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Title: Deutsche Humoristen, 4. und 5. Band (von 8) - Hausbücherei der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung, 29. und 30. Band
Author: Various
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Deutsche Humoristen, 4. und 5. Band (von 8) - Hausbücherei der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung, 29. und 30. Band" ***

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                   Anmerkungen zur Transkription

    Der vorliegende Text wurde anhand der 1908 erschienenen Buchausgabe
    so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung
    und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend
    korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente Schreibweisen wurden
    beibehalten, insbesondere wenn diese in der damaligen Zeit üblich
    waren oder im Text mehrfach auftreten.

    Das Bücherverzeichnis der ‚Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung‘
    wurde vom Bearbeiter an das Ende des Buches verschoben.

    Der Originaltext wurde in Frakturschrift gedruckt; Passagen in
    Antiquaschrift werden durch _Unterstriche_ hervorgehoben. Fettdruck
    wird durch die Verwendung von =Gleichheitszeichen= dargestellt,
    gesperrte Passagen sind von +Pluszeichen+ umgeben.

####################################################################



                             Hausbücherei

                                 29/30



                             Hausbücherei

               der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung

                           29. und 30. Band

                            [Illustration]

                          Hamburg-Großborstel
           Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
                                 1908

                            1.-10. Tausend



                          Deutsche Humoristen

                            4. und 5. Band

                             Humoristische
                               Gedichte

                            [Illustration]

                          Hamburg-Großborstel
           Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
                                 1908

                            1.-10. Tausend



Inhaltsverzeichnis zu den übrigen Bänden der „Deutschen Humoristen“


Band 1 (Hausbücherei Band 3):

    +Friedr. Theodor Vischer+: Humor. Gedicht.

    +Peter Rosegger+: Als ich das erste Mal auf dem Dampfwagen saß. --
    Wie wir die Gürtelsprenge haben gehalten.

    +Wilhelm Raabe+: Der Marsch nach Hause.

    +Fritz Reuter+: Woans ick tau ’ne Fru kamm.

    +Albert Roderich+: Nemesis.


Band 2 (Hausbücherei Band 4):

    +Clemens Brentano+: Die mehreren Wehmüller oder ungarische
    Nationalgesichter.

    +E. Th. A. Hoffmann+: Die Königsbraut.

    +Heinrich Zschokke+: Die Nacht in Brczwezmcisl.


Band 3 (Hausbücherei Band 5):

    +Hans Hoffmann+: Eistrug.

    +Otto Ernst+: Die Gemeinschaft der Brüder vom geruhigen Leben.

    +Max Eyth+: Der blinde Passagier.

    +Helene Böhlau+: Die Ratsmädel gehen einem Spuk zu Leibe.


Band 6 (Hausbücherei Band 31):

    +E. Th. A. Hoffmann+: Aus „Klein Zaches genannt Zinnober“.

    +Bettina von Arnim+: Die Reise nach Darmstadt.

    +Fr. Th. Vischer+: Die Tücke des Objekts.

    +Ad. Bayersdorfer+: Die militärpflichtige Tante.

    +Henry F. Urban+: Der Eishund.

    +Ludwig Thoma+: Besserung.



Inhaltsverzeichnis


                                                                   Seite

    Inhaltsverzeichnis zu den übrigen Bänden der
    „Deutschen Humoristen“                                             4

    Chronologisches Inhaltsverzeichnis der „Humoristischen
    Gedichte“                                                          5

    Alphabetisches Inhaltsverzeichnis                                 18

    Einleitung                                                        20

    Aus „Des Knaben Wunderhorn“:
        Vom Wasser und vom Wein                                       25
        Des Antonius von Padua Fischpredigt                           28
        Lied beim Heuen                                               31
        Romanze von den Schneidern                                    33
        Aussicht in die Ewigkeit                                      35

    Der Tod von Basel, Volkslied aus dem 17. Jahrhundert              37

    Hans Sachs
    geb. in Nürnberg 5. November 1494, gest. ebenda
    19. Januar 1576.
        Der waltbruder mit dem esel                                   39

    Paul Fleming
    geb. in Hartenstein im Vogtland 5. Oktober 1609, gest.
    in Hamburg 2. April 1640.
        Kußlied                                                       43

    Christian Fürchtegott Gellert
    geb. in Hainichen im Erzgebirge 4. Juli 1715, gest.
    in Leipzig 11. Dezember 1769.
        Das Gespenst                                                  44
        Der gute Rat                                                  46
        Der sterbende Vater                                           47
        Die Widersprecherin                                           48

    Gotthold Ephraim Lessing
    geb. in Kamenz 22. Januar 1729, gest. in Braunschweig
    15. Februar 1781.
        Das Muster der Ehen                                           51
        Die drei Reiche der Natur                                     52
        Lob der Faulheit                                              53
        Niklas                                                        54

    Matthias Claudius
    geb. in Reinfeld in Holstein 15. August 1740, gest. in
    Hamburg 21. Januar 1815.
        Die Geschichte von Goliath und David                          54
        Rheinweinlied                                                 56

    Gottfried August Bürger
    geb. in Molmerswende 31. Dezember 1747, gest. in
    Göttingen 8. Juni 1794.
        Der Kaiser und der Abt                                        58

    Joh. Heinr. Voß
    geb. in Sommersdorf in Mecklenburg 20. Februar
    1751, gest. in Heidelberg 29. März 1826.
        Reigen                                                        65

    Johann Wolfgang von Goethe
    geb. in Frankfurt a. M. 28. August 1749, gest. in
    Weimar 22. März 1832.
        Amor als Landschaftsmaler                                     67
        Gewohnt, getan                                                70
        Gutmann und Gutweib                                           71
        Hochzeitlied                                                  73
        Offne Tafel                                                   76
        Ritter Kurts Brautfahrt                                       79
        Sendschreiben                                                 81
        Wirkung in die Ferne                                          83
        Schneider-Kourage                                             85

    Friedrich von Schiller
    geb. in Marbach 10. November 1759, gest. in Weimar
    9. Mai 1805.
        Pegasus im Joche                                              86

    Theodor Körner
    geb. in Dresden 23. September 1791, gefallen bei
    Gadebusch in Mecklenburg 26. August 1813.
        Der geplagte Bräutigam      90
        Des Feldpredigers Kriegstaten      93

    Ludwig Achim von Arnim
    geb. in Berlin 26. Januar 1781, gest. auf Gut Wiepersdorf
    b. Dahme 21. Januar 1831.
        Wandrer und Mädchen                                           94

    Joseph Freiherr von Eichendorff
    geb. in Lubowitz 10. März 1788, gest. in Neiße 26. November
    1857.
        In die Höh’!                                                  97
        Lustige Musikanten                                            99
        Ratskollegium                                                101

    Johann Peter Hebel
    geb. in Basel 10. Mai 1760, gest. in Schwetzingen
    22. September 1826.
        Der Schreinergesell                                          103
        Der Schwarzwälder im Breisgau                                104

    Ludwig Uhland
    geb. in Tübingen 26. April 1787, gest. ebenda 13. November
    1862.
        Metzelsuppenlied                                             105
        Unstern                                                      107
        Von den sieben Zechbrüdern                                   109
        Graf Eberstein                                               112

    Karl August Mayer
    geb. in Neckarbischofsheim 22. März 1786, gest. in
    Tübingen 25. Februar 1870.
        Spatz und Spätzin                                            114

    Adelbert von Chamisso
    geb. in Schloß Boncourt (Champagne) 30. Januar
    1781, gest. in Berlin 21. August 1838.
        Böser Markt                                                  115
        Der rechte Barbier                                           118

    August Kopisch
    geb. in Breslau 26. Mai 1799, gest. in Berlin 3. Februar
    1853.
        Blücher am Rhein                                             122
        Der große Krebs im Mohriner See                              123
        Maley und Malone                                             125

    Heinrich von Mühler
    geb. in Brieg in Schlesien 4. November 1813, gest.
    in Potsdam 2. April 1874.
        Grad’ aus dem Wirtshaus                                      127

    Der Krähwinkler Landsturm, Volksweise 1813,
    Verfasser unbekannt                                              128

    Schlendrian, Verfasser unbekannt                                 131

    Robert Reinick
    geb. in Danzig 22. Februar 1805, gest. in Dresden
    7. Februar 1852.
        Vom schlafenden Apfel                                        132

    Friedrich Rückert
    geb. in Schweinfurt 16. Mai 1788, gest. in Neuseß
    bei Koburg 31. Januar 1866.
        Das Männlein in der Gans                                     134

    Annette Freiin von Droste-Hülshoff
    geb. in Hülshoff bei Münster 10. Januar 1797, gest.
    in Meersburg am Bodensee 24. Mai 1848.
        Dichters Naturgefühl                                         136
        Die Stubenburschen                                           140

    Franz Freiherr von Gaudy
    geb. in Frankfurt a. O. 19. April 1800, gest. in Berlin
    5. Februar 1840.
        Führ’ uns nicht in Versuchung                                144

    Heinrich Heine
    geb. in Düsseldorf 13. Dezember 1797, gest. in Paris
    17. Februar 1856.
        Im Hafen                                                     146
        Mir träumt: ich bin der liebe Gott                           149
        Rhampsenit                                                   151
        Zwei Ritter                                                  155

    Friedrich von Sallet
    geb. in Neiße 20. April 1812, gest. in Reichau 21. Februar
    1843.
        Ziethen                                                      157

    Eduard Mörike
    geb. in Ludwigsburg 8. September 1804, gest. in
    Stuttgart 4. Juni 1875.
        Elfenlied                                                    159
        Lose Ware                                                    160
        Mausfallensprüchlein                                         162
        Pastoralerfahrung                                            162
        Scherz                                                       163
        An meinen Vetter                                             164
        Der Tambour                                                  166

    Alexander Graf von Schlippenbach
    lebte im 19. Jahrhundert, entstammt einer kurländischen
    Adelsfamilie.
        Ein Hauptkerl                                                167

    Wilibald Alexis (Pseudonym für Wilhelm Häring)
    geb. in Breslau 29. Juni 1798, gest. in Arnstadt
    16. Dezember 1871.
        Fridericus Rex                                               168

    Moritz Graf von Strachwitz
    geb. in Peterwitz bei Frankenstein 13. März 1822,
    gest. in Wien 11. Dezember 1847.
        Rolf Düring                                                  170

    Richard Wagner
    geb. in Leipzig 22. Mai 1813, gest. in Venedig 13. Februar
    1883.
        Hans Sachsens Schusterlied                                   173

    Gottfried Keller
    geb. in Zürich 19. Juli 1819, gest. in Hottingen
    16. Juli 1890.
        Berliner Pfingsten                                           175
        Der Narr des Grafen von Zimmern                              176
        Schütz im Stichfieber                                        178
        Waldfrevel                                                   182
        Wochenpredigt                                                185

    Conrad Ferdinand Meyer
    geb. in Zürich 12. Oktober 1825, gest. in Kilchberg
    bei Zürich 28. November 1898.
        Alte Schweizer                                               189
        Don Fadrique                                                 191

    Theodor Storm
    geb. in Husum 14. September 1817, gest. in Hademarschen
    4. Juli 1888.
        Von Katzen                                                   192
        Das Mädchen mit den hellen Augen                             194

    Klaus Groth
    geb. in Heide in Holstein 24. April 1819, gest. in
    Kiel 1. Juni 1899.
        Aanten int Water                                             195
        Matten Has’                                                  197
        Spatz                                                        198

    Fritz Reuter
    geb. in Stavenhagen in Mecklenburg 7. November
    1810, gest. in Eisenach 12. Juli 1874.
        Dat is’ e                                                    200
        De blinne Schausterjung                                      202
        Snider-Begnäugen                                             204

    John Brinckman
    geb. in Rostock 2. Juli 1814, gest. in Güstrow 20. September
    1870.
        Scholmeiste Boars                                            206

    Johann Meyer
    geb. in Wilster (Holstein) 5. Januar 1829, gest. in
    Kiel 16. Oktober 1902.
        Günd, achter de Blompütt                                     209

    Friedrich Theodor Vischer
    geb. in Ludwigsburg 30. Juni 1807, gest. in Gmunden
    14. September 1887.
        Ein Augenblick                                               210

    Johann Georg Fischer
    geb. in Groß-Süßen 25. Oktober 1816, gest. in Stuttgart
    6. Mai 1897.
        Balder Frühling                                              212
        Elysium                                                      214
        Mein und Dein                                                215

    Ludwig Eichrodt
    geb. in Durlach in Baden 2. Februar 1827, gest. in
    Lahr 2. Februar 1892.
        Nachschiller                                                 215

    Emanuel Geibel
    geb. in Lübeck 18. Okt. 1815, gest. ebenda 6. Apr. 1884.
        Krokodilromanze                                              216
        Lob der edeln Musika                                         217

    Joseph Viktor von Scheffel
    geb. in Karlsruhe 26. Februar 1826, gest. ebenda
    9. April 1886.
        Von des Turmes höchster Spitze                               219
        O die Menschen                                               220
        Die letzte Hose                                              221
        Das Megatherium                                              223
        Guano                                                        225
        Pumpus von Perusia                                           226
        Das wilde Heer                                               229
        Der Überfall                                                 232
        Die Fahndung                                                 234

    Paul Heyse
    geb. in Berlin 15. März 1830.
        Bittgang                                                     236

    Arthur Fitger
    geb. in Delmenhorst 4. Oktober 1840.
        Unfreiheit                                                   237

    Felix Dahn
    geb. in Hamburg 9. Februar 1834.
        Brigitte                                                     238
        Die Geschichte von der grauen Stute                          240

    Julius Wolff
    geb. in Quedlinburg 16. September 1834.
        Rothaarig ist mein Schätzelein                               251

    Rudolf Baumbach
    geb. in Kranichfeld an der Ilm 28. September 1840,
    gest. in Meiningen 21. September 1905.
        Lacrimae Christi                                             252
        Der Pfropfenzieher                                           253

    Franz von Kobell
    geb. in München 19. Juli 1803, gest. ebenda 11. November
    1882.
        ’s Gebet                                                     256

    Friedrich Stoltze
    geb. in Frankfurt a. M. 21. November 1816, gest.
    ebenda 28. März 1891.
        Canzone                                                      256
        Absagebrief                                                  257
        Wacht am Rhein                                               259

    Karl Stieler
    geb. in München 15. Dezember 1842, gest. ebenda
    12. April 1885.
        Die schöne Predi’                                            259
        Bei Wörth                                                    260
        A scharfer Zeug’n                                            260

    Ludwig Anzengruber
    geb. in Wien 29. November 1839, gest. ebenda 10. Dezember
    1889.
        Der Taubenkobel                                              261

    Peter Rosegger
    geb. in Alpl bei Krieglach 31. Juli 1843.
        Därf ih’s Dirndl liab’n?                                     263
        Just und expressi nit!                                       264

    Josef Willomitzer
    geb. in Bensen in Böhmen 17. April 1849, gest. in
    Prag 3. Oktober 1900.
        Seelenbündnis                                                265

    Richard von Volkmann (Richard Leander)
    geb. in Leipzig 17. August 1830, gest. in Halle 28. November
    1889.
        Der Bettler                                                  267

    Wilhelm Busch
    geb. in Wiedensahl (Hannover) 15. April 1832, gest.
    ebenda 9. Januar 1908.
        Ein gutes Tier                                               269
        Fing man vorzeiten einen Dieb                                270
        Selbstkritik                                                 272
        Er stellt sich vor sein Spiegelglas                          272
        Es wird mit Recht ein guter Braten                           273
        Durch das Feld ging die Familie                              274

    Theodor Fontane
    geb. in Neu-Ruppin 30. Dezember 1819, gest. in Berlin
    20. September 1898.
        Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland                    275
        Fritz Katzfuß                                                277

    Heinrich Seidel
    geb. in Perlin in Mecklenburg 25. Juni 1842, gest.
    in Groß-Lichterfelde 7. November 1906.
        Die Gaben                                                    280
        Wenn die Maiglöckchen blühn                                  282
        Bei Goldhähnchens                                            283

    Johannes Trojan
    geb. in Danzig 14. August 1837.
        Die achtundachtziger Weine                                   284
        Skat                                                         288
        Hasensalat                                                   289

    Victor Blüthgen
    geb. in Zörbig (Provinz Sachsen) 4. Januar 1844.
        Frisch vom Storch                                            290
        Strampelchen                                                 291

    Albert Roderich
    geb. in Groden 28. August 1846.
        Die Geschichte von der übermütigen Mohrenprinzessin          291

    Ferdinand Avenarius
    geb. in Berlin 20. Oktober 1856.
        Der Junge                                                    293

    Carl Spitteler
    geb. in Liestal 24. April 1845.
        Ein Bildchen                                                 294
        Das Brückengespenst                                          295

    Detlev Baron von Liliencron
    geb. in Kiel 3. Juni 1844.
        Bruder Liederlich                                            299
        Die Musik kommt                                              301
        Ich und die Rose warten                                      303
        Auf der Kasse                                                306
        Trin                                                         308
        Der Handkuß                                                  309
        Hans der Schwärmer                                           311
        Lebensjuchzer                                                312
        Betrunken                                                    312

    Cäsar Flaischlen
    geb. in Stuttgart 12. Mai 1864.
        Lumpenlied                                                   317

    Otto Julius Bierbaum
    geb. in Grünberg 28. Juni 1865.
        Gigerlette                                                   319
        Münchner Studentenlied                                       320

    Christian Morgenstern
    geb. in München 6. Mai 1871.
        Das Häslein                                                  322

    Otto Sommerstorff
    geb. in Krieglach 29. Mai 1859.
        Die arme kleine Idee                                         323

    Hugo Salus
    geb. in Böhmisch-Leipa 3. August 1866.
        Der Nebenbuhler                                              324

    Ludwig Jacobowski
    geb. in Strelno (Posen) 21. Januar 1868, gest. in
    Berlin 2. Dezember 1900.
        Fuchsenglück                                                 325
        Jüngster Frühling                                            325
        Sonntag Nachmittag                                           326

    Carl Busse
    geb. in Lindenstadt (Posen) 12. November 1872.
        Peter Lügenmaul spricht:                                     327

    Paula Dehmel
    geb. in Berlin 31. Dezember 1862.
        St. Niklas Auszug                                            329

    Anna Ritter
    geb. in Koburg 23. Februar 1865.
        Philisterglück                                               331
        Gekränkte Unschuld                                           332

    Lulu von Strauß und Torney
    geb. in Bückeburg 20. September 1873.
        Annesmeert                                                   333

    Carl Müller-Rastatt
    geb. in Rastatt 29. Juli 1861.
        Ein Kontertanz                                               334

    Dr. Owlglaß (Pseudonym für _Dr._ med. H. E.
    Blaich)
    geb. zu Leutkirch im Allgäu 19. Januar 1873.
        _Qui pro quo_                                                336

    Arno Holz
    geb. in Rastenburg 26. April 1863.
        Er bokulirt im Hirschen                                      337

    Frank Wedekind
    geb. in Hannover 24. Juli 1864.
        Die sieben Heller                                            340

    Gustav Falke
    geb. in Lübeck 11. Januar 1853.
        Wir zwei                                                     342
        Nachtwandler                                                 343
        Zwanzig Mark                                                 345
        Gute Nacht                                                   346
        De kloke Spitz                                               347
        Döntje                                                       348
        Die zierliche Geige                                          349
        Auf dem Maskenball                                           351



Alphabetisches Inhaltsverzeichnis


                                                                   Seite

    +Alexis+, Wilibald                                               168

    +Anzengruber+, Ludwig                                            261

    +Arnim+, Ludwig Achim von                                         94

    +Avenarius+, Ferdinand                                           293

    +Baumbach+, Rudolf                                               252

    +Bierbaum+, Otto Julius                                          319

    +Blüthgen+, Victor                                               290

    +Brinckman+, John                                                206

    +Bürger+, Gottfried August                                        58

    +Busch+, Wilhelm                                                 269

    +Busse+, Carl                                                    327

    +Chamisso+, Adelbert von                                         115

    +Claudius+, Matthias                                              54

    +Dahn+, Felix                                                    238

    +Dehmel+, Paula                                                  329

    +Droste-Hülshoff+, Annette von                                   136

    +Eichendorff+, Joseph von                                         97

    +Eichrodt+, Ludwig                                               215

    +Falke+, Gustav                                                  342

    +Fischer+, Johann Georg                                          212

    +Fitger+, Arthur                                                 237

    +Flaischlen+, Cäsar                                              317

    +Fleming+, Paul                                                   43

    +Fontane+, Theodor                                               275

    +Gaudy+, Franz von                                               144

    +Geibel+, Emanuel                                                216

    +Gellert+, Christian Fürchtegott                                  44

    +Goethe+, Johann Wolfgang von                                     67

    +Groth+, Klaus                                                   195

    +Hebel+, Johann Peter                                            103

    +Heine+, Heinrich                                                146

    +Heyse+, Paul                                                    236

    +Holz+, Arno                                                     337

    +Jacobowski+, Ludwig                                             325

    +Keller+, Gottfried                                              175

    +Kobell+, Franz von                                              256

    +Körner+, Theodor                                                 90

    +Kopisch+, August                                                122

    +Lessing+, Gotthold Ephraim                                       51

    +Liliencron+, Detlev Baron von                                   299

    +Mayer+, Karl August                                             114

    +Meyer+, Conrad Ferdinand                                        189

    +Meyer+, Johann                                                  209

    +Mörike+, Eduard                                                 159

    +Morgenstern+, Christian                                         322

    +Mühler+, Heinrich von                                           127

    +Müller-Rastatt+, Carl                                           334

    +Owlglaß+, _Dr._                                                 336

    +Reinick+, Robert                                                132

    +Reuter+, Fritz                                                  200

    +Ritter+, Anna                                                   331

    +Roderich+, Albert                                               291

    +Rosegger+, Peter                                                263

    +Rückert+, Friedrich                                             134

    +Sachs+, Hans                                                     39

    +Sallet+, Friedrich von                                          157

    +Salus+, Hugo                                                    324

    +Scheffel+, Joseph Viktor von                                    219

    +Schiller+, Friedrich von                                         86

    +Schlippenbach+, Alexander von                                   167

    +Seidel+, Heinrich                                               280

    +Sommerstorff+, Otto                                             323

    +Spitteler+, Carl                                                294

    +Stieler+, Karl                                                  259

    +Stoltze+, Friedrich                                             256

    +Storm+, Theodor                                                 192

    +Strachwitz+, Moritz Graf von                                    170

    +Strauß und Torney+, Lulu von                                    333

    +Trojan+, Johannes                                               284

    +Uhland+, Ludwig                                                 105

    +Vischer+, Friedrich Theodor                                     210

    +Volkmann-Leander+, Richard von                                  267

    +Voß+, Johann Heinrich                                            65

    +Wagner+, Richard                                                173

    +Wedekind+, Frank                                                340

    +Willomitzer+, Josef                                             265

    +Wolff+, Julius                                                  251

    Schlendrian (unbekannter Verfasser)                              131

    Der Krähwinkler Landsturm (unbekannter Verfasser)                128

    Volkslied: Der Tod von Basel                                      37

    Aus „Des Knaben Wunderhorn“                                       25



Einleitung.


Es könnte wohl als selbstverständlich scheinen und ist doch wohl nicht
ganz unnötig, hier einleitend zu betonen, daß ein Band humoristische
Gedichte, von der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung herausgegeben,
seinen besonderen Charakter haben wird, daß manch einer nach dem Titel
vielleicht ein anderes Buch vermuten wird, als er es hernach findet. Es
wird sich hier nicht lediglich um eine Sammlung von spaßigen Schnurren
handeln können, mögen auch solche Schnurren in guter Zahl darin
vertreten sein. Die da Aufnahme gefunden haben, haben sich indes auch
immer ausweisen müssen, daß sie mehr bieten konnten als eine Anekdote,
bei der der Spaß, die Pointe am Schluß das allein Wertvolle, weswegen
es sich verlohnte, die Geschichte überhaupt anzuhören. Hier soll die
Schnurre schon schnurrig sein +vor+ dem Schluß, der Humor soll bereits
in der ganzen Behandlung des Stoffs, ja gar schon in der äußern Form
des Gedichts liegen.

Doch ist nun mit solchen Schnurren das Reich des Humors keineswegs
zu Ende, sondern es erstreckt sich viel, viel weiter. Wo immer der
Widerstreit zwischen Idee und Wirklichkeit zutage tritt, da hat er auch
sein Banner mit der „lachenden Träne“ aufgepflanzt. Grenzstreitigkeiten
können sich allerdings jeweilig ergeben mit der benachbarten Satire.
Auch für diese Sammlung bestand die Aufgabe, nach dieser Seite hin
die richtige Grenze zu ziehen. Sie dürfte wohl im großen und ganzen
getroffen sein, wo nach dem Grundsatz verfahren ward, Gedichte von
tendenziösem und didaktischem Charakter beiseite zu lassen. Bei dem
Satiriker herrscht das ethische Moment vor, er zeigt den Abstand von
Idee und Wirklichkeit, „die Menschen zu bessern und zu bekehren“, er
will reizen und anstacheln; und auch, wo er alle Hoffnung fahren läßt,
nach der Seite der Tat hin etwas zu erreichen, da noch mit bitterm
Spott und Hohn klagt er und klagt er an, wie die ideale Forderung
so schlecht gedeckt wird. Der Humor aber bleibt im Gebiet des rein
Ästhetischen, er nimmt den Gegensatz zwischen Idee und Wirklichkeit,
ob auch jeweilig mit wehmütiger Resignation, als unabänderlich gegeben
hin. Dieser Kontrast zwischen der Idee und ihrer Erscheinungsform
reizt ihn rein als künstlerisches Motiv, und wie er resigniert sich
bescheidet, erwächst ihm aus seinem Bescheiden ein tiefer, frommer
Optimismus, eine bejahende Freude, daß doch noch in allem Niedrigen
und Widrigen der Welt, durch alle Krümmungen und Verzerrungen hindurch
die Herrlichkeit der Idee sich offenbart. Und wo er auch ihres Glanzes
nur einen matten Schimmer und ein flüchtiges Aufleuchten gewahrt, ist
er darob gleich bereit, dem ganzen peinlichen Erdenrest zu vergeben.
Wenn solcher Art sein Spott keine Gebrechen und Schwächen verschont,
so wirkt der Humor doch bei alledem mild und versöhnend, er weiß zu
verstehen und zu verzeihen und läßt keinen Stachel zurück. So gleicht
er jener heiligen Lanze, die die Wunden, die sie geschlagen, auch
selbst wieder zu heilen vermochte.

Wo irgendwie in dieser Sammlung jedennoch das Element des Didaktischen,
Tendenziösen, Satirischen sich geltend macht, da wird es nur als ein
sekundäres Element erscheinen gegenüber dem vorherrschenden des reinen
Humors, der jenes unterworfen und bewältigt hat. Natürlich konnte das
Didaktische in dem Falle ohne weiteres seinen Platz beanspruchen, wo
die Didaktik darauf hinausläuft, den Humor als Weltanschauung zu lehren
und zu feiern. Doch wird auch wohl bei manchen Fabeln und Schnurren,
wie sie hier aufgenommen, schließlich noch irgendeine Weisheit mit
behaglich überlegenem Schmunzeln zugegeben; der Dichter drapiert sich
als Weiser, der, nur diese Weisheit zu beweisen, die Geschichte erzählt
hat, doch der Schalk guckt ihm dabei über die Schulter. Und in dem
Schillerschen Poem vom „Pegasus im Joche“ -- dem einzigen Gedichte
unseres großen Meisters, das für diese Sammlung sich eignete, einem
Gedichte, das recht als ein Grenzstein sich eignet, bis wohin deren
Gebiet abgesteckt werden konnte -- wird alles bittere Satirische
schließlich überflutet und überstrahlt von der Sonne des reinen
Humors; wie am Ende der Hippogryph sieghaft emporsteigt und seinen
Flug nach oben nimmt in reinere Lüfte, weit über alle Erdenschwere und
Misere hinweg, so schwingen auch wir uns empor, alle Tendenz und die
ernste Schwere des Gedankens dahinter lassend, in die Höhe der reinen
Imagination, in jene heitern Regionen, wo die reinen Formen wohnen.

Innerhalb der so gegebenen Grenze erscheint nun hier der Humor
nach all seinen mannigfachen Ausstrahlungen und Spielarten. Die da
zusammengetreten sind, um für dieses Buch zu sammeln und zu sichten[1],
sind sorglich bedacht und bemüht gewesen, daß keine der Varianten zu
kurz kommen möge. So findet sich denn hier der trockene und der feuchte
Humor, der wein- wie der tränenfeuchte, der zierliche und der derbe
und biderbe, der leise und der überschäumende, der innige und der
unsinnige, neben der behaglichen Schnurre steht der kaustische Witz,
neben dem leicht graziösen Scherz jener erhabene tiefste Humor, der
alles liebt und alles segnet; auch fehlen nicht jene Schöpfungen einer
ungebundenen phantastischen Laune, jene Capriccios und Grotesken,
wie die vor allem sie schätzen, denen gegeben ward, Welt und Dasein
ironisch zu nehmen und „des Lebens Unverstand mit Wehmut zu genießen“.

Hinsichtlich der Reihenfolge der Gedichte ist als das beste befunden
worden, im allgemeinen chronologisch zu verfahren, ohne indes in jedem
einzelnen Fall sich mit ängstlicher Genauigkeit an dies Verfahren zu
binden, wenn nach dem Charakter des Dichters oder des Gedichts eine
Abweichung davon geschmackvoller und daher gebotener erschien.

Und so ist reiche Auswahl geboten; jeder, der irgendwie Sinn für echten
Humor besitzt, wird finden, was ihm mundet. Sollten indes etwa etliche
zarte Seelchen aufstehen und klagen und maulen, daß einige Stücke
ihnen nicht munden wollen, weil der Humor darin zu keck und saftig und
gewürzt sei, als daß ihre empfindlichen Mägen dies vertragen könnten --
ja -- wie heißt es noch in Shakespeares köstlicher Komödie? -- „Meint
ihr, weil ihr tugendhaft seid, sollte es in der Welt keine Torten und
keinen Wein mehr geben? -- Das soll’s, bei Sankt Kathrinen! und der
Ingwer soll euch noch im Munde brennen.“

  +Hamburg+, Oktober 1908.      +William Meyer.+



Vom Wasser und vom Wein.

Aus „Des Knaben Wunderhorn“.

Mündlich.

    Ich weiß mir ein Liedlein hübsch und fein,
  wohl von dem Wasser, wohl von dem Wein,
  der Wein kann ’s Wasser nit leiden,
  sie wollen wohl alleweg streiten.

    Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
  man führt mich in alle die Länder hinein,
  man führt mich vors Wirt sein Keller
  und trinkt mich für Muskateller.

    Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
  ich laufe in alle die Länder hinein,
  ich laufe dem Müller ums Hause,
  und treibe das Rädlein mit Brause.

    Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
  man schenkt mich in Gläser und Becherlein,
  und trinkt mich für süß und für sauer,
  der Herr als gleich wie der Bauer.

    Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
  man trägt mich in die Küche hinein,
  man braucht mich die ganze Wochen
  zum Waschen, zum Backen, zum Kochen.

    Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
  man trägt mich in die Schlacht hinein,
  zu Königen und auch Fürsten,
  daß sie nicht mögen verdürsten.

    Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
  man braucht mich in den Badstüblein,
  darin manch schöne Jungfraue
  sich badet kühl und auch laue.

    Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
  Bürgermeister und Rat insgemein
  den Hut vor mir abnehmen
  im Ratskeller zu Bremen.

    Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
  man gießt mich in die Flamm hinein,
  mit Spritz und Eimer man rennet,
  daß Schloß und Haus nicht verbrennet.

    Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
  man schenkt mich den Doktoren ein,
  wenns Lichtlein nit will leuchten,
  gehn sie bei mir zur Beichte.

    Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
  zu Nürnberg auf dem Kunstbrünnlein,
  spring ich mit feinen Listen
  den Meerweiblein aus den Brüsten.

    Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
  ich spring aus Marmorbrünnelein,
  wenn sie den Kaiser krönen,
  zu Frankfurt wohl auf dem Römer.

    Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
  es gehn die Schiffe groß und klein,
  Sonn’, Mond auf meiner Straßen,
  die Erd’ tu ich umfassen.

    Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
  man trägt mich in die Kirch’ hinein,
  braucht mich zum heiligen Sakramente,
  dem Menschen vor seinem Ende.

    Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
  man trägt mich in die Kirch’ hinein,
  braucht mich zur heiligen Taufen,
  darf mich ums Geld nicht kaufen.

    Da sprach der Wein: Bin ich so fein,
  man pflanzt mich in die Gärten hinein,
  da laß ich mich hacken und hauen,
  von Männern und schönen Jungfrauen.

    Da sprach das Wasser: Bin ich so fein,
  ich laufe dir über die Wurzel hinein,
  wär’ ich nicht an dich geronnen,
  du hättst nicht können kommen.

    Da sprach der Wein: Und du hast recht,
  du bist der Meister, ich bin der Knecht,
  das Recht will ich dir lassen,
  geh du nur deiner Straßen.

    Das Wasser sprach noch: Hättst du mich nicht erkannt,
  du wärst sogleich an der Sonn’ verbrannt! --
  Sie wollten noch länger da streiten, --
  da mischte der Gastwirt die beiden.



Des Antonius von Padua Fischpredigt.

Aus „Des Knaben Wunderhorn“.

Nach Abraham a St. Clara. Judas der Erzschelm.

    Antonius zur Predigt
  die Kirche findt ledig,
  er geht zu den Flüssen
  und predigt den Fischen;
    sie schlag’n mit den Schwänzen,
    im Sonnenschein glänzen.

    Die Karpfen mit Rogen
  sind all hierher zogen,
  haben d’ Mäuler aufrissen,
  sich Zuhörens beflissen:
    kein Predig niemalen
    den Karpfen so g’fallen.

    Spitzgoschete Hechte,
  die immerzu fechten,
  sind eilend herschwommen
  zu hören den Frommen:
    kein Predig niemalen
    den Hechten so g’fallen.

    Auch jene Phantasten,
  so immer beim Fasten,
  die Stockfisch ich meine,
  zur Predigt erscheinen.
    Kein Predig niemalen
    den Stockfisch so g’fallen.

    Gut Aalen und Hausen,
  die Vornehme schmausen,
  die selber sich bequemen,
  die Predigt vernehmen:
    kein Predig niemalen
    den Aalen so g’fallen.

    Auch Krebsen, Schildkroten,
  sonst langsame Boten,
  steigen eilend vom Grund,
  zu hören diesen Mund:
    kein Predig niemalen
    den Krebsen so g’fallen.
     Fisch große, Fisch kleine,
  vornehm und gemeine,
  erheben die Köpfe
  wie verständge Geschöpfe:
    auf Gottes Begehren
    Antonium anhören.

    Die Predigt geendet,
  ein jedes sich wendet,
  die Hechte bleiben Diebe,
  die Aale viel lieben.
    Die Predig hat g’fallen,
    sie bleiben wie alle.

    Die Krebs gehn zurücke,
  die Stockfisch bleiben dicke,
  die Karpfen viel fressen,
  die Predigt vergessen.
    Die Predig hat g’fallen,
    sie bleiben wie alle.



Lied beim Heuen.

Aus „Des Knaben Wunderhorn“.

    Es hatte ein Bauer ein schönes Weib,
  die blieb so gerne zu Haus.
  Sie bat oft ihren lieben Mann,
  er sollte doch fahren hinaus,
  er sollte doch fahren ins Heu,
  er sollte doch fahren ins
  ha, ha, ha, ha, ha, ha, Heildidei,
  juchheisasa,
  er sollte doch fahren ins Heu.

    Der Mann, der dachte in seinem Sinn:
  die Reden, die sind gut!
  Ich will mich hinter die Haustür stell’n,
  will sehn, was meine Frau tut,
  will sagen ich fahre ins Heu,
  will sagen ich fahre ins
  ha, ha, ha, ha, ha, ha, Heildidei,
  juchheisasa,
  will sagen ich fahre ins Heu.

    Da kommt geschlichen ein Reitersknecht
  zum jungen Weib hinein,
  und sie umfanget gar freundlich ihn,
  gab stracks ihren Willen darein,
  mein Mann ist gefahren ins Heu,
  mein Mann ist gefahren ins
  ha, ha, ha, ha, ha, ha, Heildidei,
  juchheisasa,
  mein Mann ist gefahren ins Heu.

    Er faßte sie um ihr Gürtelband
  und schwang sich wohl hin und her,
  der Mann, der hinter der Haustür stand,
  ganz zornig da trat herfür:
  Ich bin noch nicht fahren ins Heu,
  ich bin noch nicht fahren ins
  ha, ha, ha, ha, ha, ha, Heildidei,
  juchheisasa,
  ich bin noch nicht fahren ins Heu.

    Ach trauter, herzallerliebster Mann,
  vergib mir nur diesen Fehl,
  will lieben fürbas und herzen dich,
  will kochen süß Muß und Mehl;
  ich dachte, du wärest ins Heu,
  ich dachte du wärest ins
  ha, ha, ha, ha, ha, ha, Heildidei,
  juchheisasa,
  ich dachte du wärest ins Heu.

    Und wenn ich gleich gefahren wär’
  ins Heu und Haberstroh,
  so sollst du nun und nimmermehr
  einen andern lieben also,
  der Teufel mag fahren ins Heu,
  der Teufel mag fahren ins
  ha, ha, ha, ha, ha, ha, Heildidei,
  juchheisasa,
  der Teufel mag fahren ins Heu.

    Und wer euch dies neue Liedlein pfiff,
  der muß es singen gar oft,
  es war der junge Reitersknecht,
  er liegt auf Grasung im Hof,
  er fuhr auch manchmal ins Heu,
  er fuhr auch manchmal ins
  ha, ha, ha, ha, ha, ha, Heildidei,
  juchheisasa,
  er fuhr auch manchmal ins Heu.



Romanze von den Schneidern.

Aus „Des Knaben Wunderhorn“.

    Es sind einmal drei Schneider gewesen, o je, o je, o je,
  es sind einmal drei Schneider gewesen, o je, o je, o je,
  sie haben einen Schnecken für einen Bären angesehen, o je, o je, o je!

    Sie waren dessen so voller Sorgen, o je, o je, o je,
  sie haben sich hinter ein’ Zau verborgen, o je, o je, o je,
  der erste sprach: Geh du voran, o je, o je, o je,
  der andre sprach: Ich trau mich nicht vor, o je, o je, o je.

    Der dritte, der war wohl auch dabei, o je, o je, o je,
  er sprach: Der frißt uns alle drei, o je, o je, o je,
  und als sie sind zusammen kommen, o je, o je, o je,
  so haben sie das Gewehr genommen, o je, o je, o je.

    Und da sie kommen zu dem Streit, o je, o je, o je,
  da macht ein jeder Reu und Leid, o je, o je, o je,
  und da sie auf ihn wollten hin, o je, o je, o je,
  da ging es ihnen durch den Sinn: o je, o je, o je.

    „Heraus mit dir du Teufelsvieh, o je, o je, o je,
  wann du willst haben einen Stich,“ o je, o je, o je.
  Der Schneck, der steckt die Ohren heraus, o je, o je, o je,
  die Schneider zittern, es ist ein Graus, o je, o je, o je.

    Und da der Schneck das Haus bewegt, o je, o je, o je,
  so haben die Schneider das Gewehr abgelegt, o je, o je, o je,
  der Schneck der kroch zum Haus heraus, o je, o je, o je,
  er jagt die Schneider beim Plunder hinaus, o je, o je, o je.



Aussicht in die Ewigkeit.

Aus „Des Knaben Wunderhorn“.

Fliegendes Blatt.

    O wie geht’s im Himmel zu
  und im ewigen Leben,
  alles kann man haben g’nug,
  darf kein Geld ausgeben,
  alles darf man borgen,
  nicht fürs Zahlen sorgen;
  wenn ich einmal drinnen wär,
  wollt nicht mehr heraus begehr.

    Fällt im Himmel Fasttag ein,
  speisen wir Forellen,
  Peter geht in’ Keller nein,
  tut den Wein bestellen;
  David spielt die Harfen,
  Ulrich bratet Karpfen,
  Margaret backt Küchlein g’nug,
  Paulus schenkt den Wein in’ Krug.

    Lorenz hinter der Küchentür,
  tut sich auch bewegen,
  tritt mit seinem Rost herfür,
  tut Leberwürst drauf legen,
  Dorthe und Sabina,
  Liesbeth und Kathrina,
  alle um den Herd rum stehn,
  nach den Speisen sie auch sehn.

    Jetzt wollen wir zu Tische gehn,
  die beste Speis’ zu essen,
  die Engel um den Tisch rum stehn,
  schenken Wein in d’ Gläser.
  Sie tun uns invitieren,
  der Barthel muß transchieren,
  Joseph legt das Essen vor,
  Cäcilia b’stellt ein Musikchor.

    Martin auf dem Schimmel reit,
  tut fein gallopieren,
  Blasi hält die Schmier bereit,
  tut die Kutschen schmieren,
  wären wir ja Narren,
  wenn wir nicht täten fahren,
  und täten alleweil zu Fuße gehn,
  und ließen Roß und Kutsche stehn.

    Nun adje, du falsche Welt,
  du tust mich verdrießen,
  im Himmel mir es besser g’fällt,
  wo alle Freuden fließen.
  Alles ist verfänglich,
  und alles ist vergänglich,
  wenn ich einmal den Himmel hab’,
  hust’ ich auf die Welt herab.



Der Tod von Basel.

Volkslied.

    Als ich ein Junggeselle war,
  nahm ich ein steinalt Weib;
  ich hatt’ sie kaum drei Tage,
  Ti Ta Tage,
  da hat’s mich schon gereut.

    Da ging ich auf den Kirchhof hin
  und bat den lieben Tod:
  „Ach lieber Tod von Basel,
  Bi Ba Basel,
  hol’ mir mein’ Alte fort!“

    Und als ich wieder nach Hause kam,
  mein’ Alte war schon tot;
  ich spannt’ die Roß’ an’n Wagen,
  Wi Wa Wagen,
  und fuhr mein’ Alte fort.

    Und als ich auf den Kirchhof kam,
  das Grab war schon gemacht:
  „Ihr Träger tragt fein sachte,
  si sa sachte,
  daß d’ Alte nit erwacht!

    „Scharrt zu, scharrt zu, scharrt immerzu
  das alte böse Weib!
  sie hat ihr Lebetage,
  Ti Ta Tage,
  geplagt mein’n jungen Leib.“

    Und als ich wieder nach Hause kam,
  all’ Winkel war’n mir zu weit;
  ich wart’te kaum drei Tage,
  Ti Ta Tage,
  und nahm ein junges Weib.

    Das junge Weibel, das ich nahm,
  das schlug mich alle Tag’;
  „Ach! lieber Tod von Basel,
  Bi Ba Basel,
  hätt’ ich mein’ Alte noch!“



Der waltbruder mit dem esel, der argen welt tut niemant recht

von

Hans Sachs.

    Vor jaren wont in einem walt
  ein waltbruder, an jaren alt,
  der sich der wurzeln neren tet;
  derselb ein jungen sune het,
  in dem alter bei zweinzig jarn,
  der war einfeltig, unerfarn,
  der fragt den alten: sag doch mir,
  sint in dem walt gewachsen wir?
  wan er nie menschen het gesehen.
  der alt tet zu dem jungen gehen:
  mein sun, da du noch warest klein,
  hab ich dich geflehet[2] herein
  aus der arglisting, bösen welt,
  das sie uns nit schmech, spott und schelt,
  weil ir gar niemant recht kan tan,
  sie schlag im doch ein blechlein an[3].
  still schwig der sun, doch tag und nacht
  des vatters red stets nachgedacht,
  was doch die welt nur möcht gesein[4].
  zu letzt da wolt er ie darein,
  legt an den vatter große bit,
  der es doch lang zeit widerriet;
  zu letzt er überredet wart
  und macht sich mit im auf die fart,
  und fürten iren esel mit
  ledig, ir keiner darauf rit.
  im walt bekam[5] in ein kriegsman,
  der sprach: wie laßt ir ledig gan
  den faulen esel hie allein?
  Ir dunkt mich nit fast witzig sein,
  das euer keiner darauf reit.
  als sie nun von im kamen weit,
  der vatter sprach: mein sun, sich zu,
  wie uns die welt empfangen tu.
  der sun sprach: laß mich darauf reiten.
  das gschach, da kam zu in von weiten
  ein altes weib neben die ecker,
  die sprach: secht zu dem jungen lecker,
  der reit, und der alt schwache man
  muß hindennach zu füßen gan!
  sun, sprach der alt, glaubst du nun mir,
  was von der welt ich saget dir?
  er sprach: laß uns versuchen baß.
  der jung balt von dem esel saß,
  und saß der alt balt auf für[6] in,
  reit also fuß für fuß dahin.
  in dem begegnet in ein bauer,
  der redt sie an mit worten sauer:
  secht an den alten groben lappen,
  leßt den jungen im kot her sappen[7],
  dem nöter wer zu reiten dan im.
  der alte sprach: mein sun, vernim,
  das man der welt nit recht mag tun.
  der sun sprach: vatter, laß mich nun
  aufsitzen, das wir reiten bed,
  schau, ob die welt dahzu auch red.
  aufsaß er und ritten dahin;
  da kam ein bettelman zu in,
  tet an einr wegscheid auf sie harrn
  und sprach: secht an die großen narrn,
  wöllen den esel gar erdrücken!
  der vatter sprach: in allen stücken
  tut uns die welt mit hönwort schmitzen[8].
  der sun sprach: laß uns beid absitzen,
  so wöllen wir den esel tragen,
  was nun die welt darzu wil sagen.
  absaßen sie, den esel trugen
  und mit im übers felt hinzugen,
  das von in beiden ran der schweis.
  ein edelman kam zu der reis,
  tet sie all beid mit worten straffen:
  wann her[9], wannen her, ir schlauraffen,
  das ir das hinder kert herfür[10]?
  der vatter sprach: mein sun, hie spür,
  das an der welt ist gar verlorn[11].
  da sprach der sun in großem zorn:
  den esel wöllen wir erschlagen,
  denn hat die welt nit mehr zu klagen.
  den esel schlugen sie zu haufen;
  da kam ein jäger zugelaufen,
  der schrei: o ihr großen fantasten,
  des esels gneußet ir am basten
  lebend, tot ist er euch kein nütz.
  zuhant der junge wart urdrütz[12]
  der welt, die in mit spot und straf
  so gar an allen orten traf,
  sprach: hat die welt auf einen tag
  über uns balt so vil der klag,
  solt wir denn all tag darin bleiben,
  was wunders würt sie mit uns treiben!
  und keret mit dem alten dar
  in walt, daraus er kommen war.



Kußlied

von

Paul Fleming.

Erneuert.

    Nirgends hin als auf den Mund:
  da sinkt’s in des Herzens Grund;
  nicht zu frei, nicht zu gezwungen,
  nicht mit allzu trägen Zungen.

    Nicht zu wenig, nicht zu viel:
  beides wird sonst Kinderspiel.
  Nicht zu laut und nicht zu leise:
  nur im Maß ist rechte Weise.

    Nicht zu hart und nicht zu weich,
  bald zugleich, bald nicht zugleich.
  Nicht zu langsam, nicht zu schnelle,
  nicht stets auf die gleiche Stelle.

    Halb gebissen, halb gehaucht,
  halb die Lippen eingetaucht,
  nicht ohn’ Unterschied der Zeiten,
  mehr allein denn vor den Leuten.

    Küsse nun ein jedermann,
  wie er weiß, will, soll und kann!
  Ich nur und die Liebste wissen,
  wie wir uns recht sollen küssen.



Das Gespenst

von

Christian Fürchtegott Gellert.

    Ein Hauswirt, wie man mir erzählt,
  ward lange Zeit durch ein Gespenst gequält.
  Er ließ, des Geist’s sich zu erwehren,
  sich heimlich das Verbannen lehren;
  doch kraftlos blieb der Zauberspruch.
  Der Geist entsetzte sich vor keinen Charakteren
  und gab, in einem weißen Tuch,
  ihm alle Nächte den Besuch.

