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Title: Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
Author: Weymann, August
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete" ***

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    Anmerkungen zur Transkription


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    Buches.



Verlag von Hans Feller in Karlsbad.


Karlsbad

in

geschichtlicher, medicinischer und topografischer Beziehung

von

=Med. Dr. Eduard Hlawacek=,

Ehrenbürger von Karlsbad.

=Dreizehnte verbesserte und sehr vermehrte Auflage=

31 Bgn. kl. 8°

mit einem Situationsplan und zwei Ansichten von Karlsbad, sowie einer
grossen Eisenbahnkarte von Mittel-Europa.

Eleg. geb. (Bädekerband) fl. 3. österr. W. = M. 6.

Dieses Buch enthält nebst einer vollständigen Orts- und medicinischen
Geschichte von Karlsbad, einer mineralogisch-geologischen und
physikalisch-chemischen Beschreibung seiner Mineralquellen,
vorzugsweise eine möglichst vollständige Darstellung ihrer Heilkräfte,
Heilanzeige und Gegenanzeige, wie auch ihrer verschiedenen innerlichen
und äusserlichen Anwendungsformen vom ärztlichen Standpunkte; jedoch in
einer im Wesentlichen jedem gebildeten Leser verständlichen Sprache und
Darstellungsweise, indem die fremden medicinischen Ausdrücke so viel
als möglich vermieden wurden.

Der Kurgast insbesondere findet darin eine besondere Angabe der bei
der Trink- oder Badekur zu beobachtenden diätetischen Vorschriften;
überdies die nöthigen Aufschlüsse in geselliger und ökonomischer
Beziehung, und eine vollständige Beschreibung der Promenaden
und Fahrpartien, in welch' letzterer Beziehung der beigegebene
Situationsplan einen bequemen und verlässlichen Wegweiser bildet.


=Der Wegweiser für Karlsbad und die Umgebung.= Von Med. Dr. _Eduard
Hlawacek_. Mit Situationsplan. Eleg. geb. M. 2, = österr. W. fl. 1.

Diese kurze, doch umfassende Beschreibung bietet dem Kurgaste ausser
einem _geschichtlichen_ Ueberblicke die nöthige Belehrung über die
_Mineralquellen_ und das _diätetisch_e Verhalten während der Kur; sie
ist ihm ein verlässlicher Wegweiser in der _Stadt_, bei den _Spazier-_
und _Fahrpartien_, und unterrichtet ihn über die _ökonomischen_ und
_geselligen_ Verhältnisse.


=Aerztlicher Rathgeber für den Kurgebrauch in Karlsbad= von Med. Dr.
_J. Kraus_. 8. Aufl. Mk. 2. = österr. W. fl. 1.

Der »ärztliche Rathgeber«, der jetzt in 8. Auflage erscheint -- die
erste wurde im Jahr 1872 ausgegeben -- ist, wie schon der Titel besagt,
blos für das hiesige Badepublicum geschrieben und zwar in so populärer
Weise, wie ärztliche Rathschläge überhaupt ertheilt werden müssen.


=Ueber die wichtigsten Punkte der Diätetik während einer Karlsbader
Kur= von Med. Dr. _Franz Sorger_. 8. Aufl. M. 1.20. = österr. W.
fl. --.60.


=Karlsbad, Heilmittel in einigen Arten von Magen- und Leberkrankheiten=
von Med. Dr. _Franz Sorger_. 4. Aufl. M. 1.20. = österr. W. fl. --.60.

Die hier ausgesprochenen Anschauungen sind das Ergebniss einer
ziemlichen Anzahl von Beobachtungen und versuchen es, genauer zu
bestimmen, in welchen Magen- und Leberkrankheiten von Karlsbad Heilung
oder Linderung zu erwarten sei.


Tisch für Magenkranke

von

Med. Dr. =Josef Wiel= in Zürich.

=5. verb. und verm. Aufl.=

Preis broch. M. 4. = 2 fl. ö. W. -- Eleg. geb. M. 5 = fl. 2.50 ö. W.

Erschien bereits in französischer, holländischer u. schwedischer
Uebersetzung.

=Urtheile der Presse=:

=Basler Nachrichten.= Wiel ist eine Autorität auf dem Gebiete der
Diätetik, und als solche auch schon durch die »Gartenlaube« bekannt.
Der Magen ist wohl das wichtigste Ding im menschlichen Körper; von der
Gesundheit des Magens hängt nicht blos das körperliche Wohlbefinden des
Menschen, sondern auch sein seelischer Zustand ab. Es kann Einer mit
einem schlechten Magen kein guter Christ sein, hat einmal ein Pfarrer
gesagt, und er hat wohl recht. Dass der Magen aber gut sei und, ohne
den Menschen zu stören, seine Functionen verrichte, hängt allein von
der richtigen Art und Weise ab, wie und welche Nahrungsmittel man zu
sich nimmt. »Sage mir, was er isst, und ich sage dir, was er ist.«
Wiel gibt nun in leichter, verständlicher Sprache an, was und wie der
Gesunde und der Kranke essen soll, was er vermeiden muss, damit jener
gesund bleibe, dieser geheilt werde. Den Magenkranken, deren Zahl
grösser ist, als man denkt, kann Wiel's Buch auf's Beste empfohlen
werden. _Es gilt auch in der gesammten Literatur für Gesundheitspflege
als eines der vorzüglichsten Werke._ Es wird zwar dem Buche (auch
schon Wiel's Artikeln in der »Gartenlaube«) vorgeworfen, seine Diät
sei nur für reiche Leute berechnet. Indessen ist der Vorwurf nur zum
Theil begründet. Der Mittelstand, der glücklicherweise bei uns immer
noch gross ist und bleiben wird, findet in dem Buche ebenfalls eine
zweckmässige Diät und selbst der Unbemittelte erfährt doch, in welcher
Weise und in welcher Reihenfolge seine einfachen Nahrungsmittel
zu nehmen sind, und welchen Einfluss diese letzteren auf seinen
Gesundheitszustand haben.

=Ueber Land und Meer.= Unter den vielen populär-medicinischen Büchern,
mit denen das Publicum überschüttet wird, kennen wir wenige, die so
warme Empfehlung verdienen, als =Dr. Josef Wiels Tisch für Magenkranke=.

Der Autor, ein Züricher Arzt, schreibt vortrefflich, eindringlich,
klar, anschaulich und ist sicher kein Buchfabrikant. Sein »Tisch für
Magenkranke« ist hervorgegangen aus der Praxis. Der Verkehr des Arztes
mit seinen Patienten hat dies Buch geboren und deshalb ist es auch
keine Zusammenstellung von allen möglichen Bücherauszügen, sondern ein
Stück Leben aus der Wirksamkeit eines scharfblickenden, gewissenhaften
Arztes, das fast wie der persönliche Verkehr mit dem Arzt selbst wirkt.
Ganz besonders nützlich scheint uns der Speisezettel, das Capitel
von den Getränken und die Speisevorschriften bei Magenerkrankungen.
Magenleidende möchten wir auf dies Buch aufmerksam machen.

=Bohemia.= Wir möchten nicht nur jedem wirklichen _Magenkranken_,
sondern der grossen Zahl jener Personen, welche stets über einen
»_schwachen Magen_« klagen, sich bei der geringsten Veranlassung
leicht »_den Magen verderben_«, dabei aber nicht daran denken, sich
im Essen und Trinken irgend Schranken zu setzen, _die aufmerksame
Lecture dieses Buches empfehlen_. Dasselbe enthält so viele wichtige
und bedeutungsvolle Winke für die Art und Weise, wie die _richtige
Diät_ beobachtet werden soll, dass auch die sorgsame Hausfrau, der
es darum zu thun ist, dass ihre Tischgäste eine gute und nahrhafte
Kost erhalten, davon profitiren wird. Der allgemeine Theil enthält
eine übersichtliche Darstellung der Speisen und Getränke, welche als
Magenheilmittel verwendet werden können, während der specielle Theil
genaue _Speisezettel_ bei den einzelnen Symptomen der Magenkrankheiten
gibt und eine vollständige diätetische Behandlung derselben bietet.
Der Verfasser bekundet hiebei eben so sehr den kundigen Arzt wie den
erfahrenen Gastronomen.

=Deutsches Montagsblatt.= Magenkrank ist heute eigentlich die
ganze Welt, denn Jedem liegt »irgend etwas« im Magen. Angesichts
dieser allgemeinen Calamität ist es ein wahrer Trost, dass zu dem
»Diätetischen Kochbuch« von Dr. Josef Wiel ein ergänzendes Werk, der
»_Tisch für Magenkranke_« von demselben Verfasser, (bereits in vierter
Auflage) erschienen ist. Da notorisch Kopf und Magen im intimsten
Wechselverkehr stehen, so liegt es auf der Hand, wie erfreulich es
für Herz und Gemüth sein muss, wenn man sich an der Hand eines so
erfahrenen Esskünstlers wie Joseph Wiel durch das Leben isst.


Diätetisches Kochbuch

für Gesunde und Kranke

von

Med. Dr. Josef Wiel.

(=Zürich.=)

=Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage.=

Preis broch. Mk. 4.80.

Urtheile der Presse:

=Ueber Land und Meer.= Die Zahl der Kochbücher ist Legion -- aber
eine Legion von Kochbüchern wiegt das »Diätetische Kochbuch« von Dr.
Joseph _Wiel_ auf, das von den ersten ärztlichen Autoritäten als ein
Meisterwerk anerkannt worden und nun in neuer Auflage erscheint. Es
sollte die Grundlage jedes künftigen Kochbuchs bilden. Der Verfasser
gibt zum Unterschiede von den übrigen Kochbüchern nicht in erster Linie
Recepte, sondern die Grundsätze, wie und was gekocht werden soll, und
zwar keineswegs in trocken wissenschaftlicher Form, sondern in einer
so ansprechenden, geistvollen und häufig köstlich humoristischen, wohl
auch, wo es noth thut, sarkastischen Weise, dass man das Buch mit
wirklichem Genusse liest und gerne in gesunden, wie in kranken Tagen
immer wieder darin nachschlägt. _Wenn es ein »gutes Hausbuch« gibt,
hier haben wir's im vollsten Sinne des Wortes._

=Correspondenzblatt für Schweizer Aerzte.= _Dass das Kochbuch Wiel's
seit 1871 vier neue Auflagen erlebte, spricht laut genug für seinen
Werth_, aber auch für die immer noch zunehmende Wichtigkeit, welche
auch die Aerzte der passenden Ernährung geben, d. h. der Wichtigkeit,
welche die Aerzte darauf legen und legen müssen, selbst exacte
Vorschriften über die Zubereitungsweise der Nahrung und deren Anpassung
an einzelne Krankheitsfälle geben zu können. Die neue Auflage hat
namentlich auch die Lebensmittelfälschungen berücksichtigt und die
neueren Errungenschaften der Ernährungsphysiologie verwerthet. Wir
wünschen dem Buche viele und aufmerksame Leser, namentlich auch in den
Kreisen der Aerzte.


Handbuch der Hygieine

=hauptsächlich für Mitglieder von Gesundheits-Ämtern=

von

Med. Dr. =Josef Wiel= und Prof. Dr. =Rob. Gnehm.=

(Zürich.)

8° eleg. brosch. fl. 10 = Mk. 20, eleg. geb. fl. 11 = Mk. 22.

Während eine ganze Anzahl der neuerdings so zahlreich erschienenen
Lehrbücher über Gesundheitspflege einen theoretischen, allgemein
belehrenden Charakter haben und mehr oder weniger selbstverständliche
Grundwahrheiten in umständlicher Gründlichkeit behandeln, enthält sich
das vorliegende aller weitläufigen Auseinandersetzungen und gibt in
klarer prägnanter Zusammenstellung praktische Anhaltspunkte für alle
diejenigen, welche in Berufs- oder Privatverhältnissen wissen wollen,
was denn eigentlich gesundheitschädlich oder -fördernd ist.


Goethe in Karlsbad.

Von Med. Dr. Eduard _Hlawacek_.

Elegant broschirt M. 2. -- fl. 1. österr. W.

Die kleine Monographie fasst Alles, was in des Dichters Leben und
Werken sich auf den berühmten böhmischen Badeort bezieht, zu einem
übersichtlichen Ganzen zusammen und enthält manche fesselnde und
instructive Einzelnheit, welche in grösseren Kreisen nicht bekannt sein
dürfte.



    FÜHRER

    DURCH DAS

    BÖHMISCHE ERZGEBIRGE,

    DAS MITTELGEBIRGE

    UND

    DIE ANGRENZENDEN GEBIETE.

    Bearbeitet

    von

    PROF. AUGUST WEYMANN,

    k. k. Schulinspector der Bezirke Brüx und Komotau, d. Z. Obmann des
    Erzgebirgsvereines in Oberleutensdorf, Ehrenmitglied des
    Erzgebirgsvereins in Joachimsthal, Mitglied des deutschen und
    österreichischen Alpenvereins.

    KARLSBAD.

    VERLAG VON HANS FELLER.



Alle Rechte vorbehalten.


K. k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag.



Sr. Hochwohlgeboren

Herrn

RICHARD RITTER VON DOTZAUER,

Comthur des Franz Josef-Ordens, Ritter des Ordens der eisernen
Krone III. Classe, Inhaber der Prager Bürger-Ehren-Medaille,
Kaufmann, Präsidenten der Prager Handels- und Gewerbekammer, Obmann
des Central-Comités zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der
böhm. Erz- und Riesengebirgsbewohner, des deutschen Vereins zur
Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, des Gebirgs-Vereines für
Böhmen, Directionsrathe der böhm. Sparcassa, Präsidenten der böhm.
Unionbank, der Prager Dampf- und Segelschifffahrts-Gesellschaft, der
Prager Maschinenbau-Actien-Gesellschaft, der Actien-Gesellschaft
der Prager Civilschwimmschule, Verwaltungsrathe der böhm.
Escompte-Bank, Ehrenbürger der Städte Abertham, Bärringen, Bleistadt,
Böhm. Wiesenthal, Falkenau an der Eger, Gossengrün, Gottesgab,
Graslitz, Joachimsthal, Königswart, Maria-Kulm, Neudek, Platten,
Schönbach, Sebastiansberg, Sonnenberg, Weipert und der Gemeinden
Neudorf u. Kallich, Major u. Corps-Commandanten des k. k. priv.
bürgerlichen Scharfschützen-Corps in Graslitz, Ehren-Major der
Scharfschützen-Gesellschaft in Frühbuss, Ehrenhauptmann der k. k.
priv. bürg. Scharfschützen-Corps in Prag, Pressnitz, Schönbach,
Ehrenmitgliede der wissenschaftlichen Lese- und Redehalle deutscher
Studenten in Prag, der Fortbildungs-Vereine in Teplitz, Schönau und
Pürstein, des christl. Handlungs-Commis-Unterstützungs-Vereines in
Pressburg, Ehrenmitgliede mehrerer Spar- und Vorschuss-Cassen-Vereine,
Gesang-, Turn-, Feuerwehr- und Anpflanzungs-Vereine, und vieler
Militär-Veteranen-Vereine etc. etc.,

gewidmet

in aller Ehrfurcht und Dankbarkeit

        vom

            Verfasser.



Einleitung.


Sie wollen das böhmische Erzgebirge besuchen? Sie werden dort von den
hochgebornen Bewohnern gastfreundlich empfangen werden und manches
finden, was einen Besuch dieser merkwürdigen Gebirgskette lohnt, und
wenn Sie uns als Reisebegleiter annehmen, so können wir Sie auf viel
Anziehendes in der Natur, dem Leben und der Geschichte seiner Bewohner
aufmerksam machen, was der eilige Reisende leicht übersieht und
überhört.

Wir schliessen uns Ihnen gerne an, denn wir kennen diese herrlichen
Berge, wir lieben ihre Naturreize, wir sind vertraut mit den Bewohnern,
wir schätzen ihren verständigen Kunstfleiss, wir fühlen uns heimisch
in ihrem stillen Haushalt und theilen ihre Freude an den besonderen
landschaftlichen Reizen und den eigenthümlichen Naturschätzen, welche
die ersten Ansiedler anzog und die dichte Bevölkerung trotz vieler
Widerwärtigkeiten dennoch festhält, auch wenn sie Mangel und Armuth
drückt.

Warum laden wir Sie zum Besuche ein?

Das Erzgebirge ist von allen Seiten leicht zugänglich und in allen
Theilen bis auf den Gipfel bequem zu besteigen. Da der über 20 Meilen
sich erstreckende, zusammenhängende Gebirgszug gegen Süden mässig
steil abfällt und sich gegen Norden ganz sanft abdacht, so ist seine
Besteigung nur auf der böhmischen Seite aus dem Thale der Eger und
Biela anstrengend, aber höchst interessant und auch in 2 bis 3 Stunden
vom Fusse bis zum Rücken auszuführen. Ueberdiess erleichtern viele
Verkehrsmittel den Besuch dieses Gebirges.

Aus dem Bielathale von Teplitz führt die Dux-Bodenbacher Bahn über die
Erzgebirgshöhe von Zuckmantel und Königswald.

Aus dem Egerthale bei Franzensbad führt eine Eisenbahn über das Gebirge
nach Adorf, Oelsnitz, Plauen und eine zweite über Graslitz auf die
Höhe des Erzgebirges. Von Komotau auf der Wasserscheide zwischen dem
Egerthale und Bielathale führt eine vierte Eisenbahn auf den Kamm des
Erzgebirges empor und über Sonnenberg, Kupferberg, Schmiedeberg und
Weipert nach Annaberg ganz in der Nähe der höchsten Gebirgskuppen
des Hassberges, Keilberges und Fichtelberges vorbei. In naher Zukunft
wird eine fünfte Schienenverbindung aus Böhmen nach Sachsen über den
Erzgebirgsrücken führen und zwar aus dem Bielathale über Klostergrab in
das Muldethal als Fortsetzung der Prag-Duxer Bahn im Anschlusse an die
sächsischen Gebirgsbahnen.

Mit der Dampfkraft wird der Reisende auf der Eisenbahn von dem
südlichen Fusse des Gebirges in weniger als einer Stunde auf den
Kamm emporgehoben und kann den Rücken entlang das Gebirge bequem
durchwandern.

Noch zahlreicher sind die Fahrstrassen, welche von der Südseite auf
die Höhe des Gebirges führen in einer Steigung, welche im Wagen
die Höhe des Gebirges vom Fusse an auch in einer bis zwei Stunden
erreichen lässt. Sogar jedes der Querthäler ist von einer guten Strasse
durchzogen. Nahezu von Meile zu Meile führen längs des ganzen südlichen
Randes des Gebirges bequeme Strassen auf das Gebirge hinauf und von
Böhmen hinüber nach Sachsen.

Auf dem Rücken des Gebirges selbst, der gegen Sachsen sanft und breit
gestreckt niedersinkt, in seiner Längenrichtung aber in ziemlich
gerader Linie sich hinzieht, führen zwischen den Städten und grösseren
Ortschaften Dammstrassen, gute Wege und bequeme Steige.

Die Ausgangsorte für einen Besuch unserer Gebirge liegen zahlreich auf
den meist besuchten Verkehrslinien.

Von _Sachsen_ aus sind es _Dresden_, _Leipzig_ und näher _Zwickau_,
_Chemnitz_ und _Freiberg_, von _Baiern_ aus _Baireuth_ und _Hof_.
Im Süden aber liegen die viel besuchten Badeorte _Franzensbad_,
_Marienbad_, _Karlsbad_, _Teplitz_, dann die Städte _Eger_, _Falkenau_,
_Kaaden_, _Komotau_, _Görkau_, _Brüx_, _Dux_, _Oberleutensdorf_,
_Bilin_, _Leitmeritz_, _Lobositz_, _Aussig_, _Tetschen_, wo jeder
Spaziergang die Berge in einer solchen Nähe zeigt, dass sie in wenig
Stunden nicht nur erreicht sondern selbst auch erstiegen werden können.
Der Zugang bietet nirgends Gefahren und besondere Beschwerden. Die
genannten Ausgangsorte unserer Heimat sind mit der Landeshauptstadt
durch drei Hauptbahnen verbunden, was die Bereisung der Gebirge dem
Touristen aus dem Innern des Landes ungemein erleichtert. Im Waggon
wird er rasch emporgezogen, und jede Wendung auf den zahlreichen
Krümmungen der Bahn bietet dem Auge eine neue überraschende Aussicht
nach den sich erweiternden Gegenden. Auch im Wagen auf den gut
gepflegten Strassen, welche hier in einem Thale neben dem rauschenden
Forellenbach, dort an einem Thalgelände in Schlangenwindungen sich
hinzieht, kann sich der Besucher dem rasch wechselnden Ausblick über
ferne Gegenden, dort über nahe grüne Wälder, üppige Blumenwiesen und
freundliche Ortschaften hingeben. Der Fusswanderer braucht vom Fusse
des Gebirges bis zum Kamme nirgends mehr als zwei oder drei Stunden
und wird dabei immer mehrere Ortschaften, Dörfer oder Städtchen
finden, wo er rasten kann. Auf der Höhe des Gebirges angekommen,
wandelt er meistens zwischen den wohlriechenden Kräutern und Blumen
der Grasfluren. Ueberall erquickt ihn das dem Auge wohlthuende Grün
in der Abwechslung der helleren Farbe der Haferäcker und Grasfelder
und der dunkleren Farbe der Gebüsche und der Fichtenwälder. Von allen
Seiten kommt ihm entgegen der Wohlgeruch von duftenden Kräutern, wie
Quendl und Thymian, von wohlriechenden Blumen, wie Maiglöckchen, und
von harztriefenden Fichten und Tannen, welche die reine Gebirgsluft so
stark würzen, dass wir tief athmend die Lungen wie durstige Trinker
anfüllen, von der Natur getrieben, die uns anreizt, hier unser Blut zu
erfrischen. Auf den Bergen oben athmet es sich leicht und athmet es
sich wohl!

Wenn wir noch erwägen, dass das böhmische Erz- und Mittelgebirge
hunderte der schönsten Aussichtspunkte besitzt, wie sie kein zweites
Gebirge von gleicher Höhe und Dimension aufzuweisen vermag; wenn wir
erwägen, dass es auch reich an Naturerscheinungen ist, dass es von der
Sage geheiligt, von der Geschichte verherrlicht und von der Dichtung
verklärt ist: so erscheint unsere Einladung zum Besuche unserer schönen
und anziehenden Gebirge vollkommen begründet, und wir geben der
Hoffnung Raum, dass sie bald ebenso beliebt sein und in jedem Sommer
ebenso viele Besucher anziehen werden, wie beispielsweise der Harz und
der Schwarzwald.

Um diesen hochwichtigen und patriotischen Zweck zu erreichen, stellte
der grosse, hochansehnliche Erzgebirgsfreund Herr _Richard Ritter von
Dotzauer_ in der am 4. Juli 1880 in der Sitzung _des Central-Comités
zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhmischen Erz- und
Riesengebirgsbewohner in Prag_ folgenden, auf die Belebung des
Touristenverkehrs im böhmischen Erzgebirge bezüglichen Antrag:

»Wenn man das Wesen unserer verschiedenen _Alpen-Vereine_ betrachtet,
so muss wohl die oberflächliche, vulgäre Anschauung -- und ich muss
gestehen, dass ich mich derselben in diesem Punkte früher ebenfalls
zuneigte -- dahin gehen, dass diesen Vereinen in praktischer Hinsicht
keine allzugrosse Bedeutung beizumessen sei. Als ich indessen in den
letzten Jahren unsere österreichischen Alpenländer besuchte, da kam
ich zu einer anderen Ueberzeugung. Ich fand, dass diese Vereine in
ihrem Wirken sehr bemerkenswerthe praktische Erfolge erzielen; mit
ihren Unternehmungen und ihren Publikationen tragen sie bei, die
Alpengebiete immer weiter und weiter zu erschliessen, sie ziehen
die Reisenden heran, sie beleben die Eisenbahnen, sie beleben die
Gasthäuser, sie beleben selbst kleine Industrien. Speciell die _prager
Section_ des deutschen und österreichischen _Alpen-Vereins_ hat in
dieser Richtung sehr erspriesslich gewirkt. Herr _Stüdl_ geniesst in
diesen Gegenden, ich habe mich davon überzeugt, ein hohes Ansehen, eine
seltene Verehrung, und wenn man als Mitglied des hiesigen Alpenvereins
in eine solche Gegend kommt, wird man mit besonderer Aufmerksamkeit und
Rücksicht behandelt; ebenso gewähren die Eisenbahnen den Mitgliedern
des Vereins ansehnliche Fahrpreis-Ermässigungen. Unser Erzgebirge
hat nun wahrlich auch seine Naturschönheiten; aber das Bild, das man
in weiteren Kreisen vom Erzgebirge erhält, ist kein rosiges, kein
anziehendes -- es ist erfüllt von Elend, von Sorge und Noth, es wird
daher selten aufgesucht und insbesondere von Wohlhabenden gemieden
-- und so erklärt es sich, dass man unser Erzgebirge und die guten
Eigenschaften seiner Bevölkerung nicht kennt. Es drängt sich mir da die
Frage auf, ob wir nicht an den Alpenverein herantreten sollen, mit der
Bitte, es möge das Erzgebirge in den Rahmen seines Wirkens einbeziehen
und in geeigneter Weise _durch Anlage neuer Wege, Förderung des Führer-
und Fahrtax-Wesens, Erhaltung und Errichtung von Denkmälern und
Aussichtspunkten etc._ dazu beitragen, dass das düstere Bild, das in
der allgemeinen Vorstellung vom Erzgebirge besteht, sich in schönerer,
wahrerer Beleuchtung zeige. Ein Strom von Tausenden Touristen
könnte hiedurch belebend und befruchtend in diese Gebiete geleitet
werden, zumal die Kurorte -- _Franzensbad_, _Marienbad_, _Karlsbad_
und _Teplitz_ -- ganz entsprechende Ausgangspunkte hiefür bieten.
Mancher von den Fremden könnte da wohl auch aus der Berührung mit
den ehrlichen, guten Leuten im Gebirge die Anregung zu industriellen
Niederlassungen etc. empfangen. Und von den Einheimischen dürfte
Vielen -- auch mit Rücksicht auf die Fahrpreis-Ermässigungen, um die
das Central-Comité und der Alpenverein für die betreffenden Touristen
bei der Buschtěhrader Bahn ansuchen würden, die Gelegenheit, in kurzer
Zeit und mit geringen Auslagen einen lohnenden Ausflug auf interessante
Höhen, in schöne Waldungen zu unternehmen, sehr willkommen sein.«

Dieser Antrag, welcher noch dahin ergänzt wurde, dass auch das
Riesengebirge in's Auge gefasst werden möge, fand lebhaften Anklang
und einmüthige Zustimmung. Die Folge davon war der Beschluss, einen
_Wegweiser_ durch das böhmische Erzgebirge herauszugeben. Mit dieser
Aufgabe wurde der Unterzeichnete betraut; derselbe entschloss sich
aber, auch das höchst interessante Mittelgebirge und die angrenzenden
Gebiete, insbesondere unter Hinweisung auf die Anschlüsse nach Sachsen
in den Kreis der Bearbeitung zu ziehen.

Die Aufgabe war sehr schwierig; allein guter Wille und ausdauernder
Fleiss halfen über alle Schwierigkeiten hinweg. Nach halbjähriger
Arbeit war das schon in früheren Jahren gesammelte Material unter
Mithilfe tüchtiger Mitarbeiter geordnet. Als solche werden genannt: die
Herren Gust. _Schwab_, Bergwerksbesitzer, _Kaeller_, Schuldirektor,
beide in Falkenau; Ed. _Wenisch_, Bürgerschullehrer in Joachimsthal;
Oberlehrer _Strohschneider_ in Sonnenberg; Oberlehrer W. _Grossmann_ in
Krima; Oberlehrer J. _Hofmann_ in Katharinaberg; P. _Forst_, Kaplan,
Gymnasial-Professor _Rebhann_, beide in Brüx; A. _Weitzdörfer_,
Schuldirektor in Oberleutensdorf; E. _Hochreiter_, Gym.-Direktor in
Teplitz; Jul. _Gierschick_, Redakteur in Leitmeritz und Jos. _Werner_,
Fachlehrer in Komotau.

Allen diesen Herren statten wir für die mannhafte Unterstützung den
besten, den innigsten Dank ab.

An einem vollständigen Führer durch das böhmische Erz- und
Mittelgebirge hat es bis jetzt ganz gefehlt; deshalb treten wir
mit einem solchen vertrauensvoll und in der Hoffnung vor die
Oeffentlichkeit, dass er sich bei allen Freunden und Freundinnen
unserer Gebirge guter Aufnahme und wohlwollender Beurtheilung
erfreuen möge. _Gleichzeitig richten wir an alle P. T. Leser und
Leserinnen desselben die Bitte, uns auf etwaige Unrichtigkeiten und
Lücken aufmerksam zu machen, damit wir sie in einer zweiten Auflage
verbessern, beziehungsweise ausfüllen._

    BRÜX.

        August Weymann.



I. Allgemeiner Theil.



A. Reise-Regeln.


Es ist sehr schwer, bestimmte Reiseregeln zu geben, weil sich diese
nur auf Grund gemachter Wahrnehmungen zusammenstellen lassen und
diese nicht immer dieselben sind. Wir haben hier vorzugsweise solche
Touristen im Auge, welche die Touren meist zu Fuss zurücklegen und die
Fusspartien mit Fahrten im Post- oder Eisenbahnwagen weise zu verbinden
verstehen. Wenn wir nun etwas dem Touristen empfehlen, so geschieht es
deshalb, weil wir es als das Beste und Zweckmässigste erkannt haben; es
wird in Folge dessen jede Begründung entfallen.

Die Kleidung sei nicht zu leicht, aber auch nicht zu warm. Feste
und bequeme Schuhe, ein Wollenhemd und Plaid sind für Fussgänger
unentbehrlich. Die Mitnahme von Regenschirmen empfiehlt sich nicht.

Von Gepäck ist nur das Nothwendigste mitzunehmen, dass man es in einem
Tornister auf dem Rücken ohne Beschwerde tragen kann. Bequeme Touristen
brauchen mehr und schicken es mit der Post dorthin voraus, wo sie sich
einige Zeit aufhalten wollen. Um die Wäsche vor Nässe zu schützen,
wickelt man sie in Wachsleinwand ein.

Die beste Zeit zur Bereisung des Erz- und böhmischen Mittelgebirges,
sowie der, an dieselben grenzenden Gebiete ist die vom 1. Juni bis 30.
September, event. 15. Oktober; im August bis Ende September ist die
Witterung gewöhnlich ganz beständig, die Luft rein, die Aussicht von
den Bergspitzen am schönsten und genussreichsten.

Auf eine praktische Zeiteintheilung muss jeder Tourist Bedacht nehmen.
Die Entwerfung eines Reiseplanes ist unbedingt nothwendig. Wenn man
eine 2- bis 3-wöchentliche Fusstour antreten will, so reise man
anfänglich langsam, und erst nach gehöriger Erprobung seiner Kräfte
kann man weitere Fusspartien unternehmen. Einen Taschen-Compass und
eine gute Karte muss jeder Fussreisende mitnehmen.

Bei grosser Hitze muss gegen Mittag Rast gemacht werden; auch gönne
man sich nach grösseren Märschen einen Ruhetag und wähle hiezu solche
Orte, von wo aus man kleinere Ausflüge unternehmen kann. Man merke
sich gut die Regel, früh in's Bett und früh wieder auf. Unternimmt man
grössere Waldpartien und Wanderungen durch langgedehnte Grundthäler,
wie beispielsweise durch den Komotauer Grund, das Teltschthal bei
Görkau, den Hammergrund bei Johnsdorf u. s. w., so empfiehlt sich
das Mitnehmen eines verlässlichen Führers, dass man nicht auf Abwege
geräth, nutzlose Umwege macht und wichtige Punkte unbeachtet lässt. Für
grössere Fusspartien versehe man sich mit einigen belegten Semmeln oder
einigen harten Eiern und einem Fläschchen Wein.

Im ganzen Nordwesten Böhmens reist ein bescheidener Tourist nicht
theuer; wenn er sich gar nichts abgehen lässt, so wird er mit 3
bis 4 fl. sehr gut auskommen, ja da kann er sich zeitweilig eine
Forelle, die auf dem Plateau leicht zu bekommen ist, schmecken
lassen. Gutes ausgegorenes Bier bekommt man in unserem böhmischen
Erz- und Mittelgebirge überall, selbst in kleinen Ortschaften.
Gute, preiswürdige inländische Weine findet man auch fast in allen
Gasthäusern der grösseren Orte, sowie man auch fast überall eine
gute Küche antrifft. Die Wirte geben sich viel Mühe, allen billigen
Anforderungen zu entsprechen; hauptstädtischen Comfort darf man
natürlich im Gebirge nicht suchen.



B. Verkehrs- und Transportwesen.


Von Prag aus führen folgende Eisenbahnen ins böhmische Erz- und
Mittelgebirge:

1. Die nördliche Staatsbahn, Linie Prag-Aussig-Bodenbach.

2. Die Prag-Duxer Bahn, Linie Prag-Obernitz-Brüx-Dux.

3. Die Buschtiehrader Bahn, Linie Prag-Komotau-Karlsbad-Eger.

Das nordwestliche Böhmen mit dem Erz- und Mittelgebirge, also unser
Reisegebiet, wird von nachfolgenden Eisenbahnen theils berührt, theils
durchschnitten, ja Ausläufer gehen sogar über den Kamm oder nehmen
einen grossen Theil der Abdachung ein. Diese Bahnen sind:

1. Aussig-Teplitzer, Linie: Aussig-Teplitz-Dux-Brüx-Komotau mit
Anschluss an die nördliche Staatsbahn und die Buschtiehrader. Zweige
derselben: _a_) Dux-Ossegg; _b_) Aussig-Bilin.

2. Dux-Bodenbacher, Linie:
Bodenbach-Teplitz-Ossegg-Oberleutensdorf-Görkau-Komotau mit denselben
Anschlüssen wie ad 1.

3. Buschtiehrader, Linie:
Komotau-Klösterle-Hauenstein-Warta-Schlackenwerth-Karlsbad-Falkenau-
Tirschnitz-Eger mit den Abzweigungen _a_) Tirschnitz-Franzensbad, _b_)
Falkenau-Graslitz, _c_) Komotau-Weipert, _d_) Komotau-Reitzenhain.

4. Prag-Duxer, Linie: _a_) Obernitz-Sauerbrunn-Bilin-Dux, _b_)
Obernitz-Brüx-Oberleutensdorf-Ossegg-Klostergrab.

5. Pilsen-Priesner, Linie: Brüx-Obernitz-Postelberg-Saaz mit Anschluss
an die Buschtiehrader gegen Prag-Priesen-Komotau.

6. Eger-Voitersreuth-Elster.

7. Eger-Waldsassen.

8. Eger-Sandau-Königswart-Marienbad.

_Anmerkung_: Retourbillete mit 1- bis 3-tägiger Giltigkeit geben alle
voranstehenden Bahnen aus.

_Dampfschifffahrt_ findet man auf der Elbe; hier vermitteln mit allem
Comfort eingerichtete Dampfschiffe im Sommer den Verkehr zwischen
Leitmeritz und Herrnskretschen und retour regelmässig zweimal des Tages.

_Postverbindungen_:
Brüx-Ober-Georgenthal-Gebirgsneudorf-Katharinaberg-Brandau.
(Botenfahrt.)

Aussig-Schönpriesen. (Botenfahrt.)

Bilin-Kosel-Laun und retour. (Botenfahrt.)

Bilin-Teplitz und retour. (Botenfahrt.)

Bodenbach-Böhmisch-Kamnitz-Reichenberg u. retour. (Eilfahrt.)

Breitenbach-Platten-Bärringen-Salmthal-Lichtenstadt-Karlsbad und
retour. (Botenfahrt.)

Brüx-Hawran und retour. (Botenfahrt.)

Buchau-Solmus-Karlsbad und retour. (Botenfahrt.)

Buchau-Luditz und retour. (Botenfahrt.)

Duppau-Saaz-Radonitz-Kaaden und retour. (Botenfahrt.)

Eichwald-Teplitz und retour. (Botenfahrt und Omnibus.)

Elbogen-Schlaggenwald-Schönfeld und retour. (Eilfahrt.) --
Schönfeld-Petschau und retour. (Botenfahrt.)

Fleissen-Wildstein und retour. (Cariolpost.)

Görkau-Kallich und retour. (Botenfahrt.)

Gossengrün-Hartenberg und retour. (Botenfahrt.)

Gossengrün-Schönbach und retour. (Botenfahrt.)

Heinrichsgrün-Neudeck und retour. (Botenfahrt.)

Heinrichsgrün-Frühbuss und retour. (Botenfahrt.)

Joachimsthal-Schlackenwerth und retour. (Botenfahrt.)

Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten u. retour. (Botenf.)

Joachimsthal-Gottesgab-Weipert. (Botenfahrt.)

Kaaden-Podersam. (Botenfahrt.)

Kaaden-Brunnersdorf. (Botenfahrt.)

Kaaden-Pressnitz. (Botenfahrt.)

Kallich-Görkau. (Botenfahrt.)

Kallich-Brandau. (Botenfahrt.)

Karbitz-Kulm-Schönwald. (Botenfahrt.)

Karlsbad-Neudeck. (Botenfahrt.)

Karlsbad-Petschau-Einsiedl-Marienbad u. retour. (Botenfahrt.)

Karlsbad-Giesshübel-Puchstein und retour. (Omnibus.)

Karlsbad-Petschau-Theusing-Pilsen. (Botenfahrt.)

Karlsbad-Fischern-Altrohlau-Neudeck. (Botenfahrt.)

Königswart-Sangerberg. (Botenfahrt.)

Komotau-Eidlitz. (Botenfahrt.)

Kosel-Bilin. (Botenfahrt.)

Krima-Neudorf-Sebastiansberg. (Botenfahrt.)

Lobositz-Raudnitz. (Botenfahrt.)

Lobositz-Libochowitz. (Botenfahrt.)

Lobositz-Trebnitz-Liebshausen-Laun. (Eilfahrt.)

Lubenz-Rudig. (Botenfahrt.)

Lubenz-Luditz. (Botenfahrt.)

Lubenz-Waltsch. (Botenfahrt.)

Mies-Stab. (Botenfahrt.)

Mies-Weseritz. (Botenfahrt.)

Mies-Haid. (Botenfahrt.)

Neudeck-Neuhammer-Platten. (Botenfahrt.)

Neudeck-Neuhammer-Hirschenstand-Eibenstock. (Botenfahrt.)

Postelberg-Leneschitz. (Botenfahrt.)

Rudig-Waltsch. (Botenfahrt.)

Saaz-Podersam. (Botenfahrt.)

Saaz-Postelberg-Laun. (Botenfahrt.)

Schönbach-Neukirchen-Wildstein. (Botenfahrt.)

Tepl-Weseritz-Leskau. (Botenfahrt.)

Tepl-Marienbad. (Botenfahrt.)

Teplitz-Bilin. (Botenfahrt.)

Teplitz-Schallan. (Botenfahrt.)

Teplitz-Eichwald. (Botenfahrt.)

Teplitz-Waldthor. (Omnibusfahrt.)

_Anmerkung_: Die Botenfahrten sind ziemlich bequem, haben aber
eine beschränkte Aufnahme. Fast bei allen Eisenbahnstationen sind
comfortable Omnibusfahrten eingerichtet.

_Post-Eilwägen_ sind immer sehr bequem, fahren gut, müssen die Fahrzeit
genau einhalten und sind immer von einem Conducteur begleitet. Die
Fahrkarten sind rechtzeitig an den Poststationen zu lösen. Extraposten
sind in den Hauptstationen zu bekommen. Lohnfuhrwerke befinden sich in
allen grösseren Orten. Empfehlenswerth ist es, sich vorher genau über
den Fahrpreis und das übliche Trinkgeld zu verständigen, dass nicht
nach der Fahrt Missverständnisse zum Nachtheile des Reisenden entstehen.

_Gasthöfe._ In allen grösseren Orten, selbst in Dörfern findet man
jetzt recht gute Gasthäuser. Man wird gut und aufmerksam bedient und
lebt billig. Wenn die Gesellschaft grösser ist, so empfiehlt es sich,
die Ankunft brieflich oder telegrafisch anzuzeigen. In ganz kleinen
Ortschaften und in wenig besuchten Gebieten lassen die Gasthäuser
freilich noch einiges zu wünschen übrig und genügen nur bescheidenen
Ansprüchen; doch findet man überall freundliches Entgegenkommen.

