches Fleisch u. s. w. In Betreff
  der Kost kann nie genug Sorgfalt beobachtet werden. Beklagt sich der
  Kranke laut, daß ihm nicht hinreichend Nahrung zu Theil wird, so
  willfahre seinem Ansuchen nicht.

  Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß ihm nicht erlaubt werde, zu
  früh auszugehen oder sich auf irgend eine Weise der kalten Luft
  auszusetzen. Es ist sehr zuträglich, wenn noch eine lange Zeit nach
  dem Anfall unmittelbar auf der Haut Flanell getragen wird.

  Als ein Schutzmittel gegen das Scharlachfieber wird von den Aerzten
  aller Schulen Belladonna empfohlen. Seine Vorzüge wurden zuerst
  durch Hahnemann, den Gründer der homöopathischen Schule, bekannt. Es
  ist außer allem Zweifel, daß dies die Kraft, gegen die Krankheit zu
  schützen oder doch den Anfall bedeutend zu verringern, besitzt. Die
  beste Form, dasselbe zu nehmen, ist das homöopathische Kügelchen, von
  welchem man vier einmal des Tages durch mehrere Wochen hindurch, oder
  so lange als man der Krankheit ausgesetzt sein mag, einnimmt. Kann
  man diese Form nicht haben, nehme man einen Tropfen von der Tinctur
  ein Tag um den andern. Wenn dies Alles einen Anfall nicht verhüten
  sollte, so wird es ihn doch sicherlich weit gelinder machen.

  =Homöopathisch.= Bei Behandlung dieser Krankheit ist das wichtigste
  Mittel ~Belladonna~. Es wird in allen Formen und Stadien gegeben,
  bei der einfachen Form wird schon diese eine genügen. Die Symptome,
  welche es erfordern, sind folgende: Trockenes, brennendes Fieber,
  schneller Puls, großer Durst, trockene, rothe oder weißbelegte Zunge,
  Hals und Drüsen entzündet und geschwollen, erschwertes Schlucken,
  Schlagen der Halsadern, Gesicht heiß, roth und aufgedunsen,
  Schwindel, Vollsein und Druck im Kopf, mit stechenden Schmerzen,
  welche durch Bewegung erhöht werden, Appetitlosigkeit, Uebelkeit
  und Erbrechen, heftigen Husten, trockene, brennende Hitze der Haut,
  das Auffahren aus dem Schlaf, große Erregtheit und Umsichschlagen,
  Scharlach-Ausschlag auf dem Gesicht und ganzen Körper. Bei heftigen
  Anfällen kann ~Belladonna~ alle Stunden einmal gegeben werden, bis
  sich die Symptome bessern. Bei milderen Fällen alle 2 bis 3 Stunden
  eine Dosis.

  Wenn das Fieber stark, der Puls schnell und voll, die Haut trocken
  und der Kopf heiß ist und große Erregtheit sich kund gibt, so gebe
  ~Aconitum~ abwechselnd mit ~Belladonna~ alle Stunden. Tritt unter
  dieser Behandlung während des Tages Besserung ein und die Symptome
  wachsen zur Nachtzeit zur Ruhe- und Schlaflosigkeit, so gebe man
  ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd alle Stunden, bis der Kranke
  ruhiger wird.

  Ist große Schläfrigkeit und Hin- und Herwerfen vorhanden, die Zunge
  sehr trocken, Anschwellen der Drüsen des Nackens, die Haut im Gesicht
  glänzend, der Kopf nach rückwärts geworfen und fast beständiges
  Delirium, so gebe man ~Rhus toxicodendron~ und ~Belladonna~
  abwechselnd alle Stunden.

  ~Mercurius~ und ~Belladonna~ mögen alle Stunden abwechselnd gegeben
  werden, wenn die Mandeln schwürig werden, die Drüsen des Nackens
  anschwellen, eine große Menge von Speichel aus dem Munde läuft und
  übelriechender Athem vorhanden ist. Tritt innerhalb 12 Stunden keine
  Besserung ein, gebe man ~Acidum Nitri~ ebenso wie ~Mercurius~.
  Werden aber, nachdem man 6 bis 8 Stunden ~Acidum Nitri~ gegeben
  hat, die Symptome schlimmer und die Speichelabsonderung immer
  unerträglicher, gebe man ~Arsenicum~ und ~Lachesis~ alle Stunden eine
  Dosis abwechselnd bis der Kranke besser wird. ~Opium~ mag gegeben
  werden, wenn das Athmen in Schnarchen übergeht, bei Auffahren oder
  beständigem Delirium; das Gesicht aufgeschwollen und roth, brennende
  Hitze der Haut -- mit oder ohne Schweiß.

  Schlägt der Ausschlag zurück und die Haut nimmt eine dunkelbläuliche
  Farbe an, abwechselnd ~Bryonia~ und ~Belladonna~ alle halbe Stunden.
  Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man ~Ipecacuanha~ oder
  ~Camphor~.

  ~Sulphur~ ist ein schätzenswerthes Mittel und sollte (gelegentlich
  eine Dosis) gegeben werden, wenn sich die Haut abzuschuppen beginnt.
  Wenn die Symptome, welche ~Belladonna~ erfordern, nach Einnahme
  dieser Arznei nicht nachlassen, so gebe gelegentlich eine Dosis
  ~Sulphur~.

  Zeigen sich die Symptome der Bräune (~Croup~), so gebe man ~Aconitum~
  und ~Hepar sulphuris~ abwechselnd, alle Stunden eine Dosis.

  Gegen Ohrenschmerzen nach Scharlachfieber reiche man ~Pulsatilla~
  alle ein oder zwei Stunden eine Dosis, der Strenge der Symptome
  angemessen. Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man
  ~Belladonna~ und ~Hepar Sulphuris~ abwechselnd.

  Gegen Ohrenfluß (~Otorrhœa~) gebe man ~Pulsatilla~ alle 6 Stunden
  eine Dosis, drei oder vier Tage lang; wenn es darauf nicht besser
  wird, gebe man ~Calcarea~ oder ~Silicea~ in derselben Weise. Zeigt
  das Kind nach der Krankheit Symptome von Wassersucht des Gehirns
  (heißen Kopf, kalte Endglieder, Schlaf mit halboffenen Augen,
  Erbrechen bei Bewegung), so gebe man ~Bryonia~ und ~Helleborus~
  abwechselnd, alle zwei Stunden, bis sich die Symptome bessern.

  Wenn der ganze Körper anschwillt, gebe man ~Belladonna~ und
  ~Helleborus~ abwechselnd alle zwei Stunden und darauf ~Bryonia~ oder
  ~Apis mellifica~.

  Sind, ehe der Ausschlag herauskommt, Verzuckungen vorhanden, so gebe
  man ~Belladonna~ und ~Cuprum~ abwechselnd alle 15 bis 20 Minuten eine
  Dosis.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem betreffenden Heilmittel löse
  12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wassers und gebe als Dosis einen
  Theelöffel voll alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Heftigkeit
  der Symptome angemessen.

  =Allöopathisch.= Bei gelinden Fällen bleibe man im Hause in kühler
  frischer Luft, nehme verdünnte Getränke wie Flachssamen-Thee und eine
  leichte Kost, sowie die folgende Mischung, was alles sein wird, was
  nothwendig ist.

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)      1½ Unzen.
    Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (~Compound
    infusion of roses~)                                   5 Unzen.
    Zimmet-Wasser                                         1 Unze.

  Mische es. Dosis: Alle drei Stunden zwei Theelöffel voll.

  Bei schmerzhaftem Schlucken, entzündetem und geschwollenem Hals und
  Mandeln, vollem und springendem Puls, heißer und trockener Haut, gebe
  man folgendes Brechmittel:

    Pulverisirten Ipecacuanha                            10 Gran.
    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)             10 Gran.
    Gewöhnlicher Syrup                                    2 Drachmen.
    Wasser                                                1 Unze.

  Auf diese Arznei gebe man warmes Wasser, bis ein Erbrechen
  hervorgerufen ist. Dieses Mittel kann einem Kinde von 6 Jahren
  und darüber gegeben werden. Dr. Rush empfiehlt ein Brechmittel
  mit einem Abführmittel zu vereinigen, und zwar wie folgt: 5 Gran
  Calomel, 1 Gran ~Antimonium tartarisatum~, oder 5 Gran pulverisirtes
  Ipecacuanha. Brechmittel sollten während dieser Krankheit, wo immer
  die Symptome schlechter werden, oder Magenkrankheit vorhanden ist,
  angewendet werden. Zur Beförderung der Thätigkeit der Haut wird
  folgendes Mittel gut gefunden werden:

    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitri~)    ½ Unze.
    Tinctur von grüner Nieswurz (~Tincture of veratrum
      viride~)                                           20 Tropfen.
    Pulverisirter Gummi-Arabicum                          1 Skrupel.
    Weiches Wasser                                        2 Unzen.

  Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Theelöffel voll. ~Acidum
  muriaticum~ ist ein gutes Heilmittel. Gebe 45 Tropfen in ein Glas
  versüßten Wassers und alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.

  Als ein Gurgelwasser für den Hals gebrauche man eine Auflösung von
  Chlorkalk (~chloride of lime~) eine Unze auf das Pint.

  Wenn das Kind zum Gurgeln noch zu jung ist, so binde ein Läppchen
  an einen Stock und wische den Hals aus. Ungefähr zweimal des Tages
  anzuwenden. Es schadet nichts, wenn das Kind zufällig etwas davon
  verschlucken sollte. Ferner ist es sehr zuträglich, das Kind Abends
  und Morgens mit derselben Auflösung abzuwaschen. Ein ausgezeichnetes
  Gurgelwasser ist das folgende:

    Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (~Compound
    infusion of roses~)                                   ½ Pint.
    Verdünnte Salzsäure (~Dilute muriatic acid~)          ½ Drachme.

  Mische es.

  Wenn die Symptome, wie in der zweiten Form angegeben, gebe man
  folgendes:

    Citronen-Säure (~Citric acid~)                        1 Drachme.
    Doppeltkohlensaure Potasche (~Bicarbonate of potash~) 4 Skrupel.
    Salpeter (~Nitre~)                                    2 Skrupel.
    Zimmet-Wasser                                         2 Unzen.
    Wasser                                                2 Unzen.

  Mische es. Dosis: Alle vier Stunden zwei Theelöffel voll. Tritt
  bedeutender Schweiß ein, gebe man das folgende mit obigem alle vier
  Stunden:

    Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
    acetate of ammonia~)                                  2 Unzen.
    Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of ammonia~)        3 Skrupel.
    Syrup                                                 ½ Unze.

  So viel Wasser, um ein halbes Pint zu machen. Dosis: Einen Eßlöffel.

  Als ein Mittel gegen Ansteckung und für einen Trank möge das
  folgende angewandt werden: Bringe 2 Gran Chlorsaures Kali
  (~chloride of potash~) in eine Quartflasche, füge eine Drachme
  Chlorwasserstoff-Säure (~hydrochloric acid~) hinzu und halte die
  Flasche gut verkorkt. Man lasse die Mischung ungefähr eine halbe
  Stunde stehen und füge dann allmählig ein Quart Wasser zu. Schüttle
  die Mischung nach jeder Hinzufügung von Wasser, damit das Wasser das
  Gas in sich aufnimmt. Ferner noch drei Unzen Orangenschalen-Syrup.
  Dies kann von dem Kranken so oft er es wünscht getrunken werden.

  Bei der bösartigen Form des Scharlachfiebers, wenn große
  Hinfälligkeit vorhanden ist, der Ausschlag nach Innen schlägt und
  die Haut eine purpurne oder mahoganyholzartige Farbe annimmt, die
  Zunge tiefroth oder dunkelbraun ist und die Geschwüre im Halse faulig
  werden, muß die Behandlung eine stärkende sein. Gieb ein Brechmittel
  und sind die Eingeweide verstopft, gebe man ein Abführmittel wie
  Castoröl. Dann gebe man das folgende:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~)        18 Gran.
    Tinktur von Orangenschale                             1 Unze.
    Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~)     1 Drachme.
    Syrup von Orangenschale                               2 Unzen.
    Wasser                                                2   „

  Mische es. Dosis: Zwei Theelöffel voll in ein Weinglas voll Wasser
  dreimal des Tages für ein sechsjähriges Kind.

  Folgendes wird ebenfalls gut sein.

    Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
    of ammonia~)                                          2 Drachmen.
    Aether                                                1 Drachme.
    Kampher-Spiritus                                      1    „
    Laudanum                                             20 Tropfen.

  Mische es. Dosis: Alle 3 oder 4 Stunden, oder wenn erforderlich auch
  öfters, einen Theelöffel voll.

  Das folgende Gurgelwasser kann angewandt werden:

    Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~)            ¼ Unze.
    Starke Chlorwasserstoff-Säure (~Strong hydrochloric
    acid~)                                               40 Tropfen.
    Wasser                                                1 Pint.

  Mische es.

  Molken, Wein, oder Madera mit Milch kann zuweilen gebraucht werden.

  Gegen Wassersucht, die hin und wieder einem Anfall von
  Scharlachfieber folgt, gebe täglich ein lauwarmes Bad und die
  zusammengesetzte Tinctur von virginischer Schlangenwurzel, bis eine
  ungehinderte Ausdünstung der Haut eintritt, alle zwei Stunden einen
  Theelöffel voll in Katzenmünze (~catnip~) oder Balsam-Thee, dann
  verlängere die Zwischenräume.

  Folgende Mischung wird von Condie bei Kinderkrankheiten empfohlen:

    Calomel                                              12 Gran.
    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~)          1 Drachme.
    Fingerhut (~Digitalis~)                               4 Gran.

  Mische und theile es in 12 Pulver; gebe jede Stunde, oder alle 2, 3
  auch 4 Stunden ein Pulver.

  Wenn Schmerz in den Ohren und andere Anzeichen einer Entzündung
  vorhanden sind, empfiehlt Condie folgendes:

    Präparirte Kreide (~Prepared chalk~)                 36 Gran.
    Calomel                                              12  „
    Ipecacuanha                                           4  „
    Bilsenkraut-Extrakt (~Extract hyosciamus~)            6  „

  Mache 12 Pulver daraus und nehme eins alle Abend beim Schlafengehen
  und während des Tages etwas gelind Abführendes, wie schwefelsaure
  Magnesia. Tritt eine Entleerung aus den Ohren ein, so spritze
  sie häufig mit lauwarmem Gerstenwasser aus. Wenn die Absonderung
  dunkelgefärbt und übelriechend ist, gebrauche eine schwache Auflösung
  von Chlor-Soda (~Chloride of soda~), oder eine Abkochung von
  schwarzer Eichenrinde.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Bei gelinden Anfällen ist nur eine
  geringe Behandlung erforderlich. Man gebe während des kalten
  Stadiums warmen Thee von Katzenmünze (~catnip~), Flöhkraut
  (~pennyroyal~), Salbei oder Saffran. Ist der Magen reizbar, und
  findet häufiges Erbrechen statt, so gebe man Sodawasser oder
  Frauenmünze- (~spearmint~) Thee. Ein Senfpflaster über den Magen
  wird zuweilen das Erbrechen erleichtern. Folgende Behandlung wird
  als eine erfolgreiche sehr empfohlen. Bei dem ersten Erscheinen
  der Symptome, gewöhnlich böser Hals, gebe man einer erwachsenen
  Person 60 bis 80 Gran Jalappenwurzel (~jalap~). Die Dosis muß dem
  Alter des Kranken angemessen vermindert werden. Des Nachts gebe man
  einen Theetassenkopf bis ein Pint voll starken rothen Pfefferthee,
  angemessen dem Alter des Kranken und der Heftigkeit der Symptome, den
  nächsten Tag ungefähr die Hälfte der obigen Menge von Jalappenwurzel
  und wieder Pfefferthee des Nachts. Am dritten Tage, wenn noch
  Schmerzhaftigkeit des Halses vorhanden ist, gebe man eine Dosis
  Bittersalz, welches in der Regel die Heilung vollenden wird.

  Es ist eine allgemeine Regel, die Behandlung mit einem Brechmittel
  aus zusammengesetztem Pulver von Lobelia, oder für ganz kleine
  Kinder eine zusammengesetzte Tinctur der Lobelia zu beginnen. Von
  dem Pulver nehme man einen halben Theelöffel voll in warmem Wasser
  alle 20 Minuten, bis Erbrechen eintritt. Von der Tinctur alle 15
  Minuten einen halben Theelöffel voll in Syrup mit Wasser, bis es
  wirkt. Dieses Brechmittel mag drei oder vier Tage aufeinander -- so
  lange als das Fieber stark anhält -- gegeben werden. Prof. John King
  empfiehlt als ein Fieber-Linderungsmittel 1 Drachme Jasmin-Tinctur
  (~tincture of gelseminum~), mit 6 Tropfen Aconit-Tinctur alle
  Stunden, bis die Wirkung der Medizin die Symptome schwächt. Sechs bis
  acht Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser.

  Folgendes ist ein brauchbares Gurgelwasser:

    Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~)            ½ Drachme.
    Salzsaures Ammonium (~Muriate of ammonia~)            ½    „
    Glycerine                                             1 Unze.
    Wasser                                                3 Unzen.

  Alle zwei oder drei Stunden. Ist das Kind noch zu jung zum Gurgeln,
  spüle ihm den Mund damit aus.

  Ein anderes gutes Gurgelwasser ist ein halbes Pint Essig und eben
  soviel Wasser, heiß, dazu füge einen Theelöffel voll Blutwurzel
  (~blood root~) und lasse es vor dem Gebrauch 6 bis 8 Stunden stehen.

  Citronensaft wird bei bösem Hals zuweilen sehr dienlich gefunden.
  Schneide die Citrone in zwei Hälften, fülle eine Hälfte mit
  gepulvertem Brodzucker und lasse den Patienten daran saugen, so lange
  es nothwendig ist.

  Bei der bösartigen Form kann, wenn sich typhöse Symptome einstellen,
  Folgendes gebraucht werden:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         1 Skrupel.
    Vitriol-Absud (~Elixir of vitriol~)                   1 Drachme.
    Tinctur von Cohosh Wurzel                            12 Drachmen.
    Tinctur von Belladonna                                2    „

  Zuerst löse das Chinin in dem Vitriol-Absud auf und füge die
  Tincturen von schwarzer Cohosh Wurzel und Belladonna hinzu. Einem
  Kinde von 6 Jahren gebe 5 und einem Erwachsenen 15 Tropfen in einem
  Theelöffel voll Wasser, alle Stunden von Mitternacht bis 12 Uhr am
  andern Tage.

  Zeigen sich Symptome von Fäulniß, gurgle den Hals mit gleichen
  Theilen von Hefen und Milch, mit Honig versüßt, oder mit Hefen allein.

  Wenn das Gesicht sehr geschwollen und entzündet ist, sind fein
  gestoßene Preiselsbeeren (~granberries~) ein schätzbares Mittel. Sie
  sind mit großem Erfolg angewandt worden.

  Gegen den Ohrenfluß gebrauche man eine Einspritzung von Gelbwurzel
  (~Golden seal~), oder wenn der Ausfluß faulig ist, eine Auflösung von
  Chlor-Soda (~Chloride of soda~).

  Gegen Wassersucht, die zuweilen einem Anfall von Scharlachfieber
  folgt, gibt Prof. John King folgendes Mittel:

    Salpeter                                             10 Gran.
    ~Cremor Tartari~                                     20 Gran.
    Aufguß von Petersilien-Wurzel (~Parsley root~)       12 Unzen.

  Mische es. Dosis für ein Kind von 5-8 Jahren jede Stunde einen
  Eßlöffel voll. Setze es fort, bis das Anschwellen verschwindet und
  eine ungehinderte Urin-Ausleerung stattfinden kann; in diesem Falle
  gebe man öfters einen Aufguß von Petersilien-Wurzel oder ~Haircap
  Moss~. Das folgende stärkende Mittel mag gleichzeitig angewendet
  werden. Man nehme Entian-Wurzel (~Gentian root~), Columbo-Wurzel,
  süße Schwertlilien- (~Sweet flag~) Wurzel, Gelbwurz- (~Golden seal~)
  Wurzel, Cayenne-Pfeffer, jedes grob gepulvert und davon einen
  gehäuften Theelöffel voll; gieb es zu einem Pint guten Sherry-Weines,
  und nachdem dies einige Tage lang gestanden hat, nehme von einem
  Theelöffel bis zu einem Weinglas voll drei- oder viermal des Tages.


Windpocken, Wasserpocken (~Chicken Pox~, ~Varicella~).

  Diese Krankheit kennzeichnet sich durch zahlreiche durchsichtige
  Bläschen, oder kleine Blattern. Zu einer Zeit betrachtete man sie als
  eine Art von Pocken (~Variolæ~), allein es ist bereits nachgewiesen,
  daß sie mit diesen nicht verwandt ist. Sie ist ansteckend.

  +Kennzeichen.+ Dem Ausschlag gehen Frost, fliegende Hitze, Schmerz im
  Kopf, Durst und Schlaflosigkeit voraus; in der Regel sind nur wenig
  bezeichnende Symptome vorhanden. Hierauf erscheint der Ausschlag,
  aber ohne die Regelmäßigkeit, welche die Pocken (~Variolæ~)
  bezeichnet, entweder zuerst im Gesicht, oder auf dem Rücken,
  oder auch auf irgend einem anderen Theile des Körpers; während
  der Ausschlag der Pocken (~Variolæ~) immer zuerst auf dem Gesicht
  erschien. Bei den Pocken (~Variolæ~) wird stets ein Schwimmen im
  Kopfe und anhaltendes Kreuzweh empfunden. Die Pustel der Windpocke
  erscheint sogleich in der Form einer Blatter, während jene der
  ächten Pocken in der Form einer Spitze gleich dem Kopfe einer Nadel
  auftritt. Die Pusteln der Windpocken haben nie eine Beule in dem
  Mittelpunkt, wie jene der ächten Pocken, und die in ihnen enthaltene
  Flüssigkeit ist hell und wird nicht gelb wie bei den ächten Pocken.
  Ungefähr am vierten oder fünften Tage trocknen die Blattern der
  Windpocken ab; es bilden sich Schorfen und fallen ab -- selten oder
  nie lassen sie Narben zurück.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Spärliche Kost, kühlende Getränke und ein
  gelindes Abführmittel wie folgt:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~solution of
    Acetate of Ammonia~)                                  3 Unzen.
    Destillirtes Wasser                                   3 Unzen.

  Mische es. Dosis: Alle drei Stunden einen Theelöffel voll. Wenn
  ein beträchtliches Fieber vorhanden ist, gib kleine Dosen von
  Antimonium-Pulver mit essigsaurem Ammoniak und der Salpeter-Mischung
  -- unter Scharlachfriesel bereits angegeben.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ungefähr alles was nöthig ist, dem
  Patienten zu geben, besteht in Flöhkraut- (~Pennyroyal~), Salbei-
  (~Sage~), Saffran- oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee. Sind die
  Eingeweide verstopft, so gebe man Seidlitz-Pulver. Wasche die
  Oberfläche des Körpers mit Saleratus-Wasser und lasse den Kranken
  nicht aus dem Hause.

  =Homöopathisch.= Gegen das Fieber und den Kopfschmerz gebe
  abwechselnd ~Aconitum~ und ~Belladonna~.

  Wenn ein Schmerzen der Knochen und gallenkranke Symptome vorhanden
  sind, gebe man abwechselnd ~Bryonia~ und ~Rhus~.

  Gegen Unruhe, nervöse Aufregung, gestörten Schlaf &c. gebe ~Coffea~.
  Ist eine schmerzhafte Urin-Entleerung vorhanden, gebe ~Cantharis~
  oder ~Conium~, oder auch beides abwechselnd.

  Wenn der Ausschlag sehr streng auftritt, gebe man Brechweinstein
  (~Tartar emetic~).

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gib alle 3 oder 4 Stunden einen Theelöffel voll. Bei
  Fieber, Kopfschmerz, Unruhe &c. kann alle Stunden eine Dosis gegeben
  werden.


Die Blattern oder Pocken (~Small Pox~, ~Variolæ~).

Dieser sehr lästigen und ansteckenden Krankheit geht ein dreitägiges
Fieber voraus, dem ein Ausschlag folgt, der in ungefähr acht Tagen
seine Höhe erreicht. Sie ist sehr ansteckend. Es gibt zwei Arten: die
+deutliche+, wo die Pusteln vollkommen von einander getrennt sind,
und die +zusammenfließende+, wo sie sich vereinigen oder in einander
laufen. Die Heftigkeit der Krankheit zeigt sich zum großen Theil in dem
Ausschlag, je weniger Pusteln, desto gelinder ist die Krankheit. Die
Krankheit wird, wie folgt, in vier Stadien eingetheilt.

+Kennzeichen.+ -- +Erstes oder Fieber-Stadium.+ Dieses Stadium beginnt
in der Regel vom neunten bis zum vierzehnten Tag nach dem Ausbruch. Der
Kranke klagt gewöhnlich über Frost, mehr oder weniger streng, dem ein
starkes Fieber folgt, schneller Puls, belegte Zunge, Appetitlosigkeit,
Durst, oft Uebelkeit und Erbrechen, starke Schmerzen in dem Kopf und
dem Rückkreuz, sowie allgemeine Schmerzen und Uebelbefinden.

Es gibt nichts, was dieses Stadium von anderen Krankheiten
unterscheidet, außer dem heftigen Kreuzweh. Die Kopf-Symptome sind
häufig sehr heftig. Es ist große Unruhe und Reizbarkeit vorhanden, das
Licht schmerzt die Augen, der Kopf schwimmt, Irrereden; der Kranke wird
irre und zuweilen treten Krämpfe ein.

+Zweites oder Ausbruchsstadium.+ Ungefähr am dritten Tage erscheint
der Ausschlag in der Gestalt von kleinen, hellrothen Flecken, ungefähr
in der Größe eines Nadelkopfes und zu derselben Zeit verschwindet
das Fieber. Der Ausschlag erscheint zuerst auf dem Gesichte, dann am
Nacken, Brust und Körper, und zuletzt auf Armen und Beinen. Dieses
Stadium dauert ungefähr drei Tage, und während dieser Zeit gehen
die Spitzen in Bläschen oder kleine Blattern über, welche mit einer
wasserartigen Flüssigkeit gefüllt sind. Gleichzeitig mit dem Erscheinen
des Ausschlags auf der Haut können wir auch eine starke Entzündung des
Halses bei Zartheit und Anschwellen der Drüsen des Nackens wahrnehmen.

+Drittes oder Eiter-Stadium.+ Die Bläschen nehmen jetzt an Größe zu
und ändern ihre Pustelgestalt (enthalten Eiter). Die Flüssigkeit wird
weißlich, endlich gelblich, und ist ähnlich wie bei einer Orange in
Zellen abgetheilt. Auf der Spitze ist eine kleine Beule und die Haut
um die Pusteln ist roth oder entzündet. Dieser Wechsel findet vom
vierten bis zum sechsten Tage nach dem Ausbruche statt. Die Pusteln
nehmen an Größe zu, werden hart und ausgedehnt, so groß wie eine
gespaltene Bohne. In diesem Stadium ist das Gesicht sehr geschwollen
und ein brennendes, ausgebreitetes, schmerzhaftes Gefühl ist vorhanden.
Auch mag eine Schmerzhaftigkeit des Mundes mit Speichelfluß vorhanden
sein. Sowie der Ausschlag zuerst im Gesicht erscheint, so gelangen auch
die Pusteln im Gesicht in diesem Stadium zuerst zur Reife, während
jene auf der Brust sich füllen und die auf den Gliedern noch wachsen;
auf diese Weise wird der Schmerz vertheilt, welcher sonst unerträglich
sein würde. Die Pusteln auf dem Gesichte beginnen am achten Tage sich
zu verändern und die auf den Füßen zwei oder drei Tage später. In
dieser Zeit findet eine eigenthümliche und unangenehme Ausdünstung
des Körpers statt, woran ein mit dieser Krankheit Vertrauter sie in
der Regel erkennen kann. Ungefähr um den achten oder neunten Tag der
Krankheit erscheint das, was man secundäres Fieber nennt, welches von
der Strenge, Ausdehnung und Spannkraft des Patienten abhängt. In der
+deutlichen+ Form nimmt es in der Regel mit den Pusteln ab.

+Viertes oder Stadium der Austrocknung.+ Dies ist das Stadium der
Abnahme. Ungefähr nach dem achten oder neunten Tag des Ausbruchs oder
dem elften oder zwölften Tage der Krankheit werden die Pusteln an
der Spitze braun und trocken, oder einige von ihnen brechen auf und
der ausfließende Eiter bildet eine Kruste. Von da ab schreitet die
Abtrocknung rasch vorwärts, das Anschwellen des Gesichts läßt nach und
die Schorfe im Gesicht fangen am vierzehnten oder fünfzehnten Tage der
Krankheit an abzufallen. Es dauert drei oder vier Tage nachdem sich
die Schorfe auf dem Gesicht bildeten, so zeigen sie sich auch an den
Knöcheln und Handgelenken. Nachdem die Kruste oder Schorfe abgefallen
sind, erhält die Haut ein eigenthümliches Aussehen; es sind purpurrothe
Flecken, die nach und nach verschwinden oder bei schweren Fällen, wo
sich der Eiter durch die eigentliche Haut gefressen hat, bilden sich
Vertiefungen, oder, wie man sagt, der Kranke wird pockennarbig. Der
ganze Verlauf der Krankheit dauert zwei bis drei Wochen.

Die obige Beschreibung ist die des regelmäßigen, günstigen Verlaufs
der Krankheit, da wo die Pusteln nicht in einander laufen. Wenn aber
die Pusteln eine Masse bilden, ist die Gefahr und Dauer der Krankheit
bei weitem erhöht. In dieser Form ist das Fieber stärker und nimmt
vom Erscheinen des Ausbruchs bis zur Zeit der Reife oder dem dritten
Stadium zu. Verzuckungen, Delirien und Betäubung sind häufiger; die
Augenlider schwellen an, so daß der Kranke am fünften Tage nicht mehr
sehen kann, der Hals ist sehr böse, sowie bedeutend geschwollen und
die Entzündung kann sich auf die ganze Länge der Luftröhren ausdehnen,
so daß durch Erstickung der Tod veranlaßt werden kann. Das Fieber hört
nicht auf beim Erscheinen des Ausbruchs, sondern nimmt an Strenge zu
und ist von Delirien, Betäubung, Blutstürzen, blutigem Urin und Ruhr
begleitet, oder es kann mit einem Male den Tod herbeiführen.

+Ursachen.+ -- Die Veranlassung zu dieser Krankheit ist jedenfalls die
Ansteckung. Irgend Jemand, der nicht durch Impfung oder einen früheren
Anfall von Pocken unempfänglich ist, ist der Ansteckung zugänglich.
Die Impfung schützt nicht immer, denn man kann, trotz geimpft zu sein,
die Varioliden (eine gelindere Form der Pocken) bekommen. Die Zeit,
welche von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen der Krankheit
verstreicht, beläuft sich auf neun bis zwölf Tage.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Das Zimmer, in dem sich der Kranke befindet, sollte
  groß und luftig sein. Sorgfalt muß beobachtet werden, daß es mäßig
  kühl und dunkel ist. Die Kleidung und das Bettzeug des Kranken
  sollten jeden Tag oder alle zwei Tage gewechselt werden. Man wasche
  die Augen häufig mit Rosenwasser oder Ulmenrindenwasser (~slippery
  elm~), besonders wenn der Eiter aus den Pusteln hineinrinnt.
  Waschungen von kaltem Wasser, Milch mit Wasser oder schwachem
  Bleiwasser können im Gesicht angewandt werden, wenn dieses sehr
  entzündet ist. Die Nasenhöhlen sind vermittelst eines wohlgeölten
  Kameelhaar-Pinsels, mit welchem man mehrere Male des Tages
  hineinfährt, offen zu halten. Wenn aus den Symptomen ersichtlich,
  daß die Pocken zu den in einander laufenden zu zählen sind, sollte
  das Haar bei dem ersten Erscheinen des Ausschlages kurz geschnitten
  werden, überhaupt ist dies in jedem anderen Falle auch gut, denn
  sobald der Eiter aus den Pusteln fließt, wächst das Haar zusammen
  und bildet eine eckelerregende Masse, auch wird gleichzeitig dadurch
  die Masse des Ausschlags auf der Kopfhaut, sowie die Neigung zu
  Gehirnstörungen verringert. Eine Hauptsache bei der Behandlung der
  Pocken ist, zu verhindern, daß Narben entstehen, und in dieser
  Richtung werden eine große Anzahl Mittel empfohlen. Ein Mittel,
  das mit großem Erfolg in dem Kinderhospital von Paris angewendet
  wird, besteht in einer Mischung von 25 Theilen Mercurial-Salbe, 10
  Theilen gelben Wachs und 6 Theilen schwarzen Pech. Andere öffnen
  jede Pocke, sobald sie blasenartig wird, mit einer Lanzette, und
  wenden salpeter-saures Silber (~nitrate of silver~), sehr fein
  zugespitzt, oder vermittelst des Betupfens mit einer Stecknadel
  einer sehr starken Auflösung an. Jodtinctur (~tincture of iodine~)
  wird sehr empfohlen, welche vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf
  die ganze kranke Oberfläche gestrichen wird. Dr. Stokes von Dublin
  empfiehlt ein Pflaster von Flachssamen, auf irgend einen weichen
  Stoff gestrichen und mit geölter Seide oder Gutta-Percha bedeckt.
  Die Anwendung dieses Pflasters muß vom Beginn der Krankheit bis
  zum Abtrocknungs-Stadium stattfinden. Das vielleicht wirksamste
  Mittel ist das von Dr. Bennett von Edinburgh empfohlene. Nämlich
  ein Pflaster aus 3 Theilen kohlensaurem Zink (~carbonate of zinc~)
  und 1 Theil Zink-Oxid (~oxide of zinc~) in einem Mörser mit soviel
  Olivenöl, um einen dicken Brei zu bilden, gemischt. Dieses muß dick
  auf das Gesicht gelegt und sogleich wieder erneuert werden, wenn es
  sich irgendwo abreiben sollte. Was immer auch angewendet werden mag,
  so darf es doch nicht später als am dritten Tage angewendet werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Beim Beginn der Krankheit gebe man
  ein Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia, wenn
  einem Erwachsenen, dann Dosen von einem halben Theelöffel voll
  alle 15 Minuten, bis ungehindert Erbrechen eintritt, wenn einem
  Kinde -- dann Dosen von einem halben bis ganzen Theelöffel voll in
  Syrup und Wasser alle 15 Minuten. Sind die Fieber-Symptome streng
  und der Kranke ist verstopft, so gebe man eine Einspritzung von
  lauwarmem Wasser und verordne ein Seidlitzpulver; das Pulver kann
  in vier oder sechs Stunden wiederholt werden, wenn es das erste Mal
  wirkungslos blieb. Gegen die Uebelkeit des Magens gebe man warmen
  Frauenmünz- oder Pfeffermünzthee (~spearmint~ oder ~peppermint~)
  mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus, auch eine Einspritzung
  von Eibisch-Wurzel und Pfirsichblätter (~Marshmallow root and peach
  leaves~), sowie auch einen Senfumschlag auf den Unterleib. Bis zum
  Erscheinen des Ausschlages kann auch der Körper öfter mit warmem
  schwachem Laugenwasser gebadet werden. Gegen großen Schmerz im Kopf
  und Kreuz wende Senfpflaster längst des Rückgrats, auf den Knöcheln
  und Fußsohlen an, auch bade man den Kopf in Essig und Wasser. Gegen
  den bösen Hals und zur Entfernung des Luftröhrenschleims aus dem Hals
  gebe man folgendes:

    Blutwurzel (~blood root~)                             1 Unze.
    Lobeliasamen gepulvert                                1 Unze.
    Ipecacuanha                                           2 Unzen.
    Cayenna                                               ½ Unze.
    Whiskey                                               1 Quart.

  Lasse dies eine Woche stehen. Dosis: Gelegentlich einen oder zwei
  Theelöffel voll. Ein gutes Gurgelwasser ist eine Abkochung von
  Salbei (~Sage~) und Isop (~Hyssop~) mit Borax und Honig. Wenn das
  premiäre und secundäre Fieber sehr heftig ist, gebe 15 bis 20 Tropfen
  von Schlangenwurzel-Tinctur (~tincture of black Cohosh~) alle zwei
  oder drei Stunden.

  Nach dem Erscheinen des Ausschlages kann das folgende mit
  ausgezeichnetem Erfolg angewendet werden. In ein Pint kochenden
  Wassers gebe man eine Unze gepulverte Wurzel der Schlangenwurzel
  (~black Cohosh~) und lasse davon ein oder zwei Eßlöffel voll alle
  drei Stunden warm nehmen; setze es fort, bis die Pusteln zu trocknen
  beginnen. Füllen sich die Pusteln nicht recht und sind schlaff, so
  gebe man Molkenwein (~wine whey~) oder Milchpunsch, unbeschränkt;
  verschwinden sie und schlagen nach Innen, so mögen Theelöffeldosen
  von der zusammengesetzten Virginischen Schlangenwurzel-Tinctur
  (~Virginia Snake root~) oder ein Aufguß von Schlangenwurzel (~black
  Cohosh~) in größeren Dosen gegeben werden. Wenn sich bösartige
  Symptome, sowie eine faulige Diarrhöe einstellen, gebe man einen
  Theelöffel voll gepulverte Kohle, einen halben Theelöffel voll
  Salpeter, gemischt, drei- oder viermal des Tages. Auch gleiche Theile
  von Hopfen-Hefe und Salat-Oel in Eßlöffeldosen.

  =Homöopathisch.= Für das erste oder Fieberstadium ist die Behandlung
  wie folgt:

  ~Aconitum.~ -- Besonders während des Frostschauers und Fiebers,
  auch wenn starke Schmerzen im Kopfe, vollen Puls, Delirium und
  Unerträglichkeit des Lichtes vorhanden ist. ~Belladonna~ kann
  abwechselnd damit gegeben werden, besonders gegen Kopfschmerz und
  Delirium.

  Gegen starke Rückenschmerzen, mit Schmerzen in den Knochen und
  allgemeines Unwohlsein gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus Toxicodendron~
  abwechselnd. Gegen Uebelkeit gebe ~Tartarus Emeticus~. Wird der
  Patient unempfindlich -- bei Betäubung und schnarchendem Athem gebe
  man ~Opium~, wenn große Unruhe, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit
  vorhanden, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd.

  +Behandlung im zweiten oder Ausbruchs-Stadium.+ Wenn das Delirium
  nach ~Belladonna~ nicht verschwindet, gebe man ~Stramonium~,
  besonders wenn der Ausschlag nicht leicht herauskommt.

  Sind aber die Symptome dieses Stadiums nicht streng, so gebe man
  ~Tartarus Emeticus~ und ~Thuja~ abwechselnd. Gegen den rauhen,
  röchelnden Husten gebe man ~Tartarus Emeticus~ oder ~Ipecacuanha~.

  +Behandlung im dritten oder Abtrocknungs-Stadium.+ Bei beträchtlichem
  Fieber und besonders gegen bösen Hals und übermäßigen Speichel gebe
  man ~Mercurius~.

  Wird die Haut zwischen den Pusteln schwarzgelb oder dunkelbraun und
  die Pusteln werden schlaff, so gebe man ~Arsenicum~. Wenn die Pusteln
  schwarz werden und der Kranke sehr schwach ist und es zeigen sich
  typhoide Symptome, gebe man ~Rhus Toxicodendron~ abwechselnd mit
  ~Arsenicum~. ~Acidum muriaticum~ ist ebenfalls gut gegen dieselben
  Symptome.

  +Behandlung im vierten oder Abschuppungs-Stadium.+ Beim Beginn dieses
  Stadiums gebe alle Abende eine Dosis ~Sulphur~. Hört die Diarrhöe
  nicht auf, gebe man alle drei oder vier Stunden ~Mercurius~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle 1, 2
  oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Gegen das dem Ausschlag folgende Fieber gebe man
  nachstehendes Brechmittel:

    Brechweinstein (~Tartar Emetic~)                      1 Gran.
    Ipecacuanha-Pulver                                    1 Skrupel.
    Syrup                                                 1 Drachme.
    Quellwasser                                          10 Drachmen.

  Mische es und gebe es auf einmal.

  Nach dem Brechmittel gebe folgendes Abführmittel:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of Potash~)         10 Gran.
    Lakritzen-Extrakt                                     1 Skrupel.
    Zusammengesetzter Aufguß von Sennablättern
   (~Compound infusion of senna~)                        5½ Unze.
    Tinctur von Senna-Blättern oder Jalappenwurzel        3 Drachmen.
    Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of sal
    volatile~)                                            1 Drachme.

  Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll.

  Das Fieber kann durch folgendes abführendes Salz eingeschränkt werden:

    Steinalaun (~Rochelle salt~) oder Weinsteinsaure
    Potasche (~Tartar of Potash~)                         1 Unze.
    Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~)        1 Drachme.
    Pfeffermünzwasser                                     6 Unzen.

  Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden. Dies
  wird gleichzeitig die Eingeweide mäßig offen halten.

  Nachdem der Ausschlag sich vollständig entwickelt hat und das
  secundäre Fieber erscheint, gebe folgendes:

    Flüssiges Ammoniak (~Spirits of mindererus~)          2 Unzen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    1 Unze.

  Mische es. Alle 3 Stunden einen Eßlöffel voll.

    Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~)             1 Drachme.
    Wasser                                                2 Unzen.

  Mische es. Nimm es auf einmal und wiederhole so oft als nothwendig.

  Wenn der Patient, besonders des Nachts, von Husten abgemattet wird,
  gebe man folgendes von Dr. Condie empfohlene Mittel:

    Schleim des Akazien-Gummi’s (~Mucilage of Gum
    Acacia~)                                              3 Unzen.
    Syrup von Meerzwiebeln (~Syrup of squills~)           1 Drachme.
    Spiritus von Salpeter-Aether (~Spirits of nitric
    ether~)                                               3 Drachmen.
    Ipecacuanhawein                                       1 Drachme.
    Mit Kampfer gesättigte Tinctur des Opiums
    (~Camphorated tincture of Opium~)                     1 Drachme.

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.

  Wenn die Symptome, wie Schmerz im Kopf, fliegende Hitze und Delirium
  eine Störung im Gehirn anzeigen, muß am Arme Blut entzogen, an den
  Schläfen und hinteren Theile des Nackens müssen Blutegel gesetzt und
  für die Füße ein Senfbad gemacht werden. Zu derselben Zeit gebe ein
  Abführmittel, wie Calomel und Jalappenwurzel, oder einen Aufguß von
  Sennesblättern.

  Kommt der Ausschlag nicht recht heraus, und der Kranke beklagt sich
  bei häufigem Erbrechen und Brustbeklemmung über große Reizbarkeit
  des Magens, gieb ihm ein warmes Bad, lege Flaschen mit heißem Wasser
  zu seinen Füßen und in warmem Wasser ausgerungene Tücher über seinen
  Magen.

  Gegen bösen Hals kann folgendes als ein Gurgelwasser gebraucht werden:

    Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~)            ¼ Unze.
    Starke Chlorwasserstoffsäure (~Hydrochloric acid~)   40 Tropfen.
    Wasser                                                1 Pint.

  Mische es. Gebrauche mehrere Male des Tages.

  Oder:

    Zusammengesetzter Aufguß der Rosen (~Compound
    infusion of roses~)                                   ½ Pint.
    Verdünnte Salzsäure (~Dilute muriatic acid~)          ½ Drachme.

  Mische es.

  Wenn Diarrhöe vorhanden, so mag dieselbe mit dem folgenden gehemmt
  werden:

    Kreidemischung                                       5½ Unzen.
    Zusammengesetzte Cardamon-Tinctur (~Compound
    tincture of cardomons~)                               3 Drachmen.
    Catechu-Tinctur                                       3 Drachmen.
    Laudanum                                             20 Minims.

  Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll alle 4 Stunden.

  Die Kost bei den Pocken sollte aus Wasser, Eiscream, Limonade,
  Orangen, gebratenen Aepfeln, gedünsteten Pflaumen, Erdbeeren,
  Haferschleim, trockener, gerösteter Brodschnitte u. s. w. bestehen.
  Ist Diarrhöe vorhanden, so sollten Früchte und Eiscream nicht
  gestattet werden. In jedem Falle muß dem Kranken animalische
  Kost (Fleischspeisen &c.) bis zu seiner völligen Wiedergenesung
  vorenthalten bleiben.

  Als ein Schutzmittel gegen diese Krankheit muß die Impfung angewendet
  werden, was Jedermanns Pflicht gegen sich selbst, seine Familie und
  seine Freunde ist. Sie ist die einzige Versicherung gegen diese
  fürchterliche und so lästige Krankheit. Es ist sehr gut, wenn sich
  die betreffenden Personen, sobald sich die ersten Symptome zeigen,
  impfen lassen, denn es mag den Anfall bedeutend mäßigen.

  +Anmerkung.+ Bei dieser Krankheit (den ächten Pocken) ist es das
  Beste, einen +erfahrenen+ Arzt zu Rathe zu ziehen, besonders bei der
  ineinander fließenden Form.


Varioloiden.

Diese Krankheit ist nur eine gelindere Form der ächten Pocken und die
Behandlung für beide ist ein und dieselbe. Eine Person, die geimpft
wurde, kann die Varioloiden bekommen, aber sie werden sehr mild
auftreten.


2. Chronische Hautausschläge.

Jucken und Reizung der Haut.

Dies ist ein Ausschlag eines feinen farblosen Friesels unter der
Haut. Er ruft ein sehr unangenehmes und lästiges Kitzeln, das
zuweilen unerträglich wird, hervor. Die heftigere Form ist von einem
Gefühl begleitet, wie es kriechende Ameisen oder stechende Insekten
hervorbringen. Er dauert zuweilen Monate und Jahre lang und wird
gewöhnlich durch das Aussetzen ungewöhnlicher Hitze und Kälte, gewisse
Mischungsmittel &c. hervorgerufen.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Jeden Abend vor dem Schlafengehen eine gute Waschung
  von Wasser mit spanischer Seife (~castile soap~), welche man
  eintrocknen läßt. Branntwein oder Alcohol kann in derselben Weise
  gebraucht werden. Eine Unze von Citronensaft in einem Pint Wasser
  in demselben Verhältniß angewendet, wird zweckentsprechend gefunden
  werden; ebenso Wasser und Kampher-Spiritus. Die Kost sollte dabei
  sorgfältig geordnet und alles Reizende vermieden werden.

  =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Wenn das Kitzeln im Bette, oder
  wenn nahe am Feuer sich verschlimmert, besonders nach Kratzen. Eine
  Dosis (6 Kügelchen) alle Morgen und Abend.

  ~Ledum palustre.~ -- Im Fall das Kitzeln nach dem zu Bett gehen
  beginnt, von einem zum andern Platze springt und der Ausschlag
  Flohbissen gleicht. Man gebe es in derselben Weise wie ~Pulsatilla~.

  ~Mercurius.~ -- Wenn das Kitzeln die ganze Nacht fortdauert und
  nach dem Kratzen leicht blutet. Es ist gut, dieses abwechselnd mit
  ~Causticum~ jeden Abend zu geben.

  Ist das Jucken von einem starken Brennen begleitet, gebe man
  ~Bryonia~ und ~Rhus~ abwechselnd alle 4 Stunden; eine Dosis (6
  Kügelchen). Gebe diese Mittel zwei Tage lang und dann ~Hepar
  sulphuris~ jeden Morgen und Abend eine Dosis. Wenn nach einer
  Woche nicht besser, nehme man Morgens und Abends eine Dosis ~Carbo
  vegetabilis~.

  ~Nux vomica~ und ~Arsenicum~ abwechselnd wird sich zuweilen
  vortheilhaft bewähren.

  Befällt es alte Leute, so gebe man ~Opium~ und ~Secale~ abwechselnd
  jeden Abend eine Dosis.

  Wenn es durch die Hitze im Sommer hervorgerufen wird, gebe man
  ~Lachesis~ und ~Lycopodium~ abwechselnd Abends.

  ~Silicea~ und ~Sulphur~ sind gut bei hartnäckigen Fällen. Andere
  Heilmittel sind: ~Thuja~, ~Graphites~, ~Petroleum~, ~Calcarea
  Carbonica~, ~Sepia~, ~Conium~.

  =Allöopathisch.= Erasmus Wilson empfiehlt folgendes:

    Verdünnter holzsaurer Holzessig (~Pyroligneous
    acid~)                                                ½ Unze.
    Gepulverter Kampher                                   ½ Drachme.
    Rosenwasser                                           1 Pint.

  Mische es.

  Folgendes wird auch gut gefunden werden:

    Kohlensaure Soda (~Carbonate of soda~)                1 Drachme.
    Hydrocyan-Säure (~Hydrocyatic acid~)                  1    „
    Destillirtes Wasser                                   8 Unzen.

  Mische es.

  Zwei Drachmen schwefelsaure Potasche mit einem Pint Wasser kann auch
  versucht werden.

  Bei hartnäckigen Fällen möge folgendes angewendet werden:

    Scharfes salzsaures Quecksilber (~Corrosive
    sublimate~)                                           2 Gran.
    Basisches Quecksilber-Oxyd (~Hydrochloras
    ammoniacus~)                                          2 Gran.
    Rosenwasser und Almond-Mischung, von jedem            4 Unzen.
    Hydrocyan-Säure                                       1 Drachme.

  Mische es. Dies sollte bei Kindern nicht angewendet und, da es giftig
  ist, sollte sehr sorgsam damit umgegangen werden.


Frostbeulen (~Chilblains~)

sind eine lästige entzündete Anschwellung, welche gewöhnlich an den
Fersen und Füßen erscheint und durch Kälte verursacht wird. Sie sind
roth oder purpurn und verursachen durch das ungewöhnliche Kitzeln,
Stechen und Prickeln große Unbehaglichkeit. Wenn der Frost einen Theil
des Körpers angegriffen hat (~frost-bitten~), so muß er zu seinem
natürlichen Wärmezustand, sehr langsam, stufenweise zurückgeführt
werden, auf welche Weise man Frostbeulen meistentheils vermeiden kann.


+Behandlung.+

  Bei dem ersten Erscheinen kann eins von den folgenden Mitteln
  angewendet werden:

    Zusammengesetztes Kampher-Liniment                    6 Drachmen.
    Seifensalbe                                           6    „
    Kanthariden-Tinctur (~Tincture of cantharides~)       ½ Unze.

  Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.

    Collodium                                             1 Unze.
    Venetianischer Terpentin                              ½  „
    Castoröl                                              2 Drachmen.

  Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.

  Wenn man damit befallene Theile mit gepulverter Stärke vermittelst
  der Hand einreibt, wird zuweilen das unerträgliche Kitzeln
  vermindert. Petroleum oder Kohlenöl ist ein ausgezeichnetes Mittel.
  Feuchte ein Tuch damit an und binde es über den kranken Theil. Bei
  hartnäckigen Fällen kann das folgende empfohlen werden:

    Olivenöl                                              5 Unzen.
    Venetianischer Terpentin                              1 Unze.
    Gelbes Wachs                                          ½  „
    Alkanna-Wurzel (~Alcanet root~)                       2 Drachmen.

  Mische dasselbe, koche es zusammen und presse es aus, dann nehme

    Peruanischer Balsam (~Balsam of Peru~)                1 Drachme.
    Kampher                                               5 Gran.

  Mische es, füge die warme Mischung hinzu und rühre es so lange, bis
  es erkaltet.

  Frostbeulen können dadurch, daß man sie mit dem gewöhnlichen
  Seifenpflaster bedeckt, an dem Aufbrechen verhindert werden.

  Ist die Entzündung und Geschwulst bedeutend und bilden sich Blasen,
  wird das folgende, „Devergier’s Salbe“ genannt, sehr wohlthuend sein:

    Schweinefett                                          1 Unze.
    Essigsaures Blei (~Acetus plumbi~)                    5 Gran.
    Opium-Extrakt                                         3  „
    Kreosot                                              10  „

  Mische und gebrauche es jeden Morgen und Abend.

  Gleiche Theile von Petroleum und Kalkwasser werden auch in diesen
  Fällen Erleichterung verschaffen. Nachdem die Blasen aufgebrochen
  sind, mache Umschläge von Brod und Milch oder Flachssamen mehrere
  Tage lang. Hierauf bedecke die Oberfläche mit einer aus gleichen
  Theilen zusammengesetzten Salbe von salpetersaurem Quecksilber
  (~Nitrate of mercury~) und einfacher Wachssalbe und auf Charpie oder
  ein weiches Tuch gestrichen.

  Einige einfache Mittel gegen Frostbeulen sind die folgenden:

  1. Eine Unze schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) in einem Pint
  Wasser aufgelöst. Bade darin den erkrankten Theil mehrere Male des
  Tages.

  2. Eine Unze salzsauren Ammoniak (~Ammonium muriaticum~) aufgelöst
  in einem Pint Apfel- (~Cider~) Essig. Wie das vorhergehende zu
  gebrauchen.

  3. Zusammengesetzte Seifensalbe, 2 Unzen, und Kanthariden-Tinctur, 1
  Unze. Mische es und gebrauche es wie Nro. 1 und 2.

  4. Essig und Alcohol, von jedem ein halbes Pint, salzsaures Ammoniak
  (~Muriate of ammonia~), eine Unze. Mische es und gebrauche es wie die
  früheren.


Zittermahl -- auch Gürtelrose (~Herpes Circinnatus~, ~Ringworm~).

Diese Krankheit ist an einem Ausschlag von kleinen Blasen
(blatternartig) in der Form eines Ringes, dessen Mittelpunkt seine
natürliche Farbe behält, kenntlich. Sie ist von einer leichten
prickelnden und kitzelnden Empfindung begleitet. Die Blasen trocknen
allmählig, Schorfe bilden sich und fallen zur Zeit ab. Die Haut bleibt
roth. Die Krankheit kann an irgend einem Theile des Körpers auftreten,
aber vorzugsweise wird sie am Hals oder im Gesicht gefunden. Sie wird
durch das sich der Kälte und Feuchtigkeit Aussetzen, unregelmäßige
Kost, Ermüdung &c. hervorgerufen.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Aufmerksamkeit sollte der Kost zugewendet und alle
  stimulirenden Nahrungsmittel vermieden werden. Halte die Glieder
  rein, und ein gelegentliches lauwarmes Bad wird sehr zuträglich
  gefunden werden. Es ist gut, jede einzelne Blase mit einer Nadel zu
  öffnen, damit die Flüssigkeit auslaufen kann, was häufig das Kitzeln
  vermindern wird.

  =Allöopathisch.= Bei heftigen Anfällen gebe man einige gelinde
  Abführmittel, wie Schwefel und Magnesia, oder Schwefel und
  doppeltweinsteinsaure Potasche (~Bitartrate of potash~). Das
  Prickeln, Kitzeln und Brennen kann durch eine Abwaschung mit
  essigsaurem Blei (~Acetas plumbi~) und ein wenig Alcohol, oder durch
  die Anwendung der essigsauren Bleisalbe erleichtert werden. Der Saft
  der grünen Schale der Wallnuß, Tinctur von Galläpfeln, oder eine
  starke Waschung mit essigsaurem oder schwefelsaurem Kupfer sind
  Mittel, welche Condie empfiehlt.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Die folgende Salbe ist von Dr. John
  King empfohlen:

    Gagel (~Bayberry tallow~)                             ½ Unze.
    Süßer Gummi (~Sweet gum~)                             ½  „
    Hammeltalg (~Mutton suet~)                            1  „

  Mache es zusammen flüssig und presse es.

  Folgendes wird für ein unfehlbares Mittel gehalten:

  Man nehme Taback-Blätter, koche sie und füge Essig und starke Lauge
  zu der Flüssigkeit. Wasche den Ausschlag mehrere Male des Tages. Auch
  Castoröl, häufig angewendet, soll ein sicheres Mittel sein.

  Peruanischer Balsam (~Balsam of Peru~) mit einer gleichen Menge Talg
  mag zuweilen helfen.

  =Homöopathisch.= ~Sepia~ kann in Dosen von 6 Kügelchen Morgens und
  Abends gegeben werden. Wenn es nach Verlauf einer Woche nicht hilft,
  gebe ~Rhus toxicodendron~ und ~Sulphur~ einen Tag um den andern eine
  Dosis (6 Kügelchen). Wenn nach zehn- oder vierzehntägiger Anwendung
  dieser Heilmittel keine Besserung eintritt, gebe man ~Calcarea~ und
  ~Causticum~ einen Tag um den andern oder man gebe eins allein --
  jeden Abend eine Dosis.

  Andere Heilmittel sind ~Graphites~, ~Silicea~, ~Acidum Nitre~,
  ~Mercurius~. Diese mögen ebenso gegeben werden wie die vorhergehenden.


Flechten (~Tetter~, ~Herpes~).

Flechten können in +trockene+ und +nasse+ eingetheilt werden. Zu der
trockenen Gattung mögen z. B. Schorf (~dandruff~) gezählt werden.
Er ist kenntlich an sehr kleinen weißen Schuppen oder Schorfen und
wird auf dem Gesicht, Kopf, Brust, Händen, Füßen und an den Gelenken
gefunden. Häufiger befällt er die Kopfhaut.

+Nasse Flechte+ schließt folgendes in sich: ~Ecthyme~, die
Blatterflechte (~eczema~), welche in einem Ausschlag von kleinen
wässerigen Bläschen an verschiedenen Theilen des Körpers und zwar dicht
zusammengedrängt besteht. Oeffnen sich diese Bläschen oder werden sie
geöffnet, so breitet sich die Flüssigkeit über die gesunde Haut aus
und pflanzt dadurch die Krankheit fort. Bleiben sie geschlossen, so
trocknen sie auf und bilden eine Kruste.

Eine andere Art ist die ~Pemphigus~. -- Die Nesselsucht ist ein
Ausschlag von Wasserblasen, welche eine wässerige Flüssigkeit, gleich
der einer gewöhnlichen Blase enthalten. Sie sind bezüglich ihrer Größe
verschieden und wechseln von der Größe einer gespaltenen Erbse bis zu
der einer halben Wallnußschale. Sie wachsen sehr schnell, brechen auf
und lassen eine rauhe Oberfläche, welcher bald heilt, zurück.

+Der Rothlaufgürtel+ -- ~Shingles~ -- ~Cingulum~ ist eine ander Form
der nassen Flechte. Ein leichtes Fieber geht in der Regel zwei bis
drei Tage einem Anfalle dieser Krankheit voraus, dann folgt ein
Ausschlag von kleinen durchsichtigen Bläschen, mit einer farblosen
zuweilen bräunlich gefärbten Flüssigkeit. Es zeigt sich auf dem
Gesicht, den Händen und Füßen, aber in der Regel auf dem Körper, wo der
Ausschlag die Gestalt eines Gürtels oder Ringes annimmt und rings um
den Körper herumläuft.

Es gibt noch verschiedene Gattungen von Flechten, ich hielt es aber für
genügend, nur diese wenigen anzuführen, denn die meisten Krankheiten
der Haut sollten von einem erfahrenen Arzt behandelt werden.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Das erste, was bei der Behandlung dieser Krankheit in
  Betracht zu ziehen ist, ist die Reinlichkeit. Ohne genaue Beachtung
  dieses Punktes ist die Behandlung dieser Krankheit um Vieles schwerer
  als es andererseits der Fall sein würde. Eine Verordnung von
  spanischer Seife (~castile soap~) und Wasser ist dringend nothwendig
  und in manchen Fällen sogar unentbehrlich. Auch der Kost muß
  gehörige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Allzureiche, reizende und
  stark gewürzte Speisen müssen vermieden und nichts außer einfacher
  nährender Kost genommen werden. Ein gelegentliches warmes Bad wird
  sehr wohlthuend gefunden werden -- ebenso das Schwefelbad.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Eine gute Behandlung gegen
  Rothlaufgürtel besteht in der Regulirung der Eingeweide vermittelst
  gelinder Abführmittel, wie Magnesia; dann lasse man den Kranken
  viel von einer Abkochung von Klette (~Burdock~), ~Yellow dock~
  und Sassafras-Wurzel einige Tage lang nehmen oder verordne den
  zusammengesetzten Syrup von ~Yellow dock~. Wasche den Körper Abends
  mit Saleratus-Wasser. Die Salbe von Gagel (~Bay berry tallow~), unter
  Zittermahl angegeben, wird sich auch hier wohlthuend erweisen, oder
  auch folgendes:

    Zink-Oxyd                                            3½ Unzen.
    Benzoe-Säure (~Benzoic acid~)                         1 Drachme.
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~)       1 Skrupel.
    Rosenöl                                              10 Minims.

  Stoße alles im Mörser zu einem feinen Pulver, dann füge folgendes
  hinzu, welches vorher gemischt werden muß:

    Olivenöl                                              1 Pfund.
    Weißes Wachs                                          2 Unzen.
    Spermaceut (~Spermaceti~)                             5   „

  Rühre es bis es kalt wird.

  Gegen ~Eczema~ kann das folgende angewendet werden: Zwei Unzen von
  ~Yellow dock~ und ebensoviel Blutwurzel (~blood root~); wasche und
  lege es in ein Pint Alcohol und ebensoviel Essig; lasse es vor
  dem Gebrauch eine Woche oder zehn Tage lang stehen. Diese Mischung
  sollte ein- oder zweimal des Tages angewendet werden, ebenso auch die
  folgende Salbe:

    Frische Butter                                        4 Unzen.
    Venetianischer Terpentin                              1 Unze.
    Rothes Präcipitat (Quecksilberniederschlag)           3 Drachmen.

  Mische es.

  Gegen ~Pemphigus~ kann die folgende Salbe angewendet werden:

    Zink-Oxyd (~Oxide of zinc~)                           1 Drachme.
    Sparmaceut-Salbe (~Spermaceti ointment~)              1 Unze.

  Mische und wende es Abends an.

  =Homöopathisch.= Gegen Gürtelrose (~Shingles~, ~Cingulum~) ist es
  gut, die Behandlung mit ~Aconitum~ zu beginnen, besonders wenn
  Fieber, Mattigkeit, Kopfschmerz &c. vorhanden ist. Nachdem man einige
  Dosen davon gegeben hat, gebe man alle drei Stunden eine Dosis ~Rhus
  toxicodendron~ (6 Kügelchen).

  Bei Uebelkeit und Erbrechen ~Tartarus emeticus~.

  Bildet sich Eiter in den Bläschen, gebe man ~Hepar sulphuris~, ebenso
  wie ~Rhus~.

  Wenn bei trockener Haut, Durst &c. ein brennendes Gefühl vorhanden
  ist, gebe man ~Arsenicum~.

  Bei Eiterung des Ausschlages kann man die folgenden Mittel geben:
  ~Mercurius~, ~Sepia~, ~Lycopodium~, ~Sulphur~. Zwei Tage lang alle
  drei oder vier Stunden eine Dosis von einem dieser Heilmittel;
  tritt keine Besserung ein, wechsle es gegen ein anderes. Kopfgrind
  (~dandruff~) erfordert eins von den folgenden Mitteln: ~Dulcamara~,
  ~Sepia~, ~Sulphur~, ~Silicea~.

  ~Eczema~ erfordert ~Rhus~, ~Graphites~, ~Calcarea~, ~Lycopodium~,
  ~Sulphur~, ~Dulcamara~.

  ~Pemphigus~ erfordert ~Carbo veg.~, ~Rhus~, ~Sulphur~, ~Graphites~,
  ~Mercurius~, ~Lycopodium~.

  Ist das Kitzeln sehr heftig, gebe ~Acidum Nitri~, ~Phosphorus~,
  ~Graphites~; wird es durch die Wärme erhöht, ~Clematis~, und
  verschlimmert es sich am Abend, gebe ~Alumina~ und ~Staphysagria~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Nimm eine Dosis (6 Kügelchen) des
  betreffenden Heilmittels zwei Wochen lang Morgens und Abends. Stellt
  sich zu Ende dieser Zeit keine Besserung ein, wähle ein anderes
  Heilmittel und gib es in derselben Weise.

  =Allöopathisch.= Gegen nasse Flechten, wie Gürtelrose, ~Eczema~,
  ~Pemphigus~ möge die folgende Behandlung angewendet werden:

  Ist der Kranke alt oder schwächlich, gebe:

    Doppelkohlsaure Soda                                  ½ Unze.
    Zusammengesetzter Aufguß von Enzian                   4 Unzen.
    Colombo-Wurzel-Tinctur                                1 Unze.
    Orangenschalen-Syrup                                  ½  „

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

  Gleichzeitig gebrauche:

    Hollunder-Blüthen-Salbe                               1 Unze.
    Zink-Oxyd                                             1 Drachme.

  Ist der Organismus in gutem Zustande, so mag das folgende angewendet
  werden:

    Blaue Pillen                                          1 Skrupel.
    Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen                     2    „

  Mische es. Theile es in 12 Pillen und nimm als Dosis eine oder zwei,
  bis sie wirken. Gleichzeitig folgendes:

    Eine Abkochung von Sarsaparilla                       ½ Pint.
    Potaschen-Hydriodat                                  25 Gran.

  Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  Folgende Waschung kann gebraucht werden:

    Wein-Spiritus                                        2½ Unzen.
    Destillirtes Wasser                                   1 Pint.

  Mische und wende es mehrere Male des Tages an.

  Wenn die Krusten anfangen abzufallen, gebrauche:

    Schwefelsaures Zink                                   ½ Drachme.
    Destillirtes Wasser                                   1 Pint.

  Mische es.

  Gegen Kopfgrind dient folgende Waschung:

    Auflösung von Potasche                                2 Drachmen.
    ~Acidum hydrocianicum~ (verdünnt)                     1 Drachme.
    Almond-Mischung                                       ½ Pint.

  Mische und gebrauche es ein- oder zweimal des Tages.

  Wenn nach Anwendung dessen eine Zeitlang keine Besserung eintritt,
  gebrauche man das Folgende:

    Salbe von Quecksilber-Salpeter (~Mercurius nitrosus~) 1 Theil.
    Spermaceut-Salbe                                      2 Theile.

  Mische es.

  Bei chronischen Ausschlägen dieser Art kann man sich des folgenden
  mit Erfolg bedienen:

    Präparirter Schwefel                                  1 Skrupel.
    Kohlensaure Magnesia                                 10 Gran.
    Zusammengesetztes Pulver von Jalappenwurzel und
    Ingwer von jedem                                      5 Gran.

  Mische es und nehme eine kleine Portion zweimal des Tages.


Krätze (~Itch~, ~Scabies~).

ist ein ansteckender, in der Regel von Unreinlichkeit herrührender
Ausschlag.

+Ursache+: Er wird durch die Anwesenheit eines sehr kleinen Insekts,
~Acarus Scabies~ genannt, hervorgerufen. Kommt dieses Insekt auf die
Haut, so beginnt es sofort zu arbeiten und bohrt sich eine Wohnung
unter der ~Epidermis~ oder Schleierhaut. Natürlich verursacht das
Herumkriechen dieses ungebetenen Gastes ein unerträgliches Jucken, das,
wie James ~I.~ bemerkte, als der Luxus des Kratzens sehr in Aufnahme
kam, nur für Könige gemacht sei.

+Symptome.+ Als etwas ganz Gewöhnliches erscheint dieser Ausschlag
zuerst an den Handgelenken und zwischen den Fingern. Derselbe besteht
in kleinen punctirten Bläschen, mit einer durchsichtigen Flüssigkeit
gefüllt. Anfänglich sind diese Blasen von einer blaßrothen oder
Fleischfarbe; aber die Haut bricht bald auf und die Flüssigkeit bildet
einen dünnen Schorf. Er kann unter anderen Ausschlägen an seiner Form,
dem überstarken Jucken und dadurch, daß er nie im Gesicht gefunden
wird, erkannt werden. Das Jucken ist des Nachts schlimmer und wird
durch die Bettwärme erhöht.


+Behandlung.+

  Gegen diese Krankheit ist beinahe Schwefelsalbe das einzige Mittel,
  das hilft. Dies zerstört das Insekt und bewirkt dadurch die Heilung.
  Gebrauche einen Theil Schwefelmilch und zwei Theile Schweinefett.
  Mische und reibe es gehörig in die Haut. Andere Zubereitungen sind
  wie folgt:

    Schwefel                                              2 Unzen.
    Kohlensaure Potasche (~Carbonate of Potash~)          2 Drachmen.
    Präparirtes Schweinefett                              4 Unzen.

  Mische es.

    Schwefel                                              1 Unze.
    Boraxsaure Soda (~Borate of Soda~)                    1 Drachme.
    Salzsaures Ammoniak (~Muriate of ammonia~)            1    „
    Weißes Präcipitat-Quecksilber (~White Precipitate of
    Mercury~)                                             2 Skrupel.
    Präparirtes Schweinefett                              2 Unzen.

  Mische es. (Frisch.)

  Welches immer von den vorstehenden Mitteln gebraucht wird (und
  ich möchte gewöhnlichen Schwefel und Schweinefett empfehlen), so
  muß sich der Kranke vom Kopf bis zum Fuß und zu den Fingerspitzen
  einschmieren; an einem Feuer gehörig in die Haut einreiben, sich mit
  Socken, Unterhosen und Flanellhemd bekleiden und 36 Stunden im Bett
  verbleiben, während welcher Zeit die Einreibung zweimal erfolgen muß.
  Hierauf reinige die Haut vermittelst eines warmen Bades gründlich.
  Reicht dies nicht hin, so wiederhole man die Kur noch einmal. Bei
  milderen Fällen wird ein Schwefeldampfbad, ein- oder zweimal des
  Tages genommen, schnell Erleichterung verschaffen.


Milchschorf (~Milk Crust~, ~Crusta Lactea~).

Diese Krankheit tritt mehr als zu irgend einer andern Zeit bei dem
Durchbruch der ersten Zähne auf und erscheint auf der Stirne, den
Wangen oder der Kopfhaut. Der Ausschlag besteht im Anfang in rothen
Blattern, auf welchen sich bald kleine gelbliche oder strohfarbene
Pusteln bilden, die zuweilen von einem starken Jucken begleitet sind.
Diese können sich über das ganze Gesicht und die Kopfhaut ausbreiten,
so daß der Kranke ein Ekel erregendes Ansehen annimmt. Die Pusteln
brechen zu Ende des dritten oder vierten Tages auf und entleeren eine
klebrige Flüssigkeit, welche Krusten von weiß-gelblicher oder grüner
Farbe bilden. Wenn sich die Flüssigkeit auf diese Weise unter der
Oberfläche absondert, verursacht sie, daß die Kruste immer dicker
wird, sich so über die sie umgebende Haut verbreitet und die Krankheit
fortpflanzt. Verschwinden die Krusten, so zeigt sich die Haut roth und
entzündet, wie mit kleinen Punkten besetzt, von denen die Flüssigkeit
beständig sickert. Der Gesundheitszustand des Kranken verbleibt im
allgemeinen gut, wenn er nicht von dem Jucken gepeinigt und gereizt
wird. In Fällen bei Kindern mit weißem Haar und blasser, zarter Haut,
sind die Drüsen des Nackens und jene hinter den Ohren zum Anschwellen
geneigt, werden hart und empfindlich.

Die Krusten fangen in der Regel innerhalb 2 bis 4 Wochen an abzufallen,
lassen die Oberfläche roth-glänzend und zart, was bei dem geringsten
Anlaß die Bildung eines neuen Ansatzes von Pusteln verursacht und
dadurch die Krankheit Monate, ja vielleicht Jahre lang hinzieht. Keine
bleibenden Spuren, sogar bei den stärksten Anfällen der Krankheit
werden auf der Haut zurückgelassen. Das Haar kann in Folge dieser
Krankheit ausfallen, aber es wächst wieder, wenn nicht, wie bei
Kopfgrind (~tinea capitis~), die Haarwurzel zerstört ist. Das Waschen
des Kopfes mit Theerseife ist das Beste, was man anwenden kann.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Bei dem ersten Erscheinen der Krankheit, wenn das
  Jucken, besonders des Nachts, stark ist, gebe man ~Aconitum~, sowohl
  allein als auch abwechselnd mit ~Chamomilla~, alle 2 Stunden eine
  Dosis.

  ~Sepia~ kann in vielen Fällen mit gutem Erfolg gegeben werden.

  Sollte ~Aconitum~ keine Erleichterung gewähren, so kann auch ~Rhus
  toxicodendron~ gegeben werden. Es wird gut sein, das Letztere mit
  ~Sulphur~ zusammen zu geben. Des Nachts eine Dosis (6 Kügelchen)
  ~Sulphur~ und Morgens und Mittags eine Dosis (6 Kügelchen) ~Rhus
  toxicodendron~. Man setze diese Behandlung mehrere Wochen lang fort.
  Stellt sich Diarrhöe ein, so stelle die Gabe von ~Sulphur~ ein und
  gieb dreimal des Tages ~Rhus toxicodendron~.

  ~Calcarea carbonica~ kann gegeben werden, wenn der Ausschlag trocken
  ist.

  Ist der Ausschlag feucht, der Ausfluß übermäßig, bei schlechtem
  Geruch, gebe man ~Lycopodium~.

  Andere Heilmittel sind: ~Arsenicum~, ~Croton-Tiglium~, ~Petroleum~,
  ~Mezereum~, ~Hepar Sulphur~, ~Graphites~, ~Nitric Acid~, ~Antimonium
  Crudum~.

  Aeußerlich gebrauche man nichts außer Milch und Wasser, schlüpferiges
  Ulmenwasser oder Glycerin.

  +Verordnung der Heilmittel.+ 12 Kügelchen werden in 12 Theelöffel
  voll Wasser aufgelöst und beim ersten Erscheinen der Krankheit gebe
  man alle 3 Stunden einen Theelöffel voll. Bessert sich das Kind,
  so gebe man dieses zwei- oder dreimal des Tages, wenn nicht andere
  Anweisungen bei den Heilmitteln angegeben sind. Wird es vorgezogen,
  gebe man 3 Kügelchen trocken auf die Zunge.

  =Allöopathisch.= Bei milderen Fällen ist es gut, Magnesia in Dosen
  von 2 bis 3 Gran einmal des Tages zu verordnen. Auch die Mischung
  von Schwefel und ~Cremor tartari~ wird sich als dienlich erweisen.
  Bei harten Fällen gebe man Calomel in Dosen von ein bis zwei Gran,
  hinreichend oft um auf die Eingeweide zu wirken.

  Zu Umschlägen bediene man sich dicker Sahne (~cream~),
  Spermazeut-Salbe (~Spermaceti ointment~), Rosenwasser-Salbe oder
  Glycerin. Die wässerige Auflösung des Opiums wird sich als ein guter
  Umschlag zur Verminderung des Reizes bewähren. In derselben Absicht
  kann auch das folgende Mittel angewendet werden:

    Boraxsaure Soda (~Borate of Soda~)                   10 Grane.
    Rosenwasser                                           2 Unzen.
    Glycerin                                              2 Drachmen.

  Mische es. Anwendung: Zwei- bis dreimal des Tages.

  Auch folgendes wird in einigen Fällen von Erfolg sein:

    Blausäure (~Hydrocyanic acid~)                        4 Drachmen.
    Bleizucker (~Sugar of lead~)                         15 Grane.
    Alcohol                                               4 Drachmen.
    Wasser                                                7 Unzen.

  Mische es. Einmal des Tages anzuwenden.

  Cazenave empfiehlt Zink-Oxyd mit 15 gleichen Theilen Stärke gemischt
  zur Anwendung, nachdem die betreffenden Theile zuvor mit schwacher
  Lauge abgewaschen und getrocknet sind.

  Condie empfiehlt, nachdem die Entzündung vollkommen nachgelassen hat,
  eine Salbe von salpetersaurem Quecksilber (~Nitrate of mercury~) mit
  ein Drittel Fett aufgelöst als Umschlag.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Zur Reinigung des Blutes kann
  folgendes angewandt werden: Schlangenwurzel (~Black cohosh~) und
  Ziegenblatt- (~Shrubby trefoil~) Tinctur; von jedem drei Unzen. Zu
  mischen. Man gebe dem Alter des Kindes angemessen 5 bis 20 Tropfen
  in einem Theelöffel voll versüßten Wassers. Ist ein stärkendes
  Mittel erforderlich, füge zu jeder Dosis 2 bis 3 Tropfen salzsaures
  Eisenoxyd (~Ferrum muriaticum~). Als Salbe gebrauche man das folgende:

    Hammelfett                                            1 Unze.
    Zinkoxyd (~Oxide of zinc~)                            1 Drachme.
    Kampfer-Tinctur                                       2 Drachmen.
    Glycerin                                              1 Drachme.

  Mische es. Zwei- bis dreimal des Tages anzuwenden.


Grindkopf (~Tinea capitis~)

ist ein ansteckender Ausschlag der Kopfhaut, der sich durch kleine
Eiterbeulen an der Kopfhaarwurzel kennzeichnet. Er beginnt mit kleinen
rothen Flecken, in deren Mitte sich eine kleine gelbe Pustel befindet
und die in der Regel von einem Haare durchstochen sind. Diese Pusteln
brechen auf, bilden dünne Schorfe, in deren Mitte sich bei jedem
einzelnen Schorfe eine Vertiefung befindet; sie verbinden sich mit
den zunächst liegenden und bilden so bald große Flecken. Die Krusten
nehmen allmählig zu und werden hart, werden sie entfernt, so bleibt die
Oberfläche roth und glänzend. Zieht sich die Krankheit in die Länge, so
fallen die Haare aus und wachsen selten oder nie wieder; geschieht es
indessen, so ist es von einer helleren Farbe, kurz und ungesund. Der
Geruch, der die Ausdünstung der Kopfhaut verursacht, ist besonders bei
harten Fällen und da, wo die Reinlichkeit nicht mit in der Behandlung
einbegriffen ist, widerwärtig. Auch bildet sich Ungeziefer unter
den Krusten, welches große Beschwerde verursacht. Da es eine sehr
ansteckende Krankheit ist, sollte Kindern, die damit behaftet sind,
nicht gestattet werden, sich derselben Kämme, Bürsten, Kopfbedeckungen,
Handtücher &c. mit Andern gemeinschaftlich zu bedienen, ebenso ist das
Schlafen solcher mit Andern in einem Bette nicht zulässig.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Reinlichkeit ist bei dieser Krankheit von der größten
  Wichtigkeit. Die Haare müssen so kurz als möglich geschnitten werden,
  und während des Verlaufs der Krankheit sollten alle ungesunden
  Haare mittelst einer kleinen Zange oder Haarzängelchen (~tweezers~)
  herausgezogen werden. Die Kost ist sorgfältig zu regeln, wobei alle
  reizende und allzureiche Nahrung vermieden werden muß.

  =Allöopathisch.= Man entferne die Krusten durch einen erweichenden
  Umschlag, wie Brod mit Milch oder eine Waschung von 2 bis 3 Drachmen
  Pflanzenlaugensalz (~Subcarbonate of potassa~) mit einem Pint Wasser.
  Hierauf wende man Morgens und Abends die Salbe von salpetersaurem
  Quecksilber (~Nitrate of mercury~), oder die der Jod-Potasche
  (~Iodium potassae~) an, und zwar in dem Verhältniß: aus 1 Drachme
  ~Potassium~ (Metall der Potasche) 2 Unzen Fett. Vor Anwendung der
  Salbe wasche man die Theile mit spanischer Seife und lauwarmem
  Wasser. Wenn eine starke Absonderung stattfindet, wende man eine
  Auflösung von 2 bis 3 Gran schwefelsaurem Zink mit einer Unze Wasser
  zwei- oder dreimal des Tages an; ist keine Absonderung vorhanden,
  dann nehme man eine Salbe von 1 Gran gepulvertem schwefelsaurem
  Zink mit einer Unze Fett, oder eine Lösung von 2 Drachmen doppelt
  kohlensaurer Potasche mit 1 Pint Wasser, oder schlägt dies nicht
  an, 2 Drachmen geschwefelte Potasche (~Sulphuret of potash~), 2
  Drachmen weiße Seife und ein halbes Pint Limewasser. Sollte irgend
  ein Umschlag eine Entzündung hervorrufen, so muß sie ausgesetzt und
  dagegen erweichende Umschläge und lauwarme Waschungen angewendet
  werden.

  Eine sehr zu empfehlende Salbe ist:

    Pulverisirtes schwefelsaures Kupfer (~Pulverized
    sulphate of Copper~)                                 10 Grane.
    Spanischer Fliegen-Extrakt                            5   „
    Schweinefett                                          1 Unze.

  Mische und gebrauche es nach einer gründlichen Waschung mit
  spanischer (~castile~) Seife und Wasser einmal des Tages.

  Zuweilen wird die folgende Salbe mit ausgezeichnetem Erfolg
  angewendet:

    Salpetersaures Quecksilber                            1 Drachme.
    Wasser                                                4 Unzen.

  Mische und trage es einen Tag um den andern mit einem
  Kameelhaarpinsel auf.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Man schneide das Haar ganz kurz mache
  einen Umschlag von schlüpferigem Ulm, bis sich die Schorfe lockern
  und abfallen. Ehe man den Umschlag gemacht, wasche man den Kopf mit
  spanischer Seife und Wasser. Nach Entfernung der Krusten und Waschung
  des Kopfes wende man folgende Salbe an:

    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)              1 Unze.
    Biester (~Woodsoot~)                                  1  „
    Schwefel                                              ½  „
    Schweinefett                                          6 Unzen.

  Mische es. Morgens und Abends anzuwenden.

  Man halte die Eingeweide mit einer gelegentlichen Dosis von Magnesia
  und Castoröl offen. Eine andere sehr empfohlene Salbe wird aus
  grünem, 6 bis 8 Zoll hohem Roggen gemacht, indem man ihn mit frischer
  Sahne langsam kochen läßt, bis die Blätter braun geröstet sind.
  Schwefelsalbe wird zuweilen mit Erfolg angewandt.

  =Homöopathisch.= ~Sepia~ kann in Dosen (6 Kügelchen) dreimal des
  Tages durch zwei oder drei Wochen gegeben werden, tritt keine
  Besserung ein, gebe man ~Calcarea carbonica~; bei trockenem
  Ausschlag Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen). Wenn nach
  zweiwöchentlichem Gebrauche noch keine Besserung wahrgenommen wird,
  gebe man ~Sulphur~. Bei feuchtem Ausschlag gebe man ~Rhus~ oder
  ~Lycopodium~, zweimal des Tages eine Dosis, und lasse ~Sulphur~
  folgen. Macht die Absonderung des Ausschlages die Haut wund oder
  verursacht Geschwüre, wo sie auf die Haut übertragen wird, gebe man
  ~Arsenicum~ und ~Rhus~ abwechselnd einen Tag, täglich dreimal.

  Eine gute Kopfwaschung geschieht mit Kleiewasser. Als Umschlag
  kann Salpetersäure (~Acidum nitri~) im Verhältniß von 12 Tropfen
  auf 4 Unzen Wasser angewendet werden. Was immer für ein Heilmittel
  innerlich gegeben werden mag, so ist es gut, dasselbe auch als
  Umschlag anzuwenden; dadurch, daß man 12 oder 15 Kügelchen in einem
  halben Glas voll Wasser auflöst.

  Andere Heilmittel als jene bereits erwähnten sind folgende:
  ~Dulcamara~, ~Staphysagria~, ~Hepar sulphuris~, ~Antimonium crudum~,
  ~Graphites~, ~Bryonia~. Dieselben können in der nämlichen Weise, wie
  die anderen, wenn diese nicht den gewünschten Erfolg haben sollen,
  angewendet werden.


Hühneraugen, Leichdornen (~Corns~)

sind eine Verdickung der Schleierhaut, welche durch den Druck oder die
Reibung von zu engem oder schlecht passendem Schuhwerk hervorgerufen
wird.


+Behandlung.+

  Erweiche die Füße in warmem oder schwachem Laugenwasser. Dies
  erweicht die verhärtete Oberfläche, so daß sie mit dem Fingernagel
  oder einem Federmesser entfernt werden kann. Nach Entfernung dieser
  verhärteten Haut wird ein kleiner weißer Fleck gesehen werden, der
  der Mittelpunkt des Hühnerauges ist. Diesen schneide vorsichtig,
  ohne Schmerzen oder Blutung zu verursachen, heraus und lege dann
  ein Stück weiches Tuch, einen Schwamm oder nach und nach auch ein
  Pflaster auf; jedes von diesem muß indessen ein Loch in der Mitte
  haben. Wenn eine Entzündung vorhanden ist, betupfe es jeden zweiten
  oder dritten Tag mit einem zugespitzten Stück Höllenstein (~Argentum
  nitri~).

  Weiche Hühneraugen zwischen den Zehen können durch zwei- oder
  dreimaliges Auflegen des Tages von Charpie oder Watte, mit
  Kampfer-Tinctur befeuchtet, entfernt werden. Ein Stück Watte sollte
  so lange aufgelegt bleiben bis die betreffenden Theile wieder
  vollständig hergestellt sind.

  Es giebt eine Menge von Mitteln, Hühneraugen zu entfernen, einige von
  ihnen sind folgende: Ein Epheublatt mit Essig befeuchtet und auf das
  Hühnerauge gebunden; Charpie oder Watte mit einer zusammengesetzten
  Flüssigkeit von salzsaurem Ammoniak (~Muriate of ammonia~), eine
  Unze in 4 Unzen Wasser aufgelöst, befeuchtet. Man mache einen dicken
  Teig von Bleiweiß (~White lead~) und Leinöl und soviel pulverisirte
  Schlangenwurzel, um es zu färben, schmiere es auf ein Stückchen
  dünnes Leder und lege es auf das Hühnerauge. Man erneure es alle
  3 bis 4 Tage. Man nehme Salpeter (~Nitric acid~) und Salzsäure
  (~Muriatic acid~), von jedem eine halbe Unze, rothes Sandelholz
  (~Red sanders~), Opium, salzsaures Ammoniak (~Muriate of ammonia~),
  von jedem 1 Drachme. Nachdem die Haut um das Hühnerauge ringsherum
  leicht geritzt ist, befeuchtet man den Stöpsel der Flasche, worin
  sich die Flüssigkeit befindet, durch Umschütteln, und betupfe damit
  dasselbe. Ein Pulver von Badebaumblättern (~Savine~) 2 Unzen,
  Grünspan (~Verdigris~) 1 Drachme, rothes Präcipitat 2 Unzen, gemischt
  und über Nacht auf das Hühnerauge gebunden. Weinsteinsäure (~Acidum
  tartaricum~), Salzsäure, Wasser, von jedem eine Unze und ein Stück
  Schöpsenfett mit einem Stückchen Holz mehrere Male auf das Hühnerauge
  zu tragen. Folgendes, „Sir Humphrey Davy’s Solvent“ genannt, besteht
  in 2 Theilen Potasche, 1 Theil Sauerkleesalz, fein gepulvert,
  gemischt und in einer kleinen Menge vermittelst eines Verbandes durch
  mehrere Nächte hintereinander auf das Hühnerauge zu bringen. Starke
  Essigsäure bleibt immer das beste Mittel, das angewendet werden kann.
  Um die Heilung indessen zu vervollständigen und um für immer davon
  befreit zu bleiben, ist es nothwendig, daß das Schuhwerk nicht zu eng
  ist, überhaupt gut paßt.


Warzen (~Veruccae~)

sind so allgemein bekannt, daß davon gar keine Beschreibung nothwendig
ist. Fast Jeder hat damit schon mehr oder weniger Bekanntschaft
gemacht. Die Mittel zu deren Entfernung sind fast eben so zahlreich als
die Warzen selbst -- einige von ihnen werden hier angegeben.

Gleiche Theile von salzsaurem Ammoniak (~Muriate of ammonia~),
Cayenne-Pfeffer und Schlangenwurzel, fein gepulvert, gemischt und
mit ein wenig Talg und Bienenwachs zu einem Pflaster gemacht. Ein
Heftpflaster, in dessen Mitte sich ein Loch befindet, so daß es über
die Warze gezogen werden kann und dieselbe allein frei bleibt, wird
aufgelegt und darauf dann das Obige. Die Anwendung dieses Pflasters muß
so lange geschehen, bis die Warze abstirbt.

Kohlensaure Soda (~Carbonate of soda~) eine Unze, Wasser ein Pint,
gemischt, und damit die Warze dreimal des Tages gewaschen.

Concentrirte Essigsäure (~Acetic acid~), ebenso Salpeter und
salpetersaure Salzsäure sind ausgezeichnete Mittel. Sobald als die
Warzen hart werden, entferne man sie.

Eine gesättigte Auflösung von doppelt chromsaurer Potasche (~Bichromate
of Potassa~) ist mit Erfolg angewendet worden; das Berühren anderer
Theile außer der Warze sollte vermieden werden.

Mangansäure (~Manganic acid~) zerstört sie sehr schnell.

Eine Mischung von gleichen Theilen Salpeter und unaufgelöstem Lime mit
hinreichend Essig, um einen Teig zu bilden, ist gut.

Die Rinde der gewöhnlichen Weide zu Asche verbrannt mit starkem Essig
gemischt und häufig angewendet, wird sie zuweilen entfernen.

Man binde einen starken Faden um die Warze und ziehe ihn mit jedem Tage
dichter zusammen.



Zweites Kapitel.

Fieber.


Fieber ist ein allgemeiner Ausdruck, in dem verschiedene
Krankheitsformen eingeschlossen sind; es ist eine der gewöhnlichsten,
häufigsten und verwickeltsten Krankheiten, welchen der menschliche
Körper unterworfen ist. Es ist bei allen hitzigen (~acuten~)
Krankheiten in mehr oder weniger erhöhtem Maße vorhanden. Ein
Fieber, das als ein einfaches oder gewöhnliches beginnt, kann sich
hinziehen, bis es sich zu einem Wechsel- oder typhösen Fieber bildet.
Es greift den Organismus im Allgemeinen an und ist eher als ein
Krankheitssymptom, als eine Krankheit an und für sich selbst zu
betrachten.

+Ursachen.+ -- Zum Fieber gibt es zahlreiche, einige von ihnen sind
folgende: Große geistige oder körperliche Anstrengung, Kummer,
Besorgniß, Mangel an gehöriger Nahrung, Kleidung oder Bewegung, Miasmen
(die giftigen Bestandtheile, welche von verwesenden thierischen oder
Pflanzenstoffen aufsteigen), außergewöhnliche Hitze oder Kälte,
plötzlicher Witterungswechsel, allgemeine schädliche Einflüsse,
Entzündungen, reizende Speisen und Getränke.

+Symptome.+ -- Der Kranke klagt zunächst über ein Gefühl der
Ermüdung, Mattigkeit, Schmerzhaftigkeit des Fleisches, Schwere und
Eingenommenheit des Kopfes, Mangel an Eßlust, schlechtem Geschmack im
Mund, dem bald große Hitze, Frost, Uebelkeit und Erbrechen folgt. Diese
Kennzeichen werden bei Fiebern allgemein gefunden. Eine Beschreibung
der verschiedenen Arten von Fiebern folgt nachstehend.


Gewöhnliches oder eintägiges Fieber.

Die einfachste Form des Fiebers, die nur einen Tag, oder auch eine
Woche oder länger dauern kann. Unter gehöriger Behandlung dauert es
indessen selten länger als drei bis vier Tage.

+Ursachen.+ -- Erkältung, außerordentliche geistige oder körperliche
Ermüdung, ungesunde Nahrung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken u. s. w.

+Symptome.+ -- Frost und Hitze, krankhafter Magen, vielleicht auch
Erbrechen, Appetitlosigkeit, Mattigkeit, dem Fieber, Durst, belegte
Zunge u.s.w. folgt.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Der Kranke sollte im Bett bleiben, sich aller
  Fleischspeisen enthalten und nichts anderes als Haferschleim,
  Fleischbrühe &c. zu sich nehmen.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ ist ungefähr alles, was in dieser
  Krankheit zu geben ist. Löse 12 Kügelchen in einem halben Tassenkopf
  Wasser und gib von dieser Auflösung alle zwei oder drei Stunden einen
  Theelöffel voll, bis ein ungehindertes Schwitzen eintritt.

  Sind plötzliches Zusammenfahren, fliegende Hitze und andere Symptome,
  die anzeigen, daß der Kopf mehr oder weniger angegriffen ist,
  vorhanden, so gebe man ~Belladonna~ abwechselnd mit ~Aconitum~.

  =Allöopathisch.= Einige gelinde Abführmittel, wie Magnesia,
  Bittersalz, mögen gegeben werden, oder auch die folgende Mischung:

    Rochelle-Salz oder weinsteinsaure Potasche (~Tartrate
      of potash~)                                         1 Unze.
    Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~)        1 Drachme.
    Pfeffermünzwasser                                     6 Unzen.

  Mische es. Alle 3 Stunden einen Theelöffel voll.

  Lasse diesem folgen:

    Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
      acetate of ammonia~)                               1½ Unze.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    2 Drachmen.
    Syrup                                                 2    „
    Kampher-Mischung                                      4 Unzen.

  Mische es. Alle 4 oder 6 Stunden einen Eßlöffel voll.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Man gebe ein einfaches Brechmittel, wie
  gleiche Theile der Lobelia und Brechwurz, Thee von Kamillenblüthen,
  Wasserdost (~Boneset~), Hundekamille (~Anthemis~) oder gepulverten
  Senf in warmem Wasser. Bringe den Kranken zu Bett und lege rings
  um ihn warme Steine oder Flaschen mit heißem Wasser und lasse
  ihn ungehindert Thee von Katzenmünze (~catnip~), grüne Münze
  (~spearmint~), Isop, Salbei, Saffran oder Balsam trinken.


Entzündliches Fieber

tritt ebenso wie das gewöhnliche Fieber auf, worauf ein starker Frost
und die gewöhnlichen Symptome von Hitze, Mattigkeit, Unruhe, ziehende
Schmerzen im Kreuz, Kopf und Gliedern folgen. Darauf stellt sich
Röthe des Gesichts, große Beklemmung, Klopfen der Schläfe, große Hitze
der Haut, Durst, eine mit einem weißen Schleim belegte Zunge, sehr
schnelles Athmen, Uebelkeit des Magens, zuweilen Erbrechen, trockene,
heiße Haut und mehr oder weniger Störung fast aller Funktionen des
Körpers, ein. Diese Krankheit nimmt ihren Verlauf in ungefähr zwei
bis drei Wochen; wenn sie aber um diese Zeit nicht nachläßt, geht sie
leicht in ein typhöses Fieber über.

+Ursachen.+ -- Ueberladung des Magens mit fetten, unverdaulichen
Speisen, ungeregeltes Leben, plötzliche Unterdrückung des Schweißes,
heftige geistige Aufregungen und Beschädigungen des Körpers, das
Wohnen in feuchten, schlecht ventilirten Häusern und im Allgemeinen
Unmäßigkeit.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Da häufig Verstopfung die Ursachen dieses Fiebers
  ist, sollte zur Entleerung der Eingeweide eines der folgenden Mittel
  genommen werden:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       2 Drachmen.
    Frisch gebrannter Kaffee, grob gemahlen               2 Skrupel.
    Heißes Wasser                                         4 Unzen.

  Mische und koche dieses drei Minuten, seihe es durch und nimm alle
  drei Stunden einen Theetassenkopf voll zur augenblicklichen Wirkung.
  Jeden Morgen kann ein Tassenkopf voll zum Offenhalten der Eingeweide
  gegeben werden.

  Oder auch:

    Rhabarber                                            10 Grane.
    Calcinirte (~calcined~) Magnesia                      ½ Drachme.

  Mische es und nimm das Ganze auf einmal.

  Wenn stärkere Abführmittel erforderlich sind, gebrauche man das
  folgende:

    Zusammengesetzter Koloquinthen- (~Colocynth~)
    Extrakt                                               ½ Drachme.
    Jalappenwurzel- (~Jalap~) Extrakt                    15 Grane.

  Mische dies und mache 12 Pillen davon. Dosis zwei oder drei Pillen,
  bis die Wirkung erfolgt. Als ein kühlender Trank ist das folgende zu
  empfehlen:

    ~Cremor tartari~                                      ½ Unze.
    Frisch zerquetschte Citronenschale                    4 Unzen.
    Stückzucker                                           4   „
    Kochendes Wasser                                      3 Pint.

  Mische und, nachdem es eine Weile gestanden, durchseihe es.

  Wenn die Entzündung ihren Sitz im Kopfe hat, sollte unbeschränkt
  kaltes Wasser angewendet werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Der Körper sollte öfters, während
  das Fieber unterdrückt ist, einige Minuten lang mit kaltem Wasser
  gewaschen werden. Ist der Kopf stark von Schmerz und Delirium
  angegriffen, sollten drei oder vier Blutegel an jede Schläfe
  angesetzt und Umschläge von kaltem Wasser und Essig auf den Kopf
  gemacht werden. Das letztere kann zuweilen auch statt der Blutegel
  angewendet werden.

  Die Ausleerungen zu erhöhen und die Eingeweide zu erleichtern, kann
  auch Brechwurz in Dosen von 1 bis 1½ Gran in ein wenig warmem
  Wasser oder Molasses aufgelöst auf einmal in zwei Stunden gegeben
  werden.

  Zur Reinigung der Eingeweide kann auch ein Pulver, aus dem folgenden
  zusammengesetzt, gegeben werden:

    Gepulverter Entenfuß (~Podophyllum~)                  1 Grane.
    Leptandrin                                            4   „
    ~Cremor tartari~                                      1 Theelöffel
                                                            voll.

  Senna- und Epheublätter-Salz kann ebenso zu demselben Zwecke
  verwendet werden.

  Wenn es nothwendig ist, Schweiß hervorzurufen, sollten warme
  Bäder angewendet oder die Füße in warmem Wasser erweicht werden,
  dabei lasse man den Kranken unbeschränkt Thee von Salbei, Balsam,
  Wasserdost, Isop oder Flachssamen trinken. Diese Maßregeln werden
  in der Regel das Fieber dämpfen. Bei Schlaflosigkeit lege man ein
  Hopfenkissen unter den Kopf des Kranken oder lasse ihn starken
  Hopfenthee trinken, was von gutem Erfolge sein wird. In dem letzteren
  Stadium des Fiebers, wenn der Magen reizbar ist, ist es zuweilen
  besser, anstatt der Medizinen Einspritzungen anzuwenden, und diese
  können in einem Theelöffel voll gewöhnlichen Salzes, in einem Pint
  von warmem Wasser aufgelöst, oder Molasses mit Wasser, und wenn die
  Nahrungsmittel vom Magen nicht angenommen werden, in einer Brühe von
  Milch- und Wasser-Haferschleim bestehen.

  Die Diarrhöe, die zuweilen diesem Fieber folgt, kann vermittelst
  Einspritzungen von warmem Wasser, in das 15 bis 20 Tropfen Mohnsaft
  (~Laudanum~) gethan werden, eingehalten werden; kleine Dosen von
  Rhabarber und Magnesia werden zuweilen erfolgreich gefunden werden.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ sollte immer zu Anfang gegeben werden.
  Nachdem dies 6 Stunden lang geschehen ist, die Symptome sich aber
  nicht vermindern, gebe man abwechselnd mit dem obigen ~Belladonna~,
  besonders wenn der Kopf heiß ist, bei heftigem Schmerz in der
  Stirngegend, Gesicht roth, die Augen gegen das Licht empfindlich,
  Unruhe oder Schwindel bei großem Druck und Delirium.

  ~Bryonia.~ -- Wenn mit den anderen Symptomen des Fiebers, Schwindel
  im Kopf, Verstopfung und ein Gefühl von Schwere im Magen, Schmerzen
  in den Gliedern und im Rückgrate verbunden sind.

  Andere Heilmittel, welche angewendet werden können, wenn die Lungen
  angegriffen sind, sind folgende: ~Bryonia~, ~Tartarius Emeticus~ und
  ~Phosphorus~.

  Ist eine Neigung zu Typhus vorhanden, so gebe man ~Rhus
  toxicodendron~ abwechselnd mit ~Bryonia~.

  Gegen Diarrhöe gebe man auch folgende Heilmittel: ~Mercurius~,
  ~Arsenicum~, ~Ipecacuanha~, ~Chamomilla~, ~Veratrum~.

  Die Kost sollte bei dieser Krankheit im Anfang sehr leicht sein. Man
  gebe nichts außer Fleischbrühe und kühlenden Getränken. Es schadet
  dem Kranken nichts, wenn er so viel kaltes Wasser, als er wünscht,
  trinkt, zuweilen ist es sogar zuträglich.

  Folgendes mag als Kost dienen: Gerstenschleim, Wasser von geröstetem
  Brode, Pfeilwurzel, Aepfelsauce und, wird der Kranke besser,
  Rindfleisch oder Hühnerbrühe und dann und wann leichte Weine. Der
  Kranke sollte in dem Zusichnehmen von schwereren Lebensmitteln bis
  zur vollständigen Wiedergenesung sehr vorsichtig sein.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe, der Heftigkeit der Symptome angemessen, alle 1, 2
  oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.


Nervenfieber oder Typhus.

Dieses Fieber tritt zuweilen ganz plötzlich mit einem Frost auf,
obgleich das Fieber in der Regel allmählig ankommt, so daß sein
Anfang nicht bemerkt wird. Der Kranke klagt wohl eine lange Zeit über
Müdigkeit, eine allgemeine Schwere und dann und wann über Kopfweh.
Die Haut ist möglicherweise etwas erhitzt, das Gesicht von fliegender
Hitze überzogen, die Zunge leicht belegt und der Appetit vermindert.
Die Symptome können sich mehrere Tage oder eine Woche lang hinziehen,
dann stellt sich der Frost ein, der 6 bis 8 Stunden, zuweilen 1 bis 2
Tage anhält. Sobald die Krankheit zum Ausbruch gekommen ist, hört der
Frost auf und bei dem Kranken stellen sich die gewöhnlichen Symptome
des Fiebers ein, wie schneller Puls, Hitze und Trockenheit der Haut,
fliegende Hitze, stechende Schmerzen in der Stirn, Summen in den Ohren,
Appetitlosigkeit, Durst und allgemeine Schwäche. Es kann ebensowohl
Diarrhöe wie Verstopfung vorhanden sein. Der Stuhl ist gelblich oder
grünlich und zuweilen mit Blut gemischt. Ein kneipender Schmerz wird
in den Eingeweiden vorhanden sein. Der Schmerz in den Eingeweiden wird
durch einen Druck auf der rechten Seite erhöht.

Wie die Krankheit fortschreitet, stellt sich Delirium ein, das sehr
stark werden kann. Die Zunge wird trocken und bekommt eine bräunliche
Farbe; der Kranke ist entweder sehr unruhig oder er liegt in einem
bewußtlosen Zustand.

In der Regel erscheint in diesem Stadium ein Ausschlag am Unterleib,
bestehend in kleinen rothen Flecken, der sich in einigen Fällen auch
über die Glieder erstreckt; auch werden bei genauer Besichtigung zu
derselben Zeit kleine Blasen, eine wässerige Flüssigkeit enthaltend,
auf dem Nacken und dem oberen Theile der Brust wahrgenommen werden.

Wenn die Krankheit anhält, wird die Zunge ganz trocken, mit einem
braunen oder schwarzen Schleim überzogen und die Zähne sind mit einer
schwarzen Masse bedeckt, ebenso Lippen und Zahnfleisch. Ein Schweiß,
der sehr widerwärtig werden kann, tritt ein; der Unterleib schwillt
drommelartig an; der Kranke liegt auf dem Rücken, gleitet nicht selten
nach dem Ende des Bettes, pflückt an dem Bettzeug und spricht leise vor
sich hin. Eine Entleerung der Gedärme und des Urins findet unbewußt --
ohne daß der Kranke fähig ist, es zu verhindern -- statt, oder es ist
eine Unterdrückung des Urins vorhanden, in welchem Falle man denselben
vermittelst eines Instrumentes ablassen muß.

Bei fortdauernder Krankheit werden die Endgliedmaßen kalt und klebrig
und die ganze Oberfläche des Körpers ist in einem klebrigen Schweiß
gebadet. Das Gesicht nimmt einen ängstlichen Ausdruck an und des
Kranken Kräfte schwinden mehr und mehr.

+Ursachen.+ -- Dieses Fieber ist unzweifelhaft ansteckend -- kann
von einer auf die andere Person übertragen werden und ein Anfall
sichert in der Regel den Betreffenden vor einem zweiten. Es wird durch
übermäßige Anstrengung des Körpers oder Geistes, Ausschweifungen aller
Art, schlechte Luft und schlechtes Wasser, den Aufenthalt unter zu
dichter Bevölkerung, in schmutzigen Straßen und kleinen Wohnzimmern
hervorgerufen.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Der Kranke sollte in ein gut ventilirtes Zimmer
  geschafft, das Bett häufig aufgeschüttelt und die Decken gerade
  gelegt werden. Es ist nothwendig, die vorstehenden Theile des
  Körpers, wie die Hüften und den unteren Theil des Rückgrats gegen den
  Druck zu schützen, um das Aufliegen zu verhindern. Wenn aber diese
  Theile weich werden, oder eine dunkle oder eine ganz weiße Farbe
  annehmen sollten, kann eine schwache Arnika-Tinktur angewendet und
  die Theile müssen durch weiche Kissen oder durch aufgelegte Pflaster
  gegen den Druck geschützt werden.

  Es ist wichtig, bei dieser Krankheit der Kost große Aufmerksamkeit
  zuzuwenden. In den ersten Stadien sollte dieselbe sehr leicht und
  flüssig sein, so daß sie auch als Getränk gereicht werden kann
  wie Gummi Arabicum-, Gersten-, geröstetes Brod- (~toast~) Wasser,
  schwache Auflösung von ~Sago~, ~Tapioca~ oder Pfeilwurz (~arrow
  root~), Hafer- oder Welschkorn-Mehlschleim; ebenso kann auch der Saft
  von süßen Trauben und Orangen erlaubt werden, aber man muß dafür
  sorgen, daß die festen Theile davon nicht mit verschluckt werden;
  als Getränke möge man sich kalter Limonade oder Eiswasser bedienen.
  Ungefähr in der zweiten Woche, wenn der Kranke sehr schwach wird,
  mögen ~Sago~, ~Tapioca~ oder Pfeilwurz mit drei Theilen Wasser und
  einem Theile Milch, dicker Haferschleim, Panade mit Muskatnuß und
  zuweilen mit Wein schmackhaft gemacht, gegeben werden. Es wird gut
  sein, hiervon alle zwei, drei oder vier Stunden, je nach der Stärke
  des Kranken, ein Weinglasvoll zu geben. In einigen Fällen wird alle
  ein oder zwei Stunden ein Eßlöffelvoll Milch gute Dienste thun --
  wenn der Magen reizbar ist, mische sie mit einem gleichen Theile von
  Limewasser. Wird der Kranke sehr schwach, gebe man ihm Fleischbrühe,
  Milchpunsch, oder Eier in Wein.

  Man beobachte sorgfältig die Blase, da, wenn sie sich mit Wasser
  füllen sollte, dieselbe entleert werden muß. Hat das Fieber einen
  hohen Grad erreicht, kann die Oberfläche des Körpers öfter mit kaltem
  Wasser abgewaschen werden und der Patient sollte so viel als möglich
  kaltes Wasser trinken, ebenso Eis essen.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Während des ersten Theiles der
  Krankheit, wenn Uebelkeit und Erbrechen vorhanden ist gebe man ein
  gelindes Abführmittel, wie das zusammengesetzte Pulver der Lobelia.
  Bei Verstopfung mag das folgende Mittel angewendet werden:

    Virginischer Ehrenpreis (~Black root~)                2 Drachmen.
    Rhabarber (~Rhubarb~)                                 1 Drachme.
    Siedendes Wasser                                      ½ Pint.

  Lasse die Wurzel ein oder zwei Stunden lang in dem Wasser stehen;
  seihe es ab und gib alle Stunden einen Eßlöffel voll, bis eine
  Wirkung wahrgenommen wird. Sorge sollte getragen werden, daß die
  Eingeweide nicht zu willkürlich bewegt werden.

  Während des Fiebers wasche man den Körper mit warmem Laugenwasser
  und den Kopf mit kaltem Wasser. Stellt sich Delirium ein, sollten
  Senfpflaster auf die Füße und längs des Rückgrats gelegt werden.
  Diarrhöe kann durch folgendes Mittel gestopft werden:

    Dreifach-salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of
    bismuth~)                                             3 Grane.
    Terpentin (~Turpentine~)                             15 Tropfen.
    Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~)               2 Drachmen.

  Mische und nimm es auf einmal.

  Tannin-Säure (~Tannic acid~) kann alle Stunden in Dosen von ein oder
  zwei Granen gegeben werden, so auch Terpentinöl, jede oder alle zwei
  Stunden, in Dosen von 6 bis 8 Tropfen. Ist der Magen zu schwach,
  um es anzunehmen, gebe man es vermittelst Einspritzungen. Gegen die
  Schmerzen in den Eingeweiden und das Anschwellen des Unterleibes
  einen erweichenden Umschlag von Hopfen oder Lobelia. Letzteres ist
  öfters zu wiederholen, und nicht kalt werden zu lassen. Zuweilen
  wird Hinzufügung von Terpentinöl von guter Wirkung sein. Dies sollte
  so lange fortgesetzt werden, bis ein Druck ohne Empfindung eines
  Schmerzes gemacht werden kann, oder bis der Kranke sehr hinfällig
  wird. Tritt das Letztere ein, so gebe man folgendes:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        20 Grane.
    Vitriol-Elixir (~Elexir of vitriol~)                  1 Drachme.
    Schlangenwurzel-Tinctur (~Tincture of black cohosh
    root~)                                                4 Drachmen.

  Löse das Chinin in dem Vitriol-Elixir auf und füge dann die
  Schlangenwurzel-Tinktur hinzu. Dosis: 20 Tropfen in kaltem Wasser
  jede Stunde.

  Bei großer Nervenschwäche und Reizbarkeit gebe man statt des Obigen
  Chinirten Baldrian (~Valerianate of quinine~) jede oder alle zwei
  Stunden ½ Gran in einem Aufguß von Hopfen oder Schildkraut
  (~skull-cap~).

  Um während des Fiebers Schweiß hervorzurufen, gebe man einen Aufguß
  von Eibischwurzel (~Marsh-mellow~) und Pfirsichblätter, oder einen
  Aufguß von Frauenhaarmoos (~Haircap moss~). Wird der Kranke sehr
  schwach, so kann eine getränkte Tinktur von stachligen Eschbeeren
  (~prickly Ash-berries~) als Einspritzung angewendet werden.
  Erwachsenen einen Eßlöffel voll dieser Tinktur in Ale, Porter oder
  Branntwein in Wasser, oder Schöpsen- oder Rindsbrühe. Kann es der
  Kranke nicht bei sich behalten, so sollte es vermittelst einer
  leinenen Preßbinde eine längere Zeit in den Eingeweiden gehalten
  werden.

  =Homöopathisch.= Wenn zu Anfang Kopfschmerz, Schwindel, Frost,
  Schmerzen in dem Rücken und den Gliedern, bei leichtem Husten, mit
  oder ohne Diarrhöe, Uebelkeit des Magens und zuweilen Erbrechen
  vorhanden ist, gebe man alle zwei Stunden abwechselnd eine Dosis
  ~Bryonia~ und ~Rhus toxicodendron~.

  Lasse den Kranken zu Bett gehen, und wenn er unruhig ist, gebe man
  eine oder zwei Dosen ~Coffea~ oder ~Belladonna~. Sobald der Patient
  zu schwitzen anfängt und diese Symptome verschwinden, wird er besser.
  Wenn aber die Krankheit fortschreitet und die Symptome schlimmer
  werden, so sollte ~Aconitum~ gegeben werden, besonders wenn der Puls
  voll, die Haut heiß und trocken und heftiger Durst vorhanden ist.
  Dies sollte abwechselnd mit ~Belladonna~ gegeben werden, sobald mit
  den obigen Symptomen starke Kopfschmerzen, große Empfindlichkeit
  gegen Licht und Geräusch und Auffahren im Schlafe verbunden sind.

  Nehmen die Symptome an Heftigkeit zu, gebe man noch einmal ~Bryonia~
  abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~.

  Andere Heilmittel sind folgende:

  ~Arsenicum.~ -- Trockene und gelbliche Haut, eingefallene Augen und
  Wangen, zusammengeschrumpftes, blasses Gesicht, kalter Schweiß auf
  der Stirn, dunkle, trockene aufgesprungene Lippen, schwarze Zähne mit
  einer schmutzigen Masse überzogen, geschwollener Unterleib, kurzer
  und schneller Athem, leise und murmelnde Stimme, brennende Hitze in
  der Magengrube, Uebelkeit und Erbrechen, besonders nach Genuß von
  Speisen und Getränken, außerordentliche Hinfälligkeit und Sinken der
  Kräfte.

  ~Acidum phosphoricum.~ -- Große Schwäche, der Patient liegt beständig
  auf dem Rücken, redet irre, Zupfen an dem Bettzeug, starrer Blick und
  hohle glasige Augen.

  ~Bryonia.~ -- Gesicht roth und geschwollen, Athem schwer und kurz
  oder seufzend, Lippen braun und trocken, Mund trocken und mit einem
  gelblichen Pelz besetzt, Vollsein und ein Druck im Kopf, bei Bewegung
  schlimmer, Summen in den Ohren, Trockenheit im Halse, Verstopfung.

  ~Opium.~ -- Bei großer Trockenheit mit schnurrendem Athem, eine
  unbewußte Entleerung der Blase und Eingeweide.

  ~Lachesis~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden, besonders
  wenn die Zunge trocken, roth und glänzend -- wie lackirt -- ist.

  ~Hyosciamus.~ -- Wenn das Gesicht heiß und roth, die Augen funkeln,
  die Muskeln zucken, rasendes Delirium und der Kranke fortwährend ein
  Verlangen zu entwischen zeigt.

  ~Carbo vegetabilis.~ -- Dies kann abwechselnd mit ~Arsenicum~
  gegeben werden, wenn sich folgende Symptome zeigen: Aengstlicher und
  niedergeschlagener Ausdruck, Gesicht blaß, dunkelbraun oder gelb,
  Augen eingefallen und gläsern, kalter Schweiß, der Stuhl faul und
  höchst widerwärtig, heftig drückende oder ziehende Schmerzen im Kopf,
  Röcheln im Hals, krampfartige oder brennende Schmerzen im Magen und
  in den Eingeweiden, die Eingeweide geschwollen und weich beim Druck.

  ~Rhus toxicodendron.~ -- Dieses Heilmittel ist in allen Stadien
  der Krankheit anzuwenden, besonders wenn der Kranke stumpf ist und
  stechende Schmerzen im Kopfe vorhanden sind, trockene, brennende
  Hitze, Steifheit des Nackens mit ziehenden Schmerzen, welche bei
  Bewegung zunehmen, Diarrhöe, Frost und Schwindel, Trockenheit des
  Halses, Drücken der Augen und Empfindlichkeit gegen Licht und
  Geräusch. Hat der Patient zu irgend einer Zeit keinen Schlaf, gebe
  man alle Stunden eine Dosis ~Coffea~ abwechselnd mit ~Belladonna~.

  Wenn die Haut kalt und klebrig ist und klebrige Schweiße vorhanden
  sind, gebe man ~Camphora~, das mit ~Coffea~ abgewechselt werden kann,
  sobald der Kranke unruhig werden sollte.

  Nachdem das Fieber gebrochen ist und der Kranke wieder zu genesen
  beginnt, kann entweder ~China~, ~Mercurius~ oder ~Sulphur~ gegeben
  werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe, der Strenge der Symptome angemessen, alle halbe,
  ganze oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Häufiges Waschen mit Wasser, kalt oder warm, dem
  Befinden des Kranken angemessen, sollte angewendet werden. Ist
  Diarrhöe vorhanden, kann dieselbe mit ein wenig Branntwein oder dem
  folgenden eingehalten werden:

    Doverisches Pulver (~Dover’s Powder~)                 ½ Drachme.
    Präparirte Kreide (~Prepared chalk~)                  1 Skrupel.

  Mische und theile es in 12 Pulver. Gib alle 2 oder 3 Stunden, je
  nachdem es nothwendig ist, ein Pulver.

  Sind die Eingeweide verstopft, gebe man eine Einspritzung von warmem
  Wasser, oder die folgende Mischung kann genommen werden:

    Castoröl                                              1 Unze.
    Ein Eidotter.

  Mische dieses und füge hinzu

    Gewöhnlichen Syrup                                    ½ Unze.
    Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~)             1-2 Unzen.

  Mische und nimm es auf einen Schluck

  Oder:

    Rhabarber (~Rhubarb~)                                10 Grane.
    Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~)             ½ Drachme.

  Mische es und nimm es als eine Dosis in Syrup oder Molasses.

  Wenn der Kopf heiß ist, muß das Haar kurz geschnitten und der Kopf
  dann mit Eiswasser oder Essig und Wasser kühl gehalten und Blutegel
  an die Schläfe gesetzt werden.

  Bei Schlaflosigkeit gebe man 25 bis 30 Tropfen ~Laudanum~ (Mohnsaft).

  Um das Fieber zu vermindern und Schweiß hervorzurufen, alle Stunden 3
  bis 10 Tropfen Tinctur oder flüssigen Extrakt von ~Veratrum Viride~
  (Mistkraut), bis das Fieber nachläßt.

  Wo die Eingeweide bedeutend angeschwollen sind, mögen erweichende
  Umschläge von Hopfen oder Leinsamen gemacht werden.

  Finden Blutungen aus den Eingeweiden statt und ist große Schwäche
  vorhanden, lasse man den Kranken Wein und Brod zu sich nehmen. Wenn
  das Fieber langsam verläuft, sollte Chinin (~Quinine~) in mäßigen
  Dosen gegeben werden. Ein guter reizender Trank wird durch Lösung von
  einer Drachme von Potaschen-Chlorid (~Chloride of Potash~) in einem
  Pint Wasser hergestellt, das dem Kranken auf dessen Verlangen zu
  geben ist.

  Als eine reizende Mischung möge das folgende angewendet werden:

    Abkochung von Baumrinde (~Bark~)                      7 Unzen.
    Zusammengesetzte Baumrinden-Tinktur (~Compound
      tincture of bark~)                                  6 Drachmen.
    Syrup von Orangenschale                               2    „
    Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~)    1 Drachme.

  Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  Oder:

    Orangenschalen-Tinktur (~Tincture of Orange Peel~)    4 Drachmen.
    Laudanum-Tinktur (~Tincture of Laudanum~)             2    „
    Doppeltkohlsaure Soda (~Bicarbonate of Soda~)         2 Skrupel.
    Aufguß von Calumba, hinreichend um davon              6 Unzen.

  zu machen.

  Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

  +Anmerkung.+ -- Es ist rathsam, die Behandlung des Nervenfiebers
  nur einem erfahrenen Arzt zu überlassen.


Gehirnfieber oder Gehirnentzündung (~Inflammation of the brain~).

Dies ist unter verschiedenen Namen unter den Aerzten bekannt, allein
der Ausdruck Gehirnentzündung schließt alle die verschiedenen Formen in
sich.

+Ursachen.+ -- Personen von voller Leibesbeschaffenheit, kurzem Nacken,
vollblütig, sind vor allen Anderen zu Anfällen dieser Krankheit
geneigt; die hervorragendsten Ursachen sind Schläge oder das Fallen auf
den Kopf, unmittelbares Aussetzen des Kopfes den Sonnenstrahlen oder
auch starker künstlicher Hitze, lang anhaltendes und hartes geistiges
Arbeiten, Kälte, Ermüdung, Unmäßigkeit, heftige Bewegung, Jähzorn,
das nach Innen Schlagen von Hautkrankheiten, zuweilen auch durch
Krankheit der Knochen des Ohres, Schädelbrüche und Mangel an Schlaf
verursacht. Hin und wieder tritt sie auch während Lungenentzündung,
Scharlachfieber, Rothlauf und Gedärmentzündung ein.

+Symptome.+ Sie kann allmählig oder auch ganz plötzlich kommen,
allgemein aber ist das Erstere. Wo sie allmählig eintritt, ist
der Kranke eine lange Zeit mit Schwere, Niedergeschlagenheit,
Schlaflosigkeit, Schwindel, Ohrenklingen, geringem Appetit, Angst,
Traurigkeit, Reizbarkeit, Singen und Lärmen in dem Kopfe, schreckliche
Träume, Zittern der Glieder, Uebelkeit, Erbrechen geplagt, die Augen
sind mit Blut unterlaufen und sehr empfindlich gegen das Licht.

Schreitet die Krankheit vor, so hat der Kranke mehr oder weniger Frost
und beständig Kopfweh, welches zuweilen außerordentlich heftig wird.
Diesem folgt ein heftiges Fieber, heiße, trockene Haut, ängstlicher
Gesichtsausdruck, fliegende Hitze, die Pupillen des Auges ziehen sich
fast zur Größe eines Nadelstiches zusammen, der Puls schlägt sehr
schnell und stark, schnelles Athmen, heiße, zuweilen feuchte Haut, die
Zunge klebrig und mitunter mit einem weißen Pelz belegt. Der Kranke
leidet stark an Delirien.

Bei weiterem Fortschritt der Krankheit geht das Delirium in Betäubung
über, aus welcher der Kranke nur mit Schwierigkeit zu erwecken ist.
Die Pupillen, die vorher ganz zusammengezogen waren, erweitern sich
jetzt und die Augen verlieren ihren Glanz. Zuweilen tritt Schielen ein
und der Blick wird gedankenlos. Flüssigkeiten im Munde bleiben dort,
ohne daß sie verschluckt werden, oder daß sie der Kranke auslaufen
läßt. Der Kranke zupft an dem Bettzeuge und hascht in der Luft. Das
Gehör ist um Vieles vermindert und alle Sinne sind mehr oder weniger
abgestumpft. Der Urin ist sehr spärlich, wird zuweilen willenlos von
dem Kranken zurückgehalten, in welchem Falle es nothwendig wird, die
Blase zu leeren. Krämpfe können in diesem Stadium an Stelle der großen
Aufregung folgen und Zeichen von großer Schwäche und Erschöpfung werden
wahrgenommen. Der Puls wird schwach, häufig und zuckend, das Gesicht
blaß und eingesunken und die Haut mit einem kalten und klebrigen
Schweiß bedeckt. Der Urin geht ohne Wissen des Kranken ab, der in einem
Zustande von gänzlicher Unempfindlichkeit stirbt.

Dies ist der mehr regelmäßige Verlauf der Krankheit, aber er kann
abweichen und in vielen Fällen mögen einige von diesen Symptomen nicht
vorhanden sein.

In einigen Fällen gehen dem Anfall Krämpfe voraus, bei deren Aufhören
der Kranke ebensowohl bei Bewußtsein als in einem betäubenden Zustande
sein kann. Die Krankheit dauert 24 Stunden bis 7 oder 8 Wochen, der
Durchschnitt ist aber ungefähr 4 bis 5 Wochen.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Kalte Wasser- und Eisumschläge sollten auf den Kopf
  gemacht werden und die Kost muß wie bei allen Fiebern leicht sein.
  Dem Patienten ist geröstetes Brod, Wasser, Gerstenschleim, Limonade
  oder Orangensaft, aber immer nur in kleinen Portionen zu gestatten.
  Während der Wiedergenesung ist die Kost sorgfältig zu ordnen und die
  Eingeweide und Blase ebenso zu bewachen.

  =Homöopathisch.= Kaltes Wasser ist das erste von Wichtigkeit. Es
  sollten hiervon regelmäßige Umschläge auf den Kopf gemacht und das
  Heißwerden des Kopfes verhindert werden. Kaltes Wasser ist dem Eise
  vorzuziehen.

  ~Aconitum.~ -- Wenn der Kranke starkes Delirium hat, brennende
  Schmerzen im Kopfe, besonders in der Stirne, rothes Gesicht,
  blutunterlaufene Augen, heiße, trockene Haut. Tritt nach sechs
  Stunden keine Besserung ein, sollte ~Belladonna~ abwechselnd mit
  ~Aconitum~ gegeben werden, besonders bei folgenden Symptomen: große
  Hitze des Kopfes, rothes und blutunterlaufenes Gesicht, heftiges
  Schlagen der Adern des Nackens und der Schläfe, Trockenheit des
  Mundes, der Zunge und des Halses, erschwertes Schlucken, Uebelkeit,
  Erbrechen, Schwindel, Empfindlichkeit gegen Licht und Geräusch,
  blutunterlaufene und strahlende Augen bei einem wilden Ausdrucke,
  heftiges Delirium, Diarrhöe, stechende Schmerzen im Kopfe, leises
  Murmeln und Krämpfe.

  ~Hyosciamus.~ -- Betäubung, Bewußtlosigkeit, Delirium, jähes
  Auffahren, Singen, Murmeln, Lächeln, Zupfen am Bettzeuge, Versuch zu
  entwischen, unfreiwilliges Ablassen des Urins.

  ~Stramonium.~ -- Gesicht roth, starren Blick, natürliches Schlafen,
  aber bei Krämpfen und Herumwerfen.

  ~Bryonia.~ -- Beständige Neigung zu schlafen, jähes Auffahren aus
  dem Schlafe, Delirium, Aufspringen, Seufzen, Schreien, brennende und
  stechende Schmerzen im Kopfe und kalter Schweiß auf der Stirne.

  ~Bryonia~ kann ferner gegeben werden, wenn ~Aconitum~ und
  ~Belladonna~ angezeigt erscheinen, aber keine Erleichterung gewähren.

  ~Opium.~ -- Schläferigkeit mit schwerem Athem, hell offenen Augen,
  Verwirrung und Schwindel nach Erwachen, Frost oder Gleichgültigkeit
  gegen Alles. Ist der Kranke zu irgend einer Zeit während des
  Krankheit sehr unruhig und schlaflos, kann man alle Stunden eine
  Dosis ~Coffea~ abwechselnd mit ~Belladonna~ geben, während diese
  Heilmittel gegeben werden, muß die Gabe anderer unterbleiben.

  Andere Heilmittel sind ~Zincum~, ~Apis Mellitica~, ~Rhus
  toxicodendron~, ~Lachesis~ und ~Sulphur~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
  in 12 Theelöffel voll kalten Wassers und gieb, der Strenge der
  Symptome angemessen, alle 1, 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Es ist von großer Wichtigkeit, daß die Behandlung
  rechtzeitig früh begonnen wird. Ist der Puls voll, sollte zu
  Aderlässen gegriffen und nicht eher damit nachgelassen werden, bis er
  schwächer wird. Kann man das Blut nicht am Arme entziehen, so sollten
  auf Nacken, Rückgrat und Schläfe 12 Blutegel und mehr gesetzt werden.
  Das Haupt muß rasirt werden und kalte oder Eiswasserumschläge sind
  anzuwenden, auch gestoßenes Eis kann in einen Beutel auf den Kopf
  gelegt werden. Eine volle Dosis, 5-10 Grane geläutertes Quecksilber
  (~Calomel~) mit einer gleichen Menge Jalappenwurzel (~Jalap~) kann
  in diesem Stadium gegeben werden. Zug- und Senfpflaster sind auf die
  Waden zu legen. Wer sich des Calomels nicht bedienen will, nehme
  Folgendes:

    Pulverisirtes Gummi-Gutti (~Pulverized gamboge~)     12 Grane.
    Pulverisirtes Scammonium-Salz (~Pulverized
    Scammony~)                                           12   „
    Springgurke (~Elaterium~)                             2   „
    Purgirkörneröl (~Croton oil~)                         8 Tropfen.
    Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~)          3 Grane.

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden eine Pille
  bis sich die Wirkung einstellt.

  Nachdem das Aufregungs-Stadium vorüber ist und der Kranke schwach
  wird, Puls kaum fühlbar, Gesicht blaß, Hände und Füße kalt, sollte
  Wein oder andere Reizmittel gegeben und Zugpflaster auf den Nacken
  und hinter die Ohren gelegt werden.

  Bei Schlaflosigkeit sind 2 Grane essig- oder salzsaures Morphium
  (~Acetate or muriate of morphine~) in 4 Unzen Wasser aufgelöst und
  davon alle 2 oder 3 Stunden einen Eßlöffel voll, bis Schlaf eintritt,
  zu geben.

  Die Eingeweide sind offen zu halten und nachdem die erste Dosis
  Calomel gegeben wurde, möge man folgendes anwenden:

    Calomel                                             6-8 Grane.
    Brechwurz (~Ipecacuanha~)                             4   „
    Präparirte Kreide (~Prepared chalk~)                  ½ Drachme.
    Fingerhut (~Digitalis~)                               3 Grane.

  Theile es in 12 Pulver und gebe eine hinreichende Menge, die
  Eingeweide offen zu halten.

  Sollte dieses Mittel Erbrechen erregen, so füge man jeder Dosis
  ein Drittel bis zu einem ganzen Gran ~Hyosciamus Extract~
  (Bilsenkraut-Extrakt) bei.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Sobald die ersten Symptome erscheinen,
  nehme man ein Fußbad in warmem Wasser, dem ein wenig Saleratus oder
  Asche beigefügt ist. Dies sollte 2 bis 3 Mal des Tages wiederholt
  werden. Mache kalte Wasserumschläge auf Gesicht, Kopf und Nacken und
  öffne die Eingeweide mit einer Mischung aus gleichen Theilen von
  Alraunwurzel (~Mandrake root~) und (~Cremor tartari~) mit ein wenig
  Gewürznelken (~Cloves~). Sollte Alraunwurzel ohne Wirkung bleiben,
  so kann auch Jalappenwurzel (~Jalap~) mit ~Cremor tartari~ gegeben
  werden. Dies sollte, jeden Morgen und Abend eine Dosis, so lange
  fortgesetzt werden, bis der Kranke außer Gefahr ist. Senfpflaster
  sind auf Kreuz, Nacken und über den Magen aufzulegen.

  Um Schweiß hervorzurufen, bediene man sich gleicher Theile der
  Lobelia, Blutwurzel (~Blood root~) und des Weins der Brechwurz (~Wine
  of Ipecac~) in gleichen Dosen, einmal in einer Stunde. Wenn die
  Tincturen nicht beschafft werden können, mögen diese drei Sachen auch
  in Pulvern, und zwar in Dosen von 6 bis 10 Granen gegeben werden. Ist
  das Kopfweh stark, sollten warme erweichende Umschläge von Hopfen mit
  Essig vermischt aufgelegt werden, und wenn der Kranke unruhig ist und
  nicht schlafen kann, lasse man ihn unbeschränkt Hopfenthee trinken.

  Befindet sich der Kranke in einem betäubten Zustande, und ist nur
  mit Schwierigkeit aus diesem zu erwecken, mag ihm in ein wenig
  Porter oder Ale kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of ammonia~), dem
  ein Viertel-Gran Calomel und ein halbes Gran schwefelsaures Chinin
  (~Sulphate of Quinine~) beigefügt wird, gegeben und kann, so oft als
  erforderlich, wiederholt werden. Man lasse den Patienten Limonade,
  mit ~Cremor tartari~ säuerlich gemachtes Wasser oder grünen Münzthee
  (~Spearmint~), mit ein wenig süßem Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits
  of nitre~) darin, trinken.


Remittirendes oder Gallenfieber (~Remittent or Bilious Fever~).

Diese Krankheit ähnelt dem Intermittirenden- oder Wechselfieber und
entspringt in der Regel aus denselben Ursachen. Beim Wechselfieber aber
kehren die Anfälle zu bestimmten Zeiten wieder und lassen den Kranken
während der Zwischenzeit frei von allen Symptomen, während bei dem
Gallenfieber das Fieber nur nachläßt und bezüglich seines Erscheinens
unregelmäßig ist.

+Ursachen.+ Es wird ohne Zweifel durch Malaria (einen giftigen Dunst,
welcher von verwesenden thierischen und Pflanzenstoffen aufsteigt --
Sumpfluft) verursacht; befällt mehrentheils Personen von schwacher
Verdauung, oder solche, die sich der Unmäßigkeit hingeben. Ueberladen
des Magens, Zorn, Furcht oder Aerger können ebenfalls Ursachen werden.

+Symptome.+ Gewöhnlich gehen Schwäche, Niedergeschlagenheit, sich
Dehnen, Appetitlosigkeit, mehr oder weniger Schmerz im Kopfe, fliegende
Hitze oder Kälte voraus. Diese Symptome können mehrere Tage dauern, ehe
sich die Krankheit vollkommen entwickelt. Die Kälte nimmt stufenweise
zu, bis sie in einen kennbaren Frost übergeht. Diesem Frost folgt eine
fliegende Hitze, und nach Verlauf von 2 bis 3 Stunden wird die ganze
Oberfläche des Körpers heiß. Der Kranke klagt über Schmerz und ein
Gefühl von Vollsein und Schwere im Kopfe, Schmerz in dem Rückgrat und
Gliedern, besonders in den Waden, große Schwäche, beschleunigtes und
schwieriges Athmen, flammendes Gesicht, Hitze und Trockenheit der Haut,
Uebelkeit, Erbrechen und Durst. Der Puls ist voll und dessen Schlag
erhöht, die Eingeweide verstopft und die Zunge mit einem weißen Schleim
belegt.

Das Fieber kann 8 bis 12, ja sogar 24 Stunden anhalten, dann wird die
Haut feucht, der Puls sinkt und der Kranke fällt in einen erquickenden
Schlaf.

