Home
  By Author [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Title [ A  B  C  D  E  F  G  H  I  J  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  X  Y  Z |  Other Symbols ]
  By Language
all Classics books content using ISYS

Download this book: [ ASCII | PDF ]

Look for this book on Amazon


We have new books nearly every day.
If you would like a news letter once a week or once a month
fill out this form and we will give you a summary of the books for that week or month by email.

Title: Samoafahrten
Author: Finsch, Otto
Language: German
As this book started as an ASCII text book there are no pictures available.


*** Start of this LibraryBlog Digital Book "Samoafahrten" ***


produced from images generously made available by The
Internet Archive)



  +------------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                    |
  |                                                                  |
  | Gesperrter Text ist als _gesperrt_ dargestellt, Fettschrift      |
  | als ~fett~.                                                      |
  | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs.       |
  +------------------------------------------------------------------+

SAMOAFAHRTEN von Dr. O. FINSCH.

[Illustration: Dr. O. Finsch]



                             SAMOAFAHRTEN.

                    REISEN IN KAISER WILHELMS-LAND

                                  UND

                          ENGLISCH-NEU-GUINEA

                      IN DEN JAHREN 1884 u. 1885

                AN BORD DES DEUTSCHEN DAMPFERS »SAMOA«

                                  VON

                          Dr. ~OTTO FINSCH~.

  MIT 85 ABBILDUNGEN NACH ORIGINALSKIZZEN VON Dr. FINSCH, GEZEICHNET VON
          M. HOFFMANN UND A. von ROESSLER, UND 6 KARTENSKIZZEN.

                     HIERZU EIN EINZELN KÄUFLICHER
    »~ETHNOLOGISCHER ATLAS, TYPEN AUS DER STEINZEIT NEU-GUINEAS~«,
  24 LITHOGR. TAFELN NACH ORIGINALEN GEZEICHNET VON O. UND E. FINSCH.
                      MIT TEXT VON Dr. O. FINSCH.

                            [Illustration]

                               LEIPZIG,
                        FERDINAND HIRT & SOHN.
                                 1888.

                       ALLE RECHTE VORBEHALTEN.



Einleitung.


Nur wenige Jahre sind es her, daß die früher vereinzelten Bestrebungen
für Deutschlands Kolonialbesitz immer mehr Anhänger fanden und sich,
in den verschiedensten Kreisen der Nation, wie in allen Teilen des
Reichs, eine lebhafte und ernstgemeinte Bewegung dafür organisierte.
Noch war es nicht ganz zu spät! Und als, wie auf ein gegebenes Zeichen,
europäische Großmächte die letzten Reste sogenannten herrenlosen Landes
zu verteilen begannen, da ging Deutschland nicht leer aus. Dank der
hervorragenden Machtstellung durfte es seine Hand auf gewisse Gebiete
legen, in denen der deutsche Handel längst Fuß gefaßt und eine zum Teil
dominierende Stellung errungen hatte. Zu diesen Gebieten gehörte auch
die Südsee, wo die Plantagen Samoas und zahlreiche Stationen auf meist
herrenlosen Inseln beredtes Zeugnis von der Energie deutscher Kaufleute
ablegten, die an gar manchen Plätzen im friedlichen Wettstreit der
Konkurrenz Sieger geblieben waren und das Feld allein beherrschten.
Aber bei dem besten Willen konnte der, mit sich selbst schon zur
Genüge beschäftigte, Handel nicht auch zugleich für ausgedehnteren
Kolonialerwerb sorgen, sondern mußte sich darauf beschränken, solchen
mit anbahnen zu helfen. Wenn daher in dieser Richtung die Lösung der
schwierigsten Aufgabe überhaupt versucht wurde, so ist dies vor allem
einem Manne zu verdanken, der sich schon längst mit Plänen dafür
beschäftigte, dem Geheimen Kommerzienrat ~Adolph von Hansemann~
in Berlin, und einigen Gleichgesinnten, die mit für das nationale
Unternehmen eintraten.

[Illustration: Die Samoa.]

Bald nach der Heimkehr von meiner fast vierjährigen Südseereise (Ende
1882) an den Vorarbeiten mitwirkend, wurde mir 1884 der ehrenvolle
Auftrag, die inzwischen zur Reife gediehenen Pläne auszuführen, als
Leiter einer ersten Untersuchungs-Expedition. Zu dem Zwecke war per
Kabel in Sydney der britische Schraubendampfer »Sophia Ann« erworben
worden, welcher unter der neuen Flagge den Namen »Samoa«[1] erhielt.
Zur Führung desselben konnte ich einen erprobten Vertreter unserer
Handelsmarine empfehlen, den Kapitän Eduard Dallmann aus Blumenthal
bei Bremen, rühmlichst bekannt durch seine glücklichen Fahrten als
Whaler im Pacific, wie in unbekannten Gewässern des arctischen und
antarctischen Ozeans. Der vielerfahrene Schiffer bewährte auch auf
diesen Reisen seinen alten Ruf, und wenn die »Samoa« mancherlei
Fährlichkeiten, an riffreichen unbekannten Küsten, entging, so ist
dies, wie die Erfolge der Expedition überhaupt, der geschickten und
vorsichtigen Führung von Kpt. Dallmann zu danken[2]. Mit ihm langte
ich am 29. Juli (1884) in der Hauptstadt von Neu-Süd-Wales an, wo
unser erster Besuch natürlich der Samoa in Johnsons Bai galt. Da der
Dampfer bisher Passagierdienst versehen hatte, mußten mancherlei
Veränderungen vorgenommen werden, so daß wir erst am 11. September
Sydney verlassen konnten. Nachdem wir zunächst Mioko, in der
Herzog-York-Gruppe (Neu Lauenburg) erreicht und hier das schwer
beladene Schiff von Vorräten erleichtert hatten, waren wir endlich so
weit, um mit den eigentlichen Zwecken und Zielen der Expedition zu
beginnen. Sie gipfelten in den folgenden Hauptpunkten: »Untersuchung
der unbekannten oder weniger bekannten Küsten Neu Britanniens, sowie
der Nordküste Neu Guineas bis zum 141. Meridian, um Häfen ausfindig
zu machen, mit den Eingeborenen freundlichsten Verkehr anzuknüpfen
und Land im weitesten Umfange zu erwerben«. Diesen, gewiß nicht ganz
so leichten Aufgaben ist, soweit es Mittel und Umstände erlaubten,
nach besten Kräften entsprochen worden. In Zeit von neun Monaten
unternahmen wir sechs Reisen nach Neu Guinea, dampften längs des
größten Teiles der Nord- und Südküste Neu Britanniens und besuchten
Neu Irland vier mal. Von den nahezu tausend Meilen Küste, welche die
Samoa, allein in Neu Guinea befuhr, gehörten nur 260 Meilen zu den
besser bekannten. Aber eine fast ebenso lange noch unbekannte Strecke
konnte als frei für Schiffahrt, für letztere außerdem sieben Häfen
und ein schiffbarer Strom, nachgewiesen werden. Ausgedehnte Striche
fruchtbaren Landes, für Kulturen, Viehzucht, wie Ansiedelung überhaupt
geschickt, wurden aufgefunden, zum Teil gleich erworben und überall
mit den Eingeborenen friedlicher und freundlicher Verkehr eröffnet.
Als daher deutsche Kriegsschiffe Anfang November 1884 im Archipel von
Neu Britannien im Namen Seiner Majestät des deutschen Kaisers die
Reichsflagge hißten, konnten sie diesen feierlichen Akt auch gleich
in Neu Guinea vollziehen. Die weitere Entwickelung ist bekannt. Wie
zu erwarten, einigten sich Deutschland und Großbritannien über die
Grenzen, und »Kaiser Wilhelms-Land« und der »Bismarck-Archipel« gingen
laut Kaiserlichen Schutzbrief vom 17. Mai 1885 in die Verwaltung
und den Besitz der »Neu Guinea Kompagnie« in Berlin über. Diese
neuen Schutzgebiete, die später noch durch einige der westlichen
Salomons-Inseln Zuwachs erhielten, umfassen (ohne die letzteren) ein
Areal von 231,427 qkm (= 4203,13 d. g. ☐M.), repräsentieren daher ein
respektables Besitztum, wenig kleiner als die alten Provinzen des
Königreichs Preußen (ohne Schlesien).

[Illustration: ÜBERSICHTSKARTE VON OST-NEU-GUINEA & dem
BISMARCK-ARCHIPEL.

  Geograph. Anstalt von                    Wagner & Debes, Leipzig.
]

Die Erlebnisse der »Samoafahrten«, ihre Ergebnisse und Entdeckungen
in zusammenhängender Form in Wort und Bild zu schildern ist der
Zweck dieses Buches. Es wird, nach den unmittelbaren Eindrücken
und Beobachtungen, wie ich sie an Ort und Stelle niederschrieb,
ausgearbeitet zum erstenmale[3], über Land und Leute längs wenig
bekannter, zum Teil neu erschlossener Küsten eingehendere Kunde
bringen, und so manches Stück ernsten und heiteren Südseelebens
kennen lehren. Die reiche illustrative Ausstattung, durchaus auf
Grundlage eigener Aufnahmen beruhend, ist der besonderen Fürsorge
des Herrn Verlegers zu danken, und wird gewiß willkommen sein. Wenn
die Rekognoszierungsfahrten der Samoa somit wesentliche Lücken der
Kenntnis Neu Guineas ausfüllen helfen und schon dadurch allgemeines
Interesse bieten, so im besonderen für Deutschland, das bisher über die
drittgrößte Insel der Welt und ihr dortiges Besitztum kein Originalwerk
besaß.

Als ein weiterer Beitrag und zur Ergänzung des erzählenden Teiles ist
ein ethnologischer Atlas beigegeben, welcher uns »Typen der Steinzeit«
vorführt, jener hochinteressanten Periode, die auch in Neu-Guinea
unaufhaltsam ihrem Ende entgegengeht. Denn überall, wo sich der Weiße
dauernd festigt, verschwindet die Originalität der Eingeborenen.
Durch eigene Erfahrung von dieser Thatsache überzeugt, bemühte ich
mich, überall wo es anging, Belegstücke für die Wissenschaft zu
sichern. Die »Samoafahrten« sind daher auch für die Völkerkunde
ersprießlich geworden und führten u. A. dem Kön. Museum in Berlin[4]
über 2000 Stücke zu. Die ausgewählten Typen des Atlas veranschaulichen
Erzeugnisse, die für die Intelligenz, den Kunstfleiß und den
Schönheitssinn der Papuas beredtes Zeugnis ablegen, und, in Anbetracht
der geringen Hilfsmittel der Steinperiode, ganz besonderes Interesse,
nicht selten Bewunderung verdienen.



Inhaltsverzeichnis.

                                                                Seite

  Einleitung                                                        5


  ~Erstes Kapitel.~

  Von Sydney nach Mioko                                            17


  ~Zweites Kapitel.~

  Astrolabe-Bai                                                    28


  ~Drittes Kapitel.~

  Friedrich-Wilhelms-Hafen                                         70


  ~Viertes Kapitel.~

  Längs der Maclayküste                                           112


  ~Fünftes Kapitel.~

  Vom Mitrafels bis Finschhafen                                   136


  ~Sechstes Kapitel.~

  Englisches Gebiet                                               194

       I. Trobriand                                               205

      II. D'Entrecasteaux-Inseln                                  210

     III. Ostkap bis Mitrafels                                    230

      IV. Milne-Bai bis Teste-Insel                               262


  ~Siebentes Kapitel.~

  Kaiser Wilhelmsland 288

       I. Längs der unbekannten Nordküste                         288

      II. Humboldt-Bai und heimwärts                              347

  Register                                                        380



Verzeichnis der Illustrationen.


                                                                Seite

  1. Dr. Otto Finsch (Titelbild)                                   --

  2. Die Samoa (Separatbild)                                        6

  3. Ausguck                                                       17

  4. Frauen von Bongu (Astrolabe Bai)                              40

  5. Häuser mit Barla in Bongu                                     46

  6. Telum Mul in Bongu                                            49

  7. Papuaschweine                                                 52

  8. Papuahund                                                     53

  9. Aufbruch zum Feste (Astrolabe-Bai)                            55

  10. Aimaka, am Dschelum auf Bilibili                             73

  11. Dschelum, Tabuhaus auf Bilibili (Separatbild)                74

  12. Krieger von Bilibili                                         76

  13. Töpferin auf Bilibili                                        82

  14. Handels-Kanu, von Bilibili                                   84

  15. Stutzer von Grager, Friedrich Wilhelms-Hafen                 87

  16. Hansemann-Berge, aus Nordost                                100

  17. Haus auf Tiar, Prinz Heinrich-Hafen                         101

  18. Tabuplatz auf Tiar, Prinz Heinrich-Hafen                    103

  19. Junges Mädchen, Friedrich Wilhelms-Hafen                    108

  20. Terrassenland mit Basiliskschlucht, Maclayküste             122

  21. Kanzel und Bienenkorb, Maclayküste                          126

  22. Festungshuk, Maclayküste                                    128

  23. Aufhissen der Reichsflagge in Mioko (Separatbild)           140

  24. Herkulesfluß, Herkules-Bai                                  146

  25. Mitrafels aus Nordwest                                      151

  26. Adolphshafen mit Ottilienberg                               153

  27. Mann von Parsihuk, Huon-Golf                                155

  28. Häuptlings-Haar, Huon-Golf                                  157

  29. Finschhafen aus Süd                                         161

  30. Moru in Finschhafen (Separatbild)                           162

  31. Haus mit Grab (Vorderseite), Finschhafen                    173

  32. Haus (Rückseite), Finschhafen                               174

  33. Gabiang (Vorderseite), Holzfigur in Ssuam                   175

  34. Gabiang (Rückseite), Holzfigur in Ssuam                     176

  35. Im Dorf Ssuam, Finschhafen (Separatbild)                    176

  36. Scheinangriff, Finschhafen                                  178

  37. Häuptling von Finschhafen                                   179

  38. Kanu von Weihnachtsbucht, Normanby                          214

  39. Häuser in Weihnachtsbucht, Normanby                         217

  40. Kanuhaus auf Goulvain, Dawsonstraße                         224

  41. Häuser auf Fergusson-Insel                                  227

  42. Ostkap aus Nordwest                                         231

  43. Catamarans (Ostkap)                                         232

  44. Junger Mann von Bentley-Bai                                 235

  45. Haus in Bentley-Bai                                         237

  46. Fingerspitze, Chads-Bai                                     241

  47. Drachenfels in Bartle-Bai                                   244

  48. Pyramidenhügel in Goodenough-Bai                            245

  49. Kap Vogel aus Süd                                           248

  50. Trafalgar-Berg (bei Kap Nelson)                             249

  51. Familienhaus in Hihiaura, (bei Ostkap) (Separatbild)        250

  52. Station Blumenthal, (bei Ostkap)                            256

  53. Missionsstation Aroani, Killerton-Inseln (Separatbild)      262

  54. Vor der Kirche Aroani (Separatbild)                         266

  55. Kirärauchen, Dinner-Insel (Samarai)                         268

  56. Baumhaus in Milne-Bai                                       272

  57. Tätowierte Frau von Rogia (Heath-Insel)                     278

  58. Glockenfels                                                 279

  59. Häuser und Grab auf Teste-Insel                             280

  60. Junges Mädchen von Teste-Insel                              283

  61. Junger Mann von Teste-Insel                                 283

  62. Aufgezeichnete Tätowierung, Teste-Insel                     284

  63. Mann im Kanu, Venushuk                                      292

  64. Bewohner der Hansemannküste (Hammacherfluß)                 299

  65. Häuptling vom Caprivifluß                                   302

  66. Kopfbedeckung in Dallmannhafen                              306

  67. Haus in Gaußbucht                                           308

  68. Tabuhaus in Rabun, Gaußbucht                                310

  69. Mann von Guap-Insel                                         317

  70. Auf Palmblättern in See (Tagai)                             323

  71. Haartracht eines Häuptlings von Tagai                       325

  72. Gefesseltes Schwein                                         327

  73. Langenburg-Spitze, Torricelli-Gebirge                       329

  74. Eingeborener von Massilia, Finschküste                      333

  75. Ziernarben                                                  334

  76. Kap Concordia und Berg Bougainville                         335

  77. Krieger von Angriffshafen                                   337

  78. Auf Baumwurzeln am Sechstroh                                344

  79. Einfahrt in Humboldt-Bai, aus Ost                           349

  80. Pfahldorf Tobadi, Humboldt-Bai (Separatbild)                352

  81. Damen von Humboldt-Bai                                      354

  82. Tabuhaus in Tobadi (Separatbild)                            358

  83. Tätowierte Frau, Humboldt-Bai                               362

  84. Insel Blosseville aus West                                  365

  85. Hansa-Vulkan aus West (Separatbild)                         366



Karten.


  1. Übersichtskarte von Neu-Guinea und dem Bismarck-Archipel       8

  2. Astrolabe-Bai und Maclayküste                                 30

  3. Friedrich Wilhelm- und Prinz Heinrich-Hafen                   93

  4. Kartenskizze vom Huon-Golf                                   143

  5. Finschhafen                                                  163

  6. Nordküste von Kaiser Wilhelms-Land                           290



Abbildungen des Ethnologischen Atlas:

»Typen aus der Steinzeit Neu-Guineas«.


  Tafel  Fig.

      I  1-8.   ~Steingerät~ (Äxte und Axtklingen).
     II  1-3.   ~Häuser~ (Grundrisse).
    III  1-4.   ~Hausgerät~ (Kopfstütze, Haken, Schüsseln).
     IV  1-10.  ~Töpferei~ (Töpfe, Töpfebrennen, Werkzeuge).
      V  1-8.   ~Verschiedenes Gerät~ (Kalkkalebasse, Spatel, Schaber).
     VI  1-8.   ~Kanus~ (Konstruktion, Ruder).
    VII  1-9.      "    (Schnitzerei, Verzierungen).
   VIII  1-10.     "    (Segel, Mastverzierungen).
     IX  1-9.   ~Fischereigerät~ (Falle, Haken, Schwimmer).
      X  1-4.   ~Strickereien~ (Tragbeutel und Muster).
     XI  1-7.   ~Waffen~ (Speerspitzen, Wurfstock, Keulen, Dolch).
    XII  1-2.      "     (Schilde).
   XIII  1-5.   ~Musikinstrumente~ (Trommeln, Flöte).
    XIV  1-4.   ~Masken~ (und Amuletmasken).
     XV  1-8.   ~Tabu~ (geschnitzte Figuren, sogenannte »Götzen«).
    XVI  1-9.   ~Bekleidung~ (Tapabinden von Männern, Grasröcke für
                              Frauen).
   XVII  1-8.   ~Schmuck~ (Kämme, Haarbinden, Ohrringe).
  XVIII  1-5.      "      (Haarkörbchen, Kniebinde, Armbänder).
    XIX  1-4.      "      (Gravierungen von Schildpatt- und
                           Muschelarmbändern).
     XX  1-8.      "      (für die Nase).
    XXI  1-5.      "      (für Hals und Brust).
   XXII  1-6.      "      (Brust-Kampfschmuck).
  XXIII  1-2.      "      (  "       " ).
   XXIV  1-8.      "      (Leibschnüre).

  ☛ Dieser Atlas ist gebunden in Halbfranz zum
      Preise von 16 M. einzeln käuflich. ☚



Erstes Kapitel.

Von Sydney nach Mioko.

  Abreise von Sydney. -- Schlechter Willkomm in See. -- Tierleben.
  -- Schwalbensturmvogel. -- Der ausdauerndste Flieger. --
  Temperaturveränderungen. -- Mioko. -- Ralum-Plantation. -- Handel
  im Bismarck-Archipel. -- Traderstationen. -- »Labourtrade«.
  -- Massacres. -- Kopra. -- Handelsflotte. -- Rückschritte der
  Eingeborenen.


[Illustration: Ausguck.]

Es war fast dunkel geworden, als wir aus dem gewaltigen und imposanten
Felsenthor des Sydney-Hafens, den »Heads«, in den »Stillen Ozean«
eintraten, der sich indes gar nicht still zeigte. Mächtige Wogenberge,
deren weiße Schaumköpfe, auch im Zwielicht erkennbar, unheimlich
leuchteten, empfingen den kleinen Wagehals Samoa recht unwirsch, als
wollten sie ihm den Garaus machen. Welle über Welle ergoß sich über das
ohnehin fast zu schwer beladene Schiff, dessen Deck schon bei ruhiger
See den Wasserspiegel kaum sechs Fuß überragte und fast fortwährend
überschwemmt wurde. Oft schien das Schiff mehr unter als über Wasser
zu gehen. Unsere Schafe mußten in der kleinen Kajüte untergebracht
werden, um sie vor dem Schicksal der Insassen des Hühnerkastens, dem
Ertrinken, und für die Tafel zu retten. In der Kajüte selbst ging
es drüber und drunter: überall Bewegung und Geklapper! Waffen und
andere an den Wänden aufgehängte, aber noch nicht seeklar befestigte
Gegenstände pendelten hin und her, Schubladen öffneten und entleerten
ihren Inhalt von selbst, ja schwere Kisten tanzten lustig von einer
Seite zur anderen, kurzum es war eine heillose Wirtschaft.

Da hatte ich denn alle Hände voll zu thun, um wenigstens den Inhalt
der Pantry, Porzellan und Glas, vor völligem Untergange zu sichern,
denn unser Steward lag hilflos an der Seekrankheit danieder, und die
übrige Mannschaft hatte andere, wichtigere Dinge zu thun. Es stellte
sich nämlich heraus, daß die Luke zur Maschine nicht dicht hielt und
jede Welle diesem Raum Wasser zuführte, das selbst durch angestrengtes
Pumpen sich nicht verminderte, weil die letzteren verstopft, ihren
Dienst versagten. Da mußten denn Eimer zu Hilfe genommen werden, bis es
nach achtzehnstündiger harter Arbeit gelang, des Wassers im Raume Herr
zu werden.

Im übrigen verlief die Reise ohne besondere Zufälle in gewohnter
Einförmigkeit des Seelebens und der See selbst, die wie ich schon
aus Erfahrung wußte, in diesen Breiten wenig bietet und je näher dem
Äquator immer ärmer wird. Vergebens späht man nach Waltieren und ist
schon zufrieden, wenn gelegentlich Scharen lustiger Delphine das Schiff
eine Zeitlang umspielen, oder fliegende Fische ihr Element verlassen,
um nach kurzer Luftreise wieder in dasselbe einzutauchen.

Am häufigsten zeigte sich noch die Vogelwelt; aber auch von ihr ließ
sich oft einen ganzen Tag lang kaum ein Vertreter sehen. Albatrosse,
die charakteristischen Erscheinungen des südlichen Halbrunds, welche in
drei Arten (Diomedea melanophrys, culminata und exulans) noch außerhalb
Sydney-Hafens das Meer belebten, waren immer seltener geworden
und verließen uns mit etwa dem 25. Breitengrade Süd ganz. Dunkle
Meerschwalben (Sterna fuliginosa) und Noddies (Anous stolidus), von
welchen einzelne der letzteren zuweilen nächtlich auf den Schiffsmasten
einen Ruheplatz suchten, waren im ganzen nicht häufig, wie Tropikvögel,
jene charakteristischen Vogelgestalten der Meere zwischen den
Wendekreisen. Wir hatten den des Steinbocks längst passiert ohne einen
Tropikvogel gesehen zu haben, und erst unterm 12. Breitengrade wurde
ein einzelner (Phaëton aethereus) beobachtet, der wie fast immer
durch seine eigentümlichen kreischenden Stimmlaute die Aufmerksamkeit
erregte. Aus der artenreichen Familie der Sturmvögel (Procellariidae)
ließ sich nur selten ein Puffinus oder Tauchersturmvogel blicken, der,
meist in weiter Ferne einsam über die Wogen streifte, bald in einem
Wogenthale verschwindend, bald über dem Scheitel der Welle schwebend,
dieselben gleichsam mähend, wie dies der englische Name »shearwater«
so treffend bezeichnet. Nur einer der kleinsten Vertreter der Familie,
ein Schwalbensturm- oder Petersvögelchen (engl. Petrel) blieb der fast
stete Begleiter des Schiffes, und wenigstens einige Pärchen desselben
konnte man immer im Kielwasser beobachten. Es war dies die weit über
die Südsee verbreitete Thalassidroma grallaria, ein kaum stargroßes,
dunkelgefärbtes Vögelchen, eine gar liebliche Erscheinung jener ozeanen
Breiten. Mit ausgebreiteten Flügeln, fast ohne dieselben zu bewegen,
schweben diese Vögel so nahe über der Woge, daß sie auf derselben
scheinbar hüpfen und man sie jeden Augenblick erfaßt glaubt. Aber
nur zuweilen berühren die Zehenspitzen der ausgestreckten Ständer
das Wasser, während die Flügel demselben stets mit bewundernswerter
Geschicklichkeit auszuweichen wissen. Ja, diese Sturmvögelchen
tragen die Beziehung zum Namen »Schwalbe« mit Recht. Denn ähneln sie
den letzteren auch nur scheinbar in der Form ihrer Flugwerkzeuge,
so übertreffen sie dieselben doch noch bedeutend in Flugkraft und
Ausdauer. Nie, so oft ich auch früher und später Gelegenheit hatte,
diese Vöglein zu beobachten, nie sah ich sie ausruhen, stets waren
sie lebendig und je mehr die See unruhig, um so lebhafter, ja soweit
die einbrechende Dunkelheit dem Auge zu sehen erlaubte, immer noch
erschaute es die lieblichen Gestalten über die Wogen hüpfend. Ich wüßte
in der That keinen Vogel, der sich in Ausdauer des Flugvermögens
mit diesem zu messen vermöchte, denn selbst der gewaltige Albatross
scheint ihm gegenüber ein Stümper. Und von was nähren sich diese
kleinen Ozeanbewohner? Zwar versammeln sie sich an über Bord geworfenen
Küchenresten, aber nie sah ich sie wirklich mit dem Schnäbelchen etwas
aufpicken, und Exemplare selbst erhielt ich nicht. Wer wollte auch
diesen trauten Begleitern über das unendliche Wogenmeer des Ozeans ein
Leid anthun? Sind sie es doch, die in die Meeresöde wenigstens einiges
Leben bringen und deren bewundernswerten Spielen man nicht müde wird
zuzuschauen.

Die angenehme bekömmliche Temperatur des australischen Winters hatte
sich allmählich geändert und die Tropen fingen an, sich bemerkbar zu
machen. Unterm 25. Grade (südlicher Breite) zeigte das Thermometer
in der Kabine noch 15° Reaum.; drei Tage später war es schon um 4
Grad gestiegen und nach weiteren fünf Tagen um 6 Grad mehr, so daß es
in der kleinen Kajüte recht ungemütlich warm wurde. Wir kamen eben
immer tiefer in die Tropen hinein, und bald zeigten sich die mir
wohlbekannten Landmarken unseres Reisezieles: zuerst die hohen in
Wolken gehüllten Berge der Südspitze Neu-Irlands, später Neu-Britannien
mit dem Berg Beautemps-Beaupré, der Südtochter und Mutter. Wir waren
somit im St. Georgs-Kanal, der breiten Meeresstraße, welche die beiden
Hauptinseln des Bismarck-Archipel, Neu-Britannien und Neu-Irland, oder
wie sie jetzt heißen: Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg, trennt, und
näherten uns dem ersten Haltepunkte, der Insel Mioko. Am fünfzehnten
Tage ihrer Abreise von Sydney ging die Samoa hier glücklich zu Anker
und hatte mit dieser ersten Reise von ca. 2000 Meilen[5] zwar ihre
Seetüchtigkeit bewiesen, zugleich aber auch, daß sie kein solcher
Schnelldampfer war, wie sie nach dem Certifikat sein sollte und wie
es für ein Expeditionsschiff zu wünschen gewesen wäre. Statt der
angeblichen 11 Meilen in der Stunde waren im günstigsten Falle mit
Dampf und Segeln zusammen kaum acht erzielt worden, aber immerhin
kamen wir, auch bei ungünstigen Verhältnissen, vorwärts, wenn auch
langsam. Solche ungünstige Verhältnisse bietet gerade der St.
Georgs-Kanal sehr häufig in Windstillen und Strom, welche Segelschiffe
hier zuweilen über Gebühr zurückhalten. So brauchte z. B. das deutsche
Schiff »Sophie« von Sydney bis zum Kap St. George, der Südspitze
Neu-Irlands, nur 18 Tage, von hier bis Mioko, eine Strecke, die nur 45
Meilen beträgt und die wir mit der Samoa schlimmsten Falls in 8 Stunden
zurücklegten, 21, schreibe einundzwanzig Tage! Anderen Schiffen erging
es noch schlechter! Die Bark »Etienne«[6] kreuzte Ende 1877 30 Tage im
Kanal und ein Schuner mußte schließlich wieder nach Mioko zurückkehren,
weil der Proviant zu Ende ging.

Mioko ist eine der kleineren Inseln von den dreizehn, welche die Herzog
York-Gruppe, neuerdings »Neu-Lauenburg« umgetauft, bilden und kaum
mehr als einen Quadratkilometer groß, aber wegen seines trefflichen
Hafens wichtig. Es hatte sich seit meinem letzten Hiersein, kaum zwei
und ein halbes Jahr her, gar manches verändert. Ich vermißte zunächst
die frühere Godeffroysche Station an der gewohnten Stelle; kaum daß
sich noch erkennen ließ, wo die Häuser gestanden. Die letzteren waren
mit der früheren Station des Engländers Thomas Farrell vereint von der
»Deutschen Handels- und Plantagen-Gesellschaft der Südsee-Inseln zu
Hamburg« übernommen worden, welche das Farrellsche Besitztum gekauft
und es diesem ermöglicht hatte, 1883 in Blanche-Bai, auf dem Festlande
Neu-Britanniens, die »Ralum-Plantation« zu gründen, das erste derartige
Unternehmen im Bismarck-Archipel überhaupt. Ich besuchte die sehr gut
gehaltene, freundliche Anlage, die mancherlei Reminiscenzen an das
abenteuerliche Kolonialunternehmen des Marquis de Rays (1879 bis 1883)
aufzuweisen hat. Das stattliche aus Wellblech errichtete Koprahaus
stand früher in der „Baie Française‟, das Büffet im Wohnhause war der
einstige Altar der Kirche in Port Breton, zu welcher fromme Gemüter
in Frankreich die Mittel hergaben. Dieser Altar hatte indes nie seinem
heiligen Zwecke gedient, denn die Kirche war nicht gebaut worden und
figurierte nur auf dem Papier. Statt Meßgefäßen zeigte der Altar jetzt
in äußerst profaner Weise Gin- und Whiskyflaschen, eine Bestimmung
welche die gläubigen Stifterinnen gewiß niemals für möglich gehalten
haben würden.

Was die Pflanzung selbst anbelangt, so fand ich eine ziemliche
Fläche mit bereits tragender Baumwolle bestellt, sowie den Versuch
einer Kaffeeplantage in ein paar Beeten mit wenigen Zoll hohen
Kaffeepflänzchen. In dem etwas früher von Farrell ausgegebenen
Prospekt der: »Western Pacific Plantation and Trading Co.«, welche in
Australien mit einem Grundkapital von 40000 £ in shares von 500 £,
auf seinem Besitztum gegründet werden sollte, wurden 100 Acres mit
»Sea-Island-Cotton« und als neu gepflanzt 5 Acres Kaffee und 2 Acres
Aloë angegeben. Späteren Nachrichten zufolge hat die Ralum-Plantage
jetzt »200 bis 250 preußische Morgen unter Baumwollenkultur und 8
Morgen mit Kaffeepflanzungen besetzt«, über Erträge verlautet aber
noch nichts. Der unermüdliche Farrell war übrigens abwesend und in San
Francisco, um diesmal in Amerika Interesse für seine Unternehmungen
zu gewinnen. Er kehrte von dort im folgenden Jahre nicht allein mit
einem Dampfer (120 Tons) und zahlreichen Tradern (Kleinhändlern)
zurück, sondern war überdies »amerikanischer Bürger« geworden, um den
Plackereien der englischen Gesetze bezüglich der Arbeiteranwerbungen
zu entgehen. Die anglo-amerikanische Firma machte also den deutschen
bedeutend Konkurrenz, wenigstens damals, aber inzwischen mögen sich
die Verhältnisse wohl geändert haben, wie dies namentlich in der
Südsee so häufig der Fall ist. Mit Ausnahme der eben genannten Firma
ist der Handel im Bismarck-Archipel, wie dem westlichen Pacific
überhaupt, lediglich in deutschen Händen und zwar der beiden Hamburger
Häuser: »Robertson u. Hernsheim« und der schon erwähnten »Handels-
und Plantagen-Gesellschaft«, sowie Friedrich Schulle in Neu-Irland.
Dem seiner Zeit so mächtigen Hause Johann Cesar Godeffroy u. Sohn in
Hamburg gebührt übrigens das Verdienst, 1874 zuerst Stationen in
diesem Gebiete gegründet zu haben. Wie überall in der Südsee machte nur
allein der Reichtum an Kokosnüssen, welche geschnitten und getrocknet
den jetzt bekannten Exportartikel Kopra liefern, die Gründung solcher
Stationen überhaupt möglich, und dieses Naturprodukt ist immer noch
das einzige von Bedeutung geblieben. Wie Mioko für die Handels- und
Plantagen-Gesellschaft, so ist Matupi, auf der kleinen Henderson-Insel
in Blanche-Bai, die Centralstation für das Konkurrenzhaus.
Zweigstationen sind an der Küste errichtet, aber gegenüber dem Ganzen
hat der Handel übrigens nur in engbegrenzten Gebieten Fuß gefaßt.
In Neu-Britannien sind es die Küsten von Blanche-Bai etwas südlich
über Kap Gazelle hinaus, die äußerste Nordostküste westlich bis
Weberhafen, in Neu-Irland die äußerste Nordwestecke von der Insel
Nusa bis Langunebange, ein Strich von ca. 25 Meilen, welche eine
beschränkte Anzahl solcher kleinen Handelsplätze, Traderstationen
genannt, aufweisen. Im Jahre 1885 besaßen die beiden deutschen
Firmen in Neu-Britannien je 6 bis 7 Traderstationen, Farrell vier,
in Neu-Irland gab es drei, gegenüber 10 im Jahre 1881. Das letztere
Gebiet war fast ausschließend in Händen von Friedrich Schulle auf Nusa,
der früher als Geschäftsführer von Hernsheim zuerst mit Stationen in
Neu-Irland gründete. Gerade in diesem Gebiete wechseln die Stationen,
wie ihre Leiter, die Kleinhändler oder Trader, welche den Einkauf von
Kopra besorgen, am meisten, und eine kurze Spanne Zeit bringt oft
große Veränderungen. Hier muß eine Station aufgegeben werden, weil
der Trader am Klimafieber starb, erschlagen oder verjagt wurde, dort
wird eine andere von den Eingeborenen angezündet, als Repressalie
gegen »gekochte«, d. h. seitens Weißer niedergebrannter Hütten, oder
sie wird freiwillig verlassen, weil sie sich nicht bezahlt macht. Das
klingt freilich ziemlich entmutigend, ist aber in Wahrheit nicht so
schlimm, denn eine Traderstation ist leicht errichtet und man muß sich
von einer solchen keine großen Vorstellungen machen. Mit Proviant im
Werte von 300 Mark zu Sydney-Preisen und ebensoviel für Tauschwaren
ist sie meist ausgerüstet, und zum Aufbau läßt sich einheimisches
Material trefflich verwenden. Handelt es sich doch im wesentlichen
um ein kleineres, höchst bescheidenes Wohn- und größeres Koprahaus,
einen Zaun und ein paar eiserne Wasserbehälter (tanks), da alle diese
Stationen, die Hauptstationen in Matupi und Mioko nicht ausgeschlossen,
für ihren Bedarf an Trinkwasser, sowie zum Schiffsgebrauch, nur auf
Regen angewiesen sind. Als Trader eignen sich am besten Seeleute,
die an Salzfleisch gewöhnt, keine großen Ansprüche machen und mit
einem Segelboot umzugehen verstehen, da sich nur mit solchen die
Küste erfolgreich bearbeiten läßt. Der Handel ist selbstredend nur
Tauschhandel, und amerikanischer Stangentabak (Nigger-head), Beile,
Messer, Angelhaken, Glasperlen und einige andere Kleinigkeiten sind die
Hauptartikel zum Ankauf von Kokosnüssen oder Kopra, da jetzt Gewehre
und Schießbedarf, welche früher am meisten begehrt waren, verboten
sind. Dieses Verbot erstreckt sich glücklicherweise auch auf das
Anwerben von Eingeborenen als Arbeiter, die sogenannte „Labourtrade‟,
welche in diesen Gebieten wie überall, soviel Unheil anrichtete und
wesentlich mit zu den blutigen Zwisten mit den Eingeborenen beitrug,
an denen keineswegs immer die letzteren schuld waren. Während meines
früheren achtmonatlichen Aufenthaltes[7] in Neu-Britannien wurden in
meiner Nachbarschaft allein fünf Weiße erschlagen, die wie später
Theodor Kleinschmidt auf Mioko ihr Schicksal provoziert hatten.
Nachweislich ist übrigens bis jetzt im Bismarck-Archipel kein Weißer
verzehrt worden, wenn auch die Eingeborenen noch heut Kannibalen sind,
wie ich noch 1881 mit eigenen Augen sah[8]. Seitdem der erste Trader
den Boden Neu-Britanniens betrat und den ersten Eingeborenen erschoß,
um damit die hier geltenden Rechte der Blutrache einzusetzen, ist gar
viel Blut im Bismarck-Archipel geflossen und Mord von beiden Seiten
verübt worden. Der im Jahre 1878 unter der Ägide der Wesleyanischen
Mission, oder vielmehr des Rev. George Brown, unternommene
Vergeltungskrieg forderte allein zahlreiche Opfer unter den
Eingeborenen, die nicht vergessen wurden. Wer die Verhältnisse draußen
kennt, weiß wie schwer es ist zu strafen, und zwar so, daß wirklich die
Schuldigen getroffen werden. Man kann sich daher nur freuen, daß die
neue deutsche Ära auch hierin Wandel schaffen und dem willkürlichen
Eingreifen einzelner gegen Leben und Eigentum von beiden Seiten
strenge Schranken setzen wird. Denn erst dadurch kann die neue Kolonie
zu gedeihlicher Entwickelung, namentlich der Plantagenwirtschaft,
gelangen. Wie bereits erwähnt, ist in letzterer Richtung bis jetzt nur
ein Versuch zu verzeichnen und der Handel, der Koprahandel,[9] der
einzige Vermittler zwischen Weißen und Eingeborenen. Der Gesamtertrag
an Kopra im Bismarck-Archipel bewegt sich, um dies noch zu erwähnen,
zwischen 1000 bis 1500 Tonnen (à 200 Pfd. engl. pro Jahr) und ist
nicht minder Schwankungen unterworfen als die Koprapreise selbst,
welche in Europa je nach der Konjunktur zwischen 280 und 370 Mark
variieren. Die im Bismarck-Archipel beschäftigte Handelsflotte weist
unter deutscher Flagge zwei Schuner (von zusammen 180 Tons) und einen
Kutter (30 Tons) von Hernsheim und einen Schuner (60 Tons) der Handels-
und Plantagen-Gesellschaft, unter amerikanischer Flagge der Firma
Farell einen Schuner (70 Tons) und einen Dampfer auf. Bis zum Jahre
1882 unterhielten die beiden deutschen Häuser auch je einen kleinen
Dampfer, gaben dieselben aber auf, da sich trotz der geringen Größe
(ca. 70 Tons) die Unkosten zu hoch stellten. Seitdem haben sich die
Verhältnisse jedenfalls schon dadurch bedeutend verändert, daß die
Neu-Guinea-Compagnie ihre drei Dampfer nach dem Bismarck-Archipel
schickt.

Wer in der Südsee reist, muß vor allem Geduld besitzen! Dies
erfuhren wir gleich in Mioko, wo das Löschen und Laden viel mehr
Zeit erforderte, als wir wünschten. Denn auch in dieser Richtung
hatten sich die Verhältnisse, nur nicht zum Besseren, geändert. Die
Eingeborenen, welche früher gegen einen Tagelohn von einem Stück
Tabak im Wert von vier Pfennigen willig bei solchen Arbeiten halfen,
waren bei weitem anspruchsvoller geworden und verlangten andere und
bessere Tauschartikel. Ja, was weit schlimmer war, es hielt, trotz
der höheren Preise, überhaupt schwer Arbeiter zu erlangen, deren Zahl
sich durch die rücksichtslose Ausfuhr der Werbeschiffe[10] ohnehin
vermindert hatte. Wie in Faulheit, so waren die guten Neu-Lauenburger,
wie sie jetzt heißen sollen, auch im übrigen dieselben geblieben, und
Fortschritte in der Civilisation nicht bemerkbar, außer in gewissen
Tauschartikeln. Statt der gewöhnlichen weißen Thonpfeifen verlangte
man jetzt schwarze »Negerköpfe« (negro-heads), statt ordinärer Äxte
(Fan-tails) teure amerikanische u. s. w. Perkussions-Musketen,
früher das Ziel des höchsten Wunsches eines Kanaker, waren kaum mehr
begehrt. Dagegen Hinterladerbüchsen (Snider-Rifles) sehr gefragt,
weit mehr als z. B. Bekleidungsgegenstände. Letztere werden eben
nur von einzelnen, an den Hauptstationen beschäftigten Kanakern
zuweilen getragen. Aber die große Masse unserer neuen Landsleute in
Neu-Lauenburg, Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg läuft noch jetzt, und
zwar in beiden Geschlechtern, im adamitischen Kostüm umher und findet
dasselbe bei weitem einfacher und bequemer, wogegen sich bei einigem
Verständnis mit dem Leben und Wesen der Eingeborenen nichts einwenden
läßt. Auch die Mission (australische Wesleyan) hat in der von ihr so
sehr protegierten Bekleidungsfrage, außer bei ihren unmittelbaren
Zöglingen, die sich nach mehr als zehnjähriger Thätigkeit auf kaum 200
Bekehrte[11] belaufen, keinen Einfluß ausgeübt, ja schien überhaupt
Rückschritte gemacht zu haben. So wenigstens auf Mioko und der Insel
Utuan, der York-Gruppe, wo die beiden samoanischen Lehrer (Teachers)
nur noch wenige Eingeborene als Mitglieder der Kirche besaßen. Außer
der allgemeinen Lauheit gegenüber der christlichen Lehre, wie jeder
Lehre überhaupt, mochte hieran auch der unter der Leitung von Thomas
Farrell 1883 wirkungsvoll geführte Feldzug mit schuld sein, der die
Eingeborenen für die Ermordung von Theodor Kleinschmidt und seiner
beiden weißen Genossen strafte und einer großen Anzahl Eingeborenen,
darunter auch Kirchengängern, das Leben kostete.



Zweites Kapitel.

Astrolabe-Bai.

  Abreise nach Neu-Guinea. -- French-Inseln. -- Forestier-Insel.
  -- Verkehr mit den Eingeborenen. -- Fregattvögel und Tölpel. --
  Spärliche Nachrichten über Astrolabe-Bai. -- Von Miklucho-Maclay.
  -- Herrliche Küste. -- Gelbe Bäume. -- Der mysteriöse Deutsche.
  -- Eine Südsee-Aventure. -- Berthold und der Marquis de Rays. --
  »Nouvelle France.« -- Herr Canar. -- Eine wahre Robinsoniade.
  -- Unter Menschenfressern. -- In Port Constantin. -- Erstes
  Zusammentreffen mit Eingeborenen. -- Sa-ulo. -- Vermeintlicher
  Überfall. -- Besuch in Bongu. -- Die Damenwelt. -- Haartrachten.
  -- Anthropologisches über Papuas. -- Haar -- wächst nicht
  büschelförmig. -- Hautfärbung. -- Individuelle Verschiedenheit. --
  Bewohner von Bongu. -- Krankheiten. -- Pockennarben. -- Bekleidung
  und sonstiger Ausputz. -- Gestrickte Beutel. -- Das Dorf Bongu.
  -- Bauart der Häuser -- innere Einrichtung. -- Die Barla. --
  Buambrambra oder Versammlungshaus. -- Barum, Signaltrommel. --
  Telum-Mul, ein Kunstwerk der Steinzeit. -- Ahnen, keine Götzen.
  -- Beschneidung. -- Reminiscenzen an Maclay. -- Eingeführtes
  Rindvieh. -- eine Plage der Eingeborenen. -- Schweine. -- Hund
  -- rätselhafte Herkunft desselben -- sowie des Haushuhnes. --
  Plantagen. -- Urbarmachung. -- Kulturpflanzen der Papuas --
  zugleich Zeugnis der höheren Gesittung. -- Genußmittel. -- Tabak.
  -- Cigarren. -- Betel. -- Freundschaftszeichen. -- Zierpflanzen.
  -- Keu, gleich Kawa. -- Eingeführte Kulturpflanzen. -- Russisch in
  Port Constantin. -- Bemerkungen über Tauschhandel. -- Eisen- und
  Steinbeil. -- Fischerei und Kanus. -- Einfluß des ersten Weißen.
  -- Der Mann des Mondes. -- Erster Landerwerb. -- Begründung der
  deutschen Schutzherrschaft. -- Geringe Bevölkerung. -- Beschränkte
  Landeskunde der Eingeborenen. -- Gutes Einvernehmen mit denselben.
  -- Abschieds-»Mun«.


In den ersten Tagen des Oktober war die Samoa endlich seeklar und
dampfte ihrem Ziele, Astrolabe-Bai, an der Nordostküste von Neu-Guinea,
entgegen. Wir gingen um die Nordostspitze Neu-Britanniens und näherten
uns am zweiten Tage der French- oder Französischen-Gruppe, die aus
einer Anzahl kleiner Inseln besteht und gleichsam eine nordwestliche
Fortsetzung des unbenannten Archipels bildet, in welchem Willaumez
die bedeutendste Insel ist. Wie Neu-Britannien selbst, so sind auch
diese Inseln offenbar vulkanischen Ursprungs, ihre kegelförmigen Berge
erloschene Krater, die jetzt mit üppiger Baumvegetation bedeckt, hie
und da größere kahle Flächen, Plantagen der Eingeborenen zeigen. Auf
Forestier-Insel sahen wir größere Bestände Kokospalmen, unter denen
es sich zu regen begann. Mit dem Glase erkannte man Menschen, und
bald kamen etliche Kanus ab, um leider nur zu bald in weiter Ferne
eine beobachtende Stellung einzunehmen. Die Leutchen trauten uns eben
nicht, und so gelang es uns nur mit großer Mühe, sie wenigstens so
weit heranzulocken, daß wir mittelst eines langen Bambus in allerdings
beschränkter Weise in Tauschverkehr treten konnten. Leere Flaschen
und Streifen roten Zeuges[12] fanden den meisten Beifall, weniger
Glasperlen, und Tabak wurde ganz verschmäht. An Bord wagte sich trotz
aller Verlockungen keine der vor Furcht zitternden Gestalten, im
Gegenteil, man suchte in unverkennbarer Weise klar zu machen, uns zu
entfernen und sie ungeschoren zu lassen. Die Leutchen mochten daher
wohl üble Erfahrungen mit den ersten Civilisatoren gemacht haben,
welche kurze Zeit vor uns hier vorgesprochen und »rekrutiert« hatten,
wie die sehr passende Südseebenennung dafür lautet. Denn bekanntlich
handelt es sich bei der sogenannten »Labourtrade«, wie das Anwerben von
Eingeborenen als Arbeiter kurzweg heißt, nicht immer um Freiwillige.

Die Eingeborenen selbst unterschieden sich im Rassentypus übrigens
durchaus nicht von Neu-Britanniern, gingen wie diese völlig nackt,
sprachen aber eine ganz andere Sprache. Im Ausputz war mir manches
neu, darunter ein Brustkampfschmuck und sehr elegante Armbänder mit
einem zweiblättrigen Anhängsel, Formen, die, wie ich später kennen
lernte, für die ganze Nordostküste Neu-Guineas (vergl. Atlas T.
XXII) charakteristisch sind und so die enge Zusammengehörigkeit
dieser Völkerstämme bekunden. Die an der Basis mit knochenförmiger
Schnitzerei versehenen, im übrigen glatten Wurfspeere, die einzige
Waffe, welche diese Eingeborenen mit sich führten, ähnelten ganz denen
in Blanche-Bai, aber ihre Kanus waren viel armseliger und für weitere
Reisen jedenfalls ungeeignet.

[Illustration: Astrolabe-Bai und Maclayküste.]

Nach diesem kleinen Intermezzo dampften wir in westlichem Kurs weiter,
sichteten die Nordwestspitze Neu-Britanniens mit der Insel Rook und
gingen später ganz nahe unter der Nordküste von Crown-Insel hin, ohne
irgend eine Spur von Eingeborenen zu bemerken. Alle diese Inseln,
wie Rich und Dampier, sind gebirgig, dicht bewaldet und offenbar
erloschene Vulkane, die sich in einer Reihe von Neu-Britannien bis zu
den Le Maire-Inseln erstrecken. Wie so häufig in diesen Breiten, war
die See glatt wie ein Spiegel und nur selten ließen sich schwarze
Meerschwalben, (Anous, Sterna anasthaeta), Tölpel oder Fregattvögel
(Tachypetes) blicken. Größere Flüge der letzteren pflegen nicht selten,
nach Art unserer Störche weite Kreise beschreibend, in der Luft zu
schweben, ein gar hübsches Schauspiel, während Tölpel (Sula fusca) es
hauptsächlich auf Treibholzstämme abgesehen haben. Auf solchen ruhend,
ähneln sie zuweilen einem Kanu mit Eingeborenen in weiter Ferne so
auffallend, daß wir hier, wie für die Folge, öfters getäuscht wurden.

Mächtiger Feuerschein hatte uns schon in der Nacht die Nähe des
Festlandes von Neu-Guinea angedeutet und zum Abhalten genötigt.
Der anbrechende Morgen, des vierten Tages, seitdem wir Mioko
verließen, zeigte uns die Küste sehr nahe: wir befanden uns bereits
in Astrolabe-Bai! So heißt eine an 15 Meilen breite Buchtung südlich
vom 5. Breitengrade, die im Jahre 1827 von Dumont d'Urville mit
der französischen Korvette »Astrolabe« zuerst gesichtet wurde.
Erst 44 Jahre später landete der russische Reisende Nikolaus von
Miklucho-Maclay mit dem russischen Kriegsschiff »Vitiaz« in »Port
Constantin« und brachte mit zwei Begleitern (einem weißen Matrosen
und einem Samoaner) 15 Monate hier zu, bis ihn das russische
Kriegsschiff »Izumrud« wieder abholte. Die wenigen, hauptsächlich
anthropologischen und ethnologischen Mitteilungen,[13] welche der
Reisende veröffentlichte, sind sehr schwer zugänglich, zählen aber
mit zu den besten wissenschaftlichen Arbeiten, die wir über Papuas
überhaupt besitzen. Eine eingehendere Darstellung[14] des interessanten
Gebietes fehlte bis jetzt noch.

Der Anblick der Küste von Astrolabe-Bai überraschte und befriedigte uns
alle gar sehr. Das waren nicht die langweiligen, in gleichmäßiges Grün
gekleideten Berge, wie wir sie aus dem Bismarck-Archipel gewohnt waren,
sondern die Landschaft wurde je weiter wir in die Bai hineinkamen
um so ansprechender. Sie ist rings von hübschen, dicht bewaldeten
Bergreihen umschlossen, hinter denen gegen Süden stattliche Gebirgszüge
hervorragen, von denen die höchsten an 10000 Fuß hoch sein mögen und
wohl zum System des Finisterre-Gebirges gehören. Die in den Schluchten
lagernden weißen Wolkenmassen, welche so sehr weißen Schneeflecken
ähnelten, gaben diesem schönen Gebirgsbilde einen erhöhten Reiz.
Wir passierten die kleine Insel Bilibili, deren Bewohner in großen,
kunstvoll gebauten Kanus herbeieilten und in freundlicher Weise Verkehr
anzuknüpfen suchten. Aber wir mußten diesmal ihren Versuchungen
ausweichen, galt es doch zunächst Port Constantin aufzusuchen,
wie sich später zeigte, keineswegs ein Hafen, sondern eine kleine
Buchtung, welche wenig Sicherheit gewährt. -- Vergebens spähten wir
nach Siedelungen, aber das mit dichtem Urwald bekleidete Ufer war wie
ausgestorben! Wie sich später zeigte, liegen die Dörfer im Dickicht
des Urwaldes versteckt und verraten sich dem Kenner meist durch nichts
als kleine Gruppen Kokospalmen und eine besondere Baumart, welche sich
durch die einfarbig, lebhaft gelbe Belaubung auszeichnet. Diese »gelben
Bäume«, welche sich übrigens an der ganzen Ostküste Neu-Guineas finden,
markieren sich in dem dunklen Grün des Urwaldes sehr auffallend und
erregen schon von weitem Aufmerksamkeit. So wurde von unseren Seeleuten
die besonders hohe und dichte Gruppe gelber Bäume bei dem Dorfe
Bogati oder Bogadschi, welches die Karten deshalb als »gelbes Dorf«
bezeichnen, anfänglich für ein Segel gehalten.

»Wem konnte es angehören?« war eine Frage, die zu allerlei
Betrachtungen führte, denn einem »on dit« zufolge, durften wir
möglicherweise einen Weißen, ja einen Landsmann hier treffen. Es
sollte nämlich in Astrolabe-Bai ein deutscher Händler (Trader),
»Schmidt geheißen«, leben, von dem man in Mioko aber nichts wußte.
Die mysteriöse Existenz dieses Schmidt löste sich später in eine
jener hübschen Aventuren auf, die in der Südsee mehr als anderwärts
vorkommen und die deshalb hier mitgeteilt werden soll, weil dieselbe
so sehr das Leben und den Charakter gewisser hier lebender Weißen
kennzeichnet. Im Jahre 1882 hatte ich in Neu-Britannien unter anderen
unglücklichen Opfern, welche sich von dem gewissenlosen Schwindler
de Rays zur Gründung einer Kolonie in Neu-Irland verleiten ließen,
auch einen Deutschen gesehen. Er war mit der ersten Expedition im
»Chandernagor« 1880 herausgekommen, hieß Berthold und stammte aus
Berlin. Wie so viele andere, darunter eine Menge Deutsche, hatte
sich auch Berthold, trotz der Warnung des deutschen Konsuls in
Antwerpen, auf fünf Jahre verpflichtet. Freilich mochten wohl manche
der hoffnungsvollen »Kolonisten« gewisse Gründe haben, um der Alten
Welt überhaupt den Rücken zu kehren. Berthold, seines Zeichens ein
Kellner, trat als »terrassier cultivateur« ein. Dieser Kategorie von
Kolonisten war bei freier Station ein Monats-»Taschengeld« von fünf
Frank zugesichert. Nach Ablauf von fünf Jahren erhielten sie aber 15
Hektaren Land, die je nach den guten Diensten des Individuums bis auf
50 gesteigert werden konnten. Alle hatten also die Aussicht, glückliche
Grundbesitzer in einem Lande zu werden, das selbst die Leiter des
Unternehmens nur nach der Karte kannten. Außerdem hatte die Gnade des
Marquis allen Gliedern des Freistaates »Nouvelle France« pro Rata ihres
Grades Anteil am Reingewinn versprochen; denn schon aus Naturprodukten,
wie Schildpatt, Perlschalen, wertvollen Hölzern u. s. w., erwartete
man mit Zuversicht reiche Erträge. So lauten die Bestimmungen des mir
vorliegenden Kontraktes, eines in der Kolonialgeschichte merkwürdigen
Dokumentes,[15] das die eigene Unterschrift des »Monsieur Ch. du
Breil, Marquis de Rays, Fondateur-Directeur de la Colonie libre du
Port Breton, Océanie« trägt und am 21. August 1879 zu Antwerpen
unterzeichnet wurde. Bekanntlich ging gleich dieses erste ebenso
leichtsinnige als gewissenlose Unternehmen[16] des Marquis elend in
die Brüche, indem der Leiter desselben »le Baron P. Titeu de la Croix
de Villebranche, Aide de camp du Marquis de Rays, Commandant de Port
Breton« eines schönen Tages sich mit dem Chandernagor auf und davon
machte und die etwa 70 unglücklichen Kolonisten sitzen ließ. Ende
Juli 1880 besuchte ich sie in Lakiliki-Bai an der Ostseite von Kap
St. Georg, dem damaligen Sitze des Freistaates, in einer Gegend die
mit ihren steilen Bergen für Ziegen, aber nicht für Menschen paßt.
Eine Baracke und Teile einer Dampfmaschine das war alles, außer etwa
zwanzig, meist von Fieber und Krankheiten entkräfteten Männer. Die
übrigen waren von Kapitän Ferguson, der noch in demselben Jahre in den
Salomons von den Eingeborenen erschlagen wurde, gegen Bezahlung von
je einem Winchester-Rifle (damals ca. 140 Mark Wert) nach der nahen
Missionsstation in Port Hunter auf der Herzog York-Insel gebracht
worden und hatten sich von hier aus in alle Winde zerstreut. Eine
Anzahl fanden Stellung als Händler (Trader), und unter diesen auch
der erwähnte Berthold, für den sich also, kaum dem Hunger und Elend
entronnen, plötzlich glänzende Aussichten eröffneten. Nach einer der
neuen, von Friedrich Schulle an der Nordostspitze von Neu-Irland
errichteten Koprastationen versetzt, verdiente er schönes Geld. Aber
die Freude dauerte nicht lange, denn bald wurde Berthold aus triftigen
Gründen entlassen und verbannt, das heißt nach Australien geschickt.
Von hier begab er sich unter dem neuen Namen Canar nach Samoa und
erhielt Stellung bei einem deutschen Hause, dessen Chef leichtgläubig
genug war, seinen Erzählungen Glauben zu schenken. Freilich klangen
seine Berichte von dem selbstgesehenen Koprareichtum Neu-Guineas gar
zu verlockend, und als er vollends Briefe seines Freundes Schmidt
aus Astrolabe-Bai aufwies, der dort in Kopra u. Perlschalen schier
erstickte, da war die Ausbeutung dieser Schätze eine beschlossene
Sache. Glücklicherweise fand sich gerade kein Schiff disponibel, als
Berthold, jetzt Herr Canar, Neu-Britannien wiederum beglückte, und
so mußte er sich bis zu passender Gelegenheit mit einer Traderstelle
begnügen. Diese Verzögerung war für ihn natürlich sehr fatal,
denn es konnte nicht ausbleiben, daß sein wahrer Name und seine
Vergangenheit in Samoa bekannt werden mußten; wußte man doch bereits
in Neu-Britannien, daß er nie in Astrolabe-Bai gewesen war! Harmlose
Fragen nach dem einen oder anderen Häuptling u. s. w. von jemandem,
der Neu-Guinea ebenfalls nur nach der Karte kannte, hatten auf leichte
Weise den Beweis geliefert. Es fing also an, ungemütlich auszusehen,
und Canar zog es vor, die Entwickelung der Dinge nicht abzuwarten,
sondern drückte sich eines schönen Tages. Dieses Ereignis war kurz vor
unserer Ankunft passiert und bildete noch das Tagesgespräch. Denn der
brave Berthold hatte das Boot und Tauschwaren der ihm anvertrauten
Station im Betrage von 400 Dollars mitgenommen, außerdem einen anderen
deutschen Trader, Namens Freudenthal, zu überreden gewußt. Wie es
hieß, wollten die Ausreißer nach Neu-Guinea zu Freund Schmidt gehen.
Das schien unglaublich! Denn nur Wahnsinnige konnten in einem offenen
kleinen Boot, ohne Kenntnis und Hilfsmittel von Navigation, eine Reise
von 450 Meilen wagen. Wie sich später herausstellte, war Berthold
natürlich nicht nach Neu-Guinea gegangen, sondern hatte die immerhin
abenteuerliche und gefährliche Fahrt nach dem früheren Schauplatz
seiner Thaten, dem ihm wohlbekannten Neu-Irland, angetreten. Das kleine
Boot mit seinen zwei Insassen war allen Gefahren, auch den Kannibalen
auf Sandwich-Insel, die selbst vor dem Angriff eines Dampfers
nicht zurückschreckten, glücklich entgangen und näherte sich der
Mausoleum-Insel, dem Szelambiu der Eingeborenen, wo Canar bekannt war.
Damit schien den Flüchtigen, die auf einer Reise von über 140 Meilen,
in offenem Boot unter Tropenglut, gewiß nicht wenig ausgestanden
hatten, sichere Rettung zu winken. Aber das Schicksal hatte es anders
beschlossen! Beim Landen kenterte das Boot in der Brandung, wobei
Freudenthal seinen Tod fand, und Berthold rettete nur das Leben, und
zwar buchstäblich das nackte Leben. Denn die Eingeborenen zogen ihm
die Kleider aus, und nur dem Umstande, daß er bei ihnen als »Sullis
lik«, d. h. der kleine Schulle, bekannt war, schützte ihn vor dem
Erschlagenwerden. Aber vor dem Namen Schulle haben die Eingeborenen
hier herum großen Respekt, und so wurde Berthold geschont. Freilich so
einige Wochen nackend mit in den Plantagen der Eingeborenen arbeiten
und wie diese leben zu müssen, unter der nicht eben erbaulichen
Voraussicht, eines Tages doch noch erschlagen zu werden, mag eben keine
angenehme Sache sein. Das Schicksal dieses wirklichen Robinson stellt
daher das seines fingierten Vorgängers jedenfalls in den Schatten. Es
dauerte nämlich einige Zeit, ehe Friedrich Schulle in Nusa Kunde von
einem schiffbrüchigen, unter den Eingeborenen lebenden Weißen erhielt,
zu dessen Rettung er sich sogleich aufmachte. Das Wiedersehen soll
freilich kein allzufreudiges gewesen sein, aber was blieb Schulle
übrig, als Canar, den ihm nicht eben angenehmen Bekannten, zu befreien.
Drei Stück Bandeisen im Werte von 15 Pfennigen genügten übrigens, den
Todeskandidaten einzulösen, denn so hoch taxierten die Eingeborenen
diesen Träger der Civilisation. -- Daß die Briefe von dem angeblichen
Schmidt gefälscht waren und von letzterem in Astrolabe-Bai sich auch
nicht eine Spur fand, brauche ich wohl nicht erst zu erwähnen? Mir
war es sehr lieb, weder diesen noch einen anderen jener zweifelhaften
Weißen anzutreffen, deren Auftreten gewöhnlich das Vertrauen der
Eingeborenen gleich im Anfang erschütterte und für Nachfolgende ein
friedliches Einvernehmen meist erschwert.

Aber wo steckten die Eingeborenen, nach denen uns am meisten verlangte?
Schon geraume Zeit lagen wir in Port Constantin wenige Kabellängen vom
Ufer vor Anker, aber immer noch blieb es still. Nur einige Vogelstimmen
tönten aus dem Gelaube der Urwaldsbäume und auch diese noch spärlich
genug. Denn die heiße Nachmittagssonne brannte mächtig herab, und
dann schweigt die Vogelwelt meist: nur das Schäckern des nimmermüden
Lederkopfes (Tropidorhynchus), die tiefe Baßstimme des Raben (Corvus
orru), kreischende Papageien und Kakadus lassen sich vernehmen. --
Plötzlich wird die Ruhe durch den Ruf »Kanaka! Kanaka!« unterbrochen!
Die scharfen Augen unserer Neu-Britannier hatten ihre schwarzen Brüder
im Dunkel des Uferdickichts entdeckt. Und wirklich! Da hockte eine
lange Reihe dunkler Gestalten, laut- und bewegungslos wie Bildsäulen,
die uns wahrscheinlich schon lange beobachtet hatten. Jetzt wurde es
lebendig! Ich nahm meinen ganzen Sprachschatz des hiesigen Idioms
zusammen, und bald schallte es: »Korvetta!« oh! aba! (Freund), oh!
tamole! (Männer), oh! mem! (Vater), oh! »Maclay« hin und wieder.
Die hiesigen Eingeborenen scheinen nämlich seit der Anwesenheit des
russischen Reisenden in jedem seiner Nachfolger einen »Maclay« zu
erblicken. Herr Romilly, der englische Regierungs-Kommissar, war so
genannt und als Bruder behandelt worden und mir widerfuhr dieselbe
Ehre. Ich ließ sogleich das Boot klar machen und mich ans Ufer rudern.
Aber unsere Schwarzen hatten keine Eile, denn sie fürchteten sich, wie
stets bei solchen Gelegenheiten, und unseren Matrosen ging es nicht
besser, nachdem sich die Krieger im vollen Waffenschmucke zeigten, der
hier neben dem Wurfspeere, auch in Pfeil und Bogen besteht. »Es ist
doch nicht egal, ob man in die Brust oder den Rücken gespeert wird«!
meinte Peter und drehte seine Vorderseite den gefürchteten »Wilden« zu,
als wir ihnen längst in Pfeilschussweite nahe waren. Und den »Wilden«
ging es ebenso, das heißt, sie fürchteten sich nicht minder! Kaum stieß
das Boot auf Grund, so sprang ich ins Wasser, ging unter unsere neuen
Freunde, verteilte allerlei Kleinigkeiten, schüttelte dem und jenem
die Hand und hatte in kurzer Zeit ihr Vertrauen so gewonnen, daß ich
gleich eine ganze Bootsladung Eingeborener mit an Bord brachte. Bald
erschien auch Sa-ulo, der sogenannte »König« von Bongu, eine nichts
weniger als königliche Erscheinung, der sich von seinem Gefolge nur
durch Korpulenz und Elephantiasis im rechten Bein auszeichnete. Der
schwarze Anstrich des Gesichtes und Körpers, welcher wie bei allen
Papuanen Trauer bezeichnete, machte sein Äußeres nicht anmutiger, aber
der alte Herr hatte ein so gemütliches, freundliches Gesicht, daß man
ihn gleich liebgewinnen mußte. Einige Geschenke machten ihn und die
Seinigen noch glücklicher, und so schieden sie bei einbrechender
Dunkelheit in der Überzeugung, daß der neue »Maclay-Germania« wie ich
später zum Unterschied von dem russischen »Maclay-Ruschia« und Romilly
dem »Maclay-inglese« hieß, am Ende doch kein so übler Mensch sei, mit
dem sich wohl umgehen lasse, dieselbe Ansicht, welche ich bezüglich
der Eingeborenen gewonnen hatte. Aber unsere Leute teilten dieselbe
nicht, sondern fühlten sich keineswegs behaglich, zumal da unsere
Schwarzen allerlei Schaudergeschichten aus ihrem Leben am Bord von
Labourtradern zu erzählen wußten, welche die Gemüter erhitzten. Das
scharfe Ohr eines Schwarzen wollte Ruderschläge gehört haben und bald
kam die Meldung, daß sich eine ganze Flotte von Kanus in der Dunkelheit
der Nacht genähert und unter den überragenden Zweigen der Uferbäume
verborgen habe. Die furchterregte Phantasie unserer Schwarzen konnte
sich von der Überzeugung, daß wir überfallen werden würden und müßten,
nicht freimachen und hatte diesen Spuk auf unsere Leute übertragen, von
denen sich einige schon mit Koffernägeln bewaffneten. Die angestellten
Untersuchungen ergaben, daß es sich nur um Hirngespinste handelte,
denn auch nicht ein Kanu war vorhanden und nur der glucksende Ton des
Scharrhuhnes (Talegallus), das Kreischen fliegender Hunde, das Klappern
der Laubfrösche und Gezirpe der Cikaden tönte in die Nacht hinein.

Gleich am andern Morgen besuchten wir unsere neuen Freunde in ihrem
Dorfe Bongu, dem größten in diesem Teile von Astrolabe-Bai, das wie
fast stets hinter dem Uferwaldsaume versteckt liegt. Eine Anzahl Männer
erwartete uns auf dem schmalen Sandstrande niederhockend, schweigend
wie es die Landessitte erheischt, und half erst auf meinen Wunsch das
Boot mit aufs Ufer schieben, da die Landung unbequem ist, wie überhaupt
an dieser Küste. Unsere Ankunft im Dorfe brachte zuerst unter den
Weibern große Aufregung hervor, von denen nur wenige alte beherzt genug
waren zurückzubleiben, aber durch einige kleine Geschenke beruhigt,
die übrigen bald zurückriefen. Der Reisende wird stets wohl thun, sich
zunächst die Gunst der alten Damen zu erwerben; sie haben oft einen
sehr erheblichen Einfluss, der von großer Wichtigkeit werden kann.
Freilich ist das nicht immer eine angenehme Sache, denn Papuafrauen
in vorgerückten Jahren sind freilich keine Schönheiten mehr und nichts
weniger als appetitlich, aber deswegen braucht Häßlichkeit der Weiber
nicht als Rassencharakter hingestellt zu werden, wie dies meist in
allen Lehrbüchern geschieht. Man muß eben fremde Menschenrassen
nicht nach unseren Begriffen von Schönheit messen, und dann wird man
Papuaninnen sehr passabel finden. Junge Mädchen sind, wenn auch im
ganzen klein und schmächtig, häufig von sehr angenehmer Gestalt und
zeigen zuweilen tadellose Formen, aber sie verblühen schnell, wie alle
Tropenbewohnerinnen. Schon mit der ersten Niederkunft verschwindet
die Jugendfrische, die meist wohlgeformte Büste verliert sich, und
mit weiterem Kindersegen geht es rasch abwärts. Frauen, die bei uns
noch als in guten Jahren gelten, sind dort bereits alt, mager und
runzlig, was sich leider nicht wie bei Kulturvölkern durch Kleidung
und Toilettenkünste verbergen und auffrischen läßt. Nach unseren
Schönheitsbegriffen verunziert auch die Haartracht das weibliche
Geschlecht noch mehr. Das Haar wird von älteren Personen meist kurz
abgeschnitten und mit schwarzer Farbe eingeschmiert. Bei jüngeren
Frauen und Mädchen gelten dicht verfilzte Locken, die von Farbe,
Schmutz und Fett starren und an der Stirn oft bis über die Augen
herabfallen, als besonders elegant, wie dies die beigegebene Abbildung
(S. 40) zweier Frauen von Bongu mit ihren unzertrennlichen Begleitern,
Hund und Schweinchen zeigt.

Weit größere Sorgfalt verwendet das putzsüchtigere männliche Geschlecht
auf das Haar, namentlich die noch unverheirateten »Malassi«, und
einem Papuastutzer kostet die Frisur seines Haares allein mehr Zeit
als einer Modedame bei uns. Das Haar wird mittelst eines langzinkigen
Instruments aus Bambus, einem sogenannten Kamme, sorgfältig bearbeitet
und aufgezaust, so daß es eine weitabstehende Wolke bildet, außerdem
mit Farbe, Erde u. dergl. eingerieben, sowie mit Blumen und Federn
geschmückt. Tamos oder ältere Männer sind weniger eitel, legen aber
Wert auf ihre Gatessi d. h. in den Nacken herabhängende, durch Schmutz
und andere Mittel künstlich erzeugte, dichtverfilzte Haarzotteln.
Kunst hat also auch hier ihren Einfluß auf das Haar ausgeübt, wie dies
mehr oder minder bei allen Völkern der Fall ist. Die Textabbildungen
veranschaulichen eine ganze Reihe künstlicher Papua-Haartouren.

[Illustration: Frauen von Bongu.]

Dies führt mich zu einigen allgemeinen Bemerkungen über die
anthropologisch meist noch sehr verkannte Rasse der Papuas oder
Melanesier,[17] für welche gerade die Haarbildung besonders wichtig
wird. Das Haar wächst beim Papua anfangs gerade wie bei uns und fängt
erst an, sich nach einiger Zeit, wenn es etwas länger wird, zu krümmen,
d. h. mehr oder minder eng spiralig zu drehen, ähnlich den Windungen
eines Korkenziehers. Bei gewisser Länge verfilzen sich die einzelnen
Haare leicht in- und untereinander, namentlich an den Enden, wo sich
Klümpchen bilden, und so entstehen eine Art Locken, aus denen sich je
nach der Behandlung dichte Strähne, Zotteln oder die eben beschriebene
Wolke entwickeln. Die letztere ist aber keineswegs ein Rassencharakter
des Papua, wie so häufig angegeben wird, sondern höchstens die Neigung
zur spiraligen Drehung des einzelnen Haares, wodurch die Gesamtheit ein
kräusliches Ansehen erhält, das zuweilen bei dichtem und kurzem Haare
an den Wollkopf eines echten Negers erinnert. Wenn in unseren neuesten
Lehrbüchern die büschelweise Anordnung des Papuahaares, das ähnlich wie
bei einer Bürste gruppiert verteilt sein soll, als ein Hauptcharakter
der Papua-Rasse hervorgehoben wird, so ist dies ein völliger Irrtum,
der leider, gegenüber berichtigenden neueren Untersuchungen, noch heut
dem Engländer Windsor Earl gedankenlos nachgeschrieben wird. Ich habe
so viele Papuaköpfe untersucht, solche eigens zu dem Zwecke rasiert,
um das Wachstum zu beobachten und weiß daher zur Genüge, daß die Haare
beim Papua in gleicher Weise wie bei Europäern hervorsprießen. Aber
meine Untersuchungen haben mich auch gelehrt, daß es schwierig ist,
einen durchgreifenden diagnostischen Charakter des Papuahaares zu
finden, da gar so viele individuelle Abweichungen vorkommen, sowohl
in Haarbildung als Färbung. So sind Locken- und Krausköpfe nichts
Ungewöhnliches, ja ich habe unter reinen Papuas sowohl in Neu-Guinea
als anderwärts sanft gewelltes wie schlichtes Haar angetroffen,
hinsichtlich der Färbung natürlich fuchsrotes. Nächst dem Haare ist
es besonders die Hautfärbung, welche für diese Menschenrasse wichtig,
aber bisher meist so sehr mißverstanden wurde, daß ein paar Worte
hierüber nicht schaden können. Wenn hervorragende Anthropologen, die
freilich Papuas nicht aus eigener Anschauung kennen, diesen eine
schwarze, ja »bläulich schwarze« Färbung zuschreiben, so ist dies
eben falsch. Man kann sich noch nicht daran gewöhnen, innerhalb einer
Rasse so erhebliche Färbungsverschiedenheiten zu finden, die gerade
bei der papuanischen mehr als bei anderen vorzukommen scheinen.
Wenn auch im allgemeinen eine dunkle Färbung vorherrscht, so kann
Schwarz doch keineswegs als ein Charakter der ganzen Rasse gelten.
Wie das vorzugsweis vorhandene satte Braun sich durch Tiefbraun bis
zur Schwärze des typischen Negers steigert, so geht es andrerseits
bis zu den lichten Tönen des Polynesier und selbst des Malayen herab.
Auch weiße Papuas[18] lernte ich kennen, so weiß als Europäer, und
insofern nicht Albinos im gewöhnlichen Sinn, als manche auch am Tage
scharf zu sehen vermochten. Zu diesen Verschiedenheiten in Hautfärbung
wie Haar tritt noch eine große individuelle der Physiognomie, wie die
mit besonderer Sorgfalt ausgewählten, naturgetreuen Illustrationen
von papuanischen Charakterköpfen am besten zeigen werden. So ist
es daher schwer, auch in dieser Richtung einen durchgreifenden
Rassencharakter zu fixieren. Jedenfalls stehen die Papuas den echten
Negern am nächsten, und wenn auch im allgemeinen der negerähnliche
Typus vorherrscht, so finden sich doch so vielerlei Abweichungen, nicht
nur in derselben Landschaft, sondern demselben Dorfe, ja Familie,
daß gerade dieses Unbeständige mit charakteristisch wird. Man darf
daraus auf eine stattgehabte Vermischung mit anderen Rassen, zunächst
den benachbarten Ozeaniern und Malayen, schließen, aber historisch
nachweisbar ist dies nicht. Selbst in solchen Küstenstrichen, wo
schwerlich solche Nachbarvölker eingedrungen sein können, ja auch bei
den Bergstämmen, die ich an der Südküste von Neu-Guinea kennen lernte,
tritt diese Verschiedenheit in der Färbung hervor, bald einzeln, bald
häufiger; hier trifft man eine vorwiegend dunkle, dort eine hellere
Bevölkerung, die man anfänglich für eine ganz andere Menschenrasse
hält. Aber es darf nicht vergessen werden, daß sich helle Individuen in
allen melanesischen Gebieten finden, einzeln nicht selten in dunklen
Familien, ähnlich wie bei uns blonde und brünette Individuen in ein
und derselben Familie vorkommen. Die Gelehrten werden sich daher
daran gewöhnen müssen, an den früheren Auffassungen von Stabilität
der Färbung nicht allzustarr festzuhalten und wohlthun, geistreiche
Betrachtungen über die Entstehung solcher Abweichungen durch Mischung
lieber zu unterlassen, da dieselben doch nur ins Gebiet der Spekulation
verfallen und die exakte Wissenschaft nicht weiterbringen. Daß bei
farbigen Völkern Färbungsnüancierungen viel stärker hervortreten als
bei sogenannten weißen, darf nicht verwundern, aber sie sind sehr
häufig rein individueller Natur, und wer lange unter Papuas gelebt
hat, wird die oft erheblichen Färbungsverschiedenheiten als etwas
Gewöhnliches und Selbstverständliches betrachten, welche eben mit zum
Charakter der Rasse gehören.

Da unsere Reisen uns nur mit Papuas zusammenführen, so war es
notwendig, über diese Rasse einige Mitteilungen zu machen, die zum
besseren Verständnis derselben beitragen dürften.

Auch die Bewohner von Astrolabe-Bai sind echte Papuas, im ganzen
ziemlich lichtdunkelbraun, oder hellchocolatbraun gefärbt und von nicht
sehr kräftigem Körperbau. Stattlichere Männer zählten zu den Ausnahmen,
aber gerade die Bevölkerung von Bongu schien überhaupt schwächlicher
und armseliger. Ringwurm (Psoriasis), jene Hautkrankheit, welche
sich in Schnörkeln oft über den ganzen Körper einfrißt, war ziemlich
häufig vertreten, genierte aber ebenso wenig als Schuppenkrankheit
(Ichthyosis) und selbst Elephantiasis. Letztere hindert die Bewegung
gar nicht, und der brave Sa-ulo lief trotz seines Alters und dicken
Beines (vom Knie bis zu den Zehen) so schnell wie ein junger. Diese
mehr oder minder bei allen Südseevölkern verbreiteten Krankheiten
überraschten mich natürlich nicht, umsomehr aber Pockennarben,
welche ich hier zum erstenmale, später aber wiederholt an der Küste
Neu-Guineas beobachtete. Wie mochte diese Krankheit hierher gekommen
sein? Jedenfalls hat sie viele Opfer gefordert und wesentlich mit zu
der im allgemeinen so geringen Bevölkerung beigetragen.

Im Vergleich mit Neu-Britanniern war die äußere Erscheinung der
Bewohner von Konstantinhafen schon deshalb ansprechender, weil sie alle
wenigstens eine gewisse Bedeckung haben, während jene völlig nackend
einhergehen, wie wir dies zuletzt auf den French-Inseln sahen.

Die Männer tragen den Mal, d. h. ein oft mehrere Meter langes Stück
Zeug aus geschlagener Baumrinde, ähnlich der Tapa der Polynesier,
sorgfältig um die Hüften und zwischen den Beinen durchgezogen
(vergl. Atlas T. XVI 3.), und nur kleine Knaben gehen völlig nackt.
Dagegen sind noch sehr kleine Mädchen bereits mit einem Lendenschurz
bekleidet, der ebenfalls Mal heißt und sich in dieser Form über ganz
Neu-Guinea als das einzige Bekleidungsstück des weiblichen Geschlechtes
(vergl. Abbild. S. 40) verbreitet. Als Material dient die gespaltene
Blattfaser der Kokos-, für feinere die der Sagopalme. Letztere werden
häufig buntgefärbt, meist rot oder mit roten, schwarzen und gelben
Längsstreifen und kleiden junge Mädchen sehr artig. Der Lendenschurz
geht entweder um den ganzen Körper und bildet dann eine Art bis über
die Knie herabreichendes Röckchen, oder er bedeckt nur gewisse Teile
vorder- und hinterseits und ist dann mehr Schürzen zu vergleichen.

Hinsichtlich des übrigen Ausputzes der hiesigen Papuas ist wenig zu
bemerken, da sie im ganzen arm zu sein scheinen. Armbänder, aus einer
Art Gras oder Liane (Lynosia) geflochten, Sagiu, zieren wie überall
den Oberarm bei beiden Geschlechtern; die Männer tragen zuweilen noch
ähnliche Bänder fest unter dem Kniee umgeflochten. Diese Arm- und
Kniebänder sind zuweilen hübsch mit kleinen Kaurimuscheln (vergl.
Atlas XX. 4) verziert, wie Muscheln hauptsächlich zu Schmuck- und
Zieraten verwendet werden. So namentlich die zu Scheiben geschliffenen
Basisteile der Conusmuscheln, aus denen man Halsketten verfertigt.
Weit wertvoller sind Hundezähne, die überhaupt bei allen melanesischen
Stämmen als Material zu Schmuck eine so hervorragende Stelle einnehmen
und bereits bei unseren Vorfahren gleichen Zwecken dienten. Die
Weiber müssen sich gewöhnlich mit ein paar Hundezähnen als Zierat
der Ohren begnügen, während die Männer breite Ringe aus Schildpatt
(Atlas XVII. 4) tragen, wie außerdem eine Menge anderer Dinge. Aber
bei allen Naturvölkern schmückt sich das männliche Geschlecht eben
weit mehr als das weibliche. Tätowierung, die, da wo sie Sitte ist,
vorherrschend den Körper des Weibes verziert, ist hier, wie an der
ganzen Küste unbekannt. Dagegen bemerkte ich zuweilen, und zwar an
beiden Geschlechtern, Ziernarben, die, wie in den Gilberts-Inseln
und anderswo, durch kleine Brandwunden hervorgebracht werden. Kämme
(Atlas XVII. 1) dienen nur dem Haare des Mannes als Schmuck und
werden von den Frauen nicht getragen. Wie erwähnt, benutzt man diese
Kämme (Gatiassem) übrigens nicht zum Kämmen, sondern zum Aufzausen
der Haare, als Kopfkratzer und gelegentlich als -- Gabel, an welche
das schmale, langzinkige Instrument am meisten erinnert. -- Der
kostbarste Brustschmuck der Männer besteht aus Eberhauern (Atlas XXI.
2), während die Frauen mit einer Eiermuschel (Ovula ovum) zufrieden
sind. Aber für gewöhnlich sieht man außer den erwähnten Armbändern
wenig Zieraten bei der hiesigen Bevölkerung, dagegen scheinen kleinere
oder größere Beutel, zierlich aus festem Bindfaden in Filetmanier
gestrickt, unzertrennliche Begleiter. Die Männer tragen kleine, dicht
gestrickte Brustbeutel, Jambi, in welchen sie meist Tabak, Talismane,
Betelnüsse und sonstige Kleinigkeiten verwahren, und größere, Gumbutu,
auf der Schulter, die für die Kalkbüchse (Atlas V. 1) zum Betel,
Löffel, Betelnußbrecher aus Knochen (Atl. V. 7), Muscheln zum Schneiden
und Schaben (Atl. V. 8) dienen, Requisiten, welche jeder Papua als
unentbehrlich stets bei sich trägt. Die Beutel der Weiber, Nangeli-Gun,
sind viel größer, sackartig und werden an einem Tragbande auf dem
Vorderkopfe getragen, wie dies die Papuafrauen meist thun. Sie sind
diese Methode schon von so früher Jugend an gewöhnt, daß sie ohne Mühe
beträchtliche Lasten aufladen. Denn nur die Weiber sind es, denen der
Transport der Feldfrüchte von den Pflanzungen nach dem Dorfe obliegt,
die Wasser und Holz herbeitragen, wie sie außerdem in kleineren
Beuteln noch häufig Säuglinge, sowie junge Hunde und Schweinchen mit
umherschleppen.

[Illustration: Häuser mit Barla.]

Nach dieser Bekanntschaft mit der äußeren Erscheinung der Papuas im
allgemeinen und der hiesigen im besonderen, wollen wir uns nach Bongu
zurückwenden, um auch Siedelungen und Häuser kennen zu lernen. Wie
fast alle Papuadörfer in Neu-Guinea, verteilen sich die etwa 30 Häuser
unregelmäßig über einen freien Platz, der unmittelbar vom Urwald
eingeschlossen ist. Bei den Häusern stehen spärliche Kokospalmen,
sowie einige Bananen, Zierpflanzen und Cayennepfeffersträucher (jau).
Gewöhnlich teilen sich die Dörfer in mehrere Häusergruppen, die durch
schmale Pfade durch den Urwald miteinander verbunden sind und eigene
Namen haben. Die Plantagen, auf welche ich später zurückkommen werde,
sind oft in beträchtlicher Entfernung von den Siedelungen angelegt.
Was die Häuser in Bongu selbst anbetrifft, so unterscheiden sie sich
im Baustil von den meisten Papuahäusern dadurch, daß sie auf dem
Erdboden stehen, daher richtiger als Hütten zu bezeichnen sind. Sie
bestehen, wie die Abbildung zeigt, im wesentlichen aus einem seitlich
etwas gerundeten, breiten stumpfwinkeligen Dache, mit gerader Firste,
das bis zum Erdboden herabreicht. An der vorderen Giebelseite befindet
sich die kleine Thür, die zuweilen überdacht und mit einer schmalen
Plattform versehen ist. Da die Häuser hauptsächlich nur zum Aufenthalt
während der Nacht sowie bei schlechtem Wetter dienen, ist die innere
Einrichtung sehr einfach. Ein paar Bänke aus gespaltenem Bambus, Barla
genannt, dienen als Schlafstätten der Männer sowie zur Aufnahme des
wenigen Hausrates (Töpfe, hölzerne Schüsseln), Lebensmitteln u. s. w.
An den Dachbalken hängen gewöhnlich Körbe und Bündel, welche, in
Blätter eingepackt, feinere Sachen (z. B. Federschmuck) enthalten.
Zum besseren Schutz gegen Mäuse, sind oft Horden darüber errichtet,
namentlich auch für Speisen. In der Mitte des Hauses befindet sich
die Feuerstätte, weniger zum Kochen, was meist im Freien geschieht,
als um überhaupt Feuer zu erhalten. Denn sonderbarerweise scheinen
die hiesigen Eingeborenen kein Mittel zu besitzen, um Feuer zu
erzeugen. In den Hütten werden daher stets glimmende Kohlen eines
sehr langsam brennenden Holzes erhalten, so daß in einem Papuadorfe
das Feuer nie ausgeht. Sollte es dennoch geschehen, so holen die
hiesigen Küstenbewohner aus den Bergdörfern Feuer, deren Bewohner
die Kunst, Feuer zu machen, verstehen. Bei dem sorglosen Umgehen mit
Feuer muß man sich nur wundern, daß nicht alle Augenblicke die so
leicht entzündbaren Häuser in Flammen aufgehen, aber merkwürdigerweise
scheinen Brandunglücke im ganzen selten zu sein.

Freund Sa-ul hatte uns am Eingang des Dorfes begrüßt und geleitete uns
mit den übrigen Männern nach der Barla (vergl. Abbild. S. 46), einem
großen, auf vier Pfählen ruhenden Gerüst, ähnlich einem großen Tisch,
das in keinem dieser Dörfer, ja fast vor keinem Hause, fehlt. Die
Barla bildet den beliebten Ruhe- und zugleich Eßplatz der Männer, die
hier, unbehelligt von den zudringlichen Schweinen, ihre Mahlzeiten und
darauf ihr Schläfchen halten. Frauen dürfen die Barla nicht benutzen,
sondern höchstens unter derselben hocken. Wie die meisten Papuadörfer,
besitzt Bongu auch ein Versammlungshaus, hier Buambrambra genannt, das
als Schlafstätte für die unverheirateten Männer, wie als Empfangshaus
fremder Gäste dient. Dieses Gebäude, in der Form der gewöhnlichen
Häuser, aber viel größer und an beiden Giebelseiten offen, schien erst
seit kurzem fertig geworden zu sein. Außer einigen Unterkiefern von
Schweinen, zur Erinnerung an Festlichkeiten, und einigen Eierschalen
(von Megapodien), enthielt es keinerlei Ausputz, aber einige Barum
waren hier untergebracht. So heißen die großen Holztrommeln (vergl.
Atl. XIII 1.), welche dickwandigen Trögen ähneln und, mit einem dicken
Knüppel geschlagen, als Signalinstrumente dienen. Ihr dumpfer Ton ist,
namentlich in der Stille der Nacht weit, oft mehrere Meilen (engl.),
hörbar und teilt alle Begebenheiten den Nachbardörfern mit, die an der
Art der Schläge sogleich erkennen, ob es sich um einen Angriff, einen
Todesfall oder eine Festlichkeit handelt. Die Samoa hat später gar
oft das Barum in Thätigkeit gesetzt, wie unsere Ankunft ebenso durch
Rauchsäulen, in der Nacht durch Feuer signalisiert wurde.

[Illustration: Telum Mul.]

An dem soeben erwähnten Buambrambra war übrigens keinerlei
Verzierung in Holzschnitzerei angebracht, aber ich entdeckte bei
meinem Durchstöbern der Hütten zufällig ein hervorragendes Werk des
Kunstfleißes in Holzbildnerei, einen sogenannten Telum oder Tselum. So
heißen hier besondere, meist aus Holz gefertigte Figuren, die in der
Regel einen Menschen darstellen. Ich sah in Bongu übrigens auch kleine,
aus einer erdigen aber festen Masse geschnitzte Telum. Das erwähnte
Holzbildnis verdiente schon wegen seiner Größe Bewunderung, denn es
war an 8 Fuß hoch und aus einem Stück Holz geschnitzt, soweit sich
dieser Ausdruck für die Steinzeit anwenden läßt, die ja keine Messer,
also auch nicht eigentliches Schnitzen kennt. Diese Kolossalfigur, von
der die Abbildung (S. 49) eine getreue Vorstellung giebt, wurde »Telum
Mul« genannt. Sie repräsentierte einen Papua, dessen Kopf allein über
die Hälfte der ganzen Länge einnahm, aber trotz den groben Fehlern in
den Proportionen doch ein Kunstwerk ersten Ranges und eine Leistung,
welche dem Alter der Steinzeit zur höchsten Ehre gereicht. Man staunt,
unter voller Berücksichtigung der primitiven Werkzeuge, nicht nur über
den Fleiß und die Ausdauer, sondern fast noch mehr über den idealen
Zug im Geiste des Papua, welcher selbst vor einer solchen Riesenarbeit
nicht zurückschreckte. Denn ohne Zweifel waren es geistige Interessen,
welche die sonst so lässigen Menschen zur Verkörperung einer Idee
begeisterte, die keinen praktischen Hintergrund hat. Missionäre,
welche in den unschuldigsten bildlichen Darstellungen meist Zeichen
des Heidentums erblicken, würden eine solche wie hier jedenfalls als
einen besonders schrecklichen Götzen deuten, dessen Vernichtung als
Gott wohlgefällig betrachten. Aber ohne Zweifel haben die Telums
nichts mit Religion, wohl aber mit Geschichte der Papuas zu thun, da
sie ähnlich wie unsere Denkmäler berühmte Personen, Ahnen, darstellen
und somit nur für die Wissenschaft von höchster Bedeutung sind. Wer es
verstünde die Geschichte dieser Telums zu ergründen, von denen es in
den Dörfern von Astrolabe-Bai eine ganze Menge giebt, die alle durch
Eigennamen unterschieden werden, würde möglicherweise Aufschluß über
die Herkunft des Volkes oder Stammes geben können. Aber wahrscheinlich
ist die Geschichte vieler Telums bei der jetzt lebenden Bevölkerung
bereits verloren gegangen, denn manche scheinen sehr alt zu sein. Auch
der Telum-Mul hatte wahrscheinlich schon Generationen gesehen und nur
dem festen, den weißen Ameisen widerstehenden Holze seine Erhaltung
zu danken. Die gegenwärtige Generation sorgte übrigens schlecht für
ihn, denn er war in einer fast verfallenen Hütte untergebracht, in
welcher sich nur noch wenig altes Gerümpel befand, darunter ein paar
alte Blechgefäße und Fäßchen, die noch von Maclay herrührten. Unter
dem Gerümpel befand sich übrigens noch ein sehr interessanter, an 12
Fuß langer Balken mit kunstvollem Schnitzwerk, der am Boden lag und so
mit Schmutz und Staub bedeckt war, daß ich ihn in dem ohnehin dunklen
Räume erst nach geraumer Zeit entdeckte. Jedenfalls diente der Telum
nicht als »Götze« der öffentlichen Verehrung, und der Umstand, daß die
Bevölkerung ihn so sehr vernachlässigte, deutete das geringe Interesse
überhaupt an. Meine Bemühungen, diesen Schatz für das Berliner Museum
zu erstehen, scheiterten an der Uneinigkeit der Männer. Denn ohne
Zweifel war der Telum Mul Gemeindeeigentum nicht nur von Bongu, sondern
die Männer von Korendu und Gumbu hatten ebenfalls mitzubeschließen.

Wir werden für die Folge mehr solcher wunderbaren Erzeugnisse
des Kunstfleißes der Papua kennen lernen, die meist auf Ahnen
zurückzuführen sind und höchstens mit einem gewissen »Tabu«, aber
nichts mit Religion zu thun haben. Dies gilt auch in Bezug auf die
Beschneidung, welche bei der Bevölkerung von Astrolabe-Bai herrscht und
selbstredend keinerlei Beziehungen zum Rituale des Judentums hat, da
sich diese Sitte ja auch anderwärts bei Naturvölkern findet.

Die Bewohner von Bongu, wie Astrolabe-Bai überhaupt, lebten übrigens
bei unserem Dortsein noch völlig im Alter der Steinzeit, denn das
von Maclay zuerst hierhergebrachte Eisen hatte in keiner Weise
Veränderungen hervorgerufen. Im ganzen war auch blutwenig von
Gerätschaften zu sehen, welche der russische Reisende hier zurückließ.
Einige alte Stemm- und Hobeleisen, Blechgefäße, russische Uniformknöpfe
sowie wenig Glasperlen blieb alles, was wir bemerkten, obwohl uns die
Eingeborenen auf jedes Stück mit dem Ausruf »Maclay« aufmerksam machten.

[Illustration: Papuaschweine.]

Auch eine Nangeli (Frau) oder Kringa (Mädchen) »Maclay«, wurde uns
gezeigt, ein kleines, pockennarbiges Frauenzimmer von ca. 16 Jahren,
bei welchem Maclay jedenfalls Pate gestanden, d. h. ihr als Kind
den Namen gegeben hatte, eine Gunst, um welche die Eingeborenen den
Reisenden öfters ersuchten. Was unsere Aufmerksamkeit übrigens am
meisten erregte, war etwas, das wir hier am allerwenigsten erwartet
haben würden, nämlich etwas Lebendes in Gestalt von Rindvieh! Ein Bulle
und eine Kuh der indischen Zeburasse glotzten uns erstaunt über den
fremden Besuch eine Weile an und nahmen dann Reißaus. Miklucho-Maclay
hatte diese Tiere im Jahre 1883 an Bord des russischen Kriegsschiffes
»Skobeleff« hierhergebracht und den Eingeborenen geschenkt. Auf der
Reise nach Sydney begriffen, traf er dieses Kriegsschiff zufällig in
Batavia und ließ sich trotz der späten Stunde beim Kommandanten, einem
Admiral, melden. Derselbe war auch gleich bereit, einen Abstecher
nach Neu-Guinea zu machen, und brachte seinen gelehrten Landsmann,
noch in den Admiralitätsinseln und Palau vorsprechend, nach Luçon,
von wo das Kriegsschiff die Reise nach dem Amur fortsetzte. Die bei
dieser Gelegenheit eingeführten Ziegen waren spurlos verschwunden;
das Rindvieh aber für die Eingeborenen ein rechtes Danaergeschenk.
Bekanntlich sind Wildschweine und Kängurus die größten Vierfüßler,
welche Neu-Guinea aufweist, und diese machen schon die Umzäunung der
Plantagen notwendig, den Eingeborenen also Mühe und Last genug. Aber
diese Zäune erweisen sich Rindern gegenüber natürlich als unzureichend,
und so haben die Tiere nur die Arbeitslast der Eingeborenen Bongus
vermehrt, ohne ihnen irgend welchen Nutzen zu bringen. Denn was sollen
Vegetarianer mit Haustieren anfangen, deren Pflege sie nicht verstehen
und deren Verwertung ihren Bedürfnissen nicht entspricht! Menschen,
die in erster Linie und fast ausschließend von dem Ertrage ihrer
Plantagen leben, also Ackerbauer sind, können sich nicht mit einemmale
zu einem Hirtenvolke aufschwingen. Die einzigen Haustiere, welche von
den Eingeborenen hier, wie überhaupt, gehalten resp. gezüchtet werden,
sind Schweine und Hunde. Die ersteren, in der Bongusprache »Bul-bul«
genannt, sind Abkömmlinge der Wildschweine, von welchen Neu-Guinea zwei
eigentümliche Arten besitzt: Sus papuensis und Sus niger. Erstere Art
(unten linke Figur) kennen wir nur nach der ungenügenden Darstellung
Lessons. Sie ist rostbräunlich gefärbt, an der Unterkinnlade, Brust,
Bauch, Innenseite der Beine und Fesseln weißfahl, an Schnauze und ums
Auge schwärzlich; die Jungen sind ähnlich wie Frischlinge unseres
Wildschweines braun und rostgelb längsgestreift. Die zweite von
mir (Proc. Zool. Soc. London 1886 S. 217) beschriebene Art (oben
rechte Figur) zeichnet sich, auch in der Jugend, durch die einfarbig
schwärzliche Färbung aus. Beide Arten werden im Alter gewaltige
Tiere mit mächtigen Hauern, die bei den Papuas als Schmuck sehr
geschätzt sind. Die beigegebene Abbildung wurde nach den lebenden
Exemplaren gezeichnet, welche ich für den Zoologischen Garten in Berlin
mitbrachte, bisher die ersten, welche Europa erreichten, und stellen
Tiere in noch jugendlichem Alter dar. Ferkel sind nebst jungen Hunden
die erklärten Lieblinge der papuanischen Damenwelt, und ich sah nicht
selten Frauen außer ihrem Kinde noch ein kleines Schweinchen säugen.
Die Tierchen werden daher auch bewundernswert zahm, folgen, sofern
sie nicht im Tragbeutel mitgeschleppt werden, ihren Pflegerinnen auf
Tritt und Schritt, und eine Papuafrau würde sich von ihrem Lieblinge
ebensowenig trennen, als eine Dame von ihrem Schoßhündchen.

[Illustration: Papuahund.]

Die Abstammung des Papuahundes bleibt auf einer Insel, wo kein einziges
Raubtier vorkommt, ein Rätsel, dessen Lösung innigst mit der Herkunft
des hier lebenden Menschen zusammenhängt, eine Frage, welche eine
viel größere Bedeutsamkeit hat, als es vielen scheinen dürfte. Auf
Grund des Vorhandenseins von Hunden als Haustier hat die Annahme
Berechtigung, daß die Papuas überhaupt ein eingewandertes Volk sind.
Über das »Woher?« will ich hier indes weiter keine Betrachtungen
aufstellen. Der Papuahund, in Bongu »Ssa« genannt, gehört übrigens
jener eigentümlichen Rasse an, wie sie sich allenthalben in Neu-Guinea
findet, und die sich am meisten mit einem kleinen Dingo vergleichen
läßt. Er ist glatthaarig, von kleiner unansehnlicher Statur, hat einen
fuchsähnlichen Kopf, aber mit stumpfer Schnauze und aufrechtstehenden,
spitzgerundeten Ohren. Der Schwanz ist stark nach links gedreht,
wird aber beim Anblick eines Fremden aus Furchtsamkeit meist hängend
getragen. Die Färbung variiert außerordentlich, und schon hieraus
spricht die lange Domestikation am deutlichsten. Im allgemeinen
herrscht eine rostfahle Färbung vor, mit weißer Schnauze, Stirnmitte,
Kehle, Bauch und Schwanzspitze, aber es giebt auch dunkelbraune
Exemplare, solche mit weißem Kopfe und schwarzgefleckte, kurzum
nicht zwei Exemplare sind völlig gleich. Die Abbildung ist nach
einem jungen Exemplare gezeichnet. Eine besondere Eigentümlichkeit
des Papuahundes ist, daß er nicht bellt, sondern nur heult, aber ich
hörte die Hunde in Astrolabe-Bai nicht jene regelmäßigen Heulkonzerte
aufführen, bei dem sich alle Hunde vereinigen, und welche nicht gerade
zu den Annehmlichkeiten von Port Moresby gehören. Der Papuahund ist
übrigens von scheuem, feigen Wesen, sehr diebisch und schon wegen
seiner geringen Größe nicht zur Jagd geeignet, wie er kein guter
Wächter ist. Gewöhnlich pflegen sich bei Annäherung von Fremden die
Hunde des Dorfes lautlos wegzuschleichen. »Wie der Hund, so der Herr«
gilt auch für Neu-Guinea, insofern als beide keine Jäger, wohl aber
Vegetarianer sind. Wie sein Herr nährt sich der Papuahund vorzugsweise
von Pflanzenstoffen, frißt z. B. mit Vorliebe Kokosnuß, und sein bei
den Papuas so sehr beliebtes Fleisch mag infolge dessen wohl nicht
übel schmecken. Man hält den Hund eben des Essens wegen. Hunde und
Schweine werden übrigens nur bei Festen aufgetischt, welche die Papua
sehr lieben und mit großer Beharrlichkeit, oft mehrere Tage lang,
feiern. Da wird gar manchem Borstentiere der Garaus gemacht und die
Festteilnehmer bringen oft von weither ihren Anteil zu dem Picknick
herbeigeschleppt. Wie die Abbildung zeigt, wird dabei mit den Schweinen
nicht gerade glimpflich und im Sinne unserer Tierschutzvereine
verfahren, aber jedenfalls ist die Befestigung mit Lianen praktisch.
Ländlich, sittlich! Transportieren doch, was weit empörender ist, die
Neu-Irländer oder jetzigen Neu-Mecklenburger ihre Kriegsgefangenen, wie
Schulle auf Nusa mit eigenen Augen sah, in derselben brutalen Weise und
zu der gleichen Bestimmung des Aufessens!

Wie die Abstammung und Herkunft des Hundes, so ist die des Haushuhnes
eine noch ungelöste Frage, die nur wie jene erklärt werden kann. Hühner
sind an dieser Küste, wie in Neu-Guinea überhaupt, nicht Haustiere
im Sinne der unseren, werden auch nicht des Fleisches und der Eier,
sondern hauptsächlich, übrigens immer in sehr beschränkter Anzahl, der
Federn wegen gehalten. Hahnenfedern, namentlich weiße, sind nämlich
ein beliebter Kopfputz der Malassi oder jungen Leute. In manchen
Dörfern sah ich an Geflügel nur ein paar weiße Hähne (Kakaru). In der
Färbung neigen sie häufig zu Albinismus, während die meist im Walde
versteckt lebenden Hennen (Tutu) mehr dem wilden Bankivahuhn ähneln.
Ich will hier noch bemerken, daß das Halten von Vögeln bei den hiesigen
Papuas, wie an der ganzen Nordostküste, nur ausnahmsweise vorkommt.
Es überraschte mich dies, weil an der Südostküste zahme Papageien
(Eclectus) und Kakadus, schon der Federn wegen, fast in jedem Dorfe
gehalten werden.

[Illustration: Aufbruch zum Feste.]

Auf unseren Ausflügen lernten wir auch die Plantagen der Eingeborenen
kennen, die, wie erwähnt und wie dies fast überall in Neu-Guinea und
Melanesien überhaupt der Fall ist, weit von den Dörfern, meist an
Berghängen oder mitten im Urwalde angelegt sind. Die Urbarmachung
eines oft mehrere Hektaren großen Stück Landes ist für Menschen,
die noch in der Steinperiode leben, gewiß eine höchst mühevolle und
gewaltige Arbeit, nicht minder die Einzäunung desselben. Soviel das
Feuer auch hilft, einen Urwald kann es nicht vernichten, und so
bleibt noch viel Arbeit für die Steinäxte der Männer übrig, welche
die kleineren Bäume umhauen, von den großen, zum Teil von Feuer
gefällten, die Äste abhacken, so daß nur die Stämme übrig bleiben,
die dem Klima nicht allzulange Widerstand leisten. Wie bei der groben
Arbeit des Umhauens und eigentlichen Urbarmachens, so vereinigen
sich sämtliche Dorfbewohner beim Bau der Einzäunung. Sie wird in dem
hiesigen Distrikte aus etwa mannshohen Stäben des wilden Zuckerrohres
gefertigt, die durch ihr späteres teilweises Ausschlagen der Wurzeln
dem Ganzen besondere Festigkeit verleihen. Thore oder Thüren sind aus
Rücksicht auf das Eindringen der wilden Schweine nicht freigelassen,
aber gewisse Vorrichtungen zum leichteren Überklettern angebracht. Das
von der Einfriedigung umschlossene Land ist nach Größe der Familien
verteilt, deren weibliche Glieder die Bearbeitung zu besorgen haben.
Das eigentliche Umgraben, wozu man sich nur eines spitzen Stockes, Udja
(Udscha) bedient, geschieht durch die Männer, die feinere Bearbeitung
des Bodens durch die Weiber, die dazu eine Art schmaler Schaufeln
(Udja-sab) benutzen. Ich fand in den Plantagen dieselbe musterhafte
Wirtschaft, wie ich sie schon von der Südküste Neu-Guineas und aus
Neu-Britannien kannte. Das Erdreich sah, sorgfältig aufgelockert,
wie gesiebt aus. Die Ranken des Jams wanden sich an regelmäßig
eingesteckten Stangen, zwischen denen andere Pflanzen wuchsen, wie in
einem Hopfenfelde empor. Es war jetzt gerade die Zeit der Jamsreife,
da der Landbau der Papuas eine Reihe von Feldfrüchten in abwechselnder
Aufeinanderfolge zeitigt. Das Hauptnahrungsmittel bildet übrigens der
am meisten beliebte Taro, »Bau« (Collocasia), von März bis August,
demnächst Jams, »Ajan« (Diascorea), von August bis November. Außerdem
werden noch süße Kartoffeln, »Degargol« (Convulvulus), Zuckerrohr,
»Den«, Bananen, »Moga«, eine Art kleiner Bohnen, »Mogar« und Tabak
»Kas« kultiviert. Ein ebenfalls nur infolge von Kultur vorhandener
Nutzbaum ist die Kokospalme, die in ganz Astrolabe-Bai spärlich
vorhanden, besonders in diesem Teile rar ist und manchen Dörfern
z. B. Gumbu ganz fehlt. Kokosnüsse, »Munki« sowie Sago »Bom« haben
daher für dieses Gebiet nur untergeordnete Bedeutung, während sie in
anderen mit zu den Hauptnährmitteln gehören. Damit sind ungefähr alle
Kulturpflanzen der Papuas in ganz Neu-Guinea, wie Melanesien überhaupt,
genannt, und ich werde hierüber, wie über Bodenbearbeitung selbst wenig
mehr zu sagen haben, da sich dieselbe im wesentlichen überall gleich
bleibt.

Man ersieht aus dem Vorhergehenden, daß die so oft gepriesenen Tropen
nicht dem Garten Edens zu vergleichen sind, in welchem der Mensch ohne
alle Mühe und Sorge herrlich und in Freuden lebt, sondern daß er sich
überall im Kampfe ums Dasein bemühen und quälen muß. Selbst diejenigen
vereinzelten Menschenstämme, welche, wie z. B. die Australier, gar
keinen Anbau kennen, und lediglich auf die Erzeugnisse der Natur
angewiesen sind, müssen sich ihren Lebensunterhalt mühselig erwerben
und werden, wie schon ihr Äußeres zeigt, nicht fett dabei.

Für die Papuas liegt übrigens schon in der Bodenbearbeitung ein
charakteristischer Zug der ganzen Rasse, durch welche sie die höhere
Stufe ihrer Gesittung so vorteilhaft bekundet, und die weder durch
Nacktheit noch Kannibalismus gewisser Stämme abgeschwächt werden
kann. Letztere beiden Übel sind ja nur in unseren Augen solche, in
Wirklichkeit aber durch Usus überkommene Gewohnheiten unabhängig von
Gesittung wie Moral.

Selbstredend benutzen, wie alle Papuas und Menschen überhaupt, auch
diejenigen von Astrolabe-Bai einige Pflanzen, welche die Natur selbst
bietet, als Nahrung. So verschiedene Früchte, Nüsse, ja selbst
Knospen und Blätter gewisser Gewächse. Sie spielen indes, wie der in
Astrolabe-Bai überhaupt nur spärlich vorkommende Brotfruchtbaum, Boli,
eine untergeordnete Rolle.

Um Wiederholungen zu vermeiden, will ich gleich an dieser Stelle
zweier Genußmittel gedenken, die mit wenig Ausnahmen über ganz
Melanesien verbreitet und eng mit dem Leben des Papua verbunden sind,
nämlich: Tabak und Betelnuß! Der erstere ist entweder, wie Hund und
Haushuhn, bei der Einwanderung der Papuas mitgebracht worden oder eine
einheimische Pflanze, war aber in jedem Falle vor der Ankunft von
Weißen den Eingeborenen schon bekannt. Wie Maclay in Konstantinhafen
bereits Tabak vorfand, so ging es uns später an Plätzen, die wir
zuerst berührten. Die früher von mir von der Südküste mitgebrachten
Herbarproben zeigten die Identität der von den Papuas kultivierten
Pflanze mit dem gewöhnlichen Bauerntabak (Nicotiana tabacum), mit
dem sie in Aussehen wie Blüte durchaus übereinstimmt. In allen von
mir besuchten Gebieten an der Nord- und Südostküste Neu-Guineas,
fand ich Tabakbau, deren Erträge selbst einem Teil des Tauschhandels
der Eingeborenen untereinander bilden. Auch die armen Bergdörfer im
Innern von Port Moresby besaßen ihre sorgfältig eingezäunten Gärtchen
mit Tabakspflanzen, während an der Küste selbst diese Kultur durch
eingeführten Tabak im Verschwinden begriffen oder wie in Port Moresby
so gut als verschwunden ist. Hier hat der bekannte Twist, (Niggerhead)
oder amerikanische Stangentabak, das gangbarste und unentbehrliche
Tauschmittel[19] im Verkehr mit allen Südseestämmen überhaupt,
bereits Wert und lebhafte Nachfrage. Die Eingeborenen der Südostküste
besitzen auch ein eigenes Rauchgerät, den »Baubau«, auf den wir noch
zurückkommen werden, welches die sonst überall beliebte und begehrte
Thonpfeife nicht zu verdrängen vermochte. Die Eingeborenen an der
ganzen Nordostküste kennen kein Rauchgerät und wiesen aus diesem Grunde
auch unsere Thonpfeifen zurück. Sie wickeln aus den unfermentierten,
etwas getrockneten Blättern eine rohe Zigarre oder Zigarette, der ein
grünes Baumblatt als Decker dient. Diese Zigarren glimmen selbstredend
sehr schlecht, und es bedarf immer glühender Kohlen, um sie in Brand
zu halten. Aber die Papuas sind keine Raucher in unserem Sinne; ein
paar volle Züge genügen, und die Zigarre wandert von Mund zu Mund. Wir
konnten uns mit dieser Sitte unserer neuen Freunde in Konstantinhafen
natürlich nicht befreunden, die in oft ergötzlicherweise dem einen
oder anderen von uns die brennende Zigarre aus dem Munde nahmen, um
sich an ein paar Zügen zu erlaben. Wir vertrösteten die Leutchen
daher immer auf die Stummel, die bald ein gesuchter Artikel und den
Eingeborenen lieber als der harte Stangentabak waren, obwohl sie diesen
bereits durch Maclay kannten. Wie in Port Moresby »Kuku lassi?« (keinen
Tabak haben?) die stehende Redensart, gleichsam Begrüßungsformel bei
Begegnung mit Eingeborenen ist, so hier »kas! kas!« (Tabak, Tabak!).
Aber die Leute waren lange nicht so bettelhaft und zudringlich als in
dem von Civilisation schon zu sehr übertünchten Port Moresby.

Nächst dem Tabak ist der Genuß des Betel über ganz Melanesien
verbreitet und wird von Mann und Frau, alt wie jung, leidenschaftlich
geliebt, ja scheint fast unentbehrlich. Betel ist bekanntlich die
Frucht der Betelpalme (Areca), der schönsten der hier vorkommenden
Palmen, deren gerade Stämme sich auch trefflich als Baumaterial
eignen. Die Betelpalme zeitigt traubenförmige Büschel grüner bis
gelber Früchte, von der Größe einer kleinen Walnuß oder Mirabelle.
Nach Entfernung der äußeren dichten Faserhülle, mittelst eines
meißelförmigen Instruments (Dongan) aus Knochen, kommt ein fester Kern
zum Vorschein, der in Aussehen und Form einer Muskatnuß ähnelt. Dieser
Kern oder Nuß ist es, welcher gegessen wird, aber nicht allein, sondern
im Verein mit pulverisierten Kalk (aus gebrannten Korallen gewonnen)
und den Blättern oder Blüten einer Pfefferpflanze, in derselben Weise
also, wie dies überall geschieht. So verbreitet sich der Betelgenuß
bekanntlich weit über Ostindien und die malaiischen Inseln, hier Sirie
genannt. Aber es würde voreilig sein auf dieses gemeinsame Genußmittel,
die ursprüngliche malaiische Herkunft der Papuas abzuleiten, da kein
Grund vorliegt zu bezweifeln, warum die letzteren nicht selbst auf
den Betelgenuß gekommen sein sollten. Für Europäer ist Betel übrigens
eben kein Genuß! Er schmeckt beißend-säuerlich, zieht das Zahnfleisch
zusammen, hinterläßt aber einen erfrischenden Nachgeschmack und
erleichtert das Atmen. Irgend eine betäubende Wirkung hat Betel
übrigens nicht, dagegen eine färbende, indem er Zunge, Lippen, Speichel
und Zähne rot, bei längerem Gebrauch letztere braun bis schwarz färbt.
Aus welchen Gründen die Betelnuß überall nur im Verein mit Pfeffer
und Kalk gegessen wird, wäre interessant zu erfahren, scheint aber
noch nicht wissenschaftlich aufgeklärt. Die gewöhnliche Bezeichnung
»Betelkauen« rührt übrigens daher, daß erst nachdem die Nuß mit den
Zähnen zerkaut ist, derselben Kalk und Pfeffer zugesetzt wird. Zum
Aufbewahren des Kalks benutzt man hier, wie fast überall in Neu-Guinea,
flaschenförmige, unten zugerundete Kalebassen (Atlas V. 1), die
wir zuerst auf den French-Inseln fanden. Es verdient dies deswegen
Beachtung, weil man im Bismarck-Archipel diese Art Kalkbehälter nicht
kennt. Die Kalkkalebassen sind übrigens oft kunstvoll verziert, wie die
dazu gehörigen sogenannten »Löffel«, welche diese Bezeichnung sehr mit
Unrecht tragen. Sie stellen vielmehr einen langen, schmalen Spatel aus
Holz oder Knochen dar, an dessen abgeflachter, im Munde befeuchteter
Spitze der Kalk hängen bleibt. Das hindert die Eingeborenen
natürlich nicht, den Spatel gemeinschaftlich zu benutzen, ja es ist
selbstverständlich, fremden Gästen vor allem Betel und die Kalkbüchse
als Zeichen der Freundschaft anzubieten. Wenn ich dasselbe hier wie
überall höflich zurückwies, so wurde dies übrigens nirgends als eine
Beleidigung aufgenommen, und die Leute wunderten sich nur über die
Dummheit des Fremdlinges, einen so köstlichen Genuß zu verschmähen. Die
Betelpalme ist übrigens in Konstantinhafen sehr selten, und hier wie
anderwärts bilden Betelnüsse »Pinang« einen Tauschartikel.

