Home
  By Author [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Title [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Language
all Classics books content using ISYS

Download this book: [ ASCII | HTML | PDF ]

Look for this book on Amazon


We have new books nearly every day.
If you would like a news letter once a week or once a month
fill out this form and we will give you a summary of the books for that week or month by email.

Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. - Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14.
Author: Macaulay, Thomas Babington Macaulay, Baron
Language: German
As this book started as an ASCII text book there are no pictures available.
Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. - Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14." ***

This book is indexed by ISYS Web Indexing system to allow the reader find any word or number within the document.



                     Thomas Babington Macaulay's



                        Geschichte von England
                               seit der
                 Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.


                         Aus dem Englischen.

                     Vollständige und wohlfeilste
                         ^Stereotyp-Ausgabe^.

                           Siebenter Band:
                    enthaltend Kapitel 13 und 14.

                            Leipzig, 1856.
                           G. H. Friedlein.



                         Dreizehntes Kapitel.
                          Wilhelm und Marie.


Inhalt.

                                                                   Seite
   Die Revolution in Schottland heftiger als in England                5
   Wahlen für die Convention                                           6
   Mißhandlung des Episkopalklerus                                     6
   Zustand von Edinburg                                                9
   Die Frage einer Union zwischen England und Schottland in            9
      Anregung gebracht
   Wunsch der englischen Niederkirchlichen, das Episkopat in          13
      Schottland beizubehalten
   Ansichten Wilhelm's über das kirchliche Regiment in Schottland     13
   Comparative Stärke der religiösen Parteien in Schottland           15
   Schreiben von Wilhelm an die schottische Convention                16
   Wilhelm's Instructionen für seine Agenten in Schottland            16
   Die Dalrymple                                                      16
   Melville                                                           18
   Jakob's Agenten in Schottland: Dundee, Balcarras                   19
   Zusammentritt der Convention                                       21
   Hamilton zum Präsidenten erwählt                                   22
   Wahlausschuß                                                       23
   Das Schloß von Edinburg zur Uebergabe aufgefordert                 23
   Dundee von den Covenanters bedroht                                 24
   Schreiben von Jakob an die Convention                              25
   Wirkung von Jakob's Schreiben                                      26
   Dundee's Flucht                                                    27
   Tumultuarische Sitzung der Stände                                  28
   Ein Ausschuß zur Entwerfung eines Regierungsplanes ernannt         29
   Vom Ausschuß vorgeschlagene Beschlüsse                             31
   Wilhelm und Marie proklamirt                                       32
   Die Rechtsforderung                                                32
   Abschaffung des Episkopats                                         32
   Die Folter                                                         33
   Wilhelm und Marie nehmen die Krone Schottland's an                 35
   Unzufriedenheit der Covenanters                                    36
   Ministerielle Einrichtungen in Schottland                          37
   Hamilton                                                           37
   Crawford                                                           37
   Die Dalrymple. -- Lockhart                                         38
   Montgomery                                                         38
   Melville                                                           38
   Carstairs                                                          39
   Bildung des Clubs; Annandale, Roß                                  39
   Hume                                                               39
   Fletcher von Saltoun                                               40
   In den Hochlanden bricht Krieg aus                                 40
   Zustand der Hochlande                                              40
   Eigenthümlicher Character des Jakobitismus in den Hochlanden       49
   Eifersucht auf den Einfluß der Campbells                           50
   Die Stewarts und Macnaghtens                                       52
   Die Macleans                                                       53
   Die Camerons; Lochiel                                              53
   Die Macdonalds                                                     55
   Fehde zwischen den Macdonalds und den Mackintoshs. Inverneß        56
   Inverneß wird von Macdonald von Keppoch bedroht                    57
   Dundee erscheint in Keppoch's Lager                                58
   Aufstand der den Campbells feindlichen Clans                       60
   Tarbet's Rath für die Regierung                                    61
   Unentschiedener Feldzug in den Hochlanden                          62
   Militärischer Character der Hochländer                             63
   Zwistigkeiten in der hochländischen Armee                          67
   Dundee sucht bei Jakob um Unterstützung nach                       68
   Unterbrechung des Kriegs in den Hochlanden                         69
   Bedenklichkeiten der Covenanters, für König Wilhelm die Waffen     69
      zu ergreifen
   Aushebung des Cameron'schen Regiments                              70
   Uebergabe des Schlosses von Edinburg                               71
   Parlamentssession in Edinburg                                      72
   Einfluß des Clubs                                                  72
   Unruhen in Athol                                                   74
   Der Krieg bricht in den Hochlanden wieder aus                      76
   Dundee's Tod                                                       81
   Mackay's Rückzug                                                   82
   Eindruck der Schlacht von Killiecrankie                            83
   Vertagung des schottischen Parlaments                              83
   Die hochländische Armee verstärkt                                  86
   Gefecht bei St. Johnston's                                         87
   Unordnung in der hochländischen Armee                              88
   Mackay's Rath wird von den schottischen Ministern nicht            89
      beachtet
   Die Camerons werden nach Dunkeld verlegt                           89
   Die Hochländer greifen das Regiment Cameron an                     90
   Auflösung der hochländischen Armee                                 91
   Intriguen des Clubs, Zustand des Niederlandes                      91


Die Revolution in Schottland heftiger als in England.

Die Heftigkeit der Revolutionen steht gewöhnlich im Verhältnis mit der
Schwere der Regierungssünden, welche sie herbeigeführt haben. Es kann
daher nicht Wunder nehmen, daß die Regierung von Schottland, welche seit
vielen Jahren despotischer und verderbter gewesen war als die von
England, mit einem weit heftigeren Sturze fiel. In England war die
Bewegung gegen den letzten König des Hauses Stuart conservativ, in
Schottland war sie destructiv. Die Engländer beschwerten sich nicht über
das Gesetz, sondern über die Verletzung des Gesetzes; sie erhoben sich
gegen den ersten Beamten des Staats lediglich, um die Suprematie des
Gesetzes zur Geltung zu bringen, und sie waren zum größten Theil treue
Anhänger der durch das Gesetz eingeführten Landeskirche. Selbst bei
Anwendung des außergewöhnlichen Heilmittels, zu welchem sie durch eine
außergewöhnliche Lage zu greifen gezwungen worden waren, wichen sie so
wenig als möglich von den durch das Gesetz vorgeschriebenen ordentlichen
Formen ab. Die zu Westminster tagende Convention war, obwohl durch
unregelmäßige Ausschreiben einberufen, genau nach dem Muster eines
regelmäßigen Parlaments constituirt. Niemand wurde aufgefordert, einen
Platz im Oberhause einzunehmen, dessen Berechtigung, darin zu sitzen,
nicht klar war. Die Abgeordneten der Grafschaften und Burgflecken wurden
durch die nämlichen Wähler gewählt, welche berechtigt gewesen
sein würden, die Mitglieder für ein unter dem großen Siegel
einberufenes Haus der Gemeinen zu wählen. Die Wahlrechtstitel des
Vierzigschilling-Freisassen, des Steuern zahlenden Angesessenen, des
Pächters, des Wahlbürgers von London, des Magisters der freien Kräfte in
Oxford wurden respectirt. Die Gesinnung der Wahlkörper wurde mit eben so
wenig Zwang von Seiten des großen Haufens und mit eben so wenig Arglist
von Seiten der Wahlbeamten ausgeforscht, wie bei irgend einer
allgemeinen Wahl der damaligen Zeit. Als endlich die Stände
zusammentraten, fanden ihre Verhandlungen in vollkommener Freiheit und
genau nach den althergebrachten Formen statt. Nach Jakob's erster Flucht
herrschte allerdings in London und in einigen Theilen des platten Landes
eine beunruhigende Anarchie. Aber diese Anarchie dauerte nirgends länger
als achtundvierzig Stunden. Von dem Tage, an welchem Wilhelm im St.
Jamespalast ankam, hatten selbst die unpopulärsten Agenten der
gestürzten Regierung, selbst die Diener der römisch-katholischen Kirche,
von der Wuth des Pöbels nichts mehr zu fürchten.

In Schottland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort war das
Gesetz selbst ein Gegenstand der Beschwerde und Jakob hatte sich durch
ausdrückliche Anwendung desselben vielleicht mehr Unpopularität
zugezogen als durch Verletzung desselben. Die gesetzlich eingeführte
Landeskirche war die verhaßteste Institution des ganzen Reichs. Die
Tribunale hatten einige so empörende Urtheilssprüche gefällt und das
Parlament einige so bedrückende Verordnungen erlassen, daß, wenn diese
Urtheilssprüche und diese Verordnungen nicht für ungültig erklärt
wurden, nicht daran zu denken war, eine Convention zusammenzubringen,
welche sich die öffentliche Achtung erzwang und der Ausdruck der
öffentlichen Meinung war. Es stand zum Beispiel kaum zu erwarten, daß
die Whigs in dieser Zeit ihrer Macht es sich ruhig gefallen lassen
würden, ihr erbliches Oberhaupt, den Sohn eines Märtyrers und Enkel
eines Märtyrers, von dem Parlamentshause, in welchem neun seiner
Vorfahren als Earls von Argyle gesessen hatten, ausgeschlossen zu sehen,
ausgeschlossen durch ein richterliches Erkenntniß, über welches das
ganze Königreich empört war. Noch weniger ließ sich erwarten, daß sie
die Wahl der Vertreter von Grafschaften und Städten den Vorschriften des
bestehenden Gesetzes gemäß vornehmen lassen würden. Denn nach dem
bestehenden Gesetz konnte kein Wähler seine Stimme abgeben, ohne
geschworen zu haben, daß er sich von dem Covenant lossage und in
kirchlichen Angelegenheiten das Supremat des Königs anerkenne.[1] Einen
solchen Eid aber konnte kein strenger Presbyterianer leisten, und wenn
derselbe verlangt worden wäre, so würden die Wahlkörper nichts als
kleine Gesellschaften von Prälatisten gewesen sein, die Sorge für
Sicherheitsmaßregeln gegen Bedrückung wäre den Bedrückern überlassen
geblieben, und die große Partei, die an der Durchführung der Revolution
den thätigsten Antheil genommen, würde in einer aus der Revolution
hervorgegangenen Versammlung nicht einen einzigen Vertreter gehabt
haben.[2]

Wilhelm sah ein, daß er nicht daran denken durfte, den Gesetzen
Schottland's die strenge Achtung zu Theil werden zu lassen, die er
kluger- und rechtschaffnerweise den Gesetzen England's erwiesen hatte.
Es war durchaus notwendig, daß er Kraft seiner eignen Autorität
bestimmte, wie die Convention, welche in Edinburg zusammentreten sollte,
zu wählen sein würde, und daß er sich selbst die Befugniß ertheilte,
einige Erkenntnisse und einige Gesetze zu annulliren. In Folge dessen
entbot er mehrere Lords in das Parlament, die durch Urtheilssprüche,
welche die allgemeine Stimme laut als ungerecht verdammte, ihrer
Ehrenstellen beraubt worden waren, und nahm es auf sich, die Verordnung
zu ignoriren, welche den Presbyterianern das Wahlrecht entzog.


Wahlen für die Convention.

Die Folge davon war, daß die Wahl fast aller Grafschafts- und
Burgfleckenvertreter auf Whigcandidaten fiel. Die geschlagene Partei
beklagte sich laut über unehrliches Spiel, über die Rohheit des Pöbels
und über die Parteilichkeit der präsidirenden Magistratspersonen, und
diese Klagen waren in vielen Fällen wohlbegründet. Unter Regenten wie
Lauderdale und Dundee lernen die Nationen nicht Gerechtigkeit und
Mäßigung.[3]


Mißhandlung des Episkopalklerus.

Das so lange und so streng niedergehaltene Volksgefühl brach übrigens
nicht bei den Wahlen allein mit Heftigkeit hervor. Die Köpfe und Hände
der Whigmärtyrer wurden von den Thoren Edinburg's herabgenommen, von
zahlreichen Volkshaufen in Procession nach den Gottesäckern getragen und
mit feierlicher Ehrfurcht zur Erde bestattet.[4] Es hätte noch sein
mögen, wenn die öffentliche Begeisterung sich in keiner tadelnswertheren
Form geäußert hätte. Leider aber wurde in einem großen Theile
Schottland's der Klerus der Landeskirche gemißhandelt.[5] Der Beginn
dieses Unwesens war auf den Christmorgen festgesetzt, denn nichts
ärgerte die strengen Covenanters mehr als die Ehrfurcht, mit der der
Prälatist die alten Feiertage der Kirche heiligte. Daß diese Ehrfurcht
bis zum Lächerlichen übertrieben werden kann, ist allerdings wahr. Ein
Philosoph wird sich vielleicht zu der Ansicht hinneigen, daß das
entgegengesetzte Extrem nicht minder lächerlich sei und wird fragen,
warum die Religion den Beistand von Glaubensgesellschaften zurückweisen
soll, die es in jeder Nation giebt, welche civilisirt genug ist, um eine
Zeitrechnung zu haben, und von denen die Erfahrung gezeigt hat, daß sie
eine gewaltige und oft heilsame Wirkung ausüben. Der Puritaner, der im
im allgemeinen nur zu bereit war, Präcedenzfällen und Analogien aus der
Geschichte und Rechtswissenschaft der Juden zu folgen, würde im Alten
Testament ganz eben so triftige Argumente für das Abhalten von Festtagen
zu Ehren großer Ereignisse, wie für die Ermordung von Bischöfen und für
die Verweigerung des Pardons gegen Gefangene gefunden haben. Von seinem
Meister Calvin lernte er gewiß nicht, solche Festtage verabscheuen, denn
in Folge der energischen Bemühungen Calvin's wurde das Weihnachtsfest
nach einer mehrjährigen Pause von den Bürgern von Genf wieder
gefeiert.[6] Allein in Schottland waren Calvinisten ans Licht getreten,
die sich zu Calvin verhielten, wie Calvin zu Laud. Diesen starren
Fanatikern war ein Feiertag ein Gegenstand des positiven Abscheus und
Hasses. Sie fuhren noch lange fort, in ihren feierlichen Manifesten es
zu den Sünden zu zählen, welche dereinst ein furchtbares Strafgericht
über das Land bringen würden, daß der Court of Session in der letzten
Decemberwoche Ferien mache.[7]

Am Weihnachtstage versammelten sich daher die Covenanters auf
Verabredung bewaffnet auf verschiedenen Punkten der westlichen
Grafschaften. Jede einzelne Schaar zog dann nach dem nächsten Pfarrhause
und plünderte den Keller und die Vorrathskammer des Geistlichen, welche
zu dieser Zeit des Jahres wahrscheinlich besser gefüllt waren als sonst.
Der Priester Baal's wurde geschmäht und insultirt, zuweilen geschlagen,
andere Male unter Wasser getaucht. Seine Möbeln wurden aus dem Fenster
geworfen, seine Frau und seine Kinder aus dem Hause in den Schnee
getrieben. Dann wurde er auf den Marktplatz geführt und eine Zeit lang
zur Schau ausgestellt, wie ein Missethäter. Sein Priestergewand wurde
ihm auf dem Leibe in Stücken zerrissen; hatte er ein Gebetbuch bei sich,
so wurde es verbrannt, und endlich entließ man ihn mit der Weisung, nie
wieder in dem Kirchspiele zu fungiren, wenn ihm sein Leben lieb sei.
Nach solchergestalt vollbrachtem Reformationswerke verschlossen die
Reformatoren die Kirche und nahmen die Schlüssel mit sich. Um diesen
Leuten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, muß man bekennen, daß sie in
einem Grade unterdrückt worden waren, der ihre Gewaltthätigkeit zwar
nicht rechtfertigen, aber wenigstens entschuldigen kann, und daß sie,
obgleich roh bis zur Brutalität, sich doch nie eines absichtlichen
Verbrechens gegen Leib oder Leben ihrer Feinde schuldig machten.[8]

Die Unordnung verbreitete sich rasch. In Ayrshire, Clydesdale,
Nithisdale und Annandale erhielt jedes Kirchspiel einen Besuch von
diesen ungestümen Zeloten. Ungefähr zweihundert Curaten -- so nannte man
die bischöflichen Pfarrgeistlichen -- wurden vertrieben. Die gesetzteren
Covenanters billigten zwar den Eifer ihrer aufrührerischen Brüder,
fürchteten aber, daß ein so ordnungswidriges Verfahren Aergerniß geben
könnte, und erfuhren zu ihrem großen Leidwesen, daß hier und da ein
Achan die gute Sache geschändet, indem er sich erniedrigt hatte, die
Cananiter, die er nur hatte schlagen sollen, auszuplündern. Es wurde ein
allgemeines Meeting von Geistlichen und Aeltesten ausgeschrieben, um
solchen Excessen vorzubeugen. In diesem Meeting wurde beschlossen, daß
in Zukunft die Vertreibung der protestantischen Geistlichen
in ceremoniöserer Weise stattfinden sollte. Es wurde ein
Benachrichtigungsformular aufgesetzt und jedem Curaten in den westlichen
Niederlanden zugesandt, der noch nicht gemißhandelt ^(rabbled)^ worden
war. Diese Benachrichtigung war nichts Andres als ein Drohbrief, der ihm
befahl, sein Kirchspiel gutwillig zu verlassen, widrigenfalls er mit
Gewalt aus demselben vertrieben werden würde.[9]

Die schottischen Bischöfe sendeten in großer Angst den Dechant von
Glasgow nach Westminster, um dort die Sache ihrer verfolgten Kirche zu
führen. Die von den Covenanters verübten Gewaltthätigkeiten erregten in
hohem Grade den Unwillen Wilhelm's, der im Süden der Insel selbst
Benedictiner und Franciscaner gegen Insulten und Beraubungen geschützt
hatte. Obgleich er aber auf Ersuchen einer großen Anzahl schottischer
Cavaliere und Gentlemen die ausübende Verwaltung dieses Königreichs
übernommen hatte, so standen ihm doch die Mittel nicht zu Gebote, die
Ordnung daselbst aufrecht zu erhalten. Er hatte nicht ein einziges
Regiment nördlich vom Tweed, ja überhaupt keine Truppen innerhalb vieler
Meilen von diesem Flusse. Es wäre vergebens gewesen zu hoffen, daß bloße
Worte eine Nation beruhigen würden, welche zu keiner Zeit leicht im
Zaume zu halten gewesen und die jetzt von Hoffnungen und Rachegelüsten
erfüllt war, wie große Revolutionen, welche auf heftige Bedrückungen
folgen, sie ganz natürlich erzeugen müssen. Es wurde indessen eine
Proklamation erlassen, welche anordnete, daß Jedermann die Waffen
niederlegen und daß den Geistlichen der Staatskirche gestattet sein
solle, unbehelligt auf ihren Pfarren zu bleiben, bis die Convention die
Regierung festgestellt haben würde. Da aber diese Proklamation nicht
durch Truppen unterstützt war, so wurde sie wenig beachtet. Den ersten
Tag nach ihrem Erscheinen in Glasgow wurde die ehrwürdige Kathedrale
dieser Stadt, fast die einzige schöne Kirche aus dem Mittelalter, welche
in Schottland sich unversehrt erhalten hat, von einem Haufen
Presbyterianer aus den Versammlungshäusern angegriffen, dem sich auch
viele wildere Glaubensbrüder aus den Hochlanden angeschlossen hatten. Es
war Sonntag; aber eine Versammlung von Prälatisten zu mißhandeln wurde
als ein Werk der Nothwendigkeit und der Gnade betrachtet. Die
Andächtigen wurden auseinandergetrieben, geschlagen und mit Schneebällen
geworfen; ja es wurde sogar versichert, daß einige Verwundungen durch
gefährlichere Waffen vorgekommen seien.[10]


Zustand von Edinburg.

In Edinburg, dem Sitze der Regierung, war vollkommene Anarchie. Das
Schloß, welches die ganze Stadt beherrschte, wurde durch den Herzog von
Gordon noch immer für Jakob behauptet. Die große Masse des Volks bestand
aus Whigs. Das Justizcollegium, ein großer juristischer Verein,
zusammengesetzt aus Richtern, Advokaten, Kanzleisekretären und Anwälten,
war die Veste des Toryismus, denn ein strenger Testeid hatte seit
einigen Jahren die Presbyterianer von allen Zweigen des Juristenberufs
ausgeschlossen. Die Juristen, einige hundert an Zahl, bildeten ein
Infanteriebataillon und hielten eine Zeitlang die Menge wirksam nieder.
Sie hatten jedoch soviel Achtung vor Wilhelm's Autorität, daß sie sich
beim Erscheinen seiner Proklamation auflösten. Aber das von ihnen
gegebene Beispiel des Gehorsams fand keine Nachahmung. Kaum hatten sie
die Waffen niedergelegt, so fanden sich Covenanters aus dem Westen,
welche alle Curaten in ihrer Gegend weidlich maltraitirt hatten, in
Haufen von zehn bis zwanzig Mann in Edinburg ein, um die Convention zu
beschützen oder auch, wenn es nöthig sein sollte, einzuschüchtern.
Glasgow allein schickte vierhundert solcher Leute. Es konnte kaum einem
Zweifel unterliegen, daß sie von einem hochangesehenen Führer geleitet
wurden. Sie zeigten sich wenig öffentlich, aber es war bekannt, daß
jeder Keller mit ihnen angefüllt war und es stand wohl zu befürchten,
daß sie auf das erste Signal aus ihren Höhlen hervorkommen und bewaffnet
das Parlament umgeben würden.[11]


Die Frage einer Union zwischen England und Schottland in Anregung
gebracht.

Man hätte erwarten sollen, daß jeder patriotische und einsichtsvolle
Schotte sehnlichst wünschen werde, die Aufregung beschwichtigt und eine
Regierung befestigt zu sehen, die im Stande war, das Eigenthum zu
schützen und dem Gesetze Ansehen zu verschaffen. Eine unvollkommene
Organisation, welche rasch zu bewerkstelligen war, konnte in den Augen
eines solchen Mannes wohl einer vollkommenen Organisation vorzuziehen
sein, welche nur mit der Zeit möglich war. Gerade in diesem Augenblicke
jedoch warf eine an Zahl wie an Befähigung starke Partei eine neue und
hochwichtige Frage auf, welche nicht unwahrscheinlich das Interregnum
bis zum Herbste hinziehen mußte. Diese Partei verlangte, daß die Stände
Wilhelm und Marien nicht sogleich zum König und zur Königin erklären,
sondern England einen Unionstractat vorschlagen und den Thron so lange
vacant lassen sollten, bis ein solcher Vertrag unter vortheilhaften
Bedingungen für Schottland abgeschlossen sein würde.[12]

Es mag auffallend erscheinen, daß ein großer Theil eines Volks, dessen
oft in heroischer, zuweilen auch in komischer Gestalt sich äußernder
Patriotismus sprüchwortlich geworden ist, sich so geneigt, ja sogar
ungeduldig zeigte, eine Unabhängigkeit aufzugeben, welche Jahrhunderte
lang über Alles hoch gehalten und mannhaft vertheidigt worden war.
Allein der hartnäckige Muth, den die Waffen der Plantagenets und der
Tudors nicht zu brechen vermocht, hatte angefangen, sich unter einer
ganz andren Gewalt zu beugen. Zollhäuser und Tarife bewirkten bald was
das Blutbad von Falkirk und Halidon, von Flodden und Pinkie nicht hatten
bewirken können. Schottland hatte einige Erfahrung in den Folgen einer
Union. Es war vor beinahe vierzig Jahren mit England unter Bedingungen
vereinigt gewesen, welche das von Siegesstolz aufgeblähte England zu
dictiren beliebte. Diese Union war in den Gemüthern des besiegten Volks
mit den Begriffen Niederlage und Demüthigung untrennbar verbunden. Und
doch hatte selbst diese Union, so schmerzlich sie auch den Stolz der
Schotten verwundet, ihren Aufschwung gefördert. Cromwell hatte mit einer
zu seiner Zeit seltenen Einsicht und Liberalität die vollkommenste
Handelsfreiheit zwischen dem dominirenden und dem untergebenen Lande
hergestellt. So lange er regierte, hemmte kein Verbot, kein Zoll den
Waarenverkehr zwischen irgend welchen Punkten der Insel. Seine
Schifffahrtsgesetze legten dem Handel Schottland's keine Beschränkungen
auf. Es stand einem schottischen Fahrzeuge frei, eine schottische
Waarenladung nach Barbadoes zu bringen und Zucker von Barbadoes in den
Hafen von London einzuführen.[13] Deshalb war die Regentschaft des
Protectors der Industrie und dem physischen Wohle des schottischen Volks
förderlich gewesen. Obwohl es ihn haßte und verwünschte, gedieh es doch
unwillkürlich unter ihm, und noch oft blickte es während der Verwaltung
seiner legitimen Fürsten mit Sehnsucht zurück auf die goldenen Tage des
Usurpators.[14]

Die Restauration kam und veränderte Alles. Die Schotten erlangten ihre
Unabhängigkeit wieder und überzeugten sich bald, daß die Unabhängigkeit
ebensowohl ihre Unannehmlichkeiten hat wie ihre Würde. Das englische
Parlament behandelte sie als Fremdlinge und Nebenbuhler. Eine neue
Navigationsacte stellte sie auf fast gleiche Stufe mit den Holländern.
Hohe und in einigen Fällen prohibitive Zölle wurden auf die Erzeugnisse
der schottischen Industrie gelegt. Es ist kein Wunder, daß eine
ausnehmend betriebsame, kluge und unternehmende Nation, eine Nation,
die, nachdem sie lange durch einen unfruchtbaren Boden und durch ein
rauhes Klima in ihrer Entwickelung gehemmt worden war, eben jetzt trotz
dieser Nachtheile zu prosperiren begann und die ihren Fortschritt
plötzlich aufgehalten sah, sich für grausam behandelt erachtete. Doch es
war nichts zu machen. Beschwerden waren vergebens und Repressalien
unmöglich. Hätte der Souverain auch den Wunsch gehabt, so hatte er doch
nicht die Macht, eine unparteiische Stellung zwischen seinem großen und
seinem kleinen Königreiche zu behaupten, zwischen dem Königreiche, aus
dem er ein Jahreseinkommen von anderthalb Millionen, und dem
Königreiche, aus dem er ein Jahreseinkommen von wenig mehr als
sechzigtausend Pfund bezog. Er wagte es eben so wenig, einem den Handel
Schottland's beeinträchtigenden englischen Gesetz seine Genehmigung zu
verweigern, als einem den Handel England's beeinträchtigenden
schottischen Gesetz seine Genehmigung zu ertheilen.

Die Klagen der Schotten waren indessen so laut, daß Karl im Jahre 1667
Commissare ernannte, welche die Bedingungen eines Handelstractats
zwischen den beiden britischen Königreichen feststellen sollten. Die
Conferenzen wurden bald abgebrochen, und Alles was sich während ihrer
Dauer ereignete, bewies, daß es nur ein Mittel gab, durch welches
Schottland einen Antheil an dem commerciellen Wohlstande erlangen
konnte, dessen sich England damals erfreute.[15] Die Schotten mußten ein
Volk mit den Engländern werden, das Parlament, das bisher in Edinburg
getagt hatte, mußte dem in Westminster tagenden Parlamente einverleibt
werden. Dieses Opfer mußte von einem tapferen und stolzen Volke, das
seit zwölf Generationen die südliche Oberherrschaft mit tödtlichem
Widerwillen betrachtet hatte und dem bei den Gedanken an den Tod
Wallace's und an die Siege Bruce's noch immer das Herz schwoll,
nothwendig mit tiefem Schmerze empfunden werden. Es gab allerdings viele
allzustrenge Patrioten, die sich einer Union entschieden widersetzt
haben würden, selbst wenn sie hätten voraussehen können, daß eine solche
Glasgow zu einer größeren Stadt als Amsterdam machen und die öden
Lothians mit Feldern und Wäldern, mit netten Farmhäusern und stattlichen
Schlössern bedecken würde. Aber es gab auch eine zahlreichere Klasse,
welche nicht geneigt war, große und wesentliche Vortheile aufzugeben, um
bloße Namen und Ceremonien zu behalten, und der Einfluß dieser Klasse
war so mächtig, daß im Jahre 1670 das schottische Parlament England
directe Anträge machte.[16] Der König übernahm das Amt des Vermittlers
und auf beiden Seiten wurden Bevollmächtigte ernannt; aber es kam zu
keinem Abschlusse.

Nachdem die Frage achtzehn Jahre lang geruht hatte, wurde sie plötzlich
durch die Revolution wieder in Anregung gebracht. Verschiedene Klassen,
durch verschiedene Beweggründe geleitet, trafen in diesem Punkte
zusammen. Mit Kaufleuten, welche gern die Vortheile des westindischen
Handels mitgenießen wollten, verbanden sich thätige und strebsame
Politiker, welche ihre Talente auf einer hervorragenderen Schaubühne als
dem schottischen Parlamentshause zu entfalten und aus einer reicheren
Quelle als dem schottischen Staatsschatze Reichthümer zu schöpfen
wünschten. Der Ruf nach Union wurde durch einige schlaue Jakobiten
verstärkt, welche nur Zwietracht und Aufschub herbeizuführen wünschten
und welche diesen Zweck zu erreichen hofften, indem sie in die
schwierige Frage, deren Lösung die specielle Aufgabe der Convention war,
eine noch schwierigere Frage mischten. Es ist wahrscheinlich, daß
Einige, denen die ascetischen Sitten und die strenge Kirchenzucht der
Presbyterianer nicht behagten, eine Union deshalb wünschten, weil sie
das einzige Mittel zur Aufrechthaltung der Prälatur im nördlichen Theile
der Insel war. In einem vereinigten Parlamente mußten die englischen
Mitglieder bedeutend überwiegen, und in England wurden die Bischöfe von
der großen Mehrzahl der Bevölkerung hoch in Ehren gehalten. Die
bischöfliche Kirche, das war klar, ruhte auf einer schmalen Grundlage
und mußte bei dem ersten Angriffe fallen. Die bischöfliche Kirche von
Großbritannien konnte eine hinreichend breite und feste Grundlage haben,
um allen Angriffen zu widerstehen.

Ob es im Jahre 1689 möglich gewesen wäre, eine staatliche Union ohne
religiöse Union zu bewerkstelligen, darf wohl bezweifelt werden. Das
aber kann keinem Zweifel unterliegen, daß eine religiöse Union eine der
größten Calamitäten gewesen sein würde, welche eines der beiden
Königreiche treffen konnten. Die im Jahre 1707 zu Stande gebrachte Union
war allerdings ein großer Segen für England wie für Schottland. Aber sie
war deshalb ein Segen, weil sie, indem sie einen Staat bildete, zwei
Kirchen bestehen ließ. Das politische Interesse der contrahirenden
Theile war das nämliche; aber der kirchliche Streit zwischen ihnen war
ein solcher, der keine Verständigung zuließ. Die Eintracht konnte daher
nur dadurch erhalten werden, daß sie sich beide damit einverstanden
erklärten, gesondert zu bleiben. Hätte eine Verschmelzung der
Hierarchien stattgefunden, so würde eine Verschmelzung der Nationen
niemals möglich gewesen sein. Aufeinanderfolgende Mitchells würden auf
aufeinanderfolgende Sharpe's geschossen haben; fünf Generationen von
Claverhouse's würden fünf Generationen von Camerons ermordet haben. Die
erstaunlichen Verbesserungen, welche die Gestalt Schottland's verändert
haben, würden nie zu Stande gekommen sein. Ebenen, die jetzt reiche
Ernten tragen, würden unfruchtbare Sümpfe geblieben sein. Wasserfälle,
welche jetzt die Räder großartiger Fabriken treiben, würden in einer
Wildniß verrauscht sein. New Lanark würde noch eine Schafweide, Greenock
noch ein Fischerdorf sein. Die geringe Kraft, welche Schottland unter
einem solchen System besessen haben würde, hätte bei einer Schätzung der
Hülfsquellen Großbritanniens nicht hinzugefügt, sondern abgerechnet
werden müssen. Mit einer solchen Bürde belastet, hätte unser Vaterland
niemals, weder im Frieden noch im Kriege, eine Stelle in der ersten
Reihe der Nationen einnehmen können. Leider fehlt es uns nicht an
Anhalten zur Beurtheilung der Wirkung, die es auf den moralischen und
physischen Zustand eines Volks hervorbringt, wenn eine Kirche, die nur
von der Minderheit geliebt und verehrt, von der Mehrheit aber mit
religiösem und nationalem Widerwillen betrachtet wird, in den
ausschließlichen Genuß von Reichthümern und Würden gesetzt wird. Eine
einzige solche Kirche ist eine hinreichend drückende Last für die Kräfte
eines Reichs.


Wunsch der englischen Niederkirchlichen, das Episkopat in Schottland
beizubehalten.

Aber diese Dinge, welche uns, die wir durch eine bittere Erfahrung
belehrt worden sind, klar zu sein scheinen, waren im Jahre 1689 selbst
sehr toleranten und einsichtsvollen Staatsmännern keineswegs klar. Den
englischen Niederkirchlichen war in der That wo möglich noch mehr als
den englischen Hochkirchlichen um Aufrechthaltung des Episkopats in
Schottland zu thun. Es ist eine auffallende Thatsache, daß Burnet, der
stets beschuldigt wurde, daß er das calvinistische Kirchenregiment im
Süden der Insel einführen wolle, sich durch seine Bemühungen, die
Prälatur im Norden aufrecht zu erhalten, bei seinen Landsleuten sehr
unbeliebt machte. Er war allerdings im Irrthum, aber sein Irrthum ist
einer Ursache zuzuschreiben, die ihm keine Unehre macht. Sein
Lieblingsziel, ein Ziel, das zwar unerreichbar, aber wohl geeignet war,
einen großen Geist und ein wohlwollendes Herz zu fesseln, war schon seit
langer Zeit ein ehrenvolles Abkommen zwischen der anglikanischen Kirche
und den Nonconformisten. Er hielt es für ein großes Unglück, daß eine
Gelegenheit zur Herbeiführung eines solchen Abkommens zur Zeit der
Restauration versäumt worden war. Die Revolution schien ihm eine neue
Gelegenheit dazu zu bieten. Er und seine Freunde unterstützten eifrig
Nottingham's Comprehensionsbill und schmeichelten sich mit vergeblichen
Hoffnungen auf Erfolg. Aber sie sahen ein, daß in einem der beiden
britischen Königreiche schwerlich eine Comprehension stattfinden könne,
wenn nicht auch in dem andren eine solche stattfinde. Ein Zugeständniß
mußte durch ein andres erkauft werden. Wenn der Presbyterianer sich
hartnäckig weigerte, da wo er stark war, auf irgend welche
Vergleichsvorschläge zu hören, so mußte es fast unmöglich sein, da wo er
schwach war, liberale Vergleichsbedingungen für ihn zu erlangen. Die
Bischöfe mußten daher ihre Sitze in Schottland behalten dürfen, damit
Geistliche, welche nicht von Bischöfen ordinirt waren, Rectorate und
Canonicate in England bekleiden durften.


Ansichten Wilhelm's über das kirchliche Regiment in Schottland.

So waren die Sachen der Episkopalen im Norden und die Sache der
Presbyterianer im Süden in einer Weise mit einander verkettet, welche
selbst einen geschickten Staatsmann wohl in Verlegenheit setzen konnte.
Es war ein Glück für unser Vaterland, daß die Entscheidung der
hochwichtigen Frage, welche so viele heftige Leidenschaften aufregte und
die sich unter so verschiedenen Gesichtspunkten darstellte, einem Manne
wie Wilhelm oblag. Er hörte auf Episkopalen, auf Latitudinarier und
Presbyterianer, auf den Dechant von Glasgow, der die apostolische
Succession verfocht, auf Burnet, der die Gefahr, den anglikanischen
Klerus zu entfremden, schilderte, und auf Carstairs, der die Prälatur
mit dem Hasse eines Mannes haßte, dessen Daumen tiefe Spuren von den
Schrauben der Prälatisten zeigten. Umgeben von diesen eifrigen
Advokaten, blieb Wilhelm ruhig und unparteiisch. Er eignete sich in der
That durch seine Stellung sowohl wie durch seine persönlichen
Eigenschaften vorzugsweise zum Schiedsrichter in diesem wichtigen
Streite. Er war der König eines prälatistischen Reiches und der höchste
Beamte einer presbyterianischen Republik. Seine Abgeneigtheit, die
anglikanische Kirche zu verletzen, deren Oberhaupt er war, und seine
Abgeneigtheit, die reformirten Kirchen des Continents zu verletzen, die
ihn als einen Vorkämpfer betrachteten, den Gott gesandt, um sie gegen
die französische Tyrannei zu beschützen, hielten sich die Wage und
verhinderten ihn, sich ungebührlich auf diese oder jene Seite zu neigen.
Seine Ueberzeugung war vollkommen neutral. Denn er war entschieden der
Meinung, daß keine Form des Kirchenregiments göttlichen Ursprungs sei.
Er dissentirte eben so sehr von der Schule Laud's wie von der Schule
Cameron's, von den Männern, welche meinten, daß es keine christliche
Kirche ohne Bischöfe, und von den Männern, welche meinten, daß es keine
christliche Kirche ohne Synoden geben könne. Welche Form des
Kirchenregiments zu wählen sei, war seiner Ueberzeugung nach nur eine
Frage der Zweckmäßigkeit. Er würde wahrscheinlich ein Mittelding
zwischen den beiden rivalisirenden Systemen vorgezogen haben, eine
Hierarchie, in der die ersten geistlichen Würdenträger etwas mehr als
Moderatoren und etwas weniger als Prälaten gewesen wären. Aber er war
ein viel zu einsichtsvoller Mann, als daß er hätte daran denken können,
eine solche Angelegenheit nach seinen persönlichen Neigungen zu ordnen.
Er beschloß daher, als Vermittler zu handeln, wenn sich auf beiden
Seiten Bereitwilligkeit zu einem Vergleiche zeigte. Sollte es sich aber
herausstellen, daß die öffentliche Meinung in England und die
öffentliche Meinung in Schottland entschieden auseinandergingen, so
wollte er es nicht versuchen, eine der beiden Nationen zum Anschluß an
die Meinung der andren zu nöthigen. Er wollte jeder von ihnen ihre eigne
Kirche lassen und sich darauf beschränken, beide Kirchen von der
Verfolgung der Nonconformisten und von Eingriffen in die Functionen der
Civilbehörden abzuhalten.

Die Sprache, die er den schottischen Episkopalen gegenüber führte,
welche ihm ihre Leiden klagten und um seinen Schutz baten, war
wohlüberlegt und sehr vorsichtig, aber klar und freimüthig. Er sagte, er
wünsche die Institution, an der sie so sehr hingen, wo möglich aufrecht
zu erhalten und zu gleicher Zeit derjenigen Partei, welche zu keiner
Abweichung von der presbyterianischen Urform zu bringen sei, völlige
Gewissensfreiheit zu gewähren. Aber die Bischöfe mußten auch darauf
bedacht sein, daß sie es ihm nicht durch ihre Uebereilung und
Hartnäckigkeit unmöglich machten, ihnen irgendwie nützlich zu sein. Sie
mußten sich klar bewußt sein, daß er entschlossen sei, Schottland nicht
mit dem Schwerte eine Form des Kirchenregiments aufzuzwingen, die es
verabscheue. Wenn es sich daher herausstellen sollte, daß die Prälatur
nur mit Hülfe der Waffen aufrecht erhalten werden könne, so würde er der
allgemeinen Gesinnung nachgeben und nur sein Möglichstes thun, damit es
der bischöflichen Minorität gestattet werde, Gott in Freiheit und
Sicherheit zu verehren.[17]


Comparative Stärke der religiösen Parteien in Schottland.

Es ist nicht wahrscheinlich daß, selbst wenn die schottischen Bischöfe,
wie Wilhelm anempfahl, Alles gethan hätten, was der Milde und Klugheit
möglich war, um ihre Landsleute mit sich auszusöhnen, das Episkopat
unter irgend welcher veränderten Gestalt hätte aufrecht erhalten werden
können. Es ist zwar von Schriftstellern der damaligen Generation
behauptet und von Schriftstellern unsrer Generation wiederholt worden,
daß die Presbyterianer vor der Revolution nicht die Mehrheit der
Bevölkerung Schottland's gebildet hätten.[18] In dieser Behauptung liegt
jedoch eine offenbare Täuschung. Die wirkliche Stärke einer
Religionspartei darf nicht lediglich nach ihrer Kopfzahl bemessen
werden. Eine Landeskirche, eine dominirende Kirche, eine Kirche, die im
ausschließlichen Besitz der bürgerlichen Ehren und Einkünfte ist, wird
jederzeit unter ihren nominellen Mitgliedern viele zählen, welche gar
keine Religion haben, viele, die zwar nicht ohne alle Religion sind,
sich aber um religiöse Streitigkeiten wenig kümmern und kein Bedenken
tragen, sich der eben bestehenden Art der Gottesverehrung zu
conformiren, und viele, die sich wegen des Conformirens zwar Bedenken
machen, deren Bedenken aber weltlichen Beweggründen gewichen sind. Auf
der andren Seite hat jedes Mitglied einer unterdrückten Kirche eine
entschiedene Vorliebe für diese Kirche. Von Jemandem, der zu den Zeiten
Diocletian's an der Feier der christlichen Mysterien Theil nahm, konnte
vernünftigerweise angenommen werden, daß er fest an Christum glaube.
Aber es würde ein großer Irrthum sein, wollte man glauben, daß ein
einziger Pontifex oder Augur im römischen Senat fest an Jupiter geglaubt
habe. Unter Mariens Regierung war Jedermann, der an den geheimen
Zusammenkünften der Protestanten Theil nahm, ein wahrer Protestant; aber
Hunderttausende besuchten die Messe, von denen es sich schon in den
ersten Wochen nach Mariens Tode zeigte, daß sie keine aufrichtigen
Katholiken waren. Wenn unter den Königen des Hauses Stuart, wo ein
Presbyterianer von politischer Macht und wissenschaftlichen
Berufszweigen ausgeschlossen war, täglich von Angebern, von tyrannischen
Magistratsbeamten, oder von zügellosen Dragonern belästigt wurde und
Gefahr lief aufgehängt zu werden, wenn er eine Predigt unter freiem
Himmel anhörte, die Bevölkerung Schottland's sich nicht sehr ungleich in
Episkopale und Presbyterianer theilte, so läßt sich vernünftigerweise
annehmen, daß mehr als neunzehn Zwanzigstel von denjenigen Schotten,
deren Gewissen bei der Sache betheiligt war, Presbyterianer waren und
daß von zwanzig Schotten nicht einer entschieden und aus Ueberzeugung
ein Episkopale war. Gegen ein solches Uebergewicht hatten die Bischöfe
wenig Aussicht, und die geringe Aussicht, die sie etwa hatten, beeilten
sie sich abzuwerfen, Einige deshalb, weil sie der aufrichtigen Meinung
waren, ihre Unterthanenpflicht gehöre noch immer Jakob, Andere
wahrscheinlich aus Besorgniß, daß Wilhelm, wenn er auch den Willen
hätte, nicht die Macht haben würde, ihnen zu helfen, und daß nur eine
Contrerevolution im Staate einer Revolution in der Kirche vorbeugen
könne.


Schreiben von Wilhelm an die schottische Convention.

Da der neue König von England während der Sitzungen der schottischen
Convention nicht in Edinburg sein konnte, so wurde ein Schreiben von ihm
an die Stände mit großer Geschicklichkeit entworfen. In diesem Dokumente
erklärte er seine warme Anhänglichkeit an die protestantische Religion,
sprach sich aber nicht über diejenigen Fragen aus, bezüglich welcher die
Ansicht der Protestanten getheilt war. Er sagte, er habe mit großer
Genugthuung bemerkt, daß viele von den schottischen Cavalieren und
Gentlemen, mit denen er in London conferirt, zu einer Vereinigung der
beiden britischen Königreiche geneigt seien. Er sehe ein, wie sehr eine
solche Vereinigung das Glück beider Länder fördern würde, und er werde
Alles thun was in seinen Kräften stehe, damit ein so gutes Werk zu
Stande komme.


Wilhelm's Instructionen für seine Agenten in Schottland.

Seinen confidentiellen Agenten in Edinburg mußte er eine große Freiheit
im Handeln gestatten. Die geheimen Instructionen, welche er diesen
Männern ertheilte, konnten daher nicht minutiös sein, aber sie waren
höchst verständig. Er beauftragte sie, die wahre Gesinnung der
Convention nach besten Kräften zu ermitteln und sich durch dieselbe
leiten zu lassen. Sie sollten stets eingedenk sein, daß der erste Zweck
die Befestigung der Regierung sei. Diesem Zwecke mußte jeder andre,
selbst die Union, nachstehen. Ein Vertrag zwischen zwei mehrere
Tagereisen entfernten Legislaturen müsse nothwendig das Werk der Zeit
sein und der Thron könne während der Dauer der Unterhandlungen nicht
füglich erledigt bleiben. Die Agenten Sr. Majestät müßten daher ganz
besonders auf ihrer Hut sein gegen die Kunstgriffe von Leuten, welche
unter dem Vorwand, die Union zu fördern, thatsächlich nur eine
Verlängerung des Interregnums beabsichtigten. Wenn die Convention
geneigt sein sollte, die presbyterianische Form des Kirchenregiments
einzuführen, so wünsche Wilhelm, daß seine Freunde Alles aufböten, um
die siegende Religionspartei abzuhalten, für die erlittenen Drangsale
Wiedervergeltung zu üben.[19]


Die Dalrymple.

Der Mann, durch dessen Rath sich Wilhelm damals in Sachen der
schottischen Politik hauptsächlich leiten ließ, war ein Schotte von
großen Fähigkeiten und Geistesgaben, Sir Jakob Dalrymple von Stair, der
Begründer einer Familie, die sich in der Advokatur, auf der Richterbank,
im Senate, in der Diplomatie, in den Waffen und in der Literatur
auszeichnete, die sich aber auch durch Unglücksfälle und Missethaten,
welche den Dichtern und Romanschreibern Stoff zu den schwärzesten und
herzzerreißendsten Geschichten geliefert, einen Namen gemacht hat. Sir
Jakob hatte schon mehr als einen sonderbaren und entsetzlichen Todesfall
zu betrauern gehabt. Eine seiner Töchter hatte ihren Bräutigam in der
Hochzeitsnacht erstochen. Einer seiner Enkel war bei einem kindlichen
Spiele von einem andren getödtet worden. Boshafte Pamphletisten
behaupteten und ein Theil des abergläubischen Volks glaubte es, daß so
entsetzliche Unfälle die Folge einer gewissen Verbindung zwischen der
unglücklichen Familie und den Mächten der Finsterniß sei. Sir Jakob
hatte einen schiefen Hals; dieses Unglück warf man ihm wie ein
Verbrechen vor und sagte, daß er dadurch als ein für den Galgen
bestimmter Mann gezeichnet sei. Seine Gattin, eine Frau von hoher
geistiger Begabung, Klugheit und Entschlossenheit, hatte vom Volke den
Spottnamen der Hexe von Endor erhalten. Es wurde allen Ernstes gesagt,
daß sie auf Diejenigen, die sie haßte, einen furchtbaren Zauber geworfen
und daß man sie in der Gestalt einer Katze auf der Staatsdecke zur Seite
des Lordstatthalters habe sitzen sehen. Der Mann, auf dessen Dache ein
so mannichfacher Fluch zu lasten schien, stand jedoch, soweit wir dies
jetzt noch beurtheilen können, keineswegs auf einer viel tieferen Stufe
der Moralität als die große Mehrzahl der Staatsmänner seiner Zeit und
seiner Nation. An Seelenstärke und Kenntnissen war er ihnen Allen
überlegen. In seiner Jugend hatte er die Waffen getragen, dann war er
Professor der Philosophie gewesen, hatte hierauf die Rechte studirt und
war anerkanntermaßen der größte Jurist, den sein Vaterland
hervorgebracht hat. In den Tagen des Protectorats war er Richter
gewesen. Nach der Restauration hatte er sich mit der königlichen Familie
ausgesöhnt, war Mitglied des Geheimraths geworden und hatte mit
unvergleichlicher Geschicklichkeit dem Court of Session präsidirt.
Allerdings hatte er an manchen nicht zu rechtfertigenden Handlungen
Theil genommen, aber eine gewisse Grenze überschritt er niemals. Er
besaß ein merkwürdiges Talent, einem Satze, den zu behaupten er für gut
fand, einen plausibeln Anschein von Gesetzlichkeit und selbst von
Gerechtigkeit zu geben, und dieses Talent mißbrauchte er häufig. Aber er
war nicht wie viele von Denen, unter welchen er lebte, schamlos und
gewissenlos servil. Schamgefühl oder Gewissen hielten ihn in der Regel
ab, eine Schlechtigkeit zu begehen, für die sein seltener Scharfsinn
nicht einen speziösen Vertheidigungsgrund ausfindig machen konnte, und
er fehlte gewöhnlich an seinem Platze im Staatsrath, wenn eine empörende
Ungerechtigkeit oder Grausamkeit im Werke war. Seine Mäßigung wurde dem
Hofe endlich unangenehm. Er wurde seines hohen Amtes entsetzt und befand
sich in einer so mißlichen Situation, daß er sich nach Holland
zurückzog. Dort beschäftigte er sich mit der Verbesserung des großen
juristischen Werks, das seinen Namen bis auf unsre Zeit in frischem
Andenken erhalten hat. In seinem Exil bemühte er sich, die Gunst seiner
Mitverbannten zu gewinnen, die ihn natürlich mit Argwohn betrachteten.
Er betheuerte, und vielleicht war dem wirklich so, daß seine Hände rein
seien vom Blute der verfolgten Covenanters. Er trug eine große
Religiosität zur Schau, betete viel und beobachtete allwöchentlich Fast-
und Kasteiungstage. Nach langem Zaudern willigte er sogar ein, das
unglückliche Unternehmen Argyle's mit seinem Rathe und Ansehen zu
unterstützen. Als dieses Unternehmen gescheitert war, wurde Dalrymple in
Edinburg der Prozeß gemacht, und seine Güter würden ohne allen Zweifel
confiscirt worden sein, hätte man sie nicht durch einen Kunstgriff
gerettet, der in der Folge unter den schottischen Staatsmännern sehr
gewöhnlich wurde. Sein ältester Sohn und muthmaßlicher Erbe, Johann,
trat auf die Seite der Regierung, unterstützte das Dispensationsrecht,
erklärte sich gegen den Test und nahm die Stelle des Lord Advokaten an,
als Sir Georg Mackenzie, nachdem er zehn Jahre entehrender Plackerei auf
diesem Posten ausgeharrt, endlich Zeichen der Erschlaffung blicken ließ.
Die Dienste des jungen Dalrymple wurden mit Erlassung, der
Vermögensconfiscation belohnt, der sich der ältere durch seine Vergehen
ausgesetzt hatte. Diese Dienste waren allerdings auch nicht zu
verachten, denn obwohl Sir John an Tiefe und Umfang der juristischen
Kenntnisse seinem Vater nachstand, war er doch kein gewöhnlicher Mensch.
Er besaß eine vielseitige Bildung, einen scharfen Verstand und eine
ungemein schlagende und elegante Beredtsamkeit. Auf Frömmigkeit machte
er keinen Anspruch. Episkopalen und Presbyterianer stimmten in der That
darin überein, daß sie ihn für wenig besser als einen Atheisten hielten.
Einige Monate lang stellte sich Sir Johann in Edinburg, als ob er die
Illoyalität seines unglücklichen Vaters, Sir Jakob, verdammte, und Sir
Jakob sagte in Leyden zu seinen puritanischen Freunden, daß er die
abscheuliche Willfährigkeit seines unglücklichen Sohnes tief beklage.

Die Revolution kam und brachte dem Hause Stair einen großen Zuwachs an
Reichthum und Ehren. Der Sohn wechselte sogleich die Farbe und
cooperirte geschickt und eifrig mit dem Vater. Sir Jakob nahm seinen
Wohnsitz in London, um Wilhelm in schottischen Angelegenheiten mit
seinem Rathe zu unterstützen. Sir Johann's Posten war im Parlamentshause
zu Edinburg. Es war nicht wahrscheinlich, daß er unter den dortigen
Wortkämpfern seines Gleichen finden würde, und er war darauf vorbereitet
alle seine Kräfte gegen die Dynastie aufzubieten, der er noch kürzlich
gedient hatte.[20]


Melville.

Von der zahlreichen Partei, welche dem calvinistischen Kirchenregiment
eifrig zugethan war, wurde Johann Dalrymple mit unheilbarem Mißtrauen
und Widerwillen betrachtet. Es mußte daher ein andrer Agent zur
Bearbeitung dieser Partei ernannt werden. Dieser Agent war Georg
Melville, Lord Melville, ein mit dem unglücklichen Monmouth und dem
Leslie, der die schottische Armee mit so schlechtem Erfolg bei Dunbar
gegen Cromwell befehligt hatte, verwandter Edelmann. Melville hatte von
jeher für einen Whig und Presbyterianer gegolten. Selbst Diejenigen, die
am günstigsten über ihn urtheilen, haben es nicht gewagt, ihm
ausgezeichnete Geistesgaben oder glühenden Gemeinsinn zuzuschreiben. Aus
seinen Briefen geht jedoch hervor, daß es ihm keineswegs an der
natürlichen Klugheit fehlte, deren Mangel Männern von glänzenderem Genie
und reinerer Tugend oft zum Verderben gereicht hat. Diese Klugheit hatte
ihn abgehalten, in der Opposition gegen die Tyrannei der Stuarts zu weit
zu gehen, aber er hatte zugehört, wenn seine Freunde von Widerstand
sprachen, und als das Ryehousecomplot entdeckt wurde, hielt er es daher
für rathsam, sich auf den Continent zurückzuziehen. In seiner
Abwesenheit wurde er des Hochverraths angeklagt und auf Beweise hin,
welche keinem unparteiischen Gerichtshofe genügt haben würden, für
schuldig befunden. Er ward zum Tode verurtheilt, seine Ehren und Güter
wurden für verwirkt erklärt, sein Wappen mit Schimpf und Schande aus dem
Buche des Herolds gerissen, und seine Besitzungen vermehrten das
Vermögen des grausamen und habsüchtigen Perth. Unterdessen lebte der
Flüchtling mit characteristischer Vorsicht ruhig auf dem Continent und
mißbilligte die unglücklichen Pläne seines Vetters Monmouth, zollte aber
dem Unternehmen des Prinzen von Oranien von Herzen seinen Beifall.

Krankheit hatte Melville verhindert, mit der holländischen Expedition
abzusegeln; aber wenige Stunden nachdem die neuen Herrscher in London
proklamirt worden waren, kam er daselbst an. Wilhelm schickte ihn
sogleich nach Edinburg, wie es scheint in der Hoffnung, daß die
Presbyterianer gemäßigten Rathschlägen aus dem Munde eines Mannes, der
ihrer Sache ergeben war und für dieselbe gelitten hatte, Gehör schenken
würden. Melville's zweiter Sohn, David, der durch seine Mutter den Titel
eines Earl von Leven geerbt und sich im Dienste des Kurfürsten von
Brandenburg einige militärische Erfahrung erworben, hatte die Ehre, der
Ueberbringer eines Briefes von dem neuen König von England an die
schottische Convention zu sein.[21]


Jakob's Agenten in Schottland: Dundee, Balcarras.

Jakob hatte die Leitung seiner Angelegenheiten in Schottland Johann
Graham, Viscount Dundee, und Colin Lindsay, Earl von Balcarras,
übertragen. Dundee hatte ein schottisches Truppencorps commandirt, das
in England eingerückt war, um den Engländern Widerstand zu leisten; aber
er hatte in dem ruhmlosen Feldzuge, der für die Dynastie Stuart
verderblich geworden war, keine Gelegenheit gehabt, den Muth und die
militärische Tüchtigkeit zu entfalten, deren Besitz ihm selbst
Diejenigen zugestehen, die seinen erbarmungslosen Character am tiefsten
verabscheuen. Er stand mit seinen Truppen nicht weit von Watford, als er
erfuhr, daß Jakob von Whitehall geflohen war und daß Feversham die ganze
königliche Armee aufzulösen befohlen hatte. So befanden sich die
schottischen Regimenter ohne Gold und ohne Lebensmittel inmitten einer
fremden und sogar feindlichen Nation. Dundee soll vor Schmerz und Wuth
geweint haben. Bald kamen jedoch von verschiedenen Seiten erfreulichere
Nachrichten. Wilhelm schrieb einige Zeilen, worin er sagte, daß, wenn
die Schotten sich ruhig verhielten, er mit seiner Ehre dafür einstehen
würde, daß ihnen nichts geschehen solle, und einige Stunden darauf
erfuhr man, daß Jakob in seine Hauptstadt zurückgekehrt war. Dundee
eilte sofort nach London.[22] Hier traf er mit seinem Freunde Balcarras
zusammen, der eben aus Edinburg angelangt war. Balcarras, ein Mann, der
sich durch angenehme Persönlichkeit und durch Bildung auszeichnete,
hatte in seiner Jugend den Patrioten gespielt, war aber der Sache des
Volks untreu geworden, hatte einen Sitz im Geheimrath angenommen, war
ein Werkzeug Perth's und Melfort's geworden, und war einer der
Commissare gewesen, welche zur Verwaltung des Schatzmeisteramts ernannt
wurden, als Queensberry in Ungnade fiel, weil er die Interessen der
protestantischen Religion nicht hatte verrathen wollen.[23]

Dundee und Balcarras gingen zusammen nach Whitehall und hatten die Ehre,
Jakob auf seinem letzten Spaziergange in der Mailbahn zu begleiten. Er
sagte ihnen, daß er seine Angelegenheiten in Schottland ihren Händen
anzuvertrauen gedenke. »Sie, Mylord Balcarras, müssen die Civilgeschäfte
übernehmen, und Sie, Mylord Dundee, sollen eine Vollmacht zur Uebernahme
des militärischen Commandos von mir erhalten.« Die beiden Lords
versprachen sich seines Vertrauens würdig zu zeigen und wiesen jeden
Gedanken an eine Aussöhnung mit dem Prinzen von Oranien entschieden
zurück.[24]

Am folgenden Tage verließ Jakob Whitehall für immer und der Prinz von
Oranien kam im St. Jamespalast an. Sowohl Dundee als Balcarras befanden
sich unter der Menge, welche zur Begrüßung des Befreiers herbeiströmte
und sie wurden nicht unfreundlich aufgenommen. Beide waren ihm
wohlbekannt. Dundee hatte auf den Continent unter ihm gedient,[25] und
Balcarras' erste Gemahlin war eine Dame aus dem Hause Oranien gewesen
und hatte an ihrem Hochzeitstage ein Paar prächtiger Smaragdohrringe
getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr zum Geschenk gemacht.[26]

Die schottischen Whigs, welche damals in großer Anzahl zu Westminster
versammelt waren, drangen ernstlich in Wilhelm, dem Namen nach vier oder
fünf Männer zu proscribiren, welche in den schlimmen Seiten bei den
Maßnahmen des Geheimrath zu Edinburg eine bedeutende Rolle gespielt
hatten. Dundee und Balcarras wurden speciell erwähnt. Aber der Prinz
hatte beschlossen, soweit seine Macht reichte, den Schleier einer
allgemeinen Amnestie über alles Vergangene zu werfen, und weigerte sich
entschieden, irgend eine Erklärung zu erlassen, die selbst den
strafbarsten der Diener seines Oheims hätte zur Verzweiflung bringen
können.

Balcarras begab sich zu wiederholten Malen in den St. Jamespalast, hatte
mehrere Audienzen bei Wilhelm, sprach seine tiefste Ehrerbietung gegen
Seine Hoheit aus und gestand zu, daß König Jakob große Fehler begangen
habe, wollte aber nicht versprechen, sich bei einem Absetzungsvotum zu
betheiligen. Wilhelm äußerte kein Mißfallen darüber, sagte aber beim
Abschiede: »Nehmen Sie Bedacht darauf, Mylord, daß Sie Sich innerhalb
des Gesetzes halten, denn wenn Sie es übertreten, haben Sie zu erwarten,
daß Sie demselben überlassen werden.«[27]

Dundee scheint weniger aufrichtig gewesen zu sein. Er bediente sich der
Vermittelung Burnet's, trat in Unterhandlung mit dem Hofe, erklärte
seine Bereitwilligkeit, sich der neuen Ordnung der Dinge zu unterwerfen,
erlangte von Wilhelm ein Protectionsversprechen und versprach dafür,
sich ruhig zu verhalten. Man schenkte seinen Versicherungen so vollen
Glauben, daß man ihm gestattete, unter der Eskorte eines Reitertrupps
nach Schottland zu reisen. Ohne eine solche Eskorte würde der
Blutmensch, dessen Name an dem Herde jeder presbyterianischen Familie
nicht ohne einen Schauder genannt wurde, unter den damaligen Umständen
eine gefährliche Reise durch Berwickshire und die Lothians gehabt
haben.[28]

Der Februar ging zu Ende, als Dundee und Balcarras in Edinburg ankamen.
Sie hatten einige Hoffnung, die Häupter einer Majorität in der
Convention zu werden, und sie bemühten sich daher kräftig, ihre Partei
zu consolidiren und zu beleben. Sie versicherten den strengen
Royalisten, welche Bedenken trugen, in einer von einem Usurpator
einberufenen Versammlung zu sitzen, der rechtmäßige König wünsche ganz
besonders, daß kein Freund der erblichen Monarchie fehle. Mehr als ein
Schwankender wurde dadurch fest erhalten, daß man ihm im Vertrauen
versicherte, eine baldige Restauration sei unvermeidlich. Gordon hatte
schon beschlossen, das Schloß zu übergeben, und angefangen, sein
Mobiliar fortzuschaffen; aber Dundee und Balcarras überredeten ihn, noch
einige Zeit auszuharren. Sie theilten ihm mit, daß sie aus
Saint-Germains volle Ermächtigung erhalten hätten, die Convention nach
Stirling zu verlegen und daß, wenn es in Edinburg schlecht gehen sollte,
von dieser Ermächtigung Gebrauch gemacht werden würde.[29]


Zusammentritt der Convention.

Endlich erschien der 14. März, der zum Zusammentritt der Stände
bestimmte Tag, und das Parlamentshaus war gedrängt voll. Neun Prälaten
waren auf ihren Plätzen. Als Argyle eintrat, protestirte ein einziger
Lord gegen die Zulassung eines Mannes, der durch ein in alter Form
ausgesprochenes und noch nicht umgestoßenes rechtskräftiges Erkenntniß
der Ehren der Pairie entkleidet worden sei. Dieser Einwurf wurde jedoch
durch die allgemeine Ansicht der Versammlung entkräftet. Als Melville
erschien, erhob sich keine Stimme gegen seine Zulassung. Der Bischof von
Edinburg fungirte als Kaplan und nahm in sein Gebet die Bitte auf, Gott
möge dem König Jakob beistehen und ihn wieder auf den Thron setzen.[30]
Es zeigte sich bald, daß die allgemeine Gesinnung der Convention mit
diesem Gebet durchaus nicht in Einklang stand. Die erste zu erledigende
Angelegenheit war die Wahl eines Präsidenten. Der Herzog von Hamilton
wurde von den Whigs, der Marquis von Athol von den Jakobiten
unterstützt. Aber keiner der beiden Candidaten besaß das volle Vertrauen
seiner Parteianhänger, und verdiente es auch nicht. Hamilton war ein
Staatsrath Jakob's gewesen, hatte an vielen nicht zu rechtfertigenden
Maßregeln Theil gehabt und hatte den frechsten Angriffen auf die Gesetze
und die Religion Schottland's einen nur sehr vorsichtigen und lauen
Widerstand entgegengesetzt. Erst als Whitehall von holländischen Garden
bewacht wurde, wagte er es sich offen auszusprechen. Er hatte sich nun
der siegreichen Partei angeschlossen und den Whigs versichert, daß er
nur deshalb zum Schein ihr Feind gewesen sei, um, ohne Verdacht zu
erwecken, als ihr Freund handeln zu können. Athol war noch weniger zu
trauen. Er besaß geringe Fähigkeiten und einen falschen, kleinmüthigen
und grausamen Character. Unter der letzten Regierung hatte er sich durch
die Grausamkeiten, die er in Argyleshire verübt, eine schmachvolle
Berühmtheit erworben. Er hatte mit dem Wechsel des Glücks die Farbe
gewechselt und hatte dem Prinzen von Oranien in serviler Weise den Hof
gemacht, war aber kalt aufgenommen worden und war nun aus bloßem Aerger
darüber zu der Partei zurückgekehrt, die er verlassen.[31] Keiner der
beiden rivalisirenden Edelleute hatte sich bemüßigt gefunden, die Würden
und Besitzungen seines Hauses auf den Ausgang des Kampfes zwischen den
beiden rivalisirenden Königen zu setzen. Hamilton's ältester Sohn hatte
sich für Jakob, Athol's ältester Sohn für Wilhelm erklärt, so daß für
alle Fälle beide Adelskronen und beide Güter gesichert waren.

Aber in Schottland waren die herrschenden Begriffe von politischer Moral
lax und das aristokratische Gefühl stark; die Whigs waren daher geneigt
zu vergeben, daß Hamilton noch unlängst im Staatsrathe Jakob's gesessen
hatte, und eben so waren die Jakobiten bereit zu vergessen, daß Athol
kürzlich Wilhelm den Hof gemacht. In Hinsicht der politischen
Inconsequenz waren diese beiden vornehmen Lords allerdings weit entfernt
vereinzelt dazustehen; an Ansehen und Macht aber hatten sie kaum ihres
Gleichen in der Versammlung. Sie waren von höchst vornehmer Herkunft und
besaßen einen ungeheuren Einfluß; der eine von ihnen konnte das
westliche Niederland zu den Waffen rufen, der andre eine Armee
nordischer Bergschotten ins Feld stellen. Um diese beiden Oberhäupter
schaarten sich daher die feindlichen Factionen.


Hamilton zum Präsidenten erwählt.

Die Stimmen wurden gezählt, und es ergab sich, daß Hamilton eine
Majorität von vierzigen hatte. In Folge dessen gingen etwa Zwanzig von
der geschlagenen Partei sofort zu den Siegern über.[32] In Westminster
würde ein solcher Abfall sonderbar erschienen sein; in Edinburg aber
scheint er wenig überrascht zu haben. Es ist ein bemerkenswerther
Umstand, daß das nämliche Land in dem nämlichen Jahrhundert die
wunderbarsten Beispiele von beiden Extremen der menschlichen Natur
hervorbrachte. Keine Klasse von Menschen, deren die Geschichte erwähnt,
hat je an einem Principe mit unbeugsamerer Hartnäckigkeit festgehalten,
als man sie bei den schottischen Puritanern fand. Geld- und
Gefängnißstrafen, Brandmarkungseisen, spanische Stiefel, Daumenschrauben
und Galgen vermochten dem starren Covenanter kein ausweichendes Wort zu
erpressen, welchem ein mit seinem theologischen System unvereinbarer
Sinn unterzuschieben gewesen wäre. Selbst in indifferenten Dingen wollte
er von keinem Vergleich hören und er war nur zu bereit, alle Diejenigen,
welche Klugheit und Nächstenliebe anempfahlen, als Verräther an der
Sache der Wahrheit zu betrachten. Auf der andren Seite waren die
Schotten jener Generation, welche im Parlamentshause und im Rathszimmer
eine hervorragende Rolle spielten, die falschesten und schamlosesten
Achselträger, welche die Welt je gesehen. Die Engländer wunderten sich
gleichmäßig über beide Klassen. Es gab zwar viele standhafte
Nonconformisten im Süden, aber kaum einer unter ihnen konnte sich an
Hartnäckigkeit, Kampflust und Unerschrockenheit mit den Männern aus der
Schule Cameron's messen. Es gab viele schurkische Politiker im Süden,
aber wenige darunter waren so vollständig aller Moralität und noch
wenigere so vollständig alles Schamgefühls bar wie die Männer aus der
Schule Lauderdale's. Vielleicht ist es natürlich, daß die gefühlloseste
und frechste Lasterhaftigkeit sich in der nächsten Nähe unvernünftiger
und unlenksamer Tugend findet. Wo Fanatiker bereit sind, wegen
Kleinigkeiten, die durch ein übermäßig scrupulöses Gewissen zu
Wichtigkeit erhoben werden, zu vernichten oder sich vernichten zu
lassen, da kann es nicht Wunder nehmen, wenn das Wort Gewissen an sich
schon für kalte und schlaue Geschäftsmänner ein Wort des Hohnes und der
Verachtung wird.


Wahlausschuß.

Die Majorität, verstärkt durch die Ueberläufer von der Minorität,
schritt nun zur Ernennung eines Wahlausschusses. Es wurden funfzehn
Mitglieder erwählt, und es zeigte sich bald, daß zwölf davon nicht
geneigt waren, die Regelmäßigkeit des Verfahrens streng zu untersuchen,
durch welches ein Whig in das Parlamentshaus geschickt worden war. Der
Herzog von Hamilton selbst soll über die grobe Parteilichkeit seiner
eignen Anhänger entrüstet gewesen sein und sich, allerdings mit geringem
Erfolge, bemüht haben, ihre Heftigkeit zu zügeln.[33]


Das Schloß von Edinburg zur Uebergabe aufgefordert.

Ehe die Stände mit der Berathung der Angelegenheit begannen, um deren
willen sie zusammengetreten waren, hielten sie es für nöthig, auf ihre
Sicherheit bedacht zu sein. Sie konnten nicht ganz unbesorgt sein, so
lange das Dach, unter dem sie saßen, von den Batterien des Schlosses
beherrscht wurde. Es wurde demnach eine Deputation an Gordon abgesandt,
um ihn im Namen der Convention aufzufordern, die Festung binnen
vierundzwanzig Stunden zu räumen, und ihm zu sagen, daß, wenn er sich
füge, seiner Vergangenheit nicht zu seinem Nachtheil gedacht werden
solle. Er bat um eine Nacht Bedenkzeit. Während dieser Nacht wurde sein
schwankender Sinn durch Dundee's und Balcarras' eindringliche
Vorstellungen befestigt. Am andren Morgen schickte er eine in
ehrerbietigen, aber ausweichenden Ausdrücken abgefaßte Antwort. Er
erklärte darin, er sei weit entfernt, Böses gegen die Stadt Edinburg im
Sinne zu haben. Am allerwenigsten könne es ihm einfallen, eine hohe
Versammlung zu belästigen, die er mit der größten Ehrfurcht betrachte.
Er sei gern bereit, Bürgschaft für sein friedliches Verhalten bis zum
Betrage von zwanzigtausend Pfund Sterling zu erlegen. Aber er stehe mit
der jetzt in England eingesetzten Regierung in Verbindung, er erwarte
stündlich Depeschen von dieser Regierung und bis zum Eingang derselben
halte er sich nicht für berechtigt, sein Commando niederzulegen. Diese
Entschuldigungen wurden nicht angenommen. Es wurden Herolde und
Trompeter abgeschickt, um das Schloß in aller Form zur Uebergabe
aufzufordern und Diejenigen, welche fortfahren sollten, diese Festung
der Autorität der Stände zum Trotz besetzt zu halten, des Hochverraths
für schuldig zu erklären. Zu gleicher Zeit wurden Wachen ausgestellt, um
jede Verbindung zwischen der Garnison und der Stadt abzuschneiden.[34]


Dundee von den Covenanters bedroht.

Unter diesen Vorspielen waren zwei Tage verstrichen und man erwartete,
daß am Morgen des dritten der große Kampf beginnen werde. Die
Bevölkerung von Edinburg war unterdessen in großer Aufregung. Man war
dahinter gekommen, daß Dundee auf dem Schlosse Besuche gemacht hatte,
und man glaubte, daß seine Ermahnungen die Garnison bewegen hätten,
Widerstand zu leisten. Man wußte, daß seine alten Soldaten sich um ihn
schaarten, und es stand wohl zu befürchten, daß er einen verzweifelten
Versuch unternehmen werde. Er dagegen hatte erfahren, daß die westlichen
Covenanters, welche die Keller der Stadt füllten, ihm Rache geschworen
hatten, und in der That, wenn wir erwägen, daß sie von beispiellos
wildem und unversöhnlichem Character waren, daß man sie gelehrt hatte,
das Erschlagen eines Verfolgers als eine Pflicht zu betrachten, daß
keine in der heiligen Schrift vorkommenden Beispiele ihnen häufiger zur
Bewunderung vorgehalten wurden als Ehud, wie er Eglon ersticht, und
Samuel, wie er Agag in Stücken haut, daß sie keine That aus der
Geschichte ihres Vaterlandes von ihren Lieblingslehrern wärmer hatten
loben hören als die Ermordung des Cardinals Beatoun und des Erzbischofs
Sharpe, so dürfen wir uns wohl wundern, daß ein Mann, der das Blut der
Heiligen wie Wasser vergossen hatte, nur einen einzigen Tag ohne
Lebensgefahr durch High Street gehen konnte. Der Feind, den Dundee am
meisten Grund zu fürchten hatte, war ein junger Mann von ausgezeichnetem
Muth und Talent, Namens Wilhelm Cleland. Cleland hatte, als er wenig
über sechzehn Jahr alt war, bei der Insurrection, welche an der
Bothwellbrücke niedergeworfen wurde, die Waffen getragen. Seitdem hatte
er sich durch seine Menschlichkeit und Mäßigung das Mißfallen einiger
boshaften Fanatiker zugezogen. Bei der großen Masse der Presbyterianer
aber stand sein Name in hohem Ansehen, denn mit der strengen Moralität
und dem glühenden Eifer eines Puritaners verband er einige Vorzüge,
deren sich wenige Puritaner rühmen konnten. Er besaß feine Manieren und
eine achtungswerthe literarische und wissenschaftliche Bildung. Er war
Linguist, Mathematiker und Dichter. Seine Hymnen, Oden, Balladen und
Satiren ^à la^ Hudibras hatten allerdings wenig innern Werth; aber wenn
man bedenkt, daß er fast noch ein Knabe war, als er die meisten
derselben schrieb, so muß man zugeben, daß sie bedeutende natürliche
Anlagen bekunden. Er war jetzt in Edinburg, sein Einfluß unter den
daselbst versammelten westländischen Whigs war sehr groß, er haßte
Dundee mit tödtlicher Erbitterung und man glaubte, daß er mit einem
Gewaltschritt umgehe.[35]

Am 15. März wurde Dundee benachrichtigt, daß einige Covenanters sich
gegenseitig verpflichtet hatten, ihn und Sir Georg Mackenzie, den seine
lange Zeit dem Dienste der Tyrannei gewidmete Beredtsamkeit und
Gelehrsamkeit den Presbyterianern verhaßter gemacht hatte als irgend
einen andren Mann von der Robe, um's Leben zu bringen. Dundee bat
Hamilton um Schutz, und Hamilton rieth ihm, die Sache in der nächsten
Sitzung der Convention vorzulegen.[36]


Schreiben von Jakob an die Convention.

Vor dieser Sitzung kam ein gewisser Crane aus Frankreich mit einem
Schreiben des flüchtigen Königs an die Stände. Der Brief war versiegelt
und der Ueberbringer war sonderbarerweise mit keiner Abschrift versehen,
um sie den Häuptern der jakobitischen Partei mitzutheilen; auch hatte er
weder einen schriftlichen noch mündlichen Auftrag für einen der beiden
Agenten Jakob's. Balcarras und Dundee sahen mit großem Verdrusse, daß
man ihnen so wenig Vertrauen schenkte, und quälten sich mit ängstlichen
Zweifeln über den Inhalt des Schriftstückes, von dem so viel abhing. Sie
waren jedoch geneigt das Beste zu hoffen. König Jakob konnte in seiner
gegenwärtigen Lage nicht so schlecht berathen sein, daß er in directem
Widerspruche mit den Rathschlägen und Bitten seiner Freunde hätte
handeln können. Bei der Eröffnung seines Schreibens würde man sicherlich
finden, daß er gnädige Zusicherungen enthielt, welche die Royalisten mit
neuem Muthe beseelen und die gemäßigten Whigs gewinnen mußten. Seine
Anhänger beschlossen daher, daß es vorgelegt werden solle.

Als die Convention sich am Samstag, den 16. Mai, des Morgens wieder
versammelte, wurde beantragt, daß Maßregeln für die persönliche
Sicherheit der Mitglieder getroffen werden sollten. Es wurde behauptet,
daß man Dundee nach dem Leben getrachtet, daß zwei Männer von
verdächtigem Aussehen in der Nähe des Hauses, das er bewohnte,
umhergestreift seien und daß man sie habe sagen hören, sie wollten den
Hund so behandeln, wie er sie behandelt habe. Mackenzie versicherte, daß
auch er in Gefahr sei, und verlangte in seiner gewohnten bilderreichen
und kräftigen Sprache Schutz von den Ständen. Aber die Sache wurde von
der Majorität sehr leicht genommen und die Convention ging zu anderen
Gegenständen der Tagesordnung über.[37]

Hierauf wurde Crane als Einlaß ins Parlamentshaus begehrend angemeldet.
Er wurde eingeladen und das Schriftstück, dessen Ueberbringer er war,
auf den Tisch niedergelegt. Hamilton bemerkte, daß sich in den Händen
des Earl von Leven eine Mittheilung von dem Prinzen befinde, kraft
dessen Autorität die Stände einberufen worden seien. Diese Mittheilung
schien den Vorrang zu verdienen. Die Convention war gleicher Meinung und
das reiflich erwogene, einsichtsvolle Schreiben Wilhelm's wurde
vorgelesen.

Dann wurde beantragt, daß auch Jakob's Brief geöffnet werden solle. Die
Whigs wendeten dagegen ein, daß derselbe möglicherweise einen Befehl zur
Auflösung der Convention enthalten könne. Sie schlugen deshalb vor, daß
die Stände, ehe das Siegel erbrochen würde, beschließen sollten, trotz
eines solchen Befehls beisammen zu bleiben. Die Jakobiten, welche den
Inhalt des Schreibens eben so wenig kannten wie die Whigs, und die
Vorlesung desselben nicht erwarten konnten, gaben bereitwillig ihre
Zustimmung. Es wurde ein Beschluß gefaßt, durch den die Mitglieder sich
verpflichteten, jeden Befehl, der ihnen gebieten sollte auseinander zu
gehen, als null und nichtig zu betrachten und so lange beisammen zu
bleiben, bis sie das Werk der Sicherung der Freiheit und Religion
Schottland's durchgeführt haben würden. Dieser Beschluß wurde von fast
allen anwesenden Lords und Gentlemen unterzeichnet. Auch sieben von den
neuen Bischöfen unterschrieben ihn. Die eigenhändig geschriebenen Namen
Dundee's und Balcarras' sieht man noch auf der Originalrolle. Balcarras
suchte später diesen Schritt, der nach seinen Grundsätzen ohne alle
Widerrede ein abscheulicher Verrath war, damit zu entschuldigen, daß er
sagte, er und seine Freunde hätten sich aus Eifer für das Interesse
ihres Gebieters an einer rebellischen Erklärung gegen die Autorität
ihres Gebieters betheiligt, sie hätten von dem Briefe den heilsamsten
Einfluß erwartet, und der Brief würde nicht geöffnet worden sein, wenn
sie nicht der Majorität ein Zugeständniß gemacht hätten.


Wirkung von Jakob's Schreiben.

In wenigen Minuten wurden Balcarras' Erwartungen bitter getäuscht. Der
Brief, von dem man so viel gehofft und gefürchtet hatte, wurde mit allen
den Ehren vorgelesen, welche die schottischen Parlamente königlichen
Mittheilungen zu erweisen pflegten; aber jedes Wort erfüllte die Herzen
der Jakobiten mit Verzweiflung. Man sah deutlich, daß das Unglück Jakob
weder weise noch nachsichtig gemacht hatte. Alles athmete
Hartnäckigkeit, Grausamkeit und Uebermuth. Denjenigen Verräthern, welche
binnen vierzehn Tagen zu ihrer Unterthanenpflicht zurückkehrten, war
Verzeihung zugesichert, allen Anderen aber mit schonungsloser Rache
gedroht. Ueber frühere Vergehen war nicht nur kein Bedauern ausgedrückt,
sondern der Brief selbst war ein neues Vergehen, denn er war von dem
Apostaten Melfort geschrieben und contrasignirt, der nach den Gesetzen
des Reichs zur Bekleidung des Amts eines Staatssekretärs nicht befähigt
war und den die protestantischen Tories nicht weniger verabscheuten als
die Whigs. Die ganze Versammlung gerieth in Aufruhr. Jakob's Feinde
waren laut und heftig, und seine Freunde, welche gegen ihn aufgebracht
waren und sich seiner schämten, sahen ein, daß nicht mehr daran zu
denken war, den Kampf in der Convention fortzusetzen. Jede Stimme, die
vor der Eröffnung des Schreibens zweifelhaft gewesen, war jetzt
unwiederbringlich verloren. Die Sitzung schloß unter großer
Aufregung.[38]

Es war Samstag Nachmittag und vor Montag früh sollte keine Sitzung
wieder sein. Die jakobitischen Parteiführer hielten eine Berathung und
kamen zu dem Schlusse, daß ein entscheidender Schritt gethan werden
müsse. Dundee und Balcarras sollten sich der ihnen ertheilten
Vollmachten bedienen; die Minorität sollte sofort Edinburg verlassen und
sich in Stirling versammeln. Athol stimmte bei und nahm es auf sich, ein
starkes Corps seiner Clansleute aus den Hochlanden zum Schutze der
Berathungen der royalistischen Convention herbeizuziehen. Alles war für
den Austritt vorbereitet; aber die Langsamkeit eines Mannes und die
Uebereilung eines andren zerstörten in wenigen Stunden den ganzen Plan.


Dundee's Flucht.

Der Montag kam. Die jakobitischen Lords und Gentlemen waren
eben im Begriff nach Stirling aufzubrechen, als Athol einen
vierundzwanzigstündigen Aufschub verlangte. Er für seine Person habe
keinen Grund, sich zu beeilen. Wenn er bliebe, liefe er nicht Gefahr
ermordet zu werden. Wenn er aber ginge, setze er sich den von einem
Bürgerkriege unzertrennlichen Gefahren aus. Da die Mitglieder seiner
Partei sich nicht von ihm trennen wollten, willigten sie in den von ihm
verlangten Aufschub und begaben sich noch einmal in das
Parlamentsgebäude. Nur Dundee weigerte sich, noch länger zu bleiben. Er
sagte, sein Leben sei in Gefahr. Die Convention habe sich geweigert, ihn
zu beschützen, und er wolle nicht bleiben, um der Zielpunkt für die
Pistolen und Dolche von Meuchelmördern zu sein. Balcarras machte
vergebliche Vorstellungen. »Wenn Sie allein abreisen,« sagte er, »so
wird das Aufsehen machen, und den ganzen Plan vereiteln.« Aber Dundee
blieb bei seinem Vorsatze. Tapfer, wie er unzweifelhaft war, schien er,
gleich vielen anderen tapferen Männern, gegen die Gefahr eines
Meuchelmords weniger gestählt zu sein als gegen jede andre Form der
Gefahr. Er kannte den Haß der Covenanters, er wußte wie sehr er ihren
Haß verdient hatte, und er wurde von dem Bewußtsein unsühnbarer Schuld
und von der Furcht vor einer entsetzlichen Wiedervergeltung gequält,
welche die Polytheisten des Alterthums unter dem furchtbaren Namen der
Furien personificirten. Seine alten Reiter, die Satans und Beelzebubs,
die seine Verbrechen getheilt hatten und die jetzt seine Gefahren
theilten, waren bereit, ihn auf seiner Flucht zu begleiten.


Tumultuarische Sitzung der Stände.