Bei harten Fällen aber bleibt die Haut heiß und trocken, der Patient
wird sehr unruhig und das Fieber stellt sich nach Verlauf von wenigen
Stunden von Neuem ein.

Einer der eigenthümlichsten Züge dieser Krankheit ist die gelbliche
Haut und das Weiße des Auges. Dies stellt sich zwischen dem dritten und
fünften Tage der Krankheit, zuweilen auch gleich bei dem Beginn ein.
Der gelbe Eiter kann auf die Oberfläche getrieben werden, so daß ein
weißes Taschentuch, wenn man damit auf die Haut reibt, gelbe Flecke
bekommt.

Die Krankheit kann einige Tage lang oder zwei bis drei Wochen anhalten
und schließlich in ein wirkliches Wechsel- oder Nervenfieber übergehen,
wenn der Kranke nicht wieder genesen sollte. Ungefähr um die Zeit der
Wiedergenesung erscheint ein Ausschlag auf den Lippen, der als ein
günstiges Zeichen angenommen wird.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Kost muß, wie Haferschleim, leichtes Brod,
  schwarzer Thee und geröstetes Brod, Kaffee ohne Milch oder Zucker,
  von der leichtesten Art sein. Der Kranke mag ein Stück Eis in den
  Mund nehmen und Limonade, Aepfel, Wasser oder Wasser mit Corinthen-
  (~Current~) oder mit Brombeer- (~Blackberry~) Saft schmackhaft
  gemacht, trinken. Ein zuweilen sehr zuträglicher Trank wird aus
  schwachem Molasses, Wasser, ein wenig Citronensaft, ein Stück
  Zwieback (~Toast~) und Eis gemacht.

  Dauert die Krankheit fort, kann man Gummi-Arabicumwasser oder
  Gerstenschleim gebrauchen.

  Wenn der Kranke sehr schwach wird und es zeigen sich typhöse
  Symptome, mögen Brühe von Rindfleisch, Milchpunsch oder Wein mit
  Eiern gestattet werden.

  Während der Wiedergenesung erlaube man dem Patienten Brod und Butter,
  Zwieback, gekochten Reis, Fleischbrühen, weich gesottene Eier,
  Austern, gekochtes Huhn oder anderes Geflügel. Das Zimmer muß kühl
  und lichtfrei gehalten werden. Das Bettzeug ist öfters zu wechseln,
  das Zimmer muß täglich gelüftet und die verdorbene Luft durch
  Verbrennen von Zucker, Besprengen des Zimmers mit Lavendelwasser
  (~Lavender~), aromatischen Essig (~Aromatic vin.~) und anderen
  derartigen Mitteln gereinigt werden.

  =Allöopathisch.= Ehe sich das Fieber vollständig entwickelt hat, ist
  es gut, folgendes Brechmittel zu geben:

    Pulverisirte Brechwurz (~Ipecac~)                     1 Skrupel.
    Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~)            10 Grane.
    Wasser                                                2 Unzen.

  Mische es und nimm es auf einmal.

  Oder auch:

    Brechweinstein (~Tartar emetic~)                      1 Gran.
    Brechwurzpulver (~Ipecac powder~)                     1 Skrupel.
    Syrup                                                 1 Drachme.
    Quellwasser                                          10 Drachmen.

  Mische es und nimm es auf einmal.

  Lasse diesem Brechmittel nachstehendes Abführmittel folgen:

    Rochelle-Salz (~Rochelle salt~)                       2 Drachmen.
    Doppeltkohlensaure Soda (~Bicarbonate of soda~)       2 Skrupel.
    Wasser                                                ½ Pint.

  Mische es und füge 25 Tropfen Weinstein-Säure (~Tartaric acid~) bei.
  Das Ganze ist während des Aufbrausens zu nehmen.

  Oder:

    Gepulverte Sennesblätter (~Powdered Senna~)           ½ Unze.
        „      Jalappenwurzel (~Powdered Jalap~)         10 Grane.
        „      Gewürznelken (~Powdered Cloves~)          10   „

  Zu mischen und in versüßtem Wasser auf einmal zu nehmen.

  Bleiben diese Mittel ohne Wirkung auf die Eingeweide, gebe man
  folgendes:

    Sennesblätter (~Senna~)                               ½ Unze.
    Manna                                                 1   „
    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1   „
    Cardamon oder Fenchelsamen (~Cardamon or Fennel
    seed~)                                                2 Drachmen.
    Kochendes Wasser                                      1 Pint.

  Mische es. Dosis: Alle zwei Stunden, bis Wirkung eintritt, ein
  Weinglas voll.

  Wenn sich die Krankheit vollständig entwickelt hat, kann der Kranke
  zwei- oder dreimal des Tages mit kaltem Wasser, seinem Befinden
  angemessen, von oben bis unten gewaschen werden; dabei gebe man eins
  von den folgenden Getränken:

    Cremor Tartari (~Cream of tartar~)                    ½ Unze.
    Zerquetschte frische Citronenschale                   4 Unzen.
    Stückzucker (~Loaf sugar~)                            4   „
    Kochendes Wasser                                      3 Pints.

  Mische und durchseihe es, nachdem es eine Weile gestanden hat.

  Auch:

    Citronen-Säure (~Citric acid~)                        ½ Drachme.
    Doppeltkohlensaure Potasche (~Bicarbonate of
    potash~)                                              ½    „
    Citronen-Syrup (~Lemon syrup~)                        1 Unze.
    Wasser                                                6 Unzen.
    Bittersalz (~Epsom salts~)                            1 Unze.

  Mische es. Dosis: Wenn nöthig alle vier Stunden zwei Eßlöffel voll.

  Um das Fieber zu vermindern, gebe von der Tinktur oder dem
  flüssigen Extrakt der ~Veratrum Viride~ (grüne Nießwurz) oder dem
  zusammengesetzten Pulver von Brechwurz (~Ipecacuanha~) und Opium.

  Während der fieberfreien Zeit, oder nachdem das Fieber vorüber ist,
  gebe man

    Chinin (~Quinine~)                                    1 Skrupel.
    Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~)                  1 Drachme.

  Löse das Chinin in dem Elixir und füge noch 14 Drachmen
  Schlangenwurzel (~Black cohosh~) hinzu. Dosis: 20 Tropfen in ein
  wenig Wasser, einmal in der Stunde.

  Oder:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        12 Grane.
    Aromatische Schwefelsäure (~Aromatic sulphuric
      acid~)                                             24 Tropfen.
    Syrup                                                 1 Unze.
    Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~)               1   „

  Mische es. Dosis: In zwei bis drei Stunden einen Eßlöffel voll.

  =Eclectische und Kräuterkur.= In dem Hitze-Stadium, wenn das Fieber
  ankommt, sollte der Körper häufig mit warmem schwachen Laugenwasser
  gebadet und innerlich folgendes gegeben werden:

    Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~)             ½ Unze.
    Aconit-Tinktur (~Tincture of aconite~)               20 Tropfen.

  Mische es. Dosis: Alle halbe oder ganze Stunde 20 Tropfen in einem
  Theelöffel voll Wasser.

  Nachdem das Fieber unterdrückt und eine fieberfreie Zeit eintritt,
  gebe man eines von den folgenden Mitteln:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        14 Grane.
    Wasser                                                1 Unze.
    Schwefelsäure (~Sulphuric acid~)                     14 Tropfen.

  Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll jede Stunde während der
  fieberfreien Zeit.

  Oder:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        20 Grane.
    Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~)                  1 Drachme.

  Mische es und lasse das Chinin auflösen, dann füge hinzu:

    Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh
      root~)                                              7 Drachmen.
    Jasmin-Tinctur (~Tincture of gelseminum~)             7    „

  Mische es. Dosis: Alle halbe oder ganze Stunde 20 Tropfen in ein
  wenig Wasser.

  Wenn die Eingeweide verstopft sind und die Zunge dunkel belegt
  ist, die Augen und Haut gelblich, kann man der ersten Dosis obiger
  Mischung ¼ Gran von Podophyllum (~Podophyllin~) und 1 Gran
  Leptandrin, das alle sechs Stunden wiederholt werden kann, beifügen,
  bis sich die Wirkung auf die Eingeweide einstellt.

  Ist aber Diarrhöe vorhanden, gebe man folgendes:

    Geranium (~Geranin~)                                  2 Grane.
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~)      ⅛ Gran.

  Nimm es auf einmal und wiederhole es alle 2 bis 4 Stunden, bis sich
  die Zahl der Entleerungen vermindert.

  Bei Schmerz im Unterleib und Empfindlichkeit in der Magengrube
  verbunden mit Uebelkeit und Erbrechen, setze man die mit Chinin
  gemischten Mittel aus und lasse den Kranken nach Belieben einen
  Aufguß von Pfirsichblättern und Altheewurzel (~marsh-mallow root~)
  trinken. Auch lege Senfpflaster auf den Magen, die Eingeweide und
  längs des Rückgrats.

  Columbo-Wurzel (~Calumba root~) zu Thee zubereitet, ist bei dieser
  Krankheit schätzenswerth und kann gegen Erbrechen, das zuweilen
  sehr beschwerlich ist, angewendet werden. Hin und wieder kann das
  Erbrechen auch durch gleiche Theile von Milch und Wasser eingehalten
  werden. Gegen Kopfschmerz mache man Essig- und Wasserumschläge auf
  den Kopf. Ist der Patient fast ganz schlaflos, so bediene man sich
  des Hopfen-Kopfkissens oder lasse ihn Hopfenthee trinken.

  Wenn das Fieber gebrochen ist und der Patient kommt nicht schnell
  zu Kräften, sondern bleibt hinfällig, sind stärkende Mittel
  erforderlich. Zu diesem Behufe nehme man:

  Gelbwurz (~Golden seal~), Wachholderbeeren (~Juniper berries~),
  stachlige Eschenrinde (~Prickly ash bark~), Rinde vom wilden
  Kirschbaum (~Wild cherry bark~), von jedem, grob gestoßen, eine Unze,
  Entenfuß (~Podophyllin~) und Rainfarn (~Tansy~) von jedem eine halbe
  Unze. Gieße zwei Pint kochendes Wasser darüber, decke es zu und lasse
  es eine Stunde lang auf dem Ofen stehen; wenn kalt, füge noch zwei
  Pints Whiskey und ein Pint Molasses hinzu und lasse diese Mischung
  dann für den Gebrauch einige Tage lang stehen. Dosis: Drei- oder
  viermal des Tages einen Eßlöffel voll.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Starkes Fieber, rasend schneller
  Puls, mit einem gelben Schleim belegte Zunge, bitterer Geschmack im
  Mund, Erbrechen eines bitteren, grünlichen Stoffes, Kopfschmerz,
  schlimmer beim Sprechen.

  ~Bryonia.~ -- Besonders im Sommer, bei heißem und feuchtem Wetter
  passend, trockene und weiß oder gelb belegte Zunge, Durst, bitterer
  Geschmack im Munde, Verlangen nach Saurem und Wein, Erbrechen nach
  Trinken, Frost oder Hitze, bei Schwindel, der sich nach dem Trinken
  verschlimmert. Dies kann abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~ gegeben
  werden.

  ~Pulsatilla.~ -- Weiß belegte Zunge, bitterer Geschmack im Munde,
  Appetitlosigkeit, Frost, Mattigkeit.

  ~Nux vomica.~ -- Verstopfung bei häufigen erfolglosen Anstrengungen
  zu Stuhlentleerungen, rheumatischen Schmerzen im Kopf und Körper,
  bitterer und fauler Geschmack im Munde.

  ~Arsenicum.~ -- Kolik oder brennende Schmerzen im Magen und
  Eingeweiden, Empfindlichkeit des Magens gegen Druck, brennende
  Schmerzen auf einem kleinen Fleck im Magen, große Schwäche, das
  Verlangen sich niederzulegen, Erbrechen nach Trinken oder Bewegung.

  ~Chamomilla.~ -- Bitterer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit,
  Uebelkeit und Erbrechen einer grünen, bitteren oder sauren
  Flüssigkeit, Unruhe, Druck im Magen.

  ~Mercurius.~ -- Weiß oder gelblich belegte feuchte Zunge,
  Empfindlichkeit auf der Magengrube und den Eingeweiden, die sich
  des Nachts verschlimmert, Unruhe, Schläfrigkeit bei Tag und
  Schlaflosigkeit des Nachts.

  ~China.~ -- Appetitlosigkeit, Widerwille gegen Speise und Trank,
  Frost und Schauder nach Trinken, Diarrhöe, unverdaute Nahrung. Dies
  kann abwechselnd mit ~Acidum phosphoricum~ gegeben werden.

  ~Colocynthis.~ -- Erbrechen oder Diarrhöe nach Genuß von Speisen,
  Kolik, Wadenkrampf.

  ~Tartarus emeticus.~ -- Beständige Magenübelkeit, Neigung zum
  Erbrechen, leichtes Erbrechen und Diarrhöe. Kann mit ~Bryonia~
  abwechselnd gegeben werden.

  ~Veratrum.~ -- Trockene, gelb belegte Zunge, Erbrechen einer galligen
  Masse, Diarrhöe, Ohnmacht nach Stuhl, schneidende Schmerzen in den
  Eingeweiden.

  ~Cedron.~ -- Frost gegen Abend, darauf Fieber, fast gänzliche
  Schlaflosigkeit und Erbrechen von Galle.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Man gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6
  Kügelchen des betreffenden Mittels oder man löse 12 Kügelchen in 12
  Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.


Intermittirendes oder Wechselfieber (~Intermittent Fever~)

kennzeichnet sich durch die regelmäßig eintretenden Anfälle und die
gänzliche Fieberlosigkeit zwischen denselben. Jeder Anfall besteht aus
drei verschiedenen Stadien, welche regelmäßig auf einander folgen: 1)
das Kalte, 2) das Hitze, 3) das Schweiß-Stadium.

Es gibt verschiedene Arten dieser Krankheit. Das +alltägliche+
(~Quotidiana~) hat alle 24 Stunden einen Anfall. Das +dreitägige+
(~Tertiana~) innerhalb 48 Stunden oder einen Tag um den andern. Das
+viertägige+ (~Quartana~) nach Verlauf von 72 Stunden oder jeden
dritten Tag einen solchen. Es gibt noch andere von Schriftstellern
erwähnte Arten, allein die Symptome und die Behandlung sind ebenso wie
bei den vorhergehenden. Der Zeitraum von dem Ende eines Anfalles bis
zum Anfang eines andern wird die fieberfreie Zeit oder ~Apyrexia~ und
jener von dem Anfange eines Anfalles zu einem andern das ~Interval~
genannt.

+Symptome.+ -- Dem +kalten Stadium+ geht gewöhnlich eine Mattigkeit,
Schwäche, Unbehagen, Strecken, Gähnen, Kopfschmerz, Kreuz- und
Lendenschmerzen voraus. Diese Symptome dauern eine Zeitlang und
jenen folgt ein Gefühl von Frost, besonders in den Gliedern, das
sich nach und nach über den ganzen Körper ausdehnt. Das Gesicht und
die Oberfläche des Körpers werden blaß, eingefallen, und erscheinen
rauh, was mit „Gänsehaut“ bezeichnet wird. Zuweilen ist ein Gefühl
vorhanden, als ob kleine Bäche von Eiswasser langsam den Rücken
hinunter liefen. Der Patient empfindet ein Frösteln und Zittern, ein
Schauer durchdringt den ganzen Körper, die Zähne klappern und die
Heftigkeit des Frostes wird so stark, daß zuweilen dessen Stärke an
der Bettstelle wahrgenommen wird. Das Athmen geschieht rasend schnell
und beschwerlich, Puls schwach, Zunge trocken und weiß, Lippen und
Fingernägel blau, hin und wieder Uebelkeit und Erbrechen. Dieses
Stadium dauert 10 Minuten bis 3 oder 4 Stunden, durchschnittlich aber
ungefähr eine Stunde.

+Das Stadium der Hitze.+ -- Sobald der Frost anfängt nachzulassen,
strömt eine Hitze über den ganzen Körper, die eher angenehm als
anders zu bezeichnen ist. Schließlich hört die Kälte ganz auf und
eine trockene brennende Hitze tritt ein, das Gesicht röthet sich, die
Augen funkeln und der Mund wird trocken und gleichsam gedörrt; die
Schläfe klopfen und heftiges Kopfweh hat sich eingestellt; der Puls ist
ungewöhnlich voll und stark; der Urin ist spärlich und stark gefärbt.
Dieses Stadium kann 2 bis 18 Stunden und länger anhalten.

+Das Schweiß-Stadium.+ -- Schweiß tritt auf die Stirne, Hände und Füße
und erstreckt sich bald über den ganzen Körper. Die Fiebersymptome
und Schmerzen lassen allmählig nach, der Kranke fällt häufig in einen
ruhigen Schlaf und fühlt sich beim Erwachen fast so wohl wie gewöhnlich.

In einigen Fällen mögen diese Stadien abweichen, und eines oder mehrere
von den oben erwähnten Symptomen nicht vorhanden sein, oder wenn sie
vorhanden sind, können nur wenige von ihnen erkannt werden.

Das eintägige Fieber beginnt in der Regel am Morgen, das dreitägige am
Mittag und das viertägige am Nachmittag. Das kalte Fieber stellt sich
gewöhnlich im Frühjahr und Herbst ein und die Anfälle im Herbste sind
die heftigsten.

+Ursachen.+ -- Die Haupt-, wenn nicht die einzige Ursache zum
Wechselfieber ist die Sumpfluft oder Malaria, welche aus der Verwesung
von Pflanzenstoffen entspringt. Die Zeit, die von dem sich Aussetzen
einer solchen Sumpfluft bis zum Ausbruch des Fiebers verstreicht, ist
sehr verschieden. Der Anfall kann sich Monate lang verzögern und dann
durch eine Schwächung des Organismus, durch feuchtes Wetter, durch das
sich der Sonnenhitze bloßstellen, durch Ueberanstrengung, ein kaltes
Bad, oder auch durch eine Dosis eines abführenden Mittels hervorgerufen
werden. Diese vergiftete Luft wird vom Winde fortgetragen und von den
Blättern der Bäume angezogen oder hängt sich an dieselben und es ist
deshalb gut, das Haus mit einer Gruppe von Bäumen zu umgeben.

Die Wirkung des kalten Fiebers, wenn die Krankheit eine Zeitlang
angehalten hat oder ungeschickt behandelt wurde, besteht in einer
Erweiterung der Leber oder Milz, Verdauungsbeschwerden, Wassersucht,
Diarrhöe u.s.w.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Der Kranke sollte in eine trockene Wohnung und in eine
  Gegend, die frei von der Malaria ist, ziehen. Die Kleidung muß warm,
  die Nahrung einfach sein und Unmäßigkeit im Essen und Trinken muß
  ernstlich verboten werden. Während des Anfalles von Kälte, gebe man
  warme Getränke wie Gerstenschleim, schwachen Thee, heiße Limonade,
  Wasser von geröstetem Brod. Erhitzte Steine und Flaschen mit heißem
  Wasser lege man zu den Füßen und längs des Körpers.

  Während des Fiebers entferne man so viel von dem Bettzeug als
  nöthig, um nicht unnöthiges Schwitzen hervorzurufen. Am Ende des
  Schweiß-Stadiums reibe man den Körper mit warmen Handtüchern und
  wechsle das Weißzeug. Während dieses Stadiums lasse man Eiswasser
  trinken. Leute, die besondere Anlage zu dieser Krankheit haben,
  sollten stets Flanell unmittelbar auf der Haut tragen.

  =Allöopathisch.= Vor dem Anfall sollten die Eingeweide durch
  folgendes Mittel geleert werden:

    Sennesblätter (~Senna~)                               3 Drachmen.
    Bittersalz (~Epsom salts~)                            ½ Drachme.
    Manna                                                 ½    „
    Fenchelsamen (~Fennel seed~)                          1    „
    Kochendes Wasser                                      1 Pint.

  Lasse die Mischung eine Stunde lang in einem zugedeckten Gefäße
  stehen und durchseihe es. Dosis: Einen Theetassenkopf voll alle 3
  oder 4 Stunden, bis die Wirkung eintritt.

  Während des Froststadiums bediene man sich heißer Getränke, gebe
  heiße Fußbäder und erwärme das Bett vermittelst Flaschen mit heißem
  Wasser längs des Körpers.

  In dem Hitzestadium gebe man Folgendes:

    Laudanum                                              1 Unze.
    Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~)                      1  „
    Salpetersaurer Spiritusäther (~Spirits of nitric
    ether~)                                               1  „

  Mische es. Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll, ausgenommen die
  Wirkung zeigt sich betäubend, wo es dann in längeren Zwischenräumen
  gegeben werden mag. Zuweilen ist es gut, abwechselnd mit dem
  Vorhergehenden ~Veratrum viride tincture~ (Nießwurz-Tinctur) in Dosen
  von 5 Tropfen zu geben. Während des Schwitzens braucht keine Medizin
  gegeben zu werden.

  Die fieberfreie Zeit ist die beste Zeit zur erfolgreichen Behandlung
  der Krankheit. Sobald das Hitze- und Schweißstadium vorüber sind,
  fange man mit der folgenden Mischung an:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        16 Grane.
    Aromatische Schwefelsäure (~Aromatic sulphuric
    acid~)                                                ½ Drachme.
    Gewöhnlicher Syrup                                    2 Unzen.
    Pfeffermünzwasser (~Peppermint water~)                2   „

  Mische es. Dosis: alle zwei Stunden einen Eßlöffel voll. Bei Kindern
  möge man dem Vorstehenden noch 2 Skrupel Lakritzensaft (~Liquorice~)
  beifügen, um den Geschmack zu verwischen. Während des Fiebers halte
  mit der Medizin ein und verfahre wie bereits angegeben. Ist die
  Krankheit einmal gebrochen, gebe man obige Mischung dreimal des Tages
  ungefähr zwei Wochen lang.

  Ein anderes gutes Mittel ist:

    Chinin (~Quinine~)                                   20 Grane.
    Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~)                  1 Drachme.

  Löse das Chinin im Elixir und füge 12 Drachmen Schlangenwurzel
  (~Black cohosh~) Tinctur hinzu. Dosis: 15 bis 20 Tropfen in ein wenig
  Wasser.

  Spinnenwebe, in Pillen von 5 bis 10 Gran zubereitet mit Syrup oder
  Schleim, während der fieberfreien Zeit alle 2, 3 oder 4 Stunden
  gegeben, wurde von Dr. Condie und Anderen empfohlen.

  Eine andere Behandlungsweise besteht darin, daß ein Brechmittel vor
  dem Anfalle gegeben wird, so daß es bei Eintreten des Froststadiums
  in voller Wirksamkeit ist. Eines der besten Mittel ist eine Abkochung
  von Wasserdost (~Boneset~, ~Eupatorium perfoliatum~), warm, in
  Dosen von einem großen Tassenkopf voll. Der Kranke muß sich im Bett
  aufhalten und wird in einen starken Schweiß verfallen, der in der
  Regel gegen den erwarteten Frost schützen wird.

  Wenn zu befürchten ist, daß, nachdem der Frost einmal gebrochen, ein
  Rückfall eintritt, ist es gut, den Gebrauch des Chinin, in Dosen
  von 4 oder 5 Granen täglich, mehrere Monate hindurch fortzusetzen.
  Wood empfiehlt einen Aufguß von der Rinde des wilden Kirschbaums,
  viermal des Tages in Dosen von einem Weinglas voll. Ebenso ist auch
  ein Aufguß von Wermuth (~Wormwood~), 2-3 Mal des Tages zu nehmen,
  empfohlen.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Während des Froststadiums lasse den
  Patienten unbeschränkt warme Thees von Katzenmünz (~Catnip~), Isop
  (~Pennyroyal~), Wasserdost (~Boneset~), Virginischer Schlangenwurzel
  (~Virginia snake root~) oder schwachen rothen Pfeffer- (~Red pepper~)
  Thee trinken.

  In dem Hitzestadium gebe man ihm kalte Limonade, Wasser mit
  Johannisbeer-Gelee (~Currant jelly water~) u. s. w. Bei Schmerz,
  Uebelkeit und Erbrechen mögen Senfpflaster auf den Magen und
  Unterleib gelegt werden. Gleichzeitig gebe man folgendes:

    Pulverisirten Rhabarber (~Powdered rhubarb~)         12 Grane.
    Saleratus                                             5   „
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~)    1-15 Gran.

  Man nehme dies auf einmal in Pfeffermünzwasser. Dasselbe kann alle
  15 bis 20 Minuten, wenn erforderlich, wiederholt werden. Während
  des Schweißstadiums ist keine Behandlung erforderlich; bei großer
  Schwäche gebe man indessen Branntwein oder Whisky-Punsch (~Toddy~).

  Während der fieberfreien Zeit muß der Organismus gestärkt werden,
  um der Rückkehr des kalten Fiebers Widerstand leisten zu können.
  Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) ist das beste und wird
  ausschließlich zu diesem Behufe angewandt. Folgendes ausgezeichnete
  Mittel wird von Dr. Baum in Louisville empfohlen:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        14 Grane.
    Schwefelsäure (~Sulphuric acid~)                     14 Tropfen.
    Wasser                                                1 Unze.

  Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll in ein wenig kaltem
  Wasser, zwischen den Anfällen. 30 Tropfen Laudanum und 30 Tropfen
  Schwefeläther in ein wenig kaltem Wasser, ehe der Frost eintritt,
  wird zuweilen einen Anfall verhindern.

  Folgende Mittel sind sehr empfohlen und werden in verschiedenen
  Fällen erfolgreich angewendet werden:

    1 -- Chinin (~Quinine~)                              12 Grane.
         Löwenzahn- (~Dandelion~) Extract                 1 Skrupel.
         Schwarz Pfefferöl (~Oil of black pepper~)       10 Tropfen.

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Alle Stunden -- an den
  fieberfreien Tagen -- eine Pille, bis sie alle 12 genommen sind.

    2 -- Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)    1 Skrupel.
         Schwefelsäure                                   20 Tropfen.
         Paregoricum (~Paregoric~)                        1 Unze.

  Löse das Chinin in der Schwefelsäure und füge dann Paregoricum hinzu.
  Mische es und gib durch 6 Stunden jede Stunde einen Theelöffel voll.

    3 -- Schwefelsaures Chinin                            8 Grane.
         Stechapfel- (~Stramonium~) Extrakt               1 Gran.
         Schwefelsaures Morphium                          1  „

  Mische es wohl und theile es in 4 Dosen und nimm jede Stunde eine,
  und zwar 4 Stunden vor dem erwarteten Frost angefangen.

  4 -- Nehme man eine Muskatnuß (~Nutmeg~), lasse sie verbrennen oder
  verkohlen, pulverisire sie, füge einen gleichen Gewichtstheil von
  verbranntem Alaun (~Alum~) hinzu und theile es in 3 Pulver. Reinige
  die Eingeweide mit einer Dosis Salz oder Castoröl und gebe ein
  Pulver, wenn der Frost kommt.

  5 -- Stachlige Eschenrinde (~Prickly ash bark~), wilde
  Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~), Fischfrehme (~Dogwood bark~),
  Schlangenwurz (~Black cohosh~), Virginischer Ehrenpreis (~Black
  root~) oder Akeleiwurzel (~Culver~), Zimmet, Gewürznelken, von jedem
  eine Unze grob gepulvert, und 5 Pints Cider. Lasse es ungefähr 24
  Stunden stehen und gebe 2 Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  6 -- Ein Pint süße Milch und einen großen Eßlöffel voll Ingwer
  (~Ground ginger~), erhitze es über dem Feuer und trinke es ungefähr
  um die Zeit, wenn der Frost kommt. Wiederhole dieses bei jedem
  Frostanfall.

  =Homöopathisch.= ~Acidum nitri~ wird von Professor N. F. Cooke in
  Chicago zur Behandlung dieser Krankheit empfohlen. Mische 12 Tropfen
  dieser chemisch reinen Säure mit 4 Unzen destillirtes Wasser und gib,
  ohne Rücksicht auf den Anfall, alle 3 Stunden einen Theelöffel voll.
  Wenn der Frost nicht wiederkehrt, (so daß zum Beispiel, wenn der
  letzte Frostanfall am Dienstag stattfand, am Mittwoch oder Donnerstag
  ein solcher ausbleibt), gebe die Säure dreimal des Tages eine Woche
  oder 10 Tage lang. Darauf erweitere die Zwischenräume auf zweimal des
  Tages durch 2 Wochen hindurch. Dann einmal einen Tag um den anderen
  und darauf alle 3 Tage. Ist die Behandlung ohne Erfolg, empfiehlt
  Cooke kleine Dosen von Chinin, wie folgt:

  Jede Dosis sollte in einem halben Gran bestehen, und die angenehmste
  Form ist die halbe Gran verzuckerte Pille. Kann man sich dies
  nicht verschaffen, so bediene man sich der Pulver. Nachdem das
  Schweißstadium aufgehört hat, beginne mit einer Gabe Chinin und gebe
  bei alltägigem Fieber alle 2 Stunden eine Dosis, bei dreitägigem
  alle 3 Stunden eine Dosis. Die Gabe wird eingestellt, sobald die
  Symptome des nächsten Frostes erscheinen. Nachdem der Anfall vorüber
  ist, gebe man die Medizin wie zuvor und fahre damit fort, bis der
  Frost gebrochen ist. Während des Anfalls gebe, was immer für Mittel
  angezeigt erscheinen mögen. ~Aconitum~, wenn das Fieber stark ist,
  ~Belladonna~, wenn die Symptome hervorragend sind. ~Bryonia~ bei
  starken Schmerzen in den Knochen.

  Wenn der Frost gebrochen ist, gebe man mehrere Wochen lang ~China~ in
  Dosen, wie bei ~Acidum nitri~ empfohlen.

  Andere Mittel, welche gegeben werden können, wenn es angezeigt
  erscheint, sind folgende:

  ~China.~ -- Gelbliche Haut- und Gesichtsfarbe, während des Frostes
  galliges Erbrechen, Röthe des Gesichts, Herzklopfen; während
  der fieberfreien Zeit gelbliche Gesichtsfarbe, schwache Augen,
  Gedankenverwirrung, Schwindel, Durst, unbehagliches Gefühl in der
  Magengrube, Verstopfung, allgemeine Schwäche. Durst vor oder nach
  dem Froste oder während des Schweißstadiums, kurzer Husten, sehr
  gering, wenn überhaupt vorhanden, Durst während des kalten oder
  heißen Stadiums. Knorre heilte das eintägige Fieber, bei Schwindel,
  Blässe, kalten Händen und Füßen, Erbrechen von Schleim, während des
  Frostschauers Schmerzen im Kopf, in den Seiten und in der Magengrube,
  trockenem, bellendem Husten, Schläferigkeit während des Fiebers, das
  lange und heftig anhält, Verwirrung der Begriffe und Schläferigkeit
  während des Anfalles und der fieberfreien Zeit; Angst, Entmuthigung,
  große Geistesthätigkeit, zuweilen Delirium (Marcy und Hunt). Große
  Schwäche und Hinfälligkeit, der Patient sieht blaß aus und hat
  Mangel an Lebenskraft. Schweiß sogar während der fieberfreien Zeit.
  Wassersucht, Frost in Körpertheilen, Hitze im Kopfe durch das Fieber
  beschränkt und mit Frost gemischt, Durst mit folgendem Schweiße,
  Fieber ohne Frostschauer, bei großem Durst und starkem Schweiß.

  ~Arsenicum.~ -- Aufgedunsenes Gesicht und erdfarben, oder eingefallen
  und gelblich, die Haut brennend heiß und das Gesicht roth während
  des Fiebers, letzteres aber während der fieberfreien Zeit blaß und
  eingesunken; Zittern der Glieder während des Schweißstadiums, Zunge
  bläulich, weiß oder hellroth, Frost und Hitze abwechselnd, brennende
  Schmerzen im Magen, starke Schmerzen in den Gliedern, Rücken,
  Kopf oder Brust während des Fiebers; während des Schweißstadiums
  Schwere des Kopfes, Summen in den Ohren; zwischen dem Frost- und
  Hitzestadium, Mattigkeit, Schwindel, Durst, Uebelkeit, Erbrechen
  und Schlucken, Schweiß während des Schlafes. Hartlaub empfiehlt
  ~Arsenicum~ gegen Frost ohne Durst, dem Fieber mit oder ohne Durst
  und dann Schweiß folgt; vor dem Frost Schwindel, Schmerzen über
  den ganzen Körper, Strecken und Gähnen, Uebelkeit und Erbrechen,
  Beklemmung der Brust; während des Fiebers Delirium, Schmerz im
  Kopfe, Schwindel beim Aufstehen, bitterem Geschmack im Munde, ein
  Schmerz in der Gegend der Leber, während der fieberfreien Zeit,
  blasse Gesichtsfarbe, weiße Zunge, kalten klebrigen Schweiß,
  Appetitlosigkeit, Anschwellen des Unterleibes, große Schwäche.
  Anfälle kommen in der Regel des Morgens oder Abends. Fieber mit
  fliegender Hitze und große Schmerzen der Knochen.

  ~Nux Vomica.~ -- Aeußerliche Hitze bei innerlichem Frost oder
  innerliche Hitze und Frost von Außen. Während des Frostes sind Hände,
  Gesicht, Haut und Nägel blau und kalt; Gähnen und Strecken; eine oder
  beide Wangen roth, dichter Schweiß von säuerlichem Geruch; wenn dem
  ersten Stadium äußerliche und innerliche Kälte und Gähnen folgt,
  Frost am Abend oder Morgen während des heißen Stadiums, Kopfschmerz,
  Schwindel, Uebelkeit, Durst. Schüttelnder Frost mit Durst, dem
  Fieber mit Durst und Schweiß folgt. Bewegung während des Fiebers
  oder Schweißes verursacht Frost. Während der fieberfreien Zeit ist
  Kopfschmerz, Appetitlosigkeit, schlechter Geschmack im Munde, Schmerz
  im Magen nach dem Essen, Verstopfung, viel Durst, Schweiß.

  ~Ipecacuanha.~ -- Vor dem Frost-Stadium Strecken und Mattigkeit bei
  kaltem Schweiße auf der Stirne, leichter Frost, dem große Hitze
  folgt; der Frost nimmt durch äußerliche Hitze zu; Durst nur während
  des Frostes; Beklemmung der Brust; Uebelkeit und Erbrechen. Während
  der fieberfreien Zeit hat die Speise einen bitteren Geschmack,
  Appetitlosigkeit, Erbrechen nach dem Essen, Schlaflosigkeit.

  ~Bryonia.~ -- Wenn vor dem kalten Stadium Schwindel, Kopfschmerz und
  Mattigkeit; -- ferner, wenn das erste Stadium mit starkem Frost,
  Zittern und Hitze im Kopf eintritt; das zweite Stadium mit Hitze
  und Frost abwechselnd, hierauf große Hitze und Durst, krampfartiger
  Husten, stechende Schmerzen in der Seite und im Unterleib; nach
  der Hitze starker Schweiß, Beklemmung der Brust, trockener Husten,
  Neigung zum Schwitzen des Nachts und am Morgen; während der
  fieberfreien Zeit Verstopfung, Durst, gelbliche Gesichtsfarbe und
  Nachtschweiße.

  ~Eupatorium Perfoliatum.~ -- Leichter Frost stellt sich vor dem
  Beginne des ersten Stadiums ein, Schwindel, Schwere und Läuten im
  Kopfe während des kalten Stadiums; theilweiser Frost im Rücken,
  Händen und Füßen; das Hitze-Stadium beginnt mit leichtem Frost
  abwechselnd mit fliegender Hitze, bis das Fieber allgemein wird;
  Uebelkeit und Erbrechen einer galligen Masse am Ende des Frostes.
  Wenn der Frost um 9 Uhr Morgens beginnt bei Schmerzen in den Knochen,
  klopfendem Kopfschmerz während des Frostes und der Hitze; Durst,
  mehrere Stunden vor dem Froste beginnend, der während des Frostes und
  der Hitze fortdauert; wenig oder kein Schweiß, Empfindlichkeit des
  Unterleibes gegen Druck; beständige Neigung zum Schlaf; Nachtschweiße.

  ~Cedron.~ -- Die Anfälle kommen Abends 8 Uhr und folgen einer
  großen Niedergeschlagenheit, drückendem Kopfweh und Stumpfheit
  der Sinne; Mund trocken, großer Durst; Krämpfe, bei Thränen und
  zusammenziehenden Schmerzen in den Armen und Beinen, kaltes Gefühl in
  Händen und Füßen, Herzklopfen und Frostschauer. Diese Symptome halten
  ein bis zwei Stunden an und lassen ein Gefühl von trockener Hitze,
  der ein dichter Schweiß folgt, zurück; voller und schneller Puls;
  rothes Gesicht; in der fieberfreien Zeit kalt und blaß; Durst und ein
  Verlangen nach warmen Getränken. (Marcy und Hunt.)

  ~Pulsatilla.~ -- Langer Frost, wenig Hitze und kein Durst.
  Kennzeichen einer schlechten Verdauung (~dyspepsia~). Der Frost
  beginnt mit Erbrechen. Frost und Hitze kehren zu derselben Zeit an
  jedem Tage zurück. Während des Frostes: Gesichtsblässe, Kopfweh mit
  Schwere; zuweilen Erbrechen mit Schleim und Brustbeklemmung. Während
  der Hitze: Kopfschmerz und Rothsein des Gesichts, aufgedunsenes
  Ansehen, Seufzen, Klagen, ängstliches Athmen, Uebelkeit, Diarrhöe
  mit folgendem Schweiß, Anfall von Ohnmacht und bei dem weiblichen
  Geschlecht Unterdrückung der monatlichen Reinigung. Während der
  fieberfreien Zeit: Kopfschmerz, Kochen des Bluts, Herzklopfen,
  feuchter Husten und eine Neigung zum Weinen.

  ~Natrum Muriaticum.~ -- Heftiges Kopfweh während des Frostes und der
  Hitze, verdunkelter Blick, theilweise Bewußtlosigkeit, Schmerzen
  in den Knochen, gelbliche Gesichtsfarbe, Fieber mit Blasen auf
  den Lippen, Durst während des Frostes, aber noch mehr während der
  Hitze; leichter Frost, Gähnen und Strecken, ohne Durst, dem ein
  starkes Fieber mit Durst folgt; dann Schweiß mit Schläfrigkeit und
  Schlafsucht. (Pulte.)

  ~Ignatia.~ -- Gegen nervöse Anfälle, besonders wenn sie durch Schreck
  hervorgerufen wurden. Durst nur während des Frostes, ebenso Schmerz
  in den Eingeweiden. Das Fieber beginnt am Nachmittage und dauert
  die ganze Nacht hindurch. Das geringste Geräusch erhöht des Kranken
  Leiden.

  ~Veratrum album.~ -- Aeußerlicher Frost und kalter Schweiß, besonders
  auf der Stirne und innerliche Hitze; großer Durst, besonders während
  des Frostes und Schweißes; wässeriges Erbrechen und Diarrhöe,
  leichenartige Farbe des Gesichts; Krämpfe, Delirium, große Angst,
  schnelles Sinken der Kraft.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel voll, auch
  während des Anfalles.


Gelbes Fieber.

Diese Krankheit kennzeichnet sich durch die gelbliche Hautfarbe und
das Erbrechen einer dunkeln Flüssigkeit. Sie ist besonders in warmen
Klimaten vorherrschend und eine Witterung von 79 oder 80 Grad, welche 2
oder 3 Monate hindurch anhält, wurde bisher zu seiner Hervorrufung für
nothwendig gehalten. In der Regel erscheint sie im Spätsommer oder im
Anfange des Herbstes und verschwindet nur mit dem Eintritte des Frostes.

+Ursachen.+ -- Die Verwesung von Pflanzen- und thierischen Stoffen
und Uebervölkerung. Die hervorragendsten Ursachen sind eine zu starke
thierische oder reizende Kost, unregelmäßige Lebensweise, geistige
Angst und Druck, Thränen, Kummer und das Aussetzen gegen Luft und heiße
Sonne.

+Symptome.+ -- Die ersten Symptome sind Schwindel, Schmerzen in dem
Rücken und den Gliedern, Frost, Uebelkeit und ein Gefühl von Ohnmacht.

+Zweites Stadium.+ -- Nachdem die obigen Symptome einige Stunden
lang angehalten haben, tritt eine Rückwirkung ein. Das Gesicht ist
geröthet, die Haut heiß und trocken, die Augen sind roth und funkelnd,
heftige Schmerzen im Kopfe, Rücken und den Gliedern; Unbehaglichkeit
im Magen, sehr schnelles Athmen, Erbrechen einer säuerlichen, galligen
Masse, Mund und Hals trocken, bei großem Durst und zuweilen Delirium,
die Zunge mit einem klebrigen, weißen Schleim überzogen, mit rothen
Rändern, hin und wieder böser Mund, so daß dadurch das Schlucken
erschwert wird. Der Kranke klagt über ein Gefühl von Schwere und
Beklemmung in der Magengrube und der Magen ist sehr reizbar, alles was
verschluckt wird, wieder von sich gebend.

Nachdem diese Symptome 25 bis 36 Stunden angehalten haben, wird dem
Kranken wieder leichter, ausgenommen das höchst unangenehme Gefühl im
Magen, bei Uebelkeit und Erbrechen.

Dieses Stadium kann einige Stunden lang anhalten und kann dabei ein
leichtes Schwitzen vorhanden sein, worauf die früheren Symptome noch
heftiger zurückkehren. Der Magen wird jetzt außerordentlich schmerzhaft
und empfindlich. Unaufhörliches heftiges Erbrechen einer Flüssigkeit
von dunkler Farbe, bei großem Durst. Die Haut und die Augen werden gelb
und der Kranke wird ruhelos und unstät. Die Schmerzen im Kopfe, Rücken
und in den Gliedern sind weniger heftig als zuvor und der Puls, die
Zunge und die Haut können sehr natürlich sein.

Dieses Stadium kann 12 bis 48 Stunden anhalten, dann tritt das letzte
Stadium ein, das sich durch Erbrechen einer grünlichen, gelblichen,
bräunlichen oder claretfarbigen Masse, welche das schwarze Erbrechen
genannt wird, kennzeichnet. Die Temperatur der Haut fällt unter ihren
natürlichen Zustand, der Kranke wird sehr schnell schwach, der Puls
sinkt, die Zunge wird trocken, schwarz und zusammengeschrumpft, das
Athmen unregelmäßig und beschwerlich, Krämpfe befallen die Eingeweide
und die Waden, das Gesicht verzieht sich und verliert seinen lebendigen
Ausdruck, Hände und Füße werden kalt; Diarrhöe, Schweiß, Blutflüsse und
schließlich Krämpfe treten ein.


+Behandlung.+

  ~Eclectische und Kräuterkur.~ Beim Beginn des Anfalles kann ein
  Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia gegeben
  werden, worauf die Eingeweide mit Folgendem, was sehr empfohlen
  worden ist, geleert werden sollten:

    Essig und Castoröl, von jedem                         ½ Weinglas
                                                            voll.
    Salz                                                  1 Theelöffel
                                                            voll.

  Mische es zu einer Dosis und wiederhole es jede Stunde, bis die
  Wirkung eintritt.

  Zur Verminderung des Fiebers sollte kaltes Wasser auf der Oberfläche
  des Körpers angewendet werden, zu welchem Behufe der Kranke in ein
  großes Faß oder irgend ein anderes dazu passendes Gefäß gebracht
  werden muß, Ströme von kaltem Wasser werden über den Nacken und
  Körper des Kranken gegossen, bis das Gesicht blaß wird, worauf der
  Kranke lebhaft abgerieben und in ein warmes Bett geschafft werden
  sollte. Während des Frost-Stadiums der Krankheit lege man ein großes
  Blasenpflaster über den Magen und gebe folgendes:

    Gemeines Fußblatt (~Podophyllin~)                     1 Gran.
    Leptandrin                                            2 Grane.

  Mische es in einem Mörser mit 10 Granen weißen Zuckers und gib es
  auf eine Dosis mit stündlicher Wiederholung. Dies wird das Erbrechen
  vermindern.

  Wenn der Frost eine lange Zeit anhält, lege man den Kranken in ein
  warmes Bad, das mit Senf gemischt ist, wobei Thee von grüner Münze
  (~spearmint~), Katzenmünze (~catnip~) oder Salbei (~sage~) getrunken
  werden sollten, um Schweiß hervorzurufen.

  Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) kann in Dosen von 4 bis
  6 Granen jede Stunde oder alle 2 Stunden gegeben werden. Limonade und
  Cideressig lasse man unbeschränkt trinken. Kann der Magen diese nicht
  behalten, gebe man vermittelst Einspritzung folgendes:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        12 Grane.
    Weinsteinsäure (~Tartaric acid~)                     12   „
    Limonade oder Citronensaft                            1 Unze.

  Mische es und gib es als Einspritzung; wenn nöthig, jede Stunde oder
  alle zwei Stunden zu wiederholen.

  Dr. Nott von Mobile empfiehlt Kreosot (~creosote~) während des
  Fiebers zu geben. Nachdem die Eingeweide geöffnet sind, 20 Tropfen
  Kreosot mit 6 Unzen Minderers Geist (~Spirits of mindererus~) mit
  hinlänglich Alcohol, um den Kreosot zu lösen. Man gebe alle zwei
  Stunden einen Eßlöffel voll. Waschen der Haut mit kaltem Wasser
  und Essig wird die Hitze und Trockenheit vermindern. Auch können
  Senfpflaster längs des Rückgrats gelegt werden.

  Während der fieberfreien Zeit oder bei Sinken der Kräfte sollte mit
  Chinin fortgefahren werden, auch Terpentinöl (~Oil of turpentine~)
  ist mit Vortheil in diesem Stadium angewendet worden. Gebe jede
  Stunde, oder alle 2 Stunden 10-15 Tropfen mit 2 oder 3 Granen
  spanischen Pfeffers (~Capsicum~) in Limonade oder andern säuerlichen
  Getränken.

  Wenn der Kranke sehr hinfällig ist, gebe man das folgende:

    Branntwein (~Brandy~)                                 4 Unzen.
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         ½ Drachme.

  Wozu eine oder zwei Unzen Terpentinöl, wenn nöthig, gefügt werden
  können. Alle halbe Stunde oder jede Stunde einen Theelöffel voll.

  Bei Wiedergenesung muß große Sorgfalt gegen einen Rückfall beobachtet
  werden. Die Kost sollte aus Pflaumen, Datteln (~Tamarinds~) oder
  Aepfelwasser mit ein wenig Wein bestehen. Starke Rindssuppe,
  indischer Mehlschleim, gekochter Reis und andere leichte
  Nahrungsmittel mögen gegeben werden. Als ein stärkendes Mittel dienen
  kalter Aufguß von virginischer Schlangenwurzel (~Virginia snake
  root~), oder ein Aufguß von Buschklee (~Shrubby Trefoil~).

  =Homöopathisch.= Sobald die ersten Symptome erscheinen, sollte
  sogleich ~Ipecacuanha~ gegeben werden, besonders bei Schwindel,
  Frost, Schmerzen im Rücken und in den Gliedern, unbehaglichem Gefühle
  im Magen, Uebelkeit und Erbrechen.

  ~Belladonna.~ -- Rothes und aufgedunsenes Gesicht; Augen hell, roth
  und funkelnd oder starr; Zunge weißlich, gelblich oder bräunlich;
  trockene, brennende Hitze; scharfe, ziehende Schmerzen im Kopf
  bei klopfender, schmerzhafter Schwere, krampfartige Schmerzen in
  dem Rücken und den Gliedern, Druck, krampfartige Schmerzen im
  Magen, Neigung zum Erbrechen oder heftiges Erbrechen während der
  fieberfreien Zeit, Tiefsinn, Niedergeschlagenheit. Bei eintretender
  Rückwirkung große Erregtheit, beständiges Herumwerfen und Angst.

  ~Bryonia.~ -- Haut gelb, Augen roth oder stumpf, glasig oder
  wässerig, Zunge trocken, weiß oder gelb belegt, starker Schmerz
  im Magen, mit Erbrechen besonders nach Trinken, brennender Durst,
  Schmerz in dem Rücken und den Gliedern, Kopfschmerz durch Bewegung
  erhöht, Augen bei Bewegung schmerzhaft, Gefühl von Vollsein und Druck
  im Magen und den Eingeweiden, Angst, Furcht und Besorgniß, Schwinden
  des Gedächtnisses.

  ~Rhus toxicodendron.~ -- Haut trocken und gelb, Augen glasig und
  eingefallen, Zunge trocken und schwarz, Lippen trocken und bräunlich,
  Puls schnell und schwach, Delirium; Betäubung, schnarchendes Athmen,
  beständige Bewegung, unangenehmer Schmerz oder Brennen im Magen,
  Uebelkeit und Erbrechen, die unteren Theile gelähmt, Krämpfe in den
  Eingeweiden, Kolik, Diarrhöe, schwieriges Schlucken oder Schmerz beim
  Schlucken, Begriff stumpf und umwölkt.

  ~Arsenicum.~ -- Gesicht bläulich oder gelblich, Augen blaß und
  eingefallen, Körper kalt, bei kaltem und klebrigem Schweiß, Nase
  zugespitzt, Lippen und Zunge braun oder schwarz, schneller Puls,
  schwach und unruhig oder zitternd, große Hinfälligkeit, dumpfer,
  klopfender oder stechender Schmerz im Kopfe, brennende oder scharf
  ziehende Schmerzen im Magen oder in der Gegend der Leber; steife
  Glieder, häufiger zwingender Stuhl, oder die Entleerungen sind
  schmerzlos und finden ohne Wissen des Kranken statt, Brustbeklemmung,
  schnelles ängstliches Athmen, Krämpfe in den Waden, ziehende und
  krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden, Gefühl als wenn ein
  schwerer Gegenstand auf die Eingeweide drücke, Gedächtnißschwäche,
  Betäubung und Bewußtlosigkeit.

  ~Aconitum.~ -- Im ersten und zweiten Stadium anwendbar, wenn eine
  brennende, trockene Haut, rothe Augen, gegen das Licht empfindlich,
  Gesicht roth, Lippen und Mund trocken, Gefühl von großer Hitze,
  Durst, Schmerzen in den Schläfen, der Stirne oder den Seiten des
  Kopfes, Schwindel beim Aufstehen, große Hitze und Reizbarkeit des
  Magens, kurzes und sehr schnelles Athmen vorhanden sind.

  ~Nux vomica.~ -- Haut gelb, besonders um Nase und Mund, Augen
  entzündet, Ringe um die Augen, Zunge weiß oder gelb belegt, oder
  trocken, aufgesprungen, braun mit rothen Rändern, brennende Schmerzen
  im Magen, Erbrechen einer säuerlichen, galligen Masse, heftiges
  Schlucken, Schwindel, Schmerzen im Kopfe, Zittern der Glieder,
  Verlangen nach Bier, Branntwein oder andern Reizmitteln, Entleerungen
  von einer blutigen oder galligen Masse aus den Eingeweiden, Kälte und
  Krämpfe in den Beinen, große Angst, Todesfurcht, Bewußtlosigkeit und
  Delirium mit Murmeln.

  ~Mercurius.~ -- Gelbe Hautfarbe, Augen roth, die Blutgefäße sind
  angefüllt, Zunge mit dickem weißen Pelz oder trockenem und braunem
  Schleim belegt, starke Neigung zum Schlafe oder Ruhelosigkeit, je
  nach dem Zustand der Nerven, Gefühl von Ermüdung, schnelles Sinken
  der Kräfte, heftiges Erbrechen einer galligen Schleimmasse, brennende
  Schmerzen und Empfindlichkeit des Magens, Kälte der Arme und Füße bei
  Krämpfen.

  ~Veratrum.~ -- Gesicht gelblich oder bläulich, kalt und mit kaltem
  Schweiße bedeckt, Augen trüb, gelblich oder wässerig, Lippen und
  Zunge trocken, braun und aufgesprungen, Schlucken, Kälte der Hände
  und Füße, Entleerungen der Eingeweide, dünn, schwärzlich oder
  gelblich, Zittern, Krämpfe in den Füßen, Händen und Beinen, Sinken
  der Kraft, schwieriges Schlucken, sehr starker Durst, Erbrechen von
  grüner Galle, oder Schleim, oder schwarzer Galle und Blut, Krämpfe im
  Magen, den Eingeweiden und Gliedern.

  ~Sulphur.~ -- Gesicht blaß und gelblich, Puls hart, geschwind und
  voll, Schwindel und starke Schmerzen in dem Kopf, Jucken oder
  brennende Schmerzen in den Augen, Brausen in den Ohren, Schmerzen im
  Rücken und in den Seiten.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Dosis: 6 Kügelchen, oder man löse 20
  Kügelchen in einem halben Bierglas voll Wasser und gebe der Strenge
  der Symptome angemessen, alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden
  eine Dosis.

  =Allöopathisch.= Die Eingeweide sollten mit 10 Gran Calomel geöffnet
  und folgendes gegeben werden:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~)         10 Grane.
    Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~)            1 Skrupel.
    Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
    (~Compound infusion of senna~)                       5½ Unzen.
    Sennesblätter oder Jalappenwurzel (~Tincture of
    senna or jalap~)                                      3 Drachmen.
    Spiritus von flüssigem Salz (~Spirits of sal
    volatile~)                                            1 Drachme.

  Mische es. Dosis: 2 bis 3 Eßlöffel. Dies sollte alle Stunde oder wenn
  nöthig alle halbe Stunde wiederholt werden.

  Anstatt des Calomels kann auch folgendes gebraucht werden:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Cremor Tartari (~Cream of tartar~)                    1  „
    Reines Wasser                                         1 Pint.

  Mische es. Dosis: Ein Weinglas voll.

  Während des Frostes gebe man ein Senf-Fußbad; als Getränk
  Pfeffermünz-, (~Peppermint~) Isop- oder Salbei-Thee. In der
  fieberfreien Zeit oder dem Stadium der Ruhe gebe ein Reizmittel und
  suche durch warme Getränke und die Tinktur von ~Veratrum Viride~ oder
  das folgende Mittel Schweiß hervorzurufen:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        12 Grane.
    Aromatische Schwefelsäure (~Sulphuric acid~)         24 Tropfen.
    Syrup                                                 1 Unze.
    Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~)               1  „

  Mische es und gebe jede Stunde einen Theelöffel voll.

  Während des dritten Stadiums sollte anschließend an das
  Chinin-Präparat (~Preparation of quinine~) Branntwein (~Brandy~)
  nach Ermessen gegeben werden. Ist Schmerz und ein Frostgefühl auf
  der Magengrube vorhanden, sollten Blutegel angesetzt und nach deren
  Entfernung ein erweichender Umschlag auf den Magen gemacht werden.
  Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~) auf die Magengegend
  gesprengt, wird, nachdem es Blasen gezogen hat, hin und wieder die
  Reizbarkeit vermindern.

  Gegen Schmerz im Kopf sind Blutegel an die Schläfe und in den Nacken,
  sowie auch Kaltwasserumschläge sehr zu empfehlen.

  Der aufschäumende Trank des ~United States Dispensatory~ wird die
  Reizbarkeit des Magens vermindern und das Erbrechen einstellen.

  Bei großer Hinfälligkeit und Schwäche möge folgendes gegeben werden:

    Anderthalbkohlensaures Ammoniak (Sesqui-carbonate of
    ammonia)                                              1 Drachme.
    Potaschen-Chlorid (Chloride of potash)                2 Drachmen.
    Laudanum                                              1 Drachme.
    Cinnamon- oder Pfeffermünz-Wasser                    12 Unzen.

  Alle Stunden einen Eßlöffel voll.



Drittes Kapitel.

Geisteskrankheiten.


Hypochondrie, Schwermüthigkeit (~Hypochondria~).

Dieser Geisteszustand ist die Folge von Nervenschwäche und tritt in der
Regel gemeinschaftlich mit Verdauungsbeschwerden auf.

+Ursachen+ mögen eine Herabstimmung und Kraftverminderung des
Nervensystems werden, wie solche durch anhaltendes und angestrengtes
geistiges Arbeiten oder auch durch Ausschweifungen, Unmäßigkeit im
Essen und Trinken, Mangel an Schlaf, große geistige Angst, lang
anhaltenden oder Unterdrückung des regelmäßigen Stuhles entstehen.

+Symptome+ bestehen in Mattigkeit, Verdrossenheit, Mangel an
Willenskraft, Unthätigkeit. Der Kranke leidet Schmerzen im Unterleib
und der Brust, besonders unter der falschen Rippe. Das Gesicht nimmt
einen schwermüthigen Ausdruck an, der Kranke bewacht beständig alle
Symptome und vermeint unter einer Menge von Krankheiten zu leiden,
spricht stets von seiner Gesundheit und glaubt, nicht lange mehr leben
zu können. Er wird von Verdauungsbeschwerden belästigt, leidet an
Verstopfung, Schwindel, Schmerzen im Kopfe, Zunge belegt, Gesichtsfarbe
bleich oder dunkelbraun, Füße kalt und unruhigen Schlaf. Vielleicht
wird er Wochen lang und länger das Bett hüten, fortwährend in der
Einbildung, daß er an einer heftigen Krankheit leidet, und der Versuch,
ihn davon abzubringen, wird ihn mehr oder weniger beleidigen. Dieser
Gemüthszustand kann dauern, bis Personen und Gegenstände gesehen
werden, die gar nicht vorhanden sind, ebenso bildet sich der Kranke
ein, Geräusch zu hören. Ein beständiges Verlangen nach Medizinen für
diese und jene Krankheit äußert sich. Die Hypochondrie ist in der Regel
am Morgen schlimmer und legt sich gegen Mittag und Abend.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Große Sorgfalt muß bei Behandlung solcher Fälle
  beobachtet werden; der Kranke darf weder verspottet, noch sollte ihm
  das Vorhandensein einer Krankheit bestritten werden, da dies seinen
  Zustand nur verschlimmern würde. Man suche vielmehr seine Gedanken
  von düsteren Gegenständen und Vorstellungen abzulenken und neuen,
  zerstreuenden Dingen zuzuwenden, höre die Klagen des Kranken so
  an, als ob sie in Wirklichkeit durch ein ernstes Leiden begründet
  wären. Tägliche Bewegung im Freien, wie Schießen, Reiten und Fischen
  sollte erzwungen werden, und heitere Genossen, die da versuchen,
  ihre Heiterkeit auf das Gemüth des Kranken zu übertragen, sollten zu
  dessen Umgang gewählt werden. Der Leidende muß früh zu Bette gehen,
  auf einem harten Lager schlafen und früh wieder aufstehen, um, wenn
  es das Wetter zuläßt, Bewegung im Freien zu machen. Kalte Bäder,
  denen man ein lebhaftes Reiben folgen läßt, sollten häufig besucht
  werden. Die Kost muß leicht, nahrhaft und fein sein, wobei alle
  Fettigkeiten, Säuren, Spirituosen, Thee und Kaffee zu vermeiden sind.

  Der Magen darf nie überladen und die Speisen müssen gut gekaut
  werden. Unverdaulichkeit, Verdauungsbeschwerden und andere
  Krankheiten, die daraus entspringen mögen, sind je nach ihren
  verschiedenen Anzeichen zu behandeln.

  =Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Bei Uebellaunigkeit,
  Lebensüberdruß, unerquickendem Schlafe, Eingenommenheit des Kopfes,
  heftigen Schmerzen oder einem Gefühle, wie Nadelstiche in das Gehirn,
  beständigem Verlangen, sich niederzulegen, großer Erschöpfung nach
  einem Spaziergange, Anlage zu oder Anwesenheit von Geschwüren.

  ~Sulphur.~ -- Bei Niedergeschlagenheit, Besorgniß wegen seiner
  Geschäfte, Gesundheit und seines Seelenzustandes, Unruhe, ängstlicher
  Ungeduld, körperlicher und geistiger Schlaffheit, Zerstreutheit,
  Vollsein und Beklemmung des Magens, Verstopfung.

  ~Calcarea carbonica.~ -- Bei Niedergeschlagenheit, einer Neigung,
  öfters zu weinen, Angst, Herzklopfen, eingebildetes Unwohlsein und
  Unglück, Wahnsinn und Krankheit, Todesfurcht, Unfähigkeit zum Denken
  oder zur geistigen Arbeit. (Dies, wenn ~Sulphur~ keine Wirkung zeigt.)

  ~Aurum muriaticum.~ -- Bei unerquickendem Schlafe, schreckhaften
  Träumen, Furcht vor einem bevorstehenden Ungemache, gänzlicher Mangel
  an Ehrgeiz und Thatkraft, beständiger Neigung, über eingebildete
  Krankheiten zu grübeln.

  ~Natrum muriaticum.~ -- Niedergeschlagenheit, düstere Ahnungen wegen
  der Zukunft, Lebensüberdruß, Mißmuth, Unfähigkeit zu geistiger
  Arbeit, Kopfschmerz und Mangel an Eßlust, Unverdaulichkeit nach dem
  Essen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Mittel einen
  Tag um den anderen 6 Kügelchen durch 2 Wochen hindurch. Tritt keine
  Besserung ein, so wähle man ein anderes Mittel.

  =Allöopathisch.= Wenn Verstopfung vorhanden ist, lasse man
  zerstoßenen Weizen essen, oder wenn dies nicht entspricht, gebe man
  das folgende Mittel:

    Pulverisirten Rhabarber (~Pulv. rhubarb~)             2 Skrupel.
    Doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of
    potassa~)                                             1    „
    Brechnuß-Extrakt (~Extract of nux vomica~)            5 Grane.

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: zweimal des Tages eine
  Pille.

  Ein Theelöffel voll kalcinirter Magnesia (~Calcined magnesia~) oder
  ein Aufguß von Entenfuß (~Thoroughwort~) wird häufig von gutem
  Erfolge sein.

  Bei vorhandener Schwäche kann eines von den folgenden gegeben werden:

    Flüssiger Extrakt von Sennesblättern (~Fluid extract
    of senna~)                                            1 Drachme.
    Zusammengesetzter flüssiger Enzianextrakt
    (~Compound fluid of gentian~)                         ½    „
    Flüssiger Ingwerextrakt (~Fluid extract of
    ginger~)                                              ½    „
    Aromatischer Ammoniakspiritus (~Aromatic spirits
    of ammonia~)                                          ½    „

  Mische und gib es als eine Dosis in einem Weinglas voll versüßten
  Wassers.

  Oder:

    Aloe (~Aloes~)                                        1 Unze.
    Enzian (~Gentian~)                                    1  „
    Orangenschale (~Orange peel~)                         1  „
    Wachholderbeeren (~Juniper berries~)                  1  „
    Aniskörner, zerstoßen (~Anise-seed, bruised~)         1  „
    Wachholderbranntwein (~Gin~)                          1 Pint.

  Mische und lasse es zwei Wochen lang stehen, dann seie es durch.
  Dosis: Zweimal des Tages einen Eßlöffel voll. Bei Ohnmachten
  und Todesgedanken kann Mutterkrautthee (~Motherwort~) mit einem
  Theelöffel voll Kampfer-Spiritus gegeben werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Sind die Eingeweide verstopft, öffne
  man sie vermittelst einer Mischung von Rhabarber (~Rhubarb~), zwei
  Theile, doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~),
  ein Theil, von dem 3 bis 15 Grane als eine Dosis gegeben und je nach
  Ermessen genommen werden können.

  Wenn sich eine Neigung zu saurem Magen einstellt oder es zeigen sich
  andere Verdauungsbeschwerden, so gebe man Magnesia und präparirten
  Kalk, oder auch zehn Grane Rhabarber (~Rhubarb~) mit ungefähr einem
  Theelöffel voll Magnesia einmal des Tages.

  Als ein stärkendes Mittel möge das folgende angewendet werden:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         1 Drachme.
    Leptandrin (~Leptandrin~)                             1    „
    Weinsteinsäure (~Tartaric acid~)                      1    „

  Alkoholextrakt von Schlangenwurzel (~Black cohosh~) in hinreichender
  Menge. Mische und theile es in vier Gran-Pillen; dreimal des Tages
  eine Pille.


Hysterie, Bauchnervensucht.

Dies ist ein Leiden, welches besonders dem weiblichen Geschlechte von
nervöser oder nervös-sanguinischer Gemüthsart, mit heitern, lebhaften,
heftigen Gefühlen und lebendiger Einbildungskraft eigen ist. Der Name
ist aus dem Griechischen genommen und bezeichnet die Gebärmutter,
wahrscheinlich weil gewisse Störungen des Geschlechtssystems Ursache zu
dieser Krankheit wurden.

+Ursachen.+ Zarte, nervöse Gemüthsbeschaffenheit, Beschränkung
auf schlecht ventilirte und überheizte Zimmer, das Lesen von die
Einbildungskraft aufregenden Büchern, der Besuch von theatralischen
Vorstellungen, enge Schnürbrust, Mangel an Bewegung und Schlaf,
außerordentliche Langeweile, üppige Lebensweise. Als die
hervorragendsten Ursachen können geistige Erregungen, wie Aerger, Zorn,
Kummer, Schreck, enttäuschte Liebe, Aussicht auf Unannehmlichkeiten,
üble Gerüche oder Unverdaulichkeit bezeichnet werden.

+Symptome.+ Ein Anfall von Hysterie folgt in der Regel auf
Niedergeschlagenheit und begleitet Krämpfe von mehr oder weniger
Dauer, sie wird häufiger bei Wittwen und Unverheiratheten, als bei
Verheiratheten gefunden, sowie auch derartige Anfälle wahrscheinlicher
zur Zeit der monatlichen Reinigung, als zu irgend einer anderen
eintreten. In der Regel wird vor oder während des Anfalles ein Gefühl,
als ob eine Kugel von der linken Seite des Unterleibes nach dem Hals
aufstiege, welches ein Gefühl von Ersticken verursacht, wahrgenommen.
Die Kranke weint und lacht abwechselnd oder verschafft sich durch
Schluchzen und eine Fluth von Thränen, sowie durch Ringen der Hände
und Raufen des Haars, Luft. Zuweilen wird der Körper und die Glieder
krampfartig zusammengezogen und die Kranke sträubt sich vielleicht
so heftig, daß die Kraft von mehreren Personen erforderlich ist, um
sie zu halten. Der Kopf wird zurückgezogen und es tritt Delirium oder
Bewußtlosigkeit ein. Es giebt nur wenige Symptome, welche die Krankheit
anzeigen.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Kranke sollte an die frische Luft gebracht und
  die Kleider gelockert werden, so daß ein ungehinderter Blutumlauf
  und freies Athmen stattfinden kann. Kopf und Gesicht wasche man mit
  kaltem Wasser und zuweilen wird das Uebergießen mit einem Eimer
  kalten Wassers den Krampf der Kranken beendigen.

  =Allöopathisch.= Während eines Krampfanfalles gebe man einen
  großen Theelöffel voll flüssigen Baldrianextrakt (~Fluid extract
  of valerian~) in ein Weinglas voll versüßten Wassers, was öfters
  wiederholt werden sollte; oder eine Drachme frisch gepulverter
  Baldrianwurzel, in 4 Pulvern getheilt, wovon als Dosis eines
  gegeben werden kann. Wenn die Kinnbacken geschlossen sind und nicht
  geöffnet werden können, nehme man in die Zipfel einer Serviette 2
  Stücke Eis, ungefähr von der Größe eines Eies, und presse eins auf
  jeder Seite der Kinnbacken, was in der Regel ein Nachlassen des
  Krampfes verursachen wird. Ein Theelöffel voll flüchtigen Salzes
  (~Sal volatile~), Aether oder Stinkasant (~Asa fœtida~) kann, wenn
  zuträglich, gegeben werden. Hin und wieder wird auch eine Priese
  Erleichterung verschaffen. Hält der Anfall eine beträchtliche Zeit
  an, sollte eine Einspritzung, bestehend aus Terpentin, Spiritus,
  Castoröl, Stinkasanttinktur (~Tincture of asa fœtida~), von jedem
  eine halbe Unze mit einem Pint Haferschleim gemacht werden. Während
  der Zeit zwischen den Anfällen muß versucht werden, die Hauptursachen
  zu denselben, wie unregelmäßige Reinigung, Verstopfung oder gestörte
  Verdauung zu entfernen. Die Eingeweide mögen mit nicht zu heftig
  wirkenden Mitteln offen gehalten werden. Bei großer vorhandener
  Schwäche gebe man eins von den folgenden Mitteln:

    Zink-Baldrian (~Valerianate of zinc~)                 8 Grane.
    Baldriantinctur (~Tincture of valerian~)              2 Drachmen.
    Orangenblüthewasser                                  3½ Unzen.
    Rothen Mohnsyrup (~Syrup of red poppies~)             2 Drachmen.

  Mische es. Dosis: Alle 6 Stunden einen Eßlöffel voll.

  Als stärkendes Mittel Folgendes:

    Enzianaufguß (~Infusion of Gentian~)                 5½ Unzen.
    Anderthalb kohlensaures Ammoniak
    (~Sesqui-carbonate of ammonia~)                       ½ Drachme.
    Zusammengesetzte Kardamontinktur (~Compound
    tincture of cardamon~)                                ½ Unze.

  Mische es. Dosis: 2 oder 3 Mal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Oder:

    Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~)             1 Skrupel.
    Pulverisirte Aloe (~Pulverized aloes~)                2   „

  Mische es und mache 20 Pillen daraus.

  Dosis: zweimal des Tages eine Pille. Bei großer Zartheit des
  Rückgrats sollte die Crotonölsalbe (~Croton oil liniment~) angewendet
  werden, bis eine starke Entzündung eintritt.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Bei harten Fällen wird das folgende
  Mittel zuträglich gefunden werden:

    Stinkender Pothos (~Skunk-cabbage root~)              ½ Unze.
    Schildkraut (~Skull-cap~)                             ½  „
    Frauenschuhwurzel (~Ladyslipper root~)                ½  „
    Lobelia                                               ½  „
    Spanischer Pfeffer (~Capsicum~)                       2 Drachmen.
    Alcohol                                               1 Pint.
    Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
    spirits of Lavender~)                                 1 Pint.
    Aether und Ammoniak, von jedem                        4 Unzen.

  Mische und lasse es bei häufigem Umschütteln zwei Wochen lang stehen.

  Dosis: 1 bis 2 Theelöffel voll, so oft als erforderlich.

  In der Zwischenzeit der Anfälle öffne man mit einem der folgenden
  Mittel die Eingeweide:

    Aletridin                                            12 Grane.
    Senegin (~Senecin~)                                  12   „
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         6   „

  Mische und theile es in 12 Pillen. Dosis: 3 Mal des Tages eine Pille.

  Oder:

    Belladonnaextrakt                                    1½ Grane.
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         6   „
    Alkoholextrakt von Schlangenwurzel (~Alcoholic
    extract of black cohosh~)                            18   „

  Mische und theile es in 12 Pillen. Dosis: 3 Mal des Tages eine Pille.

  Eine Pille aus Entenfuß- (~May-apple~) Extrakt mit ein Wenig Chinin
  (~Quinine~) oder gestoßenen Gewürznelken (~Cloves~) zusammengesetzt,
  sollte jeden Abend oder einen Abend um den anderen genommen werden.
  Ein gelindes Brechmittel einmal in der Woche aus gleichen Theilen der
  Lobelia und Brechwurz (~Ipecacuanha~) mit Isop- (~Pennyroyal~) Thee,
  wird zuträglich gefunden werden.

  Wenn der Kranke schwach ist, kann auch ein Pulver aus Narde
  (~Spikenard~), Enzian (~Gentian~), Camillen- (~Chamomile~) Blüthe
  zusammengesetzt, mit ein wenig Gewürznelken (~Cloves~) oder Muskatnuß
  (~Nutmeg~) in Wein oder Spiritus gegeben werden.

  =Homöopathisch.= Wenn der Anfall von Verstopfung herrührt und
  zugleich von einem bitteren sauren Geschmack im Munde begleitet wird,
  bei Vollheit und Schmerz im Magen, Uebelkeit, Schwäche, Kopfschmerz,
  Schwindel, sollte ~Nux Vomica~ Abends und ~Sulphur~ Morgens gegeben
  werden.

  ~Pulsatilla~, ~Sabina~, ~Silicea~. Wenn der Anfall von einer Störung
  des Geschlechtsorganismus herrührt.

  ~Ignatia~, ~Hyosciamus~, ~Belladonna~ und ~Coffea~. Wenn der Anfall
  eine starke geistige Aufregung, wie Aerger oder Schrecken, zur
  Ursache hat.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Während der Anfälle gebe von dem
  gewählten Heilmittel eine Lösung von 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
  voll Wasser. Dosis: Alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel voll.

  In der Zwischenzeit der Anfälle werden alle 12 Stunden 6 Kügelchen
  hinreichend sein.


Melancholie, Trübsinn

ist eine krankhafter Zustand, unter dessen Einfluß der Kranke
niedergeschlagen, mürrisch, wunderlich ist, oder wo er unter der
Einbildung einer Schuld, eines großen Verbrechens, das er sich gegen
den Himmel oder die Menschen zu Schulden kommen ließ, leidet. Der
Appetit ist veränderlich, Stimme schwach, Puls tief und der Schlaf
unvollkommen. Dessen Behandlung ist fast dieselbe, als die der
Hypochondrie, auf die wir verweisen.


Manie, Irr- oder Wahnsinn

ist eine Störung des Geistes, die sich verschiedenartig äußert. Die
Symptome sind so zahlreich und so verschieden, daß es unmöglich ist,
irgend eine Beschreibung davon zu geben.

+Ursachen.+ Unter den zahlreichen Veranlassungen hierzu mögen Schläge
auf den Kopf oder Rückgrat, Schlagfluß, Lähmung, heftige geistige
Aufregung, wie großer Aerger, Eifersucht, Furcht, religiöse Aufregung,
geschlechtliche Ausschweifungen und Verdauungsbeschwerden hervorgehoben
werden.

+Behandlung+ -- sollte nur einem dazu befähigten Arzte oder den
Instituten für derartige Kranke überlassen werden.



Viertes Kapitel.

Krankheiten des Kopfes.


Congestion oder Blutandrang nach dem Kopfe.

Viele Personen leiden an sogenanntem Blutandrang nach dem Kopfe. Es ist
dies ein Zeichen von Blutüberfluß oder gestörtem Blutumlauf und kann
auch als ein Kennzeichen von Neigung zu einem Schlagfluß betrachtet
werden.

+Ursachen+ -- können von einer Krankheit des Herzens, Schwächung durch
Blutflüsse, Unverdaulichkeit, Verstopfung und geistiger Anstrengung
herrühren.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Bei Verstopfung der Eingeweide gebe man
  Salz, oder Salz mit Sennesblättern (~Senna~), oder auch Castoröl.
  In einem ernsten Falle sollte ein warmes Fußbad gegeben und ein
  Senfpflaster auf den Unterleib gelegt werden. Nachdem Linderung
  eingetreten ist, sollten die Eingeweide in Ordnung, die Füße warm und
  die Haut in einem gesunden Zustande erhalten werden. Die Kost muß
  einfach sein. Folgendes wird als ein vortreffliches Linderungsmittel
  gefunden werden:

    Belladonna-Tinktur                                    ½ Unze.
    Stechapfel- (~Stramonium~) Tinktur                    ½  „
    Blutwurzel- (~Blood root~) Tinktur                    1  „

  Mische es und nimm 20 Tropfen einmal des Tages.

  =Homöopathisch.= Der Kranke muß sich aller spirituosen Getränke, des
  Kaffees und Thees enthalten und häufig Waschungen mit kaltem Wasser
  vornehmen.

  ~Aconitum~ -- ist das erste Mittel gegen Kopfschmerz, besonders bei
  einem Schmerz über den Augen, als wenn der Kopf springen wollte,
  fühlbarer beim Bücken oder Husten.

  ~Belladonna~ -- allein oder abwechselnd mit ~Aconitum~, wenn der
  Schmerz mehr auf der rechten Seite des Kopfes, oder bei einem
  heftigen Drucke auf die Stirne, welcher bei Bewegung, Geräusch und
  Licht zunimmt, sowie auch bei Summen in den Ohren.

  ~Opium.~ -- Wenn der Anfall durch Schreck oder das Trinken von kaltem
  Wasser, wenn erhitzt, hervorgerufen wird mit folgenden Kennzeichen:
  Schwindel, Summen in den Ohren, Betäubung, bei vom Kopfe strömendem
  Schweiß, auch anwendbar in jenen Fällen, wo lang anhaltende
  Verstopfung vorhanden, die sehr hartnäckig ist, während der Kranke
  gar kein Verlangen nach Stuhl hat.

  ~Coffea.~ -- Wenn der Anfall durch große Freude -- oder bei Kindern
  durch das Zahnen, Schlaflosigkeit und Gemüthsbewegung hervorgerufen
  wird.

  ~Nux vomica.~ -- Sind anhaltendes Studiren, Trinken von Spirituosen
  oder heftiger Zorn die Ursache; auch bei vorhandenem schmerzhaften
  Gefühle im Kopfe beim Gehen oder Bewegen, Druck in den Schläfen,
  matten Augen, verstopften Eingeweiden mit erfolglosem Verlangen nach
  Entleerung, verschlimmerten Symptomen am Morgen oder im Freien.

  ~Bryonia.~ -- Bei schmerzhaftem Druck in den Schläfen oder einem
  Gefühle beim Bücken, als ob etwas aus den Schläfen fallen wollte, bei
  Nasenbluten ohne Linderung.

  ~Rhus toxicodendron~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe alle 15 Minuten bis eine halbe oder 2 Stunden der
  Strenge der Symptome angemessen einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Folgendes möge gegeben werden:

    Minderers Geist (~Spirit of mindererus~)              2 Unzen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    1 Unze.

  Mische es und nehme dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  Eine Dosis von einem gelinden Mittel wie Castoröl, Salz, oder Salz
  mit Sennesblättern (~Senna~) sollte am Abend und dem darauffolgenden
  Morgen gegeben werden.

    Rochelle-Salz                                         2 Drachmen.
    Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~)      2 Skrupel.
    Wasser                                                ½ Pint.

  Mische es.

  Dieser Mischung füge

    Weinstein-Säure (~Tartaric acid~)                    35 Grane.

  hinzu und nehme das ganze während des Aufschäumens.


Schwindel (~Vertigo~)

ist in der Regel einer Ueberfüllung der Blutgefäße des Kopfes
zuzuschreiben und mag ein Symptom von Verdauungs-Störung, Hysterie,
Schlaganfall oder Epilepsie sein.

+Ursachen+ -- sind in der Regel ein in Unordnung gekommener Magen,
übermäßige Entleerungen; zu starke Befriedigung in Spirituosen und
Betäubungsmitteln, Opium, oder Fallen und Schläge auf den Kopf.

+Symptome.+ -- Der Kranke wird plötzlich von einem schwimmenden Gefühle
im Kopfe befallen, Alles erscheint matt und als ob es sich herumdrehe,
was ein Taumeln und eine Neigung zum Fallen verursacht. Der Anfall
dauert nur einige Augenblicke lang.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schwindel mit Uebelkeit und
  Erbrechen, umwölktes Auge und Verlust des Bewußtseins.

  ~Pulsatilla.~ -- In Unordnung gekommener Magen bei Uebelkeit und
  Erbrechen, Ekel gegen Nahrung, Schwindel beim Herumblicken.

  ~Arnica.~ -- Schwindel nach Ueberladung des Magens, oder während des
  Essens, mit Uebelkeit, Verdunklung des Blickes und rothem Gesicht.

  ~Nux vomica.~ -- Schwindel während oder nach dem Essen, oder während
  eines Spazierganges im Freien, beim Bücken oder Nachdenken, des
  Morgens schlimmer als am Abend und wenn auf dem Rücken liegend,
  ein Gefühl, als ob sich alles um Einen herumdrehe, Ohnmachten und
  Verlieren des Bewußtseins.

  ~Opium.~ -- Wenn der Anfall von Schreck verursacht, bei Zittern,
  Verdunkelung des Blickes, Schwindel, beim Aufstehen stärker und den
  Kranken zum Niederlegen zwingend.

  ~Mercurius.~ -- Am Morgen und Abend stärkerer Schwindel,
  verschwommener Blick beim Aufheben des Kopfes, Verlangen, sich
  niederzulegen.

  ~Bryonia~ -- kann bei denselben Symptomen gegeben werden, besonders
  wenn beim Bücken und Wiederaufrichten ein Gefühl von Blutandrang
  wahrgenommen wird.

  ~Ipecacuanha.~ -- Schwindel und Taumeln beim Gehen.

  ~Belladonna.~ -- Flimmern der Augen bei Bewegung, beim Bücken
  zunehmend, theilweises Verlieren des Bewußtseins.

  ~Antimonium Crudum.~ -- Uebelkeit und Erbrechen, Abneigung gegen
  Speise, Magen in Unordnung. Diesem kann man ~Pulsatilla~ folgen
  lassen.

  ~Sulphur.~ -- Schwindel des Morgens oder Abends, beim Ersteigen einer
  Anhöhe, oder nach dem Essen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden 6
  Kügelchen von dem gewählten Mittel. Dies wird in der Regel zur
  Linderung hinreichen, oder es ist ein anderes Heilmittel erforderlich.

  =Allöopathisch.= Wenn Verdauungsbeschwerden dem Schwindel zu Grunde
  liegen, sollte der Kost Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bei
  Verstopfung öffne die Eingeweide mit Kaltwassereinspritzungen oder
  gebe folgendes:

    Castoröl                                              1 Unze.
    Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~)               2 Unzen.
    Gewöhnlicher Syrup                                    ½ Unze.
    Ein Eidotter.

  Mische und nimm es auf einmal.

  Oder auch:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Cremor Tartari                                        1  „
    Reines Wasser                                         1 Pint.

  Mische es. Ein Weinglas voll zweimal des Tages.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wird der Schwindel durch Magenunordnung
  verursacht, kann ein Abführmittel wie pulverisirter Entenfuß
  (~Powdered May apple~), oder Thee von Isop (~Penny royal~),
  Pfeffermünz (~Peppermint~), Salbei (~Sage~) oder Balsam gegeben
  werden.


Schlagfluß (~Apoplexy~).

Dieses Leiden kennzeichnet sich durch einen plötzlichen, mehr oder
weniger vollständigen -- Verlust des Bewußtseins und der freien
Bewegung, ohne den Blutumlauf oder das Athmen zu unterbrechen. Es wird
durch einen Druck auf das Gehirn hervorgerufen.

+Ursachen.+ -- Was immer einen Andrang des Blutes nach dem Gehirn
veranlaßt, wie heftige Bewegung, Unmäßigkeit im Essen und Trinken,
der Gebrauch von Betäubungsmitteln, plötzliche und große geistige
Aufregung, wie Furcht oder Aerger, üppige Lebensweise, übertriebene
Anwendung von Reizmitteln, Mangel an Bewegung, Unterdrückung von
Nasenbluten, übermäßige geistige Anstrengung, allgemeine Hinfälligkeit,
Schwäche nach großer körperlicher Anstrengung, Krankheit oder hohes
Alter. Auch Krankheiten des Herzens und der Schlagadern, sowie der
Lungen können die Veranlassung dazu werden. Ferner kann derselbe auch
erblich übertragen worden sein. Leute mit großen Köpfen, kurzem Halse,
rothem und blutunterlaufenem Gesichte sind besonders zu Anfällen
geneigt.

+Symptome.+ -- Obgleich der Anfall zuweilen ganz plötzlich eintritt,
so gehen doch in der Regel Symptome voraus, die auf dessen Annähern
schließen lassen. Zu diesen zählen große Neigung zum Schlafe --
unerquickender und durch Träume unterbrochener oder langer und schwerer
Schlaf -- mit mühsamem und tiefem Athmen, beständigem dumpfem Schmerz
im Kopfe, mit einem Gefühl von Gewicht und Schwere, Schwindel, häufige
Anfälle von Alpdrücken, heftige Schmerzen im Gehirn, die Stirnadern
dick und angeschwollen, die Adern des Halses und der Schläfe heftig
pulsirend, heißer Kopf, Läuten und Summen in den Ohren, Flimmern vor
den Augen, zur Nachtzeit Krämpfe in den Beinen, beständige Neigung
zum Seufzen, Verlust des Gedächtnisses, Reizbarkeit des Gemüths, ein
Gefühl von Erstarren der Beine und Füße, das Niederfallen des oberen
Augenlids, veränderlicher Gang, Unregelmäßigkeit in dem Zusichnehmen
der Nahrungsmittel, unnatürliche Eßlust, Verstopfung und andere
Kennzeichen einer schlechten Verdauung.

Hat der Kranke einen Anfall, so ist das Gesicht gewöhnlich stark
gefärbt, die Redeweise wird verwirrt, das Gehör vermindert sich und ein
plötzliches Zusammensinken, gleichzeitig mit Verlust des Bewußtseins,
mehr oder weniger des Gefühls oder der freien Bewegung tritt ein.

In anderen Fällen wird der Kranke plötzlich von einem Schmerz im Kopfe
befallen, wird blaß, schwach und ohnmächtig, erbricht sich und sinkt
in einem halb bewußtlosen Zustande nieder, der Puls ist schwach und
eine Verzuckung kann eintreten. Diese Betäubung kann einige Minuten bis
mehrere Tage anhalten und wenn sie nicht mit dem Tode endet, so wird
doch die Genesung nur allmählig vor sich gehen.

Bei der Wiedergenesung wird in der Regel beobachtet werden, daß die
Muskeln auf der einen Seite des Körpers gelähmt sind, was nach einigen
Stunden verschwinden, aber auch Monate und Jahre anhalten kann. Der
Geist ist zuweilen geschwächt und das Gedächtniß mehr oder weniger
mangelhaft.

Schlagfluß kann von Epilepsie durch die bei dem ersteren vorhandenen
Verzuckungen unterschieden werden. Bei Epilepsie findet man in der
Regel Schaum vor dem Munde, Knirschen mit den Zähnen und ein Geschrei,
das dem Bellen eines Hundes gleicht. Das Athmen findet hierbei sehr
laut und schnarchend statt.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Der Kranke sollte in einen kühlen luftigen Raum
  geschafft werden. Die Kleider um den Hals müssen entfernt und der
  Kopf erhöht werden. Uebergießen des Kopfes und Halses mit kaltem
  Wasser wird sehr zuträglich sein, ebenso starkes Reiben der Fußsohlen.

  =Allöopathisch.= Ein Abführmittel bestehend aus 10 bis 15 Granen
  Calomel sollte das Erste sein. Kann der Patient nicht schlucken,
  so sollte der hintere Theil der Zunge mit 2 bis 3 Tropfen Crotonöl
  eingerieben und eine Einspritzung, bestehend aus 2 oder 3 Eßlöffel
  gewöhnlichen Salzes und ein wenig Oel oder Butter in einem Pint
  warmen Wassers gemacht und alle 2 Stunden wiederholt werden.

  Folgendes ist als eine gute Einspritzung zu empfehlen:

    Castoröl                                              1 Gill.
    Pulverisirter Cayennepfeffer                         10 Grane.
    Molasses                                              1 Gill.
    Salz                                                  1 Theelöffel
                                                            voll.
    Warmes Wasser                                         1 Pint.

  Wird der Kranke kalt, oder der Puls klein und schwach, das Gesicht
  von Schmerz verzogen und die Haut blutlos, so sollten warme Flanells
  und heiße Steine auf die Oberfläche des Körpers gebracht und
  folgendes gegeben werden:

    Flüchtiges Salz (~Sal volatile~)                      ½ Drachme.
    Kampher-Wasser                                        1 Unze.

  Mische es.

  Wenn der Kranke schlucken kann, gebe man ein Abführmittel von einem
  Aufguß aus Sennesblättern mit schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate of
  magnesia~), Kaltwasserumschläge oder Blasen mit Eis auf den Kopf
  werden zuträglich sein. Um spätere Anfälle zu verhindern, sollte der
  Kranke der Kost Sorgfalt zuwenden und die Verstopfung der Eingeweide
  zu verhüten suchen, täglich Bäder nehmen, jede Aufregung, sowie
  körperliche und geistige Anstrengung vermeiden. Das Trinken von
  betäubenden Getränken muß unterbleiben und die Kleidung warm und
  bequem sein.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Waschungen des Kopfes und Gesichts mit
  kaltem Wasser, und ein Bad der Beine und Füße in warmem Wasser, dem
  pulverisirter Senf oder Pfeffer beigefügt wird, ist sehr zuträglich.
  Wenn sich der Kranke nicht schnell wieder erholt, kann eine
  Einspritzung von dem folgenden gemacht werden:

    Castoröl                                              1 Gill.
    Zusammengesetzte Tinktur der Lobelia und des
    spanischen Pfeffers (~Compound tincture of
    Lobelia and Capsicum~)                                2 Drachmen.
    Warmes Wasser                                         1 Pint.
    Molasses                                              1 Gill.
    Feines Salz                                           1 Drachme.

  Mische und verwende es zu einer Einspritzung, was alle 15 Minuten,
  wenn nothwendig, wiederholt werden kann.

  Ein oder zwei Tropfen Crotonöl auf ein Stück Zucker, das so weit als
  möglich nach hinten auf die Zunge geschoben wird.

  Wird der Anfall durch Trunkenheit hervorgerufen, kann ein Brechmittel
  von Salz, Senf oder Lobelia gegeben werden.

  Um Schweiß hervorzurufen, gebe man ~Composition powder~ und lasse
  Isop- (~Pennyroyal~) oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee trinken.

  Ist Opium die Ursache des Anfalles, so muß der Kranke starken Kaffee
  trinken und gezwungen werden, zwischen zwei Begleitern eine lange
  Zeit hindurch zu gehen.

  Nach der Erholung sei man in Bezug auf Kost und Kleidung sehr
  vorsichtig, vermeide alle starkgewürzten Speisen, Wein und
  Spirituosen, bade häufig und mache viel Bewegung im Freien.

  =Homöopathisch.= Wenn Gift vermuthet wird, so sollte es durch
  ein starkes Brechmittel, wie schwefelsaures Zink (~Sulphate of
  zinc~), oder durch die Magenpumpe entfernt werden. Ist ~Opium~ oder
  ~Belladonna~ die Ursache, gebrauche man starken Kaffee.

  ~Opium.~ -- Trifft der Anfall alte Leute, begleitet mit Summen in den
  Ohren, Harthörigkeit, Röthe des Gesichts, Unfähigkeit zu antworten,
  Schwierigkeit beim Aufstehen, mühsames und schnarchendes Athmen,
  kalter Schweiß im Gesicht, starkes Pulsiren der Adern an den Schläfen.

  ~Belladonna.~ -- Gesicht geschwollen, bläulich oder dunkelroth,
  Anschwellen der Adern des Kopfes und Halses, die Pupillen
  erweitert und die Augen mit Blut unterlaufen, Knirschen der Zähne,
  Unterdrückung oder unfreiwillige Entleerung des Urins. Wenn sich der
  Kranke erst wieder etwas erholt, kann dieses Mittel gegen Schwindel,
  klopfende Schmerzen, Schwere und Druck, krampfartige Schmerzen im
  Gesicht und in den Gliedern, Brausen in den Ohren, Verstopfung,
  Erhöhung der Schmerzen bei Bewegung oder Berührung gegeben werden.

  ~Coffea.~ -- Schlagfluß bei nervösen Personen durch heftige
  Bewegungen verursacht.

  ~Aconitum.~ -- Andrang oder plötzliches Schießen des Blutes nach dem
  Kopfe, Summen in den Ohren, tödtliche Blässe des Gesichts, Schmerz im
  Kopfe und Erbrechen, brennende und klopfende Schmerzen in der Stirn
  und den Schläfen, Pupillen der Augen erweitert, Gesicht geschwollen,
  roth und erhitzt, Lähmung der Zunge, Schwierigkeit beim Schlucken.

  ~Nux vomica.~ -- Bei Personen von sitzender Lebensweise, oder jenen
  die gewöhnt sind, Spirituosen zu trinken, besonders bei Kopfschmerz
  auf der rechten Seite, Schwindel kann dasselbe abwechselnd mit
  ~Opium~ gegeben werden.

  ~Hyosciamus.~ -- Der Kranke stürzt plötzlich mit einem heftigen
  Schrei zusammen, Verzuckungen, mühsames Athmen, dem Anfalle folgt
  Mattigkeit und zeitweilige Bewußtlosigkeit, Neigung zum Schlaf, oft
  und zu lang, Erschrecken, Auffahren aus dem Schlaf, der Körper mit
  übermäßigem Schweiße bedeckt, häufige Anfälle von Schwindel, Gesicht
  schwarzgelb, Stimmung traurig und gereizt, Augen roth, funkelnd,
  starr und aus den Höhlen hervortretend.

  ~Arnica.~ -- Bei Beschädigungen des Kopfes, die Schlagfluß
  herbeiführen.

  ~Mercurius.~ -- Schmerz im Kopfe und ein Gefühl, als ob derselbe
  springen wollte, Unbehaglichkeit und Schwere in den Gliedern, Anfälle
  von Verlust der Sehkraft, Summen in den Ohren. Dies kann nach
  ~Belladonna~ gegeben werden.

  ~Ipecacuanha.~ -- Wenn die Ueberladung des Magens mit zu reicher
  Nahrung die Ursache ist.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Löse 15 Kügelchen in 12 Theelöffel
  voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 20 Minuten während des
  Anfalles, nach dem Anfalle alle 2 oder 3 Stunden einen Theelöffel
  voll.


Gehirn-Entzündung.

Zur Behandlung dieser Krankheit siehe zweites Kapitel -- „Gehirnfieber.“


Sonnenstich (~Sun Stroke~)

gleicht in vielen Beziehungen dem Schlagfluß und wird durch
unmittelbares Aussetzen des Kopfes den Sonnenstrahlen verursacht. Der
damit Befallene sinkt in einem bewußtlosen Zustande nieder und stirbt,
wenn nicht schleunige Hilfe geschafft wird.

+Symptome.+ -- Schwindel, Durst, zuweilen Fallen, schweres Athmen.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Man schaffe den damit Befallenen an einen kühlen,
  schattigen Platz, entferne jede Kleidung um den Hals und übergieße
  eine lange Zeit beständig Kopf und Hals mit kaltem Wasser.

  Reibe den Körper und die Glieder kräftig mit der Hand.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Sobald der Kranke schlucken kann,
  sollte ein Abführmittel wie ein halber Theelöffel voll Jalappenwurzel
  (~Jalap~), oder ein Viertel-Theelöffel voll Cremor Tartari (~Cream
  of tartar~), das der Jalappenwurzel beigefügt werden kann, gegeben
  werden. Castoröl ist hin und wieder von gutem Erfolge.

  Gegen die Wirkungen, die der Sonnenstich zurückläßt, kann folgendes
  gegeben werden:

    Belladonna-Extrakt (~Extract of Belladonna~)          5 Grane.
    Schlangenwurzel-Alcohol-Extrakt (~Alcoholic extract
    of black cohosh~)                                    40   „
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        20   „
    Entenfuß (~Podophyllin~)                             10   „

  Mische es und theile es in 40 Pillen. Dosis: 3 Pillen des Tages.

  Oder:

    Stachelige Eschenrinde (~Prickly ash bark~)           1 Unze.
    Rothen Hühnerdarm (~Red chickweed~)                   1  „
    St. John’skraut (~St. John’s wort~)                   1  „
    Weiße Kamille (~White weed~)                          1  „
    Kochendes Wasser                                      1 Quart.

  Lasse es 5 oder 6 Stunden nahe am Feuer erweichen. Dosis: 3 oder 4
  Mal des Tages ein Weinglas voll.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Alle 15 Minuten eine Dosis.

  ~Belladonna.~ -- Bei stark vorhandenem, stoßenden, brennenden,
  ruckweisen Schmerz auf einer Seite des Kopfes, oder heftigem Druck in
  der Stirne, bei Bewegung, Bücken, durch Geräusch und Licht zunehmend.
  Dies kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.

  ~Glonoine~ -- ist das Hauptmittel, das in dieser Krankheit alle 5
  Minuten gegeben werden sollte.

  ~Camphora.~ -- Besonders wenn der Kranke schwer athmet und schwitzt,
  sollte abwechselnd mit ~Glonoine~ gegeben werden.

  ~Lachesis~ -- wird ebenfalls in einigen Fällen gegeben.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 oder 15 Kügelchen in 12
  Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 10 und 15 Minuten oder alle
  halbe Stunden, und nach dem Anfalle alle 2, 3 oder 4 Stunden einen
  Theelöffel voll. Zuweilen kann auch ein wenig Branntwein gegeben
  werden.

  Personen, die besonders zu Anfällen geneigt sind, sollten vorsichtig
  vermeiden, sich den Einwirkungen der Sonnenstrahlen auszusetzen, und
  entweder nasse Tücher oder Blätter im Hute tragen.

  =Allöopathisch.= Terpentinöl (~Oil of turpentine~), eine Auflösung
  von Ammoniak oder Alkohol kann vermittelst Einspritzung gegeben
  werden, wenn der Kranke nicht schlucken kann. Die Behandlung
  desselben ist ungefähr dieselbe, wie die beim Schlagfluß.


Kopfweh. -- Kopfweh durch Catarrh verursacht.

Dieser Kopfschmerz wird durch Schnupfen hervorgerufen und hält oft
noch eine lange Zeit an, nachdem der Letztere bereits aufgehört hat.
In einigen Fällen tritt er regelmäßig zu gewissen Jahreszeiten ein und
zwar vorzugsweise im Frühjahr und Herbst, während des feuchten Wetters.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes möge geschnupft werden:

    Pulverisirter Gagel (~Pulverized bay berry~)          1 Unze.
    Chinarinde (~Peruvian bark~)                          1  „
    Blutwurzel (~Blood root~)                             1  „

  Mische es gut in einem Mörser und nehme davon mehrere Male des Tages.

  Zieht es der Patient vor, kann diesem noch Schottischer Schnupftabak
  beigemischt werden.

  =Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Schwere in der Stirn, Laufen der
  Nase, Fieberhitze im Kopfe, auf den Wangen und im Körper.

  ~Mercurius.~ -- Ist besonders nützlich, wenn der Schnupfen einen
  epidemischen Charakter (d. h. wenn denselben viele Leute zu gleicher
  Zeit haben) angenommen hat und drückende Schmerzen in der Stirn und
  über der Nase vorhanden sind, häufiges Niesen, Laufen der Nase, bei
  Röthe, Wundsein oder Heiserkeit, Jucken begleitet von Fieberschmerzen
  in den Gliedern und Durst.

  ~Sulphur~ -- erleichtert in einigen Fällen, besonders bei folgenden
  Symptomen: Gefühl von Vollsein, Druck und Schwere in der Stirn,
  Stichen, stoßweisen Schmerzen, besonders in der linken Seite.

  ~Tartarus emeticus.~ -- Häufiges Niesen, Geschmack- und
  Geruchlosigkeit.

  ~Arsenicum.~ -- Das wichtigste Mittel bei Behandlung dieser
  Krankheit, besonders erfolgreich in chronischen Fällen.

  ~Aconitum.~ -- Bei einem drückenden und dumpfen Gefühle, sowie Hitze
  in der Stirn, schlimmer des Nachts, besser im Freien, Laufen der Nase
  und der Augen.

  ~Chamomilla.~ -- Stoßweises, thränendes Gefühl in der Seite des
  Kopfes, böser Hals, Heiserkeit und bitterer Geschmack im Munde.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 6 Kügelchen in drei Eßlöffel
  voll Wasser und nehme alle halbe, ganze, 2, 3 oder 4 Stunden, der
  Strenge der Symptome des Anfalles angemessen, während demselben einen
  Theelöffel voll. Tritt innerhalb einiger Stunden keine Erleichterung
  ein, wähle man ein anderes Mittel.

  Gegen chronische Kopfschmerzen, welche zu gewissen Zeiten eintreten,
  nehme man einen Tag um den anderen eine Dosis der gewählten Mittel.

  =Allöopathisch.= Folgende Salbe wird mit gutem Erfolge angewendet
  werden:

    Aconitextrakt (~Extract aconite~)                     1 Skrupel.
    Seifensalbe (~Soap liniment~)                         1 Unze.
    Zusammengesetzte Kamphersalbe (~Compound camphor
    liniment~)                                            1  „

  Mache hiervon einen Umschlag auf die Stirne.

  Gleichzeitig mögen die folgenden Pillen genommen werden:

    Jodeisen (~Iodide of Iron~)                           ½ Drachme.
    Baumrindenextrakt (~Extract of bark~)                1½    „

  Mische und theile es in 24 Pillen und nehme 2 Mal des Tages 2 Pillen.


Kopfweh durch Blutandrang verursacht.

Klopfen im Kopfe, Schlagen der Halsadern, Erbrechen beim Wachsen des
Schmerzes, ebenso Schmerz beim Schütteln oder Bewegen des Kopfes,
Niederlegen oder Bücken.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Bade den Kopf mit warmem Wasser und Essig, ebenso
  die Füße mit warmem Wasser und reibe sie nachher stark. Wasche die
  Schläfe mit warmem oder kaltem Wasser, je nach des Kranken Wunsch.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Heftig klopfendes, summendes Gefühl
  im Gehirn, Stirn und Gesicht roth und mit Blut unterlaufen, Augen
  roth und empfindlich gegen das Licht, Schmerz am Morgen, beim
  Trinken, Sprechen oder Aufstehen schlimmer, Puls voll und geschwind.

  ~Belladonna.~ -- Heftige Schmerzen, gleichsam als ob der Kopf spalten
  oder das Gehirn durch die Stirn brechen wollte, heißer Kopf, kalte
  Füße, ein Gefühl, als ob sich Wasser in der Stirn befände, heftiges
  Schlagen der Adern des Halses und der Schläfe, Delirium, rothes,
  blutunterlaufenes Gesicht, das Blut in die Augen eingeschossen,
  bei großer Empfindlichkeit gegen Licht, Geräusch und Berührung,
  darauf tief sitzende, drückende Schmerzen, bei blassem Gesicht und
  Schwindel, beim Bewegen der Augen, Heben oder Bewegen des Kopfes
  Verschlimmerung. Dies kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden,
  wenn ~Aconitum~ keine Erleichterung gewährt.

  ~Pulsatilla.~ -- Dumpfer Schmerz und Druck nur auf einer Seite am
  Hinterkopf oder an der Nasenwurzel, Linderung durch Niederlegen oder
  Drücken, schlimmer während des Sitzens oder Gehens, blassem Gesicht,
  Aufregung, Neigung zum Weinen, Schwindel. Frauenzimmer und Leute
  sanfter Gemüthsart sind dazu besonders geneigt.

  ~Bryonia.~ -- Ein sich innerhalb ausbreitender Druck, besonders nach
  der Stirne zu, beim Bewegen oder Bücken, heftiges Schlagen oder
  Stechen im Kopfe, Verstopfung der Eingeweide und Nasenbluten.

  ~Rhus toxicodendron.~ -- Gefühl von Vollsein im Kopf, brennender
  und klopfender Schmerz, Gewicht im Hinterkopfe, Gefühl von einer
  rollenden Flüssigkeit innerlich; kann abwechselnd mit ~Belladonna~
  oder ~Bryonia~ gegeben werden.

  ~Nux vomica.~ -- Schmerzen schlimmer am Morgen oder im Freien,
  Schwere des Kopfes, besonders beim Bewegen der Augen und Nachdenken,
  Gefühl als ob der Schädel zerspringen wollte, ein quetschender
  Schmerz im Gehirn, schlimmer beim Bücken oder Bewegen, Schießen des
  Blutes nach dem Kopfe.

  ~Opium.~ -- Verstopfung, mit Schießen des Blutes nach dem Kopfe,
  heftige drückende Schmerzen im ganzen Gehirn und Schwere, Schlagen im
  Kopfe.

  =Allöopathisch.= Man gebe Folgendes:

    Minderers Geist (~Spirits of mindererus~)             2 Unzen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    1 Unze.

  Mische es und nimm alle 3 Stunden einen Theelöffelvoll.

  Ist Jemand zu diesem Kopfweh besonders geneigt, so mag er von dem
  Obigen zweimal des Tages einen Theelöffel voll nehmen. Des Abends
  mögen einige gelinde Abführmittel, wie Castoröl oder Bittersalz
  (~Epsom salts~), genommen werden.

    Rochellesalz (~Rochelle salts~)                       2 Drachmen.
    Doppelt kohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~)     2 Skrupel.
    Wasser                                                ½ Pint.

  Mische es. Dieser Mischung füge noch 35 Grane von Weinsteinsäure
  (~Tartaric acid~) hinzu und trinke das Ganze während des Aufschäumens.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Rührt das Kopfweh von zu vielem Blute
  her, so muß eine Behandlung eingeschlagen werden, dasselbe zu
  zertheilen. Der Kranke sollte eine kühlende und leicht verdauliche
  Nahrung zu sich nehmen und sich aller reichen, schwer verdaulichen
  Speisen enthalten. Die Beine und Füße bade man in warmem Wasser, dem
  Senf oder Pfeffer hinzugefügt wurde.

  Ferner gebe Folgendes:

    Entenfuß (~Podophyllin~)                             15 Grane.
    Gummi-Gutti (~Gamboge~)                              15   „
    Wunderharz (~Scammony~)                              15   „
    Rhabarber (~Rhubarb~)                                15   „
    Cayennepfeffer (~Cayenne~)                           15   „

  Mache 12 Pillen daraus und füge ein wenig Alraunwurzel- (~Mandrake~)
  oder Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt hinzu. Fehlt Entenfuß, so
  bediene man sich derselben Menge von Aloe. Eine Dosis wird in der
  Regel das Kopfweh lindern, aber um eine bleibende Erleichterung zu
  verschaffen, sollte durch mehrere Wochen hindurch jeden Abend eine
  Dosis genommen werden.

  Folgende Pillen sind von gutem Erfolge:

    Pulverisirter Cayennepfeffer                         60 Grane.
    Chinin (~Quinine~)                                   10   „
    Brechwurz (~Ipecac~)                                 15   „
    Pulverisirtes Opium                                  10   „

  Mache 30 Pillen daraus und nehme alle Morgen und Abend eine.


Kopfweh durch Rheumatismus verursacht.

Dieses trifft nur Personen, die mit Rheumatismus behaftet sind. Es wird
nicht selten durch das Nichtbedecken des Hauptes während des Schwitzens
hervorgerufen. Ein dumpfer Schmerz befindet sich in der Regel in der
Stirn, den Schläfen und dem Hinterkopf und ist eher ein schmerzhaftes
Gefühl als ein wirklicher Schmerz. Der Kopf ist gegen Druck schmerzhaft
empfindlich.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Man gebe folgende Pillen:

    Essigsaurer Wiesensafranextrakt (~Acetous extract of
    colchicum~)                                           1 Gran.
    Zusammengesetzter Koloquinthenextrakt (~Compound
    extract of Colocynth~)                                2 Grane.
    Brechwurzpulver (~Ipecac~)                            ½ Gran.

  Mische es und mache eine Pille daraus, welche jeden Abend genommen
  werden kann. Die Füße bade man in kaltem Wasser und wasche den
  Kopf mit kölnischem Wasser (~Cologne~). Auch kann folgende Lösung
  angewendet werden:

    Weinspiritus (~Spirits of wine~)                     2½ Unzen.
    Oder Branntwein                                       ¼ Pint.
    Kaltes Wasser (das vorher abgekocht worden ist)       1 Pint.

  In einigen Fällen wird auch die folgende Salbe erfolgreich angewendet
  werden:

    Seifensalbe (~Soap liniment~)                        2½ Unzen.
    Ammoniak-Liquor (~Liquor ammonia~)                    ½ Drachme.
    Mohnsaft (~Laudanum~)                                 ½ Unze.

  Mische es. Ein Senfpflaster hinten im Nacken gelegt, wird zuweilen
  Linderung verschaffen.

  Ferner gebe man Folgendes:

    Zusammengesetzte Koloquinthen-Pille (~Compound
      pill of colocynth~)                                14 Grane.
    Wiesensafranextrakt (~Extract of Colchicum~)          4   „
    Kümmelöl (~Oil of caraway~)                           2 Tropfen.

  Mische es und mache 4 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille beim zu
  Bettegehen.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgende Salbe möge angewendet werden:

    Branntwein                                            1 Pint.
    Salpeter (~Salt-petre~)                              1½ Unzen.
    Kampher (~Camphor~)                                   1 Unze.
    Terpentinspiritus (~Spts. turpentine~)                1 Gill.

  Mische es und lege es auf ein gut geplättetes Stück Flanell auf den
  Kopf, bis es trocken ist.

  Dieses Uebel sollte als ein Fall von Rheumatismus, auf den wir uns
  beziehen, behandelt werden.

  =Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Ziehende und reißende Schmerzen in
  einer Seite des Kopfes, Kopf gegen Berührung empfindlich, mit heißem
  Schweiß bedeckt, eine Wange roth, die andere blaß. Abwechselnd mit
  ~Pulsatilla~ des Morgens und ~Nux vomica~ des Abends.

  ~Colocynthis.~ -- Heftig bohrende, ziehende, kneipende Schmerzen,
  Uebelkeit und Erbrechen, schlimmer beim Bücken oder auf dem Rücken
  liegend, und in der Regel am Nachmittag erscheinend.

  ~Ipecacuanha.~ -- Nagende Schmerzen, sehr streng, gelindert durch
  Hitze und Erbrechen; ein Gefühl durch den Schädel, als ob das Gehirn
  zermalmt würde.

  ~Nux vomica.~ -- Ziehende Schmerzen in einer Seite des Kopfes, mit
  einem zermalmenden Gefühle des Kopfes, schlimmer beim Bücken oder im
  Freien und von Uebelkeit oder saurem Erbrechen begleitet.

  ~Pulsatilla.~ -- Schießende, rasende, stoßweise Schmerzen, nur in
  einer Seite des Kopfes, besonders in den Schläfen, mit einem Gefühl,
  als ob das Gehirn zerreißen würde.

  ~China.~ -- Schmerzen des Nachts, Schlaflosigkeit, stoßweise, rasende
  und bohrende Schmerzen auf dem Scheitel, ein zermalmendes Gefühl im
  Gehirn, schlechter im Freien, bei Bewegung oder in Zugluft, große
  Empfindlichkeit, sogar an den Haarwurzeln.

  ~Bryonia.~ -- Wiederkehrende, von dem Nacken nach den Seiten des
  Kopfes schießende Schmerzen, Fieberschauer, Schmerzen bei Bewegung,
  des Nachts oder während des Witterungswechsels heftiger. Kann
  abwechselnd mit ~Rhus toxicodendron~ gegeben werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Dosis: 6 Kügelchen; oder 15 Kügelchen
  in einem halben Tassenkopf voll Wasser aufgelöst. Alle halbe, ganze,
  zwei, drei oder sechs Stunden, der Strenge der Symptome angemessen,
  einen Theelöffel voll.


Kopfweh durch Hartleibigkeit und Unterleibsbeschwerden verursacht.

+Symptome.+ -- Schwere im Kopf, Mattigkeit, Abneigung gegen Bewegung,
belegte Zunge, schlechter Geschmack im Munde, leichte Uebelkeit, Augen
beim Sehen schmerzhaft, Appetitlosigkeit, zuweilen Erbrechen.

+Ursachen.+ -- Unpassende Kost, Essen in der Nacht oder irgend etwas,
was störend auf die Verdauung wirkt.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Stellt sich der Schmerz unmittelbar nach einer
  Mahlzeit ein, so sollte sofort das folgende Brechmittel gegeben
  werden:

    Pulverisirte Lobelia                                  1 Unze.
          „      Blutwurzel (~Bloodroot~)                 ½  „
          „      Senecawurzel (~Seneca~)                  1 Skrupel.
          „      Brechwurz (~Ipecac~)                     6 Drachmen.
    Cayenne Pfeffer (~Cayenne~)                           4 Skrupel.

  Mische es. Dosis: Einen halben Theelöffel voll in warmem Wasser; alle
  15 Minuten zu wiederholen, bis mehrere Dosen genommen worden sind.

  Kommt der Schmerz mehrere Stunden nach dem Essen, nehme man eines von
  den folgenden Mitteln:

    Pulverisirte Jalappenwurzel (~Powd. Jalap~)          10 Grane.
    Cremor Tartari (~Cream of tartar~)                    2   „

  Mische und nimm es auf einmal in Molasses oder Syrup.

  Oder:

    Pulverisirter Rhabarber (~Rhubarb~)                   1 Skrupel.
    Leptandrin                                           10 Grane.
    Calcinirte Magnesia (~Calcined magnesia~)             2 Skrupel.
    Pulverisirter Zimmt (~Cinnamon~)                     10 Grane.

  Mische es. Dosis: Alle Stunde 3 oder 4 Grane.

  Ist der Kranke schwach und hinfällig, gebe man das folgende:

    Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
    (~Compound infusion of senna~)                        5 Drachmen.
    Aufguß von Rhabarber (~Infusion of rhubarb~)          6    „
    Zusammengesetzte Kardamon- (~Cardamon~) Tinktur       ½ Drachme.
    Syrup                                                 2 Drachmen.

  Mische und nimm es als eine Dosis und zwar des Morgens nach einem
  leichten Frühstück.

  Bei großer Reizbarkeit diene das folgende:

    Dreifachsalpetersaurer Wismuth (~Tris nitrate of
    bismuth~)                                             6 Grane.
    Doppeltkohlensaure Soda (~Bicarbonate of soda~)       6   „
    Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (~Pulv. Cayenne~)       1 Gran.

  Mische und nimm es als eine Dosis zweimal des Tages.

  Bei Kopfschmerz durch Ausschweifungen hervorgerufen, gebe man das
  folgende:

    Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
    acetate of ammonia~)                                  ½ Unze.
    Orangenschalen-Tinktur                               1½ Drachme.
    Orangenschalen-Syrup                                  1    „
    Cayenne-Pfeffer- (~Cayenne~) Tinktur                 25 Tropfen.
    Zusammengesetzter Aufguß von Orangenschale            5 Drachmen.

  Mische es und nimm es auf einmal.

  Wird der Kopfschmerz durch Leberstörungen hervorgerufen, gebe man das
  zuerst angeführte Brechmittel und lasse darauf folgen:

    Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~)            12 Grane.
    Kohlensaure Magnesia (~Carbonate of magnesia~)       10   „
    Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
    of ammonia~)                                          ½ Drachme.
    Ingwer-Syrup (~Ginger-syrup~)                        1½    „
    Münzwasser (~Spearmint water~)                       10 Drachmen.

  Mische und nimm es auf einmal.

  Zur Linderung der Leberschmerzen gebe man folgendes:

    Leptandrin                                            1 Drachme.
    Entenfuß (~Podophyllin~)                              1 Skrupel.
    Hundswolle (~Apocynin~)                               1    „
    Brechnuß- (~Nux vomica~) Extrakt                      6 Grane.
    Spanische Seife (~Castile soap~)                      1 Drachme.

  Mache 30 Pillen daraus und nimm jede Nacht eine.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Bei Kopfweh, wo Verstopfung die
  Ursache, wird das folgende Mittel sehr zuträglich gefunden werden:

    Entenfuß (~May apple~)                                1 Unze.
    Alraun-Wurzel (~Mandrake~)                            1  „
    Blaue Kalmus-Wurzel (~Blue flag root~)                1  „
    Gelbwurz-Wurzel (~Golden seal root~)                  1  „
    ~Yellow Puccoon~                                      1  „
    Stachliche Eschrinde (~Prickly ash bark~)             1  „
    Rindsgalle (~Beef gall~)                              1 Gill.
    Whiskey                                              1½ Pint.

  Mische und lasse es zwei Wochen lang stehen. Dosis: Einen Theelöffel
  voll dreimal des Tages.

  Ebenso wird folgendes empfohlen:

    Entenfuß (~Podophyllin~)                             20 Grane.
    Gummi (~Gamboge~)                                    20   „
    Windenharz (~Scammony~)                              20   „
    Rhabarber (~Rhubarb~)                                20   „
    Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~)                          20   „

  Mache 25 Pillen daraus. Man bediene sich des Alraun- (~Mandrake~)
  Extrakts, um Pillen zu verfertigen.

  Dosis: Morgens und Abends 3 Pillen.

  =Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Das Gehirn schmerzt beim Gehen
  oder Bewegen des Kopfes, Druck in den Schläfen, Augen stumpf,
  Schlaflosigkeit, Schwere des Kopfes, schlimmer beim Bewegen der Augen
  oder bei geistiger Anstrengung, am Morgen, im Freien, oder nach dem
  Essen.

  ~Pulsatilla.~ -- Frostschauer mit Durst, Schmerz auf einer Seite,
  Neigung dazu bei Leuten sanften und ruhigen Gemüths.

  ~Bryonia.~ -- Druck in beiden Seiten des Kopfes und beim Bücken ein
  Gefühl, als ob irgend etwas aus der Stirne herausfallen möchte,
  Bluten der Nase ohne Linderung und Wässern der Augen.

  ~Opium.~ -- Heftige, rasende Schmerzen, Druck in der Stirne, Klopfen
  der Schläfe, Blutandrang nach dem Kopfe, Mund trocken, Durst, Neigung
  zu einem sauren widrigen Erbrechen.

  ~Mercurius.~ -- Eingenommensein des Kopfes, gleichsam als ob er
  zerspringen wollte, Schmerz durch Drücken des Kopfes mit den Händen
  erleichtert, des Nachts und durch Bettwärme verschlimmert.

  ~Silicea.~ -- Stechende Schmerzen vom Nacken nach dem Scheitel zu,
  Gefühl als ob der Kopf zerspringen wollte, Schlaflosigkeit und beim
  Erwachen des Morgens und beim Lesen, Schreiben und Denken schlimmer,
  dabei Verstopfung und erfolgloser Stuhlzwang. ~Lachesis~ oder
  ~Lycopodium~ kann abwechselnd damit gegeben werden, wenn Schmerzen,
  als ob mit Messern im Kopfe geschnitten oder -- beim Bücken -- mit
  Hämmern geschlagen würde, vorhanden sind; Verstopfung, Blutandrang
  nach dem Kopfe, Anwandlung von Ohnmachten und große Unruhe.

  ~Sepia.~ -- Beim Rütteln oder Bewegen des Kopfes, beim Gehen mit
  einem Anflug von Blutandrang nach dem Kopfe, Uebelkeit, Erbrechen,
  Eingenommenheit des Kopfes, Verwirrung der Gedanken, schlimmer am
  Morgen und beim Sehen in das strahlende Sonnenlicht.

  ~Antimonium.~ -- Schmerz schlimmer beim Treppensteigen und besser im
  Freien.


Sympathetisches Kopfweh (~Sick Headache~).

Diese Form des Kopfwehs ist gewöhnlich chronischen Charakters und hängt
von Störungen des Magens oder der Eingeweide ab. Seinen Namen hat es
erhalten, weil Uebelkeit und Erbrechen es in der Regel begleiten.
Meistenteils beginnt es am Morgen oder beim Erwachen aus einem tiefen
Schlafe, oder nach dem Schlafen in dicht verschlossenen Zimmern, auch
wenn Unregelmäßigkeiten in Bezug auf die Kost stattgefunden haben.
Zuerst wird ein Druck im Kopfe gefühlt, das allmählig in einen dumpfen
Schmerz, der von einem nach dem andern Punkte zieht, übergeht. Ein
Gefühl von Schwere und Empfindlichkeit in einem Auge, das sich über
die Stirne ausdehnt, Zunge mit einer gelblichweißen Masse belegt und
ein unangenehmer schleimiger Geschmack ist vorhanden. Die Hände und
Füße sind feucht und kalt und der Puls schwach. In Begleitung dieser
Symptome befindet sich ferner ein niederdrückendes Unwohlsein des
Magens, das durch langes Aufbleiben erhöht wird. Durch Erbrechen wird
in der Regel der Schmerz gelindert.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes ist empfehlenswerth:

    Uebermäßig kohlensaure Soda (~Super-carbonate of
    soda~)                                                ½ Drachme.
    Präparirte Holzkohle (~Prepared charcoal~)            1    „
    Paregoricum (~Paregoric~)                             1    „
    Wasser                                                1 Unze.

  Mische und gib es auf einmal. Sollte alle 15 Minuten wiederholt
  werden, bis Linderung eintritt.

  Baden des Kopfes mit einer Mischung von Spiritus, Essig und Wasser,
  zu gleichen Theilen, wird sehr zuträglich gefunden werden.

  Als Brechmittel diene Folgendes: Gleiche Theile von Brechwurz
  (~Ipecac~) und gepulverter Lobeliasamen, eine hinreichende Menge
  Wasser und lasse es einige Augenblicke lang erweichen. Man gebe
  dies in Theilen von 5 zu 10 Minuten. Gleichzeitig sollte der
  Kranke unbeschränkt Salbei- (~Sage~), Isop- (~Pennyroyal~) oder
  Compositionthee trinken. Nachdem sich der Kranke gehörig erbrochen
  hat, gebe man folgendes Abführmittel:

    Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~)                    60 Grane.
    Spanische Seife (~Castile Soap~)                     30   „
    Gummi (~Gamboge~)                                    30   „
    Windenharz (~Scammony~)                              30   „
    Entenfuß (~Podophyllin~)                             30   „
    Spanischer Pfeffer (~Capsicum~)                      30   „

  Mache mit ein wenig Löwenzahn- (~Dandelion~) oder Alraun-
  (~Mandrake~) Extrakt 60 Pillen daraus. Dosis: 3 bis 5 Pillen.

  Um auf die Leber zu wirken und die Eingeweide in Ordnung zu bringen,
  gebe eine Pille ein oder zwei Mal des Tages. Auch nehme man Fußbäder
  in warmem Wasser mit Asche.

  =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Der Kopfschmerz kommt zu bestimmten
  Zeiten, die Schmerzen kehren am Nachmittag zurück, dauern bis
  Mitternacht und werden durch die Bettwärme oder das Niederlegen
  erhöht; der Kopfschmerz ist betäubend, hat meistens seinen Sitz
  in der Stirn und wird zuweilen von Bewußtlosigkeit begleitet. Ein
  Gefühl, als ob der Kopf zerspringen wollte, reißende, schießende,
  brennende, heftige Schmerzen sind vorhanden, die ganz leise
  beginnen und nach und nach immer stärker werden. Dieses Mittel
  kann auch gegen Kopfschmerz, aus Erkältung entsprungen, angewendet
  werden, wenn im Kopfe und in der Stirn ein schüttelndes Gefühl
  vorhanden ist, bei Bücken oder Treppensteigen, Summen in den Ohren,
  Verdunkelung der Sehkraft, Schmerzen, die sich bis zu den Augen und
  der Nase ausdehnen, aber meistens auf eine Seite, gewöhnlich auf
  die rechte, beschränken; und durch jede Bewegung, durch das Drehen
  der Augen, helles Licht, das leiseste Geräusch, Vorwärtsbeugen oder
  Rückwärtslehnen des Kopfes erhöht werden; die Kopfhaut ist sehr
  empfindlich, abwechselnd Frost und Hitze, Uebelkeit und Druck der
  Nahrung im Magen.

  ~Ipecacuanha.~ -- Stechende Schmerzen, Schwerfälligkeit, Schwindel
  beim Gehen, Druck im Kopfe, besonders in der Stirne, die Schmerzen
  ziehen durch den Knochenbau des Schädels, Hände und Füße kalt,
  Zunge weiß oder gelb belegt, Uebelkeit und Erbrechen. Kann auch bei
  Kopfschmerz gegeben werden, der mit Uebelkeit und Erbrechen beginnt
  und von einem zermalmenden Gefühle im Kopfe begleitet ist. Man gebe
  es abwechselnd mit ~Nux Vomica~, bei schießenden Schmerzen in der
  Seite des Kopfes, schlimmer im Freien, Erbrechen.

  ~Hyosciamus.~ -- Bei großer Empfindlichkeit gegen Licht, Schmerzen
  durch die Bettwärme, beim Niederlegen oder in der Zugluft erhöht.

  ~Spigelia.~ -- Schmerzen auf der linken Seite stärker, große
  Empfindlichkeit gegen Geräusch, Klopfen in den Schläfen, das durch
  die geringste Bewegung erhöht wird, sogar durch das Oeffnen des
  Mundes. Der Kopfschmerz erscheint zu bestimmten Seiten des Morgens
  und nimmt mit dem Tage zu. Kann auch abwechselnd mit ~Belladonna~
  gegeben werden.

  ~Aconitum.~ -- Krampfartiger Schmerz in der Stirn oder über der
  Nasenwurzel, Kopfweh, als ob das Gehirn gehoben oder bewegt würde,
  besonders nach Bewegung; das geringste Geräusch oder die geringste
  Bewegung ist unerträglich, der Schmerz wird durch Sprechen oder Lesen
  erhöht. Gleichzeitig Summen in den Ohren, mit einem Gefühl, als ob
  die Haare ausgezogen würden.

  ~Sanguinaria.~ -- Frost und Uebelkeit, große Empfindlichkeit gegen
  das Sprechen anderer Personen in demselben Zimmer, begleitet von
  einem Vollsein des Kopfes, als ob derselbe zerspringen und die Augen
  aus ihren Höhlen heraustreten müßten. Schlimmer auf der rechten Seite.

  ~Antimonium.~ -- Dumpfe, bohrende Schmerzen, besonders in den Knochen
  des Kopfes, ein Bohren in den Schläfen und der Stirn von Innen nach
  Außen; die Schmerzen nehmen im Freien zu, Blut steigt nach dem Kopfe,
  Uebelkeit und Erbrechen von Galle und Schleim. Wo ~Antimonium~ keine
  Linderung gewährt, gebe man ~Pulsatilla~.

  ~Aloes.~ -- Wenn der Schmerz mehr in der linken Schläfe sitzt und der
  Kopfschmerz zur gewissen Zeit wiederkehrt.

  Um die Neigung zu dem sympathetischen Kopfweh zu vertreiben,
  empfiehlt Pulte: ~Sepia~, ~Silicea~ und ~Sulphur~, jedes Mittel 6
  Wochen lang mit ~Sepia~ angefangen, in den ersten 3 Wochen jede Woche
  2 Dosen Abends beim zu Bette gehen, in den letzten 3 Wochen jede
  Woche eine Dosis.

  +Verordnung der Heilmittel.+ 3 oder 4 Kügelchen mögen als eine Dosis
  gegeben werden, oder, wenn aufgelöst, 12 Kügelchen in ebensoviel
  Theelöffel voll Wasser, und als Dosis einen Theelöffel voll. Dies
  kann alle 15 Minuten, halbe, ganze, 2 oder 3 Stunden der Strenge der
  Symptome angemessen, wiederholt werden.

  =Allöopathisch.= Bei starkem Schmerze, von Uebelkeit begleitet,
  gebe man ein Brechmittel von Brechwurz (~Ipecac~) 1 Skrupel,
  Brechweinstein (~Tartar emetic~) 1 Gran, und lasse diesem Blaue
  Pillen (~Blue pill~) 1 Skrupel, zusammengesetzte Rhabarberpille
  (~Compound rhubarb pill~) 2 Skrupel, folgen. Mische und theile es in
  12 Pillen, wovon 1 oder 2 als eine Dosis gegeben werden.

  Wenn von einer Speise verursacht, wird warmer Kamillenthee
  (~Chamomile~) oder ein wenig schwacher Branntwein und Wasser zuweilen
  Linderung verschaffen, ebenso ein Senfpflaster auf den Magen. Sobald
  als der Magen irgend etwas annimmt, gebe man Folgendes:

    Magnesia                                             15 Gran.
    Potaschenauflösung (~Solution of potassa~)           15 Tropfen.
    Zusammengesetzte Sennesblättertinktur (~Compound
    tincture of Senna~)                                  1½ Drachmen.
    Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern           5    „
    Ingwersyrup (~Syrup of ginger~)                       1 Drachme.
    Zusammengesetzter Aufguß von Orangeschale
    (~Compound infusion of orange peel~)                  ½ Unze.

  Mische und nimm es als eine Dosis.

  Ist der Leidende schwach und willenlos, die Kraft des Organismus im
  Allgemeinen vermindert, gebe man:

    Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~)   15 Tropfen.
    Verdünnte Hydrochlorsäure (~Dilute hydrochloric
    acid~)                                               10 Tropfen.
    Orangenschalentinktur (~Tincture of orange peel~)    1½ Drachmen.
    Zusammengesetzter Enzianaufguß (~Compound infusion
    of gentian~)                                          5    „
    Mohnkopfsyrup (~Syrup of poppies~)                    1 Drachme.

  Als eine Dosis 3 Mal des Tages zu nehmen.


Nervöses Kopfweh oder Neuralgie.

Demselben ist vorzugsweise das weibliche Geschlecht unterworfen.

+Symptome.+ Heftige, reißende, marternde oder stechende Schmerzen,
durch Licht verschlimmert, ein Gefühl, als ob beide Schläfe zusammen
gepreßt würden, Schwindel mit einem Gefühl des Zusammenbrechens, große
Verzagtheit und Unruhe, sowohl körperliche als geistige Anspannung
unmöglich; schwarze Flecken flimmern vor den Augen, Kopf in der Regel
kühl und das Gesicht blaß. Der Schmerz beschränkt sich häufig auf
kleine Flecke und ist in der Regel des Morgens schlimmer.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Coffea.~ -- Schmerz gleicht dem Gefühle, als ob ein
  Nagel in den Kopf getrieben, oder als wenn das Gehirn angebohrt oder
  zerquetscht würde; es scheint dem Leidenden unerträglich und treibt
  ihn fast zum Wahnsinn. Der Kranke ist sehr unruhig, schreit, weint
  und hat eine Abneigung gegen die freie Luft. Der Schmerz wird durch
  das leiseste Geräusch, sogar durch Musik gesteigert und heftiger.
  Man kann diesem ~Hepar~, ~Sulphur~, ~Nux vomica~ oder ~China~ folgen
  lassen.

  ~Aconitum.~ -- Symptome, die dieses Mittel erfordern, siehe unter
  Sympathetisches Kopfweh.

  ~Belladonna.~ -- Besonders wenn die Schmerzen am Nachmittag eintreten
  und bis zum nächsten Morgen anhalten, ebenso wenn die Schmerzen leise
  anfangen und nach und nach immer heftiger werden.

  ~Ignatia.~ -- Stechende Schmerzen über der Nase, die durch das
  Vorwärtsbiegen des Kopfes gelindert werden, Druck im Kopf von Innen
  nach Außen, Gefühl als ob ein Nagel in den Kopf geschlagen würde,
  Uebelkeit, Verdunkelung des Auges, blasses Gesicht, wenn durch den
  Wechsel der Lage der Schmerz für den Augenblick erleichtert wird,
  der Kranke, ganz von Furcht eingenommen, auffährt und allein zu sein
  wünscht.

  ~Pulsatilla.~ -- Rasende Schmerzen, schlimmer gegen Abend, begleitet
  von Schwindel und Magenübelkeit, Verdunkelung des Blickes, Läuten
  in den Ohren, Gesichtsfarbe blaß, gelblich oder hager, kein Durst,
  Frost, Herzklopfen, ein Gefühl als ob das Gehirn zerrissen würde oder
  der Kopf in einem Schraubstock säße, der Schädel in Stücke zerbrechen
  wollte, besonders beim Bewegen der Augen, Kopfschmerz Abends nach dem
  Niederlegen, oder früh Morgens im Bett, durch Ruhe und Stillsitzen
  erhöht und durch Bewegen im Freien oder einen stark angezogenen
  Verband gelindert.

  ~Bryonia.~ -- Vollsein oder Schwere des Kopfes, Druck und brennenden
  Schmerzen in der Stirn, beim Bücken ein Gefühl, als ob irgend etwas
  aus der Stirn fallen möchte, reißende Schmerzen, die sich auf das
  Gesicht und die Schläfe ausdehnen, Hitze im Kopf und Gesicht,
  geröthete Wangen, Durst, Uebelkeit, Erbrechen, Alles hat einen
  bitteren Geschmack, beim Herumgehen oder Bewegen der Augen erhöhte
  Schmerzen.

  ~Platina.~ -- Der Kopfschmerz wächst und nimmt allmählig ab,
  Brausen im Kopfe, wie von Wasser herrührend, Kälte in den Augen,
  Ohren und auf einer Seite des Gesichts, krampfhaftes Zucken mit dem
  Augenlidern, Summen in den Ohren, Gegenstände erscheinen kleiner als
  sie in Wirklichkeit sind, betäubender Druck auf die Backenknochen.
  Ist nach ~Belladonna~ zweckdienlich.

  ~Mercurius.~ -- Kopfschmerz, als ob der Kopf in Stücke brechen
  wollte, Vollsein des Gehirns, rasender Schmerz, besonders in der
  linken Seite, derselbe geht in die Zähne, Stechen in den Ohren.
  Die Schmerzen werden durch das Drücken des Kopfes mit den Händen
  erleichtert. Man lasse es nach ~Belladonna~ folgen, und schlägt
  beides nicht an, gebe man ~Hepar Sulphuris~, besonders bei einem
  bohrenden Schmerz an der Nasenwurzel, oder einem Gefühle, als ob ein
  Nagel in den Kopf getrieben würde.

  ~Colocynthis.~ -- Rasender, marternder Schmerz auf einer Seite des
  Kopfes, Druck in der Stirne, schlimmer beim Bücken, oder auf dem
  Rücken liegend; der Schmerz stellt sich am Nachmittag oder gegen
  Abend ein und ein überreicher, sehr widriger Urin und ein dicker
  Schweiß, der wie Urin riecht, ist vorhanden.