    Ein Dichter zog in dieses Haus.
  Der Wirt, der bei der Nacht nicht gern allein gewesen,
  bat sich des Dichters Zuspruch aus,
  und ließ sich seine Verse lesen.
  Der Dichter las ein frostig Trauerspiel,
  das, wo nicht seinem Wirt, doch ihm sehr wohl gefiel.

    Der Geist, den nur der Wirt, doch nicht der Dichter sah,
  erschien und hörte zu; es fing ihn an zu schauern;
  er konnt es länger nicht, als einen Auftritt, dauern;
  denn eh der andre kam, so war er nicht mehr da.

    Der Wirt, von Hoffnung eingenommen,
  ließ gleich die andre Nacht den Dichter wiederkommen.
  Der Dichter las; der Geist erschien;
  doch ohne lange zu verziehn.
  „Gut!“ sprach der Wirt bei sich, „dich will ich bald verjagen;
  kannst du die Verse nicht vertragen?“

    Die dritte Nacht blieb unser Wirt allein,
  sobald es zwölfe schlug, ließ das Gespenst sich blicken;
  „Johann!“ fing drauf der Wirt gewaltig an zu schrein,
  „der Dichter (lauft geschwind!) soll von der Güte sein,
  und mir sein Trauerspiel auf eine Stunde schicken.“
  Der Geist erschrak, und winkte mit der Hand,
  der Diener sollte ja nicht gehen.
  Und kurz, der weiße Geist verschwand,
  und ließ sich niemals wieder sehen.

    Ein jeder, der dies Wunder liest,
  zieht sich daraus die gute Lehre,
  daß kein Gedicht so elend ist,
  das nicht zu etwas nützlich wäre.
  Und wenn sich ein Gespenst vor schlechten Versen scheut,
  so kann uns dies zum großen Troste dienen.
  Gesetzt, daß sie zu unsrer Zeit
  auch legionenweis erschienen:
  so wird, um sich von allen zu befrein,
  an Versen doch kein Mangel sein.



Der gute Rat

von

Christian Fürchtegott Gellert.

    Ein junger Mensch, der sich vermählen wollte
  und dem man manchen Vorschlag tat,
  bat einen Greis um einen guten Rat,
  was für ein Weib er nehmen sollte?
  „Freund,“ sprach der Greis, „das weiß ich nicht.
  So gut man wählt, kann man sich doch betrügen.
  Sucht ihr ein Weib bloß zum Vergnügen,
  so wählet euch ein schön Gesicht;
  doch liegt euch mehr an Renten und am Staate
  als am verliebten Zeitvertreib:
  so dien ich euch mit einem andern Rate,
  bemüht euch um ein reiches Weib;
  doch strebt ihr durch die Frau nach einem hohen Range,
  nun, so vergeßt, daß bessre Mädchen sind,
  wählt eines großen Mannes Kind,
  und untersucht die Wahl nicht lange;
  doch wollt ihr mehr für eure Seele wählen
  als für die Sinne und den Leib:
  so wagt’s, um euch nach Wunsche zu vermählen,
  und wählt euch ein gelehrtes Weib.“
  Hier schwieg der Alte lachend still.
  „Ach,“ sprach der junge Mensch, „das will ich ja nicht wissen,
  ich frage, welches Weib ich werde wählen müssen,
  wenn ich zufrieden leben will?
  Und wenn ich, ohne mich zu grämen -- -- --“
  „O,“ fiel der Greis ihm ein, „da müßt ihr keine nehmen.“



Der sterbende Vater

von

Christian Fürchtegott Gellert.

    Ein Vater hinterließ zween Erben,
  Christophen, der war klug, und Görgen, der war dumm.
  Sein Ende kam, und kurz vor seinem Sterben
  sah er sich ganz betrübt nach seinem Christoph um.
  „Sohn,“ fing er an, „mich quält ein trauriger Gedanke,
  du hast Verstand, wie wird dir’s künftig gehn?
  Hör’ an, ich hab’ in meinem Schranke
  ein Kästchen mit Juwelen stehn,
  die sollen dein. Nimm sie, mein Sohn,
  und gib dem Bruder nichts davon.“

    Der Sohn erschrak und stutzte lange.
  „Ach Vater,“ hub er an, „wenn ich so viel empfange,
  wie kommt alsdann mein Bruder fort?“
  „Er?“ fiel der Vater ihm ins Wort,
  „für Görgen ist mir gar nicht bange,
  der kommt gewiß durch seine Dummheit fort.“



Die Widersprecherin

von

Christian Fürchtegott Gellert.

    Ismene hatte noch, bei vielen andern Gaben,
  auch diese, daß sie widersprach.
  Man sagt es überhaupt den guten Weibern nach,
  daß alle diese Tugend haben;
  doch, wenn’s auch tausendmal der ganze Weltkreis spricht:
  so halt ich’s doch für ein Gedicht,
  und sag es öffentlich: Ich glaub es ewig nicht.
  Ich bin ja auch mit mancher Frau bekannt,
  ich hab es oft versucht, und manche schön genannt,
  so häßlich sie auch war, bloß, weil ich haben wollte,
  daß sie mir widersprechen sollte;
  allein sie widersprach mir nicht.
  Und also ist es falsch, daß jede widerspricht.
  So kränkt man euch, ihr guten Schönen! --
  Jetzt komm ich wieder zu Ismenen.
  Ismenen sagte man’s nicht aus Verleumdung nach,
  es war gewiß, sie widersprach.
  Einst saß sie mit dem Mann bei Tische;
  sie aßen unter anderm Fische,
  mich deucht, es war ein grüner Hecht.
  „Mein Engel,“ sprach der Mann, „mein Engel, ist mir recht,
  so ist der Fisch nicht gar zu blau gesotten.“
  „Das,“ rief sie, „hab ich wohl gedacht,
  so gut man auch die Anstalt macht:
  so finden Sie doch Grund, der armen Frau zu spotten.
  Ich sag es Ihnen kurz, der Hecht ist gar zu blau.“
  „Gut,“ sprach er, „meine liebe Frau,
  wir wollen nicht darüber streiten,
  was hat die Sache zu bedeuten?“

    So wie dem welschen Hahn, dem man was Rotes zeigt,
  der Zorn den Augenblick in Nas’ und Lefzen steigt,
  sie rot und blau durchströmt, lang auseinander treibet,
  in beiden Augen blitzt, sich in den Flügeln sträubet,
  in alle Federn dringt, und sie gen Himmel kehrt,
  und zitternd, mit Geschrei und Poltern, aus ihm fährt:
  so schießt Ismenen auch, da dies ihr Liebster spricht,
  das Blut den Augenblick in ihr sonst blaß Gesicht;
  die Adern liefen auf, die Augen wurden enger,
  die Lippen dick und blau, und Kinn und Nase länger;
  ihr Haar bewegte sich, stieg voller Zorn empor,
  und stieß, indem es stieg, das Nachtzeug von dem Ohr.
  Drauf fing sie zitternd an: „Ich, Mann! ich, deine Frau,
  ich sag es noch einmal, der Hecht war gar zu blau.“
  Sie nimmt das Glas und trinkt. O! laßt sie doch nicht trinken!
  Ihr Liebster geht und sagt kein Wort;
  kaum aber ist ihr Liebster fort,
  so sieht man sie in Ohnmacht sinken.
  Wie konnt es anders sein? Gleich auf den Zorn zu trinken!
  Ein plötzliches Geschrei bewegt das ganze Haus;
  man bricht der Frau die Daumen aus;
  man streicht sie kräftig an, kein Balsam will sie stärken.
  Man reibt ihr Schläf’ und Puls; kein Leben ist zu merken.
  Man nimmt versengtes Haar und hält’s ihr vors Gesicht.
  Umsonst! Umsonst! Sie riecht es nicht!
  Nichts kann den Geist ihr wiedergeben.
  Man ruft den Mann, er kommt und schreit:
  „Du stirbst, mein Leben!
  Du stirbst? Ich armer Mann! Ach, meine liebe Frau,
  wer hieß mich dir doch widerstreben!
  Ach der verdammte Fisch! Gott weiß, er war nicht blau.“
  Den Augenblick bekam sie wieder Leben.
  „Blau war er,“ rief sie aus, „willst du dich noch nicht geben?“
  So tat der Geist des Widerspruchs
  mehr Wirkung, als die Kraft des heftigsten Geruchs.



Das Muster der Ehen

von

Gotthold Ephraim Lessing.

    Ein rares Beispiel will ich singen,
  wobei die Welt erstaunen wird.
  Daß alle Ehen Zwietracht bringen,
  glaubt jeder, aber jeder irrt.

    Ich sah das Muster aller Ehen,
  still, wie die stillste Sommernacht
  O! daß sie keiner möge sehen,
  der mich zum frechen Lügner macht!

    Und gleichwohl war die Frau kein Engel,
  und der Gemahl kein Heiliger;
  es hatte jedes seine Mängel.
  Denn niemand ist von allen leer.

    Doch sollte mich ein Spötter fragen,
  wie diese Wunder möglich sind?
  Der lasse sich zur Antwort sagen:
  Der Mann war taub, die Frau war blind.



Die drei Reiche der Natur

von

Gotthold Ephraim Lessing.

    Ich trink’, und trinkend fällt mir bei,
  warum Naturreich dreifach sei.
  Die Tier’ und Menschen trinken, lieben,
  ein jegliches nach seinen Trieben:
  Delphin und Adler, Floh und Hund
  empfindet Lieb’ und netzt den Mund.
  Was also trinkt und lieben kann,
  wird in das erste Reich getan.

    Die Pflanze macht das zweite Reich,
  dem ersten nicht an Güte gleich:
  sie liebet nicht, doch kann sie trinken,
  wenn Wolken träufelnd niedersinken;
  so trinkt die Zeder und der Klee,
  der Weinstock und die Aloe.
  Drum, was nicht liebt, doch trinken kann,
  wird in das zweite Reich getan.

    Das Steinreich macht das dritte Reich;
  und hier sind Sand und Demant gleich:
  kein Stein fühlt Durst und zarte Triebe,
  er wachset ohne Trunk und Liebe.
  Drum, was nicht liebt noch trinken kann,
  wird in das letzte Reich getan.
  Denn ohne Lieb’ und ohne Wein,
  sprich, Mensch, was bleibst du noch? -- Ein Stein.



Lob der Faulheit

von

Gotthold Ephraim Lessing.

    Faulheit, jetzo will ich dir
  auch ein kleines Loblied bringen. --
  O .. wie .. sau .. er .. wird es mir,
  dich .. nach Würden .. zu besingen!
  Doch, ich will mein bestes tun,
  nach der Arbeit ist gut ruhn.

    Höchstes Gut! wer dich nur hat,
  dessen ungestörtes Leben -- --
  Ach! .. ich .. gähn’ .. ich .. werde matt ..
  nun .. so .. magst du .. mir’s vergeben,
  daß ich dich nicht singen kann;
  du verhinderst mich ja dran.



Niklas

von

Gotthold Ephraim Lessing.

    Mein Esel sicherlich
  muß klüger sein, als ich.
  Ja, klüger muß er sein!
  Er fand sich selbst in’ Stall hinein
  und kam doch von der Tränke.
  Man denke!



Die Geschichte von Goliath und David, in Reime bracht

von

Matthias Claudius.

    War einst ein Riese Goliath,
  gar ein gefährlich Mann!
  Er hatte Tressen auf dem Hut
  mit einem Klunker dran
  und einen Rock von _drap d’argent_
  und alles so nach _advenant_.

    An seinen Schnurrbart sah man nur
  mit Gräsen und mit Graus,
  und dabei sah er von Natur
  pur wie der -- aus.
  Sein Sarras war, man glaubt es kaum,
  so groß schier als ein Weberbaum.

    Er hatte Knochen wie ein Gaul
  und eine freche Stirn
  und ein entsetzlich großes Maul
  und nur ein kleines Hirn;
  gab jedem einen Rippenstoß
  und flunkerte und prahlte groß.

    So kam er alle Tage her
  und sprach Israel Hohn.
  „Wer ist der Mann? Wer wagt’s mit mir?
  Sei Vater oder Sohn,
  er komme her, der Lumpenhund,
  ich bax’n nieder auf den Grund.“

    Da kam in seinem Schäferrock
  ein Jüngling zart und fein;
  er hatte nichts als seinen Stock
  als Schleuder und den Stein
  und sprach: „Du hast viel Stolz und Wehr,
  ich komm im Namen Gottes her.“

    Und damit schleudert’ er auf ihn
  und traf die Stirne gar;
  da fiel der große Esel hin,
  so lang und dick er war.
  Und David haut in guter Ruh
  ihm nun den Kopf noch ab dazu. --

    Trau nicht auf deinen Tressenhut
  noch auf den Klunker dran!
  Ein großes Maul es auch nicht tut:
  das lern vom langen Mann;
  und von dem kleinen lerne wohl,
  wie man mit Ehren fechten soll.



Rheinweinlied

von

Matthias Claudius.

    Bekränzt mit Laub den lieben vollen Becher,
  und trinkt ihn fröhlich leer,
  in ganz Europia, ihr Herren Zecher,
  ist solch ein Wein nicht mehr!

    Er kommt nicht her aus Hungarn noch aus Polen,
  noch wo man franzmännsch spricht:
  da mag Sankt Veit, der Ritter, Wein sich holen,
  wir holen ihn da nicht.

    Ihn bringt das Vaterland aus seiner Fülle:
  wie wär’ er sonst so gut?
  Wie wär’ er sonst so edel, wäre stille
  und doch voll Kraft und Mut?

    Er wächst nicht überall im deutschen Reiche;
  und viele Berge, hört,
  sind wie die weiland Kreter faule Bäuche
  und nicht der Stelle wert.

    Thüringens Berge zum Exempel bringen
  Gewächs, sieht aus wie Wein,
  ist’s aber nicht: man kann dabei nicht singen,
  dabei nicht fröhlich sein.

    Im Erzgebirge dürft ihr auch nicht suchen,
  wenn ihr Wein finden wollt:
  das bringt nur Silbererz und Kobaltkuchen
  und etwas Lausegold.

    Der Blocksberg ist der lange Herr Philister;
  er macht nur Wind wie der:
  drum tanzen auch der Kuckuck und sein Küster
  auf ihm die Kreuz und Quer.

    Am Rhein, am Rhein, da wachsen unsre Reben:
  gesegnet sei der Rhein!
  Da wachsen sie am Ufer hin und geben
  uns ihren Labewein.

    So trinkt ihn denn, und laßt uns allewege
  uns freun und fröhlich sein!
  Und wüßten wir, wo jemand traurig läge,
  wir gäben ihm den Wein.



Der Kaiser und der Abt

von

Gottfried August Bürger.

    Ich will euch erzählen ein Märchen, gar schnurrig:
  es war mal ein Kaiser, der Kaiser war knurrig;
  auch war mal ein Abt, ein gar stattlicher Herr;
  nur schade! sein Schäfer war klüger als er.

    Dem Kaiser ward’s sauer in Hitz’ und in Kälte;
  oft schlief er bepanzert im Kriegesgezelte,
  oft hatt’ er kaum Wasser zu Schwarzbrot und Wurst,
  und öfter noch litt er gar Hunger und Durst.

    Das Pfäfflein, das wußte sich besser zu hegen
  und weidlich am Tisch und im Bette zu pflegen.
  Wie Vollmond glänzte sein feistes Gesicht
  Drei Männer umspannten den Schmerbauch ihm nicht.

    Drob suchte der Kaiser am Pfäfflein oft Hader.
  Einst ritt er mit reisigem Kriegesgeschwader
  in brennender Hitze des Sommers vorbei.
  Das Pfäfflein spazierte vor seiner Abtei.

    „Ha,“ dachte der Kaiser, „zur glücklichen Stunde!“
  und grüßte das Pfäfflein mit höhnischem Munde.
  „Knecht Gottes, wie geht’s dir? Mir däucht wohl ganz recht,
  das Beten und Fasten bekomme nicht schlecht.

    „Doch däucht mir daneben, Euch plage viel Weile.
  Ihr dankt mir’s wohl, wenn ich Euch Arbeit erteile;
  man rühmet, Ihr wäret der pfiffigste Mann,
  Ihr höret das Gräschen fast wachsen, sagt man.

    „So geb’ ich denn Euern zwei tüchtigen Backen
  zur Kurzweil drei artige Nüsse zu knacken.
  Drei Monden von nun an bestimm’ ich zur Zeit.
  Dann will ich auf diese drei Fragen Bescheid:

    „Zum ersten: Wann hoch ich im fürstlichen Rate
  zu Throne mich zeige im Kaiserornate,
  dann sollt Ihr mir sagen, ein treuer Wardein,
  wieviel ich wohl wert bis zum Heller mag sein.

    „Zum zweiten sollt Ihr mir berechnen und sagen,
  wie bald ich zu Rosse die Welt mag umjagen,
  um keine Minute zu wenig und viel!
  Ich weiß, der Bescheid darauf ist Euch nur Spiel.

    „Zum dritten noch sollst du, o Preis der Prälaten,
  aufs Härchen mir meine Gedanken erraten.
  Die will ich dann treulich bekennen; allein
  es soll auch kein Titelchen Wahres dran sein.

    „Und könnt Ihr mir diese drei Fragen nicht lösen,
  so seid Ihr die längste Zeit Abt hier gewesen;
  so laß ich Euch führen zu Esel durchs Land,
  verkehrt, statt des Zaumes den Schwanz in der Hand.“ --

    Drauf trabte der Kaiser mit Lachen von hinnen.
  Das Pfäfflein zerriß und zerspliß sich mit Sinnen.
  Kein armer Verbrecher fühlt mehr Schwulität,
  der vor hochnotpeinlichem Halsgericht steht.

    Er schickte nach ein, zwei, drei, vier Un’vers’täten;
  er fragte bei ein, zwei, drei, vier Fakultäten;
  er zahlte Gebühren und Sportuln vollauf;
  doch löste kein Doktor die Fragen ihm auf.

    Schnell wuchsen bei herzlichem Zagen und Pochen
  die Stunden zu Tagen, die Tage zu Wochen,
  die Wochen zu Monden; schon kam der Termin!
  Ihm ward’s vor den Augen bald gelb und bald grün.

    Nun sucht’ er, ein bleicher, hohlwangiger Werther,
  in Wäldern und Feldern die einsamsten Örter.
  Da traf ihn auf selten betretener Bahn
  Hans Bendix, sein Schäfer, am Felsenhang an.

    „Herr Abt,“ sprach Hans Bendix, „was mögt Ihr Euch grämen?
  Ihr schwindet ja wahrlich dahin wie ein Schemen.
  Maria und Joseph! Wie hotzelt Ihr ein!
  Mein Sixchen! Es muß Euch was angetan sein.“ --

    „Ach, guter Hans Bendix, so muß sich’s wohl schicken.
  Der Kaiser will gern mir am Zeuge was flicken
  und hat mir drei Nüss’ auf die Zähne gepackt,
  die schwerlich Beelzebub selber wohl knackt.

    „Zum ersten: Wann hoch er im fürstlichen Rate
  zu Throne sich zeiget im Kaiserornate,
  dann soll ich ihm sagen, ein treuer Wardein,
  wieviel er wohl wert bis zum Heller mag sein.

    „Zum zweiten soll ich ihm berechnen und sagen,
  wie bald er zu Rosse die Welt mag umjagen,
  um keine Minute zu wenig und viel!
  Er meint, der Bescheid darauf wäre nur Spiel.

    „Zum dritten, ich ärmster von allen Prälaten,
  soll ich ihm gar seine Gedanken erraten;
  die will er mir treulich bekennen; allein
  es soll auch kein Titelchen Wahres dran sein.

    „Und kann ich ihm diese drei Fragen nicht lösen,
  so bin ich die längste Zeit Abt hier gewesen;
  so läßt er mich führen zu Esel durchs Land,
  verkehrt, statt des Zaumes den Schwanz in der Hand.“ --

    „Nichts weiter?“ erwidert Hans Bendix mit Lachen.
  „Herr, gebt Euch zufrieden, das will ich schon machen.
  Nur borgt mir Eur Käppchen; Eur Kreuzchen und Kleid;
  so will ich schon geben den rechten Bescheid.

    „Versteh’ ich gleich nichts von lateinischen Brocken,
  so weiß ich den Hund doch vom Ofen zu locken.
  Was ihr euch, Gelehrte, für Geld nicht erwerbt,
  das hab’ ich von meiner Frau Mutter geerbt.“

    Da sprang wie ein Böcklein der Abt vor Behagen.
  Mit Käppchen und Kreuzchen, mit Mantel und Kragen
  ward stattlich Hans Bendix zum Abte geschmückt
  und hurtig zum Kaiser nach Hofe geschickt.

    Hier thronte der Kaiser im fürstlichen Rate,
  hoch prangt’ er mit Zepter und Kron’ im Ornate:
  „Nun sagt mir, Herr Abt, als treuer Wardein,
  wieviel ich itzt wert bis zum Heller mag sein.“ --

    „Für dreißig Reichsgulden ward Christus verschachert;
  drum geb’ ich, so sehr ihr auch pochet und prachert,
  für Euch keinen Deut mehr als zwanzig und neun,
  denn +einen+ müßt Ihr doch wohl minder wert sein.“ --

    „Hum,“ sagte der Kaiser, „der Grund läßt sich hören
  und mag den durchlauchtigen Stolz wohl bekehren.
  Nie hätt’ ich, bei meiner hochfürstlichen Ehr’!
  geglaubet, daß so spottwohlfeil ich wär’.

    „Nun aber sollst du mir berechnen und sagen,
  wie bald ich zu Rosse die Welt mag umjagen,
  um keine Minute zu wenig und viel!
  Ist dir der Bescheid darauf auch nur ein Spiel?“ --

    „Herr, wenn mit der Sonn’ Ihr früh sattelt und reitet
  und stets sie in einerlei Tempo begleitet,
  so setz’ ich mein Kreuz und mein Käppchen daran,
  in zweimal zwölf Stunden ist alles getan.“ --

    „Ha,“ lachte der Kaiser, „vortrefflicher Haber!
  Ihr füttert die Pferde mit Wenn und mit Aber.
  Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
  hat sicher aus Häckerling Gold schon gemacht.

    „Nun aber zum dritten, nun nimm dich zusammen!
  sonst muß ich dich dennoch zum Esel verdammen:
  was denk’ ich, das falsch ist? Das bringe heraus!
  Nur bleib’ mir mit Wenn und mit Aber zu Haus!“ --

    „Ihr denket, ich sei der Herr Abt von Sankt Gallen.“ --
  „Ganz recht! und das kann von der Wahrheit nicht fallen.“ --
  „Sein Diener, Herr Kaiser! Euch trüget Eu’r Sinn;
  denn wißt, daß ich Bendix, sein Schäfer, nur bin!“ --

    „Was Henker! Du bist nicht der Abt von Sankt Gallen?“
  Rief hurtig, als wär’ er vom Himmel gefallen,
  der Kaiser mit frohem Erstaunen darein;
  „Wohlan denn, so sollst du von nun an es sein!

    „Ich will dich belehnen mit Ring und mit Stabe.
  Dein Vorfahr besteige den Esel und trabe!
  Und lerne fortan erst _quid juris_ verstehn!
  Denn wenn man will ernten, so muß man auch sä’n.“ --

    „Mit Gunsten, Herr Kaiser! Das laßt nur hübsch bleiben!
  Ich kann ja nicht lesen, noch rechnen und schreiben;
  auch weiß ich kein sterbendes Wörtchen Latein.
  Was Hänschen versäumt, holt Hans nicht mehr ein.“ --

    „Ach, guter Hans Bendix, das ist ja recht schade!
  Erbitte demnach dir ein’ andere Gnade!
  Sehr hat mich ergötzet dein lustiger Schwank;
  drum soll dich auch wieder ergötzen mein Dank.“ --

    „Herr Kaiser, groß hab’ ich soeben nichts nötig;
  doch seid Ihr im Ernst mir zu Gnaden erbötig,
  so will ich mir bitten zum ehrlichen Lohn
  für meinen hochwürdigen Herren Pardon.“

    „Ha bravo! Du trägst, wie ich merke, Geselle,
  das Herz wie den Kopf auf der richtigsten Stelle;
  drum sei der Pardon ihm in Gnaden gewährt
  und obenein dir ein Panisbrief beschert:

    „Wir lassen dem Abt von Sankt Gallen entbieten:
  Hans Bendix soll ihm nicht die Schafe mehr hüten.
  Der Abt soll sein pflegen, nach unserm Gebot,
  umsonst bis an seinen sanftseligen Tod.“



Reigen

von

Johann Heinrich Voß.

    Sagt mir an, was schmunzelt ihr?
  Schiebt ihr’s auf das Kirmesbier,
  daß ich so vor Freude krähe
  und auf einem Bein mich drehe?
  Schurken um und um!

    Kommt die schmucke Binderin
  euch denn gar nicht in den Sinn,
  die mich wirft mit Haselnüssen
  und dann schreit: „Ich will nicht küssen!“
  Nun so schert euch zum ...!

    Diesen Strauß und diesen Ring
  schenkte mir das kleine Ding!
  Seht, sie horcht! Komm her, mein Engel!
  Tanz einmal mit deinem Bengel!
  Dudeldidel dum!

    Fiedler, fiedelt nicht so lahm;
  wir sind Braut und Bräutigam!
  Fiedelt frisch; ich mach’ es richtig!
  Und bestreicht den Bogen tüchtig
  mit Kalfonium!

    Polisch muß hübsch lustig gehn,
  daß die Röcke hinten wehn!
  Wart’, ich werd’ euch ’mal kuranzen!
  Meint ihr, Trödler: Bären tanzen
  hier am Seil herum?

    Heißa lustig! Nun kommt her!
  Unten, oben, kreuz und quer,
  laß uns Arm in Arm verschränken
  und an unsern Brauttanz denken!
  Heißa! Rund herum!

    Ha! wie schön das Hackbrett summt,
  und der alte Brummbaß brummt!
  Ha! wie drehn sich rings ohn’ Ende
  Hüt’ und Hauben, Tür und Wände!
  Dudeldidel, dudeldidel dum!
  Dudeldidel dum dum dum!



Amor als Landschaftsmaler

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    Saß ich früh auf einer Felsenspitze,
  sah mit starren Augen in den Nebel;
  wie ein grau grundiertes Tuch gespannet,
  deckt er alles in die Breit und Höhe.

    Stellt’ ein Knabe sich mir an die Seite,
  sagte: „Lieber Freund, wie magst du starrend
  auf das leere Tuch gelassen schauen?
  Hast du denn zum Malen und zum Bilden
  alle Luft auf ewig wohl verloren?“

    Sah ich an das Kind und dachte heimlich:
  Will das Bübchen doch den Meister machen!

    „Willst du immer trüb’ und müßig bleiben,“
  sprach der Knabe, „kann nichts Kluges werden:
  sieh, ich will dir gleich ein Bildchen malen,
  dich ein hübsches Bildchen malen lehren.“

    Und er richtete den Zeigefinger,
  der so rötlich war wie eine Rose,
  nach dem weiten ausgespannten Teppich,
  fing mit seinem Finger an zu zeichnen:
  oben malt’ er eine schöne Sonne,
  die mir in die Augen mächtig glänzte,
  und den Saum der Wolken macht’ er golden,
  ließ die Strahlen durch die Wolken dringen;
  malte dann die zarten leichten Wipfel
  frisch erquickter Bäume, zog die Hügel,
  einen nach dem andern, frei dahinter;
  unten ließ er’s nicht an Wasser fehlen,
  zeichnete den Fluß so ganz natürlich,
  daß er schien im Sonnenstrahl zu glitzern,
  daß er schien am hohen Rand zu rauschen.

    Ach, da standen Blumen an dem Flusse,
  und da waren Farben auf der Wiese,
  Gold und Schmelz und Purpur und ein Grünes,
  alles wie Smaragd und wie Karfunkel!
  Hell und rein lasiert’ er drauf den Himmel
  und die blauen Berge fern und ferner,
  daß ich ganz entzückt und neu geboren
  bald den Maler, bald das Bild beschaute.

    „Hab’ ich doch,“ so sagt’ er, „dir bewiesen,
  daß ich dieses Handwerk gut verstehe;
  doch es ist das Schwerste noch zurücke.“

    Zeichnete darnach mit spitzem Finger
  und mit großer Sorgfalt an dem Wäldchen,
  grad’ ans Ende, wo die Sonne kräftig
  von dem hellen Boden wiederglänzte,
  zeichnete das allerliebste Mädchen,
  wohlgebildet, zierlich angekleidet,
  frische Wangen unter braunen Haaren,
  und die Wangen waren von der Farbe,
  wie das Fingerchen, das sie gebildet.

    „O du Knabe!“ rief ich, „welch ein Meister
  hat in seine Schule dich genommen,
  daß du so geschwind und so natürlich
  alles klug beginnst und gut vollendest?“

    Da ich noch so rede, sieh, da rühret
  sich ein Windchen, und bewegt den Gipfel,
  kräuselt alle Wellen auf dem Flusse,
  füllt den Schleier des vollkommnen Mädchens,
  und was mich Erstaunten mehr erstaunte,
  fängt das Mädchen an den Fuß zu rühren,
  geht zu kommen, nähert sich dem Orte,
  wo ich mit dem losen Lehrer sitze.

    Da nun alles, alles sich bewegte,
  Bäume, Fluß und Blumen und der Schleier,
  und der zarte Fuß der Allerschönsten;
  glaubt ihr wohl, ich sei auf meinem Felsen,
  wie ein Felsen, still und fest geblieben?



Gewohnt, getan

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    Ich habe geliebet; nun lieb’ ich erst recht!
  Erst war ich der Diener, nun bin ich der Knecht.
  Erst war ich der Diener von allen;
  nun fesselt mich diese charmante Person,
  sie tut mir auch alles zur Liebe, zum Lohn,
  sie kann nur allein mir gefallen.

    Ich habe geglaubet; nun glaub’ ich erst recht!
  Und geht es auch wunderlich, geht es auch schlecht,
  ich bleibe beim gläubigen Orden:
  so düster es oft und so dunkel es war
  in drängenden Nöten, in naher Gefahr,
  auf einmal ist’s lichter geworden.

  Ich habe gespeiset; nun speis’ ich erst gut!
  Bei heiterem Sinne, mit fröhlichem Blut
  ist alles an Tafel vergessen.
  Die Jugend verschlingt nur, dann sauset sie fort;
  ich liebe zu tafeln am lustigen Ort,
  ich kost’ und ich schmecke beim Essen.

    Ich habe getrunken; nun trink’ ich erst gern!
  Der Wein, er erhöht uns, er macht uns zum Herrn
  und löset die sklavischen Zungen.
  Ja, schonet nur nicht das erquickende Naß!
  Denn schwindet der älteste Wein aus dem Faß,
  so altern dagegen die jungen.

  Ich habe getanzt und dem Tanze gelobt!
  Und wird auch kein Schleifer, kein Walzer getobt,
  so drehn wir ein sittiges Tänzchen.
  Und wer sich der Blumen recht viele verflicht,
  und hält auch die ein’ und die andere nicht,
  ihm bleibet ein munteres Kränzchen.

  Drum frisch nur aufs neue! Bedenke dich nicht!
  Denn wer sich die Rosen, die blühenden, bricht,
  den kitzeln fürwahr nur die Dornen.
  So heute wie gestern, es flimmert der Stern;
  nur halte von hängenden Köpfen dich fern
  und lebe dir immer von vornen.



Gutmann und Gutweib

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    Und morgen fällt St. Martins Fest,
  Gutweib liebt ihren Mann;
  da knetet sie ihm Puddings ein
  und bäckt sie in der Pfann’.

    Im Bette liegen beide nun,
  da saust ein wilder West;
  und Gutmann spricht zur guten Frau:
  „Du riegle die Türe fest.“ --

    „Bin kaum erholt und halb erwarmt,
  wie käm’ ich da zur Ruh;
  und klapperte sie einhundert Jahr,
  ich riegelte sie nicht zu.“

    Drauf eine Wette schlossen sie
  ganz leise sich ins Ohr:
  so wer das erste Wörtlein spräch’,
  der schöbe den Riegel vor.

    Zwei Wandrer kommen um Mitternacht
  und wissen nicht, wo sie stehn;
  die Lampe losch, der Herd verglomm,
  zu hören ist nichts, zu sehn.

    „Was ist das für ein Hexenort?
  Da bricht uns die Geduld!“
  Doch hörten sie kein Sterbenswort,
  des war die Türe schuld.

    Den weißen Pudding speisten sie,
  den schwarzen ganz vertraut.
  Und Gutweib sagte sich selber viel,
  doch keine Silbe laut.

    Zu diesem sprach der jene dann:
  „Wie trocken ist mir der Hals!
  Der Schrank, der klafft, und geistig riecht’s,
  da findet sich’s allenfalls.

    „Ein Fläschchen Schnaps ergreif’ ich da,
  das trifft sich doch geschickt!
  Ich bring’ es dir, du bringst es mir,
  und bald sind wir erquickt.“

    Doch Gutmann sprang so heftig auf
  und fuhr sie drohend an:
  „Bezahlen soll mit teurem Geld,
  wer mir den Schnaps vertan!“

    Und Gutweib sprang auch froh heran,
  drei Sprünge, als wär’ sie reich:
  „Du, Gutmann, sprachst das erste Wort,
  nun riegle die Türe gleich!“



Hochzeitlied

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    Wir singen und sagen vom Grafen so gern,
  der hier in dem Schlosse gehauset,
  da, wo ihr den Enkel des seligen Herrn,
  den heute vermählten, beschmauset.
  Nun hatte sich jener im heiligen Krieg
  zu Ehren gestritten durch mannigen Sieg,
  und als er zu Hause vom Rösselein stieg,
  da fand er sein Schlösselein oben,
  doch Diener und Habe zerstoben.

    „Da bist du nun, Gräflein, da bist du zu Haus,
  das Heimische findest du schlimmer!
  Zum Fenster, da ziehen die Winde hinaus,
  sie kommen durch alle die Zimmer.
  Was wäre zu tun in der herbstlichen Nacht?“
  „So hab’ ich doch manche noch schlimmer vollbracht,
  der Morgen hat alles wohl besser gemacht.
  Drum rasch bei der mondlichen Helle
  ins Bett, in das Stroh, ins Gestelle!“

    Und als er im willigen Schlummer so lag,
  bewegt es sich unter dem Bette.
  Die Ratte, die raschle, so lange sie mag!
  Ja, wenn sie ein Bröselein hätte!
  Doch siehe! da stehet ein winziger Wicht,
  ein Zwerglein, so zierlich, mit Ampelenlicht,
  mit Rednergebärden und Sprechergewicht,
  zum Fuß des ermüdeten Grafen,
  der, schläft er nicht, möcht’ er doch schlafen.

    „Wir haben uns Feste hier oben erlaubt,
  seitdem du die Zimmer verlassen,
  und weil wir dich weit in der Ferne geglaubt,
  so dachten wir eben zu prassen.
  Und wenn du vergönnest und wenn dir nicht graut,
  so schmausen die Zwerge, behaglich und laut,
  zu Ehren der reichen, der niedlichen Braut.“
  Der Graf im Behagen des Traumes:
  „Bedienet euch immer des Raumes!“

    Da kommen drei Reiter, sie reiten hervor,
  die unter dem Bette gehalten;
  dann folget ein singendes, klingendes Chor
  possierlicher kleiner Gestalten,
  und Wagen auf Wagen mit allem Gerät,
  daß einem so Hören als Sehen vergeht,
  wie’s nur in den Schlössern der Könige steht;
  zuletzt auf vergoldetem Wagen
  die Braut und die Gäste getragen.

    So rennet nun alles in vollem Galopp
  und kürt sich im Saale sein Plätzchen;
  zum Drehen und Walzen und lustigen Hopp
  erkieset sich jeder ein Schätzchen.
  Da pfeift es und geigt es und klinget und klirrt,
  da ringelt’s und schleift es und rauschet und wirrt,
  da pispert’s und knistert’s und flüstert’s und schwirrt;
  das Gräflein, es blicket hinüber,
  es dünkt ihn, als läg’ er im Fieber.

    Nun dappelt’s und rappelt’s und klappert’s im Saal,
  von Bänken und Stühlen und Tischen,
  da will nun ein jeder am festlichen Mahl
  sich neben dem Liebchen erfrischen;
  sie tragen die Würste, die Schinken so klein
  und Braten und Fisch und Geflügel herein;
  es kreiset beständig der köstliche Wein;
  das toset und koset so lange,
  verschwindet zuletzt mit Gesange. --

    Und sollen wir singen, was weiter geschehn,
  so schweige das Toben und Tosen.
  Denn was er, so artig, im kleinen gesehn,
  erfuhr er, genoß er im großen.
  Trompeten und klingender, singender Schall,
  und Wagen und Reiter und bräutlicher Schwall,
  sie kommen und zeigen und neigen sich all,
  unzählige, selige Leute.
  So ging es und geht es noch heute.



Offne Tafel

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    Viele Gäste wünsch’ ich heut
  mir zu meinem Tische!
  Speisen sind genug bereit,
  Vögel, Wild und Fische.
  Eingeladen sind sie ja,
  haben’s angenommen.
    Hänschen, geh und sieh dich um!
    Sieh mir, ob sie kommen!

    Schöne Kinder hoff’ ich nun,
  die von gar nichts wissen,
  nicht, daß es was Hübsches sei,
  einen Freund zu küssen.
  Eingeladen sind sie all’,
  haben’s angenommen.
    Hänschen, geh und sieh dich um!
    Sieh mir, ob sie kommen!

    Frauen denk’ ich auch zu sehn,
  die den Ehegatten,
  ward er immer brummiger,
  immer lieber hatten.
  Eingeladen wurden sie,
  haben’s angenommen.
    Hänschen, geh und sieh dich um!
    Sieh mir, ob sie kommen!

    Junge Herrn berief ich auch,
  nicht im mind’sten eitel,
  die sogar bescheiden sind
  mit gefülltem Beutel;
  diese bat ich sonderlich,
  haben’s angenommen.
    Hänschen, geh und sieh dich um!
    Sieh mir, ob sie kommen!

    Männer lud ich mit Respekt,
  die auf ihre Frauen
  ganz allein, nicht nebenaus
  auf die schönste schauen.
  Sie erwiderten den Gruß,
  haben’s angenommen.
    Hänschen, geh und sieh dich um!
    Sieh mir, ob sie kommen!

    Dichter lud ich auch herbei,
  unsre Lust zu mehren,
  die weit lieber ein fremdes Lied
  als ihr eignes hören.
  Alle diese stimmten ein,
  haben’s angenommen.
    Hänschen, geh und sieh dich um!
    Sieh mir, ob sie kommen!

    Doch ich sehe niemand gehn,
  sehe niemand rennen.
  Suppe kocht und siedet ein,
  Braten will verbrennen.
  Ach, wir haben’s, fürcht’ ich nun,
  zu genau genommen!
    Hänschen, sag’, was meinst du wohl?
    Es wird niemand kommen!

    Hänschen, lauf und säume nicht,
  ruf’ mir neue Gäste!
  Jeder komme, wie er ist,
  das ist wohl das beste! --
  Schon ist’s in der Stadt bekannt,
  wohl ist’s aufgenommen.
    Hänschen, mach die Türen auf:
    sieh nur, wie sie kommen!



Ritter Kurts Brautfahrt

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    Mit des Bräutigams Behagen
  schwingt sich Ritter Kurt aufs Roß;
  zu der Trauung soll’s ihn tragen,
  auf der edlen Liebsten Schloß;
  als am öden Felsenorte
  drohend sich ein Gegner naht;
  ohne Zögern, ohne Worte
  schreiten sie zu rascher Tat.

    Lange schwankt des Kampfes Welle,
  bis sich Kurt im Siege freut;
  er entfernt sich von der Stelle,
  Überwinder und gebläut.
  Aber was er bald gewahret
  in des Busches Zitterschein,
  mit dem Säugling still gepaaret
  schleicht ein Liebchen durch den Hain.

    Und sie winkt ihn auf das Plätzchen:
  „Lieber Herr, nicht so geschwind!
  Habt Ihr nichts an Euer Schätzchen,
  habt Ihr nichts für Euer Kind?“
  Ihn durchglühet süße Flamme,
  daß er nicht vorbei begehrt,
  und er findet nun die Amme,
  wie die Jungfrau, liebenswert.

    Doch er hört die Diener blasen,
  denket nun der hohen Braut,
  und nun wird auf seinen Straßen
  Jahresfest und Markt so laut,
  und er wählet in den Buden
  manches Pfand zu Lieb’ und Huld;
  aber ach! da kommen Juden
  mit dem Schein vertagter Schuld.

    Und nun halten die Gerichte
  den behenden Ritter auf.
  O verteufelte Geschichte!
  Heldenhafter Lebenslauf!
  Soll ich heute mich gedulden?
  Die Verlegenheit ist groß.
  Widersacher, Weiber, Schulden,
  ach! kein Ritter wird sie los.



Sendschreiben

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    Mein altes Evangelium
  bring’ ich dir hier schon wieder;
  doch ist mir’s wohl um mich herum,
  darum schreib’ ich dir’s nieder.

    Ich holte Gold, ich holte Wein,
  stellt’ alles da zusammen;
  da, dacht’ ich, da wird Wärme sein,
  geht mein Gemäld’ in Flammen!
  Auch tät’ ich bei der Schätze Flor
  viel Glut und Reichtum schwärmen;
  doch Menschenfleisch geht allem vor,
  um sich daran zu wärmen.

    Und wer nicht richtet, sondern fleißig ist,
  wie ich bin und wie du bist,
  den belohnt auch die Arbeit mit Genuß;
  nichts wird auf der Welt ihm Überdruß.
  Denn er blecket nicht mit stumpfem Zahn
  lang’ Gesottnes und Gebratnes an,
  das er, wenn er noch so sittlich kaut,
  endlich doch nicht sonderlich verdaut;
  sondern faßt ein tüchtig Schinkenbein,
  haut da gut taglöhnermäßig drein,
  füllt bis oben gierig den Pokal,
  trinkt, und wischt das Maul wohl nicht einmal.

    Sieh, so ist Natur ein Buch lebendig,
  unverstanden, doch nicht unverständlich;
  denn dein Herz hat viel und groß Begehr:
  was wohl in der Welt für Freude wär’,
  allen Sonnenschein und alle Bäume,
  alles Meergestad’ und alle Träume
  in dein Herz zu sammeln miteinander,
  wie die Welt durchwühlend Banks, Solander.

    Und wie muß dir’s werden, wenn du fühlest,
  daß du alles in dir selbst erzielest,
  Freude hast an deiner Frau und Hunden,
  als noch keiner in Elysium gefunden.
  Als er da mit Schatten lieblich schweifte
  und an goldne Gottgestalten streifte.
  Nicht in Rom, in Magna Gräcia;
  dir im Herzen ist die Wonne da!
  Wer mit seiner Mutter, der Natur, sich hält,
  find’t im Stengelglas wohl eine Welt.



Wirkung in die Ferne

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    Die Königin steht im hohen Saal,
  da brennen der Kerzen so viele;
  sie spricht zum Pagen: „Du läufst einmal
  und holst mir den Beutel zum Spiele.
  Er liegt zur Hand
  auf meines Tisches Rand.“
  Der Knabe, der eilt so behende,
  war bald an Schlosses Ende.

    Und neben der Königin schlürft’ zur Stund’
  Sorbet die schönste der Frauen.
  Da brach ihr die Tasse so hart an dem Mund,
  es war ein Greuel zu schauen.
  Verlegenheit! Scham!
  Ums Prachtkleid ist’s getan!
  Sie eilt und fliegt so behende
  entgegen des Schlosses Ende.

    Der Knabe zurück zu laufen kam
  entgegen der Schönen in Schmerzen;
  es wußt es niemand, doch beide zusamm’,
  sie hegten einander im Herzen;
  und o des Glücks,
  des günst’gen Geschicks!
  Sie warfen mit Brust sich zu Brüsten
  und herzten und küßten nach Lüsten.

    Doch endlich beide sich reißen los;
  sie eilt in ihre Gemächer;
  der Page drängt sich zur Königin groß
  durch alle die Degen und Fächer.
  Die Fürstin entdeckt
  das Westchen befleckt:
  für sie war nichts unerreichbar,
  der Kön’gin von Saba vergleichbar.

    Und sie die Hofmeisterin rufen läßt:
  „Wir kamen doch neulich zu Streite,
  und Ihr behauptetet steif und fest,
  nicht reiche der Geist in die Weite;
  die Gegenwart nur,
  die lasse wohl Spur;
  doch niemand wirk’ in die Ferne,
  sogar nicht die himmlischen Sterne.

    „Nun seht! Soeben ward mir zur Seit’
  der geistige Süßtrank verschüttet,
  und gleich darauf hat er dort hinten so weit
  dem Knaben die Weste zerrüttet. --
  Besorg’ dir sie neu!
  Und weil ich mich freu’,
  daß sie mir zum Beweise gegolten,
  ich zahl’ sie! sonst wirst du gescholten.“



Schneider-Kourage

von

Johann Wolfgang von Goethe.

    „Es ist ein Schuß gefallen!
  Mein; sagt, wer schoß da drauß’?“
  Es ist der junge Jäger,
  der schießt im Hinterhaus.

    Die Spatzen in dem Garten,
  die machen viel Verdruß.
  Zwei Spatzen und ein Schneider,
  die fielen von dem Schuß;

    Die Spatzen von den Schroten,
  der Schneider von dem Schreck;
  die Spatzen in die Schoten,
  der Schneider in den --.



Pegasus im Joche

von

Friedrich von Schiller.

    Auf einem Pferdemarkt -- vielleicht zu Haymarket,
  wo andre Dinge noch in Ware sich verwandeln,
  bracht’ einst ein hungriger Poet
  der Musen Roß, es zu verhandeln.

    Hell wieherte der Hippogryph,
  und bäumte sich in prächtiger Parade!
  Erstaunt blieb jeder stehn und rief:
  Das edle, königliche Tier! Nur schade,
  daß seinen schlanken Wuchs ein häßlich Flügelpaar
  entstellt! Den schönsten Postzug würd’ es zieren.
  Die Rasse, sagen sie, sei rar,
  doch wer wird durch die Luft kutschieren?
  Und keiner will sein Geld verlieren.
  Ein Pachter endlich faßte Mut.
  „Die Flügel zwar,“ spricht er, „die schaffen keinen Nutzen;
  doch die kann man ja binden oder stutzen,
  dann ist das Pferd zum Ziehen immer gut.
  Ein zwanzig Pfund, die will ich wohl dran wagen.“
  Der Täuscher, hoch vergnügt, die Ware loszuschlagen,
  schlägt hurtig ein. „Ein Mann, ein Wort!“
  Und Hans trabt frisch mit seiner Beute fort.

    Das edle Tier wird eingespannt;
  doch fühlt es kaum die ungewohnte Bürde,
  so rennt es fort mit wilder Flugbegierde
  und wirft, von edelm Grimm entbrannt,
  den Karren um an eines Abgrunds Rand.
  „Schon gut,“ denkt Hans. „Allein darf ich dem tollen Tiere
  kein Fuhrwerk mehr vertraun. Erfahrung macht schon klug,
  doch morgen fahr’ ich Passagiere,
  da stell’ ich es als Vorspann in den Zug.
  Die muntre Krabbe soll zwei Pferde mir ersparen;
  der Koller gibt sich mit den Jahren.“

    Der Anfang ging ganz gut. Das leichtbeschwingte Pferd
  belebt der Klepper Schritt, und pfeilschnell fliegt der Wagen.
  Doch was geschieht? Den Blick den Wolken zugekehrt
  und ungewohnt, den Grund mit festem Huf zu schlagen,
  verläßt es bald der Räder sichre Spur,
  und, treu der stärkeren Natur,
  durchrennt es Sumpf und Moor, geackert Feld und Hecken,
  der gleiche Taumel faßt das ganze Postgespann,
  kein Rufen hilft, kein Zügel hält es an,
  bis endlich, zu der Wandrer Schrecken,
  der Wagen, wohlgerüttelt und zerschellt,
  auf eines Berges steilem Gipfel hält.