Inzwischen hatte sich die Convention wieder versammelt. Mackenzie hatte
sich erhoben, und beklagte in pathetischen Ausdrücken die schlimme Lage
der Stände, welche zu gleicher Zeit von den Kanonen einer Festung und
von einem fanatischen Pöbel bedroht würden, als er durch einige
Schildwachen unterbrochen wurde, die von den Posten in der Nähe des
Schlosses herbeikamen. Sie hatten Dundee an der Spitze von funfzig
Reitern auf der Straße nach Stirling gesehen. Diese Straße führte dicht
an dem mächtigen Felsen vorbei, auf dem die Citadelle erbaut ist. Gordon
war auf den Wällen erschienen und hatte durch ein Zeichen zu verstehen
gegeben, daß er etwas zu sagen habe. Dundee war nun so hoch
hinaufgeklommen, daß er hören und gehört werden konnte, und so besprach
er sich eben jetzt mit dem Herzoge. Bis diesen Augenblick war der Haß,
mit dem die presbyterianischen Mitglieder der Versammlung den
unbarmherzigen Verfolger ihrer Glaubensbrüder betrachteten, durch die
schicklichen Formen der parlamentarischen Berathung gedämpft worden.
Jetzt aber erfolgte ein furchtbarer Ausbruch. Hamilton selbst, der, wie
sogar seine Gegner zugaben, die Pflichten eines Präsidenten bisher mit
Würde und Unparteilichkeit versehen hatte, war der Lauteste und
Heftigste im Saale. »Es ist hohe Zeit« rief er aus, »daß wir auf uns
selbst denken. Die Feinde unsrer Religion und unsrer bürgerlichen
Freiheit sammeln sich rings um uns, und wir dürfen wohl argwöhnen, daß
sie selbst hier Complicen haben. Man verschließe die Thüren und lege die
Schlüssel auf den Tisch. Niemand soll hinaus als diejenigen Lords und
Gentlemen, die wir beauftragen werden, die Bürger zu den Waffen zu
rufen. Es sind einige wackere Männer aus dem Westen in Edinburg, Männer,
für die ich stehen kann.« Die Versammlung erhob einen allgemeinen Ruf
der Zustimmung. Mehrere Mitglieder der Majorität rühmten sich, daß auch
sie zuverlässige Anhänger mitgebracht hätten, die auf den ersten Wink
gegen Claverhouse und seine Dragoner ziehen würden. Alles was Hamilton
vorschlug, wurde sofort ins Werk gesetzt. Die Jakobiten gaben sich
schweigend und ohne Widerstand zu Gefangenen. Leven ging hinaus und gab
Befehl Alarm zu schlagen. Die Covenanters von Lanarkshire und Ayrshire
leisteten dem Aufrufe sofort Folge. Die so zusammengebrachte Streitmacht
hatte zwar kein sehr militärisches Aussehen, genügte aber vollkommen, um
die Anhänger des Hauses Stuart im Schach zu halten. Von Dundee war
nichts zu hoffen oder zu fürchten. Er war schon den Schloßberg wieder
herabgeklommen, zu seinen Reitern zurückgekehrt und in westlicher
Richtung davongesprengt. Hamilton ließ nun die Thüren öffnen und es
stand den verdächtigen Mitgliedern frei sich zu entfernen. Gedemüthigt
und niedergeschmettert, aber doch froh, so wohlfeilen Kaufs
davongekommen zu sein, stahlen sie sich durch den Haufen finstrer
Fanatiker, welcher High Street füllte. An eine Lostrennung war nun nicht
mehr zu denken.[39]

Am folgenden Tage wurde beschlossen, daß das Königreich in
Vertheidigungsstand gesetzt werden solle. Die Einleitung zu diesem
Beschlusse enthielt eine strenge Rüge der Perfidie des Verräthers, der
wenige Stunden nachdem er durch eine eigenhändig unterschriebene
Erklärung sich verpflichtet, seinen Posten in der Convention nicht zu
verlassen, das Beispiel der Desertion und das Signal zum Bürgerkriege
gegeben hatte. Alle Protestanten vom sechszehnten bis zum sechzigsten
Lebensjahre erhielten die Weisung sich bereit zu halten, um beim ersten
Aufrufe unter die Waffen zu treten, und damit sich Niemand mit
Unkenntniß entschuldigen konnte, wurde die öffentliche Verlesung des
Edicts auf allen Marktplätzen des ganzen Königreichs angeordnet.[40]

Die Stände beschlossen hierauf, ein Danksagungsschreiben an Wilhelm zu
richten. Diesem Briefe waren die Unterschriften vieler Edelleute und
Gentlemen beigefügt, die zur Partei des verbannten Königs gehörten. Die
Bischöfe aber weigerten sich einstimmig, ihre Namen darunter zu setzen.


Ein Ausschuß zur Entwerfung eines Regierungsplanes ernannt.

Es war bei den schottischen Parlamenten seit langer Zeit Brauch, die
Entwerfung von Gesetzen und Verordnungen einer Auswahl von Mitgliedern
zu übertragen, welche die Artikellords genannt wurden. In Gemäßheit
dieses Brauchs wurde jetzt ein Ausschuß von Vierundzwanzig beauftragt,
einen Entwurf zur Feststellung der Regierung auszuarbeiten. Von diesen
Vierundzwanzig waren Acht Peers, Acht Vertreter von Grafschaften und
Acht Abgeordnete von Städten. Die Majorität des Ausschusses waren Whigs
und es befand sich kein einziger Prälat darin.

Der durch eine Reihenfolge von Unfällen gebrochene Muth der Jakobiten
wurde durch die Ankunft des Herzogs von Queensberry aus London auf einen
Augenblick wieder gehoben. Er war ein Mann von hohem Range und großem
Einflusse und sein Character war gut im Vergleich zu dem Character
Derer, die ihn umgaben. Als der Papismus die Oberhand hatte, war er der
Sache der protestantischen Kirche treu geblieben, und seitdem der
Whiggismus das Uebergewicht erlangt, war er ein treuer Anhänger der
erblichen Monarchie geblieben. Einige waren der Meinung, daß er dem
Hause Stuart wichtige Dienste hätte leisten können, wenn er früher auf
seinem Platze gewesen wäre.[41] Selbst jetzt brachten die
Belebungsmittel, die er bei seiner erstarrten und schwachen Partei
anwendete, einige matte Symptome wiederkehrenden Muthes hervor. Man fand
Mittel, um sich mit Gordon in Verbindung zu setzen und er wurde dringend
aufgefordert, auf die Stadt zu feuern. Die Jakobiten hofften, daß,
sobald die Kanonenkugeln einige Schornsteine zertrümmert, die Stände
nach Glasgow übersiedeln würden. So wurde Zeit gewonnen und die
Royalisten konnten vielleicht ihren alten Plan, zu einer
Separatconvention zusammenzutreten, noch ausführen. Gordon weigerte sich
jedoch entschieden, auf keine bessere Gewähr als die Aufforderung einer
kleinen Kabale, eine so schwere Verantwortlichkeit auf sich zu
nehmen.[42]

Inzwischen hatten die Stände eine Schutzmacht, auf die sie sich fester
verlassen konnten als auf die undisciplinirten und ungestümen
Covenanters aus dem Westen. Ein Geschwader englischer Kriegsschiffe aus
der Themse war in der Mündung des Forth angekommen. Dieses Geschwader
hatte die drei schottischen Regimenter an Bord, welche Wilhelm aus
Holland herüber begleitet. Er hatte sie mit weiser Einsicht ausgewählt,
die Versammlung zu beschützen, welche die Regierung ihres Vaterlandes
feststellen sollte, und damit dem im Punkte der Nationalehre ungemein
empfindlichen Volke kein Grund zur Eifersucht gegeben werden möge, hatte
er alle holländischen Soldaten aus den Gliedern entfernt und dadurch die
Zahl der Mannschaften auf ungefähr elfhundert reducirt. Dieses kleine
Truppencorps wurde commandirt von Andreas Mackay, einen Hochländer von
vornehmer Abkunft, der lange auf dem Continent gedient hatte und der
sich durch einen unerschütterlichen Muth und durch eine Frömmigkeit
auszeichnete, wie man sie bei Soldaten des Zufalls selten findet. Die
Convention faßte einen Beschluß, durch den sie Mackay zum
Oberbefehlshaber ihrer Streitkräfte ernannte. Als über diesen Beschluß
die Vorfrage gestellt wurde, bat der Erzbischof von Glasgow, der
wahrscheinlich nicht Lust hatte, sich an einer solchen widerrechtlichen
Anmaßung von Befugnissen zu betheiligen, welche dem Könige allein
zustanden, daß man die Prälaten von der Abstimmung entbinden möchte.
Geistliche, sagte er, hätten mit militärischen Maßregeln nichts zu
schaffen. »Die Väter der Kirche,« entgegnete ein Mitglied in sehr
nachdrücklichem Tone, »sind seit kurzem mit einen neuem Lichte beglückt
worden. Ich habe selbst militärische Befehle gesehen, welche von dem
Hochwürdigen unterzeichnet waren, der jetzt plötzlich so scrupulös
geworden ist. Allerdings waltete ein Unterschied ob: jene Befehle hatten
den Zweck die Protestanten dem Säbelregimente preis zu geben, während
der vorliegende Beschluß uns gegen die Papisten schützen soll.«[43]

Die Ankunft der Truppen Mackay's und der Entschluß Gordon's, unthätig zu
bleiben, brach den Muth der Jakobiten. Es blieb ihnen in der That nur
noch eine Aussicht. Durch Anschluß an diejenigen Whigs, welche zu einer
Union mit England geneigt waren, konnten sie die Festsetzung der
Regierung vielleicht noch um längere Zeit verzögern. Es wurde zu dem
Ende wirklich eine Unterhandlung eingeleitet, aber bald wieder
abgebrochen. Denn es zeigte sich bald, daß die für Jakob eingenommene
Partei in Wirklichkeit der Union abgeneigt und daß die für die Union
eingenommene Partei in Wirklichkeit Jakob feindlich gesinnt war. Da
somit diese beiden Parteien kein gemeinsames Ziel verfolgten, so konnte
aus einer Coalition zwischen ihnen nichts weiter hervorgehen, als daß
eine von beiden das Werkzeug der andren geworden wäre. Die Unionsfrage
kam daher gar nicht zur Sprache.[44] Einige Jakobiten zogen sich auf
ihre Landsitze zurück, andere blieben zwar in Edinburg, zeigten sich
aber nicht mehr im Parlamentsgebäude, viele schlugen sich auf die
überwiegende Seite, und als endlich die von den Vierundzwanzig
entworfenen Beschlüsse der Convention vorgelegt wurden, zeigte es sich,
daß die Partei, die sich am ersten Sessionstage um Athol geschaart
hatte, auf Null zusammengeschmolzen war.


Vom Ausschuß vorgeschlagene Beschlüsse.

Die Beschlüsse waren so weit möglich in Einklang mit dem kürzlich zu
Westminster gegebenen Beispiele entworfen. In einem wichtigen Punkte
jedoch mußte die Copie nothwendig von dem Originale abweichen. Die
Stände von England hatten zwei Anklagen gegen Jakob erhoben: seine
schlechte Verwaltung und seine Flucht, und hatten durch Anwendung des
milderen Wortes »Abdankung« zu einigem Nachtheil für die Genauigkeit im
Ausdruck die Frage umgangen, ob Unterthanen gesetzlich befugt sind,
einen schlechten Fürsten abzusetzen. Diese Frage konnten die Stände
Schottland's nicht umgehen. Sie konnten nicht sagen, Jakob habe seinen
Posten verlassen, denn er hatte seit seiner Thronbesteigung nie in
Schottland residirt. Seit vielen Jahren wurde dieses Königreich von
Souverainen regiert, die in einem andren Lande wohnten. Die ganze
Verwaltungsmaschine war nach der Voraussetzung construirt, daß der König
abwesend sein würde und sie wurde daher durch die Flucht, welche im
Süden der Insel alle Regierung aufgelöst und den ordentlichen Gang der
Rechtspflege unterbrochen hatte, nicht nothwendigerweise in Unordnung
gebracht. Wenn der König in Whitehall war, konnte er nur schriftlich mit
dem Staatsrathe und dem Parlamente zu Edinburg verkehren, und das konnte
er auch, wenn er in Saint-Germains oder Dublin war. Die Vierundzwanzig
waren daher gezwungen, den Ständen eine Resolution vorzuschlagen, welche
bestimmt erklärte, daß Jakob VII. durch sein Mißverhalten die Krone
verwirkt habe. Viele Schriftsteller haben aus dem Wortlaute dieser
Resolution gefolgert, daß gesunde politische Prinzipien in Schottland
weiter vorgeschritten gewesen seien als in England. Aber die ganze
Geschichte der beiden Länder von der Restauration bis zur Union beweist,
daß dieser Schluß falsch ist. Die schottischen Stände bedienten sich
ganz einfach deshalb einer offenen Sprache, weil es ihnen in ihrer Lage
unmöglich war, sich einer ausweichenden Sprache zu bedienen.

Der Mann, der bei Entwerfung des Beschlusses und bei der Vertheidigung
desselben die Hauptrolle spielte, war Sir Johann Dalrymple, der vor
kurzem das hohe Amt des Lord Advokaten bekleidet und der an mehreren von
den Uebelthaten Theil genommen hatte, über die er jetzt mit großer
logischer und rhetorischer Schärfe den Stab brach. Er wurde kräftig
unterstützt durch Sir Jakob Montgomery, Mitglied für Ayrshire, einem
Manne von bedeutendem Talent, aber lockeren Grundsätzen, ungestümem
Wesen, unersättlicher Habgier und unversöhnlicher Bosheit. Der
Erzbischof von Glasgow und Sir Georg Mackenzie sprachen auf der andren
Seite, aber sie bewirkten durch ihre Beredtsamkeit nichts weiter als daß
sie ihre Partei des Vortheils beraubten, geltend machen zu können, daß
die Stände unter einem Zwange ständen und daß die Redefreiheit den
Vertheidigern der erblichen Monarchie versagt worden sei.

Als die Vorfrage gestellt wurde, entfernten sich Athol, Queensberry und
einige ihrer Freunde. Nur fünf Mitglieder stimmten gegen den Beschluß,
welcher erklärte, daß Jakob sein Recht auf die Treue seiner Unterthanen
verwirkt habe. Als der Antrag gestellt wurde, daß mit der Krone von
Schottland ebenso verfahren werden sollte, wie mit der Krone von
England, erschienen Athol und Queensberry wieder im Sitzungssaale. Sie
sagten, sie seien im Zweifel gewesen, ob sie füglicherweise den Thron
für erledigt erklären könnten. Da er aber für erledigt erklärt worden
sei, zweifelten sie nicht, daß Wilhelm und Marie Diejenigen waren, die
ihn einnehmen müßten.


Wilhelm und Marie proklamirt.

Die Convention begab sich hierauf in Procession in die High Street.
Mehrere vornehme Edelleute bestiegen in Begleitung des Lord Provost und
der Herolde den achteckigen Thurm, von welchem das Stadtkreuz mit dem
schottischen Einhorn auf der Spitze emporragte.[45] Hamilton verlas den
Beschluß der Convention und ein Wappenherold proklamirte unter
Trompetenschall die neuen Souveraine. An demselben Tage erließen die
Stände eine Verordnung des Inhalts, daß die Parochialgeistlichen, bei
Strafe der Amtsentsetzung, von ihren Kanzeln herab die Proklamation,
welche so eben am Stadtkreuze verlesen worden, bekannt machen und für
König Wilhelm und Königin Marien beten sollten.


Die Rechtsforderung.

Noch war das Interregnum nicht vorüber. Obwohl die neuen Souveraine
proklamirt waren, waren sie doch noch nicht durch ein formelles
Anerbieten und durch eine formelle Annahme in den Besitz der königlichen
Autorität gesetzt worden. Es wurde in Edinburg, wie in Westminster, für
nöthig gehalten, daß die Urkunde über die Feststellung der Regierung die
Volksrechte, welche die Stuarts ungesetzlicherweise mißachtet hatten,
klar definiren und feierlich bekräftigen solle. Die Vierundzwanzig
entwarfen daher eine Rechtsforderung ^(Claim of Right)^, welche die
Convention annahm. Dieser Rechtsforderung, welche nichts weiter als eine
Erklärung des bestehenden Gesetzes bezweckte, war eine Ergänzungsschrift
beigefügt, die eine Liste von Mißständen enthielt, denen nur durch neue
Gesetze abgeholfen werden konnte.


Abschaffung des Episkopats.

Einen hochwichtigen Artikel, den wir naturgemäß an der Spitze einer
solchen Liste zu sehen erwarten sollten, nahm die Convention mit großer
praktischer Einsicht, aber notorischen Thatsachen und unwiderleglichen
Argumenten zum Trotz, in die Rechtsforderung selbst auf. Niemand konnte
leugnen, daß die Prälatur durch eine Parlamentsacte eingeführt war. Die
Gewalt, welche die Bischöfe ausübten, konnte schädlich, schriftwidrig,
antichristlich sein, aber ungesetzlich war sie gewiß nicht, und sie für
ungesetzlich erklären, hieß dem gesunden Verstande ins Gesicht schlagen.
Die Whigführer wünschten jedoch viel sehnlicher, das Episkopat
loszuwerden, denn sich als ausgezeichnete Publicisten und Logiker zu
erweisen. Wenn sie die Abschaffung des Episkopats zu einem Artikel des
Vertrags machten, kraft dessen Wilhelm die Krone tragen sollte, so
erreichten sie ihren Zweck, wenn auch ohne Zweifel auf eine Weise,
welche der Kritik starke Blößen gab. Begnügten sie sich dagegen zu
beschließen, daß das Episkopat eine schädliche Institution sei, welche
früher oder später abzuschaffen die Legislatur wohl thun werde, so
konnten sie finden, daß ihr Beschluß zwar in formeller Hinsicht keine
Einwendung zuließ, doch unfruchtbar an Consequenzen war. Sie wußten, daß
Wilhelm keineswegs mit ihrer Abneigung gegen die Bischöfe sympathisirte
und daß, selbst wenn er für das calvinistische Vorbild weit mehr
eingenommen gewesen wäre, als er es war, sein Verhältniß zu der
anglikanischen Kirche es für ihn schwierig und gefährlich gemacht haben
würde, sich zum Feinde eines Grundbestandtheils der Verfassung dieser
Kirche zu erklären. Wenn er König von Schottland wurde, ohne in diesem
Punkte durch eine Zusicherung gebunden zu sein, so konnte man wohl
fürchten, daß er zögern würde, eine Acte zu erlassen, welche von einem
großen Theile seiner Unterthanen im Süden der Insel mit Abscheu
betrachtet werden würde. Es war daher sehr zu wünschen, daß die Frage
erledigt wurde, so lange der Thron noch unbesetzt war. In dieser Ansicht
stimmten viele Politiker überein, die zwar keinen Widerwillen gegen
Chorhemden und Bischofsmützen hegten, die aber wünschten, daß Wilhelm
eine ruhige und gedeihliche Regierung haben möchte. Das schottische Volk
-- so räsonnirten diese Leute -- haßte das Episkopat. Das englische Volk
liebte es. Wilhelm eine Stimme in dieser Angelegenheit lassen, hieße ihn
in die Nothwendigkeit versetzen, die stärksten Gefühle einer der
Nationen, die er regierte, zu verwunden. Es liege daher offenbar in
seinem eignen Interesse, daß die Frage, die er selbst in keiner Weise
erledigen könnte, ohne sich schwere Vorwürfe zuzuziehen, anstatt seiner
durch Andere erledigt würde, die einer solchen Gefahr nicht ausgesetzt
wären. Er sei noch nicht Beherrscher von Schottland. Während der Dauer
des Interregnums gehöre die höchste Gewalt den Ständen und für das was
die Stände thun möchten, könnten die Prälatisten seines südlichen
Königreichs ihn nicht verantwortlich machen. Der ältere Dalrymple
schrieb aus London eindringlich in diesem Sinne, und es kann kaum einem
Zweifel unterliegen, daß er die Gesinnungen seines Gebieters ausdrückte.
Wilhelm würde sich aufrichtig gefreut haben, wenn die Schotten mit einem
modificirten Episkopat hätten ausgesöhnt werden können. Da dies aber
nicht sein könne, so sei es offenbar wünschenswerth, daß sie, so lange
noch kein König über ihnen stehe, selbst das unwiderrufliche
Verdammungsurtheil über die Institution aussprächen, die sie
verabscheuten.[46]

Die Convention nahm daher wie es scheint, nach kurzer Debatte in die
Rechtsforderung eine Klausel auf, welche erklärte, daß die Prälatur eine
unerträgliche Last für das Königreich, daß sie der großen Masse des
Volks seit langer Zeit verhaßt sei und daß sie abgeschafft werden müsse.


Die Folter.

Nichts in den Vorgängen zu Edinburg setzt einen Engländer mehr in
Erstaunen, als das Verfahren der Stände in Bezug auf die Tortur. In
England war die Folter stets gesetzwidrig gewesen. Selbst in den
servilsten Zeiten hatten die Richter sie einstimmig dafür erklärt. Die
Herrscher, welche gelegentlich ihre Zuflucht zu derselben genommen,
hatten sie so weit möglich im Geheimen angewendet, hatten nie behauptet,
daß sie im Einklange mit dem Staatsgesetz oder mit dem gemeinen Recht
gehandelt und hatten sich damit entschuldigt, daß sie sagten, die
außerordentliche Gefahr, der der Staat ausgesetzt sei, habe
sie gezwungen, die Verantwortlichkeit für außerordentliche
Vertheidigungsmittel auf sich zu nehmen. Kein englisches Parlament hatte
es daher je für nöthig gehalten, eine Acte oder einen Beschluß in Bezug
auf diesen Gegenstand zu erlassen. Die Tortur war weder in der Bitte um
Recht noch in irgend einem von dem Langen Parlament entworfenen Gesetze
erwähnt. Kein Mitglied der Convention von 1689 dachte daran
vorzuschlagen, daß die Urkunde, welche den Prinzen und die Prinzessin
von Oranien auf den Thron berief, eine Erklärung gegen die Anwendung von
Folterbänken und Daumenschrauben zu dem Zwecke, Gefangene zur
Selbstanklage zu zwingen, enthalten solle. Eine solche Erklärung würde
mit Recht eher als eine Schwächung denn als Kräftigung einer Regel
betrachtet worden sein, welche schon zu den Zeiten der Plantagenets von
den berühmteren Weisen von Westminsterhall mit Stolz für einen
unterscheidenden Zug der englischen Rechtswissenschaft erklärt worden
war.[47] In der schottischen Rechtsforderung wurde die Anwendung der
Tortur, ohne Beweis, oder in gewöhnlichen Fällen, für gesetzwidrig
erklärt. Daraus ergiebt sich folgerichtig, daß die Tortur in Fällen wo
starker Beweis vorhanden war oder wo ein außerordentliches Verbrechen
vorlag, für gesetzmäßig erklärt war; auch führten die Stände die Tortur
nicht unter den Mißbräuchen auf, welche gesetzliche Abhülfe erheischten.
In der That, sie konnten die Tortur nicht verdammen, ohne sich selbst zu
verdammen. Der Zufall wollte, daß, während sie sich mit der Feststellung
der Regierung beschäftigten, der beredte und gelehrte Lord-Präsident
Lockhardt, als er eines Sonntags aus der Kirche kam, auf offener Straße
ermordet wurde. Der Mörder ward ergriffen und erwies sich als ein
Elender, der, nachdem er seine Gattin barbarisch behandelt und aus dem
Hause geworfen, durch ein Decret des Court of Session gezwungen worden
war, für ihren Unterhalt zu sorgen. Ein wüthender Haß gegen die Richter,
die sie in Schutz genommen, hatte sich seiner bemächtigt und ihn zu
einem entsetzlichen Verbrechen und einem entsetzlichen Schicksale
getrieben. Es war natürlich, daß eine von so erschwerenden Umständen
begleitete Mordthat den Unwillen der Mitglieder der Convention erregte.
Gleichwohl hätten sie den kritischen Ernst des Augenblicks und die
Wichtigkeit ihrer Mission bedenken sollen. Leider aber befahlen sie in
der Hitze der Leidenschaft dem Magistrate von Edinburg, den Gefangenen
die spanischen Stiefeln anzulegen, und ernannten einen Ausschuß zur
Beaufsichtigung der Operation. Hätte dieser unselige Vorfall nicht
stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das schottische Gesetz
bezüglich der Tortur ohne weiteres dem englischen Gesetze assimilirt
worden wäre.[48]

Nach Feststellung der Rechtsforderung schritt die Convention zur
Revision des Krönungseides. Als dies gethan war, wurden drei Mitglieder
ernannt, welche die Regierungsurkunde nach London bringen sollten.
Argyle, obwohl streng genommen dem Sinne des Gesetzes nach kein Peer,
wurde zum Vertreter der Peers gewählt; Sir Jakob Montgomery
repräsentirte die Deputirten der Grafschaften, und Sir Johann Dalrymple
die der Städte.

Hierauf vertagten sich die Stände auf einige Wochen, nachdem sie noch
einen Beschluß gefaßt hatten, welcher Hamilton ermächtigte diejenigen
Maßregeln zu ergreifen, die zur Aufrechthaltung der öffentlichen Ruhe
bis zum Schlusse des Interregnums nothwendig erscheinen könnten.


Wilhelm und Marie nehmen die Krone Schottland's an.

Die Ceremonie der Inauguration unterschied sich von gewöhnlichen
Feierlichkeiten dieser Art durch einige höchst interessante Umstände. Am
11. Mai kamen die drei Commissare in das Berathungszimmer zu Whitehall
und begaben sich von dort, begleitet von fast allen zur Zeit in London
anwesenden vornehmen Schotten, nach dem Bankethause. Hier saßen Wilhelm
und Marie unter einem Baldachin. Ein glänzender Kreis von englischen
Edelleuten und Staatsmännern umgab den Thron; den Staatsdegen aber trug
ein schottischer Lord und der Amtseid wurde nach schottischem Brauch
abgenommen, Argyle sagte die Formel langsam vor und das königliche Paar
sprach sie nach bis zu dem letzten Satze. Hier hielt Wilhelm inne.
Dieser Satz enthielt das Versprechen, daß er alle Ketzer und alle Feinde
der wahren Gottesverehrung ausrotten wolle, und es war notorisch, daß in
den Augen vieler Schotten nicht nur alle Katholiken, sondern auch alle
protestantischen Episkopalen, alle Independenten, Baptisten und Quäker,
alle Lutheraner, ja selbst alle britischen Presbyterianer, die sich
durch den feierlichen Bund und Covenant nicht gebunden glaubten, Feinde
der wahren Gottesverehrung waren.[49] Der König hatte die Commissare
darauf aufmerksam gemacht, daß er diesen Theil des Eides nicht ohne eine
bestimmte und öffentliche Erklärung leisten könne, und sie waren von der
Convention autorisirt worden, eine Erklärung zu geben, die ihn
befriedigen würde. »Ich mag mich,« sagte er jetzt, »in keiner Weise
verpflichten, ein Verfolger zu sein.« -- »Weder die Worte dieses Eides,«
entgegnete hierauf einer der Commissare, »noch die Gesetze Schottland's
legen Eurer Majestät eine solche Verpflichtung auf.« -- »In diesem Sinne
schwöre ich denn,« versetzte Wilhelm, »und ich ersuche Sie alle, Mylords
und Gentlemen, zu bezeugen, daß ich dies thue.« Selbst seine Verleumder
haben allgemein zugegeben, daß er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit
mit Freimüthigkeit, Würde und Weisheit handelte.[50]


Unzufriedenheit der Covenanters.

Als König von Schottland sah er sich bald bei jedem Schritte von allen
den Schwierigkeiten, mit denen er als König von England zu kämpfen
gehabt, und auch noch von anderen Schwierigkeiten umringt, die in
England glücklicherweise unbekannt waren. Im Norden der Insel war keine
Klasse unzufriedener mit der Revolution als die Klasse, die der
Revolution am meisten verdankte. Die Art und Weise, wie die Convention
die Frage der Kirchenverfassung entschieden, hatte den Bischöfen selbst
nicht mehr mißfallen als den heftigen Convenanters, welche trotz Schwert
und Carabiner, trotz Folter und Galgen ihren Schöpfer lange nach ihrer
Art in Höhlen und auf Bergspitzen verehrt hatten. Habe man jemals,
riefen diese Zeloten aus, ein solches Schwanken zwischen zwei Meinungen,
eine solche Annäherung zwischen dem Herrn und Baal gesehen? Die Stände
hätten sagen sollen, das Episkopat sei in den Augen Gottes ein Greuel
und sie seien aus Gehorsam gegen sein Wort und aus Furcht vor seiner
gerechten Strafe entschlossen, gegen diese große nationale Sünde und
Schmach so aufzutreten wie die heiligen Regenten, welche die Haine und
Altäre Chamos' und Astarte's zerstörten. Leider werde Schottland nicht
durch fromme Josias, sondern durch sorglose Gallios regiert. Die
antichristliche Hierarchie müsse abgeschafft werden, nicht weil sie eine
Beleidigung des Himmels sei, sondern weil sie auf Erden als eine
drückende Last gefühlt werde, nicht weil sie dem großen Oberhaupte der
Kirche, sondern weil sie dem Volke verhaßt sei. Sei denn die öffentliche
Meinung der Prüfstein für Recht und Unrecht in der Religion? Müsse nicht
die Ordnung, welche Christus in seinem eigenen Hause eingeführt, in
allen Ländern und durch alle Zeiten heilig gehalten werden? Und sei für
die Festhaltung dieser Ordnung in Schottland kein andrer Grund vorhanden
als der, welcher mit gleichem Gewicht für die Aufrechthaltung der
Prälatur in England, des Papstthums in Spanien und des Muhamedanismus in
der Türkei geltend gemacht werden könne? Warum erwähne man nichts von
den Convenants, welche die Nation so allgemein unterschrieben und so
allgemein verletzt habe? Warum erkläre man nicht deutlich und bestimmt,
daß die in diesen Urkunden niedergelegten Versprechungen noch immer für
das Königreich bindend seien und bis ans Ende aller Zeiten bindend
bleiben würden? Sollten diese Wahrheiten aus Rücksicht gegen die Gefühle
und Interessen eines Fürsten unterdrückt werden, der Alles für Alle sei,
ein Bundesgenosse des götzendienerischen Spaniers und des lutherischen
Dänen, ein Presbyterianer im Haag und ein Prälatist in Whitehall? Er
habe allerdings, wie einst Jehu, in soweit gut gethan, daß er die Geißel
des götzendienerischen Hauses Ahab's geworden sei. Aber auch er sei, wie
Jehu, nicht darauf bedacht gewesen, von ganzem Herzen den Pfad des
göttlichen Gesetzes zu wandeln, sondern habe Gottlosigkeiten geduldet
und verübt, die sich nur der Größe nach von denen unterschieden, zu
deren Feinde er sich erklärt habe. Es würde gottesfürchtigen Senatoren
besser geziemt haben, ihm Vorstellungen zu machen über die Sünde, die er
begehe, indem er sich dem anglikanischen Ritus anschließe und die
anglikanische Kirchenverfassung aufrechterhalte, anstatt ihm durch
Anwendung von Phrasen zu schmeicheln, welche verriethen, daß sie eben so
sehr vom Erastianismus angesteckt seien wie er. Viele von Denen, welche
diese Sprache führten, weigerten sich irgend einen Schritt zu thun, der
als eine Anerkennung der neuen Souveraine ausgelegt werden konnte, und
sie hätten lieber ganze Glieder von Musketieren auf sich feuern oder
sich über dem Niveau der Ebbe an Pfähle anbinden lassen, als daß sie
Gott gebeten hätten, Wilhelm und Marien zu segnen.


Ministerielle Einrichtungen in Schottland.

Indessen hatte der König von dem hartnäckigen Festhalten dieser Leute an
ihren abgeschmackten Grundsätzen weniger zu fürchten als von dem Ehrgeiz
und der Habsucht einer andren Sorte von Menschen, welche gar keine
Grundsätze hatten. Es war nothwendig, daß er unverzüglich Minister
ernannte, welche die Regierung Schottland's leiteten, und er mochte dazu
ernennen wen er wollte, so mußte er nothwendig eine Menge von
Expectanten in ihren Erwartungen täuschen und sie dadurch erbittern.
Schottland war eines der ärmsten Länder Europa's; dennoch aber besaß
kein Land in Europa eine größere Anzahl gewandter und selbstsüchtiger
Politiker. Die Krone hatte nicht genug Stellen zu vergeben, um nur ein
Zwanzigstel der Stellenjäger zu befriedigen, von denen jeder glaubte,
daß er hervorragende Dienste geleistet habe und daß man sich seiner
vorzugsweise erinnern müsse. Wilhelm that sein Möglichstes, um diese
zahllosen und unersättlichen Aspiranten zu befriedigen, indem er viele
Aemter Commissionen übertrug. Einige wichtige Posten konnte er jedoch
nicht theilen.


Hamilton.

Hamilton wurde zum Lord Obercommissar ernannt, in der Hoffnung, daß ein
enormer Gehalt, eine Wohnung in Holyrood Palace und eine fast königliche
Pracht und Würde ihn zufriedenstellen würden.


Crawford.

Der Earl von Crawford ward zum Präsidenten des Parlaments ernannt, und
man glaubte, daß diese Ernennung die strengen Presbyterianer befriedigen
werde, denn Crawford war was sie einen Bekenner nannten. Seine Briefe
und Reden sind, um sich seines eignen Ausdrucks zu bedienen, ungemein
lieblich. Unter den hervorragenden Politikern der damaligen Zeit hatte
er allein, oder doch fast allein, den Styl beibehalten, der unter der
vorhergehenden Generation im Schwunge gewesen war. Er hatte für jede
Gelegenheit eine Stelle aus dem Alten Testament bereit. Er füllte seine
Depeschen mit Anspielungen auf Ismael und Hagar, Hanna und Eli, Elisa,
Nehemia und Zerubabel und schmückte seine Reden mit Citaten aus Esra und
Haggai. Ein Umstand, der den Mann und die Schule, in der er gebildet
war, auffallend characterisirt, ist der, daß in der ganzen Masse seiner
auf uns gekommenen Schriften nicht ein einziges Wort vorkommt, welches
darauf hindeutete, daß er je in seinem Leben vom Neuen Testament etwas
gehört hätte. Selbst noch in unsrer Zeit sind Leute von eigenthümlicher
Geschmacksrichtung durch seine salbungsvolle Sprache so entzückt worden,
daß sie ihn allen Ernstes für einen Heiligen erklärt haben. In den Augen
Derer, welche die Menschen mehr nach ihren Thaten als nach ihren Worten
zu beurtheilen pflegen, wird Crawford als ein egoistischer und grausamer
Politiker erscheinen, der sich durch sein Gewinsel keineswegs dupiren
ließ und dessen Eifer gegen die bischöfliche Kirchenverfassung nicht
wenig durch das Verlangen nach bischöflichen Gütern angespornt wurde.
Zur Entschuldigung seiner Habgier muß man sagen, daß er der ärmste
Adelige eines armen Adels war und daß er vor der Revolution zuweilen
nicht wußte, wo er eine Mahlzeit und einen Anzug hernehmen sollte.[51]


Die Dalrymple. -- Lockhart.

Der befähigtste der schottischen Politiker und Wettkämpfer, Sir Johann
Dalrymple, wurde zum Lord Advokaten ernannt. Sein Vater, Sir Jakob, der
größte schottische Jurist, wurde an die Spitze des Court of Session
gestellt. Sir Wilhelm Lockhart, ein Mann, dessen Briefe beweisen, daß er
ein bedeutendes Talent besaß, wurde Generalprokurator.


Montgomery.

Sir Jakob Montgomery hatte sich mit der Hoffnung geschmeichelt, erster
Minister zu werden. Er hatte sich in der Convention sehr ausgezeichnet
und war einer der Commissare gewesen, welche den neuen Souverainen die
Krone überreicht und den Eid abgenommen hatten. An parlamentarischer
Geschicklichkeit und Beredtsamkeit stand unter seinen Landsleuten Keiner
über ihm, außer dem neuen Lord Advokaten. Das Staatssekretariat war,
wenn auch nicht in Ansehen, so doch dem wirklichen Einflusse nach das
höchste Amt bei der schottischen Regierung, und dieses Amt war der Lohn,
auf welchen Montgomery gerechten Anspruch zu haben glaubte. Aber die
Episkopalen und die gemäßigten Presbyterianer fürchteten ihn als einen
Mann von extremen Ansichten und rachsüchtigem Character. Er war ein
Oberhaupt der Covenanters gewesen, war einmal wegen Conventikelhaltens,
ein andermal wegen Beherbergung von Rebellen zur Untersuchung gezogen
worden, war mit Geldbußen und Gefängniß bestraft und fast dazu getrieben
worden, jenseit des atlantischen Meeres in der jungen Colonie New Jersey
eine Zuflucht vor seinen Feinden zu suchen. Man fürchtete daher, daß,
wenn er jetzt die ganze Gewalt der Krone in seine Hände bekäme, er
furchtbare Wiedervergeltung für die erduldeten Leiden üben würde.[52]


Melville.

Wilhelm zog deshalb Melville vor, der zwar kein Mann von ausgezeichneten
Talenten, aber von den Presbyterianern als ein entschiedener Freund und
doch von den Episkopalen nicht als ein unversöhnlicher Feind betrachtet
wurde. Melville nahm seinen Wohnsitz am englischen Hofe und wurde das
ordentliche Communicationsorgan zwischen Kensington und den Autoritäten
von Edinburg.


Carstairs.

Wilhelm hatte jedoch einen schottischen Rathgeber, der mehr Einfluß
verdiente und besaß als irgend einer der ostensiblen Minister. Dies war
Carstairs, einer der bedeutendsten Männer der damaligen Zeit. Er verband
eine umfassende wissenschaftliche Bildung, eine große Befähigung für
Staatsgeschäfte, und den festen Glauben und glühenden Eifer eines
Märtyrers mit der Klugheit und Geschmeidigkeit eines vollendeten
Staatsmannes. In Bezug auf Muth und Treue glich er Burnet, aber er besaß
das was Burnet fehlte: Urtheilsgabe, Selbstbeherrschung und eine seltene
Verschwiegenheit. Es gab keinen Posten, den er nicht hätte erreichen
können, wenn er ein Laie oder ein Priester der englischen Kirche gewesen
wäre. Aber ein presbyterianischer Geistlicher durfte nicht hoffen, weder
im Norden noch im Süden der Insel zu einer hohen Würde zu gelangen.
Carstairs mußte sich mit der factischen Macht begnügen und den Anschein
derselben Anderen überlassen. Er wurde zum Kaplan Ihrer Majestäten für
Schottland ernannt; wo sich aber der König aufhalten mochte, ob in
England, oder in Irland, oder in den Niederlanden, da war auch dieser
zuverlässigste und klügste aller Höflinge. Des Königs Güte gewährte ihm
ein bescheidenes Auskommen, und mehr verlangte er nicht. Aber es war
wohl bekannt, daß er ein eben so nützlicher Freund und ein eben so
furchtbarer Feind sein konnte als irgend ein Mitglied des Cabinets, und
man hatte ihm in den Bureaux und in den Vorzimmern des Palastes den sehr
bezeichnenden Beinamen des Cardinals gegeben.[53]


Bildung des Clubs; Annandale, Roß.

Montgomery wurde das Amt des Lord Justice Clerk angeboten. Aber dieser
obgleich hohe und ehrenvolle Posten schien ihm seiner Verdienste und
seiner Talente unwürdig und er kehrte von London nach Schottland zurück,
das Herz von Haß gegen seinen undankbaren Gebieter und gegen seine
glücklichen Nebenbuhler erfüllt. In Edinburg unterwarf sich ein Häuflein
Whigs, welche durch die neuen Einrichtungen eben so schmerzlich in ihren
Erwartungen getäuscht worden waren wie er selbst, bereitwillig der
Leitung eines so kühnen und geschickten Führers. Unter seiner Direction
bildeten diese Männer, unter denen der Earl von Annandale und Lord Roß
die bedeutendsten waren, einen Verein, der Club genannt, wählten einen
Schriftführer und kamen täglich in einer Taverne zusammen, um
Oppositionspläne zu berathen. Um diesen Kern schaarte sich bald eine
große Anzahl ehrsüchtiger und erbitterter Politiker.[54] Mit diesen
unredlichen Unzufriedenen, die keinen andren Zweck hatten, als der
Regierung zu schaden und Stellen zu erhaschen, verbanden sich andere
Mißvergnügte, welche im Laufe eines langen Widerstandes gegen Tyrannei
so verderbt und reizbar geworden waren, daß sie selbst unter der
mildesten und constitutionellsten Regierung nicht zufrieden leben
konnten.


Hume.

Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus dem Exil ebenso
streitsüchtig, ebenso unlenksam, ebenso neidisch auf jede höhere
Autorität und als ein ebenso leidenschaftlicher Redner zurückgekehrt,
wie er vier Jahre früher gewesen, und er wünschte eben so sehr Wilhelm
zu einem bloß nominellen Souverain zu machen, als er früher gewünscht
hatte, Argyle zu einem bloß nominellen Anführer zu machen.[55]


Fletcher von Saltoun.

Ein in moralischer und geistiger Hinsicht hoch über Hume stehender Mann,
Fletcher von Saltoun, gehörte ebenfalls zu dieser Partei. Obwohl nicht
Mitglied der Convention, war er doch ein sehr thätiges Mitglied des
Clubs.[56] Er haßte die Monarchie und auch die Demokratie; sein
Lieblingsplan war, Schottland zu einer oligarchischen Republik zu
machen. Der König, wenn nun einmal ein König sein müsse, sollte eine
bloße Puppe sein. Die niederste Klasse des Volks sollte leibeigen und
die ganze legislative wie executive Gewalt in den Händen des Parlaments
sein. Mit anderen Worten: das Land sollte durch einen Erbadel, den
ärmsten, stolzesten und streitsüchtigsten in Europa, unumschränkt
regiert werden. Unter einer solchen Regierung konnte weder von Freiheit
noch von Ruhe die Rede sein. Handel, Industrie und Wissenschaft würden
eingegangen und Schottland ein kleines Polen geworden sein mit einer
Puppe als Souverain, einem stürmischen Reichstage und einem geknechteten
Volke. Mit unglücklichen Amtscandidaten und mit ehrlichen aber
verkehrten Republikanern waren Politiker vermischt, deren Haltung nur
durch die Furcht bestimmt wurde. Viele Schmarotzer, die sich bewußt
waren, in der schlimmen Zeit Strafwürdiges gethan zu haben, wollten sich
gern mit dem mächtigen und rachsüchtigen Club aussöhnen und waren froh,
daß sie ihrer Servilität gegen Jakob durch ihre Opposition gegen Wilhelm
wieder gut machen durften.[57] Die große Masse der Jakobiten hielt sich
inzwischen entfernt, sah mit Wohlbehagen die Feinde des Hauses Stuart
uneinig unter einander und gab sich der Hoffnung hin, daß die Verwirrung
mit der Wiedereinsetzung des verbannten Königs enden werde.[58]


In den Hochlanden bricht Krieg aus.

Während Montgomery sich anstrengte, aus verschiedenen Elementen eine
Partei zu bilden, welche beim Wiederzusammentritt der Convention mächtig
genug sein konnte, um dem Throne Vorschriften zu machen, hatte ein noch
furchtbarerer Feind als Montgomery die Fahne des Bürgerkriegs in einer
Gegend aufgesteckt, von der die Politiker von Westminster und selbst die
meisten Politiker von Edinburg nicht mehr wußten als von Abyssinien oder
Japan.


Zustand der Hochlande.

Ein moderner Engländer, der in einem Tage aus seinem Club in St. James
Street auf sein Jagdschloß in den Grampians gelangen kann und der in
seinem Jagdschlosse alle Bequemlichkeiten und Luxusgegenstände seines
Clubs findet, wird kaum glauben können, daß zur Zeit seiner Urgroßväter
St. James Street mit den Grampians eben so wenig in Verbindung stand wie
mit den Anden. Und doch war dem so. Im Süden unsrer Insel wußte man fast
gar nichts von dem celtischen Theile Schottland's, und was man etwa
wußte, erweckte kein andres Gefühl als Verachtung und Widerwillen. Die
Klippen und Schluchten, die Wälder und Gewässer waren zwar die
nämlichen, welche gegenwärtig jeden Herbst von entzückten Beschauern und
Landschaftszeichnern wimmeln. Der Trosachs schlängelte sich wie heute
zwischen gigantischen, mit Ginster und wilden Rosen bewachsenen
Felswänden hin, der Foyers kam mit demselben Hüpfen und demselben
Rauschen, mit dem er noch heute dem Neßsee zueilt, durch den Birkenwald
herab, und der schneegekrönte Scheitel des Ben Cruachan erhob sich, der
Junisonne spottend, wie heute, über die mit Weiden bedeckten Inselchen
des Awesees. Aber keine dieser Landschaften vermochte bis in die neuere
Zeit einen einzigen Dichter oder Maler aus wohlhabenderen und ruhigeren
Gegenden herbeizulocken. Gesetz und Polizei, Handel und Industrie haben
in der That viel mehr, als Leute von romantischen Ansichten bereitwillig
zugeben werden, dazu beigetragen, den Sinn für die wilderen
Naturschönheiten in uns zu wecken. Ein Reisender muß frei von jeder
Besorgniß sein, ermordet zu werden, oder vor Hunger umzukommen, ehe er
sich an den kühnen Umrissen und an der Farbenpracht der Berge erfreuen
kann. Er wird so leicht nicht über den Anblick eines steilen Abgrundes
entzückt sein, wenn er in Gefahr schwebt, zweitausend Fuß tief in
denselben hinabzustürzen; ebenso wenig über den Anblick kochender
Fluthen eines Waldstroms, der plötzlich sein Gepäck mit fort schwemmt
und ihn zwingt, sein Heil in der Flucht zu suchen; oder über den Anblick
der schauerlichen Majestät eines Gebirgspasses, wo er einen Leichnam
findet, den Räuber eben ausgeplündert und verstümmelt haben; oder über
das Gekrächz der Adler, deren nächste Mahlzeit vielleicht eines seiner
eigenen Augen sein kann. Um's Jahr 1730 schrieb Capitain Burt, der erste
Engländer, der die Gegenden besuchte, welche jetzt Vergnügungsreisende
aus allen Theilen der gebildeten Welt herbeiziehen, ein Buch über seine
Wanderungen. Er war unverkennbar ein Mann von umsichtigem, beobachtendem
und gebildetem Geiste und würde, wenn er in unsrer Zeit gelebt hätte,
ohne Zweifel mit einem Gemisch von Ehrfurcht und Wonne die Berge von
Inverneßshire betrachtet haben. Da er aber mit den zu seiner Zeit
allgemein vorherrschenden Ansichten schrieb, so erklärte er diese
Gebirge für monströse Auswüchse. Er sagte, sie seien dermaßen
mißgestaltet, daß die nacktesten Ebenen im Vergleich mit ihnen lieblich
erscheinen müßten. Schönes Wetter, meinte er, mache den traurigen
Anblick nur noch trauriger, denn je heller der Tag, um so unangenehmer
berührten diese formlosen Massen von düstrem Braun und schmutzigem Roth
das Auge. Welch' ein Contrast, rief er aus, zwischen diesen grauenhaften
Gegenden und den Schönheiten von Richmond Hill![59] Manche Leute werden
glauben, Burt sei ein Mann von alltäglichem und prosaischem Geiste
gewesen; aber sie werden es wohl schwerlich wagen, eine ähnliche Ansicht
über Oliver Goldsmith auszusprechen. Goldsmith war einer der wenigen
Sachsen, welche vor mehr als einem Jahrhunderte den Muth hatten, die
schottischen Hochlande zu bereisen. Die abschreckende Wildheit der
Gegenden machte einen widerlichen Eindruck auf ihn, und er erklärte, daß
er die reizende Umgebung von Leyden, die weite Fläche grüner Wiesen und
die Landhäuser mit ihren Statuen und Grotten, ihren sauberen
Blumenbeeten und geradlinigen Alleen bei weitem vorziehe. Es ist
indessen schwer zu glauben, daß der Verfasser des ^Traveller^ und des
^Deserted Village^ den Tausenden von Handlungsdienern und
Putzmacherinnen, welche jetzt beim Anblick des Katrinesees und des
Lomondsees in Entzücken gerathen, an natürlichem Geschmack und Sinn für
Naturschönheiten nachgestanden haben sollte. Seine Empfindungen sind
leicht zu erklären. Erst nachdem Straßen durch die Felsen gehauen,
nachdem Brücken über die Gießbäche geschlagen, nachdem Gasthäuser an die
Stelle der Räuberhöhlen getreten, nachdem man in den wildesten Pässen
von Badenoch oder Lochaber eben so wenig Gefahr lief ermordet zu werden
wie in Cornhill, konnten die blauen Gewässer der Seen und die über den
Wasserfällen hängenden Regenbogen den Fremden bezaubern und ihn selbst
an den auf den Bergspitzen lauernden Wolken und Stürmen ein feierliches
Vergnügen finden lassen.

Die veränderten Empfindungen, mit denen die Bewohner des Niederlandes
die Scenerie des Hochlandes betrachteten, war eng verbunden mit einer
nicht minder auffallenden Veränderung der Gesinnungen, mit denen sie den
hochländischen Menschenschlag betrachteten. Es ist kein Wunder, wenn die
wilden Schotten, wie man sie zuweilen nannte, im 17. Jahrhunderte von
den Sachsen als bloße Wilde angesehen wurden. Sonderbar aber ist es
gewiß, daß sie, obgleich sie als Wilde betrachtet wurden, nicht
Gegenstände des Interesses und der Neugierde waren. Die Engländer
studirten damals mit übergroßem Eifer die Sitten roher, durch große
Continente und Meere von unsrer Insel getrennter Nationen. Es erschienen
zahlreiche Bücher, welche die Gesetze, den Aberglauben, die Hütten, die
Mahlzeiten, die Trachten, die Hochzeiten und Bestattungsgebräuche der
Lappländer und Hottentotten, der Mohawks und Malayen beschrieben. Die
Theaterstücke und Gedichte aus jener Zeit sind reich an Anspielungen auf
die Gebräuche der afrikanischen Schwarzen und der amerikanischen
Rothhäute. Der einzige Barbar, nach dessen näherer Kenntniß Niemanden
verlangte, war der Hochländer. Fünf oder sechs Jahre nach der Revolution
veröffentlichte ein unermüdlicher Angler ein Werk über Schottland. Er
rühmte sich, im Laufe seiner Wanderungen von See zu See und von Bach zu
Bach kaum einen Winkel des Königreichs unerforscht gelassen zu haben.
Wenn wir aber seine Erzählung näher prüfen, so finden wir, daß er sich
nicht über die äußersten Grenzen der celtischen Region hinausgewagt hat.
Er sagt uns, daß er selbst von den Leuten, welche dicht bei den
Gebirgspässen wohnten, über die gälische Bevölkerung nichts habe
erfahren können. Wenige Engländer, schreibt er, hätten Inverary je
gesehen, und jenseit Inverary sei Alles ein Chaos.[60] Unter der
Regierung Georg's I. erschien ein Werk, welches einen sehr genauen
Bericht über Schottland zu geben behauptete und in diesem über
dreihundert Seiten starken Werke waren zwei geringschätzende Paragraphen
als für die Hochlande und die Hochländer genügend erachtet.[61] Wir
dürfen wohl zweifeln, ob im Jahre 1689 ein einziger von den zwanzig der
wohlbelesenen Gentlemen, welche Will's Kaffeehaus besuchten, wußte, daß
es innerhalb des Bereichs der vier Meere und in einer Entfernung von
weniger als fünfhundert Meilen von London viele Miniaturhöfe gab, in
deren jedem ein kleiner Fürst, umgeben von Leibgarden, Waffenträgern,
Musikern, einem erblichen Redner und einem erblichen Hofpoeten, einen
rohen Hofstaat unterhielt, eine rohe Justiz ausübte, Krieg führte und
Verträge schloß. So lange die alten gälischen Institutionen in voller
Kraft bestanden, war kein Bericht über sie von einem zur richtigen
Beurtheilung derselben befähigten Beobachter erschienen. Hätte ein
solcher Beobachter die Hochländer studirt, so würde er ohne Zweifel
darin ein inniges Gemisch der guten und schlechten Eigenschaften einer
uncivilisirten Nation gefunden haben. Er würde gefunden haben, daß das
Volk weder sein Vaterland noch seinen König liebte, daß es keine
Anhänglichkeit an ein größeres Gemeinwesen als den Clan, oder an eine
höhere Behörde als den Häuptling hatte. Er würde gefunden haben, daß das
dortige Leben durch ein Gesetzbuch der Moral und Ehre geregelt wurde,
welches himmelweit verschieden war von dem in friedlichen und
prosperirenden Gesellschaften geltenden. Er würde gelernt haben, daß ein
Messerstich in den Rücken oder ein Schuß hinter einem Felsblocke hervor
gebilligte Wege waren, um sich für Beleidigungen Satisfaction zu
verschaffen. Er würde Leute mit Stolz haben erzählen hören, wie sie oder
ihre Väter an Erbfeinden in einem benachbarten Thale eine Rache
ausgeübt, über welche alte Soldaten des dreißigjährigen Kriegs
geschaudert haben würden. Er würde gefunden haben, daß das
Räuberhandwerk für einen nicht nur unschuldigen, sondern sogar
ehrenvollen Beruf galt. Er würde allenthalben, wohin er den Blick
wendete, die allen Wilden characteristische Abneigung gegen eine
geregelte Thätigkeit, und die Geneigtheit, den schwersten Theil der
Handarbeit auf das schwächere Geschlecht zu wälzen, gesehen haben. Er
würde erstaunt sein über den Anblick athletischer Männer, die sich in
der Sonne wärmten, Lachse angelten oder Birkhühner schossen, während
ihre greisen Mütter, ihre schwangeren Frauen und ihre zarten Töchter die
dürftige Haferernte einbrachten. Und die Weiber beklagten sich nicht
über ihr hartes Loos. In ihren Augen war es ganz schicklich, daß ein
Mann, besonders wenn er den aristokratischen Titel Duinhe Wassel führte
und seine Mütze mit einer Adlerfeder schmückte, der Ruhe pflog, wenn er
nicht focht, jagte oder plünderte. Den Namen eines solchen Mannes in
Verbindung mit dem Handel oder mit einer mechanischen Beschäftigung zu
nennen, war eine Beleidigung. Der Landbau war zwar minder verachtet,
aber es war doch für einen hochgebornen Krieger eine viel angemessenere
Beschäftigung, fremdes Land zu plündern, als sein eignes zu bestellen.
Die Religion des größeren Theils der Hochlande war ein rohes Gemisch von
Papismus und Heidenthum. Das Symbol der Erlösung war mit heidnischen
Opfern und Beschwörungsformeln verbunden. Getaufte Menschen brachten dem
einen Dämon Libationen von Ale und setzten für einen andren Trankopfer
von Milch aus. Seher wickelten sich in Ochsenhäute und erwarteten so die
Inspiration, welche die Zukunft enthüllen sollte. Selbst unter den
Minstrels und Genealogen, deren erblicher Beruf es war, die Erinnerung
vergangener Ereignisse zu bewahren, würde ein Forscher nur sehr wenige
gefunden haben, welche lesen konnten. Er hätte in der That von einer
Küste zur andren reisen können, ohne eine Seite gedrucktes oder
geschriebenes Gälisch zu entdecken. Er würde seine Kenntniß des Landes
theuer haben bezahlen müssen. Er würde eben so große Beschwerden zu
ertragen gehabt haben, als wenn er sich unter den Eskimos oder Samojeden
befunden hätte. Hier und da im Schlosse eines vornehmen Lords, der einen
Sitz im Parlamente und im Geheimen Rathe hatte und der einen großen
Theil seines Lebens in den Städten des Südens zuzubringen pflegte, würde
er wohl Perrücken und gestickte Leibröcke, Silbergeschirr und feines
Leinzeug, Spitzen und Juwelen, französische Speisen und französische
Weine gefunden haben. In der Regel aber hätte er sich mit ganz anderen
Quartieren begnügen müssen. In vielen Wohnungen würden die Möbeln, die
Kost, die Kleidung, ja selbst das Haar und die Haut seiner Wirthe seine
Philosophie auf eine harte Probe gestellt haben. Er würde sich zuweilen
mit einer Hütte haben begnügen müssen, in der jeder Winkel von
Ungeziefer wimmelte. Er würde eine mit Torfrauch geschwängerte und durch
hunderterlei ekelhafte Dünste verpestete Luft eingeathmet haben. Zum
Abendessen würde ihm Korn, das nur zu Pferdefutter taugte, nebst einem
Napfe voll Blut von einer lebenden Kuh vorgesetzt worden sein. Einige
seiner Tischgenossen würden mit Hautausschlägen bedeckt, andere mit
Theer beschmiert gewesen sein wie die Schafe. Sein Lager würde der
nackte Erdboden gewesen sein, trocken oder naß, je nach dem Wetter, und
er würde sich von diesem Lager halb vergiftet durch den Gestank, halb
blind vom Torfrauch und halb wahnsinnig vor Jucken erhoben haben.[62]

Dies ist gewiß kein anziehendes Bild. Und doch würde ein einsichtsvoller
und vorurtheilsfreier Beobachter in dem Character und den Sitten dieses
rohen Volks etwas gefunden haben, was wohl Bewunderung und gute
Hoffnungen erwecken konnte. Sie besaßen einen Muth, der sich seitdem
durch Heldenthaten in allen vier Welttheilen erprobt hat. Ihre treue
Anhänglichkeit an ihren Stamm und an ihren Patriarchen war zwar vom
politischen Gesichtspunkte ein großes Uebel, hatte aber doch etwas von
dem Character einer Tugend. Das Gefühl war irregeleitet und regellos,
aber es war dennoch heroisch. Es muß eine gewisse Seelengröße in einem
Menschen wohnen, der die Gesellschaft, welcher er angehört und den
Führer, dem er folgt, mit einer Zuneigung liebt, welche stärker ist als
die Liebe zum Leben. Es ist wahr, der Hochländer machte sich kein
Gewissen daraus, das Blut eines Feindes zu vergießen, aber nicht minder
wahr ist es, daß er hohe Begriffe von der Pflicht der Treue gegen
Bundesgenossen und der Gastfreundschaft gegen Gäste hatte. Seine
räuberischen Gewohnheiten waren allerdings für das Gemeinwesen von
großem Nachtheil; aber Diejenigen irrten sehr, die da glaubten, daß er
irgend eine Aehnlichkeit mit den Schurken hatte, welche in reichen und
wohlgeordneten Staaten vom Diebstahle leben. Wenn er die Heerden von
Niederlandsfarmern vor sich her den Paß hinauf trieb, der in seine
heimathliche Schlucht führte, hielt er sich eben so wenig für einen
Dieb, wie ein Raleigh oder Drake sich für einen Dieb hielt, wenn er die
Ladungen der spanischen Galeonen theilte. Er war ein Krieger, der die
rechtmäßige Beute des Kriegs in Besitz nahm, eines Kriegs, der während
der fünfunddreißig Generationen, welche vorübergegangen waren, seitdem
die teutonischen Eroberer die Kinder des Bodens in die Gebirge getrieben
hatten, niemals unterbrochen worden war. Daß er zum Schutze des
friedlichen Gewerbfleißes mit der ganzen Strenge des Gesetzes bestraft
wurde, wenn man ihn bei einem Raube nach solchen Grundsätzen ergriff,
war vollkommen gerecht. Ungerecht aber war es, ihn in moralischer
Beziehung in eine Kategorie mit den Taschendieben, welche im
Drurylanetheater ihr Unwesen trieben, oder mit den Straßenräubern zu
werfen, welche auf Blackheath die Reisewagen anfielen. Sein maßloser
Geburtsstolz und seine Verachtung der Arbeit und des Handels waren zwar
große Schwächen und hatten weit mehr als die Rauhheit des Klima's und
die Unfruchtbarkeit des Bodens dazu beigetragen sein Vaterland arm und
uncultivirt zu erhalten. Doch auch dafür gab es einen Ersatz. Um gerecht
zu sein, muß man anerkennen, daß die patrizischen Tugenden unter der
Bevölkerung der Hochlande nicht minder weit verbreitet waren als die
patrizischen Fehler. Wie es keinen andren Theil der Insel gab, wo die
Leute trotz dürftiger Kleidung, Wohnung und Nahrung den müßigen
Schlaraffengewohnheiten einer Aristokratie in einem so hohen Grade
fröhnten, so gab es auch keinen Theil der Insel, wo diese Leute in einem
so hohen Grade die besseren Eigenschaften einer Aristokratie, Anmuth und
Würde des Benehmens, Selbstachtung und jenes edle Zartgefühl besaßen,
welches die Entehrung mehr fürchtet als den Tod. Ein Gentleman dieser
Art, dessen Kleider von jahrelangem Schmutze besudelt waren und in
dessen Hütte es ärger roch als in einem englischen Schweinestall, machte
häufig die Honneurs dieser Hütte mit einem vornehmen Anstande, welcher
des glänzenden Hofzirkels von Versailles würdig gewesen wäre. Obwohl er
eben so wenig Büchergelehrsamkeit besaß, wie der einfältigste
Ackerknecht England's, so würde es doch ein grober Irrthum gewesen sein,
hätte man ihn auf eine Stufe der Intelligenz mit diesen Ackerknechten
stellen wollen. Mit einer Wissenschaft kann der Mensch allerdings nur
durch Lesen genau bekannt werden. Aber die Künste der Poesie und der
Beredtsamkeit können in einem Zeitalter wo Bücher gänzlich oder doch
fast gänzlich unbekannt sind, der absoluten Vollkommenheit nahe gebracht
werden und einen großen Einfluß auf den Volksgeist ausüben. Der erste
große Lebens- und Sittenmaler hat mit einer Lebendigkeit, welche keinen
Zweifel zuließ, daß er die Natur treu copirte, den Eindruck geschildert,
den Beredtsamkeit und Gesang auf Zuhörer machten, die nicht einmal das
Alphabet kannten. Es ist wahrscheinlich, daß bei den Berathungen der
Hochländer Männer, welche dem Amte eines Dorfgerichtsschreibers nicht
gewachsen gewesen waren, Fragen über Krieg und Frieden, über Tribut und
Huldigung mit einem eines Halifax und Caermarthen würdigen Scharfsinn
erörterten, und daß bei den Banketen der Hochländer Minstrels, die nicht
lesen konnten, zuweilen Rhapsodien vortrugen, in denen ein verständiger
Kritiker Stellen gefunden haben würde, die ihn an die lieblichen Verse
Otway's oder an die kräftigen Strophen Dryden's erinnert hätten.

Es gab daher schon damals Beweise genug für die Rechtfertigung des
Glaubens, daß der Celte durch keine natürliche Inferiorität dem Sachsen
weit nachstand. Man hätte mit Gewißheit voraussagen können, daß, wenn
eine energische Polizei es dem Hochländer unmöglich gemacht hätte, ihm
zugefügtes Unrecht durch Gewalt zu rächen und sich seine Bedürfnisse
durch Raub zu verschaffen, wenn seine Anlagen durch den bildenden
Einfluß der protestantischen Religion und der englischen Sprache
entwickelt würden, wenn er die Zuneigung und Achtung, mit denen er sein
kleines Gemeinwesen und seinen kleinen Fürsten betrachten gelernt hatte,
auf sein Vaterland und dessen rechtmäßige Obrigkeit übertragen könnte,
das Königreich einen großen Zuwachs an Kraft für alle Zwecke des
Friedens wie des Kriegs erlangen würde.

So würde ohne Zweifel der Ausspruch eines unterrichteten und
unparteiischen Richters gelautet haben. Aber einen solchen Richter gab
es damals nicht. Die von den gälischen Provinzen weit entfernt wohnenden
Sachsen konnten nicht gut unterrichtet sein, und die in der Nähe dieser
Provinzen wohnenden Sachsen konnten nicht unparteiisch sein. Zwischen
Grenzbewohnern sind nationale Feindschaften jederzeit am heftigsten
gewesen, und die Feindschaft zwischen den Grenzbewohnern des Hochlandes
und denen des Niederlandes längs der ganzen Grenze war das Erzeugniß von
Jahrhunderten und wurde durch beständige Reibungen immer frisch
erhalten. Einmal wurden ganze Quadratmeilen Weideland von bewaffneten
Räubern aus dem Gebirge verwüstet. Ein andermal hingen ein Dutzend
Plaids in einer Reihe an den Galgen von Crieff oder Stirling. Es wurden
zwar auf dem streitigen Gebiete Jahrmärkte zum nothwendigen Austausch
von Waaren gehalten. Aber zu diesen Jahrmärkten kamen beide Theile
kampfgerüstet, und der Tag endete oftmals mit Blutvergießen. So war der
Hochländer ein Gegenstand des Hasses für seine sächsischen Nachbarn, und
von seinen sächsischen Nachbarn erfuhren die weiter von ihm entfernt
wohnenden Sachsen das Wenige, was sie über seine Sitten und Gewohnheiten
zu erfahren wünschten. Wenn die Engländer sich einmal herabließen, an
ihn zu denken -- und dies geschah selten -- so betrachteten sie ihn als
einen schmutzigen, gemeinen Wilden, als einen Sklaven, einen Papisten,
einen Halsabschneider und Räuber.[63]

Diese geringschätzende Abneigung erhielt sich bis zum Jahre 1745, worauf
derselben für kurze Zeit eine heftige Furcht und Wuth folgte. Das
ernstlich besorgte England bot seine ganze Macht auf und die Hochländer
wurden rasch, vollständig und für immer unterworfen. Eine kurze Zeit
lang schnaubte die englische Nation, noch erhitzt von dem neuerlichen
Kampfe, nichts als Rache. Das Gemetzel auf dem Schlachtfelde und auf dem
Schaffote genügte nicht, um den öffentlichen Blutdurst zu stillen. Der
Anblick des Tartan reizte den Pöbel von London zu einem Hasse, der sich
durch unmännliche Mißhandlungen an wehrlosen Gefangenen äußerte. Eine
politische und sociale Umwälzung fand in der ganzen celtischen Region
statt. Die Macht der Häuptlinge wurde gebrochen, das Volk entwaffnet,
der Gebrauch der alten Nationaltracht verboten, den alten räuberischen
Gewohnheiten wirksam Einhalt gethan, und kaum war diese Veränderung
durchgeführt, so begann ein sonderbarer Umschwung der öffentlichen
Meinung. Mitleid trat an die Stelle des Widerwillens. Die Nation
verwünschte die an den Hochländern verübten Grausamkeiten und vergaß,
daß sie selbst für diese Grausamkeiten verantwortlich war. Die nämlichen
Londoner, welche, so lange der Marsch Derby's noch in frischem Andenken
war, die gefangenen Rebellen verhöhnt und mit Steinen geworfen hatten,
gaben jetzt dem Fürsten, der den Aufstand niedergeworfen, den Spottnamen
des »Schlächters«. Die barbarischen Institutionen und Gebräuche, die
kein Sachse zur Zeit ihres Bestehens einer ernsten Prüfung werth
gehalten und von denen er nie anders als mit Verachtung gesprochen,
hatten nicht sobald aufgehört zu existiren, als sie Gegenstände der
Neugierde, des Interesses und selbst der Bewunderung wurden. Kaum waren
die Häuptlinge einfache Grundherren geworden, so begann man auch schon
gehässige Vergleiche zwischen der Habgier des Grundherrn und der
Nachsicht des Häuptlings anzustellen. Man schien vergessen zu haben, daß
das alte gälische Staatswesen für unvereinbar mit der Autorität des
Gesetzes befunden worden war, das Fortschreiten der Civilisation gehemmt
und mehr als einmal den Fluch des Bürgerkriegs über das Land gebracht
hatte. Wie man früher nur die abschreckende Seite dieses Staatswesens
gesehen hatte, so sah man jetzt nur die anziehende Seite desselben. Das
alte Band, sagte man, sei ein verwandtschaftliches gewesen, das neue sei
ein rein commercielles. Könne es etwas Beklagenswertheres geben, als daß
der Häuptling eines Stammes um eines geringfügigen Pachtrückstandes
willen Pächter vertreibe, die sein eigen Fleisch und Blut seien und
deren Vorfahren oftmals auf dem Schlachtfelde mit ihren Leibern seine
Vorfahren gedeckt hätten? So lange es gälische Räuber gab, waren sie von
der sächsischen Bevölkerung als hassenswerthes Ungeziefer betrachtet
worden, das ohne Gnade vertilgt werden müsse. Sobald aber die Vertilgung
bewerkstelligt, sobald das Vieh in den Engpässen von Perthshire eben so
sicher war als auf dem Markte zu Smithfield, wurde der Freibeuter zu
einem Romanhelden verherrlicht. So lange die gälische Tracht getragen
wurde, hatten die Sachsen sie für häßlich, für lächerlich, ja sogar für
höchst unanständig erklärt. Bald nachdem dieselbe verboten worden,
machten sie die Entdeckung, daß sie das anmuthigste Gewand von Europa
war. Die gälischen Bauwerke, die gälischen Gebräuche, der gälische
Aberglaube, die gälischen Dichtungen, seit vielen Jahrhunderten
geringschätzend vernachlässigt, begannen von dem Augenblicke an, wo die
gälischen Eigenthümlichkeiten zu verschwinden anfingen, die
Aufmerksamkeit der Gelehrten auf sich zu ziehen. Dieser Impuls war so
stark, daß, wo die Hochlande im Spiele waren, einsichtsvolle Männer
unbewiesenen Geschichten bereitwillig Glauben schenkten und Männer von
Geschmack ganz werthlosen Compositionen einen überspannten Beifall
zollten. Epische Gedichte, welche jeder geübte und vorurtheilsfreie
Kritiker auf den ersten Blick als fast gänzlich modern erkannt haben
würde und die, wenn sie als moderne Erzeugnisse veröffentlicht worden
wären, sofort den ihnen gebührenden Platz neben Blackmore's ^Alfred^ und
Wilkie's ^Epigoniad^ gefunden haben würden, wurden für funfzehnhundert
Jahr alt erklärt und allen Ernstes der Iliade zur Seite gestellt.
Schriftsteller von ganz andrer Art als die Betrüger, welche diese
Fälschungen fabrizirten, sahen ein, welcher gewaltige Eindruck durch
geschickte Schilderungen des früheren Hochlandlebens hervorgebracht
werden könnte. Alles Widerwärtige wurde gemildert, alles Schöne und Edle
mit besonderem Nachdruck hervorgehoben. Einige dieser Werke waren mit so
bewundernswerthem Geschick abgefaßt, daß sie, wie die historischen
Stücke Shakespeare's, die Geschichte ersetzten. Die Phantasiegebilde des
Dichters wurden für seine Leser zu Wirklichkeiten, die Orte, welche er
beschrieb, wurden geheiligte Stätten und das Ziel von Tausenden von
Pilgern. Bald war die Phantasie des Volks so ausschließend beschäftigt
mit Plaids, Tartschen und Claymores, daß die meisten Engländer die Namen
Schotte und Hochländer als gleichbedeutend betrachteten. Nur wenige
schienen zu wissen, daß zu einer noch nicht fernen Zeit ein Macdonald
oder ein Macgregor in seinem Tartan einem Bürger von Edinburg oder
Glasgow das war, was ein indianischer Jäger in seinem Kriegsschmucke
einem Bewohner von Philadelphia oder Boston ist. Künstler und
Schauspieler stellten Bruce und Douglas in gestreiften kurzen Röcken
dar. Eben so gut hätten sie Washington den Tomahawk schwingend und mit
einer Reihe Skalpen umgürtet darstellen können. Endlich erreichte diese
Mode einen Punkt, der nicht leicht überschritten werden konnte. Der
letzte britische König, der in Holyrood residirte, glaubte keinen
glänzenderen Beweis von seiner Achtung vor den Gebräuchen, welche vor
der Union in Schottland geherrscht hatten, geben zu können, als indem er
sich in einen Anzug kleidete, den vor der Union neun Schotten unter zehn
für die Tracht eines Banditen erklärt haben würden.

So ist es gekommen, daß die alten gälischen Institutionen und Sitten nie
in dem einfachen Lichte der Wahrheit dargestellt worden sind. Bis in die
Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden sie durch ein falsches Medium
gesehen; seitdem sind sie durch ein andres gesehen worden. Früher
schimmerten sie nur undeutlich durch den verdunkelnden und entstellenden
Nebel des Vorurtheils, und dieser Nebel hatte sich kaum zerstreut, so
erschienen sie glänzend in den reichsten Farben der Poesie. Die Zeit, wo
ein vollkommen treues Bild hätte entworfen werden können, ist jetzt
vorbei. Das Original ist längst verschwunden, eine authentische Copie
existirt nicht und Alles was noch möglich, ist die Herstellung einer
unvollkommenen Aehnlichkeit mit Hülfe zweier Portraits, von denen das
eine eine plumpe Karrikatur, das andre ein Meisterstück der Schmeichelei
ist.


Eigenthümlicher Character des Jakobitismus in den Hochlanden.

Unter den falschen Begriffen, die sich in Bezug auf die Geschichte und
den Character der Hochländer allgemein verbreitet haben, muß namentlich
einer berichtigt werden. Während des Jahrhunderts, das mit dem Feldzuge
Montrose's begann und mit dem Feldzuge des jungen Prätendenten schloß,
wurde jede im Interesse des Hauses Stuart auf britischem Boden
vollbrachte große kriegerische That durch die Tapferkeit gälischer
Stämme vollbracht. Die Engländer haben daher ganz natürlich diesen
Stämmen die Denkungsart englischer Cavaliere zugeschrieben: eine tiefe
Ehrfurcht vor der königlichen Würde und eine begeisterte Anhänglichkeit
an die königliche Familie. Eine nähere Untersuchung wird jedoch ergeben,
daß die Stärke dieser Gefühle bei den celtischen Clans sehr überschätzt
worden ist.

Wenn wir die Geschichte unserer bürgerlichen Zwistigkeiten studiren,
dürfen wir nie vergessen, daß dieselben Namen, Kennzeichen und
Kriegsrufe in verschiedenen Theilen der britischen Inseln eine ganz
verschiedene Bedeutung hatten. Wir haben bereits gesehen, wie wenig der
irische Jakobitismus und der englische Jakobitismus mit einander gemein
hatten. Der Jakobitismus des schottischen Hochländers war, wenigstens im
17. Jahrhundert, eine dritte, von den beiden anderen ganz verschiedene
Varietät. Die gälische Bevölkerung war in der That weit davon entfernt,
die Prinzipien des passiven Gehorsams und des Nichtwiderstandes
anzuerkennen. Das ganze alltägliche Leben dieser Bevölkerung war
eigentlich aus Ungehorsam und Widerstand zusammengesetzt. Gerade einige
von denjenigen Clans, die man allgemein als so enthusiastisch loyal zu
schildern gewohnt war, daß sie bereit sein würden, bis zum Tode treu zu
Jakob zu halten, selbst wenn er im Unrecht wäre, hatten, so lange er auf
dem Throne saß, seiner Autorität nie die geringste Achtung gezollt,
selbst wenn er offenbar im Rechte war. Es war ihre Gewohnheit, ihr Beruf
gewesen, ihm ungehorsam zu sein und ihm zu trotzen. Einige von ihnen
waren wegen des Verbrechens der Widerspenstigkeit gegen seine
gesetzmäßigen Befehle wirklich unter Hörnerklang proscribirt worden und
würden ohne Besinnen jeden seiner Beamten, der sich über die
Gebirgspässe hinaus gewagt hätte, um seinen Befehl zu vollziehen, in
Stücke zerrissen haben. Die englischen Whigs wurden von ihren Gegnern
beschuldigt, daß sie bezüglich des dem Staatsoberhaupte gebührenden
Gehorsams gefährlich lockeren Prinzipien huldigten. Indessen hat kein
ehrenwerther englischer Whig jemals den Aufruhr vertheidigt, außer als
ein seltenes und extremes Mittel gegen seltene und extreme Uebel. Aber
unter den celtischen Häuptlingen, deren Loyalität das Thema so vieler
feuriger Lobpreisungen gewesen ist, gab es mehrere, deren ganze Existenz
vom Knabenalter an ein einziger langer Aufruhr war. Von solchen Männern
durfte man offenbar nicht erwarten, daß sie die Revolution in dem Lichte
betrachten würden, in welchem dieselbe einem oxforder Eidverweigerer
erschien. Auf der andren Seite wurden sie nicht, wie die eingebornen
Irländer, durch Widerwillen gegen die sächsische Oberherrschaft zur
Ergreifung der Waffen gedrängt; der schottische Celte war dieser
Herrschaft niemals unterworfen gewesen. Er bewohnte sein eignes wildes
und unfruchtbares Gebiet und beobachtete seine eigenen nationalen
Gebräuche. In seinem Verkehr mit den Sachsen war er eher der Bedrücker
als der Bedrückte. Er erpreßte Räubertribut von ihnen, entführte ihre
Schaf- und Rinderheerden, und selten wagten sie es, ihn in seine
heimathliche Wildniß zu verfolgen. Sie hatten nie sein ödes Moos- und
Kiesland unter sich vertheilt. Er hatte nie den Thurm seiner erblichen
Häuptlinge von einem Usurpator in Besitz nehmen sehen, der nicht gälisch
sprach und der auf Alle die es sprachen, wie auf rohes Sklavenvolk
herabsah, auch waren seine nationalen und religiösen Gefühle nie durch
die Macht und durch den Glanz einer Kirche beleidigt worden, die er als
eine ausländische und zugleich ketzerische betrachtete.

Der wahre Grund der Bereitwilligkeit, mit der ein großer Theil der
Bevölkerung der Hochlande im Laufe des 17. Jahrhunderts zweimal für die
Stuarts das Schwert zog, ist in den inneren Zwistigkeiten zu suchen,
welche die Republik der Clans spaltete. Denn es gab eine Republik der
Clans, das verkleinerte Ebenbild der großen Republik der europäischen
Nationen. In der kleineren von diesen beiden Republiken, wie in der
größeren, gab es Kriege, Verträge, Alliancen, Streitigkeiten wegen
Gebiet und Vorrang, ein System des öffentlichen Rechts und ein
Gleichgewicht der Macht. Dabei existirte eine unerschöpfliche Quelle der
Unzufriedenheit und Zwietracht. Einige Jahrhunderte früher war das
Feudalsystem in das Gebirgsland eingeführt worden, hatte aber das
patriarchalische System weder vernichtet, noch sich vollständig mit
demselben amalgamirt. Gewöhnlich war Derjenige, der nach der
normännischen Verfassung Lord war, auch Häuptling nach der celtischen
Verfassung, und in diesem Falle war kein Streit. Waren aber die beiden
Charactere getrennt, so concentrirte sich der ganze willige und loyale
Gehorsam auf den Häuptling. Der Lord hatte nur das, was er durch Gewalt
erlangen und behaupten konnte. Wenn er mit Hülfe seines eignen Stammes
Pächter, die einem andren Stamme angehörten, sich unterthan zu erhalten
vermochte, so herrschte eine Tyrannei von Clan gegen Clan, vielleicht
die heftigste von allen Formen der Tyrannei.


Eifersucht auf den Einfluß der Campbells.

Verschiedene Stämme hatten sich zu verschiedenen Zeiten zu einem Ansehen
erhoben, das allgemeine Furcht und Neid erweckt hatte. Die Macdonalds
hatten früher einmal auf den Hebriden und in dem ganzen Gebirgslande von
Argyleshire und Inverneßshire ein Uebergewicht besessen ähnlich dem,
welches das Haus Oesterreich einst in der Christenheit besaß. Aber das
Uebergewicht der Macdonalds war, wie das des Hauses Oesterreich,
verschwunden, und die Campbell's, die Kinder Diarmid's, waren in den
Hochlanden das geworden, was die Bourbons in Europa geworden waren. Der
Vergleich könnte noch weiter fortgeführt werden. Aehnliche
Beschuldigungen wie man sie der französischen Regierung zur Last zu
legen pflegte, wurden den Campbells zur Last gelegt. Eine besondere
Gewandtheit, ein besonderer äußerer Schein von Eleganz, eine besondere
Verachtung aller eingegangenen Verpflichtungen wurden mit oder ohne
Grund dem gefürchteten Stamme zugeschrieben. »Schön und falsch wie ein
Campbell« wurde ein Sprichwort. Es hieß, ein Mac Callum More nach dem
andren habe mit unermüdlichem, gewissenlosem und unbeugsamem Ehrgeize
Berg auf Berg und Insel auf Insel zu den ursprünglichen Besitzungen
seines Hauses gehäuft. Einige Stämme waren aus ihrem Gebiet vertrieben,
andere zur Zahlung eines Tributs gezwungen, noch andere den Eroberern
einverleibt worden. So war endlich die Zahl der waffenfähigen Männer,
welche den Namen Campbell führten, stark genug, um den vereinten
Streitkräften aller übrigen weltlichen Clans im Felde die Spitze zu
bieten.[64] Während der bürgerlichen Unruhen, welche im Jahre 1638
begannen, erreichte die Macht dieser ehrgeizigen Familie ihren
Höhepunkt. Der Marquis von Argyle war ebensowohl das Oberhaupt einer
Partei wie der Häuptling eines Stammes. Im Besitze zweier verschiedenen
Arten von Autorität, bediente er sich jeder derselben in solcher Weise,
daß er damit die andre erweiterte und verstärkte. Der notorische
Umstand, daß er die Claymores von fünftausend halbheidnischen
Gebirgsbewohnern ins Feld bringen konnte, vermehrte seinen Einfluß bei
den strengen Presbyterianern, welche den Geheimen Rath und die
Generalversammlung von Edinburg füllten, und sein Einfluß in Edinburg
vermehrte wieder den Schrecken, den sein Name im Gebirge verbreitete.
Von allen Fürsten der schottischen Hochlande, deren Geschichte uns näher
bekannt ist, war er der mächtigste und gefürchtetste. Während seine
Nachbarn die Zunahme seiner Macht mit einer Wuth beobachteten, welche
die Furcht kaum niederzuhalten vermochte, rief Montrose sie zu den
Waffen. Dem Aufrufe ward bereitwilligst Folge geleistet und eine
mächtige Coalition von Clans zog in den Krieg, dem Namen nach für König
Karl, in Wirklichkeit aber gegen Mac Callum More. Wer die Geschichte
dieses Kampfes studirt hat, wird nicht leicht zweifeln können, daß, wenn
Argyle die Sache der Monarchie unterstützt hätte, seine Nachbarn sich
gegen dieselbe erklärt haben würden. Achtbare Schriftsteller erzählen
von dem Siege, den die Royalisten bei Inverlochy über die Rebellen
erfochten. Aber die in der Nähe des Ortes wohnenden Landleute stellen
die Sache richtiger dar. Sie sprechen von der großen Schlacht, welche
dort die Macdonalds gegen die Campbells gewannen.

Die Gesinnungen, welche die Koalition gegen den Marquis von Argyle
hervorgerufen hatten, bestanden noch lange nach seinem Tode in ihrer
ganzen Stärke fort. Sein Sohn, der Earl Archibald, erbte, obwohl er ein
Mann von vielen ausgezeichneten Tugenden war, mit der Macht seiner
Vorfahren zu gleicher Zeit auch die Unpopularität, die eine fast
unausbleibliche Folge einer solchen Macht war. Im Jahre 1675 bildeten
mehrere kriegslustige Stämme eine Conföderation gegen ihn, mußten sich
aber der überlegenen Macht fügen, die ihm zu Gebote stand. Es herrschte
daher von einer Meeresküste bis zur andren große Freude, als er im Jahre
1681 auf eine geringfügige Anschuldigung hin vor Gericht gestellt, zum
Tode verurtheilt, ins Exil getrieben und seiner Titel beraubt wurde.
Groß war der Schrecken, als er 1685 aus der Verbannung zurückkehrte und
das feurige Kreuz aussandte, um seine Stammesgenossen unter seine Fahne
zu rufen, und wieder war große Freude, als sein Unternehmen gescheitert,
als seine Armee zusammengeschmolzen, als sein Kopf auf das Tolbooth von
Edinburg gesteckt worden war und als die Häuptlinge, die ihn als einen
Unterdrücker betrachtet, unter leichten Bedingungen von der Krone
Erlassung alter Verbindlichkeiten und Verleihung neuer Titel erlangt
hatten. Während England und Schottland allgemein Jakob's Tyrannei
verabscheuten, wurde er in Appin und Lochaber, in Glenroy und Glenmore
als ein Befreier verehrt.[65] Der durch die Macht und den Ehrgeiz des
Hauses Argyle erregte Haß war selbst dann noch nicht gekühlt, als das
Oberhaupt dieses Hauses hingeopfert, als seine Kinder landesflüchtig
waren, als fremde Truppen die Besatzung des Schlosses Inverary bildeten
und als das ganze Ufer des Fynesees durch Feuer und Schwert verwüstet
war. Man sagte, der schreckliche Präcedenzfall mit den Macgregors müsse
wiederholt und es als ein Verbrechen erklärt werden, den verhaßten Namen
Campbell zu tragen.