_Führer_: Das Führerwesen wird jetzt durch die Gebirgsvereine
organisirt werden. Für grössere Partien ist die Mitnahme eines Führers
häufig nothwendig, obwohl in neuester Zeit seitens der Gemeinden und
Gebirgsvereine viele Wegweiser aufgestellt wurden; allein in den
ausgedehnten Waldungen ist ein Verirren leicht möglich, was häufig
einen grossen Zeitverlust und Störung der ganzen Partie zur Folge hat.
Bei der Wahl der Führer ist Vorsicht zu gebrauchen und empfiehlt es
sich, die Obmänner oder andere Mitglieder der Gebirgsvereine, die fast
in allen Orten zu treffen sind, um Auskunft anzugehen.



C. Geographisches.


Das Erzgebirge.

_Name_: Das Erzgebirge hat seinen uralten Namen von dem
ausserordentlichen Reichthum an sehr verschiedenen Erzen, und es hat
ihn auch durch den ergiebigen Bergbau gerechtfertigt, der hier durch
viele Jahrhunderte auf Silber, Zinn, Kupfer, Blei und Eisen getrieben
wurde.

_Eintheilung des Erzgebirges nach der Ausdehnung, Höhe, Form._ Das
Erzgebirge erhebt sich aus der Ebene des Teplitzer Thales, durch
welche es vom Mittelgebirge getrennt wird, mit grosser Steilheit
gleich einem Walle, welcher, in südwestlicher Richtung fortlaufend,
das nordwestliche Böhmen vom angrenzenden Königreiche Sachsen trennt,
d. h. die politische Grenze dieser beiden Länder wird durch den Rücken
dieses Gebirgszuges bestimmt, jedoch nicht durch den Kamm desselben und
die Wasserscheide; vielmehr gehört nicht nur der ganze steile Südabhang
des Gebirges, sondern auch noch ein Theil des sanften, sich nach
Sachsen abdachenden Gehänges zu Böhmen, und die Grenze findet sich fast
durchaus erst jenseits der Wasserscheide. Das nordöstliche Ende dieses
Gebirges ist durch den Nollendorfer Pass bestimmt; es wird jedoch von
vielen Geographen auch das Elbthal dafür angenommen.

Seiner Ausdehnung nach gehört das Erzgebirge unter die Hauptgebirge,
denn seine Länge beträgt über 20 Meilen.

Nach seiner Höhe ist es ein Mittelgebirge. Die höchsten Punkte
desselben befinden sich im südwestlichen Theile; im Nordosten gegen
die Elbe zu übersteigt dessen Höhe wohl nicht 756 m; die Höhe des
Nollendorfer Passes beträgt 675 m.

Der Form nach ist das Erzgebirge ein Kettengebirge; es setzt sich ohne
Unterbrechung seines Zusammenhanges auf seiner ganzen Längenerstreckung
fort, so dass sein Kamm eine fast wellenförmige Linie darstellt, und
die beiden Abhänge unterscheiden sich, wie bei allen Gebirgen dieser
Art, durch ihre Steilheit; der südliche, zu Böhmen gehörige, ist, wie
schon erwähnt, der steilere, und längs desselben befinden sich viele
Einschnitte, Schluchten und Thäler, hervorgebracht durch die einzelnen
Berge, welche, sich durch grössere oder geringere Steilheit von der
Hauptkette trennend, kurze Nebenjoche bilden.

_Geognostische Beschaffenheit._ In geognostischer Hinsicht gehört
das Erzgebirge unter die sogenannten Urgebirge, d. h. die Felsarten
desselben gehören zu denjenigen, welche der Geognost ihrer Struktur,
ihrer Lagerungsverhältnisse und des Mangels an Versteinerungen wegen
unter die ältesten Bildungen unserer Erdrinde zählt. Die Felsarten
dieses Gebirgszuges im nordöstlichen Theile sind Gneis, Porphyr und
Granit; sehr eingeschränkt kommt Greisen und Urkalkstein vor, Basalt
nur an einzelnen Stellen und von Flötzfelsarten der Quaderstein am
Fusse des Gebirges. Im westlichen Theile des Erzgebirges ist der
Gneis das überwiegend vorherrschende Gestein, andere Schiefer- und
Eruptivgesteine treten dagegen zurück.

_Gestaltung, Begrenzung, mittlere Höhe, ausgezeichnete Höhenpunkte
des Erzgebirges._ Das Erzgebirge gestaltet sich gleich einem hohen,
in terrassenförmigen Absätzen erhebenden steilen Walle, nach oben
zu einem fast gleichförmig fortlaufenden Kamme oder ausgedehnten
Rücken, welcher sich sehr sanft, ja fast unmerklich nach Norden in
das Nachbarland abdacht. Die südliche, steile Abdachung ist von
zahlreichen Schluchten und Thälern eingeschnitten, zwischen welchen
kurze Gebirgsjoche aus Kuppen von verschiedener Höhe und meistens
abgerundeter Gestalt zusammengesetzt hervorragen und diesem Abfalle
ein ausgezeichnetes Gebirgsansehen ertheilen. Auf dem Rücken verlieren
sich die ausgezeichneten Formen eines höheren Gebirges; nur einzelne
Kuppen und Höhen von verschiedener Gestaltung, jedoch ohne kühne oder
stark hervortretende Umrisse erheben sich auf der ausgebreiteten
Platte, welche sonst durch ihre gross und sanft wellenförmige, auf
weite Strecken sogar fast ebene Oberfläche und durch die seichten
Thäler, welche erst in ihrem weiteren Verlaufe im Nachbarlande tiefer
und enger werden, die Formen eines Flachlandes zeigt. Abtheilungen
in Gebirgsjoche nach dem Verlaufe der Thäler treten erst weiterhin
deutlicher hervor. Es beginnt mit unentschiedenem Charakter an den
Hochflächen, die im Norden an die Waldsteinkette des Fichtelgebirges
sich schliessen und zwar unweit Asch oder an der Quelle der weissen
Elster mit dem hohen Kapellenberg als Elstergebirge und ist an seinem
Ost-, Nordost-Ende von dem Elbsandsteingebirge begrenzt.

Die mittlere Erhöhung des Gebirgsrückens kann zu 756 m über die
Meeresfläche, über die Ebene am Fusse des Gebirges aber zu 417 m
angenommen werden; über die tieferen, jedoch entfernteren Punkte des
Flachlandes oder die eigentliche Thalsohle beträgt sie 512 m.

Wir verfolgen die ausgezeichnetsten Höhepunkte auf dem Kamme und den
Abhängen des heimatlichen Gebirgszuges von dem Durchbruche der Elbe,
also einbezüglich der des Elbsandsteingebirges bis zu den Ausläufern
des Fichtelgebirges. Als solche zeigen sich: Der =Schneeberg= mit
seinem weitsichtbaren, schlanken Thurme; die berühmten =Tyssaer Wände=
(615 m); bald darauf erblicken wir =Nollendorf= mit seinen historischen
Höhen und dem bekannten Passe von Teplitz über Pirna nach Dresden
(675 m). Von der Bahnstation Rosenthal-Graupen der Dux-Bodenbacher
Bahn sind die Aussichtspunkte =Wilhelmshöhe= 335 m, die =Rosenburg=
355 m und das =Mückenthürmchen= 800 m zu besteigen. Schöne Aussicht
bietet der =Königshügel= 412 m bei Klostergrab, der =Wolfstein= bei
Niklasberg und bei Ossegg die =Salesiushöhe= und die =Riesenburg=.
Imposant ist der =Wieselstein= 949 m bei Oberleutensdorf. Weiter
folgen: Der =Göhrner Hübel=, westlich von Göhren mit 811 m Seehöhe;
der =Haselstein= und der =Nonnenhübel=, südlich von Böhm.-Einsiedl;
südlich von Nickelsdorf der =Wachtberg=, auch =Kapuzinerhau= genannt;
östlich von Gebirgsneudorf der =Wachhübel=; der =Dürnberg= südlich
von Brandau. Der aus zwei Kuppen bestehende =Adelsberg=, dann der
=Bernstein=, beide östlich von Ladung, letzterer von 920 m Meereshöhe
ist der höchste Punkt in der östlichen Gegend des Gebirges und bildet
einen Knoten, von welchem es mit grösserer Steilheit und mit einem
stärkeren Vorsprunge nach Süden abfällt. Weiter westlich finden sich
der grosse =Steinberg=, südlich von Kleinhan, der =Beerhübel= zwischen
Göttersdorf und Kallich auf dem hier 865 m hohen Gebirgskamme. Eine
zweite, gleichfalls in westlicher Richtung verlaufende Kuppenreihe
erhebt sich am Rande des hier über eine Stunde weit ausgebreiteten
Rückens. Die ansehnlichsten Kuppen sind: Der =Ringelberg=, etwa 10
Minuten in südlicher Richtung von Reizenhain, und der =Otterstein=,
etwa ¾ Stunden in nördlicher Richtung von Märzdorf mit schönen Felsen
und herrlichem Wald. Nordwestlich von Sebastiansberg, angrenzend an das
Gebiet des Ringelberges und hievon getrennt durch die Kaiserstrasse bei
Reizenhain, finden sich die Kuppen des =Stockraumwaldes=, von denen die
ansehnlichste der =Glasberg= nahe an der Landesgrenze ist. Nordöstlich
von Pressnitz zeigt sich der ausgedehnte und =hohe Hutberg= 991 m,
einer der höchsten Punkte des Erzgebirges; er verläuft in südlicher
Richtung in die =Reischhöhe=, an der westlich der =Pöllnerberg=
855 m hängt. Einer der höchsten Punkte ist noch der =Hohehau= 995 m
nordwestlich von Weigersdorf. Auf dem nördlichen Abhange des Gebirges
gehören noch einige ansehnliche Kuppen hieher, nämlich: =Der grosse und
kleine Wolfsberg=, südlich von Schmiedeberg, der =Spitzberg= zwischen
Schmiedeberg und Pressnitz, der =Bärenstein= 704 m bei Weipert und der
=Pleilberg= südlich von Sorgenthal.

Hier sind noch einige hübsche Punkte zu nennen, welche sich an
dem steilen südlichen Abhange westlich von Oberleutensdorf über
Kaaden hinaus erheben und an diesem kurze Gebirgsjoche bilden. Die
hervorragendsten sind: Der =Eisenberg=, auf welchem das gleichnamige
Schloss 164 m Höhe über der Thalsohle steht; westlich davon ist der
=Seeberg= und noch weiter bei Stolzenhan der =Tannich=. Sie bilden
eine ziemlich ansehnliche Gruppe von steilen Bergen, mit welchen der
Gebirgsabfall als ein kurzes Joch in die Ebene vorspringt, aus welcher
es jedoch sehr steil aufsteigt. Weiter südwestlich gestaltet sich
der Gebirgsabfall zu einer Art von Bucht, auf deren Abhange sich nur
niedrige Kuppen erheben; sie wird westlich von dem =Hammerberge=,
dem =Hutberge= und dem =Roland= eingefasst, welcher, in einige Hügel
auslaufend, den Fuss des Gebirges nördlich von Komotau bildet. Westlich
von dieser Stadt bei dem Dorfe Tschernowitz erhebt sich =der isolirte
Burberg=. Jenseits des Höllbachthales zeigt sich der ausgedehnte
=Gliedner Berg=, welcher westlich in den =Schweigerberg= verläuft.
Westlich von Platz befindet sich der =Hassensteiner Schlossberg=, und
noch weiter westwärts über Klösterle hinaus bildet der Abhang des
Gebirges das Gehänge eines mehr eingeengten Thales. Isolirt, im Thale
sich erhebend, befindet sich südwestlich von Klösterle nahe der Eger
der 547 m hohe =Schönburger Schlossberg=, und nicht weit von Wotsch
der =Himmelstein=, welcher von seiner Burgruine eine schöne Aussicht
nach Westen bietet. An dem nördlichen Abfalle des Gebirges, welches
sich westwärts von Kaaden ausdehnt, sich dem des Erzgebirges gegenüber
erhebt, hinsichtlich seiner Zusammensetzung und Gestaltung auffallend
vom Erzgebirge verschieden ist, keinen so deutlich hervortretenden
Kamm oder Rücken zeigt, sondern der Hauptmasse nach aus Gruppen von
mehr oder weniger zusammengedrängten Kuppen besteht und erst in seiner
weiteren westlichen Verbreitung, die wir dann nach genauer Betrachtung
des westlichen Erzgebirges in seiner Fortsetzung näher kennen lernen
werden, sich zu einer mehr zusammenhängenden und ausgebreiteten
Masse gestaltet -- finden sich als hervorragende Kuppen: Der
=Herrgottsstuhlberg=, zwischen Krondorf und Ockenau; östlich ist die
=Spinnelsdorfer Kuppe=, der =Leskauer Schlossberg= und der unmittelbar
aus dem Thal steil aufsteigende, oben eine abgeflachte Platte bildende
=Burberg= 583 m südwestlich von Kaaden. Diesem gegenüber an der linken
Seite des Thales erheben sich einige Gruppen von niedrigen Bergen,
welche vom Fusse des Erzgebirges durch die sich hier bereits mehr
ausbreitende Ebene getrennt sind; es sind: der =Seeberg=, zwischen
Nickelsdorf und Meretitz, der =Spitzberg= südlich von Nickelsdorf, dann
der =Königsberg= und =Wistritzer Berg= nördlich von Kaaden. Zu diesen
gehören östlich von dieser Stadt als Ausläufer die an der linken Seite
des Thales auf der Ebene zerstreut vorkommenden Hügelgruppen zwischen
Pröhl und Waschitz, der =Tschachwitzer Hübel=, der =Prölberg= 334 m und
der =Strösauer Hügel=.

Weiter westlich von Pressnitz und Schmiedeberg gelangen wir ins Centrum
des Erzgebirges, wo es in seinen Kuppen über 1200 m hoch ansteigt. Dort
ist der =Keilberg= oder =Sonnenwirbel= 1243 m, über den der Pass von
Gottesgab in der Höhe von 900 m von Karlsbad, Joachimsthal nach Sachsen
führt.

Dieser Höhepunkt bildet gewissermassen den Hauptstock des ganzen
Gebirges, einen Gebirgsknoten, von welchem dasselbe in nordöstlicher
und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich
zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast das Ansehen eines
Hochgebirges erhält. Der nordöstliche Gebirgsflügel, welcher durch
diese aus dem Thale in schroff ansteigenden, auf einander gelagerten
und zu beträchtlicher Höhe sich erhebenden Gebirgsgruppe vom
südwestlichen getrennt wird, enthält auf dem 838 m hohen Rücken den
isolirten, kegelförmigen =Kupferhügel=, 68 m hoch. Von hier verläuft
der Gebirgsrücken gegen den Keilberg hin fast als Ebene über eine
Meile weit, wo dann der genannte Gebirgsstock als ein Haufwerk von
eng vereinigten, zu einer ausgedehnten, sanft zugerundeten Masse
verbundenen Scheiteln hervorragt. Nach einer seiner westlichen
Kuppen wird dieser Stock auch der Sonnenwirbel genannt; in seiner
Nachbarschaft erhebt sich jenseits der Landesgrenze der =Fichtelberg=
1213 m zu nicht viel geringerer Höhe empor. Östlich vom Keilberg
ist der =Hauensteinberg= 1080 m und südlich der =Schwarzfelsberg=
1114 m. Westlich verläuft der Hauptrücken des Gebirges in demselben
Charakter wie östlich von diesem Hauptstocke, nämlich als eine breite
Gebirgsfläche mit sanfter Abdachung gegen Norden, auf welcher einzelne
Kuppen und ausgebreitete Höhen hervorragen und die Gebirgsfläche
wellenförmig gestalten. Allmählig aber nimmt die Höhe des Hauptrückens
in seinem Verlaufe nach Südwesten ab und erreicht bei Gottesgab 1016 m,
bei Platten 885 m, bei Hirschenstand 860 m Meereshöhe, weiterhin wird
es noch niedriger und sein Zusammenhang tritt weniger deutlich hervor;
er gestaltet sich in ein aus mehreren kleineren Gruppen von Gipfeln
zusammengesetztes Gebirge um, welches an seinem westlichen Ende im
Egerlande mit den Ausläufern des Fichtelgebirges verschmilzt. In
diesem Theile des Gebirges nennen wir als hervorragende Punkte: den
=Spitzberg= bei Gottesgab 1118 m, den =Plattenberg= bei Platten 1039 m,
=den Muckenbühl= 944 m, =den Aschberg= 925 m, den in Sachsen liegenden
=Auersberg= bei Wildenthal 1021 m, =den »hohen Stein«= bei Schönbach
767 m und =den Kapellenberg= bei Voitersreuth 764 m hoch.


Das Gebirge südlich von der Eger.

Südlich von der Eger haben wir im Westen die letzten Ausläufer des
Böhmerwaldes. Durch den ziemlich weiten Pass oder tiefen Einschnitt bei
Sandau, wo sich der Gebirgsrücken nur wenig über die Flächen erhebt,
welche sich im Westen und Osten an seinem Fusse verbreiten, ist das
genannte Gebirge vom Kaiserwalde geschieden. Am meisten ragt unter
den Bergen im Süden des Egerlandes der =Dillenberg= durch Ausdehnung
und Höhe hervor; es ist die nördlichste und ansehnlichste Kuppe des
Waldgebirges, welches mit demselben den Zug seiner Verbreitung in
Böhmen schliesst; er erreicht 963 m Meereshöhe, ragt daher beiläufig
540 m über die Fläche des Egerlandes hervor. Die Gestalt ist die eines
steil ansteigenden, sanft gebogenen Rückens mit einigen sattelförmigen
seichten Einbiegungen.

Der weitere, nordwestlich verlaufende Zug wird gewöhnlich das Tepler
Gebirge genannt; er bildet einen ausgebreiteten Rücken mit ziemlich
gleichförmigen Verhältnissen seiner Abdachungen. Der westlich vom
Teplthale gelegene Theil dieses Gebirges ist durch mehrere kleinere
Thäler eingeschnitten, ohne dass sich jedoch die Theile als eigene
Züge besonders hervorheben. Der höchste Theil desselben ist der
südwestliche unter dem Namen Kaiserwald mit =der hohen Glatze= 973·5 m.
Von da verläuft mit abnehmender Höhe der westliche Gebirgsabhang als
natürliche Begrenzung des Egerlandes zwischen dem Roda-Bache und dem
Liebau-Bache bis Königsberg, wo sein steiler Abfall das nördliche
Gehänge des engen Thales bildet, welches ihn vom letzten Joche des
Erzgebirges, dem Leibitsch-Kamme, trennt. Sanfter ist der Abfall des
zweiten Theiles zwischen dem Liebau-Bache und Lobs-Bache, wo am Fusse
des Gebirges die Thalfläche von Falkenau, das Falkenauer Land, sich
ausbreitet und sich bis zum Fusse des Erzgebirges in einer Breite von
11·3 Kilom. ausdehnt. Den dritten Theil bildet der Abfall des Gebirges
zwischen dem Lobsbache und dem Zechthale mit dem =Spitzberg= 821 m
zwischen Lauterbach und Schönfeld und dem =Crudum= 830 m nördlich
von Kohling, welche beide mächtig hervorragen. Die Gehänge dieses
Gebirgstheiles fallen steil und stellenweise als schroffe Felswände
in die beiden genannten Seitenthäler und in das Hauptthal bei Elbogen
ab. Der vierte Theil verläuft zwischen dem Zechthale und der Tepl und
wird überragt von der =Buchenhöhe= 728 m nördlich von Poschitzau und
dem =Aberg= 609 m südöstlich von Aich. Derselbe gewährt eine treffliche
Aussicht über den Gebirgsrücken und auf das Erzgebirge.

Der östliche Theil des Tepler Gebirges rechts vom Tepelthale ist mehr
ausgebreitet als der westliche, erreicht aber nicht dessen Höhe; er
hat mehr das Ansehen eines ausgedehnten Plateaus, auf welchem sich
einzelne, zum Theile mehr ausgedehnte als hohe Kuppen hervorheben. Der
südliche Abhang führt zum grossen Theile den Namen Buchauer Gebirge.
Gegen Osten und Nordosten geht die Platte in ein aus Kuppen und
höheren Rücken zusammengesetztes Gebirge über und führt zum Theil den
Namen Duppauer Gebirge. Der Abfall ins Tepelthal ist schroff. Ueber
das Plateau bei Engelhaus ragt der weitsichtbare und jedem Touristen
bekannte =Schlossberg= empor. Dieses Gebirge erhebt sich auch steil aus
dem Haupt-Thale, sowie ihm gegenüber das Erzgebirge.


Das Mittelgebirge.

Dieses Gebirge wird von der Elbe durchschnitten und in zwei nahezu
gleiche Theile, einen westlichen und einen östlichen, geschieden.
Der westliche Theil wird nördlich von dem Eulauer, nordwestlich von
dem Teplitzer Thale, westlich von der schönen, fruchtbaren Saazer
Ebene und südlich von dem Egerthale und der Ebene, in welches
sich dieses verläuft, begrenzt. An seinem nördlichen Abhange wird
dieser Gebirgstheil in nordöstlicher Richtung von dem Bielathale
durchschnitten, und gewöhnlich wird nur der Strich zwischen dem Eger-
und Bielethale das Mittelgebirge genannt, wiewohl das nordwärts der
Biela liegende Gebirge bis zu den bezeichneten Grenzen, sowie das
an der Ostseite der Elbe liegende Gebirgsland mit demselben ein
geognostisches Ganzes bildet, von welchem das eigentliche sogenannte
Mittelgebirge einen Haupttheil ausmacht.

Während dem östlichen Theile theilweise ein kettenartiger Zusammenhang
nicht abgesprochen werden kann, fehlt dieser dem westlichen ganz,
und besteht aus einer Anhäufung von mehr oder weniger vollkommen
kegelförmigen, theils spitzigen, theils abgestumpften oder an dem
Gipfel abgerundeten glockenförmigen Bergen, zwischen welchen hie und
da kahle, zum Theile mächtige, klippige Felskolosse hervorragen. Die
Berge stehen, besonders an den Ausläufern oder am Rande des Gebirges,
wo es sich aus der Ebene hervorhebt, vereinzelt, versammeln sich dann
weiterhin in kleineren und grösseren Gruppen, welche dann an den
beiden Gehängen des Gebirgszuges sich sehr gedrängt gehäuft finden und
in der Mitte desselben als die höchsten Berge hervorragen, worunter
im eigentlichen Mittelgebirge der =Donnersberg= oder =Milleschauer=
mit 815 m über der Nordsee den höchsten Punkt dieses ganzen Gebirges
erreicht. Das ist der König des Mittelgebirges, ein steiler, isolierter
Bergkegel aus Klingstein.

Im östlichen Mittelgebirge liegen die höchsten Berge nicht in der
Mitte, sondern zumeist am Rande desselben. Die Grenzen dieses Gebirges
sind: Südlich die Ebene an der Elbe, über welche sich dasselbe
theils plötzlich mit grosser Steilheit erhebt, theils allmählich von
derselben ansteigt und so den Fuss des eigentlichen steileren Gebirges
bildet. An der Ostseite zerstreuen sich die Gebirgsmassen in einzelne
Kegelberge, welche sowie nordöstlich, endlich als zusammenhängender
Gebirgszug gegen das Gebiet von Bunzlau fortlaufen. Nördlich wird das
Mittelgebirge durch das Granitgebirge begrenzt, und von diesem durch
das Thal des Grundbaches bei Obergrund und Georgenthal geschieden,
hängt jedoch damit durch den Gebirgsrücken bei Schönlinde zusammen,
und seine Felsmassen finden sich auch noch in einzelnen Bergkegeln
zerstreut auf dem Granitgebirge vor. Die nordwestliche Grenze bildet
das Sandsteingebirge an der Elbe, wo sich auch die Felsmassen in
zerstreuten Bergen im Gebiete des Sandsteingebirges vorfinden, sowie
sich die des letzteren mit denen des Mittelgebirges vermengen und diese
durchflechten.

Das östliche Mittelgebirge erhält verschiedene Benennungen nach
einzelnen Gegenden, Ortschaften und Bergen.

In geognostischer Beziehung gehört dieses Gebirge zur vulkanischen
Trappformation und ist eines der ausgedehntesten und ausgezeichnetsten
dieser Art in Europa. Basalt und Klingstein bilden die Hauptmassen des
Gebirges, von denen der erstere die meisten Berge, der letztere die
höchsten Punkte und mächtigsten Felsmassen zusammensetzt. Der Basalt
ist meistens dicht, oft auch blasig und mandelsteinartig und zuweilen
in ein thoniges Gestein oder sogenannte Wakke übergehend; häufig
trifft man ihn schön säulenförmig an, mit Olivin eingesprengt, oder
porphyrartig durch eingewachsene Krystalle von Augit, Hornblende oder
Glimmer. Auch der Klingstein hat mancherlei Abänderungen. Ausser diesen
beiden eigentlichen vulkanischen Trappfelsarten erscheint auch Porphyr
in einigen Gegenden und etwas seltener eine Art Grünstein, welche mit
dem Basalt sehr nahe verwandt ist. Die Felsarten des Urgebirges kommen
nur in einigen Gegenden in den tieferen Theilen zum Vorscheine, so im
Bielathale bei Bilin und im Elbthale bei Tschernosek der Gneis.

=Das Elbgebirge=, auch wohl Sandsteingebirge an der Elbe, das
böhmisch-sächsische Sandsteingebirge, und wegen seiner eigenthümlichen
schroffen Formen und romantischen Thäler, die böhmisch-sächsische
Schweiz genannt, erstreckt sich von den oben angegebenen Grenzen
des Mittelgebirges, nämlich dem Eulauer Thale, dem Losdorfer- und
Olischbache, dann dem Gebirge zwischen Kamnitz und Kreibitz, bis zum
nördlichen Granitgebirge jenseits des Körnschtbaches, und über die
Grenze Böhmens nach Sachsen; es wird von dem Elbthale durchschnitten
und in zwei Theile getheilt. Der Theil an der linken Seite der Elbe
wird fast bloss, soweit das Gebirge Böhmen angehört, vom hohen
=Schneeberge= und dessen Vorbergen gebildet und erhebt sich an
demselben zu seiner grössten Höhe, von welcher es sich nach dem Rücken
des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswalde nur wenig, nach seiner
nördlichen Verflachung sanft abdacht, gegen das Eulauer Thal und das
Elbthal aber sehr steil abstürzt. Viel niedriger gestaltet sich der
Theil desselben an der rechten Seite der Elbe, und bildet ein aus dem
Elbthale sich gleichfalls mit grosser Steilheit bis zu einer Höhe von
ungefähr 379 m erhebendes Plateau, welches sich nach Osten und Süden
sanft gegen das sich aus demselben erhebende Mittelgebirge verflacht,
eine wellenförmige Oberfläche mit einzelnen grössern Erhöhungen
zeigt, und sich an der nördlichen Landesgrenze, am Winterberge und
den Thorwänden, abermals plötzlich gleich einem Walle erhebt. Die
Thäler, welche dieses Plateau durchschneiden und an den Abhängen
des Schneeberges tiefe Einrisse bilden, haben einen eigenthümlichen
Charakter; die Gehänge derselben sind steile, oft senkrecht
aufsteigende zerrissene Felsenwände, welche sich zuweilen gleichsam
in mehreren Stockwerken über einander erheben und deren einzelne, oft
von der Hauptmasse losgerissene, sowohl senk- als wagrecht zerklüftete
Pfeiler sich zu grotesken, oft abenteuerlichen Gebirgsformen gestalten,
von welchen der böhmische Theil dieses Gebirges ebenso reich, als der
deshalb von Lustreisenden so häufig besuchte sächsische Theil desselben
ist.

Die herrschende Felsart dieses Gebirges ist der Quadersandstein, eine
der jüngsten aus der Reihe der sekundären Flötzformationen. Derselbe
zeigt sich bei seinem Beginn am Erzgebirge sichtbar auf dem Gneis
desselben, sowie an seiner Begrenzung am nördlichen Granitgebirge
auf diese Felsart aufgelagert, und Granit zeigt sich auch unter
dem Quadersandsteine an einer merkwürdigen Stelle im Elbthale; an
einer andern kommt auch Thonschiefer als untere Felsart vor. Von den
Felsarten des angrenzenden vulkanischen Trappgebirges findet sich im
Bezirke des Sandsteingebirges ein majestätischer einzelner Basaltberg,
=der Rosenberg=, welcher sich über das Plateau dieses Gebirges am
rechten Elbufer 299 m und überhaupt bis zu 588 m Meereshöhe erhebt.


Flüsse.

Die bedeutendsten Flüsse unseres Reisegebietes sind die =Elbe=, die
=Eger= und die =Biela=.

Wir betrachten die Elbe von Raudnitz an; hier schlägt sie die nördliche
Richtung ein und bewegt sich grösstentheils im flachen Lande und an dem
sanften, hügeligen Gehänge, welches den unteren Fuss des Mittelgebirges
an der linken Seite bildet; von Krzemusch bis Lobositz läuft sie wieder
westwärts, wendet sich aber bei letzterem Orte wieder plötzlich nach
Norden und tritt hier in eine Gebirgsspalte ein. In diesem engen, zu
beiden Seiten von den Felsmassen des Mittelgebirges eingeschlossenen
Thale, welches sich bei Libochowan auf eine kurze Strecke kesselförmig
erweitert, fliesst der Strom, mit einigen Krümmungen in nördlicher
Richtung bis Aussig, wendet sich daselbst nordöstlich und nimmt bei
Kleinpriesen allmählig wieder die nördliche Richtung an, welche er bis
zu seinem Austritte aus unserem Vaterlande beibehält. Das Stromthal
geht auf dieser ganzen Strecke fortwährend zwischen Gebirgen, welche
von Rongstock bis Tichlowitz an, besonders an der rechten Seite, etwas
zurücktreten und so bis Tetschen dasselbe etwas erweitern; unterhalb
dieser Stadt tritt der Strom in das Gebiet des »Elbsandsteingebirges«
ein; das Thal wird sehr enge, die Abhänge steil, zum Theil aus
senkrechten hochaufgethürmten Felsmassen und Wänden bestehend. Die Elbe
verlässt Böhmen mit ihrem linken Ufer ¼ Stunde oberhalb Herrnskretschen
und mit ihrem rechten Ufer ¼ Stunde unterhalb dieses Ortes. Das
Gefälle des Stromes durch diesen Gebirgsweg beträgt von Leitmeritz bis
Herrnskretschen (8⅜ Meilen oder 6·376 Myriameter) 28 m.

In diesem Hauptstrome Böhmens sammeln sich bei weitem die meisten
Gewässer des Landes, und so gehören auch die unseres Reisegebietes
nahezu alle zu dessen Flussgebiete und fliessen grösstentheils
innerhalb desselben in diesen Strom. Der wichtigste darunter ist die
=Eger=, welche auf dem Fichtelgebirge in Baiern und zwar am nördlichen
Abhange des Schneeberges 701 m über der Meeresfläche entspringt. Den
Namen Eger erhält sie erst bei Weissenstadt in Baiern; sie tritt bei
dem baierischen Grenzorte Somerau an die Landesgrenze, durchschneidet
das Egerland in östlicher Richtung in vielen Krümmungen, tritt aus
dem Gebirge östlich von der Stadt Eger in die Thalfläche, verlässt
diese bei Königsberg und durchschneidet den Gebirgskamm, welcher das
Egerland im Osten begrenzt, in einem engen Thale und tritt bei Kloben
in die weite Thalfläche zwischen dem Erzgebirge und Tepler Gebirge,
hält sich jedoch mit ihrem Laufe mehr am Fusse des letzteren, welchen
sie von Altsattel in einem engen felsigen Thale durchschneidet.
Unterhalb Karlsbad verlässt sie die Thalfläche gänzlich und setzt
ihren Weg in nordöstlicher Richtung zwischen dem Tepler Gebirge und
dem Erzgebirge fort. Im weiteren Lauf bei Wartha wird das Rinnsal
fast zur Schlucht eingeengt und verbleibt so bis Klösterle, wo sich
das Thal erweitert. Auf dieser ganzen Strecke sind die Gehänge des
Flussthals grösstentheils felsig und oft fallen die Felsmassen bis in
das Flussbett steil ab. Unterhalb Kaaden tritt sie in das Flachland;
die Gehänge des Flussthales werden allmählig niedriger und sanfter
und das Thal wird weiter und verliert sich unterhalb Saaz ganz in
die Ebene. Die Eger verfolgt nun ihren Weg in östlicher Richtung in
kleinen Krümmungen und tritt in ein nicht sehr tiefes, in den Fuss
des Mittelgebirges eingeschnittenes Thal und kommt aus demselben
bei =Hostenitz= in die Ebene, um sich nach kurzem, nunmehr nördlich
gerichtetem Laufe unterhalb Theresienstadt, gegenüber von Leitmeritz,
mit der Elbe zu vereinigen.

Die Eger ist sehr zu Ueberschwemmungen geneigt und überführt dabei oft
die Niederungen ihres Ufers mit Schutt und Gerölle.

In die Eger ergiessen sich an der linken Seite: der =Liebensteiner=
Bach bei Fischern; der =Schladabach= bei Tirschnitz; der =Fleissenbach=
mit dem =Sirmitzbach= bei Nebanitz; der =Leibitschbach= bei Leibitsch;
die =Zwodau= bei Falkenau; sie entspringt in Sachsen, betritt
unterhalb Klingenthal unseren heimatlichen Boden, verstärkt sich
links in Graslitz durch den =Schwaderbach=, bei Weitzengrün durch den
=Rothaubach= und fliesst bei Falkenau in die Eger; der =Chodaubach=
bei Maierhöfen; der =Rohlaubach= bei Fischern; der =Tippelsgrüner
Bach= bei Dalwitz; die =Wistritz=, verstärkt durch die =Weseritz=,
bei Wistritz, unterhalb Schlackenwerth; die reissenden Gewässer: der
=Holzbach= unterhalb Damitz; der =Mühlbach= bei Austein; der =breite
Bach= bei Klösterle, welche in engen tiefen Thälern am Gehänge des
Gebirges herabfliessen; der =Wernersdorfer Bach=, an der Reischhöhe
entspringend, erreicht in Oberwernersdorf die Reischhöhe, fliesst
durch Nickelsdorf und dann in die Eger; der =Brandbach= bei Kaaden;
der Saubach, anfangs Höllenbach genannt, entspringt aus kleinen
Gewässern bei Wisset und Krima, erreicht die Ebene bei Hagensdorf, in
welcher er durch Deutsch-Kralupp, Priesen, Horatitz und Schisselitz
und dann unterhalb Saaz in die Eger fliesst; der =Assig-= oder =Sau-=,
auch =Komotauer Bach=, entsteht aus dem Assigbach und dem Komotauer
Flössgraben westlich von Sebastiansberg unweit der Landesgrenze und
nimmt den =Rothenhauser Flössbach= auf. Nach Vereinigung dieser Bäche
in der Grundmühle bei Dörnthal fliesst dieser schon ansehnliche Bach
durch den romantischen, ungemein anmuthigen Komotauer Grund nach
Oberdorf herab, dann durch die Stadt Komotau, wo er in's flache Land
eintritt, hier seinen Weg in einem seichten Thale in ostsüdlicher
Richtung durch eine Menge Ortschaften nimmt und unterhalb Postelberg in
die Eger fällt. Sein reissendes Gewässer führt eine Menge Rollsteine
vom Gebirge in das Flachland herab, welche sich bis in die Gegend
zwischen Komotau und Eidlitz verbreiten. Hervorragende und die
Aufmerksamkeit der Touristen besonders erweckende Zuflüsse am rechten
Ufer der Eger sind:

=Die Wondreb=, deren Quelle zahlreiche Riesel an dem südlichen Abhange
des Dillenberges bilden, und welche sich bei Mähring in Baiern zu
einem kleinen Bache vereinigen. Dieser umfliesst in einem weiten Bogen
die südwestlichen Ausläufer des Dillenberges und verstärkt sich durch
die davon abfliessenden Gewässer, sowie durch einige Zuflüsse aus den
Ausläufern des Fichtelgebirges, tritt unterhalb Waldsassen in Böhmen
ein, wo ihm an seiner linken Seite der die Landesgrenze bezeichnende
=Hundsbach= zufliesst.

Der bedeutendste Zufluss links ist die =Tepel=, am Podhornberge
entspringend; sie wendet sich von der Stadt Tepel nördlich und verfolgt
diese Richtung in einem allmählig tiefer und enger werdenden Thale
bis zu ihrem Ausflusse in Karlsbad. Erwähnenswerth sind auch: der
=Flutbach=, von seinem Ursprunge bei Sangerberg der =Flössgraben=
genannt, nimmt in Schlaggenwald den =Röthlinger Bach= auf und fliesst
durch das felsige Zechthal nach Elbogen; der =Lobsbach= entspringt
nördlich von Sangerberg und mündet bei Falkenau in die Eger; der
=Aubach= bei Libotschan; der =Goldbach=, in seinem weiteren Verlaufe
auch =Flöhauerbach=, bei Tyrnowan.

=Die Biela= entspringt auf dem Rücken des Erzgebirges in der Waldgegend
östlich von Neuhaus. Der kleine Bach verstärkt sich noch auf dem
Gebirge durch mehrere Bächlein und nimmt auf seinem Wege in einer
Schlucht an dem Gebirgsgehänge herab den Uris'ner, Göttersdorfer,
Rodenauer, Quinauer Bach und am Fusse des Gebirges den von Platten
herabkommenden Pirkner Bach auf, tritt westlich von Görkau in die
Ebene, durchfliesst diese Stadt und läuft dann in der Niederung in
östlicher Richtung gegen Neundorf, wendet sich hier nordöstlich gegen
Seestadtl, durchfliesst die ganze ebene Fläche in dieser Richtung bis
zum Einflusse des Grundbaches, nimmt dann die südöstliche Richtung
dieses Baches an und fliesst bei Tschausch und Brüx vorüber, tritt
hier in das Mittelgebirge ein, durchfliesst dasselbe in nordöstlicher
Richtung und fällt bei Aussig in die Elbe.

Am linken Ufer nimmt die Elbe noch den =Eulauer Bach= auf. Derselbe
sammelt sich aus kleinen Gewässern, welche an den Gehängen des
Schneeberges und im Mittelgebirge entspringen, und scheidet diese
beiden Gebirge von einander.

Von den Gewässern, welche, zum Flussgebiete der Elbe gehörend, erst im
Auslande sich mit ihr vereinigen, sind nur wenige, welche in der Folge
zu bedeutenden Bächen und kleinen Flüssen anwachsen; die meisten sind
bloss unbedeutende Gebirgsbäche, welche nach kurzem Laufe dem Strome
zueilen. Unter den ersten sind zu merken: die =Mulde=, welche ihre
Quelle bei Graupen hat und sich als östliche oder freiberger Mulde mit
der westlichen oder zwickauer bei Kolditz in Sachsen vereinigt; die
=Weisseritz= und die =Müglitz=.

Erwähnenswerth sind auf der Nordabdachung noch folgende Gewässer: =Der
Schweinitzbach=, fliesst zwischen Böhmisch- und Deutsch-Einsiedel,
zwischen Gebirgs- und Deutsch-Neudorf, wendet sich hier nordwestlich
bei Katharinaberg vorüber nach Brandau zu. Bei Grünthal vereinigt er
sich mit dem =Natschungbach=; dieser entspringt südwestlich von dem
Dorfe Natschung, bildet von da bis Grünthal die Landesgrenze, nimmt den
Kallich-Töltsch-Brandauer-Bach auf und bildet mit der Schweinitz die
=Flöhe=.

Der =Schwarzwasser-Bach= entspringt an der Ostseite des Hassberges,
fliesst in nord-nordöstlicher Richtung längs der Landesgrenze
durch Ulmbach, Reizenhain, Kühnheyde (Kienhaide) nach Sachsen. Der
=Pressnitz-Bach= hat seine Quelle an der Nordseite der Reischhöhe,
fliesst durch Reischdorf, Pressnitz und Christofhammer und bezeichnet
auf einer kurzen Strecke die Grenze. Bei Pressnitz verstärkt sich das
Wasser mit dem Dörnsdorfer Bache.