  ~Arsenicum.~ -- Heftiger Schmerz in der Stirn, Neigung zum Erbrechen,
  Summen in den Ohren, Weinen, Aechzen und große Empfindlichkeit der
  Kopfhaut. Kalte Umschläge erleichtern den Schmerz eine kurze Zeit. Es
  ist schlimmer im geschlossenen Raum und vergeht im Freien. Man kann
  diesem Mittel ~Pulsatilla~ folgen lassen.

  ~Veratrum viride.~ -- Drückender Schmerz auf dem Scheitel oder
  auf einer Seite des Kopfes, begleitet von Schmerzen in dem Magen,
  Diarrhöe, Uebelkeit, Erbrechen, schmerzhafte Empfindlichkeit des
  Haares. Der Schmerz ist zuweilen so stark, daß er den Kranken der
  Vernunft beraubt, ist schlimmer, wenn er im Bett liegt und erzeugt
  kalten Schweiß und Frostschauer. Dieses Mittel ist sehr geeignet, um
  dem ~Arsenicum~ folgen zu lassen.

  ~Silicea.~ -- Der Schmerz steigt vom Nacken nach dem Scheitel und
  wird häufig durch Erhitzung herbeigeführt. Rasender Schmerz tritt
  am Nachmittage ein, Stechen im Kopfe, besonders in den Schläfen,
  Kopfhaut schmerzhaft gegen Berührung und das Haar fällt aus.

  ~Sulphur.~ -- Kopfschmerz mit Uebelkeit, ein Gefühl von Vollsein
  oder Schwere im Kopf, besonders nach dem Scheitel zu, Schmerz als ob
  ein Reif um den Kopf geschlagen wäre, rasend klopfende Schmerzen,
  Hitze, jeden Tag nach dem Aufstehen des Morgens Kopfschmerzen, als
  ob der Kopf in Stücke zerspringen sollte, Brummen im Kopfe, Haar bei
  Berührung schmerzhaft oder Ausfallen desselben.

  ~China.~ -- Bei Personen von fieberhaftem, unzufriedenem Gemüth. Es
  wird sehr dienlich gefunden bei Schwere im Kopfe, Druck von Innen
  nach Außen, vorhandene Schmerzen in den Schläfen, als ob der Kopf
  zerspringen wollte, ein Gefühl, als ob das Gehirn herumgestoßen
  und gegen den Schädel geworfen würde, die Kopfhaut gegen Berührung
  empfindlich, Schmerz durch Bewegung, Bücken, Unterhaltung oder
  Zugluft erhöht. Wasserumschläge auf den Kopf, sowohl heiße als kalte,
  wie es am angenehmsten, mögen gemacht werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe 4 oder 6 Kügelchen als eine Dosis,
  oder löse 12 Kügelchen in ebenso viel Theelöffel voll Wasser auf
  und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Nothwendigkeit
  angemessen, einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Hoffmann’s Anodyne in Dosen von einer Drachme kann
  gegeben werden und zuweilen Aether, Cölnisches Wasser oder Bay Rum
  vermittelst der Hand auf die Stirne gebracht, mag von vortheilhafter
  Wirkung sein, ebenso ein Senfpflaster auf den Hinterkopf und die
  Schläfen.

  In einigen Fällen ist auch anwendbar:

    Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~)         3 Grane.
    Pulverisirter Kampher (~Camphor~)                     3   „

  Mische es, mache drei Pillen daraus und nehme eine, wenn der Schmerz
  am stärksten ist.

  Oder auch:

    Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~)        ½ Drachme.
    Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
      of ammonia~)                                        ½    „
    Orangenschalen-Syrup                                  ½    „
    Pfeffermünzwasser (~Peppermint water~)               10 Drachmen.

  Mische es.

  Oder auch:

    Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of hyosciamus~)         ½ Drachme.
    Baldriansaures Eisen (~Valerianate of iron~)          1    „

  Mische es, mache 30 Pillen daraus und gebe eine bis drei des Tages.

  Ist der Kranke schwach und erschöpft, sollte ein stärkendes Mittel
  wie das folgende angewendet werden:

    Schildkraut-Extrakt (~Extract of skull-cap~)          2 Drachmen.
    Kamillen-Extrakt (~Extract of chamomile~)             2    „
    Wasserdost-Extrakt (~Extract of boneset~)             1 Drachme.
    Chinin (~Quinine~)                                    1    „
    Pulverisirter Cayenne-Pfeffer (~Pulv. cayenne~)       1 Skrupel.
    Baldrianöl (~Oil of valerian~)                        ½ Drachme.

  Mache 90 Pillen daraus.

  Dosis: Alle 2 bis 3 Stunden eine Pille.

    Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion
    of gentian~)                                          8 Unzen.
    Salpetersaure Natronsäure (~Nitro muriatic acid~)    30 Tropfen.

  Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal des Tags.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgende Pillen mögen genommen werden:

    Aconit-Extrakt (~Extract of aconite~)                 ½ Gran.
    Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~)          ⅛  „
    Baldriansaures Chinin (~Valerianate of quinine~)      ¼  „

  Mische es zu einer Pille. Die Dosis sollte der Strenge des Anfalles
  angemessen alle eine, zwei oder drei Stunden wiederholt werden.
  Gleichzeitig kann der Kranke nach Belieben Schildkraut- oder
  Katzenmünze-Thee trinken.

  Folgende Pillen werden sehr empfohlen:

    Bilsenkraut- (~Hyosciamus~) Extrakt                  30 Grane.
    Baldrian- (~Valerian~) Extrakt                       30   „
    Chinin (~Quinine~)                                   20   „
    Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~)                          10   „

  Mache 30 Pillen daraus.

  Ist der Kopfschmerz streng und durch und durch von nervösem
  Charakter, füge dem obigen noch drei Gran schwefelsaures Morphium
  (~Sulphate of morphia~) hinzu und gebe alle drei Stunden eine Pille.
  Nach Linderung des Kopfschmerzes nehme eine Pille dreimal des Tages.
  Wegen des Morphiums sollten nicht mehr als 5 Pillen innerhalb 24
  Stunden hintereinander genommen werden.

  Sind stärkende Mittel erforderlich, möge das folgende gegeben werden:

    Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture of iron~) 1 Unze.
    Blutwurzel-Tinctur (~Tincture of blood root~)         1  „

  Mische es und nehme dreißig Tropfen in ein wenig Wasser dreimal des
  Tages.


Ausfallen des Haares (~Allopecia~).

Dies zu verhindern und dasselbe wieder hervorzurufen, wenn es bereits
verloren ist, sollte reizend auf die Schädelhaut eingewirkt werden,
und zwar jeden Morgen vermittelst Waschungen mit kaltem Wasser,
Trocknen mit einem groben Handtuche und darauf Bürsten mit einer groben
Haarbürste. Es folgen hier einige Mittel, die in ihrer Anwendung
vorzüglich gefunden werden:

    Pulverisirtes schwefelsaures Kupfer (~Pulv.
    sulphate of copper~)                                 10 Grane.
    Spanischer Fliegen-Extrakt (~Extract of spanish
    flies~)                                               5   „
    Fett                                                  1 Unze.

  Mische es.

    Castoröl                                             1½ Pfund.
    Starker Alcohol                                      2½ Pints.
    Pulverisirte spanische Fliegen (~Pulv. spanish
    flies~)                                               ½ Unze.
    Bergamottenöl (~Oil of bergamot~)                    2½ Unzen.
    Rosenöl (~Oil of rose~)                              20 Tropfen.

  Mische und filterire es, nachdem es einige Tage gestanden hat.

    Zusammengesetzte Benzoe-Tinktur (~Compound tincture
    of benzoin~)                                          2 Drachmen.
    Spanischer Fliegen-Extrakt (~Extract of spanish
    flies~)                                               2    „
    Castoröl                                              6 Unzen.
    Bergamottenöl (~Oil of bergamot~)                     1 Drachme.
    Mutterzimmt oder Verbenenöl (~Oil of Cassia or
    Verbena~)                                            15 Tropfen.
    Starker Alcohol                                      10 Unzen.

  Mische es.

  Ein ausgezeichnetes Haarstärkungsmittel ist auch das folgende:

    Benzoe-Harz (~Gum Benzoin~)                           2 Drachmen.
    Castoröl                                              4 Unzen.
    Alcohol                                               1 Quart.

  Schüttele dies gehörig und füge dann noch hinzu:

    Lavendelöl (~Oil of lavender~)                        1 Drachme.
    Bergamottenöl (~Oil of bergamot~)                     1    „
    Nelkenöl (~Oil of cloves~)                           30 Tropfen.
    Rosmarinöl (~Oil of rosemary~)                       30    „
    Citronenöl (~Oil of lemon~)                          30    „
    Orangenblüthenöl (~Oil neroli~)                      30    „
    Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of
    cantharides~)                                         ½ Unze.

  Das folgende ist das berühmte “~General Twigg’s recipe~,” welches
  grauen Haaren ihre ursprüngliche Farbe wieder geben und auf
  Kahlköpfen neuen Haarwuchs erzeugen soll:

    Schwefelmilch (~Lac sulphur~)                         2 Drachmen.
    Bleizucker (~Sugar of lead~)                          1 Drachme.
    Rosenwasser                                           8 Unzen.

  Mische es.

  Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel:

    Bay Rum                                               4 Unzen.
    Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of
    cantharides~)                                         1 Unze.
    Hirschhorn (~Hartshorn~)                              1  „
    Olivenöl (~Olive oil~)                                2 Unzen.

  Schüttele es gehörig vor Gebrauch.

  Ein vortreffliches Mittel zur Beförderung des Wachsthums der Haare
  ist auch:

    Ricinusöl (~Palma Christi oil~)                       3 Unzen.
    Lavendelöl (~Oil of lavender~)                        1 Drachme.

  So bald das Haar dünn wird und ausfällt, öfters anzuwenden.



Fünftes Kapitel.

Augenkrankheiten.


Das Niederfallen des Augenlids (~Paralysis~, ~Ptosis~).

Dies kann durch das Aussetzen der kalten Luft oder unmittelbar den
Sonnenstrahlen, Trunkenheit, heftige geistige Erregung, Schläge auf den
Kopf und Geschwulst im Gehirn hervorgerufen werden. Bei diesem Leiden
sind gewöhnlich die Muskeln des Auges gelähmt, so daß das Auge nicht
bewegt werden kann, vollkommen stille steht oder auch nach den Schläfen
zugedreht ist.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Quecksilber wird zuweilen gebraucht, bis der Mund
  angegriffen ist. Warme Umschläge um die Augen werden in einigen
  Fällen von wohlthätiger Wirkung sein, ebenso das Reiben der Stirne,
  der Schläfe und des Augenlids mit aromatischem Ammoniak-Spiritus.

  =Homöopathisch.= Diesem Leiden angemessene Mittel sind: ~Spigelia~,
  ~Belladonna~, ~Sepia~, ~Opium~, ~Cocculus~, ~Nitric Acid~. Uebrigens
  sollte dieser Zustand nur von einem geschickten Arzt behandelt werden.


Entzündung des Augenlids und des Rands des Augenlids.

Dieselbe kann von einer Erkältung oder auch von anderen Ursachen
herrühren; häufig sind nur die Ecken entzündet, ohne den übrigen Theil
anzugreifen.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starker Entzündung und großen
  Schmerzen, die Augenlider sind geschwollen, hart und roth, Hitze, und
  gleichzeitig ein brennendes Gefühl, eine überreiche Absonderung von
  Schleim der Augen und der Nase findet statt.

  ~Belladonna.~ -- Da wo ~Aconitum~ nicht hinreichend gefunden wird;
  besonders bei einem Gefühl von Brennen und Jucken in dem Lid,
  geschwollene Augenlider, welche zusammenkleben und bluten wenn
  geöffnet, ebenso wenn die Ränder nach Außen gedreht sind und wie
  gelähmt erscheinen.

  ~Hepar Sulphuris.~ -- Bei einem zerreißenden oder zerquetschenden
  Gefühle in den Lidern, wenn solche berührt werden; große
  Empfindlichkeit gegen Licht. Kann abwechselnd mit ~Mercurius~,
  ~Aconitum~ oder ~Belladonna~ gegeben werden.

  ~Euphrasia.~ -- In jenen Fällen, wo die Augenlider roth und
  angeschwollen und die Ränder zerrissen sind, Jucken bei Tage,
  Zusammenkleben des Morgens, Kopfschmerz, Hitze im Kopf, Scheu vor
  Licht, starker Ausfluß von Thränen und Schleim. Kann abwechselnd mit
  ~Nux vomica~ gegeben werden, wenn der Augapfel sehr roth und Brennen
  und Jucken vorhanden ist.

  ~Mercurius.~ -- Ist die Geschwulst hart bei schneidenden Schmerzen
  und Schwierigkeit die Augenlider zu öffnen, Eiter und Schorf in den
  Ecken am Morgen und in der Bettwärme schlimmer, Unruhe, Schweiß,
  Brennen und Jucken der Augen, im Freien schlimmer. ~Hepar Sulphuris~
  kann abwechselnd mit diesem gegeben werden.

  ~Arsenicum.~ -- Entzündung des Innern des Augenlids, Schwierigkeit
  die Augen zu öffnen und heftig brennende Schmerzen.

  ~Spigelia.~ -- Entzündung und Zerreißen des Augenlids, Beißen und
  Schmerzhaftigkeit, die Lider sind steif und deshalb nur schwer zu
  öffnen, Bohren in den Augen und Schmerz in dem Kopfe, schlimmer bei
  Bewegung.

  ~Hyosciamus~ und ~Chamomilla~ kann abwechselnd gegeben werden, wenn
  die Augenlider mit einem Gefühl von Schwere oder Druck krampfartig
  geschlossen sind.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Eine Dosis: 4 Kügelchen von dem
  gewählten Mittel alle 2, 4 oder 6 Stunden. Wasser, ob kalt oder warm,
  je nachdem es der Patient vorzieht, kann mit gutem Erfolge angewendet
  werden.

  =Allöopathisch.= Bei Entzündung der Ränder des Augenlids möge man die
  folgende Behandlung einschlagen: Als Waschung der Augen des Morgens,
  wenn die Lider zusammengebacken sind, nehme man einen Theelöffel voll
  Milch mit ein wenig Butter vermengt, schmiere damit die Lider ein und
  reibe sie sanft mit den Fingern. Hierauf drücke man ein mit Wasser
  befeuchtetes Stück Schwamm einige Minuten lang gegen die Augen,
  die dann der Leidende ohne weitere Beschwerden öffnen kann. Sind
  die Lider so geöffnet, so entferne man den dort befindlichen Eiter
  vermittelst der Fingernägel. Warme Umschläge von Mohnköpfen oder
  Kamillenblüthen sollten ein- oder zweimal des Tages gemacht werden.
  Erweichende Umschläge von Brod und Wasser mit ein wenig frischer
  Butter oder Olivenöl in ein kleines Packet gemacht und über das
  Augenlid gelegt, wurde in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden.

  Zuweilen kann auch folgendes angewendet werden:

    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)             12 Grane.
    Laudanum                                              2 Drachmen.
    Destillirtes Wasser                                  12 Unzen.

  Mische es und bade damit die Augen mehrere Male des Tages. Nachdem
  die Röthe und Hitze etwas nachgelassen hat und die Eingeweide mit
  einem gelinden Abführmittel, wie Castoröl, Bittersalz geöffnet sind,
  möge folgende Waschung angewendet werden:

    Rosenwasser                                           4 Unzen.
    Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~)           2 Grane.

  Mische und wende es ein- oder zweimal des Tages an. Ein kleines Stück
  von aufgelöster salpetersaurer Quecksilber-Salbe (~Dilute nitrate of
  mercury ointment~), Citrin-Salbe kann vermittelst eines Pinsels auf
  die Ränder des Augenlids des Abends oder einen Abend um den andern,
  je nach der Strenge der Symptome und der hervorgebrachten Wirkung,
  getragen werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Erweichende Umschläge von pulverisirter
  schlüpfriger Ulmenrinde (~Pulv. slippery elm bark~), mit warmer Milch
  und Wasser aufgeweicht, wird zuweilen zuträglich gefunden werden. Die
  verwelkten Blätter des Stechapfels (~Stramonium~) mit Fett gemischt
  zu einer Salbe zubereitet, sind gut in strengen Fällen.


Entzündung des Augapfels (~Ophthalmia~).

Dieses Leiden wird in der Regel durch Erkältungen hervorgerufen, oder
ist auch die Folge von Beschädigungen des Auges.

+Symptome.+ -- Die Augen sind sehr roth und die Augenlider geschwollen.
Der Kranke beklagt sich über ein rauhes Gefühl, oder als ob Sand, heiße
Asche oder zerbrochenes Glas sich unter dem oberen Augenlide befände.
Die Augen werden gegen Licht sehr empfindlich und es ist ein Gefühl von
Hitze, Vollsein und Steifheit in der Kugel und den Rändern des Auges
oder den Rändern des Augenlids vorhanden, begleitet von schießenden
Schmerzen durch das Auge. Diese Symptome werden allmählig immer stärker
und anhaltender. Die Augenlider sind des Morgens zusammengebacken in
Folge des Eiters, der des Nachts aus den Augen fließt, und es ist ein
Gefühl von Gewicht und Druck auf dem Augapfel vorhanden.

+Ursachen.+ -- Ungemein starke Hitze oder Kälte, Anstrengung der Augen
in einem strahlenden oder dämmernden Licht, Verletzungen derselben,
plötzlicher Witterungswechsel.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Bei Schmerz und Kopfweh sollte ein Abführmittel, wie
  folgt, gegeben werden:

    Pulverisirter Gummi (~Pulv. gamboge~)                12 Grane.
    Pulverisirte Sennesblätter (~Pulv. senna~)           12   „
    Springgurke (~Elaterium~)                             2   „
    Crotonöl (~Croton oil~)                               8 Tropfen.
    Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~)          3 Grane.

  Mische es, mache 12 Pillen daraus und gebe alle Stunden eine,
  bis eine Wirkung erzeugt wird. Mache erweichende Umschläge von
  schlüpfriger Ulme über das Auge und bade es oft in einer Auflösung
  von Mohnblättern. Das Gefühl von Sand in dem Auge wird in der Regel
  erleichtert und die Entzündung nach der Anwendung der Lösung des
  salpetersauren Silbers (~Nitrate of silver~), 4 Grane derselben auf
  eine Unze destillirtes Wasser ein großer Tropfen, vermittelst eines
  Kameelhaar-Pinsels ein- oder zweimal des Tages, aufgetragen werden.
  Unmittelbar bei der Anwendung dieses wird nichts gefühlt, aber nach
  einigen Augenblicken stellt sich ein stechender Schmerz im Auge ein,
  der etwa 10 Minuten anhält und dann wieder verschwindet. Die Augen
  bessern sich hiernach, und sollten die Symptome wieder zurückkehren,
  so fahre 5 oder 6 Stunden lang mit der Anwendung des salpetersauren
  Silbers (~Nitrate of silver~) fort. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of
  zinc~) 4 Grane auf eine Unze Wasser, wird auch zuweilen entsprechen.
  Wenn der Schmerz und das Kopfweh vorübergegangen sind, sollte eine
  schwache Auflösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~)
  wie folgt angewendet werden:

    Rosenwasser                                          4½ Unzen.
    Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~)           2 Grane.

  Mische es.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge von Hopfen oder Mohnblättern
  über die Augen können gemacht werden, ebenso können bei großem
  Schmerz Stechapfel- (Stramonium) Blätter verwendet werden. Folgende
  Augenwaschung ist empfohlen:

    Bleizucker (~Sugar of lead~)                          ½ Drachme.
    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)              ½    „
    Gewöhnliches Salz                                     1    „
    Stückzucker (~Loaf sugar~)                            1    „
    Destillirtes Wasser                                   ½ Pint.

  Lasse die Mischung zwei bis drei Tage lang stehen und dann seihe
  sie durch ein Stück weißen Flanells. Man wasche die Augen zwei- bis
  dreimal des Tages damit.

  Folgendes ist ein ausgezeichnetes Augenwaschmittel:

    Grüner Thee                                           ½ Unze.
    Gelbwurz (~Yellow root~)                              ½  „
    Kochendes Wasser                                      1 Pint.

  Lasse es zusammen erweichen und füge noch eine Drachme schwefelsaures
  Zink (~Sulphate of zinc~) hinzu; wenn kalt, seihe es durch ein Stück
  weißen Flanells.

  Haben die Symptome der vorhandenen Entzündung nachgelassen, möge das
  folgende angewendet werden:

    Aconit-Tinctur (~Tincture of aconite~)                1 Drachme.
    Eine Abkochung von Gelbwurz (~Decoction of golden
    seal~)                                                1 Unze.

  Mische es und bade damit die Augen häufig während des Tages.

  Ein anderes Heilmittel ist:

  Gelbwurz (~Golden seal~), Hexennuß-Blätter (~Witch Hazel~), von jedem
  ein Pulver, 1 Drachme, und kochendes Wasser 1 Gill. Lasse die Pulver
  10 oder 15 Minuten in dem kochenden Wasser und seihe es dann durch.

  =Homöopathisch.= Kaltwasserumschläge sollten vermittelst weicher
  leinerner Binden häufig über die Augen und deren umgebenden Theile
  gemacht werden. Eine Auflösung von schwefelsaurem Zink (~Sulphate
  of zinc~), oder salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) möge in
  dem Verhältniß von einem Gran auf eine Unze destillirtes Rosenwasser
  angewendet werden.

  ~Aconitum.~ -- Augenlider roth und geschwollen, Augapfel sehr
  roth und entzündet, Pupillen erweitert, Thränen der Augen, Wangen
  geröthet, Lichtscheu, drückende, stechende und brennende Schmerzen in
  den Augen, der Augapfel fühlt sich zerquetscht und gedrückt in seinem
  Ringe; die Augen sind heiß und mit brennenden Thränen gefüllt, oder
  sehr trocken bei Stechen und Prickeln der Augenlider, Druck, scharf
  schlagende oder stechende Schmerzen im Kopf und den Schläfen, große
  geistige Aufregung.

  ~Belladonna.~ -- Röthe, Anschwellen und Vorwärtsstoßen des Augapfels,
  Anschwellen der Augenlider, Fließen heißer, brennender Thränen,
  oder Trockenheit der Augen, geröthete Wangen, Klopfen der Hals- und
  Schlagadern; trockene heiße Haut, Schmerzen in den Augenhöhlen,
  welche sich bis in das Gehirn erstrecken, Brennen und Prickeln in den
  Augen, Schwere, Druck und Klopfen des Augapfels und der Augenlider,
  rasender Schmerz in den Augen von Innen nach Außen, Schwindel und
  gehinderte Sehkraft, die Schmerzen sind schlimmer beim Bewegen der
  Augen, Flimmern und schwarze Flecken vor denselben.

  ~Euphrasia.~ -- Wenn sich der Schmerz in und über den Augen, im Kopfe
  befindet und gleichzeitig von sehr drückender Art ist. Es mag gegen
  dieselben Symptome als bei ~Belladonna~ angewendet werden, wenn
  ~Belladonna~ keine Linderung gewährt.

  ~Nux vomica.~ -- Wenn die Augen mit Blut unterlaufen sind, bei einem
  Gefühle als ob Sand in den Augen wäre, Zunge belegt, Röthe der
  Augenlider bei Steifheit und Jucken, Ausfluß von brennenden Thränen
  und Kopfweh jede Nacht.

   ~Pulsatilla.~ -- Kann ~Aconitum~ folgen, wenn die schlimmste
  Entzündung nachgelassen, aber noch anhaltende, rasende, stechende
  Schmerzen zurückbleiben, bei großer Empfindlichkeit gegen Licht. Das
  Leiden ist am Nachmittage und Morgen stärker, der Kranke gereizt und
  zum Weinen geneigt.

  ~Ignatia.~ -- Der Schmerz ist mehr gleich einem Druck in den Augen,
  welche nicht sehr entzündet sind, aber fortwährend übermäßig starke
  Thränen bei gleichzeitigem Fließen der Nase.

  ~Spigelia.~ -- Peinigende, juckende und rasende Schmerzen, welche
  sich bis in den Kopf erstrecken, und einem Gefühle, als ob der
  Augapfel zu groß wäre.

  ~Arsenicum.~ -- Augapfel sehr roth, die Lider stark geschwollen,
  Thränen heiß und brennend, Lider trocken und roth, Gefühl als ob Sand
  in den Augen wäre, rasende oder brennende Schmerzen des Augapfels,
  welche durch Licht oder Bewegung erhöht werden, Schwäche, Ermüdung
  und Zittern der Augenlider, große Lichtscheu.

  ~Mercurius.~ -- Entzündung der Augen, brennende, prickelnde Hitze und
  Druck, schlimmer im Freien, Gefühl als ob sich Sand unter dem oberen
  Augenlide befände, Lichtscheu, schießender Schmerz im Augapfel, Röthe
  und Anschwellen der Augenlider, Schmerz bei Bewegen oder Berühren der
  Augen erhöht.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis, 6 Kügelchen, von dem
  gewählten Heilmittel alle zwei, vier oder sechs Stunden, der Strenge
  der Symptome angemessen, oder löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.


Chronische Augenentzündung.

Dieselbe kann durch die Rückwirkung einer heftigen Entzündung, welche
unterdrückt worden ist, hervorgerufen werden, oder kann in Folge einer
Schwächung des Organismus eintreten.

+Symptome.+ -- Die Augen sehen theilweise roth theilweise weiß aus und
sind gegen Licht, Staub oder Rauch empfindlich; die Ränder der Lider
sind roth oder purpurn, die Augen kleben des Morgens zusammen und der
Kranke ist unfähig, sich derselben eine längere Zeit zu bedienen. Die
Lider jucken und stechen am meisten des Morgens beim Aufstehen, und
Luft, Licht, Wind, Rauch, Staub und Dünste verursachen ein Fließen der
Thränen.

+Ursachen.+ -- Acute Entzündung der Augen, entzündliches Verletzen, das
Aussetzen der Kälte, übermäßige Anstrengung der Augen in starkem oder
Dämmerlicht.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Es wird gut sein, ein- oder zweimal in
  der Woche ein Abführmittel zu geben und die folgende Salbe aus den
  Rändern und der inneren Fläche der Augenlider anzuwenden.

    Ungesalzene Butter                                    2 Unzen.
    Weißes Wachs                                          2 Drachmen.

  Mische dieses in eine Untertasse, und wenn kalt, rühre eine
  halbe Drachme rothes Präcipitat und zuletzt eine halbe Drachme
  pulverisirtes schwefelsaures Zink (~Pulv. sulphate of zinc~) ein.
  Mische es gehörig und wende es zweimal des Tages an.

  Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel: Löse eine Unze Kamphersyrup
  (~Gum Camphor~) und 2 Unzen reines türkisches Oel auf, zuvor müssen
  einige Tropfen Alkohol auf den Kampher gegossen werden, um ihn zu
  pulverisiren, wenn pulverisirt, füge das Oel hinzu und reibe dies so
  lange in einem Mörser, bis es aufgelöst ist. Damit salbe dann die
  Augen 2 bis 3 Mal des Tages.

  =Homöopathisch.= Zur äußerlichen Anwendung: Schwefelsaures Zink
  (~Sulphate of zinc~) oder salpetersaures Silber (~Nitrate of Silver~)
  in eine schwache Auflösung von 1 bis 2 Gran mit einer Unze Wasser.
  Opiumwein kann in einigen Fällen angewendet werden, ein Tropfen in
  die Augen gebracht, 1 oder 2 Mal des Tages in 24 Stunden. Mittel zur
  innerlichen Anwendung sind: ~Arsenicum~, ~Belladonna~, ~Sulphur~,
  ~Silicea~, ~Nux vomica~, ~Graphites~ und ~Phosphorus~.

  =Allöopathisch.= Die Ränder der Augenlider sollten jeden Abend mit
  Citrinensalbe eingerieben werden. Dieselbe wird wie folgt zubereitet:

    Salbe von salpetersaurem Quecksilber (~Ointment of
    nitrate of mercury~).                                 1 Theil.
    Salbe von Spermaceut oder
    Präparirtem Schweinefett                              2 Theile.

  Mische es.

  Auslösung von essigsaurem Blei (~Acetate of Lead~) oder
  schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), oder auch schwefelsaurem
  Kupfer kann in dem Verhältnisse von 2 Granen auf eine Unze angewendet
  werden.


Chronisch skrophulöse Augenentzündung.

Dieses Leiden beschränkt sich vornehmlich auf Kinder unter 8 Jahren,
doch können auch zuweilen Erwachsene davon befallen werden. Die
hervortretendsten Symptome sind: große Lichtscheu, die Augenlider sind
beständig geschlossen, so daß es unmöglich ist, die Augen zu sehen, und
der Kopf ist fortwährend vom Licht weggewendet. Der Augapfel ist nicht
sehr geröthet, doch zeigen sich auf der Oberfläche desselben kleine
Flecken von Eiter und Blutwasser. Wenn die Krankheit nicht eingehalten
wird, so werden die Augen allmählig von jenem Eiter zerstört. Der
Organismus ist schwach, hinfällig und die Verdauungsorgane sind in
Unordnung. Die Behandlung dieses Leidens sollte nur einem geschickten
Arzte überlassen bleiben.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Beim Beginn des Anfalls gebe, wie bei Entzündung der
  Augenlider und des Augapfels, ~Aconitum~ und ~Belladonna~.

  ~Dulcamara.~ -- Wenn die Entzündung durch eine Erkältung verursacht
  wurde, die Augen durch das Lesen schlimmer werden und Verdunkelung
  des Blickes eintritt, gleichzeitig ein Gefühl, als ob feurige Kugeln
  aus den Augen heraus fliegen. Gegen Eiterungen und weiße Flecke auf
  den Augäpfeln, welche daselbst verbleiben, nachdem die Entzündung
  nachgelassen hat, gebe man ~Euphrasia~, ~Hepar Sulphur~ und
  ~Silicea~. jedes Heilmittel eine Woche lang. Eine Dosis (6 Kügelchen)
  von dem gewählten Mittel jeden Abend. Ist ~Silicea~ gegeben worden,
  so sollte eine Waschung von 12 Kügelchen von ~Silicea~ in einem
  halben Theelöffel voll Wasser angewendet werden. Gegen Flecke vor den
  Augen gebe man ~Euphrasia~, ~Hepar Sulphur~, ~Silicea~, ~Calcarea
  Carbonica~ und ~Acidum Nitri~ in derselben Weise.

  =Allöopathisch.= Cooper empfiehlt das Legen eines Blasenpflasters
  im Nacken oder hinter den Ohren, was die Entzündung sehr schnell
  verschwinden machen wird. Die Augen können mit einer Auflösung von
  einer Drachme Opium in einem Pint heißen Wassers gebähet oder mit
  der Flüssigkeit gewaschen werden. Ebenso kann auch eine Abkochung
  von Mohnköpfen und Kamillenblüthen angewendet werden. Nachdem die
  Entzündung nachgelassen hat, können die Augen in eine Auflösung von
  Alaun (~Alum~), 2 Grane auf eine Unze Wasser, gebadet, oder eine
  Auflösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), 2 Grane
  auf eine Unze Wasser, kann in wenigen Tropfen 1 oder 2 Mal des Tages
  in das Auge gebracht werden. Die Eingeweide müssen mit einem gelinden
  Abführmittel offen gehalten werden, wie Quecksilber (~Mercury~) mit
  Kreide (~Chalk~), ein wenig Rhabarber oder Magnesia. Eisenpräparate
  (~Preparations of iron~), Sassaparilla und Leberthran entsprechen, um
  den Organismus zu stärken.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgender Syrup möge angewendet werden,
  den Organismus zu reinigen:

    Gelbe Parillawurzel                                   2 Pfund.
    Kletten (~Burdock~) und Grundwurz (~Yellowdock~)
    von jedem                                             1   „

  Wurzelrinde von

    Bittersüß (~Bitter sweet~) und Sassafras von jedem    ½   „
    Maiapfel (~May apple~) und Blutwurzel (~Bloodroot~)
    von jedem                                             2 Unzen.

  Brühe es in 5-6 Gallonen Wasser und koche es zu einer Gallone ein,
  füge, während es heiß ist, 6 Pfund Zucker hinzu, seihe es durch
  und fülle es in Flaschen. Auf jedes Pint kommt eine halbe Drachme
  Potaschen-Hydriodat in ein oder zwei Unzen Wasser aufgelöst. Dreimal
  des Tages ein Weinglas voll.


Gerstenkorn (~Stye~) am Augenlid.

Dies ist eine kleine Geschwulst, die sich am Rande des Augenlid’s
oder an dem Lide bildet. Der Eiter bildet sich in 2 bis 3 Tagen und
die Geschwulst springt auf. Ein erweichender Umschlag, von Brod und
Milch oder Leinsamen gemacht, in einem feinen, weichen Leinentuch,
sollte über das Auge gelegt werden, bis sich der Eiter bildet. Nachdem
derselbe ausgeflossen ist, wende man des Nachts beim zu Bettegehen,
zwei oder drei Nächte lang, ein wenig verdünntes salpetersaures
Quecksilber (~Diluted nitrate of mercury ointment~) an. Salz und Wasser
wird zuweilen die Wiederkehr derselben verhindern. Ein allgemein
bekanntes Mittel, welches die Bildung von Gerstenkörnern verhindern
soll, ist das Reiben mit einem Goldring oder Messingschlüssel an dem
sich eben bildenden Gerstenkorn zur Nachtzeit. Ich überlasse es dem
Einzelnen, den Werth desselben zu untersuchen.


Behandlung

  =Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ -- ist das wichtigste Mittel. Eine
  Dosis 2 Mal des Tages. Verschafft es keine Linderung, so gebe man
  Merkur abwechselnd mit ~Hepar Sulphuris~ oder ~Staphysagria~.
  Eine Dosis 2 oder 3 Mal des Tages eine Woche hindurch von diesen
  Heilmitteln wird zuweilen deren Erscheinen verhindern. ~Calcarea
  Carbonica~ kann in derselben Weise gegeben werden.


Nasse oder thränende Augen.

Dieses Leiden wird durch eine Störung im Thränenkanal oder der Drüsen,
in welchen sich die Thränen bilden, verursacht. Der Kranke wird zuerst
durch eine Schwäche des Auges darauf aufmerksam gemacht, Thränen stehen
in dem inneren Winkel des Auges, welche durch die kalte Luft vermehrt
werden. Dieses kann Monate ja Jahre lang anhalten und ist eine Quelle
großer Unbehaglichkeit. Eiterbeulen bilden sich auf der Seite der Nase
und die Knochen der Nase können angegriffen werden.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Bähungen von Kamillenthee oder Mohnblättern lindern
  zuweilen, und das Baden der betreffenden Theile mit Branntwein und
  Wasser oder Branntwein allein, ist sehr wohlthätig. Die verdünnte
  salpetersaure Quecksilbersalbe kann in einigen Fällen angewendet
  werden, und zwar, indem man ein Stück von der Größe eines Hanfkorns
  in die innere Seite des Augenlides einsetzt und es längs des Randes
  einreibt.

  =Homöopathisch.= Entspringt das Thränen der Augen aus einer
  allgemeinen Schwäche des Organismus, so kann ~Euphrasia~ und
  ~Spigelia~ abwechselnd alle 2 oder 3 Tage eine Dosis von 6 Kügelchen
  gegeben werden. Andere Mittel sind ~Belladonna~, ~Pulsatilla~,
  ~Calcarea Carbonica~, ~Silicea~ und ~Sulphur~, welche in der
  aufgeführten Ordnung gegeben werden können.

  Gieb ein jedes Mittel 4 bis 6 Wochen. Die einzige dauernde Linderung
  aber wird durch eine Operation, welche von einem geschickten
  Chirurgen vorgenommen werden sollte, hervorgerufen.


Schwarzer Staar (~Cataract~, ~Glaucoma~).

Dies ist eine Verdunkelung oder Trübung des Crystallkörpers, welcher
den Zugang der Lichtstrahlen verhindert. Es wird allgemein bei älteren
Personen gefunden und ist zuweilen ererbt.

+Symptome.+ Die ersten Anzeichen von dem Annähern dieser Krankheit sind
in der Regel diese: Die Gegenstände erscheinen verschwommen und ein
beständiger Nebel ist vor den Augen. Starkes Licht ist erforderlich,
um zu lesen oder zu schreiben, und ein kleiner Fleck erscheint in der
Regel zuerst hinter dem Mittelpunkt der Pupille, der sich allmählig
immer weiter ausdehnt und zuletzt den Zugang der Lichtstrahlen in das
Auge gänzlich versperrt.

+Ursachen.+ Häufiges und lang anhaltendes Lesen von feinem Druck,
Schreiben oder Blicken auf kleine Gegenstände bei starkem Lichte,
Blutandrang nach den Augen, Bewegung in der Sonnenhitze, in Gießereien
und an anderen Plätzen, wo helles, heißes Licht zu finden ist,
Aussetzen der Augen reizender Dämpfe und Dünste, Verletzungen des
Baues. Dieses Leiden kann nur durch eine Operation gehoben werden. Die
Homöopathie aber hat Mittel, welche dasselbe in einigen Fällen heben
sollen, und diese sind folgende: ~Silicea~, ~Graphites~, ~Hydriodate of
Mercury~, ~Calcarea Carbonicum~, ~Conium~ und ~Digitalis~ -- eine Dosis
ein- oder zweimal in 24 Stunden.


Augenschwäche (~Weakness of Sight~, ~Amblyopia~)

ist ein mangelhafter Zustand der Sehnerven, welche sie schwächt
oder lähmt in mehr oder minderem Grade. Ist der Nerv nur wenig
gelähmt, so ist es ~Amblyopia~, bei gänzlicher Lähmung Blindheit
oder ~Amaurosis~. Bei einer einfachen Augenschwäche vermindert sich
das Unterscheidungsvermögen vermittelst der Sehkraft, das allmählig
abnimmt, bis sich ~Amaurosis~ vollständig einstellt. In einigen Fällen
beschränkt sich der Verlust der Sehkraft auf nur einen kleinen Theil
des Auges; Gegenstände erscheinen schief oder verdreht und in Bezug auf
Größe verändert, Flammen und Flecken flimmern vor den Augen. Nähert
sich das Leiden mehr und mehr der ~Amaurosis~, wird der Blick von Nebel
verdunkelt und zuweilen ist auch etwas Schmerz damit verbunden. In
einigen Fällen tritt ein Verlangen nach stärkerem Lichte ein und in
anderen wieder ist eine Trockenheit der Augen und Nasenhöhlen vorhanden.

~Amaurosis~ wird dadurch vom Staar (~Glaucoma~) unterschieden, daß die
Verdunkelung oder der Verlust der Sehkraft plötzlich eintritt und die
mit den Augen wahrgenommenen Gegenstände mit Flecken bedeckt zeigt.
Beim Staar hingegen nimmt die Sehkraft nur langsam ab und ist eher mit
einem Nebel vor den Augen zu vergleichen, und es wird alles wie durch
einen weißen Flor gesehen, was bei ~Amaurosis~ nicht der Fall ist.

Kennzeichen der Annäherung von ~Amaurosis~ sind Schmerzen in der Stirn
und den Schläfen, welches mit der Zunahme der Blindheit (~Amaurosis~)
abnimmt, Umwölkung des Blickes, Flecken schwimmen vor den Augen,
welches dem Kranken lästig wird. Beim Lesen oder Schreiben ist ein
stärkeres Licht als gewöhnlich erforderlich.

+Ursachen.+ -- Hierzu können, obgleich es übertragen worden sein
oder durch Unverdaulichkeit hervorgerufen worden ist, Mißbrauch von
Reizmitteln, unterdrückter Stuhl, Gicht, Rheumatismus oder Skropheln,
Nervenfieber, der Gebrauch des Schnupftabaks, zu langes Stillen von
Kindern, außerordentlicher Kummer, Ueberanstrengung der Sehkraft,
Arbeiten bei einem sehr hellen, strahlenden Lichte und Verletzungen
des Baues des Sehorgans, Schlaganfall, Anreizung der Eingeweide, sei
es von Würmern oder aus anderen Ursachen herrührend; Schrecken, Druck
auf die Blutgefäße des Nackens, wodurch die Rückkehr des Blutes vom
Gehirn verhindert wird, Wirkung giftiger Bestandtheile wie Belladonna,
Stechapfel (~Stramonium~), Opium, Blei und Chinin.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Aufmerksamkeit sollte dem allgemeinen
  Gesundheitszustand gewidmet werden. Wird Blindheit durch eine Störung
  der Verdauungsorgane hervorgerufen, so sollte sie gehoben werden. Der
  Kranke vermeide jede Anstrengung der Augen in starkem Lichte und
  halte sie zu jeder Zeit so viel als möglich beschattet. Alles Lesen,
  Schreiben und feine Nadelarbeit muß eingestellt werden. Eine tägliche
  mäßige Bewegung im Freien, das allabendliche Baden der Füße in warmem
  Wasser und das Eintauchen des Kopfes in warmes oder kaltes Wasser
  am Morgen sollte man nie vernachlässigen. Die Kost muß nahrhaft und
  leicht verdaulich sein.


  =Eclectische und Kräuterkur.= Dr. King empfiehlt folgende Pillen zum
  Einnehmen:

    Jod (~Iodine~)                                       10 Grane.
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~)      2½   „
    Strychnin (~Strychnia~)                               1   „
    Alcohol-Extrakt von Schlangenwurzel (~Cohosh~) hinreichend um aus
    Obigem Pillen zu machen.

  Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: Eine Pille zwei- oder
  dreimal des Tages. Sollte das Strychnin den Kranken angreifen, so
  vermindere man die Menge von demselben. Ebenso empfiehlt derselbe das
  zusammengesetzte Theerpflaster (~Compound Tar Plaster~) im Nacken
  aufgelegt, und zwar das Rückgrat an beiden Seiten bis zur Hälfte
  hinab bedeckend, der so lange als es nur der Kranke ertragen kann,
  dort bleiben soll.

  =Homöopathisch.= Gegen einfache Schwäche der Augen eines von den
  folgenden Mitteln: ~Pulsatilla~, ~Sulphur~, ~Belladonna~, ~Calcarea~,
  ~Phosphorus~. Jedes dieser Heilmittel sollte vier oder sechs Wochen
  verordnet werden. Alle drei Tage des Abends eine Dosis bis Besserung
  eintritt, oder bis das nächste Heilmittel gegeben wird.


Gegen gänzliche Erblindung.

  ~Belladonna.~ -- Pupille erweitert und unbeweglich, Schielen,
  theilweiser oder gänzlicher Verlust der Sehkraft, Gefühl von Schwere
  und Druck im Augapfel, klopfender und betäubender Kopfschmerz,
  Gegenstände erscheinen doppelt oder verkehrt, gefleckt oder von
  einem Nebel und Dunstkreis umgeben, grelle Blitze vor den Augen.
  Sollte ferner, wenn das Leiden Entzündung oder Blutandrang nach den
  Sehnerven oder dem Gehirn zur Ursache hat, angewandt werden. Man gebe
  es abwechselnd mit ~Hyosciamus~.

  ~Nux vomica.~ -- Pupille zusammengezogen, krampfhafte Bewegung des
  Augapfels, betäubender Kopfschmerz, schlimmer beim Tageslicht,
  Schwindel. Tritt plötzlich, ohne eine scheinbare Ursache, Blindheit
  ein, so gebe man zuerst ~Aconitum~, dann ~Mercurius~ alle zwei oder
  drei Stunden eine Dosis. Kann abwechselnd gegeben werden.

  ~China.~ -- Pupille erweitert und empfindlich, lichtscheu,
  weiße Wolke im Auge, Flecken schwimmen vor dem Auge, allgemeine
  Hinfälligkeit.

  ~Phosphorus.~ -- Plötzliche Anfälle von Blindheit während des Tages,
  schwarze Flecken vor den Augen, Verdunkelung des Blickes, die Flamme
  des Lichtes scheint mit einem grünen Dunst umgeben zu sein und
  entferntere Gegenstände sind scheinbar in Rauch und Nebel eingehüllt.

  ~Stramonium.~ -- Augen sternartig funkelnd, Gefühl von Schwere
  in den Augen, Gegenstände erscheinen klein oder werden doppelt
  gesehen. Funken und Flecken schimmern vor den Augen, Schwindel und
  Kopfschmerz, besonders wenn die Blindheit durch Hysterie, Epilepsie,
  Katalepsie (Starrsucht) verursacht ist.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe eine Dosis des gewählten
  Mittels Morgens und Abends, wenn nicht andere Anweisung bei den
  Heilmitteln angegeben sind.

  =Allöopathisch.= Wenn Symptome anzeigen, daß ein Uebermaß von Blut im
  Kopfe vorhanden ist und die Schwäche der Augen beim Bücken zunimmt
  &c., 10 Unzen Blut sollten am Arm entzogen und 6 Blutegel an die
  Schläfe gesetzt werden. Diese Mischung ist jeden zweiten oder dritten
  Tag zu geben.

    Zusammengesetzte Sennesblätter-Mischung              1½ Unze.
    Safran- (~Colchicum~) Tinktur                        20 Minims.

  Diesem sollte man 5 bis 6 Grane Calomel folgen lassen. Wiederhole die
  Sennesblätter-Mischung (~Senna mixture~) so oft als nöthig, um eine
  vollständige Wirkung auf die Eingeweide hervorzurufen. Diese Mischung
  sollte jeden zweiten oder dritten Tag gegeben werden, damit die
  Eingeweide offen bleiben.

  Wird die Augenschwäche durch Blutungen oder durch lang anhaltende
  Entleerungen irgend einer Art fortgesetzt, so sollten stärkende
  Mittel gebraucht und die Eingeweide mit folgendem in Ordnung gehalten
  werden:

    Aufguß von Enzian (~Gentian~)                        5½ Unzen.
    Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sesquicarbonate
    of ammonia~)                                          ½ Gran.
    Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Cardamon~)        ½ Unze.

  Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Oder:

    Rinden-Abkochung (~Decoction of bark~)                7 Unzen.
    Zusammengesetzte Rinden-Tinktur (~Compound tincture
    of bark~)                                             6 Drachmen.
    Orangenschalen-Syrup                                  2    „
    Verdünnte Schwefelsäure (~Deluted sulphuric acid~)    1    „

  Mische es. Ein Eßlöffel voll dreimal des Tages. Gagel-Wurzel (~Bay
  berry root~) getrocknet, pulverisirt und als Schnupftabak verwendet,
  ist hin und wieder dienlich. Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) ein Gran auf
  eine Unze Wasser ist gleichfalls zu empfehlen und sollte davon jeden
  Tag ein wenig in die Augen getropft werden. Electro-Galvanismus ist
  bei dieser Krankheit ein sehr wichtiges Mittel.

  Folgendes ist in einigen Fällen ein gutes stärkendes Mittel:

    Eisen- und Strychnin-Citrat (~Citrate of iron and
    strychnine~)                                          1 Drachme.
    Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~)         2 Unzen.
    Weiches Wasser                                        ½ Pint.

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.


Kurzsichtigkeit (~Myopia~).

Hängt von einer zu starken Wölbung (Convexität) der Hornhaut und
Linse, sowie von der übermäßigen Glasfeuchtigkeit ab, und veranlaßt,
daß die in Augenschein zu nehmenden Gegenstände der Sehkraft etwas
näher gebracht werden müssen. Dieses Leiden kann ererbt, oder durch
angestrengtes Studium, sowie auch durch den anhaltenden Gebrauch der
Augen auf kleine Gegenstände herbeigeführt werden.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Wenn die Krankheit dadurch veranlaßt wurde, daß die
  Augen zu viel auf kleine Gegenstände gerichtet waren, sowie auch
  durch Lesen, Schreiben, Nähen, Malen und dergleichen mehr, so
  wird die Heilung desselben um Vieles vereinfacht werden, wenn man
  sich solcher Beschäftigungen ganz enthält und die Augen nur auf
  große Gegenstände in der Entfernung richtet. Häufige Bewegung im
  Freien, Gehen und Reiten, Reisen durch neue und Interesse bietende
  Landschaften werden sehr wohlthuend einwirken.

  Kann indessen dieses Leiden nicht geheilt werden, so sollte man
  hohlgeschliffene Brillen tragen.


Weitsichtigkeit (~Presbyopia~).

beruht auf einer Verminderung der Augenfeuchtigkeit und Abplattung der
Hornhaut. Dieses Leiden wird häufiger bei Personen vorgeschritteneren
Alters gefunden und ist ein frühes Zeichen vom Altwerden. Dem Mangel
kann annähernd durch convex geschliffene Gläser abgeholfen werden.


Schielauge (~Squinting~, ~Strabismus~).

Ein Leiden, das sowohl acut als auch chronisch sein kann. Hierbei kommt
es vor, daß der damit Behaftete beabsichtigen mag, beide Augen auf
einen Gegenstand zu richten, eines derselben sich unfreiwillig von der
natürlichen Richtung wegwendet. Das Auge ist häufiger nach Innen als
nach Außen gerichtet.

~Ursachen.~ Schwachsichtigkeit, unvollkommenes Sehvermögen, durch
Kurzsichtigkeit u. s. w. Kann bei kleinen Kindern durch die Lage in
der Wiege, und zwar dadurch, daß sie das Licht immer von einer Seite
haben, verursacht werden. Dies kann durch die Stellung der Wiege, so
daß das Licht mehr voll ins Gesicht fällt, verändert werden.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Bei Schielen auf- oder auswärts,
  das linke Auge aufwärts und das rechte auf- und auswärts,
  Weitsichtigkeit, zusammengezogene, dann erweiterte Pupille, welche
  schließlich unempfindlich gegen Licht wird.

  ~Alumina.~ -- Schielen beider Augen, krampfhaftes Zucken der
  Augenlider, häufig Gerstenkörner, Gegenstände erscheinen gelb,
  Schielen in- und aufwärts, Augen funkelnd und hell oder stumpf und
  dunkel.

  ~Digitalis.~ -- Beide Augen mit einer Neigung nach Innen, drehen
  sich nach der linken Seite, mit schmerzlichem Gefühl, wenn nach der
  rechten Seite gerichtet, die Gegenstände erscheinen doppelt.

  ~Camphor.~ -- Muskelkrampf, Augapfel nach Oben gedreht.

  Andere Mittel sind: ~Secale~, ~Spigelia~, ~Phosphorus~ und ~Sulphur~.

  =Allöopathisch.= Die Eingeweide sollten in gutem Zustande gehalten
  werden, dadurch, daß gelegentlich eine Dosis Castoröl oder Salz, auch
  Salz und Sennesblätter (~Senna~) gegeben und die Kost sorgfältig
  geordnet wird. Der Zustand kann dadurch überwältigt werden, daß
  sich der damit Behaftete vor einen Spiegel stellt, das gesunde Auge
  zudrückt und mit dem schielenden beständig einen Gegenstand im Auge
  zu behalten sucht. Dies sollte so lange geschehen, bis sich das Auge
  ermüdet fühlt. Dies sollte mehrere Male des Tages geschehen, da
  dadurch das schielende Auge gelehrt wird, in der gehörigen Lage zu
  verbleiben.

  Folgende stärkende Mittel sind zu empfehlen:

    Strychnin (~Strychnia~)                               2 Grane.
    Verdünnte Phosphorsäure (~Diluted phosphoric acid~)   1 Unze.
    Pfeffermünzwasser (~Peppermint water~)  3 Pints.

  Löse das Strychnin in der Säure und füge dann Pfeffermünzwasser
  hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  Oder:

    Eisen- und Strychnin-Citrat (~Citrate of Iron and
    Strychnine~)                                          1 Drachme.
    Orangenschalensyrup (~Syrup of Orange peel~)          2 Unzen.
    Weiches Wasser                                        ½ Pint.

  Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  Im Fall die Medizin ohne Erfolg ist, muß zur Operation geschritten
  werden, bei welcher die Muskeln des Auges zu theilen sind.


Fremde Körper im Auge.

Gegen Staub, der sich in das Auge setzt, wird in der Regel eine
Waschung mit kaltem Wasser, Sahne oder Milch, besonders wenn sich
Asche, Kalk oder Tabak in das Auge setzt, hinreichen. Um dergleichen
Staub- oder Sandkörner aus dem Auge zu entfernen, ziehe man das obere
Augenlid über das untere und lasse es dann wieder zurückgleiten,
wornach alles Ungehörige von dem unteren Augenlid weggenommen werden
kann. Bei Entzündungen, die von Beschädigungen des Auges herrühren,
möge man eine Auflösung von salpetersaurem Silber (~Solution of nitrate
of silver~) oder schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), und zwar im
Verhältniß von 1 bis 2 Granen auf eine Unze Wasser, anwenden.

Fremde Körper aus dem Auge zu entfernen, kann auch dadurch geschehen,
daß man eine Stricknadel über das obere Augenlid drückt und dann das
Lid nach aufwärts dreht, so wird die innere Fläche blosgestellt und der
gewünschte Endzweck mit Leichtigkeit erreicht.



Sechstes Kapitel.

Ohrenkrankheiten.


Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden Theile.

Unter dem äußeren Ohr versteht man die s. g. Ohrmuschel, die man
gewöhnlich Ohr nennt, sowie den Gehörgang (~Meatus~). In der Ohrmuschel
wird der Schall gleichsam gesammelt, der Gehörgang aber führt denselben
weiter zur Ohrtrommel (~Tympanum~). Der die Ohrmuschel einfassende Rand
wird ~Hilex~, der Rand innerhalb des ~Hilex~ -- ~Anti-hilex~ genannt.
Die Aushöhlung, die vom ~Anti-hilex~ umgeben ist, nennt man ~Concha~,
weil sie einer „Muschel“ ähnlich sieht. Das Ohrläppchen, der Theil, an
dem die Ohrringe getragen werden, ist der unterste Theil des Ohres.


Ohrenentzündung (~Inflammation of the Ear, Otitis~).

Die Ohrenentzündung kommt sehr häufig bei Kindern vor, findet sich
jedoch auch bei Erwachsenen. Es ist eine Entzündung der Ohrtrommel
und eine sehr schmerzhafte Krankheit, welche andere Theile des Ohres
afficirt und namentlich verursacht, daß der Gehörgang oft bedeutend
anschwillt, so daß derselbe manchmal geschlossen wird.

+Symptome.+ Bedeutende Hitze, stechende Schmerzen tief im Ohre und
auffallende Röthe. Manchmal ergreift die Entzündung das Gehirn und es
mögen in diesem Falle Krämpfe oder Delirium eintreten. Oft folgt diese
Krankheit dem Scharlachfieber und anderen Krankheiten.

+Ursachen.+ Dieselben sind: das sich Aussetzen der kalten Luft, oder
wenn der Kopf kaltem Luftzug ausgesetzt wird. Manchmal entsteht das
Uebel auch durch das Eindringen fremder Körper in’s Ohr, z. B. Watte,
Papier, Bohnen, Insekten &c.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Ein oder zwei Blutegel (~Leech~), die an die Schläfe
  oder hinter die Ohren gesetzt, oder ein Pflaster, das hinter dem Ohr
  aufgelegt wird, werden gute Dienste thun. Auch mögen Umschläge von
  Flachssamen, Hopfen oder Brod und Milch angewendet werden; sowie das
  folgende:

    Zubereitete Kreide (~Prepared chalk~)                36 Grane.
    Kamille (~Chamomile~)                                12   „
    Ipecacuanha (~Ipecac~ -- Brechwurz)                   4   „
    Bilsenkrautextrakt (~Extract of Hyosciamus~)          6   „

  Hieraus mache man 12 Pulver und nehme eines derselben vor dem
  Schlafengehen. Während des Tages gebe kleine Dosen Magnesia oder
  Bittersalz und Sennesblätter (~Salts and Senna~).

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Entzündung durch Erkältung
  erzeugt wurde, so verordne man ein Fußbad und lege warme
  Hopfenumschläge auf das Ohr. Manchmal wird der Schmerz gelindert,
  wenn man einige Tropfen süßes Mandelöl (~Sweet oil of Almonds~) und
  einen Tropfen Laudanum ins Ohr träufeln läßt. Dies mag zwei- oder
  dreimal des Tages gebraucht werden. Auch kann man hierzu manchmal
  Zwiebelsaft und Laudanum -- gleiche Theile von jedem -- verwenden.
  Oder:

    Sassafrasöl (~Oil of sassafras~)                      ½ Drachme.
    Olivenöl (~Olive oil~)                                1    „
    Pulverisirter Kampher (~Powdered Camphor~)           15 Grane.

  Mische und löse den Kampher in den Oelen auf. Einige Tropfen dieser
  Mischung mögen warm ins Ohr geträufelt werden. Ist der Schmerz
  sehr heftig, so lege man ein Senfpflaster hinter das Ohr und gebe
  Castoröl, oder Bittersalz oder ein anderes mildes Abführungsmittel.

  =Homöopathisch.= Das Waschen des Ohrs mit aus spanischer (~Castile~)
  Seife zubereitetem Seifenwasser mag sehr wohlthätig wirken. Auch kann
  man Watte (Baumwolle), die mit warmgemachtem, süßem Mandelöl begossen
  wird, auf das Ohr legen. ~Pulsatilla~ ist gegen diese Krankheit ein
  sehr wichtiges Heilmittel. Man gibt dasselbe namentlich dann, wenn
  der Kranke brennende stechende Schmerzen empfindet, die so heftig
  werden, daß beinahe Delirium eintritt.

  ~Belladonna.~ Wenn der Schmerz sich dem Gehirn mittheilt, Unruhe der
  Hände, Zerren der Muskeln und Mundecken und große Empfindsamkeit
  und Erregtheit. ~Aconitum~ mag mit ~Belladonna~ abwechselnd
  gegeben werden, wenn das Fieber sehr stark ist. Auch kann ~Coffea~
  abwechselnd mit ~Belladonna~ in Anwendung kommen, namentlich wenn
  der Patient große Unruhe zeigt. Setzt sich ein Geschwür an, was sich
  durch heftigen, stechenden Schmerz und ein eigenthümliches Klopfen
  anzeigt, so gebe man ~Mercurius~, ~Lachesis~ oder ~Hepar Sulphur~.
  Letzteres Mittel ist das beste.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man löse 12 Kügelchen des betreffenden
  Heilmittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede halbe
  Stunde einen Theelöffel voll, oder jede Stunde, alle zwei oder drei
  Stunden, je nach den Symptomen.


Ohrenschmerz (~Earache, Otalgia~).

Dieses Uebel sollte nicht mit der Ohrenentzündung verwechselt werden,
da es ganz und gar verschiedener Natur ist, weil dabei kein Fieber
vorherrscht und der Schmerz eher rheumatischer Art ist. Die Anfälle
treten plötzlich ein und sind von kurzer Dauer. Oft ist der ganze Kopf
eingenommen und die Ursache hat man gewöhnlich in einer Erkältung zu
suchen.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende ist ein gutes Mittel: Man
  röste drei oder vier Knoblauchzwiebel (~Garlic~) und zerdrücke sie
  während dieselben warm sind; gieße einen Eßlöffel voll Salatöl, einen
  Eßlöffel voll Honig und einen Eßlöffel voll Laudanum hinzu. Drücke
  den Saft aus und träufle denselben warm dann und wann ins Ohr. Der
  Dampf von bitterem Kräuterthee, über welchen man das Ohr hält, sowie
  ein Hopfenumschlag werden sich als ausgezeichnete Mittel erweisen.

  =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Dies ist das Hauptmittel gegen
  dieses Uebel; namentlich wenn der Schmerz reißend und zuckend ist,
  als ob sich etwas aus dem Ohre drücken wolle. Wenn das Ohr heiß,
  roth und geschwollen ist, oder wenn der Patient stechende, reißende
  Schmerzen in der ganzen Seite des Gesichts fühlt. Dieses Mittel ist
  hauptsächlich bei Frauenzimmern und Personen anwendbar, die leicht
  frösteln.

  ~Chamomilla.~ -- Namentlich bei acuten und stechenden Schmerzen, wie
  die von einer Messerwunde, hauptsächlich auf eine Erkältung, wo dem
  Schweiß plötzlich Einhalt gethan wurde, wenn die Schmerzen stechend,
  reißend sind und der Patient sehr erregt und übler Laune ist.

  ~Belladonna.~ -- Wenn Blutandrang nach dem Kopfe stattfindet und
  reißende, stechende Schmerzen sich nach dem Halse zu ziehen.

  ~Hepar Sulphur~ -- mag gegeben werden, wenn sich die bei ~Belladonna~
  angegebenen Symptome zeigen, namentlich wenn dieses Heilmittel nicht
  lindert; ebenso wenn der Schmerz klopft, zuckt und zaust.

  ~Mercurius.~ -- Im Falle ~Pulsatilla~ und ~Chamomilla~ nicht
  mildern; auch wenn der Schmerz zerrend ist und sich nach den Wangen
  zieht, wenn die Schmerzen im warmen Zimmer sich vermehren und eine
  fröstelnde Empfindung im Ohr verspürt wird; oder der Patient viel
  schwitzt, ohne daß ihm hierdurch Linderung würde.

  ~Nux vomica.~ -- Wenn die Schmerzen heftig, stechend und zerrend sind
  und sich bis zu den Schläfen und der Stirne erstrecken, sowie hinab
  zu den Kinnbacken.

  ~Spigelia.~ -- Wenn der Schmerz empfunden wird, als ob ein Nagel
  im Ohr stecke und der Patient in den Kinnbacken Reißen und Zerren
  empfindet.

  ~Rhus.~ -- Brauchbar wenn das Ohrenweh durch Erkältung verursacht
  wird.

  ~Arnica.~ -- Wenn der Schmerz bei der geringsten Veranlassung
  wiederkehrt, bei großer Empfindlichkeit und man ein Sausen um das Ohr
  herum verspürt. Hauptsächlich bei nervösen, empfindsamen Personen
  anzuwenden.

  ~China.~ -- Ist namentlich anzuwenden nach ~Arnica~ oder
  ~Pulsatilla~, hauptsächlich wenn die Schmerzen reißend sind und mehr
  am äußeren Theil des Ohres gefühlt und bei Berührung vermehrt werden
  und Sausen im Ohr verspürt wird.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll jede 15 Minuten, halbe
  Stunde oder zwei Stunden, je nachdem es die Symptome erfordern.
  Manchmal fühlt der Kranke, nachdem die heftigsten Schmerzen gehoben
  sind, eine gewisse Wundheit und dumpfen Schmerz; dagegen gebrauche
  ~Sulphur~ oder ~Calcarea~. ~Carbonica~ -- eine Dosis Morgens und
  Abends.

  =Allöopathisch.= Das Ohrenweh mag gelindert werden, indem man drei
  oder vier Tropfen Oliven- oder Mandelöl mit einem Tropfen Laudanum
  ins Ohr träufeln läßt. Amerikanische Blutegel (~American leeches~)
  hinters Ohr gesetzt sind manchmal von guter Wirkung. Glycerin und
  warmes Wasser, von jedem einen halben Eßlöffel voll. Mische und
  träufle die Mischung vermittelst eines Theelöffels ins Ohr. Dieses
  Mittel schafft oft baldige Linderung. Oder nehme einen halben
  Theelöffel voll warmes Olivenöl mit zehn Tropfen Laudanum und träufle
  dies ins Ohr. Das folgende wird manchmal ausgezeichnet wirken, wenn
  ein Stärkungsmittel (~tonic~) nöthig ist.

    Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~)              1 Drachme.
    Strychnin                                             1 Gran.
    Pomeranzschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~)        2 Unzen.
    Weiches Wasser                                        ½ Pint.

  Mische. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.


Ohrensausen, Ohrenklingen (~Humming and Buzzing in the Ears~).

Diese Symptome nimmt man gewöhnlich beim Ohrenweh, Ohrenlaufen oder
Entzündung des Ohres wahr und sollten dieselben wie diese Uebel
behandelt werden. Manchmal wird das Ohrenlaufen &c. auch durch
Blutandrang im Kopfe und durch Erkältung verursacht.


Schwerhörigkeit (~Hardness of Hearing, Surditas~).

Taubheit mag von unrichtiger Ohrbildung herrühren oder durch Schläge,
einen Fall, Entzündung oder Paralisirung des Ohrnervs verursacht
werden. Dieses Uebel folgt oft dem Scharlachfieber, den Masern, bösem
Hals &c. Auch ist oft Ansammlung und Verhärtung des Ohrschmalzes, ein
harter Körper, der in das Ohr eindrang, zu große Trockenheit und zu
große Feuchtigkeit der betreffenden Theile Schuld.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Ist Schwerhörigkeit durch Ansammlung des
  Ohrschmalzes verursacht, so muß dasselbe vorerst dadurch entfernt
  werden, daß man ein wenig warme Milch oder Salatöl ins Ohr träufeln
  läßt. Gegen die nach der Operation eintretende Wundheit gebe
  ~Arnica~. Ist zu große Trockenheit des Ohrs vorhanden, oder nach
  Fieber- und Fieberfrösten gebe ~Carbo vegetabilis~ alle Abend eine
  Dosis. Nachdem hiermit eine Woche oder länger fortgefahren und keine
  Besserung eingetreten, gebe ~Graphitis~, namentlich wenn Ohrensausen
  und Ohrenklingen des Nachts oder auch bei Tage hinzukömmt. Tritt
  nach Gebrauch dieses Mittels immer noch keine Besserung ein, so
  gebe ~Lachesis~, ~Nitric acid~, ~Petroleum~, eines nach dem andern
  in derselben Weise. Ist die Taubheit durch Blutandrang nach dem
  Kopfe hervorgerufen, so gebe ~Belladonna~, ~Coffea~, ~Nux vomica~,
  ~Sulphur~ oder ~Silicea~ -- eine Dosis jeden Morgen und Abend,
  beginnend mit dem erstgenannten Heilmittel und damit drei Tage lang
  fortzusetzen, ehe zu einem anderen gegriffen wird. Folgt das Uebel
  den Masern, so gebe ~Pulsatilla~ und ~Carbo Vegetabilis~; wenn dem
  Scharlachfieber, ~Belladonna~ und ~Hepar Sulphur~; wenn nach den
  Blattern, ~Mercurius~ und ~Sulphur~, eine Dosis jeden andern Abend
  abwechselnd. Wenn die Krankheit durch Erkältung im Kopfe entstanden,
  greife man zu ~Chamomilla~, ~Arsenic~, ~Lachesis~, ~Mercurius~,
  ~Sulphur~ oder ~Pulsatilla~. Folgt das Uebel dem Wechselfieber das
  durch Chinin kurirt wurde, so gebe ~Carbo Vegetabilis~, ~Pulsatilla~,
  ~Sulphur~ und ~Calcarea Carbonica~; jedes Mittel eine Woche, eine
  Dose jeden Abend, bis Besserung eintritt. Wenn das Uebel durch
  Unterdrückung des Abgangs aus Ohr und Nase entstanden, ~Pulsatilla~,
  ~Mercurius~, ~Belladonna~ oder ~Hepar Sulphur~ zwei oder drei Tage
  lang, ein Heilmittel einmal des Tages.

  =Allöopathisch.= Ist die Schwerhörigkeit durch Ansammlung des
  Ohrschmalzes entstanden, so sollte eine geringe Quantität Salatöl
  jeden Abend ins Ohr geträufelt werden, um dasselbe zu erweichen;
  ebenfalls muß jeden Tag warmes Wasser ins Ohr gespritzt werden, bis
  das Schmalz entfernt ist. Darnach wende man folgendes an und setze
  einige Wochen damit fort:

    Kamphorirtes Oel (~Camphorated oil~)                  ½ Unze.
    Seifen-Liniment                                       ½ Drachme.

  Mische und wende es mittelst ein wenig Wolle oder Baumwolle an. Ist
  das Uebel durch Erkältung entstanden, so sollten die Mittel, die
  gegen Catarrh angegeben sind, in Anwendung kommen. Ist es durch bösen
  Hals erzeugt worden, so wird das Einathmen des Dampfes von heißem
  Wasser, das mit Essig vermischt wurde, von guter Wirkung sein; auch
  sollten kleine Pflaster hinter dem Ohr angebracht werden. Ist es
  durch Rheumatismus verursacht, so mag das folgende Liniment gebraucht
  werden:

    Essigsäuerlicher Colchicum- (Zeitlose) Extrakt
    (~Acetous extract of colchicum~)                      1 Skrupel.
    Präparirtes Schweinefett                              1 Unze.

  Mische. Jeden Abend sollte das Ohr und die Theile um dasselbe
  mit einem Stückchen dieser Mischung -- so groß wie eine Erbse --
  eingerieben werden. Ist das Ohr sehr trocken, so mag der Ohrengang
  zwei- oder dreimal die Woche mit Glycerin eingerieben werden, während
  man ein kleines Stück geräucherten Speck Abends in die Höhlen bringt
  und Morgens entfernt. Findet sich jedoch zu viel Feuchtigkeit im
  Ohr, so spritze dasselbe mit einer Auflösung von schwefelsaurem Zink
  (~Sulphate of zinc~) aus, indem man einen Gran Zink zu einer Unze
  Rosenwasser nimmt; auch lege man kleine Pflaster hinter die Ohren.
  Ist die Ursache eine Entzündung, oder sind es kleine Geschwüre am
  Ohreingang, so sollte ein warmer Umschlag auf das Ohr gelegt und die
  Ohren mit gleichen Theilen Goulard- und Rosenwasser ausgespritzt
  werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ist die Schwerhörigkeit oder Taubsucht
  durch Ansammlung des Ohrenschmalzes entstanden, so müssen die bei
  der Allöopathischen Behandlung angegebenen Mittel zur Entfernung
  desselben angewandt werden. Auch kann man das folgende in einigen
  Fällen gebrauchen:

    Gebrannten Alaun (~Burnt Alum~)                      10 Grane.
    Süßes Mandelöl (~Sweet oil of almonds~)               1 Unze.

  Mische dies und laß jeden Tag einige Tropfen der Mischung in das Ohr
  träufeln. Zu gleicher Zeit spritze das Ohr mit einer Auflösung aus
  gleichen Theilen Weißeichenrinde (~White oak bark~), Kurzblätterigem
  Dreiblatt (~Bethroot~) und Rosenblätter aus.

  Ist eine Ohrenschmalz-Ansammlung vorhanden, so mögen von folgender
  Mischung ein- oder zweimal des Tages einige Tropfen ins Ohr
  geträufelt werden:

    Sassafrasöl                                          15 Tropfen.
    Glycerin                                             1½ Drachmen.
    Olivenöl                                              ½ Unze.

  Ist das Ohr sehr trocken, so gebrauche man folgendes:

    Glycerin                                              1 Drachme.
    Terpentinöl                                           ½    „
    Leinsamenöl                                           ½ Unze.


Ohrfluß, Ohrlaufen (~Running of the Ears~, ~Otorrhœa~).

Dies ist ein sehr widerwärtiges Uebel, das aus verschiedenartigen
Ursachen entstehen mag. Oft folgt es der Ohrentzündung und manchmal dem
Scharlachfieber und den Masern.

+Symptome.+ -- Fieber, Kopfschmerzen, Schmerzen im Ohr und Anschwellen
der Halsdrüsen. Bald sondert sich eine röthliche, wässerige Masse aus,
die nach und nach sich verdickt. Das Fieber tritt mit der Aussonderung
dieser Materie ein.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Ist die Entzündung eine acute, so sollte die bei
  Ohrenentzündung vorgeschriebene Behandlung eingeschlagen und das
  Ohr mit warmem Wasser oder einer Mohnsamen- (~poppies~) Auflösung
  ausgespritzt werden. Es ist aber besser, wenn man die Flüssigkeit
  mittelst eines Theelöffels dem Ohre zuführt, weil durch das
  Einspritzen mit der Spritze leicht Kopfweh entsteht. Sobald die
  Aussonderung eintritt, sollte das Ohr mit spanischer (~castile~)
  Seife gut ausgewaschen werden und gleich darauf mit einer Auflösung
  von Alaun (~Alum~), Zinkvitriol (~Sulphate of zinc~) -- ein Gran
  zu einer Drachme Wasser. Essigsaures Blei (~Acetate of lead~), ein
  oder zwei Grane auf eine Unze Wasser, wird sich öfters sehr wirksam
  erweisen. Auch wird ein Theil Glycerin und fünf Theile Rosenwasser
  empfohlen. Ist die Absonderung sehr übelriechend, so hat man
  das Ohr mit einer Mischung auszuspritzen, die aus zwei Drachmen
  Chlorkalk (~Chloride of lime~) und einer halben Pint Wasser besteht,
  während man zu gleicher Zeit eine Auflösung von salpetersaurem
  Silber (~Nitrate of silver~) -- fünf Grane zu einer Unze Wasser --
  gebraucht. Jedoch muß man bei Anwendung dieser Mittel acht darauf
  haben, daß dem Ausfluß nicht allzu plötzlich Einhalt gethan wird.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Die Ohren mögen mit warmem Seifenwasser
  ausgespritzt werden, wornach eine Einflößung von Gelbwurzel (~Golden
  seal~) und brenzlicher Holzsäure (~Pyroligneous acid~) stattfinden
  sollte. Die Säure darf nur gebraucht werden, wenn der Ausfluß sehr
  übel riecht. Eine Abkochung von Gelbwurzel, wilder Indigowurzel kann
  in manchen Fällen gebraucht werden, oder auch eine Auflösung von
  anderthalbkohlensaurem Kali (~Sesquicarbonate of potassa~).

  =Homöopathisch.= Nie sollte man versuchen, den Ausfluß dadurch
  hinwegzuräumen, daß man das Ohr verstopft, denn dies mag sehr
  gefährlich werden. Wurde der Ohrfluß durch Masern herbeigeführt, so
  gebe man ~Pulsatilla~ und ~Sulphur~ vier Tage lang, jedes dieser
  Heilmittel an zwei aufeinanderfolgenden Abenden, -- sechs Kügelchen
  eine Dosis. Folgt das Ohrenlaufen dem Scharlachfieber, so gebe
  ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Hepar Sulphur~ und ~Lycopodium~ -- in
  derselben Weise. Wenn es nach den Blattern eintritt, ~Mercurius~,
  ~Lachesis~, ~Sulphur~ und ~Calcarea Carbonica~. Diese Mittel sollten
  eine Woche lang oder länger eingegeben werden, ehe man zu andern
  Arzneien greift. Wenn der Geruch der sich ausscheidenden Flüssigkeit
  außerordentlich unangenehm ist, so gebe man ~Mercurius~, ~Hepar
  Sulphur~, ~Lycopodium~, ~Pulsatilla~ oder ~Sulphur~. Ist der Ausfluß
  mit Blut vermischt, ~Pulsatilla~, ~Mercurius~ und ~Lachesis~. Hat
  der Kranke heftiges Kopfweh und Fieber, ~Belladonna~ und ~Bryonia~
  abwechselnd. Wurde der Ausfluß plötzlich unterdrückt und die Mandeln
  beginnen anzuschwellen, so gebe ~Pulsatilla~, ~Mercurius~ und
  ~Belladonna~. Wenn die Unterdrückung des Ausflusses durch Erkältung
  veranlaßt wurde, so gebe ~Rhus~ oder ~Dulcamara~. Wenn nach der
  Unterdrückung die Hoden anschwellen, ~Pulsatilla~, ~Nux vomica~ oder
  ~Mercurius~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen der erwählten Arznei
  in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll
  der Auflösung jede 4 Stunden, eine Woche lang, es sei denn, andere
  Anweisungen seien bei den Heilmitteln angegeben. Wenn es bequemer
  ist, so gebe man sechs Kügelchen zu einer Dosis.


Durchstechen des Ohrläppchens.

Dr. H. R. Stout in Chicago befolgt beim Durchstechen des Ohrs zum
Zwecke des Anbringens der Ohrringe eine sehr einfache Methode. Dieselbe
besteht darin, daß das Ohrläppchen so lange gegen ein Stück Kork
gedrückt wird, bis man kein Gefühl mehr in demselben hat; sodann sticht
man, ohne den Kork zu entfernen, mit einer Nadel, in welcher ein Faden
ist, schnell durch das Ohrläppchen, macht eine kleine Masche und läßt
den Faden in der Oeffnung, bis die unbedeutende Wunde geheilt ist.
Jeden Tag sollte man den Faden ein wenig hin- und herziehen, damit die
Höhlung nicht zuheilt. Manchmal entsteht durch diese Operation die
„Rose,“ deren Behandlung in einem anderen Theile dieses Buchs angegeben
ist.


Fremde Körper im Ohr.

Manchmal kommen Insekten ins Ohr, in welchem Falle man Salatöl
einträufelt, welches das Insekt tödtet, wornach es leicht entfernt
werden kann. Ist eine Bohne oder derartige Substanz im Ohr, so sollte
sie mittelst einer Haarnadel sorgsam entfernt werden; man biegt zu
diesem Zwecke die Nadel hakenförmig. Jedoch muß man sich äußerst in
acht nehmen, den Gegenstand nicht noch weiter hineinzuschieben. Es ist
immer besser, wenn derartige Operationen von einem gebildeten Arzt
vollbracht werden.



Siebentes Kapitel.

Krankheiten der Nase.


Entzündung und Anschwellen der Nase.

Dieses kann durch Verletzungen, z. B. Schläge, Fallen, Schneiden,
hervorgerufen werden. Arnica ist hierbei das vorzüglichste Mittel,
eine schwache Auflösung sollte zur Waschung der Nase dienen; es wird
gleichzeitig das Bluten, das durch einen harten Schlag verursacht
wurde, stillen.


Nasenbluten (~Epistaxis~).

Nasenbluten kommt sehr häufig, besonders unter jungen Leuten vor und
erfordert selten irgend welche Behandlung. Ein leichter Schlag oder
Niesen, sowie auch ungewöhnliche Hitze kann bei manchen Leuten schon
die Veranlassung dazu werden. Es ist der Ueberfüllung der Blutgefäße
des Kopfes zuzuschreiben und gewährt eher Linderung als das Gegentheil.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Kalte Umschläge auf die Stirne,
  die Nase und den Nacken sollten angewendet werden, ein Druck aus
  den unteren Theil der Nase ist zuweilen hinreichend, dasselbe zu
  unterdrücken, Verstopfen der Nasenhöhlen mit geröstetem trocknen
  Rindfleisch oder mit Linnen oder Watte, die zuvor mit einem
  Geraniumaufguß oder einer Auflösung von schwefelsaurem Zink
  (~Sulphate of zinc~) getränkt sind, wird zuweilen zuträglich gesunden
  werden.

  =Homöopathisch.= Ist die Blutung sehr heftig und kann derselben
  auf keine andere Weise Einhalt gethan werden, so sollte ein wenig
  feine Leinwand oder auch Charpie (~Lint~) mittelst eines starken
  Fadens durch die Nasenlöcher und den Mund und so lange aufwärts
  gezogen werden, bis dasselbe gegen die blutenden Gefäße andrückt.
  Ein bekanntes Mittel ist auch das Gleiten längs des Rückens mit
  einem Stück Eis oder einem kalten Schlüssel; Halten der Hände über
  dem Kopfe, welches hin und wieder das Nasenbluten stillt. Wird es
  durch einen Fall verursacht, so gebe man ~Arnica~, rührt es von
  Blutandrang nach dem Kopfe her, so gebe man ~Aconitum~, ~Belladonna~
  oder ~Bryonia~. Ist Ueberanstrengung die Ursache, ~Rhus~. Durch
  übermäßige Hitze, so liege man ruhig, mit dem Kopfe erhöht, und
  nehme alle halbe Stunden ~Bryonia~ und ~Aconitum~ abwechselnd; tritt
  es zur Nachtzeit ein, gebe man ~Rhus~, ~Bryonia~ oder ~Belladonna~
  abwechselnd alle Abend eine Dosis, wenn des Morgens, ~Nux vomica~
  oder ~Bryonia~, während eines Schnupfens alle Morgen und Abend
  ~Pulsatilla~ und ~Arsenicum~ abwechselnd eine Dosis von jedem, bei
  Kindern, welche an Würmern leiden, ~Cina~ und ~Mercurius~, bei
  Schwäche auch da, wo diese von Nasenbluten herrührt, gebe man alle
  halbe oder ganze Stunden eine Dosis ~Chinin~, oder wenn dies ohne
  Wirkung, ~Ferrum~. Blutklumpen, die sich in der Nase bilden, sollten
  nicht eher entfernt werden, bis das Bluten vollkommen gestillt ist.
  Charpie so unter die Oberlippe gepreßt, daß dadurch ein Druck auf die
  Pulsader ausgeübt wird, wird öfters das heftigste Nasenbluten stillen.

  =Allöopathisch.= Charpie oder ein kleines Stück Filz, in eine starke
  Lösung von Alaun oder Tannin getaucht, wird zuweilen mit Erfolg
  angewendet. Es sollte dies so weit als möglich in die Nase gezogen
  werden. Auch wird in manchen Fällen ~Mousel’s persalt of iron~, 1
  Theil auf 10 Theile Wasser, mit Erfolg angewendet.


Schnupfen, Erkältung im Kopfe (~Coryza~ -- ~Catarrh~).

Dies ist ein Leiden der Schleimhaut der Nase und des Halses, das sich
zuweilen bis in die Luftröhren und Lungen erstreckt.

+Symptome+: Der Schnupfen beginnt in der Regel mit einem dumpfen
Schmerz und einem Gefühle von Schwere in der Stirn, Beklemmung der
Brust, erschwertes Athmen, häufiges Niesen, Schwere des Kopfes,
trockene, verstopfte Nase, böser Hals, Heiserkeit, Augen mehr oder
weniger roth und wässerig, kurz darauf sondert sich eine dünne
Flüssigkeit in der Nase ab, der Husten wird leichter und der Auswurf
gelb und dick, der Kranke klagt über Heiserkeit und bösen Hals, hat
keinen Geruch, hört schwer, stechender Husten; des Nachts gewöhnlich
schlimmer, etwas Fieber und starke Schmerzen in verschiedenen
Körpertheilen, Durst, fliegende Hitze, abwechselnd mit Frost.
Beschränkt sich die Entzündung lediglich auf die Schleimhaut der
Nasenhöhlen, so ist Niesen, ein Gefühl von Vollsein und Hitze, mit
einem dünnen wässerigen Ausfluß vorhanden.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- bewährt sich immer bei Beginn der
  Erkältung, sogar wenn nur ein leichtes Fieber vorhanden ist, ebenso,
  wenn die Absonderung aus der Nase unterdrückt wird und Kopfweh folgt.
  Auch ist ~Camphor~ bei denselben Symptomen gut. Wenn nichts anderes
  als gewöhnlicher Kampherspiritus zu haben ist, gebe man 1 oder 2
  Tropfen auf ein Stück Zucker, löse dasselbe in einem Glas halb voll
  Wasser und gebe es nach Vorschrift.

  ~Arsenicum.~ -- Nicht viel Fieber, Hitze oder Durst, der Patient ist
  unruhig, besonders des Nachts, trinkt oft und nur wenig auf einmal,
  Absonderung scharf und verdorben, brennende Hitze der Nase, die
  Absonderung verursacht Anschwellen der nächsten Theile, Röthe und
  Thränen der Augen. Gewährt ~Arsenicum~ keine Linderung, so gebe man
  ~Ipecacuanha~.

  ~Nux vomica~ -- sollte bei Verstopfung oder bei nur geringem Laufen
  der Nase gegeben werden, auch wenn dasselbe am Morgen stattfindet,
  bei Trockensein des Nachts, Mund trocken und dürr, ohne viel Durst,
  Verstopfung, am Abend Fieber und Frost abwechselnd.

  ~Chamomilla~ -- wenn der zurückgeschlagene Schweiß Beschwerde
  verursacht, Frösteln, Hitze und Durst, Schwere des Kopfes,
  Anschwellen des Gesichts, geröthete Wangen, Röthe und Entzündung der
  Augen.

  ~Mercurius.~ -- Beständiges Niesen, böser Hals, beständiges
  Laufen einer wässerigen Flüssigkeit, welches den Theil, welchen
  es berührt, wund macht, Anschwellen und Röthe der Nase, rasendes
  Kopfweh, Schmerzen in dem Nasenknochen, Katarrh am Morgen schlimmer,
  widerwärtiger Geruch.

  ~Belladonna.~ -- Anschwellen, Röthe und Brennen der Nase, Schmerz
  in der Nase, durch Berührung erhöht, klopfende Schmerzen im Kopfe,
  schlimmer bei Bewegung.

  ~Hepar Sulphuris.~ -- Besonders wenn nur eine Nasenhöhle angegriffen
  ist, brennendes Kopfweh, besonders in der Gegend der Nasenwurzel, bei
  der geringsten Bewegung verschlimmert, Katarrh durch jedes Einathmen
  der Luft verschlimmert. Sollte aufgegeben werden, wenn ~Mercurius~
  nur wenig Erfolg bietet.

  ~Pulsatilla.~ -- Dicke, grüne oder gelbliche Absonderung aus der
  Nase, die sehr widerwärtig ist, Schwere im Kopfe und Schwindel,
  häufig gegen Abend und in der Zimmerwärme nimmt die Verstopfung der
  Nase überhand, Schmerz in einer Hälfte des Kopfes, öfters Niesen,
  schmerzhafter Druck an der Nasenwurzel, ziehende Schmerzen, Summen in
  den Ohren.

  ~Euphrasia.~ -- Besonders wenn die Augen entzündet und wässerig sind.

  ~Lycopodium.~ -- Verstopfung der Nase, besonders des Nachts, Geruch
  sehr scharf, rasende Schmerzen in der Stirne, Trockenheit des Mundes,
  ohne Durst.

  ~Silicea.~ -- Chronischer Katarrh bei starken Schmerzen in den
  Knochen der Nase. ~Tartarus emeticus~ kann in einigen Fällen gegeben
  werden, besonders bei Niesen, Frost, Geschmack- und Geruchlosigkeit;
  zuweilen, wenn die Absonderung der Schleimhaut unterdrückt wird,
  oder bevor dieselbe beginnt und die Nase ist heiß und trocken, wird
  auch ein wenig Almondöl, kalte Sahne vermittelst einer Feder oder
  eines Kameelhaarpinsels in das Innere der Nase gebracht, sowie auch
  Bähungen von heißem Wasser werden mit gutem Erfolg angewendet.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Wo keine Verordnungen mit den Mitteln
  angegeben sind, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser
  auf, gib jede oder alle 2 oder 3 Stunden, der Strenge der Symptome
  angemessen, einen Theelöffel voll. Die Anwendung des Wassers ist
  bei dieser Krankheit von gutem Erfolg und kann gleichzeitig mit der
  Gabe der Mittel verbunden werden. Der Kranke muß sich in einem nicht
  zu warmen Zimmer aufhalten; nasse Umschläge über die Brust und den
  Unterleib sollten gemacht werden, der Kranke hütet das Bett, gehörig
  zugedeckt, und trinkt soviel als möglich kaltes Wasser, wodurch
  Schweiß hervorgerufen wird. Nachdem derselbe einige Zeit geschwitzt
  hat, lasse man ein milchwarmes Bad folgen.

  =Allöopathisch.= Man gehe frühzeitig zu Bett, nehme ein halbes Pint
  von einem warmen Getränk, einen Theelöffel voll ~Paregoric Elixir~
  oder einen Eßlöffel voll Mohnsyrup (~Syrup of poppies~), oder eine
  halbe Unze Bittersalz (~Epsom salts~), oder auch ein Seidlitzpulver
  am Morgen. In einigen Fällen wird auch folgendes angewendet:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~)         10 Grane.
    Lakritzenextrakt (~Extract of liquorice~)             1 Skrupel.
    Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
    (~Compound infusion of senna~)                       5½ Unzen.
    Sennesblätter oder Jalappenwurzel (~Tincture of
    senna or jalap~)                                      3 Drachmen.
    Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirits of sal
    volatile~)                                            1 Drachme.

  Mische es. Dosis: 2 oder 3 Eßlöffel voll. Diesem sollte man folgen
  lassen:

    Essigsaures Ammoniak (~Acetate of Ammonia~)          1½ Unzen.
    Süßer Salpeterspiritus (~Sweet spirits of nitre~)     2 Drachmen.
    Syrup                                                 2    „
    Kampher-Mischung (~Camphor mixture~)                  4 Unzen.

  Mische es. Ist kein Fieber vorhanden, so wird zuweilen schon eine
  Dosis von schwefelsaurem Magnesia (~Sulphate of magnesia~), wobei
  zu vermeiden ist, sich dem kalten oder nassen Wetter auszusetzen,
  gänzliche Enthaltsamkeit einer thierischen (Fleisch-) Kost,
  hinreichen; treten die Symptome heftig auf, sollten heiße Fußbäder,
  denen ein wenig Salz oder Senf beigefügt ist, gegeben werden. In
  einigen Fällen wird das Einathmen des Gases der Mischung von Laudanum
  und Hoffmann’s Anodyne -- zu gleichen Theilen -- von gutem Erfolg
  sein; in einzelnen Fällen verschafft schon ein Stück Kampher unter
  die Nasenlöcher gehalten, Linderung. Eine Auflösung von Opiumextrakt,
  im Verhältniß von einem Gran auf eine Unze Wasser, durch Einathmung
  in die Nasenhöhle gezogen, wirkt sofort erfolgreich. Dr. John A.
  Lockwood hat gefunden daß eine Auflösung von salpetersaurem Silber
  (~Nitrate of silver~) im Verhältniß von 8 oder 10 Granen auf eine
  Unze vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf die Schleimhaut der
  Nase gebracht, ein ausgezeichnetes Mittel ist. Dr. C. J. A. Williams
  empfiehlt eine trockene Kur, die zuweilen von gutem Erfolge ist.
  Er gestattet keine Getränke mit Ausnahme einen Theelöffel voll
  Milch oder Thee, des Morgens oder Abends bei der Mahlzeit, und ein
  Weinglas voll Wasser beim zu Bett Gehen; die Symptome verschwinden
  in der Regel nach Verlauf von 36 bis 48 Stunden. Der Vortheil
  der Kur liegt darin, daß der Kranke hierbei seiner gewöhnlichen
  Beschäftigung ohne Störung nachgehen kann. Dr. Chapman, von der
  Pennsylvanischen Universität, empfiehlt 1 bis 2 Grane Opium oder 2
  bis 20 Grane Doverisches Pulver, das beim zu Bette Gehen genommen
  werden sollte, wornach der Kranke häufig am Morgen gesund aufwacht.
  Um die Verstopfung in Folge des Opiums zu beseitigen, kann es
  nothwendig werden, eine Dosis von schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate
  of magnesia~) oder Salz zu geben.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Anfall gelind, so ist nur wenig
  Medizin erforderlich. Beim zu Bette Gehen nehme der Kranke ein Fußbad
  in warmem Laugenwasser und trinke nach Belieben Kräuterthee, wie
  Pfeffermünz (~Peppermint~), Isop (~Penny royal~), Salbei (~Sage~),
  oder ~Composition powder~ und eine Dosis von Doverischem Pulver. In
  einigen Fällen mag die zusammengesetzte Tinktur von virginischer
  Schlangenwurzel (~Virginia snake root~) alle Stunden einen Theelöffel
  voll gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Gegen den Husten,
  der den Schnupfen gewöhnlich begleitet, ist das bekannte Hausmittel
  von Honig oder Molasses mit Weinessig zusammen warm gemacht und
  mit frischer Butter gemischt, zu empfehlen; man gebe davon einen
  oder zwei Theelöffel voll und wiederhole es so oft als möglich. Die
  zusammengesetzte Gelbwurz- (~Golden seal~) Tinktur, verdünnt oder
  auch nicht, vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf die Hautrände der
  Nase aufgetragen, wird zuweilen sehr schnelle Linderung verschaffen.

  Dr. King empfiehlt zur Entfernung des Gefühls von Vollsein und
  Verstopfung der Nasenhöhlen folgendes:

    Pulverisirte Cubeben (~Cubebs~)                       2 Drachmen.
    ~Balsam Tolu~                                         6 Grane.

  Mische es gehörig und füge ferner hinzu:

    Pulverisirten Lakritzen- (~Liquorice~) Extrakt        1 Unze.
    Peruanischen Balsam- (~Balsam Peru~) Syrup            1 Drachme.
    Pulverisirtes Gummi Arabicum in hinreichender Menge.

  Mische es gehörig und theile es in Kügelchen von 10 Gran, als Dosis
  ist eine zu nehmen und so oft als erforderlich zu wiederholen. In
  einigen Fällen wird ein Aufguß von Wasserdost (~Boneset~) beim zu
  Bette Gehen nach einem warmem Fußbad genommen Linderung verschaffen.
  Der Kranke sollte sorgfältig vermeiden, nachdem er am Abende eins
  von diesen Mitteln angewendet hat, sich am nächsten Tage einer neuen
  Erkältung auszusetzen.

  Tägliche Waschungen des Kopfes und Nackens mit sehr kaltem Wasser
  oder, wenn von nassen Füßen herrührend, deren Eintauchen in eiskaltes
  Wasser des Morgens werden dieses lästige Leiden verhindern. Man
  sollte damit in der wärmeren Jahreszeit beginnen und es den ganzen
  Winter hindurch fortsetzen.


Chronischer Katarrh (~Ozœna narium~), Eiterung in der Nase

kann die Folge eines vernachlässigten Katarrhs sein und von dessen
häufiger Wiederkehr herrühren. Dieses Leiden kann Jahre lang dauern und
sehr lästig werden. Es verursacht heftige Kopf- und Augenschmerzen,
Thränen der Augen, starke Schleim-Absonderung in der Nase,
Appetitlosigkeit, Abmagerung und dergleichen mehr, zuweilen ist er auch
die Folge von anderen Krankheiten wie Scharlachfieber und Masern.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Dr. Wood empfiehlt zur Anwendung eine Einspritzung
  von essigsaurem Blei (~Acetate of lead~), schwefelsaurem Zink
  (~Sulphate of zinc~), schwefelsaurem Kupfer (~Sulphate of copper~)
  oder salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~). Er zieht
  schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) vor und zwar so, daß mit
  zwei Granen auf eine Unze Wasser angefangen und je nachdem es die
  Nase verträgt, auf 10, 15 sogar 20 Grane auf die Unze erhöht wird.
  Diese Einspritzung sollte jeden Tag ein- oder zweimal des Tages
  wiederholt und wenn nothwendig einige Monate lang fortgesetzt
  werden. Wenn der angegriffene Theil mit einem Pinsel von Kameelhaar
  erreicht werden kann, so ist dies die beste Art der Anwendung. Ist
  die Absonderung widerwärtig, so wird eine Auflösung von Chlorsoda
  (~Chloride of soda~), Potasche oder Kalk zuträglich gefunden werden.
  Zuweilen ist die Einathmung vom Gas des Kreosot, Theer und Essig
  dienlich.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Dr. Gunn empfiehlt einen Schnupftabak
  aus gleichen Theilen von Lorbeer (~Bay berry~), Blutwurzel (~Blood
  root~), Chinarinde (~Peruvian bark~) mehrere Male des Tages zu
  schnupfen. Gleichzeitig brühe man eine Handvoll Hopfen, Hundsbeere
  (~Hoarhound~) und Kamillen (~Chamomile~) in Essig und ziehe den
  warmen Dampf mehrere Male des Tages durch die Nase.

  Die nachstehenden Mittel sind ebenfalls zu empfehlen:

    Fein pulverisirte Blutwurzel (~Blood root~) und
    Lorbeerrinde (~Bay berry bark~) von jedem             1 Unze.
    Pulverisirte Myrrhen (~Myrrh~)                        ½  „

  Mische es und schnupfe mehrere Male des Tages davon.

  Oder auch:

    Pulverisirten Kampher (~Powd. Camphor~)               1 Drachme.
    Benzoe-Säure (~Benzoic acid~)                        20 Grane.
    Pulverisirtes Opium                                   6   „
    Rothe Chinarinde (~Peruvian bark~)                    4 Drachmen.

  Mische es gehörig und mache es mit Bergamottenöl wohlriechend.
  Dasselbe wird wie Schnupftabak gebraucht. Die Eingeweide sollten
  vermittelst eines gelegentlichen Abführmittels offen gehalten und die
  Haut täglich mit warmem Saleratuswasser gewaschen werden. Es wird
  gut sein, wenn der Kranke beim zu Bett Gehen Compositionsthee nach
  Belieben trinkt.

  Bei sehr hartnäckigen Fällen bringe folgendes vermittelst eines
  Kameelhaarpinsels in die Nasenhöhlen:

    Cubeben (~Cubebs~)                                   1½ Unze.
    Gelbwurz (~Golden seal~)                             1½  „
    Lobelia                                              1½  „
    Blutwurz (~Blood root~)                              1½  „
    Spanischer Pfeffer (~Capsicum~)                       3 Drachmen.
    Verdünnter Alcohol                                    2 Quart.

  Mische es, laß die Mischung mehrere Tage lang stehen und schüttele
  es während dieser Zeit häufig um. Bei starkem Husten sollte die
  Tinktur von Lobelia, Blutwurz (~Blood root~), Brechwurzwein (~Wine of
  Ipecac~) und Peruanischer Balsam-Syrup in Dosen von einem Theelöffel
  voll mehrere Male des Tages gegeben werden.

  =Homöopathisch.= Die Behandlung kann mit ~Belladonna~ begonnen
  werden, jeden zweiten Abend eine Dosis; setze diese Behandlung eine
  Woche lang fort, dann gebe ~Aurum~ in derselben Weise, lasse diesem
  ~Mercurius~ folgen und nimm endlich ~Sulphur~ in derselben Weise. Bei
  Fieberhitze und ohne Fließen der Absonderung gebe man ~Aconitum~ und
  ~Belladonna~ abwechselnd, aufgelöst, alle 2 Stunden einen Theelöffel
  voll. ~Arsenicum~ ist bei starken Schmerzen, Brennen und Klopfen
  eines der besten Mittel gegen dieses Leiden.

  ~Lycopodium.~ -- Absonderung dick und gelblich, wenn der Katarrh
  mit Skropheln verbunden ist oder skrophulöse Personen befällt.
  ~Phosphorus~, ~Silicea~, ~Acidum Nitric~ und ~Conium~ sind mit Erfolg
  angewendet worden. Ist Syphilis die Ursache, so sind auch ~Hepar
  Sulphuris~, ~Aurum~, ~Acidum Nitri~, ~Lachesis~, ~Lycopodium~,
  ~Sulphur~, ~Mercurius~ und ~Sulphuratus~ angezeigt.


Nasenpolyp (~Polypus of the Nose~)

tritt in der Regel mit solchen an anderen Orten wie im Ohr, Magen,
in den Eingeweiden gleichzeitig auf. Der Nasenpolyp ist gewöhnlich
weich, von einer gelblich-weißen Farbe und in einigen Fällen
durchsichtig. Er nimmt allmählig an Größe zu, ist die Ursache zum
Nießen, Eingenommenheit und dumpfen Schmerzen im Kopfe, verstopft die
Nasenhöhle und erschwert das Athmen, besonders während des Schlafs.
Gewöhnlich wird dadurch nur Störung in dem Einathmen verursacht,
zuweilen aber sind damit auch starke Schmerzen und Kopfweh verbunden,
die Knochen der Nase werden angegriffen und sondern eine widrige
Flüssigkeit ab.

In der Regel müssen diese Polypen durch den Chirurgen entfernt werden,
in einigen Fällen reicht aber auch eine Behandlung durch innerliche
Mittel hin.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes kann geschnupft werden: Man
  nehme fein pulverisirte Lorbeerrinde (~Bay berry bark~), Entenfuß-
  (~May apple~) Wurzel je 1 Unze, und 4 Unzen Blutwurzel; mische es
  und schnupfe davon mehrere Male des Tages. Man kann ferner, wenn der
  Polyp erreicht werden kann, ein Läppchen, das zuvor angefeuchtet,
  zusammen drehen, in das Pulver stecken und dann durch Schnupfen
  einziehen, was den Auswuchs allmählig tödtet und ihn schließlich
  abfallen macht. Pulverisirte Scharlachbeere (~Poke root~) ist auch
  wirksam. Dr. King empfiehlt schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)
  2 Skrupel, Wasser 1 Unze, das vermittelst gehörig angefeuchteter
  Charpie eingeführt werden kann und vier- oder fünfmal des Tages zu
  wiederholen ist. Es wird zuweilen gut sein, nach dem zuerst erwählten
  Mittel folgendes zu gebrauchen:

    Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~)         2 Unzen.
    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)              2 Drachmen.

  Mische und bringe es mehrere Male des Tages auf die Geschwulst.

  =Homöopathisch.= ~Staphysagria~, ~Calcarea~, ~Sepia~, ~Silicea~ und
  ~Thuja~ sind Mittel gegen dieses Leiden. Man nehme jedes drei Wochen
  lang eine Dosis jeden Tag. Am Ende der dritten Woche wechsle man es
  mit einem anderen Mittel und fahre so fort, bis Heilung eintritt.
  ~Teucrium~, wovon jeden Abend durch mehrere Monate hindurch eine
  Dosis genommen werden sollte, wird sehr empfohlen.

  =Allöopathisch.= Einspritzungen von Alaunauflösung oder das tägliche
  Betupfen der Geschwulst mit salzsaurer Eisentinktur (~Muriated
  tincture of iron~) wird in einigen Fällen dieselbe entfernen.


Nasenkrebs (~Cancer of the nose~).

Dieses ist eines der fürchterlichsten Leiden, denen das menschliche
Geschlecht unterworfen ist. Der Krebs beginnt in der Regel mit einer
harten Geschwulst, die allmählig in Eiterung übergeht, ungemein
schmerzhaft ist und sich leicht auf Lippen oder andere Theile des
Gesichts ausdehnt.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Arsenicum~ -- ist das wichtigste Mittel, wenn
  die folgenden Symptome vorhanden sind: Brennen, Anschwellen der
  Nase, Schmerz bei Berührung, Eiterung der Nasenhöhlen hochoben, mit
  Absonderung eines widerwärtigen Eiters, eiterartiger Ausschlag um
  die Lippen, Schmerz stechend und prickelnd während der Tageszeit,
  Zunge schwärzlich und aufgesprungen. Auch ~Sulphur~ wird zuträglich
  gefunden werden. Die Behandlung sollte aber immer einem geschickten
  Arzte überlassen werden.

  =Allöopathisch.= Dr. J. W. Fell verordnet Folgendes:

    Zink-Chlorid (~Chloride of zinc~)                     6 Unzen.
    Pulverisirte Blutwurzel                               2   „
    Myrtenwachs (~Myrtle wax~)                            1 Unze.
    Wasser von Opiumextrakt                               6 Drachmen.
    Conicumextrakt                                        6    „

  Mische es und mache eine Salbe daraus. Diese Salbe wird so lange auf
  die Geschwulst gebracht, bis die Haut zerstört ist, was einen Schorf
  bildet, in dem Einschnitte, einen halben Zoll von einander entfernt,
  gemacht werden sollten. Gleichzeitig sollte Folgendes angewendet
  werden:

    Blei-Iodide (~Iodide of lead~)                        1 Skrupel.
    Glycerin                                              1 Drachme.
    Spermazeutsalbe                                       2 Unzen.

  Man mache eine Salbe daraus, und nachdem man die erstere durch 12
  Stunden hindurch verwendet hat, fahre man mit der letzteren in
  derselben Weise 12 Stunden lang fort; gewöhnlich schneidet dieses die
  Krankheit kurz ab.

  Gleichzeitig verordnet er folgendes:

    Pulverisirte Blutwurzel (~Blood root~)                1 Skrupel.
    Arsenik-Iodide (~Iodide of arsenic~)                  2 Grane.
    Cicuta- (Schierling) Extrakt                          2 Skrupel.

  Mische und theile es in 40 Pillen. Dosis: Dreimal des Tages eine
  Pille.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes wird empfohlen:

    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)              1 Unze.
    Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~)          1  „
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~)      1 Drachme.

  Mische es und mache davon einen Umschlag.

  Oder auch:

    Schweinefett                                          3 Pfund.
    Verdigris                                             2 Unzen.
    Bienenwachs                                           2   „
    Schottischer Schnupftabak                             1 Pfund.

  Mische das Fett und das Wachs und rühre es mit den übrigen Sachen
  zusammen.

  Folgendes soll in mehreren Fällen den Krebs geheilt haben:

    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)              1 Drachme.
    Sanguinaria                                           2 Drachmen.
    Rother Kleeextrakt (~Extract of Red Clover~) hinlänglich genug, um
    ein Pflaster davon zu bereiten.

  Ein Umschlag von rohen Preiselbeeren (~Cranberries~) soll selbst
  diese eingewurzelte Krankheit heilen. Die Beeren werden zerquetscht
  und zu einem Umschlag verwendet. Die Wirkung eines solchen Umschlages
  zeigt sich in der Bildung kleiner Blattern, gleich denen der Pocken,
  wodurch der krebsartige Eiter ausgezogen und die Größe des Krebses
  selbst bei jedem Umschlag vermindert wird.

  Nachstehendes ist als ein unfehlbares Mittel empfohlen worden. Man
  breche ein Ei auf, gieße das Weiße aus und behalte den Dotter in der
  Schale, dann lege es in Salz und mische es so lange, bis sich eine
  Salbe bildet, mit welcher ein Stück Heftpflaster bestrichen wird, und
  erneure dasselbe zweimal des Tages über den Krebs.

  Folgendes Mittel soll bei einigen veralteten Fällen geholfen haben:

    Rotheichenrinde (~Red oak bark~)                      2 Unzen.
    Weißeichenrinde                                       2   „
    Scharlachbeerwurzel                                   2   „
    Persimon- (Dattelpflaumen) Rinde                      2   „
    Schwarze Mehlbeerenrinde (~Black haw bark~)           2   „
    Brombeerwurzel (~Blackberry~)                         4   „
    Schafampfer (~Sheep sorrel~)                          2   „
    Rothe Kleeblüthe (~Red clover blossom~)               2   „
    Zimmetrinde (~Cinnamon~)                              1   „

  Koche dies mit 4 oder 5 Gallonen Wasser bis auf eine Gallone ein.
  Seihe es durch und füge auf jedes Quart eine Unze Borax und eine
  Unze Alaun hinzu. Hiermit wird der Krebs drei- bis viermal des Tages
  gewaschen.


Fremde Körper in der Nase.

Dieselben können dadurch aus der Nase entfernt werden, daß der Mund und
das entgegengesetzte Nasenloch geschlossen werden und darauf durch das
Nasenloch, in dem sich etwas Ungehöriges befindet, kräftig geblasen
wird; Kitzeln mit einer Feder, so daß dadurch Niesen verursacht wird,
reicht zuweilen schon hin. Wenn diese Mittel ohne Erfolg bleiben, so
presse man den Daumen oder Finger auf die Nase oberhalb des fremden
Körpers, fahre dann mit einer Strick- oder Haarnadel, die am obern
Ende hakenförmig gebogen ist, in das Nasenloch und ziehe damit den
betreffenden Gegenstand herunter. Zuweilen kann auch der betreffende
Gegenstand zurückgedrückt werden, so daß er in den Mund fällt, aber es
ist das Beste, nicht zu diesem Mittel zu greifen, das Unannehmlichkeit
zur Folge haben kann.



Achtes Kapitel.

Krankheiten des Gesichts, der Lippen und der Kinnbaken.


Gesichtsrose (~Erysipelas~).

Die Gesichtsrose unterscheidet sich nicht von ~Erysipelas~ an irgend
einem andern Theil des Körpers. Diese Krankheit erzeugt stets mehr
oder weniger Hitze, Anschwellen und Röthe im Gesicht, manchmal folgt
auch Delirium und Gehirnentzündung. Die Behandlung der „Gesichtsrose“
unterscheidet sich von der Behandlung der „Rose“ an andern
Körpertheilen durchaus nicht.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Man wird gut thun, die Behandlung mit einer kleinen
  Dosis Bittersalz (~Epsom salts~) oder Rochellesalz zu beginnen.
  Ist der Magen in guter Ordnung, so lasse man darauf ein halb Gran
  Blaupillen (~Blue pill~) und ein Drittel Gran Ipecacuanha (~Ipecac~)
  -- alle drei Stunden folgen. Auch wird die folgende Mischung
  (~Neutral mixture~), die man zu gleicher Zeit gebraucht, gute Dienste
  leisten:

    Kali-Syrup (~Syrup of potassa~)                       2 Drachmen.
    Citronensyrup                                         ½ Unze.
    Wasser                                               3½ Unzen.

  Mische dieses. Dosis: Einen Theelöffel voll dieser Mischung mit einem
  Theelöffel voll Wasser alle zwei oder drei Stunden. Der Citronensyrup
  kann, wenn gewünscht, weggelassen werden. Um die Hitze und das
  Brennen im Gesicht zu lindern, reibe man dasselbe mit Schweinefett,
  Talg oder kaltem Rahm, oder einem aus Ulmenrinde (~Slippery elm~)
  oder Flachssamen bereiteten Schleim ein. Manchmal mag man verhüten,
  daß sich die Anschwellung über den Kopf verbreitet, indem man da, wo
  die Entzündung aufhört, einen Zoll breiten Streifen mit Jodtinktur
  (~Tincture of iodine~) oder salpetersaurem Silber (~Nitrate of
  silver~) mittelst eines Läppchens oder Pinsels zieht.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Es wird von guter Wirkung sein, das
  Gesicht über einen Absud von durchwachsenem Wasserdust (~Boneset~)
  oder Rainfarn (~Tansy~) oder Hopfen zu halten. Ein ausgezeichnetes
  Mittel gegen dieses Uebel ist ein Umschlag von gekochten
  Preiselbeeren (~Cranberries~) mit pulverisirter Ulmenrinde (~Elm
  bark~) oder Weizenmehl.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn starkes Fieber, trockene Haut
  und dumpfer Puls, so folge in einigen Stunden mit ~Belladonna~,
  namentlich wenn der Kopf mehr oder weniger affizirt ist. Auch kann
  man, wenn nöthig, ~Belladonna~ und ~Aconitum~ abwechselnd geben.

  ~Lachesis.~ -- Namentlich wenn der Patient über Trockenheit im Halse
  und Schmerzen beim Schlucken klagt, oder wenn er hustet, ohne Auswurf
  zu haben. Diese Mittel können alle zwei oder drei Stunden allein oder
  abwechselnd gegeben werden.

  Für fernere Behandlungsweise siehe ~Erysipelas~ -- erstes Kapitel --
  allgemeine Krankheiten.


Gesichtsausschlag (~Eruption of the Face~).

Gesichtsausschlag kann auf verschiedene Art zu Tage treten. Gewöhnlich
ist es ein chronisches Uebel und währt geraume Zeit. Junge Personen
oder solche, die unmäßig essen und trinken, sind häufiger mit
demselben heimgesucht als andere. Die Arten des Gesichtsausschlags
sind: Die einfache Finne (auch Kupferausschlag ~Acne Simplex~), die
rosige Finne (~Acne Rosacea~) und die eiterige auch blatterige Finne
(~Acne Pustulosa~). Bei der erstgenannten Art zeigt sich eine kleine,
entzündete Fistel, welche nach und nach größer wird und von blaßrother
Farbe ist. Dieselbe geht auf und entleert eine kleine Quantität
Flüssigkeit, worauf ein Schorf (~scab~) entsteht, welcher nach einigen
Tagen abfällt und einen runden, harten, rothen Fleck zurückläßt.

Die rosige Finne affizirt das Gesicht und wird gewöhnlich bei
Erwachsenen gefunden, namentlich aber bei Schwelgern. Die Finnen sind
hart, roth und klein, nach und nach aber werden sie größer, entleeren
blutige Materie und bilden einen kleinen Schorf. Diese Krankheit ist
sehr schwierig zu heilen und außerordentlich entstellend.

Die eiterige oder blatterige Finne ist ein sehr schmerzhaftes Uebel,
namentlich wenn die Kopfhaut davon befallen wird. Alle diese Ausschläge
werden um die Poren herum gefunden und durch Verhinderung des Schweißes
erzeugt.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Der Kranke muß sehr mäßig leben und
  keinerlei Stimulanten, z. B. Thee, Kaffee und Branntwein genießen
  und darf nur wenig Fleischspeisen essen. Alle Tage sollte der Körper
  mit schwachem Laugenwasser gewaschen werden. Ist das Uebel durch
  Unordnung in den Verdauungs- oder anderen Organen entstanden, so muß
  man die betreffende Behandlung einschlagen. Als Lokalmittel kann
  folgendes gebraucht werden:

    Salmiak (~Muriate of ammonia~)                        3 Drachmen.
    Conium-Tinktur (Schierling-Tinktur)                  1½ Unze.
    Destillirtes Wasser                                   1  „

  Mische und betupfe die Theile mehrere Male des Tages.

  Das folgende hat sich als gutes Waschmittel erprobt:

    Ammoniakwasser (~Aqua ammonia~)                       1 Unze.
    Lobelia-Tinktur (~Tincture of lobelia~)               1  „
    Myrrhen-Tinktur                                       1  „

  Mische und gebrauche die Mischung zwei- oder dreimal des Tages.

  Nachdem die Pusteln „voll“ sind, sollten sie geöffnet werden, damit
  die Flüssigkeit entfernt wird, worauf das eben angegebene oder das
  folgende Waschmittel in Anwendung kommt:

    Schwefelmilch (~Milk of sulphur~)                     2 Drachmen.
    Kamphergummi (~Gum camphor~)                          1 Drachme.
    Alcohol                                               2 Unzen.
    Wasser                                                2   „

  Löse den Kampher im Alcohol auf, mische und wasche die betreffenden
  Theile mit ein wenig dieser Mischung jeden Tag vor dem Schlafengehen.

  Ist die Krankheit erst eine neuerdings eingetretene und noch nicht
  chronisch geworden, so werden gleiche Theile von Cölnischem Wasser
  (~Cologne~) und eine gesättigte Auflösung von Kleesäure (~Oxalic
  acid~) gute Dienste leisten.

  =Homöopathisch.= ~Causticum~, ~Rhus~, ~Sepia~ und ~Carbo Animalis~
  gegen die rosige Finne.

  ~Belladonna~, ~Hepar Sulphur~, ~Natrum~, ~Nitric Acid~, ~Sulphur~ und
  ~Sepia ~gegen die einfache Finne.

  Wasserstoffsaures Kali (~Hydriodate of potassa~) wird gegen diese
  Gesichtsausschläge empfohlen. Zwei Grane dreimal des Tages zu nehmen.

  ~Mercurius Cor.~ -- Wenn der Organismus syphilitisches Gift enthält.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem erwählten Heilmittel
  eine Dosis dreimal des Tages drei oder vier Wochen lang, ehe man zu
  einem anderen greift.

  =Allöopathisch.= Als gutes Waschmittel hat sich eine Auflösung von
  kohlensaurer oder doppeltkohlsaurer Soda (~Carbonate or Bicarbonate
  of Soda~) ein Skrupel auf ein Pint Wasser -- bewährt. Auch wird die
  folgende Salbe empfohlen:

    Ammoniated Mercury                                    1 Skrupel.
    Glycerin                                              1 Drachme.
    Bitteres Mandelöl (~Oil of bitter almonds~)           3 Tropfen.
    Schweinefett                                          1 Unze.

  Mische und gebrauche dies jeden Tag. Gegen die schwarzen Flecken, die
  man Fleischwurm nennt, und die sich um die Nase, oder an der Stirne,
  oder am Kinn zeigen, wird sich das folgende als sehr wirksam beweisen:

    Kaliauflösung (~Liquor of potassa~)                   1 Unze.
    Cölnisches Wasser (~Cologne~)                         2 Unzen.
    Weißer Branntwein (~White brandy~)                    4   „

  Mische dieses und gebrauche es. Gegen manche dieser Ausschläge wird
  das folgende Mittel sehr empfohlen:

    Schwefelwasser (~Sulphur water~)                      1 Unze.
    Säuerliche Ammoniak-Auflösung (~Acetated Liquor
    of ammonia~)                                          ½   „
    Kaliauflösung (~Solution of potassa~)                 ½   „
    Weißer Weinessig                                      2 Unzen.
    Destillirtes Wasser                                   2   „

  Bei sehr hartnäckigen Fällen gebrauche das folgende:

    Aetzendes Sublimat (~Corrosive sublimate~)       2 zu 5 Grane.
    Wasser                                                1 Unze.

  Wende dies mittelst Baumwolle an einer Stricknadel befestigt an,
  indem man die Mischung nur einige Augenblicke auf den betreffenden
  Theilen läßt:

  Das folgende wird sehr empfohlen:

    Jod-Schwefel-Salbe (~Iodide of Sulphur~)       15 zu 20 Grane.
    Schweinefett                                          1 Unze.


Nervöser Gesichtsschmerz oder Neuralgia im Gesicht (~Tic Douloureux~).

Neuralgie ist eine der schmerzhaftesten Krankheiten. Es ist ein
Nervenschmerz, der sich gewöhnlich einem oder dem andern Nerv
seiner ganzen Länge nach nachzieht, obgleich auch in anderen Fällen
der Schmerz blos auf einem Fleck gefühlt wird und das Uebel durch
Störungen im Gehirn, Magen oder den Gedärmen erzeugt werden mag. In
den meisten Fällen ist der Schmerz blos ein Symptom und es zeigen
sich weder Anschwellungen noch Entzündung. Neuralgie mag verschiedene
Körpertheile affiziren, beschränkt sich jedoch gewöhnlich nur auf
den Kopf. Gesichtsneuralgie wird meistens durch Störungen im fünften
Nervenpaar, das im Gesicht sich verzweigt, hervorgerufen. Hauptsächlich
wird der Nervenzweig über den Augenbrauen affizirt, manchmal aber
auch alle Zweige, so daß der Schmerz äußerst heftig wird. Der Anfall
tritt gewöhnlich plötzlich ein, setzt öfters wieder aus, um wiederum
zurückzukehren. Die Schmerzen sind den Nerven entlang sehr heftig,
stechend, reißend, als ob glühende Drähte in die betreffenden Theile
gestochen würden. Nachdem der Schmerz aufgehört, folgt häufig eine Art
Erstarrung. Manchmal treten die Schmerzen jedoch nach und nach ein und
werden allmählig heftiger. Während des Anfalls werden die Gesichtszüge
durch die krampfhafte Bewegung der Muskeln nicht selten verzerrt.

+Ursachen.+ Luftzug, ein plötzlicher Schlag, Fall &c., feuchte Luft,
Schwäche, Störungen in den Verdauungsorganen &c.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schneidende, schießende, brennende
  Schmerzen, die in plötzlichen Anfällen eintreten und auf welche
  leichterer Schmerz folgt. Der Zustand des Kranken verschlimmert sich
  bei Nacht; die Kinnbacken oder Wangen schwellen; der Patient hat viel
  Durst, ist erregt, unruhig; die Schmerzen beschränken sich auf eine
  Seite des Gesichts, heftiges Pulsiren der Hals- und Kopfadern, die
  Augen funkeln, summender Schmerz in den Ohren, Schläfen und Seiten
  des Halses; Fieber.

  ~Belladonna.~ -- Wenn die Anfälle allmählig eintreten mit Jucken
  und Krappeln in den affizirten Theilen; rothe, geschwollene Wangen,
  stechende, schießende Schmerzen im Kinnbacken und der Nase,
  Verzerren der Augenlider und der Gesichtsmuskeln, dumpfer Schmerz
  im Vorderkopf, Ohrenklingen, Hitze und Röthe im Gesicht, große
  Empfindlichkeit gegen Kälte und Licht, heftige Schmerzen, namentlich
  auf einer Seite, gewöhnlich der rechten, die Schmerzen vermehren
  sich bei dem geringsten Geräusch oder bei Bewegung und ebenso durch
  die Bettwärme. Wenn ~Belladonna~ nicht lindert, die Symptome jedoch
  dieses Mittel andeuten, so gebe man ~Atropine~.

  ~Bryonia.~ -- Namentlich für mit Rheumatismus behaftete Personen.
  Rothes, heißes Gesicht, Schwellung an einer Seite unter den Augen
  und an der Nasenwurzel, brennende Schmerzen, die sich beim Druck
  vermehren, Schmerzen in den Gliedern, Frösteln, worauf Fieber folgt.

  ~Chamomilla.~ -- Namentlich für sehr empfindsame Frauenzimmer;
  Schmerz reißend und klopfend mit einem gewissen Erstarrungsgefühl
  in dem affizirten Theil, aufgedunsenes, geschwollenes Gesicht, eine
  Wange roth, die andere blaß, Frostschütteln mit innerlicher Hitze.

  ~Colocynth.~ -- Heftige, schießende Schmerzen, die sich bis zu
  den Ohren, den Schläfen, den Zähnen und allen Theilen des Kopfes
  erstrecken, namentlich auf der linken Seite; der Schmerz vermehrt
  sich bei der leisesten Berührung.

  ~Arsenicum.~ -- Wenn die Schmerzen nach bestimmten Zeiträumen
  wiederkehren, brennend, bei Nacht stärker sind und durch Hitze
  gelindert werden; große Aengstlichkeit, viel Schweiß, heftiger
  Schmerz in und um die Augen und um die Schläfe herum.

  ~China.~ -- Namentlich wenn die Anfälle periodisch sind, große
  Schmerzen, Empfindlichkeit der Haut, die bei der leisesten Berührung
  vermehrt wird; heftige Schmerzen in den Kinnbacken.

  ~Nux vomica.~ -- Zuckende, reißende Schmerzen, geschwollene Wangen,
  der Schmerz stellt sich Morgens nach dem Aufstehen ein und nimmt
  allmählig bis gegen Abend ab; Uebelkeit, Erbrechen, Hartleibigkeit,
  der Schmerz durch kühle Luft und kühle Getränke vermehrt und
  vermindert durch Ruhe und Wärme.

  ~Platinum.~ -- Betäubender Druck auf die Kinnbacken, mit Frösteln.
  Wenn die Schmerzen bei Nacht heftiger sind und der Kranke sehr nervös
  und melancholisch ist.

  ~Spigelia.~ -- Zucken, Reißen, Brennen und Druck im Kinnbacken,
  vermehrt durch Berührung oder Bewegung, Schmerzen treten zu einer
  bestimmten Tageszeit ein, sind am heftigsten, wenn sie bald aufhören.

  ~Coffea.~ -- Große Erregtheit des Geistes und Körpers, ebenso große
  Empfindlichkeit und außerordentliche Schmerzen in den afficirten
  Theilen.

  ~Pulsatilla.~ -- Für Frauenzimmer namentlich, wenn sich die Krankheit
  mit Urinstörungen zeigt; schmerzvolle Empfindlichkeit auf einer Seite
  des Gesichts mit Frösteln.

  ~Mercurius.~ -- Reißende, schießende Schmerzen an einer Seite von der
  Schläfe bis zu den Zähnen, heftiger bei Nacht und in der Bettwärme,
  Nachtschweiße, zu viel Mundspeichel, Schlaflosigkeit.

  ~Phosphorus.~ -- Reißende Schmerzen in der linken Seite und
  Verschlimmerung durch die beim Essen bewerkstelligte Muskelbewegung.

  Als äußeres Mittel wird kaltes oder warmes Wasser, je nachdem es
  dem Patienten zusagt, sehr wirksam sein. Auch mag man das Leiden
  öfters bedeutend lindern, indem man die betreffenden Theile mit einer
  Mischung von 6 Tropfen Aconitumtinktur und 6 Theelöffel voll Wasser
  wäscht.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe von dieser
  Auflösung einen Theelöffel voll alle 15 Minuten, halbe Stunde oder
  zwei Stunden, je nach den Symptomen. Sobald der Patient besser wird,
  so gebe die Arznei alle 4, 6, 8 oder 10 Stunden.

  +Diät.+ Wer an Neuralgie leidet, sollte weder Kaffee noch grünen Thee
  trinken, und muß überhaupt auf die Speisen Acht haben, die er nicht
  ertragen und nicht verdauen kann.

  =Allöopathisch.= Ein wirksames Lokalmittel ist Laudanum oder
  Paregoric, welche man auf ein Stück Zeug anbringt und geölte Seide
  (~Oil silk~) darüber breitet, um die Verdünstung zu verhüten, und
  das ganze alsdann auf die betreffenden Theile legt. Bei heftigen
  Anfällen mag das Laugensalz der Nießwurz (~Veratrea~) -- zwanzig
  Grane zu einer Unze Schweinefett -- gebraucht werden.

  Auch wird das Folgende empfohlen:

    Destillirtes Wasser                                   2 Unzen.
    Baldriansäure (~Valerianic acid~)                     1 Unze.
    Kohlensaures Natron (~Subcarbonate of ammonia~)
    genug, um die Säure zu neutralisiren.
    Alkoholischer Baldrianextrakt (~Alcoholic extract
    of valerian~)                                         2 Skrupel.

  Man gebe dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  Oder das Folgende:

    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~)      2 Grane.
    Blausaures Kalium (~Cyanide of potassium~)            4   „
    Baldrianextrakt (~Extract of valerian~)               4   „

  Man bereite hiervon 24 Pillen. Dosis -- eine Pille dreimal des Tages.

  Oder:

    Bilsenkrautextrakt (~Extract of hyosciamus~)          ½ Drachme.
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~)      3 Grane.
    Strychnin                                             2   „
    Pulverisirter Cayennepfeffer                          ½ Drachme.
    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)             15 Grane.

  Verfertige 30 Pillen. Dosis -- eine Pille viermal des Tages.

  Manchmal greift man auch zur Aether- oder Chloroform-Einathmung gegen
  außerordentlich heftige Schmerzen. Ist die Neuralgie durch Störung in
  den Verdauungswerkzeugen (namentlich in dem Darmkanal) entstanden,
  was an der belegten Zunge, Appetitlosigkeit und Hartleibigkeit
  erkannt werden kann, so gebe das Folgende:

    Koloquintenextrakt (~Extract of Colocynth~)           ½ Drachme.
    Zusammengesetzte Mutterharzpille (~Compound
    galbanum pill~)                                       1    „
    Crotonöl                                              1 Tropfen.

  Verfertige hieraus Pillen, jede von 5 Granen, und nehme eine
  derselben vor dem Schlafengehen.

  Die folgende Salbe wird sehr gut empfohlen:

    Hirschhorngeist (~Spirits of hartshorn~)             1½ Unzen.
    Schwefeläther (~Sulphuric ether~)                    1½   „
    Terpentingeist (~Spirits of turpentine~)              ½ Unze.
    Salatöl                                               ¾   „
    Nelkenöl (~Oil of cloves~)                            ½   „
    Chloroform                                            1   „

  Mische dies gut in einem acht Unzen haltenden Arzneikolben, welcher
  gut zu verschließen, an einen dunklen Ort zu stellen und zur Vorsicht
  noch in ein dickes Papier oder Stück Zeug zu wickeln ist, da das
  Licht die Wirkung der Medizin zerstört. Dieses Recept wird sehr gut
  gegen Kopfweh, Verrenkungen u. s. w. empfohlen.

  Das folgende Liniment wird sich in manchen Fällen wirksam erweisen:

    Aconitumextrakt (~Extract of Aconite~)                1 Skrupel.
    Seifenliniment                                        1 Unze.
    Zusammengesetztes Kampherliniment (~Compound
    liniment of camphor~)                                 1 Unze.

  Mische dieses.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Das Folgende ist empfehlungswerth:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        20 Grane.
    Vitriol-Elixir (~Elixir of vitriol~)                  1 Drachme.

  Löse das Chinin in dem Elixir auf und füge bei:

    Schlangenwurzeltinktur (~Tincture of black cohosh~)  14 Drachmen.

  Mische und gebe alle 2 Stunden 20 Tropfen in einem Eßlöffel voll
  Wasser.

  Heiße Hopfenbähung auf die betreffenden Theile gelegt verursacht
  gewöhnlich Linderung. Auch wird dem Patienten durch ~Hot drops~
  (heiße Tropfen?), die in jeder Apotheke zu haben sind, manchmal
  Erleichterung verschafft. Pulverisirter Baldrian (~Valerian~) ist
  ebenfalls ein ausgezeichnetes Arzneimittel -- einen Theelöffel voll
  alle zwei Stunden. Manchmal mögen die Schmerzen gelindert werden,
  indem man ein ~Compound tar plaster~ hinter die Ohren legt und
  zugleich das Folgende einnimmt:

    Feinpulverisirtes Ammoniaksalz (~Sal ammoniac~)       2 Drachmen.
    Blausaures Eisen (~Prussiate of iron~)                8 Grane.
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         4   „
    Kampher                                               2   „

  Mische dieses sehr gut und theile die Mischung in 4 Pulver. Dosis --
  ein Pulver alle zwei oder drei Stunden, je nach der Heftigkeit der
  Anfälle.

  Das folgende wird von guter Wirkung sein:

    Chloroform                                            1 Unze.
    Aconitumtinktur                                       1  „
    Kamphertinktur                                        1  „
    Laudanum                                              1  „

  Mische und reibe etwas von der Mischung über die afficirten Theile
  zwei- oder dreimal des Tages.


Gesichtsflecken (~Freckles~).

Gesichtsflecken sind eine durch Aussetzung an die Sonne hervorgerufene
Entfärbung der Haut und haben ihren Sitz in der äußeren und mittleren
Hautlage. Ehe man irgend ein Mittel anwendet, wird man wohl thun, die
betreffende Oberfläche mittelst eines linden Balsams oder Schleims zu
erweichen, wofür folgendes empfohlen wird:

    Honig                                                 2 Unzen.
    Gereinigtes Wachs (~Purified wax~)                    1 Unze.
    Bleiglätte (~Litharge~)                               ½  „
    Myrrhen                                               ½  „

  Mische dieses gut, während es über einem langsam brennenden Feuer
  steht, und parfümerire die Mischung mit kölnischem Wasser, Rosenöl
  oder irgend einer anderen Parfümerie.

  Nachdem die Hautoberfläche erweicht ist, kann folgendes gebraucht
  werden:

    Bittere Mandeln (~Bitter almonds~)                    1 Unze.
    Gerstenmehl                                           1  „

  Mische mit so viel Honig, daß ein Brei entsteht, mit welchem man das
  Gesicht vor dem Bettgehen einreibt.

  Auch kann das folgende in Anwendung kommen:

    Citronensaft                                          2 Unzen.
    Pulverisirter Borax                                   ½ Drachme.
    Zucker                                                1    „

  Mische und lasse die Mischung in einem gläsernen Gefäß einige Tage
  stehen, bis sie zum Gebrauch tauglich ist, und reibe das Gesicht
  zwei- oder dreimal des Tages damit ein.

  Manchmal wird eine Mischung von kölnischem Wasser und Kleesäure
  (~Oxalic acid~) gebraucht.

  Das folgende wurde von der bekannten Madame de Maintenon angewendet:

    Venetianische Seife                                   1 Unze.
    Citronensaft                                          ½  „
    Bitteres Mandelöl (~Oil of bitter almonds~)           ¼  „
    Flüssiges Weinsteinöl (~De-liquidated oil of
    tartar~)                                              ¼  „
    Rhodiumöl                                             3 Tropfen.


Gesichts- und Kinnbackenlähmung (~Paralysis of the Face and Jaw~).

Diese Krankheit tritt gewöhnlich mit der Lähmung anderer Körpertheile
auf, ob dieselbe nun eine theilweise oder gänzliche ist, und muß
deshalb, wie Lähmung im Allgemeinen, behandelt werden. Siehe für
Behandlung Abtheilung ~IV.~ -- verschiedene Krankheiten.


Starrkrampf, Kinnbackenkrampf, Mundklemme (~Lock Jaw~).

Dies ist eine gefährliche Krankheit und besteht in der Zusammenziehung
aller Körpermuskeln. Wird der Körper bei den Anfällen vorwärts
gebeugt, so nennt man es ~Emprosthotonos~ (Starrkrampf der
Beugungsmuskeln nach vornen); wird der Körper rückwärts gebeugt, so
heißt es ~Opisthotonos~ (Rückenkrampf, Starrkrampf mit Beugung nach
hinten). Ist der Krampf aber blos auf die Kinnbacken beschränkt, so
wird die Krankheit Kinnbackenkrampf, auch Mundklemme oder Mundsperre --
engl. ~Lock Jaw~, lat. ~Trismus~ -- genannt.

+Symptome.+ -- Der Starrkrampf tritt oftmals plötzlich und manchmal
allmählig ein. Die ersten Symptome sind ein leichtes Gefühl der
Steifheit im Nacken und Hals, welche Steifheit immer bedeutender wird,
so daß der Patient nur mit größter Schwierigkeit und unter Schmerzen
seinen Kopf bewegen kann. Auch ist er nicht vermögend, den Mund leicht
zu öffnen; die Kinnbacken kneifen allmählig zusammen und stehen fest,
Engigkeit in der Brust, große Schmerzen im Brustbein, unbequeme
Erregtheit an der Zungenwurzel, Krämpfe in der Magengrube und den
Muskeln des Mastdarms. Die Leiden sind manchmal schrecklich anzusehen;
blasse Gesichtsfarbe, Augbrauen zusammengezogen, Runzeln an der Stirne,
starre Augen, Nasenhöhlen weit ausgedehnt, Mundecken eingezogen und
Zähne blosgestellt, die Züge zu schrecklicher Grimmasse verzerrt,
Athmen schwer und schwierig, Puls schwach und schnell, der Verstand
ist jedoch ungetrübt. Der tödtliche Ausgang dieser Krankheit wird
theilweise durch Erstickung, theilweise durch Erschöpfung verursacht.