Da änderte sich plötzlich Alles. Die Revolution kam und der Erbe
Argyle's kehrte triumphirend zurück. Er war, wie seine Vorgänger es
gewesen, das Oberhaupt nicht nur eines Stammes, sondern auch einer
Partei. Der Richterspruch, der ihn seines Eigenthums und seiner Titel
beraubt hatte, wurde von der Majorität der Convention für null und
nichtig angesehen. Die Thüren des Parlamentshauses wurden ihm geöffnet,
er wurde unter dem ganzen schottischen Hochadel dazu auserwählt, den
neuen Soverainen den Amtseid abzunehmen, und dazu ermächtigt, auf seinen
Besitzungen eine Armee für den Dienst der Krone auszuheben. Jetzt war er
unzweifelhaft so mächtig wie der mächtigste seiner Vorfahren.
Unterstützt durch die Kraft der Regierung, verlangte er nun gewiß die
Entrichtung aller der langjährigen schweren Zins- und Tributrückstände,
die seine Nachbarn ihm schuldeten und übte Rache für alle Beleidigungen
und Schmähungen, die seine Familie erduldet hatte.


Die Stewarts und Macnaghtens.

Angst und Unruhe herrschte in den Schlössern von zwanzig
Miniaturkönigen. Groß war die Besorgniß der Stewarts von Appin, deren
Gebiet auf der einen Seite vom Meere und auf der andren vom Stamme
Diarmid's eingezwängt war. Noch größer war die Bestürzung bei den
Macnaghtens. Sie waren einst die Herren der schönen Thäler gewesen,
durch welche die Ara und die Shira dem Fynesee zuströmen. Aber die
Campbells hatten die Oberhand behalten. Die Macnaghtens waren zur
Unterwerfung gezwungen worden und hatten von Geschlecht zu Geschlecht
mit Furcht und Abscheu zu dem benachbarten Schlosse Inverary
emporgeblickt. Neuerdings war ihnen eine vollkommene Emancipation
versprochen worden. Eine Urkunde, kraft welcher ihrem Häuptlinge seine
Besitzungen als unmittelbares Kronlehen zugeschrieben wurden, war
ausgefertigt und harrte nur noch der königlichen Siegel, als die
Revolution plötzlich eine Hoffnung zertrümmerte, welche nahe an
Gewißheit grenzte.[66]


Die Macleans.

Die Macleans erinnerten sich, daß die Campbells vor nicht mehr als
vierzehn Jahren in ihr Gebiet eingefallen, den Stammsitz ihres
Häuptlings genommen und eine Besatzung in denselben gelegt hatten.[67]
Noch ehe Wilhelm und Marie in Edinburg proklamirt worden, war ein
Maclean, ohne Zweifel vom Oberhaupte seines Stammes abgesandt, über das
Meer nach Dublin gekommen und hatte Jakob versichert, daß, wenn einige
Bataillone aus Irland in Argyleshire landen sollten, sich ihnen sofort
viertausendvierhundert Claymores anschließen würden.[68]


Die Camerons; Lochiel.

Ein ähnlicher Geist beseelte die Camerons. Ihr Oberhaupt, Sir Ewan
Cameron von Lochiel, mit dem Beinamen der Schwarze, hatte in Bezug auf
persönliche Eigenschaften unter den celtischen Fürsten nicht seines
Gleichen. Er war ein leutseliger Gebieter, ein zuverlässiger
Bundesgenosse und ein furchtbarer Feind. Sein Gesicht und seine Haltung
waren von seltenem Adel. Einige Personen, die in Versailles gewesen
waren, darunter der kluge und beobachtende Simon Lord Lovat, meinten,
daß in Bezug auf Persönlichkeit und Manieren eine auffallende
Aehnlichkeit zwischen Ludwig XIV. und Lochiel stattfinde, und wer die
Portraits Beider mit einander vergleicht, wird bemerken, daß in der That
einige Aehnlichkeit vorhanden war. In der Statur war jedoch ein großer
Unterschied. Ludwig erreichte trotz seiner Schuhe mit hohen Absätzen und
trotz einer mächtig hohen Perrücke kaum die Mittelgröße. Lochiel war
lang und kräftig gebaut. In Behendigkeit und Geschicklichkeit im
Gebrauche der Waffen kamen ihm wenige unter den Gebirgsbewohnern gleich.
Er hatte mehr als einmal im Einzelkampfe gesiegt und war ein weit und
breit berühmter Jäger. Er führte einen energischen Krieg gegen die
Wölfe, welche bis zu seiner Zeit das Hochwild der Grampians zerrissen,
und von seiner Hand fiel der letzte des blutdürstigen Gezüchts, das
bekanntermaßen über unsre ganze Insel verbreitet war. Auch zeichnete
sich Lochiel nicht weniger durch geistige wie durch körperliche Kräfte
aus. Einem gebildeten und vielgereisten Engländer, der in Westminster
unter Busby und in Oxford unter Aldrich die Classiker studirt, der im
Umgange mit Mitgliedern der königlichen Societät etwas von den
Wissenschaften und in den Galerien von Florenz und Rom etwas von den
schönen Künsten gelernt hatte, würde er allerdings wohl unwissend
erschienen sein. Aber obwohl Lochiel wenig Bücherkenntnisse besaß, so
war er doch ungemein verständig bei Berathungen, beredtsam in der
Debatte, erfinderisch in Auskunftsmitteln und geschickt in der Leitung
des menschlichen Characters. Sein Verstand bewahrte ihn vor den
Thorheiten, zu denen sich seine Bruderhäuptlinge oftmals durch Stolz und
Zorn hinreißen ließen. Daher nannten Viele, die seine Bruderhäuptlinge
als bloße Barbaren betrachteten, seinen Namen mit Achtung. Selbst bei
der holländischen Gesandtschaft am St. James Square sprach man von ihm
als von einem Manne, der an Einsicht und Muth nicht leicht seines
Gleichen finden dürfte. Als Beschützer der Literatur kann er dem
freigebigen Dorset zur Seite gestellt werden. Wie Dorset aus seiner
Tasche Dryden eine Pension aussetzte, die seinem Einkommen als Hofpoet
gleichkam, so soll Lochiel einem berühmten Barden, der von Räubern
ausgeplündert worden und der in einer rührenden gälischen Ode um Almosen
bat, drei Kühe und die kaum glaubliche Summe von fünfzehn Pfund Sterling
geschenkt haben. Der Character dieses großen Häuptlings war in der That
schon zweitausendfünfhundert Jahre vor seiner Geburt geschildert worden,
und zwar -- so groß ist die Macht des Genies -- mit Farben, welche eben
so viele Jahre nach seinem Tode noch frisch sein werden. Er war der
Ulysses der Hochlande.[69]

Er war Herr über ein großes Gebiet, bevölkert von einem Stamme, der
keinen andren Gebieter, keinen andren Gott verehrte als ihn. Für dieses
Gebiet war er jedoch dem Hause Argyle lehnspflichtig. Er war
verpflichtet, seinem Lehnsherrn im Kriege beizustehen und ihm einen
hohen Grundzins zu bezahlen. Diese Vasallenschaft hatte er allerdings
schon in früher Jugend als erniedrigend und ungerecht betrachten
gelernt. Während seiner Minderjährigkeit hatte er unter der
Vormundschaft des klugen Marquis gestanden und war auf dem Schlosse
Inverary erzogen worden. Mit dem achtzehnten Jahre aber riß sich der
Knabe von der Autorität seines Vormundes los und focht tapfer für Karl
I. wie für Karl II. Er wurde daher von den Engländern als ein Cavalier
betrachtet, nach der Restauration in Whitehall gut aufgenommen und von
Jakob's Hand zum Ritter geschlagen. Das Compliment jedoch, welches ihm
bei einem seiner Besuche am englischen Hofe gemacht wurde, würde einem
Sachsen nicht sehr schmeichelhaft erschienen sein. »Nehmen Sie Ihre
Taschen in Acht, Mylords,« rief Se. Majestät, »hier kommt der König der
Diebe.« Die Loyalität Lochiel's ist fast sprichwörtlich, aber sie war
dem was man in England Loyalität nannte, ganz unähnlich. In den
Protokollen des schottischen Parlaments war er zu den Zeiten Karl's II.
als ein gesetzloser und rebellischer Mann geschildert, der aus eigner
Machtvollkommenheit und mit souverainer Verachtung der königlichen
Autorität Ländereien besitze.[70] Einmal erhielt der Sheriff von
Inverneßshire von König Jakob Befehl, in Lochaber einen Gerichtstag zu
halten. Lochiel, eifersüchtig auf diese Einmischung in seinen
patriarchalischen Despotismus, erschien bei der Gerichtsverhandlung an
der Spitze von vierhundert bewaffneten Camerons. Er affectirte große
Achtung vor dem königlichen Befehl, ließ aber einige Worte fallen,
welche von den Pagen und Waffenträgern, die jeden seiner Blicke scharf
beobachteten, vollkommen verstanden wurden. »Ist keiner meiner Burschen
so gut, diesen Richter zum Teufel zu jagen? Ich habe sie schon Händel
anfangen sehen, wo es weniger nöthig war.« Im nächsten Augenblicke
begann ein Zanken und Streiten unter der Menge, man wußte nicht wie oder
wo. Hunderte von Dolchen blitzten, das Geschrei »Hülfe!« und »Mörder!«
ertönte von allen Seiten, es kamen zahlreiche Verwundungen vor, zwei
Menschen wurden getödtet, die Sitzung wurde in tumultuarischer
Verwirrung aufgehoben und der geängstigte Sheriff mußte sich unter den
Schutz des Häuptlings stellen, der ihn mit einem plausiblen Anschein von
Achtung und Theilnahme sicher nach seiner Wohnung geleitete. Man muß
lachen, wenn man daran denkt, daß der Mann, der diese That verübte, von
Schriftstellern, welche Somers und Burnet als Verächter der legitimen
Autorität der Landesherren tadeln, beständig als der zuverlässigste und
pflichtgetreueste Unterthan gerühmt wird. Lochiel würde allerdings die
Lehre vom Nichtwiderstande höhnend verlacht haben. Aber es gab kaum
einen andren Häuptling in Inverneßshire, der durch den Sturz des Hauses
Argyle mehr als er gewonnen oder triftigeren Grund gehabt hätte, die
Restauration dieses Hauses zu fürchten. Die Maßnahmen der Convention
konnten daher kaum einen andren Häuptling in Inverneßshire mehr
beunruhigen und ärgern als ihn.


Die Macdonalds.

Doch unter allen den Hochländern, welche die neueste Wendung des
Geschicks mit peinlicher Besorgniß betrachteten, waren die Macdonalds
die heftigsten und mächtigsten. Mehr als einer von den Magnaten, welche
diesen weitverbreiteten Namen führten, machte Anspruch auf die Ehre, der
rechtmäßige Nachfolger der Lords der Inseln zu sein, die noch im 15.
Jahrhundert den Königen von Schottland den Vorrang streitig gemacht
hatten. Dieser genealogische Streit, der bis auf unsre Zeit gewährt hat,
verursachte viel Hader unter den Betheiligten. Alle aber stimmten darin
überein, daß sie den früheren Glanz ihrer Dynastie zurückwünschten und
das emporgekommene Geschlecht Campbell verabscheuten. Die alte Fehde
hatte niemals geruht. Noch fortwährend wurde in Versen wie in Prosa
wiederholt, daß der schönste Theil des den ehemaligen Oberhäuptern der
gälischen Nation gehörenden Gebiets, Islay, wo sie mit königlicher
Pracht gewohnt hatten, Jona, wo sie mit religiösem Pomp bestattet worden
waren, die Berge von Jura, die reiche Halbinsel Kintyre, von den
rechtmäßigen Besitzern auf den unersättlichen Mac Callum More
übergegangen seien. Seit dem Sturze des Hauses Argyle konnten die
Macdonalds, wenn sie auch ihre sonstige Macht nicht wiedererlangt
hatten, sich wenigstens rühmen, daß gegenwärtig ihnen Niemand überlegen
war. Von der Furcht vor ihrem mächtigen Feinde im Westen befreit, hatten
sie ihre Waffen gegen schwächere Feinde im Osten, gegen den Clan
Mackintosh und gegen die Stadt Inverneß gerichtet.


Fehde zwischen den Macdonalds und den Mackintoshs. Inverneß.

Der Clan Mackintosh, ein Zweig eines alten und berühmten Stammes, der
seinen Namen und sein Wappen von der wilden Katze der Wälder entlehnte,
hatte einen Streit mit den Macdonalds, der sich, wenn man der Tradition
glauben darf, aus den finsteren Zeiten herschrieb, wo die dänischen
Seeräuber die Küsten Schottland's verwüsteten. Inverneß war eine
sächsische Colonie unter den Celten, ein Bienenstock von Kaufleuten und
Handwerkern inmitten einer Bevölkerung von Müßiggängern und Plünderern,
ein einsamer Posten der Civilisation in einer Region von Barbaren.
Obgleich die Gebäude nur einen kleinen Theil des Flächenraumes
bedeckten, den sie gegenwärtig einnehmen; obgleich die Ankunft einer
Brigg im Hafen ein seltenes Ereigniß war; obgleich die Börse den
Mittelpunkt einer schmutzigen Straße bildete, in der ein Marktkreuz
stand, das große Aehnlichkeit mit einem zerbrochenen Meilenzeiger hatte;
obgleich die Sitzungen des Gemeinderaths in einem armseligen Gebäude mit
schmucklosen Wänden gehalten wurden; obgleich die besten Häuser von der
Art waren, daß sie jetzt bloße Hütten genannt werden würden; obgleich
die besten Dächer von Stroh waren; obgleich die besten Zimmerdecken aus
rohem Gebälk bestanden; obgleich die besten Fenster wegen mangelnder
Scheiben bei schlechtem Wetter mit Läden verschlossen wurden; obgleich
die geringeren Wohnungen bloße Erdhütten waren, in denen Fässer mit
ausgeschlagenem Boden die Stelle der Kamine vertraten, so war doch diese
Stadt in den Augen des Gebirgsbewohners der Grampians wie ein Babylon
oder Tyrus. Nirgend anderwärts hatte er mehrere hundert Häuser, zwei
Kirchen und ein Dutzend Malzdarren beisammengesehen. Nirgend anderwärts
war er durch den Glanz von Budenreihen geblendet worden, wo Messer,
Hornlöffel, zinnerne Kessel und bunte Bänder zum Verkauf ausgestellt
waren. Nirgend anderwärts war er an Bord eines der gewaltigen Schiffe
gewesen, welche Wein und Zucker aus Ländern brachten, die weit über die
Grenzen seiner Geographie hinaus lagen.[71] Es kann nicht Wunder nehmen,
daß die stolzen und kriegerischen Macdonalds, welche zwar die friedliche
Industrie verachteten, denen aber nach den Früchten dieser Industrie
gelüstete, mit den Bewohnern von Inverneß eine Reihe von Händeln
anfingen. Unter der Regierung Karl's II. hatte man gefürchtet, daß die
Stadt von diesen rohen Nachbarn erstürmt und geplündert werden würde.
Die Friedensbedingungen, welche sie anboten, bewiesen, wie wenig sie
nach der Autorität des Fürsten und des Gesetzes fragten. Sie verlangten,
daß ihnen ein schwerer Tribut bezahlt werden, daß die Municipalbehörden
sich eidlich verpflichten sollten, jeden Bürger, der das Blut eines
Macdonald vergösse, der Rache des Clans auszuliefern, und daß jeder
Bürger, sobald er irgendwo Jemandem begegnete, der den Tartan der
Macdonalds trüge, zum Zeichen seiner Unterwerfung die Waffen strecken
solle. Nie hatte Ludwig XIV., selbst nicht als er zwischen Utrecht und
Amsterdam lagerte, die Generalstaaten mit so despotischem Uebermuthe
behandelt.[72] Durch die Vermittelung des schottischen Geheimraths kam
ein Vergleich zu Stande; aber die alte Feindschaft verminderte sich
nicht.


Inverneß wird von Macdonald von Keppoch bedroht.

Gemeinsame Feindschaften und gemeinsame Befürchtungen erzeugten ein
gutes Einvernehmen zwischen der Stadt und dem Clan Mackintosh. Der
Feind, den Beide am meisten haßten und fürchteten, war Colin Macdonald
von Keppoch, ein Musterexemplar von ächtem hochländischen Jakobiten.
Keppoch hatte Zeit seines Lebens die Autorität der Krone verhöhnt und
sich derselben widersetzt. Er war zu wiederholten Malen bei seiner
Unterthanenpflicht aufgefordert worden, von seinem gesetzwidrigen
Treiben abzulassen, hatte aber jede solche Ermahnung mit Verachtung
behandelt. Die Regierung wollte jedoch nicht zu extremen Maßregeln gegen
ihn greifen, und er herrschte noch lange ungestört über die stürmischen
Berggipfel von Coryarrick und über die gigantischen Terrassen, welche
noch jetzt die Grenzen des einstigen Sees von Glenroy bezeichnen. Er war
berühmt wegen seiner Kenntniß aller Schluchten und Höhlen dieser
traurigen Gegend, und seine Geschicklichkeit, eine Viehheerde bis in die
entlegensten Schlupfwinkel zu verfolgen, war so groß, daß man ihm den
Beinamen »Coll der Kühe« gegeben hatte.[73] Endlich zwangen seine
frechen Verletzungen des Gesetzes den Geheimrath, energische Maßregeln
gegen ihn zu ergreifen. Er wurde für einen Rebellen erklärt, Androhungen
von Feuer und Schwert wurden unter dem Siegel Jakob's gegen ihn
erlassen, und wenige Wochen vor der Revolution rückte ein königliches
Truppencorps, unterstützt durch die gesammte Streitmacht der
Mackintoshs, in Keppoch's Gebiet ein. Er lieferte den Eingedrungenen
eine Schlacht und siegte. Die Truppen des Königs wurden in die Flucht
geschlagen, ihr Anführer wurde getödtet, und zwar durch einen Helden,
dessen Loyalität gegen den König viele Schriftsteller sehr wohlgefällig
dem factiösen Ungestüm der Whigs gegenübergestellt haben.[74]

Wenn Keppoch jemals die geringste Ehrfurcht vor der Regierung gehabt
hatte, so wurde dieses Gefühl durch die allgemeine Anarchie, welche auf
die Revolution folgte, völlig in ihm erstickt. Er verwüstete das Gebiet
Mackintosh's, marschirte gegen Inverneß und drohte der Stadt mit
Zerstörung. Die Gefahr war groß. Die Häuser waren nur von einer Mauer
umgeben, auf welche Zeit und Wetter so verderblich eingewirkt hatten,
daß sie bei jedem Sturme wankte. Dennoch zeigten die Einwohner einen
kecken Trotz und ihr Muth wurde durch ihre Prediger angefeuert. Sonntag
der 28. April war ein Tag der Angst und Verwirrung. Die Wilden streiften
um die kleine sächsische Colonie herum wie eine Heerde hungriger Wölfe
um eine Schafhürde. Keppoch drohte und bramarbasirte, er werde mit allen
seinen Leuten in die Stadt dringen und sie plündern. Inzwischen
versammelten sich die Bürger bewaffnet auf dem Marktplatze, um die Reden
ihrer Geistlichen anzuhören. Der Tag verging, ohne daß ein Sturm
erfolgte, und der Montag und Dienstag verstrichen unter großer Angst. Da
erschien ein unerwarteter Vermittler.


Dundee erscheint in Keppoch's Lager.

Dundee hatte sich nach seiner Flucht von Edinburg auf seinen Landsitz in
dem Thale zurückgezogen, durch welches der Glamis dem ehemaligen
Schlosse Macbeth's zuströmt. Dort blieb er einige Zeit ruhig. Er
betheuerte, daß er nicht die Absicht habe, sich der neuen Regierung zu
widersetzen, er erklärte sich bereit nach Edinburg zurückzukehren, wenn
er nur gewiß sein dürfe, gegen ungesetzliche Gewalt geschützt zu werden,
und er erbot sich, sein Ehrenwort zu geben, oder, wenn dies nicht
genüge, Caution zu erlegen, daß er sich ruhig verhalten wolle. Einige
von seinen alten Soldaten hatten ihn begleitet und bildeten eine
Besatzung von hinreichender Stärke, um sein Haus gegen die
Presbyterianer der Umgegend zu beschützen. Hier hätte er möglicherweise
unbehelligt und harmlos bleiben können, wenn nicht ein Vorfall, für den
er nicht verantwortlich war, seine Feinde unversöhnlich gemacht und ihn
zur Verzweiflung getrieben hätte.[75]

Ein Emissär Jakob's war mit Briefen an Dundee und Balcarras von Irland
nach Schottland hinübergefahren. Dies erweckte Verdacht. Der Bote wurde
festgenommen, verhört und durchsucht und die Briefe bei ihm gefunden.
Einige davon gingen von Melfort aus und waren seiner würdig. Jede Zeile
verrieth die Eigenschaften, die ihn zu einem Gegenstande des Abscheus
für sein Vaterland und zum Liebling seines Gebieters gemacht hatten. Er
verkündete jubilirend den nahen Anbruch des Tages der Rache und der
Beraubung, des Tages, an welchem das Eigenthum der Rebellen unter die
Loyalen vertheilt und wo Viele, welche angesehen und reich gewesen,
Verbannte und Bettler sein würden. Der König, sagte Melfort, sei
entschlossen, Strenge zu üben. Die Erfahrung habe Seine Majestät endlich
zu der Ueberzeugung gebracht, daß Milde Schwäche sein würde. Selbst die
Jakobiten ersahen mit Entrüstung aus den Briefen, daß eine Restauration
Confiscationen und Proscriptionen zur unmittelbaren Folge haben würde.
Einige von ihnen nahmen keinen Anstand es auszusprechen, daß Melfort ein
Schurke sei, daß er Dundee und Balcarras hasse, daß er sie verderben
wolle und daß er zu dem Ende diese abscheulichen Depeschen geschrieben
und sich eines Boten bedient habe, der es sehr geschickt einzurichten
gewußt, daß er ergriffen wurde. Es ist jedoch ausgemacht, daß Melfort
auch nach der Veröffentlichung dieser Papiere so hoch als je zuvor in
Jakob's Gunst stand. Daher kann es kaum einem Zweifel unterliegen, daß
der Sekretär selbst in den Stellen, welche die eifrigen Vertheidiger des
erblichen Rechts empörten, nur die Gesinnungen und Absichten seines
Gebieters treulich wiedergab.[76] Hamilton befahl kraft der Vollmachten,
welche die Stände vor ihrer Vertagung ihm ertheilt hatten, Balcarras und
Dundee zu verhaften. Balcarras wurde festgenommen und zuerst in seinem
eigenen Hause und dann in dem Tolbooth von Edinburg internirt. Aber
Dundee's habhaft zu werden war nicht so leicht. Sobald er erfuhr, daß
Verhaftsbefehle gegen ihn erlassen waren, ging er mit seinen Anhängern
über den Dee und blieb kurze Zeit auf den unwirthbaren Besitzungen des
Hauses Gordon. Von hier aus setzte er sich mit den Macdonalds und
Camerons wegen eines Aufstandes in Communication. Er scheint jedoch
damals von den Hochländern wenig gewußt und sich wenig um sie gekümmert
zu haben. Gegen ihren Nationalcharacter empfand er wahrscheinlich die
Abneigung des Sachsen und gegen ihren militärischen Character die
Geringschätzung des Soldaten von Profession. Er kehrte bald in das
Niederland zurück und blieb dort bis er erfuhr, daß ein starkes
Truppencorps ausgesandt war, um sich seiner zu bemächtigen.[77] Jetzt
zog er sich in die Gebirgsgegend, als seine letzte Zufluchtsstätte,
eilte nordwärts durch Strathdon und Strathbogie, ging über den Spey und
kam am Morgen des 1. Mai mit einem kleinen Reitertrupp in Keppoch's
Lager vor Inverneß an.

Die neue Lage, in welche Dundee jetzt versetzt war, die neuen
Aussichten, die sich ihm eröffneten, weckten in seinem erfinderischen
und unternehmenden Kopfe natürlich neue Pläne. Die Hunderte von
athletischen Celten, die er in ihrer nationalen Schlachtordnung sah,
waren offenbar keine zu verachtenden Bundesgenossen. Wenn er eine große
Koalition von Clans bilden, wenn er zehn- oder zwölftausend dieser
entschlossenen Krieger unter eine Fahne bringen, wenn er sie überreden
konnte, sich dem Zügel der Disciplin zu unterwerfen, welch' eine
Laufbahn stand ihm dann bevor!

Ein Patent von König Jakob war, selbst als König Jakob fest auf dem
Throne saß, vom Coll der Kühe niemals sonderlich respectirt worden.
Dieser Häuptling haßte jedoch die Campbells mit der ganzen Gluth eines
Macdonald und erklärte sofort seinen Anschluß an die Sache des Hauses
Stuart. Dundee nahm es auf sich, den Streit zwischen Keppoch und
Inverneß zu schlichten. Die Stadt willigte ein, zweitausend Dollars zu
bezahlen, eine Summe, die, so klein sie in den Augen der Goldschmiede
von Lombard Street erscheinen mochte, wahrscheinlich jeden Schatz
überstieg, der je in die Einöden von Coryarrick gebracht worden war. Die
Hälfte der Summe wurde nicht ohne Mühe von den Einwohnern
zusammengebracht und für den Rest soll Dundee sein Wort verpfändet
haben.[78]

Er versuchte nun zunächst, die Macdonalds mit den Mackintoshs
auszusöhnen und schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß die beiden
kriegerischen Stämme, welche noch unlängst einander feindlich
gegenübergestanden hatten, geneigt sein würden, unter seinem Commando
nebeneinander zu kämpfen. Doch er überzeugte sich bald, daß es kein
leichtes Ding war, eine Fehde zwischen Hochländern zu schlichten. Von
den Rechten der streitenden Könige wußte keiner der beiden Clans etwas,
noch kümmerte er sich darum. Das Benehmen beider muß örtlichen
Leidenschaften und Interessen zugeschrieben werden. Was Argyle für
Keppoch war, das war Keppoch für die Mackintoshs. Die Mackintoshs
blieben daher neutral, und ihrem Beispiele folgten die Macphersons, ein
andrer Zweig des Stammes der wilden Katze. Dies war nicht Dundee's
einzige Enttäuschung. Die Mackenzies, die Frasers, die Grants, die
Munros, die Mackays, die Macleods wohnten in großer Entfernung von dem
Gebiete Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Streit mit ihm, schuldeten
ihm nichts und hatten keinen Grund, die Vergrößerung seiner Macht zu
fürchten. Daher sympathisirten sie nicht mit seinen beunruhigten und
aufgebrachten Nachbarn und konnten nicht dazu bewegen werden, dem
Bündnisse gegen ihn sich anzuschließen.[79]


Aufstand der den Campbells feindlichen Clans.

Diejenigen Häuptlinge hingegen, welche näher bei Inverary wohnten und
die den Namen Campbell seit langer Zeit fürchteten und haßten, hießen
Dundee freudig willkommen und versprachen, am 18. Mai an der Spitze
ihrer Leute zu ihm zu stoßen. Während der letzten zwei Wochen vor diesem
Tage durchzog er Badenoch und Athol und forderte die Bewohner dieser
Districte zur bewaffneten Erhebung auf. Dann stürmte er mit seinen
Reitern in das Niederland hinab, überrumpelte Perth und führte einige
Whiggentlemen als Gefangene mit sich ins Gebirge. Unterdessen waren die
Feuerkreuze von Ort zu Ort über alle Haiden und Berge dreißig Meilen im
Umkreise von Ben Nevis gewandert, und als er den Sammelplatz in Lochaber
erreichte, sah er, daß der Zuzug bereits begonnen hatte. Das
Hauptquartier war nahe bei Lochiel's Hause aufgeschlagen, einem großen,
ganz aus Tannenholz gezimmerten Gebäude, das in den Hochlanden für einen
prächtigen Palast galt. Hier empfing Lochiel, umgeben von sechshundert
Kriegern, seine Gäste. Macnaghten von Macnaghten und Stewart von Appin
hatten sich mit ihren kleinen Clans eingefunden. Macdonald von Keppoch
führte die Krieger, welche einige Monate vorher unter seinem Commando
die Musketiere König Jakob's in die Flucht geschlagen hatten. Macdonald
von Clanronald stand noch in zartem Alter, aber sein Oheim, der während
seiner Minderjährigkeit die Regentschaft führte, hatte ihn ins Lager
gebracht. Der Jüngling war von einer auserlesenen Leibgarde begleitet,
bestehend aus seinen Vettern, lauter stattlichen Leuten und kräftigen
Fäusten. Macdonald von Glengarry, der sich durch seine dunklen Brauen
und durch seine hohe Gestalt auszeichnete, kam aus dem großen Thale, wo
eine Kette von Seen, welche außerhalb des Landes damals noch unbekannt
und auf keiner Karte angegeben waren, gegenwärtig die tägliche Straße
für die Dampfschiffe bildet, die zwischen dem atlantischen und dem
deutschen Ocean hin und her fahren. Keiner von den Beherrschern der
Berge hatte eine höhere Meinung von seiner persönlichen Wichtigkeit und
lag häufiger mit anderen Häuptlingen in Streit als dieser. Er pflegte in
seinen Manieren und in seinem Hauswesen eine Rohheit zur Schau zu
tragen, welche die seiner rohen Nachbarn noch übertraf, und erklärte,
daß er die wenigen Luxusgegenstände, welche aus den civilisirten Theilen
der Erde ihren Weg in die Hochlande gefunden, als Zeichen der
Verweichlichung und Entartung der gälischen Race betrachte. Diesmal
hatte er es für gut befunden, den Glanz der sächsischen Krieger
nachzuahmen, denn er ritt an der Spitze seiner vierhundert mit Plaids
bekleideten Clansleute in einem stählernen Küraß und einem mit Gold
gestickten Rocke. Ein andrer Macdonald, der ein beklagenswerthes und
entsetzliches Ende nehmen sollte, hatte einen Trupp verwegener
Freibeuter aus dem traurigen Gebirgspasse Glencoe herbeigeführt. Etwas
später kamen die großen Potentaten von den Hebriden. Macdonald von
Sleat, der reichste und mächtigste von allen Großen, welche auf den
hohen Titel des Lords der Inseln Anspruch machten, kam von Sky an der
Spitze von siebenhundert Streitern. Eine Flotte von langen Böten brachte
fünfhundert Macleans von Mull unter dem Commando ihres Häuptlings Sir
Johann von Duart. In alten Zeiten hatte eine weit stärkere Streitmacht
seine Vorfahren in die Schlacht begleitet. Aber die Macht, wenn auch
nicht der Muth des Clans war durch die Arglist und durch die Waffen der
Campbells gebrochen worden. Eine andre Schaar Macleans kam unter einem
tapferen Anführer, der sich nach dem Lochbuy nannte, was so viel heißt
als gelber See.[80]


Tarbet's Rath für die Regierung.

Es scheint nicht, daß ein einziger Häuptling, der keinen speciellen
Grund hatte, das Haus Argyle zu fürchten und zu hassen, Dundee's Aufruf
Folge leistete. Man hat sogar starken Grund zu glauben, daß selbst die
Häuptlinge, welche kamen, ruhig zu Haus geblieben sein würden, wenn die
Regierung die Politik der Hochlande verstanden hätte. Nur ein
talentvoller und erfahrener Staatsmann, welcher der vornehmen
hochländischen Familie der Mackenzie entsprossen war, der Viscount
Tarbet, verstand diese Politik gründlich. Er setzte damals Melville
brieflich und Mackay mündlich nicht nur die Ursachen der krankhaften
Zustände auseinander, welche die Calamitäten des Bürgerkriegs über
Schottland zu bringen drohten, sondern gab auch die Heilmittel dagegen
an. Die Gälen, sagt Tarbet, seien keineswegs allgemein für einen
Aufstand eingenommen. Selbst von denjenigen papistischen Clans, welche
keinen Grund hätten, die Unterwerfung unter das Joch der Campbells zu
fürchten, sei wenig zu besorgen. Es sei notorisch, daß auch die
talentvollsten und rührigsten unter den mißvergnügten Häuptlingen sich
um die zwischen den Whigs und Tories obschwebenden Streitfragen gar
nicht kümmerten. Lochiel insbesondere, den seine ausgezeichneten
persönlichen Eigenschaften zu dem bedeutendsten Manne unter den
Gebirgsbewohnern machten, frage nach Jakob eben so wenig etwas wie nach
Wilhelm. Wenn die Camerons, die Macdonalds und die Macleans überzeugt
werden könnten, daß ihre Güter und Ehrenstellen ihnen unter der neuen
Regierung gesichert blieben, wenn Mac Callum More einige Zugeständnisse
mache und Ihre Majestäten die Bezahlung einiger Pachtrückstände
übernähmen, so würde Dundee die Clans mit wenig Erfolg zu den Waffen
rufen. Fünftausend Pfund Sterling, meinte Tarbet, würden hinreichen, um
alle celtischen Magnaten zu beschwichtigen, und in der That, obgleich
diese Summe den Politikern von Westminster lächerlich klein vorkommen
mochte, obgleich sie nicht größer war als der jährliche Gehalt des
Oberkammerherrn oder des Kriegszahlmeisters, war sie doch enorm für
einen rohen Potentaten, der zwar über Hunderte von Quadratmeilen
herrschte und Hunderte von Kriegern ins Feld stellen konnte, aber
vielleicht niemals fünfzig Guineen auf einmal in seiner Geldkasse gehabt
hatte.[81]

Obwohl Tarbet von den schottischen Ministern der neuen Souveraine für
einen sehr zweifelhaften Freund gehalten wurde, so verschmähte man
seinen Rath doch nicht ganz. Es wurde beschlossen, den Mißvergnügten
Propositionen zu machen, welche er angerathen hatte. Viel hing dabei von
der Wahl eines Agenten ab, und leider bewies die getroffene Wahl, wie
wenig die Vorurtheile der wilden Gebirgsstämme in Edinburg verstanden
wurden. Ein Campbell wurde dazu ausersehen, für die Sache des Königs
Wilhelm Männer zu gewinnen, deren Groll gegen den König Wilhelm einzig
und allein den Grund hatte, daß er die Campbells begünstigte.
Anerbietungen, welche durch eine solche Mittelsperson gemacht wurden,
mußten natürlich als Schlinge und zugleich als Beleidigungen betrachtet
werden. Unter solchen Umständen war es unnütz, daß Tarbet an Lochiel und
Mackay an Glengarry schrieb. Lochiel antwortete Tarbet gar nicht, und
Glengarry gab Mackay eine zwar artige, aber kalte Antwort, in welcher er
dem General rieth, das Beispiel Monk's nachzuahmen.[82]


Unentschiedener Feldzug in den Hochlanden.

Inzwischen vergeudete Mackay einige Wochen mit Märschen, Contremärschen
und unentschiedenen Scharmützeln. Späterhin gestand er ehrlich ein, daß
die Kenntnisse, die er sich während seiner dreißigjährigen
Militärdienste auf dem Continent erworben, ihm in seiner damaligen neuen
Stellung nichts nützten. Es war schwer, in einem solchen Lande den Feind
zu verfolgen, und unmöglich war es, ihn dahin zu bringen, daß er eine
offene Schlacht annahm. Nahrung für ein Invasionsheer war in der
waldigen und steinigen Wildniß nicht zu finden; eben so wenig konnten
Lebensmittel für viele Tage weit über weiche Sümpfe und steile Anhöhen
transportirt werden. Der General überzeugte sich, daß er seine Leute und
ihre Pferde fast zu Tode ermüdet und doch nichts erreicht hatte.
Hochländische Hülfstruppen würden ihm von großem Nutzen gewesen sein;
allein er hatte wenig solche Hülfstruppen. Der Häuptling der Grants, den
die vorige Regierung verfolgt und der Conspiration mit dem unglücklichen
Earl von Argyle angeklagt hatte, war zwar ein warmer Freund der
Revolution. Zweihundert Mackay's kamen, wahrscheinlich unter dem
Einflusse von verwandtschaftlichen Gefühlen, aus dem äußersten Norden
unsrer Insel, wo es in der Mitte des Sommers keine Nacht giebt, um unter
einem Anführer ihres Namens zu kämpfen; im Allgemeinen aber erwarteten
die Clans, die sich nicht an dem Aufstande betheiligten, den Ausgang mit
kalter Gleichgültigkeit und schmeichelten sich mit der Hoffnung, daß es
ihnen leicht werden würde, sich mit den Siegern auszusöhnen und daß sie
an der Plünderung der Besiegten würden Theil nehmen dürfen.

Eine Erfahrung von wenig mehr als einem Monat überzeugte Mackay, daß es
nur ein Mittel gab, durch welches die Hochlande unterworfen werden
konnten. Es war nutzlos, die Gebirgsbewohner Berg auf Berg ab zu
verfolgen. Eine Reihe von Festungen mußte an den wichtigsten Punkten
errichtet und mit starken Besatzungen versehen werden. Der Ort, mit dem
der General vorschlug den Anfang zu machen, war Inverlochy, wo die
gewaltigen Ueberreste eines alten Schlosse standen und noch stehen.
Dieser Posten lag nahe an einem Meeresarme und im Herzen des von den
mißvergnügten Clans bewohnten Landes. Ein dort stationirtes und
nöthigenfalls durch Kriegsschiffe unterstütztes starkes Truppencorps
hätte zu gleicher Zeit die Macdonalds, die Camerons und die Macleans
wirksam in Schach halten können.[83]

Während Mackay in seinen Briefen an den Staatsrath zu Edinburg die
Nothwendigkeit vorstellte, auf diesen Plan einzugehen, hatte Dundee mit
Schwierigkeiten zu kämpfen, welche all' seine Energie und
Geschicklichkeit nicht völlig zu bewältigen vermochte.


Militärischer Character der Hochländer.

So lange die Hochländer noch eine Nation waren, die ihre eigenthümliche
Verfassung hatte, waren sie in einem Sinne brauchbarer und in einem
andren Sinne unbrauchbarer für militärische Zwecke als irgend eine andre
Nation in Europa. Der Celte als Individuum eignete sich moralisch und
physisch trefflich für den Krieg, und ganz besonders für den Krieg in
einem so wilden und rauhen Lande wie das seine. Er war unerschrocken,
kräftig, leichtfüßig und ertrug ohne Murren Kälte, Hunger und
Anstrengungen. Ueber steile Felsen und verrätherische Sümpfe bewegte er
sich eben so leicht wie die französischen Haustruppen auf der Straße von
Versailles nach Marly. Er war an den Gebrauch der Waffen und an den
Anblick des Blutes gewöhnt; er war ein geübter Fechter und Schütze, und
bevor er jemals in Reih' und Glied gestanden, war er schon mehr als ein
halber Soldat.

Wie der einzelne Celte leicht in einen Soldaten zu verwandeln war,
ebenso war ein ganzer Stamm von Celten leicht in ein Bataillon Soldaten
zu verwandeln. Es bedurfte dazu nichts weiter, als daß die militärische
Organisation mit der patriarchalischen Organisation in Einklang gebracht
wurde. Der Häuptling mußte Oberst, sein Oheim oder sein Bruder mußte
Major, die Pächter, welche gleichsam die Peerschaft des kleinen Staates
bildeten, mußten die Hauptleute sein und die Compagnie jedes Hauptmanns
mußte aus denjenigen Bauern bestehen, die auf seinem Grund und Boden
wohnten und deren Namen, Gesichter, Verwandten und Charactere er genau
kannte; die Unteroffiziere mußten aus den auf die Adlerfeder stolzen
Duinhe Wassels gewählt sein, der Waffenträger war eine vortreffliche
Ordonnanz, der Erbpfeifer und seine Söhne bildeten die Musikbande, und
der Clan wurde so mit einem Male ein Regiment. In einem solchen Regiment
herrschte vom ersten Augenblicke an die strenge Ordnung und der
pünktliche Gehorsam, worin die Stärke regulärer Armeen besteht. Jeder
Mann, vom Höchsten bis zum Niedrigsten, war an seinem geeigneten Platze
und kannte diesen Platz vollkommen. Es war nicht nöthig, den
neueingerichteten Truppen erst durch Drohungen oder Strafen die Pflicht
einzuschärfen, den Mann als ihr Oberhaupt zu betrachten, den sie von
jeher, so lange sie denken konnten, als ihr Oberhaupt betrachtet hatten.
Jeder Gemeine hatte von Kindheit an seinen Korporal sehr, seinen
Hauptmann noch mehr geachtet und seinen Obersten fast angebetet. An
Meuterei war daher nicht zu denken, ebenso wenig an Desertion, denn
gerade diejenigen Gefühle, welche andere Soldaten am mächtigsten
antreiben zu desertiren, hielten den Hochländer bei seiner Fahne. Wohin
sollte er gehen, wenn er sie verließ? Alle seine Verwandten, alle seine
Freunde waren um dieselbe versammelt. Trennte er sich also von ihr, so
trennte er sich zugleich für immer von seiner Familie und brachte den
ganzen Jammer des Heimwehs über sich, das in regulären Armeen so viele
Rekruten antreibt, auf die Gefahr von körperlicher Züchtigung und Tod
hin zu entlaufen. Wenn man diese Umstände erwägt, wird man sich nicht
darüber wundern, daß die hochländischen Clans zuweilen große
Kriegsthaten vollbracht haben.

Was aber diese Institutionen, welche einen Stamm von Hochländern, die
alle dieselben Namen führten und alle demselben Oberhaupte unterthan
waren, im Kampfe so furchtbar machten, machte die Nation ungeeignet für
den Krieg im Großen. Nichts war leichter als Clans in tüchtige
Regimenter zu verwandeln; aber nichts war schwieriger als diese
Regimenter dergestalt zu vereinigen, daß sie eine tüchtige Armee
bildeten. Von den Schäfern und Hirten, welche in den Reihen fochten, bis
hinauf zu den Häuptlingen war Alles Harmonie und Ordnung. Jeder Mann
blickte empor zu seinem unmittelbaren Vorgesetzten und Alle blickten
empor zu dem gemeinsamen Oberhaupte. Aber mit dem Häuptling schloß diese
Subordinationskette. Er verstand nur zu gebieten und hatte nicht gelernt
zu gehorchen. Selbst königlichen Erlassen, selbst Parlamentsedicten
pflegte er nur dann Gehorsam zu bezeigen, wenn sie in vollkommenem
Einklang mit seinen Neigungen standen. Man durfte nicht erwarten, daß er
einer delegirten Autorität eine Achtung zollen werde, die er der
höchsten Autorität zu verweigern gewohnt war. Er hielt sich für
berechtigt, über die Zweckmäßigkeit jedes ihm zukommenden Befehls zu
entscheiden. Von seinen Bruderhäuptlingen waren einige seine Feinde,
andere seine Nebenbuhler. Es war kaum möglich, ihn abzuhalten, sie zu
beleidigen, oder ihn zu überzeugen, daß sie ihn nicht beleidigten. Alle
seine Untergebenen sympathisirten mit allen seinen Animositäten,
betrachteten seine Ehre wie ihre eigene und waren bereit auf seinen Ruf
sich um ihn gegen den Oberbefehlshaber zu schaaren. Es war daher sehr
wenig Aussicht, daß durch irgend welche Mittel fünf Clans bewogen werden
konnten, während eines langen Feldzugs herzlich mit einander zu
cooperiren. Die meiste Hoffnung dazu war noch in dem Falle, wenn sie von
einem Sachsen angeführt wurden. Es ist bemerkenswerth, daß keine der
großen Thaten, welche die Hochländer während unserer Bürgerkriege
vollbrachten, unter dem Commando eines Hochländers vollbracht wurde.
Einige Schriftsteller haben es als einen Beweis für das außerordentliche
Genie Montrose's und Dundee's erwähnt, daß diese Feldherren, obgleich
nicht gälischen Stammes oder gälischer Sprache, im Stande gewesen waren,
Bündnisse gälischer Stämme zu bilden und zu leiten. Aber gerade weil
Montrose und Dundee keine Hochländer waren, vermochten sie Armeen
anzuführen, welche aus hochländischen Clans zusammengesetzt waren. Wäre
Montrose Häuptling der Camerons gewesen, so würden die Macdonalds sich
niemals seiner Autorität gefügt haben. Wäre Dundee Häuptling des
Clanronald gewesen, so würde der Glengarry ihm nie gehorcht haben.
Stolze und empfindliche Männer, welche kaum den König als ihren
Vorgesetzten anerkannten, würden niemals die Superiorität eines
Nachbarn, eines von ihres Gleichen, eines Nebenbuhlers, ertragen haben.
Viel leichter konnten sie die Obergewalt eines ausgezeichneten Fremden
ertragen. Doch selbst einem solchen Fremden gestanden sie nur eine sehr
beschränkte und sehr prekäre Autorität zu. Einen Häuptling vor ein
Kriegsgericht zu stellen, ihn zu erschießen, ihn zu cassiren, ihn zu
degradiren, ihm öffentlich einen Verweis zu geben, war unmöglich.
Macdonald von Keppoch oder Maclean von Duart würde jeden Offizier
todtgeschlagen haben, der ihm sein Schwert abverlangt und ihm gesagt
hätte, daß er sich als Arrestanten zu betrachten habe, und Hunderte von
Claymores würden augenblicklich aufgebrochen sein, um den Mörder zu
beschützen. Es blieb dem Befehlshaber, unter dem diese Potentaten zu
dienen sich herabließen, nichts Andres übrig als mit ihnen zu
berathschlagen, sie zu bitten, ihnen zu schmeicheln, sie zu bestechen,
und selbst durch diese Mittel vermochte menschliche Geschicklichkeit nur
auf kurze Zeit die Eintracht zu erhalten. Denn jeder Häuptling glaubte
Anspruch auf besondere Berücksichtigung zu haben, und man durfte daher
keinem besondere Artigkeit erweisen, ohne die anderen zu verletzen. Der
General war nichts weiter als der Präsident eines Congresses kleiner
Könige. Er wurde beständig aufgefordert, Streitigkeiten wegen
Stammbäumen, wegen Vorrang, oder wegen Theilung von Beute anzuhören und
zu schlichten. Mochte sein Ausspruch lauten wie er wollte, Jemand mußte
dadurch verletzt werden. Jeden Augenblick konnte er erfahren, daß sein
rechter Flügel in Folge eines zweihundert Jahre alten Streites auf sein
Centrum gefeuert habe, oder daß ein ganzes Bataillon nach seinem
heimathlichen Thale zurückgekehrt sei, weil ein andres Bataillon auf den
Ehrenposten gestellt worden war. Ein hochländischer Barde würde in der
Geschichte des Jahres 1689 leicht Sujets gefunden haben, ganz ähnlich
denen, welche der trojanische Krieg den großen Dichtern des Alterthums
lieferte. Heute ist Achilles mißmuthig, hütet sein Zelt und kündigt die
Absicht an, mit allen seinen Leuten abzuziehen. Morgen stürmt Ajax im
Lager umher und droht dem Ulysses den Hals abzuschneiden.

Daher kam es, daß, obgleich die Hochländer in den Bürgerkriegen des 17.
Jahrhunderts einige große Thaten vollbrachten, diese Thaten keine nach
wenigen Wochen noch erkennbare Spuren hinterließen. Siege von seltenem
und fast ungeheuerlichem Glanze zogen alle Folgen einer Niederlage nach
sich. Kriegsveteranen und Soldaten waren ganz erstaunt über diese
plötzlichen Glückswechsel. Es war unglaublich, daß undisciplinirte Leute
solche Waffenthaten vollbracht haben sollten. Eben so unglaublich war
es, daß solchen Waffenthaten, nachdem sie vollbracht waren, der Triumph
der Besiegten und die Unterwerfung der Sieger auf dem Fuße gefolgt sein
sollte. Nachdem Montrose rasch hintereinander Sieg auf Sieg erfochten,
sah er sich mitten auf der Bahn des Glücks plötzlich von seinen
Untergebenen verlassen. Lokale Eifersüchteleien und lokale Interessen
hatten seine Armee zusammengebracht. Lokale Eifersüchteleien und lokale
Interessen lösten sie auf. Die Gordons verließen ihn, weil sie sich
gegen die Macdonalds zurückgesetzt glaubten. Die Macdonalds verließen
ihn, weil sie die Campbells plündern wollten. Die Streitmacht, die man
früher für stark genug gehalten hatte, um das Schicksal eines
Königreichs zu entscheiden, schmolz binnen wenigen Tagen zusammen, und
auf die Siege von Tippermuir und Kilsyth folgte die Niederlage von
Philiphaugh. Dundee lebte nicht lange genug, um einen ähnlichen
Glücksumschlag zu erfahren, aber man hat allen Grund zu glauben, daß,
wenn er nur vierzehn Tage länger gelebt hätte, seine Geschichte ein
Seitenstück zu der Geschichte Montrose's gewesen sein würde.

Bald nachdem die Clans sich in Lochaber gesammelt hatten, machte Dundee
einen Versuch sie zu überreden, daß sie sich der Disciplin einer
regulären Armee unterwarfen. Er berief einen Kriegsrath zusammen, um
diese Frage zu erörtern. Seine Ansicht wurde von allen denjenigen
Offizieren unterstützt, welche aus dem Niederlande zu ihm gestoßen
waren. Unter ihnen zeichneten sich Jakob Seton, Earl von Dunfermline,
und Jakob Galloway, Lord Dunkeld, aus. Die celtischen Häuptlinge
vertraten die entgegengesetzte Meinung. Lochiel, der talentvollste unter
ihnen, war ihr Wortführer und verfocht die Sache mit großem Scharfsinn
und natürlicher Beredtsamkeit. »Unser System,« -- so lautete der
Hauptinhalt seines Raisonnements -- »mag nicht das beste sein; aber wir
sind von Kindheit auf dazu erzogen worden, wir verstehen es vollkommen
und es steht mit unseren eigenthümlichen Institutionen, Gefühlen und
Sitten im Einklange. Wenn wir auf unsre Art Krieg führen, so haben wir
die Erfahrung und die Kaltblütigkeit von Veteranen. Führen wir auf andre
Art Krieg, so werden wir rohe und unbeholfene Rekruten sein. Soldaten
aus uns zu machen, wie die eines Cromwell und Turenne waren, dazu würden
Jahre gehören, und wir haben nicht Wochen übrig. Wir haben hinreichend
Zeit, unsre Disciplin zu verlernen, aber nicht Zeit genug, die eurige zu
erlernen.« Dundee erklärte sich unter großen Schmeicheleien für Lochiel
überzeugt, und er war es vielleicht auch, denn die Gründe des
verständigen alten Häuptlings waren durchaus nicht ohne Gewicht.[84]


Zwistigkeiten in der hochländischen Armee.

Einige celtische Kriegsgebräuche waren jedoch von der Art, daß Dundee
sie nicht dulden konnte. So grausam er auch war, seine Grausamkeit hatte
immer eine Methode und einen Zweck. Er hoffte noch immer, daß es ihm
gelingen werde, einige neutral gebliebene Häuptlinge zu gewinnen und er
vermied daher sorgfältig Alles was sie zu offener Feindseligkeit hätte
aufstacheln können. Dies war allerdings ein Verfahren, von dem sich
erwarten ließ, daß es dem Interesse Jakob's förderlich sein würde; aber
Jakob's Interesse war den wilden Räubern, welche einzig und allein zu
dem Zwecke ersprießliche Raubzüge unternehmen und alten Groll rächen zu
können, seinen Namen gebrauchten und sich um sein Banner schaarten, sehr
gleichgültig. Keppoch insbesondere, der die Mackintoshs weit mehr haßte,
als er die Stuarts liebte, plünderte das Gebiet seiner Feinde nicht nur,
sondern verbrannte auch Alles was er nicht mit fortnehmen konnte. Dundee
gerieth beim Anblick der brennenden Wohnungen in heftigen Zorn. »Lieber
möchte ich,« sagte er, »in einem anständigen Regiment die Muskete
tragen, als Anführer einer solchen Räuberbande sein.« Von Bestrafung war
natürlich keine Rede. Es darf in der That schon als ein auffallender
Beweis von dem Einflusse des Generals angesehen werden, daß der Coll der
Kühe es der Mühe werth hielt, sich wegen eines Benehmens zu
entschuldigen, um dessentwillen er in einer wohldisciplinirten Armee
erschossen worden wäre.[85]

Da die Grants für den König Wilhelm die Waffen ergriffen hatten, so
wurde ihr Eigenthum als gute Prise betrachtet. Eine Abtheilung der
Camerons fiel in ihr Gebiet ein, es kam zu einem Gefecht, es floß etwas
Blut, und eine Menge Vieh wurde in Dundee's Lager getrieben, wo man
Lebensmittel sehr gut brauchen konnte. Dieser Streifzug gab Anlaß zu
einem Streite, dessen Geschichte den Character einer Armee von
Hochländern im richtigsten Lichte zeigt. Unter Denen, welche im Kampfe
mit den Camerons fielen, befand sich ein Macdonald von der Seitenlinie
der Glengarries, der lange unter den Grants gelebt hatte, in Gesinnungen
und Ansichten ein Grant geworden und beim Aufgebot seines Stammes nicht
erschienen war. Obgleich er sich gegen den gälischen Codex der Ehre und
Moral schwer vergangen hatte, erinnerten sich doch seine Stammesgenossen
der geheiligten Bande, die er vergessen. Mochte er gut oder schlecht
sein, er war von ihrem Fleisch und Blut und er hätte daher ihrer Justiz
aufgespart werden sollen. Der Name, den er trug, das Blut der Lords von
den Inseln hätte ihn schützen sollen. Glengarry begab sich wüthend zu
Dundee und verlangte Rache an Lochiel und dem ganzen Geschlecht Cameron.
Dundee erwiederte, der unglückliche Gentleman, der gefallen sei, habe
den Clan wie auch den König verrathen. Sei es im Kriege wohl erhört, daß
die Person eines Feindes, eines unter den Waffen Kämpfenden wegen eines
Namens und seiner Abkunft für unantastbar gehalten werden müsse? Und
selbst wenn ein Unrecht geschehen sei, wie solle es wieder gut gemacht
werden? Die halbe Armee müsse erst die andre Hälfte erschlagen, ehe
Lochiel ein Haar gekrümmt werden könne. Glengarry entfernte sich wieder,
tobend wie ein Besessener. Da seine Klagen von Denen, die ihm Recht
verschaffen sollten, nicht beachtet würden, so wolle er sich selbst
Recht verschaffen; er wolle seine Leute aufbieten und mit dem Schwert in
der Hand über die Mörder seines Vetters herfallen. Eine Zeit lang wollte
er auf keine Vorstellungen hören. Als man ihm zu bedenken gab, daß
Lochiel's Anhänger den Glengarryleuten an Zahl um das Doppelte überlegen
seien, rief er aus: »Das thut nichts; ein Glengarry ist soviel werth als
zwei Camerons.« Wäre Lochiel eben so heftig und großsprecherisch
gewesen, so ist es wahrscheinlich, daß die hochländische Insurrection
der Regierung wenig mehr zu schaffen gemacht und daß die Rebellen ohne
viel Aufhebens einander gegenseitig in ihren Wildnissen erschlagen haben
würden. Aber die Natur hatte ihm in reichem Maße die Eigenschaften eines
Staatsmannes verliehen, obwohl das Schicksal diese Eigenschaften in
einem unbekannten Winkel der Erde verborgen hatte. Er sah ein, daß jetzt
keine Zeit zur Zwietracht sei; sein Muth war längst anerkannt und sein
Temperament verstand er vollkommen zu beherrschen. Glengarry's Wuth,
durch keine neuen Provokationen gereizt, legte sich bald. Allerdings
vermutheten Manche, daß er niemals ganz so kampflustig gewesen sei, als
er sich gestellt habe und daß er mit seinem Toben nichts weiter
beabsichtigt habe, als sein eignes Ansehen in den Augen seiner Anhänger
aufrecht zu erhalten. Wie dem auch sein möge, der Streit wurde
geschlichtet und die beiden Häuptlinge begrüßten sich mit dem äußeren
Schein von Artigkeit an der Tafel des Generals.[86]


Dundee sucht bei Jakob um Unterstützung nach.

Die Erfahrungen, welche Dundee an seinen celtischen Bundesgenossen
machte, mußten es ihm wünschenswerth erscheinen lassen, in seiner Armee
einige Truppen zu haben, auf deren Gehorsam er sich verlassen konnte und
welche nicht auf einen Wink von ihrem Obersten die Waffen gegen ihren
General und ihren König kehren würden. In Folge dessen schrieb er
während der Monate Mai und Juni mehrere Briefe nach Dublin, worin er
dringend um Beistand bat. Wenn sechstausend, viertausend, dreitausend
reguläre Soldaten jetzt nach Lochaber geschickt würden, könne Se.
Majestät darauf rechnen, daß er bald in Holyrood ein Hoflager halten
werde. Daß ein solches Truppencorps entbehrlich war, unterlag kaum einem
Zweifel. Jakob's Autorität war damals in allen Theilen Irland's
anerkannt, außer an den Ufern des Ernesees und hinter den Mauern von
Londonderry. Er hatte in diesem Königreiche eine Armee von
vierzigtausend Mann. Ein Achtel von dieser Armee wäre dort kaum vermißt
worden und hätte in Verbindung mit den aufständischen Clans in
Schottland große Dinge ausrichten können.

Die Antworten, welche Dundee auf seine Ansuchen erhielt, berechtigten
ihn zu der Hoffnung, daß ihm bald ein starkes und wohlausgerüstetes
Corps aus Ulster zugeschickt werden würde. Vor der Ankunft dieser
Verstärkungen wollte er nicht das Glück einer Schlacht versuchen.[87]
Mackay auf der andren Seite war es müde, in einer Wildniß
umherzumarschiren. Seine Leute waren erschöpft und entmuthigt; er hielt
es für wünschenswerth, daß sie die Gebirgsgegend verließen, und Wilhelm
war der nämlichen Meinung.


Unterbrechung des Kriegs in den Hochlanden.

So wurde im Juni der Bürgerkrieg wie auf Verabredung zwischen den
beiderseitigen Generälen völlig eingestellt. Dundee blieb in
ungeduldiger Erwartung der Truppen und Zufuhren aus Irland in Lochaber.
Es war ihm indessen unmöglich, seine Hochländer in einem Zustande der
Unthätigkeit beisammenzuhalten, denn es bedurfte eines großen Gebiets
von Sumpf- und Gebirgsland, um eine so zahlreiche Mannschaft zu
unterhalten. Die Clans kehrten daher in ihre Schluchten zurück, nachdem
sie versprochen hatten, sich auf den ersten Aufruf wieder zu sammeln.

Inzwischen erholten sich die durch harte Strapatzen und Entbehrungen
erschöpften Soldaten Mackay's in Quartieren, welche über das ganze
Niederland von Aberdeen bis Stirling zerstreut waren. Mackay selbst war
in Edinburg und drang in die dortigen Minister, ihm die Mittel zur
Errichtung einer Fortifikationskette in den Grampians zu bewilligen. Die
Minister hatten sich, wie es scheint, in ihren militärischen
Hülfsmitteln verrechnet. Man hatte erwartet, daß die Campbells eine
Streitmacht ins Feld stellen würden, welche hinreichend war, um die
ganze Stärke der unter Dundee marschirenden Clans aufzuwiegen. Ebenso
hatte man erwartet, daß die westlichen Covenanters sich beeilen würden,
die Reihen der Armee König Wilhelm's zu verstärken. Beide Erwartungen
wurden getäuscht. Argyle hatte sein Fürstenthum verwüstet und seinen
Stamm entwaffnet und desorganisirt gefunden. Es mußte eine beträchtliche
Zeit darüber hingehen, ehe sein Banner von einer Streitmacht umgeben
sein würde, wie seine Väter sie in den Kampf geführt hatten.


Bedenklichkeiten der Covenanters, für König Wilhelm die Waffen zu
ergreifen.

Die Covenanters des Westens waren im allgemeinen nicht geneigt, sich
einreihen zu lassen. An Muth fehlte es ihnen sicherlich nicht, und sie
haßten Dundee mit tödtlicher Erbitterung. Seine Grausamkeit war in ihrem
Theile des Landes noch in frischem Andenken. Jedes Dorf hatte seine
blutige Geschichte. In dem einen Hause fehlte der greise Vater, in dem
andren der hoffnungsvolle Sohn. Man erinnerte sich nur zu gut, wie die
Dragoner in die Hütte des Landmanns eingedrungen waren, bei jedem Worte
ihn, sich selbst und Einer den Andren verfluchend und verwünschend, wie
sie die achtzigjährige Großmutter hinter dem warmen Ofen hervorgerissen
und mit roher Hand den Busen seiner sechzehnjährigen Tochter betastet
hatten; wie ihm die Abschwörungsformel vorgehalten worden war, wie er
die Arme über der Brust gekreuzt und gesagt hatte: »der Wille Gottes
geschehe;« wie der Oberst ein Piket mit geladenen Gewehren herbeigerufen
und wie drei Minuten später der brave Hausvater vor seiner eigenen Thür
in einer Blutlache gelegen hatte. Der Platz des Märtyrers am Herde war
noch leer und jedes Kind konnte seinen noch grünen Grabhügel auf der
Haide zeigen. Wenn die Leute dieser Gegend ihren Unterdrücker einen
Diener des Teufels nannten, so sprachen sie nicht in bildlichem Sinne;
sie glaubten wirklich, daß zwischen dem bösen Menschen und dem bösen
Geiste ein enges Bündniß mit bestimmten Bedingungen bestehe, daß Dundee
sich verpflichtet habe, das Werk der Hölle auf Erden zu verrichten und
daß die Hölle zu höheren Zwecken ihren Sklaven beschützen dürfe, bis das
Maß seiner Schuld voll sein würde. Aber so gründlich diese Leute auch
Dundee verabscheuten, so erhoben doch die meisten von ihnen Bedenken
dagegen, für Wilhelm das Schwert zu ziehen. Es wurde in der Pfarrkirche
zu Douglas ein großes Meeting gehalten und die Frage vorgelegt, ob es zu
einer Zeit, wo Krieg im Lande wüthe und eine irische Invasion erwartet
werde, nicht Pflicht sei, zu den Waffen zu greifen. Die Debatte war
heftig und tumultuarisch. Die Redner der einen Seite beschworen ihre
Brüder, nicht den Fluch auf sich zu laden, der gegen die Bewohner von
Meros geschleudert worden, weil sie dem Herrn nicht gegen den Mächtigen
zu Hülfe kamen. Die Redner der andren Seite donnerten gegen sündige
Bündnisse. Es seien Schlechtgesinnte in Wilhelm's Heere, Mackay's eigne
Rechtgläubigkeit sei problematisch; mit solchen Kameraden und unter
einem solchen General Kriegsdienste zu leisten, würde ein sündiges
Bündniß sein. Nach langem Hin- und Herstreiten und unter großer
Verwirrung wurde endlich eine Abstimmung vorgenommen und die Majorität
erklärte sich dahin, das es ein sündiges Bündniß sein würde,
Kriegsdienste zu nehmen.


Aushebung des Cameron'schen Regiments.

Es gab jedoch eine starke Minorität und aus den Mitgliedern dieser
Minorität gelang es dem Earl von Angus ein Infanteriecorps zu bilden,
das noch heute, nach Verlauf von mehr als hundertsechzig Jahren, unter
dem Namen des Cameron'schen Regiments bekannt ist. Der erste
Oberstleutnant desselben war Cleland, der unerbittliche Bluträcher, der
Dundee aus der Convention getrieben hatte. Es machte keine geringe
Schwierigkeit, die Reihen zu füllen, denn viele westländische Whigs, die
es nicht für absolut sündhaft hielten, einzutreten, stellten
Bedingungen, welche alle militärische Disciplin untergraben mußten.
Einige wollten nicht unter einem Obersten, Major, Hauptmann, Sergeanten
oder Korporal dienen, der nicht bereit sei, den Covenant zu
unterschreiben. Andere bestanden darauf, daß, wenn es durchaus nöthig
befunden würde, den und jenen Offizier anzustellen, welcher die unter
der vorigen Regierung vorgeschriebenen Testeide geleistet habe, er sich
wenigstens durch öffentliches Eingeständniß seiner Sünde vor der Fronte
des Regiments zum Commando qualificiren sollte. Die Mehrzahl der
Enthusiasten, welche diese Bedingungen gestellt hatten, wurde durch
geschickte Bearbeitung bewogen, ihre Forderungen bedeutend
herabzustimmen. Doch hatte das Regiment immerhin einen ganz
eigenthümlichen Character. Die Soldaten waren sämmtlich strenge
Puritaner. Einer ihrer ersten Schritte war eine Petition an das
Parlament, daß alle Trunksucht, Ausschweifung und Gottlosigkeit streng
bestraft werden möchte. Ihr eignes Verhalten muß musterhaft gewesen
sein, denn das schlimmste Verbrechen, das die überspannteste Bigotterie
ihnen zur Last legen konnte, bestand darin, daß sie dem Könige zu seinem
Geburtstage Hurrahs brachten. Man hatte ursprünglich beabsichtigt, mit
der militärischen Organisation des Corps die Organisation einer
presbyterianischen Gemeinde zu verweben. Jede Compagnie sollte einen
Aeltesten liefern und die Aeltesten sollten mit dem Kaplan ein
geistliches Tribunal zur Unterdrückung der Unsittlichkeit und Ketzerei
bilden. Es wurden indeß keine Aeltesten ernannt; aber ein angesehener
Bergprediger, Alexander Shields, wurde zu dem Amte eines Kaplans
berufen. Es läßt sich schwer denken, daß der Fanatismus eine höhere
Gluth erreichen könnte, als er aus den Schriften Shields'
hervorleuchtet. Nach seinen Ansichten würde es die erste Pflicht jedes
christlichen Herrschers sein, jeden heterodoxen Unterthan bis zum Tode
zu verfolgen, und ebenso die erste Pflicht jedes christlichen
Unterthanen, einen heterodoxen Fürsten zu ermorden. Doch es herrschte
damals in Schottland eine fanatische Begeisterung, im Vergleich zu
welcher selbst die Begeisterung dieses Mannes noch lau war. Die extremen
Covenanters protestirten gegen seinen Abfall eben so heftig als sie
gegen die Schwarze Indulgenz und gegen den Suprematseid protestirt
hatten und erklärten Jeden, der in Angus' Regiment eintrat, eines
ruchlosen Bündnisses mit Uebelgesinnten schuldig.[88]


Uebergabe des Schlosses von Edinburg.

Mittlerweile war das Edinburger Schloß gefallen, nachdem es sich länger
als zwei Monate gehalten hatte. Die Vertheidigung sowohl wie der Angriff
waren sehr lau betrieben worden. Der Herzog von Gordon, der keine Lust
hatte, sich den tödtlichen Haß Derer zuzuziehen, in deren Gewalt seine
Besitzungen und sein Leben bald sein konnten, fand es nicht für
gerathen, die Stadt zu beschießen. Auf der andren Seite betrieben die
Belagerer ihre Operationen mit so wenig Energie und Umsicht, daß die
Jakobiten in der Citadelle mit den draußen befindlichen Jakobiten in
fortwährender Communication standen. Man erzählte sich sonderbare
Geschichten von den artigen und kurzweiligen Botschaften, welche
zwischen den Belagerten und den Belagerern gewechselt wurden. Einmal
ließ Gordon den städtischen Behörden sagen, daß er wegen einiger ihm aus
Irland zugekommenen Nachrichten eine Geschützsalve geben werde, daß aber
die gute Stadt sich nicht zu beunruhigen brauche, denn er werde seine
Kanonen nicht mit Kugeln laden. Ein andermal wirbelten seine Trommeln
das Zeichen zum Parlamentiren; die weiße Fahne wurde ausgesteckt, es
fand eine Unterredung statt und er benachrichtigte den Feind ganz
ernsthaft, daß alle seine Spielkarten bis zum Zerfallen abgegriffen
seien und daß er ihm doch einige frische Packete zukommen lassen möchte.
Seine Freunde errichteten einen Telegraphen, vermittelst dessen sie sich
über die Linien der Schildwachen hinweg mit ihm unterhielten. An einem
Fenster im obersten Stock eines der höchsten der gigantischen Häuser,
von denen noch jetzt einige wenige High Street verdunkeln, wurde, wenn
Alles gut ging, ein weißes Tuch, und wenn die Sachen schlecht standen,
ein schwarzes Tuch ausgehangen. Hatte man ausführlichere Meldungen zu
machen, so wurde eine Tafel emporgehalten, auf der die Nachricht mit so
großen Buchstaben geschrieben stand, daß sie mit Hülfe eines Fernrohrs
von den Wällen der Citadelle aus gelesen werden konnte. Boten mit
Briefen und frischen Lebensmitteln gelangten in verschiedenen
Verkleidungen und durch mannichfache Kunstgriffe über den Wassergraben,
der sich damals auf der Nordseite der Festung befand, und erklommen den
steilen Abhang. Der Knall einer Muskete auf einem bestimmten Außenwerke
war das Signal, welches den Freunden des Hauses Stuart anzeigte, daß
wieder einer ihrer Emissäre glücklich den Felsen erklettert hatte.
Endlich aber waren die Vorräthe erschöpft und man mußte kapituliren.
Vortheilhafte Bedingungen wurden bereitwillig zugestanden, die Garnison
zog ab und die Schlüssel wurden unter den Acclamationen einer großen
Menge Bürger übergeben.[89]


Parlamentssession in Edinburg.

Doch die Regierung hatte im Parlamentshause viel erbittertere und
hartnäckigere Feinde als im Schlosse. Als die Stände nach ihrer
Vertagung wieder zusammentraten, wurden die Krone und das Scepter
Schottland's als Symbole des abwesenden Souverains mit gewohntem Pomp im
Saale ausgestellt. Hamilton ritt als Lord Obercommissar mit großem
Gepränge von Holyrood aus durch High Street, und Crawford nahm seinen
Sitz als Präsident ein. Zwei Edicte, von denen das eine die Convention
in ein Parlament verwandelte, das andre Wilhelm und Marien als König und
Königin anerkannte, wurden rasch angenommen und mit dem Scepter berührt,
und nun begann der Kampf der Parteien.[90]


Einfluß des Clubs.

Es zeigte sich bald, daß die von Montgomery organisirte Opposition
unüberwindlich stark war. Obgleich aus vielen heterogenen Elementen, aus
Republikanern, Whigs, Tories, eifrigen Presbyterianern und bigotten
Prälatisten zusammengesetzt, agirte sie eine Zeit lang wie ein Mann und
zog eine Menge jener unbedeutenden und kleinmüthigen Politiker an sich,
welche sich naturgemäß zu der stärkeren Partei hinneigen. Die Freunde
der Regierung waren gering an Zahl und nicht verbunden. Hamilton ging
nur mit halbem Herzen an die Erfüllung seiner Pflichten. Unbeständig war
er jederzeit gewesen; jetzt war er auch noch unzufrieden. Er bekleidete
zwar den höchsten Posten, den ein Unterthan erreichen konnte; aber er
bildete sich ein, daß er nur den Schein der Macht habe, während Andere
die wirkliche Macht besäßen, und es war ihm daher nicht unlieb, wenn er
Diejenigen, auf die er eifersüchtig war, belästigt und beunruhigt sah.
Er hinterging den Fürsten, den er repräsentirte, nicht geradezu, aber er
intriguirte zuweilen mit den Führern des Clubs und spielte Denen, die
ihm im Dienste der Krone zur Seite standen, mitunter arglistige
Streiche.

Seine Instructionen schrieben ihm vor, Gesetze zur Milderung oder
Beseitigung zahlreicher Mißstände und besonders einem die Macht des
Artikelausschusses beschränkenden und die Verfassung desselben
reformirenden Gesetze, sowie ferner einem das presbyterianische
Kirchenregiment einführenden Gesetze die königliche Genehmigung zu
ertheilen.[91] Doch es war gleichgültig, wie seine Instructionen
lauteten. Die Führer des Clubs legten es darauf an, eine Ursache zur
Uneinigkeit zu finden. Die Vorschläge der Regierung bezüglich der
Artikellords wurden verächtlich zurückgewiesen. Hamilton schrieb um neue
Instructionen nach London und bald wurde ihm ein zweiter Plan, welcher
dem einst despotischen Ausschusse nicht viel mehr als den Namen ließ,
zugeschickt. Aber auch dieser zweite Plan theilte das Schicksal des
ersten, obgleich er von der Art war, daß er vernünftige und gemäßigte
Reformers hätte befriedigen können. Unterdessen legten die Oberhäupter
des Clubs ein Gesetz vor, welches dem Könige verbot, jemals irgend
Jemanden in einem öffentlichen Amte anzustellen, der an irgend einer mit
der Rechtsforderung unverträglichen Maßregel Antheil gehabt oder irgend
einem guten Plan der Stände hindernd oder verzögernd entgegengetreten
sei. Dieses Gesetz, das in einem sehr kleinen Rahmen fast alle Fehler
vereinigte, die ein Gesetz nur haben kann, war, wie man sehr wohl wußte,
auf den neuen Lordpräsidenten des Court of Session und auf seinen Sohn,
den neuen Lord Advokaten, abgesehen. Ihr Glück und ihre Macht hatte
ihnen den Neid jedes in seinen Hoffnungen getäuschten Amtscandidaten
zugezogen. Daß sie Neulinge waren, die Ersten ihres Geschlechts, die
sich zur Auszeichnung emporgeschwungen, und daß sie dessenungeachtet
lediglich durch die Kraft der Befähigung eben so wichtige Personen im
Staate geworden waren wie der Herzog von Hamilton oder der Earl von
Argyle, war ein Gedanke, der vielen bedürftigen und stolzen Patriziern
das Herz zernagte. In den Augen der schottischen Whigs waren die
Dalrymple das was Halifax und Caermarthen in den Augen der englischen
Whigs waren. Weder die Verbannung Sir Jakob's, noch der Eifer, mit dem
Sir Johann die Revolution unterstützt hatte, wurden als eine Sühne für
alte Vergehen angenommen. Sie hatten Beide dem blutdürstigen und
götzendienerischen Hause gedient. Sie hatten Beide das Volk Gottes
unterdrückt. Ihre späte Reue konnte ihnen vielleicht einen billigen
Anspruch auf Verzeihung geben, gab ihnen aber gewiß kein Recht auf Ehren
und Belohnungen.

Die Freunde der Regierung versuchten es vergebens, die Aufmerksamkeit
des Parlaments von der Verfolgung der Familie Dalrymple auf die wichtige
und dringliche Frage der Kirchenverfassung zu lenken. Sie sagten, das
alte System sei abgeschafft, es sei noch kein andres System an dessen
Stelle gesetzt, man wisse nicht mehr, welches eigentlich die
Staatsreligion des Landes sei, und es sei die erste Pflicht der
Legislatur, einer Anarchie ein Ende zu machen, welche täglich Unheil und
Verbrechen hervorrufe. Die Führer des Clubs ließen sich damit nicht von
ihrem Ziele abbringen. Es wurde beantragt und beschlossen, daß die
Inbetrachtnahme der kirchlichen Angelegenheiten so lange aufgeschoben
werden solle, bis die weltlichen Angelegenheiten geordnet seien. Die
ungerechte und absurde Incapacitätsacte wurde mit vierundsiebzig gegen
vierundzwanzig Stimmen angenommen. Ein andrer noch augenscheinlicher auf
das Haus Stair abzielender Beschluß folgte unmittelbar darauf. Das
Parlament machte Anspruch auf ein Veto bei der Ernennung von Richtern
und maßte sich die Befugniß an, die Untersiegelung zu verhindern, mit
anderen Worten, die ganze Justizverwaltung zu suspendiren, bis dieser
Anspruch zugestanden wäre. Aus dem Verlaufe der Debatte ging klar
hervor, daß, wenn die Führer des Clubs auch mit dem Court of Session
begonnen hatten, sie nicht damit aufzuhören gedachten. Die von Sir
Patrick Hume und Anderen angeführten Argumente führten direct zu dem
Schlusse, daß dem Könige die Ernennung keines wichtigen Staatsbeamten
zustehen solle. Sir Patrick sprach in der That in Rede wie in Schrift
seine Meinung dahin aus, daß das ganze Ernennungsrecht im Reiche von der
Krone auf die Stände übertragen werden sollte. Wenn die Stelle des
Schatzmeisters, des Kanzlers, des Sekretärs erledigt sei, müsse das
Parlament Sr. Majestät einige Namen vorlegen, und Se. Majestät solle
verbunden sein von diesen Namen einen zu wählen.[92]

Während dieser ganzen Zeit verweigerten die Stände beharrlich jede
Geldbewilligung, bis ihre Acte mit dem Scepter berührt sein würden. Der
Lord Obercommissar ward endlich über ihre Verkehrtheit so aufgebracht,
daß er nach langem Temporisiren selbst solche Acte zu berühren
verweigerte, gegen die an sich nichts einzuwenden war, und welche zu
genehmigen ihn seine Instructionen ermächtigten. Dieser Stand der Dinge
würde mit einer großen Erschütterung geendigt haben, wenn der König von
Schottland nicht zugleich König eines viel größeren und reicheren Landes
gewesen wäre. Karl I. hatte nie irgend ein Parlament zu Westminster
unlenksamer gefunden, als Wilhelm während dieser Session das Parlament
zu Edinburg fand. Aber es lag nicht in der Macht des Parlaments von
Edinburg, einen solchen Zwang auf Wilhelm auszuüben, wie das Parlament
von Westminster ihn auf Karl ausgeübt hatte. Eine Verweigerung von
Geldern war zu Westminster eine ernsthafte Sache und ließ dem Souverain
keine andre Wahl als nachzugeben, oder durch verfassungswidrige Mittel
Geld zu erheben. In Edinburg brachte ihn eine derartige Verweigerung in
kein solches Dilemma. Die größte Summe, die er aus Schottland in einem
Jahre zu erhalten hoffen konnte, betrug weniger, als was er aus England
alle vierzehn Tage bezog. Er hatte sich daher nur in die Grenzen seiner
unbestreitbaren Prärogative einzuschließen und hier in der Defensive zu
verharren, bis eine günstige Conjunctur eintrat.[93]


Unruhen in Athol.

Während diese Dinge im Parlamentshause vorgingen, brach der Bürgerkrieg
in den Hochlanden, der einige Wochen unterbrochen gewesen war, heftiger
als zuvor wieder aus. Seit der Glanz des Hauses Argyle verblichen war,
konnte kein gälischer Häuptling an Macht sich mit dem Marquis von Athol
messen. Der Bezirk, von dem er seinen Titel herleitete und dessen
Souverain er fast genannt werden konnte, war an Flächenraum größer als
eine gewöhnliche Grafschaft, und war fruchtbarer, besser angebaut und
dichter bevölkert als der größere Theil der Hochlande. Die Männer, die
seinem Banner folgten, wurden für nicht minder zahlreich gehalten als
sämmtliche Macdonalds und Macleans zusammengenommen, und standen an
Kraft und Muth keinem Stamme im Gebirge nach. Aber der Clan war durch
die Unbedeutendheit des Häuptlings unbedeutend gemacht worden. Der
Marquis war der falscheste, unbeständigste, kleinmüthigste Mensch von
der Welt. In dem kurzen Zeitraum von sechs Monaten war er bereits
mehrere Male ein Jakobit und mehrere Male Wilhelmit gewesen. Sowohl
Jakobiten als Wilhelmiten betrachteten ihn mit Verachtung und Mißtrauen,
welche sie nur aus Respect vor seiner ungeheuren Macht nicht rückhaltlos
äußerten. Nachdem er zu wiederholten Malen beiden Parteien Treue gelobt
und zu wiederholten Malen Beide verrathen hatte, begann er zu überlegen,
daß er am besten für seine Sicherheit sorgen werde, wenn er sowohl die
Functionen eines Peers, als die eines Häuptlings niederlegte, wenn er
sich sowohl von dem Parlamentshause zu Edinburg, als von seinem Schlosse
im Gebirge fern hielte, und wenn er das Land verließe an das er gerade
bei dem Wendepunkte seines Geschickes durch alle Bande der Pflicht und
der Ehre gekettet war. Während ganz Schottland mit Ungeduld und
ängstlicher Spannung zu sehen erwartete, in welches Heer seine
zahlreichen Anhänger eintreten würden, schlich er sich fort nach
England, nahm seinen Aufenthalt in Bath und gab vor die dortige Kur zu
brauchen.[94] Sein Fürstenthum, somit ohne Oberhaupt, war gegen sich
selbst gespalten. Die Leute von Athol waren im allgemeinen König Jakob
zugethan. Denn er hatte sich ihrer noch vor vier Jahren als Diener
seiner Rache gegen das Haus Argyle bedient. Sie hatten Inverary besetzt;
sie hatten Lorn verwüstet; sie hatten Häuser demolirt, Obstbäume
umgehauen, Fischerböte verbrannt, Mühlsteine zerschlagen, Campbells
aufgehängt, und es war daher nicht zu erwarten, daß sie sich über die
Aussicht auf Mac Callum More's Restauration freuen würden. Ein Wort von
dem Marquis würde zweitausend Claymores ins jakobitische Lager gesendet
haben. Dieses Wort aber wollte er nicht aussprechen, und in Folge dessen
war die Haltung seiner Anhänger ebenso unentschlossen und inconsequent
wie seine eigene.

Während sie auf eine Andeutung seiner Wünsche warteten, wurden sie
gleichzeitig von zwei Führern zu den Waffen gerufen, von denen jeder mit
einem Schein von Grund darauf Anspruch machen konnte, als Repräsentant
des abwesenden Häuptlings betrachtet zu werden. Lord Murray, des Marquis
ältester Sohn, der mit einer Tochter des Herzogs von Hamilton vermählt
war, erklärte sich für König Wilhelm. Stewart von Ballenach, der
vertraute Agent des Marquis, erklärte sich für König Jakob. Das Volk
wußte nicht, welcher Aufforderung es folgen sollte. Der, dessen
Autorität die höchste Achtung gezollt worden sein würde, hatte beiden
Parteien sein Wort verpfändet, und war dann aus Furcht sich einer von
beiden anschließen zu müssen davongelaufen; auch war es nicht leicht zu
sagen, ob der Platz, den er leer gelassen, seinem Haushofmeister oder
seinem muthmaßlichen Erben gebührte.