Der =Schwarz-= oder =Pleil-Wasserbach= entspringt unweit des Keilberges
in der Gemeinde Stolzenhan, erreicht im Südwesten die Gemeinde
Schmiedeberg, durchfliesst die Schmiedeberger Thalmulde von Südwest
nach Nordost, tritt dann unter dem Namen Pleilwasserbach in die
Gemeinde Pleil und dann nach Sachsen über.

Der =Gränzbach=, an der Nordseite des Keilberges entspringend und mit
seinem Laufe bei Wiesenthal und Weipert auf einer Strecke von mehr
als zwei Meilen die Landesgrenze bezeichnend, fliesst unter dem Namen
=Pöhlbach= gegen Wolkenstein in die Zschoppau; das =Schwarz-Wasser=
entspringt am Fichtelberge, fliesst bei Försterhäuser und Seifen vorbei
und vereinigt sich bei Johann-Georgenstadt mit einem von Platten
kommenden Bache und ergiesst sich, ein herrliches Thal bildend, in die
Zwickauer Mulde. In Böhmen entspringt noch die =weisse Elster=, welche
in nördlicher Richtung das Land verlässt und erst im Nachbarlande an
Bedeutung gewinnt.

_Klima._ Das Klima ist feucht, regenreich, mässig kühl und
gleichmässig. Die Niederschläge und Luftfeuchtigkeit unterliegen
grösseren Schwankungen als im Böhmerwalde, weil die Massenerhebung der
Berge nicht bedeutend genug ist, um ein ganz selbstständiges, von den
wechselnden Einflüssen der baierischen Hochebene im Südwesten und des
norddeutschen Tieflandes unabhängiges Klima zu erzeugen. Der Winter ist
sehr lang, sieben bis acht Monate in den oberen Höhen dauernd. Die vier
bis fünf Sommermonate tragen ganz das Gepräge des Frühlings. Die Luft
ist -- wenige, besonders schwüle Tage im Juli und August ausgenommen
-- selbst während der Mittagsstunden und bei sonst schönem Wetter
angenehm kühl. Von allen Seiten strömt uns der Wohlgeruch von duftenden
Kräutern und von den harztriefenden Fichten und Tannen entgegen,
welche die reine Gebirgsluft so stark würzen, dass wir tiefathmend die
Lungen wie durstige Trinker anfüllen, von der Natur getrieben, die uns
anreizt, hier unser Blut zu erfrischen. Der Boden ist theils wegen
der Grundfeuchtigkeit vom Winter her, theils wegen seiner schwammigen
Beschaffenheit, mittelst welcher er die Feuchtigkeit der Atmosphäre
so leicht an sich saugt, vielfach nass und sumpfig. Die Bergbäche
sind daher reich und schwellend; dazu der bunte Schmelz der blühenden
Pflanzen, die in verschiedener Aufeinanderfolge hervorbrechen und
wieder verschwinden, und die ausserordentlich üppige Vegetation an den
Abhängen der Berge und in den Thälern: das alles begünstigt die Idee
eines im Vergleich mit dem Unterlande viel längeren und wonnereicheren
Frühlings. Während im Monate August im Innern unseres Heimatslandes
alles grösstentheils vergilbt ist, steht im Erzgebirge alles noch in
der schönsten und üppigsten Fülle.

Die =Morgen-= und =Abenddämmerung=, eine der herrlichsten Erscheinungen
während des reizvollen Sommers, gewährt dem Touristen, der um diese
Zeit die heiteren Höhen und saftig-grünen Thäler durchwandert, den
Vortheil, seine Tage auf die höchstmögliche Benützung zu bringen. Etwa
fünf Wochen vor und nach der Sommersonnenwende hat sowohl die Abend-
als auch die Morgendämmerung eine grosse Dauer, was die Wanderungen
auf den Höhen des Erzgebirges ungemein erleichtert und angenehm
macht. Auch die =Morgen-= und =Abendröthe= ist auf den Spitzen immer
heiterer und schöner als unter gleichen Umständen bei wolkenfreiem
Horizont im Innern des Landes. An dieser Stelle machen wir auf zwei
Erscheinungen unseres Gebirges besonders aufmerksam und bezeichnen die
geeignete Zeit und den besten Ort, wo sie gewöhnlich eintreten. Es ist
der Kupferhügel bei Kupferberg und der Hochsommer an Tagen, wo über
dem Flachlande Gewitter hängen. Man darf nicht sorgen, dass sie auf
das Gebirge heraufsteigen, wenn sie auch der Südwind gegen die Berge
herantreibt. Die schwarzen Wolkenmassen schwimmen dann bis nach Kaaden
oder Brunnersdorf heran und dringen auch in das Egerthal bis Klösterle
oder Pürstein herein; hier aber stauen sie sich an die hohen Berge und
entladen in stundenlangen Gewittern ihre Blitze mit fern rollendem
Donner. Der Zuschauer auf dem Kupferhügel steht im Sonnenschein, den
reinen blauen Himmel über seinem Haupte, und kann mit voller Seelenruhe
auf die leuchtenden Wolken hinabsehen, deren Oberfläche mit den
einzelnen Kuppen noch immer tiefer liegt, als der Rand des Gebirges,
und die tief unter seinen Füssen ihre Blitze von Wolkenballen zu
Wolkenballen aussenden, bis sich ihre Elektricitäten entladen haben
und die erschöpften Wolken wieder zerreissen und zerflattern und
das durchnässte Land im dunklen frischen Blau durchscheinen lassen.
Dieses Schauspiel wird vielleicht nur noch von einer Naturerscheinung
überboten, die im Frühlinge, bei lang anhaltenden Märznebeln, oder auch
im Herbste stattfinden kann, und die öfter schon beobachtet wurde. Wie
bekannt, sind die Gebirge mehr oder öfter mit Nebeln verschleiert als
die Niederungen und Thäler. Es kann aber auch geschehen, dass sich
die Nebel sehr dicht über das Tiefland lagern, und dann reicht die
Nebelschichte meist nur bis an den Rand des Gebirgskammes und oben ist
heller Sonnenschein und warmes, trockenes, schönes Wetter. Der Nebel
selbst liegt weithin über das ganze Tiefland wie eine Meeresfläche
gebreitet, unter welcher das ganze Land versunken und verschwunden
scheint. Es ist aber doch nicht ganz versunken; hier rechts ragen
aus dem glatten Meeresspiegel, über dem das helle, sonnige, blaue
Himmelsgewölbe gespannt ist, einige Kuppen des Teplergebirges heraus
wie blaue Inseln, an welchen die dunstig dünnen Wellen des Nebels
aufschäumen; dort links in der Gegend von Dux und Teplitz tauchen
wieder Inseln heraus, an welchen wir den =Bořen= und den =Donnersberg=
zu erkennen glauben. Alles andere wogt langsam in breiten Wellen von
nur geringer Höhe, ein täuschender Meeresspiegel von 14 Meilen Länge
und Breite, der ganz an den Anblick über die Adria erinnert, von den
Höhen des Karstes aus gesehen. Und welches Spiel der Wellen nahe zu
unseren Füssen! Vom Fusse des Kupferhügels gegen Osten breitet sich
eine Platte aus, meist Blumenwiesen, die gegen Klösterle mit einem
steilen Rand abfallen. Die Nebelschichte füllt das Tiefland genau bis
zu diesem Rande. Da treibt ein leiser Ostwind den oberen Schaum des
Nebels über den Rand, und eine duftig zarte Woge schlägt über und wälzt
sich über die grüne Platte. Sie ist aber von der strahlenden Sonne
beschienen und erwärmt, und die Schaumwelle des Nebels zerfliesst
und zerflattert. In kurzer Zeit kommt eine zweite brandende Welle
und wiederholt das anziehende Spiel. Wir erfreuen uns längere Zeit
an dem Spiele eines brandenden Nebelmeeres, da streift unser Blick
wieder das Tepler Inselland. Die blauen Inseln sind grösser, breiter
geworden, das Meer sinkt, es trocknet ein, und das feste Land steigt
aus den Fluten im Zauber einer neuen Schöpfung. Auch wurde schon
wiederholt eine Art =Alpenglühen= beobachtet: Man sah am frühen Morgen
schneereicher Wintertage die rothglühenden Gipfel des Gebirges aus
der nebeligen Dämmerung des Morgens aufleuchten. Auch hat man auf
mehreren Gipfeln unseres Gebirges das berühmte »=Brockengespenst=«
gesehen. Es wird auf dem Brocken beobachtet, wenn an einem Sommertage
rings um das Brockenhaus schwerer, feuchter Nebel liegt, oder wenn an
den Flanken des Berges sausende Wolkengeschwader ziehen und sich zu
seltsamen Gestalten ballen, worauf sich bei besonderem Stande der Sonne
der vergrösserte Schatten des Wanderers auf einer gegenüberliegenden
Wolkenwand zeigt. Der Uebergang aus dem ungefähr 4½ Monate langen Lenz
in den Winter ist indess auch wieder viel schneller als im tiefen
Lande. Nach einigen wolken- und schneefreien und andauernd schönen
Octobertagen, deren sich die Erzgebirgsbewohner gewöhnlich zu erfreuen
haben, tritt der Winter mit allen seinen Unannehmlichkeiten und
Schrecken sofort ein.

Im allgemeinen muss das Klima wegen der Leichtigkeit und Reinheit
der Luft als ein ganz gesundes bezeichnet werden. Brustkrankheiten
kommen hier trotz der oft dürftigen Verhältnisse der Bewohner
äusserst selten vor, daher werden viele Orte als Schwindsuchtsasyle
ganz besonders empfohlen, wie Eichwald, Ossegg, Hammer, Rothenhaus,
Einsiedl, Reizenhain u. s. w. Als Merkmal der günstigen klimatischen
Verhältnisse gilt der Umstand, dass man bis zu einer Höhe von 650 m
Roggen und Weizen erntet; auf dem rauhen Gebirgskamme bei Gottesgab
müssen sich die Bewohner mit Hafer und Kartoffeln zufriedenstellen,
und auch dieser Anbau sollte unterbleiben. Der Graswuchs ist hier
sehr üppig, und die Natur zeichnet den Bewohnern den Weg, den sie
gehen sollen, deutlich vor. Sie sollen sich ganz der Viehzucht widmen,
und die daraus resultirende Erwerbsthätigkeit durch Gründung von
Milch- und Käserei-Genossenschaften heben. Erwähnenswerth ist noch,
dass das prächtige Edelweis in Krima ganz gut gedeiht, daher von den
Gebirgsvereinen auf dem Sonnenwirbel, wo sich Vorboten der subalpinen
und selbst der alpinen Flora vorfinden, in grösserem Masse angepflanzt
und dann verwerthet werden sollte.


Einwohnerzahl, Character der Bewohner.

Die Ansiedelung auf dem Erzgebirge weist die Merkwürdigkeit auf, dass
sie zu den höchst gelegenen auf der ganzen Erde und insbesondere von
Europa gehört. Es gibt wohl höher gelegene Orte; sie sind aber nur
Herbergen für die Reisenden oder Heilanstalten, oder es sind Gasthäuser
für Touristen. Nur einzelne Ansiedelungen, wie Le Locle 996 m und La
Chaux de Fonds 976 m hoch, jenes mit 9000, dieses mit 17.000 Einwohnern
(Uhrmacherfamilien), bilden eine Ausnahme und zeigen von einer dichten,
sesshaften Bevölkerung in ungewöhnlicher Gebirgshöhe. In den Alpen
steigen die Bewohner gegen den Winter zu in die Thäler hinab. Im
Böhmerwalde gibt es nur zwei Ortschaften: Aussengefield und Eisenstrass
mit 2000 Einwohnern, dieses 850, jenes 1077 m hoch. Auf allen Gebirgen
Deutschlands, wie auf dem Harz, dem Schwarzwalde, im Thüringerwalde u.
s. w. nimmt die Dichtigkeit der Bevölkerung auf der Höhenlage rasch
ab. Allein auf dem Erzgebirge nimmt die Dichte der Bevölkerung mit
der Höhe zu, und auf der böhmischen Seite des Kammes wohnen nach der
Zählung von 1857 auf 20·7 Quadrat-Myriametern (36 Quad.-Meilen) 111.180
Menschen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung übersteigt daher 5370 Seelen
auf ein Quad.-Myriameter (über 3000 auf eine Quad.-Meile). Auf der
sächsischen, weniger steil abfallenden Seite erreicht sie sogar die
Zahl von 17.000 Seelen auf ein Quadrat-Myriameter. Diese Dichtigkeit
der Bevölkerung und die Gründung der Städte in der Höhe von 440 bis
632 m: Wolkenstein, Thum, Zschoppau, Geyer, Zöblitz, Marienberg,
Buchholz, Elster, Schwarzenberg, Marienkirchen, Adorf, Falkenstein,
Schneeberg, Auerbach, Oelsnitz, Zwönitz und Schellenberg; zwischen
532--790 m: Altenberg, Frauenstein, Seyda, Annaberg, Scheibenberg,
Elterlein, Grünhain, Johann-Georgenstadt, Eibenstock, Schöneck,
Heinrichsgrün, Katharinaberg, Bärringen, Hengstererben, Hirschenstand,
Frühbuss, Platten, Abertham, Sächsisch- und Böhm.-Wiesenthal; über
948 m ausser mehreren kleineren Ortschaften das Städtchen Gottesgab
1172 m, noch 72 m über der höchsten Spitze des Harzes, über dem Brocken
und 224 m über dem Beerberg, der grössten Höhe im Thüringerwalde,
-- diese zwei Umstände lassen sich nur unter Zuhilfenahme eines
geschichtlichen Ereignisses erklären. Es ist diess die Entdeckung
der Silbergruben bei Freiberg (1163) und bei Konradsgrün, wo jetzt
Joachimsthal steht, im J. 1471. In einem Zeitraum von ungefähr 55
Jahren wurden 11 neue Bergstädte gegründet, nämlich: Schneeberg 1477,
Annaberg 1496, Buchholz 1504, Joachimsthal 1516, Gottesgab, Eibenstock
und Hochstadt 1517, Marienberg 1521, Scheibenberg 1522, Wiesenthal 1526
und Platten 1532. Bergbauunternehmer und Arbeiter strömten herbei;
denn sie konnten nicht nur reiche Ausbeute und guten Lohn finden, die
erlassene Bergordnung machte auch die Leibeigenen =frei=, sobald sie
als Knappen aufgenommen wurden. Auf den Höhen des Erzgebirges wohnte
die Freiheit. Noch nicht genug daran wurden die Bürger der Bergstädte
von den Kaisern mit ausgedehnten Privilegien begnadigt. Diese Umstände
genügen wohl, die rasche Ansiedelung auf einem rauhen Gebirge mitten
im Urwalde zu erklären. Der Bergbau hat abgenommen, der Werth des
Silbers ist sehr gesunken, und die Bevölkerung blieb aber doch auf
den Bergen zurück. Das kann überraschen, denn es bildet eine Ausnahme
von der Regel, welche wir aus den Beobachtungen ähnlicher Vorgänge
an anderen Orten ableiten können. In Nordamerika verlief sich die
Bevölkerung nach Ausbeute der Naphtaquellen und liess Dörfer und Städte
leer stehen und die Häuser verfallen. In Peru und Chili beobachtete
man eine ähnliche Erscheinung. Aus noch früherer Zeit lässt sich
der ähnliche Vorgang in Spanien nachweisen. Auf den unwirthbaren
Höhen des Erzgebirges blieb aber die dichte Ansiedelung zurück. Sie
überdauerte alle Wechselfälle und ertrug schwere Zeiten der Noth.
Sie musste wiederholt von einer Beschäftigung zur anderen übergehen.
Nach Erschöpfung der Silbergruben warfen sich die Unternehmer und
Arbeiter auf den Eisensteinbergbau und das Eisenhüttenwesen. Sie bauten
Drahtmühlen, Blechhämmer, machten verzinnte Eisenlöffel, Nägel und
Stifte. Als auch diese Gewerbe die Arbeit nicht mehr lohnten, wurde
das Spitzenklöppeln eingeführt, und als alle Gewerbe stockten, zogen
die musikkundigen Erzgebirgsbewohner aus und stellten Musikbanden
für die Badeorte zusammen. Und so hausen sie auf den rauhen Höhen
und bauen zu den alten Häusern aus Riegelwänden noch neue, festere
Häuser aus Stein und Werkstätten und Fabriken und lassen sich von den
rauhen Stürmen nicht fortwehen und von der Noth nicht wegdrängen.
Was sie nur so festhält? =Der Zug der Natur=, welcher die Forelle in
dem kristallhellen Gebirgsbache zurückhält und nicht in das trübe
Flusswasser der Ebene herabschwimmen lässt. Das Heimweh allein ist's
nicht. Die gesammte Bevölkerung zeichnet sich durch eine besondere
Beweglichkeit des Geistes und eine vortreffliche Flinkheit und
Eilfertigkeit des Leibes aus, was sie zu allen Künsten, zu allen
Handwerken und Gewerben geschickt macht. In Folge dessen sind auf
dem Erzgebirge eine ganze Reihe von Industrien im Schwunge: Bergbau,
Eisengewerke, Gewehrfabrication, Löffel- und Messerschmiederei,
Stahlwaarenerzeugung, Nadlerei, Porzellanfabrication, Spitzenklöppelei,
Weiss- und Buntstickerei, Posamentierarbeiten, Handschuhmacherei,
Strohflechterei, Musikinstrumentenfabrication, Spielwaarenerzeugung,
Arbeiten in Papiermaché, Cartonerie, Chamotwaarenerzeugung u. s. w.
Kaum eine zweite Gebirgsbevölkerung wechselt so leicht und anstellig
die Arbeit und eignet sich das neue so leicht an, wie auf diesen
Bergen, und dieser Anbequemung an die geänderten Verhältnisse haben
sie es zu danken, dass sie die vielen Wechselfälle ihrer Geschichte in
ungeschwächter Kraft auf den Bergen aushielten, an denen sie festhängen
als ihrer geliebten Heimat, und zu welchen sie von ihren oft sehr
weiten Flügen in die Fremde immer wieder sehnsüchtig zurückkehren.

    »Bi weit rim kumma schie mei Labestoch,
    Ich wor in Dorf und Stoodt, wass moncha Gegend za hassen,
    ho viel gesah, wos 's Harz erfraia moch,
    Mei Arzgebirg, mei Hamet ho ich net vergassen!«

Die Geschichte hat uns an diesen Bewohnern gezeigt, wie die Menschen
zwölfhundert Meter über dem Meeresniveau wachsen und gedeihen.
Allgemein bekannt ist es auch, dass der Erzgebirger höflich, gefällig
und sehr genügsam ist. Seine Wohnung ist einfach und noch einfacher
die Kost. Frohsinn, Verträglichkeit und grosse Liebe zur Reinlichkeit
finden wir überall, was den Touristen ungemein anmuthet.


Das Mineralreich.

_Das Mineralreich_ bietet auf dem Erzgebirge eine grössere
Mannigfaltigkeit von Vorkommnissen als in den meisten anderen Gegenden
Böhmens und Deutschlands. Wenn auch der Reichthum dieser Producte gegen
den, welchen sie in vergangenen Jahrhunderten durch den Betrieb eines
grossartig ausgedehnten Bergbaues spendeten, fast unbedeutend geworden
ist, gegenwärtig grossentheils nur die historischen Erinnerungen und
zahlreiche Halden, Pingen und andere verfallene Grubengebäude übrig
sind: so ist doch das Vorhandene immer noch von hohem Interesse für die
Wissenschaft.

Der ältere Bergbau war hauptsächlich auf Gewinnung von Silber und
dann zunächst auf Kupfer, Zinn, Eisen und Blei gerichtet; erst später
lernte man auch Kobalt und Wismuth kennen und benützen; die Verwendung
des Braunsteines, des Nickels und des Urans gehört erst der neuesten
Zeit an, welcher wahrscheinlich bei dem raschen Fortschritte der
Naturwissenschaft und der Technik noch die Nutzbarmachung manches
anderen Minerals vorbehalten ist, das jetzt unbeachtet auf den Halden
liegt.

Von grösserer Wichtigkeit als der Gewinn an den genannten Metallen
ist gegenwärtig der Kohlenbergbau, die Zugutemachung der Eisenkiese
auf Schwefel, Vitriol und Schwefelsäure, und von besonderer Bedeutung
auch die Benützung der Porzellanerde und des Feldspathes, welche hier
mehrere der wichtigsten Industrie-Anstalten des Landes in's Leben
gerufen haben.

Silberzechen finden sich zu Joachimsthal, Abertham, Holzbach,
Arletzgrün, Breitenbach, Pechöfen, Streitseifen, Brettmühl,
Zwittermühl, Gottesgab, Seifen und Weipert, dann bei Sangerberg am
Tepler Gebirge.

Kupferbau wird am Eibenberge auf der Herrschaft Graslitz betrieben.

Bleierzzechen bestanden bei Brünles, Liebenau, Horn, Hartenberg,
Schlesnitz, Grün, Bleistadt, Reichenbach, Pichlberg, Silberbach,
Silbergrün und Weipert.

Zinnerzzechen zu Abertham, Streitseifen, Goldenhöhe, Hirschenstand,
Schönfeld, Schlaggenwald, Silberbach und Königswarth.

Eisenerzzechen zu Maria-Sorg, Pfaffengrün, Hauenstein, Schönwald,
Lessau, Irrgang, Neu-Hammer, Littmitz, Kodau (Chodau), Unterkodau,
Putschirn, Wintersgrün, Berghaus, Neusattel, Holzbach, Ullersgrün,
Granesau, Poschitzau, Grossschad, Sangerberg, Weipert, Ziditz, Thein,
Unterneugrün und Graset.

Braunstein wurde am Hirschberge bei Platten und bei Frühbuss gewonnen.

Eisenkiese (Vitriol und Alaunerze) werden zum Theile noch bei
Habersbirk, Char, Sorg, Mühlbach, Münchhof, Littmitz, Theim, Altsattel,
Zwodau und Maierhöfen gegraben.

Braunkohlenzechen finden sich bei Janesen, Putschirn, Münchhof,
Grünlas, Chodau, Unterkodau, Taschwitz, Neusattel, Zettlitz, Granesau,
Littmitz, Hanschgrün, Berghaus, Grün, Russ, Graset, Wintersgrün,
Motschidl, Bruckhof, Doglasgrün, Aich, Steinhof, Habersbirk, Char,
Davidsthal, Lauterbach, Robertsgrün, Boden, Neukirchen, Falkenau,
Zwodau, Unterreichenau, Bukwa, Theisau, Maierhöfen, Kittlitz, Lang,
Haselbach, dann bei Lessau, Sodau, Premlowitz, Ottowitz, Schenkau,
Rosnitz, Drahowitz, Stolzengrün, Dalwitz.

Die Gruben auf Porzellanerde, sowie die auf Feldspath bieten
treffliches Material für den Betrieb der Fabriken in Massen, welche
keine Erschöpfung besorgen lassen.

An trefflichen Bausteinen und Material für Steinmetzarbeiten hat
das Gebiet einen Ueberfluss in der weitverbreiteten Granitbildung
und den Sandsteinablagerungen; bei Graslitz wird auch etwas
Dachschiefer gebrochen, ebenso fehlt es nicht an Thon für Töpfereien
und Lehm für Ziegelbrennereien. Im Egerischen Gebiete werden
nebst gewöhnlichem Töpfergeschirr auch das sogenannte Steinzeug,
hauptsächlich Mineralwasserflaschen, dann besonders gute Ziegel
erzeugt. In geringerer Menge findet sich Kalkstein. Die grosse
Mannigfaltigkeit der Mineralgattungen, welche theils einen Gegenstand
des Bergbaues ausmachen, theils bloss den Mineralogen interessiren,
zeigt folgendes Verzeichnis mit Angabe der vorzüglichsten Fundorte;
die mit »ausschliesslich« bezeichneten Gattungen sind bisher von
andern Orten noch gar nicht bekannt; die als stetige Gemengtheile der
Gebirgsgesteine vorkommenden Gattungen sind dabei übergangen.

Arseniksäure, zu Joachimsthal.

Glaubersalz, im Moor bei Franzensbad und in der Soos.

Melanterit, oder Eisenvitriol, im Moor bei Franzensbad.

Johannit, ausschliesslich zu Joachimsthal, höchst selten.

Gyps, krystallisirt zu Schlaggenwald.

Pharmakolith, zu Joachimsthal.

Haidingerit, zu Joachimsthal, höchst selten.

Erythrin oder Kobaltblüte, zu Joachimsthal, Platten.

Vivianit oder blaue Eisenerde, im Moor bei Franzensbad.

Skorodit, zu Schlaggenwald, sehr selten.

Flussspath, zu Schlaggenwald, ausgezeichnete Krystalle dunkelviolblau,
dann zu Weipert gelb und grün.

Apatit, ausgezeichnet in sehr mannigfaltigen Krystall- und
Farbenvarietäten zu Schlaggenwald, Schönfeld, ferner zu Neudeck, jedoch
sehr selten.

Aragonit zu Waltsch, Nester im Basalt; die sogenannte Eisenblüte
als Seltenheit zu Bleistadt; dann die zu dieser Spezies gehörigen
mannigfaltigen Abänderungen der Producte der Karlsbader Thermen, als
Kalksinter und Erbsenstein.

Kalkspath, schöne Krystallvarietäten, vorzüglich der sogenannte
Papierspath zu Joachimsthal.

Braunspath, sehr ausgezeichnet zu Joachimsthal, dann zu Schlaggenwald.

Spatheisenstein, zu Schlaggenwald, als Seltenheit; thoniger
Sphärosiderit zu Konradsgrün, bei Lessau und an mehren Orten im
Braunkohlengebirge.

Scheelit oder Schwerstein, zu Schlaggenwald, höchst ausgezeichnet.

Cerussit oder Weissbleierz, zu Bleistadt, ebendort auch die sogenannte
Bleierde.

Pyromorphit oder Braunbleierz, ausgezeichnet zu Bleistadt.

Olivenit (Olivenerz), zu Schlaggenwald.

Lasur (Kupferlasur), zu Schlaggenwald, Seltenheit.

Uranit, oder Uranglimmer, zu Schlaggenwald, sehr ausgezeichnet; zu
Schönficht.

Urangrün, ausschliesslich zu Joachimsthal.

Uranblüte desgleichen.

Nickelocher, zu Joachimsthal.

Ganomatit oder Gänseköthigerz, zu Joachimsthal.

Eisensinter, sehr ausgezeichnet zu Platten und Bleistadt.

Kupfermangan, ausschliesslich zu Schlaggenwald, sehr selten.

Speckstein, zu Schlaggenwald, Schönfeld.

Chlorit, nierenförmig zu Schlaggenwald.

Kyanyt, breitschalig, ausgezeichnet am Gangerhäusel bei Petschau.

Phillipsit, am Hauensteiner Schlossberge im Klingstein, bei Unterlamitz
im Basalt.

Mesolith, Comptonit, sehr ausgezeichnet am Hauensteiner Schlossberge.

Feldspath, orthotomer, Gegend von Elbogen, Karlsbad.

Periklin, bei Haslau.

Albit, zu Schlaggenwald, selten.

Augit, kleine Krystalle im Basalt an mehren Orten; Sahlit bei Haslau.

Amphibol im Basalttuff bei Rodisfort.

Tremolit, bei Haslau im Kalkstein.

Epidot, am Kupferhügel bei Kupferberg.

Karpholit, ausschliesslich zu Schlaggenwald.

Andalusit im Glimmerschiefer bei Alt-Albenreut, ausgezeichnet.

Korund, am Gängerhäusel bei Petschau, selten.

Topas, nette Krystallabänderungen, zu Schlaggenwald, dann Geschiebe von
meergrüner Farbe in den Seifenhalden bei Frühbuss.

Berill, zu Schlaggenwald und als Seltenheit im Granit bei Neuhammer.

Quarz, schöne krystallisirte Varietäten, durchsichtig, weiss und braun,
hauptsächlich zu Schlaggenwald, sogenannter Milchquarz und Rosenquarz
zu Schlaggenwald und Königswarth.

Amethyst am Crudum bei Elbogen, bei Hartmannsgrün.

Opal, zu Bleistadt im Bleiglanz, zu Heinrichsgrün, Frühbuss, bei
Haslau; der sogenannte Hyalith höchst ausgezeichnet bei Waltsch auf
Basalt.

Kieselsinter oder schaliger Opal bei Grottensee.

Chrysolith (Olivin), im Basalt bei Duppau und an mehren Orten.

Turmalin, schwarz bei Schlaggenwald, Karlsbad, Zettlitz und an mehren
Orten.

Idokras (Egeran), bei Haslau, sehr ausgezeichnet.

Granat, kleine nette Krystalle am Dillenberge, dann undurchsichtige
Körner und Krystalle bei Hartenberg; im Kalkstein und Quarz bei Haslau,
am Kupferhügel, bei Neudeck.

Rutil, am Gängerhäusel.

Zinnerz, höchst ausgezeichnet zu Schlaggenwald, Schönfeld; derb und
eingesprengt bei Abertham und andern Orten.

Wolfram, ausgezeichnet zu Schlaggenwald.

Uranerz, Eliaszeche bei Joachimsthal, dort auch der Uranocher.

Magneteisenstein, bei Platten, Neudeck.

Rotheisenstein, rother Glaskopf, höchst ausgezeichnet auf dem Irrgange;
Thoneisenstein bei Lessau, Fuchsloch und an mehren Orten.

Philomelan, oder dichtes Manganerz, dann

Pyrolusit, sehr ausgezeichnet, und

Polianit oder Hartmanganerz, bei Platten.

Arsenik, zu Joachimsthal.

Wismuth, zu Joachimsthal und als Seltenheit in Schlaggenwald.

Silber, zu Joachimsthal, Weipert.

Kupfer, als Seltenheit zu Schlaggenwald.

Nickelkies, Kupfernickel, zu Joachimsthal.

Arsenikkies, zu Schlaggenwald.

Weisser Speiskobalt, krystallisirt und gestrickt zu Joachimsthal;
grauer Speiskobalt zu Joachimsthal.

Eisenkies, hexaedrischer, bei Littmitz, Joachimsthal.

Eisenkies, prismatischer, sogenannter Speerkies, höchst ausgezeichnet
bei Littmitz, Altsattel, sogenannter Leberkies zu Joachimsthal.

Merkwürdig ist die Bildung von Eisenkies in den Moorlagern bei
Franzensbrunn; er entsteht aus den Vitriol haltenden Gewässern
durch einen Reductionsprocess, welcher durch die Vegetation
herbeigeführt wird, zeigt die Gestalten von verflochtenen Wurzeln und
Pflanzenstengeln, auf welchen der Kies sich niedergeschlagen hat,
während die Pflanzensubstanz zerstört wurde, so dass an ihrer Stelle
eine Höhlung zurückgeblieben ist.

Millerit (Haarkies), zu Joachimsthal, ausgezeichnet.

Kupferkies, ausgezeichnet zu Schlaggenwald, dann bei Graslitz.

Bornit (Buntkupfererz), als Seltenheit zu Schlaggenwald.

Silberglanz, oder Glaserz, Joachimsthal, Weipert.

Bleiglanz, bei Bleistadt, Reichenberg, Schossenreut, Frohnau; selten zu
Joachimsthal.

Molybdänglanz, ausgezeichnet zu Schlaggenwald.

Sternbergit, Joachimsthal, ausschliesslich, sehr selten.

Polybasit, zu Joachimsthal.

Stefanit, zu Joachimsthal.

Blende, ausgezeichnet in Schlaggenwald, dann in Bleistadt.

Rothgiltigerz, dunkles und lichtes, höchst ausgezeichnet, vorzüglich
das letztere zu Joachimsthal.

Zinnober, bei Schönbach.

Realgar, zu Joachimsthal.

Retinit, bei Habersbirk.

Steinkohle, Braunkohle, an sehr vielen Orten.



Specieller Theil.



A. Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von
Franzensbad aus.



Franzensbad.


    =Gasthöfe=: Post in der Kaiserstrasse; Hôtel Hübner,
    Kaiserstrasse; Kaiser von Oesterreich, Ferdinandsstrasse;
    Britisch Hôtel, Parkstrasse; Brandenburger Thor, Karlsstrasse;
    Goldenes Kreuz, Hôtel Holzer, Stadt Leipzig, Kulmerstrasse;
    Müllers Hôtel, Salzquellstrasse; Gisela, Bahnhofstrasse.
    Preise: 1 fl. -- 1 fl. 50 kr.; Licht und Service 40 kr.; Suppe
    12 kr., Braten 40 bis 80 kr., Kaffee im Geschirr 24 kr., --
    gutes Bier und vortreffliche Weine zu mässigen Preisen.

    Privatlogis sind in etwa 150 meist neu und elegant
    eingerichteten Wohnhäusern jederzeit zu bekommen; nur zur
    Hochsaison d. i. vom 20. Juni bis Ende Juli tritt wegen
    grossen Andranges Wohnungsmangel ein und empfiehlt es sich,
    sich die Wohnung im voraus zu bestellen. Für Salons zahlt man
    wöchentlich in der Hochsaison 20 bis 40 fl., doch kann man
    auch gut eingerichtete Zimmer mit prächtigen Betten um 5 bis
    8 fl. bekommen. Das Bürgermeisteramt und die Brunnenärzte
    sind jederzeit zu Auskünften bereit. Die an den Häusern
    angebrachten Tafeln mit dem Worte »Logis« zeigen jedermann an,
    wo Wohnungen zu vermiethen sind; man kann daher zudringliche
    Wohnungsanbieter jederzeit zurückweisen.

    Im =Cursaal=, nächst der Franzensquelle, sowie in den
    obgenannten Hôtels speist man vortrefflich entweder à la carte
    oder Table d'hôte -- das Couvert 1 fl. 30 kr. Curgästen werden
    auch Speisen in die Wohnhäuser verabreicht.

    Kaffee: Im =Curpark= (20 kr. ohne Gebäck), in allen Hôtels und
    Privathäusern.

    Mehrere ausgezeichnete Conditoreien in der Kaiserstrasse. --

    Kaffee in der nächsten Umgebung: =Ludwigshöhe=, =Antonienhöhe=,
    Miramonte, Stöckermühle, Schlada, Bahnhofrestauration u. s. w.

    =Lesecabinet= im Franzensbader Curhause, von 8 Uhr Morgens bis
    7 Uhr Abends geöffnet; es sind über 60 Zeitschriften in den
    Hauptsprachen und Curlisten aller bedeutenden Curorte vorhanden.

    =Post- und Telegrafenamt.= (Neugasse.)

    =Gewöhnliche, Dampf-, russisch-, türkische Bäder.=

    =Photographische Ansichten in den Buchhandlungen.=

    =Musik und Theater=:

    Die rühmlichst bekannte Badecapelle unter Leitung des
    Capellmeisters Tomaschek spielt an jedem Morgen:

    1) an der Salzquelle von 6--7 Uhr;

    2) in der Franzensquelle von 7--8 Uhr, und

    3) im Park von ½5 bis ½7 Uhr Nachmittag.

    Im Theater wird nur im Sommer von einer reisenden Truppe
    gespielt.

=Franzensbad= ist einer der berühmtesten Badeorte in
Oesterreich-Ungarn, liegt in einem Thalkessel 493 m über dem Meere und
wurde 1793 zum Badeorte erhoben und nach Kaiser Franz I., dem in den
Parkanlagen eine Erzstatue errichtet worden, benannt. Der Ort wird im
Norden vom Park, im Westen von Loimanns Anlagen, im Süden u. Osten von
den neuen Anlagen umgeben. Touristen, welche binnen wenigen Stunden die
interessantesten Puncte des Curortes kennen lernen wollen, ist =ein
Rundgang= durch die Stadt zu empfehlen. Sie gehen vom Bahnhofe durch
die Parkstrasse und Karlsstrasse in den Park zum Franzens-Monument und
von da in die Kaiserstrasse, wo sie Dr. Loimanns bekanntes und elegant
eingerichtetes Badehaus mit der Louisenquelle, dem kalten Sprudel,
dem Moorlager und den herrlichen Anlagen besichtigen. Zu diesem
grossartigen Badeetablissement legte im Jahre 1827 der Hausbesitzer und
Burgverwalter Loimann, der Vater des gegenwärtigen Besitzers Med. Dr.
Loimann, den Grund, indem er auf eigene Kosten ein allgemeines Badehaus
erbaute. Die Louisenquelle wurde 1807 gefasst, 1808 zum Gebrauche
eingerichtet und der damaligen dritten Gemahlin Sr. Majestät des
Kaisers Franz, Maria Ludowika, zu Ehren =die Louisenquelle= genannt.
Nur wenige Schritte davon bricht mit Heftigkeit der sogenannte =kalte
Sprudel= hervor. Von da begeben sie sich zur Franzensquelle, sehen
hier das Stadt-Egerer Badehaus, und dann weiter in einer herrlichen
Allee zur Neu-, Salz- und Wiesenquelle und nehmen auf diesem Wege die
grossartigen Badehäuser von Hofrath Dr. Cartellieri und von Singer
wahr. Durch die Salzquelle, welche schon 1817 entdeckt war, erhielt
Franzensbad seit 1819 einen ganz neuen Aufschwung. Seit dem J. 1837 ist
die nahe liegende Wiesenquelle als heilkräftig erprobt und 1840 mit der
Salzquelle unter ein gemeinschaftliches Dach gebracht worden.

Nun wird der Rückweg durch die herrliche Morgenzeile zur Kirche und
zum Parke angetreten. Der aufmerksam beobachtende und in seinem
Urtheile unparteiische Tourist wird finden, dass es Architect und
Gärtner verstanden haben, Franzensbad und die nächste Umgebung
zu einem eleganten Curorte zu erheben. Die 10 Mineralquellen,
alkalisch-salinische Eisensäuerlinge mit bedeutendem Gehalt an
Glaubersalz und freier Kohlensäure, denen _eminente_ Heilwirkungen
zugeschrieben werden, eine Kohlensäuregasquelle (schon seit 1545
bekannt, aber erst seit 1810 als Heilmittel gebührend anerkannt) und
ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor, das auf Sand ruht,
namentlich aber die vorzüglichen Anlagen mit reizenden Promenadenwegen,
die grossstädtischen Strassen, Hôtels und Villen, die prächtigen
Kirchen und Denkmäler, vor allen Dingen aber die höchst elegant und
luxuriös ausgestatteten Wohnungs- und Vergnügungsräume, die mancherlei
Einrichtungen für Unterhaltung, Genuss und allerlei kostspielige
Vergnügungen und Liebhabereien, das Zusammenströmen der feinen Welt,
die während des Aufenthaltes in der »_europäischen Sommerresidenz_«
(den nordböhmischen Bädern) gewöhnlich die Nachcur hier geniesst, alle
diese Umstände erheben Franzensbad zu einem Bad I. Ranges.

=Sehenswürdigkeit=: Ausser den im Rundgange angeführten: Die Rotunde
bei der Franzensquelle mit der Inschrift: »1793 unter Franz I.
gegründet zum Wohle der Menschheit«; die Colonade mit zahlreichen
Kaufläden, das Monument der Sachsenstiftung unweit der Rotunde mit der
Aufschrift:

       Herrlicher Quell,
       Göttliche Gabe,
    Bleibe kräftig und hell,
       Stärke, labe
    Durch verminderten Körperschmerz
    Auch das ermattete kranke Herz,
    Bis die letzten Frommen
    Zum Urquell ewiger Genesung kommen.

Die katholische Kirche mit einigen werthvollen Gemälden, die im
romanischen Styl erbaute protestantische Kirche, die Synagoge im
orientalischen Styl und vor allem der Cursaal, das stattlichste
öffentliche Gebäude, ein geschmackvoller, brillant ausgestatteter
Renaissancebau. Unter den Privathäusern erweckt die Villa Imperial
durch ihre freie herrliche Lage inmitten des herrlichsten Parks und
nahe der Salzquellpromenade, sowie durch die Pracht der Ausschmückung
von Aussen und im Innern die Aufmerksamkeit jedes Besuchers.


Spaziergänge:

Sehr beliebter Spaziergang zur _Antonienhöhe_ in nordöstlicher Richtung
(¾ St.), Weg gut, aber nicht schattig. Aufenthalt im Wald sehr angenehm
-- prächtiger Rundblick über das Egerland.