    „Das geht nicht zu mit rechten Dingen,“
  spricht Hans mit sehr bedenklichem Gesicht.
  „So wird es nimmermehr gelingen;
  laß sehn, ob wir den Tollwurm nicht
  durch magre Kost und Arbeit zwingen.“
  Die Probe wird gemacht. Bald ist das schöne Tier,
  eh noch drei Tage hingeschwunden,
  zum Schatten abgezehrt. „Ich hab’s, ich hab’s gefunden!“
  ruft Hans. „Jetzt frisch, und spannt es mir
  gleich vor den Pflug mit meinem stärksten Stier.“

    Gesagt, getan. In lächerlichem Zuge
  erblickt man Ochs und Flügelpferd am Pfluge.
  Unwillig steigt der Greif und strengt die letzte Macht
  der Sehnen an, den alten Flug zu nehmen.
  Umsonst, der Nachbar schreitet mit Bedacht,
  und Phöbus’ stolzes Roß muß sich dem Stier bequemen,
  bis nun, vom langen Widerstand verzehrt,
  die Kraft aus allen Gliedern schwindet,
  von Gram gebeugt das edle Götterpferd
  zu Boden stürzt, und sich im Staube windet.

    „Verwünschtes Tier!“ bricht endlich Hansens Grimm
  laut scheltend aus, indem die Hiebe flogen.
  „So bist du denn zum Ackern selbst zu schlimm,
  mich hat ein Schelm mit dir betrogen.“

    Indem er noch in seines Zornes Wut
  die Peitsche schwingt, kommt flink und wohlgemut
  ein lustiger Gesell’ die Straße hergezogen.
  Die Zither klingt in seiner leichten Hand,
  und durch den blonden Schmuck der Haare
  schlingt zierlich sich ein goldnes Band.
  „Wohin, Freund, mit dem wunderlichen Paare?“
  ruft er den Baur von weitem an.
  „Der Vogel und der Ochs an +einem+ Seile,
  ich bitte dich, welch ein Gespann!
  Willst du auf eine kleine Weile
  dein Pferd zur Probe mir vertraun?
  Gib acht, du sollst dein Wunder schaun.“

    Der Hippogryph wird ausgespannt,
  und lächelnd schwingt sich ihm der Jüngling auf den Rücken.
  Kaum fühlt das Tier des Meisters sichre Hand,
  so knirscht es in des Zügels Band,
  und steigt, und Blitze sprühn aus den beseelten Blicken.
  Nicht mehr das vor’ge Wesen -- königlich,
  ein Geist, ein Gott, erhebt es sich,
  entrollt mit einem Mal in Sturmes Wehen
  der Schwingen Pracht, schießt brausend himmelan,
  und eh der Blick ihm folgen kann,
  entschwebt es zu den blauen Höhen.



Der geplagte Bräutigam

von

Theodor Körner.

    Im ganzen Dorfe geht’s Gerücht,
  daß ich um Greten freie;
  sie aber läßt das Tändeln nicht,
  die Falsche, Ungetreue! --
  Denn Nachbar Kunzens langer Hans
  führt alle Sonntag’ sie zum Tanz
  und kommt mir ins Gehege --
      -- Man überlege! --

    Auf künft’ge Ostern wird’s ein Jahr,
  da faßt’ ich mich in Kürze --
  und kaufte ihr (das Ding war rar)
  ein Band zur neuen Schürze;
  und an dem zweiten Feiertag,
  just mit dem neunten Glockenschlag,
  bracht’ ich ihr mein Geschenke --
      -- Man denke! --

    Ich hatte nämlich räsonniert
  den Tag vorher beim Biere:
  wenn ich sie mit dem Band geziert
  zum Abendtanze führe,
  so sag’ ich alles lang und breit,
  und breche die Gelegenheit
  im Fall der Not vom Zaune --
      -- Man staune! --

    Drauf hatt’ ich mich schön angetan,
  als ging’s zum Hochzeitsfeste!
  Ich zog die neuen Stiefeln an,
  und meines Vaters Weste;
  doch als ich kam vor Gretens Haus,
  war auch der Vogel schon hinaus
  mit Hansen in die Schenke --
      -- Man denke! --

    Das faßte mich wie Feuerbrand,
  der Zunder mußte fangen;
  da kam, um seinen Hut mein Band,
  der Musjö Hans gegangen;
  nun sprüht’ ich erst in voller Wut,
  er wurde grob -- und kurz und gut
  ich kriegte derbe Schläge --
      -- Man überlege! --

    Den Tag darauf an Gretens Tür
  lauscht’ ich als Ehrenwächter.
  Da schallte aus dem Garten mir
  ein gellendes Gelächter.
  Und als ich habe hingeschaut,
  da saß denn meine schöne Braut
  mit Hansen hinter’m Zaune --
      -- Man staune! --

    Das fuhr mir arg durch meinen Sinn,
  das Wort blieb in der Kehle;
  des andern Morgens ging ich hin,
  und hielt ihr’s vor die Seele;
  und sagt’ ihr’s endlich grad heraus:
  „Hör’, Grete, mach’ mir’s nicht zu kraus,
  sonst geh’ ich meiner Wege.“ --
      -- Man überlege! --

    Da lachte sie mir in’s Gesicht
  und kehrte mir den Rücken.
  Ja, wenn der Hans den Hals nicht bricht,
  so reiß’ ich ihn in Stücken!
  Sonst bringt sie es gewiß so weit,
  daß ich mich noch bei guter Zeit
  im nächsten Teich ertränke! --
      -- Man denke! --



Des Feldpredigers Kriegstaten

von

Theodor Körner.

    Ich bin bei englischem Rindfleisch erzogen
  und habe bei englischem Biere studiert;
  der Herr General war mir gewogen,
  drum ward ich zum Feldprediger avanciert;
  denn der Mensch muß etwas versuchen und wagen,
  drum sitz’ ich hier auf dem Bagagewagen.

    Bin in Portugal nun Soldaten-Pastor
  und predige über Ach und Weh,
  und warne vor Trunkenheit und Laster
  die reuige, aber besoffne Armee!
  Pfleg’ aufs Beste die Kehl’ und den Magen,
  und sitze hier auf dem Bagagewagen.

    Gestern war eine große Bataille,
  es kam zu einer blutigen Schlacht!
  Wir fochten alle _en canaille_,
  ich hätt’ es kaum als möglich gedacht.
  Der Franzose ward aufs Haupt geschlagen,
  und ich saß auf dem Bagagewagen.

    Es ward erschrecklich viel Blut vergossen,
  ich kam in den größten Embarras;
  die Feinde hatten einen Bock geschossen,
  und wir, wir schossen Viktoria.
  Der gehört zu meinen glorreichsten Tagen,
  denn ich saß auf dem Bagagewagen.

    Ich sehe schon die Haufen Gedichte,
  die man uns Helden wird billig weihn!
  Wir glänzen ewig in der Geschichte
  und ziehn in die Unsterblichkeit ein.
  Und von mir auch wird man singen und sagen:
  Ja! +der+ saß auf dem Bagagewagen!



Wandrer und Mädchen

von

Ludwig Achim von Arnim.

    Wie glänzt mir jede Stadt so hell,
  wo mir kein Haus gebauet,
  wo ich als wandernder Gesell
  mich lustig umgeschauet;
  wenn in der leichten Abendtracht
  die Mädchen in den Türen,
  weil sie vom hellen Mond bewacht,
  so manchen Mutwill spüren.

  Sie: „Hilf Gott,“ so spricht mich eine an,
    „das nenne ich noch gähnen,
    bist du nicht auch ein Leiermann,
    sing mir von Lust und Tränen! --
    Sing langsam, daß ich’s von dir lern,
    ich will’s dem Liebsten singen,
    das Wetter leuchtet still von fern,
    die Grillen Ständchen bringen.“

    Ich sing von einem Ort im Rhein,
  da liegen große Glocken,
  und wird im Jahr ein edler Wein,
  da stehen sie ganz trocken,
  und schlagen drauf die Schiffer an,
  da rufen sie nach Weine;
  ich bin ein durst’ger Leiermann
  und habe müde Beine.

  Sie: „Hier hast du eine Flasche Wein,
    und hier die Bank von Steinen,
    und denke, du säßest hier am Rhein
    und tränkst von edlen Weinen;
    und greif mir nicht nach meinem Arm,
    ich wärm ihn in der Schürze,
    und singe mir, es ist nicht warm,
    und mir die Zeit verkürze.“ --

    Am Rheine war ein geiz’ger Abt,
  der gönnt es nicht den Leuten,
  daß sie an Trauben sich erlabt,
  wenn sie zur Lese schreiten;
  darum erfand der list’ge Mann,
  sie mußten immer singen:
  dieweil dann keiner essen kann,
  und in die Butten springen.

    So soll ich singen vor der Tür,
  und möcht’ dich lieber küssen,
  o Mädchen, nimm mich doch zu dir,
  und morgen will ich grüßen,
  mit allem süßen Zaubersang,
  geschöpft aus deinem Munde,
  jetzt schweigt mein Mund in Liebesdrang,
  der Wächter ruft die Stunde.

  Sie: „Der Wächter singt sein Verslein gut,
    so gut magst du nicht singen,
    er hat so einen tapfern Mut
    und kann Gespenster zwingen.
    Er hat gar ein gewaltig Horn
    und bläst recht mit zum Spaße,
    sein’ Lieb’ zu mir hat grimmen Zorn,
    darum zieh deine Straße.“

    Als ich die Warnung kaum vernehm,
  hör ich die Hunde heulen,
  da ist’s auch mir so unbequem,
  daß ich davon muß eilen:
  ich seh’ den Wächter an der Tür,
  er tut mein Mädchen küssen,
  doch hat sie drauf, das glaubet mir,
  die Tür ihm zugeschmissen.

    Und wie er nun in seinem Grimm,
  und ich in meinem Lachen,
  da ruft er mir mit starker Stimm’:
  „Was hast du nachts zu machen?“ --
  „Die Lieb’ ist leer, die Flasch’ ist aus,
  auf dir sei sie zerschmissen!“
  Das tat ich und sie lacht’ im Haus;
  dann bin ich ausgerissen.



In die Höh’!

von

Joseph Freiherrn von Eichendorff.

    Viel Essen macht viel breiter
  und hilft zum Himmel nicht,
  es kracht die Himmelsleiter,
  kommt so ein schwerer Wicht.
  Das Trinken ist gescheiter,
  das schmeckt schon nach Idee,
  da braucht man keine Leiter,
  das geht gleich in die Höh’!

  Chor. Da braucht man keine Leiter,
        das geht gleich in die Höh’!

    Viel Reden ist manierlich!
  „Wohlauf?“ -- „Ein wenig flau.“ --
  „Das Wetter ist spazierlich.“ --
  „Was macht die liebe Frau?“ --
  „Ich danke“ -- und so weiter
  und breiter als ein See --
  das Singen ist gescheiter,
  das geht gleich in die Höh’!

  Chor. Das Singen ist gescheiter,
        das geht gleich in die Höh’!

    Die Fisch’ und Musikanten
  die trinken beide frisch,
  die Wein, die andern Wasser.
  Drum hat der dumme Fisch
  statt Flügel Flederwische
  und liegt elend im See;
  doch wir sind keine Fische,
  das geht gleich in die Höh’!

  Chor. Doch wir sind keine Fische,
        das geht gleich in die Höh’!

    Ja, Trinken frisch und Singen,
  das bricht durch alles Weh,
  das sind zwei gute Schwingen,
  gemeine Welt, ade!
  Du Erd’ mit deinem Plunder,
  ihr Fische samt der See,
  ’s geht alles, alles unter,
  wir aber in die Höh’!

  Chor. ’s geht alles, alles unter,
        wir aber in die Höh’!



Lustige Musikanten

von

Joseph Freiherrn von Eichendorff.

    Der Wald, der Wald! Daß Gott ihn grün erhalt’,
  gibt gut Quartier und nimmt doch nichts dafür.

    Zum grünen Wald wir Herberg’ halten,
  denn Hoffart ist nicht unser Ziel,
  im Wirtshaus, wo wir nicht bezahlten,
  es war der Ehre gar zu viel.
  Der Wirt, er wollt’ uns gar nicht lassen,
  sie ließen Kann’ und Kartenspiel,
  die ganze Stadt war in den Gassen,
  und von den Bänken mit Gebraus
  stürzt’ die ganze Schule heraus,
  wuchs der Haufe von Haus zu Haus,
  schwenkt’ die Mützen und jubelt’ und wogt’,
  der Hatschier, die Stadtwacht, der Bettelvogt,
  wie wenn ein Prinz zieht auf die Freit’,
  gab alles, alles uns fürstlich Geleit.
  Wir aber schlugen den Markt hinab
  uns durch die Leut’ mit dem Wanderstab
  und hoch mit dem Tamburin, daß es schallt’ --
  zum Wald, zum Wald, zum schönen grünen Wald!

    Und da nun alle schlafen gingen,
  der Wald steckt’ seine Irrlicht’ an,
  die Frösche tapfer Ständchen bringen,
  die Fledermaus schwirrt leis voran,
  und in dem Fluß auf feuchtem Steine
  gähnt laut der alte Wassermann,
  strählt sich den Bart im Mondenscheine
  und fragt ein Irrlicht, wer wir sind?
  Das aber duckt sich geschwind;
  denn über ihn weg im Wind
  durch die Wipfel der wilde Jäger geht,
  und auf dem alten Turm sich dreht
  und kräht der alte Wetterhahn uns nach:
  ob wir nicht einkehrn unter sein Dach?
  O Gockel, verfallen ist ja dein Haus,
  es sieht die Eule zum Fenster heraus,
  und aus allen Toren rauschet der Wald,
  der Wald, der Wald, der schöne grüne Wald!

    Und wenn wir müd’ einst, sehn wir blinken
  ein’ goldne Stadt still überm Land,
  am Tor Sankt Peter schon tut winken:
  „Nur hier herein, Herr Musikant!“
  Die Engel von den Zinnen fragen,
  und wie sie uns erst recht erkannt,
  sie gleich die silbernen Pauken schlagen,
  Sankt Peter selbst die Becken schwenkt,
  und voll Geigen hängt
  der Himmel, Cäcilia an zu streichen fängt,
  dazwischen hoch Vivat! daß es prasselt und pufft,
  werfen die andern vom Wall in die Luft
  Sternschnuppen, Kometen,
  gar prächt’ge Raketen,
  versengen Sankt Peter den Bart, daß er lacht,
  und wir ziehen heim, schöner Wald, gute Nacht!



Ratskollegium

von

Joseph Freiherrn von Eichendorff.

    Hochweiser Rat, geehrte Kollegen!
  Bevor wir uns heute aufs Raten legen,
  bitt’ ich, erst reiflich zu erwägen,
  ob wir vielleicht, um Zeit zu gewinnen,
  heut’ sogleich mit dem Raten beginnen,
  oder ob wir erst proponieren müssen,
  was uns versammelt und was wir alle wissen?
  Ich muß pflichtgemäß voranschicken hierbei,
  daß die Art der Geschäfte zweierlei sei:
  die einen sind die eiligen,
  die andern die langweiligen.
  Auf jene pfleg’ ich _cito_ zu schreiben,
  die andern können liegen bleiben.
  Die liegenden aber, geehrte Brüder,
  zerfallen in wicht’ge und höchstwicht’ge wieder.
  Bei jenen -- nun, man wird verwegen,
  man schreibt nach amtlichem Überlegen
  _more solito_ hier und dort: _ad acta_.
  Diener rennen, man flucht, verpackt da,
  der Staat floriert und bleibt im Takt da.
  Doch werden die Zeiten so ungeschliffen,
  wild umzuspringen mit den Begriffen,
  kommt gar, wie heute, ein Fall, der eilig
  und doch höchstwichtig zugleich, dann freilich
  muß man von neuem unterscheiden:
  ob er mehr eilig oder mehr wichtig.
  Ich bitte, meine Herrn, verstehn Sie mich richtig!
  Der Punkt ist von Einfluß. Denn wir vermeiden
  die _species facti_, wie billig, sofort,
  find’t sich der Fall mehr eilig als liegend.
  Ist aber das Wichtige überwiegend,
  wäre die Eile am unrechten Ort.
  Meine Herren, Sie haben nun die Prämissen,
  Sie werden den Beschluß zu finden wissen.



Der Schreinergesell

von

Johann Peter Hebel.

    Mi Hamberch[13] hätti g’lert, so so, la la;
  doch stoht mer ’s Trinke gar viel besser a,
  as ’s Schaffe, sell bikenni[14] frei und frank;
  der Rucke[15] bricht mer schier am Hobelbank.

    Drum het mer d’ Muetter mengmol[16] profezeit:
  „Du chunnsch ke Meister über[17] wit und breit!“
  Z’letzt hani’s selber glaubt, und denkt: isch’s so,
  wie wird’s mer echterst[18] in der Fremdi go?

  Wie isch’s mer gange? Numme[19] z’guet! I ha
  in wenig Wuche +siebe+ Meister g’ha.
  O Müetterli, wie falsch hesch profezeit!
  Ich chömm +kei+ Meister über, hesch mer g’seit.



Der Schwarzwälder im Breisgau

von

Johann Peter Hebel.

    Z’ Müllen an der Post,
  tausigsappermost!
  Trinkt me nit e guete Wi[20]!
  Goht er nit wie Baumöl i,
    z’ Müllen an der Post!

    Z’ Bürglen uf der Höh’,
  nei, was cha me seh!
  O, wie wechsle Berg und Tal,
  Land und Wasser überal,
    z’ Bürglen uf der Höh’!

    Z’ Staufen uffem Märt[21]
  hen sie, was me gehrt[22],
  Tanz und Wi und Lustberkeit,
  was eim numme ’s Herz erfreut,
    z’ Staufen uffem Märt!

    Z’ Friburg in der Stadt
  sufer[23] isch’s und glatt,
  riichi Here, Geld und Guet,
  Jumpfere wie Milch und Bluet,
    z’ Friburg in der Stadt.

    Woni gang und stand,
  wär’s e lustig Land.
  Aber zeig mer, was de witt,
  numme näumis[24] findi nit
    in dem schöne Land.

    Minen Auge g’fallt
  Herischried im Wald.
  Woni gang, se denki dra,
  ’s chunnt mer nüt uf d’ Gegnig[25] a
    z’ Herischried im Wald.

    Imme chleine Hus
  wandlet i und us --
  gelt, de meinsch, i sag der, wer?
  ’s isch e Sie, es isch kei Er,
    imme chleine Hus.



Metzelsuppenlied

von

Ludwig Uhland.

    Wir haben heut’ nach altem Brauch
  ein Schweinchen abgeschlachtet;
  der ist ein jüdisch ekler Gauch,
  wer solch ein Fleisch verachtet.
  Es lebe zahm’ und wildes Schwein!
  Sie leben alle, groß und klein,
  die blonden und die braunen!

    So säumet denn, ihr Freunde, nicht,
  die Würste zu verspeisen,
  und laßt zum würzigen Gericht
  die Becher fleißig kreisen!
  Es reimt sich trefflich Wein und Schwein,
  und paßt sich köstlich Wurst und Durst;
  bei Würsten gilt’s zu bürsten.

    Auch unser edles Sauerkraut,
  wir sollen’s nicht vergessen;
  ein Deutscher hat’s zuerst gebaut,
  drum ist’s ein deutsches Essen.
  Wenn solch ein Fleischchen weiß und mild
  im Kraute liegt, das ist ein Bild
  wie Venus in den Rosen.

    Und wird von schönen Händen dann
  das schöne Fleisch zerleget,
  das ist, was einem deutschen Mann
  gar süß das Herz beweget.
  Gott Amor naht und lächelt still
  und denkt: „Nur daß, wer küssen will,
  zuvor den Mund sich wische!“

    Ihr Freunde, tadle keiner mich,
  daß ich von Schweinen singe!
  Es knüpfen Kraftgedanken sich
  oft an geringe Dinge.
  Ihr kennet jenes alte Wort,
  ihr wißt: es findet hier und dort
  ein Schwein auch eine Perle.



Unstern

von

Ludwig Uhland.

    Unstern, diesem guten Jungen,
  hat es seltsam sich geschickt;
  manches wär’ ihm fast gelungen,
  manches wär’ ihm schier geglückt;
  alle Glückesstern’ im Bunde
  hätten weihend ihm gelacht,
  wenn die Mutter eine Stunde
  früher ihn zur Welt gebracht.

    Waffenruhm und Heldenehre
  hätten zeitig ihm geblüht;
  war doch in dem ganzen Heere
  keiner so von Mut erglüht!
  Nur als schon in wilden Wogen
  seine Schar zum Sturme drang,
  kam ein Bote hergeflogen,
  der die Friedensfahne schwang.

    Nah ist Unsterns Hochzeitsfeier,
  hold und sittig glüht die Braut;
  sieh! da kommt ein reichrer Freier,
  der die Eltern baß erbaut.
  Dennoch hätte die Geraubte
  ihn als Witwe noch beglückt,
  wäre nicht der Totgeglaubte
  plötzlich wieder angerückt.

    Reich wär’ Unstern noch geworden
  mit dem Gut der neuen Welt,
  hätte nicht ein Sturm aus Norden
  noch im Port das Schiff zerschellt.
  Glücklich war er selbst entschwommen
  (einer Planke hatt’ er’s dank),
  hatte schon den Strand erklommen,
  glitt zurück noch und versank.

    In den Himmel sonder Zweifel
  würd’ er gleich gekommen sein,
  liefe nicht ein dummer Teufel
  just ihm in den Weg hinein.
  Teufel meint, es sei die Seele,
  die er eben holen soll,
  packt den Unstern an der Kehle,
  rennt mit ihm davon wie toll.

    Da erscheint ein lichter Engel
  rettend aus dem Nebelduft,
  donnert flugs den schwarzen Bengel
  in die tiefste Höllenkluft,
  schwebt der goldnen Himmelsferne
  mit dem armen Unstern zu,
  über gut’ und böse Sterne
  führt er den zur ew’gen Ruh’.



Von den sieben Zechbrüdern

von

Ludwig Uhland.

    Ich kenne sieben lust’ge Brüder,
  sie sind die durstigsten im Ort;
  die schwuren höchlich, niemals wieder
  zu nennen ein gewisses Wort,
    in keinerlei Weise,
    nicht laut und nicht leise.

    Es ist das gute Wörtlein Wasser,
  darin doch sonst kein Arges steckt.
  Wie kommt’s nun, daß die wilden Prasser
  dies schlichte Wort so mächtig schreckt?
    Merkt auf! ich berichte
    die Wundergeschichte.

    Einst hörten jene durst’gen sieben
  von einem fremden Zechkumpan,
  es sei am Waldgebirge drüben
  ein neues Wirtshaus aufgetan,
    da fließen so reine,
    so würzige Weine.

    Um einer guten Predigt willen
  hätt’ keiner sich vom Platz bewegt;
  doch, gilt es, Gläser gut zu füllen,
  dann sind die Bursche gleich erregt.
    „Auf! lasset uns wandern!“
    Ruft einer dem andern.

    Sie wandern rüstig mit dem frühen.
  Bald steigt die Sonne drückend heiß,
  die Zunge lechzt, die Lippen glühen,
  und von der Stirne rinnt der Schweiß;
    da rieselt so helle
    vom Felsen die Quelle.

    Wie trinken sie in vollen Zügen!
  Doch als sie kaum den Durst gestillt,
  bezeigen sie ihr Mißvergnügen,
  daß hier nicht Wein, nur Wasser quillt:
    „O fades Getränke!
    O ärmliche Schwenke!“

    In seine vielverwobnen Gänge
  nimmt jetzt der Wald die Pilger auf;
  da stehn sie plötzlich im Gedränge,
  verworrnes Dickicht hemmt den Lauf.
    Sie irren, sie suchen,
    sie zanken und fluchen.

    Derweil hat sich in finstre Wetter
  die schwüle Sonne tief verhüllt;
  schon rauscht der Regen durch die Blätter,
  es zuckt der Blitz, der Donner brüllt;
    dann kommt es geflossen,
    unendlich ergossen.

    Bald wird der Forst zu tausend Inseln,
  zahllose Ströme brechen vor;
  hier hilft kein Toben, hilft kein Winseln,
  er muß hindurch, der edle Chor.
    O gründliche Taufe!
    O köstliche Traufe!

    Vor alters wurden Menschenkinder
  verwandelt oft in Quell und Fluß;
  auch unsre sieben arme Sünder
  bedroht ein gleicher Götterschluß.
    Sie triefen, sie schwellen,
    als würden sie Quellen.

    So, mehr geschwommen als gegangen,
  gelangen sie zum Wald hinaus;
  doch keine Schenke sehn sie prangen,
  sie sind auf gradem Weg nach Haus;
    schon rieselt so helle
    vom Felsen die Quelle.

    Da ist’s, als ob sie rauschend spreche:
  „Willkommen, saubre Brüderschar!
  Ihr habt geschmähet, töricht Freche,
  mein Wasser, das euch labend war.
    Nun seid ihr getränket,
    daß ihr daran denket.“

    So kam es, daß die sieben Brüder
  das Wasser fürchteten hinfort,
  und daß sie schwuren, niemals wieder
  zu nennen das verwünschte Wort,
    in keinerlei Weise,
    nicht laut und nicht leise.



Graf Eberstein

von

Ludwig Uhland.

  Zu Speier im Saale, da hebt sich ein Klingen,
  mit Fackeln und Kerzen ein Tanzen und Springen.
      Graf Eberstein
      führet den Reihn
  mit des Kaisers holdseligem Töchterlein.

  Und als er sie schwingt nun im luftigen Reigen,
  da flüstert sie leise (sie kann’s nicht verschweigen):
      „Graf Eberstein,
      hüte dich fein!
  Heut’ nacht wird dein Schlößlein gefährdet sein.“

  „Ei,“ denket der Graf, „Euer kaiserlich Gnaden,
  so habt Ihr mich darum zum Tanze geladen!“
      Er sucht sein Roß,
      läßt seinen Troß
  und jagt nach seinem gefährdeten Schloß.

  Um Ebersteins Feste, da wimmelt’s von Streitern,
  sie schleichen im Nebel mit Haken und Leitern.
      Graf Eberstein
      grüßet sie fein,
  er wirft sie vom Wall in die Gräben hinein.

  Als nun der Herr Kaiser am Morgen gekommen,
  da meint er, es seie die Burg schon genommen.
      Doch auf dem Wall
      tanzen mit Schall
  der Graf und seine Gewappneten all’:

  „Herr Kaiser, beschleicht Ihr ein andermal Schlösser,
  tut’s not, Ihr verstehet aufs Tanzen Euch besser.
      Euer Töchterlein
      tanzet so fein,
  dem soll meine Feste geöffnet sein.“

  Im Schlosse des Grafen, da hebt sich ein Klingen,
  mit Fackeln und Kerzen ein Tanzen und Springen.
      Graf Eberstein
      führet den Reihn
  mit des Kaisers holdseligem Töchterlein.

  Und als er sie schwingt nun im bräutlichen Reigen,
  da flüstert er leise, nicht kann er’s verschweigen:
      „Schön Jungfräulein,
      hüte dich fein!
  Heut nacht wird ein Schlößlein gefährdet sein.“



Spatz und Spätzin

von

Karl August Mayer.

    Auf dem Dache sitzt der Spatz,
  und die Spätzin sitzt daneben;
  und er spricht zu seinem Schatz:
  „Küsse mich, mein holdes Leben!

    „Bald nun wird der Kirschbaum blühn;
  Frühlingszeit ist so vergnüglich!
  Ach, wie lieb’ ich junges Grün,
  und die Erbsen ganz vorzüglich!“

    Spricht die Spätzin: „Teurer Mann,
  denke doch der neuen Pflichten!
  Fangen wir noch heute an,
  uns ein Nestchen einzurichten!“

    Spricht der Spatz: „Das Nesterbau’n,
  Eier brüten, Junge füttern
  und dem Mann den Kopf zu krau’n,
  liegt den Weibern ob und Müttern.“

    Spricht die Spätzin: „Du Barbar,
  soll ich bei der Arbeit schwitzen,
  und du willst nur immerdar
  zwitschern und herumstibitzen?“

    Spricht der Spaß: „Ich will dich hier
  mit zwei Worten kurz berichten:
  Für den Spatz ist das Pläsier,
  für die Spätzin sind die Pflichten!“



Böser Markt

von

Adelbert von Chamisso.

    Einer kam vom Königsmahle,
  in dem Park sich zu bewegen,
  aus dem Busch mit einem Male
  trat ein andrer ihm entgegen.
  Zwischen Rock und Kamisole
  griff der schnell, und die Pistole
  setzt er jenem auf die Brust.

    „Leise, leise! muß ich bitten;
  was wir hier für Handel treiben
  mag vom unberufnen Dritten
  füglich unbelauschet bleiben.
  Wollt Ihr Uhren nebst Gehänken
  wohl verkaufen, nicht verschenken?
  Nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ --

    „Mit Vergnügen!“ -- „Nimmer richtig
  ist die Dorfuhr noch gegangen;
  tut der Küster auch so wichtig,
  weiß er’s doch nicht anzufangen;
  jeder weiß in unsern Tagen,
  was die Glocke hat geschlagen;
  gottlob! nun erfahr’ ich’s auch.

    „Sagt mir ferner: Könnt Ihr missen,
  was da blinkt an Euern Fingern?
  Meine Hausfrau, sollt Ihr wissen,
  ist gar arg nach solchen Dingern;
  solche Ringe, solche Sterne,
  wie Ihr da habt, kauf’ ich gerne;
  nehmt drei Batzen Ihr dafür?“ --

    „Mit Vergnügen!“ -- „Habt Ihr künftig
  mehr zu handeln, laßt mich holen;
  edel seid Ihr und vernünftig,
  und ich lob’ Euch unverhohlen.
  Gleich mich dankbar Euch zu zeigen,
  laß’ ich jede Rücksicht schweigen
  und verkauf’ Euch, was Ihr wollt.

    „Seht den Ring da, den ich habe!
  Nur von Messing, schlecht, unscheinsam,
  aber, meiner Liebsten Gabe.
  Ach, sie starb, und ließ mich einsam!
  Nicht um einen Goldeshaufen ...!
  Aber Ihr, wollt Ihr ihn kaufen,
  Gebt mir zehn Dukaten nur!“ --

    „Mit Vergnügen!“ -- „Ei! was seh’ ich?
  Schöner Beutel, goldgeschwollen,
  du gefällst mir, das gesteh’ ich;
  die Pistole für den vollen!
  Sie ist von dem besten Meister,
  Kuchenreuter, glaub’ ich, heißt er,
  nehmt sie für den Beutel hin!“ --

    „Mit Vergnügen! Nun Geselle,
  ist die Reih’ an mich gekommen!
  Her den Beutel auf der Stelle!
  Her, was du mir abgenommen!
  Gib mir das Geraubte wieder,
  gleich! ich schieße sonst dich nieder,
  wie man einen Hund erschießt!“ --

    „Schießt nur, schießt nur! wahrlich Schaden
  wär’t ihr fähig anzurichten,
  wäre nur das Ding geladen.
  Ihr gefallt mir so mit nichten.
  Unfein dürft’ ich wohl Euch schelten;
  abgeschloss’ne Händel gelten,
  merkt es Euch, und gute Nacht!“

    Ihn verlachend unumwunden,
  Langgebeint, mit leichten Sätzen,
  war er in dem Busch verschwunden
  mit den eingetauschten Schätzen.
  Jener, mit dem Kuchenreuter
  in der Hand, sah nicht gescheuter
  aus, als Augenblicks zuvor.



Der rechte Barbier

von

Adelbert von Chamisso.

    „Und soll ich nach Philisterart
  mir Kinn und Wange putzen,
  so will ich meinen langen Bart
  den letzten Tag noch nutzen.
  Ja, ärgerlich, wie ich nun bin,
  vor meinem Groll, vor meinem Kinn
  soll mancher noch erzittern!

    „Holla! Herr Wirt, mein Pferd! macht fort!
  Ihm wird der Hafer frommen.
  Habt Ihr Barbierer hier im Ort?
  Laßt gleich den rechten kommen.
  Waldaus, waldein, verfluchtes Land!
  Ich ritt die Kreuz und Quer und fand
  doch nirgends noch den rechten.

    „Tritt her, Bartputzer, aufgeschaut!
  Du sollst den Bart mir kratzen;
  doch kitzlich sehr ist meine Haut,
  ich biete hundert Batzen;
  nur, machst du nicht die Sache gut,
  und fließt ein einz’ges Tröpflein Blut --
  fährt dir mein Dolch ins Herze.“

    Das spitze, kalte Eisen sah
  man auf dem Tische blitzen,
  und dem verwünschten Ding gar nah
  auf seinem Schemel sitzen
  den grimm’gen, schwarzbehaarten Mann,
  im schwarzen, kurzen Wams, woran
  noch schwärz’re Troddeln hingen.

    Dem Meister wird’s zu grausig fast;
  er will die Messer wetzen;
  er sieht den Dolch; er sieht den Gast;
  es packt ihn das Entsetzen;
  er zittert wie das Espenlaub,
  er macht sich plötzlich aus dem Staub
  und sendet den Gesellen.

    „Einhundert Batzen mein Gebot,
  falls du die Kunst besitzest;
  doch, merk es dir, dich stech ich tot,
  so du die Haut mir ritzest.“
  Und der Gesell: „Den Teufel auch!
  Das ist des Landes nicht der Brauch.“
  Er läuft und schickt den Jungen.

    „Bist du der Rechte, kleiner Molch?
  Frisch auf! fang an zu schaben.
  Hier ist das Geld, hier ist der Dolch,
  das beides ist zu haben!
  Und schneidest, ritzest du mich bloß,
  so geb’ ich dir den Gnadenstoß;
  du wärest nicht der erste.“

    Der Junge denkt der Batzen, druckst
  nicht lang’ und ruft verwegen:
  „Nur still gesessen, nicht gemuckst!
  Gott geb Euch seinen Segen!“
  Er seift ihn ein ganz unverdutzt,
  er wetzt, er stutzt, er kratzt, er putzt:
  „Gottlob! nun seid Ihr fertig.“

    „Nimm, kleiner Knirps, dein Geld nur hin;
  du bist ein wahrer Teufel!
  Kein andrer mochte den Gewinn,
  du hegtest keinen Zweifel;
  es kam das Zittern dich nicht an,
  und wenn ein Tröpflein Blutes rann,
  so stach ich dich doch nieder.“

    „Ei! guter Herr, so stand es nicht,
  ich hielt Euch an der Kehle;
  verzucktet Ihr nur das Gesicht
  und ging der Schnitt mir fehle,
  so ließ ich Euch dazu nicht Zeit;
  entschlossen war ich und bereit,
  die Kehl’ Euch abzuschneiden.“

    „So, so! ein ganz verwünschter Spaß!“
  Dem Herrn ward’s unbehäglich;
  er wurd’ auf einmal leichenblaß
  und zitterte nachträglich:
  „So, so! das hatt’ ich nicht bedacht,
  doch hat es Gott noch gut gemacht;
  ich will’s mir aber merken.“



Blücher am Rhein

von

August Kopisch.

(Ende des Jahres 1813.)

    Die Heere blieben am Rheine stehn:
  Soll man hinein nach Frankreich gehn?
  Man dachte hin und wider nach,
  allein der alte Blücher sprach:
    „Generalkarte her!
  Nach Frankreich gehn ist nicht so schwer.
  Wo steht der Feind?“
    „Der Feind? -- Dahier!“
  „Den Finger drauf! Den schlagen wir!
  Wo liegt Paris?“
    „Paris? -- Dahier!“
  „Den Finger drauf, das nehmen wir!
  Nun schlagt die Brücken übern Rhein!
  Ich denke, der Champagnerwein
  wird, wo er wächst, am besten sein.“



Der große Krebs im Mohriner See

von

August Kopisch.

(Volkssage.)

    Die Stadt Mohrin hat immer acht,
  guckt in den See bei Tag und Nacht,
  kein gutes Christenkind erleb’s,
  daß los sich reiß’ der große Krebs!
  Er ist im See mit Ketten geschlossen unten an,
  weil er dem ganzen Lande Verderben bringen kann.

    Man sagt: er ist viel Meilen groß
  und wend’t sich oft und, kommt er los,
  so währt’s nicht lang, er kommt ans Land:
  ihm leistet keiner Widerstand.
  Und weil das Rückwärtsgehen bei Krebsen alter Brauch,
  so muß denn alles mit ihm zurücke gehen auch.

    Das wird ein Rückwärtsgehen sein!
  Steckt einer was ins Maul hinein,
  so kehrt der Bissen, vor dem Kopf,
  zurück zum Teller und zum Topf.
  Das Brot wird wieder zu Mehle, das Mehl wird wieder Korn --
  und alles hat beim Gehen den Rücken dann nach vorn.

    Der Balken löst sich aus dem Haus
  und rauscht als Baum zum Wald hinaus,
  der Baum kriecht wieder in den Keim,
  der Ziegelstein wird wieder Leim.
  Der Ochse wird zum Kalbe, das Kalb geht nach der Kuh,
  die Kuh wird auch zum Kalbe, so geht es immerzu!

    Zur Blume kehrt zurück das Wachs,
  das Hemd am Leibe wird zu Flachs,
  der Flachs wird wieder blauer Lein
  und kriecht dann in den Acker ein.
  Man sagt, beim Bürgermeister zuerst die Not beginnt,
  der wird vor allen Leuten zuerst ein Päppelkind.

    Dann muß der edle Rat daran,
  der wohlgewitzte Schreiber dann;
  die erbgeseßne Bürgerschaft
  verliert gemach die Bürgerkraft.
  Der Rektor in der Schule wird wie ein Schülerlein,
  kurz, eines nach dem andern wird Kind und dumm und klein.

    Und alles kehrt im Erdenschoß
  zurück zu Adams Erdenkloß.
  Am längsten hält, was Flügel hat,
  doch wird zuletzt auch dieses matt,
  die Henne wird zum Küchlein, das Küchlein kriecht ins Ei,
  das schlägt der große Krebs dann mit seinem Schwanz entzwei.

    Zum Glücke kommt’s wohl nie soweit!
  Noch blüht die Welt in Fröhlichkeit!
  Die Obrigkeit hat wacker acht,
  daß sich der Krebs nicht locker macht.
  Auch für dies arme Liedchen wär’ das ein schlechtes Glück:
  Es lief vom Mund der Leute ins Tintenfaß zurück!



Maley und Malone

von

August Kopisch.

    Auf einer Insel im Meere,
  da lebten der Hirten zwei,
  der eine hieß Malone,
  der andre hieß Maley.

    Sie hatten eine Herde
  von Schafen beid’ ererbt:
  die Erbschaft hat Malonen
  sowie Maleyn verderbt.

    Einst trieben sie zusammen;
  doch wie im Kriege ging’s;
  der wollte rechtshin treiben,
  der trieb dann wieder links.

    Und endlich kam’s zum Teilen,
  da blieb zuletzt ein Schaf:
  der Zank um dieses brachte
  sie erst um Ruh’ und Schlaf!

    Malone wollt’ es schlachten:
  „Wir haun es dann entzwei!“ --
  „Erst soll es Wolle geben!“
  behauptete Maley. --

    Maley bedurfte Strümpfe:
  „Komm’ scheren wir es heut!“
  Malone meint: es wäre
  zum Scheren nicht die Zeit.

    „So scher’ ich meine Seite,
  scher’ du die andre dann!“
  Malone wollt’s nicht leiden;
  doch hat’s Maley getan! --

    Nun fiel das Schaf vom Winde
  in einen Felsenspalt,
  man zog es vor am Morgen,
  da war es tot und kalt.

    „Maley, das Schaf erfror da,
  weil du’s geschoren hast!“
  „Nein,“ sprach Maley, „es stürzte,
  weil es der Sturm erfaßt.

    „Hättst du es auch geschoren,
  so faßte Sturm es nicht;
  und, faßt’ er’s auch, es hielt sich
  doch mehr im Gleichgewicht!“

    Sie gehen vor die Richter
  und klagen mit großem Schall --
  „Ei,“ sagten da die Herren,
  „welch intressanter Fall!“

    Sie schlugen nach die Bücher,
  man zankte manch ein Jahr:
  bis Maley und Malone
  ohne Schaf’ und Wolle war.



Grad’ aus dem Wirtshaus

von

Heinrich von Mühler.

    Grad’ aus dem Wirtshaus nun komm’ ich heraus!
  Straße, wie wunderlich siehst du mir aus;
  rechter Hand, linker Hand, beides vertauscht,
  Straße, ich merk’ es wohl, du bist berauscht!

    Was für ein schief’ Gesicht, Mond, machst denn du!
  Ein Auge hat er auf, eins hat er zu!
  Du wirst betrunken sein, das seh’ ich hell;
  schäme dich, schäme dich, alter Gesell!

    Und die Laternen erst -- was muß ich sehn,
  die können alle nicht grade mehr stehn,
  wackeln und fackeln, die Kreuz und die Quer,
  scheinen betrunken mir allesamt schwer.

    Alles im Sturme rings, Großes und Klein;
  wag’ ich darunter mich, nüchtern allein?
  Das scheint bedenklich mir, ein Wagestück!
  Da geh’ ich lieber ins Wirtshaus zurück!



Der Krähwinkler Landsturm.

(Volksweise 1813.)

    Nur immer langsam voran, nur immer langsam voran,
  daß der Krähwinkler Landsturm nachkommen kann.
  Hätt’ der Feind unsre Stärke schon früher so gekennt,
  wär’ er wahrlich schon früher zum Teufel gerennt!
  Nur immer langsam voran, nur immer langsam voran,
  daß der Krähwinkler Landsturm nachkommen kann.

    Nun marschieren wir gerade nach Paris herein,
  dort, Kinder, soll das Rauchen nicht verboten sein.

    Unser Hauptmann, der ist ein kreuzbraver Mann,
  nur schade, daß er’s Schießen nicht vertragen kann.

    Unser Leutnant, der ist von Dinkelsbühl,
  Courage hat er wohl, aber nicht sehr viel.

    Nun sind wir schon 50 Meilen weit marschiert,
  und 30000 Mann sein erst krepiert.

    Das Marschieren, das nimmt heut gar kein End’,
  das macht, weil der Leutnant die Landkart’ nicht kennt.

    Hat denn keiner den Fähnrich mit der Fahne gesehn?
  Man weiß ja gar nicht, wie der Wind tut wehn.

    Unser Fähnrich steht mit der Fahn’ auf der Bruck,
  wenn es kracht, läuft er immer ganz geschwinde zuruck.

    Tambour, strapezier’ doch die Trommel nicht so sehr,
  alleweil sind die Kalbfell’ so wohlfeil nicht mehr!

    Doch der Oberst, das ist ein Mann von Courage,
  der beschützt unser Brot und unsre Bagage.

    Herr Hauptmann, mein Hintermann, geht immer so im Trab,
  er tritt mir noch die Hinterhacken ab!

    Wird, Kinder, allweil euch zu schwer das Gepäck,
  schmeißt vorderhand die Gewehre weg.

    In der Festung war’s doch gar zu schön,
  dort konnt man den Feind durch die Gucklöcher sehn.

    Ach, wie wird’s uns in Frankreich noch ergehn!
  Dort kann kein Mensch das Deutsch verstehn.

    Du, gib mir einmal den Schnapskolben her!
  Im Krieg, da durstet einen gar zu sehr!

    Reißt aus, reißt aus, reißt alle, alle aus!
  Dort steht ein französisches Schilderhaus!

    Die Franzosen, die schießen so ins Blaue hinein;
  sie bedenken nicht, daß da könnten Menschen sein.

    Bei Leipzig in der großen Völkerschlacht,
  da hätten wir beinah’ ein’ Gefangnen gemacht.

    Und als auf der Brucken eine Bombe geplatzt,
  potz Wetter, wie sind wir da ausgekratzt!

    Denn wenn so ’n Beest am End’ einen trifft,
  hilft einen der ganze Feldzug nicht.

    Jetzt, Bauern, kocht’s Knödel und Hirsebrei,
  wenn der Landsturm kommt, wird er hungrig sei’.



Schlendrian

(Verfasser unbekannt).

    Ich gehe meinen Schlendrian
  und trinke meinen Wein,
  und wenn ich nicht bezahlen kann,
  so ist die Sorge mein.
  Ja, schlüg’ ich auch dies Glas
  in hunderttausend Trümmern,
  so hat sich doch kein Mensch,
  kein Mensch darum zu kümmern! --

    Ich gehe meinen Schlendrian,
  zieh’ an, was mir gefällt;
  und wenn ich’s nicht mehr tragen kann,
  so mach’ ich es zu Geld,
  und sollte auch mein Hemd
  durch tausend Löcher schimmern,
  so hat sich doch kein Mensch,
  kein Mensch darum zu kümmern.

    Ich gehe meinen Schlendrian
  bis an mein kühles Grab,
  und schlägt mir auch der Sensenmann
  den letzten Segen ab.
  Ja, sollt’ ich auch dereinst
  noch in der Hölle wimmern,
  so hat sich doch kein Mensch,
  kein Mensch darum zu kümmern.



Vom schlafenden Apfel

von

Robert Reinick.

    Im Baum, im grünen Bettchen,
  hoch oben sich ein Apfel wiegt,
  der hat so rote Bäckchen,
  man sieht’s, daß er im Schlafe liegt.

    Ein Kind steht unterm Baume,
  das schaut und schaut und ruft hinauf:
  „Ach, Apfel, komm herunter!
  Hör endlich doch mit Schlafen auf.“

    Es hat ihn so gebeten,
  glaubt ihr, der wäre aufgewacht?
  Er rührt sich nicht im Bette,
  sieht aus, als ob im Schlaf er lacht.

    Da kommt die liebe Sonne
  am Himmel hoch daherspaziert. --
  „Ach, Sonne, liebe Sonne!
  Mach du, daß sich der Apfel rührt!“

    Die Sonne spricht: „Warum nicht?“
  Und wirft ihm Strahlen ins Gesicht.
  Küßt ihn dazu so freundlich,
  der Apfel aber rührt sich nicht.

    Nu schau! da kommt ein Vogel
  und setzt sich auf den Baum hinauf.
  „Ei, Vogel, du mußt singen,
  gewiß, gewiß, das weckt ihn auf!“

    Der Vogel wetzt den Schnabel
  und singt ein Lied, so wundernett,
  und singt aus voller Kehle --
  der Apfel rührt sich nicht im Bett! -- --

    Und wer kam nun gegangen?
  Es war der Wind, den kenn’ ich schon,
  der küßt nicht und der singt nicht,
  der pfeift aus einem andern Ton.

    Er stemmt in beide Seiten
  die Arme, bläst die Backen auf
  und bläst und bläst und richtig --
  der Apfel wacht erschrocken auf

    und springt vom Baum herunter
  grad in die Schürze von dem Kind,
  das hebt ihn auf und freut sich
  und ruft: „Ich danke schön, Herr Wind!“



Das Männlein in der Gans

von

Friedrich Rückert.

    Das Männlein ging spazieren einmal
  auf dem Dach, ei seht doch!
  Das Männlein ist hurtig, das Dach ist schmal,
  gib acht, es fällt noch.
  Eh sich’s versieht, fällt’s vom Dach herunter,
  und bricht den Hals nicht, das ist ein Wunder.

    Unter dem Dach steht ein Wasserzuber,
  hinein fällt’s nicht schlecht;
  da wird es naß über und über,
  ei, das geschieht ihm recht.
  Da kommt die Gans gelaufen,
  die wird’s Männlein saufen.

    Die Gans hat’s Männlein ’nuntergeschluckt,
  sie hat einen guten Magen;
  aber das Männlein hat sie doch gedruckt,
  das wollt’ ich sagen.
  Da schreit die Gans ganz jämmerlich;
  das ist der Köchin ärgerlich.

    Die Köchin wetzt das Messer,
  sonst schneidt’s ja nicht:
  Die Gans schreit so, es ist nicht besser,
  als daß man sie sticht;
  wir wollen sie nehmen und schlachten
  zum Braten auf Weihnachten.