Der wichtigste militärische Posten in Athol war Blair Castle. Das Haus,
welches gegenwärtig diesen Namen führt, unterscheidet sich durch nichts
Auffallendes von anderen Landsitzen der Aristokratie. Das alte Gebäude
war ein hoher Thurm von roher Bauart, der ein vom Garry bewässertes Thal
beherrschte. Die Mauern würden einer Geschützbatterie nicht lange
widerstanden haben, waren aber vollkommen stark genug, um die Hirten der
Grampians in Schach zu halten. Ungefähr fünf Meilen südlich von dieser
Veste verengerte sich das Thal des Garry zu der berühmten Schlucht von
Killiecrankie. Gegenwärtig führt eine Heerstraße so eben wie irgend eine
Straße in Middlesex in sanfter Steigung aus dem Niederlande zu dem
Gipfel des Gebirgspasses hinauf. Weiße Villas blicken durch den
Birkenwald, und an einem schönen Sommertage giebt es kaum eine Krümmung
des Passes, wo man nicht einen Angler, der seine Fliege in den Schaum
des Flusses wirft, einen Künstler, der eine Felsenspitze zeichnet, oder
eine auf einer Landpartie begriffene Gesellschaft sähe, die auf dem
Rasen in Schatten und Sonnenschein schmauset. Zu den Zeiten Wilhelm's
III. aber wurde Killiecrankie von den friedlichen und betriebsamen
Bewohnern des Niederlands von Perthshire nur mit Schaudern genannt. Sie
galt für die gefährlichste der finsteren Schluchten, durch welche die
Räuber aus dem Gebirge hervorzustürzen pflegten. Das für moderne Ohren
so wohlklingende Rauschen des an den bemoosten Felsen und über die
glatten Kiesel dahin strömenden Flusses, die des Pinsel's eines Wilson
würdigen dunklen Fels- und Laubmassen, die phantastischen Bergspitzen,
bei Sonnenauf- und Untergang in ein Meer von Licht gebadet, wie es auf
Claude's Bildern glüht, erweckten in unseren Vorfahren nur Gedanken von
mörderischen Hinterhalten und von ausgeplünderten, verstümmelten und den
Raubvögeln preisgegebenen Leichnamen. Der einzige Pfad war schmal und
rauh; nur mit Mühe konnte ein Pferd hinaufgeführt werden; zwei Menschen
konnten kaum neben einander gehen, und an einigen Stellen lief der Weg
so dicht am Abhange hin, daß der Reisende eines sicheren Auges und Fußes
dringend bedurfte. Viele Jahre später erbaute der erste Herzog von Athol
eine Straße, die eben gut genug war, damit er sie mit seinem Wagen
befahren konnte. Aber selbst diese Straße war so steil und so schmal,
daß eine Handvoll entschlossener Männer sie gegen eine Armee hätte
vertheidigen können.[95] Kein Sachse betrachtete denn auch einen Besuch
in Killiecrankie als ein Vergnügen, bis die Erfahrung die englische
Regierung gelehrt hatte, daß die Spitzhacke und der Spaten diejenigen
Waffen waren, durch welche die Hochländer am wirksamsten unterworfen
werden konnten.


Der Krieg bricht in den Hochlanden wieder aus.

Die Gegend, welche gerade über diesem Passe lag, war jetzt der
Schauplatz eines Krieges, wie ihn die Hochlande nicht häufig gesehen
hatten. Männer, die den nämlichen Tartan trugen und dem nämlichen Herrn
unterthan waren, standen einander gegenüber. Der Name des abwesenden
Häuptlings wurde, mit einem Anschein von Grund, auf beiden Seiten
gebraucht. Ballenach hielt an der Spitze einer Anzahl Vasallen, die ihn
als den Vertreter des Marquis betrachteten, Blair Castle besetzt. Murray
erschien mit zwölfhundert Mann vor den Mauern und verlangte, in das
Schloß seiner Familie, das Schloß, das dereinst sein Eigen werden
sollte, eingelassen zu werden. Die Besatzung weigerte sich die Thore zu
öffnen. Die Belagerer sandten Boten nach Edinburg, die Belagerten nach
Lochaber.[96] An beiden Orten rief die Nachricht große Aufregung hervor.
Mackay und Dundee waren beide der Ansicht, daß die Krisis rasches und
kräftiges Einschreiten erfordere. Von dem Schicksal von Blair Castle
hing wahrscheinlich das Schicksal von ganz Athol ab, und von dem
Schicksal Athol's konnte das Schicksal Schottland's abhängen. Mackay
eilte nach dem Norden und befahl seinen Truppen, sich in dem Niederlande
von Perthshire zu sammeln. Einige von ihnen lagen an so entfernten
Orten, daß sie nicht zeitig genug anlangten. Er hatte jedoch bald die
drei schottischen Regimenter bei sich, welche in Holland gedient hatten
und die Namen ihrer Obersten, Mackay's selbst, Balfour's und Ramsay's,
führten. Auch ein tapferes Infanterieregiment aus England war da,
welches damals das Regiment Hastings hieß, aber jetzt als das dreizehnte
der Linie bekannt ist. Zu diesen alten Truppen kamen dann noch zwei im
Niederlande neu angeworbene Regimenter. Das eine davon wurde von Lord
Kenmore, das andre, das im Grenzlande ausgehoben worden und das noch
jetzt des Königs Leibgrenzer genannt wird, von Lord Leven befehligt.
Zwei Reitertrupps, commandirt von Lord Annandale und Lord Belhaven,
brachten die Armee wahrscheinlich auf die Zahl von über dreitausend
Mann. Belhaven ritt an der Spitze seines Trupps; aber Annandale, der
factiöseste von allen Anhängern Montgomery's, zog den Club und das
Parlamentshaus dem Felde vor.[97]

Dundee hatte mittlerweile alle Clans, die seine Ernennung anerkannten,
aufgefordert, sich zu einer Expedition nach Athol zu versammeln. Seine
Bemühungen wurden von Lochiel kräftig unterstützt. Die Feuerkreuze
wurden wieder in aller Eile durch Appin und Ardnamurchan, nach Glenmore
hinauf und den Levensee entlang ausgesandt. Aber der Aufruf kam so
unerwartet und die verstattete Frist war so kurz, daß das Aufgebot kein
ganz vollständiges war. Die ganze Streitmacht scheint nicht dreitausend
Mann stark gewesen zu sein. Mit diesem Corps rückte Dundee aus. Auf
seinem Marsche zog er Verstärkungen an sich, die eben aus Ulster
angekommen waren. Sie bestanden aus wenig mehr als dreihundert schlecht
bewaffneten, schlecht gekleideten und schlecht disciplinirten irischen
Fußsoldaten. Ihr Anführer war ein Offizier, Namens Cannon, der in den
Niederlanden gedient hatte und der vielleicht auf einem untergeordneten
Posten und in einer regulären Armee an seinem Platze gewesen sein würde,
aber der ihm jetzt übertragenen Rolle durchaus nicht gewachsen war.[98]
Er hatte sich bereits so lange zwischen den Hebriden aufgehalten, daß
einige mit ihm zugleich abgeschickte und mit Vorräthen befrachtete
Schiffe von englischen Kreuzern genommen worden waren. Er und seine
Soldaten waren mit Mühe dem nämlichen Schicksale entgangen. Trotz dieses
Mangels an Befähigung bekleidete er eine Stelle, die ihm in Schottland
den höchsten militärischen Rang nächst Dundee einräumte.

Die Enttäuschung war bitter. Jakob hätte in der That besser gethan, wenn
er den Hochländern allen Beistand verweigert hätte, anstatt daß er sie
gleichsam zum Besten hatte, indem er ihnen an Stelle der erbetenen und
erwarteten wohlorganisirten Armee ein an Zahl und Aussehen
verachtungswerthes Gesindel schickte. Es war nun klar, daß alles was für
ihn in Schottland geschah, durch schottische Hände geschehen mußte.[99]

Während Mackay von der einen und Dundee von der andren Seite gegen Blair
Castle vorrückte, hatten wichtige Ereignisse daselbst stattgefunden.
Murray's Anhänger fingen bald an, in ihrer Treue für ihn zu wanken. Sie
sahen eine große Zahl ihrer Stammesgenossen, unter der Anführung eines
Gentleman, von dem man vermuthete, daß er das Vertrauen des Marquis
besitze, sich gegenübergestellt. Die Belagerungsarmee schmolz daher
rasch zusammen. Viele kehrten unter dem Vorgeben heim, daß sie ihre
Familien und ihr Vieh in Sicherheit bringen müßten, da die Nachbarschaft
auf dem Punkte stehe, der Schauplatz eines Kriegs zu werden. Andere
erklärten freimüthiger, daß sie in einem solchen Kampfe nicht fechten
mochten. Eine starke Truppe ging an einen Bach, füllte die Mützen mit
Wasser, trank auf die Gesundheit König Jakob's und zerstreute sich
dann.[100]

Ihr Eifer für König Jakob bewog sie jedoch nicht, sich der Fahne seines
Generals anzuschließen. Sie legten sich unter den Felsen und Dickichten
längs des Garry auf die Lauer, in der Hoffnung, daß es bald eine
Schlacht geben werde und daß, welchen Ausgang dieselbe auch nehmen
möchte, Flüchtlinge und Leichname zu plündern sein würden.

Murray war in arger Bedrängniß. Seine Streitmacht war auf einige hundert
Mann geschmolzen, selbst diesen Leuten konnte er nicht recht trauen, und
die Macdonalds und Camerons rückten rasch vor. Er hob daher die
Belagerung von Blair Castle auf und zog sich mit wenigen Anhängern in
den Engpaß von Killiecrankie zurück. Hier stieß bald eine Abtheilung von
zweihundert Füselieren zu ihm, welche Mackay vorausgeschickt hatte, um
den Paß zu besetzen. Das Hauptcorps der Armee vom Niederlande folgte
bald nach.[101]

Am frühen Morgen des 27. Juli, einem Sonnabend, kam Dundee bei Blair
Castle an. Hier erfuhr er, daß Mackay's Truppen bereits in der Schlucht
von Killiecrankie waren. Man mußte rasch zu einem Entschluß kommen. Es
wurde Kriegsrath gehalten. Die sächsischen Offiziere waren allgemein
dagegen eine Schlacht zu wagen; die celtischen Häuptlinge aber waren
andrer Meinung. Glengarry und Lochiel waren jetzt beide eines Sinnes.
»Schlagen Sie los, Mylord,« sagte Lochiel mit seiner gewohnten Energie;
»schlagen Sie unverzüglich los, wenn Sie auch nur Einer gegen Drei sind.
Unsere Leute sind guten Muthes, sie fürchten weiter nichts, als daß der
Feind entkommen möchte. Lassen Sie ihnen ihren Willen und sein Sie
versichert, daß sie entweder umkommen, oder einen vollständigen Sieg
erfechten werden. Wenn Sie sie aber zurückhalten, wenn Sie sie nöthigen
in der Defensive zu verharren, so stehe ich für nichts. Wenn wir nicht
kämpfen, so thäten wir besser, wir brächen auf und zögen uns in unsere
Berge zurück.[102]«

Dundee's Züge heiterten sich auf. »Sie hören es, Gentlemen,« sagte er zu
seinen Offizieren; »Sie hören die Meinung eines Mannes, der den
hochländischen Krieg besser versteht als irgend Einer von uns.« Keine
Stimme erhob sich dagegen. Es wurde beschlossen zu kämpfen, und die
verbündeten Clans rückten guten Muthes vorwärts dem Feinde entgegen.

Der Feind hatte inzwischen den Engpaß erstiegen. Der Marsch bergauf war
langwierig und mühsam gewesen; denn selbst die Fußsoldaten konnten nur
zwei bis drei Mann hoch marschiren und die Bagagepferde, zwölfhundert an
Zahl, mußten einzeln hintereinander gehen. Kein Wagen war jemals diesen
steilen Pfad hinaufgezogen worden. Die Spitze der Colonne war bereits
oben angelangt und befand sich auf dem Plateau, während die Nachhut noch
in der Ebene war. Endlich war der Uebergang bewerkstelligt, und die
Truppen befanden sich in einem Thale von nicht bedeutender Ausdehnung.
Ermüdet von der Anstrengung des Morgens warfen sie sich ins Gras, um
einige Ruhe und Erfrischung zu genießen.

Früh am Nachmittag wurden sie durch den Alarmruf aufgeschreckt, daß die
Hochländer sich näherten. Ein Regiment nach dem andren stand auf und
ordnete sich. In einer kleinen Weile war der Gipfel einer Anhöhe, die
etwa einen Büchsenschuß vor ihnen lag, mit schottischen Mützen und
Plaids bedeckt. Dundee ritt in der Absicht vor, die Stärke der
Streitmacht, mit der er es zu thun haben sollte, zu recognosciren, und
stellte dann seine Leute mit so viel Geschick auf, als ihr
eigenthümlicher Charakter ihm zu bethätigen gestattete. Es war
wünschenswerth, die Clans getrennt zu halten. Jeder Stamm, ob groß oder
klein, bildete eine Colonne, welche von der nächsten durch einen weiten
Zwischenraum geschieden war. Das eine dieser Bataillone mochte
siebenhundert Mann stark sein, während ein andres bloß aus
hundertzwanzig Mann bestand. Lochiel hatte vorgestellt, daß es unmöglich
sei, Männer von verschiedenen Stämmen zu vermischen, ohne Alles zu
zerstören, was die eigenthümliche Stärke eines Hochlandsheeres
bilde.[103]

Auf der rechten Flanke, dicht am Garry standen die Macleans. Ihnen
zunächst Cannon mit seinem irischen Fußvolke. Dann kamen die Macdonalds
von Clanronald, von dem Vormunde ihres jungen Fürsten befehligt. Auf der
Linken standen andere Schaaren von Macdonalds. An der Spitze eines
starken Bataillons erhob sich die stattliche Figur Glengarry's, der die
königliche Standarte König Jakob's VII. trug.[104] Noch weiter links
stand die Reiterei, eine kleine Schwadron, bestehend aus einigen
jakobitischen Gentlemen, die aus dem Niederlande ins Gebirge geflüchtet
waren, und aus etwa vierzig von Dundee's alten Reitern. Jenseit
derselben kam Lochiel mit seinen Camerons, und die äußerste Linke
bildeten die Männer von Sky unter Anführung Macdonald's von Sleat.[105]

In den Hochlanden wie in allen Ländern, wo der Krieg nicht zu einer
Wissenschaft geworden ist, hielt man es für die wichtigste Pflicht eines
Befehlshabers, das Beispiel persönlichen Muthes und körperlicher
Anstrengung zu geben. Lochiel war besonders berühmt wegen seiner
physischen Tapferkeit. Seine Clansleute erzählten mit Stolz, wie er
feindliche Reihen selbst durchbrochen und riesenhafte Krieger
niedergehauen habe. Er verdankte diesen Thaten vielleicht einen eben so
großen Theil seines Einflusses wie den ausgezeichneten Eigenschaften,
die ihn, hätte das Schicksal ihn in das englische Parlament oder an den
französischen Hof versetzt, zu einem der hervorragendsten Männer seines
Jahrhunderts gemacht haben würden. Er war jedoch verständig genug, um
einzusehen, wie irrig die Meinung war, welche seine Landsleute gefaßt
hatten. Er wußte, daß es nicht das Amt eines Generals war, Schläge
auszutheilen und zu empfangen. Er wußte, wie schwer es Dundee geworden
war, nur wenige Tage ein aus verschiedenen Clans bestehendes Heer
zusammenzuhalten, und er wußte, daß das was einem Dundee Mühe gekostet
hatte, einem Cameron geradezu unmöglich sein würde. Ein Leben, von dem
so viel abhing, durfte nicht einem barbarischen Vorurtheile geopfert
werden. Lochiel beschwor daher Dundee, sich nicht unnöthiger Gefahr
auszusetzen. »Ew. Lordschaft Amt ist es,« sagte er, »Alles zu
beaufsichtigen und Ihre Befehle zu ertheilen, und an uns ist es, diese
Befehle auszuführen.« Dundee erwiederte mit ruhiger Hochherzigkeit, daß
in den Worten seines Freundes Sir Ewan viel Wahres liege, daß aber kein
General etwas Großes vollbringen könne, ohne das Vertrauen seiner Leute
zu besitzen. »Ich muß mir den Ruf der persönlichen Tapferkeit erwerben.
Ihre Leute erwarten ihre Anführer im dichtesten Kampfgewühl zu sehen,
und heute sollen sie mich da sehen. Ich verspreche Ihnen jedoch bei
meiner Ehre, daß ich in künftigen Gefechten mich mehr schonen werde.«

Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer unterhalten,
von den regulären Soldaten aber geschickter und nachhaltiger als von den
Gebirgsleuten. Der Raum zwischen den beiden Heeren war eine einzige
Rauchwolke. Nicht wenige Hochländer fielen, und die Clans wurden
ungeduldig. Die Sonne stand jedoch schon tief im Westen, als Dundee
endlich den Befehl gab, sich kampffertig zu machen. Seine Leute erhoben
ein großes Jubelgeschrei. Der Feind, wahrscheinlich erschöpft durch die
Anstrengungen des Tages, antwortete mit einem nur schwachen und
vereinzelten Hurrah. »Jetzt frisch ans Werk!« sagte Lochiel. »Das ist
nicht der Ruf von Männern, die zum Siege gehen.« Er war durch alle seine
Reihen gegangen, hatte an jeden Cameron einige Worte gerichtet, und
jedem das Versprechen abgenommen, zu siegen oder zu sterben.[106]

Es war sieben Uhr vorüber. Dundee gab das Losungswort. Die Hochländer
ließen ihre Plaids fallen. Die Wenigen, die so luxuriös waren, rohe
Socken von ungegerbter Haut zu tragen, warfen sie weg. Man erinnerte
sich noch lange in Lochaber, daß Lochiel seine Schuhe, wahrscheinlich
das einzige Paar in seinem Clan, auszog und barfuß an der Spitze seiner
Leute kämpfte. Die ganze Linie rückte feuergebend vor. Der Feind
erwiederte das Feuer mit guter Wirkung. Als nur noch ein kleiner Raum
zwischen den beiden Heeren war, warfen die Hochländer plötzlich ihre
Gewehre weg, zogen ihre Breitschwerter und stürzten mit einem
furchtbaren Geschrei vorwärts. Die Niederländer machten sich bereit, den
Angriff zurückzuweisen; doch dies war damals eine langwierige und
schwerfällige Procedur, und die Soldaten hanthierten noch an den
Mündungen ihrer Gewehre und an den Griffen ihrer Bajonette herum, als
der ganze Strom der Macleans, Macdonalds und Camerons auf sie anstürmte.
In zwei Minuten war die Schlacht verloren und gewonnen. Die Reihen von
Balfour's Regiment öffneten sich. Er wurde niedergehauen, während er im
Gedränge kämpfte. Ramsay's Leute machten kehrt und warfen die Waffen
weg. Mackay's eignes Fußvolk wurde durch den wüthenden Angriff der
Camerons auseinandergesprengt. Sein Bruder und sein Neffe bemühten sich
vergebens, die Leute zu sammeln. Ersterer wurde durch einen Hieb mit
einem Claymore todt zu Boden gestreckt. Der Andre arbeitete sich, mit
acht Wunden bedeckt, durch das Getümmel und Blutvergießen bis an die
Seite seines Oheims. Selbst in dieser äußersten Bedrängniß behielt
Mackay seine ganze Geistesgegenwart. Er hatte noch eine Hoffnung. Ein
Reiterangriff konnte das Kriegsglück wenden, denn vor Reitern fürchteten
sich, wie man glaubte, selbst die tapfersten Hochländer. Doch er rief
umsonst nach den Reitern. Belhaven benahm sich zwar als ein tapferer
Gentleman; aber seine Reiter, über die Niederlage des Fußvolks
erschrocken, sprengten in Verwirrung davon; Annandale's Leute folgten;
Alles war vorüber und der wirre Strom von Rothröcken und Tartans wälzte
sich das Thal hinunter in die Schlucht von Killiecrankie.

Mackay, von einem treuen Diener begleitet, sprengte muthig durch das
dichteste Gewühl der Claymores und Tartschen und erreichte einen Punkt,
von wo er einen Ueberblick über das Schlachtfeld hatte. Seine ganze
Armee war verschwunden, mit Ausnahme einiger Grenzer, welche Leven
zusammengehalten hatte, und des Regiments Hastings, das ein mörderisches
Feuer in die celtischen Reihen gesandt hatte und das noch in
ungebrochener Ordnung Stand hielt. Die Leute welche gesammelt werden
konnten, beliefen sich auf nur wenige Hunderte. Der General beeilte
sich, sie über den Garry zu führen, und nachdem er diesen Fluß zwischen
sie und den Feind gebracht hatte, machte er einen Augenblick Halt, um
über seine Lage nachzudenken.

Er konnte kaum begreifen, wie die Sieger so unklug sein konnten, ihm
auch nur diesen Augenblick zur Ueberlegung zu lassen. Sie hätten mit
Leichtigkeit seine ganze Mannschaft niederhauen oder gefangen nehmen
können, bevor die Nacht einbrach. Aber die Energie der celtischen
Krieger hatte sich in einem wüthenden Angriff und einem kurzen Kampfe
erschöpft. Der Engpaß war von den zwölfhundert Lastthieren, welche die
Lebensmittel und das Gepäck der besiegten Armee trugen, verstopft. Eine
solche Beute war eine unwiderstehliche Versuchung für Leute, die
ebensowohl durch das Verlangen nach Raub, wie durch das Verlangen nach
Ruhm zum Kriege getrieben wurden. Es ist wahrscheinlich, daß sogar
wenige Häuptlinge geneigt waren um König Jakob's willen eine so reiche
Beute im Stich zu lassen. Dundee selbst würde in diesem Augenblicke
nicht im Stande gewesen sein, seine Anhänger dazu zu bewegen, daß sie
von den Beutehaufen abließen und das große Werk des Tages vollendeten,
und Dundee war nicht mehr.


Dundee's Tod.

Beim Beginn des Gefechts hatte er seinen Platz vor der Fronte seiner
kleinen Reiterschaar genommen. Er befahl ihr ihm zu folgen und ritt
vorwärts. Doch es schien beschlossen zu sein, daß an diesem Tage die
Schotten des Niederlandes in beiden Armeen sich in nachtheiligem Lichte
zeigen sollten. Die Reiter zögerten. Dundee wendete sich um, erhob sich
in den Steigbügeln und forderte sie seinen Hut schwenkend auf,
herbeizukommen. Als er seinen Arm erhob, lüftete sich sein Harnisch und
entblößte den unteren Theil seiner linken Seite. Eine Musketenkugel traf
ihn, sein Pferd sprang vorwärts und stürzte sich in eine Wolke von Rauch
und Staub, welche beiden Armeen den Fall des siegreichen Generals
verbarg. Ein Mann, Namens Johnstone, war in seiner Nähe und fing ihn
auf, als er aus dem Sattel herabsank. »Wie steht die Schlacht?« fragte
Dundee. »Gut für König Jakob,« antwortete Johnstone, »aber ich bin
besorgt um Ew. Lordschaft.« -- »Wenn die Schlacht gut für ihn steht,«
erwiederte der Sterbende, »so ist an mir um so weniger gelegen.« Dies
waren seine letzten Worte; als aber eine halbe Stunde darauf Lord
Dunfermline und einige andere Freunde zur Stelle kamen, glaubten sie
noch einige schwache Lebenszeichen zu erkennen. Der in zwei Plaids
gehüllte Leichnam wurde nach Blair Castle gebracht.[107]


Mackay's Rückzug.

Mackay, der von Dundee's Schicksal nichts wußte, wohl aber Dundee's
Geschicklichkeit und Thätigkeit kannte, erwartete augenblicklich und
heftig verfolgt zu werden, und machte sich wenig Hoffnung, auch nur die
spärlichen Ueberreste der besiegten Armee retten zu können. Durch den
Engpaß konnte er sich nicht zurückziehen, denn die Hochländer waren
bereits dort. Er beschloß daher, über die Berge in das Thal des Tay
vorzudringen. Er holte bald einige Hundert seiner Ausreißer ein, welche
dieselbe Richtung eingeschlagen hatten. Die meisten von ihnen gehörten
zu Ramsay's Regiment und mußten gediente Soldaten sein. Aber sie waren
ohne Waffen, durch die erlittene Niederlage demoralisirt, und der
General konnte bei ihnen keinen Ueberrest von militärischer Disciplin
ober kriegerischem Muthe entdecken. Seine Lage war von der Art, daß sie
auch den Stärksten auf eine harte Probe stellen mußte. Die Nacht war
hereingebrochen; er befand sich ohne Führer in einer Wüste; ein
siegreicher Feind war ihm aller Wahrscheinlichkeit nach auf den Fersen,
und er hatte für die Sicherheit eines Haufens von Menschen zu sorgen,
welche Kopf und Herz verloren hatten. Er hatte eben die schmerzlichste
und demüthigendste Niederlage erlitten. Seine Privatgefühle waren nicht
weniger tief verwundet worden als seine Berufsgefühle. Ein theurer
Verwandter war eben vor seinen Augen todt niedergestreckt worden. Ein
andrer bewegte sich, aus vielen Wunden blutend, nur noch schwach neben
ihm. Doch der Muth des unglücklichen Generals wurde durch einen festen
Glauben an Gott und durch ein hohes Pflichtgefühl für den Staat
aufrechterhalten. Bei all' seinem Elend und Mißgeschick trug er das
Haupt noch stolz erhoben und fand Muth nicht allein für sich, sondern
für Alle die ihn umgaben. Seine erste Sorge war, des Weges gewiß zu
sein. Ein einsames Licht, das durch die Dunkelheit schimmerte, führte
ihn zu einer kleinen Hütte. Die Bewohner sprachen nur gälisch, und waren
anfangs durch das Erscheinen von Uniformen und Waffen geängstigt. Doch
Mackay's Leutseligkeit zerstreute ihre Besorgniß. Ihre Sprache war ihm
in der Jugend geläufig gewesen, und er hatte genug davon behalten, um
sich mit ihnen verständigen zu können. Nach ihren Anweisungen und mit
Hülfe einer Taschenkarte, auf welcher die Straßen jenes wilden Landes
oberflächlich angegeben waren, gelang es ihm sich zurecht zu finden. Er
marschirte die ganze Nacht. Als der Tag anbrach, war seine Aufgabe
schwieriger als je. Hasting's und Leven's Leute benahmen sich zwar noch
wie Soldaten. Aber die Ramsay'schen Ausreißer waren ein bloßer
Pöbelhaufen. Sie hatten ihre Musketen weggeworfen, und die
Breitschwerter, vor denen sie geflohen waren, blitzten beständig vor
ihren Augen. Jeder neue Gegenstand jagte ihnen einen neuen Schrecken
ein. Ein Häuflein Hirten in Plaids, welche ihr Vieh trieben, wurde durch
die Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrößert.
Einige der Ausreißer verließen das Hauptcorps und entflohen ins Gebirge,
wo ihre Feigheit die verdiente Strafe fand. Sie wurden um ihrer Röcke
und Schuhe willen erschlagen, und ihre nackten Leichname den Adlern von
Ben Lawers preisgegeben. Die Desertion würde noch viel ärger gewesen
sein, hätten nicht Mackay und seine Offiziere mit dem Pistol in der Hand
jeden Mann niederzuschießen gedroht, den sie bei dem Versuche sich
fortzustehlen betreffen würden.

Endlich kamen die ermüdeten Flüchtlinge vor Weems Castle an. Der
Besitzer des Schlosses war ein Freund der neuen Regierung und er erwies
ihnen soviel Gastfreundschaft als in seinen Kräften stand. Sein Vorrath
von Hafermehl wurde herbeigebracht, es wurden einige Rinder geschlachtet
und den zahlreichen Gästen eine eilig zubereitete kunstlose Mahlzeit
vorgesetzt. So gestärkt brachen sie wieder auf und marschirten den
ganzen Tag über Sumpf, Moor und Berg. So dünn bevölkert die Gegend auch
war, konnten sie doch deutlich sehen, daß die Nachricht von ihrem
Mißgeschick sich schon weit verbreitet hatte und daß die Bevölkerung
allenthalben in großer Aufregung war. Spät in der Nacht erreichten sie
das Schloß Drummond, das durch eine kleine Besatzung für König Wilhelm
vertheidigt wurde, und am folgenden Tage marschirten sie unter
geringeren Beschwerden weiter nach Stirling.[108]


Eindruck der Schlacht von Killiecrankie.

Das Gerücht von ihrer Niederlage war ihnen vorausgeeilt. Ganz Schottland
war in Gährung. Der Schlag war allerdings hart, aber er wurde durch die
hochfliegenden Hoffnungen der einen und durch die maßlosen Befürchtungen
der andren Partei übertrieben. Man glaubte anfangs, daß die ganze Armee
König Wilhelm's umgekommen, daß Mackay selbst gefallen, daß Dundee an
der Spitze eines siegberauschten und beutegierigen zahlreichen
Barbarenheeres bereits vom Gebirge herabgekommen, daß er Herr des ganzen
Landes jenseits des Forth, daß Fife aufgestanden sei, um sich ihm
anzuschließen, daß er in drei Tagen in Stirling und in acht Tagen in
Holyrood sein werde. Es wurden Booten ausgesandt, um ein in
Northumberland liegendes Regiment aufzufordern, eiligst über die Grenze
zu rücken. Andere Boten brachten das dringende Gesuch an Seine Majestät
nach London, sofort alle entbehrlichen Soldaten zu schicken und am
liebsten selbst mitzukommen, um sein nordisches Reich zu retten.


Vertagung des schottischen Parlaments.

Die Factionen im Parlamentshause vergaßen in ihrem Schrecken über die
gemeinsame Gefahr allen Streit. Die Anhänger des Hofes wie die
Mißvergnügten beschworen einstimmig den Lordstatthalter, die Session zu
schließen und sie von einem Orte zu entlassen, wo ihre Berathungen bald
durch die Gebirgsbewohner unterbrochen werden könnten. Es wurde
ernstlich in Erwägung gezogen, ob es nicht rathsam sei, Edinburg
aufzugeben, die im Schlosse und im Tolbooth befindlichen zahlreichen
Staatsgefangenen auf ein vor Leith liegendes Kriegsschiff zu bringen und
den Sitz der Regierung nach Glasgow zu verlegen.

Der Nachricht von Dundee's Sieg folgte aller Orten sehr bald die
Nachricht von seinem Tode, und es ist ein schlagender Beweis für den
Umfang und das Maß seiner Fähigkeiten, daß sein Tod überall als ein
Ereigniß betrachtet wurde, das seinen Sieg vollständig aufwog. Ehe
Hamilton die Stände vertagte, theilte er ihnen mit, daß er gute
Nachrichten für sie habe, daß Dundee wirklich todt sei und daß daher die
Rebellen im Grunde eine Niederlage erlitten hätten. In verschiedenen
Briefen, welche damals von einsichtsvollen und erfahrenen Staatsmännern
geschrieben wurden, spricht sich eine gleiche Ansicht aus. Dem Boten,
der mit der Nachricht von der Schlacht an den englischen Hof eilte,
folgte ein andrer auf dem Fuße, der eine Depesche für den König brachte
und, da er Se. Majestät im St. Jamespalaste nicht anwesend fand, nach
Hampton Court sprengte. Niemand in der Hauptstadt wagte es das Siegel zu
erbrechen; glücklicherweise aber hatte eine befreundete Hand, nachdem
der Brief verschlossen war, auf die Außenseite desselben die tröstenden
Worte geschrieben: »Dundee ist gefallen, Mackay ist in Stirling
angelangt,« und diese Worte beruhigten die Gemüther der Londoner.[109]

Aus dem Engpasse von Killiecrankie hatten sich die Hochländer, stolz auf
ihren Sieg und mit Beute beladen, nach dem Schlosse Blair zurückgezogen.
Sie rühmten sich, daß das Schlachtfeld mit Haufen gefallener sächsischer
Soldaten bedeckt sei, und daß das Aussehen der Leichname deutlich
beweise, was ein gutes gälisches Breitschwert in einer guten gälischen
Hand auszurichten vermöge. Man habe Köpfe gefunden, welche bis an den
Hals gespalten, und Hirnschädel, welche dicht über den Ohren glatt
abgehauen gewesen seien. Indessen hatten auch die Sieger ihren Sieg
theuer erkauft. Auf ihrem Marsche waren sie durch das Feuer des Feindes
sehr beunruhigt worden, und selbst nach dem entscheidenden Angriffe
hatten Hastings' Engländer und ein Theil von Leven's Grenzern noch immer
ein wohlgenährtes Feuer unterhalten. Hundertzwanzig Camerons waren
getödtet worden; der Verlust der Macdonalds war noch bedeutender und
mehrere vornehme und angesehene Gentlemen waren geblieben.[110]

Dundee ward in der Kirche von Blair Athol beigesetzt, aber kein Denkmal
über seiner Gruft errichtet, und die Kirche selbst existirt schon lange
nicht mehr. Ein roher Stein auf dem Schlachtfelde bezeichnet, wenn
anders man der lokalen Ueberlieferung glauben darf, die Stelle wo er
fiel.[111] In den letzten drei Monaten seines Lebens hatte er sich als
ein großer Feldherr und Staatsmann gezeigt, und sein Name wird daher von
der zahlreichen Klasse von Leuten, welche der Ansicht sind, daß es kein
auch noch so großes Maß von Schlechtigkeit giebt, welches durch Muth und
Talent nicht aufgewogen werden könnte, mit Achtung genannt.

Es ist merkwürdig, daß die beiden bedeutendsten Schlachten, welche
vielleicht jemals irreguläre Truppen über reguläre gewannen: die
Schlacht von Killiecrankie und die Schlacht von Newton Butler, in einer
und der nämlichen Woche stattfanden. In beiden Schlachten war der Sieg
der irregulären Truppen ungemein rasch und vollständig. In beiden
Schlachten war der panische Schrecken der regulären Truppen, trotz des
glänzenden Beispiels von Muth, das ihre Generäle gaben, ganz besonders
schimpflich. Auch ist zu bemerken, daß der eine dieser beiden
außerordentlichen Siege von Celten über Sachsen, der andre von Sachsen
über Celten erfochten wurde. Allerdings ist der Sieg von Killiecrankie,
obgleich er weder glänzender noch wichtiger war als der von Newton
Butler, in viel weiteren Kreisen berühmt, und der Grund davon liegt auf
der Hand. In Schottland sind die Angelsachsen und die Celten ausgesöhnt
worden, in Irland sind sie nie ausgesöhnt worden. In Schottland werden
alle Großthaten beider Racen ohne Unterschied zusammengeworfen und
werden als den Ruhm des ganzen Landes bildend betrachtet. Die alte
Antipathie ist so vollkommen verschwunden, daß es etwas ganz
Gewöhnliches ist, einen Bewohner des Niederlandes mit Selbstgefälligkeit
und sogar mit Stolz von der demüthigendsten Niederlage sprechen zu
hören, die seine Vorfahren je erlitten. Es dürfte schwer sein, einen
berühmten Mann zu nennen, bei welchem das Nationalgefühl und das
Clansgefühl stärker gewesen waren als bei Sir Walter Scott. Wenn jedoch
Sir Walter Scott Killiecrankie erwähnte, schien er gänzlich zu
vergessen, daß er ein Sachse, daß er von demselben Blute war und die
nämliche Sprache sprach wie Ramsay's Fußvolk und Annandale's Reiter.
Sein Herz schwoll von Siegesstolz, wenn er erzählte, wie seine
Stammverwandten gleich Hasen vor einer geringen Anzahl Krieger eines
andren Stammes und einer andren Zunge die Flucht ergriffen hatten.

In Irland ist die Fehde heute noch nicht getilgt. Der von einer
Minderzahl in höhnender Weise wiederholte Name Newton Butler ist der
großen Mehrheit der Bevölkerung verhaßt. Wenn man ein Denkmal auf dem
Schlachtfelde errichtete, würde es wahrscheinlich verstümmelt werden;
wenn man in Cork oder Waterford den Jahrestag der Schlacht feiern
wollte, so würde die Feier wahrscheinlich gewaltsam gestört werden. Der
berühmteste irische Dichter unsrer Zeit würde es als einen Verrath an
seinem Vaterlande betrachtet haben, das Lob der Sieger zu singen. Einer
der gelehrtesten und eifrigsten irischen Alterthumsforscher unsrer Zeit
hat, allerdings nicht mit besonderem Glück, zu beweisen versucht, daß
der Ausgang der Schlacht durch einen reinen Zufall entschieden worden
sei, aus welchem kein Ruhm für die Engländer hervorgehen könne. Wir
dürfen uns nicht wundern, daß der Sieg der Hochländer mehr gefeiert wird
als der Sieg der Enniskillener, wenn wir bedenken, daß der Sieg der
Hochländer ein Gegenstand des Ruhmes für ganz Schottland, der Sieg der
Irländer aber ein Gegenstand der Schmach für drei Viertheile von Irland
ist.

So weit die großen Interessen des Staats dabei in Betracht kamen, war es
ganz gleichgültig, ob die Schlacht von Killiecrankie gewonnen oder
verloren wurde. Es ist sehr unwahrscheinlich, daß selbst Dundee, wenn er
den glorreichsten Tag seiner Laufbahn überlebt hätte, die
Schwierigkeiten überwunden haben würde, welche aus dem eigenthümlichen
Character seiner Armee entsprangen und die sich verzehnfacht haben
würden, sobald der Krieg auf das Niederland übertragen worden wäre.


Die hochländische Armee verstärkt.

Gewiß ist jedoch, daß sein Nachfolger der Aufgabe durchaus nicht
gewachsen war. Einige Tage lang konnte sich der neue General zwar mit
der Hoffnung schmeicheln, daß Alles gut gehen werde, denn seine Armee
hatte sich rasch um fast die doppelte Anzahl Claymores verstärkt, welche
Dundee befehligt. Die Stewarts von Appin, welche, obgleich voll Eifers,
nicht zur rechten Zeit hatten eintreffen können, um an der Schlacht
Theil zu nehmen, waren unter den Ersten, die jetzt ankamen. Mehrere
Clans, welche bisher gewartet hatten, um erst zu sehen, welcher Theil
der stärkere sein würde, wünschten jetzt sehnlichst unter dem Banner
König Jakob's VII. ins Niederland hinab zu ziehen. Die Grants hielten
zwar treu zu Wilhelm und Marien und die Mackintosh's blieben wegen ihrer
unüberwindlichen Abneigung gegen die Keppochs neutral. Aber Macphersons,
Farquharsons und Frasers kamen massenhaft ins Lager bei Blair. Jetzt war
die Unschlüssigkeit der Männer von Athol zu Ende. Viele von ihnen
hatten während des Kampfes hinter den Felsen und Birken der
Killiecrankieschlucht auf der Lauer gelegen und kamen, sobald der
Ausgang der Schlacht entschieden war, aus ihren Schlupfwinkeln hervor,
um die Flüchtlinge, welche durch den Engpaß zu entkommen versuchten,
auszuplündern und niederzumachen. Die Robertsons, ein gälischer Stamm,
obgleich er einen sächsischen Namen führte, erklärten damals ihren
Beitritt zur Sache des verbannten Königs. Ihr Häuptling Alexander, der
sich nach seiner Herrschaft Struan nannte, war ein noch sehr junger Mann
und Student auf der St. Andreas Universität. Dort hatte er sich eine
oberflächliche wissenschaftliche Bildung angeeignet, war aber desto
tiefer in die Torypolitik eingeweiht worden. Jetzt schloß er sich der
hochländischen Armee an und blieb während seines langen Lebens der
jakobitischen Sache unwandelbar treu. Er spielte jedoch eine so
unbedeutende Rolle bei den öffentlichen Angelegenheiten, daß sein Name
jetzt vergessen sein würde, hätte er nicht einen Band durchgehends
abgeschmackter und oft höchst unsittlicher Gedichte hinterlassen. Wäre
dieses Buch in Grub Street fabricirt worden, so würde es in der
»Dunciade« kaum mit einer Viertelzeile beehrt worden sein. Wegen der
Stellung seines Autors aber machte es einiges Aufsehen, denn vor
hundertzwanzig Jahren war eine Ekloge oder ein Schmähgedicht aus der
Feder eines hochländischen Häuptlings ein literarisches Wunder.[112]

Obgleich indessen die numerische Stärke von Cannon's Truppen zunahm,
verminderte sich dennoch ihre Wirksamkeit. Jeder neue Stamm, der im
Lager ankam, brachte eine neue Ursache zu Zwietracht mit. In der Stunde
der Gefahr fügen sich oftmals die übermüthigsten und widerspenstigsten
Köpfe der Leitung eines überlegenen Genies. Die celtischen Häuptlinge
aber hatten selbst in der Stunde der Gefahr und selbst dem Genie
Dundee's nur einen sehr prekären und unvollkommenen Gehorsam
zugestanden. Sie zu zügeln, wenn sie vom Kriegsglück berauscht waren und
sich auf ihre Stärke verlassen zu können glaubten, würde wahrscheinlich
auch für Dundee eine eben so schwere Aufgabe gewesen sein, als sie es
unter der vorhergehenden Generation für Montrose gewesen war. Der neue
General war fortwährend unschlüssig und machte nichts als Fehler. Eine
seiner ersten Maßregeln war, daß er ein starkes Truppencorps,
hauptsächlich aus Robertsons bestehend, ins Niederland schickte, um
Lebensmittel herbeizuschaffen. Er glaubte wahrscheinlich, daß dieses
Detachement ohne Schwierigkeit Perth besetzen werde. Aber Mackay hatte
die Ueberreste seiner Armee schon wieder geordnet, hatte außerdem einige
Truppen an sich gezogen, welche die Schmach der kürzlichen Niederlage
nicht getheilt, und war wieder kampfgerüstet. So schmerzlich er auch den
erlittenen Schlag empfunden, hatte er doch mit weiser Großmuth
beschlossen, das Vergangene nicht zu bestrafen. Es war nicht leicht, die
verschiedenen Grade der Schuld zu unterscheiden, und die Schuldigen zu
decimiren wäre eine grausame Schlächterei gewesen. In Folge seiner
gewohnten Frömmigkeit erblickte er in dem beispiellosen Schrecken, der
sich seiner Soldaten bemächtigt hatte, auch weniger einen Beweis von
Feigheit ihrerseits, als vielmehr von göttlichem Unwillen. Mit
heroischer Demuth erkannte er an, daß die außerordentliche Festigkeit,
die er selbst inmitten der Verwirrung und des Gemetzels an den Tag
gelegt, nicht sein Verdienst sei und daß er sich ohne den Beistand einer
höheren Macht wohl eben so kleinmüthig benommen haben würde wie irgend
einer der feigen Ausreißer, die ihre Waffen fortgeworfen und die
barbarischen Marodeurs von Athol vergebens um Pardon angefleht hatten.
Sein Gottvertrauen hielt ihn jedoch nicht ab, so weit es in menschlichen
Kräften stand, sein Möglichstes zu thun, um der Wiederholung eines
Unglücks, wie er es eben erfahren, vorzubeugen. Die unmittelbare Ursache
seiner Niederlage war die Schwierigkeit des Bajonnetaufsteckens gewesen.
Das Feuergewehr des Hochländers war streng gesondert von der Waffe,
deren er sich im Handgemenge bediente. Er feuerte seinen Schuß ab, warf
sein Gewehr weg und hieb mit seinem Schwerte ein. Dies war das Werk
eines Augenblicks. Dem regulären Infanteristen kostete es zwei bis drei
Minuten Zeit, ehe er sein Schießgewehr in eine Waffe verwandelte, mit
der er einen Feind Mann gegen Mann bekämpfen konnte, und diese wenigen
Minuten hatten den Ausgang der Schlacht von Killiecrankie entschieden.
Mackay ließ daher alle seine Bajonnette so einrichten, daß sie auf den
Lauf gesteckt werden konnten, ohne die Mündung zu verschließen, und daß
seine Leute unmittelbar nachdem sie gefeuert, einem Angriff begegnen
konnten.[113]


Gefecht bei St. Johnston's.

Sobald er erfuhr, daß ein Detachement gegen Perth anrückte, eilte er
demselben an der Spitze einer Dragonerabtheilung entgegen, welche noch
nicht im Feuer gewesen und deren Kraft daher noch ungeschwächt war.
Mittwoch den 31. Juli, nur vier Tage nach seiner Niederlage, traf er
unweit St. Johnston's mit den Robertsons zusammen, griff sie an, schlug
sie, tödtete Hundertzwanzig von ihnen und nahm Dreißig gefangen, dies
Alles mit Verlust eines einzigen Soldaten.[114] Dieses Scharmützel
machte einen Eindruck, der in keinem Verhältniß zu der Zahl der
Kämpfenden wie der Gefallenen stand. Das Ansehen der celtischen Waffen
sank fast eben so rasch als es gestiegen war. Noch vor wenigen Tagen
hatte man überall geglaubt, daß diese Waffen unüberwindlich seien. Jetzt
trat eine Reaction ein. Man erkannte, daß der Vorfall bei Killiecrankie
eine Ausnahme von den gewöhnlichen Regeln und daß die Hochländer, wenn
nicht ganz besondere Umstände obwalteten, guten regulären Soldaten nicht
gewachsen seien.


Unordnung in der hochländischen Armee.

Inzwischen nahm die Unordnung in Cameron's Lager mehr und mehr zu. Er
berief einen Kriegsrath zusammen, um zu erwägen, was zu thun sei. Sobald
aber der Kriegsrath versammelt war; wurde eine Vorfrage aufgeworfen. Wer
war dazu berechtigt, consultirt zu werden? Die Armee war fast
ausschließlich eine hochländische. Der neuerliche Sieg war
ausschließlich durch hochländische Krieger erfochten worden. Mächtige
Häuptlinge, welche sechs- bis siebenhundert kampffähige Männer ins Feld
gestellt hatten, hielten es nicht für recht und billig, daß sie durch
Gentlemen aus Irland und dem Niederlande überstimmt werden sollten,
welche zwar in König Jakob's Diensten standen und Obersten und
Hauptleute genannt wurden, aber Obersten ohne Regimenter und Hauptleute
ohne Compagnien waren. Lochiel sprach energisch im Interesse der Klasse,
der er angehörte; Cannon aber beschloß, daß die Stimmen der sächsischen
Offiziere mitgezählt werden sollten.[115]

Es wurde nun zunächst in Erwägung gezogen, welcher Feldzugsplan zu
befolgen sei. Lochiel war dafür, vorzurücken, Mackay entgegen zu
marschiren, wo er auch sein möge, und abermals eine Schlacht zu liefern.
Es ist kaum anzunehmen, daß das Glück dem klugen Häuptling der Camerons
den Kopf dergestalt verrückt haben sollte, daß er die Gefährlichkeit des
Verfahrens nicht erkannte, zu dem er gerathen. Aber er sah
wahrscheinlich ein, daß ihm nur die Wahl zwischen verschiedenen Gefahren
blieb. Er war der Meinung, daß energisches Handeln für das Bestehen
einer Hochländerarmee überhaupt nothwendig sei und daß die Coalition der
Clans nur so lange dauern werde, als sie hastig von Schlachtfeld zu
Schlachtfeld eilten. Er wurde abermals überstimmt. Alle seine
Siegeshoffnungen waren nun zertrümmert. Sein Stolz fühlte sich tief
gekränkt. Er hatte sich dem Uebergewicht eines großen Feldherrn gefügt,
aber an einem königlichen Patent lag ihm so wenig wie irgend einem Whig.
Er hatte sich bereit finden lassen, die rechte Hand Dundee's zu sein,
von einem Cannon aber wollte er sich nicht befehlen lassen. Er verließ
das Lager und zog sich nach Lochaber zurück. Seinem Clan befahl er zwar
zu bleiben, aber der Clan, des angebeteten Führers beraubt und wohl
wissend, daß er sich in unmuthiger Stimmung entfernt hatte, war nicht
mehr die furchtbare Colonne, welche das Gelübde, zu sterben oder zu
siegen, vor einigen Tagen so gut gehalten hatte. Macdonald von Sleat,
dessen Streitkräfte der Zahl nach die jedes andren der verbündeten
Häuptlinge übertrafen, folgte Lochiel's Beispiel und kehrte nach Sky
zurück.[116]


Mackay's Rath wird von den schottischen Ministern nicht beachtet.

Mackay hatte inzwischen seine Anordnungen vollendet und er hegte wenig
Zweifel, daß, wenn die Rebellen ihn angreifen sollten, die reguläre
Armee ihre bei Killiecrankie verlorne Ehre wiedergewinnen würde. Seine
Hauptschwierigkeiten entsprangen aus der unklugen Einmischung der
Minister der Krone zu Edinburg in Dinge, welche seiner alleinigen
Leitung hätten überlassen bleiben sollen. Die Sache war die, daß sie
nach der gewöhnlichen Art solcher Leute, welche ohne militärische
Erfahrung über militärische Operationen urtheilen, den Erfolg als
einzigen Prüfstein für die Tüchtigkeit eines Oberbefehlshabers
betrachteten. Wer eine Schlacht gewinnt, ist in den Augen dieser Leute
ein großer General, wer geschlagen wird, ist ein schlechter General, und
nie war ein General vollständiger geschlagen worden als Mackay. Wilhelm
dagegen schenkte seinem unglücklichen Leutnant nach wie vor das
vollkommenste Vertrauen. Auf die Verunglimpfungen der Kritiker, welche
nie ein Gefecht gesehen hatten, erwiederte Portland auf Befehl seines
Gebieters, daß Mackay volles Vertrauen verdiene, daß er tapfer sei, daß
er den Krieg besser verstehe als irgend ein andrer Offizier in
Schottland und daß es sehr zu bedauern sei, wenn man gegen einen so
guten Menschen und einen so guten Soldaten ein Vorurtheil hege.[117]


Die Camerons werden nach Dunkeld verlegt.

Die ungerechte Geringschätzung, mit der die schottischen Staatsräthe
Mackay betrachteten, verleitete sie zu einem großen Fehler, der leicht
ein großes Unglück hätte nach sich ziehen können. Das Cameron'sche
Regiment wurde nach Dunkeld in Garnison gelegt. Diese Maßregel
mißbilligte Mackay entschieden. Er wußte, daß diese Truppen in Dunkeld
dem Feinde nahe, daß sie von jedem Beistande entfernt, daß sie in einer
offenen Stadt und von einer feindlichen Bevölkerung umgeben sein würden,
daß sie, obgleich unzweifelhaft tapfer und voll Eifers, doch sehr
unvollkommen disciplinirt waren, daß sie von der ganzen jakobitischen
Partei in Schottland mit besonderem Mißfallen betrachtet wurden und daß
aller Wahrscheinlichkeit nach große Anstrengungen gemacht werden würden,
sie zu beschimpfen und zu vernichten.[118]

Die Ansicht des Generals wurde nicht beachtet und die Camerons besetzten
den ihnen angewiesenen Posten. Es zeigte sich bald, daß seine Ahnungen
gegründet waren. Die Bewohner der Umgegend von Dunkeld versahen Cannon
mit Kundschaft und drangen in ihn einen kühnen Schlag zu versuchen. Das
beutelustige Landvolk von Athol schloß sich in großer Anzahl seiner
Armee an. Das Regiment erwartete stündlich angegriffen zu werden, und
wurde mißmuthig und unruhig. Die Mannschaften, welche von Natur sowohl
wie aus Enthusiasmus unerschrocken, aber noch nicht an militärische
Subordination gewöhnt waren, beschwerten sich über Cleland, der sie
befehligte. Sie glaubten rücksichtslos, wenn nicht arglistigerweise
einem sicheren Untergange entgegengeschickt worden zu sein. Sie seien,
meinten sie, durch keine Wälle geschützt, hätten nur geringen
Munitionsvorrath und seien von Feinden umgeben. Ein Offizier könne
aufsitzen und in einer Stunde außer dem Bereiche der Gefahr sein; der
gemeine Soldat aber müsse bleiben und sich niedermachen lassen. »Weder
ich,« sagte Cleland, »noch irgend ein andrer meiner Offiziere wird Euch
verlassen, was auch geschehen möge. Führt mein Pferd vor, führt alle
unsere Pferde vor, sie sollen todtgeschossen werden.« Diese Worte
bewirkten eine vollständige Sinnesänderung. Die Mannschaften erwiederten
darauf, daß die Pferde nicht todtgeschossen werden sollten, daß das Wort
ihres tapferen Obersten die beste Bürgschaft für sie sei und daß sie mit
ihm das Aeußerste wagen würden. Sie hielten ihr Versprechen treulich.
Das puritanische Blut war jetzt gründlich aufgeregt, und was dieses Blut
vermochte, wenn es aufgeregt war, hatte es auf vielen Schlachtfeldern
bewiesen.


Die Hochländer greifen das Regiment Cameron an.

Das Regiment blieb diese Nacht unter den Waffen, und am Morgen des
folgenden Tages, des 21. August, wimmelte es auf allen Anhöhen um
Dunkeld von schottischen Mützen und Plaids. Cannon's Armee war viel
stärker als die, welche Dundee befehligt hatte. Mehr als tausend
Bagagepferde begleiteten ihn auf dem Marsche. Die Pferde sowohl, wie das
Gepäck, welches sie trugen, waren wahrscheinlich ein Theil der
Kriegsbeute von Killiecrankie. Die Gesammtmacht der Hochländer wurde von
Augenzeugen auf vier bis fünftausend Mann geschätzt. Sie kamen wüthend
herangestürmt, warfen die Vorposten des Cameron'schen Regiments zurück
und drangen von allen Seiten in die Straßen. Die Kirche hielt sich
jedoch hartnäckig. Der größere Theil des Regiments aber stand hinter
einer Mauer, welche ein dem Marquis von Athol gehörendes Haus umgab.
Diese Mauer, welche einige Tage zuvor mit Holz und losen Steinen eiligst
ausgebessert worden war, vertheidigten die Soldaten tapfer mit Muskete,
Pike und Hellebarde. Ihr Kugelvorrath war bald erschöpft, aber einige
von der Mannschaft mußten das Blei vom Dache des Hauses des Marquis
losschneiden und es zu Geschossen formen. Mittlerweile wurden alle
benachbarten Häuser von oben bis unten mit Hochländern besetzt, welche
aus den Fenstern ein wirksames Feuer unterhielten. Cleland wurde
getödtet, während er seine Leute anfeuerte, und Major Henderson übernahm
das Commando. In der nächsten Minute fiel auch Henderson, von drei
Kugeln getroffen. Hauptmann Munro trat an seine Stelle und der Kampf
ward mit unverminderter Wuth fortgesetzt. Eine Abtheilung des
Cameron'schen Regiments machte einen Ausfall, steckte die Häuser, aus
denen die verderblichen Schüsse kamen, in Brand und verschloß die
Thüren. In einem einzigen Hause verbrannten sechzehn Mann lebendig.
Theilnehmer an dem Gefecht schilderten es als eine furchtbare Feuertaufe
für Rekruten. Die halbe Stadt stand in Flammen und mit dem
unaufhörlichen Knattern der Schüsse vermischte sich das durchdringende
Geschrei der Unglücklichen, welche im Feuer umkamen. Der Kampf dauerte
vier Stunden. Das Cameron'sche Regiment war jetzt fast bis auf das
letzte Pulverhorn reducirt, aber der Muth der Leute wankte nicht. »Der
Feind wird bald die Mauer erstürmen. Es sei. Wir werden uns dann in das
Haus zurückziehen, es bis aufs Aeußerste vertheidigen und, wenn sie
hereindringen sollten, es über ihren und unseren Köpfen anzünden.«
Während sie jedoch mit diesen verzweifelten Plänen umgingen, bemerkten
sie, daß die Heftigkeit des Angriffs nachließ. Die Hochländer begannen
bald zurückzuweichen, es verbreitete sich sichtbare Unordnung unter
ihnen und ganze Schaaren marschirten dem Gebirge zu. Umsonst befahl
ihnen ihr General zum Angriff zurückzukehren; Beharrlichkeit gehörte
nicht zu ihren militärischen Tugenden. Die Camerons luden inzwischen
Amalek und Moab mit herausforderndem Geschrei ein zurückzukommen und
noch einmal gegen das auserwählte Volk ihr Heil zu versuchen. Aber diese
Aufforderungen hatten ebenso wenig Erfolg wie die Cannon's. In kurzer
Zeit war die ganze gälische Armee in vollem Rückzuge gegen Blair. Jetzt
wirbelten die Trommeln, die siegreichen Puritaner warfen ihre Mützen in
die Luft, stimmten aus einem Munde einen Psalm des Triumphes und des
Dankes an und schwenkten ihre Fahnen, welche an diesem Tage zum ersten
Male angesichts eines Feindes entrollt wurden, die aber seitdem stolz
nach allen Welttheilen getragen worden und die jetzt mit einer Sphinx
und einem Drachen, den Emblemen der in Egypten und China vollbrachten
Heldenthaten, geschmückt sind.[119]


Auflösung der hochländischen Armee.

Das Cameron'sche Regiment hatte guten Grund, erfreut und dankbar zu
sein, denn es hatte dem Kriege ein Ende gemacht. Im Lager der Rebellen
herrschte nichts als Uneinigkeit und Entmuthigung. Die Hochländer
tadelten Cannon, Cannon tadelte die Hochländer, und das Heer, welches
der Schrecken Schottland's gewesen war, ging rasch seiner Auflösung
entgegen. Die verbündeten Häuptlinge unterzeichneten einen
gemeinschaftlichen Vertrag, durch den sie sich für treue Unterthanen
König Jakob's erklärten und sich verpflichteten, später wieder
zusammenzutreten. Nachdem sie diese Formalität -- denn weiter war es
nichts -- beobachtet hatten, begab sich jeder in seine Heimath. Cannon
kehrte mit seinen Irländern auf die Insel Mull zurück, und die
Niederländer,[120] welche Dundee ins Gebirge begleitet hatten, sorgten
für sich so gut sie konnten. Am 24. August, gerade vier Wochen nachdem
die gälische Armee die Schlacht von Killiecrankie gewonnen, hatte diese
Armee aufgehört zu existiren. Sie hatte aufgehört zu existiren wie die
Armee Montrose's über vierzig Jahre früher aufhörte zu existiren, nicht
in Folge eines vernichtenden Schlages von Außen, sondern durch eine
natürliche Auflösung, das Resultat innerer Mißbildung. Die Besiegten
ernteten alle Früchte des Sieges. Das Schloß Blair, welches das
unmittelbare Streitobject gewesen war, öffnete Mackay seine Thore, und
eine Kette von Militärposten, die sich nördlich bis Inverneß erstreckte,
schützte die Landleute in der Ebene gegen die räuberischen Einfälle der
Gebirgsbewohner.


Intriguen des Clubs, Zustand des Niederlandes.

Während des Herbstes machten die Whigs des Niederlandes der Regierung
viel mehr zu schaffen, als die Jakobiten des Hochlandes. Der Club, der
zur Zeit der letzten Parlamentssession das Land in eine oligarchische
Republik zu verwandeln versucht und die Stände dazu vermocht hatte,
Geldzuschüsse zu verweigern und die Justizverwaltung zu sistiren, hielt
auch während der Suspension des Parlaments nach wie vor seine Sitzungen
und peinigte die Minister der Krone durch systematische Agitation. So
verächtlich die Organisation dieses Vereins der Generation erscheinen
mag, welche die römischkatholische Association und die Ligue gegen die
Korngesetze gesehen hat, damals galt sie für ausgezeichnet und
furchtbar. Die Häupter der Verbindung rühmten sich laut, daß sie den
König zwingen würden, ihnen gerecht zu werden. Sie brachten Petitionen
und Adressen zu Stande, suchten mit Hülfe der Presse und der Kanzel die
Waffen aufzuregen, bearbeiteten die Soldaten durch Emissäre und sprachen
davon, ein starkes Heer Covenanters aus dem Westen herbeizuziehen, um
den Geheimen Rath einzuschüchtern. Trotz aller Kunstgriffe aber legte
sich die Gährung des Volks allmälig. Nach kurzem Zaudern wagte es die
Regierung, die von den Ständen geschlossenen Gerichtshöfe wieder zu
öffnen, die vom König ernannten Sessionslords nahmen ihre Plätze ein,
und Sir Jakob Dalrymple präsidirte. Der Club bemühte sich nun, die
Advokaten von der Barre zurückzuhalten und hegte einige Hoffnung, daß
der Pöbel die Richter von der Bank verjagen werde. Allein es zeigte sich
sehr bald deutlich, daß eher Mangel an Gebühren als an Anwälten, um
dieselben einzustreichen, zu erwarten stand; das Volk sah sehr gern
wieder ein Tribunal fungiren, das in seinen Augen ein nothwendiges
Attribut des Ansehens und Gedeihens seiner Stadt war, und aus vielen
Anzeichen ließ sich erkennen, daß die falsche und habgierige Partei,
welche die Majorität der Legislatur beherrscht hatte, nicht auch die
Majorität der Nation beherrschte.[121]

----------

[Fußnote 1: ^Act. Parl. Scot., Aug. 31. 1689.^]

[Fußnote 2: ^Balcarras's Memoirs; Short History of the Revolution in
Scotland in a letter from a Scotch gentleman in Amsterdam to his friend
in London, 1712.^]

[Fußnote 3: ^Balcarras's Memoirs; Life of James, II. 341.^]

[Fußnote 4: ^A Memorial for His Highness the Prince of Orange in
relation to the Affairs of Scotland, by two Persons of Quality, 1689.^]

[Fußnote 5: ^Rabbled^ sagte man in der Landessprache, ein aus ^rabble^,
Pöbel, gebildetes Zeitwort, daß sich im Deutschen nicht erschöpfend
wiedergeben läßt. -- D. Uebers.]

[Fußnote 6: Siehe Calvin's Brief an Haller, ^IV. Non. Jan. 1551.^
»^Priusquam urbem unquam ingrederer, nullae prorsus erant feriae.^«]

[Fußnote 7: In ^The Act, Declamation and Testimony of the Seceders,
dated in December 1736^, heißt es, daß »unter Autorität des Parlaments
der Beobachtung der Feiertage in Schottland durch Suspension der
Thätigkeit unserer angesehensten Gerichtshöfe Vorschub geleistet wird.«
Dies wird für eine Nationalsünde und für einen Grund des Unwillens
Gottes erklärt. Im März 1758 richtete die Vereinigte Synode eine
»Feierliche Warnung« an die Nation, worin die nämliche Klage wiederholt
wird. Ein einfältiger Mensch, dessen Unsinn sogar in unseren Tagen für
werth gehalten worden ist, neu gedruckt zu werden, sagt: »Ich
hinterlasse mein Zeugniß gegen die abscheuliche Acte der Königin Anna
und ihres angeblichen britischen, in Wirklichkeit aber viehischen
(^brutish^) Parlaments, welche die Beobachtung der sogenannten
Yul-Ferien (^Yule Vacancy^) vorschreibt.« ^The Dying Testimony of
William Wilson, sometime Schoolmaster in Park in the Parish of Douglas,
aged 68, who died in 1757.^]

[Fußnote 8: ^An Account of the Present Persecution of the Church in
Scotland, in several Letters, 1690; The Case of the afflicted Clergy in
Scotland truly represented, 1690; Faithful Contendings Displayed; Burnet
I. 805.^]

[Fußnote 9: Die Formel dieser Benachrichtigung findet man in dem Buche:
^Faithful Contendings Displayed.^]

[Fußnote 10: ^Account of the Present Persecution, 1690; Case of the
afflicted Clergy, 1690; A true Account of that Interruption that was
made of the Service of God on Sunday last, being the 17th of February
1689, signed by James Gibson, acting for the Lord Provost of Glasgow.^]

[Fußnote 11: ^Balcarras's Memoirs; Mackay's Memoirs.^]

[Fußnote 12: ^Burnet II. 21.^]

[Fußnote 13: Scobell 1654, Kap. 9 und Olivers Verordnung vom 12. April
des nämlichen Jahres.]

[Fußnote 14: Burnet und Fletcher von Saltoun sprechen von dem
Aufschwunge Schottland's unter dem Protector, schreiben es aber einer
Ursache zu, welche eine solche Wirkung keineswegs hervorzubringen
vermochte. »Es wurde,« sagte Burnet, »eine ansehnliche Truppenmacht von
etwa sieben- bis achttausend Mann in Schottland unterhalten. Der Sold
dieser Armee brachte soviel Geld ins Land, daß es während dieser ganzen
Zeit in einem, sehr blühenden Zustande blieb ... Wir werden diese acht
Jahre der Usurpation stets als eine Zeit großen Friedens und Gedeihens
betrachten.« »Zur Zeit des Usurpators Cromwell,« sagt Fletcher,
»glaubten wir uns bezüglich des letzteren Punktes (Handel und Geld) in
einer erträglichen Lage zu befinden in Folge des Aufwandes, den die
Truppen machten, welche uns in Unterwürfigkeit erhielten.« Die richtige
Erklärung der Erscheinung, über welche Burnet und Fletcher in so großem
Irrthum waren, findet man in einer Flugschrift betitelt: »^Some
reasonable and modest Thoughts partly occasioned by and partly
concerning the Scotch East India Company, Edinburgh, 1696.^« Siehe auch
die Verhandlungen des Mittwochsclubs in Friday Street über eine Union
mit Schottland vom December 1705. Siehe ferner das 7. Kapitel von
Burton's vortrefflicher Geschichte Schottland's.]

[Fußnote 15: Siehe die Schrift, in welcher die Forderungen der
schottischen Commissare aufgestellt sind. Man findet sie im Anhange zu
De Foe's ^History of de Union^, Nr. 13.]

[Fußnote 16: ^Act. Parl. Scot.^, 30. Juli 1670.]

[Fußnote 17: ^Burnet II. 23.^]

[Fußnote 18: Man sehe zum Beispiel eine Flugschrift betitelt: »^Some
questions resolved concerning episcopal and presbyterian Government in
Scotland, 1690.^« Eine der »Fragen« ist die, ob das schottische
Presbyterium den allgemeinen Neigungen dieses Volks entspreche. Der
Verfasser verneint diese Frage, weil die höheren und mittleren Stände
sich schon vor der Revolution größtentheils der bischöflichen Kirche
conformirt hätten.]

[Fußnote 19: Die Instructionen befinden sich in den ^Leven and Melville
Papers^ und sind vom 7. März 1688/89 datirt. Bei der ersten Gelegenheit,
wo ich diese werthvolle Sammlung aufführe, kann ich nicht umhin es
anzuerkennen, zu wie großem Danke ich und Alle, die sich für die
Geschichte unsrer Insel interessiren, dem Herrn verpflichtet sind, der
daß Amt eines Herausgebers so vortrefflich erfüllt hat.]

[Fußnote 20: Ueber die Dalrymple sehe man des Lord Präsidenten eigene
Schriften und darunter seine ^Vindication of the Divine Perfections;^
ferner ^Wodrow's Analecta; Douglas's Peerage; Lockhardt's Memoirs;
Satyre on the Family of Stairs; Satyric Lines upon the long wished for
and timely Death of the Right Honorable Lady Stairs; Law's Memorials^
und die ^Hyndford Papers,^ geschrieben 1704/5 und zugleich mit den
Briefen von Carstairs gedruckt. Lockhardt, obgleich ein Todfeind Johann
Dalrymple's, sagt: »Es war Keiner im Parlament, der es mit ihm aufnehmen
konnte.«]

[Fußnote 21: Ueber Melville sehe man die ^Leven and Melville Papers^ an
verschiedenen Stellen, und die Vorrede; die ^Act. Parl. Scot.^ vom 16.
Juni 1685 und den Anhang unterm 13. Juni; ^Burnet II. 24^, und das
^Burnet M. S. Harl. 6584^.]

[Fußnote 22: ^Creichton's Memoirs.^]

[Fußnote 23: ^Mackay's Memoirs.^]

[Fußnote 24: ^Memoirs of the Lindsays.^]

[Fußnote 25: Ueber das frühere Verhältniß zwischen Wilhelm und Dundee
haben einige Jakobiten viele Jahre nach dem Tode Beider eine Geschichte
erfunden, welche durch successive Ausschmückungen zu einem Roman wurde,
bei dessen Lesung man sich wundern muß, wie nur ein Kind ihn für wahr
halten konnte. Die letzte Ausgabe lautet wie folgt. Bei Seneff wurde
Wilhelm das Pferd unter dem Leibe getödtet und sein Leben war in der
größten Gefahr. Dundee, damals Kapitain Graham, gab Seiner Hoheit ein
andres Pferd. Wilhelm versprach, diesen Dienst durch Beförderung zu
belohnen, brach aber sein Wort und gab einem andren das Patent, auf
welches er Graham Hoffnung gemacht hatte. Der beleidigte Held ging nach
Loo. Dort traf er seinen glücklichen Rivalen und gab ihm eine Ohrfeige.
Die auf Thätlichkeiten innerhalb des Palastes gesetzte Strafe war der
Verlust der schuldigen rechten Hand; aber der Prinz von Oranien erließ
diese Strafe in ungroßmüthiger Weise. »Sie haben mir,« sagte er, »das
Leben gerettet, ich lasse Ihnen Ihre rechte Hand, so sind wir quitt.«

Diejenigen, welche bis auf unsre Zeit diesen Unsinn wiederholt haben,
müssen erstens in dem Wahne gewesen sein, daß die Acte Heinrich's VIII.
»zur Bestrafung von Mord und böswilligem Blutvergießen innerhalb des
königlichen Hoflagers« (^Stat. 33 Hen. VIII. c. 2.^) in Geldern Gesetz
war, und zweitens daß Wilhelm 1674 König und sein Haus ein königliches
Hoflager war. Ebenso müssen sie nicht gewußt haben, daß er Loo erst
lange nachdem Dundee die Niederlande verlassen hatte, kaufte. Siehe
Harris' ^Description of Loo, 1699.^

Diese Fabel, von der ich in der umfangreichen jakobitischen Literatur
aus Wilhelm's Regierungszeit nicht die geringste Spur habe entdecken
können, scheint etwa ein Vierteljahrhundert nach Dundee's Tode
entstanden zu sein und im Laufe eines weiteren Vierteljahrhunderts sich
zu ihrer vollen Absurdität ausgebildet zu haben.]

[Fußnote 26: ^Memoirs of the Lindsays.^]

[Fußnote 27: ^Memoirs of the Lindsays.^]

[Fußnote 28: ^Balcarras's Memoirs.^]

[Fußnote 29: ^Burnet II. 22; Memoirs of the Lindsays.^]

[Fußnote 30: ^Act. Parl. Scot. March 14. 1689; History of the late
Revolution in Scotland, 1690; An Account of the Proceedings of die
Estates of Scotland, fol. London 1689.^]

[Fußnote 31: Balcarras' Erzählung stellt sowohl Hamilton als Athol in
einem sehr ungünstigen Lichte dar. Siehe auch ^Life of James, II. 338,
339.^]

[Fußnote 32: ^Act. Parl. Scot. March 14. 1688/89; Balcarras's Memoirs;
History of the late Revolution in Scotland; Life of James, II. 342.^]

[Fußnote 33: ^Balcarras's Memoirs; History of the late Revolution in
Scotland, 1690.^]

[Fußnote 34: ^Act. Parl. Scot. March 14, 15. 1689; Balcarras's Memoirs;
London Gazette, March 25; History of the late Revolution in Scotland
1690; Account of the Proceedings of the Estates of Scotland, 1689.^]

[Fußnote 35: Siehe Cleland's Gedichte und die in demselben Bande
enthaltenen Loblieder, Edinburg 1697. Es ist wiederholt behauptet
worden, dieser Wilhelm Cleland sei der Vater des Steuercommissars
gleichen Namens gewesen, der zwanzig Jahre später in den literarischen
Kreisen London's wohl bekannt war, welcher Pope einige eben nicht sehr
lobenswerthe Dienste leistete und dessen Sohn Johann der Verfasser eines
nur zu weit berühmten Schandbuches war. Dies ist ein vollständiger
Irrthum. Der Wilhelm Cleland, welcher bei der Bothwellbrücke focht, war
noch nicht achtundzwanzig Jahr alt, als er im August 1689 fiel, und der
Steuercommissar Wilhelm Cleland starb in seinem siebenundsechzigsten
Lebensjahre im September 1741. Ersterer kann daher nicht der Vater des
letzteren gewesen sein. Siehe die ^Exact Narrative of the Battle of
Dunkeld,^ das Gentleman's Magazine von 1740 und Warburton's Anmerkung zu
dem Briefe an den Verleger der »Dunciade«, ein Brief, der mit W. Cleland
unterzeichnet, in Wirklichkeit aber von Pope verfaßt ist. In einem
Aufsatze von Sir Robert Hamilton, dem Orakel der extremen Covenanters
und einem blutdürstigen Wüthrich, wird Cleland's als eines ehemaligen
Bundesgenossen dieser Fanatiker, aber nachmaligen heftigen Widersachers
derselben erwähnt. Cleland stimmte wahrscheinlich nicht mit Hamilton
darin überein, die Abschlachtung von Kriegsgefangenen, die sich auf
Pardon ergeben hatten, als eine heilige Pflicht anzusehen. Siehe
Hamilton's ^Letter to the Societies^ vom 7. December 1685.]

[Fußnote 36: ^Balcarras's Memoirs.^]

[Fußnote 37: ^Balcarras's Memoirs.^ Den vollständigsten Bericht über
diese Verhandlungen geben jedoch einige handschriftliche Notizen, welche
sich in der Bibliothek der Advokatenfacultät befinden. Balcarras'
Angaben sind nicht ganz genau. Er verließ sich wahrscheinlich zu sehr
auf sein Gedächtniß. Ich habe dieselben nach den Parlamentsacten
berichtigt.]

[Fußnote 38: ^Act. Parl. Scot. March 16. 1688/89; Balcarras's Memoirs;
History of the late Revolution in Scotland, 1690; Account of the
Proceedings of the Estates of Scotland, 1689; London Gazette, March 25.
1689; Life of James II. 342.^ Burnet irrt sonderbar in Bezug auf diese
Vorgänge.]

[Fußnote 39: ^Balcarras's Memoirs;^ Manuscript in der Bibliothek der
Advokatenfacultät.]

[Fußnote 40: ^Act. Parl. Scot. March 19. 1688/89; History of the late
Revolution in Scotland.^]

[Fußnote 41: Balcarras.]

[Fußnote 42: Balcarras.]

[Fußnote 43: ^Act. Parl. Scot; History of the late Revolution, 1690;
Memoirs of North Britain 1715.^]

[Fußnote 44: Balcarras.]

[Fußnote 45: Jeder Leser wird sich der Verwünschung erinnern, welche Sir
Walter Scott im fünften Gesange des »Marmion« über die Dummköpfe
aussprach, welche dieses interessante Denkmal entfernten.]

[Fußnote 46: »Es wird weder sicher noch gut für den König sein, es nach
der Thronbesteigung von einer Parlamentsacte zu erwarten, die es vor
seine Thür legen wird.« Dalrymple an Melville, 5. April 1689; ^Leven and
Melville Papers^.]

[Fußnote 47: Eine interessante Stelle über diesen Gegenstand findet sich
bei Fortescue.]

[Fußnote 48: ^Act. Parl. Scot. April 1. 1689; Orders of Committee of
Estates, Mai 16. 1689; London Gazette, April 11.^]

[Fußnote 49: Da es kürzlich in Abrede gestellt worden ist, daß die
extremen Presbyterianer eine ungünstige Meinung von den Lutheranern
hegten, so will ich zwei entscheidende Beweise für meine oben
aufgestellte Behauptung beibringen. In dem Buche: ^Faithful Contendings
Displayed^ befindet sich ein Bericht über die Vorgänge bei der
Generalversammlung der Vereinigten Covenantergesellschaften vom 24.
October 1688. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob eine Verbindung mit den
Holländern stattfinden solle. »Es ward einstimmig beschlossen,« sagt der
Sekretär der Gesellschaften, »daß wir uns mit den Holländern nicht zu
einem Körper vereinigen, noch förmlich unter ihre Leitung kommen
könnten, da sie ein Gemisch von reformirten lutherischen Uebelgesinnten
und Sectirern seien, mit denen gemeinschaftliche Sache zu machen dem
Zeugniß der Kirche von Schottland widerstreiten würde.« In dem am 2.
October 1707 aufgesetzten »Protest und Testimonium« beschweren sich die
Vereinigten Gesellschaften darüber, daß die Krone »dem Prinzen von
Hannover verliehen worden sei, der in der lutherischen Religion erzogen
und aufgewachsen ist, welche, wie allgemein bekannt, nicht allein
abweicht von der Reinheit in Lehre, Reformation und Glauben, die wir in
diesen Nationen erreicht hatten, sondern derselben in vielen Dingen
sogar zuwiderläuft.« Sie setzen hinzu: »Die Annahme einer solchen Person
zum Herrscher über uns widerstreitet nicht nur unserm feierlichen Bund
und Covenant, sondern dem Worte Gottes selbst: 5. Buch Mosis XVII.«]

[Fußnote 50: ^History of the late Revolution in Scotland; London
Gazette, Mai 16. 1689.^ Der officielle Bericht über die Vorgänge war
offenbar mit großer Sorgfalt abgefaßt. Siehe auch das ^Royal Diary,
1702^. Der Verfasser dieses Werks versichert, daß er seine Angaben den
Mittheilungen eines Geistlichen verdanke, welcher anwesend war.]

[Fußnote 51: Siehe Crawford's Briefe und Reden an verschiedenen Stellen.
Seine Art und Weise, um eine Stelle anzusuchen, war eigenthümlich.
Nachdem er, nicht ohne Grund, zugegeben hatte, daß sein Herz voller
Arglist und verzweifelt sündig sei, fuhr er fort: »Das nämliche
allmächtige Wesen, welches gesagt hat: Wenn die Armen und Bedürftigen
Wasser suchen und es ist keins da und ihre Zunge verschmachtet vor
Durst, wird Er sie nicht verlassen, -- kann mir trotz meiner jetzigen
dürftigen Umstände ein Haus bauen, wenn es dies für gut findet.« --
Brief an Melville vom 28. Mai 1689. Ueber Crawford's Armuth und sein
Verlangen nach bischöflichen Ländereien sehe man seinen Brief an
Melville vom 4. December 1690. Ueber seine Humanität siehe seine Briefe
an Melville vom 11. December 1690. Alle diese Briefe findet man in den
^Leven and Melville Papers^. Der Verfasser von: ^An Account of the Late
Establishment of Presbyterian Government^ sagt von Jemandem, der sich
mit zehn oder zwölf Pfund Sterling hatte bestechen lassen: »Wäre er so
arm gewesen wie Mylord Crawford, so würde er vielleicht eher zu
entschuldigen gewesen sein.« Siehe auch die Dedication der berühmten
Schrift: ^Scotch Presbyterian Eloquence Displayed.^]

[Fußnote 52: ^Burnet II. 23. 24; Fountainhall Papers,^ 13. Aug. 1684,
14., 15. Oct. 1684, 3. Mai 1685; Montgomery an Melville, 23. Juni 1689
in den ^Leven and Melville Papers; Pretences of the French Invasion
Examined, licensed May 25. 1692.^]

[Fußnote 53: Siehe ^The Life and Correspondence of Carstairs^ und die
interessanten Abhandlungen über ihn in den 1854 gedruckten ^Caldwell
Papers^. Ferner seine Characteristik von Mackay und Swift's Note.
Swift's Wort kann gegen einen Schotten und Presbyterianer kein Gewicht
haben. Ich glaube jedoch, daß Carstairs, obgleich im Wesentlichen ein
rechtschaffener und frommer Mann, sein gutes Theil von der Klugheit der
Schlange besaß.]

[Fußnote 54: Sir Johann Dalrymple an Lord Melville, 18., 20., 25. Juni
1689; ^Leven and Melville Papers^.]

[Fußnote 55: In dem 1704 geschriebenen und in den ^Carstairs Papers^
abgedruckten Hyndford-Manuscripte kommt eine ergötzliche Beschreibung
Sir Patrick's vor: »Er liebt wohleinstudirte Reden und kann selbst
Privatfreunden ohne solche kaum Audienz geben.«]

[Fußnote 56: »Niemand ist thätiger als Saltoun, obgleich nicht
Mitglied.« Lockhart an Melville, 11. Juli 1689; ^Leven and Melville
Papers^. Siehe Fletcher's eigene Werke und die Beschreibungen von ihm in
Lockhart's und Mackay's Memoiren.]

[Fußnote 57: Dalrymple sagt in einem Briefe vom 5. Juni: »Alle
Uebelgesinnten sind aus Furcht in den Club gekommen, und sie stimmen
Alle gleich.«]

[Fußnote 58: Balcarras.]

[Fußnote 59: »Soll ich Sie mit einer Schilderung dieses unfruchtbaren
Landes langweilen, wo ich Sie über Berge, ganz braun von Haidekraut,
oder durch Thäler führen muß, welche kaum Futter genug für ein Kaninchen
enthalten? ... Jeder Punkt des Landes bietet die nämliche reizlose
Landschaft dar. Kein Gehölz oder Bach erfreut den Fremden durch seine
trauliche Musik.« -- Goldsmith an Bryanton, Edinburg, 26. September
1753. In einem bald nachher aus Leyden an den ehrwürdigen Thomas
Contarine geschriebenen Briefe sagt Goldsmith: »Ich war ganz versunken
in das Anschauen der Gegend. Nichts kann der Schönheit derselben
gleichkommen. Wohin ich den Blick wendete, überall zeigten sich schöne
Häuser, anmuthige Gärten, Statuen, Grotten und Fernsichten. Schottland
bildet mit diesem Lande den grellsten Contrast: dort versperren Hügel
und Felsen jede Aussicht; hier ist Alles eine ununterbrochene Ebene.«
Siehe den Anhang C. zum ersten Bande von Mr. Forster's ^Life of
Goldsmith^.]

[Fußnote 60: ^Northern Memoirs, by R. Franck Philanthropus, 1694.^ Der
Verfasser hatte etwas von der Scenerie der Hochlande gesehen, und er
spricht davon fast ganz so wie Burt unter der folgenden Generation: »Es
ist ein verwahrloster Theil der Schöpfung, Schutt, der beim Prachtbau
der Welt bei Seite geworfen wurde, und eben so arm an Form und Gestalt
wie die Eingebornen an Moral und guten Sitten.«]

[Fußnote 61: ^Journey through Scotland, by the author of the Journey
through England, 1723.^]

[Fußnote 62: Fast alle diese Umstände sind Burt's Briefen entlehnt.
Bezüglich des Theers ist meine Quelle Cleland's Poesie. In seinen Versen
über den »^Highland Host^« sagt er:

   »Dieweil sie sind beschmiert mit Theer,
   Der ihren Kopf und Hals beschützt,
   Ganz wie bei ihren Schafen.«]

[Fußnote 63: Ein schlagender Beleg für die Meinung, welche der Bewohner
des Niederlandes von dem Hochländer hegte und die sich von jenem auch
den Engländern mittheilte, findet man in einem Bande ^Miscellanies^, von
Afra Behn im Jahre 1685 herausgegeben. Eines der interessantesten Stücke
dieser Sammlung ist ein rohes und profanes schottisches Gedicht
betitelt: »Wie der erste Hochländer gemacht wurde.« Wie und aus welchen
Stoffen er gemacht wurde, wage ich nicht zu erzählen. Das unmittelbar
auf seine Schöpfung folgende Gespräch aber wird, wie ich hoffe, hier
ohne großen Anstoß einen Platz finden dürfen.

   Spricht Gott zum Hochlandsmann: »Wohin willst Du?«
   »Ich will ins Niederland hinab, o Herr, zu stehlen eine Kuh.«
   »Pfui!« sagt St. Peter, »wirst ein arger Sünder werden,
   Wenn Du schon stehlen willst, kaum angelangt auf Erden.«
   »Hm!« drauf der Hochlandsmann mit einem Schwure spricht,
   »So lang ich stehlen kann, arbeit' ich nicht.«

Ein andrer schottischer Niederländer, der tapfre Oberst Cleland,
beschreibt den Hochländer um die nämliche Zeit in gleicher Weise

   Ein einz'ges ihr mißfäll'ges Wort
   Kann treiben sie zu einem Mord.
   Und wollt Ihr wissen was sie thut?
   Sie lebt nur von gestohlnem Gut.