Die Palme selbst gehört hie und da mit zu den Kulturgewächsen, von
der man einzelne Exemplare, sorgfältig eingezäunt, in vielen Dörfern
findet. Dasselbe gilt bezüglich gewisser Zierpflanzen, von denen
hauptsächlich buntblättrige Croton, Draceen und Euphorbiaceen und
Hibiscus angepflanzt werden. Die schönen roten Blumen des letzteren
werden in das Haar, die bunten Blätter in die Arm-, Hals- und
Kniebänder gesteckt und bilden den gewöhnlichen Aufputz der jungen
Leute, zumeist der Männer.

Wie der Betel auf Malaiasien hindeutet, so die Kawa auf Ozeanien. Aber
in beiden Fällen würde eine etwaige Schlußfolgerung auf die dadurch
angedeutete Herkunft der Papuas eine irrige sein. Denn Kawa ist bis
jetzt nur in diesem beschränkten Teile von Neu-Guinea beobachtet, also
sicherlich nicht aus Ozeanien herübergebracht worden. Die Pflanze aus
welcher der »Keu« und zwar in derselben Weise wie in Ozeanien bereitet
wird, ist wie Kawa eine Pfefferart und wohl identisch mit Piper
methysticum. Auch die Gebräuche und Zeremonien beim Keutrinken, über
die Maclay ausführlich berichtet, sind ganz ähnlich wie in Ozeanien.
Aber statt junger Mädchen kauen junge Burschen die Zweige, Blätter
und Wurzeln der Pflanze; und Keu wird nur bei besonders feierlichen
Gelegenheiten und allein von den Tamos, Männern, getrunken, das
widerliche, durch seine Bereitung vollends ekelhafte Getränk, aber
nicht Fremden als besondere Auszeichnung kredenzt. In Astrolabe-Bai
sahen wir auch den Melonenbaum (Carica papaya), »Papaia«, Zuckermelonen
und Kürbisse, beide »Arbus« genannt, an deren Namen man schon den
fremden Ursprung erkennen konnte. Auf Befragen hieß es gleich »Maclay«,
denn dieser war es, der zuerst Kulturgewächse, (darunter auch
Mais, »Kukurus«) einführte, Geschenke, welche übrigens nicht in der
Weise, wie der Philanthrop erwartete, von den Eingeborenen gewürdigt
wurden. Jedenfalls nützen sie ihnen aber mehr als die Rinder, nach
dem russischen »Bika« genannt. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen
zu glauben, daß mir die wenigen russischen Wörter, welche ich auf
meiner sibirischen Reise gelernt hatte, unter den sogenannten Wilden
in Neu-Guinea noch einmal nützlich werden könnten, aber es war doch
so! »Gleba« (Chljeb = Brot), »Taporr« (= Beil), »Schirau« (Ssjekrá =
Axt), Noscha (Nosh = Messer) lauteten die sich stets wiederholenden
Wörter im Sprachschatze der Papuas, welche aber auch zugleich ihre
Kenntnis des Russischen erschöpften. Als Leute, die genug zu leben
haben, verlangten sie indes kein Brot, ja kosteten dasselbe kaum,
sondern nur Eisen, und für alles, auch die geringsten Dinge, wollten
sie »Taporr« oder »Schirau« haben. Um »Noscha« gaben sie weniger, und
andere Tauschartikel wie Spiegel, Glasperlen, Fingerringe u. dergl.
machten eigentlich nur Frauen und jungen Leuten Spaß. Die Naturkinder,
obwohl in vieler Hinsicht Kinder, sind meist doch viel praktischer als
Kinder, und schon der kleine Papuaknabe wird unbedenklich ein Stück
gewöhnliches Bandeisen einer Handvoll Glasperlen vorziehen. Da ich
für die Folge noch sehr oft von dem Tauschhandel oder besser Schacher
mit den Eingeborenen zu sprechen habe, so will ich gleich hier einige
allgemein gültige Bemerkungen vorausschicken. Bunter oder glänzender
europäischer Tand, wie man ihn sich bei uns als höchst wirkungsvoll
denkt, erregt bei den sogenannten »Wilden« vielleicht Aufmerksamkeit,
bildet aber gewiß nur für kurze Zeit Nachfrage. Ihr Sinn richtet sich
eben auf Praktisches, und was könnte daher wohl Menschen, die noch tief
im Steinalter leben, willkommener sein als Eisen! -- Nicht Roheisen u.
dergl., da sie keine Idee von schmelzen oder schmieden haben, sondern
Eisen in irgend einer passenden Form. So ist z. B. schon ein großer
Nagel ein begehrter Gegenstand, aus ihm läßt sich ein brauchbares
Gerät herstellen und zwar mittelst Schleifen, das allen Eingeborenen
von ihren Stein- und Muscheläxten wohlbekannt ist. Da letztere nun bei
allen Stämmen der Steinperiode das wichtigste Gerät bilden, so paßt
ihnen zum Ersatze der Steinklinge ein Stück flaches Eisen am besten.
Am begehrtesten von allen europäischen Tauschartikeln sind daher ca.
sechs Zoll lange, zwei Zoll breite und ca. zwei Linien dicke Stücke
sogenannten Flacheisens, in Ermangelung Hobeleisen, ja selbst starkes
Bandeisen. Solche Eisenstücke lassen sich ganz in derselben Weise
an die knieförmigen Holzstiele ihrer Steinbeile befestigen, wie die
selbstgefertigten Steinklingen und werden unbedenklich europäischen
Beilen überall da vorgezogen, wo die Eingeborenen zuerst mit Weißen in
Verkehr treten. Die Klinge der meisten Steinäxte ist nämlich mit der
Schärfe quer zum Stiele befestigt (vergl. Atlas I 3), ganz wie bei den
Beiteln der Schiffszimmerleute, und steht nicht in gleicher Flucht mit
dem Stiele, wie bei gewöhnlichen Beilen. Aus diesem Grunde verstehen
daher die Eingeborenen mit den letzteren nicht umzugehen, und erst
wenn sie dies gelernt haben, ziehen sie gewöhnliche Äxte den in ihrer
Weise mit einer Eisenklinge montierten vor. Übrigens ist das Steinbeil
keineswegs ein so ganz primitives Gerät, wie wir meist annehmen, dafür
legen die vielen ebenso gewaltigen als zum Teil kunstvollen Arbeiten
der Papuas das beste Zeugnis ab. Ich habe an der Südküste Neu-Guineas
in bewundernswert kurzer Zeit Kanus nur mit Steinbeilen anfertigen
sehen und fand es noch in der Hand solcher Eingeborenen, welche
eiserne Äxte längst kannten und besaßen. So offerierte ich einst einem
Häuptlinge in Neu-Irland vergebens eine gute amerikanische Axt für
sein mit einer Klinge von Mitramuschel versehenes Beil, mit welchem er
gerade an einem Kanu zimmerte. -- Die in Port Konstantin erhaltenen
Steinbeile (Angam) waren übrigens ziemlich roh und klein (Atlas I, 1,
2, 3), denn die großen, welche meist Gemeindeeigentum sind, brachten
sie schlauerweise nicht an den Tag. Wir werden solche übrigens später
kennen lernen. -- Messer, um dies noch zu erwähnen, sind bei noch wenig
berührten Eingeborenen viel minder begehrt und führen sich erst nach
und nach ein. Zum Schneiden von Fleisch leistet ein scharfkantiges
Stück Bambu treffliche Dienste; im übrigen genügen Muscheln. Letztere,
sowie Steinsplitter und scharfe Zähne bilden, außer Steinbeilen
und meißelartig zugeschliffenen Steinstücken, den ganzen Reichtum
der Papuas an Werkzeugen. Als Raspeln bedient man sich überall der
Rochenhaut; sägeartige Instrumente sind unbekannt.

Wie alle Küstenbewohner betreiben auch die von Konstantinhafen
Fischfang, sowohl mit Netzen, als Haken und Speeren, scheinen aber in
diesem Gewerbe minder bewandert, als dies sonst meist der Fall ist.
Dasselbe gilt in Bezug auf Schiffahrt, denn ich bemerkte nur kleine
Kanus. Dieselben bestehen, wie fast überall, aus einem ausgehöhlten
Baumstamme, mit einem Auslegerbalken, der von zwei dünnen Querbalken
getragen wird, wie dies ein Blick auf Taf. VI (Fig. 1) des ethnolog.
Atlas am besten zeigt. Zuweilen ist auf den Baumstamm jederseits
ein Brett aufgelascht, d. h. festgebunden, was dann an Stern wie
Bug ebenfalls ein Querbrett erfordert. Dasselbe ist zuweilen mit
Schnitzerei in durchbrochener Arbeit verziert (vergl. Atlas VI, 7),
ebenso die Ruder (VI, 8).

Wie die wenigen russischen Wörter bei den Bewohnern von Port Konstantin
noch lange fortleben werden, so namentlich auch die Erinnerung an den
ersten Weißen, Maclay selbst, dessen Name uns noch auf Dampier-Insel
(Karkar) genannt wurde. Es ist nicht so schwer, mit den Eingeborenen
umzugehen, als es scheint, wie ich früher und später zur Genüge selbst
erfuhr, und es läßt sich mit den gefürchteten »Wilden« überall da
gut verkehren, wo nicht bereits die Begegnung mit Weißen unliebsame
Erinnerungen zurückließ. Wie die letzteren Haß und Rachsucht, so
erzeugt eine gute Behandlung Freundschaft für die Weißen. Das Auftreten
des ersten Fremdlings ist daher von nachhaltiger Bedeutung, wie er
selbst bei klugem Betragen bald großen Einfluß gewinnt. Und diesen hat
Maclay, der »Kaaram-Tamo« (Mann des Mondes), wie er in der Umgebung von
Konstantinhafen hieß, ohne Zweifel gehabt. Irgend ein Feuerwerkskörper,
ein Blaufeuer oder dergleichen, für die Eingeborenen eine neue und
unerklärbare Erscheinung, gab die Veranlassung zu diesem mysteriösen
Namen. Das Wesen des Sonderlings selbst trug noch mehr dazu bei, den
geheimnisvollen Schleier, der sich nach und nach um seine Person
hüllte, immer dichter zu weben. So herrschte bald allgemein der Glaube,
Maclay besitze übernatürliche Macht, könne Regen machen, wenn er nur
wolle, ja selbst fliegen! Wie mir der Reisende selbst erzählte, kam
das so! Maclay pflegte stets unbewaffnet, nur mit einem Stocke zum
Abwehren der oft bösartigen Schweine versehen, die Umgegend allein
und möglichst ungesehen zu durchstreifen. Hörte er auf den einsamen
Pfaden des Urwaldes das Herannahen von Eingeborenen, so suchte er
sich zu verbergen und erschien dann oft so unversehens im Kreise der
überraschten Dorfbewohner, daß diese nur in einem übernatürlichen Wesen
Deutung zu finden vermochten. Alle abwehrenden Versicherungen konnten
diesen Glauben nicht erschüttern.

»Einsiedelei-Point«, nicht weit von Konstantinhafen, und ca. eine
halbe Stunde von dem nächsten Dorfe Bongu, muß in der That eine rechte
Einsiedelei gewesen sein. Hier hatte das Haus gestanden, ein Besitztum,
das auf der Landseite durch eine feste Umzäunung, gegen die Wasserfront
durch Korallfelsen vor der Zudringlichkeit der Eingeborenen geschützt
war. Mit Blattstreifen verzierte Stangen, welche auf den Wipfeln
einiger hohen Bäume angebracht waren, hatten uns schon bei der Ankunft
auf diesen Platz als etwas Besonderes, aufmerksam gemacht, der sich als
die frühere Besitzung Maclays erwies. Vom Hause selbst war natürlich
keine Spur mehr zu sehen, aber eine Wildnis von süßen Kartoffeln,
einige Bananen und Melonenbäume zeigten die Stelle, deren Umfang die
Eingeborenen noch sehr wohl zu bezeichnen wußten und die sie als
fremdes Eigentum noch jetzt respektierten.

Es herrschte also volles Verständnis, als auch ich ein Stück Land
von den Eingeborenen erwarb, auf dem wir ein Haus oder vielmehr
einen Schuppen zum Lagern von Kohlen errichteten. Die Bewohner der
drei Dörfer Bongu, Korendu und Gumbu, welche durch Verwandtschaft
eng verbunden, auch politisch zusammengehören und dieses Gebiet
beherrschen, halfen redlich dabei und sahen es nur ungern, wenn Fremde
sich auch mit beteiligen wollten. Der alte Sa-ulo nützte uns übrigens
wenig und schien wegen seines Alters obwohl nicht gebrechlich, viel
an Einfluß verloren zu haben. Dagegen unterstützten uns Jago und Dam
am meisten und schienen die angesehensten Häuptlinge von Bongu zu
sein. Es herrschte ein geschäftiges und fröhliches Treiben. Unter den
wuchtigen Axthieben unserer Schwarzen fielen Bäume. Weiber und Kinder
reinigten den Platz von Unkraut und Steinen, schleppten Riedgras (Tura)
und Lianen (Mangau), die sich trefflich zum Festbinden eignen, herbei,
während die Männer Stangen fällten und Kokospalmblätter, ein für die
hiesige Gegend rares Material, in Kanus heranbrachten. Auch ohne
besondere Sprachkenntnis ließ sich, wie dies überall der Fall ist, mit
den sehr anstelligen Eingeborenen, die alle Absichten leicht begriffen,
trefflich auskommen. Aber man muß sie vor allem gut behandeln, immer
ein freundliches Gesicht machen und ihren Gewohnheiten Rechnung tragen.
Die Arbeit wird oft unterbrochen; einige müssen rauchen, Betel essen,
kochen oder ein bißchen schlafen, wie sie dies bei ihren eigenen
Arbeiten gewohnt sind, und daran muß man sich gewöhnen, wenn überhaupt
etwas geschehen soll. Denn diese Naturkinder kennen anhaltende Arbeit
in unserem Sinne natürlich nicht, und bei allen Papuas und Kanakas
überhaupt lodert der erste Eifer mächtig auf, erlischt aber eben so
schnell.

Als das »Buam« (Haus) fertig war, schleppten die Eingeborenen einen
mächtigen an 20 Fuß langen Bambu herbei, an welchem die deutsche
Handelsflagge befestigt, bald lustig an der Spitze eines hohen Baumes
im Winde flatterte. Die erste deutsche Station an der Küste von
Neu-Guinea war somit begründet und damit zugleich die spätere deutsche
Schutzherrschaft, die sich jetzt allein im Kaiser Wilhelms-Land über
ein Gebiet von 179250 qkm (= 3255 d. g. qm) oder größer als die Hälfte
des Königreichs Preußen erstreckt. Der 17. Oktober 1884 wird also
in der Kolonialgeschichte Deutschlands für immer ein denkwürdiger
Tag bleiben! Hatten auch die Eingeborenen über die Tragweite dieses
Vorganges nicht die entfernteste Ahnung, so begriffen sie doch sehr
gut, daß derselbe auch für sie etwas zu bedeuten habe, wie die neue
Flagge selbst, deren Farben (kum = schwarz, aubi = weiß, suru = rot)
sie wohl zu unterscheiden wußten. Und daß dieser Vorgang auf das
engste mit der Wiederkehr der neuen weißen Freunde, wofür schon das
Haus gewährleistete, zusammenhing, wußten sie ebenfalls. In jedem
Gesichte sprach sich daher Freude darüber aus, und das »kerre-kerre«
(sehr gut) wollte kein Ende nehmen. War doch nach dem praktischem
Urteil der Leute das Erscheinen der Weißen identisch mit viel
»Taporr«, »Schirau«, »Nosche«, sowie anderen nützlichen und begehrten
Dingen, und das konnte ja nur mit Freuden begrüßt werden. Der Besitz
eiserner Werkzeuge hat notwendigerweise größeren Reichtum und somit
Überlegenheit zur Folge, und deshalb ist jeder Stamm so sehr bemüht,
diese Vorteile für sich allein zu erlangen. Unsere neuen Verbündeten
huldigten dieser bekannten Eingeborenen-Maxime und warnten uns,
wie dies stets der Fall ist, vor ihren Nachbarn, die von Bilibili,
Bogadschi und anderen Küstenplätzen in Kanus herbeikamen, um uns zu
sehen und zu schachern. Als besonders schlecht (borle-borle) wurden die
Bewohner weiter im Inneren bezeichnet. Kein Bongumann wollte z. B. mit
nach dem Dorfe Eglam mana gehen, obwohl sonst gegenseitiger Verkehr
stattfindet und das Dorf wenig mehr als eine deutsche Meile entfernt
liegt. Aber die schlauen Küstenleute waren nur darauf bedacht, den
Absatz der erhaltenen Tauschwaren für sich nach dorthin zu sichern.

Das Wort »Mana« heißt im Bongudialekt Berg und bezeichnet dem Ortsnamen
angehängt, eines jener kleinen Dörfer, die in den Bergen bis zu einer
Erhebung von 1200-1500 Fuß verstreut liegen. Sie sind, wie ich dies
auch im Inneren von Port Moresby fand, armseliger und kleiner als die
Küstendörfer und zählen oft kaum mehr als 10-20 Hütten mit 40 bis 50
Einwohnern, während z. B. Bongu an 150 bis 180 Seelen haben mag. Aber
die ganze Bevölkerung von Astrolabe-Bai ist überhaupt nicht bedeutend
und wird von Maclay auf nicht mehr als 3500-4000 geschätzt, die sich
auf einige 80 Siedelungen verteilt. Ich erfuhr die Namen von etwa 15
Dörfern, aber wie bereits erwähnt, werden alle kleineren Häusergruppen
eines Dorfes, die oft nur aus drei bis vier Häusern bestehen, besonders
benannt.

Der Urwald, welcher sich längs dem Ufer dieses Teiles der Küste
hinzieht, ist weniger dicht, als ich ihn sonst meist in Neu-Guinea
fand, und besitzt weniger Unterholz und Gestrüppdickichte. Auch ist die
Ausdehnung dieses Waldgürtels in der Breite nicht bedeutend, und man
stößt nach kurzer Wanderung auf den schmalen aber gut gangbaren Pfaden
bald auf offenes, mehr oder minder hügliges bis ebenes Land, das sich
bis zu der dichtbewaldeten Gebirgskette erstreckt, welche sich parallel
mit der Küste hinzieht. Wie von Maclay mitteilt, ist diese steile
Gebirgskette unbewohnt und bildet für die Eingeborenen die äußerste
Verbreitungsgrenze nach dem Inneren, welche sie niemals überschritten.
Es giebt dies einen neuen Beweis von der äußerst beschränkten Kenntnis
des Landes seitens der Eingeborenen selbst, die, abgesehen von gewissen
Küstenstrichen, ihre nächste Umgebung selten weiter als etliche Stunden
weit kennen, Verhältnisse, wie ich sie auch an der Südostküste fand und
auf welche ich noch zurückzukommen habe.

Der erste günstige Eindruck, welchen die Umgegend von Port
Konstantin landschaftlich auf uns gemacht hatte, war bei näherer
Bekanntschaft nur befestigt worden. Das von verschiedenen kleinen
Wasserläufen durchzogene Land zeigte überall fruchtbaren Boden und für
Niederlassungen geeignete Lokalitäten, so daß ich schon damals dieses
Gebiet als sehr günstig für eine Station[20] nach Berlin empfehlen
konnte. Aber etwas mangelte und zwar ein guter Hafen, denn Kapitän
Dallmann war mit Port Konstantin gar nicht zufrieden; unsere nächste
Aufgabe galt also der Aufsuchung eines solchen.

Der zuerst durch von Maclay angebahnte freundschaftliche Verkehr mit
den Eingeborenen war von uns in derselben Weise fortgesetzt worden und
ließ nichts zu wünschen übrig: noch nie hatte ich so gutmütige und
anstellige Leute als hier getroffen! Das Verständnis mit ihnen wurde
von Tag zu Tag leichter, und es gelang mir ohne Schwierigkeit sie am
Abend vor unserer Abreise zu einem »Mun« zu vereinigen. So heißen
hier jene aus Tanz und Gesang bestehenden Aufführungen, welche den
Glanzpunkt der Feste bilden und sich in ähnlicher Weise überall in
Neu-Guinea, ja ganz Melanesien wiederholen. Nach unseren Begriffen
ist freilich der Tanz nichts als eine arge Trampelei, und mit dem
Gesang ist es nicht besser bestellt als mit der Musik, bei welcher
die sanduhrförmige Holztrommel, Okam, (vergl. Atlas XIII. 2), eine so
große Hauptrolle spielt, aber es war mir doch interessant, auch hier
diese Gebräuche kennen zu lernen. Die Bereitwilligkeit, uns auch in
außergewöhnlicher Zeit einen »Mun« zum besten zu geben, zeugte überdies
von dem guten Einvernehmen mit den Eingeborenen und war als eine
besondere Auszeichnung und Ehre für uns anzusehen.

Wenn es sonst Sitte bei den Papuas ist, scheidenden Freunden Geschenke
mit auf den Weg zu geben, so machten die braven Konstantiner bei
uns eine Ausnahme. »Nehmen ist seliger denn Geben« lautet auch ihre
Lebensregel, wie fast bei allen Papuas, und selbst der biedere König
Sa-ul ließ sich jede Kokosnuß, mit der er uns in seiner Residenz
bewirtete redlich bezahlen, ja, auch der Junge, welcher die Nüsse
pflückte, verlangte ein Trinkgeld. »Backschisch, Backschisch!« hier wie
überall.



Drittes Kapitel.

Friedrich-Wilhelms-Hafen.

  Bogadschi und seine Bewohner. -- Ein Dieb. -- Hansemann-Berge.
  -- Schönes Kulturland. -- Gorimafluß. -- Insel Bilibili. --
  Besuch derselben. -- Dschelum, das große Versammlungshaus. --
  Hochinteressanter Kunstbau der Steinzeit. -- Kein Tempel. --
  Häuser. -- Wir sollen Krieg führen. -- Waffen. -- Wurfspeere.
  -- Pfeil und Bogen. -- Kein Pfeilgift. -- Keulen. -- Schilde.
  -- Exkursion an der Küste. -- Zuckerrohr. -- Musterhafter
  Landbau. -- Sago. -- Geologisches. -- »Gold«-Flimmern. --
  Lobenswerte Moralität. -- Töpferei. -- Kanus und Schiffahrt.
  -- Bilibili sehr versprechend -- namentlich für Mission. --
  Jambom (Colomb-Insel). -- »Dreißig« Inseln. -- Im »Archipel der
  zufriedenen Menschen«. -- Grager (Fischel-Insel). -- Unruhige
  Nacht in Elisabeth-Bucht. -- Marsap, großes Fest. -- Festschmuck
  der Männer. -- Bemalen. -- Hundezähne. -- Kunstvolle Zieraten. --
  Kampf-Brustschmuck. -- Physiognomische Verschiedenheit. -- Wir
  entdecken Friedrich-Wilhelms-Hafen. -- Beschaffenheit desselben.
  -- Vogelleben. -- Exkursionen. -- Armut an Blumen. -- Urwaldbild.
  -- Prinz Heinrich-Hafen. -- Ausdehnung des Archipels. -- Port
  Alexis. -- Tiar (Aly-Insel). -- Dasem, Versammlungshaus. --
  Sonderbare Schnitzereien. -- Fischerei. -- Bilia (Eickstedt-Insel).
  -- Ein Verrückter. -- Szirit, Versammlungshaus. -- »Tohn«, ein
  verehrtes Instrument. -- Tabugebrauch aus Schlauheit. -- Verkehr
  mit den Eingeborenen. -- Große Schamhaftigkeit. -- Festschmuck der
  Frauen. -- Tabir, Schüsseln. -- Sprachgewirr. -- Bäumefällen. --
  Geringe Körperkräfte der Eingeborenen. -- Wir hissen die deutsche
  Handelsflagge. -- Abschied von Friedrich- Wilhelms-Hafen.


Die Samoa dampfte längs der Küste von Astrolabe-Bai langsam vorwärts.
Sie gleicht einer weiten offenen Rhede[21], rings von einem Sandstrande
eingefaßt, an welchem auch bei ruhigem Wetter Dünung das Landen
erschwert, z. T. ganz hindert. Die Bewohner des »gelben Dorfes«
Bogadschi (Bogati) eilten in ihren Kanus herbei, um zu schachern und
brachten allerlei neue und interessante Sächelchen, darunter breite,
hübsch mit eingraviertem Muster ornamentierte Armbänder aus Schildpatt,
(vergl. Atlas XIX 2), Brustschmucke aus Cymbiummuschel (Koambim),
sehr eigentümliche Leibschnüre aus aufgereihten Abschnitten einer
Septariamuschel, Gogu genannt, (Atl. XXIV 1.), die äußerst wertvoll
schienen, sogar ein paar Telum, (Atl. XV. 1) jene Holzfiguren, die
meist als »Götzen« gedeutet werden. Schon an den Namen gewisser
gewöhnlicher Tauschsachen ließ sich die Verschiedenheit des hiesigen
Dialekts mit dem von Bongu leicht erkennen. So hieß der Bogen statt
Aral hier »Manembu«, Pfeil statt Gé »Kolle«, um nur ein paar Beispiele
zu nennen. Obwohl manche Eingeborene sich nur mit Zittern und Zagen
an Bord wagten, fand doch bald ein reger Verkehr statt und die Leute
zeigten sich dabei minder gut als in Konstantinhafen. Dort war uns
nicht das Geringste abhanden gekommen, hier wurde gleich ein Dieb
in flagranti erwischt. Er hatte soeben seinen Genossen im Kanu ein
Hobeleisen zugesteckt, natürlich nicht mit den Händen, sondern mit
den -- Zehen. Ich kannte diese beliebte Manier, mit der fast nackte
Menschen trotz strengster Aufsicht zu eskamotieren wissen, schon
längst, drehte dem jungen Mann, der sich unbemerkt glaubte, in sein
Halsstrickchen fassend, sanft die Kehle zu, und das gestohlene Gut
wurde sogleich zurückgegeben. Der vor Schreck erbleichte Sünder (denn
auch farbige Menschen erbleichen sichtbar) drückte sich nach diesem
mißglückten Versuche stillschweigend unter Spott und Gelächter seiner
Landsleute.

Hinter Bogadschi treten die Berge weiter zurück, es zeigt sich mehr
mit dichtem Urwald bestandenes Vorland, das hinter Gorima-Huk sich
zu ebenfalls dicht bewaldetem Flachland, einer Art Ebene, ausdehnt,
die nördlich von einer niedrigeren Bergkette begrenzt wird. Es ist
die etwa 1200[22] Fuß hohe von mir »Hansemann-Berge« benannte Kette,
die Guntowa Mana der russischen Karte, inland des »Archipels der
zufriedenen Menschen«. Allem Anschein nach wird dieses flachere Land
zwischen Gorima und Bilibili das schönste Kulturland in Astrolabe-Bai
abgeben und von Wichtigkeit werden, zumal da es nicht an Wasser fehlt.
Wir bemerkten mehrere kleine Flüsse, von denen der Gorima der größte
und die erwähnte Ebene zu bewässern scheint. Seine Mündung wurde jetzt
durch ausgedehntes Röhricht angedeutet, aber bei einem späteren Besuche
im Monat Mai sehen wir das Wasser der Bai auf eine ziemliche Strecke
trüb grün gefärbt.

Wir steuerten Bilibili zu, einer kleinen ca. eine halbe Seemeile langen
Insel, etwa vier Meilen nördlich von Gorima-Huk, die gleichsam den
Anfang des »Archipels der zufriedenen Menschen« bildet, wie derselbe
von dem Entdecker Maclay benannt wurde. Hervorragend hohe, mächtige
Bäume, deren dichte Belaubung fast die ganze Insel wie mit einem Dache
überdeckt, kennzeichnet dieselbe schon von weitem. Sie besteht, wie
fast die ganze Küste von Astrolabe-Bai aus gehobenem Korallfels, der
an der Ost- und Nordseite z. T. Steilufer bildet, an welchem das Meer
mächtig bricht. Aber an der Westseite dehnt sich ein flacher weißer
Sandstrand aus, auf dem nicht weniger als 13 stattliche Kanus, bunt
bewimpelt und mit allerlei Ausputz verziert, lagen. Das gab im Verein
mit den idyllisch unter dem Gelaube mächtiger Bäume versteckten und von
Kokospalmen beschatteten Häusern des Dorfes ein gar liebliches Bild.
Dazu das Gewimmel fröhlicher brauner Menschen, die mit grünen Zweigen
winkten und bald in Kanus abkamen und uns an Land einluden.

Wir eilten ihnen zu folgen und waren überrascht von der Fülle neuer
und interessanter Eindrücke. Alles zeugte hier von Wohlhabenheit und
Reichtum. Die Häuser waren größer und stattlicher als die bisher
gesehenen, wie die mit reichem Ausputz versehenen Eingeborenen selbst.
Sie zeigten sich anfangs ziemlich scheu und zurückhaltend. Namentlich
kostete es Mühe, die schlanken, braunen Mädchen heranzulocken, die
in ihren bunten Grasschürzchen und reich mit Schmuck aus Muscheln
und Hundezähnen behangen, das Haar mit brennendroten Hibiscusblumen
geschmückt, gar niedlich aussahen. Einige kleine Geschenke machten sie
bald zutraulicher und eine um die andere kam zögernd heran, um ihre
Gabe an Glasperlen oder rotem Zeugstreifen in Empfang zu nehmen und dem
weißen Fremdlinge schüchtern die Hand zu geben. Unter diesen Mädchen
gab es übrigens viele recht hübsche Gestalten von tadellosem Körperbau
und mit recht artigen Gesichtchen.

[Illustration: Aimaka.]

Unsere Aufmerksamkeit wurde aber bald von allem andern abgelenkt,
als wir das große Versammlungshaus erblickten, von welchem das
beigegebene, nach meiner Skizze gezeichnete Separatbild (S. 74) eine
gute Vorstellung giebt. Ähnlich dem Buambrambra von Bongu besteht
auch dieses Haus, Dschelum genannt, im wesentlichen aus einem bis zum
Boden herabreichenden Dache, dessen offene Vorderseite von einer an
25 Fuß hohen, durchaus in durchbrochenem Schnitzwerk ausgearbeiteten
Mittelsäule[23] getragen wird. Diese Schnitzerei, Aimaka genannt,
repräsentiert vier männliche und zwei weibliche übereinanderstehende
nackte Papuafiguren, die auf weißem Grunde rot und schwarz bemalt sind,
und von denen die beigegebene Abbildung die auf einem Kopfe stehende
unterste zeigt. Sie wurde wie die übrigen männlichen Figuren »Mini«
d. h. Mann genannt (A); die angegebenen Buchstaben bezeichnen nur
die verschiedenen Körperteile (a, Tingilan, Ohr, b Mal, Auge, c Uina,
Nase, d Bule, Mund, e Balan Zunge, f Niän, Bein). An den Querbalken des
Giebels hingen aus Holz geschnitzte Tiergestalten, die in kenntlicher
Weise Fische, Vögel, Eidechsen und Schildkröten, ebenfalls bunt,
darunter auch mit Grün bemalt, darstellten. Die an 30 Fuß langen
Balken, welche jederseits das Dach trugen, waren jedenfalls der
kunstvollste Teil des merkwürdigen Gebäudes. Jeden dieser beiden Balken
zierte die an vier Fuß hohe Figur eines Papua, die in staunenswerter
Weise aus dem Balken selbst gezimmert war und an diesem gleich dem
Gliede einer Kette hing. In der That ein wahres Kunstwerk für Steinäxte
und Muschelwerkzeuge, wie ich es in dieser Weise weder vor noch
nachher in Neu-Guinea wieder zu sehen bekam, und das nur derjenige zu
würdigen wissen wird, der sich in vollem Verständnis der Steinzeit
ganz in dieselbe hineinzudenken versteht. Ob unsere prähistorischen
Vorfahren wohl auch auf einer so hohen Stufe standen? Die Überreste der
Pfahlbauten geben darüber keine Auskunft! Aber es wäre im Interesse der
Wissenschaft von ungeheurer Bedeutung, wenn wenigstens eins dieser nur
noch so spärlich vorhandenen Denkmäler der Baukunst der Steinperiode
gerettet würde. Ich konnte es leider nicht und mußte mich mit der
Skizze begnügen, deren Aufzeichnung die Eingeborenen mit Staunen
zusahen. Wie sie mir, so spendete ich ihnen Lob, das sie sehr wohl
verstanden, denn jeder deutete mit Stolz an, daß er am Bau mitgeholfen
habe.

[Illustration:

                                                                (S. 74.)

Dschelum, Tabuhaus auf Bilibili.]

Der untere Teil der Giebelseite war etwa in Mannshöhe durch eine
Mattenwand geschlossen, durch welche nur eine kleine Öffnung als Thür
diente. Man gestattete uns den Eintritt gern; aber wie üblich zeigte
das Innere nur wenige Gegenstände. So die großen und kleinen Trommeln,
die wir schon von Bongu her kennen. Bemerkenswert waren große runde,
mit Schnitzerei und Malerei verzierte Schilde (Atlas XII. 1.) und sehr
roh aus Baumästen gefertigte niedrige Bänkchen, die beim Schlafen dem
Kopfe als Unterlage dienen, aber mit »Kopfkissen« in unserem Sinne
nichts zu thun haben. Zahlreiche Unterkiefer von Schweinen waren auch
hier wie allenthalben in Melanesien als Erinnerungszeichen großer
Feste aufgehangen. Den Hauptteil des Inneren bildete eine an acht Fuß
hohe Plattform aus gespaltenem Bambu, welche als Schlafstätte für
die unverheirateten jungen Männer, wie für fremde Gäste dient. Auch
Maclay hatte hier geschlafen, so wurde mir angedeutet. Denn diese
großen Häuser sind nicht nur Junggesellenhäuser, sondern überhaupt die
Klubhäuser der Männer. Aus diesem Grunde ist dem weiblichen Geschlecht
der Zutritt verwehrt, ein Verbot, das durch besondere Tabuform erhöhte
Bedeutung erhält und so leicht zu mythischen und religiösen Deutungen
verleitet. Aber ein Tempel war dieses Gebäude ebensowenig als die
Holzschnitzereien Götzen, wie jeder Missionär sogleich interpretiert
haben würde. Wenn die Deutung eines Telum, d. h. einer einzelnen
menschlichen Figur als Repräsentant eines Ahnen richtig ist, so stellte
dieser »Aimaka« vermutlich eine ganze Ahnenreihe dar, wie sich dies
bei den Maoris Neu-Seelands und anderen Naturvölkern in ähnlicher
Weise wiederfindet. Beachtenswert ist die völlige Nacktheit aller
dieser menschlichen Darstellungen, der Telum und wie sie sonst heißen,
gegenüber der sorgfältigen Lendenbekleidung ihrer Verfertiger.

Wir wenden uns zu dem Dorfe zurück, das aus 20 bis 25 Häusern besteht,
die viel größer als die in Port Konstantin, auch eine etwas abweichende
Bauart zeigten und mich am meisten an die in dem Dorfe Keräpuno in
Hoodbai erinnerten. Wie diese sind sie auf starken Pfählen etwas über
dem Erdboden errichtet, besitzen ein Vestibüle mit Plattform an der
Vorderfront, zu der ein angelehnter Baumstamm als Aufgang dient und
sind überhaupt sehr solide gebaut. Im Inneren, das offenbar mehreren
Familien Unterkunft giebt, ist ein Bodenraum, zu dem eine rohe Leiter
führt. An den Häusern selbst findet sich keinerlei Schnitzwerk, und nur
vor der Thür eines Hauses sah ich eine an vier Fuß hohe, buntbemalte
menschliche Figur, ähnlich den Telums in Konstantinhafen. Die Häuser
des Dorfes waren, wie immer, in kleinen Gruppen verstreut und bei einer
derselben entdeckten wir ein zweites Versammlungshaus der Männer mit
ganz ähnlichen Schnitzereien, aber kleiner.

[Illustration: Krieger von Bilibili.]

Nachdem ich mit der Besichtigung und dem Studium des Dorfes, fertig
war, machten wir einen Spaziergang durch die Insel, die einem
malerischen Park der Tropen zu vergleichen ist. Aus den gewaltigen
Baumriesen, darunter viele und sehr große Brotfruchtbäume, tönte der
dumpfe brummende Ruf der weißen Fruchttauben (Carpophaga spilorrhoa),
von denen uns bald eine Menge zur Beute fielen. Wie überall bei diesen
Naturkindern, hatte der erste Schuß immer dieselbe Wirkung: allgemeines
Geschrei und wilde Flucht! Aber bald gewöhnte sich die reifere Jugend
an den Knall und bewunderte staunend die Wirkung der ihnen unbekannten,
unheimlichen Waffe. Bei einem späteren Ausfluge an der Küste bemühten
sich die schlauen Bilibiliten bereits unsere Überlegenheit in ihrem
Interesse nutzbar zu machen: wir sollten einen ihnen feindlichen Stamm
bekämpfen und vernichten! Das oft geäußerte Wort »mate« oder »imate«,
soviel wie »tot«, oder »töten«, das wie einige andere Wörter[24] vielen
polynesischen und melanesischen Sprachen gemeinschaftlich angehört,
ließ diese Absicht nur zu deutlich erkennen. Zahlreiche kampfgerüstete
Krieger hatten sich unserem Zuge angeschlossen, und ihnen verdanke ich
die Skizzen, welche dem vorhergehenden Bilde als Grundlage dienen.

Wir wurden bei dieser Gelegenheit auch mit den Waffen der hiesigen
Eingeborenen bekannt, die im wesentlichen mit denen in Bongu, wie in
Neu-Guinea überhaupt gebräuchlichen übereinstimmen. Die Hauptwaffe
ist auch hier, wie in ganz Melanesien, der Wurfspeer, eine runde
sieben bis zehn Fuß lange, oft ziemlich schwere Stange, meist: aus
Palmenholz gefertigt. Das Basisende ist verdünnt, das Spitzenende
etwas verdickt und hier zuweilen ein paar Kerbzähne oder eine Furche
eingeschnitten. Solche Wurfspeere heißen in Konstantinhafen »Schadga«
und sind die gewöhnlichste im Kriege gebrauchte Art Waffen. Eine zweite
Art Wurfspeere, Serwaru genannt, besteht ebenfalls aus einem langen
Holzstocke, ist aber mit einer breiten lanzettförmigen (ca. 70 cm
langen) Spitze aus Bambu versehen, und dadurch eine sehr gefährliche
Waffe. Die Bambuspitze ist mit feingespaltenem Rohr festgebunden und
die Verbindungsstelle oft sehr kunstvoll mit Federn, Kuskusfell und
dergl. verziert. Wirkung und Tragweite dieser Wurfspeere werden meist
sehr übertrieben geschildert, denn nach meinen Beobachtungen sind
sie wohl selten über 40 bis 50 Schritt hinaus gefährlich. Dasselbe
gilt in Betreff von Pfeil und Bogen, die wie überall, eine minder
wichtige Rolle als der Wurfspeer spielen. Der Bogen ist aus Palmenholz
gefertigt ca. sechs Fuß lang, meist glatt, ohne allen Ausputz und
mit einer Sehne aus gespaltenem Rotang versehen. Dagegen zeigen die
Pfeile oder vielmehr die Spitze derselben mancherlei Verschiedenheit.
Sie sind fast ausnahmslos aus leichtem Rohr gefertigt, mit einem
runden Spitzenteile, der ca. ein Drittel oder Viertel der ganzen Länge
(1,30 bis 1,40 m) beträgt. Die im Feuer gehärtete Spitze ist öfters
mit verschiedenartig geschnitzten Kerb-, Sägezähnen oder Widerhaken
verziert, und besteht selten aus einem zugespitzten Flügelknochen eines
Vogels. Eine andere sehr bestimmte Art von Pfeilen, zeichnet sich durch
eine breite, lanzettförmige Bambuspitze aus und findet sich in dieser
Form über ganz Neu-Guinea. Ebenso die sechs bis siebenspitzigen Pfeile,
welche zum Schießen von Fischen benutzt werden. Vergiften der Pfeil-
oder Speerspitze kennt man, wie überhaupt in ganz Neu-Guinea, nicht.
Schleudern, sonst eine so beliebte Waffe der Südseevölker, habe ich
nicht wahrgenommen. Aber es giebt, jedoch im ganzen selten, Keulen. Sie
sind aus schwerem, meist Palmenholz gefertigte, ein bis ein einhalb
Meter lange, flache, schmale, Latten, unten meist etwas verbreitert,
am Handgriff etwas verschmälert und zuweilen mit vertieften Mustern
ornamentiert. Auch diese Form der Holzkeulen findet sich fast über ganz
Neu-Guinea, dagegen sind die mit durchbohrten, oft sehr kunstvollen,
Steinknaufen bewehrten Keulen nur gewissen Gebieten der Südostküste
eigen und fehlen hier wie an der ganzen Nordostküste durchaus. Es
verdient dies ganz besonders erwähnt zu werden, namentlich weil
Steinkeulen sonst nur noch im Osten Neu-Britanniens auftreten. -- Die
mächtigen runden Schilde auf Bilibili »Dimu« genannt, habe ich bereits
angeführt. Sie scheinen wohl nur ausnahmsweis den Krieger in den Kampf
zu begleiten, da sie dafür schon viel zu schwer sind. Manche haben
einen Durchmesser von 90 cm und ein Gewicht von 10 Kilo. Wahrscheinlich
dienen sie mehr zur Verteidigung des Dorfes selbst bei feindlichen
Überfällen und werden deshalb meist in den Versammlungshäusern
aufbewahrt, vermutlich auch weil sie Gemeindeeigentum sind. Ich sah
übrigens auch kleine Schilde von nur 40 cm Durchmesser, die in einen
Filetbeutel eingestrickt waren, um sie leichter tragen zu können.

Unsere Küstenexkursion verlief durchaus friedlich und machte uns vor
allem mit der außerordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens bekannt. Das
Land gegenüber Bilibili ist meist flach, von niedrigen Hügelreihen
eingefaßt und mit Urwald bedeckt. Im Dickicht desselben liegen die
ausgedehnten und trefflichen Plantagen der Bilibiliten, in denen
jetzt hauptsächlich Jams und Zuckerrohr gedieh. Von letzterem fanden
sich oft größere Bestände in ausgezeichneter Entwickelung. Rohr von
2½ Zoll Durchmesser, in Knotenabständen von 4½ Zoll und einer Länge
von 12-14 Fuß war nichts Seltenes! Solches Zuckerrohr ist jedenfalls
doch erst durch fortgesetzte Kultivation veredelt worden und diese
den Eingeborenen und ihrem Fleiß zu danken. Auch die Bananen standen
trefflich, wie der sorgfältig aufgehäufelte Jams, zwischen dem
buntblättrige Ziersträucher angepflanzt waren; alles zeigte eine
musterhafte Ordnung, wie man sie bei uns nicht besser verlangen konnte.
Ja, ja! diese »Wilden« verstehen Feldbau ganz ausgezeichnet, und was
mehr ist, trotz ihren primitiven Werkzeugen auch mit dem Urwalde
fertig zu werden. Wir sahen dies am besten an solchen Stellen, wo mit
Urbarmachen erst begonnen worden war. Mächtige Bäume lagen am Boden,
um zu verfaulen. Die abgehackten Äste waren verbrannt worden, die
Stämme selbst hatte man etwa in Mannshöhe stehen lassen, und diese
ganze Riesenarbeit war nur mit Steinäxten geschehen, die in der Hand
des Eingeborenen gar nicht so primitiv sind, als man meint. Über den
Fleiß der Bewohner wird man daher nicht mehr so absprechend urteilen,
als dies meist geschieht, wenn man solche Anlagen mit eigenen Augen
sehen und bewundern konnte. Freilich dürfte dieser Fleiß dem einstigen
Ansiedler wohl kaum zu statten kommen, denn der Eingeborene wird wohl
nur schwer als Arbeiter für andere zu erziehen sein.

Eigentliche Dörfer trafen wir auf unserer Wanderung nicht, sondern nur
eine kleine Siedelung von fünf Häusern, die unbewohnt zu sein und den
Bilibiliten zu gehören schienen. Sie dienten offenbar zum Aufenthalt
und Schutz der Insulaner während der Bearbeitung und Ernte in den
Plantagen, in welchen überhaupt fast stets kleine Hütten errichtet
sind. Gerade während der Feldarbeit pflegen am ersten Überfälle
stattzufinden, weil sich dann in der allgemeinen Verwirrnis am
leichtesten ein paar Frauen oder Kinder erschlagen lassen, was jeder
Papuakrieger als sehr ruhm- und ehrenvoll betrachtet. Die Männer
pflegen daher, wie fast stets, ihre Waffen bei sich zu tragen, um sie
auch in den Plantagen immer bereit zu halten. Eine der großen hölzernen
Trommeln war auch in dieser kleinen Siedelung vorhanden, um bei einem
feindlichen Überfall die Inselbewohner zu alarmieren und herbeizurufen.
Kokospalmen fanden sich wie überhaupt nur wenig; aber wir sahen ein
paar Melonenbäume (Carica) und Kürbisse; gleich hieß es auch hier
»Maclay!« Wir trafen einen hübschen Bach mit klarem fließenden Wasser,
an welchem die Sagopalme vorzukommen scheint. Wenigstens stießen wir
auf eine Stelle, wo Sago gemacht worden war. Die von Mark entleerten
Stämme lagen umher; Rippen des Basisteiles des Blattes hatten als Tröge
zum Auswaschen des mehlhaltigen Markes gedient, das Fabrikat selbst
hing in ca. zehn Pfund schweren runden, in Bananenblättern eingehüllten
Klumpen im Schatten der Bäume zum Trocknen. Dieser Papua-Sago hat aber,
um dies noch zu erwähnen, nichts mit dem, wie wir ihn aus unseren
Suppen u. dergl. kennen, gemein. Statt rundlicher Körner bildet er eine
weißliche, mehlartige, fest zusammengebackene Masse, die beim Gebrauch
erst zerklopft werden muß. Die Eingeborenen bereiten den Sago meist in
Form von Klößen, die in Wasser gekocht nichts weniger als zart werden.
Aber ein Papuamagen kann ungeheure Quantitäten dieser harten Klöße
vertragen, und »Bom« gilt in solchen Distrikten, wo er rar ist, als
eine besondere Delikatesse.

Als wir nach unserem Boote zurückkehrten atmete der Schwarze den
ich dabei, vorsichtigerweise mit ungeladenem Gewehr, zurückgelassen
hatte, wieder auf, denn diese Neu-Britannier konnten sich von dem weit
besseren Charakter ihrer dunklen Brüder in Neu-Guinea noch immer nicht
überzeugen.

Der Strand besteht hier, wie fast überall an der Küste von
Astrolabe-Bai, aus feinem Sande, auf welchem es in der Sonne zuweilen
wie Gold flimmerte. Leider rührte das Flimmern nicht von Gold, sondern
Eisenglimmer her. Sonst fanden sich nur kleine runde Rollsteinchen,
Jaspis, Hornstein u. dergl., offenbar durch Regenbäche weiter aus
dem Innern angeschwemmt, denn die geologische Beschaffenheit der
Küste weist auf korallinische Bildungen hin. Überall kann man, gleich
erratischen Blöcken, isolierte Madreporenstücke beobachten, wie dies
auch in Konstantinhafen der Fall ist und die wahrscheinlich, wie
die ganze Küste, vulkanischen Hebungen des Meeresbodens ihr Dasein
verdanken.

Zahlreiche Kanus gaben uns das Geleit, als wir nach dem Dampfer
zurückkehrten, der keinen Ankerplatz gefunden hatte und daher an- und
ablegen mußte, wobei er beinah auf Riff geraten wäre. Die etwa zwei
Meilen breite Meeresstraße zwischen Bilibili und dem Festlande, scheint
nicht ganz »rein«, wie der Seemann sagt, d. h. frei von Korallriffen.

Die Eingeborenen waren inzwischen noch zutraulicher geworden und
brachten sogar ihre Frauen mit, um ihnen die Fremden zu zeigen und
Geschenke zu empfangen, die sie mit einer Würde entgegennahmen, als
sprächen täglich Dampfer hier vor. Aber an Bord kam natürlich keine,
denn hier, wie in Bongu oder wohin ich sonst in Neu-Guinea kam überall
zeigte sich die größte Moral und Decenz, in welchen Papuas vielen
Kulturmenschen als leuchtende Beispiele dienen könnten. Ein Mann
brachte seine ganze Familie mit, die aus einer Frau und drei Kindern
bestand, niedliche Geschöpfe, wie die meisten Papuakinder -- und
dabei so artig! Da könnten viele unserer Mütter etwas lernen! Mit den
Gegengeschenken sah es wie immer äußerst dürftig aus, obwohl Kanus voll
Bananen und Zuckerrohr das Schiff umlagerten. Wie gewöhnlich fielen nur
einige Kokosnüsse ab, aber vergebens bemühte ich mich, ein Schwein zu
erhandeln, mit denen das Dorf so gesegnet war als mit Kindern.

Ja, dieses Bilibili ist eine reiche Insel und ihre Bewohner, die ich
auf ca. 200 bis 250 schätze, sind die Patrizier von Astrolabe-Bai,
die sich ihre Stellung jedenfalls oft zu erkämpfen hatten. Davon
zeugten die oft häßlichen Speer- und Pfeilwunden, die ich am Körper
so manches Kriegers bemerkte. Wenn die Wehrhaftigkeit, die aus dem
ganzen Aussehen dieser Männer spricht, ihnen die dominierende
Stellung über die Küstenstämme verschaffte, so haben sie diese
auch der geschützten Lage ihrer Insel zu verdanken, die behagliche
Wohlhabenheit aber ihrem Fleiße und ihrer Betriebsamkeit. Denn nicht
nur als treffliche Ackerbauer lernten wir die Bilibiliten kennen,
sondern auch als ausgezeichnete Schiffsbauer und Industrielle. Die
Insel ist nämlich berühmt wegen ihrer Töpferei. Das Gewerbe ruht wie
überall in Neu-Guinea ausschließend in den Händen der Frauen und
geschieht in derselben einfachen Weise als an der Südostküste. Die
Töpfe werden nur mit Hilfe eines flachen Steines und eines kleinen
Holzschlegels verfertigt, gleichsam aus dem Klumpen Lehm getrieben,
was ein ganz wunderbares Augenmaß erfordert. Das Brennen geschieht in
derselben einfachen Weise wie in Port Moresby im Freien, indem die
sorgfältig im Schatten getrockneten Töpfe leicht mit Holz überdeckt
und beim Anzünden desselben kurze Zeit einer scharfen Glut ausgesetzt
werden. Aber das Fabrikat scheint im ganzen besser und haltbarer,
z. T. eleganter, als das an der Südostküste. So sah ich unter anderem
mit Buckeln ornamentierte Töpfe. Aber die unbedeutenden, häufig durch
Nägeleindrücke hervorgebrachten, Muster sind wohl kein Ornament,
sondern wie in Port Moresby Handelsmarke. Wie meine Skizze eine
Töpferin in der Arbeit zeigt, so auch die eigentümliche kugelige Form
der Töpfe, die fast über ganz Neu-Guinea dieselbe ist. Auch hier werden
vorzugsweis zwei Sorten Töpfe angefertigt, eine mit weiter Öffnung
zum Kochen (Bodi) und eine mit enger, als Wassergefäße (Io). Wie Port
Moresby an der Südostküste Neu-Guineas das Centrum der Töpferei und des
Topfhandels bildet, so Bilibili für Astrolabe-Bai und wahrscheinlich
weiter darüber hinaus. Die »Wab« (Töpfe), welche wir in Konstantinhafen
sahen, stammten von hier, wie die unternehmenden Bilibiliten, als
sie uns dort wiederholt besuchten, gleich ganze Kanuladungen ihres
Fabrikates mitbrachten.

[Illustration: Töpferin auf Bilibili.]

Zum Vertriebe desselben dienen ihre trefflichen Kanus, die besten
in ganz Astrolabe-Bai. Sie bestehen wie überall im wesentlichen aus
einem 20 bis 30 Fuß langen ausgehöhlten Baumstamm, dem aber jederseits
ein oft zwei Bretter aufgelascht sind, so daß das Fahrzeug dadurch
bedeutend höher und tragfähiger wird. Diese Seitenborde schmückt
öfters bunte Malerei, Figuren von Fischen, Schildkröten, Vögeln
darstellend. Der Baumstamm, welcher den Hauptteil des Fahrzeuges
bildet, läuft jederseits in eine Spitze aus, die Bordplanken in
einen S förmig gebogenen Schnabel. Das Auslegergerüst besteht aus
zwei langen Querhölzern und einem ca. 14 Fuß langen, ziemlich
schwachen Auslegerbalken (Balancier). In der Mitte des Kanu ist eine
Plattform angebracht, auf welcher sich zuweilen ein Aufbau, gleich
einem großen Käfig erhebt, und der nicht selten überdeckt, eine Art
kleiner Hütte bildet. Hier werden Waren (Töpfe), Vorräte und Waffen
untergebracht; auch steht hier ein Topfscherben mit glimmenden Kohlen.
Das Fahrzeug besitzt einen, zuweilen zwei Maste, mit mächtigem Segel
aus Mattengeflecht. Die Spitze des Mastes ist häufig mit einem roh aus
Holz geschnitzten Vogel verziert oder mit rotbemalten Nautilusmuscheln,
sonst ist kein Schnitzwerk vorhanden. Der Anker besteht aus einem Stück
Baumstamm, an welchem die abgehackten Äste die Haken bilden, und wird
mit Steinen beschwert; als Ankertau dient ein starker Rotang. Diese
Fahrzeuge segeln sehr gut, und halten sich selbst bei unruhiger See
trefflich, aber die Bilibiliten sind im ganzen wie alle Papuas keine
großen Seefahrer, obwohl sie ihre Fahrten bis Karkar (Dampier-Insel)
ausdehnen. Sie verlieren aber auch bei dieser nur 40 Meilen weiten
Fahrt Land nie aus Sicht und pflegen bei unruhigem oder drohendem
Wetter überhaupt nicht auszugehen. Überdies ist ja das Meer hier im
ganzen meist ruhig. Kleine Kanus sind übrigens, um dies noch beiläufig
zu erwähnen, ganz so wie in Bongu (Taf. VI, 1).

[Illustration: Handels-Kanu.]

Nur zu schnell mußten wir von dem schönen und interessanten Bilibili
scheiden, zum größten Leidwesen der Bewohner selbst, mit denen wir die
beste Freundschaft geschlossen hatten, was ja auch zu den Aufgaben
unserer Expedition gehörte. Zwei weitere Besuche auf der Insel bewiesen
uns dies am deutlichsten und unsere Freunde Ur und Kaschom, die mit zu
den ersten Häuptlingen Bilibilis zu gehören scheinen, werden uns in so
gutem Andenken behalten, wie wir sie. Für Missionsunternehmen giebt es
übrigens keinen besseren Platz als Bilibili, aus Gründen, die ich hier
nicht weiter erörtern will, und so kann ich die Insel der deutschen
Mission, die am ersten dazu berufen ist, Licht in jene Regionen zu
bringen, nur bestens empfehlen.

Nordwärts von Bilibili passierten wir drei kleinere, dichtbewaldete
Inseln, von denen nur die mittlere, Jambom der Eingeborenen
(Colomb-Insel[25] der deutschen Karten), bewohnt ist, und deren
Bewohner uns durch Winken mit grünen Zweigen ans Land einluden. Wir
konnten uns aber nicht aufhalten, sondern dampften längs der Küste
weiter, die mit dichtem Urwald bedeckt ist und wenig bewohnt scheint,
denn wir sahen nur ein Dorf und auch sonst keinen Rauch oder Anzeichen
von Menschen. Wir näherten uns den »Dreißig Inseln oder dem Archipel
der zufriedenen Menschen« ein Labyrinth von Inseln und Wasserstraßen,
von dessen Charakter man erst bei näherer Untersuchung Kunde erhält.
Gleich hinter der ersten etwas vorspringenden Ecke, die ich später
Kap Kusserow nannte, öffnet sich eine Meeresstraße, die uns sehr
der Untersuchung wert schien. Das Whaleboot wurde daher rasch klar
gemacht, und Kapitän Dallmann und ich ließen uns, vorsichtig das Lot
werfend, hineinrudern. Bald zeigte es sich, daß das rechte nördliche
Ufer nicht Festland, sondern eine Insel war, deren Bewohner in nicht
geringe Aufregung gerieten. Die großen Signaltrommeln ließen bald
ihren dumpfen Klang ertönen, dazwischen rief die Muscheltrompete die
Krieger herbei und bald nahten sich bewaffnete Kanus. Obwohl hier
eine ganz andere Sprache gesprochen wird als bei Port Konstantin
und selbst auf dem kaum sieben Meilen entfernten Bilibili, machte
ich den Leuten unsere friedlichen Zwecke bald klar, und mittelst
einiger Geschenke hatte ich mir schnell neue Freunde erworben. Wir
fanden an der Westseite der Insel, Grager oder Gragr der Eingeborenen
(»Fischel-Insel« der deutschen Karten), eine hübsche Bucht, vollkommen
geschützt und weit besser als Konstantinhafen, die ich nach einer
lieben Freundin Elisabeth-Bucht nannte. Wir eilten mit dieser froher
Kunde nach der Samoa zurück, die gerade noch vor Dunkelwerden
glücklich hier in 4½ Faden Tiefe zu Anker gebracht wurde. Wir hatten
übrigens eine sehr unruhige Nacht in Elisabeth-Bucht und unsere
Schwarzen fürchteten sich vorn zu schlafen. Auch die Eingeborenen
waren die ganze Nacht auf den Beinen; wir konnten sie beim Scheine
großer Feuer sehen und sogar sprechen hören, dazu der Lärm großer
und kleiner Trommeln, Muscheltrompeten dazwischen und von oben
herab mächtiger Donner! Schwere, schwarze Wolken schienen sich fast
auf die Mastspitzen herabzusenken, jeden Augenblick erwarteten wir
den Ausbruch des heftigsten Platzregens, aber wie so oft in den
Tropen blieb es nur bei Donner und Wetterleuchten, das letztere in
so intensiver Stärke, wie man es selten anderswo sehen wird. Fast
ununterbrochen zuckten die grellen Lichter, so daß momentan das Dorf
deutlich sichtbar war; in der That eine großartig schauerlich schöne
Erscheinung, die Neulingen wohl Furcht einflößen konnte. Da man
Eingeborenen nie trauen darf, so waren Vorsichtsmaßregeln getroffen,
besonders Blaufeuer und Raketen zurecht gelegt, die allemal den
gewünschten Erfolg haben. Am anderen Morgen setzten die Eingeborenen
ihre Trommelei und Singerei unverdrossen fort, denn sie feierten,
wie uns ein Besuch an Land sogleich lehrte, eines jener Feste, die
oft mehrere Tage und Nächte dauern. Wie alle Inseln des Archipel der
zufriedenen Menschen besteht auch Grager aus dichtem Korallfels und
ist dicht bewaldet, hat aber nur wenig Kokospalmen aufzuweisen; ich
zählte nur 70. Die Insel besitzt zwei kleine Dörfer, von je 12 bis
15 kleinen Häusern, Grager und Tebog, von denen die erstere etwas
größere der Insel den Namen verschaffte. Denn gewöhnlich haben die
Eingeborenen keine Eigennamen für Landstriche oder Inseln, sondern
benennen solche nach den hervorragendsten Siedelungen. In jedem Dorfe
war ein Versammlungshaus, klein, unbedeutend und ohne allen Schmuck von
Schnitzereien. Im Inneren befanden sich nur die bekannten Lagerstätten,
Holztrommeln, Schilde und Schweinekinnladen. Ein paar der letzteren
dienten, wie einige Stücke gekochten fetten Schweinefleisches,
sorgfältig in Blätter eingepackt aufgehangen, als Erinnerung des
soeben begangenen Festes, eines »Marsap«, wie diese Feste hier statt
des »Ai« in Konstantinhafen heißen. Da an solchen die Frauen nicht
teilnehmen, ja kaum die Töne der dabei gebrauchten Instrumente hören
dürfen, so verwunderte mich deren Abwesenheit nicht im geringsten,
aber die Bewaffnung der Männer erschien außergewöhnlich und als eine
Vorsichtsmaßregel angesichts des ungewöhnlichen Besuches. Das Fest
hatte übrigens viel Teilnehmer von den Nachbarinseln versammelt, die
mit reichgefüllten Schüsseln sich in ihren Kanus heimwärts begaben und
gewiß viel über die Fremdlinge zu erzählen wußten. Wie überall giebt
nur ein Fest Gelegenheit, Papuas in vollem Aufputz zu sehen; ich ließ
dieselbe nicht ungenützt vorübergehen. Hier einige Aufzeichnungen,
welche zugleich für den ganzen Archipel, ja Astrolabe-Bai allgemein
gültig sind und junge Stutzer (wie S. 87) in vollem Staate betreffen.
Das Haar, sorgfältig in eine weit abstehende Wolke aufgezaust, ist
rot gefärbt und wird von zwei »Dedal« festgehalten. So heißen ca.
3-5 mm schmale zierlich durchbrochen gearbeitete Bändchen, aus fein
gespaltener Pflanzenfaser oder dergl., mittelst Kalk weiß gefärbt, die
ganz wie gehäkelt aussehen und mit zu den reizendsten Zieraten der
Papuas gehören (vergl. Atl. XVII 7, 8). Ich fand sie nur in diesem
Gebiet. Jederseits hinter dem Ohr steckt ein Kamm (XVII. 1) aus Bambu,
»Gatentaun«, in der Form dem unserer Frauen ganz ähnlich, dessen ca.
5-6 cm breiter Rand zierlich durchbrochen gearbeitet und rot bemalt
ist. Dieser Kamm wird hinterseits mit einem Büschel Kasuarfedern
(Tuar), frischen, grünen, feinen Farn, wohlriechenden Kräutern oder mit
dem »Ssi« geschmückt. Letzterer ist ein zierlich mit abwechselnd gelb,
rot und schwarz gefärbtem Gras umwundenes kurzes, dünnes Stäbchen,
zuweilen mit einer weißen Hahnenfeder versehen, das auch sonst im
Haare getragen und für die hiesige Jugend charakteristisch wird. Im
Ohr hängt ein aus Schildpatt gebogener breiter Reif, »Damala«, (XVII
4) häufig mit eingraviertem Ornament, rotem Anstrich und besonderen,
sehr hübschen Anhängseln aus Schnüren feiner dünner Muschelplättchen,
einem halbdurchgeschnittenem Fruchtkern und einigen Hundezähnen als
Bommel. Ein paar der letzteren dienen auch als seltener Schmuck
durch die Nasenscheidewand, für gewöhnlich steckt aber nur ein
bleistiftdickes rundes kurzes Stückchen Holz in derselben oder ein aus
Tridacna geschliffener Stift, »Gin«, genannt. Am seltensten ist ein
sehr kunstvoll aus Perlmutter geschnitzter Nasenschmuck (wie Taf.
XX 5). Junge Leute lieben ein glattes Gesicht und reißen daher die
hervorsprießenden Barthaare sorgfältig aus wie die Augenbrauen. Sie
rasieren auch (mit einem scharfen Bambu oder Muschelstück) das Stirn-
wie Nackenhaar ab, damit recht viel rote Farbe, »Bähm«, zur Geltung
kommen kann, denn diese ist zum Festschmuck eines Papua-Swell unbedingt
erforderlich. Gewöhnlich genügt ein Längsstrich über Stirn und Nase und
ein paar Querstreifen über die Backen, zuweilen wird noch ein weißer
Ring ums Auge gemalt. Wo man aber recht viel der teuren roten Farbe
übrig hat, da wird nicht gespart, und das ganze Gesicht, zuweilen auch
der Rücken erhalten den beliebten roten Anstrich. Ja, auch Armbänder,
Ohrringe, Pfeil- und Speerspitzen werden noch bemalt, denn Rot ist die
Freudenfarbe der Papuas und nur ausnahmsweis Zeichen des Krieges. Der
gewöhnlichste Halsschmuck für junge Leute sind Schnüre, mit zierlich
aufgereihten, kleinen weißen Kauris (einer Art Nassamuschel), »Darr«
genannt, die als Material zu Schmucksachen hier, wie fast überall
in Neu-Guinea, eine so hervorragende Bedeutung haben. Aus gleichem
Material werden auch Stirnbinden getragen, da solche aus den kostbaren
Hundezähnen für junge Leute meist zu teuer sind. Kleine schon bei Bongu
erwähnte filetgestrickte Brusttäschchen sind auch hier unzertrennlich
mit dem Ausputz eines jeden Mannes und werden in sehr hübscher Weise
mit zierlich eingestrickten Querschnitten der Samenkerne von Coix
lacrymae angefertigt und mit Troddeln von gleichem Material behangen.
Selten kann sich ein junger Mann einen Brustschmuck aus Hundezähnen
erlauben, die in der Form eines Triangels (vergl. Abbild. S. 87)
aufgereiht, an einem Strickchen um den Hals getragen werden. -- Ich
will gleich hier bemerken, daß wenn von »Hundezähnen« die Rede ist,
damit allemal nur die Eckzähne gemeint sind, wovon jeder Hund nur vier
besitzt, daß also dieses Material mit Recht als wertvoll gilt, wie
dies in ganz Melanesien der Fall ist und bei unseren prähistorischen
Vorfahren der Fall war. Sehr reich und geschmackvoll wird der Oberarm
geschmückt. Statt der gewöhnlichen Grasbänder werden bei Festen die
wertvollen »Ari« getragen (Atlas XVIII, 3). Sie bestehen ebenfalls
aus rotgefärbtem feinem Grasgeflecht, sind aber sehr breit (bis 14
cm) und am Rande mit Kauris, sowie flachen Ringen, aus dem Basisteile
eines Conus geschliffen, sehr geschmackvoll besetzt. »Suar« heißen
die breiten Armbänder aus einem gebogenem Stück Schildpatt, die in
der That mit zu den feinsten Kunstarbeiten (Atl. XIX. 2) der Papuas
überhaupt zählen. Wie mir ein tüchtiger Fachmann versicherte, erfordert
schon das gleichmäßige Rundbiegen eines bis 14 cm langen und 7 bis
8 cm Durchmesser haltenden Stück Schildpatts mittelst Erhitzen eine
große Sorgfalt und Geschicklichkeit, die bei uns nicht jeder Arbeiter
besitzt. Diese Armbänder sind nun überdies mit sehr verschiedenartig
eingravierten Ornamenten in geschmackvoller und schwungvoller Zeichnung
verziert, die bei uns Beifall finden würden und denselben weit mehr
verdienen, wenn man bedenkt, daß nur Muschelbruchstücke, spitze Steine
oder scharfe Eberzähne als Werkzeuge dienten. Aber die »Wilden«
schrecken selbst nicht vor härterem Material als Schildpatt zurück, wie
die schmalen Armringe, »Bio« genannt, kaum 7 mm breite Basisabschnitte
von Trochus niloticus zeigen, deren Außenrand zuweilen schöne
Gravierung tragen (XIX. 4). Um die letztere besser hervortreten zu
lassen, ist das Vertiefte mit roter Farbe, bei den Schildpattarmbändern
mit weißer (Kalk) eingerieben, was trefflich wirkt und gewiß für den
guten Geschmack dieser Künstler des Steinalters spricht. Ich glaube
kaum, daß unsere Pfahlbauer derartige Kunstsachen anfertigten, wozu
ihnen ja auch schon das Material fehlte. -- Wie um das Fesselgelenk, so
ist zuweilen unterm Knie ein breites Band von rotem Stroh umgeflochten,
seltener das Fußgelenk bis zur halben Wade herauf. Letzteren Schmuck
sieht man kaum bei jungen Leuten, die dagegen mit Vorliebe einen ca.
10 cm breiten Leibgurt, »Ja sigilon«, aus gleichem Material tragen
(ähnlich Atlas XVI. 3 a). Derselbe wird so fest als möglich gleich um
den Leib geflochten und schnürt die Taille in unnatürlicher und nach
unseren Begriffen in gesundheitsschädlicher Weise ein. Ich schnitt
einem kräftigen jungen Manne von ca. 27 Jahren einen solchen Gurt
vom Leibe, der nur 65 cm Umfang zeigte. Aber dieses Einschnüren ist
auch an der Südostküste Neu-Guineas beliebt und gilt als äußerst
»fesch«. Außer diesen Leibgurten werden zuweilen aber selten noch
schmale Leibschnüre getragen, unter denen solche aus Delphinzähnen,
»Bali«, und die schon bei Bogadschi erwähnten Gogu, die hier »Popok«
heißen, am wertvollsten sind. Daß bei einem Feste wie dem soeben
gefeierten besonders feine, rotgefärbte, zum Teil hübsch gemusterte
Mal in der Weise, wie dies Fig. 1 (Taf. XVI des Atlas) zeigt, angelegt
werden, ist selbstverständlich; auch an buntem Blätterschmuck in
Armband und Haar fehlt es nicht. Dagegen war Federschmuck (»Kalun«)
seltener; am häufigsten weiße Hahnenfedern, sowie Kakaduhaubenfedern
oder rote Schwanzfedern vom Weibchen und grüne vom Männchen des
Edelpapageis (Eclectus polychlorus). Schmuck aus Kasuarfedern sieht
man hier wenig, vermutlich weil der Kasuar (Tuar) selten ist. Die
jungen Leute müssen sich meist mit einer Hahnenfeder begnügen, denn
nur den Männern scheint reicherer Federschmuck zuzukommen, wie einige
besondere Schmuckgegenstände. Darunter steht für alle Krieger ein
eigentümlicher Brustschmuck (vergl. Atlas Taf. XXII. 4, 5) oben an,
sehr geschmackvoll aus zwei Ovulamuscheln und einem fein geflochtenem
blatt- oder herzförmigen, mit Kauris besetzten Anhängsel gefertigt.
Er ist gleichsam ein Attribut des waffenfähigen Mannes und verbreitet
sich in dieser Form weit über gewisse Teile Neu-Guineas, für welche
dieselbe charakteristisch ist. Dieser Brustschmuck wird beim Kampf
vom Krieger in den Zähnen gehalten, um den Gegner herauszufordern und
schrecklicher zu erscheinen, ein Gebrauch, der sich in allen von mir
bereisten Gegenden von Neu-Guineas wiederfindet. Ein weit seltenerer
und kostbarer Schmuck ist ein fast zirkelrund gebogener Eberhauer[26]
»Sual«, so kostbar, daß ihn eigentlich nur Häuptlinge erschwingen
können. Minder reiche Leute begnügen sich mit einer Imitation aus
Tridacnamuschel geschliffen oder zwei gewöhnlichen großen Eberzähnen.
Wie erwähnt schmücken sich ältere Leute weniger als junge, ganz
wie dies bei uns der Fall ist, und wie überall der Mensch mit dem
Vorrücken der Jahre immer weniger Gefallen an den Eitelkeiten dieser
Welt findet. So bedienen sich ältere Männer kaum mehr roter Bemalung
und schwärzen höchstens das Kopfhaar (comme chez nous!).

[Illustration: Stutzer von Grager.]

Eine größere Versammlung von Eingeborenen giebt auch am besten
Gelegenheit zu anthropologischen Studien. Ich überzeugte mich auch hier
aufs neue von der großen Verschiedenheit in den Gesichtszügen und doch
waren diese Papuas gewiß frei vom Einfluß fremder Beimischung. Aber
auch bei diesem Naturvölkchen ist es wie bei uns, und es herrscht eine
ebenso große individuelle Abweichung! So waren typische Judengesichter
nichts Seltenes; andere erinnerten durch ihre gebogenen Nasen an
Indianer und einzelne unterschieden sich, abgerechnet Hautfärbung und
Haar, kaum von Europäern.

Wahrscheinlich noch in Festesstimmung zeigten sich übrigens die neuen
Freunde recht dreist, erkletterten in hellen Haufen das Schiff, so daß
ich genug zu thun hatte, um Ordnung zu halten und die Überzahl sanft
von Bord zu spedieren. Sie hatten wie immer wenig zu vertauschen und
Bananen und Schweine, nach denen uns am meisten gelüstete, selbst
aufgezehrt.

Dem Gewimmel der Eingeborenen wurde übrigens ein jähes Ende gemacht,
als Kapitän Dallmann gegen Mittag von seiner Bootexkursion mit der
frohen Kunde zurückkehrte, daß der bislang vergebens gesuchte Hafen
gefunden sei, und zwar ein ganz vortrefflicher. Schnell wurde Anker
gehievt, und kaum eine halbe Stunde später lagen wir in dem herrlichen
Bassin, das wir zu Ehren Seiner Kaiserlich und Königlichen Hoheit
dem Kronprinzen »Friedrich-Wilhelms-Hafen« benannten. Das war am 19.
Oktober! Die Erinnerungen, welche sich an den vorhergehenden Tag
knüpfen (Geburtstag des Kronprinzen, Schlacht bei Leipzig), durften dem
neuen deutschen Hafen als gutes Omen gelten, das demselben hoffentlich
dauernd günstig bleiben wird. Denn, wenn erst Kaiser-Wilhelms-Land
denjenigen Aufschwung nimmt, den wir alle wünschen, wird auch
»Friedrich-Wilhelms-Hafen« diejenige Bedeutung erlangen, welche
er so sehr verdient. Jedenfalls gehört er mit zu den besten Häfen
in Deutsch-Neu-Guinea, ist aber leider mehr mit Fieber behaftet als
andere Gebiete, Verhältnisse, die sich bei der einstigen Urbarmachung
ebensogut bessern werden, als dies z. B. bei Soerabaja und anderen
tropischen Häfen der Fall war. Friedrich-Wilhelms-Hafen ist, wie die
vorhergehende Kartenskizze zeigt, eigentlich eine langgestreckte
Lagune, von 1½ bis 2 Meilen Breite und 8 Meilen Länge, die von
der Dallmann-Einfahrt, wie ich die Straße zwischen Grager und der
Schering-Halbinsel benannte, knieförmig tief ins Land nach Südwest
einschneidet. Sie ist, was der Amerikaner »land-locked« nennt, d. h.
rings von dichtem Urwald umschlossen, also vollkommen gegen alle Winde
geschützt. Dabei sind keine »Patches« d. h. untiefe Korallstellen
vorhanden und selbst das größte Panzerschiff kann sicher einlaufen,
ankern und schwingen. Die von der Samoa gemachten Lotungen hatten
dieses günstige Resultat schon ergeben, welches später durch die
sorgfältigen Aufnahmen der deutschen Kriegsschiffe (Elisabeth und
Hyäne) nur Bestätigung fanden. Die Tiefen halten sich in der Mehrzahl
der Lotungen zwischen zwanzig und einigen Meter und fallen nur an
wenigen Stellen bis zu vierzehn; die Dallmann-Einfahrt bewegt sich
meist in den dreißigen. Der Observationspunkt der Kriegsschiffe auf der
Schering-Halbinsel liegt unter Breite 5°, 14,5′ Süd; Länge: 145,47 Ost;
der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser beträgt ¾ Meter.

[Illustration: Friedrich-Wilhelm- und Prinz Heinrich-Hafen.]

Die Samoa war das erste Schiff, welches in diesem Hafen ankerte,
dessen erhabene Ruhe uns allen wohlthat. Und als die Nacht sich
herniedersenkte und die Kakadus mit ihrem widerlichen Gekreisch zur
Ruhe gebracht hatte, schlief auch ich unter dem eintönigen Gezirp der
Cikaden und dem Kastagnettengeklapper der Laubfrösche so schön wie
lange nicht; wozu die Befriedigung über die neue Entdeckung nicht wenig
beitrug. War es doch der erste Hafen, den wir gefunden hatten, und
somit die Begeisterung verzeihlich.

Vogelstimmen verkündeten den anbrechenden Tag, denn um diese Zeit
sind auch die Tropenvögel wie die unsrigen am lebhaftesten. Sie waren
mir alle alte Bekannte von der Südostküste. Den meisten Lärm machten
wie immer weiße Kakadus (Cacatua Triton) und Papageien (Eclectus
polychlorus); Loris (Lorius erythrothorax) und Sittiche (Trichoglossus
Massenae) ließen pfeilschnell die Luft durchschießend ihren schrillen
Lockruf vernehmen; dazwischen tönte das tiefe: arr, arr, raab, raab,
aai, aai des Raben (Corvus orru), und das dumpfe Brummen der weißen
Fruchttaube (Carpophaga spilorrhoa), das tiefe »balebakú« ihrer grünen
Base (Carpophaga poliura); das mannigfach modulierte Geschwätz des
nimmer müden Lederkopf (Tropidorhynchus Novae Guineae). Aber nicht alle
Teilnehmer dieses tropischen Vogelkonzerts tönen dem Ohre unangenehm
entgegen, manche lassen Wohllaute erklingen, die sehr ansprechend
sind. So die reinen, wie abgestimmten Pfiffe, welche das Gegurgel und
Geplärr der Krähenwürger durchsetzen, von denen sich der einfarbig
schwarze Cracticus Quoyi am meisten hervorthut, so der melodische
Glockenton einer Pirolart (Mimeta), und vor allem die vollen und
abwechselnden drosselartigen Strophen einer Pinarolestesart, die den
Namen »Neu-Guinea-Nachtigall« verdient und wie diese ein unscheinbares,
braunes Vögelchen ist, das freilich zu einer ganz anderen Familie
gehört. Mächtiges Rauschen, ähnlich dem Brausen einer Lokomotive,
übertönt zuweilen das Gesamtkonzert und verwundert schaut der Neuling
umher. Ein paar Nashornvögel (Buceros ruficollis) durcheilen die Luft
und erzeugen durch die mächtigen Schläge ihrer kurzen Flügel jenes
fremdartige, fast erschreckende Geräusch, so laut wie es kein Adler
hervorbringt. Aber Raubvögel sind selten: einige schwarzohrige Milane
(Milvus melanotis), ebenso träge als ihre schön gefärbten Vettern,
Haliastur girrinera, sitzen hie und da auf dem dürren Aste eines
Urwaldriesen, noch seltener sieht man einen weißbauchigen Seeadler
(Haliaetus leucogaster), den größten Raubvogel Neu-Guineas, hoch in
den Lüften seine Kreise beschreiben. Das ist so ungefähr alles, was
sich von der Vogelwelt bemerkbar macht, denn wie der geschlossene
Hochwald bei uns, so ist auch der Urwald ärmer als freieres Terrain.
Aber wo bleiben die Paradiesvögel? höre ich fragen, von denen man
sich in Neu-Guinea jeden Baum voll träumt. Ja! die hatte ich schon
in Konstantinhafen gehört und gesehen, aber ich konnte sie so wenig
erlangen als hier, denn es gab eben Wichtigeres zu thun. Übrigens
ist es eine der Paradisea apoda und papuana verwandte Art mit gelben
Seitenbüscheln, wie mir die wenigen von den Eingeborenen gebrachten
schlechten Bälge zeigten, bei denen der Vogel hier »Do« heißt.

Wie zu erwarten, dauerte die wohlthuende Ruhe infolge des Fehlens der
Eingeborenen nicht lange, denn fast mit den ersten Vogelstimmen, früh
5½ Uhr, hörten wir auch die unserer Freunde und Gönner von Grager,
und bald hatte sich eine Anzahl Kanus um den Dampfer gesammelt.
Ich konnte mich aber zu ihrem großen Leidwesen weniger mit ihnen
beschäftigen, denn vor allem war uns an einer näheren Untersuchung
des Hafens, seiner Dependenzen und Umgebung zu thun. In der letzteren
Richtung ließ sich wenig thun, da ein Gürtel dichter Mangrove
(Rhizophoren), welcher den Strand bildet, undurchdringliche Schranken
setzt. In dem äußersten westlichen verschmälerten zipfeligen Ende
des Hafens, der hier Korallriff zeigt und nur mit Boot passierbar
ist, setzt ein schmaler Kanal in die Tiefe des Urwalds hinein. Wir
befuhren ihn im Boot, blieben aber bald sitzen und überzeugten uns,
daß hier keine Flußmündung sei. Das Wasser war brackig und in dem
Dickicht der Nipapalmen, deren Wedel überall den Weg versperrten,
kaum durchzudringen. Dabei rührte in dem fast stagnierendem Wasser
jeder Ruderschlag neue moderige Dünste verfaulender Pflanzenstoffe
auf; eine rechte echte Fieberluft, die man förmlich riechen konnte.
Übrigens fanden wir die Spuren der Eingeborenen in betretenen Pfaden,
die uns später zu wohlgepflegten Plantagen führten. Sie gehören
den Inselbewohnern, denn das Festland um Friedrich-Wilhelms-Hafen
scheint ganz unbewohnt zu sein. Der Boden ist auch in diesem
Gebiet ein sehr fruchtbarer, dessen korallinische Bildung die
allenthalben umherliegenden Koralltrümmer deutlich erkennen lassen.
Die Baumvegetation war eine entsprechend üppige, aber das Auge sucht
vergebens nach jenen lieblichen Kindern Floras, den Blumen, die so
mannigfach abwechselnd unsere Wälder zieren. Hie und da sieht man ein
lilienartiges Staudengewächs mit plumper Blume, oder hoch in dem
Gelaube die schön roten Blumen gewisser Schlingpflanzen guirlandenartig
von Baum zu Baum ranken; seltener eine Orchidee. Diese Blumenarmut ist
eben für alle Urwälder dieser Tropenregion charakteristisch, wie der
Reichtum an Lianen und anderen Schlingpflanzen. Letztere umstricken
große Bäume häufig so dicht, daß die sonst schönen Formen bizarr und
phantastisch aussehen. Die zahllos herabhängenden, oft armsdicken
Enden, und die dünnen, mit häßlichen feinen Dornen besetzten Ranken
bereiten häufig unüberwindliche Hindernisse. Diese rankenden Lianen,
die sich anfangs, unschuldig wie unser Epheu, gleichsam schutzsuchend,
an dem Baumstamme emporwinden, saugen an seinem Lebensmark bis sie
ihn schließlich ganz ersticken. Hunderte von Parasitenarmen, zu
gewaltiger Dicke angewachsen, umklammern und halten den morschen Riesen
noch zusammen, an dessen Zerstörung Milliarden geschäftiger Ameisen
mithelfen, bis ihn ein Windstoß ganz zu Boden streckt. Das ist so in
wenigen Strichen das Bild eines Urwaldes, wie ich es im großen und
ganzen überall in jenen Regionen fand, und das meist sehr von den
Vorstellungen abweicht, welche sich der Laie macht. Ja, diese Urwälder
sind großartig, interessant durch die Menge neuer Eindrücke, welche
sie dem Neuling bieten, der manche Begriffe von Baumwuchs, Üppigkeit
und Vegetationsfülle zu verbessern haben wird, aber ein harmonisches
Ganzes wie unsere Hochwälder bieten sie nicht. Wer so lange, wie ich,
in diesen Urwäldern lebte, unter ihnen seine Hütte aufschlug und
täglich mit Schling- und Rankengewächsen zu kämpfen hatte, wie dies bei
meinem früheren Aufenthalte an der Südostküste Neu-Guineas und der Kap
Yorkhalbinsel der Fall war, dem werden die heimischen Wälder erst recht
lieb geworden sein und nach allen meinen Welterfahrungen muß ich offen
bekennen: »Der deutsche Wald ist der schönste!« Freilich ist das ein
individuell-nationales Urteil, in welches nicht alle einstimmen werden
und brauchen. Ich erinnere mich hierbei eines geborenen Australiers,
eines Kolonisten aus Neu-Süd-Wales, mit dem ich von Melbourne nach
Sydney reiste. Er kam eben von einer Vergnügungstour aus Europa, und
war auch in Deutschland gewesen. Aber unsere schönen Eichen und Buchen
hatten keinen Eindruck auf ihn gemacht; das Herz ging ihm erst auf, als
er die unschönen Eukalypten mit ihren sperrigen Ästen, der zerfetzten
Rinde und graugrünlichen dünnen Belaubung sah, -- »the finest trees in
the world!« --

Es war sehr schwer, sich über die hydrographische Beschaffenheit
unseres neuen Gebietes zu orientieren, und wir vermißten schon hier,
wie später noch so oft, den Mangel einer Dampfbarkasse auf das
schmerzlichste. Aber die meist unter Führung von Kapitän Dallmann
unternommenen Bootfahrten machten uns mit den Gewässern nördlich bis
über die Insel Tiar hinaus bekannt und zeigten uns die unrichtige
Lage der »Thirty Islands« nach der flüchtigen Aufnahme der russischen
Kriegsschiffe (Admirality Chart No. 1084), bis dahin dem einzigen
kartographischen Hilfsmittel. Nördlich von unserer nächsten Insel
Bilia (Eickstedt-Insel der deutschen Karte), die durch eine so
schmale Bootspassage vom Festlande getrennt ist, daß die Zweige der
beiderseitigen Bäume ein förmliches Dach bilden, öffnet sich ein
zweites geräumiges Bassin, welches sich trefflich als Hafen eignet
und später von unseren Kriegsschiffen »Prinz-Heinrich-Hafen« genannt
wurde. Dieser Hafen erhält nordöstlich durch eine etwas größere Insel
(Götz-Insel) und eine ganz kleine (Koch-Insel), beide dichtbewaldet und
unbewohnt, und das dieselbe verbindende Korallriff, vollkommenen Schutz
und ist nur durch die Dallmann-Einfahrt zugänglich. Beide Häfen bilden
prächtige Verstecke, in welchen sich viele Schiffe verbergen können.
Nördlich von der Koch-Insel bis Tiar (Aly-Insel der deutschen Karten)
sind viele flache Stellen; östlich ziehen sich Riffe hin, mit heftiger
Brandung, sichtbaren Treibholzstämmen und einem schwarzen Felsen,
wodurch unseren beiden Häfen eine zweite Schutzmauer gesichert ist.
Zugleich wird dadurch eine Einfahrt nördlich von Grager kaum möglich,
in welcher Richtung noch zwei weitere Inseln zu folgen scheinen,
die aber nach den Aufnahmen unserer Kriegsschiffe nur Teile der
ersteren sind. Im übrigen haben die Dampfbarkassen der Kriegsschiffe
sich ungefähr in denselben Grenzen gehalten, welche wir mit unserem
Segelboot erreichten und ebensowenig als wir eine Flußmündung entdeckt.
Übrigens fehlt es nicht ganz an Frischwasser, und es sind wenigstens
Tümpel mit solchen vorhanden. Ein Fluß könnte möglicherweise etwas
westlich von Tiar münden; wenigstens deuten dichte Bestände von
Nipapalmen darauf hin. Wir konnten aber die seichte Bucht nicht näher
untersuchen, in der wir, wie schon vorher in einer Seitenbucht von
Friedrich-Wilhelms-Hafen, Vorrichtungen zum Fischfang bemerkten, die
wir nicht zerstören wollten. Ein dichtes Rickelwerk von eingesteckten
Pfählen hinderte den Durchgang, wie für uns so für Fische, und führte
die letzteren in Reusen, mit welchen die freigelassenen Öffnungen
versehen waren, ganz in der Weise, wie dies allenthalben geschieht.

Nach von Maclay besteht der Archipel aus etlichen dreißig Inseln,
aber ich vermochte mir auch bei den Eingeborenen keine Aufklärung
zu verschaffen. Ein jedenfalls sehr bewanderter Mann nannte mir
zweiundvierzig Namen, die wohl aber weniger Inseln, sondern die
oft sehr kleinen, nur aus ein paar Häusern bestehenden Siedelungen
betreffen. Ein anderer wußte siebenundzwanzig, ein dritter nur sechs
Namen aufzuzählen, die ich aber ohne weiteres übergehen kann, da
sie hier doch keinerlei Interesse haben. Aus den Nachrichten der
Eingeborenen schien übrigens hervorzugehen, daß die unmittelbare
Umgebung der beiden Häfen nicht bewohnt ist, daß aber weiter nördlich
»Panu«, Dörfer vorkommen. Nach unseren Erfahrungen dürfte der die
Häfen einfassende Urwaldgürtel nicht allzubreit sein und dahinter
sich vermutlich schönes Land finden. Wenigstens sahen wir auf den
Hansemann-Bergen, die eine gute Landmarke für ansegelnde Schiffe
bilden, zahlreiche »Kulturflecke«, d. h. Plantagen. Dies war bei
einem späteren Besuch (Mai 1885), bei welchem wir ganz nahe unter
der Küste dampfend einen besseren Einblick in diese so schwierigen
hydrographischen Verhältnisse erlangten. Der Archipel der zufriedenen
Menschen scheint sich von Kap Kusserow ca. 10 Meilen nördlich zu
erstrecken, bis zu dem sogenannten Kap Juno von d'Urville, das sich
nur schwer erkennen läßt. In diesem Gebiete zählte ich sechzehn
kleine Inseln, die alle niedrig, anscheinend unbewohnt und dicht
bewaldet sind, wie die Festlandsküste selbst, welche oft schwer
zu unterscheiden ist. Verschiedene dieser Inseln sind durch Riff
verbunden und dürften bei näherer Untersuchung vielleicht brauchbare
Ankerplätze geben. Die Einfahrt zu einem anscheinend sehr geräumigen,
trefflichen Hafen sah ich südlich von Juno-Point, wir hatten aber
keine Zeit, denselben zu untersuchen, und mußten dies schon aus Mangel
an einer Dampfbarkasse aufgeben. Wie ich später durch Güte von Herrn
Friederichsen erfuhr, ist dieser Hafen im Jahre 1883 von dem russischen
Kriegsschiff »Skobeleff« besucht und »Port Alexis«[27], die davor
liegende Insel »Skobeleff« benannt worden. Ihr nördlichster Punkt wurde
zu 5°, 4′, 6″ Süd und 145°, 48′, 21″ Ost bestimmt.

[Illustration: Hansemann-Berge (aus Nordost).]

[Illustration: Haus auf Tiar.]

Auf den von unserer Admiralität publizierten Karten sind nördlich von
Grager (Fischel-Insel) nur zwei größere Inseln: Örtzen und Follenius,
und zwischen beiden etwas westlich, eine kleine, Franz-Insel,
verzeichnet, alle übrigen Inseln weiter nördlich aber weggelassen.
Tiár, oder Dsiár, wie es manche Eingeborene aussprechen, (Aly-Insel der
deutschen Karten) ist bedeutend kleiner als Grager, dicht bewaldet,
mit wenig Kokospalmen, hat aber eine zahlreiche Bevölkerung, welche im
Archipel eine dominierende Stellung zu behaupten scheint, denn auch die
Grageriten fürchteten sich vor Tiar. An dem Sandstrande der Westseite
landeten wir und besichtigten das Dorf. Die Häuser desselben liegen wie
immer sehr zerstreut, sind groß, sehr gut gebaut und stehen niedrig
auf Pfählen. Vor der Thür ist ein breiter, von dem seitlich weit
herabhängenden Dach mit bedeckter Vorplatz, wie dies die beigegebene
Abbildung am besten zeigen wird. Ich entdeckte auch das etwas abseits
unter Bäumen versteckte Versammlungshaus der Männer, »Dasem« genannt.
Es enthielt ein paar Holz-Signaltrommeln, hier »Do«, von kolossaler
Größe (vergl. Atlas XIII. 1.), dadurch neu, daß an dem einen Ende ein
großes Loch durchgebohrt war, um, wie die Männer andeuteten, einen
Strick durchziehen und so das schwere Instrument leichter bewegen zu
können. Außer den üblichen Unterkiefern von Schweinen, hing an einem
der Querbalken eine Holzschnitzerei, wie ich sie bisher nicht gesehen
hatte. Sie war ziemlich groß, aus einem Stück geschnitzt und stellte
einen an den zusammengebundenen Vorderbeinen aufgehangenen, schwarz und
weißen Hund oder vielmehr eine Hündin dar, wie drei Reihen Säugewarzen
zeigten. Das Tier wurde »Agaun« genannt (Taf. XV. 2), aber wie ich
erwartet hatte, nicht verkauft. Die Eingeborenen sahen es aber gern,
daß ich ihr Kunstwerk abzeichnete. Die Bedeutung dieser merkwürdigen
Figur, die nicht wohl im Zusammenhang mit Ahnenkultus stehen kann,
vermochte ich natürlich nicht zu ergründen, aber Laune und Phantasie
der Papuas schaffen zuweilen Werke der Holzbildnerei, die ihr Entstehen
Zufälligkeiten zu verdanken haben und denen keine tiefere Bedeutung
zu Grunde liegt. So sah ich in Neu-Britannien einmal ein Stammstück,
auf welchem sehr kenntlich ein Haifisch in Relief ausgezimmert war.
Ich dachte natürlich an Haifisch-Verehrung und dergl., erfuhr aber,
daß bei Gelegenheit des Fanges eines großen Hais ein Kanaker zum
Spaß dessen Bildnis gezimmert hatte, um für seinen Fleiß »Diwarra«
(Muschelgeld) einzusammeln. Ähnlichen Ursprunges waren vielleicht
die aus Holz geschnitzten Fische, welche wir auf Tiar nicht weit
vom Versammlungshause entdeckten, und die, wie die Abbildung zeigt,
ebenso sehr durch die Ausführung als namentlich auch die sonderbare
Art der Aufstellung überraschten. Sie steckten oder hingen nämlich
an langen und dicken Bamburohren, die einen freien Platz schmückten,
der unter gewissem »Tabu« zu stehen schien, denn anfänglich wollten
die Eingeborenen nicht dulden, daß ich mir das merkwürdige Denkmal
näher betrachtete. Als sie aber sahen, daß ich nichts mitnahm, was
sie vielleicht gefürchtet hatten, ließen sie mich ruhig zeichnen und
verkauften mir sogar einen der Fische. Diese »Ji«, (= Fisch) (XV. 3)
waren zum Teil in beträchtlicher Größe (60 cm bis 1 m 80 cm), aus einem
Stück Holz gezimmert, bemalt und so natürlich nachgebildet, daß man
an einzelnen die Gattung erkennen konnte. So unter anderen Makrele,
Hemiramphus, Chaetodon, Pagrus -- auch ein Delphin (Phocaena) war
dabei. Eine solche, sehr deutlich wiedergegebene, Makrele, hielt einen
anderen kleinen Fisch im Maul, eine andere einen Menschenkopf. Auch
die Bemalung war im ganzen ziemlich naturgetreu; unter den benutzten
Farben Grün bemerkenswert, weil es sonst so selten im Malkasten
der Papuas vorkommt und metallischen Ursprungs zu sein scheint. --
Holzschnitzereien von Fischen, die wir ja schon in Bilibili sahen,
sind übrigens im ganzen Archipel häufig und offenbar Wahrzeichen des
Fischereigewerbes, welches hier so sehr floriert. Dafür sprachen die
schon erwähnten Reusen, die großen Fischnetze, welche besonders Tiar
auszeichneten sowie hübsche Fischhaken »Aule«. Sie bestehen aus einem
rundgeschliffenem Stifte aus Tridacna, an welchem mittelst Bindfaden
ein Haken aus Schildpatt oder Bein befestigt ist, oder sind ganz aus
Schildpatt. Diese Art Fischhaken (vergl. Atlas T. IX, 3-7) finden
sich in derselben Weise an der ganzen Nordostküste Neu-Guineas und
weichen sehr erheblich von den in Mikronesien gebräuchlichen aus
Perlmutter ab. Aber ich erhielt von Banab (Ocean-Island) Fischhaken,
die sonderbarerweise in der Form ganz mit denen von Neu-Guinea
übereinstimmen, nur daß der Stiel aus Kalkspat besteht, ein Beweis,
wie unabhängig voneinander in verschiedenen Lokalitäten dieselben
Erfindungen gemacht werden. Eiserne Angelhaken fanden übrigens nicht
den Beifall der Eingeborenen, wie dies überall zuerst der Fall ist,
wo sie den Vorteil derselben noch nicht kennen. Die Bewohner Tiars
scheinen in Bezug auf Schiffsbau und Schiffahrt übrigens mit Bilibili
zu rivalisieren, wie die am Strande liegenden Kanus zeigten. Sie
stimmen in der Bauart ganz mit denen Bilibilis überein, haben aber
keine S-förmig gebogenen Schnäbel, sondern an der Spitze ist ein
gekrümmter Stock angebracht, an welchem Nautilus-Muscheln befestigt
sind. Dieser letztere Schmuck soll übrigens nur Kanus von Häuptlingen
zukommen.

[Illustration: Tabuplatz auf Tiar.]

Bilia (Eickstedt-Insel) obwohl größer als Tiar, hat eine viel geringere
Bevölkerung und ist in jeder Weise ärmer. Eine Gruppe Kokospalmen
zeigte, wie immer, das Bewohntsein an, aber in dem dichten Walde,
welcher die ganze Insel bekleidet, fanden wir das Dorf erst als wir
die enge Einfahrt an der Nordostspitze entdeckten. Sie führt zu einer
hübschen Lagune, welche das Centrum der Insel bildet, die dadurch ganz
zu einem Miniatur-Atoll wird; nur daß das Festland viel höher als bei
eigentlichen Atolls und mit gutem Boden bedeckt ist. An der Ostseite
des inneren Lagunenrandes stehen die wenigen, ziemlich ärmlichen und
kleinen Häuser (Aab) die nichts Bemerkenswertes zeigten. Die Leute
waren sehr freundlich; nur ein Mann stellte sich sehr ungebärdig
und schrie wie ein Verrückter -- und war in der That ein solcher,
übrigens eine seltene Erscheinung unter Eingeborenen, die mir nur
wenigemal vorkam. -- Töpferei wird auch auf Bilia betrieben, aber das
Fabrikat ist nicht so schön als auf Bilibili. Ein Versammlungshaus war
ebenfalls vorhanden, und hier entdeckte ich etwas Neues. Dieses Haus,
Szirit genannt, war den Verhältnissen des Dorfes entsprechend klein,
im Baustil gleich den großen auf Bilibili. Die beiden Giebelseiten
waren fast ganz mit Mattengeflecht aus Kokosblatt zugedeckt, so daß
nur eine kleine Thür zum Hineinkriechen frei blieb. In der offenen
Giebelspitze hingen aus Holz geschnitzte Fische (hier Ing), ähnlich
denen von Tiar, aber schlechter und kleiner. Im Inneren fehlte das
bekannte Schlafgerüst (Barim) und die große Trommel (Do) nicht, aber
ich entdeckte zufällig ein Gerät, welches die Eingeborenen sehr
hochzuhalten schienen und das sie offenbar nur ungern in meinen Händen
sahen. Es war dies ein ca. 30 cm langes flaches, spatelförmiges Stück
Bambu, in der Form ganz wie ein Falzbein, auf der einen Seite mit
fein eingraviertem, zierlichem Muster ornamentiert, von welchen ich
schon früher an Bord eine ganze Menge eingehandelt hatte. Ich hielt
diese »Tonde« genannten Spatel (vergl. Atlas V, 5, 6) anfänglich für
sogenannte Kalklöffel; da sie aber nicht zu diesem Zweck benutzt
wurden, glaubte ich, daß sie zum Aufbrechen von Betelnüssen oder
dergleichen dienten. Angesichts der Geheimnisthuerei, mit welcher die
hier aufbewahrten Spatel, »Tohn« genannt, behandelt wurden, erschien
auch diese Deutung unzutreffend, denn niemals sind mir Gegenstände
vorgekommen, die von den Eingeborenen offenbar so hoch verehrt wurden
als diese. Trotz hoher Gebote wurde nicht einer der zwölf Tohn
abgegeben, obwohl dieselben Instrumente außerhalb des Szirit von Bilia
kaum von Wert schienen. Zweck und Bedeutung sind mir daher nie recht
klar geworden, und erst später fiel es mir ein, daß die Tohn vielleicht
mit der Beschneidung, welche auch auf einigen Inseln dieses Archipels
herrscht, in Beziehung stehen mögen, obwohl dies aus verschiedenen
anderen Gründen kaum glaublich scheint. Wahrscheinlicher dürfte sein,
daß sie gleich unseren Spachteln zum Bereiten der roten Farbe (Behm),
resp. zum Bemalen dienen, wie das vertiefte Muster in Wahrheit als
Stempel benutzt wird, um mit Kalk bepudert als Festschmuck auf
die Backen gedruckt zu werden. Rote Farbe, Federschmuck und andere
Putzrequisiten waren neben den Tohn im Szirit vorhanden, das ja wie
alle diese Versammlungshäuser den Vorbereitungen, zum Teil den Festen
der Männer selbst gilt. Wenn die Papuas Neu-Guineas auch kein rechtes
Wort für das »Tabu« der Ozeanier zu haben scheinen, so ist die Sitte
doch vorhanden. Nicht nur Gegenstände, sondern Häuser, Bäume, ja
gewisse Distrikte können für kürzere oder längere Zeit unter »Tabu«
gestellt, d. h. unantastbar gemacht werden, wie z. B. zeitweilig die
Kokospalmen. Für das weibliche Geschlecht sind die Versammlungshäuser
stets tabu, wie das meiste, was sie enthalten. So dürfen, wie ich
dies schon in Neu-Britannien beobachtete, gewisse Musikinstrumente
der Männer, vor allem die großen Signaltrommeln, nie von einem
Weiberauge gesehen werden. Wenn daher auch Frauen ungescheut beim
Versammlungshause vorübergehen oder vor demselben stehen bleiben, das
Innere betreten sie nicht. Man hat ihnen davor eine so große Furcht
eingeflößt, daß jede Frau glaubt, der bloße Anblick einer Trommel würde
genügen, sie zu töten, ja selbst der Ton wirkt schon erschreckend
und treibt die Weiber in das Innere ihrer Hütten. Diese Furcht hat
nichts mit Götzenkultus, Heilighaltung und dergleichen zu thun,
sondern ist von den Männern nur aus Klugheit ersonnen worden, damit
sie ungestört von den Frauen und Kindern ihre Feste feiern und ihre
Schmausereien halten können. Damit erklärt sich das mysteriöse Dunkel
sehr einfach und praktisch. Und vergessen wir doch nicht, daß im Leben
der Kulturmenschen die Männerwelt vielfach bevorzugt ist und in ihren
Klubs, Logen u. s. w. heitere und ernste Versammlungen abhält, an denen
die Damen nicht teilnehmen dürfen und die für sie ebenfalls »tabu« sind.

Trotz des von Siedelungen abgelegenen Ankerplatzes war es doch stets
lebendig um die Samoa; das Kommen und Gehen von Kanus nahm kein
Ende. Alle wollten gern schachern, aber an Lebensmitteln (Taro,
Jams, Kokosnüssen) wurde trotz des anscheinenden Überflusses kaum
Nennenswertes gebracht. Dabei zeigte sich, wie dies stets der Fall
ist, die gegenseitige Eifersucht der Insulaner untereinander; die
Grageriten warnten vor Tiar, die Tiariten vor Grager, alle machten
sich gegenseitig schlecht und keiner gönnte dem anderen etwas. Ja,
auch diese »zufriedenen« Menschen schienen öfters recht unzufrieden,
und Streitigkeiten, die mit den Waffen ausgefochten werden,
kommen ebenfalls vor. Lebt doch nirgends der Naturmensch in jener
paradiesischen Unschuld und Glückseligkeit, in welcher Rousseau und
andere Schwärmer denselben schildern, und überall hat der Mensch im
Kampfe ums Dasein zu streiten.

Die zufriedenen Menschen sind übrigens in ihren Rassencharakteren
echte Papuas, erschienen aber, wie die Bilibiliten, kräftiger und
ein feinerer Menschenschlag als die Bewohner von Port Konstantin,
hauptsächlich wohl infolge der besseren Ernährungsverhältnisse. Die
Höhe der von mir gemessenen Männer bewegte sich zwischen 1,47 und
1,62 Meter. Wir kamen übrigens trefflich mit den Leuten aus, und wie
wir sie an Bord der Samoa gut behandelten, so erwiderten sie dies in
ihren Dörfern. Freilich zeigten sich die Frauen (Pein) nur verstohlen,
aber nach und nach kamen sie mit ihren Männern längsseit, um sich das
fremde Ungeheuer und dessen Bewohner anzusehen. Wie ich dies schon in
Astrolabe-Bai bemerkt hatte, scheint auch hier, dem sonstigen Brauch
vieler Melanesier entgegen, keine Vielweiberei zu herrschen, denn immer
stellte uns der Mann nur eine bessere Hälfte vor. Die Leute führen
also einen sehr moralischen Lebenswandel, wie ich dies bei allen von
der Civilisation noch unberührten Eingeborenen gefunden habe. Dabei
herrscht eine Decenz, die vielen Kulturmenschen zum Muster dienen
könnte. Als sich einst einer unserer Leute beim Baden unbekleidet
zeigte, verbargen alle Frauen und Mädchen scheu ihre Gesichter, und
ich will diesen einen Fall nur deshalb anführen, weil man gewöhnlich
geneigt ist, von sogenannten Wilden gerade ein entgegengesetztes
Betragen vorauszusetzen.

[Illustration: Junges Mädchen.]

Die Eitelkeit des weiblichen Geschlechts verleugnete sich auch bei
diesen Naturkindern nicht, die in ihrem schönsten Staat erschienen,
wovon die nachfolgende Abbildung eines jungen Mädchens eine Probe
giebt. Die Frauen trugen ihre besten Grasröcke, »Nai«, junge Mädchen
vorn und hinten ein buntes Schürzchen (ähnlich T. XVI 9) zuweilen
mehrere volantartig übereinander, welche die hübschen braunen Gestalten
in der That gut kleideten. Und so ein bißchen Kokettieren verstehen
selbst Papuamädchen, das ist ein Erbteil des ganzen weiblichen
Geschlechts! Das Haar hing in sorgfältig gedrehten dünnen Strähnen,
gleich Polkalöckchen, vorn bis zu den Augen, hinten bis in den Nacken
herab und glänzte im schönsten Rot. Schon daran konnte man die
Wohlhabenheit erkennen, an dem sonstigen Ausputz aber Reichtum. Den
Hals zierten lange Schnüre aufgereihter Samenkerne von Coix lacryma,
die an matte Schmelzperlen erinnern, die Brust mehrere große flache
Ringe aus dem Basisteil eines Conus, ebensolche waren an den breiten
Arm- und Kniebändern aus rotem oder gelbem Grasgeflecht befestigt. Ich
habe selten in Neu-Guinea so reich geschmückte Mädchen gesehen als
hier, aber es war nur eine Ausnahme, die der besonderen feierlichen
Gelegenheit galt. Die Männer hatten mit Beendigung der Feste
bereits wieder ihr Alltagsgewand angelegt, d. h. einen gewöhnlichen
Lendenschurz, Mal, umgebunden; Armband und Halsstrickchen vollendeten
das einfache Kostüm. Ein etwa fingerdicker Halsstrick bezeichnete
übrigens einen Häuptling oder angesehenen Mann überhaupt und war
unverkäuflich. An Waffen hatten sie Überfluß und verkauften davon am
liebsten. Ihre Waffen sind übrigens dieselben als in ganz Astrolabe-Bai
(Wurfspeer, Bogen »Fi«, Pfeil »Tu«), aber besser gearbeitet als z. B.
in Bongu. Ungern gaben sie dagegen die schön mit erhabener Schnitzerei
verzierten runden Schilde her, die ganz so sind, wie die auf Bilibili,
die aber hier »Gubir« oder »Gubil« (Taf. XII, 1) heißen, da r und l
meist gleichlauten wie in allen Papuasprachen. Die Kunstfertigkeit in
Holzarbeiten zeigten besonders die sanduhrförmigen Handtrommeln (Dubuag
oder Dugag), deren Henkel zuweilen sehr geschmackvoll durchbrochen
gearbeitet waren (vergl. T. XIII 2 u. 3), und kahnförmige oder ovale
Schüsseln, Tabir, die mit zu den Wertgegenständen gehören, z. B. den
Brautpreis hauptsächlich mit ausmachen. Diese Tabir sind sehr sauber
gefertigt, am Rande mit erhabener Schnitzerei verziert und mit einer
glänzenden metallischen Masse geschwärzt, die Mangan oder Graphit
zu sein scheint. Alle diese Gegenstände waren Repräsentanten der
Steinperiode, welche bei unserem Besuche in Friedrich-Wilhelms-Hafen
noch voll und ganz herrschte. Von dem durch die Russen zurückgelassenen
Eisen sahen wir nichts mehr. Die hiesigen Steinäxte, »Ihr«, sind
übrigens ganz so wie die in Bongu.

An Lebensmitteln war kaum etwas zu erlangen, und ohne eigene Vorräte
kann der Fremde in diesen reichen Tropengebieten beinahe verhungern.
Diese überall in Neu-Guinea herrschende Knappheit an Nahrungsmitteln
des Landes ist auch für Inlandexpeditionen, namentlich im Hinblick auf
das eingeborene Trägerpersonal, sehr hinderlich und erschwert solche
ungemein. Jams heißt in Friedrich-Wilhelms-Hafen »Dabel«, Banane »Fud«,
Betel »Jeb«, Schwein »Bor« oder »Bol«, Kokosnuß »Niu«, letzteres ein
polynesisches Wort, aber weit über Neu-Guinea verbreitet. Ich führe
diese wenigen Wörter nur an, um die große Verschiedenheit der Sprache
von Grager und Bongu zu zeigen, Lokalitäten, die kaum 20 Meilen
entfernt voneinander liegen und zwischen denen noch fünf oder sechs
verschiedene Dialekte gesprochen werden; zugleich ein Beispiel des
heillosen Sprachgewirrs in Neu-Guinea und Melanesien überhaupt.

Um für die etwa nachfolgenden Kriegsschiffe Zeichen unseres
Besuches zu hinterlassen, beschlossen wir eine Flagge aufzuhissen
und klärten zu diesem Zweck eine Stelle auf der die Südseite von
Friedrich-Wilhelms-Hafen bildenden Halbinsel, die später auch von
den deutschen Kriegsschiffen benutzt und »Flaggenhalbinsel« benannt
wurde. Die Eingeborenen sahen diesen Arbeiten mit Vergnügen zu, denn
nichts imponierte ihnen mehr als die Wirkung der eisernen Haugeräte.
Ja, das ging freilich schneller als mit ihren Steinäxten, und es
gab allemal ein lautes Freudengeschrei, wenn unter den Schlägen der
schweren amerikanischen Äxte ein großer Baum sich neigte und krachend
zusammenbrach, mit seinem Falle andere Bäume niederschmetternd. Wir
hatten zu thun, um die Kanus in gehöriger Entfernung zu halten. Denn
daß Bäume so schnell gefällt werden konnten, schien den Eingeborenen
unglaublich, und sie stoben erst in wilder Flucht auseinander, wenn
das erste Geknister das baldige Fallen signalisierte. Als eine
besondere Auszeichnung wurde es betrachtet, wenn ich dem einen oder
anderen ein Beil anvertraute, denn alle wollten sich gern mit an dem
Vernichtungswerk beteiligen. Aber die Kräfte der Eingeborenen reichten
nur hin, um dünneres Unterholz, Äste und dergleichen abzuhauen, denn
abgesehen, daß sie ein Beil überhaupt nur schlecht zu hantieren
verstanden, so fehlte es ihnen namentlich an physischer Stärke, denn
alle diese Naturmenschen haben ihre Muskeln wenig ausgebildet und sind
infolgedessen nur schwach. Mit betrübtem Gesicht legten die meisten
nach wenigen Schlägen die Äxte nieder und deuteten an, daß diese ihnen
zu schwer seien. Ja, die Eingeborenen selbst werden bei der einstigen
Urbarmachung und Klärung dieses Landes wohl wenig nützen, und man wird,
wie überall, auf ihre Hilfe nicht sehr zu rechnen haben. Romillys
drastische Neubenennung des »Archipel der zufriedenen Menschen« in
»Archipelago of useless idle men« trifft mit wenig Worten das Richtige,
und er kennt Kanaker besser als irgend jemand. Große Freude erregte das
Aufhissen der Flagge selbst, deren Farben (schwarz »sed«, weiß »ruo«,
rot »fiar«) den Eingeborenen besonders zu gefallen schienen, weil es
dieselben sind, welche sie kennen. Bald sollten sie ganz unter den
Schutz dieser mächtigen Trikolore gestellt werden, denn gerade einen
Monat später (am 20. November 1884) entfaltete sich an derselben Stelle
die Flagge der deutschen Kriegsmarine.

Wir hatten zum großen Leidwesen das von den Eingeborenen so sehr
gewünschte und erwartete Panu (Dorf) nicht gebaut, und mußten sie auf
»Wiederkommen« vertrösten, wofür schon die Flagge bürgte, die ich den
ersten Häuptlingen Malbag, Szebog, Telom von Grager, Kuram von Bilia,
Karun und Amang von Tiar übergab, welche, wie wir später sehen werden,
in vollem Verständnis trefflich für die Erhaltung sorgten. So verließen
wir denn Friedrich-Wilhelms-Hafen, eine Kanuflottille mit fröhlichen
Eingeborenen im Schlepptau, die alle »o! Maclay! ujan-ujan« (sehr gut)
riefen und uns erst in der Dallmann-Einfahrt verließen.



Viertes Kapitel.

Längs der Maclayküste.

  Küste bis Kap Croissilles. -- Es giebt kein Kap Duperrey. --
  Karkar, oder Dampier-Insel. -- Wir umschiffen dieselbe. --
  Neues »Giebacht-Inselchen«. -- Eingeborene. -- Zusammentreffen
  mit denselben. -- Treffliche Lokalitäten für Deportation.
  -- Bismarck-Gebirge. -- Längs der Maclayküste. -- Geringe
  Kenntnis derselben. -- Gabinafluß. -- Vulkanische Anzeichen.
  -- Küstengebirge. -- Schönes Land. -- Spärlich bevölkert. --
  Kleine und verlassene Dörfer. -- Sareuak-Buchtung. -- Erste
  Begegnung mit Eingeborenen. -- Finisterre-Gebirge. -- Heimatliche
  Landschaft. -- Pfahldörfer. -- Teliata-Huk. -- Das merkwürdige
  Terrassenland. -- Exkursion dahin. -- Dallmannfluß. -- Die
  Terrassen sind gehobener Korallfels -- haben ausgezeichneten Boden
  -- trefflich für Weiden. -- Temperatur. -- Geringes Tierleben.
  -- Basilisk-Gorge -- Rook und Lottin. -- Cape King William nicht
  aufzufinden. -- Auffallende Schluchten. -- »Meerfall«. -- »Kanzel«.
  -- »Bienenkorb«. -- Festungs-Huk. -- Siedelungen schwer bemerkbar.
  -- Geringe Bevölkerung. -- Zusammentreffen mit derselben --
  deren Verwandtschaft mit Huon-Golf. -- Keine Menschenfresser.
  -- Andenken Verstorbener. -- Rückblick auf die Maclayküste. --
  Vorzüge derselben. -- Keine Häfen. -- Hinüber nach Neu-Britannien.
  -- Unrichtigkeit der Karten. -- Längs der unbekannten Südküste --
  verspricht wenig. -- »Hansabucht«. -- Eingeborene. -- Rückkehr nach
  Mioko.