+Ursachen.+ -- Geisteskrankheiten, Kälte und Feuchtigkeit, lokale
Beschädigungen, z. B. Schnitte und andere Wunden, namentlich an den
Fußsohlen und an der inneren Hand. Wenn fremde Körper in der Wunde
verbleiben; Wunden, die durch Splitter, Glas- oder Nagelstücke
entstanden, erzeugen sehr häufig Starrkrampf, da die fremden Körper die
Nervenäste sehr stark drücken.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll Brandy
  alle zwei oder drei Stunden mit Milch und Fleischthee (~beef-tea~),
  wobei man einen Gran Opium alle drei oder vier Stunden gibt.
  Chloroform oder Aether, entweder eingenommen oder eingeathmet, sind
  werthvolle Mittel. Gegen Hartleibigkeit verordne man einen oder
  zwei Tropfen Crotonöl in einem Theelöffel voll Schleim (~Gruel~).
  Man bringe den Kranken in ein heißes Bad und tauche ihn unter und
  gebe eine Einspritzung (~Injection~) von einer Unze Castoröl oder
  derselben Quantität Terpentin. Gleich nach dem Bade sollte etwa eine
  Drachme Laudanum gegeben werden. Indianischer Hanfextrakt (~Indian
  hemp~) erweist sich in manchen Fällen sehr wirksam. Dosis: Drei Grane
  alle zwei oder drei Stunden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Dr. King empfiehlt einen halben
  Theelöffel voll zusammengesetzte Lobelia-Tinktur (~Compound tincture
  of lobelia~) und spanischen Pfeffer (~Capsicum~), welches Mittel man
  langsam in die Mundecken träufeln läßt. Die Dosis alle fünf Minuten
  zu wiederholen, bis der Patient wieder schlucken kann. Zur selben
  Zeit nehme man eine Einspritzung von einer Unze Wasser und einer Unze
  der obigen Tinktur vor, und wiederhole dies alle 10 oder 20 Minuten.

  Kann der Kranke wieder schlucken, so sollte eine große Dosis
  zusammengesetztes Jalappenpulver (~Compound powder of Jalap~) gegeben
  werden.

  Ist der Starrkrampf durch eine Wunde an den Fußsohlen oder am Innern
  der Hand erzeugt worden, und wurde diese Wunde geheilt, so muß sie
  wieder mittelst eines scharfen Messers geöffnet werden. Man sollte
  nie zugeben, daß Wunden an diesen Körpertheilen von Außen nach Innen
  heilen, sondern immer besorgt sein, daß die Heilung Innen beginnt
  und nach Außen hin fortschreitet, was dadurch bewirkt werden kann,
  daß man die Stelle mit Silbersalpeter (~Nitrate of silver~) so lange
  „brennt,“ bis eine laufende Wunde entsteht.

  Man mag eine starke Lobelia- oder Cayennepfeffer-Tinktur, zwei Theile
  Lobelia und ein Theil Cayennepfeffer in Theelöffel voll Dosen geben.
  Dieselben Mittel mögen zu Einspritzungen (~Injections~) gebraucht
  werden. Sobald der Krampf beseitigt ist, sollte man dem Patienten
  erlauben, viel von dem Abguß der ~Nervine~ Wurzel zu trinken.

  =Homöopathisch.= Wurde der Starrkrampf durch eine Wunde verursacht,
  so sollte dieselbe vergrößert und ein Brod- und Milch- oder
  Flachssamenumschlag darauf gelegt werden.

  ~Arnica.~ -- Anfänglich äußerlich als Waschmittel und innerlich eine
  aus vier Kügelchen bestehende Dosis oder ein Tropfen alle 2 Stunden.

  ~Belladonna~ oder ~Lachesis~. -- Nehmen die Krämpfe zu, so gebe diese
  Heilmittel abwechselnd in den bei ~Arnica~ vorgeschriebenen Dosen.

  ~Hyosciamus~ und ~Opium~. -- Wenn nach zwölf Stunden keine Besserung
  eingetreten ist.

  ~Nux vomica.~ -- Namentlich wenn die Krämpfe häufig sich wiederholen
  aber nur von kurzer Dauer sind und der Patient beim völligen
  Bewußtsein ist, krampfartige Schmerzen in der Magengegend.

  ~Stramonium.~ -- Wenn die Daumen und Finger krampfhaft
  zusammengezogen sind, wilder, starrer Blick, schmerzhaftes,
  schwieriges Athmen und Schlucken. Gebe dieses Heilmittel abwechselnd
  mit ~Hyosciamus~ und ~Cicuta~.

  ~Secale.~ -- Wenn der Zustand des Kranken sich in der Wärme
  verschlimmert.

  ~Rhus~ und ~Ignatia~. -- Abwechselnd, wenn der Körper bogenartig
  rückwärts gekrümmt ist. Gebe dies so wie die anderen Heilmittel.

  =Wasserkur.= Das Wasser leistet bei dieser Krankheit sehr gute
  Dienste. Der Patient sollte in einen Badzuber voll kaltes Wasser
  gebracht und lange tüchtig gerieben und sodann ins Bett gebracht und
  mit trockenen wollenen Zeugstücken wiederum gut gerieben werden.
  Tritt in einer oder zwei Stunden keine Veränderung ein, so sollte
  diese Behandlung wiederholt werden.

  Dr. Colby von Massachusetts empfiehlt folgende Behandlung: Das Wasser
  sollte beinahe zum Gefrieren kalt sein und mittelst eines Kruges über
  den Patienten gegossen werden; etwa ein Eimer (~bucket~) voll alle
  fünf Minuten, womit man eine halbe Stunde anhält. Sodann trockne
  man den Kranken mit trockenen Handtüchern gut ab und wickele ihn in
  Flanell, bringe ihn ins Bett, wo er zwei oder drei Stunden zubringen
  sollte, bis ein tüchtiger Schweiß erzeugt ist, woraus der ganze
  Körper mit kaltem Wasser mittelst eines Schwammes gewaschen wird.

  +Bemerkung.+ -- Die Behandlung dieser Krankheit sollte immer nur von
  einem fähigen Arzte unternommen werden, falls ein solcher zu haben
  ist.



Neuntes Kapitel.

Krankheiten der Zähne, des Zahnfleisches und des Mundes.


Zahnweh (~Odontalgia~).

Dieses so schmerzhafte Leiden ist nur zu gut bekannt und bedarf keiner
weiteren Beschreibung. Einige besitzen dazu erbliche Anlagen, andere
ziehen es sich dadurch zu, daß sie sich den Witterungseinflüssen zu
sehr aussetzen, oder es kann rheumatischen Ursprungs sein, auch die
Zerstörung der Zähne und der unmäßige Genuß von Kaffee und Calomel
können es verursachen. Gewöhnlich aber rührt es von schadhaften Zähnen
her. Der Nerv des Zahnes wird durch die Beschädigung der Zahnmasse
blosgestellt und kommt so mit der Luft und fremden Körpern in
Berührung, wodurch jener so äußerst empfindliche Schmerz hervorgerufen
wird. Ebenso kann es auch durch die Entzündung der Schleimhaut, welche
die Zähne einfaßt (~Periosteum~), durch Druck beim Kauen, durch
Knirschen der Zähne oder auch durch solche Zähne, die höher als die
übrigen stehen und deshalb stärker auf die entgegengesetzten pressen,
verursacht werden.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Zahnschmerz kann dadurch gestillt werden, daß in
  die Höhle des Zahnes ein Stück Watte mit einem Tropfen Nelken- oder
  Cajeputöl, oder auch Kreosot befeuchtet, gesteckt wird. Man sollte
  womöglich verhindern, daß der Kreosot in den Mund läuft.

  Folgendes wird sehr empfohlen:

    Kohlensäure (~Carbolic acid~)                         2 Drachmen.
    Collodion                                             1 Drachme.

  Eine gallertartige Masse wird ausgezogen und ein kleines Theilchen,
  das in die Höhle des kranken Zahnes gebracht wird, wird sofortige
  Linderung verschaffen.

  Rührt der Zahnschmerz von schadhaften Zähnen her, so wird er
  vielleicht dadurch, daß man Branntwein, Whiskey, Rum oder verdünnte
  Cayenne-Tinktur (~Tincture of cayenne~) in den Mund nimmt, oder auch
  durch äußere Anwendung von Laudanum, Senfpflaster, Blasenpflaster
  hinter den Ohren, sowie auch durch Hopfen in Alcohol eingetaucht,
  entfernt. Alaun und Salz zu gleichen Theilen fest in die Höhlung des
  Zahnes gedrückt, verschafft zuweilen Linderung, so auch ein kleines
  Stück Watte mit Morphium getränkt, aber es sollte Sorge getragen
  werden, daß nichts von dem Morphium verschluckt wird.

  Die im achten Kapitel unter „Neuralgie“ empfohlene Salbe gegen
  Kopfschmerz, Verstopfung u. s. w. wird bei äußerlichem Gebrauche auch
  hier für gut befunden werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes ist zu empfehlen:

    Alaun, fein gepulvert                                 4 Drachmen.
    Salpeter-Aether (~Nitric ether~)                     14    „

  Oder auch:

    Nelkenöl (~Oil of cloves~)                            1 Drachme.
    Cajupetöl (~Oil of cajupet~)                          1    „
    Amberöl (~Oil of amber~)                              1    „
    Pulverisirter Kampher (~Pulv. Camphor~)               1    „

  Mische und gebrauche es.

  Oder:

    Kampher (~Camphor~)                                   4 Drachmen.
    Chloroform                                            2    „
    Ammoniakwasser (~Water of ammonia~)                   1 Drachme.

  Mische und gebrauche es wie das vorhergehende. Eine Pille aus
  Kampher-Gummi (~Gum Camphor and Opium~) in den wehen Zahn gebracht,
  wird selten verfehlen, den Schmerz zu lindern.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei Fieberhaftigkeit, großer Angst
  und Unruhe, heftig klopfenden und schlagenden Schmerzen, wenn
  Erkältung die Ursache, begleitet von Gesichtshitze, Röthe der Wangen,
  Anschwellen des Gesichts. Verschafft dieses Mittel nur für eine kurze
  Zeit Linderung, so lasse man ~Belladonna~ oder ~China~ folgen.

  ~Arnica.~ -- Wenn der Schmerz durch Verletzungen, wie Ausziehen oder
  Verstopfen verursacht. Man löse es auf und zwar ein Theil Tinktur auf
  fünf bis sechs Theile Wasser, und bringe es auf den verletzten Theil.

  ~Belladonna.~ -- Bei einem Gefühl von Eiterung in den Zähnen,
  rasende, schießende, schneidende Schmerzen in den Zähnen, im Gesicht
  und den Ohren, schlimmer des Abends beim Niederlegen, Zahnfleisch
  heiß und geschwollen, Schmerz im Freien oder beim Berühren der Zähne
  mit kalten oder warmen Speisen erhöht; Hitze und Röthe des Gesichts,
  des Nachts Verschlimmerung.

  ~Bryonia.~ -- Ziehender, stechender Zahnschmerz, bei einem Gefühle,
  als ob die Zähne locker und zu lang wären, oder bei Zahnschmerz
  durch nasses Wetter hervorgerufen, auch wenn der Schmerz durch das
  Nehmen von Wasser in den Mund erhöht wird. Es wird gut sein, es nach
  ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ oder abwechselnd mit ~Rhus~ zu geben,
  wenn nasses Wetter oder rheumatische Anfälle Anlaß zu Zahnschmerzen
  sind.

  ~Chamomilla.~ -- Heftig stechende, ziehende, schießende Schmerzen,
  schlimmer des Nachts wenn der Leidende im Bett ist, Anschwellen
  und Röthe der Wangen, oder eine Wange roth und die andere blaß,
  Anschwellen des Zahnfleisches, Vergrößerung der Drüsen unter dem
  unteren Gaumen, Schmerzen nach heißen Getränken, besonders nach
  Kaffee heftiger.

  ~Coffea.~ -- Heftige Schmerzen während welchen der Kranke ganz außer
  sich ist, Zittern, Weinen, Unruhe und Aufgeregtsein. Dies kann
  abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden.

  ~Mercurius.~ -- Schmerzen in der Zahnhöhle, an der Wurzel der Zähne,
  schießende Schmerzen durch die Seiten des Gesichts nach den Ohren zu,
  durch warme oder kalte Getränke erhöht, Anschwellen und Entzündung
  des Zahnfleisches.

  ~Calcarea.~ -- Bei Zahnweh von schwangeren Frauenzimmern, Schmerzen
  in hohlen Zähnen oder lockeren Stumpfen; klopfende, ziehende und
  brechende Schmerzen, Zahnfleisch geschwollen, weh und leicht blutend,
  Schmerzen durch Erkältung verursacht und durch Geräusch erhöht.

  ~Carbo Vegetabilis.~ -- Ziehende, rasende oder klopfende Schmerzen
  in den Zähnen, Zahnfleisch leicht blutend, Gefühl von Lockersein und
  Eiterung der Zähne, bei feuchter Witterung und wenn heiße, kalte oder
  salzige Gegenstände in den Mund kommen, schlimmer.

  ~Pulsatilla~ -- entspricht mehr bei jungen Mädchen oder Leuten
  sanfter Gemüthsart, schießende Schmerzen, die sich von der leidenden
  Seite bis zum Ohr ziehen; stechender Schmerz, als ob der Nerv
  zusammen gezogen und dann wieder plötzlich ausgedehnt würde,
  besonders auf der linken Seite Schmerz, durch Wärme oder Ruhe erhöht,
  besser während des Gehens, besonders im Freien, Zahnweh begleitet von
  Ohren- und Kopfschmerz.

  ~Nux vomica~ -- für Leute, die ein ruhiges Leben führen, oder welchen
  Kaffee und starke Spirituosen zusagen; Zahnfleisch schmerzhaft und
  geschwollen, Schlagen wie bei einem Geschwür, klopfende, brennende
  oder kneipende Schmerzen in den Zähnen, durch Essen und Aussetzen der
  freien Luft erhöht. Auch abwechselnd mit ~Mercurius~.

  ~Hyosciamus.~ -- Heftige, rasende Schmerzen, die sich von den Wangen
  nach der Stirn erstrecken, nach Erkältungen im Freien zugezogen,
  Gesicht roth und heiß, große nervöse Aufregung, Augen roth, strahlend
  und wild blickend.

  ~Ignatia.~ -- Für eine Person von empfindlicher Natur, Gefühl als ob
  die Zähne gebrochen würden, auch wenn der Schmerz von Erkältung oder
  geistigen Leiden herrührt, wenn schlimmer nach Kaffee trinken, Tabak
  rauchen, nach dem Niederlegen oder am Morgen beim Erwachen.

  ~Hepar Sulphuris.~ -- Passend bei Leuten, die zu viel ~Mercurius~
  genommen haben, wenn sich nach dem Zahnschmerz Zahnfleischgewächse
  bilden.

  ~Rhus.~ -- Besonders bei rheumatischem Zahnschmerz während feuchter
  Witterung, begleitet von Schmerzen in den Gliedern und im Kopf,
  Frösteln und Unruhe, rasende, schießende, stechende Schmerzen,
  schlimmer im Freien, oder des Nachts, wenn der Leidende sehr unruhig
  ist und die Schmerzen durch äußerlich angewendete Hitze gelindert
  werden. Kann auch abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden.

  ~Creosotum.~ -- Gegen Schmerz in schadhaften Zähnen mit Anschwellen
  des Zahnfleisches und Blutandrang nach demselben verbunden.

  ~Sulphur.~ -- Rasende, schlagende Schmerzen, begleitet von
  Anschwellen der Wangen, schießende Schmerzen in den Ohren,
  Zahnschmerz am Abend oder des Nachts durch die Bettwärme sowie auch
  im Freien oder durch Zugluft verschlimmert.

  ~Staphysagria.~ -- Bei hohlen Zähnen und Stumpfen, der Schmerz dehnt
  sich bis auf die Ohren und den Kopf aus, die Wangen schwellen an,
  sind nicht heiß und der Schmerz wird durch das Einathmen der kalten
  Luft oder durch kalte Getränke gesteigert, schlimmer während oder
  nach Tische, auch bei Berühren oder nur nach Mitternacht.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf. Alle 15 Minuten, halbe
  oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
  Theelöffel voll.

  In einigen Fällen, wo der Schmerz von hohlen Zähnen herrührt, wird
  es von gutem Erfolge sein, einen kleinen Theil ~Arsenicum~ in die
  Höhlung zu bringen, und dies kann doch auch geschehen, daß man
  ein kleines Stückchen Watte zu diesem Behufe mit einem Häkchen
  versehen, anfeuchtet, und darauf ein ganz klein wenig weißes
  Arsenikoxyd (~White Oxide of Arsenic~) bringt, was den Schmerz fast
  augenblicklich stillt.


Verfall der Zähne (~Caries~)

beschränkt sich weder auf Alter, noch Geschlecht und Stand, sondern
wird unter allen Klassen gefunden.

+Ursachen.+ -- Heiße Getränke oder Speisen, welche mit den Zähnen in
Berührung kommen und den Zahnschmelz verletzen, üppiges Leben, wodurch
der allgemeine Gesundheitszustand heruntergebracht und wodurch eine
ungesunde Speichelabsonderung verursacht wird, ebenso das Hängenbleiben
von Speiseresten, die unter allen Umständen durch sorgfältiges Reinigen
der Zähne nach jeder Mahlzeit entfernt werden sollten; Quecksilber in
größerer Menge genommen, wird Verfall nach sich ziehen, auch Tabak ist
für die Zähne schädlich. Das Ansammeln von Weinstein (der sich aus dem
Speichel, welcher sich anfänglich weich an die Zähne ansetzt, sich
bald aber verhärtet und braun oder schwarz wird) ist nicht selten die
Ursache.


+Behandlung.+

  Folgendes sind Mittel, die zum Reinigen der Zähne angewendet werden
  mögen:

    Präparirte Kreide (~Prepared chalk~)                  2 Unzen.
    Pulverisirtes Myrrhenharz (~Pulv. Gum Myrrh~)         6 Skrupel.
    Kampher (~Camphor~)                                  10 Grane.

  Wasser in hinreichender Menge.

  Ein anderes ist:

    Präparirte Kreide (~Prepared chalk~)                  2 Unzen.
    Pulverisirte Veilchenwurzel (~Pulv. orris root~)      2   „
    Pulverisirter Bimsstein (~Pulv. pumice stone~)        1 Unze.

  Von irgend einem besseren Oele einige Tropfen.

  Folgendes wurde von Dr. C. H. Cleveland als ein ausgezeichnetes
  Waschmittel für die Zähne empfohlen:

    Myrrhen-Tinktur (~Tincture of myrrh~)                 1 Unze.
    Chinarinden-Tinktur (~Tincture of peruvian bark~)     1  „
    Enzianwurzel-Tinktur (~Tincture of Gentian root~)     1  „
    Ammoniakwasser (~Aqua ammonia~)                       1 Drachme.
    Reines Wasser                                         ½ Pint.

  Mische es und bürste damit die Zähne nach jeder Mahlzeit.

  Ein gutes Zahnpulver besteht aus gleichen Theilen von pulverisirter
  ~Chinchona~, Gelbwurz (~Golden seal~), Veilchenwurz (~Orris root~)
  und Holzkohle mit ein wenig Honig angemacht.

  Gewöhnliche spanische Seife ist ein ausgezeichnetes Mittel, ebenso
  gewöhnliches Tischsalz jeden Morgen und Abend angewendet. Letztes
  besonders macht den Geschmack mild und angenehm.


Widerwärtiger Geruch des Athems

entsteht aus verschiedenen Ursachen, zu denen zu zählen sind:
Schadhafte Zähne, verdorbene Absonderung der Munddrüsen,
Vernachlässigung des Reinigens der Zähne, Weinstein oder Hängenbleiben
der Speisereste. Die hartnäckigsten Fälle rühren von einer
unvollkommenen Verdauung durch Störung der Leber oder anderer Organe
her.


+Behandlung.+

  Wenn schadhafte Zähne die Ursachen sind, so sollten sie entfernt,
  oder wenn dieselben noch nicht zu sehr angegriffen sind, ausgefüllt
  werden. Der Mund ist öfters mit spanischer Seife und Wasser zu
  reinigen, und wenn es von den Schleimabsonderungen des Mundes
  herrührt, sollte derselbe mehrere Male des Tages mit 8 bis 10 Tropfen
  Soda-Chlorid (~Chlorid of soda~) in einem Glas voll Wasser gewaschen
  werden. Ist die Haut trocken und aufgesprungen, muß sie ein- bis
  zweimal des Tages mit weichem Wasser, dem ein klein wenig Whiskey
  hinzugefügt ist, gewaschen werden.

  Mit folgendem geben wir einige Mittel, um dem Athem einen besseren
  Geruch zu geben:

    Pulverisirte Myrrhen (~Powdered myrrh~)               2 Unzen.
    Chinarinde (~Peruvian bark~)                          8   „
    Zimmetöl (~Oil of cinnamon~)                         32 Tropfen.
    Nelkenöl (~Oil of cloves~)                           32    „
    Präparirte Kreide                                     4 Unzen.
    Veilchenwurz (~Orris root~)                           8   „
    Rosennelke (~Rose-pink~)                              3   „

  Mische es gut. -- Oder:

    Katechuharz (~Gum catchu~)                            2 Unzen.
    Weißer Zucker                                         4   „
    Veilchenwurzpulver (~Orris powder~)                   1 Unze.

  Mache es zu einem Teig und füge 2 Tropfen ~Verdi~ hinzu.

  =Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Wenn durch Entzündung des
  Zahnfleisches und der Nackendrüsen veranlaßt.

  ~Arnica~, ~Nux vomica~, ~Belladonna~, ~Silicea~ oder ~Sulphur~. --
  Wenn dafür kein besonderer Grund vorhanden, oder wenn es nur am
  Morgen gefunden wird.

  ~Chamomilla~, ~Nux vomica~ oder ~Sulphur~. -- Wenn er nach den
  Mahlzeiten wahrgenommen wird.

  ~Pulsatilla~ oder ~Sulphur~. -- Wenn er des Abends oder Nachts
  eintritt.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Eine Dosis 6 Kügelchen jeden Abend ein
  oder zwei Wochen hindurch, ehe zu einem andern Heilmittel gegriffen
  wird. Rührt der Geruch vom Essen von Zwiebeln oder Knoblauch her, so
  kann er durch das Trinken von ein wenig Wein, das Essen einer Birne
  oder gekochten rothen Rübe beseitigt werden.


Schlechter Geschmack im Munde

mag die Folge verschiedener Krankheiten sein, wird aber am häufigsten
bei Fiebern und verdorbenem Magen gefunden. Wegen der Behandlung
desselben sehe man die Ursachen, aus denen er entspringt. Zuweilen
tritt er indessen auch allein stehend auf.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Cuprum~, ~Rhus~ und ~Cocculus~. -- Wenn der
  Geschmack kupferig ist.

  ~Lachesis~, ~Mercury~ und ~Nux vomica~. -- Wenn der Geschmack
  metallisch ist.

  ~Arnica~, ~Bryonia~, ~Sulphur~, ~Rhus~, ~Mercurius~ und ~Pulsatilla~.
  -- Wenn der Geschmack faulig ist.

  ~China~, ~Pulsatilla~ oder ~Mercurius~. -- Wenn der Geschmack
  erdartig (~earthy~) ist.

  ~Bryonia~, ~Pulsatilla~, ~Arnica~ und ~Chamomilla~. -- Wenn der
  Geschmack bitter ist.

  ~Mercurius~, ~Nux vomica~, ~Arsenicum~, ~Tartarus emeticus~ und
  ~Carbo vegetabilis~. -- Wenn der Geschmack salzig ist.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Nehme eine Dosis (4 Kügelchen) des
  gewählten Heilmittels zweimal des Tages.


Zahnfleischschwären (~Gumboils~)

sind Geschwüre in Folge von Entzündungen, die sich auf dem Zahnfleisch
bilden. Sie werden von schadhaften Zähnen, Durchbrechen der Zähne und
andern Ursachen hervorgerufen.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Der Mund mag mit Salz und Wasser, und zwar im
  Verhältniß von einem Theelöffel voll Salz auf ein halbes Pint Wasser,
  gewaschen werden.

  Die Eingeweide sollten dabei mit folgendem in Ordnung gehalten werden:

    Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~)         15 Grane.
    Magnesia                                             15   „
    Pfeffermünzwasser (~Peppermint~)                     10 Drachmen.
    Mohnsaft (~Laudanum~)                                15 Minims.
    Flüchtiges Salz (~Sal volatile~)                     20   „
    Ingwersyrup (~Syrup of ginger~)                       1 Drachme.
    Rhabarbertinktur (~Tincture of Rhubarb~)              1    „

  Mische und nimm es als eine Dosis.

  Wenn die Zahnfleischschwären durch einen schadhaften Zahn
  hervorgerufen werden, so sollte man denselben ausziehen lassen.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- abwechselnd, wenn
  beträchtliche Entzündung und Anschwellung bei Hitze und Schmerz, alle
  2 Stunden eine Dosis, bis Linderung eintritt.

  ~Mercurius.~ -- Bei klopfendem und schlagendem Schmerz. Kann
  abwechselnd mit ~Hepar Sulphur~ gegeben werden.

  ~Silicea.~ -- Wenn die vorhergehenden Mittel ohne Erfolg gegen das
  Wachsen des Geschwüres angewendet werden und sich Eiter gebildet hat.

  ~Aconitum~ und ~Chamomilla~ -- abwechselnd zu geben, wenn die
  Zahnfleischschwären in Folge von Entzündung beim Durchbruch des
  Weisheitszahnes entstehen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Während der Entzündung mögen die Mittel
  alle Stunden einmal und nachher alle zwei Stunden gegeben werden.
  Von ~Silicea~ oder ~Calcarea~ gebe jeden Abend und jeden Morgen eine
  Dosis.


Entzündung und Anschwellen der Zunge

kennzeichnet sich durch Schmerz, Hitze und Anschwellen mit Trockenheit
des Mundes und überreichen Speichelfluß. Sie kann so anschwellen, daß
der Mund ganz gefüllt ist, wodurch das Schlucken und Sprechen sehr
erschwert wird, und Erstickung droht.

+Symptome.+ Zuerst innerliche Schmerzen und Anschwellen der Zunge. Der
Patient fröstelt, ist appetitlos, leidet an verdorbenem Magen, dumpfe
Schmerzen im Kopfe und Rücken, Hitze der Haut, sehr schnellen Puls,
klopfender und stechender Schmerz in der Zunge.

+Ursachen.+ Unmittelbare Beschädigungen, wie von verbrennenden
Getränken, Wunden oder Verbrühungen, Bisse oder Stiche von giftigen
Insekten, Speichelfluß nach Quecksilber, Pocken.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- Beim Beginn der Krankheit, wenn das
  Fieber und die Entzündung stark und von heftigen, schneidenden
  Schmerzen begleitet sind.

  ~Aconitum~ und ~Arnica~ -- abwechselnd, wo die Entzündung von
  örtlichen Verletzungen herrührt. Abwechselnd jede Stunde oder alle 2
  Stunden.

  ~Mercurius.~ -- Dies ist das wichtigste Mittel bei heftigem Schmerz,
  Anschwellen und Verhärtung, die Zunge roth, trocken oder feucht,
  Puls rasend schnell und ungehindert, Athem beschwerlich, klopfende
  oder stechende Schmerzen in der Zunge und der Mund und Hals von der
  Geschwulst angefüllt, schlimmer des Nachts, schnelles Sinken der
  Lebenskraft.

  ~Belladonna.~ -- Gesicht roth, Augen mit Blut unterlaufen, Zunge
  entzündet, roth trocken und geschwollen, heftiges Schlagen der Adern
  des Nackens und der Schläfe, klopfender Schmerz im Kopfe, Haut heiß
  und trocken, Augen gegen Licht empfindlich, klopfende, schießende,
  ziehende Schmerzen in der Zunge, Gefühl von Erstickung.

  ~Mercurius~ und ~Belladonna~ -- kann abwechselnd gegeben werden, wenn
  eins oder das andere, allein gegeben, keine Linderung verschafft.

  ~Aurum Muriaticum~, Potaschen-Hydriodat (~Hydriodate of potassa~),
  ~Acidum Nitri~ oder ~Hepar Sulphuris~. -- Wenn das Anschwellen von
  der Anwendung des ~Mercurius~ herrührt.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
  in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde oder auch alle
  zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
  Theelöffel voll.

  In Fällen, daß die Anschwellung so bedeutend wird, daß Erstickung zu
  befürchten steht, so zögere man nicht, nehme ein Messer und mache
  einen Einschnitt längs der Zunge, indem dadurch der Andrang des
  Blutes gelindert wird.


Mundkrebs (~Stomacace~).

Diese Form eines bösen Mundes wird in der Regel bei Kindern von 5 bis
10 Jahren gefunden und von Einigen für ansteckend gehalten. Es ist eine
Entzündung der Schleimhaut des Mundes, über welche sich eine gelbliche
Flüssigkeit ergießt, die, wenn sie nicht eingehalten wird, eine sehr
zerstörende Form annimmt und tiefe schwarze Geschwüre verursacht.

+Symptome.+ Zuerst Schmerz und ein unbehagliches Gefühl im Zahnfleisch,
das bald heiß, trocken und sehr empfindlich wird, begleitet von
Ermattung, Unlust zum Spiel oder zur Bewegung, Appetitlosigkeit, Durst,
das Zahnfleisch schwillt an, wird schwammig und blutet bei Berührung.
Die innere Fläche der Wangen und des Zahnfleisches ist mit Flecken
falscher Haut, unter denen Eiter erscheint, bedeckt. Bei einigen Fällen
fehlt die falsche Haut, der Eiter hat ein gräuliches oder schwarzgelbes
Ansehen. Ist die Krankheit heftig, so schwellen die Drüsen unter dem
Gaumen an, werden hart und schmerzhaft, der Athem wird sehr widerwärtig
und die Absonderung des Speichels erhöht sich beträchtlich. Zuweilen
werden auch die Zähne locker und fallen aus. Auch kann ein überreicher
Auswurf eines widerwärtigen, blutigen Eiters aus dem Munde stattfinden,
der Athem stinkend, fast knochenfraßartig werden. Die Bewegungen des
Gaumens werden steif und können durch Anschwellung ganz verhindert
werden, gleichzeitig von bösem Nacken und Hals begleitet. Die Kräfte
des Kranken sinken rasend schnell und er wird außerordentlich hinfällig.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Sind die Eingeweide verstopft oder nicht gehörig
  in Ordnung, so gebe man ein wenig Calomel, dem man einige Stunden
  darauf eine Dosis Castoröl folgen lassen kann. Potaschen-Chlorid
  (~Chloride of potassa~) ist bei dieser Krankheit ein wichtiges
  Mittel. Man bediene sich einer Waschung zusammengesetzt aus 3 Granen
  Potaschen-Chlorid, welches in einer hinreichenden Menge versüßten
  Wassers aufgelöst wird. Kann einem drei Jahre alten Kinde und 5 Grane
  einem Kinde von acht bis neun Jahren gegeben werden.

  Wenn die Eiterbeulen langsam heilen, mögen sie mit einer Lösung von
  Borax und Wasser 15 Grane auf eine Unze, oder Chlorkalk (~Chloride
  of lime~), oder auch mit einer schwachen Lösung von salpetersaurem
  Silber (~Nitrate of silver~) -- ein Gran auf eine Unze, gewaschen
  werden.

  Folgendes wird von Dr. Dewees als eine Waschung der Eiterbeulen
  empfohlen:

    Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~)         10 Grane.
    Pulverisirtes Chinchona                               2 Drachmen.
    Pulverisirtes Mutterzimmtharz (~Pulv. Gum Cassia~)    1 Drachme.
    Honig                                                 2 Drachmen.
    Wasser                                                3 Unzen.

  Die Eiterbeulen sollten hiermit zweimal des Tages vermittelst eines
  Kameelhaarpinsels bestrichen werden.

  Folgendes ist ein ausgezeichnetes Waschmittel:

    Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~)          ½ Drachme.
    Wasser                                                1 Unze.

  Zweimal des Tages auf die Beulen zu bringen.

  Oder auch:

    Weißes Vitriol (~White vitriol~)                      1 Unze.
    Weiches Wasser                                        2 Drachmen.

  Mische es und füge hinzu:

    Honig                                                 2 Drachmen.
    Myrrhen-Tinktur (~Tincture of myrrh~)                 2    „

  Zweimal des Tages anzuwenden.

  Nachdem die Entzündung nachgelassen hat, möge folgendes angewendet
  werden:

    Weißeichenrinde (~White oak bark~)                    1 Unze.
    Wasser                                                1 Pint.

  Koche und seihe es durch, füge ferner hinzu:

    Alaun (~Alum~)                                        1 Skrupel.

  Mit einem weichen Schwamme wasche man hiermit die Eiterbeulen mehrere
  Male des Tages.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Der Mund sollte öfters mit einem warmen
  zusammenziehenden Aufguß ausgespült werden, wozu folgendes dienen mag:

    Gelbwurz (~Golden seal~)        }
    Geranium (Storchschnabel)       }  Gleiche Theile.
    Alaun (~Alum~)                  }

  Oder:

  Ein Aufguß von Rothwurzel (~Red root~), Rüsterrinde (~Witch hazel
  bark~) und Geranium.

  Eisenchlor-Tinktur (~Tincture of chloride of iron~) ist ein
  schätzenwerthes Mittel zur äußerlichen Anwendung. Wird das Kind
  schwach, so kann schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) oder
  Wein gegeben werden.

  =Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Dieses Heilmittel ist fast in jedem
  Falle mit Erfolg anwendbar und kann bei Beginn der Krankheit gegeben
  werden, ausgenommen wenn sie durch ~Mercurius~ veranlaßt sein sollte,
  in welchem Falle dann ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~ oder
  ~Acidum Nitri~ zu geben ist.

  ~Nux Vomica.~ -- Eiterbeulen faulig und schmerzhaft, Anschwellen
  des Zahnfleisches, stinkender Eiter ist über die ganze Mundfläche
  verbreitet. Verstopfung ist vorhanden.

  ~Arsenicum.~ -- Eiterung der Zungenränder, heftige brennende
  Schmerzen, geschwollenes Zahnfleisch, leicht blutend, große Unruhe
  und einem öfteren Verlangen zu trinken.

  ~Capsicum.~ -- Besonders bei starken Personen, die ein ruhiges Leben
  führen und wo Blasen oder Bläschen auf der Zunge vorhanden sind mit
  Anschwellen des Zahnfleisches verbunden.

  ~Acidum Nitri.~ -- Wenn ~Mercurius~ keine Linderung verschafft oder
  wenn das Zahnfleisch anschwillt, weißlich licht und leicht blutend,
  begleitet von einem Lockerwerden der Zähne, Speichelfluß von fauligem
  Geruch aus dem Munde.

  ~Carbo Vegetabilis.~ -- Eiterung des Zahnfleisches und der Zunge
  bei starker Blutung, begleitet von einem brennenden Gefühle und
  außerordentlich üblem Geruch des Eiters.

  ~Sulphur~ -- wird am Ende der Kur gegeben, wenn Anschwellen des
  Zahnfleisches verbunden mit schlagendem Schmerz, Blasen, welche
  beim Essen brennen, widerwärtiger oder saurer Geruch aus dem Munde,
  Verstopfung oder grüne schleimige Diarrhöe.

  Behufs Waschung bediene man sich kalten Wassers, zuweilen
  Citronensafts, Salbei- (~Sage~) Thee; auch eine schwache Mischung von
  Branntwein mit Wasser wird sich bewähren.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Mittel 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe, der Heftigkeit
  der Symptome angemessen, alle zwei, drei oder vier Stunden einen
  Eßlöffel voll.


Scharbock, Scorbut (~Scurvy~, ~Scorbutus~)

ist eine Krankheit, die auf einem verdorbenen Zustande der Säfte
beruht und die sich bis zur Eiterung und Auflösung der festen Theile
ausstreckt. Er wird am häufigsten im Felde, in belagerten Städten, auf
Schiffen, die lange Reisen machen, gefunden, überhaupt überall da, wo
den Menschen frische Lebensmittel versagt und sie der Feuchtigkeit und
Kälte ausgesetzt sind. Auch beständige Kost salziger Nahrungsmittel
und geräucherten Fleisches, sowie auch Unterdrückung von regelmäßigen
Ausflüssen, wie die monatlichen Regeln, sind zuweilen Ursache.

+Symptome.+ -- In der Regel bestehen die ersten Symptome in Erweichung,
Eiterung, Blutung und Anschwellen des Zahnfleisches, das schwammig und
die Ursache eines verdorbenen Athems wird. Die Glieder schwellen an
und eine große geistige und körperliche Schwäche, Ermüdung nach der
geringsten Bewegung tritt ein. Dunkle, purpurne Flecken erscheinen
an verschiedenen Theilen des Körpers, Blutungen aus der Nase, dem
Hals, dem Magen und den Eingeweiden finden statt und das Gesicht
nimmt eine Bleifarbe an und ist mit Blut unterlaufen. Die Eingeweide
sind verstopft und an verschiedenen Stellen des Körpers erscheinen
Eiterbeulen, die Gelenke schwellen an und werden straff. Die Haut
ist trocken und der Puls klein und schwach; zuweilen brechen alte
längst vernarbte Wunden wieder auf und ganz hinfällig in Folge von
Blutflüssen, Diarrhöe u.s.w. stirbt der Kranke.

+Ursachen.+ -- Die Entbehrung von Pflanzenstoffen, welche zur
Erhaltung der Gesundheit nothwendig sind, solche Ursachen, welche das
Nervensystem herabstimmen, Einfluß von Kälte und Feuchtigkeit, Mangel
an Bewegung und übermäßige Ermüdung.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Ursachen der Krankheit müssen gehoben werden,
  sind diese z. B. eingesalzene Nahrungsmittel, so müssen frische an
  deren Stelle gesetzt werden. Man lasse den Kranken Ueberfluß an
  frischen Früchten, Gemüsen, Orangen, Citronen, Aepfelwein (~Cider~),
  Sprossenbier, Sauerkraut, Erdbeeren, Aepfel &c. genießen. Kartoffel
  sind während dieser Krankheit ein wichtiger Bestandtheil der Kost,
  mögen sie nun einfach gekocht, oder geröstet mit Essig gegessen
  werden. Eine Auflösung von Citronensäure, versüßt, dem ein wenig
  Essig oder Porter beigefügt wird, wird zuträglich sein, ebenso hat
  sich 2 bis 4 Unzen Salpeter (~Nitre~), aufgelöst, und ein Quart
  Essig als ein vorzügliches Heilmittel bewährt. Kalksaft (~Lime
  juice~) ist ein wichtiger Bestandtheil der Kost und sollte, mit der
  dazu erforderlichen Menge Zucker gemischt, täglich gegeben werden.
  Milch und Rindfleischbrühe mögen zur Nahrung dienen, wenn der Kranke
  wegen des wehen Zahnfleisches keine festeren Speisen genießen kann.
  Der Kranke sollte sich vollständig ruhig verhalten, da zuweilen die
  geringste Bewegung eine schlimme Wendung verursachen kann.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Sollte das Zahnfleisch in Eiterung
  übergehen, gebrauche man folgendes:

    Myrrhen (~Myrrh~)                                     1 Unze.
    Aloe                                                  1  „
    Lakritzen-Extrakt                                     1  „

  Pulverisire es und füge acht Unzen oder zwei Theetassenkopf voll
  heißes Wasser hinzu. Mische es und wenn erkaltet, gieße das ganze
  in eine Flasche und gebe ein wenig guten Branntwein hinzu. Lasse
  die Mischung vier oder fünf Tage lang stehen, seihe es dann durch
  ein Stück Flanell und gebrauche es viermal des Tages als Waschung.
  Bei Diarrhöe kann ein Aufguß von Brombeeren-Wurzel (~Black berry
  root~) oder Geranium (Storchschnabel) gegeben werden. Gegen Säure im
  Magen kann zusammengesetztes Rhabarber- (~Rhubarb~) und Potaschen-
  (~Potassa~) Pulver gegeben werden. Ein Preiselbeer- (~Cranberry~)
  Umschlag über die Eiterbeulen wird sehr zuträglich gefunden werden.
  Bei Schmerzen und Zusammenziehungen der Glieder, Anschwellen der
  Gelenke bediene man sich Bähungen von bitteren Kräutern (~bitter
  herbs~) und reizender Salben.

  Sobald der Kranke wieder zu genesen anfängt, können stärkende Mittel
  erforderlich werden, wie:

  Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of iron~) in Dosen
  von 20 bis 30 Tropfen zwei- oder dreimal des Tages in einem Aufguß
  von Gelbwurz (~Golden seal~), Enzian (~Gentian~) oder Bitterwurzel
  (~Quassia~).

  =Homöopathisch.= ~Mercurius.~ -- Wenn nicht zuvor gebraucht, bei
  folgenden Symptomen: Rothes, schwammiges, eiterndes und leicht
  blutendes Zahnfleisch, begleitet von brennenden Schmerzen des Nachts,
  Lockerwerden der Zähne bei üblem Geruch aus dem Munde, übermäßige
  Absonderung eines widerwärtigen und blutigen Speichels, dunkelrother
  Urin, große Erschöpfung und Schwäche.

  ~Carbo Vegetabilis.~ -- Besonders bei Personen, welche zu viel Merkur
  genommen haben, oder bei brennenden Eiterbeulen im Munde, welche
  häufig bluten und einen ätzenden, übelriechenden Eiter absondern.

  ~Arsenicum.~ -- Eiterungen an den Rändern der Zunge bei heftig
  brennenden Schmerzen, geschwollenem und leicht blutendem Zahnfleisch,
  große Hinfälligkeit und Unruhe, Eiterbeulen schwarz und schwarzgelb,
  Haut bläulich, kalt und sehr trocken. Andere Heilmittel sind:
  ~China~, ~Hamamelis~, ~Acidum Sulphuris~, ~Secale~ und ~Phosphorus~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in einen
  Theetassenkopf voll Wasser aus und gebe alle 2, 4 oder 6 Stunden
  einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Zuweilen wird eine Waschung mit einer Auflösung
  von Tannicsäure (~Tannic acid~) oder Myrrhen- (~Myrrh~) Tinktur und
  verdünnter Glycerin oder Alaun (~Alum~), Branntwein und Wasser gegen
  das Zahnfleisch gebraucht.

  Folgende Pillen mögen gegeben werden:

    Blaue Pillen (~Blue pill~)                            1 Skrupel.
    Zusammengesetzte Rhabarberpillen (~Rhubarb~)          2    „

  Mische es und theile es in 12 Pillen. Dosis: gelegentlich eine oder
  zwei.

  Weinsteinsaures oder chlorsaures Potaschensalz (~Tartrate or chlorate
  of potassa~), in dem Verhältniß von einer Drachme auf ein Pint Wasser
  aufgelöst, kann täglich genommen werden.

  Als ein stärkendes Mittel ist folgendes empfohlen:

    Rindenabkochung (~Decoction of bark~)                 7 Unzen.
    Zusammengesetzte Rindentinktur (~Compound tincture
    of bark~)                                             6 Drachmen.
    Orangenschalensyrup                                   2    „
    Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~)     1 Drachme.

  Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Sind die Eingeweide verstopft, so trinke man nach Belieben Cremor
  Tartari (~Cream of tartar~) in Wasser aufgelöst. Bei Schlaffheit der
  Eingeweide wende man Morphium, Laudanum, Campescheholz- (~Logwood~)
  Thee oder Geranium an.

  Chinin (~Quinine~) ist ein vorzügliches Mittel gegen diese Krankheit
  und kann in Dosen von je 2 oder 3 Granen zwei- bis dreimal des Tages
  gegeben werden.


Speichelfluß (~Salivation -- Ptyalism~)

wird durch Mißbrauch des Quecksilbers (~Mercury~) und durch
Erkältung hervorgerufen, oder begleitet zuweilen Fieberanfälle, wie
Scharlachfieber, rührt auch zuweilen von angegriffenen Zähnen her.

+Symptome.+ Uebermäßige Speichelabsonderung, die Drüsen des Mundes und
Halses geschwollen und entzündet, in schlimmen Fällen von Lockerwerden
oder Ausfallen der Zähne, Eiterung des Halses, des Zahnfleisches und
der Zähne, sowie Anschwellen der Zunge begleitet.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Hepar Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Acidum Nitri~,
  ~Belladonna~, ~Opium~ oder ~Sulphur~. -- Wenn der Speichelfluß von
  ~Calomel~ oder irgend einem Quecksilber- (~Mercurius~) Präparat
  herrührt.

  ~Mercurius.~ -- Ist der Speichelfluß durch Erkältung hervorgerufen,
  sowie auch bei schmerzhaftem Anschwellen der Drüsen des Mundes,
  Uebelriechender Absonderung aus dem Munde, Eiterbeulen auf der
  inneren Seite der Wangen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12
  Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden einen
  Theelöffel voll.

  Zum Waschen bediene man sich nichts anderem als Wasser und Milch.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn Quecksilber die Ursache des
  Speichelflusses ist, sollte Schwefel (~Sulphur~) und Cremor Tartari
  (~Cream of tartar~), 2 Theile von dem ersteren und ein Theil von dem
  letzteren genommen werden. Mische es mit ein wenig Molasses oder
  Honig. Dosis: einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.

  Man nehme ferner Schwefel in den Mund und zwar so, daß er mit
  den angegriffenen Theilen in Berührung kommt. Das Besprengen der
  Eiterbeulen mit pulverisirter rother Kreide (~Red chalk~) hat sich
  zuweilen bewährt.

  Zum Gurgeln bediene man sich:

    Salbei (~Sage~)                                       2 Unzen.
    Hartriegelblätter (~Privet leaves~)                   2   „
    Gelbwurz (~Golden seal~)                              2   „

  In zwei Pint Wasser eingekocht, durchgeseiht und einen Theelöffel
  voll gebrannten ~Alaun~, sowie dieselbe Menge Borax.


Schwierigkeit beim Sprechen -- Stammeln.

Das Stammeln besteht in einer gestörten deutlichen, fließenden
Aussprache, und wird in der Regel von einem Ausdruck der Anstrengung
und Verzerrung der Mienen, auf dem Gesicht erkennbar, begleitet.
Zuweilen ist Mißbildung der Zunge oder anderer Sprechorgane die Ursache.

Die Kur liegt gewöhnlich im Bereich der Möglichkeit und ist zuweilen
sehr leicht, denn das Hinderniß erwächst nicht selten aus der
Anstrengung, während des Athemschöpfens zu sprechen. Der Patient sollte
daher, bevor er zu sprechen beginnt, die Brust gehörig mit Luft füllen,
und sodann ein Wort nach dem andern langsam und deutlich auszusprechen
suchen. Der Stammelnde muß, gerade wie beim Singen, nach jedem Worte,
sowohl beim Lesen als Sprechen, eine Pause machen. Reicht dies nicht
hin, so verfahre er ebenso bei den Silben, und nach einiger Zeit
versuche er es mit Worten und dann mit Sätzen. Befolgt er diese Methode
immer eine Stunde lang zu gewissen Zeiten, so wird er bald über die
Gewohnheit in vielen, wenn nicht in allen Fällen, hinwegkommen.

Solchen Leidenden sollte sowohl von Seiten der Eltern als auch der
Lehrer, besonders wenn ihnen Lectionen überhört werden, oder wenn
dieselben Auskunft über etwas zu geben haben, gütige Behandlung zu
Theil werden.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Lachesis~,
  ~Strammonium~, ~Natrum Muriaticum~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~ sind
  Heilmittel, die eine allgemeine Empfindlichkeit des Nervensystems
  vermindern.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Eine Dosis des gewählten Mittels sollte
  6 Wochen jeden Morgen und Abend gegeben werden, bevor zu einem
  anderen Mittel gegriffen wird.



Zehntes Kapitel.

Halskrankheiten.


Weher Hals oder gewöhnliche Halsentzündung (~Sore Throat~ -- ~Quinsy~,
~Angina Faucium~).

Diese Krankheit ist durch die Entzündung und das Anschwellen des
untern Halstheils, des Gaumens und der Mandeln gekennzeichnet, wodurch
mehr oder weniger Schwierigkeit im Athmen, sowie öfters auch Fieber
verursacht wird. Die Störung mag eine nur geringe sein, oder es mögen
sich im Halse und an den Mandeln Geschwüre ansetzen, wodurch das Uebel
ein sehr schmerzliches wird.

+Symptome.+ Diese Krankheit beginnt gewöhnlich mit Ruhelosigkeit,
Fieber, leichtem Husten und mehr oder weniger Wundheit im Halse, die
sich namentlich beim Schlucken äußert. Die Mandeln und der Hals sind
glatt und roth, im Angesicht zeigen sich Fiebersymptome, der Athem
ist kurz und schnell, die Stimme tief und das Sprechen verursacht
oft Schmerzen und Schwierigkeit; die Wangen sind geschwollen, die
Entzündung bedeutend und oft in Geschwüren an den Mandeln und
umliegenden Theilen endigend, so daß das Athmen immer schwieriger wird;
endlich brechen die Geschwüre auf. Zur genauen Untersuchung des Halses
sollte der Patient den Kopf weit zurücklegen, worauf man die Zunge mit
einem Löffelstiel herabdrückt.

Oefters werden die Mandeln durch wiederholte Anfälle chronisch
erweitert, in welchem Falle, wenn nämlich andere Mittel fehlschlagen,
dieselben von einem Wundarzte ausgeschnitten werden müssen.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Ist der Puls stark und voll, und wenn der
  Patient Schmerzen im Kopfe hat, so mag man Ader lassen und ein
  Abführmittel -- Sennablätterthee mit schwefelsaurer Magnesia
  (~Sulphate of magnesia~) geben; oder Calomel, oder Jalappe (~Jalap~).
  Gewöhnlich aber ist außer Bittersalz (~Epsom salts~) kein anderes
  Reinigungsmittel nöthig.

  Nach diesem Mittel gebe man Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~),
  zwanzig Tropfen alle drei Stunden, mit einem zeitweiligen Schluck
  Flachssamenthee oder Flachssamen-Limonade. Ist die Anschwellung,
  die Hitze und der Schmerz sehr bedeutend, so sollten sechs bis
  zehn Blutegel angesetzt werden. Bei milderen Fällen, oder wenn der
  Patient schwach ist, lege man einen Flachssamenmehl-Umschlag, wozu
  Schweinefett und Laudanum gefügt wurde, auf. Wird mit dem Umschlag
  gewechselt, so wasche man den Hals mit Ammonium- oder Seifenliniment,
  wozu man Ammoniumwasser (~Aqua ammonia~) fügt.

  Das folgende Mittel zum Gurgeln wird gute Dienste leisten:

    Honig                                                 1 Eßlöffel
                                                            voll.
    Essig                                                 2    „
    Genug Salbeithee oder Wasser, um ein halbes Pint zu bereiten.

  Auch mag ein Aufguß von rothen Rosen (~Red roses~) oder Salbei mit
  Rosenhonig (~Honey of roses~) als Gurgelmittel gebraucht werden,
  sowie eine schwache Alaun- (~Alum~) Auflösung, wenn sich in den
  Mandeln Eiter sammelt und die Geschwüre aufbrechen. Die Kost sollte
  nahrhaft sein und man sollte dem Kranken Wein oder das folgende
  stärkende Mittel geben:

    Colomba- oder Cascarilla-Aufguß                      5½ Unzen.
    Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur                     ½ Unze.
    Verdünnte Salpetersäure                              1½ Drachme.

  Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  Sind die Mandeln nach Heilung der Krankheit immer noch vergrößert, so
  mag das folgende Liniment gebraucht werden:

    Kampher-Liniment                                      6 Drachmen.
    Seifen-Liniment                                       6    „
    Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur            ½ Unze.

  Mische und reibe die Außentheile des Halses zweimal des Tages mit der
  Mischung.

  Manchmal werden die Mandeln auf ihre natürliche Größe reduzirt, indem
  man sie mit einer starken Tannin- (Gerbestoff) Auflösung oder mit
  Schwefelsilber tupft; auch wird hierzu eine starke Alaunauflösung
  oder Jod-Tinktur (~Tincture of Iodine~) öfters angewandt.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Im Anfangsstadium gebe man ein
  Brechmittel -- Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~) und lasse den
  Patienten zu gleicher Zeit warmen Salbeithee trinken; auch wird
  es gut sein, wenn er den Dampf einer Abkochung von Hopfen, Salbei
  (~Sage~), Wermuth (~Wormwood~), Wasserdost (~Boneset~), Andorn
  (~Hoarhound~), Katzenmünze (~Catnip~), von jedem eine Handvoll --
  einathmet und die Dämpfe den Hals umziehen läßt. Kann man nicht alle
  diese Kräuter erhalten, so gebrauche man drei oder vier derselben.

  Das folgende Liniment mag als ein äußerlich anzuwendendes Mittel
  gebraucht werden:

    Sassafrasöl                                           2 Unzen.
    Salatöl                                               2   „
    Kampher-Spiritus                                      2   „
    Hirschhorn-Spiritus (~Spirits of hartshorn~)          2   „
    Amerik. Isop- (~Penny royal~) Oel                     2   „
    Chinin- (~Quinine~) Tinktur                           2   „
    Terpentingeist                                        2   „

  Hiermit wasche man den Hals sehr oft ab und wickle ein Stück Flanell
  um denselben.

  Als ein Gurgelmittel kann das folgende in Anwendung kommen: Eine
  kleine Handvoll Salbei und ebenso viel Sumachbeeren und Rinde wird
  in drei Pinten Wasser so lange gekocht, bis noch ein Pint übrig ist,
  sodann füge man von jeder der folgenden Substanzen einen Theelöffel
  voll bei: Pulverisirter Alaun (~Alum~), Borax und Salpeter; dieses
  seihe durch, versüße die Mischung mit Honig und gurgle den Hals damit.

  Auch mag Citronensaft und Honig -- mit einander vermischt -- oft
  anstatt eines Gurgelmittels eingegeben werden; diese Mischung ist
  sehr erfrischend.

  Man sollte öfters ein Fußbad in schwachem Laugenwasser nehmen, und
  der Körper sollte ebenfalls zwei- oder dreimal des Tages gewaschen
  werden, namentlich falls der Patient viel Fieber hat.

  Auch leistet ein Umschlag von frischer Kermesbeerenwurzel (~Poke
  root~), die man röstet, abwäscht und mehrere Male des Tages warm
  auflegt, gute Dienste.

  Befürchtet man, daß die Krankheit chronisch werde, so gebrauche man
  folgendes:

    Gesättigte Salzammoniak-Auflösung (~Saturated
    solution of sal. ammoniac~)                           4 Unzen.
    Cayenne-Tinktur                                       1 Unze.

  Mische und gurgle mehrere Male des Tages.

  Schwellen die Mandeln und bleiben in diesem Zustande, so mag das
  folgende gebraucht werden:

    Jod (~Iodine~)                                        1 Skrupel.
    Rosenointment                                         1 Unze.

  Salbe hiermit mittelst eines Pinsels die Mandeln Morgens und Abends
  mehrere Monate lang ein.

  Oder wende folgendes an:

    Gerberstoffsäure (~Tannic acid~)                     20 Grane.
    Kochsalz                                             40   „
    Blutwurzel-Extrakt (~Extract of blood root~)         10   „
    Rosenointment                                         1 Drachme.

  Mische und wende es an wie das vorige Mittel.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Belladonna~. -- Dies sind die zum
  Beginne der Behandlung geeignetsten Mittel, namentlich wenn sich
  folgende Symptome zeigen: Heftiges Fieber, voller Puls, große Hitze,
  Durst, Ruhelosigkeit, beständiger Kitzel zum Schlucken, Schlucken
  verursacht Krämpfe im Hals, wodurch Flüssigkeit aus der Nase gedrängt
  wird, Trockenheit des Halses, Schmerzen in Mandeln und Ohren,
  Anschwellung des äußeren Halses, viel Speichel, rothes geschwollenes
  Gesicht, heiße trockene Haut, widerlicher, bitterer Geschmack im
  Munde.

  ~Mercurius.~ -- Uebelriechender Athem, Mund trocken, Speichel zäh,
  das Zäpfchen erscheint verlängert und roth, Mandeln dunkelroth,
  entzündet und vergrößert, heftiger Pulsschlag am Hals und den
  Ohren, viel Speichelabsonderung, Fieberfrösteln des Abends, welchem
  Hitze und Schweiß folgt, Schmerzen in den Mandeln bei Bewegung der
  Kinnbacken, oder beim Schlucken, Appetitlosigkeit und Widerwillen
  gegen Speise.

  ~Bryonia.~ -- Trockenheit im Halse, Schwierigkeit beim Sprechen,
  Heiserkeit, schwieriges Athemholen, schmerzliches Gefühl im Halse,
  Schmerz beim Schlucken, etwas Fieber mit oder ohne Durst, Frösteln,
  Schmerzen in den Gliedern und dem Hinterkopf. Dies mag abwechselnd
  mit ~Rhus~ gegeben werden.

  ~Chamomilla.~ -- Namentlich wenn die Krankheit durch Kälte oder
  Aussetzung in der kalten Luft verursacht wurde, Anschwellen der
  Mandeln, kurzer Husten, rothe Wangen, oder eine blasse und eine rothe
  Wange, Abends Fieber mit Hitze, die Drüsen unter dem Kinn und Mandeln
  sind stark geschwollen.

  ~Lachesis.~ -- Dies hat sich als ein sehr gutes Heilmittel erwiesen,
  wenn ~Mercurius~ und ~Belladonna~ ohne Wirkung hervorzubringen
  gebraucht wurden, und namentlich bei folgenden Symptomen: Schwellen
  und Röthe mit einem Wundheitgefühl in Mandeln und Gaumen, Trockenheit
  im Halse, beständige Neigung zum Schlucken, Gefühl als ob eine Beule
  &c. im Hals sei, schlimmer des Nachmittags und Morgens, sowie nach
  dem Schlafen oder bei auch nur sehr leichtem Druck gegen den Hals;
  kleine Eiterbeulen am Hals und an den Mandeln zur Linken.

  ~Hepar Sulphuris.~ -- Wenn die Geschwüre an den Mandeln am Aufbrechen
  sind, wird dieses Mittel solches befördern; mag auch zu Anfang der
  Krankheit gegeben werden, wenn der Kranke stechende Schmerzen im Hals
  spürt -- abwechselnd mit ~Mercurius~.

  ~Nux vomica.~ -- Mag gegeben werden, wenn ~Chamomilla~ nicht wirkt,
  auch wenn Wundheit vorhanden ist, als ob der Hals geschabt worden
  wäre.

  ~Pulsatilla.~ -- Gewöhnlich für Frauenzimmer oder Personen mit
  sanftem Charakter geeignet -- wenn der Hals innen geschwollen ist,
  Mandeln und Gaumen dunkelroth, stechende Schmerzen in den Mandeln und
  gegen das Ohr hin, wenn der Patient schluckt, Frösteln gegen Abend,
  worauf Hitze folgt.

  ~Nitric Acid.~ -- Geeignet, wenn ~Mercurius~ gegeben wurde oder
  in Abwechslung damit, wenn der Hals mit kleinen Geschwüren von
  weißlichem Aussehen angefüllt ist.

  ~Capsicum.~ -- Wenn die Symptome auf ~Nux vomica~ hindeuten, dieses
  Mittel aber nicht gewirkt hat, Brennen und Rauhheit im Halse mit
  Steifheit und Zusammenziehung, und Nasen- und Augenlaufen.

  Der Gebrauch des kalten Wassers wird sich als sehr heilsam erweisen,
  wenn es in folgender Weise angewandt wird. Beim Bettgehen umbinde man
  den Hals mit einer nassen Binde, welche mit einem trockenen Zeugstück
  befestigt wird; diese Binde lasse man während des Tages am Halse und
  wechsele öfters.

  Solche Personen, die diesem Uebel besonders ausgesetzt sind, sollten
  als Vorbeugungsmittel jeden Morgen Hals und Brust gut waschen und mit
  kaltem Wasser spritzen und begießen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von der gewählten Medizin 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf, gieb einen Theelöffel
  voll dieser Auflösung alle Stunde, zwei oder drei Stunden. Fällt dem
  Patient das Schlucken sehr schwer, so kann man ihm 3 Kügelchen --
  eine Dosis -- geben, damit er dieselben sich auf der Zunge auflösen
  lasse.


Eiternde und putride oder bösartige Halsentzündung (~Malignant Quinsy~,
~Angina Gangrenosa~).

Diese Krankheit wird häufig epidemisch und ist dem wehen Hals in der
bösartigen Form beim Scharlachfieber sehr ähnlich und tritt gewöhnlich
bei feuchter Witterung ein. Schwachgebaute Personen, sowie solche, die
in niederen, feuchten, schlechtgelüfteten Häusern wohnen, sind diesem
Uebel am meisten blosgestellt.

+Symptome.+ -- Die Krankheit beginnt gewöhnlich mit Frösteln,
worauf Fieber folgt, Druck in der Brust mit oder ohne Erbrechen,
scharlachrothe Wangen, Hals und Mandeln mehr oder weniger entzündet,
säuerliche Absonderung aus Mund und Nase, schwacher, schneller Puls.
Der Hals ist immer hochroth und geschwollen, und wird bald nebst den
Mandeln mit Geschwüren überzogen. Der Athem ist sehr übelriechend,
die Nackendrüsen schwellen an, die Haut des Gesichts und Nackens ist
glänzend, das Gesicht sinkt ein und Erbrechen und Diarrhöe findet statt.

Die Haut, welche zu Anfang der Krankheit heiß und trocken war, wird im
Verlauf von Schweiß belegt; endlich tritt Schläfrigkeit ein und der
Kranke stirbt.

+Ursachen.+ Die Krankheit wird für ansteckend gehalten und wird auch
durch Erkältung &c. erzeugt. Die Behandlung sollte immer nur ein Arzt
unternehmen, wenn einer zu haben ist.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Im Anfangsstadium gebe man ein
  Brechmittel und folge mit einigen Abführungsmitteln, falls
  Hartleibigkeit vorhanden ist. Das Waschen des Halses mit Myrrhen-
  und Cayenne-Tinktur oder mit dem gegen wehen Hals vorgeschriebenen
  Liniment, wird sich als sehr wirksam erweisen. Auch sollte man dem
  Patienten häufig einen Löffel voll Hopfenhefe (~hop yeast~) eingeben
  und Porter, Ale oder Bier verordnet werden.

  Das folgende mag gebraucht werden: Einen Theelöffel voll Cayenne und
  einen Eßlöffel voll Salz lasse man in einem Pint Wasser und gutem
  Essig gelinde kochen und seihe, sobald die Mischung kalt ist, durch.

  Auch das folgende Gurgelmittel ist gut:

    Sumach- (~Sumach~) Beeren                             1 Unze.
    Weißeichenrinde                                       1   „
    Roth-Ulmenrinde                                      1½ Unzen.
    Brombeerwurzel (~Blackberry root~)                   1½   „

  Bereite mittelst genügendem Wasser eine Abkochung und füge zu jedem
  Pint ein Stückchen Alaun (~Alum~) von der Größe einer Walnuß bei,
  seihe und gurgle damit, nachdem es kalt geworden.

  =Homöopathisch.= ~Belladonna~ und ~Mercurius~ -- abwechselnd beim
  Anfang, namentlich bei Trockenheit im Mund, Ruhelosigkeit oder
  Delirium.

  ~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- mag zu Anfang, wenn das Fieber sehr
  stark ist, nöthig sein -- einige Dosen.

  ~Mercurius.~ -- Zu geben, sobald die Trockenheit des Halses und
  Schwierigkeit beim Schlucken sich zeigt.

  ~Nitric Acid.~ -- Wenn ~Mercury~ nicht wirkt und die Geschwüre größer
  und schmerzhaft werden. Allein oder abwechselnd mit ~Mercury~ zu
  nehmen.

  ~Arsenicum.~ -- Dies ist eins der hauptsächlichsten Mittel und sollte
  gegeben werden, wenn der Patient zusehends und schnell schwächer
  wird; ebenfalls, wenn die Geschwüre dunkelroth und mit Schorf
  (~Scabs~) bedeckt sind, Zähne und Lippen sind mit einer schwarzen
  krustartigen Substanz überzogen, fortwährendes Gemurmel und Delirium,
  Schwierigkeit beim Athmen, säuerlicher Ausfluß aus Mund und Nase,
  wodurch die Haut aufgeschärft wird. Dieses Heilmittel mag entweder
  allein, oder abwechselnd mit ~Lachesis~ verordnet werden.

  ~Lachesis.~ -- Namentlich wenn Hals und Nacken geschwollen und
  entfärbt sind und die Zunge bei äußerem Druck schmerzt.

  ~Carbo vegetabilis.~ -- Wenn der Eiterfluß aus den Schwären dünn
  und der Quantität nach groß ist und der Patient bedeutende Schwäche
  fühlt.

  ~Secale.~ -- Bei großer Schläferigkeit, oder wenn der Kranke im
  schlummernden, halbbewußtlosen Zustand sich befindet.

  ~Opium~ -- falls ~Secale~ nicht die gewünschte Wirkung hervorbringt.

  ~Bryonia~ und ~Hellebore~. -- Wenn der Patient mit halbgeschlossenen
  Augen schläft.

  ~Nitric Acid.~ -- Morgens und Abends eine Dosis, wenn die Schwären,
  nachdem die Gefahr vorüber, nicht schnell heilen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
  voll Wasser auf und gebe zu Anfang des Anfalls alle Stunden einen
  Theelöffel voll, indem man später alle 2, 3 oder 4 Stunden verordnet,
  wenn die Symptome nämlich nachlassen.

  Die Kost sollte aus Reis, Pfeilwurz (~Arrowroot~), Cornstarch,
  dünnem Mehlschleim (~Flour gruel~) und dergleichen bestehen. Ist der
  Mund sehr heiß und trocken, so mag man denselben mit etwas Milch
  und Wasser befeuchten. Der Kranke sollte in ein großes, trockenes,
  luftiges Zimmer gebracht werden, das beständig gut ausgelüftet
  gehalten werden muß.

  =Allöopathisch.= Man sollte den Stuhlgang mittelst einer Dosis von
  schwefelsaurer Magnesia (~Sulphate of magnesia~) oder Rochellesalz in
  Ordnung halten.

  Als Gurgelmittel gebrauche eine Mischung von rothem Pfeffer, Essig
  und Wasser.

  Wenn eine starke Auflösung von Salpetersilber (~Nitrate of
  silver~) -- zwanzig Grane zu einer Unze Wasser -- mit einem langen
  Kameelhaarpinsel auf die Mandeln aufgetragen wird, so wird dies die
  Entzündung dämmen.

  Auch mögen hierzu gleiche Theile Salzsäure (~Muriatic acid~) und
  Honig verwandt und dies kann, verdünnt mit Wasser als Gurgelmittel
  gebraucht werden.

  Eberle sagt, daß starker Aufguß von der Indigowurzel als Gurgelmittel
  verwendet, gute Dienste leiste.


Anschwellen und Verlängerung des Zäpfchens (~Swelling or Elongation of
the Palate~).

Dieses Uebel wird gewöhnlich durch eine leichte Erkältung oder
Unverdaulichkeit hervorgerufen, und besteht in einer leichten
Entzündung des Zäpfchens, wodurch die Verlängerung und ein Gefühl
entsteht, als ob es herabgefallen wäre.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Eine starke Weißeichrinde-Abkochung,
  worin man ein wenig Alaun auflöst, mag als Gurgelmittel benützt
  werden. Oft wird mittelst Pfeffer, Salz oder Senf Linderung
  verschafft.

  =Homöopathisch.= ~Nux vomica.~ -- Das beste Heilmittel. Dosis: Drei
  oder vier Kügelchen alle zwei Stunden.

  ~Mercurius~, ~Belladonna~ oder ~Sulphur~ -- sollte verordnet werden,
  falls ~Nux vomica~ nicht wirkt. Dosis, wie bei ~Nux vomica~. Kaltes
  Wasser äußerlich und innerlich angewendet, thut gute Dienste.


Diphtheria.

Dies ist eine verhältnißmäßig neue Krankheit, mit der wir bis vor
wenigen Jahren nur wenig bekannt geworden. Sie ist außerordentlich
gefährlich und ansteckend, verschont kein Alter, befällt aber
namentlich die Jugend und hauptsächlich vollblütige, fette Kinder.
Erwachsene werden selten damit behaftet, es sei denn durch Ansteckung.

+Ursachen.+ Hierüber ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Manche
halten Diphtheria für eine bösartige Form der Halsbräune (aber
Diphtheria unterscheidet sich ganz bedeutend von der Bräune), während
andere sagen, es sei eine Art Scharlachfieber. Es ist jedoch eine
Krankheit, welche den ganzen Organismus angreift, jedoch hauptsächlich
im Hals auftritt.

+Symptome.+ Diese sind sehr verschieden. Das erste Symptom ist in
beinahe allen Fällen eine Heiserkeit, mit schwacher Stimme, leichtes
Frösteln (wenigstens wurde das schon beobachtet) und Fieber, heftiges
Kopfweh, worauf in sehr kurzer Zeit Wundheit im Halse und Schwierigkeit
beim Schlucken eintritt. Der Kranke mag einige Tage vor dem Anfall
leichtes Unwohlsein fühlen und schnell ermüdet werden. Nebst der
Wundheit im Halse fühlt der Patient ein stechendes Gefühl an der
Zungenwurzel, und die Drüsen in den Ecken der unteren Kinnbacken
schwellen an und werden empfindsam. Schmerz in den Knochen, Mattigkeit,
Störung im Magen, Appetitlosigkeit. In vielen Fällen wird der Hals
so wenig affizirt, daß sich die Freunde und Eltern des Kindes nur
schwierig von dem gefahrvollen Zustand desselben überzeugen können.
Manchmal klagt das Kind gleich von Anfang über Wundheit und Steifheit
im Halse. Aeußerlich sind die Mandeln vergrößert und weich, während
innen die Entzündung deutlich wahrzunehmen ist. Dieselbe gibt den
betreffenden Theilen bei Erwachsenen das Aussehen, als ob sie (die
Theile) mit Mahoganifirniß überzogen seien, während sie bei Kindern
eine rosige Farbe haben. Der Hals ist mit kleinen Flecken, die sich
wie Stückchen Haut ausnehmen, überzogen, und wenn diese Hautstückchen
sich ablösen, so zeigen sich unter denselben rohe, rothe Stellen. In
allen Fällen ist mehr oder weniger Fieber mit Kopfweh vorhanden, was
manchmal ganz unerträglich und heftig wird. Der Geruch des Athems ist
so eigenthümlich, daß Personen, die mit dieser Krankheit bekannt sind,
dieselbe daran zu erkennen vermögen. Der hintere Theil des Halses ist
gewöhnlich mit einem Schleimhäutchen überhäutet, das, durch das Athmen
zerrissen, sich sogleich wieder bildet. Bei heftigen Anfällen ist das
Fieber sehr stark, mit Hitze, brennender Haut, erröthetem Angesicht,
schnellem Puls, großer Schwierigkeit beim Schlucken und beschleunigtem
Athem. Die Zunge ist mit einer dicken, zähen, schmutzig aussehenden,
weißlichen, gelblichen oder grünen Substanz bedeckt und der Kranke ist
sehr schwach und erschöpft. Die Mandeln schwellen außerordentlich an
und der Mund wird innen ganz mit einer „falschen“ Schleimhaut überzogen.

Beim Fortschreiten der Krankheit werden die Symptome immer heftiger,
der Athem sehr schwierig; das Schlucken wird so schmerzhaft, daß der
Patient durchaus nichts mehr genießen will; der Speichel träufelt aus
dem Munde und aus der Nase scheidet sich faulige stinkende Flüssigkeit.
Der Puls ist schnell und schwach, der Athem wird außerordentlich
widerwärtig und die Krankheit nimmt solche Gestalt an, daß selbst die
besten Freunde des Patienten ihm nur mit Widerwillen zu nahen vermögen.
Das Gesicht ist erdfarben, die Haut kalt und runzlig; der Kranke
wälzt sich von einer Seite zur andern und kämpft um Athem, die Stimme
wird immer undeutlicher und heiser, Hals, Nacken und Gesicht sind
furchtbar angeschwollen und der Patient stirbt an schneller Erschöpfung
in den Lebensorganen oder an Erstickung, dadurch hervorgerufen,
daß sich die falsche Schleimhaut in die Luftröhrengänge ausgedehnt
hat. Manchmal wird der Patient im Anfangsstadium eines heftigen
Diphtheritisanfalls von starkem Erbrechen erfaßt und bricht alsdann
eine dünne, gelblichweiße, sehr übelriechende Flüssigkeit, worauf große
Erschöpfung und Abstumpfung folgt. Manchmal liegt der Kranke lange in
tiefem Schlaf, so daß man ihn nur mit Mühe wecken kann. Frägt man ihn,
ob sein Hals wund ist, so mag es leicht sein, daß er die Antwort gibt,
solches sei nicht der Fall, wodurch sich sehr Viele täuschen lassen.
In vielen Fällen tritt die Betäubung gleich zu Anfang der Krankheit
ein und währt bis der Tod den Leidenden erlöst. Manchmal findet sich
ein weißlicher Ansatz am Munde, welche Substanz dem gemahlenen Gips
(~Plaster paris~) ähnlich sieht. An verschiedenen Körpertheilen
entstehen schwarzblaue Flecken und der Stuhlgang führt weißliche
Materie ab.

Manchmal befällt diese Krankheit den Patienten in einer Form, daß er
gar keine Ahnung von dem Anfall hat, und erst dann gewahrt, daß er
krank ist, wenn sein ganzer Organismus angegriffen ist. Sodann wird der
„wehe“ Hals, den man vielleicht gänzlich unbeachtet ließ, plötzlich
schlimmer; ein Crouphusten tritt ein und entweder verschlimmert sich
der Zustand dermaßen, daß in zwei oder drei Stunden keine Rettung mehr
vorhanden ist, oder der Kranke mag noch einige Tage mit zeitweiligem
Aufflackern der Lebenskraft leben, um dann an Erschöpfung zu sterben.
Der Diphteritis folgen manchmal verschiedenartige Störungen im
Organismus, worunter namentlich Lähmung (~Paralysis~) hervorzuheben
ist. Wer einen starken Körperbau hat, bei dem darf man eher auf Rettung
ohne nachtheilige Folgen zählen, falls nemlich mit der Behandlung bald
begonnen wurde. Wurde jedoch hiermit ein oder zwei Tage verzögert, so
ist der Erfolg ein sehr unsicherer. Das Erbrechen im Anfangsstadium
ist ein sehr bedenkliches Symptom, und je länger die „falsche“ Haut
zu ihrer Ausbildung braucht, desto ungünstiger ist die Aussicht auf
Rettung.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Der Kranke sollte in ein gut gelüftetes, trockenes
  Zimmer und in ein reinliches Bett gebracht werden; die Temperatur sei
  mäßig warm. Niemand darf im Zimmer bleiben als der oder die Wärter,
  und um dem üblen Geruch entgegenzuwirken, thut man wohl, Gefäße mit
  Chlorkalk und Essig (~Chloride of lime and vinegar~) umherzustellen.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Kali Chloricum~, ~Kali
  Bi-Chromicum~, ~Proto-Iodide~ oder ~Bin-Iodide of Mercury~ -- sind
  gegen diese Krankheit die Hauptmittel.

  ~Aconitum~ und ~Belladonna~. -- Abwechselnd wenn die Krankheit mit
  Fieber beginnt, alle Stunden einen Theelöffel voll, bis das Fieber
  nachläßt. Wenn sich jedoch die Symptome verschlimmern, so sollten
  andere Mittel gebraucht werden. ~Belladonna~, ~Kali Chloricum~,
  ~Kali Bi-Chromicum~ und ~Bin-Iodide of Mercury~ -- dies sind die
  noch vorhandenen Heilmittel. Von den drei ersten gebe fünf Tropfen
  ~Belladonna~, zwanzig Tropfen ~Kali Chloricum~ und ½ Gran ~Kali
  Bi-Chromicum~ Pulver, jedes in einem halb mit Wasser gefüllten Glas;
  Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Vom ~Mercurius~ -- ebenfalls
  ein Pulver -- gebe man eine Dosis so groß wie eine kleine Erbse.
  Zu Anfang gebe ~Belladonna~, die nächste Stunde ~Kali Chloricum~,
  die dritte ~Kali Bi-Chromicum~, die vierte ~Bin-Iodide of Mercury~
  und die fünfte wiederum ~Belladonna~ und so fort. Ist der Kranke
  den nächsten Tag etwas besser oder sein Zustand nur um weniges
  verschlimmert, so mögen die Medizinen nur alle 2 und später alle 3
  Stunden gegeben werden. Sind die Halssymptome alle gewichen, so lasse
  die letztgenannten Medizinen weg und verordne die drei ersten, bis
  jede Spur der Krankheit verwischt ist.

  Einige empfehlen gegen diese Krankheit doppeltchromsaures Kali
  (~Bi-Chromate of potassa~), welches am besten verordnet werden kann,
  wenn man zwei oder drei Grane mit einer halben Theetasse voll heißem
  Wasser in einer Theekanne mischt und den Patienten den aus der
  Ausgußröhre dringenden Dampf einathmen läßt.

  Auf die Kost muß man ein aufmerksames Auge haben, und der Kranke
  muß genau beobachtet werden. Sobald der Puls abnimmt, die Haut kalt
  wird und Zeichen der Erschöpfung eintreten, muß zu Stimulanten
  gegriffen werden, z. B. Portwein, Claret, Champagner, Milchpunsch,
  und Branntwein und Wasser; Eier mit Brandy geschlagen, heißes Wasser
  und Zucker sind ein ausgezeichnetes stimulirendes Mittel. Für Kinder
  gebraucht man am besten Molken (~Whey~) oder Fleischthee (~Beef-tea~)
  mit Portwein vermischt; oder Pfeilwurz (~Arrow root~) und Portwein.
  Ist der Patient des Fleischthees müde, so kann durch den weichen
  Theil der Austern, roh oder gekocht, ein gutes Ersatzmittel geboten
  werden. Zum Trinken gebe man dem Kranken Gerstenwasser (~Barley
  water~), Brodwasser (~Toast water~), was man mit etwas Citronensaft
  säuerlich macht; oder kaltes Wasser mit Himbeer- oder Erdbeersyrup
  vermischt. Eis und Gefrorenes (~Ice cream~) darf namentlich bei der
  Genesung verabreicht werden. Als Gurgelmittel gebrauche Salz und
  Wasser; eine in Salz und Wasser getauchte Binde sollte um den Hals
  gelegt werden.

  =Allöopathisch.= Es ist gut, wenn man gleich zu Anfang eine
  Dosis citronensaures Magnesia (~Citrate of magnesia~) oder
  Rochellesalz gibt. Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~) ist ein
  ausgezeichnetes Mittel. Einem Erwachsenen gebe eine Auflösung von 20
  Granen alle drei Stunden. Einem fünf- oder sechsjährigen Kinde gebe
  folgendes:

    Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~)             2½ Drachmen.
    Pfeffermünzwasser                                     4 Unzen.

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei Stunden. Auch wird
  Chlorsaure Eisentinktur (~Tincture of chloride of iron~) sehr viel
  gebraucht. Einem Erwachsenen gebe 20 Tropfen alle 3 Stunden.

  Das folgende ausgezeichnete Rezept enthält das Chlorsaure Kali sowohl
  als das Chlorsaure Eisen:

    Chlorsaures Kali (~Chlorate of potassa~)              2 Drachmen.
    Chlorsaure Eisentinktur (~Tinct. of chloride
    of iron~)                                             1 Drachme.
    Syrup                                                 2 Unzen.
    Pfeffermünzwasser                                     2   „

  Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei Stunden.

  Zur Erhaltung der Kraft wird schwefelsaures Chinin (~Sulphate of
  quinine~) empfohlen. Dosis: Ein Gran alle 2 oder 3 Stunden.

  Manche empfehlen ~Per-Manganate of potassa~; eine Drachme in 1½
  Pint Wasser ausgelöst. Dosis: Einen Theelöffel voll jede Stunde.

  Als Gurgelwasser mag eine halbe Unze der Auflösung von Chlorsaurer
  Soda (~Solution of chloride of soda~) zu sechs Unzen Wasser gebraucht
  werden, was man mittelst eines Kameelhaarpinsels anwenden oder mit
  einer Spritze einspritzen kann.

  Durch das Einspritzen einer Auflösung von 2 Granen salpetersauren
  Silbers (~Nitrate of silver~) und 1 Unze Wasser -- alle 24 Stunden
  zweimal -- kann dem Ausfluß aus der Nase gewöhnlich Einhalt gethan
  werden.

  Gegen das Anschwellen der Halsdrüsen lege man einen
  Leinsamenmehl-Umschlag auf. Im Anfangsstadium kann dem Patienten,
  falls er dazu alt genug ist, dadurch viel Erleichterung verschafft
  werden, daß man ihn den Dampf von heißem Wasser oder heißem Wasser
  mit Essig vermischt einathmen läßt. Manchmal ist auch Salzsäure
  (~Muriatic acid~) und Honig -- gleiche Theile von jedem, mittelst
  eines Kameelhaarpinsels am Halse anzubringen; oder das gleiche
  Mittel mit Wasser verdünnt als Gurgelwasser angewendet, von guten
  Diensten. Erdöl (~Creosote~), von vier zu acht Tropfen in zwei Unzen
  Glycerin und zwei Unzen Wasser wurde schon mit Nutzen gebraucht.
  Das Einathmen des Dampfes von Kalkwasser wirkt ebenfalls manchmal
  sehr wohlthätig. Wenn zu Anfang der Krankheit Hitze der Haut und
  Hartleibigkeit vorhanden, so gebe ein Brechmittel -- 5 oder 10 Grane
  Brechwurz (~Ipecac~), wornach man einige Grane ~Grey powder~ oder
  eine Dosis schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) verordnet.
  Französische Aerzte empfehlen folgendes: Pulverisire Alaun (~Alum~)
  sehr fein und blase das Pulver mittelst einer Röhre in den Hals,
  doch so, daß das Ende der Röhre, welches in den Mund kommt, zu
  besserem Schutz mit einem Gasstoff (sehr feinem, lose gewobenem Zeug)
  überzogen wird. Jedoch kann der Alaun auf bessere Weise, indem man
  nämlich einen Schwamm oder einen Kameelhaarpinsel anwendet, applizirt
  werden.

  Folgendes ist ein ausgezeichnetes Gurgelwasser:

    Chlornatron (~Chlorinated soda~)                      1 Unze.
    Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture
    of iron~)                                             ½   „
    Wasser                                                6 Unzen.

  Gebrauche dieses alle halbe oder alle Stunden, namentlich dann, wenn
  der Athem sehr widerlich riecht.

  Wird der Kranke schnell schwächer, so gebe folgendes:

    Aromatischer Ammoniakgeist (~Aromatic spirits of
      ammonia~)                                           2 Drachmen.
    Aether                                                1 Drachme.
    Laudanum                                             20 Tropfen.
    Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~)               1 Drachme.

  Mische. Dosis: Einen halben Theelöffel voll alle ein, zwei oder drei
  Stunden.

  Das folgende ist ein sehr werthvolles Rezept:

    Chinin (~Quinine~)                                    2 Drachmen.
    Hydrochlorsäure (~Hydro-chloric acid~)                2    „
    Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~)  2    „
    Zimmetwasser                                         12 Unzen.

  Mische. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  Die Diät wurde bei der homöopathischen Behandlung vorgeschrieben.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Kranke im Anfangsstadium
  der Krankheit noch kräftig, so wird ein Brechmittel gute Dienste
  leisten; ist er aber schwach, so sollten weder Brech- noch andere
  Mittel gegeben werden, die den Organismus schwächen. Man verordne ein
  warmes, mit vielem Senfmehl vermischtes Fußbad und reibe Füße und
  Beine tüchtig. Wird der Hals sehr wund und bildet sich die falsche
  Schleimhaut, so gebrauche folgendes Gurgelwasser:

    Doppeltchromsaures Kali (~Bichromate of potash~)     10 Grane.
    Wasser                                                4 Unzen.

  Mische und lasse den Patienten hiermit alle 4 Stunden den Hals
  gurgeln. Ist er zu jung zu gurgeln, so sollte der Hals mit dieser
  Mischung ausgewischt werden. Salpetersaures Silber (~Nitrate of
  silver~), eine Drachme zu einer Unze Wasser -- sollte alle acht oder
  zehn Stunden im Hals, namentlich wenn eine Schleimhaut vorhanden
  ist, angewendet werden. Manche empfehlen Gurgelwasser, das man aus
  Honig, Essig, rothem Pfeffer und Wasser bereitet; für Kinder jedoch
  ist der Pfeffer wegzulassen. Ein anderes ausgezeichnetes Mittel ist
  dieses: Man bringe Asche und Salz in ein Flanellsäckchen, erhitze
  die Substanz und lege das Säckchen -- so heiß als möglich -- auf den
  Hals. Schwefelsaures Natron (~Sulphate of soda~) 6 Drachmen zu 12
  Unzen Bitterholz- (~Quassia~) Aufguß, ist ein ausgezeichnetes Mittel
  zur Zerstörung der falschen Schleimhaut. Dosis: Einen Theelöffel voll
  drei-, vier- oder sechsmal des Tages.

  Gegen übelriechenden Athem ist das folgende Mittel werthvoll:

    Chlorsaures Kali (~Chlorate of potash~)               ½ Drachme.
    Salzsaure Eisentinktur (~Tinct. of muriate
    of iron~)                                             ½    „
    Wasser                                                1 Unze.

  Mische. Dosis: Für einen Erwachsenen die halbe Mischung.

  Bei großer Schwäche hat man Chinin (~Quinine~) öfters mit großem
  Erfolg wie folgt angewendet:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         ½ Drachme.
    Chlorsaures Kali (~Chlorate of potash~)               1    „
    Verdünnte Salzsäure (~Diluted muriatic acid~)         ½ Unze.
    Wasser                                                ½ Pint.

  Mische und gebe alle Stunden oder alle zwei Stunden einen Theelöffel
  voll.

  Auch wird das folgende sehr empfohlen: Terpentin mit einem Eidotter
  (~yolk~) vermischt, wozu so viel Syrup gefügt werde, um eine Unze
  Mischung zu bereiten; abwechselnd alle Stunden mit 20 Granen in
  Wasser aufgelöstem Ammoniak (~ammonia~) zu geben.

  Zeigen sich Symptome der Fäulniß, so mag Gurgelwasser aus gleichen
  Theilen brenzeliger Holzsäure (~pyreligneous acid~) und Wasser
  gebraucht werden.



Elftes Kapitel.

Krankheiten der Luftröhre und der Brust.


Heiserkeit (~Raucitas~, ~Aphonia~).

Begleiten diesen Zustand andere Krankheiten, wie Masern, Bräune,
Katarrh u.s.w., so sehe man wegen dessen Behandlung unter den
betreffenden Krankheiten nach. Zuweilen tritt dieses Uebel aber auch
selbstständig auf und dann möge folgendes dagegen angewendet werden.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende mag angewendet werden:

    Meerrettig (~Horse-radish root~)                      1 Unze.
    Wasserdost (~Boneset leaves~)                         1  „
    Heißes Wasser                                         1 Pint.

  Man stelle diese Mischung zwei Stunden lang in einem bedeckten Gefäß
  dem Feuer nahe und füge dann noch hinzu:

    Essig                                                 ½ Pint.
    Molasses                                              ½  „

  Lasse es 15 Minuten kochen. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle ein, zwei
  oder drei Stunden.

  Oder auch:

    Geschabter Meerrettig (~Grated Horse-radish root~)    4 Unzen.
    Guten Essig                                           1 Pint.

  Lasse es über Nacht stehen und füge dann ein halb Pint Honig hinzu.
  Lasse es kochen und durchseihe es dann. Dosis: Ein oder zwei
  Theelöffel voll dreimal des Tages.

  =Homöopathisch.= ~Arsenicum.~ -- Wenn mit der Heiserkeit starke
  Absonderung einer ätzenden Flüssigkeit aus der Nase verbunden ist.

  ~Chamomilla.~ -- Heiserkeit in Folge von Erkältung, Anhäufung eines
  klebrigen Schleimes im Halse, Husten am Morgen und Abend, bei Stechen
  im Halse, Heiserkeit bei Schmerzen im Halse nach Ausspucken.

  ~Hepar Sulphuris.~ -- Heiserkeit mit leiser, hohler Stimme,
  tiefsitzendem Husten, Heiserkeit bei trockenem Abendhusten, begleitet
  von einem wehen Gefühl im Hals und der Brust, Stechen im Halse, als
  wenn Splitter in demselben wären.

  ~Mercurius.~ -- Heiserkeit, begleitet von einem brennenden,
  stechenden Gefühle im Halse, dünne wässerige Absonderung aus dem
  Kopfe.

  ~Nux Vomica.~ -- Heiserkeit, schlimmer am Morgen, trockene
  Verstopfung der Nase, rauher trockener Husten, der Kranke leidet
  abwechselnd an Hitze und Frost.

  ~Pulsatilla.~ -- Heiserkeit bei beinahe gänzlicher Stimmlosigkeit,
  Schmerzen beim Schlucken, lockerer Husten mit gelblicher, grünlicher
  oder übelriechender Absonderung aus der Nase, Schmerz in der Brust.

  ~Carbo Vegetabilis.~ -- Chronische Heiserkeit, schlimmer am Morgen
  und Abend, durch Sprechen erhöht, trockener Husten bei Heiserkeit und
  Rauhigkeit in der Brust, Stechen im Halse.

  ~Bryonia~ und ~Rhus~ -- gebe man alle zwei bis drei Stunden
  abwechselnd bei Wehsein des Halses und der Brust, schlimmer nach
  Sprechen und mit Frösteln verbunden, Schmerzen in den Gliedern und im
  Kopf.

  ~Capsicum.~ -- Heiserkeit bei stechendem oder kriechendem Gefühle in
  der Nase, heftigem Husten, schlimmer gegen Abend, Schmerz im Kopf und
  anderen Theilen des Körpers.

  ~Causticum.~ -- Bei hartnäckigen Fällen begleitet von Husten und
  heftigen Schmerzen in der Brust, chronische Heiserkeit, Morgens und
  Abends schlimmer.

  ~Sulphur.~ -- Besonders in chronischen Fällen, in denen Rauhheit und
  Druck im Halse vorhanden -- Heiserkeit tritt bei feuchtem, kaltem
  Wetter ein, rauhe Stimme, besonders des Nachts -- eine passende Gabe
  nach ~Mercurius~ oder ~Pulsatilla~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Obige Mittel können sowohl trocken als
  auch in Wasser gegeben werden. Wenn in Wasser, löse 12 Pillen in
  ebenso viel Theelöffeln voll Wasser und gebe alle zwei, drei oder
  vier Stunden einen Theelöffel voll. Wenn trocken, 4 Kügelchen als
  eine Dosis. Bei chronischen Fällen wird Morgens und Abends eine Dosis
  hinreichen. Tritt keine Besserung ein, so sollten die Mittel immer
  nach Verlauf von 6 oder 7 Tagen gewechselt werden. Die Anwendung des
  Wassers ist bei diesem Zustande äußerst zuträglich und ein nasser
  Umschlag um den Hals sollte für die Nacht gemacht und derselbe am
  andern Morgen mit kaltem Wasser gewaschen werden.


Luftröhrenentzündung (~Bronchitis~).

Diese Entzündung erstreckt sich über die Schleimhaut, welche die
Luftgänge der Lungen oder die Luftröhre einfaßt, und kann entweder acut
oder chronisch sein.

+Symptome.+ Die acute Form der Luftröhrenentzündung beginnt in der
Regel mit denselben Kennzeichen einer gewöhnlichen Erkältung, wie
Frösteln, dem bald Fieber. Husten, schnelles Athmen, ein Gefühl von
Schmerz und Wehsein des oberen Theiles des Brustknochens, Athmen
sehr beklommen, schnell und unregelmäßig, Zusammenziehen, Verengen
oder Beklemmung der Brust, die Luftgänge anfänglich trocken bei
schmerzhaftem Husten. Schreitet aber die Krankheit vor, so tritt
ein Auswurf hinzu, der zuweilen mit Blut gestreift, nach und nach
gelblich, dick und klebrig wird. Gewöhnlich ist ein Schmerz in der
Stirne vorhanden, der durch das Husten erhöht wird. Auch tritt
Appetitlosigkeit, belegte Zunge, Schwäche und Blässe der Lippen ein.
Steigert sich die Absonderung im Halse, so wird der Husten etwas
vermindert. Bei strengen Fällen treten die Symptome heftiger auf, das
Fieber erhöht sich, der Puls wird voll und rasend schnell, die Haut
ist heiß und trocken, das Athmen geschieht immer schneller, ist mit
Schwierigkeit verbunden und ein Röcheln wird hörbar, führt häufig
wiederkehrende Krampfanfälle herbei und Durst und Verstopfung ist
vorhanden. Bei Kindern und Leuten von schwacher Körperbeschaffenheit
tritt eine Verminderung der Lebenskraft hinzu. Die Oberfläche des
Körpers wird kalt und purpurfarbig, der Puls schwach und fliegend.
Nimmt die Krankheit eine Wendung zum Schlimmsten, so treten Krämpfe und
Gefühllosigkeit hinzu. Im günstigen Falle wird der Kranke nach Verlauf
von acht oder zehn Tagen wieder genesen.

+Ursachen.+ Kalter Luftzug, der unmittelbar mit der Schleimhaut des
Halses in Berührung kommt, plötzlicher Witterungswechsel, der Wechsel
des geheizten Zimmers mit kalter Luft, das Einathmen reizender Gase.
Leute, weiche beim Gehen in der kalten Luft den Mund offen zu halten
pflegen, sind vor allen anderen für diese Krankheit empfänglich.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Brechmittel aus gleichen Theilen
  der Lobelia (~Lobelia~) und Blutwurzel (~Blood root~) sollte für
  den Anfang in Dosen von einem halben Eßlöffel voll alle vier oder
  fünf Minuten und zu gleicher Zeit Salbei- (~Sage~) Thee gegeben
  werden, bis das Erbrechen eintritt. Hie und da wird ein Fußbad von
  heißem Wasser, das Hüten des Bettes, das rings um den Körper des
  Kranken durch Flaschen heißen Wassers erwärmt wird, hinreichen,
  einen Anfall zu brechen. Es wird gut sein, die Eingeweide mit
  gelinden Abführmitteln, wie Seidlitzpulver, Rhabarber (~Rhubarb~)
  oder Magnesia zu öffnen. Zucker, von Citronensaft angefeuchtet,
  wird zuweilen den Husten lindern, welchem Zwecke auch das
  Trinken von Isop- (~Penny royal~), Wasserdost- (~Boneset~) und
  Blutwurzel-Thee entsprechen wird. Der Schweiß sollte vermittelst der
  zusammengesetzten virginischen Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound
  tincture of Virginia snake root~) hervorgerufen werden und gegen den
  Husten möge man folgendes geben:

    Honig                                                 1 Unze.
    Olivenöl                                              1  „
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    1  „
    Citronensaft                                          1  „

  Mische es. Dosis für einen Erwachsenen drei- oder viermal des Tages
  einen Theelöffel voll.

  Oder auch:

    Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~)                1½ Unzen.
    Brechwurzsyrup (~Syrup of ipecac~)                   1½   „
    Tolubalsamsyrup (~Syrup of balsam tolu~)              1 Unze.
    Blutwurzeltinktur (~Tincture of blood root~)          1   „
    Paregoricum-Elixir (~Elixir of paregoric~)            1   „

  Mische es. Dosis wie oben.

  Oder:

    Harz (~Rosin~)                                        1 Unze.
    Stückzucker (~Loaf sugar~)                            1  „
    Gummi Arabicum (~Gum arabic~)                         ½  „
    Tolubalsam (~Balsam Tolu~)                            ½  „

  Mache es zu einem feinen Pulver und mische es in einem Mörser. Dosis:
  einen halben Theelöffel voll in ein wenig Wasser drei- oder viermal
  des Tages.

  Bei chronischer Luftröhrenentzündung kann das folgende gegeben werden:

    Gummi Arabicum (~Gum arabic~)                         2 Unzen.
    Essig                                                 ½ Pint.
    Molasses                                              ½  „

  Koche es, bis der Gummi aufgelöst ist, dann füge hinzu:

    Mohnsaft (~Laudanum~)                                1½ Unzen.
    Tolubalsamtinktur (~Tincture of balsam tolu~)        3½   „

  Dosis einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.

  Oder:

    Essigsaure Blutwurzeltinktur (~Acetic tincture of
    blood root~)                                          1 Unze.
    Schlangenwurzeltinktur (~Tincture of black cohosh~)   1  „
    Tolubalsamtinktur (~Tincture of balsam tolu~)         1  „
    Brechwurzwein (~Wine of ipecac~)                      1  „
    Süßer Salpeter-Spiritus                               2 Unzen.

  Mische es. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.

  Das Einathmen der warmen Dämpfe des Andorn- (~Hoarhound~),
  Katzenmünze- (~Catnip~) Thees und dergleichen mehr hat sich in
  einigen Fällen bewährt. Bei der chronischen Form kann Nachstehendes
  bestens empfohlen werden:

    Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~)          1 Unze.
    Doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of
    potash~)                                              ½  „

  Mische es. Dosis: 5-10 Grane dreimal des Tages in einem Theelöffel
  voll Wasser. Zuweilen kann auch des Abends folgendes behufs
  Regulirung der Eingeweide gegeben werden:

    Entenfuß (~Podophyllin~)                              ¼ Gran.
    Leptandrin                                     1 oder 2 Grane.
    Stückzucker (~Loaf sugar~)                            5   „

  Auf einmal zu nehmen.

  Folgende Pillen mögen gegen den Husten gegeben werden:

    Bilsenkrautextrakt (~Extract Hyosciamus~)            1½ Unzen.
    Brechwurz (~Ipecac~)                                 1½   „
    Canadischer Balsam (~Canada balsam~)                 1½   „
    Salzsaures Ammoniak (~Muriate of Ammonia~)           1½   „

  Mische und theile es in Pillen von vier Granen. Dosis: alle drei bis
  vier Stunden eine Pille.

  Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen chronische
  Luftröhren-Entzündung:

    Bilsenkrautextrakt (~Extract Hyosciamus~)            1½ Drachmen.
    Alcoholextrakt von Schlangenwurzel (~Alcoholic
    extr. of black cohosh~)                              1½    „
    Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~)              1½    „
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        1½    „

  Mische es und mache Pillen von vier Granen daraus, wovon alle drei
  oder vier Stunden eine zu geben ist.

  Bei Diarrhöe gebe drei- oder viermal des Tages Dosen von 20 Tropfen
  von Eisenchlortinktur (~Tincture of chloride of iron~) in einem
  Weinglas voll Wasser.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- In der Regel das beste Mittel,
  besonders bei starkem Fieber, trockner Haut, fliegendem und hartem
  Pulse, schnellem und ängstlichem Athmen, Hals trocken, Husten, einem
  stechenden Gefühle in Hals und Brust, Angst und Unruhe, mehr oder
  weniger Schmerzen in der Brust -- besonders des Nachts.

  ~Tartarus emeticus.~ -- Bei starken Hustenfällen, mit einem Gefühl
  von Erstickung, röchelndem Athmen, Kurzathmigkeit, Brustbeklemmung,
  Herzklopfen, Schmerzen im Rücken und Gliedern und Durst.

  ~Pulsatilla.~ -- Mäßiges Fieber, erhitzte Haut, Heiserkeit, gestörtes
  Athmen beim Liegen auf dem Rücken.

  ~Bryonia.~ -- Trockenheit im Halse, schweres, kurzes und ängstliches
  Athmen, Druck auf der Brust, wie von einem Gewicht herrührend,
  Stechen in der Brust, heftiges Kopfweh, durch Bewegung erhöht.

  ~Nux vomica.~ -- Symptome ungefähr dieselben, wie bei ~Bryonia~.

  ~Phosphorus.~ -- Nachdem die Anzeichen einer Entzündung verschwunden,
  dessenohngeachtet aber schweres Athmen, Heiserkeit, Rauheit in dem
  oberen Theile der Luftröhre, Hitze in der Brust, trockner, hackender
  Husten, sowie Husten durch ein Stechen im Halse, durch Sprechen oder
  Lachen verursacht, vorhanden sind.

  ~Chamomilla.~ -- Nachdem das Fieber vermittelst Aconitum unterdrückt
  ist und nur ein trockener Husten, schlimmer des Abends und während
  des Schlafens, zurückbleibt.

  ~Spongia~ und ~Hepar Sulphuris~. -- Mögen abwechselnd gegeben werden
  bei schwerem Athem, wehem Hals, Röcheln, trockenem und hohlem Husten
  bei Tag und Nacht, aber während der letzteren nur theilweise.

  Dieselben Mittel können auch bei der chronischen
  Luftröhren-Entzündung angewendet werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Wenn flüssig gegeben, löse 12 Kügelchen
  in 12 Theelöffel voll Wasser auf. Dosis: der Strenge der Symptome
  angemessen, alle 2 bis 3 Stunden einen Theelöffel voll. Trocken: 3
  oder 6 Pillen auf einer Dosis.

  Bei chronischer Luftröhren-Entzündung wird Morgens und Abends eine
  Dosis hinreichen.

  =Allöopathisch.= Ein Anfall von Luftröhren-Entzündung kann zuweilen
  auch dadurch gehoben werden, daß der Kranke beim zu Bettgehen ein
  Glas heiße Limonade oder 10 Grane Dover’sche Pulver (~Dover’s
  powders~) nimmt und dann ein warmes Senffußbad folgen läßt.
  Schlägt dieses nicht an, gebe man eine Dosis Bitter- (~Epsom~)
  oder Rochellesalz oder auch Citronensaure Magnesia (~Citrate of
  magnesia~). Bei starkem Fieber, erstickendem Husten und weher Brust
  gebe man folgendes:

    Weinsteinsaures Antimon (~Tartrate of Antimony~)      2 Grane.
    Potasche (~Potassa~)                                  2   „
    Wasser                                                4 Unzen.

  Mische es. Dosis: alle zwei oder drei Stunden einen Theelöffel voll.
  Gleichzeitig gebe man beliebig Leinsamenthee zu trinken.

  Eine Einreibung der Brust mit Terpentinöl verschafft zuweilen
  Linderung.

  Bei gelinden Fällen hilft Brechwurzsyrup (~Syrup of ipecac~), in
  Dosen von 1 bis 2 Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden, hin und
  wieder sehr schnell. Diesem lasse man nachstehendes folgen:

    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potassa~)        2 Drachmen.
    Meerzwiebel-Honigessig (~Oxymel of squills~)         1 Unze.
    Fingerhut (~Tincture of digitalis~)                  ½ Drachme.
    Essig                                                1 Eßlöffelvoll.
    Zucker                                               ½ Drachme.
    Gummi Arabicum (~Gum arabic~)                        ½    „

  Hinreichend Wasser, um 6 Unzen zu machen. Mische es. Dosis: alle zwei
  oder drei Stunden einen Eßlöffel voll.

  Ist der Husten des Nachts beschwerlich, gebe man folgendes:

    Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~)                 3 Unzen.
    Paregoricum (~Paregoric~)                             1 Unze.

  Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll
  oder zwei Theelöffel voll des Nachts.

  Heiße Kleie oder Senfumschläge sollten um den Hals und auf die Brust
  gelegt werden. Bei lästigem Husten gebe man folgendes:

    Honigessig (~Oxymel~)                                 1 Unze.
    Bilsenkrauttinktur (~Tincture of henbane~)            1 Drachme.
    Salpeterspiritus (~Spirits of nitre~)                 1    „
    Brechwurzwein (~Ipecac wine~)                         1    „
    Zimmetwasser (~Cinnamon~)                             2 Unzen.

  Hinlänglich Wasser, um 6 Unzen daraus zu machen. Mische es. Dosis:
  zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  Brechweinstein (~Tartar emetic~) im Verhältniß von einem Grane auf
  zehn Drachmen kochendes Wasser, wird zuweilen -- alle zwei Stunden
  einen Eßlöffel voll -- gegen den Husten gegeben.

  Bei chronischer Luftröhren-Entzündung gebe man 3 Tropfen Crotonöl
  auf die Brust, jeden Abend bis ein Ausschlag eintritt. Pflaster von
  Burgundischem Pech (~Burgundy pitch~), Schierling (~hemlock~) &c.
  sind in einzelnen Fällen sehr zuträglich. Folgendes lindert zuweilen
  den Husten:

    Copaivabalsam (~Balsam of copaiva~)                   3 Drachmen.
    Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
    spirits of lavender~)                                 2    „
    Weißer Zucker                                         2 Unzen.
    Gummi-Arabicum                                        2 Drachmen.

  Hinreichend Wasser, um davon 6 Unzen zu machen. Mische es. Dosis:
  dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Oder:

    Salzsaures Ammoniak (~Muriate of ammonia~)            8 Drachmen.
    Schleimwasser von Gummi Arabicum                      4 Unzen.

  Mische es. Dosis: drei oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll.
  Das Einathmen folgender Dämpfe wird, wenn die Absonderung übermäßig
  stark ist, zuweilen sehr zuträglich gefunden werden: Dampf von Theer,
  dadurch hervorgerufen, daß man eine oder zwei Unzen Theer in einen
  Tassenkopf voll heißen Wassers thut -- oder Dampf von Kreosot, der
  durch drei oder vier Tropfen Kreosot, in ein halbes Pint kochendes
  Wasser eingegossen, erzeugt wird.


Influenz, auch Grippe oder Flußfieber.

Diese Krankheit wird, wenn sie nur vereinzelt hier und da auftritt und
nur wenige Tage anhält, Erkältung oder Katarrh genannt, breitet sie
sich aber weiter aus, so daß Viele zu gleicher Zeit daran leiden, und
dauert mehrere Tage oder Wochen, so wird sie epidemisch und man nennt
sie Influenz oder wie oben.

+Ursachen+ -- sind dieselben wie bei andern Leiden des Halses und der
Lungen.

+Symptome.+ -- Zuerst dieselben Symptome wie beim Katarrh mit einem
dumpfen Schmerz und Gefühl von Schwere in der Stirn, Brust-Beklemmung,
erschwertes Athmen, Gefühl von Trockenheit oder Empfindung von Vollsein
in der Nase, Nießen, Augen wässerig und roth, Hals weh, beständig
trockener Husten, Heiserkeit, Durst, Frösteln und ein Verlangen, nahe
ans Feuer zu kommen.

Kurze Zeit darauf läuft aus Augen und Nase Wasser, der Husten nimmt
zu, der Zustand verschlimmert sich des Nachts, bei Fieber, schnellem
Puls, heftigen Schmerzen an verschiedenen Theilen des Körpers, Auswurf
zuerst dünn und weiß, dann gelblich und dick, der Husten läßt bedeutend
nach. In Begleitung dieser Krankheit findet man Schmerzen in den
Gliedern und dem Körper, Appetitlosigkeit, Durst, fliegende Hitze mit
Frostschauer abwechselnd. Beschränkt sich die Entzündung auf die Nase,
so ist Nießen, Vollsein und Hitze daselbst vorhanden und eine dünne
Absonderung findet statt.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Camphor.~ -- Wenn bei Beginn der Krankheit
  genommen, ist dieselbe häufig dadurch kurz abgeschnitten. Wird die
  Kampher-Tinktur angewendet, so sollten 3 oder 4 Tropfen in einem
  halben Becher Wasser aufgelöst und ein Theelöffel voll als eine Dosis
  gegeben werden.

  ~Arsenicum~ -- kann in der Regel zu Anfang der Krankheit, wenn kein
  starkes Fieber, Hitze oder Durst vorhanden ist, angewendet werden.
  Der Kranke trinkt öfters, ist unruhig und die Absonderung ist scharf
  und verdorben, Wehsein und ein heftiges Brennen der Nase innerlich
  und äußerlich.

  ~Mercurius.~ -- Besonders beim Beginn wenn die Hauptsymptome, wie
  Nießen und Laufen der Nase, Schmerzen im Kopfe und Körper, rothe,
  wässerige Augen, ein loser Husten und übermäßiger Schweiß in die
  Augen fallend sind.

  ~Bryonia~ -- kann alle 2 bis 3 Stunden abwechselnd mit ~Aconitum~
  gegeben werden bei heißer, trockener Haut, starkem, angreifendem
  Husten und stechenden Schmerzen in der Brust.

  ~Belladonna~ und ~Aconitum~ -- abwechselnd wenn der Husten trocken
  und krampfartig ist, bei starkem Kopfschmerz, Trockenheit des Halses
  und des Mundes.

  ~Hepar Sulphuris.~ -- Wenn die Erkältung sich bereits besserte, dann
  aber wieder schlimmer wurde, oder wenn der Kranke zu viel Calomel
  genommen und jeder Windhauch das Husten erneuert.

  ~Phosphorus~ und ~Tartarus Emeticus~ mögen abwechselnd gegeben
  werden, wenn Druck der Lungen vorhanden ist, begleitet von einer
  Schwäche und Gefühl von Wehsein in denselben -- wenn beim Husten oder
  Athmen ein Röcheln in der Brust vorhanden ist.

  ~Pulsatilla.~ -- Nach ~Mercurius~ oder abwechselnd damit alle 3 oder
  4 Stunden. Husten lose, Ausfluß aus der Nase gelb und dick, Wehsein
  der Brust am Morgen, saurer, schlechter Geschmack im Munde.

  ~Silicea.~ -- Wenn die Krankheit chronisch ist und immer wiederkehrt.

  ~Euphrasia.~ -- Bei Ausfluß eines weißen Schleimes aus der Nase, böse
  Augen und übermäßige Thränen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede, oder alle
  zwei bis drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, eine
  Dosis. Von den Kügelchen gebe man 3 bis 6 als eine Dosis.

  =Allöopathisch.= Warme Senffußbäder, des Nachts darauf einen großen
  Schluck Limonade, oder, wenn Fieber vorhanden ist, Limonade kalt
  genommen und gleichzeitig eine Dosis citronensaure Magnesia (~Citrate
  of magnesia~), Rochellesalz oder Sennesblätter- (~Senna~) Thee am
  Morgen wird gewöhnlich hinreichen, die Krankheit zu brechen. Sind die
  Eingeweide verstopft, gebe man folgendes:

    Zusammengesetztes Jalappen-Pulver (~Compound powder
    of jalap~)                                            1 Unze.
    Cremor Tartari (~Cream of tartar~)                    1  „

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in versüßtem Wasser.

  Ist der Anfall schwer, so sollte sich der Kranke ins Bett begeben,
  Flaschen mit heißem Wasser sollten an die Füße und an die Seiten des
  Körpers gelegt, dabei Getränke von Pfeffermünz (~Peppermint~), Isop
  (~Penny royal~) oder Salbei (~Sage~) gegeben werden.

  Alle Stunden fünf Tropfen von Nießwurz-Tinktur (~Tincture of
  veratrum viride~) wird öfter eine ungehinderte Ausdünstung wieder
  herstellen. Ist der Husten sehr bedeutend, so werden jene unter
  Luftröhren-Entzündung empfohlenen Mittel sehr zuträglich gefunden
  werden.

  Ist in den letzteren Stadien der Krankheit bedeutende Schwäche
  vorhanden, gebe man folgendes:

    Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~)              1 Drachme.
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         1 Skrupel.
    Brechnuß-Extrakt (~Extract of Nux vomica~)            8 Grane.

  Mische es, mache 32 Pillen daraus und nehme dreimal des Tages eine.

  Wenn der Kranke alt und schwach ist, möge das folgende gegeben werden:

    Enzian-Aufguß (~Infusion of gentian~)                5½ Unzen.
    Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sequicarbonate
    of ammonia~)                                          ½ Drachme.
    Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound
    tincture of cardamon~)                                ½ Unze.

  Mische es. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll.

  Die Kost sollte nahrhaft und nicht reizend sein, bestehend in
  Fleischbrühen, Pfeilwurz (~Arrow root~), Sago und Gelee (~Jelly~) mit
  einem Theil Wein.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ist der Anfall gelind, so ist nur wenig
  Medizin erforderlich. Es wird hinreichen, Fußbäder zu nehmen, das
  Bett zu hüten, Gerstenschleim (~Barley water~), dünne Hafergrütze
  (~Gruel~) und warme Limonade zu trinken. Bei Athem-Beschwerden
  gebe man Lobelia-Tinktur, Blutwurzel- (~Blood root~) Tinktur oder
  Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~). Gegen Husten und bösen Hals gebe
  man folgendes:

    Guter Essig                                           1 Theetassen-
                                                            kopf voll.
    Honig                                                 ½     „
    Cayenne-Pfeffer                                       1 Theelöffel
                                                            voll.

  Koche es einige Minuten an einem gelinden Feuer und wenn abgekühlt,
  gebe man gelegentlich, oder wann immer der Husten lästig wird, einen
  Theelöffel voll.

  Um die Ausdünstung zu befördern, kann jede Stunde oder alle zwei
  Stunden eine Dosis zusammengesetzte Schlangenwurzel-Tinktur
  (~Compound tincture of Virginia snake root~) gegeben werden, ferner
  lasse man den Kranken nach Belieben Wasserdost- (~Boneset~), Andorn-
  (~Hoarhound~) oder Salbei- (~Sage~) Thee trinken.


Husten

ist in den meisten Fällen nur ein Symptom von anderen Krankheiten, wie
Brust-Entzündung, Luftröhren-Entzündung, Influenz (Grippe) u.s.w., und
man sehe deshalb wegen Behandlung solcher Fälle diese Krankheiten unter
den betreffenden Kapiteln nach.

Zuweilen aber tritt er als ein selbstständiges Leiden auf und wird von
einem einfachen Katarrh oder durch organische Störungen, die ihn nervös
oder krankhaft machen, hervorgerufen.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Folgendes ist ein guter Hustensyrup:

    Honig                                                 4 Unzen.
    Molasses                                              4   „
    Essig                                                 4   „

  Lasse es in einem irdenen Gefäß über einem gelinden Feuer einige
  Minuten lang kochen und rühre es gehörig um; dann füge hinzu:

    Zusammengesetzte Kampher-Tinktur (~Compound
    tincture of camphor~)                        Ein Dessertlöffel voll.
    Brechwurz-Wein (~Ipecac wine~)               Ein Dessertlöffel voll.

  Mische es wohl. Alle 4 Stunden eine Dosis.

  Oder auch:

    Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~)         2 Drachmen.
    Tolu-Syrup (~Syrup of Tolu~)                          1 Unze.
    Gummi Arabicum Schleim                                3 Unzen.
    Verdünnte Hydrocyan-Säure (~Diluted hydro-cyanic
    acid~)                                               40 Tropfen.
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~)      2 Grane.

  Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden einen Theelöffel voll.


  Eclectische und Kräuterkur.

    Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~)                ½ Unze.
    Brechwurz-Syrup (~Syrup of Ipecac~)                   ½  „
    Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~)         ½  „
    Paregoricum (~Paregoric~)                             ½  „

  Mische es. Dosis: Einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll, wenn
  immer der Husten lästig wird.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei heftigem Husten, kurz und
  trocken, besonders des Nachts, begleitet von Stechen im Hals,
  Zusammenziehung der Brust oder stechende Schmerzen in derselben,
  verbunden mit Athmungsbeschwerden.

  ~Bryonia~ und ~Rhus Toxicodendron~. -- Alle zwei Stunden abwechselnd
  eine Dosis bei Schmerzen im Kopfe und in den Gliedern, Frösteln und
  Durst.

  ~Bryonia.~ -- Trockener Husten, Reiz im Halse oder Schmerzen in der
  Brust, schlimmer im Freien, wenn der Husten von Erkältung in feuchtem
  oder sonstigem Wetter herrührt, loser Husten mit gelblichem Auswurf
  oder krampfartiger Wirkung nach dem Essen oder Trinken.

  ~Rhus Toxicodendron.~ -- Trockener Hals, Husten in Folge Stechens in
  der Brust, schlimmer am Abend oder vor Mitternacht, Schwäche in der
  Brust, Kurzathmigkeit, schlimmer in der Luft, besser bei Bewegung
  oder in der Wärme, Husten bei einem Geschmack von Blut im Munde.

  ~Belladonna.~ -- Hals trocken, Husten, besonders des Nachts,
  schlimmer bei Bewegung, Stechen im Halse und ein Gefühl, als ob
  sich fremde Körper in der Luftröhre befänden, Hitze und Röthe des
  Gesichts, Vollsein und Schmerz im Kopfe, Schmerz im Nacken, scharfe,
  schneidende und grimmende Schmerzen in den Eingeweiden.

  ~Hyosciamus.~ -- Wenn ~Belladonna~ nur theilweise Linderung gewährt,
  besonders bei trockenem, stechendem Husten, der beim Sitzen im Bette
  nachläßt.

  ~Chamomilla.~ -- Husten in Folge Stechens in der Halshöhle, welches
  sich bis auf den Brustknochen ausdehnt, besonders beim Sprechen,
  Röcheln, ein Gefühl als ob etwas im Halse in die Höhe stiege und den
  Athem benehme, Husten nach Mitternacht, Frösteln, Blässe der einen
  und Röthe der anderen Wange.

  ~Ignatia.~ -- Trockner Husten, Laufen der Nase Tag und Nacht, kurzer
  hackender Husten, als ob vom Kitzeln mit einer Feder verursacht,
  nächtlicher Husten, welcher sich nach dem Essen, Niederlegen oder
  beim Aufstehen des Morgens verschlimmert.

  ~Ipecacuanha.~ -- Nervöser und krampfartiger Husten besonders des
  Nachts, Uebelkeit, Würgen und Erbrechen, begleitet von einem Schmerz
  im Unterleib, Husten des Nachts oder beim Gehen in der kalten Luft
  schlimmer, Beklemmung des Athems, als ob die Lungen mit Schleim
  gefüllt wären.

  ~Mercurius.~ -- Trockener, krampfhafter Husten, durch Sprechen
  erhöht, Schmerzen im Kopfe und der Brust beim Sprechen, heißer Husten
  bei wässeriger Absonderung aus Nase und Mund oder einer wässerigen
  Diarrhöe.

  ~Nux vomica.~ -- Kitzelnder Husten, schlimmer des Morgens früh, zäher
  Schleim im Hals und Lungen, kitzelndes Gefühl im Halse und Husten,
  Frösteln, Husten durch Kitzel und Kratzen verursacht, oder mit einem
  Gefühle von Rauheit und Wehsein, von stechenden Schmerzen gefolgt,
  Auswurf eines klebrigen Schleims, zuweilen mit Blut gestreift. Husten
  in Folge von Bewegung schlimmer, dem hin und wieder ein Würgen oder
  Erbrechen folgt, ermüdender Husten mit Schmerzen im Kopf als ob er
  zerspringen wollte, ein quetschendes Gefühl in der Magengrube, Husten
  trocken, während des späteren Theiles des Tages oder zur Nachtzeit
  Druck auf der Brust, wie von einem Gewicht herrührend.

  ~Phosphorus.~ -- Trockener Husten von einem Reiz im Halse veranlaßt,
  oder stechender Schmerz in der Brust, schlimmer beim Liegen auf der
  linken Seite oder bei Bewegung, Kitzeln im Halse, aber mehr in der
  Brust, Heiserkeit oder ein Schmerz in der Brust, als wenn Alles roh
  wäre, Husten durch Liegen auf der linken Seite erregt, Rauheit,
  Vollsein und Beengung der Brust.

  ~Pulsatilla.~ -- Husten mit einem leichten Auswurf von Schleim,
  starkes Würgen, trocknen Husten, meistens am Morgen, Neigung zum
  Erbrechen, loser Husten mit salzigem, bitterem, unangenehmem Auswurf,
  zuweilen mit Blut gestreift.

  ~Tartarus emeticus.~ -- Hohler, rasselnder Husten, Husten mit
  Uebelkeit und Erbrechen, Husten mit einem Rasseln des Schleimes in
  der Brust, schnelles und schwieriges Athmen.

  ~Lycopodium.~ -- Husten des Nachts und nach dem Trinken schlimmer,
  ein kitzelnder Husten in Folge tiefen Athemzuges, Stechen in der
  linken Seite der Brust.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser auf und gebe jede Stunde oder alle zwei bis drei Stunden, der
  Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Werden die
  Kügelchen angewendet, so gebe drei bis sechs als eine Dosis.

  +Kost.+ Hustenleidende, besonders in chronischen Fällen, sollten
  gute, dabei aber einfache, nahrhafte Kost haben, und alle zu reichen,
  stark gewürzten Speisen, frisches Brod, fettes Fleisch, Bier u. s.
  w. vermeiden. Der Betreffende muß sich viel in der frischen Luft
  bewegen, davon einen guten Theil in die Lungen einathmen und dann
  die Brust mit der Hand schlagen. Tägliche kalte Wasserbäder und
  Waschungen sind eins der besten Mittel, um eine Anlage zu Husten und
  Erkältungen zu unterdrücken. Ist der Husten sehr trocken, so wird ein
  Umschlag von heißem Wasser über die Brust, der, sobald er kalt ist,
  entfernt wird, in einigen Fällen Linderung verschaffen. Wenn möglich,
  lasse man den Kranken beim zu Bettegehen nach Belieben kaltes Wasser
  trinken.


Lungenentzündung (~Pneumonia~).

Dies ist eine Entzündung der Lungenmasse und wird zuweilen
Lungenfieber genannt. Nicht selten ist damit Pleuresie (Rippen- und
Brustfellentzündung) verbunden. Lungenentzündung kann entweder einfach
oder doppelt auftreten, das heißt, eine oder beide Lungen können von
der Entzündung ergriffen werden. Die auf der rechten Seite kommt
häufiger vor als jene auf der linken.

+Symptome.+ Lungenentzündung beginnt in der Regel, wie alle
Entzündungskrankheiten, mit einem Frostschauer oder Frösteln, dem
Fieber folgen Schmerzen auf einer Seite der Brust, schwieriges
Athmen, Husten, erhöhter Puls, schnelles Athmen und Schmerz zuweilen
scharf, gleich einem Stich in der Seite. Der Kranke kann wegen des
Schmerzes nicht auf der angegriffenen Seite liegen und das Athmen wird
schwieriger, wenn er auf der entgegengesetzten Seite liegt, daher liegt
er meistens auf dem Rücken. Ein trockener, schmerzhafter Husten stellt
sich beim Beginn ein, zuweilen aber ist er feucht, der Auswurf weiß
und durchscheinend, der bald darauf rostfarbig oder mit Blut gestreift
wird. Die Haut ist trocken, Durst, fliegende Hitze und Angst sind
vorhanden. Die Entzündung erreicht gewöhnlich am fünften oder sechsten
Tag ihre Höhe und die Symptome bleiben ein oder zwei Tage unverändert,
dann lassen sie nach und der Kranke wird schließlich gesund. Nimmt die
Entzündung einen ungünstigen Verlauf, so quält sich der Kranke eine
längere Zeit und die Symptome werden nach und nach immer schlimmer, bis
der Tod seinen Leiden ein Ende macht.

Zuweilen tritt die Lungenentzündung epidemisch auf, nimmt dann leicht
einen bösartigen Charakter an und artet in typhöse Pneumonia aus. Die
Symptome sind ähnlich denjenigen der einfachen Lungenentzündung, mit
Ausnahme des geschwächten Zustandes des Organismus. Die Entzündung
selbst aber hat einen weniger acuten Charakter als bei Pneumonia.
Schreitet die Krankheit vor, so verschwinden die thätigen Symptome der
Pneumonia und der Kranke liegt im Schlafe oder Betäubung tritt ein,
die Haut wird rauh und trocken und die Spitze und Ränder der Zunge
erscheinen sehr roth, während die obere Fläche mit einem gelblichen
oder bräunlichen Schleim belegt ist. Die Eingeweide schwellen an und
sind äußerst empfindlich.

+Ursachen.+ Erkältung ist in der Regel die Hauptursache, daher tritt
auch die Lungenentzündung häufiger in den Winter- als während der
Sommermonate auf. Ein starker Schlag oder Fall auf die Brust, sowie das
Einathmen reizender Gase, können ebenso die Veranlassung dazu werden.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Der Kranke sollte sich in einem gut ventilirten Zimmer
  aufhalten; die Temperatur desselben muß gemäßigt, darf weder zu warm
  noch zu kalt sein. Sorge sollte getragen werden, daß derselbe nicht
  der Zugluft ausgesetzt wird.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Der Kranke stelle seine Füße und Beine
  in warmes Wasser und trinke Compositions-Salbei- (~Sage~) oder
  Isop- (~Penny Royal~) Thee. Es ist vortheilhaft, gleich zu Anfang
  ein Brechmittel zu verordnen, Erwachsenen das zusammengesetzte
  Lobeliapulver (~Compound powder of lobelia~), Kindern die
  zusammengesetzte Lobeliatinktur (~Compound tincture of lobelia~).
  Das Brechmittel muß, ehe der Schweiß ausbricht, gegeben werden. Eine
  Bähung von bittern Kräutern, wie Andorn (~Hoarhound~), Rainfarn
  (~Tansy~), Hopfen (~Hops~), Wasserdost (~Boneset~), Flöhkraut
  (~Smartweed~) und Pfirsichblätter (~Peach leaves~), von jedem eine
  Handvoll, in einem Gefäße über dem Feuer gekocht, wird empfohlen und
  zwar in der Weise, daß sich der Kranke entkleidet über das Gefäß
  setzt mit einer Decke um die Schultern, welche bis zum Boden reicht,
  so daß der Körper unmittelbar von dem so erzeugten Dampfe berührt
  wird. Dies sollte eine halbe Stunde fortgesetzt werden, und um das
  Wasser warm und dampfend zu erhalten, kann man von Zeit zu Zeit
  einen erhitzten Ziegelstein in dasselbe legen. Der Patient sollte
  dann rasch abgetrocknet und ins Bett gebracht werden, und darauf
  ein Brechmittel nehmen. Letzteres kann aus gleichen Theilen der
  pulverisirten Lobelia, Salbei (~Sage~), Blutwurzel (~Blood root~)
  und Brechwurz (~Ipecac~) zusammengesetzt werden. Nehme davon einen
  großen Theelöffel voll, gieße ein Pint heißes Wasser darauf, rühre
  es um und lasse es 15 Minuten lang stehen, dann gebe man alle 5 bis
  10 Minuten eine Theetasse voll, bis gehöriges Erbrechen eintritt;
  gleichzeitig sollte Isop- (~Pennyroyal~), Salbei- (~Sage~) oder
  Wasserdost- (~Bonset~) Thee nach Belieben getrunken werden. Nachdem
  das Brechmittel gewirkt hat, ist es gut, den Kranken vermittelst
  heißer Ziegelsteine zu erwärmen, wohl zugedeckt zu halten, mit den
  warmen Thees fortzusetzen und ihn schwitzen zu lassen. Damit möge
  mehrere Stunden angehalten werden; dann sollte man ihn trocken
  abwischen, mit trockner Wäsche versehen und ihn schlafen lassen. Da
  hierbei mehr oder weniger Störungen der Leber vorkommen, so wird es
  zuweilen nothwendig werden, ein Abführmittel zu verordnen.

    Entenfuß (~Podophyllin~)                              1 Gran.
    Leptandrin                                            2 Grane.

  Gebe es als eine Dosis und wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden, bis
  die Wirkung eintritt. Wenn der Schmerz nach diesem noch fortdauert,
  so müssen heiße Umschläge von bitteren Kräutern, wie Hopfen (~Hops~),
  Rainfarn (~Tansy~) und Wermuth (~Wormwood~), so heiß als es ertragen
  werden kann, über die Brust gemacht und dieselben jede Stunde oder
  alle zwei Stunden gewechselt werden. Im Falle die Fiebersymptome
  stark sind, ist das folgende zu empfehlen:

    Jasmintinktur (~Tincture of gelseminum~)              4 Drachmen.
    Eisenhuttinktur (~Tincture of aconite~)              24 Tropfen.

  Mische es. Dosis 30 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde, bis der
  Kranke Linderung verspürt.

  Zur Hebung des Hustens und schwierigen Athmens möge folgendes
  angewendet werden:

    Pulverisirter Lobeliasamen (~Pulv. lobelia seed~)     1 Unze.
    Blutwurzel (~Blood root~)                             1  „
    Brechwurz (~Ipecac~)                                  2 Unzen.
    Cayennepfeffer (~Cayenne~)                            ½ Unze.
    Whiskey                                               1 Quart.

  Dies sollte vor dem Gebrauche eine oder zwei Wochen lang stehen.
  Dosis alle Stunden einen Theelöffel voll.

  Folgendes kann auch gegen den Husten angewendet werden:

    Senegawurzsyrup (~Syrup senega~)                      1 Unze.
    Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~)                 1  „
    Lobeliatinktur (~Tincture of lobelia~)                1  „

  Mische es. Dosis: jede Stunde oder alle 2 Stunden einen Theelöffel
  voll.

  Wenn die Entzündung nachläßt und der Kranke fühlt sich schwach, so
  sind stärkende Mittel erforderlich. Schwefelsaures Chinin (~Sulphate
  of quinine~) kann in Dosen von 2 bis 3 Granen dreimal des Tages
  gegeben werden, oder Porter, Wein oder auch Molken-Wein. Ist die
  Krankheit vorüber und es bleibt noch ein Husten zurück, so gebe man
  folgendes:

  Tolu Balsam und Gummi Arabicum, von jedem ein halbes Pfund und
  Cideressig eine Gallone. Löse vermittelst Hitze den Balsam und Gummi
  in dem Essig und füge 6 Pfund Zucker hinzu. Wenn alles aufgelöst ist,
  nehme man es vom Feuer und füge dann noch 18 Unzen Laudanum hinzu.
  Dosis: Einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.

  Bei typhöser Lungenentzündung ist die Behandlung ähnlich jener
  gewöhnlicher Pneumonie, sowie auch der des Nervenfiebers. Die Haut,
  anstatt heiß, ist in dieser Form der Krankheit gewöhnlich kalt, daher
  sollten die Füße und Beine öfters in warmem Laugenwasser gebadet
  werden. Doverische Pulver (~Dover’s powders~) können gegeben werden,
  oder folgendes in Hinzufügung der anderen Heilmittel, welche bereits
  unter Lungenentzündung erwähnt wurden.

    Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. Ipecac~)               2 Drachmen.
    Pulverisirtes Kampherharz (~Pulv. gum camphor~)       2    „
    Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate ammonia~)           2    „
    Pulverisirtes Opium (~Pulv. Opium~)                   ½ Drachme.

  Reibe es in einem Mörser gehörig durcheinander und gebe ungefähr 8
  Grane als eine Dosis alle 3 oder 4 Stunden.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- sollte zu Anfang entweder allein oder
  abwechselnd mit ~Bryonia~, bei hohem Fieber und starkem Schmerz in
  der Brust gegeben werden. Der Schmerz wird bei Bewegung oder Husten
  schlimmer, der Auswurf ist blutig und von der Farbe von Ziegelstaub,
  Zunge belegt, viel Durst. Von diesen Heilmitteln sollten abwechselnd
  alle halbe oder ganze Stunde ein Theelöffel voll gegeben werden,
  bis sich der Kranke bessert. ~Belladonna~ kann entweder allein oder
  abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben werden, wenn das Fieber zunimmt
  und beträchtlicher Blutandrang nach dem Kopfe vorhanden ist, bei
  heftigem Schlagen der Adern des Halses und der Schläfe.

  ~Phosphorus.~ -- Ist bei heftigen Fällen ein schätzenswerthes Mittel,
  wenn zuvor ~Bryonia~ oder ~Belladonna~ gegeben, entweder allein oder
  abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben, besonders wenn folgende Symptome
  vorhanden sind: Ein kurzer hackender Husten, hauptsächlich am Abend
  mit einem Gefühl von Erstickung, wenig oder gar keinen Auswurf;
  starker Schmerz in der Brust; Schwere, Vollsein und Beengung, als
  ob die Brust zusammengeschnürt wäre, große Hinfälligkeit, Vollsein
  des Gesichts, Stechen in der Seite, vorzüglich in der linken, Zupfen
  an dem Bettzeug, schwacher und schneller Puls. ~Tartarus emeticus~
  kann abwechselnd mit ~Phosphorus~ gegeben werden, besonders wenn
  ~Aconitum~ und ~Bryonia~ keine Linderung gewährten, auch bei starker
  Unterdrückung des Athmens und Hustens. Der Husten ist locker mit
  überreichem Auswurf, hohl und rasselnd, wenig oder gar keinem
  Schmerz, Uebelkeit und Erbrechen, besonders nach Hustenanfällen.

  ~Pulsatilla.~ -- Schwieriges Athmen, besonders beim Liegen auf dem
  Rücken. Vorzugsweise gut für Kinder bei regelmäßigem kurzem Husten,
  Heiserkeit, Schwere auf der Brust.