Nach _Miramonte_ südlich auf der Strasse nach Eger, dann in einer
viertel Stunde rechts in einen Promenadenweg abzweigend. Beliebte
Restauration, wo man in einem Spiegel die ganze umliegende Landschaft
erblickt.

Von Miramonte führt der Weg in westlicher Richtung zum _*Kammerbühl_,
einem erloschenen Vulcan (¼ Stunde). Er gehört unstreitig zu den
interessantesten geologischen Erscheinungen und ist vorzugsweise aus
vulcanischen Tufen aufgebaut. Die Lagerung dieser Eruptionsproducte
lässt sich in ausgezeichneter Weise in dem grossen Bruche hinter der
Restauration zum »Kammerbühl« beobachten. In Folge der isolirten Lage
bietet der Kammerbühl eine vorzügliche Rundsicht über das Egerland mit
seinen zahlreichen Städten und Dörfern, Schlössern und Ruinen, Kirchen
und Kapellen, die von den dunkelbewaldeten Bergen des westlichen
Erzgebirges oder Kaiserwaldes und des Fichtelgebirges umsäumt werden.

_*Siechenhaus._ Dieser Spaziergang kann vom Kammerbühl fortgesetzt
werden. Gut gepflegte Wege führen von demselben ab nach dem Dorfe
_Stein_ und zum Egerfluss, den man an einer romantischen Stelle des
Thales mittelst eines Holzsteges überschreitet. (Der am Flussufer
hinlaufende Fusspfad führt direct nach Eger.) Der ansteigende,
schattige Weg leitet zur Chaussée von Eger nach Wunsiedel und
zum _Siechenhaus_ (¾ St.), dem beliebtesten Vergnügungsort der
Franzensbader Curgäste und der Bewohner von Eger. Es besteht aus
einer Oberförsterei, einem Armenhaus (Versorgungsanstalt) und einer
guten Restauration. Schöner Garten inmitten eines herrlichen Waldes,
angenehmer Aufenthalt, malerische Aussicht auf Eger und Umgebung.

Empfehlenswerth ist auch der Besuch der eine halbe Stunde weiter
entfernten _St. Annakirche_ (608 m), ehemals Franziskanerkloster,
theils wegen der Kirche selbst, die colossale Schnitzwerke eines
unbekannten, altdeutschen Meisters enthält, und in welcher Friedrich
Barbarossa 1149 mit Adelhaid von Vohburg getraut worden sein soll
(nach andern in der Kapelle des Rathhauses), theils wegen der
vorzüglichen Aussicht (namentlich vom _Grünberg_ 656 m) auf das
Egerland, besonders auf die Gegend von Franzensbad, Maria-Kulm und in
fast entgegengesetzter Richtung auf die wichtigsten Berggipfel des
Fichtelgebirges.

Auf dem Weiterwege nach _*Eger_ vermeiden wir die Landstrasse und
benützen den schönen, nicht zu fehlenden _*Promenadenweg_ durch
schattigen Wald und durch das herrliche Egerthal.



Eger.


    =Gasthäuser=: Zwei Erzherzoge am Stadtplatz, Erzherzog
    Stefan mit schönem Garten an der Eger, Kronprinz Rudolf
    (Göthe-Denkmal), Bahnhofstrasse. Wetzel oder Kaiser Wilhelm,
    beim Bahnhofe.

    =Restaurationen=: Karg's Bastei, Krämlings Bastei, unweit der
    Burg, schönste Aussicht in's Egerthal, Adlers Restauration,
    Schustersprung im Egerthale, vorzügliche Fische, namentlich
    Karpfen.

    =Café=: Pistorius am Ringplatz.

    K. k. Post-, Telegrafen-, Hauptzollamt, Kreisgericht,
    Bezirkshauptmannschaft.

    =Eisenbahn= nach Baiern, Sachsen, gegen Carlsbad und Marienbad.

    Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen.

    =Volksfest=: Vinzenzifest.

    =Dienstmanninstitut.=

Eger ist die Hauptstadt des »gesegneten« Egerlandes, wie das Gebiet an
der oberen Eger in Böhmen genannt wird, und war auch der Hauptort des
ehemaligen Egerer Kreises. Die Stadt liegt 413 m über der See, hat über
16.000 Einwohner und liegt zumeist auf dem rechten, etwas ansteigenden
Ufer des gleichnamigen Flusses.

Die Lage an einem uralten Strassenzug und unmittelbar vor dem
Eingange zum Norden Deutschlands erhob Eger schon in alter Zeit zu
einem wichtigen Handelsplatz, namentlich aber zu einer militärisch
wichtigen Position, zu einem Mittel- und Ausgangspunct kriegerischer
Unternehmungen, in neuester Zeit aber zu einem Centralpunct von
5 Schienenwegen. Hauptbeschäftigung der Bewohner: Gerberei,
Schuhmacherei, Bierbrauerei.

Die altehrwürdige Stadt Eger, die sich in jüngster Zeit in der Richtung
nach dem Bahnhof und auf dem sogenannten Rahmberg, sowie durch
Auflassung des Friedhofes und Verlegung desselben ausser der Stadt sehr
erweitert und verschönert hat, bietet =Sehenswürdigkeiten= aus alter
und neuerer Zeit.

1. Die _*Burg_ -- Kaiserburg -- (Eintrittsgeld nach Belieben). Diese
imposanten, am nordwestlichen Ende der Stadt emporragenden Ruinen
auf felsigem Grunde bestehen ausser den Resten der Festungswerke aus
mehreren beachtenswerthen Bauten, welche sind:

_a_) Die 4 Umfassungsmauern mit zum Theil eingestürzten
Fensterwölbungen; das Gemäuer aus Thonschiefer, die Säulen aus
fränkischem Marmor.

_b_) Der schwarze Thurm -- 23 m hoch -- ist aus Lavastücken vom
Kammerbühl erbaut und stammt aus dem 10. Jahrh. (nach andern aus der
Römerzeit, daher »Heidenthurm«).

_c_) Die Doppelkapelle steht im Burghof und ist aus dunkelgrünem
Schieferbruchstein erbaut. Sie besteht aus der unteren oder
Erhardskapelle und der oberen oder Martinskapelle. Das Ganze stammt
aus der Blüthezeit des Rundbogenstyls. Das Innere der ersteren liegt
mehrere Fuss tiefer als der Burghof und wird von 4 Fenstern erleuchtet;
das feste Gewölbe tragen 4 Granitsäulen. In der letzteren, zu der
eine neue Treppe führt, wird das Gewölbe von vielen geschmackvollen
Marmorsäulen getragen. Ein Gang verband die Kapelle mit dem Palast.

_d_) Der ehemalige Rittersaal ist noch an den vorhandenen Bogenfenstern
zu erkennen. Dieser war Zeuge von der Schreckensscene am 25. Februar
1634; den Getreuen Wallensteins, Illo, Terzky, Kinsky und Neumann,
wurde hier durch Verrath ein blutiges Ende bereitet.

Die Veranlassung dieses blutigen Auftrittes müssen wir als bekannt
voraussetzen. (Siehe übrigens unter Stadthaus!) Die Vertrauten
Wallensteins waren von dem durch die Kaiserlichen gewonnenen
Commandanten Gordon zum Abendessen in die Citadelle geladen worden.
Kurz nach ihrer Ankunft und nachdem die Bedienten entfernt und
eingeschlossen waren, trat der Hauptmann Geraldin mit Dragonern in den
Saal, welche auf die vier Gäste einhieben und sie niedermetzelten.

Auf dem gegenüberliegenden Egerufer stand die 1295 erbaute
_Wenzelsburg_, die mit der Kaiserburg durch eine hölzerne Brücke
verbunden war. Im Hofe der Burg befinden sich gegenwärtig schöne
Anlagen; der Staat sorgt für Erhaltung dieser interessanten Ueberreste.
Sehr schön ist der Ausblick auf das Egerthal, namentlich auch auf
Siechenhaus und St. Anna.

Die ehedem sehr starken Festungswerke stammen jedenfalls aus dem 10.
Jahrhundert, als die Grafen von Vohburg zu Markgrafen über die Umgegend
bestellt wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa, der in Eger viele
Hoflager abhielt, und 1149 Adelheid von Vohburg heiratete (Trauung in
der Kapelle des Rathhauses, nach anderen in der Kirche auf St. Anna)
legte die neue, schöne Kaiserburg an; am 2. Dezember 1805 wurde sie von
den Franzosen bis auf die noch jetzt vorhandenen Ueberreste zerstört.

2. =Das Stadthaus= (hier löst man sich eine Eintrittskarte für 20 kr.)
am Ring d. i. Marktplatz. Kein Tourist verlässt Eger, ohne dieses
denkwürdige Haus besucht zu haben, in dem der mächtige Wallenstein am
25. Februar 1634 sein blutiges Ende fand.

Die vom Herzog von Friedland bewohnt gewesenen Räume befinden sich
noch in ihrem ursprünglichen Zustande und enthalten ein Album mit
interessanten Autographien, Wallensteins Bildnis und zwei auf
seine Ermordung bezügliche Gemälde, zwei Schränke mit zahlreichen
Gegenständen, die auf das blutige Ereignis Bezug haben, so die
Hellebarde, mit der Wallenstein (hinten im Schlafzimmer) den Todesstoss
empfing u. a.

Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges findet der mächtige
und gefürchtete kaiserliche Generalissimus sein tragisches Ende.
Buttler, der Obrist eines irischen Reiterregiments, hatte den
Auftrag übernommen, den Herzog von Friedland lebendig zu fangen
oder zu ermorden. Während des Blutbades auf der Burg hatte sich
Wallenstein ermüdet zu Bette begeben. Abends 10 Uhr begaben sich die
Verschworenen Leslie, Geraldin, Buttler und Deveroux mit 30 Dragonern
von der Burg in die Stadt. Während Leslie die Hauptwache, Buttler
die Hauptthür, Geraldin die Hinterthür des von Wallenstein bewohnten
Palastes besetzten, stürmten Deveroux und mehrere Dragoner die Treppe
hinauf, metzelten 2 Kammerdiener nieder, sprengten die Thür und
fanden Wallenstein, am Fenster stehend. »Du bist der Schelm«, rief
Deveroux, »der das kaiserliche Volk zum Feinde überführen und Sr.
kaiserl. Majestät die Krone vom Haupte reissen will! Du musst sterben!«
Wallenstein warf ihm einen ernsten, kalten Blick zu und sprach kein
Wort. »Du musst sterben!«, rief Deveroux abermals, und mit diesen
Worten stiess er dem Herzog die Hellebarde mit solcher Gewalt in die
Brust, dass sie durch und durch ging. Lautlos stürzte der mächtige
Friedländer zu Boden. -- Albrecht von Waldstein oder Wallenstein war
1583 zu Hermanic in Böhmen geboren; er zählte somit kaum 52 Jahre. »Der
Act der Gerechtigkeit, welcher Wallenstein im Grund verfallen war,
bekam durch die Art der Vollziehung derselben die Form eines feigen
Justizmordes.«

In den daran stossenden Räumen befindet sich das interessante und
sehenswerthe »_Egerländer Museum_.«

3. =Die Stadtkirche St. Niclas=; sie zeigt romanische und gothische
Bauform und enthält sehenswerthe Malereien und Sculpturarbeiten.
(Sehenswerth ist auch die im J. 1872 im gothischen Styl erbaute
evangelische Kirche.)

4. Ausserdem sind noch besuchenswerth: _Das Rathhaus_ mit schönem
Treppenhaus, die Turnhalle, das »_Rudolphinum_«, Centralschulgebäude,
das »Schillerhaus« Nr. 17 am Marktplatz mit der Gedenktafel: »In
diesem Hause wohnte im J. 1791 Friedrich von Schiller behufs
seiner Studien zur Wallensteintrilogie«, das »Göthehaus« Nr. 38,
die _Franciskanerkirche_, mit der ein Kloster verbunden ist! Die
dreischiffige Kirche ist im reinsten gothischen Styl erbaut und macht
einen herrlichen Eindruck. Am Ring fällt dem Touristen das Riedel'sche
Haus, ein ehemaliges Patricierhaus, mit seinem schön durchbrochenen
Giebel auf.

Die Gründung der Stadt Eger (Cheb) wird in das 10. Jahrhundert verlegt
und den Grafen von Vohburg zugeschrieben, die damals von den deutschen
Kaisern als Markgrafen über die Umgegend bestellt worden waren. Eger
war Hauptort der Markgrafschaft Eger und Eigenthum der Markgrafen von
Vohburg. Durch Heirath (1149) kam Eger an Friedrich Barbarossa, der
es vor nun 700 Jahren, nämlich 1149, zur deutschen Reichsstadt erhob.
Später war Eger lange Zeit der Zankapfel zwischen Böhmen und Bayern;
nachdem es aber Kaiser Ludwig der Bayer 1315 an Böhmen verpfändet,
blieb es bis heute bei Böhmen. Grosse Drangsale im Hussiten- und
30jährigen Kriege hatte die Stadt zu bestehen; die ganze Gegend glich
zu wiederholten Malen einem einzigen grossen Kriegslager.

=Anmerkung=: Wer über längere Zeit verfügt, dem ist von Eger aus ein
Ausflug (per Bahn 20 Minuten, zu Fuss 2 Stunden) nach dem baierischen
Markt _Waldsassen_ anzuempfehlen. (Wohlrabs Restauration.) Dieser
Ort ist bekannt und berühmt durch seine 1133 gestiftete, 1803
säcularisirte, ehemals sehr reiche Cistercienserabtei. In dem
Conventgebäude ein Mädchenpensionat der Cistercienserinnen. Die im
17. Jahrhundert erbaute Klosterkirche ist ein prächtiger Bau im
italienischen Prunkstyl -- überladen -- und bewirkt einen grossartigen
Totaleindruck.

=Franzensbad-Seeberg.= (1 Stunde.) Spaziergang über Unterlohma, von
da westwärts nach _Höflas_ und Schloss _Seeberg_, Eigenthum der Stadt
Eger. Wilde Klippen und Buschwerk bilden die nächste Umgebung des
Schlosses. Dazwischen bricht sich der in die Eger mündende Seebach
Bahn und bildet ein wildromantisches Thal. Vom Schlosse aus lohnende
Aussicht auf die Umgegend von Franzensbad. Nach genommener Erfrischung
in der Seeberger Restauration wird der Rückweg angetreten.

=Franzensbad-*Kapellenberg= über Schönberg (mit der Bahn nach
Voitersreuth und von da zu Fuss noch 1 Stunde.) Ueber dem sächsischen
Dorfe Schönberg erhebt sich der waldreiche »Kapellenberg«, der 764 m
hoch ist. Er besteht aus Granit, wird zwar von zahlreichen Bergen
unserer heimatlichen Landschaft an Höhe übertroffen; aber die Lage am
Südfusse des Gebirgskammes, das unmittelbare Aufsteigen aus dem breiten
Egerthal, der Mangel an ebenbürtigen Nachbarn erheben ihn nicht nur
zu einem ansehnlichen Grenzpfeiler Sachsens und des deutschen Reiches
gegen Böhmen, sondern auch zu dem vorzüglichsten Aussichtspunkt des
Vogtlandes. -- Es ist nicht nöthig, das Holzgerüste zu besteigen; die
niedrigen Holzbestände hindern die Rundsicht keineswegs. Das malerische
Landschaftsgemälde entzückt das Auge nicht blos durch die schönen
Formen und durch die Ferne, bis wohin der Blick reicht, auch nicht blos
durch den Vorzug, dass das Hauptpanorama dem Beschauer unmittelbar
zu Füssen liegt, wodurch ein Verlieren des Blickes in verschwommene
Fernen verhütet wird, sondern vor allen Dingen durch die zahlreichen
Wasserspiegel, die als lichte Punkte oder Silberstreifen aus dem
reichgesegneten Egerland hervortreten und das Ganze ausserordentlich
beleben.

Der Blick haftet zunächst an dem freundlichen, fast genau in südlicher
Richtung liegenden Dorfe Schönberg, dem südlichsten des Sachsenlandes,
und an der schnurgeraden Strasse, die die Lage von Ober-Lohma,
Franzensbad und Eger trifft. Wenig rechts davon erhebt sich der
erloschene Vulcan Kammerbühl und in grösserer Ferne die jenseits der
Stadt Eger aufsteigende Höhe mit der St. Anna-Kapelle. Nun folgt nach
rechts eine grosse Zahl von grösseren und kleineren Ortschaften --
Haslau, Liebenstein, Selb u. a. --, hinter denen sich das Massengebirge
des Fichtelgebirges mit Kösseine, Schneeberg, Waldstein vor allem
imposant darstellt; daran reihen sich der grosse Kornberg, der
Döbraberg im Frankenwald und der Hainberg bei Asch. Weniger wechselvoll
ist die Landschaft im Norden, wo ein weites Waldrevier die Höhen des
Elstergebirges bedeckt. Wenig rechts davon, fast genau im Norden,
erscheint nun das weitschauende Schöneck am Horizont, desgleichen
der unverkennbare Kirchthurm von Landwüst, der hohe Stein mit seinen
scharf-zackigen Thonschiefergebilden und fast in derselben Richtung
der finstere Bergrücken des »Kiel.« Gegen Nordosten im Vordergrund
liegen die Orte Steingrub, Klinghard, Frauenreuth, Neukirchen, und
in den dahinter aufragenden Bergen wollen manche die Bergriesen des
Erzgebirges, den Auersberg, Fichtel- und Keilberg erkennen. Aus der
weithin vor unseren Blicken sich ausbreitenden Fruchtebene, die von
2 sehr naheliegenden Kegelbergen, dem Hirsch- und Scheibenberg,
unterbrochen wird, treten hinter und zwischen den glitzernden
Wasserspiegeln freundliche Städtchen und Dörfer hervor, wie Maria-Kulm
mit der imposanten Wallfahrtskirche, Königsberg, Wildstein, Altenteich
und wie sie alle heissen, zu denen die Berge des sogen. Kaiserwaldes
-- Steinbock, Glatze, Bärenbrand -- einen vortheilhaften Hintergrund
bilden. Mit dem nahen Voitersreuth schliesst das Rundgemälde, das jeder
Besucher mit hoher Befriedigung betrachtet.

Nach genossener Aussicht ist die Rückkehr in die Voitersreuther
Bahnhofrestauration zu empfehlen.

=Franzensbad-Wildstein.= Von Franzensbad aus in nördlicher Richtung
über Lohma (1 Stunde); diese Partie lässt sich auch mit der
vorangehenden verbinden, indem man von dem Orte Voitersreuth links nach
_Altentrich_ und dann in nordöstlicher Richtung weiter geht. Auf dem
_*Störlberge_ anmuthige Waldpartien, hübsche Aussicht, Kaffeehaus.


Touren.

=Franzensbad-*Wies= -- über Eger auf der Strasse in südlicher Richtung.
Der Ort liegt inmitten eines prächtigen Waldes, unmittelbar an der
Grenze, hat eine freundliche Kirche, ein Nebenzollamt und eine
Restauration zum »grünen Baum«. Der Aufenthalt in der würzigen Waldluft
und den reizenden Baumgruppen sehr angenehm.

=Franzensbad-Schloss Liebenstein.= Weg dahin auf der Franzensbad-Hofer
Strasse in westlicher Richtung (2½ St.) Das Schloss ist Eigenthum des
Grafen von Zedwitz. Der Ausflug ist wegen der schönen Waldpartien sehr
lohnend.

=Franzensbad-*Elster= (mit der sächsischen Staatsbahn über Voitersreuth
1 St. 11 Min.) (Gasthöfe: Wettiner Hof, Hôtel de Saxe, Hôtel Bauer,
Reichsverweser, Daheim.) Besuchtester Kurort Sachsens, 496 M.,
hat gute Badeeinrichtungen und schöne Anlagen. Am Brunnenplatze
befindet sich das königliche Badegebäude mit dem Maria-, Königs- und
Alberts-Parke. Die Salz- und Johannissquelle befinden sich unter einem
tempelartigen Überbau. Die Quellen gehören zu den alkalisch-salinischen
Eisenwässern und sind ihrer Wirkung nach den Franzensbadern ähnlich.

=Franzensbad-*Maria-Kulm= (mit der Bahn-Station: Königsberg-Maria-Kulm
der Buschtiehrader Eisenbahn).



Maria-Kulm.


    =Gasthäuser=: Goldener Engel, schwarzer Adler, goldener Stern,
    goldener Adler, deutsche Eiche, rother Ochs.

    =Restaurationen.=

    =K. k. Postamt.=

=Maria-Kulm= liegt am linken Ufer der Eger, auf einem der südlichsten
Ausläufer des Erzgebirges. Nur 3 Weges-Stunden von Eger entfernt,
erhebt sich der Berg wie zu einer natürlichen Veste, welche schirmend
über den grössten Theil des lieblichen Egerlandes hinwegschaut.
Maria Kulm ist ein Marktflecken mit über hundert Häusern, welcher
als Wallfahrtsort mit seiner imposanten, weithin sichtbaren Kirche
alljährlich zur Sommerszeit von Tausenden von Andächtigen besucht wird.
Aus allen Gegenden, aus Böhmen und aus Baiern, strömen Processionen
herbei, und die weiten Räume der Kirche und der für das Gnadenbild
Mariens eigens erbauten, an die Kirche anstossenden Kapelle vermögen
oft, namentlich zur Pfingstzeit, die ungeheuren Massen kaum zu fassen.
Die Kirche, von einem grossen Kreuzgange umgeben, ist ein Meisterwerk
bizantinischer Baukunst. Zahlreiche Thürme, welche gigantisch zum
Himmel streben, zieren den colossalen Bau und das harmonische
Geläute[1] ihrer Glocken dringt volltönend, wehmüthig und selig
erhebend zugleich fernhin und hinab in's herrliche Thal, das im reichen
Segensgewande an den Fuss des Berges sich anschmiegt.

    [1] Als Ferdinand II. am Fusse des Kulmer Berges sein Heer
        ordnete und von der Höhe herab den Klang der Glocken
        vernahm, soll er ausgerufen haben: »Jede freie deutsche
        Reichsstadt könnte stolz sein, ein solches Geläute zu
        besitzen.« -- In die Glocken sind zahlreiche Namen von
        Wallfahrern und Reisenden eingegraben.

Mehrere Sagen gehen über den Ort. Abgesehen von der Sage (zu haben bei
dem dortigen Messner Ferd. Ehmer) über das wunderthätige Gnadenbild
Mariens erzählt man sich auch noch von Räubern, die in grauen Zeiten
in der Umgebung gehaust. (Gleichfalls bei Ferd. Ehmer zu haben.) Die
Sage von den »Räubern auf Maria Kulm« ist ja übrigens auch dramatisirt
worden als »vaterländisches Ritterschauspiel«. Dasselbe, ehedem
auch auf grösseren Bühnen aufgeführt, wird gegenwärtig nur noch von
herumziehenden Schauspieltruppen in jener Gegend zur Belustigung der
»Räuber-Epigonen« aufgeführt. Eine Scene aus diesem vaterländischen
Ritterschauspiel ist auch aufgenommen in das Decorationsspiel »Tausend
und eine Nacht«! Der »Kulmer Berg« war der Zufluchtsort dieser
höllischen Brüder. Von der »grossen Glocke« mit den reinen Tönen
erzählt man, dass sie, so wie sie ist, auf einer nahen Hutweide von --
Schweinen ausgewühlt worden sei.

Herrlich ist die Aussicht, welche man vom Kulmer Berge und namentlich
vom Thurme aus geniesst, der nach allen vier Weltgegenden den
Ausblick ermöglicht. Auf der einen Seite erscheint dem nach Westen
gewandten Blicke, über das schöne Egerthal hinweg, mit dem schwarzen
Fichtelgebirge im Hintergrunde (von den Egerländern kurzweg »d'Stod«
d. i. die Stadt genannt), die Stadt Eger, welche mit ihren finsteren,
altersgrauen Thürmen den Mittelpunkt des Egerlandes bildet, während
zur Rechten der schwarze Wall des Erzgebirges als Grenzdamm Böhmens
gegen Sachsen hin nebelfarbig sich hinzieht, und zur Linken das reich
bewaldete Tepler Gebirge und die hohen Rücken des Kaiser-Waldes
romantisch sich abheben. Auf der anderen Seite reicht des Beschauers
nach Osten gewandter Blick weithin durch das gleichfalls von Bergen
umschlossene, sogenannte »Unterland«, das Falkenau zum Mittelpunkte
hat. Und in dunkler Ferne erscheinen im Hintergrunde, den Abschluss
des Gesichtskreises bildend, die hohen Kämme, aus deren Schoosse die
weltberühmten Thermen Karls IV. hervorquellen. (An klaren Tagen kann
man auch von dem als Ausflugsort Karlsbads bekannten »Aberge« die
Thürme der Maria Kulmer Kirche noch genau unterscheiden.)

Am Südfusse des Berges führt zum grossen Theile dem linken Egerufer
entlang die Buštěhrader Eisenbahn aus der Richtung von Karlsbad nach
Eger. Von zwei Stationen aus kann man Maria Kulm erreichen, beide
Stationen sind ungefähr ½ Stunde von der Höhe entfernt. Der für
Fussgänger bequemere Weg führt von der Station Dassnitz aus den Berg
hinauf, beschwerlicher hingegen ist der Aufstieg von der Station
Königsberg-Maria Kulm. (Name der am rechten Egerufer, Maria Kulm
gegenüberliegenden Stadt. Diese Station enthält auch eine grössere
Restauration, die wir auf der ersteren Station ganz vermissen). Will
man von letzterer Station mittelst Fahrgelegenheit den Berg erreichen,
muss man einen kleinen Umweg auf der längs des Westfusses des Berges
nach Katzengrün (Dorf mit einem prächtigen Schlosse, das in der Sage
von den »Kulmer Räubern« vielfach genannt wird; auch befindet sich hier
ein zum Schlosse gehöriges grösseres Bräuhaus) hinführenden Chaussee
machen, von welchem Orte aus eine breit angelegte, überdiess von einer
für Fussgänger bestimmten Allee begleitete Strasse nach Maria Kulm
hinauf führt. Ausserdem führen noch auf der dem Erzgebirge zugewendeten
Seite mehrere Strassen den Berg hinauf, unter welchen diejenige die
bedeutendste ist, welche Maria Kulm mit Falkenau verbindet. Hier
vereint sich alles, um dem Besucher des Ortes den Aufenthalt so
angenehm als nur möglich zu machen. Und wer immer, auch nur einmal,
selbst wenige Stunden auf des Kulmer Berges luftiger Höhe verlebt,
der wird die verbrachten Stunden sicherlich nicht zu den verlorenen
seines Lebens zählen, er wird immer wieder sich zurücksehnen oder
wenigstens in froher Erinnerung und voll innerer Befriedigung denken
der segensvollen, von alten Sagen geheimnisvoll umrauschten Stätte.
(Entweder retour mit der Bahn nach Franzensbad oder Fortsetzung der
Tour mit der Bahn oder zu Fuss (herrliche Wanderung auf der durch
Waldungen führenden Kaiserstrasse) nach Falkenau -- siehe dieses).



Franzensbad-Schönbach.


=Schönbach= nord-nordöstlich von Franzensbad gelegen.

    =Gasthof=: Meyer's, Sander's Gasthof, Herrenhaus.

    =Postverbindung= über Gossengrün mit Bahnstation Hartenberg und
    über Wildstein mit Bahnhof Voitersreuth.

    =Musikschule=, die Vorzügliches leistet und auf die Hebung der
    Musikinstrumentenfabrikation von grösstem Einflusse ist.

=Schönbach= verdankt seine Entstehung dem Bergbau und wurde die erste
Besiedelung des Sconenbaches, eines klaren Trinkwassers, mit Erbauung
eines Wartthurmes ausgeführt. Dieser Wartthurm, gebaut (ein Lug in's
Land) an der Grenze Böhmens, welcher durch Anbau der Kirche im J. 1188
zum Kirchthurm umgeschaffen wurde, zeigt noch heute im Innern den
Charakter deutscher Wartburgen. Beachtenswerth ist das gute Altarblatt,
den gekreuzigten Erlöser darstellend.

Die Stadt ist heute einer der gewerbthätigsten Orte des böhmischen
Nordwestens, Haupterzeugungsplatz für Saitenmusikinstrumente, besonders
Violinen. Dieser Industriezweig, welcher heute mehr als dreiviertel der
Bevölkerung beschäftigt, gelangte die letzten 25 Jahre hier zu früher
nie geahnter Entwicklung, und es dürfte diese Hausindustrie jeden
Fremden lebhaft interessiren.

Schönbach ist im streng geografischen Sinne der Scheidepunkt zwischen
dem Erz- und Fichtelgebirge; denn westlich sehen wir die als
Elstergebirge benannten letzten Ausläufer des Fichtelgebirges, während
im Osten das Erzgebirge aufzusteigen beginnt; es ist auch zugleich
die Scheidegrenze des egerländer und des sächsischen Dialekts. Die
Stadt zeigt noch vielfach ihren alterthümlichen Charakter und hatte
früher Mauern, von denen heute jedoch wenige Spuren mehr aufzudecken
sind. Als Merkwürdigkeit aus alter Zeit gelten die Mauerreste der
gräflich Schlick'schen Schlossgebäude, heute nur noch im Hause NC. 140
vorhanden, während dieselben den Raum umfassten, wo jetzt die Häuser
NC. 139, 140, 141 stehen; Nr. 139 soll die Münzstätte gewesen sein.
Bei der Pfarrkirche ist ein in Stein gehauenes Schlick'sches Wappen
eingemauert.

=Ausflüge=: Zum »_*hohen Stein_«. Derselbe hat eine Höhe von 767 m
über der See, liegt noch auf böhmischer Seite und gehört zu den
wunderlichsten Felsbildungen nicht bloss des Vogtlandes, sondern
des gesammten Erzgebirges. Während diese Thonschiefergebilde auf
dem bewaldeten Höhenrücken von der Ferne den Ruinen einer mächtigen
Burg oder Bergfeste gleichen, nehmen die einzelnen Theile in der
Nähe bestimmte Gestalten an, und die Phantasie hat leichtes Spiel,
diesen passende Namen zu geben: das Schiff, das Gesicht (eine höchst
charakteristische Figur), der Schnabel, das Thor (zwei sehr nahe
stehende Felsen, die das Ansehen zweier Thorpfeiler haben). Der höchste
Punkt des Felsens ist durch eine Stange bezeichnet; nach dem alten
Markstein zu urtheilen, der auf der einen Seite die Inschrift trägt:
»Regn. Imp. Franc. Pr.«, auf der anderen: »Oper. Astr. Trigo. 1808«
muss der hohe Stein Vermessungsstation gewesen sein.

Die Aussicht ist eine vortreffliche, nur wird sie durch den Umstand
beeinträchtigt, dass der hohe Stein nicht unmittelbar zum Egerthale
abfällt, wie diess beispielsweise bei dem Kapellenberg der Fall ist.
Hinter den nahen böhmischen Dörfern _Ursprung_, _Stein_ und _Kirchberg_
erheben sich die steilen Höhen der böhmischen Terrasse und weiter nach
Süden zu öffnet sich das gesegnete Egerland mit seinen zahlreichen
Ortschaften, Kirchen und Kapellen. Gegen Südwesten und Westen
schliessen die Berge des Fichtelgebirges den Horizont ab; vorzüglich
präsentirt sich der Kapellenberg. Nach Nordwesten zu sehen wir einen
grossen Theil des Vogtlandes, in geringer Entfernung _Landwüst_ und
_Wernitzgrün_, in nächster Nähe aber _Cubabrunn_ mit Rittergut, tief
unten _Markneukirchen_, _Siebenbrunn_ und _Adorf_ und zu unseren Füssen
_Erlbach_.

An der Ostseite des Felsens, wo Steine gebrochen werden, ist eine
»fliegende Restauration.«

Werfen wir vor unserem Abstieg nach Erlbach nochmals einen Blick
auf die interessante Landschaft, die lebhaft an das Hochgebirge
erinnert, namentlich auf die interessanten Felszacken und auf die in
einsam stiller Höhe errichtete Gebetsstätte (Kapelle), so kann sich
das empfängliche Gemüth eines tiefen Eindruckes nicht erwehren, und
wir finden es begreiflich, dass die Phantasie des Volkes mächtig
angeregt wurde und verschiedene Sagen der wunderlichsten Art bildete.
Neben den Sagen von einer verwünschten und versunkenen Ritterburg,
von Gespenster- und Spukgestalten sind es namentlich solche von
unterirdischen Schätzen, mit denen das arme Volk sich über die Mühsale
des Lebens hinwegträumt. Von Erlbach gehen wir nach _Markneukirchen_ (1
St. siehe Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus), fahren dann mit der
Bahn nach Adorf und zurück über Elster, Voitersreuth nach Franzensbad.

Nennenswerth ist eine zweite Tour in das _romantische_ Leibitschthal,
von Schönbach nach Leibitschgrund (1 St.), wo sich eine aufstrebende
Spinnfabrik in schöner Waldgegend befindet. Weiter im Leibitschthale
kommt _Glashütte_ mit Hohlglaserzeugung und Leopoldshammer. Von dort
rechts ab, die Strasse meidend, gelangen wir längs des Leibitschbaches
in ein schönes Waldthal, dessen südlicher Punkt Nonnengrün ist. Die
Waldthalschänken bieten frisches Bier. (Retour-Weg nach Schönbach.)



Franzensbad-Asch

(mit der Bahn).


    =Asch=: =Gasthöfe=: zur Post, zum goldenen Adler; als
    Belustigungsort gilt das =Schiesshaus=.

    =Post-Telegrafenamt=; =k. k. Bezirkshauptmannschaft=;
    =Eisenbahnverbindung= nach Franzensbad und über Oberkotzau: 1.
    nach Hof, Plauen; 2. nach Neuenmarkt, Bamberg; 3. Neuenmarkt,
    Baireuth.

Die Stadt liegt 637 m über dem Meeresspiegel und hat über 10.000
Einwohner. Asch ist zu beiden Seiten des Aschbaches gebaut und
Hauptort des 2·5 Quad.-Meil. oder 3·16 Quad.-Myriameter grossen
Bezirkes mit 27.911 (1870 Volkszählung) meist protestantischen
Einwohnern. Hauptbeschäftigung ist die Weberei. Im ganzen Bezirke mit
dem Mittelpunkte Asch herrscht ein reges, industrielles Leben. Die
protestantische und katholische Kirche sehenswerth.

»Alle urkundlichen Nachweise über Geschichte und frühere Zustände des
Ortes Asch und Umgebung sind zufolge der Brände 1683 und 1814 verloren
gegangen.«

Die bis in die neueste Zeit erhalten gewesene Sonderstellung des
Bezirkes, der übrigens zu wiederholten Malen Bestandtheil des
Vogtlandes war, datirt vom J. 1331, als nämlich der damalige Besitzer
Albert von Neydberg sein Besitzthum dem Könige Johann von Böhmen
zu Lehen antrug; der Lehensherr bestimmte, dass Asch für immer der
Entrichtung von Steuern entbunden sein solle und somit auch durch kein
Majestätsgebot zur Steuerzahlung verhalten werden könne.

Auffallend ist es jedenfalls, dass die Bewohner dieses nordwestlichen
Theiles von Böhmen bei dem protestantischen Glauben belassen wurden.
Mit der Einführung der Reformation in Sachsen fand nämlich diese auch
im Gebiete von Asch Eingang. Wohl wurden die Bewohner bei Durchführung
der Gegenreformation in Böhmen durch Ferdinand den II. bedrängt,
aber zufolge des kräftigen Schutzes, den der Markgraf Albrecht von
Brandenburg-Bayreuth, sowie auch der Kurfürst Johann Georg von Sachsen,
der damals noch das jus circa sacra des Gebietes ausübte, weil die
sächsischen Kurfürsten das Vogtland und die Rechte der Vögte desselben
erworben hatten, dem Gebiete angedeihen liessen, wie auch ferner
zufolge des zähen Widerstandes der Bevölkerung gegen das Aufdringen des
Katholicismus wurde eine Gegenreformation des Gebietes unmöglich. Im
J. 1771 wurden durch Cabinetsordre von der Kaiserin Maria Theresia die
Rechte und Freiheiten des Gebietes bestätigt.



Franzensbad-*Königswart-Sangerberg-*Marienbad.

(Von Franzensbad mit der Bahn über Eger nach Königswart Stationen:
Sandau-Königswart.)


Vom Bahnhofe aus statten wir dem in der Nähe gelegenen _*Schlosse_
und _Parke_ des Fürsten Metternich einen Besuch ab. Die Parkanlagen
sind schön, die Museen des Schlosses reichhaltig. Im Parke erblicken
wir auf der Strasse gegen Sandau einen schönen Obelisk mit einem
ruhenden Löwen. Etwa 20 Minuten vom Schlosse befindet sich auf dem
Mailberge gegen Altwasser zu die Wallfahrtskirche zum hl. Kreuz. Wir
verweilen mit Vergnügen bei der interessanten _Münz-_, _Waffen-_,
_Gemälde-_, _Mineralien-_ und _Geweih-Sammlung_, _Bibliothek_. Wir
finden hier historische Raritäten, wie einen _Degen_ Ludwig's XVI.,
ein _Waschbecken_ Napoleons I., einen _Schreibtisch_ des berühmten
österreichischen Staatskanzlers Metternich, einen Ring der Agnes
Sorel, das Portrait des Herzogs von Reichsstadt, Locken Lamartine's
und Duma's, ein Autograf des dritten Napoleon, eine von diesem selbst
verfasste Uebersetzung der Verse Göthe's: »Meine Ruh' ist hin, mein
Herz ist schwer, ich finde sie nimmer, ach nimmermehr«, u. s. w. Es
ist ein Genuss, die Sammlungen zu besichtigen. Die Fauna und Flora der
nächsten Umgebung sind da ebenso vollzählig vertreten, wie die Münzen
und Banknoten aus aller Herren Ländern. Das Prachtstück der Bibliothek
ist ein in rothen Sammt gebundener, 1542 in Venedig auf Pergament
gedruckter, reich mit Prachtfarbenbildern ausgestatteter, auf 16.000
Francs geschätzter »_Rasender Roland_.« Ein Curiosum von noch grösserem
Werthe ist der erste Chronometer, für welchen Ludwig XVI. 24.000 Francs
bezahlt hat.

Als Custos fungirte hier zuerst ein gewisser Huss. Diesen Namen führte
eine weitverzweigte Scharfrichter-Familie in Eger und Brüx. Der Brüxer
Huss liess seinen Sohn Carl studiren; doch die Söhne der Brüxer Bürger
wollten nicht mit ihm auf einer Bank sitzen und wurden sogar von ihrem
Lehrer unterstützt. Carl Huss konnte die ihm angethanen Unbilden
nicht länger ertragen und sah sich genöthigt, in die Fussstapfen
seines Vaters zu treten. Er assistirte im J. 1776 zum ersten Male bei
einer Hinrichtung und fungirte bei einer solchen zwei Jahre später
in Teplitz, worauf er behufs weiterer Vervollkommnung nach Dresden
ging und nach seiner Rückkehr sein Meisterstück in Eger ablegte. Er
übernahm daselbst den Posten nach seinem Oheim, betrieb daneben die
Quacksalberei und erwarb sich so viel Vertrauen, dass er oft nach
Sachsen und Bayern gerufen wurde. Bis zum J. 1788, wo Kaiser Josef II.
die Todesstrafe aufhob, und worauf Huss als Scharfrichter entbehrlich
wurde, fing man an, ihn zu verfolgen. Man confiscirte einmal alles, was
man bei ihm an Utensilien für die Quacksalberei vorfand, und verbot ihm
die Praxis. Er half sich aus der Klemme, indem er die Kranken scheinbar
unentgeltlich zu behandeln begann. Huss liess sich als Honorar alte
Münzen verabreichen und brachte in einigen Jahren eine Sammlung
zusammen, die einen Werth von mehr als zwölftausend Gulden hatte. Dann
sammelte er alles, was ihm unter die Hände kam, stopfte Vögel aus und
brandmarkte verurtheilte Uebelthäter auf der sogenannten Schandbühne,
da er indessen vom Magistrat mit diesem Geschäfte betraut wurde. Jetzt
kam er in den Ruf eines wohlhabenden Mannes und practicirte fort.
Fremde traten bei ihm zur Besichtigung seiner reichhaltigen Sammlung
ein, Gelehrte correspondirten mit ihm und besuchten ihn. Als sogar
Göthe einst zu ihm gekommen, stieg sein Ansehen und verbreitete sich
dessen Ruf immer mehr. Fürst Metternich leitete eine Unterhandlung
durch den Egerer Magistratsrath Grüner wegen Verkaufes der Sammlung
mit ihm ein, erwarb sie auch und liess sie im Schlosse Königswart
aufstellen. Huss erhielt eine Leibrente von 300 fl. und wurde Custos
derselben. Auf diese Weise wurde der Grund zu der reichhaltigen und
werthvollen Sammlung im Königswarter Schlosse gelegt. Erwähnung
verdient auch die *Schlosskapelle mit ihrem schönen Marmoraltar. Der
hiezu verwendete Marmor entstammt der durch den Brand vernichteten
Pauluskirche zu Rom und wurde vom Papste Gregor XVI. dem Fürsten
Metternich geschenkt. Von da begeben wir uns zu dem etwa 20 Minuten
nordöstlich gelegenen Städtchen _Königswart_ am Fusse des Glatzberges.