Karkar, Dampiers »Isle Brûlante«, die später den Namen dieses großen
Seefahrers erhielt, war unser nächstes Ziel und schien angesichts der
so kärglichen Nachrichten über dieselbe wohl einer Rekognoszierung
wert. Wir dampften nordwärts bis Kap Croissilles hinauf, längs einer
Küste, die einen ganz anderen Charakter als die bisher gesehene
von Astrolabe-Bai zeigte. Sie erscheint wie ein ausgedehntes,
dichtbewaldetes Vorland, an welches sich weiter inland niedrigere
Bergketten anschließen. Kokospalmen fehlen diesem Gebiete leider fast
ganz und damit auch der Mensch, dessen Existenz mit dem Vorkommen und
der Häufigkeit der ersteren in so innigem Zusammenhange steht. Nur
gegen das Kap zu bemerkten wir unter dem Schatten einiger Kokospalmen
ein Dorf; die Bevölkerung dieses ca. 15 Meilen langen Küstenstriches
ist daher jedenfalls nur sehr spärlich. Die Ungenauigkeit der
vorhandenen Karten wurde uns schon auf dieser kurzen Strecke klar.
Vergebens suchten wir Kap Duperrey[28] und auch Kap Croissilles
markiert sich in der gleichförmigen Küstenlandschaft nur wenig.

Dampier-Insel erscheint vom Süden aus gesehen wie ein mächtiger,
dicht bewaldeter, stumpfer Kegel, dessen Höhe auf 5000 Fuß angegeben
wird und der schon in weiter Ferne die vulkanische Bildung deutlich
erkennen läßt. Als Dampier Anfang 1700 die Insel entdeckte, fand er
den Vulkan in voller Thätigkeit und gab der Insel deshalb den Namen
die »brennende«. Jetzt ist der Krater längst erloschen; nur die den
Spitzenteil verhüllenden Wolken, welche meist hier lagern, erinnern
zuweilen an mächtigen Rauch.

Wie es scheint ist die Insel seit Dampier nicht mehr betreten worden,
und auch wir mußten uns auf eine Umschiffung derselben beschränken,
denn nirgends fanden wir einen Hafen- oder Ankerplatz, noch sonst eine
Stelle, welche aus praktischen Gründen zu einer Landung verleiten
konnte. Überall zeigte sich dichter Urwald, von der Wasserkante des
Ufers bis zur höchsten Spitze, in einer Üppigkeit wie man selten
Urwald zu sehen bekommt, nirgends geklärte Stellen mit Plantagen,
selten flacheres Vorland und dann nur in geringerer Ausdehnung. An
der Nordwestseite der Insel sahen wir hie und da felsiges Steilufer,
Basalt, aus dem die Insel zu bestehen scheint. Nur wenige Male hatten
wir Korallriffen auszuweichen, aber an der Nordspitze entdeckten wir
kaum eine halbe Seemeile von der Küste ein kleines Inselchen, das keine
Karte verzeichnet, und von welchem sich ca. 3 Seemeilen ein Riff mit
Brandung und einem einzelnen kahlen schwarzen Fels nach Ost hinzieht.
Ich benannte das Inselchen, immerhin groß genug um das größte Schiff
zum Scheitern zu bringen, »Giebacht-Insel«. Vom Norden aus gesehen,
bietet Dampier übrigens ein ganz anderes Bild als vom Süden und
erscheint als ein langgestreckter Gebirgsrücken mit zwei hohen stumpfen
Kegeln, beides erloschene Vulkane.

Wir waren an der Leeseite, also von West nach Ost um die Insel
gegangen und beobachteten nur an dieser unbedeutende Siedelungen der
Eingeborenen; die Ostseite schien unbewohnt. Die größte der westlichen
Siedelungen zählte etwa 10 Häuser, die übrigen zehn je 2-4 Häuser,
verdienten also kaum den Namen von Dörfern. Aus der geringen Anzahl
von Kokospalmen konnte man schon mit ziemlicher Sicherheit auf die
geringe Bevölkerung schließen, wie sich das meist überall wiederholt.
Einzelne Siedelungen besaßen kaum mehr als etliche, die größte nur 30
Kokospalmen, das war alles!

Die wenigen Eingeborenen, welche uns am Ufer mit Staunen betrachteten,
gaben sich durch Schreien alle erdenkliche Mühe uns an Land einzuladen,
aber nur bei dem einen Dorfe kamen etliche Kanus ab, so daß wir die
Maschine stoppten, um die Leutchen kennen zu lernen. »Oh! Maclay« war
ihr erstes Wort und »Kai« (Eisen) ihr zweites, dies aber auch alles was
ich verstand, denn auf Karkar wird eine ganz andere Sprache gesprochen.
Sie klang viel rauher als in Astrolabe; dabei schrieen und spektakelten
die Leute sehr viel, so daß man oft kaum das eigene Wort verstehen
konnte.

Armselig wie ihre, roh aus einem Baumstamm gezimmerten, Kanus waren die
Insassen selbst. Sie brachten nichts als ein paar alte vertrocknete
Kokosnüsse, einige Betelnüsse und Tabakblätter, hatten aber keinerlei
Waffen und von sonstigen Arbeiten nicht viel mehr. Dabei wollten sie
für jeden schlechten Bambukamm oder Kalkkalebasse nur Hobeleisen haben.
Einer hatte es auf meinen Feldstecher abgesehen und verlangte, daß ich
ihm denselben ins Kanu reichen sollte, denn an Bord wagte sich keiner.
Nun habe ich Eingeborenen stets gern Spaß gemacht, und mir war auch
wegen des Zurückgebens nicht bange, aber ich wußte auch, daß diese
Freundlichkeit nur unnützen Zeitverlust bereiten würde. Hat nämlich
der eine durchgesehen und wirklich etwas gesehen, denn gewöhnlich wird
das Glas soweit ab oder so dicht gehalten, daß überhaupt nichts gesehen
werden kann, dann will jeder in das geheimnisvolle Ding gucken und die
Sache nimmt kein Ende. Zudem lassen die meist nicht sehr reinlichen
Finger Spuren zurück, an deren Vertilgung man lange putzen kann.

Äußerlich unterschieden sich übrigens diese Insulaner durch nichts
von den Bewohnern des Festlandes; es gab dunkle und hellgefärbte, und
auch hier schienen die Gatessi, d. h. lang in den Nacken herabhängende
Zottelstränge, eine besondere Zier. Außer dieser besaßen sie aber
nicht viel: ein schlechter Lendengurt (Mal), dito Armband, ein dünner
Nasenpflock aus einem Rohrstäbchen, etliche Schildpattohrringe, nebst
Bambukamm und der Ausputz ist fertig. Einzelne hatten die Haarkämme mit
Büscheln Kasuarfedern verziert, ein Beweis, daß die Insulaner mit den
Küstenbewohnern in Verkehr stehen, wofür auch drei große Kanus, in der
Bauart ganz mit solchen von Bilibili übereinstimmend, sprachen, die ich
am Ufer bemerkte.

Wir hatten ca. 6 Stunden Zeit gebraucht, um von der Südspitze bis zur
Mitte der Ostseite zu dampfen, und schon daraus wird man ersehen,
daß Dampier-Insel nicht ganz so klein ist. In der That beträgt ihr
Längsdurchmesser ca. 20 Meilen (= 5 deutsche M.) ihr Flächeninhalt 272
qkm., ist also immerhin noch etwas bedeutender als der der Freien-
und Hansestadt Bremen. Letztere zählt aber über 150000 Bewohner,
Dampier nach meiner allerdings nur oberflächlichen Schätzung, denn
Volkszählungen sind in allen diesen Gebieten noch nie gemacht worden,
wenn's hoch kommt -- 500! Da können allerdings noch viel Menschen Platz
und ausreichend Nahrung finden, denn ohne Zweifel ist die Insel äußerst
fruchtbar, und in gewisser Höhe auch gesund. Aber schwerlich werden
sich freiwillige Zuzügler finden, um die Urwälder zu lichten; eben kein
kleines Stück Arbeit! -- Und doch könnte es gehen, -- so meditierte
ich angesichts der Insel, -- wenn man jene Freiwilligen aufforderte,
welche die unfreiwillige Arbeit in Kerkermauern gern mit solcher in
Gottes freier Natur vertauschen würden. »Eine Verbrecherkolonie«? höre
ich viele im stillen ausrufen! -- Nun ja denn! eine Verbrecherkolonie
oder besser Deportation solcher Freiwilligen unserer überfüllten
Zuchthäuser, die für den Rest ihres Lebens dem Kulturstaate nur eine
Last sind, in solchen neuen Gebieten aber noch ganz nützlich werden
könnten, sowohl dem großen Ganzen, als sich selbst. Wer die Geschichte
der Gründung Australiens kennt, wird wissen, welchen gewichtigen
Faktor das Deportationssystem in den ersten Jahrzehnten der Kolonien
durch die Beschickung mit billigen Arbeitskräften einnahm. In der
That so wichtig, daß die jüngste Kolonie, West-Australien, noch in
den vierziger Jahren beim Parlament[29] um Deportierte petitionierte,
weil es eben an Arbeitern mangelte. Und diese werden für jedes neue
Kolonisationsgebiet stets die Lebensfrage bleiben, am dringendsten
jedoch für ein Land mit so geringer und für Arbeit in unserem Sinne
nicht geeigneter Bevölkerung als Neu Guinea. Da würde ein Depot
brauchbarer Arbeiter recht am Platze sein, und Dampier-Insel oder Rook,
oder eine andere jener isolierten fruchtbaren Inseln unserer neuen
Schutzgebiete, geeignete Localitäten zur Gründung eines solchen abgeben.

Doch kehren wir nach dieser Abschweifung auf die Samoa zurück, die
in früher Morgenstunde wieder nach der Küste zu dampft, in Sicht von
Bilibili und Astrolabe-Bai, deren herrliche Landschaftsbilder gerade
jetzt so schön hervortraten, wie noch nie. Die Kammlinien der Gebirge
erschienen in derjenigen Klarheit, auf welche man in diesen Breiten
meist nur gegen Sonnenaufgang, so gegen 6 Uhr, rechnen darf. Heut sahen
wir alles in seltener Deutlichkeit vor uns liegen, ja dieselbe brachte
eine unerwartete Überraschung. Weit hinter den uns schon bekannten
Gebirgen ragte nämlich im Süden eine gewaltige Gebirgskette hervor, die
wir früher nicht gesehen hatten und die wahrscheinlich überhaupt nur
wenige[30] erblickt haben. Wir befanden uns damals noch ca. 25 Meilen
von der Küste, aber dieses Gebirge mußte noch weit im Inneren, nach
Schätzung an 70 bis 80 Meilen von uns abliegen, und dementsprechend
taxierten wir die Höhe auf 14000-16000 Fuß! Wie unsere späteren Reisen
zeigten ist diese Gebirgskette, die wir nur noch einmal zu sehen
bekamen, die höchste an der ganzen Nordostküste von Neu-Guinea, und
ich erlaubte mir deshalb sie zu Ehren unseres großen Reichskanzlers
»Bismarck-Gebirge« zu benennen. Die Frage: »wie mag es dort aussehen«?
drängte sich unwillkürlich in die Gedankenflut des stummen Bewunderers;
ja, wer das beantworten könnte! Denn wie viele Zeit wird noch darüber
hingehen, ehe der weiße Mann nur bis zum Fuße jener gewaltigen
Gebirgskette vordringt, geschweige auf deren Scheitel gelangt.

Wir passierten Port Konstantin, nahe genug um unsere Flagge lustig
winken zu sehen, und steuerten in östlichen Cours längs der
Maclayküste (vergl. Karte S. 30). Sie erstreckt sich von Astrolabe-Bai
bis Teliata-Huk, ca. 100 Meilen weit und wurde zuerst 1871 von
dem russischen Reisenden von Miklucho-Maclay mit dem russischen
Kriegsschiffe »Vitiaz« befahren, fünf Jahre später bei seinem zweiten
siebzehnmonatlichen Aufenthalte näher durchforscht, trägt also seinen
Namen mit Recht. Leider hat aber der Reisende selbst kaum mehr als
eine flüchtige Notiz über seine Forschungen publiziert und Kapt.
Moresby[31], der 1874 längs dieser Küste westwärts dampfte, sagt nicht
mehr über dieselbe. Die folgenden Nachrichten dürften daher als die
ersten ausführlicheren willkommen sein.

Gleich ostwärts von dem Dorfe Gumbu und Novosilsky-Point nimmt die
Gegend einen total verschiedenen Charakter an. Der Urwald verschwindet
vom Ufer und eine spärlich mit Krüppelholz bestandene Ebene tritt an
die Stelle, welche treffliches Land für Kultur wie Viehzucht zu bieten
und sehr der Beachtung wert scheint. In dieser Niederung sahen wir die
Mündung zweier Flüsse, die jetzt in der trockenen Jahreszeit indes nur
schmale Rinnsale bis ins Meer führten, in der Regenzeit aber sehr
ansehnlich sind. So fanden wir bei einem spätern Besuch im Mai den
westlichsten und größten Gabinafluß, gleich ost von Novosilsky-Huk,
weithin das Meer trübend. Mit Maragum-Huk beginnen wieder Hügel und
Berge, die gegen das, übrigens nur schwer erkennbare, Kap Rigny
(Tevalib) und weiterhin bedeutend höher werden und zugleich einen sehr
eigentümlichen Charakter bieten. Die Berge zeigen Schluchten, zuweilen
jähe Spalten, mit senkrecht abfallenden Wänden, wie Erdrutsche; eine
wilde, malerische Landschaft. Dabei fehlt an manchen Bergabhängen
fast alle Vegetation und das Ganze macht den Eindruck, als wenn hier
gewaltsame Veränderungen durch Erdbeben[32] stattgefunden hätten.

Wir waren am Abend bis etwa 6 Meilen ost von Cap Rigny gekommen und
begannen unsere Fahrt mit Anbruch des folgenden Tages an derselben
Stelle, eine Methode, die stets an unbekannten oder wenigbekannten
Küsten von uns befolgt wurde, damit kein Teil derselben uns entgehen
konnte. Die Landschaft blieb im ganzen dieselbe, aber das Gebirge
wurde höher und zeigte bis auf die Kammhöhe dichte Baumvegetation.
Diese Hauptkette ist sehr steil, von fast senkrechten Schlürfen und
Rinnen durchsetzt und mag eine Höhe von 6000-7000 Fuß erreichen.
Aber man sieht die Kammlinie auch an sonnenhellen Tagen selten frei,
denn gewöhnlich sammeln sich schon gegen 8 Uhr die kleinen weißen
Nebelflecke zu großen Wolken, die in weniger als einer Stunde den
Scheitel des ganzen Gebirges ziemlich weit herab vollständig einhüllen.
Häufig bleibt nur die Basis des Hauptstockes frei, aber an denselben
lehnt sich ein dichtbewaldetes Mittelgebirge, das in ansehnliche
grüne, mit Gras bedeckte Vorberge ausläuft, die sich sanft bis zum
Meere herabsenken, dessen Ufer von einem schmalen dichten Baumgürtel
eingefaßt wird. Dies ist so im wesentlichen der Hauptcharakter dieser
Küstenlandschaft östlich von Kap Rigny und 10 Meilen über Lemtshug
Point hinaus. Sie macht mit ihren ausgedehnten, infolge Abbrennens
hie und da braun und schwarz gefleckten, grünen Matten, ihren mit
Baumstreifen bestandenen Schluchten ganz den Eindruck kultivierten
Landes und würde offenbar ausgezeichnetes Weideland abgeben. Aber
diesem ganzen Küstenstrich schienen wie Kokospalmen so auch Menschen
zu fehlen. Erst ca. 4 Meilen ost von Iris Point, das wir, ohne es mit
Sicherheit ausmachen zu können, passiert hatten, sahen wir seit Gumbu
das erste Haus, weiterhin die ersten Dörfer, wie alle Siedelungen stets
schon von weitem an einer kleinen Gruppe Kokospalmen und jenen gelben
Bäumen kenntlich, die ich bereits in Astrolabe-Bai erwähnte. Von nun
an waren fast in jeder der sanften Buchtungen, die ohne bedeutendere
Vorsprünge das Ufer bilden und charakteristisch für diese ganze Küste
sind, Siedelungen bemerkbar, meist nur aus wenigen Häusern bestehend,
überdies mehrere in Verfall oder bereits ganz verlassen. Da, wo sich
bei den Häusern Menschen zeigten, schienen sie keine Kanus zu besitzen,
denn erst in der Sareuak-Buchtung, einige 60 Meilen östlich von Port
Konstantin, kam ein Kanu mit sieben Männern ab, deren: »oh! Maclay«
schon von weitem entgegenschallte und die Bekanntschaft mit dem
Reisenden bewies, dessen Namen wir übrigens weiter ostwärts nicht mehr
nennen hörten.

Die Leute boten uns wahrscheinlich als Friedenszeichen ein paar
kleine Kokosnüsse an und schienen überhaupt sehr ärmlich und schlecht
genährt. Im Armband trugen sie Blätter des gelben Baumes, vermutlich
auch Zeichen des Friedens, sonst nur Halsstrickchen und schlechte
Schamgürtel (Mal). Sie führten Pfeil und Bogen mit sich, betrugen sich
aber sehr still und bescheiden. Das einzige Interessante, was ich bei
ihnen bemerkte, war ein mit Hundezähnen garnierter filetgestrickter
Tragbeutel, der meinen begehrlichen Blicken aber gleich entzogen und
selbst für ein Beil nicht hergegeben wurde. Ihr Kanu führte Mast und
ein schlechtes Mattensegel; als Feuerplatz diente ein Topfscherben.

Wie Wolken die Hauptkette des an 7000 Fuß hohen Küstengebirges
verhüllten, so verdeckte das letztere die mächtige Kette des
Finisterre-Gebirges (Moresby's) selbst, das bei einem Abstande von 20
Meilen so nahe unter der Küste überhaupt nicht zu sehen ist. Aber als
wir uns bei einem spätern Besuche in Astrolabe noch ca. 30 Meilen von
der Küste befanden, da lag das Gebirge in voller Klarheit vor uns,
zeigte aber in der ziemlich gleichmäßig verlaufenden Kammlinie so
wenig Abwechselung, daß wir die höchsten über 11000 Fuß hohen Spitzen
Kant und Schopenhauer Maclay's (resp. Gladstone und Disraeli von
Moresby[33]) nur mit Mühe ausmachen konnten.

Westlich von der Sareuak-Buchtung beginnt wieder niedrigeres Vorland,
das sich stellenweis zu Ebenen ausdehnt, die, wie die oft bis zum
Meere herabreichenden 1000 bis 1200 Fuß hohen Vorberge, reich mit Gras
bedeckt sind; alles sehr versprechendes Land von ganz europäischem
Gepräge. In der That, es fehlen bloß Dörfer, Viehherden, Wege, und man
könnte sich in die Heimat versetzt fühlen.

Auch an Wasser mangelt es nicht. In der jetzigen trockenen Jahreszeit
zeigten sich die in den Schluchten herabkommenden Wasserläufe freilich
nur als Bäche, aber immerhin war Wasser vorhanden, und das ist von
größter Wichtigkeit. Wie schön würde sich dieses Land im Besitz
von viehzüchtenden Stämmen entwickelt haben, aber die armen Papuas
fanden außer dem Schwein kein zur Domestikation brauchbares Tier vor
und mußten sich mit Anbau des Bodens begnügen. Bei der zweifellosen
Fruchtbarkeit desselben überrascht die Spärlichkeit der Bevölkerung
gerade dieses Gebietes und mag in besonderen außergewöhnlichen Ursachen
ihren Grund haben. Angesichts der verfallenen und verlassenen Dörfer
dachte ich an Verheerungen durch Erdbeben oder Epidemien und die in
Konstantinhafen gesehenen Spuren von Pocken machen diese letztere
Annahme nicht unwahrscheinlich.

Die bisher gesehenen Häuser waren ansehnlich groß, in der Bauart denen
in Astrolabe-Bai ähnelnd, aber mit dem Dorfe Singor, ca. 90 Meilen
ost von Port Konstantin, begegneten wir einem ganz anderen Baustile.
Die schmalen Häuser, dicht aneinander gebaut, standen auf hohen
Pfählen, glichen also ganz den Pfahldörfern, wie ich sie von Port
Moresby her bereits kannte, nur daß sie nicht im Wasser, sondern auf
dem Trockenen errichtet waren. Das größte derselben, Teliata, (Village
Island der englischen Admiralitätskarte), vielleicht 20 Häuser zählend
und überhaupt das größte an der ganzen Maclayküste, liegt auf einer
kleinen, aus kahlem Korallfels gebildeten Insel, der ersten, die wir
seit Bilibili trafen, die durch Riff mit der naheliegenden Teliata-Huk
verbunden ist. Letztere (etwas über 100 Meilen ost von Port Konstantin)
bildet den am meisten bemerkbaren Vorsprung, von welchem die Küste
sich mehr O. S. O. wendet und wenige Meilen davon einen durchaus
verschiedenen Landschaftscharakter annimmt, den der Terrassenbildung.
Hinter dem mit Buschwerk, seltener einem Baumgürtel begrenzten, nicht
sehr ausgedehntem Ufersaume, erhebt sich das Land in drei bis vier
horizontalen, scharf abgesetzten Terrassen[34], die auf ihrem Scheitel
breite Grasflächen bilden, deren oberste sanft ansteigend, allmählich
mit dem Hauptstock des Küstengebirges verläuft. Das letztere ist sehr
steil, dicht bewaldet, aber an seiner Basis, zuweilen weit hinauf,
mit Gras bekleidet, wie die Terrassen selbst, die von zahlreichen
Schluchten durchschnitten, nur längs diesen Baumpartien, oft längere
bewaldete Säume zeigen. Die Höhe der Terrassen mag zwischen 800 bis
1000 Fuß betragen, sinkt aber an manchen Stellen bedeutend herab, so
daß die erste Terrasse zuweilen das Meeresufer selbst bildet. Wir
hatten schon einige Meilen westlich von Teliata-Huk Anfänge dieser
merkwürdigen Bildung bemerkt, aber ein paar Meilen östlich davon
zeigte sie sich wie mit einem Schlage in der prägnantesten Weise und
setzte sich ununterbrochen über 20 Meilen weit nach Osten fort, ein
Amphitheater, wie ich es nirgends in Neu Guinea, ja überhaupt der Welt
zu sehen bekam.

[Illustration: Terrassenland mit Basiliskschlucht.]

Eine Rekognoszierung dieses merkwürdigen Terrassenlandes schien
schon deshalb sehr wünschenswert, um die geologische Beschaffenheit
festzustellen, und so machten wir uns mit dem Notwendigsten ausgerüstet
auf den Weg. Eine Sandbank nahe dem Ufer ließ auf eine Flußmündung
schließen und versprach die Möglichkeit zu landen, was sonst an dieser
Küste nicht immer leicht, oft ganz unmöglich ist. Wie erwartet,
mündete gleich hinter der Sandbank der Fluß, auf dem unser Boot aber
nur eine kurze Strecke vorwärts kam, denn bald befanden wir uns in
einer Felsschlucht, in welcher der Fluß über mächtige Korallblöcke
in Kaskaden herabbrauste, ein gar liebliches Rauschen, das wir lange
nicht gehört hatten und welches nach dem fortwährenden Meeresbrausen
gar sehr anheimelte. Dazu die malerische Umgebung. Zu beiden Seiten
der Schlucht üppige Baumvegetation mit undurchdringlichen Lianen-
und Unterholzdickichten und zuerst wieder Tierleben. Auf der ganzen
Meerfahrt hatten sich nur einzelne Meerschwalben (Sterna Bergii) und
braune Tölpel (Sula fusca) gezeigt, sonst nichts. Hier entwickelte sich
ein ziemlich reiches Vogelleben; Kakadu und Edelpapageien (Eclectus)
ließen sich hören, ein Seeadlerpärchen (Haliaetus leucogaster) erhob
sich von dem Baume, auf dem das mächtige Nest stand, das Gurren der
niedlichen Flaumfußtauben (Ptilopus) tönte aus dem Gelaube und auch an
Kleingevögel fehlte es nicht. Wir füllten ein Fäßchen des herrlichen
kühlen Wassers, um es dem guten Kapitän Dallmann mitzunehmen, dem zu
Ehren ich den Fluß benannte, und gingen dann wieder zurück, um einen
besseren Aufstieg der Terrassen aufzufinden. Vom Flusse mit seinen fast
senkrechten Felswänden war dies eben nicht möglich; er bildete ein
Chaos von Rollsteinen und Geschiebe, die Regengüsse mit herabgebracht
hatten, und angespülte Baumstämme zeigten den beträchtlichen
Hochwasserstand in der Regenzeit. Wie die Wände der Schlucht, so
ließ gleich die erste, ca. 10 Fuß hohe Terrasse die geologische
Beschaffenheit erkennen: dichten Korallfels! Ganz ebenso verhielt es
sich mit der zweiten, an 30-40 Fuß hohen, schwieriger zu erklimmenden
Terrassenstufe und soweit wir überhaupt kamen, vielleicht 400-500 Fuß.

Wie am Fuße Lager großer Austernschalen (Ostrea), so zeigten die auf
den Flächen der Terrassen verstreuten Fragmente von Marinemuscheln
überall den gehobenen Meeresboden, jedenfalls infolge vulkanischer
Vorgänge. Derjenige, welcher diese merkwürdigen Terrassen selbst kennen
lernte, wird kaum begreifen, wie Wilfred Powell hier Basaltformation
und die großen Anhäufungen von Bimsstein gefunden haben will und wird
auch in Bezug auf andere seiner Nachrichten[35] immer ernstere Bedenken
nicht zu unterdrücken vermögen. An der korallinischen Felsbildung
kann gar kein Zweifel sein. Sie unterschied sich in nichts von der,
wie ich sie zur Genüge von den Atollen her kannte. Aber hier war der
Fels nicht wie bei den letzteren von einer nur wenige Zoll hohen
Humusschicht überzogen, sondern die Flächen der Terrassen trugen
eine Bodenschicht, die bei mehr als zwei Fuß tiefen Graben kein Ende
zeigte, und wie die später gemachten chemischen Untersuchungen[36]
erwiesen, von ausgezeichneter Beschaffenheit ist. Dabei wurde der
Boden, je höher wir kamen, um so besser und feiner und mit ihm das
Gras. Letzteres erreicht im Ufervorlande fast Mannshöhe und ist von
grober Beschaffenheit, eignet sich also nur für Rindvieh, während das
kurze feinhalmige Gras der Terrassen trefflich für Schafe paßt. Er
bildet übrigens keinen ununterbrochenen Rasenteppich, sondern steht
büschelweis wie das sogenannte »Buffalogras« der Prairien, oder wie ich
es am Haleakala auf der Insel Maui sah, wo Tausende von Schafen weiden.
Wenn hier die unzähligen scharfkantigen Lavatrümmer das Begängnis der
Schafe nicht hindern, so würden sich dieselben auch auf den Terrassen
mit den vielen verwitterten Korallknollen, die dem Fußgänger zuweilen
recht hinderlich sind, abzufinden wissen. Außer einer Schlingpflanze,
ein paar anderen bescheidenen Blumen, und einzelnen Cycaspalmen, zeigte
die Flora nichts Bemerkenswertes, aber die Ränder der Schluchten sind
häufig mit Gebüsch und kleinen Baumgruppen gesäumt, welche Schafen
trefflichen Schutz gegen die Mittagshitze bieten würden. Obwohl
dieselbe 28° R. betrug, so war sie unter dem mildernden Einfluß einer
hübschen Brise doch erträglich, aber als wir wieder in die Uferebene
herab in die schwüle Luft einer Temperatur von 32° R. kamen, da war es
schier zum Ersticken. Wir fanden hier einen kleinen Teich mit einem
Dickicht von Schraubenbaum (Pandanus), in welchem weiße Fruchttauben
(Carpophaga spilorrhoa) und bunte Sittiche (Eos fuscata) zu einem
leider vergeblichen Jagdversuch reizten und somit die Hoffnung auf
einen frischen Braten vereitelten. Das Jagen in den Tropen hat eben
seine großen Schwierigkeiten, von denen man sich daheim schwer eine
Vorstellung machen kann. Einige Wachteln (Coturnix sinensis), die unser
Tritt aus dem Grase aufscheuchte, war alles Lebende, was wir auf den
Terrassen erblickten. Außerdem bemerkten wir nur noch Fährten wilder
Schweine, sahen uns aber vergebens nach Kängurus um, die übrigens hier
nicht wohl zu erwarten waren. Sie lieben, soweit meine Erfahrungen
in Neu-Guinea reichen, keine offenen Ebenen, sondern mehr kupiertes
Terrain, während gewisse Arten (z. B. Dorcopsis luctuosus) nur den
dichtesten Urwald bewohnen.

Nahe dem Teiche stießen wir auf einen Pfad und bemerkten später elf
Eingeborene, die uns wahrscheinlich schon lange beobachtet hatten, aber
keine Lust zeigten heranzukommen. Ich ließ einige kleine Geschenke
zurück, um sie unserer guten Absichten zu versichern, und sie werden
später wahrscheinlich ihre Zurückhaltung sehr bedauert haben.

[Illustration: Kanzel und Bienenkorb.]

An Bord zurückgekehrt und wieder unter Dampf, wurde das Auge nicht
müde, das malerische Terrassenland mit seinen braunen und grünen
Stufen zu bewundern, die sich mit einer Regelmäßigkeit, wie mit der
Meßkette gezogen, für Meilen und Meilen nach Ost fortsetzen. Der
Reiz dieser Landschaft wird durch wild romantische Schluchten noch
erhöht, unter denen sich ganz besonders eine auszeichnete, die gleich
wie ein gewaltiger Messerschnitt das Gebirge trennt und offenbar
durch Erdbeben hervorgebracht wurde. Diese Schlucht, von der unsere
Abbildung (S. 122) nur eine schwache Vorstellung giebt, ist jedenfalls
die »Basilisk-Gorge« von Moresby dessen Beschreibung »huge break in
the mountains« auf keine Stelle der Küste besser als auf diese paßt
und mit wenigen Worten das Richtige trifft. Auch Backbord (links)
zeigten sich anziehende Bilder, und der Blick wandte sich oft von der
packenden Küstenlandschaft ab und schweifte über das Meer hinüber nach
Rook- und Lottin-Insel, die wir schon lange sichteten. Die erstere lag
einigemal klar vor uns; ein mächtiger, mehrere tausend Fuß hoher Kegel
mit drei Kuppen und wie das kleine Lottin erloschene Vulkane. Letztere
Insel, obwohl viel niedriger als Rook, war meist in Wolken gehüllt,
wie die ganze Kammlinie des Küstengebirges selbst, trotz des vollkommen
klaren Himmels, eine Erscheinung, die bei allen Gebirgen dieser Breiten
fast zur Regel wird. Wie spätere Besuche lehrten nimmt die Höhe des
Küstengebirges von West nach Ost allmählich ab, mag aber längs dem
Terrassenlande immer noch an 4000 bis 5000 Fuß betragen. Den 7700 Fuß
hohen Berg Cromwell von Moresby suchten wir bei dieser wie bei späteren
Gelegenheiten vergebens, nicht minder Dampiers »Cape King William«, das
noch heut auf allen Karten figuriert, aber, wie schon Moresby erwähnt,
nicht auszumachen und für die Folge besser ganz wegzulassen ist: es
giebt an dieser Küste überhaupt kein Kap! --

Längs dem Terrassenlande sahen wir noch vier armselige Dörfer,
Pfahldörfer wie das vorher beschriebene Singor, die sich durch ihre
Lage auf kahlem Korallufer (das eine, Sus, auf einer kleinen Felsinsel)
auszeichneten. So frei und bar von allem Sonnenschutz hatte ich noch
niemals Siedelungen von Eingeborenen gesehen, und es wäre interessant
gewesen, die Gründe zur Wahl dieser anscheinend so ungünstigen
Lokalitäten zu erfahren. Aber die Bewohner sahen das dampfende Ungetüm
stumm vorüber gleiten, und machten keinerlei Zeichen, ja erhoben sich
nicht einmal. Ich erwähne dies deshalb besonders, weil dieses Betragen
sehr im Widerspruch mit der sonst üblichen Gewohnheit der Eingeborenen
steht, die eine so seltene Erscheinung mindestens mit lauten Rufen
begrüßen. Jedenfalls besaßen aber diese Pfahlbauer keine Kanus, und
auch wir mußten uns einen Besuch versagen, weil der steile, felsige
Uferrand kaum zu landen erlaubt haben würde und wir überdies Eile
hatten.

[Illustration: Festungshuk.]

Ungefähr fünf Meilen ost von dem kleinen Inselpfahldorf Sus wird die
Terrassenbildung undeutlicher, das Küstengebirge tritt näher ans
Ufer und das Landschaftsbild erhält einen ganz anderen Charakter,
der hauptsächlich in wild zerklüfteten Schluchten der Vorberge
gipfelt. Den Anfang dieser wildromantischen Küste bildet die sanfte
Waldbucht, wo der dichte Wald des Küstengebirges sich fast bis ans
Gestade herabzieht. Über das ca. 10 Fuß hohe Steilufer, fällt hier
ein kleiner Wasserfall direkt ins Meer, eine sehr kenntliche Stelle
und die einzige derartige an der ganzen Küste, welche ich deshalb
»Meerfall« benannte. Weiter nach Ost erregt eine besonders merkwürdig
markierte Schlucht Aufmerksamkeit, deren fast senkrechten Wänden
ein mehrere hundert Fuß hoher Berg vorliegt, als wäre er aus dem
Gebirge herausgeschnitten (S. 126). Sein Gipfel ist horizontal, seine
Westseite schroff bis zur Thalsohle abfallend, während die in der
oberen Hälfte ebenfalls fast rechtwinkelig abgesetzte Ostseite sich
an einen spitzwinkeligen Berg anlehnt und mit diesem gleichsam ein
Ganzes bildet, dem ich den Namen »Kanzel« gab. Mit dieser sonderbaren
Küstenmarke rivalisiert etwas weiter östlich der »Bienenkorb«, ein
sehr hoher steiler, stumpfer Kegel, welcher ebenfalls aus dem Gebirge
herausgeschnitten scheint. An dem letzteren bemerkt man, höher als
die Spitze des Bienenkorbes, inmitten der dichten Vegetation eine
senkrechte, kahle, weißliche Felswand. Die beiden soeben genannten
Schluchten sind die interessantesten dieses ganzen Gebietes und ohne
Mühe zu erkennen. Sie waren auch in der jetzt trockenen Jahreszeit
wie die übrigen Einschnitte und Vorberge mit dichtem frisch grünem
Graswuchs bekleidet, was den malerischen Effekt ungemein erhöhte.
Manche dieser Schluchten sind übrigens ansehnlich breit und bilden
schmale grüne Thäler, die sich vielleicht weit ins Gebirge hineinziehen
mögen. Da wo die interessanten Schluchten aufhören, wird das grasige
Vorland breiter und an den fast baumlosen, ebenfalls in saftiges
Grün gekleideten Bergen machen sich wiederum terrassenförmige
Absätze bemerkbar, die mit Festungshuk in prägnantester Weise ihren
Abschluß finden. In der That bildet dasselbe den kenntlichsten Punkt
an der ganzen Küste, und Moresby hätte keinen passenderen Namen als
»Fortification-Point« wählen können. Die einige hundert Fuß hohe grüne
Pyramide, zugleich der letzte Ausläufer des Küstengebirges, wird von
mehreren horizontalen, kahlen, stufenförmigen Absätzen, Resten der
Terrassenbildung, durchzogen, die frappant Fortifikationen ähneln,
ja bei lebhafter Phantasie vermag man mit leichter Mühe in einigen
schwarzen Felsstücken, die am Rande der Terrassen hie und da verstreut
liegen, Geschütze zu erkennen. Etwas Baumgestrüpp bedeckt die kuppig
abgesetzte Spitze, wie dichtester Baumwuchs die Basis des Berges
umgürtet, die von 10 bis 20 Fuß hohem Steilufer gebildet wird. Eine
größere kahle Stelle des letzteren mit nacktem weißlichen Korallfels
ist die »white Cliff« der Karten, welche sich aber bei weitem nicht
so deutlich markiert, als man erwarten durfte. Von der Westseite
gesehen zeigt Festungshuk übrigens die eigentümliche Bildung, welche
ihr den Namen verschaffte, bedeutend geringer. Die ungefähre Lage
dieses kennbaren Küstenpunktes wird von Moresby zu 6° 20′ S., 147°
48′ O. angegeben. Er bildet übrigens kein Kap, sondern nur eine sanft
vorspringende Huk (Ecke), von welcher die Küste südlich verläuft.

Mit dem Schluchtengebiet waren auch Dörfer oder Siedelungen überhaupt
verschwunden, und die ganze Küste erschien menschenleer; nur gegen
Festungshuk hin bemerkten wir einige Bananenplantagen, sahen uns aber
vergebens nach Häusern um. Erst bei einem späteren Besuche entdeckte
ich, aufmerksam gemacht durch die erwähnten gelben Bäume, die überall
Begleiter der Menschen zu sein scheinen, zwei Häuser, die unter
Bäumen hart am Rande einer Schlucht so versteckt standen, daß sie nur
schwer zu erkennen waren. Bei meinen späteren Fahrten längs dieser
Küste, welche ich noch fünfmal passierte, richtete sich daher mein
ganzes Augenmerk auf Siedelungen, aber es gelang mir nur noch zwei
weitere von je zwei bis drei Häusern zu erspähen. Um so ausgedehnter
sind aber die Plantagen, welche sich sowohl im Ufervorland als an den
Hängen der Schluchten hinziehen, und die erkennbar mit Jams und Bananen
bestellt, oft mehrere Morgen groß sein mochten. Sie waren, wie immer,
sorgfältig eingezäunt, zuweilen stand eine Hütte dabei. Angesichts
dieser Plantagen[37] muß die Bevölkerung auch zahlreicher sein und die
Siedelungen liegen vermutlich in den Schluchten, unsichtbar von der
Küste aus, versteckt. Aber nennenswerte Dichtigkeit der Bevölkerung
fehlt auch hier; denn mehr als ein Dutzend Eingeborene sahen wir
niemals zusammen und fünfzig blieb die höchste Ziffer während eines
ganzen Tages. Es wurden zweimal Buchtungen westlich von Festungshuk
untersucht, schon um Ankerung zu finden, aber das steile Felsufer
verhinderte das Landen. Das Steilufer schneidet hie und da etwas
tiefer ein und bildet durch vorgelagerte Felsen, an denen das Meer
bricht, zuweilen Buchten, welche Kanus Schutz gewähren. In solchen
bemühten sich auch einigemal die Eingeborenen im Kanu abzukommen,
aber hoher Seegang ermöglichte ihnen überhaupt nur in zwei Fällen
die Brandung zu passieren, obwohl sie recht gute Segelboote besaßen.
Die letzteren zeichneten sich durch Schnitzwerk am Seitenrande der
Plattform, am Vorder- und Hintersteven und durch zierliche Malerei der
Bordplanken aus. Die im allgemeinen ziemlich dunkel gefärbten Leute,
waren so still[38] und bescheiden, wie ich selten Eingeborene fand,
und der Tauschhandel mit ihnen ging ruhig wie noch nie. Sie brachten
nur einige Betelnüsse, schlechte Bananen, aber keine Kokosnüsse, da
sie solche wahrscheinlich selbst nicht besitzen, denn diese Palme
ist, wie an der ganzen Küste, eine seltene Erscheinung. Neu für uns
war, daß sie unter Gesang und Trommelschlag abkamen, wahrscheinlich
um sich selbst Mut zu machen, wie dies später noch öfter vorkam. Auch
ethnologisch boten sie neben Bekanntem, wie z. B. Kampfbrustschmuck (P.
XXII. 3) mancherlei Neues, Sachen, die wir später erst in Huon-Golf
kennen lernten, wie z. B. schön geschnitzte Holztrommeln (Onge), Ruder
mit kunstvoll geschnitztem Griff, Zieraten und Tragbeutel, reich
mit Hundezähnen ornamentiert, und dergleichen, alles Gegenstände,
welche für die nahe Verwandtschaft mit den Bewohnern Finschhafens
und weiter südlich sprechen. Am deutlichsten zeigten dies jene hohen
Kopfbedeckungen aus rotgefärbtem Baumbast (Tapa), die für Huon-Golf
so charakteristisch sind, und welche wir hier zuerst sahen. Im Tausch
waren ihnen, wie stets, Hobeleisen am liebsten; aus Tabak, den sie
kannten, machten sie sich so wenig als aus Spiegeln, die, obwohl neu
für sie, kaum des An- resp. Hineinsehens wert schienen. Interessant
war es mir, hier eine Art feines Muschelgeld aus dünngeschliffenen
aufgereihten Muschelplättchen zu finden, welches ganz mit dem
sogenannten »Miokogeld« in Neu-Britannien übereinstimmt. Es gelang
mir mit vieler Mühe, einen alten Mann, wie die hohe Tapamütze zeigte,
den Häuptling, an Bord zu locken, wo einige kleine Geschenke seine
Furcht bald zerstreuten. Er getraute sich sogar in die Kajüte und gab
seine stumme Verwunderung über die vielen nie gesehenen Dinge dadurch
zu erkennen, daß er den Daumen der einen Hand zwischen die Zähne nahm
und sich mit der anderen auf den Bauch klopfte. Die letztere Pantomime
sollte übrigens keineswegs menschenfresserischen Gelüsten Ausdruck
geben, wie Unkundige leicht glauben würden, denn auf der ganzen Reise
habe ich nirgends nur die leisesten Anzeichen von Kannibalismus[39]
beobachten können. In Bongu sah ich einmal ein paar Menschenschädel
an einem Hause aufgehangen und in Gumbu wurde mir ein menschlicher
Unterkiefer zum Kauf angeboten, gewiß für viele deutliche Beweise von
Menschenfresserei! Aber dieser Schluß würde sehr irrig sein; denn
solche Reliquien sind nicht Siegestrophäen erschlagener Feinde, sondern
Andenken lieber Verstorbener, da die Pietät gegen Tote bei allen diesen
Stämmen sehr groß ist. Wenn oberflächliche Beobachter an dem Fehlen
sichtbarer Grabstätten sich gleich zu kühnen Schlüssen verstiegen,
daß die menschenfressenden Papuas sogar ihre eigenen Toten nicht
verschonen, so liegt die Sache in Wahrheit ganz anders. Man bestattet
nämlich die Toten sehr oft in der Hütte, um nach ca. 10 Monaten die
Knochen wieder auszugraben, ganz wie ich dies schon von Neu-Britannien
her kannte. Wie man dort die Schädel als teure Andenken verwahrt, so
legt man in Astrolabe-Bai besonders auf den Unterkiefer Wert, der, wie
wir dies später sehen werden, nicht selten als Armband dient.

Der freundlichen Einladung des alten Häuptlings, ihn und die Seinen an
Land zu besuchen, konnten wir leider nicht folgen, denn unsere Kohlen
gingen zu Ende, und so mußten wir ca. 6 M. südlich von Festungshuk für
diesmal Abschied von der Küste Neu-Guineas nehmen.

Wir hatten zu der ca. 140 M. langen Strecke von Port Konstantin
bis hierher ca. 2½ Tag gebraucht und dabei einen Landstrich kennen
gelernt, der mit zu den besten in Neu-Guinea zählt, und für Agrikultur
wie Viehzucht gleich versprechend ist. Vor allem fehlt es, wie ich
bereits erwähnte, nicht an Wasser. Ich zählte in der trockenen
Jahreszeit allein die Mündungen von 19 Flüssen oder besser Flüßchen,
die alle den Charakter von Gebirgswässern tragen, und deren es gewiß
in diesem ausgesprochenen Gebirgslande viel mehr giebt. Die höher
gelegenen Flächen dürften sich namentlich für Schafzucht eignen und
werden voraussichtlich ein für Europäer günstiges Klima besitzen. Die
Bevölkerung fanden wir allenthalben sehr spärlich, denn ich zählte
im ganzen 24 meist sehr kleine z. T. verlassene Siedelungen, deren
Bewohner zusammen mit 1500 Seelen hoch geschätzt sind. Das ganze
Küstengebirge scheint kaum bewohnt zu sein, denn nirgends fanden wir
jene Kulturflecke urbargemachten Landes, die sich sonst schon so weit
hin markieren. Für Schiffahrt ist die ganze Küste rein, d. h. frei
von Korallriffen, Inseln und Sandbänken, aber das Meer fällt in wenig
Abstand in bedeutende Tiefen zwischen 300 bis 400 Faden ab, und was
das schlimmste ist, nirgends findet sich eine geeignete Ankerung[40],
geschweige denn ein Hafen. Die ganze Küste besteht aus sanften
Einbuchtungen, meist Flachufer mit Waldrand, hie und da Sandstrand
oder mäßigem Felssteilufer. Freilich zeigte sich überall nur schwache
Brandung, aber wir befanden uns im Südostmonsun, und während des
Nordwest wird dies wahrscheinlich anders sein. Glücklicherweise ist
das Meer meist ruhig und frei von jenen häßlichen Böen die z. B. das
Marshallmeer so ungemütlich machen. Die Verhältnisse sind daher im
ganzen recht günstige und weit besser als an vielen anderen Küsten, wo
trotz Ungunst sich ein reges koloniales Leben entwickelte.

In der Nacht wurde nach der schon am Tage sichtbaren Küste von
Neu-Britannien hinübergedampft, die wir am andern Morgen in der Gegend
von Kap Anns, der südwestlichen Spitze, erreichten. Gleich hier zeigte
sich die vollständige Unzuverlässigkeit der Karten, die freilich noch
von Dampier (1700) und d'Urville (1827) herrühren, welche mit ihren
Segelschiffen weit von der Küste abhalten mußten und so eine Menge
Kaps[41] benannten, ohne sie astronomisch festzulegen, die gar nicht
existieren. Das war freilich sehr mißlich, denn gar keine Karte ist
immer noch besser als eine unrichtige, aber der trefflichen Führung
von Kapitän Dallmann gelang es die erste Rekognoszierungsfahrt längs
dieser ca. 240 Meilen langen, unbekannten Küste bis Kap Orford
glücklich durchzuführen, wozu die Samoa freilich drei Tage brauchte.
Es zeigte sich dabei, daß die angeblichen Kaps meist aus vorgelagerten
Inseln bestehen, die von weitem wie Vorsprünge aussehen, denn selbst
Südkap vermochten wir nicht mit Sicherheit auszumachen. An Riffs war
übrigens kein Mangel, und da uns leider eine Dampfbarkasse fehlte,
so mußten wir manche, vielleicht praktikable Buchten ununtersucht
lassen. Aber das ganze Land schien überhaupt zu wenig einladend; nichts
als dicht bewaldete, steile, vulkanische Berge, mangrovereiches,
dichtbewaldetes Vorland, unzählige Inseln, die mit ihren Riffs
zuweilen zum Abbiegen nötigten, wenig Kokospalmen und somit auch
Menschen, das sind so die Hauptzüge dieser Küste, wie ich hier nur mit
wenigen Strichen skizzieren will. Die kleinen Siedelungen schienen
meist auf den Inseln zu liegen, und da wir Eile hatten, konnten wir
sie nicht besichtigen. Nur einmal kamen Eingeborene in Kanus ab, in
einer Bucht, die zwischen Süd-Kap und Kap Roebuck der Karten liegt
und die ich »Hansabucht« benannte. Ich zählte acht bis neun kleine
Siedelungen in dieser Bucht, den bevölkertsten Distrikt an der ganzen
Küste bis Spacious-Bai. Die Leute waren sehr scheu, und kamen erst
nach und nach näher, als ich ihnen leere Flaschen mit einem daran
gebundenen Streifen roten Zeuges zuwerfen ließ, wagten sich aber
längsseit gekommen nicht an Bord. Anthropologisch echte Papuas zeigten
sie ethnologisch die meiste Zusammengehörigkeit mit Neu-Guinea, so
in ihren Schamschurzen, Kalkkalebassen, Schmuck aus Schweinezähnen,
filetgestrickten Tragbeuteln, breiten Schildpattarmbändern und
dergleichen. Einige trugen Kopfbinden aus einer Art Flachs, ganz wie
ich solche bei Festungshuk gesehen hatte. Muschelgeld, ganz wie das
Diwarra von Blanche-Bai, schien auch eine große Rolle zu spielen, und
sie gaben es nur ungern her. Sie führten keinerlei Waffen mit sich und
waren ruhige Leute, mit denen sich sehr gut handeln ließ, bekamen aber
oft untereinander Streit. Sie besaßen einige sehr eigentümliche Sachen,
darunter besonders einen hübschen Kampfbrustschmuck aus zwei Eberhauern
und Muschelgeld. Ihre Kanus waren sehr roh, alles Schmuckes bar, aber
zum Teil sehr lang. Das eine mochte über 40 Fuß messen und trug 16
Mann. Interessant war es mir zuerst wieder bei einigen Männern schwache
Tätowierung, schmale Strichelchen über Stirn und Backen, zu sehen; bei
einigen machte sich künstliche Deformation des Schädels bemerkbar. An
Produkten besaßen sie außer Betelnüssen und Tabakblättern nichts, nicht
einmal Kokosnüsse.

In den letzten Tagen des Oktober trafen wir glücklich wieder in Mioko
ein, nicht wie es in Schiffsberichten gewöhnlich heißt »an Bord alles
wohl«!, sondern sieben Mann lagen am Fieber darnieder, darunter
der Schreiber dieser Zeilen, ein Andenken, das uns wahrscheinlich
Friedrich-Wilhelms-Hafen mit auf den Weg gegeben hatte. Nun, war es
doch nicht mein erstes Tropenfieber! Masqui!



Fünftes Kapitel.

Vom Mitrafels bis Finschhafen.

  Massacre der »Mioko«. -- Ursachen. -- Ein schwarzer
  Kriegsgefangener. -- Strafexpedition der »Hyäne«. -- Ankunft
  der »Elisabeth«. -- Aufhissen der deutschen Reichsflagge in
  Matupi und Mioko. -- Fieberträume. -- Abreise nach Neu-Guinea.
  -- Luard-Inseln. -- Fliegende Hunde. -- Herkulesfluß. --
  Scheue Eingeborene. -- Menschenleer. -- Basiliskbucht. --
  »Bleichröder«-Fluß. -- Verräter-Bai. -- Spreefahrt. -- Kasuarinen.
  -- Mitrafels. -- Eine verlassene Niederlassung. -- Owen Stanley.
  -- Adolphshafen. -- In Huon-Golf. -- Parsi-Huk. -- Verkehr mit
  Eingeborenen. -- Eine seltene Haarlocke. -- Markhamfluß. --
  Rawlinson-Gebirge. -- Kap Cretin. -- Herrliches Land. -- Ich
  entdecke einen Hafen. -- Finschhafen. -- Trefflich geeignet
  zur Niederlassung. -- Ankunft der »Hyäne«. -- Flaggenhissen.
  -- Betrachtungen über die Eingeborenen. -- Diebstähle. -- Ist
  Civilisation möglich? -- Freiheitstrieb unvereinbar mit derselben.
  -- Dorf Ssuam. -- Häuser. -- Abumtau Gabiang. -- Gräber. --
  Ethnologisches. -- Kanus. -- Kakadus. -- Jagd und Tierleben. --
  Exkursion auf dem Bumifluß. -- Eine Krokodiljagd. -- Abschied
  von Finschhafen. -- Eine Explosion. -- Mohrenkönig und Krone.
  -- Long-Insel. -- Begegnung mit Eingeborenen. -- Wasserhose. --
  Schönes Land bei Kap Raoul. -- Längs der Nordküste Neu-Britanniens.
  -- Nusa in Neu-Irland. -- Friedrich Schulle. -- Rückkunft nach
  Mioko. -- Rückblicke in Betreff der Entwickelung von Finschhafen.


In dem sonst so stillen Hafen von Mioko herrschte ungewohntes Leben;
das deutsche Kanonenboot »Hyäne« (Kommandant Kapt.-Lt. Langemack) und
ein Hamburger Dreimastschuner lagen bei unserer Rückkehr vor Anker und
wechselten mit der Samoa die üblichen Grüße durch dreimaliges Senken
der Flaggen.

Das Kriegsschiff verließ uns aber sehr bald wieder, um eine jener
Strafexpeditionen auszuführen, die in der letzten Zeit unsere
Kriegsschiffe in diesen Gebieten so häufig beschäftigten und zu denen
oft längst geschehene Vorfälle die Veranlassung sind. Auch hier war
dies der Fall, denn es galt die Eingeborenen zu züchtigen, welche
im vorhergehenden Jahre in Metelik, an der Südostspitze Neu-Irlands,
den deutschen Schuner »Mioko« überfallen und nach Niedermetzelung der
Mannschaft verbrannten. In Metelik oder Likelike-Bai hatten schon die
berüchtigten Unternehmungen des Marquis des Rays bei den Eingeborenen
die bösesten Erinnerungen an Weiße zurückgelassen und spätere Besuche
von Werbeschiffen, die hier rekrutierten, d. h. Menschen wegführten,
diese Eindrücke nur zu lebhaft wieder aufgefrischt.

Die sogenannten »nackten Wilden« sind eben Menschen wie wir, und
es ist ihnen selbstredend nicht gleichgültig, wenn Familien- und
Stammesangehörige, nicht immer in legaler Weise, entführt werden,
die zu häufig ihre Heimat niemals wiedersehen. Die »Labourtrade«,
Arbeitshandel, hat daher überall, wo sie betrieben wurde, den
nachteiligsten Einfluß ausgeübt und so häufig die Veranlassung zu
jenen Massacres gegeben, welche fast ausnahmslos der Blutgier und
Wildheit der Eingeborenen zugeschrieben werden und für die gewöhnlich
Unschuldige auf beiden Seiten zu büßen haben. Die »Mioko« war eins
dieser unglücklichen Opfer der Vergeltung der Eingeborenen, die
selbstverständlich alle Weiße für identisch halten und an dem ersten
besten, der in ihre Hände fällt, ihre Rache für ihnen durch Weiße
zugefügtes Leid zu kühlen suchen. Da kein Papua ein großer Held ist und
offenen Kampf stets zu vermeiden sucht, so handelt es sich gewöhnlich
um den, mit Hinterlist und Verräterei gepaarten, überlegten Mord. In
Gegenden, wo Werbeschiffe ihr Wesen trieben, heißt es daher doppelt auf
der Hut sein. Denn gar oft ist das freundliche Wesen der Eingeborenen
nur Maske, und in den meisten Fällen gelingt der Handstreich nur
infolge zu großer Sorglosigkeit. So erging es leider auch der »Mioko«.
Das kleine, ca. 50 Tons große Fahrzeug, mit nur fünf Mann an Bord, war
auf der Reise von Sydney nach Mioko durch Windstillen und Strömungen
im St. Georgs-Kanal aufgehalten worden und hatte in Metelikhafen
vorgesprochen, dessen Eingeborene sich sehr freundlich zeigten.
Dabei ist jedenfalls vom Kapitän, der in jenen Gebieten durchaus
Neuling war, die nötige Vorsicht außer acht gelassen worden. Als die
Eingeborenen vollends merkten, daß keine Waffen an Bord waren, welche
das Schiff unbegreiflicherweise erst am Bestimmungsort erhalten sollte,
hatten sie leichtes Spiel. Man kann es ihnen nicht verdenken, wenn
sie eine so günstige Gelegenheit nicht unbenutzt vorübergehen ließen.
Daß dabei die Habsucht durch Plünderung des Schiffes mit befriedigt
wurde, ist ebenfalls leicht erklärlich. Deshalb sind die Eingeborenen
noch lange nicht jene notorischen Räuber und Mörder[42], für welche
sie nach einem solchen Vorgange meist erklärt werden, da ja nach der
gewöhnlichen Auffassung Raub und Mord gleichsam in ihrem Blute liegen,
denn dafür sind es ja eben »Wilde«! Ein solches Urteil würde aber kein
gerechtes sein! Ich kann aus meinen eigenen Erfahrungen Fälle anführen,
wo Eingeborene eben so menschlich als wir handelten. So brachte im
Jahre 1881 ein deutsches Schiff einen jungen Franzosen nach Matupi
mit, den es bei Cap Hunter an der Südwestküste Neu-Irlands aufgenommen
hatte. Der Genannte war »Soldat« der Colonie libre des Marquis des Rays
gewesen, mit einem anderen Vaterlandsverteidiger desertiert und hatte
bereits mehrere Wochen unter den Eingeborenen gelebt, bis ihn zufällig
dieses Schiff erlöste.

Aus Furcht vor Strafe waren die Übelthäter von Metelik verzogen und
zwar nach Lombom oder der kleinen Wallis-Insel bei Port Praslin, und
dahin ging nun die Expedition der »Hyäne«. An Bord befand sich bereits
ein Eingeborener, welcher der Teilnahme an dem Massacre der »Mioko«
bezichtigt war, wohl verwahrt in Eisen. Der arme Schächer konnte einem
wirklich leid thun, denn wurde er auch an Bord gut behandelt, so
machten sich doch häufig Schiffsleute den Spaß, ihm durch Pantomimen
des Hängens oder Erschießens sein mutmaßliches Schicksal vorauszusagen.
Es war kein Wunder, wenn ihm aus Furcht Appetit wie Schlaf verging.
Dabei behauptete er durchaus unschuldig zu sein und gar nicht in
Lombom, sondern in Lamassa oder Coconut-Island, ca. 10 Meilen weiter
nördlich, zu Haus zu gehören und bat flehentlich, ihn nach dort zu
bringen, wo sich seine Behauptung durch seine Familie von selbst als
richtig erweisen werde. Aber man hatte »einen Löffel« von der Mioko bei
ihm gefunden, und dann -- fürchtete er sich so! Kein Wunder! War der
Mann doch sehr unfreiwillig in die Handschellen geraten und zwar durch
die Verräterei eines schwarzen Bruders, eines Salomon-Eingeborenen, der
für ein deutsches Haus an der Küste von Blanche-Bai Kopra einkaufte.
Dieser Brave hatte den Arglosen zu einem freundschaftlichen Besuche bei
sich eingeladen, ihn statt dessen aber gefesselt nach Mioko gebracht,
Beweis, daß auch Europäer zuweilen jene Mittel billigen, welche sie
bei den Eingeborenen so sehr verabscheuen. Aber das ist Südseeleben!
Während sonst kaum auf das Zeugnis eines Schwarzen Wert gelegt
wird, wurde es in diesem Falle als vollgültig angenommen, denn der
Salomonsmann war ja wohl der einzige Belastungszeuge. Die Expedition
der »Hyäne« verlief übrigens in der gewöhnlichen Weise. Trotz aller
Vorsicht waren die Vögel in Lombom ausgeflogen! Pulver und Blei konnten
also diesmal gespart werden, denn Streichhölzer genügten um die Häuser
anzuzünden, die, im Verein mit vernichteten Kanus und Plantagen, den
Eingeborenen in üblicher Weise zur Warnung dienen sollten, obwohl damit
der beabsichtigte Zweck ernstlicher Schädigung nur sehr unvollkommen
erreicht wird. Für Muschelgeld lassen sich leicht Kanus wieder
anschaffen, und der Aufbau solcher Häuser, als wie die hiesigen, macht
auch nicht sonderliche Mühe. In der That fand ich einige Zeit später
die Bewohner des devastierten Dorfes ganz gemütlich an einer anderen
Stelle wieder angesiedelt.

Die »Hyäne« kam viel schneller, als erwartet wurde, wieder zurück und
zwar ohne Coconut-Island besucht zu haben, was jener arme Gefangene
gewiß am meisten zu beklagen hatte. Denn dadurch unterblieb die
ihm versprochene Untersuchung in seiner Heimat und er wurde später
mit einem Arbeiter-Transportschiff nach Samoa geschickt. Dort ist
er wahrscheinlich auch nicht aufgehangen worden, sondern verrichtet
vermutlich noch heut Zwangsarbeit in Plantagen, wenn ihn nicht
inzwischen das Heimweh, wie so manchen Kanaker hingerafft hat. Die
Lamassaner werden aber dort vorsprechende Weiße wahrscheinlich
nicht sonderlich höflich aufnehmen und dem Andenken des entführten
Löffelmannes bei Gelegenheit ein Opfer bringen; denn das ist der
Fluch der bösen That, der sich namentlich in der Südsee so anhaltend
fortspinnt.

Ein besonderes Ereignis hatte übrigens die »Hyäne« so plötzlich
zurückbeordert und zwar das unerwartete Eintreffen eines großen
Kriegsschiffes, das wir zu unserem Erstaunen plötzlich, im Kanal
Matupihafen zudampfend, erblickten. Durch die bald darauf ankommende
»Hyäne« erfuhren wir, daß das Schiff S. M. gedeckte Korvette
»Elisabeth« sei und begaben uns sogleich an Bord der »Hyäne« nach
Matupi, um den Kommandanten Kapitän z. S. Schering zu begrüßen.
Wir hörten frohe Botschaft: die deutschen Besitzungen im Archipel
von Neu-Britannien sollten unter den Schutz des Reiches gestellt
werden, welcher feierliche Akt am 3. November in Matupi unter den
entsprechenden Ceremonien vor sich ging. Es war ein schönes Schauspiel,
als 250 Mann in bewundernswerter Eile und Ordnung landeten und in dem
weiten Hofe des Hernsheim'schen Etablissements Aufstellung nahmen.
Kapitän Schering verlas dann auf Befehl Seiner Majestät des Kaisers
die kurze Proklamation, die Truppen präsentierten und unter den
Klängen des »Heil dir im Siegerkranz«, dem Donner der Geschütze und
einem dreimaligen Hoch auf Seine Majestät ging die Reichsflagge der
deutschen Kriegsmarine in die Höhe! Am folgenden Tage wiederholte
sich dieselbe Feierlichkeit in dem Etablissement der Handels- und
Plantagen-Gesellschaft auf Mioko, wohin diesmal auch die verschiedenen
Häuptlinge der Herzog York-Inseln eingeladen waren, denen die
Bedeutung der Handlung klar gemacht wurde. »Bye and bye you kill
white man, man of war kill you« (wenn du einen Weißen tötest, tötet
dich das Kriegsschiff), ein Argument, das die Eingeborenen sehr wohl
verstanden, wenn es ihnen auch weniger begreiflich scheinen mochte, daß
sie sich fortan der eigenen Gerichtsbarkeit Weißen gegenüber gänzlich
enthalten sollten. Jedenfalls hatten sie darüber ihre eigenen Ansichten
und zwar auf Grund unliebsamer Erfahrungen, die ihnen lehrten, daß der
schwarze Mann wohl selten Recht erhält, und konnten sich nicht gleich
zu dem Glauben aufschwingen, daß dies nun mit einem Schlage anders,
besser werden sollte. Natürlich versprachen sie alles, wie das Kanaker
stets thun, und der Frieden schien für ewige Zeit besiegelt. Freilich
mit der Handvoll Eingeborenen der Herzog-York-Insel hat es keine Not,
denen ist die blutige Sühne für die Ermordung Kleinschmidts noch in
gutem Gedächtnis. Aber in Neu-Britannien und Neu-Irland, da liegen
die Verhältnisse ganz anders, und es wird wohl noch lange dauern, ehe
die Eingeborenen sich jener Botmäßigkeit bewußt sind, welche für gute
Unterthanen selbstverständlich ist. In der That wurde nicht lange nach
dem Aufhissen der Kriegsflagge an der Nordküste der Gazelle-Halbinsel
ein Eingeborener, der für ein deutsches Haus handelte, umgebracht,
seine Vorräte geplündert. Die Kriegsmarine bekam dadurch wieder
zu strafen, was durch die bekannten Vorgänge des Kanonenbootes
»Albatross«, unter dem Kommando des energischen Graf von Baudissin,
gründlich besorgt wurde. Aber seitdem hat sich wohl kein weißer
Händler mehr in den verrufenen Gebieten von Kabakadai und Kabaira
niedergelassen, wo der mächtige Häuptling Toberinge (Tuberingai)
herrscht; denn wegen ein oder zwei Koprahändler kann doch nicht immer
ein Kriegsschiff zur Stelle sein.

Mit dem Aufhissen der deutschen Kriegsflagge war übrigens der
Grundstein zu unseren jetzigen Südsee-Kolonien gelegt und ein Akt
vollzogen worden, der die lebhafteste Freude hervorrief, in der Heimat
gewiß mehr als im Kreise gewisser Kolonisten.

Das neue deutsche Besitztum gefiel Kommandant Schering, wie den Herren
der Elisabeth überhaupt, unendlich viel besser als dasjenige, welches
sie kaum drei Monate früher (am 7. August) erworben hatten, und von
wo das Kriegsschiff mit kurzem Aufenthalt in Kapstadt und Sydney
direkt herkam: Angra Pequeña! »Lüderitzland«! die vielbesprochene und
besungene erste deutsche Kolonie, welche den neuesten Berichten zufolge
hoffentlich bald durch ihren »Goldreichtum« thatsächlich den so oft
getäuschten Erwartungen entspricht. Die ersten Besucher konnten davon
freilich keine Ahnung haben und Dr. Nachtigals Ausruf beim Betreten des
gelobten Landes: »Oh! meine Sahara!« war jedenfalls berechtigt.

Die Erfolge der Samoa in Astrolabe-Bai machten die Anwesenheit der
deutschen Kriegsschiffe zu demselben Zwecke als in Neu-Britannien
und Neu-Irland auch in Neu-Guinea nötig, und auf Wunsch des
Kommandanten begleitete Kapitän Dallmann dieselben als Lotse für
Friedrich-Wilhelms-Hafen. Unter der Behandlung von Dr. Frerichs von
der »Hyäne« hatten sich unsere Kranken soweit erholt, um wieder Dienst
zu thun, und so konnten wir in der ersten Hälfte des November die
zweite Reise nach Neu-Guinea antreten, um hier verabredetermaßen mit
den Kriegsschiffen wieder zusammenzutreffen. Mir selbst war, schon
des Fiebers wegen, am meisten daran gelegen, wieder in See zu kommen,
weil ich aus Erfahrung wußte, daß Luftveränderung das beste Mittel
ist, wenn auch Seeluft nicht allemal gegen das Fieber hilft, welches
mir diesmal bös zugesetzt hatte. In meinen phantastischen Träumen
spielte die zuletzt befahrene Küste Neu-Britanniens die Hauptrolle.
Ich sah stets neue Kaps voraus, welche sich in Inseln auflösten und
so rasch aufeinander folgten, daß ich nicht mehr im stande war alle
aufzuzeichnen, und dies beängstigte mich außerordentlich. Ja! ja! das
Fieber vermag gar wunderliche Bilder hervorzuzaubern, und ich freute
mich, daß ich sie los war und die Küste diesmal in Wirklichkeit vor
Augen hatte. Sie blieb, häufig durch Wolken und Regenböen verschleiert,
mit ihren eintönigen Bergrücken und anscheinenden Kaps fast drei Tage
lang in Sicht, denn die Samoa machte infolge von Gegenströmungen und
Böen nur langsam Fortgang.

[Illustration: Kartenskizze vom HUON GOLF.]

In der Frühe des vierten Tages kam Neu-Guinea, wie immer, beim Annähern
von Land, in wechselnden Bildern, zum Vorschein. Zuerst zeigte sich
eine mäßig hohe, blaue Bergkette, über eine dichte weiße Wolkenschicht
vorragend, welche unmittelbar auf der Wasserfläche zu lagern schien,
aus welcher nach und nach Inseln auftauchten. Letztere verflossen
allmählich ineinander und erwiesen sich als der eigentliche, flache,
dichtbewaldete Küstensaum, vor dem aber später thatsächlich kleine
Inseln sichtbar wurden. Welche mochten es wohl sein? war eine Frage,
die uns zunächst am lebhaftesten beschäftigte. Daß wir uns in Huon-Golf
befanden wußten wir freilich, aber hier erstrecken sich eine ganze
Reihe solcher kleinen Inseln längs der Küste und ohne Ortsbestimmung
ließ sich die Frage eben nicht ausmachen. Glücklicherweise brachte
der Mittag klaren Himmel und nach den Beobachtungen erwiesen sich die
vor uns liegenden Inseln als die Luard-Gruppe von Moresby. Ich ging
sogleich mit Hinrich Sechstroh, dem ersten Offizier der Samoa, welcher
während der Abwesenheit von Kapitän Dallmann den Dampfer führte, im
Walboot ab, um eine Untersuchung vorzunehmen. Die acht Inseln sind
alle klein, dichtbewaldet und haben zum Teile eine Sohle felsigen
Steilufers, welches aus einem ganz anderen Gestein als dem bisher
gesehenen besteht. Es ist eine Art Konglomerat oder Breccie, aber die
Korallformation ebenfalls vertreten. So lag der Strand der kleinen
Insel, auf welcher wir landeten, voll von Koralltrümmern, Rollstücken
von Madreporen u. s. w. Ein halb im Sande verwehtes Kanu, sowie eine
Kokospalme, mit leider verkrüppelten Nüssen, deuteten an, daß früher
Menschen hier verkehrt hatten; sonst bemerkten wir keine Spur von ihnen.

Aber eine andere unerwartete Erscheinung überraschte uns: Hunderte
fliegender Hunde erhoben sich aus dem Gelaube der Bäume und unsere
Schüsse scheuchten weitere Scharen derselben auf. Mit Ausnahme einer
Lokalität auf der Karolineninsel Kuschai hatte ich in der That nie
soviele fliegende Hunde beisammen gesehen. Sie schienen hier einen
gesicherten Platz für die Tagesruhe gefunden zu haben, von wo aus
sie bei Einbruch der Dunkelheit ihre Streifzüge unternehmen, um
die Plantagen zu plündern, für die sie eine wahre Plage werden. In
manchem Baume hingen mehr als zwanzig dieser Tiere, in der üblichen
Weise mit dem Kopfe nach unten und mit den Hinterfüßen an einem Aste
festgeklammert, so daß sie bei der Dunkelheit der dichten Belaubung
nicht immer leicht zu sehen waren. Die Jagd hat also gewisse
Schwierigkeiten, umsomehr als die fliegenden Hunde ein sehr zähes
Leben haben und angeschossen meist in den Zweigen hängen bleiben.
Zur Freude unserer Schwarzen wurde aber bald eine Anzahl erlegt,
denn fliegende Hunde sind bei diesen sehr beliebt und sollen auch,
nach der Versicherung englischer Marineoffiziere, in der That sehr
gut schmecken. Da sich die Tiere nur von Vegetabilien, am liebsten
Brotfrucht und Bananen nähren, ist dies sehr erklärlich. Aber trotzdem
konnte ich mich niemals entschließen, das Fleisch zu kosten, weil
die Tiere einen so widerwärtigen iltisartigen Geruch haben, der
selbst den präparierten Häuten noch anhaftet, durch Einlegen in Essig
aber ganz verschwinden soll. Die Art ähnelt übrigens dem »Anganau«
Neu-Britanniens (Pteropus melanopogon) am meisten und erreicht eine
Flügelspannung von mehr als 4½ Fuß, ist also mit eins der gewaltigsten
Flugsäugetiere.

Die Untersuchung der Inseln hatte übrigens keinen Ankerplatz ergeben,
und einen solchen, oder besser einen Hafen, zu finden, war unsere erste
Aufgabe. Freilich weist Moresbys Karte, dessen treffliche Aufnahmen
damals die einzige Quelle für das Gebiet von Huon-Golf und der
Nachbarschaft bildeten, nicht einmal einen solchen auf. Aber deswegen
brauchte die Suche noch nicht aufgegeben zu werden, denn Moresby konnte
in diesem Teile nur oberflächliche, mehr fliegende Aufnahmen machen und
mußte manches übersehen.

Es wurde beschlossen, zunächst bis zum Mitrafels längs der Küste
von Herkules-Bai zu gehen, die sich sehr gebirgig zeigte. Neue, am
vorhergehenden Tage nicht gesehene Gebirge traten hervor, von denen
sich nach und nach drei Ketten unterscheiden ließen, deren innerste
und höchste an 6000 Fuß erreichen mochte, sich aber bald mit Wolken
bedeckte. Schon in einer Entfernung von mehr als zehn Meilen von der
Küste hatte uns wiederholt trübgefärbtes, ganz wie Riff aussehendes
Wasser, zum Stoppen und Loten veranlaßt, wobei sich indes zeigte, daß
dasselbe nur von Süßwasser herrühren konnte. Dafür sprachen auch die
häufigen, in der Nacht übrigens nicht ungefährlichen, Treibholzstämme,
welche sich mehrten, je mehr wir uns der Küste näherten. Daß also ein
Fluß und zwar ein größerer irgendwo in der Nähe münden mußte, daran war
kein Zweifel. Wirklich fanden wir ihn bald darauf ca. 5 Meilen Südost
von den Luard-Inseln, leider aber durch eine Barre gesperrt, über
die es mächtig brandete. Als wir uns bei einer späteren Gelegenheit
dieser Flußmündung bis auf eine halbe Seemeile näherten, ließ sich
selbst hier noch kein Grund zum Ankern finden, so daß die Barre
jedenfalls außerordentlich steil in die Tiefe abfällt. Die Breite
des Flusses mochte 100 bis 150 Schritt betragen; seine Ufer waren,
wie die Abbildung zeigt, von dichtem Urwald eingerahmt, die Strömung
sehr ansehnlich. Innerhalb der Barre schien das Wasser ganz ruhig,
aber durch Treibholzstämme unklar, so daß der Fluß wohl nur für Boote
praktikabel sein dürfte. Er wurde Herkulesfluß genannt, nach der Bai,
welche Kapitän Moresby nicht nach dem mythologischen Helden, sondern
nach Sir Herkules Robinson, S. C. M. G., so benannte.

[Illustration: Herkulesfluß.]

Am linken Ufer des Herkulesflusses standen ca. ein Dutzend Kokospalmen,
die ersten welche wir, seit der einzigen auf der Insel der fliegenden
Hunde, an dieser Küste sahen. Das ließ auf Menschen schließen, und
wirklich zeigten sich bald Eingeborene, deren Zahl nach und nach
Hundert und mehr betragen mochte. Sie liefen anscheinend in großer
Aufregung hin und her, und es dauerte lange, ehe zwei Kanus abkamen
mit ca. einem Dutzend beherzter Männer. Sie trugen sonderbaren Ausputz
von Kasuarfedern, Ovulamuscheln, Arm- und Kniebänder, um den Leib
Rotangstreifen, führten aber keinerlei Waffen mit sich. Leider waren
sie so furchtsam, daß sie sich nicht bis an den Dampfer heranwagten,
sondern plötzlich Reißaus nahmen und selbst die roten an Flaschen
gebundenen Zeugstreifen, welche ich ihnen zuwerfen ließ, nicht
beachteten. Dies sonderbare Benehmen hatte sicherlich nicht in früheren
Besuchen von Arbeiterschiffen seinen Grund, wie dies sonst meist der
Fall ist, sondern die Leutchen mochten überhaupt noch kein Schiff und
Weiße gesehen haben, da sie allem Anschein nach nicht an der Küste,
sondern weiter im Inneren zu Haus gehörten. Dafür sprachen die Form
der schlechten Kanus und Paddel, die nur für Flußfahrten tauglich
schienen, sowie die Armseligkeit der schuppenartigen Hütten am Ufer,
die nur einem vorübergehenden Aufenthalt dienen mochten. Diese Ansicht
wurde ziemlich zur Gewißheit, als wir ein paar Tage später den Platz
wieder besuchten und zu unserem Erstaunen denselben völlig verlassen
fanden; nur unsere Stimmen machten den Urwald widerhallen! So entging
mir leider die Bekanntschaft dieser gewiß interessanten Eingeborenen;
wiederum ein Beweis, daß ein Reisender jede Gelegenheit benutzen
soll. Aber bei unserem ersten Besuche konnten wir uns aus Rücksicht
für die Weiterreise nicht lange aufhalten und damals natürlich nicht
voraussehen, das Nest später leer zu finden. Jedenfalls wohnen diese
Eingeborenen weiter aufwärts am Flusse und kommen nur gelegentlich
der Fischerei wegen bis ans Meer. In der That fanden wir die Küste
von Herkules-Bai bis zum Mitrafels total unbewohnt, selbst solche
Lokalitäten wie Kriegsgesang-Huk (Warsong-Point) und Verräter-Bai
(Traitors-Bay), wo der »Basilisk« vor zehn Jahren noch zahlreich
bevölkerte Dörfer angetroffen hatte. Die herausfordernde Haltung der
Eingeborenen, welche Moresby damals zwang auf dieselben zu schießen,
war die Veranlassung des odiösen Namens, zu dem übrigens bemerkt
sein mag, daß niemand zu Schaden kam, und daß ein einziger Schuß die
Krieger in wilde Flucht jagte. Wie ein zweiter Besuch dieses Gebietes
lehrte, ist die von Moresby beschriebene Verräter-Bai, in welcher
der Basilisk ein paar Tage verweilte, um Feuerholz zu schlagen, wohl
nicht identisch mit der großen, gleichnamigen der Karten, sondern
nur eine sanfte Buchtung wenige Meilen westlich vom Clydefluß. Sie
verdient einen eigenen Namen und mag als »Basilisk-Bucht« unterschieden
werden. Die südöstliche flache Huk ist Ambush-Point von Moresby und
5½ Meilen W. bei N. von Kap Ward-Hunt. Wir lagen hier im April des
folgenden Jahres (1885) mit der Samoa zu Anker, an einer Stelle, die
ganz mit Moresbys Beschreibung übereinstimmt. Ich machte von hier eine
Bootexkursion, die ich gleich an dieser Stelle mit einfügen will.
Wie der Clyde östlich von Basilisk-Bucht, so mündet ein ähnlicher
durch eine Barre versperrter Fluß westlich von derselben, den ich
»Bleichröder« benannte. Beide Flüsse sind übrigens möglicherweise nur
Arme eines weit größeren, in der eigentlichen Verräter-Bai mündenden
Flusses, den ich »Spree« benannte, denn dieses ganze Mündungsgebiet
scheint ein Delta zu sein. Das niedrige Land hat ein sumpfiges Ansehen
und ist vegetativ durch vorherrschende Bestände von Kasuarinen
ausgezeichnet, welche meist den unmittelbaren Ufersaum bilden. Dieser
durch seine schwarzgrüne Belaubung am meisten an Nadelholz, zumal an
unsere Lärchen, erinnernde Baum, wird für dieses Gebiet besonders
charakteristisch und scheint in sumpfigem Terrain heimisch. Die Bäume
selbst standen übrigens keineswegs dicht, waren nicht sehr hoch und
hatten ein kränkliches Aussehen, wahrscheinlich infolge der Lianen,
welche die meisten Bäume bedeckten und sie nach und nach töten. Je
tiefer wir in die Bai hineinkamen, die an fünf Meilen breit sein mag,
um so großartiger gestaltete sich das Vegetations- und Landschaftsbild.
Eine breite Barre, auf der mächtige Treibholzstämme die Untiefen,
gleich Schiffahrtszeichen, markierten, versperrte den größten Teil des
Mündungsgebietes und ließ nur einzelne für Boote passierbare Kanäle
frei. Wir gingen den östlichsten, hart am rechten Flußufer laufenden
hinauf, der für sich selbst einem kleinen Fluß glich und wenigstens im
Anfange eine beträchtlich starke Strömung zeigte. Gewaltige Laubbäume,
die oft so dicht mit großblättrigen Schlingpflanzen bedeckt waren, daß
sie förmliche Waldkulissen darstellten, untermischt mit einer nicht
sehr hohen schlankstämmigen Palme, einer Cycasart ähnlich, bildeten den
Hauptteil der üppigen Urwaldsvegetation. Selbstverständlich fehlte es
nicht an der im Wasser wachsenden Nipapalme, die mit ihren gewaltigen
Wedeln und kolossalen Früchten sich oft zu großen, boskettartigen,
grotesken Gruppen vereinte, während anscheinend grüne Wiesenufersäume
oder Inseln sich bei näherer Untersuchung als eine acht bis zehn Fuß
hohe, das Wasser ca. zwei Fuß überragende, Grasart erwiesen. Der
zwischen 30 bis 50 Fuß breite Flußarm breitete sich zuweilen zu weiten,
teichartigen Wasserbecken aus, in welche verschiedene Kanäle mündeten,
und es war bei der allmählichen Strömungsabnahme nicht leicht in der
Hauptader zu bleiben. Der Gedanke, in vorher nie betretene Gebiete
einzudringen, erzeugt selbst bei Erfahrenen ein seltsames, prickelndes
Gefühl, das sich beim Befahren eines neuen Flusses noch bedeutend
erhöht.

Bei jeder Biegung hofft man auf etwas Neues, erschaut aber fast
ausnahmslos dieselbe Einförmigkeit, denn beinahe alle solche, durch
urwaldbedeckte Ebenen, fließenden Wässer zeigen denselben Charakter.
Wie sehr schien nicht gerade dieses Flußgebiet zum Aufenthalt
von Krokodilen geeignet; aber auch hier blieb mein sehnlichster
Jägerwunsch, ein solches Ungetüm zu erlegen, unerfüllt. Lautlos glitt
unser Boot über den Wasserspiegel, auf dem sich nicht einmal Reiher,
Purpurhühner oder anderes hier zu erwartendes Geflügel zeigte. Wie
gewöhnlich blieb es bei Papageien, Tauben, Glanzstaren und Raben,
welche den Uferwald, übrigens auch unerreichbar für unsere Gewehre,
belebten, mich aber nicht reizten, denn alles waren bekannte Arten. Auf
Paradiesvögel darf man im Flachland kaum rechnen, da sie den Bergen
angehören. Weiterhin schienen solche das Delta zu begrenzen, und hier
wohnen jedenfalls auch die Menschen, von welchen wir am Fluß auch nicht
eine Spur bemerkten, denn mit dem Glase sah man an den Bergen deutlich
Kokospalmen, und wo diese, sind auch Menschen.

Leider konnten wir nicht bis zu ihnen vordringen und mußten uns mit
dieser flüchtigen Rekognoszierung begnügen, zu der in ausgedehnterer
Weise eine Dampfbarkasse nötig gewesen wäre. Jedenfalls ist dieser
Fluß, von dem wir nur einen unbedeutenden Nebenarm kennen lernten,
recht ansehnlich. Eine genauere Erforschung desselben dürfte sich sehr
nützlich erweisen und vielleicht für kleine Fahrzeuge eine Wasserstraße
ergeben.

Als wir mit Einbruch der Dunkelheit an Bord zurückkehrten, bereiteten
uns abermals fliegende Hunde, aber einer anderen Art als der auf der
Insel gesehenen angehörend, ein seltenes Schauspiel, das namentlich für
den Zoologen interessant und neu war. In großer Anzahl umschwärmten
sie das Schiff und schossen zuweilen aus der Luft bis zur Wasserfläche
herab, wie Seeschwalben die nach Fischen stoßen. Fliegende Hunde
(Pteropen), welche fischen? Davon ist wohl noch nie berichtet worden,
und ich will die Gewähr dafür auch nicht übernehmen. Denn jedenfalls
hatte das auffallende Gebaren der Tiere nichts mit Fischen zu thun. Es
gelang uns leider nicht ein Exemplar zu erbeuten, um durch Untersuchung
des Magens die Sache aufzuklären. Vermutlich nippten die Tiere nur
Seewasser, um zu trinken.

Doch kehren wir wieder zu unserer Reise auf die Samoa zurück, welche
sich dem südöstlichen Endziele, dem Mitrafels nähert. Er ähnelt von
weitem einem Pfeiler und besteht aus einem isoliert aus dem Meere
aufsteigenden, etwa 40-50 Fuß hohen, kegelförmigen Felsen, der auf dem
Scheitel mit grünem Buschwerk bewachsen ist. Riff verbindet ihn mit
der etwa eine Meile entfernten Küste, dem Kap Ward-Hunt[43] Moresbys.
Es wird von einem etliche hundert Fuß hohen Bergrücken gebildet, der
steil bis zum Meere abfällt, und dessen dichte Bewaldung sich durch
den Mangel von Kasuarinen auszeichnet. Sehr nahe der Küste steht ein
zweiter, weit niedriger Felsenpfeiler, gleichsam als Wächter des
großen. Es giebt wohl kaum einen so charakteristischen, leicht zu
erkennenden Punkt als Mitrafels, der wie eine natürliche Bake weithin
sichtbar ist. Die Kommission, welche später die deutsch-englischen
Grenzen feststellte, hätte keinen besseren Markstein wählen können,
dessen Wichtigkeit als solcher mir schon bei diesem ersten Besuche
klar war. Mitrafels bezeichnet übrigens mit ziemlicher Genauigkeit
den 8. Grad südlicher Breite, ist also auch deswegen interessant. Was
wir westlich vom Grenzfelsen sahen erschien nicht sehr verlockend,
soweit das Auge reicht steil abfallende, bewaldete Bergketten, und
wie wir später sehen werden, hat Deutschland jedenfalls den besseren
Teil erwählt. Das Deltagebiet zwischen Clyde und Spree scheint gutes
Land, aber ziemlich sumpfig zu sein, obwohl sich darüber nach einem
flüchtigen Besuche nicht entfernt entscheiden läßt.

[Illustration: Mitrafels aus Nordwest.]

Ich landete diesmal in der Nähe von Alligator-Point Moresbys, an einer
Stelle, wo anscheinend verlassene Hütten die Neugier besonders rege
machten; vielleicht konnten wir dennoch Eingeborene hier antreffen!
Heftige Dünung erschwerte das Landen und nötigte das Boot wieder vom
Ufer abzuhalten, welches wir nur zu zweien, von einem schwarzen Jungen
begleitet, durchstreiften. Ängstlich prüfte das scharfe Auge des
letzteren den schwarzen Ufersand nach Menschenspuren, aber nirgend
zeigte sich ein Fußtritt, und nur Eidechsen und Krabben hatten ihre
bekannten Schlängelspuren zurückgelassen. Die etwa neun Hütten ähnelten
in der Form ganz den am Herkulesflusse gesehenen und waren nichts als
rohe, mit Blättern der Nipapalme bedeckte Stangengerüste, 10 bis 30
Fuß lang und etwa mannshoch. Niedrige Bänke aus gespaltenen Stangen
deuteten an, daß diese Hütten als Schlafstätten benutzt worden waren;
sonst fand sich nichts bei denselben als ein paar verkohlte Holzstücke
und Fetzen alter Kokosnußfaser. Da diese Palme selbst an dieser ganzen
Küste nicht vorkommt, so sprachen diese Reste nur zu deutlich von
gelegentlichen Besuchen der Inlandsbewohner, wie ich dies schon im
Vorhergehenden erwähnte. Aber wo mochten die Menschen, welche Moresby
vor 10 Jahren noch so zahlreich hier antraf, hingekommen sein, und
von deren Dörfern wir selbst keine Spur mehr entdeckten? Schon das
Fehlen von Kokospalmen schien diese Frage zu beantworten, noch mehr der
Charakter des uns vorliegenden Landes, das eben nicht sehr versprechend
aussah. Das was uns von weitem als Gras erschien, erwies sich als
dichtes, auf dem Sande hinkriechendes Windengeranke, der Uferwaldsaum
als sehr schmal, und hinter ihm dehnte sich sumpfiges, reichlich mit
Nipapalmen und anderen Bäumen bestandenes Land aus, das zu betreten
durchaus nutzlos gewesen wäre.

Wiederum hatten wir auf unserer Reise nordwestwärts imposante
Gebirgsbilder, mit grellen Tinten in Schwarz, Violettschwarz,
Dunkelblau und zartem Grün vor uns, ja eine frühe Morgenstunde zeigte
uns einmal in der Gegend von Traitors-Bay, fern, fern in Südwest ein
Hochgebirge, das wohl kein anderes als die Owen-Stanleykette sein
konnte. Trotz der Entfernung von etlichen 60 Meilen in der Luftlinie
scheint bei der bedeutenden Höhe von über 13000 Fuß eine solche Annahme
wohl möglich. Ich kannte zwar den Owen-Stanley von der Südostküste
her sehr gut, aber wer vermöchte aus so großer Entfernung ein Gebirge
wiederzuerkennen?

[Illustration: Adolphshafen mit Ottilienberg.]

Wir hatten die Luard-Inseln wieder erreicht und versuchten es nochmals
wenigstens einen Ankerplatz zu finden, und wurden diesmal durch die
Entdeckung eines hübschen Hafens belohnt, (18. November 1884). Er
bildet ein geräumiges, länglich rundes Becken mit gutem Ankergrund
von 10 bis 20 Faden Tiefe, das rings von steilen bewaldeten Bergen
umschlossen wird. Unter diesen zeichnet sich, wie die Skizze unten
zeigt, besonders eine ca. 1000 bis 1200 Fuß hohe, pyramidenförmige
Kuppe aus, welche W. S. W. die Einfahrt giebt. Ich benannte sie
»Ottilienberg« nach Frau von, den Hafen selbst »Adolphshafen«, nach
Herrn von Hansemann in Berlin, der bekanntlich die Samoa-Expedition ins
Leben rief. Nach den Ortsbestimmungen Sechstrohs liegt Adolphshafen
unter 7° 44′ Süd und 147° 44′ Ost. Wie sich schon die Einfahrt durch
schmutzig gefärbtes Süßwasser auszeichnet, so der Hafen selbst, eine
Eigentümlichkeit, die zur Reinigung eiserner Schiffe wichtig werden
kann. Im übrigen ist die Umgebung des Hafens für Ansiedelung wenig
versprechend. Das Vorland des westlichen Ufers erwies sich als
sumpfiges, mit Pandanus, Kasuarinen, Ried und Binsen bestandenes
Terrain, die zum Teil stagnierende Mündung eines Flusses, dessen
Hauptarm nördlich von einer Landzunge herauszukommen schien. Auf der
letzteren zeigten sich plötzlich etliche Eingeborene, von denen wir im
Hafen selbst keine andere Spur als ein paar verfallene Gerüste gefunden
hatten. Es waren sieben, anscheinend total nackte Männer, die gewaltige
Schilde und Speere mit sich führten, uns aber durch Winken mit grünen
Zweigen ans Land einluden. Das ging nun leider nicht, da um die Spitze
der Landzunge eine gewaltige Strömung schoß und der einbrechende Abend
uns zur Rückkehr an Bord nötigte, wo wir noch eben vor Eintritt der
Dunkelheit eintrafen. Auf diese Weise profitierten leider die Entdecker
des neuen Hafens selbst nicht einmal die Nachtruhe in demselben,
sondern mußten wie gewöhnlich von der Küste abhalten, um sich recht
gründlich durchschütteln und durchrütteln zu lassen, Eigenschaften,
welche die kleine Samoa in schadenfroher Weise gerade diese Nacht mehr
als je zum Ausdruck brachte.

Mit den Luard-Inseln beginnt jene tiefeinschneidende westliche
Einbuchtung der Küste, welche 1793 von d'Entrecasteaux, nach
seinem berühmten Landsmann Huon Kermadec, »Huon-Golf« benannt
wurde, in welcher aber erst Moresby einige Punkte bestimmte und
benannte. Er hielt sich hauptsächlich drei Tage lang in einer von
ihm »Death-Adder-Bay«[44] benannten Bucht (7° 29′ S., 147° 25′ O.)
auf, um Feuerholz zu schlagen, und schloß damit seine unvergleichlich
wichtigen, für Neu-Guinea epochemachenden Küstenaufnahmen. Wir konnten
denselben kaum etwas hinzufügen, denn böiges Wetter und trübgrün
gefärbtes Wasser ließ es Steuermann Sechstroh rätlich erscheinen,
außerhalb jener Reihe von Inselgruppen zu halten, welche sich von
den Luard-Inseln bis Solitary-Island, in einem Abstande von drei bis
sechs Meilen, über 40 Meilen parallel mit der Küste hinziehen. Sie
sind alle klein, hügelig, dichtbewaldet, manche nur mit Buschwerk
begrünte Felsen, und scheinen alle unbewohnt. Nur bei Saddel-Island
(»Longuerue« von d'Entrecasteaux), der größten dieser Inseln,
zwei ein halb Meilen lang und ca. 700 Fuß hoch, versuchten uns
vergeblich ein paar Segelkanus einzuholen, und auf Solitary-Island
bemerkte ich Kokospalmen, so daß vermutlich hier Menschen wohnen.
Soweit wir die Küste zu sehen bekamen, besteht dieselbe aus
steilabfallenden, dichtbewaldeten Bergen mit wenig Vorland, hie und
da scheinen Buchten[45] einzuschneiden. Wie gern hätte ich dieselben
untersucht! Aber Steuermann Sechstroh, auf dem die Verantwortung der
Schiffsführung doppelt lastete, wollte von dem Insellabyrinth um so
weniger etwas wissen, als sich nicht selten Brandung zeigte. Und unter
unseren Verhältnissen war Vorsicht jedenfalls besonders geboten. Mit
Solitary-Island hatten wir uns der Küste wieder genähert und bald
Rawlins-Point von Moresby vor uns, wo eine schöne Bucht einschneidet,
die ich Ki-Bucht benannte. Dieselbe wird nördlich von einer
langgestreckten, bergigen, bewaldeten Insel begrenzt, die, wie wir
später bemerkten, aber durch einen schmalen, dichtbewaldeten Streifen
niedrigen Landes mit der Küste zusammenhängt und somit eine Landzunge
bildet. Es ist Parsi-Point, von Moresby nach der eigentümlichen
Kopfbedeckung der hiesigen Eingeborenen benannt, welche an die hohen
Mützen der Parsis oder Feueranbeter erinnert, und welche die Abbildung
veranschaulicht.

[Illustration: Mann von Parsi-Point.]

Schon von weitem hatten wir an den Bergen Kulturflecke, d. h. Stellen
urbar gemachten Landes, am Ufer endlich wieder einmal Kokospalmen
bemerkt, und bald umringten uns die Eingeborenen selbst in zahlreichen,
zum Teil mit Segeln versehenen, Kanus (Atlas VIII 6). Es waren
nicht sehr dunkle Leute, von weniger negerartigem Typus als z. B.
Neu-Britannier oder Salomons-Insulaner, die sich sehr manierlich
betrugen, aber schon wegen ihrer geringen Bekleidung (vergl. Atlas XVI
4, 5) keinen guten Eindruck machten. Sie kamen singend und handelten
singend, wahrscheinlich um sich Mut zu machen, denn viele zitterten
vor Angst. Freilich mochten wohl die wenigsten je einen Weißen gesehen
haben, denn keiner verstand nur ein Wort Englisch oder besaß irgend
etwas von europäischem Tande. Aber Eisen schienen sie zu kennen, und
als ich Hobeleisen zum Vorschein brachte, da erschallte einstimmiges
Freudengeschrei, und »Ki, ki« (Eisen) war die Losung. Für die geringste
Kleinigkeit verlangte man jetzt nur Eisen. Die braven sogenannten
»Wilden« sind in der Regel sehr praktisch und im Handel nicht minder
gewandt; auch bei ihnen gilt das Prinzip viel für wenig zu erhalten.

Die Parsen hatten übrigens allerlei hübsche Sächelchen, darunter oben
anstehend breite Armbänder von Schildpatt mit zierlich eingravierten,
sehr eleganten Mustern, wie ich dieselben schon (S. 90) von
Astrolabe-Bai erwähnte, hübsche mit Muscheln besetzte Armbänder,
Brustschmucke von Flechtwerk, zum Teil reich mit Hundezähnen verziert,
und eigentümliche Schildpattohrringe (Atlas XVII. 5, 6). Von besonderer
Kunstfertigkeit zeugten auch die in bunten Mustern filetgestrickten
Tragbeutel (vergl. Atlas X. 3), wie Holzschnitzerei bei ihnen auf
einer hohen Stufe steht. So z. B. die Verzierungen an den stattlichen,
seetüchtigen Kanus, deren Seitenborde zuweilen buntbemalt waren (Atlas
VII. 9). Die feingeschnitzten »Kopfkissen«, welche freilich wenig mit
den unseren zu thun haben, verdienen ebenfalls besondere Beachtung. Sie
bestehen nämlich nur aus einem soliden Stück Holz, das beim Schlafen
als Stütze dient (vergl. Atlas III, 1), und sich in ähnlicher Weise bei
vielen Völkern, z. B. auch in Afrika und China wiederfindet. Wie die
zahlreichen, sehr gut gearbeiteten Fischhaken, die übrigens ganz mit
solchen von Astrolabe-Bai übereinstimmen, und Netze zeigten, scheinen
diese Eingeborenen tüchtige Fischer zu sein. Sie brachten aber auch
etwas grünen Blättertabak, Bananen, wenige Kokosnüsse und boten mir
als Freundschaftszeichen einen Hund an, den ich aber dankend ablehnte.
Ich kannte die nächtlichen Heulkonzerte dieser lieben Tiere eben zur
Genüge, um die ohnehin knapp bemessene Nachtruhe nicht noch durch einen
solchen Störenfried schmälern zu lassen. Und bei allem Verlangen nach
frischem Fleisch konnte mich doch Hundebraten, zu welchem Zweck das
Geschenk bestimmt war, nicht reizen. -- Merkwürdigerweise führten die
Leute keinerlei Waffen mit sich.

[Illustration: Häuptlings-Haar.]

Übrigens trugen nur die wenigsten die sonderbaren Parsenmützen aus Tapa
(geschlagenem Baumbast), sondern die meisten das Haar unbedeckt, in
allen möglichen Stadien der Entwickelung, von ganz kurz geschorenem,
bis zu dem gewaltigen Zottellockenkopfe meiner Skizze. Derartiges Haar
hatte ich noch nie bei Papuas gesehen! Es hing in 18 Zoll langen,
bleistiftdicken, dichtverfilzten Strähnen, wie ungezupftes Roßhaar,
bis zur Brustmitte herab, und die wenigen Träger solcher Haarmassen
schienen große Leute, Häuptlinge, zu sein, wie ich dies noch öfters
in Neu-Guinea bemerkte. Was war erklärlicher als der Wunsch ein paar
dieser Locken des hehren Hauptes zu besitzen! Der Eigentümer hatte
meine Pantomime richtig begriffen und trennte, noch ehe ich ihm eine
Schere reichen konnte, mit eigener Hand einige seiner Staatslocken
mit einem Steinbeil ab, das ich sogleich dazu kaufte. Im Museum für
Völkerkunde zu Berlin sind diese Schätze jetzt zu sehen, für solche,
die sich etwa dafür interessieren sollten.

Wie die Ki-Bucht[46] südlich, so begrenzt die Ungimé-Bucht nördlich die
Parsi-Landzunge; aber wir konnten von beiden nur Einblicke gewinnen,
denn zu einer Untersuchung fehlte uns die Zeit, und es drängte uns vor
allen den Nordrand von Huon-Golf zu erreichen. Und daran war Moresby
schuld, welcher diese Gegend, allerdings nur mit wenigen Worten,
als gut bevölkert, reich an Palmen und Wasserläufen beschreibt. Wir
fanden von all dem so gut wie nichts und unsere Erwartungen gar sehr
enttäuscht. Der Charakter der Küste bleibt sich im großen und ganzen
gleich: Berge und Gebirge, von der Sohle bis zum Gipfel dichtbewaldet,
wie das Vorland, welches durch Zurücktreten der Berge zuweilen sich
ansehnlich weit ausbreitet. In diesem Vorlande oder der Thalsohle
bemerkt man gewöhnlich auch einen oder mehrere Flußläufe; es fehlt
also nicht an Wasser. Allein alle diese Flüsse scheinen reißende
Gebirgswässer, und ihre Mündung ist meist durch Barren oder andere
Hindernisse versperrt. So wurde eine Meile von der Mündung des von
Moresby »Markham« benannten Flusses viereinhalb bis fünf Faden Tiefe
gefunden, wogegen an anderen Stellen der Dampfer oft so nahe dem
Ufer ging, daß man fast Zweige von den Bäumen pflücken konnte, ohne
daß Ankergrund zu finden war. Das Rawlinson-Gebirge[47] am Nordrande
des Golfes ist übrigens wenig höher als die »Kuper-Kette« längs dem
westlichen Ufer und mag zwischen 3000 bis 4000 Fuß ansteigen. Wir
sahen die Kammlinie übrigens, selbst beim hellsten Sonnenschein, nur
selten frei, dann aber drei hintereinander liegende Gebirgszüge, alle
dichtbewaldet, wie dies fast ausnahmslos bei den Gebirgen der Fall
ist. Das eintönige, dunkle Grün ermüdet durch seine Einförmigkeit sehr
bald, denn vergebens forscht das Auge nach grotesken und malerischen
Felspartien, steilen Schründen und Schluchten und dergleichen
Abwechselung.

Wenn das Vorherrschen von Wäldern übrigens Kultivationen in Huon-Golf
zu erschweren scheint, so dürfte möglicherweise diese Fülle an Holz
zu verwerten sein und, sofern dasselbe Brauchbares liefert, sich
vielleicht die vorhandenen Wasserkräfte zur Anlage von Sägemühlen gut
verwenden lassen.

Was die Bevölkerung anbelangt, so ist dieselbe, wie wir gesehen
haben, eine sehr geringe und Parsi-Landzunge scheint das Hauptcentrum
nicht nur für Huon-Golf, sondern bis Mitrafels, innerhalb eines
Küstengebietes von ca. 150 Meilen. Möglicherweise ist aber das Inland
bevölkert. Abgesehen von einzelnen Hütten, mehrten sich die Anzeichen
des Vorhandenseins von Eingeborenen, erst als wir uns im östlichen
Ende des Nordrandes von Huon-Golf, False-Island, näherten. Hie und da
zeigten sich kleine Gruppen, meist kränklich aussehender, Kokospalmen,
zuweilen Häuser unter denselben, an den steilen Berghängen eingezäunte
Plantagen. An einer Stelle kamen auch eine Menge Kanus mit Eingeborenen
ab, die im Aussehen und allem was sie besaßen, ganz mit den gestern
bei Parsi-Landzunge gesehenen übereinstimmten. Wie diese boten sie
vorzugsweis gut gearbeitete Fischhaken (ganz mit denen auf Tafel
IX des Atlas übereinstimmend) zum Kauf an, sprachen aber eine ganz
andere Sprache, in welcher das Wort »Kas« wie in Port Konstantin Tabak
bezeichnete. Ein Mann trug drei Ringe kleiner grüner krystallfarbener
Glasperlen in der Nase, das Erste was ich auf dieser ganzen Reise an
europäischen Erzeugnissen bemerkte.

Die Ostspitze von Huon-Golf bildet das von d'Entrecasteaux benannte
»Kap Cretin«, ein schwierig auszumachender Punkt, indem gerade hier
einige kleine, dichtbewaldete Inseln hart an der Küste liegen, von
denen wahrscheinlich die südlichste das bewußte Kap ist. Aber die
Bestimmungen der älteren Seefahrer sind meist sehr oberflächlich und
unzuverlässig.

Mit Kap Cretin erhält die Landschaft übrigens wie mit einem Schlage
ein anderes Ansehen. Statt der höheren, dichtbewaldeten Gebirge
in Huon-Golf begrenzen hier niedrige, nur etliche hundert Fuß hohe
Hügelreihen das Ufer, auf denen hellgrüne Hänge und Matten mit größeren
und kleineren, dunkelgrünen Wäldern, Hainen und Baumpartien in der
mannigfachsten Weise abwechseln. In der That eine gar liebliche
und versprechende Gegend, wie wir sie bisher in Neu-Guinea nicht
erschauten. Sie macht ganz den Eindruck eines verwilderten Parkes, und
es fehlen nur Villen, geebnete Wege und Viehherden, um sich an die
Ufer eines heimischen Sees versetzt zu fühlen, denn der Charakter der
Vegetation hat gar nichts Tropisches. Nur hie und da sieht man eine
kleine Gruppe Kokospalmen am Ufer, aber keine Niederlassungen dabei.
Dagegen zeigen die zahlreichen und oft ausgedehnten Pflanzungen in den
Bergen, daß die Gegend ziemlich gut bevölkert sein muß, wenn sich auch
nur selten ein Haus erkennen läßt. Interessant war es mir, auch hier
Baumhäuser, in der Art der Kohoros an der Südostküste, wahrzunehmen.
Die Dörfer mögen eben versteckt in den Schluchten und Buchtungen liegen
und sind von See aus nicht sichtbar. Dagegen erkennt man deutlich schon
die Anfänge jener Terrassenbildung, welche westlich von Festungshuk so
prägnant hervortritt, und die ich bereits eingehend beschrieb. Auch das
zum Teil steile Felsufer zeigt unverkennbar die korallinische Bildung,
welche ich in Huon-Golf nirgends beobachtete, wo überhaupt ganz andere
geologische Verhältnisse zu herrschen scheinen.

[Illustration: Finschhafen aus Süd.]

Gleichwie in einem Zaubermärchen eine neckische Fee die verheißene
Prinzessin erst nach vielen Prüfungen erringen läßt, so erging es uns
an dieser Küste bezüglich eines Hafens oder Ankerplatzes überhaupt.
Denn wir alle sehnten uns nach wenigstens einer ruhigen Nacht, die
wir nach anstrengender Tagesarbeit wohl bedurften. So an dreizehn
Stunden, oft länger, auf Deck zu stehen, unausgesetzt durchs Fernrohr
zu sehen, Notizen zu machen, und diese dann noch ins Reine zu
schreiben, ist eben kein Kinderspiel. Und das Sprichwort »nach gethaner
Arbeit ist gut ruhen« war der kleinen »Samoa« durchaus unbekannt,
die ohnehin aufgeregt und nervös, sich von der leisesten Dünung zum
wildesten Tanze verleiten ließ. Sie rollte und schlingerte eben ganz
fürchterlich, zumal wenn abends Dampf abgeblasen und die Schraube
außer Thätigkeit gesetzt worden war. Kein Wunder, daß selbst dem
Seemann diese kontinuierliche Nachtschunkelei zuviel wurde, denn die
»Samoa« machte es wirklich oft zu arg. Und dann wollten wir doch auch
gern den Kriegsschiffen einen guten Hafen anbieten, da Adolphshafen
zu weit ablag und uns überhaupt nicht genügend erschien. Wir hatten
daher unsere ganze Hoffnung gerade auf diese Küste gesetzt, die
allerdings sehr wenig aussichtsvoll schien. Hinter False-Island geht
zwar eine Bucht hinein, aber sie ist zu klein und die Untersuchung
der weit versprechenderen Inseln von Kap Cretin[48] konnte nicht
ausgeführt werden, denn entweder fiel gerade eine Bö ein oder wir
vermochten dieselben überhaupt nicht zu erreichen. Und daran war der
Nordweststrom schuld, welcher sich gerade an dieser Küste, namentlich
bei Festungshuk, in einer Stärke von zwei bis drei Meilen die Stunde so
sehr bemerkbar macht. Er versetzte uns in der einen Nacht bis hinter
Festungshuk, in der folgenden gar bis in die Nähe der Low-Islands bei
Rook, 30 Meilen zu Nord von dem Punkte, an welchem wir bei Anbruch
des Tages zu sein hofften. Da hatten wir freilich ein unvergleichlich
prächtiges Panorama der Küste mit dem Terrassenlande vor uns, aber es
dauerte immer lange, ehe dieselbe wieder erreicht wurde. So gelangten
wir erst am vierten Tage an eine bestimmte Stelle, etwas Nord von Kap
Cretin, wo sich eine Öffnung, oder wie der Seemann sagt, ein »Loch«,
in der Küste zeigte, welche der Untersuchung wert schien. Ich hatte
es schon bemerkt und skizziert, als wir diese Küste zum erstenmale
passierten, aber nicht gedacht, daß es die Einfahrt zu einem später
bekannten Hafen (vergl. Abbild. S. 161) sein würde.

[Illustration:

                                                               (S. 162.)

Moru in Finschhafen.]

Infolge der Enttäuschungen der letzten Tage war mein Zutrauen freilich
gering, als ich mit Obersteuermann Sechstroh ins Boot stieg, aber kaum
waren wir etwas tiefer in die weite sackartige Bucht gekommen, da
tönte es häufiger hin und wieder: »Sieh! nicht übel! -- tein Fam! --
ganz famos! nich? -- twalf Fam! -- wer hätte das gedacht? -- sestein
Fam!« u. s. w. Vor uns lag eine Landzunge mit einem Hause ganz wie
dies meine Skizze zeigt, wie wir später erfuhren Moru genannt, wo wir
zunächst landeten. Aber die Eingeborenen, mit denen ich noch kurz zuvor
in See gehandelt hatte, waren uns in ihren Kanus vorausgeeilt, nicht
uns festlich zu empfangen, sondern um schleunigst auszureißen. Das
mußte in gar großer Eile geschehen sein, denn hier stand noch ein Topf
mit Essen auf dem Feuer, dort quiekte ein Ferkelchen oder knurrte ein
junger Hund, da selbst diese erkorenen Lieblinge der Damen in der Eile
vergessen worden waren. Wir fanden noch ein paar Häuser im Dickicht
der Halbinsel, aber alles Rufen und Schreien nach ihren Insassen
blieb erfolglos. Sie hatten sich rückwärts konzentriert, und zwar zu
Wasser; denn hinter der Halbinsel setzte sich das äußere Hafenbassin
in ein zweites schmäleres fort. So begnügte ich mich damit hie und da
bei den Häusern kleine Geschenke niederzulegen, nicht wie es sonst so
häufig von sammelnden Forschern geschieht, als Entgelt für mitgenommene
Ethnologica, sondern nur, um den Leutchen unsere guten Absichten zu
zeigen. Und dafür mußten auch die roten Bändchen sprechen, mit denen
ich verschiedene der kleinen Borstentiere geschmückt hatte, was die
gute Wirkung nicht verfehlte. »Wer unsere Schweinchen liebt, liebt uns«
mochten die Papuas denken; und so war gleich von Anfang an das beste
Einvernehmen hergestellt. Für jetzt hatten wir keine Zeit uns mit den
neuen Freunden abzugeben, denn wir mußten wieder hinaus, um die »Samoa«
zu holen, die noch an demselben Abend (Sonntag den 23. November 1884)
in den neuen Hafen in 11½ Faden Mudd zu Anker ging.

[Illustration: Finschhafen.]

Ich hatte denselben in meinem Tagebuch »Deutschland-Hafen« genannt,
aber die Herren Kommandanten unserer Kriegsschiffe erwiesen mir die
Ehre, ihn nach mir »_Finschhafen_« zu taufen, so daß auch mein Name[49]
mit einem Punkte in Deutsch Neu-Guinea verknüpft ist.

Die beigegebene Kartenskizze nach den Aufnahmen S. M. Kanonenboot
»Hyäne« (Kommandant Kapt.-Lt. Langemack) überhebt mich einer weiteren
Beschreibung. Es genügt zu sagen, daß der Hafen ringsum von einem
Mangrove-Waldgürtel eingefaßt wird, die Umgebung aber aus sanft
ansteigenden Hügeln und Bergen bis vielleicht 1200 Fuß Höhe mit
parkartigem Charakter und gutem Boden besteht, wie die Plantagen der
Eingeborenen am besten zeigten. Auch an Süßwasser und zwar murmelnden
Gebirgsbächen mit trefflichem Trinkwasser fehlt es nicht, so daß sich
hier eine Menge günstiger Verhältnisse zur Niederlassung von Europäern
in seltener Weise vereinen. Dazu gehörten auch vor allen Dingen die
klimatischen Vorzüge dieses Platzes, die mir selbst bei dem kurzen
Aufenthalte anderen Plätzen gegenüber sehr günstig erschienen und
sich in der That seither trefflich bewährt haben. Ja, wo würde sich
am besten anfangen lassen? »Die kleine Insel Madang ist jedenfalls
der am meisten gesicherte und am leichtesten gegen die Angriffe
der »Wilden« zu verteidigende Punkt« denkt der Neuling. »Ach was!
Wilde!« antwortet der Praktiker, »mit denen wollen wir schon fertig
werden! botter the natives! Oben am Berge ist es jedenfalls besser
und gesunder! Und wenn die Eingeborenen auch sonst nicht viel taugen,
einen Weg werden sie schon noch mit anlegen helfen, dazu ist ihnen
Bandeisen noch zu verlockend. Und später wird man doch gleich Pferde
herbringen müssen.« -- »Pferde? Und die sollen das harte mannshohe
Gras fressen?« frägt wieder der Neuling. »Natürlich! und gern dazu!«
antwortet der Praktiker, welcher das treffliche Gedeihen dieser Tiere
unter schlechteren Verhältnissen bei Port Moresby kennen lernte.
»Freilich, das »Regierungsgebäude« wird am besten auf der Halbinsel
liegen, die Arbeiterwohnungen auf der Insel -- und« -- so und in
ähnlicher Weise gingen mir die Gedanken durch den Kopf. Hatte ich doch
zunächst über Brauchbarkeit des Platzes nicht nur als Hafen, sondern
überhaupt zu berichten. Und je mehr ich denselben kennen lernte, um
so mehr wurde es bei mir zur Gewißheit: »hier laßt uns Hütten -- und
Häuser bauen«! Aber aus recht gutem Holz, damit sie nicht gleich von
den weißen Ameisen gefressen werden. Denn »billig und schlecht« rächt
sich in den Tropen am meisten und in jeder Weise. Freilich am Hafen als
solchen fand Kapitän Dallmann später einiges auszusetzen, namentlich,
daß er gegen den Nordwest völlig offen sei, aber da konnten ja gewisse
Verbesserungen geschehen, und dann bot ja, schon nach unseren ersten
Auslotungen, das hintere Hafenbassin für kleinere Fahrzeuge mit ca.
9 Fuß Tiefgang vollkommene Sicherheit. Dasselbe zeigte bei näherer
Untersuchung südlich noch ein drittes sackartiges, kleineres Endbassin,
welches, wie andere seichte Stellen des Hafens, durch ein Fischwehr
der Eingeborenen abgesperrt war. Hier zeigte, bei geringer Tiefe von
ein bis zwei Faden, der Meeresgrund ein reiches Tierleben: weiße,
bräunliche und rötliche Korallen, zwischen deren Verästelungen herrlich
saphirblaue und schwarz und weiß gestreifte Fischchen spielten,
häßliche, schmutzig grüne, gelbgestreifte Seewalzen (Holothurien)
ihren plumpen Körper ausstreckten und große stachlige Seeigel neben
schön buntgefärbten kleinen Seesternen ein friedliches Dasein führten.
In der That ein natürliches Aquarium, wie man es sich schöner nicht
denken konnte, obwohl es immer noch weit hinter jenen Schilderungen
überschwenglicher Beschreiber zurückblieb, die wahrscheinlich selbst
lebende Korallriffe wohl nicht gesehen haben.

Den meist aus Mangrove bestehenden Uferwaldsaum fanden wir
glücklicherweise überall nur schmal. Gleich hinter ihm dehnt sich
schönes Land mit fettem schwarzen Boden aus. Hier liegen die
Plantagen, in welchen hauptsächlich Taro, Bananen und Zuckerrohr,
auch etwas Tabak gezogen wurde, und die auch hier die musterhafte
Ordnung und den Fleiß der Eingeborenen bekundeten. Die Ostseite des
Hafens wird, wie ich später vom Berge aus sehen konnte, von einer
schmalen Halbinsel, Salankaua, gebildet, hinter der sich südlich noch
eine zweite Bucht zeigte. Das flache Uferland hat übrigens nirgends
bedeutende Ausdehnung, sondern steigt bald zu Hügeln an, welche aus
gehobenem Korallfels oder Kalkstein überhaupt bestehen und deutlich
terrassenförmige Bildung erkennen lassen. Wie im eigentlichen
Terrassenlande sind auch diese Erhebungen mit schwarzer Erde und
Büschelgras bedeckt, das je höher nach oben, um so feiner wird.
»Ja, hier müßten Pferde, noch besser Esel oder Maultiere, trefflich
leben und sich mit solchen überall leicht hinkommen lassen können!
Und wie wäre es mit Zebus, den leichtfüßigen, leicht zu ernährenden
Zwerg-Zebus, die ich von Ceylon her kannte? Ja, die wären noch
besser und billiger; hier!« -- »Hier wird nicht in Zukunftsmusik
gemacht, sondern aufs Meer geschaut«, unterbrach der mich begleitende
Eingeborene meine Reflexionen, nicht mit Worten, sondern Pantomimen,
indem er mit der Hand aufs Meer hinauswies. Und richtig: ein kleines
schwarzes Pünktchen mit Rauch; kein Zweifel, unsere Kriegsschiffe!
Hurra!