  ~Mercurius.~ -- Wenn ~Aconitum~ das Fieber vermindert hat, aber noch
  Schwierigkeit beim Athmen vorhanden und der Patient von Nachtschweiß
  erschöpft ist.

  Bei typhöser Lungenentzündung möge ~China~ angewendet werden,
  besonders wenn der Kranke sehr durch Blutverlust geschwächt wird
  und folgende Symptome vorhanden sind: Druck in der Brust, Stechen
  in der Brust und in den Seiten; Herzklopfen beim Athmen und Husten,
  große Schwäche, dünner und schwacher Puls. Lindert dies nicht nach
  mehrstündigem Gebrauche, so kann ~Rhus toxicodendron~ abwechselnd
  damit gegeben werden.

  ~Opium.~ -- Bei großer Schläfrigkeit, schwächendem Athmen, leisem
  Murmeln, Zupfen an dem Bettzeuge und wenn Entleerungen ohne Wissen
  des Kranken stattfinden.

  ~Hyoscyamus.~ -- Wenn der Husten reizend und krampfartig, das Gesicht
  roth und heiß ist, die Augen strahlend, Zunge trocken und bräunlich
  sind.

  ~Veratrum.~ -- Wenn der Puls klein und schwach ist, die Glieder kalt,
  Delirium, Erbrechen, Diarrhöe und schnelles Sinken der Kräfte.

  ~Arnica~ -- kann bei denselben Symptomen wie bei ~Opium~ gegeben
  werden, wenn kein Delirium vorhanden ist. ~Camphor~ und ~Coffea~ in
  abwechselnden Dosen, wenn der Kranke schnell die Kräfte verliert, bei
  kalten Gliedern und Delirium, besonders wenn er mit kaltem Schweiß
  bedeckt ist.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
  Kügelchen in ebenso vielen Theelöffeln voll Wasser auf und gebe
  jede Stunde oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome
  angemessen, einen Theelöffel voll. Die Kost sollte einfach sein und
  aus leicht verdaulichen Speisen, wie Haferschleim &c. bestehen.
  Es ist gut, einen erweichenden Umschlag von heißem Kornmehl über
  die Brust zu machen. Dies sollte so lange fortgesetzt werden, bis
  entschiedene Besserung eintritt.

  =Allöopathisch.= Das erste, was gegeben werden sollte, ist ein
  Brechmittel von Brechweinstein (~Tartar emetic~), oder Brechwurz
  (~Ipecac~), dem man ein Abführmittel von Bittersalz (~Epsom salts~)
  oder von citronensaurer Magnesia (~Citrate of magnesia~) folgen läßt.
  Zusammengesetzte Tinktur von virginischer Schlangenwurzel (~Compound
  tincture of Virginia snake root~) kann zur Hervorrufung von Schweiß
  gegeben werden und zu gleicher Zeit sollte der Körper durch Flaschen
  mit heißem Wasser rings herum gelegt, erwärmt werden. Ist das Fieber
  stark und der Puls rasend schnell, ist es besser, den Schweiß durch
  Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur in Dosen von 3 bis 10 Tropfen
  alle Stunden hervorzurufen. Der Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) kann
  in Dosen von 3 bis 10 Tropfen alle 2 oder 3 Stunden in einem Eßlöffel
  voll Wasser gegeben werden, oder folgendes:

    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potassa~)         2 Drachmen.
    Gummi Arabicum oder weißer Zucker                     2    „

  Theile es in zwölf Pulver und nehme alle zwei bis drei Stunden eins.
  Ein Senfpflaster sollte bei Beginn über die Brust gelegt werden.
  Gegen den Husten gebe man, nachdem sich das Fieber gelegt hat,
  folgendes:

    Tolu-Syrup (~Syrup of Tolu~)                          1 Unze.
    Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~)                ½  „
    Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~)                      2 Drachmen.
    Paregoricum (~Paregoric~)                             3    „
    Gummi Arabicum Schleim                               1½ Unze.

  Mische es. Dosis: Gelegentlich einen Theelöffel voll.

  Sollte sich der Kranke, nachdem das Fieber nachgelassen hat, schwach
  und gedrückt fühlen, so wende man folgendes an:

    Doppeltkohlensaure Soda (~Bicarbonate of soda~)       ½ Unze.
    Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion
    of gentian~)                                          4 Drachmen.
    Colombowurzel-Tinktur (~Tincture of colombo~)         1 Unze.
    Orangenschalen-Syrup                                  1  „

  Mische es. Dosis: Dreimal des Tags einen Eßlöffel voll.

  Oder auch:

    Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture
    of iron~)                                             1 Unze.
    Rosenwasser                                           6 Unzen.
    Orangenschalen-Syrup                                  1 Unze.

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll Wasser
  nach jeder Mahlzeit.

  Bei Behandlung der typhösen Lungenentzündung gebe man folgendes:

    Brechwurz und Calomel (~Ipecac and Calomel~) von
    jedem                                                 6 Grane.
    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~)   ½ oder 1 Drachme.

  Mische, theile es in 12 Pulver und nimm alle 3 Stunden eins.

  Oder:

    Essigsaure Potasche (~Acetate of potassa~)           5½ Drachmen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    2    „

  Hinreichend Wasser, um acht Unzen daraus zu machen, löse es auf und
  nimm alle 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll.

  Folgendes ist ein ausgezeichnetes stärkendes Mittel:

    Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~)              1 Drachme.
    Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~)             ½    „
    Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~)                     ½    „
    Hopfen-Extrakt (~Extract of hops~)                    ½    „

  Mische es und mache dreißig Pillen daraus. Dosis: Eine Pille dreimal
  des Tages.

  Oder:

    Chinin (~Quinine~)                                    1 Skrupel.
    Schwefelsäure (~Sulphuric acid~)                      5 Tropfen.
    Alcohol                                               4 Unzen.

  Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  Der Husten sollte durch Trinken von Leinsamen-, schlüpfriger Ulme-
  oder Eibisch- (Marsh mallow) Thee locker gehalten und zu derselben
  Zeit ein Pflaster auf die Brust gelegt werden.


Lungenentzündung bei alten Leuten (~Pneumonia in Old People~).

Diese Krankheit sollte ebenso wie die typhöse Lungenentzündung
behandelt werden.


Brustfell-, Rippenfellentzündung, Pleuresie (~Pleurisy~, ~Pleuritis~).

Dies ist eine Entzündung der Pleura, oder Schleimhaut, welche die Brust
einfaßt und so eine Hülle, welche die Lungen umgiebt, bildet. Sie kann
zu irgend einer Zeit eintreten, wird aber meistens im Frühjahr oder
Winter gefunden.

+Symptome.+ -- Pleuresie beginnt, wie alle anderen Fieber, mit Frost,
dem Hitze folgt, und allen anderen Fieber-Symptomen. Diesen Symptomen
folgt bald ein heftig stechender Schmerz in der Brust, der durch
tiefes Athemholen erhöht und von schwierigem heftigem Athmen, sowie
von einem trockenen, hackenden Husten begleitet wird; Husten, Athmen,
Herumwerfen, Liegen auf der angegriffenen Seite und auch Druck auf die
Brust erhöht den Schmerz. Dieser Schmerz dauert in der Regel drei bis
vier Tage, dann läßt er nach.

+Ursachen.+ -- Plötzliche Kälte, die mit dem Körper in Berührung kommt,
Schläge oder Fallen auf die Brust, Unterdrückung gewisser Absonderung,
das nach Innenschlagen von Hautkrankheiten. Pleuresie kann sowohl acut
als auch chronisch sein. Chronische Pleuresie ist in der Regel die
Folge der acuten.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ und ~Bryonia~ sind die beiden Hauptmittel
  gegen diese Krankheiten und reichen in den meisten Fällen hin, die
  Heilung zu bewirken. ~Aconitum~ ist besonders angezeigt bei folgenden
  Symptomen: Heiße Haut, starkes Fieber, schneller und voller Puls,
  sowie großer Durst. ~Bryonia~ vorzugsweise, wenn die folgenden
  Symptome vorhanden sind: Wangen geröthet, heiß, trocken oder feucht,
  kurzer, fliegender Athem, schneller Puls, stechende, schießende oder
  brennende Schmerzen in der Seite, welche durch Athmen, Husten und
  Bewegung erhöht werden; Athem kurz, ängstlich und schwierig; Gefühl
  von Zusammenziehen und Beklemmung der Brust; schmerzhafter Husten
  sowohl feucht als auch trocken, große Hitze der Haut, abwechselnd mit
  öfterer Kälte oder Frösteln, Schmerz durch Druck verschlimmert.

  ~Mercurius.~ -- Dies Heilmittel kann gegeben werden, nachdem das
  Fieber vermittelst anderer Mittel unterdrückt ist, aber dennoch
  Nachtschweiße, mehr oder weniger kurzes und schwieriges Athmen
  zurückbleiben.

  ~Tartarus Emeticus.~ -- Gesicht geröthet, heiß und trocken, oder
  voll mit einem ängstlichen Ausdrucke und mit Schweiß bedeckt. Puls
  schnell und schwach oder voll, Athem kurz und schwierig, begleitet
  von stechenden oder schießenden Schmerzen, Husten mit Schleimauswurf,
  zuweilen mit Blut gemischt, heftiges Herzklopfen, Schwäche und
  Hinfälligkeit, Gefühl von Erstickung.

  ~Phosphorus. -- Das Gesicht erscheint blaß, zuweilen roth, Augen
  eingefallen und mit blauen Ringen umgeben, Auswurf blutig, scharfe
  stechende Schmerzen in der Brust, meistens aus der linken Seite,
  Athem fliegend und schwierig, scharfer Schmerz zwischen den Rippen
  beim Druck, Herzklopfen.

  ~Arnica~ -- sollte gegeben werden, wenn die Krankheit durch Schläge
  oder Fallen auf die Brust veranlaßt wurde. Ist der Kranke des Nachts
  schlaflos und unruhig, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd
  jede Stunde.

  ~Arsenicum.~ -- Bei Ansammlung von Wasser in der Brust und großer
  Schwäche.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Von dem gewählten Mittel löse 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe jede Stunde oder alle
  zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel
  voll, wenn nicht andere Vorschriften bei den Mitteln angeführt sind.
  Die Kost sollte ebenso wie bei Lungenentzündung sein.

  =Allöopathisch.= Beim Beginn der Krankheit verordne man
  Blutentziehung, soweit es der Kranke nur ertragen kann und
  wiederhole dies mehrere Male. Die zusammengesetzte virginische
  Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake
  root~) kann, um Schweiß hervorzubringen, alle halbe Stunden in
  Theelöffel-Dosen gegeben werden. Dies wird gewöhnlich sofort
  Linderung verschaffen. Man gebe dies in einem Aufguß von Katzenmünze-
  (~Catnip~), Balsam- oder Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel und mache zu
  gleicher Zeit warme Umschläge von Hopfen (~Hops~), Rainfarn (~Tansy~)
  oder Wermuth (~Wormwood~). Tritt keine Linderung ein, so gebe man ein
  Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia (~Compound
  tincture of lobelia~) und lasse folgende Verschreibung folgen:

    Pulverisirte Gummi Gutti (~Pulv. gamboge~)           12 Grane.
    Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. Scammony~)          12   „
    Springgurke (~Elaterium~)                             2   „
    Crotonöl (~Croton oil~)                               8 Tropfen.
    Stechapfel-Extrakt (~Extract Stramonium~)             3 Grane.

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Jede Stunde eine
  Pille bis die Wirkung eintritt. In einigen Fällen, wo der Kranke
  bereits nach Bittersalz (~Epsom salts~) oder Salz und Sennesblättern
  (~Senna~) abgeführt hat, kann Brechweinstein (~Tartar emetic~) in
  Dosen von einem Achtel- bis zu einem Viertel-Gran mit einem halben
  bis zu einem ganzen Grane Opium alle zwei oder drei Stunden gegeben
  werden.

  Oder folgendes:

    Calomel                                               6 Grane.
    Opium                                                 4   „
    Brechweinstein (~Tartar emetic~)                     1½   „

  Mische und theile es in 12 Pulver. Alle zwei oder drei Stunden nehme
  eins in Wasser. Tritt Fieber hinzu, so lasse man Brechweinstein
  (~Tartar emetic~) aus und setze mit Opium, so lange der Schmerz
  anhält, fort. Um das Auftrocknen der Flüssigkeit innerhalb der Brust
  zu beschleunigen, möge folgendes angewendet werden:

    Meerzwiebel-Pulver (~Powder of squills~)              ½ Drachme.
    Fingerhut-Pulver (~Powder of digitalis~)           8-16 Grane.

  Mische es, theile es in 16 Pulver und nimm dreimal des Tages eins.

  Der zusammengesetzte Wachholdergeist (~Spirit of juniper~) kann
  dreimal des Tages in Dosen von 1 bis 2 Theelöffel voll in einem
  Weinglas voll Wasser gegeben werden. Besonders gut bei schwachen
  Fällen.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Zuerst gebe man von der Lobelia-Tinktur
  (~Tincture of lobelia~) und von Nro. 6 einen Theelöffel voll, alle
  10 Minuten wiederholt, bis 4 oder 5 Dosen genommen sind. Kann man
  Nro. 6 nicht erhalten, so kann die Cayennepfeffer-Tinktur (~Tincture
  of cayenne~) angewendet werden. Der Patient sollte ein Fußbad
  in warmem Wasser nehmen und gleichzeitig Thee von Wasserdost-
  (~Boneset~), Blutwurzel- (~Blood root~) und Pleuresie- (~Pleurisy~)
  Wurzel zu gleichen Theilen trinken. In diesem Stadium nehme man ein
  Brechmittel aus gleichen Theilen der Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~)
  zusammengesetzt in dem obengenannten Thee. Wenn aber nach dieser
  Behandlung der Schmerz fortdauert und es ist beträchtlicher Husten
  vorhanden, so gebe man folgendes:

    Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~)             4 Drachmen.
    Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~)             24 Tropfen.

  Mische es und gebe alle halbe oder ganze Stunde 30 Tropfen, bis sich
  die Wirkung einstellt, d. h. bis sich die Zwischenräume zwischen den
  Anfällen verlängern. Anstatt dessen kann auch die zusammengesetzte
  Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound tincture of
  Virginia snake root~) gegeben werden, um einen gelinden Schweiß zu
  erhalten. Ist das Husten stark, so kann es vermittelst des folgenden
  bewältigt werden:

  Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel und Wildkirschbaum-Wurzel (~Wild
  cherry root~), von jedem zwei Theile, und von Blutwurzel (~Blood
  root~) einen Theil; mache einen Aufguß daraus und gib es öfters
  wiederholt in kleinen Dosen. Gegen chronische Pleuresie sollte jede
  Woche ein gelindes Brechmittel gegeben und folgendes Blasenpflaster
  auf die Brust gelegt werden:

  Burgunder Pech (~Burgundy pitch~) und Bienenwachs zu gleichen Theilen
  und ein wenig Harz (~Rosin~). Dies sollte gemischt und während es
  warm ist, in ein wenig gepulverte Blutwurzel (~Blood root~), Entenfuß
  (~May apple root~) und Kermesbeere (~Poke root~) gerührt werden. Dann
  streiche es auf ein Stück Leinwand und mache einen warmen Umschlag,
  der eine Woche oder länger liegen bleibt. Potaschen-Iodide (~Iodide
  of potassa~) ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen diese Krankheit.
  Eine Drachme wird in vier Unzen Wasser aufgelöst und davon ein
  Theelöffel voll einmal des Tages genommen.


Scheinbare Pleuresie oder Seitenstechen.

Dies ähnelt der wirklichen Pleuresie sehr, doch ist es in seinem
Ursprung und in seiner Oertlichkeit von derselben verschieden. Es ist
ein rheumatisches Leiden der Brustmuskeln und befindet sich in der
Regel zwischen den Rippen. Der Schmerz wird durch tiefes Athemholen,
durch das Heben der Hände über den Kopf oder durch das Gehen erhöht. Es
rührt theilweise von Erkältung und zuweilen von heftiger Bewegung her.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Warme Umschläge, wie Senfpflaster oder heißes
  Wasser wird in der Regel Linderung verschaffen. Hin und wieder ist
  Eisenhutsalbe (~Aconite liniment~) oder Eisenhuttinktur (~Aconite
  tincture~) erforderlich.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes möge angewendet werden:

  Sassafrasöl (~Oil of sassafras~) und Schierlingöl (~Oil of hemlock~)
  von jedem 1½ Unze, Laudanum und Majoranöl (~Oil of origanum~) von
  jedem 1 Unze. Mische es und reibe damit den leidenden Theil ein.

  =Homöopathisch.= Wenn irgendwie Fieber vorhanden ist, gebe man alle
  halbe oder ganze Stunde eine oder zwei Dosen ~Aconitum~.

  ~Arnica.~ -- Alle zwei Stunden eine Dosis, kann entweder allein oder
  abwechselnd mit ~Apis mellifica~ gegeben werden.

  ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Patient nach den obigen Mitteln keine
  Linderung verspürt.

  ~Nux Vomica.~ -- Stechen in der Seite, bei schmerzhaftem Gefühl an
  der Außenseite der Brust zwischen den Rippen nach Druck; schlimmer
  bei Athemschöpfen oder irgend einer Bewegung. Wenn zu irgend einer
  Zeit der Kranke zu fiebern beginnt, bei Schmerz in den Gliedern, der
  Seite und dem Kopfe, so gebe man ~Bryonia~ und ~Rhus Toxicodendron~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Jede halbe Stunde oder alle zwei
  Stunden eine Dosis (6 Kügelchen), oder 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
  voll Wasser aufgelöst. Oefters wird auch ein Senfpflaster oder ein
  Säckchen mit erhitztem Salz, über den angegriffenen Theil gelegt,
  Linderung verschaffen.


Herzentzündung (~Carditis~).

Ist eine Entzündung der Herzmasse, welche aber selten vorkommt. Wir
finden sie gewöhnlich mit Endocarditis, das ist die Entzündung der
Haut, womit die innere Herzfläche überzogen ist, oder mit Pericarditis,
die Entzündung des Herzbluts, verbunden. Die Symptome all dieser
Krankheiten sind sich sehr ähnlich und die Behandlung ist ein und
dieselbe.

+Symptome.+ -- Die Krankheit beginnt in der Regel mit den gewöhnlichen
Symptomen des Fiebers, wie Frösteln, Hitze, Trockensein der Haut,
Durst und geröthetes Gesicht. Dem folgt ein fliegendes, unvollkommenes
Athmen und heftige spießende Schmerzen in der Gegend des Herzens. Diese
Schmerzen erstrecken sich zuweilen bis zu den Schultern und werden
durch Bewegung oder durch Sitzen erhöht; es ist ein Gefühl von Vollsein
und Beklemmung in der Brust vorhanden, Herzklopfen nach der geringsten
Bewegung; der Herzschlag ist heftig und unregelmäßig, kurzer, trockener
Husten, Athem sehr schnell und schwierig, das Gesicht ist hager und ein
Ausdruck von großem Leiden spiegelt sich darauf; die Zunge ist weiß
belegt und die Eingeweide sind verstopft. Der Kranke liegt am liebsten
ruhig auf dem Rücken und zuweilen treten Delirium und Ohnmachten ein.

+Ursachen+ -- dieser Krankheit bestehen in der Regel in Erkältung,
Wunden, Schlägen, Angst oder großer Demüthigung; häufig ist sie auch
die Folge eines heftigen Rheumatismus oder der Gicht.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Zur Hervorbringung von Schweiß
  sollte alle halbe oder ganze Stunde ein Theelöffel voll von der
  zusammengesetzten Tinktur der virginischen Schlangenwurzel (~Compound
  tincture of Virginia snake root~) und gleichzeitig ein warmer
  Aufguß der Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel gegeben werden; damit
  sollte zwei bis drei Stunden oder auch länger angehalten werden,
  bis Linderung eintritt. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man
  die zusammengesetzte Jalappenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of
  jalap~) und füge jeder Dosis 10 Grane Cremor Tartari (~Cream of
  tartar~) bei. Auch lege man Senfpflaster auf die Füße, über die Brust
  in der Gegend des Herzens und ebenso auf den Rückgrat. Bewältigt
  diese Kur die Krankheit nicht, so sollten mehrere Male des Tages
  warme Bäder in Laugenwasser genommen werden, gleichzeitig gebe man
  folgendes:

    Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~)             4 Drachmen.
    Eisenhut-Wurzel (~Tincture of aconite root~)          1 Drachme.

  Mische es und gebe davon 15 bis 30 Tropfen alle halbe oder ganze
  Stunde, bis der Kranke Linderung darnach verspürt. Zur Auftrocknung
  der Flüssigkeit innerhalb des Herzens ist ein Aufguß von Haarmoos
  (~Haircap moss~) sehr dienlich. Gegen Unruhe, Mangel an Schlaf, mögen
  8 bis 10 Grane des zusammengesetzten Pulvers von Brechwurz (~Ipecac~)
  und Opium gegeben werden.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- sollte bei jedem Falle zuerst gegeben
  werden. Ebenso ~Bryonia~ bei stechenden Schmerzen in der Brust, durch
  Athmen und Bewegung erhöht, sehr schnellem und schmerzhaftem Athem,
  trockenem, krampfartigem Husten, scharfem Schmerz, der sich bis
  zwischen die Schultern und rückwärts bis zwischen die Schulterblätter
  erstreckt.

  ~Digitalis.~ -- Scharfes Stechen und zusammenziehender Schmerz in
  der Gegend des Herzens, Herzklopfen durch Sprechen, Bewegung oder
  Niederlegen verursacht, ein beängstigendes und beklemmendes Gefühl in
  der Brust, häufige Anwandlungen von Ohnmacht, allgemeine Schwäche,
  unbehagliches Gefühl auf der linken Seite der Brust, das sich häufig
  bis zu den Schultern und Armen ausdehnt. Andere Mittel sind: ~Nux
  Vomica~, ~Cocculus~, ~Arsenic~, ~Pulsatilla~ und ~Cannabis~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde,
  oder alle zwei, drei bis vier Stunden, der Strenge der Symptome
  angemessen, einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Wenn der Kranke von starkem, kräftigem Körperbau
  ist, so müssen beim Beginn der Krankheit Aderlässe gemacht werden;
  ist aber der Patient schwächlich, so mögen statt dessen Blutegel
  in der Gegend des Herzens angesetzt werden. Zuerst gebe man sodann
  eine Dosis Bitter- oder Rochellesalz (~Epsom or Rochelle salts~)
  oder auch citronensaure Magnesia (~Citrate of magnesia~) und lasse
  diesem Calomel (~Calomel~) und Opium -- von jedem ½ Gran -- folgen.
  Dreimal des Tages eine Dosis. Wo Rheumatismus die Ursache ist, gebe
  man folgendes.

    Kohlensaure Potasche (~Carbonate of potassa~)        2½ Drachmen.
    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potassa~)        2½    „
    Wasser                                                8 Unzen.

  Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll. Wenn das
  Fieber zunimmt, kann ein Pflaster über das Herz gelegt werden.
  Doverische Pulver (~Dover’s powder~) sind bei Unruhe des Nachts
  anzuwenden.


Herzklopfen.

Dies ist ein Leiden, das als ein Symptom einer organischen Krankheit
des Herzens betrachtet, oder das einer allgemeinen Nervenschwäche,
Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~) oder irgend einer anderen Krankheit
zugeschrieben werden kann.

+Symptome.+ -- Eine erhöhte, stärkere und schnellere Thätigkeit des
Herzens, ein sehr schneller Schlag und eine flatternde Bewegung, die,
wenn man die Hand auf die Brust legt, deutlich gefühlt werden kann, ist
vorhanden. Kurzathmigkeit, Gefühl von Schmerz in der Nähe des Herzens,
ebenso ein Zusammenziehen quer über die Brust, blasses Gesicht,
Schwierigkeit beim Niederlegen, sehr große Schwäche.

+Ursachen.+ -- Herzklopfen ist gewöhnlich die Folge von
Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~), oder irgend einer Störung der
Verdauungsorgane, auch große geistige Aufregung, Unmäßigkeit,
Nervenschwäche, übermäßige Studien, geschlechtliche Ausschweifungen &c.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Jemand, der davon befallen wird, sollte sich auf seinen
  Rücken legen und die Lungen durch tiefe Athemzüge mit Luft füllen.
  Personen, die damit behaftet sind, müssen ihre Aufmerksamkeit auf
  solche Dinge richten, welche Beschäftigung ohne geistige Erregung
  bieten, wie Musik, häusliche Verrichtungen, Zeichnen, Tanzen,
  Gärtnerei, Reden und heitere Gesellschaft. Die Kost muß geregelt
  werden und sollte nahrhaft aber nicht reizend sein. Starker Thee,
  Kaffee, Spirituosen und Tabak sind zu vermeiden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll sofortige Linderung
  gewähren:

  Castor-Tinktur, Schwefel-Aether und zusammengesetzter Lavendel-
  (~Lavender~) Spiritus, von jedem eine Unze. Mische es.

  Dosis: Alle fünf bis zehn Minuten einen Theelöffel voll, bis
  Linderung eintritt.

  Fingerhut- (~Digitalis~) Tinktur, in Dosen von 10 bis 15 Tropfen,
  drei- bis viermal des Tages wird zuweilen von gutem Erfolg gefunden
  werden. Ist Magensäure vorhanden, so gebe man Magnesia, präparirte
  Holzkohle (~prepared charcoal~) oder kohlensaures Ammoniak.
  Branntwein oder andere Spirituosen mit ein wenig Cayennepfeffer wird
  zuweilen sofortige Linderung gewähren.

  =Homöopathisch.= Wenn das Herzklopfen durch Schreck verursacht
  wurde, gebe man ~Opium~ oder ~Coffea~. Ist Furcht und Angst die
  Ursache, gebrauche man ~Veratrum~. Von plötzlicher Freude, ~Coffea~.
  Von Blutverlust oder andern Ausleerungen, ~China~, ~Phosphoric
  acid~, ~Nux Vomica~ oder ~Veratrum~. Trifft es nervöse Personen
  und hysterische Frauenzimmer, ~Coffea~, ~Ignatia~, ~Chamomilla~,
  ~Cocculus~, ~Pulsatilla~, ~Lachesis~ oder ~Veratrum~. Bei
  Blutandrang, ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Coffea~, ~Phosphorus~,
  ~Opium~ oder ~Ferrum~. Bei Täuschung, ~Aconitum~, ~Ignatia~, ~Nux
  Vomica~ oder ~Chamomilla~. Bei jungen, heranwachsenden Leuten
  ~Aconitum~ oder ~Pulsatilla~, bei alten ~Arsenicum~ oder ~Lachesis~.

  Leidet Jemand an zeitweiligem Herzklopfen, so sind folgende Mittel
  zu geben: ~Pulsatilla~, ~Arsenicum~, ~Lachesis~, ~Aconitum~,
  ~Phosphorus~, ~Aurum~ oder ~Sulphur~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten
  Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe, ganze, 2, 3
  oder 4 Stunden, der Strenge des Anfalls angemessen, einen Theelöffel
  voll. Bei chronischen Fällen kann Morgens und Abends eine Dosis des
  gewählten Heilmittels gegeben werden. Werden die Kügelchen genommen,
  so gebe man 4 bis 6 auf eine Dosis.

  =Allöopathisch.= Liegen dem Herzklopfen Verdauungsschwäche
  (~Dyspepsia~), Hysterie oder andere Krankheiten zu Grunde, so ist
  die Behandlung der Letzteren erforderlich. Bei Blutmangel gebe man
  folgendes:

    Zusammengesetzte Chinarinden-Tinktur (~Compound
    tincture of peruvian bark~)                           4 Unzen.
    Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~)             42 Grane.
    Citronensäure (~Citric acid~)                        20   „

  Löse die Citronensäure in der Tinktur und füge dann das citronensaure
  Eisen hinzu. Lasse die Mischung einige Tage stehen und seihe sie dann
  durch. Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Dies kann durch mehrere
  Wochen fortgesetzt werden, bis Besserung eintritt. Mit Kampher
  getränkte Opium-Tinktur, in Dosen von einer Drachme gegeben, wird
  zuweilen Linderung gewähren.


Brustbeklemmung (~Breast Pang~ -- ~Angina Pectoris~)

ist eine schmerzhafte Nervenkrankheit und kennzeichnet sich durch einen
starken Schmerz in der Gegend des Herzens, die Krämpfe herbeiführt. Sie
sollte von einem Arzte behandelt werden.

+Symptome.+ Der Schmerz schießt von der Brust durch den Rücken und
in die linke Schulter, zuweilen unter den Arm, und ist begleitet von
großer Beängstigung, Herzklopfen und einem Gefühle von Erstickung.
Das Gesicht wird todtenbleich, der Puls sinkt und die Oberfläche des
Körpers ist mit kaltem Schweiße bedeckt. Zuweilen dehnt sich der
Schmerz über die ganze vordere Seite der Brust aus, steigt bis zum
Kopf und erstreckt sich bis auf die Beine. Dem Patienten scheint es
nicht selten, daß er nicht länger mehr leben kann, wenn nicht alsbald
Linderung eintritt. Zuweilen endigen derartige Anfälle mit Verzuckungen
und Ohnmachten. Der Anfall kann einige Minuten bis eine halbe Stunde
oder auch länger dauern. In den Zwischenräumen der Anfälle ist der
Patient in der Regel frei von jedem Schmerz.

+Ursachen.+ Zuweilen ist es einer zusammenziehenden oder krampfartigen
Wirkung des Herzens zuzuschreiben und befällt jene, die an
Rheumatismus, Gicht oder Schlagfluß leiden. Oefters hängt es auch
von organischen Krankheiten des Herzens oder der Arterien ab. Die
hervorragendsten Ursachen sind alles das, was die Circulation des
Blutes beschleunigt, den Geist und Körper erregt, Husten, Anstrengung,
Bergaufsteigen und irgend etwas, was die Verdauung stört.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Herzklopfen und große Beängstigung,
  Fieberhitze, besonders im Gesicht, schneller Herzschlag bei langsamem
  Puls, Stechen und drückende Schmerzen in der Gegend des Herzens, wie
  von einer schweren Last, der Patient kann aufrechtstehend nicht gut
  athmen.

  ~Belladonna.~ -- Herzklopfen bei unregelmäßigem Puls, große
  Beängstigung, Brustbeklemmung. Kann nach ~Aconitum~ oder vor
  ~Lachesis~ gegeben werden.

  ~Spigelia.~ -- Heftiges Schlagen des Herzens, mit einem Gefühl von
  Erstickung und Brustkrämpfe durch Sitzen und Vorwärtsbeugen der Brust
  erhöht. Kann abwechselnd mit ~Pulsatilla~ gegeben werden.

  ~Pulsatilla.~ -- Herzklopfen und große Angst, Verdunklung des
  Blickes, schwieriges Athmen, besonders beim Liegen auf der linken
  Seite, Angst und brennender Druck im Herzen.

  ~Bryonia.~ -- Schwieriges Athmen in Folge von Stechen in der Brust,
  Herzklopfen und sehr starke Beklemmung. Mag nach ~Aconitum~ gegeben
  werden, wenn heftige rheumatische Gliederschmerzen sich nach dem
  Herzen gezogen haben.

  ~Arsenicum.~ -- Heftiges Schlagen des Herzens bei großer Angst und
  Unruhe, große Hitze und Brennen in der Brust bei kalten Gliedern. In
  solchen Fällen gebe man es abwechselnd mit ~Veratrum~.

  ~Arnica.~ -- Stechen im Herzen von der linken nach der rechten Seite,
  Ohnmachtsanfälle, Zittern des Herzens mit einem Schmerz, als ob es
  zusammengedrückt würde.

  ~Lachesis.~ -- Unregelmäßiger Herzschlag, große Beängstigung mit
  einer Schwere auf der Brust, große Schwäche.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
  in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe oder ganze
  Stunde, bis Erleichterung eintritt, einen Theelöffel voll. Wenn nach
  Verlauf von 1 bis 2 Stunden keine Linderung eintritt, so wähle ein
  anderes Heilmittel und gebe es in derselben Weise. Ein Senfpflaster
  kann auf die Brust gelegt, die Füße müssen in heißem Wasser gebadet
  und der Kranke sollte wohl zugedeckt werden.

  =Allöopathisch.= Ist der Puls stark und der Kranke vollblütig, sollte
  Aderlaß verordnet werden, aber bei Hinfälligkeit und allgemeiner
  Schwäche würde dies schädlich sein. Heißer Spiritus und Wasser,
  so heiß und so stark als er vertragen werden kann, kann gegeben
  werden, dem man eine volle Dosis Schwefeläther (~Sulphuric ether~),
  Belladonna-Tinktur und Laudanum oder flüchtiges Salz (~Sal volatile~)
  nachfolgen lassen kann. Der Kranke sollte ins Bett gebracht und ein
  heißes Senfpflaster oder ein Stück Flanell, mit gleichen Theilen
  Terpentinöl (~Spirits of turpentine~) und Ammoniak-Liquor (~Liquor
  of ammonia~) befeuchtet, auf die Brust gelegt werden, und zu
  gleicher Zeit gebe man 5 Grane Quecksilber (~Mercury~), dem man die
  zusammengesetzte Aloe-Tinktur (~Compound tincture of aloe~) 1 Unze,
  Jalappenwurzel-Tinktur (~Tincture of jalap~) 2 Drachmen und einen
  Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~) ½ Unze, folgen
  läßt. Gegen Magenblähungen gebe man Pfeffermünz- oder Aniswasser. Bei
  Magensäure einen Theelöffel voll Soda in einem Glas voll Wasser, und
  wenn der Magen mit unverdauten Speisen angefüllt ist, so gebe einen
  Eßlöffel voll gemahlenem Senf (~Ground mustard~), in einem Tassenkopf
  voll heißen Wassers umgerührt. Um den Kranken zu beruhigen, mag ein
  Sechstel Gran Morphin oder das folgende gegeben werden:

    Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
    of ammonia~)                                          2 Drachmen.
    Aether (~Ether~)                                      1 Drachme.
    Laudanum                                             20 Tropfen.
    Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~)               1 Drachme.

  Mische es und gieb davon so oft als nöthig einen Theelöffel voll.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Gleiche Theile von Laudanum und Aether
  können zuerst gegeben werden, auf eine Dose einen Theelöffel voll in
  ein wenig kaltem Wasser. Ein Glas Spiritus und Wasser, so stark, als
  man es schlucken kann, mag gegeben werden. In einigen Fällen möge
  ein Senfpflaster auf die Brust gelegt und die Füße in warmes Wasser
  gestellt werden. Ebenso mag sich auch zusammengesetzte Virginische
  Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of virginia snake root~),
  in Dosen von ein bis zwei Theelöffel voll, während des Anfalls immer
  nach einigen Minuten wiederholt, als zuträglich erweisen, oder
  gleiche Theile von Aether, Laudanum und Castor-Tinktur, in Dosen von
  einem Theelöffel voll.


Lungenbluten (~Bleeding from the Lungs~ -- ~Hæmoptysis~).

Beim Lungenbluten entleert sich hellrothes, oft schaumiges Blut aus den
Lungen durch die Luftröhre, womit mehr oder weniger Husten und Räuspern
verbunden ist. Lungenbluten kann man vom Magenbluten an der Farbe des
sich entleerenden Blutes unterscheiden. Kommt dasselbe aus dem Magen,
so ist dessen Farbe dunkelroth; auch ist die Quantität bedeutender und
gewöhnlich mit andern Substanzen aus dem Magen vermischt.

+Symptome.+ Dem Lungenbluten geht gewöhnlich ein Druck in der Brust
und Schwierigkeit des Athmens voraus. Das Gesicht ist erröthet, der
Patient ängstlich, verspürt unter dem Brustbein Schmerz, Hitze oder
Prickeln und im Mund einen salzigen, bitteren Geschmack. Ehe sich das
Blut entleert, fühlt der Kranke im oberen Theile der Luftröhre Kitzeln,
was Husten und Räuspern hervorruft und worauf die Blutaussonderung
stattfindet. Das Bluten mag mit Frösteln und Schmerzen im Kreuz und
Rücken, Müdigkeit in den Gliedern und vollem, schnellem Puls beginnen.
Die Quantität des entleerten Blutes mag blos einige Tropfen oder so
viel betragen, daß dadurch der Tod eintritt.

+Ursachen.+ Lungenbluten kann durch Herzkrankheiten oder dadurch,
daß Blutgefäße in den Lungen geborsten, verursacht werden. Die
fernerliegenden Ursachen sind -- heftige Anstrengung, übermäßig lautes
Singen, das Einathmen störender Substanzen, eine enge, verkrüppelte
Brust, die Unterdrückung gewöhnlicher Entleerung und Auszehrung.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Man bringe den Patienten ins Bett und lege ihn so,
  daß Kopf und Schultern nicht höher als die andern Körpertheile
  liegen, entferne die Kleider, damit dieselben den Kranken nicht am
  Athmen hindern, und halte das Zimmer gut ausgelüftet. Der Patient
  muß vollkommen ruhig liegen, und Körper wie Gliedmaßen so wenig
  als möglich bewegen, auch sollte er versuchen, den Husten zu
  unterdrücken, und man muß auf alle Weise vermeiden, daß er aufgeregt
  wird.

  =Allöopathisch.= Ein voller Theelöffel voll Kochsalz verfehlt selten,
  dem Bluten eine Zeitlang Einhalt zu thun. Wiederholen sich die
  Anfälle, so kann man das folgende eingeben:

    Essigsaures Blei (~Acetate of lead~)                  2 Grane.
    Opium                                                 ½ Gran.

  Dies ist in einer Dosis zu geben und alle zwei, drei oder vier
  Stunden mehrere Tage hintereinander zu wiederholen. Eis und Alaun
  (~Alum~) jedes allein oder zusammen, mag man im Mund während der
  Dauer der Anfälle schmelzen lassen.

  In manchen Fällen mögen, nachdem der Stuhlgang mittelst 3 oder 4
  Grane Calomel geordnet ist, 15 bis 20 Tropfen verdünnte Schwefelsäure
  in Wasser drei- oder viermal des Tages, oder das folgende gegeben
  werden:

    Pulverisirter Alaun (~Alum in powder~)               1½ Drachmen.
    Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound
    infusion of roses~)                                   7 Unzen.
    Rosensyrup (~Syrup of roses~)                         1 Unze.

  Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.
  Leidet der Kranke viel von Hitze und Fieber, so verordne man
  folgendes:

    Citronensäure                                         1 Drachme.
    Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~)   4 Skrupel.
    Salpeter (~Nitre~)                                    2    „
    Zimmetwasser                                          2 Unzen.
    Wasser                                                4   „

  Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 4 oder 6 Stunden. Zur
  selben Zeit verordne man folgenden Trank:

  Weinsteinrahm (lat. ~Cremor tartari~; engl. ~Cream of tartar~) ½
  Unze; eine halbe Citrone, wobei auch der Saft der Schaale zu benutzen
  ist; genug Zucker, um diese Mischung zu versüßen und zwei Pinten
  kochendes Wasser. Rühre das Ganze zuweilen, bis die Masse kalt ist.

  Ist der Patient schwach, so gebe man das folgende:

    Galläpfelsäure (~Gallic acid~)                       2½ Drachmen.
    Zimmtsyrup (~Syrup of cinnamon~)                      4 Unzen.

  Mische. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle 2, 3 oder 4 Stunden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Man mag einen Theelöffel voll Kochsalz
  oder Terpentingeist (~Spirits of turpentine~) verordnen und diese
  Dosis alle 20 oder 30 Minuten wiederholen, bis dem Bluten Einhalt
  gethan ist. Ist der Kranke unruhig und ruhelos und die Blutentleerung
  bedeutend, so verordne man das folgende:

    Spanischer Pfeffer (~Capsicum~)                       5 Grane.
    Brechwurz (~Ipecac~)                                  1 Gran.
    Opium                                                 ½  „

  Dies ist in einer Dosis zu geben und man hat damit alle halbe,
  oder 1 oder 2 Stunden zu wiederholen. Man empfiehlt starken, aus
  virginischem Wolfsfuß, auch Wasserandorn (~Bugle weed~) bereiteten
  Thee, und der Kranke sollte, um eine Wiederholung der Blutungen zu
  verhüten, eine Pinte des Tages kalt trinken.

  Können die oben angegebenen Mittel nicht beschafft werden, so
  gebrauche man folgendes:

  Zimmt-Tinktur, Rhatania-Tinktur (~Tincture of rhatany~) und
  Terpentingeist; von jedem eine Unze.

  Dosis: Einen Theelöffel voll so oft als es erforderlich ist.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn den Anfällen ein Gefühl der
  Anfüllung in der Brust oder Blutandrang in der Brust vorangeht, mit
  brennendem Schmerz, Herzklopfen, Ruhelosigkeit und Aengstlichkeit
  beim Liegen, bleiches Gesicht, bedeutende Blutentleerungen, selbst
  dann, wenn der Husten nur unbedeutend ist.

  ~Ipecac.~ -- Häufiger, kurzer Husten, Blutgeschmack im Munde,
  Uebelkeit und Schwäche, mit Blut vermischte Schleimaussonderung.

  ~Arsenicum.~ -- Herzklopfen mit großer Aengstlichkeit, trockene Hitze.

  ~Opium.~ -- Namentlich für Personen geeignet, welche gerne Branntwein
  trinken und wenn der Patient schaumiges, dickes Blut ausspeit, der
  Husten ist schlimmer, nachdem der Kranke etwas verschluckt hat; Druck
  und Aengstlichkeit, schwache Stimme, Schläfrigkeit mit ängstlichem
  Auffahren, kalte Gliedmaßen, Hitze in der Brust.

  ~Nux Vomica.~ -- Ist nach ~Opium~ und ~Ipecac~ oder ~Arsenic~ zu
  gebrauchen, namentlich wenn den Kopf affizirender und durch Prickeln
  in der Brust verursachter Husten vorhanden ist, oder wenn die Blutung
  durch Erkältung oder Hartleibigkeit hervorgerufen wurde.

  ~China.~ -- Wenn der Patient viel Blut verloren, oder wenn der Husten
  heftig, trocken, hohl und schmerzhaft ist und der Kranke einen
  Blutgeschmack im Munde hat; Frösteln und abwechselnd Hitze, Schwäche,
  Ohnmachten und Augenschwäche.

  ~Ferrum.~ -- Mag nach ~China~ gegeben werden, wenn letzteres
  Heilmittel Linderung verschafft, aber immer noch ein leichter Husten
  mit etwas Blutspeien vorhanden ist, wobei sich hellrothes Blut
  entleert, und wenn der Kranke zwischen den Schulterblättern Schmerz
  fühlt und beim Athmen Schwierigkeit hat.

  ~Hyosciamus.~ -- Bei Nacht trockener Husten mit Blutspeien, öfteres
  plötzliches Erwachen und Auffahren.

  ~Pulsatilla.~ -- In hartnäckigen Fällen, wenn der Kranke sehr
  dunkles, klumpsiges Blut auswirft und zwar Morgens und Abends in
  größeren Quantitäten. Hauptsächlich für Frauenzimmer zu gebrauchen.

  ~Arnica.~ -- Langsame Entleerungen schwarzen, klumpsigen Blutes mit
  stechendem, brennendem Schmerz, Hitze in der Brust, Herzklopfen,
  Schwierigkeit beim Athmen. Wenn die Blutung durch Beschädigung, z. B.
  einen Fall, Streich, schweres Heben hervorgerufen wurde, und wenn der
  Auswurf hellroth und schaumig ist; räuspernder Husten, Prickeln unter
  dem Brustbein. Dieses Mittel mag manchmal abwechselnd mit ~Aconitum~
  gegeben werden.

  ~Belladonna.~ -- Husten und Prickeln im Halse mit Blutung; Gefühl des
  Vollseins in der Brust, welches von Blut herzurühren scheint, mit
  drückendem oder schießendem Schmerz; bei Bewegung verschlimmert sich
  der Zustand des Kranken.

  ~Hamamelis.~ -- Husten und Blutung mit schwefelartigem Geschmack
  im Munde; dumpfer Schmerz im Vorderkopf; beim Erwachen kitzelnder,
  prickelnder Husten mit blutigem Geschmack; schwieriges Athemholen;
  Druck in den untern Theilen der Brust und Gefühl des Vollseins im
  Kopf und Hals.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12
  Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10 oder 20 Minuten einen
  Theelöffel voll, bis die Blutung aufhört. Später gebe diese Dosis
  alle 3, 4, 5 oder 6 Stunden. ~Aconitum~ ist das geeignetste
  Heilmittel und hat man in allen Fällen mit demselben zu beginnen
  und darauf ~Ipecac~, ~Arsenic~, ~Opium~, ~Belladonna~ &c. folgen zu
  lassen. Mittelst eines Stücks Linnenzeug mag kaltes Wasser auf der
  Brust applizirt werden. Die Kost des Kranken soll aus kalten Speisen
  bestehen, wobei alle spirituosen und erregenden Nahrungsmittel oder
  Getränke wegzulassen sind. Reis und Gerstenwasser (~Barley water~)
  mit Himbeerensyrup (+Raspberry syrup+), Limonade &c. sind sehr zu
  empfehlen.


Engbrüstigkeit (~Asthma~).

Engbrüstigkeit ist ein Lungenübel, welches dadurch gekennzeichnet
wird, daß der Kranke krampfhaften Anfällen von Schwerathmigkeit
ausgesetzt ist, wobei das Athemholen einen keuchenden, schnarrenden
Ton verursacht. Die Anfälle treten gewöhnlich bei Nacht ein. Es gibt
zwei hauptsächliche Arten des Asthmas, nämlich das nervöse, krampfhafte
(~dry, nervous or spasmodic~) und das feuchte, schleimige Asthma. Das
erstere überfällt den Patienten plötzlich und tritt sehr heftig auf;
die Brust wird zusammengezogen; leichter Husten mit nur wenig Auswurf.
Die andere Art, das feuchte, schleimige Asthma (~humid or moist
asthma~) tritt allmählig mit Schwerathmen, heftigem Husten und vielem
Auswurf ein.

+Symptome.+ Vor dem Anfall verspürt der Patient gewöhnlich eine Art
Vollsein in der Magengegend mit Schläfrigkeit, Schwäche, Kopfweh
und Uebelkeit. Ueber die Brust fühlt er sehr beengt, athmet schwer
und sein Athmen bringt einen keuchenden Ton hervor. Die Anfälle
treten gewöhnlich des Nachts ein, nachdem der Betreffende zu Bett
gegangen ist. Oft wird er nach dem Husten von so bedrückendem Gefühl
heimgesucht, daß er sich an ein offen stehendes Fenster flüchten
muß, um frische Luft zu schöpfen. Das Athmen ist schwerfällig und
langsam, das Gesicht purpurartig gefärbt und aufgeblasen, oder blaß
und eingefallen; die Zunge ist belegt und der Körper mit kaltem
Schweiß bedeckt; die Füße sind kalt, der Puls schwach, der Patient hat
Herzklopfen und erbricht sich manchmal. Diese Symptome dauern mehrere
Stunden, und des Morgens wird der Kranke ziemlich wohl fühlen, obgleich
die Beengung über die Brust und das Schwerathmen nicht weichen, so daß
Zeichen für die Wiederholung des Anfalls vorhanden sind, die öfters
dann auch des Abends eintritt.

+Ursachen.+ -- Engbrüstigkeit mag von einer Zusammenziehung der
Muskel-Fibern der Luftröhre herrühren und durch Erkältung, feuchte
Luft, plötzliche Witterungsveränderung, das Einathmen ungesunder,
störender Dünste oder staubiger, rauchiger Luft, heftige geistige
Aufregung, übermäßige Anstrengung &c. verursacht werden.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Lobelia-Tinktur (~Tincture of lobelia~)
  ist gegen diese Krankheit das hauptsächlichste Heilmittel. Auch kann
  Senf -- ein Theelöffel voll eine Dosis -- gegeben werden, falls
  Lobelia nicht beschafft werden kann. Das folgende hat nicht allein
  schon öfters den Krampfanfällen Einhalt gethan, sondern auch die Kur
  bezweckt:

    Lobeliasame (~Lobelia seed~)                          1 Unze.
    Stinkkohl (~Skunk cabbage balls~)                     1  „
    Preiselbeerrinde (~High cranberry bark~)              2 Unzen.
    Stechapfelsame (~Stramonium seed~)                    ½ Unze.
    Spanischer Pfeffer (~Capsicum~)                       ½  „
    Alcohol                                               5 Pinten.

  Mische diese und lasse die Mischung zwei Wochen lang stehen, während
  welcher Zeit dieselbe oft geschüttelt werden muß. Dosis: Von 20 zu 60
  Tropfen dreimal des Tages oder während der Anfälle so oft als nöthig
  ist.

  Pulverisirtes Alaun (~Powdered alum~) -- ein Theelöffel voll mit
  Molasses, welche Dosis alle 15 Minuten so lange wiederholt wird, bis
  das Mittel wirkt, ist eine erfolgreiche Medizin.

  Gebraucht man getrocknete Lobeliablätter, so sollte eine Unze
  derselben in einem Pint Wasser erweicht und dem Patient alle 15
  Minuten ein Eß-Löffel voll gegeben werden, bis Erbrechen eintritt.

  Auch leistet Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~) in
  Theelöffel-Dosen -- alle halbe Stunde zu geben, oft gute Dienste.

  Ein sehr wirksames Mittel ist ein mit 30 Tropfen Laudanum in einem
  Weinglas voll Wasser vermischter Theelöffel voll Aether (~Ether~).
  Dieses Mittel sollte aber blos alle 4 oder 6 Stunden gegeben und
  nicht mehr als zwei Dosen sollten hintereinander verordnet werden.

  Gegen das krampfhafte Asthma hat man folgendes empfohlen:

  Tauche unglasirtes Papier in Salpeterauflösung und lasse das Papier
  15 oder 20 Minuten lang in derselben; sodann falze und trockne
  dasselbe in einem Backofen und bewahre es zum Gebrauch auf. Sobald
  der Anfall eingetreten, zünde das eine Ende des Papiers in dem Zimmer
  des Patienten, das wohl verschlossen sein muß, an, damit er den durch
  das Verbrennen entstehenden Rauch einathmet.

  Oefters schafft ein starkes, auf Brust und Magen gelegtes
  Senfpflaster Linderung. Das folgende wird empfohlen:

  Aether, Castor-Tinktur und Opium-Tinktur, von jedem 1 Unze.
  Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll, so oft die Symptome dazu
  veranlassen. Treten die Anfälle zu bestimmter Zeit ein, so wird das
  folgende gut empfohlen:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         1 Skrupel.
    Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~)          1    „
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~)      2 Grane.
    Brechwurz (~Ipecac~)                                  6   „
    Spanischer Pfeffer (~Capsicum~)                      20   „

  Mische und bereite 12 Pillen daraus. Dosis: eine Pille drei- oder
  viermal des Tages. Manchmal wird Linderung verschafft, indem der
  Patient Stechapfelblätter raucht.

  =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Für Personen mit sanftem
  Temperament, heller Hautfarbe, hellen Haaren und Augen, und
  wenn das Asthma durch Unterdrückung des Hautausschlags, oder
  Unterdrückung oder Störung der Menstruation, oder durch Einathmung
  von Schwefeldunst verursacht wurde. Die Symptome sind -- kurzes,
  erstickungsartiges und schwieriges Athmen, dicht belegte Zunge,
  widerlicher Geruch des Athmens, bleiches und oft geröthetes Gesicht,
  krampfhaftes, aber nicht bedeutendes Zusammenziehen der Brust, kurzer
  krampfhafter Husten, Uebelkeit, Schmerz im Vorderkopf.

  ~Ipecac.~ -- Nächtliche Erstickungsanfälle und krampfhafte
  Zusammenziehung des Halses, durch Schleimansammlung verursachtes
  Röcheln, kurzer, trockener Husten, große Aengstlichkeit, Todesfurcht,
  Erregung, kalte Gliedmaßen, Herzklopfen, Uebelkeit, Erbrechen.

  ~Arsenicum.~ -- Schwerathmen nach dem Essen und Druck in der Brust,
  Verschlimmerung durch Bewegung, wenn der Patient z. B. geht, eine
  Treppe steigt, lacht &c., Brustzusammenziehung, Brennen im Magen,
  Uebelkeit und Erbrechen, entweder blasses oder geröthetes Gesicht,
  schmerzhaftes Brennen im Hals.

  ~Nux vomica.~ -- Druck und Zusammenziehung in der Brust,
  Verschlimmerung der Symptome bei Nacht oder nach dem Gehen oder
  Essen, oder wenn der Patient liegt. Hitze und Brennen in der Brust,
  Herzklopfen, kurzer, trockener, krampfhafter Husten, Sodbrennen.

  ~Lobelia.~ -- Wenn dem Anfall ein Prickeln im ganzen Organismus
  entweder vorangeht oder dasselbe während des Anfalls vorhanden ist;
  kurzes, röchelndes, ängstliches Athmen, Uebelkeit und Erbrechen,
  Schwindel und Kopfweh, krampfhafter Husten, Zittern der Gliedmaßen,
  kalte Schweiße.

  ~Phosphorus.~ -- Wenn die Engbrüstigkeit sich Abends oder während
  sich der Patient Bewegung macht, verschlimmert; Blutandrang in der
  Brust, mit Stechen, Vollheit oder Hitze im Halse und Herzklopfen.

  ~Tartar emetic.~ -- Für ältere Personen und Kinder, namentlich wenn
  Abends fürchterliche Erstickungsanfälle mit Röcheln und Keuchen in
  der Brust eintreten. Kann abwechselnd auf ~Phosphorus~ gegeben werden.

  ~Belladonna.~ -- Blutandrang in den Lungen, Stiche unter dem
  Brustbein, Vollheit in der Brust, nächtlicher trockener Husten;
  manchmal tiefes und dann wieder schnelles, kurzes Athmen,
  Erstickungsgefühl mit Verlieren des Bewußtseins.

  ~Aconitum.~ -- Für leicht erregbare, empfindsame Personen, und wenn
  das Asthma leicht durch geistige Erregung verursacht wird.

  ~Bryonia.~ -- Wenn das Uebel durch Bewegung und des Nachts schlimmer
  wird; Schmerzen in der Brust. Mag auf ~Ipecac~ folgen.

  ~Coffea.~ -- Wenn durch plötzliche Freude hervorgerufen; kurzer,
  trockener Husten.

  ~Opium.~ -- Erstickungshusten mit blaurothem Gesicht, tiefes,
  röchelndes Athmen; namentlich wenn durch Furcht verursacht.

  ~Ignatia.~ -- Wenn durch Furcht oder Entrüstung verursacht;
  namentlich für Frauenzimmer; Mangel an Luft beim Gehen, beim Ruhen,
  Husten.

  ~Spongia.~ -- Mangel an Luft, Erstickungsanfälle auf jegliche
  Bewegung, Hitze im Gesicht, Blutandrang nach Brust und Gesicht.

  ~Veratrum.~ -- Erstickungsanfälle beim Aufstehen und während des
  Gehens; mag ~Ipecac~, ~Arsenicum~ oder ~China~ folgen.

  Andere Heilmittel sind ~Cocculus~, ~Chamomilla~, ~Cuprum~, ~Lachesis~
  und ~Silicea~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen der gewählten Arznei
  in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll
  alle halbe, alle 1, 2, 3 oder 4 Stunden, je nach der Heftigkeit
  der Symptome. Bei chronischen Fällen gebe einen Theelöffel voll
  zweimal des Tages, bis Besserung erfolgt. Mittelst nasser Tücher und
  Binden mag man auf Brust und den Unterleib während der Nacht Wasser
  appliziren. Hierdurch wird manchmal dem Anfall vorgebeugt. Der Kranke
  sollte sich öfters in kaltem Wasser waschen und sich Bewegung in
  frischer Luft machen.

  +Kost.+ Personen, die mit Asthma behaftet sind, dürfen weder Kaffee,
  noch Fleisch, noch fettige Speisen genießen, sondern müssen leichte
  aber nahrhafte Nahrungsmittel wählen.

  =Allöopathisch.= Das folgende ist empfohlen:

    Jod (~Iodine~)                                        6 Grane.
    Jod-Kalium (~Iodide of potassium~)                   12   „
    Brechwurz-Tinktur (~Tincture of Ipecac~)              1   „
    Tolubalsam-Tinktur (~Tincture of Balsam of Tolu~)     6 Drachmen.
    Aetherische Schierling-Tinktur (~Ethereal tincture
    of conium~)                                          1½    „
    Alcohol                                               ½ Pint.

  Mische es. Dosis: ein bis zwei Theelöffel voll alle 10 oder 15
  Minuten in etwa einem Gill heißen Wasser einzuathmen. Zur selben Zeit
  gebrauche das folgende:

    Jod-Kalium (~Iodide of Potassium~)                    1 Drachme.
    Sarsaparillasyrup                                     4 Unzen.

  Mische es. Dosis: zwei Theelöffel voll dreimal des Tages.

  Das folgende ist manchmal ausgezeichnet:

  Lobelia-Tinktur und Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~), eine halbe Unze
  von jedem.

  Mische es. Dosis: einen halben Theelöffel voll jede halbe Stunde, bis
  Uebelkeit und Auswurf erfolgt.

  Tabakrauchen oder das Rauchen der Stechapfelblätter wird in manchen
  Fällen ganz besonders empfohlen, sowie das Einathmen der Luft, in
  welcher Papier verbrannt wurde, das in Salpeterauflösung getaucht
  worden.


Brustwassersucht (~Dropsy of the Chest -- Hydrothorax~).

Brustwassersucht wird durch Wasseransammlung in der Brust
gekennzeichnet. Die Krankheit mag allein oder in Verbindung mit
Wassersucht überhaupt vorkommen. Sie wird gewöhnlich durch irgendwelche
vorhergehende Störung in den Lungen, im Herzen oder im Brustfell, oder
der das Herz umgebenden Haut verursacht. Diese Krankheit sollte von
einem tüchtigen Arzte behandelt werden.

+Symptome.+ Große Schwierigkeit beim Athmen, was bei Anstrengung oder
während der Nacht sich noch verschlimmert. Der Patient kann nicht auf
der von der Krankheit noch nicht erfaßten Seite liegen; schmerzhafter
Druck in der Brust, bleiches, manchmal purpurrothes Gesicht, öfters
Frösteln, kurzer, trockener Husten, Schwere in der Magengrube,
Herzklopfen, unruhige Träume, von welchen der Kranke mit einem Gefühl,
als müßte er ersticken, aufwacht. Manchmal findet sich in beiden Armen
eine Art Gefühllosigkeit; die Augen sind starr, die unteren Augenlider
sind häufig geschwollen, der Hals ist trocken. Mit der Vermehrung des
Wassers verschlimmern sich die Symptome, und der Patient muß endlich
in aufrechter Stellung verbleiben; die Hände, Arme und Füße schwellen
an und werden kalt, Schläfrigkeit und Delirium treten ein und der Tod
mag, verursacht durch einen Schlaganfall, plötzlich erfolgen; oder der
Kranke mag nach und nach an Erstickung sterben.

+Ursachen.+ Erkältung, Verletzungen, Herz-, Leber- oder
Magenkrankheiten, unmäßiger Genuß geistiger Getränke &c.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Arsenicum.~ -- Blasse, kränkliche Gesichtsfarbe,
  Wangen, Lippen und Augenlider schlaff und aufgedunsen, trockener Mund
  und Zunge, Herzklopfen, Ohnmacht, Schwerathmen während des Gehens und
  nach dem Niederlegen, beängstigender Druck in der Brust, Brennen und
  Summen in den Ohren und im Kopfe, Appetitlosigkeit, Träume, Störung
  im Schlaf, Frösteln.

  ~Apis Mellifica.~ -- Schwieriges und ängstliches Athmen, Schmerz und
  Empfindsamkeit im Unterleib, welcher durch Druck heftiger wird, die
  Symptome verschlimmern sich, wenn der Patient niederliegt. Dies ist
  ein sehr werthvolles Mittel gegen diese Krankheit.

  ~Digitalis.~ -- Zu gebrauchen, wenn Brustwassersucht von
  Herzkrankheit herrührt.

  Andere Mittel sind: ~Bryonia~, ~China~, ~Hellebore~, ~Asparagus~,
  ~Cantharides~, ~Mercurius~, ~Apocynum~ und ~Cannabis~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll alle eine, zwei, drei oder
  vier Stunden, je nach den Symptomen.

  =Allöopathisch.= Man sollte die Brust mit Jod-Tinktur (~Tincture of
  iodine~) überstreichen und die Wundheit zu erhalten suchen.

  Das folgende Abführungsmittel möge verordnet werden:

    Pulverisirter Gummi Cambaja (~Pulv. gamboge~)        12 Grane.
    Elaterium                                             2   „
    Castoröl                                              8 Tropfen.
    Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~)          3 Grane.

  Mische und bereite 12 Pillen. Dosis: eine Pille alle Stunde, bis die
  Arznei wirkt.

  Oder dieses:

    Pulverisirte Jalappe (~Powdered jalap~)              12 Grane.
    Cremor Tartari                                        2 Drachmen.

  Mische es. Auf einmal in Syrup oder Molasses zu nehmen.

  Zu gleicher Zeit nehme das folgende:

    Fingerhut-Aufguß (~Infusion of digitalis~)            4 Unzen.
    Essigsaures Kali (~Acetate of potash~)                2 Drachmen.
    Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~)        2    „
    Zimmetwasser                                         1½ Unzen.

  Mische dieses. Dosis: Einen Eßlöffel voll alle drei oder vier Stunden.

  Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) in folgender Weise verordnet, ist
  ein ausgezeichnetes Mittel.

    Jod-Kalium                                            1 Unze.
    Flüssiger Pipsissewa-Extrakt                          2 Unzen.
    Wasser                                                ½ Pint.

  Dosis: Einen Theelöffel voll alle drei oder vier Stunden.

  Jod-Kalium kann auch allein in Dosen von fünf oder sechs Granen
  verordnet werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Löwenzahn (~Dandelion~) wird gegen
  diese Krankheit empfohlen, und sollte dieses Mittel folgendermaßen
  zubereitet werden:

  Man wasche die Wurzeln, schleiße so viele derselben als man in beide
  Hände nehmen kann und koche sie zwei oder drei Stunden in siedendem
  Wasser. Während des Tages sollten zwei oder drei Tassen voll der
  Abkochung getrunken werden. Auch der Ginster (~Broom~) ist ein
  werthvolles Heilmittel. Man gebraucht die grünen Enden der Pflanze,
  indem man eine Hand voll derselben mit einem Pint kochenden Wasser
  überschüttet und das betreffende Gefäß mehrere Stunden lang nahe
  bei dem Feuer stehen läßt. Dosis: Eine Theetasse voll zweimal des
  Tages. Hie und da sollte, um den Stuhlgang in Ordnung zu halten,
  eine Dosis Bittersalz oder Cremor Tartari verordnet werden. Das
  Jod-Kalium (~Iodide of potassium~) in Dosen von fünf oder sechs
  Granen wird sehr empfohlen. Ebenfalls wird gesagt, daß die Rinde
  der Weinrebe wunderbare Kuren bewirkt habe. Die Rinde wird zu Asche
  verbrannt und ein Theelöffel voll derselben in einem Weinglas voll
  oder mehr Catawbawein dreimal des Tages gegeben. Die Dosen sollten je
  nach Umständen vermindert oder vermehrt werden. Einen vom Patienten
  beständig zu gebrauchenden Trank bereitet man wie folgt:

    ~Hair-cap moss~                                       2 Unzen.
    Zwerg-Flieder Rinde (~Dwarf elder bark~)              1 Unze.
    Wachholderbeeren (~Juniper berries~)                  1  „

  Bereite einen starken Aufguß und nehme ein halbes bis ein Weinglas
  voll alle Stunden, oder wenn immer der Kranke durstig ist.

  Folgendes ist ein ausgezeichnetes Rezept:

    Senf                                                  ½ Unze.
    Wachholderbeeren (~Juniper berries~)                  1  „
    Rosenrothe Apocynum-Wurzel (~Milkweed root~)          1  „
    Meerrettig (~Horse-radish root~)                      1  „
    Schwarze Flieder-Rinde (~Black elder bark~)           1  „
    Alraun- (auch Schlafapfel-) Wurzel (~Mandrake root~)  1  „
    Zwerg-Flieder Wurzel oder Rinde (~Dwarf elder root
    or bark~)                                             1  „
    Bittersüßwurzel-Rinde (~Bitter sweet bark from the
      root~)                                              1  „

  Presse dieses und füge eine Gallone gegohrenen Cider hinzu. Dosis:
  Ein Weinglas voll dreimal des Tages vor dem Essen.


Auszehrung (~Consumption, Phthisis Pulmonalis~).

Unter Auszehrung versteht man im Allgemeinen die Abnahme des Körpers
aus irgend einer Ursache; gewöhnlich aber gebraucht man den Namen nur
mit Hinsicht auf die Lungenauszehrung, die durch die Erkrankung der
Lungen verursacht wird.

+Symptome.+ -- Die gewöhnlichen Symptome sind Husten, Brustschmerzen,
Fieber, heiße Hände, Füße und Wangen, Veränderung der Stimme, gekrümmte
Nägel, Ausfallen des Haares &c.

Anfänglich ist der Husten trocken und leicht und tritt öfters nur
des Morgens nach dem Aufstehen oder bei irgend einer Anstrengung
ein; Schwerathmen, dünner oder schaumiger, dem Schleim ähnlicher
Auswurf. Mit dem Fortschritt der Krankheit verursacht das Athmen mehr
Schwierigkeit und der Husten wird heftiger und schmerzhafter, die Haut
ist roth und heiß, in dem Innern der Hand und öfters auch auf den
Fußsohlen, verspürt der Patient ein brennendes Gefühl, der Appetit ist
verschieden und der Patient in dieser Hinsicht launisch, der Stuhlgang
unregelmäßig. Bei noch weiterem Fortschritt der Krankheit wird der
Husten immer heftiger und das Athemholen schwieriger; gegen Abend
tritt öfters Frösteln ein, während bei Nacht die Haut heiß ist und
sich gegen Morgen Schweiß zeigt, das Gesicht ist gegen Abend bedeutend
geröthet, der Appetit verliert sich, die Gesichtszüge sind scharf, in
der Brust fühlt der Kranke eine Zusammenziehung und Druck und öfters
auf beiden Seiten Schmerz. In diesem Stadium tritt häufig Lungenbluten
ein, oft auch hartnäckige Diarrhöe und der Kranke leidet von Schmerz in
den Gedärmen, hektischem Fieber und Durst. Je mehr sich die Krankheit
entwickelt, desto mehr verschlimmern sich die Symptome. Der Husten
hört beinahe nie auf und ist sehr schmerzhaft, die Gesichtszüge werden
sehr scharf, die Augen sind eingesunken, das Haar fällt aus, die Nägel
stehen einwärts gebogen, die Stimme wird schwach und heiser, Füße und
Aenkeln schwellen an und der Patient stirbt allmählig an Erschöpfung,
oder an plötzlichem Blutandrang in den Lungen, oder am Lungenbluten,
oder aus anderen Ursachen.

+Ursachen.+ -- Diese Krankheit ist gewöhnlich erblich. Andere Ursachen
-- alles was überhaupt den Körper schwächt und einen geschwächten
Zustand des Organismus hervorruft, z. B. große Aengstlichkeit, Trauer,
Enttäuschung, übermäßige Anstrengung, Befriedigung der Leidenschaften,
zu frühe Geistesanstrengung, Wohnen in feuchten, nicht gelüfteten
Zimmern, festes Schnüren und Gebrauch ungeeigneter Medizinen.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Kost muß bei der Behandlung bedeutende
  Berücksichtigung finden und sollte die Nahrung kräftig und leicht
  verdaulich sein. Ochsenfleisch sollte allen anderen Fleischspeisen
  vorgezogen und halb gar (~rare~) genossen werden; auch sind
  Hammelfleisch, junges Geflügel, mürbes Wildpret, weichgekochte Eier,
  Milch, Bier und Fisch zulässig. Leichte Mahlzeiten sind jederzeit
  besser, als wenn der Patient zu viel ißt. Als Getränk mag Milch,
  Wasser, Thee oder Cocoa gebraucht werden. Der Kranke sollte sich oft
  Bewegung im Freien machen, wozu das Reiten sehr dienlich ist; jedoch
  darf er bei dieser Bewegung nie erschöpft werden. Sehr dienlich ist
  es, wenn man Brust und Schultern täglich mit Essig und Wasser wäscht
  oder besprengt, wobei die Flüssigkeit anfänglich warm zu machen ist,
  nach und nach gebraucht man sie etwas kälter, bis sie endlich ganz
  kalt in Anwendung kommen kann. Das Schlafzimmer sollte groß und gut
  ausgelüftet sein. Der Kranke darf weder der Kälte noch plötzlichem
  Witterungswechsel bloßgestellt werden. Auf der Brust sollte er
  Baumwollen- oder Wollenstoffe oder Pelzwerk tragen. Der Aufenthalt in
  mildem Klima ist dem in irgend einem andern vorzuziehen. Man sagt,
  daß New Mexiko oder das nördliche Texas den Auszehrenden am besten
  zusagt; sowie auch Minnesota, Florida und Cuba. In Europa suchen die
  Auszehrenden Pau und Biarritz in Frankreich, oder Malaga, Malta,
  Sorrento, Palermo, Algier und Madeira auf.

  =Allöopathisch.= Leberthran (~Cod liver oil~) ist bei der Behandlung
  der Auszehrung sehr werthvoll, und manchmal wird der Patient, wenn
  er dieses Mittel im ersten Stadium der Krankheit nimmt, kurirt,
  während es in den folgenden Stadien Linderung verschafft. Es hilft
  der Verdauung nach und verschafft dadurch dem Kranken Körperkraft
  und Muskelzulage; es mildert den Husten, sowie alle die gewöhnlichen
  Symptome. Ein Theelöffel voll Oel dreimal des Tages ist eine Dosis.
  Das folgende ist eine der Art und Weisen, wie man dieses Mittel
  verordnen kann:

    Leberthran (~Cod liver oil~)                          2 Unzen.
    Ingwer-Syrup                                          2   „
    Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of gum arabic~)     2   „
    Nelkenöl (~Oil of cloves~)                            6 Tropfen.

  Mische.

  Oder:

    Citronensaures Ammoniak (~Citrate of ammonia~)       10 Grane.
    Eisen                                                10   „
    Chinin (~Quinine~)                                   10   „
    Leberthran                                            2 Unzen.
    Glycerin                                              2   „

  Mische.

  Dieses kann in Porter- oder Ale-Schaum oder nachdem man den Mund
  mit Brandy ausgespült hat, was auch nach dem Einnehmen der Dosis
  geschehen kann, genommen werden. Manchen schmeckt diese Arznei
  angenehmer, wenn man sie salzt.

  Mit diesem Heilmittel sollte man mehrere Monate oder selbst Jahre
  lang fortfahren, wenn die Krankheit nicht vorher überwunden wird.
  Alkohol enthaltende Getränke, Ale und Lagerbier werden empfohlen.
  Diese Stimulanten sollten in kleinen Quantitäten genossen werden,
  etwa zwei oder drei Löffel voll Branntwein oder ein halbes Glas voll
  oder weniger Wein, oder ein halbes Glas voll Ale oder Bier. Man
  trinke diese Quantität zwei- oder dreimal des Tages.

  Kleien- oder Senfaufschläge werden die Schmerzen in der Brust
  lindern. Dr. Ira Warren von Boston empfiehlt gegen den Husten das
  “~Pulmonic Cherry Cordial~,” welches große Dienste leisten soll und
  folgendermaßen zubereitet wird:

    Gemahlene wilde Kirschenrinde                        10 Pfund.
    Brechwurz (~Ipecac root~)                            20 Unzen.
    Blutwurz (~Blood root~)                              24   „
    Meerzwiebel (~Squill root, bruised~)                 12   „
    Pulverisirte Lakritzenwurzel (~Pulverized
    liquorice root~)                                      5   „
    Kochenille (~Cochineal, bruised~)                     2   „
    Anissamen                                            32   „
    Fenchelsamen (~Fennel seed~)                          8   „
    Orangenschale                                        16   „
    Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~)         12 Drachmen.
    Alkohol                                               8 Gallonen.
    Wasser                                                8    „
    Pulv. weißer Zucker                                  40 Pfund.
    Schwefelsäure (~Sulphuric acid~)                      1 Unze.

  Mahle alle diese Artikel zu einem groben Pulver; mit Ausnahme derer,
  bei welchen angegeben ist, daß sie pulverisirt oder zerquetscht
  (~bruised~) werden sollen, und bringe alle in den Alcohol,
  ausgenommen die wilde Kirschenrinde, das Wasser, den Zucker und
  die Schwefelsäure. Lasse die Masse eine Woche lang stehen und
  rühre tüchtig zweimal des Tages. Nachdem die Rinde von dem wilden
  Kirschbaum zwei Tage lang in einem bedeckten Gefäß mit genug Wasser,
  um dieselbe zu durchfeuchten, gestanden hat, so bringe man sie in
  ein Sieb und schütte durch dasselbe acht Gallonen Wasser, füge den
  Alkohol und andere Bestandtheile bei und lasse das Ganze noch weitere
  drei Tage stehen, indem man jeden Tag zweimal rührt und nachher die
  Flüssigkeit filtrirt und den Zucker und zuletzt die Schwefelsäure
  beifügt. Dieser Anweisung nach werden 16 Gallonen bereitet, doch kann
  die Quantität leicht durch Berechnung vermindert werden. Dosis: 1 bis
  2 Theelöffel voll. Ist eine beruhigende Wirkung wünschenswerth oder
  nöthig, so füge man ein wenig Morphium (~Morphine~) zu dem Präparat.

  Das folgende wird gegen den Husten sehr dienlich sein:

    Wilder Kirschensyrup                                  2 Unzen.
    Lattichbitter (~Lactucarium~)                         2   „

  Mische dieses. Dosis: 1 oder 2 Theelöffel voll des Abends und Morgens.

  Oder:

    Tolu-Syrup (~Syrup of Tolu~)                          1 Unze.
    Meerzwiebel-Syrup (~Syrup of squills~)                ½  „
    Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~)                      2 Drachmen.
    Paregoricum (~Paregoric~)                             3    „
    Gummi Arabicum Schleim                                ½ Drachme.

  Mische dieses. Dosis: zeitweilig einen halben Theelöffel voll.

  Eisen-Iodide-Tinktur (~Liquor of iodide of iron~), in Dosen von 12
  zu 20 Tropfen in Wasser, dreimal des Tages verordnet, mag in manchen
  Fällen von guter Wirkung sein, wenn der Patient nämlich sehr schwach
  ist. Gegen die Nachtschweiße verordne man folgendes:

    Aufguß von Peruvianischer oder Cascarilla-Rinde       4 Unzen.
    Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~)        1 Drachme.
    Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~)     1    „

  Mische dieses. Dosis: einen Eß-Löffel voll dreimal des Tages.

  Oder dieses:

    Zink-Oxid (~Oxide of zinc~)                           1 Drachme.
    Schierling-Extrakt (~Extract of Conium~)              ½    „

  Bereite hieraus 20 Pillen und nehme eine derselben jeden Abend.

  Sind die Schweiße sehr bedeutend, so wasche man den Körper mit
  Brandy, Whiskey oder Alaun. Gegen die Diarrhöe kann dreifach
  schwefelsaurer Wismuth (~Tris-nitrate of bismuth~), in Dosen von 30
  Granen, entweder vor oder nach jeder Mahlzeit zu nehmen, verordnet
  werden. Ist der Magen in Unordnung, so wird das Ansetzen zweier oder
  dreier Blutegel auf die Magengrube, worauf man einen Kleieumschlag
  auf die betreffende Stelle legt, gute Dienste leisten. Gegen das
  hektische Fieber ist schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)
  ein ausgezeichnetes Mittel, wenn dasselbe in der Zwischenzeit in
  Dosen von 10 zu 12 Granen gegeben wird. Manchmal mag auch mit Wasser
  verdünnter und versüßter Essig in Dosen von einem zu zwei Theelöffeln
  voll mit guter Wirkung gegeben werden. Auch ist das Abwaschen oder
  Besprengen der Haut mit warmem Essig oder Spirituosen öfters sehr
  wirksam.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Phosphorsaurer Kalk (~phosphate of
  lime~), in Dosen von 10 Granen dreimal des Tages gegeben, wird sehr
  empfohlen. Auch wird die salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of
  muriate of iron~), 5 Tropfen in einem Weinglas voll Wasser alle 3 bis
  4 Stunden, in manchen Fällen sehr wirksam sein. Das folgende wird
  empfohlen:

    Blutwurz-Tinktur (~Tincture of blood root~)           1 Drachme.
    Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract
    of wild cherry~)                                      3 Drachmen.
    Lakritzenaufguß (~Infusion of Liquorice~)             ½ Pint.
    Salz-Ammoniak (~Muriate of ammonia~)                  1 Drachme.

  Mische dieses. Dosis: einen Eßlöffel voll alle zwei Stunden.

  Manchmal wird eine Einathmung von folgenden Substanzen guten Erfolg
  bezwecken:

    Schwefelsäure (~Nitric acid~)                        25 Tropfen.
    Kampher                                               4 Drachmen.
    Gerbersäure (~Tannic acid~)                           4    „
    Reiner geruchloser Alcohol (~Pure deodorized
    alcohol~)                                             6 Unzen.

  Mische dieses. Man befeuchtet mit einem oder zwei Theelöffel voll
  dieser Mischung einen Schwamm, bringt diesen in ein Glas, hält
  dasselbe vor die Nase des Patienten, läßt ihn den Dunst 10 oder 15
  Minuten lang einathmen und wiederholt dies mehrere Mal des Tages.
  Auch ist das Einathmen des durch geschmolzenes Harz (~Rosin~)
  entstandenen Dunstes ein werthvolles Mittel. Gegen den Husten
  gebrauche folgendes:

    Andorn (~Hoarhound~)                                  1 Unze.
    Wallwurz (~Comfrey~)                                  1  „
    Nardensalbe (~Spikenard~)                             1  „
    Wasser                                                1 Gallone.

  Koche dieses, bis noch 1 Quart der Mischung vorhanden, und füge ein
  Pint Honig hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages oder
  so oft als der Husten beunruhigt.

  Oder dieses:

    Flüssiger Schlangenwurzel-Extrakt (~Fluid extract
    of black cohosh~)                                     1 Unze.
    Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract
    of wild cherry~)                                      1  „
    Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~)         1  „
    Schwefelsaure Morphin-Tinktur (~Tincture of
    sulphate of morphine~)                                2 Drachmen.

  Mische dieses. Dosis: einen Theelöffel voll drei- oder viermal des
  Tages, oder wenn immer der Husten heftig ist.

  Oder dieses:

    Flüssiger Wildkirschen-Extrakt (~Fluid extract of wild
      cherry~)                                           1½ Unzen.
    Brechwurzsyrup (~Syrup of ipecac~)                   1½   „
    Balsamtolu-Syrup (~Syrup of balsam of tolu~)          1 Unze.
    Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of Hyosciamus~)        1   „

  Mische dieses. Dosis: einen Theelöffel voll, wenn immer der Husten
  heftig ist.

  Manchmal thut eine mäßige Chloroform-Einathmung gute Dienste. Die
  Nachtschweiße mögen mittelst 10 oder 12 Tropfen Vitriol-Elixir,
  welche in einem Weinglas voll Wasser vor dem Schlafengehen zu nehmen
  sind, gemildert werden. Es wird von guter Wirkung sein, wenn man den
  Körper mit einer aus Alcohol und Wasser bereiteten Mischung, wozu
  Zimmetöl und Gerbersäure (~Tannic acid~) gefügt wird, mittelst eines
  Schwammes abwäscht. Der Diarrhöe mag durch einen Brombeerwurzel-
  (~Blackberry root~) Aufguß Einhalt gethan werden. Auch kann man zu
  diesem Zwecke Paregoricum (~Paregoric~) und Catechugummi-Tinktur
  (~Tincture of catechu~) gebrauchen. Tritt Lungenbluten ein, so sollte
  der Patient viel von einem aus gleichen Theilen kurzblättrigen
  Dreiblatts (~Beth root~) und virginischen Wolfsfußes (~Bugle weed~)
  bereiteten Aufguß trinken; oder hie und da wird ein wenig Salz und
  Wasser dem Bluten Einhalt thun. Die folgenden Recepte werden unter
  „Auszehrung“ gegen Husten gefunden:

  Ein aus weißem Andorn (~White hoarhound~) und mit Honig versüßter
  Thee ist eine treffliche Hustenmedizin. Ebenso wird Thee, aus
  Quittensamen (~Quince seed~), Flachssamen (~Flax seed~), Eibisch
  (~Marshmallow~) oder Ulmenrinde (~Slippery elm~) bereitet, den
  Husten lindern. Auch kann Meerzwiebelsyrup (~Syrup of squills~),
  Lobelia-Tinktur, Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~) und Paregoricum
  (~Paregoric~), von jedem eine Unze, gebraucht werden. Mische dieses.
  Dosis: einen Eßlöffel voll drei- bis viermal des Tages.

  =Homöopathisch.= Leberthran (~Cod liver oil~) wird auch bei der
  homöopathischen Behandlung mit Nutzen angewendet. Man mag dieses
  Mittel in Dosen von einem Eßlöffelvoll dreimal des Tages verordnen.

  ~Calcarea Carbonica.~ -- Wird gebraucht, wenn folgende Symptome
  vorhanden sind: Blasse Gesichtsfarbe mit schwermüthigem
  Gesichtsausdruck; aufgedunsene Wangen, Launenhaftigkeit bezüglich
  des Appetits, eher Neigung zur Hartleibigkeit als zur Diarrhöe,
  aber manchmal unregelmäßiger Stuhlgang; leichter doch bestimmt sich
  ausdrückender Husten; Schwerathmen, namentlich beim Treppensteigen,
  oder wenn der Patient schneller geht als gewöhnlich; weiche,
  schlotterige Muskeln; langsame Blutcirkulation; Schwäche. Bei mehr
  vorgerücktem Stadium der Krankheit wird ~Lycopodium~ oder ~Nitric
  Acid~ nützlicher sein als ~Calcarea~.

  ~Sulphur~ -- wurde von Hahnemann als ein Hauptmittel gegen diese
  Krankheit bezeichnet. Man verwende dasselbe, wenn sich folgende
  Symptome zeigen: Skrophulöser Ausschlag, Neigung, sich schnell eine
  Erkältung dadurch zuzuziehen, wenn der Patient an die frische Luft
  kommt; rheumatische Schmerzen in den Gliedmaßen ohne Anschwellung;
  wankender Gang und Zittern der Hände; Gefühllosigkeit verschiedener
  Körpertheile; die Schmerzen sind bei Nacht heftiger und werden durch
  äußerliche Wärme gelindert; Schläfrigkeit; gestörter Schlaf; Gesicht
  blaß, kränklich und schlaff; blaue Ringe um die Augen, trockene Zunge
  und trockner Hals; weher Hals und Druck in demselben, als ob Klumpen
  vorhanden wären; Magensäure; der Magen gegen Druck sehr empfindlich;
  Uebelkeit nach dem Essen; Schmerz im Unterleib; schneidende Schmerzen
  und Uebelkeit, worauf Diarrhöe folgt; Heiserkeit oder Stimmverlust;
  trockner, kurzer Husten.

  ~Phosphorus.~ -- Für leichtgebaute Personen mit heller Gesichtsfarbe
  gegen kurzen, trocknen Husten, Kurzathmigkeit, große Abzehrung,
  Diarrhöe und Schweiß zu gebrauchen.

  Andere Heilmittel sind: ~Ferrum~, ~Silicea~, ~Phosphoric Acid~,
  ~Lobelia~, ~Nitric Acid~, ~Iodine~, ~Belladonna~, ~Hamamelis~ und
  ~China~. Diese Heilmittel sollten unter Anordnung eines tüchtigen
  Arztes gebraucht werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man nehme von dem gewählten Heilmittel
  eine Dosis (6 Kügelchen) dreimal des Tages, oder wenn die Symptome
  dazu veranlassen, eine Dosis alle eine, zwei oder drei Stunden.


Brustquetschung (~Contusion of the Chest~).

Wird die Brust durch einen Schlag oder Fall beschädigt, so gebrauche
man Arnica-Tinktur äußerlich. Wenn aber aus Veranlassung der
Beschädigung Bronchitis oder Brustentzündung oder andere Krankheiten
entstehen sollten, so behandle man dieselben nach Anweisung im
betreffenden Kapitel.


Fremde Körper in der Luftröhre.

Man kann fremde Körper, die sich in der Luftröhre festgesetzt haben,
erreichen, indem man die Zunge hinabdrückt und den Daumen und einen
Finger so weit als möglich hinabschiebt. Kann der Gegenstand nicht mit
den Fingern gefaßt werden, so ist eine Chirurgenzange (~Forceps~) zu
gebrauchen. Auch kann man die betreffende Person an einer Stange in
den Knieegelenken, mit dem Kopf abwärts hängen lassen und ihr schnelle
Schläge zwischen die Schultern versetzen, wodurch gewöhnlich geholfen
wird. Kann aber der Gegenstand durch keines dieser Mittel entfernt
werden, so sollte man einen Wundarzt zu Hülfe rufen.



Zwölftes Kapitel.

Krankheiten des Magens und der Eingeweide.

Mangel an Appetit (~Anorexia~). Heißhunger (~Bulemia~).


Mangel an Appetit und krankhafte Eßlust wird bei vielen Krankheiten
gefunden, ersterer besonders bei Krankheiten der Eingeweide oder
Lungen, sowie auch bei anderen acuten Krankheiten, Unordnung des Magens
u.s.w. Letzteres ist zuweilen eine Folge von Wurmleiden oder Verlust
der Kräfte, Verdauungsschwäche u.s.w. Die Behandlung dieser Krankheiten
findet man unter der Rubrik „Dyspepsie.“


Dyspepsie oder schwacher Magen.

Dyspepsie ist eine der gewöhnlichsten Krankheiten, welchen der Arzt
begegnet. Sie wird überall, unter allen Klassen und häufiger bei
Personen von mittlerem Alter gefunden. Solche, welche eine sitzende
Lebensweise führen, keine Gelegenheit haben Bewegung zu machen, sowie
auch jene, die Spirituosen und dem Tabak ergeben sind, sind mehr als
Andere dazu geneigt.

+Symptome.+ Die Dyspepsie kann vorübergehend sein oder sich
einwurzeln. Unter vorübergehend verstehen wir einen leichten Anfall
von Unverdaulichkeit, welcher von Ueberessen oder von unzulänglichen
Nahrungsmitteln herrührt. Unter eingewurzelt verstehen wir solche
Fälle, welche eine lange Zeit -- Monate, ja sogar Jahre lang,
anhalten. Bei dieser Krankheit verliert der Magen seine Kräfte zu
verdauen und der Kranke ist nur dann fähig etwas zu essen, wenn er
immer Spirituosen, Pillen und andere Arzneimittel zu sich nimmt. Ein
vorübergehender Anfall von Unverdaulichkeit macht sich durch ein Gefühl
von Ausdehnung des Magens, Aufstoßen, Appetitlosigkeit, Widerwille
gegen Speisen, zuweilen durch Uebelkeit und Erbrechen kenntlich. Bei
der eingewurzelten oder chronischen Form ist der Appetit veränderlich,
zuweilen gänzlich verloren, steigert er sich dann wieder bis zur
Gefräßigkeit. Nimmt der Patient eine volle kräftige Mahlzeit, wird er
niedergeschlagen, Schmerz und eine Schwere im Magen stellen sich ein;
ein Verlangen nach Essen, das nach dem ersten Mund voll befriedigt,
ist vorhanden; die Zunge ist blaß, welk, schleimig, oder wird trocken,
klebrig, oder dick belegt, besonders am Morgen beim Aufstehen; ein
beständiges unbehagliches Gefühl von Schwere im Magen, ebenso saures
oder unangenehmes Aufstoßen, bei Säure im Magen und einem Gefühl
von Sinken und Flattern in der Magengrube; Empfindlichkeit gegen
Druck, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, Kopfschmerz, Mattigkeit und
große Niedergeschlagenheit, Todesfurcht und Befürchtungen vor der
Zukunft, Herzklopfen oder ein starkes Schlagen in der Gegend des
Magens, Verstopfung, unangenehmer Geschmack im Munde, besonders des
Morgens beim Erwachen; das Gedächtniß ist vermindert; die Stimmung
ist veränderlich und die Laune reizbar; Tiefsinn, Gedanken- und
Ideenverwirrung; Schwindel; Schwachsichtigkeit, Flecken schimmern vor
den Augen; das Gesicht ist blaß und hat einen ängstlichen Ausdruck,
die Haut ist trocken und gerunzelt, Alpdrücken ist eine gewöhnliche
Erscheinung, Kneipen oder krampfartige Thätigkeit der Muskeln;
abwechselnd Hitze und Kälte; ziehende Schmerzen im Rücken und in den
Schultern; häufiges Seufzen; ein Gefühl von Beklemmung in der Gegend
des Herzens; Geräusch oder Singen in den Ohren.

+Ursachen.+ Eine von den häufigsten Ursachen von Verdauungsschwäche
ist hastiges unzulängliches Kauen der Speisen, Mangel an Bewegung
und Ruhe des Geistes, unpassende Nahrung, wie zu kräftige, reizende
Speisen, Spirituosen, zu häufiger Genuß von warmen Flüssigkeiten und
Tabak, spätes Aufbleiben, stark gewürzte Gerichte, übermäßig starke
Entleerungen, sitzende Lebensweise, langes angespanntes geistiges
Arbeiten, Trägheit, zu langes Schlafen, das Athmen unreiner Luft,
geschlechtliche Ausschweifungen; Leute, welche sehr schnell essen und
dazu übermäßig viel Wasser, Thee oder Kaffee trinken, sind diesem
mehr ausgesetzt als andere; auch Essen, unmittelbar nach starker
körperlicher oder geistiger Arbeit ist sehr schädlich; starke Bewegung
nach der Mahlzeit oder kurz vor dem Schlafengehen, Aerger, Eifersucht,
große Freude, nächtliches Wachen sind hervorragende Ursachen. Der
Mißbrauch von Abführmitteln, der die Eingeweide träge macht, ist
äußerst schädlich.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Gutes Kochen ist ein wichtiger Theil der Behandlung
  bei der Verdauung; die Speisen sollten gut, aber nicht übermäßig
  gekocht werden; halb gar gekochtes Fleisch ist bei Dyspepsie das
  Beste. Leute, die an Dyspepsie leiden, sollten alle eingemachten
  Fleischarten, wie Schinken, Zunge, geräucherte oder gesalzene
  Fleischsorten, Würste u.s.w., sowie auch rohes Gemüse, Pickles, Salat
  u.s.w. vermeiden. Die Nahrung muß, ehe sie in den Magen geht, langsam
  und gehörig gekaut werden, jeder Mundvoll muß so gekaut sein, bis
  er von selbst in die Speiseröhre tritt, denn Speisen, die gehörig
  gekaut sind, folgen ihrer eigenen Bestimmung. Verschiedene Sorten von
  Pasteten, heißes Brod, heißer Zwieback, Eier, Suppen, stark gewürzte
  Gerichte, Puddings u.s.w. müssen vermieden werden.

  Fische sind am meisten verdaulich, wenn gekocht, weniger wenn
  gebraten und am wenigsten wenn gebacken. Die meisten Sorten von
  wildem Geflügel können erlaubt werden, auch Hammelfleisch, Wild,
  Hühner und Turkeyfleisch, rohe Austern, geröstetes, gebackenes oder
  gekochtes Obst, Schwarz- oder Weizenbrod, Kartoffeln sind für die
  Kost zulässig. Thee, Kaffee und alle berauschenden Getränke müssen
  vermieden werden, der beste Trunk bleibt immer Wasser oder Milch,
  wenn eins oder das andere ohne unangenehme Symptome genommen werden
  kann. Während des Essens sollten nicht zu viele Flüssigkeiten
  genommen werden, und es wird besser sein, wenn der Patient damit bis
  nach der Mahlzeit wartet. Wenigstens sechs Stunden sollten immer von
  einer zur andern Mahlzeit verstreichen, während bei einem gesunden
  Magen drei bis vier Stunden hinreichen. Niemals sollte Jemand eine
  Reise oder einen Ausflug weder mit zu vollem noch mit ganz leerem
  Magen antreten. Das Trinken geschieht für den Magen vortheilhafter
  vermittelst Schlürfens oder indem man jedesmal einen Mund voll nimmt,
  als durch das Trinken in langen Zügen. Nach Bewegung von irgend
  welcher Art, wie Reiten, Gehen u.s.w. sollte man sich stets vorher
  eine halbe Stunde ausruhen, ehe man eine Mahlzeit zu sich nimmt, und
  ebenso sollte nach der Mahlzeit ein solcher Zeitraum verstreichen,
  ehe irgend eine Bewegung gemacht wird. Gehen, Laufen, Springen,
  Tanzen, Holzsägen oder das Rudern eines Bootes sollte jeden Tag
  regelmäßig geübt werden. Folgende Kosteintheilung ist mit geringer
  Veränderung von Dr. Leared.

  +Leicht verdaulich.+ Hammelfleisch, Wild, Hase, süßes Brod, junge
  Tauben, Feldhuhn, Fasanen, Birkhuhn, Rind- und Hammelfleisch, Milch,
  Steinbutte (~turbot~), Schellfisch, Butten (~flounders~), Zunge
  (~sole~, eine Fischart), Fische im Allgemeinen, geröstete Austern,
  altbackenes Brod, Reis, Tapioca, Sago, Pfeilwurz (~arrow root~),
  Spargel (~asparagus~), Meerkohl, französische Bohnen, Blumenkohl
  (~cauliflower~), gebackene Aepfel, Orangen, Weintrauben, Erdbeeren,
  Pfirsiche, Zwiebackwasser (~toast water~), schwarzer Thee, Sherry,
  Claret.

  +Mäßig verdaulich.+ Rind- und Lammfleisch, Kaninchen, Turkey,
  Ente, wildes Geflügel, Schnepfe, Suppen, Eier nicht hart gekocht,
  Butter. Schildkröte, Stockfisch, Hecht, Forelle, rohe oder gedämpfte
  (~stewed~) Austern, Kartoffeln, Rüben, Kohl, Spinat, Artischocken,
  Salat, Sellerie, Aprikosen, Korinthen, Himbeeren, Brod, Mehlpuddings,
  Gelee, Marmalade, Rhabarber, gekochte Früchte, Cocoa, Kaffee,
  Malzgetränke, Portwein.

  +Hart verdaulich.+ Schweinefleisch, Kalbfleisch, Gansleber, Herz,
  Gehirn, Salzfleisch, Wurst, Hechte und gedämpfte (~stewed~) Fleische,
  Makrele, Aal, Lachs, Häring, Hellbutte, Salzfisch, Hummer, Krebse,
  Seegarnelen, Muscheln, Oel, zerlassene Butter, hartgesottene Eier,
  Käse, frisches Brod, Kuchen, in Butter gebackener Zwieback, Pasteten,
  Rahmtörtchen, Nüsse, Erbsen, Pflaumen, Kirschen, gedörrte Früchte,
  Gurken, Zwiebeln, Möhren, Pastinaken (~parsnips~), rothe Rüben
  (~beets~), Bohnen, Pilze, Pickles, Chocolade, Champagner, Liqueurs.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Säure und heißes Aufstoßen nehme
  ein Brechmittel von fünf bis zehn oder zwanzig Granen Brechwurz
  (~Ipecac~) in einem Theetassenkopf voll warmen Kamillen- oder
  anderen Thee; diese Dosis wird wiederholt, wenn die erste nicht
  Erbrechen verursacht. Nachdem der Magen beruhigt ist, gebe man ein
  Seidlitzpulver. Die Anwendung von Einspritzungen ist in strengen
  Fällen oder bei Personen von zartem Körperbau viel besser zur
  Bewegung der Eingeweide, als Gaben von Abführmitteln und mag zu
  diesem Behufe Molasses und warmes Wasser, oder warmes Wasser und ein
  wenig Salz angewendet werden. Bei Fällen, die dann erst eingetreten
  sind, wo leichte Verstopfung und Magensäure vorhanden sind, nehme man
  Folgendes:

    Gagel in Pulvern (~Bayberry bark in powders~)         1 Unze.
    Stachliche Eschenrinde in Pulver (~Prickly ash bark
    in powders~)                                          1  „
    Gelbwurz-Pulver (~Golden seal powder~)                1  „
    Bitterwurz in Pulver (~Bitter root in powder~)        1  „
    Doppeltkohlensaure Soda oder Potasche (~Bi-carbonate
    of soda, or potash~)                                  1  „

  Mische es. Dosis: Einen halben bis einen ganzen Theelöffel voll
  dreimal des Tages.

  Bei chronischen Fällen oder hartnäckiger Verstopfung nehme Folgendes:

    Kalmus in Pulver (~Blue flag in powder~)              1 Unze.
    Alraun in Pulver (~Mandrake in powder~)               1  „
    Bitterwurzel in Pulver (~Bitter root in powder~)      1  „
    Pulverisirte Blutwurzel (~Pulv. blood root~)          ½  „
    Spanischer Pfeffer (~Capsicum~)                       2 Drachmen.

  Mische dieses. Dosis: Dreimal des Tages einen halben bis einen ganzen
  Theelöffel voll.

  Ist Säure im Magen vorhanden, so füge doppeltkohlensaure Soda oder
  Potasche (~Bi-carbonate of soda or potash~) eine Unze hinzu. Säure
  kann zuweilen durch ein Seidlitzpulver, ein- oder zweimal des Tages
  genommen, verbessert werden und gegen Wind im Magen ein warmer Trank
  von grünem Münz- oder Pfeffermünz- (~Spearmint or Peppermint~) Thee.
  Ist Kolik vorhanden, so nehme man einen Theelöffel voll Paregoricum
  (~Paregoric~) in ein wenig heißes Wasser. Bei beständiger Verstopfung
  der Eingeweide wird das nachstehende sehr empfohlen:

    Wismuth-Oxyd (~Oxide of Bismuth~)                    12 Grane.
    Aloe (~Aloes~)                                       24   „

  Mache mit Molasses oder einer Auflösung von Gummi Arabicum 12 Pillen
  daraus. Dosis: Jeden Abend beim zu Bett Gehen vier Pillen, bis der
  Magen wieder gestärkt ist. Wismuth kann auch da, wo ein tägliches
  Abführmittel nicht erforderlich ist, allein in Pulvern von fünf
  Granen auf eine Dosis gegeben werden. Es kann mit Honig oder Molasses
  oder mit irgend einer anderen derartigen Zuthat genommen werden.

  Weißer Senfsamen ist ein altes und viel gebrauchtes Mittel. Eine
  Dosis sollte davon jeden Tag durch drei oder vier Wochen hindurch
  genommen werden. Man nehme einen halben bis ganzen Eßlöffel voll
  und verschlucke den Samen ganz mit kaltem Wasser. Sodbrennen
  wird zuweilen durch einen Theelöffel voll überkohlensaure Soda
  (~Super-carbonate of soda~) in ein wenig Wasser oder einen halben
  Theelöffel voll Saleratus in einem halben Tassenkopf voll Wasser
  sofort gelindert. Magnesia in zwei bis drei Theelöffeln voll in einem
  Bierglas voll Wasser genommen, hat sich als ein ausgezeichnetes
  Mittel bewährt.

  Pyrosis oder Sodbrennen kann durch Nachstehendes gelindert werden:

    Sennesblätter (~Senna leaves~)                        1 Unze.
    Pulverisirte Jalappenwurzel (~Jalap, powdered~)       ½  „
    Pulverisirte Gelbwurz (~Golden seal, powdered~)       ½  „
    Pulverisirter Fenchelsamen (~Fennel seed,
    powdered~)                                            ½  „
    Aloe                                                  2 Drachmen.
    Tolu-Balsam                                           1 Unze.

  Gieße ein halbes Pint kochendes Wasser darüber und rühre es um. Wenn
  kalt gieße es in eine Quartflasche und fülle dieselbe mit gutem
  Branntwein oder Whisky. Nachdem es zwei Stunden gestanden hat, wird
  es fertig sein zum Gebrauch. Dosis: Alle Morgen vor dem Frühstück
  einen Eßlöffel voll.

  Folgendes kann zuweilen angewendet werden:

    Dreifachsalpetersaures Wismuth (~Tris nitrate
    of Bismuth~)                                          5 Grane.
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~)   1-10 Grane.

  Mische es zu einer Dosis.

  Präparirte Holzkohle (~Prepared charcoal~) kann in Dosen von einem
  Theelöffel voll dreimal des Tages in einigen Fällen gegeben werden.

  Folgendes ist bei Dyspepsie ein sehr schätzbares Mittel:

    Chinarinde (~Peruvian bark~)                          1 Unze.
    Enzianwurzel (~Gentian root~)                         1  „
    Orangenschale                                         ½  „
    Koriandersamen (~Coriander seed~)                     ½  „

  Stoße diese vier Artikel in einem Mörser oder in einem anderen
  Gefäße, lege sie in ein Quart französischen Branntwein (~French
  brandy~) und lasse das Ganze vier bis fünf Tage vor dem Gebrauche
  stehen. Dosis: Ein halber bis ganzer Theelöffel voll in einem
  Weinglas voll Wasser ungefähr eine oder zwei Stunden vor den
  Mahlzeiten.

  Blähungen und Kolik können durch einen bis zwei Tropfen von Cajeputöl
  (~Cajupet~) auf Zucker, oder doppeltschwefelsaure Soda (~Bi-sulphate
  of soda~), eine bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten genommen,
  entfernt werden.

  Die folgenden sind einige von den Mitteln, die sich bei Behandlung
  der Dyspepsie sehr zuträglich erwiesen haben:

    Pulverisirter türkischer Rhabarber (~Powd. turkey
    rhubarb~)                                             2 Drachmen.
    Kohlensaure Soda (~Carbonate of Soda~)               48 Grane.
    Einfacher Syrup                                       1 Unze.
    Quellwasser                                           ½ Pint.

  Dosis: Dreimal des Tages vor dem Essen einen Eßlöffel voll.

    Rosenwasser (~Rose water~)                            1 Pint.
    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       6 Drachmen.
    Cascarilla-Tinktur                                    1 Unze.

  Mische es. Dosis: Drei Eßlöffel voll zweimal des Tages.

  Die folgenden Pillen werden empfohlen:

    Aloe                                                  3 Grane.
    Rhabarber (~Rhubarb~)                                 3  „
    Spanische Seife (~Castile soap~)                      3  „
    Gelbwurz (~Golden seal~)                             60  „
    Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~)                          20  „
    Pulverisirter Lobelia-Samen                          20  „

  Theile es in 60 Pillen mit Enzian-Extrakt. Dosis: Jeden Abend eine
  beim zu Bett Gehen.

  Ein anderes:

    Wismuth-Oxyd (~Oxide of bismuth~)                     4 Drachmen.
    Rhabarber (~Rhubarb~)                                 2    „
    Aloe                                                  1 Drachme.
    Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~)                           1    „
    Brechwurz (~Ipecac~)                                 30 Grane.

  Mische es gehörig und mache mit Gummi Arabicumschleim 120 Pillen
  daraus. Dosis: Vor jeder Mahlzeit eine Pille.

  =Homöopathisch.= Um die Wahl der Heilmittel zu erleichtern, ist
  die Krankheit in Klassen mit den zu jeder derselben erforderlichen
  Heilmitteln eingetheilt. Ehe man daher eines der Mittel wählt, sehe
  man zuerst die untenstehenden Einzelnheiten durch.

  Gegen Dyspepsie bei Erwachsenen: ~Aconitum~, ~Antimonium~, ~Arnica~,
  ~Belladonna~, ~Bryonia~, ~Calcarea Carbonica~, ~Carbo Vegetabilis~,
  ~Chamomilla~, ~China~, ~Hepar Sulphuris~, ~Ipecacuanha~, ~Mercurius~,
  ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~, ~Phosphorus~, ~Sepia~, ~Sulphur~,
  ~Veratrum~.

  Bei Kindern: ~Aconitum~, ~Bryonia~, ~Calcarea Carbonica~,
  ~Chamomilla~, ~Ipecacuanha~, ~Pulsatilla~, ~Sulphur~.

  Wenn langes Wachen die Ursache der Dyspepsie ist: ~Nux Vomica~,
  ~Arnica~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~, ~Carbo Vegetabilis~.

  Durch übermäßige geistige Anstrengung: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~,
  ~Lachesis~, ~Calcarea Carbonica~.

  Wenn die Folge von übermäßigem Genuß von Spirituosen: ~Nux Vomica~,
  ~Sulphur~, ~Lachesis~, ~Arsenicum~, ~Carbo Vegetabilis~.

  Ebenso vom Kaffee: ~Nux Vomica~, ~Ignatia~.

  In Folge des Tabaks: ~Nux Vomica~, ~Hepar Sulphuris~, ~Cocculus~,
  ~Staphysagria~.

  Bei Verschlimmerung nach Trinken von kaltem Wasser: ~Arsenicum~,
  ~China~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~.

  Nach Biertrinken: ~Arsenicum~, ~Calcarea Carbonica~, ~Rhus
  Toxicodendron~, ~Sepia~, ~Sulphur~.

  Nach Milchtrinken: ~Bryonia~, ~Nux Vomica~, ~Calcarea~, ~Sulphur~.

  Nach Säuren: ~Nux Vomica~, ~Sepia~, ~Sulphur~, ~Arsenicum~,
  ~Lachesis~.

  Nach Brod: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Pulsatilla~, ~Bryonia~,
  ~Mercurius~.

  Nach festen Speisen: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Carbo Vegetabilis~.

  Wenn gleichzeitig mit Dyspepsie Verstopfung vorhanden ist: ~Nux
  Vomica~, ~Sulphur~, ~Bryonia~, ~Lachesis~.

  Wenn mit Diarrhöe verbunden: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Acidum
  phosphoricum~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Mercurius~, ~Arsenicum~,
  ~Veratrum~.

  Gleichzeitig mit saurem Magen: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Calcarea
  Carbonica~.

  Oder mit Geschwüren: ~Nux Vomica~, ~Sulphur~, ~Sepia~.

  ~Aconitum.~ -- Wenn beim Beginne des Anfalles beträchtliches Fieber
  mit Durst und Uebelkeit, auch wenn Röthe und Wehsein des Mundes und
  Halses vorhanden sind.

  ~Arnica.~ -- Wenn ein Fall oder ein Schlag auf dem Magen die Ursache,
  mit Schmerz und einem Gefühl, als wenn das Rückgrat gebrochen wäre,
  Zunge dick, gelblich belegt, Uebelkeit mit Neigung zum Erbrechen,
  öfteres Aufstoßen mit fauligem bitterem Geschmack, nervöse Aufregung,
  Schwere in den Gliedern.

  ~Nux Vomica.~ -- Passend bei den meisten Fällen von Dyspepsie zu
  Anfange, besonders bei Verstopfung und einer Neigung zu Beulen,
  saurer, bitterer Geschmack im Munde; wenn die Nahrung, besonders
  Brod, sauer oder bitter oder geschmacklos ist; der Kranke hat nicht
  viel Appetit, aber ein Verlangen nach Bier, Wein oder Spirituosen;
  von der Nahrung leicht befriedigt, nach dem Essen mit Uebelkeit
  belästigt, Erbrechen der Speisen, Schwindel, Schwere, Schläfrigkeit,
  Vollsein, Ausdehnung des Magens, empfindlich gegen Berührung,
  Taumeln, Eingenommenheit des Kopfes, Kopfschmerz durch geistige
  Anstrengung erhöht, Klingen in den Ohren, Zunge weiß belegt,
  metallartiger, bitterer, saurer oder fauliger Geschmack im Munde
  des Morgens oder nach dem Essen, Sodbrennen, Windkolik, Gefühl von
  Beengung durch die Kleider um die Taille, saurer Magen, erfolgloses
  Stuhldrängen, harter, schwerer, mit Blut gestreifter Stuhl. Am besten
  paßt ~Sulphur~ nach diesem.

  ~Sulphur.~ -- Besonders bei lang anhaltenden Fällen, oder wenn kein
  Appetit nach Fleisch und Brod vorhanden, sondern ein Verlangen nach
  Wein und Säuren, Schwierigkeit des Athmens, Uebelkeit nach dem Essen,
  Aufstoßen und Erbrechen der Speisen; Frösteln, Säure und Sodbrennen,
  saurer Magen, geistiger Druck, unzufrieden mit Allem und Jedermann.
  Darauf paßt ~Calcarea Carbonica~ am besten.

  ~Pulsatilla~. -- Ein wichtiges Mittel bei Dyspepsie, besonders bei
  frischen Fällen, die durch Ueberessen verursacht sind, durch den
  Genuß von Schweinefleisch, Hammelfleisch, Butter oder irgend einer
  fettigen Substanz, der Geschmack der Speise kommt wieder heraus in
  den Mund, Neigung zum Erbrechen, besonders nach Essen und Trinken,
  Geschmack schal oder faulig, ähnlich dem von schlechtem Fleisch oder
  Talg, Druck in der Magengrube, besonders nach dem Essen, der Kranke
  fröstelt, ist schwach, eigensinnig und melancholisch.

  ~Antimonium Crudum.~ -- Besonders nützlich, wenn die Störung vom
  Ueberessen herrührt und folgende Symptome gegenwärtig sind: Der
  Geschmack der zuletzt eingenommenen Speise kommt wieder in den Mund
  und stößt bald nach dem Essen Theile unverdauter Speisen in die Höhe,
  die Zunge ist mit einem weißen oder gelblichen Schleim belegt, der
  Magen ist empfindlich gegen Berührung und ausgedehnt.

  ~Belladonna.~ -- Wenn ein schmerzhaftes Ausdehnen des Unterleibes
  stattfindet, bei einem Zusammendrücken, als wenn die Eingeweide
  festgehalten würden, Schlucken, Uebelkeit oder eine Abneigung gegen
  die Speise, Erbrechen von Galle oder Wasser, auch bei Eingenommenheit
  des Kopfes oder Blutandrang nach dem Kopfe.

  ~Arsenicum.~ -- Besonders nützlich bei chronischen Fällen, bei
  Zusammenfallen des Gesichts, kalten Endgliedern, dunklen Ringen um
  die Augen, zugespitzte Nase, Zunge weiß oder bräunlich, auch bei
  Magenkrämpfen, bei einem Gefühl von Kälte oder Hitze, alles, was in
  den Magen geht, wird wieder erbrochen, die Haut ist heiß und trocken.
  Wenn ~Arsenicum~ von keinem guten Erfolge ist, gebe man ~Lachesis~.

  ~Bryonia.~ -- Ein wichtiges Mittel gegen Dyspepsie, besonders
  wenn dieselbe im Sommer eintritt, auch wenn sie von Frostschauer,
  Kopfschmerz und Schmerz in den Gliedern und dem Rückgrat begleitet
  ist, ebenso bei den folgenden Symptomen: Zunge mit einem gelblichen
  Schleim belegt, heiß und trocken, Appetitlosigkeit, bittern
  Geschmack, große Abneigung gegen Speise, zuweilen ein großes
  Verlangen nach Speise und Getränken, Gefühl von Vollsein und Brennen
  im Magen nach den Mahlzeiten, viel Durst, Aufstoßen einzelner
  Theile von Speise nach jeder Mahlzeit, Sodbrennen, Verstopfung der
  Eingeweide, Uebelkeit des Morgens, Brennen im Magen, Laune reizbar
  und halsstarrig. Sollte ~Bryonia~ wenig oder gar keine Besserung
  gewähren, so gebe man ~Rhus~.

  ~China.~ -- Dyspepsie in Folge von Blutverlust oder anderen
  Entleerungen, wenn unreine Luft die Ursache und bei folgenden
  Symptomen: Druck im Magen, als ob von einer Last herrührend,
  Gleichgültigkeit gegen Essen und Trinken, Verlangen nach Wein oder
  Säuren, schaler oder bitterer Geschmack im Munde, Wunsch nach
  verschiedenen Leckerbissen, ohne eigentlich zu wissen nach welchen,
  krankhafter Appetit nach etwas Starkem, Scharfem oder Saurem,
  Schwäche und Ermüdung, der Kranke dehnt und streckt seine Glieder in
  Folge eines Gefühls von Müdigkeit.

  ~Cepa.~ -- Kein Hunger, aber beträchtlicher Durst, Eingenommenheit
  des Kopfes, Schmerz in den Eingeweiden in Folge von Winden.

  ~Carbo Vegetabilis.~ -- Appetitlosigkeit, bittrer Geschmack im Munde,
  bloßes Aufstoßen von Luft, Geschmack der Speise, nachdem man sie
  bereits zu sich genommen, Sodbrennen während der Nacht, Windkolik,
  Rasseln im Unterleib.

  ~Calcarea Carbonica.~ -- Besonders bei Kindern, welche eine Neigung
  zu Skropheln haben, Säure des Magens, häufiges Aufstoßen von Wind,
  Gefühl von Vollsein im Kopfe bei einer Neigung zu krampfhaftem
  Kopfweh, Vollsein und Anschwellen in der Gegend des Magens, bei
  Empfindlichkeit gegen Berührung, nagende oder kneipende Schmerzen.

  ~Chamomilla.~ -- Besonders bei einem Anfall von Zorn oder durch
  Stehen in der Zugluft, während man schwitzt, Aufstoßen der Speise,
  Uebelkeit, Erbrechen von Speisen und grünem Schleim oder Galle,
  Magenkrämpfe, Kopfschmerz, Vollsein, Schwindel, gestörter Schlaf und
  Herumwerfen, Gesicht roth und heiß.

  ~Hepar Sulphuris.~ -- Gegen Dyspepsie, wenn dieselbe durch das Nehmen
  von blauen Pillen oder anderen Quecksilber-Präparaten verursacht
  wurde, ein heftiges Verlangen nach reizenden Stoffen, Weinen oder
  Säuren, der Magen scheint äußerst empfindlich zu sein und geräth
  leicht in Unordnung, obgleich der Patient gesund sein mag, Uebelkeit
  am Morgen, bei Erbrechen einer sauren, galligen oder schleimigen
  Masse. Kann abwechselnd mit ~Nux vomica~, wenn harter, leicht
  gefärbter Stuhl vorhanden ist, oder mit ~Mercurius~, bei einer
  weißlichen Diarrhöe, gegeben werden.

  ~Ipecacuanha.~ -- Besonders passend für Kinder, wenn sie Speisen,
  Getränke oder Galle erbrechen, Erbrechen mit Kälte des Gesichts und
  der Endglieder, Zunge weiß, gelblich belegt, Erbrechen mit Diarrhöe,
  Abneigung gegen Speise, besonders fette und reiche Kost, oder wenn
  die Verdauungsschwäche vom Essen des Turkey oder von Pasteten u. s.
  w. veranlaßt wurde.

  ~Mercurius.~ -- Aufstoßen eines sauren und bitteren Stoffes,
  fauliger, süßlicher oder bitterer Geschmack des Morgens, Neigung
  zur Diarrhöe, bei Durchfall oder Schweiß, schwache Verdauung bei
  beständigem Hunger, Druck in der Magengrube nach dem Essen. Ist vor
  oder nach ~Lachesis~ zweckmäßig zu geben.

  ~Phosphorus.~ -- Bloßes Aufstoßen, besonders nach dem Essen,
  Erbrechen nach dem Essen, Brennen im Magen.

  ~Sepia.~ -- Bei chronischer Dyspepsie mit oder ohne krankhaftes
  Kopfweh, Aufstoßen oder Schmecken von saurer oder fauliger Speise,
  Anschwellen des Unterleibes mit einem Drucke, wie von einem Stein
  herrührend, Uebelkeit vor dem Frühstück, ebenso nach dem Essen,
  Uebelkeit von schwangeren Frauen.

  ~Lachesis.~ -- Unregelmäßiger Appetit, ein Widerwillen gegen Brod,
  bei einem Verlangen nach Wein und Milch, häufige Uebelkeit, Erbrechen
  der Speisen, Verstopfung, Unbehaglichkeit, Trägheit, Schwere. Ist
  passend vor oder nach ~Mercurius~.

  ~Veratrum~. -- Wenn sich ~Ipecacuanha~ als unzureichend erwiesen hat
  oder wo nach Anwendung von ~Ipecacuanha~ noch Diarrhöe mit kneipenden
  Schmerzen in den Eingeweiden vorhanden ist, bei großem Durst, Kälte
  der Hände und einem Schauer über den ganzen Körper.

  Andere Heilmittel wie ~Rhus~, ~Acidum Phosphoricum~, ~Cocculus~,
  ~Ignatia~, ~Staphysagria~ sind zuweilen, aber nicht oft anwendbar.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Bei frischen Anfällen, und wenn viel
  Magenschmerz und krankhafter Reiz desselben vorhanden, nehme von dem
  gewählten Heilmittel alle halbe, ganze, zwei oder drei Stunden eine
  Dosis. Sobald die Strenge der Symptome nachzulassen beginnt, sollten
  die Zwischenräume verlängert werden. Bei chronischen Fällen ist das
  Mittel dreimal des Tages zu wiederholen. Bei Anwendung der Kügelchen
  gebe einem Erwachsenen zehn.

  =Allöopathisch.= Wenn Mangel an Appetit ein Symptom ist und es ist
  keine erklärliche Ursache dafür vorhanden, nehme folgendes:

    Rinden-Abkochung (~Decoction of bark~)                6 Unzen.
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         8 Grane.
    Verdünnte Schwefelsäure (~Dilute sulphuric acid~)     ½ Drachme.
    ~Compound tincture of bark~                           ½ Unze.
    Orangenschalen-Syrup                                  2 Drachmen.

  Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Wenn es von einem Schmerz in der Magengrube begleitet ist, nehme das
  folgende:

    Dreifach salpetersaurer Wismuth                      10 Grane.
    Gummi Arabicumschleim (~Mucilage of gum arabic~)      ½ Drachme.
    Syrup                                                 ½    „
    Hopfen-Tinktur (~Tincture of hops~)             ½ bis 1    „
    Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~)         ½ bis 1    „
    Wasser                                                1 Unze.

  Mische es und nimm zwei- bis dreimal des Tages eine Dosis.

  Beim Beginn der Dyspepsie ist in der Regel eine Störung der Leber
  vorhanden. In diesem Falle möge folgende Pille gegeben werden:

    Enzian-Extrakt (~Extract of gentian~)                 ½ Drachme.
    Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~)             ½    „
    ~Blue Mass~                                           4 Grane.

  Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine
  Pille eine Woche lang.

  Salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic acid~), in Dosen von 3
  bis 4 Tropfen wirkt als ein mildes stärkendes Mittel und kann den
  obigen Pillen folgen. Wo Nervenschwäche vorwiegend ist, und besonders
  bei chronischen Fällen, wird folgendes vorzüglich gefunden werden:

    Pillen von kohlensaurem Eisen (~Pill of carbonate
    of iron~)                                             2 Skrupel.
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         1    „
    Alkohol-Extrakt von ~Nux vomica~                      5 Grane.

  Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine
  Pille.

  Ist Mangel an Appetit und Niedergeschlagenheit vorhanden, nehme man
  folgendes:

    Enzian-Aufguß (~Infusion of gentian~)                5½ Unzen.
    Anderthalb kohlensaures Ammoniak
    (~Sesqui-carbonate of ammonia~)                       ½ Drachme.
    Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound
    tincture of cardamons~)                               ½ Unze.

  Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages zwei Eßlöffel voll.

  Gleichzeitig nehme man folgende Pillen:

    Pulverisirter Rhabarber (~Powdered rhubarb~)          ½ Drachme.
    Spanische Seife (~Castile soap~)                      1 Skrupel.
    Pulverisirter Ingwer (~Powdered ginger~)             12 Grane.

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Nimm jeden Abend oder einen
  Abend um den andern zwei Pillen.

  Gegen Verstopfung ist das unter ~Mettauer’s Aperient~ bekannte Mittel
  sehr zu empfehlen. Es besteht aus folgendem:

    Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~)                    1½ Unzen.
    Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~)      4   „
    Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus                   2   „
    Wasser                                                2 Quart.

  Gieße das Ganze in einen Krug und lasse die Mischung 14 Tage lang
  stehen, schüttle es einmal des Tages gehörig um und gieße dann den
  Bodensatz weg. Es verbessert sich mit der Zeit.

  Dosis: einen Theelöffel voll sogleich nach der Mahlzeit. Dies
  Mittel wird besonders gut bei galliger Dyspepsie gefunden werden,
  da es auf die Leber wirkt. In solchen Fällen nehme man einige
  Tropfen salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic acid~) vor
  der Mahlzeit und das vorhergehende Mittel nach dem Essen, was von
  außerordentlichem Erfolg begleitet sein wird.

  Andere Mittel gegen Verstopfung sind folgende:

    Pulverisirter Rhabarber (~Pulverized Rhubarb~)        2 Unzen.
    Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
    of potassa~)                                          1 Unze.

  Mische es. Dosis: hinreichend um eine Bewegung der Eingeweide jeden
  Tag hervorzurufen.

  Oder auch:

    Rhabarber (~Rhubarb~)                                 2 Skrupel.
    Aloe                                                  1    „
    Nux Vomica-Extrakt                                    4 Grane.

  Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis zwei oder drei Pillen
  jeden Tag so oft als erforderlich.

  Oder:

    Rhabarber (~Rhubarb~)                                 ½ Drachme.
    Zusammengesetzter Koloquinthen-Extrakt (~Compound
    extract of colocynth~)                                ½ Drachme.

  Mische und theile es in 20 Pillen. Nimm eine oder zwei, je nach
  Bedarf.

  Gegen Magensäure gebe man präparirte Holzkohle (~Prepared charcoal~),
  in Dosen von einem Theelöffel voll, oder kohlensaure Magnesia
  (~Carbonate of magnesia~), oder dreifach salpetersauren Wismuth
  (~Tris-nitrate of Bismuth~), eine Priese doppelt kohlensaurer Soda
  (~Bi-carbonate of soda~) oder einen kleinen Eßlöffel voll Kalkwasser.

  Gegen Sodbrennen -- einen Theelöffel voll Magnesia oder Kreide in
  einem Glas kalten oder warmen Wassers. Kalkwasser oder flüssige
  Magnesia wird in denselben Fällen zuträglich gefunden werden.

  ~Pyrosis~ (Sodbrennen mit starkem Wasserzusammenlaufen im Munde) wird
  durch 10 oder 15 Tropfen Ammoniak in einem halben oder ganzen Glas
  voll Wasser erleichtert werden.

  Zur Bewirkung einer vollständigen Kur der Dyspepsie ist dreifach
  salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of Bismuth~), in Dosen von 20
  bis 30 Granen dreimal des Tages bei jeder Mahlzeit. Ist viel Schmerz
  vorhanden, so gebe man folgendes:

    Dreifach salpetersaurer Wismuth
   (~Tris-nitrate of Bismuth~)       von 2 Skrupel bis zu 1 Drachme.
    Magnesia                         von 2 Skrupel bis zu 1    „
    Aloe-Tinktur                                          ½ Unze.
    Hopfen-Tinktur                                        ½  „
    Hinreichend Wasser, um 6 Unzen zu machen.

  Mische es. Dosis: Zweimal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Oder auch:

    Eisensaurer Ammoniak Alaun (~Ammonio-ferric alum~)    2 Skrupel.
    Zimmetwasser                                          4 Unzen.

  Mische und löse es auf. Dosis: Alle zwei bis drei Stunden einen
  Eßlöffel voll.

  Gegen Magenschmerz oder Krampf lindert zuweilen folgende Einspritzung
  augenblicklich:

    Castoröl                                              2 Unzen.
    Stachlige Eschenrinden-Tinktur (~Tincture
    of prickly ash bark~)                                 ½ Unze.
    Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur
    (~Compound tinct. of Virginia snake root~)            2 Drachmen.
    Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~)         ½ Pint.
    Sennesblätter                                         ½  „

  Mische und gebrauche es als Einspritzung.

  Cajeput- (~Cajeput~) Oel in Dosen von 4 Tropfen auf ein Stück Zucker
  ist ein ausgezeichnetes Mittel. Kampher-Spiritus, Ingwer- (~Ginger~)
  Essenz und zusammengesetzter Lavendel- (~Lavender~) Spiritus sind
  allgemein bekannte und gebrauchte Linderungsmittel. Ein Senfpflaster
  auf dem Magen lindert oft augenblicklich.


Uebelkeit und Erbrechen.

Dem Erbrechen geht in der Regel ein eigenthümlicher Zustand, genannt
Uebelkeit oder krankhafter Zustand des Magens, voraus. Dies Gefühl
ohne Schmerz ist von Mattigkeit und großer Schwäche, blasser, kühler,
feuchter Haut, eingefallenem Gesicht u. s. w. begleitet. Nachdem
dieser Zustand eine geraume Zeit angehalten hat, tritt Erbrechen ein.
Erbrechen wird gewöhnlich als Symptom einer Krankheit angesehen, tritt
aber zuweilen auch selbstständig auf, d. h. ohne mit einer andern
Krankheit verbunden zu sein.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Wenn das Erbrechen durch Ueberessen hervorgerufen
  wurde, so ist es als wohlthuend zu betrachten, und man sollte häufig
  Getränke von warmem Wasser zu sich nehmen, um vermittelst dessen den
  Magen zu reinigen.

  Folgendes sind Mittel, welche bei den verschiedenen Arten des
  Erbrechens genommen werden mögen:

  ~Ipecacuanha.~ -- Dies ist das Hauptmittel und wird in der Regel
  alles sein, was erforderlich ist. Wenn das Erbrechen durch Ueberladen
  des Magens hervorgerufen wurde: ~Pulsatilla~, ~Antimonium~, ~Crudum~,
  ~Nux Vomica~, ~Arsenicum~, ~Rhus~, ~Bryonia~, ~Sulphur~.

  Bei Erbrechen von schwangern Frauen: ~Nux Vomica~, ~Ipecacuanha~,
  ~Arsenicum~, ~Veratrum~.

  Wenn Würmer die Ursache sind: ~Cina~, ~Aconitum~, ~Ipecacuanha~, ~Nux
  Vomica~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Lachesis~.

  Wenn in Folge von Trinken: ~Arsenicum~, ~Ferrum~, ~China~, ~Bryonia~,
  ~Chamomilla~, ~Aconitum~, ~Silicea~, ~Arnica~.

  Stellt es sich nach dem Essen ein: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~,
  ~Bryonia~, ~Arsenicum~, ~Ferrum~.

  Bei Erbrechen am Morgen: ~Nux Vomica~, ~Arsenicum~, ~Veratrum~,
  ~Lycopodium~, ~Drosera~.

  Bei Erbrechen am Abend oder des Nachts: ~China~, ~Nux Vomica~,
  ~Arsenicum~, ~Veratrum~, ~Sulphur~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Man löse 12 Kügelchen in 12
  Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe Stunde einen Theelöffel
  voll bis Besserung eintritt. Wird die Medizin trocken gegeben, so
  gebe man drei bis sechs Kügelchen auf eine Dosis. Wenn nach drei oder
  vier Dosen keine Besserung eintritt, greife zu einem anderen Mittel.

  =Allöopathisch.= Gewöhnlich wird eine Dosis von grüner Münze-
  (~Spearmint~), Pfeffermünz- (~Peppermint~) oder Ingwer- (~Ginger~)
  Thee sofortige Erleichterung verschaffen. Zuweilen wird Branntwein,
  Ingwer- (~Ginger~) Tinktur oder Paregoricum diesem Zwecke entsprechen.

  Wird es durch einen Reiz des Magens verursacht, so gebe man folgendes:

    Belladonna-Extrakt                                    6 Grane.
    Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. Ipecac~)              10   „
    Rosen-Zucker (~Confection of roses~)                  2   „

  Mische es und mache 30 Pillen daraus. Dosis: Zweimal des Tages
  eine Pille. Bei hartnäckigen Fällen kann ½ oder ¼ Gran Morphium
  gegeben werden. Ein Senfpflaster auf den Magen wird zuweilen
  sofortige Linderung hervorrufen. Eine Einspritzung von 30 bis 60
  Tropfen Laudanum mit 2 Unzen dünner Stärke wird sich bei einzelnen
  Fällen als ein ausgezeichnetes Mittel bewähren. Flanell mit einer
  Abkochung von Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) in Spiritus oder Terpentin-
  (~Turpentine~) Oel befeuchtet, kann auch angewendet werden. Kalk-
  (~Lime~) Wasser und Milch in Dosen von einem Theelöffel voll
  von jedem alle halbe oder alle zwei Stunden, wird in Fällen, wo
  keine starke Aufregung vorhanden, und besonders bei Magensäure,
  entsprechen. Kreosot in Dosen von einem Tropfen, so oft als
  erforderlich wiederholt, hat zuweilen ausgezeichneten Erfolg.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Bei Reizbarkeit des Magens mögen
  gleiche heile von Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz, Laudanum und
  Kampher-Tinktur in Dosen von einem halben Theelöffel voll in einem
  Aufguß von grüner Münze (~Spearmint~) gegeben werden. Zuweilen wird
  auch ein starker Aufguß von Nelken (~Cloves~), oder Ingwer (~Ginger~)
  und Nelken alle 5 bis 10 Minuten gegeben. Wenn gleichzeitig Schmerz
  in dem Magen vorhanden ist, füge 8 bis 10 Tropfen Laudanum zu jeder
  Dosis. Dreifachsalpetersaurer Wismuth in Dosen von 5 bis 10 Granen
  mit einem ½ Gran schwefelsaurem Morphium (~Sulphate of morphine~)
  wird sofortige Linderung verschaffen. Ein Aufguß von geröstetem Korn,
  oder ein Kuchen aus Hafermehl mit Wasser gebacken und dann wie Kaffee
  gebrannt wird das Erbrechen einstellen.


Seekrankheit.

Dies ist eine besondere Gattung von Erbrechen, welches sowohl durch
Rückwärtsfahren, Schaukeln oder Drehen als auch durch das Fahren auf
einem Schiffe verursacht wird. Personen, die davon befallen werden,
sollten sich sogleich niederlegen und zwar, wenn möglich, in der
frischen Luft. Seeleute rathen zu einem Drucke auf den Unterleib
vermittelst eines engen Gürtels. Rohe, gesalzene Austern sind in der
Regel bei diesem Zustand des Magens am leichtesten verdaulich.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein oder zwei Schluck Aepfelwein mit
  zehn oder zwölf Tropfen Laudanum wird häufig Linderung verschaffen;
  ebenso Branntwein, Spiritus oder Champagner.

  =Homöopathisch.= Schottisches Ale, Häringe und Citronen werden in der
  Regel von Seekranken verlangt. Heilmittel sind folgende:

  ~Cocculus.~ -- Schwindel, Kopfschmerz, Uebelkeit. Dem Patienten wird
  besser, wenn er sich niederlegt.

  ~Nux Vomica.~ -- Ebenso wie ~Cocculus~. Dem Patienten wird besser,
  wenn er nicht in der freien Luft ist.

  ~Pulsatilla.~ -- Dem Patienten ist in der freien Luft wohler.

  ~Hyosciamus~ -- ist ein wichtiges Mittel, besonders bei Schwindel des
  Kopfes.

  ~Colchicum~ -- kann nach Pulsatilla gegeben werden.

  ~Arsenicum.~ -- Wenn der Patient sehr schwach wird und sich häufig
  erbricht.

  ~Petroleum~ -- kann in Fällen von sehr großer Schwäche gegeben
  werden. Gegen Verstopfung während einer Reise gebe man ~Opium~, ~Nux
  Vomica~, ~Cocculus~, ~Lachesis~, ~Sulphur~. Wenn gleichzeitig bei
  Verstopfung ein Verlangen nach Säuren vorhanden ist, gebe man ~Sepia~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Ebenso wie bei Uebelkeit und Erbrechen.


Magenneuralgie, Magenkrampf (+Gastralgia+).

Diese Krankheit wird von einem heftigen Schmerz begleitet, ähnlich
dem des Sodbrennens, aber er ist stärker und gewöhnlich von kürzerer
Dauer. Der Schmerz tritt ganz unregelmäßig auf, zuweilen verläßt er den
Kranken für eine Zeit ganz und in einigen Fällen wird er durch Druck
gelindert, was aber eben nicht immer der Fall ist. Gleichzeitig kann
Schwierigkeit des Athmens, Unruhe und Herzklopfen vorhanden sein. Heiße
und reizende Getränke lindern in der Regel den Schmerz. Schmerzen und
Krämpfe werden in der Magengrube gefühlt, zuweilen leicht, dann wieder
von großer Heftigkeit und erstrecken sich bis zur Brust und zum Rücken.
Gewöhnlich findet ein Aufstoßen von einer großen Menge Luft statt, was
dem Kranken für eine kurze Zeit Erleichterung verschafft.