    =Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«, »schwarzer Bär«. _Casino_
    Fremden zugänglich.

Der junge, aufstrebende Curort



*Königswart


liegt auf der Südwestseite eines weitgestreckten, über 948 m hohen, mit
Nadel- und Laubholz leicht bewaldeten Gebirgszuges, des sogenannten
Königswarter Gebirges, das sich halbmondförmig fünf Stunden lang von
Südost gegen Norden und Nordwest ausdehnt.

    =Gasthöfe=: »Hôtel Buberl«, »Hôtel Ott«. Während der Saison:
    Brunnen-Musik.

    =Post- und Telegrafen-Amt.=

    =Eisenbahn.=

Um den Curort ziehen sich, zum grossen Theile in schattige
Waldpromenaden auslaufende Anlagen; sie sind durchaus mit Geschmack
und Geschick arrangirt. Der Ort liegt in einer Höhe, in der
Lungenschwindsucht zu den Seltenheiten gehört, ist also auch als
klimatischer Curort zu empfehlen. Die 6 Quellen gehören mit Ausnahme
der metallfreien _Richards-Quelle_ zur Gruppe der eisenhaltigen
Natronsäuerlinge, beziehungsweise zur Unterabtheilung der sog.
Stahlquellen, unter welchen sie unmittelbar neben Schwalbach und
Pyrmont zu setzen sind. Die Königswarter Quellen liegen 680 m über
dem Meeresspiegel der Nordsee, sie sind demnach die höchst gelegenen
Stahlquellen nicht bloss in Böhmen, sondern auch in Deutschland,
indem sie die von Steben in Oberfranken, welche bisher bei ihrer Höhe
von 633 m als die höchsten daselbst angesehen wurden, noch um ein
Bedeutendes überragen.

Das Firmament ist in den Sommer- und Herbstmonaten gewöhnlich heiter,
Gewitter kommen verhältnissmässig selten und Nebel nur im Spätherbste
vor.

_Stahl-_, _Moor-_, _Fichtennadel-_, _Douche-_ und _Dampfbäder_,
Eigenthum des Fürsten Metternich. _Curhaus_, von dem aus man die
herrlichste Fernsicht geniesst. Man sieht links den Arber und den
Osser, rechts bis Eger. Der etwa 3 Stunden entfernte Dillenberg,
äusserster Ausläufer des Böhmerwaldes, sei hier wegen seiner Granaten
und Egerane erwähnt. Das Curhaus bildet den Ausgangspunct mehrerer,
sehr schöner und gut erhaltener, mit Ruhebänken und Wegweisern
versehener Spaziergänge, die nach den verschiedensten Richtungen
hinführen und allenthalben die schönste Aussicht gewähren. Etwa eine
viertel Stunde davon liegt die Ruine _Würschengrün_.

=Königswart-*Sangerberg= (1½ Stunde). In nordöstlicher Richtung von
Königswart gelangen wir auf einer guten Strasse nach Bad Sangerberg,
das, nur einige hundert Schritte von dem gleichnamigen, durch seinen
Hopfenhandel bekannten Städtchen gelegen, sich als das jüngste aller
nordwestböhmischen Bäder zu entwickeln beginnt. Dasselbe liegt auf dem
Plateau des »_Kaiserwaldes_«, eines von Marienbad bis Schlaggenwald
sich erstreckenden, reich bewaldeten Höhenzuges. Ausgiebige
Eisensäuerlinge -- salinische Moorlager. -- Elegantes Curhaus mit
hübschen Veranden. -- Das Klima des Kurortes ist besonders in den
Sommermonaten ein verwaltend mildes und angenehmes, da der Curort in
einem von Nord und Ost durch sanft aufsteigende Berge vollkommen gegen
rauhere Luftströmungen geschützten Thalkessel liegt. Wegen seiner
Gebirgslage, seiner gesunden, reinen, von harziger Waldluft gewürzten
Atmosphäre hat Sangerberg auch den Charakter eines klimatischen
Gebirgscurortes.

Sangerberg liegt im Gerichtsbezirke Petschau, in der
Bezirkshauptmannschaft Karlsbad, und ist Sitz eines Telegrafen- und
Postamtes, welch letzteres täglich eine zweimalige Verbindung mit der
zwei Stunden entfernten Eisenbahnstation Königswart unterhält.

=Königswart-*Marienbad.= Von Königswart gehen wir dem Thiergarten zu
und erreichen vom Parkgitter an nach einem einstündigen Spaziergange
auf der sich durch den Thiergarten hinziehenden Hauptstrasse den Curort
Marienbad, »das Schmuckkästchen unter den böhmischen Badeorten.«

Marienbad liegt 605 m über der Nordsee in einer von herrlichen
Wäldern eingeschlossenen Thalmulde. Die Luft ist hier immer frisch,
sauerstoffreich, würzig, daher der Gesundheitszustand im ganzen Orte
immer ungemein günstig.

    =Gasthöfe=: Hôtel Klinger. -- Englischer Hof. -- Neptun. --
    Stadt Hamburg. -- Stadt Weimar. -- Stadt Leipzig. -- Stadt
    Warschau. -- Hôtel Stern.

    Ausser der Stadt: Pensionat »Casino«, herrliche Lage. Für
    israelitische Badegäste sind die Koscher-Restaurationen: Hôtel
    Newyork, Delphin, Erhart's Restauration, Blauer Schlüssel.

    =Restaurationen und Café's= in der Stadt: Kursaal, Schloss
    Windsor, Tepler Haus, Stadt München, Café zur Waldschlucht.

    =Post- und Telegrafenamt= -- Eisenbahnstation 20 Minuten
    entfernt. --

    =Theater.= Brunnenmusik (Morgens 6 Uhr und Abends 6 Uhr beim
    Kreuzbrunnen, Mittags 11½ Uhr bei der Waldquelle, Concerte
    und Tanzreunionen im Cursaal; Zeitungslesecabinet, offener
    Eintritt gegen Erlag von fl. 2.80 kr. für die Saison. -- 2
    Buchhandlungen mit Leihbibliotheken. -- 2 Wochenblätter.

=Quellen=: Kreuzbrunnen und noch intensiver wirkend Ferdinandsbrunnen
-- beide sind reich an Natronsalzen (an schwefelsaurem Natron,
Chlornatrium und doppelkohlensaurem Natron), dazu Eisengehalt als
blutbildender Faktor. Ihnen zunächst steht die Waldquelle. Bei der
Rudolphs- und der Wiesenquelle treten kohlensaurer Kalk und kohlensaure
Magnesia in den Vordergrund; der Ambrosius- und Carolinenbrunnen
zeichnen sich dagegen durch ihren Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul
aus. Die _Marienquelle_ ist ein Säuerling. Ausser diesen Quellen gibt
es noch mehr als hundert in der Umgegend Marienbads.

_Bäder_, _Gasbäder_, _Moorbäder_. Die bedeutungsvollste Quelle ist
der Kreuzbrunnen mit einer Kuppelrotunde und daran sich schliessenden
Säulenhallen und mit dem Denkmal Dr. Nehr's, durch dessen eifrige und
unablässige Bemühungen Anstalten zur Austrocknung der sumpfigen Gegend
um diesen Brunnen und zum Schutze dieser Quelle vor wilden Wässern
getroffen, 1807 ein zur Aufnahme von Curgästen eingerichtetes Haus und
das Jahr darauf ein Badehaus gebaut und das ärztliche Publikum auf
Marienbad aufmerksam gemacht wurde. Seitdem ist der Ort in Folge der
starken Frequenz und durch die liberale Unterstützung, mit welcher
das Stift Tepl für denselben eintrat, von Jahr zu Jahr vergrössert
und verschönert worden. Vom Kreuzbrunnen gehen wir an reichhaltigen
Läden vorüber und gelangen durch die Allee nach rechts zur Colonade
des Karolinenbrunnens, wo auch die Röhrenleitung einmündet, welche
das Mineralwasser des eine viertel Stunde weiter südlich am Abhange
des Hamelikaberges gelegenen Ferdinandsbrunnens zur Stadt leitet. Der
Weg zu dem bereits am Ausgange der Marienbader Thalmulde mit schönen
Pavillons und Säulengängen sich erhebenden Ferdinandsbrunnens selbst
zählt zu den anmuthigsten Partien. Wir können dahin entweder auf dem
Pfade über die Höhen des Kreuzberges und des Hamelika am _Göthesitze_,
an dem durch seine herrliche Aussicht bemerkenswerthen Kaffee-Panorama
und am _Schweizerhofe_ (Restauration) vorbei gelangen, oder wir wählen
den bequemeren Weg längs der Thalsohle durch die Ferdinandsstrasse
über das _Bellevue_ (Restauration). Wenige Schritte von der
Karolinenquelle entfernt erblicken wir den kleinen gothischen Tempel
des _Ambrosiusbrunnens_, links davon das _alte Badehaus_ (Mariaquell-,
Moor- und Gasbäder) und rechts das imposante neue Badehaus (Stahlbäder
aus dem Ambrosiusbrunnen und der Carolinenquelle, Bäder aus der
Ferdinandsquelle). Die _*Waldquelle_, der beliebteste Sammelplatz der
Curgäste um die Mittagsstunden, liegt nordwestlich vom Kreuzbrunnen in
stiller, lauschiger Waldschlucht, am linken Ufer des Schneidbaches, und
ist sowohl durch die Waldbrunnstrasse als auch auf dem noch kürzeren,
unmittelbar vom Kreuzbrunnen durch die Alleestrasse und weiter
durch eine herrliche Laubholzallee in wenigen Minuten zu erreichen.
In der entgegengesetzten Richtung wird der Rayon der zur Zeit in
Verwendung stehenden Quellen durch die in den Wiesgründen unweit
der Ferdinandsquelle entspringenden _Rudolfs-_ und _Wiesenquelle_
abgeschlossen.

Dem Tepler Abte Reitenberger, der sich um die Versendung der
Marienbader Wässer hochverdient gemacht, wurde in jüngster Zeit ein
Denkmal gesetzt.

=Sehenswürdigkeiten=: Die _Kirche_, 8eckiger Bau, reich geschmücktes
Innere, Totaleindruck sehr günstig. In der Promenade vor der Front des
neuen Badehauses mit dem Conversationssaal das _Heidlerdenkmal_, ein
Obelisk mit lateinischer Inschrift.


Spaziergänge:

1. Vom Ferdinandsbrunnen aus zur _*Ferdinandsmühle_ (Café Kroha). Hier
bietet sich dem Besucher ein herrliches Bild.

2. Zurück zum Ferdinandsbrunnen und von da auf dem Pfade durch die
üppigen Wiesengelände, welche die Abhänge des Hamelika von jenen des
Darnberges trennen, in gerader westlicher Richtung auf _Schönau_ zu,
um von da an der Restauration zur »_Stadt Versailles_«, am »_deutschen
Kaiser_« und an den schönen Anlagen und Villen des Casinoparkes vorbei
den Rückweg durch die Kaiserstrasse einzuschlagen.

3. _*Höhendorfer Höhe_ (1 St.). Auf dem Pfade oberhalb des Panoramas in
östlicher Richtung. Ein herrliches Panorama! Von der Café-Restauration
auf der Höhe übersehen wir die reizende Umgebung Marienbads und lassen
unsere Blicke bis zu den im blauen Nebel verschwimmenden höchsten
Kuppen des Böhmerwaldes und des Erzgebirges schweifen. Rückkehr nach
Marienbad entweder auf dem über die Waldschlucht thaleinwärts führenden
Promenadenwege oder auf der Karlsbader Strasse.

4. Zur »_König Otto's Höhe_« im Südosten des Darnberges, welcher von
dem Hamelika durch die Mühlgasse und die Wiesengründe des Schneidbaches
getrennt und von zahlreichen Spaziergängen durchschnitten ist, gelegen.
Von der »_Königin Carola's Ruhe_« am Nordostabhange des Darnberges
haben wir einen schönen Ueberblick über Marienbad. Von da in einigen
Minuten über den sogenannten Schneiderrang zum _Försterhause_ am Fürst
Metternich'schen Tiergarten (Restauration). Wir steigen nun auf dem
an dem Försterhause nach Osten führenden Fusswege herab, um an die
oberhalb Marienbads nur eine schmale Thalspalte füllenden Wiesgelände
des Schneidbaches zu gelangen, an welchen, wenige Schritte abwärts,
die Restauration »zur _Waldmühle_« ein trauliches Plätzchen zum Ruhen
bietet.


Touren:

1. _Marienbad-*Podhorn-*Tepl_ (2½ St.) Wir gelangen auf den östlich
von Marienbad gelegenen _Podhornberg_ (838 m ü. d. M.) über die
Hohendorfer Höhe (1½ St.) oder durch das Dorf Abaschin. Der Berg zeigt
in seiner Kegelform und in seiner basaltischen, von lavaähnlichen
Bildungen umlagerten Gesteinsmasse das Gepräge seines vulkanischen
Ursprungs. Er ist in zwei Gipfel gespalten, deren einer die mächtig
aufstrebende, spitz zulaufende Phonolitmasse trägt, während der andere
terrassenförmig mit einem Haine besetzt ist. Im Schatten dieser Bäume
gibt es tempelförmige Pavillons und Ruheplätze. Prachtvolle Aussicht
über die Höhen des Böhmerwaldes, Erz- und Fichtelgebirges. Restauration
im Sommer. Von hier über Ober-Gramling nach Stift _Tepl_, 20 Minuten
von der gleichnamigen Stadt entfernt. Das weitläufige Kloster mit
hübscher Kirche, grosser Orgel, sehenswerther Bibliothek, Brauerei
und grossen Wirthschaftsgebäuden, ist eines der reichsten Klöster
der Monarchie. Unter den daselbst aufbewahrten Raritäten finden
der Becher, woraus Göthe stets den Kreuzbrunnen trank, die von ihm
angelegte und zusammengestellte interessante Mineraliensammlung und
die Originalbriefe Göthes an den trefflichen Uebersetzer der Iliade,
Gymn.-Prof. Zauper, rege Beachtung. Neben dem Kloster ein Gasthof mit
Veranda. Wagen zur Rückfahrt nach Marienbad.

2. _Marienbad-Petschau._ (4 St. zu Fuss.) Ueber Einsiedl (Kloster
und Mädchenpensionat) durch ein herrliches Waldthal mit zahlreichen,
höchst interessanten Felspartien auf der windungsreichen Kaiserstrasse
zur Restauration _Grünberg_, mitten im Walde und an der Tepl reizend
gelegen, und von da in einer halben Stunde nach Petschau.

    =Gasthöfe=: Zur Krone, zur Post.

    =Post- und Telegrafenamt.= =Postverbindung= mit Karlsbad,
    Marienbad, Pilsen, Elbogen.

Die Stadt liegt an der Tepl in einem herrlichen Thale; die Strassen
von Marienbad, Karlsbad und Pilsen laufen hier zusammen. Auf einem
mächtigen, gegen die Tepel zu steil abfallenden Felsen liegt reizend
das Schloss des Herzogs Beaufort. Oberhalb desselben erhebt sich
malerisch das alte Schloss, welches ursprünglich Slawko von Riesenberg
gegründet, später aber Johann Pflug von Rabenstein, wie sein Wappen
und eine Inschrift zeigt, überbaut und Kaspar Pflug noch bewohnt hat.
Von den angeblich sonst bestandenen vier Stockwerken sind nur zwei
vorhanden. Gegenwärtig ist es von den herzogl. Beaufort'schen Beamten
bewohnt. Es enthält eine ziemlich erhaltene Kapelle mit prachtvollen
Gemälden. Die Stadt wurde während der Hussitenkriege fast ganz
verwüstet und durch Joh. Pflug von Rabenstein unterstützt und wieder
emporgebracht. Am 2. Februar 1621 und 17. Juli 1760 legten grosse
Feuersbrünste die Stadt in Asche. Der in Schönfeld, zwischen Petschau
und Schlaggenwald gelegen, im J. 1802 gebürtige namhafte Violinist
und fruchtbare Komponist Josef Labitzki bildete sich unter Karl Veit
in Petschau im Klavier- und Violinspiel und in der Harmonielehre aus.
Die Umgebung der Stadt ist höchst interessant. Südwestlich vom Orte
_Neudorf_ (1¼ St. von Petschau) sind _Sauerbrunnen_, von welchen
der eine fast alle Eigenschaften des Marienbader Kreuzbrunnens hat.
Bemerkenswerthe Berge sind der _Koppenstein_, der _Galgenberg_ und der
_Huritzberg_. Die Felsarten sind an den beiden Gehängen des Tepelthales
und an den Bergen östlich bis Gängerhäusel, nördlich bis gegen
Millersgrün und westlich bis Tiefenbach _Granit_. Bei diesen Orten wird
der Granit von _Gneis_ begrenzt, welcher sich über das weite Gebiet
des Dominiums erstreckt. Im nördlichen Theile, von Gabhorn, Drosau und
Tepeles anfangend, herrscht wieder _Granit_.



B. Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus.



Falkenau.


    =Gasthöfe=: Anker, Stadt Prag, Stadt Karlsbad, Herrenhaus,
    Krone, 3 Staffeln, Hufeisen, Restauration am Schiesshause.

    =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht.

    =Eisenbahn=: Knotenpunkt gegen Eger, Karlsbad, Graslitz. Der
    Ort kann also von Eger oder Karlsbad aus leicht erreicht und
    zum Standorte für Touren in's Erzgebirge gewählt werden.

Wenn der Tourist mit der Bahn von Eger kommt und die Thalenge zwischen
Königsberg und Dassnitz passirt hat, so eröffnet sich nach letzterer
Station seinen Blicken allmählig eine anmuthige, kleine Ebene, umsäumt
von Bergrücken in einer Höhe von nahezu 948 m. Inmitten dieser Ebene,
»das _Falkenauer Land_« genannt, liegt:

_Falkenau_ -- Stadt mit 6000 Einwohnern, an der Mündung des
Zwodaubaches in die Eger gelegen und von der Karlsbad-Egerer Strasse
durchschnitten; der Ort besteht aus der eigentlichen Stadt und einer
Vorstadt. Das Schloss ist ein ansehnliches, schon vom Grafen Nikolaus
Schlick im Jahre 1480 gegründetes, aber erst von seinen Nachfolgern
vollendetes, ein regelmässiges Viereck bildendes Gebäude, mit einem
geräumigen Hofe und einer Kapelle. An jeder der vier Ecken des Gebäudes
erhebt sich ein Thurm. Bei dem Schlosse befindet sich ein schöner Park.
Am 23. Juni 1874 wurde die Stadt durch eine verheerende Feuersbrunst
heimgesucht, Welche von den vorhandenen 280 Häusern über die Hälfte
in Asche legte. Heute steht die Stadt freundlicher als je da; breite,
gepflasterte, mit Trottoir versehene Strassen und neue schöne Häuser
entstanden an Stelle der alten, winkligen, engen Gässchen und der
unansehnlichen Häuser mit den russgeschwärzten Schindeldächern. Alles
wird überragt von dem neuen, schlanken Thurme. Am östlichen Ende
der Stadt führt eine neue 132·3 m lange Eisenbrücke auf das linke
Ufer der Eger zum Bahnhofe und Vororte Schönwerth. Das Lobs- und
Zwodauthal sind romantische Gebirgsthäler mit malerischen Fels- und
Waldpartien und laden den Touristen zu lohnenden Streifzügen durch
dieselben ein. Die dichtbevölkerte Umgebung Falkenau's mit den vielen
Dörfern, Kohlenwerken, Glashütten, Spinnereien usw. bietet jedermann
sehr viel Interessantes und Lehrreiches. Aus allem geht hervor,
dass das Gebiet ein lebhafter Industriebezirk, und dass die Stadt
mit ihrer Umgebung in entschiedenem Aufschwung begriffen ist. Der
landschaftliche Reiz hat aber dadurch keine Einbusse erlitten, und es
erscheint Falkenau als Centralpunkt eines bedeutenden Strassennetzes
mit drei Bahnlinien nach westlicher, östlicher und nördlicher Richtung
dem Touristen als ein vortrefflicher Ausgangspunkt für sehr viele
lohnende Spaziergänge und Ausflüge. Eine besondere Zierde der Umgebung
der Stadt ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel hinter der
Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer Garten in der
Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne. Diesen Hopfenbau
besang der Naturdichter _Anton Fürnstein_, welcher ein Krüppel war
und hier lebte, über Veranlassung unseres Dichterfürsten Wolfgang von
Göthe. Als dieser im Jahre 1822 über Eibenstock und Falkenau nach
Karlsbad fuhr, traf er mit Fürnstein zusammen und gab ihm den Stoff
zur Bearbeitung. Göthe schreibt über diese Zusammenkunft: »Ich fand
ihn in seinem Sesselwägelchen zusammengekrümmt, ein herzergreifender
Anblick; denn gekauzt, wie er war, hätte man ihn mit einem mässigen
Cubus bedecken können. Er begrüsste mich freundlich, deutete auf sein
Elend und bezeugte guten Muth, indessen ich ihn kaum anzusehen wagte.
Bei flüchtigem Blick musst' ich gar bald erkennen, wie auf diesem
entstellten Körper sich ein Cerebralsystem ausgebildet hatte, womit
eine regelmässige Gestalt gar wohl hätte zufrieden sein können.«
Ueber die Naturdichter überhaupt sagt Göthe: »Unsere Naturpoeten
sind gewöhnlich mehr mit rhythmischen als dichterischen Fähigkeiten
geboren; man gesteht ihnen zu, dass sie die nächste Umgebung treulich
auffassen, landesübliche Charaktere, Gewohnheiten und Sitten mit
grosser Heiterkeit genau zu schildern verstehen, wobei sich denn
ihre Produktion, wie alle poetischen Anfänge, gegen das Didaktische,
Belehrende, Sittenverbessernde gar löblich hinneigt.« Von Fürnstein
fügt er noch hinzu: »Alle seine Produktionen schmückt eine gewisse
Anmuth, die das unternommene Ganze zu beleben weiss; da ist Gegenwart
der offenen Natur, Behagen sich beschränkender Geselligkeit, Genuss und
Hoffnung, und bei allem ein menschlicher, edler Ernst, dem eine reine
Gottesverehrung gar wohl ansteht.« Das Gedicht »Der Hopfenbau« ist
Fürnstein ganz gelungen. Göthe schreibt darüber: »Wie er die Aufgabe
gelöst, wie er thätig beginnt und alles, was zu thun ist, eins nach
dem andern einschärft, dabei ein sittliches Wort mit einschlingt und
immer so fortfährt und diese Reben den Weinreben anzunähern versteht,
bedarf keiner Auslegung; das Ganze liegt hellheiter und unter sonnigem,
günstigem Himmel und wird von einem jeden an Ort und Stelle, besonders
zu recht thätiger Arbeitszeit, gewiss mit dem grössten Interesse
empfunden werden. Ich möchte diese Gedichte die aufsteigenden nennen;
sie schweben noch am Boden, verlassen ihn nicht, gleiten aber sanft
darüber hin.« Wenn man diese günstigen Urtheile Göthes und die
Schwierigkeiten, unter welchen sich Fürnstein die Mittel zu seiner
Fortbildung verschafft, in's Auge fasst, so muss man zu dem Urtheile
kommen, dass er eine nicht unbedeutende Persönlichkeit und einer
Erinnerung werth ist.


Spaziergänge:

_Falkenau-*Hartenberg._ Wir gehen von Falkenau auf der
Heinrichsgrün-Graslitzer Strasse in das 20 Min. entfernte Dorf Zwodau.
Von hier aus können wir verschiedene Wege nach Hartenberg einschlagen.
Zunächst führt die Gossengrüner Bezirksstrasse dahin. Fünf Minuten
hinter Zwodau liegt das zu diesem Orte gehörende _Davidsthal_ mit den
Kohlenwerken und der Glashütte des Barons David von Starck. In etwa
20 Minuten gelangen wir auf der Strasse, welche fortwährend sanft
ansteigt, nach _Josefsdorf_, oberhalb welches Dorfes eine Seitenstrasse
rechts zum Schlosse und Dorfe _Hartenberg_ abbiegt.

Ein viel angenehmerer Weg ist der durch den _Theinwald_. Wir gehen
von Zwodau in der Richtung gegen Lanz an dem Peter'schen Kohlenwerke
vorüber zum Walde, durch welchen ein sanft ansteigender Weg führt.
Hierauf schreiten wir über eine weite, zum Dorfe Thein gelegene
Lichtung (einen sandigen Feldcomplex) in den Theinwald und gelangen,
dem breiten Waldwege folgend, zu einer im Querthale gelegenen Mühle,
von welcher aus links ein Fussweg durch dasselbe an die Zwodau führt,
welche wir bei der _Herrenmühle_ auf einem Stege übersetzen. In fünf
Minuten gelangen wir in der Richtung nach Falkenau -- also zurückgehend
-- auf den Bahnhof _Hartenberg_.

Ein dritter Weg führt an der Schmieger'schen Schafwollspinnerei in
Zwodau vorüber über den Steinberg durch die kleinen, aber schön
gelegenen Orte _Sandhäuser_ und _Wörth_, wo die Zwodau überschritten
wird, und schliesslich an der Bahnstrecke bis Hartenberg. Die Eisenbahn
kann auch zu diesem Ausfluge benützt werden. Selbe überschreitet die
Zwodau gleich hinter dem Falkenauer Stationsplatze, hat bei Zwodau die
Station Zwodau-Davidsthal, tritt unweit des Stationsplatzes wieder
an das linke Zwodauufer, bald hierauf an das rechte und fährt fast
unmittelbar am Zwodauflusse in dem schönen Zwodauthale an dem Orte
Wörth vorüber nach Hartenberg.

Vom Hartenberger Bahnhofe führt eine Strasse an dem unteren Gasthause
»zum Schlossberge« in einem Seitenthale aufwärts. Am rechten
Bergrücken kommen wir zur _Götheruhe_, wo der grosse Dichter seinen
siebzigsten Geburtstag feierte; von dieser präsentirt sich das gräflich
Auersperg'sche Schloss am schönsten. Die romantische Lage dieses auf
einem Felskegel stehenden alten Schlosses mit einem zwar kleinen, aber
reizenden Schlossgarten, die prächtigen, sorgfältig gepflegten Laub-
und Nadelholzwaldungen, die herrliche, reine Gebirgsluft, der tiefe
Friede in den Seitenthälern und die historischen Erinnerungen, die
sich an diesen schönen Erdenwinkel knüpfen, machen Hartenberg zu dem
beliebtesten und besuchtesten Ausflugsorte der Umgebung. An einer Birke
ist die Aufschrift zu lesen: »Unter dieser Birke pflegte der grosse
Dichter Joh. Wolfgang von Göthe während seines Aufenthaltes im Schlosse
Hartenberg öfters zu ruhen.« Von da führt die Strasse nun am Bräuhause
vorüber in einer scharfen Biegung auf den Schlossberg mit dem Dorfe
Hartenberg und dem Schlosse, dessen Theile aus verschiedenen Zeiten
zu stammen scheinen. Sehenswerth ist die Schlosskapelle, der kleine,
terrassenförmig angelegte Garten und der unweit des Schlosses angelegte
Gemüsegarten als schöner Aussichtspunkt.

Von Hartenberg aus führt ein Weg auf den _Pichlberg_, an dessen
südwestlichem Abhange das Dorf gleichen Namens liegt. Hier haben wir
eine schöne Fernsicht nach allen Seiten.

_Falkenau-Lobsthal._ Wir gehen von Falkenau entweder auf der am
Schlosse vorüberführenden Lauterbacher Bezirksstrasse in südöstlicher
Richtung oder auf dem Fusswege längs des Lobsbaches zum Dorfe
_Schäferei_, von wo aus die Strasse durch das an beiden Seiten des
Lobsbaches gelegene Dorf _Wudingrün_, an dessen Ende, aber bereits im
engen, theilweise schöne Felsenpartien bergenden Thale, das romantisch
gelegene Gasthaus »zum Eisenhammer« sich befindet.

Von _Falkenau nach Königswerth, über Teschwitz, *das Schiesshaus_ und
zurück (1¼ St.)

In nordöstlicher Richtung führt am linken Egerufer ein Weg an dem
Vororte Schönwerth (mit Obst- und Gemüsebau) vorüber nach dem Orte
_Königswerth_ (mit Obstbau); von da setzen wir auf einem Kahne
über die Eger in das gegenüberliegende Teschwitz (mit Obstanlagen),
spazieren auf einem schönen Feldwege am _Klingerwäldchen_ vorbei
zum Schiesshause mit schönen Anlagen. Auf einem Felsen oberhalb des
herrlich gelegenen Schiesshauses finden wir ein _Gloriett_. Prächtige
Rundsicht!


Touren:

_Falkenau-*Sangerberg._ Diese südliche Tour empfiehlt sich zu Wagen
durch das _Lobsthal_ nach _Lauterbach_ und von da nach dem neu
aufstrebenden Curorte _Sangerberg_. (Für Fussgänger ½ Tag.)

_Falkenau-Crudum._ Am besten besteigen wir den sagenhaften Crudum 830 m
vom Lobsthale aus, indem wir die Strasse nach Lauterbach oberhalb der
gräflich Nostitz'schen _Brettsäge_ verlassen und links den Weg, der
zum Dorfe Kohling hinaufführt, einschlagen. In diesem Dorfe führt uns
jedes Kind zum Triangulirungspunkte (im Volksmunde »zur Lärmstange«).
Der Ausblick ist um so überraschender, als der Weg fast bis zur Spitze
durch Wald führt, und die Aussicht erst kurz vor dem Gipfel des Berges
frei wird.

_Falkenau-Schwanderberg_ (735 m). Der Schwanderberg ist der Nachbar des
Crudum; wir besteigen ihn auf der anderen Seite des Lobsthales über
_Wudingrün_, _Grün_ und _Schwand_.

_Falkenau-*Kapellenberg_ rechts und *Rabenstein links von Steinbach.
Eine noch schönere und umfassendere Aussicht, als die zwei Berge der
voranstehenden Partien bieten, geniessen wir auf das Fichtelgebirge,
das Egerland, das Vogtland, das in Terrassen aufsteigende Erzgebirge
mit dem Sonnenwirbel und die Gebirge hinter Karlsbad von dem
_Kapellenberge_ rechts von Steinbach und in noch grossartigerer
Weise vom _Rabenstein_ links von Steinbach. Der Weg nach Steinbach
führt von Falkenau über _Reichenau_ und _Prösau_, wo es gerathen
ist, sich den nächsten Weg auf den Kapellenberg zeigen zu lassen. In
dem Dorfe Steinbach befindet sich ein Jagdschloss des Grafen Nostitz
mit einer Sammlung von ausgestopften, von dem Grafen oder dessen
Forstbediensteten geschossenen Thieren. Von hier aus können wir
auch einen Abstecher in das noch 30 Minuten entfernte _Kirchenbirg_
machen und daselbst das Schloss des Barons Henneberg mit Orangerie,
Obstanlagen und Bräuerei besichtigen. Rückweg über _Reichenau_, wo sich
grossartige Braunkohlenwerke und Tafelglashütten des Barons David von
Starck, Radler's Kohlenwerke und eine Wachsfabrik des Dr. Pilz befinden.

_Falkenau-Maria-Kulm_ in westlicher Richtung mit der Bahn über
Dassnitz. Schöner Rückweg zu Fuss über das Dorf _Haselbach_, von wo
aus wir einen hübschen Blick in's Eger- und Zwodauthal geniessen.
Maria-Kulm (siehe Franzensbad-Maria-Kulm).

_Falkenau-Mostau_ ist eine Fortsetzung der früheren Tour, wenn wir den
Rückweg nicht zu Fuss zurücklegen und von Königsberg mit der Bahn nach
Mostau-Nebanitz fahren. In Mostau empfiehlt sich die Besichtigung der
Musterwirthschaft des Gutsbesitzers Ritter von Komers. Grosser, schöner
Park. Rückweg mit der Bahn.

_Falkenau-*Elbogen._ Unterhalb Falkenau nahe dem Dorfe Königswerth
verengt sich das Egerthal wieder, und Fussgänger lieben es, durch diese
Thalenge nach Altsattel und Elbogen zu wandern.

=Elbogen=, königliche Stadt, nach der Volkszählung im Jahre 1869 mit
3257 Einwohnern.

    =Gasthäuser=: Rother Hirsch, Weisses Ross, beide am Marktplatz;
    Scherbaums Gasthaus bei der Kettenbrücke.

    =Eisenbahn=: Buschtiehrader, verbunden mit der Stadt und der
    Station Neusattel durch die Elbogner Localbahn.

    =Postverbindung=: Schlaggenwald, Schönfeld (Eilfahrt) und von
    da nach Petschan (Botenfahrt).

    =Aemter=: K. k. Bezirksgericht. -- Revierbergamt.

    =Schulen=: Oberrealschule, Volksschule.

    =Post- und Telegrafenamt.=

Die Stadt liegt auf einem steil gegen die Eger abfallenden Felsen
am linken Ufer des Flusses, welcher sie in Gestalt eines Elbogens,
daher der Name, umfliesst. Sie besteht aus der inneren Stadt und den
beiden Vorstädten _Rabitsch_ und _Littmitz_. Hier befindet sich die
zweitälteste Kettenbrücke in Deutschland und Oesterreich (die älteste
ist die zu Freiburg). Der Grundstein zu derselben wurde am 18. Juli
1834 gelegt. Ihre Höhe über dem Wasserspiegel beträgt 12·7 m. Das
Mauerwerk dabei ist von Granit, die Eisenbestandtheile wurden auf
den Eisenwerken der Herrschaft Rothenhaus erzeugt. Die Localbahn,
welche durch das reizende Grünlasthal an den reichen Kohlenlagern
des Vincenzi- und Helenenschachtes, an der Siemen'schen Glasfabrik,
einer Ziegelei und einer chemisch-technischen Fabrik vorbeifährt, ist
die erste in Oesterreich. Das Consortium, welches die Bozen-Meraner
Bahn in Südtirol baute, führte diese Bahn, welche Elbogen dem grossen
Weltverkehre wieder etwas näher gebracht, auf seine Rechnung aus, und
der Ingenieur, der den Bau leitete, führt einen berühmten Namen. Er
heisst _Schwind_ und ist der Sohn des berühmten Malers, dem die »Schöne
Melusine« und die »Sieben Raben« ihren Ursprung verdanken. Ingenieur
Schwind hat sich in einer der Villen am Fusse der Stadt und in der Nähe
der Eger angesiedelt.

Auf dem Rathhause wird eine merkwürdige Masse von _Meteoreisen_
aufbewahrt, welche seit Jahrhunderten unter dem Namen des »verwünschten
Burggrafen« bekannt gewesen ist. Der Volkssage nach soll nämlich im
Mittelalter ein königlicher Burggraf zu Elbogen die Unterthanen mit
grosser Härte behandelt haben, deshalb öfters von diesen verwünscht
worden, und diese Verwünschung eines Tages in Erfüllung gegangen
sein. Als nämlich der Burggraf die Frohnpflichtigen mit der Glocke
zur Arbeit rufen wollte, sei er plötzlich durch einen vom Himmel
herabfahrenden Blitz getödtet und in jene Metallmasse verwandelt
worden. Der Aberglaube schrieb ehemals dieser Masse, die in einem
Gewölbe des Schlosses lag, sogar Zauberkräfte zu, und man behauptete,
dass sie zu gewissen Zeiten leichter, zu anderen wieder schwerer würde,
dass sie, wenn sie in den 41·7 m tiefen Schlossbrunnen geworfen würde,
immer wieder zum Vorscheine komme u. dgl. m. Der k. k. General Johann
von Werth liess, um sich davon zu überzeugen, im 30jährigen Kriege den
Klumpen in den Schlossbrunnen werfen, aus welchem er jedoch später
wieder herausgezogen und in's Schloss gebracht wurde. Im J. 1742 warfen
die Franzosen die Masse abermals in den Schlossbrunnen und hier blieb
sie bis 1776, wo sie wieder heraufgeholt und nunmehr auf dem Rathhause
aufbewahrt wurde. Im J. 1811 kam der damalige Professor der Chemie am
ständischen technischen Institute zu Prag, K. A. Neumann, nach Elbogen,
liess sich ein Stückchen von der Masse zu chemischen Untersuchungen
mittheilen und erkannte durch dieselbe, dass sie Meteoreisen sei, was
auch bald darauf durch den Chemiker von Klaproth und den Physiker Dr.
Chladni bestätigt wurde. Später wurde die Masse in zwei ungleich grosse
Stücke zertheilt, von welchen das grössere, etwa 150 Pfund schwere, an
das k. k. Naturalien-Cabinet in Wien abgeliefert wurde, das kleinere
aber von 40 Pfd. sich noch auf dem Rathhause befindet.

Das _Schloss_, von seiner felsigen Lage ehemals Stein-Elbogen genannt,
soll ursprünglich schon um das Jahr 870 von den mit den Herzogen von
Bayern verwandt gewesenen Markgrafen von Vohburg gegründet worden sein,
denen bis in's XII. Jahrhundert der ganze Egerische und Elbogner Bezirk
gehörte.

Berchthold, Markgraf von Vohburg, starb in der 1. Hälfte des XII.
Jahrhunderts ohne männliche Erben, und das Elbogner Gebiet fiel nunmehr
an den Kaiser Friedrich I., welcher sich 1149 mit Adelheid, einer
Tochter des Verstorbenen, vermählt hatte. Als er aber 1153 sich von
dieser seiner Gemahlin durch die Kirchenversammlung zu Kostnitz hatte
scheiden lassen, nahmen die Verwandten derselben, die Herzoge von
Bayern, die hinterlassene Herrschaft Berchtholds in Anspruch, und es
gelang ihnen auch, zum Besitz derselben, namentlich von Elbogen und
Eger zu gelangen.

Unter Rudolph von Habsburg wurde es an die böhmische Krone verpfändet.
König Wenzel I. verlieh 1246 die von ihm neuerbaute Pfarrkirche zu
Elbogen sammt allen Einkünften dem neuen Orden der Kreuzherrn mit
dem rothen Sterne. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Elbogen ein
Eigenthum der Könige von Böhmen. König Johann von Luxemburg erhielt
die Kunde, dass ihm seine Gemahlin Elisabeth die Krone zu entreissen
trachte, und zog wuthentbrannt gegen das feste Schloss Elbogen, den
Aufenthalt der Königin, und liess es ohne weiters stürmen. Obgleich
sich herausgestellt, dass diese Anklage alles Grundes entbehrte und
nichts als eine schändliche Verleumdung war, wurde sie doch von ihren
Kindern gewaltsam getrennt und musste ihren Aufenthalt in Melnik
nehmen. Johanns Nachfolger, Karl IV., zeigte sich der Stadt Elbogen
stets sehr gewogen. Er erneuerte derselben im J. 1352 alle unter
seines Vaters Regierung verbrannten Urkunden und verlieh ihr die
Steuerfreiheit unter der Bedingung, dass ihm bei seiner Anwesenheit in
Elbogen jährlich einmal 5 Pfund schwäbische Heller in einem hölzernen
Becher überreicht werden müssen. Becher und Münzen sind heute noch im
Rathhause aufbewahrt.

Während der Hussitenkriege scheint Elbogen belagert, aber nicht
eingenommen worden zu sein.