    Sie rupft die Gans und nimmt sie aus,
  und brät sie,
  aber das Männlein darf nicht ’raus,
  versteht sich.
  Die Gans wird eben gebraten;
  wie kann’s dem Männlein schaden?

    Weihnachten kommt die Gans auf den Tisch
  im Pfännlein;
  der Vater tut sie ’raus und zerschneid’t sie frisch.
  Und das Männlein?
  Wie die Gans ist zerschnitten,
  kriecht’s Männlein aus der Mitten.

    Da springt der Vater vom Tisch auf,
  da wird der Stuhl leer;
  da setzt das Männlein sich drauf,
  und macht sich über die Gans her.
  Es sagt: Du hast mich gefressen,
  jetzt will ich dich dafür essen.

    Da ißt das Männlein gewaltig drauf los,
  als wären seiner sieben;
  da essen wir alle dem Männlein zum Trotz,
  da ist nichts übergeblieben
  von der ganzen Gans als ein Tätzlein,
  das kriegen dort hinten die Kätzlein.

    Nichts kriegt die Maus,
  das Märlein ist aus.
  Was ist denn das?
  Ein Weihnachts-Spaß;
  aufs Neujahr lernst
  du, was?
  den Ernst.



Dichters Naturgefühl

von

Annette von Droste-Hülshoff.

    Es war an einem jener Tage,
  wo Lenz und Winter sind im Streit,
  wo naß das Veilchen klebt am Hage,
  kurz, um die erste Maienzeit;
  ich suchte keuchend mir den Weg
  durch sumpf’ge Wiesen, dürre Raine,
  wo matt die Kröte hockt’ am Steine,
  die Eidechs schlüpfte übern Steg.

    Durch hundert kleine Wassertruhen,
  die wie verkühlter Spülicht stehn,
  zu stelzen mit den Gummischuhen,
  bei Gott, heißt das Spazierengehn?
  Natur, wer auf dem Haberrohr
  in Jamben, Stanzen, süßen Phrasen
  so manches Loblied dir geblasen,
  dem stell’ dich auch manierlich vor!

    Da ließ zurück den Schleier wehen
  die eitle viel besungne Frau,
  als fürchte sie des Dichters Schmähen;
  im Sonnenlichte stand die Au,
  und bei dem ersten linden Strahl
  stieg eine Lerche aus den Schollen
  und ließ ihr Tirilirum rollen
  recht wacker durch den Äthersaal.

    Die Quellchen, glitzernd wie kristallen --
  die Zweige glänzend emailliert --
  das kann dem Kenner schon gefallen,
  ich nickte lächelnd: „Es passiert!“
  Und stapfte fort in eine Schluft,
  es war ein still und sonnig Fleckchen,
  wo tausend Anemonenglöckchen
  umgaukelten des Veilchens Duft.

    Das üpp’ge Moos -- der Lerchen Lieder --
  der Blumen Flor -- des Krautes Keim --
  auf meinen Mantel saß ich nieder
  und sann auf einen Frühlingsreim.
  Da -- alle Musen, welch ein Ton! --
  Da kam den Rain entlang gesungen
  so eine Art von dummen Jungen,
  der Friedrich, meines Schreibers Sohn.

    Den Efeukranz im flächsnen Haare,
  in seiner Hand den Veilchenstrauß,
  so trug er seine achtzehn Jahre
  romantisch in den Lenz hinaus.
  Nun schlüpft’ er durch des Hagens Loch,
  nun hing er an den Dornenzwecken
  wie Abrams Widder in den Hecken,
  und in den Dornen pfiff er noch.

    Bald hatt’ er beugend, gleitend, springend,
  den Blumenanger abgegrast
  und rief nun, seine Mähnen schwingend:
  „Viktoria, Trompeten, blast!“
  Dann flüstert’ er mit süßem Hall:
  „O, wären es die schwed’schen Hörner!“
  Und dann begann ein Lied von Körner;
  fürwahr, du bist ’ne Nachtigall!

    Ich sah ihn, wie er an dem Walle
  im feuchten Moose niedersaß
  und nun die Veilchen, Glöckchen alle
  mit sel’gem Blick zu Sträußen las,
  auf seiner Stirn den Sonnenstrahl;
  mich faßt’ ein heimlich Unbehagen,
  warum? Ich weiß es nicht zu sagen,
  der fade Bursch’ war mir fatal.

    Noch war ich von dem blinden Hessen
  auf meinem Mantel nicht gesehn,
  und so begann ich zu ermessen,
  wie übel ihm von Gott geschehn:
  o Himmel, welch ein traurig Los,
  das Schicksal eines dummen Jungen,
  der zum Kopisten sich geschwungen
  und auf den Schreiber steuert los!

    Der in den kargen Feierstunden
  Romane von der Zofe borgt,
  beklagt des Löwenritters Wunden
  und seufzend um den Posa sorgt,
  der seine Zelle, kalt und klein,
  schmückt mit Aladdins Zaubergabe
  und an dem Quell, wie Schillers Knabe,
  Violen schwingt in Kränzelein!

    In dessen wirbelndem Gehirne
  das Leben spukt, gleich einer Fei,
  der -- hastig fuhr ich an die Stirne:
  „Wie, eine Mücke schon im Mai?“
  und trabte zu der Schlucht hinaus,
  hohl hustend, mit beklemmter Lunge,
  und drinnen blieb der dumme Junge
  und pfiff zu seinem Veilchenstrauß!



Die Stubenburschen

von

Annette von Droste-Hülshoff.

    Sie waren beide froh und gut
  und mochten ungern scheiden;
  die Jahre fliehn, es lischt der Mut,
  der Tag bringt Freud’ und Leiden,
  Geschäft will Zeit, und Zeit ist schnell,
  so unterblieb das Schreiben,
  doch öfters sprach Emanuel:
  „Was mag der Franzel treiben?“

    Da trat einst Wintermorgens früh
  ein Mann in seine Stube,
  seltsam verschabt wie ein Genie
  und hager wie Coeur-Bube,
  sah ihn so glau und pfiffig an
  und blinzelt vor Behagen:
  „Emanuel, du Hampelmann!
  Willst du mir denn nichts sagen?“

    „Er ist es!“ rief der Doktor aus
  und reicht ihm beide Hände.
  „Willkomm, willkomm! wie siehst du aus?
  Ei, munter und behende.“ --
  „Ha,“ rief der andre, „Sapperment,
  man sieht, du darfst nicht sorgen!
  Wie rot du bist, wie korpulent!
  Du hast dich wohl geborgen.“

    Drauf saß man zu Kamin und Wein,
  ließ von der Glut sich rösten
  und ätzte sich mit Schmeichelein,
  den Alternden zu trösten.
  Ein jeder warf den Hamen hin
  als wohlgeübter Fischer,
  und jeder dachte still: „Ich bin
  gewiß um zehn Jahr frischer.“

    Man schüttelte die Hände derb,
  dann ging es an ein Fragen.
  Reich war des Medikus Erwerb,
  und dennoch mocht’ er klagen.
  Er sah den Franz bedenklich an
  und dacht’, er steck’ in Schulden,
  doch dieser prahlt’: er sei ein Mann
  von „täglich seinem Gulden“.

    +Zwei+ Jahre hat er nur gespart
  und dann, ein kecker Kämpfer,
  gerasselt mit der Eisenfahrt,
  gestrudelt mit dem Dämpfer!
  O wie er die „Stadt Leyden“ pries
  und der Kajüte Gleißen!
  Nach seiner Meinung dürfte sie
  „Viktoria“ nur heißen.

    Das hat den Medikus gerührt,
  ihm den bescheidnen Schlucker
  lebendig vor das Aug’ geführt,
  der Klöße aß wie Zucker.
  Und gar als jener sprach: „Denkst du
  noch an die halbe Flasche?“
  Der Doktor kniff die Augen zu
  und klimpert’ in der Tasche.

    Dann ging es weiter: „Denkst du dort?
  und denkst du dies? und jenes?“
  Die Bilder wogten lustig fort,
  viel Herzliches und Schönes.
  Wie Abendrot zog ins Gemach
  ein frischer Jugendodem
  und überhauchte nach und nach
  der Pillenschachteln Brodem.

    Am nächsten Morgen hat man kaum
  den Doktor mögen kennen,
  man sah ihn lächeln wie im Traum
  und seine Wangen brennen;
  im heiligen Studierklosett
  hört’ man die Gläser klingen
  und ein mißtöniges Duett
  aus Uhukehlen dringen.

    Nicht litt am Blute mehr der Mann,
  am Podagra und Griese;
  sah er den dürren Franzel an,
  so schien er sich ein Riese;
  hat er den Franzel angesehn
  mit seinem Gulden täglich,
  so mußt’ er selber sich gestehn,
  es geh’ ihm ganz erträglich.

    Doch als der dritte Tag entschwand,
  da sah man auch die beiden
  betrübten Auges stehn am Strand,
  und wieder hieß es: Scheiden!
  „Leb’ wohl, Emanuel, leb’ wohl!“ --
  „Leb’ wohl, du alte Seele!“
  Und die „Stadt Leyden“ rauschte hohl
  durch Dunst und Wogenschwele.

    Drei Monde hat das Jahr gebracht,
  seit Franzel ist geschieden,
  mit ihm des Hypochonders Macht;
  der Doktor lebt in Frieden.
  Und will der Dämon hier und dort
  sich schleichend offenbaren,
  so geht er an des Rheines Bord
  und sieht „Stadt Leyden“ fahren.



Führ’ uns nicht in Versuchung!

von

Franz von Gaudy.

  Da ständ’ ich wieder an der Ecke!
    Höchst wunderbar! Wie kam es nur?
  Die Beine wollen nicht vom Flecke,
    recht nach Philisterpferds-Natur.
  Der Weinkranz, der im Winde schwanket,
    er winkt und winkt: So tritt doch ein!
  Ja, locke nur! Gott sei’s gedanket,
    auf ewig schwur ich ab dem Wein.

  ’s ist doch recht heiß! Mir klebt die Zunge
    am Gaumen. Wie die Sonne sticht!
  Der Kellner grüßt. Schön Dank, mein Junge!
    Was sagst du? Laut! -- Ich höre nicht. --
  Leicht möglich, daß ich was vergessen --
    wohl gar vom letzten Male her
  die Zeche. Zahlen gern -- indessen
    Wein trinken -- nun und nimmermehr!

  Was gibt es? Nichts? -- Der Schlingel freute
    sich nur, mich so gesund zu sehn.
  Das ist wohl hübsch, mein Kind, doch heute --
    ich bin -- ich habe -- ich muß gehn.
  Nein, nein -- ich sagt’ es klar und deutlich:
    ich trinke nicht. Wem soll dies Glas? --
  Ei, nun, die Blume ist ganz leidlich --
    und, was du sagst, vom neuen Faß?

  Nun ja, für Wein vom vor’gen Jahre
    passiert er, läßt sich wacker an.
  Doch weißt du, daß mit junger Ware
    ich nie mich recht befreunden kann.
  Ja, meine alte Sorte kennst du --
    bring mir ein Achtel doch von der --
  ein Schöppchen höchstens -- und -- was rennst du --
    bring lieber gleich ’ne Ganze her.

  Wie kommt’s, daß, geht erst auf die Neige
    die Flasche, stets das letzte Glas
  am liebenswürdigsten sich zeige?
    Ein Phänomen -- wie deut’ ich das?
  Heißt es: noch eine? -- Ob ich’s wage?
    Sie sprechen: So jung käme man
  nicht mehr zusammen. -- Nun, ich frage
    beim Schicksal, Knöpfe zählend, an.

  Ja -- nein -- ja -- nein -- -- Wie? schon der letzte?
    O weh, der letzte Knopf brummt: nein.
  Das harte Schicksal widersetzte
    sich meinem Durst -- es soll nicht sein. --
  Und weil der Spruch mit nein beschlossen,
    wär’ ich gebunden? Kinderei!
  Nein, just dem dummen Knopf zum Possen
    trink’ ich noch eine -- ja, noch zwei.



Im Hafen

von

Heinrich Heine.

    Glücklich der Mann, der den Hafen erreicht hat,
  und hinter sich ließ das Meer und die Stürme,
  und jetzo warm und ruhig sitzt
  im guten Ratskeller zu Bremen.

    Wie doch die Welt so traulich und lieblich
  im Römerglas sich wiederspiegelt,
  und wie der wogende Mikrokosmus
  sonnig hinabfließt ins durstige Herz!
  Alles erblick’ ich im Glas,
  alte und neue Völkergeschichte,
  Türken und Griechen, Hegel und Gans,
  Zitronenwälder und Wachtparaden,
  Berlin und Schilda und Tunis und Hamburg,
  vor allem aber das Bild der Geliebten,
  das Engelköpfchen auf Rheinweingoldgrund.

    O, wie schön! wie schön bist du, Geliebte!
  Du bist wie eine Rose!
  Nicht wie die Rose von Schiras,
  die Hafis-besungene Nachtigallbraut;
  nicht wie die Rose von Saron,
  die heiligrote, prophetengefeierte; --
  du bist wie die Ros’ im Ratskeller zu Bremen!
  Das ist die Rose der Rosen,
  je älter sie wird, je lieblicher blüht sie,
  und ihr himmlischer Duft, er hat mich beseligt,
  er hat mich begeistert, er hat mich berauscht,
  und hielt mich nicht fest, am Schopfe fest,
  der Ratskellermeister von Bremen,
  ich wäre gepurzelt!

    Der brave Mann! wir saßen beisammen
  und tranken wie Brüder,
  wir sprachen von hohen, heimlichen Dingen,
  wir seufzten und sanken uns in die Arme,
  und er hat mich bekehrt zum Glauben der Liebe --
  ich trank auf das Wohl meiner bittersten Feinde,
  und allen schlechten Poeten vergab ich,
  wie einst mir selber vergeben soll werden;
  ich weinte vor Andacht, und endlich
  erschlossen sich mir die Pforten des Heils,
  wo die zwölf Apostel, die heil’gen Stückfässer,
  schweigend pred’gen, und doch so verständlich
  für alle Völker.

    Das sind Männer!
  unscheinbar von außen, in hölzernen Röcklein,
  sind sie von innen schöner und leuchtender
  denn all die stolzen Leviten des Tempels
  und des Herodes Trabanten und Höflinge,
  die goldgeschmückten, die purpurgekleideten --
  hab’ ich doch immer gesagt,
  nicht unter ganz gemeinen Leuten,
  nein, in der allerbesten Gesellschaft
  lebte beständig der König des Himmels!

    Hallelujah! Wie lieblich umwehn mich
  die Palmen von Beth-El!
  Wie duften die Myrrhen von Hebron!
  Wie rauscht der Jordan und taumelt vor Freude! --
  Auch meine unsterbliche Seele taumelt,
  und ich taumle mit ihr, und taumelnd
  bringt mich die Treppe hinauf, ans Tageslicht,
  der brave Ratskellermeister von Bremen.

    Du braver Ratskellermeister von Bremen!
  Siehst du, auf den Dächern der Häuser sitzen
  die Engel und sind betrunken und singen;
  die glühende Sonne dort oben
  ist nur eine rote, betrunkene Nase,
  die Nase des Weltgeists;
  und um die rote Weltgeistnase
  dreht sich die ganze, betrunkene Welt.



Mir träumt: ich bin der liebe Gott

von

Heinrich Heine.

    Mir träumt: ich bin der liebe Gott
  und sitz im Himmel droben,
  und Englein sitzen um mich her,
  die meine Verse loben.

    Und Kuchen ess’ ich und Konfekt
  für manchen lieben Gulden,
  und Kardinal trink’ ich dabei,
  und habe keine Schulden.

    Doch Langeweile plagt mich sehr,
  ich wollt’, ich wär’ auf Erden,
  und wär’ ich nicht der liebe Gott,
  ich könnt’ des Teufels werden.

    „Du langer Engel Gabriel,
  geh, mach dich auf die Sohlen,
  und meinen teuern Freund Eugen
  sollst du herauf mir holen.

    „Such ihn nicht im Kollegium,
  such ihn beim Glas Tokaier;
  such ihn nicht in der Hedwigskirch’,
  such ihn bei Mamsell Meyer.“

    Da breitet aus sein Flügelpaar
  und fliegt herab der Engel,
  und packt ihn auf, und bringt herauf
  den Freund, den lieben Bengel.

    „Ja, Jung’, ich bin der liebe Gott,
  und ich regier’ die Erde!
  Ich hab’s ja immer dir gesagt,
  daß ich was Rechts noch werde.

    „Und Wunder tu’ ich alle Tag’,
  die sollen dich entzücken!
  Und dir zum Spaße will ich heut’
  die Stadt Berlin beglücken.

    „Die Pflastersteine auf der Straß’,
  die sollen jetzt sich spalten,
  und eine Auster, frisch und klar,
  soll jeder Stein enthalten.

    „Ein Regen von Zitronensaft
  soll tauig sie begießen,
  und in den Straßengössen soll
  der beste Rheinwein fließen.“

    Wie freuen die Berliner sich,
  sie gehen schon ans Fressen;
  die Herren von dem Landgericht,
  die saufen aus den Gössen.

    Wie freuen die Poeten sich
  bei solchem Götterfraße!
  Die Leutnants und die Fähnerichs,
  die lecken ab die Straße.

    Die Leutnants und die Fähnerichs,
  das sind die klügsten Leute,
  sie denken: alle Tag’ geschieht
  kein Wunder so wie heute.



Rhampsenit

von

Heinrich Heine.

    Als der König Rhampsenit
  eintrat in die goldne Halle
  seiner Tochter, lachte diese,
  lachten ihre Zofen alle.

    Auch die Schwarzen, die Eunuchen,
  stimmten lachend ein, es lachten
  selbst die Mumien, selbst die Sphinxe,
  daß sie schier zu bersten dachten.

    Die Prinzessin sprach: „Ich glaubte
  schon den Schatzdieb zu erfassen,
  der hat aber einen toten
  Arm in meiner Hand gelassen.

    „Jetzt begreif’ ich, wie der Schatzdieb
  dringt in deine Schatzhauskammern,
  und die Schätze dir entwendet,
  trotz den Schlössern, Riegeln, Klammern.

    „Einen Zauberschlüssel hat er,
  der erschließet allerorten
  jede Türe, widerstehen
  können nicht die stärksten Pforten.

    „Ich bin keine starke Pforte,
  und ich hab’ nicht widerstanden;
  Schätze hütend diese Nacht
  kam ein Schätzlein mir abhanden.“

    So sprach lachend die Prinzessin
  und sie tänzelt im Gemache,
  und die Zofen und Eunuchen
  hoben wieder ihre Lache.

    An demselben Tag ganz Memphis
  lachte, selbst die Krokodile
  reckten lachend ihre Häupter
  aus dem schlammig gelben Nile,

    Als sie Trommelschlag vernahmen
  und sie hörten an dem Ufer
  folgendes Reskript verlesen
  von dem Kanzelei-Ausrufer:

    „Rhampsenit, von Gottes Gnaden
  König zu und in Ägypten,
  wir entbieten Gruß und Freundschaft
  unsern Vielgetreun und Liebden.

    „In der Nacht vom dritten zu dem
  vierten Junius des Jahres
  dreizehnhundert vierundzwanzig
  vor Christi Geburt, da war es,

    „Daß ein Dieb aus unserm Schatzhaus
  eine Menge von Juwelen
  uns entwendet; es gelang ihm
  uns auch später zu bestehlen.

    „Zur Ermittelung des Täters
  ließen schlafen wir die Tochter
  bei den Schätzen -- doch auch jene
  zu bestehlen schlau vermocht’ er.

    „Um zu steuern solchem Diebstahl
  und zu gleicher Zeit dem Diebe
  Unsre Sympathie zu zeigen,
  Unsre Ehrfurcht, Unsre Liebe,

    „Wollen wir ihm zur Gemahlin
  Unsre einz’ge Tochter geben,
  und ihn auch als Thronnachfolger
  in den Fürstenstand erheben.

    „Sintemal uns die Adresse
  Unsres Eidams noch zur Stunde
  unbekannt, soll dies Reskript ihm
  bringen Unsrer Gnade Kunde.

    „So geschehn den dritten Jänner
  dreizehnhundert zwanzig sechs
  vor Christi Geburt. -- Signieret
  von Uns: Rhampsenitus Rex.“

    Rhampsenit hat Wort gehalten,
  nahm den Dieb zum Schwiegersohne,
  und nach seinem Tode erbte
  auch der Dieb Ägyptens Krone.

    Er regierte wie die andern,
  schützte Handel und Talente;
  wenig, heißt es, ward gestohlen
  unter seinem Regimente.



Zwei Ritter

von

Heinrich Heine.

    Krapülinski und Waschlapski,
  Polen aus der Polackei,
  fochten für die Freiheit, gegen
  Moskowiter-Tyrannei.

    Fochten tapfer und entkamen
  endlich glücklich nach Paris --
  leben bleiben, wie das Sterben
  für das Vaterland ist süß.

    Wie Achilles und Patroklus,
  David und sein Jonathan
  liebten sich die beiden Polen,
  küßten sich: „Kochan! Kochan!“

    Keiner je verriet den andern,
  blieben Freunde, ehrlich, treu,
  ob sie gleich zwei edle Polen,
  Polen aus der Polackei.

    Wohnten in derselben Stube,
  schliefen in demselben Bette!
  Eine Laus und eine Seele,
  kratzten sie sich um die Wette.

    Speisten in derselben Kneipe,
  und da keiner wollte leiden,
  daß der andre für ihn zahle,
  zahlte keiner von den beiden.

    Auch dieselbe Henriette
  wäscht für beide edle Polen;
  trällernd kommt sie jeden Monat --
  um die Wäsche abzuholen.

    Ja, sie haben wirklich Wäsche,
  jeder hat der Hemden zwei,
  ob sie gleich zwei edle Polen,
  Polen aus der Polackei.

    Sitzen heute am Kamine,
  wo die Flammen traulich flackern;
  draußen Nacht und Schneegestöber
  und das Rollen von Fiakern.

    Eine große Bowle Punsch
  (es versteht sich: unverzückert,
  unversäuert, unverwässert)
  haben sie bereits geschlückert.

    Und von Wehmut wird beschlichen
  ihr Gemüte; ihr Gesicht
  wird befeuchtet schon von Zähren,
  und der Krapülinski spricht:

    „Hätt’ ich doch hier in Paris
  meinen Bärenpelz, den lieben
  Schlafrock und die Katzfell-Nachtmütz,
  die im Vaterland geblieben!“

    Ihm erwiderte Waschlapski:
  „O du bist ein treuer Schlachzitz,
  denkest immer an der Heimat
  Bärenpelz und Katzfell-Nachtmütz.

    „Polen ist noch nicht verloren,
  unsre Weiber, sie gebären,
  unsre Jungfraun tun dasselbe,
  werden Helden uns bescheren,

    „Helden, wie der Held Sobieski,
  wie Schelmufski und Uminski,
  Eskrokewitsch, Schubiakski,
  und der große Eselinski.“



Ziethen

von

Friedrich von Sallet.

    Der große König wollte gern sehn,
  was seine Gen’rale wüßten;
  da ließ er an alle Briefe ergehn,
  daß sie gleich ihm schreiben müßten,
  was jeder von ihnen zu tun gedenkt,
  wenn der Feind ihn so oder so bedrängt.

    Der Vater Ziethen, der alte Husar,
  besah verwundert den Zettel.
  „Der König hält mich zum Narren wohl gar,“
  so flucht er, „was soll mir der Bettel?
  Husar, das bin ich, potzelement!
  Kein Schreiber oder verpfuschter Student.“

    Da macht’ er auf einen Bogen Papier
  einen großen Klex in der Mitten.
  Rechts, oben, links, unten, dann Linien vier,
  die all’ in dem Klexe sich schnitten,
  und jede endete in ’nem Klex.
  So schickt er den Boten dem alten Rex.

    Der schüttelt den Kopf gedankenvoll,
  fragt bei der Revue dann den Alten:
  „Zum Schockschwerenot, Ziethen, ist er denn toll?
  Was soll ich vom Wische da halten?“
  Den Bart streicht Ziethen: „Das ist bald erklärt,
  wenn Euer Majestät mir Gehör gewährt.

    „Der große Klex in der Mitte bin ich.
  Der Feind einer dort von den vieren,
  der kann nun von vorn oder hinten auf mich,
  von rechts oder links auch marschieren,
  dann rück’ ich auf einem der Striche vor
  und hau’ ihn, wo ich ihn treffe, aufs Ohr.“

    Da hat der König laut gelacht
  und bei sich selber gemeinet:
  „Der Ziethen ist klüger, wie ich es gedacht,
  sein Geschmier sagt mehr, als es scheinet.
  Das ist mir der beste Reitersmann,
  der den Feind schlägt, wo er auch rückt heran.“



Elfenlied

von

Eduard Mörike.

    Bei Nacht im Dorf der Wächter rief:
                    Elfe!
  Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief --
                    wohl um die Elfe! --
  und meint, es rief’ ihm aus dem Tal
  bei seinem Namen die Nachtigall
  oder Silpelit hätt’ ihm gerufen.
  Reibt sich der Elf die Augen aus,
  begibt sich vor sein Schneckenhaus,
  und ist als wie ein trunken Mann,
  sein Schläflein war nicht voll getan,
  und humpelt also tippe tapp
  durchs Haselholz ins Tal hinab,
  schlupft an der Mauer hin so dicht,
  da sitzt der Glühwurm, Licht an Licht.
  „Was sind das helle Fensterlein?
  Da drin wird eine Hochzeit sein:
  die Kleinen sitzen beim Mahle,
  und treiben’s in dem Saale.
  Da guck’ ich wohl ein wenig ’nein!“
  -- Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
  Elfe, gelt, du hast genug?
                    Guckuck! Guckuck!



Lose Ware

von

Eduard Mörike.

  „Tinte! Tinte, wer braucht! Schön schwarze Tinte verkauf ich,“
    rief ein Bübchen gar hell Straßen hinauf und hinab.
  Lachend traf sein feuriger Blick mich oben im Fenster,
    eh’ ich mich’s irgend versah, huscht er ins Zimmer herein.
  „Knabe, dich rief niemand!“ -- „Herr, meine Ware versucht nur!“
    Und sein Fäßchen behend schwang er vom Rücken herum.
  Da verschob sich das halb zerrissene Jäckchen ein wenig
    an der Schulter, und hell schimmert ein Flügel hervor.
  „Ei, laß sehen, mein Sohn! Du führst auch Federn im Handel?
    Amor, verkleideter Schelm! soll ich dich rupfen sogleich?“
  Und er lächelt, entlarvt, und legt auf die Lippen den Finger:
    „Stille! sie sind nicht verzollt -- stört die Geschäfte mir nicht!
  Gebt das Gefäß! ich füll’ es umsonst, und bleiben wir Freunde!“
    Dies gesagt und getan, schlüpft er zur Türe hinaus. --
  Angeführt hat er mich doch: denn will ich was Nützliches schreiben,
    gleich wird ein Liebesbrief, gleich ein Erotikon draus.



Mausfallen-Sprüchlein

von

Eduard Mörike.

Das Kind geht dreimal um die Falle und spricht:

    Kleine Gäste, kleines Haus.
  Liebe Mäusin oder Maus,
  stell’ dich nur kecklich ein
  heut’ nacht bei Mondenschein!
  Mach’ aber die Tür fein hinter dir zu!
  Hörst du?
  Dabei hüte dein Schwänzchen!
  Nach Tische singen wir,
  nach Tische springen wir
  und machen ein Tänzchen:
  witt witt!
  Meine alte Katze tanzt wahrscheinlich mit.



Pastoralerfahrung

von

Eduard Mörike.

    Meine guten Bauern freuen mich sehr;
  eine „scharfe Predigt“ ist ihr Begehr.
  Und wenn man mir es nicht verdenkt,
  sag’ ich, wie das zusammenhängt.
  Sonnabend, wohl nach elfe spat,
  im Garten stehlen sie mir den Salat;
  in der Morgenkirch’ mit guter Ruh’
  erwarten sie den Essig dazu;
  der Predigt Schluß fein linde sei:
  sie wollen gern auch Öl dabei.



Scherz

von

Eduard Mörike.

    Einen Morgengruß ihr früh zu bringen
  und mein Morgenbrot bei ihr zu holen,
  geh’ ich sachte an des Mädchens Türe,
  öffne rasch, da steht mein schlankes Bäumchen
  vor dem Spiegel schon und wäscht sich emsig.
  O wie lieblich träuft die weiße Stirne,
  träuft die Rosenwange Silbernässe,
  hangen aufgelöst die süßen Haare!
  Locker spielen Tücher und Gewänder.

    Aber wie sie zagt und scheucht und abwehrt!
  Gleich, sogleich soll ich den Rückzug nehmen!
  „Närrchen,“ rief ich, „sei mir so kein Närrchen!
  Das ist Brautrecht, ist Verlobtensitte.
  Laß mich nur! ich will ja blind und lahm sein,
  will den Kopf und alle beide Augen
  in die Fülle deiner Locken stecken,
  will die Hände mit den Flechten binden.“ --
  „Nein, du gehst!“ -- „Im Winkel laß mich stehen,
  dir bescheidentlich den Rücken kehren!“ --
  „Ei, so mag’s, damit ich Ruhe habe!“

    Und ich stand gehorsam in der Ecke,
  lächerlich, wie ein gestrafter Junge,
  der die Lektion nicht wohl bestanden,
  muckste nicht und kühlte mir die Lippen
  an der weißen Wand mit leisem Kusse
  eine volle lange Stunde,
  ja, so wahr ich lebe. Doch wer etwa
  einen kleinen Zweifel möchte haben
  (was ich ihm just nicht verargen dürfte),
  nun, der frage nur das Mädchen selber:
  die wird ihn -- noch zierlicher belügen.



An meinen Vetter

von

Eduard Mörike.

Juni 1837.

    Lieber Vetter! Er ist eine
  von den freundlichen Naturen,
  die ich +Sommerwesten+ nenne;
  denn sie haben wirklich etwas
  Sonniges in ihrem Wesen.
  Es sind weltliche Beamte,
  Rechnungsräte, Revisoren
  oder Kameralverwalter,
  auch wohl manchmal Herrn vom Handel,
  aber meist vom ältern Schlage,
  keinesweges Petitmaitres,
  haben manchmal hübsche Bäuche,
  und ihr Vaterland ist Schwaben.
  Neulich auf der Reise traf ich
  auch mit einer Sommerweste
  in der Post zu Besigheim
  eben zu Mittag zusammen.
  Und wir speisten eine Suppe,
  darin rote Krebse schwammen,
  Rindfleisch mit französ’schem Senfe,
  dazu liebliche Radieschen,
  dann Gemüse und so weiter,
  schwatzten von der neusten Zeitung,
  und daß es an manchen Orten
  gestern stark gewittert habe.
  Drüber zieht der wackre Herr ein
  silbern Büchslein aus der Tasche,
  sich die Zähne auszustochern;
  endlich stopft er sich zum schwarzen
  Kaffee seine Meerschaumpfeife,
  dampft und diskuriert und schaut in-
  mittelst einmal nach den Pferden.

    Und ich sah ihm so von hinten
  nach und dachte: Ach, daß diese
  lieben, hellen Sommerwesten,
  die bequemen, angenehmen,
  endlich doch auch sterben müssen!



Der Tambour

von

Eduard Mörike.

    Wenn meine Mutter hexen könnt’,
  da müßt’ sie mit dem Regiment
  nach Frankreich, überall mit hin,
  und wär’ die Marketenderin.
  Im Lager, wohl um Mitternacht,
  wenn niemand auf ist als die Wacht,
  und alles schnarchet, Roß und Mann,
  vor meiner Trommel säß’ ich dann:
  die Trommel müßt’ eine Schüssel sein,
  ein warmes Sauerkraut darein,
  die Schlegel Messer und Gabel,
  eine lange Wurst mein Sabel,
  mein Tschako wär’ ein Humpen gut,
  den füll’ ich mit Burgunderblut.
  Und weil es mir an Lichte fehlt,
  da scheint der Mond in mein Gezelt;
  scheint er auch auf französ’sch herein,
  mir fällt doch meine Liebste ein:
  Ach weh! Jetzt hat der Spaß ein End’!
  -- Wenn nur meine Mutter hexen könnt’!



Ein Hauptkerl

von

Alexander von Schlippenbach.

    Ein Heller und ein Batzen,
  die waren beide mein,
  der Heller ward zu Wasser,
  der Batzen ward zu Wein!

    Die Mädel und die Wirtsleut’,
  die rufen beid’: O weh!
  Die Wirtsleut’, wenn ich komme,
  die Mädel, wenn ich geh’.

    Mein’ Stiefel sind zerrissen,
  mein’ Schuh’, die sind entzwei,
  und draußen auf der Heide,
  da singt der Vogel frei.

    Und gäb’s kein’ Landstraß’ nirgend,
  so blieb’ ich still zu Haus,
  und gäb’s kein Loch im Fasse,
  so tränk’ ich gar nicht draus.

    Das war ’ne rechte Freude,
  als mich der Herrgott schuf,
  ’n Kerl wie Samt und Seide,
  nur schade, daß er suff! --



Fridericus Rex

von

Wilibald Alexis.

    Fridericus Rex, unser König und Herr,
  der rief seine Soldaten allesamt ins Gewehr,
  zweihundert Bataillons und an die tausend Schwadronen,
  und jeder Grenadier kriegt sechzig Patronen.

    „Ihr verfluchten Kerls,“ sprach seine Majestät,
  „daß jeder in der Bataille seinen Mann mir steht!
  Sie gönnen mir nicht Schlesien und die Grafschaft Glatz
  und die hundert Millionen in meinem Schatz.

    „Die Kais’rin hat sich mit den Franzosen alliiert
  und das römische Reich gegen mich revoltiert,
  die Russen sind gefallen in Preußen ein,
  auf, laßt uns zeigen, daß wir brave Landskinder sein!

    „Meine Generale Schwerin und Feldmarschall von Keith
  und der Generalmajor von Ziethen sind allemal bereit.
  Kotz Mohren, Blitz und Kreuzelement,
  wer den Fritz und seine Soldaten nicht kennt!“ --

    „Nun adjö, Lowise, wisch ab das Gesicht,
  eine jede Kugel die trifft ja nicht;
  denn träf’ jede Kugel apart ihren Mann,
  wo kriegten die Könige ihre Soldaten dann!

    „Die Musketenkugel macht ein kleines Loch,
  die Kanonenkugel ein weit größeres noch;
  die Kugeln sind alle von Eisen und Blei,
  und manche Kugel geht manchem vorbei.

    „Unsere Artillerie hat ein vortrefflich Kaliber,
  und von den Preußen geht keiner zum Feinde nicht über,
  die Schweden, die haben verflucht schlechtes Geld,
  wer weiß, ob der Östreicher besseres hält.

    „Mit Pomade bezahlt den Franzosen sein König,
  wir kriegen’s alle Woche bei Heller und Pfennig.
  Kotz Mohren, Blitz und Kreuzsakerment,
  wer kriegt so prompt wie der Preuße sein Traktement?

    „Fridericus, mein König, den der Lorbeerkranz ziert,
  ach hättst du nur öfters zu plündern permittiert,
  Fridericus Rex, mein König und Held,
  wir schlügen den Teufel für dich aus der Welt.“



Rolf Düring

von

Moritz Graf von Strachwitz.

Volksmärchen.

    König Erich sprach mit schwerem Sinn:
  „Meine Tochter ist weg, ich weiß nicht wohin?
  Ich möchte sie suchen und weiß nicht wie?“
  Rolf Düring sprach: „Ich suche sie!“
    Gar mannhaft sprach Rolf Düring.

    Rolf Düring sprang ins Boot zur Stund’
  und ruderte über den Öresund.
  Es pfiff der Fant manch lustigen Reim,
  so fuhr Rolf Düring gen Riesenheim,
    gar freudig fuhr Rolf Düring.

    Und als er kam vor des Riesen Tor,
  Rolf Düring ritt die Stufen empor;
  wohl lag auf den Stufen manch bleichend Gebein,
  Rolf Düring pfiff und sprengte hinein,
    nicht bange war Rolf Düring.

    Und als er kam vor des Riesen Schwell’,
  da stand im Saale ein langer Gesell’,
  er stand und ragte als wie ein Haus,
  Rolf Düring sah wie ein Zaunkönig aus,
    was kümmerte das Rolf Düring?

    Rolf Düring setzte die Sporen ein:
  „Herr Riese, du mußt verloren sein!“
  Der Riese lachte bei jedem Stich,
  das war Rolf Düring sehr ärgerlich,
    gar zornig ward Rolf Düring.

    „Und wärest du länger als ein Mast,
  zu Boden mußt du, grober Gast!“
  Anprallte der Ritter im vollen Galopp,
  da fiel der Riese, das war ihm zu grob!
    Und auf ihn sprang Rolf Düring:

    „Heraus die Prinzessin im Augenblick!
  Sonst schneid’ ich dir ab dein zottig Genick!“
  Er stach drei Zoll tief oder mehr,
  da schrie der Riese: „Ich strecke die Wehr!“
    Zu heftig stach Rolf Düring.

    Rolf Düring zog; stolz war sein Zug,
  er hielt die Prinzessin im Sattelbug,
  vorn stapfte der Riese und zagte sehr,
  ihm saß im Nacken Rolf Dürings Speer;
    zu Meere zog Rolf Düring.

    Rolf Düring schrie mit Ungestüm:
  „Nun trag’ uns hinüber, du Ungetüm,
  auf den rechten Arm mich und mein Fräulein wert
  und auf den linken nimm mein Pferd!“
    Gar dräuend schrie Rolf Düring.

    Der Riese hob das rechte Bein
  und stiefelte in den Sund hinein,
  er hätte sich gerne geschüttelt, der Wicht,
  allein er tat es lieber nicht,
    er forchte sich vor Rolf Düring.

    In Beires Burg tanzt Herr und Gesind,
  da freit Rolf Düring des Königs Kind,
  und wenn es wahr ist, was sie sagen,
  so mußte der Riese ins Bett sie tragen,
    ins Brautbett zu Rolf Düring.



Hans Sachsens Schusterlied

von

Richard Wagner.

    Jerum! Jerum!
    Halla halla he!
    Oho! Trallalei! ohe!
  Als Eva aus dem Paradies
  von Gott dem Herrn verstoßen,
  gar schuf ihr Schmerz der harte Kies
  an ihrem Fuß, dem bloßen.
  Das jammerte den Herrn,
  ihr Füßchen hat er gern;
  und seinem Engel rief er zu:
  „Da mach’ der armen Sünd’rin Schuh’!
  Und da der Adam, wie ich seh’,
  an Steinen dort sich stößt die Zeh’,
    daß recht fortan
    er wandeln kann,
    so miß’ dem auch Stiefeln an!“

    Jerum! Jerum!
    Halla halla he!
    Oho! Trallalei! ohe!
  O Eva! Eva! Schlimmes Weib!
  Das hast du am Gewissen,
  daß ob der Füß’ am Menschenleib
  jetzt Engel schustern müssen.
  Bliebst du im Paradies,
  da gab es keinen Kies.
  Ob deiner jungen Missetat
  hantier’ ich jetzt mit Ahl’ und Draht,
  und ob Herrn Adams übler Schwäch’
  versohl’ ich Schuh’ und streiche Pech.
    Wär’ ich nicht fein
    ein Engel rein,
    Teufel möchte Schuster sein!

    Jerum! Jerum!
    Halla halla he!
    Oho! Trallalei! ohe!
  O Eva! Hör’ mein Klageruf,
  mein Not und schwer Verdrüssen!
  Die Kunstwerk’, die ein Schuster schuf,
  sie tritt die Welt mit Füßen!
  Gäb’ nicht ein Engel Trost,
  der gleiches Werk erlos’t,
  und rief mich oft ins Paradies,
  wie dann ich Schuh’ und Stiefel ließ’!
  Doch wenn der mich im Himmel hält,
  dann liegt zu Füßen mir die Welt,
    und bin in Ruh’
    Hans Sachs, ein Schuh-
    macher und Poet dazu.



Berliner Pfingsten

von

Gottfried Keller.

    Heute sah ich ein Gesicht,
  freudevoll zu deuten:
  in dem frühen Pfingstenlicht
  und beim Glockenläuten
  schritten Weiber drei einher,
  feierlich im Gange,
  Wäscherinnen fest und schwer,
  jede trug ’ne Stange.

    Mädchensommerkleider drei
  flaggten von den Stangen,
  schönre Fahnen, stolz und frei,
  als je Krieger schwangen;
  frisch gewaschen und gesteift,
  tadellos gebügelt,
  blau und weiß und rot gestreift,
  wunderbar geflügelt!

    Lustig blies der Wind, der Schuft,
  Falbeln auf und Büste,
  und mit frischer Morgenluft
  füllten sich die Brüste;
  und ich sang, als ich gesehn
  ferne sie entschweben;
  auf und laßt die Fahnen wehn,
  lustig ist das Leben!



Der Narr des Grafen von Zimmern

von

Gottfried Keller.

    Was rollt so zierlich, klingt so lieb
  treppauf und ab im Schloß?
  Das ist des Grafen Zeitvertrieb
  und stündlicher Genoss’:
  Sein Narr, annoch ein halbes Kind
  und rosiges Gesellchen,
  so leicht und lustig wie der Wind,
  und trägt den Kopf voll Schellchen.

    Noch ohne Arg, wie ohne Bart,
  an Possen reich genug,
  ist doch der Fant von guter Art
  und in der Torheit klug;
  und was vergecken und verdrehn
  die zappeligen Hände,
  gerät ihm oft wie aus Versehn
  zuletzt zum guten Ende.

    Der Graf mit seinem Hofgesind’
  weilt in der Burgkapell’,
  da ist, wie schon das Amt beginnt,
  kein Ministrant zur Stell’.
  Rasch nimmt der Pfaff den Narrn beim Ohr
  und zieht ihn zum Altare;
  der Knabe sieht sich fleißig vor,
  daß er nach Bräuchen fahre.

    Und gut, als wär’ er’s längst gewohnt,
  bedient er den Kaplan;
  doch wann’s die Müh’ am besten lohnt,
  bricht oft der Unstern an;
  denn als die heil’ge Hostia
  vom Priester wird erhoben,
  o Schreck! so ist kein Glöcklein da,
  den süßen Gott zu loben!

    Ein Weilchen bleibt es totenstill,
  erbleichend lauscht der Graf,
  der gleich ein Unheil ahnen will,
  das ihn vom Himmel traf.
  Doch schon hat sich der Narr bedacht,
  den Handel zu versöhnen;
  die Kappe schüttelt er mit Macht,
  daß alle Glöcklein tönen!

    Da strahlt von dem Ciborium
  ein goldnes Leuchten aus;
  es glänzt und duftet um und um
  im kleinen Gotteshaus,
  wie wenn des Himmels Majestät
  in frischen Veilchen läge:
  der Herr, der durch die Wandlung geht --
  er lächelt auf dem Wege!



Schütz im Stichfieber

von

Gottfried Keller.

    „Geh’, gewinn’ mir Geld ins Haus!“
  sprach das böse Weib zum Schütz;
  er gewann, in Saus und Braus
  bracht er’s durch, der gute Schütz;
  denn er dacht’, noch mancher Schuß
  bleibt mir für das böse Weib,
  bleibt mir für den Hausverdruß --
  jetzo gilt’s dem Zeitvertreib!

    Becher, Uhr und blankes Geld,
  alles schlug er durch, der Schütz,
  manchen Beutel leert der Held,
  stets gewann er neu, der Schütz,
  schenkt die Uhr der schönen Dirn’,
  recht zum Hohn dem bösen Weib;
  in den Bechern klar und firn
  perlt der Wein zum Zeitvertreib.

    Also trieb er’s Tag und Nacht,
  bis zu End’ das große Fest
  und die bittre Reu’ erwacht,
  weil er denkt ans Drachennest,
  wo der böse Drach’ ihm haust,
  der nur Gold und Silber frißt;
  und dem guten Schützen graust,
  da er die Gefahr ermißt.

    Blieb ihm noch ein Schuß zur Hand
  und noch zehn Minuten Zeit
  für den Stich ins „Vaterland“ --
  ach, wie scheint die Scheibe weit!
  Hell vom Tempel blinkt der Gruß
  goldgefüllter Silberschal’:
  „Sie gewinn’ ich, weil ich muß,
  denn es bleibt mir keine Wahl!

    „Vater Tell im Himmelszelt!
  Bied’rer Schütz in Gottes Schoß!
  Lenk’ dein Falkenaug’ zur Welt,
  hilf mir, denn die Not ist groß!
  Mach’ den Willen fest und frei,
  reglos sicher meine Hand!
  Sind die Zeiten denn vorbei,
  da man Meisterschüsse fand?“

    Und er schlägt bedächtlich an,
  zielet lang, der gute Schütz;
  was verwirrt ihm Sinn und Plan?
  Setzt er ab, der gute Schütz?
  Und er starret bleich und fremd,
  starret sprachlos nach der Scheib’ --
  denn im roten Zeigerhemd
  sah er gaukeln dort sein Weib.

    Niemand sah’s, als er allein,
  und er sieht’s, so oft er zielt!
  Macht’s die Angst, ist es der Wein,
  der ihm das Gehirn bespült?
  Zweimal, dreimal schlägt er an,
  zitternd stark am ganzen Leib --
  immer tanzt auf grüner Bahn
  grad’ im Schuß das rote Weib.

    Und die Sippe kommt zur Stell’,
  Freunde, Vettern rings herum,
  Büchsenmeister und Gesell,
  Lader, Warner grad’ und krumm!
  Ei, welch ein berühmter Schütz,
  der so viel Klienten hat,
  die ihm dienlich sind und nütz,
  jeder gibt ihm guten Rat!

    Dieser untersucht das Schloß,
  jener dreht ein Schräubchen an,
  der gebietet Ruh’ dem Troß,
  und ein andrer spannt den Hahn,
  und der fünfte flößt ihm Mut,
  doch der sechste stellt sich bang,
  und der sieb’te hält den Hut
  vor den Sonnenuntergang!

    Endlich doch ermannt er sich,
  zielt in Wut, der gute Schütz,
  und die Freunde, feierlich,
  sie umstehn den kühnen Schütz,
  und er sieht das böse Weib,
  schließt die Augen -- sei’s, weil’s muß!
  und er drückt -- fort ist das Weib
  und zum Teufel ist der Schuß!

    Eben dröhnt Kanonenknall,
  Feierabend Schütz und Rohr!
  Tausendfacher Gläserschall!
  Klangvoll schließt des Tages Tor!
  Klanglos mit gebeugtem Mut
  heimwärts wallt der arme Wicht --
  sich zur Freude schoß er gut:
  für den Geiz gelang’s ihm nicht.



Waldfrevel

von

Gottfried Keller.

    Seht den Schuft am Waldessaum
  mit gewandten Sprüngen fliegend,
  einen jungen Eschenbaum
  auf den breiten Schultern wiegend!
  Hat die Axt, die er gestohlen,
  vornen in den Stamm geschwungen,
  weit noch hinter seinen Sohlen
  kommt der Wipfel nachgesprungen.
  Wie er heimlich lacht und singt,
  daß das Herz im Leibe springt!

    Und die Dirne kommt daher
  mit geschnittnen Weidenruten;
  von der Last, die drückend schwer,
  stehn die Wangen ihr in Gluten.
  Und der Bursche wirft die schwere
  Bürde beider in den Graben,
  beide springen nach, als wäre
  dort ein Nest voll Glück zu haben.

    Wo ein kleiner Freudenquell
  tief im Erlengrunde fließet
  und die Silberadern hell
  durch das samtne Moos ergießet,
  wirft der schlanke Dieb sich nieder
  mit der Dirn’ im braunen Arm,
  löst ihr hastig Tuch und Mieder,
  und er flüstert liebewarm,
  daß sein brennend Herz erklingt,
  wie die Nuß im Feuer singt:

    „Schätzchen, o du kommst mir just,
  daß ich meine Schätze grabe,
  wieder einmal meine Lust
  am verborgnen Reichtum habe!
  Zeig’ mir der Korallen Schein
  an dem frischen roten Munde,
  gib mir schnell mein Elfenbein,
  all das fein gedrehte, runde!“
  Wie der Has’ im Kohle springt
  ihm das Herz und singt und klingt!