+Ursachen.+ -- Können aus Krankheiten des Rückgrats oder irgend einer
Störung der Nerven des Magens entspringen, ebenso aus einer Krankheit
der Milz, der Leber oder anderer Organe, durch das übermäßige Trinken
starker Spirituosen, Kaffee und Thee, durch unverdauliche Speisen,
Angst und heftige Bewegungen. Das weibliche Geschlecht ist dieser
Krankheit besonders ausgesetzt und wird gewöhnlich bei Störung der
monatlichen Reinigung gefunden.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten vermittelst
  einer milden Einspritzung, wie warmes Wasser geleert und warme
  Bähungen von Hopfen, Wasserdost (~Boneset~), Rainfarn (~Tansy~)
  und andere Kräuter auf die Gegend des Magens gebracht werden, dem
  man einen Senfumschlag folgen läßt. In Zwischenräumen gebe man die
  zusammengesetzte Brechwurz- (~Ipecac~) und Opium-Tinktur so oft
  als nothwendig, oder in einigen Fällen zusammengesetzte Tinktur
  der Lobelia und des spanischen Pfeffers (~Capsicum~). Einreiben
  der Gegend über dem Magen mit einer Salbe, zusammengesetzt aus
  gleichen Theilen Laudanum, Kampher- (~Camphor~) Tinktur, Pfeffermünz-
  (~Peppermint~) Essenz und Amberöl wird zuträglich gefunden werden.

  =Homöopathisch.= Bei Magenkrampf in Folge zu vielen Kaffeetrinkens
  gebe man ~Nux Vomica~, ~Ignatia~, ~Cocculus~, ~Chamomilla~.

  In Folge unmäßigen Genusses von Spirituosen: ~Nux Vomica~,
  ~Arsenicum~, ~Sulphur~, ~Lachesis~.

  Wenn Unverdaulichkeit die Ursache: ~Pulsatilla~, ~Antimonium~,
  ~Crudum~, ~Bryonia~, ~China~, ~Nux Vomica~.

  In Folge von geistiger Erregung, wie Zorn, Freude &c.: ~Chamomilla~,
  ~Colocynthis~, ~Nux Vomica~.

  In Folge Säfte-Verlustes, wie durch Stillen, Schweiß, Blutungen &c.:
  ~China~, ~Acidum Phosphoricum~, ~Cocculus~, ~Nux Vomica~.

  In Folge von Rheumatismus oder Gicht: ~Ipecacuanha~, ~Bryonia~, ~Nux
  Vomica~, ~Belladonna~, ~Calcarea~, ~Sulphur~, ~Rhus~.

  Sind die monatlichen Reinigungen zu spärlich: ~Pulsatilla~,
  ~Cocculus~. Sind sie zu stark: ~China~, ~Belladonna~, ~Calcarea
  Carbonica~, ~Platina~.


  Einzelnheiten der Symptome.

  ~Nux Vomica.~ -- Das wichtigste Mittel gegen Magenkrampf bei
  folgenden Symptomen: Zusammenziehender, drückender und krampfartiger
  Schmerz mit einem Gefühl von Ziehen oder Kneipen im Magen, bei
  Beklemmung der Brust, gleichsam als wenn dieselbe mit einem Bande
  zusammengeschnürt wäre. Der Schmerz erstreckt sich bis zum Rücken und
  den Lenden. Erbrechen einer flüssigen oder sauren Masse während des
  Schmerzes, schlimmer nach einer Mahlzeit oder nach Genuß von Kaffee
  und starken Spirituosen. Wird durch ~Nux Vomica~ keine Linderung
  hervorgerufen, so gebe man ~Chamomilla~ oder ~Cocculus~ abwechselnd
  damit alle halbe Stunde.

  ~Chamomilla.~ -- Druck im Magen, wie von einem Steine herrührend,
  Kurzathmigkeit, Brustbeklemmung, Schmerzen, schlimmer des Nachts,
  bei großer Angst, Herumwerfen, zuweilen Linderung nach Trinken,
  der Kranke ist empfindlich und reizbar. Dies kann abwechselnd mit
  ~Coffea~ gegeben werden, wenn es allein gegeben keine Linderung
  verschafft.

  ~Cocculus.~ -- Besonders wenn ~Nux Vomica~ oder ~Chamomilla~ nur
  vorübergehend Linderung gewährt; wenn die Krämpfe durch Aufstoßen
  vermindert werden.

  ~Belladonna~ -- kann gegeben werden, wenn ~Chamomilla~ angezeigt
  erscheint und dennoch keine Linderung gewährt, oder wenn der
  Magenkrampf gerade während übermäßig starker Reinigung eintritt.
  Dasselbe mag abwechselnd mit ~Coffea~ gegeben werden, wenn die Kranke
  unruhig ist und keinen Schlaf finden kann.

  ~Pulsatilla.~ -- Besonders dienlich bei Personen von mildem und
  traurigem Gemüthe, da wo die monatliche Reinigung nur langsam
  vor sich geht; die Schmerzen sind schießend und schlimmer beim
  Gehen, Schmerzen im Magen, durch Fasten oder Ueberladen des Magens
  verursacht, Uebelkeit und Erbrechen der Speisen, nicht viel Durst,
  Schmerzen schlimmer am Abend mit einem Gefühl von Frost.

  ~China.~ -- Besonders dienlich nach Säfte-Verlust, wie Blutlassen,
  Diarrhöe &c. Anschwellen des Magens mit einem schmerzhaften Druck und
  einem Rasseln durch Wind verursacht.

  ~Ignatia.~ -- Paßt besonders nach ~Pulsatilla~, wenn drückende
  Schmerzen, wie von einem Stein herrührend, nach der Mahlzeit oder
  des Nachts vorhanden sind; Brennen und Ziehen in der Magengrube,
  empfindlich gegen Berührung, Abneigung gegen Speise und Trank,
  ebenso Verdauungs-Beschwerden, Furcht u.s.w.

  ~Carbo Vegetabilis.~ -- Mag gegeben werden, wenn Krämpfe durch
  verdorbene Nahrungsmittel verursacht werden, auch bei Anfällen,
  welche bei feuchtem, nassem Wetter eintreten, besonders wenn ein
  schmerzhafter, brennender Druck, schlimmer bei Berührung, zur
  Nachtzeit vorhanden ist. Krampfhafte Zusammenziehung, der Kranke
  krümmt sich vor Schmerz, Zittern, schlimmer beim Niederlegen,
  Sodbrennen. Schon der Gedanke an Speise erregt Uebelkeit.

  ~Lachesis.~ -- Drückender Schmerz, besser bald nach einer
  Mahlzeit, kehrt aber in kurzer Zeit zurück bei Verstopfung und
  Verdauungsschwäche.

  ~Arsenicum.~ -- Passend bei Krampf, wenn die Schmerzen
  außerordentlich stark sind, Schmerz brennend, als ob von heißen
  Kohlen herrührend, kneipend oder schneidend. Aeußerliche Kalte,
  heftiger Durst, der aber ohne den Schmerz zu erhöhen, nur mit einer
  kleinen Menge einer Flüssigkeit gestillt werden kann, Magen erweitert
  und ausgespannt, die Schmerzen erstrecken sich bis auf den Rücken
  oder bis in den Unterleib, Empfindlichkeit gegen Druck, Erbrechen
  einer dicken, gelblichgrünen Masse.

  ~Sulphur.~ -- Drückende Schmerzen, wie von einem Steine herrührend,
  in der Regel nach einer Mahlzeit Uebelkeit, Erbrechen, saures
  Aufstoßen von Speisen.

  ~Bryonia.~ -- Druck in der Gegend des Magens beim Essen oder nach
  einer Mahlzeit mit einem Gefühl von Anschwellen in der Magengrube,
  Zusammenlaufen von Wasser im Munde, Kopfschmerz, Schwindel,
  Verstopfung. Kann, wenn der Druck im Magen sehr stark und das Athmen
  schwierig ist, besonders nach dem Genuß von kalten Getränken,
  abwechselnd mit ~Rhus~ gegeben werden.

  ~Staphysagria.~ -- Besonders passend gegen Magenkrämpfe, die durch
  Aerger oder andere geistige Erregungen verursacht werden.

  ~Calcarea Carbonica.~ -- Passend bei Personen mit vollem rothem
  Gesicht oder bei Frauenzimmern, welche ihre monatliche Reinigung
  zu stark haben, besonders nachdem Belladonna theilweise Linderung
  gewährt.

  ~Colocynthis.~ -- Der Krampf beginnt zwei oder drei Stunden oder
  mehr nach einer Mahlzeit, besonders wenn eine große Menge von süßem
  Fleisch gegessen worden ist.

  =Allöopathisch.= Folgende Einspritzung kann zuweilen mit gutem
  Erfolge angewendet werden:

    Castoröl                                              2 Unzen.
    Stachlige Eschenrinde-Tinktur (~Tincture of prickly
    ash bark~)                                            ½ Unze.
    Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzeltinktur
    (~Compound tincture of Virginia snake root~)          2 Drachmen.
    Aufguß von Wasserdost (~Boneset~) und Sennesblättern
    (~Senna~) zu gleichen Theilen                         ½ Pint.

  Mische es und gebe es als eine Einspritzung.

  Ein gutes Heilmittel ist Cajeputöl (~Cajeput~) in Dosen von 4 Tropfen
  auf ein Stück Zucker, ebenso Kampher-Spiritus, Ingwer- (~Ginger~)
  Essenz und zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound tincture of
  cardamons~).

  Folgendes wird sehr zuträglich gefunden werden:

    Süße Rhabarber-Tinktur (~Sweet tincture of rhubarb~)  4 Unzen.
    Doppeltkohlensaures Soda (~Bi-carbonate of soda~)     2 Drachmen.

  Mische es. Dosis: Zwei Theelöffel bis einen Eßlöffel voll so oft
  als erforderlich. In einigen Fällen wird es von Erfolg sein, wenn
  einige Tropfen Cayennepfeffer- (~Cayenne~) Tinktur zu dieser Mischung
  hinzugefügt werden. Zuweilen verschafft auch ein Senfpflaster über
  den Magen Linderung.


Magenweh oder Magenkolik (~Griping Colic, Enteralgia~).

Der Ausdruck Kolik wird für einen heftigen Schmerz in den Eingeweiden
gebraucht. Ein ganz eigenthümliches schlingendes oder spannendes
Gefühl hinter dem Nabel ist vorhanden, begleitet von Verstopfung der
Eingeweide, zuweilen Uebelkeit und Erbrechen, der Schmerz läßt beim
Druck nach, mit Zwischenräumen von Erleichterung, der Bauch ist hart,
in Stücke oder Knoten zusammengezogen und von Wind aufgetrieben. Sie
kann von einer Entzündung der Eingeweide dadurch unterschieden werden,
daß der Druck Linderung verschafft, daß kein Fieber dabei vorhanden ist
und der Schmerz von Zeit zu Zeit verschwindet. Drei Gattungen von Kolik
werden in der Regel unterschieden, nämlich gewöhnliche oder Windkolik,
Gallenkolik und Malers Kolik.

Die Symptome der Windkolik bestehen in häufigem Aufstoßen von Wind
ohne Linderung, einem heftigen Schmerz mit einem Gefühl von ineinander
Schlingen oder Kneipen in der Gegend des Nabels, der Schmerz nimmt beim
Druck nicht zu, verschwindet von Zeit zu Zeit und kehrt ebenso wieder,
Gefühl von Vollsein mit Verstopfung, Kollern, Uebelkeit, kaltes Gefühl
des Magens.

+Ursachen.+ Unverdauliche Nahrung, Wind, übermäßige Ausdehnung des
Magens durch Nahrungsmittel, welche Gase erzeugen, Verstopfung, das
sich Aussetzen der Kälte &c.

Gallenkolik wird zuweilen mit Windkolik verwechselt, aber ist eine
heftigere und beunruhigendere Krankheit. Der Kranke klagt in der Regel
vor einem Anfall über Störungen im Magen und Eingeweiden, Verstopfung,
Appetitlosigkeit, belegte Zunge, bitterer Geschmack im Munde, Uebelkeit
und Erbrechen, so wie die Krankheit fortschreitet, ein schneidender
und schraubender Schmerz tritt ein, zuweilen beginnt er in der Gegend
des Magens und dehnt sich bis zum Rücken aus, oder in anderen Fällen
erfaßt er die Eingeweide und schlingt sie in der Nabelgegend in
einander, gerade wie bei der Windkolik. Der Schmerz wird anfänglich
durch Druck gelindert, später werden die Eingeweide gegen denselben
empfindlich, die Endglieder kalt, die Haut und das Weiße im Auge nehmen
eine gelbliche Farbe an, Unruhe ist vorhanden.

+Ursachen.+ Gallenkolik kann durch ein Nervenleiden des Magens, durch
Erkältung, das Fallen des Rheumatismus oder Nervenschmerz (~Neuralgia~)
auf den Magen oder die Eingeweide, Verstopfung &c. hervorgerufen werden.

Maler’s oder Bleikolik ist eine Krankheit, die durch Blei verursacht
und unter jenen, die mit Blei zu thun haben, wie Maler, Bleiarbeiter,
Bergleuten, Schriftgießer &c. gefunden wird. Die Kolik kommt allmählig
an, eine Verstimmung und Kleinmuth, ziehende Schmerzen in den
Eingeweiden und Endgliedern, Schwere in den Gliedern, Störung im Magen
und den Eingeweiden, Frösteln, Niedergeschlagenheit, unbehagliches
Gefühl in der Magengrube; dieses Gefühl steigert sich bis zur Marter,
erstreckt sich auf die Eingeweide, ist außerordentlich heftig,
Uebelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerz, großer Durst, Schmerz
in den Gelenken und Knöcheln, der Schmerz wird nicht durch Druck
erhöht, die Muskeln des Unterleibes sind gegen Berührung empfindlich,
zuweilen so sehr, daß der Kranke das Gewicht der Bettdecke nicht zu
ertragen vermag; hin und wieder treten Schlaganfälle, besonders der
Muskeln des Vorderarms, ein.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Der Patient sollte in ein warmes Bad gebracht, in
  ein Faß gesetzt und so mit einer Decke umhüllt werden, daß der heiße
  Dampf nicht verfliegt. Nach Verlauf von ungefähr 10 Minuten sollte
  er, ohne abgetrocknet zu sein, in die Decken gehüllt werden, gut
  zugedeckt und noch mit Ziegelsteinen oder Flaschen mit heißem Wasser,
  besonders in der Gegend, wo der Schmerz am heftigsten ist, erwärmt
  werden. Sobald der Schweiß eintritt, wird der Kranke Linderung
  verspüren. Die Medizinen sind bei Beginn des Anfalles zu geben. Die
  verschiedenen Formen von Kolik und den dagegen erforderlichen Mitteln
  folgen hier:

  Gallenkolik: ~Nux Vomica~, ~Colocynth~, ~Chamomilla~, ~Bryonia~.

  Gewöhnliche oder Windkolik: ~Pulsatilla~, ~China~, ~Cocculus~, ~Nux
  Vomica~, ~Colocynth~, ~Sulphur~, ~Carbo Vegetabilis~.

  Malers- oder Bleikolik: ~Opium~, ~Platina~, ~Belladonna~.

  Kolik in Folge von Würmern: ~Mercurius~, ~Cina~, ~Sulphur~.

  Kolik in Folge von Unverdaulichkeit: ~Pulsatilla~, ~China~,
  ~Bryonia~, ~Belladonna~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Nux Vomica~.

  Kolik nach Frost: ~Aconitum~, ~Colocynth~, ~Mercurius~, ~Nux Vomica~,
  ~Chamomilla~.

  Kolik bei hartnäckiger Verstopfung: ~Nux Vomica~, ~Opium~.

  Kolik in Folge von Baden: ~Nux Vomica~.

  Kolik in Folge von kaltem, feuchtem Wetter: ~Pulsatilla~, ~Rhus~,
  ~Bryonia~.

  Kolik bei kleinen Kindern: ~Chamomilla~, ~Rheum~, ~Coffea~,
  ~Belladonna~ und ~Aconitum~.

  Kolik bei schwangeren Frauen: ~Nux Vomica~, ~Bryonia~, ~Pulsatilla~,
  ~Sepia~, ~Chamomilla~.

  Kolik bei hysterischen Frauen: ~Ignatia~, ~Nux Vomica~, ~Cocculus~.


  Einzelheiten der Symptome.

  ~Colocynth.~ -- Dies ist das Hauptmittel gegen alle Arten von
  Kolik. Die Schmerzen sind schneidend und kneipend, oder als ob die
  Eingeweide mit Messern geschnitten würden. Krämpfe in den Gliedern,
  Frostschauer, Unterleib geschwollen, sehr leer und empfindlich, wie
  in Folge einer Quetschung. ~Mercurius~, ~Chamomilla~ und ~Belladonna~
  können hierauf gegeben werden.

  ~Nux vomica.~ -- Verstopfung bei einem Druck im Unterleib, der
  Schmerz ist kneipend und ziehend, Druck in der Magengrube,
  Anschwellen und Empfindlichkeit des Unterleibes gegen Berührung,
  kalte Hände und Füße.

  ~Belladonna.~ -- Schmerz als ob die Eingeweide mit den Fingernägeln
  gezwickt würden, gelindert durch einen Druck auf die Eingeweide, oder
  auf Krümmung ein Gefühl von Schwere im untern Theile, als ob etwas
  herausfallen wolle, Kopf und Gesicht heiß und roth, starke Schmerzen
  im Kopfe, welche durch Bewegung verschlimmert werden, Hals trocken.
  Man lasse diesem ~Mercurius~ oder ~Hyosciamus~ folgen.

  ~China.~ -- Außergewöhnliches Anschwellen des Unterleibes bei
  Vollsein und Druck, wie von harten Körpern herrührend, Schmerz mit
  Verstopfung, schlimmer des Nachts.

  ~Pulsatilla.~ -- Schießende, beißende Schmerzen in der Magengrube,
  ein Gefühl von Schwere und Vollsein im Unterleib mit Empfindlichkeit
  und Schmerz, wie von einer Quetschung, Kolik in Folge von
  Unverdaulichkeit, schlimmer beim Sitzen oder Liegen, oder am Abend,
  bei Schauer; der Kranke fühlt sich wohler im Freien, hat Diarrhöe und
  blasse Gesichtsfarbe. Man lasse ~China~, ~Mercurius~, ~Lycopodium~
  folgen.

  ~Cocculus.~ -- Besonders dienlich bei allgemeiner oder blähender
  Kolik und bei Kolik des weiblichen Geschlechts vor und zur Zeit
  der monatlichen Reinigung, die Schmerzen sind krampfartig und
  zusammenziehend, bei Uebelkeit, Schwierigkeit des Athmens, vollem,
  ausgespanntem Magen, oder einem Gefühle von Leere des Unterleibes,
  drückender und reißender Schmerz im Magen.

  ~Coffea.~ -- Großer Schmerz, bei Zusammenschlagen der Zähne, Kälte
  der Glieder.

  ~Ignatia.~ -- Kolik des Nachts, schießende Schmerzen in der Seite und
  Brust, durch Windentleerungen gelindert, passend bei nervösen und
  zarten Frauen.

  ~Bryonia.~ -- Vollsein und Druck im Unterleib nach dem Essen,
  schneidende Schmerzen in den Eingeweiden, besonders nach dem Trinken
  warmer Milch, Kolik mit Diarrhöe, nach Erkältung oder in der
  Sonnenhitze.

  ~Chamomilla.~ -- Rasender Schmerz bei großer Unruhe, bitteres
  Erbrechen, Vollsein in der Magengrube, eine Wange roth, die andere
  blaß, die Kolik stellt sich in der Regel des Nachts oder nach einer
  Mahlzeit ein.

  ~Rhus.~ -- Druck in der Magengrube, Schmerz im Unterleib des Nachts,
  Diarrhöe einer schleimigen, wässerigen Masse.

  ~Carbo vegetabilis.~ -- Anschwellen und Vollsein des Unterleibes,
  Aufstoßen von Wind, Kolik nach Fahren in einem Wagen, sowie ein
  Rasseln in den Eingeweiden, Windentleerung mit einem fauligen Geruch.

  ~Arsenicum.~ -- Großer Schmerz mit unbehaglich brennendem Gefühle,
  Empfindung von Kälte im Unterleib, Schmerzen schlimmer des Nachts,
  sowie auch nach Essen oder Trinken, Erbrechen einer galligen,
  wässerigen Masse, Diarrhöe mit Durst, Frostschauer und große Schwäche.

  ~Veratrum.~ -- Schmerz, als wenn mit Messern im Unterleib geschnitten
  würde, Brennen daselbst, Rasseln von Wind. Kann bei strengen Fällen
  abwechselnd mit ~Arsenicum~ gegeben werden.

  ~Opium.~ -- Unterleib hart und geschwollen, Verstopfung mit Erbrechen
  einer Masse aus den Eingeweiden.

  ~Lachesis.~ -- Bei krampfartiger Kolik, besonders wenn ~Colocynthis~,
  ~Belladonna~, ~Nux Vomica~ und ~Chamomilla~ ohne Erfolg gegeben
  worden sind.

  ~Lycopodium.~ -- Anschwellen und Vollsein des Magens mit Schmerz,
  Rasseln von Wind. Kann ~Pulsatilla~ oder ~Lachesis~ folgen.

  ~Platina.~ -- Wenn Kolik die Folge von Furcht oder Zorn, oder
  wenn durch Blei verursacht; der Kranke zu sterben befürchtet,
  zusammenziehende Schmerzen im Unterleib, Druck im Magen nach dem
  Essen, die Kolik verschwindet, wenn Niedergeschlagenheit eintritt,
  oder die Niedergeschlagenheit hört auf, sobald die Kolik beginnt.

  ~Aconitum.~ -- Große Empfindlichkeit des Unterleibes, Unruhe, die
  Eingeweide scheinen sich zurückzuschieben, Verlangen, den Urin
  abzulassen, aber ohne Erfolg.

  ~Arnica.~ -- Ein quetschender Schmerz in den Seiten des Unterleibes,
  Vollsein des Magens, als wenn man zu viel gegessen hätte, Stiche in
  der Magengrube, Brustbeklemmung, schlimmer nach Essen und Trinken,
  oder bei Berührung. Anschwellen und Härte des Unterleibes.

  ~Cina.~ -- Kolik in Folge von Würmern, der Schmerz besonders um den
  Nabel herum.

  ~Mercurius.~ -- Schießende, heftige Schmerzen in der Magengrube, bei
  Uebelkeit, häufigem Verlangen nach Stuhl, bei großer Menge Speichel
  im Munde, Unterleib empfindlich gegen Berührung, Schauern mit Hitze,
  besonders im Gesicht, Schmerz schlimmer des Nachts.

  ~Rheum.~ -- Gegen Kolik, besonders bei Kindern, wenn von Diarrhöe mit
  saurem Geruche begleitet, oder bei Erwachsenen, wenn die Schmerzen
  schneidend sind und der Kranke sich in Folge dessen krümmen muß,
  Schmerz schlimmer beim Aufstehen.

  ~Sepia.~ -- Kolik bei schwangeren Frauen, schneidende Schmerzen
  nach Bewegung, Brennen und Stechen im Unterleib, welcher hart und
  geschlossen ist, Gefühl von Schwere im Unterleib mit Druck.

  ~Calcarea carbonica.~ -- Kneipende oder schneidende Schmerzen
  im Unterleib, unbehagliches Rasseln in den Eingeweiden mit
  Windverstopfung, Säure im Magen, Erbrechen der Speisen, Diarrhöe von
  einer hellen Farbe.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
  in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle 10, 15, 20 oder 30
  Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, einen Theelöffel voll.
  Jedes Mittel sollte drei- bis viermal wiederholt werden, ehe zu
  einem anderen gegriffen wird. Die Zwischenräume werden nach und nach
  verlängert, je nachdem der Kranke sich bessert.

  Personen, welche Neigung zur Kolik haben, sollten bezüglich der
  Kost sehr sorgfältig sein, alle grünen Gemüse, säuerlichen Getränke
  u.s.w. müssen vermieden werden. Während eines Anfalles sollte man
  nur die leichtesten Nahrungsmittel, wie Zwieback- (~toast~) Wasser,
  Haferschleim u.s.w. zu sich nehmen. Die Füße sind warm und trocken zu
  halten.

  =Allöopathisch.= Bei gewöhnlicher oder Windkolik sollte zuerst
  ein Brechmittel gegeben werden, ein Eßlöffel voll Senf oder ein
  Theelöffel voll Salz in einem Theebecher voll Wasser, was, wenn
  nöthig, alle 10 Minuten wiederholt wird. Gewährt dies keine
  Linderung, so lasse eine Dosis Salz, oder Salz und Sennesblätter
  (~Senna~), oder Magnesia folgen. Bei irgend einer krankhaften
  Reizbarkeit des Magens hilft zuweilen ein wenig Pfeffermünz-
  (~Peppermint~) Essenz oder grüne Münze (~Spearmint~) in heißem Wasser
  oder Branntwein, oder Branntwein, Wachholderbranntwein (~gin~), auch
  Whisky in heißem Wasser. Sind die Eingeweide hartnäckig verstopft und
  tritt keine Linderung ein, so sollte eine Einspritzung von Castoröl,
  Salz und Molasses, oder Seife und warmem Wasser gegeben werden.
  Senfpflaster in der Gegend aufgelegt, wo sich der Schmerz befindet,
  ist zuweilen von Erfolg.

  Bei hartnäckigen Fällen kann das folgende angewendet werden:

    Chloroform                                            1 Unze.
    Kampher- (~Camphor~)Wasser                            1  „
    Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser                    1  „
    Gummi Arabicum Schleim                                1  „

  Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll. Diese
  Medizin sollte vorsichtig gegeben werden.

  Bei Gallenkolik ist nachstehende Einspritzung sogleich zu verordnen:

    ~Eupatorium perfoliatum~ (~Thoroughwort~)             1 Unze.
    Sennesblätter (~Senna~)                               1  „
    Lobelia                                               ½ Drachme.
    Cayennepfeffer (~Cayenne~)                           10 Grane.
    Bittersalz (~Epsom salts~)                            1 Theelöffel
                                                            voll.
    Molasses                                              ½ Pint.
    Kochendes Wasser                                      1  „

  Mache eine starke Abkochung aus den Kräutern, dann füge das Salz und
  den Molasses hinzu. Gebe es mit einer Einspritzung.

  Oder auch:

    Brechwurzwein (~Wine of Ipecac~)                      1 Unze.
    Terpentinspiritus (~Spirits of turpentine~)           1  „
    Castoröl                                              1  „
    Molasses                                              ½ Pint.
    Warmes Wasser                                         ½  „

  Mische und gebrauche es als eine Einspritzung.

  Wenn es der Magen verträgt, können die Eingeweide mit etwas Castoröl
  geöffnet werden. Ein Eßlöffel voll Oel sollte mit zwei Eßlöffel
  voll Rhabarbersyrup (~Syrup of rhubarb~) gehörig gemischt werden.
  Der Kranke sollte ferner ein warmes Wasserbad nehmen und ein warmes
  Senfpflaster über den ganzen Bauch legen.

  Eine Abkochung von Wilder Brodwurzel (~Yam root~) nach Belieben
  getrunken, wird sehr empfohlen. Ein Tropfen Crotonöl auf ein
  Stückchen Brod öffnet zuweilen die Eingeweide sogleich.

  Ist Kolik der Unthätigkeit der Leber zuzuschreiben, gebe man
  folgendes:

    Kalomel                                               6 Grane.
    Opium                                                 6   „

  Mische es und mache 12 Pillen daraus und nimm eine alle 2, 3 oder 4
  Stunden. Personen, welche Anlage zu dieser Krankheit haben, sollten
  folgende Pillen nehmen:

    Hohe Preiselbeerrinde-Extrakt (~Extract of high
    cranberry bark~)                                      1 Skrupel.
    Cypripedin                                            1    „
    Aletridin                                             1    „
    Pulverisirter Cayennepfeffer                          1    „

  Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: eine Pille eine Stunde
  nach jeder Mahlzeit. Diese Pillen sollten mehrere Monate genommen
  werden.

  Folgendes wird von Dr. Henry Hartshorn von Philadelphia als ein
  ausgezeichnetes Mittel gegen Kolikanfälle und krampfhaftes Kopfweh
  empfohlen:

    ~Blue Mass~                                           5 Grane.
    Pulverisirte Rhabarber- (~Rhubarb~) Wurzel            ½ Drachme.
    Enzian- (~Gentian~) Extrakt                           ½    „
    Gewürznelkenöl (~Oil of caryophylli~)                 4 Tropfen.

  Mische es und mache 20 Pillen daraus. Bei dem ersten Zeichen eines
  Anfalles gebe eine Pille, und wenn erforderlich, dreimal des Tages
  eine durch mehrere Tage hindurch.

  Bei Malers- oder Bleikolik ist die Behandlung beinahe ganz dieselbe
  wie bei der Gallenkolik.

  Alaun ist ein wichtiges Mittel bei dieser Krankheit. Es wird wie
  folgt verwendet:

    Alaun (~Alum~)                                       15 Grane.
    Aloe (~Aloes~)                                        2   „
    Jalappenwurzel (~Jalap~)                              2   „
    Doverische Pulver (~Dovers powder~)                   4   „

  Mische und nimm es als eine Dosis zwei- oder dreimal des Tages.

  Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) wird in einigen
  Fällen mit Erfolg angewendet, besonders wenn die Kolik ganz plötzlich
  eintritt.

  Aromatische Schwefelsäure (~Aromatic sulphuric acid~), als ein Trank
  in Dosen von 15 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser gebraucht, wird
  empfohlen.

  Dr. Eberle empfiehlt Alaun (~Alum~) und Opium in Dosen von 20 Granen
  Alaun auf 1 Gran Opium alle 3 Stunden.

  Essig mit Wasser verdünnt und als Trank genommen soll in einigen
  Fällen Linderung verschaffen.

  Gegen Schlag oder Gliederlähmung in Folge von Blei wird
  Potaschen-Jodid wie folgt gegeben, empfohlen:

    Flüssiger Sarsaparillen-Extrakt (~Fluid extract of
    sarsaparilla~)                                        4 Unzen.
    Flüssiger Pipsissewa-Extrakt                          1 Unze.
    Wasser                                                1 Quart.
    Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~)               2 Unzen.

  Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Schwefelgetränkte Potasche (~Sulphurate of potassa~) im Verhältniß
  von einer Unze auf ein Quart Wasser und in Dosen von einem Theelöffel
  voll dreimal des Tages genommen, wird auch empfohlen.

  Um einen Anfall von Bleikolik oder Gliederlähmung zu verhindern,
  sollten Personen, welche mit Blei zu thun haben, ihr Haar mit einem
  sehr feinen Kamm kämmen und die Hände, sowie den ganzen Körper,
  öfters waschen; auch beim Verlassen der Arbeit die Kleider wechseln.
  Sorgfältig sollte beobachtet werden, daß man mit den von Blei
  beschmutzten Händen dem Munde nicht zu nahe kommt. Ebenso sollte
  auch das Waschen des Körpers mit Saleratuswasser einmal des Tages
  angewendet werden. Die Speisen der Arbeiter sollten nicht mit in die
  Arbeitsstätten genommen werden, wo sie den Gasen und dem Bleistaub
  ausgesetzt sind.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Windkolik bade Hände und Füße
  in warmem Wasser, oder lege Senfpflaster, oder auch Umschläge mit
  heißem Salz über den Magen und die Eingeweide. Die Eingeweide
  öffne man mit einer Dosis Castoröl, Pfeffermünz- (~Peppermint~)
  oder Ingwer- (~Ginger~) Thee sollten daneben öfters getrunken
  werden. Bei starkem Schmerz gebe man 30 bis 60 Tropfen Paregoricum
  (~Paregoric~) in heißem Wasser, oder 25 bis 30 Tropfen Laudanum.
  Bei strengen Fällen kann eine Mischung, zu gleichen Theilen, von
  Laudanum, Kampher-Tinktur und Pfeffermünz-Essenz in Theelöffeldosen
  gegeben werden. Oeffnet Castoröl die Eingeweide nicht, so sollte eine
  Einspritzung von warmem Wasser, dem ein Theelöffel voll Salz und
  ebenso viel Fett beigefügt ist, gemacht werden.

  Das Thompson’sche Mittel, genannt Nr. 6, das in jeder Apotheke
  zu haben ist, wird sehr dienlich sein. Ein Theelöffel voll
  Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) mit einem Theelöffel
  voll Castoröl wird zuweilen sofortige Linderung verschaffen.

  Gegen Gallenkolik sollte folgende Einspritzung gebraucht werden:

    Wasserdost (~Boneset~)                                2 Unzen.
    Sennesblätter (~Senna~)                               1 Unze.
    Wasser                                                1 Pint.

  Mische und koche es gehörig. Zu einem Pint dieser Abkochung füge
  einen halben Eßlöffel voll Salz, ein halbes Pint Molasses und einen
  Eßlöffel voll zusammengesetzte Lobelia- und Spanische Pfeffer-
  (~Capsicum~) Tinktur hinzu. Gib das Ganze warm als eine Einspritzung
  und wiederhole es alle 10 bis 15 Minuten, bis die Eingeweide geöffnet
  sind.

  Bähungen von Hopfen, Stechapfelblätter (~Stramonium~), oder Hopfen
  und Lobelia, oder Wermuth (~Warmwood~), Wasserdost (~Boneset~) können
  warm über den ganzen Magen und die Eingeweide angewendet werden.

  So lange der Magen Medizinen annimmt, gebe folgendes:

    Bittersalz (~Epsom salts~)                            8 Unzen.
    Salzsäure (~Muriatic acid~)                           2 Drachmen.
    Kochendes Wasser                                      1 Pint.

  Nachdem es abgekühlt ist, füge eine Unze Pfeffermünz- oder
  Anis-Essenz hinzu.

  Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll, bis es
  wirkt.

  Eine starke Abkochung, zu gleichen Theilen, von Schildkraut
  (~Scull-cap~) und hoher Preiselbeerrinde (~High cranberry
  bark~), dem ein Eßlöffel der zusammengesetzten virginischen
  Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~)
  beigefügt ist, wird mit gutem Erfolg gegeben werden.

  Ein ausgezeichnetes Mittel gegen Gallenkolik besteht in gestoßenen
  Wallnüssen, denen so viel Whiskey oder verdünnter Alcohol als
  nothwendig ist um dieselben zu bedecken, hinzugefügt wird; man lasse
  die Mischung eins bis zwei Wochen lang stehen. Dosis: Alle halbe
  Stunde einen Eßlöffel voll, bis Linderung eintritt.

  Folgende Pillen werden zuweilen einen Anfall verhindern oder auch
  eine Anlage zu dieser Krankheit für immer entfernen:

    Hoher Preiselbeerrinden-Extrakt (~Extract of high
    cranberry bark~)                                      1 Unze.
    Aletridin                                             1  „
    Dioscorein                                            1  „
    Spanischer Pfeffer (Capsicum)                         1  „

  Mische es gehörig und mache Pillen, eine jede zu vier Granen, daraus.
  Dosis: Jeden Tag ungefähr eine Stunde nach dem Essen eine.

  Gegen Bleikolik wird folgendes sehr empfohlen:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       ½ Pfund.
    Pulverisirter Alaun (~Powdered alum~)                 1 Unze.
    Schwefelsäure                                        1½ Drachmen.
    Kochendes Wasser                                     1½ Pint.

  Mische es. Dosis: Einen Eßlöffel voll in einem Weinglas Wasser;
  wiederhole es alle Stunden, bis es auf die Eingeweide wirkt. Säure in
  Folge schadhafter Zähne möge vermittelst eines Federkiels oder einer
  Glasröhre aufgesaugt werden. Nachdem die Eingeweide geöffnet sind,
  sollte die Medizin Wochen oder Monate lang fortgebraucht werden und
  zwar in hinreichenden Dosen, um innerhalb 24 Stunden je zwei Stühle
  hervorzurufen. Die Schwefelsäure mit Bleioxyd im Organismus vereinigt
  bildet schwefelsaures Blei, welches ein unschädliches Salz ist.

  Bilsenkraut-Extrakt in Pillen jede zu 6 Granen alle 2 Stunden
  wiederholt, wird empfohlen.

  Krotonöl in Dosen von 3 oder 4 Tropfen in einem Eßlöffel voll
  Castoröl oder Milch alle zwei Stunden wiederholt wird in einigen
  Fällen auf die Eingeweide wirken. Hin und wieder thut ein warmes Bad
  von einer halben Stunde oder länger gut. Die Behandlung ist fast ganz
  dieselbe, wie bei Gallenkolik.

  Alaun, gegeben wie folgt, wird empfohlen:

    Pulverisirter Alaun (~Powdered alum~)                15 Grane.
    Guajacum                                             10   „
    Aloe                                                  3   „

  Mische es zu einer Dosis und wiederhole es alle 2 oder 3 Stunden.

  Folgendes wird Personen, die dem schädlichen Einfluß des Bleis
  ausgesetzt sind, empfohlen:

    Vitriol-Elixir                                        ½ Unze.
    Stachliche Eschbeeren-Tinktur (~Tincture
    of prickly ash bark~)                                 1  „

  Dosis: Einen Theelöffel voll in einem Gill Wasser und drei- oder
  viermal des Tages zu wiederholen.


Magenentzündung (~Gastritis~)

ist eine Entzündung der Schleimhaut des Magens und kann sowohl acut als
auch chronisch sein. Die acute Form ist aber eine seltene Krankheit
und wird in der Regel durch Säure und verdorbene Substanzen in den
Magen genommen, wie Arsenik, Corrosives Sublimat, Salpetersäure und der
gewohnheitsmäßige Genuß von Spirituosen erzeugt. Schläge in der Gegend
des Magens und plötzliche Unterdrückung des Schweißes können auch zur
Ursache werden.

+Symptome.+ Bei strengen Fällen ist ein brennender Schmerz im Magen mit
Durst, Unruhe, beständiger Uebelkeit und Erbrechen, großes Verlangen
nach kalten Getränken, Angst, Hinfälligkeit, durch Druck und Speisen
in dem Magen wird der Schmerz erhöht, der Durst ist stark und quälend,
denn Flüssigkeiten, wenn sie nicht in sehr kleinen Quantitäten genommen
werden, werden sofort wieder erbrochen, zuweilen ist ein starker, sehr
lästiger Husten vorhanden, die Zunge ist entweder roth an der Spitze
und den Rändern und weißlich in der Mitte, oder sie ist ganz roth; die
Eingeweide sind verstopft, wenn sich die Entzündung nicht auf dieselben
erstreckt, in welchem Falle Diarrhöe vorhanden ist. Nimmt die Krankheit
an Heftigkeit zu, so tritt Schwierigkeit des Athmens und ein Schmerz,
welcher durch Athmen wächst, ein; großer Verlust der Kräfte, kalter
klebriger Schleim, Schlucken, die Haut wird blaß und kühl, die Zunge
glänzt, ist roth und trocken, Erbrechen einer dunklen Masse, Delirium,
Betäubung oder Verzuckungen und Tod.

Chronische Magenentzündung ist eine ganz gewöhnliche und wird
häufig irrthümlich für Dyspepsie gehalten. Sie kann aus der acuten
Form entspringen, aber ist häufiger die Folge von Fieber, wie
Scharlachfieber, Pocken &c.

Es ist ein Schmerz im Magen, der durch das Vorhandensein von Speisen
oder durch Druck erhöht wird; der Appetit ist unregelmäßig und
eigenthümlich, die Nahrung wird unvollkommen verdaut und ein Gas,
welches außerordentlich widerwärtig ist, strömt aus dem Munde; der
Appetit wird zuweilen sehr heftig, aber wenn der Kranke etwas zu sich
nimmt, ist er bald befriedigt oder wird in Folge dessen unwohl. Zu
andern Zeiten ist der Appetit wieder ganz verloren, die Zunge ist weiß
in der Mitte und roth an der Spitze und den Seiten, zuweilen ganz und
gar glänzend und roth, wie Rindfleisch. Dehnt sich die Entzündung auf
die Eingeweide aus, so tritt Diarrhöe ein; in einigen Fällen ist Husten
vorhanden, und wird die Krankheit nicht eingehalten, so erscheinen
alle Symptome der Auszehrung. Wird die Krankheit nicht gut behandelt,
so tritt eine Eiterung der Magenhülle ein und wird den Tod nach sich
ziehen.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Wenn die Krankheit durch Gifte entsteht, sollten
  zuerst die unter den Gegengiften (~Antidotes~) angegebenen Mittel
  angewendet werden. Nachdem das Gift entfernt oder unschädlich gemacht
  worden ist, sollten Blutegel in der Gegend des Magens gesetzt werden,
  aber es ist hierbei darauf Acht zu geben, daß nicht zuviel Blut
  entzogen wird. Senfpflaster auf die Füße, längs des Rückgrats und
  über der Magengrube, dem man Bähungen von Stechapfel- (~Stramonium~)
  Blättern oder Hopfen folgen läßt, sollten so oft als nothwendig
  wiederholt werden. Brechmittel sind nicht geeignet, dagegen mag die
  folgende Einspritzung gegeben werden:

    Leinsamenthee (~Flax seed tea~)                       ½ Pint.
    Laudanum                                             40 Tropfen.

  Gebrauche es als eine Einspritzung. Oder auch:

    Castoröl                                              2 Unzen.
    Stachlige Eschenrinde-Tinktur (~Tincture of
    prickly ash bark~)                                    ½ Unze.
    Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-
    Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake
    root~)                                                2 Drachmen.
    Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~)         ½ Pint.
    Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~)       ½  „

  Mische und gebe es als eine Einspritzung.

  Kaltes Wasser, Eiswasser und Aufguß von schlüpferiger Ulmenrinde kann
  als Trank gebraucht werden. Stückchen von Eis können im Mund gehalten
  oder verschluckt werden. Während der Wiedergenesung sollte der
  Patient eine Ueberladung des Magens sorgfältig vermeiden. Pfeilwurz
  (~Arrow root~), Sago und Milch lasse man zuerst nehmen, dann kann
  Rindsbrühe, Hühnerbrühe, weich gekochte Eier u.s.w. folgen.

  Bei chronischer Entzündung des Magens ist es vorteilhaft, Blutegel
  über den Magen anzusetzen. Ist aber ein wenig Empfindlichkeit
  vorhanden, so mögen Senfpflaster aufgelegt oder ein wenig Krotonöl
  in der Gegend des Magens eingerieben werden. Die Kost ist sorgfältig
  zu überwachen, nur die einfachsten und am wenigsten reizenden
  Speisen, und zwar in ganz kleiner Menge, sollte man zu sich nehmen.
  Gummi Arabicumwasser, Reiswasser, Thee, sowie Zwieback ohne Butter,
  Gerstenwasser, Kalkwasser und Milch, Tapioca, Gelee’s, Sago,
  Pfeilwurzschleim (~Arrow root~) oder Crackers in Eiswasser getränkt,
  wird alles sein, was nöthig ist, bis der Kranke wieder besser wird.

  Zum innerlichen Gebrauche diene folgendes:

    Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~)           5 Grane.
    Opium                                                2½   „

  Mische es und theile es in 20 Pillen. Dosis: eine Pille dreimal des
  Tages. Folgendes wird sehr empfohlen:

  Wismuthweiß (~Sub-nitrate of bismuth~) 1 bis 3 Drachmen. Mache 12
  Pulver daraus. Dosis: ein Pulver in Wasser, drei- oder viermal des
  Tages.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wurde die Entzündung durch Gifte
  veranlaßt, so sollte das Gegengift angewendet werden, dem man
  Mittel zur Unterdrückung der Entzündung dieses Organs folgen läßt,
  Senfpflaster sollte auf die Füße, längs des Rückgrats und über die
  Magengrube gelegt, und sobald dadurch eine starke Röthe erzeugt
  worden ist, heiße Bähungen von Hopfen- und Stechapfel- (~Stramonium~)
  Blättern an Stelle des ersteren angewendet werden. Dies sollte,
  so oft es nothwendig erscheint, wiederholt werden. Ferner wasche
  man die Oberfläche des Körpers mehrere Male des Tages mit einem
  schwachen Saleratuswasser. Die Eingeweide mögen vermittelst gleicher
  Theile von Castoröl und süßem Oel (~sweet oil~), mit einer Portion
  Magnesia geöffnet werden, und zwar in Dosen von einem Theelöffel voll
  alle Stunden, bis Wirkung eintritt. Ein Aufguß von schlüpferiger
  Ulmenrinde (~Slippery elm bark~) und Eibischwurzel (~Marshmallow
  root~) oder Ulmenrinde (~Elm bark~) und Pfirsichblättern mag als
  Getränk dienen.

  Bei der chronischen Form der Krankheit sollte dieselbe Kost, wie
  unter allöopathischer Behandlung angegeben, empfohlen werden.
  Senfpflaster oder andere Gegenreizmittel sollten in die Gegend
  über den Magen gelegt und so lange wiederholt werden, bis die
  Empfindlichkeit gegen den Druck entfernt ist. Folgende Mischung wird
  von Dr. John King empfohlen:

    Flüssiger Cubeben-Extrakt (~Fluid extract of cubebs~) 1 Unze.
    Gummi Arabicumschleim (~Mucilage of gum Arabic~)      2 Unzen.
    Citronen- (~Lemon~) Essenz                            1 Drachme.
    Hopfenmehl (~Lupulin~)                                8 Skrupel.
    Dreifach salpetersaurer Wismuth (~Tris-nitrate of
    Bismuth~)                                             8 Skrupel.

  Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages.
  Die Mischung sollte jedesmal vor Einnehmen gehörig umgeschüttelt
  werden. Gleichzeitig nehme man einen Aufguß aus gleichen Theilen von
  Gelbwurz (~Golden seal~) und Solomon’s Siegel (~Solomon’s seal~),
  bestehend in Dosen von einem Eßlöffel voll alle Stunde oder auch alle
  zwei Stunden. Bei hartnäckiger Verstopfung kann Rhabarber (~Rhubarb~)
  in Dosen von drei bis zehn Granen gegeben werden. Wird der Kranke
  von Winden im Magen belästigt, so können dieselben durch die
  Anwendung von Pfeffermünz- oder Anis-Essenz u.s.w. in kleinen Dosen
  in versüßtem Wasser entfernt werden.

  =Homöopathisch.= Das Hauptmittel bei dieser Krankheit ist
  ~Arsenicum~, welches besonders bei Anwesenheit der folgenden Symptome
  zu geben ist: Das Gesicht eingefallen und zusammengezogen, Magen
  heiß und geschwollen, der Kranke liegt auf dem Rücken, Athmen kurz,
  rasend schnell und schwierig, Zunge roth und rein, oder roth an den
  Seiten, mit einem schmutzigen Schleim in der Mitte, Stimme heiser
  und gedämpft, Haut heiß und trocken, brennender oder stechender
  Schmerz im Magen, kneipender und brennender Schmerz im Hals, großes
  Verlangen nach kalten Getränken, hartnäckige Uebelkeit und Erbrechen,
  große Empfindlichkeit bei Druck in der Gegend über dem Magen. Kann
  abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden.

  ~Aconitum.~ -- Besonders wenn die Schmerzen stark sind und die Hitze
  im Magen groß ist, oder wenn die Krankheit durch kalte Getränke, die
  in einem erhitzten Zustand genommen wurden, verursacht worden ist.

  ~Veratrum.~ -- Gesichtsfarbe blaß und eingesunken, Nase gespitzt,
  Lippen trocken und bläulich, Zunge an der Spitze und an den Rändern
  roth, mit einem dunklen, trocknen Schleim in der Mitte, Puls schnell
  und schwach, die Endglieder kalt, Schlucker, große Erschöpfung,
  brennender Schmerz im Magen, kurzer und beschwerlicher Husten.

  ~Ipecacuanha.~ -- Kann nach ~Aconitum~ gegeben werden, wenn das
  Erbrechen sehr stark ist und von Unverdaulichkeit herrührt.

  ~Pulsatilla.~ -- Kann nach ~Ipecacuanha~ gegeben werden, wenn die
  Krankheit Folge von Unverdaulichkeit ist oder ein Frösteln im Magen
  in Folge von Eis.

  ~Belladonna~ und ~Hyosciamus~. -- Kann abwechselnd gegeben werden,
  wenn der Kranke nervös ist, bei Schläfrigkeit, Delirium und
  Bewußtlosigkeit.

  ~Nux Vomica~ und ~Lachesis~. -- Kann abwechselnd oder jedes für sich
  gegeben werden, wenn die Krankheit von dem Genusse von Spirituosen,
  Kaffee, Wein oder reizender Speisen herrührt.

  ~Opium~ und ~Camphor~. -- Können abwechselnd gegeben werden, wenn die
  obigen Mittel keine Erleichterung gewähren und Schläfrigkeit sowie
  Betäubung vorhanden sind.

  ~Cantharis.~ -- Bei heftigen Fällen, besonders wenn der brennende
  Schmerz unerträglich ist.

  Gegen chronischen Magenkrampf mögen die folgenden Mittel angewendet
  werden: ~Bismuth~, ~Bryonia~, ~Cuprum Metallicum~, ~Digitalis~,
  ~Hyosciamus~, ~Phosphorus~, ~Mercury~, ~Ignatia~, ~Tartar Emetic~.
  Die Kost sollte dieselbe sein wie jene unter allöopathischer
  Behandlung angegebene.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
  voll Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden einen
  Theelöffel voll bis es besser wird. Wenn sich aber die Symptome nach
  einigen Dosen nicht verbessern, dann wähle sogleich ein anderes
  Mittel und gebe es in derselben Weise. Bei der chronischen Form
  können die Mittel zwei- bis dreimal des Tages gegeben werden.


Gedärm-Entzündung (~Enteritis~).

Dies ist eine der gefährlichsten und schmerzhaftesten Krankheiten,
deren Behandlung stets einem Arzte überlassen bleiben sollte. Sie
besteht in einer Entzündung der Schleimhaut der kleinen Därme.
Entzündung der großen Därme wird Ruhr (~Dysentery~) genannt.

+Symptome.+ Die Krankheit beginnt mit einem leichten Frost, bei
heißer Haut und mehr oder weniger kneipendem Schmerz in der Nähe der
Eingeweide, welcher allmählig zunimmt und einen stark brennenden
Charakter annimmt. Der Schmerz wird durch den Druck erhöht, und zwar
so sehr, daß der Kranke die Bettdecke nicht mehr ertragen kann, er
liegt gewöhnlich auf dem Rücken und hat die Beine gegen den Unterleib
gezogen. Zuweilen tritt der Schmerz mit Zwischenräumen der Linderung
ein, Uebelkeit und Erbrechen sind vorhanden, bei Fieber, belegter
und roter Zunge, Durst, Verstopfung, schwieriges und schmerzhaftes
Uriniren, so heftiges Erbrechen, daß der Inhalt der Gedärme ausgeworfen
wird, in einzelnen Fällen ist statt Verstopfung Diarrhöe vorhanden, der
Stuhl ist entweder wässrig oder schleimig, mit Blut und Galle gemischt.
Bei schlimmen Fällen, wenn die Krankheit fortschreitet, schwillt
der Leib an, der Schmerz vermehrt sich, der Puls wird schwach und
unruhig, Schlucker tritt ein, die Glieder werden kalt, die Gesichtszüge
sind verzogen und scharf, der Schmerz hört auf, ein schwarzer,
übelriechender, flüssiger Stuhl findet statt und bald darauf folgt der
Tod an kaltem Brande.

Gedärm-Entzündung kann mit Kolik oder mit Entzündung des Bauchfells
verwechselt werden. Sie unterscheidet sich von Kolik durch die
Fiebersymptome und den Schmerz beim Druck, welche beide bei Kolik nicht
gefunden werden. Von der Bauchfell-Entzündung durch Diarrhöe, die
selten bei Bauchfell-Entzündung vorkommt, und durch das Anschwellen
des Unterleibes mit großer Empfindlichkeit beim Druck, die bei der
Bauchfell-Entzündung stets vorhanden ist.

+Ursachen.+ Reizende und unverdauliche Speisen, Kolik, eingeklemmter
Bauch; auch kann das nach Innen Schlagen von Hautkrankheiten, oder
Unterdrückung gewohnheitsmäßiger Entleerungen die Veranlassung zu
dieser Krankheit werden.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Die Füße sollten in warmem schwachem
  Laugenwasser gebadet und Flanelltücher, in Laugenwasser getaucht,
  über den Unterleib gelegt werden, oder man kann statt dessen
  Senfpflaster auf den Unterleib, die Fußsohlen und längs des Rückgrats
  legen. Bei Gebrauch der Senfpflaster ist zu beobachten, daß
  dieselben, nachdem sie eine beträchtliche Röthe hervorgerufen haben,
  entfernt werden müssen; dann sollten heiße Bähungen von Hopfen und
  Rainfarn (~Tansy~), oder Hopfen und Stechapfelblättern (~Stramonium
  leaves~) angewandt werden, alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge
  des Schmerzes angemessen, zu wechseln. Gleichzeitig ist es gut,
  zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound
  tincture of Virginia snake root~) in Dosen von einem Theelöffel voll
  warmem Balsam- oder Katzenmünze-Thee zu geben und jede Stunde oder
  alle zwei Stunden zu wiederholen. Die Anwendung dessen sollte so
  lange fortgesetzt werden, bis der Kranke in einen starken Schweiß
  geräth, welcher zwei bis drei Stunden erhalten werden muß.

  Rührt die Krankheit von der Anwesenheit saurer Bestandtheile in den
  Eingeweiden her, so gebe man einen großen Eßlöffel Castoröl mit einem
  Theelöffel Olivenöl und einem halben Theelöffel Terpentin-Spiritus.
  Alle zwei Stunden zu wiederholen, bis es auf die Eingeweide wirkt.
  Die Wirkung dieses Mittels wird durch eine Einspritzung von ein wenig
  warmer Milch und Molasses mit einem Theelöffel voll Salz erhöht.
  Rührt die Krankheit von Erkältung her, möge folgendes angewendet
  werden:

    Jasmin-Tinktur (~Tincture of gelseminum~)             4 Drachmen.
    Eisenhutwurzel-Tinktur (~Tinct. of aconite root~) 10-20 Tropfen.

  Mische es. Dosis: Alle 15 oder 20 Minuten einen halben Theelöffel
  voll, bis Wirkung eintritt, worauf dann die Zwischenräume verlängert
  werden. Gleichzeitig gebrauche man Senfpflaster &c.

  =Homöopathisch.= Die Behandlung dieser Krankheit ist ähnlich jener
  bei Magenentzündung. ~Aconitum~ sollte zuerst gegeben und damit
  fortgefahren werden, so lange das Fieber stark und die Haut heiß ist.
  Hierauf lasse man ~Arsenicum~ und ~Veratrum~ abwechselnd folgen. Bei
  heftigem und beharrlichem Erbrechen gebe man, nachdem diese Mittel
  eine Zeitlang gebraucht worden sind, ~Ipecacuanha~. In einigen Fällen
  kann ~Belladonna~ und ~Mercurius~ abwechselnd gegeben werden, nachdem
  das Fieber zuvor durch ~Aconitum~ geschwächt wurde, aber noch großer
  Schmerz des Unterleibs und starker Durst vorhanden ist. Wenn das
  Erbrechen so stark ist, daß der Inhalt der Eingeweide ausgeworfen
  wird, muß ~Opium~ gegeben werden, und verschafft dies innerhalb 8 bis
  10 Stunden keine Linderung, so gebe man ~Plumbum~. In diesem Stadium
  gewähren zuweilen auch schwache Einspritzungen eines Aufgusses von
  Tabak Erleichterung. Ebenso kann ein warmes Bad mit Erfolg verordnet
  werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede Stunde,
  oder alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen,
  einen Theelöffel voll. Die Kost muß von der leichtesten Art sein, wie
  Schleim aus Reis oder Mehl, Milch und Wasser, Milchzwieback (~Milk
  toast~) und Gummi Arabicum Wasser.

  =Allöopathisch.= Blutegel sollten in gehöriger Anzahl über den
  Eingeweiden angesetzt oder es sollte Blut am Arm entzogen werden.
  Dann lasse Umschläge von Leinsamen und Mehl, oder Kornmehl und
  Senf folgen und öffne vermittelst eines gelinden Abführmittels wie
  Castoröl oder Bittersalz (~Epsom salts~) im Verhältniß von zwei
  Drachmen auf eine Unze Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser, die
  Eingeweide, was alle 4 Stunden zu wiederholen ist. Zur Erreichung des
  letzteren werden zuweilen auch alle 2 bis 3 Stunden Einspritzungen
  von warmem Wasser gemacht. Nießwurz- (~Veratrum Viride~) Tinktur
  wird in Dosen von 3 bis 4 Tropfen in ein wenig versüßtem Wasser
  jede Stunde oder alle zwei Stunden gegeben, und zwar so lange, bis
  gehöriger Schweiß eintritt, zu welcher Zeit dann die Zwischenräume
  der Dosen verlängert werden sollten.


Leberentzündung (~Hepatitis~).

Entzündung der Leber kann sich auf die Schleimhaut, welche die Leber
bedeckt, beschränken, oder ergreift die Lebermasse selbst, oder sie
dehnt sich auf beide aus. Sie tritt eben sowohl acut als chronisch auf
und wird häufiger im heißen Klima gefunden.

+Symptome.+ Der Anfall beginnt mit den Kennzeichen einer Entzündung und
Frösteln, denen mehr oder weniger Fieber folgt, mit einem Gefühl von
Stechen in der rechten Seite und einem heftigen, spießenden Schmerz in
der Gegend der Leber, oder dumpfer Schmerz, wenn die Entzündung die
Lebermasse allein erfaßt hat. Der Schmerz mag auch bis zur rechten
Schulter schießen und sich über die Brust ausdehnen, wird durch einen
Druck über den angegriffenen Theil erhöht, ebenso durch Husten oder
wenn sich der Kranke auf die linke Seite legt, die Zunge ist gelblich
oder dunkelbraun, zuweilen auch schwarz belegt, die Ränder derselben
sind häufig sehr roth und im Munde ist ein fauliger, unangenehmer
Geschmack, hin und wieder wird das Weiße im Auge und die Haut ganz gelb
gefärbt.

Die Symptome der chronischen Entzündung der Leber sind verschieden.
In der Regel hat der Kranke ein Gefühl von Schwere und Vollsein in
der rechten Seite, mit einem dumpfen Schmerz, der sich bis zu den
Schulterblättern und der Magengrube erstreckt; gewöhnlich ist auch
große Empfindlichkeit in der Gegend über der Leber vorhanden, der
Kranke kann nicht ohne Schmerz auf der linken Seite liegen, die Haut,
Augen und der Urin sind gelb, die Eingeweide nicht in Ordnung, zuweilen
ein trockener, hackender Husten, Appetitlosigkeit, Zunge braun, gelb
oder weißlich belegt, in dem Munde ein bitterer und unangenehmer
Geschmack, der Kranke ist niedergeschlagen, kleinmüthig, oder reizbar
und empfindlich.

+Ursachen+ der Leberentzündung sind Erkältung, Beschädigung oder
Schläge über der Leber, Unmäßigkeit, sehr starke Hitze, heftige
geistige Erregungen, üppige Lebensart.

Chronische Leberentzündung kann aus der acuten Form entspringen,
oder durch Erkältung, den Genuß von Spirituosen, unpassende Kost,
Ausschweifungen aller Art und den Mißbrauch des Quecksilbers
hervorgerufen werden.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- bei der acuten Form: Stechen in der
  Gegend der Leber, großer Schmerz, starkes Fieber, Herumwerfen, Angst,
  Todesfurcht.

  ~Belladonna.~ -- Drückende Schmerzen in der Brust und in den
  Schultern Vollsein im Magen, Ziehen in der Gegend des Magens,
  Schwindel mit Anwandlung von Ohnmachten, Schwierigkeit des Athmens;
  großer Durst; kann nach Aconitum und abwechselnd mit ~Mercurius~ und
  ~Lachesis~ gegeben werden.

  ~Bryonia.~ -- Heftiger Schmerz mit Vollsein in der rechten Seite,
  Zunge gelb belegt, starke Brustbeklemmung, sehr schnelles und
  ängstliches Athmen, Verstopfung. Passend nach ~Aconitum~ oder
  abwechselnd mit ~Mercurius~.

  ~Mercurius.~ -- Der Patient kann nicht auf der rechten Seite liegen,
  bitterer Geschmack im Munde, Appetitlosigkeit, Durst, Frostschauer.

  ~Chamomilla.~ -- Wenn die Krankheit von Erkältung oder heftigem
  Aerger herrührt; dumpfer, drückender Schmerz in der Gegend der Leber,
  welcher durch Druck, Bewegung oder Athmen erhöht wird, Beklemmung der
  Brust, Gelbheit der Haut, bitterer Geschmack im Munde.

  ~China.~ -- Ist Malaria (Sumpfluft) die Ursache; die Krankheit
  ist immer den zweiten Tag schlimmer, heftige stechende Schmerzen,
  Kopfschmerz, bitterer Geschmack im Munde, Zunge gelblich belegt.

  ~Lachesis.~ -- Wenn durch Unmäßigkeit hervorgerufen. Kann nach
  ~Aconitum~ gebraucht werden, wenn sich ~Mercurius~ und ~Belladonna~
  unzureichend erwiesen haben.

  ~Nux Vomica.~ -- Stechende oder beißende Schmerzen mit großer
  Empfindlichkeit gegen Berührung in der Gegend der Leber, Uebelkeit,
  saurer, bitterer Geschmack im Munde, Durst, Kopfschmerz.

  ~Pulsatilla.~ -- Wenn eine gehinderte Verdauung Ursache der Krankheit
  ist, und mag abwechselnd mit ~China~ gegeben werden; Diarrhöe,
  grünlicher, schleimiger Stuhl; Brustbeklemmung.

  ~Podophyllin.~ -- Heißhunger, Diarrhöe sogleich nach Essen oder
  Trinken, saurer Magen, Uebelkeit, Vollsein des Kopfes, Sodbrennen,
  Zusammenfließen des Wassers im Munde, Hitze des Magens, Schwere,
  ziehender Schmerz in den Eingeweiden, gelindert durch Wärme und
  Vorwärtsbeugen des Körpers, Verstopfung mit Kopfschmerz, Stuhl hart
  und trocken oder Kalk ähnelnd und höchst widerwärtig.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten
  Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4
  Stunden einen Theelöffel voll. Bessert sich der Kranke, so werden
  dann die Zwischenräume verlängert.

  Bei chronischer Leberentzündung mag Morgens und Abends eine Dosis
  gegeben werden. Die obigen Mittel sind passend für die chronische
  Form.

  Die Kost sollte sehr einfach sein. Fleisch und Fleischsuppen dürfen
  nicht gegessen werden. Reis und Haferschleim, Limonade, kalte und
  warme Früchte, gebackene Aepfel, Zwieback (~Toast~), Brod- und
  Zwiebackwasser können genossen werden.

  =Allöopathisch.= Blutegel oder Schröpfköpfe sollten in der Gegend
  über die Leber reichlich angesetzt werden. Oeffne die Eingeweide mit
  folgendem:

    Pulverisirter Gummi Gutti (~Pulv. gamboge~)          12 Grane.
    Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. scammonium~)        12   „
    Springgurke (~Elaterium~)                             2   „
    Crotonöl                                              8 Tropfen.
    Stechapfel-Extrakt                                    3 Grane.

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunde eine Pille,
  bis die Wirkung eintritt. Oder:

    Sennesblätter (~Senna leaves~)                        2 Drachmen.
    Wasser                                                1 Pint.

  Lasse die Sennesblätter in dem Wasser erweichen und füge dann eine
  Unze Bittersalz (~Epsom salts~) hinzu und seihe es durch. Dosis: Ein
  Viertel der Mischung. Hierauf mache ein Senfpflaster über die rechte
  Seite und ebenso über das Rückgrat.

  Salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro-muriatic acid~) mit Wasser
  verdünnt, bis es ungefähr die Stärke von scharfem Essig hat, mag in
  der Gegend über dem Magen eingerieben werden und wird gute Dienste
  leisten. Vermittelst Nießwurz- (~Veratrum Viride~) Tinktur, in
  Dosen von 3 bis 10 Tropfen alle Stunden, rufe Schweiß hervor. Bei
  der Wiedergenesung des Kranken sollten stärkere Mittel, wie folgt,
  gegeben werden:

    Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~)                  ½ Unze.
    Kaltes Wasser                                         1 Pint.

  Lasse die Mischung ein bis zwei Stunden lang stehen und seihe sie
  dann durch. Dosis: ein Weinglas voll mehrere Male des Tages. Oder:

    Verdünnte Salpetersäure (~Nitric acid, diluted~)      2 Drachmen.
    Verdünnte Salzsäure (~Muriatic acid, diluted~)        2    „
    Orangenschalen-Syrup                                  2    „
    Orangenschalen-Tinktur                                2    „

  Hinreichend Wasser, um ein Pint daraus zu machen. Mische es. Dosis:
  dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Bei chronischer Entzündung der Leber gebe man Pillen von Entenfuß
  (~Podophyllin~) oder folgendes:

    Leptandrin                                            1 Drachme.
    Entenfuß (~Podophyllin~)                              1 Skrupel.
    Hundskohl (~Apocynin~)                                1    „
    Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt                      6 Grane.
    Spanische Seife (~Castile soap~)                      1 Drachme.

  Mache 30 Pillen daraus. Dosis: jeden Abend eine Pille. Wenn
  Quecksilber (~Mercury~) gebraucht wird, gebe man folgendes:

    Quecksilberpillen (~Mercurial Pill~)                 2½ Grane.
    Pulverisirte Brechwurz (~Ipecac powdered~)            ½ Gran.

  Hinlänglich Opium-Zucker (~Confection of Opium~), um daraus eine
  Pille zu machen. Nehme es als eine Dosis Abends oder jeden zweiten
  Abend.

  Ein tägliches schwaches Laugenbad sollte genommen werden, dem man ein
  starkes Laugenbad folgen läßt. Bewegung im Freien ist möglichst oft
  zu machen.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Bei milden Fällen bringe den Kranken
  in ein warmes Bad, darauf ins Bett und gebe ihm warme Getränke, um
  einen starken Schweiß hervorzurufen. Ist aber der Anfall heftig, so
  gebe das zusammengesetzte Pulver der Lobelia (~Compound powder of
  Lobelia~), bis ungehindertes Erbrechen eintritt. Zur Entfernung der
  Verstopfung der Eingeweide gebe man eine Einspritzung von einem Pint
  warmen Wasser, einen Eßlöffel voll Salz und einen Eßlöffel voll Fett
  und nehme folgende Pillen beim Zubettegehen:

    Entenfuß (~Podophyllin~)                             60 Grane.
    Leptandrin                                           30   „
    Blutwurzel (~Sanguinarin~)                           30   „
    Brechwurz (~Ipecac~)                                 30   „
    Cayennepfeffer (~Cayenne~)                           30   „

  Mache mit Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt 60 Pillen daraus.
  Dosis: zwei bis vier Pillen, wenn es als Abführmittel gebraucht
  wird, und zur Wirkung auf die Leber gebe man einmal des Tages oder
  jeden zweiten Tag eine Pille. Ist es wünschenswerth, den Schweiß
  zu erhalten, so lege man zu diesem Behufe heiße Ziegelsteine oder
  Flaschen mit heißem Wasser rings um den Körper des Kranken und gebe
  folgendes:

    Pleuresie- (~Pleurisy~) Wurzel in Pulvern             4 Unzen.
    Wasserdost (~Boneset~) in Pulvern                     4   „
    Blutwurzel (~Blood root~)                             3 Drachmen.
    Salpeter                                              3    „

  Mische es. Dosis: 10 bis 15 Grane alle drei Stunden.

  Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt wird als ein schätzenswertes Mittel
  bei dieser Krankheit empfohlen. Mache Pillen daraus, füge jeder einen
  Gran Leptandrin bei und nehme jeden Abend eine. Bei chronischer
  Leberentzündung ist es ein besonders empfehlenswertes Mittel. Bei
  der letzteren Form der Leberentzündung gebrauche man die bei der
  Behandlung der acuten Form angegebenen Pillen. Dieselben sollten
  oft genug genommen werden, die Eingeweide in Ordnung zu halten, um
  wenigstens einen Stuhl innerhalb 24 Stunden zu bewirken.

  Folgendes wird als Alterativ vorzüglich gefunden werden:

    Zusammengesetzter Talgbaum-Syrup (~Compound
      syrup of stillingia~)                               1 Pint.
    Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~)  2 Unzen.
    Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~)               4 Drachmen.

  Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll in einem
  Weinglas voll Wasser.


Gelbsucht (~Icterus~).

  Gelbsucht wird an der gelben Farbe der Haut und Augen, einem bitteren
  Geschmack im Munde, Schmerz oder Unbehaglichkeit in der rechten Seite
  erkannt, der Urin ist gelblich oder safranfarbig, der Stuhl weißlich
  oder lehmartig, in der Regel geht oder begleitet sie Verdrossenheit,
  Appetitlosigkeit, Schläfrigkeit, Diarrhöe oder Verstopfung, Schmerz
  in der Magengrube, der sich nach den Mahlzeiten verstärkt.

  +Ursachen.+ Gelbsucht kann durch Gallensteine hervorgerufen werden,
  durch Verstopfung des Gallenflusses in die Eingeweide, in Folge
  dessen derselbe in den Kreislauf des Blutes tritt, Krankheit der
  Leber, Herzkrankheit, durch den Druck von Geschwulsten auf die Leber,
  Krampf der Gallenausfuhr.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Bei starker Uebelkeit gebe man folgendes Brechmittel:

    Brechweinstein (~Tartar emetic~)                      1 Gran.
    Brechwurz-Pulver (~Ipecac powder~)                    1 Skrupel.
    Syrup                                                 1 Drachme.
    Quellwasser (~Mint water~)                           10 Drachmen.

  Mische es und nimm es als eine Dosis.

  Oder:

    Brechweinstein (~Tartar emetic~)                      1 Gran.
    Pulverisirte Brechwurz (~Pulv. Ipecac~)               1 Skrupel.

  Mische es und nimm es als eine Dosis in einem Weinglas voll
  versüßtem Wasser. Zuweilen ist es gut, eine Dosis Calomel von 5 bis
  10 Granen beim zu Bettegehen und eine Unze Castoröl des Morgens
  zu nehmen. Dies sollte so lange wiederholt werden, bis sich eine
  ungestörte Thätigkeit der Eingeweide zeigt. Doppelt kohlensaure
  Soda (~Bi-carbonate of soda~), vor den Mahlzeiten genommen, wird in
  einzelnen Fällen von gutem Erfolge sein, ebenso da, wo die Genesung
  langsam vor sich geht, salpetersaure Kochsalzsäure (~Nitro muriatic
  acid~), in Dosen von 3 bis 4 Tropfen zwei- oder dreimal des Tages
  genommen. Walddost (~Thoroughwort~) als Aufguß öfters des Tages
  getrunken, wird sehr empfohlen.

  Wenn die Gelbsucht durch Gallensteine verursacht wird, so ist
  großer Schmerz vorhanden, gleichsam als ob die Masse von der Größe
  einer Wallnuß durch eine Röhre von dem Umfang eines Federkieles
  gedrängt würde. In diesem Falle sollte der Kranke recht oft heißes
  Wasser trinken, in dem zuvor 2 Drachmen doppelt kohlensaures Soda
  (~Bi-carbonate of soda~) und Potasche aufgelöst wurden. Opium kann in
  Dosen von einem Gran alle 3 oder 4 Stunden, bis der Schmerz nachläßt,
  gegeben werden. Senfpflaster oder andere warme Umschläge sollten über
  den Sitz des Schmerzes gelegt und ein warmes Bad zu nehmen versucht
  werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Es ist gut, jeden Tag, eine oder zwei
  Wochen lang, ein Brechmittel zu geben. Zuerst gebe man 20 bis 30
  Grane Brechwurz (~Ipecac~) in warmem Wasser, dem man 4 oder 5 von
  den unter Leberentzündung angeführten Leberpillen, zusammengesetzt
  aus Entenfuß, Leptandrin, Brechwurz (~Ipecac~) &c. folgen läßt. Ein
  Aufguß von Walddost (~Thoroughwort~), zwei Theetassenkopf voll auf
  einmal getrunken und alle Tage eine oder zwei Wochen lang wiederholt,
  empfohlen. Während dieser Zeit braucht keine andere Medizin genommen
  zu werden. Die innere Rinde der Berberitze (~Barberry~) in Cider
  erweicht, wird zuträglich gefunden werden. Ebenso wird folgendes
  empfohlen:

    Wilde Kirschbaumrinde, in grobem Pulver (~Wild
    cherry bark~)                                         1 Unze.
    Schaflorbeerblätter (~Sheep laurel leaves~) in
    grobem Pulver                                         1  „
    Berberitzrinde (~Barberry bark~) in grobem Pulver     1  „
    Bitterwurzel (~Bitter root~) in grobem Pulver         1  „
    Reiner Cider                                          4 Pints.

  Mische und lasse es mehrere Stunden lang stehen. Dosis: einen
  Eßlöffel voll drei- oder viermal des Tages. Cider mehrere Male
  des Tages getrunken, wird in einzelnen Fällen zuträglich gefunden
  werden, ebenso das Essen von rohen Eiern an jedem Morgen. Die
  Rinde der Wurzel des Pfirsich- und wilden Kirschbaums mit Whiskey
  oder Wachholderbranntwein (~Gin~) in einen bitteren Branntwein
  verwandelt, wovon drei- bis viermal des Tages stark getrunken wird,
  wird nicht ohne Erfolg angewendet werden, auch ein starker Thee von
  Pfirsichbaumblättern bis zu einem halben Pint des Tags genommen, hat
  sich als gut bewährt.

  =Homöopathisch.= Der Kranke sollte im Bette in einem warmen Zimmer
  warm gehalten werden und für die ersten vier oder fünf Tage
  ~Mercurius~, dreimal des Tages eine Dosis nehmen. Tritt keine
  Besserung nach dieser Zeit ein, so gebe man ~Hepar Sulphuris~ oder
  ~Hepar Sulphuris~ und ~Chelidonium~. Bei hartnäckigen Fällen gebe man
  ~Lachesis~, ~Acidum Nitri~ oder ~Sulphur~.

  Bei Gelbsucht, die in Folge eines leidenschaftlichen Ausbruchs oder
  durch Enttäuschung hervorgerufen wurde, gebe man ~Chamomilla~,
  ~China~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~.

  Rührt es von Mißbrauch des ~Mercurius~ und ~Calomel~ her, so verordne
  man ~China~, ~Hepar Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Nitric Acid~, ~Sulphur~.

  Hat Jemand Anlage zur Gelbsucht, so daß sie aus sehr leichten
  Ursachen entspringt, so gebe man ~Lachesis~ und ~Sulphur~, jede Woche
  abwechselnd eine Dosis.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe eine Dosis (4 Kügelchen) von
  dem gewählten Mittel dreimal des Tages. Werden zwei Heilmittel
  gegeben, so gebe man alle vier Stunden abwechselnd, oder wechsle
  einen um den andern Tag. Warme Bäder werden zuträglich sein und
  Verstopfung kann durch Einspritzungen von warmem und kaltem Wasser
  gelindert werden.


Milz-Entzündung (~Splenitis~).

Dies ist eine Krankheit, die nicht häufig gefunden wird und dann in der
Regel in Begleitung von anderen Krankheiten.

+Symptome.+ Sie beginnt in der Regel mit den gewöhnlichen Kennzeichen
des Fiebers, wie Frost, dem Hitze folgt, Durst, Schmerz in der linken
Seite, in der Gegend der Milz, mit Empfindlichkeit gegen Druck,
zuweilen beträchtlich anschwellend. Der Schmerz mag dumpf oder stark
und schneidend sein, sich über den ganzen Unterleib erstrecken und
bis in die linke Schulter schießen; die Haut ist trocken und heiß,
krankhafter Magen und Erbrechen. Der Urin ist spärlich, stark gefärbt
und kann nur mit Schwierigkeit gelassen werden.

Chronische Entzündung der Milz ist ein sehr gewöhnliches Leiden,
besonders in Gegenden, wo beständig Fieber herrschen.

+Symptome.+ Ein Gefühl von Schwere, Beengung und Schmerz in der linken
Seite, zuweilen wird der Schmerz ohne einen Druck auf die Gegend
über diesem Organe nicht wahrgenommen; in der Regel ist hartnäckige
Verstopfung, Gefühl von Frost vorhanden, zuweilen schwillt die Milz
so stark an, daß sie mit der Hand gefühlt werden kann. Oefters
begleitet sie Betäubung, schwieriges Athmen, Herzklopfen, Schwäche
der unteren Glieder, Alpdrücken, Gefühl von Beengung über der Brust,
Unmöglichkeit sich viel zu bewegen, Erbrechen der Speisen, trockene
Haut, Niedergeschlagenheit. In einigen Fällen tritt Wassersucht hinzu.

+Ursachen.+ Aeußerliche Verletzung, Unterdrückung gewöhnter
Entleerungen, Trinken von kaltem Wasser, wenn der Körper erhitzt ist,
der unmäßige Genuß von Spirituosen, heftige geistige Erregungen, lang
anhaltendes Fieber.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Die Behandlung sollte mit folgendem
  Abführmittel begonnen werden:

    Pulverisirte Jalappenwurzel (~Pulv. jalap~)           4 Unzen.
         „       Sennesblätter (~Pulv. senna~)            8   „
         „       Gewürznelken (~Pulv. cloves~)            1 Unze.

  Mische es und siebe es durch ein feines Sieb. Dosis: Einen Eßlöffel
  voll in ein wenig warmem Wasser, oder ein wenig Branntwein mit Wasser.

  Bei der chronischen Form möge ein Pflaster, aus Eidotter und Salz
  bestehend, auf die Gegend über die Milz gelegt werden. Gewöhnliches
  Salz, in Dosen von einer Drachme dreimal des Tages genommen, hat
  sich in einigen Fällen bewährt. Die innere Rinde von weißer Esche
  (~White ash~), in weißem Wein gekocht und in Dosen von einem Weinglas
  voll dreimal des Tages genommen, hat gleichfalls Heilung bewirkt.
  Die Behandlung dieser Krankheit ist fast ganz dieselbe, wie die der
  Leberentzündung.

  =Homöopathisch.= Bei der acuten Form gebe man ~Aconitum~, ~Bryonia~,
  ~China~, wie bei Leberentzündung vorgeschrieben.

  Bei der chronischen Form gebe ~Sulphur~, ~Calcarea~, ~Ferrum~, ~Carbo
  Vegetabilis~, ~Lycopodium~. Verwende dieselben in derselben Weise wie
  bei chronischer Leberentzündung vorgeschrieben.

  =Allöopathisch.= Die Behandlung ist jener der chronischen und acuten
  Leberentzündung ähnlich. Bei der chronischen Form gebrauche man
  Senfpflaster, Jod-Tinktur (~Tincture of Iodine~) oder Crotonöl in der
  Gegend über der Milz.

  Folgendes wird empfohlen:

    Pulverisirte Chinarinde (~Pulv. Peruvian bark~)       1 Unze.
    Pulverisirter Rhabarber (~Pulv. rhubarb~)             ½ Drachme.
    Pulverisirtes salzsaures Ammoniak (~Pulv. muriate
    of ammonia~)                                          1 Drachme.

  Mische es und mache 8 Pulver daraus. Dosis: Ein Pulver dreimal des
  Tages.

  Um die Eingeweide in Ordnung zu bringen, halte sie gehörig offen und
  nehme folgendes:

    Entenfuß (~Podophyllin~)                              4 Grane.
    Leptandrin                                            8   „
    Chinin (~Quinine~)                                    8   „
    Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt                      2   „

  Mische es und mache 16 Pillen daraus. Dosis: Zwei oder drei Pillen
  beim Schlafengehen.


Würmer.

Es gibt drei Hauptgattungen von Würmern, denen der Mensch ausgesetzt
ist. Die Ascariden, Spring- und Madenwürmer; sie sind sehr klein und
ähneln einem weißen Faden von einem halben bis ganzen Zoll der Länge
nach. Die Zahl derselben ist zuweilen sehr groß und sie bilden sich zu
Rollen und Ballen in den Eingeweiden. Sie kriechen hin und wieder in
die Scheide oder Harnröhre und verursachen ein höchst lästiges Jucken.

Eine andere Gattung sind die Spulwürmer oder ~Ascarides lumbricoides~,
welche sehr lang und rund sind, ungefähr ⅛ Zoll dick und 3 bis 12
Zoll lang. Sie ähneln dem gewöhnlichen Regenwurm sehr und werden
vorzugsweise in den großen Därmen und zuweilen im Magen gefunden; auch
erscheinen sie nicht selten im Halse.

Die dritte Gattung ist der Bandwurm (~Taenia solium~); er besteht aus
einer Menge an einander gereihter Glieder und ist in seiner Länge
von einigen bis mehreren hundert Fuß verschieden. Er hält sich in
den kleinen Eingeweiden auf und zehrt von dem Nahrungssaft, d. h.
von jener Masse der Nahrung, welche bleibt, nachdem die Speisen den
Magen verlassen haben, und verursacht in Folge dessen große Zehrung,
Erschöpfung und Abnahme des Fleisches.

+Symptome.+ Die Kennzeichen der Anwesenheit von Würmern sind sehr
undeutlich, und es ist zuweilen unmöglich, sie zu hemmen, bevor nicht
welche abgegangen sind.

Die Anwesenheit des Springwurms mag erkannt werden an dem
unerträglichen Jucken im After oder ~Anus~. Bei Kindern kündigen sich
die Würmer durch Blässe, Jucken in der Nase und Knirschen der Zähne
an; Auffahren aus dem Schlafe, unregelmäßigen Appetit, üblen Athem,
geschwollenen Unterleib, starkes Anschwellen der Oberlippe, eine von
den Wangen mehr oder weniger geröthet.

Der Bandwurm wird erkannt an einem nagenden Schmerz im Magen,
unregelmäßigem, in der Regel aber sehr starkem Appetit; die Menge der
zu sich genommenen Speisen entspricht der daraus erwachsenden Nahrung
nicht, der Kranke magert ab und öfters ist ein harter Husten anwesend;
ein Gefühl, als ob irgend etwas von der linken Seite plötzlich in den
Hals hinaufstiege und wieder zurückfiele, Schwindel, besonders des
Morgens vor dem Essen.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Zu geben beim Anfang der Behandlung
  gegen nervöse Reizbarkeit, welche in der Regel anwesend ist. Einige
  Dosen mögen gegeben und alle 2 Stunden wiederholt werden. Wirkt dies
  nicht, so gebe man ~Ignatia~ in derselben Weise.

  ~Cina.~ -- Dies ist das Hauptmittel, besonders bei Anwesenheit
  folgender Symptome: Bohren mit den Fingern in der Nase, das Kind
  ist nervös, schreit des Nachts im Schlafe, hat starke Anfälle
  von Kolik, Zupfen an den Lippen, Gesicht zuweilen blaß und kalt,
  dann wieder roth und heiß, sonderlicher Appetit, wunderlich und
  furchtsam, Gesicht aufgedunsen, Anschwellen und Schmerz im Unterleib,
  Verstopfung oder Diarrhöe, Knirschen mit den Zähnen.

  ~Nux Vomica.~ -- Wenn mit den andern Symptomen Verstopfung verbunden
  ist, starkes Jucken, brennendes und stechendes Gefühl im After.

  ~Spigelia.~ -- Bei strengen Fällen von Wurmkolik, wenn Fieber und
  Diarrhöe vorhanden sind, Heißhunger und Frösteln.

  ~Silicea.~ -- Besonders bei Kindern, die skrophulös sind.

  ~Belladonna.~ -- Kolik, welche durch Liegen auf dem Bauche gelindert
  wird. Auffahren aus dem Schlaf, Kopfweh.

  ~Lycopodium.~ -- Besonders bei starkem Jucken im After.

  ~Teucrium~ -- empfohlen von Freligh gegen den Reiz und das Jucken,
  welches von Würmern verursacht wird.

  ~Santonin~ -- ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen die verschiedenen
  Gattungen von Würmern.

  Gegen den Bandwurm Kürbiskörner (~Pumpkin seeds~) wie untenstehend
  gegeben, ist ein ausgezeichnetes Mittel.

  Man nehme 8 Unzen von den Körnern und esse davon zur Mahlzeit 4
  Unzen bei leerem Magen, erweiche dann die übrigen 4 Unzen in
  heißem Wasser und trinke den Aufguß am Morgen. Bis Mittag sollte
  nichts gegessen werden. Dies wird gewöhnlich hinreichen, den Wurm
  abzutreiben; ist dies aber nicht der Fall, so wiederhole es die
  nächste Nacht.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Mittel
  dreimal des Tages eine Dosis, wenn die Symptome nicht anders
  nothwendig machen, in welchem Falle dann alle zwei oder drei Stunden
  eine Dosis gegeben werden muß.

  Bei chronischen Fällen sollten die Mittel durch eine lange Zeit
  hindurch einmal des Tages gegeben werden.

  +Kost.+ Der Kranke sollte alle schweren Nahrungsmittel vermeiden, wie
  gekochtes Gemüse, reiche Puddings und Kuchen; mag sich vielmehr mit
  Fleischsuppen, gebratenem oder gekochtem Fleisch und Milch begnügen.

  Gegen sehr starkes Jucken, das bei einigen Fällen vorhanden ist,
  werden Einspritzungen von kaltem Wasser oder Wasser, dem ein wenig
  Salz oder Essig beigefügt ist, zuweilen von gutem Erfolg gefunden
  werden. Süßes Oel (~Sweet oil~) entspricht hin und wieder demselben
  Zwecke.

  =Allöopathisch.= Folgendes ist ein gutes Mittel:

    Spigelien-Wurzel (~Pink root~)                        ½ Unze.
    Sennesblätter (~Senna~)                               ½  „
    Doppeltweinsteinsaure Potasche (~Bi-tartrate
    of potassa~)                                          1 Drachme.
    Pulverisirte Jalappenwurzel (~Pulv. jalap~)           ½    „
    Kardamon- (~Cardamon~) Samen                          ½    „
    Lakritzen- (~Liquorice~) Extrakt                      2 Drachmen.

  Mische es, füge ein halbes Pint kochendes Wasser hinzu und lasse das
  Ganze eine Stunde durchweichen. Dosis: Ein oder zwei Eßlöffel voll
  gelegentlich bis die Würmer abgetrieben sind.

  Eine Einspritzung von gewöhnlichem süßem Oel ist zuweilen
  hinreichend, um die Springwürmer abzutreiben. Das folgende kann zu
  demselben Zwecke gegeben werden:

    Aloe (~Aloes~)                                        2 Skrupel.
    Kohlensaure Potasche (~Carbonate of potassa~)        15 Grane.
    Gersten- (~Barley~) Abkochung                         ½ Pint.

  Mische und gebrauche es als eine Einspritzung.

  Ein Aufguß von je einer Unze Sennesblätter (~Senna~), Spigelia
  (~Spigelia~) auf ein Pint Wasser kann in einigen Fällen angewendet
  werden. Erwachsenen gebe jeden Morgen vor dem Frühstück ein Weinglas
  voll.

  Wurmsamenbitter (~Santonin~) ist ein ausgezeichnetes Mittel, aber es
  sollte vorsichtig angewendet werden. Bei Erwachsenen eine Dosis von
  3 bis 6 Granen. Bei Kindern einen halben Gran ein- oder zweimal des
  Tages.

  Gegen Bandwurm hat sich Terpentin- (~Turpentine~) Spiritus vorzüglich
  bewährt. Man gebe ihn in Dosen von einer halben Unze und lasse
  dieselbe Menge Castoröl folgen oder beides zu gleicher Zeit nehmen.
  Eine Abkochung von Kohlpalmenrinde (~Cabbage tree bark~) sowie auch
  Kürbißkörner (~Pumpkin seed~) wird gegen Bandwurm sehr empfohlen.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wurmsamen mit Molasses gemischt mag
  Erwachsenen in Dosen von 1½ Theelöffel voll und Kindern in Dosen
  von 1 Theelöffel voll gegeben werden.

  Walddost- (~Thoroughwort~) Thee oder Rainfarn- (~Tansy~) Thee ist
  auch gut; Kermesbeer (~Poke root~) und Sennesblätter (~Senna~) sind
  ein wirksames Mittel. Eine Unze von jedem sollte in heißem Wasser
  erweicht und ein Eßlöffel voll einmal des Tages gegeben werden.
  Folgendes ist bei manchen Fällen zu empfehlen:

    Castoröl                                              1 Unze.
    Wurmsamen- (~Worm seed~) Oel                          1  „
    Terpentin- (~Turpentine~) Oel                         ½  „
    Anisöl                                                ½  „

  Dosis: Für ein Kind von 2 oder 3 Jahren 10 bis 20 Tropfen alle 3 oder
  4 Stunden. Das folgende wird empfohlen:

    Wurmsamenöl                                           ½ Unze.
    Rainfarn- (~Tansy~) Oel                               ½  „
    Terpentin- (~Turpentine~) Oel                         ½  „
    Crotonöl                                              2 Drachmen.
    Castoröl                                              4 Unzen.

  Mische es. Dosis: Für ein Kind von 1 bis 2 Jahren einen halben
  Theelöffel voll in ein wenig warmer Milch drei Tage hindurch. Dann
  sollte dasselbe drei Tage ausgesetzt und für die nächstfolgenden drei
  Tage wieder angewendet werden.

  Gegen Bandwurm wird der Saft von blauem Kalmus (~Blue flag~)
  empfohlen, ebenso starke Portionen von Knoblauch (~Garlic~) mit
  Salz, und einen Tag um den andern ein Abführmittel von Alraunwurzel
  (~Mandrake root~). Wurzel von männlichem Farn (~Root of male fern~)
  ist erfolgreich zur Entfernung des Bandwurms angewendet worden.


Hartleibigkeit.

Dies ist eine der gewöhnlichsten Störungen, denen die Menschheit
unterworfen ist. Unter Hartleibigkeit verstehen wir einen trägen
Zustand der Eingeweide, durch welche der Koth eine längere Zeit
zurückgehalten wird, als es die Erhaltung der Gesundheit bedingt. Stuhl
ist seltener als in gesundem Zustande, hart und trocken, in kleinen
Quantitäten und die Entleerung geht mit Schwierigkeit vor sich.

+Symptome.+ Kopfschmerz, Schwindel, Mangel an Appetit, zuweilen
Uebelkeit und Fiebersymptome, Schwere längs des unteren Theiles des
Bauches.

+Ursachen.+ Sitzende Lebensweise, besonders während der Geist beständig
auf irgend einen Gegenstand gerichtet ist, zusammenziehende Medizinen,
nervöse Krankheiten, Unachtsamkeit auf das Verlangen nach Entleerung
der Eingeweide.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Kost sollte dieser Krankheit genau angemessen sein,
  alles von bindender Natur ist zu vermeiden, wie thierische Kost,
  besonders eingesalzene Fleische, Käse, reizende Getränke, Pasteten,
  stark gewürzte Speisen &c. Dagegen kann der Patient alle Sorten von
  Früchten, Gemüse, grobes Brod und Suppen essen. Gestoßener Weizen
  wird die Heilung der Hartleibigkeit befördern. Einspritzungen von
  kaltem Wasser, sowie starkes Trinken von kaltem Wasser, sollte
  angewendet werden. Jedermann muß den Mahnungen der Natur sofort und
  regelmäßig Folge leisten. Die beste Zeit diesem nachzukommen ist
  vielleicht am Morgen unmittelbar. Wenn man diesem Umstande zu einer
  gewissen Stunde des Tages Aufmerksamkeit schenkt, so wird dies mehr
  als irgend etwas anderes dazu beitragen, dieses zur Gewohnheit zu
  machen und die Eingeweide in Ordnung zu halten.

  =Allöopathisch.= Eine Pille von Rhabarber (~Rhubarb~) und spanische
  Seife (~Castile soap~) von jedem ½ Gran sollen angewendet und davon
  des Abends 2 Pillen gegeben werden.

  Zuweilen bewährt sich folgendes:

    Entenfuß-Harz (~Rosin of podophyllin~)                2 Grane.
    Flüssiger Rhabarber-Extrakt (~Fluid extract
    of rhubarb~)                                          1 Unze.
    Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (~Fluid extract
    of senna~)                                            1  „
    Ingwer-Syrup (~Syrup of ginger~)                      ½ Unze.
    Gewürznelkenöl                                        4 Tropfen.

  Gummi Arabicum Schleim hinlänglich, um daraus 4 Unzen zu machen.
  Dosis: Für Erwachsene einen Eßlöffel voll und so oft zu wiederholen
  als erforderlich, um die Eingeweide zu öffnen.

  Eine Abkochung von Walddost (~Thoroughwort~) täglich kalt getrunken
  war in einigen Fällen von gutem Erfolg. Einspritzungen von warmem
  oder kaltem Wasser sollten angewendet werden, da dieselben in der
  Regel hinreichen, ohne weitere abführende Medizinen, Abhülfe zu
  verschaffen. Eine Dosis von einem Aufguß von Sennesblättern mag sich
  hin und wieder bewähren.

  Folgendes, unter „~Mottauer’s Aperient~“ bekannt, wird sehr empfohlen:

    Pulverisirte Aloe (~Pulv. Aloes~)                    1½ Unzen.
    Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~)      4   „
    Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
    spirits of lavender~)                                 2   „
    Wasser                                                2 Quarts.

  Mische es in einem Kruge, lasse es 2 Wochen lang stehen und schüttle
  es jeden Tag gehörig um, dann sollte die Mischung vom Bodensatze
  abgegossen werden. Dosis: ein halbes Weinglas voll ein- oder zweimal
  des Tages.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Eine gelegentliche Dosis von Rhabarber
  (~Rhubarb~) oder ein Seidlitz Pulver wird zuweilen alles sein, was
  nothwendig ist, um Abhülfe zu verschaffen; gleichzeitig ist der Kost
  Aufmerksamkeit zu widmen.

  Eine Mischung von Rhabarber (~Rhubarb~) zwei Theile und
  doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate of potassa~) einen Theil
  in Dosen von 6 Granen dreimal des Tages in ein wenig warmem Wasser,
  ungefähr eine Stunde vor jeder Mahlzeit genommen, wird empfohlen.
  Die Dosis sollte nicht mehr als zwei Stühle des Tages bewirken und
  es wird gut sein, wenn nicht mehr als einer darauf erfolgt. Auch das
  folgende ist empfehlenswerth:

    Aletridin                                            20 Grane.
    Brechnuß- (~Nux Vomica~) Extrakt                     1½   „
    Entenfuß (~Podophyllin~)                              5   „

  Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: eine oder zwei jeden
  Abend. Eine Einspritzung von einem Aufguß Wasserdost (~Boneset~) mit
  ein wenig Molasses, ist zuweilen erfolgreich.

  =Homöopathisch.= Das wichtigste Mittel ist ~Nux Vomica~, wenn
  häufiger und erfolgloser Drang nach Stuhl vorhanden ist oder ein
  Gefühl, als ob der After geschlossen wäre; unangenehmer Geschmack
  im Munde, Appetitlosigkeit, Anschwellen des Unterleibes. Wenn
  ~Nux Vomica~ unzureichend ist, gebe eine gelegentliche Dosis von
  ~Bryonia~, besonders wenn die Störung in warmem Wetter eintritt.

  ~Opium.~ -- Mag zuweilen abwechselnd mit ~Nux Vomica~ gegeben
  werden, besonders wenn große Trägheit der Eingeweide ohne irgend ein
  Verlangen nach Stuhl, Röthe des Gesichts, Schießen des Blutes nach
  dem Kopfe, Kopfschmerz vorhanden sind.

  ~Platina.~ -- Wenn der Koth in kleinen harten Stücken mit viel
  Schwierigkeit entleert wird, Schaudern, Gefühl von Schwäche im
  Unterleib.

  ~Lycopodium.~ -- Bei starkem Drängen mit starkem Druck nach unten,
  aber Unfähigkeit, die Eingeweide zu entleeren.

  ~Antimonium Crudum.~ -- Bei Fällen, wo Verstopfung und Diarrhöe
  abwechseln.

  ~Sulphur.~ -- Bei lang anhaltender Verstopfung, besonders, wenn der
  Patient mit Geschwüren belästigt ist. Auch wenn öfters Verlangen nach
  Stuhl ohne irgend welchen Erfolg vorhanden ist.

  ~Plumbum.~ -- Bei hartnäckiger Verstopfung, der Stuhlgang ist hart
  und Schwierig und der Koth geht in harten Stücken oder Bällen weg.

  Bei Verstopfung von schwangeren Frauen gebe man ~Nux Vomica~,
  ~Opium~, ~Sepia~. Frauen im Kindbett ~Bryonia~, ~Nux Vomica~,
  ~Opium~, ~Sulphur~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ -- Alle 2, 3 oder 4 Stunden gebe man
  eine Dosis von dem gewählten Mittel. Werden die Heilmittel trocken
  gegeben, so gebe man 3 bis 6 Pillen als eine Dosis. Wenn in Wasser
  gegeben, löse 6 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe als
  Dosis einen Theelöffel voll. Einspritzungen von und Baden im kalten
  Wasser wird sehr zuträglich gefunden werden.


Diarrhöe oder Durchfall.

Diese Krankheit kommt sehr häufig vor, besonders in den heißen Monaten
des Jahres. Die Symptome bestehen in mehr oder weniger flüssigen
öfteren Entleerungen der Eingeweide, und jeder Entleerung folgt ein
kollerndes Geräusch in den Eingeweiden, verbunden mit einem Gefühle
von Schwere oder Gewicht, gewöhnlich auch stärkerem oder schwächerem
Kneipen und zuweilen Uebelkeit und Erbrechen; finden die Entleerungen
oft oder sehr stark statt, so tritt in Folge dessen nach kurzer Zeit
große Schwäche ein.

+Ursachen.+ Der Einfluß außergewöhnlicher Hitze und Kälte, Genuß von
Säuren, unverdauliche oder reizende Nahrungsmittel, Ueberladen des
Magens mit Speisen, heftige, geistige Erregung, wie Furcht, Zorn u. s.
w. Es kann auch durch fortwährenden Aufenthalt in schlecht ventilirten
Wohnungen, und bei Kindern durch das Zahnen verursacht werden.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Der Genuß von allen Speisen, die nicht ganz leicht
  verdaulich sind, ist zu untersagen, ebenso Säuren, Kaffee, stark
  gewürztes Gemüse, Früchte, frische Fleischsorten und Suppen aller
  Art. Die Kost des Patienten mag bestehen in Zwieback, Reis, gekochter
  Milch, Hafermehl, geschältes Korn, Pfeilwurz (~Arrow root~),
  Gerstenwasser, Sago, Tapioca, Gummi Arabicum Schleim, gekochtem Reis
  mit Zimmet gewürzt.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes wird die Thätigkeit der Leber
  wieder herstellen und Alles auf die Eingeweide reizbare entfernen:

    Zusammengesetzter Syrup aus Rhabarber und Potasche
      (~Compound syrup of rhubarb and Potassa~)           4 Unzen.
    Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz                    1 Drachme.
    Paregoricum (~Paregoric~)                             4 Drachmen.

  Mische es. Dosis: alle 2, 3 oder 4 Stunden einen Eßlöffel voll. Bevor
  dies indessen genommen wird, ist es gut, ein Brechmittel aus gleichen
  Theilen von pulverisirter Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~) zu geben.

  Folgender Syrup wird ausgezeichnet gefunden werden:

    Brombeerwurzel (~Black berry root~) fein
    geschnitten und gestoßen                              8 Unzen.
    Gägel- (~Bay berry~) Rinde                            4   „
    Storchschnabel (~Cranes Bill~)                        2   „
    Myrrhenharz (~Gum myrrh~)                             1   „
    Zimmetrinde (~Cinnamon bark~)                         2   „
    Fenchelsamen (~Fennel seed~)                          ½ Unze.
    Gewürznelken (~Cloves~)                               1   „

  Zerstoße es gehörig, gebe es in 6 Quart Wasser und lasse es 6 bis
  8 Stunden langsam über dem Feuer bis zur Hälfte einkochen, dann
  seihe es durch und lasse es zu zwei Pint einkochen. Während es noch
  heiß ist, füge ein Pfund weißen Zucker bei und ist es abgekühlt
  noch ein Pint französischen Branntwein hinzu. Dosis für Erwachsene
  einen Eßlöffel voll. Dies wirkt als ein ausgezeichnetes Mittel gegen
  alle Arten Diarrhöe, Cholera und Cholera-Morbus. Eine Abkochung von
  je einer Handvoll Brombeerenwurzel (~Black berry root~) und weiße
  Eschenrinde (~White oak bark~) mit je einer halben Unze Gewürznelken
  (~Cloves~), Zimmet (~Cinnamon~) und ~Allspice~ mit Stückzucker oder
  Kandiszucker (~Rock candy~) versüßt, wird in einigen Fällen gut
  gefunden werden. Dosis: Mehrere Male des Tages einen Eßlöffel voll.

  Bei Uebelkeit und Erbrechen kann ein Senfpflaster über den Magen
  gelegt werden. Auch ein Aufguß von Hafermehl-Kaffee mag zuweilen
  zuträglich gefunden werden. Das Hafermehl sollte mit Wasser
  vermischt, gebacken und mit Kaffee gebräunt werden, dann pulverisire
  man es und mache einen Aufguß daraus. Gegen den Schmerz oder das
  Kneipen wende man eine Einspritzung an, die wie folgt zusammengesetzt
  wird:

    Castoröl                                              1 Gill.
    Molasses                                              ½ Pint.
    Warmes Wasser                                         ½ Pint.
    Laudanum                                          20-60 Tropfen.

  Folgendes wird als ein ausgezeichnetes Mittel empfohlen:

  Röste ein halbes Pfund Reis, bis es braun ist, dann koche es und esse
  es langsam.

  Pulverisirter Rhabarber (~Rhubarb~) zu Holzkohle gebrannt und
  pulverisirt, wird empfohlen. Ungefähr einen halben Theelöffel voll
  dreimal des Tages. Der Rhabarber mag in einem eisernen Gefäße zu
  schwarzer Asche verbrannt werden.

  Chronische Diarrhöe wird in einigen Fällen durch einfaches Essen
  von Gummi Arabicum oder das öftere Trinken des Schleimes von Gummi
  Arabicum geheilt. Folgende Pillen werden gegen chronische Diarrhöe
  empfohlen:

    Leptandrin                                           20 Grane.
    Brechwurz (~Ipecac~)                                 20   „
    Entenfuß (~Podophyllin~)                              5   „
    Pulverisirtes Opium                                   8   „

  Mische es und mache 40 Pillen mit ein wenig Löwenzahn- (~Dandelion-~)
  Extrakt daraus. Dosis: Früh und Abends eine Pille. Während diese
  Pillen genommen werden, ist es gut, die ganze Oberfläche des Körpers
  einmal des Tages mit warmem Saleratuswasser zu waschen. Folgendes
  Mittel soll bei einigen der schlimmsten Falle geholfen haben:

  Man nehme ein Stück gut geräucherten alten Speck, schneide ihn
  in Stücke und brate ein Pint Schmeer aus; während des Ausbratens
  schneide mehrere große Zwiebeln hinein. Gieße darauf die Flüssigkeit
  ab und nimm einen Theelöffel voll davon einmal des Tages.

  Folgendes wird in einigen Fällen gut gefunden werden:

    Pulverisirter Alaun (~Alum~)                          2 Grane.
    Pulverisirte Galläpfel (~Galls~)                      2   „
    Pulverisirter Kampher (~Camphor~)                     1 Gran.

  Mische und nimm es auf einmal. Nach jeder Mahlzeit zu wiederholen.
  Eine Abkochung von Kampescheholz (~Logwood~) ist ein ausgezeichnetes
  Mittel gegen diese Krankheit. Ein halber Theebecher voll sollte davon
  dreimal des Tages genommen werden.

  =Homöopathisch.= ~Dulcamara.~ -- Gegen Diarrhöe, die von Erkältung
  herrührt, wenn die Stuhlgänge wässerig, grünlich oder gelblich und
  bei leichtem Schmerz schlimmer des Nachts sind. Man lasse ~Bryonia~
  folgen.

  ~Aloes.~ -- Heftiger Stuhlgang, der ganze Körper wird während
  desselben heiß, bei einem Gefühl von Magenschwäche oder Schmerz in
  der Gegend der Leber; der Stuhl hat einen höchst fauligen Geruch und
  ist nicht übermäßig stark oder wässerig.

  ~Ipecacuanha.~ -- Stuhlgang von dünnem Schleim, oder schaumig,
  gegohren oder gelb, bei beträchtlichem Schmerz im Mastdarm, die
  Entleerungen sind mit einer weißen Substanz gemischt, Blässe des
  Gesichts, große Hinfälligkeit.

  ~Chamomilla.~ -- Gallige, wässerige oder schleimige Diarrhöe, der
  Stuhl ähnelt geschnittenem Stroh und riecht wie faule Eier, belegte
  Zunge, Anschwellen der Eingeweide, bitterer Geschmack im Munde.
  Besonders anwendbar gegen Diarrhöe in Folge von Erkältung, Furcht
  oder Zorn, und bei Kindern, wenn sie die Beine in die Höhe werfen,
  sich ärgern, quälen und getragen sein wollen.

  ~Rheum.~ -- Sauer riechender Stuhl bei krampfartiger Kolik in den
  Eingeweiden. Ein Schauder während des Stuhlganges; Diarrhöe in Folge
  von Magensäure; saurer Geruch, der von dem Kinde ausströmt und auch
  nicht durch Waschen gehoben wird. Besonders anwendbar bei Diarrhöe
  von Kindern und Frauen im Wochenbett. Wenn ~Rheum~ keine Linderung
  verschafft, so gebe man ~Chamomilla~.

  ~Mercurius.~ -- Bei fast jeder Art von Diarrhöe anwendbar, besonders
  wenn mit Kneipen vor und Brennen im After nach dem Stuhlgange
  verbunden; große Hinfälligkeit, Zittern, Entleerungen gallig,
  schleimig, schaumig oder mit Blut gemischt, heftige Kolik,
  schlechter Athem. ~Nux Vomica~ wird zuweilen Linderung geben, wenn
  ~Mercurius~ angezeigt zu sein scheint, aber nicht den gewünschten
  Erfolg hat.

  ~Colocynthis.~ -- Gallige oder wässerige Diarrhöe mit starken
  krampfartigen Schmerzen.

  ~Podophyllin.~ -- Diarrhöe mit krampfartigen Schmerzen in den
  Eingeweiden, leicht gefärbtem widerwärtigem Stuhl, Entleerungen
  schaumig und schleimig.

  ~Pulsatilla.~ -- Diarrhöe in Folge von Unverdaulichkeit, bei
  wässerigen, widerwärtigen Entleerungen, besonders des Abends,
  bitterer Geschmack im Munde, faulige Zunge.

  ~Bryonia.~ -- Diarrhöe in Folge der Sonnenhitze.

  ~Arsenicum.~ -- Diarrhöe brennend, mit starken Kolikschmerzen. Mag
  abwechselnd mit ~Veratrum~ oder abwechselnd mit ~Carbo Vegetabilis~
  gegeben werden, wenn die Diarrhöe faulig ist und aus unverdauten
  Nahrungsmitteln besteht, oder bei wässerigem, schleimigem, brennendem
  Stuhl.

  ~Magnesia.~ -- Aehnlich dem Schaum eines Froschteiches, grün und
  schaumig.

  ~Nux Vomica.~ -- Wenn häufige und spärliche Stuhlgänge einer
  wässerigen und grünlichen Masse erfolgen und Drängen und drückender
  Schmerz. Mag abwechselnd mit ~Mercurius~ gegeben werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe,
  ganze, 2 oder 3 Stunden, der Strenge des Schmerzes und der Häufigkeit
  der Stuhlgänge angemessen, einen Theelöffel voll. Werden die Pillen
  gebraucht, so gebe man 3 bis 4 als eine Dosis. Bei chronischen Fällen
  gebe man jeden Morgen und Abend eine Dosis.

  =Allöopathisch.= Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber (~Rhubarb~)
  und Potasche mag in Dosen von einem Eß-Löffel alle Stunden gegeben
  werden, bis die Magensäure bewältigt und der Reiz vermindert
  ist. Pfeffermünz- (~Peppermint~) und grüne Münze- (~Spearmint~)
  Essenz kann hin und wieder mit gutem Erfolg hinzugefügt werden.
  Bei Uebelkeit und Erbrechen mache Senfpflaster auf den Magen und
  gebe einige Tropfen Laudanum. Folgendes wird bei leichten Anfällen
  entsprechend gefunden werden:

    Gewürzter Rhabarber-Syrup (~Spiced syrup
    of rhubarb~)                                          ½ Unze.
    Magnesia                                             15 Grane.
    Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser                           2 Drachmen.
    Kampherwasser                                         2    „

  Mische es und nimm die Hälfte der Mischung als eine Dosis und
  wiederhole dies alle drei Stunden.

  Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:

    Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~)   50 Tropfen.
    Laudanum                                             15 Tropfen.
    Pfeffermünz- (~Peppermint~) oder Zimmet-
    (~Cinnamon~) Wasser                                   3 Unzen.

  Dosis: Alle 4 Stunden einen Eßlöffel voll.

  Bei heftigem, kneipendem Schmerz gebe folgende Einspritzung:

    Castoröl                                              2 Unzen.
    Tinktur von stachliger Eschenrinde (~Tinct.
    of prickly ash bark~)                                 ½ Unze.
    Zusammengesetzte virginische Schlangenwurzel-
    Tinktur (~Comp. tincture of Virginia snake root~)     2 Drachmen.
    Laudanum                                             20 Tropfen.
    Aufguß von Wasserdost (~Infusion of boneset~)         ½ Pint.
    Aufguß von Sennesblättern (~Infusion of senna~)       ½ Pint.

  Mische und gib es als eine Einspritzung.

  Aehnelt die Diarrhöe der Ruhr (~Dysentery~), so sollten
  Einspritzungen von Stärke angewendet und gleichzeitig folgende Pillen
  gegeben werden:

    Essigsaures Blei (~Acetate of lead~)                  1 Gran.
    Opium                                                 ½  „

  Mache eine Pille daraus und wiederhole diese alle 3 oder 4 Stunden.

  Bei chronischer Diarrhöe wird zuweilen ein Theelöffel voll Branntwein
  in ein wenig versüßtem Wasser mehrere Male des Tages gegeben, heilen.
  Es wird sehr zuträglich sein, bei Behandlung eines chronischen Falles
  von Diarrhöe ausgenommen Milch und Kalk- (~Lime~) Wasser, so wenig
  als möglich Nahrungsmittel zu sich zu nehmen. Bei beträchtlicher
  Schwäche mögen folgende Pillen gegeben werden.

    Chinin (~Quinine~)                                    ½ Drachme.
    Pulverisirte Catechu                                  1    „
    Pulverisirtes Opium                                  15 Grane.

  Mische es und mache 32 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages 1
  Pille.


Ruhr (~Dysentery -- Bloody Flux~).

Dies ist eine Entzündung der Schleimhaut der großen Eingeweide.

+Symptome.+ Die Krankheit beginnt in der Regel mit Appetitlosigkeit,
Verstopfung, Frösteln, Hitze der Haut, außerordentlichem Durst &c. Hin
und wieder beginnt sie mit Diarrhöe, die Stuhlgänge sind unbedeutend
und häufig, sie sind mit Schleim vermischt und mit Blut gestreift,
beständiges Dringen und Verlangen nach Stuhl, starkem Schmerz vor und
nach jedem Stuhlgang, schmerzhaftes Grimmen des Afters, auch ~Tenesmus~
genannt.

+Ursachen.+ Plötzlicher Wechsel von heißer zu kalter Witterung, unreife
oder saure Früchte, verdorbenes Gemüse oder Fleisch, das Trinken von
kaltem Wasser, wenn man erhitzt ist.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Es sollte dem Patienten nicht erlaubt sein,
  aufzubleiben, er muß sich vielmehr sehr ruhig verhalten. Als Nahrung
  nehme man Mehlsuppe, gehörig gekocht, Reiswasser, Pfeilwurz (~Arrow
  root~), Sago. Bei Besserwerden möge ein wenig Schöpsenfleischbrühe
  erlaubt werden.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Schmerz in den Eingeweiden, gallige
  oder dünne, wässrige Entleerungen mit Schleim gemischt und zuweilen
  mit Blut gestreift, Schmerzen im Kopf, Nacken und Schultern, Puls
  stark und schnell.

  ~Arsenicum.~ -- Passend bei Fällen, wo die Stuhlgänge unfreiwillig
  erfolgen und einen fauligen Geruch haben, da, wo der Kranke sehr
  schwach ist, brennende Schmerzen in den Eingeweiden, Athem kalt. Kann
  allein oder abwechselnd mit ~Carbo Vegetabilis~ gegeben werden.

  ~Belladonna.~ -- Wenn ~Aconitum~ keine Minderung gewährt und wenn
  Trockenheit im Munde und Hals vorhanden ist, Empfindlichkeit der
  Eingeweide, Zunge belegt und an der Spitze roth.

  ~Mercurius.~ -- Dies ist das wichtigste Mittel bei Ruhr und ist in
  allen Stadien anwendbar, besonders wenn ein Drängen, als ob die
  Eingeweide herauskommen wollten, vor und nach dem Stuhle, vorhanden
  ist, eine Entleerung von hellem Blute, zuweilen mit Schleim gestreift
  oder von einer grünlichen Masse nach starkem Drängen, hin und wieder
  gleicht der Stuhl aufgeschlagenen Eiern, heftige Kolik, Uebelkeit,
  Frösteln, Erschöpfung, Zittern, kalter Schweiß auf dem Gesichte,
  Verschlimmerung des Schmerzes zur Nachtzeit. Kann abwechselnd mit
  ~Colocynth~ gegeben werden, wenn starke kneipende Kolik-Schmerzen
  vorhanden sind, oder abwechselnd mit ~Aconitum~ oder ~Belladonna~,
  wenn Fieber damit verbunden ist.

  ~Chamomilla.~ -- Zuweilen nach ~Aconitum~ entsprechend, wenn noch
  Fieber mit Kopfschmerz, Uebelkeit und Durst vorhanden sind. Besonders
  nützlich, wenn der Anfall durch plötzliche Schweißunterdrückung
  verursacht wurde.

  ~Colocynthis.~ -- Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden und die
  Entleerungen mit einer grünen Masse gemischt, oder sie sind mit
  Schleim und Blut gemischt. Mag abwechselnd mit ~Mercurius~ gegeben
  werden.

  ~Podophyllin.~ -- Krampfartige Schmerzen in den Eingeweiden,
  Entleerungen hell gefärbt und höchst widrig, oder schaumig und
  schleimig.

  ~Ipecacuanha.~ -- Besonders zuträglich bei Eintreten der Krankheit
  im Herbste, oder wenn der Schleim oder schleimige Stuhlgänge später
  mit Blut gestreift sind. Mag mit Vortheil abwechselnd mit ~Petroleum~
  gegeben werden.

  ~Nux Vomica.~ -- Schwache und häufige Entleerungen von blutigem
  Schleim, starke Hitze, großer Durst, brennender, schneidender Schmerz
  in der Gegend des Nabels. Kann abwechselnd mit ~Opium~ gegeben werden.

  ~Sulphur.~ -- Vortheilhaft gegen hartnäckige Fälle, gelegentlich eine
  Dosis.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser und gebe alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Strenge der
  Symptome angemessen, einen Theelöffel voll. Bessert sich der Kranke,
  so gebe man die Dosen in größeren Zwischenräumen. Bei chronischer
  Ruhr ist eine Dosis des betreffenden Mittels dreimal des Tages
  hinreichend.

  =Allöopathisch.= Bei gelinden Fällen gebe man einen Theelöffel voll
  Castoröl und zwei Theelöffel voll Paregoricum (~Paregoric~) einmal
  des Tages; oder eine Dosis Castoröl mit 10 oder 15 Tropfen Laudanum,
  wenn das Mittel zu Anfang gegeben wird. Leinsamen oder schlüpfriger
  Ulmen- (~Slippery elm~) Thee kann als Getränk verwendet werden. Bei
  Schmerz in den Eingeweiden gebe ein Senfpflaster. Einspritzungen von
  Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum werden außerordentlich
  wohlthätig gefunden werden. Der zusammengesetzte Spiritus von
  Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) ist in einigen Fällen
  anwendbar und in Dosen von einem Theelöffel voll alle drei oder vier
  Stunden zu geben. Folgendes möge in dem ersten Stadium gegeben werden:

    ~Blue Mass~                                          18 Grane.
    Brechwurz (~Ipecac~)                                  6   „
    Kampher (~Camphor~)                                  12   „

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier
  Stunden eine Pille. Oder:

    Kampher (~Camphor~)                                  18 Grane.
    Brechwurz (~Ipecac~)                                  6   „
    Opium                                           3 bis 6   „

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: alle drei oder vier
  Stunden eine Pille.

  Bei chronischer Ruhr gebe man folgendes:

    Orangenschalen-Syrup                                  1 Unze.
    Essigsaures Morphium (~Acetate of morphia~)           2 Grane.
    Zimmet- (~Cinnamon~) Tinktur                          6 Drachmen.
    Kardamon- (~Cardamon~) Tinktur                        2    „

  Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  Bei chronischen Fällen von Ruhr von langer Dauer, wird folgende
  Einspritzung zuträglich gefunden werden:

    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)             10 Grane.
    Laudanum                                             40 Tropfen.
    Leinsamenthee                                         4 Unzen.

  Ein Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~) oder die Tinktur von
  stachligen Eschenbeeren (~Prickly ash berries~) werden als
  Einspritzungen gut gefunden werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Bei milden Fällen wird der unter
  Diarrhöe empfohlene pulverisirte gebrannte Rhabarber (~Rhubarb~),
  in Dosen von einem halben Theelöffel voll drei- oder viermal des
  Tages gegeben, gut gefunden werden. Gebrannter Branntwein wird in
  einigen Fällen sofortige Linderung verschaffen. Ein Theelöffel
  voll Castoröl und ein und einen halben Theelöffel voll Paregoricum
  (~Paregoric~) gemischt und einmal des Tages genommen, reicht zuweilen
  hin. Bei starkem Schmerz in den Eingeweiden mögen heiße Bähungen
  von Hopfen, oder von Hopfen und Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern
  über den schmerzhaften Theil gemacht werden. Sind die Entleerungen
  häufig und schmerzhaft, so wende man Einspritzungen an von 3
  Theilen Stärkewasser und einem Theil zusammengesetzter Tinktur von
  Virginischer Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake
  root~) an; ungefähr eine halbe Unze sollte eingespritzt und nach
  jedem Stuhlgang wiederholt werden; der Patient halte es so lange als
  möglich zurück. Kann man die Tinktur nicht erhalten, so nehme man 10
  bis 20 Tropfen Laudanum. Folgendes wird empfohlen:

    Türkischer Rhabarber, gestoßen (~Turkey rhubarb,
    bruised~)                                             1 Unze.
    Wilde Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~)            2 Unzen.
    Ueber-kohlensaure Soda (~Super-carbonate of soda~)    1 Unze.
    Zimmet- (~Cinnamon~) Rinde                            1  „
    Weißer Zucker                                         ½ Pfund.

  Lasse das Ganze eine Stunde lang in ein und einem halben Pint
  kochendem Wasser, dann seihe und drücke es aus. Dosis: einen Eßlöffel
  voll oder weniger, dem Alter angemessen, alle halbe, ganze oder zwei
  Stunden, im Verhältniß zu den Symptomen.

  Folgendes wird bei einigen Fällen ausgezeichnet gefunden werden:

    Reife Brombeeren (~Ripe blackberries~)                2 Quarts.
    Stückzucker                                           1 Pint.
    Cayennepfeffer (~Cayenne~)                            ½ Unze.
    Zimmet                                                ½  „
    Gewürznelken (~Cloves~)                               ½  „
    Allspice                                              ½  „

  Koche alles zusammen eine kurze Zeitlang; wenn kalt, seihe es durch
  und füge ein Pint von ~fourth proof Brandy~ hinzu. Dosis: dem Alter
  angemessen, ein Eßlöffel bis ein Weinglas voll. Zuweilen ist es gut,
  durch gehöriges Zudecken des Kranken im Bette und die Darreichung von
  warmen Getränken, bestehend in Leinsamen-, Balsam-, Salbei- (~Sage~)
  oder Katzenmünze- (~Catnip~) Thee Schweiß hervorzurufen.

  Folgendes soll beim Beginn der Ruhr helfen:

    Leptandrin                                           10 Grane.
    Morphium (~Morphia~)                                  1 Gran.

  Mische es und mache mit Gummi Arabicum Schleim 3 Pillen daraus und
  gebe alle 6 bis 12 Stunden, den Symptomen angemessen, eine Pille.

  Nachstehendes ist eine gute Einspritzung, welche, nachdem die
  Krankheit mehrere Tage angehalten hat, angewendet werden kann.

    Aufguß von Gelbwurz (~Golden seal~)                   1 Unze.
    Laudanum                                      10 bis 20 Tropfen.

  Gebrauche es als eine Einspritzung.

  Innerlich zu geben wird empfohlen:

    Guajak (~Guaiacum~), fein pulverisirt                 5 Drachmen.
    Gummi Arabicum Schleim                                3 Unzen.
    Gewöhnlicher Syrup                                    3   „
    Wasser                                                8   „

  Mische es. Dosis: alle 4 Stunden ½ Weinglas voll.

  Gegen chronische Ruhr gebrauche man folgendes:

    Rhabarber (~Rhubarb~)                                 4 Unzen.
    Schlangenwurzel (~Black cohosh root~)                 2   „
    Wilde Kirschbaumrinde (~Wild cherry bark~)            2   „
    Storchschnabel (~Geranium~)                           2   „

  Mische es und gieße auf diese Bestandtheile 2 Pint Branntwein und
  2 Pint Wasser. Lasse die Mischung 5 bis 6 Tage stehen, schüttle es
  häufig um und seihe es dann ab. Füge 4 Pint Wasser zu dem Bodensatze,
  koche es bis zu 2 Pint ein, seihe es ab, füge dies der bereits früher
  abgeseihten Tinktur bei und versüße das Ganze mit Stückzucker. Dosis:
  jede Stunde oder alle 2 bis 3 Stunden einen Eßlöffel voll.


Cholera Morbus (Brechdurchfall).

Dies ist eine Krankheit, die gewöhnlich in den wärmeren Gegenden
vorkommt und sich durch Erbrechen, Abführen, heftiges Kneipen, Kälte
und Krämpfe der Endglieder kennzeichnet.

+Symptome.+ Der Anfall tritt ganz plötzlich mit Erbrechen und Abführen
ein, wird von starken, kneipenden Schmerzen in den Eingeweiden und im
Magen begleitet, dem große Angst folgt. Die Entleerungen der Eingeweide
bestehen in Koth und später aus einer wässerigen, galligen Masse;
jeder Entleerung gehen heftig kneipende und schneidende kolikartige
Schmerzen, besonders in der Nabelgegend voraus und begleiten dieselbe;
in den Zwischenräumen der Entleerungen ist Uebelkeit und Unbehagen des
Magens und in der Regel großer Durst vorhanden; Flüssigkeiten, sobald
sie der Patient zu sich genommen hat, werden wieder erbrochen. Wird
der Krankheit nicht rechtzeitig Einhalt gethan, so dehnen sich die
Krämpfe auf Arme und Hände aus, die Endglieder werden kalt, der Puls
wird schwach, die Gesichtsfarbe bleich, die Augen fallen ein, kalter
klebriger Schweiß bricht aus und der Tod tritt ein.

+Ursachen.+ Sonnenhitze, besonders wenn die Tage heiß und die Abende
kühl sind, plötzlicher Wechsel der Luft, ungehörige Substanzen im
Magen, wie unreife Früchte, Säuren, Hummern (~Lobsters~), Melonen,
Gurken, Jähzorn.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Man mache ein großes Senfpflaster über der Gegend
  des Magens und der Leber und gebrauche gleichzeitig folgende Mischung:

    Ammoniak (~Ammonia~)                                  1 Drachme.
    Magnesia                                              1    „
    Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser                    4 Unzen.

  Wenn die Diarrhöe sehr stark ist oder der Zustand hat schon eine
  Zeitlang angehalten, füge dem Obigen noch zwei Drachmen Paregoricum
  (~Paregoric~) bei. Dosis: Alle 20 Minuten einen Theelöffel voll; bei
  jedesmaligem Einnehmen schüttele man die Mischung gehörig um.

  Flanelle, in einer heißen Abkochung von Mohnköpfen (~Poppies~) und
  Kamillenblüthen (~Chamomile flowers~) getränkt und über den Magen und
  die Eingeweide gelegt, wird in einigen Fällen entsprechen.

  Das aus Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~)
  zusammengesetzte Pulver kann in Dosen von einem Theelöffel voll alle
  halbe Stunden, bis sich Uebelkeit und Erbrechen einstellen, gegeben
  werden; ist es nothwendig, füge jeder Dosis noch 5 bis 10 Tropfen
  Laudanum bei. Der Patient sollte viel und öfters warmes Wasser und
  Leinsamenthee trinken, was den Magen und die Eingeweide gehörig
  auswäscht. Ein Umschlag aus Gewürznelken (~Cloves~) und Zimmet, von
  jedem einen Theelöffel voll, Mehl mit Branntwein angefeuchtet, einen
  Eßlöffel voll, bestehend, wird in einigen Fällen dienlich gefunden
  werden.

  Auch entspricht zuweilen folgendes:

    Morphium (~Morphine~)                                 1 Gran.
    Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~)     30 Grane.
    Versüßte Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur               1 Unze.

  Mische es. Dosis: Alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein gutes Mittel, sowohl den Magen in
  Ordnung zu bringen als auch den Durchfall einzuhalten, besteht in

    Gemahlenem schwarzem Pfeffer (~Ground black pepper~)  1 Eßlöffel
                                                            voll.
    Tischsalz                                             1    „
    Warmem Wasser                                         ½ Bierglas
                                                            voll.
    Cideressig                                            ½    „

  Dosis: Nimm nach einigen Minuten einen Eßlöffel voll. Rühre es um und
  mische es gehörig, bis das Ganze genommen ist.

  Warme Thees von Katzenmünze (~Catnip~), oder Wasserdost (~Boneset~)
  mögen hin und wieder angewendet werden, um Erbrechen hervorzubringen;
  nachdem das Erbrechen eine Zeitlang angehalten hat, lege man
  ein großes Senfpflaster über den Magen und die Eingeweide und
  gebe den zusammengesetzten Syrup von Rhabarber und Potasche
  (~Compound syrup of rhubarb and potassa~) alle halbe Stunden in
  Dosen von einem Eßlöffel voll. Hierauf mag in einigen Fällen
  Paregoricum (~Paregoric~), Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz und
  Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~), von jedem einen Eßlöffel
  voll, Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur ein halbes Pint, angewendet
  werden. Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Eßlöffel voll bis
  Erbrechen und Durchfall aufgehört haben. Pfeffermünz- (~Peppermint~)
  Thee mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus wird den Magen hin und
  wieder beruhigen.

  Füße und Arme sollten in warmem Saleratuswasser gebadet und eine
  warme Bähung von Hopfen und Essig auf die Eingeweide gemacht werden.
  Nachdem die Kraft der Symptome gebrochen, mag eine starke Abkochung
  von gebranntem Korn mit Vortheil verwendet werden. Ebenso ist auch
  eine starke Abkochung von Brombeerwurzel (~Black berry root~) mit
  Gewürznelken (~Cloves~) und Zimmet (~Cinnamon~) gut. Dosis: Zwei-
  oder dreimal des Tages einen Theetassenkopf voll. Auch gebrannter
  Rhabarber ist ein ausgezeichnetes Mittel.

  =Homöopathisch.= ~Ipecacuanha.~ -- Besonders bei heftigem Erbrechen
  kann zu Anfang eines Anfalles abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben
  werden. Wenn bei heftigem Schmerz in den Eingeweiden häufige und
  schwache Entleerungen mit Drängen nach Unten stattfinden, gebe man
  ~Nux Vomica~ abwechselnd mit ~Ipecacuanha~.

  ~Arsenicum.~ -- Heftige Diarrhöe einer wässerigen, galligen,
  schleimigen, grünlichen oder schwärzlichen Masse, große
  Hinfälligkeit, kalte Endglieder, heftiger Durst; Zunge und Lippen
  trocken, aufgesprungen, bräunlich; ein brennendes Gefühl in der
  Magengrube. Kann abwechselnd mit ~Veratrum~ gegeben werden.

  ~Veratrum.~ -- Bei denselben Symptome wie ~Arsenicum~, verbunden
  mit Wadenkrämpfen, blasse Gesichtsfarbe, große Hinfälligkeit,
  Zusammenschrumpfen der Haut.

  ~Colocynthis.~ -- Heftige Kolik, gleichsam als ob die Eingeweide
  zwischen zwei Steine eingeklemmt wären, Erbrechen einer grünlichen
  Masse, krampfartiger Schmerz, Zusammenziehen der Eingeweide mit
  schneidenden Schmerzen, wie von einem Messer herrührend.

  ~Cuprum.~ -- Wenn starke Gliederkrämpfe, Krämpfe in den Fingern und
  Zehen vorhanden sind.

  ~China.~ -- Wenn der Anfall die Folge von Unverdaulichkeit; ebenso
  gegen die Schwäche nach einem starken Anfall.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen von den gewählten
  Mitteln in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 10, 15 oder 30
  Minuten, der Strenge des Anfalles angemessen, einen Theelöffel voll.
  Wenn nach mehreren Dosen noch keine Linderung verspürt wird, wähle
  man ein anderes Heilmittel. Die Zwischenräume zwischen den Dosen
  sollten mit dem Besserwerden des Kranken verlängert werden. Die Kost
  möge aus Stoffen wie Haferschleim bestehen und kaltes Wasser verwende
  man zum Trinken. Vorsichtig müssen alle Gemüse sowie alle Stoffe, die
  nicht mit dem Zustande des Magens übereinstimmen, vermieden werden.


Asiatische Cholera (~Cholera Asiatica~)

ist eine der gefährlichsten Krankheiten.

+Symptome.+ Erstes Stadium. In den ersten Anfällen treten in der Regel
Verdauungsstörungen, Kollern in den Eingeweiden, Schmerz im Kopf, den
Knien und Gelenken, Durst und leichte Diarrhöe ein. Diese Symptome
können sich mehrere Stunden oder auch einige Tage hinziehen; häufig
tritt sie aber auch urplötzlich ohne irgend welche Vorzeichen ein.

Zweites Stadium. Dieses Stadium kennzeichnet sich mehr oder weniger
durch ein beständiges Erbrechen und Abführen einer dünnen, farblosen,
dem Reiswasser ähnelnden Flüssigkeit, Krämpfe in den Beinen, die sich
bald auf den Magen und die Eingeweide erstrecken; sie sind heftig und
äußerst schmerzhaft, ziehen die Muskeln in feste Knoten zusammen und
dehnen sich schließlich auf alle Muskeln des Körpers aus. Schreitet
dieses Stadium vor, so wird die Zunge blaß und feucht, der Puls
schwach, der Athem fliegend, Beängstigung im Herzen, ein Gefühl von
innerlicher Wärme, das Leiden spiegelt sich auf dem Gesicht, großer
Durst ist vorhanden.

Das dritte Stadium oder der Höhepunkt der Krankheit kennzeichnet sich
durch große Hinfälligkeit, der Puls wird kaum fühlbar, die Haut kalt
und klebrig, das Gesicht nimmt eine tiefblaue und purpurne Farbe an,
die Augen fallen ein, Hände und Füße färben sich dunkel, ähnlich den
Händen einer Waschfrau, und haben ein teigiges, todtenartiges Gefühl,
die Stimme ist schwach, trocken und beinahe ganz verloren, Athem kurz
und mühsam, der Kranke schreit unaufhörlich nach Luft, kaltem Wasser
oder Eis, oder er liegt in einer Erstarrung, der Koth kann entweder
aufhören oder er geht ohne Wissen des Kranken ab. Der Patient mag sich
in einem solchen Zustande 1 oder 2 bis 24 Stunden befinden, aber die
Genesung eines Falles in diesem Stadium zählt zu den Seltenheiten.

+Ursachen.+ Die Ursache der Cholera ist noch immer unbekannt, wir
wissen, daß sie von einem besonderen Zustande der Luft abhängt,
welcher Zustand es aber ist, ist noch nicht ermittelt. Uebervölkerte
Plätze, niedrige, feuchte Wohnungen werden von der Seuche besonders
heimgesucht, und Personen, welche durch Unmäßigkeit oder andere
Krankheiten geschwächt sind, sowie Unreinliche und ärmlich Genährte
sind derselben vor allen Andern ausgesetzt. Das Zusichnehmen
ungehöriger Nahrung, berauschende Getränke, kalte, feuchte oder
Nachtluft, spätes Aufbleiben und Furcht mögen zu den Ursachen gezählt
werden. Letztere ist eine der häufigsten Ursachen, der tausende von
Menschenleben zum Opfer gefallen sind.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Stellen sich die Anzeichen ein, so sollte sich der
  Kranke sofort zu Bett begeben, gehörig zudecken und vollkommen ruhig
  verhalten. Kampher ist hierbei das wichtigste Mittel und wird in
  folgender Weise angewendet:

  Einen Tropfen Kampher-Tinktur auf ein kleines Stück Zucker alle 2, 3
  oder 5 Minuten, auch, wenn der Magen etwas annimmt, alle 15 bis 20
  Minuten etwas Branntwein mit Wasser. Sobald der Kranke zu schwitzen
  beginnt, verlängere man die Zwischenräume zwischen den Dosen und
  lasse ihn 8 bis 10 Stunden im Schweiße. Tritt aber die Krankheit in
  das zweite Stadium, stellen sich Krämpfe ein, so sollte ~Veratrum~
  und ~Cuprum~ abwechselnd wie folgt gegeben werden:

  Man löse 12 oder 15 Kügelchen von jedem Mittel in 4 Eßlöffel voll
  Wasser und gebe alle 15 Minuten einen Theelöffel voll; sobald sich
  die Symptome bessern, verlängere man die Zwischenräume.