Ganz in ähnlichem Sinne sind die wenigen Worte, welche Franck
Philanthropus (1694) den Hochländern widmet: »Sie leben wie große Herren
und sterben wie Taugenichtse, hassen die Arbeit und haben keinen Kredit,
um zu borgen; sie unternehmen Raubzüge und bestehlen ihre Nachbarn.« In
der 1690 in Edinburg gedruckten ^History of the Revolution in Scotland^
kommt folgende Stelle vor: »Die schottischen Hochländer sind Elende, die
sich nur in so weit um Ehre, Freundschaft, Gehorsam und Regierung
kümmern, als sie sich durch eine Aenderung in den Angelegenheiten oder
durch eine Revolution in der Regierung Gelegenheit verschaffen können,
ihre Grenznachbarn zu bestehlen oder auszuplündern.«]

[Fußnote 64: Nachdem diese Stelle geschrieben war, fand ich mit großem
Vergnügen, daß Lord Fountainhall im Juli 1676 ganz den nämlichen
Vergleich anwendete, der mir aufgestoßen ist. Er sagt, daß Argyle's
ehrgeiziges Streben nach der Oberherrschaft über die Hochlande und über
die westlichen Inseln Mull, Ila &c. andere Clans zu einem Bündnisse
aufreizte, um ihn zu demüthigen, wie die Mächte Deutschland, Spanien,
Holland &c. sich gegen die Vergrößerung der französischen Macht
verbündeten.]

[Fußnote 65: In der Einleitung zu den Memoiren Sir Ewan Cameron's findet
sich eine sehr verständige Bemerkung: »Es mag paradox klingen, aber der
Herausgeber kann nicht umhin, die Vermuthung auszusprechen, daß die
Beweggründe, welche die Hochländer veranlaßten, den König Jakob zu
unterstützen, im Wesentlichen dieselben waren die diejenigen, unter
deren Einflusse die Anstifter der Revolution handelten.« Die ganze
Einleitung verdient überhaupt gelesen zu werden.]

[Fußnote 66: ^Skene's Highlanders of Scotland; Douglas's Baronage of
Scotland.^]

[Fußnote 67: Siehe ^The Memoirs of the Life of Sir Ewan Cameron^, und
^The Historical and Genealogical Account of the Clan Maclean, by a
Senachie^. Obgleich das letztgenannte Werk erst 1838 erschien, so
scheint doch der Verfasser desselben von einem eben so heftigen Hasse
beseelt gewesen zu sein als der, mit welchem die Macleans des 17.
Jahrhunderts die Campbells betrachteten. Auf dem kleinen Raume einer
einzigen Seite wird der Marquis von Argyle »der diabolische schottische
Cromwell«, »der gemeine, rachsüchtige Verfolger«, »der nichtswürdige
Verräther«, und »der Betrüger Argyle« genannt. Auf einer andren Seite
ist er »der heimtückische, an Schurkereien furchtbare Campbell«, »der
habgierige Sklave«, »der feige Argyle« und »der schottische Verräther.«
Auf der nächsten Seite heißt er »der niedrige und rachsüchtige Feind des
Hauses Maclean«, »der heuchlerische Covenanter«, »der unverbesserliche
Verräther«, »der feige und boshafte Feind.« Es ist ein Glück, daß so
heftige Leidenschaften sich heutzutage nur noch in Schmähungen Luft
machen können.]

[Fußnote 68: Brief von Avaux an Ludwig vom 6. (16.) April 1689, dem eine
Abhandlung beigeschlossen ist, betitelt: ^Mémoire du Chevalier
Macklean^.]

[Fußnote 69: Siehe die höchst interessanten Memoiren Sir Ewan Cameron's
von Lochiel, 1842 in Edinburg für den Abbotsfordclub gedruckt. Das
Manuscript muß mindestens hundert Jahre älter gewesen sein. Man
vergleiche auch in dem nämlichen Werke die Erzählung des Todes Sir
Ewan's, den ^Balhadie Papers^ entlehnt. Ich muß bemerken, daß der
Herausgeber der Memoiren Sir Ewan's zwar über die Angelegenheiten der
Hochlande und über den Character der vornehmsten Häuptlinge gut
unterrichtet, in Bezug auf englische Politik und Geschichte aber sehr
unwissend war. Ich will anführen, was Van Citters unterm 26. Nov. (6.
Dec.) 1689 über Lochiel an die Generalstaaten schrieb: »^Sir Evan
Cameron, Lord Locheale, een man -- soo ick hoor van die hem lange gekent
en dagelyk hebben mede omgegaan, -- van so groot verstant, courage, en
beleyt, als weyniges syns gelycke syn.^«]

[Fußnote 70: ^Act. Parl. July 5. 1661.^]

[Fußnote 71: Siehe Burt's dritten und vierten Brief. In den ersten
Ausgaben befindet sich eine Abbildung von dem Marktkeuze von Inverneß
und von dem Straßentheile, wo die Kaufleute ihre Zusammenkünfte hielten.

Ich muß hier bemerken, wie sehr ich Mr. Robert Carruthers verpflichtet
bin, der so freundlich war, mir manche interessante Auskunft über
Inverneß zu geben und mir einige Auszüge aus den städtischen Acten zu
liefern.]

[Fußnote 72: Ich verdanke Mr. Carruthers eine Abschrift von den
Forderungen der Macdonalds und von der Antwort des Stadtraths.]

[Fußnote 73: Colt's Aussage im Anhange zu den Parlamentsacten vom 14.
Juli 1690.]

[Fußnote 74: Siehe die Biographie Sir Ewan Cameron's.]

[Fußnote 75: ^Balcarras's Memoirs; History of the late Revolution in
Scotland.^]

[Fußnote 76: Unter den ^Nairne Papers^ in der Bodlejanischen Bibliothek
befindet sich ein interessantes Manuscript, betitelt: »^Journal de ce
qui c'est passé en Irlande depuis l'arrivée de sa Majesté.^« Es finden
sich in diesem Tagebuche englische und französische Anmerkungen und
Correcturen, die englischen von Jakob's Hand, die französischen von
Melfort's Hand. Die von Hamilton aufgefangenen Briefe sind darin
erwähnt, und zwar in einer Weise, welche deutlich zeigt, daß sie ächt
waren; auch findet man nirgends die geringste Andeutung, daß Jakob sie
gemißbilligt hätte.]

[Fußnote 77: »Der Viscount von Dundee«, schreibt Balcarras an Jakob,
»dachte auch nicht daran, ohne weitere Befehle von Ihnen nach den
Hochlanden zu gehen, bis eine Truppenabtheilung zu seiner Verhaftung
ausgesandt wurde.«]

[Fußnote 78: Siehe den an Jakob nach Irland gesandten Bericht, den er am
7. Juli 1689 empfing. Er befindet sich unter den ^Nairne Papers^. Ferner
sehe man die Memoiren Dundee's, 1714, Sir Ewan Cameron's, Balcarras' und
Mackay's. Diese Erzählungen stimmen jedoch weder mit einander noch mit
den Mittheilungen, die ich aus Inverneß erhielt, völlig überein.]

[Fußnote 79: Memoiren Dundee's; Tarbet an Melville von 1. Juni 1689 in
den ^Leven and Melville Papers^.]

[Fußnote 80: Erzählung in den ^Nairne Papers^, Aussagen Colt's,
Osburne's, Malcolm's und Stewart's von Ballachan im Anhange zu den
Parlamentsacten vom 14. Juli 1690; ^Memoirs of Sir Ewan Cameron^. Einige
wenige Züge habe ich einer englischen Uebersetzung einiger Stellen aus
einem verloren gegangenen epischen Gedicht in lateinischer Sprache, die
Grameis genannt, entnommen. Der Verfasser desselben war ein eifriger
Jakobit, Namens Philipps. Die im Jahre 1714 erschienenen Memoiren
Dundee's habe ich nur selten und nie ohne Mißtrauen benutzt. Der
Herausgeber derselben war gewiß nicht, wie er vorgiebt, einer von
Dundee's Offizieren, sondern ein einfältiger und unwissender Scribent
aus Grub Street. Seine Angaben in Betreff des Schauplatzes wie des
Datums der Schlacht von Killiecrankie sind ganz falsch. Er sagt, sie sei
an den Ufern des Tummell und am 13. Juni geschlagen worden. Aber sie
wurde an den Ufern des Garry und am 27. Juli geschlagen. Nachdem ich ein
solches Beispiel von Ungenauigkeit angeführt, würde es unnütz sein,
kleinere Fehler nachzuweisen.]

[Fußnote 81: Aus einem Briefe von Archibald, Earl von Argyle, an
Lauderdale, datirt vom 25. Juni 1664, ist ersichtlich, daß
hunderttausend schottische Mark, das heißt wenig mehr als fünftausend
Pfund Sterling, damals alle Ansprüche Mac Callum More's an seine
Nachbarn so ziemlich befriedigt haben würden.]

[Fußnote 82: ^Mackay's Memoirs^; Tarbet an Melville vom 1. Juni 1689 in
den ^Leven and Melville Papers^; Dundee an Melfort vom 27. Juni in den
^Nairne Papers^.]

[Fußnote 83: Siehe Mackay's Memoiren und seinen Brief an Hamilton vom
14. Juni 1689.]

[Fußnote 84: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 85: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 86: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 87: Dundee an Melfort, 27. Juni 1689.]

[Fußnote 88: Siehe ^Faithful Contendings Displayed^, namentlich die
Verhandlungen vom 29. und 30. April und vom 13. und 14. Mai 1689; die
Petition des Regiments an das Parlament vom 18. Juli 1689; den Protest
Sir Robert Hamilton's vom 6. November 1689, und die ermahnende Epistel
an das Regiment vom 27. März 1690. Die »Societätsleute«, wie sie sich
nannten, scheinen besonders über die Art und Weise entrüstet gewesen zu
sein, wie der Geburtstag des Königs begangen worden war. »Wir hoffen«,
schrieben sie, »daß Ihr ebenso gegen die Feier von Geburtstagen seid wie
wir, und daß Ihr bereuen werdet, was Ihr gethan habt.« Ueber die
Meinungen und den Character Alexander Shield's sehe man sein ^Hind Let
Loose^.]

[Fußnote 89: ^Siege of the Castle of Edinburgh, printed for the
Bannatyne Club London Gazette, June 10. (20.) 1689.^]

[Fußnote 90: ^Act. Parl. Scot. June 5., 17. 1689.^]

[Fußnote 91: Die Instructionen findet man in den Somers'schen
Schriften.]

[Fußnote 92: Ueber Sir Patrick's Ansichten siehe seinen Brief vom 7.
Juni und Lockhart's Brief vom 11. Juli, in den ^Leven and Melville
Papers^.]

[Fußnote 93: Meine Hauptmaterialien für die Geschichte dieser Session
waren die Acten, die Protokolle und die ^Leven and Melville Papers^.]

[Fußnote 94: »Athol,« sagt Dundee verächtlich, »ist nach England
gegangen, da er nicht wußte, was er thun sollte.« Dundee an Melfort, 27.
Juni 1689. Siehe Athol's Briefe an Melville vom 21. Mai und 8. Juni, in
den ^Leven and Melville Papers^.]

[Fußnote 95: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 96: ^Mackay's Memoirs.^]

[Fußnote 97: ^Mackay's Memoirs.^]

[Fußnote 98: Van Odyck an den Greffier der Generalstaaten, 2. (12.)
August, 1689.]

[Fußnote 99: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 100: ^Balcarras's Memoirs.^]

[Fußnote 101: ^Mackay's Short Relation, Aug. 17, 1689.^]

[Fußnote 102: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 103: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron, Mackay's Memoirs.^]

[Fußnote 104: ^Douglas's Baronage of Scotland.^]

[Fußnote 105: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 106: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 107: Ueber die Schlacht siehe Mackay's Memoiren und Briefe und
seine ^Short Relation^; ferner die Memoiren Dundee's und Sir Ewan
Cameron's, Nisbet's und Osburne's Aussagen im Anhange zu den
Parlamentsacten vom 14. Juli 1690. Auch sehe man den Bericht über die
Schlacht in einem von Burt's Briefen. Macpherson druckte einen vom Tage
nach der Schlacht datirten Brief von Dundee an Jakob. Ich brauche nicht
zu sagen, daß dies eine eben so schamlose Fälschung ist wie Fingal. Der
Herausgeber der Memoiren Dundee's sagt, Lord Leven sei durch den Anblick
der hochländischen Waffen erschreckt worden und habe das Beispiel der
Flucht gegeben. Dies ist eine abscheuliche Lüge. Daß Leven sich ganz
vorzüglich gut benahm, beweisen Mackay's Memoiren, Briefe und ^Short
Relation^.]

[Fußnote 108: ^Mackay's Memoirs; Life of General Hugh Mackay by Mackay
of Bockfield.^]

[Fußnote 109: Brief der außerordentlichen Gesandten an den Greffier der
Generalstaaten vom 2. (12.) August 1689 und ein Brief von Van Odyck, der
sich in Hampton Court befand, von dem nämlichen Datum.]

[Fußnote 110: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron; Memoirs of Dundee.^]

[Fußnote 111: Die Tradition ist bestimmt über hundertzwanzig Jahr alt.
Der Stein wurde Burt gezeigt.]

[Fußnote 112: Siehe die Geschichte, welche den Gedichten Alexander
Robertson's vorausgeschickt ist. In dieser Geschichte heißt es von ihm,
er habe sich vor der Schlacht von Killiecrankie angeschlossen. Aus einer
Zeugenaussage im Anhange zu den ^Act. Parl. Scot.^ vom 14. Juli 1690
aber ergiebt sich, daß er erst am folgenden Tage eintraf.]

[Fußnote 113: ^Mackay's Memoirs.^]

[Fußnote 114: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 115: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 116: ^Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 117: Siehe Portland's Briefe an Melville vom 22. April und 15.
Mai 1690 in den ^Leven and Melville Papers^.]

[Fußnote 118: ^Mackay's Memoirs; Memoirs of Sir Ewan Cameron.^]

[Fußnote 119: ^Exact Narrative of the Conflict at Dunkeld between the
Earl of Angus's Regiment and the Rebels, collected from several
Officiers of that Regiment who were Actors in or Eyewitnesses of all
that's here narrated. In Reference to those Actions^; Brief von Leutnant
Blackader an seinen Bruder, datirt Dunkeld, 21. August 1689; ^Faithful
Contendings Displayed^; Protokoll des schottischen Geheimraths vom 28.
August, citirt von Mr. Burton.]

[Fußnote 120: Die schottischen natürlich. -- Der Uebers.]

[Fußnote 121: Die Geschichte Schottland's während dieses Herbstes läßt
sich am besten in den ^Leven and Melville Papers^ studiren.]



                         Vierzehntes Kapitel.
                          Wilhelm und Marie.


Inhalt.

                                                                   Seite
   Zwistigkeiten im englischen Parlament                               5
   Russell's Todesurtheil umgestoßen                                   5
   Umstoßung anderer Verurtheilungen                                   7
   Das Erkenntniß gegen Samuel Johnson                                 7
   Das Erkenntniß gegen Devonshire                                     8
   Das Erkenntniß gegen Oates                                          8
   Rechtsbill                                                         14
   Streitigkeiten wegen einer Indemnitätsbill                         16
   Die letzten Tage Jeffreys'                                         18
   Die Whigs unzufrieden mit dem Könige                               21
   Maßlose Heftigkeit Howe's                                          22
   Angriff gegen Caermarthen                                          22
   Angriff auf Halifax                                                23
   Vorbereitungen zu einem Feldzuge in Irland                         26
   Schomberg                                                          27
   Unterbrechung der Parlamentssitzungen                              28
   Zustand Irland's -- Rath Avaux'                                    28
   Entlassung Melfort's                                               32
   Schomberg landet in Ulster                                         32
   Carrickfergus genommen                                             32
   Schomberg rückt weiter nach Leinster                               33
   Die englische und die irische Armee campiren nahe bei einander     33
   Schomberg lehnt eine Schlacht ab                                   34
   Betrügereien des englischen Kriegscommissariats                    34
   Verschwörung unter den in englischen Diensten stehenden            36
      französischen Truppen
   Pestilenz in der englischen Armee                                  36
   Die englische und die irische Armee beziehen ihre                  38
      Winterquartiere
   Verschiedene Meinungen über Schomberg's Verfahren                  39
   Marineangelegenheiten                                              40
   Torrington's schlechte Verwaltung                                  41
   Die festländischen Angelegenheiten                                 42
   Gefecht bei Walcourt                                               43
   Anschuldigungen gegen Marlborough                                  44
   Alexander VIII. folgt Innocenz XI. auf dem päpstlichen Stuhle      45
   Der Klerus der Hochkirche über die Angelegenheit der Eide          45
      gespalten
   Argumente für Leistung der Eide                                    46
   Argumente gegen die Eidesleistung                                  48
   Die große Mehrheit des Klerus leistet die Eide                     52
   Die Eidverweigerer                                                 53
   Ken                                                                54
   Leslie                                                             55
   Sherlock                                                           56
   Hickes                                                             57
   Collier                                                            58
   Dodwell                                                            59
   Kettlewell. Fitzwilliam                                            60
   Allgemeiner Character des eidverweigernden Klerus                  61
   Der Comprehensionsplan. Tillotson                                  64
   Eine kirchliche Commission ernannt                                 65
   Maßregeln der Commission                                           66
   Die Convocation der Provinz Canterbury einberufen. Stimmung        70
      des Klerus
   Die Geistlichkeit unzufrieden mit dem König                        70
   Der Klerus durch das Verhalten der schottischen Presbyterianer     72
      gegen die Dissenters erbittert
   Einrichtung der Convocation                                        74
   Wahl der Convocationsmitglieder                                    75
   Verleihung geistlicher Aemter                                      75
   Compton ist unzufrieden                                            76
   Zusammentritt der Convocation                                      77
   Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation überwiegend      78
   Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Häusern der            79
      Convocation
   Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam           80
   Die Convocation prorogirt                                          81


Zwistigkeiten im englischen Parlament.

Vierundzwanzig Stunden vor dem Augenblicke, wo der Krieg in Schottland
durch die Niederlage der celtischen Armee bei Dunkeld beendigt wurde,
ging das Parlament zu Westminster auseinander. Die beiden Häuser waren
seit dem Monat Januar ununterbrochen versammelt gewesen. Die in einen
engen Raum eingepferchten Gemeinen hatten viel von der Hitze und
Unbehaglichkeit zu leiden gehabt und die Gesundheit manches Mitgliedes
war erschüttert worden. Das Ergebniß stand jedoch in keinem Verhältniß
zu der gehabten Arbeit. Die letzten drei Monate der Session waren fast
ganz mit Streitereien vergeudet worden, welche im Gesetzbuche keine Spur
zurückgelassen haben. Das Fortschreiten heilsamer Gesetze war durch
Häkeleien bald zwischen den Whigs und Tories, bald zwischen den Lords
und den Gemeinen gehemmt worden.

Die Revolution war kaum vollbracht, so zeigte es sich auch schon, daß
die Freunde der Ausschließungsbill ihre Leiden während des Uebergewichts
ihrer Feinde nicht vergessen hatten und daß sie sowohl Genugthuung
erlangen als Rache üben wollten. Schon vor der Wiederbesetzung des
Thrones ernannten die Lords einen Ausschuß, um zu untersuchen, was an
den grauenvollen Geschichten, welche über den Tod Essex' circulirten,
Wahres sei. Der aus eifrigen Whigs bestehende Ausschuß setzte seine
Untersuchungen so lange fort, bis alle vernünftigen Männer die
Ueberzeugung gewonnen hatten, daß er durch seine eigne Hand gefallen
war, und bis seine Gattin, seine Brüder und seine intimsten Freunde die
Nachforschungen nicht weitergeführt zu sehen wünschten.[1]


Russell's Todesurtheil umgestoßen.

Das Gedächtniß und die Familien, einiger anderer Opfer, welche dem
Bereiche menschlicher Macht entrückt waren, wurden ebenfalls, ohne
Opposition von Seiten der Tories, rehabilitirt. Bald nachdem die
Convention in ein Parlament verwandelt worden war, wurde den Peers eine
Bill zur Umstoßung des Todesurtheils Lord Russell's vorgelegt, rasch von
ihnen angenommen, in's Unterhaus geschickt und hier mit ungewöhnlichen
Zeichen von Bewegung begrüßt. Viele von den Mitgliedern hatten mit
Russel in dieser Kammer gesessen. Er hatte darin lange einen Einfluß
ausgeübt, ähnlich dem, welchen der wackere und menschenfreundliche
Althorpe, dessen sich Leute dieser Generation noch erinnerten, einst
ausübte, einen Einfluß, der seinen Grund nicht in überlegener
Gewandtheit in der Debatte oder im Vortrage, sondern in einer makellosen
Rechtschaffenheit, in einem schlichten gesunden Verstande und in jener
Freimüthigkeit, Einfachheit und Gutherzigkeit hatte, welche bei einem
durch Geburt und Vermögen hoch über seinen Nebenmenschen stehenden Manne
ganz besonders einnehmend und gewinnend sind. Die Whigs hatten in
Russell ein Oberhaupt verehrt und seine politischen Gegner hatten
zugegeben, daß er, wenn er nicht durch minder achtungswerthe und
schlauere Genossen als er irregeleitet würde, ein so braver und
gutherziger Gentleman sei wie irgend einer in England. Die männliche
Festlichkeit und christliche Ergebung, womit er in den Tod gegangen war,
die Trauer seines edlen Hauses, der Schmerz seines der Stütze beraubten
Vaters, die vernichtete Zukunft seiner verwaisten Kinder,[2] und vor
Allem der Verein von weiblicher Zärtlichkeit und engelgleicher Geduld in
der Frau, die dem wackeren Dulder das Theuerste gewesen war, die vor den
Schranken des Gerichts mit der Feder in der Hand an seiner Seite
gesessen, die düstre Einsamkeit seines Kerkers erheitert und an seinem
letzten Tage die Denkwürdigkeit des großen Opfers mit ihm getheilt,
hatten die Herzen vieler gerührt, welche sonst nicht gewohnt waren,
einen Gegner zu bemitleiden. Daß Russell viele gute Eigenschaften
besessen, daß er den besten Willen gehabt hatte und daß man hart gegen
ihn verfahren war, wurde jetzt selbst von höfischen Juristen, welche
sein Blut hatten vergießen helfen, und von höfischen Theologen
zugegeben, welche ihr Möglichstes gethan hatten, um seinen Ruf zu
verunglimpfen. Als daher das Pergament, welches sein Todesurtheil
annullirte, auf den Tisch der Versammlung gelegt wurde, in der noch vor
acht Jahren seine Züge und seine Stimme so wohl bekannt gewesen, war die
Aufregung groß. Ein bejahrtes whiggistisches Mitglied versuchte zu
sprechen, wurde aber von seinen Gefühlen überwältigt. »Ich kann,« sagte
er, »den Namen Mylord Russell's nicht aussprechen, ohne tief ergriffen
zu werden. Es genügt ihn zu nennen. Mehr vermag ich nicht zu sagen.«
Viele Blicke richteten sich nach der Gegend des Saales, wo Finch saß.
Die höchst ehrenwerthe Art und Weise, wie er ein einträgliches Amt
niedergelegt, sobald er sich überzeugt hatte, daß er es nicht behalten
konnte, ohne das Dispensationsrecht zu unterstützen, und die bedeutende
Rolle, die er bei der Vertheidigung der Bischöfe gespielt, hatten viel
dazu beigetragen, seine Fehler wieder gut zu machen. Doch an diesem Tage
konnte man sich der Erinnerung nicht erwehren, daß er eifrig bemüht
gewesen war als Kronanwalt das Urtheil auszuwirken, das jetzt feierlich
widerrufen werden sollte. Er erhob sich und versuchte sein Verfahren zu
rechtfertigen, aber weder sein juristischer Scharfsinn, noch der
fließende und wohlklingende Vortrag, der eine erbliche Gabe in seiner
Familie war und dessen sich kein Mitglied seiner Familie in reicherem
Maße erfreute als er, halfen ihm bei dieser Gelegenheit etwas. Das Haus
war nicht in der Stimmung ihn anzuhören und unterbrach ihn mehrmals mit
dem Rufe »zur Ordnung.« Er sei, sagte man ihm, mit großer Nachsicht
behandelt und nicht in Anklagestand versetzt worden. Warum versuche er
jetzt, unter dem Vorwande, sich zu rechtfertigen, entehrende
Beschuldigungen auf einen berühmten Namen zu werfen und einen Justizmord
zu entschuldigen? Er mußte sich wieder setzen, nachdem er erklärt hatte,
daß er sich nur von der Anschuldigung habe reinigen wollen, die Grenzen
seiner Amtspflicht überschritten zu haben, daß er jede Absicht, das
Gedächtniß Lord Russell's zu verunglimpfen, zurückweise, und daß ihn die
Umstoßung des Urtels aufrichtig freuen werde. Ehe das Haus
auseinanderging, wurde die Bill noch einmal verlesen, und sie würde auf
der Stelle zum dritten Male verlesen und angenommen worden sein, wären
nicht einige Zusätze und Auslassungen vorgeschlagen worden, von denen
man glaubte, daß sie die Genugthuung vollständiger machen würden. Die
Amendements wurden mit großer Eil entworfen, die Lords stimmten
denselben bei, und der König gab mit Freuden seine Genehmigung.[3]


Umstoßung anderer Verurtheilungen.

Dieser Bill folgten bald drei andere, welche drei abscheuliche und
empörende Todesurtheile annullirten: das Todesurtheil Sidney's, das
Todesurtheil Cornish's und das Todesurtheil der Alice Lisle.[4]


Das Erkenntniß gegen Samuel Johnson.

Einige noch lebende Whigs erlangten ohne Mühe Genugthuung für Unbilden,
die sie unter der vorigen Regierung erlitten hatten. So wurde das
Erkenntniß gegen Samuel Johnson von den Gemeinen in Erwägung gezogen.
Die Resolution lautete dahin, daß die ihm zuerkannte körperliche
Züchtigung grausam sei und daß seine Degradation keine Rechtskraft habe.
Der letztere Punkt konnte nicht bestritten werden, denn Johnson war
durch die Prälaten degradirt worden, welche die Diöcese London während
Compton's Suspension verwaltet hatten. Compton aber war durch ein Decret
der Hohen Commission suspendirt worden, und die Decrete der Hohen
Commission wurden allgemein als ungültig anerkannt. Johnson war daher
seines Priesterrocks durch Personen beraubt worden, welche keine
Jurisdiction über ihn hatten. Die Gemeinen ersuchten den König, daß er
den Dulder durch ein geistliches Amt entschädigen möchte.[5] Wilhelm
überzeugte sich jedoch, daß er diesem Gesuche ohne große Inconvenienz
nicht willfahren könne. Denn Johnson war, obgleich muthig, rechtschaffen
und religiös, doch stets heftig, widersetzlich und streitsüchtig
gewesen, und seitdem er um seiner Meinungen willen Qualen erduldet
hatte, welche schrecklicher waren als der Tod, hatten sich die Schwächen
seines Characters und seines Verstandes dergestalt verschlimmert, daß er
den Niederkirchlichen eben so unangenehm war als den Hochkirchlichen.
Gleich vielen anderen Menschen, welche durch Vergnügen, Gewinn oder
Gefahr nicht vorn Pfade des Rechts abgebracht werden können, hielt er
die Regungen seines Stolzes und seines Hasses irrig für die Mahnungen
des Gewissens und betrog sich in den Glauben hinein, daß er, indem er
Freunden wie Feinden ohne Unterschied mit Anmaßung und Bitterkeit
begegnete, nur seinen christlichen Glauben und Muth beweise. Burnet
machte ihn sich zum Todfeinde, weil er ihn zur Geduld und zum Vergeben
von Ungerechtigkeiten ermahnte. »Sagt Sr. Lordschaft,« antwortete der
unbeugsame Priester, »er möge sich um seine Angelegenheiten kümmern und
mich für die meinigen selbst sorgen lassen.[6]« Man begann bald zu
munkeln, daß Johnson den Verstand verloren habe. Er beschuldigte Burnet
der Urheberschaft dieses Gerüchts und rächte sich durch Schmähschriften,
deren maßlose Heftigkeit die Behauptung, die sie widerlegen sollten, nur
bestätigten. Der König hielt es daher für besser, aus seiner
Privatchatulle eine freigebige Entschädigung für das Unrecht zu
bewilligen, von dem die Gemeinen ihn in Kenntniß gesetzt hatten, als
einem überspannten und reizbaren Manne eine angesehene des öffentlichen
Vertrauens bedürfende Stellung zu übertragen. Johnson erhielt ein
Geschenk von tausend Pfund und eine jährliche Pension von dreihundert
Pfund für sich und seinen nächsten Leibeserben. Sein Sohn wurde überdies
im Dienste angestellt.[7]


Das Erkenntniß gegen Devonshire.

Während die Gemeinen das Urtheil Johnson's in Erwägung zogen,
untersuchten die Lords mit Strenge das Prozeßverfahren, welches unter
der vorigen Regierung gegen ein Mitglied ihres eignen Standes, den Earl
von Devonshire, eingeleitet worden war. Die Richter, welche über ihn
abgeurtheilt hatten, wurden umständlich ausgefragt und eine Resolution
angenommen, welche erklärte, daß in seinem Falle die Vorrechte der
Pairie verletzt und daß der Gerichtshof der Kings Bench, indem er einen
übereilten Schlag mit einer Geldbuße von dreißigtausend Pfund bestraft,
der gemeinen Justiz und der großen Charte Gewalt angethan habe.[8]


Das Erkenntniß gegen Oates.

In den vorerwähnten Fällen scheinen alle Parteien in der Ansicht
übereingestimmt zu haben, daß eine öffentliche Genugthuung angemessen
sei. Bald aber wurden die heftigsten Leidenschaften der Whigs wie der
Tories durch die geräuschvollen Ansprüche eines Schurken erregt, dessen
Leiden, so hart sie auch scheinen mochten, im Vergleich mit seinen
Verbrechen unbedeutend gewesen waren. Oates war zurückgekommen, wie ein
Geist von der Richtstätte, um die Orte heimzusuchen, die er durch seine
Verbrechen befleckt hatte. Die ersten vierthalb Jahre nach seiner
Züchtigung hatte er in einer Zelle von Newgate zugebracht, die er nur
verlassen, wenn er an den Jahrestagen seiner Meineide an den Pranger
gestellt wurde. Viele Fanatiker sahen jedoch immer noch einen Märtyrer
in ihm, und man sagte sie hätten seine Kerkermeister in so weit zu
bestechen vermocht, daß seine Leiden, trotz der bestimmtesten Befehle
von Seiten der Regierung, durch manche Begünstigungen gemildert worden
seien. Während andere Gefangene, welche im Vergleich zu ihm unschuldig
waren, bei der Gefängnißkost abmagerten, wurde sein Tisch mit
Truthühnern und Lendenbraten, mit Kapaunen und Spanferkeln, mit
Wildpasteten und Körben Claret, den Spenden eifriger Protestanten
besetzt.[9] Als Jakob von Whitehall geflüchtet und London in Bestürzung
war, wurde in dem Rathe der Lords, welche die Leitung der Geschäfte
provisorisch übernommen hatten, die Freilassung des Oates beantragt. Der
Antrag wurde verworfen,[10] aber die Kerkermeister, welche nicht wußten,
wem sie in dieser Zeit der Anarchie gehorchen sollten und die es mit
einem Manne nicht verderben wollten, der einst ein furchtbarer Feind
gewesen war und es vielleicht wieder werden konnte, erlaubten ihrem
Gefangenen, frei in der Stadt umherzugehen.[11] Seine mißgestalteten
Beine und sein häßliches Gesicht, das durch den Verlust der
abgeschnittenen Ohren noch mehr entstellt worden, waren jetzt wieder
täglich in Westminsterhall und im Court of Requests zu sehen.[12] Er
hing sich an seine alten Gönner und gab ihnen in der schleppenden
Sprache, die er als ein Zeichen von Vornehmheit affectirte, die
Geschichte seiner Leiden und seiner Hoffnungen. Es sei unmöglich, sagte
er, daß jetzt, wo die gute Sache gesiegt habe, der Entdecker des
Complots übergangen werden könne. »Karl gab mir neunhundert Pfund
jährlich. Gewiß, Wilhelm wird mir mehr geben.«[13]

In wenigen Wochen brachte er sein Erkenntniß durch eine
Nichtigkeitsbeschwerde in das Haus der Lords. Dies ist ein
Appellationsact, welcher keine Thatbestandsfrage zur Erörterung bringt.
Während die Lords über die Nichtigkeitsbeschwerde zu Gericht saßen,
waren sie nicht berechtigt zu untersuchen, ob das Verdict, welches Oates
für schuldig erklärte, den Beweisen entsprach oder nicht. Sie hatten nur
zu erwägen, ob das Erkenntniß, angenommen auch, daß das Verdict den
Beweisen entsprach, gesetzmäßig war. Aber es würde selbst einem aus
altgedienten Magistratsbeamten bestehenden Tribunal schwer geworden
sein, und war einer Versammlung von Edelleuten, die sich alle stark zu
dieser oder jener Seite hinneigten und unter denen sich damals nicht ein
einziger befand, dessen Geist durch das Studium der Jurisprudenz
gebildet gewesen wäre, fast unmöglich, unverwandt auf den bloßen
Rechtspunkt zu blicken und von den speciellen Umständen des Falles
gänzlich zu abstrahiren. In den Augen einer Partei, die allerdings
selbst unter den whiggistischen Peers wahrscheinlich eine Minorität
bildete, war der Appellant ein Mann, der der Sache der Freiheit und der
Religion unschätzbare Dienste geleistet und der dafür mit einer
langjährigen Haft, mit entehrender Ausstellung und mit einer Tortur
belohnt worden war, an die man nicht ohne Schaudern zurückdenken konnte.
Die Majorität des Hauses betrachtete ihn jedoch richtiger als das
falscheste, böswilligste und schamloseste Geschöpf, das je den Namen
Mensch geschändet hatte. Bei dem Anblicke dieser frechen Stirn, bei dem
Tone dieser lügnerischen Zunge verloren sie alle Selbstbeherrschung.
Viele von ihnen erinnerten sich ohne Zweifel mit Beschämung und Reue,
daß sie sich von ihm hatten täuschen lassen und daß er sie noch das
letzte Mal wo er vor ihnen stand, durch einen Meineid bewogen hatte, das
Blut eines Mitglieds ihres eigenen hohen Standes zu vergießen. Es ließ
sich nicht erwarten, daß eine von solchen Gefühlen beseelte Versammlung
von Gentlemen mit der kalten Unparteilichkeit eines Gerichtshofes
verfahren werde. Ehe sie zu einer Entscheidung der Rechtsfrage kamen,
welche Titus ihnen vorgelegt hatte, hingen sie ihm eine Reihe von
Prozessen an. Er hatte eine Schrift drucken lassen, die seine Verdienste
und seine Leiden verherrlichte. Die Lords fanden einen Vorwand, um diese
Publikation eine Privilegiumsverletzung zu nennen und schickten ihn in
das Marschallgefängniß. Er petitionirte um seine Freilassung, aber es
wurde gegen sein Gesuch ein Einwurf geltend gemacht. Er hatte sich als
Doctor der Theologie gerirt, und ihre Lordschaften wollten ihn als
solchen nicht anerkennen. Er wurde vor ihre Schranken geführt und
gefragt, wo er graduirt worden sei. Seine Antwort lautete: »Auf der
Universität Salamanca.« Dies war ein neues Beispiel von seiner
Lügenhaftigkeit und Frechheit. Sein Salamanca-Doctortitel war viele
Jahre lang ein Lieblingsthema für alle toryistischen Satyriker von
Dryden abwärts, und selbst auf dem Festlande wurde der »Salamancadoctor«
ein allgemein gebräuchlicher Spottname.[14] Die Lords vergaßen in ihrem
Hasse gegen Oates die Würde ihres Standes so weit, daß sie diese
lächerliche Geschichte ernsthaft behandelten. Sie befahlen ihm, die
Worte »Doctor der Theologie« in seiner Petition zu streichen, er
entgegnete darauf, daß er dies mit gutem Gewissen nicht thun könne, und
in Folge dessen wurde er ins Gefängniß zurückgeschickt.[15]

Diese Präliminarien ließen unschwer errathen, welches Schicksal die
Nichtigkeitsbeschwerde haben würde. Oates' Vertheidiger war gehört
worden, und es trat kein Advokat gegen ihn auf. Die Richter wurden
aufgefordert, ihre Meinung abzugeben. Es waren neun von ihnen anwesend
und unter diesen neun befanden sich die Präsidenten der drei
Gerichtshöfe des gemeinen Rechts. Der einstimmige Ausspruch dieser
erfahrenen, gelehrten und rechtschaffenen Magistratspersonen lautete
dahin, daß der Gerichtshof der Kings Bench nicht befugt sei, einen
Priester seines heiligen Amtes zu entsetzen oder auf lebenslängliche
Haft zu erkennen und daß daher das Urtheil gegen Oates gesetzwidrig sei
und umgestoßen werden müsse. Die Lords hätten sich unzweifelhaft durch
diesen Ausspruch für gebunden erachten sollen. Daß sie Oates als den
schlechtesten Menschen von der Welt kannten, that nichts zur Sache. Für
sie, in ihrer Eigenschaft als Gerichtshof, mußte er ein Apellant sein
wie jeder andre. Aber ihr Unwille war heftig erregt und ihre
Gewohnheiten waren nicht von der Art, um sie zur Erfüllung richterlicher
Pflichten tauglich zu machen. Die Debatte drehte sich fast
ausschließlich um Dinge, welche gar nicht hatten erwähnt werden sollen.
Nicht ein einziger Peer hatte den Muth zu behaupten, daß das Urtheil
rechtskräftig sei; dagegen wurde viel von dem abscheulichen Character
des Apellanten, von der frechen Beschuldigung, die er gegen Katharine
von Braganza erhoben, und von den schlimmen Consequenzen gesprochen,
welche daraus hervorgehen müßten, wenn ein so schlechter Mensch als
Zeuge auftreten dürfe. »Es giebt nur eine Bedingung,« sagte der
Lordpräsident, »unter der ich mich dazu verstehen kann, das Urtel dieses
Menschen umzustoßen. Er ist von Aldgate nach Tyburn gepeitscht worden:
er muß von Tyburn nach Aldgate zurück gepeitscht werden.« Die Fragen
wurden gestellt. Zwanzig Peers stimmten für Umstoßung des Urtels,
fünfunddreißig für Bestätigung desselben.[16]

Diese Entscheidung machte großes Aufsehen, und nicht ohne Grund. Jetzt
wurde eine Frage erhoben, welche mit Recht die Besorgniß Jedermann's im
ganzen Königreiche erwecken mußte. Die Frage war die, ob es dem höchsten
Tribunale, dem Tribunale, von welchem in letzter Instanz die
werthvollsten Interessen jedes englischen Unterthanen abhingen,
freistehe, Rechtsfragen nach anderen als Rechtsgründen zu entscheiden
und einem Rechtsuchenden wegen der Verderbtheit seines moralischen
Characters sein anerkanntes gesetzliches Recht vorzuenthalten. Daß dem
höchsten Appellhofe nicht gestattet sein dürfe, unter den Formen einer
ordentlichen Justiz eine willkürliche Gewalt auszuüben, das fühlten die
talentvollsten Männer im Hause der Gemeinen tief, und Niemand tiefer als
Somers. Ihm und Denen, welche wie er argumentirten, stimmten in diesem
Falle eine Menge schwacher und hitzköpfiger Zeloten bei, welche Oates
noch immer als einen Volkswohlthäter betrachteten und glaubten, die
Existenz des papistischen Complots in Zweifel ziehen heiße eben so viel
als die Wahrheit der protestantischen Religion in Zweifel ziehen. Noch
denselben Morgen, nachdem die Peers ihre Entscheidung abgegeben hatten,
hörte man im Hause der Gemeinen sehr nachdrückliche Aeußerungen über die
Gerechtigkeit Ihrer Lordschaften. Drei Tage darauf wurde der Gegenstand
durch ein whiggistisches Mitglied des Geheimrath, Sir Robert Howard,
Abgeordneter für Castle Rising, zur Sprache gebracht. Er gehörte der
Berkshirelinie seiner vornehmen Familie an, einer Linie, die sich damals
der nicht beneidenswerthen Auszeichnung erfreute, ungemein fruchtbar an
schlechten Versmachern zu sein. Die Poesie der Howards von Berkshire war
der Spott dreier Generationen von Satyrikern. Der Spaß begann mit der
ersten Aufführung der »Rehearsal« und dauerte bis zur letzten Ausgabe
der »Dunciade«.[17] Aber trotz seiner schlechten Verse und einiger
Schwächen und Eitelkeiten, wegen denen er unter dem Namen Sir Positive
Atall auf die Bühne gebracht wurde, besaß Sir Robert im Parlamente das
Gewicht, das ein standhafter Parteimann von großem Vermögen, angesehenem
Namen, gewandtem Vortrage und entschlossenem Geiste fast immer
besitzt.[18] Als er sich erhob, um die Aufmerksamkeit der Gemeinen für
den Rechtsfall Oates' in Anspruch zu nehmen, begrüßten ihn einige
Tories, die von den nämlichen Leidenschaften beseelt waren, welche in
dem andren Hause vorherrschend gewesen, mit lautem Zischen. Trotz dieser
höchst unparlamentarischen Beleidigung beharrte er in seinem Vorhaben,
und es zeigte sich bald, daß er die Majorität für sich hatte. Einige
Redner priesen Oates' Patriotismus und Muth, andere sprachen ausführlich
über ein umlaufendes Gerücht, daß die Anwälte, deren sich die Krone
gegen ihn bedient, bedeutende Summen Geldes unter die Geschwornen
vertheilt hätten. Dies waren jedoch Dinge, in Bezug auf welche große
Meinungsverschiedenheit herrschte. Daß aber das Erkenntniß ungesetzlich
war, ließ sich nicht bestreiten. Die ausgezeichnetsten Juristen im Hause
der Gemeinen erklärten, daß sie in diesem Punkte mit dem Ausspruche, den
die Richter im Hause der Lords abgegeben, vollkommen übereinstimmten.
Die, welche gezischt hatten, als der Gegenstand zur Sprache gebracht
wurde, waren so wirksam eingeschüchtert, daß sie nicht auf Abstimmung
anzufragen wagten, und eine das Urtel annullirende Bill wurde ohne
Opposition eingebracht.[19]

Die Lords befanden sich in einer kritischen Lage. Den Ausspruch zu
widerrufen, wäre unangenehm gewesen, und sich in einen Streit mit dem
Unterhause über einen Gegenstand einzulassen, bezüglich dessen dieses
Haus klar im Rechte war und zu gleicher Zeit durch die Ansichten der
Rechtskundigen wie durch die Leidenschaften des Pöbels unterstützt
wurde, konnte gefährlich werden. Man hielt es daher für passend, einen
Mittelweg einzuschlagen. Es wurde eine Adresse an den König gerichtet,
die ihn ersuchte, Oates zu begnadigen.[20] Diese Concession aber machte
das Uebel nur schlimmer. Titus hatte, wie jeder andre Mensch, Anspruch
auf Gerechtigkeit, aber er war kein geeigneter Gegenstand für Gnade. War
das gegen ihn gefällte Urtel gesetzwidrig, so mußte es umgestoßen
werden; war es gesetzmäßig, so war kein Grund vorhanden, es irgendwie zu
mildern. Die Gemeinen blieben geziemenderweise fest, nahmen ihre Bill an
und schickten sie den Lords zu. Der einzige Theil dieser Bill, der einen
Einwurf zuließ, war der Eingang, worin nicht allein behauptet war, daß
das Urtel gesetzwidrig sei, eine Behauptung, die sich bei Einsicht der
Acten als richtig ergab, sondern auch daß das Verdict durch Bestechung
corrumpirt sei, eine Behauptung, die, mochte sie nun wahr oder falsch
sein, durch gar nichts bewiesen war.

Die Lords waren in großer Verlegenheit. Sie wußten, daß sie Unrecht
hatten, waren aber gleichwohl entschlossen, es in ihrer legislativen
Eigenschaft nicht auszusprechen, daß sie sich in ihrer richterlichen
Eigenschaft einer Ungerechtigkeit schuldig gemacht hätten. Sie
versuchten abermals einen Mittelweg. Der Eingang wurde gemildert, eine
Klausel hinzugesetzt, welche bestimmte, daß Oates auch fernerhin zur
Zeugenschrift unfähig bleiben solle, und die so abgeänderte Bill den
Gemeinen wieder zugesandt.

Die Gemeinen waren nicht befriedigt. Sie verwarfen die Amendements und
verlangten eine freie Conferenz. Zwei ausgezeichnete Tories, Rochester
und Nottingham, nahmen als Wortführer der Lords im »gemalten Zimmer«
ihre Sitze ein. Ihnen zur Seite stand Burnet, dessen wohlbekannter Haß
gegen den Papismus dem was er bei einer solchen Gelegenheit sagen
mochte, großes Gewicht zu geben verhieß. Somers war der Hauptsprecher
auf der andren Seite, und seiner Feder verdanken wir einen ungemein
klaren und interessanten Auszug aus der Debatte.

Die Lords gestanden offen zu, daß das Erkenntniß des Gerichtshofes der
Kings Bench sich nicht vertheidigen lasse. Sie wüßten, daß es
gesetzwidrig sei und hätten dies auch gewußt, als sie es bestätigten.
Aber sie hätten die beste Absicht dabei gehabt. Sie beschuldigten Oates,
eine schamlos falsche Anklage gegen die Königin Katharine erhoben zu
haben, erwähnten noch andere Beispiele von seiner Schlechtigkeit und
fragten ob ein solcher Mensch noch befugt sein dürfe, vor einem
Gerichtshofe Zeugniß abzulegen. Die einzige Entschuldigung, welche ihrer
Ansicht nach zu seinen Gunsten angeführt werden könne, sei die, daß er
den Verstand verloren habe, und die unerhörte Frechheit und Albernheit
seines Benehmens, als er das letzte Mal vor ihnen gestanden, scheine in
der That die Annahme zu rechtfertigen, daß er geisteskrank sei und daß
man ihm das Leben Anderer nicht anvertrauen könne. Die Lords könnten
sich daher nicht durch ausdrückliche Zurücknahme dessen was sie gethan
erniedrigen und eben so wenig sich entschließen, das Verdict auf keinen
andren Beweis hin als ein allgemeines Gerücht, für corrumpirt zu
erklären.

Die Replik war vollkommen siegreich. »Oates bildet jetzt den kleinsten
Theil der Frage. Eure Lordschaften sagen, er habe die Königin Wittwe und
andere unschuldige Personen fälschlich angeklagt. Zugegeben. Diese Bill
gewährt ihm keine Amnestie. Wir sind ganz dafür, daß er, wenn er
schuldig ist, bestraft werden muß. Aber wir verlangen in seinem wie im
Interesse aller Engländer, daß die Strafe durch das Gesetz und nicht
durch die Willkür eines Tribunals bestimmt werde. Wir verlangen, daß,
wenn Eure Lordschaften eine Appellation vorliegt, Sie den bekannten
Gebräuchen und Gesetzen des Reichs gemäß Ihr Urtheil darüber abgeben.
Wir leugnen, daß Sie in einem solchen Falle das mindeste Recht haben,
auf den moralischen Character eines Klägers oder auf die politischen
Folgen einer Entscheidung Rücksicht zu nehmen. Sie gestehen selbst zu,
daß Sie lediglich deshalb, weil Sie eine nachtheilige Meinung von diesem
Manne hatten, ein Erkenntniß bestätigten, von dem Sie wußten, daß es
gesetzwidrig war. Gegen diese Anmaßung willkürlicher Gewalt protestiren
die Gemeinen, und sie hoffen, daß Sie jetzt widerrufen werden, was Sie
als einen Irrthum erkennen müssen. Eure Lordschaften sprechen die
Vermuthung aus, daß Oates wahnsinnig sei. Wahnsinn kann jedoch ein sehr
triftiger Grund sein, um einen Menschen gar nicht zu bestrafen. Wie aber
der Wahnsinn ein Grund sein kann, um eine Strafe über ihn zu verhängen,
die selbst wenn er gesund wäre, ungesetzlich sein würde, das begreifen
die Gemeinen nicht. Eure Lordschaften meinen ferner, daß Sie es nicht
verantworten könnten, ein Verdict corrumpirt zu nennen, von dem dies
nicht juristisch bewiesen sei. Erlauben Sie uns, Sie daran zu erinnern,
daß Sie zwei verschiedene Funktionen haben. Sie sind Richter und Sie
sind Gesetzgeber. Wenn Sie richten, so ist es Ihre Pflicht, Sich streng
an das Gesetz zu halten. Wenn Sie Gesetze geben, kann es zweckmäßig
sein, auf allgemeine Gerüchte Rücksicht zu nehmen. Sie kehren diese
Regel um. Sie sind am unrechten Orte lax und am unrechten Orte
scrupulös. Als Richter verletzen Sie um einer vermeintlichen Convenienz
willen das Gesetz. Als Gesetzgeber wollen Sie kein Factum ohne solche
technische Beweise gelten lassen, wie sie Gesetzgeber nur selten
erlangen können.[21]«

Auf dieses Raisonnement wurde nichts erwiedert und konnte nichts
erwiedert werden. Die Gemeinen waren sichtlich stolz auf die Kraft ihrer
Beweisführung und auf das Auftreten Somers' im gemalten Zimmer. Sie
beauftragten ihn insbesondere, dafür zu sorgen, daß der Bericht, den er
von der Conferenz erstattet hatte, genau in die Protokolle aufgenommen
werde. Die Lords dagegen unterließen wohlweislich, einen Bericht über
eine Debatte, in der sie eine so vollständige Niederlage erlitten
hatten, in ihre Protokolle einzuzeichnen. Aber obgleich sie ihren Fehler
einsahen und sich desselben schämten, waren sie doch nicht dahin zu
bringen, es öffentlich zu bekennen, indem sie im Eingange zu der Acte
eingestanden, daß sie sich einer Ungerechtigkeit schuldig gemacht
hätten. Die Minorität war indessen stark. Der Beschluß, beizutreten,
wurde mit nur zwölf Stimmen durchgebracht, wovon zehn auf abwesende
Mitglieder kamen, die ihre Stimmen Anderen übertragen hatten.[22]
Einundzwanzig Peers protestirten und die Bill fiel. Zwei Beisitzer
wurden abgeschickt, um die Gemeinen von dem definitiven Beschlusse der
Peers in Kenntniß zu setzen. Die Gemeinen hielten dieses Verfahren in
substantieller Hinsicht für unverantwortlich und in formeller Hinsicht
für unhöflich. Sie beschlossen, dagegen zu demonstriren, und Somers
entwarf ein vortreffliches Manifest, in welchem der verachtungswerthe
Name des Oates kaum erwähnt war und worin das Oberhaus sehr ernst und
eindringlich ermahnt wurde, richterliche Fragen richterlich zu behandeln
und nicht eigenmächtig ein neues Recht zu machen unter dem Vorwande, das
bestehende Recht anzuwenden.[23] Der Schurke, der jetzt zum zweiten Male
die politische Welt in Aufregung gebracht hatte, wurde begnadigt und in
Freiheit gesetzt. Seine Freunde im Unterhause beantragten nun eine
Adresse an den Thron, welche darum ansuchte, daß ihm eine für seinen
Unterhalt genügende Pension ausgesetzt werden möchte,[24] Es wurden ihm
in Folge dessen etwa dreihundert Pfund Sterling jährlich bewilligt, eine
Summe, die er unter seiner Würde hielt und die er nur mit der
verbissenen Wuth getäuschter Habsucht annahm.


Rechtsbill.

Aus dem Streite über Oates entsprang ein andrer Streit, der sehr ernste
Folgen hätte haben können. Die Urkunde welche Wilhelm und Marien zum
König und zur Königin erklärten, war eine revolutionäre Urkunde. Sie war
das Werk einer Versammlung, von der das ordentliche Gesetz nichts wußte,
und hatte nie die königliche Sanction erhalten. Es war offenbar
wünschenswerth, daß dieser hochwichtige Vertrag zwischen den Regierenden
und den Regierten, dieses Dokument, kraft dessen der König seinen Thron
und das Volk seine Freiheiten besaß, in eine streng regelrechte Form
gebracht wurde. Die Rechtserklärung wurde deshalb in eine Rechtsbill
verwandelt und die Rechtsbill von den Gemeinen ohne weiteres angenommen.
Bei den Lords aber stieß sie auf Schwierigkeiten.

Die Rechtserklärung hatte die Krone zuerst Wilhelm und Marien
gemeinschaftlich, dann dem Ueberlebenden von Beiden, dann Mariens
Nachkommenschaft, und endlich auch der Nachkommenschaft Wilhelm's von
irgend einer andren Gemahlin als Marien zuerkannt. Die Bill war mit der
Erklärung genau übereinstimmend abgefaßt. Wem aber der Thron zufallen
sollte, wenn Marie, Anna und Wilhelm alle drei ohne Nachkommen starben,
war in Ungewißheit gelassen. Dieser nicht vorgesehene Fall war indessen
keineswegs unwahrscheinlich. Er lag sogar wirklich vor. Wilhelm hatte
nie ein Kind gehabt. Anna war zwar mehrere Male Mutter gewesen, aber
keines ihrer Kinder war mehr am Leben. Es wäre kein großes Wunder
gewesen, wenn Krankheit, Krieg oder Verrath binnen wenigen Monaten
sämmtliche Personen, welche zur Thronfolge befähigt waren, aus der Welt
geschafft hätte. In welche Lage wäre das Land in diesem Falle gekommen?
Wem sollte dann gehuldigt werden? Die Bill enthielt zwar eine Klausel,
welche Papisten vom Throne ausschloß. Aber ersetzte eine solche Klausel
eine den Nachfolger mit Namen bezeichnende Bestimmung? wie dann, wenn
der nächste Thronerbe ein noch nicht drei Monat alter Prinz des Hauses
Savoyen war? Es wäre absurd gewesen, ein solches Kind einen Papisten zu
nennen. Sollte es also zum König proklamirt werden? Oder sollte die
Krone so lange herrenlos bleiben, bis es ein Alter erreicht hatte, in
welchem es befähigt war, sich eine Religion zu wählen? Konnten nicht
auch die rechtschaffensten und verständigsten Männer in Zweifel sein, ob
sie es als ihren Souverain betrachten dürften? Und wer sollte ihnen
diesen Zweifel lösen? Ein Parlament würde es nicht geben, denn das
Parlament würde mit dem Fürsten, der es zusammenberufen hatte, aufhören
zu existiren. Es mußte eine vollständige Anarchie eintreten, eine
Anarchie, welche mit der Vernichtung der Monarchie oder mit der
Vernichtung der öffentlichen Freiheit enden konnte. Aus diesen
gewichtigen Gründen schlug Burnet auf Wilhelm's Veranlassung im Hause
der Lords vor, daß die Krone in Ermangelung von Leibeserben Sr.
Majestät, auf eine unbezweifelte Protestantin, Sophie, Herzogin von
Braunschweig-Lüneburg, einer Enkelin Jakob's I. und Tochter Elisabeth's,
Königin von Böhmen, übergehen solle.

Die Lords genehmigten dieses Amendement einstimmig, die Gemeinen aber
verwarfen es einstimmig. Die Ursache der Verwerfung hat kein
Schriftsteller der damaligen Zeit genügend erklärt. Ein whiggistischer
Schriftsteller spricht von Machinationen der Republikaner, ein andrer
von Machinationen der Jakobiten. Es steht jedoch fest, daß vier Fünftel
der Vertreter des Volks weder Jakobiten noch Republikaner waren.
Gleichwohl erhob sich im Unterhause nicht eine einzige Stimme zu Gunsten
der Klausel, welche im Oberhause mit Acclamation angenommen worden
war.[25] Die wahrscheinlichste Erklärung dürfte die sein, daß die grobe
Ungerechtigkeit, welche in der Angelegenheit Oates' begangen worden, die
Gemeinen dergestalt gereizt hatte, daß sie mit Freuden eine Gelegenheit
ergriffen, den Peers zu opponiren. Es wurde eine Conferenz gehalten,
aber keine der beiden Versammlungen wollte nachgeben. Während der Streit
am heftigsten war, trat ein Ereigniß ein, von dem man hätte denken
sollen, daß es die Eintracht wiederherstellen werde. Anna gebar einen
Sohn. Das Kind wurde mit großem Pomp und unter vielfachen öffentlichen
Freudenbezeigungen in Hampton Court getauft. Wilhelm, war der eine
Taufzeuge, der andre war der feingebildete Dorset, dessen Dach der
Prinzessin in ihrem Unglück eine Zuflucht gewährt hatte. Der König gab
dem Kinde seinen eignen Namen und kündigte dem um den Taufstein
versammelten glänzenden Cirkel an, daß der kleine Wilhelm von diesem
Augenblicke Herzog von Gloucester genannt werden solle.[26] Die Geburt
dieses Prinzen hatte die Gefahr, gegen welche die Lords auf ihrer Hut zu
sein für nöthig erachtet, sehr vermindert. Sie hätten daher jetzt mit
Anstand widerrufen können. Aber ihr Stolz war durch die Strenge, mit der
man ihre Entscheidung über Oates' Nichtigkeitsbeschwerde im gemalten
Zimmer getadelt hatte, verletzt worden. Man hatte ihnen geradezu ins
Gesicht gesagt, daß sie ungerechte Richter seien, und diese
Beschuldigung war nur um so kränkender, weil sie sich bewußt waren sie
verdient zu haben. Sie verweigerten jede Concession und die Rechtsbill
wurde fallen gelassen.[27]


Streitigkeiten wegen einer Indemnitätsbill.

Die aufregendste Frage dieser langen und stürmischen Session war jedoch
die, welche Strafe den Männern zuerkannt werden solle, die in der Zeit
zwischen der Auflösung des Oxforder Parlaments und der Revolution die
Rathgeber oder Werkzeuge Karl's und Jakob's gewesen waren. Es war ein
Glück für England, daß in dieser Krisis ein Fürst, der keiner der beiden
Parteien angehörte, der keine von beiden weder liebte noch haßte und der
zur Durchführung eines großen Planes beide zu benutzen wünschte, der
Vermittler zwischen ihnen war.

Die beiden Parteien waren jetzt in einer ganz ähnlichen Lage wie vor
achtundzwanzig Jahren. Zwar war die Partei, welche damals im Nachtheil
gewesen, gegenwärtig im Vortheil, aber die Analogie zwischen den beiden
Situationen ist eine der vollkommensten, die man in der Geschichte
finden kann. Die Restauration wie die Revolution waren beide durch
Coalitionen herbeigeführt worden. Bei der Restauration halfen diejenigen
Politiker, welche der Freiheit besonders zugethan waren, die Monarchie
wieder einsetzen; bei der Revolution halfen diejenigen Politiker, welche
der Monarchie mit besonderem Eifer anhingen, die Freiheit vertheidigen.
Der Cavalier hätte, bei der ersteren Gelegenheit, ohne den Beistand der
Puritaner, welche für den Covenant gefochten, nichts ausrichten können;
ebensowenig hätte der Whig bei der letzteren Gelegenheit der
Willkürgewalt einen erfolgreichen Widerstand leisten können, wäre er
nicht durch Männer unterstützt worden, die noch vor ganz kurzer Zeit den
Widerstand gegen Willkürgewalt als eine Todsünde verdammt hatten. Die
Bedeutendsten unter Denen, durch welche im Jahre 1660 die königliche
Familie zurückgebracht wurde, waren Hollis, der in den Tagen der
Tyrannei Karl's I. den Sprecher mit offener Gewalt auf seinem Stuhle
festhielt, während der schwarze Stab vergebens anklopfte, um Einlaß zu
erlangen; Ingoldsby, dessen Name unter dem denkwürdigen Todesurtheile
stand, und Prynne, dem Laud die Ohren abgeschnitten und der dafür den
Hauptantheil an Laud's Verurtheilung zum Tode gehabt hatte. Unter den
Sieben, welche 1688 die Einladung an Wilhelm unterzeichneten, waren
Campton, der lange die Pflicht eingeschärft hatte, einem Nero zu
gehorchen, Danby, der angeklagt worden war, weil er den
Militärdespotismus einzuführen versucht hatte, und Lumley, dessen
Bluthunde Monmouth bis in seinen traurigen letzten Versteck im Walde
verfolgt hatten. Sowohl 1660 als auch 1688 versprachen sich die beiden
feindlichen Parteien, so lange das Geschick der Nation unentschieden
war, gegenseitig Vergebung. Bei beiden Gelegenheiten erwies sich die
Versöhnung, welche im Augenblicke der Gefahr aufrichtig geschienen
hatte, im Augenblicke des Sieges als falsch und hohl. Sobald Karl II.
wieder in Whitehall war, vergaß der Cavalier die Dienste, welche die
Presbyterianer kürzlich geleistet, und erinnerte sich nur noch ihrer
alten Beleidigungen. Sobald Wilhelm König war, begannen nur zu viele
Whigs Rache zu fordern für Alles was sie in den Tagen des
Ryehousecomplots von der Hand der Tories erduldet hatten. Bei beiden
Gelegenheiten wurde es dem Souverain schwer, die besiegte Partei vor der
Wuth seiner triumphirenden Anhänger zu schützen, und bei beiden
Gelegenheiten murrten Die, deren Rache er vereitelt hatte, heftig gegen
die Regierung, die so schwach und undankbar gewesen war, ihre Feinde
gegen ihre Freunde in Schutz zu nehmen.

Schon am 25. März machte Wilhelm die Gemeinen auf die Zweckmäßigkeit der
Maßregel aufmerksam, die öffentliche Meinung durch eine Amnestie zu
beschwichtigen. Er sprach die Hoffnung aus, daß eine Bill für
allgemeines Vergeben und Vergessen so bald als möglich ihm zur
Genehmigung vorgelegt und daß keine anderen Ausnahmen gemacht werden
würden, als die für die Aufrechthaltung der öffentlichen Gerechtigkeit
und für die Sicherheit des Staats absolut nothwendig erschienen. Die
Gemeinen waren einstimmig dafür, ihm für diesen Beweis seiner
väterlichen Güte zu danken; allein sie ließen viele Wochen vergehen,
ohne einen Schritt zur Erfüllung seines Wunsches zu thun. Als der
Gegenstand endlich wieder zur Sprache gebracht wurde, geschah dies auf
eine Art, welche deutlich bewies, daß die Majorität nicht den ernsten
Willen hatte, der Ungewißheit ein Ende zu machen, welche allen
denjenigen Tories, die sich bewußt waren, in ihrem Eifer für die
Prärogative zuweilen die vom Gesetz gezogene strenge Grenze
überschritten zu haben, das Leben verbitterte. Es wurden zwölf
Kategorien gebildet, von denen einige so umfassend waren, daß sie
Zehntausende von Delinquenten in sich schlossen, und das Haus beschloß,
daß in jeder dieser Kategorien einige Ausnahmen gemacht werden sollten.
Dann kam die Prüfung der einzelnen Fälle. Zahlreiche Angeklagte und
Zeugen wurden vor die Schranken citirt. Die Debatten waren lang und
heftig, und es stellte sich bald heraus, daß die Arbeit kein Ende nehmen
werde. Der Sommer verging und der Herbst rückte heran; die Session
konnte nicht viel länger dauern, und von den zwölf einzelnen
Untersuchungen, welche die Gemeinen vorzunehmen beschlossen hatten,
waren erst drei beendigt. Es war demnach nöthig, die Bill für dieses
Jahr fallen zu lassen.[28]


Die letzten Tage Jeffreys'.

Unter den vielen Verbrechern, deren Namen im Laufe dieser Untersuchung
genannt wurden, befand sich einer, der an Schuld und Schande einzig und
unerreicht dastand und den sowohl Whigs als Tories der äußersten Strenge
des Gesetzes zu überlassen geneigt waren. An dem fürchterlichen Tage,
auf den die Irische Nacht folgte, hatte das Wuthgebrüll einer um ihre
Rache betrogenen großen Stadt Jeffreys bis an die Zugbrücke des Towers
begleitet. Obwohl seine Einkerkerung nicht streng gesetzmäßig war, nahm
er doch anfangs mit Dank und Segenswünschen den Schutz an, den diese
düsteren, durch so viele Verbrechen und Leiden berüchtigten Mauern ihm
vor der Wuth der Menge gewährten.[29] Bald kam er jedoch zu der
Ueberzeugung, daß sein Leben noch immer sehr gefährdet sei. Eine Zeit
lang schmeichelte er sich mit der Hoffnung, daß ein Habeascorpusbefehl
ihn aus seiner Haft befreien und daß er im Stande sein werde, in ein
fremdes Land zu entkommen und sich mit einem Theile seines
übelerworbenen Reichthums vor dem Hasse der Menschheit zu verbergen.
Aber bis zur Feststellung der Regierung gab es keinen Gerichtshof, der
zur Ausstellung eines Habeascorpusbefehls befugt gewesen wäre, und
sobald die Regierung festgestellt war, wurde die Habeascorpusacte
suspendirt.[30] Ob Jeffreys des Mordes in legalem Sinne überführt werden
konnte, steht zu bezweifeln. Moralisch aber war er so vieler Mordthaten
schuldig, daß, wenn es kein andres Mittel gegeben hätte, seinem Leben
beizukommen, die ganze Nation eine retrospective Verurtheilungsacte
stürmisch gefordert haben würde. Die Neigung, über einen Gefallenen zu
triumphiren, gehörte nie zu den vorwiegenden Untugenden der Engländer;
aber der Haß gegen Jeffreys war ohne Beispiel in unsrer Geschichte und
entsprach nur zu sehr dem Blutdurste seines eignen Characters. Das Volk
war in Bezug auf ihn eben so grausam als er selbst und frohlockte über
seinen Schmerz, wie er gewohnt gewesen war, über den Schmerz
Verurtheilter, die ihr Todesurtheil anhörten, und trauernder Familien zu
frohlocken. Der Pöbel versammelte sich vor seinem verödeten Hause in
Duke Street und las unter schallendem Gelächter an seiner Thür die
Anschläge, welche den Verkauf seines Eigenthums verkündeten. Selbst
zarte Frauen, die für Straßenräuber und Diebe Thränen hatten, athmeten
nichts als Rache gegen ihn. Die Spottlieder auf ihn, welche in der Stadt
verkauft wurden, zeichneten sich durch eine selbst damals seltene
Heftigkeit aus. Der Henkertod sei viel zu mild, ein Grab unter dem
Galgen eine viel zu ehrenvolle Ruhestätte für ihn, er müsse an einen
Karren angebunden und zu Tode gepeitscht, er müsse wie ein Indianer
gemartert, er müsse lebendig verschlungen werden. Die Straßendichter
zertheilten alle seine Glieder mit cannibalischer Grausamkeit und
berechneten wie viel Pfund Fleisch von seinem wohlgenährten Corpus
losgeschnitten werden könnten. Die Wuth seiner Feinde ging sogar soweit,
daß sie in einer in England selten gehörten Sprache den Wunsch
ausdrückten, er möge dahin gehen, wo Heulen und Zähnklappern sei, zu dem
Wurme, der niemals stirbt, zu dem Feuer, das nimmer verlöscht. Sie
riethen ihm, sich mittelst seiner Kniebänder aufzuhängen und sich mit
seinem Rasirmesser den Hals abzuscheiden. Sie richteten das gräßliche
Gebet zum Himmel, daß er der Reue unzugänglich sein und als der nämliche
herzlose, nichtswürdige Jeffreys sterben möge, der er im Leben gewesen
war.[31] Eben so feigherzig im Unglück wie übermüthig und unmenschlich
im Glück, sank ihm unter der Last der öffentlichen Verachtung gänzlich
der Muth. Seine von Haus aus schlechte und durch Unmäßigkeit sehr
geschwächte Constitution wurde durch Verzweiflung und Angst völlig
zerrüttet. Er wurde von einer schmerzhaften inneren Krankheit gepeinigt,
welche selbst die geschicktesten Aerzte der damaligen Zeit selten zu
heben vermochten. Nur ein Trost blieb ihm: der Branntwein. Selbst wenn
er Untersuchungen zu leiten und Berathungen beizuwohnen hatte, ging er
selten nüchtern zu Bett. Jetzt, wo er seinen Geist mit nichts als
entsetzlichen Rückerinnerungen und entsetzlichen Ahnungen beschäftigen
konnte, gab er sich rückhaltlos seinem Lieblingslaster hin. Viele
glaubten, er wolle durch Unmäßigkeit sein Leben verkürzen. Er hielte es
für besser, meinten sie, im Zustande der Trunkenheit aus der Welt zu
gehen, als sich von Ketch zerhacken, oder vom Pöbel zerreißen zu lassen.

Einmal wurde er aus seiner jammervollen Verzagtheit durch eine angenehme
Empfindung aufgerüttelt, der jedoch alsbald eine kränkende Enttäuschung
folgte. Es war ein Packet für ihn im Tower abgegeben worden, das ein
Fäßchen Colchesteraustern, sein Lieblingsgericht zu enthalten schien. Er
war tief bewegt, denn es giebt Augenblicke, wo Diejenigen, welche am
wenigsten Zuneigung verdienen, sich mit dem Gedanken schmeicheln, daß
sie solche einflößen. »Gott sei Dank!« rief er aus; »ich habe doch noch
Freunde.« Er öffnete das Fäßchen, und aus einem Haufen Austernschalen
fiel ein starker Strick.[32]

Es scheint nicht, daß einer der Schmeichler oder Narren, die er mit dem
geraubten Gute seiner Schlachtopfer bereichert hatte, ihn in der Zeit
der Trübsal tröstete. Doch war er nicht gänzlich verlassen. Johann
Tutchin, den er dazu verurtheilt hatte, sieben Jahre lang alle vierzehn
Tage ausgepeitscht zu werden, machte sich auf den Weg nach dem Tower und
besuchte den gestürzten Tyrannen. Der arme Jeffreys, obwohl bis in den
Staub gedemüthigt, benahm sich mit verworfener Höflichkeit und bestellte
Wein. »Ich freue mich, Sir,« sagte er, »Sie bei mir zu sehen.« -- »Und
ich,« entgegnete der schadenfrohe Whig, »freue mich, Eure Lordschaft
hier zu sehen.« -- »Ich diente meinem Herrn,« versetzte Jeffreys, »dies
war meine Gewissenspflicht.« -- »Wo hatten Sie Ihr Gewissen, als sie in
Dorchester jenes Urtheil über mich verhängten?« -- »Meine Instructionen
lauteten dahin,« antwortete Jeffreys gleißnerisch, »daß ich gegen Männer
wie Sie, Männer von Talent und Muth, keine Nachsicht üben sollte. Als
ich an den Hof zurückkam, wurde ich wegen meiner Milde getadelt.[33]«
Selbst Tutchin scheint trotz der Heftigkeit seines Grolls und trotz der
Größe der ihm widerfahrenen Unbilden durch das jammervolle Schauspiel,
das er anfangs mit rachsüchtiger Schadenfreude betrachtete, ein wenig
gerührt worden zu sein. Er leugnete stets die Wahrheit des Gerüchts, daß
er Derjenige gewesen sei, der das Colchesterfaß in den Tower geschickt
habe.

Außer diesem gewann ein menschenfreundlicher Mann, Johann Sharp, der
vortreffliche Dechant von Norwich, es über sich, den Gefangenen zu
besuchen. Es war eine peinliche Aufgabe, aber Sharp war in früheren
Zeiten von Jeffreys so freundlich behandelt worden, wie Jeffreys
überhaupt seinem Character nach Jemanden behandeln konnte, und es war
ihm einige Male durch geduldiges Warten, bis der Sturm der Flüche und
Verwünschungen ausgetobt hatte, und durch geschickte Benutzung eines
Augenblicks guter Laune gelungen, für unglückliche Familien eine
Linderung ihrer Leiden zu erwirken. Der Gefangene war erstaunt und
erfreut. »Was wagen Sie mir jetzt noch zuzugestehen?« sagte er. Der
menschenfreundliche Geistliche bemühte sich jedoch vergebens, in diesem
verstockten Gewissen einen heilsamen Schmerz zu wecken. Anstatt seine
Schuld zu bekennen, ergoß sich Jeffreys in heftige Schmähungen gegen die
Ungerechtigkeit der Menschen. »Die Leute nennen mich einen Mörder, weil
ich das gethan, was Mancher, der jetzt hoch in Gunst steht, damals
vollkommen billigte. Sie nennen mich einen Trunkenbold, weil ich Punsch
trinke, um mir die Last meines Kummers zu erleichtern.« Er wollte nicht
zugeben, daß er als Präsident der Hohen Commission etwas Tadelnswerthes
gethan habe. Seine Collegen, sagte er, seien die eigentlichen
Schuldigen, und jetzt wälzten sie alle Schuld auf ihn. Mit besonderer
Bitterkeit sprach er von Sprat, der unbestreitbar das humanste und
gemäßigtste Mitglied der Behörde gewesen war.

Es zeigte sich bald klar und deutlich, daß der abscheuliche Richter der
Last seiner körperlichen und geistigen Leiden rasch erliegen würde.
Doctor Johann Scott, Präbendar von St. Paul, ein Geistlicher von großer
Frömmigkeit und Verfasser des »Christian Life,« eines einst weit und
breit berühmten Buches, wurde wahrscheinlich auf Anrathen seines intimen
Freundes Sharp, an's Bett des Sterbenden gerufen. Doch umsonst sprach
auch Scott, wie Sharp es bereits gethan, von den entsetzlichen
Schlächtereien von Dorchester und Taunton. Jeffreys blieb bis zum
letzten Augenblicke dabei, daß Die, welche ihn für blutdürstig hielten,
seine damaligen Befehle nicht kennten, daß er eher Lob als Tadel
verdiene und daß seine Milde ihm das höchste Mißfallen seines Gebieters
zugezogen habe.[34]

Krankheit unterstützt durch starkes Trinken und durch tiefen Gram,
vollendete bald ihr Werk. Der Magen des Kranken nahm keine Speise mehr
an. Binnen wenigen Wochen magerte der stattliche und sogar corpulente
Mann zu einem Gerippe ab. Am 18. April starb er im einundvierzigsten
Jahre seines Lebens. Mit fünfunddreißig Jahren war er Oberrichter der
Kings Bench, mit siebenunddreißig Lordkanzler gewesen. In der ganzen
Geschichte der englischen Justizpflege findet sich kein zweites Beispiel
von einem so raschen Emporsteigen oder einem so heftigen Sturze. Der
abgezehrte Leichnam wurde in aller Stille neben der Asche Monmouth's in
der Kapelle des Tower beigesetzt.[35]

Der Sturz dieses einst so mächtigen und gefürchteten Mannes, der
Abscheu, mit dem er von allen ehrenwerthen Mitgliedern seiner eignen
Partei betrachtet wurde, die Art und Weise, wie die minder ehrenwerthen
Mitglieder dieser Partei in seinem Unglück jede Gemeinschaft mit ihm von
sich wiesen und die ganze Schuld der Verbrechen, zu denen sie ihn
aufgemuntert hatten, auf ihn wälzte, hatten den maßlosen Freunden der
Freiheit, welche nach einer neuen Proscription verlangten, zur Lehre
dienen sollen. Allein es war eine Lehre, die nur zu viele von ihnen
nicht beachteten.


Die Whigs unzufrieden mit dem Könige.

Der König hatte gleich beim Beginn seiner Regierung ihr Mißfallen
erregt, indem er einige Tories und Trimmers zu hohen Aemtern berief und
die durch diese Ernennungen erweckte Unzufriedenheit war durch sein
Bemühen, eine allgemeine Amnestie für die Besiegten zu erlangen, noch
verstärkt worden. Er war allerdings auch nicht der Mann, der sich bei
den rachsüchtigen Zeloten irgend einer Partei hätte beliebt machen
können. Denn zu den Eigenthümlichkeiten seines Characters gehörte eine
gewisse schroffe Humanität, durch die er seine Feinde selten gewann und
seine Freunde oftmals aufbrachte, in der er aber eigensinnig beharrte,
ohne sich weder um die Undankbarkeit Derer, die er vom Untergange
gerettet, noch um die Wuth Derer zu kümmern, deren Rachegelüste er
vereitelt hatte. Einige Whigs sprachen jetzt ebenso hart über ihn, als
sie je über einen seiner beiden Oheime gesprochen hatten. Er sei im
Grunde auch ein Stuart und er sei dies nicht umsonst. Wie Alle dieses
Stammes liebe auch er die Willkürherrschaft. In Holland sei es ihm
gelungen, sich unter der Form einer republikanischen Staatseinrichtung
zu einem kaum minder absoluten Herrscher zu machen, als es die erblichen
Grafen gewesen seien. Durch eine sonderbare Verkettung von Umständen
habe sein Interesse eine kurze Zeit lang dem Interesse des englischen
Volks entsprochen, aber obgleich er zufällig ein Befreier geworden, sei
er doch von Natur ein Despot. Er sympathisire nicht mit dem gerechten
Zorne der Whigs. Er habe Zwecke im Auge, welche die Whigs keinen
Souverain gutwillig erreichen lassen würden, und er wisse auch recht
gut, daß er nur die Tories als Werkzeuge dazu benutzen könne. Daher habe
er sie vom Augenblicke seiner Thronbesteigung an ungebührlich
begünstigt. Jetzt wolle er den nämlichen Verbrechern, die er vor wenigen
Monaten in seiner Erklärung als eine exemplarische Strafe verdienend
bezeichnet habe, eine Amnestie erwirken. Im November habe er der Welt
gesagt, daß die Verbrechen, an denen jene Männer Theil genommen, es
Unterthanen zur Pflicht gemacht hätten, ihren Huldigungseid zu brechen,
Soldaten, ihre Fahnen zu verlassen, Kinder, gegen ihre Eltern zu
kämpfen. Mit welcher Consequenz könne er jetzt dazu rathen, diese
Verbrechen mit dem Mantel allgemeiner Vergessenheit zu bedecken? und sei
nicht nur zu triftiger Grund zu der Besorgniß vorhanden, daß er die
Helfershelfer der Tyrannei vor dem verdienten Loose in der Hoffnung zu
retten wünsche, daß sie ihm früher oder später einmal eben so
gewissenslos dienen würden, wie sie seinem Schwiegervater gedient
hätten?


Maßlose Heftigkeit Howe's.

Unter den von diesen Gefühlen beseelten Mitgliedern des Hauses der
Gemeinen war Howe der Heftigste und Kühnste. Er ging einmal so weit, daß
eine Untersuchung der Maßnahmen des Parlaments von 1685 eingeleitet und
daß allen Denen, die in diesem Parlament mit dem Hofe gestimmt hatten,
irgend ein Brandmal aufgedrückt werden solle. Dieser eben so absurde als
hämische Antrag wurde von allen ehrenwertheren Whigs gemißbilligt und
von Birch und Maynard nachdrücklich bekämpft.[36] Howe mußte nachgeben,
aber er war ein Mann, den kein Schlag niederwerfen konnte, und er wurde
durch den Beifall vieler hitzköpfiger Mitglieder seiner Partei
ermuthigt, welche nicht die entfernteste Ahnung hatten, daß er, nachdem
er der hämischeste und characterloseste Whig gewesen, in nicht ferner
Zeit der hämischeste und characterloseste Tory werden würde.


Angriff gegen Caermarthen.

Dieser scharfsinnige, ruchlose und boshafte Politiker hielt sich,
obgleich er selbst ein einträgliches Amt im königlichen Hofstaat
bekleidete, tagtäglich über die Art der Besetzung der hohen Staatsämter
auf und seine Declamationen wurden, wenn auch etwas weniger scharf und
heftig, von anderen Rednern wiederholt. Keiner, sagten sie, der ein
Minister Karl's oder Jakob's gewesen sei, dürfe ein Minister Wilhelm's
sein. Der erste Angriff wurde gegen den Lordpräsidenten Caermarthen
gerichtet. Howe stellte den Antrag, daß dem Könige eine Adresse
überreicht werden solle, die ihn ersuchte, alle Diejenigen, welche je
einmal von den Gemeinen angeklagt worden seien, aus Sr. Majestät
Staatsrath und Angesicht, zu entfernen. Die Debatte über diesen Antrag
wurde zu wiederholten Malen vertagt. Während der Ausgang noch
zweifelhaft war, schickte Wilhelm Dykvelt an Howe ab, um ihn zur Rede zu
setzen. Howe war unbeugsam. Er war was man im gewöhnlichen Leben einen
uneigennützigen Menschen nennt, das heißt, er legte auf das Geld weniger
Werth als auf das Vergnügen, seiner üblen Laune Luft zu machen und
Aufsehen zu erregen. »Ich erweise dem König einen Dienst,« sagte er;
»ich befreie ihn von falschen Freunden, und meine Stellung wird mich nie
abhalten, meine Gedanken auszusprechen.« Der Antrag wurde gestellt,
scheiterte aber gänzlich. Der Satz, daß eine bloße Anklage, ohne
Ueberführung, als ein entscheidender Beweis von Schuld betrachtet werden
solle, widerstritt in der That der natürlichen Gerechtigkeit.
Caermarthen hatte allerdings große Fehler begangen, aber sie waren durch
Parteigeist übertrieben, durch harte Leiden gesühnt und durch neuerliche
ausgezeichnete Dienste wiedergutgemacht worden. Zu der Zeit als er die
große Grafschaft York gegen Papismus und Tyrannei zu den Waffen rief,
hatten ihm einige der ausgezeichnetsten Whigs versichert, daß aller alte
Zwist vergessen sei. Howe behauptete zwar, daß die Artigkeiten, welche
im Augenblicke der Gefahr erzeigt worden seien, nichts bedeuteten. »Wenn
ich eine Viper in der Hand habe,« sagte er, »gehe ich sehr subtil mit
ihr um; sobald ich sie aber am Boden habe, zertrete ich sie.« Aber der
Lordpräsident wurde so kräftig unterstützt, daß nach einer dreitägigen
Discussion seine Feinde es nicht wagten, über den gegen ihn gerichteten
Antrag die Meinung des Hauses zu sondiren. Im Laufe der Debatte wurde
beiläufig eine wichtige Verfassungsfrage in Anregung gebracht. Die Frage
war, ob eine Begnadigung vor einer parlamentarischen Anklage schützen
könne. Die Gemeinen resolvirten ohne Abstimmung, daß eine Begnadigung
nicht davor schützen könne.[37]


Angriff auf Halifax.

Der nächste Angriff galt Halifax. Er nahm eine viel verhaßtere Stellung
ein als Caermarthen, der sich unter dem Vorgeben, daß seine Gesundheit
angegriffen sei, fast gänzlich von den Geschäften zurückgezogen hatte.
Halifax wurde allgemein als der erste Rathgeber der Krone betrachtet und
für alle in Bezug auf Irland begangenen Fehler speciell verantwortlich
gemacht. Die Uebel, sagte man, welche dieses Königreich zu Grunde
gerichtet, hätten durch rechtzeitige Vorsicht verhütet oder durch
kräftige Anstrengung wiedergutgemacht werden können. Die Regierung aber
habe nichts vorgesehen; sie habe wenig gethan, und dieses Wenige sei
weder zur rechten Zeit noch in der rechten Weise geschehen. Zu einer
Zeit, wo einige wenige Truppen genügt haben würden, habe man
Unterhandlungen anstatt Truppen angewendet. Als viele Truppen nöthig
gewesen seien, habe man wenige geschickt, und diese wenigen seien
schlecht ausgerüstet und schlecht commandirt gewesen. Dies, riefen die
heftigen Whigs, seien die natürlichen Früchte des großen Fehlers, den
König Wilhelm am ersten Tage seiner Regierung begangen habe. Er habe zu
Tories und Trimmers ein Vertrauen gehabt, das sie nicht verdienten.
Insbesondere habe er die Leitung der irischen Angelegenheiten dem
Trimmer der Trimmers anvertraut, einem Manne, dessen Talent Niemand
bestreite, der aber der neuen Regierung nicht treu ergeben, der
überhaupt gar nicht fähig sei, irgend einer Regierung treu ergeben zu
sein, der stets zwischen zwei Meinungen geschwankt und bis zum
Augenblicke der Flucht Jakob's die Hoffnung nicht aufgegeben habe, daß
die Unzufriedenheit der Nation ohne einen Dynastiewechsel beschwichtigt
werden könnte. Howe bezeichnete bei zwanzig Gelegenheiten Halifax als
die Ursache aller Calamitäten des Landes. Eine ähnliche Sprache führte
Monmouth im Hause der Lords. Obgleich erster Lord des Schatzes, schenkte
er doch den Finanzgeschäften, für die er übrigens ganz untauglich war
und deren er bald überdrüssig geworden, seine Theilnahme. Seine ganze
Thätigkeit widmete er der Verfolgung der Tories. Er sagte dem Könige
rund heraus, daß Niemand, der nicht ein Whig sei, im Staatsdienste
angestellt werden solle. Wilhelm's Antwort war kalt und entschieden.
»Ich habe so viel für Ihre Freunde gethan, als ich ohne Gefahr für den
Staat thun kann, mehr aber werde ich nicht thun.[38]« Die einzige
Wirkung dieses Verweises war, daß Monmouth factiöser wurde als je.
Besonders gegen Halifax intriguirte und haranguirte er mit unermüdlicher
Animosität. Die anderen whiggistischen Lords des Schatzes, Delamere und
Capel, waren kaum weniger eifrig bestrebt, den Lordsiegelbewahrer aus
dem Amte zu vertreiben, und persönliche Eifersucht und Antipathie
bewogen den Lordpräsidenten, mit seinen eignen Anklägern gegen seinen
Nebenbuhler zu conspiriren.