    „Laß mich wägen all mein Gold,
  deines Haares schwere Güsse!
  Laß mich zählen meinen Sold,
  zähle mir ein hundert Küsse
  blank und bar auf meine Lippen,
  weil uns kein Verräter lauschet!
  Laß mich von dem Weine nippen,
  der mich armen Schelm berauschet!

    „Nun verhüll’ die Herrlichkeit
  mit den Lumpen, mit den Fetzen,
  daß kein Auge ungeweiht
  spähen kann nach meinen Schätzen!
  Dieses Tuch um deine Haare
  dreimal, viermal sorglich winde,
  daß die goldne Schimmerware
  ja kein Strahl der Sonne finde!“

    Gleich ist drauf die Dirn’ davon
  durch den dunkeln Wald gesprungen,
  wieder hat der Bursche schon
  seinen Eschenbaum geschwungen;
  wie die Beine rasch ihn tragen
  mit dem langen schwanken Raube!
  Einen grünen Siegeswagen,
  schleift die Kron’ er nach im Staube.
  Wie die Grill’ im Grase springt
  ihm das Herz und singt und klingt!



Wochenpredigt

von

Gottfried Keller.

    In heißem Glanz liegt die Natur,
  die Ernte lagert auf der Flur;
  in langen Reihn die Sichel blinkt,
  mit leisem Geräusch die Ähre sinkt.

    Doch hinter jenen grünen Matten,
  in seines Kirchleins kühlem Schatten
  geborgen vor dem Stich der Sonne,
  da steht das Pfäfflein der Gemeine,
  auf diesem, dann auf jenem Beine,
  in seiner alten Predigertonne
  hoch an dem Pfeiler grau und fest,
  dem Kranich gleich in seinem Nest.

    Schwarz glänzt das kurzgeschorne Haar,
  wie Röslein blüht das Wangenpaar;
  nur etwas schläfrig blinzen nieder
  die Äuglein durch die fetten Lider,
  weil er sich seiner Wochenpredigt
  mit ziemlich saurer Müh’ entledigt.
  So spricht er von dem ewigen Leben,
  das nach dem Tod es werde geben:
  wie man auch da noch müsse ringen
  und immer weiter vorwärts dringen,
  und nie von Handel und Wandel frei,
  bis man zuletzt vollkommen sei;
  von einem Stern zum andern hüpfen
  und endlich in den Urquell schlüpfen.
  Doch unten in des Kirchleins Tiefen
  die Hörer auf den Bänken schliefen.
  Sie waren alle hoch an Jahren,
  mit weißen oder gar keinen Haaren,
  ganz klingeldürre Frau’n und Greise,
  gebeugt von ihrer langen Reise;
  so lehnten sie an ihren Krücken
  mit lebensmüdem, sanftem Nicken.
  Sie hatten gelebt und hatten gestritten,
  Erde gegraben und Garben geschnitten,
  Bürden getragen und Freuden gehabt
  und, wenn sie gedürstet, sich gelabt.
  Sie hatten nicht ihr Leben verfehlt,
  kein Genie und keine Tugend verhehlt,
  auch keine Schwänke unterlassen --
  wen’s konnten bei der Nase fassen,
  den haben sie gar fest ergriffen
  und ihn mit Freuden ausgepfiffen,
  nicht immer bezahlt, was sie geborgt,
  und fleißig doch für Erben gesorgt.

    Die Predigt schweigt, sie sind erwacht,
  die Kirchentür wird aufgemacht,
  und leuchtend bricht der grüne Schein
  der Bäume in die Dämmrung ein.
  Die Alten stehen mühsam auf
  und setzen sich gemach in Lauf
  und schleichen seltsam kreuz und quer
  über die grünen Gräber her.
  Sie setzen sich auf die Leichensteine
  und reiben ihre kranken Beine,
  sie hüsteln, spucken aus und lachen
  und sprechen bewußtlos kindische Sachen.
  Sie schauen in die goldnen Auen,
  wo ihre Enkel und Sohnesfrauen
  im fernen Sonnenglanze gehen,
  die reifen Früchte rüstig mähen;
  sie sehen in all den hellen Schein
  mit blöden Augen stumm hinein.
  Schon ist verklungen leis und weit
  das Lied von der Unsterblichkeit.
  Und wie vor langen achtzig Jahren
  die Flämmlein im Entstehen waren
  und mählig aus der tiefen Nacht
  sich in ein helles Licht entfacht,
  das freilich auch sich ewig schien,
  so glimmen sie jetzt wieder hin
  und denken bessres nicht zu tun,
  als ewig, ewig auszuruhn.
  Von Durst nach neuem Kommerzieren,
  wenn recht ihr schaut, ist nichts zu spüren.

    Das Pfäfflein ist nach Haus gekommen,
  hat einen Schluck zu sich genommen
  und wandelt jetzt im schmucken Garten,
  den kühlen Abend zu erwarten,
  wo er sich freut auf ein Gelage,
  zu dem er freundlich ist gebeten;
  doch steht die Sonn’ noch hoch am Tage.
  Des ist er nun in großen Nöten;
  er weiß, die besten Bachforellen
  werden auf blumiger Schüssel schwellen,
  ausländische Wurst und köstlicher Schinken
  reizen ihn zu frohem Trinken;
  er kennt die staubigen Flaschen zu gut
  in Herrn Confratris frommer Hut,
  die schön geschliffnen Gläser dringen
  schon in sein Ohr mit feinem Klingen;
  er kennt das Tischlein hinter der Türen,
  von wo die Flaschen hermarschieren,
  bis er eine mit silbernem Hals entdeckt,
  die vor dem Abschied doppelt schmeckt.

    Und noch drei lange, lange Stunden! --
  Hier hat er Ranken angebunden,
  ein nagendes Räupchen abgelesen,
  dort aufgehoben einen Besen
  und an das Gartenhaus gelehnt,
  dann einen Augenblick gewähnt,
  er wolle auf den Sonntag Morgen
  noch schnell für eine Predigt sorgen;
  doch ist er hievon abgegangen,
  hat einen Schmetterling gefangen,
  wirft einen Socken über den Hag,
  der mitten in einem Beete lag.
  Die Sonne steht noch hoch am Tag.
  Er wird der langen Weil zum Raube
  und sinkt in eine kühle Laube,
  macht dort ein Ende seiner Pein,
  schläft zwischen Rosen und Nelken ein.

    O Pfäfflein, liebes Pfäfflein, sag,
  ist dir zu lang der eine Tag,
  was willst du mit all den Siebensachen,
  den Millionen Sternen und Jahren machen?



Alte Schweizer

von

Conrad Ferdinand Meyer.

    Sie kommen mit dröhnenden Schritten entlang
  den von Raffaels Fresken verherrlichten Gang
  in der puffigen alten geschichtlichen Tracht,
  als riefe das Horn sie zur Murtener Schlacht.

    „Herr Heiliger Vater, der Gläubigen Hort,
  so kann es nicht gehn und so geht es nicht fort.
  Du sparst an den Kohlen, du knickerst am Licht --
  an deinen Helvetiern knaus’re du nicht!

    „Wann den Himmel ein Heiliger Vater gewann,
  ergibt es elf Taler für jeglichen Mann!
  So galt’s und so gilt’s von Geschlecht zu Geschlecht,
  wir pochen auf unser historisches Recht!

    „Herr Heiliger Vater, du weißt, wer wir sind,
  bescheidene Leute von Ahne zu Kind!
  Doch werden wir an den Moneten gekürzt,
  wir kommen wie brüllende Löwen gestürzt!

    „Herr Heiliger Vater, die Taler heraus!
  Sonst räumen wir Kisten und Kasten im Haus ...
  Potz Donner und Hagel und höllischer Pfuhl!
  Wir versteigern dir den apostolischen Stuhl!“

    Der Heilige Vater bekreuzt sich entsetzt
  und zaudert und langt in die Tasche zuletzt -- --
  da werden die Löwen zu Lämmern im Nu:
  „Herr Heiliger Vater, jetzt segne uns du!“



Don Fadrique

von

Conrad Ferdinand Meyer.

    Don Fadrique bringt ein Ständchen
  der possierlichen Pepita:
  „Liebchen, strecke durch die Türe
  deines Füßchens Spitze nur!“

    Und die drollige Pepita
  streckt durch eine schmale Spalte
  eines allerliebsten Fußes
  weißes Spitzchen in die Luft.

    Don Fadrique krümmt den Rücken,
  will das weiße Spitzchen küssen,
  Knabe Amor steht beiseite,
  der den Bogen lachend spannt.

    Nach dem ewigjungen Herzen
  zielt er, doch wer lacht, der zielt schlecht:
  In des Ritters alten Rücken
  schießt er einen Hexenschuß.

    Don Fadriques Knochen rasseln,
  Don Fadrique stürzt zusammen,
  Figaro holt eine Sänfte,
  Figaro bringt ihn zu Bett.

    „Frommer Bruder Agostino,
  exorziere mir das frevle
  allerliebste weiße Füßchen,
  das durch meine Beichte tanzt!“

    Don Fadrique sucht den Hades,
  zierlich schreitend wie ein Stutzer,
  tänzelnd leuchtet ihm ein weißes
  Füßchen durch die Unterwelt.



Von Katzen

von

Theodor Storm.

    Vergangenen Maitag brachte meine Katze
  zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen,
  Maikätzchen, alle weiß, mit schwarzen Schwänzchen.
  Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
  Die Köchin aber -- Köchinnen sind grausam,
  und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche --
  die wollte von den Sechsen fünf ertränken,
  fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
  ermorden wollte dies verruchte Weib.
  Ich half ihr heim! -- Der Himmel segne
  mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen,
  sie wuchsen auf, und schritten binnen kurzem
  erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;
  ja, wie die Köchin auch ingrimmig dreinsah,
  sie wuchsen auf und nachts vor ihrem Fenster
  probierten sie die allerliebsten Stimmchen.
  Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,
  ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit. --
  Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,
  und Maitag ist’s! -- Wie soll ich es beschreiben,
  das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!
  Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
  ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
  Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
  in Schränken Körben, unter Tisch und Treppen,
  die Alte gar, nein, es ist unaussprechlich,
  liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
  Und jede, jede von den sieben Katzen
  hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen,
  Maikätzchen, alle weiß, mit schwarzen Schwänzchen!
  Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
  nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
  ersäufen will sie alle neun und vierzig!
  Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon --
  o Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
  Was fang’ ich an mit sechsundfünfzig Katzen!



Das Mädchen mit den hellen Augen

von

Theodor Storm.

    Das Mädchen mit den hellen Augen,
  die wollte keines Liebste sein;
  sie sprang und ließ die Zöpfe fliegen,
  die Freier schauten hinterdrein.

    Die Freier standen ganz von ferne
  in blanken Röcklein lobesam.
  „Frau Mutter, ach, so sprecht ein Wörtchen,
  und macht das liebe Kindlein zahm!“

    Die Mutter schlug die Händ’ zusammen,
  die Mutter rief: „Du töricht’ Kind,
  greif zu, greif zu! Die Jahre kommen,
  die Freier gehen gar geschwind!“

    Sie aber ließ die Zöpfe fliegen
  und lachte alle Weisheit aus;
  da sprang durch die erschrocknen Freier
  ein toller Knabe in das Haus.

    Und wie sie bog das wilde Köpfchen,
  und wie ihr Füßchen schlug den Grund,
  er schloß sie fest in seine Arme
  und küßte ihren roten Mund.

    Die Freier standen ganz von ferne,
  die Mutter rief vor Staunen schier:
  „Gott schütz’ dich vor dem ungeschlachten,
  ohn’ Maßen groben Kavalier!“



Aanten int Water[26]

von

Klaus Groth.

          Aanten int Water,
          wat vaern Gesnater!
          Aanten in Dik[27],
          wat vaern Musik!

  De Wart is wat heesch[28]: Wat wat wat schüll wie eten?
  Murt[29], inne Murt, inne Grund is dat fett!
  Höja! de graue fangt lud[30] an to reden:
  Quark un warm Water! Un alle ropt mit.

          Aanten int Water,
          wat vaern Gesnater!
          Aanten in Dik,
          wat vaern Musik!

  De Rünnsteen hentlank all int Trünneln un Snappeln[31]!
  Barbeent un plattföt[32] un jümmer vergnögt!
  Hier is de Kaekenguß[33]! Beersupp mit Appeln!
  Wackeli, gackeli -- süh, wa se sökt[34]!

          Aanten int Water,
          wat vaern Gesnater!
          Aanten in Dik,
          wat vaern Musik!

  Nu oppen Wall! un nu ropt wi de Günner[35]!
  Nu kamt se an, un nu gift dat en Snack[36].
  Nu fleegt wi dal[37], un nu dukt wi uns ünner!
  All dat warm Water löppt blank vunne Nack!

          Aanten int Water,
          wat vaern Gesnater!
          Aanten in Dik,
          wat vaern Musik!

  Wat wat wat wüllt wi? Nu wüllt wi na ’n Misten.
  Hör! se döscht Weten[38]! Wi krupt daer de Rill[39]!
  Kamt man! man sachden! op Töntjen[40] mit Listen!
  Nückt mit den Kopp, un et gau[41], un swigt still!

          Aanten int Water,
          wat vaern Gesnater!
          Aanten int Stroh --
          wat vaern Halloh!

  Dar kumt de Kaeksch[42]! Neiht man ut, brukt de Flünken[43]!
  Hoch aewern Tun[44] un koppheister na ’n Dik!
  Swimm’ as de Pocken[45], un flegen as Lünken[46],
  klok as en Minsch -- un so dick! un so dick!

          Aanten int Water,
          wat vaern Gesnater!
          Aanten in Dik,
          wat vaern Musik.



Matten[47] Has’

von

Klaus Groth.

    Lütt Matten de Has’,
  de mak sik en Spaß,
  he weer bi ’t Studeern,
  dat Danzen to lehrn,
  un danz ganz aleen
  op de achtersten[48] Been.

    Keem Reinke de Voß[49]
  un dach: das en Kost!
  Un seggt: „Lüttje Matten,
  so flink oppe Padden[50]?
  Un danzst hier aleen
  oppe achtersten Been?

    „Kumm, lat uns tosam!
  Ik kann as de Dam!
  De Krei[51], de spelt Fidel,
  denn geit[52] dat canditel[53],
  denn geit dat mal schön
  op de achtersten Been!“

    Lütt Matten gev Pot.
  De Voß beet[54] em dot;
  un sett sik in Schatten,
  verspis’ de lütt Matten:
  de Krei de kreeg[55] een
  vun de achtersten Been.



Spatz

von

Klaus Groth.

    „Lütt Ebbe[56], kumm ropper, hier babn na de Föst[57],
  krup ünner[58], ja kik mal, hier bu’t wi en Nest.
  Du sittst as Gardrutjen[59] er Hahn ünnert Bett,
  as en Mus in en Heeddis[60], wa nett, o wa nett!“ --

    „Du Spitzbov, du Gaudeef[61], man weg, ga man weg!
  Weest noch vergangn Jahr? O wa slech, o wa slech!
  Wa seet ik un brö[62], harr ni Korn oder Kröm[63],
  un Spatz flog to Dörp, räsonneer in de Böm.

    „Du Spitzbov! du Gaudeef!“ -- „Lütt Ebbe, swig still,
  vuntjahr[64] ward’t ganz anners: will mi betern -- ik will!
  Mi steken de Fettdun[65] -- kumm, kik mal, wa schön!
  Vuntjahr ward dat anners, schast[66] sehn, schast mal sehn!

    „He Hadbar[67] kumt bald, wahnt uns dicht aewern Kopp,
  bu’t en Hus as en Korf[68], stellt sik baben derop[69],
  op een Been, opt anner, de Näs inne Flünk[70]!
  Wa klappert he fründli: „Gudn Morn, Nawer Lünk[71]!“

    „Un denn schint de Sünn hier lankt Dack[72] rein so blank,
  un denn trekt de Rok hier vunn Schösteen hentlank[73],
  un denn kumt Annstina mit Weten und Kaff[74]:
  Tuck, tuck! -- Kikriki! un wi beidn krigt wat af.

    „Ok heff ik man sehn, hier de Koppel int Gras:
  Nawer Anton will Rogg sei’n[75], dat kumt uns to paß;
  un denn hier de Bom vaer uns Kinner to fleegn,
  un wi merrn dermank[76], watn Vergnögn, watn Vergnögn!“

    „Du Spitzbov, lat sehn: dats dat Nest, dats dat Nest?
  Mak to, un hal Feddern un Dun[77], dats dat best!
  Ol Anton sin Pudelmütz liggt günd achtern Tun[78]:
  Plück as, mak man to, lats man bu’n, lats man bu’n!“



Dat is ’e[79]

von

Fritz Reuter.

  Dat giwwt so’n Lüd’[80], dei hewwen Strid[81] mit jeden,
  dei mit ehr in Gesellschaft sitt[82],
  un ihre[83] sünd sei nich taufreden[84],
  bet Ein sei köpplings ’ruter smitt[85].
  Korl Stänker was so’n slimmen Gast,
  un einen rechten Ekel[86] was’t,
  un wo wat los was, dor was hei,
  un ümmer gawwt ’ne Demolei[87].
  Na, mal was denn tau Stargard[88] Ball;
  un wat dat heit[89], dat weit[90] wi all:
  tau Stargard Ball in ollen Tiden[91],
  dat wull wat Richtiges bedüden[92],
  dor danzten ’s bet an hellig Sünn[93],
  un wer denn nich mihr stahen künn[94],
  dei danzte up den Kopp herüm.
  Na, as dat kamm so gegen Morgen,
  lett Korl den Kutscher ’ran besorgen.
  De Kutscher höllt twei lang, twei breid[95],
  de Kutscher höllt, hei weit Bescheid. --
  Nu kümmt Ein stramm de Trepp hendal[96],
  de Husknecht seggt: „Dat is din Herr.“
  „Ne,“ seggt Jehann, „dat ’s anners wer[97],
  min Herr, dei sitt un drinkt noch mal.“ --
  En anner kümmt in lichten Draf[98],
  so recht behen’n de Trepp heraf,
  de Husknecht seggt: „Paß up, Jehann,
  dat is din Herr!“ -- „Ne,“ seggt de Kutscher,
  „dat is hei nich, dat is so ’n Flutscher[99];
  min Herr, dei kümmt ganz anners ’ran.“
  Mit einmal ward dat dor en Larm
  un en Spektakel -- Gott erbarm!
  Ein ward de Trepp herunner smeten[100],
  dunn seggt de Kutscher: „Holt en beten[101]!“
  Un horkt un fött[102] sin Mähren wisser[103]:
  „Na smit em mi man ’rin, dat is ’e[104].“



De blinne[105] Schausterjung’

von

Fritz Reuter.

    „Ach, Meister! Meister! ach, ick unglückselig Kind!
  Wo geiht[106] mi dit? Herr Je, du mein!
  Ach, Meister! Ick bün stockenblind,
  ick kann ok nich en Spirken seihn[107]!“
  De Meister smitt[108] den Leisten weg,
  hei smitt den Spannreim[109] in de Eck
  un löppt[110] nah sinen Jungen hen:
  „Herr Gott doch, Jung’! Wo is di denn?“
  „Ach, Meister! Meister! Kiken S’ hir[111]!
  Ick seih de Botter[112] up’t Brot nich mihr!“
  De Meister nimmt dat Botterbrot,
  bekikt dat nipp von vörn un hinn’n[113]:
  „So slag’ doch Gott den Düwel dod!
  Ich sülwst kann ok kein Botter finn’n.
  Nu, täuw[114]!“ Hei geiht tau de Fru Meistern hen
  un seggt tau ehr: „Wat makst du denn?
  Wo is hir Botter up dat Brot?
  Dor slag’ doch Gott den Düwel dod!“ --
  „Is dat nich gaud för so en Jungen?
  Ji sünd man all so’n Leckertungen[115];
  ji müggten[116] Hus un Hof vertehren[117],
  un ick sall fingerdick upsmeeren[118].
  So geiht dat noch nich los! Prahl sacht[119]!
  De Botter gelt en Grösch’ner acht[120].“
  „Ih, Mudder, ward’ man nich glik bös,
  hest du denn nich en beten Kes’[121]?“
  Un richtig! Sei lett sick bedüden[122]
  un deiht den Jungen Kes’ upsniden.
  De Meister bringt dat Botterbrot herin,
  giwwt dat den Jungen hen un fröggt[123],
  ob sick sin Blindheit nu hadd leggt[124],
  un ob hei wedder seihen künn.
  „Ja, Meister,“ seggt de Jung’ ganz swipp[125],
  „ja, Meister, ja! Ick seih so nipp,
  as hadd ’ck ’ne Brill up mine Näs’,
  ick seih dat Brot all[126] dörch den Kes’.“



Snider-Begnäugen[127]

von

Fritz Reuter.

    Dor was mal eins en lütten Mann,
  hadd Hosen an,
  hadd kunterbunte[128] Hosen an,
  en fipprig[129] Röckschen un so wider,
  un was von Profeßschon en Snider[130],
  un sporsam was hei hellschen[131].

    Dei seggt tau sinen Jungen: „Hal[132]
  uns doch enmal
  den Hiringsschwanz von’n Baen hendal[133],
  för mi en Finzel[134], di en Finzel
  un mine Fru hal ok en Finzel,
  un’n Finzel, den’n lat liggen.“

    De drei, de sitten üm den Disch.
  De Jung’ will frisch
  inhauen up sin Finzel Fisch,
  dunn ritt de Meister mit de Gabel
  de Hälft em weg vör sinen Snabel:
  „’t künn up de Nacht di schaden!

    „Du frettst di ganz ut Rick un Schick[135],
  du ward’st tau dick.“ --
  Fru Meistern nimmt dat anner Stück:
  „Du frettst di noch ut Rand und Band,
  bringst Hungersnot noch in dat Land,
  wi will’n kin Fettswin[136] mästen.“

    De Jung’ steiht trurig up un schüwwt[137]
  mit eine Tüft[138]
  nah’n Baen herup un sitt un riwwt[139]
  an’t Schapp[140], wo noch de Finzel steiht,
  mit sine Tüft: „Wer weit[141]? Wer weit?
  Sei künn doch dornah smecken.“



Scholmeiste Boars

von

John Brinckman.

    Scholmeiste Boars -- je de was echt
  un de vestünn to backsen[142],
  un ümme hett sien Sprüch he seggt,
  wull he üns aw eng jacksen[143].

    Ens set bi’t saewt[144] Gebot ick wiß
  un künn nich rut mi trecken[145]:
  -- „Je,“ röp he dunn, „all wat nich is,
  doa kan’n ook nicks vun seggen!

    „Na, kumm ens rut doa ut dien Bänk,
  wat helpt all dat Bisinnen!
  denn wat en nich velüst[146], dat, denk
  ich, kann en ook nich finnen!“

    Sien Fust[147] was knakendrög[148] un swer;
  irst hett se aw mie knuffelt,
  backst linksch un rechtsch mie nahst[149] un sär:
  -- „Süh, äwe Krüz höllt duwwelt!“

    Ick schnöw un speeg[150]: man he höll fast,
  grar as mit iesen Klannen[151]
  un röp doato: -- „Sonn Amt, sonn Last --
  en Düwel’s äwe’n annen[152]!

    „Wen alltoneeg[153] an’n Graben führt,
  is oft all’ rinne schaten[154], --
  un wen de Koh to eegen hührt,
  möt ’s ook an’n Swanz anfaten!

    „Man nich so ängstlich, dreig die ründ,
  dat geit di nich an’t Leben;
  süh, Murjahn was’n steenolt Hund
  un müß sick doch noch geben.

    „Sonn Pott, sonn Stülp[155], -- sonn Boom, sonn Block,
  sonn Woar, mien Sähn, sonn Drüttel[156]!
  Dat Hemd is nege[157] as de Rock, --
  nu treck[158] ens aw dien Kittel!“

    Un as ick dunn vespreken deer,
  wat ick nu betern wull mie, --
  doa langt he flink den Tagel[159] her
  un slög för blind un dull mie.

    „Süh, Wühr[160], mien Sähn, de sünd nich dühr,
  dat künn mie doch bilur’n[161];
  vespreken dohn de Eddellühr,
  man hollen dohn de Bur’n!“ --

    Ick blölkt lurrhals[162]. Dunn schreeg he: „Jung,
  schrie driest to! Du schast blarren!
  Unglück harr stets ’ne scharpe Tung,
  un de perrt Pogg de quarren[163].

    „So heet, as ick die dat upfüll,
  brukst du’t jo nich to eeten;
  wenn sick dien Tung vebrennen schüll,
  möst du die’t sülst biemeeten[164]!“ --

    -- „Mien Puckel,“ schreg’k, „möt gäl un grön[165],
  mien lew Herr Boars, all wesen!“ --
  Dunn särr he: „Unwennt Arbeit, Sähn,
  dat’s ümme so, bringt Kwesen[166].

    „Süh, Moltspriet hührt to Suerkohl[167] --
  sonn Säg, mien Sähn, sonn Farken[168], --
  fuhl Lühr kam’ uppen güllen Stohl[169], --
  dat wast nu sacht die marken!“ -- --



Günd, achter de Blompütt[170]

von

Johann Meyer.

    Günd, achter de Blompütt, schreeg öwer de Strat,
  Persepter[171] sin Döchder -- dat is di en Staat!
  Persepter sin Lischen, sin Witjen un Trin,
  dree Deerns, als dree Rosen, künnt all dree all fri’n[172].

    Wa hebbt se för Haar, -- rein so blank un so glatt!
  un Ogen[173], -- de Swarte, als Aalbein so swatt[174],
  de Gehle[175], -- so blau als Vergißmeinnichtblom,
  de Brune, -- so brun als Kastanjen vun’n Bom.

    Se danzt un se springt un se hüppt als en Reh,
  sünd rot, als en Ros’, un so witt, als de Snee,
  se singt, als en Drossel, un lacht, als en Duv[176],
  un scheert sick den Deuwel um Hochtid un Huv[177].

    Günd, achter de Blompütt, schreeg öwer de Strat,
  Persepter sin Döchder -- dat is di en Staat!
  Un schull ick een rutnehm’n[178], un günn[179] he mi een,
  ick sä: „Herr Persepter, all dree -- oder keen!“ --



Ein Augenblick

von

Friedrich Theodor Vischer.

    Um die alte Stadt auf der Promenade,
  dem bequemen, beliebten Pfade,
  den die Platanen beschatten und zieren,
  ging ich am Sommerabend spazieren.
  Ein Sonntag war’s und ein Sonnentag,
  es wandelten Leute von allerhand Schlag,
  festlich geputzt, und alle dem Volke
  stand auf dem Gesicht keine einzige Wolke.

    Da kam mir im goldenen Abendschein
  entgegen ein Kinderwägelein,
  ein nett geflochtnes, auf leichten Rädchen,
  es zog ein sauberes Ulmermädchen.
  Mein Blick fiel just ins Gefährt hinein,
  da lag ein Knabe, gebettet fein,
  kaum jährig etwa, sein Angesicht
  umwob ein Schimmer von Rosenlicht,
  als ruht’ er in einem Rosenhag,
  denn in dem Schatten, worin er lag,
  fiel erhellend ein Widerschein
  vom farbigen Obdach im Wägelein,
  auch kam von außen der Glanz ergossen,
  denn ganz mit Licht war die Luft durchschossen;
  ja vom Kind auch schien es mir auszugehen,
  denn ein schöneres hab’ ich noch nie gesehen;
  man glaubte Herz und Auge zu laben
  an einem von Raphaels Engelknaben,
  es schwamm wie ein Bild im erleuchteten Raum,
  wie ein Feenkind, wie ein seltener Traum.

    Stillbeglückt sah es vor sich hinaus
  in seinem fahrenden kleinen Haus,
  in seiner Welt ein kleiner König,
  lächelte auch dazu ein wenig,
  als schwebten ihm an der Zukunft Tor
  schon die allerhand lustigen Streiche vor,
  die man verübt in den Tagen der Jugend,
  welche -- man weiß ja -- nicht hat viel Tugend;
  er schaute so hell aus den dunkeln Augen,
  als möcht’ er nicht immer gar zu viel taugen.
  Ich sah ihn an, blinzte und nickte
  schmunzelnd. Der reizende Knabe blickte
  mich an und blinzte, schmunzelte, nickte.
  Gelt du, es ist eben gar etwas Gutes
  ums Existieren, schmecken tut es?
  Und ein bißl Spitzbüberei
  ist eben immer auch dabei?

    Er hat es mir richtig im Auge gelesen,
  der Schelm, das kleine, kaum ahnende Wesen,
  er hat es verstanden und hat es bejaht,
  der liebliche Lebenskandidat.

    Ich hätt’ ihn mögen vor lauter Entzücken
  aus den Polstern heben, verküssen, verdrücken,
  doch ich sagte mir: „Laß es lieber gehen,
  es soll so bleiben, wie es geschehen,
  es soll bleiben ein Augenblick.“

    Fürbaß ging ich, sah nicht zurück.
  Ein alter Bekannter begegnete mir,
  er stellte mich, fragte: „Was ist’s mit dir?
  Es strahlt ja ordentlich dein Gesicht,
  so heiter sah ich dich lange nicht;
  wart’, ich merk’s schon, du kommst vom Wein!
  ein guter muß es gewesen sein!“
  „Ja,“ sagt’ ich, „er war nicht eben schlecht,
  noch Most, aber Ausstich, feurig und echt.“



Balder Frühling

von

Johann Georg Fischer.

    Springt der Bube das Dorf hinaus:
  „Vater, es ist schon Frühling drauß,
  zum Schmetterlingsfang die beste Zeit.“

    Ist zwar kein Frühling noch weit und breit,
  fing kaum der Staub des Märzen an;
  doch die Jugend will ihren Willen han. --

    Wie, wenn ich nach dem Jungen ging’,
  zu schauen, was er im Garne fing?
  Freute mich ja so ein Falter selber,
  so ein roter oder zitronengelber!
  Richtig! da flattert’s schon; -- doch wie! --
  sah ich doch all mein Leben nie
  einen so artlichen Schmetterling:
  ein milchjung, geschlacht und huschig Ding,
  so scheu halb und so flüchtig noch,
  so dreist halb und fürwitzig doch,
  minder im Fluge, mehr im Lauf,
  ein herziger Kindskopf obenauf,
  Schwarzaugen, so funkelnd und feuernd schon,
  Zöpfe, so lang als die ganze Person,
  eine rote Masche als Halsgeschmeid,
  statt der Flügel ein fliegend Kleid,
  und ein lustiges Kreuzband zum Beschluß
  kurzweilig zeichnet den muntern Fuß.

    Ein Extra-Märzenvogel der!
  Mein lustiger Ärgster hinterher,
  das Schmetterlingsgarn verächtlich weggeschmissen.
  Ja nun, nun freilich muß Frühling sein,
  er blüht mir ja selber zum Haus herein; --
  was doch die Jungen alles besser wissen!



Elysium

von

Johann Georg Fischer.

    Und ist’s mit dieser Welt herum,
  und komm’ ich ins Elysium,
  meiner Ahne Haus muß mit hinein,
  sonst mag ich nicht darinnen sein.
  Hinter dem Hause muß am Hag
  die Sonne lagern den ganzen Tag,
  daß golden durch der Blätter Luken
  wie Engelsbacken die Kürbiss’ gucken,
  daß die Nachbarn wieder herüberschaun,
  die Arme aufgestemmt am Zaun,
  wie sie am Sonntag aus den Pfeifen
  lassen die blauen Wolken schweifen;
  lustige Mägde ziehen am Haus
  in weißer Schürze den Weg hinaus;
  und draußen schütteln am Gartensaum
  wir Buben den früh’sten Birnenbaum.

    So sei es im Elysium,
  sonst scher’ ich mich den Teufel drum.



Mein und dein

von

Johann Georg Fischer.

    Das Mägdlein sprach: „Lieb Knabe mein,
  nun sag mir, was ist mein und dein?“
  Der Knabe sprach: „Lieb Mädchen mein,
  dein schönes Auge, das ist dein,
  und drein zu schauen, das ist mein;
  dein roter süßer Mund ist dein,
  dich drauf zu küssen, das ist mein;
  nun tu’ mir auf die Arme dein,
  drin liegen, das ist dein und mein.“



Nachschiller

von

Ludwig Eichrodt.

    Rauschend in den Katarakt der Wonne
  wogt die unbekannte Sonne
  des Verlustes seelenvoll dahin:
  ew’ge Harmonien wallen über,
  in den bodenlosen Freudenzüber
  schöpft der Menschen Danaidensinn.
  Keine Hoffnung adelt ihren Schaden,
  auch der Glücklichste fühlt sich beladen
  und, den Stachel in der eignen Brust,
  sinkt er abwärts, krank und schuldbewußt.
  Durch ’s Getümmel ausgebrannter Krater
  schleicht der Würde schwergeprüfter Vater
  zu dem Traum des wandelnden Geschlechts;
  der Vergeltung Antwort grüßt die Klage
  und es schwankt die umgekehrte Wage
  in den Ausdruck eines toten Rechts.
  Ungeläutert aus den Wirklichkeiten
  siehst du das Verhängnis rückwärts schreiten,
  in der stillverbiss’nen Schranke starrt
  schon die Zukunft durch die Gegenwart.
  Einstens aber labt den Adamiden
  der Erkenntnis trauter Seelenfrieden,
  und das Urteil bricht sich ab den Zahn;
  jenseits flüstert heimliche Gebärde,
  auf der kummerlosen Vatererde
  schweigt der ungerührte Wahn.
  Welten lodern und Begierden schlummern,
  Hermes selber nimmt sich einen krummern,
  einen minder starren Todesstab
  in die schatt’ge Unterwelt hinab.



Krokodilromanze

von

Emanuel Geibel.

    Ich bin ein altes Krokodil
  und sah schon die Osirisfeier.
  Bei Tage sonn’ ich mich im Nil,
  bei Nacht am Strande leg’ ich Eier.

    Ich weiß mit list’gem Wehgekreisch
  mir stets die Mahlzeit zu erwürken,
  gewöhnlich freß’ ich Mohrenfleisch
  und Sonntags manchmal einen Türken.

    Und wenn im gelben Mondlicht rings
  der Strand liegt und die Felsenbrüche,
  tanz’ ich vor einer alten Sphinx
  und lausch’ auf ihrer Weisheit Sprüche.

    Die Klauen in den Sand gepflanzt,
  tiefsinnig spricht sie: „Tochter Thebens,
  friß nur, was du verdauen kannst!
  Das ist das Rätsel deines Lebens.“



Lob der edeln Musika

von

Emanuel Geibel.

  Ein lust’ger Musikante marschierte am Nil,
      _o tempora, o mores_!
  da kroch aus dem Wasser ein großer Krokodil,
      _o tempora, o mores_!
  der wollt’ ihn gar verschlucken,
  wer weiß, wie das geschah?
      Juchheirassassa, _o tempo-tempora_!
  Gelobet seist du jederzeit, Frau Musika!

  Da nahm der Musikante seine alte Geigen,
      _o tempora, o mores_!
  und tut mit seinem Bogen fein darüber streichen,
      _o tempora, o mores_!
  _Allegro_, _dolce_, _presto_,
  wer weiß wie das geschah?
      Juchheirassassa, _o tempo-tempora_!
  Gelobest seist du jederzeit, Frau Musika!

  Und wie der Musikante den ersten Strich getan,
      _o tempora, o mores_!
  da fing der Krokodile zu tanzen an,
      _o tempora, o mores_!
  Menuett, Galopp und Walzer,
  wer weiß, wie das geschah?
      Juchheirassassa, _o tempo-tempora_!
  Gelobest seist du jederzeit, Frau Musika!

  Er tanzte wohl im Sande im Kreise herum,
      _o tempora, o mores_!
  und tanzte sieben alte Pyramiden um,
      _o tempora, o mores_!
  denn die sind alle wacklich,
  wer weiß, wie das geschah?
      Juchheirassassa, _o tempo-tempora_!
  Gelobest seist du jederzeit, Frau Musika!

  Und als die Pyramiden das Teufelsvieh erschlagen,
      _o tempora, o mores_!
  da ging er in ein Wirtshaus und sorgt für seinen Magen,
      _o tempora, o mores_!
  Tokaierwein, Burgunderwein,
  wer weiß, wie das geschah?
      Juchheirassassa, _o tempo-tempora_!
  Gelobest seist du jederzeit, Frau Musika!

  ’ne Musikantenkehle, die ist als wie ein Loch,
      _o tempora, o mores_!
  und hat er noch nicht aufgehört, so trinkt er immer noch,
      _o tempora, o mores_!
  und wir, wir trinken mit ihm,
  wer weiß, wie das geschah?
      Juchheirassassa, _o tempo-tempora_!
  Gelobest seist du jederzeit, Frau Musika!



Aus „Lieder des Katers Hiddigeigei“

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    Von des Turmes höchster Spitze
  schau’ ich in die Welt herein,
  schaue auf erhab’nem Sitze
  in das Treiben der Partein.

    Und die Katzenaugen sehen,
  und die Katzenseele lacht,
  wie das Völklein der Pygmäen
  unten dumme Sachen macht.

    Doch was nützt’s? Ich kann den Haufen
  nicht auf meinen Standpunkt ziehn,
  und so laß ich ihn denn laufen,
  ’s ist wahrhaft nicht schad’ um ihn.

    Menschentun ist ein Verkehrtes,
  Menschentun ist Ach und Krach;
  im Bewußtsein seines Wertes
  sitzt der Kater auf dem Dach! --



Aus „Lieder des Katers Hiddigeigei“

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    O die Menschen tun uns Unrecht
  und den Dank such’ ich vergebens,
  sie vergessen ganz die feinern
  Saiten uns’res Katzenlebens.

    Und wenn einer schwer betrunken
  niederfällt in seiner Kammer,
  und ihn morgens Kopfweh quälet,
  nennt er’s einen Katzenjammer.

    Katzenjammer, o Injurie!
  Wir miauen zart im stillen,
  nur die Menschen hör’ ich oftmals
  graunhaft durch die Straßen brüllen.

    Ja, sie tun uns bitter Unrecht,
  und was weiß ihr rohes Herze
  von dem wahren, tiefen, schweren,
  ungeheuren Katzenschmerze?



Die letzte Hose

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    Letzte Hose, die mich schmückte,
  fahre wohl! dein Amt ist aus,
  ach auch dich, die mich entzückte,
  schleppt ein andrer nun nach Haus.

    Selten hat an solchen Paares
  Anblick sich ein Aug’ erquickt.
  Feinster Winterbuckskin war es,
  groß karriert -- und nie geflickt!

    Mit Gesang und vollen Flaschen
  grüßt’ ich einst in dir die Welt;
  zum Hausschlüssel in der Taschen
  klang noch froh das bare Geld.

    Aber längst kam das Verhängnis,
  die Sechsbätzner zogen fort,
  und das Brückentorgefängnis
  ist ein dunkler stiller Ort ...

    Längst entschwand, was sonst versetzlich,
  Frack -- und Rock -- und Mantels Pracht.
  Nun auch du!... es ist entsetzlich!...
  Letzte Hose, gute Nacht!

    Tag der Prüfung, o wie bänglich
  schlägt mein Herz und fühlt es hell:
  alles Ird’sche ist vergänglich
  und das Pfandrecht schreitet schnell!

    Nirgend winkt uns ein Erlöser,
  letzte Hose!... es muß sein!...
  Elkan Levi, dunkler, böser
  Trödler, nimm sie!... sie sei dein!

    Stiefelfuchs, du alter treuer,
  komm’ und stütz’ mein Dulderhaupt!
  Noch ein einziger Schoppen Neuer
  sei dem Trauernden erlaubt.

    Dann will ich zu Bett mich legen
  und nicht aufstehn, wenn’s auch klopft,
  bis ein schwerer, goldner Regen
  unverhofft durchs Dach mir tropft.

    Zeuch denn hin, die ich beweine,
  grüß’ den Rock und ’s Camisol!
  Weh! schon friert’s mich an die Beine!...
  Letzte Hose! fahre Wohl!!



Das Megatherium

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    Was hangt denn dort bewegungslos
  zum Knaul zusamm’geballt,
  so riesenfaul und riesengroß
  im Ururururwald?
  Dreifach so wuchtig als ein Stier,
  dreifach so schwer und dumm --
  ein Klettertier, ein Krallentier:
  das Megatherium!

    Träg glotzt es in die Welt hinein
  und gähnt als wie im Traum,
  und krallt die scharfen Krallen ein
  am Embahubabaum.
  Die Früchte und das saftige Blatt
  verzehrt es und sagt: „Ai!“
  Und wenn’s ihn leergefressen hat,
  sagt’s auch zuweilen: „Wai!“

    Dann aber steigt es nicht herab,
  es kennt den kürzern Weg:
  gleich einem Kürbis fällt es ab
  und rührt sich nicht vom Fleck.
  Mit rundem Eulenangesicht
  nickt’s sanft und lächelt brav:
  denn nach gelungener Fütterung kommt
  als Hauptarbeit der Schlaf.

    ... O Mensch, dem solch ein Riesentier
  nicht glaublich scheinen will,
  geh nach Madrid! dort zeigt man dir
  sein ganz’ Skelett fossil.
  Doch bist du staunend ihm genaht,
  verliere nicht den Mut:
  so ungeheure Faulheit tat
  nur vor der Sintflut gut.

    Du bist kein Megatherium,
  dein Geist kennt höhere Pflicht,
  drum schwänze kein Kollegium
  und überfriß dich nicht.
  Nütz’ deine Zeit, sie gilt statt Gelds,
  sei fleißig bis zum Grab,
  und steckst du doch im faulen Pelz,
  so fall mit Vorsicht ab!



Guano

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    Ich weiß eine friedliche Stelle
  im schweigenden Ozean,
  kristallhell schäumet die Welle
  zum Felsengestade hinan.
  Im Hafen erblickst du kein Segel,
  keines Menschen Fußtritt am Strand;
  viel tausend reinliche Vögel
  hüten das einsame Land.

    Sie sitzen in frommer Beschauung,
  kein einz’ger versäumt seine Pflicht,
  gesegnet ist ihre Verdauung
  und flüssig als wie ein Gedicht.
  Die Vögel sind all’ Philosophen,
  ihr oberster Grundsatz gebeut:
  den Leib halt’ allezeit offen
  und alles andre gedeiht.

    Was die Väter geräuschlos begonnen,
  die Enkel vollenden das Werk;
  geläutert von tropischen Sonnen
  schon türmt es empor sich zum Berg.
  Sie sehen im rosigsten Lichte
  die Zukunft und sprechen in Ruh’:
  „Wir bauen im Lauf der Geschichte
  noch den ganzen Ozean zu.“

    Und die Anerkennung der Besten
  fehlt ihren Bestrebungen nicht,
  denn fern im schwäbischen Westen
  der Böblinger Rapsbauer spricht:
  „Gott segn’ euch, ihr trefflichen Vögel,
  an der fernen Guanoküst, --
  trotz meinem Landsmann, dem Segel,
  schafft ihr den gediegensten Mist!“



Pumpus von Perusia

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    Feucht hing die Sonne. Des Novembers Schauer ging
  mit leisem Frösteln durch das Land Hetruria.
  Ein mildes Kopfweh, erst der jüngsten Nacht entflammt,
  durchsäuselt die Luft mit mattem Flügelschlag,
  und ein Gefühl von Armut lag auf Berg und Tal.
  Der heilige Ölbaum, dem das letzte gelbe Blatt
  der Wind verweht, reckt traurig seine Äste aus,
  so kahl und öd’, als fehl’ ihm das Notwendigste.
  Verdächtig selbst das Straßenpflaster. Blödem Aug’
  schien des Basaltes urgebirgig fester Stoff
  verwandelt heut’ in sehr poröses Tropfgestein,
  und alles -- alles -- alles sah durchlöchert aus.

    So war der Tag, da in der ersten Frühestund’
  ein müder Held aus Populonias Toren zog.
  Vergeblich warf von dem kyklopischen Mauerwall
  der Wächter einen trinkgeldhoffnungsvollen Blick,
  er hielt ihn aus -- und schaute starr -- und gab ihm nichts.

    Dort, wo der Weg sich einbiegt gegen Suessulae
  und eines Priesters kegelturmgeziertes Grab
  trübtraurig seinen Schatten wirft in’s Blachgefild,
  dort hielt er still -- und stieß den Speer ins Riedgras ein
  und suchte lang in seiner Chlamys Faltenwurf,
  und suchte wieder -- suchte auch zum drittenmal
  und fand nicht, was er suchte ...
                        O wer kennt den Schmerz,
  der auf sich bäumt im biederen Etruskerherz,
  wenn alles -- alles -- alles auf die Neige ging,
  und nur der Graus des Leeren in den Taschen wohnt,
  wo der Sesterz sonst fröhlich beim Denar erklang!...

    Den Helm abnehmend von dem schwerbedrückten Haupt,
  fuhr mit der Rechten langsam er zur Stirn empor,
  gen Populonia rückwärts flog sein feuchter Blick
  und blaue Blitze leuchteten im Heldenaug’.

    „O Wirtshaus zur Chimäre!“ sprach er wehmutvoll,
  „ist das das Ende? Winkte das der Vögelflug,
  der vor drei Tagen krächzend mir zur Linken strich?
  Sprach das des Stieres rätselvolles Eingeweid’?
  O Wirtshaus zur Chimäre! Was ist lieblicher,
  als einzuziehn, ein Gastfreund, in dein Gastgemach?
  Verständig waltet dort ein vielgeübter Wirt,
  und edle Herren sitzen um den kühlen Trank,
  den von dem Berg herabsendet Dimeros.
  Weisheit entströmt bedachtsam zechender Männer Mund,
  zumal an jenem obern, linnenweißen Tisch,
  wo Tegulinums Augur, später Mitternacht
  Trotz bietend, ausharrt, einer ehernen Säule gleich,
  und sternenkundig vorsingt in dem Rundgesang.
  O Wirtshaus zur Chimäre! doch sag’ an, wohin,
  wohin verschwindet ... ha! was spricht mein Mund es aus,
  das dreimal gottverfluchte Wort, von dem allein
  des Tuskers Schicksal abhängt, ha, das bare Geld?
  O Flufluns, Flufluns! unheilvoller Bacchus du!
  ’s ist alles fort und hin und hin und fort .... hahumm!

    „... Doch eine Tat, ich schwör’s, sei itzt von mir getan,
  wie sie die blöde Welt sich nicht im Traume träumt,
  gräßlich und kalt ... mein Name soll der Nachwelt noch
  durch diese Tat sich überpflanzen, schreckenvoll;
  so wahr ich hier an diesem Priestergrabe steh’,
  ich -- Pumpus von Perusia, der Etruskerfürst ...“

    Er sprach’s und ging. Unheimlich fiel ein Sonnenstrahl
  auf Speer und Helm. Fahl leuchtet’s im Zypressenwald,
  dumpf braust ein Windstoß, grabtief, fernem Seufzen gleich.

    Die Welt war damals harmlos noch, man kannte nicht
  des bürgerlichen Rechtes vielverschlung’nen Pfad,
  und selbst der Greis im Silberbart, er wußte nicht
  die Antwort auf die Frage, was ein Darlehn sei.
  Doch jenen Tages ward im Wald bei Suessulae
  zum erstenmal, seit daß die Welt geschaffen stand,
  ein Held von einem andern Helden -- angepumpt!
  Das ist der Sang vom Pumpus von Perusia.