Selbstredend eilten wir so schnell als möglich den Berg hinab an Bord,
und bald dampfte die Samoa mit 150 Schraubendrehungen in der Minute
in See, als gälte es die Konkurrenz von Bugsierdampfern zu schlagen.
Die »Hyäne« kam übrigens allein, denn eine Menge Fieberfälle hatten es
Kommandant Schering rätlich erscheinen lassen, Friedrich-Wilhelms-Hafen
wie Neu-Guinea überhaupt möglichst rasch wieder zu verlassen und nach
Mioko zurückzukehren. Von hier setzte die Elisabeth, an deren Bord sich
allein etliche vierzig Kadetten befanden, die Reise nach Japan fort.

Kapt.-Lt. Langemack, der uns Kapitän Dallmann wieder mitbrachte,
war natürlich über den funkelnagelneuen Hafen sehr erfreut, denn er
brauchte gerade einen solchen, um Feuerholz zu schlagen, da seine
Kohlen sehr auf die Neige gingen. Nun, Holz gab es ja, Gott sei Dank,
in Hülle und Fülle und umsonst! Gleich auf der Halbinsel gegenüber
dem Ankerplatz der »Hyäne« lagen bereits einige alte Waldriesen am
Boden, die nur zersägt und zerhauen zu werden brauchten. Aber mit
etlichen Kappbeilen läßt sich nicht viel schaffen, und anderes hatte
S. M. Kanonenboot nicht an Bord. Glücklicherweise konnte die Samoa mit
schweren amerikanischen Äxten und großen Sägen aushelfen, und bald
ging es an ein fröhliches Baumfällen und Holzspalten, wobei sich »all
hands«, auch die Herren Offiziere beteiligten, daß es eine Lust und
Freude war.

Da hatten die biederen Eingeborenen, nachdem sie sich über den ersten
Schreck des großen neuen Schiffes und die vielen weißen Menschen
beruhigt, wieder etwas zu sehen und wohl noch nie eine so bewegte
Zeit als diese erlebt; fast wußten sie nicht, wo zuerst anfangen.
Und nun gar, als eine stattliche Abteilung Matrosen in Waffen auf
der Flaggenhalbinsel, dem sonst so stillen Moru, landete und die
Feierlichkeit des Aufhissens der deutschen Reichsflagge stattfand
(27. November), wozu ich schon die vorgehenden Tage eingeladen
hatte. »Nur ruhig, Kinder! es geschieht euch ja nichts! recht so!
immer ran und hiergeblieben!« Und sie blieben, bis das Kommando zum
Aufpflanzen der Seitengewehre gegeben wurde. Das konnten sie nicht
vertragen und es kostete mir viele Mühe wenigstens die Beherzteren
wieder zusammenzubringen, da setzte der Hornist sein Instrument an
den Mund, ein »teterädä«! und weg waren meine Helden wie weggeblasen.
Ja freilich, ich habe Eingeborene auch vor dem ausgespreizten Stativ
mit der Camera obscura ausreißen sehen! Und die Furcht der hiesigen
Eingeborenen war um so erklärlicher, da sie wohl kaum vor uns einen
Weißen bei sich gesehen hatten. Wenigstens fand ich nie nur eine
Glasperle bei ihnen, wie außerdem nur in dem einen erwähnten Falle in
Huon-Golf. Diese Glasperlen waren jedenfalls nicht durch Labourtrader
hierher gelangt, welche jene ungangbaren Sorten wohl nie führen.
Denn auch in dieser Richtung herrscht bei den Eingeborenen ein sehr
verschiedener Geschmack, und oftmals finden solche Sorten, welche wir
für die besten und teuersten halten, bei den guten Naturkindern gar
keinen Beifall.

Ja, Naturkinder! und zwar solche der besten Sorte, die noch unbeleckt
von der Civilisation, ja ungewohnt des weißen Mannes, dennoch in
kürzester Zeit gelernt haben, mit ihm umzugehen, zu feilschen, zu
schachern, aber nicht für ihn zu arbeiten, als solche zeigten sich die
Bewohner von Finschhafen damals voll und ganz. Der Verkehr mit ihnen
war also nicht schwer, denn sie begriffen leicht, wo sie begreifen
wollten, und wurden bald so zutraulich, daß sie uns in ihren Dörfern
nach und nach das schöne Geschlecht zeigten, weil dabei doch stets
einige Glasperlen (Gemgem) und andere Kleinigkeiten abfielen. Denn
»Nehmen ist seliger als Geben« scheint auch dem Kanaker in der Schule
des Naturmenschen die eigentliche Lebensweisheit; ein Spruch, der
sich ja wie ein roter Faden durch das ganze Kanakertum der Menschheit
zieht, wie das Nehmen überhaupt. »Fehlt Ihnen vielleicht eine Ölkanne?«
fragte ich den Maschinisten, als ich eine solche auf dem breiten
Schnabel eines längsseit liegenden Kanus stehen sah. »Nee! -- ja doch!
der Kerl hat sie gestohlen!« lautete die Antwort. »Gott bewahre! nur
mitgenommen, vermutlich als Andenken, denn wäre dieser Sohn der Natur
ein bewußter Dieb, er würde das Corpus delicti doch nicht so offen
hinstellen«. Natürlich langte der freundliche Mann die Ölkanne gleich
wieder herauf mit einer Miene, als wenn er sagen wollte: »Entschuldigen
Sie gütigst! Ich wußte nicht, was das Ding war und erlaubte mir nur,
es etwas näher ansehen«! Noch ein anderer Fall. Ich vermißte eines
schönen Morgens mein Etui mit Bleistiften. Natürlich konnte es ja nur
gestohlen worden sein und zwar am Abend zuvor in dem Dorfe Ssuam,
wo ich unter der andächtigen Zusicht der Bewohner skizziert hatte.
Als nun all die Kanus der Ssuamiten mit Anbruch des Tages versammelt
waren, da sprach ich zu dem Volke: -- »Ja, konnten Sie denn in den paar
Tagen schon mit ihnen sprechen«? Natürlich! ich hatte bereits an 150
Wörter aufgeschrieben, und das bedeutet für eine Kanakersprache, in
welcher man mit 350 bis 400 Wörtern schon einen Roman schreiben kann,
immerhin etwas, und dann wo bliebe das Volapük, die Zeichensprache?
Also das macht man so: man zeigt einen Bleistift und einen Finger; dann
fünf Bleistifte und fünf Finger; öffnet und schließt im Geiste ein
Kästchen, ganz wie es die Leute gestern gesehen hatten. Dann deutet
man an, daß dieses Kästchen mit den fünf Bleistiften verschwunden sei,
und sieht dabei einen recht scharf an, der wieder zurückblickt, als
wollte er sagen: »Ich? nein, ich habe es nicht!« Das geht nun so die
Reihe herum; Keiner hat es. Also das Kästchen muß im Dorf sein. »Er
wird es irgendwo haben stehen lassen«, denken die Leute und zischeln
miteinander; »sie werden sich untereinander verraten«, denke ich;
und schon gehen ein paar Kanus nach dem Dorfe ab. Aber sie kommen
mit leeren Händen zurück, deuten an, daß ein fremder Besucher das
Ding mitgenommen haben müsse, denn bei ihnen sei es nicht, und alle
scheinen sehr bestürzt über den Fall. »Heuchelei!« denke ich wieder,
unter Meditationen über die Erbsünde, -- da finde ich das Kästchen
zufällig unter ein paar Büchern in der Kajüte, wohin es verlegt worden
war. Ja, ja! Jedenfalls wissen diese Menschen recht gut, daß Stehlen
immerhin unrecht ist, aber sie besitzen darin noch längst nicht das
Raffinement des Weißen und lernten dasselbe erst. Denn Menschen bleiben
Menschen und sind sich überall im großen und ganzen gleich. Jedenfalls
haben diese Naturkinder so gut ihre Licht- und Schattenseiten, wie
wir, doch merkt man von beidem weniger. Aber was diese Menschen vor
allem so vorteilhaft auszeichnet ist ihre große Moral, wie ich dies
bei allen noch unberührten Völkern gefunden habe. So kennen sie z. B.
nichts von Trunkenheit und jenen bösen Krankheiten, welche unter
anderem Cook als erstes, leider bleibendes Geschenk der Civilisation
den guten Hawaiiern mitbrachte. Leidenschaftsloser als wir, sind sie
auch glücklicher, das ist gar kein Zweifel, und ich muß immer über das
Bedauern der civilisierten Welt lächeln, welche alle Menschen durch
unsere Civilisation glücklich zu machen meint. Das geht eben nicht
überall; am wenigsten können diese Naturmenschen mit einem Satze in die
Civilisation, und dankbar für die Wohlthaten derselben, hineinspringen,
wie man dies so häufig erwartet. Freilich den Tand des weißen Mannes
nehmen sie gern, besonders das ihnen neue und so nützliche Eisen, aber
das ist auch alles. Daß der weiße Mann, sofern er die Eingeborenen
gut behandelt, gern gesehen ist, daß man ihm willig einen Platz zur
Ansiedelung verkauft, um ihn festzuhalten, ist ja sehr erklärlich.
Deshalb sind einzelne Missionäre und Händler die willkommensten und
begehrtesten Fremden und werden in weit aus den meisten Fällen gut
behandelt. Sie inkommodieren die Eingeborenen nicht, bringen stets
etwas ein, und deshalb ist der »Schrei nach dem Evangelium« ein oft
so lebhafter. Das bißchen Kirchegehen lernt sich bald, da braucht man
nichts zu thun; und dazu ist der Kanaker stets bereit, denn so sehr
pressiert ist er ja nie in seiner Zeit. Ganz anders verhält sich aber
die Sache, wenn es sich um Arbeit handelt. Freilich, im Anfang da
hilft der Eingeborene stets gern, freiwillig, fast ohne Entgelt. Es
macht ihm Spaß mit neuen Werkzeugen zu hantieren, und alles arbeitet
plötzlich mit einem Eifer, der leider nur zu schnell verfliegt. Bald
verlangt der Eingeborene Bezahlung, wobei er auch gern auf Akkordarbeit
eingeht, aber auch diese Periode geht rasch vorüber. Und warum? Hat
nicht der Kanaker inzwischen an der Arbeit und dem daraus erzielten
Gewinn Vergnügen gefunden, ist es ihm nicht zum Bedürfnis geworden?
I Gott bewahre! Er hat eben bereits leere Bierflaschen, Glasperlen,
Messer, Beile und dergleichen genug, und weiß sie selbst in dem engen
Kreis seines Verkehrs nicht mehr unterzubringen, wozu sollte er mehr
zusammenscharren? Fehlt es ihm doch eben an Bedürfnissen, und ehe
sich nicht solche herausbilden, ist an ein Handinhandarbeiten des
schwarzen und weißen Mannes in jenen Gegenden nicht zu denken. Auch
das Gefühl der größeren Sicherheit unter den Fittichen des Weißen,
mit seinen Schießgewehren und anderen energischen Waffen wird wohl
nur in seltenen Ausnahmefällen ein Argument von Bedeutung für den
Kanaker sein. Denn jede kleine Gemeinschaft derselben ist sich selbst
genug, um ihr Besitztum wie die Vorfahren zu verteidigen -- oder sie
verändert eben den Wohnplatz. Und dann scheint ihnen so ein bißchen
Kriegführen auch Spaß zu machen, ja, wie bei uns mangelt es auch ohne
Zeitungen nicht an alarmierenden Nachrichten, und wie bei uns, kann es
täglich losgehen. Freilich handelt es sich nicht um große Kriege, wobei
Tausende ihr Leben einbüßen, wie bei uns, sondern nur um kleine Fehden,
am liebsten Überfälle, wobei auf leichte Weise ein paar Menschen,
ganz gleich ob Frauen oder Kinder, erschlagen werden. Denn das macht
den Papua zum Mann, zum Krieger, und dieser regiert die Welt. Warum
sollte es nicht auch im Kanakertum so ein bißchen Chauvinismus geben?
sind die Leute doch so gut Menschen als wir, wenn es auch bei ihnen
im großen und ganzen bei weitem friedlicher hergeht als bei uns. Denn
auch Kanaker können nur im Frieden gedeihen oder sich wenigstens dann
in einer gewissen Stärke erhalten und sind daher mehr friedliebend als
kriegerisch. So leben sie, der Mehrzahl nach, ein stilles, ruhiges
Völkchen, nach der Weise ihrer Väter, fleißig im Feld wie Handel,
soweit es ihre Verhältnisse erheischen. Und diese bedingen wohl stets
eine mäßige, unter Umständen vielleicht sogar angestrengte Thätigkeit,
aber niemals das, was wir unter Arbeit verstehen. Der Kanaker, welcher
noch nie einen Menschen vom frühen Morgen bis zur späten Abendstunde
fast unausgesetzt arbeiten sah, wird einen solchen als Sklaven
höchstens bemitleiden, -- bewundern und ihm nacheifern nie! Wozu auch?
Dazu ist er von seiner frühesten Jugend an viel zu sehr diejenige
persönliche Freiheit gewöhnt, die ihn schon zeitig selbständig machte
und auf eigenen Füßen stehen lehrte, und die für den Naturmenschen
ein Gut ist, dessen Wert wir ebensowenig kennen, als er unseren
rastlosen, nie ermüdenden Fleiß zu schätzen und würdigen versteht.
»So wird sich also aus dem jetzigen Eingeborenen nie ein brauchbarer
Mensch in unserem Sinne erziehen lassen?« Ja, wer das beantworten
könnte? Erziehen vielleicht wohl, aber nur in der Jugend, und welche
Zeit wird darüber hingehen! Denn selbst die redlichen und aufopfernden
Arbeiten der Mission haben in jenen Gebieten nicht entfernt den Wandel
geschafft, den man mit Recht gerade von diesem segensreichen Institut
erwarten durfte. Darüber kann, trotz aller gegenteiligen Behauptungen,
kein Zweifel[50] herrschen, am allerwenigsten bei denen, welche
die Verhältnisse eingehender kennen zu lernen Gelegenheit hatten.
Wirkliche Arbeiterschulen werden statt des nutzlosen sogenannten
Schulunterrichtes jedenfalls besser wirken, aber auch hier stellen sich
eine Menge Hindernisse entgegen, deren Erörterung mich hier zu weit
führen würde.

Ja, so sehr sich auch die Eingeborenen über uns freuten und zum
Bleiben aufforderten, mit ihrer alten Gemütlichkeit ging es zu Ende,
sobald erst unser Nachschub dauernd hier Fuß gefaßt hatte, das war
mir schon damals klar; aber das ist einmal so der Welt Lauf. Überall
muß der sogenannte Naturmensch sich der Civilisation unterordnen oder
derselben weichen, wenn ihm das erstere, wie dies fast ausnahmslos
der Fall ist, nicht möglich ist. Deswegen braucht es noch nicht zu
blutigen Kämpfen und einem Vernichtungskriege zu kommen, wenn auch
kleine Reibereien stattfinden mögen, denn in diesem Lande ist noch gar
viel Raum für Menschen. Wenn daher den eigentlichen Besitzern die neuen
Eindringlinge unbequem zu werden anfangen, da giebt es ein einfaches
Mittel, welches die Papuas Neu-Guineas gar wohl kennen und anwenden:
auszuwandern! Sie gehen mit Sack und Pack, Kind und Kegel weiter inland
oder in ihren Kanus nach einem anderen passenden Platze der Küste
und die Sache ist zu beiderseitiger Befriedigung erledigt. Um große
Völkerwanderungen handelt es sich ja dabei nicht, denn was bedeutet die
ganze Bewohnerschaft eines Gebietes wie das von Finschhafen, obwohl es
mit zu den besser bevölkerten in Neu-Guinea gehört.

Die unmittelbare Umgebung zeigte nur wenige kleine Siedelungen von zwei
bis sechs Häusern, und die Eingeborenen wußten mir überhaupt nur etwa
ein Dutzend Namen aufzuzählen, womit ihre Ortskenntnis erschöpft war.
Das Hauptbevölkerungs-Centrum bildete offenbar das schon erwähnte Dorf
Ssuam, außerhalb des eigentlichen Hafens am nordwestlichen Eingange der
Buchtung im Dickicht des Urwaldes versteckt. Es mochte an 25 Häuser
zählen, und ihre Bewohner waren jedenfalls in diesem ganzen Gebiete
am dominierendsten. Aber weiter nach Nordwesten sollen noch zwei
Buchtungen mit je einer Flußmündung und ansehnlichem Dorfe vorhanden
sein, mit deren Bewohnern die Ssuamiten trotz der unbedeutenden
Entfernung in Fehde zu leben schienen, wie dies so häufig vorkommt.

[Illustration: Haus mit Grab.]

[Illustration: Haus (Rückseite).]

Die Häuser sind im ganzen recht stattliche Pfahlbauten und ähneln so
ziemlich denen der Motu an der Südostküste, nur daß sie durchgehends
viel sorgfältiger und mit Wänden aus Brettern erbaut sind, wie dies
z. B. meine Abbildung (S. 180) zeigt. Nicht selten sind diese Bretter
mit Malerei verziert, rühren aber dann von Kanu-Seitenborden her, die
so gern zu diesem Zwecke benutzt werden. Ein besonders großes Haus,
welches meinem Freunde dem Häuptling Makiri in Ssuam, einem alten
würdigen Greise, gehörte, stellen meine Abbildungen und zwar von der
Vorder- und Rückfront (S. 174) dar, den Grundplan des Hauses giebt der
Atlas (T. II, 3). An der Rückseite ist die nur für Papuas praktikable
Stiege, aus einem mit Kerben versehenen Baumstamme, bemerkenswert,
welche zum ersten Stockwerk dieses soliden und in seiner Art einzigen
Bauwerkes führt. Die Seitenwände bestehen aus Mattenflechtwerk von
Kokospalmblatt und lassen sich in praktischer Weise je nach dem Wetter
leicht versetzen oder ganz entfernen. Eine besondere Zier im hiesigen
Baustil sind die langen, vom Dachrande herabhängenden Franzen aus
zerschlissener Pflanzenfaser. Schnitzereien waren übrigens an dem
Hause nicht angebracht, das offenbar als Versammlungslokal der Männer,
im oberen Stockwerk als Schlafraum für die jungen Leute diente.
Übrigens fehlten die freistehenden Plattformen, wie ich dieselben
von Port Konstantin beschrieb, und die dort Barla heißen, auch hier
nicht. Auch etwas dem Telum Mul von Bongu Äquivalentes war in Ssuam
vorhanden und erregte meine vollste Bewunderung. Es waren dies zwei
weit übermannshohe menschliche Figuren, und mußten schon deshalb ein
besonderes Interesse erregen, weil sie gleich aus den noch in der Erde
wurzelnden Baumstämmen gezimmert waren, Denkmäler der Steinaxtperiode,
wie ich sie weder vor noch nachher zu sehen bekam. Die beigegebenen
Abbildungen werden die beste Vorstellung dieser hochinteressanten
Bildhauereien geben, wobei besonders auf die trefflich gelungene
Darstellung des Krokodils (Oa) auf der Rückseite (S. 176) aufmerksam
gemacht werden muß. An der Basis der Vorderansicht ist der Kopf einer
Eidechse (Monitor) deutlich kennbar. Diese beiden, übrigens so ziemlich
gleichen Figuren wurden »Abumtau Gabiang« genannt und lassen, da
Abumtau »Häuptling« heißt, keinen Zweifel, daß es sich hier nicht im
entferntesten um Götzenbilder, sondern Ahnenfiguren handelt, wie ich
dies schon bei den Telums in Konstantinhafen annahm. Freilich würde
wohl jeder Missionär diese Gabiang für mächtige Idole der »Heiden« und
in Verbindung mit Krokodilkultus u. s. w. gedeutet haben, und es ließe
sich da in der That ein artiges Geschichtchen zusammenreimen.

[Illustration: Gabiang.]

[Illustration: Gabiang (Rückseite).]

Daß, wie fast bei allen Melanesiern, die Ahnen- resp. Totenverehrung
auf einer hohen Stufe steht bekundeten auch die hiesigen Eingeborenen
durch die Art der Gräber. Gleich neben den Bildsäulen (S. 180) sieht
man einen viereckigen Holzrahmen, der mit weißem Sand ausgefüllt ist
und eine Grabstätte bezeichnet. Vielleicht ist es die des berühmten
Häuptling Gabiang, wahrscheinlich eines gewaltigen Helden, dessen
Andenken das Volk der Ssuamiten durch diese bewundernswerten Denkmäler
ehrte. Ein anderes Grab, in der Form eines Miniaturhauses, zeigt
die Abbildung des Hauses (S. 173) rings von einem Zaune aus Steinen
umgeben, innerhalb dem buntblättrige Ziersträucher angepflanzt waren.
Jedenfalls sind Menschen, welche ihren Toten solche Pietät beweisen,
keine Wilde. Aber ich habe manchem großen Kanakerbegräbnis beigewohnt
und will gleich hier einfügen, daß es sich in einem solchen Falle
stets um Vornehme, Reiche handelte. Mit Unbemittelten und Armen macht
man, wie bei uns, nicht viel Federlesens, um sie unter die Erde zu
bringen; deswegen gehen die Dorfbewohner nicht wochenlang mit
geschwärztem Gesicht oder wie es sonst die Trauergebräuche der Papuas
erheischen.

[Illustration:

                                                               (S. 176.)

Im Dorfe Ssuam, Finschhafen.]

Ich fand bei den Bewohnern Finschhafens so ziemlich dieselben
Gegenstände, welche ich schon früher in Huon-Golf, ja selbst
Astrolabe-Bai, gekauft hatte, und von denen sich viele durch
außerordentlich kunstvolle Arbeit und geschmackvolle Ornamentierung
auszeichneten. So u. a. ein Kampfbrustschmuck (T. XXII 6), die breiten,
zum Teil durchbrochen gearbeiteten Armbänder aus gebogenem Schildpatt,
Simassim, (Atl. XIX), die fein eingravierten Armringe aus Trochus
niloticus, Bii, (XVIII 5, und XIX 4), die schwungvoll geschnitzten
hölzernen Kopfkissen, Palim, (Taf. III 1), und länglich-ovalen, mit
einer Art Metall (Graphit oder Mangan) geschwärzten Holzschüsseln, Ssu,
(III 3), alles Dinge, welche außerordentlich mit den in Astrolabe-Bai
üblichen übereinstimmen oder identisch sind. Besonders schön waren
auch die Schnitzereien der Ruder, Holztrommeln, Ong, (XIII 4) und
Doppelhaken zum Aufhängen von Gegenständen über dem Feuer oder im
Hause, letztere zum Teil menschliche Figuren, Buam, (Taf. III 2),
darstellend. Sehr reich sind die verschiedenen Schmuckgegenstände, zu
denen neben Scheiben aus dem Spitzenteil von Conusmuscheln, besonders
kleine Kaurimuscheln, Ssanem, eine Art Cypraea, und Hundezähne das
hauptsächlichste Material bilden. Jabo, d. h. fast kreisrunde Eberhauer
galten auch hier als der kostbarste Schmuck (vergl. Atl. XXI 2).
Neu war mir eine, jedenfalls künstlich, hochgelb gefärbte Grasart,
Ssemu, aus welcher elegante Armbänder, Stirn- und Leibbinden (XXIV
5), zum Teil mit Hundezähnen garniert, geflochten werden, die wenn
neu, wie Goldbrokat leuchten. Als ich am 20. Dezember 1885 die hohe
Ehre hatte unserem erhabenem Kaiserpaar eine Auswahl von Gegenständen
der Eingeborenen Neu-Guineas zu zeigen und zu erläutern, waren die
Allerhöchsten Herrschaften auf das äußerste überrascht[51]. Und in der
That, diese Arbeiten sind staunenswert, und ich freue mich wenigstens
einige derselben im Bilde bringen zu können.

Die Waffen sind die gewöhnlichen und im ganzen schlecht. So kleine
Bogen (Talam) mit Sehne (Teko) von gespaltenem Rotang, und Pfeile
(Sob), ziemlich rohe Speere (Gim) und flache lange Holzkeulen (Ssing).
Aber es gab Schilde von sehr eigentümlicher Form, wie ich dieselben nur
hier gesehen habe. Sie bestehen aus einem konkav gebogenem Stück Holz,
so lang und breit, daß es fast einen Mann zu decken vermag, wie dies am
besten aus der beigegebenen Abbildung eines Kriegers beim Scheinangriff
ersichtlich ist, welche auch die eigentümliche Verzierung in bunter
Malerei andeutet.

[Illustration: Scheinangriff.]

Sehr geschickt sind auch die in bunten Mustern (Atl. X. 2), oft mit
Hundezähnen garnierten, Beutel gestrickt, in welchen verschiedene
Kleinigkeiten aufbewahrt werden, darunter kleine Büchschen aus Bambu
mit einem graulichen Pulver (Da), -- Zahnpulver! Man sieht, daß die
Finschhafener bereits sogar in Toilettenkünsten entwickelt sind, wenn
sie sich auch äußerlich wenig von ihren sonstigen Stammesgenossen
unterscheiden und ebenso schmierig als die ganze Papuagesellschaft
erscheinen. Dazu trägt hauptsächlich eine schmutzige Halsstrickelei
bei, welche die meisten tragen, und der häufig sehr unzureichende
Schamschurz aus Tapa (Opo), die ganz denen von Huon-Golf (Atlas XVI, 4,
5) ähneln. Tapa wird auch zu eigentümlichen Kopfbedeckungen der Männer
benutzt. Der ehrenwerte Herr auf meiner Abbildung mit dem kostbaren
Brustschmuck aus Hundezähnen zeigt eine solche Mütze (Opo), welche
zugleich den Abumtau oder Häuptling bezeichnet. Andere Kappen von
kegelförmiger Gestalt, Parung genannt, werden ganz aus Menschenhaar
hergestellt und ähneln durchaus einer Derwischkappe. In der That, kein
Anthropolog würde auf einem Bazar in Stambul oder Alexandrien einen
Ssuamiten in solcher Kopfbedeckung für einen Papua, sondern ohne allen
Anstand für einen frommen Moslem und Mekkapilger halten. Das bringt
mich auf die äußere Gestalt! Und da will ich nur erwähnen, daß auch
die hiesige Bevölkerung so erheblich individuell abweichend ist, wie
überall in Neu-Guinea. Aber jedenfalls findet sich der negroide Typus
weniger als sonst, dagegen trifft man nicht selten echt semitische
Gesichter, wozu der Bart, welchen die meisten älteren Männer stehen
lassen, nicht wenig beiträgt.

[Illustration: Häuptling von Finschhafen.]

Die Bewohner von Finschhafen scheinen sehr betriebsam, namentlich auch
in der Fischerei, wie die Unmasse gutgearbeiteter Fischhaken (Ing)
beweisen, wovon Tafel IX des Ethnol. Atlas eine ganze Reihe darstellt.
Auch die schönen großen Netze (Uh) und namentlich ihre Kanus (Uang)
sprechen dafür. Letztere sind oft von bedeutender Größe (60 bis 70
Fuß lang), haben zuweilen drei Seitenbretter und zwei Plattformen
übereinander, zwei Maste mit großem viereckigen Mattensegel und sind an
den Schnäbeln reich mit Schnitzerei, an den Seiten mit bunter Malerei
verziert. Sie nähern sich in der Bauart schon mehr den großen Kanus,
wie ich sie später in den d'Entrecasteaux kennen lernte, und die total
von der in Polynesien gebräuchlichen abweicht. Es kann daher gar keine
Rede davon sein, daß die Polynesier die Lehrmeister der Melanesier in
der Schiffsbaukunst waren, wie manchmal von Gelehrten behauptet wird.
Wie so oft bedauerte ich ganz besonders hier, daß es nicht möglich war,
ein solches Kanu nach Berlin schicken zu können, wie mir dies seiner
Zeit mit einem großen seetüchtigen Kanu der Marshall-Inseln gelang. Es
würde am besten zeigen was die unscheinbare Steinaxt in der Hand des
Eingeborenen zu leisten vermag, denn jedermann würde über die technisch
ausgezeichnete Bauart und die Eleganz und stilvolle Ausschmückung
staunen. Wie lange wird es dauern und kein solches mit Steinwerkzeugen
gearbeitetes Kunstwerk wird mehr zu haben sein! Für die Erhaltung
der Werkzeuge selbst ist durch meine Sammlungen gesorgt worden. Die
Steinäxte der hiesigen Eingeborenen (vergl. Atlas I, 4), meist mit
einer Klinge aus einem dioritischen Gestein (Ki) oder Tridacnamuschel
(Gadi) versehen, ähneln am meisten den »Lachela« von Hood-Bai an
der Südostküste, welche sich durch die Drehbarkeit der Klinge
auszeichnen. Die Leute thaten übrigens ziemlich rar mit Steinäxten, um
so begehrlicher aber gegenüber unseren Hobeleisen, die sie ebenfalls
»Ki« nannten und welche, wie überall, bald der gesuchteste Artikel
waren. Ich versprach einem jungen Burschen, unter der Bedingung ihn
zurückzubringen, wenn er mitgehen wolle, ein ganzes Dutzend Äxte (claw
hatchets), konnte ihn trotz dieser enormen Versuchung aber doch nicht
verlocken.

In Besitz so ausgezeichneter Fahrzeuge unternehmen die Finschhafener
auch Handelsreisen und stehen mit Tami oder den Cretininseln, einem
anscheinenden Atoll, in Verbindung, wie wahrscheinlich mit Rook, das
bei unbedecktem Himmel von unserem Ankerplatz aus sichtbar war. Wir
sahen später große Segelkanus, die von Rook-Insel nach Finschhafen zu
standen und wurden dort von den Tamiten selbst besucht. Ja, ja! auch
in so abgelegenen Gegenden wird die Ankunft von Fremden viel schneller
bekannt, als man glauben sollte. Übrigens sind die Entfernungen keine
großen, da Rook nur ca. 40, die Tami-Inseln 15 Meilen von Finschhafen
liegen. Ob in dem Verkehr vielleicht Töpfe als Tauschartikel eine
Rolle spielen, vermochte ich nicht auszumachen. Aber Töpfe sind in
Finschhafen in Gebrauch. Sie zeichnen sich durch die oben weite,
mehr halbkugelige Form (T. IV. 5) aus, ähnlich wie ich sie später in
Teste-Island traf, und sind am Rande mit erhabenen Knötchen verziert.

Wir waren in Ssuam stets gern gesehene Gäste, schon weil wir die
Bewohner von einer Plage befreien halfen, der der Kakadus. Diese Vögel
(Cacatua Triton) thaten den Pflanzungen der Eingeborenen viel Schaden
und verschonten selbst Kokosnüsse nicht. Kokospalmen (Niep) sind
übrigens keineswegs in großer Anzahl vorhanden, wenn auch zwischen
Mitrafels und Astrolabe-Bai das Gebiet von Finschhafen immerhin noch
am reichsten daran ist. Schon bei meinem ersten Besuche war mir die
große Menge verfaulend am Erdboden liegender Kokosnüsse aufgefallen,
durch deren Schalen ein wie mit einem Meißel geschlagenes Loch ging.
Im Dorfe selbst sah ich an den Fruchttrauben der Palmen Stricke
angebracht, deren Zweck ich mir nicht zu erklären vermochte. Bald
sollte ich denselben kennen lernen, denn laut kreischend flogen Kakadus
herbei, die sich an die Nüsse hingen und sich durch das Schütteln mit
dem Bindfaden wenig beirren ließen. Unsere Schüsse öffneten ihnen die
Augen, oder vielmehr verschlossen ihnen dieselben auf immer, sehr
zum Jubel der Eingeborenen, die mit Steinwürfen und Flitzbogen wenig
ausrichten können. Aber Kakadus sind bei den Papuas sehr beliebt
und zwar ihrer gelben Haubenfedern wegen, welche den beliebtesten
Haarschmuck des Mannes bilden. Ich dachte aber, daß diese reizenden
Federn einem eleganten Damenhütchen, mit einem niedlichen Gesicht
darunter, auch nicht übel kleiden müßten, und rettete so verschiedene
aus den Krallen der Papuajungen. Übrigens ist ein Kakadu zum Essen
auch nicht zu verachten, für solche die seit Wochen nur Büchsenfleisch
gegessen haben. Ich rate dann aber die Vögel nur als Suppe verkochen
zu lassen. Delikat! d. h. die Suppe; das Fleisch kann man ruhig einem
Kanaker geben, dessen Zähne besser damit fertig werden.

Das Jagen in diesen Urwäldern ist übrigens nicht so leicht, schon wegen
der bedeutenden Höhe der Bäume, für welche unsere gewöhnlichen Flinten
häufig nicht ausreichen und die deshalb weittragende »chok-bore«
Läufe erfordern. Und selbst für solche sind die Waldriesen oftmals
zu hoch und dicht belaubt. So schoß Kapitän Dallmann bei einer
Gelegenheit dreimal nach demselben Kakadu, traf ihn jedesmal, und
doch flog der Vogel noch weg, um unauffindbar zu verenden. Und das
passiert gar häufig, denn gerade das Auffinden der Beute macht die
größte Mühe und bleibt oft resultatlos. Gut dressierte Hunde nützen,
wie ich aus eigener Erfahrung weiß, wenig und werden in den Tropen
bald unbrauchbar. Unendlich viel besser sind eingeborene Jungen als
Jagdhunde zu gebrauchen und stets bereit den Jäger zu begleiten, wenn
sie die erste Furcht vor dem Knall überwunden haben. Zum Aufspüren
sind sie fast unentbehrlich, denn nur das scharfe, geübte Auge des
Eingeborenen vermag in dem Dickicht die Beute zu erspähen, eine Gabe,
die der Europäer nicht so leicht erlernt. Wie oft hört man nicht
das Gurren einer Taube und bemüht sich vergeblich, ihrer ansichtig
zu werden. Da weiß ein schwarzer Junge stets auszuhelfen. Übrigens
gab es nicht viel zu jagen, auch wenn man dazu Zeit gehabt hätte,
denn Finschhafen ist ein sehr tierarmes Gebiet. Die Vogelwelt machte
sich auch hier besonders in den Arten bemerkbar, welche wir schon
in Friedrich-Wilhelms-Hafen (S. 95) kennen lernten und wie dort war
mir, im Vergleich mit der Südostküste Neu-Guineas, die Spärlichkeit
von Kleinvögeln auffallend. Doch hörte ich den wohlbekannten Ruf des
»Rifle-bird«, einer zu den Paradiesvögeln gehörenden, farbenprächtigen
Ptilorisart, des raketschwänzigen Eisvogels (Tanysiptera), und das
sonderbare Getriller eines anderen Eisvogels (Syma torotoro). Auch ein
alter, lieber Bekannter aus der Heimat ließ sich zuweilen blicken:
der trillernde Wasserläufer (Actitis hypoleucos), der nach Beendigung
seines Brutgeschäftes im hohen Norden hier gemütliche Winterruhe hält
und von mir nicht gestört wurde. Doch was flattert dort schwankenden
Fluges durch das Gelaube? schon greift man an das Gewehr, läßt es
aber gleich wieder sinken, denn es ist nur ein Schmetterling, aber
ein wahrer »mocking bird«, der selbst das geübte Auge momentan zu
täuschen vermag. Freilich übertrifft er in der Flügelbreite, welche an
sechs Zoll beträgt, gar manches Vögelchen, aber er ist auch der größte
Tagfalter, die weit über die Papuaregion verbreitete Ornithoptera
aruensis. Das Männchen gehört dabei mit zu den schönsten Faltern,
während das ansehnlich größere Weibchen unscheinbar schwarz und weiß
gefärbt ist. -- Nach der häufigen Verwendung von Kasuarfedern bei den
Eingeborenen zu urteilen, muß dieser gewaltige Vogel nicht selten sein,
allein er liebt das Dickicht der Wälder, ist sehr scheu und deshalb
nur sehr ausnahmsweise zu sehen. Doch beobachtete ich nicht einmal
die leicht kenntliche Fährte von Kasuaren, häufiger dagegen die von
Wildschweinen. Das war aber auch alles was ich von Säugetieren zu sehen
bekam, denn niemals erblickte ich ein Känguru, die an der Südostküste
doch zu den gewöhnlichen Erscheinungen gehören. Alle übrigen Säugetiere
Neu-Guineas sind ja, mit Ausnahme einiger Flugtiere und Nager,
durchgehends Beuteltiere mit nächtlicher Lebensweise und schon deshalb
nur durch Zufall sichtbar.

»Aber Schlangen, die giebt es wohl in Menge und die sind wohl recht
gefährlich«? Nun! auch diese inkommodieren und erschrecken so wenig
als bei uns, denn man begegnet ihnen nur sehr selten. Abenteuer mit
Riesenschlangen, und reißenden Tieren überhaupt, sind also nicht zu
bestehen, und die Herren Offiziere waren froh, wenn sie mit ein paar
Kakadus, grünen Papageien oder Tauben von der so erwartungsvollen
Tropenjagd zurückkehrten.

Aber einmal erlegten die Herren vom Kriegsschiff sogar ein Krokodil,
das natürlich verloren ging, da diese Saurier regelmäßig im Wasser
untersinken und nur zu erhalten sind, wenn sie am Lande gleich auf der
Stelle tödlich getroffen werden.

Also es gab Krokodile! Das freute mich sehr, als ich mit Steuermann
Sechstroh eine Bootfahrt nach dem Bumi unternahm. So heißt ein hübscher
Gebirgsfluß, der etwas oberhalb Ssuam in eine flache Bucht mündet. Die
Eingeborenen hatten hier sorglicher Weise ein Fischwehr angebracht,
öffneten dasselbe aber in ihrer bekannten freundlichen Manier, und
ein paar der hervorragendsten Abumtaus gaben uns das Geleit. Der
Fluß war anfangs sehr versprechend, mit üppiger Vegetation, darunter
Sagopalmen (Labi), am linken Ufer senkrechte Wände eines bläulichen
Mergels mit zahlreichen recenten Muschelresten. Bald kamen aber
Untiefen, Stromschnellen, über welche wir das Boot in tieferes Wasser
schleppten, bis die fröhliche Gondelei, bei der wir fast mehr das Boot
zu tragen hatten, als das letztere uns, überhaupt das Ende erreichte.
Der Fluß wurde hier, von beiden Seiten durch steile Felswände mit
üppigem Baumwuchs eingeengt, zum völligen Gebirgswasser, in welchem wir
noch ein gutes Stück watend vorwärts kamen. Kreischende Weiberstimmen
unterbrachen das angenehme Murmeln bei der sonst so wohlthuenden
Stille. Wir hatten um eine Ecke biegend eine Schar arglos fischender
Mädchen aufgescheucht, die nun wie die Gemsen an den Felswänden
emporkletterten und ihre Fischhamen eiligst im Stiche ließen. Leider
enthielten sie keine Tafelfische, sondern nur wissenschaftliche
Ausbeute, ein paar kaum fingerlange Gobius-artige Fischchen mit
Kehlsaugapparat, ähnlich wie ich sie in den Gebirgswässern Mauis
erhalten hatte. Ja, der paar Fischelchen wegen brauchte sich kein
Krokodil hier herauf zu bemühen, und so verzichtete ich abermals auf
die Beute, wie der Fuchs auf die Trauben. Da war es in Konstantinhafen
noch besser gewesen! Da lag ich einmal mit dem Boot gerade über einem
solchen Ungetüm, wohl zehn Fuß lang, dessen Umrisse ich deutlich
unterscheiden konnte. Ins Wasser kann man wohl schießen, aber mit dem
Treffen ist es dann so eine eigene Sache. So hieß es denn abwarten;
das brave Tier schien den Fall in demselben Lichte zu betrachten und
zu denken: »ich hab' Zeit! Dor! Dor ligt de Donnerslag!« sagte der
Matrose, welcher mein Boot ruderte! »Ja! Man stille, stille! ich
sehe ihm ja!« Und wir warten wieder -- das Krokodil unten behaglich
im Wasser, wir in der glühenden Sonnenhitze! Da, plötzlich: »Dor
geit he hen«, eine mächtige Wolke Schlamm trübte das Wasser, und
Roß und Reiter sah man niemals wieder! Das ist eine Krokodiljagd in
Wirklichkeit, nicht wie sie gewöhnlich beschrieben wird. In Neu-Guinea
und Neu-Britannien giebt es, wenigstens nach meinen Erfahrungen,
herzlich wenig Krokodile, das darf ich jeden versichern, und das ist
ja im ganzen kein Fehler. Freilich Herr Powell beschreibt Flüsse in
Neu-Britannien, in welchen es von Krokodilen förmlich wimmelt[52],
große, mittlere, kleine; man brauchte sie sich nur auszusuchen.
Wahrscheinlich hielten die Tiere gerade Volkszählung und alle Krokodile
von Blanche-Bai bis Kap Glocester waren hier zur Kontrollversammlung.
Aber Herr Powell sah auch »fischende« Kasuare, und »fliegenschnappende«
Krokodile!?

Die Zeit unseres Abschiedes nahte, sehr zum Bedauern der Eingeborenen,
deren Häupter natürlich Andenken erhielten, darunter mein alter braver
Freund Makiri ein äußerst ungewöhnliches, wie ich es noch nie einem
Freunde gab, noch geben konnte. In einer Ecke der Kajüte besaßen wir
ein Seltzogen, d. h. einen jener bekannten Apparate, in welchen man
künstliche kohlensaure Wasser bereitet. -- »Und den bekam der Wilde?«
wird vielleicht mancher Leser denken. Natürlich nicht, sondern nur
einen Teil desselben. Die Sache war nämlich so gekommen. Wir hatten
an Bord einen schwarzen Burschen, einen schneidigen Jungen, der den
weißen Mann und seine Finessen aus dem Grunde kannte. Er verstand
einen Riemen zu ziehen, Gewehre und Tischgerät zu putzen, aß bereits
Schiffsbrot, noch lieber eingemachte Früchte oder Sardinen in Öl,
woran sich alle Kanaker so schnell gewöhnen, mit einem Wort, er war
ein sehr gebildeter junger Mann. Sogar einen Selterswasser-Apparat
wußte er kunstgerecht zu füllen. »Oh! me sabi! that fellow white paura
likelike, that other fellow mangero!« (O, ich weiß, von diesem weißen
Pulver wenig, von dem andern viel). Richtig, er hatte die Sache los,
nicht wahr, was nicht so ein Kanaker alles lernt! Das Kohlensaure, in
den Tropen eine wahre Erquickung, war also bald fertig und sollte eben
probiert werden. Da, auf einmal ein Krach, als ginge eine kleine Kanone
los! Ich dachte natürlich zunächst an den Kessel, aber glücklicherweise
so schlimm war es nicht, sondern nur das Seltzogen explodierte. Da lag
die Bescherung! das daumendicke Glas zersprengt und Hunderte feiner
Splitterchen überall ins Holzwerk geflogen. Das mußte ein wahres
Sprühfeuer von Glassplittern gewesen sein, denn die Kajüte war ja nicht
groß (8 Fuß bei 5) und wirklich ein Glück, daß sich gerade niemand in
derselben aufhielt. »Boy! you look« Knabe, betrachte dies!? -- »Aipua!
me make that fellow mangero mangero good! that fellow bottle not all
same strong paura« (O weh! ich habe es zu gut gemacht; die Flasche war
nicht so stark als das Pulver). Da hatte er ebenfalls recht, und wir
waren beide um eine Erfahrung reicher; er, daß es auch weißes »Paura«
(= Powder, Schießpulver) giebt, welches im Wasser »bum« macht; ich, daß
man niemals einem Schwarzen einen Selterswasser-Apparat ansetzen lassen
soll.

Mit dem Kohlensauren war es nun aus, und nur das hohe birnförmige
Drahtgeflecht übrig, das mit rotem Zeug umwunden in der That eine
aparte Kopfbedeckung bildete, welche meinen Freund Makiri mit Stolz
und Freude erfüllte. Gut, daß wir übrigens bald darauf weggingen, denn
jeder Abumtau wollte jetzt eine solche Mitra haben. Dieser Vorfall
erinnert mich übrigens an eine andere ähnliche Geschichte aus meinem
Südseeleben, die noch komischer ist und deshalb hier mitgeteilt
werden mag. Aber ich schweife da wieder ab --! »Schadet nichts, nur
zu!« »Nun Sie wollen es! also gut!« Als ich im Jahre 1880 auf Jaluit
in der Marshallgruppe weilte, war für Lebon Kabua, den damaligen
»Oberhäuptling und Herrn von Radak und Ralik« ein Herrscherornat von
Hamburg eingetroffen, Theatergarderobe, unter welcher sogar die
Krone nicht fehlte. Der vergoldete, reich mit Glassteinen besetzte,
zackige Reif imponierte dem guten Kabua freilich nicht wenig. Aber er
sollte ihn, wie die ganze königliche Gewandung bezahlen, und da hieß
es natürlich gleich: »i bane! edschilok dala ao!« (ich kann nicht!
kein Geld mein). Krone, Scepter und Purpur lagen nun daher, bis sich
ein passender »King« finden würde, an welchen ja in diesen Regionen
kein Mangel ist. Und er kam. Eines schönen Tages brachte ein deutscher
Dampfer gar wunderliche fremde Gesellen, dunkel, mit Krausköpfen,
ja, die mußten ja weit her sein aus dem Morgenlande. Nein, aus dem
Abendlande, denn sie kamen mehr aus West, da wo von Jaluit aus die
Sonne untergeht, aus Neu-Irland. Darunter war nun auch ein König, ein
wirklicher Mohrenkönig, den ersten, welchen ich sah. Freilich brachte
er weder Gold, Weihrauch noch Myrrhen, sondern nur seine eigene Haut,
die wie bei dem Mohrenkönige jenes Märchens, mit dem unsichtbaren, aus
nichts gewebten Stoffe umhüllt war, wodurch sich dem blöden Auge des
gewöhnlichen Sterblichen also jedes vom Ringwurm abgenagte Fleckchen
deutlich zeigte. In der That gerade keine sonderlich königliche
Auszeichnung, welcher seine beiden Begleiter sich auch erfreuten,
denn Ringwurm und Schuppenkrankheit sind ja Nationaleigentum der
ganzen braunen und schwarzen Südseegesellschaft. Um nun Majestät
von den Ministern einigermaßen auszuzeichnen, damit sie nicht immer
verwechselt wurden, bekam nun der König die Krone, natürlich als
Geschenk, vielleicht nur leihweis, denn womit hätte er bezahlen wollen?
König und Krone waren unzertrennlich wie beim Kartenkönig, und es sah
urkomisch aus, die lange hagere Gestalt in vollständiger Nacktheit mit
dem funkelnden Kopfschmuck umherwandeln zu sehen. Selten ist wohl eine
Krone soviel gebraucht, fast möchte ich sagen strapaziert worden als
diese, denn die schwarze Majestät behielt sie auch auf, wenn sie sich
schlafen legte. Freilich wäre ihm der Purpurmantel weit praktischer,
jedenfalls viel lieber gewesen, aber er mochte denken: Na! eine
geschenkte Krone ist auch nicht ohne!

Wir verließen Finschhafen an demselben Morgen wie die »Hyäne«, welche
südlich ging, um die Bucht hinter Finschhafen zu untersuchen, die
ich schon vom Berge aus gesehen hatte. Sie erwies sich später als
praktikabel und erhielt den Namen »Langemack-Bucht«. Wir gingen bis Kap
Cretin, sechs durch Riff verbundene Inseln, die immer der Untersuchung
wert erschienen, aber nur vorgemerkt werden konnten. Dann dampften wir
nordwärts bis Long-Insel, an deren Ostseite wir entlang gingen. Sie
zeigt einen ähnlichen Charakter, wie Dampier, ist durchaus vulkanisch
mit mehreren erloschenen Vulkanen, von deren drei hervorragendsten
Kegeln zunächst Coriz-Pik vor uns lag. Er mag an 4000 Fuß hoch sein
und ist wie die übrigen Berge dichtbewaldet. Gegenüber Coriz-Pik
an der Nordostseite liegt der etwas niedrigere Berg Réaumur, aber
Findlay (Pacific Directory S. 931) irrt, wenn er sagt, beide Berge
seien durch ein tiefes Thal getrennt. Die ganze Insel ist vorzugsweise
bergig, mit sehr wenig flachem Land und nur mäßigen Schluchten oder
Thälern durchzogen. Die Küste erschien sowenig versprechend als
das Land selbst, das sich übrigens leichter zur Kultivation eignen
dürfte wie Dampier-Insel, da es nicht so dichten Urwald, sondern mehr
mit Gestrüpp bedeckte Striche zeigt. Das Ufer war meist ein nicht
sehr hohes felsiges Steilufer, zuweilen etwas abfallend und sanfte
Buchtungen bildend, die wohl aber kaum als Hafen brauchbar sein
dürften, wenigstens nicht an der Ostküste, die wir befuhren. Nirgends
waren Plantagen bemerkbar, aber in der zweiten Buchtung bemerkte ich
einen gelben Baum und etliche Kokospalmen, die einzigen, welche wir auf
der ganzen Insel sahen. Und -- »da sind sie ja die schwarzen Kunden!«
sagte der Steuermann. Wirklich ein Segelkanu mit acht Insassen kam
langsam aus der Bucht heraus, aber noch längst nicht nahe heran. Da
hatten die Lungen unserer Mioko-Schwarzen wieder Arbeit. »Good ship
that fellow! plenty kaikai! (Essen), plenty tobacco! plenty papine!
(Mädchen) plenty lavalava (Lendentücher)! Kjap (Kapitän) very good!
uti! alut! alut! aijap! (kommt! schnell, schnell)!«, wie sie es an
Bord von Arbeiterwerbeschiffen, welche sie begleitet hatten, gewohnt
waren. Nur daß diesmal das »me kulia men« (wir kaufen Leute) wegfiel,
denn damit hatte sich die Samoa glücklicherweise nicht zu befassen.
Das machte freilich auf die Long-Insulaner keinen Eindruck, denn sie
verstanden von dieser Sprache soviel wie wir von der ihren: nichts.
Und damit kamen wir, als sich das Kanu endlich längsseit gewagt hatte,
auch ganz trefflich aus. Die Leute, übrigens echte Papuas und ganz
wie die Bewohner des Festlandes von Neu-Guinea, waren bescheiden, und
es ließ sich gut mit ihnen schachern. Aber sie hatten nicht viel,
übrigens alles Gegenstände, wie sie in Astrolabe-Bai vorkommen, so
geflochtene Armbänder (XVIII 4), Brustschmuck, (XXII 1, 2) auch die
gleiche Art Bogen und Speere. Als so ziemlich ausverkauft war, gaben
sie den Ausputz ihres Kanus her und schnitten selbst die bemalten
Seitenborde ab. Darunter waren gar merkwürdige Sächelchen: so auf der
Mastspitze ein Triangel mit roh geschnitzten Vögeln, ein sonderbares
Gestell auf dem Ausleger (vergl. Atlas VI 6 und VIII 1, 2) u. s. w.,
alles Gegenstände, die jetzt im Museum für Völkerkunde in Berlin zu
sehen sind, das wohl vorher kein Stück von Long-Island besaß. An
Lebensmitteln wurden nur einige alte Kokosnüsse und etwas Blättertabak
gebracht. Stangentabak schienen die Leute nicht zu kennen, dagegen
Glasperlen und Eisen, das hier mit dem Ausruf »Gari« begrüßt wurde. Im
Eifer des Handelns fiel einem der Männer das eben erstandene Messer
ins Meer. Da konnte man ein betrübtes schwarzes Gesicht sehen, denn
für ein solches Naturkind ist das gar nicht zum Lachen. Nun, ich sehe
gern zufriedene Menschen, da schenkte ich dem Manne ein anderes Messer,
und nun konnte man sich wieder an einem fröhlichen schwarzen Gesichte
freuen. Vermutlich stehe ich noch heute bei den Long-Insulanern in
gutem Andenken; denn wie des Bösen erinnert sich der Schwarze auch
etwas des Guten, und wahrscheinlich erzählt man noch von dem fremden
Schiffe ohne Segel und dem weißen Manne mit dem roten Barte. Muß der
reich gewesen sein! Ja, an Messern hat es mir von meinen Knabenjahren
an nie gemangelt, am allerwenigsten auf der Samoa, die unzählige Gros
an Bord führte.

Von Long-Island standen wir in Sicht der Inseln Lottin, Rook, Tupinier
und Vulcano, nach der Nordküste Neu-Britanniens hinüber, deren an
6000-7000 Fuß hoher Pik bei Kap Glocester nur eine Fortsetzung dieser
vulkanischen Inseln zu sein schien. Denn hier sind eben alle Berge
Vulkane, die wir freilich sämtlich erloschen[53] fanden. In der Nähe
von Lottin hatten wir die seltene Gelegenheit eine Wasserhose zu
beobachten. Sie zeigte sich nicht in der gewöhnlichen Gestalt eines
Geiser, wie sie gewöhnlich abgebildet wird, sondern anfangs wie eine
nicht hoch über dem Wasser schwebende Rauchwolke, aus der plötzlich ein
hoher, schiefer, dunkler Strahl hervorschoß. Dieser Strahl verdünnte
sich nach und nach an der Basis und nahm die Form einer etwas gebogenen
Feder an, bis sich nach und nach das Ganze auflöste. Die Erscheinung
mochte 10 bis 12 Minuten dauern und zeigte sich in einem dicht mit
Regenwolken bedeckten Horizont, hinter dem die Insel eben auftauchte.

Zwischen Kap Gauffre und Kap Raoul liefen wir längs der Küste
Neu-Britanniens nach Osten bis Weberhafen. Sie stimmt in der
Konfiguration wenig mit der Karte überein, die allerdings einen großen
Teil der Küstenlinie nur punktiert zeigt. Ost von Kap Raoul fanden wir
auf eine Strecke von ca. sechs Meilen schönes, offenes Land, das sich
trefflich zu Kulturen eignen dürfte, und das beste scheint, welches
wir in Neu-Britannien überhaupt sahen. Da wir, schon in Rücksicht auf
unsere Kohlen, die Küste nur rekognoszieren konnten, so mußten wir
dies schöne Land diesmal ununtersucht lassen und bis zu einer anderen
Gelegenheit aufsparen. An diesem Teile der Küste sind mehrere kleine
Inseln vorgelagert, die durch Riff verbunden scheinen, doch kamen die
Eingeborenen in ihren Kanus durch die Brandung heraus, das einzigemal,
daß wir mit solchen an dieser Küste in Verkehr traten. Weiter ostwärts
fanden wir das Land weniger versprechend, meist bergig, dichtbewaldet,
wenig oder gar keine Anzeichen von Bevölkerung und dazu zahlreiche
Riffe. Von Willaumez-Insel bis Kap Lambert kamen wir in das zuerst
durch Wilfred Powell zum Teil eingehender beschriebene Gebiet, welches
er im Jahre 1879 oder 1880 mit der Ketch »Star of the East« (15 Tons)
explorierte und (mit nur zwei Eingeborenen) kartographierte. Schon die
Beschreibung seines Kap Campbell, der Ostspitze von Willaumez, stimmte
wenig mit der Wirklichkeit, und vor allem mußte es befremden, auf
seiner Karte »High-Island« verzeichnet zu finden, da dies doch nur der
hohe Pik im Südwesten der Insel Willaumez[54] ist. Andere Punkte ließen
sich überhaupt nicht ausmachen oder waren nicht aufzufinden[55].

Von Weberhafen sprachen wir noch an der Nordwestspitze Neu-Irlands
vor, wo sich Friedrich Schulle seit Mitte des Jahres auf der Insel
Nusa wieder gefestigt hatte und Koprahandel betrieb. Und wer war dazu
besser geeignet als er; hatte er doch früher als Geschäftsführer von
Hernsheim & Co. fast all die Stationen in jenem damals durchaus neuen
und ergiebigen Gebiet errichtet. Als Schulle im Jahre 1881 wegging
bestanden noch ein Dutzend solcher Kopra-Stationen, jetzt gab es nur
noch zwei. Und was war die Ursache dieses Rückganges? Die Labourtrade,
welche hier vorzugsweis von Queensländer Schiffen in rücksichtsloser
Weise betrieben, soviel Unheil angerichtet hatte. Kein Wunder, wenn
die Eingeborenen, wirklich wild geworden, nach Rache dürsteten. Ganz
besonders galt dieselbe einem weißen Händler, einem Deutschen, der noch
mit dem Chandernagor des Marquis des Rays herausgekommen war, und es
sehr profitabel fand Arbeiter an die Werbeschiffe zu besorgen, wobei
es nicht immer sauber hergegangen sein mag. Als der Erwähnte vollends
einen Häuptling erschoß, da war es den Eingeborenen endlich doch zu
viel: sie griffen an, brannten die Station nieder, und er rettete nur
das Leben. Dafür wurden die Eingeborenen später von einem Kriegsschiffe
gestraft, aber der Anstifter -- nun der ging leer aus. So geht es in
der Südsee, und da ließe sich noch gar manches erzählen. Aber diese
gefürchteten Wilden müssen doch wohl nicht so schlimm als ihr Ruf sein!
Friedrich Schulle lieferte den besten Beweis dafür, denn er lebte ganz
allein, nur mit drei Farbigen, unter ihnen und zwar so gemütlich, als
man damals in Neu-Irland überhaupt leben konnte. Und dabei faßte er die
Eingeborenen nicht mit Glacéhandschuhen an, sondern es kam ihm, wenn
notwendig, nicht darauf an Krieg zu erklären und denselben ganz allein
durchzuführen. Freilich mögen sich die Verhältnisse inzwischen wieder
geändert haben, da seitdem durch unsere Kriegsschiffe noch weitere
Strafexpeditionen in jenen Gebieten unternommen wurden.

Wir dampften längs der Westküste von Neu-Irland, die ausnahmslos aus
zum Teil sehr steilen, dichtbewaldeten Hügeln und Bergen besteht, die
wenig versprechend aussehen, da es hier nur äußerst wenig Kokospalmen
giebt, und trafen am 9. Dezember wieder in Mioko ein.

       *       *       *       *       *

Drei Jahre sind bereits verflossen seitdem ich mit der Samoa
Finschhafen entdeckte. Die Idylle, wie sie meine Abbildung (S. 162)
zeigt, ist verschwunden, denn der weiße Mann hat seinen Einzug
gehalten, um sich dauernd hier niederzulassen. Etwa elf Monate (18.
Oktober 1885) nach uns, lief das erste deutsche Segelschiff die Brigg
»Lübken« aus Hamburg mit Vorräten und Kohlen im Finschhafen ein,
fand aber zu ihrem Erstaunen nur die Eingeborenen, denn erst Anfang
November (5.) langten die beiden Dampfer der Neu-Guinea-Kompanie
»Samoa« und »Papua« an, mit einer Anzahl Beamten, malayischen von Java
importierten Arbeitern, und damit konnte erst die eigentliche Gründung
der Niederlassung beginnen. Seitdem sind noch mehr Segelschiffe nach
dem auf allen Seekarten verzeichneten Finschhafen gekommen. Die Dampfer
der Kompanie unterhalten einen regelmäßigen Dienst mit der nächsten
Post- und Telegraphenstation Cooktown in Queensland; Briefe nach
Finschhafen sind dem Weltpostverkehr übergeben. Weitere Beamte und
eine größere Anzahl malayischer Arbeiter haben eine größere Anzahl
Häuser nötig gemacht, darunter das mit allem Komfort ausgestattete
des Landeshauptmanns. Denn Finschhafen ist Sitz der Landesverwaltung,
_die Hauptstadt von Kaiser-Wilhelms-Land und dem Bismarck-Archipel_
geworden. Es giebt hier ein Gericht, Seemannsamt, Standesamt, Postamt,
kurzum alle Institute eines geordneten Staatswesens. Selbstverständlich
fehlen auch Gastwirtschaften, die sich streng an die von der Kompanie
vorgeschriebenen Tarife zu halten haben, nicht. Auf Kap Bredow ist
eine Bake errichtet, die flache Stelle im Hafen durch Bojen markiert
worden. Mit Kulturen und Versuchsplantagen hat man auch in der
benachbarten Langemack-Bucht angefangen, wie Pferde, Rindvieh, Ziegen
und Schafe eingeführt; alles gedeiht trefflich, und was die Hauptsache
ist, auch die klimatischen Verhältnisse sind sehr befriedigend. Der
Boden wird wie der Hafen allgemein gerühmt, kurzum alle Hoffnungen
und Erwartungen, welche ich an diesen Platz knüpfte, sind so ziemlich
erfüllt, zum Teil übertroffen worden, in der That eine Genugthuung,
die mir der schönste Lohn ist für viele ernste und schwere Sorgen
und anstrengende Thätigkeit. Auch die Mission hat ihr Werk begonnen.
Am 12. Juli 1886 traf der lutherische Missionär Johann Flierl ein
und gründete später die Station Simbang in der Langemack-Bucht, dem
seitdem drei Kollegen deutscher Missionsgesellschaften (von Barmen und
Neuendettelsau) folgten.

Und so wollen wir Finschhafen recht von Herzen eine allseitig
glückliche Weiterentwickelung wünschen! »Was ist aber aus den
Eingeborenen geworden? Die helfen wohl tüchtig mit arbeiten?« höre ich
fragen. Nein, die sind der Mehrzahl nach ausgewandert, so z. B. die
Bewohner der Dörfer Ssuam und Kedam in corpore. Hoffentlich werden bald
nützlichere und brauchbarere Menschen ihre Plätze einnehmen: Ansiedler.
Bis jetzt fehlt dieses wichtigste Element der Kolonisation noch ganz;
aber bereits können Leute mit genügenden Mitteln Land pachten, auf
fünf Jahre. Nun da wird hoffentlich bald der Anfang gemacht und damit
erst die eigentliche Kolonie begründet werden. Möge diese Zeit bald
anbrechen!



Sechstes Kapitel.

Englisches Gebiet.

  Geringe Kenntnis Neu-Guineas. -- Schwierigkeiten ins Innere
  vorzudringen -- sind nicht unüberwindlich. -- Armut an
  Naturprodukten -- bis jetzt kein Eldorado. -- Schiffsverkehr
  in Mioko. -- Arbeiterwerben. -- S. M. Kreuzerkorvette »Marie«.
  -- Unfall derselben. -- Auf der Suche nach Steinkohlen. --
  Kriegszustand mit Neu-Irland. -- Port Breton. -- Trauriges Ende
  der französischen Kolonie. -- Reminiscenzen an dieselbe. -- Port
  Praslin. -- Schwierigkeiten zu strafen. -- Englisches Gebiet. --
  Erst durch Moresby erschlossen.


Während der »schwarze Kontinent«, Afrika, in den letzten Jahrzehnten
nach allen Richtungen erfolgreich durchkreuzt wurde, blieb das Innere
seiner östlichen Schwester, der mächtigen schwarzen Insel Neu-Guinea,
so gut als unbetreten, und nur zu Wasser wurden bisher ansehnliche
Distanzen zurückgelegt. So 1876 durch den kühnen Italiener d'Albertis,
welcher den Flyfluß an 450 engl. Meilen weit mit einer Dampfbarkasse
befuhr, und neuerdings auf dem Kaiserin-Augusta-Fluß, über dessen
Entdeckung durch die Samoa ich noch zu berichten habe. Zu Land sind
gegenüber anderen Erdteilen und Inseln nur unbedeutende Vorstöße zu
verzeichnen. In dem am meisten explorierten Gebiete von Port Moresby
an der Südostküste, gelangten unternehmende, meist vom Golddurst
getriebene Pioniere, darunter auch unser Landsmann Karl Hunstein, nur
bis in die Region des Owen-Stanley-Gebirges, in der Luftlinie gemessen,
kaum weiter als 40 engl. Meilen von der Küste. Auf der äußersten
Südostspitze überquerte der Reverend Chalmers die kurze Strecke von
Südkap (Stacey-Island) bis Milne-Bai, während Dr. A. B. Meyer als
der Erste den Isthmus zwischen der Geelvink-Bai und dem Golf von
Mac Cluer kreuzte, jener schmälsten Stelle der ganzen Insel, deren
Breite hier kaum mehr als 5 Seemeilen beträgt. Wir kennen also noch
heut ungefähr nur die Küsten Neu-Guineas, und auch mit der Erforschung
dieser hat es lange genug gedauert, wenn man bedenkt, daß über 360
Jahre seit der Entdeckung Neu-Guineas durch den Portugiesen de Meneses
(1526) verflossen. Man war stets geneigt diese geringen Erfolge den
besonderen Schwierigkeiten, welche gerade Neu-Guinea wegen seines
mörderischen Klimas und seiner wilden blutdürstigen Bevölkerung bieten
sollte, zuzuschreiben, indes sehr mit Unrecht. Das Klima hat sich im
ganzen nicht schlechter als anderwärts in den Tropen erwiesen, und die
gefürchteten Eingeborenen sind auch bei weitem besser als ihr Ruf,
sie haben sich fast überall da, wo sie von dem verderblichen Verkehr
mit Weißen unberührt blieben, als harmlose Menschen gezeigt. Die
Hauptschwierigkeiten eines tieferen Eindringens zu Land liegen weder
im Klima noch den Eingeborenen, sondern ganz wo anders: einfach in dem
Mangel an landeskundigen Führern und ganz besonders Trägern, und sind
noch genau dieselben geblieben als vor 300 Jahren. Die Schuld daran
trägt hauptsächlich die Isoliertheit der Bevölkerung! Die Bewohner
der Küsten, ohne andere Stammeszusammengehörigkeit als der kleinerer
Dorfgemeinden, schon in Entfernung von oft nur wenigen Meilen in ganz
verschiedene Sprachen zersplittert, fast in steter Fehde lebend,
wagen sich über das engbegrenzte Gebiet der ihnen befreundeten Dörfer
nicht hinaus und kennen mit Ausnahme gewisser durch Kanufahrten in
Verkehr stehender Küstenpunkte ihr Heimatsland am wenigsten. Mit dem
Inneren besteht kaum Verbindung, ja es fehlen sehr häufig selbst
Pfade, und da Neu-Guinea vorherrschend dichtbewaldetes Gebirgsland
ist, so ergeben sich schon daraus gewaltige Hindernisse. Wer wie ich
selbst an der Südostküste Neu-Guineas, in bekannten Gegenden, mit
großen Schwierigkeiten kaum 15 M. weit ins Innere gelangen konnte,
wird diese Verhältnisse am besten zu würdigen wissen und sich damit
trösten können, daß selbst besonders begünstigte Reisende, wie
z. B. Chalmers, kaum mehr als noch einmal soweit vordrangen. N. von
Miklucho-Maclay kam während eines fünfzehnmonatlichen Aufenthaltes in
Astrolabe-Bai nicht über das Litoral hinaus. Und warum? Überall die
nämliche alte Geschichte: die Eingeborenen fürchten sich, weiter als
bis zu den nächsten Dörfern, selten mehr als eine Tagereise mitzugehen
und sind als Träger, weil ungewohnt mit dieser Beschäftigung oder zu
faul, wenig wert. Größere Reisen in das Innere werden sich daher nur
mittelst importierten, geschulten Trägerpersonals ausführen lassen und
mit einer Ausrüstung, wie sie bisher keine der vielen Expeditionen
aufzuweisen hatte. Wer über Mittel verfügen könnte, wie seiner Zeit
Stanley in Afrika, dem würde es auch in Neu-Guinea an Erfolg nicht
fehlen, und die Zeit ist hoffentlich nicht fern, wo diese Erfolge
thatsächlich erzielt werden. Ein »Neu-Guinea-Stanley« wird sich schon
finden, wenn erst der »Neu-Guinea-Bennett« da ist, welcher das Geld
dazu hergiebt. Denn das bleibt schließlich die Hauptsache, wenn auch
längst nicht soviel Mittel erforderlich sein würden als bei jener ewig
denkwürdigen Riesentour durch den schwarzen Kontinent. Wie weit selbst
ein Einzelner in Neu-Guinea ungefährdet vorzudringen vermag, das hat
Karl Hunstein am besten bewiesen, der nur von einem Südseefarbigen
begleitet in die Rhododendron-Region des Owen-Stanley[56] gelangte und
hier mehrere Wochen mit Sammeln von Vogelbälgen, darunter herrlichen
neuen Paradiesvogelarten, zubrachte. Freilich gehört dazu ein mit Land
und Leuten so gut bekannter Mann als Hunstein, der unter den ersten
Goldsuchern am weitesten eindrang und mit zu den besten Pionieren
Neu-Guineas zählt. Freilich, die Gebirge, die Gebirge! Sie werden stets
gewaltige Hindernisse bieten, würden aber bereits überwunden worden
sein, wären Schätze zu holen gewesen. Wenn kühne Männer zuerst in die
Wildnis der Felsgebirge und anderer unwirtlichen Gegenden eindrangen,
so fanden sie ihre Anstrengungen durch die Ausbeute an wertvollen
Pelztieren, später Erzen reichlich belohnt, aber Neu-Guinea bietet ja
in der Tierwelt nichts als Paradiesvögel, die trotz ihrer Federpracht
doch nur wissenschaftlichen Wert haben. Der Mangel an lukrativen
Naturprodukten ist es eben, welcher Neu-Guinea so lange verschlossen
hielt, und wir würden ganz anderen Verhältnissen dort begegnen, wenn
der Goldreichtum wirklich gefunden worden wäre, von welchem heut noch
so viele träumen. Namentlich in Queensland wird Neu-Guinea als das
wahre Eldorado betrachtet, und nicht bloß auf das »we know it« des
Reverend Mac Farlane hin, sondern von professionellen Goldgräbern, die
ja im Geiste immer die größten Erwartungen hegen. Nun, die Zeit wird ja
lehren, ob diese bis jetzt nur schwach begründeten Hoffnungen[57] sich
verwirklichen!

Ich hatte selten in einem Südseehafen eine so große Anzahl von Schiffen
gesehen als bei unserer Rückkehr nach Mioko. Vier Fahrzeuge lagen zu
Anker, aber in einer Weise, die selbst dem Laien ungewöhnlich erschien.
Da mußte etwas Besonderes vorgehen, und so verhielt es sich auch. Man
war nämlich beschäftigt ein Schiff zu heben, einen kleinen Kutter von
50 Tons, der infolge von Altersschwäche nicht mehr schwimmen, sondern
absolut sinken wollte. Das geschah denn auch und zwar glücklicherweise
unmittelbar vor der Station, in wenig tiefem Wasser. Es gelang daher
den Trotzkopf zu bändigen und heraufzuholen, der jetzt wahrscheinlich
wieder lustig auf den Wellen tanzt; hatte er doch erst 34 Jahre!
mitgemacht. Eine solche Flotte von Handelsschiffen unter deutscher
Flagge, die damals selbst in Sydney zu den Ausnahmen gehörte, konnte
dem Unkundigen wohl imponieren und ihm Respekt vor dem deutschen
Handel in jenem entlegenen Südseewinkel einflößen. Aber es war nur
ein größeres Schiff aus Deutschland darunter, welches noch viel Kopra
hätte laden können, wenn sie eben vorhanden gewesen wäre; die anderen
Fahrzeuge waren nur kleine Kutter und Schuner von 50-60 Tons. Sie
dienen dazu Kopra von den Küstenplätzen zusammenzuschleppen, was oft
bedeutende Schwierigkeiten hat, zeitweis gar nicht möglich ist, oder
sind im Werbegeschäft thätig, da Mioko das Centraldepot für Samoa ist.
Von hier aus wurden 1883-84 allein aus Neu-Britannien und Neu-Irland
700 angeworbene Arbeiter nach dort verschifft. Der Schuner Ninafou[58]
gehörte zu diesen Werbeschiffen und war eben von einer Reise aus dem
Nordwesten zurückgekehrt, hatte aber im Rekrutieren wenig Glück gehabt.
Zwanzig Eingeborene waren das ganze Resultat einer elfwöchentlichen
Kreuzfahrt, und der Kapitän, welcher für jeden angeworbenen Arbeiter
fünf Dollar Prämie erhält, schien wenig zufrieden damit. Aber die
Verhältnisse haben sich eben überall verschlechtert. Das Rekrutieren
ist immer schwieriger geworden, da die Eingeborenen nicht mehr weg,
und weder nach Queensland noch nach Samoa, gehen wollen, was man
ihnen ja auch im Grunde genommen nicht verdenken kann. Auch die neuen
Ankömmlinge mit der Ninafou, Eingeborene von den Admiralitäts-Inseln,
Hermites und Gott weiß woher, schienen die Bedeutung ein Kreuzchen
auf ein Stück Papier gekritzelt zu haben, welches sie drei Jahre von
ihrer Heimat reißt und zur Arbeit zwingt, erst jetzt einzusehen, denn
von den zwanzig liefen gleich sieben weg. Nun, Mioko ist eine kleine
Insel, da können sie nicht weit kommen und schließlich giebt es ja
auch Handschellen. Das ist freilich ein durchaus neues Gerät für
Eingeborene, welche die ersten Weißen wie das Mädchen aus der Fremde
betrachten, das jedem eine Gabe in Gestalt von Glasperlen, Kaliko
und Tabak mitteilt. Ja, das anscheinend so uneigennützige Schenken
und Hätscheln der Eingeborenen hört gar bald auf, wenn sie erst das
verhängnisvolle Kreuzchen, ihre erste und einzige Schreibprobe,
gemacht, oder wie es in der Werbersprache heißt, »gezeichnet« haben.
Die weiß-schwarze Fraternité hat plötzlich einen Riß bekommen, und
statt des freundlichen »come on, my good fellow« heißt es plötzlich:
»work! you nigger!« Freilich Leute, welche die Südsee nie gesehen
haben, die nur »die Knute der amerikanischen Baumwollenbarone« nach
Tante Stowe kennen, die wissen über solche Verhältnisse am besten zu
schreiben und zu sprechen; die denken nicht an Handschellen und was
sonst Häßliches mit der »Labourtrade« zusammenhängt. Wer aber selbst,
irgendwo in der Südsee, Eingeborene, die rechte Hand an die linke, in
Handschellen paarweis, wie siamesische Zwillinge, aneinander gekettet
umhergehen sah, nicht für einen Tag sondern wochenlang, der wird so
recht an Onkel Toms Hütte erinnert worden sein. Handelte es sich
doch nicht um Verbrecher, sondern nur um Ausreißer oder nach unseren
modernen Begriffen um Leute, die sich ihrem Dienstverhältnis zu
entziehen versuchten, was bei uns ja wohl nur eine Ordnungsstrafe nach
sich ziehen würde.

Die vielen Schiffe, zu denen bald darauf noch S. M. Kreuzerkorvette
Marie, Kommandant Kapitän z. S. Crokisius, einlief, nutzten uns
übrigens in Bezug auf die so nötige Briefbeförderung nichts, und so
blieb nichts anderes übrig, als selbst nach Cooktown, dem nächsten,
ca. 1000 Meilen entfernten, australischen Hafen mit Post- und
Telegraphenverbindung abzudampfen. Die Samoa wurde also so rasch als
möglich seeklar gemacht, und wir begaben uns wieder auf die Reise,
diesmal in hoher Gesellschaft, denn wir liefen mit der Marie zugleich
aus. Im freien Fahrwasser des Georgs-Kanal nahmen wir Abschied, Hüte
und Tücher wurden geschwenkt, die Flaggen senkten sich dreimal zum
Gruß und die »Marie« dampfte Matupi zu, während wir unseren Kiel
nach Süden wendeten. Ein gar herrlicher Anblick so ein stattliches
Kriegsschiff von mehr als 2000 Tons und einer Besatzung von mehr als
zweihundert Mann an Bord! Wie klein und unbedeutend erschien die
»Samoa« neben diesem Riesen! Aber auch einem so stolzen Fahrzeuge
drohen die heimtückischen Bauten der Korallentierchen mit Verderben,
wie die Marie leider zu bald erfahren sollte: kaum eine Woche später
saß sie auf dem Riff bei Nusa an der Nordwestspitze von Neu-Irland.
Eine plötzlich aufspringende schwere Böe hatte das stolze Schiff[59]
gerade beim Passieren der engen Nissel-Durchfahrt, in dem ohnehin
gefährlichen Fahrwasser, auf das Riff getrieben, und nur unter
den größten Anstrengungen gelang es, dasselbe abzubringen und vom
Untergange zu retten. Freilich war es arg beschädigt, der Hintersteven
und das Ruder geknickt und verbogen. Aber alle die Schäden wurden nach
harter zweimonatlicher Arbeit soweit repariert, daß das Schiff die
Reise nach Sydney fortsetzen konnte, eine Leistung unserer Marine, auf
die wir stolz sein dürfen und welche seitens der englischen die vollste
Anerkennung fand.

Ich hatte Nachricht über das Vorkommen eines reichen Kohlenschiefers
in Port Breton an der Südspitze von Neu-Irland erhalten und beschloß
hier vorzusprechen, um mich von der Wahrheit zu überzeugen, an der
ich allerdings starke Zweifel hegte. Aber mir lag die Analyse dieses
Kohlenschiefers von einem Professor in Sydney vor, und jedenfalls
war die Sache umsomehr der Untersuchung wert, als es sich nur um
einen kleinen Abstecher handelte. Wir sollten also den Schauplatz
der Thaten des Marquis de Rays oder vielmehr seiner schwindelhaften
Kolonisationsversuche kennen lernen, da er selbst ja nie dieses Land
der Verheißung betrat. Der Herr Reichskommissar hatte freilich ernste
Bedenken gegen einen Besuch jenes Platzes, wo die Hyäne erst vor
kurzem zu strafen versuchte, denn er fürchtete, wir könnten infolge
dieses Vorfalles von den Eingeborenen überfallen werden. Aber ich
kannte die letzteren doch besser und wußte, daß der Rauch der Samoa
genügen würde, sie schleunigst in die Berge zu jagen. Da war auch
wenig Aussicht den gefürchteten Häuptling »Wallace« zu erwischen,
dessen Inhaftnahme für das deutsche Reich wichtig sein sollte! Denn
wir lebten ja mit Neu-Irland in Krieg, was die wenigsten gewußt haben
werden; hörte ich doch selbst zu erstenmale von dieser bedenklichen
politischen Lage. Aber die Samoa konnte es auch ohne Kanonen mit
ganz Neu-Irland aufnehmen, deswegen brauchte ich mir keine Sorge zu
machen; so dampften wir denn dem Feinde ruhig in den Rachen. Dieser
Teil der Küste Neu-Irlands ist womöglich noch weniger versprechend
als die nordwestliche, welche wir bisher kennen lernten. Nichts als
steile, ziemlich hohe Gebirgsrücken, vom Fuße bis zum Scheitel dicht
bewaldet, zuweilen etwas unterwaschenes Felsufer, selten schmaler
Sandstrand, nirgends Kokospalmen oder andere Anzeichen menschlicher
Siedelungen, das ist der Charakter dieser Küste. Port Breton ist um
kein Haar besser und schlechter als Likelike (Lavinia-Bai), wo ich 1880
die letzten Reste der ersten französischen Expedition antraf. Zwei
unbedeutende Einbuchtungen, von Carteret schon 1767 entdeckt und Irish-
resp. English-Cove benannt, von den Erfindern des »Nouvelle France«
aber in »Baie Française« und »Port St. Joseph« umgetauft, bilden den
sogenannten Hafen Breton. Wir gingen nicht ohne Mühe vor Anker, da
der Grund sehr unklar ist und ein Schiff kaum Raum zu schwingen hat,
so daß es am besten gleich an den Uferbäumen festlegt. Durch die im
Süden vorgelagerte Wallis-Insel (Lombom) wird der Ankerplatz übrigens
vollständig geschützt.

Auch diese Insel ist hoch, dichtbewaldet und besteht wie die Küsten des
Festlandes aus Korallfels, gehobenem Meeresboden, denn ich bemerkte an
den Felswänden, weit höher als der Meeresspiegel, tote Austernbänke.
Das sah wenig nach Kohlen aus! Von Maragano, »au Roi de Lam-Boum«,
kaufte Kapitän Rabardy im Jahre 1882 ganz Neu-Irland, obwohl der
Marquis schon drei Jahre früher 600000 Hektaren dieses Landes in
Europa verkauft hatte und dasselbe später noch einmal in Manilla zu
versilbern versuchte. Der Preis einer Hektare Landes oder vielmehr
Steingerölls war von 5 Francs inzwischen auf 50 und höher gestiegen.
Wir befanden uns also in dem berüchtigten Port Breton, der einstigen
Hauptstadt Neu-Frankreichs, wo so viele Vermögen, Gesundheit, ja
das Leben eingebüßt hatten. Die Emigranten, welche mit der vierten
Expedition 1881 von Barcelona aus hinausgingen, gehörten zu einer
ganz anderen Klasse von Leuten als die der vorhergehenden, die, zum
großen Teil Abenteurer, sich längst in alle Winde verstreut hatten.
Jetzt kamen gut situierte Leute heraus mit der festen Absicht, unter
dem Banner des souveränen Marquis, für sich und ihre Familien eine
neue Heimat zu gründen. Da finden wir unter anderen Herrn Tilmont mit
Frau, vier erwachsenen Töchtern und zwei Knaben, der sein Vermögen
von 25000 Francs flüssig gemacht hatte, wie in gleicher Weise die
Familie Pitoy und soviele andere, die alle hier ein ungestörtes und
behagliches Dasein zu finden hofften. Vater Pitoy studierte auf der
Karte stillvergnügt sein neues Besitztum von 700 Hektaren. Es sollte
nach seiner Heimatsstadt »Nancy« genannt werden, das kleine kühle
Wässerchen »Moselle«! Ach, welche Enttäuschung für diese armen Leute,
als sie nun endlich im gelobten Lande anlangten und ringsumher nichts
als steile dichtbewaldete Berge erblickten! Da mag manchem das Herz
gesunken sein, schon im Gedanken an Frau und Kinder, und für viele
sollten sich diese Befürchtungen nur zu rasch erfüllen. Vater Pitoy
fand unter seinen siebenhundert Hektaren Land nicht einen Daumen
breit kulturfähiges, und den übrigen ging es nicht besser. Sie waren
eben alle in der schändlichsten Weise betrogen worden, und Kummer und
Elend, unterstützt von Fieber, raffte gar viele dahin, denen es daheim
an nichts fehlte. Der brave Pitoy und seine Frau starben; ihre drei
hilflosen Waisen blieben zurück, anderen erging es noch schlimmer,
und die Feder sträubt sich niederzuschreiben, wie weit sich durch den
Tod ihrer Angehörigen verlassene und alleinstehende Frauenspersonen
erniedrigen mußten, nur um das bißchen Leben zu fristen. Und der
Mann, welcher alle diese Leichtgläubigen verführt und ins Unglück
gestürzt hatte, was wurde ihm dafür? Als die französischen Gerichte den
Schwindler endlich erwischten, verurteilten sie ihn, nicht zum Galgen
oder auf die Galeere, sondern er kam mit sieben Jahren Gefängnis davon,
das war alles!

Ich ging wohlbewaffnet mit Kapitän Dallmann an Land, um nach dem
Kohlenflötz zu forschen, das hier an einen mir näher bezeichneten
Platz zu Tage treten sollte, aber unser Forschen war vergeblich. Die
Kohlen, welche jener Analyse zu Grund lagen, mochten allerdings von
hier, aber aus von den Franzosen zurückgelassenen Vorräten stammen.
Das Flötz selbst existiert ebensowenig als die famose »Mine de cuivre«
der Karte von Port Breton, welche im Journal »La Nouvelle France«
publiziert wurde, jenem schwindelhaften Organ des Marquis, welches
durch seine pomphaften Ankündigungen so viele Opfer auf den Leim
lockte. Da ist neben zahlreichen Baulichkeiten und kultiviertem
Terrain eine »Route carrossable«, ein »Parc à bestiaux« verzeichnet,
aber alles existierte eben nur auf dem Papiere. Die fahrbare Straße
erwies sich als ein schmaler Eingeborenenpfad; der Tierpark als ein
kleines an der Bachmündung angeschwemmtes Inselchen, auf dem keine
Ziege leben konnte und für ein »Plateau à défricher« ist überhaupt
nirgends Platz vorhanden. Denn unmittelbar hinter dem kaum ein paar
Tausend Schritt breiten Ufersaum steigen gleich die steilen Berge
empor. Auch das kleine Flüßchen, welches man jetzt überall durchwaten
konnte, windet sich bald durch Berge, und nirgends ist eine Spur
jenes herrlichen Thales vorhanden, von welchen mir der Kapitän
Rabardy, »Gouverneur provisoire« 1881 in Matupi erzählt hatte. Hier
waren die Kaffeeplantagen projektiert, zu deren Anlage der »Genil«
einige kümmerliche Pflänzchen mitbrachte, während die Wasserkraft
des Bächleins, welche der sanguine Franzose auf 700 Pferdekraft
schätzte, allerlei gewerbliche Anlagen treiben sollte. Wie schnell
die gewaltige Fruchtbarkeit der Tropen, selbst in dem schlechten,
mit Koralltrümmergestein besäten Boden von Port Breton, die Spuren
des Menschen verwischt! Kaum mehr als zwei und ein halbes Jahr waren
verflossen, und nur mit Mühe ließen sich einzelne Rudera der früheren
Herrlichkeit entdecken. Niemand würde geglaubt haben, daß hier
einmal eine Ansiedelung von ein paar Hundert Weißen bestand. Von der
»Débarcadère« waren noch einige Pfähle vorhanden, sonst fanden wir
nichts als etliche Bretter, Scherben, eine eiserne Trommel und die
Sohle nebst Absatz eines einst eleganten Damenschuhs, den ich zum
Andenken mitnahm. Welcher reizenden Französin mochte er angehört haben?
Und welche Leidensgeschichte würde er erzählen können? Vielleicht ruhte
die Trägerin auf dem Kirchhofe, von dem sich keine Spuren mehr erkennen
ließen, da auch hier die üppige Vegetation der Tropen alles überwuchert
hatte. Keine Tafel, kein Stein mit einem Kreuz bezeichnet mehr die
Stelle, wo so viele brave Leute, fern von der Heimat, in Trübsal,
Hunger und Elend ein frühes Grab fanden, verdorben und vergessen
wie Port Breton, dessen traurige Geschichte für viele neu und nicht
uninteressant gewesen sein dürfte.

Wir hatten bei unserer Landtour nur Fußspuren der Eingeborenen und eine
kleine Taroplantage gesehen; als wir aber durch die Straße von Lombom
dampften, ruderte ein Kanu eilig von der Insel nach dem Festlande,
wo sich bald eine Anzahl Bewaffneter versammelten. Da wurden gewiß
alle Vorkehrungen zu einem warmen Empfange getroffen und das Deck
gefechtsklar gemacht? Ja, natürlich! Ich bewaffnete mich mit einem
langen Fetzen roten Zeuges und rief so kräftig, als es meine Lungen
erlaubten, nach Marango, dem Könige von Lombom, und dem gefürchteten
Häuptling Wallace. Sie hüteten sich wohl der freundlichen Einladung
zu folgen und beschränkten sich darauf, außer Schußweite mit ihren
Speeren und Keulen zu fuchteln. Eine Kugel aus einem Winchester würde
die Gesellschaft schnell auseinandergebracht haben. Aber vor mir waren
sie sicher, ich habe niemals auf Eingeborene geschossen. Ja, ich
würde auch den braven Wallace gut behandelt, ihm vielleicht ein Stück
Tabak und dergleichen gegeben und gesagt haben: »Wallace dear! you no
kill white men! bye and bye me make you all same« d. h. töte keinen
Weißen, sonst machen wir es so: Pantomime des Aufhängens! Von dem
durch die »Hyäne« zerstörten Dorfe sahen wir übrigens kaum eine Spur
mehr, dagegen fanden wir die Übelthäter der Mioko lustig in dem nahen
Port Praslin angesiedelt, sie gaben aber gleich Fersengeld. In solchen
Lokalitäten vermag freilich kein Kriegsschiff etwas auszurichten, ja
es kann selbst für Bewaffnete gefährlich werden, den Eingeborenen in
das Dickicht dieser Berge zu folgen, in denen sich nur der Sohn der
Wildnis behend zu bewegen weiß. Mit Strafexpeditionen hat es daher
seine Schwierigkeiten; sie verlaufen meist wie vor 300 Jahren, als Don
Pedro Sarmiento, der General von Mendana, die Eingeborenen der Salomons
züchtigen wollte. Schon damals flüchteten sie unerreichbar in das
Dickicht, und der General mußte sich, wie dies noch heute geschieht,
mit Abbrennen und Vernichten der Siedelungen begnügen.

Von Kap St. George, der Südspitze Neu-Irlands, suchten wir einen
südlichen Kurs zunächst nach der Gruppe Kirvirai oder dem Trobriand
der Karten, da ich den östlichen Teil des Englischen Gebietes kennen
lernen wollte, über welches wir nur durch Kapitän Moresby unterrichtet
waren. Ihm ist (1873-74) die Aufnahme der Küste von Heath-Insel bis
Huon-Golf, in der Luftlinie auf eine Strecke von 340 Meilen, zu
verdanken, die bis dahin nur an ein paar Punkten von d'Entrecasteaux
(1793) und Simpson (1872) gesichtet wurde. Durch Moresby erfuhren wir
zuerst, daß nicht Südkap das äußerste Ende Neu-Guineas ist, sondern
daß die Ostspitze eine ganz andere Konfiguration hat, wie sich am
besten aus einer Vergleichung seiner Karte mit den früheren ergiebt. In
der That, wohl keine Expedition hat soviel zur besseren Kenntnis von
Neu-Guinea beigetragen, als die des »Basilisk« unter Kapitän (jetzt
Admiral) Moresby und seiner trefflichen Offiziere.

Wir werden im folgenden den größten Teil dieses Gebietes kennen lernen,
wohin ich drei verschiedene Reisen mit der Samoa unternahm, die nicht
allein dem bloßen Besuche bei unseren Nachbarn, sondern auch anderen,
wichtigeren Zwecken galten, denn damals hatte England sein Protektorat
nur bis Ostkap erklärt. Um Wiederholungen zu vermeiden, gebe ich die
Erlebnisse dieser verschiedenen Reisen hier vereint.


I. Trobriand.

  Kartographische Unkenntnis. -- Längs der Westküste. -- Eingeborene.
  -- Eigentümlichkeiten derselben. -- Haifischfang. -- »Kaikai«.
  -- Riesen-Yams. -- Kanus. -- Lagrandiere. -- Otto Riff. --
  Lusancay-Lagune.

Schon in der Frühe des zweiten Tages seit unserer Abreise von Port
Breton wurde Land gesichtet, dichtbewaldete, niedrige Inseln wie lange
Waldstreifen, über welche die Karte nur sehr ungenügend Auskunft gab.
Denn so wie Trobriand vor fast 100 Jahren von d'Entrecasteaux auf der
Karte eingetragen wurde, so findet es sich heute noch verzeichnet,
d. h. nur punktiert. Und doch ist die Hauptinsel Trobriand nicht
unbedeutend, denn ihre Länge beträgt 20 bis 25 Meilen. Wir gingen an
der Westseite herab, an welcher ein guter Ankerplatz sein soll, konnten
denselben aber nicht finden, weil der Kapitän noch vor Einbruch der
Dunkelheit wieder in freiem Fahrwasser sein wollte, da es an Riffen
hierherum eben nicht mangelt. Der Grund weshalb diese schöne Insel den
weißen Mann bisher nicht reizte, war angesichts derselben sehr leicht
zu begreifen und besteht in dem Mangel von Kokospalmen. In der That
erblickten wir auch nicht eine Palme, obwohl solche gewiß vorkommen;
nichts als dichter Urwald säumte gleich einem Gürtel ununterbrochen
das Ufer, welches zuweilen aus kahlem Fels, seltener aus Sandstrand
besteht. Aber hinter diesem Urwaldsgürtel befindet sich ausgedehntes,
fruchtbares Land, in welchem die Eingeborenen ausgezeichneten Yams
zeitigen, jenes stärkemehlhaltige Knollengewächs, welches in diesem
Teile der Tropen die Kartoffel ersetzt. Trobriand wird daher zuweilen
von kleinen Handelsfahrzeugen besucht, die hier in der günstigen
Jahreszeit in wenigen Tagen eine ganze Ladung einhandeln können, wie
mir aus meinen früheren Erfahrungen von Neu-Britannien her wohlbekannt
war.

Wir hatten uns der Nordwestspitze der Insel kaum genähert, als
sich schon Kanus mit Eingeborenen zeigten, die trotz der Brandung
und dem hohen Seegang abkamen und nicht lange darauf den Dampfer
umlagerten. Das waren gar eigentümliche Gesellen, die dem Anthropologen
Kopfzerbrechen machen konnten. Nach dem vorherrschend schlichten Haar
mußte man sie als Ozeanier ansprechen, aber es gab auch Individuen mit
melanesischen Wollköpfen, ja Haarwolken, und man zieht sich am besten
aus dieser verzwickten Frage heraus, wenn man die Trobriander für eine
Mischlingsrasse erklärt. Dafür sprach auch die erhebliche individuelle
Verschiedenheit in der Physiognomie, wenn auch hier ozeanischer Typus
vorzuherrschen schien. Die Leute waren übrigens nicht dunkler als z. B.
die Gilberts-Insulaner, aber so helle Papuas findet man überall.

Sie trugen in eigentümlicher Weise ein breites Stück Pandanusblatt
zwischen den Schenkeln durchgezogen, das wulstartig in einem dicken
Leibstrick befestigt war. Vielen genügte indes hinter- und vorderseits
ein Blatt in dem letzteren befestigt als Bekleidung. Der übrige
Körperschmuck war gleich Null: Halsstrickchen, geflochtene Armbänder,
hie und da ein Reif aus Schildpatt im Septum. Es gab demnach wenig
einzuhandeln, dieses Wenige war aber sehr interessant. So runde,
flache Holzschüsseln mit eingravierter Randverzierung, desgleichen
Wasserschöpfer, kugelrunde Kalkkalebassen in äußerst schwungvollen,
eingebrannten Mustern ornamentiert, besonders schöne Fischnetze
und hölzerne Schilde in ganz eigentümlicher Form und kunstvoller
Bemalung, wie sie Fig. 2 Taf. XII des Ethnologischen Atlas zeigt. An
Waffen besaßen die Insulaner außerdem nur noch Speere, zum Teil mit
Schnitzerei verziert, sowie kurze, schwertartige Handkeulen (ganz
wie Atl. XI, 4), darunter Exemplare aus Ebenholz, das auf Trobriand
vorkommen soll. An den Schilden konnte man sehen, daß auch diese
friedlichen Inselbewohner nicht immer in Frieden leben, denn in dem
einen zählte ich nicht weniger als elf abgebrochene Speerspitzen.
Eine Menge Gegenstände (z. B. die schönen Kalkkalebassen) werden
jedoch von Woodlark-Insel eingetauscht, deren Bewohner mit ihren
großen, seetüchtigen Kanus weite Handelsreisen unternehmen. Fischerei
scheint übrigens ein Haupterwerb von Trobriand und namentlich
der Fang von Haifischen betrieben zu werden. Dafür sprachen die
großen, an anderthalb Fuß langen hölzernen Haken (T. IX, 9), welche
die Eingeborenen nur sehr ungern weggaben. Man konnte an diesen
Haken deutlich die Spuren der Zähne sehen, welche die Seeungeheuer
zurückgelassen hatten, und die Eingeborenen wußten in sehr drastischer
Weise pantomimisch die vergeblichen Anstrengungen des gefangenen Hai
darzustellen, bis er endlich erschlagen wird. Zum Anlocken des Hais
bedient man sich besonderer Rasseln, die aus einem hölzernen Reif
bestehen, an welchem eine Anzahl halbdurchschnittener Kokosnußschalen
befestigt sind, wie ich dieselben schon aus Neu-Britannien kannte.

Unsere eisernen Angelhaken, selbst die großen mit Kette versehenen
Haifischhaken, machten übrigens keinerlei Eindruck auf die
Eingeborenen, die nach ihrer Methode jedenfalls bessere Erfolge
erzielen. Werfen doch selbst Europäer, welche lange in der Südsee
leben, unsere Fischhaken beiseite und bedienen sich der der
Eingeborenen.

Man konnte übrigens nicht bemerken, daß viele Schiffe hier
vorsprechen, da die Eingeborenen weder Glasperlen noch sonst etwas
von europäischen Erzeugnissen besaßen und selbst Rauchtabak nicht
kannten und verlangten. Ihr ganzer englischer Sprachschatz bestand in
den Wörtern: Tomihawk (Beil), knife (Messer) und beads (Perlen). Aber
was sie hauptsächlich verlangten, war »Toke«, d. h. Hobeleisen oder
Flacheisen, die ihnen lieber waren als Beile. Aus Glasperlen machten
sie sich nichts, ebensowenig aus Zeug, und Spiegel flößten ihnen Furcht
ein. Auch das Wort »Yams« kannten sie und »kaikai«! Wie mich das
anheimelte! Es ist dies ein aus Ostpolynesien stammendes Wort, das sich
durch Schiffsverkehr bis Neu-Britannien verbreitet hat, und der erste
Ausdruck, welchen der Kanaker im Verkehr mit Weißen oder umgekehrt,
lernt, denn es bedeutet »essen«! Wie oft hatte ich dieses »kaikai«
gehört! Dort suchen z. B. Weiber häßliche, schwarze Sumpfschnecken;
man fragt wozu: »kaikai«; hier bringt ein Junge einen widerlichen
Tintenfisch und sagt vergnügt »kaikai«, ein anderer streichelt eine
Buschratte mit »kaikai«, unter »kaikai« werden große Käferlarven aus
mulmigem Holz ausgegraben, und als ich mich einst in Neu-Irland nach
einem Menschenschädel erkundigte, der an einem Baumaste hing, riefen
alle schmunzelnd »kaikai«! Ja, dieses »kaikai« ist charakteristisch,
aber in Neu-Guinea nicht bekannt.

Von Yams brachten die Leute übrigens eine Menge an, darunter wahre
Riesenexemplare von 12 bis 17 Pfund Schwere und fast sechs Fuß Länge.
Danach zu urteilen, muß die Insel äußerst fruchtbaren Boden besitzen.
Auch Pandanus und Bündel großer Bananen wurden zum Kauf angeboten, aber
keine Kokosnüsse, obwohl dieselben vorkommen, wie die Wassergefäße und
Körbe zeigten. Interessant für den Ornithologen waren lebende Exemplare
des grünen Papageis (Eclectus polychlorus) und einer eigenen kleinen
Kakaduart mit gelber Haube (Cacatua Trobriandi, Finsch).

Jedenfalls ist die Insel bisher von Werbeschiffen verschont geblieben,
denn die Eingeborenen kamen ohne Scheu an Bord, wenn auch mit
Widerstreben in die Kajüte. Aber man mußte vor ihren Fingern auf der
Hut sein, wie ich erst bemerkte, als ich denselben Wasserschöpfer zum
zweitenmale kaufte. Ja, Diebsgelüste scheint einmal in der ganzen
Menschheit zu stecken. Die Leute waren zwar recht laut und lärmend,
wozu ein eigentümliches Bellen als Zeichen der Verwunderung nicht wenig
beitrug, aber durchaus harmlos. In der Begrüßung zeigten sie sich zu
meiner Überraschung als »Nasenreiber«, was wiederum für Polynesien
spricht, ethnologisch zwar sehr interessant, aber in der Praxis nicht
gerade ganz angenehm ist. Ich spielte daher lieber den Dummen, denn ich
wußte aus Erfahrung, daß die Sache kein Ende nimmt, wenn man erst mit
einem auf diese Weise Brüderschaft gemacht hat.

Zu den ethnologischen Eigentümlichkeiten gehörte übrigens auch die
besondere Bauart der Kanus, sowie die Form der Ruder, im übrigen
stimmten die meisten Gegenstände, auch die Bekleidung mit denen
überein, wie wir sie in den d'Entrecasteaux und an der Ostspitze
Neu-Guineas kennen lernten. Jedenfalls wird Trobriand von Normanby,
Welle und Woodlark-Insel aus besucht, da die Trobriander wohl selbst
keine Handelsreisen unternehmen. Schon ihre Kanus ohne Segelgeschirr
sind für größere Seefahrten ungeeignet. Einige derselben waren an den
Schnäbeln mit Schnitzerei verziert, wovon der Atlas (T. VII 6) eine
Probe giebt. Das Wort »Kirvirai«, wie bei den Eingeborenen die Insel
heißen soll, kannte übrigens keiner, und ich habe den Namen derselben
überhaupt nicht erfahren können, denn Kebole oder Kaibol bezeichnete
offenbar nur das Heimatsdorf der Leute in den Kanus.

Wir gingen um Kap Denis an der Ostseite von Trobriand herab, die
aus Steilufer besteht und für Schiffe unzugänglich scheint, wie
Lagrandiere, das nur durch eine schmale Straße von der ersteren Insel
getrennt wie eine Fortsetzung derselben erscheint und genau denselben
Charakter zeigt. Wir wollten von hier einen westlichen Kurs nach der
Küste von Neu-Guinea steuern, fanden aber unseren Weg durch ein Riff
vorgeschrieben, dem wir über 30 Meilen bis fast zu den Amphlett-Inseln
in südlicher Richtung folgten, und welches unsere Navigateure
Otto-Riff tauften. Es bildet die Südostgrenze der Lusancay-Lagune,
nach Findlay der größten der Welt, die sich über drei Längen- und ein
und ein viertel Breitengrad erstreckt. Dieses Riff ist bis heute noch
ebenso unbekannt geblieben als die nördliche Grenze der Lagune, das
Lusancay-Riff, welches die Karten nur nach den flüchtigen Aufnahmen von
d'Entrecasteaux (1793) wiedergeben.


II. d'Entrecasteaux-Inseln.

  Ungenügende Kenntnis. -- Welle-Insel. -- Nordküste von
  Normanby. -- Weihnachtsbucht. -- Unsere Weihnachtsfeier.
  -- Scheu der Eingeborenen. -- Verfall der Steinzeit. --
  Eigentümliche ethnologische Provinz. -- Ausgezeichnete Fahrzeuge.
  -- Bekleidungsmatten. -- Spondylus-Muschelplättchen. --
  Liebenswürdigkeit der Eingeborenen. -- Urgestein. -- Hausbau. --
  Auf totem Riff. -- Ostküste von Normanby. -- Kolossale Kokosnüsse.
  -- Gutheil-Bucht. -- Friedliche Eingeborene. -- Kap Ventenat.
  -- Göschen-Straße. -- Westküste von Normanby. -- Dawson-Straße.
  -- Exkursion. -- Goulvain oder Ulebubu. -- Eingeborene -- sind
  Kannibalen. -- Ostspitze von Fergusson. -- Besuch eines Dorfes. --
  Musterplantage. -- Manucodia Comrii. -- Südküste von Fergusson. --
  Herrliches Kulturland -- Kap Mourilyan. -- Blick auf Goodenough.

Wir hatten den an 6000 Fuß hohen Berg Kilkerran auf Fergusson-Insel
schon von Trobriand aus gesehen, und jetzt entfalteten sich die
malerischen Gebirge der d'Entrecasteaux-Inseln immer deutlicher vor
unseren Augen.

Die nach ihrem Entdecker benannte Gruppe wurde von diesem (1793) nur
gesichtet und erst 80 Jahre später durch Moresby genauer aufgenommen.
Durch ihn erhielten wir zuerst Nachweis über die richtige Lage der
drei Hauptinseln: Normanby, Fergusson und Goodenough, die alle von
vulkanischer Formation und vorherrschend gebirgig sind. Moresby hat
uns übrigens nur mit der Westküste bekannt gemacht, und die östliche
ist bis heute nur sehr unvollkommen aufgenommen. Der Naturaliensammler
Andrew Goldie besuchte 1882 von Port Moresby in seinem kleinen Schuner
Alice Mead die Westseite von Normanby und Fergusson, hat aber über
diese interessante Fahrt, wie seine vielen Reisen in Neu-Guinea
überhaupt, wenig publiziert. Und was Moresby mitteilt ist auch nur sehr
gering, so daß die nachfolgenden Blätter umsomehr von Interesse sein
dürften, als sie einige bisher nicht besuchte Lokalitäten besprechen.

Wir dampften längs der Ostseite von Welle, einer langen,
dichtbewaldeten, niedrigen Insel, mit wenigen grünen Hügeln, und sahen
die tiefe Bai vor uns, welche von der knieförmigen Einbuchtung der
Nordseite von Normanby gebildet wird, wo wir einen Ankerplatz zu finden
hofften. Und wir fanden ihn. In einer hübschen, malerisch von Bergen
umschlossenen Bucht, mit dicht von Kokospalmen bestandenem Ufer, unter
denen freundliche Häuser hervorguckten, ging die Samoa zu Anker, gerade
am Weihnachtstage, dem zu Ehren wir dieselbe Weihnachtsbucht benannten.
War es doch der Tag, an welchem daheim sich Millionen anschickten, das
liebe Christfest zu feiern. Uns war kein Weihnachtsbaum beschieden,
keine Feier bereitet. Und dennoch als die Sonne hinter den Bergen
verschwand, als die eigentümlichen grünlichen, bläulichen und rötlichen
Tinten des Zodiakallichtes allmählich in das tiefe Schwarz der Nacht
verflossen, da begann auch unsere heilige Nacht. Das Firmament
hatte seine Millionen Lichterchen angezündet, Sterne und Sternchen
flimmerten; vor allem bemerkbar der Orion und der liebe Gefährte der
südlichen Nacht, das südliche Kreuz. Kein feierlicher Glockenton rief
zur Mette; nur das Zirpen der Cikaden, das rauhe Gequiek fliegender
Hunde und andere Tierstimmen tönten vom Ufer herüber, bekannte Laute,
die unsere Gedanken nicht abzulenken vermochten. Wo dieselben weilten?
Das ist wohl unschwer zu erraten. Weit, weit weg vom südlichen Kreuz,
von den Kokospalmen, vom Gekreisch der fliegenden Hunde, da, wo man
an diesem Abende in trautem Kreise am warmen Ofen sitzt und sich
des lieben Christfestes freut, während draußen die Schneeflocken
herabwirbeln. Dort weilte jeder mit seinen Gedanken still für sich,
-- und als die letzte Pfeife verglommen, suchte jeder das Lager und
versuchte auszuruhen von den Mühen und der Hitze des Tages. Das war
unser Christfest in den Tropen! Für uns gab es keine Feier, kein
Feiern! -- Aber die Mannschaft durfte sich etwas anthun, und wohl zum
erstenmale hörten die alten Kokospalmen und die scheuen Eingeborenen
aus kräftigen deutschen Kehlen die »Wacht am Rhein« und »Stille Nacht!
Heilige Nacht«! Eine gar wundersame heilige Nacht, eine Tropennacht!

Die Eingeborenen zeigten sich anfangs sehr scheu, kein Kanu kam
längsseit, wie dies sonst gewöhnlich zu geschehen pflegt, und als ich
zum erstenmale an Land ging, fand ich die Häuser verlassen. Die Leute
waren geflüchtet, da sie uns wahrscheinlich für Werber hielten, die
offenbar hier gehaust hatten. Das ließ sich an den vielen europäischen
Erzeugnissen erkennen, welche die Eingeborenen besaßen, als sie nach
und nach in Verkehr mit uns traten. Obwohl sie kein Wort Englisch
verstanden, fand doch Tabak, und was merkwürdiger war, auch Thonpfeifen
und Spiegel Nachfrage. Eisen war weniger begehrt, denn jeder Mann, ja
selbst der Knabe besaß eine Axt; auch zwölfzöllige Messer kannte man
bereits. Mit der guten alten Steinzeit war es daher vorbei und diese
Eingeborenen bereits in dem Civilisationsstadium von Bandeisen. Mit
solchen statt der früheren Steinklingen waren diese Äxte (Ira) bewehrt
und zwar in einer eigentümlichen Weise, die für ganz Ost-Neu-Guinea
charakteristisch wird. Die Schärfe der Klinge steht nämlich nicht
quer zu dem Stiele, wie sonst (vergl. S. 63), sondern in gleicher
Flucht mit dem letzteren. Die Abbildung des Atlas (T. I, 8) zeigt
eine solche Axt. Der hölzerne mit Schnitzerei verzierte Stiel stammt
noch aus der Steinzeit, die hier vielleicht noch wenige Jahre vorher
regierte. Aber man sah, daß solche Arbeiten schon rar wurden, denn
sobald Eingeborene erst Eisen haben, ist es mit ihrer Kunstfertigkeit
zu Ende, statt geschickter und fleißiger werden sie ungeschickt und
faul, das ist eine Thatsache, die sich überall wiederholt, und die
mich weiter nicht verwunderte. Von guten Sachen konnte ich nur noch
Reste sammeln, welche von der bewundernswerten Kunstfertigkeit der
Eingeborenen Zeugnis ablegten. Hervorragend sind die schwungvollen
Muster der eingravierten Verzierungen an Holzgeräten, die meist
aus eleganten Schnörkeln bestehen und für ganz Südost-Neu-Guinea
charakteristisch werden. In der That bilden die d'Entrecasteaux,
mit Trobriand, der Ostspitze Neu-Guineas und dem vorgelagerten
Archipel bis Teste-Insel hin, wahrscheinlich auch die Louisiade mit
einbegriffen, eine eigene ethnologische Provinz, die sich durch manche
Eigentümlichkeiten auszeichnet. Dahin gehört die besondere Ornamentik,
von der die Abbildungen des Atlas (III, 4, XI, 4, 5) Proben geben,
welche sich selbst bei kleinen Gegenständen (wie z. B. T. V. 2, 3)
wiederholt, die Befestigung der Steinbeilklingen, das Verwenden von
roten Muschelplättchen (Spondylus) zu Schmuck, die hohe Entwickelung in
der Baukunst von Fahrzeugen und -- vorgreifend, die weniger angenehme
Sitte -- der Kannibalismus!

Was die Fahrzeuge anbetrifft, so erheben sich dieselben weit
über die bisher gesehenen und übertreffen selbst die berühmten
seetüchtigen Kanus, wie sie früher in den Marshall-Inseln gemacht
wurden, mit denen sie aber nichts gemein haben. Zwar besteht auch
bei den hiesigen Kanus der Kiel aus einem mächtigen, ausgehöhltem
Baumstamme, aber an demselben sind halbrunde Querhölzer als Rippen
und an diese klinkerförmige Seitenbretter befestigt (wie dies der
Querschnitt Atl. VI, F. 3 zeigt). Dadurch wird das Fahrzeug eben
viel weiter und erinnert mehr an ein Schiffsboot nach europäischem
Muster als an ein gewöhnliches Kanu (wie z. B. Fig. 1 von Bongu).
Die Seitenborde sind an Stern und Bug mit einem senkrechten Brett
verbunden, das häufig mit Schnitzwerk verziert ist. Alle Teile des
Fahrzeuges sind zusammengebunden und die Verbindungsstellen mit
einem Kitte verschmiert; doch muß, wie bei allen Kanus, fleißig
geschöpft werden. Sehr eigentümlich und charakteristisch erscheint das
Auslegergeschirr. Der Auslegerbalken, fast so lang als das Fahrzeug
selbst, ist ungeheuer dick und so groß, daß sich aus ihm allein ein
gewöhnliches Baumstamm-Kanu zimmern ließe. Dieser Balancier ist durch
10 Querstangen, mittelst eingeschlagener doppelter Stützen, (vergl. VI.
4) mit dem Kanu verbunden, aber ungewöhnlich nahe, wie wir dies zuerst
in Trobriand sahen. Die Entfernung zwischen Kanu und Balancier beträgt
nämlich nur einen Meter, und da die Querstangen dicht mit Stäben belegt
sind, so wird dadurch an einer Längsseite des Kanus eine Plattform
gebildet. Die Spitze des Kiels ragt an beiden Seiten wenig vor und ist
je mit dem Querbrett an Bug und Stern durch ein senkrechtes Längsbrett
verbunden, das mit, oft durchbrochen gearbeiteter, Schnitzerei verziert
ist (Taf. VII, 7). Außerdem sind an den Spitzen Ovulamuscheln,
Faserbüschel von Pandanusblatt und dergleichen angebracht, auch die
Seitenborde häufig mit Malerei geschmückt (z. B. rot und schwarze
Fische T. VII. 8). Diese Kanus führen ein sehr großes, oblonges Segel
(VIII. 8) aus Mattengeflecht und laufen sehr schnell vor dem Winde. Sie
sind bis 20 Meter lang, also sehr respektable Fahrzeuge, und dienen
für Handelsfahrten und Kriegszüge, da sie eine große Anzahl Menschen
transportieren können.

[Illustration: Kanu von der Weihnachtsbucht.]

Die Bewohner der Weihnachtsbucht besaßen übrigens nur sehr kleine
Kanus, wahre Einspänner, denn sie vermögen nur einen Erwachsenen zu
tragen, wie dies unsere Abbildung zeigt. Ein solches Kanu ist aber auch
nur drei Meter lang, übrigens eine sehr geschickte Arbeit, von welcher
ein von mir mitgebrachtes Stück das Berliner Museum ziert.

Die Bekleidung der Männer erregte ebenfalls als neu mein Interesse. Sie
bestand, statt aus der sonst üblichen Tapa (Baumrinde), aus einer Matte
von Pandanusblatt (Gigi), die um die Lenden geschlagen wird und von
weitem ganz wie eine Badehose kleidet. Diese Matten sind zusammengenäht
und zuweilen in hübschen Mustern marmoriert, die durch Eindrücke in das
noch grüne Blatt hervorgebracht werden und sehr elegant aussehen. Auch
diese Bekleidungsmatten (T. XVI. 6) gehören zu den Charakterstücken der
genannten ethnologischen Provinz.

Schmuck war, wie gewöhnlich, nur wenig zu sehen, darunter aber
Halsketten aus den erwähnten roten Muschelplättchen, die auch als
Ohr- und Nasenschmuck, wie sonst vielfach, Verwendung finden. Diese
Muschelscheibchen sind flach, rund, durchbohrt, etwa so groß als
ein Chemisettknopf und schon des Materials wegen wertvoll. Die
Spondylusmuschel, eine Klappmuschel, lebt nämlich nur in tieferem
Wasser und ist, da sie mit der unteren Schale obendrein am Gestein
festsitzt, nicht so leicht zu erlangen. Es verdient Beachtung, daß
an der ganzen Nordostküste Neu-Guineas, wie im Bismarck-Archipel,
Spondylusschmuck nicht benutzt wird, dagegen erst wieder in
Mikronesien, in den Marshalls und Karolinen, eine hervorragende
Rolle spielt. Unter den prähistorischen Resten, welche ich in den
Ruinen auf Nanmatal auf Ponapé ausgrub, fand ich eine Menge solcher
Muschelschalen. Die gegenwärtigen Bewohner Ponapés pflegten sich mit
den Überbleibseln des Kunstfleißes ihrer Vorfahren zu schmücken, da
sie die Anfertigung bereits verlernt hatten. Spondylusscheibchen haben
an der ganzen Südostküste von Neu-Guinea Wert und bilden überall ein
geschätztes Tauschmittel. Noch ein anderes, welches mir ebenfalls von
dort bekannt war, fand ich in Weihnachtsbucht, nämlich Armringe aus
dem Querschnitt einer großen Kegelschnecke (Conus millepunctatus),
die unter die Kostbarkeiten der Papuas zählen. In Port Moresby wird
ein solches Armband, Toia genannt, gleich 350 Pfund Sago gerechnet.
Zirkelrunde Eberhauer (T. XXI 2), bekanntlich der kostbarste Schmuck,
welche früher in den d'Entrecasteaux häufig waren, gab es nicht mehr.