In wie weit die Beschuldigungen, welche damals gegen Halifax, erhoben
wurden, begründet gewesen sein mögen, läßt sich jetzt nicht mehr mit
Gewißheit ermitteln. Obwohl seine Feinde zahlreiche Zeugen befragten und
obgleich sie von Wilhelm die ungern gegebene Erlaubniß erlangten, die
Protokolle des Geheimen Raths einzusehen, konnten sie doch keinen Beweis
entdecken, auf den sie eine bestimmte Anklage hätten stützen können.[39]
Es war indessen unleugbar, daß der Lordsiegelbewahrer als Minister für
Irland fungirt hatte und daß Irland fast verloren war. Unnöthig und
sogar widersinnig ist die Annahme vieler Whigs, daß seine Verwaltung
deshalb unersprießlich gewesen sei, weil er nicht gewollt habe, daß sie
ersprießlich sein solle. Das Wahre ist, daß die Schwierigkeiten seiner
Stellung groß waren und daß er bei all' seiner Genialität und
Beredtsamkeit diesen Schwierigkeiten nicht gewachsen war. Die ganze
Regierungsmaschine war aus den Fugen, und er war nicht der Mann, der sie
wieder in Gang bringen konnte. Dazu gehörte nicht das was er in so
reichem Maße besaß: Geist, Geschmack, glänzende Fassungskraft und
scharfe Unterscheidungsgabe, sondern das was ihm fehlte: rasches
Entscheiden, unermüdliche Energie und unerschütterliche
Entschlossenheit. Sein Gemüth war im Grunde zu weich für eine Arbeit,
wie sie jetzt auf ihm lastete und es war neuerdings durch harte
Schicksalsschläge noch weicher gestimmt worden. Er hatte in Zeit von
nicht ganz einem Jahre zwei Söhne verloren. Es existirt noch ein Brief,
in welchem er damals gegen seine hochverehrte Freundin, Lady Russell,
über die Verödung seines Herdes und über die herzlose Undankbarkeit der
Whigs klagt. Ebenso besitzen wir noch die Antwort darauf, worin sie ihn
freundlich ermahnt, da Trost zu suchen, wo sie denselben unter nicht
minder harten Prüfungen gefunden habe.[40]

Der erste Angriff auf ihn erfolgte im Oberhause. Einige whiggistische
Lords, unter denen sich der launenhafte und ruchlose erste Lord des
Schatzes besonders hervorthat, schlugen vor, den König zu ersuchen, daß
er einen neuen Sprecher ernenne. Halifax Freunde beantragten die
vorläufige Frage und brachten sie durch.[41] Ungefähr drei Wochen später
beantragten seine Feinde in einem Comité des ganzen Hauses der Gemeinen
eine Resolution, die ihm keine specielle Unterlassungs- oder
Begehungssünde zur Last legte, sondern es einfach für rathsam erklärte,
daß er aus dem Dienste der Krone entlassen werde. Die Debatte war heiß.
Die gemäßigten Politiker beider Parteien waren nicht geneigt, einem zwar
nicht fehlerfreien, aber durch Talent und Liebenswürdigkeit gleich
ausgezeichneten Mann ein Brandmal aufzudrücken. Als seine Ankläger
sahen, daß sie ihren Zweck nicht erreichen konnten, suchten sie sich
einer Entscheidung, welche gewiß ungünstig für sie gelautet haben würde,
dadurch zu entziehen, daß sie beantragten, der Vorsitzende solle die
Sache vertagen. Aber ihre Taktik wurde durch das umsichtige und muthige
Benehmen Lord Eland's, des Marquis' einzigem noch lebenden Sohne,
vereitelt. »Mein Vater hat es nicht verdient,« sprach der junge
Edelmann, »daß man solches Spiel mit ihm treibt. Wenn Sie ihn für
strafbar halten, so sagen Sie es, und er wird sich ohne weiteres Ihrem
Urtheile unterwerfen. Entlassung vom Hofe hat nichts Schreckliches für
ihn. Gottes Güte hat ihn der Nothwendigkeit überhoben, die Mittel zur
Aufrechthaltung seines Ranges in einem Amte zu suchen.« Das Comité
stimmte ab und Halifax wurde mit einer Majorität von vierzehn Stimmen
freigesprochen.[42]


Vorbereitungen zu einem Feldzuge in Irland.

Wäre die Abstimmung um einige Stunden verschoben worden, so würde die
Majorität wahrscheinlich viel bedeutender gewesen sein. Die Gemeinen
stimmten unter dem Einflusse der Meinung, daß Londonderry gefallen und
ganz Irland verloren sei. Kaum war das Haus auseinandergegangen, so traf
ein Courier mit der Nachricht ein, daß der Sperrbaum im Foyle
durchbrochen sei. Ihm folgte bald ein zweiter, der die Aufhebung der
Belagerung meldete, und ein dritter, der die Nachricht von der Schlacht
bei Newton Butler brachte. Hoffnung und Jubel folgten auf Mißmuth und
Besorgniß.[43] Ulster war gerettet, und man erwartete zuversichtlich,
daß Schomberg sehr bald auch Leinster, Connaught und Munster
wiedererobern werde. Er war jetzt bereit zum Aufbruch. Der Hafen von
Chester war der Punkt, von wo er abgehen sollte. Die seinem Commando
unterstellte Armee hatte sich dort versammelt, und der Dee wimmelte von
Kriegs- und Transportschiffen. Leider waren fast alle kriegserfahrene
englische Soldaten nach Flandern geschickt worden, und die große
Mehrzahl der nach Irland bestimmten Truppen bestand daher aus Leuten,
welche eben vom Pfluge und von der Dreschtenne kamen. Es war indessen
eine vortreffliche holländische Brigade unter dem Commando eines
erfahrnen Offiziers, des Grafen von Solms darunter. Außerdem waren vier
Regimenter, ein Cavallerieregiment und drei Infanterieregimenter, aus
den französischen Flüchtlingen gebildet worden, von denen viele mit
Auszeichnung gedient hatten. Niemand that mehr für die Aushebung dieser
Regimenter als der Marquis von Ruvigny. Er war viele Jahre ein
außerordentlich treuer und nützlicher Diener der französischen Regierung
gewesen, und man schätzte in Versailles seine Verdienste so hoch, daß
man ihn gebeten hatte, Begünstigungen anzunehmen, welche kaum ein andrer
Ketzer durch noch so dringende Bitten erlangt haben würde. Hätte er sich
entschlossen in seinem Vaterlande zu bleiben, so würde man ihm und
seinen Angehörigen gestattet haben, privatim Gott auf ihre eigne Art zu
verehren. Aber Ruvigny wies alle Anerbietungen zurück, theilte das Loos
seiner Glaubensbrüder und vertauschte in einem Alter von mehr als
achtzig Jahren Versailles, wo er noch immer ein Günstling hätte bleiben
können, mit einer bescheidenen Wohnung in Greenwich. Diese Wohnung war
während der letzten Monate seines Lebens der Sammelplatz aller
ausgezeichneten Persönlichkeiten unter seinen Mitverbannten. Seine
Talente, seine Erfahrung und seine freigebige Herzensgüte machten ihn
zum unbestrittenen Oberhaupte der Refugiés. Zu gleicher Zeit war er ein
halber Engländer, denn seine Schwester war eine Gräfin von Southampton
gewesen und er war der Oheim von Lady Russell. Die Zeit des
selbstthätigen Handelns war für ihn längst vorüber; aber seine beiden
Söhne, beides Männer von ausgezeichnetem Muthe, widmeten ihre Degen dem
Dienste Wilhelm's. Der jüngere Sohn, der den Namen Caillemote führte,
wurde zum Obersten eines der hugenottischen Infanterieregimenter
ernannt. Die beiden anderen Infanterieregimenter wurden von La
Melloniere und Cambon, Offizieren von glänzendem Rufe, befehligt. Das
Cavallerieregiment war von Schomberg selbst errichtet und führte seinen
Namen. Ruvigny lebte gerade noch lange genug, um diese Rüstungen
vollendet zu sehen.[44]


Schomberg.

Dem General, dem man die Oberleitung des Feldzugs gegen Irland
übertragen hatte, war es in seltenem Grade gelungen, sich die Zuneigung
und Achtung der englischen Nation zu erwerben. Er war zum Herzoge, zum
Ritter des Hosenbandordens und zum Feldzeugmeister ernannt worden, er
stand jetzt an der Spitze einer Armee, und doch erweckte seine Erhebung
nichts von dem Neide, der sich jedesmal kundgab, so oft Bentinck,
Zulestein oder Auverquerque ein Zeichen königlicher Gunst zu Theil ward.
Schomberg's militärische Tüchtigkeit war allgemein anerkannt. Er wurde
von allen Protestanten als ein Bekenner betrachtet, der für die Wahrheit
Alles erduldet hatte, den Märtyrertod ausgenommen. Um seines Glaubens
willen hatte er einem glänzenden Einkommen entsagt, hatte den
französischen Marschallsstab niedergelegt und hatte, in einem Alter von
beinahe achtzig Jahren, als ein armer Soldat des Zufalls seine Laufbahn
noch einmal von vorn angefangen. Da er in keiner Connection mit den
Vereinigten Provinzen stand und niemals dem kleinen Hofe im Haag
angehört hatte, so wurde der ihm vor englischen Anführern gegebene
Vorzug mit Recht nicht nationaler oder persönlicher Parteilichkeit,
sondern lediglich seinen Tugenden und Fähigkeiten zugeschrieben. Sein
Benehmen war weit verschieden von dem der anderen Ausländer, welche so
eben zu englischen Peers creirt worden waren. Diese waren bei vielen
ehrenwerthen Eigenschaften in Geschmack, Sitten und Neigungen Holländer
und konnten den Ton der Gesellschaft, in die sie versetzt worden, nicht
treffen. Er war ein Weltbürger, hatte ganz Europa durchwandert, hatte an
der Maas, am Ebro und am Tajo Armeen commandirt, hatte sich in dem
glänzenden Cirkel von Versailles bewegt und hatte am Berliner Hofe in
hoher Gunst gestanden. Französische Edelleute hatten ihn oft für einen
französischen Edelmann gehalten. Er hatte einige Zeit in England
zugebracht, sprach sehr gut englisch, fand sich leicht in die englischen
Sitten und wurde oft in Begleitung von Engländern im Parke gesehen. In
seiner Jugend hatte er mäßig gelebt, und seine Mäßigkeit genoß jetzt den
ihr gebührenden Lohn: ein ungemein rüstiges und kräftiges Alter. Als
achtzigjähriger Greis, hatte er noch Sinn für unschuldige Vergnügungen,
seine Conversation war außerordentlich elegant und lebhaft, man konnte
nichts Geschmackvolleres sehen als seine Equipagen und seine Tafel, und
jeder Cavalleriecornet beneidete die Anmuth und den würdevollen Anstand,
womit der Veteran an der Spitze seines Regiments auf seinem
Schlachtrosse in Hydepark erschien.[45] Das Haus der Gemeinen hatte ihn
mit allgemeiner Zustimmung durch ein Geschenk von hunderttausend Pfund
Sterling für seine Verluste entschädigt und für seine geleisteten
Dienste belohnt. Vor seinem Abgange nach Irland bat er um die Erlaubniß,
für dieses großmüthige Geschenk seinen Dank aussprechen zu dürfen. Es
ward ein Stuhl für ihn innerhalb der Schranke bereitgestellt. Er nahm,
mit dem Scepter zu seiner Rechten, auf demselben Platz, erhob sich dann,
sprach in kurzen freundlichen Worten seinen Dank aus und nahm Abschied
von der Versammlung. Der Sprecher erwiederte darauf, daß die Gemeinen
die Verpflichtungen, welche sie schon gegen Se. Gnaden hätten, nie
vergessen würden, daß sie ihn mit Vergnügen an der Spitze der englischen
Armee sähen, daß sie volles Vertrauen in seinen Eifer und seine
Geschicklichkeit setzten und daß sie sich seiner stets mit besonderer
Fürsorge annehmen würden. Das bei dieser interessanten Gelegenheit
gegebene Beispiel wurde hundertundfünfundzwanzig Jahre später bei einer
noch interessanteren Gelegenheit mit strengster Genauigkeit nachgeahmt.
Genau auf derselben Stelle, wo Schomberg im Juli 1689 die Freigebigkeit
der Nation dankend anerkannt, stand im Juli 1814 ein Stuhl für einen
noch berühmteren Krieger, der gekommen war, um sich für ein noch
glänzenderes Zeichen der öffentlichen Anerkennung zu bedanken. Wenige
Dinge bezeichnen treffender den eigenthümlichen Character der englischen
Verfassung und Nation als der Umstand, daß das Haus der Gemeinen, eine
aus dem Volke hervorgegangene Versammlung, selbst in einem Augenblicke
freudiger Begeisterung mit der ängstlichen Gewissenhaftigkeit eines
Wappencollegiums an althergebrachten Formen festhielt; daß das
Niedersetzen und Aufstehen, das Bedecktbleiben und das Entblößen des
Hauptes im 19. Jahrhundert noch genau nach der nämlichen Etikette
regulirt war wie im 17., und daß das nämliche Scepter, welches zur
Rechten Schomberg's gehalten worden war, in gleicher Stellung zur
Rechten Wellington's gehalten wurde.[46]


Unterbrechung der Parlamentssitzungen.

Am 20. August ging das Parlament, nachdem es sieben Monate lang in
ununterbrochener Thätigkeit gewesen war, auf königlichen Befehl für
kurze Zeit auseinander. Dieselbe Nummer der Gazette, welche die
Ankündigung enthielt, daß die beiden Häuser ihre Sitzungen eingestellt,
brachte auch die Mittheilung, daß Schomberg in Irland gelandet sei.[47]


Zustand Irland's -- Rath Avaux'.

Während der drei Wochen vor seiner Landung hatte im Schlosse von Dublin
die größte Angst und Bestürzung geherrscht. Schlag auf Schlag waren
einander so rasch gefolgt, daß Jakob's nie sehr starker Muth völlig
gebrochen worden war. Zuerst hatte er erfahren, daß Londonderry erlöst
war; dann, daß eine seiner Armeen von den Enniskillenern geschlagen
worden; hierauf, daß eine andere von seinen Armeen stark
zusammengeschmolzen und entmuthigt sich aus Ulster zurückzog oder
vielmehr floh; und endlich, daß Sligo, der Schlüssel von Connaught, den
Engländern preisgegeben worden war. Er hatte sich von der Unmöglichkeit
überzeugt, die Colonisten zu unterwerfen, selbst als sie fast ganz ohne
fremde Hülfe waren. Daher konnte er wohl zweifeln, ob es ihm möglich
sein würde, gegen sie zu kämpfen, wenn sie durch eine englische Armee
unter den Befehlen des größten lebenden Feldherrn unterstützt wurden.
Der unglückliche Fürst schien seit einigen Tagen der Verzweiflung
gänzlich anheimgefallen. Auf Avaux machte die Gefahr einen ganz andren
Eindruck. Jetzt, dachte er, sei es Zeit, den Krieg zwischen den
Engländern und Irländern in einen Vertilgungskrieg zu verwandeln und
jede Vereinigung der beiden Nationen unter eine Regierung für immer
unmöglich zu machen. In diesem Sinne unterbreitete er kaltblütig dem
Könige einen Vorschlag von fast unglaublicher Abscheulichkeit. Er sagte,
es müsse eine zweite Bartholomäusnacht veranstaltet werden. Ein Vorwand
dazu werde sich leicht finden lassen. Schomberg's Ankunft in Irland
werde ohne Zweifel in denjenigen südlichen Städten, deren Bevölkerung
überwiegend englisch sei, einige Aufregung hervorrufen, und jede
Ruhestörung, wo immer sie stattfinden möge, werde einen
Entschuldigungsgrund für eine allgemeine Niedermetzelung der
Protestanten von Leinster, Munster und Connaught darbieten.[48] Da der
König im ersten Augenblicke keinen Abscheu vor diesem Rathe an den Tag
legte,[49] so kam der Gesandte einige Tage später auf den Gegenstand
zurück und drang in Se. Majestät, die nöthigen Befehle zu erlassen.
Jetzt aber erklärte Jakob mit einer Entschiedenheit, die ihm zur Ehre
gereichte, daß nichts ihn vermögen werde, ein solches Verbrechen zu
begehen. »Diese Leute sind meine Unterthanen, und ich kann nicht so
grausam sein, sie zu ermorden, während sie friedlich unter meiner
Regierung leben.« -- »Es liegt nichts Grausames in meinem Vorschlage,«
entgegnete der gefühllose Diplomat. »Eure Majestät sollte bedenken, daß
Milde gegen die Protestanten Grausamkeit gegen die Katholiken ist.« Doch
Jakob war nicht zu bewegen, und Avaux entfernte sich in sehr übler
Laune. Er war der Meinung, daß die Humanitätsäußerungen des Königs
erheuchelt seien und daß Se. Majestät den Befehl zum allgemeinen
Gemetzel nur deshalb nicht gebe, weil er überzeugt sei, die Katholiken
im ganzen Lande würden auch ohne einen solchen Befehl über die
Protestanten herfallen.[50] Avaux irrte sich indeß vollständig. Daß er
Jakob für eben so unmoralisch hielt als er selbst war, kann nicht Wunder
nehmen. Unbegreiflich aber ist es, wie ein so kluger Mann vergessen
konnte, daß Jakob und er ganz verschiedene Zwecke verfolgten. Das Ziel
der Politik des Gesandten war, England und Irland für alle Zeiten zu
trennen. Das Ziel der Politik des Königs war die Vereinigung England's
und Irland's unter seinem Scepter, und er mußte nothwendig einsehen, daß
wenn in drei Provinzen ein allgemeines Niedermetzeln der Protestanten
stattfände und er in den Verdacht käme, es autorisirt, oder nur
stillschweigend geduldet zu haben, binnen vierzehn Tagen selbst in
Oxford kein Jakobit mehr am Leben sein würde.[51]

Gerade in diesem Augenblicke begann der Horizont Jakob's, welcher
hoffnungslos trübe geschienen hatte, sich aufzuhellen. Die Gefahr, die
ihn zu Boden drückte, hatte das irische Volk aufgerüttelt. Es hatte sich
sechs Monate früher wie ein Mann gegen die Sachsen erhoben. Die Armee,
welche Tyrconnel ins Leben gerufen, war im Verhältniß zu der
Bevölkerung, der sie entnommen war, die größte, welche Europa je
gesehen. Aber diese Armee hatte eine lange Reihe von Niederlagen und
Unfällen erlitten, die durch keine einzige glänzende Waffenthat
aufgewogen wurden. In England wie auf dem Continent war man gewohnt,
diese Niederlagen und Unfälle der Zaghaftigkeit des irischen
Volksstammes zuzuschreiben.[52] Daß dies aber ein großer Irrthum war,
wird durch die Geschichte jedes Krieges, der seit fünf Generationen in
irgend einem Theile der Christenheit geführt worden ist, genugsam
bewiesen. Das rohe Material, aus dem eine gute Armee gebildet werden
kann, war unter den Irländern in reichem Maße vorhanden. Avaux schrieb
seiner Regierung, daß sie ein auffallend schöner, großer und
wohlgebauter Menschenschlag seien, daß sie persönlich tapfer, der Sache,
für die sie kämpften, aufrichtig zugethan und gegen die Colonisten
heftig erbittert seien. Nachdem er ihre Kraft und ihren Muth gepriesen,
erklärte er, wie es zugehe, daß sie bei all ihrer Kraft und ihrem Muthe
doch beständig geschlagen wurden. Es sei ganz falsch, sagte er, wenn man
glaube, daß persönliche Tapferkeit, physischer Muth oder patriotische
Begeisterung am Tage der Schlacht die Disciplin ersetzen könne. Die
Infanterie sei schlecht bewaffnet und schlecht eingeübt, man ließe sie
allenthalben wohin sie komme plündern, und so habe sie alle Gewohnheiten
von Banditen angenommen. Es befinde sich kaum ein einziger Offizier
darunter, der fähig wäre, sie ihre Pflicht zu lehren. Ihre Obersten
seien zwar im allgemeinen Leute aus guter Familie, aber ohne
militärische Erfahrung. Die Hauptleute seien Metzger, Schneider oder
Schuhmacher, und nicht einer unter ihnen kümmere sich um den Comfort,
die Ausrüstung und Einübung der Leute, denen er vorgesetzt sei. Die
Dragoner seien nicht viel besser als die Infanterie. Nur die Reiter
seien, mit wenigen Ausnahmen, vortrefflich. Fast alle irischen
Gentlemen, die einige militärische Erfahrung besäßen, bekleideten
Offiziersstellen in der Cavallerie, und durch die Bemühungen dieser
Offiziere seien einige Regimenter gebildet und einexercirt worden,
welche Avaux allen, die er je gesehen, gleichstellte. Es liege daher auf
der Hand, daß die Untüchtigkeit der Fußsoldaten und der Dragoner nicht
den Fehlern des irischen Characters, sondern den Mängeln der irischen
Verwaltung zugeschrieben werden müsse.[53]

Die Ereignisse, welche im Herbst des Jahres 1689 eintraten, bewiesen zur
Genüge, daß der vom Unglück verfolgte Volksstamm, den seine Feinde wie
seine Bundesgenossen allgemein mit ungerechter Geringschätzung
betrachteten, mit den von Armuth, Unwissenheit und Aberglauben
unzertrennlichen Fehlern einige vortreffliche Eigenschaften verband, die
man auch bei blühenderen und civilisirteren Nationen nicht immer findet.
Die schlimmen Nachrichten, welche Jakob in Angst und Verzweiflung
stürzten, rüttelten die ganze Bevölkerung der südlichen Provinzen auf
wie der Ton der Schlachttrompete. Von allen Altären von dreiundzwanzig
Grafschaften wurde dem Volke verkündet, daß Ulster verloren sei, daß die
Engländer kämen und daß der Kampf auf Leben und Tod zwischen den beiden
feindlichen Nationen bevorstehe. Es sei nur noch eine Hoffnung, und wenn
diese fehlschlüge, bleibe nichts mehr übrig als die despotische,
erbarmungslose Herrschaft der sächsischen Colonie und der ketzerischen
Kirche. Der katholische Priester, der eben erst Pfarrhaus und Kanzel in
Besitz genommen, der katholische Squire, der so eben auf den Schultern
seiner jubelnden Pächter in die Halle seiner Väter getragen worden sei,
würden vertrieben werden, um von dem Almosen zu leben, das die selbst
unterdrückten und verarmten Landleute ihnen gewähren könnten. Eine neue
Vermögensconfiscation würde das Werk der Ansiedlungsacte vollenden und
die Anhänger Wilhelm's würden Alles wegnehmen, was die Anhänger
Cromwell's verschont hätten. Diese Befürchtungen riefen einen Ausbruch
patriotischer und religiöser Begeisterung hervor, welcher den
unvermeidlichen Augenblick der Unterjochung auf einige Zeit hinausschob.
Avaux war erstaunt über die Energie, welche die Irländer unter so
niederdrückenden Verhältnissen an den Tag legten. Es war allerdings die
wilde und unbeständige Energie eines halbbarbarischen Volks; sie war
vorübergehend und oft irregeleitet; aber wenn auch vorübergehend und
irregeleitet, that sie doch Wunder. Der französische Gesandte mußte
bekennen, daß die Offiziere, über deren Unbrauchbarkeit und Unthätigkeit
er so oft geklagt, ihre Lethargie plötzlich abgeschüttelt hätten. Die
Rekruten strömten zu Tausenden herbei, und die unter den Mauern von
Londonderry gelichteten Reihen waren bald wieder übervoll. Es wurden
große Anstrengungen gemacht, um die Truppen zu bewaffnen und
einzukleiden, und nach dem kurzen Zeitraum von vierzehn Tagen bot Alles
einen neuen und erfreulichen Anblick dar.[54]


Entlassung Melfort's.

Die Irländer verlangten vom Könige zum Lohn für die energischen
Anstrengungen in seinem Interesse ein Zugeständniß, das ihm durchaus
nicht angenehm war. Melfort's Unpopularität hatte in einem solchen Grade
zugenommen, daß er kaum noch seines Lebens sicher war, und er besaß
keinen Freund, der ein Wort zu seinen Gunsten hätte sprechen können. Die
Franzosen haßten ihn. In jedem Briefe, der aus England oder Schottland
in Dublin ankam, wurde er als der böse Genius des Hauses Stuart
bezeichnet. Es war um seiner selbst willen nothwendig ihn zu entlassen.
Man fand einen ehrenvollen Ausweg. Er erhielt Befehl, sich nach
Versailles zu begeben, den Stand der Dinge in Irland dort darzulegen und
die französische Regierung um schleunige Zusendung eines Hülfscorps von
sechs- bis siebentausend Mann gedienter Infanterie zu bitten. Er legte
die Siegel nieder und sie wurden zur großen Freude der Irländer den
Händen eines Irländers Sir Richard Nagle anvertraut, der sich als
Generalfiskal und als Sprecher des Hauses der Gemeinen hervorgethan
hatte. Melfort reiste unter dem Schutze der Dunkelheit ab, denn die Wuth
des Volks gegen ihn war so groß, daß er sich am Tage nicht ohne Gefahr
in den Straßen von Dublin zeigen konnte. Am andren Morgen verließ Jakob
seine Hauptstadt in entgegengesetzter Richtung, um Schomberg
entgegenzurücken.[55]


Schomberg landet in Ulster.

Schomberg war in Antrim gelandet. Die Streitmacht, die er mitbrachte,
überstieg nicht zehntausend Mann. Aber er erwartete, daß die bewaffneten
Colonisten und die von Kirke commandirten Regimenter zu ihm stoßen
würden. Die Kaffeehauspolitiker von London waren fest überzeugt, daß ein
solcher General mit einer solchen Armee die Insel rasch wiedererobern
werde. Leider aber zeigte es sich bald, daß die ihm gewährten Mittel für
das Werk, das er durchzuführen hatte, bei weitem nicht hinreichten; den
größeren Theil dieser Mittel verlor er bald durch eine Reihe
unvorhergesehener Unfälle, und der ganze Feldzug war nichts als ein
langer Kampf seiner Klugheit und Entschlossenheit gegen die äußerste
Tücke des Schicksals.


Carrickfergus genommen.

Er marschirte zuerst nach Carrickfergus. Diese Stadt wurde durch zwei
Regimenter Infanterie für König Jakob vertheidigt. Schomberg beschoß die
Mauern, und nachdem die Irländer sich eine Woche gehalten hatten,
capitulirten sie. Er versprach sie ungehindert abziehen zu lassen; aber
es wurde ihm nicht leicht, sein Wort zu halten. Die Bewohner der Stadt
und Umgegend waren größtentheils Protestanten schottischer Abkunft. Sie
hatten während des kurzen Uebergewichts des eingebornen Stammes viel zu
leiden gehabt und brannten vor Begierde, für die erduldeten Leiden Rache
zu üben. Sie rotteten sich zu zahlreichen Haufen zusammen und riefen,
daß sie sich an die Capitulation nicht kehrten, sondern gerächt sein
wollten. Von Worten gingen sie bald zu Schlägen über. Die entwaffneten,
ausgezogenen und hin und her gestoßenen Irländer suchten Schutz bei den
englischen Offizieren und Soldaten. Mit Mühe gelang es Schomberg, dem
Blutvergießen vorzubeugen, indem er mit dem Pistol in der Hand durch die
Haufen der wüthenden Colonisten sprengte.[56]

Von Carrickfergus marschirte Schomberg weiter nach Lisburn und von da
durch gänzlich verlassene Städte und über Ebenen, auf denen weder eine
Kuh, noch ein Schaf, noch ein Getreidefehm zu sehen war, nach
Loughbrickland. Hier stießen drei Regimenter Enniskillener zu ihm, deren
Kleidung, Pferde und Waffen einem an den Glanz von Revuen gewohnten Auge
wunderlich vorkamen, die aber an natürlichem Muthe keinen Truppen der
Welt nachstanden und die sich während mehrerer Monate beständigen
Wachtdienstes und Scharmützelns viele wesentliche Eigenschaften
regulärer Soldaten erworben hatten.[57]


Schomberg rückt weiter nach Leinster.

Schomberg setzte seinen Marsch durch eine Wüste gegen Dublin fort. Die
wenigen noch im Süden von Ulster befindlichen irischen Truppen zogen
sich vor ihm zurück, indem sie Alles auf ihrem Wege zerstörten. Newry,
einst ein hübsch gebauter und wohlhabender protestantischer Flecken,
fand er als einen Haufen rauchender Trümmer. Carlingford war ebenfalls
zerstört. Die Stelle, wo die Stadt einst gestanden, war nur noch durch
die massiven Ruinen des alten normännischen Schlosses bezeichnet.
Diejenigen, welche es wagten, Ausflüge aus dem Lager zu machen,
berichteten, daß die Gegend, soweit sie dieselbe durchstreift hätten,
eine Wildniß sei. Es gäbe wohl Hütten, aber sie seien unbewohnt; es gebe
üppige Weiden, aber weder Rinder- noch Schafherden; es gebe
Getreidefelder, aber die Ernte liege, vom Regen durchnäßt, auf dem
Boden.[58]


Die englische und die irische Armee campiren nahe bei einander.

Während Schomberg durch eine unabsehbare Einöde vorrückte, sammelten
sich die irischen Truppen rasch von allen Seiten. Am 10. September wurde
das königliche Banner Jakob's auf dem Thurme von Drogheda entfaltet, und
unter demselben waren bald zwanzigtausend kampffähige Männer versammelt,
die Infanterie im allgemeinen schlecht, die Cavallerie im allgemeinen
gut, beide aber voll Eifers für ihr Vaterland und ihre Religion.[59] Die
Armee war wie gewöhnlich von einem zahlreichen Troß Landvolk begleitet,
das mit Sensen, Halbpiken und Skeans bewaffnet war. Inzwischen hatte
Schomberg Dundalk erreicht. Die Entfernung zwischen beiden Heeren betrug
jetzt nicht mehr als einen starken Tagemarsch, und man erwartete daher
allgemein, daß das Schicksal der Insel unverzüglich durch eine offene
Schlacht entschieden werden würde.

In beiden Lagern wünschten Alle, die vom Kriege nichts verstanden,
sehnlichst loszuschlagen, und die Wenigen, die sich eines hohen Rufes
militärischer Tüchtigkeit erfreuten, waren in beiden Lagern gegen eine
Schlacht. Weder Rosen noch Schomberg wollten Alles auf einen Wurf
setzen. Beide kannten die Mängel ihrer Armee genau und keiner von ihnen
war über die Mängel der Armee des Andren vollständig unterrichtet. Rosen
wußte sehr gut, daß die irische Infanterie schlechter ausgerüstet, mit
schlechteren Offizieren versehen und schlechter eingeübt war, als irgend
eine Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum atlantischen
Ocean je gesehen, und er vermuthete, daß die englischen Truppen gut
einexercirt und, was sie allerdings hätten sein sollen, mit allem zu
einer erfolgreichen Thätigkeit Nöthigem wohl versehen seien. Eine
numerische Uebermacht, urtheilte er sehr richtig, würde gegen eine große
Ueberlegenheit in der Waffenführung und Disciplin wenig nützen. Er rieth
daher Jakob sich zurückzuziehen und lieber Dublin selbst dem Feinde
preiszugeben als eine Schlacht zu wagen, mit deren Verlust Alles
verloren sein würde. Athlone sei der beste Platz im Königreiche zu einem
entschlossenen Widerstande. Der Uebergang über den Shannon könne so
lange vertheidigt werden, bis der Succurs, um den Melfort bitten solle,
aus Frankreich anlange, und dieser Succurs werde den ganzen Character
des Kriegs ändern. Aber die Irländer, mit Tyrconnel an der Spitze, waren
einmüthig gegen den Rückzug. Das Blut der ganzen Nation war in Gährung.
Jakob freute sich über die Begeisterung seiner Unterthanen und erklärte
auf das Bestimmteste, daß er nicht die Schmach auf sich laden werde,
seine Hauptstadt dem Feinde ohne Schwertstreich zu überlassen.[60]


Schomberg lehnt eine Schlacht ab.

Binnen wenigen Tagen zeigte es sich klar, daß Schomberg beschlossen
hatte, nicht loszuschlagen, und seine Gründe waren gewichtig. Er hatte
zwar einige gute holländische und französische Truppen, und auch die
Enniskillener, die sich ihm angeschlossen, hatten eine militärische
Lehrzeit bestanden, wenn auch nicht in der regelrechtesten Weise. Die
große Masse seiner Armee aber bestand aus englischen Landleuten, welche
eben erst aus ihren Hütten kamen. Seine Musketiere hatten noch zu
lernen, wie sie ihre Gewehre laden mußten, seine Dragoner hatten noch zu
lernen, wie sie mit ihren Pferden umgehen mußten, und diese unerfahrenen
Soldaten waren zum größten Theil von Offizieren befehligt, welche eben
so unerfahren waren als sie selbst. Seine Truppen waren daher im
allgemeinen den irischen in der Disciplin nicht überlegen, und standen
ihnen an Zahl weit nach. Ja er überzeugte sich sogar, daß seine Soldaten
eben so schlecht bewaffnet, eben so schlecht logirt und eben so schlecht
gekleidet waren, als die ihnen gegenüberstehenden Celten.


Betrügereien des englischen Kriegscommissariats.

Der Reichthum der englischen Nation und die freigebigen Beschlüsse des
englischen Parlaments hatten ihn zu der Erwartung berechtigt, daß er mit
allem Kriegsbedarf reichlich versehen werden würde. Aber er sah sich
bitter getäuscht. Die Verwaltung war seit Oliver's Tode fortwährend
unvernünftiger und verderbter geworden, und jetzt erntete die Revolution
was die Restauration gesäet hatte. Ein Heer nachlässiger oder
habsüchtiger Beamter, unter Karl und Jakob gebildet, plünderte die
Armeen und die Flotten Wilhelm's aus, ließ sie darben und vergiftete
sie. Der Erste unter diesen Leuten war Heinrich Shales, der unter der
vorigen Regierung Generalcommissar des Lagers bei Hounslow gewesen war.
Man kann die neue Regierung kaum tadeln, daß sie ihn auf seinem Posten
ließ, denn seine Erfahrung in dem ihm anvertrauten Verwaltungszweige
übertraf bei weitem die jedes andren Engländers. Leider aber hatte er,
in der nämlichen Schule, in der er seine Erfahrungen gesammelt, auch die
ganze Kunst des Veruntreuens erlernt. Das Rindfleisch und der
Branntwein, welche er lieferte, waren so schlecht, daß die Soldaten sich
davor ekelten; die Zelte waren verfault, die Bekleidung unzureichend,
die Musketen zerbrachen beim Gebrauch. Große Massen Schuhe waren der
Regierung in Rechnung gestellt, aber zwei Monate nachdem der Schatz sie
bezahlt, waren sie noch nicht in Irland angekommen. Mittel zum Transport
des Gepäcks und der Artillerie fehlten fast ganz. Eine große Menge
Pferde waren mit öffentlichem Gelde in England angekauft und an die Ufer
des Dee geschickt worden. Aber Shales hatte sie zur Erntearbeit an die
Landwirthe von Cheshire vermiethet, hatte den Miethertrag in seine
Tasche gesteckt, und hatte es den Truppen in Ulster überlassen sich
fortzuhelfen so gut sie konnten.[61] Schomberg war der Meinung, daß,
wenn er mit einer schlecht disciplinirten und schlecht ausgerüsteten
Armee eine Schlacht wagte, er nicht unwahrscheinlich geschlagen werden
würde, und er wußte, daß eine Niederlage den Verlust eines Königreichs,
vielleicht den Verlust dreier Königreiche nach sich ziehen konnte. Er
beschloß daher, in der Defensive zu verharren, bis seine Leute eingeübt
und Verstärkungen und Zufuhren angelangt sein würden.

Er verschanzte sich bei Dundalk dergestalt, daß er nicht gezwungen
werden konnte, gegen seinen Willen zu kämpfen. Jakob, ermuthigt durch
die Zurückhaltung seines Gegners, rückte, die Rathschläge Rosen's nicht
beachtend, gegen Ardee vor, erschien an der Spitze der ganzen irischen
Armee vor den englischen Linien, stellte Reiterei, Fußvolk und
Artillerie in Schlachtordnung auf, und entfaltete sein Banner. Die
Engländer hätten gar zu gern losgeschlagen. Aber der Entschluß ihres
Generals stand fest und konnte weder durch das prahlerische Gebahren des
Feindes, noch durch das Murren seiner eignen Soldaten erschüttert
werden. So blieb er einige Wochen sicher hinter seinen Schutzwällen,
während die Irländer wenige Meilen davon lagen. Er sorgte nun eifrig für
Einübung der Rekruten, aus denen seine Armee zum größten Theil bestand.
Seine Musketiere mußten sich beständig im Schießen üben, bald nach der
Scheibe, bald in Pelotons, und die Art und Weise, wie sie sich anfangs
dabei benahmen, bewies deutlich, daß er sehr wohl daran gethan, sie
nicht zum Kampfe zu führen. Es stellte sich heraus, daß von vier
englischen Soldaten noch nicht einer sein Gewehr ordentlich zu behandeln
verstand, und wenn es gelang, dasselbe aufs Gerathewohl abzufeuern,
glaubte Wunder was er Großes vollbracht habe.


Verschwörung unter den in englischen Diensten stehenden französischen
Truppen.

Während der Herzog so seine Zeit anwendete, gafften die Irländer sein
Lager an, ohne einen Angriff auf dasselbe zu wagen. Bald aber tauchten
in diesem Lager zwei Uebel auf, welche gefährlicher waren als der Feind:
Verrath und Krankheit. Zu den besten Truppen, die er commandirte,
gehörten die französischen Verbannten. Jetzt entstanden sehr ernste
Zweifel an ihrer Treue. Den wirklichen hugenottischen Refugiés konnte
allerdings unbedingtes Vertrauen geschenkt werden. Der Widerwille, mit
dem der eifrigste englische Protestant das Haus Bourbon und die römische
Kirche betrachtete, war ein laues Gefühl im Vergleich zu dem
unauslöschlichen Hasse, der in der Brust des verfolgten, mit
Einquartierung gequälten, aus seinem Vaterlande vertriebenen Calvinisten
des Languedoc glühte. Die Irländer hatten schon bemerkt, daß die
französischen Ketzer niemals Pardon weder gaben noch annahmen.[62] Jetzt
aber zeigte es sich, daß mit diesen Emigranten, die dem reformirten
Glauben Alles aufgeopfert hatten, Emigranten ganz andrer Art vermischt
waren, Deserteurs, welche in den Niederlanden ihrer Fahne entlaufen
waren und ihr Verbrechen dadurch bemäntelt hatten, daß sie vorgaben, sie
seien Protestanten und ihr Gewissen gestatte ihnen nicht, für den
Verfolger ihrer Kirche zu kämpfen. Einige von diesen Leuten setzten sich
in der Hoffnung, durch einen zweiten Verrath Verzeihung und zugleich
Belohnung zu erlangen, mit Avaux in Correspondenz. Die Briefe wurden
jedoch aufgefangen und ein furchtbares Complot ans Licht gebracht. Es
stellte sich heraus, daß, wenn Schomberg schwach genug gewesen wäre, dem
Andringen Derer, welche eine offene Schlacht wünschten, nachzugeben,
mehrere französische Compagnien in der Hitze des Gefechts auf die
Engländer gefeuert haben und zum Feinde übergegangen sein würden. Ein
solcher Abfall würde auch in einer besseren Armee als die bei Dundalk
lagernde, einen allgemeinen Schrecken hervorgerufen haben. Hier mußte
mit Strenge verfahren werden. Sechs von den Verschwörern wurden
aufgehängt, und zweihundert ihrer Mitschuldigen in Eisen nach England
zurückgeschickt. Selbst nach dieser Ausmerzung wurden die Refugiés von
der übrigen Armee noch lange mit zwar ungerechtem, aber nicht
unnatürlichem Argwohn betrachtet. Einige Tage lang hatte man sogar allen
Grund zu fürchten, der Feind werde mit dem Schauspiele eines blutigen
Kampfes zwischen den englischen Soldaten und ihren französischen
Verbündeten unterhalten werden.[63]


Pestilenz in der englischen Armee.

Einige Stunden vor der Hinrichtung der Haupträdelsführer wurde eine
allgemeine Musterung der Armee vorgenommen, und man sah, daß die Reihen
der englischen Bataillone stark gelichtet waren. Viel Kranke hatte es
vom ersten Tage des Feldzugs an unter den Rekruten gegeben, aber erst
zur Zeit des Aequinoctiums nahm die Sterblichkeit in beunruhigendem Maße
zu. Die Herbstregen sind in Irland gewöhnlich stark, dieses Jahr aber
waren sie stärker als sonst, das ganze Land war überschwemmt, und das
Lager des Herzogs wurde ein förmlicher Sumpf. Die Enniskillener waren an
das Klima gewöhnt, und die Holländer waren gewohnt in einem Lande zu
leben, das, wie ein Witzling der damaligen Zeit sagte, funfzig Fuß
Wasser zieht. Sie hielten ihre Lagerhütten trocken und reinlich und sie
hatten erfahrene, aufmerksame Offiziere, welche die Unterlassung keiner
Vorsicht duldeten. Die Landleute von Yorkshire und Derbyshire aber
hatten weder Constitutionen, welche dem verderblichen Einflusse zu
widerstehen vermochten, noch verstanden sie es, sich gegen denselben zu
schützen. Die schlechten Lebensmittel, welche das Commissariat lieferte,
verschlimmerte die durch die klimatischen Verhältnisse erzeugten
Krankheiten. An Heilmitteln fehlte es fast ganz, Aerzte waren nur wenige
vorhanden, und die Arzneikästen enthielten nicht viel mehr als Charpie
und Wundpflaster. Die Engländer erkrankten und starben zu Hunderten.
Selbst Diejenigen, welche nicht von der Seuche ergriffen wurden, waren
entkräftet und muthlos und erwarteten, anstatt die Energie zu entfalten,
welche das Erbtheil unsrer Nation ist, mit der hülflosen Apathie von
Asiaten ihr Schicksal. Umsonst versuchte Schomberg sie zu lehren, wie
sie ihre Quartiere verbessern und den feuchten Erdboden, auf dem sie
lagen, mit einem dicken Teppich von Farrnkräutern bedecken konnten.
Körperliche Anstrengung war ihnen noch schrecklicher geworden als selbst
der Tod. Es stand nicht zu erwarten, daß Leute, die sich selbst nicht
helfen konnten, einander gegenseitig helfen würden. Niemand beanspruchte
und Niemand bezeigte Theilnahme. Die Vertrautheit mit grauenvollen
Scenen erzeugte eine Gefühllosigkeit und eine verzweifelte
Gottlosigkeit, die selbst in der Geschichte ansteckender Krankheiten so
leicht nicht ihres Gleichen haben dürften. Das Schmerzensgestöhn der
Kranken wurde durch die Flüche und unzüchtigen Reden ihrer Kameraden
übertäubt. Zuweilen konnte man auf dem Leichname eines am Morgen
gestorbenen Unglücklichen einen andren Unglücklichen sitzen sehen, der
die kommende Nacht nicht mehr erleben konnte und der fluchend und
Schandlieder singend auf die Gesundheit des Teufels Branntwein trank.
Wenn die Leichen weggetragen wurden, um begraben zu werden, murrten die
Ueberlebenden. Ein Todter, sagten sie, sei eine gute Decke und ein guter
Stuhl. Warum sollten die Leute, wenn ein so reichlicher Vorrath eines so
nützlichen Möbels vorhanden sei, der kalten Luft ausgesetzt und
genöthigt sein, sich auf die nasse Erde zu legen?[64]

Viele Kranke wurden von den englischen Schiffen, welche nahe der Küste
lagen, nach Belfast gebracht, wo ein großes Hospital errichtet war. Aber
kaum die Hälfte von ihnen erlebte das Ende der Reise. Mehr als ein
Schiff lag lange in der Bai von Carrickfergus, angefüllt mit Leichen und
den Geruch des Todes ausströmend, ohne ein lebendes, Wesen an Bord.[65]

Die irländische Armee hatte viel weniger zu leiden. Der Kerne von
Munster oder Connaught befand sich im Lager ganz eben so wohl als wäre
er in seiner eignen Lehmhütte gewesen und hätte die Dünste seines
heimathlichen Sumpfes eingeathmet. Natürlich freute er sich über das
Elend der sächsischen Ketzer und hoffte, daß sie ohne einen
Schwertstreich zu Grunde gehen würden. Mit Entzücken hörte er den ganzen
Tag die Salven, welche über den Gräbern der englischen Offiziere
knatterten, bis endlich die Begräbnisse zu zahlreich wurden, als daß sie
noch mit militärischem Pomp hätten begangen werden können, und auf die
schauerlichen Töne ein noch schauerlicheres Schweigen folgte.

Die Ueberlegenheit an Streitkräften war jetzt so entschieden auf Seiten
Jakob's, daß er es unbedenklich wagen konnte, fünf Regimenter von seiner
Armee zu detachiren und nach Connaught zu senden. Sarsfield befehligte
dieselben. Er stand allerdings nicht so hoch in der Achtung des Königs,
als er es verdiente. Der König erklärte ihn mit einer Miene geistiger
Ueberlegenheit, welche Avaux und Rosen ein spöttisches Lächeln
abgezwungen haben muß, für einen wackeren Burschen, der aber sehr
stiefmütterlich mit Verstand bedacht sei. Nur mit großer Mühe bewog der
Gesandte Se. Majestät dazu, den besten Offizier der irischen Armee zum
Range eines Brigadiers zu befördern. Sarsfield rechtfertigte jetzt
vollkommen die vortheilhafte Meinung, die sich seine französischen
Gönner von ihm gebildet hatten. Er vertrieb die Engländer aus Sligo und
sicherte mit gutem Erfolg Galway, das in ernster Gefahr gewesen war.[66]

Auf die englischen Verschanzungen vor Dundalk wurde jedoch kein Angriff
gemacht. Inmitten der sich stündlich mehrenden Schwierigkeiten und
Unfälle zeigten sich die glänzenden Eigenschaften Schomberg's immer
deutlicher. Nicht im vollen Strome des Glücks, nicht auf dem
Schlachtfelde von Montes Claros, nicht unter den Mauern von Mastricht
hatte er die Bewunderung der Menschheit so wohl verdient. Seine
Entschlossenheit wankte nie; seine Umsicht schlummerte nie; trotz
vielfacher Verdrüßlichkeiten und Provocationen war er stets froher und
heiterer Laune. Der Effectivbestand seiner Mannschaften, selbst wenn man
alle die, welche nicht am Fieber darnieder lagen, als effectiv
mitrechnete, überstieg jetzt nicht mehr fünftausend. Diese waren kaum
noch dem gewöhnlichen Dienste gewachsen, und sie mußten jetzt zu
doppelten Dienstleistungen angetrieben werden. Dessenungeachtet traf der
alte Mann seine Dispositionen so meisterhaft, daß er mit diesen geringen
Streitkräften mehrere Wochen lang einer von einer Menge bewaffneter
Banditen begleiteten Truppenmacht von zwanzigtausend Mann die Spitze
bot.


Die englische und die irische Armee beziehen ihre Winterquartiere.

Zu Anfang des November zerstreuten sich endlich die Irländer und begaben
sich in ihre Winterquartiere. Der Herzog brach nun ebenfalls sein Lager
ab und zog sich nach Ulster zurück. In dem Augenblicke als die letzten
Reste seiner Armee sich in Bewegung setzen sollten, verbreitete sich das
Gerücht, daß der Feind in bedeutender Stärke heranrücke. Hätte dieses
Gerücht auf Wahrheit beruht, so wäre die Gefahr sehr groß gewesen.
Obgleich aber die englischen Regimenter auf den dritten Theil ihrer
Vollzähligkeit zusammengeschmolzen waren und obgleich die Leute, die
sich noch am wohlsten befanden, kaum das Gewehr zu schultern vermochten,
so legten sie doch bei der Aussicht auf eine Schlacht eine
außerordentliche Freude und Munterkeit an den Tag und schwuren, daß die
Papisten für alles Elend der letzten Monate bezahlen sollten. »Wir
Engländer,« sagte Schomberg, sich heiter mit der Nation des Landes, das
ihn adoptirt hatte, identificirend, »wir Engländer sind immer
kampflustig; schade daß wir nicht eben so viel Lust zu einigen anderen
Zweigen des Soldatenhandwerks haben.«

Der Alarm erwies sich als grundlos. Die Armee des Herzogs zog
unbelästigt ab, aber die Straße, auf der sie dahin marschirte, bot einen
eben so beklagenswerthen als abschreckenden Anblick dar. Ein langer Zug
von mit Kranken beladener Wagen bewegte sich langsam über das holprige
Pflaster. Bei jedem Stoße gab ein Unglücklicher den Geist auf und der
Leichnam wurde hinausgeworfen und unbeerdigt den Füchsen und Krähen
preisgegeben. Die Gesammtzahl Derer, welche im Lager vor Dundalk, im
Hospital von Belfast, auf der Straße und auf der See starben, belief
sich auf mehr als sechstausend Mann. Die Ueberlebenden wurden für den
Winter in den Städten und Dörfern von Ulster untergebracht. Der General
nahm sein Hauptquartier in Lisburn.[67]


Verschiedene Meinungen über Schomberg's Verfahren.

Sein Verfahren wurde verschieden beurteilt. Einsichtsvolle und
aufrichtige Männer sagten, er habe sich selbst übertroffen und es gebe
keinen zweiten Feldherrn in Europa, der, mit ungeübten Truppen,
unwissenden Offizieren und spärlichen Vorräthen, zu gleicher Zeit gegen
ein feindliches Heer von großer Uebermacht, gegen ein betrügerisches
Commissariat, gegen ein Nest von Verräthern im eignen Lager und gegen
eine Krankheit, mörderischer als das Schwert, ankämpfend, den Feldzug
ohne Verlust einer Fahne oder einer Kanone zu Ende geführt haben würde.
Auf der andren Seite murrten viele von den neuernannten Majors und
Hauptleuten, deren Unerfahrenheit seine Verlegenheiten vermehrt hatte
und die keine andre Qualification für ihren Posten besaßen als
persönliche Tapferkeit, über die Geschicklichkeit und Geduld, die sie
vom Untergang gerettet. Ihre Beschwerden fanden jenseit des St.
Georgskanals Wiederhall. Zum Theil war das Murren, wenn auch ungerecht,
doch zu entschuldigen. Den Eltern, die einen tapfern Sohn in seiner
ersten Uniform geschickt hatten, damit er sich den Weg zum Ruhm
erkämpfe, konnte man es wohl verzeihen, wenn ihr Schmerz sie zur
Heftigkeit und Unbilligkeit hinriß, als sie erfuhren, daß der
unglückliche Jüngling auf einem Bund Stroh ohne ärztlichen Beistand
gestorben und ohne religiöse oder militärische Ceremonie in einem Sumpfe
begraben worden war. Aber in den Weheruf verwaister Familien mischte
sich ein andres minder achtungswerthes Geschrei. Alle Die, welche gern
Neuigkeiten hörten und wiedererzählten, schmähten den General, der ihnen
so wenig Neuigkeiten zu hören und zu erzählen gab. Diese Art Leute haben
eine solche Sucht nach Aufregung, daß sie viel eher einem Feldherrn
verzeihen, der eine Schlacht verliert, als einem, der eine Schlacht
ablehnt. Die Politiker, welche ihre Orakelsprüche im dicksten
Tabaksrauche bei Garroway von sich gaben, fragten, ohne weder vom Kriege
im allgemeinen noch von dem irischen Kriege im besondern das Geringste
zu verstehen, sehr ernsthaft, warum Schomberg denn nicht losschlage. Daß
er sein Handwerk nicht verstehe, wagten sie nicht zu sagen. Er sei ohne
Zweifel ein vortrefflicher Offizier, aber er sei sehr alt. Er trage die
Last seiner Jahre zwar mit Ehren, aber seine Geisteskräfte seien nicht
mehr das was sie früher gewesen; sein Gedächtniß werde schwach und
Jedermann wisse, daß er zuweilen am Nachmittag vergessen habe, was er am
Vormittag gethan. Es dürfte wohl schwerlich je einen Menschen gegeben
haben, dessen Geist im achtzigsten Lebensjahre noch eben so frisch und
lebendig gewesen wäre als im vierzigsten; daß aber Schomberg's
Geisteskräfte durch die Jahre wenig geschwächt waren, das beweisen zur
Genüge seine Depeschen, welche noch existiren und Muster von officieller
Schreibweise sind: abgerundet, klar, voll bedeutender Facta und
gewichtiger Gründe und in die möglichst geringe Wortzahl
zusammengedrängt. In diesen Depeschen spielt er zuweilen, nicht hämisch,
sondern mit ruhiger Verachtung, auf den Tadel an, den sein Verhalten von
Seiten hohler Schwätzer, die in ihrem Leben keine wichtigere
militärische Operation als das Ablösen der Wache in Whitehall gesehen
und die sich einbildeten, es sei nichts leichter als in jeder Lage und
gegen jede Uebermacht große Siege zu erkämpfen, sowie von Seiten
vierschrötiger Patrioten erfahren, welche überzeugt seien, daß ein
einziger englischer Fuhrmann oder Drescher, der noch nicht gelernt habe,
ein Gewehr zu laden oder eine Pike zu tragen, es mit fünf Musketieren
von König Ludwig's Haustruppen aufnehmen könne.[68]


Marineangelegenheiten.

So unbefriedigend die Resultate des Feldzugs in Irland gewesen waren,
die Ergebnisse der Seeoperationen dieses Jahres waren noch weniger
befriedigend. Man hatte zuversichtlich erwartet, daß zur See England im
Bunde mit Holland der Macht Ludwig's mehr als ebenbürtig sein werde;
allein es ging Alles unglücklich. Herbert war nach dem unbedeutenden
Scharmützel in der Bantrybai mit seinem Geschwader nach Portsmouth
zurückgekehrt. Hier sah er, daß er die gute Meinung weder des Publikums
noch der Regierung verloren hatte. Das Haus der Gemeinen dankte ihm für
seine Dienste und er erhielt sprechende Beweise von der Gunst der Krone.
Er war nicht bei der Krönung gewesen und hatte daher keinen Theil an den
Belohnungen gehabt, welche bei Gelegenheit dieser Feierlichkeit unter
die Hauptactoren der Revolution vertheilt worden waren. Dies wurde jetzt
nachgeholt und er zum Earl von Torrington erhoben. Der König begab sich
nach Portsmouth, speiste an Bord des Admiralschiffes, sprach sein
vollstes Vertrauen zu der Tapferkeit und Loyalität der Flotte aus,
schlug zwei tüchtige Kapitains, Cloudesley Shovel und Johann Ashby, zu
Rittern und ließ ein Geschenk unter die Mannschaften vertheilen.[69]


Torrington's schlechte Verwaltung.

Wir können Wilhelm keinen begründeten Vorwurf deshalb machen, daß er
eine hohe Meinung von Torrington hatte, denn Torrington galt allgemein
für einen der tapfersten und geschicktesten Offiziere der Flotte. Jakob,
der die Marineangelegenheiten besser verstand als irgend etwas Andres,
hatte ihn zum Contreadmiral von England befördert. Diesen Posten, wie
noch andere einträgliche Stellen hatte Torrington aufgegeben, als er
sah, daß er sie nur behalten konnte, wenn er sich zum Werkzeug der
jesuitischen Cabale hergab. Niemand hatte eine thätigere, gewagtere und
nützlichere Rolle in der Revolution gespielt als er. Daher schien
Niemand gegründeteren Anspruch darauf zu haben, an die Spitze der
Marineverwaltung gestellt zu werden. Und doch eignete sich Niemand
weniger für einen solchen Posten. Seine Moralität war stets locker, ja
so locker gewesen, daß die Festigkeit, mit der er unter der vorigen
Regierung seinem Glauben treu blieb, großes Erstaunen erregt hatte.
Seine ruhmvolle Ungnade schien zwar einen heilsamen Einfluß auf seinen
Character ausgeübt zu haben, denn in seiner Armuth und Verbannung erhob
sich der Wüstling zu einem Helden. Sobald aber das Glück wiederkehrte,
sank der Held wieder zum Wüstling herab, und dieser Fall war tief und
hoffnungslos. Die Fäden seines Geistes, welche auf kurze Zeit straffer
angespannt gewesen, waren jetzt durch das Laster dermaßen erschlafft,
daß er zur Selbstverleugnung oder zu einer angestrengten Thätigkeit
vollkommen unfähig war. Den rohen Muth des Seemanns besaß er wohl noch,
aber als Admiral wie als erster Lord der Admiralität war er durchaus
ungenügend. Monat auf Monat lag die Flotte, welche der Schrecken der
Meere hätte sein sollen, unthätig im Hafen, während er sich in London
amüsirte. Die Matrosen gaben ihm in spöttelnder Anspielung auf seinen
neuen Titel den Namen Tarry-in-town.[70] Als er endlich an Bord kam, war
er von einem Schwarme von Courtisanen begleitet. Es gab kaum eine Stunde
des Tages wie der Nacht, wo er frei von den Dünsten des Claret gewesen
wäre. Sein unersättlicher Hang zum Vergnügen machte ihn naturgemäß auch
unersättlich nach Reichthum. Doch liebte er die Schmeichelei fast eben
so sehr als Reichthum und Vergnügen. Er war seit langer Zeit gewohnt,
von seinen Untergebenen die kriechendsten Huldigungen zu verlangen. Sein
Admiralschiff war ein kleines Versailles. Er erwartete, daß seine
Kapitains sich sowohl des Abends, wenn er zu Bett ging, als auch des
Morgens beim Aufstehen in seiner Kajüte versammelten; ja er ließ sich
sogar von ihnen ankleiden. Der Eine kämmte ihm seine wallende Perrücke,
ein Andrer stand mit dem gestickten Rocke bereit. Unter einem solchen
Befehlshaber konnte von Disciplin nicht die Rede sein. Seine Theerjacken
verbrachten ihre Zeit in Saus und Braus unter dem Pöbel von Portsmouth,
und diejenigen Offiziere, die sich durch Servilität und Speichelleckerei
seine Gunst erworben hatten, erhielten leicht Urlaub und blieben
wochenlang in London, wo sie in den Wirthshäusern schwelgten, durch die
Straßen schlenderten oder den maskirten Damen im Theater den Hof
machten. Die Proviantlieferanten merkten bald, mit wem sie es zu thun
hatten und schickten der Flotte Fässer Fleisch, das kein Hund angerührt
haben würde, und Tonnen Bier, das schlimmer roch als fauliges Wasser.
Währenddem war der britische Kanal den französischen Seeräubern
preisgegeben. Unsere Kauffahrteischiffe wurden angesichts der Wälle von
Plymouth gekapert; die Zuckerflotte aus Westindien verlor sieben
Schiffe. Der Gesammtwerth der Prisen, welche in unmittelbarer Nähe
unsrer Insel von den Kreuzern des Feindes weggenommen wurden, während
Torrington sich mit seiner Flasche und seinem Harem beschäftigte, wurde
auf sechsmalhunderttausend Pfund Sterling geschätzt. Das Geleit eines
Kriegsschiffes war, außer wenn man große Summen auf Bestechung
verwendete, so schwer zu erlangen, daß unsere Kaufleute sich gezwungen
sahen, zu diesem Zwecke holländische Kaper zu miethen, die sie weit
nützlicher und minder geldgierig fanden, als die Offiziere unsrer eignen
königlichen Flotte.[71]


Die festländischen Angelegenheiten.

Das einzige Departement, an dem sich nichts aussetzen ließ, war das der
Auswärtigen Angelegenheiten. Hier war Wilhelm sein eigner Minister, und
wo er sein eigner Minister war, da gab es keine Verzögerungen, keine
Mißgriffe, keine Betrügereien und Verräthereien. Die Schwierigkeiten,
mit denen er zu kämpfen hatte, waren jedoch groß. Selbst im Haag stieß
er auf einen Widerstand, den seine ganze Klugheit und Festigkeit,
unterstützt durch Heinsius' kräftigen Beistand, kaum zu bewältigen
vermochte. Die Engländer ahneten nicht, daß, während sie über die
Parteilichkeit ihres Souverains für sein Geburtsland murrten, eine
starke Partei in Holland über seine Parteilichkeit für sein
Adoptivvaterland murrte. Die holländischen Gesandten zu Westminster
beschwerten sich darüber, daß die Allianzbedingungen welche er
vorschlug, erniedrigend für die Würde und nachtheilig für die Interessen
der Republik seien, daß er überall wo die Ehre der englischen Flagge ins
Spiel komme, übertrieben streng und obstinat sei; daß er peremtorisch
auf einem Artikel bestehe, der allen Handelsverkehr mit Frankreich
verbiete und der an der amsterdamer Börse schmerzlich empfunden werden
müsse; daß er, als sie die Hoffnung ausgesprochen, daß die
Navigationsacte aufgehoben werden würde, in ein Gelächter ausgebrochen
sei und ihnen gesagt habe, daran sei nicht zu denken. Er setzte alle
seine Bedingungen durch und es wurde ein feierlicher Vertrag
geschlossen, durch den England und der batavische Bund sich
verpflichteten, fest zu einander gegen Frankreich zu halten und nur mit
beiderseitigem Einverständniß Frieden zu schließen. Aber einer der
holländischen Bevollmächtigten erklärte, daß er fürchte, dereinst als
Verräther betrachtet zu werden, weil er soviel zugestanden habe, und die
Unterschrift eines andren verrieth deutlich, daß sie mit vor innerer
Bewegung zitternder Hand geschrieben worden war.[72]

Inzwischen war unter Wilhelm's geschickter Leitung ein Allianzvertrag
zwischen den Generalstaaten und dem Kaiser geschlossen worden. Spanien
und England traten diesem Tractate bei, und so waren die vier
Großmächte, welche schon längst durch ein freundschaftliches
Einverständniß mit einander verbunden gewesen, durch einen förmlichen
Vertrag an einander gekettet.[73]

Bevor aber dieser förmliche Vertrag unterzeichnet und besiegelt war,
standen alle contrahirenden Theile unter den Waffen. Zu Anfang des
Jahres 1689 wüthete der Krieg über dem ganzen Kontinent vom Hämus bis zu
den Pyrenäen. Das von allen Seiten zu gleicher Zeit angegriffene
Frankreich vertheidigte sich auf allen Seiten nachdrücklich, und seine
türkischen Alliirten gaben einer großen deutschen Truppenmacht in
Serbien und Bulgarien vollauf zu thun. Im Ganzen genommen waren die
Resultate der militärischen Operationen des Sommers den Verbündeten
nicht ungünstig. Jenseit der Donau erfochten die Christen unter dem
Prinzen Ludwig von Baden eine Reihe von Siegen über die Muselmänner. In
den Gebirgen von Roussillon kämpften die französischen Truppen ohne
irgend einen entscheidenden Vortheil gegen das kriegerische Landvolk
Cataloniens. Eine deutsche Armee unter Anführung des Kurfürsten von
Baiern hielt das Erzbisthum Cöln besetzt. Eine andre wurde von Karl,
Herzog von Lothringen, befehligt, einem Fürsten, der, nachdem die Waffen
Frankreich's ihn aus seinen Landen vertrieben, ein Soldat des Zufalls
geworden war und als solcher sowohl Auszeichnung erlangt als auch Rache
geübt hatte. Er marschirte gegen die Verwüster der Pfalz, zwang sie sich
über den Rhein zurückzuziehen und nahm nach einer langen Belagerung die
wichtige und stark befestigte Stadt Mainz.

Zwischen der Sambre und der Maas standen die Franzosen unter Anführung
des Marschalls Humieres den Holländern gegenüber, welche der Fürst von
Waldeck commandirte, ein Offizier, der den Generalstaaten lange mit
Treue und Umsicht, wenn auch nicht immer mit besonderem Glück gedient
hatte und den Wilhelm sehr hoch schätzte. Unter Waldeck's Befehlen
diente Marlborough, dem Wilhelm eine aus den besten Regimentern der
alten Armee Jakob's bestehende englische Brigade anvertraut hatte. Der
Zweite nach Marlborough im Commando wie auch in militärischer
Geschicklichkeit war Thomas Talmash, ein wackerer Soldat, aber zu einem
Schicksale bestimmt, dessen man sich nicht ohne Beschämung und Unwillen
erinnern kann.


Gefecht bei Walcourt.

Es kam zwischen der Armee Waldecks und der Armee Humieres' zu keiner
allgemeinen Schlacht; aber in einer Reihe von Gefechten war der Vortheil
auf Seiten der Verbündeten. Das bedeutendste von diesen Gefechten fand
am 5. August bei Walcourt statt. Die Franzosen griffen einen von der
englischen Brigade vertheidigten Vorposten an, wurden aber nachdrücklich
zurückgeschlagen, und mußten sich mit Verlust einiger Feldstücke und
mehr als sechshundert Todten zurückziehen. Marlborough benahm sich bei
dieser wie bei jeder ähnlichen Gelegenheit als ein tapferer und
geschickter Offizier. Die von Talmash commandirten Coldstreamgarden und
das Regiment, welches jetzt das 16. der Linie heißt, unter dem Commando
des Obersten Robert Hodges, zeichneten sich besonders aus. Auch das
Regiment Royal, das wenige Monate früher in Ipswich die Fahne der
Empörung aufgepflanzt, bewies an diesem Tage, daß Wilhelm eben so weise
als großmüthig gehandelt hatte, indem er dieses schwere Vergehen
vollständig verzieh. Das Zeugniß, welches Waldeck in seinen Depeschen
dem tapferen Benehmen der Insulaner ausstellte, wurde von ihren
Landsleuten mit Entzücken gelesen. Das Gefecht war zwar nichts weiter
als ein Scharmützel, aber ein heißes und blutiges Scharmützel. Seit
Menschengedenken hatte kein so ernster Zusammenstoß zwischen Engländern
und Franzosen stattgefunden, und unsere Vorfahren waren natürlich nicht
wenig stolz, als sie sahen, daß viele Jahre der Unthätigkeit und
Vasallenschaft den Muth der Nation nicht geschwächt zu haben
schienen.[74]


Anschuldigungen gegen Marlborough.

Die Jakobiten fanden jedoch in dem Verlaufe des Feldzugs reichen Stoff
zu Schmähungen. Marlborough war, nicht ohne Grund, der Gegenstand ihres
erbittertsten Hasses. An seinem Benehmen auf dem Schlachtfelde konnte
selbst die Böswilligkeit wenig auszusetzen finden; andere Seiten seines
Verhaltens aber boten dem bösen Leumund ein ergiebiges Feld dar. Der
Geiz ist selten das Laster eines jungen Mannes, und eben so selten das
eines großen Mannes; Marlborough aber war einer von den Wenigen, die das
Geld in der Blüthe der Jugend mehr als Wein oder Weiber, und auf dem
Gipfel der Größe mehr als Macht oder Ruhm liebten. Alle die herrlichen
Gaben, welche die Natur an ihn verschwendet, schätzte er hauptsächlich
wegen des Gewinns, den sie ihm eintrugen. Im zwanzigsten Jahre zog er
Nutzen aus seiner Jugend und Körperkraft, als Sechziger zog er Nutzen
aus seinem Genie und seinem Ruhm. Der Beifall, der seinem Benehmen bei
Walcourt mit Recht gebührte, konnte die Stimmen Derer nicht ganz
übertäuben, welche munkelten, daß dieser Held, wo es ein Goldstück zu
ersparen oder zu verdienen gebe, ein bloßer Euklio, ein bloßer Harpagon
sei, daß er, obgleich er unter dem Vorgeben, offene Tafel zu halten,
einen bedeutenden Gehalt beziehe, doch niemals einen Offizier zu Tische
einlade, daß seine Musterrollen betrügerisch abgefaßt seien, daß er für
Leute, welche längst nicht mehr lebten, für Leute, die vor vier Jahren
vor seinen eigenen Augen bei Sedgemoor gefallen seien, die Löhnung in
seine Tasche stecke, daß sich in der einen Truppe zwanzig, in einer
andren sechsunddreißig solcher Namen befänden. Nur die Vereinigung von
furchtlosem Muth und imponierenden Geistesgaben mit einem leutseligen
Wesen und gewinnenden Manieren habe es ihm möglich gemacht, sich trotz
seiner höchst unsoldatischen Fehler die Zuneigung seiner Soldaten zu
erwerben und zu erhalten.[75]


Alexander VIII. folgt Innocenz XI. auf dem päpstlichen Stuhle.

Um die Zeit, wo die in allen Theilen Europa's kämpfenden Armeen ihre
Winterquartiere aufsuchten, bestieg ein neuer Papst den Stuhl St.
Peter's. Innocenz XI. war nicht mehr. Er hatte ein sonderbares Schicksal
gehabt. Seine gewissenhafte und innige Anhänglichkeit an die Kirche,
deren Oberhaupt er war, hatte ihn in einem der kritischesten Momente
ihrer Geschichte bestimmt, sich mit ihren Todfeinden zu verbünden. Die
Nachricht von seinem Ableben wurde daher, von den protestantischen
Fürsten und Republiken mit Schmerz und Besorgniß, in Versailles und
Dublin mit Freude und Hoffnung aufgenommen. Ludwig schickte
augenblicklich einen außerordentlichen Gesandten hohen Ranges nach Rom
und die in Avignon liegende französische Garnison wurde zurückgezogen.
Als die Stimmen des Conclaves sich zu Gunsten Peter Ottobuoni's geeinigt
hatten, eines ehemaligen Cardinals, der den Namen Alexander VIII.
annahm, wohnte der Vertreter Frankreichs der Einsetzung bei, trug die
Schleppe des neuen Papstes und überreichte Seiner Heiligkeit ein
Schreiben, in welcher der Allerchristlichste König erklärte, daß er dem
schmachvollen Vorrechte, Räuber und Mörder zu beschützen entsage.
Alexander drückte den Brief an seine Lippen, umarmte den Ueberbringer
und sprach mit Entzücken von der nahen Aussicht auf Versöhnung. Ludwig
begann sich der Hoffnung hinzugeben, daß der Vatikan seinen Einfluß dazu
anwenden werde, die Allianz zwischen dem Hause Oesterreich und dem
ketzerischen Usurpator des englischen Thrones aufzulösen. Jakob war
sogar noch sanguinischer. Er war thöricht genug zu hoffen, daß der neue
Papst ihm Geld geben werde, und befahl Melfort, der sich jetzt seiner
Mission in Versailles entledigt hatte, nach Rom zu eilen und Se.
Heiligkeit um eine Beisteuer zu dem guten Werke der Aufrechthaltung der
wahren Religion auf den britischen Inseln zu bitten. Aber es zeigte sich
bald, daß Alexander, obwohl er eine andre Sprache führte als sein
Vorgänger, doch entschlossen war, im Wesentlichen der Politik seines
Vorgängers zu folgen. Die Grundursache des Zerwürfnisses zwischen dem
heiligen Stuhle und Ludwig war nicht beseitigt. Der König ernannte noch
immer Prälaten, der Papst verweigerte noch immer ihre Anerkennung, und
die Folge davon war, daß ein Viertheil der Diöcesen Frankreich's
Bischöfe hatten, welche nicht befugt waren, irgend eine bischöfliche
Amtshandlung zu verrichten.[76]


Der Klerus der Hochkirche über die Angelegenheit der Eide gespalten.

Die anglikanische Kirche war um diese Zeit nicht minder durch Spaltungen
zerrissen als die gallikanische Kirche. Der 1. August war durch ein
Parlamentsedict als der Tag festgesetzt, bis zu welchem alle
Pfarrgeistlichen und alle ein akademisches Amt bekleidenden Personen bei
Strafe der Suspension Wilhelm und Marien den Unterthaneneid schwören
mußten. Während der ersten Hälfte des Sommers hofften die Jakobiten, die
Zahl der Nichtschwörenden werde bedeutend genug sein, um die Regierung
zu beunruhigen und in Verlegenheit zu setzen. Diese Hoffnung aber wurde
getäuscht. Es gab zwar nur wenige Whigs unter der Geistlichkeit, und nur
wenige waren Tories jener gemäßigten Schule, welche mit Widerstreben und
Vorbehalt anerkannte, daß große Mißbräuche eine Nation zuweilen
berechtigen könnten, zu extremen Mitteln zu greifen. Die große Mehrheit
des Standes hielt noch immer an dem Prinzip des passiven Gehorsams fest,
aber diese Mehrheit war jetzt in zwei Theile gespalten. Eine Frage,
welche vor der Revolution lediglich Sache der Spekulation gewesen und
daher, wenn sie auch zuweilen gelegentlich in Anregung kam, von den
Meisten nur sehr oberflächlich behandelt worden war, hatte jetzt eine
hohe praktische Bedeutsamkeit erlangt. Das Prinzip des passiven
Gehorsams als feststehend angenommen, wem gebührte dieser Gehorsam? So
lange das erbliche Recht mit dem Besitz verbunden gewesen war, war kein
Zweifel möglich; aber das erbliche Recht und der Besitz waren jetzt
getrennt. Ein durch die Revolution auf den Thron erhobener Fürst
regierte zu Westminster, gab Gesetze, ernannte Justizbeamte und Prälaten
und sandte Armeen und Flotten aus. Seine Richter entschieden
Rechtsfälle, seine Sheriffs verhafteten Schuldner und bestraften
Verbrecher; ohne sein großes Siegel würden Gerechtigkeit, Ordnung,
Eigenthum aufgehört haben zu existiren und die Gesellschaft in einen
chaotischen Zustand gerathen sein. Ein andrer, durch die Revolution
abgesetzter Fürst lebte im Auslande. Er konnte keines der Rechte eines
Regenten ausüben und keine der Pflichten eines Regenten erfüllen und
konnte, wie es schien, nur durch eben so gewaltsame Mittel als durch die
er vertrieben worden war, wieder eingesetzt werden. Welchem von diesen
beiden Fürsten schuldeten die Christen nun Gehorsam?


Argumente für Leistung der Eide.

Ein großer Theil der Geistlichkeit war der Meinung, daß der klare
Wortlaut der Schrift ihnen gebiete, sich dem im factischen Besitz des
Thrones befindlichen Souverain zu unterwerfen, ohne nach seinem Recht
auf diesen Thron zu fragen. Die Obrigkeiten, von denen der Apostel in
dem den anglikanischen Theologen jener Zeit genau bekannten Evangelium
sagt, daß sie von Gott eingesetzt seien, sind nicht diejenigen welche
auf einen rechtmäßigen Ursprung zurückgeführt werden können, sondern die
eben bestehenden. Als Jesus gefragt wurde, ob das auserwählte Volk Cäsar
rechtmäßigerweise Tribut zahlen dürfe, antwortete er mit der Frage,
nicht ob Cäsar einen von dem alten Königshause Juda abgeleiteten
Stammbaum aufweisen könnte, sondern ob das Geldstück, das die Fragenden
an den Schatz Cäsars zu zahlen Bedenken trugen, aus Cäsar's Münze komme,
mit anderen Worten, ob Cäsar thatsächlich die Autorität eines Herrschers
besitze und die Functionen eines solchen ausübe.

Es wird gewöhnlich, und mit vielem Anschein von Begründung, angenommen,
daß der zuverlässigste Commentar zu dem Text der Evangelien und Episteln
sich in der Praxis der ersten Christen findet, so weit diese Praxis
genügend zu ermitteln ist, und gerade jene Zeiten, zu welchen die Kirche
sich allgemein anerkanntermaßen im Zustande der höchsten Reinheit
befand, waren Zeiten häufiger und heftiger politischer Umgestaltungen.
Einer der Apostel wenigstens erlebte es, daß binnen wenig mehr als einem
Jahre vier Kaiser gestürzt wurden. Von den Märtyrern des 3. Jahrhunderts
muß sich ein großer Theil zehn bis zwölf Revolutionen haben erinnern
können. Diese Märtyrer müssen oft in der Lage gewesen sein zu erwägen,
welche Pflichten sie gegen einen Fürsten hatten, der so eben durch einen
mit Erfolg gekrönten Aufstand zur Macht gelangt war. Daß sie allesammt
durch die Furcht vor Strafe abgehalten worden seien das zu thun, was sie
für Recht hielten, ist eine Beschuldigung, welche nicht einmal ein
rechtschaffener Ungläubiger auf sie werfen wird. Wenn indessen irgend
eine Behauptung in Bezug auf die ersten Christen mit völliger Gewißheit
aufgestellt werden kann, so ist es die, daß sie nie und nimmer einem
factischen Regenten wegen der Unrechtmäßigkeit seines Titels den
Gehorsam verweigerten. Einmal wurde sogar die höchste Gewalt von zwanzig
bis dreißig Rivalen beansprucht. Jede Provinz von Britannien bis Egypten
hatte ihren Augustus. Diese Prätendenten konnten natürlich nicht alle
rechtmäßige Kaiser sein. Dennoch finden wir nirgends etwas erwähnt, daß
die Gläubigen an irgend einem Orte das geringste Bedenken getragen
hätten, sich der Person zu unterwerfen, welche an diesem Orte die
kaiserlichen Functionen ausübte. Während die Christen von Rom Aurelian
gehorchten, gehorchten die Christen von Lyon Tetrikus und die Christen
von Palmyra der Zenobia. »Tag und Nacht,« -- waren die Worte, welche der
große Cyprian, Bischof von Karthago, an den Repräsentanten Valerian's
und Gallienus richtete, -- »Tag und Nacht beten wir Christen zu dem
einen wahren Gott für das Wohl unserer Kaiser.« Und doch hatten diese
Kaiser einige Monate vorher ihren Vorgänger Aurelianus gestürzt, der
seinen Vorgänger Gallus gestürzt hatte; dieser hatte auf den Trümmern
des Hauses seines Vorgängers Decius den Gipfel der Macht erstiegen,
Decius hatte seinen Vorgänger Philipp und dieser seinen Vorgänger
Gordianus erschlagen. Konnte man glauben, daß ein Heiliger, der in dem
kurzen Zeitraum von dreizehn bis vierzehn Jahren dieser Reihe von
Rebellen und Königsmördern unverbrüchliche Unterthanentreue bewahrt
hatte, lieber eine Spaltung in der Christenheit hervorgerufen, als König
Wilhelm und Königin Marien anerkannt haben würde? Hundertmal forderten
diejenigen anglikanischen Geistlichen, welche die Eide geleistet hatten,
ihre skrupulöseren Amtsbrüder auf, ihnen ein einziges Beispiel
anzuführen, daß die ursprüngliche Kirche einem glücklichen Usurpator den
Gehorsam verweigert hätte, und hundertmal wich man der Aufforderung aus.
Die Eidverweigerer konnten über diesen Punkt weiter nichts sagen, als
daß Präcedenzfälle Prinzipien gegenüber kein Gewicht hätten, eine
Behauptung, die sehr sonderbar klang aus dem Munde einer Schule, welche
stets eine fast abergläubische Ehrfurcht vor der Autorität der
Kirchenväter an den Tag gelegt hatte.[77]

Präcedenzfälle aus späteren und verderbteren Zeiten verdienten wenig
Beachtung. Aber selbst in der Geschichte späterer und verderbterer
Zeiten konnten die Eidverweigerer nicht leicht einen ihrem Zwecke
dienenden Präcedenzfall finden. In unsrem eignen Lande hatten viele
Könige, die kein erbliches Recht hatten, auf dem Throne gesessen, aber
es war nie für unvereinbar mit der Pflicht eines Christen gehalten
worden, ein treuer Vasall dieser Könige zu sein. Die Usurpation
Heinrich's IV., die noch abscheulichere Usurpation Richard's III. hatten
kein Schisma in der Kirche hervorgerufen. Sobald der Usurpator auf
seinem Throne fest saß, hatten Bischöfe ihm für ihre Grundbesitzungen
gehuldigt; Convocationen hatten Adressen an ihn gerichtet und ihm Gelder
bewilligt, und kein Casuist hatte jemals behauptet, daß diese
Unterwerfung unter einen sich im factischen Besitze der Macht
befindenden Fürsten eine Todsünde sei.[78]

Mit der Verfahrungsweise der ganzen christlichen Welt stand die
Autoritätslehre der englischen Kirche unverkennbar in genauem Einklange.
Die Homilie über vorsätzliche Empörung, eine Predigt, welche in maßlosen
Ausdrücken die Pflicht des Gehorsams gegen Regenten einschärft, spricht
nur von factischen Regenten. Es wird sogar in dieser Homilie den Leuten
gesagt, daß sie nicht nur ihrem rechtmäßigen Landesherrn, sondern auch
jedem Usurpator, den Gott in seinem Zorne ihrer Sünden halber über sie
setzen werde, zu gehorchen verpflichtet seien. Es würde gewiß der
höchste Grad von Ungereimtheit sein, wollte man behaupten, daß wir
diejenigen Usurpatoren, welche Gott im Zorne sendet, unterwürfig
hinnehmen, solchen aber, die er uns in Gnaden sendet, den Gehorsam
beharrlich verweigern müßten. Zugegeben es war ein Verbrechen, den
Prinzen von Oranien nach England einzuladen, ein Verbrechen sich ihm
anzuschließen, ein Verbrechen ihn zum König zu machen, was war die ganze
Geschichte der jüdischen Nation und der christlichen Kirche Andres als
eine Reihenfolge von Fällen, in denen die Vorsehung aus Bösem Gutes
hervorgehen ließ? Und welcher Theolog wird behaupten, daß wir in solchen
Fällen aus Abscheu vor dem Bösen das Gute von uns weisen müßten?

Aus diesen Gründen waren eine große Anzahl Geistliche, welche noch an
dem Prinzipe festhielten, daß Widersetzlichkeit gegen den Souverain
jederzeit sündhaft sein müsse, der Ansicht, daß Wilhelm jetzt der
Souverain sei, dem sich zu widersetzen eine Sünde sein würde.


Argumente gegen die Eidesleistung.