Nach verschiedenen Streitigkeiten gelangte das unter Kaiser Sigmund
verpfändete Elbogen im J. 1547 wieder an die Krone Böhmens, und der
damalige Kaiser Ferdinand I. verlieh der Stadt die Erlaubniss, einen
Jahrmarkt zu halten.

In dem dreissigjährigen und dem österreichischen Erbfolge-Kriege hatte
Elbogen viele Drangsale zu bestehen.

Im Jahre 1725 legte eine verheerende Feuersbrunst die ganze Stadt bis
auf einige Häuser in Asche.

Auch die Kirche brannte nieder. Ihr Neubau erfolgte 1728. Das
prachtvolle Altarblatt, Ermordung des hl. Wenzel, ist vom berühmten
Maler Brandl gemalt.

Die St. _Johanneskirche_ bestand schon im 14. Jahrhunderte, wurde
aber baufällig und 1854--1857 neu erbaut. Der angrenzende Friedhof
wurde aufgelassen und 1877 ein neuer auf dem Goldberge angelegt. Die
St. _Annakapelle_ wurde 1742 in Folge eines Gelübdes gebaut. Der
französische General Armentiers belagerte in diesem Jahre die Stadt.
Die geängstigten Bewohner veranstalteten am 26. Juli eine Procession
und gelobten zugleich nach Rettung aus dieser Bedrängniss der hl. Anna
zu Ehren eine Kapelle zu bauen, was auch geschehen ist. Es kam zur
Capitulation; aber die Stadt wurde in keiner Weise geschädigt.

Wo derzeit die St. _Wolfgangskapelle_ steht, war vor alten Zeiten
eine Kirche, die von den Hussiten und Schweden zerstört wurde. Die
Muttergotteskapelle stammt aus neuerer Zeit.

Mitten am Ringplatze steht die schöne _Dreifaltigkeitsstatue_, 1719 vom
Stadtrathe errichtet.

Elbogen besitzt zwei schöne und geräumige Schulgebäude für eine
Oberrealschule, im J. 1840, und für eine Volksschule, im J. 1867 erbaut.

=Sehenswürdigkeiten=: _Das alte Schloss_, bestehend aus dem Wartthurm,
dem Schlossgebäude und dem Markgrafenhaus. Als es im J. 1792 in
ein Kriminal-Strafhaus umgewandelt wurde, fielen die hohen Thürme,
Spitzdächer und der grösste Theil des Mantelgebäudes des Wartthurmes
diesem Umbaue zum Opfer.

Das _Rathhaus_, 1685 erbaut. In demselben werden, wie aus dem
Voranstehenden hervorgeht, aufbewahrt:

_a_) Der steinerne Burggraf, ein Meteorstein.

_b_) Ein hölzerner, verzierter Becher und einige Münzen aus dem Jahre
1352.

Die _Porzellanfabrik_, im J. 1815 von Rudolph und Eugen Haidinger
gegründet.

Die _Spaziergänge_ um die Stadt an beiden Egerufern sind reizend.
Auf die bepflanzten und bewaldeten Höhen führen gut angelegte Wege.
Durch das Geyersbachthal zum neuen Schiesshause, in das felsige Zech-
und das oberwähnte Grünlasthal sind Spaziergänge wegen der sich hier
darbietenden Mannigfaltigkeit besonders zu empfehlen. Wenn man auf der
von Karlsbad steil abfallenden Strasse kommt und plötzlich Elbogen vor
sich sieht, glaubt man zu träumen. Das ist die reine Romantik, die
einem ganz unerwartet entgegentritt. Ganz Böhmen hat kein schöneres
Städtebild aufzuweisen. Der Fluss, die Kettenbrücke, die in fabelhafter
Höhe über ihn gespannt ist, die alte, schwarze Burg dahinter, die
Stadt, welche in Gestalt eines regelrechten Halbbogens sich zu Füssen
dieser Burg ausbreitet, mit ihren Gärten und Villen bis dicht an die
das ganze Bild in Ellenbogenform umspannende Eger vordringt, während
sich die waldbedeckten Berge jenseits der Strasse, welche die Stadt
parallel mit dem Flusse einrahmt, malerisch abheben -- das alles gibt
ein Bild, wie es nicht schöner gedacht werden kann. Darum wird der
Spaziergang gegen Horn allen denen, welche nicht von Karlsbad nach
Elbogen kommen, sich aber den herrlichen Anblick der Stadt von da aus
nicht versagen wollen, besonders empfohlen. Sehr lohnend ist auch der
Weg zum _Hansheiling_ am linken Egerufer oder über den Ziegenruck.

Empfehlenswerthe Aussichtspunkte sind:

_a_) Der Mühlacker;

_b_) der spitzige Stein;

_c_) der Robitschberg und

_d_) die Terrasse im Gasthause zum »weissen Ross«, von welcher
die, Elbogen südwestlich, südlich und südöstlich im engen Gürtel
umschliessenden Berge ein prachtvolles Panorama geben.

_Falkenau-Gossengrün_ (auf der Strasse in nordwestlicher Richtung gegen
Schönbach in 2 Stunden). Der Ort Gossengrün zählt etwa 2000 Einwohner,
welche sich von der Landwirthschaft und der Spitzenklöppelei ernähren.

    =Gasthaus=: Philipp Locke's Gasthaus.

    =Postverbindung=: Gossengrün-Hartenberg; Gossengrün-Schönbach.

Ausflug von Gossengrün nach Leopoldshammer im Leibitschthale (siehe
Schönbach-Leibitschthal).

_Falkenau-Bleistadt_ (mit der Bahn -- Entfernung etwas über 1 Meile).

    =Gasthäuser=: Zum städtischen Rathhaus. -- Wilh. Gerstners
    Restauration.

    =Eisenbahnverbindung= mit Falkenau und Graslitz.

_Bleistadt_ ist eine alte Bergstadt und zählt 1400 Einwohner. Die Stadt
führt den Namen von dem hier früher betriebenen, nunmehr aufgelassenen
Blei-Bergbau. Gegenwärtig fristen die Bewohner ihr karges Dasein mit
Spitzenklöppeln. Auf den zahlreichen Halden findet der kundige Wanderer
bleihaltige Gesteine und sogar Stücke reinen Erzes.

=Sehenswürdigkeiten=: Nachstehende Privilegien: von den Kaisern
Rudolph II. 1524, Ferdinand 1558, Mathias 1613, Ferdinand III. 1652
und Joseph II. 1785. Auch ist in der im Jahre 1524 vom Kaiser Rudolph
II. gegründeten Kirche Sct. Michael ein Wappen in Farben an dem rechts
vom Hochaltare befindlichen Fenster von den Geheim-Brüdern Paulus,
Christof und Friedrich, Bürgern des Rathes der Reichsstadt Nürnberg,
zum Andenken »ai 1603« zu sehen.

=Aussicht=: Von dem Bergrücken bei Liebenau, Obergrünles und Neuhäuser
aus lässt sich grosse Umschau halten über das Erzgebirge bis gegen
Platten, dann gegen Karlsbad, die interessante Burgruine Engelhaus,
Lauterbach bei Einsiedel und über das Egerland.

_Falkenau-*Heinrichsgrün_ -- Gebirgsstadt, 2250 Einwohner.

    =Gasthäuser=: Wilder Mann, grüner Heinrich.

    =Post- und Telegrafenamt= -- Domainen- und Forstverwaltung des
    Grafen Erwein Nostitz.

Von Falkenau aus erreichen wir Heinrichsgrün auf der Aerarialstrasse,
welche durch die Dörfer Lanz, Waldl und Unter-Neugrün sanft ansteigt
und von Neu-Grün an, auf beiden Seiten von den schönsten Wäldern
begrenzt, bis zur Stadt führt. Diese liegt auf einer kleinen
Gebirgsebene an einer Thalschlucht, welche sich in langen Zügen in's
Zwodauthal erstreckt und das Lochthal genannt wird. Hier blühte in
früherer Zeit der Bergbau. Der Tourist möge uns nun auf unserem Gange
begleiten. Wir statten zuerst der im Spitzbogenstyl erbauten Kirche
St. Martin einen Besuch ab; dann besichtigen wir die im J. 1877 auf
Veranlassung des hochverdienten Erzgebirgsfreundes Herrn Ritter von
Dotzauer von dem Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit
der böhmischen Erz- und Riesengebirgsbewohner in Prag errichtete
Spitzenschule, in welcher Idrianer Spitzen kunstgerecht erzeugt
werden. Nun gehen wir durch die Schlossgasse zu dem nördlich von der
Stadt gelegenen gräflich Erwein von Nostitz'schen Schlosse. In diesem
befinden sich zwei alte Bilder, welche Scenen aus dem Graslitzer
Bergbau darstellen. Auch finden wir hier ein Bild, genannt die grosse
Dame, von der die Sage erzählt, dass sie in einem der Eckthürme des
Schlosses lebendig eingemauert wurde. Sämmtliche gräfliche Zimmer
sind mit prachtvollen Hirschgeweihen ausgeschmückt. Nach einer kurzen
Wanderung durch den Park, der das Schloss umgibt, kommen wir in eine
schöne Allee, welche uns zum _gräflichen Thiergarten_ führt.

Kurz vor dem Thiergarten biegt eine Bezirksstrasse nach rechts ab,
zieht sich durch theilweise schöne Waldungen in auf- und absteigender
Linie ausserhalb desselben hin und führt bei dem an der Ausgangseite
des Gartens gelegenen Teiche, von welchem sich ein weiter unten
bezeichneter Weg nach Schindelwaldel und Rothau abzweigt, vorbei.
Am Eingange in den Thiergarten (mit Erlaubniss der Forstinspection
passirbar) stehen zwei Forsthäuser, und von diesen aus ziehen sich
schöne, wohlerhaltene Wege durch alle Theile des weiten Gartens.
Hier nehmen wir die herrlichsten und mannigfaltigsten Partien wahr.
Dichte Fichtenwaldungen wechseln mit den saftigsten Wiesen ab, auf
denen Heerden von Hochwild weiden. In der Mitte des Thiergartens
steht malerisch das Jagdschloss, der Sommeraufenthalt der gräflichen
Familie. Von den Fenstern des Hauptgemaches geniesst man die Aussicht
auf eine reizende Scenerie des Gartens. Nicht uninteressant ist
auch die Eremitage, von welcher sich eine schöne Aussicht in das
Rothauthal eröffnet. Vom Jagdschlosse aus führt eine Strasse nach
dem nördlichen Ausgange des Thiergartens und schliesst sich da an
die oberwähnte Bezirksstrasse nach Schindelwaldel und Rothau an. Die
grossen Eisenwerke daselbst sind sehenswerth. Das erste Werk, zu
dem wir gelangen, ist die Zinnerei. Im Thale, kurze Strecke weiter
abwärts, steht der Hochofen mit der Eisengiesserei und unweit davon
die Dreherei. Nach etwa einer Stunde kommen wir zur Neuhütte. Von
da aus gelangen wir nach kurzem Gange auf die Kaiserstrasse, die
von Heinrichsgrün nach Graslitz führt. Beiderseits von hohen Bergen
eingeschlossen führt uns die bequeme Strasse in das _Annathal_, wo
der Rothaubach in die aus Sachsen kommende Zwodau mündet. Am rechten
Ufer der Zwodau liegt der Bahnhof, nach welchem von Heinrichsgrün aus
zweimal täglich die Post verkehrt. Auf unserer Retour-Wanderung aus
dem Annathal nach Heinrichsgrün erblicken wir links einen Basaltkegel,
den _Kernberg_, von dem aus man den grössten Theil der gemachten
Wanderung übersehen kann. Erwähnenwerth ist noch das Dorf _Altengrün_,
südlich von Heinrichsgrün gelegen, von welchem aus sich dem Auge eine
prachtvolle Aussicht in's Egerland darbietet.

4. _Falkenau-*Graslitz_ (mit der Bahn oder zu Fuss über Bleistadt, von
da über Horn und Heinrichsgrün nach Graslitz).

_Graslitz_, eine freie Bergstadt, in welcher bereits im J. 1370 der
Bergbau auf Kupfer rege geworden. Im J. 1437 hat Caspar Schlick die
Herrschaft übernommen. Im J. 1527 ging solche an Hieronymus Grafen
Schlick durch Kauf über. Im J. 1570 gelangte diese Stadt mit ihren
bereits bestehenden und durch eine Schlick'sche Bergordnung geregelten
Bergbauen in den Besitz der gräflich Schönburg'schen Familie.
August Graf Schönburg erliess eine neue Bergordnung 1601, welche
grösstentheils der Joachimsthaler nachgebildet ist. Schon damals
waren 2000 Bergleute, 100 Steiger, beim Baue beschäftigt und eine aus
zahlreichen Bergbeamten bestehende Berghauptmannschaft aufgestellt. Von
der damaligen Grossartigkeit der Bergbaue geben die vielen Stollen und
Halden den besten Beweis. Der Abbau und die Schmelzung der Schliche zu
Schwarzkupfer geschah durch Gedingarbeit und wurden 3 bis 5% Kupfer aus
dem Centner Erz herausgebracht.

Graslitz ist jetzt eine bedeutende Industriestadt, zählt nach der
letzten Volkszählung vom J. 1870 6549 Einwohner. Die verschiedenen
Industriezweige sind: Musikinstrumenten-, Spitzenerzeugung,
Stickerei, Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenerzeugung, Bleicherei,
Färberei, Druckerei. Hervorragende Fabriken: Maschinen-Stickerei,
Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenfabrik, bedeutende Fabrication für
Musikblas- und theilweise Streich-Instrumente, Kindermusikinstrumenten,
Perlmutterknopf-Erzeugung und Fabrication von Mundharmonikas.

    =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht,
    k. k. Haupt-Zollamt, k. k. Post- und Telegrafenamt;
    Eisenbahn-Endstation der Buschtiehrader Bahn.

    =Gasthäuser=: Kaiser von Oesterreich, Herrenhaus.
    _Restaurationen:_ Räumermühle mit schönem Echo; Kaisergarten
    und zwei an der Bahnhofstrasse.

=Sehenswürdigkeiten=: Die _Pfarrkirche_, in der Kanzel und Taufbecken
künstlerischen Werth haben. Das Altarbild »Abendmahl Jesu« ist von
Brandl. Das _Schulgebäude_ der Volks- und Bürgerschule mit dem
interessanten _*Museum_, Musikschule, welche sich eines bedeutenden
Rufes erfreut und zur Hebung der Musikinstrumentenfabrication
wesentlich beiträgt. _Armenhaus_, Spital, Friedhof.


Spaziergänge:

Nach dem Hausberg, lohnend wegen der schönen Aussicht. Dort ist die
_Richardshöhe_ mit einer Gedenktafel, so benannt nach Herrn Ritter von
Dotzauer, Handelskammerpräsidenten in Prag, einem geborenen Graslitzer,
der sich um seine Vaterstadt und das ganze Erzgebirge so verdient
gemacht, dass sein Name in den Blättern der Geschichte dieses Gebirges
für ewige Zeiten mit goldenen Lettern eingegraben bleiben wird. Gleich
darüber befindet sich auf der Sängerhöhe ein Obelisk und unweit davon
ein Gloriett, von dem aus wir einen herrlichen Ausblick über die
Umgebung geniessen.

Auf dem Hausberg stand einst ein Raubritterschloss, das im J. 1412 von
Tuchknappen und Metzgern aus Eger zerstört wurde. Ueberreste eines
Brunnens sind die letzten Spuren dieses Schlosses.

Auf dem Glasberge, welcher dem Hausberge gegenüber liegt, befinden sich
im »Holzhau« zwei auf einander liegende Granitblöcke, die Quarkquetsche
genannt, welche sich der Sage nach bei einem heftigen Sturme bewegt
haben. Nicht weit vom »Holzhau« befinden sich die Katzenfelsen,
zwei aus Granitsteinen aufgethürmte Hügel, und weiter in gerader
Linie kommen wir in die Nähe der Stadt und zum »Gesteinlicht«, einem
spitzigen Felsen, wo sich uns ein herrlicher Blick über die Stadt und
das Zwodauthal eröffnet.

Die Partie von Graslitz auf den _*Muckenbühl_ (¾ St.) 944 m hoch, ist
zu empfehlen; man erreicht seine 470 m über dem Zwodauthale liegende,
mit grossen Granitblöcken übersäete Kuppe ohne alle Anstrengung, da
seinerzeit der Herr Graf Nostitz von Heinrichsgrün Stufen einhauen
liess. Dieser interessante Berg gewährt eine hübsche Aussicht, die
nach Osten bis zum Sonnenwirbel, nach Südost über das nahe Schönlind
und Kohling hinweg nach Karlsbad reicht und darüber hinaus noch
den Phonolithberg Engelhaus mit der grossartigen, weit sichtbaren
Burgruine und das Giesshübler Schloss erkennen lässt.

Südwestlich von Graslitz (1 St.) liegt _Schönau_ mit der
Wallfahrtskirche zum hl. Jakob dem Grösseren. Ein im J. 1688 gedrucktes
und hier aufbewahrtes Gebetbuch gibt einen dunklen Aufschluss über
diesen Gnadenort. Interessant sind die um die Kirche gepflanzten, sehr
alten Linden.


Touren:

_Graslitz-*Klingenthal_, unmittelbar an der Grenze, wird durch das
Zwodauthal in ¾ St. erreicht.

_Klingenthal_ 576 m Seehöhe, hat 2700 Einwohner.

    =Gasthöfe=: Brauner Hirsch, zum alten Schloss, zur Post, zum
    heiteren Blick, vulgo das Lämpl, mit Aussicht, die Hacke
    (originelles und stark besuchtes Local mit vorzüglichem
    böhmischen Bier und Wein in unmittelbarer Nähe des sächsischen
    Zollamts -- gehört zu Markhausen in Böhmen).

Klingenthal liegt am Zusammentreffen des Zwodau- und Brunndöbrathales
und unmittelbar an der böhmischen Grenze, ist in seinen Haupttheilen
stadtähnlich gebaut und macht mit seiner romantischen Umgebung einen
sehr vortheilhaften Eindruck auf den Besucher. Es ist hochinteressant
durch seine eigenartige Industrie: Es fertigt jährlich Millionen von
Mundharmonikas, Accordions, Concertinos etc. und versendet sie in die
entferntesten Länder. Hauptfirmen: Dörfel, Steinfelser, C. G. Herold
und E. Leiterd in Brunndöbra.

Obwohl Klingenthal zweifellos ein Ort jüngeren Ursprungs ist, so lässt
sich doch die Zeit seiner Entstehung nicht nachweisen. Ursprünglich
war ein Eisenhammer hier, wegen der Lage in dem von steilen und
dunkel bewaldeten Bergen umgebenen Thalkessel »Höllenhammer« genannt,
wie überhaupt die ganze Thalsenke in früheren Zeiten mit dem Namen
»Hölle« bezeichnet wurde. Der Ort Klingenthal soll durch böhmische
Exulanten, die nach der Schlacht am Weissen Berge (1620) ihr Vaterland
verlassen mussten, entstanden und sowohl seinen Namen als auch sein
rasches Aufblühen einem Einwohner Namens Klinger zu verdanken haben.
Wahrscheinlich begründeten die Exulanten auch die heimische Industrie.

Von Klingenthal lässt sich bequem der _Aschberg_ besuchen. Der nächste
Weg ist die Auerbacher Strasse bis zur Postwartehalle in Brunndöbra.
Bei jeder neuen Biegung müssen wir den hochromantischen Charakter
der ganzen Landschaft bewundern. Hier zweigt nach rechts der sog.
Staffelweg ab nach dem Schloss Obersachsenberg im Dorfe gleichen
Namens. Die Häuser dieses Ortes liegen zerstreut auf sonniger Höhe,
sind klein und unscheinbar, aber bewohnt von einer arbeitsamen und
genügsamen Bevölkerung. Nicht selten sieht man an den kleinen Fenstern
der niedrigen Stübchen -- wie überhaupt im östlichen Vogtland -- den
Vogelbauer mit dem Hänfling oder Stieglitz oder mit dem unvermeidlichen
_Grünitz (Kreuzschnabel), der nach dem Glauben der Mütter die »Krämpfe
der Kinder anzieht.«_ Von Obersachsenberg ab ist der Weg nicht mehr
zu fehlen; das Ziel ist bereits sichtbar. _Der Aschberg, 925 m, liegt
hart an der Grenze auf böhmischer Seite und ist Station der königl.
sächsischen Triangulirung._ Das Steingerölle lässt uns die geologischen
Bestandtheile des Berges, den Granit erkennen. Die Aussicht ist
eine sehr umfassende und vorzügliche, nur sind die Hauptobjekte mit
Ausnahme des tief eingeschnittenen Zwodauthales mehr in die Ferne
gerückt. Unter den bewaldeten Höhen im Nordwesten ragt der langgezogene
Rücken des _Kiel_ (861 m) bei Friedrichsgrün hervor; in der im Norden
ausgebreiteten Waldregion tritt der obere Theil von Schönheida
deutlich heraus. Im Osten zeigen sich bewaldete Berge, im Süden viele
hochgelegene böhmische Orte, im Südwesten die vordere Gruppe des
Fichtelgebirges und ganz nahe das bereits erwähnte Zwodauthal.

Von _Klingenthal_ nach _Markneukirchen_ (mit der Bahn und dann retour).

_Markneukirchen_, Stadt, 504 m Seehöhe, 4600 Einwohner.

    =Gasthöfe=: Zum Rathskeller, zur goldenen Krone, Restauration
    von Paulus mit Gartenanlagen, Schützenhaus, Bahnhofrestauration.

    =Eisenbahnverbindung=: gegen Klingenthal, Adorf, Elster, Eger
    und nördlich gegen Leipzig.

_Markneukirchen_ ist die südlichste Stadt Sachsens und liegt zu beiden
Seiten des Schwarzbaches. Die Stadt ist Mittelpunkt der Vogtländischen
Blas- und Streichinstrumenten- und Darm-Saiten-Fabrication. Die Firmen:
Michael Schuster jun., Paulus & Schuster u. a. haben überseeische
Handelsverbindungen und ihre Waaren beherrschen trotz der französischen
und italienischen Concurrenz den Weltmarkt. Musikschule -- Badeanstalt.
Die Stadt hat nach dem Brande von 1840 ein ganz anderes schöneres
Gepräge erhalten. Der Ursprung derselben ist in völliges Dunkel
gehüllt. Der Ort, der erst aus 17, nach anderen nur aus 3 Häusern
bestanden haben soll, scheint ursprünglich nicht zum dobenauischen
Gebiet gehört zu haben, sondern es muss erst im 12. Jahrh. an die Vögte
gekommen sein. Ursprünglich soll es Nieweekirchen geheissen haben,
woraus dann Neukirchen und zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten
Mark- d. h. Grenz-Neukirchen entstanden sei. Eine andere Vermuthung
leitet den Namen von »Markt« ab.

Markneukirchen kommt zuerst 1357 als ein an die Markgrafen abgetretenes
Städtlein Neuenkirchen vor. Im Jahre 1360 erhalten die Kaufleute des
Ortes durch den Landgrafen Balthasar dieselben Rechte, wie die zu Adorf
und Oelsnitz, der Ort muss also schon von einiger Bedeutung gewesen
sein.

Das Bässe- und Geigenmachen soll 1580 durch böhmische Exulanten --
namentlich aus Schönbach und Graslitz -- nach Markneukirchen gebracht
worden sein.

_Graslitz-Schneckenstein-Schwaderbach_ und über Brunndöbra,
Sachsenberg, Klingenthal und Markhausen retour. Wer eine mineralogische
Merkwürdigkeit nicht unberührt lassen will, muss von Graslitz aus
den Schneckenstein besuchen. Derselbe gehört Sachsen an und liegt
2½ St. nördlich von Graslitz. Der Fussgänger mag seinen Weg über
Eibenberg nehmen, wo er die Bergwand mit riesigen Halden, den
Zeugen eines ehemals schwunghaften Baues auf Kupfererze, bedeckt
sieht und kann hinter Schwaderbach nebenbei den »_Aschberg_« (siehe
Klingenthal-Aschberg) besteigen. Von Schwaderbach über Ober-Sachsenberg
müsste er nach Steindöbra hinab, auf der nach Nord ziehenden Strasse
weiter, dann links ab in die Wälder, wo er _ohne Compass und Führer_
den versteckten _Schneckenstein_ gewiss nicht findet. Derselbe ist ein
Topasfels; in vielen Lehrbüchern der Mineralogie wird seiner gedacht,
und man soll etwas Aehnliches erst im Ural wiederfinden. Früher hat die
sächsische Regierung hier Topasse suchen lassen, jetzt kann sich jeder
nach Belieben ein Andenken aus dem Gestein herausklopfen und mitnehmen.
Auf dem Rückwege würde der Wanderer die sächsischen industriereichen
Ortschaften Brunndöbra, Sachsenberg und Klingenthal, auf böhmischer
Seite Markhausen berühren. Wer eine Fahrgelegenheit benützen will, kann
den grössten Theil des Weges auf guter Strasse zurücklegen.

_Graslitz-Forsthaus Nancy-Sauersack-*Kranichsee-Hirschenstand_ --
retour über Schönlind nach Graslitz.

Im Hochsommer bei trockener Zeit ist es eine eigenthümliche Lust, die
Moorgründe des höheren Gebirges zu besuchen und zwischen Knieholz
(Sumpfkiefer) über schwankenden Boden zu wandern.

Den Botaniker interessiren da die dem Torfmoore eigenthümlichen
Pflanzen. Von Graslitz führt eine gute Strasse das Thal des
Silberbaches aufwärts in einem hübschen Waldthalkessel zu der in
anmuthender Waldeinsamkeit gelegenen Försterei »Nancy« und von da
nach _Sauersack_. Von hier aus wäre ein _kundiger_ Führer mitzunehmen
und der _Kranichsee_ zu besuchen. Es ist kein echter See, sondern
eine grosse _Hochmoorfläche_, in deren Torf- und Moosboden das
Knieholz wuchert. Solche Moore sind grosse Wasserbehältnisse, da
ihr schwammiger Boden begierig die Feuchtigkeit einsaugt und nur
langsam wieder von sich gibt. Nach Delitsch enthält ein Moor, wie der
Kranichsee, vollständig mit Wasser gesättigt, so viel Wasser, dass
es _ein_ ganzes Jahr lang in jeder Secunde 10 Centner Wasser liefern
könnte, ehe es seinen Wasservorrath erschöpfte. Drei Bäche entfliessen
ihm.

In die Knieholzregion können wir auch leicht von Sauersack aus auf der
nach _Hirschenstand_ führenden guten Strasse kommen.

_Hirschenstand_, Dorf, 1200 Einwohner, welche sich mit Spitzenklöppeln
und der Buntstickerei beschäftigen.

=Ausflug=: Sehr empfehlenswerth ist die Besteigung des 1½ St.
entfernten, in Sachsen bei Wildenthal gelegenen _Auersberges_, 1021 m,
des zweithöchsten Berges in Sachsen, der eine majestätische Lage hat
und eine herrliche Aussicht in's Vogtland, in die Muldengegend, in das
sächsische Niederland und das Erzgebirge bietet.

Gegen _Frühbuss_ (1 St. südwestlich von Hirschenstand) können wir die
Torfgewinnung beobachten und, wie Prof. Laube sagt, die Verwandlung
der lebenden Pflanzen bis zur Bildung des reinen braunglänzenden
Specktorfes Schritt für Schritt verfolgen.

_Frühbuss_, Stadt, 1400 Einwohner, welche Bobbinet-Stickerei und
Spitzenklöppelei treiben.

    =Gasthäuser=: Städtisches Gasthaus, Franz Baumgartls und
    Leander Baumgartls Gasthaus.

=Aussichtspunct=: Hartenberg (20 Minuten entfernt), bietet eine
herrliche Aussicht im Osten gegen den Sonnenwirbel, nach Südost bis
Engelhaus über Falkenau und Karlsbad, nach Südwest über das Egerland
bis Franzensbad, nach Nordwest bis Bayern und Sachsen, und nach Nord
erblickt das Auge noch Auersberg in Sachsen.

Wer zu Wagen kommt, wird von Frühbuss aus über Schönlind und Rothau
nach Graslitz zurückkehren; wer sich aber für Basaltberge interessirt,
wird in Unter-Rothau halten und den _Flössberg_ und _Illmesberg_
besuchen, wo der Basalt in schönen Säulen ansteht, beim ersteren Berge
auch in sphäroidischer Absonderung gefunden wird.



C. Besuch des böhmischen Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von
Karlsbad aus.



Karlsbad.


    =Gasthöfe.= Karlsbad besitzt zahlreiche, comfortabel
    eingerichtete Hôtels: Hôtel »_goldenes Schild_« mit den dazu
    gehörigen Gebäuden: »_Erzherzog Stephan_«, »_zwei deutsche
    Monarchen_« und »_Gartenhaus_«; »_Hôtel Anger_«, nahe dem
    Theater, Hôtel »_zum österreichischen Hof_« (Neue Wiese);
    »_Hôtel Hannover_« (Markt); »_Hôtel drei Fasanen_« und »_Hôtel
    Erzherzog Karl_« (Kirchengasse); »_Hôtel Hopfenstock_«, »_Hôtel
    Loib_« und »_Rheinischer Hof_« (Geweidiggasse); Gasthof
    »_zum goldenen Schwan_« (Kreuzgasse); »_Hôtel Paradies_«,
    »_Hôtel Morgenstern_« (Kaiserstrasse); Wiesingers »_Hôtel
    National_« (Gartenzeile); »_Hôtel Donau_« (Parkstrasse);
    »_Hôtel baierischer Hof_« (Egerstrasse); »_Hôtel Lyon_«
    (Bahnhofstrasse).

    =Restaurationen= u. =Speisehäuser=. »_Curhaus_« (Quai), »_Salle
    de Saxe_« (Alte Wiese), »_Restauration Pupp_« (Pupp'scher
    Park), »_Sanssouci_« (am Kiesweg), »_Blauer Stern_« (Prager
    Gasse), »_Römer_«, »_Stadt Leipzig_« und »_Rother Ochs_«
    (Geweidiggasse), »_am Rhein_« (Andreasgasse), »_Bellona_«
    (Schlossplatz), »_Schützenhaus_«, »_Friedrich-Wilhelmsthal_«
    (hinter der alten Wiese), »_Königshof_« (Wiesenberg),
    »_Liederhalle_« (Schulgasse), »_Elisium_« (Panoramastrasse).

    =Caféhäuser= (die beliebtesten): »_Café Elefant_« (auf der
    Alten Wiese), »_Pupp's Café-Salon_«, »_Zur Stadt Hamburg_«
    (Kreuzgasse), im »_Panorama_«.

    =Postamt= am Markte. =Telegraphenamt= mit Nachtdienst (im
    Postgebäude).

    =Haupt-Zollamt= (Egerstrasse).

    =Photographische Ansichten= von Karlsbad und Umgebung in den
    Buchhandlungen von Hans _Feller_ (Mitte der alten Wiese zur
    »Eiche«, und Mühlbadgasse zu »3 gold. Sterne«).

    =Zeitungslese-Salon= im Curhause.

    =Directe Eisenbahn-Verbindungen= mit dem ganzen Continente.

    Karlsbad ist Station der Buschtiehrader Eisenbahn (Böhmische
    Nordwestbahn). Nach einer Reihe grösserer Städte verkehren ab
    Karlsbad _directe_ Wagen.

    =Lohnfuhrwerke.= _Omnibusse_: Vom Bahnhof in die Stadt 40 kr.,
    Handgepäck frei. _Droschken_ (Einspänner): Vom Bahnhof in die
    Stadt 1 fl. 20 kr., (50 Kilo Gepäck frei). Vor 6 Uhr Morgens u.
    nach 9 Uhr Abends sind die Taxen etwas höher. Für Lohnfuhrwerke
    besteht eine besondere behördlich genehmigte Taxordnung.
    Dieselbe ist abgedruckt im »Karlsbad im Portemonnaie.« Pr. 20
    kr.

    =Omnibusfahrten= (täglich) nach _Pirkenhammer_, _Aich_,
    _Dallwitz_ u. »Giesshübler Sauerbrunn«.

    =Postverbindung= nach Petschau täglich 1mal
                      "   Buchau      "    1 "
                      "   Bärringen   "    1 "
                      "   Neudek      "    2 "

    =Privatwohnungen.= Diese sind durchwegs mit Comfort
    eingerichtet. In Folge des in den letzten Jahren so
    grossartigen und noch fortschreitenden Ausbaues der Stadt
    herrscht in keiner Saison Wohnungsmangel.

    =Aemter.= Bezirkshauptmannschaft (Neue Wiese, Nro. 578, II.
    Stock). Bezirksgericht (Neue Wiese, Nro. 578, I. Stock),
    Steuer- und Grundbuchs-Amt, Bürgermeisteramt (Stadthaus,
    Mühlbadgasse Nro. 20). Polizeiamt (Stadthaus, II. Stock, Nro.
    4), Militär-Badehaus-Commando (Militär-Badehaus am Quai),
    Notariat (Mühlbadgasse z. »Samson«).

=Beschreibung und Geschichte der Stadt.= Die weltberühmte Curstadt
_Karlsbad_, oder _Kaiser-Karlsbad_ (Karlovy Vary, Thermae Carolinae),
in älteren Urkunden auch _Warmbad_, liegt unter 50° 13´ 22´´ nördl.
Breite, 30° 33´ 5´´ östl. Länge (östl. v. Ferro), 374·13 Meter über
der Meeresfläche zu beiden Seiten des engen Tepelthales malerisch
zwischen dem Hammerberge, dem Hirschenstein und dem Bernardsfelsen
am linken, dem Tappen- (oder Laurenz-), Buchen- und Galgenberge, am
rechten Ufer der Tepel, die sich unweit nördlich von der Stadt in
die Eger ergiesst. Die Stadt erstreckt sich in fast ununterbrochener
Häuserreihe von der Franz-Josef-(Eger-)Brücke bis zur protestantischen
Kirche, einer Wegstrecke von etwa 1 Stunde. Die meisten Häuser sind
2, auch 4 Stockwerke hoch und fast durchwegs mit Hausschildern
versehen. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die
Häuser der Hauptstrasse lehnen, so steil, dass die Giebel die Felsen
berühren. Hie und da wurde der Granitfels hinweggesprengt, um Platz
für die Häuser zu gewinnen. Ausserhalb der Hauptstrasse sind die
Wohnungen einzeln oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der
beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen
umgeben; sie scheinen an den Wänden der Berge zu hängen. -- _Die
schönsten Stadttheile sind_: Die _alte Wiese_ mit dem daranstossenden
_Goetheplatze_ und das _Puppsche Etablissement_, die _Marienbader
Strasse_ mit der damit zusammenhängenden _neuen Wiese_ und dem Dr.
_Becherplatze_, ferner der _Marktplatz_, der _Schlossberg_, die
_Parkstrasse_ und die _Gartenzeile_. -- Alle Hauptstrassen haben sehr
gute Trottoirs und ein grosser Theil der Stadt ist gepflastert. Von
welcher Seite man auch die alte stolze Thermenstadt, von Natur und
Kunst reichlich geschmückt, betrachten mag, immer gewährt sie mit
ihren waldesgrünen Bergkuppen einen zaubervollen, köstlichen Anblick.
-- Karlsbad zählt bei 12.000 Einwohner mit 900 Häusern, Curfrequenz
über 25.000 Personen im Jahre, wobei Passanten und Touristen nicht
mitgerechnet sind. Da die Stadt ihren Weltruf den Mineralquellen zu
verdanken hat, so wollen wir unsere Aufmerksamkeit in erster Reihe
diesen segenspendenden Heilquellen zuwenden, die sowohl innerlich
als auch äusserlich (als Bäder) angewendet werden. Karlsbad ist
der Hauptrepräsentant der alkalisch-salinischen Mineralquellen.
Das schwefelsaure Natron, kohlensaure Natron, Chlornatron und die
hohe Temperatur sind die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung
dieser Thermen. Die in Gebrauch stehenden Quellen differiren in
der Temperatur von 73·3° C. bis 21·5° C. Es gibt daher _heisse_,
_warme_ und _kühle Quellen_. Ihr Wasser ist klar und farblos, ohne
charakteristischen Geruch, von schwach salzigem Geschmack und wird
sofort ohne Widerwillen oder Ekel getrunken. Die _Bäder_ werden mit
oder ohne Zusatz in den städtischen, mit allem Comfort eingerichteten
Badehäusern verabreicht; daselbst finden sich auch _Dampfbäder_,
kalte und warme _Douchen_ (Mineraldouchen), _Süsswasserbäder_, ferner
_Moorbäder_ (der eisenreiche Franzensbader Moor aus dem eigenen Lager
der Stadt), _Eisenbäder_ aus der Karlsbader Eisenquelle, _kohlensaure
Wasser- und Gasbäder_ von dem sogenannten Sauerbrunn. _Ziegenmolken_
werden an den Quellen verabreicht. -- Die _Mineralwässer_ sowie die
Quellenproducte (Sprudelsalz, Sprudelpastillen und Sprudelseife) können
bei allen Mineralwasser-Depôts des In- und Auslandes, in Karlsbad durch
die Karlsbader Mineralwasser-Versendung »Löbel Schottländer« bezogen
werden. Nach den Lehren der bedeutendsten Kliniker und den Erfahrungen
der Karlsbader Aerzte sind folgende Krankheiten als Heilobjecte für
Karlsbad anzusehen. Krankheiten des _Magens_: Chronischer Magenkatarrh,
Kardialgie (Magenschmerz), Magengeschwür, Dyspepsie, Magenerweiterung;
des _Darmes_: Chronischer Katarrh, chronische Diarrhöe, habituelle
Stuhlverstopfung, Duodenalgeschwür, Hämorrhoiden; der _Milz_:
Chronische Hyperämie, Milztumoren (nach Wechselfieber u. s. w., wie
sie bei Bewohnern von Sumpfgegenden und der heissen Zone auftreten);
der _Leber_: Hyperämie derselben, Fettleber, die heilbaren Formen des
Icterus (Gelbsucht), Hypertrophie, beginnende Speckleber, Gallensteine;
der _Nieren und Harnorgane_: Chronischer Katarrh derselben, Nieren-
und Harnsand, Nieren- und Blasensteine (sehr gerühmt als Nachcur nach
Blasenstein-Operationen), Albuminurie (wenn sie nicht die Folge von
Krankheiten ist, welche den Gebrauch von Karlsbad contraindiciren);
der _Prostata_: chronische Hyperämie in Folge venöser Stauungen
im Unterleibe, Hypertrophie der Prostata, chronischer Katarrh der
Gebärmutter, chronischer Uterusinfarct; _Gicht_: Skrophulose, Asthma,
wenn es nicht durch organische Veränderungen in der Lunge oder im
Herzen bedingt ist; _Fettleibigkeit_, Unterleibsplethora; _Diabetes
mellitus_ (Zuckerharnruhr). _Alle jene Krankheiten, welche als Folge
von Blutstockungen im Unterleibe auftreten_ (wenn diese nicht in
Aftergebilden, Veränderungen des Gefäss-Apparates u. s. w. begründet
sind), eignen sich in hervorragender Weise als Heilobjecte für
Karlsbads Thermen, welche die Darmthätigkeit anregen und die Defäcation
befördern. Diese Thermen wirken schmerz- und krampfstillend, sie
vermehren die Alkalescenz des Blutes und sind daher säuretilgend;
sie regen die Secretionen an (besonders die Gallensecretion und
Harnausscheidung), sie üben Einfluss auf die Absorption der Fettgebilde.