Die äußere Erscheinung der Papuas von Weihnachtsbucht war keine
vorteilhafte, zumal Schuppenkrankheit (Ichthyosis) unter ihnen
sehr florierte. Im ganzen erschienen sie klein und schwächlich; am
meisten die Weiber, unter denen es wenig passable Gesichter gab,
desto niedlicher waren aber, wie immer, die Kinder. Die Männer
trugen das Haar meist in eine Wolke aufgebauscht; im Nacken aber
mit Vorliebe verfilzte Haarzotteln, in langen Strängen bis in den
Nacken herabhängend, die an der ganzen Ostspitze beliebt sind (vergl.
Abbildung eines Mannes von Teste-Insel Nr. 60), übrigens auch in
Astrolabe-Bai vorkommen (vergl. S. 39). Neben kräuslichem und lockigem
Haar beobachtete ich hier auch durchaus schlichtes und natürlich
fuchsrotes, wie wir es in Europa kennen, eine Färbung, welche ich
bisher bei Papuas nicht gesehen hatte.

Nachdem die Eingeborenen ihre erste Furcht überwunden und unsere
friedlichen Absichten begriffen, wurden sie bald zutraulich und zeigten
sich als die liebenswürdigsten Menschen. Bei unseren Ausflügen waren
wir stets von einer Anzahl Freiwilliger begleitet, die sich unserer
in einer Weise annahmen, wie ich dieselbe bisher nicht kennen gelernt
hatte. Unsere Führer suchten jedes Hindernis zu beseitigen, indem
sie im Wege stehende Äste wegbogen oder abhackten und uns bei jeder
beschwerlichen Stelle zeigten, wo wir den Fuß hinsetzen sollten;
in der That eine Aufmerksamkeit, die dem civilisiertesten Menschen
Ehre gemacht haben würde. Und da wird noch von Wilden gesprochen und
geschrieben!

Obwohl das Ufer überall Korallformation verriet, so bestanden die
steilen Berge doch aus Urgestein, und zwar einem quarzreichen
Glimmerschiefer, der mehr als anderwärts für das Vorkommen von Gold zu
sprechen schien. Aber leider hatten da Katzen gesessen; ich fand nur
»Katzengold«! Wie im Ufervorland fehlte es auch in den Bergen nicht an
gutgepflegten Plantagen, die mit Vorliebe an den steilsten Abhängen
angelegt werden, wie wir dies später überall an der Südostspitze
fanden. Neben Landbau wird, wie fast allenthalben, Fischfang betrieben,
wie die schönen Netze zeigten. Die hölzernen Schwimmer derselben waren
zuweilen mit Schnitzwerk versehen (vergl. Atlas IX, 2), aber noch von
früher her, denn jetzt erfüllten gewöhnliche Holzstückchen den Zweck.
Von Waffen sah ich nur Speere (Gita) und kurze hölzerne Handkeulen
(Atlas T. XI, 4, 5); auch kennt man die Schleuder. Pfeil und Bogen,
sowie Schilde sind unbekannt.

[Illustration: Häuser in der Weihnachtsbucht.]

Die Siedelung in der Weihnachtsbucht war übrigens keine große, aber
die Häuser zeigten eigentümliche Bauart, wie die Abbildung am
besten veranschaulicht. Die Häuser sind alle klein und zeichnen sich
durch Schmalheit, wie die sattelförmige Einbiegung der Dachfirste
aus. Gewöhnlich ist die ganze Vorderseite offen und wird mit Matten
verhangen. Schnitzerei fand sich an den Häusern nicht. Bei den Häusern
konnte man auch die Grabstätten erkennen, einige Schieferplatten mit
bunten Blattpflanzen (Crotons) umgeben. In den Ästen eines sehr großen,
an vier Fuß hohen Croton bemerkte ich eine sonderbare Röhre aus den
Blattscheiden der Sagopalme, die ich natürlich untersuchen mußte,
obwohl die Eingeborenen sehr dagegen waren. Sie enthielt sechs Schädel,
wohl von Anverwandten, da sie nicht verkauft wurden. Hunde und Schweine
gab es nur spärlich. Die ersteren unterschieden sich von der vorher (S.
53) beschriebenen Rasse durch geringere Größe und erinnerten an unsere
Terriers; auch hatte man den Tieren Ohren und Schwanz abgeschnitten und
dadurch ihre Schönheit eben nicht erhöht.

Die Wünsche unserer neuen Freunde auf Verlängerung unseres Besuches
wären, sehr gegen unseren Willen, bald erfüllt worden, denn die
Samoa befand sich plötzlich auf totem Riff, das dem Seefahrer kein
Warnungszeichen durch Brandung giebt. Unter dem Kiele zeigte sich der
mit grünlichen, bräunlichen und weißlichen Korallen wie gepflasterte
Meeresboden, ein zwar sehr interessanter aber unheimlicher Anblick,
auf den man gern verzichtet. Es sind die sogenannten Pilzkorallen
(mushroom-corals) der englischen Seefahrer, die aus Tiefen von 20 bis
30 Faden bis nahe unter den Wasserspiegel wachsen. Wenige Zoll können
da unter Umständen für das Wohl oder Wehe des Schiffes entscheidend
werden, und jeder atmete freier auf, als die trügerischen Gebilde
wieder verschwunden waren. Die Aussicht, möglicherweise in der
Weihnachtsbucht bei Kokosnüssen und dergl. tropischer Verpflegung auch
Ostern feiern zu müssen, hatte durchaus nichts Verlockendes. Selbst
bei der größten Vorsicht ist in jenen Gewässern die Möglichkeit des
Festsitzens vorhanden, und auch die Samoa entging nur mit knapper Not
dieser Gefahr, indem sie ein paarmal das Riff streifte. Dabei kamen
Kapitän Dallmann und sein erster Offizier oft tagelang nicht aus dem
luftigen Sitz auf der großen Raa (vergl. Abbild. S. 17) herab, der
durch ein Brettchen nicht sonderlich bequemer gemacht worden war. Riffe
lassen sich nämlich nur von einem erhöhten Punkte aus beobachten, sind
dann oft auf zwei bis drei Meilen sichtbar, während sie vom Schiffsbord
oder Boot aus manchmal auf 20 Schritt unbemerkt bleiben. Freilich
kommt es hauptsächlich auf die Beleuchtung und den Stand der Sonne an;
bescheint die letztere das Wasser zu grell, so wird totes Riff häufig
erst sichtbar, wenn sich das Schiff bereits auf demselben befindet, wie
in diesem Falle mit der Samoa.

Wir hatten Kap Pierson passiert und dampften längs der Südostküste von
Normanby herab, die durchgehends bergig bis gebirgig ist, aber viel
Kulturland und Kokospalmen, oft wahre Wälder von solchen aufzuweisen
hat. Überall sieht man ausgedehnte Plantagen, Kokoshaine und Fußpfade
bis hoch in die Berge hinauf, aber trotz diesen deutlichen Zeichen
des Bewohntseins im ganzen wenig Siedelungen und Menschen. Die
letzteren zeigten sich sehr mißtrauisch, und nur in dem am meisten
bevölkerten Küstenstriche um Kap Pierson kamen Eingeborene in
fünf Kanus ab, die Kokosnüsse anboten und dafür Messer, Tabak und
Streichhölzer verlangten. Aber nur einer vermochte diese Wünsche in
englischen Vokabeln auszudrücken, ein gar seltsamer Kumpan in doppelter
Wollgarnitur, die er jedenfalls der Freigebigkeit eines englischen
Kriegsschiffes verdankte. Ja, wenn erst das Wollregime auch bei den
Tropensöhnen sich in dieser Fülle eingeführt hat (der Mann trug allein
drei Hemden übereinander!), dann wird diese Industrie einen ungeahnten
Aufschwung nehmen. Zahlungsfähig sind die Leute ja, denn sie brachten
Kokosnüsse von ungewöhnlicher Größe, die man für Kürbisse halten
konnte. Manche Nüsse wogen acht bis elf Pfund und maßen 68 bis 73
Centimeter im Umfange; versprechende Aussichten für Koprastationen.

Da der Kapitän das riffreiche, schwierige Fahrwasser südlich von Kap
Ventenat nur in der günstigsten Tagesbeleuchtung passieren wollte, so
mußte für die Nacht ein passender Ankerplatz gesucht werden, obwohl
es erst drei Uhr nachmittags war. Ein solcher findet sich nicht immer
so leicht, und der in den Tropen so früh einbrechende Abend mahnt
zu größerer Eile, denn gewöhnlich fängt es schon nach sechs Uhr an
dunkel zu werden. Glücklicherweise brauchten wir diesmal nicht lange
zu suchen, und konnten bald in einer flachen Bucht, die ich »Gutheil«
benannte, zu Anker gehen. Sie besteht aus bewaldetem Vorland, das rings
von steilen Bergen, längs der Wasserkante von einem breiten Sandstrande
begrenzt wird, und ist in der südlichen Ecke durch einen mit Buschwerk
begrünten Felsen, Small-Island der Karten, kenntlich.

Das Fehlen von Kokospalmen ließ dasselbe auch hinsichtlich der Bewohner
erwarten, aber kaum hatten wir den Fuß ans Land gesetzt, so erschienen
auch Eingeborene, hielten sich jedoch in respektvoller Ferne. Erst nach
und nach gelang es einige beherzte Burschen heranzulocken, die sich
als Führer in die Berge anboten. In der nördlichen Ecke mündet, durch
Treibholz und Barre versperrt, ein hübscher Fluß, an dem wahrscheinlich
die Siedelungen der Eingeborenen liegen, denn die scheuen Mädchen
verschwanden in dieser Richtung. Auch am südlichen Ende der Bucht
mündet ein Fluß, dessen rechtes Ufer zum Teil von steilen Felswänden
gebildet wird. Sie bestehen aus einem quarzreichen Schiefer, aber ich
suchte in dem ausgetrockneten Flußbett, wie zu erwarten, vergebens
nach »Nuggets« (Goldkörnern); denn im Goldsuchen habe ich ja niemals
Glück gehabt. Dagegen fand ich in den Bergen hübsche Baumfarne, die
mir neu waren, aber nichts nützten. Eingeborene hatten sich inzwischen
in großer Anzahl angesammelt, betrugen sich aber sehr artig und
überreichten uns buntblättrige Crotons und rote Hibiscusblumen. Ein
glatzköpfiger Alter hielt mir in erregter Weise eine Standrede, deren
Sinn sich wohl begreifen ließ. Es handelte sich wieder um die alte
Geschichte: Rekrutieren von Arbeiter-Werbeschiffen! Solche Vorgänge
können für friedlich nachfolgende Weiße, wie wir es waren, oft
verhängnisvoll werden, und es ist in der That zu verwundern, daß uns
niemals etwas zustieß. Als z. B. Kapitän Dallmann und ich keuchend den
Berg hinaufkletterten wäre es für die Eingeborenen ein leichtes gewesen
uns zu erschlagen. Ich kann es daher in dankbarer Erinnerung nicht oft
genug aussprechen: »Wahrlich, jene nackten Söhne der Wildnis sind
längst keine Wilden!« Und als nach Einbruch der Dunkelheit allenthalben
an den Bergen Feuer blinkten, bei deren Scheine die Eingeborenen
von den weißen Fremdlingen plaudern mochten, da fiel mir das schöne
Schriftwort ein: »Selig sind die Friedfertigen!« denn auch diese
braunen Brüder werden Gottes Kinder heißen!

In der Frühe des anderen Morgens passierten wir Kap Ventenat, die
Südostspitze von Normanby, und damit traten nicht nur nach Süd, sondern
auch nach West neue interessante wechselnde Landschaftsbilder hervor.
In dem Gewirr von Riffen, Sandbänken, Inselchen und Inseln dampften wir
zunächst am Nordrande des »Galgenriffs«, an dem so leicht ein Schiff
hängen bleiben und den Hals brechen kann, der Göschen-Straße zu, welche
Neu-Guinea von der Normanby-Insel trennt. Der Südrand der letzteren
erhebt sich zu dem 3000 bis 3500 Fuß hohen Prevost-Gebirge, das viel
kultiviertes Land der Eingeborenen zeigt, ebenso wie die malerische
an 1000 Fuß hohe Lydia-Insel, die eigentlich aus drei Inseln besteht.
Nach Süd begrenzt gebirgiges Land den Horizont; es sind die Inseln
des Moresby-Archipel, die d'Entrecasteaux bereits 1793 auf 28 Meilen
Entfernung sichtete, aber in nur zu leicht begreiflicher Weise für die
Ostspitze Neu-Guineas hielt.

Wir werden die letztere noch kennen lernen, dampfen aber jetzt, einen
späteren Besuch der d'Entrecasteaux an dieser Stelle einschaltend, der
Westküste von Normanby zu. Ihre südlichste Ecke, Kap Prevost, mit dem
gleichnamigen, an 3500 Fuß hohen, steilen Berge, bildet die höchste
Erhebung, die nach Norden allmählich abfällt und in der Gegend von
Duchesse-Insel nur noch etliche Hundert Fuß beträgt. Von hier an werden
die Gebirge bis zur Dawson-Straße wieder höher und erreichen über 3000
Fuß. Einige Meilen nördlich von Duchesse-Insel säumte ein ausgedehntes
Kopragebiet die Küste; sonst waren nur kleinere Bestände Kokospalmen,
aber größere Flecke urbar gemachten Landes im Waldesdickicht der Berge
zu sehen. Hier liegen vermutlich auch die Siedelungen versteckt, denn
wahrscheinlich ist die Bevölkerung nicht ganz so gering, als es den
Anschein hat.

Nach einer unruhigen Nacht dampften wir am anderen Morgen in die schöne
Straße, welche Normanby und Fergusson trennt und zu Ehren des, um die
Erforschung Neu-Guineas hochverdienten, Lieutenants Dawson vom Basilisk
benannt wurde. Ihre landschaftlichen Schönheiten traten erst hervor
als sich die Wolken verzogen und wir die steilen Gebirge von Normanby
in der Nähe betrachten konnten. Sie sind von malerischen Schluchten
durchzogen und mit üppigem Baumwuchs bekleidet, machen aber nicht den
Eindruck der Wildnis, wie er sonst gewöhnlich gegenüber tropischer
Landschaft fühlbar wird. Denn, wie überall in den d'Entrecasteaux,
zeigen sich auch hier allenthalben Plantagen, Kokoshaine, einzelne
Häusergruppen bis ein paar Tausend Fuß in die Berge hinauf. Das sieht
alles so kultiviert, ja civilisiert aus und heimelt so sehr an, gerade
wie dies Moresby vor zehn Jahren fand, nur daß Menschen fehlten.
Während der Basilisk damals von Hunderten von Kanus mit zutraulichen
Eingeborenen umlagert war, die alle eifrig handelten, sahen wir nur hie
und da ein paar, die aber scheu verschwanden. Kein Zweifel, daß auch
hier Werbeschiffe gehaust und die Bevölkerung geschädigt hatten.

Die Samoa war in einer Art kleinen Bucht zu Anker gegangen, und ich
unternahm mit Obersteuermann Sechstroh eine Exkursion im Whaleboot,
um die bisher ununtersuchte östliche Einfahrt von Dawson-Straße
anzusehen. Wir gingen längs der Nordseite von Normanby, die ihren
vulkanisch bergigen Charakter beibehält und überall Kultivationen,
Kokospalmen oft noch über 1000 Fuß hoch zeigt. Hie und da breitet sich
ein schmales, meist dichtbewaldetes Vorland aus, mit Sandstrand, der
viel Eisen und Glimmer, aber auch Bimsstein enthält, wie das Geschiebe
der Bäche, das meist aus Schiefer und Quarz besteht. Das spricht wieder
für Gold! In der That, wenn irgendwo in dieser Region Gold vorkommt,
so glaube ich noch am ersten in den d'Entrecasteaux, will aber damit
keinen »rush« hervorrufen. Von Eingeborenen sahen wir nur einen, der
in einem kleinen Einspänner-Kanu sich vor unserem Boote retten wollte
und mir nun am Strande in die Hände fiel. Er war so sehr erschrocken,
daß er meine Geschenke zurückwies und sich nach einigen Redensarten,
vermutlich Entschuldigungen (oder sollten es Verwünschungen gewesen
sein?) seitwärts in die Büsche schlug. Ja, wir Weißen standen hier
in keinem guten Renommé, das war mir immer mehr klar, und das Warum
leicht zu erklären. Angesichts dieser Wahrnehmungen schien Vorsicht
auch für uns ratsam, denn drei einzelne Weiße in einem Boot machen
nicht den Eindruck, als wenn ein Schiff in der Nähe ist. Dies fiel mir
ein, als wir die Nordostspitze von Normanby erreicht hatten und nach
dem vor uns liegenden Goulvain hinübersegelten. Es ist dies die größte
der drei Inseln, welche den Osteingang von Dawson-Straße beengen, und
kennzeichnet sich schon von weitem durch einen eigentümlichen Berg.
Derselbe hat die Form eines langgestreckten Napfkuchens und ist wie
ein solcher von zahlreichen Längsrinnen durchzogen. Sie lassen keinen
Zweifel, daß wir es mit einem Vulkan zu thun haben und zwar einem noch
nicht allzulang erloschenen, denn der Berg ist in seiner oberen Hälfte
kahl, was gegen die dichte Bewaldung des unteren Teiles und der übrigen
Insel scharf absticht.

Unsere Absicht, ungestört auf der Insel zu frühstücken, wurde
vereitelt, denn kaum daß wir uns derselben näherten, zeigten sich
Eingeborene in hellen Haufen. Das hohe Ufergras schien förmlich
Menschen zu gebären. Sie waren zwar unbewaffnet, aber ich hatte
wohl bemerkt, daß sie viele Speere im Grase niederlegten, ein
beachtenswertes Zeichen, welches immer zur Vorsicht mahnt. Wir
ruderten längs der Küste bis zu einem Dorfe, wo sich inzwischen eine
große Anzahl Eingeborener, wohl mehrere Hundert, versammelt hatten.
Sie schienen über unsere Ankunft sehr geteilter Ansicht zu sein,
denn während einige mit grünen Zweigen zum Landen einluden, machten
die anderen abweisende Gesten, die mich an die im Gras versteckten
Speere erinnerten. Unser Verlangen zu landen wurde durch den unklaren
steinigen Grund, der unserem schlanken Boote leicht gefährlich werden
konnte, gezügelt, und schließlich fiel es uns ein, daß es vielleicht
besser wäre zu bleiben, wo wir waren. Wahrscheinlich würden wir auch
hier gut aufgenommen worden sein, aber wer will immer voraussagen, wie
es kommen kann, und wer konnte wissen, was vor uns hier passiert war?
Im Boot ließ sich ein Überfall leicht und ohne Blutvergießen vermeiden,
denn ein paar Schüsse genügten, die Menge zu verjagen, aber an Land war
dies ganz etwas anderes. Da brauchten nur ein paar Eingeborene ihre
Speere zu erheben, und unsere tapferen Neu-Britannier wären unfehlbar
mit dem Boote auf und davon gegangen, ohne sich um uns zu kümmern. Und
was hätten wir drei, selbst mit Waffen, in einem solchen Knäuel von ein
paar Hundert Speerwerfern anfangen wollen? Mir war es schon um Kapitän
Dallmann zu thun. Wo hätte der einen anderen Steuermann herkriegen
wollen? und als Opferlämmer waren wir ja überhaupt nicht hergekommen.

[Illustration: Kanuhaus auf Goulvain.]

Unter den im Schatten der Bäume versteckten Häusern machte sich
besonders eins bemerkbar, ein langer, niedriger Schuppen, in welchem
ein großes Kriegs-Kanu untergebracht war. Vergl. Abbild. (S. 224). Es
zeigte über der Thür einen gar besonderen Schmuck, eine kraniologische
Sammlung, die ich gar gern den meinen einverleibt hätte. Schädel von
Goulvain! die besaß Geheimrat Virchow gewiß noch nicht, und da mußte
jedenfalls ein Versuch gewagt werden. Ich deutete daher auf meinen Kopf
und nach jenen Schädeln, sowie auf einige Tauschwaren, und die Sache
war eingeleitet. Die Goulvainer begriffen, daß ich nicht den meinen
einverleiben, sondern ihr anthropologisches Material haben wollte,
und bald war der Handel im Gange. Freilich meine »Kilam« (Hobeleisen)
waren schnell zu Ende, aber die Eingeborenen nahmen auch Tabak und
andere Tauschwaren, bis die Weiber den schnöden Schacher plötzlich zum
Schluß brachten und den Rest des Mausoleums mit einer Matte bedeckten.
Die guten Geschöpfe schienen sehr aufgebracht, und da es immer rätlich
ist wütenden Weibern auszuweichen, so schieden wir von Goulvain, wo
wir ohnehin nichts mehr zu suchen hatten. Wußte ich doch jetzt, daß
die Insel bei den Eingeborenen Ulebubu, das Dorf vor dem wir lagen,
Nuakarau heißt, sowie manches andere über Insel und Bewohner, von
denen bisher kein Bericht vorlag. Jedenfalls hatten die Eingeborenen
aber schon Weiße gesehen, denn sie kannten: »matches« (Streichhölzer),
»pipe«, »knife« und titulierten uns selbst »manwar« (man of war =
Kriegsschiff). Ulebubu muß sehr bevölkert und sehr fruchtbar sein;
selbst an den Abhängen der steilen Kraterschluchten waren Plantagen zu
sehen, wie es die Papuas überhaupt lieben, gerade an solchen Stellen
zu kultivieren. Kokospalmen gab es in Masse, darunter auch solche mit
den kleinen, orangefarbenen Nüssen, welche auf Ceylon »King-nuts«
heißen und einer besonderen Art anzugehören scheinen. Die Eingeborenen
unterschieden sich übrigens durchaus nicht von den bisher (z. B. in
Weihnachtsbucht) gesehenen und machten schon deshalb keinen guten
Eindruck, weil soviel Schuppenkrankheit unter ihnen herrschte. Wenn
sonst Totenschädel, welche man bei Eingeborenen sieht, meist solche von
Anverwandten sind, so verhielt sich dies hier doch anders, und die von
mir erstandenen Schädel sprechen schweren Verdacht aus. Mit Ausnahme
eines einzigen, zeigten alle 15 Schädel das Hinterhaupt zertrümmert,
ganz so wie Kannibalen zu thun pflegen um die größte Delikatesse, das
Gehirn, zu erlangen. Ja, ja! ihr Männer von Ulebubu, ich kann euch
nicht rein waschen, so gern ich auch möchte, ihr seid Kannibalen, gar
kein Zweifel! »Aber die anderen auch«! höre ich euch antworten. Ja
wohl, ihr seid nicht schlechter als der Rest, denn die ganze braune
Bewohnerschaft der d'Entrecasteaux, der Ostspitze Neu-Guineas, des
Moresby-Archipels bis hinunter auf die Louisiade, sie alle sind
Menschenfresser, und dieser Brauch bildet sogar einen eben nicht
empfehlenswerten Charakter dieser ethnologischen Provinz.

Wir standen unter Segel nach Fergusson hinüber, stießen hier aber
bald auf ausgedehntes Riff, das auch südlich von Goulvain die Straße
zu versperren scheint. Doch konnten wir dies nicht ausmachen, denn
es setzte hier scharfe Strömung ein, gegen welche vier Ruderer nicht
ausreichten. Die Nordwestseite von Goulvain besteht aus Steilufer,
so daß hier vielleicht eine Durchfahrt für kleinere Schiffe möglich
ist, aber nördlich liegen noch zwei andere flache Inseln, die auf Riff
schließen lassen. Sie zeigten dichte Bestände von Kokospalmen, wie
ein großer Teil der Küste von Fergusson, die hier meist aus Flachland
mit Hochgras besteht. Gleich einer alten Festungsruine erhebt sich
hier ein, meist kahler, vulkanischer Berg, gleichsam ein Pendant zu
dem Krater von Goulvain. Aber wir bemerkten kein kultiviertes Land
an ihm, wie die ganze Küste der äußersten Südspitze von Fergusson
kaum bevölkert schien. Das änderte sich aber mit einem Schlage, als
wir westlich von der Landzunge in eine ausgedehnte Bucht einfuhren,
die rifffrei und selbst für Schiffe praktikabel ist. Hier säumt ein
breiter Streif von Kokospalmen den Sandstrand, auf dem sich Dorf
an Dorf reihte. Ich zählte an ein Dutzend, die aus je 10 bis 15
Häusern bestanden. In der Tiefe der Bai, nahe einer kleinen Insel
aus Korallfels, landeten wir inmitten von etlichen 20, sehr schönen
Kanus, bei einem Dorfe, dessen Bewohner sich anfangs sehr fürchteten
und zum Teil ausrissen. Das weibliche Geschlecht machte den Anfang
und kam selbst später, trotz den Aufforderungen der Männer, nicht
zurück, und so mußte ich diesen die Geschenke für die schüchternen
Schönen übergeben. Das Dorf mochte ungefähr 15 Häuser zählen, die
sich durch die eigentümliche Bauart, wie sie meine Skizze zeigt,
auszeichneten. Sie ruhen doppelt auf Pfählen, d. h. auf der unteren
Plattform erhebt sich das Haus noch besonders auf kurzen, wie
gedrechselten Füßen. Die schmale hohe Giebelfront ist sorgfältig aus
Pandanusblatt gefertigt und zuweilen bunt bemalt, wie das Haus links
in rot und schwarzem Schachbrettmuster. Alles sah sauber und reinlich
aus, auch der Platz um die Häuser, auf dem ich Obsidian fand. Und
nun gar erst die ausgedehnte Plantage hinter dem Dorfe! Sie war eine
Musterfarm und konnte an Akkuratesse mit einer Ziergärtnerei bei uns
konkurrieren. Man fühlte sich wie in einen Hopfengarten versetzt, so
regelmäßig erhoben sich die Ranken des Yams an Stangen, aus reichem
schwarzen Humus, der durchgesiebt schien. Zwischen dem Yams stand
Taro, Zuckerrohr, Bananen und bunte Blattpflanzen, alles in schönster
Ordnung und in größere Familienfelder eingeteilt. Merkwürdigerweise
fehlte ein Zaun um die Plantage, wie dies sonst stets der Fall ist,
was vermuten läßt, daß Wildschweine selten vorkommen. Allerdings sah
ich gezähmte bei den Häusern, aber in Verschlägen; auch hatte man
ihnen, um das Wühlen zu verhindern, sorglicherweise eine Liane durch
die Nasenlöcher gezogen. Leider blieben meine Versuche, eins dieser
Borstentiere zu erstehen, erfolglos. Die Eingeborenen werden sie
selbst wohl gern essen, verschmähen aber auch den einzigen Vertreter
der Familie Bimana (Homo sapiens, Linné) nicht, denn ich erhielt fünf
am Hinterhaupt zerschlagene Schädel und sah ein menschliches Becken
an einem Hause. Dabei waren diese Menschenfresser aber nicht allein
sehr fleißige, sondern auch liebenswürdige Leute, und es that mir
ordentlich leid, sie durch ein paar Schüsse in Furcht jagen zu müssen.
Aber in einem hohen Baume zeigten sich sonderbare Vogelgestalten, nach
denen ich schon lange gefahndet hatte. Als der Schuß krachte, lag ein
prachtvoll stahlviolett schimmernder Vogel, so groß als eine Dohle,
zu meinen Füßen, -- Manucodia Comrii -- der schönste Vertreter der
Paradieskrähen. Die Art ist, wie ein wirklicher Paradiesvogel mit roten
Seitenbüscheln (Paradisea decora), den d'Entrecasteaux eigentümlich,
die zoologisch sehr ungenügend bekannt, ohne Zweifel manches Neue
liefern werden.

[Illustration: Häuser auf Fergusson.]

Der günstige Eindruck, den uns diese Exkursion von Fergusson verschafft
hatte, wurde am folgenden Tage noch bedeutend erhöht, an dem wir längs
der Südküste bis Kap Mourilyan dampften. Sie besteht im wesentlichen
aus einer ca. 1000 bis 1500 Fuß hohen Strandkette, hinter welcher sich
unmittelbar dichtbewaldetes Hochgebirge, mit sanft gerundeten Kuppen,
zuweilen mit stumpfen Spitzen, erhebt. Der an 6000 Fuß hohe Kilkerran
scheint der Mittelpunkt dieses Gebirges, das den größten Teil der Insel
bedeckt und ihr, wie den übrigen, vorwiegend Gebirgscharakter verleiht.
Wenn es auch noch lange dauern wird, ehe Forscher in das Innere dieser
Gebirge eindringen, so ist vielleicht die Zeit nicht so fern, wo das
Küstengebirge nähere Untersuchung findet und dieselbe voraussichtlich
reichlich belohnt. In der That hier sieht es gar sehr versprechend
aus, und ich wüßte kein Gebiet in der ganzen östlichen Papuaregion,
das sich mit diesem messen könnte. Gegenüber von Kap Dawson bis Kap
Mourilyan, einem Küstenstrich von fast 20 Meilen, hat man fast nichts
als kultiviertes Land vor sich, das einen heimatlichen Eindruck macht.
Allenthalben sieht man bis hoch in die sanft ansteigenden Berge
ausgedehnte Plantagen, sorglich eingezäunt, grüne Matten, einzelne
Häuser und kleine Häusergruppen; Fußpfade führen hin und wieder und
über die Berggrate, während die Thäler und Hänge mit Wald und Buschwerk
bestanden sind. Gar liebliche Bilder, die durch den Reichtum an
Kokospalmen ein erhöhtes praktisches Interesse gewinnen! Längs dem
weißen Sandstrande ziehen sich oft meilenweite Palmwälder hin, und
selbst an den Bergen reichen ansehnliche Bestände über 1000 Fuß hinauf;
ein Kopragebiet, wie es nur selten vorkommt. Und doch ist dasselbe
bisher noch unbearbeitet geblieben, worüber sich die Eingeborenen
am meisten freuen können. Wir sahen zwar am Strande verschiedene,
auch größere Siedelungen, aber von den Bewohnern auch nicht Einen!
Diese Küste schien wie verzaubert, nicht einmal ein Kanu ließ sich
blicken. Sehr malerisch ist Kap Mourilyan, der Ausläufer eines zwischen
2000 bis 3000 Fuß hohen erloschenen Vulkans, der bis zu dem kahlen,
steilen Kraterrande dicht mit Kultivationen bedeckt ist. Wir mußten
hier leider Abschied von den d'Entrecasteaux nehmen, die für England
ohne Zweifel viel wichtiger und versprechender sind, als Port Moresby
und der größere Teil der Südostküste Neu-Guineas und vielleicht noch
einmal Bedeutung erlangen. Sie werden sich für Plantagenwirtschaft,
wie Viehzucht gleich günstig erweisen und bieten bereits etwas
Exportfähiges in den reichen Kopragebieten.

Von Goodenough-Insel bekamen wir wenig zu sehen; sie blieb, wie der
gleichnamige, an 7000 Fuß hohe Berg, meist in Wolken gehüllt, und wir
erblickten sein majestätisches Haupt nur ein paarmal während unserer
Küstenfahrt, zu der wir jetzt zurückkehren.


III. Ostkap bis Mitrafels.

  Ostkap. -- Catamarans. -- Bentley-Bai. -- Anzeichen von
  Kannibalismus. -- »Hallelujah«. -- Tamate. -- Scheu der
  Eingeborenen. -- Äußeres. -- Ausputz. -- Freundliche Mädchen.
  -- Häuser. -- Catharine-Insel. -- Begegnung mit einem Kanu. --
  Chads-Bai. -- Koom und Poru. -- Albino. -- Schönes Land. -- Eine
  Liebesgeschichte. -- Fingerspitze. -- Herrliche Gebirgslandschaft.
  -- Kap Frere. -- Wasserfälle. -- Gebirgsplantagen. -- Bartle-Bai.
  -- Goodenough-Bai. -- Basilisk-Gebirge. -- Flower- und
  Sclaterspitze. -- Pyramidenhügel. -- Geringe Bevölkerung. --
  Bedeutende Meerestiefen. -- Gebirgsbewohner. -- Kap Vogel. --
  In trübem Wasser. -- Victory und Trafalgar. -- Kap Sud-Est. --
  Geringe Bevölkerung. -- Küste von Kap Nelson bis Mitrafels. --
  Hihiaura-Bucht. -- Familienhaus. -- Wir bauen. -- Native-Häuser.
  -- Verkehr mit den Eingeborenen. -- Gomira Taga und Tohde. --
  Wir landen Vieh. -- Blumenthal. -- Ethnologisches. -- Schaukeln.
  -- Fischfang. -- Kein Salz. -- Stellung der Frauen. -- Tägliche
  Beschäftigung. -- Kochen. -- Mahlzeiten. -- Gemütliches Leben. --
  Schwierigkeit zu civilisieren -- und die richtigen Leute zu finden.
  -- Schattenseiten des Tradertums.

[Illustration: Ostkap.]

Wie erwähnt ist die Aufnahme dieser in der Luftlinie über 200 Meilen
langen Küste ein Verdienst Moresbys, das niemand besser würdigen
lernte als wir, die auf der Samoa seinem Kurse folgten. Auch in
diesem Abschnitt fasse ich die Resultate dreier Fahrten an diesen
Küsten zusammen, die, bei der ohnehin so knappen Behandlung unseres
Vorgängers, einen Beitrag zur besseren Kenntnis derselben in Wort und
Bild geben werden. Wir haben Lydia passiert und sehen die Ostspitze
Neu-Guineas immer deutlicher hervortreten. Sie wird von der Halbinsel
gebildet, welche Milne-Bai nach Norden begrenzt und läuft in eine
schmale Landzunge aus, die mit einem sanften, ca. 400 Fuß hohen Hügel
endet, vor dem zwei kleine, durch Riff verbundene Inselchen lagern.
Unsere Skizze zeigt eine derselben, Anker-Insel, mit Ostkap aus
Norden, kein großartiges, aber ein liebliches Bild, anheimelnd durch
die Plantagen auf dem Hügel und die Palmenhaine, welche den Strand
einfassen. An dem letzteren standen Hütten und Kanus; auch Eingeborene
zeigten sich hie und da, nahmen aber von dem Dampfer keine Notiz.
Das reiche Kultivations- und Kopragebiet, welches an der Ostseite von
Normanby seinen Anfang nimmt, setzt sich, mit gewissen Unterbrechungen,
von Ostkap bis nahe an Bentley-Bai fort. Aber der Bergrücken, die
Stirling-Kette, welcher die schmale Ostkap-Halbinsel bildet, deren
Breite selten fünf Meilen überschreitet, wird allmählich höher. Damit
steigert sich der Reiz des Landschaftsbildes, das in der von hübschen
Bergen umschlossenen Bai zu einem besonders ansprechenden wird. Von
Eingeborenen war wenig zu bemerken; sie hielten sich zurückgezogen und
beachteten unsere Einladungen gar nicht. Jedenfalls hatten sie seit dem
freundlichen Besuche Moresbys vor 10 Jahren, der die Ostkap-Leute »als
die liebenswürdigsten Wilden«, welche er kennen lernte, bezeichnet,
üble Erfahrungen mit dem weißen Manne gemacht. Hie und da huschte
ein Catamaran über die spiegelglatte Wasserfläche, eine sonderbare
Art Wasserkutsche, die wir einzeln schon in Normanby kennen gelernt
hatten. Sie besteht aus drei vierkantig behauenen, vier bis fünf Meter
langen Baumstämmen, die mit Lianen aneinandergebunden, ein ca. ein
Meter breites, an beiden Enden stumpfzugespitztes Floß bilden. Diese
Catamarans sind an der ganzen Ostkap-Halbinsel, wie in Milne-Bai,
die gebräuchlichsten Fahrzeuge und ersetzen zum Teil die im ganzen
seltenen Kanus. Es versteht sich von selbst, daß ein solches Floß nur
längs der Küste und bei ruhiger See benutzt werden kann, denn selbst
bei solcher nimmt es fortwährend Wasser über. Es ist daher zuweilen
ein etwas erhöhter Sitz angebracht, um Tauschwaren einigermaßen
trocken zu halten. Wir haben die Geschicklichkeit, mit welcher die
Eingeborenen dieses primitive Fahrzeug zu hantieren wissen, stets aufs
neue bewundert. Die Sache sieht nämlich viel leichter aus, als sie ist
und geht bei knieender Stellung noch am besten. Aber aufrechtstehend
erfordert es viel Übung die Balance zu halten; eine ungeschickte
Bewegung, und das Floß kippt um, was unseren Leuten später, zum Gaudium
der Eingeborenen, öfters passierte.

[Illustration: Catamarans.]

Solche Catamarans, die übrigens nur einen bis zwei Menschen tragen,
gaben uns das Geleit, als wir in Bentley-Bai einliefen, hielten sich
aber in respektvoller Ferne. Nur eine resolute Frau spornte ihre
stärkere Hälfte an, längsseit zu paddeln, um einige Geschenke zu
empfangen. Sie gab mir dafür ein paar Früchte des Melonenbaumes (Carica
papaya), ungefähr alles was die Eingeborenen besaßen, denn Kokospalmen
werden in Bentley-Bai schon spärlicher. Der furchtsame Gatte erregte
durch einen besonderen Haarschmuck meine Aufmerksamkeit. Er trug im
Nacken eine Zopfzottel, an der ein Halswirbel befestigt war, welche
Zier ich natürlich gern für das Berliner Museum erworben hätte. Aber
der Mann schien davon nichts wissen zu wollen. Es blieb mir daher
nichts übrig als Raub; denn, was thut man nicht alles im Dienst der
Wissenschaft! Ein Schnitt mit der Schere und der Zopf war mein, worüber
die kleine Frau gar sehr schimpfte. Ihre zornfunkelnden Augen gingen
aber bald in freudestrahlende über, als ich ihr einen goldenen Ring
im Wert von zehn Pfennigen, ihrem Gemahle ein Messer schenkte. Die
spätere Untersuchung hat den Knochen als einen menschlichen Atlas
nachgewiesen, wodurch auch diese guten Eingeborenen den Verdacht
Kannibalen zu sein auf sich laden. In Ermangelung besserer Beweise
spreche ich diesen Verdacht übrigens nur mit Vorbehalt aus, und will
hinzufügen, daß ich derartigen Zopfschmuck nur wenigemale hier, aber
auch in den d'Entrecasteaux und um Ostkap beobachtete. Halswirbel
vom Schwein und Dugong werden am häufigsten benutzt, besonders aber
Ovulamuscheln, zuweilen auch sonderbare Fischgebisse, so daß es sich
bei weitem nicht immer um Trophäen von erschlagenen Feinden handelt.
Selbst in diesen abgelegenen Gegenden pflegen sich die Gegensätze zu
berühren. Kaum war der Vertreter des menschenfressenden Heidentums mit
seiner Ehehälfte weggepaddelt, da tönte es »Hallelujah! Jesus!« und wir
begrüßten den ersten Christen, der sich schon durch ein früher weißes
Hemd von der übrigen Gesellschaft auszeichnete. »Missionaly[60] Tamate
Natuna!« Aha! der Herr Missionär dieses Namens, würde jeder gedacht,
aber geirrt haben, denn der Zusammenhang dieser Worte war nur dem
verständlich, welcher die Südostküste Neu-Guineas kennen lernte. Hier
ist von Freshwater- bis Milne-Bai ein Weißer unter dem Namen Tamate
überall bekannt und beliebt, der Rev. James Chalmers in Port Moresby,
der einflußreichste Mann an dieser ganzen Küste. Schon 10 Jahre lebt
er unter den Eingeborenen, die ihn alle als einen Vater verehren.
Kein Wunder daher, daß auch dieser braune Hemdenmatz sich Tamate
Natuna, d. h. Kind von Chalmers nannte, dem er wahrscheinlich in einer
Missionsstation in Milne-Bai begegnet war. Mit »Missionaly« (Missionär)
pflegt sich gern jeder Eingeborene zu bezeichnen, der nur einmal eine
Mission besuchte und deswegen noch keineswegs Christ zu sein braucht,
da in Neu-Guinea das Wort Loto (= Christentum) unbekannt ist.

Ich durfte mich dem Kinde Tamate's gegenüber, das eigentlich Tau
pa-uri hieß, als Tamate Wariga, Freund von Chalmers einführen, mit
dem ich in Port Moresby so oft zusammen gewesen war, und manche
Tour gemacht hatte. Der neue Freund erwies sich übrigens von keinem
Nutzen und riß mit der übrigen Menge aus, als ich das Land betrat.
Das kostete wieder Mühe sich anzupirschen! Ich hatte den Leuten
lange am Strande zu folgen, manchen Bach zu durchwaten, ehe einige
beherztere Burschen standhielten. Stückchen Tabak, die ich ihnen
zuwarf, kirrten sie vollends, und endlich ließ sich einer die biedere
Rechte schütteln. »So, nur Courage! sei doch kein Frosch, ich bin
ja Finsch aus Bremen, ihr kennt mich ja!« -- und die Leute wurden
zutraulicher, kamen nach und nach heran, bis uns ein dichter Haufen
umgab. Auch Mütter mit ihren Säuglingen fehlten nicht, und meine
alte Praxis, die letzteren mit roten Bändchen zu schmücken, machte
den gewünschten Eindruck. Auch Papuafrauen besitzen Mutterstolz und
freuen sich, wenn man die braunen Papuaengelchen streichelt und lobt.
Und diese Kinderchen sind im allgemeinen viel artiger als unsere,
denn sie schreien viel weniger und fürchten sich gar nicht so vor
dem »weißen Manne«. Die Eingeborenen von Bentley-Bai, wie um Ostkap,
sind von ziemlich heller Hautfärbung und gehören zu denen, welche von
Unkundigen als malayische Mischlinge erklärt werden. Aber mit Unrecht,
denn sie sind echte Papuas, wobei uns das individuelle Vorkommen von
lockigem, selbst schlichtem Haar nicht zu genieren braucht. Gewöhnlich
wird es kurz gehalten, bei den Frauen meist abrasiert, aber junge
Stutzer, wie der auf der Abbildung, zausen sich eine mächtige Wolke
auf. Er ist im Gesicht zierlich mit schwarzen Strichen bemalt, trägt
Blätter und eine künstlich zerschlissene Centropusfeder im Haar, am
Arm eines jener kolossalen Armbänder (Bakibakira), die wir zuerst
hier kennen lernten. Sie sind halbrund aus gespaltenem, schwarz
gefärbtem Rotang geflochten und werden auf der hohlen Innenseite mit
Moos und wohlriechenden Pflanzenstoffen ausgefüllt. Sie verbreiten
sich über die ganze Ostspitze Neu-Guineas und dienen zum Teil als
Trauerschmuck. Als solchen lernte ich, außer dem üblichen Schwarzmalen,
auch breite zierlich aus Gras geflochtene Bänder kennen, die von
beiden Geschlechtern kreuzweis über die Brust getragen wurden. Viele
Eingeborene litten an Ichthyosis, wie sie überhaupt in Gestalt,
wie Ausputz einen ärmlichen Eindruck machten. Das Septum war bei
beiden Geschlechtern durchbohrt, aber gewöhnlich wurde ein Holzstift
durchgesteckt, seltener ein aus Muschel geschliffener. Im Ohr trugen
die Männer meist einen zusammengerollten Streifen Pandanusblatt,
zuweilen einige Spondylusscheibchen oder kleine Schildpattringe.
Halsstrickchen (Maura) und gewöhnliche Grasarmbänder (Ohame) bildeten,
wie immer, den Hauptputz; in dem letzteren wurde häufig ein Stück
Badeschwamm (zum Waschen!) getragen. Stutzer befestigen am Armbande,
wovon auch solche aus Muschel (Conus und Trochus) vorkamen, zuweilen
einen langen Streifen aus künstlich zusammengenähten Pandanusblatt,
der gleich einem Bande herabflattert und Päropäro heißt. Als
seltenen Knie- und Armschmuck sah ich aufgereihte mittelgroße, weiße
Cypraea-Muscheln (Bunidoga); mit Ausnahme kleiner Knaben waren alle
bekleidet. Die Männer trugen die eigentümlichen Pandanusmatten, Ahra
(S. 214), die häufig an einer Schnur, zuweilen einem dicken Wulst
(Apara) von Menschenhaar befestigt sind, von dem Schnüre aus gleichem
Material mit Ovulamuscheln (Dunara), portepéeähnlich herabbommeln
(vergl. Taf. XVI 6). Frauen, selbst kleine Mädchen, sind mit schweren
Grasröcken (Nogi) aus gespaltener Kokosfaser bekleidet, wie dies die
Abbildung (S. 237) zeigt. Mit der Steinzeit war es auch hier vorbei,
denn die Eingeborenen besaßen bereits Äxte mit Bandeisenklingen (S.
212), begehrten jedoch am meisten Tabak und Pfeifen. Sie hatten aber
wenig in Tausch abzugeben oder vielmehr gaben das wenige Gute, z. B.
hübsche Holztrommeln und Holzschilde (Ragena) nicht her. Als Waffe
besaßen sie nur rohgearbeitete Speere (Jera), keine Pfeile und Bogen.
Neu waren mir sehr hübsch geflochtene, runde, schachtelförmige,
Tragkörbe (Au-utu), mit drei Einsätzen, und eine sonderbare Art
Fischfallen (Mahaba, T. IX. 1). Als Material zu Strickarbeiten wird die
durch Klopfen bereitete Faser aus den Luftwurzeln des Schraubenbaumes
(Pandanus) benutzt, die ich schon in Normanby bemerkte. Sie stellt an
Haltbarkeit und Länge des Fadens die besten unserer Faserstoffe in
den Schatten und würde einen trefflichen Exportartikel abgeben, wenn
größere Quantitäten zu haben wären.

[Illustration: Junger Mann von Bentley-Bai.]

Außer Kokosnüssen und Papayafrüchten war an Lebensmitteln nichts
aufzutreiben. Wir betrachteten wehmütig die schönen Schweine (Poru),
von denen sich die Leute nicht trennten. Und doch hatte Moresby hier
eine Menge erhandelt, aber die Bevölkerung ist seitdem offenbar
geringer und ärmer geworden.

Das weibliche Geschlecht, im ganzen häßlich und unansehnlich, zeichnete
sich durch besondere Zuthunlichkeit und Liebenswürdigkeit aus, wie
ich sie selten bei Eingeborenen gefunden habe. So beschenkte mich ein
kleines, nettes Mädchen mit einer Bekleidungsmatte, so schön, daß
sie einem Bräutigam Ehre gemacht haben würde übrigens das einzige
Geschenk, welches ich jemals von einer Papuaschönheit erhielt. Ich
hatte aber auch ein paar Handvoll Glasperlen weggegeben und die
Damen noch besonders erfreut, indem ich meinen Arm entblößte. Die
Verwunderung über die Weiße der Haut wollte unter dem sanften und
melodischen Ausdruck des Erstaunens »agai-i« gar kein Ende nehmen, das
Befühlen und Streicheln gab ihr aber bald einen dunklern Ton.

[Illustration: Haus in Bentley-Bai.]

Der hiesige Pfahlbaustil ist am besten aus der Abbildung ersichtlich,
und nur hinzuzufügen, daß das Material aus Bambu besteht und die
Grasdächer mit toten Palmblättern belegt werden, um ihnen mehr
Festigkeit zu geben. Die Diele ist meist aus Planken hergestellt.
Auf dem Vorplatz, vor der Thür stehen gewöhnlich Töpfe (Nau), deren
Anzahl zugleich den Reichtum bekundet, denn sie sind ein teurer Artikel
und kommen weit her, von Teste-Insel. Neben den Häusern erheben sich
kleinere Pfahlbauten oder Gerüste als Vorratskammern und die kleinen
Siedelungen sind zuweilen mit einer lebendigen Hecke aus Croton und
dergleichen eingezäunt. Gewöhnlich liegen auf dem freien Platze um
die Häuser, der zuweilen auch mit Rollsteinen belegt ist, große
Schieferplatten, auf denen die Eingeborenen gern zu sitzen pflegen.
Ich vermute, daß diese Steine Gräber bedecken, sah aber später ein
Grab in Form eines kleinen Hauses, ganz wie in Finschhafen (S. 173).
Wie fast stets waren Crotons bei demselben gepflanzt. Ein hier, wie an
der ganzen Ostspitze üblicher Gebrauch ist der, bei den Siedelungen
oder am Strande Kokosnüsse an eigens dazu errichteten Pfählen
aufzuhängen. Oft sieht man künstliche Bäume ganz voll von Kokosnüssen,
die wahrscheinlich zum Anpflanzen dienen. Bentley-Bai ist nur schwach
bevölkert und zählt etwa ein Dutzend ziemlich versteckter Siedelungen,
von denen die größte, Tagoreüa, nur aus acht Häusern besteht. Aber
einzelne Häuser finden sich, wie Plantagen, in den Bergen, die sehr
steil und an 2000 Fuß hoch sind und von denen man einen schönen
Blick auf Milne-Bai hat, denn die Breite der Halbinsel beträgt hier
kaum mehr als drei Meilen. Schiffen ist übrigens Vorsicht anzuraten,
da namentlich die östliche Seite der Bai nicht frei von Riffen und
Felsen ist. Am westlichen Eingange liegt eine flache mit Mangrove
bedeckte Insel (Catharine-Isl.), hinter der sich ein geschütztes Becken
(Annie-Inlet) öffnet, das aber wegen Untiefen als Hafen unbrauchbar
ist. Für Kanus mag es freilich gut genug sein, wenigstens flüchteten
zwei solche, denen wir kurz vor Kap Ducie begegneten, eiligst in die
Bucht, während ein drittes, mit zehn Mann Besatzung, längsseit kam.
Die Leute verstanden kein Wort englisch und hatten nichts als etliche
Stücke Obsidian zu verhandeln, kamen also wohl von Moresby-Straße
herüber, wo diese Lava, die zum Rasieren überall beliebt ist, häufig
sein soll.

Zwischen Cap Ducie und Excellent-Point erstreckt sich ein zwei und
eine halbe Meile langes Vorland, dessen nördlicher Rand von Small-Bai
bespült wird. Dieses Vorland ist meist mit Mangrove bestanden, erhebt
sich aber nach Westen zu dichtbewaldeten Bergen von 400 bis 500
Fuß Höhe. Als wir diese westliche Ecke, Excellent Point, passiert
hatten, sahen wir die ausgedehnte Chads-Bai, von malerischen Bergen
umrahmt, vor uns. An ihrem östlichen Ufer machten sich dichte Bestände
Kokospalmen bemerkbar, sowie Eingeborene, die uns zu Ehren flaggten,
d. h. einen Lappen Zeug an einer langen Stange befestigten und damit
winkten. Wir folgten ihrer freundlichen Einladung und gingen kaum
zwei Kabel vom Ufer in 13 Faden zu Anker. Was oft nicht wenige Meilen
Entfernung thun können! Während es in Bentley-Bai noch so schwer
war, mit den Eingeborenen zu verkehren, zeigten sie sich hier viel
weniger scheu, ohne Zweifel, weil sie noch keine üblen Erfahrungen
mit Werbeschiffen gemacht hatten. Mein Freund Tamate war hier nicht
bekannt, aber in aller Munde tönte das Wort »Toom!« Wer mochte wohl
dieser Tom sein, der die Gemüter der Eingeborenen so bewegte? Endlich
hatte ich es heraus. Nicht Toom, sondern »Koom« (Kokosnuß) meinten
die Leute, und ob wir solche haben wollten? Natürlich, ja! -- »Ein
Schwein wäre mir lieber!« meinte Kapitän Dallmann, schüttelte aber
bedenklich mit dem Kopfe, als ich ihm sagte, dasselbe sei bereits
bestellt. Aber die Sache war sehr einfach, nachdem ich durch Imitation
von Grunzen erst wußte, daß Poru auch hier Schwein heißt, wie Kiram
Axt. Ich zeigte grunzend die letztere, und unter verständnisvollem
Gegengrunzen paddelten die Leute nach dem Dorfe. Mit dem Wiederkommen
dauerte es freilich etwas lange, und ich wollte mich eben selbst
aufmachen, um dem Hohn zu entgehen und vielleicht mit einem Schusse
nachzuhelfen, denn diese Papuaschweine sind oft sehr obstinat. Da tönte
ein durchdringendes Gequieke herüber, daß alle Spötter zum Schweigen
brachte, der Koch wetzte sein Messer und sagte: »Kaptain! De Doctor
het regt! Sieh'! dor brengt de zwarte Jaantjes dat Swin!« Und so war
es. Wie stand ich nun da! He? Selbst der Kapitän gratulierte zu dem
Erfolge, der uns nach langer Zeit einmal frisches Fleisch und sein
Leibgericht: »suur Swinfleesch en Arwgen« brachte.

Wir gingen an Land, zunächst nach dem Dorfe, wo uns die ganze
Bevölkerung, etliche 30 Köpfe, sitzend erwartete, ärmlich aussehende,
aber bescheidene, nette Leute, die sich über jede Kleinigkeit unendlich
freuten. Das Dorf bestand nur aus fünf Häusern, die ganz mit denen in
Bentley-Bai übereinstimmten, wie die Eingeborenen selbst, mit Ausnahme
eines einzigen, eines Albino. Er war so hell als ein sonnverbrannter
Europäer, mit geröteten Wangen und Lippen, hatte rotbraunes Haar in
eine mächtige Wolke aufgezaust, und braune, keineswegs lichtscheue
Augen, wie sie sonst meist Albinos eigen sind. In europäische Kleider
gesteckt, würde niemand in diesem Manne den Papua erkannt haben; man
ersieht hieraus, was ein bißchen Hautfärbung thun kann. Jedenfalls ist
es sehr merkwürdig, daß von dunklen Eltern zuweilen ganz helle Kinder
abstammen, während umgekehrt wohl kaum ein solcher Fall bekannt sein
dürfte. So lernte ich an der Südostküste Neu-Guineas eine Papuafamilie
kennen, von der die sehr dunkel gefärbten Eltern zwei dunkle und zwei
helle Kinder, so weiß als europäische, besaßen. Die Eingeborenen haben
übrigens solchem Naturspiel gegenüber kein Vorurteil, was bei uns im
entgegengesetzten Falle ohne Zweifel recht bedenklich hervortreten
würde. In Begleitung der Männer machten wir eine Exkursion und
schritten auf engen Pfaden längs einem kleinen Flüßchen oder in dem
Bette desselben, bis wir auf eine grasige Hochebene gelangten, die
savannenartig mit Schraubenbaum bestanden war und sich bis Bentley-Bai
hinzuziehen schien. Sie würde sich wegen ihres nicht zu hohen,
saftigen Grases trefflich zu Viehweiden eignen, besitzt aber auch
guten, schwarzen Boden. Längs einem anderen Flüßchen, an dem schöne
Plantagen lagen, kehrten wir gegen Abend wieder an die Küste zurück,
wo wir von den freundlichen Leuten Abschied nahmen. Als wir ins Boot
steigen wollten, gab es noch eine unerwartete Scene, denn erst mußte
noch eine dunkle Dame gewaltsam entfernt werden, die sich unter einer
Bank versteckt hatte und absolut mit an Bord wollte. Das war selbst mir
in meiner Papuapraxis noch nicht vorgekommen, aber »es hilft nichts,
meine Gnädige, Sie müssen raus!« Da stand sie händeringend, um die
hartherzigen weißen Männer zu erweichen, von denen keiner nur ein
Fünkchen Mitleid fühlte. Ja, wer mochte dieser zartbesaiteten Seele
die Ruhe geraubt, es ihr angethan haben? Sicher keiner von uns vier
Weißen, denn ein solcher läßt schwarze Damen stets kalt, aber unsere
Ruderer, kannibalisch schöne Neu-Britannier, die konnten in ihren roten
Flanellhemden wohl Eindruck machen und ein so unschuldiges Herzchen
berücken. Aber galant waren diese schwarzen Stutzer auch nicht, denn
als ich einen Tommy oder Bob fragte »you like this fellow papine?«
(»magst du das Mädchen leiden?«) sagte er verächtlich: »bata! what
fore? no all same avakak papine Mioko!« (nein! warum? nicht so schön
als Mioko-Mädchen). Ja, ja! diese Schwarzen haben auch so ihren eigenen
Geschmack, und dunkle Haut allein thut es nicht.

[Illustration: Fingerspitze.]

Merkwürdige Felsen, die zwei übereinander stehenden Mauern ähneln,
begrenzen die etwa drei Meilen breite Chads-Bai nach Westen, können
aber übersehen werden, da eine sonderbar geformte Bergspitze, die
ihresgleichen sucht, das Auge fast ausschließend gefangen hält. Unter
den massigen, mit grünem Gras bekleideten Kuppen erhebt sich ein
isolierter, schlanker, fast senkrechter, an 3000 Fuß hoher grüner
Pik, die »Fingerspitze« Moresby's, ein gewaltiger und imposanter
Bergobelisk, von dem diese Abbildung nur eine schwache Vorstellung
zu geben vermag. Mit dieser charakteristischen Partie entwickeln sich
weiter westlich bis in die Tiefe von Goodenough-Bai, auf eine Länge
von fast 50 Meilen, immer neue und großartigere Gebirgsbilder, ein
wunderbares Küstenpanorama, das wir einen ganzen Tag mit Entzücken
betrachten konnten. Ohne Zweifel ist dieser Teil landschaftlich der
schönste, den ich in Neu-Guinea kennen lernte, und wahrscheinlich
für die ganze Insel überhaupt. Es würde ein unnützes Bemühen sein,
eine Beschreibung zu geben, und ich muß mich auf einige kurze
Bemerkungen beschränken, um wenigstens die charakteristischen Züge
dieses Küstengebirges zu skizzieren. Dasselbe ist zunächst als eine
noch unbenannte Fortsetzung der Stirlingskette zu betrachten, die
nach Westen zu allmählich höher wird und sich von 3000 bis an 5000
Fuß erheben mag. Dieses Gebirge fällt fast allenthalben schroff und
steil bis zur Küste ab, die nur hie und da beschränktes, meist mit
Wald bedecktes Vorland aufzuweisen hat. Das Gebirge zeigt in seiner
Kammlinie viele malerische Kuppen und Spitzen, zeichnet sich aber ganz
besonders durch steile Schluchten und Schlünde aus, die auf ihrem
Rücken schroffe Grate bilden. Trotz dieser markigen Gliederung fehlt
das Wildromantische der eigentlichen Alpenlandschaft, weil nur selten
größere Felspartien hervortreten, dagegen fast überall saftig grünes
Gras die Seiten der Berge bekleidet, die nur in den Schluchten und
im obersten Viertel oder Fünftel der Kammhöhe mit Wald bedeckt sind.
Dieser Kontrast zwischen dem hellen Grasgrün und dem dunklen, fast
schwarzen Waldesgrün gehört zu den Eigentümlichkeiten dieses Gebirges,
das sich außerdem durch zahlreiche Wasserfälle auszeichnet. Sie treten
besonders gegen Kap Frere in oft überraschender Fülle hervor, einem
gewaltigen an 3000 bis 4000 Fuß hohen, massigen Gebirgsrücken mit
fast horizontaler Kammlinie, dessen spaltenklaffende Seiten beinahe
senkrecht ins Meer fallen. Zuweilen erblickte das Auge acht solcher
Wasserfälle auf einmal, die freilich nur dünnen Silberfäden glichen,
denn wir hatten noch trockene Jahreszeit (Dezember), aber gerade
deshalb besonders merkwürdig erschienen. In der That ist es schwierig,
für diese Menge von Wasserläufen von den Bergen herab eine genügende
Erklärung zu finden, umsomehr als wir an der ganzen Küste kaum ein
halbes Dutzend, jetzt meist vertrockneter Flußmündungen antrafen. Da
noch niemand den Scheitel dieser Küstengebirge betrat, so ist es nicht
unmöglich, daß sich von hier aus südlich bis zu den nur sechs bis acht
Meilen entfernten höheren Gebirgsketten des Owen-Stanley-Systems (Mt.
Thompson u. a., über 6000 Fuß) Hochebenen hinziehen, auf welchen diese
nördlichen Wasserläufe entspringen. Auch die besonderen Verhältnisse,
unter denen sich das Vorkommen des Menschen hier zeigt, scheinen
dafür zu sprechen. Mit Chads-Bai fingen Palmwälder und Siedelungen
an spärlicher zu werden, nur selten zeigten sich einzelne Hütten mit
einer kleinen eingezäunten Plantage im Ufervorlande. Desto häufiger
konnte man dieselben an den Hängen hoch in den Bergen mit dem Glase
erkennen und erstaunte über die Häufigkeit der kultivierten Flächen
in jenen Regionen. Wie immer waren mit Vorliebe besonders steile
Stellen ausgesucht worden, und über die schroffsten Grate konnte man
die halsbrechenden Pfade der Eingeborenen verfolgen, die in diesem
interessanten Gebiete so recht eigentliche Gebirgsbewohner, wie die
Koiäri im Innern von Port Moresby, zu sein scheinen. Mit dem Fernrohr
ließen sich deutlich alte und neu angelegte Plantagen unterscheiden,
aber nirgends war ein Mensch sichtbar, höchst selten ein Haus,
dagegen zuweilen Rauch oft unmittelbar unter der Waldregion, in
Höhen von über 2000 Fuß. Kap Frere ist jedenfalls der großartigste
Teil dieses Küstengebirges und bietet namentlich von der Westseite,
Bartle-Bai, höchst romantische Partien, wie die beigegebene Skizze
des »Drachenfels« (S. 244), wenigstens andeutet. Die mit grünem Grase
bekleidete, senkrechte Wand, an der ein Wasserfall herabstürzt, ist
auf ihrer Spitze mit Felsmauern und Buschwerk gekrönt, wie mit einer
märchenhaften Burgruine. Sehr reich an pittoresken Schönheiten ist
Goodenough-Bai, der wir kaum eine Meile von der Küste entfernt, auf
nahezu 25 Meilen in W.-N.-W.-Kurse folgten. Das herrliche Gebirge,
welches ich zu Ehren des »Basilisk« benenne, wird höher und zeigt
imposante Kuppen, Spitzen und Hörner, von denen wenigstens zwei Namen
verdienen. Sie begrenzen die Einsattelung, welche ca. 20 Meilen west
von Kap Frere das Gebirge durchschneidet. Die Ostseite der tiefen
Schlucht bildet, eine regelmäßige Pyramide, die Flowerspitze, während
die Westseite von einem auffallenden, schiefabstehenden Felsenhorn,
der Sclaterspitze, begrenzt wird, beide benenne ich nach zwei
hervorragenden englischen Naturforschern. Vor dieser charakteristischen
Gebirgseinsattelung dehnt sich ein breiteres Vorland mit sonderbar
geformten Vorbergen aus, die, wie schon Moresby[61] erwähnt,
auffallend der Tafel eines Atlanten ähneln, welche die Gebirge der
Welt darstellt, ein wahres Chaos von kleineren und größeren Pyramiden,
die sich zuweilen giebelartig aneinander reihen. Diese mehrere
hundert Fuß hohen Pyramidenhügel sind alle kahl und zeigten jetzt
eine bräunliche Färbung, die nur durch spärliche Baumvegetation in
den Schluchten unterbrochen wurde. Wenn übrigens Moresby dieses Land,
wie den ganzen Strich, für ausgezeichnet für Kulturen wie Viehzucht
erklärt, so kann ich damit nicht übereinstimmen. Und zwar aus dem
einfachen Grunde, weil das Land fast nur aus Gebirgen, dabei sehr
steilen Gebirgen, besteht und zu wenig Ufervorland bietet. Daß das
letztere selbst von den Eingeborenen fast gemieden wird, ist freilich
höchst sonderbar und auffallend, denn immerhin könnten Tausende hier
leben. Von den zahlreichen Dörfern, welche Moresby erwähnt, sahen
wir, abgesehen von einzelnen Häusern, nur vier, davon das erste (acht
Häuser) ca. acht Meilen west von Chads-Bai, und dann erst wieder zwei
noch kleinere in Bartle-Bai. Diese Häuser waren nicht »oval«, wie sie
Moresby beschreibt, sondern von gewöhnlicher Form und standen zum
Teil auf niedrigen Pfählen. Noch seltener als Siedelungen und Häuser
(die ja auch ganz versteckt liegen können) trafen wir Eingeborene
und kamen nur einmal mit ihnen in Berührung, oder vielmehr sie sehr
unfreiwillig mit uns. Es war ca. 12 Meilen west von Chads-Bai, als
plötzlich ein gewöhnliches Baumstamm-Kanu vor uns auftauchte, dessen
fünf Insassen, offenbar in großer Angst, so ungeschickt vor dem Buge
des Dampfers manövrierten, daß eine Kollision nicht zu vermeiden war.
Die Leute retteten sich aber im letzten Moment durch Herausspringen,
schöpften ihr Fahrzeug, das glücklicherweise keinen Schaden gelitten
hatte, wieder aus und paddelten dem Ufer zu, ohne sich nur nach
uns und den ins Wasser geworfenen Geschenken, roten Zeugstreifen
an leere Flaschen gebunden, umzusehen. Ganz ebenso machte es eine
Anzahl Weiber, die wir an einer fast ausgetrockneten Flußmündung
überraschten, ein Mann in einem Kanu in Bartle-Bai und vier Kanus
mit je drei Insassen in Goodenough-Bai, alles, was wir an Menschen
überhaupt trafen und zu sehen bekamen. Bei den Häusern und Siedelungen
beobachteten wir sonderbarerweise nie ein menschliches Wesen. Und doch
zählte Moresby an einer Stelle in Bartle-Bai über 100 Eingeborene, die
zwar scheu, aber freundlich waren und unter anderem einen Opferhund
sowie ein Schwein überreichten. Es hat sich also offenbar seitdem
vieles verändert und zwar nicht infolge des üblen Einflusses von
Werbeschiffen (Labourtrade), die dieser Küste wohl fern blieben. Sie
eignet sich nämlich wegen großer Meerestiefen[62] und Mangel von Häfen
nicht sonderlich für Schiffsverkehr und wird schon aus diesem Grunde
Ansiedelungen wenig begünstigen. Es ist zu bedauern, daß Moresby die
Plantagen der Eingeborenen im Gebirge unerwähnt läßt. Wir sahen sie in
Goodenough-Bai allenthalben, ja hier in noch bedeutenderen Höhen als
vorher, nicht selten in 4000 Fuß, unmittelbar unter der Waldregion,
welche die Kammhöhe bedeckt, und selbst auf den höchsten Kuppen ließen
sich mit dem Glase Kultivationen, Fußpfade, grüne Wiesen und einzelne
Häuser, wie Sennhütten, erkennen. Wer zu ihnen vordringen und über
dieses sonderbare Gebirgsland und seine Bewohner Auskunft geben könnte!
Hat doch bis jetzt kaum ein Forscher jene Küste, geschweige denn die
einsamen Gebirgspfade des braunen Mannes betreten. Aber hoffentlich
wird auch für dieses Gebiet bald die Zeit herankommen, wo diese Lücken
ausgefüllt werden.

[Illustration: Drachenfels in Bartle-Bai.]

[Illustration: Pyramidenhügel in Goodenough-Bai.]

Gegen Abend näherten wir uns dem Nordrande von Goodenough-Bai,
der ähnlich wie Huon-Golf von West nach O.-N.-O. verläuft, aber
nur 25 Meilen lang ist und mit niedrigeren, meist bewaldeten
Höhenzügen bedeckt ist, hinter denen die majestätischen Gebirge von
Goodenough-Insel hervorragten. Am anderen Morgen befanden wir uns
in Ward-Hunt-Straße, welche die letztere Insel vom Festlande trennt
und näherten uns Kap Vogel (S. 248), das Moresby nach dem früheren
Premierminister von Neu-Seeland Sir Julius Vogel benannte. Es wird
von einem ca. 400 Fuß hohen, steilen Hügel gebildet, der gleich einer
grünen Wand die Nordostspitze der Kap Vogel-Halbinsel säumt, welche aus
schönem Kulturland zu bestehen scheint. Am Strande zeigten sich dichte
Bestände Kokospalmen, aber wir bemerkten nur ein Dorf, dessen Bewohner
keine Kanus zu besitzen schienen und von uns gar nicht Notiz nahmen.
Grüne Flächen und Hügel treten jetzt an Stelle der Hochgebirge und die
ganze Küste nimmt einen anderen Charakter an. Seit Catharine-Insel
sahen wir zuerst wieder kleine Inseln vorgelagert, die meist niedrig,
dicht mit Mangrove bestanden und häufig durch Riff mit dem Festlande
verbunden sind. Während es in Goodenough-Bai nicht ein Riff giebt,
wurden solche von jetzt an häufiger und mahnten den Schiffer zur
Vorsicht. Diese ist umsomehr geboten, als wir fast an dieser ganzen
Küste bis Mitrafels hinauf noch in einer Entfernung von vier Meilen
trübgefärbtes Wasser beobachteten, das selbst den sorgfältigen Ausguck
illusorisch machte. Nicht selten wühlte die Schraube in klarem Wasser,
während die Oberfläche des Meeres weit und breit schmutzig-grün
erschien, was auf zahlreiche Süßwasserzuflüsse schließen läßt. Die
Möglichkeit auf totes Riff zu rennen liegt daher nahe, und auch der
Samoa drohte diese Gefahr ein paarmal, glücklicherweise kamen wir aber
mit dem Schrecken davon. Das schmutzige Wasser veranlaßte auch Kapitän
Dallmann der riffreichen Collingwood-Bai auszuweichen, deren Küsten
wir schließlich ganz aus Sicht verloren. Was wir im östlichen Teile
derselben sahen, war niedriges Hügelland, anscheinend mit viel grünen
und braunen Kulturflecken, die wohl aber nur kahles Land sind, längs
dem Ufer ein dichter Gürtel Mangrove.

[Illustration: Kap Vogel.]

Nach wenigen Stunden kam wieder Land in Sicht und entwickelte sich
bald zu einem sehr malerischen Gebirgspanorama, dem Nelson-Gebirge
mit seinen beiden hervorragendsten, an 4000 Fuß hohen Spitzen, Victory
und Trafalgar. Sie sind wie das übrige Gebirge dicht bewaldet, laufen
aber in grasige schiefe Flächen aus, die von dichtbewaldeten Schluchten
durchzogen sind, und wahrscheinlich Flußläufe aufzuweisen haben.
So zeigt der Berg Trafalgar an seiner Nordostseite einen hübschen
Wasserfall und wird durch eine tiefe Schlucht in zwei Hälften geteilt,
wie dies meine Skizze veranschaulicht. Die Küste schneidet in mehrere
mangrovebestandene Buchten ein, die nicht frei von Felsen sind, wie es
auch an Riffen nicht mangelt. So malerisch dieses Land aussieht und so
sehr es für Kulturen geeignet scheint, Anzeichen des Vorhandenseins
von Eingeborenen fanden wir nicht und verbrachten daher eine ruhige
Nacht in Porlok-Bai, etwas westlich von dem schwer auszumachenden Kap
Nelson. In dieser Gegend hatte auch der Basilisk eine Nacht geankert,
und Moresby gedenkt zahlreicher Eingeborener und deren besonders
konstruierten, sehr großen Kanus, von denen manche 30 bis 40 Mann
trugen. Wir hatten das letzte in der Nähe von Kap Vogel gesehen und
trafen überhaupt erst wieder an der Ostspitze von Dyke-Acland-Bai,
vor dem sogenannten Kap Sud-Est (von d'Entrecasteaux) mit Menschen
zusammen, wie sich schon von weitem an einem Kokoshain erwarten ließ.
Es entwickelten sich hier nach und nach vier größere Dörfer, von je
einem Dutzend Pfahlhäusern, aber Eingeborene zeigten sich nur wenig,
und diese wenigen kamen nicht, obwohl sie Kanus besaßen. Weiter
nordwestlich begegneten wir keinen Siedelungen mehr, was, wenn auch
vereinzelte übersehen worden sein können, immerhin zu dem Schlusse
berechtigt, daß diese ganze, von Chads-Bai an nach ihrem Verlauf
gemessene, an 270 Meilen lange Küste nur äußerst spärlich bevölkert
ist. Und wie es auf deutschem Gebiete in Huon-Golf und längs der
Maclay-Küste damit bestellt ist, haben wir aus Kap. 5 und 4 ersehen.
In der That sind alle bisherigen Angaben über die Einwohnerzahl
Neu-Guineas durchaus illusorisch und entbehren jedes sicheren Anhaltes.
Aber bei der Genauigkeit unserer geographischen Lehrbücher müssen
ja auch solche Zahlen ausgefüllt werden, selbst wenn sie auch nicht
entfernt zuverlässig sein können. Was die Beschaffenheit der Küste
selbst anbelangt, so ähnelt dieselbe im ganzen der von Herkules-Bai.
Von der Kap Nelson-Halbinsel bis Kap Killerton ziehen sich inland
ununterbrochen Gebirgsketten von 2000 bis 4000 Fuß Höhe, die von da
an zu niedrigeren Höhenzügen herabsinken, während das Ufer westlich
von Dyke-Acland-Bai meist mit dichten Kasuarinenbeständen gesäumt ist.
Solche finden sich in den verschiedenen Buchten längs der sogenannten
Holnicote-Bai, die übrigens kaum den Namen »Bai« verdient.

[Illustration: Trafalgar-Berg.]

Von Mitrafels kehren wir zu einer späteren Zeit wieder nach Bentley-Bai
zurück, deren Bewohner uns diesmal als Freunde begrüßten und am
liebsten ganz behalten hätten. Bei nochmaliger genauer Prüfung erwies
sich aber dieser Platz, aus verschiedenen Gründen, zur Anlage einer
Station, um die es sich diesmal handelte, nicht geeignet. Wir mußten
also unser Heil anderwärts probieren und untersuchten die Küste bis
Ostkap wiederholt. Sie wird von mehreren kleinen, palmumrahmten
Buchten gebildet, von denen sich aber nur die von Hihiaura brauchbar
erwies, weil hier wenigstens kleine Schiffe ankern können. Diese Bucht,
ca. eine Meile ost von Bentley-Bai und neun Meilen west von Ostkap,
ist von malerischen Bergen umgeben, unter denen der über 1300 Fuß hohe
Killerton der höchste ist. Trotz der Steilheit sieht man überall im
Waldesdickicht noch hoch hinauf urbar gemachte Stellen, Plantagen der
Eingeborenen, die im Verein mit den luftigen Kokoshainen des Strandes
ein gar liebliches Bild geben. Bald wurde es lebendig; zahlreiche
Catamarans paddelten heran, und eine große Menge Eingeborener hatte
sich am Ufer versammelt, als wir landeten. Offenbar war schon von
Bentley-Bai Kunde über uns hierher gelangt, denn die Leute zeigten
sich, obwohl immerhin mißtrauisch, doch längst nicht so scheu als
zuerst dort. Die Siedelung Hihiaura ist, wie alle an dieser Küste,
sehr klein und zählte nur acht Häuser, darunter aber ein ungewöhnlich
großes. Es war 40 Fuß lang, 18 breit und bis unter die Giebelspitze
25 Fuß hoch, dabei äußerst akkurat gebaut, und ich freue mich, auch
dieses bemerkenswerte Bauwerk der Steinzeit hier in der Abbildung geben
zu können. Nicht lange und man wird vergeblich nach einem derartigen
Denkmal der Baukunst des sogenannten Naturmenschen suchen. Auch die
hiesigen hatten die Steinaxt beiseite gelegt und dachten nicht daran,
die beginnenden Schäden des Hauses auszubessern, wie der Eingeborene
überall nachlässiger wird, sobald er erst eiserne Werkzeuge besitzt.
Das bewußte Gebäude war übrigens ein Familienhaus, in welchem vier
Familien, der größere Teil der Bevölkerung Hihiauras, wohnten. Für uns,
die wir im Begriff standen selbst zu bauen, hatte dieses Haus, bei dem
keine Säge, kein Bohrer, kein Nagel, ja überhaupt kein Eisen benutzt
oder verwandt worden war, natürlich ganz besonderes Interesse, und
selbst unsere Zimmerleute gaben ihrer Bewunderung als Sachverständige
Ausdruck. Bald kam die Reihe des Erstaunens an die Eingeborenen, als
sie sahen, was drei Weiße mit ihren Werkzeugen und vier Schwarzen zu
schaffen vermögen. Während letztere den gekauften Platz klärten und
mit wuchtigen Axthieben Bäume, z. B. die größte Kokospalme in zehn
Minuten, zu Boden streckten, suchten die Zimmerleute im Walde nach
passenden Bäumen zu Pfählen, denn auch unser Haus sollte ein Pfahlbau
werden, wobei es hauptsächlich auf die Träger ankommt, auf denen der
Fußboden ruht. Sie müssen von Hartholz (Mangrove und dergleichen) sein,
das Fäulnis und weißen Ameisen widersteht und durch eine Blechkappe
und Teeranstrich weiteren Schutz erhält. An Baumaterial hatten wir
nur Pfosten und Latten für Gestell und Dachstuhl, Bretter zur Diele
und Fensterladen mitgebracht, alles übrige mußte von einheimischem
Material beschafft werden. Die Eingeborenen holten dasselbe herbei
und erwiesen sich, soweit Kanaker überhaupt fleißig sein können, als
recht fleißig. Freilich giebt es da immer mehr Zuschauer als Arbeiter,
aber freundliches Zureden und ein freundliches Gesicht vermag auch
die Trägen aufzumuntern, ja zuweilen fährt eine wahre Arbeitswut
unter die Leute. Ein Teil schleppt Büschelgras für das Dach herbei,
andere flechten Matten aus gespaltenen Blättern der Kokospalme zu den
Seitenwänden, Kinder säubern den Platz von Steinen und holen Lianen zum
Binden, aber alle wollen schließlich bezahlt sein und zwar gleichmäßig.
Darin sind Kanaker reine Sozialdemokraten; denn wer immer nur etwas
mitgeholfen hat, verlangt dasselbe als der, welcher wirklich arbeitete
und der Knabe soviel als der Häuptling. Nun, ich will gleich hier
bemerken, daß die Arbeitslöhne keine großen Summen repräsentieren,
handelt es sich doch um Tabak, und einige Stangen mehr oder minder
fällt nicht ins Gewicht. Ja, ein paar Stück mehr thun oft Wunder,
erhalten die Leute in Stimmung, und nicht selten beginnen etliche
freiwillig zu helfen, die bisher nur gafften. So schnell der Eifer des
Kanakers plötzlich für eine Sache auflodert, so schnell verfliegt er
auch, aber glücklicherweise wird so ein Haus ja ziemlich rasch fertig,
wie die Entwickelung des unsrigen zeigt. Erster Tag: Bäumefällen und
Klären eines Platzes von 120 Fuß Breite und 170 Fuß Tiefe; Graben
von 24 Löchern und Einrammen so vieler Pfähle; zweiter Tag: Diele
legen, Pfosten und Dachstuhl aufsetzen; dritter Tag: Fenster und
Thüren einsetzen, Dach decken; vierter Tag: Dach vollendet, Innenwände
gemacht; fünfter Tag: Seitenwände gemacht -- und fertig war das Haus!
Nicht wahr, das geht schnell? »Wird auch danach gewesen sein?« höre ich
Zweifler einwerfen. Ja, ein Palast war es freilich nicht, aber, wie
die Abbildung (S. 256) zeigt, immerhin ein Haus (40 Fuß lang, 14 breit
und 16 hoch), das für die hiesigen Verhältnisse einen ausgezeichneten
Bau repräsentierte, der die meisten Traderstationen, wie sie im
Bismarck-Archipel üblich sind, bei weitem überragte. Ach ja, solche
Stationen entsprechen in den meisten Fällen gar wenig dem, was man
sich gewöhnlich darunter vorstellt und unterscheiden sich oft kaum von
Hütten der Eingeborenen. Sogenannte »Native-Häuser«, d. h. aus Material
des Landes, sind übrigens gar nicht zu verachten, und wenn gut gebaut,
solchen aus Brettern und Wellblechdach, schon der größeren Kühle wegen,
vorzuziehen. Dabei stellen sie sich bedeutend billiger, denn Bretter
sind in Australien teuer, besonders Hartholz, das allein den weißen
Ameisen widersteht, die mit gewöhnlichem Fichten- und Tannenholz gar
bald fertig werden. »Billig und schlecht« rächt sich in den Tropen
daher am meisten, aber gewöhnlich wird erst viel Lehrgeld gezahlt, ehe
man dies einsieht.

Mit den Eingeborenen hatten wir uns bald auf das freundlichste
gestellt. Sie waren mit unserem Plane ganz einverstanden und brachten
gleich das erste Schwein als Opfer der Freundschaft, welches bei allen
Eingeborenen bedeutungsvoll ist. Große Freude machte es ihnen auch, daß
ich nach alter Praxis jedes Wort aufschrieb, welches ich hörte. Und als
ich erst »goanajai« (= wie heißt das?) fragen konnte, da ging es mit
der Verständigung schneller. Aber diese ersten Worte machen eben die
meiste Mühe. Namentlich ist es schwer, die Namen der Leute zu erfahren,
weniger wer die Hauptpersonen sind. Denn das hatte ich in Hihiaura
bei meiner Findigkeit schon am ersten Tage heraus. Und auch dies ist
nicht immer so leicht, da sich ein »Gomira«, wie Häuptling hier heißt,
äußerlich kaum von der übrigen Gesellschaft unterscheidet. Aber da der
schwatzhafte Alte, mit den verschmitzten Augen, den ich wegen seines
Zwickelbartes den Schneider nannte, der hat etwas zu bedeuten. Er
entpuppte sich später als Gomira Taga! Und dann der behäbige Herr,
mit dem gutmütigen, freundlichen Gesicht, der gehört auch zu den
Honoratioren, obwohl er wenig spricht, stets Ernst und Würde bewahrt
und nie lacht, denn so verschieden sind auch die Charaktere bei den
Papuas. Ich hatte das Richtige getroffen: es war Gomira Tohodo oder
Tohde, der größte und beste Häuptling Hihiauras, der sich uns stets
hilfreich und freundlich erwies. Er war ein Mann von Besonnenheit und
Nachdenken, und deshalb schienen ihm unsere Kühe und Schafe, die jetzt
gelandet werden sollten, viel Sorgen zu bereiten. Solche Ungeheuer
hatten die guten Leute noch nie gesehen, und namentlich flößte ihnen
der Widder mit seinen gewaltigen Hörnern Angst und Schrecken ein. Und
von was mochten sich diese Monstra nähren? vielleicht spießten sie
Menschen auf, um sie später gemächlich zu verschlingen? Das waren
offenbar alles Fragen, die durch Tohdes Kopf gingen, als ich mit ihm
einen Ausflug machte, um einen passenden Platz für das Vieh ausfindig
zu machen. Bald fanden wir mit Gras bestandene Berghänge, die sich für
unsere Zwecke trefflich eigneten. Ich hielt, so gut ich konnte, einen
Vortrag über Rindvieh und Schafe, den mein brauner Freund vollkommen
zu begreifen und der ihn zu beruhigen schien. Sorgsam raffte er ein
Grasbündel zusammen, dessen Zweck ich anfänglich nicht begriff. Aber da
im Dorfe, vor dem versammelten Volke, da demonstrierte er mit dem Grase
in der Hand die fremden Tiere, die nun unter Jubel gelandet wurden.
Hei! wie das auseinanderstob, wenn der Widder einen Seitensprung
machte, und gar erst als eine Kuh nach ihrem Kalbe brüllte; da war
es mit der Courage wieder vorbei. Aber die Leute wußten nun, daß
die Tiere Gras fressen und bezeugten ihre Genugthuung darüber durch
einstimmiges »dewadewa« (sehr gut). Auch ich schloß mich im stillen
diesem »dewadewa« an; war es mir doch vorbehalten gewesen, die ersten
Nutztiere nach diesem Teile Neu-Guineas zu bringen, und daß sich
wenigstens das Rindvieh trefflich halten würde, darüber war mir kein
Zweifel. Freilich mußte das erst versucht werden, wie die ganze Anlage
ein Versuch war, auch in diesem Gebiete freundliche Beziehungen mit
den Eingeborenen anzuknüpfen und dasselbe für Handel und Civilisation
zu eröffnen. Dabei kam der Umstand zu statten, daß die Eingeborenen
bereits Bedürfnisse besaßen, z. B. nach Tabak und Pfeifen verlangten,
deren Benutzung an anderen Orten erst nach und nach eingeführt werden
muß. So kannten z. B. die Neu-Irländer vor wenigen Jahren Tabak noch
gar nicht; heute ist er dort, wie überall, das gangbarste Tauschmittel.
Wie die Eingeborenen bereits etwas verlangten, so hatten sie auch
etwas abzugeben, ihren Reichtum an Kokosnüssen, mit dem es an der
ganzen Ostküste von Neu-Guinea sonst gar ärmlich aussieht. Denn
wo die Eingeborenen gar nichts abzugeben haben, da kann auch kein
Tauschhandel aufkommen, wie dies leider meist der Fall ist. Hier boten
sich günstigere Verhältnisse und ein weites Arbeitsfeld, das sich
bei geeigneten Hilfsmitteln bis auf die nahen d'Entrecasteaux-Inseln
ausdehnen ließ. Blumenthal, wie ich die Station (S. 256) nach dem
Heimatsorte von Kapitän Dallmann benannte, sollte dafür die Grundlage
bilden und wurde einem erprobten Manne, Karl Hunstein (vergl. S. 196),
den ich glücklicherweise in Cooktown getroffen und engagiert hatte,
übergeben. Er war mit mir im Inneren von Port Moresby gewesen, und
ich wußte aus Erfahrung, daß keiner besser verstand mit Eingeborenen
umzugehen als er. Einem solchen Pioniere, der bereits sieben Jahre
unter den Eingeborenen Neu-Guineas lebte und niemals in Konflikt mit
ihnen kam, brauchte man keine Instruktionen zu geben, der wußte selbst
am besten, was er zu thun und zu lassen hatte.

Die Eingeborenen waren übrigens ganz so, wie wir sie in Bentley-Bai
kennen lernten, und ich habe dem dort Gesagten (S. 235) wenig
hinzuzufügen. Neu war mir ein eigentümlicher Trauerschmuck, ein Reif
dicht mit Ovulamuscheln besetzt, den Frauen über die Brust auf der
Achsel trugen, zugleich ein Hoheitszeichen, das nur Häuptlingsfrauen
zukommt. Eine andere Auszeichnung bemerkte ich an einem Manne, der die
eine Brustseite tätowiert hatte, eine Körperverzierung, die sonst an
dieser ganzen Küste nicht üblich ist. Aber an der Südostküste hatte
ich ganz gleiche Tätowierung bei Männern gesehen, die dort als Zeichen
dient, daß der Betreffende einen Feind im Kampfe schlug, was vermutlich
auch für hier gültig sein wird. Im ganzen schienen die Bewohner von
Hihiaura aber sehr friedliche Leute, bei denen man selten eine Waffe
(Speer) sah und die ihre Kampfschilde verkommen ließen, wahrscheinlich
weil dieselben nicht mehr gebraucht werden. Statt Speerwerfen vergnügte
sich jung und alt mit Schaukeln, die ganz wie die unseren aus zwei
Stricken bestanden und an Bäumen angebracht waren. Ackerbau und
Fischfang bildeten wie überall auch hier die Hauptbeschäftigungen.
Letzterer wurde von Catamarans aus mit Netzen betrieben und galt
hauptsächlich einer kleinen, sprottenähnlichen Fischart, die sehr
häufig war. Wenn sich der Kreis des engmaschigen Garnes enger zog,
versuchten die Fischchen gewöhnlich mit großer Behendigkeit durch
Überspringen zu entrinnen, so daß die Fischer meist vollauf zu thun
hatten, dies zu verhindern. Ihr Gewerbe wird noch durch gefräßige
Schmarotzer-Milane (Milvus melanotis) erschwert, die, ohne sich um
den Mann auf dem Catamaran zu kümmern, von diesem bereits erbeutete
Fische im Fluge wegzustehlen wissen, was oft gar ergötzliche Scenen
giebt. Es mag noch bemerkt sein, daß die Eingeborenen diese kleinen
Sprotten ganz gut zu räuchern verstehen und an Stöckchen aufgereiht zum
Verkauf bringen. Die Ware hält sich aber nicht lange, da man kein Salz
kennt und alle Speisen ohne solches zubereitet, wie dies für die ganze
Südsee[63] gilt.

[Illustration: Station Blumenthal.]

Ich habe bereits erwähnt, daß alle Papuas nur gekochte Nahrung
genießen, aber noch einiges über das Kochen nachzuholen. Dabei mag
der Stellung der Frau gedacht sein, die so häufig durchaus falsch
beurteilt wird. Da hört man nichts als von einem Sklaventum der Frauen,
die nur die Lasttiere zu spielen haben, schlechter behandelt werden
als das liebe Vieh, mit einem Wort, die bedauernswertesten Geschöpfe
unter der Sonne sein sollen. Aber so schlimm ist es bei weitem nicht;
denn auch die Papuafrau erfreut sich eines menschenwürdigen Daseins
und spielt in ihrer Weise, unter Berücksichtigung des allgemeinen
Bildungsgrades, eine so wichtige Rolle als bei uns. Giebt es doch in
Neu-Guinea auch Königinnen! Im ganzen haben es Papuafrauen besser
als das weibliche Geschlecht der ärmeren Volksklassen bei uns, auf
dem nicht allein Hauswesen und Kindererziehung lasten, sondern das
auch meist noch tüchtig arbeiten muß. Das weiß freilich nicht jeder
bei uns, wer aber kennen lernte, wie sehr sich das arme weibliche
Geschlecht in Europa plagen muß, der wird ihre dunklen Schwestern in
Melanesien nicht beklagen. Betrachten wir das Tagewerk einer Papuafrau!
In einer Zone, wo der Tag ungefähr zwölf Stunden dauert, darf man es
nicht als Frühaufstehen bezeichnen, wenn die Menschen mit der Sonne
munter werden. Gewöhnlich lassen Eingeborene dieselbe erst ordentlich
aufgehen, ehe sie auf der Bildfläche erscheinen, denn Morgenfrische
und Tau sind der empfindlichen nackten Haut sehr unangenehm. Es ist
also meist sechs Uhr vorüber, bis sich die ersten Eingeborenen vor den
Hütten zeigen, um sich zunächst von den Sonnenstrahlen durchwärmen zu
lassen. Die Frauen zünden dann Feuer an, um Reste vom vorhergehenden
Abend aufzuwärmen oder frisches Essen zu kochen, holen Wasser in
Kokosnußschalen und beginnen dann mit Kehren, ganz wie dies bei uns
geschieht. Dabei wird nicht nur die Hausdiele, sondern auch der freie
Platz um die Häuser, zuweilen der Strand gefegt; es herrscht daher
eine Reinlichkeit, die vielerorts bei uns zum Muster dienen könnte.
Gegen acht Uhr trollen die Frauen mit den Kindern, Schoßschweinchen
und Hunden in die Plantagen ab. Dort wird vielleicht etwas Erde
aufgewühlt, Yams ausgegraben, gepflanzt und dergleichen, aber nicht
das verrichtet, was bei unserer ländlichen Bevölkerung Arbeit heißt,
die oft nach des Tages Last und Mühe noch den Abend benutzen muß, um
ein Stückchen Land zu bestellen. Gegen drei oder vier Uhr sehen wir
die Frauen aus den Plantagen heimkehren, mit Früchten und Feuerholz
beladen, schier niedergedrückt von der Last. Aber was ist dieselbe
gegenüber derjenigen, welche Frauen bei uns zu schleppen haben, die
Kiepen, wie wir sie in Thüringen finden, oder Körbe und Eimer, wie sie
im Bremischen noch dazu auf dem Kopfe getragen werden. Jetzt beginnt
das Holzzerkleinern in sehr einfacher Weise, indem man die dürren
Aststücke auf einem Stein zerschlägt, und das Kochen kann seinen Anfang
nehmen. In Ermangelung von Lappen wird der Topf mit einem Bananenblatt
ausgewischt und ist nun zur Aufnahme von Lebensmitteln fertig. Mittelst
Muschelschalen schälen die Frauen Bananen und Brotfrucht, schneiden
solche in Würfel und füllen den Topf damit, eine Arbeit, bei der sich
die zahmen Schweinchen sehr zudringlich und lästig erweisen, da sie von
allem ihr Teil abhaben wollen. Jetzt wird mit dem gezähnelten Rande
einer Muschel Kokosnuß gerieben und die ölreiche, breiige Masse, welche
das Fett ersetzt, über den Inhalt des Topfes ausgeschüttet, der nun
mit Süßwasser gefüllt und Bananenblättern zugedeckt, auf das Feuer
gesetzt wird. Drei Steine stützen den unterseits runden Topf, unter dem
bald ein lustiges Feuer lodert. Ist das Essen gar, so bekommt jeder
sein Teil auf einem Bananenblatte serviert und häufig essen die Frauen
mit den Männern zusammen. Letztere schämen sich übrigens keineswegs vor
Küchenarbeit, und jeder Mann versteht ebensogut zu kochen als die Frau.
Nach dieser Hauptmahlzeit, die nach englischer Sitte zwischen fünf
bis sechs Uhr abends stattfindet, und bei der nur Wasser als Getränk
dient, begiebt man sich meist zur Ruhe. Denn inzwischen ist gewöhnlich
der Abend hereingebrochen und das Tagewerk des Papuas vollendet, des
glücklichen Menschen, der nichts von vierzehnstündiger Arbeitszeit und
Nachtarbeit weiß, ohne welche Millionen bei uns kaum ihr bißchen Leben
zu fristen im stande sind. Aber mondhelle Nächte sehen auch den Papua,
der das Dunkel der Nacht fürchtet, thätig, ja unermüdlich; es gilt aber
dann nur fröhlichem Spiel und Tanz. Damit kann der Papua oft halbe
Nächte zubringen und darf sich dies erlauben. Ist er doch ein freier
Mann, dem Niemand am frühen Morgen zuruft: »Stehe auf und arbeite«! Ja,
das wird noch lange dauern, ehe sich der Papua unserer Civilisation
der Arbeit anbequemt hat, und ich fürchte, die Mehrzahl ist vorher
darüber zu Grunde gegangen. Wie schwer es schon hält den civilisierten
Papua, der bereits im Bunde der Christenheit steht, auf die Beine zu
bringen, nur um der kurzen Andacht beizuwohnen, das habe ich in Port
Moresby oft genug erlebt. Da nützte die Glocke, mit welcher ein Knabe
durchs Dorf bimmelte, oft sehr wenig, und erst wenn der energische
Rua, ein eingeborener Lehrer, in Person die Hütten visitierte und die
Lässigen, wohl nicht immer mit bloßen Worten, aufmunterte, schlenderten
sie nach dem Gotteshause. Freilich, wenn gerade ein Kriegsschiff da
ist, dann kommen sie alle, die Bekehrten und solche, die es werden
wollen, in zum Teil geborgten Feierkleidern, denn sie wissen ja, daß
bei solchen Gelegenheiten meist etwas abfällt. Und solche läßt sich der
Papua als praktischer Mann nicht entgehen, denn Eigennutz bildet einen
hervorragenden Zug seines Charakters, während der Erwerbssinn, zumal
wenn mit einiger Mühe verknüpft, fast gar nicht vorhanden ist.

Trotz der Liebenswürdigkeit der Bewohner Hihiauras wußte ich schon
im voraus, daß das nicht so bleiben würde, sobald erst der Dampfer
weg war. Aber Hunstein gegenüber brauchte ich unbesorgt zu sein,
und wir werden später erfahren, wie sehr er sich unter schwierigen
Verhältnissen als der richtige Mann bewährte. Und deren giebt es gar
wenige. Vor allem erfordert es einen nüchternen Mann, der sich mit der
eingeborenen Damenwelt nicht einläßt, was in der Regel die Ursache
von Feindseligkeiten ist, ferner einen Mann, der die Eingeborenen
zu behandeln versteht, sich nicht fürchtet, aber auch bei etwaiger
drohender Haltung nicht gleich dazwischen feuert, wie dies so häufig
geschieht. Ruhe und Nüchternheit sind daher Hauptbedingungen; außerdem
aber noch eine Menge praktischer Fertigkeiten erforderlich, die sich
nur im Buschleben erlernen lassen. Leute, welche solchen Anforderungen
entsprechen, giebt es aber gar wenige, und man darf sich nicht
wundern, wenn die noch so junge Geschichte der Handelsniederlassungen
im westlichen Pacific bereits so viele blutige Dramen zu verzeichnen
hat, während die Mission, mit ein paar Ausnahmen, überall friedlich
durchkam. Das hat eben an den betreffenden Vertretern gelegen. Die
Art und Weise im Betragen und Auftreten des ersten Weißen ist daher
von großer, folgeschwerer Bedeutung für das weitere Einvernehmen mit
den Eingeborenen. Über das Tradertum der Südsee ließe sich allein
ein Buch schreiben, denn es setzt sich aus Elementen zusammen, deren
Vergangenheit häufig eine sehr dunkele war, und unter denen Abenteurer
der verschiedensten Art vorkommen. Man muß diese »Whistling Jacks«,
»Kings of the Macaskills«, und wie sie sich sonst mit Vorliebe nennen
lassen, kennen und wird zugeben müssen, daß sie den Eingeborenen selten
als Vorbilder dienten. Ich erinnere mich dabei u. a. eines Traders auf
Pleasant-Island, eines weggelaufenen Matrosen, dessen Halbblutsohn
»Agua-Ardente« gar nicht erst englisch lernte, weil dies der Vater für
einen »Kanaker« überflüssig hielt. Und solche weiße Kanaker, »Pákeha
Maoris«, wie sie auf Neu-Seeland heißen, rekrutieren sich nicht immer,
wie in dem letzteren Falle, aus ungebildeten Berufsklassen. Nein! gar
manche haben etwas gelernt und waren Leute in guter Lebensstellung.
Aber der Gin, der Gin! Da liegt meist das Übel! er spielt im Leben des
Südsee-Traders eine gar große, böse Rolle, und wie wenige giebt es,
die sich mit mäßigem Schnapsgenusse begnügen. Wenn die Eingeborenen
Melanesiens in dieser Richtung nicht dem Beispiele des Weißen
folgten, so liegt es daran, weil sie Spirituosen nicht mögen, die in
anderen Südseegebieten z. B. den Gilberts bereits eine erschreckende
Verbreitung gefunden haben. Aber auch in anderen Beziehungen waren
Weiße nicht immer Vorbilder für die moralische Erziehung der
Eingeborenen, die nicht nur in rohen Matrosen, sondern auch in Leuten
der gebildeten Klasse zuweilen üble Lehrmeister erhielten. Was muß der
Kanaker denken, wenn ihn ein Weißer beauftragt, gegen Bezahlung einen
anderen Weißen umzubringen, wie dies in Neu-Britannien vorkam. Der
Anstifter dieser grausigen That, ein Kapitän L...[64], war damals einer
der hervorragendsten Weißen und ließ jenen Trader nur erschlagen, um
dessen sogenannte Frau, eine Samoanerin, zu erlangen, wie einst David
Bathseba. Solchen Beispielen gegenüber ist es leicht begreiflich,
daß die Mission mit ihren braunen Lehrern (teachers), beschränkten,
aber nüchternen und ordentlichen Menschen, weit mehr für Civilisation
leistete als der Handel, dessen Träger nur in seltenen Fällen etwas
dafür thaten. Hätte der Handel aber von Anfang an über ähnliche gute
Hilfsarbeiter verfügen können, dann würde auch er für die Eingeborenen
und deren Hebung dasselbe erreicht haben als die Mission, denn er ist
ebenso gut dazu berufen segensreich zu wirken als die letztere. Ja, in
gewisser Beziehung noch mehr, denn der Handel kann die Eingeborenen
zugleich zu einer für beide Teile ersprießlichen Thätigkeit anspornen
und ermuntern, hat aber in dieser Richtung bisher wenig geleistet. Und
jetzt ist es an vielen Orten bereits zu spät. Die Eingeborenen zum
Teil schlecht behandelt und durch das oft gewaltsame Wegführen von
Arbeitern erbittert, haben das Vertrauen zum weißen Manne verloren,
und dieses wird sich nur sehr schwer wieder erringen lassen.

Ich wußte Blumenthal in guten Händen, besonders da Hunstein einen
tüchtigen Gefährten in einem schottischen Zimmermann erhalten hatte,
und so dampften wir befriedigt Ostkap zu.


IV. Milne-Bai bis Teste-Insel.

  Killerton-Inseln. -- Missionsstation auf Aroani. -- Die Londoner
  Mission in Neu-Guinea. -- Farbige Lehrer (teacher) -- die wahren
  Pioniere. -- Betragen der Eingeborenen. -- Stellung der Lehrer. --
  Günstiger Einfluß der Mission. -- Ein Sonntag in der Mission. --
  Christliche und heidnische Kunst. -- Kirärauchen. -- Beschaffenheit
  der Insel. -- Ein schöner Sänger. -- Milne-Bai. -- Mita. -- Higiba.
  -- Schilde. -- Häuser. -- Baumhaus. -- Eingeborene. -- Chinastraße.
  -- Moresby-Archipel. -- Dinner-Insel. -- Ein »Dimdim«. -- Bestrafte
  Arbeiterwerber. -- Tripang und Tripangfischer. -- Missionsstation.
  -- Eingeborene. -- Tätowierung. -- Basiraki. -- Glockenfels. --
  Chas oder Teste-Insel. -- Häuser. -- Verschiedener Baustil. --
  Prähistorische Töpferei. -- Reger Handelsverkehr. -- Ethnologie.
  -- Eingeborene. -- Haartrachten. -- Tätowieren. -- Bekleidung und
  Schmuck. -- Einfluß der Mission. -- Idande der Lehrer. -- Die
  verunglückte Sylvesterbowle. -- Nach Cooktown. -- Aufregung.

Die Südseite der Ostkap-Landzunge zeigt eine ähnliche Beschaffenheit
als die nördliche. Aber die Hügel und Berge fallen zum Teil steiler
ab und haben ausgedehnteres Kulturland, längs dem Strande dichtere
Kokospalmbestände aufzuweisen; trotzdem bemerkt man wenig Siedelungen
und Menschen. Bald sahen wir die Killerton-Inseln vor uns. So
heißt eine Gruppe von drei kleinen und acht bis zehn sehr kleinen
Korallen-Inselchen, die zum Teil untereinander und mit der Küste durch
Riff verbunden, den nördlichen Eingang von Milne-Bai säumen. Mit
Ausnahme der östlichsten Insel, Aroani oder Merari, sind sie unbewohnt,
und auch diese ist erst durch die Londoner Mission besiedelt worden,
welche hier ihre östlichste Station in Neu-Guinea besitzt. Chalmers
nennt sie »a perfect model farm, splendidly laid out«; was man sich
dabei für Vorstellungen zu machen hat, wird meine Abbildung zeigen.
Die beiden Hauptgebäude sind links die Kirche, rechts das Lehrerhaus;
die übrigen Häuser und Hütten (an 15 und mehr) dienen ca. 60
Missionszöglingen zur Unterkunft. Diën, der Lehrer (teacher), der uns
schon in Hihiaura besuchte, kam uns in seinem Boote entgegen, um den
besten Ankerplatz gegenüber der Station anzuweisen, der übrigens auch
nicht frei von Korallriffen ist. Bald folgte in Kanus und Catamarans
die Gemeinde, Eingeborene von der Küste, die mit der Mission leben,
teilweise als Bekehrte oder weil es ihnen überhaupt bequemer ist. Sie
waren meist heller gefärbte Menschen als ihr Lehrer, der von der Insel
Lifu (Loyalitätsgruppe) stammte und den dunklen melanesischen Typus
repräsentierte. Dennoch hatte er schlichtes Haar, was auf Lifu sehr
häufig ist und mich weniger verwunderte, als rothaarige Individuen
unter den Eingeborenen, weil natürlich-rotes Haar bei Papuas zu den
höchst seltenen Ausnahmen gehört.

[Illustration:

                                                               (S. 262.)

Missionsstation Aroani.]

Das Bekehrungswerk in Neu-Guinea ist bekanntlich in Händen der
Londoner Gesellschaft, der größten und reichsten der Welt, die hier
im Jahre 1871 die ersten Missionslehrer einsetzte. Jetzt verfügt
sie über etliche dreißig, die in gewissen Gebieten der Südostküste,
von Saibai bis Milne-Bai, in etwa 25 Stationen verteilt sind. Die
Centralstation mit dem »Institute« zur Erziehung eingeborener Lehrer
ist auf Erub (Darnley-Isl.), in der östlichen Torresstraße, unter
der Leitung von ein bis zwei englischen Geistlichen, zwei andere
residieren in Port Moresby, dem Centrum für Neu-Guinea selbst. Alle
übrigen Stationen sind mit sogenannten Lehrern (teachers) besetzt,
Südsee-Insulanern, die entweder von der Loyalitäts-Gruppe (Lifu und
Maré) oder aus Ost-Polynesien (Savage-Island, Rarotonga u. s. w.)
herstammen. Das Missionswerk hat diesen dunklen Sendboten unendlich
viel zu verdanken und ihre Verdienste sind bei uns viel zu wenig
bekannt. Sie waren und sind die eigentlichen Pioniere nicht nur der
Mission, sondern der Civilisation überhaupt, die es wagten, sich als
Erste unter sogenannten »Wilden« niederzulassen, die noch niemand
kannte, mit denen niemand zu sprechen verstand, und von denen kein
Mensch voraussehen konnte, welche Aufnahme den Fremdlingen zu teil
werden würde. Wie dem Händler (Trader) ein notdürftiges Haus gebaut
wird, in welchem man ihn mit einigen Vorräten und Lebensmitteln seinem
Schicksale überläßt, bis das Schiff wiederkehrt, so machte es auch die
Mission[65]. Während aber dem Händler schon die weiße Hautfarbe stets
ein Übergewicht verleiht, fällt dieser Rassenvorteil beim farbigen
Missionslehrer weg, denn der Eingeborene hat vor seinesgleichen, wenn
auch in europäischer Kleidung, natürlich nicht den Respekt als vor
dem weißen Manne. Die Geschichte der Missionsgründung in Neu-Guinea
liefert den besten Beweis, daß es mit der so arg verschrieenen
Wildheit der Papuas nicht so schlimm bestellt ist. Auch sie haben
sich meist als Menschen gezeigt, indem sie die Fremdlinge, welche man
auf unbestimmte Zeit ihrer Obhut anvertraute, nicht nur unbehelligt
ließen, sondern dieselben hie und da noch unterstützten. Auch das
Missionsschiff blieb zuweilen länger aus als erwartet, und die Lehrer
waren mitunter lediglich auf die Eingeborenen angewiesen. Wenn es auch
nicht an Bedrohungen fehlte, die selbst das zeitweilige Verlassen
einer Station nötig machte, so verdient doch hervorgehoben zu werden,
daß bei der Gründung der Mission nur auf Bampton-Insel, nahe der
Mündung des Flyflusses zwei Lehrer zu Märtyrern[66] wurden, während
die Tücke des Klimas eine Menge Opfer forderte. Diese Thatsache lautet
gewiß sehr zu Gunsten der Eingeborenen und sollte in goldenen Lettern
allgemein Anerkennung finden; aber wer spricht von den »Wilden« um
sie zu loben? Wer das Wesen des Eingeborenen kennt, wird freilich
wissen, daß dies gute Betragen nicht aus purer Humanität entsprang,
sondern daß, wie so häufig im menschlichen Leben, Eigennutz die
Triebfeder zu dieser Handlungsweise war. Schon der weiße Mann, welcher
die fremden, braunen Gäste installierte, verlieh den letzteren in
den Augen des Eingeborenen einen gewissen Nimbus. Aber man wußte
auch, daß das Schiff zurückkommen würde und fürchtete Bestrafung
für etwaige Missethaten. Mehr als diese Furcht wirkte jedoch das
Auftreten der Sendlinge selbst zur Anknüpfung guter Beziehungen. Sie
waren ruhige Leute, welche die Eingeborenen nicht inkommodierten, und
die letzteren fanden sich schon aus Neugierde beim Gottesdienst ein,
der ihnen ja etwas durchaus Neues war. Bald erkannte der Eingeborene
auch den praktischen Nutzen der Mission, die ihm zuerst eiserne
Geräte, allerlei Tand, und ganz besonders Tabak zuführte und dem
betreffenden Dorfe dadurch ein Übergewicht verschaffte. Der nüchterne,
berechnende Kanaker-Vorstand fand schnell heraus, daß eine solche
Zufuhrsquelle erhalten werden müsse, und man hütete sich daher wohl,
die Gans mit den goldenen Eiern umzubringen. Die geringen Vorräte
einer Missionsstation vermögen die Habsucht der Eingeborenen auch
nicht in dem Maße zu reizen, wie dies gegenüber den viel reicheren
Handelsstationen eintreten kann, um durch einen Handstreich auf einmal
in den Besitz von Schätzen zu gelangen. Bald hatte die Mission hie und
da durch den Einfluß eines Häuptlings unterstützt, die in Neu-Guinea
meist wenig bedeuten, Freunde unter den Eingeborenen und gewann
dadurch immer festeren Boden. Selbst entferntere Dörfer verlangten
nach einem Missionär, um gleiche Vorteile zu genießen und darauf ist
so häufig der »Schrei nach dem Evangelium« zurückzuführen. Diese
Erfolge sind zum großen Teil den farbigen Lehrern zu verdanken, da
die weißen Missionsleiter ja nur in längeren Zwischenräumen die über
neun Längengrade ausgebreiteten Stationen besuchen können. Während
die Mission bisher glücklicherweise keinen Europäer verlor, hat der
Tod unter den eingeborenen Lehrern um so reichere Ernte gehalten,
denn gar viele erlagen dem Klimafieber. Fern von der Heimat und
ohnehin fatalistisch veranlagt, ist der energielose Kanaker viel
weniger widerstandsfähig als der Europäer, ja mancher stirbt, weil
er sterben will. Das klingt freilich paradox, ist aber wahr, und
gilt auch für die braunen Sendboten des Evangeliums, die trotz ihres
civilisatorischen Anstriches doch Kanaker blieben. Wenn so ein Mensch
plötzlich erkrankt und die Medizin, welche man ihm zurückließ, nicht
bald hilft, dann hält er sich häufig für verloren, giebt sich selbst
auf und unterliegt nicht selten einer Krankheit, die ein Europäer bei
einiger Behandlung überwinden würde. Der Missionslehrer stirbt in
vollem Gottvertrauen und in der Beruhigung eines gottergebenen Lebens,
der Tod hat also keine Schrecken für ihn. In der That verdient die
Selbstverleugnung dieser Leute die größte Anerkennung, denn sind sie
auch meist von geringer Herkunft, so standen sie sich doch meist in
ihrer Heimat besser. Mancher hatte hier ansehnlichen Besitz, andere
lernten die Welt als Matrosen kennen, und für die wenigsten sind daher
die zwanzig Pfund Sterling (400 Mark), welche ein Missionslehrer an
Jahresgehalt empfängt, gleichwertig seiner früheren Lebensstellung.
Aber das neue Amt verschafft ihm ein ganz anderes Ansehen. Früher
gewohnt zu gehorchen, kann er jetzt kommandieren und sich zum Herrn
und Gebieter einer Gemeinde aufschwingen, wie dies den meisten Lehrern
sehr bald gelingt und wiederum für die gute Art der Eingeborenen
spricht. Sie sind es, welche gegen geringes Entgelt in Tauschwaren
das Feld mitbestellen helfen, das die Lehrerfamilie ernährt, die ja
an Eingeborenenkost gewöhnt, nur wenig Bedürfnisse hat. Im Verein mit
gelegentlichen kleinen Nebeneinnahmen sind sogar noch Ersparnisse
möglich. Die farbigen Lehrer der Londoner Missionsgesellschaft stehen
sich daher weit besser, als die der Wesleyaner im Bismarck-Archipel,
die außer Kleidung (d. h. Lavalava oder Lendentücher) nur mit etwas
Tabak und vier Pfund Glasperlen jährlich ihren Unterhalt zu bestreiten
haben. Wenn gegenüber dem Aufwande an Mühe und Kosten, den Verlusten
an Menschenleben und Gesundheit, die Bekehrungserfolge[67] auch keine
großen sind, so läßt sich das segensreiche Wirken der Mission doch
nicht verkennen und verdient volle Anerkennung. Eine Missionsstation
ist stets ein Hort des Friedens, namentlich in solchen Gebieten,
wo der Verkehr mit den Eingeborenen durch Weiße gestört wurde, deren
Betragen nicht selten auch die Mission in bedrohliche Lage brachte.

[Illustration:

                                                               (S. 266.)

Vor der Kirche Aroani.]

Ein Besuch auf der Insel Aroani zeigte das Leben und Treiben, wie es
an jeder Missionsstation herrscht. Alles eilte herbei, um dem weißen
Fremdlinge die Hand zu geben und ihn mit »denani« zu begrüßen; einzelne
ließen wohl auch ein »good morning« und den leisen Wunsch nach Tabak
einfließen, ohne eigentlich zu betteln. Eine Menge Wörter der hiesigen
Sprache zeigte übrigens nahe Verwandtschaft mit dem Motu von Port
Moresby. Es war gerade Sonntag, und jeder erschien im besten Staate,
aber gerade daran konnte der Erfahrene merken, daß wir uns an einer
entfernten Nebenstation befanden. Denn während am Sabbath in Port
Moresby Kanakerinnen nicht selten in Kleidern mit Volants paradieren,
mußten sie sich hier mit den landesüblichen Volant-Grasröcken begnügen.
Nur wenige besaßen außerdem ein Kattunjäckchen oder ein Strohhütchen
mit künstlichen Blumen, wie die possierlich ausstaffierten Mädchen
in der lebensvollen Gruppe unserer Abbildung. Sie zeigt so recht
den Gegensatz zwischen den Anfängen einer mit europäischem Plunder
übertünchten Civilisation und der ursprünglichen Eingeborenentracht.
Die letztere dürfte dabei als die vorteilhaftere erscheinen, da
die rot und gelben Grasröcke, aus Blattfasern der Sagopalme, die
braunen Gestalten in der That trefflich kleiden. Tätowierung ist
in Milne-Bai nicht Sitte, und die damit verzierten Frauen unseres
Separatbildes waren Gäste von Dinner-Insel. Die Vorderseite der
Kirche giebt einen weiteren interessanten Vergleich christlicher und
heidnischer Kunst, die ebenfalls zum Vorteil der letzteren ausfällt.
Denn die skelettartige Karikatur über der Thür ist nur aus schwarz
und weißgefärbtem Pandanusblatt verfertigt, hat also wenig Mühe
gemacht, während wir in dem Aimaka auf Bilibili (S. 73) noch solide
Holzbildhauerei kennen lernten. Und wenn ich hier auf die Decenz beider
Darstellungen eingehen dürfte, dann hätte ich für beide drastische
Bemerkungen zu machen. Die Kirche war im übrigen ein solider Pfahlbau,
welchem ein mit Kerben versehener Baumstamm als Treppe diente. Bald
läutete der Lehrer zum Gottesdienst, dem einige 40 Eingeborene, meist
weiblichen Geschlechts mit Kindern und Säuglingen, beiwohnten. Nach
den Regeln der Londoner Mission wurde in der Landessprache geredet
und gesungen, denn die Eingeborenen lernen Singen gar schnell. Im
übrigen herrscht natürlich am Sonntage die Ruhe der englischen Kirche,
welche den Missionszöglingen aber wenigstens das Rauchen gestattet.
Die Londoner Gesellschaft ist überhaupt viel toleranter als z. B.
die amerikanische in Mikronesien, welche nicht allein das Rauchen
verbietet, sondern auch die Tracht der Eingeborenen durch allerlei
Satzungen verändert und dadurch bald alle Originalität auslöscht. Was
würde sie erst zu dem eigentümlichen Rauchgerät sagen, das ich nach
langer Zeit zuerst hier wiedersah, und welchem der Eingeborene wahrhaft
frönt! Es ist dies der an der ganzen Südostküste bekannte Baubau, hier
Kirä genannt, ein langes Stück Bambu mit einem Loche. Das letztere
dient zur Aufnahme einer kleinen mit Tabak gefüllten Blattdüte, einer
Art Zigarette. Ist die letztere angezündet, so wird das Rohr voll Rauch
gesogen, dann die Zigarette herausgenommen und aus dem kleinen Loch
der Rauch eingesogen oder vielmehr verschlungen, wobei der Kirä von
Mund zu Mund wandert. Ich darf versichern, daß diese Rauchmethode sehr
wirkungsvoll ist, denn sie betäubt förmlich, aber kleine Kinder sind
bereits daran gewöhnt, und der »Baubau« ist unzertrennlich mit dem
Leben des Papuas der Südostküste Neu-Guineas verknüpft.