Auf diese Argumentation entgegneten die Eidverweigerer, daß der Apostel
Paulus unter den bestehenden Obrigkeiten die bestehenden _rechtmäßigen_
Obrigkeiten gemeint haben müsse und daß es dem gesunden Verstande ins
Gesicht schlagen, die Religion schänden, den schwachen Gläubigen
Aergerniß und den Spöttern Anlaß zum Triumphiren geben heißen würde,
wollte man seine Worte anders deuten. Die Gefühle der ganzen Menschheit
müßten sich gegen die Behauptung empören, daß, sobald ein König, wäre
sein Recht auf den Thron noch so klar und seine Verwaltung noch so weise
und gut, durch Verräther vertrieben sei, alle seine Diener ihn verlassen
und zu seinen Feinden übergehen müßten. Zu allen Zeiten und bei allen
Nationen sei treue Anhänglichkeit an eine gute Sache im Unglück als eine
Tugend betrachtet worden. Zu allen Zeiten und bei allen Nationen sei der
Politiker, der sich immer zu der Partei geschlagen, welche die Oberhand
gehabt, verachtet worden. Dieser neue Toryismus sei schlimmer als
Whiggismus. Die Bande der Unterthanentreue zerreißen, weil der Souverain
ein Tyrann sei, das sei unstreitig eine große Sünde; aber es sei eine
Sünde, für die sich milde Bezeichnungen und plausible Vorwände finden
ließen und in welche ein braver und hochherziger Mann, der nicht in der
göttlichen Wahrheit unterrichtet und durch göttliche Gnade beschützt
sei, leicht verfallen könne. Aber alle Bande der Unterthanentreue blos
deshalb zu zerreißen, weil der Souverain unglücklich sei, das sei nicht
nur schlecht, sondern gemein. Könne ein Ungläubiger die heilige Schrift
ärger beschimpfen, als durch die Behauptung, daß die heilige Schrift den
Christen etwas als eine geheiligte Pflicht vorschreibe, was der
natürliche Verstand die Heiden als den höchsten Grad der Schlechtigkeit
zu betrachten gelehrt habe? In der Schrift finde sich die Geschichte
eines Königs von Israel, der durch einen unnatürlichen Sohn aus seinem
Palaste vertrieben und gezwungen worden sei, über den Jordan zu fliehen.
David habe, wie Jakob, das Recht, Absolom, wie Wilhelm, den factischen
Besitz gehabt. Würde ein Schriftforscher zu behaupten wagen, daß Simei's
Benehmen bei dieser Gelegenheit als ein Muster zur Nachahmung
hingestellt sei und daß Barsillai, der treu zu seinem flüchtigen
Gebieter gehalten, sich gegen die Vorschrift Gottes aufgelehnt und
Verdammniß auf sich gezogen habe? Würde ein wahrer Sohn der Kirche
England's im Ernst behaupten, daß ein Mann, der bis nach der Schlacht
von Naseby ein entschiedener Royalist war, dann zum Parlament überging,
sobald das Parlament auseinandergesprengt war, ein willfähriger Diener
des Rumpfes wurde und sobald der Rumpf vertrieben war, sich für einen
treuen Unterthan des Protectors erklärte, die Achtung der Christen mehr
verdiene, als der standhafte alte Cavalier, der Karl I. im Gefängniß und
Karl II. im Exil unerschütterlich treu blieb und der bereit war, eher
Grundbesitz, Freiheit und Leben zu wagen als durch Wort oder That die
Autorität einer der plötzlich aufgetauchten Regierungen anzuerkennen,
welche in jener schlimmen Zeit in den Besitz einer Macht gelangt waren,
die ihnen von Rechtswegen nicht gebührte? Und welcher Unterschied sei
zwischen diesem und dem jetzt vorliegenden Falle? Daß Cromwell
thatsächlich eben so viel Macht, ja weit mehr Macht als Wilhelm besessen
habe, sei ausgemacht, und daß Wilhelm's Macht so gut wie Cromwell's
Macht illegitimen Ursprungs sei, werde kein Geistlicher, der dem Prinzip
des Nichtwiderstandes huldige, bestreiten. Wie könne denn ein solcher
Geistlicher leugnen, daß Cromwell Gehorsam gebührt habe, und doch
behaupten, daß Wilhelm solcher gebühre? Wollte man annehmen, daß eine
solche Inconsequenz ohne Unredlichkeit existiren könne, so sei das nicht
Nachsicht sondern Schwäche. Diejenigen welche entschlossen seien, sich
der Parlamentsacte zu fügen, würden besser thun, wenn sie sich offen
darüber aussprächen und sagten was Jedermann schon wisse: daß sie sich
nur deshalb fügten, um ihre Pfründen zu behalten. Allerdings sei dies
ein sehr starker Beweggrund. Daß ein Geistlicher, der Gatte und Vater
sei, dem 1. August und 1. Februar mit ängstlicher Besorgniß
entgegensehe, sei natürlich. Aber er solle nicht vergessen, daß, wie
schrecklich auch der Tag der Suspension und der Tag der Amtsentsetzung
sein möge, zuverlässig zwei andere noch schrecklichere Tage kommen
würden: der Tag des Todes und der Tag des jüngsten Gerichts.[79]

Die schwörenden Geistlichen, wie man sie nannte, waren nicht wenig
betroffen über dieses Raisonnement. Nichts setzte sie mehr in
Verlegenheit als die Parallele, welche die Eidverweigerer mit
unermüdlicher Beharrlichkeit zwischen der Usurpation Cromwell's und der
Usurpation Wilhelm's zogen. Denn es gab damals keinen Hochkirchlichen,
der es nicht für eine Ungereimtheit gehalten hätte, zu behaupten daß die
Kirche ihren Söhnen befohlen habe, Cromwell zu gehorchen. Und doch war
es unmöglich zu beweisen, daß Wilhelm vollständiger im Besitze der
höchsten Gewalt sei, als Cromwell es gewesen. Die Schwörenden hüteten
sich daher eben so sorgfältig, mit den Nichtschwörenden über diesen
Punkt zu streiten, wie die Nichtschwörenden es vermieden, mit den
Schwörenden über die Frage bezüglich der Praxis der frühesten Kirche zu
streiten.

Das Wahre ist, daß die Regierungstheorie, welche der Klerus seit langer
Zeit lehrte, so unsinnig war, daß sie zu nichts als Unsinn führen
konnte. Mochte der Priester, der dieser Theorie huldigte, die Eide
leisten oder sie verweigern, er war in beiden Fällen nicht im Stande,
eine vernünftige Erklärung seines Verfahrens zu geben. Schwor er, so
konnte er dies nur durch Aufstellung von Behauptungen, gegen die sich
jedes redliche Herz instinktmäßig empörte, nur durch die Erklärung
rechtfertigen, daß Christus der Kirche befohlen habe, die gerechte Sache
zu verlassen, sobald diese Sache aufhöre zu prosperiren, und die Hände
der vom Glück begünstigten Schlechtigkeit gegen die bedrängte Tugend zu
kräftigen. So gewichtig indessen die Einwürfe gegen diese Doctrin waren,
die Einwürfe gegen die Doctrin des Nichtschwörenden waren wo möglich
noch gewichtiger. Nach ihm mußte eine christliche Nation beständig
entweder in einem Zustande von Knechtschaft oder in einem Zustande von
Anarchie sein. Etwas läßt sich sowohl für den Menschen sagen, der die
Freiheit opfert, um die Ordnung zu erhalten, als auch für den Menschen,
der die Ordnung opfert, um die Freiheit zu erhalten. Denn Freiheit und
Ordnung sind zwei der größten Segnungen, deren sich eine Gesellschaft
erfreuen kann, und wenn sie sich unglücklicherweise als mit einander
unverträglich herausstellen, da haben Diejenigen, welche die eine oder
die andre Seite ergreifen, Anspruch auf große Nachsicht. Der
Eidverweigerer aber opferte nicht die Freiheit der Ordnung, nicht die
Ordnung der Freiheit auf, sondern Freiheit und Ordnung einem
Aberglauben, der eben so einfältig und erniedrigend war als die Anbetung
von Katzen und Zwiebeln bei den Egyptern. Wenn eine Person, die sich nur
durch den Zufall der Geburt von anderen unterschied, auf dem Throne saß,
mochte sie auch ein Nero sein, sollte kein Ungehorsam stattfinden; und
wenn eine andre Person auf dem Throne saß, mochte sie auch ein Alfred
sein, so sollte kein Gehorsam stattfinden. Es war gleichgültig, wie
unvernünftig und schlecht die Verwaltung der Dynastie, welche das
erbliche Recht hatte, oder wie weise und tugendhaft die Verwaltung einer
aus einer Revolution hervorgegangenen Regierung sein mochte. Auch konnte
keine Verjährungszeit gegen den Anspruch der vertriebenen Familie
geltend gemacht werden. Der Zeitraum von Jahren, der Zeitraum von
Jahrhunderten änderte nichts. Bis an das Ende der Welt mußten die
Christen ihr politisches Verhalten einfach nach der Genealogie ihrer
Landesherren reguliren. Das Jahr 1800, das Jahr 1900 könnte Fürsten, die
ihre Rechtsansprüche von den Beschlüssen der Convention herleiteten,
ruhig und glücklich regieren sehen. Gleichviel, sie blieben deshalb
immer Usurpatoren, und wenn im 20. oder 21. Jahrhundert Jemand, der ein
besseres Geblütsrecht auf die Krone nachweisen konnte, eine spätere
Nachwelt auffordern sollte, ihn als König anzuerkennen, so mußte der
Aufforderung bei Strafe ewiger Verdammniß Folge geleistet werden.

Ein Whig konnte sich wohl über den Gedanken freuen, daß die unter seinen
Gegner entstandenen Controversen die Richtigkeit seines politischen
Glaubens festgestellt hatten. Die Streitenden, welche ihn lange
übereinstimmend eines gottlosen Irrthums beschuldigt, hatten ihn jetzt
wirksam gerechtfertigt und einander gegenseitig widerlegt. Der
Hochkirchliche, der die Eide leistete, hatte durch unwiderlegliche
Gründe aus den Evangelien und Episteln, aus der gleichmäßigen Praxis der
ersten Kirche und aus den deutlichen Erklärungen der anglikanischen
Kirche bewiesen, daß die Christen nicht in allen Fällen verpflichtet
waren, dem Fürsten, der das erbliche Recht besaß, zu gehorchen. Der
Hochkirchliche, der die Eide leisten wollte, hatte eben so befriedigend
dargethan, daß die Christen nicht in allen Fällen verpflichtet seien,
den Fürsten, welcher thatsächlich regierte, zu gehorchen. Daraus folgte,
daß, um einer Regierung ein Recht auf die Treue der Unterthanen zu
geben, etwas Andres erforderlich war, als bloße Legitimität oder bloßer
Besitz. Was dieses Andre war wurde den Whigs nicht schwer zu sagen.
Ihrer Ansicht nach war der Zweck, um dessen willen alle Regierungen
eingesetzt worden, das Wohl der Gesellschaft. So lange der erste Beamte
im Staate, mochte er auch einige Fehler haben, das Gute förderte, gebot
die Vernunft den Menschen, ihm zu gehorchen und die Religion, welche dem
Gebote der Vernunft ihre feierliche Sanction ertheilt gebot den
Menschen, ihn als einen von Gott Gesandten zu verehren. Erwies er sich
aber als ein Beförderer des Bösen, auf welche Gründe hin war er dann als
ein von Gott Gesandter zu betrachten? Die Tories, welche die Eide
leisteten, hatten bewiesen, daß er wegen des Ursprungs seiner Macht
nicht als ein solcher zu betrachten sei; die Tories, welche nicht
schwören wollten, hatten eben so klar bewiesen, daß er wegen der
Existenz seiner Macht nicht als ein solcher zu betrachten sei.

Einige heftige und hämische Whigs triumphirten mit Ostentation und
rücksichtsloser Arroganz über die bestürzte und in sich uneinige
Geistlichkeit. Den Eidverweigerer betrachteten sie im allgemeinen mit
geringschätzendem Mitleid als einen einfältigen und verschrobenen, aber
aufrichtigen Bigotten, dessen absurde Praxis seiner absurden Theorie
entsprach und der die Verblendung, welche ihn antrieb, sein Vaterland zu
ruiniren, damit entschuldigte, daß die nämliche Verblendung ihn
getrieben habe, sich selbst zu ruiniren. Ihren schärfsten Tadel aber
sparten sie für diejenigen Geistlichen auf, die jetzt bereit waren einem
Usurpator Treue zu schwören, nachdem sie sich in den Tagen der
Ausschließungsbill und des Ryehousecomplots durch ihren Eifer für das
göttliche und unveräußerliche Recht des erblichen Souverains
ausgezeichnet hatten. Sei dies der wahre Sinn der sublimen Phrasen,
welche neunundzwanzig Jahre lang von unzähligen Kanzeln herab gepredigt
worden? Hätten die Tausende von Geistlichen, die sich der unwandelbaren
Loyalität ihres Standes so laut gerühmt, in Wirklichkeit nur gemeint,
daß ihre Loyalität nur bis zum nächsten Glückswechsel unwandelbar
bleiben solle. Es sei lächerlich, es sei unverschämt von ihnen, zu
behaupten, daß Ihr gegenwärtiges Verfahren mit ihrer früheren Sprache in
Einklang stehe. Wenn ein Ehrwürdiger Doctor endlich überzeugt worden
sei, daß er im Unrecht gewesen, so müsse er doch gewiß durch einen
offenen Widerruf den verfolgten, den verleumdeten, den gemordeten
Vertheidigern der Freiheit jede noch mögliche Genugthuung geben. Sei er
hingegen noch immer überzeugt, daß seine ersten Ansichten die richtigen
seien, so müsse er mannhaft das Loos der Eidverweigerer theilen. Achtung
gebühre sowohl Dem, der einen Irrthum offen eingestehe, wie auch dem,
der für einen Irrthum muthig leide; schwerlich aber könne man einen
Diener der Religion achten, der da behaupte, daß er es noch immer mit
den Grundsätzen der Tories halte, und dabei seine Pfründe durch Ablegung
eines Eides rette, welcher ehrenhafterweise nur nach den Grundsätzen der
Whigs geleistet werden könne.

Diese Vorwürfe mochten vielleicht nicht ganz ungerecht sein, aber sie
waren unzeitig. Die vernünftigeren und gemäßigteren Whigs, welche
einsahen, daß Wilhelm's Thron nicht feststehen könne, wenn er nicht eine
breitere Basis habe als ihre eigne Partei, enthielten sich bei dieser
Gelegenheit aller Spötteleien und Invectiven und trachteten danach die
Bedenken der Geistlichen zu heben und ihre verletzten Gefühle zu
beschwichtigen. Die Collectivmacht der Rectoren und Vikare England's war
ungeheuer, und es war immer besser sie schwuren aus dem nichtigsten
Grunde, den ein Sophist ersinnen konnte, als sie schwuren gar nicht.


Die große Mehrheit des Klerus leistet die Eide.

Es wurde bald klar, daß die Gründe für die Eidesleistung, unterstützt
durch einige der stärksten Motive, welche auf den menschlichen Geist
influiren können, überwogen hatten. Mehr als neunundzwanzig Dreißigstel
des Standes fügten sich dem Gesetz. Die Mehrzahl der Geistlichen der
Hauptstadt, welche damals eine besondere Klasse bildeten und die sich
vor den Landgeistlichen ebensowohl durch freisinnige Ansichten wie durch
Beredtsamkeit und Gelehrsamkeit auszeichneten, erklärten ihren Anschluß
an die Regierung zuerst und mit allen Zeichen aufrichtiger Ergebenheit.
Achtzig von ihnen begaben sich zusammen nach Westminster Hall und wurden
daselbst vereidigt. Die Ceremonie nahm soviel Zeit weg, daß an diesem
Tage beim Kanzleigericht und der Kings Bench wenig mehr vorgenommen
wurde.[80] Im allgemeinen aber fügten sich die Geistlichen langsam und
mit Unmuth. Allerdings opferten viele wissentlich ihre Grundsätze dem
Eigennutze auf. Ihr Gewissen sagte ihnen, daß sie eine Sünde begingen.
Aber sie besaßen nicht Characterstärke genug, um das Pfarrhaus, den
Garten, das Landgütchen aufzugeben und in die Welt hinaus zu gehen, ohne
zu wissen, wo sie eine Mahlzeit oder ein Obdach für sich und ihre
Kleinen finden würden. Viele schwuren mit Zweifeln und bangen
Vorahnungen.[81] Einige erklärten im Augenblicke der Eidabnahme, es sei
nicht ihre Absicht zu versprechen, daß sie sich Jakob nicht unterwerfen
würden, wenn er je in die Lage kommen sollte, den Unterthaneneid von
ihnen zu verlangen.[82] Einige Geistliche im Norden waren am 1. August
in Gesellschaft zur Eidesleistung aufgebrochen, als sie unterwegs die
Nachricht von der Schlacht traf, welche vier Tage vorher in der Schlucht
von Killiecrankie geschlagen worden war. Sie kehrten sofort um und
verließen ihre Wohnungen zu dem nämlichen Zwecke nicht eher wieder als
bis es klar war, daß Dundee's Sieg keine Veränderung in dem Stande der
öffentlichen Angelegenheiten herbeigeführt hatte.[83] Selbst von Denen,
welche fest überzeugt waren, daß der bestehenden Regierung Gehorsam
gebühre, küßten nur sehr Wenige das Evangelium mit der Innigkeit, mit
der sie früher Karl und Jakob Treue gelobt hatten. Doch die Sache war
geschehen. Zehntausend Geistliche hatten feierlich den Himmel zum Zeugen
ihres Versprechens angerufen, daß sie treue Unterthanen Wilhelm's sein
wollten, und wenn auch dieses Versprechen ihn keineswegs zu der
Erwartung berechtigte, daß sie ihn kräftig unterstützen würden, so hatte
es ihnen doch einen großen Theil ihrer Macht, ihm zu schaden, entzogen.
Wollten sie die öffentliche Achtung nicht verlieren, von der ihr Einfluß
abhing, so durften sie den Thron Dessen, dem sie im Angesicht Gottes als
ihrem Könige zu gehorchen gelobt hatten, nicht anders als indirect und
mit ängstlicher Vorsicht angreifen. Einige von ihnen lasen allerdings
die Gebete für das neue Herrscherpaar in einem eigenthümlichen Tone vor,
der nicht mißverstanden werden konnte.[84] Andere ließen sich sogar noch
ärgere Unanständigkeiten zu Schulden kommen. So leerte ein Elender
unmittelbar nachdem er im feierlichsten Gottesdienste für Wilhelm und
Marien gebetet, ein Glas auf ihr Verderben. Ein Andrer verzehrte an
einem durch ihre Autorität angeordneten Fasttage nach dem Gottesdienste
eine Taubenpastete und sprach beim Zerschneiden derselben den Wunsch
aus, daß es das Herz des Usurpators sein möchte. Doch so freche
Gottlosigkeit kam nur selten vor und schadete eher der Kirche als der
Regierung.[85]


Die Eidverweigerer.

Die Anzahl der Geistlichen und Universitätsmitglieder, welche in die
gesetzlichen Strafen verfielen, belief sich auf ungefähr vierhundert. In
erster Reihe stand der Primas mit sechs seiner Suffragane: Turner von
Ely, Lloyd von Norwich, Frampton von Gloucester, Lake von Chichester,
White von Peterborough und Ken von Bath und Wells. Thomas von Worcester
würde der siebente gewesen sein, aber er starb drei Wochen vor dem Tage
der Suspension. Auf dem Sterbebette beschwor er seinen Klerus, der Sache
des erblichen Rechts treu zu bleiben, und erklärte, daß diejenigen
Geistlichen, welche zu beweisen versuchten, daß die Eide ohne Abweichung
von den loyalen Doctrinen der englischen Kirche geleistet werden
könnten, ihm jesuitischer zu raisonniren schienen als die Jesuiten
selbst.[86]


Ken.

Ken, der in intellectueller wie in moralischer Hinsicht unter den
nichtschwörenden Prälaten am höchsten stand, war lange unschlüssig. Es
gab wenige Geistliche, die sich der neuen Regierung unbedenklicher
hätten unterwerfen können als er. Denn zu den Zeiten, als
Nichtwiderstand und passiver Gehorsam die Lieblingsthemata seiner
Amtsbrüder waren, hatte er auf der Kanzel fast niemals auf die Politik
angespielt. Er gab zu, daß die Argumente zu Gunsten des Schwörens sehr
gewichtig seien, ja er ging sogar so weit, daß er sagte, seine Bedenken
würden vollständig schwinden, wenn er überzeugt werden könne, daß Jakob
sich zur Abtretung Irland's an den König von Frankreich verbindlich
gemacht habe. Es ist daher augenscheinlich, daß der Unterschied zwischen
Ken und den Whigs kein prinzipieller war. Er war, wie sie, der Ansicht,
daß schlechte Verwaltung, wenn sie bis zu einem gewissen Punkte
getrieben würde, eine Uebertragung der Lehnspflichtigkeit rechtfertige,
und zweifelte nur, ob Jakob's schlechte Regierung diesen Punkt erreicht
habe. Der gute Bischof begann sogar wirklich einen Hirtenbrief
vorzubereiten, in welchem er seine Gründe für die Eidesleistung
entwickelte. Noch ehe er aber damit zu Ende war, erhielt er eine
Mittheilung, die ihn überzeugte, daß Irland nicht an Frankreich verkauft
sei; eine Menge Zweifel stiegen nun wieder in ihm auf, er warf den
unvollendeten Brief ins Feuer und bat seine minder skrupulösen Freunde,
daß sie nicht weiter in ihn dringen möchten. Er sei gewiß, sagte er, daß
sie aus aufrichtiger Ueberzeugung gehandelt hätten, es freue ihn, daß
sie mit reinem Gewissen einen Schritt thun könnten, vor dem er
zurückbebe, er fühle das ganze Gewicht ihrer Gründe, er sei fast
überzeugt und er wolle nichts weiter hören, um nicht noch völlig
überzeugt zu werden, denn wenn er sich fügte und seine Besorgnisse
kehrten dann zurück, so würde er der unglücklichste Mensch von der Welt
sein. Nicht für Schätze, nicht für einen Palast, nicht für einen
Peerstitel möchte er sich der geringsten Gefahr aussetzen, jemals die
Qualen der Reue zu empfinden. Es ist ein interessantes Factum, daß der
einzige von den sieben Prälaten, dessen Name einen gewichtigen Klang
hat, nahe daran war zu schwören und nach seinem eignen Eingeständniß
nicht durch die Kraft von Vernunftgründen, sondern durch eine krankhafte
Skrupulosität davon abgehalten wurde, die er Anderen nicht nachzuahmen
rieth.[87]

Unter den Priestern, welche die Eide verweigerten, befanden sich einige,
die sich in der gelehrten Welt als Philologen, Chronologen, Canonisten
und Alterthumsforscher, sowie eine sehr kleine Anzahl, die sich durch
Geist und Beredtsamkeit auszeichneten; aber es kann kaum Einer angeführt
werden, der im Stande gewesen wäre, eine wichtige Frage der Moral oder
Politik zu erörtern, kaum Einer, dessen Schriften nicht entweder eine
große Schwäche oder eine große Flüchtigkeit des Geistes verriethen.
Diejenigen, welche auf das Urtheil eines Whig über diesen Punkt nichts
geben, werden der Ansicht, welche viele Jahre nach der Revolution ein
Philosoph aussprach, auf den die Tories mit Recht stolz sind,
hoffentlich einiges Gewicht zugestehen. Johnson erklärte, nachdem er die
berühmten Geistlichen, die es für eine Sünde gehalten, Wilhelm III. und
Georg I. Treue zu schwören, der Reihe nach aufgezählt, daß unter diesen
ganzen Eidverweigerern nur ein einziger gewesen sei, der ein logisches
Raisonnement habe anstellen können.[88]


Leslie.

Der Eidverweigerer, zu dessen Gunsten Johnson diese Ausnahme machte, war
Karl Leslie. Leslie war vor der Revolution Kanzler der Diöcese Connor in
Irland gewesen. Er war in der Opposition gegen Tyrannei vorangegangen,
hatte sich als Friedensrichter für Monoghan geweigert, einen Papisten
als Sheriff dieser Grafschaft anzuerkennen, und hatte den Muth gehabt,
einige Offiziere der irischen Armee wegen Maraudirens einsperren zu
lassen, das Prinzip des Nichtwiderstandes aber, wie es die
anglikanischen Theologen in den Tagen des Ryehousecomplots gelehrt,
stand unerschütterlich fest in seinem Geiste. Als der Zustand von Ulster
sich so gestaltete, daß ein Protestant, welcher dort blieb, es kaum
vermeiden konnte, entweder ein Rebell oder ein Märtyrer zu werden,
flüchtete Leslie nach London. Seine Talente und seine Connectionen waren
von der Art, daß er leicht eine hohe Anstellung in der englischen Kirche
hätte erlangen können. Aber er nahm seinen Platz in der vordersten Reihe
der jakobitischen Partei und behauptete denselben durch alle Gefahren
und Wechselfälle von dreiunddreißig unruhigen Jahren. Obgleich beständig
mit Deisten, Juden, Socinianern, Presbyterianern, Papisten und Quäkern
in theologische Streitigkeiten verwickelt, fand er doch noch Zeit und
Muße, einer der productivsten politischen Schriftsteller seines
Jahrhunderts zu werden. Von allen nichtschwörenden Geistlichen war er am
besten befähigt, Verfassungsfragen zu besprechen, denn er hatte vor
seiner Ordination lange im Temple gewohnt und die englische Geschichte
und Rechtswissenschaft studirt, während die meisten anderen Häupter des
Schismas über den Acten von Chalcedon gebrütet, oder in dem Targum des
Onkelos nach Weisheit gesucht hatten.[89]


Sherlock.

Im Jahre 1689 jedoch war Leslie fast noch unbekannt in England. Unter
den Geistlichen, welche am 1. August des genannten Jahres suspendirt
wurden, stand Doctor Wilhelm Sherlock in der Achtung des Volks ohne
Widerrede am höchsten. Kein einfacher Priester der englischen Kirche hat
vielleicht je eine größere Autorität über seine Glaubensbrüder besessen
als Sherlock sie zur Zeit der Revolution besaß. Er nahm als Gelehrter,
als Prediger, als theologischer oder als politischer Schriftsteller zwar
nicht den ersten Rang unter seinen Zeitgenossen ein, aber in allen
diesen vier Eigenschaften hatte er sich ausgezeichnet. Die Klarheit und
Lebendigkeit seines Styls sind von Prior und Addison gerühmt worden, und
die Leichtigkeit mit der er schrieb, sowie sein Fleiß werden durch die
Menge und durch die Jahrzahlen seiner Werke genugsam bewiesen. Es gab
zwar unter dem Klerus Männer von glänzenderem Genie und von
umfassenderer wissenschaftlicher Bildung, aber während einer langen Zeit
gab es keinen, der den Priesterstand vollkommener repräsentirte, keinen,
der ohne jeden Anflug von Latitudinarismus, Puritanismus oder Papismus
die Ansicht der anglikanischen Priesterschaft über alle Gegenstände
erschöpfender aussprach. In den Tagen der Ausschließungsbill, als die
Macht der Dissenters im Parlament und im Lande sehr groß war, hatte er
nachdrücklich gegen die Sünde des Nonconformirens geschrieben. Als das
Ryehousecomplot entdeckt war, hatte er die Lehre vom Nichtwiderstande
mit Wort und Schrift eifrig vertheidigt. Seine der Sache des Episkopats
und der Monarchie geleisteten Dienste wurden so hoch geschätzt, daß er
zum Vorsteher des Temple ernannt wurde. Auch wurde ihm von Karl eine
Pension ausgesetzt, die ihm aber Jakob bald wieder entzog, denn obgleich
Sherlock sich verpflichtet glaubte, der Civilgewalt passiven Gehorsam zu
leisten, so glaubte er sich doch nicht minder verpflichtet religiöse
Irrthümer zu bekämpfen und war der schärfste und rührigste unter dem
Heere von Polemikern, welche am Tage der Gefahr den protestantischen
Glauben mannhaft vertheidigten. In wenig mehr als zwei Jahren
veröffentlichte er sechzehn Schriften gegen die hohen Prätensionen Roms,
darunter einige umfangreiche Werke. Nicht zufrieden mit den Siegen, die
er über so schwache Gegner, wie die Bewohner von Clerkenwell und des
Savoy errang, hatte er den Muth, sich mit keinem geringeren Kämpen als
Bossuet zu messen, aus welchem Kampfe er nicht mit Unehre hervorging.
Trotzdem blieb Sherlock nach wie vor bei dem Satze stehen, daß keine
Tyrannei Christen berechtigen könne, sich der königlichen Autorität zu
widersetzen. Als die Convention im Begriff war zusammenzutreten, empfahl
er in einer Schrift, welche als das Manifest eines großen Theils der
Geistlichkeit betrachtet wurde, auf das Eindringlichste, daß Jakob
eingeladen werden solle, unter Bedingungen, welche die Gesetze und die
Religion der Nation sichern würden, zurückzukehren.[90] Der Beschluß,
welcher Wilhelm und Marien auf den Thron setzte, erfüllte Sherlock mit
Kummer und Unwillen. Er soll ausgerufen haben daß, wenn die Convention
zu einer Revolution entschlossen sei, der Klerus vierzigtausend Freunde
der Kirche finden würde, um eine Restauration herbeizuführen.[91] Gegen
die neuen Eide sprach er offen und energisch seine Meinung aus. Er
erklärte, er begreife nicht, wie ein rechtschaffener Mann daran zweifeln
könne, daß der Apostel Paulus mit den bestehenden Obrigkeiten die
rechtmäßigen Obrigkeiten gemeint habe und keine anderen. Kein Name wurde
1689 von den Jakobiten mit solchem Stolz und solcher Liebe genannt wie
der Name Sherlock's. Noch vor dem Schlusse des Jahres 1690 aber erweckte
dieser Name ganz andere Empfindungen.


Hickes.

Einige andere Eidverweigerer müssen noch besonders erwähnt werden. Einer
der Bedeutendsten unter ihnen war Georg Hickes, Dechant von Worcester.
Von allen Engländern seiner Zeit war er in den alten teutonischen
Sprachen am gründlichsten bewandert, und seine Kenntniß der ersten
christlichen Literatur war eine umfassende. Hinsichtlich seiner
Befähigung zur politischen Discussion genüge es zu sagen, daß sein
Lieblingsargument zu Gunsten des passiven Gehorsams der Geschichte der
Thebanischen Legion entlehnt war. Er war der jüngere Bruder des
unglücklichen Johann Hickes, der im Speicher der Alice Lisle verborgen
gefunden worden war. Jakob hatte, trotz aller Fürsprache, sowohl Johann
Hickes als Alice Lisle hinrichten lassen. Leute, welche die Stärke der
Grundsätze des Dechanten nicht kannten, dachten er könne deshalb
möglicherweise einigen Groll hegen, denn er war eben nicht von sanftem
und vergebendem Character, und konnte sich einer unbedeutenden Kränkung
viele Jahre lang mit bitteren Gefühlen erinnern. Aber er war fest in
seinem religiösen und politischen Glauben, er bedachte, daß die Dulder
Dissenters waren, und er unterwarf sich dem Willen des Gesalbten des
Herrn nicht nur mit Geduld, sondern mit Freudigkeit. Er wurde sogar von
dem Augenblicke an wo sein Bruder aufgehängt und die Wohlthäterin seines
Bruders enthauptet worden war, ein treuerer Unterthan als je. Während
fast alle anderen Geistlichen, durch die Indulgenzerklärung und durch
die Proceduren der Hohen Commission erschreckt, zu glauben begannen, daß
sie die Lehre vom Nichtwiderstande ein wenig zu weit getrieben hätten,
schrieb er eine Vertheidigung seines Lieblingsprinzips und bemühte sich
die bei Hounslow lagernden Truppen zu überzeugen, daß, wenn es Jakob
gefallen sollte, sie alle zu massakriren, wie Maximian die Thebanische
Legion massakrirt hatte, weil sie sich geweigert, Abgötterei zu treiben,
es ihre Pflicht sein würde, die Waffen auf einen Haufen zu werfen und
geduldig die Märtyrerkrone zu empfangen. Um Hickes Gerechtigkeit
widerfahren zu lassen, muß man sagen, daß sein ganzes Verhalten nach der
Revolution bewies, daß seine Servilität weder aus Furcht, noch aus
Habsucht, sondern lediglich aus Bigotterie entsprang.[92]


Collier.

Jeremias Collier, der seiner Stelle als Prediger des Archivs entsetzt
worden, stand auf einer viel höheren Stufe. Er hat ein wohlbegründetes
Recht auf dankbare und achtungsvolle Erwähnung, denn seiner
Beredtsamkeit und seinem Muthe ist die Reinigung unsrer leichteren
Literatur von der unsauberen Färbung, die sie während der
antipuritanischen Reaction angenommen hatte, hauptsächlich
zuzuschreiben. Er war im vollen Umfange des Worts ein guter Mensch. Aber
er war auch ein Mann von eminenten Talenten, ein großer Meister des
Sarkasmus und ein ausgezeichneter Rhetoriker.[93] Desgleichen war seine
Belesenheit, wenn auch unverarbeitet, von großem Umfange. Sein Geist
aber war beschränkt; seine Logik, selbst wenn er so glücklich war, eine
gute Sache zu vertheidigen, höchst nichtssagend und unbündig und sein
Verstand war nicht durch persönlichen, aber durch Berufsstolz fast
verwirrt. In seinen Augen war ein Priester das höchste menschliche Wesen
nächst einem Bischofe. Der beste und vornehmste Laie war dem geringsten
Geistlichen Ehrerbietung und Unterwürfigkeit schuldig. Mochte ein
Mitglied des geheiligten Standes sich noch so lächerlich machen, so war
es gottlos über ihn zu lachen. Collier war in diesem Punkte so ungemein
empfindlich, daß er es für eine Profanation hielt, selbst über die
Diener einer falschen Religion sich aufzuhalten. Er stellte es als Regel
hin, daß auch Muftis und Auguren stets mit Achtung genannt werden
müßten. Er tadelte Dryden, weil er über die Hierophanten des Apis
gespöttelt. Er lobte Racine, weil er dem Character eines Priesters des
Baal Würde verliehen. Er lobte Corneille, weil er den gelehrten und
ehrwürdigen Gottesgelehrten Tiresias in seinem Oedipus nicht auf die
Bühne gebracht. Er gab zwar zu, daß die Weglassung den dramatischen
Effect des Stückes beeinträchtigte, aber das heilige Amt war viel zu
feierlich, als daß man eitles Spiel damit treiben durfte. Ja, er hielt
es sogar, so unglaublich dies scheinen mag, für unpassend, wenn ein Laie
über presbyterianische Prediger spöttelte. Allerdings war sein
Jakobitismus nicht viel mehr als eine von den Formen, in denen sich sein
Eifer für die Würde seines Standes äußerte. Er verabscheute die
Revolution weniger als einen Aufstand von Unterthanen gegen ihren König,
denn als einen Aufstand der Laienschaft gegen den Priesterstand. Die
seit dreißig Jahren von der Kanzel gepredigten Doctrinen, waren von der
Convention mit Verachtung behandelt worden. Eine neue Regierung war im
Widerspruch mit den Wünschen der geistlichen Peers im Hause der Lords
und der Priesterschaft des ganzen Landes eingesetzt worden. Eine
weltliche Versammlung hatte sich angemaßt, ein Gesetz zu erlassen, das
Erzbischöfen und Bischöfen, Rectoren und Vikaren bei Strafe der
Amtsentsetzung vorschrieb das abzuschwören, was sie Zeit ihres ganzen
Lebens gelehrt hatten. Was auch kleinmüthigere Geister thun mochten,
Collier war entschlossen, sich von den siegreichen Feinden seines
Standes nicht im Triumphe fortführen zu lassen. Bis zum letzten
Augenblicke wollte er mit der gebieterischen Haltung eines vom Himmel
Gesandten den Fürsten und Mächtigen der Erde Trotz bieten.


Dodwell.

In Bezug auf geistige Begabung war Collier der Hervorragendste unter den
Eidverweigerern. Hinsichtlich der Gelehrsamkeit muß die erste Stelle
Heinrich Dodwell zuerkannt werden, der wegen des unverzeihlichen
Verbrechens, in Mayo ein kleines Gut zu besitzen, von dem papistischen
Parlament zu Dublin verurtheilt worden war. Er war Camdenianischer
Professor der alten Geschichte an der Universität Oxford und hatte durch
chronologische und geographische Forschungen schon eine bedeutende
Celebrität erlangt; obgleich er aber nie dazu bewogen werden konnte,
sich ordiniren zu lassen, war doch die Theologie sein Lieblingsstudium.
Er war unbestreitbar ein frommer und redlicher Mann. Er hatte zahllose
Werke in verschiedenen Sprachen gelesen und dadurch einen größeren
Schatz von Gelehrsamkeit gesammelt, als seine schwachen Geisteskräfte
festzuhalten vermochten. Der schwache geistige Funke, den er besaß,
wurde durch das Material, das ihn nähren sollte, erstickt. Einige seiner
Werke scheinen in einem Irrenhause geschrieben zu sein und ziehen ihn,
obgleich von Beweisen seiner ungeheuren Belesenheit strotzend, auf das
Niveau eines Jakob Naylor und Ludwig Muggleton herab. Er begann eine
Dissertation, welche beweisen sollte, daß das Völkerrecht eine göttliche
Offenbarung sei, welche der in der Arche geretteten Familie gemacht
wurde. Er veröffentlichte eine Abhandlung, in der er behauptete, daß
eine Ehe zwischen einem Mitgliede der englischen Kirche und einem
Dissenter ungültig und daß das Ehepaar in den Augen des Himmels des
Ehebruchs schuldig sei. Er vertheidigte den Gebrauch der
Instrumentalmusik beim öffentlichen Gottesdienste aus dem Grunde, weil
die Töne der Orgel die Macht hätten, den Einfluß der Teufel auf das
Rückenmark der Menschen zu paralysiren. In seiner Abhandlung über diesen
Gegenstand bemerkte er, man habe gewichtige Autoritäten für die Ansicht,
daß das Rückenmark, wenn es zersetzt würde, eine Schlange werde. Ob
diese Ansicht richtig war oder nicht, hielt er für unnöthig zu
entscheiden. Vielleicht, sagte er, hätten die ausgezeichneten Männer, in
deren Werken sie sich finde, nur die große Wahrheit figürlich
aussprechen wollen, daß die alte Schlange hauptsächlich durch das
Rückenmark auf uns einwirke.[94] Dodwell's Betrachtungen über den
Zustand der Menschen nach dem Tode sind womöglich noch wunderlicher. Er
sagt uns, daß unsere Seelen von Natur sterblich sind. Vernichtung ist
das Loos des größeren Theiles der Menschen, der Heiden, der Muhamedaner,
der ungetauften Kinder. Die Gabe der Unsterblichkeit wird in dem
Sakrament der Taufe mitgetheilt; zur Wirksamkeit des Sakraments aber ist
es durchaus nöthig, daß ein durch einen Bischof ordinirter Priester die
Taufhandlung verrichtet und die Einsetzungsworte spricht. Im natürlichen
Laufe der Dinge würden demnach alle Presbyterianer, Independenten,
Baptisten und Quäker aufhören zu existiren, wie die niederen Thiere.
Dodwell war jedoch ein viel zu guter Hochkirchlicher, als daß er die
Dissenters so leichten Kaufs hätte davonkommen lassen sollen. Er sagt
ihnen, daß Gott, da sie Gelegenheit gehabt haben, das Evangelium
predigen zu hören, und die bischöfliche Taufe hätten empfangen können,
wenn sie nicht so verderbt wären, ihnen durch einen außerordentlichen
Machtspruch die Unsterblichkeit verleihen wird, damit sie bis in alle
Ewigkeit gequält werden können.[95]

Niemand verabscheute den zunehmenden Latitudinarismus mehr als Dodwell.
Gleichwohl hatte Niemand mehr Ursache, sich darüber zu freuen, denn in
der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts würde ein Denker, der zu
behaupten gewagt hätte, die menschliche Seele sei von Natur sterblich
und höre in den meisten Fällen zugleich mit dem Körper auf zu existiren,
in Smithfield lebendig verbrannt worden sein. Noch zu einer Zeit, der
sich Dodwell wohl erinnern konnte, würden Ketzer wie er sich glücklich
geschätzt haben, wenn sie, mit zerfleischtem Rücken, abgeschnittenen
Ohren und aufgeschlitzter Nase, die Zunge mit einem glühenden Eisen
durchbohrt und die Augen mit Steinen ausgeschlagen, mit dem Leben davon
gekommen wären. In den Augen der Eidverweigerer aber war der Urheber
dieser Theorie noch immer der große Mr. Dodwell, und Einige, die es für
strafbare Nachsicht hielten, eine presbyterianische Versammlung zu
dulden, hielten es zu gleicher Zeit für eine grobe Illiberalität, einen
gelehrten und frommen Jakobiten zu tadeln, weil er eine vom religiösen
Gesichtspunkte so höchst unwichtige Lehre wie die von der
Unsterblichkeit der Seele, in Abrede stelle.[96]


Kettlewell. Fitzwilliam.

Zwei andere Eidverweigerer verdienen weniger ihrer Talente und ihrer
Gelehrsamkeit, als ihrer seltenen Rechtschaffenheit und ihrer nicht
minder seltenen Aufrichtigkeit wegen specielle Erwähnung. Dies sind
Johann Kettlewell, Rector von Coleshill, und Johann Fitzwilliam,
Canonicus von Windsor. Es ist bemerkenswerth, daß diese Männer beide
viel mit Lord Russell verkehrt und daß beide, obgleich sie in
politischen Ansichten von ihm abwichen und den Antheil, den er an dem
whiggistischen Complot genommen, entschieden mißbilligten, eine hohe
Meinung von seinem Character gehabt und seinen Tod aufrichtig betrauert
hatten. Er hatte Kettlewell noch eine freundliche Botschaft vom Schaffot
in Lincoln's Inn Fields gesandt. Lady Russell liebte, vertraute und
verehrte Fitzwilliam, der in ihrer Jugend der Freund ihres Vaters, des
tugendhaften Southampton gewesen war, bis an ihr Ende. Die beiden
Geistlichen stimmten in der Verweigerung der Eide überein, schlugen aber
von diesem Augenblicke an verschiedene Richtungen ein. Kettlewell war
eines der thätigsten Mitglieder seiner Partei; er scheute sich keiner
Anstrengung zum Besten der gemeinschaftlichen Sache, vorausgesetzt daß
es keine solche war, die einem rechtschaffenen Mann Unehre machte, und
er vertheidigte seine Ansichten in mehreren Schriften, welche allerdings
eine viel höhere Meinung von seiner Aufrichtigkeit als von seiner
Urtheilsfähigkeit und seinem Scharfsinn begründen.[97] Fitzwilliam
glaubte genug gethan zu haben, indem er sein anmuthiges Wohnhaus mit
Garten im Schatten der St. Georgs-Kapelle verließ und mit seinen Büchern
eine kleine Entresolwohnung bezog. Er konnte Wilhelm und Marien mit
ruhigem Gewissen nicht anerkennen, aber er hielt sich auch nicht für
verpflichtet, beständig zur Widersetzlichkeit gegen sie aufzustacheln,
und er verbrachte die letzten Jahre seines Lebens unter dem mächtigen
Schutze des Hauses Bedford in harmloser, den Studien gewidmeter
Ruhe.[98]


Allgemeiner Character des eidverweigernden Klerus.

Unter den minder ausgezeichneten Geistlichen, welche ihre Pfründen
verloren, befanden sich zweifelsohne viele gute Menschen; soviel aber
ist gewiß, daß der sittliche Character der Eidverweigerer im allgemeinen
auf keiner hohen Stufe stand. Es scheint hart, Leuten, welche
unbestreitbar einem Prinzipe ein großes Opfer brachten, Lauheit der
Prinzipien vorzuwerfen. Allein die Erfahrung beweist mehr als genugsam,
daß Viele, die eines großen Opfers fähig sind, wenn ihr Blut vom Kampfe
erhitzt und die Blicke der Welt auf sie gerichtet sind, in der täglichen
Ausübung verborgener Tugenden nicht lange zu beharren vermögen. Es ist
durchaus nicht unwahrscheinlich, daß Zeloten ihr Leben für eine Religion
hingeben können, welche ihre rachsüchtigen oder ausschweifenden
Leidenschaften doch niemals wirksam gezügelt hatte. Wir erfahren sogar
von Kirchenvätern, welche das höchste Ansehen genießen, daß selbst in
den reinsten Zeiten der Kirche einige Bekenner, die sich standhaft
geweigert hatten, durch Streuen von Weihrauch auf den Altar Jupiters den
Qualen der Folter und dem Tode zu entgehen, später den christlichen
Namen durch Betrug und Ausschweifung schändeten.[99] Die
eidverweigernden Geistlichen haben indeß Anspruch auf große Nachsicht.
Sie befanden sich unbestreitbar in einer sehr versuchungvollen Lage. Ein
Schisma, das eine religiöse Gemeinschaft spaltet, spaltet in der Regel
den Laienstand ebenso wie den Klerus. Die sich lostrennenden
Seelenhirten ziehen einen großen Theil ihrer Heerden mit sich fort und
sind in Folge dessen ihres Unterhalts gewiß. Aber das Schisma von 1689
erstreckte sich kaum weiter als auf den Klerus. Das Gesetz verlangte von
dem Rector, die Eide zu leisten, oder sein Amt niederzulegen; von dem
Gemeindemitgliede aber wurde kein Eid, keine Anerkennung des Titels des
neuen Herrscherpaares verlangt, um sich zur Theilnahme am Gottesdienste
oder zum Genusse des heiligen Abendmahls zu qualificiren. Daher hielt
sich von den Laien, welche die Revolution mißbilligten, noch nicht einer
unter fünfzig für verpflichtet, seinen Stuhl in der alten Kirche, wo
nach wie vor die alte Liturgie verlesen und die alten Gewänder getragen
wurden, zu verlassen und den ausgestoßenen Priester zu einem Conventikel
zu begleiten, das noch obendrein durch das Toleranzedict nicht geschützt
war. So war die neue Secte eine Secte von Predigern ohne Zuhörer und vom
Predigen konnten diese Prediger nicht leben. In London und in einigen
anderen großen Städten waren die heftigen Jakobiten, welche durch nichts
zu befriedigen waren, als wenn sie für König Jakob und den Prinzen von
Wales mit Namen beten hörten, allerdings zahlreich genug, um einige
kleine Gemeinden zu bilden, die sich im Geheimen und unter beständiger
Furcht vor den Constablern in Räumen versammelten, welche so beschränkt
waren, daß die Bethäuser der puritanischen Dissenters im Vergleich damit
Paläste genannt werden konnten. Selbst Collier, der alle die
Eigenschaften besaß, welche ein zahlreiches Auditorium herbeiziehen,
mußte sich damit begnügen, der Geistliche einer kleinen Schaar
Mißvergnügter zu sein, deren Betzimmer sich im zweiten Stock eines
Hauses der City befand. Aber die Zahl der nichtschwörenden Geistlichen,
die sich durch Gottesdiensthalten an solchen Orten auch nur einen
kümmerlichen Unterhalt zu erwerben vermochten, war sehr gering. Von den
übrigen konnten einige unabhängig von ihrem Vermögen leben, andere
ernährten sich durch literarische Arbeiten, ein paar praktizirten als
Aerzte. Thomas Wagstaffe zum Beispiel, der Kanzler von Lichfield gewesen
war, hatte viele Patienten und machte sich dadurch bemerkbar, daß er sie
stets im vollen Domherrnornat besuchte.[100] Doch dies waren Ausnahmen.
Betriebsame Armuth ist ein der Tugendhaftigkeit keineswegs nachtheiliger
Zustand, gefährlich aber ist es, arm und zugleich unthätig zu sein, und
die Mehrzahl der Geistlichen, die sich geweigert hatten zu schwören,
sahen sich ohne Subsistenzmittel und ohne Beschäftigung in die Welt
hinausgestoßen. Natürlich wurden sie Bettler und Müßiggänger. Da sie
sich als Märtyrer für eine öffentliche Sache betrachteten, so schämten
sie sich nicht, den ersten besten guten Hochkirchlichen um eine Guinee
anzusprechen. Die Meisten von ihnen verbrachten ihr Leben damit, daß sie
aus einem Torykaffeehause ins andre gingen, die Holländer schmähten,
Gerüchte, nach denen Se. Majestät binnen einem Monate zuverlässig auf
englischem Boden sein würde, anhörten und verbreiteten, und sich die
Köpfe darüber zerbrachen, wer das Bisthum Salisbury bekommen würde, wenn
Burnet gehängt wäre. Während der Parlamentssession waren die Vorzimmer
und der Court of Requests mit abgesetzten Pfarrgeistlichen gefüllt, die
sich erkundigten, wer die Oberhand habe und wie die letzte Abstimmung
ausgefallen sei. Viele der vertriebenen Geistlichen fanden in den
Häusern reicher Jakobiten als Kaplane, Hauslehrer oder Seelsorger
Aufnahme. In einer derartigen Stellung kann ein Mann von reinem und
edlem Character, ein Mann wie Ken unter den Eidverweigerern und Watts
unter den Nonconformisten war, seine Würde behaupten und durch sein
Beispiel und seine Belehrungen die Wohlthaten, die er empfängt, mehr als
vergelten. Für Den aber, dessen Tugend nicht auf einer hohen Stufe
steht, ist dieser Lebensweg voller Gefahren. Besitzt er ein
phlegmatisches Temperament, so läuft er Gefahr, zu einem servilen,
sinnlichen, trägen Schmarotzer herabzusinken. Hat er einen
thatkräftigen, aufstrebenden Geist, so steht zu befürchten, daß er in
den schlimmen Kunstgriffen Erfahrung erlangt, durch welche dienende
Personen sich leichter als durch treue Dienste angenehm oder gefürchtet
machen. Die schwache Seite jedes Characters zu entdecken, jeder
Leidenschaft und jedem Vorurtheile zu schmeicheln, Zwietracht und Neid
zu säen, wo Liebe und Vertrauen herrschen sollten, den Augenblick
übereilter Offenherzigkeit zu erspähen, um Geheimnisse zu entlocken,
welche für das Glück und die Ehre der Familien von Wichtigkeit sind:
dies sind die Gewohnheiten, durch welche sich scharfsinnige und unruhige
Geister nur zu oft für das Demüthigende einer abhängigen Stellung
gerächt haben. Die öffentliche Stimme beschuldigte viele Eidverweigerer
laut, daß sie die Gastfreundschaft ihrer Wohlthäter mit eben so
schwarzem Undank vergälten, wie der in Molière's Meisterwerk
geschilderte Heuchler. In der That als Cibber es unternahm, dieses
herrliche Lustspiel für die englische Bühne zu bearbeiten, machte er aus
seinem Tartuffe einen Eidverweigerer, und Johnson, von dem man nicht
glauben kann, daß er gegen die Eidverweigerer eingenommen gewesen sei,
gestand offen, daß Cibber ihnen nicht Unrecht gethan habe.[101]

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das durch die Eide
herbeigeführte Schisma noch weit schlimmer gewesen sein würde, wenn in
dieser Krisis eine ausgedehnte Umgestaltung in der Verfassung oder dem
Ceremoniell der Staatskirche vorgenommen worden wäre. Es ist ein sehr
lehrreiches Factum, daß die aufgeklärten und toleranten Geistlichen,
welche eine solche Umgestaltung sehnlichst wünschten, nachher Grund
sahen, dankbar dafür zu sein, daß ihr Lieblingsplan gescheitert war.


Der Comprehensionsplan. Tillotson.

Whigs und Tories hatten sich während der vorigen Session vereinigt,
Nottingham's Comprehensionsbill zu beseitigen, indem sie eine Adresse
beschlossen, welche den König ersuchte, die ganze Angelegenheit an die
Convocation zu verweisen. Burnet sah die Wirkung dieses Beschlusses
voraus. Der ganze Plan, sagte er, ist gänzlich zerstört.[102] Viele von
seinen Freunden waren jedoch andrer Meinung, und zu ihnen gehörte auch
Tillotson. Von allen Mitgliedern der Niederkirchenpartei stand Tillotson
in der allgemeinen Achtung am höchsten. Als Kanzelredner übertraf er in
den Augen seiner Zeitgenossen alle lebenden und todten Rivalen. Die
Nachwelt hat dieses Urtheil nicht anerkannt; doch behauptet Tillotson
noch immer seinen Platz als ein legitimer englischer Classiker. Sein
höchster Gedankenflug stand zwar tief unter dem eines Taylor, eines
Barrow und eines South; aber sein Styl war correcter und fließender als
der ihrige. Keine wunderlichen Einfalle, keine pedantischen Citate aus
Talmudisten und Scholiasten, keine gemeinen Bilder, possenhaften
Geschichten oder unschicklichen Schmähungen beeinträchtigten die Wirkung
seiner ernsten und gemäßigten Reden. Seine Logik war gerade tief und
fein genug, damit ein volksthümliches Auditorium sie mit jenem leichten
Grade geistiger Anstrengung, der ein Genuß ist, verfolgen konnte. Sein
Styl ist nicht brillant, aber er ist rein, durchsichtig klar und ebenso
frei von der Flüchtigkeit, wie von der Schwerfälligkeit, welche die
Predigten mancher ausgezeichneten Geistlichen des 17. Jahrhunderts
verunzieren. Er ist immer ernst, und doch hat seine Ausdrucksweise eine
gewisse elegante Ungezwungenheit, die ihn als einen Mann kennzeichnet,
der die Welt kennt, der in volkreichen Städten und an glänzenden Höfen
gelebt und der sich nicht allein mit Büchern, sondern auch mit Juristen
und Kaufleuten, mit Literatur und Damen, mit Staatsmännern und Fürsten
unterhalten hat. Der Hauptreiz seiner Geistesproducte liegt jedoch in
der Herzensgüte und Offenheit, welche aus jeder Zeile sprechen und in
seinem Lebenswandel nicht minder sichtbar hervortreten wie in seinen
Schriften.

Als Theolog war Tillotson gewiß nicht weniger latitudinarisch als
Burnet. Dennoch sprachen viele von den Geistlichen, für welche Burnet
ein Gegenstand unüberwindlicher Abneigung war, von Tillotson mit
Zuneigung und Achtung. Es kann daher nicht Wunder nehmen, daß die beiden
Freunde sich ein verschiedenes Urtheil über die Gesinnung der
Priesterschaft gebildet hatten und von dem Zusammentritt der Convocation
ein verschiedenes Resultat erwarteten. Tillotson mißfiel der Beschluß
der Gemeinen nicht. Er war der Ansicht, daß Veränderungen, welche durch
eine rein weltliche Behörde in religiösen Institutionen vorgenommen
wurden, vielen Kirchenmännern unangenehm sein mußten, die gleichwohl in
einer kirchlichen Synode für noch umfassendere Aenderungen gestimmt
haben würden, und seine Meinung hatte großes Gewicht beim Könige.[103]
Es ward beschlossen, daß die Convocation zu Anfang der nächsten
Parlamentssession zusammentreten und daß inzwischen eine Verordnung
erlassen werden sollte, welche einige ausgezeichnete Geistliche
ermächtigte, die Liturgie, die Kirchengesetze und das ganze von den
christlichen Gerichtshöfen gehandhabte Rechtssystem zu prüfen und über
die sich als wünschenswerth herausstellenden Abänderungen Bericht zu
erstatten.[104]


Eine kirchliche Commission ernannt.

Die Mehrzahl der Bischöfe, welche die Eide geleistet hatten, war in
dieser Commission, und ihnen waren zwanzig der angesehensten Priester
beigegeben. Der bedeutendste unter diesen Zwanzig war Tillotson, denn
man wußte, daß er die Ansicht des Königs und der Königin aussprach.
Unter den Commissionsmitgliedern, welche Tillotson als ihr Oberhaupt
betrachteten, befanden sich Stillingfleet, Dechant von St. Paul, Sharp,
Dechant von Norwich, Patrick, Dechant von Peterborough, Tenison, Rector
von St. Martin, und Fowler, dessen verständiger Energie der Entschluß
der londoner Geistlichkeit, die Indulgenzerklärung nicht zu verlesen,
hauptsächlich zuzuschreiben war.

Neben den genannten Männern standen einige der Hochkirchenpartei
angehörende Geistliche. Unter diesen zeichneten sich besonders zwei der
ersten Theologen von Oxford, Aldrich und Jane, aus. Aldrich war unlängst
zum Dechant von Christchurch ernannt worden, an Stelle des Papisten
Massey, den Jakob, in directem Widerspruch mit den Gesetzen, an die
Spitze dieses wichtigen Collegiums gestellt hatte. Der neue Dechant war
ein gebildeter, wenn auch nicht gründlicher Gelehrter und ein jovialer,
gastfreundlicher Herr. Er war der Verfasser einiger theologischer
Schriften, welche längst vergessen sind, und eines Compendiums der
Logik, das noch in Gebrauch ist; die besten Werke aber, die er der
Nachwelt hinterlassen hat, sind seine Kanons. Jane, der königliche
Professor der Theologie, war ein ernsterer, aber minder achtungswerther
Mann. Er hatte den Hauptantheil bei Abfassung des Decrets gehabt, durch
welches seine Universität befahl, daß die Werke Milton's und Buchanan's
in den Schulen öffentlich verbrannt werden sollten. Wenige Jahre später
hatte er sich, gereizt und beunruhigt durch die Verfolgung der Bischöfe
und durch die Confiscirung der Einkünfte des Magdalenencollegiums, von
dem Prinzip des Nichtwiderstandes losgesagt, hatte sich in das
Hauptquartier des Prinzen von Oranien begeben und Sr. Hoheit versichert,
daß Oxford bereitwillig sein Silbergeschirr zur Unterstützung des Kriegs
gegen seinen Unterdrücker in Geld verwandeln werde. Eine kurze Zeit lang
wurde Jane allgemein als ein Whig betrachtet und von einigen seiner
früheren Verbündeten in Schmähschriften arg mitgenommen. Er hatte das
Unglück einen Namen zu haben, der eine vortreffliche Zielscheibe für die
gelehrten Witzlinge seiner Universität war. Es erschienen mehrere
Epigramme auf den Janus mit dem Doppelgesicht, der durch Sehen nach der
einen Seite eine Professur erhalten, und der jetzt durch Sehen nach
einer andren Seite ein Bisthum zu erlangen hoffe. Daß er ein Bisthum zu
erlangen hoffte, war vollkommen wahr. Er verlangte den Sitz von Exeter
als den seinen Diensten gebührenden Lohn. Derselbe wurde ihm jedoch
abgeschlagen. Diese Verweigerung überzeugte ihn, daß er vom
Latitudinarismus eben so viel zu fürchten hatte wie vom Papismus, und er
wurde daher eiligst wieder ein Tory.[105]


Maßregeln der Commission.

Zu Anfang des October versammelten sich die Mitglieder der Commission in
dem Jerusalemzimmer. Sie beschlossen in ihrer ersten Sitzung, darauf
anzutragen, daß beim öffentlichen Gottesdienste die aus den Apokryphen
entnommenen Vorlesekapitel durch Kapitel aus den kanonischen Büchern der
heiligen Schrift ersetzt werden sollten.[106] In der zweiten
Zusammenkunft wurde eine Frage aufgeworfen, und zwar von Demjenigen, der
sie zu allerletzt hätte in Anregung bringen sollen. Sprat, Bischof von
Rochester, war ohne den geringsten Gewissensskrupel zwei Jahre lang
Mitglied des verfassungswidrigen Tribunals gewesen, das unter der
vorigen Regierung die Kirche, zu deren Leitern er gehörte, unterdrückt
und geplündert hatte. Aber jetzt war er bedenklich geworden und äußerte
Zweifel an der Gesetzmäßigkeit der Commission. Seine Einwendungen müssen
jedem gesunden Verstande als hohle Sophismen erscheinen. Das
Ernennungsdecret gab weder Vollmacht, Gesetze zu machen, noch Gesetze
anzuwenden, sondern lediglich zu untersuchen und zu berichten. Selbst
ohne königliche Ermächtigung hätten Tillotson, Patrick und Stillingfleet
unbedenklich zusammentreten können, um den Zustand und die Zukunft der
Kirche zu berathen und zu erwägen, ob es wünschenswerth war oder nicht,
den Dissenters ein Zugeständniß zu machen. Wie konnte es ein Verbrechen
sein, wenn Unterthanen auf Verlangen ihres Souverains etwas thaten, was
unschuldig, ja lobenswerth gewesen wäre, wenn sie es unaufgefordert
gethan hätten? Sprat wurde jedoch durch Jane unterstützt. Es entspann
sich ein heftiger Wortwechsel, und Lloyd, Bischof von St. Asaph, der
neben vielen guten Eigenschaften ein reizbares Temperament besaß, ließ
sich so weit hinreißen, von Spionen zu sprechen. Sprat entfernte sich
und kam nicht wieder. Jane und Aldrich folgten bald seinem
Beispiele.[107] Die Commission ging hierauf zur Erörterung der Frage
wegen der Stellung beim Abendmahle über, und es wurde beschlossen
anzuempfehlen, daß ein Communikant, der nach Besprechung mit seinem
Seelsorger erklärte, sein Gewissen erlaube ihm nicht, das Brot und den
Wein kniend zu empfangen, dieselben sitzend empfangen dürfe. Mew,
Bischof von Winchester, ein braver Mann, aber ohne wissenschaftliche
Bildung, der selbst in seinen besten Jahren schwach gewesen war und
jetzt immer kindischer wurde, protestirte gegen dieses Zugeständniß und
verließ die Versammlung. Die anderen Mitglieder fuhren fort, sich emsig
mit ihrer Aufgabe zu beschäftigen, und es fand kein weiterer Austritt
statt, obgleich große Meinungsverschiedenheit herrschte und die Debatten
zuweilen ziemlich heiß waren. Die entschiedensten Hochkirchlichen unter
den Zurückbleibenden waren Doctor Wilhelm Beveridge, Archidiakonus von
Colchester, der viele Jahre später Bischof von St. Asaph wurde, und
Doctor Johann Scott, der Nämliche, der an Jeffreys' Sterbebett gebetet
hatte. Die Thätigsten unter den Latitudinariern waren Burnet, Fowler und
Tenison.

Die Taufhandlung wurde wiederholt discutirt. In Bezug auf Formalitäten
waren die Commissionsmitglieder zur Nachsicht gestimmt. Sie waren
sämmtlich geneigt, Kinder ohne Pathen und ohne das Zeichen des Kreuzes
in den Schooß der Kirche aufzunehmen. Die Majorität aber weigerte sich
nach langer Debatte standhaft, die Worte zu entkräften oder
wegzuerklären, in denen nach der Ansicht aller unverdorbenen Gemüther
die regenerirende Kraft des Sakraments liegt.[108]

Hinsichtlich des Chorhemds beschloß die Commission zu empfehlen, daß den
Bischöfen ein weiter Spielraum gelassen werde. Es wurden Auswege
ersonnen, durch welche Jemand, der die presbyterianische Ordination
empfangen, ein Priester der englischen Kirche werden konnte, ohne weder
ausdrücklich noch stillschweigend die Ungültigkeit dieser Ordination
zuzugeben.[109]

Der kirchliche Kalender wurde einer sorgfältigen Revision unterworfen.
Die großen Festtage wurden beibehalten. Aber es wurde nicht für
wünschenswerth erachtet, daß St. Valentin, St. Chad, St. Swithin, St.
Eduard König der Westsachsen, St. Dunstan und St. Alphage die Ehren St.
Johannes' und St. Paulus' theilten, oder daß es den Anschein bekäme, als
ob die Kirche die lächerliche Fabel von der Entdeckung des Kreuzes
Thatsachen von so hochwichtiger Bedeutung wie die Geburt, die
Leidensgeschichte, die Auferstehung und die Himmelfahrt des Herrn zur
Seite stellen wolle.[110]

Das Athanasische Glaubensbekenntniß machte viel zu schaffen. Die meisten
Mitglieder der Commission waren eben so wenig geneigt, die doctrinellen
Sätze aufzugeben, wie die damnatorischen Sätze beizubehalten. Burnet,
Fowler und Tillotson wünschten dieses berühmte Symbolum ganz aus der
Liturgie zu streichen. Burnet machte dafür ein Argument geltend, das ihm
wahrscheinlich selbst kein großes Gewicht zu haben schien, das aber
vortrefflich darauf berechnet war, seine Gegner, Beveridge und Scott, in
Verlegenheit zu setzen. Das Concil von Ephesus war von den
anglikanischen Geistlichen stets als eine Synode verehrt worden, welche
die Gesammtheit der Gläubigen wirklich repräsentirt hatte und von Gott
auf dem Wege der Wahrheit geleitet worden war. Die Stimme dieses Concils
war die Stimme der noch nicht durch Aberglauben verderbten oder durch
Spaltungen zerrissenen heiligen katholischen und apostolischen Kirche.
Seit mehr als zwölf Jahrhunderten hatte die Welt keine kirchliche
Versammlung wieder gesehen, welche gleichen Anspruch auf die Achtung der
Gläubigen gehabt hätte. Das Concil von Ephesus hatte in den klarsten
Ausdrücken und unter Androhung der furchtbarsten Strafen den Christen
verboten, ihren Brüdern ein andres Glaubensbekenntniß aufzudringen als
das von den Nicäischen Vätern festgestellte. Man sollte daher denken,
daß, wenn das Concil von Ephesus wirklich unter der Leitung des heiligen
Geistes stand, jeder der sich des Athanasischen Glaubensbekenntnisses
bedient, in dem Augenblicke da er ein Anathema gegen seine Nebenmenschen
ausspricht, ein Anathema über sein eignes Haupt bringen müßte.[111]
Trotz der Autorität der ephesischen Väter beschloß die Majorität der
Commissionsmitglieder das Athanasische Glaubensbekenntniß im Gebetbuche
zu lassen, sie schlugen nur vor, eine von Stillingfleet entworfene
Rubrik beizufügen, welche erklärte, die damnatorischen Sätze seien so zu
verstehen, daß sie nur auf Diejenigen Anwendung fänden, welche das Wesen
des christlichen Glaubens hartnäckig leugneten. Orthodoxe Gläubige
durften daher hoffen, daß der Ketzer, der aufrichtig und demüthig nach
der Wahrheit gesucht, nicht zu ewiger Strafe verdammt werden würde, weil
es ihm nicht gelungen war, sie zu finden.[112]

Tenison wurde beauftragt, die Liturgie zu prüfen und alle diejenigen
Ausdrücke zu sammeln, gegen welche entweder von theologischen oder von
literarischen Kritikern Einwendungen gemacht worden waren. Einige
offenbare Mängel beschloß man zu beseitigen. Es wäre vernünftig gewesen,
wenn es die Commissionsmitglieder dabei hätten bewenden lassen;
unglücklicherweise aber beschlossen sie, einen großen Theil des
Gebetbuches umzuarbeiten. Dies war ein kühnes Unternehmen, denn im
allgemeinen ist der Styl des Buches so, daß er nicht verbessert werden
kann. Die englische Liturgie gewinnt in der That selbst bei einem
Vergleiche mit den schönen alten Liturgien, denen sie zum großen Theil
entlehnt ist. Die wesentlichen Eigenschaften der erbaulichen Eloquenz,
der Kürze, der majestätischen Einfachheit, der pathetischen Innigkeit
des Gebets, durch tiefe Ehrfurcht gemäßigt, sind den Uebersetzungen und
den Originalen gemeinschaftlich eigen. In den untergeordneten
Schönheiten der Diction aber stehen die Originale den Uebersetzungen
unleugbar nach. Der Grund davon liegt auf der Hand. Die technischen
Ausdrücke des Christenthums wurden erst ein Bestandtheil der
lateinischen Sprache, als diese Sprache das Alter der Reife
überschritten hatte und in Barbarismus versank. Aber die technischen
Ausdrücke des Christenthums fanden sich in dem angelsächsischen und
normännischen Französisch schon lange bevor die Verschmelzung dieser
beiden Dialecte einen dritten, beiden überlegenen Dialect erzeugt hatte.
Das Latein, des römisch-katholischen Gottesdienstes ist daher Latein im
letzten Stadium des Verfalls, während das Englisch unsres Gottesdienstes
Englisch in der vollen Kraft und Eleganz der ersten Jugend ist. Den
großen lateinischen Schriftstellern Terenz und Lucrez, Cicero und Cäsar,
Tacitus und Quintilian würden die herrlichsten Compositionen Ambrosius'
und Gregor's nicht nur als schlecht geschrieben, sondern als sinnloses
Gewäsch erschienen sein.[113] Die Diction unsers allgemeinen Gebetbuches
hingegen hat direct oder indirect dazu beigetragen, die Sprache fast
jedes großen englischen Schriftstellers zu bilden und hat die
Bewunderung der gebildetsten Ungläubigen und der gebildetsten
Nonconformisten, die Bewunderung von Männern wie David Hume und Robert
Hall erweckt.

Der Styl der Liturgie befriedigte jedoch die Doctoren des
Jerusalemzimmers nicht. Sie erklärten die Collecten für zu kurz und zu
trocken, und Patrick wurde beauftragt, sie zu erweitern und
auszuschmücken. In einer Hinsicht ließ sich gegen diese Wahl nichts
einwenden, denn wenn wir danach urtheilen, wie Patrick die erhabenste
hebräische Poesie paraphrasirte, werden wir wahrscheinlich zu der
Ueberzeugung gelangen, daß, mochte er sich nun dazu eignen, die
Collecten zu verbessern, oder nicht, wenigstens Niemand befähigter sein
konnte, sie zu erweitern.[114]


Die Convocation der Provinz Canterbury einberufen. Stimmung des Klerus.

Es kam indeß wenig darauf an, ob die Empfehlungen der Commission gut
oder schlecht waren, denn verurtheilt waren sie alle, noch ehe man sie
kannte. Die Ausschreiben zur Einberufung der Convocation der Provinz
Canterbury waren erlassen und die Geistlichen waren allenthalben in
einem Zustande heftiger Aufregung. Sie hatten eben die Eide geleistet
und empfanden noch schmerzlich die harten Vorwürfe der Eidverweigerer,
die rücksichtslosen Schmähungen der Whigs und unzweifelhaft in vielen
Fällen auch die Mahnungen des Gewissens. Die Ankündigung, daß eine
Convocation zusammentreten solle, um einen Comprehensionsplan zu
berathen, erweckte die stärksten Leidenschaften des Priesters, der sich
so eben dem Gesetz gefügt hatte und der deshalb gar nicht oder nur halb
zufrieden mit sich war. Es bot sich ihm eine Gelegenheit, zur
Vereitelung eines Lieblingsplanes der Regierung beizutragen, welche bei
strenger Strafe eine Unterwerfung von ihm verlangt hatte, die sich mit
seinem Gewissen oder mit seinem Stolze schwer vereinigen ließ. Es bot
sich ihm eine Gelegenheit, seinen Eifer für die Kirche zu bethätigen,
deren characteristische Lehren er um materiellen Nutzens willen untreu
geworden zu sein beschuldigt war. Seiner Ansicht nach drohte ihr jetzt
eine eben so große Gefahr als die des vorhergehenden Jahres. Die
Latitudinarier von 1689 seien nicht minder eifrig bestrebt, sie zu
demüthigen und zu Grunde zu richten, wie die Jesuiten von 1688. Die
Toleranzacte habe für die Dissenters soviel gethan, als sich mit der
Würde und Sicherheit der Kirche vertrug, und es dürfe nichts weiter
zugestanden werden, nicht der Saum eines Gewandes, nicht eine Sylbe vom
Anfang bis zum Ende der Liturgie. Alle die Vorwürfe, welche der
kirchlichen Commission Jakob's gemacht worden waren, wurden auf die
kirchliche Commission Wilhelm's übertragen. Die beiden Commissionen
hatten zwar nichts als den Namen mit einander gemein; aber bei dem Namen
dachte Jedermann an Ungesetzlichkeit und Bedrückung, an Verletzung des
Hausrechts und Confiscation von Grundeigenthum, und die Böswilligen
riefen ihn daher unermüdlich und mit nicht geringem Erfolge in die Ohren
der Unwissenden.


Die Geistlichkeit unzufrieden mit dem König.

Auch dem König, sagte man, war nicht zu trauen. Er conformirte sich zwar
dem bestehenden Gottesdienste, aber es war bei ihm eine örtliche und
gelegentliche Conformität. Denn gegen einige Ceremonien, für welche die
Hochkirchlichen sehr eingenommen waren, empfand er einen Widerwillen,
den er gar nicht zu verhehlen suchte. Es war eine seiner ersten
Maßregeln gewesen, zu befehlen, daß der Gottesdienst in seiner
Privatkapelle gesprochen und nicht gesungen werden solle, und diese
Anordnung erregte viel Murren, obgleich die Rubrik sie guthieß.[115] Es
war bekannt, daß er so profan war, über einen durch hohe kirchliche
Autorität sanctionirten Gebrauch zu spötteln, über den Gebrauch des
Händeauflegens gegen die Skropheln. Diese Ceremonie hatte sich fast
unverändert seit dem grauesten Alterthum bis zu den Zeiten Newton's und
Locke's erhalten. Die Stuarts spendeten häufig die heilende Kraft im
Bankethause. Die Tage, an denen dieses Wunder verrichtet werden sollte,
wurden in Sitzungen des Geheimen Raths bestimmt, und dann in allen
Pfarrkirchen des Reichs von den Geistlichen feierlich verkündet.[116]
Wenn die bestimmte Zeit kam, standen mehrere Geistliche im vollen Ornate
um den Staatsbaldachin. Der königliche Leibarzt führte die Kranken
herein, und es wurde hierauf eine Stelle aus dem 16. Kapitel des
Evangeliums Marci vorgelesen. Nach den Worten: »Auf die Kranken werden
sie die Hände legen, so wird's besser mit ihnen werden,« wurde
innegehalten und einer der Kranken vor den König gebracht. Se. Majestät
berührte die Geschwüre und Beulen und hing ein weißes Band, an dem eine
Goldmünze befestigt war, um den Hals des Patienten. Die Uebrigen wurden
so alle nacheinander vorgeführt und wenn jeder berührt war, wiederholte
der Kaplan die Worte; »Auf die Kranken werden sie die Hände legen, so
wird's besser mit ihnen werden.« Dann kamen die Epistel, Gebete,
Wechselgesänge und ein Segen. Der Dienst findet sich noch in den
Gebetbüchern aus der Regierungszeit der Königin Anna. Erst einige Zeit
nach der Thronbesteigung Georg's I. hörte die Universität Oxford auf,
das feierliche Amt der Heilung mit der Liturgie zusammen drucken zu
lassen. Theologen von ausgezeichneter Gelehrsamkeit, Bildung und
Tugendhaftigkeit sanctionirten dieses Blendwerk durch ihre Autorität und
was noch auffälliger ist, hochberühmte Aerzte glaubten an die heilenden
Kräfte der königlichen Hand, oder stellten sich wenigstens als glaubten
sie daran. Wir dürfen wohl annehmen, daß jeder im Dienste Karl's II.
stehende Arzt ein Mann von hoher Berufstüchtigkeit war, und mehr als
einer von den Aerzten Karl's II. hat uns das feierliche Bekenntniß
seines Glaubens an die Wunderkraft des Königs hinterlassen. Einer von
ihnen schämt sich nicht uns zu sagen, daß die Gabe durch die bei der
Krönung stattfindende Salbung mitgetheilt werde, daß die Heilungen so
zahlreich seien und zuweilen so rasch erfolgten, daß sie keiner
natürlichen Ursache zugeschrieben werden konnten, daß das Fehlschlagen
lediglich dem Mangel an Glauben auf Seiten des Kranken beigemessen
werden müsse; daß Karl einst einen skrophulösen Quäker berührt und ihn
in einem Augenblicke zu einem gesunden Menschen und wahren
Hochkirchenmann gemacht; daß, wenn die Geheilten das ihnen um den Hals
gehängte Goldstück verlören oder verkauften, die Geschwüre von neuem
aufbrächen und nur durch eine abermalige Berührung und durch einen
zweiten Talisman geheilt werden könnten. Wenn Männer der Wissenschaft
solchen Unsinn ernsthaft wiederholten, so dürfen wir uns nicht darüber
wundern, daß der große Haufe ihn glaubte. Noch weniger dürfen wir uns
wundern, daß Unglückliche, die von einer Krankheit gequält wurden, gegen
welche natürliche Heilmittel nichts vermochten, Geschichten von
übernatürlichen Kuren begierig verschlangen, denn nichts ist so
leichtgläubig als das Unglück. Die Volksmassen, die sich an den
Heilungstagen nach dem Palaste drängten, waren ungeheuer. Karl II.
berührte im Laufe seiner Regierung nahe an hunderttausend Personen. Die
Zahl war größer oder geringer je nachdem die Popularität des Königs
stieg oder sank. Während der toryistischen Reaction, welche auf die
Auflösung des Oxforder Parlaments folgte, drängte sich das Volk
massenhaft in seine Nähe. Im Jahre 1682 verrichtete er die Ceremonie
achttausendfünfhundert Mal. Im Jahre 1684 war das Gedränge so arg, daß
sechs oder sieben Kranke todtgetreten wurden. Jakob berührte auf einer
seiner Reisen im Chore der Kathedrale von Chester achthundert Personen.
Die Kosten der Ceremonie beliefen sich auf nicht viel weniger als
zehntausend Pfund jährlich und würden ohne die Wachsamkeit des
königlichen Leibarztes, der die Applikanten zu untersuchen und
Diejenigen, welche um der Heilung willen kamen, von Denen, welche des
Goldstücks wegen kamen, zu scheiden hatte, noch viel bedeutender gewesen
sein.[117]

Wilhelm war viel zu klug, als daß er hätte getäuscht werden können, und
viel zu rechtschaffen, um an einer Handlung Theil zu nehmen, von der er
wußte, daß es Betrug war. »Es ist ein kindischer Aberglaube,« rief er
aus, als er hörte, daß zu Ende der Fastenzeit sein Palast von einer
Menge Kranker belagert war; »man gebe den armen Leuten etwas Geld und
schicke sie fort.«[118] Einmal wurde er dringend gebeten, seine Hand auf
einen Patienten zu legen. »Gott schenke Euch bessere Gesundheit,« sagte
er, »und mehr Verstand.« Die Eltern skrophulöser Kinder schrien Zeter
über seine Grausamkeit; die Bigotten erhoben entsetzt über seine
Gottlosigkeit Hände und Augen zum Himmel; die Jakobiten lobten ihn
sarkastisch, daß er nicht so anmaßend sei, sich eine Kraft beizumessen,
die nur legitimen Souverainen zukomme, und selbst einige Whigs meinten,
es sei unklug von ihm, daß er einen im Volke tief eingewurzelten
Aberglauben mit so auffallender Geringschätzung behandle. Wilhelm aber
war nicht zu bewegen und wurde deshalb von vielen Hochkirchlichen als
entweder ein Ungläubiger oder ein Puritaner betrachtet.[119]


Der Klerus durch das Verhalten der schottischen Presbyterianer gegen die
Dissenters erbittert.

Die Hauptursache jedoch, welche damals der Geistlichkeit selbst den
gemäßigtsten Comprehensionsplan verhaßt machte, ist noch nicht erwähnt
worden. Was Burnet vorhergesehen und vorhergesagt hatte, war
eingetroffen. Es herrschte in dem ganzen Priesterstande eine große
Geneigtheit, die Unbilden der schottischen Episkopalen die englischen
Presbyterianer entgelten zu lassen. Es ließ sich nicht leugnen, daß
selbst die Hochkirchlichen im Sommer des Jahres 1688 sich im allgemeinen
bereit erklärt hatten, Vieles im Interesse der Union aufzugeben. Allein
man sagte, und nicht ohne einen Anschein von Begründung, die Vorgänge
jenseit der Grenze bewiesen, daß eine Union unter billigen Bedingungen
unmöglich sei. Wie können, fragte man, Diejenigen, die uns keine
Concession machen wollen wo wir schwach sind, es uns verargen, daß wir
ihnen keine Concession machen wollen, wo wir stark sind? Wir können die
Grundsätze und Gesinnungen einer Secte nach den Erklärungen, die sie in
einem Augenblicke der Schwäche und der Leiden abgiebt, nicht richtig
beurtheilen. Wenn wir den puritanischen Geist in seiner wahren
Beschaffenheit kennen lernen wollen, müssen wir den Puritaner
beobachten, wenn er die Oberhand hat. Unter der vorigen Generation hatte
er hier die Oberhand, und sein kleiner Finger war stärker als die Lenden
der Prälaten. Er trieb Hunderte von friedlichen Studenten aus ihren
Collegien und Tausende von achtbaren Geistlichen aus ihren
Pfarrwohnungen, weil sie sich weigerten, seinen Covenant zu
unterschreiben. Weder Gelehrsamkeit, noch Genie, noch Frömmigkeit wurde
geschont. Männer wie Hall und Sanderson, Chillingworth und Hammond
wurden nicht allein ausgeplündert, sondern ins Gefängniß geworfen und
der ganzen Rohheit brutaler Kerkermeister preisgegeben. Es wurde für ein
Verbrechen erklärt, schöne Psalmen und Gebete zu lesen, welche Ambrosius
und Chrysostomus den Gläubigen hinterlassen hatten. Endlich ward die
Nation der Herrschaft der Frommen müde. Die gestürzte Dynastie und die
gestürzte Hierarchie wurden wieder eingesetzt, der Puritaner wurde
seinerseits Ausschließungen und Strafen unterworfen, und alsbald kam er
dahinter, daß es grausam sei, Jemanden zu bestrafen, weil er
Gewissensskrupel wegen eines Gewandes, wegen einer Ceremonie, wegen
geistlicher Amtsverrichtungen hegte. Seine jammervollen Klagen und seine
Argumente zu Gunsten der Toleranz hatten endlich auf viele Gutmüthige
Eindruck gemacht. Selbst eifrige Hochkirchliche hatten angefangen, sich
der Hoffnung hinzugeben, daß die harte Lehre, die er bekommen, ihn
aufrichtig, gemäßigt und nachsichtig gemacht habe. Wäre dem wirklich so
gewesen, so würde es allerdings unsre Pflicht sein, seine Bedenken mit
zarter Rücksicht zu behandeln. Aber während wir überlegten, was wir thun
könnten, um seinen Wünschen in England zu entsprechen, hatte er in
Schottland das Uebergewicht erlangt, und in einem Augenblicke war er
wieder ganz er selbst: bigott, insolent und grausam. Pfarrwohnungen
wurden geplündert, Kirchen geschlossen, Gebetbücher verbrannt, heilige
Gewänder zerrissen, andächtige Versammlungen auseinandergetrieben,
Priester gemißhandelt, mit Steinen geworfen, an den Schandpfahl gestellt
und mit Weib und Kind hinausgestoßen, um zu betteln oder zu verhungern.
Daß diese Gewaltthätigkeiten nicht einigen wenigen ruchlosen
Herumtreibern, sondern der Gesammtheit der schottischen Presbyterianer
zur Last fielen, ging klar aus dem Umstande hervor, daß die Regierung es
weder gewagt hatte, die Uebelthäter zu bestrafen, noch den Betroffenen
Abhilfe zu verschaffen. Sei es da nicht gerathen, daß die englische
Kirche auf ihrer Hut sei? Könne man billigerweise von ihr verlangen, daß
sie ihre apostolische Verfassung und ihr schönes Ritual aufgebe, um
Diejenigen auszusöhnen, denen nichts als die Macht fehlte, um sie zu
mißhandeln, wie sie ihre Schwester gemißhandelt hatten? Diese Leute
hätten bereits eine Wohlthat erlangt, die sie nicht verdienten und die
sie niemals gewährt haben würden. Sie verehrten Gott in vollkommener
Sicherheit; ihre Bethäuser genössen eines eben so wirksamen Schutzes wie
die Chöre unserer Kathedralen. Während kein bischöflicher Geistlicher
ohne Lebensgefahr in Ayrshire oder Renfrewshire Gottesdienst halten
könne, predigten in Middlesex hundert presbyterianische Geistliche
ungestört jeden Sonntag. Die Legislatur habe mit einer vielleicht
unklugen Großmuth den intolerantesten Menschen Toleranz gewährt, und mit
der Toleranz zieme es ihnen sich zu begnügen.


Einrichtung der Convocation.