Das wilde Heer

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    Das war der Herr von Rodenstein,
  der sprach: „Daß Gott mir helf’,
  gibt’s nirgends mehr ’nen Tropfen Wein
  des Nachts um halber Zwölf?
  ’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  Herr Wirt, daß Gott mir helf’,
  gibt’s nirgends mehr ’nen Tropfen Wein
  des Nachts um halber Zwölf?“

    Er ritt landauf, landab im Trapp,
  kein Wirt ließ ihn ins Haus;
  totkrank noch seufzt vom Gaul herab
  er in die Nacht hinaus:
  „’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  Herr Wirt, daß Gott mir helf’,
  gibt’s nirgends mehr ’nen Tropfen Wein
  des Nachts um halber Zwölf?“

    Und als mit Spieß und Jägersrock
  sie ihn zu Grab getan,
  hub selbst die alte Lumpenglock’
  betrübt zu läuten an:
  „’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  Herr Wirt, daß Gott mir helf’,
  gibt’s nirgends mehr ’nen Tropfen Wein
  des Nachts um halber Zwölf?“

    Doch wem der letzte Schoppen fehlt,
  den duld’t kein Erdreich nicht;
  drum tobt er jetzt, vom Durst gequält,
  als Geist umher und spricht:
  „’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  Herr Wirt, daß Gott mir helf’,
  gibt’s nirgends mehr ’nen Tropfen Wein
  des Nachts um halber Zwölf?“

    Und alles, was im Odenwald
  sein’ Durst noch nicht gestillt,
  das folgt ihm bald, das schallt und knallt,
  das klafft und stampft und brüllt!
  „’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  Herr Wirt, daß Gott mir helf’,
  gibt’s nirgends mehr ’nen Tropfen Wein
  des Nachts um halber Zwölf?“

    ... Dies Lied singt man, wenn’s auch verdrießt,
  gestrengem Wirt zur Lehr’;
  wer zu genau die Herberg’ schließt,
  den straft das wilde Heer;
  „’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  Rumdiridi, Freijagd!
  Hoidirido, Freinacht!
  Hausknecht hervor!
  Öffne das Tor!
  ’raus! ’raus! ’raus!“



Der Überfall

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    Und wieder sprach der Rodenstein:
  „Halloh, mein wildes Heer!
  In Tiefschluckhausen fall’ ich ein
  und trink’ den Pfarrer leer.
  ’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  Herr Pfarr’, daß Gott Euch helf’!
  Gibt’s nirgends mehr ’nen Tropfen Wein
  des Nachts um halber Zwölf?“

    Der Pfarr’, ein tapfrer Gottesmann,
  trat streitbar vor sein Tor,
  mit Weihbrunn, Skapulier und Bann
  die Geister er beschwor:
  „’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  Daß euch der Satan helf’,
  kriegt ihr ein’ einzigen Tropfen Wein
  des Nachts um halber Zwölf!“

    Doch fröhlich brummt der Rodenstein:
  „O Pfarr’, ich fang’ dich doch!
  Ein Geist, der nicht zum Tor kommt ’rein,
  probiert’s am Kellerloch!
  ’nein da! .. ’nein zu dem Wein da!
  Hurra, schon sind wir drin!
  Sein Keller ist nicht schlecht besetzt,
  hurra, wir trinken ihn!“

    O armes, frommes Pfarrerherz,
  heut’ hat der Böse Macht!
  Vergeblich rief er kellerwärts,
  daß das Gewölbe kracht:
  „Schwein da .. Schwein bei dem Wein da!
  Heißt das sich aufgeführt?
  So laß mir doch die Kompetenz,
  die einem Pfarr’ gebührt!“

    Und als die Glocke ein Uhr schlug,
  das Heer sang dumpf und hohl:
  „Herr Pfarr’, Herr Pfarr’, jetzt ha’n wir g’nug,
  Herr Pfarr’, jetzt lebet wohl!
  ’raus jetzt! ’raus aus dem Haus jetzt!
  Herr Pfarr’, und bleibt gesund!
  ’s fließt nirgends mehr ein Tropfen Wein
  aus Krug und Hahn und Spund.“

    Da flucht der Pfarr’: „Ich dank’ recht sehr,
  Schwernot! Ist alles hin,
  so will ich selbst im wilden Heer
  als Feldkaplan mitzieh’n!
  ’naus jetzt! ’naus aus dem Haus jetzt!
  Herr Ritter, ich schlag’ ein:
  ist all mein Wein zum Teufel, soll
  ein andrer Pfarrherr sein!
  Hussa, hallo!
  Jo, hihaho!
  Rumdiridi, langt’s nit,
  Hoidirido, selbst mit!
  Höllischer Chor,
  heut’ reit’ ich vor:
  ’naus! ’naus! ’naus!“



Die Fahndung

von

Joseph Viktor von Scheffel.

    Und wieder sprach der Rodenstein:
  „Pelzkappenschwerenot!
  Hans Breuning, Stabstrompeter mein,
  bist untreu oder tot?
  Lebst noch? .. Lebst noch und hebst noch?
  Man g’spürt dich nirgend mehr ...
  Schon naht die durst’ge Maiweinzeit,
  du mußt mir wieder her!“

    Er ritt, bis er gen Darmstadt kam,
  kein Fahnden war geglückt;
  da lacht er, als am schwarzen Lamm
  durchs Fenster er geblickt:
  „Er lebt noch! .. Lebt noch und hebt noch,
  doch frag’ mich keiner: wie?
  Wie kommt mein alter Flügelmann
  in solche Kompagnie?“

    In Züchten saß der Stammgast Schar
  nach Rang und Würden dort,
  Dünnbier ihr Vespertrünklein war,
  es klang kein lautes Wort.
  „Sacht stets! .. sacht und bedacht stets
  ist Lebens Hochgenuß,“
  so flüstert ein Kanzleimann just
  zum Kreisamtssyndikus.

    In dieser Schöppleinschlürfer Reih’
  saß auch ein stilles Gast,
  und als es acht Uhr war vorbei,
  nahm’s Stock und Hut mit Hast.
  „Ach jetzt! .. ach jetzt .. gut Nacht jetzt!
  Einst war ich nicht so brav,
  doch ehrbar wandeln ist das best’,
  ich geh’ ins Bett und schlaf’.“

    Der Rodenstein in grimmem Zorn
  hub grau’nhaft sich empor;
  dreimal stieß er ins Jägerhorn
  und blies mit Macht den Chor:
  „’raus da! ’raus aus dem Haus da!
  ’raus mit dem Deserteur!
  Das lahme, zahme Gast da drin
  gehört zum wilden Heer!“

    Da faßt das Gast ein Schreck und Graus,
  erst sank es in die Knie,
  dann stürzt’ es einen Maßkrug aus,
  schlug’s Fenster ein und schrie:
  „’naus da! ’naus aus dem Haus da!
  O Horn und Sporn und Zorn!
  O Rodenstein! O Maienwein!
  Noch bin ich nicht verlor’n.
  Rumdiridi, Freijagd!
  Hoidirido, Freinacht!
  Alter Patron,
  empfah’ deinen Sohn!
  Hussa, hallo!
  Jo, hihaho!
  ’naus, ’naus, ’naus!“



Bittgang

von

Paul Heyse.

    Im Sonnenfeuer lechzt die Flur,
  versengt stehn Wälder und Almen,
  verschmachten muß die Kreatur,
  die Frucht verbrennt an den Halmen.

    Das Bächlein, das ihr Kühle gesandt,
  verlernte sein muntres Rieseln;
  es glüht und glastet Julibrand
  über den staubigen Kieseln.

    Ein Bauer stapft entlang dem Rain,
  ist einer von den Frommen,
  und flucht doch still in den Bart hinein;
  da sieht er den Pfarrer kommen.

    Er zieht die Kappe und weist umher:
  „Zugrund geht all der Segen.
  Hochwürden, das Gescheitste wär’,
  einen Bittgang tun um Regen.“

    Der Pfarrer nickt: „Ein fromm Gebet
  tät not. Doch warten wir, Peter,
  zwei Täglein noch. Einstweilen steht
  zu hoch der Barometer.“



Unfreiheit

von

Arthur Fitger.

    „Ach lieber Herr Amtmann, habet Geduld!
  Ich gesteh’s, ich habe gestohlen;
  doch das hat der Kosmos selber Schuld,
  das sag’ ich Euch unverhohlen.

    „Die Neigung zum Stehlen war in mir schon
  von Anbeginn entzündet;
  sie lag schon in der Konstitution
  meiner Urgroßmutter begründet.

    „Rings drängten auf mich der ganzen Natur
  vieltausendfältige Triebe;
  ich ward nach höh’ren Gesetzen nur
  unwiderstehlich zum Diebe.

    „Wie könnt Ihr mich strafen, der ich doch nicht
  aus freiem Willen gesündigt?“ --
  „Jetzt schweige, du naseweiser Wicht,
  und höre, was man verkündigt:

    „Die hochwohllöbliche Polizei
  steht auch unter kosmischem Zwange,
  sie fängt die Diebe und hängt sie dabei
  aus unwiderstehlichem Drange.“



Brigitte

von

Felix Dahn.

    Im alten braunen Giebelhaus,
  da sind viel stille Gänge;
  da weicht man schwer einander aus,
  denn sie sind allzuenge:
  An einen Gang, den Speichergang,
  gedenk’ ich all mein Leben lang.

    Da riecht es süß von Obst und fein,
  ’s ist ein verschwiegen Plätzlein,
  am Simse liegt im Sonnenschein
  und schnurrt das weiße Kätzlein,
  und an der Wand ist blank und braun
  viel Holzgetäfelwerk zu schau’n.

    Ich kam hinauf von ungefähr:
  da hört’ ich leichte Tritte,
  vom Speicher kommt es klirrend her:
  „Seid Ihr’s, Jungfrau Brigitte?
  Wie tragt Ihr schwer in jeder Hand?
  Dazu solch großes Schlüsselband?“

    „Ei, laßt mich nur geschwind vorbei,
  der Vater hat’s befohlen,
  Obst soll ich aus der Kämmerei
  und Wein vom Keller holen.
  Ein Herr vom Rat hält unten Rast
  und der ist unser Vespergast.“

    „Ach, viel zu voll ist Euer Krug,
  laßt trinken mich ein Schlücklein,
  des Obstes habt Ihr schwer genug,
  o, schenkt mir auch ein Stücklein,
  und bis das nicht nach Wunsch geschehn,
  laß’ ich Euch nicht vorübergehn.“

    Da hielt die kleine Blonde still
  und seufzte loser Weise:
  „So nehm’ Er sich denn, was Er will,
  doch nehm’ Er’s rasch und leise! --
  Das hat der Maurer schlecht bedacht,
  der diesen Gang so eng gemacht.“

    Der Vater rief -- die Kleine lief,
  die blonden Zöpfe wehen,
  das weiße Kätzlein aber schlief
  und hatte nichts gesehen.
  Ich ging auf meine Kammer sacht
  und habe dieses Lied gemacht.



Die Geschichte von der grauen Stute

von

Felix Dahn.

(Nach einem englischen Motiv.)

    In der Zeit, da noch Altengland
  war das lustige Altengland,
  da an William Shakespeares Scherzen
  Kön’gin Beß sich weidlich freute,
  führte Sir John Rash, ein junger
  Ritter, Sir John Wises, des klugen
  Alten, Tochter heim als Eh’frau.
  Quer von Barmouth bis nach Yarmouth,
  durch ganz England ging die Reise:
  denn am Dee, dem schilfumbüschten,
  lag das Schloß des Schwiegervaters,
  doch des Eidams Halle ragte
  ob dem weidengrünen Bure.
  Übern Tanat und den Weaver
  übern Terent und die Dove,
  über Trent und über Welland,
  über Ouse dahin und Yare
  und noch andre Flüss’ und Bäche
  zog die Fahrt durch’s ganze Eiland. --
  Aber ach, noch kaum sechs Monde
  waren in das Land gegangen,
  als vor seinem Schwiegervater
  wieder in dem Schloß bei Barmouth
  stand der Schwiegersohn -- allein.
  „Gott zum Gruße, lieber Johnnie,“
  sprach der Alte, „wo ist Ellen?
  bist du ihr voraufgeritten?
  folgt sie abends oder morgen?“ --
  „Nein! nicht abends und nicht morgen
  folgt sie, deine liebe Tochter!
  denn sie -- dieses eben ist es! --
  denn sie folgt mir überhaupt nicht! --
  Kurz und gut: ich bin gekommen,
  dich zu bitten, deine Tochter
  wiederum mir abzunehmen,
  denn ich kann nicht mit ihr leben!“ --
  „Setz’ dich, braver Johnnie, setz dich. --
  Buttler, bring vom besten Welschwein!
  Lieber Jung’, das ist ja schrecklich!
  und gewiß ist sie im Unrecht: --
  denn ich kenne meine Tochter,
  und ich kenn’ auch meinen Johnnie,
  der gewiß um kleiner Ursach’
  willen nicht sein Weib verstieße.
  Also frisch! Sprich von der Leber:
  ist sie dir nicht schön genug, he?“ --
  „Ach, sie ist ja schön wie keine!“ --
  „Hat sie etwa schiefe Glieder,
  oder schwarze Muttermale?“ --
  „Tannenschlank ist sie gewachsen,
  hat kein Tädelchen am Leibe!“ --
  „Spürst zu ihr du keine Neigung?“ --
  „Nur zu große, lieber Vater!“ --
  „Weigert sie dir ihre Liebe?“ --
  „Zärtlich kann sie sein, berückend!“
  „Nun, dann weiß ich nicht -- was willst du?“ --
  „Ach, sie ist so eigensinnig!
  Was sie will, das soll geschehen:
  ja, was ärger: das geschieht auch,
  ich bin nicht der Herr im Hause!“ --
  Vor sich hin pfiff leis’ der Alte:
  „Das ist alles, lieber Eidam?
  Darum bist du hergeritten
  über Yare und Ouse und Welland,
  Trent und Dove, Terent, Weaver,
  Tanat, Bure und andre Wasser?
  Solches ist kein Grund zur Trennung!
  Reite wieder heim, mein Johnnie,
  über all’ die vielen Wasser,
  glaube mir, du wirst’s gewöhnen!“ --
  „Nein, ich kann es nicht ertragen.
  Gehn zum Beispiel wir zu angeln,
  ich verstehe mich aufs Fischzeug --
  deine Tochter Ellen gar nicht ... --“ --
  „Weiß es!“ sprach der Schwiegervater. --
  „An dem Bure, dem weidengrünen,
  schnell’ den Fisch ich aus dem Strudel,
  sag’ ich: ‚Welche Prachtforelle!‘
  Spricht schön Ellen: ‚Ja, mein Lieber,
  schöner Fisch! Doch ist’s ein Karpfe!‘
  Nun beschwör’ ich, Schwiegervater,
  in dem ganzen Flusse schwimmt auch
  nicht ein Karpfe, weil die Strömung ... --“ --
  „Allzustark ist -- weiß es, Johnnie!“ --
  „Doch ein Karpfe muß es bleiben,
  soll ich sie vergnügt erhalten.
  Gehn wir in dem Wald spazieren,
  in dem grünen Park am Abend,
  flötet von dem Ulmenwipfel
  wunderschön herab die Amsel,
  ich verstehe Vogelkunde ... --“ --
  „Meine Tochter Ellen gar nicht!“ --
  „Horch’, sag’ ich, wie schön! Die Amsel! --
  ‚Herrlich!‘ flüstert deine Tochter,
  ‚aber ’s ist ein Hänfling, Männchen!‘
  Nun beschwör’ ich dich, o Vater ...“ --
  „Amsel sind und Hänfling wahrlich
  gar nicht zu verwechseln, Johnnie!“
  „Doch ein Hänfling muß es bleiben,
  soll sie bleiben guter Laune! --
  Reiten wir zur Jagd zusammen ... --“ --
  „Du verstehst dich auf das Weidwerk,
  meine Tochter Ellen gar nicht --
  und erlegtest du ein Birkhuhn
  und schön Ellen nennt es Wachtel --
  eine Wachtel muß es bleiben,
  sollst du Ruh’ im Hause haben!“
  „Wie? Warst neulich du zugegen
  heimlich?“ --
                „Nein, das ist nicht nötig.
  War ich selbst doch auch vereh’licht!“ --
  „Doch es steht schon in der Bibel:
  Und es soll der Mann dein Herr sein!“ --
  „Neu’re Schriftgelehrte lesen
  an der Stelle: und es sollte
  eigentlich der Mann dein Herr sein.
  Andre lesen: soll dein Narr sein!“ --
  „Aber meine sel’ge Mutter
  sagte oft, sie habe immer
  meinem Vater nachgegeben!“ --
  „Sagte solches auch dein Vater?“ --
  „Niemals sprach er mir darüber.“ --
  „Siehst du! Leere nun den Humpen!
  Spät ward’s. Laß uns beide schlafen.
  Morgen will ich dir verkünden,
  Sohn, wie dir zu helfen ist!“

     *       *       *       *       *

  Und am andern Morgen rief den
  Gast Sir Wise in seinen Schloßhof,
  wo gezäumt fünf Pferde standen
  und ein großer Sack voll Eier.
  „Reite nun, mein Sohn, nach Hause,
  -- Ralf, mein Knapp’, soll dich begleiten --
  reite heimwärts quer durch England,
  über all’ die vielen Wasser,
  forsche nach in jedem Schlosse,
  jedem Haus und jeder Hütte,
  findst du, unter einem Dache
  sei der Mann der Herr, so schenk’ ihm
  eins der Pferde dort. Die graue
  Stute ist das schlechtste!“ --
                              „Freilich!
  Und der Fuchshengst ist der beste;
  das erkennt, wer je ein Pferd sah.“ --
  „Findst du aber, daß die Gattin
  führt das Regiment im Hause,
  nimm ein Ei aus jenem Sacke --
  just fünfhundert sind darin, John! --
  und der Hausfrau schenk’ es schweigend.
  Wenn du früher die fünf Pferde
  los wirst, John, als die fünfhundert
  Eier, nehm’ ich dir die Tochter
  wieder ab, mein armer Johnnie.
  Wirst du aber früher fertig
  mit dem halben tausend Eier,
  als mit jenen fünf Stück Pferden --
  dann behalte meine Tochter:
  denn dann siehst du, lieber Eidam,
  daß dein Los nicht ungewöhnlich!“

     *       *       *       *       *

  Wohl zufrieden war’s der Eidam,
  stieg zu Roß und ritt von dannen
  mit den Pferden und den Eiern
  und mit Ralf, dem alten Knappen.
  Und an jedem Schlosse hielt er,
  hielt an jedem Haus und Hüttlein,
  überall mit Fleiß erforschend
  bei dem Ritter, Bürger, Bauer,
  wer im Haus die Herrschaft führe.
  Übern Tanat und den Weaver,
  übern Terent und die Dove,
  über Trent und über Welland,
  über Ouse dahin und Yare
  kam er und die andern Wasser: --
  vieler Eier ward er ledig,
  daß der Sack schon beinah’ leer war.
  Und inzwischen wuchs gewaltig
  ihm die Sehnsucht nach der Süßen,
  nach der Holden, nach der Blonden,
  mit den blauen Heil’gen-Augen;
  wie sie schwebet, wie sie ruhet,
  wie sie lächelt, wie sie schmollet,
  ach, im Schmollen noch so lieblich,
  ach, und vollends, wie sie küsset --
  Tag und Nacht mußt’ er’s gedenken.
  Und so kam er, nah’ der Heimat,
  mit fünf Pferden und fünf Eiern
  in das Schloß des Grafen Warwick,
  welchen Schotten und Franzosen
  nur den „Lord von Eisen“ nannten,
  dessen Wille nie gehemmt ward,
  dessen grimmer Zorn gescheut ward
  in Paris und Edinburgh.
  „Hier werd’ ich das Pferdlein los doch!“
  denkt der Gast und sieht mit Freude,
  wie die kleine, zarte Lady --
  Maud war eigentlich ihr Name,
  Lady Demut nannt’ ihr Mann sie --
  ganz zerschmilzt in eitel Sanftmut.
  Niemals wagt sie andre Meinung:
  Tritt der Lord nur in die Halle --
  auch im Haus in Eisen geht er --
  zittert alles: und am meisten
  zittert vor ihm Lady Demut. --
  Nach drei Tagen sagt der Gast den
  Wirten offen seiner Einkehr
  Ursach’ und ersucht den Hausherrn,
  mit ihm in den Stall zu schreiten
  und das Pferd sich von den fünfen,
  das ihm ansteht, auszusuchen.
  „Und Mylord, Ihr seid der erste
  Eh’mann zwischen Bar- und Yarmouth,
  dem ein Rößlein ich darf schenken.
  Denn -- bestätigt, Lord und Lady! --
  wie ich’s fand in den drei Tagen,
  so steht’s immer hier im Hause:
  Widerspruch und Eigenwille
  Lady Mauds wird nie geduldet?“ --
  „Ei behüte, welche Sünde!“
  ruft die Lady und verkriecht sich
  stirnesenkend, augensenkend,
  an der breiten Brust des Gatten.
  Dieser aber, waffenklirrend,
  ruft: „Bei Gott! ich heiße Warwick!
  Fragt in Schottland, fragt in Frankreich,
  was das heißt. -- Und dieses Weiblein --
  mit zwei Fingern bräch ich’s mitten ... --
  sollte mir? --“ der Zorn erstickt ihm
  beim Gedanken schon die Stimme.
  In dem Stall stehn Gast und Wirte.
  „Dort den Fuchshengst,“ sprach Lord Warwick,
  „werd’ ich wählen; ’s ist das beste
  von den fünfen unverkennbar.“ --
  „Nein, du nimmst die graue Stute!“ --
  „Aber Weibchen, nimm Vernunft an!“ --
  „Brauch’ ich die erst anzunehmen?
  Bin ich also regelmäßig
  unvernünftig? Warwick, Warwick!
  dort die graue Stute nimmst du,
  ’s ist das beste Tier von allen.
  Nimm’s! Sonst -- sonst wirst du’s lang bereu’n!
  Nun, wie oft noch soll ich bitten?“
  Und das kleine Füßlein stampfte,
  daß die Streu im Stall umherflog.
  „Ja, -- ’s ist wahr,“ sprach zögernd Warwick,
  „ja -- wenn ich es recht erwäge, --
  ’s ist die beste von den fünfen.
  Ja, die graue Stute wähl ich!“ --
  Doch John Rash rief: „Ralf, den Sack her!“
  Aus dem Sack zog er ein Eilein,
  bot es zierlich dar der Lady:
  „Dies gebührt Euch, Lady Demut,
  und dazu mein Dank auf ewig!
  Spornstracks reit’ ich jetzt nach Hause.
  O wie freu’ ich mich auf Ellen!
  Ralf, vier Eier und fünf Pferde
  bring zurück dem Schwiegervater
  und dazu des Eidams Segen!“ --



Nachschrift.

  Diese Dichtung wollt’ ich widmen
  meinem lieben Weib Therese,
  hatte schon das Wort geschrieben.
  Da jedoch sie -- selbstverständlich
  nur erraten konnt’ ich’s ahnend --
  nicht so sehr dadurch erfreut schien,
  als ich eigentlich erwartet,
  hab’ ich’s wieder ausgestrichen:
  ungewidmet bleibt das Werk! --



Rothaarig ist mein Schätzelein

von

Julius Wolff.

    Rothaarig ist mein Schätzelein,
  rothaarig wie ein Fuchs,
  und Zähne hat’s wie Elfenbein
  und Augen wie ein Luchs.

    Und Wangen wie ein Rosenblatt
  und Lippen wie ein’ Kirsch’,
  und wenn es ausgeschlafen hat,
  so schreitet’s wie ein Hirsch.

    Im Köpfchen sitzt ihm ein Kobold,
  ein Grübchen in dem Kinn;
  ein Herzchen hat es klar wie Gold
  und kreuzfidelen Sinn.

    Wie Silberglöcklein spricht’s und lacht’s,
  wie eine Lerche singt’s,
  und tanzen kann’s und Knickse macht’s,
  und wie ein Heuschreck springt’s.

    Und lieben tut’s mich, Zapperlot!
  das weiß, was lieben heißt,
  und küßt es mich, -- Schockschwerenot!
  ich denk manchmal, es beißt.

    Doch weiter kriegt ihr nichts heraus,
  und fragt ihr früh und spat,
  es kratzt mir sonst die Augen aus,
  wenn ich noch mehr verrat.



Lacrimae Christi

von

Rudolf Baumbach.

    Es war in alten Zeiten
  ein schwäbischer Fiedelmann,
  der kräftig strich die Saiten
  und lustige Mären spann.

    Mit Friederich, dem andern,
  ins Welschland zog er ein,
  und kostete im Wandern
  von einem jeden Wein.

    Und als auf seinem Zuge
  er nach Neapel kam,
  quoll ihm aus ird’nem Kruge
  ein Tropfen wundersam.

    Er trank mit durst’gem Munde
  und rief den Wirt herbei:
  „Viellieber, gebt mir Kunde,
  was für ein Wein das sei.

    „Er rinnt mir altem Knaben
  wie Feuer durchs Gebein;
  von allen Gottesgaben
  muß das die beste sein.“

    Der dicke Kellermeister
  gab ihm die Auskunft gern:
  „Lacrimae Christi heißt er,
  denn Tränen sind’s des Herrn.“

    Da überkam ein Trauern
  den fremden Fiedelmann;
  er dachte an den Bauern,
  der in der Heimat rann.

    Und betend sank er nieder,
  den Blick empor gewandt:
  „Herr, weinst du einmal wieder,
  so wein’ im Schwabenland!“



Der Pfropfenzieher

von

Rudolf Baumbach.

      Nun laßt uns tapfer brechen
    den Rheinweinflaschen den Hals,
    und füllt mit goldnen Bächen
    die Höhlung des Kristalls.
    Erhebt euch von dem Tische
    und steht in Reih’ und Glied,
    und singt das ewig frische,
    uralte Zecherlied:
  Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
  alles muß vertrunken sein!

      Der diesen Spruch ersonnen,
    ein frommer Ritter was,
    der lieber denn am Bronnen
    bei vollen Fässern saß,
    und als der letzte Gulden
    aus seinem Beutel schied,
    da machte er fröhlich Schulden
    und sang sein altes Lied:
  Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
  alles muß vertrunken sein!

      Die Lehen und Allode
    ertranken im Malvasier;
    als letztes der Kleinode
    blieb ihm ein Pfropfenzieh’r.
    Das Alter tät ihm färben
    die Haare silberlicht.
    Er gönnte seinen Erben
    den Pfropfenzieher nicht.
  Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
  alles muß vertrunken sein!

      Er zog aus seiner Tasche
    das Kleinod glatt und blank
    und gab’s für eine Flasche,
    gefüllt mit Lautertrank.
    Ein Schlag, da sank in Scherben
    der Flaschenhals zu Tal.
    Er trank und sang im Sterben
    zum allerletztenmal:
  Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
  alles muß vertrunken sein!

      Nun trinken wir die Minne
    des alten, durst’gen Herrn,
    und blieb ein Tropfen drinne,
    er säh’s gewiß nicht gern.
    Erhebt euch von dem Tische
    und steht in Reih’ und Glied,
    und singt das ewig frische,
    uralte Zecherlied:
  Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
  alles muß vertrunken sein!



’s Gebet

von

Franz von Kobell.

    A gar kleans Dirndl mit der Muatta
  hat in der Kirch’ in Sunnta[180] bet’t,
  und’s Maderl war so voller Andacht,
  als wenn se’s halt recht nöti hätt;
  dees hat der Muatta gar gut g’fall’n,
  und nach der Kircha sagt dazua:
  „Du bist amal a rechti Frummi[181],
  du hast schon bet’t in aller Fruah’.
  Was hast jetzt bet’t, dees muaßt ma sag’n,
  du Schatzerl, du, so brav und nett.“
  Und’s Madel sagt auf ihra Frag’n:
  „+Daß d’ Kirch bald aus werd’, hab’ i bet’t!+“



Canzone

von

Friedrich Stoltze.

    Merr hawwe uns zwar gestern was gekippelt
  un ohne Abschid is se fortgehippt[182]. --
  Ich haw’ err heut en lange Brief geschriwwe;
  doch hat se, scheint’s, des beste iwerhippelt[183]
  un brotzt[184] noch fort un is noch stark verschnippt,
  sonst wär se heint net schned eweckgebliwwe[185].

    Ich schriew err: Komm um sechs. Jetz is es siwwe.
  Was mir draa leiht[186]! -- Ich wart noch bis e Vertel,
  dann geh ich. Ja, verlaß sich ääns uff Mensche!
  Sie utzt sich selbst um e Paar neue Hännsche[187]
  un um e Stahlschnall un en Moiree-Gertel.

    Se kimmt net! -- No, heut krieht se’s noch ze wisse,
  mein Ring eraus! mei Brosch un ’s Nadelkisse!
  Mei Sache! -- ’s läg merr uff! des wär net bitter,
  so Hahlgäns, so bredale[188], wetterwenn’sche!
  Un nemm dei lumpig Sigar-Etwie[189] widder!



Absagebrief

von

Friedrich Stoltze.

    „Jean, leb wohl! mei Vatter leidt’s net,
  un merr soll die Eltern ehrn;
  ohne Sege da gedeiht’s net,
  wann merr noch so glicklich wern.

    „Ewig zwar wern ich dich liewe,
  nimmermehr vergeß ich dich;
  doch die Eltern zu betriewe,
  des breng ich nicht iwer mich.

    „Geh net mehr am Haus voriwer,
  daß dich nicht mei Vatter sieht,
  dann ich krieh sonst Vorwerf driwer,
  wie ich se schon oft hab’ krieht.

    „Teurer Jean, du des bedenke!
  Gelt, du dust’s for ganz gewiß?
  Du den alten Mann net krenke
  un komm erscht, wann’s dunkel is!

    „Awer komm’ dorchs Hinnerpörtche!
  Dann mei kindlich Ehrlichkeit
  wääs zwar des gehääme Örtche,
  wo der Vorderschlissel leiht;

    „Doch die Eltern zu betriehe,
  liewer Jean, sei fern von mir! --
  Nää! un kräg ich’s ääch verziehe --
  drum komm dorch die Hinnerdir.

    „Stolper ja net uff de Stäge,
  dann mei Vatter is ze Haus;
  du’s um seines Schlummers wege!
  Liewer zieh die Stiwel aus!“



Die Wacht am Rhein

von

Friedrich Stoltze.

    Die Wacht am Rhei -- merr hat kää Ruh,
  merr heert se alsfort brille.
  Merr wisse’s ja, zum Deiwel zu,
  un ääch um Gotteswille.

    Heint Nacht um zwelf ehrscht schlaf ich ei,
  da stolpern zwää voriwer
  un brille laut die Wacht am Rhei,
  so daß ich uffwach driwer.

    Ich haw en ääch mein Dank gezollt:
  ihr Männer ihr, ihr brave!
  +Wacht ihr+ am Rhei, so viel derr wollt,
  in Frankfort laßt mich +schlafe+!



Die schöne Predi’

von

Karl Stieler.

    Der alte Pfarrer von Waxelmoos,
  der hat neuli ’predigt. Ah der schießt los!
  Kreuzhimmelsakra -- der hat’s ihna g’sagt,
  all Leut’ hab’n g’woant und an jeden hat’s packt,
  nur oaner lahnt so an der Kirchtür dran.
  „No“, sag i, „kann dir denn jetzt gar nix an?“[190]
  „Ja“, sagt er und rührt si gar nit dabei,
  „Ja wissen ’s, i bin nit aus dera Pfarrei!“



Bei Wörth

von

Karl Stieler.

    Der Preußen-Kronprinz fragt bei Wörth
  an Jager von die Boarn[191], an kloan:
  „Warst sechsasechz’ge aa scho mit?“
  „Ja,“ sagt der sell, „dös wollt i moan.

    „Aber dort hamma g’habt koa Glück.
  I glaub allweil und b’steh’s ganz laut:
  Hä’n +Sie+ uns damals aa schon g’führt,
  na hä’n ma d’ Preußen grad so g’haut.“



A scharfer Zeug’n

von

Karl Stieler.

  Beim G’richt, da ham’s zum Zeug’n g’sagt:
    „Du warst dabei!
  Jetzt sag’s, +wenn+[192] hast an Hans begeg’nt?“
    „Um halbe drei.“

  „Kunnt’s nit dreiviertel g’wesen sein?
    So sag’s nur frei!
  Auf dös kimmt jetzt dös Ganze an!“ -- --
    „Um halbe drei!“

  „Ja, geht dei Uhr denn so akkrat?
    So b’sinn di nur!“
  „Ja,“ sagt der Zeug’n, „akkrat geht’s nit,
    i han koa Uhr!

  „Mir hat mei Lebtag neamand nie
    no koane g’schenkt.“
  „Wie woaß’st denn na, daß’s halbe war?“
    „I hab mir’s -- denkt!“



Der Taubenkobel

von

Ludwig Anzengruber.

    Wonn mer en Michelbauern frogt,
  wie er si mit sein’ Wei vatrogt[193],
  so tut er zun vasteh’n oam[194] geb’n,
  daß s’ all’ zwoa wie dö Täuberln leb’n.

    Do denkt a seiner G’vattersmon:
  „Schaugts d’r den Taubenkobel on!
  I siech fürs Leben gern so poor
  valiabti Kesstelflickerwor’[195]!

    „Fahrst hin zu dö zwoa glücklig’n Leut’.
  Es kost’t koan Haus, machst eahna d’ Freud’!“
  Er setzt sich af dö Eiserbohn,
  mit derer kimmt mer schnell hindon.

    Er trifft ins Ort, jed’s Kind woas Red’,
  wo Michelbauers Hütt’n steht.
  Doch wie er klopfen will an d’ Tür,
  da macht’n a Spektakel irr’.

    Drein geht’s wie in ’ra Reitschul’ zua,
  es kirrt[196] a Dirn, es fluacht a Bua,
  a Wickelkind is a no z’hör’n,
  dös d’ Seel si aus ’n Leib will plärr’n.

    Den G’vattern aber neugiert’s groß,
  er druckt dö Tür schnell aus ’m G’schloß,
  und is am erschten Blick scho g’wiß,
  daß er beim Michelbauern is.

    Durch d’ Stuben laft a Kinderpaarl,
  dös gleicht ’en Eltern af a Haarl,
  da kloane Bua oan Borschtwisch führt,
  dö Dirn’ si mit oan Holzschuach wihrt[197].

    Sö jag’n anander um dö Wieg’n
  und wonn sa si zun fassen krieg’n,
  so setzt’s ganz g’hörig Pläscher[198] oh.
  Der G’vatter schreit: „Wos treibt ’s denn do?“

    Da stengen[199] s’ steif als wie dö Schrog’n[200]
  und wissent onfongs nix zan sog’n,
  donn keift es Dirndel in da Still’n:
  „Na, Voda-Muada tan mer spiel’n!“



Därf ih ’s Dirndl liab’n?

von

Peter Rosegger[201].

  Ih bin jüngst verwich’n
    hin zan Pforra g’schlich’n:
  „Därf ih ’s Dirndl liab’n?“ --
    „Untasteh dih nit, bei meina Seel’,
  wonstas[202] Dirndel liabst, so kimst in d’ Höll’!“

  Bin ih vull Verlonga[203]
    zu da Muata gonga:
  „Därf ih ’s Dirndl liab’n?“
    „O mei liaba Schotz, es is no z’frua[204],
  noch funfzehn Jahrln erst, mei liaba Bua!“

  War in groß’n Nöt’n,
    hon ih ’n Votan bet’n:
  „Därf ih ’s Dirndl liab’n?“
    „Duners Schlangl[205]!“ schreit er in sein Zurn,
  „willst mein’ Steck’n kost’n, konst es tuan!“

  Wos is onzufonga?
    Bin zan Hergott gonga:
  „Därf ih ’s Dirndl liab’n?“
    „Ei jo freili,“ sogt er und hot g’locht,
  „weg’n an Büaberl hon ih ’s Dirndl g’mocht!“



Just und expressi nit!

von

Peter Rosegger.

    Do[206] kapriziert sih ums Geld
  da Wirt auf da G’stät,
  hiazt[207] zohl ih expressi
  und justament nöt!

    Mei Weib is von Schnaunzbort drahn[208]
  neama ka Freind;
  hiazt loß ih’n expressi stean,
  grod weil sie greint.

    Won ih a por Flügerl hät,
  kunt fliag’n wiar a Taub’n;
  zan Dirndl expressi nöt,
  grod weil d’ Leut’ glaub’n.

    Ih kriagad[209] mei Nochbars Dirn
  leicht olli Tog;
  ih nim ma s’ expressi nit,
  weil ih nit mog.

    Won ih nur d’ Miazl[210] hät;
  de war nit schiach[211];
  ih heirat s’ expressi nöt --
  weil ih s’ nit kriag. --



Seelenbündnis

von

Josef Willomitzer.

    Ich öffne zögernd ihren Brief.
  Der kleine Brief, was tut er kund?
  Vielleicht nimmt es Mathilde schief,
  daß ich sie lieb’ aus Herzensgrund.
  Vielleicht hat sie mein Fleh’n erhört,
  vielleicht ist all’ mein Glück zerstört?
  Ich seufzte tief,
  bevor mein Blick das Blatt durchlief. --

    Sie schreibt: „Wir wollen Freunde sein
  wie Goethe und die Frau von Stein!“
  Da ruf’ ich jubelnd: „Frisch voran!
  dem Glück will ich entgegenzieh’n.“
  Im Flug trägt mich die Pferdebahn
  zu meiner Göttin Tempel hin.
  „Komm an mein Herz, du süßes Glück!“
  ruf’ ich ihr zu. Sie weicht zurück
  und staunt mich an:
  „Wie könnt Ihr mir so stürmisch nah’n?
  Wir wollen doch nur Freunde sein
  wie Goethe und die Frau von Stein.“

    Und nun erzählt sie mir genau,
  was sie gelernt im Pensionat
  vom Seelenbündnis jener Frau
  mit Goethe, dem Geheimen Rat,
  wie tadellos und einwandfrei
  der zarte Bund gewesen sei. --
  „Mathilde, schau,
  was du da sagst, ist mir zu blau.
  So wird es nicht gewesen sein,
  denn Goethe, der war nicht von Stein!“

    Da widersprach sie hochgemut,
  so ging die Rede hin und her.
  An Worten gab es eine Flut,
  ein weites sturmbewegtes Meer.
  Es schwoll die Flut, es wuchs der Zank,
  bis blutig flammend die Sonne sank ....
  Und kurz und gut:
  dann küßten wir uns in Liebesglut
  so ganz allein im Kämmerlein
  wie Goethe und die Frau von Stein.



Der Bettler

von

Richard von Volkmann-Leander.

    Wintertag. Die Flocken trieben
  durch die enge Flucht der Gassen,
  und hernieder von den Dächern
  hängen kalt und schwer die Zapfen.
  Aber drin im dunkeln Stübchen,
  wo die Mutter mit der Tochter
  spinnend sitzt am warmen Herde,
  prasselt lustig auf die Flamme
  und die roten Lichter wirft sie
  spielend auf den blanken Estrich.

    Horch! da klopft es an der Türe,
  leise klopft es, doch vernehmlich --
  wär’s auch nur für Mädchenohren,
  die versteckt im Busch der Locken
  lauschen und die feinsten Dinge
  hören auf der weiten Erde.
  Zögernd auf nach kurzem Säumen
  hebt die Jungfrau sich vom Sitze;
  leise auf den Zehen schreitet
  sie hinaus. Da steht der Liebste
  vor der Tür: „Um Gottes willen,
  geh, die Mutter ist zu Hause!
  Warte doch!“ Und beide Arme
  schlingt sie um den Hals dem Jüngling,
  drückt ihn an die Brust und küßt ihn. --
  In das Zimmer tritt sie wieder,
  schüttelt sich den Schnee vom Kleide.

    „War’s ein Bettler?“ „Ja, ein Bettler,
  Mütterchen, ein armer Bettler!“
  „Sag, was hast du ihm gegeben?“
  „Eine Kleinigkeit nur, Mutter!“
  spricht das Mädchen, und errötend
  beugt sie sich und schürt das Feuer,
  daß die Flamme lohend aufschlägt,
  und wie goldne Mückenschwärme
  tanzend über ihrem Scheitel
  im Kamin die Funken fliegen.

    „Gib den Bettlern nicht zu reichlich,“
  mahnt die Mutter sorgend wieder,
  „denn sie kommen viel zu oft.“
  Schweigend rückt den Stuhl zum Herde
  sich das Mädchen. Schweigend greift es
  wieder zur verlass’nen Spindel,
  und wie sie im Kreise wirbelt,
  wiederholt es in Gedanken
  still die Worte: Viel zu oft!



Ein gutes Tier...

von

Wilhelm Busch.

    Ein gutes Tier
  ist das Klavier,
  still, friedlich und bescheiden,
  und muß dabei
  doch vielerlei
  erdulden und erleiden.

    Der Virtuos
  stürzt darauf los
  mit hochgesträubter Mähne.
  Er öffnet ihm
  voll Ungestüm
  den Leib, gleich der Hyäne.

    Und rasend wild,
  das Herz erfüllt
  von mörderlicher Freude,
  durchwühlt er dann,
  soweit er kann,
  des Opfers Eingeweide.

    Wie es da schrie,
  das arme Vieh,
  und unter Angstgewimmer
  bald hoch, bald tief
  um Hilfe rief,
  vergeß ich nie und nimmer.



Fing man vorzeiten einen Dieb...

von

Wilhelm Busch.

    Fing man vorzeiten einen Dieb,
  hing man ihn auf mit Schnellbetrieb,
  und meinte man, er sei verschieden,
  ging man nach Haus und war zufrieden.

    Ein Wandrer von der weichen Sorte
  kam einst zu solchem Galgenorte
  und sah, daß oben einer hängt,
  dem kürzlich man den Hals verlängt.

    Sogleich, als er ihn baumeln sieht,
  zerfließt in Tränen sein Gemüt.
  Ich will den armen Schelm begraben,
  denkt er, sonst fressen ihn die Raben.

    Nicht ohne Müh’, doch mit Geschick,
  klimmt er hinauf und löst den Strick;
  und jener, der im Wind geschwebt,
  liegt unten, scheinbar unbelebt.

    Sieh’ da, nach Änderung der Lage
  tritt neu die Lebenskraft zutage,
  so daß der gute Delinquent
  die Welt ganz deutlich wiederkennt.

    Zärtlich, als wär’s der eigne Vetter,
  umarmt er seinen Lebensretter,
  nicht einmal, sondern noch einmal,
  vor Freude nach so großer Qual.

    „Mein lieber Mitmensch,“ sprach der Wandrer,
  „geh’ in dich, sei hinfür ein andrer.
  Zum Anfang für dein neues Leben
  werd’ ich dir jetzt zwei Gulden geben.“

    Das Geben tat ihm immer wohl.
  Rasch griff er in sein Kamisol,
  wo er zur langen Pilgerfahrt
  den vollen Säckel aufbewahrt.
  Er sucht’ und sucht’ und fand ihn nicht,
  und länger wurde sein Gesicht.
  Er sucht’ und suchte, wie ein Narr,
  weit wird der Mund, das Auge starr,
  bald ist ihm heiß, bald ist ihm kalt.

    Der Dieb verschwand im Tannenwald.



Selbstkritik

von

Wilhelm Busch.

    Die Selbstkritik hat viel für sich.
  Gesetzt den Fall, ich tadle mich;
  so hab’ ich erstens den Gewinn,
  daß ich so hübsch bescheiden bin;
  zum zweiten denken sich die Leut’,
  der Mann ist lauter Redlichkeit;
  auch schnapp’ ich drittens diesen Bissen
  vorweg den andern Kritiküssen;
  und viertens hoff’ ich außerdem
  auf Widerspruch, der mir genehm.
  So kommt es denn zuletzt heraus,
  daß ich ein ganz famoses Haus.



Er stellt sich vor sein Spiegelglas...

von

Wilhelm Busch.

    Er stellt sich vor sein Spiegelglas
  und arrangiert noch dies und das.
  Er dreht hinaus des Bartes Spitzen,
  sieht zu, wie seine Ringe blitzen,
  probiert auch mal, wie sich das macht,
  wenn er so herzgewinnend lacht,
  übt seines Auges Zauberkraft,
  legt die Krawatte musterhaft,
  wirft einen süßen Scheideblick
  auf sein geliebtes Bild zurück,
  geht dann hinaus zur Promenade,
  umschwebt vom Dufte der Pomade,
  und ärgert sich als wie ein Stint,
  daß andre Leute eitel sind.



Es wird mit Recht ein guter Braten...

von

Wilhelm Busch.

    Es wird mit Recht ein guter Braten
  gerechnet zu den guten Taten;
  und daß man ihn gehörig mache,
  ist weibliche Charaktersache.
  Ein braves Mädchen braucht dazu
  mal erstens reine Seelenruh’,
  daß bei Verwendung der Gewürze
  sie sich nicht hastig überstürze.
  Dann zweitens braucht sie Sinnigkeit,
  ja, sozusagen, Innigkeit,
  damit sie alles appetitlich,
  bald so, bald so und recht gemütlich
  begießen, drehn und wenden könne,
  daß an der Sache nichts verbrenne.
  In Summa braucht sie Herzensgüte,
  ein sanftes Sorgen im Gemüte,
  fast etwas Liebe insofern,
  für all die hübschen, edlen Herrn,
  die diesen Braten essen sollen
  und immer gern was Gutes wollen.
  Ich weiß, daß hier ein jeder spricht:
  Ein böses Mädchen kann es nicht.
  Drum hab’ ich mir auch stets gedacht
  zu Haus und anderwärts:
  Wer einen guten Braten macht,
  hat auch ein gutes Herz.



Durch das Feld ging die Familie...

von

Wilhelm Busch.

    Durch das Feld ging die Familie,
  als mit glückbegabter Hand
  sanft errötend Frau Ottilie
  eine Doppelähre fand.

    Was die alte Sage kündet,
  hat sich öfter schon bewährt:
  Dem, der solche Ähren findet,
  wird ein Doppelglück beschert.

    Vater Franz blickt scheu zur Seite.
  Zwei zu fünf, das wäre viel.
  „Kinder,“ sprach er, „aber heute
  ist es ungewöhnlich schwül.“



Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

von

Theodor Fontane.

    Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
  ein Birnbaum in seinem Garten stand,
  und kam die goldene Herbsteszeit,
  und die Birnen leuchteten weit und breit,
  da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
  der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
  und kam in Pantinen ein Junge daher,
  so rief er: „Junge, wist ’ne Beer[212]?“
  Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt[213] Dirn,
  kumm man röwer[214], ick hebb[215] ’ne Birn.“

    So ging es viele Jahre, bis lobesam
  der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
  Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
  wieder lachten die Birnen weit und breit,
  da sagte von Ribbeck: „Ich scheide nun ab,
  legt mir eine Birne mit ins Grab.“
  Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus
  trugen von Ribbeck sie hinaus,
  alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht,
  sangen „Jesus meine Zuversicht“,
  und die Kinder klagten, das Herze schwer:
  „He is dod nu[216]. Wer giwt uns nu ’ne Beer?“

    So klagten die Kinder. Das war nicht recht,
  ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht,
  der neue freilich, der knausert und spart,
  hält Park und Birnbaum strenge verwahrt;
  aber der alte, vorahnend schon
  und voll Mißtraun gegen den eignen Sohn,
  der wußte genau, was damals er tat,
  als um eine Birn’ ins Grab er bat,
  und im dritten Jahr, aus dem stillen Haus
  ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

    Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
  längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
  und in der goldenen Herbsteszeit
  leuchtet’s wieder weit und breit.
  Und kommt ein Jung’ über’n Kirchhof her,
  so flüstert’s im Baume: „Wiste ’ne Beer?“
  Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: „Lütt Dirn,
  kumm man röwer, ick gew’ di ’ne Birn.“

    So spendet Segen noch immer die Hand
  des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.



Fritz Katzfuß

von

Theodor Fontane.