[Illustration: Kirärauchen.]

Das Haus des Lehrers war ein ähnlicher Bau als die Kirche und, wie
diese, von Eingeborenen gemacht worden. Es enthielt im Inneren drei
Abteilungen und außer selbstgefertigten Tischen und Bänken den üblichen
Wandschmuck, Bilder aus London Illustrated News, Graphic, Modezeitungen
u. s. w., sowie einige Kisten und Kasten, denn auch der Hausrat eines
Missionslehrers ist meist sehr bescheiden. Aber Diën baute an einem
neuen Wohnhause, das sehr gut zu werden versprach. So wurden die Wände
außen mit Kalk (aus Korallen gebrannt), verputzt und sollten innen
tapeziert werden und zwar -- mit Segeltuch, was sich freilich schon der
Kosten wegen unausführbar erwies.

Aroani, zum großen Teil von Mangrove-Lagunen eingeschlossen, mit
schlechtem korallinischem Boden, ist jedenfalls sehr ungesund. Aber
ich erstaunte, trotz des kümmerlichen, korallbesäten Erdreiches so
gute Plantagen zu finden. Außer den üblichen Feldfrüchten Yams, Taro,
Bananen und Zuckerrohr wurden auch Kürbisse, Wassermelonen und Mais
angebaut; alles schien trefflich zu gedeihen, bis auf die wenigen
jungen Kokospalmen.

Lieblicher Vogelgesang, eine Seltenheit in den Tropen, den ich schon
von Bord aus gehört hatte, und der mir mit seinen nachtigallähnlichen
Strophen durchaus neu war, reizte den Urheber zu erlangen. Bald war er
in meinen Händen, ein unscheinbares Vögelchen, Ptilotis sonoroides,
das bisher nur auf Waigiu und Mysol beobachtet wurde. Sonst erlangte
ich nur noch wenige Kleinvögel, denn die großen Fruchttauben waren zu
scheu, und so mußte ich mich mit der kleinen Ptilinopus aurantiifrons
begnügen, einem jener reizenden, kleinen Täubchen, welche Neu-Guinea
in so überraschender Fülle und Farbenpracht eigen sind.

Milne-Bai bildet eine an 20 Meilen lange und ca. 10 breite Einbuchtung
im Ostende Neu-Guineas, deren Nordrande wir bis über die Hälfte
folgten, um dabei ein Kopragebiet von seltenem Reichtum kennen zu
lernen. Das Vorland an dieser Seite der Ostkap-Halbinsel ist viel
ausgedehnter als an der nördlichen und zeigt stellenweis förmliche
Wälder von Kokospalmen. Nach der Aussage der Lehrer würde sich dieses
Kopragebiet in noch größerer Ausdehnung bis in die Tiefe und längs
dem West- und Südwestrande der Bai erstrecken, so daß dasselbe reiche
Ausbeute verspricht, deren Verwertung inzwischen schon in Angriff
genommen sein dürfte. Trotz dieses Überflusses schien die Bevölkerung
unbedeutend. Nur selten zeigte sich ein einzelnes Haus am Strande, und
an den grünen Vorbergen wurden Kultivationen seltener. Das allmählich
höher ansteigende Stirlings-Gebirge ist, wie sich schon an der dichten
Bewaldung erkennen ließ, unbewohnt.

In Mita, ca. fünf Meilen von Aroani, der zweiten Missionsstation, ließ
ich mich an Land setzen und wurde von Dick, dem Lehrer, einem dunklen
Maré-Mann, begrüßt. Hilfreiche Hände zogen das Boot durch die Brandung
und reichten geöffnete Kokosnüsse als Willkommen, noch ehe wir das Land
betreten hatten. Die Station ist viel kleiner als die auf Aroani und
besteht nur aus zwei Häusern, von denen eins als Kirche dient; auch
war der Anhang von Eingeborenen viel geringer. Unter den letzteren
zeichnete sich ein mit Hemd, Hose und Filzhut bekleideter ältlicher
Mann aus, der König, denn er sagte wiederholt »me king«, alles, was er
an englischen Worten wußte, und empfing natürlich den üblichen Tribut
in einigen Stücken Tabak. In Begleitung des »Königs« und Dicks Sohn
Joana, einem fixen Knaben, der ziemlich englisch sprach, ging ich nach
dem nächsten Dorfe, um wenigstens etwas von Land und Leuten kennen zu
lernen. Der Weg führte teils durch Urwälder, in denen außer anderen
Vogelstimmen sich auch die von Paradiesvögeln (Paradisea Raggiana)
vernehmen ließen, teils durch Plantagen, welche den Reichtum und die
Fruchtbarkeit des Bodens bekundeten. Joana erzählte, daß ein anderer
»King« seinem Vater nach dem Leben trachte, aber gleich ausreißen
würde, wenn er mich mit dem Gewehre sähe. Bald kamen wir an eine
hübsche Bucht, welche zur Anlage einer Station wie geschaffen scheint,
besonders da sie auch für Segelschiffe sichere Ankerung bietet. Längs
dem Sandstrande dieser Bucht gelangten wir zuerst zu dem kleinen Dorfe
Higiba, (Higäbei), das nur aus drei Häusern besteht, weiterhin, einen
seichten Fluß durchwatend, nach dem etwas größeren Baragom, das sich
durch einen großen Kanuschuppen auszeichnete. Er stimmte ganz mit dem
auf Goulvain (S. 224) überein, und wie wir solche in Hihiaura und an
der Ostkap-Landzunge kennen lernten. Diese Kanuschuppen scheinen, in
Ermangelung anderer Baulichkeiten, zugleich als Versammlungshaus der
Männer zu dienen, in welches man Fremde nicht gern eintreten läßt.
Außer dem Kanu, das Eigentum des Häuptlings oder der Gemeinde ist,
enthielt der Schuppen nur eine Anzahl großer hölzerner Kampfschilde,
die ganz mit denen in Bentley-Bai übereinstimmten. Von diesen
Schilden giebt es zwei Formen, länglich-ovale und rechteckige (ca. 1
m hoch und 40 cm breit), die zum Teil mit erhabener Schnitzerei und
bunter Bemalung verziert sind und mit zu den besten Erzeugnissen des
Kunstfleißes zählen.

Die Häuser unterschieden sich von denen in Bentley-Bai (S. 237)
hauptsächlich dadurch, daß sie auf sehr hohen Pfählen wohl zehn
Fuß über der Erde stehen und aus Sagopalmblatt gebaut sind, deren
lohfarbene Färbung sie schon von weitem auszeichnet. Ich sah übrigens
auch Häuser auf niedrigen Pfählen und solche von ovaler Form, denen
gewisse Häuser auf Aroani wohl als Muster gedient hatten. Besonders
überraschte mich ein Baumhaus, das noch im Bau begriffen war, wie
dies die Abbildung (S. 272) zeigt. Solche Baumhäuser, die ich aus
dem Inneren von Port Moresby kannte, gehören zu den kunstvollsten
Bauwerken der Steinzeit. Denn es ist nicht so leicht in den Ästen und
im Wipfel eines Baumes, oft in einer Höhe von 50 bis 60 Fuß, ein Haus
zu bauen, das den Winden widersteht. Diese Häuser dienen als Festen
und Warten, in welche sich die Dorfbewohner bei einem feindlichen
Überfall zurückziehen. Die primitive Leiter aus Lianen, welche zu
dem luftigen Bau führt, wird hinaufgezogen und die Festung ist zur
Verteidigung fertig. Sie enthält außer Wasservorräten Unmassen von
Wurfgeschossen in Gestalt von Speeren und Steinen, womit gar mancher
Sturm abgeschlagen werden kann, wenn auch das Dorf in Flammen aufgehen
sollte.

[Illustration: Baumhaus in Milne-Bai.]

Die Eingeborenen, welche inzwischen zahlreich herbeigeeilt waren,
unterschieden sich in nichts von denen in Bentley-Bai und Hihiaura,
sprechen auch fast dieselbe Sprache. Sie brachten außer Büscheln
buntblättriger Crotons kaum etwas zum Tausch, und ich erlangte mit
Mühe wenige Schilde und Steinklingen, da auch hier die Steinzeit ihrem
Ende entgegengeht. Die Eingeborenen von Milne-Bai, erwiesenermaßen
Kannibalen, stehen in keinem guten Ruf. Aber auch sie sind weit
besser als der letztere, wie ich von Hunstein weiß, der länger unter
ihnen lebte und sehr gut mit ihnen auskam. Moresby, der zuerst hier
war, fand überall freundliche Aufnahme. Aber die Gewaltthätigkeiten
der Werbeschiffe, welche hier rekrutierten, und das zuweilen brutale
Auftreten von Tripangfischern haben seitdem auch hier dem Weißen keinen
guten Ruf verschafft; man darf sich daher über etwaige Massacres als
Repressalie nicht wundern.

Die Samoa war inzwischen herangekommen und wir setzten unseren
westlichen Kurs noch etwas weiter fort, bis wir die Tiefe der Bai sehen
konnten, die aus Flachland zu bestehen scheint. Hier liegen die Dörfer
Maivara und Gihara, die wie Wagawaga (Discovery-Bay), am Südwestrande,
stark bevölkert sein sollen. Wir wandten dann unseren Bug ostwärts und
dampften, im Angesicht der 1500 bis über 3000 Fuß hohen Gebirge am
Südrande der Bai, Chinastraße zu, Moresby gab ihr diesen Namen, weil
sie einen kürzeren Seeweg zwischen Australien und China eröffnet, der
sich in der Praxis aber nicht bewährte. Wir hatten North-Foreland,
die Nordspitze der südlichen Halbinsel von Milne-Bai passiert, die
aus steilen, an 1800 Fuß hohen Gebirgen besteht, ohne Siedelungen und
Kokospalmen, und sahen die malerischen Inseln des Moresby-Archipel
vor uns. Sie sind alle bergig, mit zahlreichen Kultivationen der
Eingeborenen bedeckt, am Strande dicht mit Kokospalmen gesäumt, und
mögen danach zu urteilen ziemlich gut bevölkert sein. Bald hatten wir
die kleinen Inseln Meckinley (Maivara) und Paples an Backbordseite und
sahen in die Tiefe von Jenkins-Bai, die fast hufeisenförmig von der
gebirgigen Basilisk-Insel (Urapotta), nebst Hayter (Sáriwa oder Sariba)
umschlossen wird. Am Nordwestrande der letzteren Insel passierten wir
Possession-Bay, wo Moresby am 24. April 1873 zum erstenmale die Flagge
hißte und im Namen Englands von den Inseln Besitz ergriff. Die Straße
erreicht nun ihre schmalste, kaum eine Meile breite Stelle und schien
am südwestlichen Ende durch Heath-Insel (Rogia, Logia) geschlossen,
aber bald öffnete sich der Blick nach Südost und wir hatten die kleine
Dinner-Insel (Samárai) vor uns. Sie ist kaum eine Meile lang, ca. 200
Fuß hoch, und war, ehe die Londoner Missionsgesellschaft (1876 oder 77)
eine Station errichtete, unbewohnt. Jetzt siedeln hier an 30 bis 40
Eingeborene der Nachbarinseln, meist von Rogia, die unter der Obhut von
Ipunessa, eines Lifumannes, eine kleine Gemeinde bilden.

»Dimdim stop mission« (ein Weißer lebt im Missionshause) sagte
ein Zögling, der gleich mit dem ersten Kanu längsseit und an Bord
gekommen war; es stand uns also eine Überraschung bevor, als wir an
Land ruderten. Und in der That, unter der uns erwartenden Menge war
ein Dimdim, ein wirklicher Weißer. Er stellte sich in englischer
Sprache als »Harry Smith« vor und erkundigte sich zunächst nach der
Nationalität unserer Flagge. Als er hörte, daß es die deutsche sei, da
entpuppte er sich plötzlich als ein Landsmann von der Ostsee, der den
englischen Namen, Gott weiß aus welchem Grunde, nur angenommen hatte.
Ja, ja, so werden Deutsche über die ganze Welt umhergeschleudert, und
man wundert sich an irgend einem Orte keinen Deutschen zu finden. Von
Nordkap und Nord-Sibirien an bis auf den entlegensten Inselchen im
Indischen und Stillen Ozean, wie z. B. Diego Garcia, in den Gilberts
u. s. w., allenthalben habe ich Landsleute angetroffen, nicht immer
mit besonderer Freude. Daß Harry als früherer deutscher Matrose die
deutsche Flagge nicht kennen sollte oder wollte, durfte befremden
und der Umstand, daß er zur Besatzung des berüchtigten Werbeschiffes
»Hopeful« gehört hatte, war ebenfalls als keine Empfehlung zu
betrachten. Die gegen Eingeborene verübten Unthaten dieses
Sklavenschiffes kamen zufälligerweise einmal heraus, ein seltener
Fall in der Geschichte der Labourtrade. Die Missionslehrer hatten
Anzeige gemacht, und die Urheber wurden diesmal wirklich vor Gericht
gestellt. Der in Brisbane verhandelte Fall, bei welchem die Lehrer
die Haupt-Belastungszeugen bildeten, machte damals großes Aufsehen
in Australien. Das Urteil sprach nämlich den Kapitän, Steuermann und
Arbeiteragent oder »Agent of immigration«, wie er euphonistisch heißt,
des Todes schuldig. Drei Weiße wegen einer Handvoll Niggers!! Ein
solcher Fall war noch nie dagewesen und erschien so ungeheuerlich, daß
die Zeitungen ein furchtbares Geschrei erhoben. Schließlich sind denn
auch die Übelthäter dem Galgen entronnen und zu lebenslänglichem Kerker
(davon drei Jahre in Ketten!) begnadigt worden.

Harry führte übrigens hier im Hause des Missionars ein beschauliches
Leben als Händler (Trader), kaufte Kokosnüsse, um Kopra zu machen,
und war dabei, eine Tripangstation zu errichten. Tripang oder Bêche
de mer --?? -- ja das wollte ich ja eben sagen --, heißen jene zur
Ordnung der Stachelhäuter (Echinodermata) gehörenden Meerestiere
der Gattung Seewalzen oder Seegurken (Holothuria), wenn sie gehörig
zubereitet und getrocknet sind. Diese Tiere bilden im Leben einen
langgestreckten, runden, walzenförmigen Körper von einhalb bis drei
Fuß Länge und erinnern an runzlige, plumpe, kolossale Würste, die
träge auf dem seichten Grunde des Korallriffs liegen (daher englisch
»Sea slug«) und wenig animalisches Leben verraten. Beim Anfassen
entleeren sie eine Menge Wasser und in langen, schleimigen, klebrigen
Fäden ihre Eingeweide, wodurch das Unappetitliche ihrer Erscheinung
nur noch erhöht wird. Die Bereitung von Tripang ist im ganzen nicht
schwierig. Die Tiere werden in großen, flachen, eisernen Pfannen in
Seewasser gekocht, am andern Tage der Länge nach aufgeschnitten,
vollends gereinigt, etwas an der Sonne getrocknet und dann geräuchert.
Man errichtet zu diesem Zwecke ein höchst primitives Räucherhaus, in
welchem der »Fish«, wie die Tripangfischer auch Holothurien nennen,
auf übereinanderliegenden Horden getrocknet wird. Es erfordert dies
große Aufmerksamkeit, da es hauptsächlich auf ein allmähliches, recht
langsames Trocknen ankommt. In diesem Zustande hält sich die Ware
jahrelang. Sie geht hauptsächlich nach Hongkong und zwar meist von
Cooktown oder Thursday-Insel aus. In China bildet Tripang, für uns
nur ein trockenes, lederartiges, unangenehm riechendes Produkt, eine
große Delikatesse der Tafel, auf der sie in verschiedener Zubereitung
erscheint.

Man unterscheidet in der Südsee drei bis vier Arten Tripang, die im
Preise von 40 bis 110 Lstl. (800 bis 2200 Mark) per Tonne (2200 Pfund
engl.) variieren. Tripang ist also ein wertvoller Artikel, an dem die
Fischer reich werden müssen, sollte man denken! Aber das letztere
kommt wohl kaum vor, denn es giebt keine größeren Abenteurer als diese
Tripangfischer. In kleinen, schlechten Fahrzeugen, nicht selten einem
offenem Boote, gehen sie mit wenigen Leuten, meist von Cooktown, nach
der Küste Neu-Guineas bis zur Louisiade, um nach Fischereigründen zu
suchen und ihre ambulante Station aufzuschlagen. Mit einigen Tafeln
Wellblech läßt sich da schon viel thun, und eine solche sogenannte
Station ist das primitiveste, was man sich denken kann. Aber ohne
die Hilfe der Eingeborenen läßt sich nichts machen. Sie sind es,
welche die Holothurien bei Ebbe auf dem Riff oder tauchend sammeln,
welche Feuerholz zum Räuchern herbeischleppen, wozu große Quantitäten
erforderlich sind, und sonst allerlei Dienste leisten. Glasperlen
und andere Kleinigkeiten erhalten den Eifer der Eingeborenen bis
zum Abschluß der einige Monate dauernden Campagne rege, mit der die
eigentliche Bezahlung stattfinden soll. Aber gar häufig verschwindet
der biedere Weiße ohne dieselbe, vielleicht noch unter Mitnahme einiger
Eingeborenen, die anderswo gratis zu arbeiten haben, manchmal ihre
Heimat überhaupt nicht wiedersehen. Das merken sich die Eingeborenen
natürlich, und gar mancher Tripangfischer hat für die Missethaten
seiner Fachgenossen, wenn nicht für eigene, büßen müssen. Am Dubu in
Maupa an der Südostküste sah ich selbst die Schädel neun chinesischer
Tripangfischer, die durch brutales Betragen ihr Schicksal verschuldet
hatten, ein Fall, der von einem englischen Schiffe untersucht, aber zu
Gunsten der Eingeborenen entschieden wurde.

Das Missionshaus auf Dinner-Insel, ganz aus Wellblech, auf hohen
Pfählen erbaut, mit wirklichen Glasfenstern, erschien gegenüber der
schuppenartigen Kirche gleich einem Palast. Die Bekehrten und die
Missionszöglinge waren in zwei großen Grashäusern untergebracht,
und die ganze Station machte einen sehr freundlichen Eindruck. Von
der Insel selbst läßt sich dies nicht sagen. Sie besteht an der
Westseite meist aus Sand und nur die Hügel der Nordostseite besitzen
kulturfähigen Boden, während das flache Innere zur Regenzeit in eine
Lagune verwandelt wird, die jedenfalls einen gesundheitsschädlichen
Einfluß ausübt. Infolge des steilen Bodens giebt es mehr Gestrüpp als
Bäume auf der Insel, wie auch die Kokospalme nur kümmerlich gedeiht.
Umso reicher an letzteren sind die Nachbarinseln Rogia und Sariba, wo
die Mission auch Filialen und Plantagen besitzt.

Von diesen Inseln ruderten bald Eingeborene heran, in Kanus, die zum
Teil nur in einem ausgehöhlten Baumstamm, ohne Ausleger, bestanden.
Sie brachten nur wenig zum Tausch, darunter kleine Schilde (Jessi) aus
weichem Holz, die jetzt eigens für den Handel gemacht werden, aber auch
noch einiges aus der guten alten Zeit. Darunter Gaiagaia, Armbänder aus
einem menschlichen Unterkiefer, die von nahen Anverwandten herstammen
und als teure Andenken getragen werden. Dagegen schienen einige Schädel
(Romaroma) Trophäen erschlagener Feinde zu sein, wie noch vor wenigen
Jahren Kannibalismus auf diesen Inseln herrschte und vielleicht im
Kriege mit den Festlandsbewohnern noch heute im stillen betrieben
wird. Am meisten überraschte es mich, hier Tätowierung zu finden, die
ich auf allen unseren bisherigen Reisen nicht beobachtet hatte, und
die selbst auf den nahen d'Entrecasteaux und in Milne-Bai fehlt. Es
zeigt dies wiederum, daß manche Sitten und Gebräuche außerordentlich
lokalisiert verbreitet sind. Die Tätowierung der Frauen und Mädchen,
denn nur solche wenden diesen Körperschmuck als Verschönerungsmittel
an, ist eine sehr eigentümliche und reiche, die zuweilen in
Grecmuster Gesicht, Arme und die Vorder- und Rückseite des Körpers
bedeckt. Die beigegebene Abbildung einer Frau von Rogia zeigt diese
charakteristische Tätowierung und zugleich kostbare Armringe (Massuoro)
aus dem Querschnitt einer großen Kegelschnecke (Conus millepunctatus),
wie wir dieselben schon auf Normanby (S. 215) kennen lernten.

[Illustration: Tätowierte Frau von Rogia.]

Ich beschloß Teste-Insel (Chas oder Tschas der Eingeborenen)
anzulaufen, die äußerste, südöstlichste Insel des Moresby-Archipel,
welche zuweilen schon zur Louisiade gerechnet wird. Sie liegt
ziemlich isoliert und scheint ein Überbleibsel des großen gesunkenen
Barrier-Riffs zu sein, das sich von Neu-Guinea bis auf die Louisiade
erstreckt, dessen Brandung die ersten Seefahrer so lange von der
Entdeckung der Südostspitze Neu-Guineas abhielt. Wir genossen auf
dieser Reise den Anblick herrlicher, fruchtbarer Inseln, die sich
fast ununterbrochen von West nach Ost erstrecken, unter denen Moresby
(Basiraki, Wasilaki) mit seinem über 1200 Fuß hohen Bergrücken
besonders hervortritt. Eine hübsche Abwechselung gewährten die flinken
Segelkanus der Eingeborenen (Atlas VIII. 9), die sehr rasch vor dem
Winde laufen und mit zu den besten Fahrzeugen der Südsee gehören.

Bald zeigte sich Teste-Insel mit seiner charakteristischen Landmarke,
dem Glockenfels, (S. 279) einem über 400 Fuß hohen, isoliert aus dem
Meere aufsteigenden Fels, wie ihn die Skizze zeigt. Die 2½ Meilen
lange Insel selbst gleicht an der Nordseite, wo die »Samoa« ankerte,
einem langgestreckten, grünen Hügel, mit viel urbargemachtem Lande,
am Strande von Bäumen und Kokoshainen eingefaßt. Auf der kahlen ca.
500 Fuß hohen Mittelkuppe machen sich drei hohe Bäume schon von
weitem bemerkbar und kennzeichnen die Insel. Obwohl die Nordseite
unbewohnt ist, so war unsere Ankunft doch bemerkt worden, und
Eingeborene erwarteten uns am Strande als Führer nach dem Dorfe und
der Missionsstation. Redensarten in gebrochenem Englisch, wie »How
is that Captain me no smok?« oder »What for you no pay me cigar?«
zeigten, daß die biederen Insulaner gut mit Weißen bekannt, und das
Verlangen nach Zigarren, Holzpfeifen und zwölfzölligen Messern, daß sie
bereits verwöhnt sind. In der That wird Teste-Insel häufig von kleinen
Handelsfahrzeugen, namentlich Tripangfischern besucht, und verschiedene
Eingeborene haben an Bord von solchen sogar Cooktown kennen gelernt.
Von der Höhe des Hügels eröffneten sich dem Auge schöne Fernblicke auf
die kaum 20 Meilen entfernten Moresby-Inseln, die Engineer-Gruppe bis
Normanby hin, aber Neu-Guinea war nicht sichtbar. Seine Südostspitze
liegt noch etliche 30 Meilen ab und die Gebirge derselben sind nicht
hoch genug.

[Illustration: Glockenfels.]

Durch reiche Plantagen, namentlich von Bananen, gelangten wir nach
der Siedelung Kasadekaua, der größten der vier, welche die Insel
besitzt. Ich war erstaunt über die prächtigen Pfahlbauten, große
Häuser, wie man sie auf einer so kleinen Insel nicht erwartet. Sie
ähneln im ganzen denen von Normanby, sind aber viel stattlicher, ruhen
auf soliden behauenen Pfählen, die zum Schutz gegen Ratten u. s. w.
oberseits mit einer runden tellerartigen Scheibe versehen sind. Die
Seitenwände bestehen aus Kokosmatten, welche sich praktischerweise
verstellen lassen. Das sattelförmig eingebogene Dach ist aus einer
Art Schilf gefertigt und mit toten Palmblättern belegt. An ein paar
Häusern sah ich Giebelleisten mit etwas buntbemaltem Schnitzwerk,
jedoch keine Darstellung menschlicher Figuren. Unsere Abbildung zeigt
den vorherrschenden Baustil dieser Insel nebst einer Grabstätte, in
Form eines Miniaturhauses, wie sie in ähnlicher Weise auch an anderen
Plätzen Neu-Guineas (vergl. S. 173) vorkommen. Aber nicht alle Häuser
sind so stattlich, sondern es giebt auch kleinere, lottrig gebaute,
sowie ein ganz besonderes Haus. Dasselbe steht ebenfalls auf Pfählen,
ist sehr groß (wohl 40 Fuß lang) und zeichnet sich durch ovale
Form[68], mit hohem schüsselförmigen Dach aus, ein Stil, der mir bisher
nicht vorgekommen war und ethnologisch von ganz besonderem Interesse
ist.

[Illustration: Häuser und Grab auf Teste-Insel.]

Außer den Häusern hat sich auf Teste-Insel aber noch eine andere
hochinteressante ethnologische Eigentümlichkeit erhalten, nämlich die
Töpferei, welche hier schwungvoll betrieben wird. Die geologische
Formation, verwitterter Basalt, mit viel, zum Teil kristallinisch
eingesprengten Schörl, liefert dafür in einem reichen Wackenthon
treffliches Material. Ich ließ sogleich ein paar Frauen kommen, in
deren Händen auch hier, wie überall, allein das Töpfergewerbe ruht,
und war hoch erfreut, eine ganz besondere Manier kennen zu lernen. Die
Töpfe werden nämlich nicht wie in Bilibili (S. 83) oder Port Moresby
aus einem Klumpen Lehm mittelst eines Steines und Klopfers getrieben,
sondern nur mit den Händen geformt. Wie unsere Skizze einer Töpferin
bei der Arbeit (S. 280) zeigt, macht dieselbe eine wurstförmige, etwa
daumendicke Rolle aus Thon, die spiralig aufgebaut und mit den Fingern,
sowie einer kleinen Muschelschale (Tellina) platt gestrichen wird. Das
Verfahren ist also genau dasselbe, wie es bei unseren pfahlbauenden
Vorfahren war, deren keramische Überreste und Fragmente so manchen
Gelehrten beschäftigen und sorgfältig zusammengekittet zu den
kostbaren Schätzen der Museen zählen. Hier konnte ich prähistorische
Töpferei noch von Lebenden gehandhabt, vom Kneten des Lehmes bis zu
dem einfachen Brennprozeß (IV. 7) studieren. Die Form des hiesigen
Fabrikats ist (vergl. Abbild. S. 280 und IV. 6) eine eigentümliche
und erinnert an tiefe Näpfe oder Schüsseln mit rundem Boden. Der
obere senkrechte Rand zeigt verschiedene einfache Randmuster (IV.
10), die mit gabelförmigen Instrumenten aus Bambu (IV. 9) eingekratzt
werden und nicht als Ornament, sondern als Handelsmarke dienen. Denn
auch hier hat jede Frau ihr eigenes Merk (Kulikulikuto), mit dem
sie ihr Fabrikat kennzeichnet. Dasselbe findet weithin, bis auf die
d'Entrecasteaux, nach Chads-Bai, Südkap (Suau), Woodlark-Insel (Murua,
Mulua), vielleicht auch auf der Louisiade, Absatz. Das kleine Chas
wird dadurch ein Centrum des Tauschhandels für alle diese Gebiete,
denen Töpferei unbekannt ist. Kaum mit brauchbarem Holze zum Hausbau
versehen, müssen die Insulaner solches, wie eine Menge fertiger Geräte
und Waffen, ja einen Teil der Lebensmittel von anderswo eintauschen,
Verhältnisse, die sich inzwischen sehr verändert und zum Teil in
andere Bahnen gelenkt haben. Durch den Verkehr mit Weißen und die
Mission ist es auf Teste nämlich bereits mit der Steinzeit vorbei
und ein großer Teil Originalität verloren gegangen. Ich konnte daher
nur letzte Reste einer untergegangenen Kulturepoche retten. So,
eigentümliche Holztrommeln, große flache Holzschüsseln (Gaibe) mit
hübscher Randverzierung (T. III. 4), kolossale an drei Meter lange,
ruderförmige Rührlöffel (Kolopale) für Sago, mächtige Steinbeilklingen
(Gune) bis 32 cm lang und 16 cm breit, kurze Handkeulen (Bossim) aus
Knochen des Spermwal, die an Meri der Neu-Seeländer erinnern (T. XI,
6), schön geschnitzte Speere (Womari) und Schilde, letztere ganz in
der Form, wie die in Milne-Bai (S. 271) und einiges andere. Ein Teil
dieser Gegenstände kommt oder kam von den d'Entrecasteaux (Duau und
Kulala), von woher ich selbst Obsidian auf Teste sah, andere, darunter
die großen, schönen, seetüchtigen Segelkanus von Mulua oder Murua, das
in lebhaftem Verkehr gestanden zu haben scheint und worunter die 150
Meilen entfernte Woodlark-Insel zu verstehen ist. Wie in Port Moresby
aus dem Papuagolf ganze Handelsflotten eintreffen, um gegen Sago Töpfe
einzutauschen, so kommen die Bewohner Muruas nach Teste, um dieses
wichtige Küchengerät zu erstehen. Ich beobachtete übrigens, daß die
erhandelten Kanus zum Teil erst auf Teste vollendet werden und hier
ihren Schmuck an Schnitzereien erhalten. Die letzteren sind in sehr
schwungvollen Mustern vertieft gearbeitet und mit roter und schwarzer
Farbe ausgeschmiert, wozu man sich eines eigentümlichen Instruments
(Keginiß T. VI. 5) aus Muschel (Pinna nigra) bedient. Es mag noch
bemerkt sein, daß auf Teste einzeln noch Catamarans benutzt werden;
auch sah ich die eigentümlichen Fischfallen von Bentley-Bai (T. IX, 1),
hier Wuba genannt.

[Illustration: Junges Mädchen von Teste.]

[Illustration: Junger Mann von Teste.]

Was die, stark mit Ichthyosis behafteten, Eingeborenen anbelangt, so
sind sie echte Papuas, die sich von denen des Festlandes in nichts
unterscheiden, wie das beigegebene Porträt eines jungen Mannes
zeigt. Er trägt das Haupthaar in der üblich aufgezausten Wolke, im
Nacken lange Zottelstränge, die mit Cypraeamuscheln verziert sind.
Ich beobachtete übrigens, wie fast allenthalben, auch vereinzelt
schlichthaarige Individuen, nicht selten Kinder mit blondem Haar
(ohne Einwirkung von Kalk) und ganz europäische Physiognomien, alles
individuelle Abweichungen die, wie besonders erwähnt sein mag, mit
Vermischung nichts zu thun haben, denn es giebt auf Teste kein
Halbblut. Die Haartracht des weiblichen Geschlechts ist ähnlich
wie die des männlichen, und dichtverfilzte Nackensträhne, die
Polkalöckchen ähneln, sind auch bei ihm beliebt. Unsere Abbildung
veranschaulicht eine junge Schönheit, deren fransenartiger Brustlatz
aus fein geflochtenen Strickchen einen Trauerschmuck darstellt, wie er
in ähnlicher Weise auch in Finschhafen vorkommt. Eine besondere Art
Trauerschmuck heißt Sapisapi, und besteht aus einem dicken Polster
von Haaren, mit Spondylusscheibchen verziert, das auf der linken
Brustseite getragen wird. Ich offerierte einer Frau hohen Preis, aber
vergeblich, da das Haar von ihrer verstorbenen Schwester herrührte,
gewiß ein schöner Beweis von Pietät gegen Verstorbene. In derselben
Weise wurden früher hier Unterkiefer naher Anverwandten als Armbänder
getragen, welche für Unkundige gewöhnlich als Zeichen von Kannibalismus
gelten. Diese Armbänder sind durch die Mission abgeschafft worden,
aber man muß es der Londoner Gesellschaft nachrühmen, daß sie anderen
»heidnischen« Schmuck duldet. So die Tätowierung, die beim weiblichen
Geschlecht hier sehr verbreitet ist, in Mustern, welche so ziemlich mit
den auf Rogia und Sariba gebräuchlichen übereinstimmen. Ich sah kleine
Mädchen noch im Kindesalter, bei denen mit dieser, übrigens wenig
schmerzhaften, Körperverzierung bereits begonnen war. Die beigegebene
Abbildung zeigt Tätowierung im ersten Stadium des Aufzeichnens, was mit
Ruß aus gebrannter Kokosnußschale mittelst eines Hölzchens geschieht.
Die schwarze Farbe wird dann mit einem spitzen Instrument (Dorn) in die
Haut eingeschlagen und erscheint, nachdem der leichte Schorf abgeheilt
ist, viel blässer, (wie dies die Abbild. S. 278 zeigt). Die Bekleidung
der Insulaner ist ganz so wie überall an der Ostspitze Neu-Guineas,
aber die jungen Mädchen (darunter sehr niedliche), paradierten
in besonders feinen, rot- und schwarzgestreiften Faserschürzchen
in Volants mit Schärpe (T. XVI. 8). Schmucksachen (Ohrringe und
Halsketten) aus Spondylusscheibchen, die von Murua kommen, waren nicht
selten, aber meist unverkäuflich, wie die eleganten, etwas gekrümmten
Nasenstifte (Panaiate) aus dem Schloßteil einer Hippopusmuschel, mit
denen namentlich junge Mädchen kokettierten (vergl. Abbild. oben).

[Illustration: Aufgezeichnete Tätowierung.]

Moresby, der 1872 als der erste Weiße Teste-Insel betrat und sehr
freundlich empfangen wurde, sah noch zahlreiche Schädel erschlagener
Feinde als Trophäen an den Häusern aufgehangen. Die Insulaner waren
damals kriegerisch und wie alle Bewohner des Archipels (und der
Louisiade) Kannibalen. Das hat jetzt glücklicherweise aufgehört, die
Bewohner brauchen keine Waffen mehr und führen unter der Ägide der
Mission ein friedliches Leben, sind aber seitdem an Zahl bedeutend
zurückgegangen und auf ca. 300 Köpfe zusammengeschmolzen. Die hiesige
Sprache ist, um dies noch zu bemerken, sehr nahe mit der von Rogia und
den übrigen Inseln des Moresby-Archipels verwandt. Der farbige Lehrer,
Idande, ein dunkler Lifumann, hat großen Einfluß und regiert die,
meist der Mission angehörenden, Eingeborenen als der erste Häuptling.
Seine Station war sehr gut gehalten, die Kirche aber, wie so häufig,
das schlechteste Gebäude. Es mag dabei bemerkt sein, daß die Lehrer
die Häuser ohne besondere Entschädigung zu bauen haben. Außer Hühnern,
die überall an Missionsstationen gehalten werden, aber selten zu
haben sind, besaß Idande auch Gänse und Schweine europäischer Rasse,
sowie treffliche Hunde. Letztere sind auch durch Tripangfischer nach
der Ostspitze Neu-Guineas gebracht worden und haben hier an manchen
Orten die eingeborene Rasse bereits verdrängt. Ich übernachtete bei
Idande, der als früherer Matrose auf einem Walfischfahrer mancherlei zu
erzählen wußte und sich als geborener Franzose mit lebhaftem Interesse
nach dem deutsch-französischen Kriege erkundigte, über den ich ihm zu
seiner Freude aus eigener Anschauung berichten konnte. Er gehörte zu
den Veteranen der Mission, welche 1871 zuerst von den Rev. Murray und
Mac Farlane in Neu-Guinea eingesetzt wurden und die im Anfange gar
viel durchzumachen hatten. Mit Dankbarkeit erinnerte er sich Kapitän
Moresby's, der ihn, wie so manchen der schlecht versorgten Lehrer,
fast vom Hungertode[69] rettete. Wie Missionslehrer gewöhnlich zu
thun pflegen, klagte auch Idande, infolge des langen Ausbleibens des
Missionsschiffes, über Mangel verschiedener notwendiger Provisionen,
wie Salz, Zucker, Streichhölzer, Mehl, Petroleum, Tabak, und ich
freute mich, ihm aushelfen zu können. Als Gegengeschenk ließ er zum
Abschiede zwei alte Hähne und eine Ananas an Bord bringen, die erste
und einzige, welche ich auf unseren bisherigen Fahrten gesehen hatte.
Ich bestimmte sie zu einer Bowle, mit der wir Silvester feiern wollten,
aber es kam, wie so oft, anders! In Bewunderung der spiegelglatten See
und eines herrlichen Zodiakallichtes, das mit Untergang der Sonne 6
Uhr 21 Minuten den westlichen Himmel bis 7, 23 in verschiedenen zarten
Tinten färbte, saßen wir gemütlich auf dem kleinen Quarterdeck. Die
Bowle stand auf dem Kajütstische und war im Wasserfilter angerichtet.
Eben wollte ich den letzteren vorsichtshalber festbinden, da machte das
Schiff eine Bewegung -- krach! und mit unserer Bowle und Silvesterfeier
war es vorbei!

Teste-Insel liegt nur etwa 400 Meilen von Cooktown entfernt, unserem
damaligen Reiseziel, wo die Ankunft eines Dampfers unter deutscher
Flagge große Aufregung verursachte. Man erging sich in allerlei
wunderlichen Vermutungen, hatte aber die Beteiligung der »Samoa« bei
der Besitzergreifung Deutschlands in Neu-Guinea bald heraus.

Und daß man, bei den damaligen Ansichten der Kolonisten, darüber nicht
eben erbaut war, läßt sich begreifen; betrachtete doch Australien,
besonders Queensland und Victoria, die Papuaregion, insonderheit
Neu-Guinea als ihr angestammtes Erbe. In der Town-Hall wurde ein
»Indignation-Meeting« unter dem Vorsitz des Mayor abgehalten und
Englands Politik, die Übergriffe Deutschlands überhaupt zugelassen
zu haben, auf das ärgste getadelt. Da man den armen Gladstone nicht
bei der Hand hatte, konzentrierte sich der ganze Unmut von Presse und
Publikum auf mein Haupt. Während die erstere einmal faktisch drohte,
mich mitsamt der »Samoa« in die Luft zu sprengen, hörte ich nicht
selten beim Vorübergehen die Worte »that is the fellow who stol us New
Guinea«! Wahrhaftig, wer die Kolonien mit ihrem »free and easy« nicht
gekannt hätte, konnte sich in Cooktown unbehaglicher als unter Wilden
fühlen, die wenigstens keinen Dynamit besitzen.

Aber ich kümmerte mich nicht um die Leute und ließ sie reden, was
sie wollten. Wußte ich doch zur Genüge, daß es nicht schlimm werden
würde, und daß ich nichts zu fürchten hatte. Dafür bürgte schon der
mächtige Schutz der deutschen Flagge und der Respekt vor unserem großen
Reichskanzler, der, wie sich die Leute nicht ausreden ließen, den
Doktor mit der »Samoa« ausgesandt haben sollte.



Siebentes Kapitel.

Kaiser Wilhelmsland.


I. Längs der unbekannten Nordküste.

  Unsere Vorgänger. -- Vulkan-Insel. -- Weithin schmutzig gefärbtes
  Meer. -- Bei Venushuk. -- Eingeborene. -- Ethnologisches und
  Anthropologisches. -- Bedenken gegen die Weiterreise. --
  Schouten und le Maire. -- Längs unbekannter Küste. -- Wir
  entdecken den Kaiserin Augustafluß. -- Hansemann-Küste. --
  Zusammentreffen mit Eingeborenen. -- Krauel-Bucht. -- Eingeborene
  am Caprivifluß. -- Albino. -- Kap Dallmann. -- Neue Buchten. --
  Prinz Alexander-Gebirge. -- Dallmannhafen. -- Eingeborene. --
  Landexkursion. -- Dorf Rabun. -- Hausbau. -- Frauen. -- Tabuhaus.
  -- Gastfreundschaft. -- Ein Papuadinner. -- Papuanische Auffassung
  europäischer Utensilien. -- Spielzeug. -- Elektrisiermaschine. --
  Ich soll Häuptling werden. -- Muschu. -- Insel Guap. -- Eingeborene
  derselben. -- Brustbeutel. -- Äußerer Ausputz derselben. -- Inhalt.
  -- Waffen. -- Kanus. -- Wiedersehen. -- Pâris oder Aarsau. --
  Finschküste. -- Neue Flüsse. -- Kaskadefluß. -- Malgari und seine
  beiden Söhne. -- Macht der Musik. -- Wieder neue Flüsse. -- Tagai.
  -- Auf Palmblättern. -- Pfeil und Bogen. -- Paradiesvögel. --
  Kolossales Haar. -- Torricelli-Gebirge. -- Kein Passier-Point. --
  Sainson-Inseln. -- Berlinhafen. -- Sanssouci. -- Kopradistrikt.
  -- Neue Flüsse. -- Große Lagune. -- Schacher mit Eingeborenen.
  -- Ethnologisches Sammeln. -- Kein Karan-Riff. -- Massilia. --
  Eingeborene. -- Berg Bougainville. - Angriffshafen. -- Eingeborene
  -- im Kriegsschmuck. -- Neues ethnologisches Gebiet. -- Enorme
  Nasenkeile. -- Anthropologisches. -- Pfiffigkeit. -- Aussicht
  auf Humboldt-Bai. -- Germaniahuk. -- Zu Anker am Sechstrohfluß.
  -- Eingeborene. -- Vorsicht nötig. -- Schwieriger Handel. --
  Ethnologisches. -- Eßbare Erde.

Von allen Küsten Neu-Guineas war wohl keine weniger bekannt als die
nordöstliche zwischen Astrolabe- und Humboldt-Bai, eine Strecke,
die, in der Luftlinie gemessen, sechs Grade oder nahezu 360 Meilen
deckt. Was die Karten hier verzeichneten, ist den Entdeckungsreisen
der französischen Kriegsschiffe »Coquille« unter Duperrey (1823) und
»Astrolabe« unter Dumont d'Urville (1827) zu verdanken, wie schon
aus der französischen Namengebung hervorgeht. Sie bezieht sich, außer
richtig festgelegten Inseln, auf 16 vorspringende Punkte der Küste,
Kaps oder Huks, mit erheblichen Lücken dazwischen. Für große Strecken
hatten die Schiffe nämlich so weit vom Lande abzuhalten, daß sie die
Küste nur sichteten, an wenigen Stellen kamen sie ihr näher, nirgends
betraten sie dieselbe. Nur einmal war dies überhaupt geschehen,
aber lange, lange vorher und zwar bei der denkwürdigen Weltreise
von Jacob le Maire und Willem Schouten (sprich: Schauten), die im
Juli 1616 an einem nicht mehr genau auszumachenden Punkt, auf den
wir noch zurückkommen, als die Ersten und Letzten wirklich landeten.
Das Schicksal hatte uns vergönnt in die Fußstapfen der glorreichen
niederländischen Seehelden zu treten, denn unsere bisherigen Reisen
ließen in Kaiser Wilhelmsland nur jene oben erwähnte Küste übrig,
die unbekannteste überhaupt. So bezeichnete sie Robidé van der Aa,
der beste Kenner der Litteratur über Neu-Guinea, noch Ende 1883.
Das beigegebene Kärtchen (S. 290)[70] wird, im Verein mit der
Übersichtskarte, wenigstens soweit zur Orientierung dienen, um unserer
Reise einigermaßen folgen zu können.

Beinahe hätte ich diese Reise überhaupt nicht mitmachen können und
unfreiwillig eine andere machen müssen, die jedem früher oder später
einmal bevorsteht. Wie ein Dieb in der Nacht kam nämlich ganz plötzlich
ein Choleraanfall über mich, und hätte den Namen meines kleinen Hauses
in Mioko »onverwacht« (unerwartet) bald in einer Richtung wahr gemacht,
die mir bei der Verleihung am allerwenigsten vorschwebte.

[Illustration:

  Orientierungsskizze der Nordküste von
  KAISER WILHELMS LAND.

Nach den Recognoscirungen des D. »Samoa«]

Mit aller Macht wurde zu der bevorstehenden großen Reise gerüstet.
Wie fast immer in Mioko ging dies aber, schon des Kohlenladens wegen,
nicht so rasch und erst am 5. Mai (1885) verließ die »Samoa« seeklar,
den Hafen. Sie führte, »all hands« gerechnet, 18 Mann an Bord, eine
Macht, die es auch ohne Kanonen mit den Eingeborenen aufnehmen konnte,
wegen denen wir uns überhaupt keine Sorge machten. Aber was wir in
unserer diesmaligen Ausrüstung mit Bedauern vermißten, waren Hunde, da
die von Sydney und Cooktown mitgebrachten leider, meist an Hitzschlag,
eingegangen waren. Hunde sind namentlich für kleinere Schiffe
nützlicher als Kanonen, und nichts hilft wirkungsvoller das Deck von
Eingeborenen klären, als ein kläffender Köter.

Für Abergläubige bot gleich der Anfang unserer Reise ungünstige
Vorzeichen. Denn kaum waren wir außerhalb der Passage, so stand die
Maschine still, bald darauf ein zweites Mal! Glücklicherweise gelang
es aber Meister Nielsen beidemale, sie wieder in stand zu setzen,
so daß wir wenigstens nicht umzukehren brauchten. In der Frühe des
vierten Tages zeigte sich hohes Land, die in Wolken eingehüllte Insel
Vulkan, bald darauf Lesson und erst später, gleich einem schmalen
blauen Streif am Horizont, die Festlandsküste. Wir dampften ihr zu
und sahen die bisher isolierten Hügel bereits zu Ketten vereint, als
plötzlich das Kommando »stopp« die Fahrt unterbrach. Eine besondere
Erscheinung veranlaßte dasselbe, denn soweit das Auge reichte, war auf
einmal grüngefärbtes Wasser voraus, das von dem dunkelblauen, wie mit
einem Messer, durch einen weißen Streif abgeschnitten erschien. Der
ganze Eindruck war der eines ungeheuern Riffs und mahnte zur Vorsicht
wie zum Loten. Aber »sechzehn Faden und kein Grund«, ließ sich der
Mann mit der Leine unabänderlich vernehmen, und so dampften wir durch
die Kabbelung des weißen Gischtstreifes in das trübe grüne Wasser
hinein. Es schmeckte wenig salzig und ließ keinen Zweifel, daß wir es
mit Auswässerung von Flüssen zu thun hatten, wie dies Unmassen von
Treibholz, darunter ganze Baumstämme mit Ästen und Blättern, vollends
bewiesen. Nach der Küste zu steuernd, die wie ein ununterbrochener
Waldstreif erschien, später reiche Palmenbestände zeigte, gingen wir
gegen Abend kaum mehr als zwei Meilen vom Ufer in fünf Faden Mudd zu
Anker. Eine Gruppe besonders hoher Kasuarinen ca. sechs Meilen zu West
war Venus-Point der Karten, eine andere ganz ähnliche, noch weiter
westlich Cap de la Torre[71]. Vor uns am Ufer lagen, versteckt unter
Kokospalmen, drei Dörfer, deren Bewohner mächtige Feuer anzündeten
und bald in Kanus abkamen. Schon die letzteren zeichneten sich durch
merkwürdigen Putz der Mastspitze aus. An der einen war die Nachbildung
eines Fregattvogels aus Federn (Atlas VIII. 4), an einer anderen
sonderbarer Faserschmuck mit einem Kreuz an der äußersten Spitze (VIII.
3) befestigt. Noch mehr interessierten uns aber die Insassen selbst,
deren sonderbare Haartracht am meisten auffiel. Sie vereinigt das
Haar am Hinterkopf zu einem abstehenden, dichtverfilzten Zopf, der
häufig in einem zierlich geflochtenen konischen Körbchen (XVIII. 1)
steckte, das oft noch besonders geschmückt war. Neben diesem Haarputz
imponierten gewaltige Zwickelbärte, wie ihn der Mann auf der Abbildung
zeigt, der zugleich mit einem jener reichverzierten Schamschurze aus
Tapa bekleidet ist, die ich nur hier beobachtete. Für gewöhnlich sind
sie, zwar sorgfältiger und decenter als sonst, viel einfacher (wie
T. XVI. 2). Der übrige Körperausputz war sehr mannigfach. Schnüre
aufgereihter kleiner Muscheln (Nassa) und Hundezähnen, um Stirn,
Hals oder Hüfte geschlungen, spielten eine hervorragende Rolle.
Kopfputz aus Wülsten von geschorenen Kasuarfedern, ganz wie solcher
an der Südostküste vorkommt, war auch hier vorhanden. Selbstredend
fehlten Armbänder nicht und zwar waren gewöhnliche, aus Pflanzenfaser
geflochten, am häufigsten; es gab aber auch solche aus gebogenem
Schildpatt, mit kunstvoller Gravierung, wie wir sie in Astrolabe
(XIX. 2) kennen lernten. Ohr- und Nasenschmuck war kaum vertreten und
statt des Ohrläppchens der Ohrrand durchbohrt. Kunstvolle Rosetten
aus Hundezähnen (XXI. 4) als Brustschmuck erschienen mir neu, ebenso
Leibschnüre (XXIV. 4) aus eigentümlich auf Baststreifen geflochtenen
Muscheln (Nassa), die wahrscheinlich auch als Geld dienen. Ich sah
auch sehr hübsche Frauenfaserschurze, in der bekannten Weise rot,
gelb und schwarz gefärbt, aber sehr elegant mit Muscheln und Ringen
aus Conus verziert. Die meisten Männer trugen hübsche, zuweilen reich
mit Scherben von Cymbiummuschel verzierte, gestrickte Brustbeutel und
führten noch eine besondere Art Tragkörbe[72] mit sich. Sie waren aus
Pandanus- oder Kokosblatt geflochten und in eigentümlicher Weise mit
buntgefärbter, kurzgeschorener Pflanzenfaser, plüschartig besetzt,
außerdem mit kleinen Muscheln verziert.

[Illustration: Mann im Kanu, Venushuk.]

Die Leute schienen ganz unbewaffnet, waren aber doch für alle Fälle
vorgesehen und brachten nach und nach Unmassen Speere und Wurfpfeile
zum Tausch, die sie sorgfältig in den Kanus versteckt hatten. Diese
Wurfspeere, 1,60 bis 2,40 Meter lang, waren aus Rohr, mit langen
Holzspitzen, zum Teil in sehr verschiedenartige und kunstvolle
Kerbzähne und Widerhaken ausgeschnitzt. Für den Handwurf zu leicht,
für den Bogen zu schwer, wußte ich anfangs nicht recht, wie ich
diese Speere deuten sollte, bis die Frage durch ein besonderes Gerät
gelöst wurde. Dasselbe bestand in einem ca. 70 cm langen Stück Bambu
mit feingeschnitzter hölzerner Handhabe und erwies sich als Wurfstock
(T. XI. 3), zum Werfen jener Pfeile (XI. 2), eine Methode, die
bisher nicht in Neu-Guinea beobachtet wurde und ethnologisch ganz
besonderes Interesse verdient. Bogen fehlten; aber ich beobachtete
schöne Dolche aus Kasuarknochen. In Schnitzarbeiten schienen die
Leute sehr geschickt, wie dies namentlich ihre Kanus zeigten, deren
Schnäbel und Borde zuweilen in kunstvoller Weise damit verziert
waren. Krokodilfiguren kamen dabei nicht selten und zwar in recht
naturgetreuer Darstellung vor. So sehen wir auf der Abbildung (S. 292)
an einem solchen Kanuschnabel ein Krokodil, dessen Schwanz in den Kopf
eines Nashornvogels (Buceros) übergeht und im Atlas (VII. 5) einen
Krokodilkopf in Verbindung mit einem Menschengesicht, dem Augen aus
Perlmutter eingesetzt waren. Die Kanus bestanden übrigens nur in 20 bis
30 Fuß langen ausgehöhlten Baumstämmen und ähnelten in der Bauart denen
von Astrolabe-Bai. Einzelne trugen 18 Mann.

Die eigentümlichen Haarzöpfe gaben diesen Eingeborenen ein
mikronesisches Ansehen, aber sie waren echte Papuas, etwas heller
als Neu-Britannier gefärbt, wie die meisten Papuas Neu-Guineas. Sie
erschienen im ganzen kräftiger als die an der Ostspitze, und es gab
wenig Hautkrankheiten unter ihnen, aber ich beobachtete bei einzelnen
Pockennarben. Obwohl sehr lärmend und untereinander häufig streitend,
ließ sich doch gut mit den Leuten handeln. Sie besaßen nichts an
europäischen Sachen[73], interessierten sich weder für rotes Zeug,
Glasperlen noch Tabak, gaben nichts um Messer, erhoben aber ein
Freudengeschrei, als ich Bandeisen (kiram) zeigte. Sie brachten sehr
schöne große Kokosnüsse, etwas Taro, Bananen und Unmassen aufgereihter
zweischaliger Flußmuscheln (Batissa violacea und Finschii), die
gegessen werden. Außer Betel und Tabak, der in derselben Weise wie in
Astrolabe (S. 59) geraucht wird, beobachtete ich hier zuerst eßbare
Erde und -- einen Kolben Mais. Er war sehr klein und wurde von einem
Manne als Zierat im Haar getragen. Es wäre sehr interessant gewesen,
heraus zu bekommen, ob dieser Mais angebaut wird, denn bisher kannte
man diese Nutzpflanze nicht aus Neu-Guinea. Aber Maclay brachte sie
nach Astrolabe-Bai.

Wie auf ein gegebenes Zeichen verließen uns die Eingeborenen vor
Sonnenuntergang, wahrscheinlich um noch vor Einbruch der Dunkelheit
durch die Brandung zu kommen. Sie schieden als Freunde, denn unser
Bündnis war durch eine besondere Ceremonie besiegelt worden. Ein
Häuptling nahm ein Kokosblatt, an dem die Fiedern bis auf einen
kurzen Basisteil abgeschnitten waren und spaltete dasselbe in zwei
Längshälften, wovon die eine am Mast seines Kanus befestigt, die andere
mir als Friedenszeichen übergeben wurde. Auch ich ließ dasselbe am
Maste anbinden, was den Leuten sichtliche Freude machte.

Es war ruhig geworden, aber wir konnten diese Ruhe und den wunderbar
schönen Sonnenuntergang mit darauffolgendem herrlichen Zodiakallicht
nur wenig genießen, da andere wichtigere Betrachtungen uns zu lebhaft
beschäftigten. Sie betrafen die Weiterreise, wegen der Schiffsrat
gehalten wurde. Wir waren in jener Region, wo trübgefärbtes Wasser
unsere Vorgänger veranlaßt hatte, der Küste auszuweichen, und Kapitän
Dallmann neigte anfangs sehr dazu d'Urville's Beispiel zu folgen. Als
Schiffsführer verantwortlich, durfte es ihm gewagt erscheinen, die
Fahrt in Gewässern fortzusetzen, deren unsichtbaren Gefahren (toten
Riffen u. s. w.) nur wenig Sicherheitsmaßregeln gegenüber gestellt
werden konnten. Denn Lotungen genügten nicht, um ein Aufrennen zu
verhindern und das einzige wirksame Hilfsmittel, eine Dampfbarkasse,
fehlte leider. Aus naturwissenschaftlichen Gründen konnte ich wohl mit
ziemlicher Gewißheit den Mangel von Korallriffen infolge des geringen
Salzgehaltes des Meerwassers begründen, aber nicht zugleich auch das
Fehlen von Felsen und anderen Schiffahrtshindernissen garantieren.
Freilich fuhren wir nicht zum erstenmale in trübgefärbtem Wasser und
lagen auch hier bereits in solchem gemütlich vor Anker, aber wer
konnte voraussagen, ob die Verhältnisse immer so günstig bleiben
würden. Zu einer unfreiwilligen Robinsoniade verspürte ich selbst, wie
alle, zwar auch keine Lust, aber eine Fortsetzung der Reise weitab
von der Küste hatte überhaupt keinen Zweck und schließlich mußte doch
überhaupt einmal der Anfang gemacht werden, dieselbe auch in der
Nähe kennen zu lernen. Der Gedanke, kurz vor jenen Flüssen wieder
umzukehren, über deren Vorhandensein hier herum schon Schouten und le
Maire berichteten, war zu niederdrückend und ihr leuchtendes Vorbild
konnte mit als Argument dienen. Sie waren die Ersten, welche am 6. Juli
1616 die brennende Insel »Vulkanus« entdeckten und durch Mangel an
Lebensmitteln und Wasser gezwungen mit ihrem Segelschiff »de Eendracht«
(Eintracht) in das trübgefärbte Wasser hinein bis an die Küste zu
gehen, wo man am 9. und 10. Juli in einer Bucht ankerte. Sie erhielt
später den Namen Cornelis Kniers-Bai, läßt sich aber nicht mehr mit
Sicherheit ausmachen. Nach meinem Dafürhalten muß sie ca. 50 Meilen
West von Kap de la Torre (Vlaken Hoek) liegen, denn damit stimmt noch
am besten das Wenige überein, was Schouten über die Eingeborenen sagt.
Sie waren (wie wir es auch fanden) freundlich, hatten aber nur wenig
Kokosnüsse, und gaben »für einen Faden Leinwand nur vier Stück«. Ja,
ja! das waren noch Entdeckungsreisen! und niemand konnte die Thaten
der alten Seefahrer besser beurteilen und würdigen als wir an dieser
Stelle. Gegen Sonnenuntergang kam die Spitze des Berges frei von Wolken
und erschien wie die ganze Insel in wunderbar scharfer Beleuchtung.
Rosiger Schein umfloß den Kraterrand, dessen im Westen eingestürzter
Trichter deutlich eine feurige Stelle, wie einen brennenden Spalt
zeigte, die nach Einbruch der Dunkelheit weit intensiver hervortrat,
bis nach und nach Wolken den Berg verhüllten. Aber er hatte zu uns
gesprochen im Geiste le Maire's und Schouten's, die vor mehr als 250
Jahren vielleicht auch hier herum über die Weiterreise nachdachten.
Und wir, mit einem Dampfer, hätten umkehren sollen? nimmermehr! Die
Erinnerung an die kühnen Niederländer gab den Ausschlag, und die Reise
wurde am anderen Morgen längs der Küste fortgesetzt. Sie erscheint
flach, dicht bewaldet, mit niedrigen Hügelreihen, weiter inland einer
höheren Bergkette und dürfte brauchbares Kulturland aufweisen. Berg
Jullien der Karten ließ sich nicht sicher ausmachen.

Wir hatten jetzt Broken-Water-Bay vor uns, von Powell so benannt,
der aber im übrigen nichts über dieselbe berichtet, (l. c. S.
512). Zahlreiche Treibholzstämme und die von Grün in ein trübes
Lehmbraun übergehende Farbe des Meeres zeigten immer deutlicher,
daß Flußmündungen nicht fern sein konnten. Wirklich passierten wir
bald darauf eine solche[74] und etwa fünf bis sechs Meilen weiter
westlich einen anderen ansehnlichen Fluß, den ich Prinz Wilhelmfluß
zu nennen mir erlaubte. Da sich vor demselben Brandung zeigte, so
hielten wir nach Kap de la Torre zu, einem nicht sehr auffallenden
Küstenvorsprung mit einer Gruppe höherer Bäume. Aber noch ehe wir das
Kap erreichten, färbte sich das Wasser wieder trüb braun, und bald
darauf zeigte sich die Mündung eines bedeutenden Flusses, vor der die
»Samoa« ca. zwei Meilen in fünf Faden bereits in Süßwasser ankerte.
Mit dem ersten Offizier Sechstroh machte ich sogleich im Walboot eine
Rekognoszierung, aber die Strömung nahm bald so zu, daß sich mit Rudern
nicht gegen dieselbe ankämpfen ließ. Glücklicherweise erlaubte eine
aufspringende Brise Segel zu setzen und so war es möglich, bis in
die eigentliche Mündung vorzudringen, deren Breite wir auf ca. eine
halbe Meile schätzten. Die Ufer zeigten, wie die der ca. vier Meilen
breiten Mündungsbucht dichten Baumwuchs, darunter viel Nipapalmen,
die auf sumpfige Beschaffenheit schließen lassen. Am linken Ufer
bemerkten wir zuerst ein paar schlechte Hütten, dann zwei größere
Häuser, deren Bewohner aber in ihren großen Kanus eiligst flüchteten.
Später sammelten sich circa fünfzig bewaffnete Eingeborene auf der
mit viel Treibholz besetzten Sandbank des rechten Ufers, aber da
hier gerade der stärkste Strom läuft, so war es nicht möglich, mit
ihnen zu verkehren oder ihnen nur Geschenke zuzuwerfen. Überhaupt
hatten wir auch Wichtigeres zu thun, nämlich zu loten, und kamen
dabei zu dem wichtigen Resultat, daß der Fluß vollkommen frei und für
Schiffe wie die »Samoa« (mit ca. drei Meter Tiefgang) voraussichtlich
befahrbar sein dürfte. Wie weit? blieb freilich späteren Untersuchungen
vorbehalten, da wir selbst natürlich an eine solche nicht denken
konnten. Aber der seit mehr als 250 Jahren hier herum vermutete
Fluß war endlich gefunden, und wahrscheinlich zugleich der größte,
nicht nur in Kaiser Wilhelmsland, sondern an der ganzen Ostküste
Neu-Guineas überhaupt. Mit der Entdeckung eines solchen Flusses durften
Hoffnungen auf eine praktikable Wasserstraße, fruchtbare Uferstrecken
u. s. w. verknüpft werden, die sich seitdem zum Teil erfüllten. Der
»Kaiserin Augustafluß«, wie ich ihn benannte, ist wiederholt und ohne
Schwierigkeiten mit Dampfern, zuletzt 380 Meilen weit, befahren, und
seine Wasserstraße größer als die des Rheines geschätzt worden. Er
bietet einen Weg zur Erschließung des Binnenlandes bis nahe zur Grenze
des holländischen Gebietes von eminentester Wichtigkeit. Ja, wer in
Australien einen solchen Fluß entdecken könnte, dem wäre geholfen!

Am anderen Morgen (10. Mai) dampfte die »Samoa« in W.-N.-W.-Kurs
längs jener bisher nur punktiert auf den Karten eingetragenen, 65
Meilen langen Küste weiter, die ich, nach dem eigentlichen Urheber
der Samoafahrten und der deutschen Kolonisation in Neu-Guinea,
Hansemann-Küste benannte. Sie verläuft ohne tiefere Buchten gleich-
und einförmig waldgesäumt, dürfte aber für Kulturzwecke einmal hohe
Bedeutung erlangen, denn nirgends hatte ich bisher so ausgedehntes
Flachland angetroffen als an dieser Küste, die nur weiter inland
niedrige Hügelreihen zeigt. Sie scheint wenig bewohnt, denn nur an
der Mündung zweier Flüsse (Hammacher- und Eckardtstein-Fluß), die das
Meer weithin trüb färbten, beobachtete ich Kokospalmen und zählte fünf
Siedelungen. Die Landungsverhältnisse der Hansemannküste scheinen
übrigens nicht günstig, da wir längs derselben Brandung beobachteten.
In der Nähe des Hammacher-Flusses circa zehn Meilen West von Kap de la
Torre kamen sechs Segelkanus (T. VIII, 5, 7) mit Eingeborenen ab und
längsseit; doch getrauten sich die letzteren nicht an Bord. Sie glichen
den zuerst gesehenen von Venushuk und trugen wie diese das Haar in
einem Körbchen oder wie der Mann auf der Abbildung einen dicken Zopf,
der mit Binden aus Hundezähnen und Blättern verziert ist. Der weitere
Ausputz besteht in einem Brustschmuck aus einer konkaven Scheibe von
Cymbiummuschel, mit Kettchen aus schwarzen Samenkernen und Kauris,
der mit das Wertvollste zu sein scheint. Am Backenbart sind Stückchen
Perlschale, Hundezähne oder Muschelringe befestigt, im durchbohrten
Ohrrande wie in den Nasenflügeln stecken grüne Blattstückchen. Andere
Männer trugen eigentümliche, reichverzierte, lange Kämme (T. XVII,
2) mit Kettchen und Federn im Haar und besonderen Nasenschmuck aus
Perlmutter (XX, 5).

[Illustration: Bewohner der Hansemannküste.]

Zu meiner Freude erhielt ich auch einen jener kostbaren zirkelrunden
Eberhauer (S. 91), welche die Eingeborenen bei Venushuk um keinen
Preis hergeben wollten. Dieser Zahn war noch außerdem in der Mitte
zierlich mit rotem Strohgeflecht umwickelt, das dazu diente -- die
Fälschung zu verdecken, denn er bestand aus zwei Stücken. Ja! nicht
alle können echte Brillanten tragen, und auch bei den Papuas muß
sich mancher mit Simile behelfen. -- Alle waren mit Schamschurzen
aus Tapa bekleidet. Ein eigentümliches Musikinstrument interessierte
mich besonders deshalb, weil ich es in ganz gleicher Weise auch
an der Südostküste (Port Moresby) erhalten hatte. Es besteht aus
einem Stück Bambu mit einem zungenartigen Einschnitt und dient zum
Taktschlagen bei Begleitung der Gesänge. An Waffen sah ich dieselben
als vorher (S. 293) beschriebenen, aber auch schwerere Wurfspeere mit
kunstvoll geschnitzter, reich verzierter Spitze (T. XI. 1) und sehr
eigentümliche, mit Halswirbeln vom Kasuar verzierte. Die guten Leute
fürchteten sich anfangs sehr, was man ihnen gewiß nicht verdenken
konnte, denn offenbar hatten sie vorher keinen Weißen gesehen. Zu
meiner Verwunderung kannten sie nämlich kein Eisen, und erst als
ich praktisch den Nutzen eines Beiles zeigte, schien es bei ihnen
aufzudämmern und jeder verlangte nun »maiang«! Um andere Dinge wie
Glasperlen, Spiegel, Streichhölzer gaben sie nichts, jedenfalls weil
sie den Zweck noch nicht recht begriffen, eine Erfahrung, die ich
häufig gemacht habe. Das Erstaunen des sogenannten Wilden beim ersten
Anblick von Weißen ist überhaupt in der Regel viel minder lebhaft,
als gewöhnlich angenommen wird, sein Interesse, obwohl in erster
Linie praktisch, unberechenbar und individuell sehr verschieden. Dem
einen gefällt dies, dem anderen jenes, gerade wie dies bei uns und
allenthalben der Fall ist.

Von Kap de la Torre verläuft die Hansemannküste ca. 30 Meilen in
westlicher Richtung und wendet sich dann W.-N.-W. bis zu Kap Dallmann,
welches die weite Krauel-Bucht, oder besser Bai nach Westen begrenzt.
Das bergige Kap erschien von weitem wie eine Insel, bei der wir gute
Ankerung zu finden hofften, hierin aber getäuscht wurden. Ein heftig
aufspringender Ost nötigte überdies zurückzugehen und an der Küste
einen passenden Platz zu suchen, den wir auch vor der Mündung eines
Flusses, des Caprivi, kurz vor Sonnenuntergang fanden. An seinem
linken Ufer waren zwei kleine Siedelungen, deren Bewohner die ganze
Nacht Feuer unterhielten, und schon vor Anbruch des Tages (11. Mai) in
ihren Kanus herbeieilten. Ganz ungeniert und ohne Zeichen von Furcht
kamen sie sogleich an Bord, obwohl auch sie offenbar noch keine
Weißen gesehen hatten und Eisen anfänglich verächtlich zurückwiesen.
Man sieht, wie verschieden das Betragen Eingeborener beim ersten
Zusammentreffen mit Fremdlingen sein kann, zuweilen furchtsam und
zurückhaltend, zuweilen furchtlos und offen bis dreist und unverschämt.
Das letztere ließ sich nun von diesen Eingeborenen nicht sagen, denn
nirgends hatte ich vorher so liebenswürdige und manierliche »Wilde«
kennen gelernt als hier. Da gab es kein wüstes Schreien, wie dies
sonst meist der Fall ist, sondern die Leute verhielten sich ruhig, ja
sprachen mit leiser Stimme, und zwar nicht etwa infolge von Angst. Auch
hielten sie uns nicht für Götter, wie sich Weiße dies meist einbilden,
kümmerten sich um die Blässe unserer Haut nicht im mindesten, gaben
aber ihrem Erstaunen durch ein eigentümliches Schnalzen mit der
Zunge Ausdruck, wobei sie die Backen aufbliesen. Da den Leutchen
natürlicherweise alles und jedes an Bord neu war, so wollte das
Schnalzen gar kein Ende nehmen. Meine bisherigen Erfahrungen, daß dem
Kanaker »schenken« unbekannt ist, wurde übrigens hier zum erstenmale
glänzend widerlegt, denn zu meinem Erstaunen kamen die Capriviten nicht
mit leeren Händen. Sie brachten einen Korb mit etwas Yams, Kokosnüsse
(die auch hier Niu heißen), gekochten Sago in Blätter gehüllt,
spanischen Pfeffer, gekochtes und geräuchertes Schweinefleisch, in
Stücke geschnitten und in eigentümlicher Weise zwischen Stöckchen
gepreßt, sowie frische Holothurien (S. 275) und boten dieses alles
als wirkliche Geschenke an, d. h. ohne Gegengabe dafür zu verlangen.
Eine solche Freigebigkeit mußte natürlich belohnt werden, aber ich
fürchte, daß die ersten Wohlthaten der Civilisation den Samen der
Zwietracht in die Herzen dieser noch unberührten Naturkinder säten,
denn da nicht alle gleichmäßig bedacht werden konnten, so werden
Neid und Mißgunst wohl nicht ausgeblieben sein. Bei einem so kurzen
Aufenthalte als dem unseren merkte man davon freilich nichts, sondern
es herrschte eine Harmonie, wie sie schöner nicht gedacht werden kann.
Aber ich weiß aus Erfahrung, daß eine solche Idylle gewöhnlich nicht
von langer Dauer ist, selbst wenn in formeller Weise Friedenszeichen
ausgetauscht wurden. Das der hiesigen Eingeborenen bestand in einem ca.
45 cm langen, schmalen Streif Kokosblatt, in welches ein alter Mann
acht Knoten knüpfte und mir denselben überreichte. Ob dabei die Zahl
acht irgend eine symbolische Bedeutung hatte, vermochte ich natürlich
nicht zu erörtern, denn für solche Fragen läßt die Zeichensprache im
Stiche. Die Biedermänner vom Caprivi waren übrigens im allgemeinen
schwächlich aussehende Leute, aber echte Papuas, meist so dunkel
gefärbt als Neu-Britannier (zwischen Nr. 28 und 29 der Broca'schen
Farbentafel), zuweilen heller, ja ich hatte wieder einmal die Freude,
einen Albino kennen zu lernen. Mit Ausnahme der von der Sonne stark
geröteten Stellen (Brust und Schultern) war seine Färbung so hell, als
bei einem Europäer (Nr. 23 bis 25 von Broca), sein Haar blond; aber die
lichtscheuen Augen konnten die Sonne nicht vertragen, wie dies meist
bei Albinos der Fall ist.

[Illustration: Häuptling vom Caprivifluß.]

Im Ausputz unterschieden sich die hiesigen Eingeborenen wenig von
den vorher gesehenen (S. 293). Haarkörbchen waren aber seltener und
schienen mehr eine Auszeichnung der Häuptlinge zu sein, während die
Mehrzahl das Kopfhaar geschoren oder in der gewöhnlichen verfilzten
und verzottelten Weise der Papua wachsen ließ. Die Abbildung zeigt
einen solchen Häuptling, dessen Haarkörbchen in origineller Weise mit
Streifen des weiß und rostgelb gefleckten Felles eines Beuteltieres
(Phalangista orientalis) verziert ist, wie solche auch mit Vorliebe als
Anhängsel der Armbänder benutzt werden. Der Zwickelbart des Mannes ist
mit zwei der Länge nach gespaltenen und dünn geschliffenen Eberhauern
geschmückt, die an dieser ganzen Küste sehr beliebt sind. Ein Sack und
kleinerer Brustbeutel (mit Placunamuscheln als Zierat) vollenden die
Ausstaffierung. Unter sonstigen Kostbarkeiten der hiesigen Eingeborenen
bemerkte ich schön gravierte Armbänder aus Schildpatt (Taf. XIX. 3) und
Imitationen gebogener Eberhauer aus Tridacna geschliffen (T. XXI. 3).

Von dieser größten aller jetzt lebenden Meeresmuscheln liefert
bekanntlich der breite Schloßteil ein weit über die Südsee
verbreitetes und allgemein hochgeschätztes Material, nicht nur
für Schmuckgegenstände (Brust- und Armringe, Nasenkeile), sondern
namentlich auch für Axtklingen, die häufig solchen von Stein vorgezogen
werden. Da der Schloßteil einer 66 cm langen Tridacnamuschel kaum 6 cm
breit ist, so kann man sich danach eine Vorstellung von der ungeheuren
Größe solcher Exemplare machen, aus denen sich ein Ring von 13 cm
Diameter herstellen ließ, wie ich sie hier sah. Da ein solcher Ring,
bei ca. 1 cm Dicke, 10 cm im Lichten vollkommen kreisrund gearbeitet
ist, so verdient, unter Berücksichtigung der bedeutenden Härte des
Materials, der Fleiß und die Geschicklichkeit dieser Künstler der
Steinzeit volle Bewunderung. Auf der Insel Ponapé in den Karolinen
erhielt ich früher sauber gearbeitete Axtklingen aus Tridacna von 50
cm Länge, 11 cm Breite und neun Pfund Schwere. Sie stammten noch aus
der guten alten Zeit und gehören wohl mit zu den kolossalsten Stücken,
welche aus diesem Material hergestellt wurden.

Die langen, sehr schmalen Kanus der Capriviten zeigten, neben gewissen
Eigentümlichkeiten in der Bauart, auch hübsche Verzierungen in
Schnitzarbeiten (ähnlich T. VII. 4). Einzelne Kanus führten Mast und
Segel; die größten trugen zwölf Mann.

Mit dem Caprivifluß endet das Flachland, und Berge säumen nun die
Küste, ein Charakter, den sie bis Humboldt-Bai beibehält. Wir dampften
längs den niedrigen Hügeln, welche an der Westseite von Krauel-Bai
ziemlich steil bis zum Meere abfallen und deren dichte Bewaldung
stellenweis durch grüne Flächen unterbrochen wird, welche der
Landschaft ein liebliches Aussehen verleihen. Hie und da waren auch
an steilen Abhängen Plantagen sichtbar, sowie einzelne Häuser. Aber
Siedelungen, und zwar sehr kleine, die sich schon von weitem durch
gelbe Bäume kenntlich machten, trafen wir erst in den Buchten vor Kap
Dallmann. Es sind deren drei: Ritter-, Buchner- und Nachtigal-Bucht,
die dicht hintereinander folgen und von denen namentlich die letztere
einer genaueren Untersuchung wert scheint. Mit Kap Dallmann, einem
ca. 400 Fuß hohen, steil abfallenden, dicht bewaldeten Hügel, bekamen
wir d'Urville-Insel in Sicht und sahen eine weite Bai vor uns. Wie
sich später zeigte, zerfällt sie in drei Buchten: Dove, Jannasch und
Gauß, und wird im Westen durch Bessels-Huk begrenzt. Dieser ganze
Küstenstrich, dicht mit Laubwald bedeckte Hügel und Vorland, hie und
da mit sanft ansteigenden Grasflächen, scheint sehr versprechend, aber
wenig bewohnt, wie sich schon aus dem Mangel von Kokospalmen schließen
läßt. In der That bemerkten wir nur bei Kap Dallmann ein Dorf von ca.
zehn Häusern und bei Sahl-Huk etliche Kokospalmen und Eingeborene.
Doch werden jedenfalls mehr Ansiedelungen vorhanden sein, die ja
häufig unter Bäumen versteckt unbemerkt bleiben. Die landschaftlichen
Schönheiten dieser Küste erhalten durch ein weiter inland liegendes
Gebirge, das Prinz Alexandergebirge[75], erhöhten Reiz, dessen
malerische Kuppen sich über 3000 Fuß erheben mögen. D'Urville-Insel,
ein langgestreckter, dichtbewaldeter Bergrücken, mit einem grünen
Vorland, das sich als Gressien-Insel erwies, trat immer näher heran,
und als wir die kleine Meta-Insel, etwas nördlich von Bessels-Huk
passierten, öffnete sich der Blick auf eine breite Meeresstraße, die
Dallmannstraße, mit zwei Inseln an ihrem westlichen Eingange. Gegenüber
Gressien bemerkten wir eine hübsche Bucht, die im Osten durch das
von Meta-Insel sich ausdehnende Riff einen schönen Hafen bildet, den
Dallmannhafen. Wir ankerten hier sehr zur Freude von Eingeborenen, die
uns in drei Kanus schon seit einer Stunde unverdrossen folgten. Auch am
Ufer wurde es lebendig: Knaben winkten mit grünen Zweigen, und eine
Menge Eingeborener harrte sehnlichst auf unsere Ankunft. Bald wurde
ihr Wunsch erfüllt, und sie sahen, wohl zum erstenmal, europäische
Bleichgesichter unter sich. Denn auch diese Eingeborenen kannten
kein Eisen, und der Gebrauch von Beilen und Messern mußte ihnen erst
gezeigt werden. Ja, wie sollten solche unverfälschte Naturkinder der
Steinzeit auch wissen, was ein Beil ist? Uns würde es in Bezug auf die
Benutzung gewisser Geräte der Eingeborenen ebenso gehen, und unsere
Museen besitzen gar manche Belegstücke dafür, deren Bezeichnung »Zweck
unbekannt« häufig für immer unerklärbar bleibt. Das ungenierte Wesen,
mit dem wir von diesen Eingeborenen ohne Scheu und Mißtrauen empfangen
und behandelt wurden, war erstaunlich, und wer möglichst unverdorbene
Menschen studieren will, dem ist Dallmannhafen zu empfehlen.
Freilich würde der gute Rousseau manche seiner Vorstellungen über
die Glückseligkeit des Naturmenschen zu verbessern gehabt haben, da
sich eine solche überhaupt nirgends findet. Aber soweit sie überhaupt
möglich ist, erfreuten sich diese guten Eingeborenen derselben, ein
Völkchen, das, weiß Gott seit welchen Zeiten, ohne Civilisation ein
sorgenfreies, behagliches Dasein führt. Für mich war es wiederum eine
Freude, dieses fröhliche Leben und Treiben zu beobachten, denn es
wird ja mit jedem Tage schwieriger, auf diesem Erdenrunde noch ein
Fleckchen zu finden, wo man solche Beobachtungen machen kann. Wenn
diese Eingeborenen als Typen möglichst unverdorbener Naturmenschen
gelten dürfen, so ist Freigebigkeit eine angeborene Tugend des
Menschengeschlechts und Bettelei erst später entstanden. Denn diese
Leute schenkten mir freiwillig einige ihnen gewiß wertvolle Dinge, so
einen schönen Knochendolch, einen Brustbeutel u. a., ohne gleich die
Hand nach einer Gegengabe auszustrecken, wie dies sonst unabänderlich
Kanakerbrauch ist. Meine bisherigen Erfahrungen hatten mich gelehrt,
mit der Annahme von Geschenken Eingeborener vorsichtig zu sein, denn
was sie heute schenken, erwarten sie morgen vielfältig zurückerstattet.
Hier schien alles ohne die sonst übliche Berechnung, mit der man die
Wurst nach der Speckseite wirft, und es herrschte vom ersten Begegnen
an ein Ton, als wären wir lang erwartete liebe Freunde und schon seit
Jahren in traulichem Verkehr.

[Illustration: Kopfbedeckung in Dallmannhafen.]

In ihrem Äußeren stimmten diese Eingeborenen ganz mit denen vom Caprivi
überein, ebenso hinsichtlich ihres Ausputzes. Cuscusfell (von einer
Phalangista-Art) war häufig als Schmuck, für Glatzköpfe zuweilen
auch als Kopfbedeckung verwendet. Außer den bekannten Haarkörbchen,
die übrigens nur einzeln vorkamen, gab es noch eine andere besonders
auffallende Kopfbedeckung, durch welche sich ein Mann auszeichnete.
Er trug, wie die Abbildung zeigt, eine ca. 40 cm lange Röhre aus
Pandanusblatt und ich freute mich, die Urform des Cylinders bei den
Papuas entdeckt zu haben. In der That fehlt nur Deckel und Krämpe und
die Angströhre ist fertig. Die Befestigung derselben geschieht mittelst
Nadeln aus Vogelknochen, die in dem dichten Haarpelz sehr gut haften.
Besondere Sorgfalt war auch auf Bartschmuck in Form von allerlei
Breloques (wie S. 299) verwendet, und einzelne hätten sich damit bei
uns für Geld sehen lassen können. So mein Freund Wulim, ein biederer
Oberhäuptling, dessen sorgfältig mit kleinen Muscheln umwickelter,
an der Spitze in Rohr eingeflochtener Zwickelbart eine Röhre von 35
cm Länge bildete. Der gute Alte schien meine Gedanken erraten zu
haben, denn er erlaubte mir, die nicht wiederzuersetzende Körperzier
abzuschneiden. So konnte ich, auch ohne Oberons Zauberhorn, einen
Bart mit nach Hause nehmen, wie ihn der Kalif von Bagdad schwerlich
besessen haben dürfte, und gleich mit Zähnen daran, freilich nicht die
des Trägers, sondern Eberhauer, die auch hier als Schmuck sehr beliebt
sind.

Unter Führung der Eingeborenen marschierten wir über schönes,
fruchtbares Grasland nach ihren Niederlassungen, die an der Westseite
von Gauß-Bucht liegen, da Dallmannhafen, mit Ausnahme von ein paar
Häusern, unbewohnt ist. Unweit dieser Siedelungen in Gauß-Bucht mündet
ein hübscher, leider unzugänglicher Fluß, der Herbert. Treffliche
Kultivationen, in denen hauptsächlich Bananen und Tabak (Sagum) gezogen
wurden, lehnten sich unmittelbar an das für papuanische Verhältnisse
ebenso große als schöne Dorf Rabun oder Labuhn. Es zählte, von Bäumen
und Kokospalmen beschattet, an 20 Häuser, solide und stattliche Bauten,
denen nur Fenster fehlten, um gar manche viel armseligere Hütte
daheim zu übertreffen. Einzelne dieser Pfahlhäuser (Rum) waren 40 bis
50 Fuß lang, 24 Fuß breit und bis unter die Giebelspitze an 20 Fuß
hoch. Das Dach bestand aus Ried oder Gras, die Seitenwände aus sehr
sauber befestigten, zuweilen rot und schwarz bemalten Blattscheiden
der Nipa- oder Sagopalme, die Diele aus gespaltenen Latten von
Betelpalmen. Charakteristisch für den hiesigen Baustil ist das Fehlen
eines Vorplatzes oder einer Plattform, da die Treppe gleich unter der
in eigentümlicher Weise verschiebbaren Thür liegt (vergl. Abbildung
S. 308). Die im Inneren der Häuser herrschende Dunkelheit erlaubte
erst allmählich Orientierung, ließ aber die gewöhnliche Einfachheit
der Einrichtung erkennen: in der Mitte die Feuerstelle, aus einem
mit Sand gefüllten Rahmen bestehend, an den Seiten Lagerstätten
aus gespaltenem Bambu mit Kokosmatten belegt und Töpfe. Letztere
stimmten in der Form (T. IV. 3, 4) mit denen von Bilibili überein
und wie ich sie auch am Caprivi sah; es gab aber auch Töpfe von
kolossaler Größe, die als Behälter für Sago dienten. Keramik schien
auch hier eine Quelle des Wohlstandes und Reichtums, denn es gab
Töpfe im Überfluß; so waren unter anderem auch besondere an Stricken
befestigte Horden mit solchen versehen. Große Häuser enthielten zwei
Abteilungen und werden, wie schon die doppelte Feuerstelle andeutete,
wohl von mehr als einer Familie bewohnt. In einem Hause bemerkte ich
eine roh geschnitzte Holzfigur, einen sogenannten Götzen, ähnlich
den Telums von Astrolabe (T. XV. 1), aber ohne die für jenes Gebiet
charakteristische langausgestreckte Zunge. Wenn auch Holzschnitzereien
an den Häusern fehlten, so fanden sich doch andere Arbeiten, welche
von der Geschicklichkeit der hiesigen Eingeborenen in diesem Genre
zeugten. So die kolossalen trogförmigen Signaltrommeln, die, (wie auf
der Abbildung), gewöhnlich vor den Häusern standen, also wohl nicht
tabu sein mochten, sowie die Spitzen der Kanus. Einzelne waren in sehr
naturgetreuen Figuren, Krokodil und Menschengesichter darstellend (wie
T. VII. 4) ausgeschnitzt, und diese Verzierungen häufig sorgfältig
eingepackt, um sie vor Bestoßen zu schützen. Auch sonst stimmten die
Kanus in der Bauart mit denen am Caprivi überein. Als Mastschmuck
dienten Bastbüschel und artig aus Pflanzenfaser geflochtene Ketten;
als Segel war, wie auch anderwärts, der zeugartige Bast von der Basis
der Blattscheide des Kokosblattes verwendet. Waffen irgend welcher Art
kamen mir nicht zu Gesicht, werden aber ohne Zweifel nicht fehlen.
Von Musikinstrumenten sah ich Holztrommeln in der gewöhnlichen
sanduhrartigen Form (ähnlich T. XIII. 2), mit Eidechsenhaut (von
Monitor) überzogen.

[Illustration: Haus in Gaußbucht.]

Bei unserer Ankunft flüchteten die Weiber und Kinder eiligst in
die Häuser, deren Thüren zugeschoben, aber gar bald wieder etwas
geöffnet wurden, denn die so berechtigte Neugier, welche dem ganzen
Menschengeschlecht eigen ist, überwand auch hier die Furcht, und
nach und nach kamen, aufgemuntert durch die Männer, die Schönen
zum Vorschein. In der That gab es sehr hübsche Gestalten von
tadellosen Formen unter diesen braunen Mädchen, die in ihren bunten
Faserschürzchen (T. XVI. 9) gar niedlich aussahen. Sie trugen das
Haar meist kurz geschoren, in Form runder Pelzkäppchen, Frauen durch
schwarze Farbe verschmierte Zotteln, ähnlich wie in Astrolabe-Bai
(S. 40). Kleinen Kindern von drei bis fünf Jahren war der Kopf meist
rasiert, bis auf eine Skalplocke zur Befestigung von Schmuck aus
Muschelringen und dergleichen.

Außer den vorherbeschriebenen Häusern entdeckte ich übrigens noch zwei
besondere, von ganz eigentümlicher Form, wie sie mir in Neu-Guinea
sonst nirgends vorkamen. Sie waren lang und schmal mit schüsselförmigem
Dach, standen auf niedrigen Pfählen (vergl. Abbild. S. 310), und
hatten an jeder Seite eine Thür mit spitzwinkeligem Vorplatz, den vom
Dachrande herabhängende, lange Blattfasern wie mit einer Portière
verhüllten. Aus Rücksicht für die Eingeborenen, die sich sehr ängstlich
zeigten, und deren Geduld ich ohnehin schon genug auf die Probe
gestellt hatte, ließ ich das Innere unbetreten. Der Zweck dieser
Gebäude blieb daher unaufgeklärt, aber ich werde wohl nicht irren, wenn
ich sie für jene Versammlungs-, Junggesellen- oder Tabuhäuser halte,
wie sie sich in verschiedenen Formen allenthalben in Melanesien finden.

[Illustration: Tabuhaus in Rabun, Gaußbucht.]

Die Höflichkeit der hiesigen »Wilden« übertraf übrigens alle bisher
erfahrene und jedenfalls die meinige in der Erwiderung. Man würde
es bei uns und mit Recht als Zeichen geringer Achtung und Bildung
auslegen, wenn ein Gast den angewiesenen Ehrenplatz (hier ein mit
weißem Sand bestreuter Platz vor dem Hause) und die angebotenen
Erfrischungen (hier Betel, »Bu« und Naturzigaretten) zurückweist,
wie ich es that. Aber es gab soviel zu sehen und aufzuzeichnen,
daß ich im Interesse der Wissenschaft selbst gegen die bei Papuas
herrschende Etikette verstoßen mußte. Die guten Leute mochten von dem
ersten Weißen, der ruhelos umherlief, überall unverständliche Zeichen
aufkritzelnd, wohl einen sonderbaren Begriff bekommen und ich würde
es ihnen nicht übel nehmen, wenn sie mich für übergeschnappt gehalten
hätten. Sie zeigten sich aber über mein Gebaren nicht unwillig, ja
ihre Höflichkeit steigerte sich bis zur Gastfreundschaft, eine bisher
von mir bei Kanakern niemals beobachtete Tugend. Die Pantomime des
Kauens ließ im Verein mit behaglichem Klopfen und Streicheln der
Magengegend keinen Zweifel, daß ein Festschmaus geplant wurde. Am Ende
sollten wir als Schlachtopfer dafür dienen, wird vielleicht mancher
denken, der da meint, Kannibalen machten allemal ähnliche Zeichen, ehe
sie ihre Beute abmurksen! Ach, nein! das thun sie niemals; die braven
Rabuniten waren überdies keine Kannibalen, und wenn sie auch solche
gewesen wären, so würde uns dies wenig geniert und das Gefühl der
Sicherheit nicht im mindesten alteriert haben. Zum großen Leidwesen
der Bewohner schieden wir von dem freundlichen Rabun, und wenn wir
auch für diesmal der zugedachten gastronomischen Prüfung entgingen,
so ereilte uns doch das Schicksal im nächsten Dorfe. Hier wurden
wir förmlich überrumpelt und mußten wohl oder übel an dem bereits
servierten Festmahle teilnehmen. Ich gebe hier das Menu. Erster Gang:
rötliche Sagoklöße (zähkleistrig, unkaubar, daher nach Angabe der
Eingeborenen nur ganz zu verschlingen, was uns nicht gelang); zweiter
Gang: kleine sprottenartige Fische mit den Eingeweiden geröstet (nicht
übel); dritter Gang: gekochte Tiere einer kleinen Muschel (Neritina),
mit den Zinken der Haarkämme aus der Schale gezogen (indifferent), dazu
als Konfekt eßbare Erde, als Getränk Wasser und frische Kokosnußmilch.
Das war freilich keine Bremer Schaffermahlzeit, aber das Hauptstück
der Tafel, ein in der Erde zwischen heißen Steinen gedünstetes Schwein
(Bohr), sollte ja erst zubereitet werden. Aber wir hatten keine Zeit
darauf zu warten, obwohl uns damit ein Genuß entging. Denn ich darf
versichern, daß in dieser Manier gar gemachtes Fleisch nicht zu
verachten ist und getrost auf unserer Tafel erscheinen dürfte, wenn
nicht das für uns unentbehrliche Salz fehlte. Mit Kokosnüssen beladene
Eingeborene geleiteten uns, diesmals längs dem Strande, der meist
aus Korallen besteht, wovon wir auch ausgedehnte Riffe in Gaußbucht
beobachteten, die sich deshalb als Ankerplatz kaum eignen dürfte. Als
wir bei unserem Boot anlangten, packten es unsere Freunde fast voll
mit Kokosnüssen, was uns auch noch niemals passiert war. Erst jetzt
verteilte ich die Gegengeschenke, und erwähne dies deshalb, weil
dadurch erst die lobenswerte Uneigennützigkeit der Eingeborenen im
rechten Lichte erscheint. Daß uns die guten Leute auch an Bord folgten,
ist wohl selbstverständlich. Sie waren inzwischen klüger geworden
und brachten allerlei zum Tausch, darunter neue und interessante
Gegenstände. So groteske, buntbemalte, aus Holz geschnitzte Masken,
mit meist kolossalen, oft vogelschnabelartigen Nasen, häufig mit Bart
aus wirklichem Menschenhaar besetzt, wovon Taf. XIV (1, 2) gute Stücke
repräsentiert, und kleine Holzgötzen (T. XV. 4, 5, 6). Sie stellen
männliche wie weibliche Nachbildungen von Eingeborenen dar, öfters mit
Haarkörbchen, zuweilen sogar mit Gesichtsmasken ausgeschnitten und
sind jedenfalls keine Idole, wie jeder Missionär deuten würde, sondern
mehr als Talismane zu betrachten. Die Leute gaben sie ohne Zögern her
und hatten solche sogenannte Götzen nicht selten, wie Miniaturmasken
(vergl. T. XIV. 3) als Zierat an ihren Brustbeuteln befestigt. Neu
waren auch eigentümliche Kopfruhebänkchen, sogenannte Kopfkissen, aus
Holz mit Schnitzerei und Beinen aus Bambu.

Um mich für die freundliche Aufnahme an Land zu revanchieren, versuchte
ich die Eingeborenen mit allerlei Erzeugnissen der Civilisation
bekannt zu machen. Außer Zigarrenstummeln ließen Genußmittel ziemlich
teilnahmslos. Wie gewöhnlich wurde aus Höflichkeit von dem und jenem
gekostet, ohne jedoch an den Speisen Geschmack zu finden, ganz so
wie es uns im entgegengesetzten Falle geht; aber die Leute gaben
zu verstehen, daß Zucker mit Zuckerrohr identisch sein müsse. Mehr
Interesse erregten Nützlichkeitsgegenstände, und ich hatte auch
hier wieder Gelegenheit, die individuell verschiedene Auffassung zu
beobachten. Das Ticken einer Taschenuhr ruft meist freudiges Erstaunen,
wie bei Kindern, aber auch nicht selten Schreck hervor, ganz so wie
dies mit der Musik einer Spieluhr der Fall ist. Aber die fröhlichen
Weisen, welche ich auf einer Mundharmonika vorspielte, fanden überall
Beifall und erregten die Bewunderung der Eingeborenen. Streichhölzer
versetzen immer in Erstaunen, dagegen May'sche Streichwachslichte
(Vestas) meist in Furcht, weil sie beim Entzünden knallen. Spiegel,
und zwar jene runden Taschenspiegel in Blech- oder Zinnfassung, wie
sie hauptsächlich üblich im Tausch, werden sehr verschieden beurteilt.
Manchmal machen sie viel Spaß, häufig aber werden sie nur für eine
glänzende Zierat, Brust- oder Stirnschmuck, gehalten. Denn der
Naturmensch muß ja erst lernen sein Abbild im Spiegel zu erkennen, den
er gewöhnlich so nahe oder so entfernt hält, daß dies nicht möglich
ist. Dasselbe gilt bezüglich des Sehens durch einen Feldstecher, dessen
Gebrauch noch mehr Unterricht erfordert. Einen viel größeren Eindruck
machen Brenngläser; aber auch bei diesen weiß der Eingeborene den
Brennpunkt nicht leicht zu finden und sie machen nur Mühe, denn jeder
will das Brennen auf seiner Hand fühlen. Zur Belohnung gab ich den
Rabuniten noch eine Extravorstellung meiner Spielsachen zum besten,
wie ich zuweilen bei besserer Bekanntschaft mit Eingeborenen zu thun
pflegte. Kinderspielzeug, Tiere aus Guttapercha, deren Quitschtöne
zuweilen Krieger erschreckt über die Reiling jagten, fanden hier wenig
Anklang, ebenso erging es dem Kaleidoskop. Dagegen machte ein Kreisel
mit Musik viel Spaß, der sich, wie überall, unendlich steigerte,
als ich eine schöne, gut angekleidete Mädchenpuppe mit Haar zeigte.
Und nun gar erst die Freude über das Gegenstück dieser Europäerin,
eine niedliche kleine Negresse, mit Wollkopf, rotem Röckchen und
Perlhalsband! Eine Diva bei uns kann nicht mehr applaudiert werden,
als diese Puppe hier; jeder wollte sie besitzen und würde alles dafür
gegeben haben. Nicht wahr? Die Wünsche dieser »Wilden« sind oft
unberechenbar. Wie bei allen Vorstellungen hatte ich das Glanzstück
zum Schluß vorbehalten, und zwar die Elektrisiermaschine. Sie bildete
wie überall, wo ich Eingeborene mit ihr bekannt machte, auch hier den
Knalleffekt und ihre Wirkung äußerte sich in derselben Weise. Die Leute
wollten schier vor Lachen zerbersten, wenn der erste Kühne, welcher die
Metallkolben in den Händen hielt, sprachlos vor Überraschung anfing,
allerhand Grimassen zu schneiden und Sprünge zu machen. Aber kaum
hatte ich den ersten erlöst, so nahm ein zweiter seine Stelle ein,
unerwartet, aber doch erklärlich. Denn auch diese Naturkinder machten
es ganz so wie es in ähnlichen Fällen bei uns zu geschehen pflegt.
Nämlich, jeder sagte dem anderen, daß die Sache sehr schön sei, und so
fielen am Ende alle der allgemeinen Heiterkeit zum Opfer.

Die Freude der Eingeborenen verwandelte sich übrigens in Leid, als
am anderen Morgen (12. Mai) Vorbereitungen zur Weiterreise getroffen
wurden. Die guten Leute schienen uns bereits als die Ihrigen zu
betrachten und erwarteten alles Ernstes, daß wir uns dauernd bei ihnen
niederlassen würden. Ja, ich hätte hier ein Glück machen können, wie es
mir nie in meinem Leben angeboten war, noch je wieder angeboten werden
wird! Ich sollte Kokospalmen und Schweine, Haus, Hof und Land und, als
ich alles dies zurückwies, sogar ein Mädchen erhalten. Da die Ablehnung
desselben die Leute vermutlich glauben ließ, daß mir eine Frau zu wenig
sei, wurde gleich eine zweite bewilligt, denn man versuchte alles, um
mich festzuhalten. Ja, ich brauchte nur zuzugreifen, um Schwiegersohn
der angesehensten Häuptlinge und selbst »Negerfürst« zu werden. Aber
die Wichtigkeit der weiteren Küstenforschung ließ mich auf alle diese
herrlichen Aussichten verzichten, ein Verzicht, den die Eingeborenen
gewiß nicht als Klugheit deuteten.

Es kostete übrigens Mühe, die Honoratioren von Rabun von Bord zu
bringen, denn einige wollten partout mit, immer noch in der Hoffnung,
daß wir uns anders besinnen würden. Wir dampften langsam durch
Dallmannstraße, an Gressien-Insel, Muschu der Eingeborenen, vorbei,
hinter der sich Kairu (d'Urville-Insel) erhebt, mit einem ansehnlichen
Bergrücken, ohne besonders markierte Kuppen. Kairu ist an acht Meilen
lang und sehr fruchtbar. Muschu mit sanften, grünen Grasflächen
scheint für Viehzucht wie geschaffen. Es besitzt an der Westseite drei
kleine Dörfer, deren Bewohner sich sehr im Gegensatz zu den Rabuniten
scheu versteckten. Aber hinter »Pomone-Point« (von d'Urville), einer
sanften, mit Kasuarinen bestandenen Huk der Festlandsküste, die hier
aus Vorland mit ca. drei kleinen Siedelungen besteht, kamen Eingeborene
in Kanus ab, um uns einzuholen. Mit der Ausdauer der Rabunleute
würden sie uns erreicht haben, denn bald darauf nötigten Regen und
dickes Wetter zu ankern. Dies geschah in Dallmannstraße unweit der
kleinen Guap-Insel, die ca. eine Meile östlich vor dem etwas größeren
Pâris (von d'Urville), Aursau oder Aarschau der Eingeborenen, liegt.
Guap ist kaum zwei Meilen lang, niedrig, dicht bewaldet, besitzt
sehr viel Kokospalmen und muß sehr stark bevölkert sein, denn ich
zählte nicht weniger als 37 Kanus am Sandstrande der Südseite, der
wir gegenüber lagen. Derartige Inseln, nahe der Küste, bilden häufig
Bevölkerungscentren, weil sie ihren Bewohnern größere Sicherheit
gegen Überfälle bieten und somit eine ruhigere und gedeihlichere
Entwickelung ermöglichen. Nicht selten benutzen so günstig situierte
Insulaner aber auch ihre Überlegenheit, um an der Küste Raubzüge
auszuführen. Allem Anscheine nach waren die Guapiten, welche uns bald
in ihren Kanus umringten, gut situierte Leute. Daß sie keinen Mangel
litten, ging schon aus der Unmasse Yams hervor, den sie körbeweis
zum Ankauf anboten. Da Guap für einen solchen Reichtum viel zu klein
ist, so gehören die schönen Plantagen, die wir an der Südseite von
Kairu (d'Urville-Insel) erblickten, vermutlich diesen Insulanern. Sie
verlangten aber nichts als »Pore«, Eisen, das sie übrigens nur in Form
von Bandeisen zu kennen schienen, denn sie machten sich nichts aus
Äxten. Da konnte geholfen werden, denn Meister Nielsen, der Maschinist,
schlug alte Kistenreifen in Stücke, die weggingen wie warme Semmeln.
Da derartiges Bandeisen sehr dünn ist, so müssen die Stücke so kurz
sein, daß man sie nicht mit den Fingern biegen kann. Denn jedes
Stück wird von den Eingeborenen sorgfältig geprüft und wenn biegbar,
zurückgegeben. Ich bemerkte übrigens einen Steinaxtstiel, der mit einem
Stück Eisen montiert war. Es schien ein altmodischer Meißel, vielleicht
noch aus der Zeit der ersten Seefahrer, aber sein Besitzer gab das
Stück für kein Beil her, weil er ein solches eben nicht kannte. Gar
gern hätte ich dieses Bastardgerät der Stein- und Eisenzeit erstanden,
aber ich durfte mit den unverfälschten Steinäxten schon zufrieden sein.
Die Eingeborenen besaßen davon schöne Exemplare in eigentümlicher
Holzfassung (wie T. I, 7), mit rechtstehender Steinklinge (wie um
Ostkap), aber auch solche mit querstehender Muschelklinge. Hölzerne
Masken und sogenannte Götzen, öfters zu mehreren zusammengebündelt,
wurden ebenso häufig als in Dallmannhafen zum Kauf angeboten.

Diese Figuren enden zuweilen in eine lange Spitze (wie T. XV. 7),
um mit derselben in die Erde gesteckt zu werden, da sie zum Teil
als Talismane für gute Ernten dienen. Auch aus Holz geschnitzte,
buntbemalte Tierfiguren, z. B. sehr erkennbare Eidechsen (Monitor),
sowie eine neue Form Holzschüsseln, mit Schnitzerei, darunter unter
anderem die Darstellung eines fliegenden Hundes, erhielt ich, ebenso
breite Schildpattarmbänder mit Gravierung, die weiter westlich nicht
mehr vorzukommen scheinen. Ein besonders feines Stück, aus einer
32 cm langen und 15 cm breiten Platte gebogen, ist im Atlas (Taf.
XIX. 1) abgebildet. Wie hier östliche ethnologische Formen ihr Ende
zu erreichen scheinen, so trafen wir hier zuerst charakteristische
westliche. So unter anderm Brustkampfschmuck in Form eines breiten
herzförmigen Schildes aus Eberhauern mit roten Abrusbohnen (wie T.
XXIII. 2) und eine andere sehr merkwürdige Art aus Eberhauern und
Ovulamuscheln. An Federschmuck kamen Paradiesvögel, sowie die schönen
roten Federn des Borstenkopfpapageis (Dasyptilus Pequeti) vor. Im
übrigen zeigte Ausputz wie Bekleidung der Leute nichts Besonderes.
Als letztere diente ein zuweilen buntbemalter Streif Tapa, in der
gewöhnlichen Weise um die Hüften geschlagen. Haarkörbchen sah ich nicht
mehr, sie mögen aber vorkommen. Man trug das zu einem dichtverfilzten
Zopfansatz verlängerte Kopfhaar mit Binden aus Pandanusblatt umwickelt
oder die bereits bekannten Angströhren, die hier (wie auf Muschu)
ihre eigentliche Heimat zu haben scheinen. An Bartschmuck in der
vorher beschriebenen Weise (S. 299), fehlte es auch nicht, wie die
nachfolgende Abbildung (S. 317) zeigt.

[Illustration: Mann von Guap-Insel.]

Der Korb ist diesem Manne aber nur aus Versehen des Zeichners in die
Hand geraten, denn er stammt von Venushuk (vergl. S. 293). Dagegen
zeigt der reich mit Platten aus Cymbiummuschel verzierte Brustbeutel
die übliche Form. Die hiesigen Eingeborenen excellieren in der
Anfertigung solcher Beutel, die aus feinem, sehr haltbarem Bindfaden,
teils in weitmaschiger Filetmanier, teils ganz dicht geknüpft, zuweilen
wahre Muster zierlicher und geschmackvoller Arbeit sind. Sie haben
natürlich sehr verschiedene Größe (bis 50 cm breit und 30 hoch) und
zeigen für gewöhnlich einfache, bunte Muster (in Kirschbraun, Braun,
Schwarz, Blaugrau). Häufig werden aber artige Muster aus kleinen
Muscheln (Nassa) oder aus ganzen und halb durchschnittenen Samenkernen
(Coix lacrymae) gleich mit dem Bindfadenmaterial eingeknüpft (vergl.
T. X. 4). Der äußere Ausputz dieser Brustbeutel, die nur den Schmuck
des Mannes bilden, ist zuweilen sehr mannigfach. Ich gebe hier ein
Verzeichnis solcher Papua-Breloques: Troddeln aus Bindfaden, Klingel
aus einer Muschel (Cypraea lynx) als Klöpfel ein Stückchen Koralle,
Platten von Placuna- und Cymbium-Muscheln, letztere zuweilen mit
aufgelegter durchbrochener Schnitzerei aus Kokosschale, bearbeitete
Stücke Schildpatt, kleine Holzfiguren (wie XV, 5) und Amuletmasken (T.
XIV. 4), Kalebasse zu Kalk, Bambumesser, Nasenschmuck aus Perlmutter
(wie XX. 5) oder Eberhauern (XX. 8), feine, aus Gras geflochtene
Kettchen, mit Anhang von schwarzen Fruchtkernen und Papageifedern,
Streifen Cuscusfell, und als Talismane: Stückchen Massoirinde[76],
Ingwer oder Pflanzenbüschel. Da der Papua in einem solchen Beutel
seine notwendigsten Habseligkeiten und Requisiten bei sich trägt,
so werden wir dieselben am besten aus dem Inhalt kennen lernen,
der sehr verschiedenartige Sächelchen entwickelt. An nützlichen
Gegenständen: Löffel aus Kokos, Schaber aus Perlschale (V, 8),
Muschelschalen (Batissa) zum Schneiden, Brecher aus Knochen (V. 7),
Raspel aus Rochenhaut, Feile aus Koralle, Nadel aus einem durchbohrten
Fischknochen, Bogensehne von Rotang, Ring zur Befestigung derselben,
etwas Bindfaden; an Geld: aufgereihte Hundezähne und Nassa-Muscheln, an
Zieraten: Nasenschmuck (wie vorher), rote und gelbe Erde zum Bemalen;
an Genußmitteln: Betelnüsse, dazu Kalk und Pfefferblätter, Tabak in
Blättern, dazu Baumblätter als Umlage für Zigaretten, eßbare Erde; an
Talismanen: kleine Holzfigur (wie vorher), runde Kiesel (meist aus
dem Magen der Kronentaube, Goura, und Jägerzeichen), Massoirinde und
Ingwer. Nicht wahr? Der Mensch der Steinzeit hat bereits eine Menge
Bedürfnisse und weiß Naturprodukte auszunutzen, die dem Kulturmenschen
als wertlos erscheinen. Ich vergaß noch einen seltenen Fund anzuführen,
den ich später in einem der Brustbeutel von Guap machte, nämlich,
sorgfältig in ein Blatt gebunden: acht kleine rote Glasperlen! Dies
verwunderte mich umsomehr, als die Eingeborenen Glasperlen gar
nicht zu kennen schienen. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß dieses
europäische Erzeugnis von der benachbarten d'Urville-Insel herstammte,
wo Sir Edward Belcher (im Juli 1840) mit dem »Sulphur« den schönen
Victoriahafen auffand und aufnahm.

Die Guapiten waren übrigens ruhige und manierliche Leute, mit denen
sich gut schachern ließ, Stück um Stück, Hand um Hand, aber »schenken«
kannten sie nicht. Die Unmassen Waffen, welche sie mit sich führten,
zeigten ihre Wehrhaftigkeit und Kampfbereitschaft. Ich erhielt hier
flache lattenförmige Keulen (ganz wie die von Astrolabe), Bogen, schöne
Pfeile mit fein geschnitzten Holzspitzen und Kerbzähnen, zum Teil mit
aufgeklebten Federn und Coixkernen, und lange (2,80 m) Wurfspeere aus
Palmholz, in der Mitte mit eigentümlichem Ansatz, der wahrscheinlich
zum Schleudern dient. Schwere über drei Meter lange, mit Kasuarfedern
reich verzierte Lanzen schienen Häuptlingsattribute. Die kleine
Silhouette auf Tafel VIII, 10 zeigt einen derartig distinguierten
Würdenträger auf seinem Kanu aus der Ferne gesehen. Diese Kanus haben
in der Mitte einen tischartigen Aufbau zum Teil mit Schnitzarbeit, ganz
wie die am Caprivifluß, und sind wie jene so schmal, daß die Ruderer
nicht beide Füße nebeneinander stellen können. Selbstverständlich
besitzen auch diese Kanus einen Ausleger, aber ich beobachtete keine
mit Segel.

Aus den fremdartigen Stimmlauten um uns her, tönte plötzlich ein
bekanntes Wort: »Doktor! Doktor!« Erst glaubte ich mich verhört
zu haben, aber nein, es war keine Täuschung. »Also auch hier
schon bekannt«! dachte ich und sah mich nach den Rufern um, drei
Eingeborenen, die in ihrem Kanu längsseit lagen und sogleich an Bord
zu klettern versuchten. Als ich sanft abwehrte, schienen die Leute
nicht wenig bestürzt, und aus ihren vorwurfsvollen Blicken ließ sich
der Sinn ihrer Rede erraten. »Nette Menschen, diese Weißen! Gestern
ließen sie sich bei uns noch abfüttern, und heut will uns der Doktor
schon nicht mehr kennen!« so ungefähr mochten sie sagen und hatten
recht. Aber Eingeborene sehen einander meist verzweifelt ähnlich, und
so war es verzeihlich, wenn ich unsere Freunde von gestern nicht gleich
wieder erkannte. Ich suchte meinen Fehler gut zu machen, denn die
Anhänglichkeit dieser Leute, uns trotz des Regenwetters, das Kanaker
gar nicht lieben, zu folgen, verdiente Belohnung. Freilich machten mir
die treuen Seelen von Rabun wieder neue Mühe, denn sie kamen wieder
mit der alten Geschichte: Schweine, Haus, Mädchen etc., und als wir
am andern Morgen (13. Mai) abdampften, gab es nur eine Wiederholung
der Abschiedsscene. Ich atmete daher auf, als die Versucher endlich
betrübt in ihr Kanu kletterten und wegpaddelten, denn der Verkehr mit
Eingeborenen ist gar anstrengend.

Der starke westliche Strom, welcher auffallender Weise am Nachmittag (4
Uhr) des vorhergehenden Tages nach Ost umsetzte, führte uns ohne Dampf
durch Dallmannstraße. Wir passierten Aarsau (Pâris), eine niedrige,
dichtbewaldete Insel, ohne Kokospalmen, die wenig bewohnt scheint,
gleich dahinter das kleine unbewohnte Unei und sahen in Nordwest die
von d'Urville, Guilbert und Bertrand benannten Inseln vor uns, welche
dichtbewaldeten Atollen ähneln. Da die Hansemannküste mit Pomone-Huk
endet, so wurde die weitere Fortsetzung derselben westlich bis zum
141 Grade von Kapitän Dallmann als Finschküste unterschieden. Sie
zeigt von Pomone-Huk an unausgesetzt dicht mit Laubwald bedeckte, hie
und da von Grasflächen unterbrochene Hügelketten, dahinter höhere
Bergreihen (600 bis 1000 Fuß hoch) und scheint wenig bevölkert. Nur an
einem Flusse (Virchow) circa fünf Meilen West von Aarsau bemerkten wir
zwei Dörfer. Aber weiterhin zwischen Sapa Point (von d'Urville) und
einer neuen Huk (Guido Cora[77]), die beide nur sanft vorspringende,
steile Uferhügel sind, zählte ich acht Küstendörfer (von je 12 bis 20
Häusern) hintereinander, ohne jedoch Menschen und Kanus bei denselben
wahrzunehmen. Das war mir lieb, denn wir entgingen dadurch Aufenthalt,
der bei unserem Kohlenvorrat ohnehin mehr als mir lieb war, beschränkt
werden mußte. Aber hätten wir bei jedem Küstendorf halten wollen,
dann wären wir wohl nie nach Humboldt-Bai und zurück gekommen. Trüb
lichtgrün gefärbtes Wasser zeigte, wie dies fast stets der Fall war,
daß wir uns wieder Mündungen von Flüssen näherten. Auf einen kleineren
(Petermann) Fluß folgte ein größerer (Kaskade), der wie über ein Wehr
ins Meer fällt und von dem der nahe Behmfluß vielleicht nur ein Arm
ist. Am Kaskadefluß zeigten sich zwei bis drei kleine Siedelungen, wie
stets, mit den entsprechenden Hainen der Kokospalme.