  ~Arsenicum.~ -- Bei heftig brennenden Schmerzen im Magen und den
  Eingeweiden, schlimmer nach Erbrechen mit krampfartigem Schmerz im
  Unterleib, heftiger Durst, schwieriges Athem, Heiserkeit, schwacher,
  unregelmäßiger Puls, kalte, klebrige Haut, Blausein des Gesichts
  und der Lippen, Erbrechen und Abführen unmittelbar nach Essen und
  Trinken sogar des Geringfügigsten. ~Arsenicum~ und ~Veratrum~ können
  abwechselnd mit Erfolg gegeben werden.

  ~Cuprum~ -- sollte gegeben werden, wenn Erbrechen und
  reiswasserartige Entleerungen stattfinden, Haut kalt und schwarzgelb,
  Kolik, Augen eingefallen, Haut eingeschrumpft, Krämpfe in den Waden,
  Stimmlosigkeit, kalte, klebrige Schweiße. Bei heftigem Stechen
  in der Seite, großer Angst und Furcht gebe ~Cuprum~ und ~Acidum
  hydrocyanicum~ abwechselnd, alle 10 bis 15 Minuten einen Theelöffel
  voll.

  Tritt die Krankheit in das dritte Stadium, so gebe man ~Carbo
  vegetabilis~, einen Theelöffel voll alle halbe oder ganze Stunden.
  Verbleibt noch ein heftiges Brennen im Magen, so gebe man ~Arsenicum~
  abwechselnd mit ~Carbo vegetabilis~.

  ~Secale Cornutum.~ -- Besonders bei alten Personen, wenn
  außerordentliche Hinfälligkeit eintritt, heftiger Durst, Zunge kalt
  und trocken, eingeschrumpfte Haut.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse 12
  oder 15 Kügelchen in 6 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 5, 15,
  20 oder 30 Minuten, der Strenge der Symptome angemessen, eine Dosis;
  je nach Besserwerden vermindere die Zahl der Dosen. Die Hitze des
  Körpers sollte durch heiße Ziegelsteine oder Flaschen mit heißem
  Wasser um den Körper des Kranken gelegt, erhalten werden. Reiben
  mit der Hand oder mit einem Stück Flanell wird die Wärme wieder
  herstellen und zugleich die Krämpfe in den Muskeln lindern. Kleine
  Stücke Eis oder Eiswasser mögen zur Stillung des starken Durstes
  gegeben werden. Einspritzung von kaltem Wasser lindert zuweilen die
  Kolik und die Krämpfe in den Eingeweiden.


  Schutzmittel.

  Als ein solches mag Kampher-Tinktur ein- oder zweimal innerhalb 24
  Stunden in Tropfen-Dosen gegeben werden. Dr. Herring von Philadelphia
  empfiehlt ~Sulphur~, und zwar in der Weise, daß man einen halben
  Theelöffel voll Schwefelblüthe (~Flowers of sulphur~) in jeden
  Strumpf schüttet und es so beständig trägt.

  =Allöopathisch.= Im ersten Stadium gebe man 5 bis 10 Tropfen Laudanum
  alle 3 Stunden, bis die Diarrhöe eingestellt wird. Dr. Henry
  Hartshorn empfiehlt folgendes:

    Chloroform                                            ½ Drachme.
    Opium-Tinktur (~Tinct. of Opium~)                     ½    „
    Kampher-Spiritus (~Spirits of Camphor~)               ½    „
    Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic
    spirits of ammonia~)                                  ½    „
    Kreosot (~Creosote~)                                  3 Tropfen.
    Zimmetöl (~Oil of cinnamon~)                          8    „
    ~Spirits of Gallic wine~                              2 Drachmen.

  Mische und löse einen Theelöffel voll davon in einem Weinglas voll
  Eiswasser auf und gebe von der Mischung alle fünf Minuten zwei
  Eßlöffel voll und lasse jedesmal ein Stück Eis folgen. Ein Eßlöffel
  voll Branntwein sollte jede Stunde oder alle zwei Stunden gegeben
  werden.

  Im zweiten Stadium möge folgendes zur Stärkung der sinkenden Kräfte
  gegeben werden:

    Kampher (~Camphor~)                                   2 Drachmen.
    Chloroform                                            1 Drachme.
    Ein Eidotter.

  Mische und reibe es in einander, dann füge hinzu:

    Opium-Tinktur (~Tinct. of Opium~)                     1 Unze.
    Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
    of ammonia~)                                          1  „

  Mische es. Dosis: alle Stunden einen Theelöffel voll bis Besserung
  eintritt.

  Im dritten Stadium empfiehlt Professor Chapman von Philadelphia die
  Anwendung des Eises in Säckchen längs des Rückgrats, beharrlich
  fortgesetzt. Die obige Behandlung sollte in diesem Stadium mit mehr
  Kraft angewendet werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Im ersten Stadium wird von Dr. John
  King folgendes empfohlen:

    Zusammengesetzter Spiritus von Rhabarber (~Rhubarb~)
    und Potasche (~Potassa~)                              4 Unzen.
    Stachlige Eschenbeeren-Tinktur (~Tinct. of prickly
    ash berries~)                                         1 Unze.
    Pfeffermünz- (~Peppermint~) Essenz                    1 Drachme.
    Paregoricum- (~Paregoric~) Elixir                     4 Drachmen.

  Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll, bis es
  auf die Eingeweide wirkt, dann gebe drei- oder viermal täglich einen
  Eßlöffel voll.

  Folgendes wird empfohlen, wenn das vorhergehende die Diarrhöe nicht
  einstellt:

    Guajacaharz (~Gum Guajacum~)                          ¼ Unze.
    Gemahlene Nelken (~Ground cloves~)                    ¼  „
    Gemahlener Zimmet (~Ground cinnamon~)                 ¼  „
    Branntwein                                            1 Pint.

  Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle halbe
  Stunden, bis die Diarrhöe aufhört.

  Um das Erbrechen zu verhindern, gebe man im zweiten Stadium folgendes:

    Kampher- (~Camphor~) Wasser                           1 Unze.
    Pfeffermünz- (~Peppermint~) Wasser                    1  „
    Grüne Münz- (~Spearmint~) Wasser                      1  „
    Paregoricum- (~Paregoric~) Elixir                     2 Drachmen.

  Mische es. Dosis: einen Theelöffel bis einen Eßlöffel voll alle 5, 10
  oder 15 Minuten. Stopft dies das Erbrechen nicht, so gebe:

    Salz                                                  1 Drachme.
    Schwarzer Pfeffer                                     1    „
    Essig                                                 5 Drachmen.
    Heißes Wasser                                         4 Unzen.

  Um die Entleerungen einzuhalten, möge Folgendes gegeben werden:

    Kampher (~Camphor~)                                   1 Gran.
    Kino-Gummi (~Kino~)                                   1  „
    Gerbersäure (~Tannic acid~)                           1  „
    Opium                                                 ½  „

  Gieb es als eine Dosis alle halbe Stunden und verlängere die
  Zwischenräume, nachdem der Patient besser wird. Finden häufige
  Entleerungen statt so sollte die Medizin nach einer jeden gegeben
  werden.

  Um den Krampf der Glieder zu unterdrücken, sollten dieselben heftig
  mit der Hand und warmem Flanell gerieben werden. Die spanische
  Pfeffertinktur (~Tincture of capsicum~) mag längs des Rückgrats
  eingerieben werden, worauf ein Senfpflaster ausgelegt werden sollte.

  Im dritten Stadium hülle man den Kranken in Decken, mit heißem Wasser
  getränkt, ein und gebe gleichzeitig einen Theil Kampher-Tinktur
  (~Tincture of camphor~) und drei Theile von der stachligen
  Eschenbeere (~Prickly ash berries~).

  Dosis: alle 10 oder 20 Minuten einen Theelöffel bis zu einem Eßlöffel
  voll in Wasser. Dosen von Branntwein sind von gutem Erfolg.

  Folgendes ist die berühmte Behandlung von Rev. Dr. Hamlin, eines
  Missionärs in der Türkei:

  Man nehme gleiche Theile von Laudanum, Kampher-Spiritus und
  Rhabarber- (~Rhubarb~) Tinktur, mische es und gebe 30 Tropfen auf
  einem Stückchen Zucker, was gewöhnlich die Diarrhöe stopft. Deren
  Rückkehr zu verhindern, sollten alle 4 Stunden Dosen von 10 bis
  20 Tropfen gegeben werden. Wirkt die erste Dosis von 30 Tropfen
  nicht, so erhöhe man dieselbe auf 40, 45 bis 60 Tropfen bei jeder
  Bewegung der Eingeweide. Sobald aber die Diarrhöe aufhört, müssen die
  Dosen verringert werden. Bei fortschreitender Diarrhöe sollte eine
  Einspritzung von gekochter Stärke mit einem Theelöffel voll Laudanum
  gegeben werden. Bei jeder Bewegung der Eingeweide verordne man ein
  Drittel.

  Zu gleicher Zeit wendet er präparirte Kreide (~prepared chalk~) in
  Dosen von 10 Granen, mit ein paar Tropfen von Laudanum und Kampher
  auf je eine Dosis, an. Senfpflaster sollten über die Magengrube
  gelegt werden. Wenn das Erbrechen und Abführen sehr stark, sowie
  Krämpfe und Kolikschmerzen vorhanden sind, mögen gleiche Theile von
  Laudanum, spanische Pfeffer- (~Capsicum~) Tinktur, Ingwer- (~Ginger~)
  Tinktur, Kardamonsamen- (~Cardamon seeds~) Tinktur angewendet werden.
  Dosis: 30 bis 40 Tropfen oder einen halben Theelöffel voll in ein
  wenig Wasser und mehr, der Strenge des Falles angemessen. Wenn die
  erste Dosis erbrochen wurde, so sollte gleich nach dem Erbrechen die
  zweite gegeben werden.

  Im dritten Stadium füge man der zweiten Mischung noch halbstündliche
  Dosen von einem Eßlöffel voll Branntwein hinzu, erwärme den Kranken
  vermittelst Flaschen mit heißem Wasser und reibe Glieder und Körper
  gehörig.


Hämorrhoiden (~Piles~),

ein sehr verbreitetes Leiden, besteht in Vollblütigkeit und einem
matten Blutumlauf in dem unteren Theile des Mastdarms. Sie werden
äußerliche Hämorrhoiden genannt, wenn sie äußerlich erscheinen, und
innerliche, wenn sie innerhalb der Eingeweide bleiben, fließende bei
Blutentleerungen und blinde da, wo keine Blutentleerung stattfindet.

+Symptome.+ Dem Anfalle geht in der Regel ein Gefühl von Schwere in
dem unteren Theile des Unterleibes mit einem schmerzhaften Jucken
am After oder der Oeffnung voraus. Beim Stuhlgang wird ein starker
stechender oder brennender Schmerz gefühlt und mehr oder weniger
Drängen oder nach Untenziehen ist vorhanden. Bei Blutflüssen ist der
Schmerz weniger heftig als da, wo dieselben fehlen.

+Ursachen.+ Alles, was die Unterleibseingeweide reizt, verursacht
eine Zusammenziehung des Blutes dort; lang anhaltende Verstopfung,
Stuhlzwang, Reiten, üppige Lebensweise, stark gewürzte Speisen,
beengende Kleidung, sitzende Lebensweise. Das weibliche Geschlecht ist
während der Schwangerschaft durch den Druck der Gebärmutter auf die
Adern des Beckens besonders dazu geneigt.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Gehöriger Stuhlgang ist nothwendig und zu diesem
  Behufe wende man folgendes an:

    Sennesblätter-Zucker (~Confection of senna~)          2 Unzen.
    Cremor Tartari (~Cream of Tartar~)                    1   „
    Schwefel (~Sulphur~)                                  1   „

  Hinreichend Ingwer- (~Ginger~) Syrup, um eine steife Paste zu machen.

  Mische es. Dosis: ein Stück von der Größe einer Muskatnuß reicht hin,
  um täglich einen Stuhlgang hervorzubringen. Ein Umschlag von Fett,
  Talg oder kalter Sahne auf die Hämorrhoiden mildert zuweilen den
  Reiz. Folgendes ist eine gute Salbe:

    Wallrathsalbe (~Ointment of spermaceti~)              1 Unze.
    Salbe von Rosenwasser oder Glycerin                   1  „
    Opium                                                10 Grane.

  Mische und wende es so oft als erforderlich an.

  Oder auch:

    Belladonna-Extrakt                                    1 Drachme.
    Wallrathsalbe (~Ointment of spermaceti~)              1 Unze.

  Mische es. Anwendbar gegen schmerzhafte Hämorrhoiden.

  Waschen mit kaltem Wasser oder ein kühles Sitzbad lindern sie
  zuweilen.

  Ist der Blutfluß stark, so mögen Einspritzungen von kaltem Wasser
  oder eine schwache Auflösung von Alaun gemacht werden. Eine Salbe
  zusammengesetzt aus

    Fett                                                  2 Unzen.
    Schwefel                                              1 Drachme.

  Gemischt und zwischen zwei Bleitellern, bis es gehörig schwarz
  geworden ist, gerieben, soll sich sowohl gegen die fließenden als
  auch blinden Hämorrhoiden bewährt haben. Bei starker Entzündung kann
  ein Umschlag, zusammengesetzt aus Schwefel (~Sulphur~), schlüpfriger
  Ulmenrinde (~Slippery elm bark~) und Stechapfel- (~Stramonium~)
  Blättern gemacht werden.

  Die Kost sollte einfach sein, wie Kornbrod, reife Früchte, Brod aus
  ungesiebtem Weizenmehl, Brühen &c.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Cremor Tartari (~Cream of tartar~) in
  Dosen von einem Theelöffel voll in Molasses oder Syrup genommen,
  ist ein ausgezeichnetes Mittel. Gleiche Theile von Schwefelblüthe
  (~Flowers of sulphur~) und Cremor Tartari in Dosen von einem
  Theelöffel voll in Molasses oder Syrup gegeben, ist in einigen
  Fällen von Erfolg. Gleichzeitig sollte der Patient einen Thee aus
  gleichen Theilen von Flieder (~Elder~) und Wollkraut (~Mullen~)
  trinken. Bei blinden Hämorrhoiden, wenn beträchtliche Entzündung
  vorhanden ist, wird ein Umschlag von Kermesbeer- (~Poke~) Blättern
  als sehr wirksam empfohlen; oder gleiche Theile von Ulmenrinde (~Elm
  bark~) und Lobeliablättern. Zuweilen wird eine Bähung vermittelst
  einer Abkochung von bitteren Kräutern wie Rainfarn (~Tansy~), Hopfen
  und Kermesbeer- (~Poke~) Blättern sehr zuträglich gefunden werden.
  Folgendes wird in einigen Fällen mit Erfolg angewendet:

  Man nehme ein halb Dutzend ~Buckeyes~ oder wilde Kastanien (~Horse
  chestnuts~) wenn frisch, schäle und schneide sie fein, lege sie in
  einen Blechnapf mit hinreichend Fett, um sie zu bedecken, lasse sie
  eine Stunde lang am Feuer stehen und seihe dann das Fett durch.
  Wenn kalt, ist es anwendbar. Schmiere damit die Geschwulst zweimal
  des Tages. Frische Butter, Salz, Terpentin-Spiritus (~Spirits of
  turpentine~), im Verhältniß von einem Theelöffel des Vorhergehenden
  auf zwei Theelöffel des Letzteren zusammen gemischt und damit mehrere
  Male des Tages sowohl Innen als Außen den After eingeschmiert, ist
  ein ausgezeichnetes Mittel.

  Dr. Bodenhammer’s Salbe wird aus gestoßenen Stechapfel-
  (~Stramonium~) Blättern oder Jamestown Unkraut zubereitet, welches
  man in frischer Butter oder Schweinefett, dem ein wenig Laudanum
  beigefügt ist, langsam kochen läßt. Es sollten dann öfters Umschlage
  auf die angegriffenen Theile gemacht werden.

  =Homöopathisch.= Das Hauptmittel ist ~Nux vomica~, das bei allen
  Arten dieser Krankheit anwendbar ist. Abwechselnd mit ~Sulphur~,
  besonders bei chronischen Fällen zu geben. Eine Dosis des Nachts von
  ~Nux Vomica~, des Morgens von ~Sulphur~. Entsprechen diese Mittel
  nicht, so gebe man ~Ignatia~, ~Sepia~, ~Belladonna~, ~Colocynthis~,
  ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar Sulphuris~. Jedes mag mehrere Tage
  gegeben werden, bevor zu einem anderen gegriffen wird, weil das
  vorhergehende keinen Erfolg hatte.

  ~Hamamelis~ -- ist mit Erfolg bei dieser Krankheit angewendet
  worden; man gebe entweder die Tinktur oder Ponds Extrakt und zwar
  6 Tropfen in einem Bierglas voll Wasser. Alle 2, 3 oder 4 Stunden
  einen Theelöffel voll. Gleichzeitig gebrauche das Mittel, mit einer
  gleichen Menge Wasser verdünnt, äußerlich. Die Anwendung des Wassers
  ist sehr zuträglich.

  Der Patient sollte häufig kalte Sitzbäder nehmen und Einspritzungen
  von kaltem Wasser machen.


Mastdarmvorfall (~Prolapsus Ani~)

ist ein Leiden, bei welchem der Mastdarm aus dem After tritt, und wird
häufiger bei Kindern und alten Leuten gefunden.

+Ursachen.+ Stuhlzwang, heftiges Husten, der Gebrauch von starken
Abführmitteln, Würmer, Hämorrhoiden, Diarrhöe &c.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Trifft das Leiden ein kleines Kind, so sollte dasselbe
  auf den Rücken, mit den Hüften erhöht, gelegt werden, und die
  Wärterin mag mit eingeölten Fingern sorgfältig und allmählig den Darm
  zurückdrängen. Wenn nothwendig, mache man eine Binde aus mehrfach
  zusammengelegtem Muslin, und zwar in der Form von einem ~T~, was
  dadurch geschieht, daß man eine Binde über den Hüften ringsum den
  Leib legt und eine andere zwischen den Beinen durchlaufend vorn und
  hinten an der Gürtelbinde befestigt.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Eine starke Abkochung von Eichenrinde
  (~Oak bark~), oder eine Abkochung aus gleichen Theilen von Solomons
  Siegel (~Solomon’s seal~) und Gelbwurz (~Golden seal~) mag
  eingespritzt und so lange als möglich angehalten werden. Irgend eine
  gute Hämorrhoiden-Salbe, der eine Drachme ~Tannin~ beigefügt wurde,
  kann mit Vortheil verwendet werden. Folgende Einspritzung ist bei
  einigen Fällen empfehlenswerth:

    Stachelige Eschenbeeren-Tinktur (~Tincture
    of prickly ash bark~)                                 4 Unzen.
    Nux Vomica-Tinktur                                    3 Drachmen.

  Spritze einen Theelöffel voll in den Mastdarm und halte es so lange
  als möglich zurück. Drei- oder viermal des Tages zu wiederholen.

  =Homöopathisch.= ~Ignatia~ -- ist das Hauptmittel. Es mag einmal alle
  24 Stunden, eine Woche hindurch oder länger, gegeben werden; dann
  setze einige Tage aus und gebe eine Woche lang jeden zweiten Abend
  eine Dosis ~Sulphur~.

  ~Nux Vomica.~ -- Bei beträchtlichem Schmerz und Stuhlzwang, besonders
  bei kleinen Kindern.

  ~Mercurius.~ -- In einigen Fallen anwendbar, besonders wenn der
  heraustretende Darm angeschwollen oder bläulich ist und beim
  Stuhlgang blutet.

  ~Calcarea.~ -- Vorzugsweise gut bei hartnäckigen chronischen Fällen,
  wo andere Mittel erfolglos blieben. Häufige Waschungen mit kaltem
  Wasser werden zuträglich gefunden werden. Obige Mittel sind wie
  ~Ignatia~ zu geben.

  =Allöopathisch.= Folgendes mag zu einer örtlichen Waschung dienen:

    Weiße Eichenrinde (~White oak bark~)                  1 Unze.
    Wasser                                                1 Pint.

  Siede es zu einem Viertel ein, seihe es durch, füge ein Skrupel Alaun
  (~Alum~) hinzu und trage es vermittelst eines weichen Schwammes auf.

  Reife Früchte, in Molasses gedämpft, oder ~Hasty puddings~ und
  Molasses mögen als Kost dienen; es wirkt dies stärkend auf die
  Eingeweide.


Brüche (~Hernia~).

Unter Bruch ist ein Hervortreten der Eingeweide aus deren Höhlen zu
verstehen und wird häufig bei Arbeitern gefunden, die sich dieselben
durch starkes Heben oder Pressen zuziehen. Auch Reiten oder irgend
etwas, was die Leistengegend schwächt, kann die Veranlassung dazu
werden.

Die Brüche werden ihrer Oertlichkeit gemäß in verschiedene Arten
getheilt.

Nabelbruch ist das Hervortreten der Eingeweide in der Gegend des Nabels
und tritt häufig bei Kindern bald nach der Geburt ein.

Leistenbruch -- befindet sich am Schambug.

Hodensackbruch. -- Wenn der Darm in den Hodensack sinkt.

Bauchbruch. -- Wenn der Bruch sich an irgend einem Theile des Körpers
einstellt, wo keine andere Form vorkommt.

Schenkelbruch -- befindet sich in dem oberen vorderen Theile der Lenden.

Der Bruch kann zurückführbar, unzurückführbar und eingeklemmt sein. Er
ist zurückführbar, wenn er in die Höhle, aus welcher er getreten ist,
zurückgedrängt werden kann. Unzurückführbar, wenn der Darm nicht in den
Bauch zurückgedrängt werden kann. Eingeklemmt, wenn der Darm an dem
Punkte, wo er aus dem Unterleib tritt, so gepreßt ist, daß der Inhalt
nicht durchdringen kann.

+Symptome.+ Ein Anschwellen oder eine weiche Geschwulst zeigt sich an
irgend einer Stelle des Bauches, nimmt an Größe zu, wenn der Patient
aufrecht steht, und nimmt ab, sobald er sich niederlegt.


+Behandlung.+

  Wenn Jemand eine Anschwellung an irgend einem der erwähnten Theile
  entdeckt, wende er sich sogleich an einen Chirurgen. Ein gut
  passendes Bruchband sollte Tag und Nacht getragen werden; unter
  keinen Umständen sollte dies der Patient unterlassen, besonders
  wenn er aufrecht steht. Beharrliches, monatelanges Tragen eines
  Bruchbandes mag eine Heilung bewirken, besonders wenn der Patient
  noch jung ist. Personen, die damit behaftet sind, sollten sehr
  vorsichtig sein und nicht hartleibig werden, sie sollten dem Rufe der
  Natur regelmäßig Folge leisten.

  Gegen Nabelbruch bei Säuglingen wird ein Mittel von Dr. H. R. Stout
  in Chicago angewendet, erfolgreich gefunden werden.

  Lege auf den Bruch, nachdem der Darm zurückgedrängt worden ist,
  ein Kupferstück hinreichend groß, um denselben zu bedecken, ziehe
  von beiden Seiten die Haut über dasselbe und verbinde diese durch
  Heftpflasterstreifen. Es ist dem Kinde unmöglich, diesen Verband zu
  entfernen, und eine Heilung muß daher schneller und erfolgreicher
  sein. Es sollte getragen werden, bis die Kur beendet ist.

  Ist der Bruch eingeklemmt, so sollte der Kranke in ein warmes Bad
  gebracht und Anstrengungen gemacht werden, denselben zurückzubringen.
  Solche Fälle sollten aber nur von einem erfahrenen Arzte behandelt
  werden.

  Personen, die ein Bruchband tragen, sollten immer zwei von derselben
  Sorte haben, so daß, wenn eins in Unordnung geräth, das andere,
  während das erstere reparirt wird, getragen werden kann; denn der
  Schaden, der dem Patienten daraus erwächst, wenn er das Bruchband
  auch nur für eine Stunde ablegt, kann vielleicht erst nach Monaten,
  ja nach Jahren, wieder gut gemacht werden.


Unterleibswassersucht (~Ascites~).

Dies ist eine Ansammlung von Wasser in der Höhle des Unterleibes.

+Symptome.+ Eine Anschwellung des Unterleibes mit einem Gefühl von
Spannung und Schwere, begleitet von Appetitlosigkeit, Brustbeklemmung
und Verstopfung, tritt ein. Ist die Ansammlung des Wassers bedeutend,
so wird das Athmen kurz und schwierig. Das Vorhandensein der
Flüssigkeit kann erkannt werden, wenn man die Hand an die eine Seite
des Unterleibs legt und an die andere Seite schlägt, wodurch das Wasser
nach der ruhenden Hand fließt und so gefühlt wird.

+Ursachen.+ Die Wassersucht kann durch Krankheiten der Leber oder
Milz, Krankheiten des Herzens und ebenso chronische Entzündung der
Schleimhaut des Unterleibes oder Brustfelles hervorgerufen werden.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Apis Mellifica~ -- hat wunderbare Kuren bewirkt und
  ist besonders gut, wenn folgende Symptome anwesend sind: Ein Gefühl
  von Vollsein, oder Erstickung in der Brust, schwieriges Athmen,
  Schmerz und Empfindlichkeit des Unterleibes.

  ~Arsenicum.~ -- Gesichtsfarbe bleich und wachsartig, Wangen, Lippen
  und Augenlider bläulich und geschwulstig, Mund und Zunge trocken,
  Urin spärlich, dunkel und trübe oder schleimig, große Hinfälligkeit,
  Ohnmacht, Herzklopfen, schwieriges Athmen, Appetitlosigkeit, Schwere
  und Steifheit der Glieder und des Körpers.

  ~Digitalis.~ -- Besonders wenn die Wassersucht durch Herzkrankheit
  verursacht wird, auch bei Gesichtsblässe, Anschwellen der Augenlider,
  Unregelmäßigkeit der Eingeweide, scharfes Stechen in der Gegend des
  Herzens.

  ~Apocynum~ -- ist bei allen Formen der Wassersucht ein
  außerordentlich schätzbares Mittel.

  Andere Heilmittel sind: ~Asparagus~, ~Cantharides~, ~Mercurius~,
  ~Cannabis Indica~, ~China~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe bei harten Fällen alle 3 oder 4
  Stunden eine Dosis von dem gewählten Mittel; bei chronischen Fällen
  nur ein- bis zweimal des Tages. Werden die Kügelchen gebraucht, so
  gebe man 6 auf eine Dosis. Bei Anwendung der Auflösung löse man 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe als Dosis einen
  Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Folgendes kann mit großem Vortheil angewendet werden:

    Aufguß von Fingerhut (~Digitalis~)                    4 Unzen.
    Essigsaure Potasche (~Acetate of potash~)             2 Drachmen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    2    „
    Zimmet- (~Cinnamon~) Wasser                          1½ Unzen.

  Mische es. Dosis: Alle 4 bis 5 Stunden einen Eßlöffel voll.

  Als Trank kann man einen Aufguß aus 2 Theilen Haarmoos (~Haircap
  moss~) und je einen Theil Wachholderbeeren (~Juniper berries~) und
  Attichrinde (~Dwarf elder bark~) nehmen.

  Folgendes ist sehr empfohlen:

    Pulverisirtes Gummi (~Pulv. gamboge~)                12 Grane.
    Pulverisirtes Windenharz (~Pulv. scammony~)          12   „
    Springgurke (~Elaterium~)                             2   „
    Krotonöl (~Croton oil~)                               8 Tropfen.
    Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~)          3 Grane.

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Alle Stunden, bis es
  wirkt, eine Pille.

  Schwefelsaure Potasche wird in Dosen von einer Drachme in einem
  Aufguß von geschabtem Meerrettig (~Horse-radish~), Wachholderbeeren
  (~Juniper berries~), und Senfkörnern (~Mustard seed~), gestoßen, eine
  halbe Unze von jedem in 1½ Pint kochenden Wassers empfohlen. Die
  Mischung sollte 2 Stunden lang stehen und dann abgeseiht werden. Ein
  Viertel davon als eine Dosis zu nehmen.

  Einreiben des Unterleibes mit der Salbe von Potaschen-Iodide
  (~Ointment of Iodide of potassium~) wird empfohlen, während des Tages
  nehme man folgende Mischung:

    Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sesqui-carbonate
    of ammonia~)                                          ½ Drachme.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    ½ Unze.
    Fingerhut-Tinktur (~Tincture of digitalis~)           ½ Drachme.

  Kampher-Mischung hinreichend, um 6 Unzen zu machen.

  Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  Cremor Tartari (~Cream of tartar~) täglich in großen Dosen genommen,
  wird zuweilen wohlthätig sein.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Löwenzahn- (~Dandelion~) Thee wird
  bei diesem Leiden sehr empfohlen. Er kann folgendermaßen zubereitet
  werden:

  Man schneide die Wurzel in Stücke, gieße kochendes Wasser darüber und
  lasse es eine bis zwei Stunden am Feuer ziehen. Man nehme 2 oder 3
  Becher voll während des Tages.

  Ein Aufguß von Petersilie (~Parsley~) mag zuweilen mit gutem Erfolge
  angewendet werden.

  Es ist gut, zwei- oder dreimal des Tages die Eingeweide mit der Hand
  zu reiben und zu kneten; bleibt irgend welche Empfindlichkeit nach
  dem Reiben zurück, so gebrauche folgende Salbe vor der Wirkung:

  Wachholderöl (~Oil of juniper~), Sassafrasöl (~Oil of sassafras~),
  Cajeputöl (~Oil of cajeput~), grünes Münzöl (~Oil of spearmint~), von
  jedem eine halbe Unze. Mische es.

  Dr. Gunn empfiehlt die Rinde von gewöhnlichen Weintrauben. Sie sollte
  zu Asche gebrannt und in Dosen von einem Theelöffel bis zu einem
  halben Eßlöffel voll in einem Glas Catawbawein dreimal des Tages
  gegeben werden. Gehöriger Stuhlgang sollte stets durch Salz, das
  zusammengesetzte Pulver von Jalappenwurzel oder irgend ein anderes
  mildes Abführmittel erhalten werden.



Dreizehntes Kapitel.

Krankheiten der Harn- oder Urin- und Geschlechtsorgane.


Nierenentzündung (~Inflammation of the Kidneys -- Nephritis~).


Diese Krankheit ist eine Entzündung sowohl der Nierenmasse als auch der
sie einfassenden Schleimhaut, und wird gewöhnlich in Begleitung von
Krankheiten der Blase und Urin-Werkzeuge gefunden.

+Symptome.+ Der Krankheit gehen in der Regel die gewöhnlichen Symptome
des Fiebers, wie Frost, besonders im Rücken und den Lenden, voraus, dem
Fieber folgt. Darauf folgt ein tiefsitzender Schmerz in den Lenden,
der sich bis zur Blase erstreckt und durch den Druck und bei Bewegung
erhöht wird; gewöhnlich ist Uebelkeit und zuweilen Erbrechen vorhanden,
ebenso eine Erstarrung des Schenkels der angegriffenen Seite, der
Schmerz zieht sich bis zur Schamleiste, die Hode auf der kranken Seite
wird nicht selten in die Höhe gezogen, der Urin ist spärlich, stark
gefärbt und öfters blutig beim Beginne der Krankheit und kann nur
tropfenweise abgelassen werden. Sind beide Nieren angegriffen, so kann
der Urin ganz unterdrückt werden, Betäubung stellt sich ein und der Tod
folgt sehr schnell; die Eingeweide sind verstopft.

Nierenkrankheit kann vom Hüftweh (~Lumbago~) dadurch unterschieden
werden, daß sich der Schmerz auf eine Seite beschränkt und durch die
Bewegung der Glieder erhöht wird und ebenso dadurch, daß bei Hüftweh
kein Schmerz im Hodensack, kein Fieber und keine Erstarrung des
Schenkels vorhanden ist.

+Ursachen.+ Erkältung, Anwendung von spanischen Fliegen
(~Cantharides~), Terpentinöl und andern harntreibenden Mitteln
(~Diuretics~), heftige Bewegung, das Uebertragen von Rheumatismus
oder der Gicht, Bildung von Gries in den Nieren oder dem Harnweg (die
Röhren, welche von den Nieren nach der Blase führen).

Bei chronischer Entzündung der Nieren ist in der Regel in der
Nachbarschaft der Nieren ein dumpfer schwerer Schmerz und eine Schwäche
im Rückgrat vorhanden. Der Urin geht öfters spärlich ab und ist
zuweilen weiß und milchig.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Camphor~ -- sollte gegeben werden, wenn
  die Krankheit die Folge der Anwendung der spanischen Fliegen
  (~Cantharides~), oder wenn der Urin nur spärlich fließt, bei Brennen
  in der Blase und ~Penis~, oder bei Unterdrückung des Urin. Man gebe
  einen oder zwei Tropfen ~Camphor~ auf einem Stück Zucker alle Stunde
  oder alle zwei Stunden, bis es besser wird.

  ~Aconitum~ -- sollte zuerst entweder allein oder abwechselnd mit
  anderen Mitteln gegeben werden. Heilt zuweilen ohne irgend eine
  andere Medizin.

  ~Cantharis~ -- ist das Hauptmittel bei schießenden, rasenden,
  schneidenden Schmerzen, der Urin geht langsam, tropfenweise ab;
  großer Schmerz ist vorhanden; der Urin ist zuweilen mit Blut gemischt.

  ~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen zuweilen schlimmer sind und von
  den Nieren hinab in die Blase schießen, bei Kolikschmerzen. ~Hepar
  Sulphuris~ kann ~Belladonna~ folgen.

  ~Pulsatilla.~ -- Bei zarten Frauen, wo sich die monatliche Reinigung
  eingestellt hat oder sehr spärlich ist, oder wenig Urin abgelassen
  wird.

  ~Nux Vomica.~ -- Bei Spannung, Druck und Gewicht in der Leber,
  Congestion des Unterleibes; oder da, wo die Krankheit von der
  Unterdrückung der Hämorrhoiden herrührt.

  ~Arnica~ -- sollte gegeben und äußerlich angewendet werden, wenn
  äußerliche Verletzungen die Krankheit herbeiführten.

  Man lasse die obigen Mittel ~Arnica~ folgen, wenn sie angezeigt
  erscheinen.

  Andere Mittel sind: ~Cannabis~, ~Terebinth~, ~Balsamus Copaivae~.

  Wurde die Entzündung durch das Passiren der Steine durch den Harngang
  verursacht, so mache man warme Bähungen von Hopfen mit Tabaksblättern
  gemischt über den Sitz der Krankheit und gebe die oben erwähnten
  Heilmittel.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
  in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe alle halbe,
  ganze oder zwei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
  Theelöffel voll. Ein Sitzbad von lauwarmem Wasser, häufig wiederholt,
  wird wohlthun.

  =Allöopathisch.= Es sollte ein heißes Senffußbad gemacht oder
  Senfpflaster auf die Füße und das Rückgrat gelegt werden, dem
  man heiße Bähungen von Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern und
  Hopfen, oder Stechapfel und Wermuth (~Wormwood~) oder Rainfarn
  (~Tansy~) folgen läßt. Hin und wieder, wenn Reizbarkeit des Magens
  vorhanden und der Schmerz sehr heftig ist, ist es gut, Kalomel
  und Opium, im Verhältniß von drei oder vier Granen Kalomel auf
  ein Gran Opium, alle zwei Stunden, bis drei Dosen genommen sind,
  zu geben, wenn der Kranke sich nicht früher bessert. Kann im
  Magen nichts zurückbehalten werden, so werden Getränke von Gummi
  Arabicum Wasser, Flachssamen-Thee oder Gerstenwasser u. s. w. von
  wohlthuendem Einflusse sein, dadurch, daß sie den Urin verdünnen
  und dessen Reizbarkeit vermindern. Es ist gut, den Kranken in
  Schweiß zu bringen, was durch Dosen von 5 bis 10 Tropfen Nießwurz-
  (~Veratrum viride~) Tinktur oder durch die zusammengesetzte
  Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~)
  in halbstündlichen Dosen von einem Theelöffel voll geschehen kann.
  Bei Verstopfung gebe man Bittersalz (~Epsom salts~), Cremor Tartari
  (~Cream of tartar~) oder Einspritzungen von warmem Wasser.

  Ist der Gries die Ursache der Krankheit, so wird öfteres Trinken von
  Leinsamen- oder Hochland Preiselbeer- (~Upland cranberry~) Thee mit
  20 Tropfen Potaschen-Liquor (~Liquor of potassa~) empfohlen.

  Gegen chronische Entzündung der Nieren kann mit Vortheil ein Aufguß
  von ~Pipsissewa~, Bärentraube (~Uva Ursi~), Grundstrauch (~Trailing
  Arbutus~), Buchublättern, wilden Mohrrüben (~Wild carrot~), Fingerhut
  (~Fox glove~) angewendet werden.

  In einigen Fällen werden Senfpflaster zwei- oder dreimal in der Woche
  oder Einreiben mit einigen Tropfen von Krotonöl hinreichen, um einen
  Ausschlag hervorzurufen, zuträglich gefunden werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Um Schweiß hervorzurufen, gebe man
  ein Brechmittel von Lobelia, dann wende man heiße Bähungen von
  Hopfen, Wermuth (~Wormwood~) und Rainfarn (~Tansy~), mit Essig und
  Wasser gemischt, in der Gegend über der Leber an. Folgendes gebe man
  gleichzeitig:

    Süßer Salpeterspiritus (~Sweet spirits of nitre~)     2 Unzen.
    Süßes Mandelöl (~Oil of sweet almonds~)               2   „
    Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~)          1 Unze.

  Mische es und gebe davon alle drei oder vier Stunden einen Theelöffel
  voll in warmem grünem Münzthee (~Spearmint tea~). Der Kranke trinke
  öfters und viel Thee von Eibisch- und Wollkraut- (~Mullen~) Blättern,
  oder Aufguß von Frauenhaar (~Maiden hair~) oder Haarmoos (~Haircap
  moss~). Bei starkem Schmerz gebe Eisenhut- (~Aconite~) Wurzel-Tinktur
  in Dosen von zwei bis fünf Tropfen mit Jasmin-Tinktur (~Tincture of
  gelsemium~), in Dosen von einem halben Theelöffel voll alle halbe
  Stunden. Die Eisenhut-Tinktur kann mit der Jasmin-Tinktur gemischt
  werden.

  Bei chronischer Entzündung der Nieren sollten die Eingeweide durch
  ein gelindes Abführmittel, wie zwei Theile pulverisirter Rhabarber
  (~Rhubarb~) und ein Theil doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
  of potassa~) offen gehalten werden, man gebe davon 3 bis 10 Grane, so
  oft als zu diesem Zwecke nothwendig.

  Acute Nierenentzündung sollte stets nur von einem Arzte, wenn ein
  solcher zu haben ist, behandelt werden.


Blasenentzündung (~Inflammation of the Bladder -- Cystitis~).

Diese Krankheit befällt die Schleimhaut der Blase, zuweilen auf deren
Muskel-Substanz, oder sie kann auch verschiedene Theile der Blase
befallen. Entweder ist sie acut oder chronisch.

+Symptome.+ Brennender, durchdringender Schmerz in der Gegend der
Blase, welcher durch einen örtlichen Druck erhöht wird. Der Schmerz
zieht sich bis zwischen die Beine hinab, zuweilen bis zu den Hoden
und Schenkeln, bei beständigem Verlangen zum Urinablassen, der Urin
geht mit großer Schwierigkeit und starkem Schmerze ab, zuweilen nur
tropfenweise, oder er stellt sich ganz ein, wodurch ein Anschwellen der
Blase und große Noth verursacht wird. Der Urin enthält hin und wieder
Schleim, auch Uebelkeit und Erbrechen, Verstopfung, großer Durst und
heiße, trockene Haut sind vorhanden.


Chronische Blasenentzündung

kann allmählig eintreten und in der Regel ist das erste Symptom Schleim
im Urin, welcher erst, nachdem der Urin eine Zeit lang gestanden hat,
bemerkt wird; ein leichter Schmerz, mit einem Gefühl von Hitze in der
Blase, Empfindlichkeit zwischen den Beinen und häufiges Verlangen,
das Wasser abzulassen, sind vorhanden. Der Appetit ist gestört und in
einigen Fällen ist ein leichtes Fieber, belegte Zunge, Unruhe u.s.w.
vorhanden.

+Ursachen.+ Blasenentzündung kann verursacht werden durch die Anwendung
von spanischen Fliegen (~Cantharides~) und Terpentin, durch säuerliche
Substanzen, vermittelst einer Spritze in die Blase gebracht, Steine in
der Blase, äußerliche Verletzungen, Reiten, Tripper, Erkältung der Füße.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Wird der Urin zurückgehalten, so muß er so bald als
  möglich vermittelst eines Katheters abgelassen werden, was aber nur
  von einem Arzte gethan werden sollte. Man setze über den unteren
  Theil der Eingeweide und zwischen die Beine Blutegel an und mache,
  nachdem dieselben entfernt sind, warme Umschläge. Einspritzungen
  von warmem Wasser, mit einigen Tropfen von Arnica-Tinktur, sind in
  einzelnen Fällen sehr zuträglich. Durch Nießwurz- (~Veratrum viride~)
  Tinktur, in Dosen von 5 bis 10 Tropfen, oder die zusammengesetzte
  Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~)
  rufe man Schweiß hervor. Getränke von Leinsamenthee oder Eibisch-
  (~Marsh mallow~) und Pfirsichblättern mögen genommen werden.

  Gegen die chronische Blasenentzündung gebe man jeden Abend ein
  Senfpflaster oder Krotonöl. Zu Getränken diene Aufguß von Buchu,
  Grundstrauch (~Trailing arbutus~), Bärentraube (~Uva Ursi~).

  Folgendes mag in einigen Fällen gut sein:

    Pulverisirtes Gummi Arabicum                          1 Skrupel.
    Wasser                                                2 Unzen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    ½ Unze.
    Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur                20 Tropfen.

  Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll.

  Einspritzungen von Kalkwasser und Glycerin oder einer schwachen
  Auslösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) mag in
  einigen Fällen gut sein.

  =Homöopathisch.= Die unter Nierenentzündung empfohlenen Heilmittel
  mögen auch gegen dieses Leiden angewendet werden. Ferner kann auch
  folgendes gegeben werden: ~Hyosciamus~, bei Krämpfen im Blasenhalse.
  Wenn ~Cantharides~ das Brennen während des Urinablasses nicht
  mindert, gebe man ~Arsenicum~ und ~Carbo vegetabilis~ abwechselnd.
  ~Sulphur~ und ~Calcarea~ mögen bei der chronischen Form gegeben
  werden.

  Wegen Verordnung der Heilmittel siehe Nierenentzündung.


Harnverhaltung (~Retention of Urine -- Ischuria~).

Bei dieser Krankheit wird der Harn in Folge der Unfähigkeit, denselben
abzulassen, in der Blase zurückgehalten, in der Regel bei Vollsein
des unteren Theiles des Unterleibes, welcher schmerzhaft beim Druck
ist; der Schmerz erstreckt sich bis zu den Lenden und Schenkeln
und die Blase fühlt sich hart und angeschwollen an, zuweilen, nach
heftigem Drängen zum Wasserablassen, werden nur einige Tropfen abgehen.
Schreitet die Krankheit vor, so werden die Eingeweide hart, das Gesicht
geröthet und die Haut heiß. Kann keine Linderung verschafft werden,
so ist Gefahr vorhanden, daß die Blase springt oder Entzündung des
Bauchfelles eintritt.

+Ursachen+ -- mögen eine Lähmung der Blase, Verletzungen derselben,
Entzündung des Blasenhalses, Drüsenanschwellung zuzuschreiben sein.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll in den meisten Fällen
  wirksam sein:

  Man mache ein Pint starken grünen Münz- (~Spearmint~) Thee, füge
  eine halbe Gill holländischen Wachholder-Branntwein (~Holland
  gin~) und eine Unze Salpeter-Spiritus (~Spirits of nitre~) hinzu.
  Der Kranke sollte das Ganze innerhalb einer Stunde auf verschiedene
  Male trinken. Ist die erste Dosis nicht hinreichend, so sollte es
  innerhalb der nächsten 2 Stunden wiederholt werden.

  Wenn die Harnverhaltung der Entzündung des Blasenhalses zuzuschreiben
  ist, so bringe man den Kranken in ein warmes Bad, lasse ihn dort
  15 bis 20 Minuten verbleiben und wende nach diesem eine Bähung von
  gleichen Theilen von Hopfen- und Lobelia-Blättern zwischen den Beinen
  an.

  Ein Thee von Wassermelonen- oder Kürbis- und Gurkenkörnern öfters
  getrunken ist hin und wieder zuträglich. Bei starkem Schmerz gebe man
  alle halbe Stunden 20 Tropfen Laudanum.

  Ist eine Blasenlähmung Ursache der Harnverhaltung, so wende man
  folgendes an:

    Strychnin                                          1/16 Gran.
    Spanische Fliegen (~Cantharides~)                     ⅛  „
    Pulverisirte Arnicablätter (~Powdered
    arnica leaves~)                                 3 bis 5 Grane.

  Mische es zu einer Dosis. Drei von diesen Pulvern gebe man im Verlauf
  von 24 Stunden.

  Uebt das Strychnin eine unangenehme Wirkung auf den Patienten aus, so
  sollte diese Medizin eingestellt werden.

  Wenn kein anderes Mittel erfolgreich ist, so muß der Urin vermittelst
  des Katheters entzogen werden. Man lasse den Fall nicht lange
  anstehen, ehe dieses gethan wird.

  =Homöopathisch.= Ist der Gebrauch von spanischen Fliegen
  (~Cantharides~) Ursache der Harnverhaltung, so gebe man ~Camphor~,
  ~Pulsatilla~, ~Apis~ und ~Aconitum~.

  Wenn durch Erkältung zugezogen: ~Nux Vomica~, ~Mercurius~,
  ~Dulcamara~, ~Pulsatilla~, ~Belladonna~, ~Apis~.

  Wenn die Folge von Schreck: ~Aconitum~.

  Nach einem Fall oder Schlag: ~Arnica~.

  Bei krampfartiger Harnverhaltung: ~Chamomilla~, ~Belladonna~, ~Nux
  Vomica~, ~Opium~, ~Hyosciamus~.

  Gegen Blasenlähmung: ~Agnus Castus~, ~Nux Vomica~, ~Hyosciamus~,
  ~Arsenicum~, ~Dulcamara~.

  Wenn in Folge von Blasenentzündung: ~Aconitum~, ~Cantharides~,
  ~Belladonna~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~. (Siehe Blasenentzündung.)

  Tritt sie bei schwangeren Frauen ein: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~,
  ~Cocculus~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Dieselbe wie bei Nierenentzündung.

  Das Trinken von vielem kalten Wasser oder Gummi Arabicum Wasser,
  ebenso Bäder von warmem oder kaltem Wasser wird zuträglich gefunden
  werden.


Der Harnfluß (=~Incontinence of Urine~ -- ~Enuresis~=)

wird meistens bei Kindern gefunden und besteht in einem Unvermögen, den
Harn zu halten, der in der Regel während der Nacht im Bette abfließt.
Auch bei alten Leuten wird dieser Zustand häufig gefunden.

+Ursachen.+ Lähmung der Blase, Verletzung der Rückgratsnerven, welche
mit der Blase in Verbindung stehen, Schwäche des Nervensystems, Würmer,
Hämorrhoiden, Gries oder Steine in der Blase.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Von ~Silicea~ kann jeden Abend eine Dosis gegeben
  werden. Wenn innerhalb zwei Wochen nicht besser, gebe ~Sepia~ in
  derselben Weise.

  ~Sulphur~, ~Arsenicum~ und ~Carbo Vegetabilis~ können abwechselnd
  gegeben werden, wenn die obigen Mittel nicht anschlagen.

  Andere Heilmittel sind: ~Belladonna~, ~Hyosciamus~, ~Cantharides~,
  ~Nux Vomica~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~, ~Rhus~, ~Mercurius~, ~Cina~.

  Ist die Entzündung Folge der Lähmung: ~Cantharides~, ~Nux Vomica~,
  ~Rhus~, ~Uva Ursi~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe Morgens
  und Abends eine Dosis. Werden die Kügelchen gebraucht, gebe 4 bis 6
  auf eine Dosis.

  =Allöopathisch.= Man gestatte dem Kind das Wassertrinken vor dem zu
  Bett Gehen nicht, und nehme es des Nachts mehrere Male auf, damit es
  den Urin abläßt.

  Folgendes kann mit Vortheil angewendet werden:

    Benzoesäure (~Benzoic acid~)                          2 Drachmen.
    Zimmetwasser (~Cinnamon water~)                       6 Unzen.

  Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes kann mit gutem Erfolg
  angewendet werden:

    Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture
    of iron~)                                             1 Unze.
    Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture
    of cantharides~)                                      ½  „

  Mische es und gib dem Kinde drei Tropfen für jedes Jahr seines Alters
  dreimal des Tages.

  Man lasse öfters und viel kalten Thee von Kirschbaumrinde (~Cherry
  tree bark~) oder Löwenzahn- (~Dandelion~) Wurzel trinken.

  Folgendes mag angewendet und wird bei Kindern von Erfolg gefunden
  werden:

  Man nehme Hausenblase (~Isinglass~) eine Rolle, koche sie in einem
  Pint Wasser, bis sie aufgelöst ist, füge ein Pint süße Milch hinzu,
  stelle es zum Feuer bis es leicht kocht, versüße es dann mit
  Stückzucker und reibe Muskatnuß (~Nutmeg~) darauf. Wenn es ordentlich
  gemacht ist, ähnelt es Eierrahm (~Custard~). Einem Erwachsenen mag
  dreimal täglich ein Bierglas voll gegeben werden, Kindern weniger.
  Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur gebe man einem Erwachsenen
  zweimal täglich in Dosen von 15 Tropfen; Kindern verhältnißmäßig
  weniger.


Harnträufeln, auch Harnruhr (~Diabetes~)

ist eine Krankheit, bei welcher große Quantitäten von Urin abgehen,
zuweilen bis zu mehreren Gallonen innerhalb 24 Stunden.

+Symptome.+ Der Appetit ist außerordentlich stark, bei großem Durst,
trockener Haut, Verdauung gestört, Zahnfleisch geschwollen und
entzündet, trockener und aufgesprungener Mund, Abzehren des Fleisches,
Hinfälligkeit, Schmerz und Schwäche in den Lenden, ohne allen
Geschlechtstrieb, häufige Anfälle von Schwindel und Schmerz im Kopfe,
der Urin enthält eine große Masse Zuckerstoff, was mehrfach bestätigt
worden ist.

+Ursachen.+ Dieselben mögen in irgend etwas bestehen, was die
Verdauung stört, Unmäßigkeit, große Ermüdung, beständiger Gebrauch
von säuerlichen Getränken, Anwendung des Quecksilbers (~Mercury~),
Erkältung.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Alaun (~Alum~) in Dosen von 3 Granen dreimal täglich
  wird zuträglich gefunden werden, ebenso Kreosot in Dosen von 1 bis 2
  Tropfen dreimal täglich.

  Auch spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of cantharides~) kann
  angewendet werden. Folgendes wird für einige Fälle empfohlen:

    Chinarinde (~Peruvian bark~)                          1 Skrupel.
    Wilde Preiselbeerblätter (~Wild cranberry bark~)      1    „
    Opium                                                 ½ Gran.

  Mische und nimm es dreimal des Tages.

  Man lasse den Patienten nichts essen, was Zucker- oder Stärkestoff
  enthält, wie Kartoffeln, rothe Rüben (~Beets~), Pastinaken
  (~Parsnips~) und anderes Gemüse.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten vermittelst
  kleinen Dosen von Rhabarber (~Rhubarb~) dreimal des Tages oder durch
  andere gelinde Abführmittel in Ordnung gehalten werden.

  Ein Aufguß aus gleichen Theilen von ~Unicorn root~ und Wasserandorn
  (~Bugle weed~) mag öfters und viel getrunken von gutem Erfolg sein.
  Folgende Zusammensetzung kann als ein stärkendes Mittel angewendet
  werden:

    Kurzblätteriges Dreiblatt (~Beth root~)               4 Unzen.
    Schlangenwurzel (~Black cohosh root~)                 4   „
    Storchschnabel- (~Geranium-~) Wurzel                  4   „
    Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~)                  4   „

  Pulverisire das Ganze und mische es; nehme dann eine halbe Unze der
  Mischung und gieße ein Pint kochendes Wasser darauf, wenn kalt trinke
  das Ganze und wiederhole es mehrere Male während des Tages.

  Folgende Pillen wirken auf die Leber und Absonderungen:

    Entenfuß (~Podophyllin~)                             10 Grane.
    Blutwurzel (~Sanguinarin~)                           10   „
    Cayennepfeffer (~Cayenne~)                           40   „
    Brechwurz (~Ipecac~)                                 20   „

  Mache mit Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt 40 Pillen daraus und nimm
  Morgens und Abends eine.

  =Homöopathisch.= Die Hauptmittel sind: ~Acidum Phosphoricum~,
  ~Carbo Vegetabilis~, ~Conium~, ~Acidum Muriaticum~, ~Mercurius~,
  ~Belladonna~, ~Rhus~, ~Opium~.

  Werden ~Mercurius~ und ~Sulphur~ gegeben, so gebe man sie abwechselnd.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von den gewählten Heilmitteln gebe man
  Morgens und Abends eine Dosis und fahre damit eine Woche lang fort,
  bevor zu einem anderen Heilmittel gegriffen wird.

  Werden die Kügelchen angewendet, so gebe man 6 auf eine Dosis.
  Oefteres Waschen des Körpers mit kaltem oder lauwarmem Wasser wird
  zuträglich gefunden werden.


Blasenpolyp, auch Blasenstein (~Gravel, or Stone in the Bladder --
Calculus~).

Diese Krankheit wird durch eine Ansammlung von Sand, sowie die Bildung
von Gries oder Stein in den Nieren oder der Blase verursacht.

+Symptome.+ Plötzliche Anfälle von Schmerz von acuter und heftiger
Natur in der Gegend der Nieren, derselbe zieht sich in die Schenkel
hinab und verursacht eine Erstarrung der angegriffenen Seite, ein in
die Höheziehen der Hode, häufiges Verlangen zum Urin lassen; befindet
sich der Stein in der Blase, so ist ein Schmerz am Ende des Penis
vorhanden, begleitet von mehr oder weniger Entzündung und Schwierigkeit
des Harnlassens, während des Letzteren wird dasselbe plötzlich
abbrechen und ein heftiger Schmerz wird gefühlt werden, der durch den
Stein, welcher sich über den Blasenmund geschoben hat, hervorgerufen
wird; ein Wechsel der Stellung verschafft zuweilen Linderung.


+Behandlung.+

  Diese Krankheit ist zu wichtig und zu gefährlich, als daß sie nach
  einem Buche behandelt werden könnte, der Fall sollte dahingegen in
  die Hände eines geschickten Arztes gelegt werden.

  Sarsaparilla in Dosen von einem Tropfen auf ein Stück Zucker alle
  Abend wird zuweilen Anfälle lindern.


Blutharnen (~Blood with the Urine -- Hæmaturia~)

meint einen Blutfluß oder eine Blutung aus der Harnröhre, ob nun aus
der Blase, den Nieren, dem Harnweg oder der Harnröhre.

+Symptome.+ Dem Blutfluß geht gewöhnlich Schmerz in der Blase oder den
Nieren und Schwäche voraus, in der Regel große Empfindlichkeit gegen
Druck auf die Gegend über den Nieren oder der Blase; kommt das Blut aus
den Nieren, so ähnelt der Urin Blutwasser oder dunklem Biere; kommt
es aus dem Harnweg (dem Canal, welcher von den Nieren nach der Blase
führt), so wird beträchtlicher Schmerz vorhanden sein; der abgehende
Urin wird jenem von der Blase ähneln, nur werden die Fasern länger
sein; kommt es aus der Blase, so ist es nicht mit dem Urin gemischt,
sondern in der Form von kleinen, faserartigen Klümpchen; fließt es aus
der Harnröhre (der Ausgang, welcher von der Blase führt), so kommt es
tropfenweise und mischt sich nicht mit dem Urin; zuweilen wird Eiter
oder eine faulige Masse im Urin gefunden, was den Beweis liefert, daß
irgendwo eine Eiterung stattfindet.

+Ursachen.+ Verletzungen in Folge von Fallen, Schlägen, Heben oder
Springen, auch kann es durch Steine in der Blase oder Entzündung dieses
Organs, sowie die Anwendung von Terpentin- (~Turpentine~) Spiritus oder
spanische Fliegen (~Cantharides~) verursacht werden.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Man lasse den Kranken öfters und viel
  von einer Eibisch- (~Marsh mallow~) Abkochung, oder auch von gleichen
  Theilen ~Queen of the meadow~ und Pfirsichblättern trinken. Ist der
  Schmerz heftig, so mache man eine Bähung von Hopfen oder Stechapfel-
  (~Stramonium~) Blättern über den Sitz der Krankheit; ein Aufguß
  von Grundstrauch (~Trailing arbutus~) mag zuweilen mit Vortheil
  angewendet werden.

  =Homöopathisch.= ~Arsenicum~ ist in einigen Fällen zuträglich,
  besonders wenn Symptome von Wassersucht vorhanden sind.

  Andere Heilmittel sind ~China~, ~Ipecacuanha~, ~Pulsatilla~,
  ~Arnica~, ~Lycopodium~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle
  Stunde, alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome
  angemessen, eine Dosis (6 Kügelchen).

  =Allöopathisch.= Blutegel mögen in der Gegend über dem Magen mit
  Vortheil angesetzt werden.

  Folgendes wird als äußerst zuträglich empfohlen:

    Bleizucker (~Sugar of lead~)                         24 Grane.
    Essig                                                 1 Drachme.
    Mohnsyrup (~Syrup of poppies~)                        1 Unze.
    Rosenwasser                                           3 Unzen.
    Weiches Wasser                                        4   „

  Mische es. Dosis: alle 2 Stunden, bis 5 oder 6 Dosen genommen sind,
  ein bis zwei Eß-Löffel voll. Galläpfel-Säure (~Gallic acid~) soll bei
  dieser Krankheit eine große Kraft besitzen. Sie kann in Dosen von 5
  Granen mit 10 Tropfen Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of henbane~) in
  einem Theelöffel voll Gummi Arabicum Schleim gegeben werden.


Selbstbefleckung, Onanie (~Masturbation -- Onanism~).

Dies ist eine sehr erniedrigende und schädliche Gewohnheit, welcher
sich die Jugend beiderlei Geschlechts ergiebt. Es giebt wohl kaum ein
Laster, welches für Geist und Körper schädlicher ist und gefährlichere
Folgen hat, als dieses. Gewöhnlich wird damit sehr frühzeitig begonnen,
ehe noch dessen übler Einfluß wahrgenommen wird, und ist schließlich
so eingewurzelt, daß der Betreffende nur mit großer Schwierigkeit mit
dieser Gewohnheit brechen kann.

+Symptome+, welche dieses Laster zeigen, sind zahlreich. Beginnt
die Gewohnheit in der frühen Jugend, so wird dadurch das Wachsthum
verzögert, die geistigen Fähigkeiten vermindert und das Opfer verfällt
in einen beklagenswerthen Zustand. Die damit gequälte Person sucht
die Einsamkeit und wünscht nicht an der Gesellschaft seiner Freunde
Theil zu nehmen, ist mit Kopfschmerzen geplagt, Schlaflosigkeit und
Unruhe des Nachts, Schmerz in verschiedenen Theilen des Körpers,
Trägheit, Tiefsinn, Verlust des Gedächtnisses, Schwäche im Kreuz und
den Geschlechtsorganen, veränderlicher Appetit, Feigheit, Unfähigkeit
Jemandem ins Gesicht zu schauen, Mangel an Vertrauen in seine eigenen
Fähigkeiten.

Wird das Laster mehrere Jahre hindurch getrieben, so tritt ein
reizbarer Zustand des Organismus ein, Hitze fliegt plötzlich über
das Gesicht, das Gesicht wird blaß und klebrig, der Blick ist stumpf
und blöde, das Haar wird locker und spaltet sich an den Enden;
zuweilen tritt Schmerz in der Gegend des Herzens ein, Kurzathmigkeit,
Herzklopfen, Symptome von Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~) zeigen sich,
der Schlaf wird unruhig, Verstopfung, Husten, Halsentzündung sind
vorhanden, bis schließlich der Mensch physisch, moralisch und geistig
als Wrack dasteht.

Einige von den Folgen der Selbstbefleckung sind Epilepsie, Schlagfluß,
Lähmung, frühzeitiges Altern, unfreiwillige Samenentleerungen, welche
in der Regel währen des Schlafens oder nach dem Urinablassen, auch
während des Stuhlganges stattfinden. Bei dem weiblichen Geschlechte
finden wir außerdem in Folge dessen noch Hysterie, Starrsucht, Störung
der monatlichen Reinigung und starke nervöse Symptome.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Zuerst muß die Gewohnheit aufgegeben werden, denn
  ohne dies kann nichts gethan werden, ohne dies bleibt jede andere
  Behandlung erfolglos. Alles muß geschehen, um das sittliche Gefühl
  des Kranken zu stärken und die Selbstachtung zu heben. Er sollte
  die Gesellschaft tugendhafter und geistreicher Frauen aufsuchen und
  alles von schlüpferigem Charakter vermeiden. Sein Geist sollte einer
  Beschäftigung oder Unterhaltung, die seine ganze Aufmerksamkeit
  ohne Ermüdung in Anspruch nimmt, zugewandt werden, die Einsamkeit
  ist zu vermeiden und der Patient ist nicht mehr als eben unbedingt
  nothwendig allein zu lassen, und vor allem lasse man ihn nicht allein
  schlafen. Eine Matratze, mit leichter Decke zum Zudecken, ist am
  geeignetsten. Häufige Bäder und Waschungen der Geschlechtstheile,
  ebensowohl Sitzbäder als Baden des ganzen Körpers sind sehr
  zuträglich. Die Behandlung sollte nur von einem geschickten Arzt
  geleitet werden.

  =Homöopathisch.= ~Mercurius~, ~Phosphorus~, ~Aurum~, ~Nux vomica~,
  ~Cuprum~, ~Cantharides~, ~Conium~, ~Cannabis~ sind Hauptmittel gegen
  dieses Leiden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man
  Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen).

  =Allöopathisch.= Stärkende Mittel sind anzuwenden und wird zu diesem
  Behufe folgendes empfohlen:

    Verdünnte Salpetersäure (~Diluted nitric acid~)       4 Drachmen.
    Verdünnte Salzsäure (~Diluted muriatic acid~)         4     „
    Orangenschalen-Syrup                                  1 Drachme.
    Wasser                                               1½ Unzen.

  Mische es. Dosis einen Theelöffel voll in einem Weinglas mit Wasser
  vor jeder Mahlzeit.

  Oder auch:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)        15 Grane.
    Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~)   15 Tropfen.
    Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound
    tinct. of cardamon~)                                  3 Drachmen.
    Hopfen-Tinktur (~Tinct. of hops~)                     3    „
    Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion
    of roses~)                                            6 Unzen.

  Mische es. Dosis einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.

  Oder:

    Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture of iron~) 1 Unze.
    Rosen-Wasser                                          6 Unzen.
    Orangenschalen-Syrup                                  1 Unze.

  Mische es. Dosis: für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll in
  einem Weinglas mit Wasser nach jeder Mahlzeit.

  Hypophosphites-Syrup wird empfohlen und sollte eine beträchtliche
  Zeit genommen werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes stärkende Mittel mag, wenn
  nur wenig Schwäche vorhanden ist, genommen werden:

    Rothe Chinarinde (~Red peruvian bark~)                2 Unzen.
    Kamillenblüthe (~Chamomile flowers~)                  1 Unze.
    Portwein                                              1 Quart.

  Mische und lasse es, bei öfterem Umschütteln einige Tage stehen.
  Dosis: drei- oder viermal des Tages ein Weinglas voll.

  Bei Hinfälligkeit, Nervenschwäche, Verstopfung, Niedergeschlagenheit
  möge folgendes gegeben werden:

    Chloroform                                            ½ Unze.
    Ingwer- (~Ginger~) Tinktur                            ½  „
    Aromatischer Ammoniak-Spiritus (~Aromatic spirits
    of ammonia~)                                          2 Drachmen.

  Mische es. Dosis: 25 Tropfen in einem Weinglas mit Milch dreimal des
  Tages.

  Bei Spermatorrhöa oder Samenfluß werden folgende Pillen gut gefunden
  werden:

    Kampher (~Camphor~)                                  24 Grane.
    Belladonna-Extrakt                                    4   „
    Cubeben- (~Cubebs~) Oel                              20 Tropfen.

  Mische es in eine Masse von gleichen Theilen Magnesia und Gummi
  Arabicum und theile es in 24 Pillen. Dosis: dreimal des Tages eine
  Pille.


Lustseuche, Venerie (~Pox -- Syphilis~).

Dies ist eine lästige Krankheit und entsteht in Folge unreinen
geschlechtlichen Verkehrs. Sie kennzeichnet sich durch das Erscheinen
von einer Finne, von einer leichten Entzündung eingefaßt, und die
Bildung eines Eiters oder des Schankers. Die Eiterung tritt in der
Regel nach dem fünften bis vierzehnten Tage nach der Ansteckung ein.

Es giebt verschiedene Gattungen von Schanker, die sehr störend auf
den Organismus einwirken, gewöhnlich begleitet ihn ein Anschwellen
-- ~Bubo~ genannt -- in den Lenden, welcher einige Tage nach den
Eiterbeulen eintreten und fortdauern kann, bis sich Eiter bildet und
derselbe aufbricht oder geöffnet werden muß.

Greift die Syphilis den Organismus an, so wird sie secundäre genannt,
und tertiäre, wenn sich Ausschläge, böser Hals und Eiterbeulen an
verschiedenen Stellen des Körpers bilden.

Der Ausschlag erscheint gewöhnlich auf der Stirn, dem Rücken, den
Beinen und Armen, er ist kupferfarben und von leichtem Jucken
begleitet, auch füllt sich die Pustel zuweilen mit einer blassen
Flüssigkeit. Sind Mund und Hals angegriffen, so schwellen sie an,
werden böse, roth und mit einer weißen Schleimhaut bedeckt, auch
kann ein blaßgelber Eiter des Halses oder der Mandeln oder auch ein
schwarzgelber und morastartiger Eiter vorhanden sein, welcher sich auf
verschiedene Stellen des Halses und der Nase erstreckt und die Knochen
des Gesichts zerstört.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Sobald sich Eiter am Penis zeigt, sollte derselbe
  sogleich aufgeätzt werden. Zu diesem Behufe bediene man sich des
  schwefelsauren Silbers (~Nitrate of silver~), Salpetersäure (~Nitric
  acid~), Aetz-Potasche (~Caustic potassa~), Zink-Chlorid (~Chloride of
  zinc~). Schwefelsaures Silber (~Nitrate of silver~) wird in der Regel
  angewandt und die Finne sollte damit gehörig gebrannt werden. Nachdem
  das Geschwür weggebeizt ist, befeuchte man Charpie in einer Auflösung
  von Opium, im Verhältniß von einer Drachme Opium auf 4 Unzen Wasser,
  lege es auf, wickle den Penis in ein Stück Leinwand und bedecke ihn
  mit eingeölter Seide.

  Anstatt des Opiums kann auch folgende Auflösung angewendet werden:

    Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~)          1 Gran.
    Wasser                                                1 Unze.

  Dies sollte öfters angewendet und die Theile zweimal des Tages mit
  spanischer Seife (~Castile soap~) und Wasser gewaschen werden.

  Folgendes ist für den innerlichen Gebrauch:

    ~Protiodide of mercury~                              12 Grane.
    Rosenkonserve (~Conserve of roses~)                   1 Skrupel.

  Theile es in 12 oder 24 Pillen und nimm zweimal des Tages eine.

  Folgendes wird in einigen Fällen von gutem Erfolg sein:

    Blaue Pillen (~Blue pill~)                            ½ Drachme.
    Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of henbane~)            1 Skrupel.

  Mache 10 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille des Nachts. Oder:

    Aetzsublimate (~Corrosive sublimate~)                 4 Grane.
    Opium-Extrakt (~Extract of opium~)                    5   „

  Mische es und mache 20 Pillen daraus. Dosis: Morgens und Abends eine
  Pille.

  Diese Quecksilber-Präparate sollten nicht länger als fünf Tage
  hinter einander gebraucht werden, da Gefahr vorhanden ist, dadurch
  Speichelfluß hervorzurufen. Ist das letztere der Fall, gebrauche man
  folgendes:

    Chlorinirte Soda (~Chlorinated soda~)                 1 Unze.
    Wasser                                                2 Unzen.

  Mische es. Der Mund sollte damit mehrere Male des Tages ausgespült
  werden, aber man vermeide vorsichtig etwas davon zu verschlucken.

  Ricord empfiehlt im Verhältniß von einem Theile weinsteinsaure
  Eisen-Potasche (~Potassio-tartrate of iron~) auf sechs Theile Wasser.
  Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages zu geben. Dasselbe Präparat
  ist auch gegen das Geschwür angewendet worden. Der ~Bubo~, die
  Anschwellung in der Lende, sollte mit einem Verbande versehen werden.
  Wenn sich aber Eiter bildet, so sollte das Geschwür geöffnet und
  Umschläge gemacht werden. Im Falle eines Ausschlags auf der Haut,
  oder wenn sich die Krankheit im Halse oder an irgend einem anderen
  Theile des Körpers zeigt, mag Potaschen-Jodid wie folgt gegeben
  werden:

    Zusammengesetzter Sassaparillen-Aufguß (~Compound
    Infusion of sarsaparilla~)                            1 Pint.
    Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~)               ½ Unze.

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll nach jeder Mahlzeit.

  Das Präparat, unter „~Donovan’s solution~“ bekannt, mag dazwischen in
  Dosen von 3 bis 5 Tropfen gegeben werden.

  Die Kost muß genau geordnet werden, der Patient darf weder reizende
  Nahrungsmittel zu sich nehmen, noch Spirituosen trinken.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Das Geschwür sollte mit salpetersaurem
  Silber (~Nitrate of silver~) oder einigen Tropfen von Salpeter-
  oder Salzsäure betupft werden. Darauf kann man vermittelst Charpies
  salzsaures Eisen (~Muriate of iron~) auflegen. Behufs Erhaltung
  eines gehörigen Stuhlgangs diene folgendes:

    ~Blue Mass~                                          60 Grane.
    Entenfuß (~Podophyllin~)                             20   „

  Mache 20 Pillen daraus und nimm Morgens und Abends eine. Zeigt sich
  die Wirkung auf die Eingeweide, so nimm jeden Tag eine.

  Erscheint ein ~Bubo~, so verbinde ihn mit Tüchern, welche mit
  folgendem angefeuchtet sind:

    Jod (~Iodine~)                                        1 Skrupel.
    Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~)               2    „
    Wasser                                                1 Unze.

  Zweimal täglich anzuwenden. Kermesbeer- (~Poke root~) Umschläge
  sollten gleichzeitig angewendet werden, indem man die frische Wurzel
  in heißer Asche erweicht und dann zerdrückt. Bildet sich Eiter, so
  ist es am besten, den ~Bubo~ durch Aetzmittel zu öffnen, da es weit
  besser heilt, als wenn derselbe vermittelst eines Messers geöffnet
  wurde. Reinige ihn einmal des Tages mit spanischem Seifenwasser
  (~Castile soap suts~) und spritze ihn ebenso damit aus.

  Dr. King empfiehlt folgendes als ein ausgezeichnetes Mittel gegen
  Syphilis in allen Formen:

    Zusammengesetzter Stillingia-Syrup (~Compound syrup
    of stillingia~)                                       4 Unzen.
    Saturirte Kermesbeer-Tinktur (~Saturated tincture
    of poke root~)                                        4   „
    Saturirte Schafampfer-Tinktur (~Saturated tincture
    of sheep sorrel~)                                     4   „

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel bis einen halben Eßlöffel voll
  dreimal des Tages.

  Gegen constitutionelle Syphilis bei Eiterungen im Halse mag eine
  starke Abkochung von Weißeichenrinde (~White oak bark~) mit ein wenig
  Borax und Alaun (~Alum~) gegeben werden; bei innerem Gebrauche gebe
  man dasselbe ohne Borax zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel
  voll.

  Wenn Hautausschläge vorhanden sind, so sollte der Körper ein- oder
  zweimal des Tages mit einer Mischung von Salpeter- oder Salzsäure, je
  ein Theelöffel voll auf zwei Quart warmes Wasser, gewaschen werden.
  Folgendes möge als Thee dienen:

  Entenfußwurzel (~May apple~), Kalmuswurzel (~Blue flag root~),
  Kermesbeere (~Poke root~), Ampferwurzel (~Yellow dock root~),
  Sassafras, Stillingia, Sassaparilla, Bitterwurzel (~Bitter root~).
  Eine Abkochung kann von einem oder dem andern hiervon oder von allen
  gemacht werden, und zu jedem Pint einer solchen Abkochung füge
  man eine Drachme Potaschen-Jodid (~Iodide of potassa~) hinzu. Der
  zusammengesetzte Stillingia-Spiritus mag in einigen Fällen angewendet
  werden.

  Die Eiterbeulen, welche sich an dem Körper zeigen, mögen mit der
  salzsauren Eisentinktur (~Tincture of the muriate of iron~) und
  Umschlägen von pulverisirtem Alaun (~Powdered alum~) und Kermesbeere
  (~Poke root~), während des Nachts ausgelegt, behandelt werden.

  Schmerzen in den Knochen mögen durch die folgenden Pillen gelindert
  werden:

    Inspissirter Brechwurz-Saft (~Inspissated
    juice of Ipecac~)                              1 oder 2 Drachmen.
    Stechapfel- (~Stramonium~) Extrakt             ¼ oder ½ Gran.

  Man mache daraus eine Pille und wiederhole es zwei- bis dreimal des
  Tages.

  Schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~) diene zu Waschungen des
  Halses. 30 Grane Kupfer kommen auf eine bis zwei Unzen Wasser; wasche
  damit vermittelst eines Stückchen Schwammes zwei- oder dreimal des
  Tages den Hals.

  =Homöopathisch.= Sobald das Geschwür erscheint, ätze man es mit
  salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), Salpetersäure (~Nitric
  acid~), oder rothem Präcipitat (~Red precipitate~). Innerlich gebe
  man: ~Mercurius~, ~Hydriodate of Potassa~, ~Mercur. precipit. ruber~,
  ~Sulphur~, ~Silicea~, ~Aurum~, ~Mezerium~.

  Bei sekundärer Syphilis, wo Schmerzhaftigkeit und Eiterung des
  Halses vorhanden ist, möge vermittelst eines Kameelhaarpinsels
  Benzoe-Tinktur immer nach einigen Tagen angewendet werden. Die
  Mittel, welche zu geben sind, sind ~Biniodide of Mercury~, ~Kali
  Hydriodicum~. Eine Woche kann ~Mercurius~ und die nächste Woche
  ~Kali~ -- und so abwechselnd fort -- gegeben werden.

  Andere Mittel sind: ~Acidum Sulphuris~, ~Lachesis~, ~Phosphorus~,
  ~Hepar Sulphuris~, ~Borax~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3
  oder 4 Stunden eine Dosis. Ist das Mittel in Kügelchen, gebe 6 auf
  eine Dosis, wenn in Pulvern, 2 Grane. Bei constitutioneller Syphilis
  gebe dreimal des Tages eine Dosis.


Samenfluß, Tripper (~Gonorrhœa -- Clap or Gleet~)

ist eine Entzündung der Schleimhaut des Harnwegs, begleitet von einem
Ausfluß und rührt von unreinem geschlechtlichem Verkehr her.

+Symptome.+ Der Tripper stellt sich in der Regel am dritten oder achten
Tag nach der Ansteckung ein. Er beginnt mit einem unangenehmen Gefühle
am Ende des Penis und ist gewöhnlich von etwas Röthe und Schwierigkeit
des Wasserablassens begleitet; nach ein oder zwei Tagen nimmt der
Ausfluß von Eiter zu, wird dünner und von einer grünlichen oder
gelblichen Farbe, zuweilen mit Blut gestreift. Die Eichel ist roth und
entzündet und der Urin verursacht einen brennenden Schmerz. Dehnt sich
die Entzündung auf die Blase aus, so tritt ein quälendes Verlangen,
das Wasser abzulassen, mit einem beständigen, unangenehmen Gefühle in
der Gegend der Hoden und zwischen den Beinen, ein. Wenn die Entzündung
stark ist, so tritt die sogenannte ~chorda venerea~, während welcher
der Penis steif und nach unten gekrümmt ist, hinzu, verursacht heftigen
Schmerz und befällt den Patienten in der Regel im warmen Bette. In
Folge der Entzündung kann ~Phimosis~ entstehen, bei welcher die Vorhaut
hart und geschwollen ist und nicht zurückgezogen werden kann; oder wenn
die Anschwellung hinter der Eichel eintritt, kann sie nicht vorgezogen
werden und wird ~paraphimosis~ genannt. Die Drüsen der Lenden und
ebenso die Hoden schwellen an und entzünden sich zuweilen.

Tripper ist die Folge der ~Gonorrhœa~ und nimmt eine chronische Form
an, nachdem die Entzündung nachgelassen hat. Hin und wieder ist er sehr
hartnäckig. Eine andere Folge des Trippers sind Stricturen, welche
die Harnröhre oder den von der Blase führenden Harnweg theilweise
schließen, was an dem platten oder gedrehten Wasserstrahl, ähnlich
einem Bohrer, oder gabelförmig, erkannt werden kann.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Der Patient sollte sich der Reinlichkeit befleißigen
  und die Theile öfters waschen. Die Kost muß einfach und nahrhaft sein
  und Spirituosen, fettes Fleisch, Pasteten &c. müssen vermieden werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn zu Anfang genommen, mag die
  Krankheit kurz abgeschnitten werden, indem 20 Grane salpetersaures
  Silber (~Nitrate of silver~) in einer Unze Wasser und davon 2
  Theelöffel voll in den Penis eingespritzt und dort ungefähr eine
  halbe Minute zurückgehalten wird, was zwei- oder dreimal des Tages zu
  wiederholen ist. Hierzu bediene man sich einer sogenannten ~P. P.~
  Spritze (~Syringe~). Gleichzeitig nehme man 3 bis 4 Grane Entenfuß
  (~Podophyllin~) mit einem Theelöffel voll Cremor Tartari (~Cream of
  tartar~) oder eine Dosis Salz. Eine andere Einspritzung ist folgende:

    Zinkchlorid (~Chloride of zinc~)                1 bis 3 Grane.
    Destillirtes Wasser (~Distilled water~)               1 Unze.

  Mische es und spritze davon alle 6 bis 8 Stunden einen Theelöffel
  voll ein.

  Oder:

    Abkochung von Gelbwurz (~Decoction of golden seal~)   1 Unze.
    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)              3 Grane.

  Mische und gebrauche wie das vorhergehende.

  Die Einspritzungen sollten stets nach dem Uriniren gegeben werden und
  der Patient sollte nicht vor wenigstens einer halben Stunde darauf
  den Urin ablassen.

  Bei dem weiblichen Geschlechte muß die Scheide mit einem von
  den obigen Präparaten drei- oder viermal des Tages gebadet und
  Einspritzungen von demselben gemacht werden.

  Folgendes wird mit ausgezeichnetem Erfolge innerlich angewendet:

    Canadischer Balsam (~Canada balsam~)                  1 Unze.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Spirits of sweet nitre~)    4 Unzen.
    Terpentinöl (~Oil of turpentine~)                     2 Drachmen.
    Pulverisirter Kampher (~Powdered camphor~)            1 Drachme.

  Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  Wenn die Entzündung nachgelassen, so füge dem obigen noch eine
  Drachme pulverisirten Kino bei. Gleichzeitig mag der Patient einen
  Aufguß von Eibisch (~Marshmallow~) und Klette (~Burdock root~)
  trinken.

  Folgendes mag in einigen Fällen angewendet werden:

    Cubebenöl (~Oil of Cubebs~)                           1 Unze.
    Anisöl (~Oil of anise~)                               1  „
    Copaiva-Balsam (~Balsam of copaiva~)                  1  „
    Laudanum                                              1  „
    Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tinct. of muriate of iron~) 1  „

  Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  Bei Eintreten der ~Chorda venerea~ des Nachts nehme 30 oder 40
  Tropfen Laudanum beim Zubettgehen oder folgendes:

    Pulverisirtes Opium (~Powdered opium~)               1½ Grane.
    Kampher (~Camphor~)                                  10   „

  Mische und nimm es als eine Dosis.

  Wird die Krankheit chronisch oder nimmt sie die Form eines
  Samenflusses an, so bediene man sich einer Einspritzung von
  gewöhnlichem grünem Thee mit je 5 oder 6 Tropfen Bleizucker (~Sugar
  of lead~) und schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~) auf jede
  Einspritzung. Gleichzeitig nehme man folgendes:

    Gehärteter Copaiva-Balsam (~Solidified balsam of
      copaiva~)                                           1 Drachme.
    Venetianischer Terpentin (~Venice turpentine~)        30 Grane.
    Entenfuß (~Podophyllin~)                              10   „

  Mische es, bringe soviel als möglich pulverisirten Rhabarber
  (~Pulverized rhubarb~) hinein und theile es in 30 Pillen. Dosis:
  zwei oder drei Pillen zweimal des Tages, bis sie auf die Eingeweide
  wirken, dann täglich zweimal eine Pille.

  =Homöopathisch.= Während des ersten Stadiums wird salpetersaures
  Silber (~Nitrate of silver~), im Verhältniß von zwei oder drei Granen
  auf eine Unze Wasser, oder schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~),
  im Verhältniß von vier Granen auf eine Unze Wasser, als Einspritzung
  gebraucht, einen Anfall kurz abschneiden. Der Patient muß während
  dieser Zeit große Mäßigkeit beobachten und Ruhe pflegen. ~Aconitum~
  kann zu derselben Zeit, alle zwei oder drei Stunden eine Dosis,
  gegeben werden.

  ~Cantharides~ oder ~Cannabis~ gebe man abwechselnd mit ~Aconitum~.

  Aufguß von ~Hydrastis Canadensis~ wird als Einspritzung empfohlen und
  zwar im Verhältniß von einer Unze der pulverisirten Wurzel auf ein
  Pint Wasser. Sollte jeden Abend in die Harnröhre gespritzt werden.

  ~Cantharis~ mag gegeben werden, wenn sich die Entzündung auf die
  Blase ausdehnt und ein Brennen längs der Harnröhre, sowie ein
  häufiges Drängen zum Urinlassen vorhanden ist. Kann abwechselnd mit
  ~Aconitum~ gegeben werden.

  Chlorsaure Potasche (~Chlorate of potash~) wird als Einspritzung
  empfohlen. Löse eine Drachme in einer Unze Wasser und gebe während
  12 Stunden jede Stunde eine Einspritzung. Dies wird in den meisten
  Fällen erfolgreich sein.

  Andere innerliche Mittel sind: ~Mercurius~, ~Nux Vomica~, ~Cubebae~,
  ~Pulsatilla~, ~Copaiva~, ~Sulphur~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle 2, 3
  oder 4 Stunden 6 Kügelchen.

  =Allöopathisch.= Zu Anfang der Krankheit gebe man eine Einspritzung
  von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), im Verhältniß von 5
  bis 10 Granen auf eine Unze Wasser. Dies wird gewöhnlich hinreichen.
  Zur Erhaltung eines gehörigen Stuhlganges sollte Bittersalz (~Epsom
  salts~) genommen und Leinsamenthee getrunken werden. Wenn die
  Krankheit dennoch weiterschreitet, möge folgendes angewendet werden:

    Balsam Copaiva                                        1 Unze.
    Cubebenöl (~Oil of cubebs~)                           2 Drachmen.
    Laudanum                                              1 Drachme.
    Gummi Arabicum Schleim (~Mucilage of Gum
    Arabic~)                                              2 Unzen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    ½ Unze.
    Zusammengesetzter Lavendel-Spiritus (~Compound
    spirits of lavender~)                                 3 Drachmen.
    Kampherwasser                                         4 Unzen.
    Weißer Zucker                                         2 Drachmen.
    Mitchellöl (~Oil of partridge berry~)                 5 Tropfen.

  Mische es. Dosis: drei- oder viermal des Tages einen Eßlöffel voll.

  Die folgende Einspritzung ist gut:

    Balsam Copaiva                                        5 Drachmen.
    Gummi-Extrakt von Opium (~Gum of ext. of opium~)      1 Gran.
    Wasser                                                7 Unzen.
    Ein Eidotter.

  Mische und wende es mehrere Male des Tages an.

  Gegen die ~Chorda venerea~ nehme beim Zubettgehen eine Pille von
  Kampher und Belladonna, im Verhältniß von 5 Granen des ersteren auf
  ein Gran des letzteren.

  Bei Samenfluß bediene man sich folgender Einspritzung:

    Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~)     1 bis 4 Grane.
    Wasser                                                1 Unze.
    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~)              8 Grane.
    Gerbersäure (~Tannin~)                                1 Skrupel.
    Wasser                                                5 Unzen.

  Mische es.



Zweiter Theil. -- Frauenkrankheiten.



Erstes Kapitel.

Menstruation oder monatliche Reinigung.


Ehe wir darüber reden, auf welche Weise Störungen in der Menstruation
zu behandeln seien, sollten wir uns klar darüber werden. 1) Was man
unter Menstruation versteht. 2) Durch welche Ursachen dieselbe erzeugt
wird. 3) Welchen Zweck sie im weiblichen Organismus hat. Vielleicht
wird keine körperliche Funktion von den Frauen weniger verstanden als
diese. Sie können zwar angeben, wie oft die Menstruation eintritt
und wie lange sie währt, aber über die Ursache sind die meisten im
Unklaren, worüber man sich nicht zu wundern hat, wenn man bedenkt, daß
selbst die Aerzte darüber in früherer Zeit im Dunkeln waren und erst
neuerdings zum vollen Verständniß kamen. Seit Alters bis auf unsere
Tage wurden zahllose Theorien aufgestellt; jede derselben aber mußte
der in ihr enthaltenen Widersprüche wegen wieder aufgegeben werden; bis
man zuletzt zu einer klaren, unzweifelhaften Anschauung gekommen ist.
Unter den Alten herrschte bezüglich der Menstruation viel Aberglauben.
Weil sie regelmäßig jeden Monat eintritt, so nahm man an, daß der
Einfluß des Mondes dieselbe regulire. Daß diese Behauptung durchaus
nicht stichhaltig ist, liegt auf der Hand, denn wäre auch nur einige
Wahrheit daran, so müßten alle Frauen eines Erdtheils wenigstens
zugleich menstruiren. Professor E. G. Meigs von Philadelphia hat
sich um die Darstellung der Ursachen dieser eigenthümlichen Funktion
große Verdienste erworben, und ihm sind wir für die in diesem Artikel
niedergelegten Thatsachen und Beobachtungen zum Dank verpflichtet.

„~Omne vivum ex ovo~,“ (alles Lebendige entspringt aus einem Ei oder
Keim), dies ist das allgemein gültige Zeugungsgesetz, welches sich
sowohl in der Pflanzen- als Thierwelt bewährt. Die stämmige Eiche, die
der Eichel entsprost, das Welschkorn, das aus dem Korn hervorwächst,
das Rothkehlchen und der Elephant -- alle entstehen aus Keimen und
beweisen die Wahrheit des obigen Satzes. Jeder Same und jedes Ei
enthält einen Keim, welcher, wenn auf die rechte Weise beeinflußt,
seinesgleichen erzeugen wird. So klar diese Thatsache ist, frägt
es sich nun, wo diese Keime ihren Ursprung haben. Es steht fest,
daß jedes Thier und jede Pflanze mit einem Organ zur Erzeugung und
Abwerfung dieser Zellen und Keime versehen ist. Dieses Organ ist bei
den Frauen das Ovarium (Eierstock) und zwar gibt es derselben zwei. Es
sind kleine, länglich-runde Körper, etwa einen Zoll lang, ein wenig
über einen halben Zoll breit und einen drittel Zoll dick. Manchmal
mag die Größe der Ovarien von der hier angegebenen abweichen, wird
aber meistens zutreffen. Jeder dieser Eierstöcke ist etwa einen Zoll
vom oberen Theil der Gebärmutter mittelst eines Bandes befestigt und
die physiologische Funktion derselben ist, das Ei zu „reifen“ und
alle achtundzwanzig Tage abzusondern, und zwar geschieht dies vom
fünfzehnten bis fünfundvierzigsten Jahre und wird nur während der
Schwangerschaft und des Säugens, und oft auch dann nicht, unterbrochen;
denn in vielen Fällen haben Frauen, während sie schwanger waren,
regelmäßig menstruirt, und bei einer großen Anzahl derselben wird durch
Säugung die Menstruation gar nicht gestört. Während der Zeitigung
oder dem Reifwerden des Eis bis zur Absonderung desselben in die
Scheide (~Tube~), durch welche es in die Gebärmutter gelangt, sind
die Geschlechtsorgane mehr oder weniger angeschwollen (~congested~)
und haben das Ansehen, als ob sie entzündet seien. Diese Anhäufung
(~Congestion~) wird endlich so bedeutend, daß ein Blutausfluß aus den
Zeugungstheilen (~Genitalia~) dadurch entsteht. Sobald der Ausfluß
beginnt, läßt die Hitze und das Jucken in der Nähe der Eierstöcke
und das schwere Gefühl nach und verschwindet allmählig. Somit ist
die Menstruation nichts anderes als die Zeitigung und Absonderung
des Ei’s, welches, wenn es nicht geschwängert wird, durch den von
den Gefäßen der Gebärmutter herrührenden Blutausfluß abgeführt wird.
Hieraus geht auch hervor, daß eine Frau nur während oder nahe zur
Zeit der Menstruation schwanger werden kann. Die Regelmäßigkeit,
mit der diese Funktion vor sich geht, war immer Veranlassung zur
Verwunderung. Aber weshalb? Um uns blickend gewahren wir, daß die
Pflanzen- und Thierwelt festgesetzte Zeiten zur Keimerzeugung hat. Dies
ist ein Naturgesetz, und weshalb sollte nicht auch das Weib dasselbe
auszuführen haben? Da wir nun gezeigt haben, daß die Menstruation in
der Zeitigung und Absonderung eines Eis besteht, wovon der Blutausfluß
nur das äußerliche Zeichen ist, so ist es möglich, daß eine Frau
regelmäßig jeden Monat menstruiren kann, ohne diese Kundgebung, nämlich
den Blutausfluß. Dieses zu beweisen, können viele Fälle angeführt
werden, wo Frauen geheirathet haben und schwanger wurden, ohne daß
das geringste Zeichen des Blutausflusses sich bei ihnen gezeigt
hätte; aber ihre Schwangerschaft wäre ohne Menstruation nicht möglich
geworden. So mag eine sonst regelmäßig menstruirende Frau mehrere
Kinder bekommen, ohne daß sich in der Zwischenzeit die monatliche
Reinigung zeigt; was man dahin erklären kann, daß sie während der
Säugung ihres ersten Kindes schwanger und nach der Geburt des zweiten
wieder Mutter wurde, und so fort, bis sie nicht mehr geschwängert von
nun an regelmäßig menstruirt. Wie schon oben bemerkt, tritt in diesem
Lande die Menstruation im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre ein; in
wärmeren Ländern früher, in kälteren später. Menstruation, monatliche
Reinigung, Regel, Katamenien, monatliche Periode und Unwohlsein,
dies sind welche der zur Bezeichnung dieser Funktion gebräuchlichen
Ausdrücke. Bei denjenigen Mädchen, die in Ueppigkeit aufwachsen und
deren sittliche und körperliche Erziehung der Art ist und war, daß das
Nervensystem dadurch empfindsam wird, tritt die „Monatsregel“ viel
bälder ein, als bei denen, die an Hausmannskost und Arbeitsamkeit
gewohnt sind. Zeigt sich die Menstruation vor dem vierzehnten Jahr,
so wird dies als ein schlimmes Anzeichen betrachtet und deutet auf
zu frühe Reife der Organe, während das Eintreten der monatlichen
Reinigung nach dem sechzehnten Jahr von allgemeiner Schwäche oder
von Störung in den Zeugungsorganen zeugt. Ist jedoch die betreffende
Person gesund und alle ihre anderen Funktionen sind regelmäßig, ist
sie froh, geistesmunter und nicht trüb- oder schwachsinnig, so sollte
man nichts zur Herbeiführung der Menstruation unternehmen, indem durch
angewandte Mittel unverbesserlicher Schaden herbeigeführt werden kann.
Wenn die Monatsreinigung zum erstenmal eintritt, so zeigt sich dies
gewöhnlich durch folgende Symptome an: Kopfweh, Gefühl von Schwere,
Mattigkeit, Schmerz im Rücken und den Lenden und Unlust zur Arbeit.
Die Hautfarbe ist eigenthümlich dunkel, namentlich unter den Augen,
und zeitweilig verspürt die Betreffende ein Gefühl der Unruhe und des
Verstopftseins im Halse. Die Ausdünstung hat einen kränkelnden Geruch
und der Geruch des Athems ist eigenthümlich. Die Brüste sind erweitert,
weich und empfindsam. Bezüglich der Speisen ist die Betreffende
wählerisch und launig und die Verdauung ist gestört. Diese Symptome
währen einen, zwei, drei Tage und verschwinden mit dem Eintreten der
Menstruation. Die Monatsreinigung dauert drei, fünf oder sieben Tage,
je nach der Körperorganisation der Frau. Ebenso ist die Quantität des
ausgesonderten Blutes verschieden bei verschiedenen Frauen. Im Alter
von etwa fünfundvierzig Jahren hört die Menstruation auf, und dies
ist die Periode, vor welcher sich die Frauen gewöhnlich fürchten.
Manchmal hält man die alsdann eintretenden Symptome, als da sind:
Uebelkeit, launiger Appetit, Anschwellen und Schmerzen in den Brüsten
für Anzeichen der Schwangerschaft. Die Veränderung tritt allmählig ein.
Der Blutausfluß mag sich alle zwei bis drei Wochen einstellen, sodann
zwei oder mehr Monate ausbleiben, darnach mehrere Monate so regelmäßig
als je wiederkehren und endlich ganz aufhören. Während der Menstruation
ist der Organismus, namentlich der jüngeren Personen, geistigen und
physischen Einflüssen mehr zugänglich als sonst. Auf die regelmäßige
und gesunde Verrichtung dieser Funktion kommt sehr viel an, denn ihr
dankt die Frau ihre weibliche Schönheit und Vollkommenheit; deshalb
sollte man sehr vorsichtig sein, daß die Menstruation nicht gestört
wird. Eine plötzliche Unterdrückung derselben ist immer gefährlich,
und unter den Ursachen, durch welche solche hervorgerufen wird, sind
zu nennen: Plötzliche Furcht, Aerger, große Besorgniß und mächtige
Gemütsbewegungen. Uebermäßige Anstrengung, lange Spaziergänge oder
Fahrten, namentlich über rauhe Wege, Tanzen, vieles Stiegenauf- und
ablaufen, veranlassen nicht blos vermehrten Ausfluß, sondern oft auch
Vorfall der Gebärmutter. Patentmedizinen und Geheimmittel, die gegen
Frauenkrankheiten empfohlen werden, Abführungs- und Brechmittel,
sowie Liquöre mögen den Ausfluß vermehren oder demselben Einhalt
thun. Ebenso schädlich sind während der „Periode“ kalte und warme
Bäder, Fußbäder und Naßwerden der Füße, indem man dünnbesohlte
Schuhe trägt. Eine junge Dame, die, weil sie gerne während ihres
Unwohlseins auf den Ball gehen möchte, ein „Hüftbad“ nimmt, begeht
eine wahnsinnige Handlung. Welch Elend kann angerichtet werden; wie
viele Schmerzen bereiten sich solche Thörinnen! Behandlung ist während
der Monatsreinigung nicht nöthig, es seien denn gewisse Störungen
eingetreten, worüber wir uns in dem Folgenden aussprechen werden.



Zweites Kapitel.

Störungen der Menstruation.


Verzögerte und unterdrückte Menstruation.

Wenn die Monatsreinigung nicht zu rechter Zeit eintritt, so heißt man
dies verzögerte oder unterdrückte Menstruation. Man hat jedoch die
Entwicklung des betreffenden Mädchens in Anschlag zu bringen, auch
wenn sie das Alter erreicht hat, wo das Auftreten dieser Funktion
erwartet werden kann, denn die Körperentwicklung ist eine Bedingung
der Monatsperiode. So lange das Mädchen nicht körperlich zugenommen
hat, wenn sie über die Hüfte nicht weiter geworden, wenn ihre Brüste
nicht weiter geworden, und sie keine dieser Periode vorangehenden
Veränderungen wahrgenommen hat, wird es nur schädlich wirken, wenn
man der Natur Gewalt anthut. In solchem Falle ist eine „allgemeine“
Behandlung nöthig. Man lasse die Betreffende sich viel in freier Luft
bewegen, sie gehe frühzeitig zu Bett und stehe Morgens frühe auf.
Geht sie noch zur Schule, so sollte man sie während der Zeit nicht in
dieselbe senden. Ihre Kost muß nahrhaft aber nicht reich sein, sonst
werden Magenstörungen entstehen. Ist sie jedoch vollkommen entwickelt,
und leidet zeitweilig an Blutandrang im Kopf, in der Brust, oder im
Unterleib, dann wird das Einschreiten nöthig. Folgende Symptome werden
sich gewöhnlich in diesen Fällen einstellen.

+Symptome.+ Kopfweh, Schwere, Vollheit, Pulsiren in der Mitte der
Hirnschale und im Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte
Füße und Hände, die zuweilen sehr heiß werden, trockene, rauhe Haut,
langsamer Puls und nicht selten Fallsucht (Epilepsie).


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Einige Tage vor der Periode sollte die Patientin ein
  warmes Hüften- oder Fußbad nehmen, zweimal des Tages und Abends beim
  zu Bett Gehen mit warmem Wasser benetzte Tücher auf den Unterleib
  legen.

  Ein sehr gutes Rezept wird von Prof. Cooke vom Hahnemannischen
  medizinischen Collegium in Chicago empfohlen, nämlich: Etwa zwei
  Wochen vor der Periode nehme eine Dosis ~Gelseminum~ jeden Abend,
  und eine Dose ~Belladonna~ jeden Morgen. Kurz vor Eintritt der
  Menstruation nehme diese zwei Heilmittel abwechselnd alle zwei oder
  vier Stunden.

  ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Patientin melancholisch und traurig und zum
  Weinen geneigt ist; Blässe mit abwechselnder Hitze, Appetitlosigkeit
  mit Lust für saure Speisen, Uebelsein und Erbrechen.

  ~Bryonia.~ -- Blutandrang im Kopf, geröthetes Gesicht, häufiges
  Nasenbluten, Hartleibigkeit, Herzklopfen.

  ~Lycopodium.~ -- Anwendbar bei ähnlichen Symptomen.

  ~Phosphorus.~ -- Wenn die Patientin zu Lungenkrankheiten geneigt ist,
  schwache Brust, Husten, Brustschmerzen, Blutspeien.

  ~Arsenicum.~ -- Wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen oder
  der Füße oder anderer Gliedmaßen, blasse Gesichtsfarbe, gelbsüchtig.

  ~Sulphur.~ -- Wenn obige Heilmittel nicht wirken.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis (6 Kügelchen) alle
  Morgen von irgend einem dieser Mittel eine Woche oder zehn Tage lang.
  Wird die Patientin besser, so setze vier Tage lang aus und gebe eine
  Woche lang jeden Morgen ~Sulphur~.

  =Allöopathisch.= Hier wie in der homöopathischen Behandlung wird das
  Wasser in gleicher Weise gebraucht. Der Stuhlgang sollte durch ein
  mildes Reinigungsmittel, z. B. Castoröl und Aloepillen (~Pill of
  aloes~), regelmäßig erhalten werden. Fühlt die Patientin während oder
  vor dem Blutausflusse Schmerz und Vollheit im Kopfe, so gebrauche man
  folgendes:

    Eisenhut- (Sturmhut) Blätter-Tinktur (~Tincture of
    aconite leaves~)                                      2 Drachmen.
    Belladonna-Tinktur                                    1 Drachme.
    Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur            1    „
    Morphium                                              3 Grane.
    Syrup                                                 4 Unzen.

  Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Wenn die Schmerzen
  heftig sind, so mag alle zwei Stunden eine Dosis genommen werden.

  Ist der Körper geschwächt, so mag zwischen den Perioden folgendes
  gebraucht werden:

    Kohlensaurer Eisen-Niederschlag (~Precip. carbonate
    of iron~)                                             5 Drachmen.
    Sturmhut- (Eisenhut) Extrakt (~Extract of conium~)    2    „
    Peru-Balsam                                           1 Drachme.
    Alcohol                                               4 Unzen.
    Wintergrünöl (~Oil wintergreen~)                     20 Tropfen.
    Syrup                                                 8 Unzen.

  Dosis: Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages. Schüttle die Mischung
  vor dem Gebrauch.

  Oder:

    Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~)         1 Unze.
    Rosenwasser                                           7 Unzen.
    Salzsaure Eisentinktur                                1 Unze.

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in ½ Glas voll Wasser
  dreimal des Tages.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Patientin robust ist, so gebe
  zeitweilige Dosen von zusammengesetztem Leptandrin-Pulver (~Compound
  powder of leptandrin~). Ist sie jedoch schwach und nervös, so erhalte
  den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem:

    Pulverisirter Rhabarber                              1½ Unze.
    Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate
    of potassa~)                                          1  „

  Hiervon gebe man eine kleine Dosis dreimal des Tages, genügend um
  regelmäßige Oeffnung zu erhalten. Als ein Stärkemittel gebrauche man
  zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of comfrey~). Zur
  selben Zeit verordne, wenn Kopfweh und Schmerzen im Kreuz und den
  Lenden vorhanden sind, warme Am. Ysop- (~Penny royal~), Rainfarn-
  (~Tansy~), schwarzen Schlangenwurzel- (~Black cohosh~) oder Raute-
  (~Rue~) Thee. Manchmal mildert ein warmer, aus Hopfen und Rainfarn
  zubereiteter und auf den Unterleib gelegter Umschlag die Schmerzen.
  Wenn, obgleich die Gesundheit durch obige Mittel besser geworden, die
  Menstruation noch nicht eingetreten ist, so verordne man:

    Wiesenrauten-Stammblatt (~Caulophyllin~)             10 Grane.
    ~Aletridin~                                           8   „
    Belladonna-Extrakt                                    1 Gran.

  Mische dieses und bereite zehn Pillen daraus, von welchen eine
  dreimal des Tages zu nehmen ist.

  Oder:

    Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~)              7 Grane.
    ~Cimicifugin~                                         3   „
    Entenfuß (~Podophyllin~)                              1 Gran.

  Genügend weißen Terpentin, um aus dieser Masse Pillen zu bereiten.
  Man mache 4 Pillen und nehme eine dreimal des Tages.

  Mit gutem Erfolg mag Sabenbaumöl (~Oils of savin~) und Rainfarn
  (~Tansy~), gleiche Theile von jedem, angewandt werden. Man gebe 5
  oder 10 Tropfen der Mischung zweimal des Tages, und beginne damit
  eine Woche, ehe die Menstruation eintreten soll.


Die Bleichsucht (~Chlorosis or Green Sickness~).

Junge, unverheirathete, schwächliche Frauenzimmer sind es gewöhnlich,
die von dieser Krankheit zu leiden haben. Sie stellt sich gewöhnlich
zur Zeit der Mannbarkeit (~Puberty~) ein und äußert sich durch
Appetitlosigkeit und Unverdaulichkeit. Die Menstruations-Blutung ist
entweder gar nicht vorhanden, oder sehr gering.

+Ursachen.+ Alles, was die Lebensfunktionen stört, z. B. unnahrhafte
Speisen und Aufenthalt in feuchten, schlechtgelüfteten Zimmern;
die Krankheit kann sich auch vererben, so daß alle Frauenzimmer
derselben Familie damit behaftet sind. Diejenigen, die viel Thee,
Kaffee, verdünnte Säuren und schlechte Weine trinken und sich sehr
fest schnüren, sind dieser Krankheit leicht ausgesetzt. Unter
anderen veranlassenden Ursachen mögen genannt werden: Störende
Gemüthsbewegungen, unerwiederte Liebe, Heimweh, Trübsinn &c.

+Symptome.+ Die Symptome, welche diese Krankheit kennzeichnen, äußern
sich nicht alle zugleich, sondern treten nach und nach auf, so daß
sich die Kranke deren kaum bewußt wird. Sie klagt gewöhnlich erst über
Ermüdung und Widerwillen gegen geistige und körperliche Anstrengung.
Die Hautfarbe ist eigenthümlich, nicht besonders weiß, aber blaß mit
gelben und grünlichen Streifen. Die Lippen sind manchmal beinahe ganz
weiß, die Augenlider bleifarbig und angeschwollen. Die Haut ist kalt.
Der Gaumen wird weiß und die Haut ist gewöhnlich mit einer weißen
Masse bedeckt und des Morgens fühlt die Kranke ein klebriges Gefühl im
Munde. Der Athem ist übelriechend. Die Patientin ist sehr schwach und
ermüdet bei jeder kleinen Anstrengung. Sie athmet schnell, nicht weil
die Lungen krank sind, sondern weil sie nicht Kraft genug hat, die
Brust gehörig zu erheben. Der Schlaf wird oft gestört und ist nicht
stärkend. Hartleibigkeit ist vorhanden und zuweilen auch Uebelsein und
Erbrechen. Der Puls ist schwach und schnell. Die Kranke ist traurig,
weint oft plötzlich und ist gerne allein. Der Appetit ist verringert
und dyspeptische Symptome, z. B. Sodbrennen, saurer Magen, Schmerz
in demselben mit Nausea, zeigen sich. Sie begehrt unverdauliche
Substanzen, wie Griffel, Kreide, Holzkohle &c. Auf außerordentliche
Hartleibigkeit folgt Diarrhöe schlecht verdauter Substanzen. Mit
dem Fortschreiten der Krankheit schwellen die untern Gliedmaßen an,
hektischer Husten tritt ein, welcher manchmal von Blutspeien begleitet
ist. Der Unterleib wird fest und schwillt und zwar oft so stark, daß
man die Kranke für schwanger hält. Die Menstruations-Blutung, wenn sie
überhaupt eingetreten, wird sehr schwach und schmerzhaft, hält nur
kurze Zeit an, ist blaß, wässerig und hört endlich ganz auf. Manchmal
fühlt die Kranke heftige Schmerzen in der linken Brust. In manchen
Fällen äußern sich nervöse Symptome, z. B. hysterische Anfälle, Krämpfe
&c. Man mag die Bleichsucht für Herzkrankheit oder Auszehrung halten,
und ich habe deshalb eine genaue Beschreibung derselben gegeben, damit
man sie gleich von Anfang an zu erkennen vermag. Jedoch treten an ein
und derselben Person nicht alle hier angegebenen Symptome auf; jedoch
wird man immer die Mehrzahl derselben finden.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Thatsache in Betracht ziehend, daß die Ursache
  „Blutverarmung“ ist, wird die Behandlung verhältnißmäßig nicht
  sehr schwierig werden. Die Kranke bewege sich viel in der frischen
  Luft, verwahre den Körper gegen Kälte vermittelst warmer Kleidung
  und halte sich in einem gut gelüfteten Zimmer auf. Die Kost sollte
  nahrhaft, nicht aber stimulirend sein. Regelmäßige Gewohnheiten in
  jeder Beziehung und Herbeiführung heiterer Gemüthsstimmung durch
  Gesellschaft und unschuldige Vergnügungen -- dies ist bei der
  Behandlung sehr wichtig. Ehe man der Kranken Arznei giebt, müssen
  die veranlassenden Ursachen entfernt werden. Die Lebensweise der
  Patientin muß total verändert werden. Ging sie beständig zur Schule,
  so muß sie nun aus derselben bleiben, ist sie geneigt, immer zu
  Hause zu sein, so sende man sie aufs Land. Man stelle ihr die Gefahr
  vor, der sie sich aussetzt, wenn sie sich nicht im Freien bewegt,
  und verschaffe ihr alle mögliche Bewegung. Die Entfernung der
  sittlichen und geistigen Ursachen ist die schwierigste Aufgabe; aber
  auch in dieser Beziehung werden Luft- und Scenerieveränderung, neue
  Freundschaften u.s.w. eine gute Wirkung ausüben. Diejenigen, die in
  Fabriken arbeiten oder in ruhiger Körperstellung irgend einem Berufe
  nachgehen, müssen andere Beschäftigung aufsuchen. Ein lauwarmes
  Morgenbad, nach welchem der Körper tüchtig gerieben wird, ist von
  guten Diensten, ebenso das „Sitzbad“ oder das Abwaschen und Baden
  mittelst des Schwammes am Abend. Vor und nach dem Baden sollte die
  Patientin spaziren gehen oder sich mit Arbeit Bewegung verschaffen.
  Während der Menstruation muß alle Behandlung mittelst des Wassers
  eingestellt werden.

  =Allöopathisch.= Die folgende Vorschrift wird von Dr. Pancoast von
  Philadelphia empfohlen. Man wechselt mit den Mischungen jeden Tag ab;
  das heißt, man nimmt No. 1 den einen und No. 2 den nächsten Tag u.s.w.

    No. 1. -- Kohlensaurer Eisen-Niederschlag
              (~Precip. carbonate of iron~)               5 Drachmen.
              Sturmhut- (~Conium~) Extrakt                2    „
              Peru Balsam                                 1 Drachme.
              Zimmetöl                                   20 Tropfen.
              Syrup                                       8 Unzen.
              Pulverisirter Gummi Arabicum                2 Drachmen.

  Mische. Dosis: 2 Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden andern Tag
  nach den Mahlzeiten. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

    No. 2. -- Brechnuß-Tinktur (~Tinct. of Nux Vomica~)   1 Drachme.
              Eisen-Iodide-Syrup (~Syrup iodide
              of iron~)                                   1 Unze.
              Syrup                                       4 Unzen.

  Mische dieses. Dosis: ein Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden
  andern Tag in Wasser nach den Mahlzeiten. Eine andere Behandlung:

  Man reinige die Eingeweide mit der folgenden Mischung:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Salpetersaures Kali (~Nitrate of potash~)            10 Grane.
    Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~)            1 Skrupel.
    Zusammengesetzter Senna-Aufguß (~Compound
    infusion of senna~)                                  5½ Unzen.
    Jalappen-Tinktur (~Tinct. of jalap~)                  3 Drachmen.
    Flüchtiger Salzgeist (~Spirits of sal volatile~)      1 Drachme.

  Mische dieses. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll zu einer Zeit, mit
  Zwischenräumen von zwei Stunden, bis die Wirkung eintritt.

  Auf dieses verordne man schwefelsaures Eisen 5 Grane, Enzian-
  (~Gentian~) Extrakt 10 Grane.

  Bereite hieraus 3 Pillen und nehme 1 Pille zweimal des Tages mit
  zusammengesetzten Aloe- oder Rhabarber-Pillen jeden Abend.

  =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Für Frauen mit mildem, ruhigem
  Temperament, welche oft traurig sind und viel weinen, oder
  wenn Erkältung und Bloßstellung in der Witterung die Krankheit
  verursachten. Die folgenden Symptome deuten auf die Verordnung dieser
  Arznei hin: Fahle Farbe mit Röthe und Hitze abwechselnd, Herzklopfen,
  kalte Hände und Füße, Schwerathmen, mit einem Erstickungsgefühl
  nach jeder Anstrengung, öfterer Stuhlgang und Weichheit desselben,
  Uebelkeit und Erbrechen, Anschwellen der Füße, Frösteln, Ohrensausen
  und Gesichts-Neuralgie.

  ~Bryonia.~ -- Mag abwechselnd mit ~Pulsatilla~ gegeben werden, wenn
  Blutanhäufungen in der Brust vorkommen, Hartleibigkeit, Nasenbluten,
  Hitze abwechselnd mit Frösteln, Husten, wobei Klumpen schwarzen
  Blutes abgehen, Schmerzen im Kreuz.

  ~Ferrum.~ -- Bei großer Schwäche, Appetitlosigkeit, Uebelsein und
  hektischem Husten, wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen,
  Fahlheit der Haut, die Lippen sind beinahe blutlos, Schwierigkeit
  beim Athmen, Mangel an Lebenswärme.

  ~Sulphur.~ -- Gegen hartnäckige Fälle, namentlich wenn die obigen
  Heilmittel nicht wirkten. Klopfende Schmerzen im Kopf, Ohrensausen,
  saures Aufstoßen vom Magen, Hartleibigkeit mit harten Stuhlabgängen,
  große Bedrückung nach dem Sprechen, Schwierigkeit beim Athmen mit
  Druck in der Brust.

  ~Calcarea Carbonica.~ -- Kann nach ~Sulphur~ gebraucht werden,
  namentlich wenn die Abzehrung sehr bedeutend ist und die Patientin
  Schwierigkeit beim Athmen hat.

  ~China~ und ~Carbo Vegetabilis~. -- Eine Dosis abwechselnd jeden
  Abend 5 oder 6 Wochen lang, wenn das Uebel nach einer heftigen
  Krankheit oder nach Hämorrhoiden eingetreten ist.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man verordne vom gewählten Heilmittel 5
  oder 6 Kügelchen -- trocken -- einmal in 4 Stunden. Sobald Besserung
  eintritt, so gebe man die Arznei alle 12 Stunden oder alle 2 oder 3
  Tage.

  +Kost.+ Diese sollte ganz einfach, aber nahrhaft sein. Man vermeide
  alle Stimulanten und hochreifen Früchte &c. Kaffee, grüner Thee und
  Liquöre dürfen nicht genossen werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Um den Stuhlgang regelmäßig zu
  erhalten, gebrauche man zusammengesetzte Leptandrin-Pillen (~Compound
  pill of leptandrin~), jeden Abend zu nehmen. Wirkt diese Dosis nicht,
  so füge zu jeder Pille 1/20 Gran Brechnuß (~Nux Vomica~) hinzu. Ist
  der Magen sauer, so gebe kohlensaures Natron (~Carbonate of soda~),
  oder kohlensaures Kali (~Carbonate of potash~), oder kohlensaure
  Magnesia (~Carbonate of magnesia~), mit Gelbwurz- oder Quassia-Thee.
  Zur Verbesserung des Blutes brauche folgendes:

    Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~)              5 Drachmen.
    Assafötida                                           3½ Skrupel.
    Entenfuß (~Podophyllin~)                              8 Grane.

  Mische dieses und bereite 24 Pulver daraus und verordne 1 Pulver
  dreimal des Tages.

  Oder dieses:

  Myrrhen-Tinktur, Aloe-Tinktur, von jedem 1½ Unzen, Blutwurzel-
  (~Blood root~) Tinktur, salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tinct.
  of iron~), von jedem eine Unze. Mische dieses und verordne einen
  Theelöffel dreimal des Tages.

  Oder die folgenden Pillen:

    Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~), zu
    pulverisiren und an die Luft zu setzen, bis es
    trocken und weiß wird                                 1 Drachme.
    Chinin (~Quinine~)                                   30 Grane.
    Myrrhen (~Gum Myrrh~)                                30   „
    Entenfuß (~Podophyllin~)                             20   „

  Hiervon bereite man 60 Pillen mit Enzian-Extrakt (~Extract of
  gentian~) und nehme eine Pille Abends und Morgens.

  Die zusammengesetzten Pillen von blausaurem Eisen (~Compound pills
  of ferrocyanuret of iron~) werden ebenfalls empfohlen. Man nehme
  dieselben Morgens und Abends. Man sollte eines dieser Präparate
  mehrere Wochen lang hinter einander nehmen und alsdann ein anderes.


Uebermäßige Menstruation (~Profuse Menstruation -- Menorrhagia~).

Dies ist, wie der Name angiebt, ein übermäßiger Blutfluß während
der Menstruation. Die Quantität Blut, die während der Monatsperiode
ausfließt, ist bei verschiedenen Frauen verschieden, beträgt aber
gewöhnlich zwischen vier und acht Unzen. Die Quantität mag an der Zahl
der gebrauchten Tücher (~Napkins~) geschätzt werden. Jedes derselben
enthält etwa ½ Unze oder einen Theelöffel voll, so daß 8 Napkins 4
Unzen enthalten würden, 20 zehn Unzen u.s.w. Bei manchen Frauen mag
der Blutausfluß sehr reichlich sein, ohne daß dadurch die Gesundheit
beeinträchtigt würde.

+Ursachen.+ Dieses Uebel mag durch einen schwachen Zustand der
Gebärmutter, durch vieles Kinderzeugen, Frühgeburten, üppiges Leben
und zu langes und zu vieles Säugen, oder durch Gemüthsbewegungen,
übermäßige Anstrengung, Tanzen, Fälle, schweres Heben, Erkältungen und
geistige Aufregung erzeugt werden.

+Symptome.+ Erschöpfung der Körperkräfte, Schwäche und Schmerz im
Rücken, der sich bis zu den Hüften und über die Lenden zieht, fahles,
eingesunkenes Gesicht, Kopfweh mit Klopfen in den Schläfen, Schmerz in
der linken Seite, im Magen und in den Gedärmen, manchmal Diarrhöe mit
großer Nervenschwäche.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Patientin muß sich auf ein hartes Lager niederlegen
  und keinerlei stimulirende Speisen und Getränke genießen. Das Zimmer
  sollte kühl und sie sollte mit leichten Decken bedeckt sein. Man bade
  die Füße in warmem Wasser, und wenn der Ausfluß sehr stark ist, so
  lege Tücher, gut mit Essig und Wasser getränkt, auf den Unterleib.
  Die Hüften müssen höher zu liegen kommen als der Kopf, und nur in
  den äußersten Fällen sollte man zum Verstopfen greifen. Muß es aber
  geschehen, so nehme man ein etwa 4 Zoll im Quadrat großes Stück
  Linnenzeug und bringe dasselbe in die Scheide, so daß diese angefüllt
  wird, worauf man eine Binde zwischen den Beinen befestigt. Kalte
  Hüftenbäder, sowie das Einspritzen von kaltem Wasser in die Scheide
  werden, falls die Blutung nicht heftig ist, dienlich sein.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Man nehme gleiche Theile pulverisirten
  Alaun, Geranium und Holzkohle, mische dieses und gebe davon 15 Grane
  alle 10-20 Minuten; oder je einen Theelöffel voll Salpeter und Alaun;
  mische dieses und vertheile die Masse in 6 Pulvern, von welchen eins
  alle 2-4 Stunden zu geben ist. Ein aus ganzem Zimmet (~Cinnamon
  bark~), oder ganzem Zimmet und den Blättern der rothen Himbeerstaude
  bereiteter Thee wird wohlthätig wirken, wenn die Patientin viel
  davon trinkt. Auch wird ein aus gleichen Theilen kurzblätterigem
  Dreiblattklee (~Beth root~), blauer Schlangenwurzel (~Blue cohosh~)
  und mehliger Aletris bereiteter Thee, von welchem je eine halbe Unze
  mit einem Pint kochenden Wasser vermischt wird, sehr empfohlen.
  Hiervon mag während eines Tages ein Pint getrunken werden. Zur selben
  Zeit nehme man alle Stunde oder 2 Stunden ein aus 5 Granen span.
  Pfeffer (~Cayenne~), ½ Gran Opium und 1 Gran Ipecacuanha (~Ipecac~)
  zusammengesetztes Pulver. Sind bedeutende Schmerzen vorhanden, so
  kann das folgende alle zwei oder drei Stunden verordnet werden: ½
  Gran Morphium, 4 Grane spanischen Pfeffer, 4 Grane Harz (~Rosin~)
  in Brombeerensyrup zu geben. In manchen Fällen wird salzsaure
  Eisentinktur (~Tincture of muriate of iron~) in Dosen von 15 Tropfen
  alle halbe Stunde oder mehr, je nach Heftigkeit der Symptome, gute
  Dienste leisten. Zwischen den „Perioden“ gebe man zur Verhütung
  der Ueberblutung zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of
  comfrey~) ein- oder zweimal des Tages und lasse die Patientin viel
  Thee von Brombeerwurzel oder kurzblätterigem Dreiblattklee trinken.

  =Homöopathisch.= ~Ipecac.~ -- Wenn der Ausfluß hellroth und die
  Menstruation zu oft eintritt. Man mag ~Sabina~ darauf folgen lassen.

  ~Belladonna.~ -- Wenn die Menstruation zu frühe wieder eintritt und
  die Patientin drückende Schmerzen mit heftigem Kopfweh empfindet,
  geröthetes Gesicht und kalte Gliedmaßen.

  ~Orocus.~ -- Ist ein wichtiges Heilmittel und ist zu gebrauchen, wenn
  der Ausfluß aus dunkeln Klumpen besteht.

  ~Chamomilla.~ -- Wenn der Ausfluß dunkelroth und verbunden ist mit
  kolikartigen Schmerzen, die den Wehen ähnlich sind, heftiger Durst,
  Kopfweh, mit geschwächtem Augenlicht und Ohrensausen.

  ~Nux Vomica.~ -- Wenn der Ausfluß plötzlich heftig ausströmt,
  eine Zeitlang aufhört und dann wieder beginnt. Unterleibskrämpfe,
  Uebelkeit, Erbrechen, Ohnmachten; ein Gefühl der Schwere und des
  Wundseins, als ob dasselbe von einer Quetschung herrühre.

  ~Calcarea Carbonica~ -- ist gegen hartnäckige Fälle sehr gut, wo
  der Ausfluß lange Zeit stattgefunden und bedeutende Störungen im
  Organismus veranlaßt hat. Geeignet für Personen mit schwachen,
  schlaffen Muskeln und skrophulösem Organismus.

  ~Secale.~ -- Bei sehr starkem Ausfluß mit heftigem Krampf,
  krampfhaftem Jucken in den Füßen und Kälte der äußeren Gliedmaßen.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Heilmittel 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nehme alle halbe
  Stunde, oder jede Stunde oder zwei Stunden einen Theelöffel voll, je
  nach der Heftigkeit der Symptome.

  =Allöopathisch.=

    Essigsaures Blei (~Acetate of lead~)                 10 Grane.
    Pulverisirtes Opium                                   6   „

  Bereite hieraus 10 Pillen und nehme eine Pille alle eine oder zwei
  Stunden, bis sich der Ausfluß vermindert. Das folgende wird sich als
  sehr wirksames Mittel erweisen:

    Zimmetöl (~Oil cinnamon~)                             2 Drachmen.
    Berufskraut- (Can. Flöhkraut) Oel (~Oil erigeron~)    2    „
    Pulverisirtes Gummi Arabicum                          1 Drachme.
    Wasser                                                4 Unzen.

  Dosis: Einen oder zwei Theelöffel voll alle 1, 2 oder 3 Stunden in
  versüßtem Wasser.

  Wenn die Patienten robust und alle anderen Funktionen in Ordnung
  sind, so werden Blutungen an den Lenden mittelst Blutegel gute
  Dienste leisten, dabei verordne das Folgende:

    Galläpfel-Säure (~Gallic acid~)                      20 Grane.
    Rother Mohnsamen-Syrup (~Syrup of red poppies~)       2 Drachmen.
    Gummi Arabicum-Schleim (~Mucilage of gum arab.~)      2    „
    Wasser                                               3½ Unzen.

  Dosis: Einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.

  Zwischen den Monatsperioden muß man den Körper durch ein
  Eisenpräparat zu stärken suchen; eines der besten ist das folgende:

    Kohlensaurer Eisenniederschlag (~Prec. carb.
    of iron~)                                             5 Drachmen.
    Eisenhut-Extrakt (~Extract conium~)                   2    „
    Peruanischer Balsam (~Balsam Peru~)                   1 Drachme.
    Zimmetöl (~Oil cinnamon~)                            20 Tropfen.
    Syrup                                                 8 Unzen.
    Pulverisirtes Gummi Arabicum                          2 Drachmen.

  Dosis: Zwei Theelöffel voll drei- oder viermal des Tages in Wasser.
  Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.

  Das folgende wird sehr geschätzt:

    Ammoniakcitronensaures Eisen (~Ammonia citrate of
    iron~)                                                2 Drachmen.
    Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound
     tincture of cardamons~)                              2    „
    Chirayta-Aufguß (~Infusion of chiretta~)             5½ Unzen.

  Dosis: Einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  Eine andere erfolgreiche Arznei wird von Prof. Meigs in Philadelphia
  empfohlen:

    Pulverisirter Alaun (~Pulv. Alum~)             5 bis 20 Grane.
    Geriebene Muskatnuß (~Grated nutmeg~)                 2   „

  Bereite hieraus ein Pulver und gebe dasselbe in aus weißem Zucker,
  den man kochen läßt, bereitetem Syrup alle Stunden.


Schwere Menstruation (~Menstrual Colic, Painful Menstruation --
Dysmenorrhœa~).

Dieses Uebel ist durch den Namen gekennzeichnet, welcher eine mit
Schwierigkeiten verknüpfte Monatsperiode bedeutet, mit vorhergehenden
heftigen Schmerzen im Rücken und dem Unterleib.

+Ursachen.+ Erkältungen, die sich Frauen während der Menstruation
zuziehen, Erschrecken, heftige Geisteserregungen, hartnäckige
Hartleibigkeit, sitzende Lebensweise, kleiner Mund und Hals der
Gebärmutter. Frauen, welche mit diesem Uebel behaftet sind, werden
gewöhnlich von demselben durch Heirath befreit.

+Symptome.+ Heftige, drückende Schmerzen in der Gegend der Gebärmutter,
wehenartige Schmerzen, Ruhelosigkeit, Frösteln abwechselnd mit Hitze,
Kopfweh, Schmerz im Kreuz (~Small Back~) im Unterleib und den Lenden.
Der Ausfluß ist gering und enthält Fasern und Blutklumpen.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Patientin sollte sogleich ins Bett gehen und sich
  warm zudecken. Sie darf keine stimulirenden Speisen und Getränke
  gebrauchen; soll aber warme Fußbäder, Sitzbäder und Aufschläge von
  Hopfen oder Tüchern, die in warmes Wasser getaucht wurden, anwenden.

  =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen im Unterleib
  derart sind, als ob die dortigen Theile fest umspannt wären,
  heftige Schmerzen im Rücken, drückende Schmerzen, als ob die Theile
  herausfallen wollten. Die Schmerzen treten vor dem Blutausfluß
  ein und sind mit Blutandrang nach dem Kopf und Kopfweh begleitet;
  erschreckende Visionen, rothes, aufgedunsenes Gesicht und heftiger
  Durst.

  ~Pulsatilla.~ -- Unterleibskrämpfe mit Abgang von Klumpen dunkeln
  oder blassen Blutes, drückende Schmerzen im Unterleib, im Kreuz und
  in den Seiten, Uebelkeit und Erbrechen, häufige Neigung zum Stuhlgang
  und Urinmachen.

  ~Coffea.~ -- Große Nervenaufregung, Zähneknirschen, Schreien, Kolik,
  Vollheit und Druck im Unterleib, Kälte des Körpers. Mag abwechselnd
  mit ~Pulsatilla~ verordnet werden.

  ~Chamomilla.~ -- Wehenartige Schmerzen, Menstruation zu stark, zu
  frühe und mit heftigen Unterleibskrämpfen verbunden.

  ~Nux Vomica.~ -- Gebärmutterkrämpfe, zerrende Schmerzen im Unterleib
  und Schmerzen im Rücken, als ob dieser gebrochen wäre, Uebelkeit und
  Neigung zum Urinmachen.

  ~Secale Cornutum.~ -- Schneidende, reißende Kolik mit starkem, lang
  anhaltendem Ausfluß, blasses Gesicht, kalte Gliedmaßen und kalter
  Schweiß.

  ~Veratrum.~ -- Kolik mit Uebelsein und Erbrechen, nervöses Kopfweh,
  Kälte der Füße, Nase und Hände, Ohnmachtanfälle.

  =Allöopathisch.= Das folgende wird sehr empfohlen:

    Sturmhutblätter-Tinktur (~Tinct. of aconite leaves~)  2 Drachmen.
    Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~)        1 Unze.
    Morphium                                              3 Grane.
    Syrup                                                 4 Unzen.

  Dosis: Einen Theelöffel voll alle halbe Stunde, bis Linderung
  eintritt.

  Oder „Dover’s Pulver,“ 10 oder 15 Grane auf einmal zu geben und 5
  Grane in einer Pille alle 3 bis 4 Stunden; nach jeder Pille gebe man
  eine Dosis der folgenden Mischung:

    Essigsaure Ammoniak-Auflösung (~Solution of
    acetate of ammonia~)                                 1½ Unze.
    Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~)        2 Drachmen.
    Syrup                                                 2    „
    Kampher-Mischung (~Camphor mixture~)                  4 Unzen.

  Mische dies. Dosis: Den vierten Theil.

  Zwischen den Perioden hat sich die Patientin viel Bewegung zu machen;
  ein warmes Hüftbad drei Abende in der Woche zu nehmen, wobei Wasser
  tief in die Scheide einzuspritzen ist. Man halte den Stuhlgang
  mit Aloe- oder Myrrhen-Pillen regelmäßig und nehme einen kleinen
  Theelöffel voll flüchtige Guajack-Tinktur (~Volatile tincture of
  guaicum~) dreimal des Tages in Wasser. Kurz vor der Zeit, da die
  Periode eintritt, nehme man folgendes am Abend:

    Calomel (geläutertes Quecksilber)                     3 Grane.
    Opium                                                 1 Gran.

  Morgens nehme man eine Dosis Castoröl und beim Eintritt der Periode
  Dover’s Pulver und Mischung, wie oben angegeben. Diese Behandlung ist
  jedesmal zwischen den Perioden zu wiederholen, bis Besserung eintritt.

  Das folgende sollte nach der Empfehlung von Prof. Meigs einige Tage
  vor dem Eintritt der Menstruation verordnet werden:

    Säuerliche Zeitlosen-Tinktur (~Acetous tincture of
     colchicum~)                                          3 Drachmen.
    Magnesia                                              1 Drachme.
    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       3 Drachmen.
    Distillirtes Münz- oder Zimmet-Wasser                 4 Unzen.

  Mische dieses. Dosis: Ein kleines Weinglas voll alle zwei oder drei
  Stunden, bis die Medizin wirkt. Ehe man dieses Mittel einnimmt,
  sollte den Abend zuvor eine kleine Dosis Blaupillen (~Blue pills~)
  verordnet werden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Schaffe Stuhlgang-Oeffnung durch
  folgendes:

    Pulverisirte Aloe                                    30 Grane.
    Gummigutt (~Gamboge~)                                30   „
    Entenfuß (~Podophyllin~)                             20   „
    Spanischer Pfeffer (~Cayenne~)                       10   „

  Bereite daraus mittelst Gummi Arabicum Schleim 30 Pillen, nehme 3
  Pillen für eine Dosis alle 4-6 Stunden, bis sie wirken. Ein heißer
  Hopfen-, Rainfarn- (~Tansy~) oder Wasserdost- (~Boneset~) Umschlag
  mag auf den Unterleib gelegt werden. Zu gleicher Zeit nehme das
  folgende:

    Pulverisirter Kampher } je                           25 Grane.
    Macrotin              }
    Brechwurz          }
    Spanischer Pfeffer } je                              12   „
    Opium              }

  Bereite hieraus 25 Pillen mittelst Bilsenkraut- (~Hyosciamus~)
  Extrakt und nehme alle 2, 3 oder 4 Stunden eine Pille, je nach den
  Symptomen. Ein Dunstbad (~Spirits vapor bath~) leistet in manchen
  Fällen ausgezeichnete Dienste. Auch wird Gelsamin-Tinktur (~Tinct.
  of Gelseminum~) in Dosen von ½ Theelöffel voll alle Stunden oder
  öfters zu nehmen, empfohlen. Sind die Schmerzen sehr heftig, so füge
  man 5 Tropfen Sturmhut-Tinktur (~Tinct. of Aconite~) zu jeder Dosis.
  Zwischen den Perioden gebrauche folgendes:

    Kampher                                              1½ Skrupel.
    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~)        35 Grane.
    Stechapfel-Extrakt (~Extract of Stramonium~)         20   „

  Bereite hieraus mittelst Aletridin 80 Pillen und nehme 1 Pille alle
  4-5 Stunden.

  Der zusammengesetzte Syrup der Mitchella (~Partridge berry~) wird
  für hartnäckige Fälle sehr empfohlen und muß lange Zeit damit
  fortgefahren werden.


Unterdrückte Menstruation (~Supression of the Menses -- Amenorrhœa~).