    Fritz Katzfuß war ein siebzehnjähr’ger Junge,
  rothaarig, sommersprossig, etwas faul,
  und stand in Lehre bei der Witwe Marzahn,
  die geizig war und einen Laden hatte,
  d’rin Hering, Schlackwurst, Datteln, Schweizerkäse,
  samt Pumpernickel, Lachs und Apfelsinen
  ein friedlich Dasein miteinander führten.
  Und auf der hohen, etwas schmalen Leiter
  mit ihren halb schon weggetret’nen Sprossen
  sprang unser Katzfuß, wenn die Mädchen kamen
  und Soda, Waschblau, Gries, Korinthen wollten,
  geschäftig hin und her.
                        Ja, sprang er wirklich?
  Die Wahrheit zu gestehn, das war die Frage.
  Die Mädchen, deren Schatz oft draußen paßte,
  vermeinten ganz im Gegenteil, „er nöle“,
  sei wie verbiestert und durchaus kein „Katzfuß“.
  Im Laden, wenn Frau Marzahn auf ihn passe,
  da ging’ es noch, wenn auch nicht grad’ aufs beste,
  das Schlimme käm’ erst, wenn er wegen Selter-
  und Sodawasser in den Keller müsse,
  das sei dann manchmal g’rad’zu zum Verzweifeln,
  und wär’ er nicht solch herzensguter Junge,
  der nie was sage, nie zu wenig gebe,
  ja, meistens, daß die Wagschal’ überklappe,
  so wär ’s nicht zu beleben.
                              Und nicht besser
  klang, was die Herrin selber von ihm sagte,
  die Witwe Marzahn. „Wo der dumme Junge
  nur immer steckt? Hier vorne muß er flink sein,
  doch soll er über’n Hof und auf den Boden,
  so dauert’s ewig, und ist gar Geburtstag
  von Kaiser Wilhelm oder Sedanfeier,
  und soll der Stock ’raus mit der preuß’schen Fahne
  (mein sel’ger Marzahn war nicht für die deutsche),
  Fritz darf nicht ’rauf -- denn bis dreiviertel Stunden
  ist ihm das mind’ste.“
                          So sprach Witwe Marzahn,
  und kurz und gut, Fritz Katzfuß war ein Rätsel,
  und nur das eine war noch rätselvoller,
  daß, wie’s auch Droh’n und Donnerwettern mochte,
  ja, selbst wenn Blitz und Schlag zusammenfielen,
  daß Fritz nie maulte, greinte, wütend wurde.
  Nein, unverändert blieb sein stilles Lächeln
  und schien zu sagen: „Arme Kreaturen,
  ihr glaubt mich dumm, ich bin der Überleg’ne.
  Kramladenlehrling! Eure Welt ist Kram,
  und wenn ihr Waschblau fordert oder Stärke,
  blaut zu, so viel ihr wollt. Mein Blau der Himmel.“
    So ging die Zeit, und Fritz war wohl schon siebzehn;
  ein Oxhoft Apfelwein war angekommen
  und lag im Hof. Von da sollt’s in den Keller.
  Fritz schlang ein Tau herum, und weil die Hitze
  groß war und drückend, was er wenig liebte,
  so warf er seinen Shirting-Rock beiseite,
  nicht recht geschickt, so daß der Kragenhängsel
  nach unten hing. Und aus der Vordertasche
  glitt was heraus und fiel zur Erde. Lautlos.
  Fritz merkt’ es nicht. Die Witwe Marzahn aber
  schlich sich heran und nahm ein Buch (das war es)
  vom Boden auf und sah hinein: „Gedichte.
  Gedichte, 1. Teil, von Wolfgang Goethe.“
  Zerlesen war’s und schlecht und abgestoßen
  und Zeichen eingelegt: ein Endchen Strippe,
  Briefmarkenränder, und als dritt’ und letztes,
  zu glauben kaum, ein Streifchen Schlackwurstpelle,
  die Seiten links und rechts befleckt, befettet,
  und oben stand, nun was? stand „Mignonlieder“,
  und Witwe Marzahn las: „Dahin, dahin,
  möcht’ ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.“
    Nun war es klar. Um so was träg und langsam,
  um Goethe, Verse, Mignon.
  Armer Lehrling,
  ich weiß dein Schicksal nicht, nur eines weiß ich:
  wie dir die Lehrzeit hinging bei Frau Marzahn,
  ging mir das Leben hin. Ein Band von Goethe
  blieb mir bis heut’ mein bestes Wehr und Waffen,
  und wenn die Witwe Marzahn mich gepeinigt,
  und dumme Dinger, die nach Waschblau kamen,
  mich langsam fanden, kicherten und lachten,
  ich lächelte, grad’ so wie du gelächelt,
  Fritz Katzfuß, du mein Ideal, mein Vorbild.
  Der Band von Goethe gab mir Kraft und Leben,
  vielleicht auch Dünkel .. Allgenau dasselbe,
  nur andres Haar und -- keine Sommersprossen.



Die Gaben

von

Heinrich Seidel.

  Es war ein Pastor, wer weiß wo?
  der predigte nur leeres Stroh,
  und manche Klage war geschehn.
  Ihn selbst zu hören und zu sehn,
  beschloß der Superintendent.
  Und als die Predigt war zu End’,
  da mußte er bedauernd sagen:
  „Die Leute haben recht, zu klagen.
  Wie bring’ ich ihm das glimpflich bei,
  daß ihm das nicht zu schimpflich sei?“
  Und darum fing der gute Mann
  ganz heimlich und verloren an:
  „Ich hörte Sie und war ganz Ohr.
  Doch, wie bereiten Sie sich vor,
  mein lieber Bruder, möcht ich wissen?“
  Und jener drauf: „Das kann ich missen.
  So mancher druckst und sinnt und schreibt --
  ich rede, wie der Geist mich treibt!“
  „Ei, ei, was sind mir das für Sachen,
  so könnt’ ich das fürwahr nicht machen!“
  sprach nun der Superintendent.
  „Das wäre nicht mein Element.
  Am Donnerstag schon fang’ ich an
  und überlege mir den Plan,
  am Freitag wird er dann entfaltet
  und durchgeführt und ausgestaltet,
  dann schreib’ ich alles sorglich auf
  und lern’ es in des Samstags Lauf.
  Und bin dann sicher meiner Sachen --
  so, denk’ ich, müßt’ es jeder machen.“
  Der Pastor aber schmunzelt sehr,
  als ob ihm stark geschmeichelt wär’.
  „Ja, ja, das glaub’ ich. Sicherlich
  kann das nicht jedermann wie ich --
  das muß der Mensch so in sich haben,
  mein lieber Bruder -- das sind Gaben!“ --



Wenn die Maiglöckchen blühn

von

Heinrich Seidel.

    Nun in der schönen Frühlingszeit,
  da singt und klingt es weit und breit,
  Maiglöckchen blühn im Walde.
  Es jauchzt im Busch die Nachtigall,
  und überall mit süßem Schall
  die Lerchen ob der Halde.

    Und da nun alles tönt und klingt
  und Gott im Himmel Lieder singt,
  nimmt Hänschen die Trompete,
  und Fritzchen steht in guter Ruh,
  er singt und schlägt den Takt dazu
  und mächtig kräht die Grete.

    Der liebe Gott im Himmel spricht:
  „Zwar allzu lieblich klingt es nicht,
  doch will ich drauf nicht sehen!
  Ein jeder macht’s so gut er kann,
  und hört es sich auch mäßig an,
  ich kann es doch verstehen!“



Bei Goldhähnchens

von

Heinrich Seidel.

    Bei Goldhähnchens war ich jüngst zu Gast;
  sie wohnen im grünen Fichtenpalast,
  in einem Nestchen klein,
  sehr niedlich und sehr fein.

    Was hat es gegeben? Schmetterlingsei,
  Mückensalat und Gnitzenbrei
  und Käferbraten famos,
  zwei Millimeter groß.

    Dann sang uns Vater Goldhähnchen was.
  So zierlich klang’s wie gesponnenes Glas.
  Dann wurden die Kinder besehn;
  sehr niedlich alle zehn.

    Dann sagt’ ich: „Adieu“ und „Danke sehr“.
  Sie sprachen: „Bitte, wir hatten die Ehr,
  und hat uns mächtig gefreut!“ -- ...
  Es sind doch reizende Leut’.



Die achtundachtziger Weine. Ein saures Stück Arbeit

von

Johannes Trojan.

    In diesem Jahr am Rheine
  sind leider gewachsen Weine,
  die an Wert nur geringe,
  es reiften nur Säuerlinge
  im Verlauf dieses Herbstes;
  nur Herberes bracht’ er und Herbstes --
  zu viel Regen, zu wenig Sonnenschein
  ließ erhofften Segen zerronnen sein,
  nichts Gutes floß in die Tonnen ein.
  Der 88er Rheinwein
  ist, leider Gottes, kein Wein,
  um Leidende zu laben,
  um Gram zu begraben,
  um zu vertreiben Trauer;
  er ist dafür zu sauer.

    An der Mosel steht es noch schlimmer,
  da hört man nichts als Gewimmer,
  nichts als Ächzen und Stöhnen
  von den Vätern und Söhnen,
  den Müttern und den Töchtern
  über den noch viel schlechtern
  Ertrag der heurigen Lese.
  Der Wein ist wahrhaft böse,
  ein Rachenputzer und Krätzer,
  wie unter Gläubigen ein Ketzer,
  wie ein Strolch, ein gefährlicher,
  in dem Kreise Ehrlicher
  unter guten Weinen erscheint er.
  Aller Freude ist ein Feind er,
  aller Lust ein Verderber;
  sein Geschmack ist fast noch herber
  als der des Essigs, des reinen --
  ein Wein ist er zum Weinen.

    Aber der Wein, der in Sachsen
  in diesem Jahr ist gewachsen,
  und bei Naumburg, im Tale
  der rasch fließenden Saale,
  der ist saurer noch viele Male
  als der sauerste Moselwein.
  Wenn du ihn schlürfst in dich hinein,
  ist dir’s, als ob ein Stachelschwein
  dir kröche durch die Kehle,
  das deinen Magen als Höhle
  erkor, darin zu hausen.
  Angst ergreift dich und Grausen.

    Aber der Grünberger
  ist noch sehr viel ärger.
  Laß ihn nicht deine Wahl sein!
  Gegen ihn ist der Saalwein
  noch viel süßer als Zucker.
  Er ist ein Wein für Mucker,
  für die schlechtesten Dichter
  und dergleichen Gelichter.
  Er macht lang die Gesichter,
  blaß die Wangen; wie Rasen
  so grün färbt er die Nasen.
  Wer ihn trinkt, den durchschauert es,
  wer ihn trank, der bedauert es.
  Er hat etwas so Versauertes,
  daß er sich nicht läßt mildern
  und schwer nur ist zu schildern
  in Worten oder Bildern.

    Aber der Züllichauer
  ist noch zwölfmal so sauer
  als der Wein von Grünberg.
  Der ist an Säure ein Zwerg
  gegen den Wein von Züllichau.
  Wie eine borstige wilde Sau
  zu einer zarten Taube
  so verhält sich, das glaube,
  dieser Wein zu dem Rebensaft
  aus Schlesien. Er ist schauderhaft,
  er ist gräßlich und greulich,
  über die Maßen abscheulich.
  Man sollte ihn nur auf Schächerbänken
  den Gästen in die Becher schenken,
  mit ihm nur schwere Verbrecher tränken,
  aber nicht ehrliche Zecher kränken.

    Wenn du einmal kommst
  in diesem Winter nach Bomst,
  deine Erfahrung zu mehren,
  und man setzt, um dich zu ehren,
  dir heutigen Bomster Wein vor,
  dann, bitt’ ich dich, sieh dich fein vor,
  daß du nichts davon verschüttest
  und dein Gewand nicht zerrüttest,
  weil er Löcher frißt in die Kleider
  und auch in das Schuhwerk leider.
  Denn dieses Weines Säure
  ist eine so ungeheure,
  daß gegen ihn Schwefelsäure
  der Milch gleich ist, der süßen,
  die zarte Kindlein genießen.
  Fällt ein Tropfen davon auf den Tisch,
  so fährt er mit lautem Gezisch
  gleich hindurch durch die Platte.
  Eisen zerstört er wie Watte,
  durch Stahl geht er wie durch Butter,
  er ist aller Sauerkeit Mutter.
  Stand halten vor diesem Sauern
  weder Schlösser noch Mauern.
  Es löst in dem scharfen Bomster Wein
  sich Granit auf und Ziegelstein.
  Diamanten werden sogleich,
  in ihn hineingelegt, flaumenweich,
  aus Platina macht er Mürbeteig.
  Dieses vergiß nicht, falls du kommst
  in diesem Winter einmal nach Bomst.



Skat

von

Johannes Trojan.

    Und als an das blaue Meer ich trat,
  da standen drei Männer drinnen,
  die spielten während des Badens Skat,
  und einer schien zu gewinnen.
  Der Skat dabei auf dem Wasser schwamm,
  mich aber dünkte das wundersam.

    Und als ich kam in die Baumannshöhl’,
  da fand ich wider Erwarten
  drei Männer unten, bei meiner Seel’,
  dasitzend über den Karten.
  Die reizten einander beim Grubenlicht --
  ich ging davon, mir gefiel das nicht.

    Und als ich kam auf des Faulhorns Höh’,
  wohl über Klippen und Grate,
  da fand ich drei Männer im ewigen Schnee,
  die saßen schon lange beim Skate.
  Der eine gab schon zum hundertstenmal --
  da floh ich schaudernd hinab ins Tal.

    Es sitzen da im geheimen Rat
  drei strenge Richter der Toten.
  Sie sollen’s sein, doch sie spielen Skat,
  obgleich es Pluto verboten.
  O sagt, wohin kann der Mensch noch geh’n,
  um nicht drei Männer beim Skat zu seh’n?



Hasensalat

von

Johannes Trojan.

    Morgens in den Garten trat
  Diese, klein und niedlich,
  saß ein Häslein im Salat,
  schmaust’ und tat sich gütlich.

    Liese sprach: „Du armes Tier,
  wart’ einmal, indes ich
  lauf’ ins Haus und hole dir
  zum Salat den Essig.“

    Kommt zurück schon mit dem Krug --
  niemals lief sie schneller --
  Essig gießt sie jetzt genug
  auf den Hasenteller.

    „Lieselchen, ich danke dir,“
  sprach der kleine Fresser,
  „eigentlich doch schmeckt es mir
  ohne Essig besser.“



Frisch vom Storch

von

Victor Blüthgen.

    O du reizende Maus!
  Wie gefällt dir’s hier im Haus?
  Hast du schon den Jakob gesehn?
  Gelt, die Mama ist wunderschön?
  Habt wohl tüchtig fliegen müssen?
  Hat dich der Storch denn nicht gebissen?
  Guck, die roten Bäckchen und Ohren!
  Hast unterwegs wohl arg gefroren
  in der Luft auf der langen Reise,
  immerfort über Schnee und Eise!
  Ach, die Hündchen! Du liebe Güte!
  Damit hieltest du die Zuckerdüte?



Strampelchen

von

Victor Blüthgen.

    Still, wie still -- ’s ist Mitternacht schon,
  drunten beim Fenster duftet der Mohn,
  duftet so leise, du merkst es kaum,
  schläfert mein Kind in tiefen Traum.

    Liese, kleine Liese, tu’s Beinchen hinein!
  Guckt durch das Fenster der Mondenschein,
  sagt es den Bäumen, die draußen stehn,
  daß er dein nackichtes Beinchen gesehn.

    Früh, wenn der Wind kommt, schwatzen sie’s aus,
  hört es der Spatz und die Katz’ auf dem Haus,
  lachen die Blumen alle so sehr,
  weil unsre Liese ein Strampelchen wär’!



Die Geschichte von der übermütigen Mohrenprinzessin

von

Albert Roderich.

    Pelusa, die Tochter des Königs der Mohren,
  war schwarz im Gesicht bis hinter die Ohren;
  sie war wie geschnitzelt aus Ebenholz
  und übermütig und scheußlich stolz.
  Sie spielte aber vortrefflich Schach
  und übte darin sich jeden Tag.
  Einst machte bekannt sie durch ihre Bonzen
  und auch zugleich durch Zeitungsannoncen,
  es könnt’ mit ihr spielen um hohen Gewinns
  eine Partie Schach jeder Vollblutprinz;
  gewinnt er, so wird sie sein Ehegesponst,
  verliert er, so muß er ihr dienen umsonst,
  muß scheuern und putzen des Schlosses Treppen,
  muß Holz zerspalten und Wasser schleppen. --
  Es waren gekommen, auf Klugheit trutzend,
  von Mohrenprinzen diverse Dutzend,
  so viele, daß ich sie einzeln nicht zähl’,
  zu Wasser, zu Pferde und auch zu Kamel,
  Pelusa besiegte sie alle im Schach,
  und Hausknechte wurden die Prinzen sonach.
  Da kam mal ein weißer, ein Prinz vom Norden
  -- der Name ist nicht bekannt geworden --
  der zeigte seinen Geburtsschein und sprach:
  „Bitte, melden Sie mich der Prinzessin zum Schach!“
  Wie die beiden einander gegenübersaßen,
  da gefiel er dem Fräulein über die Maßen;
  anstatt, daß wie sonst vorsichtig sie spielt,
  hat heimlich sie nach dem Prinzen geschielt.
  Ihre Kunst, die bewährte, ward immer geringer,
  jetzt nimmt ihr der Prinz schon den zweiten Springer.
  Die Schranzen können sich wundern nicht satt;
  jetzt ruft schon der eine: „Beim nächsten Zug matt!“
  Da beugte der Prinz vor Pelusa das Knie
  und sagte: „Mein Fräulein, ich geb’ es remis!“
  grüßt hübsch in der Runde verschiedene Mal
  und verläßt mit zierlichem Lächeln den Saal.
  Da glich das Antlitz der stolzen Pelusa
  dem Angesicht einer schwarzen Medusa,
  und regungslos saß sie voll Wut und Stolz,
  als wär’ sie geschnitzelt aus Ebenholz.
  Sie wartet noch heut’ auf den Prinzen vom Norden --
  laß sie warten, bis sie weiß geworden.



Der Junge

von

Ferdinand Avenarius.

    Wer war weggegangen, wer,
  sag’ mir, Frau, kam wieder her?
  Mit roten Backen, heisassa,
  unsere Jugend ist wieder da!
  Sieht wie ein großer Junge aus,
  lärmt und tollt, es ist ein Graus.
  Sitz’ ich bei der Arbeit sacht,
  hängt er mir plötzlich am Hals und lacht,
  macht mir das, wie sich’s gehört, Verdruß,
  mir nichts, dir nichts, gibt’s einen Kuß.
  Wehr’ ich mich endlich: „Nun aber hinaus!“
  schaut er auf einmal ganz anders aus,
  sieht mich aus den Augen verschmitzt
  an, daß mir’s zum Herzen blitzt,
  klatscht dann plötzlich in die Hand --
  Himmel: von Pult und Schrank und Wand
  von Mucken, Motten und Hummeln brummts
  und hinaus zum Fenster summts!
  „Ich bin die Jugend,“ lacht er dazu:
  „Das kann ich -- nun duld mich, du!“
  Gut, so mag’s fortan denn sein:
  Wir Alten, die Jugend, wir bleiben zu drei’n!



Ein Bildchen

von

Carl Spitteler.

    Den Rain hinauf, mit trotzigem Alarm
  fuchtelt ein Kinderschwarm.
  „Vorwärts! Hurra!“
  Hut ab! Du schaust kein Spiel.
  Den Himmel zu erstürmen gilt das ernste Ziel.
  Er ist so nah!
  Siehst, wie er aus dem Grase guckt dort oben?

    Zwei Glockentöne, leicht vom Morgenwind gehoben,
  kommen vergnügt und ungezwungen
  dahergesungen.
  „Wo geht denn hier der Weg?“
  „Wir wollen durch den Kindersternenhaufen
  über den Hügel weg
  die lange Kirschenblütenstraße laufen.“
  Gesagt. Ein Sang, ein Flug:
  verschwunden in den Kirschen überm Hügelzug.

  Der Kindersturm aber dort unten
  hat einen Igel gefunden.
  In Anbetracht dessen
  ist der Himmel vergessen.



Das Brückengespenst

von

Carl Spitteler.

  Am Kreuzweg seufzt’ ein Brückengeist,
    umringt von sieben Kleinen,
  mit Wanderpack und Bettelsack,
    und alle Kleinen weinen.
  „Was fehlt dir, Vater? fasse Mut,
    erzähle mir die Märe,
  was dir geschah, und ob ich dir
    vielleicht behilflich wäre.“
  Der Alte ächzt’ und wischte sich
    die tränenfeuchten Lider,
  hernach mit kummervollem Blick
    gab er die Antwort wieder:
  „Ich lebt’ als ehrliches Gespenst
    im trauten Uferloche
  friedlich am heimatlichen Fluß
    unter dem Brückenjoche.
  Ach! war das eine schöne Zeit!
    Die Brücke war in Stücken,
  zwei Balken fehlten, einer wich,
    die andern hatten Lücken,
  der Mittelpfosten schaukelte
    und tanzte vor Vergnügen;
  kurz, selbst der strengsten Forderung
    konnte der Bau genügen.
  Und da einmal Gespensterpflicht
    erfordert, wen zu necken,
  so wählten wir die Profession,
    die Pferde zu erschrecken.
  ’s ist eine angestammte Kunst
    vom Urgroßvater ferne,
  und wenn wir drinnen Meister sind,
    das macht: wir tun’s halt gerne.
  Zwar so ein Gaul am Wägelein
    und solche kleine Dinge --
  bewahr’! dergleichen lockt uns nicht,
    das war uns zu geringe;
  dagegen eine Jagdpartie,
    ein Picknick meinetwegen
  auf heißen Rasserossen! Hah!
    da lohnte sich’s hingegen!
  Man ließ das Trüpplein ungestört
    tripp trapp im muntern Schritte,
  mit Scherz und Sang tralli tralla
    bis auf die Brückenmitte.
  Dann, auf mein Zeichen, ging es los:
    verborgen im Gebälke,
  eröffneten zugleich den Krieg
    die sieben süßen Schälke.
  Der Leopold, der Barnabas,
    der Klaus, der Sakranitsche
  klatschten den Pferden um die Knie
    mit Latten und mit Pritsche.
  Der Wenzel zerrte sie am Schweif,
    der Philipp, nach den Regeln,
  wippt’ ihnen Balken an den Bauch,
    die kitzelten mit Nägeln.
  ‚Ich komme auch!‘ rief Fridolin,
    ‚wart’ doch! nicht solche Eile!‘
  nahm hurtig einen Span und stieß
    und stach die Hinterteile.
  War das ein Wirrwarr und Geschrei!
    Das hätt’st du sehen sollen!
  Vor Angst und Aufruhr wußte keins,
    ob vor- ob rückwärtswollen.
  Und war nun alles unterobs,
    dann fuhr ich wie der Teufel
  haushoch hervor mit „Holdridu“.
    Da schwand der letzte Zweifel.
  Links, rechts hinunter in den Fluß,
    plumps über das Geländer.
  Und lustig schwammen Sonnenschirm’
    und Strohhüt’ und Gewänder.

  „Ach Gott! was schwatz’ ich unnütz da!
    Das sind vergang’ne Zeiten!
  Es geht jetzt alles mit Benzin,
    vorüber ist das Reiten.
  Ein Maultier von Gemeinderat --
    man sollt’ ihn „Unrat“ heißen --
  ließ all’ die schöne Herrlichkeit
    vandalisch niederreißen.
  Statt des elastischen Gebälks
    glotzt eine starre Mauer.
  Ach was! was weiß von Pietät
    und Heimatschutz ein Bauer.
  Der kennt nur seinen Marktverkehr
    und seine Dorfint’ressen.
  Ich aber irre seither nun
    verstoßen und vergessen
  mit meinen Kindern durch die Welt,
    ob ich vielleicht am Ende
  für sie -- ich denk’ ja nicht an mich --
    Arbeit und Stellung fände.
  Ansprüche, große, mach’ ich nicht,
    sei’s eine hohle Eiche,
  ein Kirchhof, ein verwunsch’nes Schloß,
    es ist mir ganz das gleiche,
  ich selber würde unterdes
    etwa bei Spiritisten
  als Klopfgeist oder Gabriel
    zunächst mein Leben fristen.
  ’s ist furchtbar schwierig heutzutag’
    für körperlose Seelen!
  Drum falls du jemals etwas weißt,
    so möcht’ ich mich empfehlen.“



Bruder Liederlich

von

Detlev von Liliencron.

  Die Feder am Sturmhut in Spiel und Gefahren,
        Halli.
  Nie lernt ich im Leben fasten, noch sparen,
        Hallo.
  Der Dirne laß ich die Wege nicht frei,
  wo Männer sich raufen, da bin ich dabei,
  und wo sie saufen, da sauf’ ich für drei.
        Halli und Hallo.

  Verdammt, es blieb mir ein Mädchen hängen,
        Halli.
  Ich kann sie mir nicht aus dem Herzen zwängen,
        Hallo.
  Ich glaube, sie war erst sechzehn Jahr’,
  trug rote Bänder im schwarzen Haar
  und plauderte wie der lustigste Staar.
        Halli und Hallo.

  Was hatte das Mädel zwei frische Backen,
        Halli.
  Krach, konnten die Zähne die Haselnuß knacken,
        Hallo.
  Sie hat mir das Zimmer mit Blumen geschmückt,
  die wir auf heimlichen Wegen gepflückt,
  wie hab ich dafür ans Herz sie gedrückt.
        Halli und Hallo.

  Ich schenkt ihr ein Kleidchen von gelber Seiden,
        Halli.
  Sie sagte, sie möcht’ mich unsäglich gern leiden,
        Hallo.
  Und als ich die Taschen ihr vollgesteckt
  mit Pralinés, Feigen und feinem Konfekt,
  da hat sie von morgens bis abends geschleckt.
        Halli und Hallo.

  Wir haben superb uns die Zeit vertrieben,
        Halli.
  Ich wollte, wir wären zusammen geblieben,
        Hallo.
  Doch wurde die Sache mir stark ennuyant,
  ich sagt’ ihr, daß mich die Regierung ernannt,
  Kamele zu kaufen in Samarkand.
        Halli und Hallo.

  Und als ich zum Abschied die Hand gab der Kleinen,
        Halli.
  Da fing sie bitterlich an zu weinen,
        Hallo.
  Was denk ich just heut’ ohn’ Unterlaß,
  daß ich ihr so rauh gab den Reisepaß ...
  Wein her, zum Henker, und da liegt Trumpf Aß.
        Halli und Hallo.



Die Musik kommt

von

Detlev von Liliencron.

    Klingling, bumbum und tschingdada,
  zieht im Triumph der Perserschah?
  Und um die Ecke brausend bricht’s
  wie Tubaton des Weltgerichts,
  voran der Schellenträgen.

    Brumbum, das große Bombardon,
  der Beckenschlag, das Helikon,
  die Pikkolo, der Zinkenist,
  die Türkentrommel, der Flötist,
  und dann der Herre Hauptmann.

    Der Hauptmann naht mit stolzem Sinn,
  die Schuppenketten unterm Kinn,
  die Schärpe schnürt den schlanken Leib,
  beim Zeus! Das ist kein Zeitvertreib,
  und dann die Herren Leutnants.

    Zwei Leutnants, rosenrot und braun,
  die Fahnen schützen sie als Zaun,
  die Fahne kommt, den Hut nimm ab,
  der bleiben treu wir bis ans Grab,
  und dann die Grenadiere.

    Der Grenadier im strammen Tritt,
  in Schritt und Tritt und Tritt und Schritt,
  das stampft und dröhnt und klappt und flirrt,
  Laternenglas und Fenster klirrt,
  und dann die kleinen Mädchen.

    Die Mädchen alle, Kopf an Kopf,
  das Auge blau und blond der Zopf,
  aus Tür und Tor und Hof und Haus
  schaut Mine, Trine, Stine aus,
  vorbei ist die Musike.

    Klingling, tschingtsching und Paukenkrach,
  noch aus der Ferne tönt es schwach,
  ganz leise bumbumbumbum tsching,
  zog da ein bunter Schmetterling,
  tschingtsching, bum, um die Ecke?



Ich und die Rose warten

von

Detlev von Liliencron.

    Vor mir
  auf der dunkelbraunen Tischdecke
  liegt eine große hellgelbe Rose.
  Sie wartet mit mir
  auf die Liebste,
  der ich ins schwarze Haar
  sie flechten will.

    Wir warten schon eine Stunde.
  Die Haustür geht.
  Sie kommt, sie kommt.
  Doch herein tritt
  mein Freund, der Assessor;
  geschniegelt, gebügelt, wie stets.
  Der Assessor, ein Streber,
  will Bürgermeister werden.
  Gräßlich sind seine Erzählungen
  über Wahlen, Vereine, Gegenpartei.
  Endlich bemerkt er die Blume,
  und seine gierigen,
  perlgrauglacébehandschuhten Hände
  greifen nach ihr:
  „Äh, süperb!
  Müssen mir geben fürs Knopfloch.“
  „Nein!“ ruf ich grob.
  „Herr Jess’ noch mal,
  sind heut’ nicht in Laune,
  denn nicht.
  Empfehl’ mich Ihnen.
  Sie kommen doch morgen in die Versammlung?“

  Ich und die Rose warten.

    Die Haustür geht.
  Sie kommt, sie kommt.
  Doch herein tritt
  mein Freund, Herr von Schnelleben.
  Unerträglich langweilig sind seine Erzählungen
  über Bälle und Diners.
  Endlich bemerkt er die Blume.
  Und seine bismarckbraunglacébehandschuhten Hände
  greifen nach ihr:
  „Ah, das trifft sich,
  brauch’ ich nicht erst zu Bünger.
  Hinein ins Knopfloch.
  Du erlaubst doch?“
  „Nein!“ schrei ich wütend.
  „Na, aber,
  warum denn so ausfallend,
  bist heut’ nicht in Laune.
  Denn nicht.
  Empfehl’ mich dir.“

  Ich und die Rose warten.

    Die Haustür geht.
  Sie kommt, sie kommt.
  Doch herein tritt
  mein Freund, der Dichter.
  Der bemerkt sofort die hellgelbe.
  Und er leiert ohn’ Umstände drauf los:
    „Die Rose wallet am Busen des Mädchens,
    wenn sie spät abends im Parke des Städtchens
    gehet allein im mondlichen Schein ...“
  „Halt ein, halt ein!“
  „Was ist dir denn, Mensch.
  Aber du schenkst mir doch die Blume?
  Ich will sie mir ins Knopfloch stecken.“
  Und gierig greift er nach ihr.
  „Nein!“ brüll’ ich wie rasend.
  „Aber was ist denn?
  Bist heut’ nicht in Laune.
  Denn nicht.
  Empfehl’ mich dir.“

  Ich und die Rose warten.

    Die Haustür geht.
  Sie kommt, sie kommt.
  Und -- da ist sie.
  „Hast du mich aber lange lauern lassen.“
  „Ich konnte doch nicht eher ...
  Oh, die Rose, die Rose.“
  „Hut ab erst.
  Stillgestanden!
  Nicht gemuckst.
  Kopf vorwärts beugt!“
  Und ich nestl’ ihr
  die gelbe Rose ins schwarze Haar.
  Ein letzter Sonnenschein
  fällt ins Zimmer
  über ihr reizend Gesicht.



Auf der Kasse

von

Detlev von Liliencron.

    Heute war ich zur Kasse bestellt,
  dort läge für mich auf dem Zahltisch Geld.
  Waren’s auch nur drei Mark und acht,
  hinein in den Beutel die fröhliche Fracht.

    Auf der Kasse die Zähler und Schreiber,
  die Pfennigumdreher und Steuereintreiber,
  wie sie kalt auf den Sitzböcken tronen,
  sichten das Gold wie Kaffeebohnen.
  Möchte doch lieber Zigeuner sein,
  als Mammonbeschnüffler im güldenen Schrein.

    Im Bureau ist jeder zu warten schuldig,
  stand ich denn auch eine Stunde geduldig.
  Dacht’ ich mir plötzlich, mit Verlaub,
  wären doch alle hier blind und taub.
  Der Geldschrank steht offen, rasch wie der Pfiff,
  tät ich hinein einen herzhaften Griff,
  packte mir berstvoll alle Taschen,
  machte mich schleunigst auf die Gamaschen,
  nähme Schritte wie zwanzig Meter.
  Hinter mir der Gendarm mit Gezeter,
  brächt’ mich nicht ein, so sehr er auch liefe,
  säß auf der schnellsten Lokomotive.

    Mit der Verwendung des Geldes, nun ...
  bin ich doch kein blindes Huhn.
  Stolziert’ umher wie der König von Polen,
  suchte mir bald ein Bräutchen zu holen.
  So ein Mädchen mit blanken Zöpfen
  könnt’ ich wahrhaftig vor Liebe köpfen.
  Vor dem Spiegel, auf hohen Zehen,
  stehn wir, wer größer ist, zu sehen.
  Ach, diese Nähe! Den Puls ihres Lebens
  fühl’ ich im Spiele des neckischen Strebens.

    Weiter, natürlich Wagen und Pferde,
  Länder und Leute, Himmel und Erde.
  Tausend, wie will ich mich amüsieren ...

    „Bitte, wollen Sie hier quittieren.“
  O, wie das nüchtern und eisig klang.
  Nahm die drei Mark und acht in Empfang,
  trank bescheiden ein Krüglein Bier,
  trollte nach Hause, ich armes Tier,
  schalt meine Frau mich bis spät in die Nacht,
  daß ich so wenig Geld gebracht.



Trin

von

Detlev von Liliencron.

    Mit Nadel un Tweern[217]
  keem de lütt Deern[218].
  As[219] se mi nu den utneiten Knoop anneiht[220],
  un so flink de Finger ehr geiht,
  un se so neech bi mi steiht[221],
  denk ick, wat kann dat sien[222], man to,
  un ick gev ehr’n Söten[223], hallo, hallo.
  Auk, har ick een weg, un dat wem Släg[224],
  datt ick glieks dat Jammern kreeg[225],
  do kiekt se mi ganz luri[226] an;
  „häv ick wehdahn? min leve[227] Mann?“
  „Ja,“ segg ick, un ganz sachen[228]
  fat ick se üm, greep frischen Moot[229],
  un nu güngt ja allns up eenmal got.

    As se gung, seg ick: „Lütt Deern,
  kumms ock mal weller[230] mit Nadel un Tweern?“
  „Ja geern!“



Der Handkuß

von

Detlev von Liliencron.

    Viere lang,
  zum Empfang,
  vorne Jean,
  elegant,
  fährt meine süße Lady.

    Schilderhaus,
  Wache ’raus.
  Schloßportal,
  und im Saal
  steht meine süße Lady.

    Hofmarschall,
  Pagenwall.
  Sehr graziös,
  merveillös
  knixt meine süße Lady.

    Königin,
  hoher Sinn,
  ihre Hand,
  interessant,
  küßt meine süße Lady.

    „Nun, wie war’s
  heut’ bei Zars?“
  „Ach, ich bin
  noch ganz hin,“
  haucht meine süße Lady.

    Nach und nach,
  allgemach,
  ihren Mann
  wieder dann
  kennt meine süße Lady.



Hans der Schwärmer

von

Detlev von Liliencron.

    Hans Töffel liebte schön’ Doris sehr,
  schön Doris Hans Töffel vielleicht noch mehr.
  Doch seine Liebe, ich weiß nicht wie,
  ist zu scheu, zu schüchtern, zu viel Elegie.
  Im Kreise liest er Gedichte vor,
  schön Doris steht unten am Gartentor:
  „Ach, käm er doch frisch zu mir hergesprungen,
  wie wollt ich ihn herzen, den lieben Jungen.“
    Hans Töffel liest oben Gedichte.

    Am andern Abend, der blöde Tor,
  Hans Töffel trägt wieder Gedichte vor.
  Schön Doris das wirklich sehr verdrießt,
  daß er immer weiter und weiter liest.
  Sie schleicht sich hinaus, er gewahrt es nicht,
  just sagt er von Heine ein herrlich Gedicht.
  Schön Doris steht unten in Rosendüften
  und hätte so gern seinen Arm um die Hüften.
    Hans Töffel liest oben Gedichte.

    Am andern Abend ist großes Fest,
  viel Menschen sind eng aneinander gepreßt.
  Heut muß er’s doch endlich sehn, der Poet,
  wenn schön Doris sacht aus der Türe geht.
  Der Junker Hans Jürgen, der merkt es gleich,
  die Linden duften, die Nacht ist so weich.
  Und unten im stillen, dunklen Garten
  braucht heute schön Doris nicht lange zu warten.
    Hans Töffel liest oben Gedichte. --



Lebensjuchzer

von

Detlev von Liliencron.

  -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
  Darum, nach vollbrachter Tagespflicht,
  stülp’ ich mir meinen alten Filzhut auf,
  mit der unscheinbaren Sperberfeder dran,
  stecke mir einige blaue Scheine ein,
  trumpfe auf den Tisch,
  und alle nüchternen Gewohnheitsunkenseelen
  tief bedauernd,
  ruf’ ich voll kommender Freude:
  „Nu wüllt wi uns ook mal fix ameseern!“



Betrunken

von

Detlev von Liliencron.

    Ich sitze zwischen Mine und Stine,
  den hellblonden hübschen Friesenmädchen,
  und trinke Grog.
  Die Mutter ging schlafen.
  Geht Mine hinaus,
  um heißes Wasser zu holen,
  küß’ ich Stine.
  Geht Stine hinaus,
  um ein Brötchen mit aufgelegten kalten Eiern
  und Anchovis zu bringen,
  küß’ ich Mine.
  Nun sitzen wieder beide neben mir.
  Meinen rechten Arm halt’ ich um Stine,
  meinen linken um Mine.
  Wir sind lustig und lachen.
  Stine häkelt,
  Mine blättert
  in einem verjährten Modejournal.
  Und ich erzähl’ ihnen Geschichten.

    Draußen tobt, höchst ungezogen,
  unser guter Freund,
  der Nordwest.
  Die Wellen spritzen,
  es ist Hochflut,
  zuweilen über den nahen Deich
  und sprengen Tropfen
  an unsre Fenster.

    Ich bin verbannt und ein Gefangener
  auf dieser vermaledeiten
  einsamen kleinen Insel.
  Zwei Panzerfregatten
  und sechs Kreuzer spinnen mich ein.
  Auf den Wällen
  wachen die Posten,
  und einer ruft dem andern zu,
  durch die hohle Hand,
  von Viertel- zu Viertelstunde,
  in singendem Tone:
  „Kamerad, lebst du noch?“

    Wie wohl mir wird.
  Alles Leid sinkt, sinkt.
  Mine und Stine lehnen sich
  an meine Schultern.
  Ich ziehe sie dichter und dichter
  an mich heran.
  Denn im Lande der Hyperboreer,
  wo wir wohnen,
  ist es kalt.

    Ich trank das sechste Glas.
  Ich stehe draußen
  an der Mauer des Hauses,
  barhaupt,
  und schaue in die Sterne:
  der winzige, matt blinkende,
  grad über mir,
  ist der Stern der Gemütlichkeit,
  zugleich der Stern
  der äußersten geistigen Genügsamkeit.
  Der nah daneben blitzt,
  der große, feuerfunkelnde,
  ist der Stern des Zorns.
  Welten-Rätsel.
  Die Welt -- das Rätsel der Rätsel.
  Wie mir der Wind die heiße Stirn kühlt.
  Angenehm, höchst angenehm.

    Ich bin wieder im Zimmer.
  Ich trinke mein achtes Glas Nordnordgrog.
  Kinder, erklärt mir das Rätsel der Welt.
  Aber Mine und Stine lachen.
  Das Rätsel, bitt’ ich,
  das Rätsel der Welt.

    Ich trinke das zehnte Glas.
  Tanzt, Kinder, tanzt,
  ich bin der Sultan,
  ihr seid meine Georgierinnen,
  ich liebe euch,
  geht mit mir zu Bett.
  Ich kann nicht tanzen mehr?
  Wie sagte doch der Sultan
  im Macbeth?
  Ich meine Shakespeare:
  Trunkenheit reizt zur Liebe,
  aber die Beine,
  oder was sagte er,
  möchten gern, aber sie können nicht.
  Mädchens, unterstützt mich,
  hebt mich,
  ich will eine Rede reden:
  Die Welt ist das Tal der Küsse,
  die Welt ist der Berg des Kummers,
  die Welt ist das Wasser der Flüssigkeit,
  die Welt ist die Luft des Unsinns.
  Was sagte ich?
  Ich setze mich.
  Noch ein Glas Grog. Vorwärts!
  Die Langeweile,
  verzeiht, Mächens,
  an eurer Seite,
  schändlich, das zu sagen,
  die Welt ist das Tal, das,
  das Tal der Langenweile.
  Jetzt ist Macbeth,
  ich lieb’ euch, Mächens,
  ich bin der Sultan,
  gebt mir Panterfelle.
  Die Sklaven, die Sklaven her!
  Zum Donner, wo bleiben die Schufte!
  Auf mein Lager tragt mich.
  Ich will schlafen.
  So, Macbeth,
  tanzen, tan--zen.
  gu’ Nacht,
  ich wer’ mü--de,
  gu’ Nach ...
  Wie--e?



Lumpenlied

von

Cäsar Flaischlen.

Für einen Trupp Karnevalmusikanten.

  Melodie: „Da streiten sich die Leut’ herum“
  oder „Wenn ich an meinem Amboß steh!“
  Refrain gepfiffen.

    Ich bin ein armer Be--Bi--Ba--
  Bo--Bettelmusikant,
  doch kreuzfidel stets pe--pi--pa --
  po--pump ich mich durchs Land;
  zu spielen gibt’s allüberall,
  baar Geld nur leider keins,
  und dennoch bleib ich, was ich bin,
  und pfi--pfa--pfeif mir eins!

    Ob hier, ob dort, was verfa--fe--
  was verfo--fu--verfichts!
  ein Künstler kam sein La--Li--Le--
  Lo--Lebtag noch zu nichts!
  Und da dies ’mal jedweder Kunst
  betrübter Erdenlauf,
  so plag dich nicht umsi--sa--sunst
  und pfi--pfa--pfeif darauf!

    Auch ich hab einst von Ra--Re--Ri--
  von Ri--Ro--Ruhm geträumt
  und hab damit mich ma--me--mi--
  mu--mächtiglich geleimt!
  Drum nahm ich einen Nagel und --
  und hing den Kram dran auf
  und wurde Vi--Va--Vagabund
  und pfi--pfa--pfoff darauf!

    Ein Bettelmusike--ki--ko--
  ku--kant ist auch nicht schlecht
  und wer einmal ein Le--Li--Lo--
  La--Lump ist, sei’s auch recht!
  Zum Mi--Ma--Millio--nö--nü--när,
  bringt doch von uns es keins,
  drum bleib ich, was ich bi--ba--bin
  und pfi--pfa--pfeif mir eins!

  (Applausstrophe.)

    Wir machen unsern Di--Da--Du--
  Do--Dank dem Publiko:
  es bleib wie wir stets kri--kra--kru--
  kro--kreuzfidel und froh!
  Ein Mensch, der keinen Spaß versteht,
  merkt euch zum Schli--Schla--Schluß,
  bleibt ewiglich ein Rha--Rhe--Rhi--
  Rho--Rhu--Rhinozeruß!

  (Refrain und währenddessen im Gänsemarsch abziehend.)



Gigerlette

von

Otto Julius Bierbaum.

    Fräulein Gigerlette
  lud mich ein zum Tee.
  Ihre Toilette
  war gestimmt auf Schnee;
  ganz wie Pierette
  war sie angetan.
  Selbst ein Mönch, ich wette,
  sähe Gigerlette
  wohlgefällig an.

    War ein rotes Zimmer,
  drin sie mich empfing,
  gelber Kerzenschimmer
  in dem Raume hing.
  Und sie war wie immer
  Leben und Esprit.
  Nie vergeß’ ich’s, nimmer:
  weinrot war das Zimmer,
  blütenweiß war sie.

    Und im Trab mit Vieren
  fuhren wir zu zweit
  in das Land spazieren,
  das heißt Heiterkeit.
  Daß wir nicht verlieren
  Zügel, Ziel und Lauf,
  saß bei dem Kutschieren
  mit den heißen Vieren
  Amor hinten auf.



Münchner Studentenlied

von

Otto Julius Bierbaum.

    Ein Geschpusi muß ich haben!
  Alles wankt, doch das steht fest:
  So ein liebes, kleines Mädchen,
  das sich gerne haben läßt,
  ein Geschpusi muß ich haben!

    Denn ich bin nun so geschaffen,
  daß ich Mädchen lieben muß;
  _nulla dies sine linea_
  heißt: kein Tag sei ohne Kuß;
  denn ich bin nun so geschaffen.

    Ach, so was im Arm zu haben,
  Mund an Mund und Brust an Brust,
  dafür laß ich alle Alten,
  Cäsar, Cicero, Sallust ...
  Ach, so was im Arm zu haben!

    Zwar ich habe nur ein Zimmer,
  und das Zimmer ist sehr klein,
  doch es können darin zweie
  ganz unbändig glücklich sein,
  in dem einen kleinen Zimmer.

    Also komm und laß nicht warten!
  Auf dem Tisch steht schon ein Strauß,
  und das kahle kleine Zimmer
  sieht heut ganz verwegen aus.
  Also komm und laß nicht warten!



Das Häslein

von

Christian Morgenstern.

    Unterm Schirme, tief im Tann,
  hab’ ich heut’ gelegen,
  durch die schweren Zweige rann
  reicher Sommerregen.

    Plötzlich rauscht das nasse Gras --
  Stille! nicht gemuckt! --
  Mir zur Seite duckt
  sich ein junger Has’ ...

    Dummes Häschen,
  bist du blind?
  Hat dein Näschen
  keinen Wind?

    Doch das Häschen unbewegt,
  nutzt, was ihm beschieden,
  Ohren, weit zurückgelegt,
  Miene, schlau zufrieden.

    Ohne Atem lieg’ ich fast,
  laß die Mücken sitzen:
  still besieht mein kleiner Gast
  meine Stiefelspitzen ...

    Um uns beide -- tropf -- tropf -- tropf --
  traut eintönig Rauschen ...
  Auf dem Schirmdach -- klopf -- klopf -- klopf ...
  und wir lauschen ... lauschen ...

    Wunderwürzig kommt ein Duft
  durch den Wald geflogen;
  Häschen schnubbert in die Luft,
  fühlt sich fortgezogen;

    Schiebt gemächlich rückwärts, macht
  Männchen aller Ecken ...
  Herzlich hab ich aufgelacht --:
  Ei, der wilde Schrecken!



Die arme kleine Idee

von

Otto Sommerstorff.

    Es war einmal eine kleine Idee,
  ein armes, schmächtiges Wesen --
  da kamen drei Dichter des Weges -- o weh --!
  und haben sie aufgelesen.
  Der eine macht’ einen Spruch daraus --
  das hielt die kleine Idee noch aus;
  der zweite eine Ballade --
  da wurde sie schwach und malade;
  der dritte wollt’ sie verwenden
  zu einem Roman in zwei Bänden --
  dem starb sie unter den Händen! --



Der Nebenbuhler

von

Hugo Salus.

    So eine kleine Frau, wie keusch sie sei,
  was Gefährliches ist doch immer dabei;
  aus ihrer Seele geheimstem Grunde
  sprach meine heut’ mit ruhigem Munde:
  „Wenn Goethe noch lebte in unsern Tagen,
  Goethe könnte ich nichts versagen.
  Er ist so herrlich, so über die Maaßen,
  möcht’ mich in Demut ihm überlassen,
  möcht’ gar nicht denken, so er mich wollte,
  ob ich sollte oder nicht sollte,
  ich wäre sein, von Herzen sein.“
  So sprach sie sich in die Verzückung hinein,
  indes ich armer, betrogener Gatte
  meine neidische dunkle Minute hatte.
  Dann aber seufzte ich vor mich hin:
  „Heil mir, daß ich ein Enkel bin.“



Fuchsenglück

von

Ludwig Jacobowski.

    Zum erstenmal das Fuchsenband!
  Das ist ein Tag der Weihe.
  Ich geh’ noch außer Rand und Band
  und habe Mut für dreie.

    Die Mädels schaun mich freundlich an,
  das nimmt mich gar nicht wunder.
  Denn ein Philister ist kein Mann,
  das lebt so ’rum als Plunder.

    Was ist das Leben eine Pracht,
  bis in die Fingerspitze!
  Am liebsten ging ich heute Nacht
  zu Bett mit Band und Mütze.