Aber nur ein Kanu wagte abzukommen und verschaffte uns eins jener
gemütlichen Zusammentreffen, in welchen man das Wesen unberührter
Naturmenschen in voller Ursprünglichkeit und Harmlosigkeit am
besten kennen lernt. Das Kanu brachte nämlich nur einen alten Mann
mit zwei hübschen Knaben, von etwa zehn und acht Jahren, wie sich
später herausstellte, seine beiden Söhne, Amus und Mambas, aus dem
Dorfe Wanua. Papa Malgari war in vorgeschrittenen Jahren, durch
Pockennarben entstellt, trug Vollbart, einen kurzen Zopf, sonst
nichts als den üblichen Tapalendenstreif und eine Eulenfeder im Haar.
Desto feiner waren aber von Mama die beiden Sprossen für den Besuch
bei den unbekannten Gästen herausgeputzt, wozu sie wahrscheinlich
eigenen Schmuck hergeliehen. So die schönen Halsketten aus Nassa mit
Muschelring (T. XXI 5), und die großen Schildpattohrringe, ebenfalls
mit Muschelplatte aus Conus, während der Knochendolch, welcher im
Grasarmbande des älteren Amus steckte, wohl Papa gehören mochte. Amus
war bereits mit dem Tapastreif bekleidet, sein Bruder ohne einen
solchen, aber beide trugen kreuzweis über die Brust schmale zierlich
geflochtene Bänder, mit kleinen Samenkernen wie mit Perlen besetzt.
Das Haar der Knaben war mit Ausnahme zweier Wirbelzöpfchen kurz
gehalten. In den durchbohrten Nasenflügeln steckten Holzstiftchen,
bei dem jüngeren Bruder sogar ein solches in der Nasenspitze, denn
schon gar früh muß sich der junge »Wilde« dem eisernen Zwange der Mode
unterwerfen. Ich forderte die guten Leutchen auf, an Bord zu kommen
und Papa Malgari hatte nach einigem Zögern auch Lust dazu, wurde
aber von seinen Söhnen zurückgehalten. Sie sprachen wahrscheinlich
davon, daß Mama dies ausdrücklich verboten habe, daß ihm was geschehen
könne, kurzum tyrannisierten ihren Vater förmlich, wie sich dies
Kanakerväter von ihren Kindern gern gefallen lassen. Ich hielt den
obstinaten Knaben eine Standrede; gleich drehten sie mir, mit wütenden
Blicken, den Rücken zu, als wollten sie sagen: »Du hast hier gar
nichts dreinzureden! das ist unser Vater, und wir wissen am besten,
was ihm gut ist.« Endlich überwand die Neugierde alle Bedenken, und
trotz der Lamentation seiner Söhne kam der Alte an Bord, sogar in die
Kajüte. Ja! da gab es was zu sehen und der Zeigefinger, als Zeichen
des Erstaunens, kam gar nicht mehr zwischen den Zähnen hervor. Und
nun vollends gar, als ich dem Alten einen Spiegel schenkte und unter
entsprechender Belehrung, eins jener Rasiermesser, die samt Etui in
Sydney 40 Pfennige kosten! Seine Augen glänzten vor Freude; aber ich
fürchte, die Silberstahlklinge wird gegen den struppigen Bart, der
bisher nicht einmal einen Kamm kennen lernte, wenig ausgerichtet haben.
Voll Freude eilte Papa an die Reiling, um seinen Sprossen von all den
Herrlichkeiten und Wundern zu erzählen, wurde aber nur angeschnauzt.
Denn alle Überredung schien den beiden Trotzköpfen gegenüber
vergeblich, bis ich mich ins Mittel legte. Man wird vielleicht
denken, mit Anranzen! I Gott bewahre! das hilft bei Kanakerknaben
am allerwenigsten, aber ein kleines unansehnliches Instrument, eine
Mundharmonika, wirkte dieses Wunder. Bei ihren Tönen wandten sich die
verbissenen Gesichter um, erst unwillig und finster dreinschauend, nach
und nach freundlicher, belebter, und als ich sie jetzt mit lächelnder
Miene einlud, da konnten sie nicht länger widerstehen.

Musik, diese Gabe des Himmels, auch von den Metallzünglein einer
Mundharmonika, hatte den Sieg errungen, um diese kleinen »Wilden« zu
bändigen. In stummer Verwunderung betrachteten sie alles; als ich
aber jedem ein Lendentuch von türkisch Rot umgebunden und ein Beil
in die Hand gegeben hatte, da hielt es sie nicht länger, sie eilten,
gefolgt vom Vater, ins Kanu und paddelten heimwärts, wahrscheinlich
aus Besorgnis, die Schätze könnten ihnen nur zum Spaß gegeben sein und
wieder abgenommen werden. Ich aber freute mich, glückliche Menschen
gemacht und mit zwei Eisenbeilen im Wert von zusammen M. 1,20 die
Zukunft zweier hoffnungsvoller Knaben der Steinzeit begründet zu haben.

Etwas westlich vom Kaskadefluß werden die Berge höher und entsenden
mehrere Flüsse (Breusing, Lindeman, Albrecht), die in dichtbewaldetem
Vorlande münden, das in einer Länge von kaum acht Meilen ebensoviel,
zum Teil große Siedelungen (bis zu 20 Häusern) zählt. Bei der
westlichsten, Tagai, wurde, nicht weit vom Albrechtflusse, geankert.
Es ist dies ein ansehnliches Gebirgswasser, mit viel Kasuarinen an den
Ufern, das zur Anlage von Sägemühlen wie geschaffen scheint, besonders
deshalb, weil sich hier bedeutende Bestände prächtiger Hochbäume
finden, wie wir sie bisher in Neu-Guinea nicht gesehen hatten.

Kaum war der Anker gefallen, so kamen die Eingeborenen ab in Kanus und
sonderbaren Wasserkutschen, deren eigentliche Beschaffenheit sich von
weitem nicht recht ausmachen ließ. Es schien, als sitze eine dunkle
Gestalt im Wasser, bald bis an die Brust untertauchend, bald wieder
auftauchend, aber stetig näher kommend. Da löste sich denn endlich das
Rätsel und das Gefährt entpuppte sich, wie die Abbildung zeigt, als
eins der denkbar einfachsten.

[Illustration: Auf Palmblättern in See.]

Es bestand nämlich nur aus zusammengebundenen Palmblattstielen, auf
denen sich je ein Knabe oder junger Bursche anderthalb Meilen weit in
See wagte, nur um das dampfende Ungetüm zu sehen. Sachen irgend welcher
Art ließen sich auf einem solchen Floß freilich nicht mitbringen,
denn es ging mehr unter als über dem Wasser und schien höchstens
für Schiffbrüchige empfehlenswert. Als Paddel diente ebenfalls
ein Palmblattstiel. Die Kanus erwiesen sich übrigens als trefflich
gebaute Fahrzeuge von eigentümlicher neuer Konstruktion. Sie hatten
Seitenborde und zeichneten sich vorder- und hinterteils durch einen
oft mit Schnitzerei verzierten Schnabelaufsatz (T. VII 3), einen
gewaltigen Plattformaufbau (VI 2) und zwei sehr lange Querträger des
Auslegergestelles aus. An jeder Seite der Plattform war ein hoher,
schmaler Kasten aus Gitterwerk angebracht, der zugleich als Sitz
diente, im Kriege aber eine gute Brustwehr abgeben mag. Einzelne Kanus
waren sehr groß, an 30 bis 40 Fuß lang, und trugen etliche zwanzig
Personen, wovon 14 allein auf der Plattform Platz fanden. Solche
Fahrzeuge mit Mast und Segel schienen zugleich Kriegskanus in voller
Ausrüstung, denn die Seitenkasten der Plattform waren mit Waffen
gefüllt. Letztere bestanden fast nur in Bogen und Pfeilen, aber so
schönen, sauber gearbeiteten und reich verzierten, wie ich sie in
ähnlicher Weise sonst nirgends in Neu-Guinea traf. Die Pfeile (60 cm
lang), wie gewöhnlich aus Rohr, mit äußerst kunstvollen, zum Teil
durchbrochen gearbeiteten Spitzen aus Holz oder Bambu, zeichneten sich
durch einen feingeflochtenen Knauf aus, der mit aufgeklebten Federn
und Coixkernen verziert war, ähnlich wie auf Guap. In vollem Einklange
mit den Pfeilen standen die (1,70 Meter) langen Bogen, aus Holz der
Betelpalme, mit Sehne von Rotang, die durch einen zierlich geflochtenen
Knauf festgehalten wird. Sie sind mit fein eingraviertem Muster
ornamentiert und haben Troddeln von dünnem Bindfadengeflecht mit daran
befestigtem Federschmuck. In dem letzteren spielen Papageienfedern
(Haubenfedern von Kakadus, Eclectus, zuweilen Köpfe der letzteren, wie
von Lorius) die Hauptrolle, und darunter wiederum die prachtvollen, rot
und schwarzen Federn von Dasyptilus Pequeti. Dieser sonst so seltene
Papagei muß hier herum häufig vorkommen, denn seine Federn waren auch
in Kopfputzen am meisten vertreten, außerdem die gelben Seitenbüschel
vom Paradiesvogel. Von letzteren wurden auch Bälge, für die öfters
lange Bamburöhre als Behälter dienten, von den Eingeborenen in größerer
Anzahl als irgendwo vorher zum Tausch angeboten. Die Art ist der
Paradisea minor aus West-Neu-Guinea nahe stehend, fiel mir aber gleich
durch ihre Kleinheit auf und erwies sich später in der That als neu
Paradisea Finschii. Wie geschickt Eingeborene allerlei Naturprodukte zu
benutzen wissen, zeigte sich wiederum an diesen Vogelbälgen, die ohne
eiserne Messer präpariert, natürlich sehr zerfetzt waren. Man hatte die
Häute über eine Art Pflanzenmark gespannt und mit sehr spitzen Nadeln
festgesteckt, die sich als Stacheln eines Landschnabeltieres (Echidna)
erwiesen. Von anderen Paradiesvögeln sah ich hier zum erstenmale Federn
des seltenen Xanthomelus aureus.

An sonstigem Schmuck und Zierat besaßen die Tagaiten im ganzen nicht
viel: Halsketten aus Nassa mit Conusscheiben, schöne Brustringe
aus Tridacna, Brustschilde aus Eberhauern (wie XXIII. 2), schmale
Schildpattreifen mit Schnüren von Coix als Ohrringe und eigentümlichen
Nasenschmuck aus Perlmutter (T. XX. 6). Haarkörbchen kamen hier nur
vereinzelt vor, zuweilen mit einem Kranz aus Kasuarfedern verziert,
aber im Haarwuchs selbst wurde Erstaunliches geleistet. Einzelne Männer
schienen eine Alongeperücke aus der Zeit Louis XIII. zu tragen; es war
aber alles eignes Haar, eine dichtverfilzte Masse, die 30 cm breit
und 20 cm lang den ausrasierten Nacken deckte. Selbstredend durfte
nichts unversucht bleiben, eine solche Monstreperücke zu sichern, und
ich freue mich, das Bild des Trägers derselben noch in ungeschorenem
Zustande geben zu können.

[Illustration: Haartracht eines Häuptlings von Tagai.]

Es war ein stattlicher Kerl, mit wertvollem Muschelring als Halsschmuck
und eigentümlicher Bemalung der Brust in Grau, die ich hier zuerst
bemerkte. Im Haar trug er einen weit über die Stirn vorragenden,
sogenannten Kamm, mit Haubenfedern der Krontaube (Goura) verziert,
auf dem Scheitel zwei Seitenbüschel von Paradiesvögeln, wohl für
lange Zeit zum letztenmal. Denn schon hielten mein Helfershelfer, der
Steuermann, und ich die Waffen bereit, harmlos aussehende Scheren,
die diese Eingeborenen ja noch nicht kannten, und ehe das Opfer noch
recht ja oder nein sagen konnte, setzten wir an, und der seltene
Schatz war für die Wissenschaft gerettet. Das Stück ziert jetzt das
Berliner Museum, sofern es überhaupt zur Aufstellung gekommen ist. Als
ich den Mann seine Veränderung im Spiegel betrachten ließ, machte er
freilich ein verblüfftes und anscheinend nicht sehr erfreutes Gesicht,
aber ich schenkte ihm den Spiegel und einiges andere dazu, unter der
Versicherung, daß die Haare ja wohl wieder wachsen würden. Ich irre
aber gewiß nicht, wenn ich eine derartige Perücke als Häuptlingsschmuck
ansehe, denn unter fast ein paar Hundert Tagaiten, die uns in etlichen
zwanzig Kanus umlagerten, trugen kaum mehr als ein halbes Dutzend
solchen Haarwuchs. Die übrigen hatten gewöhnliches Papuahaar, in
Form einer wolligen oder zottligen Kappe, und waren auch sonst echte
Papuas, aber viele von ziemlich heller Färbung (wie Nr. 29 bei Broca).
Hautkrankheiten zeigten sich nur wenig, aber ich beobachtete bei
einzelnen Pockennarben. Die Männer trugen als Bekleidung die bekannten
Tapastreifen, und auch bei Mädchen sah ich hier zum erstenmale
Tapaschürzen statt der sonst üblichen Faserröckchen. Die Sprache
war, wie fast überall, wo wir auf dieser Reise mit Eingeborenen
verkehrten, verschieden von der vorher gehörten, das Betragen der
Leute ein lobenswertes. Ohne Scheu kamen sie gleich an Bord, und ein
Arbeiter-Werbeschiff hätte hier in der kürzesten Zeit ein wertvolles
Cargo Rekruten mitnehmen können. Für alles wurde übrigens »Bodé« --
Eisen, verlangt, wie dies immer der Fall ist, wenn Eingeborene solches
erst kennen lernen. Außer wenigen Kokosnüssen, etwas Yams und Betel
brachten sie nur zwei Hühner und ein Schwein (Bor), in dem Seite 327
dargestellten gefesselten Zustande. Es war leider ein junges und kaum
des Schlachtens wert; nach vielen Verhandlungen holten die Leute dann
noch ein zweites größeres. Man sieht daraus, daß es in Neu-Guinea mit
Lebensmitteln des Landes in der Regel gar schlecht bestellt ist und man
ohne eigenen Proviant verhungern könnte.

[Illustration: Gefesseltes Schwein.]

Schon vom Kaskadefluß an machte sich weiter inland eine höhere
Bergkette bemerkbar, die nach und nach bedeutender wurde und sich zu
einem Gebirge entfaltete, das d'Urville nach dem großen, italienischen
Physiker Torricelli benannte. Es bildet einen dichtbewaldeten, in
seiner Kammlinie ziemlich einförmig verlaufenden Rücken und mag an
oder über 3000 Fuß Höhe erreichen. Als wir in der Früh (14. Mai) von
unserem Ankerplatz bei Tagai westlich dampften, trat dieses Gebirge
besonders deutlich hervor mit einer sehr markierten Kuppe, der
Langenburg-Spitze[78], wie sie die beigegebene Abbildung (S. 329)
darstellt. Diese Bergspitze zeichnet sich durch ein paar kahle Stellen
aus, die von Erdrutschen oder ähnlichen Erscheinungen herzurühren
scheinen. Von Tagai verläuft der Ufersaum weiter West in einem
breiteren, dicht bewaldeten Vorlande und scheint noch ca. drei Meilen
ziemlich bewohnt, soweit sich dies aus einzelnen Häusern mit kleinen
Palmgruppen schließen läßt.

»Bei Passier-Point sind ausgedehnte Lagunenriffe und mehrere kleine
Inseln« sagt Powell in dem Vortrage[79] über seine Reise an dieser
Küste (?). Ja wohl! auf den Karten ist hier sogar eine zwei Meilen
lange und breite Landzunge oder ein Riff verzeichnet, nach welcher wir
vergebens Ausguck hielten. Herr Powell wird daher wohl etwas weitab
gewesen sein, denn sonst müßte er gesehen haben, daß Passier-Point
überhaupt nicht existiert. Ein isolierter Bestand dunkler Kasuarinen,
welcher plötzlich in den sonst herrschenden Laubwaldscharakter der
Küste einsetzt, war höchstwahrscheinlich die Ursache, daß d'Urville
hier eine Huk verzeichnete. Schiffe, welche wie die Astrolabe
weiter von der Küste segeln, können durch solche Kasuarinenhaine
leicht getäuscht werden, da dieselben sich wegen der dunklen
Färbung schärfer als die übrige Küste markieren und von weitem wie
vorspringende Felsenkaps aussehen. Bald zeigten sich kleine Inseln,
die Sainson-Gruppe, von d'Urville aus Nord gesichtet, auf welche wir,
immer der Küste folgend, zuhielten. Durch eine vollkommen rifffreie
Straße, die Babelsbergstraße, lief der Dampfer in die schöne Lagune
ein, welche von diesen Inseln gebildet wird. Im Osten derselben liegen
Faraguet und Sainson, niedrige, dichtbewaldete Inseln, von denen
nur die letztere an der Südseite Kokospalmen und drei Siedelungen
besitzt, und die durch Riff verbunden, ein hufeisenförmiges Becken
umschließen, das ich Berlinhafen benannte. An der Südwestspitze von
Sainson und durch Riff verbunden, schließt ein Inselchen, Sanssouci,
das Hufeisen. Es ist kaum eine Viertelmeile lang, besteht aber fast
nur aus Kokospalmen und Häusern, deren Bewohner sich jedoch versteckt
hielten, während von Sainson ein Segelkanu abzukommen versuchte.
Ähnlich reich an Kokospalmen und Bevölkerung ist die Küste, welche
ausgedehntes Waldvorland, dahinter niedrigere bewaldete Hügel- und
Bergreihen zeigt. Dieses Kopragebiet, das einzige von einiger Bedeutung
an der ganzen Nordostküste Neu-Guineas, scheint sich an zehn Meilen
weit bis Lapar-Point hinzuziehen. Dieser letztere von d'Urville
benannte Küstenpunkt ist nur ein dichtbewaldeter, etwas vorspringender
Uferhügel, durch schwarze Felsen und Steine ausgezeichnet, welche sich
bis Dudemain-Insel hinzuziehen und uns den direkten Weg westwärts zu
versperren schienen. Wir versuchten also, den nach der Karte durch
Riffe geschlossenen Durchgang zwischen Faraguet und Dudemain, fanden
ihn aber glücklicherweise vollkommen frei (16 Faden und kein Grund!)
und gelangten wieder einmal in klares dunkelgrünes Wasser. Dudemain mit
dicht bewaldeten Korallfelsen erscheint wie eine hohe Insel; an der
Südseite sind ein paar kleine Siedelungen, an der Nordseite ziemlich
viel Kokospalmen.

[Illustration: Langenburg-Spitze, Torricelli-Gebirge.]

Von Lapar-Point verläuft die Küste fast geradlinig nach W.-N.-W. bis
zu einer sanftgerundeten Ecke, der Baudissin-Huk[80]. Auch dieser
an 20 Meilen lange Strich, ausgedehntes, dichtbewaldetes Vorland,
von bewaldeten Hügeln begrenzt, hinter denen höhere Berge folgen,
scheint sehr beachtenswert. Ich notierte vier Flüsse, (Arnold-,
Joest-, Bastian- und Lagunenfluß), deren Mündungen indes wie bei fast
allen vorhergehenden unzugänglich erschienen. Zwischen dem Joest-
und Lagunenflusse gab es wieder ziemlich viel Kokospalmen, aber ich
beobachtete nur wenig Siedelungen. Der Lagunenfluß ist der Ausfluß
eines großen Wasserbeckens, das vom Mast aus wie ein ausgedehnter
See erschien, mit einer bewaldeten Insel in der Mitte; auch Dörfer,
Pfahlbauten, ließen sich mit bloßem Auge im Wasser erkennen. Gewiß eine
sehr interessante Gegend und der Untersuchung wert, für die wir leider
keine Zeit hatten. Diese Lagune dehnte sich scheinbar bis zu einer
Hügelkette aus, hinter welcher weiter inland wohl an 3000 Fuß hohe
Kuppen vorragten.

Mit dem Lagunenflusse beginnen wieder einmal Kasuarinen das Ufer
zu säumen, welche, im Gegensatze zu Kokospalmen, fast ausnahmslos
das Fehlen von Menschen andeuten. Ich bedauerte dies nicht im
mindesten, als wir am Abend ca. fünf Meilen West von dem Flusse zu
Anker gingen, denn eine ruhige Nacht that mir nach den Anstrengungen
der vorhergehenden Tage mehr als je not. Den ganzen Tag Notizen
zu machen und zwischendurch mit den Eingeborenen zu verkehren,
um Sachen einzutauschen, ist ein gar hartes Stück Arbeit, denn
schon die Zeichensprache ist ermüdend und erfordert mehr geistige
Anstrengung als irgend eine andere, und vor allem Geduld, die Geduld
eines Engels. Wie oft merkt man nicht heraus, daß die Eingeborenen
sehr gut begreifen, was man will, sich aber nur absichtlich dumm
stellen, wie ein Beispiel aus dem Verkehrsleben mit ihnen am besten
zeigen wird. Zahlreiche Kanus mit Eingeborenen lagern um den Dampfer
und fischen die roten Lappen auf, die zunächst als Köder über Bord
geworfen werden. Aber sie haben nichts Rechtes; schlechte Speere, alte
geflickte Tragbeutel, verschlissene Grasarmbänder, ein paar schlechte
Muscheln und ähnlichen Plunder. Das Gute, die feinen Sachen, sind noch
versteckt, denn es ist erstaunenswert, was so ein spärlich bekleideter,
nach unseren Begriffen nackter Mensch alles an seinem Körper verbergen
kann. Wie ich wohl weiß, liegen aber die besten Sachen in Blätter
und Tapastreifen eingepackt, unsichtbar für uns, am Boden des Kanu.
Um wenigstens mit dem Handel zu beginnen, fange ich an Plunder zu
kaufen; aber die Eingeborenen wollen gegen rotes Zeug, Glasperlen und
dergleichen nicht recht etwas hergeben. Mein Kennerblick hat die ganze
Gesellschaft gemustert; nur einer unter ihnen trägt als begehrenswert
einen hübschen Ring, aus Muschel gearbeitet, an einem Strickchen um
den Hals. Wohlgefällig ruht mein Auge auf diesem Schmucke, ich deute
durch Zeichen an, ihn zu kaufen. Aber der Eingeborene hat ebenfalls
begriffen, was mich reizt, und als mein einen Moment abgewandter Blick
den Träger sucht, findet er ihn nicht mehr. Er ist verschwunden!
nämlich der Schmuck; zuerst auf den Rücken gedreht, dann abgebunden und
im Kanu verborgen. Vergebens suche ich klar zu machen, was ich wieder
haben will. Man versteht mich sehr gut, aber der Mann, der das kostbare
Stück überhaupt nicht verkaufen will, stellt sich dumm und zeigt
allerlei Dinge, nur nicht das Gewünschte. -- Das ist eine kleine Probe
im Geduldsspiel »Schacher mit Eingeborenen«, dessen Früchte später,
wenn alles gut geht, unsere Museen zieren. Ja, ja, man sieht es den oft
sehr bescheidenen Dingen nicht an, welche Mühe ihre Erwerbung kostete;
alles im »Dienste der Wissenschaft«, aber im Schweiße des Angesichts
errungen und erschachert.

Ist man endlich die Eingeborenen glücklich los, dann bleibt noch die
nötigste Arbeit, die erhaltenen Stücke mit dem Fundort zu bezeichnen
und -- last not least -- das Gesehene und Erlebte selbst ins Tagebuch
zu schreiben. Das hat mir manche Nachtstunde gekostet und geht auf
rollendem Schiffe nicht so bequem als daheim im Studierzimmer. Freilich
meinen die Herren des letzteren gar häufig, daß ethnologisches Sammeln
reines Kinderspiel sei, aber da haben sie wohl nicht selbst praktische
Erfahrungen gemacht, denn es kauft sich nicht so leicht wie auf einem
Bazar bei uns. Eine so anstrengende Lebensweise stellt, im Verein mit
der Hitze, welche meist einen Teil der Nachtruhe raubt, bedeutende
körperliche Anforderungen, die das ewige Einerlei der Schiffskost
mit Konserven und immer wieder Konserven nicht befriedigen kann. Ein
tüchtiger Koch vermag freilich viel, aber das war der unsere nicht, mit
dem überhaupt sehr zart umgegangen werden mußte. Schon am dritten Tage
der Abreise machte er mich darauf aufmerksam, daß alles Wasser an Bord
vergiftet sei. Das ließ keinen Zweifel, daß wir es mit einem Verrückten
zu thun hatten. In der That stellte sich immer mehr heraus, daß der
Mann an Verfolgungswahnsinn litt, und ein solches Mitglied an Bord zu
haben, ist eben nichts Angenehmes.

Mit gewohnter Pünktlichkeit wurde am anderen Morgen (15. Mai)
aufgebrochen, und kaum hatten wir Baudissin-Huk passiert, so zeigte
sich wieder weithin trüb lehmfarbenes Wasser voraus. Es wird durch
den Goßler erzeugt, einen ansehnlichen, aber ebenfalls durch Barre
versperrten Fluß, dessen Mündung wir bald darauf erblickten. Der
weiße, scharf abgesetzte Schaumstreif, welchen die Kabbelung dieser
Flußauswässerung hervorbringt, mag im Verein mit den hellgefärbten
Felsen der Uferbasis der darauf folgenden Küste die Veranlassung
gewesen sein, daß d'Urville ein ausgedehntes Riff vor sich zu sehen
glaubte. In Wirklichkeit existiert das 12 Meilen lange Karan-Riff
der Karten aber nicht. Diese ganze Küste zeichnete sich übrigens
durch intensive Einförmigkeit, ja Langeweile aus; überall dieselben
niedrigen, eintönig dunkelgrünen Hügelketten, die wie mit einer
einzigen Laubholzart bewaldet scheinen, keine Kokospalmen und damit
keine Menschen. Erst viel weiter westlich, nachdem wir noch eine
Flußmündung (des Thorspecken) passiert hatten, zeigten sich wieder
Palmen und damit Eingeborene, obwohl sich von ihren Siedelungen nichts
bemerken ließ. Sie mochten im Dickicht des Urwaldes verborgen sein,
aber jedenfalls kamen Kanus ab und zwar eine ganze Anzahl, so daß
gestoppt wurde. Diese Fahrzeuge unterschieden sich im wesentlichen
von den gestern gesehenen durch den Mangel eines Schnabelaufsatzes
und einer erhöhten Plattform, waren kleiner, aber eigentümlich durch
aufgebundene Randleisten und Bemalung der Seiten (vergl. T. VII 1).
Einzelne Kanus führten auch Segel[81] und als Verzierung der Mastspitze
einen Büschel Kasuarfedern.

[Illustration: Eingeborener von Massilia.]

Von den Eingeborenen selbst wird die beigegebene Abbildung eines
jungen Kriegers die beste Vorstellung geben. Er trägt eines der
geschmackvollen Brustschilde aus Platten von Eberhauern mit roten
Abrusbohnen und Nassa besetzt (XXIII. 2), um den Arm Ringe aus
Querschnitten von Trochusmuschel, durch die Nasenscheidewand zwei
längsgespaltene und dünn geschliffene Eberhauer (T. XX. 8), die im
Verein mit der schwarzen und weißen Bemalung des Gesichtes, die
übrigens als Verschönerung dienen soll, ein gar wildes Aussehen
verleihen. Im linken Ohr steckt ein runder Ball aus Cuscusfell, im
rechten sind Schnüre aufgereihter Coixkerne befestigt. Ein breiter
Gürtel aus Baumrinde, mit welchem der Leib unnatürlich eng eingeschnürt
wird, und ein Tapastreif um die Lenden würde den Ausputz eines hiesigen
Eingeborenen vollenden. Breite Kopfbinden aus Cuscusfell waren hier
auch sehr beliebt, wie eine besondere Art eleganter Leibschnüre von
schwarzen Perlen aus Kokosnußschale und Conusringen (T. XXIV. 3). Sonst
sah ich nur bereits Bekanntes. So Bogen wie von Tagai (S. 324), aber
ohne Federschmuck, und Pfeile wie von Guap (S. 318). Haar und Bart
erfreuten sich keiner besonderen Pflege; doch beobachtete ich noch
einzelne verfilzte Haarperücken und bei jungen Leuten eine Haarwulst
längs der Scheitelmitte, eine Frisur, die in Neu-Irland sehr häufig
ist und an die Raupe des bayerischen Helmes erinnert. Nicht selten
waren jene erhabenen Narben, die durch wiederholtes Einschneiden
der Haut hervorgebracht werden, eine sehr schmerzhafte Operation,
die als Verschönerung weit über Melanesien verbreitet ist. Figur
a der Abbildung (S. 334) zeigt die blattförmige Ziernarbe eines
hiesigen Kriegers und zugleich die Art und Weise, wie der Dolch aus
Kasuarknochen in den Armbändern von Trochusreifen getragen wird.

[Illustration: Ziernarben.]

Die Leute hatten viel Tabaksblätter in Bündeln, sonst kaum etwas
anzubieten. Neu waren mir aber in eigentümlicher Form geräucherte
Fische, die ich anfänglich für irgend eine Art Armbänder oder
dergleichen hielt. Wie eine Spirale windet sich, an einem Stocke
befestigt, Fisch an Fisch, jeder mit der Schwanzspitze die Schnauze
berührend, eine Methode, die ihrer Originalität halber, auf einer
Ausstellung gewiß ausgezeichnet werden würde. Der Geschmack dieser
Fischkonserve konnte indes nur Papua reizen.

Diese Eingeborenen betrugen sich übrigens längst nicht so manierlich
als ihre Rassengenossen der vorhergehenden Tage; sie lärmten gar sehr
und kriegten oft untereinander Streit. Doch ließ sich ganz gut mit
ihnen kramen, und sie waren anfänglich sogar mit rotem Zeuge zufrieden.
Als ich aber Eisen, Hobeleisen, zum Vorschein brachte, da wurden sie,
wie der Kapitän zu sagen pflegt, förmlich »wild«, das heißt vor Freude.
»Massilia!« und »Massilia« ertönte es ohne Ende, ein Name, dessen
Bedeutung mir zwar unklar blieb, den ich aber kartographisch mit dieser
Stelle verbinde. Sie ist jetzt wenigstens auffindbar, falls jemand Lust
haben sollte, hierher zu gehen, um Aufklärungen über Massilia zu geben.

Weiter nach West behält die Küste denselben Charakter, zeigt keine
Spuren von Bevölkerung, und das einzige, was wir entdeckten, waren
zwei Flüsse, (Ratzel und Neumayer) die vielleicht nur Arme eines
und desselben sind, und drei Inseln, nahe der Küste, oder vielmehr
Inselchen, so klein, daß ich sie »Däumlinge« nannte. Wenn sich nicht
etwa Gold oder »Sowas« auf ihnen findet, wird diese Entdeckung ziemlich
wertlos bleiben, aber nichtsdestoweniger eine Entdeckung. Hinter der
dichtbewaldeten Uferhügelkette traten jetzt höhere Berge hervor,
einförmige Rücken, die im Westen durch einen Berg von eigentümlicher
Form, wie ihn die nachstehende Skizze (rechts) zeigt, einen vorläufigen
Abschluß fanden. Es ist der circa 3000 Fuß hohe Bougainville von
d'Urville und, wie sich später erwies, identisch mit dem Mount Eyries
von Belcher. Der Hügel gleich im Vordergrund meiner Skizze ist Kap
Concordia, das uns schon längst aufgefallen war und hinter dem wir
einen Ankerplatz für die Nacht zu finden hofften. Wirklich zeigte sich
hier der Eingang zu einer kleinen hübschen Bucht, welche unserem Wunsch
durchaus entsprach. Es war die »anse de l'attaque«, von d'Urville am
11. August 1827 nur gesichtet, aber nicht besucht[82], in der wir
bald wohlbehalten ankerten. Sie bildet ein rings von bewaldeten
Bergen umschlossenes rundes Becken, mit freier, jederseits durch
Riffe geschützter Einfahrt, gutem Ankergrunde (7 bis 15 Faden) und
giebt einen prächtigen und sicheren Hafen ab. Längs dem Sandstrande,
welcher Angriffshafen säumt, sind dichte Reihen Kokospalmen, aber keine
Siedelungen, die, wie wir später bemerkten, westlich von Reiß-Huk in
der angrenzenden schmalen Friederichsen-Buchtung liegen.

[Illustration: Kap Concordia und Bougainville.]

Ganz wie zu d'Urvilles Zeiten kamen, noch ehe der Anker fiel,
Eingeborene in ihren Kanus angerudert; zehn, zwanzig, bis eine ganze
Flotte von dreißig bis vierzigen den Dampfer umlagerte. Die Leute
stellten förmliche Wettrudern an, als solle das Schiff gleich genommen
werden und führten, wie damals, Unmassen von Waffen mit sich. Ich
kannte die Art der Eingeborenen aber besser und wußte, daß ich bald
eine Menge ihrer Armaturstücke einhandeln und daß ev. ein Gewehrschuß
genügen würde, die Flotte in wilder Flucht auseinander zu jagen.

Die Kanus schienen im ganzen klein und trugen drei bis sieben Mann;
doch waren einzelne mit Mast und Segel versehen; letzteres aus dem
bastartigen Zeug von der Basis des Kokospalmblattes. Die Fahrzeuge
zeichneten sich übrigens durch einige Besonderheiten aus. So ist die
anscheinende Randborte nicht aufgebunden, sondern in einem Stück
mit dem Kanu aus dem Baumstamm gezimmert (vergl. T. VII 2). Außer
eingravierten Verzierungen der Seiten, sind die Enden der Kanus häufig
mit einem kunstvoll geschnitzten, buntbemalten, S förmigen Schnabel
versehen, der gewöhnlich in einen Vogelkopf endet und angebunden
wird. Kanuspitzen mit Schnitzereien von Krokodilen (wie VII 4, 5)
kommen hier und weiter westlich nicht mehr vor. Zwei auf dem Ausleger
befestigte Stöcke, die nach innen zu in einen Haken enden, öfters
ebenfalls bemalt und zierlich ausgeschnitzt, dienen wie ein schmaler
Gitterkasten an der entgegengesetzten Seite zur Aufbewahrung der
Waffen, die hier sehr handlich liegen. Sie bestanden hauptsächlich
in Bogen und Pfeilen, wie wir sie schon in Tagai (S. 324) kennen
lernten, indes ohne Federschmuck, aber ich war erfreut, hier auch
Schilde zu finden und noch mehr durch Kürasse überrascht, die, wie
ich glaube, bisher nur im Inneren des Flyflusses beobachtet wurden.
Diese Armaturstücke verleihen, wie die Abbildung zeigt, dem hiesigen
Krieger im vollen Staate ein gar martialisches Aussehen. Die Schilde
zeichnen sich durch besonders schöne, erhaben geschnittene Ornamentik
aus und gehören mit zu den besten Kunstleistungen des Papuafleißes. Die
Kürasse sind feine Modelle sauberer Korbflechtarbeit aus gespaltenem
Rotang und werden durch Bänder über die Achsel festgehalten. Für unsere
Panzerreiter würden sie freilich, schon ihres Umfanges wegen, nicht
passen, denn es gehören Leute von weniger als 83 cm Hüftenweite dazu,
um hineinzuschlüpfen. Lendenbinden aus Tapa, wie sie die Krieger,
(siehe Abbildung) gürten, gehörten zu den Ausnahmen. Die meisten Männer
begnügen sich nämlich mit einer Kalebasse (T. XVI. 7), die ich einzeln
schon in Massilia gesehen hatte, und die für hier, wie weiter westlich,
als Bekleidung charakteristisch ist.

[Illustration: Krieger von Angriffshafen.]

Auch in den übrigen Sachen der Eingeborenen zeigten sich allerlei
Veränderungen, und man konnte bemerken, daß wir uns in einer neuen
ethnologischen Provinz befanden. Hundezähne und Cymbiumscheiben, die
weiter im Osten eine so hervorragende Rolle spielen, waren kaum mehr
zu sehen, dagegen sind für dieses Gebiet die schönen roten (auch
stahlblauen) Paternosterbohnen (von Abrus precatorius) als Material
zu Zieraten charakteristisch. Ihre geschmackvollste Anwendung finden
sie bei den schon (S. 316) erwähnten Kampfbrustschilden (XXIII. 2),
aber auch bei Stirnbinden und Armbändern. Es verdient dabei Beachtung,
daß diese Bohnen stets mittelst einer Art Harz aufgeklebt, nicht
aufgereiht und aufgeflochten werden, wie dies mit den Samen von
Coix lacrymae geschieht, die im hiesigen Schmuck ebenfalls häufige
Verwendung finden. So sah ich hübsche Stirnbinden aus Coix, in feines
Flechtwerk eingeknüpft, wie überhaupt eine Menge eigenartiger Zieraten.
Reich vertreten waren schöne Leibgürtel, (wie Fig. 8, T. XXIV),
und dünne Leibschnüre aus Coix und Kokosperlen (wie XXIV, 7), oder
eigentümliche, rot gefärbte, aus einem feinen Fasermaterial (wohl vom
Blatt der Sagopalme), zum Teil mit Coixsamen durchflochten und mit
einzelnen Federn aus den Seitenbüscheln des Paradiesvogels. Gravierte
breite Schildpattarmbänder fehlen hier, wie diesem westlichen Gebiet
überhaupt, aber schmale, dünne Schildpattreifen sind sehr in Mode
und werden, oft in großer Anzahl, im Ohrläppchen getragen. Sie sind
häufig noch mit langen Troddeln aus Bindfaden und Coixkernen verziert,
ebenso wie die sogenannten Haarkämme, die hier (vergl. T. XVII. 3) in
eigentümlicher neuer Form auftreten. Als Nasenschmuck fanden, außer
den (S. 333) erwähnten Eberhauern, besonders dicke Keile, aus Rohr
(T. XX. 4) oder sehr sauber aus Tridacnamuschel (XX. 3) geschliffen
Verwendung. Wenn man bedenkt, daß ein solcher Muschelkeil bei 11 cm
Länge bis 17 mm dick ist und 60 Gramm wiegt, so kann man ermessen, was
den hiesigen Nasen zugetraut wird. Eine Ausdehnung der Nasenlöcher auf
55 mm in der Runde ist gewiß keine Kleinigkeit, wobei bemerkt sein mag,
daß diese Körperöffnung beim Papua keineswegs so unverhältnismäßig viel
größer ist als beim Mittelländer, denn ich kenne Nasen von Weißen,
die bis auf die Couleur sich in nichts von denen gewisser Papuas
unterscheiden. Aber »Hoffart will Zwang haben« gilt auch beim Kanaker,
und so unterwirft er sich willig der Mode, wie dies, trotz mancher
Inkonvenienzen bei uns auch geschieht. Denn ein solcher Nasenschmuck
ist ja eine Zier des Mannes und verschönert ihn, -- wie? -- zeigen die
Figuren 1 und 2 Taf. XX. Aber hinsichtlich der Ziernarben (vergl. S.
334, Fig. b) verhält es sich ja ebenso.

Charakteristisch für dieses westliche ethnologische Gebiet sind auch
die Steinäxte und zwar durch den Stiel. Derselbe besteht nämlich
nicht in einem knieförmig gebogenen, rechtwinkeligen Aste, sondern
in einem geraden runden Holzstück (vergl. T. I. 5), in welchem das
Holzfutter mit der Steinklinge in einem Bohrloche steckt. Für Menschen
der Steinperiode ist es schon ein äußerst schwieriges Stück Arbeit,
ein so weites Bohrloch anzufertigen. Wie wollten wir wohl ohne Bohrer
damit fertig werden? Diese Manier der Befestigung der Klinge bietet
übrigens den Vorteil, daß die letztere drehbar ist. Manche der hiesigen
Axtklingen schienen, soweit sich nach dem Auge urteilen läßt, Nephrit
zu sein. Filetgestrickte Brustbeutel sind im westlichen Gebiet zwar
vorhanden, aber viel seltener als im östlichen und entbehren meist des
reichen Ausputzes, in welchem Scheiben aus Cymbiummuschel gar nicht
mehr vertreten sind. Eigentümlich waren aus Kokosblatt geflochtene
Tragkörbe, in besonders reicher und eigentümlicher Ausschmückung
(darunter Faserbüschel, Paradiesvogelfedern, Krebsscheren und bemalte
Tapa).

Außer Kokosnüssen und etwas Yams brachten die Angriffshafener
Blättertabak, geräucherte Fische und verschiedene Nährmuscheln (Batissa
violacea und angulata, sowie Neritina petiti und rhytidophora),
die hier sehr beliebt zu sein scheinen, sowie etliche schlechte
Paradiesvögelbälge.

Anthropologisch zeigten sich auch die hiesigen Eingeborenen als echte
Papuas von gewöhnlicher, dunkler Hautfärbung (zwischen Nr. 28 und 29
Broca's), und erschienen im allgemeinen als kräftige und gut gebaute
Menschen. Mit vieler Mühe gelang es mir, einige zu messen, denn sie
hatten schreckliche Furcht und zitterten wie Espenlaub, schier als
solle es ihnen an den Kragen gehen. Die gewöhnliche Höhe ergab 1,57
Meter, wie dies sonst bei Papuas[83] der Fall ist; die stärksten Männer
maßen 1,67 bis 1,70 Meter. Schuppenkrankheit und Ringwurm waren sehr
verbreitet, aber ich sah keine Pockennarben. Bezüglich des Kopf- und
Barthaars gilt das bei Massilia gesagte (S. 333); rote Erde war nicht
selten ins Kopfhaar geschmiert, sonst sah ich wenig Bemalung.

Obwohl ich bei den Leuten nur eine Glasperle als einziges europäisches
Erzeugnis beobachtete, die sehr alt zu sein schien und an einem Kamm
befestigt war, so schienen sie doch Eisen zu kennen. Denn sie machten
die Pantomime des Schneidens und nahmen sonderbarerweise Messer, die
sonst am wenigsten begehrt sind, lieber als Hobeleisen.

Durften die Massilianer schon als Radaumacher gelten, so waren es
diese Eingeborenen in erhöhtem Maße. Jeder wollte zuerst seinen Kram
los werden, und dabei wurde geschrieen, daß man kaum das eigene Wort
verstehen konnte, ein wahrer Höllenspektakel! Und nach des Tages Last
und Hitze sehnte man sich wirklich nach Ruhe und bedurfte derselben;
aber der hereinbrechende Abend schien den Handelsgeist der Leute nicht
im mindesten abzuschwächen. Hundertmal hatte ich ihnen angedeutet,
daß nichts mehr gekauft würde, aber immer wieder wurden Sachen, oft
dieselben Stücke angeboten. Da ist z. B. ein langer Kerl, der um jeden
Preis seinen schlechten Knochendolch zu hohem Preise los sein will,
obwohl ich ihn schon so viele Male zurückgewiesen. Das Stück erscheint
immer aufs neue und in verändertem Aussehen auf der Bildfläche. Bald
ist es mit grünen Blättern, bald mit Baststreifen verziert oder mit
roter Farbe angeschmiert, aber immer wird es durch einen anderen
offeriert. Nicht wahr, diese Schwarzen sind pfiffige Leute? Aber wir
waren es auch, und zwar in einer den braven Eingeborenen durchaus
neuen Weise. Ein paar Worte mit dem Maschinisten und plötzlich gellte
die Dampfpfeife. Hei, wie sie das Wasser schaufelten und in wilder
Hast heimwärts stürmten! »Ja, nicht wahr? der Schreck ist euch in die
Glieder gefahren« dachte ich, als mit dem Pfiff Luft geschafft worden
war und zündete mir ein Pfeifchen an, um bei der matten Kajütenlampe
und 27° R. Wärme die Erlebnisse des Tages niederzuschreiben.
Prioritätsrechten zufolge muß diesem Hafen der odiöse Name verbleiben,
der lehrt, wie verschieden die Aufnahme an ein und demselben Platze
sein kann, zu der allerdings das Auftreten der Fremden nicht selten
die Veranlassung giebt. Kap »Eintracht«, in Erinnerung an das gute
Einvernehmen mit uns, wird die Angriffshafener etwas versöhnen, denen
ich noch außerdem das Epitheton »Lärmonkels« stifte.

Auch auf der Weiterreise (16. Mai) zeigte die Küste denselben
einförmigen Charakter: dichtbewaldete Hügel, die steil bis ins Meer
abfallen, hie und da mit kahler Felssohle, im Hintergrunde höhere
Berge. Wir hatten Angriffshafen noch nicht lange verlassen, als
sich westlich von einer sanft gerundeten Huk (Robidé), in weiter
Entfernung höheres, in Wolken gehülltes Land zeigte, daß sich später
als Teil des Cyclopgebirges erwies. Humboldt-Bai, das Endziel unserer
Reise war also nicht mehr fern und der Eingang zu derselben deutlich
zu erkennen, nachdem wir Robidé-Huk[84] passiert hatten. Das Meer
zeigte hier wieder seine eigentliche tiefblaue Farbe, aber einige
Meilen weiter erschien es, soweit das Auge reichte, aufs neue scharf
abgesetzt grün, wie ein großes Riff. Wir hatten diese Erscheinung
aber bereits so häufig beobachtet, daß der Kapitän ohne Zögern in das
grüne Wasser hineindampfte, welches bald schmutzig lehmfarben wurde.
Es mußte also in der Nähe ein Fluß münden, nach dem der Kapitän zu
suchen schien. Statt nach dem Eingange von Humboldt-Bai, die mit Kap
Bonpland so deutlich voraus lag, wurde nämlich O.-S.-O. gesteuert, in
eine Art sanfte Bucht, die östlich von einem steilen, dichtbewaldeten
Hügel begrenzt wird. Ich nannte ihn später Germania-Huk, weil sie den
letzten Küstenvorsprung auf deutschem Gebiete bezeichnet. Bald sahen
wir die erwartete Mündung eines Flusses, des Sechstroh, (nach unserem
ersten Offizier). Obwohl sich die Unzugänglichkeit desselben schon
jetzt erkennen ließ, so fehlen der Kapitän, welcher wie immer aus
der Marsraae[85], die Navigation leitete, doch Absichten mit diesem
Flusse zu haben. Es wurde ein Boot ausgesetzt, fleißig gelotet und --
»schmiet daal!« -- da rasselte der Anker in die Tiefe. »Willkommen in
Humboldt-Bai« hieß es, als Kapitän und Steuermann aus ihrer luftigen
Höhe wieder an Deck festen Fuß faßten. »Humboldt-Bai? I, Gott bewahre!
die liegt ja dort, noch über fünf Meilen zu West« -- Und so verhielt
es sich auch; übrigens ein verzeihlicher Irrtum, da keine Spezialkarte
dieser Bai an Bord war, die ich diesmal besser kannte. Hatte ich mich
doch einmal mit Humboldt-Bai eingehend zu beschäftigen gehabt, als
ich vor vielen Jahren mein erstes Buch[86] über Neu-Guinea schrieb,
eine jener gutgemeinten Kompilationen, in denen trotz aller Sorgfalt
eine Menge Fehler unterlaufen. Ich konnte damals freilich nicht ahnen,
daß ich noch einmal Gelegenheit haben würde, dieselben an Ort und
Stelle zu korrigieren. Da lagen wir nun, kaum drei Viertel Meilen,
in sieben Faden Schlick, vor dem neuen Flusse, dessen Mündung sich
durch mächtige Brandung und Treibholzstämme kennzeichnete, aber
ebenso wenig versprechend aussah, als die Küste selbst. Sie zieht
sich als dichtbewaldetes Flachland, an dem es brandet, anscheinend
bis Kap Bonpland hin, das durch mehrere hellgefärbte Flecke, kahlen
Fels, so kenntlich ist. Das Kap bildet den steilabfallenden Ausläufer
einer bewaldeten Hügelkette, welche das Vorland begrenzt und auf
deren Kammlinie sich zwei Kuppen (Alexander-Spitze, ca. 1200 Fuß
und Aimé-Kuppe, ca. 1000 Fuß) besonders markieren. Bei der sehr
bedeckten Luft war Kap Caillié nicht deutlich auszumachen, wohl
aber die Ausläufer des Cyclopgebirges und die Berge in der Tiefe
von Humboldt-Bai zu erkennen. Der Mangel von Kokospalmen an der
Vorlandsküste ließ auf den gleichen an Menschen schließen, und so
konnte eine Revision der Maschine, welche zum Bleiben nötigte, in aller
Ruhe vorgenommen werden. In Humboldt-Bai wäre das, wie wir später
sehen werden, gewiß nicht mehr möglich gewesen. Der unfreiwillige
Aufenthalt hier erwies sich daher als eine Fügung des Himmels, für
die wir in jeder Beziehung dankbar sein konnten. Freilich dauerte die
Ruhe nicht lange, denn bald zeigten sich bekannte dunkle Gestalten
am Ufer, die mit grünen Zweigen winkend, uns schreiend an Land
einluden. Der Kapitän wollte aber seinen Leuten einmal etwas Ruhe
gönnen und hatte überdies nicht Lust, ein Boot zu gefährden, da die
Landungsverhältnisse nicht eben sehr günstig aussahen. Die Eingeborenen
riefen ohne Aufhören weiter und gaben sich alle erdenkliche Mühe; sie
wateten brusttief ins Wasser und erkletterten die Treibholzstämme,
auf denen bald eine ganze Reihe, wie brüllende Seelöwen hockte. Die
armen Kerle besaßen gewiß keine Kanus und hätten die seltenen fernen
Gäste doch so gern gesehen! Ach was! die werden sich schon zu helfen
wissen. Und sie halfen sich! Bald sah man braune Körper, auf irgend
etwas sitzend, durch die Brandung gondeln und mit der Strömung nach
dem Dampfer treiben. Ja, das waren wirklich die denkbar einfachsten
Fahrzeuge, Baumwurzeln, jederseits ein dicker Bambu angebunden. Aber,
wie die Abbildung (S. 344) zeigt, die Sache ging prächtig. Als wären
sie erwartet, ließen die ersten Ankömmlinge ihr Gefährt treiben, um
gleich an Bord zu klettern, wovon ich sie jedoch sanft zurückhielt.
Bei den mancherlei Arbeiten auf Deck lag allerlei Gerät umher, was
für Kleptomanen doch zu verführerisch gewesen wäre. Auch ist es im
allgemeinen nicht rätlich Eingeborene, die man noch nicht genauer
kennt, an Bord umherschnüffeln zu lassen, und ich hielt stets darauf,
diesen Grundsatz durchzuführen, da Vorsicht ja niemals schaden kann.
Übrigens wußten sich diese Fouriere trefflich zu akkomodieren, und
konnten, an Ruder oder Ankerkette sich festhaltend, gemütlich die Kanus
abwarten, welche bald durch die Brandung tanzten. Sie brachten je zwei
bis vier, höchstens zehn Eingeborene, in jeder Weise echte Brüder der
Angriffshafener, nur daß sie noch viel mehr lärmten. Sie kamen nicht
aus Wißbegierde, kümmerten sich weder um den Dampfer noch unsere weiße
Haut, sondern ihr einziger Zweck war schachern und -- stehlen. Da
wir zu gut aufpaßten, so blieb es in Bezug auf das letztere bloß bei
Versuchen, aber schon diese ließen die Gewandtheit der Leute zur Genüge
erkennen. So machte es mir viel Spaß, einen Eingeborenen im stillen
zu beobachten, der sich bemühte, eine leere Flasche durch die Klüse
zu eskamotieren und sie ihm gerade im letzten Moment abzunehmen. Auch
beim Schacher hieß es scharf aufpassen, denn hielt man das Tauschobjekt
des Eingeborenen nicht bereits mit der einen Hand fest, so durfte man
das seinige nicht aus der anderen lassen. Wurde doch ohnehin schon
versucht, Sachen aus der Hand zu reißen oder zum Ansehen gegebene zu
behalten. Nach diesem in meinem bisherigen Verkehr mit Eingeborenen
durchaus neuen, nicht eben sehr angenehmen Betragen zu urteilen, hatten
wir es hier mit einem wilderen Stamme als bisher zu thun. So würden
nämlich die meisten urteilen; aber ich denke, die hiesigen Eingeborenen
lernten diese üblen Manieren erst in Humboldt-Bai, wo sie gewiß schon
Schiffe gesehen hatten. Sie warnten uns übrigens vor Lintschu, wie sie
die Bai nannten, ein Name, den ich in ihr selbst nicht hörte, aber
nur aus Spekulation, um den Eisensegen allein einzuheimsen. Denn ihre
einzige Losung war »Szigo« (Eisen), und sie wußten die Gelegenheit, die
ihnen wohl zum erstenmal ein Schiff direkt vor ihre Barre führte, nach
besten Kräften auszunutzen. Analog unserem Hurra ertönte hier aus allen
Kehlen ein kräftiges »i, i, i -- jáh«, jedesmal als Zeichen, daß sie
wiederum ein Hobeleisen erschachert hatten. Die Leute besaßen übrigens
schöne Sachen, zumeist identisch mit denen von Angriffshafen. So die
Kanus (mit Pandanus-Mattensegel), Waffen, Steinäxte, Töpfe (T. IV. 1,
2), Schmuck (darunter die bekannten Brustschilde) und sonstige Zieraten.

[Illustration: Auf Baumwurzeln am Sechstrohfluß.]

Unter den letzteren erhielt ich einige neue Leibschnüre; so
eigentümliche aus aufgereihten Vogelknochen (meist von Buceros) und
Krebsbeinen mit großen kugelförmigen Samenkernen (T. XXIV. 2), und sehr
elegant aussehende von Coixsamen, abwechselnd mit den kirschbraunen
Samen von Adenanthera pavonina (XXIV. 6). Letztere waren auch zu
langen Schnüren als Hals- und Brustketten aufgereiht. Eine neue Art
Collier bestand in zwei kolossalen Eberhauern (Taf. XXI. 1), die einen
Ring von 12 cm Durchmesser bilden. Neu war auch ein Nasenschmuck
aus Tridacna geschliffen (XX. 7). Zirkelrunde, abnorm gewachsene
Eberhauer (wie XX. 2), scheinen diesem westlichen Gebiete zu fehlen und
wurden in Krauel-Bai zuletzt beobachtet. Ein neues Steingerät waren
Sagoklopfer mit gleichem Holzstiel wie Steinäxte (T. I. 5), aber mit
einem ca. 12 cm langen, konischen, runden, sauber bearbeiteten Stein.
An Waffen erhielt ich nur Bogen und Pfeile. Letztere (1,45 bis 1,80
Meter lang), zeichnen sich durch mehrere schwarzgemalte Ringe auf dem
Rohrschafte aus, dessen erster Abschnitt mit hübschen eingebrannten
Mustern verziert ist; bunte Bemalung und Federschmuck fehlen daran.
Dolche aus Kasuarknochen waren sehr häufig, und manche zeichneten
sich durch kunstvolle Gravierung aus, wie das schöne Stück auf T.
XI. 7. Die Bekleidung der Männer bestand ausnahmslos in den (S. 337)
erwähnten Kalebassen, zuweilen mit zierlich eingebrannten Mustern, und
viel reicher als die Kalkkalebassen ornamentiert. Die Bambubüchsen
für Tabak zeigten hübsche Gravierungen. Fischhaken sah ich (wie seit
Astrolabe) auch hier nicht, erhielt aber Fischspeere in der bekannten
Form, mit mehrzinkiger Holzspitze, wie sie sich überall findet.
Beiläufig mag erwähnt sein, daß die Speerstange deshalb ausnahmslos
aus Bambu besteht, weil eine solche schwimmt. -- Ziernarben waren auch
hier häufig (vergl. S. 334 Fig. c, d). An Sonstigem wurden nur wenig
Kokosnüsse, Pandanusfrüchte, ein paar junge Hunde der echten Papuarasse
und eßbare Erde[87] angeboten, letztere in Form flacher, 20 cm breiter
Kuchen, mit einem Loch in der Mitte, um ein Tragband hineinzuknüpfen.
Als Jagdtrophäe erhielt ich den Unterkiefer eines Krokodil. Das Fleisch
des letzteren ist bekanntlich bei den Papuas sehr beliebt, aber sie
werden sich dieses Bratens wohl nur selten erfreuen. Wie ich selbst
auf all diesen ausgedehnten Reisen nur ein paarmal Krokodile zu sehen
bekam, so wurde mir von den Eingeborenen, außer hier, nur noch einmal
auf Guap ein Schädel dieses Sauriers angeboten, und später sah ich
einen in Humboldt-Bai.

Da die Leute noch vor Einbruch der Dunkelheit durch die Brandung
mußten, so machten sie sich, Gott sei Dank! nach und nach auf den Weg
und ich pries den Himmel als das letzte »i, i, i-jah« verhallte. Ja,
das war wieder einmal ein schwerer, aufreibender Tag gewesen, dessen
Errungenschaften, unter Geduldproben der härtesten Art erworben,
hauptsächlich das Museum für Völkerkunde in Berlin bereichern halfen,
das aus diesem Gebiete vorher kaum etwas besaß.


II. Humboldt-Bai und heimwärts.

  Von d'Urville gesichtet. -- Alte Glasperlen. -- Einfahrt
  von Humboldt-Bai. -- Samoa-Cove. -- Erster Eindruck der
  Eingeborenen. -- Besuch von Beccari-Cove. -- Pfahldörfer im
  Wasser. -- Merkwürdiger Baustil. -- Inneres eines Hauses.
  -- Frauen. -- Taschendiebe. -- »Tempel« in Tobadi. -- Sein
  Inneres. -- Staunenswerte Konstruktion. -- Kein Tempel, sondern
  Versammlungshaus. -- »Heilige« Flöten. -- Holzschnitzereien.
  -- Äußerer Schmuck. -- Großartiges Bauwerk der Steinzeit. --
  Betrachtungen über die Erbauer. -- Hollands Hoheitszeichen. --
  Wißbegierde. -- Dörfer und Bevölkerung. -- Zurück an Bord. --
  Wieder Tätowierung. -- Tauschhandel unmöglich. -- Wieder in See.
  -- Le Maire-Inseln. -- Blosseville. -- Lesson. -- Vulkanische
  Thätigkeit. -- Hansa-Vulkan. -- Wieder an der Küste. --
  Laing-Insel. -- Hatzfeldthafen. -- Eingeborene. -- Ethnologisches.
  -- Versprechendes Land. -- Wieder in Astrolabe-Bai. -- Kuram
  und die Flagge. -- Hauptresultate der Reise. -- Heimwärts. --
  Meerestiere. -- Vögel. -- Delphine. -- Dolphin und Bonite. --
  Fliegende Fische. -- Schildkröten. -- Wiedersehen in See. --
  Befreite Sklaven. -- Wieder in Blumenthal. -- Auflösung der
  Station. -- Abschied von der Samoa.

Der Eingang zu der Bai, vor welcher wir lagen, wird keinem Schiffe
entgehen können, das von Angriffshafen nahe der Küste westlich segelt.
Dumont d'Urville befand sich im August 1827 auf seiner Weltreise mit
der Astrolabe in diesem Falle. Er benannte das geschlossene Becken nach
unserem großen Landsmanne, Humboldt-Bai; die beiden Felsvorsprünge,
welche die Einfahrt so kenntlich markieren, nach seinen eigenen: Kap
Bonpland und Kap Caillié, und dabei blieb es. Denn erst dreißig Jahre
später (1858) lief das holländische Kriegsschiff »Etna« zum erstenmal
in die Bai ein, und so erhielten wir vier Jahre später die erste Kunde
über dieselbe. Jedenfalls haben aber schon Portugiesen und Spanier im
sechzehnten Jahrhundert diese Küste bereits berührt, wenn sich darüber
auch keine sicheren Nachweise mehr erbringen lassen. Wie aber schon
Schouten 1616 auf den Arimoa-Inseln eiserne Kessel von spanischer
Arbeit bei den Eingeborenen vorfand, so erhielt ich am Sechstroh
Belegstücke aus jenen Zeiten der ersten Entdeckungsfahrten. Bei einer
Musterung der dort gekauften Brustschilde (XXIII. 2) fand ich zu meiner
Überraschung unter den landesüblichen Abrusbohnen auch zwei fremde
Gegenstände aufgeklebt. Sie erwiesen sich als Hälften einer schönen
länglich runden (12 cm langen) Mosaikglasperle, merkwürdigerweise ein
und desselben Stückes, welche ich sogleich als eine altvenezianische
erkannte, was von Professor Salviati später bestätigt wurde. Von
ähnlicher Herkunft ist ohne Zweifel das berühmte »Palau-Geld«[88];
während dasselbe aber dort noch heute als kostbar betrachtet wird, ist
die Wertschätzung für alte Glasperlen im Laufe der Zeit bei den Papuas
verloren gegangen und ich rettete wahrscheinlich ein paar der letzten
Reste.

In der Frühe des anderen Tages (17. Mai) brachen wir von unserem
Ankerplatze auf, passierten die kaum mehr als zwei Meilen entfernte
holländische Grenze, ohne von Zollbeamten aufgehalten zu werden und
dampften nach Humboldt-Bai, welche bald den folgenden Anblick bot (S.
349).

Der Hügel im Vordergrund links, mit den kahlen (rot und weiß gefärbten)
Felsflecken ist Kap Bonpland (wohl nicht höher als 500 bis 600 Fuß),
die Bergpyramide in der Tiefe der Mera, eine treffliche Landmarke für
aus Ost kommende Schiffe und Wegweiser zum besten Ankerplatze. Er
mag an 800 bis 1000 Fuß hoch sein und erhielt den bezeichnenden Namen
mera = rot, weil sich in der dichten Bewaldung ein ziegelroter Streif
schon von weitem bemerkbar macht, der von rotem Thon herrührt. Kap
Caillié, die nordwestliche Ecke der Einfahrt, trat erst später deutlich
hervor als ein ca. 400-500 Fuß hoher, steiler, dichtbewaldeter Hügel,
mit einer kahlen Felsstelle an der Basis. Die Entfernung zwischen
den beiden Kaps beträgt ca. vier Meilen, die Tiefe der ziemlich
halbkreisförmigen Bai, deren Pforten sie bilden, etwa ebenso viel. Da
uns, wie erwähnt, eine Spezialkarte fehlte, so mußten wir in diesem
ausgedehnten Wasserbecken erst einen Ankerplatz suchen. Die Aussichten
dafür sahen nicht eben günstig aus: soweit das Auge reichte, nichts als
Sandstrand mit Kokospalmen und -- Brandung. Als wir aber den letzten
hügeligen Vorsprung (Hagenaarshoek) passierten, öffnete sich in Südost
eine hübsche kleine Buchtung, mit einigen kleinen Inseln (Muskiet- und
Meeuweneiland) oder vielmehr bewachsenen Felsen am Eingange und in
diese schlüpfte die Samoa hinein und ankerte in fünf Faden. Da lagen
wir gar prächtig und vor allem ruhig; denn nur Vogelstimmen ertönten
aus dem dichten Urwalde, welcher die »Samoa-Cove« (wie ich sie später
nannte) säumt, und nirgends waren Anzeichen von Menschen zu sehen
oder zu hören. Und das sollte Humboldt-Bai sein mit den wunderbaren
Pfahlbauten, den lärmenden und zudringlichen Eingeborenen, über die
ich selbst geschrieben hatte? Das war freilich schon lange her, und
in zwanzig Jahren kann das Gedächtnis über so entfernte Gegenden, die
man nicht aus eigener Anschauung kennt, wohl wackelig werden. Ja, ganz
richtig! ich hatte mich geirrt und die gesuchte Binnenbai mußte ja
gerade in entgegengesetzter Richtung in West liegen. Sehen konnte man
sie freilich nicht; nur kahle grasige Berge, sanft abfallende Ausläufer
des Cyclopgebirges[89], dessen Gipfel häufig Wolken einhüllten, traten
dem Auge wenig anlockend entgegen, aber hinter einem felsigen Hügel, da
mußte das gesuchte Ziel liegen.

[Illustration: Einfahrt in Humboldt-Bai.]

Diesmal irrten wir uns nicht, denn noch während des Ankerhievens
wirbelten Rauchsäulen in jener Gegend auf, zum Zeichen, daß auch
wir bemerkt waren. Und als wir längs der Küste, die aus einem fast
ununterbrochenen Kokoswald zu bestehen scheint, in Fahrt waren, da
kamen hinter jenem Felsenhügel bereits Kanus hervor, -- eins, zwei,
-- sechs, -- eine ganze Menge! Als handle es sich um eine Regatta,
suchte ein Kanu das andere zu überholen, denn jedes wollte ja das
erste längsseit sein, um zuerst beschenkt zu werden, wie dies die
Eingeborenen im Verkehr mit Weißen gelernt hatten. Ja, diese Leute
kannten bereits Schiffe, das konnte man schon am Ersten sehen, der
herankam. Er wußte gleich, wo er sich festhalten müsse, um an Bord zu
voltigieren, und ich hatte wieder Arbeit, um schmutzige Papuafinger,
die sich bereits an die Reiling klammerten, los zu machen und ihre
Besitzer ins Kanu zurück zu spedieren. Ganz nahe des felsigen
Hügels, der, wie sich später zeigte, das Ende der Landzunge Anessau
(Rotshoek der holländischen Karte) ist, ankerte die »Samoa« heut zum
zweitenmal. Da hatten wir nun bald die gefürchteten Humboldtianer
in jeder Auswahl um uns, und immer mehr Kanus brachten neue
Zuschauer um jene Felsenecke heran. Auch aus Nord von den Mathilden-
und Magdalenen-Inseln vor Challenger-Cove zeigten sich Segel. Der
erste Eindruck dieser Leute war allerdings, auch für das an Papuas
gewöhnte Auge, kein günstiger, schon deshalb weil sie, mit Ausnahme
des bekannten Halsstrickchens und Grasarmbandes, total unbekleidet
waren. Doch bemerkten wir auch bei ihnen einzeln die bereits (S. 337)
erwähnten Kalebassen. Hautkrankheiten, namentlich Ichthyosis, waren
nicht so häufig als anderwärts aber ich bemerkte eine Menge Leute mit
Pockennarben, anscheinend vierzig Jahre alte Individuen. Im übrigen
waren aber auch diese Eingeborenen echte Papuas, im allgemeinen
vielleicht von etwas dunklerer Hautfarbe als an der Ostspitze, aber
es gab, wie überall, auch hellere Individuen (bis Nr. 30). Der
vorherrschende Färbungston hielt sich zwischen Nr. 28 und 29 aber
mehr zu 28 neigend. Das wenig gepflegte Haar ist echt melanesisch.
Powells Angabe, die hiesigen Eingeborenen seien »von mehr malayischem
Typus«, fand ich daher nicht zutreffend, auch war keiner, der ein
holländisches, geschweige ein englisches Wort verstanden hätte. Die
guten Leute schienen übrigens ziemlich verblüfft, nicht an Bord kommen
zu dürfen, betrugen sich aber nicht schlimmer als ihre Nachbarn am
Sechstroh. Die Kanus, ganz in der Bauart wie dort, und mit ebensolchen
geschnitzten Schnabelaufsätzen, trugen meist nur drei bis sechs,
höchstens acht Mann. Ein alter pockennarbiger Kerl offerierte mir sehr
bereitwillig seine Wasserdroschke, um mich in die Nebenbai zu rudern,
was ich aber freundlich ausschlug, da ich mein Leben bereits zweimal
in solchen Seelentränkern riskiert hatte. Freilich »der Ausleger
verhindert das Umschlagen«, steht in den meisten Büchern, aber wer so
manches Kanu umkippen sah wie ich, der weiß das besser. In unserem
Whaleboot konnte das nicht passieren, welches zur Fahrt soeben klar
gemacht wurde, zu der sich auch unsere Mioko-Schwarzen als Ruderer in
den besten Staat werfen mußten. Sie sahen bald in roten englischen
Uniformröcken, Mützen der »Heilsarmee«, Sachen, die ich für derartige
Gelegenheiten eigens in Sydney gekauft hatte und in weißen Pantalons
gar stattlich aus, machten aber betrübte, lange Gesichter. »Doctor!
me like Market!« (ich wünsche eine Muskete), sagte Jimmy, »bye and bye
Kanaker he fight, me kill« (damit ich die Kanaker totschießen kann,
wenn sie uns angreifen). -- »Ja, nicht wahr? das möchtest du wohl, so
ein bißchen schießen, aus purer Angst! es wäre auch groß schade, wenn
einer von euch erschlagen würde!« gab ich ihm tröstlich zur Antwort
-- und »down! pull« (rein! rudert!) da gingen wir schon dahin. Aber
nicht in Windeseile, denn unsere furchtsamen Kanaker ließen sich Zeit
und bemühten sich nicht, eine Wettfahrt einzugehen, zu welcher die uns
begleitenden zum Teil nur von Frauen geführten Kanus so sehr reizten.
Übrigens setzt bei Ebbezeit, wie wir sie hatten, ein starker Strom
um die Felsenhuk, den die Eingeborenen, sich dicht am Ufer haltend,
vermeiden konnten. Alle Erwartungen waren gespannt, als wir um die
verhängnisvolle Ecke in die kleine Nebenbai einbogen, die ich später
Beccari-Cove nannte. Sie zeigt im Norden dichtbewaldete Felsenhügel,
zum Teil mit Plantagen, weiter West höhere Berge; der südlichere
Kokosuferstreif endet in eine ausgedehnte Sand- und Schlickbank,
die bei Hochwasser überflutet wird. Noch zeigte sich nichts von
Siedelungen, aber dort, hinter einer zweiten Huk, in einer kleinen
Buchtung, da standen Häuser im Wasser, nur sieben, das Dorf Ungrau.
Ja, solche Pfahlbauten hatte ich in Neu-Guinea noch nirgend gesehen;
sie erschienen gegen die armseligen Hütten an der Südostküste (P.
Moresby, Hood-Bai etc.), wie Paläste. Das Separatbild S. 352 zeigt
einen Teil des Dorfes Tobadi (auch Tobari ausgesprochen), der Perle
von Humboldt-Bai und des Pfahlbauertums der Steinzeit überhaupt, wie
ich es an Ort und Stelle skizzierte. Das Dorf liegt ebenfalls in einer
kleinen Einbuchtung versteckt, der nächsten von Ungrau, und machte
mit seinen düsteren, von Wetter und Rauch gebräunten Häusern, einen
äußerst fremdartigen Eindruck. Von weitem glaubt man ungeheuer große
Wigwams, oder Ostiaken-Dschums, im Wasser schwimmend zu erblicken, aber
bald sehen wir, daß es solide auf Pfählen ruhende Bauten sind, die
im wesentlichen aus einem spitzen, meist viereckigen Dache bestehen,
dessen Spitze 30 Fuß und mehr Höhe erreichen mag. Sie ist häufig mit
einer runden Holzscheibe gekrönt, auf der als besonderer Schmuck eine
roh geschnitzte, menschliche Figur, in sitzender Stellung hockt. Diese
aus Ried oder Gras sehr sorgfältig gedeckten Dächer ruhen auf ca. fünf
Fuß hohen Seitenwänden aus gespaltenem Bambu und haben zwei gegenüber
liegende Eingänge, vor denen Plattformen errichtet sind. Letztere ragen
(bei Ebbe) an sieben bis neun Fuß über die Wasserfläche und stehen
ebenfalls auf Pfählen. Dabei darf man sich aber nicht Pfähle nach
unseren Begriffen, starke, gerade, behauene Stammstücke vorstellen,
sondern schiefe, krumme Stämmchen, die gegenüber dem gewaltigen Bau
unverhältnismäßig dünn erscheinen.

Ohne viel zu fragen, voltigierten wir, über den Rücken eines Schwarzen,
auf die Plattform, deren Betreten allerdings Vorsicht erheischt, da
sie aus morschen, wackeligen Brettern (Seitenborden alter Kanus)
besteht, und treten, ein Heck überkletternd, ins Innere. Zunächst ist
natürlich nicht viel zu sehen, denn die Thüren und die Öffnung in der
Dachspitze spenden nicht viel Licht, aber das Auge gewöhnt sich nach
und nach an die Dunkelheit. So konnte ich denn den Grundriß eines
solchen Hauses skizzieren, wie ihn Taf. II. 2 des Atlas darstellt. Es
ist ein Familienhaus mit Scheidewänden in jeder Ecke, beherbergt also
voraussichtlich vier Familienverbände. Die Feuerstellen bestehen aus
viereckigen mit Sand gefüllten Rahmen und sind mit Töpfen besetzt,
die überhaupt einen hervorragenden Teil des Hausrates bilden und zu
denen der Mera das Material liefert. Diese Töpfe (Uro) haben dieselben
Formen als am Sechstroh (IV, 1, 2), sind oft von bedeutender Größe und
zuweilen mit bunter Malerei, in Schwarz, Weiß, Rot, zum Teil Figuren
von Vögeln und Fischen darstellend, verziert. Den meisten Hausrat
hatte man hängend, zum Teil auf großen Horden untergebracht und noch
besonders mit etwas höher befestigten, großen hölzernen Scheiben
bedeckt, um die Vorräte vor den Ratten zu sichern, von denen es unter
solchen Grasdächern wimmelt. Da der beständige Rauch alles schwärzt,
so sind die meisten Gegenstände, wie dies überhaupt Papuasitte ist, in
Blätter oder Tapa eingeschlagen. Doch bemerkte ich schöne Fischnetze
und weitmaschige Netze aus dicken Stricken, die bei den Treibjagden
auf Wildschweine dienen; an Waffen nur lange Speere (keine Keulen,
Schilde und Kürasse). Gerüste zum Schlafen fehlen, da dafür die sehr
saubere und ebene Diele benutzt wird, welche aus schmal gespaltenen
(ca. drei Zoll breiten) Latten (wohl von der Betelpalme) besteht. Als
Kopfunterlage dienen die bekannten kleinen Bänkchen (S. 312).

[Illustration: Damen von Humboldt-Bai.]

Die Eingeborenen betrugen sich übrigens sehr anständig, ja sogar
gastfrei, denn eine alte Frau gab uns etliche geröstete, sehr gute Yams
und in einer Schöpfkelle aus Kokosnuß Wasser zum Trinken. Das galt
aber nicht als Begrüßungszeremonie, sondern geschah nur ganz zufällig.
Es ging uns also besser als den Besuchern vom »Challenger«, die nicht
einmal in ein Haus gelassen wurden. Freilich machten wir nicht viel
Umstände, und andererseits hütete ich mich wohl, die Hobeleisen, Messer
und Glasperlen, die ich in einer Tasche bei mir trug, zu zeigen,
sonst wäre es mit Notizenmachen aus gewesen und gewiß zu einem Radau
gekommen. Ich begnügte mich, nur alte Weiber mit Streifen roten Zeuges
zutraulich zu machen, und diese lockten dann auch die anfangs schreiend
ausreißende jüngere Damenwelt herbei, von welcher die vorherige
Abbildung Typen zeigt.

Verheiratete tragen ein großes Stück Tapa, mit einem Strick um die
Hüften befestigt, das sehr dezent und ganz wie die Lavalavas der
Polynesier kleidet. Diese Tapa ist zuweilen weiß gebleicht oder
in bunten Mustern bemalt; zum Festbinden dienen manchmal hübsche
Schnüre aus Coix- und Adenanthera-Kernen, mit allerlei Anhängseln.
Unverheiratete begnügten sich, wenn auch schon in heiratsfähigem Alter,
mit dem bescheidenen Kostüm Evens vor dem Fall. Aber die Mädchen
eilten bei unserer Ankunft ihre Blöße, durch ein Stück Tapa oder ein
Faserschürzchen zu decken. Auch diese hübschen, dunklen Gestalten
wurden mit roten Streifen bedacht, machten dem Vorrate aber bald gegen
meinen Willen ein Ende. Die Zeugfetzen folgten nämlich Dallmanns
seidenem Taschentuche nach, das schon im ersten Hause gestohlen worden
war. Ja, das mahnte zur Vorsicht; denn diese lieben Naturkinder
verstanden so geschickt als ein großstädtischer Taschendieb zu stehlen.

Von großen spitzdachigen Familienhäusern waren in Tobadi[90], das
im ganzen nur 32 Baulichkeiten zählte, nur ein Dutzend vorhanden,
die anderen hatten die gewöhnliche Hausform mit schrägem, meist
geradfirstigem, zuweilen sattelförmigem Dach.

Über einen nichts weniger als bequemen Steg, aus einem unbehauenen
Baumstamme, turnten wir nach der Plattform des merkwürdigsten Bauwerkes
von Tobadi, dem sogenannten »Tempel« hinüber. Schon diese an den
Längsseiten ca. 50-60 Fuß messende Plattform, war ein gewaltiges Werk,
konnte ihren Zweck als Tanzplatz aber nicht mehr erfüllen, da sie
bedenkliche Senkungen zeigte.

Wie in der Beschreibung der Etnaexpedition zu lesen, hatten sich
die ersten Besucher nur dadurch Erlaubnis zum Eintritt verschafft,
daß sie als Zeichen der Verehrung vor dem Tempel niederknieten,
wovon die Papuas wohl wenig begriffen haben dürften. Wir aber
machten keine langen Faxen. Ich sagte den Leuten auch hier, »daß
ich Finsch aus Bremen« und ein »Wapimé« (Freund) sei, und hie und
da einen auf die Schultern klopfend, andere sanft zurückdrängend,
befanden wir uns bald im Heiligtum. Diesem »fait accompli« gegenüber
konnten die Eingeborenen nichts Besseres thun, als die gewöhnlichen
Friedenszeichen anzubieten: niederzusitzen und Betel, was wir durch
einige Zigarrenstummel erwiderten. Es litt mich aber nicht lange auf
dem Baststück, das hier die Stelle von Matten vertritt, zu hocken,
sondern ich begann, wie stets, sogleich mit Aufzeichnungen, denen
der Grundriß (T. II. 1) sein Entstehen verdankt. Ein schräger Steg
führte von der Plattform auf die etwas höher liegende Hausdiele, die
40 bis 50 Fuß Durchmesser haben mochte und so schön war als in den
Familienhäusern. Erst im Innern konnte man recht die staunenswerte
Konstruktion des an 60 Fuß hohen Daches bewundern, um so besser, als
die im obersten Teil offene Spitze ziemlich viel Licht einließ. Das ist
ein Gewirr von schiefen und geraden Stützen und Querhölzern in allen
Richtungen, in welchen man, auch ohne Architekt zu sein, doch System
erkennen konnte, und dabei waren alle Teile nur mittelst Lianen oder
Stricken zusammengebunden. Dem ganzen merkwürdigen Turmbau schienen
übrigens nur vier Hauptpfeiler als Grundfesten zu dienen; die niedrigen
Seitenwände des von außen achteckigen Gebäudes schlossen in den Ecken
gerundet ab, so daß das Innere fast kreisförmig erschien. Feuerstätten
und Kopfbänkchen zeigten, daß das Haus auch als Wohnung dient und
zwar für die unverheiratete junge Männerwelt, denn alte Junggesellen
giebt es bei den Papuas wohl im ganzen wenig. Der so berühmte »Tempel«
hat eben mit Religion nichts zu thun und ist einfach eins jener
Versammlungshäuser der Männer, wie sie überall in Melanesien vorkommen
und die aus bekannten Gründen für das weibliche Geschlecht »tabu« sind.
Ja, in diesem Tempel mochte schon manches Festessen gehalten worden
sein, denn wohl ein paar Hundert Schweineschädel, in allen Stadien
der Verräucherung, waren in Querleisten eingesteckt und bildeten den
hauptsächlichsten Ausputz. Wie das stärkere Geschlecht bei den Papuas
in ungalanter Weise die Damenwelt am Bankett nicht teilnehmen läßt,
um das »Poro« (Schwein) allein verzehren zu können, so besorgt es auch
den Tanz ohne die schöneren Hälften. Das übliche Begleitinstrument,
die Holztrommel (Meschink), in der bekannten Form, fehlte auch im
»Tempel« nicht, ebenso wenig als das unerläßliche Lärmrequisit, eine
Signaltrommel (Kaduar). Sie war außerordentlich groß, wohl 10 bis 12
Fuß lang, kanuförmig und der besseren Resonanz wegen aufgehangen. Bald
hätte ich die Flöten (Ariho) vergessen, auf denen »die Jünglinge des
Tempels bei den religiösen Tänzen musizieren«, wie es in der Etnareise
heißt. Ich versuchte sogleich eine dieser »heiligen« Flöten, was
die guten Eingeborenen-Seelen unendlich amüsierte, denn ich brachte
keinen Ton hervor. Hätte ich es gewagt, ein Hobeleisen hervorzuholen,
so würden sie mir gern eine solche Flöte verkauft haben, so mußte
ich mich mit einer Abbildung (XIII. 5) begnügen. Es waren eben
Flöten, Rohrflöten, wie anderwärts in Melanesien, ohne alle religiöse
Bedeutung, sind aber wahrscheinlich wie manche andere Instrumente
für die Frauen »tabu«. Waffen sah ich nicht, wahrscheinlich weil die
Männer alle Vorräte mit in die Kanus geschleppt hatten; ebenso wenig
hier, wie in irgend einem anderen Hause, Menschenschädel. Bloß unter
den Talismanen, welche an den Brustschilden befestigt werden (meist
Stückchen Rinde, Blätter und Vogelknochen) habe ich ein paarmal ein
menschliches Schlüsselbein gesehen. Figuren, sogenannte »Götzen«,
die man doch eigentlich in einem »Heidentempel« erwartet, fehlten
ebenfalls. Nur im Vestibül standen drei kleine, anscheinend aus dem
weichen, zelligen Stamme von Cycas roh geschnitzte Figuren (T. XV. 8),
wohl die schüchternen Versuche angehender Künstler der Holzbildnerei.
Dafür diente der »Tempel« außerdem als Werkstatt, und ich hatte die
seltene Freude, Holzschnitzer der Steinzeit noch in voller Thätigkeit
zu sehen. Mehrere junge Leute arbeiteten an einem ca. 15 Fuß langen
Fries (Drom), der Figuren von Eingeborenen, Eidechsen und Fischen zum
Teil zierlich durchbrochen ausgearbeitet zeigte. Mit Flußmuscheln
(Batissa) und Raspeln aus Rochenhaut schabten und feilten noch
einige daran, während andere bereits mit Bemalen begonnen hatten.
Die Farben (schwarz, weiß, rot und ockergelb) waren in Topfscherben
oder Kokosnußschalen angerieben und wurden mit Federn als Pinsel
aufgetragen. An sonstigem Ausputz bemerkte ich nur noch lange Büschel
von Pflanzenfaser, ebenfalls Erinnerungszeichen an gehaltene Feste.

Die alte Schuld der total unrichtigen Abbildung des »Tempels« aus dem
Reisewerk der Etna durch Kopie zur weiteren Verbreitung verholfen zu
haben, konnte ich nach fast zwanzig Jahren sühnen durch eine an Ort und
Stelle aufgenommene korrekte Skizze (vergl. Separatbild). Derselben
sind nur einige Worte zur Beschreibung des Äußeren hinzuzufügen.
Die vier Absätze des achteckigen Bauwerkes tragen buntbemalte
Holzschnitzereien, Friese, wie wir sie im Innern soeben arbeiten
sahen; vom unteren Dachrande hängen lange Fransen aus Palmfaser und
(wie auch an anderen Stellen) Festons von aufgereihten Eierschalen
(wohl Krokodil oder Megapodien), im Dache selbst stecken Palmwedel und
verschiedene buntbemalte Tierfiguren. Sie stellen Vögel, Eidechsen und
besonders kenntlich Fische dar; auf der äußersten Dachspitze thront
eine menschliche Figur, darüber ein Vogel, in fliegender Stellung,
auf dem lärmende Glanzstare (Lamprotornis metallicus) lustig ihr
Wesen trieben. Gleich neben dem Tabuhause baute man an einem anderen
ähnlichen großen Gebäude, das schöne Gelegenheit zu Pfahlbau-Studien
gab. Ich will aber nur erwähnen, daß das Gerüst (Hauptbild S. 352 in
der Mitte des Hintergrundes) mit unseren baupolizeilichen Verordnungen
sehr im Widerspruch stand und eben für Papuas praktikabel war, die im
Klettern Großartiges leisten. Voll Bewunderung nahm ich Abschied von
dem Bauwerk. Wenn der Ankömmling die Verfertiger desselben, draußen in
der Bai in ihren Kanus, als »nackte Wilde« bezeichnen durfte, so mußte
er ihnen das angesichts dieser Leistung im stillen abbitten. Menschen,
die derartiges fertig bringen, sind gewiß keine Wilden mehr, sondern
haben sich bereits auf die Stufen einer Kultur hinaufgeschwungen, die
nur zu wenig bekannt ist, um Anerkennung zu finden. Dem civilisierten
Herrn der Schöpfung ist es eben mit der Civilisation eingeimpft, seine
nacktgehenden Speciesgenossen für wild und schamlos und wo möglich
für bildungsunfähig obendrein zu halten. Das sind die Papuas nun aber
keineswegs. Ob sich diese Bürger der Steinperiode jedoch in dem von uns
gewünschten Sinne entwickeln lassen werden, das ist freilich eine ganz
andere Frage, deren Beantwortung bis jetzt nur sehr ungenügend versucht
wurde. An Bildungsfähigkeit mangelt es ihnen gewiß nicht, aber es ist
zu bezweifeln, ob sie die Notwendigkeit, eine höhere Bildungsstufe zu
erlangen, überhaupt einsehen und bei gebotener Gelegenheit benutzen
werden. Jedenfalls fühlt sich der Papua im Kulturzustande der Steinzeit
sehr wohl; warum sollte er also eine Änderung wünschen, die nur nach
unseren Anschauungen eine Aufbesserung seiner Verhältnisse ist. Daß
solche sogenannte Naturmenschen viel mehr zu leisten verstehen und
leisten, als ihre geringen Bedürfnisse erheischen, das zeigte sich
wieder einmal recht deutlich angesichts dieser Bauwerke. Wozu diese
hohen, mühsam herzustellenden Dächer? kleine unbedeutende Hütten
genügen ja anderwärts! Aber auch dem Papua wohnt Schönheitssinn inne.
Er beseelt ihn eine Menge Dinge zu verzieren und auszuschmücken, die
ohne diesen Kunstfleiß ihren Zwecken ebenso gut entsprechen würden.

[Illustration:

                                                               (S. 358.)

Tabuhaus in Tobadi.]

Zu den großartigsten Denkmälern dieses Kunstfleißes der Steinzeit zählt
ohne Zweifel das Tabuhaus in Tobadi. Von einer Handvoll Menschen,
nur im Besitz von Steingeräten, errichtet, ist es für diese Periode
ebenbürtig einer Pyramide zu vergleichen, und würdig der Bewunderung,
welche wir jenen Riesenbauten zollen. Wie viele solche Denksteine aus
dem Wiegenalter der Menschheit sind aber bereits dahingeschwunden,
unergründet für die civilisierte Welt, und wie bald werden ihnen
diese nachfolgen. Schon hängt das Damoklesschwert auch über dieser
bisher fast unberührten Oase der Steinzeit. Denn, wenn der Plan einer
regelmäßigen Dampferfahrt nach Humboldt-Bai zur Ausführung gelangt,
dann werden auch hier bald die letzten Reste jener Periode verschwunden
sein.

Kommerzielle Erfolge dürfte eine solche Dampferlinie wohl kaum zu
erwarten haben, da außer dem bißchen Kopra, das vielleicht den
einen oder anderen Trader ernährt, sich wenig holen lassen wird.
Aber die niederländisch-indische Regierung will wahrscheinlich ihre
Herrschaft auch einmal in anderer kräftigerer Weise als mit dem
bloßen »Je maintiendra« ihres Wappenschildes zeigen. Wir entdeckten
dieses ziemlich nutzlose Symbol, womit Holland bis jetzt fast
ausschließend seinen Besitz, aber nicht zugleich seine Macht, in
Neu-Guinea kennzeichnet, ganz zufälligerweise. Das »wapenbord«, eine
gußeiserne Platte mit dem holländischen Wappen und der obigen Devise,
war sorgfältig mit Rotang an einem Hauspfosten befestigt, und schien
nach den frischen Farben zu urteilen noch neu[91] zu sein. Ja, diese
Wappenschilde haben den holländischen Kriegsschiffen schon manchmal
etwas zu thun gegeben, den Eingeborenen aber ein paar starke Nägel
verschafft. Denn das scheint nach ihrer Auffassung der einzige Zweck,
und auch die hiesigen Eingeborenen würden mir das nutzlose Gußeisen,
das sie überhaupt gar nicht als »szigo« (Eisen), anerkannten, für
irgend eine Kleinigkeit verkauft haben. Ich suchte ihnen aber die hohe
Bedeutung dieses Tabuzeichens des weißen Mannes klar zu machen und
belobte sie für die gute Verwahrung desselben.

Häuptlinge von irgend welcher Bedeutung scheinen in Humboldt-Bai,
wie meist in Neu-Guinea, zu fehlen. Aber einige schwarz- und
rotbemalte Kerls mit viel roten Hibiscusblumen im Haar, wahrscheinlich
Honoratioren Tobadi's, hatten sich bald angefreundet und spielten die
Führer, inkommodierten indes mehr, als sie nützten. Die Wißbegierde
dieser Leute war wirklich lobenswert; sie wollten alles sehen, in die
Hand nehmen und -- selbst Taschenuhr, Feldstecher und ähnliche Dinge --
geschenkt haben. So zog mir einer den Schuh aus, während ich den Tempel
zeichnete, indes ein anderer meine Taschen zu visitieren versuchte.
Auffallenderweise schienen sie Gewehre und und deren Wirkung nicht zu
kennen.

Mit einigen der neuen Freunde kletterten wir ins Boot um an Bord
zurückzukehren, da sich die Dörfer links am Eingange von Beccari-Cove
doch nicht erreichen ließen. Ich sah hier ein größeres, aus acht
großen und acht kleinen Häusern bestehend, das Ingros genannt wurde,
dahinter auf einer kleinen Insel (Janus-Eiland) noch einige Häuser:
Kai. Diese Dörfer lagen jetzt bei Ebbe unnahbar auf einer großen Sand-
und Schlammbank, welche die Beccari-Cove nach Süd zu schließen schien.
Doch ließ sich in der nördlichen Ecke hinter Tobadi noch eine kleine
Insel, Timsau (Slavante-Eiland der holländischen Karte) erblicken,
auf der anscheinend Häuser stehen. Beccari-Cove zieht sich übrigens
bei Hochwasser noch ziemlich weit nach Südost, hinter dem schmalen
Kokosuferstreif hin, ist aber für Schiffe unzugänglich. Alles in
allem mag es, mit Einbegriff der Siedelungen in Challenger-Cove, elf
Dörfer in Humboldt-Bai geben, hinsichtlich deren Namen zum Teil noch
arge Verwirrung herrscht. Die Gesamtbevölkerung schätze ich auf 1500
bis 1800, gegen 5000 in dem Etnareisewerk. Dieser Unterschied rührt
wohl weniger von dem Rückgange der Bevölkerung her, sondern liegt
hauptsächlich an den viel zu hoch gegriffenen Schätzungen der ersten
Besucher.

Die kleine »Samoa« war von weitem kaum zu erkennen; nur Masten und
Schornstein ragten aus einer wirren Masse von Kanus hervor. Herr, du
meine Güte! welch ein Gewimmel! etliche siebenzig Kanus lagen um den
Dampfer, als wäre Jahrmarkt, und es kostete Mühe, sich durchzuarbeiten.
Ja, ich wollte gern glauben, daß der Steuermann und die Zehn,
welche ihm noch geblieben waren, alle Mühe aufwenden mußten, um die
Gesellschaft von Bord abzuhalten. Jetzt kam Hilfe, denn ich besaß ja
einigermaßen Erfahrung, um das Geschäft mit übernehmen zu können. Da
die »Samoa« so niedrig über Wasser lag, daß ein im Kanu stehender
Mann mit dem ausgestreckten Arme den Deckrand erreichen konnte, so
war es den Eingeborenen freilich leichter gemacht als auf den sieben
Kriegsschiffen, welche sie bisher kennen lernten. Bald an Steuer-
bald an Backbord zum Rechten sehend, hatte ich gute Gelegenheit,
das interessante Bild zu betrachten. Die Männer glichen ganz den
vorhergesehenen, und der junge Krieger von Massilia (S. 333), könnte
ebenso gut als Type eines Humboldtianers gelten. Gewöhnlich war ihr
Ausputz aber nicht so reich als an diesem, und rote Bemalung, oft
das ganze Gesicht und Brust bedeckend, bildete einen hervorragenden
Teil desselben, wie Hibiscusblumen und Blätterschmuck. Ziernarben,
oft sehr regelmäßige auffallend erhabene Figuren bildend, fanden
sich nicht nur an Männern, sondern auch bei Frauen. Die beigegebene
Abbildung zeigt eine solche Ziernarbe auf der linken Achsel und
zugleich die eigentümlichen Muster der Tätowierung. Ich hatte diese
Körperverschönerung seit Dinner-Insel nicht mehr gesehen und freute
mich, sie hier wieder zu finden. Übrigens schienen nur Frauen tätowiert
und trugen das Haar in dünnen, rotgefärbten Strähnen, ganz wie die
Mädchen in Friedrich-Wilhelmshafen (S. 108). Bei der Mehrzahl der
Weiber war auf das Haar keine Pflege verwendet. Wenige hatten auch
einen so reichen Ohrschmuck an dünnen Schildpattreifen aufzuweisen
als die hübsche Frau unseres Bildes. Es gab übrigens mehr niedliche
Gesichter, und Humboldt-Bai scheint in ganz Neu-Guinea die schönsten
Frauen zu besitzen.

[Illustration: Tätowierte Frau, Humboldt-Bai.]

Die guten Geschöpfe kamen gleich kanuweis an und brachten eine Menge
Bananen, Yams, Taro, Zuckerrohr, wenig Kokos (Niu) und geräucherte
Fische, die sie gern los sein wollten. Aber an Tauschhandel war bei
dem Gewimmel gar nicht zu denken. Wollte man irgend etwas haben, dann
kletterten gleich so viele herauf, daß man Last hatte, sie wieder
herunterzuwerfen. Dazu ein Rufen und Streiten untereinander, kurzum ein
unbeschreiblicher Lärm. Es war gut, daß ich meine Einkäufe am Sechstroh
gemacht hatte, und ich konnte mein ethnologisches Gewissen beruhigen,
indem alle Gegenstände, Geräte, Schmucksachen u. s. w. mit den dortigen
ganz übereinstimmten. Da die Gesellschaft nicht an Bord kommen durfte,
also nicht stehlen konnte, wurde sie immer zudringlicher. »Whistle«!
(pfeife) Da schrillte die Dampfpfeife, aber diesmal wirkungslos, denn
die Leute kannten ja ihren Ton. Etwas mehr Luft schaffte Abblasen
des heißen Wasserdampfes aus den Ventilen an Bordseite. Da wurde im
Augenblick Platz gemacht, und es gab ein Drängeln und Stoßen, wobei
mancher Ausleger abknackte. Aber die Sache erwies sich als ganz harmlos
und wurde bald unter brüllendem Beifall als Scherz aufgefaßt. Trotz
aller Vorsicht war eine Konservebüchse gemaust, dem Thäter der Raub
aber sofort abgejagt worden. Er zeigte sich sehr beleidigt und legte
schon einen Pfeil auf die Bogensehne, aber gleich wieder nieder, als
ihm einige plattdeutsche Flüche an den Kopf flogen. So ein bißchen
Anlegen ist ja noch nicht geschossen, das muß man nicht so übel
nehmen; es war gewiß nicht bös gemeint. Hatten die Leute Absicht, uns
anzugreifen, dann würde nicht ein einzelner angefangen haben, sondern
es giebt gleich einen ganzen Hagel von Pfeilen. Und dazu fehlte es
nicht an Gelegenheit und Material, da sie ein wahres Arsenal an Bogen
und Pfeilen mit sich führten. Da wir mit dem Gesehenen zufrieden
sein konnten, so war ein weiteres Abmühen mit den Eingeborenen, das
schließlich doch vielleicht zu ernsterem Streit führen konnte, nutzlos
und wir lichteten Anker. Eigentlich sollte weiterhin ein ruhigerer
Platz für die Nacht aufgesucht werden, aber die Leute schienen
unseren Plan zu erraten. Was Hände hatte, versuchte sich am Schiffe
festzuhalten und an Bord zu klettern, kurzum die ganze Flottille folgte
uns nach. Diese Hetzjagd schien den brüllenden Insassen gerade ein
besonderes »Gaudi«, wie der Wiener sagen würde. Das sah wenig nach
Ruhe aus, und da wir an dem Lärm und Spektakel gerade genug hatten,
so nahmen wir Abschied von Humboldt-Bai und dampften seewärts. In
wohlthuender Stille ließ ich die Erlebnisse des Tages an meinem Geiste
vorüber ziehen und kam hinsichtlich der Eingeborenen zu dem Schluß, daß
auch die vielgeschmähten und verleumdeten Humboldtianer besser sind als
ihr Ruf. Überall wird ihre Hinterlist und Verräterei hervorgehoben,
aber bis jetzt liegen keinerlei Beweise dafür vor. Schreien und ein
mehr als ungeniertes Wesen, das ist ihnen eigen, wie sie auch nicht
von Stehlsucht freizusprechen sind. Aber daran sind hauptsächlich die
ersten Besucher mit schuld, die sich soviel gefallen ließen und die
Schwächen der armen, nackten »Wilden« zu rücksichtsvoll über sich
ergehen ließen. Wenn auf Kriegsschiffen allerlei, selbst anscheinend
gesicherte Gegenstände gestohlen wurden, wie wäre es da wohl der
kleinen »Samoa« ergangen, wenn wir die Gesellschaft an Bord gelassen
hätten? Es wurde aber immer gut aufgepaßt, und so kamen während aller
unseren Reisen nur ein paar unbedeutende Diebstähle durch Eingeborene
vor.

Wir waren wieder einmal in offener See; unter uns tiefblaues Meer,
über uns lichtblauer Tropenhimmel, der sich an einem Morgen sogar fast
durchaus wolkenlos zeigte, was ich deswegen bemerke, weil dies in
diesem Teile der Tropen äußerst selten vorkommt. Der nicht unerhebliche
Weststrom, gegen den die »Samoa« tapfer arbeitete, ließ es Kapitän
Dallmann, im Hinblick auf den Kohlenvorrat, rätlich erscheinen, direkt
nach Mioko zurückzukehren. Aber noch blieb zur Vollendung unserer
Küstenfahrt die Strecke von Vulkan-Insel bis Kap Croissilles übrig,
und diese Lücke von lumpigen 70 Meilen durfte doch unmöglich ungesehen
bleiben. So willigte der Kapitän ein, O.-S.-O. zu steuern, nach jenen
Inseln, die sich von Vulkan, ca. 20 Meilen von der Küste, an 80 Meilen
weit nach W.-N.-W. hinziehen. D'Urville benannte sie Schouten-Inseln,
was deshalb eine Neubenennung nötig macht, weil gleichnamige Inseln an
der Küste Neu-Guineas (in Geelvinks-Bai) schon viel früher so getauft
wurden. Der Name Le Maire's, des verdienstvollen Gefährten Schouten's,
dessen Andenken bis jetzt kein Name auf der Karte Neu-Guineas ehrt,
soll deshalb die Stelle des Irrtum erregenden fortan ersetzen.

Wir hatten am zweiten Tage D'Urville-Insel gesichtet und nach und nach
kamen auch Roissy, Deblois und Jacquinot zum Vorschein, von denen die
erstere die größte und an sechs Meilen lang sein mag. Diese westlichen
Le Maire-Inseln erscheinen als dichtbewaldete, mäßig (400-600 Fuß)
hohe Bergrücken, von wenig vulkanischem Gepräge, das in Garnot schon
deutlicher hervortritt. Diese Insel bildet einen ebenfalls dicht
bewaldeten stumpfen Kegel, ca. 600 bis 800 Fuß hoch, scheint aber
keine Kokospalmen zu besitzen. Aber eine kleine Insel ca. anderthalb
Meilen Südwest davon, die ich Hirt-Insel benannte, ist fast ganz mit
solchen bewachsen und voraussichtlich stark bevölkert.

[Illustration: Insel Blosseville aus West.]

Das Bild eines typischen Vulkans zeigt Blosseville, ein steil aus dem
Meere aufsteigender, dichtbewaldeter, ca. 1200 Fuß hoher Kegel, der
immer interessanter wurde, je mehr wir ihm näher kamen. Da zeigten
sich die kahlen grünen und braunen Flecke als Plantagen, zum Teil mit
Kokospalmen, und oben am Kraterrande stand ein großes Dorf mit 20
Häusern, etwas weiter von demselben zählte ich noch zwei Siedelungen
von sechs, resp. vier Häusern. Diesen Häusern fehlten nur blinkende
Glasfenster und man würde sich in die Heimat versetzt gefühlt haben.
Das muß ein luftiges und lustiges Wohnen sein, da oben in ca. 1000 Fuß
Höhe, wenn man erst oben ist. Wie die Leute überhaupt hinaufkommen,
blieb mir unerklärlich, denn von irgend einem Pfade war, auch mit dem
Fernrohr, keine Spur zu entdecken. Wenn die andere Seite der Insel
nicht günstigere Verhältnisse bietet, dann können die Bewohner nur
in den beiden fast senkrechten Schluchten, wie in einem Schornsteine
emporklettern. Aber gesichert sind sie hier, das ist kein Zweifel,
und es wird wohl noch lange dauern, ehe ein Weißer auf diesem Hort
der Steinzeit mit Bandeisen und Glasperlen erscheint, um Civilisation
einzuführen. Schon einige Meilen West von Garnot waren wir aus
tiefblauem in scharf abgesetzt tiefgrünes Wasser gekommen und sahen
ca. zehn Meilen Südost von Blosseville einen weißen Schaumstreif
voraus, hinter dem wir an sieben Meilen durch trüb lehmbraun gefärbtes
Wasser dampften. Dasselbe rührt vom Kaiserin Augusta-, Prinz Wilhelm-
und Ottilienfluß her, die sich noch 15 Meilen von der nur schwach
erkennbaren Küste in dieser Weise kennzeichnen, Färbungsverhältnisse,
die nach dem jeweiligen Wasserstande natürlich sehr variieren. Die
Kabbelung des östlichen Schaumstreifes »kochte«, wie der Schiffer
sagt, so stark, daß Spritzwellen auf Deck schlugen, eine Erscheinung,
die wir sonst nirgends beobachteten. Treibholz[92] gab es in Menge,
darunter ganze Baumstämme, die Schiffen oft gefährlich werden können.
So geriet der »Basilisk« neun Meilen Nordwest von Lesson in ein Gewirr
von Treibholz, aus dem er mit Mühe und nicht ungeschunden herauskam. An
solchen Kabbelungen pflegen sich Scharen von Fischen zu tummeln und,
durch sie angelockt, Vögel (Sterna Bergii, Anous, Fregattvögel und
Tölpel), die sich auch gern auf Treibholz niederlassen.

Lesson-Insel, die wegen bedeckter Luft erst später zu sehen war, ist
ein getreues Abbild von Blosseville, nur bedeutend größer, an 1800 bis
2000 Fuß hoch und in der oberen Hälfte kahl. Die Wolken, welche meist
den Gipfel bedecken, lassen über die vulkanische Thätigkeit Zweifel,
aber einmal glaube ich sicher Rauch gesehen zu haben.

Noch vor Sonnenuntergang winkte uns das Feuer von Vulkan-Insel seinen
Gruß entgegen, und in der Früh des anderen Tages passierten wir
Hansastraße, welche Vulkan und die kleine Aris-Insel im Nordwesten zwei
Meilen breit trennt. Letztere Insel ist nichts als ein ca. 200 Fuß
hoher, dichtbewaldeter toter Krater, in den man an einer eingestürzten
Randstelle förmlich hineinsehen kann. Sie scheint unbewohnt, wie die
Nordwestspitze von Vulkan. Wir gingen hart längs der Westküste und
sahen die Insel in ihrer ganzen imposanten Schönheit vor uns. Als
die Maschine gestoppt wurde, konnte man die unterirdischen Kräfte
arbeiten hören, gewaltiges, immer stärker werdendes Brausen, das in
ein schwächeres Stöhnen und Ächzen überging, bis es eine Weile ganz
schwieg, um bald aufs neue zu beginnen. Das wundersame, unheimliche
Geräusch erinnerte an einen Riesenblasebalg und oben, aus der Esse, da
wälzten sich gewaltige weiße Rauchmassen; wahrlich eine unterirdische
Werkstatt der Natur, die den Beobachter mit stummer Bewunderung erfüllt.

Der stattliche, in seiner Form an den Stromboli erinnernde, aber
höhere Berg mag über 4000 Fuß erreichen und ist bis zum oberen Drittel
dichtbewaldet, am unteren Teile mit ausgedehnten grünen Flächen und
ein paar grünen Hügeln versehen. Das Bett eines alten Lavastromes, den
man bis zum Meere verfolgen kann, bildet eine gewaltige Schlucht und
weiterhin sieht man die fast senkrechte kahle Wand des gegenwärtigen
Hauptkraters, der etwas niedriger als die eigentliche Spitze liegt.
Kokospalmen und Menschen, deren Häufigkeit Schouten 1616 gedenkt,
waren nur spärlich vertreten. Denn nur an drei Stellen bemerkten wir
einige Eingeborene, die mit Zweigen winkten und uns in Kanus einzuholen
versuchten. Aber später sahen wir an der Ostseite viele Anzeichen
von Bewohntsein in Plantagen und Rauch, und die sanft abfallenden,
ausgedehnten Flächen hier werden ohne Zweifel treffliches Kulturland
bieten. Die Landungsverhältnisse scheinen übrigens nicht günstig,
und wie es in Bezug auf Wasser aussieht, bleibt noch zu ermitteln.
Da es bereits an der Westspitze von Neu-Britannien eine Vulkan-Insel
giebt, so verdient diese, um Verwechselung vorzubeugen, eine
Sonderbezeichnung. Ich nenne sie daher Hansa-Vulkan, die nordwestliche
Spitze Bremen, die südwestliche Hamburg, die nordöstliche Lübeck, zu
Ehren der altehrwürdigen Hansestädte, deren Bürger ich bin.

Stephanstraße überquerend, begannen wir die weitere Küstenreise, da
wo die Karten »Laing-Insel« verzeichnen, hinter der sich eine hübsche
Bucht mit viel Kokospalmen in der Tiefe hineinzieht. Wir hatten aber
keine Zeit, und ich mußte mich mit der Tagebuchnotiz »wäre sehr der
Untersuchung wert«[93] begnügen.

Mit Laing-Insel endet das Flachland und hinter dem dichtbewaldeten
Ufer beginnen wieder Hügelketten, deren ausgedehnte grüne Grasflächen
der Landschaft ein »liebliches und civilisiertes Aussehen« verleihen,
heißt es in meinem Tagebuche. »Urbargemachtes Land läßt auf Bevölkerung
schließen«. Wirklich erblickten wir schon in der nächsten Buchtung,
die »wahrscheinlich guten Ankerplatz bietet«[94] mehrere hübsche
Dörfer, mit oft beträchtlichen Kokoshainen. Die Küste bildet jetzt
eine sanfte Huk (»Podbielsky«: v. Schleinitz), hinter der sich eine
kleine, dicht bewaldete Buchtung, Davidabucht und eine größere Bucht
(»Prinz Albrechthafen«: v. Schleinitz) öffnet, die ebenfalls dichte
Kokosbestände und vier größere Dörfer (bis zu zwanzig Häusern) zählt.
Ihre Bewohner winkten mit grünen Zweigen und versuchten in Kanus
abzukommen, aber wir durften uns nicht aufhalten. Vor der letzten Bucht
liegen zwei kleine, bisher nicht notierte Inseln, die ich nach unserem
Maschinenmeister Nielsen-Inseln benannte. Sie sind, wie die folgenden
zwei Legoarant-Inseln, dicht bewaldet wie das Ufer, hinter dem sich
immer noch grüne, ca. 500 bis 600 Fuß hohe, Hügelketten hinziehen,
die fast nur in den Schluchten mit Gehölz bestanden sind. Aber weiter
östlich nehmen die etwas höheren Hügelzüge wieder vorherrschend
Waldcharakter an, wie die Küste selbst. Sie verläuft bis zu zwei
kleinen Inseln, welche sich jetzt voraus zeigten, in fünf sanften
Buchtungen, die vielleicht auch gute Ankerplätze geben dürften und
scheint weniger bevölkert, denn ich zählte von den Legoarants an nur
neun Siedelungen. Die erwähnten beiden Inseln schienen anfangs durch
Riff versperrt, aber wir fanden eine treffliche Einfahrt und lagen
bald darauf in einem nicht minder guten Hafen zu Anker. Er erhielt den
Namen Hatzfeldt-Hafen, die westliche Insel Mahde (»Tschirimotsch« der
Eingeborenen), die östliche Sechstroh (»Patakai« der Eingeborenen),
nach unseren Steuerleuten.

Bald hatten wir wieder einmal Kanus mit Eingeborenen, nach und
nach achtzehn, um das Schiff, immer dieselben Papuagestalten wie
überall. Aber gerade aus Humboldt-Bai kommend, erschienen mir die
hiesigen Eingeborenen doch etwas lichter gefärbt (zwischen Nr. 28
und 29, aber mehr zu 29 hinneigend). Sie unterschieden sich von den
zuletzt gesehenen Humboldtianern überdies in einem wesentlichen
Punkte, und zwar sehr vorteilhaft, durch ihr ruhiges Wesen und
musterhaftes Betragen. Da mußte wieder einmal an Bord eingeladen
werden; und erst nach vieler Mühe wagte es einer hereinzukommen in
die gute Stube, die Kajüte. Die Leute schienen aber Eisen zu kennen,
denn sie machten die Pantomime des Schneidens; doch beobachtete
ich kein einziges Stück bei ihnen. In Bekleidung (Taf. XVI. 3),
und Ausputz, wie Haar- und Bartschmuck, glichen sie ganz den bei
Laing-Insel gesehenen Eingeborenen, wie denen von Venushuk (S.
292). Aber ich bemerkte keine anderen Waffen bei ihnen als Speere,
darunter sehr reich mit Kasuarfedern und Cuscusfell verzierte. Solche
Felle, und zwar mit Schwanz und Beinen daran, dienten einzelnen als
sonderbare Kopfbedeckung. Als Brustkampfschmuck waren auch hier
große Cymbiummuscheln mit allerlei Breloques (wie T. XXIII. 1,
von Laing-Insel) das Wertvollste. Sonst erhielt ich noch schöne,
äußerst reich verzierte Brusttaschen (vergl. X. 1) und hübsche Äxte
mit Muschelklinge (T. I. 6) von Hippopus. Die Kanus weichen nur
unbedeutend von denen bei Venushuk ab. Ziernarben waren häufig, oft in
schwungvollen Schnörkeln auf Schulter und Achsel.

An Land, wohin ich bald eine Exkursion unternahm, sah es ganz
versprechend aus. Hinter dem schwarzen Sandstrande, an welchem
sich leicht landen läßt, dehnte sich ein weites, mit Hochgras und
Bäumen (hauptsächlich Pandanus) bestandenes Vorland aus, das von
dichtbewaldeten Bergen begrenzt wird, die hie und da Plantagen
zeigen. »Das Land ist sehr der Untersuchung wert« schrieb ich damals
unterstrichen in mein Tagebuch. Heute ist Hatzfeldt-Hafen eine Station
der Neu-Guinea-Kompanie, mit Versuchsplantagen, namentlich für Tabak,
auf dessen Kultur ich als besonders wichtig und versprechend wiederholt
hinwies. Die Eingeborenen boten eine Menge Blättertabak an, den sie,
wie in Port Konstantin »Kas« nannten, außerdem spärlich Kokosnüsse
(Niu). Zahlreiche Speerträger, darunter auch bewaffnete Knaben, gaben
mir das Geleit und zeigten sich ganz zutraulich. Auch hier herrschte,
wie überall in Melanesien, die unserem Geschmack wenig behagende
Umgangsform, Fremde am Arm oder der Hand zu halten. Es ist ein Zeichen
der Freundschaft, von dem ich mich aber stets losmachte, denn man
behält doch lieber die Hände frei, um wenigstens nicht ganz wehrlos
erschlagen zu werden. Die Leute wollten uns nach ihrem Dorfe haben,
das etwas östlich hinter einem Flüßchen lag, aber die anbrechende
Dunkelheit nötigte an Bord zurückzukehren. Statt nun das Boot flott
machen zu helfen, bemühten sich die Eingeborenen dasselbe festzuhalten,
wahrscheinlich aus Freundschaft, was uns nicht hinderte, die Finger zu
lösen.

Östlich von Hatzfeldt-Hafen sind die Uferberge wieder vorherrschend
dicht bewaldet, und weiter Inland wird ein höheres Waldgebirge[95]
sichtbar, das sich O.-S.-O. bis Pallas-Point und vielleicht weiter zu
erstrecken scheint. Zwischen Samoahuk und Kap Gourdon, die wie stets an
dieser Küste nur sanft gerundete Vorsprünge bilden, findet sich wieder
vorzugsweise sehr versprechend aussehendes Grashügelland, ebenbürtig,
ja vielleicht schöner als das, welches wir von Laing- bis östlich den
Legoarant-Inseln sahen. Dieser ganze Küstenstrich darf überhaupt
als der beste in ganz Kaiser Wilhelmsland bezeichnet werden, und ist
zugleich der am dichtesten bevölkerte. Ich zählte von Laing-Insel
bis etwas östlich von Kap Gourdon 35 Siedelungen und, nur so im
Vorüberfahren, neun Mündungen, allerdings meist kleiner Flüsse, so daß
auch kein Mangel an Wasser sein wird. Es dürften sich daher in keinem
Teile von Kaiser Wilhelmsland günstigere Verhältnisse für Ansiedelung
und Kulturen finden als gerade an dieser ca. 30 Meilen langen Küste,
die sich auch trefflich zu Viehzucht eignet.

Franklin-Bai ist von bewaldeten Hügelketten gesäumt, die bei
Neptun-Point sich in eine höhere, sanft ansteigende Kuppe von ca.
1500-1800 Fuß erheben, welche einige größere grüne Flecke zeigt.
Hellblau gefärbtes Wasser, vielleicht von Riffen oder Flüssen
herrührend, nötigte den Kapitän ein paarmal von der Küste abzuhalten,
so daß wir »Pallas-Point« der Karten nicht mehr deutlich ausmachen
konnten, da überdies der Abend hereinbrach. Schon bei Neptun-Point
unwirsch von einer steifen Brise aus S.-O. empfangen, hatte die »Samoa«
jetzt gegen den heftigen Weststrom anzukämpfen, welcher zwischen
Dampier und dem Festlande durch die Izumrudstraße setzt. Da die Kohlen
auf die Neige gingen, so rollte das zu leicht beladene Schiff viel
ärger als sonst. Aber das war man ja gewöhnt, und auch dabei läßt sich
ausgezeichnet schlafen, zumal in einer so kühlen Nacht als dieser mit
nur 21° R.

Bei Anbruch des Tages (23. Mai) befanden wir uns in der Nähe von
Kap Croissilles und dampften längs der Küste, um zunächst unseren
Freunden in Friedrich-Wilhelmshafen einen Besuch abzustatten. Wie beim
erstenmale ertönten dumpfe Signaltrommeln, als wir Dallmanns-Einfahrt
einliefen, aber nicht um die Krieger herbeizurufen, sondern das
freudige Ereignis »Maclay ist wieder da«! über die Inseln zu
verbreiten. Das gab wirklich ein gar herzliches Wiedersehen, wenn die
Leute bei aller aufrichtigen Freude auch nicht vergaßen an Tabak zu
erinnern. Ich besuchte natürlich zuerst die Flaggenhalbinsel. Da war
alles noch so wie damals; Kakadus kreischten in den Bäumen mit anderen
Vogelstimmen um die Wette, es fehlte nichts als die Flagge. »Ja, die
werden die Eingeborenen zu Stirnbinden oder Ähnlichem benutzt haben!«
-- Nein, da kannte ich meine guten Friedrich-Wilhelmshafener besser!
-- Sie errieten auch gleich, nach was mein Auge suchte, »Die Flagge!
ja, die hat Kuram von Bilia«, so verstand ich die Leute, »die ist
gut aufgehoben.« Und so war es auch. Da im »Szirit«, dem Rathause,
da wickelte Kuram die »Kellkell« aus einem Blätterbündel, in welchem
sie mit den hochverehrten »Tohn« (S. 105), tabu wie diese, verpackt
war. »Tabu! Nicht wahr, einen besseren Platz konnte die Flagge nicht
bekommen?«, schien sein freudestrahlendes Auge zu sagen. Und, nicht
wahr? füge ich hinzu, das würde niemand von »Wilden« erwartet haben.
Aus dem »Panu« (Dorf), dessen Anlage die Eingeborenen diesmal mit
aller Bestimmtheit erwarteten, wurde wieder nichts, -- ich mußte sie
auf später vertrösten. Wir durften uns nicht lange aufhalten, um noch
bei den anderen Freunden in Astrolabe, auf Bilibili und in Bongu
vorzusprechen, die sich nicht minder freuten, uns wiederzusehen und so
sehr zum Bleiben nötigten.