Hierunter versteht man ein Ausbleiben der Monatsperiode, nachdem
dieselbe bereits eingetreten, und mag dieses Uebel entweder acut oder
chronisch sein.

+Ursachen.+ Erkältungen, die sich die Betreffende während des
Blutausflusses durch nasse Füße &c. zugezogen hat, Furcht, Erschrecken,
Gemütsbewegungen, Angst, Fieber und andere acute Krankheiten.
Chronische unterdrückte Menstruation kann entweder durch die acute
herbeigeführt, oder durch geschwächten Körperzustand und Krankheiten
des Eierstocks und der Gebärmutter verursacht werden. Auch mag dieses
Uebel durch ein verschlossenes Hymen entstehen, in welchem Falle es von
einem Arzte aufgeschnitten werden muß.

+Symptome.+ Folgende Symptome zeigen sich bei solchen Frauen, deren
Körper und Geschlechtsorgane vollkommen entwickelt sind: Kopfweh,
Fieber, heiße Haut, schneller Puls, Durst, Schwere, Vollheit und Pochen
im Mittel- und Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte
Füße und Hände. Frauen, die nervös und von zartem Körperbau sind, haben
hysterische Anfälle und selbst Epilepsie. Die Symptome der chronischen
Periodenunterdrückung sind: Abnahme der Gesundheit, Appetitlosigkeit,
Fahlheit der Haut, Schmerzen im Rücken und den Seiten, Hartleibigkeit
und Kopfweh.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Ist die Periodenunterdrückung durch eine Krankheit
  verursacht, so muß diese gehoben werden, ehe die Menstruation wieder
  eintreten kann. Gegen plötzliche Unterdrückung gebrauche man warme
  Sitz- oder Fußbäder. Auf den Unterleib lege man in warmes Wasser
  getauchte Tücher und trinke viel warmes Wasser. Ist die Unterdrückung
  chronisch und die Patientin von zartem Körperbau, so gebrauche man
  zwischen den Perioden das Sturzbad oder den Badzuber (~full bath~)
  und verwende dazu kaltes oder lauwarmes Wasser und reibe den Körper
  mittelst eines rauhen Handtuchs tüchtig ab, namentlich am Unterleib,
  den Lenden und den Geschlechtstheilen.

  =Allöopathisch.= Ein warmes Hüftbad wird den Blutausfluß gewöhnlich
  herbeiführen. Ist die Gebärmutter entzündet, so verordne das folgende:

    Sturmhutblätter-Tinktur (~Tinct. of Aconite leaves~)  2 Drachmen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    1 Unze.
    Syrup                                                 3 Unzen.

  Dosis: einen Theelöffel voll alle 2 oder 3 Stunden.

  Kann der Ausfluß nicht herbeigeführt werden, so warte, bis die
  Zeit kommt, wo die nächste Periode eintreten sollte. Einige Tage
  vor derselben sollten die Eingeweide vollkommen geöffnet werden
  und in diesem losen Zustand bis zur Zeit bleiben, wo der Ausfluß
  beginnen sollte. Die Aloe- und Eisen- (~Aloes and Iron~) Pillen vom
  Vereinigten Staaten Dispensatorium sind hierfür eines der besten
  Mittel. Man verwende von 1 zu 3 Pillen täglich. Wenn keine Ursache
  für die Unterdrückung der Monatsregel -- z. B. Schwangerschaft,
  Entzündung des Mutterhalses, und die Frau leidet durch die
  Unterdrückung, so verordne das folgende:

    Caulophyllin (Wiesenrautenstammblatt)                 1 Drachme.
    Sturmhut-Extrakt                                      8 Grane.
    Aloe                                                 10   „
    Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~)            10   „

  Hieraus bereite 40 Pillen. Dosis: 2 oder 3 Pillen Morgens und Abends.

  Oder dies:

    Aloe                                                  1 Drachme.
    Myrrhen                                               1    „
    Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of Iron~)             1    „
    Schwarzer Nieswurz-Extrakt (~Extract black
    hellebore~)                                           1    „
    Sabinöl (~Oil of savine~)                             1    „

  Mache 30 Pillen daraus. Dosis: 1 Pille drei- bis sechsmal täglich.

  Diese Mittel sollten immer einige Tage vor der Zeit, wo die Periode
  eintreten sollte, genommen werden. Ist die chronische Unterdrückung
  die Folge irgend einer acuten Krankheit, so muß immer die Gesundheit
  zuerst wieder hergestellt werden, denn bei geschwächtem, kränklichem
  Körperzustand die Menstruation mit Gewalt herbeizuführen, ist
  schädlich. Ist die Gesundheit wieder fest, so nehme man unmittelbar
  vor der Rückkehr der Periode ein warmes Hüftbad alle Abend, sechs
  Abende hinter einander, und eine der folgenden Pillen dreimal des
  Tages:

    Frisch pulverisirtes Roggenmutterkorn (~Fresh powd.
    ergot of rye~)                                       50 Grane.
    Barbadös Aloe                                        12   „
    Wesentliches Wachholderbeerenöl (~Essential oil of
    juniper~)                                            12 Tropfen.

  Mache mittelst Schleim oder Syrup hieraus 12 Pillen und verschlucke
  jede mit einer Theetasse voll am. Ysop-Thee (~Pennyroyal~).

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ist die Patientin hartleibig,
  so gebrauche das Jalappenpulver (~Powder of jalap~). Lege auf
  den Unterleib Umschläge von Hopfen oder Rainfarn (~Tansy~).
  Amerikanischer Ysop-, Rainfarn-, Ingwer- (~Ginger~) oder Mutterkraut-
  (~Motherwort~) Thee kann oft getrunken werden. Auch mag in kurzen
  Zwischenräumen die zusammengesetzte Tinktur von Virginischer
  Schlangenwurzel (~Compound tincture of Virginia snake root~) gegeben
  werden. Gegen Hartleibigkeit mögen die bei schwerer Menstruation
  empfohlenen Pillen aus Aloe, Gummigutt und Entenfuß gegeben werden.
  Einige Tage vor der Zeit der Periode ist dreimal des Tages eine
  halbe Theetasse voll Thee aus Eisenhand (auch Eisenkraut, englisch
  ~Vervine~) zu trinken. Dies wird sehr empfohlen.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Wenn die Unterdrückung durch Schreck
  oder Erkältung herbeigeführt worden, mit Blutandrang im Kopf und der
  Brust, geröthetes Gesicht, Uebelsein, Ohnmachtanfälle, Schwindel.
  Dies Mittel mag abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden. Bewirken
  die Arzneien nur theilweisen Erfolg, so gebe man ~Opium~.

  ~Belladonna.~ -- Für robuste Patientinnen, bei denen alle andern
  Funktionen in Richtigkeit sind. Kopfweh und Pulsiren im Kopfe,
  geröthetes Gesicht, Blutandrang im Kopf und der Brust, großer Durst.

  ~Bryonia.~ -- Kopfweh und Schwindel, welche durch Bewegung, und wenn
  die Patientin mit der Bewegung aufhört, vermehrt werden, Schmerz im
  Magen, saures Aufstoßen, Hartleibigkeit, Nasenbluten.

  ~Pulsatilla.~ -- Dies ist gegen die Krankheit das wichtigste
  Heilmittel und wird angewandt, wenn die Unterdrückung durch Erkältung
  verursacht ist, heftiges Kopfweh, namentlich an einer oder der andern
  Seite des Kopfes, mit schießenden Schmerzen, die sich ins Gesicht, zu
  den Ohren und Zähnen ziehen; Schwindel mit Ohrensausen, Herzklopfen,
  kalte Hände und Füße, Hitze, Uebelsein und Erbrechen, Druck im
  Unterleib, Erstickungsgefühl bei der geringsten Anstrengung, häufige
  Neigung zum Urinlassen, weißer Fluß, Traurigkeit.

  ~Sepia.~ -- Nervöses Kopfweh mit abwechselndem Frösteln und Hitze,
  Kolik und Schmerzen in den Seiten, blasse Hautfarbe oder gelbe
  Flecken im Gesicht, Weinen, hysterische Störungen; namentlich dann
  anzuwenden, wenn weißer Fluß vorhanden ist.

  ~Veratrum.~ -- Nervöses Kopfweh, Uebelsein und Erbrechen, kalte Hände
  und Füße, Schwäche und Ohnmachtanfälle.

  ~Sulphur.~ -- Kopfweh, namentlich im Hinterkopf, Gefühl der
  Schwere und des Vollseins im Kopf, Pulsiren, fahle Gesichtsfarbe
  mit rothen Flecken im Gesicht, saurer Magen, Druck im Unterleib,
  Hartleibigkeit, unerfolgreiche Anstrengungen zum Stuhlgang, oder
  Diarrhöe mit schleimigem Abgang, Hämorrhoiden, weißer Fluß mit Jucken
  an den Geschlechtstheilen, Schmerzen in den Lenden, Schwerathmen,
  aufgeregter Gemüthszustand und Traurigkeit. Bei chronischen Fällen,
  wenn die Patientin sehr schwach ist, gebe entweder ~China~,
  ~Graphites~, ~Arsenicum~ oder ~Natrum Muriaticum~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
  Wasser auf und gebe 1 Theelöffel voll alle 1 oder 2 Stunden, je nach
  den Symptomen. Wenn der Ausfluß sich nicht einstellt, wohl aber die
  Symptome gehoben sind, so höre mit der Medizin auf und beginne wieder
  einige Tage vor der nächsten Periode.


Aufhören der Menstruation oder Uebergangszeit (~Cessation of the Menses
-- Change of Life~).

Unter dem Ausdruck „Uebergangszeit oder kritische Periode“ versteht man
das Aufhören der Menstruation. Dieses tritt gewöhnlich zwischen dem
40. und 50. Lebensjahre ein, obgleich es in einigen Fällen auch schon
in den dreißiger und in anderen erst mit den sechziger Lebensjahren
stattfinden mag. Gewöhnlich aber zeigt sich die Lebensveränderung um
das 45. Lebensjahr. Die Symptome sind je nach der Körperorganisation
der betreffenden Frau verschieden. Bei manchen äußert sich das Aufhören
der Menstruation durch verringerte Menge des Blutausflusses, bei
andern dadurch, daß es länger als gewöhnlich ansteht, bis die Periode
wieder eintritt. Eine Frau mag in dieser Zeit weiter nichts fühlen
als einen zeitweiligen Blutandrang nach dem Kopfe und Kopfweh. Bei
andern aber zeigen sich ernstliche Symptome, welche die Behandlung
eines geschickten Arztes erfordern. Den in dieser Lebensperiode sich
äußernden körperlichen Uebelständen sollte gehörige Aufmerksamkeit
geschenkt werden, und man darf sich nicht damit beruhigen, daß
dieselben eben vom Aufhören der Menstruation herrühren und von selbst
gehoben würden, sobald der kritische Zeitpunkt überstanden sei; denn
in dieser Zeit mögen bedeutende Krankheiten verursacht werden, welche
der Frau das Leben zur Zeit der Qual machen, während sie andernfalls
sich eines glücklichen Alters hätte erfreuen können. Während der
Uebergangszeit wird die Gesundheit der meisten Frauen mehr oder weniger
gestört sein; aber zu sagen, was und wo das vorhandene Uebel sei, dies
ist manchmal unmöglich, und man gewahrt eben nur Unwohlsein. Folgendes
sind die Symptome, die zu Tage treten mögen:

+Symptome.+ Kopfweh, Schwindel, Gallsucht, saurer Magen,
Unverdaulichkeit, Diarrhöe, Hartleibigkeit, Hämorrhoiden, Jucken
der Geschlechtsteile, Krämpfe und Kolik im Unterleib, Herzklopfen,
Anschwellen der Gliedmaßen und des Unterleibes, Schmerz im Rücken, den
Lenden, Blässe und Schwäche.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Man sei im Essen und Trinken mäßig und schlafe in
  geräumigen, gut ausgelüfteten Zimmern, genieße keine Stimulanten,
  bewege sich täglich in der frischen Luft, entweder durch Gehen oder
  Reiten, vermeide heftige Gemüthsbewegung und das sich nasser und
  stürmischer Witterung Aussetzen, nasse Füsse &c.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Gegen Schwindel und Kopfschmerz gebe
  das zusammengesetzte Jalappen-Pulver (~Compound powder of jalap~)
  oder das zusammengesetzte Leptandrin-Pulver (~Compound powder of
  leptandrin~).

  =Homöopathisch.= Die am meisten zu benützenden Mittel sind
  ~Pulsatilla~, ~Lachesis~, ~Bryonia~, ~Cocculus~, ~Ignatia~ und
  ~Sulphur~. Gewöhnlich kann die Behandlung mit ~Pulsatilla~ und
  ~Lachesis~ begonnen werden. Man verordne 1 Dosis (6 Kügelchen) von
  ~Pulsatilla~ vier Tage lang; sodann höre mit Medizingeben vier Tage
  lang auf und darnach gebe ~Lachesis~ in derselben Weise. Werden
  die Symptome schwächer, so gebe keine Medizin, so lange sich die
  Patientin auf der Besserung befindet. ~Bryonia~ giebt man, wenn
  Blutandrang nach dem Kopf, Schwindel &c. vorhanden sind, und
  ~Ignatia~, wenn die Patientin erregt und nervös ist.

  =Allöopathisch.= Halte den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem offen:

    Mercurial-Pillen                                      1 Gran.
    Brechwurz-Pulver (~Ipecac powder~)                    ½   „
    Zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (~Compound
    rhubarb pill~)                                        3 Grane.

  Mische dieses und bereite eine Pille daraus und nimm solche jeden
  Abend.

  Oder eine Unze ~Hicra Picra~, oder pulverisirte Aloe und Castella
  mit einem Pint Wachholderbeeren-Branntwein (~Gin~) vermischt. Die
  Mischung sollte von 4 zu 5 Tagen stehen bleiben, worauf ein Eß-Löffel
  voll in ein Glas Wasser jeden Morgen oder alle andern Morgen, je
  nachdem, zu nehmen ist.

  Ist die Patientin korpulent, feist und robust, so wird das folgende
  empfohlen:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)      1½ Unzen.
    Zusammengesetzter Rosenaufguß                         5   „
    Zimmetwasser                                          1 Unze.

  Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll einmal täglich.

  Sind nervöse Symptome vorhanden, so gebe:

    Baldriansaures Zink (~Valerianate of zinc~)           8 Grane.
    Baldrian-Tinktur (~Tincture of Valerian~)             2 Drachmen.
    Orangenblumen-Wasser                                 3½ Unzen.
    Rother Mohn-Syrup (~Syrup of red poppies~)            2 Drachmen.

  Mische dieses. Dosis: ein Eßlöffel voll alle 6 Stunden.



Drittes Kapitel.

Vorfall der Gebärmutter (~Falling of the Womb -- Prolapsus Uteri~).


Zum besseren Verständniß dieser Krankheit ist einige Kenntniß von dem
Bau dieses Organs nöthig. Die Gebärmutter hat die Form einer Birne und
ist zwei und einen halben bis drei Zoll lang, einen und dreiviertel
Zoll weit und endigt nach unten in den Muttermund, oder Mutterhals,
welcher etwa einen halben Zoll weit ist. Das Gewicht der Gebärmutter
beträgt ungefähr 1½ Unze. Dieselbe liegt im unteren Theile des
Unterleibs, im sogenannten Becken zwischen der Blase und dem Mastdarm.
Gehalten wird die Gebärmutter theils dadurch, daß sie auf dem oberen
Ende der Scheide ruht und nebstdem an vier Bändern befestigt ist. Die
Bänder sind etwa 2½ Zoll lang und sie sind dazu vorhanden, um dieses
Organ in richtiger Lage zu erhalten. Vorfall der Gebärmutter ist ein
Sinken derselben und kann dieses so gering sein, daß es gar nicht
bemerkt wird, oder so stark, daß sich das Organ durch die Oeffnung der
Scheide zwischen die Beine drängt.

+Ursachen.+ Es ist dies nicht sowohl eine Krankheit der Gebärmutter
selbst, als vielmehr eine Krankheit der Theile, die sie zu stützen und
in Lage zu erhalten haben. So lang als die Scheide ihre natürliche
Größe beibehält und die Bänder nur 2½ Zoll lang sind, wird
dieses Organ nicht aus seiner Lage verrückt werden. Alles, wodurch
der Körperorganismus geschwächt und schlaff wird, mag dieses Uebel
herbeiführen. Wenn z. B. die Muskeln des Unterleibs, welche die
Eingeweide halten und stützen, aus irgend welcher Ursache erschlaffen,
so werden die Eingeweide auf die Gebärmutter und deren Bänder Druck
ausüben, welcher endlich ein Nachgeben derselben veranlaßt. Eine
andere Ursache ist in zu früher Leibesbewegung nach dem Kindbett
zu suchen. Ebenso wird starker Blutabfluß oder weißer Fluß, wenn
diesen Uebeln kein Einhalt gethan wird, diese Krankheit erzeugen.
Beständiges Stiegenauf- und absteigen von Seiten zartgebauter Frauen,
enges Schnüren, Tanzen, Hüpfen und Springen, namentlich während der
Monats-Periode, wo die Gebärmutter schwerer ist als sonst, weil sie
mehr Blut enthält, sowie der Gebrauch solcher Medizinen, welche den
„Stuhlgang öffnen“ und die von Vielen angewandt werden, sind die
veranlassenden Ursachen von Gebärmutter-Vorfall.

+Symptome.+ Die Symptome sind, je nachdem das Organ mehr oder weniger
aus der Lage verrückt ist, verschieden. Jedoch wird die Patientin mehr
oder weniger Druck im unteren Theil des Unterleibs, mit Schmerzen
im Kreuz, sowie Druck in den Geschlechtstheilen verspüren, und zwar
vermehren sich die Symptome durch körperliche Bewegung, oder wenn
die Betreffende lange Zeit steht, und sie sind weniger heftig, wenn
sie liegt. Auch in den Schamleisten und den Lenden werden Schmerzen
gefühlt, die durch den Druck auf die Nerven entstehen; ebenso findet
sich ein Geneigtsein zum Urinlassen, ohne daß die Patientin fähig
wäre, so zu thun, es sei denn Tropfen bei Tropfen. Der Urin ist sehr
heiß. Der Schmerz ist manchmal so bedeutend, daß sich die Kranke
nach vorwärts krümmen oder sich dadurch unterstützen muß, daß sie
die Hände gegen die Lenden stemmt, wenn sie geht. Diese Symptome
verschwinden jedoch, sobald sie niederliegt, woraus man leicht auf die
Natur der Krankheit schließen kann. Die Kranke hat Kopfweh, leidende
Gesichtszüge, Dyspepsie, Herzklopfen und Schmerzen in der linken Seite.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die meisten mit Gebärmuttervorfall behafteten Frauen
  meinen, es sei nöthig, daß sie einen Träger zur Stütze des Unterleibs
  nöthig hätten. Diese Träger (~Supporters~) richten jedoch viel
  Schaden an; denn da man sie eng um den Unterleib gebunden trägt,
  vermehren sie den Druck auf die Eingeweide und drücken so die
  Gebärmutter und deren Bänder immer weiter herab. Es ist blos nöthig,
  die Gebärmutter wieder in ihre natürliche Lage zu bringen und
  daselbst zu erhalten. Zu diesem Behufe gebraucht man ein Instrument
  -- Mutterkranz (engl. ~Pessary~, lat. ~Pessarium~) genannt.
  Dasselbe ist ein aus Gold, Silber, Elfenbein, Holz oder Guttapercha
  verfertigter Ring und wird in der Scheide zur Unterstützung der
  Gebärmutter angebracht. Täglich sollte ein kaltes Hüftbad genommen
  werden, während man zu gleicher Zeit kaltes Wasser mittelst einer
  Spritze (~Syringe~) in die Scheide einspritzt. Die Patientin liege
  so viel als möglich und vermeide es, erschöpft zu werden. Auf den
  Unterleib lege beim Schlafengehen kalte Umschläge. Schnürleiber und
  schwere Röcke dürfen nicht getragen werden und die Kleider sollten
  los am Körper hinunterhängen. Allen diesen Vorschriften hat man
  genau nachzukommen und die Kost muß nahrhaft, einfach, aber nicht
  stimulirend sein.

  =Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Wenn die Kranke im Unterleib
  ein Gefühl verspürt, als ob dessen Inhalt sich entleeren wollte,
  Schwere in den Lenden, mit krampfhaften Schmerzen im Unterleib,
  große Empfindlichkeit und Aufgeregtheit, weißer Fluß und starke
  Menstrualblutung.

  ~Sepia.~ -- Wenn die Monatsperiode zu früh eintritt, zu schwach oder
  unterdrückt ist, Schmerzen im Rücken und Unterleib, welche sich
  beim Gehen vermehren, öftere Geneigtheit zum Urinlassen, drückende
  Schmerzen im Unterleib, als ob der ganze Inhalt desselben sich
  entleeren wolle, Brennen, Jucken, weißer Fluß, mit gelblichem,
  röthlichem oder fauligem Ausfluß.

  ~Nux Vomica.~ -- Druck abwärts, namentlich während oder nach dem
  Gehen, Hitze und Schwere in den Gedärmen und in der Scheide, ziehende
  Schmerzen im Rücken, dem Unterleib und den Lenden. Während der
  Periode Kolik, Kopfweh; die Menstruation tritt zu frühe ein und ist
  zu stark, weißer Fluß mit gelbem stinkendem Abgang.

  ~Calcarea Carbonica.~ -- Ausgezeichnet für Personen mit schwachem
  Muskelsystem oder skrophulöser Anlage, und namentlich wenn die
  Monatsperioden die Körperkräfte sehr erschöpfen und dieselben zu
  starke Blutungen erzeugen und zu oft eintreten.

  Man beginne die Behandlung mit einer Dosis ~Nux Vomica~ alle 4
  Stunden und fahre damit eine Woche lang fort. Die folgende Woche
  setze aus und die dritte verordne eine Dosis ~Sepia~ Morgens und
  Abends. Deuten die Symptome auf den Gebrauch von ~Belladonna~ hin, so
  verordne dieses anstatt ~Nux Vomica~.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Gebrauche einen Aufguß von
  Weißeichenrinde oder Geranium, oder eine Dosis Alaunauflösung im
  Verhältniß von einer Unze zu einem Pint Wasser. Die Entzündung der
  Gebärmutter muß geheilt werden, wenn diese Krankheit vorhanden ist,
  ehe der Mutterkranz angewandt werden kann. Man gebe Sturmhut-Tinktur
  (~Tincture of aconite~), zusammengesetzte Pulver von Brechwurz und
  Opium (~Compound powder of Ipecac and Opium~) mit Einspritzung von
  Lobelia- und Hopfen- oder von Belladonna-Aufguß.

  Ein ausgezeichnetes Einspritzmittel läßt sich aus gleichen Theilen
  Pfirsichblätter, Smilacine (~Solomon’s seal~) und Hopfen bereiten.
  Ist Hitze und Schwierigkeit beim Urinlassen vorhanden, so trinke man
  einen aus Eibisch (~Marsh mallow~) und Münze (~Spearmint~) bereiteten
  Aufguß. Ist die Patientin schwach, so verordne man ein Eisenpräparat,
  z. B. citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) und Chinin
  (~Quinine~), oder den zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine
  of comfrey~).

  =Allöopathisch.= Gebrauche das folgende Stärkemittel (~Tonic~):

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate quinine~)           25 Grane.
    Citronensaures Eisen (~Citrate of iron--soluble~)    35   „

  Bereite hieraus 24 Pulver und nehme eins derselben dreimal täglich
  nach jeder Mahlzeit in süßem Wein, oder gebrauche das schwefelsaure
  Eisenniederschlag-Präparat, welches unter „übermäßiger Menstruation“
  angegeben ist.


Der weiße Fluß (~Whites -- Flour Albus -- Leucorrhœa~).

Der Name dieser Krankheit in den verschiedenen hier angegebenen
Sprachen bezeichnet dieselbe. Sie besteht aus einem Ausfluß aus den
Geschlechtsorganen, der manchmal weiß, gelb, hellgrün, hellroth oder
auch bräunlich ist, und öfters dünnem Wasser ähnlich aber öfters auch
dick und zäh ist. Manchmal ist die Quantität der Aussonderung nicht
größer, als die bei gesunder Menstruation, oft aber auch vermehrt sie
sich auf mehrere Unzen in 24 Stunden. Der weiße Fluß tritt gewöhnlich
zwischen dem fünfzehnten und fünfundvierzigsten Jahre, selten aber in
der Kindheit oder im Alter auf. Wenn junge, unentwickelte Mädchen davon
befallen werden, so sind die Ursache nicht selten kleine Würmer, die
vom Mastdarm in die Scheide gelangen, welche mittelst eines Stück Zeugs
entfernt werden können.

Diese Krankheit kann acut oder chronisch auftreten. Die acute Form
ist gewöhnlich die Folge einer Erkältung und nichts anderes als eine
catarrhalische Entzündung der Scheideschleimhaut. Die chronische Form
ist eine Fortsetzung der acuten und wird durch Vernachlässigung oder
schlechte Behandlung des acuten weißen Flusses veranlaßt. Manchmal
tritt Eiterung des Mutterhalses ein. Es gibt zwei Arten Leucorrhöa --
die Scheide-Leucorrhöa, wenn der Ausfluß von der Scheide herrührt, und
Mutterhals- (cervicale) Leucorrhöa, wenn der Abgang von dem Hals der
Gebärmutter kommt.

+Ursachen.+ Erkältungen, durch Sitzen auf kaltem Boden oder
Bloßstellung des Nackens und der Schultern herbeigezogen, übermäßige
geschlechtliche Aufregung und Geschlechtsgenuß, enges Schnüren,
Hämorrhoiden, Fehlgeburten und Frühgeburten, Verrückung der
Gebärmutter, Purganzen, untaugliche Kost, warme Einspritzungen oder
Einspritzungen irgend welcher Art, spätes zu Bett Gehen u.s.w. Dieses
Uebel kann sich auch vererben.

+Symptome.+ Wo nur eine durch Erkältung herbeigeführte catarrhalische
Entzündung ist, werden die Theile heiß und wund sein, mit einem Gefühl
der Schwere oder abwärts drückenden Schmerzen und Ermüdung. Auch wird
die Patientin leichtes Frösteln, Rückenschmerz und Durst verspüren. Der
Puls ist schnell, der Urin dunkel. In diesem Stadium der Krankheit wird
die Kur derselben wenig Schwierigkeit machen, wenn man eine zweckmäßige
Behandlung einschlägt. Rührt der Ausfluß von der Gebärmutter her,
so ist derselbe dick, ätzend, brennend und stinkend, und hat eine
bräunliche oder grünliche Farbe und macht die Lippen der Scheide und
die umliegende Haut wund. Die Verdauung wird geschwächt werden und die
Kranke fühlt Uebelsein, Kopfweh, Schwindel, Schwäche und beständigen
Rückenschmerz, der sich herunter bis zwischen die Lenden zieht, und
ist appetitlos. Das Gesicht magert ab und ist blaß, die Augen sind
eingesunken und mit dunklen Ringen umgeben.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Soll die Behandlung eine erfolgreiche sein, so muß
  man alles entfernen, was die Krankheit befördern könnte, z. B.
  unregelmäßige Lebensweise, späte Abendmahlzeiten u.s.w. Die Kost
  muß einfach und nahrhaft, aber nicht stimulirend sein und sollte
  ganz regelmäßig genossen werden. Bewegung, aber nicht bis zur
  Erschöpfung, wird sehr gute Dienste leisten. Die Kleider sollten
  warm sein und lose, namentlich um die Hüften herum getragen werden.
  Das Wasser ist gegen dieses Uebel von großer Wichtigkeit. Man mag
  das Sitzbad täglich gebrauchen und Einspritzungen von kaltem oder
  warmem Wasser sollten je nach der Heftigkeit des Anfalles drei- oder
  viermal des Tages vorgenommen werden. Gegen milde Anfälle wird eine
  Einspritzung mit grünem Thee, oder süßem Cider, oder einer schwachen
  Alaunauflösung gute Dienste leisten.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende wird sich als werthvoll
  erweisen, falls der Ausfluß und der Schmerz brennend sind:

    Copaiva-Balsam                                        1 Unze.
    Süßer Salpetergeist (~Sweet spirits of nitre~)        2 Unzen.
    Süßes Mandelöl (~Sweet almond oil~)                   2   „
    Terpentingeist (~Spirits of turpentine~)              1   „
    Pulverisirter Kampher                                 1 Skrupel.

  Mische dieses in einem Achtel-Unzen Bottel. Dosis: Einen Theelöffel
  voll in einer halben Theetasse voll Ulmenthee (~Slippery elm~) drei-
  oder viermal täglich. Eines der besten Stärkemittel ist die salzsaure
  Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~), von welcher 20 bis 25
  Tropfen in einem halben Glas voll Wasser drei- oder viermal des Tages
  zu nehmen sind. Ein gutes Einspritzungsmittel wird von einem Pint
  Mohnsamenthee (~Tea of poppy heads~), wozu 1½ Unzen pulverisirter
  Borax beigefügt wird, bereitet. Ebenfalls sind 3 Drachmen Gerbersäure
  (~Tannic acid~) und 1 Unze Alaun (~Alum~), in einem Quart Wasser
  aufgelöst, ein treffliches Einspritzmittel. Man spritze ein Drittel
  dieser Mischung dreimal täglich ein. Die Stuhlöffnung sollte mittelst
  Rochelle- oder Bittersalz oder Seidlitzpulver regelmäßig erhalten
  werden. Sind die Organe sehr schwach, oder ist die Krankheit durch
  Erkältung, Schwangerschaft oder Frühgeburt u.s.w. entstanden, so wird
  sich das folgende als sehr wirksam beweisen:

    Aloe-Tinktur                                          2 Unzen.
    Salzsaure Eisentinktur (~Muriated tincture of iron~)  4 Drachmen.

  Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen in Wasser dreimal täglich. Zur
  selben Zeit gebrauche das folgende Einspritzmittel:

    Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc -- White
    vitriol~)                                             2 Drachmen.
    Bleizucker (~Sugar of lead~)                          2    „

  Mische dieses in einem Quart Wasser und gebrauche ¼ der Mischung für
  eine Einspritzung.

  In manchen Fällen wird das folgende gute Dienste leisten:

    Sokotara Aloe-Tinktur (~Tincture of socotrine aloes~) 4 Unzen.
    Salzsaure Eisen-Tinktur (~Tincture of muriate of
    iron~)                                                1   „

  Mische dieses. Dosis: 35 Tropfen dreimal täglich in Wasser. Zur
  selben Zeit gebrauche die obige Einspritzung.

  Ein anderes ausgezeichnetes Einspritzmittel wird aus einer schwarzen
  Schlangenwurzel- (~Black cohosh root~) Abkochung, wozu Gerbersäure
  (~Tannic acid~) beigefügt wird, bereitet. Als innerliches Heilmittel
  mag das folgende manchmal verordnet werden: Gleiche Theile geriebene
  Muskatnuß (~Grated nutmeg~) und pulverisirten Alaun (~Powd. alum~).
  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Molasses.

  =Allöopathisch.= Das folgende Stärkemittel (~Tonic~) wird sehr
  empfohlen:

    Schierling-Tinktur (~Tincture conium~)                1 Unze.
    Sturmhutblätter-Tinktur (~Tincture aconite leaves~)   3 Drachmen.
    Ammoniak-eisensaurer Alaun (~Ammoniated iron
    alum~)                                                3    „
    Syrup                                                 8 Unzen.

  Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich in Wasser nach den
  Mahlzeiten. Kommt der weiße Fluß vom Gebärmutterhals oder der
  Gebärmutter her, so wird das folgende erfolgreich wirken:

    Gerbersäure (~Tannic acid~)                           1 Drachme.
    Pulverisirter Alaun (~Powd. alum~)                    ½ Unze.
    Wasser                                                1 Quart.

  Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends in die Scheide ein.

  Oder:

    Alaun                                                 1 Drachme.
    Rosenhonig (~Honey of roses~)                         1 Unze.
    Wasser                                                3 Unzen.

  Spritze einen Eßlöffel voll der Mischung mit einer Tasse voll Wasser
  vermischt zweimal des Tages ein.

  Hat die Kranke heftige Schmerzen, so wird das folgende gute Dienste
  leisten:

    Laudanum                                              2 Drachmen.
    Essigsäuerliche Bleiauflösung (~Solution sub-acetate
    of lead~)                                             1 Drachme.
    Wasser                                                1 Pint.

  Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.

  Rührt der weiße Fluß von der Scheide her, so werden kalte
  Wassereinspritzungen große Dienste leisten, namentlich wenn Vorfall
  der Gebärmutter vorhanden ist. Ebenso die folgende Einspritzung:

    Doppeltkohlensaure Soda (~Bi-carbonate of soda~)      ½ Unze.
    Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~)   ½  „
    Wasser                                                1 Quart.

  Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein. Oder:

    Essigsäuerliche Bleiauflösung (~Solution sub-acetate~
    ~of lead~)                                            2 Drachmen.
    Wasser                                                1 Quart.

  Spritze die Hälfte der Mischung Morgens und Abends ein.

  Bringen diese Einspritzungen nicht die gewünschte Wirkung hervor, so
  gebrauche man die folgende innerliche Arznei:

    Fowler’s Auflösung (~Fowler’s solution~)              2 Drachmen.
    Schierling-Tinktur (~Tincture conium~)                ½ Unze.
    Sturmhutblätter-Tinktur (~Tincture aconite leaves~)   2 Drachmen.
    Syrup                                                 4 Unzen.

  Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal täglich jeden andern Tag.

  =Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß dünn und scharf
  ist, so daß die Theile wund werden, mit geschwollener Vulva, oder
  wenn der Ausfluß rahmartig ist und die Ausscheidung desselben
  schneidende Schmerzen im Unterleib verursacht. ~Pulsatilla~ paßt am
  besten für Frauen mit sanftem Gemüthe und zartem Muskelbau, hellen
  Haaren und blasser Farbe.

  ~Sepia.~ -- Geeignet für empfindsame, zarte Frauen. Der Ausfluß ist
  gelblich oder grünlich, manchmal mit Materie und Blut vermischt,
  brennende Schmerzen in der Scheide und den andern Geschlechtstheilen,
  Gebärmuttervorfall.

  ~Alumina.~ -- Wenn der weiße Fluß nach der Menstruation eintritt,
  bedeutender Schleimabgang während des Tages, der Ausfluß ist so dick
  und zäh, daß er die Wäsche „steift,“ Brennen und Hitze, Wundheit und
  Jucken der Geschlechtstheile.

  ~Calcarea Carbonica.~ -- Wenn der weiße Fluß vor der Menstruation
  eintritt, mit Jucken, Brennen, in Zwischenräumen oder beim
  Urinlassen. Geeignet für Frauen von heller Hautfarbe, leichtem
  Muskelbau und träger Blutcirkulation.

  ~Nitric Acid.~ -- Gegen stinkenden, bräunlichen, grünlichen oder
  fleischfarbenen Ausfluß.

  ~Mercurius.~ -- Eiteriger Ausfluß mit Brennen.

  ~Cocculus.~ -- Wässeriger, blutiger Ausfluß während der
  Schwangerschaft. Geringe Menstrual-Blutungen mit Leucorrhöa zwischen
  den Perioden.

  ~Sulphur.~ -- Gegen hartnäckige Fälle, schleimige oder gelbliche,
  schmerzende und aufschärfende Leucorrhöa, welcher Kolik vorangeht.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe von dem gewählten Heilmittel
  6 Pillen Morgens und Abends 5 Tage lang. Wird die Patientin nicht
  besser, so gebe man eine Dosis Sulphur und setze 4 Tage lang aus,
  worauf mit dem vorhergehenden Heilmittel wie zuvor fortzusetzen ist.
  Tritt hierauf keine Besserung ein, so muß man eine andere Arznei
  wählen.



Viertes Kapitel.

Schwangerschaft.


Schwangerschaft ist derjenige Zustand, welcher mit der Empfängniß
eintritt und bis zur Entbindung dauert. Sie kann erst nach dem ersten
Auftreten der monatlichen Reinigung eintreten und hört auf mit dem
Wechsel des Lebens, oder wenn das Weib aufhört zu menstruiren.

Während dieser Zeit müssen mancherlei Dinge, welche, wenn sie nicht
gehörig überwacht werden, einen schädlichen Einfluß auf den Sprößling
ausüben, im Auge behalten werden. Eine ruhige Gemüths-Stimmung ist
von wesentlichem Einfluß, denn Jähzorn, Eifersucht und Schreck haben
fast immer üble Folgen, und durch heftige geistige Erregungen wird
nicht selten eine Fehlgeburt (~Abortus~) veranlaßt. Eine Frau von
übler Laune, leidenschaftlichem Charakter und reizbarem Gemüthe kann
kaum erwarten, daß sie einem Kinde von sanftem und gütigem Charakter
das Leben schenken wird. Wir wissen alle, wie sehr sich die Sinnesart
der Eltern auf die Kinder vererbt, und von welch’ großem Einfluß ist
es dann, daß die Mutter ein sanftes und liebreiches Herz, eine gütige
und nachsichtige Denkart pflegt, damit ihre Kinder zu ihrer Ehre und
nicht zu einer Quelle des Unglückes und Elendes für sie heranwachsen.
Die Gebärmutter hat einen bedeutenden Einfluß auf das Nervensystem
des ganzen Körpers, so daß also, wenn sie den Keim eines menschlichen
Wesens enthält, mehr oder weniger der gesammte Organismus des Weibes
dadurch berührt werden muß. Die hierdurch verursachten Symptome
sind die Zeichen der Schwangerschaft. Es gibt aber viele von jenen
Merkmalen, welche auch bei anderen Zuständen gefunden werden, so daß
keines dieser Zeichen verläßlich ist, und andererseits gibt es Frauen,
deren Organismus nur wenig durch die Schwangerschaft gestört wird. Die
erste Folge der Schwangerschaft ist gewöhnlich vermehrte Aufregung und
Fieberhaftigkeit. Der Puls schlägt stärker und schneller, der Appetit
wird gestört und die Haut ist bleich und öfters entfärbt. Die folgenden
Kennzeichen sind die meist verläßlichen:

+Zeichen der Schwangerschaft.+ Das erste Zeichen ist das Aufhören
der monatlichen Reinigung. Dies kann aber auch von anderen Ursachen
herrühren, so daß es an und für sich nicht als ein sicheres Zeichen
betrachtet werden kann; wenn aber der Gesundheitszustand keine andere
denkbare Ursache dafür gibt, mag es für ein starkes Anzeichen gehalten
werden.

+Uebelsein am Morgen.+ Dies -- in Verbindung mit anderen Merkmalen --
ist ein beachtenswerthes Symptom. In der Regel ist der Magen reizbar
und die Frauen leiden an Uebelsein und Erbrechen, die sich besonders
des Morgens einstellen. Es stellt sich bald nach der Empfängniß ein und
hört nach dem dritten Monat wieder auf.

+Anschwellen der Brüste.+ Ungefähr nach zwei Monaten wird die
Aufmerksamkeit des Weibes auf den Zustand der Brüste gelenkt. Sie
empfindet einen unbehaglichen Eindruck des Vollseins mit einem
prickelnden und stechenden Schmerz im Innern und an den Warzen. Sie
nehmen an Größe und Festigkeit zu und fühlen sich eigenthümlich und
drüsenartig an. Die ~Areola~ oder Warzenring (ein gefärbter Kreis
um die Warze) verdunkelt sich und nach einiger Zeit wird Milch
abgesondert. Aber es muß erinnert werden, daß das Anschwellen der
Brüste auch anderen Ursachen zugeschrieben werden kann; bei einigen
Frauen ereignet es sich, daß sich bei jedesmaliger monatlichen
Reinigung, wenn deren Verlauf unterbrochen oder sie sich ganz
einstellt, zu solchen Zeiten eine milchige Flüssigkeit absondert
(~Churchill~).

+Anschwellen des Unterleibes.+ Dieses Kennzeichen, mit anderen
vereinigt, befähigt uns, mit annähernder Sicherheit die Dauer der
Schwangerschaft zur Zeit, wo wir diese Wahrnehmung machen, zu
bestimmen. Während der ersten vier Monate bleibt die Gebärmutter in
der Höhle des Beckens oder im tieferen Theile des Unterleibs, wird
aber bald nachher über dem Schambein -- am Rande des Beckens gefühlt.
Im fünften Monat steigt sie in den Raum zwischen Schambein und Nabel
bis zur Hälfte, im sechsten gleitet sie bis zum Nabel hinauf, den sie
hervordrängt. Während des siebenten und achten Monats füllt sie den
ganzen Unterleib bis zum Magen. Die Eingeweide sind über und hinter sie
gedrängt.

+Bewegungen des Kindes.+ Ungefähr gegen den fünften Monat nach der
Empfängniß fühlt die Mutter die erste Regung des Kindes im Leibe.
Einige fühlen es früher; Andere wieder nicht vor dem sechsten oder
siebenten Monat. Manche meinen, daß das Kind bis zu dieser Zeit nicht
am Leben sei, was aber eine ganz irrige Annahme ist, denn von dem
Augenblick der Empfängniß ist es gerade ebenso ein lebendes Wesen, wie
zu irgend einer Zeit nachher. Tritt diese Bewegung plötzlich ein, so
sind die Schwangeren sehr zum Erbrechen geneigt, zuweilen Ohnmachten
unterworfen. Die Lebens-Empfindung ist zuerst eine leichte, nimmt aber
allmählig zu, bis die Bewegungen an den verschiedenen äußeren Theilen
gefühlt werden können.

Es gibt noch manche andere Zeichen, welche den einzelnen Frauen
eigenthümlich sind, und durch welche, in Verbindung mit anderen
Zeichen, diese nach dem ersten Kindbett im Stande sind zu sagen,
ob sie schwanger sind oder nicht. Hierher gehören die sogenannten
Gerstenkörner an den Augenlidern, Zahnschmerzen, schwarze Flecken --
gleich Sommersprossen -- im Gesicht und Nacken, starke, hartnäckige
Speichelabsonderung, ähnlich jener, die durch das Merkur (Quecksilber)
hervorgerufen wird, nur mit dem Unterschied, daß hier die Schleimhäute
vollkommen gesund sind. Es sind dies aber zufällige Zeichen, welche
eben nur in vereinzelten Fällen gefunden werden.


Die Erhaltung der Gesundheit während der Schwangerschaft.

Die alten Römer hatten ein Gesetz, zufolge dessen alle schwangere
Frauen weite, lose Kleider tragen mußten. Würde heutzutage ein
derartiges Gesetz bestehen, es würden weit weniger Frühgeburten,
Gebärmutter-Vorfall, wunde Brüste und andere derartige Krankheiten
vorkommen. Kleider sollten warm, lose, leicht und in keinem Theile
beengend sein. Schnürleiber müssen ganz bei Seite gelegt werden,
und sogar der Gebrauch der Strumpfbänder sollte unterbleiben. Die
Kleider müssen so zugerichtet sein, daß sie frei von den Schultern
herabfallen, ohne daß sie um die Taille gebunden werden. Das Blut
muß einen ungehinderten Umlauf haben, sonst werden sich früher oder
später während der Schwangerschaft nachtheilige Folgen einstellen.
Große Sorgfalt muß beobachtet werden, daß das Kleid um die Brüste
lose sitzt, denn es kann sich leicht zutragen, daß die Brüste, wenn
das Kind geboren wird, so flach werden, daß die Warzen nicht gefunden
werden können. Pflegte die Schwangere vor der Empfängniß kalte oder
warme Bäder zu nehmen, so mag sie dieselben fortsetzen, wenn nicht ein
fühlbarer Nachtheil wahrgenommen wird.

+Bewegung+ ist für die Erhaltung der Gesundheit sehr wichtig. Einige
sind der Ansicht, daß sich schwangere Frauen keine Bewegung machen
sollen, aber das ist ein Irrthum. Gerade dadurch bewahrt sie ihre
Gesundheit und Stärke und erhält damit den gesunden Zustand des Kindes.
Bewegung -- sogar bis zur Ermüdung -- kann viel leichter als geistige
Aufregungen ertragen werden, und letztere sollten, da sie so sehr
nachtheilig sind, so viel als möglich vermieden werden. Die Schwangere
sollte täglich Bewegung haben, und zwar körperliche; sie muß gehen,
nicht fahren, denn Fahren ist nicht hinlänglich. Die beste Bewegung
ist die Verrichtung ihrer Haushaltungsgeschäfte, und sie sollte damit,
so lange als sie fähig ist, fortfahren. Fühlt sie sich nicht wohl,
oder steht eine Fehlgeburt zu befürchten, so muß sie alle Thätigkeit
einstellen. Ueberhaupt müssen schnelle und heftige Bewegungen, wie
das Heben schwerer Gegenstände, plötzliches Anspannen der Muskeln,
Springen, Tanzen, sich Strecken, um einen entfernter liegenden
Gegenstand zu erfassen, vermieden werden.

+Die Nahrung.+ Die Kost sollte einfach und nahrhaft sein. Nicht
selten stellt sich ein Verlangen nach Speisen ein, die nicht nur der
Mutter, sondern auch dem Kinde schädlich sind. Die Frau muß am besten
wissen, was sie essen kann, und es können durchaus keine besonderen
Vorschriften zur Regelung der Kost gegeben werden. Stark gewürzte
Speisen, Spirituosen, starker Thee und Kaffee sollten aber immer
vermieden werden.


Krankheiten während der Schwangerschaft.

+Uebelsein am Morgen.+ Dies ist ein sehr lästiges Unwohlsein und
schwer einzuschränken. Es stellt sich in der Regel gleich bei Beginn
der Schwangerschaft ein, und dauert bis zum dritten Monat. Die Anfälle
kommen des Morgens und dauern nur eine kurze Zeit.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Es kann zuweilen dadurch vermieden werden, daß die
  Patientin im Bett, bevor sie des Morgens aufsteht, eine Tasse Kaffee
  und eine kleine geröstete Brodschnitte zu sich nimmt. Starkes Trinken
  von Champagner soll hin und wieder von wohlthätiger Wirkung sein.
  Ale, Limonade, Sardinen und geräucherte Häringe werden hie und da
  Erleichterung verschaffen.

  =Allöopathisch.= Die folgende Mischung wird sehr wohlthuend wirken:

    Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potash~)   2 Drachmen.
    Gewöhnlicher Syrup                                    2    „
    Destillirtes Wasser                                   6 Unzen.

  Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll, und zu jedem derselben einen
  Eßlöffel voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronensäure
  beigegeben, nachdem es in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst
  worden. Muß während des Aufbrausens getrunken werden.

  Wenn keine Diarrhöe vorhanden, kann auch das Folgende mit Vortheil
  angewendet werden:

    Schwefelsaures Magnesium (~Sulphate of magnesia~)     1 Unze.
    Kohlensaures Magnesium (~Carbonate of magnesia~)      1 Drachme.
    Pfeffermünz-Wasser (~Peppermint water~)               4 Unzen.
    Zusammengesetzter Enzian-Aufguß (~Compound infusion
    of gentian~)                                          4   „

  Mische dies. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal täglich.

  =Homöopathisch.= ~Ipecacuanha.~ -- Galliges Erbrechen; Uebelsein
  und Erbrechen mit Magenbeschwerden; Erbrechen unverdauter Speisen;
  schlaffe Eingeweide.

  ~Tabacum.~ -- Ein erfolgreiches Mittel, wo das Uebelsein mit Ohnmacht
  und tödtlicher Blässe des Gesichts verbunden ist; der Aufenthalt
  in frischer Luft zu empfehlen; Erbrechen von Wasser oder saurer
  Flüssigkeit und Schleim.

  ~Arsenicum.~ -- Außergewöhnliches Erbrechen nach dem Essen und
  Trinken, bei Ohnmacht und großen Schmerzen.

  ~Nux Vomica.~ -- Uebelsein und Erbrechen des Morgens; ein säuerlich
  bitterer Geschmack im Halse; Sodbrennen; Verstopfung.

  ~Sepia.~ -- Wenn das Uebelsein eine Zeitlang gedauert und in der
  Regel des Morgens erscheint, und wenn des Abends ein schmerzhaftes
  Gefühl von Leere im Magen mit Brennen und Stechen in der Herzgegend
  sich kund gibt.

  ~Camphor.~ -- Wenn ein kalter Schweiß bei heißem Kopf und kalten
  Füßen vorhanden.

  ~Pulsatilla.~ -- Falls ~Ipecacuanha~ und ~Nux Vomica~ sich
  unzureichend erwiesen haben, und besonders wenn sich Erbrechen am
  Abend oder in der Nacht einstellt; verdorbener Appetit; Sehnsucht
  nach Bier, Säuren, Wein &c.; Durchfall abwechselnd mit Verstopfung.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Thee von hellrothem Hartriegel
  (engl.: ~Red rose willow bark~, ~rose willow~; lat.: ~Cornus
  sericea~) verschafft zuweilen Erleichterung, oder eine Tasse
  Kamillen- oder Pfeffermünzthee, ungefähr eine Stunde vor Aufstehen
  des Morgens genossen. Wiederholen sich jene Uebelkeiten in
  Zwischenräumen am Tage, so sollte der folgende Trank mehrere Male des
  Tages genommen werden:

    Calcinirtes (verkalktes) Magnesium                    1 Drachme.
    Aromatische Ratanhia-Tinktur (~Aromatic tincture of
    rhatany~)                                             1 Unze.
    Reines Ammoniakwasser (~Water of pure ammonia~)       2 Drachmen.
    Distillirtes Wasser                                   6 Unzen.

  Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll.


Schamjucken (~Pruritis -- Itching of the Private Parts~).

Dies ist ein sehr peinliches Gefühl. In einigen Fällen tritt es so
heftig auf, daß es alle Ruhe und Schlaf stört und geradezu unerträglich
wird. Es ist sehr zweifelhaft, welcher Ursache es zuzuschreiben ist,
möglicherweise einem ungesunden Ausfluß aus der Scheide, oder, wenn
es von Hitze des Kopfes, Röthe, Trockenheit und Geschwulst begleitet
ist, einer Art Ausschlag wie das Mundschwämmchen bei Neugeborenen. Die
Theile müssen vollkommen rein gehalten werden, wozu warmes Wasser am
besten zu verwenden ist.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Das beste Mittel ist ~Conium~, von welchem eine
  Dosis (6 Kügelchen) dreimal des Tages zu nehmen ist. Bleibt dies ohne
  Wirkung, so wende man eines der folgenden Mittel an (Dosis wie oben):
  ~Arsenicum~, ~Bryonia~, ~Rhus~, ~Silicea~, ~Pulsatilla~, ~Sulphur~,
  ~Lycopodium~ oder ~Graphitis~. Als Umschlag benutze man eine Unze
  Borax in einem Pint Rosen- oder Regenwasser aufgelöst. Erstreckt sich
  der Kitzel bis in die Scheide, spritze ein wenig von der Auslösung
  ein. Ein schwacher Aufguß von grünem Thee, oder eine schwache Lösung
  von Alaun wird zuweilen von wohlthuendem Einfluß sein.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende wird empfohlen:

    Pulverisirter Borax (~Powd. borax~)                   2 Drachmen.
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~)       3 Grane.
    Eine Abkochung der Gelbwurz (~Golden seal~)           4 Unzen.

  Das Pulver soll in der Abkochung aufgelöst mehrere Male des Tages
  angewendet werden.


  =Allöopathisch.=

    Pulverisirter Borax                                   ½ Unze.
    Schwefelsaures Morphium                               6 Grane.
    Destillirtes Rosenwasser                              6 Unzen.

Mische es. Mehrere Male des Tages anzuwenden.

Oder:

    Bleiauflösung (~Diacetate of lead -- Goulard’s
    Extract~)                                             2 Drachmen.
    Wein-Spiritus                                         2    „
    Mit so viel Wasser, daß das Ganze ein Pint macht.

Mische es.


Krampf-varicöse (unnatürlich erweiterte) Adern (~Varicose Veins~).

Verursacht durch den Druck der Gebärmutter auf die Adern im Unterleib,
wodurch eine freie Rückkehr des Blutes zum Herzen verhindert wird. Das
Anschwellen beginnt in der Regel am Knöchel und geht bis zum Schenkel
aufwärts; hin und wieder geht es aber nicht über das Knie hinaus. Die
Geschwulst verringert sich, sobald sich die Kranke niederlegt. Dieses
Leiden verschwindet nach der Entbindung.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Ein freier Gebrauch des kalten Wassers oder verdünnter
  Alcohol verschafft beim Beginn Erleichterung. Werden die Adern
  groß und schmerzhaft, so muß ein Verband, an den Zehen beginnend,
  sorgfältig angelegt werden, oder es sollte ein Schnürstrumpf getragen
  werden. Der Verband muß von einem geschickten Arzte angelegt werden.

  =Allöopathisch.= Klette- (~Burdock~) und Wegerich- (~Plantain~)
  Blätter um das Bein gebunden, leisten gute Dienste, sowie Blei- oder
  Alaunwasser und ein Aufguß von Weißeichenrinde.

  =Homöopathisch.= Eine schwache Arnica- und Hamamelis-Auflösung wird
  gute Dienste thun, wenn man vor dem Schlafengehen die Beine von unten
  nach oben, immer aufwärts reibend, einreibt.

  ~Nux Vomica.~ -- Wenn nebst dieser Krankheit auch Hämorrhoiden
  vorhanden sind, Hartleibigkeit, häufige drückende Schmerzen und
  reizbare Gemüthsstimmung.

  ~Pulsatilla.~ -- Dies ist das Hauptmittel, namentlich wenn die Adern
  und die Beine bedeutend geschwollen und Schmerzen sowie Entzündung
  vorhanden sind.

  ~Arsenicum.~ -- Wenn die Anschwellung schwärzlich ist und bedeutende
  brennende Schmerzen verursacht. Wirkt dieses nicht, so gebe ~Carbo
  Vegetabilis~.


Hämorrhoiden oder Goldader (~Piles, or Hemorrhoids~).

Dieser Krankheit sind schwangere Frauen vielfach ausgesetzt, und zwar
wird dieselbe gewöhnlich durch Hartleibigkeit verursacht, weshalb es
sehr wichtig ist, daß eine schwangere Frau ihren Stuhlgang regelmäßig
erhält, so daß weder Hartleibigkeit noch Diarrhöe eintritt und gegen
alle Störungen in dieser Hinsicht sogleich einschreitet.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die oftmalige Anwendung des kalten Wassers wird sehr
  gute Dienste leisten, wenn es sogleich zu Anfang gebraucht wird.
  Es mag mittelst Sitzbäder, kalter Umschläge oder Einspritzungen
  in Anwendung kommen. Wenn die Hämorrhoiden bluten oder zu bluten
  aufhörten und sehr schmerzen, gebrauche warmes Wasser. Die Kost
  muß sorgsam regulirt werden und man darf nur sehr wenig Fleisch
  genießen. Wenn nach dem Stuhlgang der Darm oder eine kleine Beule zu
  Tage tritt, so müssen diese Theile wieder mit dem Finger eingedrückt
  werden. Viele Arznei einzunehmen, ist nicht rathsam, sondern man lebe
  in allen Stücken regelmäßig und schaffe sich regelmäßige Bewegung.
  Die Stuhlgangöffnung kann regelmäßig erhalten werden durch den Genuß
  von Roggenbrod, Roggenmehl und Molasses, Kartoffeln, reife Früchte,
  gekochte Pfirsiche und Pflaumen &c.

  =Homöopathisch.= ~Nux Vomica~ und ~Sulphur~ sind die
  hauptsächlichsten Mittel. ~Nux Vomica~, namentlich wenn nach jedem
  Stuhlgang helles Blut ausfließt und eine beständige Neigung zum
  Stuhlgang vorherrscht. Man gebe ~Nux Vomica~ Abends (eine Dosis)
  und ~Sulphur~ Morgens (eine Dosis). Tritt hierauf nach einigen
  Tage nicht Besserung ein, so kann man ~Ignatia~ geben, namentlich
  wenn heftige stechende Schmerzen vorhanden sind, oder nach jedem
  Stuhlgang schmerzliche Zusammenziehung und Wundheit eintritt. Ist die
  Hartleibigkeit sehr hartnäckig, so verordne ~Ignatia~ und ~Opium~
  alle 2 oder 3 Stunden abwechselnd. Andere zu gebrauchende Heilmittel
  sind: ~Arsenicum~, ~Belladonna~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Hepar
  Sulphuris~, ~Hamamelis~, ~Virginica~.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Um der Hartleibigkeit vorzubeugen,
  gebe einen Theelöffel voll Cremor Tartari mit Wasser oder Molasses
  vermischt, oder die zusammengesetzte Rhabarber-Pillen (~Compound
  rhubarb pill~). Schmerzen die Knoten und sind diese entzündet,
  so wird ein Ulmenrinde- (~Slippery elm bark~) und Milch- oder
  Wasser-Umschlag gute Dienste leisten. Zu derselben Zeit gebrauche
  die folgende Salbe zum einreiben: Zwei Eßlöffel voll frische,
  ungesalzene Butter und vier Eßlöffel voll Terpentingeist (~Spirits of
  turpentine~). Dieses ist gut zu mischen und damit die betreffenden
  Theile zwei- oder dreimal täglich einzureiben. Auch das folgende wird
  gute Dienste leisten:

    Stechapfel-Salbe (~Stramonium ointment~)              1 Unze.
    Pulv. Alaun (~Powd. alum~)                            2 Drachmen.
    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~)       2    „

   Mische dieses und reibe die Knoten (~Tumors~) mittelst eines Stücks
  Baumwollenzeug ein.

  =Allöopathisch.= Ist Arznei nothwendig, so kann ein Theelöffel voll
  verzuckerte Senna (~Confection of senna~) oder eine kleine Dosis
  Castoröl manchmal eingenommen werden, oder das folgende:

    Schwefel (~Sulphur~)                                  ½ Unze.
    Magnesia                                              2 Drachmen.
    Cremor Tartari                                        2    „

  Mische dieses. Gabe: einen Theelöffel voll in ein Glas voll Wasser.
  Siehe „Hämorrhoiden,“ 12. Kapitel, erster Theil.


Anschwellen der Füße und Beine (~Swelling of the Feet and Limbs~).

Dieses wird durch den Druck der größer gewordenen Gebärmutter, den
diese auf die lymphatischen Gefäße ausübt, verursacht.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Bryonia~ und ~Opium~ -- kann abwechselnd alle zwei
  Stunden gegeben werden. Dosis: 6 Kügelchen.

  Findet sich ziemlich viel Fieber vor, so gebe ~Aconitum~ und
  ~Bryonia~ abwechselnd. Dosis: 6 Kügelchen.

  =Allöopathisch.= Die Beine sollten mit einem in Wasser und Essig
  getauchten Schwamm tüchtig abgewaschen und das folgende kann mit
  Erfolg gegeben werden:

    Fingerhut-Aufguß (~Infusion of digitalis~)            4 Unzen.
    Essigsaures Kali (~Acetate of potash~)                2 Drachmen.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    2    „
    Zimmet-Wasser (~Cinnamon water~)                     1½ Unzen.

  Mische dieses. Dosis: 1 Eßlöffel voll alle vier oder fünf Stunden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wasserdost- auch Wiesenkönigin- (~Queen
  of the meadow~) und ~Haircap moss~- oder Eibisch- (~Marshmallow~)
  Aufguß mag reichlich gebraucht werden.


Hartleibigkeit während der Schwangerschaft.

Einer der während der Schwangerschaft eintretenden unangenehmen
Zustände ist die Unthätigkeit der Gedärme, was durch mancherlei
Umstände herbeigeführt werden mag und wogegen man sich sorgsam
verwahren muß. Gewöhnlich wird es nützlich sein, eine Diätveränderung
vorzunehmen. Esse viel reise, süße Früchte, z. B. Aepfel, Pflaumen,
Pfirsiche u.s.w. Man meide aber Kaffee und alle Stimulanten. Auch ist
es nicht rathsam, heftig wirkende Abführmittel zu geben, da hierdurch
leicht Fehlgeburt herbeigeführt werden kann.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein aus folgenden Substanzen bereitetes
  Einspritzmittel wird gut wirken: Bereite einen aus drei Theilen
  Wasserdost (~Boneset~) und zwei Theilen Senna bestehenden Aufguß.
  Zu einem Pint und einem halben dieses Aufgusses füge ein halbes
  Weinglas voll Castoröl. Die Hälfte dieser Mischung gebrauche man
  als Einspritzungsmittel, und wenn nöthig, so wiederhole dasselbe in
  etwa 25 bis 30 Minuten. Man wiederhole das Klystier so oft als es
  zur regelmäßigen Stuhlgangöffnung nöthig ist. Ist ein Abführmittel
  nothwendig, so gebe folgendes:

    Pulverisirter Rhabarber                               4 Unzen.
    Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate of potassa~)  2   „

  Mische dieses und gebe eine kleine Dosis (1 Theelöffel voll) dreimal
  täglich.

  =Allöopathisch.= Das folgende ist ein sehr angenehmes Mittel zur
  Erhaltung der Stuhlgangöffnung: Koche 1 Unze Senna-Extrakt in ein
  Pint Wasser zwei Stunden lang. Sodann seihe die Flüssigkeit, füge ein
  Pfund Pflaumen und eine Handvoll Stückzucker bei, bringe das ganze
  in eine Pfanne und lasse es kochen, bis die Pflaumen gut gekocht und
  weich sind. Esse täglich sechs oder acht Pflaumen.

  Das folgende wird sehr gute Dienste leisten:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)      1½ Unzen.
    Zusammengesetzter Rosenaufguß                         5   „
    Zimmetwasser                                          1 Unze.

  Mische dieses. Dosis: zwei Eßlöffel voll dreimal täglich.

  Oder:

    Zusammengesetzter Coloquinthen-Extrakt (~Compound
    ext. of colocynth~)                                   2 Skrupel.
    Bilsenkraut-Extrakt (~Extract of Henbane~)            1    „

  Mische dieses, bereite 12 Pillen daraus und nehme eine Pille Morgens
  und Abends.

  =Homöopathisch.= Nehme eine Dosis ~Nux Vomica~ jeden Abend und
  Morgen. Dieses Heilmittel mag abwechselnd mit ~Opium~ gegeben werden,
  wenn ~Nux Vomica~ nicht die gewünschte Wirkung erzeugt. Sind diese
  beiden Mittel erfolglos und hat die Hartleibigkeit schon lange
  gewährt, so mag ~Lycopodium~ oder ~Sulphur~ verordnet werden. Hat die
  Patientin Schmerzen im Unterleib so wird ~Bryonia~ und ~Ignatia~ oft
  gut wirken.

  Siehe „Hartleibigkeit,“ 12. Kapitel, erster Theil.


Diarrhöe während der Schwangerschaft

wird weniger häufig gefunden als Verstopfung, ist aber bei weitem
gefährlicher, da sie ungemein schwächt, wenn sie nicht rechtzeitig
eingehalten wird. Zuweilen ist es nur ein lockerer Stuhlgang, bei dem
die Bewegungen häufiger als gewöhnlich gefühlt werden, allein der
Appetit bleibt gut und der allgemeine Gesundheitszustand wird dadurch
nicht berührt. In solchen Fällen kann durch eine einfache Regelung der
Kost abgeholfen werden. Jene Diarrhöe, welche zu fürchten ist, ist die,
bei welchen die Entleerungen dunkel gefärbt, schwarzgelb und höchst
widrig sind; der Athem ist verdorben und der Geschmack unangenehm, bei
wenig oder gar keinem Appetit.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Die Kost sollte sorgfältig geregelt werden und mag
  bestehen in Gerstenwasser, Gummi Arabicum-Wasser, Pfeilwurz (~Arrow
  root~), Sago, Tapioca, Isländischem oder Irischem Moose, Zwieback-
  (~Toast~) Wasser, gekochten Reis mit pulverisirtem Zimmet schmackhaft
  gemacht.

  =Allöopathisch.= Folgendes mag mit gutem Erfolg angewendet werden:

    Kreidemischung (~Chalk mixture~)                     5½ Unzen.
    Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound
      tinct. of Cardamons~)                               3 Drachmen.
    Katechu-Tinktur (~Tincture of Catechu~)               3    „
    Laudanum                                             20 Tropfen.

  Mische es. Dosis: alle 4 Stunden zwei oder drei Eßlöffel voll.

  Folgende Salbe möge vermittelst warmen Flanells über den Magen und
  die Eingeweide gebracht werden:

    Seifensalbe (~Soap liniment~)                         6 Drachmen.
    Zusammengesetzte Kamphersalbe (~Compound camphor
    liniment~)                                            6    „
    Laudanum                                              4    „

  Mische es.

  =Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Gegen heftige Kolik, gelblichem
  oder grünlichem Stuhl, oder ausgeschlagenen Eiern ähnelnd, Kollern in
  den Eingeweiden.

  ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Stühle wässerig oder grünlich sind und
  Kolik mit schleimigem, bitterem Geschmack im Munde, Uebelkeit und
  Erbrechen vorhergeht.

  ~Dulcamara.~ -- Bei Diarrhöe in Folge von Erkältung, schlimmer des
  Nachts.

  ~Nux Vomica.~ -- Häufige Entleerungen, aber spärlich mit starkem,
  drängendem und nach unten ziehendem Schmerz im After.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes wird gut gefunden werden:

    Zusammengesetzter Syrup von Rhabarber und Potasche
     (~Compound syrup of rhubarb and potassa~)            4 Unzen.
    Pfeffermünz-Essenz (~Essence of peppermint~)         1½ Drachmen.
    Paregoricum (~Paregoric~)                             4    „

  Mische es. Dosis: alle Stunden einen Eßlöffel voll, bis sich das
  Aussehen des Stuhles ändert und dann alle 2, 3 oder 4 Stunden.

  Ist Schmerz und Kneipen vorhanden, möge eine Einspritzung, bestehend
  aus zwei Eßlöffel voll Castoröl, Molasses und Wasser, von jedem einen
  Theetassenkopf voll, und 20 bis 60 Tropfen Laudanum angewendet
  werden. Mische und wiederhole es so oft als erforderlich.

  Siehe den Abschnitt über Diarrhöe, Kapitel 12.


Zahnschmerz.

Wegen dessen Behandlung suche man das 9. Kapitel auf.


Speichelfluß

tritt häufig ein und ist ein sehr lästiges Leiden.

  =Homöopathisch.= ~Mercurius~ -- ist das Hauptmittel, wenn nicht
  ~Mercurius~ die Ursache des Leidens ist; auch ~Lachesis~, ~Acidum
  nitri~, ~Hepar Sulphuris~, ~Pulsatilla~.

  Von dem gewählten Mittel nimm jeden Abend eine Dosis (6 Kügelchen),
  bis Besserung eintritt.


Dyspepsie, Sodbrennen, saurer Magen.

Ein häufiges und belästigendes Symptom, gegen das Magnesia, Kreide oder
Pfirsichkörner angewendet werden mögen.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Der zusammengesetzte Syrup von
  Rhabarber (~Rhubarb~) und Potasche (~Potassa~) wird sehr zuträglich
  gefunden werden.

  =Homöopathisch.= ~Nux Vomica~ und ~Pulsatilla~ sind die Hauptmittel.
  Sie mögen entweder allein oder abwechselnd gegeben werden. Zuweilen
  wird ein Stück gezuckerte Citrone im Mund gehalten, oder ein Tropfen
  ~Acidum Sulphuricum~ in einem Glas voll Wasser Linderung verschaffen.


Hysterische Anfälle.

Das weibliche Geschlecht wird während der Schwangerschaft häufig von
Gemütsbewegungen und hysterischen Anfällen heimgesucht.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Siehe die Behandlung der Hysterie in
  Kapitel 3, erster Theil.

  =Homöopathisch.= Die Kranke sollte in die frische Luft gebracht
  und das Gesicht mit kaltem Wasser besprengt werden; Ammoniak halte
  man unter die Nase. Ist der Anfall vorüber, so gebe man eine Dosis
  ~Coffea~ oder ~Chamomilla~. Rührt der Anfall von gestörter Verdauung
  her, so gebe man ~Nux Vomica~ oder ~Pulsatilla~. Ist Aerger die
  Ursache: ~Chamomilla~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe 6 Kügelchen auf eine Dosis und
  wiederhole diese alle 2, 3 oder 4 Stunden.


Herzklopfen.

Dies mag besonders für zarte Frauen sehr quälend werden.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes mag mit gutem Erfolg
  angewendet werden:

    Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~)  2 Unzen.
    Schildkraut-Tinktur (~Tincture of skull cap~)         2   „

  Mische es. Dosis: Zwei- oder dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

  =Allöopathisch.= Zuweilen mögen stärkende Mittel wie das folgende
  gegeben werden:

    Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tinct. of iron~)   1 Unze.
    Orangenschalen-Syrup                                  1   „
    Rosenwasser                                           6 Unzen.

  Mische es. Einen Theelöffel voll in einem Bierglas voll Wasser nach
  jeder Mahlzeit.

  =Homöopathisch.= Wenn in Folge von Aerger: ~Chamomilla~; in Folge
  von Furcht: ~Veratrum~; in Folge von Freude: ~Coffea~; in Folge von
  plötzlichem Schreck: ~Opium~.

  Bei nervösen Personen: ~Ignatia~, ~Coffea~, ~Chamomilla~.

  Andere Mittel sind: ~Belladonna~, ~Nux Moshata~, ~Pulsatilla~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Löse von dem gewählten Heilmittel 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und nimm alle Stunde, auch
  öfter, wenn es die Strenge des Falles erfordert, einen Theelöffel
  voll.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Theelöffel voll Castoröl-Tinktur
  (~Tincture of castor oil~) oder Stinkasant (~Asafœtida~) und
  zusammengesetztem Lavendel-Spiritus (~Spirits of lavender~) mit ein
  wenig Wasser wird selten verfehlen, zu lindern.


Kopfweh

ist etwas Gewöhnliches bei Schwangeren und eine beträchtliche nervöse
Reizbarkeit ist in der Regel vorhanden.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Mittel dagegen sind: ~Aconitum~, ~Belladonna~, ~Nux
  Vomica~, ~Opium~, ~Pulsatilla~, ~Platina~.

  Bei Schlaflosigkeit: ~Coffea~, ~Ignatia~, ~Nux Vomica~, ~Hyosciamus~,
  ~Opium~.

  Bei Schlafsucht: ~Opium~, ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Crocus~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm alle halbe, ganze,
  zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
  Theelöffel voll.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Schildkraut (~Skull
  cap~), oder Baldrian (~Valerian~) mag mit gutem Erfolg angewendet
  werden.

  Auch die folgenden Pillen werden wohlthuend wirken:

    Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~)         6 Grane.
    Belladonna-Extrakt (~Extract of Belladonna~)         1½   „
    Schlangenwurzel-Alcohol-Extrakt (~Alcoholic
    extract of black cohosh~)                            18   „

  Mische es und mache 12 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages eine
  Pille.

  =Allöopathisch.= Gebrauche folgendes:

    Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~)      2 Grane.
    Potaschen-Cyanit (~Cyanide of potassium~)             4   „
    Baldrian-Extrakt (~Extract of valerian~)              4   „

  Mache 24 Pillen daraus. Dosis: Dreimal des Tages eine Pille.

  Oder auch:

    Chloroform                                            2 Unzen.
    Zusammengesetzter Schwefeläther (~Compound sulphuric
    ether~)                                               2   „
    Laudanum                                              2   „
    Cayennepfeffer-Tinktur (~Tincture of cayenne~)       1½   „
    Verdünnte Hydrociansäure (~Hydrocianic acid,
    diluted~)                                             ½ Unze.

  Mische es. Dosis: Alle drei Stunden einen Theelöffel voll, bis
  wirklicher Erfolg wahrgenommen wird.


Husten

kann zuweilen recht beschwerlich werden.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Je zwei Theile von der Tinktur von
  Schildkraut (~Skull cap~) und Hopfenmehl (~Lupuline~) mit einem Theil
  Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of hyosciamus~) mag in Dosen von einem
  Theelöffel voll gegeben werden, wenn immer der Husten lästig wird.

  =Allöopathisch.= Folgendes kann mit Erfolg genommen werden:

    Blausäure (~Hydrocyanic acid~)                        6 Minims.
    Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of henbane~)          60   „
    Mandelkühltrank (~Almond emulsion~)                   6 Unzen.

  Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll dreimal des Tages.


Krämpfe

stellen sich häufig in den Waden, Hüften, Kreuz oder Unterleib ein und
sind sehr lästig.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Erstrecken sie sich auf den Magen, so nehme man
  folgendes:

    Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Compound
    tinct. of cardamon~)                                  2 Unzen.
    Zusammengesetzte Lavendel-Tinktur (~Compound tinct.
    of lavender~)                                         2   „
    Zusammengesetzte Enzian-Tinktur (~Compound tinct.
    of gentian~)                                          2   „

  Mische es. Dosis: So oft als erforderlich einen Theelöffel voll.

  =Homöopathisch.= Gegen Krämpfe in den Gliedern: ~Veratrum~, ~Nux
  Vomica~, ~Colocynthis~, ~Chamomilla~.

  Gegen Krämpfe im Unterleib und Magen: ~Nux Vomica~, ~Colocynthis~,
  ~Pulsatilla~, ~Belladonna~.

  Gegen Krämpfe im Kreuz: ~Ignatia~, ~Rhus~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe einen Theelöffel voll
  oder 6 Kügelchen als Dosis.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Reiben der Beine oder der davon
  befallenen Theile mit Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~)
  oder heißem Whiskey und Salz wird zuweilen sofortige Linderung
  verschaffen. Auch Opodeldoc (~Opodildoc~) ist gut.


Harnfluß (~Incontinence of Urine -- Enuresis~)

besteht in einer theilweisen oder gänzlichen Unfähigkeit den Urin zu
halten und ist eine große Plage.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Die Hauptmittel dagegen sind: ~Pulsatilla~, ~Sepia~,
  ~Belladonna~, ~Hyosciamus~, ~Causticum~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man 6
  Pillen einmal in 3 oder 4 Stunden.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Man lasse viel und oft Thee von Eibisch
  (~Marsh mallow~), Kürbiß, Wassermelonen-Körner oder Klebekraut
  (~Cleavers~) trinken.


Harnzwang (~Difficult Urination -- Stranguria~).

Dies ist außerordentlich lästig und wird durch den Druck der
Gebärmutter auf die Blase verursacht.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Eibischwurzel (~Marsh
  mallow root~) und Grundstrauch (~Trailing arbutus~) oder ein Aufguß
  von Eibisch- und Pfirsichblättern mögen genommen werden. Zehn oder
  zwanzig Tropfen von süßem Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of
  nitre~) können auch mit gutem Erfolg dem Aufguß beigefügt werden.

  =Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ ist das Hauptmittel. Gewährt dies keine
  Linderung, so gebe man ~Nux Vomica~.

  Andere Mittel sind: ~Belladonna~, ~Cantharides~, ~Cocculus~, ~Acidum
  Phosphoricum~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man alle
  2 Stunden 6 Kügelchen.


Uebermäßiger Geburtsfluß oder Lochien (~Flooding, Hemorrhage~).

Wegen dessen Behandlung siehe Kapitel 5.


Fehlgeburt oder Abortus (~Miscarriage or Abortion~).

Unter Fehlgeburt oder Abortus verstehen wir die Ausstoßung der Frucht
zu irgend einer Zeit vor dem sechsten Monat. Tritt dies während dem
siebenten oder achten Monat ein, so wird es mit einer Frühgeburt
bezeichnet und das Kind kann erhalten werden, während es, wenn die
Geburt vor dem siebenten Monat erfolgt, nicht lebensfähig ist.
Abortus tritt wahrscheinlicher vor dem dritten Monat und zur Zeit der
monatlichen Reinigung ein und eine Frau, die bereits eine Fehlgeburt
erfahren hat, ist der Wiederholung derselben mehr ausgesetzt als eine
andere, bei der dies noch nicht der Fall war. Fehlgeburten erfolgen
meistens zu derselben Zeit als früher stattgefundene, und eine
Schwangere sollte daher um diese Zeit besonders achtsam sein. Sie muß
zu weite Spaziergänge, Heben von schweren Gegenständen, Treppenauf- und
Absteigen, spätes Aufbleiben und starke geistige Erregungen vermeiden.
Ich spreche hier nur von dem zufälligen Abortus und setze voraus,
daß diejenigen, die diese Zeilen lesen, sich nicht des schändlichen
Verbrechens einer Abtreibung der Frucht schuldig gemacht haben, --
eines Verbrechens, für das keine Entschuldigung gefunden werden kann
und das nicht nur einem menschlichen Wesen das Leben nimmt, sondern
auch den Gesundheitszustand der Mutter untergräbt, denn irgend eine
Medizin, welche stark genug ist, einen Abortus herbeizuführen, muß den
Organismus so vergiften, daß die Folgen davon nie wieder geheilt werden
können.

+Ursachen.+ Zu den gewöhnlichen Ursachen des Abortus gehören Schläge,
wenn auch nur leicht, auf den Unterleib, heftige Erschütterungen,
Fallen, Pressen, Heben von schweren Gegenständen, Auf- und Absteigen
von Treppen, Reiten, Fahren über eine holperige Straße, starkes Husten,
Aerger, Freude, Furcht, Tanzen, außergewöhnliche und plötzliche
Anstrengungen, die Wirkung von Arzneimitteln, welche einige Frauen
beständig nehmen, wie Brechmittel, Abführmittel und zwar solche, wie
Aloe, Sennesblätter u.s.w., Kräuter-Thees, Patent-Medizinen, der
Gebrauch von Blasen- und Senfpflaster u.s.w.

+Symptome.+ Die ersten Symptome bestehen in der Regel in einem Gefühl
von Müdigkeit und Unbehaglichkeit, mit Kreuzweh und nach unten
ziehenden Schmerzen, die sich allmählig zu Geburtswehen steigern,
Schneiden und Ziehen in den Lenden und in dem Unterleib, ein Ausfluß
von rothem oder hellem Blute, mehr oder weniger stark.


+Behandlung.+

  =Allgemeine.= Wo es möglich ist, sollte ein solcher Fall unter die
  Pflege eines geschickten Arztes gestellt werden, besonders wenn ein
  starker Fluß vorhanden ist. Vor allem ist es aber von Wichtigkeit,
  darauf zu sehen, daß die Kranke in die gehörige Lage gebracht wird.
  Sobald sich die Symptome zeigen, sollte sie sich niederlegen und
  vollkommen ruhig verhalten. Sie sollte sogleich zu Bett gehen, eine
  harte Matratze mit leichten Decken in einem luftigen Zimmer sind
  vorzuziehen. Oeffne Thüren und Fenster, selbst im strengsten Winter
  und selbst wenn der Schnee ins Zimmer hereinweht. Entferne alle
  Ursachen zur Aufregung, besonders die Masse von alten Weibern, die
  sich gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten einstellen; halte sie
  fern vom Hause. Als Getränk reiche man kühle Limonade, Zwieback-
  oder Eiswasser, und während des Darreichens gestatte man nicht,
  daß sich die Kranke aufrichtet; es ist von Wichtigkeit, daß eine
  horizontale Lage nicht verändert wird; man entferne alle Kissen unter
  dem Kopfe, und es mag nothwendig werden, durch das Unterlegen von
  Holzstücken unter die Beine das Fußende des Bettes zu erhöhen. Man
  mache Umschläge von Wasser und Essig auf den Unterleib, die Hüften
  und zwischen die Beine. Keine Reizmittel sollten gegeben werden, wenn
  nicht die Kranke durch Blutverlust sehr geschwächt ist, in welchem
  Falle ein wenig Wein oder Branntwein gegeben werden mag. Ist der
  Ausfluß zu stark und kann nicht durch Medizinen eingehalten werden,
  so ist die Gebärmutter zu verstopfen, was vermittelst Einschiebens
  eines seidenen Taschentuches, mit süßem Oel getränkt, in die Scheide,
  oder durch Einlegen von großen Stücken Tuch geschehen kann.

  =Homöopathisch.= ~Arnica.~ -- Wenn durch einen Fall, Schlag,
  Fehltritt, zu starkes Heben oder durch irgend eine andere große
  körperliche Anstrengung verursacht.

  ~Cinnamonium.~ -- Wenn Arnica nicht den gewünschten Erfolg hat.

  ~Secale.~ -- Besonders wenn schon Fehlgeburten stattgefunden haben,
  oder bei schwacher Constitution und großer Erschöpfung, auch bei
  dunklem Ausfluß, schwarzgelbem Blut und leichten Schmerzen.

  ~China.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~, wenn der Blutfluß beträchtlich
  ist und Schwache und Erschöpfung zunehmen, ein nach unten
  ziehendes Gefühl, Summen in den Ohren, Verdunkelung des Blickes,
  Ohnmachtsanwandlung bei Erheben von dem Kissen.

  ~Hyosciamus.~ -- Bei Krämpfen oder Verzuckungen des ganzen Körpers.

  ~Ipecacuanha.~ -- Abwechselnd mit ~Secale~ bei Magenschwäche,
  Krämpfen, Ausfluß eines hellrothen Blutes, Ohnmachten.

  ~Belladonna.~ -- Abwechselnd mit ~Platina~ bei starken Schmerzen in
  den Lenden und im Unterleib, starkem Drängen nach unten, gleichsam
  als ob die Eingeweide herausgepreßt würden, Schmerz im Kreuz, als
  ob dasselbe gebrochen wäre, Ausfluß von dickem, dunklem, geronnenem
  Blute.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
  Kügelchen in einem halben Theetassenkopf voll Wasser und gebe bei
  strengen Fällen alle 15 oder 20 Minuten und bei milderen jede Stunde
  oder alle zwei Stunden einen Theelöffel voll. Tritt innerhalb zwei
  oder drei Stunden keine Linderung ein, greife man zu einem anderen
  Mittel.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Sind Symptome eines annähernden Abortus
  vorhanden, so gebe man jede Stunde oder alle zwei Stunden 2 oder 3
  Grane von dem zusammengesetzten Brechwurz- und Opiumpulver (~Compound
  powder of Ipecac and Opium~). Nehmen die Symptome dennoch zu, so
  lege man ein Senfpflaster auf den unteren Theil des Rückens. Bei
  beträchtlichem Ausfluß gebe man 10 oder 15 Tropfen Vitriol-Elixir
  in einem Weinglas voll Wasser alle 2 oder 3 Stunden und mache
  gleichzeitig Umschläge von Tüchern, mit Eiswasser getränkt, auf den
  unteren Theil des Unterleibes. Flöhkrautöl (~Oil of fleabane~) oder
  ~Oil of fireweed~ mag, wenn erforderlich, alle 10 bis 20 Minuten in
  Dosen von 5 bis 6 Tropfen auf Zucker gegeben werden. Ist der Fluß
  sehr stark, so gebe man 1½ Grane Bleizucker (~Sugar of lead~)
  in etwas Essig und Wasser. Wenn viel Schmerz vorhanden ist, gebe
  man 5 oder 6 Tropfen Laudanum. Die Scheide oder die Geburtsstätte
  mag mit Tüchern, in einer starken Alaun- (~Alum~) Auflösung oder
  einer Abkochung von Weißeichenrinde (~Decoction of white oak bark~)
  getränkt, verstopft werden.

  =Allöopathisch.= Ist die Kranke vollblütig und es stellt sich ein
  Gefühl von Vollsein ein, so sollten 10 bis 12 Blutegel an den unteren
  Theil des Unterleibes und Rückens angesetzt und folgende Mischung
  gegeben werden:

    Citronen-Säure (~Citric acid~)                        1 Drachme.
    Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
    of potash~)                                           4 Skrupel.
    Salpeter (~Nitre~)                                    2   „
    Zimmetwasser                                          2 Unzen.
    Wasser                                                4   „

  Mische es. Dosis: Alle 4 Stunden ein Viertel davon. Oder:

    Doppeltkohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
    of potash~)                                           2 Drachmen.
    Gewöhnlicher Syrup                                    2    „
    Destillirtes Wasser (~Distilled water~)               6 Unzen.

  Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll; jeder Dosis füge einen Eßlöffel
  voll frischen Citronensaft oder 15 Grane Citronen-Säure (~Citric
  acid~), zuvor in einem Eßlöffel voll Wasser aufgelöst, bei. Während
  des Aufschäumens zu trinken. Wenn die Eingeweide verstopft sind, ist
  das folgende zu empfehlen:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)      1½ Unzen.
    Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion
    of roses~)                                            5   „
    Zimmetwasser (~Cinnamon water~)                       1 Unze.

  Mische es. Dosis: Zwei Eßlöffel voll.

  Es ist besser, Blutentziehung und das Darreichen obiger Mischungen zu
  vermeiden und, wenn diese nicht angewendet werden, gebe man 35 bis 40
  Tropfen Laudanum und wiederhole dies in Zwischenräumen in kleineren
  Dosen.

  Wenn der Ausfluß sehr stark ist, müssen die folgenden Pillen gegeben
  werden:

    Essigsaures Blei (~Acetate of lead~)                  2 Grane.
    Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~)               2   „

  Mache es zu einer Pille, welche alle 3 oder 4 Stunden zu nehmen
  ist; oder mische 5 Grane pulverisirten Alaun (~Alum~) mit 3 Granen
  geriebener Muskatnuß (~Nutmeg~), in Honig oder Syrup gemischt, und
  gebe es alle halbe oder ganze Stunde, der Strenge der Symptome
  angemessen. Dies wird von Dr. C. D. Meigs in Philadelphia empfohlen.

  +Bemerkung.+ Kann der Abortus nicht verhindert werden, so muß man wie
  bei einer natürlichen Geburt vorgehen.


Falsche Wehen (~False Pains~).

Häufig einige Wochen oder Monate vor der Entbindung wird die Schwangere
von sogenannten falschen Wehen belästigt. Diese ähneln den ächten Wehen
sehr und verursachen häufig nutzlose Beunruhigung. Sie mögen daran
erkannt werden, daß sie unregelmäßig in ihren Wiederholungen sind und
sich gewöhnlich auf die Muskeln des Rückens und Unterleibs beschränken,
sowie vom Rücken nach den Seiten ziehen.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Eingeweide verstopft sind,
  gebe man folgende Einspritzung:

    Warmes Wasser                                         1 Pint.
    Salz                                                  2 Theelöffel
                                                            voll.
    Gewöhnlicher Molasses                                 2 Eßlöffel
                                                            voll.

  Nachdem Stuhlgang vorhanden ist, gebe man einen kleinen Theelöffel
  voll Paregoricum (~Paregoric~) und wiederhole dies alle zwei Stunden,
  wenn nicht früher Linderung eintritt.

  =Allöopathisch.= Folgendes ist eine gute Salbe, welche über dem Sitz
  des Schmerzes eingerieben werden mag:

    Ammoniak (~Ammonia~)                                  2 Unzen.
    Opium-Tinktur (~Tincture of opium~)                   2   „
    Seifen-Salbe (~Soap liniment~)                        1 Unze.

  Schüttele es vor dem Gebrauch um.

  =Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Wenn der Schmerz ziehend und sich in
  dem Unterleib und den Lenden befindet.

  ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Schmerzen ähnlich den vorhergehenden, mit
  einem Gefühl von Steifheit oder Lahmsein verbunden sind.

  ~Nux Vomica.~ -- Wenn in der Gegend der Blase ein Schmerz, wie von
  einer Quetschung herrührend, und wenn die Wehen Folge von Verstopfung
  sind.

  ~Aconitum.~ -- Besonders bei vollblütigen Frauen; heißer Kopf,
  trockene Haut. ~Belladonna~ kann abwechselnd mit ~Aconitum~ gegeben
  werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe alle halbe,
  ganze, zwei oder drei Stunden, der Strenge der Symptome angemessen,
  einen Theelöffel voll.


Behandlung der Brüste (~Preparation of the Breasts~).

Nicht selten finden junge Mütter in Folge früherer Vernachlässigung
beim Stillen ihrer Kinder Schwierigkeiten wegen der durch den Druck
von zu engen Kleidern, Schnürbrüsten u.s.w. fast ganz verschwundenen
Warzen. Die Brüste schwangerer Frauen sollten sorgfältig gegen Druck
geschützt werden, da dies leicht üble Folgen nach sich ziehen kann.
Wenn aber die Warzen nicht weit genug herausgezogen sind, so daß sie
von dem Kinde mit Leichtigkeit gefaßt werden können, so mag dies
vermittelst einer gewöhnlichen Brustpumpe geschehen, und nachdem die
Pumpe entfernt ist, lege rings um die Warzen einen Ring von Bienenwachs
oder einen Warzenschild (~Nipple shield~). Dies sollte beständig
getragen werden. Wenn aber das Ausziehen der Brustwarzen einen Schmerz
im Unterleib verursacht, so muß es eingestellt werden, da Abortus
folgen kann.

Dr. Tracy empfiehlt folgendes zur Erhaltung der einmal herausgezogenen
Warzen:

Jede Warze sollte mit einem Stück von einem wollenen Faden oder Garn an
der Wurzel zwei- bis dreimal umwunden und mäßig fest gebunden werden,
jedoch nicht so fest, daß dadurch der Blutumlauf gehemmt wird.

Die Warzen springen während oder nach der Schwangerschaft leicht auf
und entzünden sich, was besonders, nachdem das Kind zu saugen beginnt,
eintritt; daher sollten die Brüste mehrere Wochen vor der Entbindung
in kaltem Wasser gebadet und mit groben Handtüchern abgerieben werden.
Zuweilen ist auch das Baden der Brustwarzen mit Brandy zweimal des
Tages mehrere Wochen hindurch vor der Entbindung sehr zuträglich
gefunden worden. Ebenso die Anwendung einer Abkochung von grünem
Thee, oder Eichenrinde, oder auch von Granatäpfeln (~Pomegranate~).
Bei großer Empfindlichkeit oder Schmerzhaftigkeit bade die Warzen und
Brüste häufig in einer scharfen Auflösung von Arnica.



Fünftes Kapitel.

Entbindung oder Kindbett.


Geburtswehen (~Labor~).

Unter Geburtswehen verstehen wir die Anstrengung der Natur, durch
welche die Gebärmutter ihren Inhalt, bestehend in dem Kinde, der
Nachgeburt, den Schleimhäuten und dem Wasser, ausstößt. Sie treten in
der Regel zu Ende des neunten Monats nach der Empfängniß oder 280 Tage
nach dem Beginn der Schwangerschaft ein. Zuweilen aber tritt es früher
oder später ein.

+Symptome.+ Die Symptome der annähernden Geburtswehen bestehen in einem
Sinken der Gebärmutter, wodurch die Schwangere um Vieles erleichtert
wird; sie fühlt sich leichter und ein Abgang von blutigem Schleim,
„Blutanbrechen“ (~show~) genannt, stellt sich ein; sie ist bewegt und
nervös; eine Reizbarkeit der Blase, sowie öfterer Drang zum Uriniren,
zuweilen Uebelkeit und Erbrechen und fliegende Schmerzen durch den
Unterleib sind vorhanden.

Die Geburtswehen mögen in natürliche und unnatürliche eingetheilt
werden. Sind die Wehen hinlänglich stark genug, den Inhalt der
Gebärmutter in einer mäßigen Zeit ohne Gefahr für Mutter und Kind
auszutreiben, so werden sie natürlich genannt. Wenn aber schwierig,
lang anhaltend und Verzögerungen in Folge einer ungehörigen Lage des
Kindes, Verzuckungen oder auch Blutflüsse eintreten, so werden sie
widernatürliche genannt. Die Zeit, während welcher die natürlichen
Wehen anhalten, beschränkt sich in der Regel auf 6 bis 8 Stunden.

Sobald die ersten Symptome eintreten, muß die Schwangere ihre
Vorkehrungen für die bevorstehende Entbindung treffen. Das Bett
sollte in einer harten Matratze bestehen (Federbetten sind nicht
empfehlenswerth), und über die Matratze sollte, wenn ein Beschmutzen
durch die Ausflüsse vermieden werden soll, ein Oeltuch oder eine
Kautschuck-Decke, und darüber mehrere Betttücher gebreitet werden, die
Decke muß leicht sein, damit die Entbindende dadurch nicht übermäßig
erhitzt wird, und das Nachtkleid muß bis unter die Arme aufgestreift
werden, so daß es nicht beschmutzt wird. Sie sollte sich auf die linke
Seite legen, mit an den Körper gezogenen Knien, zwischen welche man ein
zusammengelegtes Kissen bringt. Eine scharfe Scheere und zwei Stücke
starke Schnur mögen zum Abschneiden und Verbinden der Nabelschnur des
Kindes bereit gehalten werden.


Schmerzen bei den Geburtswehen (~Labor Pains~).

Die Schmerzen der Geburtswehen sind eigenthümlich und bestehen in
einem Schneiden oder Schleifen, welches durch eine Zusammenziehung
des Muskelgewebes der Gebärmutter über dem Kinde hervorgerufen wird.
Während des ersten Stadiums der Geburtswehen geht gewöhnlich das Wasser
ab. Letzteres ist die Ansammlung jener Flüssigkeit, welche das Kind
umgiebt und das von der Schleimhaut eingeschlossen wird. Es dient zum
Schutze des Kindes während der Schwangerschaft.

Das zweite Stadium der Wehen ist der Zeitraum von dem Ausfluß des
Wassers bis zur Geburt des Kindes. Nach dem ersten Stadium ist die
Entbindende gewöhnlich eine kurze Zeit von Schmerzen frei. Die Wehen
des zweiten Stadiums unterscheiden sich von jenen des ersten und sind
mehr nach unten drängend.


Entbindung.

Die heftigsten schneidenden Wehen treten unmittelbar vor der Entbindung
ein und sind von kurzer Dauer, aber von solcher Art, daß, obgleich
sie sehr schmerzhaft sind, sie dennoch die Entbindende zur äußersten
Kraftanstrengung stärken. Möglicherweise bricht dieselbe in heftiges
Wehklagen aus, was aber die Umgebung nicht beunruhigen sollte, denn es
ist ein Zeichen, daß die Wehen unmittelbar darauf ihr Ende erreicht
haben werden. Man ermuthige sie daher durch freundliche, tröstende
Worte. In dem Augenblicke, wo das Kind erscheint, sollte die Wärterin
ihre Hand zwischen die Beine der Entbindenden legen, um das Reißen der
straff angespannten Haut an diesem Theile zu verhindern. Ist das Kind
geboren, so sollte es fünf oder sechs Zoll von der Mutter entfernt
und die Schnur mit den vorher erwähnten Fäden verbunden werden. Der
erste Knoten sollte ungefähr zwei Zoll von des Kindes Nabel gemacht
werden und der andere vier Zoll weiter, jeder durch einen doppelten
Knoten gesichert; nachdem so die Schnur durch die Knoten gesichert ist,
schneide man sie mit der Scheere zwischen den Knoten durch. Eins aber
sollte beobachtet werden, ehe die Schnur gebunden wird, das ist, ob das
Kind athmet oder schreit. Giebt das Kind kein Lebenszeichen, so sollte
der Mund geöffnet werden, was die Ansammlung des Schleimes mindern
wird, bleibt dies aber ohne Erfolg, so sollte die Schnur gebunden und
abgeschnitten und das Kind in ein warmes Bad gebracht werden, wenn auch
dieses nach einigen Minuten noch erfolglos ist, so nehme es aus dem
Bade und hülle es in eine Flanelldecke. Dann versuche man künstliches
Athmen, was auf folgende Weise geschieht:

Man lege Daumen und Zeigefinger so auf die Nasenlöcher, daß diese
geschlossen sind, dann lege man den Mund auf den des Kindes und blase
in die Lungen, die Brust sollte dabei gepreßt werden, so daß die
eingeführte Luft wieder ausgestoßen werden muß. Dieses Verfahren sollte
so lange fortgeführt werden, bis keine Hoffnung mehr auf die Belebung
des Kindes vorhanden ist. Stellt sich aber allmählig Leben ein, so
reibe das Kind mit Alcohol oder Whiskey, durch warmes Wasser verdünnt,
ab. Zuweilen wird das Besprengen von Gesicht oder Brust des Kindes mit
kaltem Wasser dasselbe erwecken.

Nach der Entbindung erfährt die Mutter große Erleichterung und ist eine
Zeitlang gänzlich frei von Schmerzen, bis das dritte Stadium beginnt
und die Nachgeburt oder ~Placenta~ kommt. Starkes Ziehen sollte zur
Entfernung der Nachgeburt nicht angewendet werden, da Gefahr vorhanden
ist, daß sich die Gebärmutter umdreht, in der Regel reichen einige
Wehen hin, dieselbe auszustoßen.


Behandlung nach der Entbindung.

Ein Verband sollte um den Körper der Mutter gelegt werden, genügend
fest, um den erschlafften Unterleib zu stützen. Ihre Bekleidung ist,
wenn beschmutzt, zu wechseln, und sie selbst sollte in eine angenehmere
Lage, in ein dunkles Zimmer gebracht und nicht von Besuchern gestört
werden. Tücher sind lose unterzulegen, damit auf diese Weise die
stattfindenden Ausflüsse aufgefangen werden.


Verbinden des Nabels (~Dressing the Navel~).

Es sollte vermieden werden, daß der Nabel mit der gesunden Haut in
Berührung kommt. Um dies zu verhindern, mache man ein Loch, groß genug,
daß die Schnur durchgezogen werden kann, in ein Stück Muslin oder
Linnen ungefähr vier Zoll im Geviert, ziehe den Nabel durch und lasse
das Stück Zeug auf des Kindes Bauch liegen, dann mache eine Binde um
den Körper des Kindes, welche die Schnur auf den Bauch drückt.


Licht, Temperatur und Lüftung.

Das Zimmer der Wöchnerin sollte für die ersten zwei oder drei Tage nach
der Entbindung verdunkelt werden; nach dieser Zeit gestatte man dem
Licht ungehinderten Zutritt. Der Lüftung muß Aufmerksamkeit geschenkt
werden, und indem man frische Luft zuläßt, vermeide man vorsichtig,
die Wöchnerin der Zugluft auszusetzen. Die Temperatur des Zimmers muß
dem Wohlbefinden der Wöchnerin angemessen und gewöhnlich zwischen
fünfundsechzig und fünfundsiebzig Grad sein.


Nachwehen.

Nachdem das Kind geboren und die Nachgeburt erfolgt ist, verursacht das
Zusammenziehen der Gebärmutter, das mit mehr oder weniger Kraft vor
sich geht, beträchtliche Schmerzen. Sie beginnen gewöhnlich eine halbe
Stunde nach der Entbindung und hören nach ein oder zwei Tagen auf,
obgleich sie auch länger dauern mögen. Sie verkleinern die Gebärmutter
und treiben deren Inhalt aus. Zuweilen sind sie sehr heftig und dauern
länger als es wünschenswerth ist.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Folgendes möge gegeben werden:

    Eisenhut-Tinktur (~Tincture of aconite~)             30 Tropfen.
    Kampherwasser (~Camphor water~)                       1 Unze.
    Laudanum                                              1 Drachme.
    Gewöhnlicher Syrup                                    1 Unze.

  Dosis: Alle Stunden einen Theelöffel voll in einem Weinglas voll
  versüßten Wassers.

  =Homöopathisch.= ~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden bei
  Nervenschwäche und Erregtheit, dem man ungefähr eine Stunde darauf
  ~Nux Vomica~ folgen läßt. Wenn erforderlich, gebe man mehrere Dosen.

  ~Coffea~ und ~Aconitum~. -- Abwechselnd, wenn die Schmerzen stark
  sind und Kälte des Körpers vorhanden ist.

  ~Pulsatilla~ -- möge gegeben werden, wenn die Schmerzen nicht zu
  häufig wiederkehren, aber mehrere Tage fortdauern.

  ~Secale.~ -- Passend bei solchen, die schon viele Kinder geboren
  haben.

  ~Belladonna.~ -- Wenn die Schmerzen nach unten ziehen, Blutandrang,
  Kopfhitze, geröthetes Gesicht, kalte Füße; abwechselnd mit ~Opium~
  bei ungewöhnlicher Neigung zum Schlaf, mit schnarchendem Athem
  begleitet.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge einer Abbrühung von gleichen
  Theilen von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) mit ein wenig Whiskey oder
  anderem Spiritus über den Unterleib wird zuträglich gefunden werden.
  Dies sollte mehrere Male des Tages erneuert werden.


Blutfluß (~Flooding -- Hæmorrhage~).

Dies ist eines der gefährlichsten Symptome, welche sich während
der Wehen einstellen können. Sein Erscheinen kommt in der Regel
ganz unerwartet und erfordert sofortige und kräftige Behandlung. Es
erfolgt häufiger nach der Geburt des Kindes und ist zuweilen die Folge
geistiger Bewegung, wie Freude oder Sorge.

Die Gegend über der Gebärmutter sollte mit der Hand gerieben werden,
bis sich die Nachwehen einstellen, dann gebe die folgenden Mittel:

  ~Belladonna.~ -- Bei nach unten ziehenden Schmerzen, einem Gefühl,
  als ob etwas aus den Geschlechtstheilen fallen würde.

  ~Chamomilla.~ -- Wenn die Glieder kalt und den Wehen ähnliche
  Schmerzen vorhanden sind.

  ~China.~ -- Kann abwechselnd mit ~Ipecacuanha~, wenn Schwindel und
  Bewußtlosigkeit, Ohnmacht, Gesichtsblässe, schneidende Schmerzen in
  dem Unterleib vorhanden sind, gegeben werden. Wird den schlimmsten
  Fällen entsprechen.

  ~Pulsatilla.~ -- Wenn der Ausfluß gerinnt und in Zwischenräumen
  erscheint, aufhört und wieder eintritt. Man lasse ~Crocus~ oder
  ~Sabina~ folgen.

  Ein Tropfen der Zimmet-Tinktur in einem halben Bierglas voll Wasser
  und davon alle Minuten einen Theelöffel voll gegeben, wird sich
  in einigen Fällen sehr zuträglich erweisen. Tücher, in Eiswasser
  getaucht, oder Eis in Stückchen sollten auf den Unterleib und die
  Geschlechtsteile gelegt werden. Auch lasse man viel und oft kaltes
  Wasser trinken.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Heilmittel löse man
  12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle 15 Minuten
  oder halbe Stunde einen Theelöffel voll; sobald sich Besserung zeigt,
  verlängere die Zwischenräume.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn sich der Blutfluß vor der
  Entfernung der Nachgeburt einstellt, sollten Mittel dagegen gegeben
  und um die Gebärmutter zur Zusammenziehung anzureizen, sollte fest
  über derselben gedrückt werden. Kaltwasser-Umschläge mache man
  äußerlich über den betreffenden Theil. Zimmet-Tinktur (~Tincture
  of cinnamon~) gebe man in Dosen von einem Theelöffel voll in einem
  Weinglas voll versüßten Wasser alle 5 bis 15 Minuten oder in längeren
  Zwischenräumen. Auch kann eine Mischung von gleichen Theilen von
  Ratanhia (~Rhatany~), Zimmet-Tinktur (~Tincture of cinnamon~) und
  Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) mit Erfolg angewendet
  werden.

  =Allöopathisch.= Folgende Pillen mögen genommen werden:

    Essigsaures Blei (~Acetate of lead~)                  2 Grane.
    Mohnkopf-Extrakt (~Extract of poppies~)               2   „

  Mache eine Pille daraus, wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden und
  lasse gleichzeitig Essig mit Wasser trinken.


Dauer des Kindbetts.

Es ist rathsam, sechs bis acht Tage nach der Entbindung im Bett zu
verbleiben, doch hängt dies von Umständen ab. Viele Frauen sind schon
am sechsten Tage besser auf den Füßen als andere nach drei Wochen. Ist
die Entbundene schwach, der Gesundheitszustand nicht gut, so sollte
die Zeit bis zur vollkommenen Genesung ausgedehnt werden. Nach den
ersten acht oder neun Tagen lasse man sie täglich eine kurze Zeit in
einem bequemen Stuhl sitzen, gestatte ihr aber nie vor dem zehnten bis
fünfzehnten Tag zu gehen.


Diät und Regeln während des Kindbetts.

Durch das Ordnen der Kost kann viel Schlimmes vermieden werden. Man
kann größtenteils den Wünschen der Wöchnerin in dieser Richtung Folge
leisten, sollte ihr aber durchaus nichts von reizender Wirkung reichen.
Auch ist es wichtig, daß die Wöchnerin gehörig rein gehalten wird;
jene Theile, die gewaschen werden müssen, sollten mit warmem Wasser
gereinigt werden und in den ersten Tagen sollte es immer nach einigen
Stunden wiederholt werden. Man lasse sie schwarzen Thee, kaltes Wasser,
entweder mit oder ohne Erdbeer- oder Himbeer-Syrup trinken. Cacao ist
zuweilen erwünscht und Claret, mit Wasser verdünnt, gibt einen guten
Trank.


Lochien oder Geburtsblutfluß.

Nachdem die Nachgeburt vorüber ist, tritt ein Blutfluß ein, der mehrere
Tage anhält. Dieser Fluß kommt aus den Oeffnungen der Gefäße in der
Gebärmutter, die nach der Entfernung der Nachgeburt blosgestellt sind;
in den ersten drei oder vier Tagen ist er von einem rothen Blute und
dann wässerig; nach Verlauf von sechs oder sieben Tagen wieder dick
und gelblich. Bei Einigen hört er nach etlichen Tagen auf, während er
bei Andern wieder Wochen lang anhält. Mit der Unterdrückung dieses
Blutflusses ist beträchtliche Gefahr verbunden.


Unterdrückung der Lochien.

+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Man öffne die Eingeweide vermittelst
  eines gelinden Abführmittels, wie Castoröl oder Bittersalz
  (~Epsom salts~), und lasse einen starken Aufguß von Mutterkraut
  (~Motherwort~) so heiß als möglich und öfters wiederholt
  trinken. Sind Symptome von Fieber vorhanden, so mache man warme
  Umschläge von Hopfen und Rainfarn (~Tansy~) auf den Unterleib
  und gebe eine Mischung, zusammengesetzt aus zwei Theilen der
  Schlangenwurzel-Tinktur (~Tincture of black cohosh~) und einem Theil
  Eisenhutwurzel-Tinktur (~Tincture of aconite root~), 8 Tropfen in
  einem Theelöffel voll Wasser als eine Dosis, alle Stunde oder zwei
  Stunden zu wiederholen.

  =Homöopathisch.= ~Bryonia.~ -- Kann gegeben werden bei Vollsein und
  Schwere des Kopfes, Druck in den Schläfen, klopfendem Kopfschmerz,
  Kreuzweh. Wenn starkes Fieber, Blutandrang nach dem Kopf und Delirien
  vorhanden sind, gebe man ~Aconitum~ und ~Belladonna~ abwechselnd.

  ~Pulsatilla.~ -- Wenn die Unterdrückung von geistigen Erregungen oder
  Erkältung herrührt, besonders bei Kopfschmerz, Fieber, Kälte der Füße
  und häufigem Verlangen zum Uriniren.

  ~Dulcamara~ und ~Pulsatilla~. -- Abwechselnd wenn die Unterdrückung
  die Folge des Aussetzens der Feuchtigkeit und Kälte sein sollte.

  ~Coffea~ und ~Chamomilla~ -- gebe man abwechselnd, wenn die Patientin
  sehr erregt, unruhig und nervös ist, und es ist Diarrhöe und Kolik
  vorhanden. Warme Wasserumschläge sollten auf den Unterleib gemacht
  und warme Fuß- und Hüftenbäder genommen werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle Stunde, oder
  alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
  Theelöffel voll.


Uebermäßige und lange anhaltende Lochien.

Wenn die Lochien übermäßig stark sind oder zu lange anhalten, so wird
die Kranke sehr leicht dadurch geschwächt.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Crocus.~ -- Wenn der Ausfluß dunkel gefärbt,
  schwarz und klebrig ist, mit einem Gefühl im Unterleib, als ob dort
  etwas Lebendiges wäre.

  ~China~ und ~Ipecacuanha~ -- kann abwechselnd gegeben werden, wenn
  der Ausfluß bei Krampfanfällen, Schwindel, Uebelkeit, Ohnmacht, Kälte
  der Endglieder, Blässe des Gesichts und Hinfälligkeit stattfindet.

  ~Aconitum.~ -- Wenn der Ausfluß von einer dunkelrothen Farbe ist.
  Zeigt sich ~Aconitum~ unzureichend, so gebe man ~Calcarea carbonica~.

  ~Rhus.~ -- In Fällen, wo die Lochien zurückkehren, nachdem sie
  bereits aufgehört hatten.

  ~Silicea.~ -- Wenn sich die Lochien jedesmal dann einstellen, wenn
  das Kind an die Brust gelegt wird.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man 6
  Kügelchen, alle 4 Stunden, bis es besser wird.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Weißeichen-Rinde,
  Storchschnabel (~Geranium~) und Rüster-Rinde (~Witch hazel bark~)
  kann angewendet werden, wovon die Kranke oft und viel trinken sollte.
  Eine Mischung von Caulophyllin und Geranium, je ein Skrupel, mag alle
  Stunden in Dosen von 2 Granen gegeben werden. Bade die Theile oft in
  kühlem Wasser.


Milchfieber.

Ungefähr den dritten oder vierten Tag nach der Entbindung füllen sich
die Brüste mit Milch und gleichzeitig stellt sich Frost ein, dem ein
starkes Fieber und Kopfschmerz folgt, und dies wird das Milchfieber
genannt. In der Regel wird das Fieber dadurch, daß man das Kind sobald
als möglich an die Brust legt, verhindert. Sollte aber aus irgend einer
Ursache das Fieber zunehmen und starker Kopfschmerz, Durst, schneller
Puls und Klopfen der Schläfe vorhanden sein, so sollte etwas dagegen
gethan werden.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Man verschaffe vermittelst des folgenden Stuhlgang:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Salpetersaure Potasche (~Nitrate of potash~)         10 Grane.
    Lakritzen-Extrakt (~Ext. of Liquorice~)               1 Skrupel.
    Zusammengesetzter Aufguß von Sennesblättern
    (~Compound infusion of senna~)                       5½ Unzen.
    Sennesblätter- und Jalappenwurzel-Tinktur (~Tinct.
    of senna and jalap~)                                  3 Drachmen.
    Spiritus von flüchtigem Salz (~Spirit of Sal
    volatile~)                                            1 Drachme.

  Mische es. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll, so oft als
  erforderlich.

  Nachher gebe das folgende:

    Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~)       1 Unze.
    Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of
    acetate of Ammonia~)                                  3 Unzen.
    Wasser                                                3   „
    Laudanum                                              ½ Drachme.

  Mische es. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Man gebe zur Erhaltung des Stuhlganges
  Seidlitz-Pulver und mache warme Umschläge über die Brüste. In einigen
  Fällen kann das zusammengesetzte Pulver von Brechwurz (~Ipecac~) und
  Opium gegeben werden.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starkem Fieber, heißer Haut,
  Durst, Brust hart und knotig, Angst, Unruhe.

  ~Bryonia.~ -- Wenn die Symptome theilweise von ~Aconitum~ gelindert
  wurden, oder die Brüste von Milch angeschwollen sind; schmerzhafte
  Brust, Beklemmung.

  ~Belladonna.~ -- Kann nach ~Aconitum~ oder abwechselnd mit diesem
  oder ~Bryonia~ gegeben werden, wenn die Hauptsymptome, wie
  betäubender Kopfschmerz, funkelnde Augen, Delirium sehr heftig
  sind. Sind die Brüste gegen Berührung empfindlich und es ist Unruhe
  und Aufregung vorhanden, so gebe man ~Coffea~ und ~Chamomilla~
  abwechselnd.

  ~Pulsatilla.~ -- Mag gegeben werden, wenn die Brüste stark
  angeschwollen sind, bei Wehsein und Schmerzen, die sich auf die
  Muskeln der Brust und Schultern erstrecken. Baden der Brüste in
  heißem Fett, dem ein wenig Arnika-Tinktur beigefügt wurde, wird in
  einigen Fällen sehr zuträglich gefunden werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nimm jede Stunde oder
  alle 2, 3 bis 4 Stunden, der Strenge der Symptome angemessen, einen
  Theelöffel voll.


Ausbleiben der Milch.

Die Absonderung der Milch kann sich aus verschiedenen Ursachen,
wie durch das Aussetzen der Kälte und Feuchtigkeit, geistige
Erregung, Diätfehler, plötzlich einstellen. Die Folgen einer solchen
Unterdrückung können sehr ernst werden, und es ist daher gut, dieselbe,
wenn irgend möglich, zu verhüten.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ -- wird in der Regel hinreichen, den
  Milchfluß wieder herzustellen, besonders wenn die Unterdrückung die
  Folge von Erkältung ist.

  ~Belladonna~ und ~Bryonia~ -- mag abwechselnd bei Blutandrang nach
  dem Kopf oder Lungen, Fieber und Gliederschmerzen gegeben werden.

  Bei Unruhe, Fieber, Hitze, trockener Haut und Durst gebe man
  abwechselnd ~Aconitum~ und ~Coffea~, besonders wenn geistige
  Erregungen Ursache der Unterdrückung waren.

  ~Calcarea Carbonica.~ -- Ist ein ausgezeichnetes Mittel, wenn leichte
  Veranlassungen die Unterdrückung herbeiführten.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse man 12
  Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und nehme alle zwei oder vier
  Stunden zwei Theelöffel voll.


Uebermäßige Ansammlung der Milch.

Zuweilen tritt eine übermäßige Milchabsonderung ein, welche ein
Anschwellen und eine Entzündung der Brüste verursacht; auch findet ein
unfreiwilliges Abfließen der Milch statt, dem Schwäche, Kopfschmerz und
andere Störungen des Nervensystems folgen.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= ~Calcarea Carbonica~ oder ~Phosphorus~ -- wird
  gewöhnlich Linderung gewähren.

  ~Aconitum~ und ~Belladonna~ -- werden zuträglich gefunden werden,
  wenn Fieber oder Kopfschmerz, sowie andere Symptome von Blutandrang
  vorhanden sind.

  ~China.~ -- Bei unfreiwilligem Abfließen der Milch, oder wenn die
  Betreffende durch den Milchverlust geschwächt wird.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Man löse 12 Kügelchen von dem gewählten
  Mittel in 12 Theelöffel voll Wasser und gebe alle 2, 3 oder 4 Stunden
  einen Theelöffel voll.

  Die äußerliche Anwendung von Baumwolle (~Cotton batting~) ist sehr zu
  empfehlen.


Wunde Brustwarzen

kommen häufig vor und werden zu einer Plage, die durch eine gehörige
Pflege der Brüste vor der Entbindung vermieden werden mag; in einigen
Fällen aber wird dies von der geringfügigsten Ursache herbeigeführt.
Häufiges Baden in kaltem Wasser, sowohl einfach als auch mit einigen
Tropfen Arnica-Tinktur oder Branntwein gemischt, wird die Zartheit der
Haut heben und dieselbe kräftigen. Dies sollte jedesmal, nachdem das
Kind gesaugt hat, wiederholt werden. Ein Warzenschild wird häufig diese
Beschwerde verhindern oder entfernen.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Entzündung beträchtlich
  ist, mache man Umschläge von Ulmenrinde (~Elm bark~) oder Ulmen
  und Hopfen. Zuweilen mag eine Auflösung von vier bis fünf Granen
  salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) auf eine Unze Wasser
  mit Vortheil angewendet werden. Nachdem die starke Entzündung
  nachgelassen hat, gebrauche man folgendes:

    Schöpsenfett (~Mutton tallow~)                        ½ Unze.
    Peruvianischer Balsam (~Balsam of peru~)              ½ Drachme.
    Glycerin                                              ½    „
    Honig                                                 ½    „

  Zerlasse das Fett, seihe es durch und mische es dann mit den übrigen
  Bestandtheilen. Mache davon vier- bis fünfmal des Tages Umschläge auf
  die Brustwarzen.

  =Homöopathisch.= In allen Fällen sollten die Warzen, nachdem das
  Kind die Brust verlassen hat, mit kaltem Wasser, dem einige Tropfen
  Arnica-Tinktur beigefügt sind, gewaschen, dann gehörig abgetrocknet,
  die Milch aus denselben gedrückt und mit pulverisirter Stärke bedeckt
  werden.

  Dr. H. R. Stout von Chicago spricht günstig von pulverisirtem
  Gummi-Arabicum, der auf die wehe Warze nach jedesmaligem Stillen
  gestreut wird, ebenso von Benzoe- (~Benzoin~) oder Benjamin-Tinktur
  vermittelst eines Kameelhaarpinsels aufgetragen.

  Dr. Herring von Philadelphia empfiehlt pulverisirten weißen
  Zucker als ein ausgezeichnetes Mittel. Borax in dem Schleim der
  schlüpferigen Ulme (~Slippery elm~) aufgelöst ist eine vorzügliche
  Waschung. Töpferthon (~Potters clay~) auf die Warzen gestreut,
  wird öfters zuträglich gefunden werden. Innerliche Heilmittel sind
  folgende:

  ~Chamomilla.~ -- Mag gegeben werden, wenn die Warzen geschwollen und
  entzündet sind. Gewährt dies keine Linderung, gebe folgende Mittel
  der Reihe nach, jeden Tag eine Dosis und zwar eine Woche hindurch:

  ~Nux vomica, Mercurius, Sulphur, Silicea, Lycopodium, Graphites,
  Sepia, Calcarea Carbonica.~ Von ~Chamomilla~ mag alle vier oder sechs
  Stunden eine Dosis (6 Kügelchen) gegeben werden.

  =Allöopathisch.= Folgende Waschungen werden zuträglich gefunden
  werden:

  Löse entweder Alaun (~Alum~), Borax, schwefelsaures Zink (~Sulphate
  of zinc~) oder Kupfer in Rosenwasser auf, im Verhältniß von einem
  Gran auf eine Unze, und mache davon Umschläge auf die Warze. Auch
  eine Auflösung von Gerbersäure (~Tannic acid~) wird zuträglich
  gefunden werden.

  Folgendes ist ein vortrefflicher Umschlag:

    Glycerin                                              1 Drachme.
    Tannin                                                1    „

  Mische es.


Aufgebrochene Brüste (~Broken Breast -- Mastitis~).

Entzündung der Brust wird häufig bei stillenden Müttern gefunden und
wird in der Regel durch Erkältung oder auch zu starkes Ansammeln
der Milch in den Brüsten, sowie durch Druck auf dieselben, örtliche
Verletzungen u.s.w. verursacht.

+Symptome.+ Gewöhnlich stellt sich anfänglich Frost ein, dem mehr
oder weniger Fieber folgt, und leichte, spießende Schmerzen, die beim
Druck zunehmen, werden gefühlt. Zuweilen dehnt sich der Schmerz bis
zur Achselgrube aus, und wenn die Entzündung fortschreitet, schwillt
die Brust an, wird hart, knotig und uneben, bis schließlich die Haut
eine dunkle Farbe annimmt und sich Eiter bildet, die Kranke schwach und
reizbar wird und abmagert. Zuweilen ist dies sehr hartnäckig.


+Behandlung.+

  =Homöopathisch.= Das erste, was zu geschehen hat, ist das Ausziehen
  der Milch, was das Anschwellen vermindern und die Entzündung
  verhindern wird. Umschläge von Brod und Milch oder schlüpferiger
  Ulme sollten gemacht werden, was die Wärme erhält und dadurch das
  Anschwellen der Milchröhren vermindert. Ein Umschlag von gelben Rüben
  (~Carrots~) wird in allen Stadien dieser Krankheit gut gefunden
  werden. Flanelltücher, in heißem Branntwein ausgerungen, werden
  sich zuweilen zuträglich erweisen. Wenn die Brust anschwillt oder
  empfindlich wird, so sollte ~Belladonna~ und ~Bryonia~ entweder
  allein oder abwechselnd gegeben werden, besonders bei schießendem,
  zerreißendem Schmerz und beträchtlichem Kopfschmerz. Wenn, nachdem
  die Entzündung nachgelassen hat, noch Härte vorhanden ist, gebe man
  alle 6 Stunden eine Dosis ~Mercurius~. Bleiben Knoten in der Brust
  zurück, so wird ein Pflaster von Bienenwachs und süßem Oel zuträglich
  gefunden werden. Wenn sich Eiter bildet, was an dem klopfenden
  Schmerz in der Brust erkannt werden kann, sollte ~Hepar sulphuris~
  gegeben, bis er herausbricht, und Umschläge von Leinsamen gemacht
  werden. Bei Vorhandensein eines übermäßig starken Ausflusses von
  Eiter nehme man ~Phosphorus~ allein oder abwechselnd mit ~Hepar
  sulphuris~. ~Silicea~ mag gegeben werden, wenn der Ausfluß wässerig
  ist, aus mehreren Oeffnungen herausbricht und langsam heilt.

  ~Graphites~ oder ~Calcarea Carbonica~ kann besonders bei hartnäckigen
  Fällen angewendet werden.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Zu Anfang, wenn ~Belladonna~ und
  ~Bryonia~ genommen werden, löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel
  voll Wasser auf und nehme alle Stunde einen Theelöffel voll.

  Andere Heilmittel nehme man alle 3 oder 6 Stunden.

  Werden ~Sulphur~ oder ~Calcarea~ angewendet, so ist Morgens und
  Abends eine Dosis hinreichend.

  =Allöopathisch.= Man halte die Brüste von Milch frei, entweder durch
  Anlegen des Kindes oder durch Anwendung der Brustpumpe. Folgendes mag
  zur äußerlichen Anwendung dienen:

    Belladonna-Tinktur (~Tinct. of belladonna~)           1 Unze.
    Kampher-Tinktur (~Tinct. of camphor~)                 1  „

  Mische es und befeuchte damit drei- oder viermal des Tages die Brust.

  Weicht die Anschwellung nach diesem Mittel nicht, so möge man warmen
  Essig gebrauchen. Blutegel können unter die Brust gesetzt werden und
  zwar so, daß dadurch nicht die Anwendung des warmen Essigs verhindert
  wird. Dauert die Anschwellung und der Schmerz dennoch fort, so mache
  man warme Umschläge von Hopfen und nehme innerlich folgendes:

    Eisenhut-Tinktur (~Tinct. of aconitum~)               2 Drachmen.
    Essigsaures Morphium (~Acetate of morphine~)          2 Grane.
    Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~)    1 Unze.
    Wasser                                                3 Unzen.

  Mische es. Dosis: alle Stunde einen Theelöffel voll, bis das Fieber
  nachläßt, dann alle 2 oder 3 Stunden. Die Brüste sollten durch
  Streifen von Heftpflaster unterhalb und ringsherum gestützt werden.

  Kommt die Patientin von Kräften, so mag ihr Bier, Porter und Wein
  gegeben werden. Wenn sie skrophulös ist, gebrauche man folgendes:

    Zusammengesetzter Talgbaum- (~Stillingia~) Syrup      8 Unzen.
    Potaschen Jodid (~Iodide of potash~)                  2 Drachmen.
    Fowler’s Solution                                    1½    „

  Mische es. Dosis: 2 Theelöffel voll in Wasser dreimal des Tages.

  =Eclectische und Kräuterkur.= In den ersten drei oder vier Tagen
  wasche die Brust dreimal des Tages mit einer Salbe, bestehend aus je
  einer Unze Kampher (~Camphor~), Sassafrasöl und Cajeput- (~Cajeput~)
  Oel. Nach jeder Waschung gebrauche folgendes:

    Feingeschnittene spanische Seife (~Castille
    soap~)                                               1½ Unze.
    Gelbes Bienenwachs                                    ½  „
    Schweinefett                                          1  „

  Bei mäßigem Feuer geschmolzen, und wenn fast erkaltet, füge allmählig
  acht Drachmen Jamaica-Spiritus (~Jamaica spirits~), in dem zuvor 30
  Grane Kampher aufgelöst waren, hinzu. Schneide ein Stück Leinen von
  der Größe der Brust, lasse in der Mitte für die Brustwarze ein Loch,
  streiche die Salbe auf und lege es so warm als es ertragen werden
  kann auf die Brust. Alle 4 bis 6 Stunden nehme man es herunter, wärme
  es von neuem, und nachdem man die genannte Waschung angewendet, lege
  man es wieder auf. Bildet sich Eiter, so mache man einen Umschlag von
  schlüpferiger Ulme (~Slippery elm~) oder von Brod und Milch. Frische
  Kermesbeere (~Poke root~) in Asche weich geröstet und zerdrückt,
  mit einer gleichen Menge pulverisirter Lobelia und heißem Wasser
  gemischt, wird zuträglich gefunden werden.


Verstopfung und Diarrhöe.

Diese können sehr gefährlich werden, besonders Diarrhöe, und sind einer
gehörigen Behandlung zu unterziehen. Wegen deren Behandlung siehe
Kapitel 12, erster Theil.


Kindbettfieber (~Childbed Fever -- Puerperal Peritonitis~).

Dies ist eine sehr gefährliche Krankheit, die nur von einem erfahrenen
Arzte behandelt werden sollte. Sie besteht in einer Entzündung des
Bauchfelles oder der Schleimhaut, welche den Magen einfaßt und die
Eingeweide bedeckt.

+Symptome.+ Wie bei den meisten Fiebern, geht Frösteln, Uebelkeit
oder Erbrechen und Schmerz im Bauche voraus; letzterer ist zuweilen
sehr ausgebreitet oder beschränkt sich auf einen Fleck; der Unterleib
wird ebenso groß als vor der Entbindung und so empfindlich, daß kaum
das Gewicht der Betttücher ertragen werden kann; die Schmerzen sind
unerträglich, der Puls ist häufig klein und scharf, die Haut heiß,
Zunge weiß und belegt oder rein, die Kranke ist durstig, erbricht
sich öfters, Milch und Lochien sind zuweilen unterdrückt, das Athmen
ist schwierig, zuweilen stellt sich Husten ein, die Eingeweide sind
verstopft oder es ist Diarrhöe vorhanden. Nimmt die Krankheit eine
schlimme Wendung, so nimmt das Anschwellen und die Ausdehnung des
Bauches zu, das Erbrechen dauert fort, der Puls ist schnell und
unregelmäßig, die Glieder werden kalt und plötzlich hört der Schmerz
auf, was ein Zeichen des Endes ist.

+Ursachen.+ Gewaltthätigkeit während der Entbindung, Erkältung,
Diarrhöe, Unterdrückung der Milchabsonderung, heftige, geistige
Erregungen.


+Behandlung.+

  =Allöopathisch.= Der Kranken sollte beim Beginn zur Ader gelassen
  werden oder es sollten Blutegel an den Unterleib gesetzt werden;
  geschieht das Letztere, so sollte ein Umschlag von Leinsamen oder
  Indischem Mehl (~Indian meal~) folgen, werden keine Blutegel gesetzt,
  so lege man Flanell, in Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~)
  getränkt, über den Bauch. Kleine Dosen von Lobelia oder Brechwurz
  (~Ipecac~), hinreichend, Uebelkeit und eine Feuchtigkeit auf der
  Haut hervorzurufen, mögen zuerst gegeben werden, oder die Tinktur
  von Nießwurz (~Veratrum Viride~), in Dosen von 5 bis 10 Tropfen jede
  Stunde, was die Kranke häufig in einen starken Schweiß bringen wird.
  Der Stuhlgang sollte durch Einspritzungen von warmem Wasser oder
  durch andere gelinde Mittel hergestellt werden. Opium und Kalomel,
  im Verhältniß von einem halben Gran des Ersteren auf ein Gran des
  Letzteren, sollte alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome
  angemessen, gegeben werden. Wird die Kranke schwach, so sollte man
  Chinin und Opium und ebenso Rindsthee, Wein, Branntwein oder Whiskey
  geben.

  =Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Krankheit mit Uebelkeit
  und Erbrechen beginnt, gebe man ein Brechmittel und lasse ein
  Abführmittel, wie nachstehendes, folgen:

    Entenfuß (~Podophyllin~)                              2 Grane.
    Leptandrin                                            4   „
    Cremor Tartari (~Cream of tartar~)                   10   „

  Eine Einspritzung von einem halben Eßlöffel voll der
  zusammengesetzten Tinktur der Lobelia und des spanischen Pfeffers
  (~Tinct. of Lobelia and Capsicum~) in einer oder zwei Unzen warmem
  Wasserdost (~Boneset~), Sennesblätter oder Lobeliathee kann
  gegeben werden; auch wasche man den Unterleib häufig mit warmem
  Saleratus-Wasser. Nachdem das Abführmittel gewirkt hat, lasse man die
  Kranke viel und oft von einem Thee der Roßmünze-Tinktur (~Tincture
  of horsemint~), der Kamillenblüthen oder Hunde-Manilla (~May
  weed~) hinzugefügt sind, trinken. Die zusammengesetzte virginische
  Schlangenwurzel-Tinktur (~Compound tincture of Virginia snake root~)
  mag gegeben werden, um Schweiß hervorzurufen. Dosis: jede Stunde oder
  alle zwei Stunden einen Theelöffel voll in einem warmen Balsam-,
  Katzenmünze- (~Catnip~) oder Pleuresiewurzel-Thee. Nachdem sich der
  Schweiß eingestellt hat, sollte die Tinktur in kleineren Dosen und
  in längeren Zwischenräumen gegeben werden. In einigen Fällen werden
  sich 15 oder 20 Tropfen einer Mischung aus gleichen Theilen von
  Fingerhut (~Digitalis~) und Stechapfel (~Stramonium~) jede Stunde
  oder alle zwei Stunden zuträglich erweisen. Heiße Bähungen von Hopfen
  und Rainfarn (~Tansy~) mögen auf den Unterleib gemacht werden, die
  öfters zu erneuern sind. Stechapfel- (~Stramonium~) Blätter sind
  zu einem Umschlag auf den Unterleib sehr zu empfehlen; sie sollten
  zerquetscht, warm gemacht und als Bähungen verwendet werden. Ist
  die Zunge stark belegt und das Fieber hält an, so gebe man gleiche
  Theile von pulverisirter Blutwurzel (~Blood root~), Kalmus (~Blue
  flag root~) und Salpeter (~Nitre~) in Dosen von 15 Granen alle drei
  Stunden. Senfpflaster lege auf den Nacken, die Füße und auf die
  innere Seite der Lenden.

  =Homöopathisch.= ~Aconitum~ -- ist das erste Mittel, besonders wenn
  die Krankheit mit Frost beginnt, dem eine trockene, heiße Haut folgt,
  bei schnellem Puls.

  ~Belladonna.~ -- Bei sehr scharfen Schmerzen im Unterleibe,
  ziehendem Gefühl, klopfenden Schmerzen im Kopfe, geröthetem Gesicht,
  glasigem Blick, Harnverhaltung, außerordentliche Empfindlichkeit des
  Unterleibes.

  ~Bryonia.~ -- Außerordentliche Empfindlichkeit des Unterleibes,
  Verstopfung, schießenden Schmerzen im Unterleib. Kann abwechselnd mit
  ~Aconitum~ gegeben werden.

  ~Pulsatilla.~ -- Wo der Anfall gelinde auftritt; großer Druck nach
  unten, häufiges Verlangen nach Urinlassen.

  Andere Mittel sind: ~Apis~, ~Arnica~, ~Arsenicum~, ~Hyosciamus~,
  ~Chamomilla~, ~Rhus~.

  +Verordnung der Heilmittel.+ Im Anfange ist es das beste, ~Aconitum~
  und ~Belladonna~ abwechselnd alle eine, zwei, drei oder vier Stunden,
  der Strenge der Symptome angemessen, zu geben. Man gebe 10 oder 12
  Kügelchen auf eine Dosis. Andere Mittel sind in derselben Weise zu
  geben.


Die weiße Schenkelgeschwulst (~Milk Leg, Phlegmasia Alba Dolens~).

Man glaubte ehemals, daß diese Krankheit durch einen Fluß der Milch
in den Schenkel verursacht würde, was aber selbstverständlich nicht
möglich ist.

+Symptome.+ Es tritt ein unangenehmes Gefühl oder Schmerz in den
unteren Theil der Eingeweide, der sich bis auf die Hüften ausdehnt;
zuweilen sind keine warnenden Symptome vorhanden, sondern die Krankheit
beginnt mit einem heftigen Frost, dem Fieber folgt, welches ein starker
Schmerz in der Lende begleitet. Nach ein oder zwei Tagen vermindert
sich der Schmerz und eine Anschwellung stellt sich ein, die gewöhnlich
in der Schamleiste anfängt und sich nach unten zieht. Hin und wieder
kann sich aber auch die Anschwellung zuerst in den Waden einstellen
und dann nach oben ziehen. Die Haut ist sehr glänzend und glatt, sowie
auch hart und schmerzhaft gegen Berührung und das Bein ist schwer und
steif. In Verbindung mit dem letzten ist schwacher und sehr schneller
Puls, Durst, Schläfrigkeit u.s.w.


+Behandlung.+

  =Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten mit dem
  zusammengesetzten Pulver der Jalappenwurzel (~Compound powder of
  jalap~), jede Dosis 10 oder 15 Grane Cremor Tartari beigefügt,
  gereinigt werden. Dies sollte alle zwei oder drei Tage während der
  Entzündung wiederholt werden. Das Bein wasche man mit einer Lösung
  von Salz, Essig und Wasser und gelegentlich mit einem Aufguß von
  Bitterkräutern wie Wasserdost (~Boneset~), Hopfen und Rainfarn
  (~Tansy~). Folgende Salbe mag mit Erfolg angewendet werden:

    Süßes Oel