Jüngster Frühling

von

Ludwig Jacobowski.

    Nun kommt der Frühling doch Jahr für Jahr,
  dasselbe Blühen, wie’s immer war,
  von Kindern sind Plätze und Straßen voll,
  man weiß nicht mehr, wo man treten soll.
  Die Mädchen glühen vor lauter Glück,
  heller die Kleider und heller der Blick,
  und blitzt wo ein Zöpflein im Sonnenschein,
  da fängt es sich wohl einen Knaben ein.
  Und hoch aus des Himmels seligem Feld
  geht ein Leuchten über die Welt ...

    Wohl seh’ ich das alles in jedem Jahr,
  doch schwör’ ich, daß es nie schöner war,
  als gerade in diesem, in diesem Jahr.



Sonntag Nachmittag

von

Ludwig Jacobowski.

    Straße glatt wie ausgefegt;
  selten poltert noch ein Wagen;
  Knaben nur, die unentwegt
  ihre Bronze-Reifen schlagen.
  Vogelruf in blauer Luft --
  kleine Wölkchen, weiß wie Seide --
  Mädchen, das der andern ruft,
  und schon schwatzen beide.

    Und nun stehn sie vor der Tür,
  überm Busen straff die Schürze,
  und ein langer Grenadier
  nebenan als Sonntagswürze!
  Daß er’s grade auf Marie,
  meine Wäsch’rin, abgesehen,
  freut mich sehr, je öfter sie
  beieinander stehen.

    Schultern breit und Taille schmal,
  Arme, die das Kleid zerreißen;
  er wie ein Laternenpfahl
  und kann sicher Steine beißen.
  Ach, das gäb’ ein gutes Paar!
  Daß sie Gott zusammenführe!
  Segen käm’ da Jahr für Jahr --
  unser Land braucht Grenadiere.



Peter Lügenmaul spricht:

von

Carl Busse.

    Jungens, Jungens! Hinter den Hecken,
  wo sich im Frühjahr die Veilchen verstecken,
  ja, was liegt da ein putziger Käfer:
  ein Haulemännchen, ein Siebenschläfer!
  Sein weißer Bart mißt gut eine Elle,
  ist ebenso lang, wie der ganze Geselle.
  Am Rock die Knöpfe blitzen wie Sternchen,
  vorn im Gürtel steckt ein Laternchen,
  dazu noch die Kappe von rotem Tuch --
  genau wie die Wichtlein im Märchenbuch!

    Das ist auch kein andrer, das ist Zwerg Purzel,
  wohnt des Tages unter der Wurzel;
  aber bei Mond und Sternenschein
  gold’ne Schätze sammelt er ein.
  Weil ihm die Arbeit heut’ nicht geschmeckt,
  hat er zum Schläfchen sich ausgestreckt.
  Nun lacht schon die Sonne mit goldenem Schimmer,
  aber, was meint ihr? er schnarcht noch immer!

    Da bin ich verstohlen, mit Herzepochen,
  ihm durch die Büsche nähergekrochen,
  bis daß im Grünen am hellen Tag
  die kleine Schlafmütz’ vor mir lag.
  Schon hatt’ ich den feinsten Plan erdacht,
  wie man ihn fängt und dienstbar macht --
  da flog eine Mücke aus hohem Grase
  ihm grad’ auf die Nase!

    Nun hat er sich faul gedehnt und gerührt,
  hat wohl im Auge die Sonne gespürt.
  „Hatschi!“ -- Gar fängt er zu niesen an.
  -- „Gesundheit, lieber Herr Haulemann!“

    Verschlafen reckt er noch einmal die Glieder,
  zupft am Barte und reibt die Lider;
  dann hat er behaglich die Blüten gekippt,
  zum Morgentrank den Tau genippt,
  so ist dem Schlemmer der himmlische Bronnen
  grad’ aus den Kelchen ins Maul geronnen!

    Da hab’ ich mich heimlich fortgedreht,
  daß ihr Herrn Purzel beim Frühstück seht.
  Und wenn ich auch Peter, das Lügenmaul, bin,
  ihr könnt es mir glauben: Kommt mit ... geht hin!
  Nur leise, leise, ... auf Zehenspitzen!
  Jetzt noch drei Schritte, dann seht ihr ihn sitzen ...
  Da ...! -- Tausend, das sah ich doch vorher kommen:
  Jungens, er hat Reißaus genommen!



St. Niklas’ Auszug

von

Paula Dehmel.

    St. Niklas zieht den Schlafrock aus,
  klopft seine lange Pfeife aus
  und sagt zur heiligen Kathrein:
  „Öl mir die Wasserstiefel ein,
  bitte, hol auch den Knotenstock
  vom Boden und den Fuchspelzrock;
  die Mütze lege oben drauf,
  und schütt dem Esel tüchtig auf,
  halt auch sein Sattelzeug bereit;
  wir reisen, es ist Weihnachtszeit.
  Und daß ich’s nicht vergeß, ein Loch
  ist vorn im Sack, das stopfe noch!
  Ich geh derweil zu Gottes Sohn
  und hol mir meine Instruktion.“
    Die heil’ge Käthe, sanft und still,
    tut alles, was St. Niklas will. --
    Der klopft indes beim Herrgott an;
    St. Peter hat ihm aufgetan
    und sagt: „Grüß Gott! wie schaut’s denn aus?“
    Und führt ihn ins himmlische Werkstättenhaus.

    Da sitzen die Englein an langen Tischen,
  ab und zu Feen dazwischen,
  die den kleinsten zeigen, wie’s zu machen,
  und weben und kleben die niedlichsten Sachen,
  hämmern und häkeln, schnitzen und schneidern,
  fälteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern,
  packen die Schachteln, binden sie zu
  und haben so glühende Bäckchen wie du!
      Herr Jesus sitzt an seinem Pult
    und schreibt mit Liebe und Geduld
    eine lange Liste. Potz Element,
    wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt!
    Die sollen die schönen Engelsgaben
    zu Weihnachten haben.

      Was fertig ist, wird eingesackt
    und auf das Eselchen gepackt.
    St. Niklas zieht sich recht warm an --
    Kinder, er ist ein alter Mann,
    und es fängt tüchtig an zu schnei’n,
    da muß er schon vorsichtig sein!

    So geht es durch die Wälder im Schritt,
  manch Tannenbäumchen nimmt er mit,
  und wo er wandert, bleibt im Schnee
  manch’ Futterkörnchen für Hase und Reh.
  Leise macht er die Türen auf,
  jubelnd umdrängt ihn der kleine Hauf:
    „St. Niklas, St. Niklas,
    was hast du gebracht?
    Was haben die Englein
    für uns gemacht?“
  „Schön Ding! Gut Ding! aus dem himmlischen Haus!
  Langt in den Sack! Holt euch was ’raus!“



Philisterglück

von

Anna Ritter.

    Gestern standen sie im Blättchen
  als Verlobte. Heut’, zur Stunde
  der Visiten, wird die Runde
  abgegangen durch das Städtchen. --
  Freudig warten schon die Tanten. --

    Er im Gehrock, sie in Seide,
  sittsam lächelnd alle beide,
  mit gewinnenden Manieren
  führen sie ihr Glück spazieren
  zu den Freunden und Verwandten!

    Hinter ihnen wandelt Amor ....
  Amor -- wirklich? Baß erschrocken
  seh’ ich ihn: ist das der böse,
  hübsche, kecke Liebesbengel?

    Fein und sittsam wie ein Engel
  schreitet er, die goldnen Locken
  glatt gescheitelt, voll Pomade.
  Samtne Pluderhosen decken
  tugendhaft des Bübchens Blöße,
  und die kleinen Füße stecken
  bis zur rundlich festen Wade
  ehrbar in gestrickten Socken!
      Schade --!



Gekränkte Unschuld

von

Anna Ritter.

    Ein Rad gebrochen! -- Da liegt das Heu ...
  Da liegt der Wagen ... und nebenbei
  ein blasses, schmächtiges Dirnchen steht,
  das heulend die Zipfel der Schürze dreht.
  „Was willst denn?“ Ich streichle ihm sanft das Gesicht.
  Da zeigt’s auf den riesigen Wagen und spricht,
  das zitternde Stimmchen von Schluchzen zerrissen:
  „Sie sagen, ich hätte ihn umgeschmissen.“



Annesmeert[231]

von

Lulu von Strauß und Torney.

    Die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,
  er hockt am Ofen im Stuhl gebückt,
  von Zeit und Arbeit das Wams zerschlissen,
  zahnlos der Mund und spärlich das Haar,
  auf der Stirn die Runzeln der achtzig Jahr.
  Und neben ihm in den Wiegenkissen
  ein winziges Köpfchen mit dünnem Flaum,
  ein Stückchen Leben, drei Tage kaum.
  Steht vor den beiden ein kleiner Wicht,
  weißblond der Krauskopf und derb die Glieder,
  der beugt sich über das Bettchen nieder
  und guckt und schneidet ein kraus Gesicht:
  „Slöppt use Lüttje[232]? Ne kiek eis dor,
  Grotvatter, de het jo gorkeen Hor.“
  Der Alte streicht sich den weißen Bart,
  „dat kummt noch, Jung, wenn he gröter ward.
  Nu lop[233] man hen!“ Der Junge bleibt stehn.
  „Grotvatter, he het jo gorkeen Tähn[234]?“
  Der Alte knurrt nur halb grämlich müd.
  „De wasset[235] ok noch, dat het noch Tid[236].“
  Die braune erdige Bubenpfote
  tippt auf das Köpfchen, das runzlich rote,
  und rückt die Wiege ins grelle Licht:
  „Un Schrumpeln het he ok ins Gesicht!“
  Der Graukopf im Stuhle schweigt und nickt,
  die Fliegen summen, die Wanduhr tickt,
  der Blondkopf trottet zur Türe stumm,
  doch auf der Schwelle dreht er sich um,
  er zieht das Gesicht in wichtige Falten
  und blinzelt pfiffig zurück zu dem Alten:
  „Grotvatter, us’ Lüttje, de is nix wert,
  ick glöv, mit den sünd wi annesmeert,
  de het jo’n Gesicht just sao as din,
  dat möt jau’n ganzen Ollen sien.“



Ein Kontertanz

von

Carl Müller-Rastatt.

    Im Saal voll Pracht und Lichterglanz
  lädt die Musik zum Kontertanz.
  Es stehen in der Tänzer Reihn
  ein Jüngling und ein Jungfräulein:
      _Compliment!_

    „Hier fände ich mein Glück vielleicht!“
  Der Jüngling denkt’s und sinnt und schweigt.
  Und schweigend denkt das Mägdelein:
  „Soll dieser wohl der Rechte sein?“
      _Balancez!_

    Die Augen beider grüßen sich.
  Dem Jüngling wird so seltsamlich.
  Der Jungfrau Busen hebt sich bang.
  Mir scheint: die Sache kommt in Gang.
      _Tour de main!_

    Dem Frieden trauen soll man nie!
  Die Dame seines Vis-a-vis
  beäugt den Jüngling höchst kokett.
  „Sieh!“ denkt er, „die ist auch recht nett!“
      _Chaîne anglaise!_

    Mit Staunen sieht die Jungfrau an
  den bösen, wankelmütigen Mann.
  Und allsogleich sie bei sich spricht:
  „Der Rechte ist das wieder nicht!“
      _Dos-à-dos!_

    Der Jüngling merkt, daß sie sich grämt,
  geht in sich und ist tief beschämt.
  Er macht sich schnell zum Sturm bereit,
  daß er versöhnt die holde Maid.
      _Le cavalier en avant!_

    Er schneidet ihr mit Macht die Cour
  und schwört, daß sie alleine nur
  die Sehnsucht seiner Träume stillt.
  In ihrem Busen wogt es wild:
      _Moulinet!_

    Sie glaubte gern und zaudert doch.
  Da wird er ungestümer noch
  und fängt sie endlich glücklich ein.
  Sie flüstert schämig: „Ich bin dein.“
      _En avant deux!_

    Er küßt, in heißer Lieb’ entbrannt,
  verstohlen ihre kleine Hand
  und spricht: „Ob’s stürmt, ob Sonne scheint,
  wir ziehn durchs Leben nun vereint!“
      _Grande ronde!_



_Qui pro quo_

von

Dr. Owlglaß.

    Heute griff ich hinter meinen Kasten,
  wo die Leier der Gefühle schwebt,
  neben der mit schwarz-rot-goldnen Quasten
  meine alte Tubakspfeife klebt.

    Zwar -- dies will ich lieber gleich gestehen --
  tat ich’s zweifelhäftigen Gesichts:
  von des Geistes heiligem Flügelwehen
  spürt’ ich nämlich wenig oder nichts.

    Doch ich sprach: „Wozu die innren Stimmen?
  Soll ich warten, bis mich’s zärtlich rief?
  Nein, ich flöte auf den pseudonymen,
  auf den kategorischen Imperativ!“

    -- Aber sieh, die Leier hing zersprungen
  an der zugehörigen grünen Schnur,
  von der Sommerhitze tief durchdrungen!
  ... Weinend gab ich sie in Rep’ratur.

    Und so säß’ ich traurig in der Seife,
  von dem Kuß der Musen unberührt,
  hätt’ ich nicht die alte Tubakspfeife,
  die mich aushilfsweise inspiriert.



Er bokulirt im Hirschen

von

Arno Holz.

Ode Trochaica.

    Lustig-seyn und nicht studiren,
  durch die Gassen kreutz und krumm
  nach den Mägdgens scharmutziren,
  lustig-seyn und nicht studiren.
  Dihses ist mein Bropprium!

    Bluhder-Hosen, Bontac-Flaschen,
  Wörffelgens und ein Rappihr,
  darzu Goldt in allen Daschen,
  Bluhder-Hosen, Bontac-Flaschen,
  Bruder-Hertz, daß lohb ich mir!

    Wihder blühen itzt die Pfirschen,
  alles ist wie Rohsen-roht,
  drümb, so sizz ich hihr im Hirschen,
  wihder blühen itzt die Pfirschen,
  Dabbak ist mein Himmels-Brodt!

    Hühnergens in Galantine
  stellt man mir auff meinen Disch,
  Blühmckens zihren die Turrine,
  Hühnergens in Galantine,
  auch die Sprottgens sind schön frisch!

    Kugel-Dorten, Eyer-Baben
  seh ich fröhlichen Gesichts,
  darfor bün ich stähts zu haben,
  Kugel-Dorten, Eyer-Baben,
  hola, Jung, verschütt mir nichts!

    Jeder Dropffen, den ich drincke,
  schärfft mir mehr das Capitol;
  komme wihder, wenn ich plincke,
  jeder Dropffen, den ich drincke --
  Himmel, Herrgott, ist mir wohl!

    Flöten, Lauten und Pandoren,
  Gott sey Danck, itzt sind sie da!
  Singt und springt mir in die Ohren,
  Flöten, Lauten und Pandoren,
  drey mahl hoch die Musica!

    Nachts mit gantz verschobner Krause
  steh ich dan für meiner Thür.
  Bün ich würcklich schon zu Hause?
  Nachts mit gantz verschobner Krause,
  ha, wie kom ich mir blohß für?

    Soll ich itzt Skarteken schmihren?
  Oder -- dreh ich wihder um?
  Nein, ich gehe cortesiren!
  Soll ich itzt Skarteken schmihren?
  Dihses were mir zu thumm!

    Meine Feuer-reichen-Jahre
  blühn mir itzo, oder nie.
  Pallas hat zu kortze Hahre,
  meine Feuer-reichen-Jahre
  sind mir vihl zu werth for sie!



Die sieben Heller

von

Frank Wedekind.

    Großer Gott im Himmel, sieben
  Heller sind mir noch geblieben!
  Was nur fang’ ich armer Mann
  mit den sieben Hellern an?

    Tod und Teufel, wären’s zwanzig,
  tanzte gleich noch einen Tanz ich
  auf der Bühne bunt bemalt,
  wo man 20 Heller zahlt!

    Wären’s fünfzehn! -- Einen Teller
  Wurst kauft man für fünfzehn Heller.
  Hungrig bin ich so wie so;
  eine Wurst macht lebensfroh.

    Ach und wären’s auch nur zehne!
  Ein Schluck Bier, den ich ersehne,
  ist er gleich ein wenig klein,
  muß für zehne käuflich sein!

    Aber sieben, sieben ganze
  rote Heller, nicht zu Tanze,
  nicht zu Wurst und nicht zu Bier,
  gar zu nichts verwendbar mir! --

    Lehr’ mich du, o Fürst der Hölle,
  was tätst du an meiner Stelle,
  wenn im Beutel du zuletzt
  nur nach sieben Heller hättst?

    Alsbald zieht der große Weise
  seine düstern Zauberkreise,
  spuckt nach rechts und links und spricht:
  „Hör’ mich an, du armer Wicht!

    „Kommt bei Wettersturm und Regen
  dir ein Bettelkind entgegen,
  schwarz von Auge, schwarz von Haar,
  Busen im Entwicklungsjahr,

    „Wirf ihr deine sieben Heller
  in des Hemdes losen Göller,
  sag’ ihr, sie sei engelschön,
  schweig’ und heiß’ sie weitergehn!

    „Du hast Freude, sie hat Freude,
  freuen werdet ihr euch beide;
  meine Freude hab’ auch ich,
  segne und belohne dich!“



Wir zwei

von

Gustav Falke.

    Wir haben oft beim Wein gesessen
  und öfter beim Grog.
  Beim Pfandverleiher lag indessen
  der Sonntagsrock.

    Wir haben die lustigsten Mädelgeschichten
  ausgetauscht,
  an Abenteuern und an Gedichten
  uns weidlich berauscht.

    Wir haben, o je, von unsern Schulden
  uns vorgeklagt.
  Vertranken dabei den letzten Gulden;
  nur nicht verzagt!

    Wir haben uns immer zusammengefunden,
  wars Wetter schlecht;
  und waren die gräulichen Wolken verschwunden,
  dann erst recht.

    Wir sind zwei Kirschen an einem Stengel,
  ein Zwiegesang,
  ein Kanon, wie er von Bach bis Klengel
  noch keinem gelang.

    Wir sind zwei Schelme. Wenn sie uns fangen,
  Philistergericht,
  wir müssen an +einem+ Galgen hangen,
  sonst tun wir’s nicht. --



Nachtwandler

von

Gustav Falke.

    Trommler, laß dein Kalbfell klingen,
  und, Trompeter, blas darein,
  daß sie aus den Betten springen,
  Mordio, Michel, Mordio! schrein,
  tuut und trumm, tuut und trumm,
  Zipfelmützen ringsherum.

    Und so geh’ ich durch die hellen,
  mondeshellen Gassen hin,
  fröhlich zwischen zwei Mamsellen,
  Wäscherin und Plätterin:
  links Luischen, rechts Marie,
  und voran die Musici.

    Aber sind wir bei dem Hause,
  das ich euch bezeichnet hab’,
  macht gefälligst eine Pause,
  und seid schweigsam wie das Grab!
  Scht und hm, scht und hm,
  sachte um das Haus herum.

    Meine heftige Henriette
  wohnt in diesem kleinen Haus,
  lärmen die wir aus dem Bette,
  kratzt sie uns die Augen aus.
  Scht und hm, scht und hm,
  sachte um das Haus herum.

    Lustig wieder, Musikanten!
  Die Gefahr droht nun nicht mehr,
  trommelt alle alten Tanten
  wieder an die Fenster her!
  Tuut und trumm, tuut und trumm,
  Zipfelmützen ringsherum.

    Ja, so geh’ ich durch die hellen,
  mondeshellen Gassen hin,
  fröhlich zwischen zwei Mamsellen,
  Wäscherin und Plätterin:
  links Luischen, rechts Marie,
  und voran die Musici.



Zwanzig Mark

von

Gustav Falke.

    Herr Wirt, heut’ hab’ ich zwei Zehner im Sack,
  dafür kann ich den König nicht kaufen,
  und könnt’ ich ihn kaufen, zwei Zehner im Sack,
  den König mit Krone und Orden und Frack,
  ich lachte und ließ ihn laufen.
  Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark,
  ja, zwanzig Mark,
  und die, die will ich versaufen!

    Und hier auf dem Tisch, heraus aus dem Sack,
  wie köstlich das klimpert und klappert!
  Zwei goldene Zehner heraus aus dem Sack,
  zwei silberne Flaschen, herunter den Lack,
  kein Tröpfchen werde verlappert.
  Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark,
  ja, zwanzig Mark,
  doch vor allem, Herr Wirt, nicht geplappert.

    Denn hört es ein dritter, zwei Zehner im Sack,
  die Stadt gleich wird es durchlaufen,
  der Schneider, der Schuster, zwei Zehner im Sack,
  die Wirtin, die Waschfrau, o Weiberschnack,
  sie kommen und zetern in Haufen:
  zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark,
  ja, zwanzig Mark,
  und die, die will ich versaufen.

    Und darum, Herr Wirt, zwei Zehner im Sack,
  was rund ist, was rund ist, muß laufen,
  so lauf’ denn, mein Freund, zwei Zehner im Sack,
  he, tummle dich, hurtig! Zwei Zehner im Sack.
  Zwei Witwen will ich mir kaufen.
  Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark,
  ja, zwanzig Mark,
  und die, die will er versaufen!



Gute Nacht

von

Gustav Falke.

    Das war der Junker Übermut,
  die Stirne frei, den schlappen Hut
  verwegen nur im Nacken;
  laut klirrten ihm die Hacken.

    Das war die Jungfer züchtiglich,
  ging stets einher, als schämt’ sie sich,
  als könnt’ sie beim Spazieren
  ihr Seelenheil verlieren. --

    Das war, das war, das ist, das ist,
  sein Rößlein ihren Hafer frißt,
  er sitzt zu ihren Füßen
  und muß im Garne büßen.

    Draus wirkt sie ihm ein weiches Hemd,
  das macht ihn welt- und menschenfremd,
  der Rest, daß sie ihm nütze,
  der Rest gibt eine Mütze.

    Was sagt er jetzt, Herr Übermut?
  Schön gute Nacht und schlaf er gut!
  Das Spiel hat er verloren,
  sein Weib gewann die Sporen.



De kloke[237] Spitz

von

Gustav Falke.

    „Spitz,“ seggt[238] Fritz,
  „sett di hen[239], Spitz!“

  „Spring,“ röpt[240] Karlin,
  „warst König, kriegst ’n Buddel Win[241].“

  „Apport!“ kummandeert Hans.
  „Na? Woans[242]?“

    „Ach,“ denkt de Spitz,
  „man hett ja sinen Witz,
  strengt sik ok an
  un deit[243], wat man kann.
  Awerst dree Schoolmeester to hoop[244],
  all upp’n mal: Sett di hen, spring, loop[245]!
  Da kann ja’n Pudel de Geduld bi verleern,
  un so’n Pudel deit so wat doch süß[246] ganz geern.
  Wardt’t mi to veel -- Hans kiekt[247] mi all so an --
  nei ik ut[248]. All wat ik kann.“

    „Spitz,“ seggt Fritz,
  „sett di hen, Spitz!“

  „Spring,“ röpt Karlin,
  „warst König, kriegst ’n Buddel Win.“

  „Apport!“ kummandeert Hans.
  „Na? Woans?“

  „Soans,“ knurrt Spitz,
  un hei! weg is he, as[249] de Blitz.



Döntje[250]

von

Gustav Falke.

    Dar weer mal’n lütt Hohn[251],
  dat harr nix to dohn,
  do leggt dat en Ei,
  dat Ei güng entwei,
  do keem dar’n lütt Katt rut[252],
  de Katt, de seeg swatt ut[253]
  un sä[254] to’t lütt Hohn:
  „Du hest nix to dohn?
    Denn wil ’k di wat wisen[255],
  ik warr di verspisen,
  ik freet di un denn
  hett all Not ’n Enn[256].“



Die zierliche Geige

von

Gustav Falke.

    Ein klapperdürrer Fiedelmann
  stand unter einem Baume,
  und setzte seine Geige an
  und geigte wie im Traume,
  und sang ein leises Zwitscherlied,
  das rührte an die Äste,
  und als der letzte Ton verschied,
  da starb ein Spatz im Neste.

    Der klapperdürre Fiedelmann
  stand unter trocknem Kranze,
  und setzte seine Geige an
  und geigte flott zum Tanze,
  und geigte flott zum Erntebier,
  wo Rock und Schürze fliegen,
  ein letzter Triller, zart und zier,
  da muß die Großmagd liegen.

    Und wieder stand der Fiedelmann
  stocksteif vorm Pastorate,
  und setzte seine Geige an
  zur geistlichen Sonate.
  Ein rührend Religiosa sang
  von allen Himmelsschauern,
  ein schluchzender Morendogang --
  wer predigt nun den Bauern?

    Dann stand der fleißige Fiedelmann
  wohl auf der Herrendiele,
  und setzte seine Geige an
  zu raschem, scharfem Spiele.
  Das klang halb wie ein Trinklied froh,
  halb wie ein Sturm auf Schanzen,
  ein kurzes, keckes Tremolo,
  da muß der Schloßherr tanzen.

    Und neulich stand der Fiedelmann
  auch vor des Schulzen Kammer,
  und setzte seine Geige an
  und sang wie eine Ammer,
  und sang und sang den ganzen Tag,
  und sang vor tauben Ohren,
  an dem, der da im Fieber lag,
  schien jede Kunst verloren.

    Da trat er dicht ans Bettgestell,
  hub wütend an zu kratzen,
  doch statt des Kranken Trommelfell
  mußt’ ihm die Quinte platzen.
  Erbost schlug er sein Saitenspiel
  aufs Haupt dem zähen Recken,
  die Geige in zwei Stücke fiel,
  der Schulze starb vor Schrecken.

    Der klapperdürre Fiedelmann,
  da hockt er nun am Rande,
  und leimt sein Zeug so gut er kann,
  flickt Saiten, Steg und Bande,
  und brummt: „Das hat man nun davon,
  dem spielt’ ich zu manierlich,
  jetzt lern’ ich Baß und Bombardon,
  die Geige ist zu zierlich.“



Auf dem Maskenball

von

Gustav Falke.

    Die Geigen girren leise,
  die Flöten flüstern so fein,
  die Masken dreh’n sich im Kreise,
  plump fährt die Pauke drein.

    Die Bläser blähen die Backen,
  das Bombardon poltert wie wild,
  da dreht sich auf zierlichsten Hacken
  auf einmal das zierlichste Bild.

    Ein Seufzer der Klarinette,
  ein zärtliches Ach der Obo;
  Tanze mit mir, Pierette!
  -- Kein Füßchen tanzte je so.

    Die Geigen girren leise,
  die Flöten flüstern so fein,
  die Masken drehn sich im Kreise,
  ein Pfropfenknall fährt drein.

    Die Bläser blähen die Backen,
  das Bombardon winselt wie wund.
  Den Arm um den reizendsten Nacken,
  such’ ich den reizendsten Mund.

    Ein Seufzer der Klarinette,
  ein zärtliches Ach der Obo;
  Küsse mich, Pierette!
  -- Kein Mündchen küßte je so.



Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.



[Illustration: F594 I 09: 50.000]



Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung.


Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß
aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, „hervorragenden
Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des
deutschen Volkes zu setzen“ und durch Verbreitung guter Bücher
der schlechten Literatur den Boden abzugraben. Sie begann ihre
+Tätigkeit+ i. J. 1903 damit, daß sie an 500 Volksbibliotheken je
20 Bände verteilte, unter denen sich z. B. Fontanes „Grete Minde“ --
M. v. Ebner-Eschenbachs „Gemeindekind“ -- eine Auswahl der „Deutschen
Sagen“ der Brüder Grimm -- Roseggers „Als ich noch der Waldbauernbub’
war“ befanden. Die zweite Bücherverteilung umfaßte 40 Werke (in 23
Bände gebunden) in je 750 Exemplaren -- die dritte 42 Bücher (31 Bände)
in je 750 Exemplaren -- die vierte 43 Bücher (36 Bände) in je 800
Exemplaren, die fünfte 28 Bücher (25 Bände) in je 900 Exemplaren.

Abzüge des +Werbeblatts+, des letzten Jahresberichts, auch des
Aufrufs und der Satzungen usw. werden von der Kanzlei der Deutschen
Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel gern unentgeltlich
übersandt. -- Die Stiftung hatte 1905 erst 934 Mitglieder, im Jahre
1906 schon 3.688, 1907 6.500, Ende 1908 9.161. Sie führt diesen
Aufschwung auf das allgemeine Wachsen des Kulturinteresses zurück und
bittet alle Freunde, ihr durch Zusendung von Adressenmaterial an ihr
Werbeamt bei der Ausnutzung dieser Wendung zum Besseren zu helfen.

Die Stiftung erbittet besonders jährliche, aber auch einmalige
Beiträge. +Für Jahres-Beiträge von 2 Mk.+ aufwärts gewährt die
Stiftung durch Übersendung eines Einzelbandes ihrer „Hausbücherei“
oder ihrer „Volksbücher“ oder des Schillerbuches Gegenleistung. Wer
25 Mark Jahresbeitrag zahlt, erhält auf Wunsch alle im gleichen Jahre
erscheinenden Bände der „Hausbücherei“.

Die +Beiträge+ werden in jeder Höhe entgegengenommen von der
Deutschen Bank, Berlin, und ihren sämtlichen Zweiganstalten und
Depositenkassen -- Postscheckkonto Hamburg Nr. 737 -- der k. k.
Postsparkasse, Wien [auf Konto Nr. 859112] -- und der Stiftung selbst
in Hamburg-Großborstel.

Alle +Briefe+, +Anfragen+ usw. werden unpersönlich mit der Aufschrift
„Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel“ (möglichst
unter Hinzufügung der betr. Abteilung) erbeten.

  Man verlange die erwähnten Drucksachen.



[Illustration]



Gute und billige Bücher


Unter den mancherlei billigen Sammlungen, die in den letzten Jahren
zur Verbreitung guter Literatur geschaffen wurden, zeichnen sich die
Bücher der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung durch sorgfältige
literarische Auswahl und ausgezeichnete Ausstattung aus: holzfreies
Papier, schönen und großen Druck, abwaschbaren, geschmackvollen
Einband. Diese Eigenschaften haben in Verbindung mit dem äußerst
billigen Preise den beiden Sammlungen der Stiftung schnell große
Verbreitung verschafft.

Bisher sind erschienen:


Hausbücherei

(nur gebunden, jeder Band 1 Mark)

    Bd. 1. +Heinrich von Kleist+: Michael Kohlhaas. Mit Bild Kleists.
    7 Vollbilder von Ernst Liebermann. Einleitung v. _Dr._ Ernst
    Schultze. _11.-20. Taus._ 170 S.

    Bd. 2. +Goethe+: Götz von Berlichingen. Mit Bild Goethes.
    Einleitung v. _Dr._ W. Bode. _6.-10. Taus._ 178 S.

    Bd. 3. +Deutsche Humoristen.+ _1. Bd._: Ausgew. humor. Erzählungen
    v. P. Rosegger, W. Raabe, Fr. Reuter und A. Roderich. _31.-35.
    Taus._ 221 S.

    Bd. 4. +Deutsche Humoristen.+ _2. Bd._: Cl. Brentano, E. Th. A.
    Hoffmann, H. Zschokke. _16.-20. Taus._ 222 S.

    Bd. 5. +Deutsche Humoristen.+ _3. Bd._: Hans Hoffmann, Otto Ernst,
    Max Eyth, Helene Böhlau. _21.-25. T._ 196 S.

    Bd. 6/7. +Balladenbuch.+ _1. Bd._: Neuere Dichter. _11.-20. T._ 498
    S. 2 Mark.

    Bd. 8. +Herm. Kurz+: Der Weihnachtsfund. Eine Volkserzählung. Mit
    Bild Kurz’. Einleitung v. Prof. Sulger-Gebing. _6.-10. Taus._ 209 S.

    Bd. 9. +Novellenbuch.+ _1. Bd._: C. F. Meyer, E. v. Wildenbruch,
    Fr. Spielhagen, Detl. v. Liliencron. _21.-25. Taus._ 194 S.

    Bd. 10. +Novellenbuch.+ _2. Bd._ (Dorfgeschichten): E. Wichert, H.
    Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. _11.-15. T._ 199 S.

    Bd. 11. +Schiller+: Philosophische Gedichte. Ausgew. u. eingel. v.
    Prof. E. Kühnemann. Mit Bild Schillers. _6.-10. T._ 230 S.

    Bd. 12/13. +Schiller+: Briefe. Ausgew. und eingel. von Prof. E.
    Kühnemann. Mit 2 Bildern Schillers. 2 Bände in 1 Bande. _6.-10.
    Taus._ 226 u. 302 S. 2 Mark.

    Bd. 14. +Novellenbuch.+ _3. Bd._ (Geschichten aus deutscher
    Vorzeit): A. Schmitthenner, J. J. David, W. Hauff. _11.-15. Taus._
    246 S.

    Bd. 15. +Novellenbuch.+ _4. Bd._ (Seegeschichten): Joachim
    Nettelbeck, W. Hauff, Hans Hoffmann, W. Jensen, Wilh. Poeck, Johs.
    Wilda. _11.-15. Taus._ 179 S.

    Bd. 16. Auswahl aus den Dichtungen +Eduard Mörikes+. Herausgeg.
    u. eingel. v. Dr. J. Loewenberg-Hamburg. Mit Bild u. Silhouette
    Mörikes _6.-10. Taus._ 235 S.

    Bd. 17. +Heine-Buch.+ Eine Auswahl aus Heinrich Heines Dichtungen
    Herausgeg. und eingel. von Otto Ernst-Hamburg. Mit Bild Heines.
    _6.-10. Taus._ 203 S.

    Bd. 18 u. 19. +Goethes+ ausgewählte Briefe. Herausgeg. u. eingel.
    v. Dr. Wilh. Bode-Weimar. Mit Bildern Goethes. 2 Bände. _11.-15.
    Taus._ 169 u. 197 S.

    Bd. 20/21. +Deutsches Weihnachtsbuch.+ Eine Sammlung der schönsten
    u. beliebtesten Weihnachtsdichtungen in Poesie u. Prosa. _11.-20.
    Taus._ 413 S. 2 Mark.

    Bd. 22. +Novellenbuch.+ _5. Bd._ (Frauennovellen): Cl. Viebig, L.
    v. Strauß u. Torney, Lou Andreas-Salomé, M. R. Fischer. _6.-10.
    Taus._ 198 Seiten.

    Bd. 23. +Novellenbuch.+ _6. Band._ (Kindheitsgeschichten): A.
    Schmitthenner, H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz, Hans Land, A.
    Bayersdorfer, Ch. Niese, Th. Mann. _6.-10. Taus._ 199 S.

    Bd. 24. +Novellenbuch.+ _7. Bd._ (Kriegsgeschichten): Carl Beyer,
    H. v. Kleist, W. v. Conrady, M. v. La Roche, D. v. Liliencron, Th.
    Fontane. _6.-10. Taus._ 177 S.

    Bd. 25/26. _Balladenbuch._ _2. Bd._: Ältere Dichter. _6.-10. T._
    518 S. 2 Mark.

    Bd. 27. +Karl Immermann+: Preußische Jugend zur Zeit Napoleons.
    Herausgeg. u. eingeleitet von Dr. Wilhelm Bode-Weimar. Mit Bild
    Immermanns und 3 Bildern Magdeburgs. _6.-10. Taus._ 171 Seiten.

    Bd. 28. +Martin Luther als deutscher Klassiker+, nebst einer
    Einführung von Dr. Eugen Lessing. Mit Bild Luthers. 176 Seiten.

    Bd. 29/30. +Deutsche Humoristen.+ _4. und 5. Bd._ (Humoristische
    Gedichte.) 351 Seiten. 2 Mark.

    Bd. 31. +Deutsche Humoristen.+ _6. Bd._: E. Th. A. Hoffmann, B.
    v. Arnim, Fr. Th. Vischer, A. Bayersdorfer, Henry F. Urban, Ludw.
    Thoma. 160 S.


Geschenkausgabe

+mit prächtigem, biegsamem Einband+ mit Goldschnitt sind +zum
Preise von je 4 Mark+ hergestellt von:

Bd. 6/7 (rot, Ganzleder) Bd. 12/13 (grün, Ganzleder) Bd. 18/19 (grau,
Ganzleder) Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid) Bd. 25/26 (rot, Ganzleder) Bd.
29/30 (rot, Ganzleder).


Luxusausgabe

auf Büttenpapier in Pergamenteinband ist +zum Preise von 10 Mark+
nur von Band 25/26 hergestellt.

Schillerbuch, enth. Einltg. über Schillers Leben, die Glocke, Balladen,
Tell. Mit Bild Schillers. 346 S. _11.-20. T._ Geb. 1 M.


Volksbücher.


Heft 1. 50 Gedichte v. +Goethe+. 95 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 2. +Schiller+: Tell. _11.-20. T._ 190 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.

Heft 3. +Schiller+: Balladen. _31.-40. T._ 108 S. Geh. 20, geb. 50
Pf.

Heft 4. +Schiller+: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. 215 S.
Geh. 30, geb. 60 Pf.

Heft 5. +Schiller+: Wallensteins Tod. 222 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.

_Heft 4 und 5 in einem Band gebunden 1 Mark._

Heft 6. +Brentano+: Die Geschichte vom braven Kasperl u. dem
schönen Annerl. 59 S. Geh. 15, geb. 40 Pf.

Heft 7. E. Th. A. +Hoffmann+: Das Fräulein von Scuderi. 113 S.
Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 8. +Fr. Halm+: Die Marzipanliese. -- Die Freundinnen. 124 S.
Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 9. +Reuter+: Woans ick tau ’ne Fru kamm. 61 S. Geh. 15, geb.
40 Pf.

Heft 10. +Max Eyth+: Der blinde Passagier. _11.-20. T._ 68 S. Geh.
20, geb. 50 Pf.

Heft 11. +Marie von Ebner-Eschenbach+: Die Freiherren von
Gemperlein. _11.-20. T._ 82 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 12. +Wilhelm Jensen+: Über der Heide. 127 S. Geh. 25, geb. 55
Pf.

Heft 13. +Ernst Wichert+: Der Wilddieb. 144 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.

Heft 14. +Levin Schücking+: Die drei Großmächte. 96 S. Geh. 25,
geb. 55 Pf.

Heft 15. +Ludwig Anzengruber+: Der Erbonkel u. andere Geschichten.
Geh. 25, geb. 55 Pf.

Heft 16. +Helene Böhlau+: Kußwirkungen. _11.-20. T._ 68 S. Geh.
20, geb. 50 Pf.

Heft 17. +Ilse Frapan-Akunian+: Die Last. 87 S. Geh. 25, geb. 55
Pf.

Heft 18. H. v. +Kleist+: Die Verlobung in St. Domingo. Das
Erdbeben in Chili. Der Zweikampf. 142 S. Geh. 30, geb. 60 Pf.

Heft 19. +Peter Rosegger+: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. 139 S.
Geh. 30, geb. 60 Pf.

Heft 20. +Ernst Zahn+: Die Mutter. _11.-20. T._ 66 S. Geh. 20,
geb. 50 Pf.

Heft 21. E. J. +Groth+: Die Kuhhaut (Humoreske). Mit Illustr. v.
Gg. D. Erler. 40 S. Geh. 15, geb. 40 Pf.

Heft 22. A. +Schmitthenner+: Die Frühglocke. Mit Illustr. v. Wilh.
Schulz. 64 S. Geh. 20, geb. 50 Pf.

Heft 23. G. +Freytag+: Karl d. Große. -- Friedrich Barbarossa.
Minnesang und Minnedienst zur Hohenstaufenzeit. 80 S. Geh. 25, geb. 55
Pf.

Heft 24. +Fr. Spielhagen+: Hans u. Grete. Mit Illustr. v Th.
Herrmann. 174 S. Geh. 40, geb. 75 Pf.

_Jedes Heft enthält ein Bildnis des Verfassers. Weitere Hefte sind in
Vorbereitung._

Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.



Fußnoten:

[1] William Meyer, _Dr._ Max Goos, Anna Flickwier, Marta Klöckner,
Eduard Mörike.

[2] flehen = flüchten.

[3] jemand ein blechlein anschlagen = jemand eins anhängen.

[4] gesein = sein.

[5] bekommen = begegnen.

[6] für = anstatt.

[7] sappen = (im Schmutz) einhergehen.

[8] schmitzen = schlagen.

[9] wann her = von woher.

[10] daß ihr das Hintere nach vorn kehret = die Sache verkehrt anfangt.

[11] daß an der Welt die Mühe verloren ist.

[12] urdrütz = überdrüssig.

[13] Handwerk.

[14] das bekenne ich.

[15] Rücken.

[16] manchmal.

[17] du kannst keinen Meister finden.

[18] wohl.

[19] nur.

[20] Wein.

[21] auf dem Markt.

[22] begehrt.

[23] sauber.

[24] nur etwas.

[25] Gegend.

[26] Enten im Wasser.

[27] Teich.

[28] Der Enterich ist etwas heiser.

[29] Morast.

[30] laut.

[31] Den Rinnstein entlang alle in Tümpel und Pfützen.

[32] barbeinig und plattfüßig.

[33] Küchenausguß.

[34] sieh, wie sie suchen.

[35] jetzt rufen wir die Hinteren (Letzten).

[36] jetzt gibt das ein Geschwatz.

[37] fliegen wir herunter.

[38] sie dreschen Weizen.

[39] wir kriechen durch die Ritze.

[40] auf Zehen.

[41] geht.

[42] Köchin.

[43] kneift nur aus, braucht die Flügel.

[44] Zaun.

[45] Frösche.

[46] Spatzen.

[47] Martin.

[48] hintersten.

[49] Reinecke Fuchs.

[50] auf den Pfoten.

[51] Krähe.

[52] geht.

[53] lustig.

[54] biß.

[55] kriegte, bekam.

[56] kleine Elsbeth.

[57] oben nach dem First.

[58] krieche unter.

[59] wie Gertrudchen.

[60] Maus in einer Hede (Werg, Nest).

[61] Tagedieb.

[62] brütete.

[63] Krume.

[64] von diesem Jahr an.

[65] mich stechen die Fettdaunen (mich plagt der Übermut).

[66] sollst.

[67] Storch, Adebar.

[68] Korb.

[69] oben darauf.

[70] Flügel.

[71] Nachbar Spatz.

[72] das Dach entlang.

[73] zieht der Rauch den Schornstein entlang.

[74] Weizen und Spreu.

[75] Roggen säen.

[76] mitten drin.

[77] hole Federn und Daunen.

[78] dort hinterm Zaun.

[79] Das ist er!

[80] gibt solche Leute.

[81] Streit.

[82] sitzt.

[83] eher.

[84] zufrieden.

[85] bis man sie kopfüber hinauswirft.

[86] ekliger Mensch.

[87] Schlägerei.

[88] mecklenb. Stadt.

[89] heißt.

[90] wissen.

[91] in alten Zeiten.

[92] bedeuten.

[93] helle Sonne, Morgen.

[94] stehen kann.

[95] zwei lang, zwei breit, d. h. unaufhörlich, lange.

[96] hinunter.

[97] ein anderer.

[98] im leichten Trab.

[99] Leichtfuß.

[100] geschmissen.

[101] halt ein bißchen.

[102] horcht und faßt.

[103] Pferde fester.

[104] schmeiß, wirf ihn mir nur herein, das ist er.

[105] blinde.

[106] geht.

[107] nicht ein Spierchen (bißchen) sehen.

[108] schmeißt.

[109] Spannriemen.

[110] läuft.

[111] sehen Sie hier.

[112] Butter.

[113] beguckte es ganz genau von vorne und hinten.

[114] warte!

[115] Ihr seid nur alle solche Leckerzungen.

[116] möchte.

[117] verzehren.

[118] aufschmieren.

[119] prahle leise, etwa: nicht so hoch hinaus.

[120] ungefähr acht Groschen.

[121] Käse.

[122] läßt sich bedeuten.

[123] fragt.

[124] gelegt.

[125] rasch, vorlaut.

[126] schon.

[127] Schneider-Genügsamkeit.

[128] sehr bunte.

[129] tändelnd, hüpfend.

[130] Schneider.

[131] höllisch, sehr.

[132] hole.

[133] vom Boden herunter.

[134] Schnitzel.

[135] Du frißt dich ganz aus Rand und Band.

[136] Fettschwein.

[137] schiebt.

[138] Kartoffel.

[139] sitzt und reibt.

[140] Schrank.

[141] Wer weiß?

[142] schlagen.

[143] uns die Jacke vollhauen.

[144] siebenten.

[145] konnte mich nicht herausziehen.

[146] verliert.

[147] Faust.

[148] knochentrocken.

[149] nahe.

[150] schnaubte und spuckte.

[151] wie mit Eisenklammern.

[152] ein Teufel ist wie der andere.

[153] allzunah.

[154] reingefallen.

[155] wie der Topf, so der Deckel.

[156] wie die Ware, mein Sohn, so der Verdienst.

[157] näher.

[158] ziehe ab.

[159] Prügel, Stock.

[160] Worte.

[161] betrügen.

[162] ich schrie aus vollem Hals.

[163] die getretenen Frösche, die wimmern.

[164] beimessen.

[165] gelb und grün.

[166] Schwielen.

[167] Essig gehört zu Sauerkohl.

[168] wie die Sau, so das Ferkel.

[169] faule Leute kommen auf den goldenen Stuhl.

[170] Dort, hinter den Blumentöpfen.

[171] Präzeptor.

[172] könnte alle drei zusammen freien.

[173] Augen.

[174] wie schwarze Johannisbeeren so schwarz.

[175] die Gelbe.

[176] wie eine Taube.

[177] Haube.

[178] sollte ich eine herausnehmen (heiraten).

[179] gönnte.

[180] am Sonntag.

[181] eine recht Fromme.

[182] fortgelaufen.

[183] übersehen.

[184] zürnt.

[185] heut nicht schnöde weggeblieben.

[186] liegt.

[187] Handschuhe.

[188] Hohlgänse, so brutale.

[189] Zigarren-Etui.

[190] Geht dir gar nichts zu Herzen.

[191] Einen Jäger von den Bayern.

[192] wann.

[193] verträgt.

[194] einem.

[195] Verliebte Kesselflickerleute.

[196] zankt.

[197] wehrt.

[198] Haue.

[199] stehen.

[200] Schragen, Holzgestell.

[201] Abgedruckt aus Roseggers „Zither und Hackbrett“, Gedichte in
steirischer Mundart. Graz: Verlag Leykam.

[202] wenn du’s.

[203] Verlangen.

[204] zu früh.

[205] vertrackter Schlingel.

[206] da.

[207] jetzt.

[208] Schnurrbart drehn.

[209] kriegte, bekäme.

[210] Marie.

[211] häßlich.

[212] willst du eine Birne?

[213] kleine.

[214] komme nur herüber.

[215] habe.

[216] er ist jetzt tot.

[217] Zwirn.

[218] kam die kleine Dirn.

[219] wie.

[220] abgesprungenen Knopf annäht.

[221] nah bei mir steht.

[222] sein.

[223] ich gebe ihr einen Süßen (Kuß).

[224] das war ein Schlag.

[225] kriege, zu jammern anfange.

[226] da sieht sie mich ganz dusselig.

[227] lieber.

[228] sachte.

[229] Mut.

[230] kommst auch mal wieder.

[231] angeschmiert.

[232] schläft unser Kleiner.

[233] laufe.

[234] Zähne.

[235] wachsen.

[236] Zeit.

[237] kluge.

[238] sagt.

[239] setz dich hin.

[240] ruft.

[241] Flasche Wein.

[242] wie.

[243] tut.

[244] zusammen.

[245] laufe.

[246] sonst.

[247] guckt.

[248] kratz’ ich aus.

[249] wie.

[250] lügenhafte Begebenheit, Anekdote.

[251] kleines Huhn.

[252] da kam eine kleine Katze heraus.

[253] die sah schwarz aus.

[254] sagt.

[255] weisen, zeigen.

[256] Ende.





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Deutsche Humoristen, 4. und 5. Band (von 8) - Hausbücherei der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung, 29. und 30. Band" ***

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