Karlsbad hat 17 warme Mineralquellen, welche die Ausflüsse einer
einzigen grossen Wassermasse sind und auf dem von der Stadt bedeckten
Raume entspringen. 1. Der _Sprudel_, am rechten Ufer der Tepel, mitten
in der Stadt, dem Marktplatze gegenüber, ist von allen Quellen die
älteste, berühmteste, wirksamste und ergiebigste und zeichnet sich
durch seine hohe Temperatur (58·2° R.) aus. »Er steigt in kurzen
brausenden Stössen schäumend durch eine zwei Klafter lange und 5
Zoll breite hölzerne Röhre, welche unmittelbar in die Sprudelschale
senkrecht eingelegt ist, aus dem in der Tiefe befindlichen grossen
Reservoir von Thermalwasser einige Schuh hoch empor und fällt in
ein weites Becken herab, von wo aus sein Wasser durch den unteren
Sprudelraum theils in die Sprudelsalz-Erzeugungs-Anstalt, theils in die
Badehäuser, theils in Rinnen in die Tepl abfliesst. Das abfliessende
Sprudelwasser ist noch so heiss, dass Eier in demselben gesotten
werden können. 1879 wurde eine neue, prachtvolle, in Eisen construirte
_Colonnade_ und _Quellenhalle_ nach Plänen der Wiener Architekten
_Fellner_ und _Hellmer_ vom Fürst Salm'schen Eisenwerke in Blansko
mit einem Kostenaufwande von 240.000 fl. erbaut. Diese Colonnade
repräsentirt einen in seiner Art einzig dastehenden Prachtbau, bei
welchem sowohl geniale Construction, wie Anwendung bedeutender
architektonischer Decoration bei Eisenbauten auf das Sprechendste zur
Geltung kamen.« Diesem Gebäude schliesst sich das Sprudelbadehaus mit
26 Badelogen an. 2. Die _Hygieensquelle_ (58·2° R.), in der Nähe des
Sprudels. Im Pavillon dieser Quelle steht die _Hygea-Statue_, ein Werk
des berühmten Bildhauers _Fernkorn_. 3. Der Sprudelsäuerling (25°
R.) in der Nische der Sprudelhalle; die folgenden Quellen befinden
sich am linken Teplufer, u. zw. 4. die Kaiser _Karls_ IV. Quelle
(34·7° R.); 5. der _Marktbrunn_, beide am Marktplatze; der Reihe nach
stromabwärts folgen: 6. der _Mühlbrunn_, am Ende der Mühlbadgasse,
wurde neu überbaut und mit der im J. 1876 (nach dem Plane von Prof.
_Zitek_ aus Prag) vollendeten griechischen _Säulenhalle_, der sog.
_neuen Mühlbrunnencolonnade_ verbunden. Dieselbe ist ein monumentaler
Prachtbau, aus Stein gehauen, und kostete 680.000 fl. 7. Der _Neubrunn_
(49·3° R.), 8. Der _Bernardsbrunn_, 9. die _Elisabethquelle_ (35·5°
R.), 10. die _Felsenquelle_, am Fusse des Bernhardsfelsens (47·6°
R.), 11. der _Curhausbrunn_ (52·2° R.), vor dem Curhaus, 12. die
Dr. _Hochbergerquelle_ (32·50° R.) im Militärbadehause, 13. der
_Kaiserbrunn_ (39·3° R.) im Militärbadehause, 14. die _Spitalquelle_
(28° R.) hinter dem Fremdenspital, 15. der _Theresienbrunn_ (48·3° R.)
oberhalb der Colonnade, hat seinen Namen von der grossen Kaiserin Maria
Theresia; rechts davon das _Körner-Denkmal_; 16. der _Schlossbrunn_
(44·6° R.) am Schlossberg, 17. die _Quelle zur russischen Krone_ (28°
R.) am Schlossplatz, ist nicht kunstgemäss gefasst.

Sind auch die Heilquellen die Haupteinnahmsquellen der Bewohner
Karlsbads, so betreiben letztere auch Industrie, die wegen ihrer
Eigenthümlichkeit »_Karlsbader Industrie_« genannt wird. Zu dieser
gehört die Erzeugung mannigfacher Gegenstände aus Stahl in Verbindung
mit Sprudelstein, so namentlich: Federmesser, Vorstecknadeln,
Portmonnais, Cigarrentaschen, Briefbeschwerer u. s. w.; doch werden
die Sprudelsteine auch zu selbstständigen Gegenständen verarbeitet.
Weitere Industriezweige sind: die Nadlerei, die Dosenerzeugung aus
Papiermaché, die Zinngiesserei, die Galanterietischlerei und neuestens
die Fabrication von Blumenbouquets.

=Sehenswürdigkeiten.= _Kirchen und Andachtsstätten_: Die _St.
Magdalenenkirche_ oder _Dechanteikirche_ (auf dem Kirchenplatz) wurde
von dem böhmischen Baumeister _Dienzenhofer_ in den Jahren 1732--1736
auf Kosten des Kreuzherren-Ordens und mittelst einer Schenkung Kaiser
Karls VI. von 1000 Ducaten an Stelle der schon seit 1485 bestandenen
alten Kirche erbaut. Sie besitzt zwei schöne Altarbilder (Maria
Magdalena und Christus am Kreuz) und eine Orgel mit 28 Registern.
-- Die _Kirche zum hl. Andreas_ (in der Andreasgasse) mit einem
werthvollen, dem berühmten _Leonardo da Vinci_ zugeschriebenen
_Altarbild_, darstellend den hl. Andreas. Auf dem bei dieser Kirche
befindlichen _Gottesacker_ stehen mehrere denkwürdige _Grabsteine_,
von denen wir das Grabmal des um Karlsbad hochverdienten _Dr. David
Becher_ (geb. zu Karlsbad 1705, gest. 1792) und das des _Musikers
und Componisten Wolfgang Amadeus Mozart_ (gest. am 30. Juli 1844),
des zweiten Sohnes unseres unsterblichen Mozart, hervorheben. -- Die
_Marienkapelle_ (hinter der alten Wiese am Waldessaum), errichtet
1700 vom Grafen Sternberg. -- Die _protestantische Kirche_ und das
_griechische Bethaus_ (in der Marienbader Strasse). Die _anglikanische
Kirche_ (am Ende der Schlossbergstrasse). Die neue _Synagoge_ (in der
Parkstrasse) in schönem maurisch-romanischen Style gebaut. Der Bau
derselben begann 1876 und wurde 1878 nach dem vom Baurathe _Wolf_ aus
Stuttgart gefertigten Plane vollendet.

=Oeffentliche Gebäude=: _Stadthaus_, bis vor kurzem Mühlbadgebäude
genannt (in der Mühlbadgasse). Das älteste städtische Gebäude ist wohl
der hoch über den Häusern des Marktplatzes emporragende _Stadtthurm_,
welcher um 1608 auf den Trümmern des alten, durch Kaiser Karl IV.
erbauten Jagdschlosses errichtet worden ist. Das _Bezirksamtsgebäude_,
das _Post-_ und _Telegraphenamt_, das _Hauptzollamtsgebäude_ (wurden
schon an anderen Stellen erwähnt). Das _Theater_ (an der neuen Wiese).
Die _Volksschule_ (in der Schulgasse). Die _zweite Volksschule_
(an der Egerstrasse). Die _Bürgerschule_ (am Schillerplatze). Die
_Sprudelcolonnade_ und die _Mühlbrunnencolonnade_ (wurden bereits
an anderer Stelle erwähnt). Die _Marktbrunnhalle_. Die _Trinkhalle_
am Schlossbrunnen. Das grossartige _Curhaus_ mit 75 Badelogen, 8
Moor-, 3 Voll-, 2 russischen Dampf- und 2 Douchebädern. Das 1880 dem
Curhause gegenüber erbaute _Neubad_. Das _Militär-Badehaus_ (am Quai)
mit sehenswerther _Kapelle_ und sehenswerthem _Speisesaale_. Erstere
enthält sehr schöne Freskomalereien von dem bekannten Historienmaler
_Kandler_ und ein Crucifix mit zwei betenden Engeln aus carrarischem
Marmor von dem Bildhauer _Wenzel Lewy_ in Rom; im Speisesaal ziehen
das Bildniss Sr. k. k. apostol. Majestät Franz Josef I., ferner ein
grosses Oelgemälde von _Kandler_, die Entdeckung Karlsbads vorstellend,
dann schöne, auf Oesterreichs Heer sich beziehende Fresken unsere
Aufmerksamkeit auf sich. Das _Fremden-Hospital_ (am Quai).

»Die früheste Geschichte der Stadt Karlsbad liegt grossentheils im
Dunkel. Aelter als alle Geschichte überhaupt sind die heissen Quellen
selbst. Sie haben vor undenklichen Zeiten durch den Kalksinter, den
sie noch jetzt fortwährend absetzen, den Grund und Boden, die sog.
Sprudelschale, gebaut, auf welcher nachmals die Stadt gegründet worden
ist, und über welche zum Theil die Tepel hinfliesst. Ehe dieses
steinerne Gewölbe entstand, vermischte sich das heisse Wasser der
Quellen mit den Fluthen der Tepel und theilte dieser, sowie der Eger,
in die sie ausfliesst, einen hohen Wärmegrad mit.«

Der uralten Sage nach wurde der Sprudel durch Kaiser Karl IV. auf einer
Hirschjagd entdeckt. Die Sage berichtet, dass der Kaiser mit seinem
Gefolge einst in den damals dicht bewaldeten Bergen gejagt und einen
Hirschen verfolgt habe. Dieser sei von dem später durch den Namen
»Hirschensprung oder Hirschenstein« verewigten Felsen in das Thal
hinabgesprungen, wohin ihm einer der Jagdhunde folgte, der sich im
heissen Quellwasser die Füsse verbrannt, durch sein Geheul die Jäger
herbeigelockt und dadurch die Entdeckung des Sprudels veranlasst haben
soll. Der Kaiser selbst soll dann das Wasser auf Anordnung seines
Leibarztes P. Bayer gegen ein Uebel an seinem Fusse gebraucht und
1364 eine Stadt am Fusse des Berges und ein Schloss am Abhange des
Hirschensteines erbaut und dadurch die Entstehung des Ortes Karlsbad
herbeigeführt haben. Jedoch sprechen ausser allgemeinen Gründen
und Beweisen auch urkundliche und historisch beglaubigte Zeugnisse
dafür, _dass der Curort im XIII. Jahrhundert schon bestand_ und
wahrscheinlich zu Ende des XII. oder zum Beginn des XIII. Jahrhunderts
durch eine Colonie der Bewohner aus der nächsten Umgebung gegründet
worden ist. Schon im IX. Jahrhundert war die Umgegend bewohnt,
und hatten namentlich die Markgrafen von Vohburg das benachbarte
Stein-Elbogen gegründet. Da der Dampf der Quellen, besonders bei
kalter Witterung, weithin sichtbar ist, so mussten diese schon damals
bekannt gewesen sein. Auf einer zu Anfang des XIII. Jahrhunderts von
dem Geschichtsforscher Gelasius Dobner entworfenen Landkarte von Böhmen
findet sich genau an der Stelle des heutigen Karlsbad der Ort _Wary_
vor, welche czechische Benennung so viel wie »Warmbad« bedeutet, unter
welchem Namen Karlsbad noch im Mittelalter vielfach selbst urkundlich
genannt wird.

Den schlagendsten Beweis aber, dass Karlsbad mindestens ein Jahrhundert
vor Kaiser Karl IV. in seinen ersten Anfängen schon existiert haben
muss, liefert König Johann's Privilegium oder vielmehr Breve testatum
vom Jahre 1325, mittelst welchem König Johann, der Vater Karl's IV.,
Warmbad (Karlsbad) mit dem nahen Dorfe Thiergarten belehnt. Kaiser Karl
IV. ist sonach weder der Entdecker noch der Begründer, sondern der
_Mäcenas_ von Karlsbad, der daselbst wiederholt sich aufhielt. Er erhob
mittelst Privileg vom 14. August 1370 aus Nürnberg Warmbad zur Stadt,
verlieh ihr den Namen Karlsbad und dieselben Freiheiten und Rechte
wie den Bürgern von Elbogen. Karlsbad nahm durch Karl IV., seinen
grössten Wohlthäter, einen höheren Aufschwung als Kurort. 1401 verlieh
König Wenzel IV. der Stadt noch das Asylrecht. Im Jahre 1434 wurde
durch Kaiser Sigmund die Herrschaft Elbogen nebst dem dazu gehörigen
Karlsbad an den Grafen Caspar Schlick und von den Erben des Letzteren
das Schloss »Warry« an den Ritter Polacky verpfändet; doch mussten in
Folge ausgebrochener Streitigkeiten die Schlicke dem Ritter Polacky
sein Pfandrecht auf das Schloss »Warry« wieder ablösen. Als sich Graf
Hieronymus Schlick die verpfändeten Güter 1547 an Kaiser Ferdinand I.
zurückzugeben genöthigt sah, kam auch Karlsbad wieder an die Krone
Böhmens zurück. Später wurde die Stadt wieder verpfändet.

Das _erste_ schriftliche Zeugnis über die grosse Heilkraft dieser
Thermen liefert der Dichter _Bohuslav von Lobkowitz_ in seiner schönen
lateinischen Ode: In thermas Caroli IV., die er vor dem Jahre 1510
verfasste. Bis zum Jahre 1520 hat man die Karlsbader Quellen nur zu
Bädern benützt. Um diese Zeit führte man auf Anrathen des Dr. _Payer_,
der i. J. 1522 die _erste_ medicinische Abhandlung über Karlsbad
erscheinen liess, auch die _Trink-Kuren ein_. Die erste richtige
_physikalisch-chemische_ Untersuchung der Karlsbader Mineral-Quellen
wurde durch den berühmten Dr. _David Becher_ i. J. 1766 angestellt.
Obgleich die Stadt von mancherlei Unglücksfällen betroffen wurde -- wir
nennen blos die grosse Überschwemmung i. J. 1582 und die schreckliche
Feuersbrunst am 13. August 1604, wodurch die Stadt bis auf drei
Häuser zerstört wurde -- so steigerte sich ihr Wohlstand derartig,
dass sie benachbarte Herrschaften kaufen konnte. Im Jahre 1554 wurden
die Bewohner von Karlsbad lutherisch und blieben es, bis der letzte
Pastor Johann Rebhun am 24. August 1628 mit allen Einwohnern, welche
nicht zur katholischen Lehre zurückkehren wollten, die Stadt verlassen
musste. Der unheilvolle dreissigjährige Krieg verschonte auch Karlsbad
nicht, das viel durch Einquartierungen, Brandschatzungen u. dgl. zu
leiden hatte. Erwähnenswerth ist, dass Kaiser Josef I. i. J. 1707
Karlsbad zu einer königlichen freien Stadt erhob, und dass Kaiser
Karl VI. bei seinem Aufenthalte in der Stadt 1732 der Bürgerschaft
15.000 fl. Quartiergeld und 1000 Ducaten zum Baue einer neuen Kirche
schenkte. Trotz aller Drangsale, die Karlsbad seit der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts theils durch Ueberschwemmungen (1735, 1784,
1806, 1821, 1867, 1870, 1872 und 1876), theils durch Kriegsereignisse
(1741 und 1742, 1757 und 1762, 1809 und 1813, 1866), theils durch
Sprudelausbrüche (1713, 1727, 1824, 1832, 1834, 1835, 1838, 1845, 1855,
1856 und 1878), theils durch Brände (1759) betroffen, blühte die Stadt
durch immer grössere Frequenz, sowie durch treffliche Einrichtungen
und Entdeckungen zu einem weltberühmten Heilbade empor. Karlsbad
war noch im Jahre 1650 ein kleines Landstädtchen mit Holzhäusern
und Riegelwandgebäuden; erst seit dem Jahre 1827 zeigte sich das
Streben, die Stadt zu verschönern. Wahrhaft _Grossartiges_ geschah in
dieser Beziehung in den letzten Jahren; denn _Karlsbad ist jetzt eine
Stadt von Palästen_. Es ist, wie Dr. _Eduard Hlawaček_, der überaus
verdienstvolle Schriftsteller über Karlsbad, ganz zutreffend bemerkt,
gegenwärtig sowohl in Betreff seiner Trink- und Badeanstalten, als
auch der Wohngebäude, öffentlichen Promenaden und Belustigungslocale
unstreitig einer der grössten und comfortabelsten Trink- und Badeorte,
und sein Ruf als _Heilort_ ist nicht bloss ein europäischer, sondern
ein fast über die bekannte Erde verbreiteter. Karlsbad wird daher oft
die _Königin_ der Curorte genannt, eine Benennung, die es nicht bloss
wegen der Ausdehnung der Stadt, der grossen Frequenz, besonders auch
wegen der Schönheit und Mannigfaltigkeit der Umgebungen, vor allem
aber wegen der unbestrittenen grossen Heilkraft seiner Quellen und des
imposanten Naturschauspieles seines heissen Sprudels wohl mit Recht
verdient! -- Es ist das »Nobelbad« par excellence; als solches zählte
es von jeher unter seinen Curgästen nicht nur _gekrönte_ Häupter,
sondern auch Minister und Feldherren, Dichter, Künstler und Gelehrte
oder sonst wie hervorragende Persönlichkeiten. Wir nennen nur: Czar
Peter den Grossen, Kaiser Karl VI., Kaiser Josef II., Kaiserin Maria
Ludovika, Kaiser Franz I. von Oesterreich mit seiner Tochter, Königin
Maria Louise von Frankreich, König Friedrich Wilhelm III., König
Wilhelm von Preussen, jetzigen Kaiser von Deutschland, das Kaiserpaar
von Brasilien; Bohuslaw von Lobkowitz, Ferdinand, Erzherzog von
Oesterreich mit seiner Gemahlin, der »schönen Welserin«; Albrecht von
Waldstein, Prinz Eugen, Laudon, Fürst Karl Schwarzenberg und Fürst
Blücher; Gellert, Herder, Goethe, Schiller, Theodor Körner; Beethoven,
den Violinvirtuosen Polledro; Fürst Metternich. -- (Aus neuer und
neuester Zeit) Laube, Geibel, Auerbach, Ad. Stifter, K. E. Ebert, Fr.
Halm, Erzbischof Pyrker, David Strauss; Fürst Bismarck und Moltke.
Mit Recht sagt der Schriftsteller _Anton August Naaff_: »In und um
Karlsbad ist fast jedes Fleckchen Erde historisch, und selten hat die
politische, die Cultur- und Personalgeschichte an einem anderen Orte
so viele und grosse Merkzeichen ihres Waltens eingeschrieben, wie
bei Karlsbad. Auf Schritt und Tritt stossen wir auf die Spuren eines
grossen Namens der berühmtesten Männer ihrer Zeit.«

Karlsbad ist der Geburtsort folgender hervorragender Männer:

_Fabian Summer_, Dr. der Medicin. Dr. _David Becher_, Karlsbader
Hippokrates genannt. (Schon erwähnt.) _Leopold Stöhr_, geb. den 22.
Mai 1769, gest. am 26. März 1834 als Dechant zu Karlsbad, verdient mit
vollem Rechte den Namen des »Historiographen« von Karlsbad. _Franz
Pittrof_, geb. 1738 und starb als Grossmeister des Kreuzherrenordens
zu Prag. Der Thiermaler _Peter_, geb. 1745, gest. 1829 zu Rom.
Der Musikdirector _Josef Labitzky_. Der Orientalist Dr. _August
Pfitzmeier_, geb. 16. März 1808. Dr. _Eduard Hlawaczek_ (gest. 1880).
Dr. _Anton Bermann_ (gest. 1878). Dr. _Franz Damm_ (gest. 1870) u. a. m.


Spaziergänge:

Die Umgebung von Karlsbad, eine wahrhaft romantische, paradiesische
Gebirgsgegend, besitzt zahlreiche, vortrefflich angelegte Spaziergänge
mit schönen abwechslungsvollen Aussichtspunkten, geschmackvollen
Monumenten, Gedächtniss- und Ruheplätzen und gleicht einem
prachtvollen, im grossartigen Style angelegten englischen Parke.

1. Die _*alte Wiese_ mit dem Marktplatze. Den Marktplatz zum
Ausgangspunkte nehmend, gehen wir auf der _alten Wiese_ entweder
im Schatten der Kastanienbäume auf dem schönen, glasbedeckten
Steinfusssteige vor den Boutiquen, oder an der Häuserreihe auf
ebenfalls sehr gutem Steinfusssteige bis zur Allee hinter dem
böhmischen Saale auf und ab. _Dieser Spaziergang gewährt unstreitig
die meiste, abwechslungsvollste Unterhaltung._ Zu beiden Seiten _viele_
Kaufläden mit den _verschiedensten_ Artikeln aus der Heimat und
fremden, fernen Ländern; weshalb dieser Stadttheil den vollberechtigten
Namen »_Bazar_ von Karlsbad« verdient. Ueberdies versammelt sich hier
das Publikum zweimal des Tages (Vormittags nach dem Brunn, Abends
zwischen 6 und 9 Uhr) und spielt das Labitzky'sche Musikchor öffentlich
in der Woche: Sonntag, Dienstag und Donnerstag Nachmittags von 4 bis
6 Uhr auf dem Platze vor dem Pupp'schen (früher _böhmischen_ Saal
genannt) und Mittwoch und Freitag (im Hochsommer) Abends von ½8 bis
9 Uhr auf dem Götheplatze vor dem sächsischen Saale die herrlichsten
Weisen. Die Wiese kann also in dieser Beziehung auch »der _Salon_ von
Karlsbad« genannt werden.

2. _Zum *Posthof_ (½ St.), _Freundschaftssaal_ (¾ St.) und
_Kaiserpark_. Dies ist der _angenehmste, daher auch der besuchteste
Spaziergang_, weil er ohne Steigung auszuführen ist und prachtvolle
Landschaftsbilder bietet. Am Ende der alten Wiese wandelt man,
Pupp's grossartiges Etablissement rechts lassend, in die _Pupp'sche
Allee_, der sich der sehr belebte _Kiesweg_ anschliesst. Dieser
erstreckt sich bis zur Karlsbrücke und ist rechts von Felswänden,
die mit Inschriften bedeckt sind, begrenzt. Ueber einer Felsengrotte
erhebt sich der _Rasumovska-Sitz_, links dicht am jenseitigen Ufer
bemerkt man einen _Wasserthurm_; eine kurze Strecke weiter gelangt
man rechts auf einer kleinen Erhöhung zu einem mit einem Eisentisch
und Eisenbänken ausgestatteten Plätzchen, dem _Fürst Rohan-Sitz_.
Gleich daneben der _Kaiserin-Sitz_, dem Andenken der Kaiserin Maria
Ludovika (1810) gewidmet. Nicht weit davon gelangt man zur Restauration
»_Sanssouci_«. Wir schreiten weiter und sehen auf einem Felsvorsprunge
den _Paulinen-Sitz_. Von hier Anblick in das enge Teplthal. Die
_Karlsbrücke_ links lassend, wandeln wir eine kleine Viertelstunde
weit und langen am _Posthofe_, einer Restauration mit schönen
Gartenanlagen an, wo Montag und Freitag Nachmittags von 4--6 Uhr das
Labitzky'sche Orchester spielt. Vom Posthofe aus führt etwas bergan
eine Obstallee zum Fürst _Schwarzenberg-Denkmal_, einem, dem berühmten
Sieger bei Leipzig errichteten Obelisk. Weiter die Fahrstrasse
entlang wandernd, zeigt sich _links_ die sogen. _Plobenbrücke_, nach
dem _Plobenberg_ führend, _rechts_ die _Antonsruh_ und dann der
sehr beliebte _Freundschaftssaal_ (Restauration und Café). Davon in
geringer Entfernung liegt der _Sitz der Freude_. Wir gehen über den
Steg an das jenseitige Flussufer und gelangen, die Strasse verfolgend,
nach ¼ Stunde zu der herrlich gelegenen und elegant eingerichteten
Café-Restauration, welche _Kaiserpark_ heisst.

3. _Nach dem *Hirschensprung._ Vom Markte aus gelangt man einige
Schritte hinter dem Schlossbrunn links über einige Stufen in die
Hirschensprunggasse. Am Ende der Häuser führt neben dem Hause »Zur
Zufriedenheit« der Weg. An der zweiten Krümmung sind drei Wege:
_rechts_ der _Jubiläumsweg_, der zu dem einsamen Plätzchen: »_Himmel
auf Erden_« führt, der _mittlere_ leitet uns zur _Gemse_, weiter zu
_Mayers Gloriett_; _links_ steigen wir in einigen Windungen auf den
Bergrücken des _Hirschensprunges_, dessen äusserste Spitze mit einem
Kreuze geziert ist. Hier _wunderschöne Aussicht_ auf den grössten Theil
der Stadt, den Helenenhof, die Prager Kunststrasse, den Dreikreuzberg,
sowie auf das Erzgebirge und in's Egerthal. An der Rückseite des
Felsens ist eine schwarze Marmorplatte eingemauert, auf welcher mit
goldenen Buchstaben die Namen jener Notabilitäten prangen, die Karlsbad
besucht haben. Oberhalb der Inschrift _Peters des Grossen_ ist dessen
Büste aufgestellt, gemeisselt und der Stadt geschenkt von dem Bildhauer
Prof. Seidan aus Prag. Das Plätzchen vor der Marmortafel heisst auch
_Petershöhe_. Etwas tiefer gewahren wir eine Steinpyramide mit einem
Plätzchen, der _Theresienhöhe_.

4. _Zum Findlaters- oder Mylords-Tempel._ Ausgangspunkt wie in Nr.
3. Von der Hirschensprunggasse aus betreten wir den sog. _neuen Weg_
hinter den Häusern der alten Wiese und kommen zu einem, mit einem
_Kreuze_ geschmückten _Felsenvorsprung_, der einen guten Ueberblick
der alten Wiese bietet. Gleich daneben stehen an einer Felswand die
Worte: »Plus être que paraître«; das Plätzchen heisst _Mariannen-Ruhe_.
Der breite Fussweg rechts, der _Buturlin-Weg_ genannt, führt uns im
Walde bergan zur _Hammerkapelle_. Hier steht ein _Wegweiser_ zur
Orientirung. Wir betreten den nach dem _Findlaters-Tempel_ zeigenden
Arm und langen in wenigen Minuten daselbst an, wo wir in das Hammerthal
auf die Anlagen des Kaiserparkes blicken. Von dem Tempel führt ein Weg
in Windungen bergab unmittelbar zum Freundschaftssaal; wir können aber
auch, um zur Stadt zurückzukehren, den geraden Weg fortsetzen und dann
den _Chotek_schen Weg einschlagen.

5. _Die Vieruhrpromenade._ Am Ende des Kiesweges (siehe 2) wenden
wir uns _rechts_ und betreten genannte Promenade. Wir gelangen zu
einem Plätzchen, _dem Fürstinnenstein_, dann nach ¼ Stunde zur sogen.
_Dichterbank_; in nächster Nähe Theilung des Weges. Der _rechte_ Arm
leitet nach dem Findlaters-Tempel, der _linke_ bergab zu der schönen,
nahe an der Strasse gelegenen _Stahls-Buche_. Auf der Fahrstrasse zur
Stadt zurück.

6. _Zur *Freundschafts-Anhöhe_ und zum Friedrich Wilhelm-Platze. Den
Schlossberg hinansteigend, verfolgt man die Hauptstrasse bis zum
_Jägerhause Kaiser Karl's_ IV. _Vor_ dem Hause schlagen wir den _links_
bergab leitenden Fussweg ein und kommen zur _Findlaters-Pyramide_
mit schöner Aussicht in's Teplthal und nach dem Erzgebirge.
Unterhalb dieser Pyramide ist das _Helenen_-Plätzchen. Auf dem
weiter bergan führenden Weg langen wir in Schlangenwindungen bei der
_Freundschaftshöhe_ an, wo wir eine _schöne_ Aussicht auf einen Theil
der Stadt, das Egergebiet und das Erzgebirge geniessen. Weiter bergan
erreicht man die _Vogelhütte_. Von der Freundschaftshöhe immer _links_
bergab schreitend, erreichen wir den _Friedrich Wilhelm-Platz_, wo wir
eine der _schönsten Hauptansichten_ von Karlsbad haben. Abstieg in
mehreren Wegschlingungen zur _Marienkapelle_.

7. _Zum *Belvedere._ Durch das Marien-Gässchen zum Friedrich
Wilhelm-Platz steigen wir dann bergan, wenden uns auf dem Wege des
Bergrückens rechts, gehen bei der _Durchhaubank_ vorbei, nehmen stets
die _linke_ Wegrichtung und gelangen zum _Katharinen-Plätzchen_. Den
Weg fortsetzend, schlagen wir bei der Wegkreuzung den Pfad _links_ ein,
der uns in einigen Minuten zum _Belvedere_ führt, wo wir eine _schöne
Aussicht_ auf das Teplthal, den Freundschaftssaal und auf die Ruinen
von Engelhaus geniessen. Ein schöner Waldweg leitet uns in vielen
Krümmungen in ¼ Stunde zurück auf den _Faulenzerweg_ und dieser führt
auf die Marienbader Strasse.

8. _Zur *Kaiser Franz-Josefs-Höhe._ Den Weg der vorhergehenden
Promenade einschlagend, gelangen wir zur _Marienkapelle_; einige
Schritte weiter geht rechts bergan ein Weg, der sich theilt; wir wählen
den _linken_ Arm und kommen zu einer merkwürdigen, interessanten
Vegetationserscheinung, der sog. _Buchen- und Tannenehe_. (Durch den
Stamm einer Tanne ist der Ast einer nahen Buche gewachsen.) Wir kehren
zur Marienkapelle zurück, steigen von hier, uns immer links haltend,
bergan und sehen die Hammerkapelle, wo wir links einem bequemen Weg
folgen, der uns aufwärts auf den höchsten Punkt des Hammerberges
führt. Dieser Platz, der zu Ehren des Kaisers von Oesterreich _Franz
Josefs-Höhe_ genannt wurde, ist mit einem schönen Gloriett geschmückt
und gewährt unstreitig die _prachtvollste und mannigfaltigste Aussicht
in der ganzen Karlsbader Umgegend_; denn man blickt in ein nach
Hammer reichendes, mit bewaldeten Bergen begrenztes Thal, geniesst
einen Ueberblick über den _grössten_ Theil der Stadt und sieht das
ferne Erzgebirge. Abstieg auf der anderen Seite des Hammerberges; wir
verfolgen den Pfad zum Findlaters-Tempel, von wo wir bereits bekannte
Wege betreten können, oder wenden uns zuerst nach links, dann wieder
nach rechts und erreichen den _Parnassfels_. Von hier gelangen wir
rechts zum _Sommertheater_, zur _Wanderersäule_ und zur Restauration
Sanssouci.

9. _Zum *Aberg_ (1½ St.). Beginn der Promenade über den Schlossberg
oder durch das Mariengässchen nach dem Friedrich Wilhelm-Platz und
dem Katharinen-Plätzchen (siehe 7). Wir schlagen bei der Wegkreuzung
den _rechts_ zum _Bilde_ führenden Weg ein, wandeln geradeaus etwa ¼
Stunde weiter und erreichen den _Aberg_ mit einem Thurme, der eine
_der schönsten Rundansichten_ bietet (über die Karlsbader Berge,
das Erzgebirge mit Sonnenwirbel, Engelhaus, Maria-Kulm und viele
Ortschaften der Umgebung). Von hier führt ein Fussweg in ¼ St. zur
_Ziegelhütte_ herab. Wir setzen den Weg fort, bemerken eine Kapelle,
hinter der sich (etwa 40 Schritte) die Ruinen der Kirche des ehemaligen
Dorfes _Thiergarten_ befinden, dessen Bewohner wahrscheinlich die
ersten Ansiedler von Karlsbad waren. Wir kommen dann zu einer Fichte
(mit »_Echo_« markirt), wo ein 4- bis 5-silbiges Echo zu vernehmen ist,
endlich zum Jägerhaus Kaiser Karls IV.

10. _Nach dem Russelsitz._ Wir betreten den 9. beschriebenen _Rückweg_
zur Stadt und wandern an der Kegelbahn beim Kaiser Karl's IV. Jägerhaus
vorbei in den Wald, oder wir wählen den Weg nach der Restauration
»_Klein-Versailles_«, gehen auf dem linken Fusswege am Waldessaume,
betreten dann den links leitenden Waldweg, kommen zu einer Lichtung und
erreichen von da links aufwärts in circa 18 Minuten den _Russelsitz_
mit _schöner_ Aussicht auf das Erzgebirge. Von diesem Plätzchen uns
links wendend, kommen wir in ¼ Stunde auf den schon bekannten Abergweg.

11. Zum _*Maria-Sophienweg_, _weissen Kreuze_ und _Schützenpark_ oder
zum _Kreuz_ im _Walde_ (_Rohankreuz_). Ueber den Schlossberg oder
durch die Parkstrasse hinter dem Militärbadehause auf den Weg nach:
_Klein-Versailles._ Diese Restauration rechts lassend, schreiten wir
links am Waldsaume fort, gehen durch Wiesengründe, betreten den rechts
in den Wald biegenden _Maria-Sophienweg_ und kommen in einigen Minuten
zum sog. _weissen Kreuze_, einer Felsengruppe mit einem Kreuze, von wo
eine _schöne_ Aussicht sich erschliesst. Den Weg fortsetzend, verfolgen
wir eine kurze Strecke einen Waldfahrweg, schlagen hierauf zuerst eine
_linke_, dann eine rechte Richtung ein und bemerken _plötzlich_ eine
prachtvolle Scenerie: das _schöne, weite Egerthal_. Vom Bergrücken
absteigend, gelangen wir auf die Bahnhofstrasse und promeniren, diese
überschreitend, auf dem Allee-Wege, der zum _Schützenparke_ führt.
Durch die _Gartenzeile_ treten wir den Rückweg zur Stadt an. -- Lenken
wir auf dem »vom weissen Kreuze« betretenen Fahrweg nach _rechts_ ab,
so kommen wir, nach kurzer Strecke uns wieder links abwendend, zu _dem
Kreuz im Walde_ oder zur _Fürst Rohan's Höhe_, wo wir eine _herrliche
Aussicht_ geniessen. Dieselbe Strecke ist auch rückwärts zurückzulegen.

12. _Zur *Stephanshöhe_, _zum Panorama_, _zur Villa Lützow_, _zur
Statue Karl's_ IV. und _nach dem Bellevue-Tempel_. Vom Kirchenplatze
aus durch die Schulgasse erreichen wir nach sanftem Aufstieg bald
die _Stephanshöhe_, so genannt zu Ehren des Erzherzogs _Stephan_.
_Schöne_ Aussicht auf den grössten Theil der Stadt. Auf dem Fusswege
links kommen wir zum _Panorama_, einem sehr besuchten Restaurations-
und Belustigungsorte mit _prachtvoller_ Aussicht auf die Stadt. Vor
demselben ist die _Villa Lützow_. Dieser gegenüber erhebt sich im
_Stadtgarten_ eine Säule mit der _Statue Kaiser Karl's_ IV., errichtet
zur 500jährigen Feier der Gründung von Karlsbad (Sept. 1858). Vom
Panorama aus wandern wir eine Strecke auf der Prager Strasse und
schlagen dann den Weg rechts ein, der zur Restauration »_Waldschloss_«
führt. Von hier aus gehen wir oberhalb der Strasse im Walde nach dem
_Bellevue-Tempel_, der einen _wunderschönen_ Anblick namentlich beim
Sonnenuntergang gewährt.

13. _Zur *Camera obscura, zum Dreikreuzberg und zur König Otto's
Höhe._ Ausgangspuncte: die Schulgasse über das Panorama, oder die
Andreasgasse, oder die Eger- und dann Prager Strasse. Der links bergan
meist durch Buchenwald leitende Weg bringt uns nach etwa ½ Stunde
zur _Camera obscura_, von wo wir eine _herrliche_ Aussicht auf das
Egerthal und die Stadt haben. Weiter hinauf führt der Weg in 5 Minuten
zum _Dreikreuzberg_. Derselbe ist zweifelsohne nebst der Franz Josef's
Höhe der _herrlichste_ Aussichtspunct von Karlsbad. Vor uns liegt die
Stadt mit ihren Palästen, zur rechten breitet sich das flurenreiche,
mit blühenden Ortschaften dicht besäete Egerthal aus, durchzogen von
dem Silberbande der Eger; im Hintergründe zeigen sich die Anfänge des
Fichtelgebirges und die schlanken Thürme von Maria Kulm; seitwärts
ragt der Gebirgswall des waldgekrönten Erzgebirges empor! Fürwahr ein
zaubervolles Bild, das sich dem Auge hier entrollt! Durch den Wald
weiter bergan erreichen wir die _König Otto's-Höhe_ mit gleichfalls
_überaus herrlicher Rundaussicht_.

14. _Zu *dem Dorotheentempel, Böhmischen Sitz, Wiener Sitz, Helenenhof
und zur Laurenz-Kapelle._ Ausgangspunct: die Marienbader Strasse.
Unweit der protestantischen Kirche befindet sich eine steile Felswand
mit Inschriften. Wir schreiten etwa 15 Schritte vorwärts, drehen uns
um und geniessen den Anblick einer wirklich _malerischen Landschaft_;
wie denn diese Gegend, die _Dorotheenau_, schöne Landschaftsbilder
darbietet. Den von der _Karls_brücke aufwärts führenden Weg wählend,
kommen wir zum _Dorotheentempel_, von da weiter links bergan steigend
zum _Böhmischen Sitz_. Von hier aus steigt der Weg immer höher am Berge
hinauf und theilt sich oben; links führt er zur _Laurenzkapelle_,
_rechts_ bis zur Anhöhe hinauf zum _Wiener Sitz_, wo wir eine
_wunderschöne Rundansicht_ in's Teplthal und auf's Erzgebirge
geniessen. Von diesem Aussichtspuncte sehen wir einen spitzigen,
sesselförmigen Granitblock, _Deutschlandsfels_ genannt. Unterhalb vom
Wiener Sitz führt eine Allee zum _Helenenhof_ mit Gartenanlagen. Die
Helenenstrasse führt rechts auf die Prager Kunststrasse, links bei der
_Laurenzkapelle_ vorbei in die Stadt hinab.

15. _Zu *dem Säuerling, dem Schweizerhofe, nach Schönbrunn und dem
Schwindelweg._ Dieselbe Strecke wie 14. bis zum Dorotheentempel, von
hier rechts zu dem _Säuerling_; vor diesem geht ein Weg bergauf zu der
freundlichen Café-Restauration »_Schweizerhof_«. In linker Richtung vom
Säuerling bergab kommen wir zu der stark besuchten Café-Restauration
»Park Schönbrunn«. Von da führt am Bergeshange in den Wald ein Weg,
_Schwindelweg_ genannt, der treffliche Waldpartien bietet. Rückweg über
die Plobenbrücke auf die Marienbader Strasse.

16. _Zu *den Friederikenfelsen und zum Bergwirthshaus._ Von Schönbrunn
(siehe 15.) auf ungebahntem Wege aufwärts kletternd, kommen wir zu
Granitfelsen, »_Friederikenfelsen_« genannt. Bequemer kommen wir
zu denselben, wenn wir den nach dem Schweizerhofe leitenden Weg
betreten, bis in die Nähe der Stadt Lemberg steigen, wo ein gebahnter
Weg zu den Friederikenfelsen führt. Von da wieder nach demselben Weg
aufsteigend, gehen wir gerade aus fort bis zur Chaussée, welche bis zum
_Bergwirthshause_ führt. Diese _Kunststrasse_ ist ein _Meisterstück_
der Baukunst (der Bau wurde 1809 vollendet) und bietet in Folge der
schlangenförmigen Windungen die _schönsten_, _überraschendsten_
Aussichtspuncte. Mit Recht sagt die Schriftstellerin Schopenhauer:
»Wahrlich, es verlohnt sich der Mühe, alle Jahre nach Karlsbad zu
reisen, _einzig_, um darin anzukommen!« Vom Bergwirthshause wählt man
die kürzere alte Prager Strasse, welche rechts von der neuen sich am
Bergrücken hinzieht. Der höchste Gipfel dieses Bergrückens heisst _das
ewige Leben_ und gewährt eine _schöne_ Aussicht.

17. _Ueber den Ploben zum Veitsberg._ Wir gehen zum »Schwindelweg«
(siehe 15.), biegen dann nach der _ersten_ Wegabzweigung links zu
einem Waldfahrweg ab, der in 1 Stunde bis zu dem höchsten Puncte des
Bergrückens, dem _Veitsberg_, führt. Derselbe bietet eine _herrliche
Aussicht_ auf einen Theil der Stadt, den Hammerberg, Hirschensprung und
Dreikreuzberg, auf Engelhaus, sowie in's Erzgebirge. Den Weg auf dem
Bergrücken fortsetzend, betreten wir bergab einen Holzfahrweg, der zum
Schwindelweg leitet.