Da konnte ich noch einmal das Dschelum und den Telum Mul bewundern, für
den man ein neues Haus errichtet hatte und dann dampften wir, Nord um
Neu-Britannien, nach Mioko ab, wo die »Samoa« am 28. Mai wohlbehalten
zu Anker ging. So war denn eine Reise glücklich vollendet, deren
Hauptresultate in dem Nachweis der sicheren Befahrbarkeit einer 250
Meilen langen Küste auch für Segelschiffe, eines schiffbaren Stromes,
vier schöner Häfen und ausgedehnten kulturfähigen Landes gipfelten,
Ergebnisse, auf die wir mit Befriedigung zurückblicken durften.

Aber nun nach Haus, wo ich zur persönlichen Berichterstattung
verlangt wurde, zunächst also nach Sydney, da die »Samoa« ohnehin
einer gründlichen Reparatur ihrer Maschine bedurfte. Aber ich mußte
erst noch die Station Blumenthal auflösen, die nach der inzwischen
erfolgten Teilung Neu-Guineas zwischen Deutschland und Großbritannien
dem letzteren Reiche zugefallen war. Die Einförmigkeit des Seelebens
lag wieder vor uns, ging aber an mir, wie immer, spurlos vorüber,
da stets reichlich vorhandene Arbeit Langweile nie aufkommen ließ.
Die Beobachtung des Tierlebens raubte davon nur wenig Zeit, denn das
Tropenmeer bietet auf seiner Oberfläche nicht viel, sondern will in der
Tiefe untersucht sein.

Vögel zeigen sich meist nur vereinzelt und in wenigen Arten. Da wo
größere Scharen meist dunkler Seeschwalben (Sterna fuliginosa und
anasthaeta, Anous) sich versammeln, sind sie von anderen Seetieren
angelockt worden. Bald durch Züge von Fischen, meist Makrelen, die,
wohl infolge des Laichgeschäftes, oft in ungeheurer Menge erscheinen,
bald von Delphinen, die in »Schulen« vereint an die Oberfläche
kommen, um zu atmen. Dadurch werden unzählige kleine Meertierchen
aufgescheucht, und diese, sowie die Auswurfstoffe der großen, sind
es, welche die Seeschwalben beständig schreiend beschäftigen. Man
sieht sie dann unaufhörlich aufs Wasser niederschießen, aber von
allen Arten taucht nur Sterna Bergii wirklich unter. Fregattvögel,
welche zuweilen bei diesen Vogelversammlungen erscheinen, beteiligen
sich nicht selbst bei der Fischerei, sondern lassen die Seeschwalben
dafür sorgen, indem sie ihnen die Beute abjagen. Wie ich Fregattvögel
niemals tauchen sah, so auch niemals schwimmen, obwohl sie Schwimmfüße
besitzen. Aber die Natur scheint oft sonderbar und richtet sich
nicht nach den Systematikern und ihren Einschachtelungen. Sind schon
größere Züge von Fischen im ganzen selten, so gilt dies noch mehr
von den Meeres-Säugetieren. Den Wasserstrahl (spout) von Walfischen
und zwar des Sperm- oder Potwal (Physeter), einer Art, die früher
in dieser Region erfolgreich gejagt wurde, habe ich während diesen
ganzen Reisen nur einmal beobachtet. Häufiger waren Tümmler oder
Delphine (Delphinus), die Schweinfische (Porpoises) der Seefahrer,
darunter zuweilen eine größere dunkle Grampus-Art, deren mächtiges
Schnauben und Blasen gewöhnlich Aufregung an Bord hervorruft. Dann
wird nach dem Gewehre gegriffen, obwohl man im voraus weiß, daß die
Jagd erfolglos bleibt. Hierbei mag erwähnt sein, daß der »Delphine
liebliche Scharen« nicht die treuen Begleiter des einsamen Schiffes
sind, wie es irgendwo im Liede heißt, sondern daß sie nur für kurze
Zeit demselben zu folgen pflegen. Sie scheinen meist Eile zu haben und
steuern einen Kurs, der manchmal gerade unter dem Kiele des Schiffes
weg führt. Zuweilen halten sie sich länger an einer Stelle auf, um
zu spielen. Denn so erscheint das lustige Springen, mit denen die
mächtigen Körper sich oft überschlagend hoch aus dem Wasser schnellen;
ein gar hübsches Schauspiel. Der »Delphin« (Dolphin) der Seefahrer
hat übrigens mit dem soeben erwähnten »Delphin der Landratte« nichts
zu thun, sondern ist, wie das Attribut Neptuns, ein wirklicher Fisch
(Coryphaena equisetis) und zwar ein sehr schöner, von merkwürdiger
Gestalt und Färbung. Die Rückenseite ist goldgrün, zuweilen goldgelb,
die Bauchseite gelb, beide schön himmelblau punktiert. Dabei wechselt
die Färbung des sterbenden Fisches in wunderbar zarten Metalltönen, von
denen alle Abbildungen nur eine schwache Vorstellung zu geben vermögen.
Glücklicherweise erfreut dieser Fisch nicht nur durch sein Farbenspiel,
sondern den materiellen Menschen auch durch sein wohlschmeckendes
Fleisch und macht somit eine rühmliche Ausnahme unter den meist wenig
empfehlenswerten Südseefischen. Wir erhielten übrigens nur ein paarmal
Delphine (Coryphaena), wovon der eine drei Fuß lange sieben Pfund, der
andere vier Fuß lange aber merkwürdigerweise sechzehn Pfund wog. Im
ganzen blieben die Resultate der Fischerei überhaupt sehr hinter den
Erwartungen zurück, obwohl sich Kapitän wie Steuerleute viele Mühe
gaben und überall, wo es anging, Leine und Haken am Stern aushingen.
Abgesehen von abgebissenen oder abgerissenen Leinen blieb der wirkliche
Fang eines Fisches immer ein Ereignis. In den meisten Fällen war es
dann eine »Bonite« oder »Albacore«. So nennen die Seeleute jene großen
Makrelen oder Thunfische, von welchen die Südsee mehrere Arten besitzt,
unter denen Thynnus germo am häufigsten scheint. Wenigstens beißt er
noch am ersten an die Angel, der nur ein weißer Lappen Zeug als Köder
dient. Trotz dem trockenen Fleische bildet ein solcher Fisch in dem
ewigen Einerlei von Konserven immerhin eine erwünschte Abwechselung
und eine hübsche Zugabe der Küche. Handelt es sich doch meist um
beträchtlich große Fische, da eine kaum drei Fuß lange Bonite 18 Pfund
wiegt. Auf Grund meiner genauen zoologischen Notizen kann ich leider
über den Hai, »des Meeres Hyäne«, wenig berichten, obwohl sonst fast
jeder Seereisende nicht genug von solchen zu erzählen weiß. Aber
ich muß, wie mit Krokodilen, auch mit Haifischen Pech gehabt haben.
Denn ich bekam während unserer ganzen Reisen nur wenige Male einen
Hai zu sehen, und gefangen wurde überhaupt keiner. Wir hielten zwar
immer die Haiangel bereit, aber selbst der kleine Geselle, welcher im
Miokohafen sich häufig beim Schiffe zeigte, schien Vorsicht als Mutter
der Weisheit bereits zu kennen und vermied trotz des verlockenden
Speckstückes den Haken ängstlich. Dagegen schnappte er lustig nach
allem Eßbaren, welches nicht mit dem verräterischen Haken verbunden
war. Und die kleinen Fische, die machten es ebenso. Zu Hunderten
spielten sie oft um den Kiel, so lange wir zu Anker lagen, fraßen
alles, was über Bord fiel, aber eine Angel -- I, Gott bewahre! da
thaten sie so, als wollten sie sagen: »die kennen wir!« Ja, was solche
Kanaker, selbst unter den Fischen, nicht klug sind! Die fliegenden
Fische, welche so gern bei Nacht dem Lichtschein folgen und dadurch
nicht selten an Bord eines Schiffes aufs Trockene geraten, schienen
gegenüber der »Samoa« dieselbe Klugheit zu beobachten. Nur einige Male
konnte ich der Schiffskatze einen fliegenden Fisch abjagen. Und doch
war die »Samoa« sehr niedrig über dem Wasser und fliegende Fische,
wenn auch nicht eine tägliche, so doch häufige Erscheinung. Da mußte
ich mich denn begnügen ihre Flugübungen zu bewundern, die allerdings
ganz erstaunlich sind. Die lieben Tiere! gebraten sind sie noch besser!
»Aber Schildkröten! die muß es doch häufig geben«? fragt vielleicht
mancher, indem er dabei an »turtle soup« und »turtle steaks« als nicht
seltene Kost der Kajütentafel denkt. Ja, Schildkröten giebt es gewiß in
Menge; die wären auch nicht verachtet worden, sicher nicht, wenn wir
nur welche bekommen hätten. Aber, halt! da ist eine Schildkröte! --
und damit verschwindet ein dunkler Fleck im Wasser. Das war alles, was
wir gelegentlich von dem leckeren Suppentier zu sehen, aber nicht zu
schmecken bekamen.

»Schiff voraus!« -- hieß es plötzlich, als wir, von Trobriand
herunterkommend um Kap Ventenat dampften. Und wirklich, da, hinter
dem Gallow-Riff bei den Lydia-Inseln, zeigte sich ein Schiff und
ein Dampfer dazu; das zweite Fahrzeug, welches wir überhaupt in See
antrafen. Da wurde geguckt, und Gläser und Fernrohr gingen aus einer
Hand in die andere, denn jeder wollte ja die seltene Erscheinung
betrachten. Der Dampfer hielt recht auf uns zu, und als er näher
kam, konnte man viele braune Gestalten an Deck sehen, Eingeborene.
Sollte es ein Labourtrader sein? Aber das Schiff war zu groß und
führte die Queensland-Flagge. Auch Weiße lehnten an der Reiling und
als wir in Sprechweite waren, schallte es »Welcher Name?« in Englisch
herüber. »Deutscher Dampfer »Samoa«!« -- »Woher?« -- »Von Mioko,
Neu-Britannien!« -- »Ist Doktor Finsch an Bord?« -- »Yes!« -- Da ging
ein Boot zu Wasser, das bald fünf Herren in Civil längsseit brachte;
alles fremde Gesichter. Aber der in Uniform, mit der goldbordierten
Mütze, der am Steuer saß, den mußte ich schon gesehen haben! Und
richtig, es war mein Freund Mr. Chester, der frühere Police-magistrate
von Thursday-Island, unter dessen gastlichem Dache ich gewohnt hatte.
Das war ein unerwartetes Wiedersehen, sollte aber nicht das einzige
bleiben. Denn Mr. Romilly, den ich in Cooktown kennen zu lernen das
Vergnügen hatte, ließ mich an Bord der »Victoria« einladen, da er
wegen eines Fußübels kein Boot besteigen konnte. Dort erwartete mich
eine neue Überraschung. »Doctor! you sabi me?« (kennen Sie mich?)
sagte ein Kanaker, indem er mir die Hand reichte. »Halloh! Charly
Tett von Honolulu!« -- Ob ich ihn kannte, diesen biederen Matrosen,
der mich vor drei Jahren, damals »Kapitän« der »Mairi«, auf der
Fahrt von Port Moresby in Torresstraße nahezu ertränkt hatte. Nicht
wahr, wie merkwürdig sich zuweilen Menschen nicht bloß auf der Terra
firma, sondern sogar auf dem Wasser begegnen können! -- Die meisten
der Herren waren übrigens Reporters australischer Blätter, die über
mich schon gar manches, nicht eben empfehlendes, geschrieben haben
mochten. Dem »German East-Cap settlement«, das in den Kolonien soviel
Staub aufgewirbelt hatte, galt natürlich die erste »interview«. Wie
viele Soldaten dort wohl seien? ob Kanonen? und ähnliche Fragen
stürmten auf mich ein. Die Jünger der Presse brauchten nicht viel
aufzuschreiben[96]. Sie machten sehr verwunderte Gesichter, als sie
hörten, daß das ganze »settlement« (Niederlassung) nur aus zwei Weißen
bestehe, die wir unterwegs waren, abzuholen, was vollends beruhigte.

Das Kanakergewimmel an Bord der Victoria bestand wirklich aus
Arbeitern, befreiten Sklaven. Die traurigen Enthüllungen beim Prozeß
gegen das Werbeschiff »Hopeful« (S. 275) schrieen so laut zum Himmel,
daß die Regierung einer genaueren Untersuchung der Verhältnisse
nicht länger ausweichen konnte. Dabei stellte sich heraus, was ja
längst jedermann wußte, daß, trotz der »Agenten für Einwanderung«,
viele Eingeborene nicht besser als gestohlen waren. Diese Opfer
des gewerbmäßigen Kidnappertums, 400 an der Zahl, wurden nun, sehr
zum Mißvergnügen der Pflanzer, nach ihrer Heimat zurückbefördert.
Und diesmal unter den Augen des »acting special commissioner for
New-Guinea« (Romilly), also jedenfalls sicher, was sonst bei solchen
Rücktransporten nicht immer der Fall zu sein pflegt. Wir begegneten
später am Ostkap verschiedenen Befreiten, welche, trotz der reichen
Geschenke von seiten der Regierung, auf Queensland nicht gut zu
sprechen waren. Und das konnte man ihnen gewiß nicht verdenken. So
ein paar Jahre Sklaverei lassen sich nicht so leicht wettmachen.
Freilich erschienen die Leute jetzt als vollendete Gentlemen, die in
Schuhen zwar erst wieder laufen lernen mußten, aber sie hatten auch
vierzehnzöllige Messer zum Andenken erhalten. Damit läßt sich schon
etwas anfangen, bei Massacres gegen Weiße, wobei solche Freigelassene
gewöhnlich Rädelsführer spielen.

Blumenthal schien ausgestorben, und ich hegte schon allerlei
Befürchtungen. Aber glücklicherweise war Hunstein und sein Gefährte
bis auf etwas Fieber, das in jenen Regionen ja selten ausbleibt,
wohlauf. Die Kühe hatten sich vortrefflich gehalten, aber die Schafe
waren sämtlich, vermutlich am Genuß giftiger Pflanzen, eingegangen.
Weniger erfreulich lauteten die Nachrichten über die Eingeborenen,
welche sich nach Weggang der »Samoa« keineswegs als nette Kerle
erwiesen, wie dies häufiger vorkommt. Zu so viel Waren gehörten
eben mehr als zwei Weiße. Vor allem hatte der Reichtum von ein paar
hundert Pfund Tabak die Habsucht der Eingeborenen gereizt, die einen
Einbruch versuchten und untereinander bereits von Anzünden der Station
wisperten. Aber ein Mann mit Hunsteins Erfahrungen wußte auch mit
solchem Gesindel ohne Schießerei fertig zu werden. Übrigens war
nur eine Minderzahl Eingeborener durch Gomira Taga, den Schneider,
aufgereizt worden. Der Anstifter dieser feindlichen Pläne kam jetzt
heran und begrüßte mich unter Freudenthränen des Wiedersehens, denn
solches Schauspielertalent im Verstellen geht selbst Kanakern nicht ab.
Ich that natürlich, als wenn ich von nichts wüßte, und es herrschte
ein brüderliches Einvernehmen wie früher. Als aber nach der Kopra
auch die übrigen Vorräte an Bord geschafft wurden, da machten die
Eingeborenen lange Gesichter und suchten alles aufzubieten, um uns
zu halten. Bei den meisten war die Betrübnis eine aufrichtige, denn
jeder sah wohl ein, daß ihnen ein großes Brot von der Hänge fiel. Da
richtete sich denn der Ärger gegen Taga, den Anstifter des Übels, und
die Verwünschungen gegen ihn nahmen kein Ende. Während ich den guten
Gomira Tohodo und andere Getreue zum Abschiede beschenkte, hielt ich
dem Schneider eine Standrede. Da kam viel von: papoi (schlecht), itanem
(stehlen), numa (Haus), Hihiaura, anahiri majau (anzünden), hirage
(totschießen) u. s. w. vor, eine Rede, die sehr wohl begriffen wurde,
denn noch am selbigen Abend rissen die Männer von Hihiaura, die guten
wie die schlechten, mit Kind und Kegel aus. Sie hatten eben ein böses
Gewissen und fürchteten wahrscheinlich, ich würde Hihiaura noch vor
der Abreise in Flammen aufgehen lassen. Aber diese Drohung hatte doch
soviel genützt, daß Kapitän Dallmann bei einem viel späteren Besuche
Blumenthal unversehrt fand.

So schieden wir, unter Zurücklassung der Rinder, die inzwischen ohnehin
halbverwildert, wahrscheinlich noch zu Stammeltern wilden Rindviehs in
Ost-Neu-Guinea werden dürften.

Am 4. Juli trafen wir in Cooktown ein, um die Post und Kabeltelegramme
aufzugeben und setzten dann die Reise südlich fort. Aber vor Townsville
brach etwas an der Maschine und nötigte einzulaufen. Da gerade ein
Dampfer nach Sydney bereit lag, so nahm ich Abschied von der »Samoa«,
auf welcher ich über 11000 Meilen Südsee durchgekreuzt hatte. Und somit
enden die »Samoafahrten!« -- Kaioni!



Register.


  Aa, Robidé van der, 289. 341

  Aarsau, 315. 319

  Aarschau, Insel, 315

  Abumtau Gabiang, 175

  Actitis hypoleucos, 183

  Adenanthera pavonina, 345

  Adolphshafen, 153

  -- Eingeborene, 154

  Agaun, Schnitzerei, 102

  Ahnenfiguren, 49. 75. 175

  Aimaka, 73

  Aimé-Kuppe, 342

  Albacore, 374

  »Albatross«, Kanonenboot, 141

  Albatrosse, 18

  Albino, 240. 302

  Albrechtfluß, 322

  Alexander-Spitze, 342

  Alligator Point, 151

  Aly-Insel, 98

  Ambush-Point, 148

  Amphlett-Inseln, 209

  Anessau, Landzunge, 350

  Angra Pequeña, 142

  Angriffshafen, 336

  -- Eingeborene, 336. 340

  Anker-Insel, 230

  Annie-Inlet, 238

  Anous, 31. 366. 373

  -- stolidus, 18

  Anse de l'attaque, 335

  Anwerben von Arbeitern, 24

  Arbeiter, befreite, 376

  Archipel der zufriedenen Menschen, 71. 85

  Areca, 59

  Arimoa-Inseln, 348

  Aris, Insel, 367

  Arnoldfluß, 329

  Aroani, Insel, 262. 269

  Astrolabe-Bai, 31

  -- Bevölkerung, 67

  -- Eingeborene, 43. 88

  »Astrolabe«, Kriegsschiff, 31. 288


  Babelsbergstraße, 328

  Baie Française, 21. 201

  Bampton-Insel, 264

  Baragom, Dorf, 271

  Barla, 47

  Bartle-Bai, 243

  Barum, 48

  Basilisk-Bucht, 148

  -- Gebirge, 243

  -- Gorge, 126

  -- Insel, 274

  »Basilisk«, Kriegsschiff, 117

  Basiraki, Insel, 278

  Bastianfluß, 329

  Batissa angulata, 339

  -- Finschi, 294

  -- violacea, 339

  Baubau, 268

  Baudissin, Graf, 141. 329

  Baudissin-Huk, 329

  Baudouin, Dr., 34

  Baumhaus, 160. 271

  Bayern-Bucht, 158

  Beautemps-Beaupré, Berg, 20

  Beccari-Cove, 352

  Bêche de mer, 275

  Begräbnisse, 176

  Belcher, Sir Edward, 318

  Bemalen, 89

  Bentley-Bai, 238. 250

  -- Eingeborene, 234

  Berlinhafen, 328

  Berthold, Aventure von, 33

  Bertrand, Insel, 320

  Bessels-Huk, 304

  Betel, 59. 60

  Bevölkerung, geringe Neu-Guineas, 246. 250

  Bienenkorb, Berg, 128

  Bilia, Insel, 98. 104. 372

  Bilibili, Insel, 32. 72. 75

  -- Eingeborene, 72. 81

  Bismarck-Archipel, 7. 20. 193

  -- Eingeborene, 26

  -- Handel im, 23. 24. 26

  -- Massacres im, 24

  -- Mission im, 171

  -- Plantagen im, 22

  -- Schiffsverkehr im, 197

  Bismarck-Gebirge, 117

  Blanche-Bai, 23

  Bleichröderfluß, 148

  Blosseville, Insel, 365

  Blumen, 96

  Blumenthal, Station, 255. 377

  Bogadschi, Dorf, 32. 70. 71

  -- Eingeborene, 71

  Bogati, Dorf, 32. 70

  Bongu, Dorf, 38. 45

  Bonite, 374

  Borstenkopfpapagei, 316

  Bougainville, Berg, 335

  Bremen, Spitze, 367

  Breusingfluß, 322

  Broken-Water-Bay, 297

  Brown, George, 25

  Buambrambra, 47

  Buceros ruficollis, 95

  Buchner-Bucht, 304

  Bumifluß, 184


  Cacatua Triton, 95. 181

  -- Trobriandi, 208

  Canar, Herr, 34

  Cape King William, 127

  Caprivifluß, 300

  -- Eingeborene, 300

  Carica papaya, 233

  Carpophaga poliura, 95

  -- spilorrhoa, 76. 95. 125

  Catamaran, 231. 282

  Catharine-Island, 238

  Chads-Bai, 239

  -- Eingeborene, 240

  Chaetodon, 103

  Challenger-Cove, 351. 361

  Chalmers, James, 195. 234

  Chas, Insel, 278

  Chester, Herr, 376

  Chinastraße, 273

  Cholera, 289

  Christfest in den Tropen, 211

  Cinnamomum Kiamis, 317

  Clydefluß, 148

  Coconut-Island, 139

  Collingwood-Bai, 248

  Colomb-Insel, 85

  Colonie libre du Port Breton, 33

  Cooktown, 286

  »Coquille«, Kriegsschiff, 288

  Coriz Pik, 188

  Cornelis Kniers-Bai, 296

  Corvus orru, 36. 95

  Coryphaena equisetis, 374

  Coturnix sinensis, 125

  Cracticus Quoyi, 95

  Cretin-Inseln, 181

  Croissilles, Kap, 371

  Croix, de la, Baron, 34

  Crokisius, Kapit. z. S., 199

  Cromwell, Berg, 127

  Crown-Insel, 30

  Cyclopgebirge, 341. 350

  Cypraea lynx, 317


  Däumlinge, Inseln, 335

  d'Albertis, 194

  Dallmann, Eduard, 6

  -- -Einfahrt, 94. 98. 371

  -- -Fluß, 123

  -- -Hafen, 304

  Dallmann-Hafen, Eingeborene, 306

  -- -Kap, 300. 304

  -- -Straße, 304. 319

  Dampier, William, 112. 190

  Dampier-Insel, 30. 113. 114. 115

  -- Eingeborene, 114

  Darnley-Island, 263

  Dasem, Versammlungshaus auf Tiar, 101

  Dasyptilus Pequeti, 316. 324

  Davidabucht, 368

  Dawson, Lieutenant, 222

  Dawsonstraße, 222

  Deaf Adder-Bay, 154

  Death Adder-Bay, 154

  Deblois, Insel, 364

  Delphine, 18. 103. 373

  Delphinus, 373

  d'Entrecasteaux, 154. 210

  d'Entrecasteaux-Inseln, 210

  Deportation, 116

  Deutsche Handels- u. Plantagen-Gesellschaft, 21. 22

  Deutschland-Hafen, 164

  Dick, Lehrer, 270

  Diën, Lehrer, 263

  Dimdim, 274

  Dinner-Insel, 274

  -- Eingeborene, 277

  Diomedea culminata, 18

  -- exulans, 18

  -- melanophrys, 18

  Discovery-Bai, 273

  Disraeli, Berg, 120

  Diwarra, 102

  Dolphin, 374

  Dorcopsis luctuosus, 125

  Dove-Bucht, 304

  Drachenfels, 243

  Dreger-Hafen, 161

  Dreger, Hauptmann, 100

  Dreißig-Inseln, 85

  Dschelum, auf Bilibili, 73. 74

  Dsiár, Insel, 101

  Duau, Insel, 282

  Duchesse-Insel, 221

  Dudemain-Insel, 328

  Dumont d'Urville, 31. 288

  Duperrey, 288

  D'Urville-Insel, 304. 314

  Dyke-Acland-Bai, 250


  East-Cap settlement, deutsches, 376

  Eberhauer, zirkelrunde, 91

  Echidna, 325

  Echinodermata, 275

  Eckardtsteinfluß, 298

  Eclectus, 56. 123. 324

  -- polychlorus, 95. 208

  Edelpapageien, 123

  Eickstedt-Insel, 98. 104

  Eingeborene, Betrachtungen über, 168;
    Civilisation schwierig, 169. 259;
    Decenz, 107;
    Gastfreundschaft, 311;
    Hang zum Stehlen, 71. 168;
    Humanität, 138;
    Kochkunst, 259;
    Krankheiten, 43;
    Kulturpflanzen, 57. 109;
    Leben, tägliches, 258;
    Mahlzeit, 311;
    Moral, 81. 169;
    Plantagen, 56. 79. 130. 227. 243. 247. 269.;
    -- Verkehr mit, 64. 260;
    Waffen, 77. 178. 271. 293. 300. 318. 324

  Einsiedelei-Point, 65

  Elephantiasis, 43

  Elisabeth-Bucht, 86

  »Elisabeth«, Korvette, 140

  Engineer-Gruppe, 279

  English-Cove, 201

  Eos fuscata, 125

  Erub, Insel, 263

  Eßbare Erde, 295. 346

  Ethnologisches, 88. 90. 91. 213. 235. 282. 316. 325. 338

  »Etna«, Kriegsschiff, 348

  Eukalypten, 98

  Excellent Point, 239

  Eyries, Mount, 335


  False-Island, 159. 161

  Faraguet-Insel, 328

  Farbige Missionslehrer, 263

  Farrell, Thomas, 21. 22. 27

  Ferguson, Kapitän, 34

  Fergusson, Insel, 262

  Festungs-Huk, 129

  -- Eingeborene, 130

  Fieber, 135. 142

  Fieberluft, 96

  Fingerspitze, 241

  Finisterre-Gebirge, 32. 120

  Finschhafen, 162. 164. 192

  Finsch-Kap, 164

  Finschküste, 320

  Fische, Gobiusartige, 184

  -- von Holz, 102

  Fischel-Insel, 86

  Fischfallen, 282

  Fischfang, 99. 256. 374

  Fischhaken, 104

  Fischkonserve, 334

  Flaggehissen in Finschhafen, 167;
    Friedrich-Wilhelmshafen, 110;
    Konstantinhafen, 66;
    Mioko, 140;
    Matupi, 140

  Flaggenhalbinsel, 109. 167

  Fliegende Hunde, 144. 150

  Fliegende Fische, 18. 375

  Flierl, Missionär, 163

  Flöten, heilige, 357

  Flowerspitze, 244

  Flyfluß, 194

  Follenius-Insel, 100

  Forestier-Insel, 29

  -- Eingeborene, 29

  Fortification-Point, 129

  Franklin-Bai, 371

  Franz-Insel, 101

  Französische Inseln, 28

  Frauen, Papua-, 107. 236. 309. 355

  Fregattvögel, 31. 366. 373

  French-Inseln, 28

  Frerichs, Dr., 142

  Freshwater-Bai, 234

  Friedenszeichen, 119. 157. 295. 302

  Friederichsen-Buchtung, 336

  Friedrich-Wilhelmshafen, 92. 99. 371

  -- Eingeborene, 107

  Fürst Hohenlohe-Langenburg, 327


  Gabiang, große Holzfigur, 175

  Gabinafluß, 118

  Gänse, 285

  Galgenriff, 221

  Gallow-Riff, 376

  Garnot, Insel, 364

  Gatessi, 39

  Gauß-Bucht, 304

  Gebirge, in Goodenough-Bai, 242;
    -- an der Maclayküste, 118. 127;
    -- in Traitors-Bai, 152

  Gelbe Bäume, 32. 119. 129

  Gelbes Dorf, 32. 70

  Geologisches, 81. 123. 144

  Giebacht-Insel, 114

  Gihara, Dorf, 273

  Gladstone, Berg, 120

  Glockenfels, 278

  Göschenstraße, 221

  Götzen, 49. 307. 312. 316

  Götz-Insel, 98

  Gold, 197. 216. 222

  Goldie, Andrew, 210

  Goodenough-Bai, 243

  -- -Insel, 229

  Gorima-Huk, 71

  -- -Fluß, 72

  Goßlerfluß, 332

  Goulvain-Insel, 223

  -- Eingeborene, 223

  Gräber, 176. 218. 238. 280

  Grager, Dorf, 87

  -- Eingeborene, 88

  Grager, Insel, 86

  Grampus, 373

  Gressien-Insel, 304. 314

  Gronemann-Insel, 85

  Guap, Insel, 315

  -- Eingeborene, 315. 318

  Guido Cora-Huk, 320

  Guilbert, Insel, 320

  Gumbu, Dorf, 65. 117

  Guntowa Mana, 71

  Gutheil-Bucht, 220


  Haar, kolossales, 157. 326

  Haarpflege, Bongu, 39

  Haartracht, Teste, 283

  Haarzöpfe, 294

  Häuser, d. Eingeborenen, 174. 227. 237. 251. 271. 279. 307

  Hagenaarshoek, 349

  Hai, 375

  Haifischfang, 207

  Haliaetus leucogaster, 95. 123

  Haliastur girrenera, 95

  Hamburg-Spitze, 367

  Hammacherfluß, 298

  -- Eingeborene, 298

  Handel, im Bismarck-Archipel, 22. 23

  Handelsstationen, 23. 24

  Hansabucht, 134. 368

  -- Eingeborene, 134

  Hansastraße, 367

  Hansa-Vulkan, 367

  Hansemann, Adolph von, 5. 153

  Hansemann-Berge, 71.  99

  Hansemann-Küste, 298

  Hatzfeldt-Hafen, 369

  -- Eingeborene, 369

  Hausbau, in Konstantinhafen, 66

  Haushuhn, 54

  Hayter-Insel, 274

  Heath-Insel, 274

  Hemiramphus, 103

  Henderson-Insel, 23

  Herbertfluß, 307

  Herkules-Bai, 145

  Herkulesfluß, 146

  -- Eingeborene, 147

  Herzog York-Inseln, 21

  Hihiaura-Bucht, 251

  -- Eingeborene, 251. 378

  Higäbei, Dorf, 271

  Higiba, Dorf, 271

  Hirt-Insel, 365

  Holnicote-Bai, 250

  Holothuria, 275

  Holothurien, 165. 301

  Homo sapiens, 228

  Holzschnitzereien, 48. 74. 102. 175. 357

  Holzschüsseln, 109

  Humboldt-Bai, 342. 347, 350

  -- Bevölkerung, 361

  Humboldt-Bai, Eingeborene, 351

  Hund, Papua-, 53

  Hunde, Wichtigkeit der, 291

  Hundezähne, 89

  Hunstein, Karl, 194. 196. 255. 260. 378

  Huon-Golf, 154. 158

  -- Eingeborene, 159

  »Hyäne«, Kanonenboot, 136. 166


  Ichthyosis, 43

  Idande, Missionslehrer, 285

  Ingros, Dorf, 361

  Ingwer, 317

  Inlandreisen, bisherige, 194

  -- Schwierigkeiten, 195

  Irish-Cove, 201

  Iris Point, 119

  Ipunessa, Missionslehrer, 274

  Isle Brûlante, 112

  »Izumrud«, Kriegsschiff, 31

  Izumrudstraße, 371


  Jacquinot, Insel, 364

  Jagd, in Urwäldern, 182

  Jambom, Insel, 85

  Jannasch-Bucht, 304

  Janus-Eiland, 361

  Jenkins-Bai, 274

  Joestfluß, 329

  Jullien, Berg, 297

  Junggesellenhäuser, 75

  Juno Point, 100


  Kaaram Tamo, 64

  Kabakadai, 141

  Kabbelung, 291. 366

  Kabua, Lebon, 186

  Känguru, 51. 125

  Kaffeeplantage, 22

  Kaibol, Dorf, 209

  Kaikai, 208

  Kairu, Insel, 314

  Kaiserin-Augustafluß, 298

  -- Eingeborene, 297

  Kaiser-Wilhelms Land, 7. 66. 193

  Kakadu, 37. 95. 123. 181

  Kannibalismus, 24. 131. 226. 233. 273. 285

  Kant-Spitze, 120

  Kanuhaus, 224. 271

  Kanus der Eingeborenen, 64. 83. 180. 209. 213. 282. 294.
                             303. 309. 319. 322. 332. 336

  Kanzel, Berg, 128

  Kap Ann, 133;
    Bonpland, 341. 348;
    Caillié, 342. 348. 349;
    Campbell, 191;
    Concordia, 355;
    Cretin, 159. 160. 188;
    Croissilles, 112;
    Dallmann, 300. 304;
    Dawson, 229;
    de la Torre, 297;
    Denis, 209;
    Duperré, 113;
    Eintracht, 341;
    Finsch, 164;
    Frere, 242. 243;
    Gauffre, 190;
    Glocester, 189;
    Gourdon, 370;
    Juno, 99;
    Killerton, 250;
    Kusserow, 85;
    Mourilyan, 228;
    Nelson, 249;
    Orford, 133;
    Pierson, 219;
    Prevost, 221;
    Raoul, 190;
    Rigny, 118;
    Sud-Est, 250;
    St. George, 204;
    Ventenat, 219;
    Vogel, 247;
    Ward Hunt, 150

  Karan-Riff, 332

  Karkar, 112

  Kasadekaua, 279

  Kaskadefluß, 320

  -- Eingeborene, 321

  Kawa, 61

  Kebole, Dorf, 209

  Kermadec, Huon, 154

  Keutrinken, 61

  Ki-Bucht, 155. 158

  Kilkerran, Berg, 210. 228

  Killerton-Inseln, 262

  King-nuts, Kokosnüsse, 225

  Kirärauchen, 268

  Kirvirai, Insel, 204. 209

  Kleinhändler, 23. 24

  Kleinschmidt, Theodor, 24. 27

  Klubhäuser, 75

  Koch-Insel, 98

  König-Insel, 85

  Koiäri, 243. 257

  Kokosnüsse, große, 219

  Kolonie, französische in Neu-Irland, 201

  Konstantinhafen, 44

  -- Eingeborene, 44

  Kopra, 23. 25

  Kopragebiet, 221. 229. 270. 328

  Korallformation, 123

  Korendu, Dorf, 65

  Krähenwürger, 95

  Krauel-Bai, 300

  Kreuz, südliches, 211

  Kriegsgesang-Huk, 147

  Krokodiljagd, 184

  Kühe, 378

  Kürasse, 337

  Kulala, Insel, 282

  Kulturflecke, 99

  Kulturpflanzen, eingeführte, 61

  Kuper-Kette, 158


  Labourtrade, 24. 29. 137. 199

  -- Greuel der, 191. 275

  Lagrandiere, Insel, 209

  Lagunenfluß, 329

  Laing, Insel, 368. 371

  Lakiliki-Bai, 34

  Lamassa, Insel, 139

  Lamprotornis metallicus, 358

  Langemack-Bucht, 188

  Langemack, Kapit.-Lt., 136. 166

  Langenburg-Spitze, 327

  Lapar-Point, 328

  Lavinia-Bai, 201

  Lederkopf, 36. 95

  Legoarant-Inseln, 368

  Le Maire-Inseln, 30. 364

  Lemtshug-Point, 119

  Lesson-Insel, 291. 366

  Likelike-Bai, 137. 201

  Lindemanfluß, 322

  Logia, Insel, 274

  Lombom, Insel, 138. 201

  Long-Insel, 188

  -- Eingeborene, 189

  Longuerue-Insel, 154

  Lorius erythrothorax, 95

  Loto, 234

  Lottin, Insel, 126. 189

  Low-Islands, 162

  Luard-Inseln, 144. 145

  Lübeck-Spitze, 367

  Lüderitzland, 142

  Lusancay-Lagune, 210

  Lydia-Inseln, 221. 376


  Mac Farlane, Reverend, 197

  Maclay, Frau, 51

  Maclayküste, 117. 120. 132

  -- Eingeborene, 125. 127

  Maclay, von Miklucho, 31. 51. 64. 65. 196

  Madang-Insel, 164

  Märtyrer, 264

  Magdalenen-Inseln, 351

  Mahde-Insel, 369

  Maire, Jacob le, 289. 296

  Mais, 295

  Maivara, Dorf und Insel, 273

  Makrele, 103. 374

  Mana, 67

  Mann des Mondes, 64

  Manucodia Comrii, 228

  Maragano, König von Lombom, 201. 204

  Maragum-Huk, 118

  Markhamfluß, 158

  »Marie«, Kriegsschiff, 199

  Marsap, Fest, 87

  Masken, 312

  Masoirinde, 317

  Massacre in Kalau, 264

  -- der »Mioko«, 137

  Massacres in Neu-Britannien, 138

  Massilia, 334

  -- Eingeborene, 333

  Mausoleum-Insel, 35

  Mathilden-Inseln, 351

  Matupi, 23

  Meerfall, 128

  Meerschwalben, 18. 31

  Meeuwen-Eiland, 349

  Mekinley-Insel, 273

  Melonenbaum, 233

  Meneses, de, 195

  Menschenfresser, 131

  Menschenschädel, 131

  Mera, Berg, 348

  Merari-Insel, 262

  Meta-Insel, 304

  Metelik, 137

  Meyer, A. B., 195

  Miklucho-Maclay, von, 117

  Milne-Bai, 270

  -- Eingeborene, 273

  Milvus melanotis, 95. 257

  Mimeta, 95

  Mioko, Insel, 21. 197

  -- Schuner, 137

  Mission, 171. 193;
    Erfolge der, 266;
    Krieg, 25;
    Londoner, 263;
    Rückgang der, 26;
    Sonntag in der, 267;
    Lehrer, 27. 261. 265. 266;
    Stationen, 262. 264. 270. 277. 285

  Mita, Dorf, 270

  Mitrafels, 150

  Mohrenkönig, Geschichte vom, 187

  Monitor, 175. 316

  Moresby-Archipel, 221. 273. 278

  Moresby-Insel, 278

  Moresby, Kapitän, 117. 205

  Moru, Flaggenhalbinsel, 167

  Mosaikglasperlen, antike, 348

  Mulua, Insel, 282

  Mun, großer Tanz, 68

  Murray, Rev., 285

  Murua-Insel, 282

  Muschu, Insel, 314

  Muskiet-Eiland, 349

  Mutter, Berg, 20


  Nachtigal, Dr., 142

  Nachtigal-Bucht, 304

  Nachtigall, Neu Guinea-, 95

  Nasenreiben, 209

  Nashornvögel, 95

  Native-Häuser, 253

  Nelson-Gebirge, 249

  Neptun-Point, 371

  Neritina, 311

  -- petiti, 339

  -- rhytidophora, 339

  Neu-Britannien, 20

  -- Eingeborene, 141

  -- Ostküste, 190

  -- Südküste, 133

  Neu-Guinea-Kompagnie, 7. 192

  Neu-Irland, 20. 192

  Neu-Lauenburg, 21

  Neumayerfluß, 334

  Neu-Mecklenburg, 20

  Neu-Pommern, 20

  Nicotiana tabacum, 58

  Nielsen, 6. 291

  Nielsen-Inseln, 368

  Nissel, Durchfahrt, 199

  Noddies, 18

  Normanby-Insel, Nordseite, 222

  -- Südostküste, 219

  -- Eingeborene, 212. 215

  North Foreland, 273

  Nouvelle France, 33. 201

  Novosilsky-Point, 117

  Nuakarau, Dorf, 225

  Nusa, Insel, 191


  Örtzen-Insel, 100

  Ornithoptera aruensis, 183

  Ostkap, 230. 262

  Ostrea, 124

  Ottilienberg, 153

  Ottilien-Fluß, 297

  Otto-Riff, 210

  Owen Stanley-Gebirge, 152. 243


  Pagrus, 103

  Palaugeld, 348

  Pallas-Point, 371

  Pandanusfaser, 236

  Papageien, 37. 95

  Paples-Insel, 273

  Papua, Frauen, 39. 257;
    Haar, 40;
    Hautfärbung, 42;
    Körpermessungen, 340;
    Physiognomien, 92;
    Rassenmerkmale, 40;
    weiße, 42

  Paradiesvögel, 95. 149. 270

  Paradisea apoda, 96

  -- decora, 228

  -- Finschii, 325

  -- minor, 325

  -- Raggiana, 270

  Pâris, Insel, 315

  Parkinson, 26. 191. 198

  Parsi-Landzunge, 155. 158

  Parsihuk, 156

  Passier-Point, 327

  Patakai, Insel, 369

  Petermannfluß, 320

  Petersvögelchen, 19

  Pfahldörfer, 121. 330. 353

  Phaëton aethereus, 19

  Phalangista orientalis, 302

  Phocaena, 103

  Physeter, 373

  Pierson, Kap, Eingeborene, 219

  Pilzkorallen, 218

  Pinarolestes, 95

  Pinna nigra, 282

  Pocken, 43. 351

  Podbielsky-Huk, 368

  Polynesische Wörter, 77

  Pomone-Huk, 320

  -- -Point, 314

  Porlok-Bai, 249

  Port Alexis, 100

  Port Breton, 200. 201. 203

  -- Eingeborene, 204

  Port Constantin, 31. 36

  -- Eingeborene, 36

  Port Konstantin, 68

  Port Praslin, 204

  Port St. Joseph, 201

  Possession-Bay, 274

  Potsdam-Hafen, 368

  -- -Insel, 368

  Powell, Wilfred, 21. 70. 121. 124. 185. 191. 281. 297. 327. 328. 370

  Prevost-Gebirge, 221

  Prinz Albrechthafen, 368

  Prinz Alexandergebirge, 304

  Prinz Friedrich Karl-Hafen, 100

  Prinz Heinrich-Hafen, 98

  Prinz Wilhelm-Fluß, 297

  Procellariidae, 19

  Psoriasis, 43

  Pteropus melanopogon, 145

  Ptilopus, 123

  Ptilopus aurantiifrons, 269

  Ptilotis sonoroides, 269

  Puffinus, 19

  Pyramidenhügel, 245


  Rabardy, Kapitän, 201. 203

  Rabe, 36

  Rabun, Dorf, 307

  Ralum Plantation, 21. 22

  Ratzelfluß, 334

  Raubvögel, 95

  Rawlins-Point, 155

  Rawlinson-Gebirge, 158

  Rays, Marquis de, 21. 33. 200

  Réaumur, Berg, 188

  Reiss-Huk, 336

  Rekrutieren Eingeborener, 198

  Religion, 50

  Rich-Insel, 30

  Richie-Island, 150

  Rifle bird, 183

  Rindvieh, 51. 254. 379

  Ritter-Bucht, 304

  Robertson & Hernsheim, 22

  Robidé-Huk, 341

  Robinson, ein wirklicher, 36

  Robinson, Sir Herkules, 146

  Rogia, Insel, 274

  Roissy, Insel, 364

  Romilly, 31. 37. 116. 376

  Rook-Insel, 126. 181. 189

  Rotshoek, 350

  Russisch, in Konstantinhafen, 62


  Saddel-Island, 154

  Sago, 80

  Sahl-Huk, 304

  Sainson-Inseln, 328

  Salankaua, Halbinsel, 166

  Salz, 257

  Samárai, Insel, 274

  Samoa-Cove, 349

  Samoa, Dampfer, 6. 7. 21. 372

  Samoahafen, 158

  Samoahuk, 370

  St. Georgs-Kanal, 20

  Sanssouci-Insel, 328

  Sapa-Point, 320

  Sareuak-Buchtung, 119

  -- Eingeborene, 119

  Sariba, Insel, 274

  Sáriwa, Insel, 274

  Sassafras goesianum, 317

  Sa-ulo, König, 37

  Schädel, auf Goulvain, 225

  Schafe, 254. 378

  Schering, Halbinsel, 94

  -- Kapitän z. S., 140

  Schildkröten, 375

  Schildpattarmbänder, 316

  Schlangen, 183

  Schleinitz, Freiherr von, 155. 161. 368

  Schmarotzer-Milan, 257

  Schmetterling, größter, 183

  Schneider-Hafen, 161

  Schopenhauer-Spitze, 120

  Schouten-Inseln, 364

  Schouten, Willem, 289. 296

  Schulle, Friedrich, 22. 34. 191

  Schutzgebiet, Größe des deutschen, 98

  Schwalbensturmvogel, Lebensweise, 19

  Schwein, 228. 326

  Schweinfische, 373

  Sclaterspitze, 244

  Sea-slug, 275

  Sechstroh, Hinrich, 6

  Sechstroh-Insel, 369

  Sechstrohfluß, 342

  -- Eingeborene, 343

  Seegurken, 275

  Signaltrommel, 48. 101

  Simbang, Missionsstation, 193

  Singor, Dorf, 120

  Singvogel, 59. 269

  Skobeleff-Insel, 100

  »Skobeleff«, Kriegsschiff, 51

  Slavante-Eiland, 361

  Small-Bai, 239

  -- -Island, 220

  Solitary-Island, 154

  Spermwal, 373

  Spatel, verehrte, 105

  Spondylusplättchen, 215

  Sprachverschiedenheit, 109

  Spree, Fluß, 148

  Sprotten, 257

  Ssuam, Dorf, 172

  Stangentabak, 58

  Station, Bau einer, 252

  Steinäxte, 63. 315. 339

  Steinkohlen, 200. 202

  Stephanstraße, 368

  Sterna anasthaeta, 31. 373

  -- Bergii, 123. 366. 373

  -- fuliginosa, 18. 373

  Stirling-Kette, 231

  Strafexpeditionen, 139. 204.

  Strömungen, 161. 319

  Sturmvögel, 19

  Suau, 281

  Südkap, 281

  Südtochter, Berg, 20

  Sula fusca, 31. 123

  »Sulphur«, Kriegsschiff, 318

  Sus niger, 52

  Sus papuensis, 52

  Sus, Pfahldorf, 127

  Syma torotoro, 183

  Szelambiu, Insel, 35

  Szirit, Versammlungshaus auf Bilia, 105


  Tabak, 58

  Tabu, 50. 75. 106

  Tabuhaus, 47. 73. 101. 102. 105. 309. 355

  Tachypetes, 31

  Tätowierung, 255. 277. 284. 361

  Tagai, 322

  -- Eingeborene, 322

  Tagorëua, Dorf, 238

  Talegallus, 38

  Talismane, 312

  Tamate, 234

  Tami-Inseln, 181

  Tanysiptera, 183

  Tauchersturmvogel, 19

  Thompson, Mt., 243

  Tauschhandel, 24. 26. 62. 282. 330

  Teachers, 27. 261. 263

  Tebog, Dorf, 87

  Teliata, Dorf, 121

  Teliata-Huk, 117. 121

  Telum, 48. 75

  Temperatur, 20. 125. 341. 371

  Terrassenland, 121. 123. 124

  Teste-Insel, 278

  -- Eingeborene, 283

  Tevalib, 118

  Thalassidroma grallaria, Lebensweise, 19

  Thirty Islands, 98

  Thorspeckenfluß, 332

  Thynnus germo, 374

  Tiar, Insel, 98. 101

  Tierleben in See, 18

  -- an der Maclayküste, 123

  -- ozeanisches, 373

  Timsau, Insel, 361

  Tobadi, Pfahldorf, 352

  Toberinge, Häuptling, 141

  Tölpel, 31. 366

  Töpfe, 181. 307

  Töpferei, 82. 281

  Tohn, verehrtes Instrument, 105

  Torre, Bernardo de la, 292

  Torricelli-Gebirge, 327

  Totenverehrung, 132

  Totes Riff, 218

  Trader, 23. 24. 261

  Trafalgar, Berg, 249

  Traitors-Bay, 147

  Trauerschmuck, 255. 283

  Treibholz, 291. 297. 366

  Trichoglossus Massenae, 95

  Tridacna, Kunstarbeiten aus, 303

  Tripang, 275. 276

  Trobriand, Insel, 205

  -- Eingeborene, 206

  Trommeln, 309

  Tropidorhynchus, 36

  -- Novae Guineae, 93

  Tropikvögel, 19

  Tschas, Insel, 278

  Tschirimotsch, Insel, 369

  Turc-Red, 29

  Tupinier, Insel, 189

  Twist, 58


  Überfall, vermeintlicher, 38

  Ulebubu, Insel, 225

  Unei, Insel, 320

  Ungimé-Bucht, 158

  Ungrau, Pfahldorf, 352

  Urapotta, Insel, 274

  Urbarmachen, 56

  Urwald, 97


  Vecht, von der, 289

  Vegetation, 149

  Venus-Huk, 291

  -- Eingeborene, 292

  Verbrecherkolonie, 116

  Verräter-Bai, 147. 148

  »Victoria«, Dampfer, 376

  Victory-Berg, 249

  Village-Island, 121

  »Vitiaz«, Korvette, 31. 117

  Vlaken Hoek, 296

  Vogel, Sir Julius, 247

  Vogelleben, 36. 94. 149. 182

  Vulkan, Insel, 291. 366

  Vulcano, Insel, 189

  Vulcano-Island, 190

  Vulkanus, Insel, 296


  Wackenthon, 281

  Waffen, 77. 293. 300. 318. 324

  Wagawaga, Dorf, 273

  Walfische, 373

  Waldbucht, 127

  Wallis-Insel, 138. 201

  Wappenschild, holländisches, 360

  Ward-Hunt-Straße, 247

  Warsong-Point, 147

  Wasilaki, Insel, 278

  Wasserhose, 190

  Wasserfälle, 242

  Weberhafen, 191

  Weihnachtsbucht, 211

  Welle, Insel, 211

  Werbeschiffe, 26. 198. 274

  Western Pacific Plantation and Trading Co., 22

  Wetterleuchten, 86

  Whitecliff, 129

  Wildschweine, 52

  Willaumez, 28. 191

  Windstillen, 21

  Woodlark-Insel, 282


  Xanthomelus aureus, 325


  Yams, 280


  Zahnpulver, 178

  Ziegen, 51

  Ziernarben, 333

  Zierpflanzen, 61

  Zigarren, der Eingeborenen, 59

  Zodiakallicht, 286


                 Druck von _August Pries_ in Leipzig.



Fußnoten.


[1] Die noch jetzt in Diensten der Neu-Guinea-Kompagnie thätige »Samoa«
ist ein sehr stark gebautes, hölzernes, gekupfertes Schiff. Nach dem
Flaggenattest wurde es 1883 in Tomalei (Neu-Süd-Wales) erbaut; die
Länge beträgt 121, die Breite 21, die Tiefe 8 Fuß (engl.), der Raum 111
Tons reg. (= 164 groß), die Maschine hat 35 Pferdekraft (nom.).

[2] Da in Sydney Schiffsoffiziere deutscher Nationalität nicht
immer zu haben sind, so hatte Kapitän Dallmann gleich einen ersten
Steuermann, Hinrich Sechstroh aus Warfleth an der Weser und einen
ersten Maschinist, Laars Nielsen aus Flensburg, mitgebracht. Die übrige
Mannschaft (zweiter Steuermann, zweiter Maschinist, Koch, 4 Matrosen,
3 Heizer und ein Junge) zusammen 14 Personen, (mit Ausnahme eines
Matrosen) alles Deutsche, wurde in Sydney angemustert.

[3] Bisher wurden von mir nur publiziert: 1. Die kurzen Berichte in
„Nachrichten über Kaiser Wilhelms-Land‟ (2. 3. u. 4. Heft 1885); 2.
Sechs Aufsätze in der „Gartenlaube‟ (1886 No. 5, 11, 21 u. 1887 No.
18, 28 u. 33); 3. Ein Aufsatz in „Über Land u. Meer‟ (No. 19, 1888).
-- Das dankenswerte Interesse des Herrn Verlegers hat die trefflichen
Holzschnitte aus den obigen Artikeln der Gartenlaube (von A. v. Rößler)
durch Erwerbung für dieses Buch zu sichern gewußt.

[4] Vergl. „Katalog der ethnologischen Sammlung der
Neu-Guinea-Compagnie, ausgestellt im Kön. Museum für Völkerkunde‟
(Berlin 1886) und dasselbe „Katalog II‟.

[5] Alle Entfernungen sind nach Seemeilen, 4 = 1 geogr. Meile gerechnet.

[6] Powell läßt dieses Schiff gleich „3 Monate‟ lang gegen den Strom
ankämpfen, um eine Distanz von 20 M. zu überwinden.

[7] Vergleiche meine Original-Mitteilungen, die in den „Hamburger
Nachrichten‟ unter dem Titel „Aus dem Pacific. IX. Neu-Britannien‟ (30.
Juni, 1., 2. u. 4. Juli) erschienen.

[8] Vergl. „Menschenfresser in Neu-Britannien‟: Illustrirte Zeitung 17.
November 1883 mit Bild.

[9] Über diesen wie über Handel und dessen Produkte überhaupt
vergleiche meine Abhandlung: „Über Naturprodukte der westlichen
Südsee besonders der deutschen Schutzgebiete‟, welche das 7. Heft der
„Beiträge zur Förderung der Bestrebungen des Deutschen Kolonialvereins‟
(1887) bildet.

[10] Nach Parkinson wurden im Bismarck-Archipel von englischen und
deutschen Werbeschiffen allein 2200 Eingeborene weggeführt, vergl.:
„Der Bismarck-Archipel‟ S. 35, sowie die übrigen, nicht eben sehr
erfreulichen Erfahrungen des Verfassers hinsichtlich der „Labourtrade‟.

[11] Vergl. Parkinson l. c. S. 90, 91.

[12] „Turc-Red‟ ein dünnes hochrotes Baumwollenzeug, wovon die
englische Elle (Yard) in Sydney ca. 25 Pf. kostet; sehr beliebtes und
unentbehrliches Tauschmittel für die Südsee.

[13] Über seinen zweiten siebenzehnmonatlichen Aufenthalt (1876 u.
77) an dieser Küste hat der Reisende bis jetzt so gut als nichts
publiziert. Vergl. Petermanns Geograph. Mitteilungen 1878 S. 407.

[14] Die kurzen Tagebuchnotizen von Romilly in „The Western Pacific
and New Guinea‟ (221-230) sind noch das beste; Powell (Proc. R. Geogr.
Society London 1883 S. 511) sagt so gut als nichts.

[15] Ein anderes Souvenir jener traurigen Gründung handelte ich von
einem Eingeborenen ein. Es ist die rot und weiß seidene, mit Goldborten
verzierte Fahne des „4^{me} Bataillon‟ der Armee von Port Breton, die
wie der ganze Freistaat nur auf dem Papier existierte.

[16] Eine wahrheitsgetreue Darstellung dieser wie der übrigen traurigen
Expeditionen giebt das interessante Buch: „L'aventure du Port Breton
et la Colonie libre dite Nouvelle France. Souvenirs personnels et
documents par A. Baudouin, Médecin de la 4e Expédition (Paris, Maurice
Dreyfous, Éditeur).‟ Der Leser, welcher jene Gebiete auch nicht aus
eigener Anschauung kennt, wird schwer begreifen, wie Frankreich einen
solchen Unfug, welcher so viel Unglück herbeiführte, überhaupt dulden
konnte.

[17] Ausführliche Mitteilungen finden sich in meinen: „Anthropologische
Ergebnisse einer Reise in der Südsee und dem malayischen Archipel in
den Jahren 1879-1882‟ (Berlin, A. Asher & Co. 1884).

[18] Vergl. „Zeitschrift für Ethnologie‟ Jahrg. 1883. S. 205-208.

[19] Es kann nichts Praktischeres geben als diesen Tabak, welcher
vollständig unsere Scheidemünzen ersetzt, aber gar sehr von dem bei uns
gebräuchlichen abweicht. Twist hat die Form einer dünnen flachen Stange
Siegellack und bildet eine fest zusammengepreßte schwarze Masse, welche
mit einem scharfen Instrumente auseinander gebrochen werden muß. Jedes
Stück besteht aus zwei übereinander geflochtenen Hälften, läßt sich
also leicht teilen. Auf das Pfund werden 22 bis 26 Stücke gerechnet.
Der Preis beträgt in Sydney (ohne Steuer) ca. 1 Mk. 8 Pf., in Mioko 3,
in Neu-Irland und anderen neuen Plätzen 8 Mark!

[20] Dieselbe ist seitdem gegründet worden (Juni 1886).

[21] Wilfred Powell (l. c. S. 511) hat Astrolabe-Bai wohl nicht recht
kennen gelernt, wenn er meint, sie würde einen „guten Hafen‟ abgeben.

[22] „440 Meter‟ deutsche Admiralitäts-Karte. -- Wo nicht, wie hier,
besonders bemerkt, sind die Höhenangaben nur nach Schätzungen.

[23] Sehr ähnlich ist das von Guppy abgebildete „Tambu-Haus‟ auf der
Insel Santa Anna in den Salomons.

[24] Zum Beispiel „Manu‟ Vogel; „Niu‟ Kokosnuß; „Mata‟ Auge; u. a. m.

[25] Die südlich von derselben ist „Gronemann‟-, die nördliche
„König-Insel‟ genannt worden. Vergl.: „Annalen der Hydrographie etc.
Herausgegeben von dem Hydrographischen Amt der Admiralität‟. 1885. Heft
IV. T. 7.

[26] Vergl. Finsch: „Abnorme Eberhauer, Pretiosen im Schmuck der
Südseevölker‟ in: Mitteil. der Anthropol. Gesellsch. in Wien, Band
XVII, 1887, Taf. VI.

[27] In der Kartenskizze von Hauptmann Dreger (Nachrichten aus Kaiser
Wilhelmsland. Heft II 1887) ist dieser Hafen ca. 3 M. südlicher
verzeichnet; zwischen diesem und Prinz-Heinrichs-Hafen noch ein neuer:
Prinz-Friedrich-Karl-Hafen.

[28] Auch Kapit. z. S. Schering bemerkt: „Kap Duperré ist gar nicht
vorhanden‟ und ich weiß nicht aus welchen Gründen Hauptmann Dreger
„K. Duperré‟ an Stelle von K. Kusserow setzt, da es nach der engl.
Admiralitäts-Karte doch 4 Meilen nördlicher verzeichnet ist.

[29] Die Regierung beeilte sich diesen Wunsch zu erfüllen und bis zum
Jahre 1868 wurden nahezu 10000 Sträflinge der Kolonie als willkommene
billige Arbeitskräfte zugeführt.

[30] Herr Romilly, der im Jahre 1881 mit dem Kriegsschuner »Beagle«
Astrolabe-Bai besuchte, gehört zu diesen wenigen, wie er mir selbst
erzählte.

[31] „Discoveries and Surveys in New Guinea etc. of H. M. S. Basilisk.
By Capt. John Moresby‟ (London 1876).

[32] Wie von Maclay mitteilt, ist dies thatsächlich der Fall gewesen.
Vergl. „Petermanns Geogr. Mitteil. 1878 S. 408‟.

[33]

  Disraeli:  11000′: Moresby; 6118 Meter!: Friederichsen.
  Gladstone: 11400′     "   ; 5725   "           "


[34] Wilfred Powells Darstellung (l. c. S. 510) als dehnten sich die
Terrassen bis zum Finisterre-Gebirge („15000′‟ hoch) aus, ist eine
durchaus irrige. Ebenso finden sich keine „granite boulders‟ an der
Küste.

[35] So ist es in diesem Terrassenlande wohl kaum möglich „eine
beträchtliche Distanz inland zu reisen‟ wie Powell gethan haben will,
wo er „Bewässerungsanlagen aus Bamburöhren‟, Häuser in beträchtlicher
Anzahl, in „Bienenkorbform‟ fand (l. c. S. 510). Wer aber
Neu-Britannien kennt und Powells Buch („Wanderings in a wild Country‟),
der wird sich nicht mehr über die abenteuerlichsten Angaben wundern,
denn die famosen Geschichten, wie die Eingeborenen Knochenbrüche
behandeln (S. 165) und den „künstlichen Zähnen aus Perlmutter‟ (S. 166)
wird wohl jedermann für lustige Münchhauseniaden halten. Man vergl.
auch: Parkinson „Im Bismarck-Archipel‟ S. 39, 58 und 63.

[36] Nach denselben ist dieser Boden „als ein an Humus, Stickstoff,
Kali, Kalk- und Phosphorsäure sehr reicher anzusehen‟.

[37] Powell (l. c. p. 510) läßt dieselben von „slaves taken in battle
from the inland tribes‟ bearbeiten, aber von Inland kann hier kaum die
Rede sein, und Sklaverei ist bei den Papuas Neu-Guineas wohl überhaupt
noch nicht beobachtet worden.

[38] Sehr im Widerspruch damit bemerkt Powell (l. c. p. 510): „they
shout and sing, making warlike gestures, with their spears, bows and
arrows and tomahawks‟! Das habe ich nirgends gefunden und „Tomahawks‟
besitzen die Eingeborenen überhaupt nicht.

[39] Maclay erwähnt nur an einer Stelle: „das Gebiet der
Menschenfresser Erempi‟, in der Nähe von „Cap Croissilles‟, das ich
selbst nicht kennen lernte.

[40] Wie ich später von Kapitän Dallmann erfuhr, dürfte ca. 11 Meilen
Ost von Teliata voraussichtlich ein „guter Hafen‟ vorhanden sein.

[41] Man kann ermessen, was dabei herauskommt, wenn jemand auf solche
dürftige Angaben hin eine Länderbeschreibung wagt, wie z. B. Meinicke
(„Die Inseln des Stillen Ozeans‟ I. S. 134-136).

[42] Nach den mir durch einen „Pionier-Trader‟ im Jahre 1880 in
Neu-Britannien gewordenen statistischen Notizen wurden in der Periode
der ersten Niederlassung weißer Händler von 1875 bis Ende 1880 im
ganzen dreizehn Morde durch Eingeborene verübt. Davon an zwei Weißen,
offenbar wegen Raub, an fünf Weißen infolge Provokation, an zwei
Weißen auf Anstiften und im Auftrage von Weißen, an vier farbigen
Missionslehrern (Teachers); nur die letzteren sind verzehrt worden,
aber keiner der Weißen. In derselben Zeit wurden übrigens an Bord von
Schiffen fünf Morde, meist von farbigen Schiffsleuten untereinander
begangen.

[43] Identisch mit „Richie-Isl.‟ von d'Entrecasteaux, welches dieser
Seefahrer 1793 für eine Insel hielt.

[44] „Deaf-Adder-Bay‟ auf der englischen Admiralitätskarte.

[45] Die trefflichen Untersuchungen des Freiherrn von Schleinitz
haben in der That eine Menge guter Buchten und Häfen nachgewiesen.
Vergl. „Nachrichten über Kaiser Wilhelms-Land‟ I. Heft 1887 nebst
„Kartenskizze von Huon-Golf‟.

[46] Seitdem vom Freiherrn von Schleinitz besucht und „Bayern-Bucht‟,
die folgende „Samoahafen‟ benannt.

[47] Es ist wohl nur ein Druckfehler, wenn Moresby im Text zu seinem
Reisewerke (S. 284) die Höhe zu „9000 Fuß‟ angiebt.

[48] Hier sind später vom Freiherrn von Schleinitz zwei Häfen (Dreger-
und Schneider-Hafen) entdeckt worden.

[49] An der Nordwestküste von Holländisch Neu-Guinea giebt es auch ein:
„Kap Finsch‟.

[50] Man vergleiche u. a.: Parkinson „Im Bismarck-Archipel‟ (1887,
S. 60), wonach in jenem Gebiete in sieben Jahren im ganzen 215
Eingeborene, die beiläufig 350000 Mk. kosteten, bekehrt wurden.

[51] Als ich u. a. zeigte, wie die geschmackvollen Kniebinden (vergl.
Atlas Taf. XVIII, F. 2) getragen werden, bemerkten Seine Majestät: „Ja,
die haben ja schon ordentlich einen Hosenbandorden!‟

[52] „Wanderings in a wild Country‟ (S. 202).

[53] Dampier sah am 24. März 1700 nur Vulcano-Island in Eruption, aber
Powell spricht 1879 oder 1880 von: „innumerable vulcanos small and
large, all in violent eruption; land seemed all fire‟ (Wanderings S.
230). Ja, der trifft allenthalben etwas Besonderes!

[54] Ist keine Insel, sondern eine Halbinsel, wie Herr v. Schleinitz
neuerdings nachwies.

[55] Ähnlich ging es Parkinson in Bezug auf den „good sized
freshwater-lake, with a small Island in the centre‟, welchen Powell im
Innern der Gazelle-Halbinsel beschreibt, und welcher sich nur als ein
„Tümpel von ca. 8-10 Meter Durchmesser‟ erwies. (Im „Bismarck-Archipel‟
S. 61).

[56] Vergl. Finsch und Meyer: „Vögel von Neu-Guinea‟ (Zeitschr. f. die
gesammte Ornithol. 1885. S. 369-373).

[57] Die telegraphische Nachricht, daß in Huon-Golf Gold gefunden sei,
hat sich als irrig erwiesen.

[58] Parkinson (Im Bismarck-Archipel S. 31) erhebt gegen dieses Schiff,
wie andere deutsche, schwere Anklagen wegen Gewaltthätigkeiten gegen
die Eingeborenen und führt Fälle an, die in der That empörend sind, und
leider noch 1883 vorkamen.

[59] Ausführlicher hierüber in der „Kölnischen Zeitung‟ (Nr. 192, 13.
Juli 1885) „Der Unfall der Glattdeckkorvette »Marie«‟.

[60] r und l sind in den meisten Papuasprachen gleich, da viele kein r
aussprechen können.

[61] l. c. S. 265, aber hier an unrichtiger Stelle und zu früh notiert.

[62] Nach Moresby längs dieser ganzen Küste von Ostkap bis Kap Vogel
zwischen 500 und 600 Faden.

[63] Die Koiäri, Bergbewohner des Innern von Port Moresby, sind sehr
begierig nach Salz, gebrauchen es aber nicht als Speisewürze, sondern
mehr im Sinne einer Delikatesse. In ähnlicher Weise gedenkt von
Miklucho salzwasserdurchtränkten Holzes, welches bei den Bewohnern von
Astrolabe-Bai beliebt ist.

[64] Powell (l. c. S. 267) erzählt den Fall und das Ende von Kapitän
L..., der schließlich von einem Trader erschossen wurde, ganz der
Wahrheit gemäß

[65] Wie schlecht es den unzureichend versorgten Teachers zuweilen
ging, darüber berichtet Moresby (l. c. S. 35).

[66] Das Massacre in Kalau (Hood-Bai), wobei zwölf der Mission
angehörige Farbige von den Eingeborenen gespeert wurden, fand viel
später (März 1881) statt, nachdem die Mission längst hier gefestigt
war, und hatte seine besonderen Ursachen.

[67] So mußten u. a. die vier im Inneren von Port Moresby errichteten
Stationen wieder aufgegeben werden und zwar nicht wegen „Wildheit‟ der
Eingeborenen, sondern weil sich dieselben zu teilnahmslos zeigten.

[68] Die Abbildung bei Powell (l. c. S. 9) ist ganz unrichtig.

[69] Vergl. auch Moresby l. c. S. 165.

[70] Eine große Küsten-Kartenskizze (Maßstab 1 = 300000) ist nach
meinen Materialien von dem talentvollen Kartographen Louis von der
Vecht in Berlin gezeichnet, aber bisher nicht publiziert worden. Da
die »Samoa« fast ununterbrochen nahe der Küste dampfte, so konnten
schon deshalb die bisherigen Aufnahmen vielfach berichtigt und Lücken
ausgefüllt werden, wenn auch für spätere Kartierung noch viel zu
thun bleibt. Aber man darf nicht vergessen, daß wir nur eine erste
Rekognoszierungsfahrt machten, und unsere Navigateure nur zehn Punkte
nach Peilungen bestimmen konnten. Findlay's „South Sea-Directory‟
verzeichnete damals aber für ganz Neu-Guinea nur 38 astronomische
Aufnahmen, darunter eine für diesen Teil der Küste.

[71] Von d'Urville nach dem spanischen Seefahrer Bernardo de la Torre
benannt, der übrigens mit der Entdeckung Neu-Guineas nichts zu thun
hatte.

[72] Ein solcher Korb ist weiter zurück abgebildet, aber aus Versehen
des Zeichners einem Manne von Guap in die Hand gegeben.

[73] In einem Tragbeutel fand ich später ein kleines, 7 cm langes Stück
verrostetes Bandeisen von einer Kiste.

[74] Ottilien-Fluß des Freiherrn von Schleinitz, dem mit Hauptmann
Dreger die genauere Aufnahme der Küste von Irishuk bis Kap de la Torre
zu verdanken ist. (Nachrichten aus Kaiser Wilh. Land 1887. Heft II).

[75] Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Alexander von Preußen zu
Ehren benannt.

[76] Von Cinnamomum Kiamis oder Sassafras goesianum.

[77] In meinem ersten Reiseberichte („Nachrichten für und über Kaiser
Wilhelmsland‟ Oktoberheft 1885) hat sich hinsichtlich der geograph.
Lage dieses Punktes ein bedauerliches Versehen eingeschlichen. Auf
S. 11 wird nämlich Guido Cora-Huk als östlich der Sainson-Inseln
angegeben, während die betreffende Stelle des Textes, in
Übereinstimmung mit der Karte, auf S. 10 hinter „Sapa Point‟ folgen
sollte.

[78] Nach dem hochverdienten Präsidenten des Deutschen Kolonialvereins
Fürst Hermann zu Hohenlohe-Langenburg.

[79] l. c. S. 512, übrigens die erste Erwähnung eines Punktes an der
ganzen ca. 140 Meilen langen Küste von Broken Water-Bay an. Von den
Eingeborenen wird nur gesagt, daß sie zu glauben schienen, die Fremden
wären von der Sonne herabgekommen.

[80] Nach Graf Baudissin, damals Kapitän-Leutnant an Bord S. M. S.
»Albatross«.

[81] Powell (l. c. S. 513) erwähnt von dieser Küste Segel, die in
der Ferne „den Flügeln eines fliegenden Fisches‟ ähneln, sowie den
reichen Ausputz an Schnitzerei und Muscheln der Kanus. Ich habe davon
ebensowenig etwas gesehen, als von den ausgezeichneten Häfen, dem
Reichtume an Kokospalmen und Muskatnußbäumen, von denen Powell spricht.

[82] „Weil sich hier dem Schiffe (Astrolabe) 20 Piroguen, jede mit drei
bis acht bewaffneten Leuten, näherten und von der vordersten ein Pfeil
auf das Schiff entsendet wurde. Eine Gewehrsalve und ein Kanonenschuß
trieben die Böte zur sofortigen Flucht‟. (Lindeman in Geogr. Blätter
1888, S. 358).

[83] Einige vierzig Messungen, die ich an Papuas der Südostküste
machte, ergaben für Männer 1,52 bis 1,78 m, (Frauen: 1,39-1,49 m); in
Astrolabe-Bai für Männer 1,47-1,62 m.

[84] Nach dem ausgezeichneten Kenner Neu-Guineas Robidé van der Aa im
Haag.

[85] Vergl. Abbild. (S. 17): rechts Kapitän Dallmann, links Sechstroh.

[86] „Neu-Guinea und seine Bewohner‟ (Bremen 1865).

[87] Nach qualitativer Untersuchung des Herrn Venator in Trier besteht
die etwas fettig, wie getrockneter bläulichgrauer Thon aussehende Masse
aus: „vorherrschend Magnesia, Eisenoxyd, Thonerde, Kieselsäure und
Spuren von Kalk und Phosphorsäure‟. Sie dient den Eingeborenen übrigens
nicht als Nahrung, sondern als Leckerei, die allerdings nicht nach
unserem Geschmacke ist.

[88] „Journ. des Mus. Godefroy‟ Heft IV, S. 49 T. II. --
Unbegreiflicherweise erklärt Kubary dieses „Geld‟ als „natürliche
Emaillen‟! als wenn die Natur irgendwo farbige Mosaikglasperlen
hervorbrächte.

[89] Die Höhe desselben ist mit 6000 Fuß zu hoch angegeben und beträgt
wohl nicht mehr als 4000.

[90] Im Reisewerk der Etna-Expedition, wie so manches, übertrieben zu
90 Häusern angegeben, wofür in der engen Buchtung schon der Platz fehlt.

[91] Es wurde am 6. September 1883 durch die Expedition des Dampfers
Sing Tjin errichtet und auf Janus-Eiland an einen „Tjamarabaum‟
genagelt.

[92] Powell fischte aus solchen gleich Kampferholz auf.

[93] Herr v. Schleinitz, dem die genaue Aufnahme dieser Küste von Kap
Gourdon bis zum Augustafluß zu verdanken ist, benannte sie „Hansabucht‟
(vergl. Nachrichten über Kaiser Wilhelmsland Heft II 1887, mit Karte
von Hauptmann Dreger).

[94] „Potsdam-Hafen‟: von Schleinitz. Am Eingange, liegt die kleine
„Potsdam-Insel‟, die auf meiner ersten Kartenskizze (Nachrichten etc.
Heft IV. 1885) unrichtig verzeichnet ist.

[95] Wenn Powell (l. c. S. 512) die Küste nördlich von Astrolabe- bis
Broken-water-Bay als „hoch und steil; mit zahlreichen Bergströmen und
Kaskaden, welche Hauptzüge derselben bilden‟ beschreibt, so wird man
mit Recht zweifeln können, ob er sie überhaupt gesehen hat. Auch fehlt
„terrace formation‟ hier durchaus.

[96] Sie hatten es aber doch gethan; denn später las ich Berichte im
„Sydney Morning Herald‟ über dieses Zusammentreffen, die recht schön,
aber nicht eben wahrheitsgetreu ausgeschmückt waren. Da sollte ich
große Vorräte an Schnaps und Waffen (natürlich für die Eingeborenen)
in Blumenthal gehabt haben und dergleichen Unsinn mehr. Ich war
das aber von der australischen Presse, die sich damals viel mit
mir beschäftigte, bereits gewohnt. So wurde in der „Geographischen
Gesellschaft‟ in Melbourne einmal berichtet, ich hätte ganz Neu-Guinea
für eine Flasche Rum gekauft.



Anzeigen.


                         Probe der Abbildungen

                                 aus:

                            [Illustration]

                               Marshall,

                      Die Tiefsee und ihr Leben.

                      (Siehe die folgende Seite.)


            Verlag von _Ferdinand Hirt & Sohn_ in Leipzig.


In Vorbereitung befindet sich für den Herbst d. J.:

                      Die Tiefsee und ihr Leben.

               Nach den neuesten Quellen dargestellt von

                           William Marshall,

                 Professor an der Universität Leipzig.

                     Mit sehr vielen Abbildungen.


Folgende ältere Werke seien geneigter Beachtung empfohlen:

                    Die Expedition des Challenger.

               Eine wissenschaftliche Reise um die Welt.

             Von ~W. Spry~, deutsch von ~H. von Wobeser~.

      _Mit 12 Tonbildern, 35 Abbildungen im Text und Reisekarte._

                    Geheftet 12 M., gebunden 14 M.


                 Nach den Victoriafällen des Zambesi.

                          Von ~Eduard Mohr~.

Mit Porträt des Verfassers, vielen Illustrationen in Holzschnitt und
Farbendruck, Karte und einem kommerziellen und astronomischen Anhang.

2 Bände. Geheftet 20 M., gebunden 24 M.


                       Die Eingeborenen Süd-Afrikas,

                _ethnographisch und anatomisch beschrieben_
                   von Prof. ~Gustav Fritsch~, Dr. med.

  Mit zahlreichen Holzschnitten, größtenteils nach
  Originalphotographien und Zeichnungen des Verfassers, 20 lithogr.
  Tafeln mit Abbildungen von Skelettteilen etc. und einer Karte der
  Wanderungen der südafrikanischen Völkerstämme.


                                Hierzu ein

        ☛ ~Atlas~, enthaltend 60 in Kupfer radierte Porträtköpfe. ☚

                  Preis der beiden Bände (gebunden) 75 M.


                 Verlag von Ferdinand Hirt in Breslau.

  ~Kutzen, Prof. J., Das deutsche Land~ in seinen charakteristischen
  Zügen und seinen Beziehungen zu Geschichte und Leben der Menschen.
  _Dritte_ Bearbeitung von Prof. Dr. ~Koner~. Geh. 8 M. Geb. 10,50 M.

  ~Delitsch, Prof. Dr. O., Deutschlands Oberflächenform.~ Versuch
  einer übersichtlichen Darstellung auf orographischer und
  geologischer Grundlage zu leichterer Orientierung im deutschen
  Vaterlande. Mit 3 Karten. 1,60 M.

  ~Avé-Tallemant, Dr. R., Wanderungen durch die Pflanzenwelt der
  Tropen.~ 4 M.

[Illustration: Probe der Abbildungen aus ~Stevens, Um die Erde auf dem
Zweirad~. II. Teil (Schluß)

  (Siehe die folgende Seite.)
]


Verlag von _Ferdinand Hirt & Sohn_ in Leipzig.


[Illustration:

  _Probe der Abbildungen_
  aus
  Brassey, Familienreise.
]


  Reiseschilderungen der Weltumseglerin Lady Annie Brassey,

  für das deutsche Publikum bearbeitet von ~A. Helms~:

  ~Eine Familienreise von 14000 Meilen~ in die Tropen und durch
  die Regionen der Passate. Mit 290 Abbildungen u. 7 Karten. In
  Prachtband 8,50 M. Geheftet 6,60 M.

  ~Sonnenschein und Sturm im Osten.~ Seefahrten und Wanderungen vom
  Hyde-Park zum Goldenen Horn. In Prachtband 8,50 M. Geheftet 6,60 M.

  ~Eine Segelfahrt um die Welt.~ _Pracht-Ausgabe._ Gebunden 15 M.
  Geheftet 12 M. -- _Billige Ausgabe. (Fünfte Auflage.)_ Gebunden
  8,50 M. Geheftet 6,60 M.

☛ Die Schriften der kürzlich auf hoher See verstorbenen kühnen
Weltumseglerin ~Lady Brassey~ sind auch in Deutschland nicht
minder günstig aufgenommen worden, als in England. Die inhaltliche
Gediegenheit, wie auch die vornehme Ausstattung haben diese, in vielen
Auflagen vorliegenden Bücher allenthalben in den gebildeten Familien
heimisch gemacht.


  Schriften von ~P. G. Heims~, Kaiserl. Marinepfarrer.

  Unter der Kriegsflagge des Deutschen Reichs.


Erste Reihe:

  ~Rund um die Erde.~ Bilder und Skizzen von der Weltreise S. M. S.
  »Elisabeth« (1881-1883). Mit mehreren Karten der Reise. ~Zweite~
  Aufl. Sehr reich gebunden 8 M., geheftet 6 M.


Zweite Reihe:

  ~Kreuzerfahrten in Ost und West.~ Bilder und Skizzen von der Reise
  S. M. Kreuzer-Corvette »Nymphe« (April 1884 bis Oktober 1885). Sehr
  reich gebunden 8 M., geheftet 6 M.


  Seespuk.

  Aberglauben, Märchen u. Schnurren.

  In Seemannskreisen gesammelt u. bearbeitet.

  Illustriert von ~Joh. Gehrts~.

  Reich gebunden 6 M., geheftet 4,50 M.

☛ Das außergewöhnliche Erzählertalent des Marinepfarrers ~Heims~ dürfte
genugsam bekannt sein. Seine Schilderungen sind wahr und lebenstreu
und verdienen wegen ihres für Jung wie Alt belehrenden Inhalts die
allgemeine Beachtung.


In dritter (unveränderter) Auflage liegt folgendes, originelle
Reisewerk bereits vor:

  Um die Erde auf dem Zweirad.

  Nach dem Englischen des ~Th. Stevens~,
  übersetzt von Dr. ~F. M. Schröter~.

  Teil I: ~Von San Francisco nach Teheran.~ Mit Porträt des
  Verfassers und vielen Abbildungen im Text. Reich gebunden 8,50 M.

  Teil II (Schluß): ~Von Teheran nach Jokohama~ wird in Kürze zur
  Ausgabe gelangen.

[Illustration:

  P. SKELTON.

  ~Schloß Windsor.~
  Verkleinerte Abbildung aus ~Brennecke, Alt-England~.
  (Siehe die folgende Seite.)
]


Verlag von _Ferdinand Hirt & Sohn_ in Leipzig.


  In mehr als 13,000 Bänden hat folgendes _Prachtwerk_ bereits
  Verbreitung gefunden:

                             Nordland-Fahrten.

[Illustration]

  Malerische Wanderungen durch Norwegen u. Schweden, Irland,
  Schottland, England, Holland u. Dänemark.

  Mit besonderer Berücksichtigung von Sage und Geschichte, Litteratur
  und Kunst geschildert durch Prof. Dr. ~Adolf Brennecke~, ~Francis
  Broemel~, ~Friedrich von Hellwald~, Dr. ~Hans Hoffmann~, ~Richard
  Oberländer~, ~Joh. Prölß~, u. Dr. ~Adolf Rosenberg~.

  Mit mehreren Hunderten von Abbildungen nach Originalzeichnungen
  der hervorragendsten Künstler. In 4 ganz selbständigen, einzeln
  käuflichen Bänden. In Prachtband je 20 Mark.

  Band I: ~Norwegen, Schweden, Irland u. Schottland.~

  Einbd.: Norweg. Gebirgslandschaft. Zeichng. von _C. Römer_. ~2. Aufl.~

  Band II: ~Wanderungen durch England u. Wales.~

  Einband: Englische Burgruine. Zeichnung von _C. Römer_.

  Band III: ~England und die Kanalinseln.~

  Einband: Englische Felsenküste. Zeichnung von _C. Römer_.

  Band IV: ~Holland und Dänemark.~

  Einband: Holländische Winterlandschaft. Zeichnung von _W. Georgy_.


Die bis auf wenige Exemplare vergriffenen Bände II u. III dieses
Unternehmens finden Ersatz durch das folgende, kürzlich in gleicher
Ausstattung erschienene Werk:

                             Alt-England.

Eine Studienreise durch London und die Grafschaften zwischen Kanal u.
Piktenwall. Von ~Adolf Brennecke~. Mit zahlreichen Abbildungen nach
Zeichnungen hervorragender Künstler. Prachtband 20 M.

☛ Der Text beschränkt sich nicht auf vereinzelte geographische
und geschichtliche Mitteilungen, sondern er bringt in fesselnder
Darstellungsweise das geistige, gesellschaftliche und künstlerische
Leben, die Entwickelung der Baukunst, die Industrie und den Weltverkehr
Englands (mit statistischen Nachweisen) zur Behandlung. Überall sind
die neuesten und zuverlässigsten Quellenwerke benutzt worden.


~Proben aus Ferdinand Hirts Geographischen Bildertafeln.~ (Siehe die
folgende Seite.)


[Illustration: Australneger. (Festland).]

[Illustration: Papûa (Neu-Guinea).]

[Illustration: Sudan-Neger (Nord-Afrika).]

[Illustration: Buschmann (Süd-Afrika).]

[Illustration: Patagonier (Süd-Amerika).]

[Illustration: Botokudin (Süd-Amerika).]


Geographische und geschichtliche Werke für Jung u. Alt.


Ferdinand Hirts Geographische Bildertafeln.

  Für die Belebung des erdkundlichen Unterrichts und die
  Veranschaulichung der Hauptformen der Erdoberfläche mit
  besonderer Berücksichtigung der Völkerkunde und Kulturgeschichte,
  herausgegeben von ~Dr. Alwin Oppel~ und ~Arnold Ludwig~.


Teil I: Allgemeine Erdkunde.

  Herausgegeben unter Mitwirkung von

  Prof. ~Dr. G. Fritsch~ (Berlin), ~Dr. G. Leipoldt~ (Dresden), Prof.
  ~Dr. R. Perkmann~ (Wien), ~R. Waeber~ (Liegnitz) und vielen anderen
  hervorragenden Fachmännern.

                  Mit 319 Abbildungen auf 25 Tafeln.
                           _Zweite Auflage._
                   Geheftet 3,60 M. Gebunden 4.75 M.
                        Erläuternder Text 1 M.


Teil II: Typische Landschaften.

  Herausgegeben unter Mitwirkung von

  ~J. Kanitz~ (Wien), ~Dr. Karl Müller~ (Halle), ~Richard Oberländer~
  (Leipzig), Prof. ~Seibert~ (Bregenz) und vielen anderen
  hervorragenden Fachmännern.

            Mit einführendem Text und 29 Bogen Abbildungen
                   178 Landschaftsbilder enthaltend.
                           _Zweite Auflage._
                    Geheftet 5 M. Gebunden 6,50 M.


Teil III: Völkerkunde.

(In 3 Abteilungen.)

  Herausgegeben unter Mitwirkung von

  ~Dr. J. Baumgarten~ (Coblenz), ~C. Bock~ (Christiania), Prof.
  ~Dr. Kan~ (Amsterdam), ~J. Kanitz~ (Wien), Dir. ~Dr. Müller~
  (Antwerpen), Prof. ~Dr. Partsch~ (Breslau), Prof. ~Seibert~
  (Bregenz).

[Illustration: Schiffer aus Neapel. (Aus Teil III. 1. Abt.)]

  Abteilung 1: Völkerkunde von Europa.

  Mit 300 Holzschnitten auf 30 Tafeln und einem kurzen erläuternden
  Text. Geheftet 5,50 M. Geb. 7 M.

  Abteilung 2: Völkerkunde von Asien und Australien.

  Mit 27 Tafeln Abbildungen und einem kurzen erläuternden Text.
  Geheftet 6,50 M. Geb. 8 M.

  Die Abteilung 3: ~Völkerkunde von Afrika und Amerika~ ist in
  Vorbereitung und beschließt das Unternehmen.

  Als ein _erweiterter, erläuternder Text_ zum II. Teile ist
  erschienen:

  ~Landschaftskunde.~ Versuch einer Physiognomik der gesamten
  Erdoberfläche in Skizzen, Charakteristiken und Schilderungen von
  ~Dr. A. Oppel~. Geheftet 12 M. Gebunden 14,50 M.


  Empfohlen seien auch folgende geographischen Charakterbilder:

  Umschau in Heimat und Fremde.

  Ein geographisches Lesebuch von Prof. ~Dr. Hentschel~ und ~Dr.
  Märkel~. Mit vielen Bildern. Teil I: _Deutschland._ Geh. 2,50 M.
  Geb. 3,30 M. Teil II: _Europa_ (Mit Ausschluß d. Deutschen Reichs).
  Geh. 3,60 M. Geb. 4,50 M.


  Ein Seitenstück zu den vielverbreiteten »~Geographischen
  Bildertafeln~« bilden:

  Ferdinand Hirts Historische Bildertafeln.

  Für die Belebung des geschichtlichen Unterrichts
  herausgegeben von mehreren praktischen Schulmännern und Gelehrten.

  ~Teil I: Das Altertum bis zum Untergange des Heidentums.~ 2,50 M.

  ~Teil II: Von den Anfängen d. Christentums bis zum Beginn d. XIX.
  Jahrh.~ 2,50 M.

  Teil I u. II ~in einem Bande~, nebst erläuterndem Text (einzeln 1
  M) geh. 6 M, geb. 7,50 M.


~Proben aus Ferdinand Hirts Geographischen Bildertafeln.~ (Siehe die
vorhergehende Seite.)


[Illustration: Frau von den Tonga-Inseln.]

[Illustration: Giljak-Frau (Ost-Sibirien).]

[Illustration: Chinese.]

[Illustration: Araber aus Aden.]

[Illustration: Nubier (Nord-Afrika).]

[Illustration: Germane.]



  +------------------------------------------------------------------+
  | Anmerkungen zur Transkription                                    |
  |                                                                  |
  | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen      |
  | gebräuchlich waren, wie:                                         |
  |                                                                  |
  | Abschiedes -- Abschieds                                          |
  | Admiralitäts-Inseln -- Admiralitätsinseln                        |
  | Admiralitäts-Karte -- Admiralitätskarte                          |
  | Alexander-Gebirge -- Alexandergebirge                            |
  | Alligator-Point -- Alligator Point                               |
  | andererseits -- andrerseits                                      |
  | anderen -- andern                                                |
  | Arbeiter-Werbeschiffen -- Arbeiterwerbeschiffen                  |
  | Astrolabe-Bai -- Astrolabe Bai                                   |
  | Atlas I -- Atlas I. (teilweise mit Punkt)                        |
  | Aufputz -- Ausputz                                               |
  | ausnahmsweis -- ausnahmsweise                                    |
  | Bähm -- Behm                                                     |
  | Bai -- Bay                                                       |
  | Bambu -- Bambus                                                  |
  | Basilisk-Bucht -- Basiliskbucht                                  |
  | beinah -- beinahe                                                |
  | Bö -- Böe                                                        |
  | Bohr -- Bor (Schwein)                                            |
  | Boote -- Böte                                                    |
  | Brust-Kampfschmuck -- Brustkampfschmuck                          |
  | Cap -- Cape -- Kap                                               |
  | Coix lacryma -- Coix lacrymae                                    |
  | Cretin-Inseln -- Cretininseln                                    |
  | Cymbium-Muscheln -- Cymbiummuscheln                              |
  | Cypraea-Muscheln -- Cypraeamuscheln                              |
  | d'Urville's -- d'Urvilles                                        |
  | Dallmann-Hafen -- Dallmannhafen                                  |
  | Deaf Adder-Bay -- Deaf-Adder-Bay                                 |
  | decent -- dezent                                                 |
  | danieder -- darnieder                                            |
  | Dawson-Straße -- Dawsonstraße                                    |
  | Discovery-Bai -- Discovery-Bay                                   |
  | dunkele -- dunkle                                                |
  | eigenes -- eignes                                                |
  | Etna-Expedition -- Etnaexpedition                                |
  | Fabrikates -- Fabrikats                                          |
  | Festungs-Huk -- Festungshuk                                      |
  | Batissa Finschi -- Batissa Finschii                              |
  | Flaggehissen -- Flaggenhissen                                    |
  | frägt -- fragt                                                   |
  | Fransen -- Franzen                                               |
  | Fremdlinges -- Fremdlings                                        |
  | Friedrich-Wilhelms-Hafen -- Friedrich-Wilhelmshafen              |
  | Gauß-Bucht -- Gaußbucht                                          |
  | Geelvink-Bai -- Geelvinks-Bai                                    |
  | Kap St. Georg -- Kap St. George                                  |
  | Germania-Huk -- Germaniahuk                                      |
  | Gobius-artige -- Gobiusartige                                    |
  | Göschen-Straße -- Göschenstraße                                  |
  | Hansemann-Küste -- Hansemannküste                                |
  | Hatzfeldt-Hafen -- Hatzfeldthafen                                |
  | heut -- heute                                                    |
  | Hood-Bai -- Hoodbai                                              |
  | Kaaram-Tamo -- Kaaram Tamo                                       |
  | Kaiserin-Augusta-Fluß -- Kaiserin Augustafluß                    |
  | Kampf-Brustschmuck -- Kampfbrustschmuck                          |
  | Kompagnie -- Kompanie -- Compagnie                               |
  | Kopra-Stationen -- Koprastationen                                |
  | Kreuzer-Corvette -- Kreuzerkorvette                              |
  | Kronentaube -- Krontaube                                         |
  | Langeweile -- Langweile                                          |
  | Loyalitäts-Gruppe -- Loyalitätsgruppe                            |
  | Maclay-Küste -- Maclayküste                                      |
  | malaiische -- malayische                                         |
  | Meckinley -- Mekinley                                            |
  | Meeuwen-Eiland -- Meeuweneiland                                  |
  | Missionar -- Missionär                                           |
  | Nassa-Muschel -- Nassamuschel                                    |
  | Nautilus-Muscheln -- Nautilusmuscheln                            |
  | Neu-Guinea -- Neu Guinea                                         |
  | Nigger-head -- Niggerhead                                        |
  | Ottilien-Fluß -- Ottilienfluß                                    |
  | Palau-Geld -- Palaugeld                                          |
  | Papageienfedern -- Papageifedern                                 |
  | Papua-Rasse -- Papuarasse                                        |
  | Parsi-Huk -- Parsihuk                                            |
  | Reiß-Huk -- Reiss-Huk                                            |
  | Sa-ul -- Sa-ulo                                                  |
  | Samárai -- Samarai                                               |
  | siebenzehnmonatlichen -- siebzehnmonatlichen                     |
  | späteren -- spätern                                              |
  | Stirling-Kette -- Stirlingskette                                 |
  | Süd-Kap -- Südkap                                                |
  | Silvesterfeier -- Sylvesterbowle                                 |
  | Tabakblätter -- Tabaksblätter                                    |
  | Tagorëua -- Tagoreüa                                             |
  | Telum Mul -- Telum-Mul                                           |
  | Tiar -- Tiár                                                     |
  | ungeheuern -- ungeheuren                                         |
  | Urwaldgürtel -- Urwaldsgürtel                                    |
  | Venus-Huk -- Venushuk                                            |
  | vorzugsweis -- vorzugsweise                                      |
  | west -- westlich                                                 |
  | Wilhelm-Fluß -- Wilhelmfluß                                      |
  | Wilhelms-Land -- Wilhelmsland                                    |
  |                                                                  |
  |                                                                  |
  | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert.                   |
  | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen:                  |
  |                                                                  |
  | S. 7 »hissten« in »hißten« geändert.                             |
  | S. 7 »Schifffahrt« in »Schiffahrt« geändert.                     |
  | S. 9 »umfaßen« in »umfassen« geändert.                           |
  | S. 13 »Terassenland« in »Terrassenland« geändert.                |
  | S. 13 »Herculesfluß« in »Herkulesfluß« geändert.                 |
  | S. 13 »Hercules-Bai« in »Herkules-Bai« geändert.                 |
  | S. 15 »Bloßeville« in »Blosseville« geändert.                    |
  | S. 18 »Aequator« in »Äquator« geändert.                          |
  | S. 19 »passiiert« in »passiert« geändert.                        |
  | S. 19 »Procellaridae« in »Procellariidae« geändert.              |
  | S. 20 »Albatroß« in »Albatross« geändert.                        |
  | S. 21 »Farellsche« in »Farrellsche« geändert.                    |
  | S. 22 »figurirte« in »figurierte« geändert.                      |
  | S. 23 »besassen« in »besaßen« geändert.                          |
  | S. 23 »ausschliessend« in »ausschließend« geändert.              |
  | S. 23 »Weisser« in »Weißer« geändert.                            |
  | S. 24 »Aegide« in »Ägide« geändert.                              |
  | S. 24 »provozirt« in »provoziert« geändert.                      |
  | S. 24 »Weysleyanischen Mission« in »Wesleyanischen Mission«      |
  |       geändert.                                                  |
  | S. 25 »vergeßen« in »vergessen« geändert.                        |
  | S. 25 »Aera« in »Ära« geändert.                                  |
  | S. 25 »Verhältniße« in »Verhältnisse« geändert.                  |
  | S. 25 »deßen« in »dessen« geändert (Fußnote).                    |
  | S. 27 »Genoßen« in »Genossen« geändert.                          |
  | S. 34 »Barake« in »Baracke« geändert.                            |
  | S. 36 »schüzte« in »schützte« geändert.                          |
  | S. 36 »laßen« in »lassen« geändert.                              |
  | S. 37 »daß heißt« in »das heißt« geändert.                       |
  | S. 38 »Koffenägeln« in »Koffernägeln« geändert.                  |
  | S. 38 »laße« in »lasse« geändert.                                |
  | S. 39 »meßen« in »messen« geändert.                              |
  | S. 40 »grade« in »gerade« geändert.                              |
  | S. 41 »vertheilt« in »verteilt« geändert.                        |
  | S. 42 »ein- und derselben« in »ein und derselben« geändert.      |
  | S. 43 »Kostnantinhafen« in »Konstantinhafen« geändert.           |
  | S. 44 »hisiegen« in »hiesigen« geändert.                         |
  | S. 45 »Betelnüße« in »Betelnüsse« geändert.                      |
  | S. 46 »eingeschloßen« in »eingeschlossen« geändert.              |
  | S. 46 »grader« in »gerader« geändert.                            |
  | S. 47 »Bonga« in »Bongu« geändert.                               |
  | S. 48 »Maße« in »Masse« geändert.                                |
  | S. 50 »intereßanter« in »interessanter« geändert.                |
  | S. 51 »Eingeborenenen« in »Eingeborenen« geändert.               |
  | S. 51 »Miclucho-Maclay« in »Miklucho-Maclay« geändert.           |
  | S. 51 »Pelau« in »Palau« geändert.                               |
  | S. 51 »Reissaus« in »Reißaus« geändert.                          |
  | S. 52 »ausschliessend« in »ausschließend« geändert.              |
  | S. 53 »ausser« in »außer« geändert.                              |
  | S. 53 »ausserordentlich« in »außerordentlich« geändert.          |
  | S. 57 »Kocospalme« in »Kokospalme« geändert.                     |
  | S. 58 »Nicotiana tabaccum« in »Nicotiana tabacum« geändert.      |
  | S. 58 »festzusammengepreßte« in »fest zusammengepreßte« geändert |
  |       (Fußnote).                                                 |
  | S. 59 »grade« in »gerade« geändert.                              |
  | S. 60 »malaischen« in »malaiischen« geändert.                    |
  | S. 62 »Philantrop« in »Philanthrop« geändert.                    |
  | S. 70 »hißen« in »hissen« geändert.                              |
  | S. 70 »Elisabet-Bucht« in »Elisabeth-Bucht« geändert.            |
  | S. 70 »Dünnung« in »Dünung« geändert.                            |
  | S. 71 »gewißer« in »gewisser« geändert.                          |
  | S. 71 »innland« in »inland« geändert.                            |
  | S. 72 »Eingebornen« in »Eingeborenen« geändert.                  |
  | S. 75 »Mißionär« in »Missionär« geändert.                        |
  | S. 77 »in betreff« in »in Betreff« geändert.                     |
  | S. 77 »Kokosnuss« in »Kokosnuß« geändert (Fußnote).              |
  | S. 78 »leichten« in »leichtem« geändert.                         |
  | S. 80 »athmete« in »atmete« geändert.                            |
  | S. 81 »abliegen« in »ablegen« geändert.                          |
  | S. 85 »geschloßen« in »geschlossen« geändert.                    |
  | S. 85 »Kußerow« in »Kusserow« geändert.                          |
  | S. 85 »Dallman« in »Dallmann« geändert.                          |
  | S. 89 »Naßamuschel« in »Nassamuschel« geändert.                  |
  | S. 90 »laßen« in »lassen« geändert.                              |
  | S. 91 »müßen« in »müssen« geändert.                              |
  | S. 91 »gewiße« in »gewisse« geändert.                            |
  | S. 92 »gehivt« in »gehievt« geändert.                            |
  | S. 94 »umschloßen« in »umschlossen« geändert.                    |
  | S. 95 »mannifgfach« in »mannigfach« geändert.                    |
  | S. 95 »laßen« in »lassen« geändert.                              |
  | S. 95 »Haliastur girrinera« in »Haliastur girrenera« geändert.   |
  | S. 95 »geschloßene« in »geschlossene« geändert.                  |
  | S. 97 »Ganze« in »Ganzes« geändert.                              |
  | S. 99 »freigelaßenen« in »freigelassenen« geändert.              |
  | S. 99 »10 Meter« in »10 Meilen« geändert.                        |
  | S. 102 »gewißen« in »gewissem« geändert.                         |
  | S. 104 »Schiffsbau-« in »Schiffsbau« geändert.                   |
  | S. 104 »Sförmig« in »S-förmig« geändert.                         |
  | S. 106 »gewiße« in »gewisse« geändert.                           |
  | S. 107 »zwischen 1,470,0 und 1,62,0« in                          |
  |        »zwischen 1,47 und 1,62« geändert.                        |
  | S. 110 »useleß« in »useless« geändert.                           |
  | S. 111 »Kanuflotille« in »Kanuflottille« geändert.               |
  | S. 112 »Terassenland« in »Terrassenland« geändert.               |
  | S. 112 »innland« in »inland« geändert.                           |
  | S. 112 »Kap Croißilles« in »Kap Croissilles« geändert.           |
  | S. 114 »Insaßen« in »Insassen« geändert.                         |
  | S. 114 »Kokosnüße« in »Kokosnüsse« geändert.                     |
  | S. 114 »Betelnüße« in »Betelnüsse« geändert.                     |
  | S. 114 »das« in »daß« geändert.                                  |
  | S. 115 »Gateßi« in »Gatessi« geändert.                           |
  | S. 116 »wißen« in »wissen« geändert.                             |
  | S. 116 »um Deportirte petitionirte« in                           |
  |        »um Deportierte petitionierte« geändert.                  |
  | S. 116 »Localitäten« in »Lokalitäten« geändert.                  |
  | S. 116 »nähmlich« in »nämlich« geändert.                         |
  | S. 117 »passirten« in »passierten« geändert.                     |
  | S. 117 »Vitias« in »Vitiaz« geändert.                            |
  | S. 119 »filetgestrikter« in »filetgestrickter« geändert.         |
  | S. 119 »Friedenzeichen« in »Friedenszeichen« geändert.           |
  | S. 120 »Finisterre Gebirges« in »Finisterre-Gebirges« geändert.  |
  | S. 121 »zweilen« in »zuweilen« geändert.                         |
  | S. 122 »Terassenland« in »Terrassenland« geändert.               |
  | S. 123 »Fluße« in »Flusse« geändert.                             |
  | S. 123 »Terasse« in »Terrasse« geändert.                         |
  | S. 123 »Terassenstufe« in »Terrassenstufe« geändert.             |
  | S. 124 »Terassen« in »Terrassen« geändert.                       |
  | S. 124 »Bimstein« in »Bimsstein« geändert.                       |
  | S. 124 »beßer« in »besser« geändert.                             |
  | S. 124 »Terassenlande« in »Terrassenlande« geändert (Fußnote).   |
  | S. 125 »Terassenland« in »Terrassenland« geändert.               |
  | S. 125 »Terassen« in »Terrassen« geändert.                       |
  | S. 125 »gewiße« in »gewisse« geändert.                           |
  | S. 126 »Morebys« in »Moresby« geändert.                          |
  | S. 126 »keiner Stelle« in »keine Stelle« geändert.               |
  | S. 131 »Intereßant« in »Interessant« geändert.                   |
  | S. 132 »Schlüßen« in »Schlüssen« geändert.                       |
  | S. 134 »Diwara« in »Diwarra« geändert.                           |
  | S. 134 »Kalkkalabassen« in »Kalkkalebassen« geändert.            |
  | S. 136 »Adolphhafen« in »Adolphshafen« geändert.                 |
  | S. 136 »Kap Raoult« in »Kap Raoul« geändert.                     |
  | S. 137 »Likeliki-Bai« in »Likelike-Bai« geändert.                |
  | S. 138 »Port-Praslin« in »Port Praslin« geändert.                |
  | S. 138 »uuter« in »unter« geändert.                              |
  | S. 140 »Ereigniß« in »Ereignis« geändert.                        |
  | S. 141 »das« in »daß« geändert.                                  |
  | S. 141 »Albatros« in »Albatross« geändert.                       |
  | S. 142 »wechselden« in »wechselnden« geändert.                   |
  | S. 143 »allmälich« in »allmählich« geändert.                     |
  | S. 147 »Fluße« in »Flusse« geändert.                             |
  | S. 147 »Kriegsgesang-Huck« in »Kriegsgesang-Huk« geändert.       |
  | S. 147 »Veranlaßung« in »Veranlassung« geändert.                 |
  | S. 148 »Schifffahrtszeichen« in »Schiffahrtszeichen« geändert.   |
  | S. 150 »Rekognoscierung« in »Rekognoszierung« geändert.          |
  | S. 150 »nöthig« in »nötig« geändert.                             |
  | S. 151 »bessern« in »besseren« geändert.                         |
  | S. 152 »Herkulesfluße« in »Herkulesflusse« geändert.             |
  | S. 154 »Kasuarien« in »Kasuarinen« geändert.                     |
  | S. 154 »7° 29 S.'« in »7° 29' S.« geändert.                      |
  | S. 154/155 »zwei ein halb« in »zwei einhalb« geändert.           |
  | S. 160 »Zaubermährchen« in »Zaubermärchen« geändert.             |
  | S. 169 »Civililisation« in »Civilisation« geändert.              |
  | S. 170 »allarmierenden« in »alarmierenden« geändert.             |
  | S. 177 »Simaßim« in »Simassim« geändert.                         |
  | S. 178 »Toilettekünsten« in »Toilettenkünsten« geändert.         |
  | S. 179 »Meckapilger« in »Mekkapilger« geändert.                  |
  | S. 183 »Syma torrotoro« in »Syma torotoro« geändert.             |
  | S. 185 »Rimen« in »Riemen« geändert.                             |
  | S. 185 »grade« in »gerade« geändert.                             |
  | S. 186 »Seltzerwasserapparat« in »Selterswasser-Apparat«         |
  |        geändert.                                                 |
  | S. 188 »Réaumure« in »Réaumur« geändert.                         |
  | S. 192 »müßen« in »müssen« geändert.                             |
  | S. 192 »Verhältniße« in »Verhältnisse« geändert.                 |
  | S. 192 »Queenland« in »Queensland« geändert.                     |
  | S. 193 »)« hinter Neuendettelsau eingefügt.                      |
  | S. 193 »Weiterentwickleung« in »Weiterentwickelung« geändert.    |
  | S. 196 »)« eingefügt (Fußnote).                                  |
  | S. 199/200 »Nißel-Durchfahrt« in »Nissel-Durchfahrt« geändert.   |
  | S. 203 »carroßable« in »carrossable« geändert.                   |
  | S. 204 »Lombon« in »Lombom« geändert.                            |
  | S. 207 »Woodlarck-Insel« in »Woodlark-Insel« geändert.           |
  | S. 211 »nnd« in »und« geändert.                                  |
  | S. 212 »zeigte« in »zeigten« geändert.                           |
  | S. 215 »Kunstfleisses« in »Kunstfleißes« geändert.               |
  | S. 221 »allmälich« in »allmählich« geändert.                     |
  | S. 222 »unserm« in »unserem« geändert.                           |
  | S. 236 »Papayfrüchten« in »Papayafrüchten« geändert.             |
  | S. 240 »NeuGuineas« in »Neu-Guineas« geändert.                   |
  | S. 247 »Sennhüten« in »Sennhütten« geändert.                     |
  | S. 250 »innland« in »inland« geändert.                           |
  | S. 257 »zubebereitet« in »zubereitet« geändert.                  |
  | S. 257 »beßer« in »besser« geändert.                             |
  | S. 262 »Mißionsstation« in »Missionsstation« geändert.           |
  | S. 262 »Killterton-Inseln« in »Killerton-Inseln« geändert.       |
  | S. 264 »Massakre« in »Massacre« geändert (Fußnote).              |
  | S. 269 »Ptilopus aurantiifrons« in »Ptilinopus aurantiifrons«    |
  |        geändert.                                                 |
  | S. 273 »Waßervorräten« in »Wasservorräten« geändert.             |
  | S. 274 »mißion« in »mission« geändert.                           |
  | S. 276 »trocknes« in »trockenes« geändert.                       |
  | S. 278 »Maßuoro« in »Massuoro« geändert.                         |
  | S. 277 »Sáriba« in »Sariba« geändert.                            |
  | S. 284 »Höszchens« in »Hölzchens« geändert.                      |
  | S. 284 »Hippopurmuschel« in »Hippopusmuschel« geändert.          |
  | S. 289 »Fußtapfen« in »Fußstapfen« geändert.                     |
  | S. 290 »Orientirungsskizze« in »Orientierungsskizze« geändert.   |
  | S. 291 »Leßon« in »Lesson« geändert.                             |
  | S. 293 »Naßa« in »Nassa« geändert.                               |
  | S. 296 »Vlaken Hook« in »Vlaken Hoek« geändert.                  |
  | S. 297 »Briese« in »Brise« geändert.                             |
  | S. 297 »Broken-Water-Bai« in »Broken-Water-Bay« geändert.        |
  | S. 297 »Waleboot« in »Walboot« geändert.                         |
  | S. 304 »Beßels-Huk« in »Bessels-Huk« geändert.                   |
  | S. 304 »Greßien-Insel« in »Gressien-Insel« geändert.             |
  | S. 305 »gewißer« in »gewisser« geändert.                         |
  | S. 309 »schüßelförmigem« in »schüsselförmigem« geändert.         |
  | S. 311 »Festschmauß« in »Festschmaus« geändert.                  |
  | S. 312 »revangieren« in »revanchieren« geändert.                 |
  | S. 313 »Quitschtöne« in »Quietschtöne« geändert.                 |
  | S. 316 »wir« in »wie« geändert.                                  |
  | S. 317 »Naßa« in »Nassa« geändert.                               |
  | S. 317 »Maßoirinde« in »Massoirinde« geändert.                   |
  | S. 317 »mannichfach« in »mannigfach« geändert.                   |
  | S. 318 »Perlschalle« in »Perlschale« geändert.                   |
  | S. 318 »Batißa« in »Batissa« geändert.                           |
  | S. 318 »Naßa« in »Nassa« geändert.                               |
  | S. 318 »Maßoirinde« in »Massoirinde« geändert.                   |
  | S. 320 »Harmlosigkeil« in »Harmlosigkeit« geändert.              |
  | S. 321 »einigen« in »einigem« geändert.                          |
  | S. 325 »Naßa« in »Nassa« geändert.                               |
  | S. 326 »sofern er« in »sofern es« geändert.                      |
  | S. 327 »Broken Water-Bay« in »Broken-Water-Bay« geändert         |
  |        (Fußnote).                                                |
  | S. 327 »Paßier-Point« in »Passier-Point« geändert.               |
  | S. 327 »aussgedehnte« in »ausgedehnte« geändert.                 |
  | S. 329 »Albatroß« in »Albatross« geändert (Fußnote).             |
  | S. 330 »dem Fluße« in »dem Flusse« geändert.                     |
  | S. 333 »Naßa« in »Nassa« geändert.                               |
  | S. 335 »(« vor Lindeman eingefügt (Fußnote).                     |
  | S. 338 »Abrus praecatorius« in »Abrus precatorius« geändert.     |
  | S. 339 »Neritina Petiti« in »Neritina petiti« geändert.          |
  | S. 340 »massen« in »maßen« geändert.                             |
  | S. 341 »Veranlaßung« in »Veranlassung« geändert.                 |
  | S. 342 »eines Flußes« in »eines Flusses« geändert.               |
  | S. 347 »Humboldts-Bai« in »Humboldt-Bai« geändert.               |
  | S. 347 »Bloßeville« in »Blosseville« geändert.                   |
  | S. 348 »Godefroy« in »Godeffroy« geändert (Fußnote).             |
  | S. 349 »Hagenaarshoeck« in »Hagenaarshoek« geändert.             |
  | S. 350 »des Ankerhivens« in »des Ankerhievens« geändert.         |
  | S. 350 »Aneßau« in »Anessau« geändert.                           |
  | S. 355 »gradfirstigem« in »geradfirstigem« geändert.             |
  | S. 356 »schloßen« in »schlossen« geändert.                       |
  | S. 357 »Batißa« in »Batissa« geändert.                           |
  | S. 357 »Blos« in »Bloß« geändert.                                |
  | S. 362 »Zuckerrrohr« in »Zuckerrohr« geändert.                   |
  | S. 363 »abknakte« in »abknackte« geändert.                       |
  | S. 363 »Flotille« in »Flottille« geändert.                       |
  | S. 363 »mus« in »muß« geändert.                                  |
  | S. 363 »brülenden« in »brüllenden« geändert.                     |
  | S. 364 »Neubennung« in »Neubenennung« geändert.                  |
  | S. 364 »Roißey« in »Roissy« geändert.                            |
  | S. 365,366 »Bloßeville« in »Blosseville« geändert.               |
  | S. 374 »trocknen« in »trockenen« geändert.                       |
  | S. 378 »rißen« in »rissen« geändert.                             |
  | S. 380 »Albatros« in »Albatross« geändert.                       |
  | S. 380 »Aneßau« in »Anessau« geändert.                           |
  | S. 381 »Broken-Water Bay« in »Broken-Water-Bay« geändert.        |
  | S. 382 »Eckardtssteinfluß« in »Eckardtsteinfluß« geändert.       |
  | S. 382 »Ecletus« in »Eclectus« geändert.                         |
  | S. 382 »Eucalypten« in »Eukalypten« geändert.                    |
  | S. 383 »Frieddrich-Wilhelmshafen« in »Friedrich-Wilhelmshafen«   |
  |        geändert.                                                 |
  | S. 383 »Gutheil-Bucht 920« in »Gutheil-Bucht 220« geändert.      |
  | S. 384 »Haliastur girrinera« in »Haliastur girrenera« geändert.  |
  | S. 384 »Innlandreisen« in »Inlandreisen« geändert.               |
  | S. 386 »Magdalene-Inseln« in »Magdalenen-Inseln« geändert.       |
  | S. 386 »Neritina Petiti« in »Neritina petiti« geändert.          |
  | S. 387 »Port Constanstin« in »Port Constantin« geändert.         |
  | S. 387 »Albrechtshafen« in »Albrechthafen« geändert.             |
  | S. 387 »Nicotiana tabaccum« in »Nicotiana tabacum« geändert.     |
  | S. 387 »Procellaridae« in »Procellariidae« geändert.             |
  | S. 387 »Rekrutrieren« in »Rekrutieren« geändert.                 |
  | S. 388 »Réaumure« in »Réaumur« geändert.                         |
  | S. 388 »Roissey« in »Roissy« geändert.                           |
  | S. 388 »Saulo« in »Sa-ulo« geändert.                             |
  | S. 389 »Spree, Fluß 14S« in »Spree, Fluß 148« geändert.          |
  | S. 389 »Sur niger« in »Sus niger« geändert.                      |
  | S. 389 »Syma torrotoro« in »Syma torotoro« geändert.             |
  | S. 390 »Verräther-Bai« in »Verräter-Bai« geändert.               |
  | S. 395 »in« in »In« geändert.                                    |
  |                                                                  |
  | Nicht korrigiert wurden: Amuletmasken, Backschisch, Tomihawk,    |
  | »Bye and bye«, Flötz, Krämpe, Kohlenflötz, Paradisea, unterm.    |
  |                                                                  |
  +------------------------------------------------------------------+





*** End of this LibraryBlog Digital Book "Samoafahrten" ***

Copyright 2023 LibraryBlog. All rights reserved.



Home