So vereinigten sich mehrere Ursachen, um die Parochialgeistlichen gegen
den Comprehensionsplan zu erbittern. Ihre Stimmung war von der Art, daß
der im Jerusalemzimmer entworfene Plan, wenn er ihnen unmittelbar
vorgelegt worden wäre, mit einer Majorität von Zwanzig gegen Eins
verworfen worden sein würde. In der Convocation aber stand ihr Gewicht
in keinem Verhältniß zu ihrer Zahl. Die Convocation ist zum Glück für
unser Vaterland seit langer Zeit so gänzlich ohne Bedeutung, daß sich
bis vor Kurzem nur wißbegierige Forscher um ihre Einrichtung gekümmert
haben, und doch glauben noch heutzutage sonst nicht ungebildete Leute,
sie sei ein die Kirche von England repräsentirendes Concil gewesen. Die
in unsrer Kirchengeschichte so häufig erwähnte Convocation ist jedoch
thatsächlich nichts weiter als die Synode der Provinz Canterbury und war
nie berechtigt, im Namen des gesammten Klerus zu sprechen. Die Provinz
York hatte ebenfalls ihre Convocation; aber tiefe Provinz war bis tief
ins 18. Jahrhundert im allgemeinen so arm, so uncultivirt und so dünn
bevölkert, daß sie hinsichtlich ihrer politischen Bedeutung kaum für ein
Zehntel des Reichs gerechnet werden konnte. Die Ansicht des südlichen
Klerus galt daher allgemein für die Ansicht des ganzen Standes. Wo die
formelle Beistimmung des nördlichen Klerus erforderlich war, wurde sie
als sich von selbst verstehend gegeben. Die von der Convocation von
Canterbury im Jahre 1604 erlassenen Kirchengesetze waren in der That
schon zwei Jahre bevor die Convocation von York die Formalität ihrer
Zustimmungsertheilung erfüllte, von Jakob I. bestätigt und ihre genaue
Beobachtung im ganzen Königreiche anbefohlen. Seitdem diese kirchlichen
Versammlungen bloße Namen geworden, hatte die Stellung der beiden
Erzbisthümer zu einander eine große Veränderung erfahren. In allen
Elementen der Macht repräsentirt die Gegend jenseit des Trent jetzt
mindestens ein Drittheil England's. Als in unsrer Zeit das
Representativsystem dem veränderten Zustande des Landes angepaßt wurde,
gehörten fast sämmtliche kleine Burgflecken, denen das Wahlrecht
entzogen werden mußte, dem Süden an. Zwei Drittel der neuen
Parlamentsmitglieder, welche den großen Provinzialstädten bewilligt
wurden, kamen auf den Norden. Wenn daher eine englische Regierung die
Convocationen in ihrer gegenwärtigen Einrichtung zur Erledigung von
Geschäften zusammentreten lassen wollte, so würden zwei von einander
unabhängige Synoden gleichzeitig für eine Kirche Gesetze geben, und es
ist durchaus nicht unwahrscheinlich, daß die eine Versammlung
Kirchengesetze annähme, welche die andre verwerfen würde, und daß die
eine Versammlung Behauptungen als ketzerisch verdammen würde, welche die
andre für orthodox hielte.[120] Im 17. Jahrhundert war so etwas nicht zu
fürchten. Die Convocation von York wurde damals in der That so wenig
beachtet, daß die beiden Parlamentshäuser in ihrer Adresse an Wilhelm
nur von einer Convocation gesprochen hatten, die sie die Convocation der
Geistlichkeit des Königreichs nannten.

Die Körperschaft, die sie eben nicht besonders richtig so bezeichneten,
zerfällt in zwei Häuser. Das Oberhaus besteht aus den Bischöfen der
Provinz Canterbury. Das Unterhaus bestand 1689 aus hundertvierundvierzig
Mitgliedern. Zweiundzwanzig Dechanten und vierundfunfzig Archidiakonen
saßen darin kraft ihrer Aemter; vierundzwanzig Geistliche saßen als
Vertreter von eben so vielen Kapiteln darin und nur vierundvierzig
Abgeordnete wurden von den achttausend Pfarrgeistlichen der
zweiundzwanzig Kirchspiele gewählt.


Wahl der Convocationsmitglieder.

Diese vierundvierzig Bevollmächtigten waren jedoch fast alle eines
Sinnes. Die Wahl derselben war in früheren Zeiten auf die ruhigste und
anständigste Weise vor sich gegangen. Bei dieser Gelegenheit aber fanden
starke Wahlumtriebe und heftige Wahlkämpfe statt; Rochester, das Haupt
der Partei, die sich im Hause der Lords der Comprehensionsbill
widersetzt hatte, und sein Bruder Clarendon, der sich geweigert hatte,
die Eide zu leisten, waren nach Oxford, dem Hauptquartier dieser Partei,
gegangen, um die Opposition zu animiren und zu organisiren.[121] Die
Vertreter der Parochialgeistlichen müssen Männer gewesen sein, deren
Hauptauszeichnung ihr Eifer war, denn in der ganzen Liste findet sich
nicht ein einziger berühmter Name und nur sehr wenige, die jetzt noch
dem eifrigen Geschichtsforscher bekannt sind.[122] Die officiellen
Mitglieder des Unterhauses, unter denen sich viele ausgezeichnete
Gelehrte und Kanzelredner befanden, scheinen nicht sehr ungleich
getheilt gewesen zu sein.


Verleihung geistlicher Aemter.

Während des Sommers 1689 kamen mehrere hohe kirchliche Aemter zur
Erledigung und wurden Geistlichen verliehen, welche im Jerusalemzimmer
saßen. Es ist bereits erwähnt worden, daß Thomas, Bischof von Worcester,
gerade vor dem zur Eidesleistung bestimmten Tage starb. Lake, Bischof
von Chichester, lebte eben noch lange genug, um sie zu verweigern, und
er erklärte mit seinem letzten Athemzuge, daß er selbst auf dem
Scheiterhaufen die Lehre von dem unveräußerlichen Erbrechte nicht
verleugnen würde. Der Bischofsstuhl von Chichester wurde mit Patrick,
der von Worcester mit Stillingfleet besetzt, und die Dechanei von St.
Paul, welche Stillingfleet verließ, bekam Tillotson. Daß Tillotson nicht
auf die bischöfliche Bank erhoben wurde, erregte einige Verwunderung.
Aber gerade deshalb, weil die Regierung seine Dienste besonders hoch
schätzte, ließ man ihn noch einige Zeit einfacher Pfarrgeistlicher
bleiben. Das wichtigste Amt in der Convocation war das des Wortführers
des Unterhauses. Den Wortführer hatten die Mitglieder zu wählen, und der
einzige gemäßigte Mann, der Aussicht hatte gewählt zu werden, war
Tillotson. Es war factisch bereits festgesetzt, daß er der nächste
Erzbischof von Canterbury werden sollte. Als er für seine neue Dechanei
zum Handkuß ging, dankte er dem Könige herzlich und sagte: »Eure
Majestät hat mich für den Rest meiner Tage zur Ruhe gesetzt.« -- »Nicht
doch, Herr Doctor, ich versichere es Ihnen,« entgegnete Wilhelm, worauf
er ihm sehr deutlich zu verstehen gab, daß, wenn Sancroft einmal
aufhören werde, das höchste kirchliche Amt zu verwalten, Tillotson sein
Nachfolger sein sollte. Tillotson war ganz bestürzt, denn sein Character
war sanft und frei von Ehrgeiz, er begann die Schwächen des
Greisenalters zu empfinden, fragte wenig nach Geld und Gut, und
diejenigen weltlichen Vortheile, auf die er den meisten Werth legte,
waren ein guter Ruf und die allgemeine Zuneigung seiner Nebenmenschen.
Diese Vortheile besaß er schon, und er konnte sich nicht verhehlen, daß
er als Primas den unversöhnlichen Haß einer mächtigen Partei auf sich
ziehen und eine Zielscheibe für die Verleumdung werden würde, vor der
sein mildes und gefühlvolles Naturell zurückschauderte, wie vor der
Folter oder dem Rade. Wilhelm sprach ernst und entschieden. »Es ist
nothwendig im Interesse meiner Pläne,« sagte er, »und Sie würden es bei
Ihrem Gewissen nicht verantworten können, wenn Sie mir Ihren Beistand
verweigerten.« Hiermit endigte die Unterredung. Es war auch in der That
nicht nöthig, daß die Sache auf der Stelle entschieden wurde, denn es
sollten noch mehrere Monate verstreichen, ehe das Erzbisthum zur
Erledigung kam.

Tillotson klagte seine Noth mit ungeheuchelter Sorge und Betrübniß Lady
Russell, der er unter allen menschlichen Wesen die höchste Achtung und
das meiste Vertrauen schenkte.[123] Er scheue zwar keinen Dienst der
Kirche, sagte er, aber er sei überzeugt, daß er in seiner gegenwärtigen
Stellung am meisten nützen könne. Wenn er gezwungen werden sollte, einen
so hohen und verhaßten Posten wie das Primat anzunehmen, würde er der
für seine Kräfte so schweren Last der Pflichten und Sorgen bald
erliegen. Es würde ihm an Muth dazu und mithin auch an der nöthigen
Befähigung fehlen. Er beschwerte sich dann mild über Burnet, der ihn mit
einer wahrhaft hochherzigen Innigkeit liebte und verehrte und der sich
bemüht hatte, den König und die Königin zu überzeugen, daß es in ganz
England nur einen einzigen Mann gebe, der sich für die höchste
kirchliche Würde eigne. »Der Bischof von Salisbury,« sagte Tillotson,
»ist einer meiner besten und zugleich schlimmsten Freunde.«


Compton ist unzufrieden.

Was Burnet kein Geheimniß war, konnte Niemandem lange ein Geheimniß
bleiben. Man begann sich sehr bald zuzuflüstern, daß der König Tillotson
zum Nachfolger Sancroft's bestimmt habe. Die Nachricht verdroß Compton
heftig, denn er hatte nicht ohne Grund geglaubt, daß er in seinen
Ansprüchen keinen Rivalen habe. Er hatte die Königin und ihre Schwester
erzogen, und der Erziehung, die sie von ihm empfangen, dürfte sicherlich
wenigstens zum Theil die Festigkeit zugeschrieben, werden, mit der sie
trotz des Einflusses ihres Vaters der Landesreligion treu geblieben
waren. Compton war außerdem der einzige Prälat, der unter der vorigen
Regierung im Parlament seine Stimme gegen das Dispensationsrecht
erhoben, der einzige Prälat, der von der Hohen Commission suspendirt
worden war, der einzige Prälat, der die Einladung an den Prinzen von
Oranien unterzeichnet, der einzige Prälat, der wirklich die Waffen gegen
Papismus und Willkürgewalt ergriffen, der einzige Prälat, der mit noch
einem andren gegen eine Regentschaft gestimmt hatte. Unter den
Geistlichen der Provinz Canterbury, welche die Eide geleistet hatten,
war er dem Range nach der Erste. Er hatte daher einige Monate lang als
Stellvertreter des Primas fungirt; er hatte die neuen Souveraine
gekrönt, er hatte die neuen Bischöfe geweiht, und er stand auf dem
Punkte, der Convocation zu präsidiren. Dazu kam noch, daß er der Sohn
eines Earls war und daß kein Mann von gleich vornehmer Geburt damals auf
der Bank der Bischöfe saß, noch jemals seit der Reformation auf
derselben gesessen hatte. Daß die Regierung einen Priester seiner
eigenen Diöcese über ihn stellen wollte, der der Sohn eines Tuchmachers
aus Yorkshire war und der sich durch nichts als durch Talente und
Tugenden auszeichnete, war kränkend, und Compton, obgleich er durchaus
kein schlechtes Herz hatte, fühlte sich tief gekränkt. Vielleicht wurde
sein Verdruß durch den Gedanken noch vermehrt, daß er im Interesse
Derer, die ihn so zurücksetzten, Manches gethan, was sein Gewissen
gedrückt und seinen Ruf befleckt hatte, daß er einmal die Winkelzüge
eines Diplomaten ausgeübt und ein andermal seinen Amtsbrüdern, durch
Tragen des Büffelwamses und der Reiterstiefeln Aergerniß gegeben hatte.
Maßlosen Ehrgeizes konnte er Tillotson nicht beschuldigen. Aber obgleich
Tillotson selbst an dem Erzbisthum gar nichts gelegen war, bot er doch
seinen Einfluß nicht zu Gunsten Compton's auf, sondern empfahl dringend
Stillingfleet als das geeignetste Oberhaupt der englischen Kirche. Die
Folge davon war, daß am Vorabend des Zusammentritts der Convocation der
Bischof, der an der Spitze des Oberhauses stehen sollte, der persönliche
Feind des Pfarrgeistlichen wurde, den die Regierung an der Spitze des
Unterhauses zu sehen wünschte. Dieser Streit häufte neue Schwierigkeiten
auf Schwierigkeiten, welche keiner Vermehrung bedurften.[124]


Zusammentritt der Convocation.

Erst am 20. November versammelte sich die Convocation zur Erledigung von
Geschäften. Das Versammlungslokal war gewöhnlich die Paulskirche
gewesen. Aber diese Kathedrale erhob sich nur langsam aus ihren
Trümmern, und wenn auch ihre Kuppel die hundert Kirchthürme der City
bereits hoch überragte, so waren doch die inneren Räume dem
Gottesdienste noch nicht geöffnet. Die Versammlung hielt daher ihre
Zusammenkünfte in Westminster.[125] In die schöne Kapelle Heinrich's
VII. war ein Tisch gestellt und Compton nahm den Präsidentenstuhl ein.
Zu seiner Rechten und Linken saßen in prunkenden Gewändern von Scharlach
und Grauwerk diejenigen Suffragane von Canterbury, welche die Eide
geleistet hatten, und am unteren Ende der Tafel war die Schaar der
Pfarrgeistlichen versammelt. Beveridge hielt eine lateinische Rede, in
der er das bestehende System zwar warm lobte, sich aber doch einer
gemäßigten Reform zugethan erklärte. Die Kirchengesetze, sagte er, seien
zweierlei Art. Einige Gesetze seien fundamental und ewig, ihre Autorität
stamme von Gott, und keine religiöse Gemeinschaft könne sie umstoßen,
ohne aufzuhören, einen Theil der Universalkirche zu bilden. Andere
Gesetze seien örtlich und temporär. Diese seien von menschlicher
Weisheit gemacht, und menschliche Weisheit könne sie daher abändern.
Allerdings dürften sie nicht ohne triftige Gründe abgeändert werden,
aber an solchen Gründen fehle es in diesem Augenblicke sicherlich nicht.
Eine zerstreute Heerde in eine Hürde und unter einen Schäfer zu bringen,
Steine des Anstoßes vom Pfade des Schwachen zu entfernen, lange
entfremdete Herzen mit einander auszusöhnen, die geistliche Zucht in
ihrer ursprünglichen Kraft wiederherzustellen, der besten und reinsten
der christlichen Gesellschaften eine Basis zu geben, breit genug, um
allen Angriffen der Erde und der Hölle zu widerstehen: dies seien
Zwecke, die wohl einige Modifikationen, nicht der katholischen
Institutionen, aber nationaler oder provincialer Gebräuche
rechtfertigten.[126]


Die Hochkirchlichen im Unterhause der Convocation überwiegend.

Nachdem das Unterhaus diese Rede angehört, schritt es zur Wahl eines
Sprechers. Sharp, der wahrscheinlich von den einer Comprehension
günstigen Mitgliedern als einer der Hochkirchlichsten unter ihnen
vorgeschoben worden war, schlug Tillotson vor. Jane, der sich geweigert
hatte, kraft der königlichen Vollmacht zu handeln, wurde von der andren
Seite vorgeschlagen. Nach einer lebhaften Discussion ward Jane mit
fünfundfünfzig gegen achtundzwanzig Stimmen gewählt.[127]

Der Wortführer wurde dem Bischof von London förmlich vorgestellt und
hielt nach altem Brauch eine lateinische Rede. In dieser Rede wurde die
anglikanische Kirche als die vollkommenste aller Institutionen gerühmt.
Der Redner deutete sehr verständlich an, daß weder in ihrer Doctrin,
noch in ihrer Disciplin, noch in ihrem Ritual eine Abänderung nöthig
sei, und er schloß seinen Vortrag mit einem bedeutungsvollen Satze. Als
Compton einige Monate früher die etwas ungeistliche Rolle eines
Reiterobersten spielte, hatte er in die Fahnen seines Regiments die
wohlbekannten Worte sticken lassen: »^Nolumus leges Angliae mutari^«,
und mit diesen Worten schloß Jane seine Rede.[128]

Die Niederkirchlichen gaben indeß noch nicht alle Hoffnung auf. Sie
beschlossen wohlweislich, mit dem Vorschlage zu beginnen, daß Kapitel
aus den kanonischen Büchern an die Stelle der aus den Apokryphen
entnommenen zum Vorlesen beim Gottesdienste bestimmt werden sollten. Man
sollte meinen, daß dieser Vorschlag, selbst wenn es nicht einen einzigen
Dissenter im Königreiche gegeben hätte, wohl günstig hätte aufgenommen
werden müssen. Denn die Kirche hatte in ihrem sechsten Artikel erklärt,
daß die kanonischen Bücher berechtigt seien, heilige Schriften genannt
und als Richtschnur des Glaubens betrachtet zu werden, die
apokryphischen Bücher aber nicht. Die Hochkirchlichen aber waren
entschlossen, sich selbst dieser Reform zu widersetzen. Sie fragten in
Flugschriften, welche die Ladentische von Paternoster Row und Little
Britain bedeckten, warum die Landgemeinden des Genusses beraubt werden
sollten, von der Pechkugel, mit welcher Daniel den Drachen erblickte,
und von dem Fische zu hören, dessen Leber einen Geruch verbreitete, vor
welchem der Teufel von Ekbatana bis nach Egypten floh. Und gebe es nicht
Kapitel von der Weisheit des Sohnes Sirach's, welche viel interessanter
und erbaulicher seien als die Genealogien und Namensverzeichnisse,
welche einen großen Theil der Chroniken der jüdischen Könige und der
Erzählung Nehemia's füllten? Kein ernster Geistlicher würde jedoch in
der Kapelle Heinrich's VII. zu behaupten gewagt haben, daß es unmöglich
sei, in vielen hundert vom heiligen Geist eingegebenen Seiten funfzig
oder sechzig Kapitel zu finden, welche erbaulicher wären als irgend
etwas, was aus den Werken der angesehensten nicht inspirirten Moralisten
oder Historiker extrahirt werden könnte. Die Häupter der Majorität
beschlossen daher, einer Debatte auszuweichen, in der sie in eine
unangenehme Alternative hätten versetzt werden müssen. Ihr Plan war,
nicht die Vorschläge der Commissionsmitglieder zu verwerfen, sondern
einer Discussion über dieselben vorzubeugen, und zu dem Ende wurde ein
System der Taktik adoptirt, das sich als erfolgreich erwies.

Das Gesetz, so wie es seit einer langen Reihe von Jahren interpretirt
worden war, verbot der Convocation, irgend welche kirchliche Verordnung
ohne vorherige Ermächtigung seitens der Krone auch nur in Berathung zu
nehmen. Diese Ermächtigung, mit dem großen Siegel versehen, brachte
Nottingham in aller Form in die Kapelle Heinrich's VII. Zu gleicher Zeit
überreichte er eine Botschaft vom Könige. Seine Majestät ermahnte die
Versammlung, ruhig und vorurtheilsfrei die Vorschläge der Commission zu
prüfen, und erklärte, daß er nur die Ehre und die Vortheile der
protestantischen Religion im allgemeinen und der englischen Kirche im
besonderen im Auge habe.[129]


Meinungsverschiedenheit zwischen den beiden Häusern der Convocation.

Die Bischöfe einigten sich schnell über eine Dankadresse für die
königliche Botschaft und forderten das Unterhaus zum Beitritt auf. Jane
und seine Anhänger erhoben Einwendungen über Einwendungen dagegen.
Zuerst beanspruchten Sie das Recht eine Separatadresse zu überreichen.
Als sie gezwungen wurden, darauf zu verzichten, verweigerten sie ihre
Zustimmung zu irgend einem Ausdrucke, mit welchem gesagt werde, daß die
englische Kirche mit irgend einer andren protestantischen
Glaubensgesellschaft etwas gemein habe. Es wurden Amendements und
Beweisgründe hin und her geschickt, Conferenzen gehalten, bei denen
Burnet für die eine und Jane für die andre Seite die Hauptwortführer
waren, und endlich mit großer Mühe ein Uebereinkommen zu Stande
gebracht, dessen Resultat eine, im Vergleich zu der von den Bischöfen
entworfenen, kalte und unfreundliche Adresse war, welche dem Könige im
Bankethause überreicht wurde. Er verbiß seinen Unmuth, gab eine
freundliche Antwort und sprach die Hoffnung aus, die Versammlung werde
nun endlich zur Berathung der wichtigen Comprehensionsfrage
schreiten.[130]


Das Unterhaus der Convocation erweist sich als unlenksam.

Damit waren jedoch die Führer des Unterhauses nicht einverstanden.
Sobald sie sich wieder in der Kapelle Heinrich's VII. befanden,
veranlaßte einer von ihnen eine Debatte über die eidverweigernden
Bischöfe. Trotz des bedauerlichen Gewissensbedenkens, den diese Prälaten
hegten, seien sie doch gelehrte und heilige Männer, und ihr Rath könne
unter den gegenwärtigen Umständen der Kirche von größtem Nutzen sein.
Das Oberhaus sei in Abwesenheit des Primas und vieler seiner
angesehensten Suffragane kaum ein Oberhaus. Könne nichts geschehen, um
diesen Uebelstand zu beseitigen?[131] Ein andres Mitglied beklagte sich
über einige unlängst erschienene Pamphlets, in denen nicht mit der
gebührenden Achtung von der Convocation gesprochen werde. Die
Versammlung fing Feuer. Sei es nicht empörend, daß dieses ketzerische
und schismatische Zeug in den Straßen öffentlich ausgeboten und in den
Läden von Westminsterhall, hundert Schritt von dem Stuhle des
Wortführers, verkauft werden dürfe? Das Werk der Verstümmelung der
Liturgie und der Verwandlung der Kathedralen in Conventikel könne gewiß
so lange aufgeschoben werden, bis die Synode Maßregeln zum Schutze ihrer
eignen Freiheit und Würde getroffen habe. Es wurde nun darüber
debattirt, wie das Drucken solcher anstößiger Bücher verhindert werden
könne. Einige waren für Klagerhebung, Andere für eine geistliche
Censur.[132] Unter solchen Berathungen verstrich Woche auf Woche. Nicht
ein einziger auf eine Comprehension bezüglicher Vorschlag war auch nur
discutirt worden. Weihnachten rückte heran, und zu dieser Zeit sollten
die Sitzungen unterbrochen werden. Die Bischöfe wünschten, daß während
der Ferien ein Ausschuß beisammen bleibe, um die Geschäfte
vorzubereiten. Das Unterhaus verweigerte seine Einwilligung.[133] Es war
jetzt augenscheinlich, daß dieses Haus sich fest vorgenommen hatte,
nicht einmal einen Theil des von den Königlichen Beauftragten
entworfenen Planes in Berathung zu nehmen. Die Abgeordneten der Diöcesen
waren in schlechterer Stimmung als bei ihrer ersten Ankunft in
Westminster. Viele von ihnen hatten wahrscheinlich noch niemals eine
Woche in der Hauptstadt zugebracht und hatten nicht geahnet, wie groß
der Unterschied zwischen einem Stadtgeistlichen und einem
Landgeistlichen war. Der Anblick des Luxus und der Bequemlichkeiten,
welche die beliebten Prediger der Hauptstadt, genossen, mußte in einem
Vikar aus Lincolnshire oder Caernarvonshire, der gewohnt war, so einfach
wie ein kleiner Farmer zu leben, nothwendig einige wehmüthige
Empfindungen erwecken. Gerade weil der Londoner Klerus durchgehends für
eine Comprehension war, wollten die Vertreter der Landgeistlichkeit
nichts davon wissen.[134] Die Prälaten als Gesammtheit wünschten
aufrichtig, daß den Nonconformisten ein Zugeständniß gemacht werden
möchte. Aber die Prälaten waren durchaus nicht im Stande, die aufsässige
Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war gering, einige von ihnen waren dem
Parochialklerus im höchsten Grade zuwider, der Präsident hatte nicht die
volle Autorität eines Primas, und überdies war es ihm gar nicht unlieb,
die Männer, die ihn seiner Meinung nach übel behandelt hatten, in ihren
Plänen behindert und gekränkt zu sehen.


Die Convocation prorogirt.

Man mußte nachgeben. Die Convocation wurde auf sechs Wochen prorogirt.
Nach Verlauf dieser sechs Wochen wurde sie aufs neue prorogirt und viele
Jahre vergingen, ehe sie ihre Thätigkeit wieder beginnen durfte.

So endete, und zwar für immer, die Hoffnung, daß die englische Kirche
bewogen werden könnte, den Bedenken der Nonconformisten ein Zugeständniß
zu machen. Eine gelehrte und ehrenwerthe Minorität des Priesterstandes
gab diese Hoffnung mit tiefem Bedauern auf. Sehr bald jedoch fanden
selbst Burnet und Tillotson Grund zu glauben, daß ihre Niederlage
thatsächlich ein glückliches Entrinnen war und daß der Sieg ein Unglück
gewesen sein würde. Eine Reform, wie sie zu den Zeiten der Königin
Elisabeth die große Gesammtheit der englischen Protestanten vereinigt
haben würde, würde zu Wilhelm's Zeiten mehr Herzen einander entfremdet
als versöhnt haben. Das Schisma, welches die Eide herbeigeführt hatten,
war bis jetzt noch ohne Bedeutung. Neuerungen wie die von der
Königlichen Commission vorgeschlagenen würden ihm eine gefährliche
Wichtigkeit gegeben haben. Bis jetzt saß ein Laie, mochte er auch das
Verfahren der Convention für unverantwortlich halten und die
Tugendhaftigkeit des eidverweigernden Klerus preisen, nach wie vor unter
der gewohnten Kanzel und kniete an dem gewohnten Altare. Wenn aber in
diesem Augenblicke, während seine Gemüthsstimmung durch das seinen
Lieblingsgeistlichen zugefügte vermeintliche Unrecht gereizt und er
vielleicht in Zweifel war, ob er ihrem Beispiele folgen solle oder
nicht, seine Augen und Ohren durch Aenderungen in dem Gottesdienste, dem
er innig zugethan war, beleidigt worden, wenn die Compositionen der
Doctoren des Jerusalemszimmers an die Stelle der alten Collecten
getreten wären, wenn er Geistliche ohne Chorhemd Kelch und Hostienteller
sitzenden Communicanten hätte darreichen sehen, so würde das Band, das
ihn an die Landeskirche knüpfte, zerrissen sein. Er würde sich in eine
Versammlung von Eidverweigerern begeben haben, wo der Gottesdienst, den
er liebte, ohne Verstümmelungen abgehalten wurde, die neue Secte, welche
für jetzt noch fast ausschließlich aus Priestern bestand, würde bald
durch viele und zahlreiche Gemeinden verstärkt worden sein, und diese
Gemeinden würden eine verhältnißmäßig größere Menge Reicher, Vornehmer
und Gebildeter aufzuweisen gehabt haben, als irgend eine andre
Dissentergemeinde. Die so verstärkten episkopalen Schismatiker würden
dem neuen Könige und seinen Nachfolgern wahrscheinlich eben so furchtbar
gewesen sein, wie die puritanischen Schismatiker es jemals den Fürsten
des Hauses Stuart waren. Es ist eine unbestreitbare und höchst
lehrreiche Thatsache, daß wir die bürgerliche und religiöse Freiheit,
deren wir uns jetzt erfreuen, zum großen Theil der Beharrlichkeit
verdanken, mit der die hochkirchliche Partei in der Convocation von 1689
sich weigerte, irgend einen Comprehensionsplan auch nur in Berathung zu
nehmen.[135]

----------

[Fußnote 1: Siehe die Verhandlungen der Lords vom 5. Febr. 1688/89 und
mehreren darauffolgenden Tagen; Braddon's Pamphlet betitelt: ^The Earl
of Essex's Memory and Honour Vindicated, 1690^, und die London Gazette
vom 31. Juli und 4. und 7. August 1690, worin Lady Essex und Burnet
öffentlich Braddon widersprachen.]

[Fußnote 2: Ob die Verurtheilung Lord Russel's, wenn sie nicht
umgestoßen worden wäre, für seinen Sohn ein Hinderniß gewesen sein
würde, ihm im Earlthum Bedford nachzufolgen, ist eine schwer zu
entscheidende Frage. Der alte Earl holte darüber die Gutachten der
größten Juristen der damaligen Zeit ein, die man noch in den Archiven zu
Woburn sehen kann. Bemerkenswerth ist, daß eines dieser Gutachten von
Pemberton herrührt, der bei dem Prozesse den Vorsitz geführt hatte.
Dieser Umstand beweist, daß die Familie ihn keiner Ungerechtigkeit oder
Grausamkeit beschuldigte, und er hatte sich auch in der That so gut
benommen, wie irgend ein andrer Richter sich vor der Revolution in einem
ähnlichen Falle benommen hatte.]

[Fußnote 3: ^Grey's Debates, March 1688/89.^]

[Fußnote 4: Die Edicte, welche die Todesurtheile Russell's, Sidney's,
Cornish's und der Alice Lisle umstießen, waren Geheim-Edicte. In die
Gesetzsammlung sind daher nur die Titel derselben aufgenommen, die
Edicte selbst aber findet man in Howell's ^Collection of State Trials^.]

[Fußnote 5: ^Commons' Journals, June 24. 1689.^]

[Fußnote 6: Johnson erzählt diese Geschichte selbst in seinem
sonderbaren Pamphlet, betitelt: ^Notes upon the Phoenix Edition of the
Pastoral Letter, 1694^.]

[Fußnote 7: Einige Nota des Ehrwürdigen Samuel Johnson, der Folioausgabe
seiner 1710 erschienenen Werke vorangestellt.]

[Fußnote 8: ^Lords' Journals, May 15. 1689.^]

[Fußnote 9: ^North's Examen, 224.^ North's Zeugniß wird durch mehrere
zeitgenössische Pasquille in Prosa und in Versen bestätigt. Siehe auch
das [Griechisch: eikôn brotoloigou], 1697.]

[Fußnote 10: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.]

[Fußnote 11: Dedicationsepistel zu Oates' [Griechisch: eikôn basilikê].]

[Fußnote 12: In einer Ballade aus der damaligen Zeit kommen folgende
Zeilen vor:

   »Kommt her, Ihr Whigs, und leiht mir Eure Ohren,
   Habt Ihr nicht, wie der Doctor, sie verloren.«

Diese Zeilen müssen Mason vorgeschwebt haben, als er das Couplet
schrieb:

   »Merkt auf Ihr Hills, Ihr Johnsons, Scots, Shebbeares,
   Hört meinen Ruf, denn mancher unter Euch hat Ohren.«]

[Fußnote 13: ^North's Examen, 224, 234.^ North spricht von sechshundert
Pfund. Aber ich habe nach der unverschämten Petition, welche Oates
unterm 25. Juli 1689 an die Gemeinen richtete, die größere Summe
angenommen. Siehe die Verhandlungen.]

[Fußnote 14: Van Citters bedient sich dieses Spottnamens ganz ernsthaft
in seinen Depeschen an die Generalstaaten.]

[Fußnote 15: ^Lords' Journals, May 30. 1689.^]

[Fußnote 16: ^Lords' Journals, May 31. 1689; Commons' Journals, Aug. 2.;
North's Examen, 224; Narcissus Luttrell's Diary.^]

[Fußnote 17: Sir Robert war der ursprüngliche Held der »Rehearsal« und
wurde Bilboa genannt. In die umgearbeitete »Dunciade« setzte Pope die
Zeilen:

   »Und hochgeborner Howard, majestät'scher Sire.
   Ergänzt den Chorus mit den Narr'n von Stande.«

Pope's hochgeborner Howard war Eduard Howard, der Autor der ^British
Princes^.]

[Fußnote 18: ^Key to the Rehearsal; Shadwell's Sullen Lovers; Pepys May
5., 8. 1668; Evelyn, Februar 16. 1684/85.^]

[Fußnote 19: ^Grey's Debates und Commons' Journals, June 4., 11. 1689.^]

[Fußnote 20: ^Lords' Journals, June 6. 1689.^]

[Fußnote 21: ^Commons' Journals, August 2. 1689^; die außerordentlichen
holländischen Gesandten an die Generalstaaten vom 30. Juli (9. August).]

[Fußnote 22: ^Lords' Journals, July 30. 1689; Narcissus Luttrell's
Diary; Clarendon's Diary, July 31. 1689.^]

[Fußnote 23: ^Commons' Journals, July 31., August 13. 1689.^]

[Fußnote 24: ^Commons' Journals, August 20.^]

[Fußnote 25: Oldmixon klagt die Jakobiten, Burnet die Republikaner an.
Obwohl Burnet regen Antheil an der Discussion dieser Frage nahm, so ist
doch sein Bericht über die dabei stattgehabten Vorgänge sehr ungenau. Er
sagt, die Klausel sei von den Gemeinen lebhaft debattirt worden und
Hampden habe nachdrücklich für dieselbe gesprochen. Wir erfahren aber
aus den Protokollen (19. Juni 1689), daß sie ^nemine contradicente^
verworfen wurde. Die holländischen Gesandten bezeichnen sie als »^een
propositie 'twelck geen ingressie schynt te sullen vinden.^«]

[Fußnote 26: ^London Gazette, August 1. 1689; Narcissus Luttrell's
Diary.^]

[Fußnote 27: Die Geschichte dieser Bill findet man in den Protokollen
der beiden Häuser und in Grey's ^Debates^.]

[Fußnote 28: Siehe ^Grey's Debates^ und die ^Commons' Journals^ vom März
bis Juli. Die zwölf Kategorien findet man in den Protokollen vom 23. und
29. Mai und vom 8. Juni.]

[Fußnote 29: Halifax-Manuscript im Britischen Museum.]

[Fußnote 30: ^The Life and Death of George Lord Jeffreys^; Finch's Rede
in Grey's ^Debates^, 1. März 1688/89.]

[Fußnote 31: Siehe unter vielen anderen Schriften ^Jeffreys's Elegy;
Letter to the Lord Chancellor exposing to him the sentiments of the
people; Elegy of Dangerfield; Dangerfield's Ghost to Jeffreys; Humble
Petition of Widows and fatherless Children in the West; The Lord
Chancellors Discovery and Confession made in the time of his sickness in
the Tower; Hickeringill's Ceremonymonger;^ ein Flugblatt betitelt: »^O
rare show! O rare sight! O strange monster! The like not in Europe! To
be seen near Tower Hill, a few doors beyond the Lion's den.^«]

[Fußnote 32: ^Life and Death of George Lord Jeffreys.^]

[Fußnote 33: Tutchin erzählt dies selbst in den ^Bloody Assizes^.]

[Fußnote 34: Siehe die Biographie des Erzbischofs Sharp von seinem
Sohne. Was zwischen Scott und Jeffreys vorging, erzählte Ersterer Sir
Joseph Jockyl. Siehe auch Tindal's Geschichte und Echard III. 932.
Echard's Berichterstatter, der nicht genannt ist, der aber gute
Gelegenheit gehabt zu haben scheint, die Wahrheit zu erfahren, sagte,
Jeffreys sei nicht, wie man allgemein glaube, an den Folgen der
Trunksucht, sondern am Stein gestorben. Diese Meinungsverschiedenheit
ist von geringer Bedeutung. Soviel ist gewiß, daß Jeffreys sehr unmäßig
war, und seine Krankheit war eine von denjenigen, welche durch
Unmäßigkeit notorisch verschlimmert werden.]

[Fußnote 35: Siehe ^A Full and True Account of the Death of George Lord
Jeffreys, licensed on the day of his death^. Der erbärmliche Le Noble
wurde nicht müde zu wiederholen, Jeffreys sei durch den Usurpator
vergiftet worden. Ich will eine kurze Stelle als Probe von den
Verleumdungen anführen, deren Gegenstand König Wilhelm war. »^Il
envoya,^« sagt Pasquin, »^ce fin ragoût de champignons au Chancelier
Jeffreys, prisonnier dans la Tour, qui les trouva du même goust et du
même assaisonnement que furent les derniers dont Agrippine regala le
bonhomme Claudius, son époux, et que Néron appella depuis la viande des
Dieux.^« Marforio fragt: »^Le Chancelier est donc mort dans la Tour?^«
Pasquin antwortet: »^Il estoit trop fidèle à son Roi légitime et trop
habile dans les loix du royaume, pour échapper à l'Usurpateur qu'il ne
vouloit point reconnoistre. Guillemot prit soin de faire publier que ce
malheureux prisonnier estoit attaqué d'une fièvre maligne: mais, à
parler franchement, il vivroit peutestre encore, s'il n'avoit rien mangé
que de la main de ses anciens cuisiniers.^« -- ^Le Festin de Guillemot,
1689.^ Dangeau (7. Mai) erwähnt eines Gerüchts, daß Jeffreys sich selbst
vergiftet habe.]

[Fußnote 36: ^Grey's Debates, June 12. 1689.^]

[Fußnote 37: Siehe ^Commons' Journals^ und ^Grey's Debates, June 1., 3.,
4. 1689; Life of William 1704.^]

[Fußnote 38: ^Burnet MS. Harl. 6584^; Avaux an de Croissy, 16. (26.)
Juni 1689.]

[Fußnote 39: Bezüglich der Protokolle des Geheimen Raths siehe die
^Commons' Journals^ vom 22. und 28. Juni und vom 3., 5., 13. und 16.
Juli.]

[Fußnote 40: Der Brief von Halifax an Lady Russell ist vom 23. Juli
1689, etwa vierzehn Tage nach dem Angriffe auf ihn bei den Lords und
etwa acht Tage vor dem Angriffe bei den Gemeinen, datirt.]

[Fußnote 41: Siehe die ^Lords' Journals^ vom 10. Juli 1689 und einen
Brief aus London vom 11. (21.) Juli, den Croissy an Avaux sendete. Don
Pedro de Ronquillo erwähnt des Angriffs der whiggistischen Lords auf
Halifax in einer Depesche, deren Datum ich nicht angeben kann.]

[Fußnote 42: Dies geschah Sonnabend den 3. August. Da die Abstimmung im
Comité stattfand, sind die Zahlen nicht in die Protokolle aufgenommen.
Clarendon sagt in seinem Tagebuche, die Majorität habe elf Stimmen
betragen. Aber Narcissus Luttrell, Oldmixon und Tindal geben sie
übereinstimmend auf vierzehn an. Der größte Theil des Wenigen was ich
über diese Debatte gefunden habe, ist in einer Depesche von Don Pedro de
Ronquillo enthalten. »^Se resolvio,^« sagt er, »^que el sabado, en
comity de toda la casa, se tratasse del estado de la nation para
representarle al Rey. Emperose por acusar al Marques de Olifax; y
reconociendo sus emulos que no tenian partido bastante, quisieron
remitir para otro dia esta motion: pero el Conde de Elan, primogenito
del Marques de Olifax, miembro de la casa, les dijo que su padre no era
hombre para andar peloteando con el, y que se tubiesse culpa lo acabasen
de castigar, que el no havia menester estar en la corte para portarse
conforme á su estado, pues Dios le havia dado abundamente para poderlo
hazer; con que por pluralidad de voces vencio su partido.^« Ich
vermuthe, daß Lord Eland auf die Armuth einiger von den Feinden seines
Vaters und auf die Habgier anderer anspielen wollte.]

[Fußnote 43: Diese Veränderung in der Stimmung, welche unmittelbar auf
die Debatte über den Antrag auf Halifax' Entlassung folgte, wird von
Ronquillo erwähnt.]

[Fußnote 44: Ueber Ruvigny siehe Sir Simon's Memoiren vom Jahre 1697 und
Burnet I. 366. Einige interessante Angaben über Ruvigny und über die
hugenottischen Regimenter findet man auch in einer Erzählung aus der
Feder eines französischen Refugiés Namens Dumont. Diese Erzählung, ein
Manuscript, das ich bei Gelegenheit als das Dumont-Manuscript citiren
werde, wurde mir vom Dechanten von Ossory freundlichst geliehen.]

[Fußnote 45: Siehe das ^Abrègé de la Vie de Fréderic Duc de Schomberg^,
von Lunancy, 1690, die Memoiren des Grafen Dohna und die Anmerkung St.
Simon's zu Dangeau's Journal, 30. Juli 1690.]

[Fußnote 46: Siehe die Protokolle der Gemeinen vom 16. Juli 1689 und vom
1. Juli 1814.]

[Fußnote 47: Protokolle der Lords, und der Gemeinen vom 20. August 1689;
London Gazette vom 22. August.]

[Fußnote 48: »^J'estois d'avis qu', après que la descente seroit faite,
si on apprenoit que des Protestans se fussent soulevez en quelques
endroits du royaume, on fit main basse sur tous généralement.^« --
Avaux, 31. Juli (10. Aug.) 1689.]

[Fußnote 49: »^Le Roy d'Angleterre m'avoit écouté assez paisiblement la
première fois que je luy avois proposé ce qu'il avoit à faire contre les
Protestans.^« -- Avaux, 4. (14.) Aug.]

[Fußnote 50: Avaux, 4. (14.) Aug. Er schreibt: »^Je m'imnagine qu'il est
persuadé que, quoiqu'il ne donne point d'ordre sur cela, la plupart des
Catholiques de la campagne se jetteront sur les Protestans.^«]

[Fußnote 51: Ludwig tadelte unterm 22. Aug. (6. Sept.) Avaux, obwohl
viel zu mild, wegen seines Vorschlags, die ganze protestantische
Bevölkerung von Leinster, Connaught und Munster niederzumetzeln. »^Je
n'approuve pas cependant la proposition que vous faites de faire main
basse sur tous les Protestans du royaume, du moment qu', en quelque
endroit que ce soit, ils se seront soulevez: et, outre que la punition
d'une infinité d'innocens pour peu de coupables ne seroit pas juste,
d'ailleurs les represailles contre les Catholiques seroient d'autant
plus dangereuses, que les premiers se trouveront mieux armez et soutenus
de toutes les forces d'Angleterre.^«.]

[Fußnote 52: Ronquillo drückt unterm 9. (19.) Aug., wo er von der
Belagerung von Londonderry spricht, sein Erstaunen aus, »^que una plaza
sin fortificazion y sin gentes de guerra aya hecho una defensa tan
gloriosa, y que los sitiadores al contrario ayan sido tan poltrones.^«]

[Fußnote 53: Diese Angaben über die irische Armee sind aus zahlreichen
Briefen von Avaux an Ludwig und an dessen Minister zusammengestellt. Ich
will einige der interessantesten Stellen anführen. »^Les plus beaux
hommes,^« sagt Avaux von den Irländern, »^qu'on peut voir. Il n'y en a
presque point au dessous de cinq pieds cinq à six pouces.^« Der
französische Fuß ist bekanntlich länger als der unsrige. »^Ils sont très
bien faits: mais ils ne sont ny disciplinez ny armez, et de surplus sont
de grands voleurs.« -- »La plupart de ces régimens sont levez par des
gentilhommes qui n'ont jamais esté à l'armée. Ce sont des tailleurs, des
bouchers, des cordonniers, qui ont formé les compagnies et qui en sont
les Capitaines.« -- »Jamais troupes n'ont marché comme font celles-cy.
Ils vont comme des bandits, et pillent tout ce qu'ils trouvent en
chemin.« -- »Quoiqu'il soit vrai que les soldats paroissent fort résolus
à bien faire, et qu'ils soient fort animez contre les rebelles,
néantmoins il ne suffit pas de cela pour combattre ... Les officiers
subalternes sont mauvais, et, à la reserve d'un très petit nombre, il
n'y en a point qui ayt soin des soldats, des armes, et de la
discipline.« -- »On a beaucoup plus de confiance en la cavalerie, dont
la plus grande partie est assez bonne.^« -- Einige Reiterregimenter lobt
Avaux ganz besonders. Von zweien derselben sagt er: »^On ne peut voir de
meilleur régiment.^« Die Richtigkeit des Urtheils, das er sich über die
Infanterie wie über die Cavallerie gebildet, zeigte sich nach seiner
Abreise deutlich am Boyne.]

[Fußnote 54: Ich will ein Paar Stellen aus den damals von Avaux
geschriebenen Depeschen anführen. Unterm 7. (17.) September schreibt er:
»^De quelque costé qu'on se tournât, on ne pouvoit rien prevoir que de
désagréable. Mais dans cette extrémité chacun s'est évertué. Les
officiers ont fait leur recrues avec beaucoup de diligence.^« Drei Tage
später sagt er: »^Il y a quinze jours que nous n'espérions guère de
pouvoir mettre les choses en si bon estat: mais my Lord Tyrconnel et
tous les Irlandais ont travaillé avec tant d'empressement qu'on s'est
mis en estat de deffense.^«]

[Fußnote 55: Avaux, 20. (30. Aug.), 25. Aug. (4. Sept.), 26. Aug. (5.
Sept.); ^Life of James II. 373^; Melfort's Selbstvertheidigung unter den
^Nairne Papers^. Avaux sagt: »^Il pourra partir ce soir à la nuit: car
je vois biens qu'il apprehende qu'il ne sera pas sur pour luy de partir
en plein jour.^«]

[Fußnote 56: ^Story's Impartial History of the Wars of Ireland, 1693;
Life of James, II. 374.^; Avaux, 7. (17.) Sept. 1689; ^Nihell's
Journal^, gedruckt 1689 und neu herausgegeben von Macpherson.]

[Fußnote 57: ^Story's Impartial History.^]

[Fußnote 58: ^Story's Impartial History.^]

[Fußnote 59: Avaux, 10. (20.) Sept. 1689; ^Story's Impartial History;
Life of James, II. 377. 387. Orig. Mem.^ Story und Jakob schätzen die
irische Armee übereinstimmend auf etwa zwanzigtausend Mann. Siehe auch
Dangeau, 28. Oct. 1689.]

[Fußnote 60: ^Life of James, II. 377, 378. Orig. Mem.^]

[Fußnote 61: Siehe ^Grey's Debates^, Nov. 26., 27., 28. 1689 und den
^Dialogue between a Lord Lieutenant and one of his deputies, 1692.^]

[Fußnote 62: ^Nihill's Journal^. Ein französischer Offizier sagt in
einem bald nach Schomberg's Landung an Avaux geschriebenen Briefe: »^Les
Huguenots font plus de mal que les Anglois, et tuent force Catholiques
pour avoir fait résistance.^«]

[Fußnote 63: Story; Erzählung, welche Avaux unterm 26. Nov. (6. Dec.)
1689 Seignelay übersandte; London Gazette vom 14. Oct. 1689. Merkwürdig
ist es, daß, obgleich Dumont sich im Lager bei Dundalk befand, in seinem
Manuscripte von der Verschwörung unter den Franzosen nichts erwähnt
ist.]

[Fußnote 64: ^Story's Impartial History^; Dumont-Manuscript. Die
Gottlosigkeit und Unsittlichkeit, welche während der Krankheit im Lager
herrschten, werden in vielen damaligen Pamphlets in Versen wie in Prosa
erwähnt. Man sehe insbesondere eine Satyre betitelt: ^Reformation of
Manners^, Theil II.]

[Fußnote 65: ^Story's Impartial History.^]

[Fußnote 66: Avaux, 11. (21.) Oct., 14. (24.) Nov. 1689; ^Story's
Impartial History; Life of James, II. 382, 383. Orig. Mem.; Nihell's
Journal.^]

[Fußnote 67: ^Story's Impartial History^; Schomberg's Depeschen;
^Nihell's Journal^ und ^Life of James; Burnet II. 20.^; Dangeau's
Tagebuch während dieses Herbstes; die Erzählung, welche Avaux an
Seignelay einsandte, und das Dumont-Manuscript. Die Lügen der London
Gazette sind haarsträubend. Während des ganzen Herbstes sollen die
Truppen beständig in guter Verfassung gewesen sein. In dem albernen
Drama, betitelt: ^The Royal Voyage^, welches zur Belustigung des
Londoner Pöbels im Jahre 1689 aufgeführt wurde, werden die Irländer
dargestellt, wie sie einige von den kranken Engländern angreifen. Die
Engländer schlagen die Angreifenden in die Flucht und fallen dann todt
nieder.]

[Fußnote 68: Siehe seine Depeschen im Anhange zu Dalrymple's Memoiren.]

[Fußnote 69: London Gazette vom 20. Mai 1689.]

[Fußnote 70: Bleib' in der Stadt. -- D. Uebers.]

[Fußnote 71: ^Commons' Journals, Nov. 13. 23. 1689; Grey's Debates, Nov.
13. 14. 18. 23. 1689.^ Siehe unter vielen Schmähschriften die ^Parable
of the Bearbaiting; Reformation of Manners, a Satire; The Mock Mourners,
a Satire.^ Außerdem auch ^Pepys's Diary, Kept at Tangier, Oct. 15.
1683.^]

[Fußnote 72: Die beste Uebersicht über diese Verhandlungen findet man in
Wagenaar, 61. Er hat die Witsen'schen Papiere zur Hand gehabt und
denselben zahlreiche Citate entnommen. Witsen war es, der in heftiger
Bewegung unterschrieb, »^zo als,^« sagt er, »^myne beevende hand
getuigen kan.^« Die Verträge findet man in Dumont's ^Corps
Diplomatique^. Sie wurden im August 1689 unterzeichnet.]

[Fußnote 73: Der Vertrag zwischen dem Kaiser und den Generalstaaten ist
vom 12. Mai 1689 datirt. Er befindet sich in Dumont's ^Corps
Diplomatique^.]

[Fußnote 74: Siehe die Depesche Waldeck's in der London Gazette vom 26.
Aug. 1689. ^Historical Records of the First Regiment of Foot;^ Dangeau,
28. Aug.; Monthly Mercury, September 1689.]

[Fußnote 75: Siehe den ^Dear Bargain^, ein im Jahr 1690 heimlich
gedrucktes jakobitisches Pamphlet. »Ich habe keine Geduld mehr,« sagt
der Verfasser, »nach diesem Schurken (Marlborough) noch einen andren zu
erwähnen. Alle sind im Vergleich zu ihm unschuldig, selbst Kirke.«]

[Fußnote 76: Siehe den Monthly Mercury vom September 1689 und von den
vier folgenden Monaten; auch Welwood's ^Mercurius Reformatus^ vom 18.,
25. Sept. und 8. Oct. 1689. Melfort's Instructionen und seine
Denkschriften für den Papst und den Cardinal von Este finden sich in den
^Nairne Papers^; einige Auszüge hat Macpherson abgedruckt.]

[Fußnote 77: Siehe die Antwort eines Eidverweigerers auf die
Aufforderung des Bischofs von Sarum im Anhange zu ^The Life of
Kettlewell^. Unter den Tanner'schen Manuscripten in der Bodlejanischen
Bibliothek befindet sich ein Aufsatz, den ich anzuführen wage, da
Sancroft ihn der Aufbewahrung werth gehalten hat. Der Verfasser, ein
entschiedener Eidverweigerer, sagt, nachdem er durch allerhand leere
Ausflüchte den von einem fügsameren Geistlichen aus der Praxis der
primitiven Kirche entlehnten Argumente auszuweichen versucht hat:
»Angenommen die ersten Christen hätten fortwährend, seit den Zeiten der
Apostel, ihre früheren Fürsten geleisteten Eide so wenig beachtet, als
er behauptet, wird er deshalb sagen wollen, daß ihre Verfahrungsweise
als Regel gelten müsse? Leute von übrigens sehr orthodoxen Grundsätzen
haben Böses gethan und allgemein dazu aufgemuntert.« Die aus der Praxis
der ersten Christen hergeleitete Beweisführung ist sehr gut
zusammengestellt in einer Schrift, betitelt: ^The Doctrine of
Non-resistance or Passive Obedience No Way concerned in the
Controversies now depending between die Williamites and the Jacobites,
by a Lay Gentleman of the Communion of the Church of England, as by Law
establish'd, 1689.^]

[Fußnote 78: Eine der unterwürfigsten Adressen, welche je eine
Convocation votirt hat, war eine an Richard III. gerichtete. Sie findet
sich in Wilkin's ^Concilia^. Dryden stellt in seinem schönen
^Rifacimento^, einer der schönsten Stellen seiner ^Canterbury Tales^,
den »guten Pfarrer« dar, wie er lieber seine Pfründe aufgiebt als den
Herzog von Lancaster als König von England anerkennt. Für diese
Darstellung findet sich weder in Chaucer's Gedicht noch anderswo ein
Rechtfertigungsgrund. Dryden wollte etwas schreiben, was die
Geistlichen, welche die Eide geleistet hatten, verdroß und deshalb
dichtete er einem katholischen Priester des 14. Jahrhunderts einen
Aberglauben an, der erst bei den anglikanischen Priestern des 17.
Jahrhunderts entstanden ist.]

[Fußnote 79: Siehe die Vertheidigung des Bekenntnisses, welches der
Ehrwürdige Vater in Gott, Johann Lake, Lord Bischof von Chichester, in
Bezug auf den passiven Gehorsam und die neuen Eide auf seinem Sterbebett
abgab. 1690.]

[Fußnote 80: ^London Gazette, June 30. 1689. Narcissus Luttrell's
Diary.^ »Die ausgezeichnetsten Männer,« sagt Luttrell.]

[Fußnote 81: Siehe in Kettlewell's Leben, III. 72., den Widerruf, den er
für einen Geistlichen aufgesetzt hatte, welcher die Eide geleistet hatte
und es nachher bereuete.]

[Fußnote 82: Siehe den Bericht über Dr. Dove's Verhalten in Clarendon's
^Diary^, und den Bericht über Dr. Marsh's Verhalten in Kettlewell's
Leben.]

[Fußnote 83: ^The Anatomy of a Jacobite Tory, 1690.^]

[Fußnote 84: ^Dialogue between a Whig and a Tory.^]

[Fußnote 85: ^Narcissus Luttrell's Diary, Nov. 1691, Feb. 1692.^]

[Fußnote 86: ^Life of Kettlewell III. 4.^]

[Fußnote 87: Siehe Turner's Brief an Sancroft vom Himmelfahrtstage 1689.
Das Original befindet sich unter den Tannerschen Manuscripten in der
Bodlejanischen Bibliothek. Der Brief ist jedoch nebst vielen andrem
interessanten Material in dem unlängst erschienenen ^Life of Ken, by a
Layman^, abgedruckt. Siehe auch ^The Life of Kettlewell, III. 95.^ und
Ken's Brief an Burnet vom 5. October 1689 in Hawkin's ^Life of Ken^.
»Ich bin überzeugt,« schrieb Lady Russel an Dr. Fitzwilliam, »daß der
Bischof von Bath und Wells Andere dazu aufmunterte, sich zu fügen;
während er selbst es nicht über sich gewinnen konnte, freute er sich,
wenn Andere es thaten.« Ken erklärte, daß er Niemandem gerathen, die
Eide zu leisten, und Diejenigen, welche seinen Rath erbaten, auf ihre
eigenen Studien und Gebete verwiesen habe. Man wird finden, daß Lady
Russell's Behauptung und Ken's Verwahrung ziemlich auf Eins hinaus
laufen, wenn man diejenigen Rücksichten nimmt, welche selbst bei
Beurtheilung der Aussagen der wahrheitliebendsten Zeugen auf Stellung
und Gesinnung genommen werden müssen. Nachdem Ken sich endlich
entschlossen hatte, auf Seite der Eidverweigerer zu treten, versuchte er
es natürlich, seine Consequenz in so weit zu rechtfertigen, als er dies
ehrenhafterweise konnte, und Lady Russel, welche ihren Freund zur
Leistung der Eide bewegen wollte, legte natürlich auf seine Geneigtheit,
sich zu fügen, soviel Gewicht als sie dies ehrenhafterweise thun durfte.
Sie ging indeß zu weit, indem sie das Wort »aufmunterte« ^(excited)^
brauchte. Auf der andren Seite ist es klar, daß Ken, indem er
Diejenigen, die ihn um Rath fragten, auf ihre eigenen Studien und Gebete
verwies, ihnen zu verstehen geben wollte, daß seiner Ansicht nach die
Eidesleistung Denen gestattet sei, die sie nach reiflicher Erwägung als
statthaft erkannten. Hatten ihn die Leute gefragt, ob es ihnen gestattet
sei, einen Meineid zu schwören oder Ehebruch zu begehen, so würde er
ihnen gewiß nicht geantwortet haben, daß sie die Sache reiflich erwägen
und die göttliche Entscheidung erflehen, sondern daß sie bei Gefahr
ihres Seelenheils davon abstehen sollten.]

[Fußnote 88: Siehe das Gespräch vom 9. Juni 1784 in Boswell's ^Life of
Johnson^, und die Anmerkung. Boswell ist mit seiner gewohnten
Verkehrtheit Überzeugt, daß Johnson nicht daran gedacht haben könne,
»daß die wegen ihres hochherzigen Widerstandes gegen Willkürgewalt mit
Recht so hoch gefeierten sieben Bischöfe, dennoch Eidverweigerer waren.«
Nur fünf von den Sieben waren Eidverweigerer, und jeder Andre als
Boswell würde gewußt haben, daß man sich der Willkürgewalt widersetzen
und dabei doch kein guter Logiker sein kann. Der Widerstand, den
Sancroft und die anderen nichtschwörenden Bischöfe der Willkürgewalt
entgegensetzten, während sie nach wie vor an der Lehre vom
Nichtwiderstande festhielten, ist gerade der entscheidendste Beweis, daß
sie unfähig waren, zu raisonniren. Man darf nicht vergessen, daß sie
bereit waren, die ganze königliche Macht Jakob zu entziehen und auf
Wilhelm mit dem Titel eines Regenten zu übertragen. Ihr Skrupel hatte
nur das Wort König zum Gegenstande.

Ich bin erstaunt, daß Johnson Wilhelm Law für keinen Logiker erklärte.
Law verfiel allerdings in große Irrthümer, aber es waren Irrthümer,
gegen welche die Logik keinen Schutz gewährt. In rein dialektischer
Gewandtheit übertrafen ihn sehr Wenige. Daß er mehr als einmal über
Hoadley den Sieg davon trug, wird kein aufrichtiger Whig leugnen. Doch
Law gehört nicht der Generation an, mit der ich es jetzt zu thun habe.]

[Fußnote 89: Ware's ^History of the Writers of Ireland^, fortgesetzt von
Harris.]

[Fußnote 90: ^Letter to a member of the Convention 1689.^]

[Fußnote 91: ^Johnson's Notes on the Phoenix Edition of Burnet's
Pastoral Letter, 1692.^]

[Fußnote 92: Das beste Urtheil über Hickes' Character kann man sich aus
seinen zahlreichen polemischen Schriften bilden, besonders aus seinem
^Jovian^, geschrieben 1684, seinem ^Thebaean Legion no Fable^,
geschrieben 1687, aber erst 1714 erschienen, und seinen Abhandlungen
über Dr. Burnet und Dr. Tillotson, 1695. Sein literarischer Ruhm gründet
sich auf Werke ganz andrer Art.]

[Fußnote 93: Collier's Abhandlungen über die Bühne sind im Ganzen
genommen seine besten Geistesproducte. Doch auch in seinen politischen
Flugschriften findet sich viel Treffendes. Seine »^Persuasive to
Consideration, tendered to the Royalists, particularly those of the
Church of England^« scheint mir eines der besten Erzeugnisse der
jakobitischen Presse.]

[Fußnote 94: Siehe Brokesby's ^Life of Dodwell^. Ich muß bemerken, daß
ich die Abhandlung gegen gemischte Ehen nur aus Brokesby's ausführlichem
Extract kenne. Diese Abhandlung ist sehr selten. Sie wurde ursprünglich
als Vorrede zu einer von Leslie gehaltenen Predigt gedruckt. Als Leslie
seine Werke sammelte, ließ er die Abhandlung weg, wahrscheinlich weil er
sich derselben schämte. Die Abhandlung über die Statthaftigkeit der
Instrumentalmusik habe ich gelesen, und sie ist unglaublich absurd.]

[Fußnote 95: Dodwell sagt uns, daß der Titel des Werkes, in welchem er
zuerst diese Theorie aufstellte, mit großer Sorgfalt und Präcision
abgefaßt worden sei. Ich will daher die Titelseite hier anführen: »^An
Epistolary Discourse proving from Scripture and the First Fathers, that
the Soul is naturally Mortal, but Immortalized actually by the Pleasure
of God to Punishment or to Reward, by its Union with the Divine
Baptismal Spirit wherein is proved that none have the Power of giving
this Divine Immortalizing Spirit since the Apostles but only the
Bishops. By H. Dodwell.^« Dr. Clarke sagt in einem Briefe an Dodwell
(1706) daß dieser ^Epistolary Discourse^ ein Buch sei, »das alle guten
Menschen betrübe und alle profanen Menschen erfreue.«]

[Fußnote 96: Siehe Leslie's ^Rehearsals, No. 286, 287.^]

[Fußnote 97: Siehe seine Werke und seine höchst interessante Biographie,
welche aus den Papieren seiner Freunde Hickes und Nelson
zusammengetragen worden ist.]

[Fußnote 98: Siehe Fitzwilliam's Korrespondenz mit Lady Russell und
seine Zeugenaussage in Ashton's Prozesse in den ^State Trials^. Das
einzige Werk, welches Fitzwilliam, soweit ich es habe entdecken können,
je veröffentlichte, war eine Predigt über das Ryehousecomplot, die er
einige Wochen nach Russell's Hinrichtung gehalten. Es kommen in dieser
Predigt einige Stellen vor, bei denen ich mich ein wenig wundern muß,
daß die Wittwe und die Familie Russell's sie verzeihen konnten.]

[Fußnote 99: Cyprian spricht in einer seiner Episteln folgendermaßen zu
den Bekennern: »^Quosdam audio inficere numerum vestrum, et laudem
praecipui nominis prava sua conversatione destruere ... Cum quanto
nominis vestri pudore delinquitur quando alius aliquis temulentus et
lasciviens demoratur; alius in eam patriam unde extorris est regreditur,
ut deprehensus non jam quasi Christianus, sed quasi nocens pereat.^« In
dem Buche: ^De Unitate Ecclesiae^ führt er eine noch stärkere Sprache:
»^Neque enim confessio immunem facit ab insidiis diaboli, aut contra
tentationes et pericula et incursus atque impetus saeculares adhuc in
saeculo positum perpetua securitate defendit; caeterum nunquam in
confessoribus fraudes et stupra et adulteria postmodum videremus, quae
nunc in quibusdam videntes ingemiscimus et dolemus.^«]

[Fußnote 100: Viele interessante Mittheilungen über die Eidverweigerer
findet man in den ^Biographical Memoirs^ des Buchdruckers Wilhelm
Bowyer, welche den ersten Band von Nichols' ^Literary Anecdotes of the
Eighteenth Century^ bilden. Eine Probe von Wagstaffe's Recepten befindet
sich in der Bodlejanischen Bibliothek.]

[Fußnote 101: Cibber's Stück, so wie er es schrieb, verlor seine
Popularität, als die Jakobiten aufhörten mächtig zu sein, und ist jetzt
nur nach den Forschern bekannt. Im Jahre 1768 arbeitete Bickerstaffe es
zu dem »Heuchler« um und setzte an die Stelle des Eidverweigerers Dr.
Wolff den Methodisten Dr. Cantwell. »Ich halte den Character des
Heuchlers,« sagt Johnson, »nicht für ganz passend auf die Methodisten;
auf die Eidverweigerer aber paßte er sehr gut.« Boswell fragte ihn, ob
es wahr sei, daß die eidverweigernden Geistlichen mit den Frauen ihrer
Gönner intriguirten. »Ich fürchte sehr,« antwortete Johnson, »daß viele
von ihnen es getan haben.« Dieses Gespräch fand am 27. März 1775 statt.
Aber nicht nur in gleichgültiger Unterhaltung sprach Johnson eine
ungünstige Meinung über die Eidverweigerer aus. In seiner Biographie
Fenton's, der ein Eidverweigerer war, kommen die bedeutsamen Worte vor:
»Ich muß daran erinnern, daß er seinen Namen unbefleckt erhielt und sich
niemals, wie nur zu Viele von der nämlichen Klasse, zu gemeinen Ränken
und ehrlosen Kunstgriffen erniedrigte.« Siehe ^The Character of a
Jacobite, 1690.^ Selbst in Kettlewell's Biographie, aus den Papieren
seiner Freunde Hickes und Nelson zusammengetragen, findet man
Einräumungen, welche beweisen, daß sehr bald nach dem Schisma einige der
eidverweigernden Geistlichen in Gewohnheiten des Müßigganges, der
Abhängigkeit und des Bettelns verfielen, welche den ganzen Stand in
Mißcredit brachten. »Mehrere Unwürdige, welche immer die
zuversichtlichsten sind, schadeten durch ihr Umhertreiben den wahrhaft
Würdigen, denen es die Bescheidenheit nicht zuließ für sich zu bitten
... Mr. Kettlewell empfand es ebenfalls schmerzlich, daß manche von
seinen Collegen viel zu viel Zeit an Vergnügungs- und Unterhaltungsorten
zubrachten, und sich wegen ihres Fortkommens auf Diejenigen verließen,
deren Bekanntschaft sie dort machten.«]

[Fußnote 102: ^Reresby's Memoirs 344.^]

[Fußnote 103: ^Birch's Life of Tillotson.^]

[Fußnote 104: Siehe den ^Discourse concerning the Ecclesiastical
Commission, 1689.^]

[Fußnote 105: ^Birch's Life of Tillotson; Life of Prideaux; Gentleman's
Magazine,^ Juni und Juli 1745.]

[Fußnote 106: ^Diary of the Proceedings of the Commissioners, taken by
Dr. Williams, afterwards Bishop of Chichester, one of the Commissioners,
every night after he went home from the several meetings.^ Dieses höchst
interessante Tagebuch wurde 1854 auf Befehl des Hauses der Gemeinen
gedruckt.]

[Fußnote 107: ^Williams's Diary.^]

[Fußnote 108: ^Williams's Diary.^]

[Fußnote 109: ^Williams's Diary.^]

[Fußnote 110: Siehe die ^Alterations in the Book of Common Prayer
prepared by the Royal Commissioners for the revision of the Liturgy in
1689, and printed by order of the House of Commons in 1854.^]

[Fußnote 111: Es läßt sich kaum eine stärkere oder klarere Sprache
denken als die, deren sich das Concil bediente: [Griechisch: Toutôn
toinun anagnôsthentôn, hôrisên hê agia sunodos, heteran pistin mêdeni
exeinai prospherein, êgoun suggraphein, ê suntithenai, para tên
horistheisan para tôn hagiôn paterôn tôn en tê Nikaeôn sunelthontôn sun
hagiô pneumati· tous de tolmôntas ê suntithenai pistin heteran, êgoun
prokomizein, ê prospherein tois ethelousin epistrephein eis epignôsin
tês alêtheias, ê ex Hellênismou, ê ex Ioudaismou, ê ex ahireseôs
ohiasdêpotoun, toutous, ei men eien episkopoi ê klêrikoi, allotrious
einai tous episkopous tês episkopês, kai tous klêrikous tou klêrou, ei
de laikoi eien, anathematizesthai.] ^Concil. Ephes. Actio VI.^]

[Fußnote 112: ^Williams's Diary; Alterations in the Book of Common
Prayer.^]

[Fußnote 113: Ich möchte das Erstaunen gesehen haben, in welches die
Großmeister der lateinischen Sprache, die mit Mäcenas und Pollio zu
speisen pflegten, durch das »^Tibi Cherubim et Seraphim incessabili voce
proclamant, Sanctus, Sanctus, Dominus Deus Sabaoth,^« oder durch das
»^Ideo cum angelis et archangelis, cum thronis et dominationibus^«
versetzt worden wären.]

[Fußnote 114: Ich will zwei Proben von Patrick's Schreibweise anführen.
»Er macht mich niederlegen auf einer grünen Aue,« sagt David, »und
führet mich zu den stillen Wassern.« Patrick's Version lautet: »Denn wie
ein guter Hirt seine Schafe bei heftiger Hitze an schattige Orte führt,
wo sie sich niederlegen und (nicht an verdorrter sondern) an frischer
und grüner Weide laben können, und sie am Abend (nicht zu schlammigen
und aufgerührten, sondern) zu klaren und ruhigen Wassern leitet: so hat
er bereits zweckmäßige und reichliche Vorsorge für mich getroffen, die
ich in Frieden und ohne Störung genieße.«

Im hohen Liede kommt ein wunderschöner Vers vor: »Ich beschwöre Euch,
Ihr Töchter Jerusalems, findet Ihr meinen Freund, so saget ihm, daß ich
vor Liebe krank liege.« Patrick's Version lautet: »So wendete ich mich
an Diejenigen meiner Nachbarn und vertrauten Bekannten, die durch mein
Geschrei geweckt worden waren und herbeikamen, um zu sehen was es gebe,
und beschwor sie, wie sie es vor Gott verantworten könnten, meinem
Geliebten, wenn sie mit ihm zusammenträfen, mitzutheilen -- Was soll ich
sagen? -- Was sollt Ihr ihm Andres sagen, als daß ich jetzt, da ich
seinen Umgang entbehre, meines Lebens nicht froh werde, daß mir nicht
eher wieder wohl sein wird, als bis ich seine Liebe wieder gewinne.«]

[Fußnote 115: Wilhelm's Mißfallen an dem Gottesdienste in der Kathedrale
wird von Leslie in ^No. 7.^ des ^Rehearsal^ erwähnt. Siehe auch ^A
Letter from a Member of the House of Commons to his Friend in the
Country 1689,^ und ^Bisset's Modern Fanatic 1710.^]

[Fußnote 116: Siehe ^Collier's Desertion discussed, 1689.^ Thomas Carte,
der ein Schüler und eine Zeit lang Assistent Collier's war, setzte noch
im Jahre 1747 in eine voluminöse Geschichte eine höchst alberne
Anmerkung, in der er der Welt versicherte, er wisse ganz bestimmt, daß
der Prätendent die Skrophelkrankheit geheilt habe, und ganz ernsthaft
behauptete, die heilende Kraft sei erblich und von der Salbung ganz
unabhängig. Siehe Carte's ^History of England, vol. I. p. 291^.]

[Fußnote 117: Siehe die Vorrede zu ^A Treatise in Wounds, by Richard
Wiseman, Sergeant Chirurgeon to His Majesty, 1676.^ Den vollständigsten
Nachweis über diesen interessanten Gegenstand aber findet man in der
^Charisma Basilicon, by John Browne, Chirurgeon in ordinary to His
Majesty, 1684.^ Siehe auch ^The Ceremonies used in the Time of King
Henry VII. for the Healing of them that be Diseased with the King's
Evil, published by His Majesty's Command, 1686; Evelyn's Diary, March
28. 1684^ und ^Bishop Cartwright's Diary, Aug. 28, 29, 30. 1687.^ Es ist
unglaublich, daß ein so großer Theil der Bevölkerung wirklich skrophulös
gewesen sein sollte. Ohne Zweifel wurden viele mit leichten und
vorübergehenden Krankheiten behaftete Personen zum Könige gebracht, und
die Genesung dieser Leute hielt den allgemein verbreiteten Glauben an
die Wirksamkeit seiner Berührung aufrecht.]

[Fußnote 118: Pariser Gazette vom 23. April 1689.]

[Fußnote 119: Siehe Whiston's ^Life of himself.^ Der gute Whiston, der
an Alles glaubte, nur nicht an die Dreieinigkeit, erzählt uns ganz
ernsthaft, die einzige Person, welche Wilhelm berührt habe, sei trotz
der Ungläubigkeit Sr. Majestät genesen. Siehe auch den ^Athenian
Mercury^ vom 16. Januar 1691.]

[Fußnote 120: In verschiedenen neueren Schriften ist die Befürchtung,
daß Meinungsverschiedenheiten zwischen der Convocation von York und der
Convocation von Canterbury entstehen könnten, mit Geringschätzung für
chimärisch erklärt worden. Aber es ist schwer zu begreifen, warum es
minder wahrscheinlich sein soll, daß zwei selbstständige Convocationen
von einander abweichen, als zwei Häuser der nämlichen Convocation, und
es ist notorisch, daß unter der Regierung Wilhelm's III. und Anna's die
beiden Häuser der Convocation von Canterbury fast niemals
übereinstimmten.]

[Fußnote 121: ^Birch's Life of Tillotson; Life of Prideaux.^ Aus
Clarendon's Tagebuche ergiebt sich, daß er und Rochester am 23. Sept. in
Oxford waren.]

[Fußnote 122: Siehe die Liste in dem historischen Bericht über die
gegenwärtige Convocation im Anhang zur zweiten Ausgabe der ^Vox Cleri,
1690.^ Der bedeutendste Name, den ich in der Liste der von dem
Parochialklerus gewählten Beauftragten finde, ist der des Dr. Mill, des
Herausgebers des griechischen Testaments.]

[Fußnote 123: Tillotson an Lady Russell, 19. April 1690.]

[Fußnote 124: ^Birch's Life of Tillotson.^ Was Birch darin über die
Gespanntheit zwischen Compton und Tillotson sagt, hatte er den
Manuscripten Heinrich Wharton's entlehnt, und wird durch viele Umstände
bestätigt, die man aus anderen Quellen kennt.]

[Fußnote 125: ^Chamberlayne's State of England,^ 18. Ausgabe.]

[Fußnote 126: ^Concio ad Synodum per Gulielmum Beveregium, 1689.^]

[Fußnote 127: ^Narcissus Luttrell's Diary; Historical Account of the
present Convocation.^]

[Fußnote 128: ^Kennet's History, III. 552.^]

[Fußnote 129: ^Historical Account of the Present Convocation, 1689.^]

[Fußnote 130: ^Historical Account of the Present Convocation; Burnet II.
58.; Kennet's History of the Reign of William and Mary.^]

[Fußnote 131: ^Historical Account of the Present Convocation; Kennet's
History.^]

[Fußnote 132: ^Historical Account of the Present Convocation; Kennet.^]

[Fußnote 133: ^Historical Account of the Present Convocation.^]

[Fußnote 134: Daß eine solche Eifersucht, wie ich sie geschildert habe,
wirklich herrschte, bestätigt das Pamphlet betitelt: ^Vox Cleri.^
»Einige gegenwärtig der Convocation angehörende Landgeistliche sahen
jetzt, in welcher großen Behaglichkeit und Fülle die Stadtgeistlichen
leben, die ihre Lectoren und Hülfsprediger haben, häufig Zuschüsse
bekommen, zuweilen bis zum Schlusse des Gottesdienstes in der Sakristei
zubringen und außer ihren reichen Pfarreien in der Stadt auch noch hohe
kirchliche Würden bekleiden.« Der Verfasser dieser einst weit berühmten
Schrift war Thomas Long, Vertreter des Klerus der Diöcese Exeter. Nach
einer andren damals erschienenen Flugschrift sollen die Landgeistlichen
mit großem Mißvergnügen bemerkt haben, daß ihre Londoner Collegen sich
nach der Predigt mit Sect erfrischten. In mehreren Flugschriften jenes
Winters findet man Anspielungen auf die Fabel von der Stadtmaus und der
Landmaus.]

[Fußnote 135: ^Burnet II. 33, 34.^ Die besten Darstellungen der Vorgänge
in dieser Convocation geben der der zweiten Ausgabe der ^Vox Cleri^
angehängte historische Bericht und die Stelle in Kennet's Geschichte,
auf die ich den Leser schon verwiesen habe. Erstere Erzählung ist von
einem eifrigen Hochkirchlichen, letztere von einem eifrigen
Niederkirchlichen. Wer Ausführlicheres darüber erfahren wünscht, muß die
gleichzeitigen Flugschriften nachlesen, unter ihnen besonders folgende:
^Vox Populi; Vox Laici; Vox Regis and Regni; The Healing Attempt; Letter
to a Friend, by Dean Prideaux; Letter from a Minister in the Country to
a Member of the Convocation; Answer to the Merry; Answer to Vox Cleri;
Remarks from the Country upon Two Letters relating to the Convocation;
Vindication of the Letters in answer to Vox Cleri; Answer to the Country
Minister's Letter.^ Alle diese Schriften erschienen Ende 1689 oder
Anfang 1690.]

      Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.



Anmerkungen zur Transkription


Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original
g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt waren,
wurden ^so^ markiert.

Die variierende Schreibweise und Grammatik der Vorlage wurden weitgehend
beibehalten. Lediglich offensichtliche Fehler wurden berichtigt wie hier
aufgeführt (vorher/nachher):

   [S. XIII.5]:
   ... In Schotttland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort ...
   ... In Schottland war der Gang der Ereignisse ganz anders. Dort ...

   [S. XIII.14]:
   ... machten, ihnen irgendwie nützlich zu sein. Sie mußen sich
       klar ...
   ... machten, ihnen irgendwie nützlich zu sein. Sie mußten sich
       klar ...

   [S. XIII.20]:
   ... Smaragdohringe getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr
       zum Geschenk ...
   ... Smaragdohrringe getragen, welche ihr Vetter, der Prinz, ihr
       zum Geschenk ...

   [S. XIII.21]:
   ... Ueber das frühere Verhältniß zwischen Wilhelm und Dundee
       haben einige Jakobieten ...
   ... Ueber das frühere Verhältniß zwischen Wilhelm und Dundee
       haben einige Jakobiten ...

   [S. XIII.33]:
   ... die Verantwortlichkeit für außerordenliche
       Vertheidigungsmittel auf ...
   ... die Verantwortlichkeit für außerordentliche
       Vertheidigungsmittel auf ...

   [S. XIII.34]:
   ... nicht stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das
       schotttische Gesetz bezüglich ...
   ... nicht stattgefunden, so ist es wahrscheinlich, daß das
       schottische Gesetz bezüglich ...

   [S. XIII.39]:
   ... Ein solcher Mann war Sir Patrik Hume. Er war aus ...
   ... Ein solcher Mann war Sir Patrick Hume. Er war aus ...

   [S. XIII.40]:
   ... Siehe The Life and Correspondance of Carstairs und die
       interessanten ...
   ... Siehe The Life and Correspondence of Carstairs und die
       interessanten ...

   [S. XIII.57]:
   ... »Coll der Kühne« gegeben hatte. Endlich zwangen seine frechen ...
   ... »Coll der Kühe« gegeben hatte. Endlich zwangen seine frechen ...

   [S. XIII.60]:
   ... Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Steit mit ihm,
       schuldeten ...
   ... Mac Callum More's. Sie lagen nicht im Streit mit ihm,
       schuldeten ...

   [S. XIII.71]:
   ... Telepraphen, vermittelst dessen sie sich über die Linien der
       Schildwachen ...
   ... Telegraphen, vermittelst dessen sie sich über die Linien der
       Schildwachen ...

   [S. XIII.80]:
   ... Mitterweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer
       unterhalten, ...
   ... Mittlerweile wurde auf beiden Seiten ein Kleingewehrfeuer
       unterhalten, ...

   [S. XIII.83]:
   ... Einbildungkraft zu einem Heere celtischer Krieger vergrößert.
       Einige der ...
   ... Einbildungskraft zu einem Heere celtischer Krieger
       vergrößert. Einige der ...

   [S. XIII.83]:
   ... den Bericht über die Schlache in einem von Burt's Briefen.
       Macpherson druckte einen ...
   ... den Bericht über die Schlacht in einem von Burt's Briefen.
       Macpherson druckte einen ...

   [S. XIV.26]:
   ... war indessen eine vorteffliche holländische Brigade unter dem
       Commando ...
   ... war indessen eine vortreffliche holländische Brigade unter
       dem Commando ...

   [S. XIV.26]:
   ... waren vier Regimenter, ein Cavalerieregiment und drei
       Infanterieregimenter, ...
   ... waren vier Regimenter, ein Cavallerieregiment und drei
       Infanterieregimenter, ...

   [S. XIV.34]:
   ... Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum
       atlanischen Ocean ...
   ... Infanterie, die er vom bothnischen Meerbusen bis zum
       atlantischen Ocean ...

   [S. XIV.36]:
   ... ihren französchen Verbündeten unterhalten werden. ...
   ... ihren französischen Verbündeten unterhalten werden. ...

   [S. XIV.42]:
   ... über seine Parteilichkeit für sein Adoptivvaterland murrte.
       Die holländschen ...
   ... über seine Parteilichkeit für sein Adoptivvaterland murrte.
       Die holländischen ...

   [S. XIV.42]:
   ... sei; daß er perremptorisch auf einem Artikel bestehe, der
       allen Handelsverkehr ...
   ... sei; daß er peremtorisch auf einem Artikel bestehe, der allen
       Handelsverkehr ...

   [S. XIV.43]:
   ... Aliirten gaben einer großen deutschen Truppenmacht in Serbien ...
   ... Alliirten gaben einer großen deutschen Truppenmacht in
       Serbien ...

   [S. XIV.49]:
   ... der göttlichen Wahrheit unterrrichtet und durch göttliche
       Gnade beschützt ...
   ... der göttlichen Wahrheit unterrichtet und durch göttliche
       Gnade beschützt ...

   [S. XIV.62]:
   ... Auditorum herbeiziehen, mußte sich damit begnügen, der
       Geistliche ...
   ... Auditorium herbeiziehen, mußte sich damit begnügen, der
       Geistliche ...

   [S. XIV.63]:
   ... dies waren Ausnahmen. Betriebsame Armuth ist ein der
       Tugenhaftigkeit ...
   ... dies waren Ausnahmen. Betriebsame Armuth ist ein der
       Tugendhaftigkeit ...

   [S. XIV.67]:
   ... Hochkirchlichen unter den Zurückleibenden waren Doctor
       Wilhelm Beveridge, ...
   ... Hochkirchlichen unter den Zurückbleibenden waren Doctor
       Wilhelm Beveridge, ...

   [S. XIV.73]:
   ... die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelhäter zu
       bestrafen, noch ...
   ... die Regierung es weder gewagt hatte, die Uebelthäter zu
       bestrafen, noch ...

   [S. XIV.81]:
   ... Stande, die aufsätzige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war
       gering, ...
   ... Stande, die aufsässige Demokratie zu beugen. Ihre Zahl war
       gering, ...





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. - Siebenter Band: enthaltend Kapitel 13 und 14." ***

Doctrine Publishing Corporation provides digitized public domain materials.
Public domain books belong to the public and we are merely their custodians.
This effort is time consuming and expensive, so in order to keep providing
this resource, we have taken steps to prevent abuse by commercial parties,
including placing technical restrictions on automated querying.

We also ask that you:

+ Make non-commercial use of the files We designed Doctrine Publishing
Corporation's ISYS search for use by individuals, and we request that you
use these files for personal, non-commercial purposes.

+ Refrain from automated querying Do not send automated queries of any sort
to Doctrine Publishing's system: If you are conducting research on machine
translation, optical character recognition or other areas where access to a
large amount of text is helpful, please contact us. We encourage the use of
public domain materials for these purposes and may be able to help.

+ Keep it legal -  Whatever your use, remember that you are responsible for
ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just because
we believe a book is in the public domain for users in the United States,
that the work is also in the public domain for users in other countries.
Whether a book is still in copyright varies from country to country, and we
can't offer guidance on whether any specific use of any specific book is
allowed. Please do not assume that a book's appearance in Doctrine Publishing
ISYS search  means it can be used in any manner anywhere in the world.
Copyright infringement liability can be quite severe.

About ISYS® Search Software
Established in 1988, ISYS Search Software is a global supplier of enterprise
search solutions for business and government.  The company's award-winning
software suite offers a broad range of search, navigation and discovery
solutions for desktop search, intranet search, SharePoint search and embedded
search applications.  ISYS has been deployed by thousands of organizations
operating in a variety of industries, including government, legal, law
enforcement, financial services, healthcare and recruitment.



Home