Ausflüge:

_Nach Dallwitz_ (¾ St. n. von Karlsbad). Wir spazieren auf der
Egerstrasse nach dem Dorfe Drahwitz, wo wir bei der Ueberfuhr auf
einem Kahne die Eger übersetzen, wandeln rechts den durch Wiesen
führenden Fussweg fort und langen in einer Viertelstunde beim Dorfe
_Dallwitz_ an. -- _Sehenswürdigkeiten_: _Schloss_, _Porzellan-_ und
_Steingutfabrik_ der _Riedl v. Riedenstein_. _Theodor Körner's Eichen_
(an dem westl. Eingange des Dorfes), deren stärkste 9·4 m. im Umfange
hat und von 5 erwachsenen Personen kaum umspannt werden kann. Eine
dieser fünf uralten berühmten Eichen ist vor zwei Jahren abgebrannt.
Schon im dreissigjährigen Kriege erliess Kaiser _Ferdinand_ III. zur
Schonung der ehrwürdigen Bäume einen eigenen Befehl an die Soldaten. --
_Karl Egon Ebert's Linde._

_Nach Zettlitz_ (¾ St.). Von der Schlackenwerther Strasse führt eine
hinter dem Bahnhofe linksab gehende Strasse über die Zettlitzer Anhöhe,
von wo sich eine schöne Rundaussicht eröffnet. Empfehlenswerth ist
das Gasthaus »zum goldenen Engel«. Zettlitz selbst ist ein Dorf mit
circa 40 Häusern und hat eine geräumige _Pfarrkirche zur hl. Anna_,
die eine der ältesten Kirchen in der ganzen Gegend ist, denn sie wurde
schon 1293 geweiht. Ehemals war Karlsbad nach Zettlitz eingepfarrt.
Auf einem Seitenaltare der Kirche ist ein _Gnadenbild_, _Maria Hilf_,
sehenswerth. In früheren Zeiten war Zettlitz ein stark besuchter
Wallfahrtsort, gegenwärtig finden sich nur am Kirchenfeste (26. Juli)
Processionen ein. In der Nähe des Ortes wird _Porzellanerde_ gegraben.
Zurück kann man über _Fischern_ und von da an der Eger stromabwärts
gehen.

_Nach Fischern_ (¾ St. nordwestl. von Karlsbad). Dieses Dorf liegt am
Rohlaubache, der sich hier in die Eger ergiesst und führt dahin ein
sehr guter Fussweg über Wiesen hinter der Franz Josefs-Brücke links am
Egerufer aufwärts. -- _Sehenswürdigkeiten_: Grosse _Porzellanfabrik_
(Karl Knoll), _Kunstmühle_ und _Dampfbrauerei_.

_Nach *Aich_ (1½ St. südwestl. von Karlsbad) _nebst der Partie zum Hans
Heiling-Felsen._ Nach Aich verkehrt _täglich_ zweimal ein Omnibus. (1.
_Abf._ v. Angers Hotel auf der Neuen Wiese in Karlsbad 2 Uhr Nachm.
Ank. in Aich 2¾ Uhr Nachm. _Rückf._ 5 Uhr Nachm. Ank. in Karlsbad 5¾
Uhr Nachm. -- 2. _Abf._ v. Karlsbad 3½ Uhr Nachm. Ank. in Aich 4½
Uhr Nachm. _Rückf._ 7 Uhr Abends.) Dahin führen auch sehr angenehme
_Fusswege_. _a_) Beim _Jägerhause_ oder bei _Klein-Versailles_
vorüber, schlagen wir den Fussweg _rechts_ in den Wald ein. _b_)
_Von der Ziegelhütte aus_: Hinter derselben geht der Weg zuerst im
Walde, dann zwischen Feldern bergab. _c_) Hinter dem _Mauthschranken_
auf der Strasse nach Aich biegt _links_ ein gerader Weg ab, der am
Waldessaume sich bis nach Aich fortzieht. Dieses Dorf zählt 100 Häuser.
_Sehenswürdigkeiten_: Grossartige _Porzellanfabrik_ des A. C. Anger.
_Schloss_ mit Restauration und Parkanlagen, auf einem steilen Felsen
am rechten Egerufer sehr anmuthig gelegen, bietet eine _hübsche_
Aussicht und zeigt Spuren von alter Bauart und ehemaliger Befestigung;
es soll gleichzeitig mit dem Schlosse in Elbogen erbaut worden sein.
-- Von Aich eine halbe Stunde entfernt, erhebt sich in romantischer
Lage am linken Ufer der Eger eine interessante, groteske Felsengruppe,
_Hans Heiling-Felsen_ genannt, in welcher die Phantasie des Volkes
die versteinerten Gestalten eines Hochzeitszuges: das Brautpaar, den
Mönch, die Gäste und Musikanten erblickt. Die betreffende Sage ist
von Dichtern und Schriftstellern mehrfach behandelt worden. Dem Hans
Heiling-Fels gegenüber liegt eine _Sommer-Restauration_.

_Nach Pirkenhammer_, gewöhnlich auch _Hammer_ genannt. Es verkehren
_täglich mehrmals_ Omnibusse dahin. (_Abf._ vom Theaterplatz in
Karlsbad um 1½, 2, 3 und 3½ Uhr Nachm. _Abf._ von Pirkenhammer
von der Kaffee-Restauration des A. Leibold um 5½, 6, 6½ und 7 Uhr
Abends.) Pirkenhammer liegt an der Karlsbad-Marienbader Strasse und
rechts an der Tepl. Seine Einwohner sind grösstentheils Gewerbsleute;
speciell die _Kunsttischlerei_ hat hier einen hohen, vervollkommneten
Aufschwung aufzuweisen, und verdient die Werkstatt des Kunsttischlers
_Günther_ mit ihren eleganten und soliden Erzeugnissen eine besondere
Hervorhebung. _Gasthäuser_: »_Zum Mühlengrunde_« (am Beginn des
Dorfes) und »_Habsburg_« (im Dorfe). Eine Viertelstunde weiter ist
die bekannte _Porzellanfabrik_ von _Fischer & Mieg_, in welcher die
schönsten Fabrikate zum Kaufe anlocken. Unmittelbar hinter der Fabrik
führt ein guter Fussweg zur _Meczery-Höhe_ mit weiter Rundsicht.

_Nach *Engelhaus, dem Schloss Giesshübel und dem Schömnitzstein._
Auf der schönen Prager Strasse kommt man in zwei Stunden nach den
imposanten Ruinen _Engelhaus_ mit dem Marktflecken gleichen Namens. Die
Trümmer dieser Burg, die man von den höheren Aussichtspunkten Karlsbads
und des Erzgebirges erblickt, thronen auf einem kegelförmigen,
aus Klingstein bestehenden 78 Klafter hohen Felsen, der aus dem
umliegenden Plateau steil sich emporhebt. Mittelst einer hölzernen
Leitertreppe erreichen wir den alten Fahrweg, der rechts zum _ersten_,
noch erhaltenen Burgthore, und von da gerade aus zum _zweiten_ Thore
führt. Südlich vom ersten Thor schliessen sich die halbrunde Bastion
und starke Ringmauern mit Schiessscharten an. Der ehemalige Zwinger,
der sich bis zum zweiten thurmartigen Thore zog, ist jetzt offen und
mit Rasen bewachsen. Dieses selbst war ein viereckiges Gebäude, zwei
Stockwerke enthaltend, mit regelmässigen Fensteröffnungen und hat dem
Zahne der Zeit ziemlich Widerstand geleistet. Der Burghof ist uneben
und wird links von einer Ringmauer umgeben, an die sich östlich ein
zwei Stockwerke hohes unförmliches Gebäude, die ehemalige Wohnung
des Burgherrn, anschliesst. In seinem Innern sieht man noch Reste
von Mauern und verfallene Keller. An der Südseite des Berges steht
isolirt ein viereckiges, einstöckiges Gebäude mit unregelmässigen
Fensterreihen, das vom Grafen Hermann Černin nach der Zertrümmerung
der Burg im 17. Jahrhunderte erbaut worden ist. Aus den Fenstern
dieses Gebäudes hat man eine _weite, wunderschöne Rundsicht_. Westlich
schweift das spähende Auge in die Gegend von Falkenau, Elbogen,
Schlaggenwald bis gegen Graslitz und das Egerland, nördlich auf das
erzgebirgische Hochplateau mit seinen dichtbewaldeten Häuptern und
wildromantischen Schluchten; durch das Egerthal den Blick gegen
Klösterle werfend, sehen wir die Ruine Himmelstein.

_Geschichtliches._ Die Burg Engelhaus, welche zur Herrschaft
Giesshübel gehört, wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des
XIII. Jahrhunderts von einem der Herren von Riesenburg erbaut, die ja
die Orte Schlaggenwald, Schönfeld und Schlackenwerth gründeten und
Petschau, Hartenstein, Buchau, Luditz und Ossegg besassen. Urkundlich
erscheint 1326 Boršo von Riesenburg als Herr auf Engelsburg, 1434
verpfändete Kaiser Sigmund das Schloss Engelhaus nebst anderen
Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick, der es bald den Herren von
Plauen verkaufte. Im Jahre 1468 wurde Schloss Engelhaus von König
Georg von Poděbrad belagert, erobert und zerstört, doch später durch
die Herren von Plauen wieder aufgebaut. Der letzte dieses Geschlechtes
war Heinrich von Plauen, nach dessen Tode Engelhaus an den Grafen
Christof von Schlick kam. Als dessen Tochter Anna Karoline sich mit
dem Freiherrn Kaspar Colonna von Fels vermählte, ging das Schloss 1575
in den Besitz dieses Geschlechtes über. Leonhard Colonna, Freiherr
von Fels, betheiligte sich als Protestant an dem böhmischen Aufstand,
seine Güter wurden 1621 eingezogen und Engelhaus mit Giesshübel an den
Feldmarschall Hermann, Freiherrn (später Grafen) Černin von Chudenitz,
verkauft. Im 30jährigen Kriege wurde das Schloss Engelhaus 1635 von den
Schweden zerstört. Graf Hermann Černin liess zwar um die Hälfte des 17.
Jahrhunderts wieder ein neues Gebäude mit einem Tanzsaale aufführen,
doch brannte es im J. 1718 mit dem Marktflecken ab. Nach 1639 wurde als
Hauptort der Herrschaft immer nur Giesshübel genannt. Diese kam später
(1829) an die Ritter von Neuberg und neuestens an den Grafen Hermann
von Černin.

Kurz vor Engelhaus lenkt von der Prager Strasse links ein Fussweg ab,
den wir verfolgen; er führt uns zu dem _Schömnitzstein_, der aber ¼
Stunde jenseits von der Fahrstrasse liegt. Von dieser steilen, aus
Porphyrschiefer bestehenden Felswand geniesst man eine _wahrhaft
entzückende Aussicht_ in's Egerthal und auf das Erzgebirge.

_Zum Curort Giesshübel-Puchstein_ (Giesshübler Sauerbrunn), _König
Ottos Quelle_ genannt. Dahin verkehren _täglich Omnibusse_ (_Abf._
v. Karlsbad vom Becherplatz 11 Uhr Vorm. und 1½ Uhr Nachm. _Rückf._
gegen Abend). Die Strasse führt durch die Dörfer: Drahwitz,
Satteles, Schömnitz und Eichenhof und bietet schöne Waldpartien. Das
_Curhaus_ liegt anmuthig im Egerthale und ist von schönbewaldeten
Berghängen eingeschlossen, durch die sich nach den verschiedensten
Richtungen Spaziergänge mit herrlichen Aussichtspunkten ziehen.
Die »_Otto-Quelle_«, im Jahre 1862 zu Ehren des Königs Otto von
Griechenland so benannt, quillt circa 20 Klafter hoch am Rücken
des Berges aus dem Granitfels hervor und ist von _Parkanlagen_,
zwischen denen sich das _Badehaus_ befindet, umgeben. Nach Dr.
Eduard Hlawaček besitzt der Sauerbrunn einen sehr angenehmen,
prickelnd säuerlichen Geschmack und gehört zu den alkalisch-erdigen
Säuerlingen. Er besitzt viel Kohlensäure, übrigens nur wenig
mineralische Bestandtheile und dient theils zu _diätetischem Zwecke_
als vortreffliches, erfrischendes Getränk, und zwar mit oder ohne
Zusatz von Zucker, etwas Himbeersaft oder von etwas weissem Wein und
Zucker, wodurch man ein äusserst angenehmes, moussirendes Getränk
erhält; -- theils zu _medicinischem Zwecke_; als reizminderndes, den
Aufsaugungsprocess belebendes, die Blutbereitung gelind verbesserndes
Mittel, bei chronischen, reizlosen Brustleiden u. dgl. Unter dem Namen
»Giesshübler« wird er jährlich in einer Anzahl von über drei Millionen
Flaschen in die verschiedensten Länder der Welt versendet.[2]

    [2] Siehe die ausgezeichnete medicinische Monographie über
        den Sauerbrunn von Med. Dr. Freiherr Josef von _Löschner_
        (Preis --.50 kr.) und »Album der König Otto-Quelle«.

Sein rasches Aufblühen verdankt der herrlich gelegene Curort seinem
gegenwärtigen Besitzer, dem kais. Rath _Heinrich Mattoni_, der ihn zu
einem Bade- und Molkencurort umgestaltet hat. Giesshübl-Puchstein ist
mit vollstem Rechte ein sehr beliebter, fesselnder Anziehungspunct für
Karlsbader Curgäste und Touristen.

Von genanntem Curorte kann man in sieben Viertelstunden eine
genussreiche Fusspartie zur Station _Welchau-Wickwitz_ machen. Der
Weg leitet fast immer im Walde der Eger entlang an stattlichen
Felsengruppen vorbei und berührt _Rodisfort_ und _Welchau_.


Touren:

Karlsbad-Neudek.

Von Karlsbad führt die Kaiserstrasse über Fischern, Voigtsgrün, Neudek,
Neuhammer, Hirschenstand nach Eibenstock in Sachsen und bildet einen
Pass über das Erzgebirge. Wir machen unsere Tour bloss bis Neudek (3½
Stunden). Die weltberühmte Curstadt Karlsbad liegt bald im Rücken,
und wir wandern, noch freudig erregt von den erhaltenen Eindrücken,
unserem gesetzten Ziele zu. Wir gehen über die gewölbte, steinerne
Tepl-Brücke der Bahnhofstrasse entlang zur eisernen Egerbrücke gegen
_Neufischern_ zu. Hier befindet sich der _grossartige Bahnhof_ von
Karlsbad. Weiter westlich wandernd, kommen wir nach _Fischern_. (Siehe
Karlsbader Ausflüge 20.) Hier zweigt die eine Strasse westlich nach
Elbogen-Falkenau-Eger und die andere nördlich nach Neudek ab. Wir
wählen letztere und erreichen in ½ Stunde _Altrohlau_, welches Dorf
eine Steingut- und Porzellanfabrik besitzt. In dieser Gegend sehen wir
riesige Essen rauchen, denn wir schreiten durch das Gebiet reicher
Kohlenlager und der Thonwaarenindustrie. Von Altrohlau nimmt die
Gegend allmählig den Gebirgscharakter an; wir gehen auf der Strasse
zwischen Feldern und Wiesen durch die Einschichte _Taschen_ oder
_Taschenhäusel_, dann weiter bei _Sittmesgrün_ vorüber, Tüppelsgrün
rechts liegen lassend, müssen gegen _Voigtsgrün_, das wir in 1
Stunde erreichen, allmählig bergan steigen und langen auf der Höhe
beim Gasthause dieses Dorfes an, wo sich vor unseren Blicken eine
reizende Aussicht eröffnet. Die Ortschaften liegen zu unseren Füssen
wie hingesäet. Von da schreiten wir auf ebener Strasse dem rechts an
derselben gelegenen Orte _Giebacht_ zu, erblicken links das Rohlauthal
mit dem am Bergeshange liegenden Dorfe _Thierbach_ und kurz darauf den
im Osten der Stadt _Neudek_ sich erhebenden Kreuzberg.



Neudek.


    =Gasthöfe=: _Das Rathhaus. Gasthof zum Herrenhaus. Gasthof zur
    Post._

    =Post- u. Telegrafenamt.=

    =Postverbindung= nach Platten          täglich 1mal.
                      "  Hirschenstand        "     "
                      "  Heinrichsgrün        "     "

    =Aemter=: Bezirksgericht, Steuer- und Grundbuchsamt,
    Bürgermeisteramt, Sparkassa, Notariat, Finanzwachekommissariat.


Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Neudek liegt an dem Flüsschen Rohla (Rohlau), das hier den Rodisbach,
Schmelzbach und Limnitzbach aufnimmt, in einem Thale, welches im
Osten von dem Kreuzberge, im Westen vom Hochtannenberge, im Norden
vom Paulusberge und den Abhängen des Peintlberges und im Süden von
mehreren Höhen begrenzt wird. Die Lage des Städtchens, das mehrere
Gassen besitzt, ist sehr schön. Der Marktplatz ist lang und schmal.
Der grösste Theil der 367 Häuser liegt am rechten Ufer der Rohlau, nur
die Häuser der Karlsbader Gasse, das gräflich Asseburg'sche Schloss
mit einigen anderen Gebäuden und noch ein kleiner Stadttheil, den man
gewöhnlich »Winkel« nennt, erheben sich am linken Ufer dieses Baches.

Durch die Kaiserstrasse steht Neudek mit Karlsbad und durch
Bezirksstrassen auch mit Elbogen und Heinrichsgrün und von Neuhammer
aus durch eine solche mit Platten in Verbindung. Nach Karlsbad,
Elbogen, Graslitz, Joachimsthal und Schlackenwerth rechnet man 4,
nach Heinrichsgrün und Platten zwei Stunden. In neuester Zeit ist man
im Baue einer Eisenbahn begriffen, welche Neudek mit der 2 Stunden
entfernten Station Chodau, beziehungsweise mit der Buschtěhrader
Eisenbahn verbindet.

Das sehr industrielle Neudek zählt ungefähr 4000 Einwohner, die sich
hauptsächlich mit Industrie, Handel und Oekonomie beschäftigen.
Ausser der Spitzen- und Handschuhfabrication wird hier besonders
die Metallindustrie, und zwar die Eisenblechindustrie und die
Löffelfabrication betrieben. Die Landwirthschaft erzeugt die
gewöhnlichen Feldfrüchte, als Roggen, Hafer, Erdäpfel; an den sonnigen
Abhängen auch etwas Weizen. Die Umgegend ist reichlich mit Waldungen
versehen, die meist Eigenthum der Gräfin von der Asseburg sind.

=Sehenswürdigkeiten=: _Wollspinnfabrik_ mit _Wollwäscherei_ des
_Lahusen_ (beschäftigt gegen 450 Arbeiter). _Spitzenfabrik_
des _Karl Kunzmann_ (Filiale der Firma _Gottschald u. Comp._).
_Spitzenfabrik_ des _Adolf Ullmann_. _Stickerei_ des _Franz Reitzner_.
_Löffelschmiederei_ des _J. F. Schneider_. _Blechlöffelerzeugung_ des
_Eduard Erhardt_. _Löffelschmiede_ des _Karl Neudert_.

_Das grossartige Blechwalzwerk_ (oberhalb Neudek an der
Aerarialstrasse) mit der etwas entfernten _Eisengiesserei_,
_Eisendreherei_ und _Blechverzinnerei_ beschäftigt gegen 500 Arbeiter.
Dieses Etablissement ist Eigenthum der _Gräfin Anna von der Asseburg_,
gegenwärtig an _Petzold u. Comp._ verpachtet. _Holzschleiferei_ des
_Ignaz Fuchs_ (¾ Stunden von Neudek entfernt). Das _Volksschulgebäude_.
Der sogenannte _Thurmbergfels_. Er besteht aus mehreren über einander
liegenden Granitblöcken, von denen die zwei obersten über die unten an
der Rohlau dahinführende Strasse hervorragen. Auf diesem Felsen erhebt
sich der Glockenthurm; die Mauern desselben bilden ein vierseitiges
Prisma, dessen vier Kanten von der Südseite aus zugleich bemerkt werden
können, da der Grundriss die Form eines Trapezes hat.

Ueber die Entstehung Neudeks ist nichts Näheres bekannt, da durch
den Brand des Rathhauses im Jahre 1731 alle Urkunden ein Raub der
Flammen geworden sind. Jedenfalls wurde die Stadt schon im Mittelalter
von Bergleuten gegründet, welche sich des Zinnbergbaues und des
Zinnseifnens wegen in dieser Gegend zuerst niedergelassen haben.
Die alte Zinnschmelzhütte, welche noch vor wenigen Jahren am linken
Ufer der Rohlau im »Winkel« stand, aber wegen Baufälligkeit und aus
Sanitätsrücksichten demolirt werden musste, soll das erste Gebäude in
Neudek gewesen sein. Ueber die Entstehung des Namens Neudek erzählt die
Sage Folgendes: Ein Jäger verirrte sich im Walde und kam auf den sog.
Hochtannenberg (westl. von Neudek), stieg dort, um sich in der Gegend
auszukennen, auf einen hohen Baum, nämlich auf eine hohe Tanne (wovon
der Berg den Namen haben soll) und sah östlich im Thale ein Gebäude
stehen, welches neu eingedeckt war, ging dann auf dasselbe zu und
fand daselbst den noch bestehenden alten Thurm, neben dem ein Häuschen
stand, in welchem ein Schmied wohnte, der den Namen Waldesel führte.
Dieser Jäger soll nun dem Thurm sammt den anderen Gebäuden den Namen
_Neudeckt_ (gegenwärtig _Neudek_) deshalb gegeben haben, weil er durch
die neue Dacheindeckung zur Auffindung dieser Gebäude gelangte.


Spaziergänge und Ausflüge:

1. _Zum Kreuzberg._ Derselbe erhebt sich im Osten der Stadt an dem Ufer
der Rohlau. Auf dem Gipfel dieses Berges erhebt sich ein Kirchlein.
Der Weg schlingt sich in mehreren Serpentinen um den westlichen und
theilweise um den östlichen Abhang herum und ist ein sehr beliebter
Spaziergang der Neudeker. Von hier aus erblickt man die in den
südöstlich gelegenen Gegenden sich erhebenden Punkte nahe bis an die
Gegend von Buchau (z. B. den Engelhäuser Berg). In der Nähe des Hauses
Nr. 318 erblickt man in der Tiefe die Stadt Neudek in _wunderhübscher_
Lage.

2. _Zum *Peintlberg._ Er erhebt sich nördlich von Neudek und ist
ungefähr 970 m hoch. Bei Besteigung desselben wird gewöhnlich der
durch das Dorf Eibenberg (_Sitts_ Gasthaus) führende Weg benützt,
der ungefähr 1¼ Stunde beträgt. (Oberhalb der Stadt zweigt von der
Strasse zwischen zwei Bierschänken ein Weg nach genanntem Orte ab.)
Von diesem Dorfe geht der Weg steil aufwärts bis zu einem Walde, wo er
dann in mehr ebener Richtung bis zum Berge hinführt, auf dessen Gipfel
sich einige Felsen erheben, um welche grosse Steinmassen gelagert
sind. Die Besteigung wird durch die _herrlichste Fernsicht_ belohnt.
(Triangulirungspyramide.) Nach Norden und Nordosten haben wir wohl
nur geringe Aussicht, dafür ist sie lohnender in östlicher, südlicher
und südwestlicher Richtung; denn wir erblicken den Keilberg und
Spitzberg bei Gottesgab, viele Teiche in der Nähe von Schlackenwerth,
Lichtenstadt und Chodau, die Curstadt Karlsbad, die Ruine Engelhaus,
den sagenreichen Crudum, den Kaiserwald, die Städte Schönfeld und
Schlaggenwald, den Böhmerwald mit dem Dillenberge, den St. Annaberg bei
Eger. In der Nähe des Peintlberges werden wir auch durch ein schönes
Echo, entstanden durch einen neuangelegten Holzschlag, überrascht.

3. _Zur *Thierbacher Kapelle_ (½ St.). Gehen wir auf dem Wege gegen
Thierbach zu, so gelangen wir eine kurze Strecke westlich von diesem
Dorfe zu dieser Kapelle. Obwohl die Aussicht von hier nicht so
weit ist als wie die vom Gipfel des Peintlberges, so ist sie doch
eine herrliche zu nennen. Wir erblicken die Häuser von Giebacht,
Hohenstollen, Allersloh, Eibenberg, zum Theile von Oberau und Hochofen;
nach Osten zu sehen wir Fischern und Karlsbad, während in nördlicher
Richtung der Peintl seine Kuppe mächtig emporhebt. Wunderschön, wie
eine Krippe im grösseren Massstabe, liegen auf den grünen Wiesen und an
den Bergabhängen die Häuser der zunächst gelegenen Ortschaften umher.

4. _Zu den sogenannten Felshäusern_ (1½ St.). Wir gehen durch das
Limnitzthal nach Ullersloh an _Pecher's Restauration_ vorbei, von wo
wir nach ¾stündiger Wanderung zu den sog. Felshäusern gelangen. Die
_Fernsicht_ von denselben ist eine _lohnende_, wenn auch nicht so
grossartige, wie vom Peintlberg aus; doch bemerken wir die meisten
Puncte, die wir von letztgenanntem Berge aus gewahren können. Die
Felshäuser selbst sind gleichsam zwischen Felsgruppen eingebaut; ihr
Aeusseres ist recht reinlich und mit Ranken von wildem Wein und anderen
Schlingpflanzen geziert. Besonders schön ist von diesen Häusern aus
die Aussicht auf die unten liegenden Gelände, welche sich gleichsam
stufenartig gegen das Innere zu erniedrigen.

5. _Zum *Kammersberg oder Hohenau_ (1¾ St.). Wir wandern von Neudek aus
auf der Aerarialstrasse bis zu jener Stelle, wo sich hinter dem Dorfe
_Giebacht_ der Weg nach dem Dorfe _Kammersgrün_ abzweigt. Derselbe
führt in mehrfachen Krümmungen bis nahe zu dem letztgenannten Dorfe,
das sich am Südabhange des Kammerberges und im Thale ausbreitet. Von
diesem Berge gewahren wir bei heiterem Himmel Karlsbad und Elbogen,
die Berge in der Umgegend von Buchau, einzelne Höhen um Duppau und die
meisten Puncte, die wir vom Gipfel des Peintlberges gesehen. Die Kuppe
des Kammerberges ist kahl und mit einer Orientirungshöhe versehen, die
der Besitzer dieser Umgegend, _Karl Stöhr_, errichten liess.

6. _Zum *Hochtannenberg_ oder _Steinberg_ (¾ St. westlich von Neudek)
_und zum sog. Wächterhau_. Zu demselben gelangen wir am bequemsten,
wenn wir den nach _Ober-Bernau_ leitenden Weg benutzen. Von der Kuppe
dieses Berges erblicken wir nach Südost das Rohlauthal, Fischern und
Karlsbad, weiterhin Engelhaus, Giesshübel, die Kirche von Pergles bei
Buchau, nach Süden mehrere Dörfer zwischen Karlsbad und Elbogen, die
Stadt Elbogen mit dem alten Schlosse, auch einzelne Hopfengärten in der
Nähe von Falkenau. -- Eine halbe Stunde westlich vom Hochtannenberge
ist der sog. _Wächterhau_, auf welchem sich eine Orientirungshöhe
befindet, von welcher wir bis in die Gegend um Duppau, Karlsbad,
Elbogen bis Eger sehen können.


Tour Neudek-Neuhammer-Platten.

Dem reinlichen Städtchen Neudek Ade sagend, wandern wir auf der
Reichsstrasse in mässiger Steigung weiter nördlich durch das reizende,
sehr anziehende, tiefeingeschnittene Rolauthal. Zu beiden Seiten
desselben erheben sich theils anmuthig bewaldete, theils waldlose,
der Landwirthschaft zugängig gemachte Hügel- und Bergreihen mit
gleichförmig ausgedehnten breiten Rücken und abgerundeten Kuppen.
Zu unserer Rechten rauscht die Rohla. Dicht an Neudek erblicken
wir rechts das »_Schiesshaus_«, einen beliebten Sommeraufenthalt
für Einheimische und Fremde, links das grosse _Eisenwerk_ (Siehe
Sehenswürdigkeiten Neudek's). Nach kurzer Strecke sehen wir rechts
ein »_Gusseisenwerk_« (Hochofen) (Siehe Sehenswürdigkeiten Neudek's),
nach einer Biegung links das »_Feigl'sche Einkehrhaus_«. Gegenüber
bemerken wir einzelne »_Felsstücke_«, die wie eine kleine Festung aus
niederem Gebüsch hervorlugen. Beim »_gemüthlichen Bergmann_« (vulgo
»beim Preussen«) zweigt am Fusse des sog. Preussenwaldes der Weg links
nach Hochofen und Trinksaifen ab. In der Hauptstrasse weiter wandernd,
kommen wir zur »_Fuchs'schen Holzschleiferei_« (Siehe Sehensw. N.);
beim sog. »Hammerl« (Schmiede) überschreiten wir eine Brücke, welche
die Grenzscheide zwischen Neudek, Hochofen und Neuhammer bildet. Von
da biegt die Rohlau zu unserer Linken ab. An der herrsch. Bret- und
Knochenmühle, dem Eiskeller vorbei erreichen wir »Hassmann's Gasthaus
zur grünen Wiese«. Von da steigen wir westwärts auf den _Fritzenberg_,
der eine schöne Aussicht über das Weichbild von _Neuhammer_ bietet.
Von letztgenanntem Gasthause benützen wir die Bezirksstrasse
Neuhammer-Platten, welche sich durch das ganze Thal von _Neuhammer_,
durch den sog. »Grund« zuerst am linken, dann am rechten Ufer des
Weissbaches windet.

Das Dorf _Neuhammer_, 1 Stunde nördl. von Neudek, 1¼ St. südwestl.
von _Platten_ und 1 St. westl. von Bärringen, liegt auf mässig
ansteigenden, einander gegenüberliegenden Bergen (Fritzenberg, Hofberg
oder Eulenhof, Faunzberg, Fladererberg und oberen Neuhammer) und
in den dazwischen liegenden Thälern (Rohla- und Weissbachthal) und
zählt 210 Häuser mit 2200 Einwohnern, die sich von Spitzenklöppelei,
Löffelfabrication, Handschuh-, Tüll- und Mullnähen, Viehzucht ernähren.

=Geschichtliches.= Wahrscheinlich hat Neuhammer mit der Entstehung
des Bergbaues von Neudek und Umgebung gleichen Ursprung. Dass auch in
Neuhammer der Bergbau betrieben wurde, beweisen die vielen Zechen- und
Seifenhalden.

Weitere _schöne Aussichten_ gewähren: der _Hofberg_ (westl. von der
Kirche), der _Fladererberg_, der _Peintlberg_ (Siehe Ausflüge v. Neudek
2). (Eine _Fernsicht_ in's flache Land ist uns auf der ganzen Partie
Neudek-Neuhammer-Platten leider _nicht_ gegönnt.)

Haben wir Altvater Peintl unseren Gruss zugewinkt, und das letzte
Häuschen von Neuhammer im Rücken, so winken uns höhere Gebirgskuppen,
und ernster Fichtenwald nimmt uns auf. Die Strasse windet sich in
vielfach gebogenen Zickzacklinien etwas steiler durch den dunkeln
_Vierfels_ (rechts), den hochbewaldeten _Kaiserbuchwald_ (links). Die
Berge treten näher und näher heran, das sanfte Rauschen des zur Linken
fliessenden, forellenreichen Weissbächleins gewährt eine interessante
Unterbrechung der Waldeinsamkeit. Dort, wo sich die Strasse stark nach
Rechts wendet, verlässt uns unser traute Begleiter und versteckt sich
am Fusse des sich hinter uns erhebenden kahlen Berges »_Kohlhau_«,
wo er sein Quellchen hat. Die Strasse wird etwas steiler, und die
Höhe, vom Volksmunde »_das Abg'span_« genannt, ist erreicht, eine
steinerne Säule markirt dieselbe. (Links zweigt ein Fussweg, der sog.
Buttersteig, ab und führt nach _Breitenbach_ und _Johanngeorgenstadt_.)
Den Schlusstheil unserer Wanderung bildet das Zurücktreten des
Waldes, an dessen Saume wir ein anmuthiges Forsthaus begrüssen; noch
ein Viertelstündchen, und wir sind in _Platten_, dem Ziele unserer
Wanderung.



Platten.


    =Gasthöfe=: _Waldhütter's Gasthaus_ (an der Ecke des
    Marktplatzes). _Rathhaus._

    =Post- u. Telegrafenamt= am Marktplatz.

    =Postverbindung= nach Joachimsthal        täglich 1mal.
                      "   Neudek                 "    1 "
                      "   Karlsbad               "    2 "
                      "   Johanngeorgenstadt     "    2 "

    =Aemter=: Bezirksgericht. Steueramt. Bürgermeisteramt (im
    städt. Rathhause).


Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Die k. Bergstadt Platten liegt an der Südwestseite des Plattenberges
auf dem Kamme des Gebirges, welches dicht nordwestlich an der Stadt
allmählig nach der sächsischen Seite, im Süden aber mehr steil
nach Böhmen abfällt. Die Stadt ist sehr regelmässig gebaut und
zählt 2500 Einwohner, die Viehzucht, Blechlöffel- (aus Eisenblech
und aus Stabeisen), Blechspiegel- und Blechfeuerzeuge-Fabrication,
Spitzenklöppelei, Handschuhnäherei und Korkschneiderei betreiben. Nicht
weniger als eine halbe Million Dutzend Löffel, und zwar beiläufig 30
verschiedene Sorten, werden von Grosshändlern in Platten und Neudek
jährlich nach allen Richtungen versendet. Der Gesammtwerth der in
Platten erzeugten Blechspiegel wird auf ungefähr 40.000 fl. geschätzt.

=Sehenswürdigkeiten=: Grosse _Löffelfabrik_ von Kolb und Kerl. Die
_Stöpselfabrik_ des Vincenz Gerber. -- Zu erwähnen ist der durch
die Stadt fliessende sog. _Stadtgraben_, ein Bach, der nördlich von
Gottesgab entspringt und schon in alter Zeit von der Stadtgemeinde
durch die Waldungen zum Betrieb der Berg- und Pochwerke, Mühlen und
Schmelzhütten hieher geleitet worden ist und noch immer erhalten wird.

Die Gegend um Platten gehörte im Mittelalter zu der damals böhmischen
Herrschaft Schwarzenberg, welche aber König Georg von Poděbrad, als
seine Tochter sich 1459 mit dem Herzog Albrecht von Sachsen vermählte,
diesem als Mitgift gab. Herzog Albrecht verkaufte die Herrschaft an die
Herren von Tessau, und von dieser Familie ging sie 1532 kaufweise an
den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen über. Ohne Zweifel wurde
schon vor genanntem Jahre in dieser Gegend an mehreren Puncten, wie
bei den jetzigen Ortschaften Irrgang, Zwittermühl, Breitenbach u. a.,
Bergbau auf Eisen und Zinn getrieben. Als 1532 auf dem Plattenberge
»höfliche« (hoffnungsreiche) Zinngruben aufgefunden wurden, kamen
immer mehr Bergleute aus der Umgegend, namentlich von Schneeberg,
herbei, liessen sich hier nieder und gründeten Platten. Gleichzeitig
fand die Gründung von Gottesgab statt. Der Bergbau machte in Platten
bedeutende Fortschritte, viele neue Zechen wurden aufgenommen und
auch einige Silbergänge erschürft: deshalb erliess der Kurfürst eine
gedruckte Bergordnung und räumte der Bevölkerung die Befugnisse des
Backens, Bierbräuens etc. ein. Im Jahre 1544 besass Platten bereits 8
Schmelzhütten und mehrere Eisengruben. Im schmalkaldischen Kriege hatte
die churfürstliche Bergstadt, überhaupt die ganze Gegend bis an das
Egerthal herab, viele Bedrängnisse zu erdulden. Christof von Gendorf
zog im October 1546 mit zwei Fähnlein gegen Platten und erschreckte mit
fünf grossen Stückbüchsen die dort befindliche sächsische Mannschaft
so, dass sie die Flucht ergriff und die Stadt von kaiserlichen Truppen
besetzt wurde. Aber im April 1547 kam die Stadt wieder in den Besitz
des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. Derselbe wurde bekanntlich
vom Kaiser Karl V. in die Reichsacht erklärt und verlor sein Land,
welches sein Vetter Moriz, der sich mit dem Kaiser verbunden hatte,
erhielt. Am 14. October 1546 schloss König Ferdinand von Böhmen mit dem
Herzog Moriz von Sachsen einen Vertrag ab, kraft dessen die südliche
Hälfte der Herrschaft Schwarzenberg mit Platten und Gottesgab sammt
den Wäldern an Böhmen mit der Bedingung abgetreten wurde, dass dem
Herzog die freie Jagd und der Genuss des Bergwerks-Zehnten blieb. Ein
zweiter, im Jahre 1556 zu Schneeberg abgeschlossener Vertrag änderte
erwähnten Vorbehalt dahin ab, dass der Zehnte zur Hälfte getheilt, aber
auch der Gehalt der Beamten von jedem Theile zur Hälfte gezahlt werden
sollte. Im Laufe der Zeit erhielt die Stadt von den Kaisern Ferdinand
I., Maximilian II., Rudolf II., Mathias und Ferdinand III. mehrere
Privilegien, hauptsächlich zur Förderung des Bergbaues. So verlieh K.
Ferdinand I. am 30. Juli 1555 der Stadt neue Bergfreiheiten, gestattete
den Einwohnern, aus abgetriebenen Waldstrecken Felder anzulegen, und
ein Stadtwappen zu führen, das ausser dem österreichischen Schild
und dem halben böhmischen Löwen eine Seifengabel und eine Keilhaue
darstellte.

Die bis 1617 gemachten neuen Anstrengungen, den Bergbau zu heben,
wurden durch den dreissigjährigen Krieg, der seine blutigen Wellen
auch über die Bergrücken des Erzgebirges wälzte, unterbrochen. Und als
1653 diejenigen protestantischen Bewohner Platten's, welche nicht zum
katholischen Glauben übertreten wollten, nach Sachsen auswanderten
und auf dem Fastenberge die Stadt Johanngeorgenstadt gründeten, ging
der Bergbau dem gänzlichen Verfalle entgegen. Nur 1739 trat eine neue
günstige Epoche ein. Der Grenzzoll-Einnehmer Hessler machte in diesem
Jahre auf der Zinngrube St. Conrad einen überaus glücklichen Anbruch.
Sie lieferte 1740 eine Ausbeute im Werthe von 200.000 fl., die sich
später auf das Vierfache erhöhte. Ebenso glücklich war Hessler mit zwei
Silberzechen, dem Gottholds-Stollen und am Rosenhof. Dieser reiche
Bergsegen bildete leider nur eine Ausnahme.


Spaziergänge und Ausflüge.

1. _Zum *Plattenberg, nach Auerhahnl_ (Irrgang). Eine gute Strasse
führt in nordöstlicher Richtung über den _Plattenberg_ (1038 m), von
dem man eine schöne Aussicht über Platten und Bärringen hat. Bei der
auf der Höhe steigenden Säule zweigt sich links ein Waldweg ab, auf dem
man zu einer Triangulirungspyramide kommt, von der man eine _reizende
Aussicht_ über einen Theil von Sachsen und Böhmen geniesst.

Zur Säule zurückkehrend, kommen wir auf schöner Strasse in stiller
Waldeinsamkeit nach _Irrgang_, wo dem Spaziergänger das kleine, aber
durch seine reinlichen Gastleute bekannte sog. _Auerhahnl_ zu einem
frischen Trunk und stärkenden Imbiss einladet. Links von diesem
Gasthause sehen wir ein _Eisenwerk_ (Hilfgotteseisenzeche). Rechts
unterhalb dieses Eisenwerkes liegt das sog. _Schneebergl_, ein mit
Jungholz bewaldeter Scheitel, wo sich mehrere Verritzungen, von altem
Bergbau herrührend, finden, in deren Tiefe immerwährender Schnee
sichtbar ist.

2. _Zur Wolfs- und Eispinge._ Bei der Kolb und Kerl'schen Löffelfabrik
theilt sich der Fussweg. In nördlicher Richtung führt er bei dem aus
den Zeiten des Bergbaues herrührenden _Pulverthurme_ und der ehemaligen
Papiermühle vorbei. In dem niederen Fichtenstande, in den der Weg
eintritt, theilt er sich von neuem. Wir halten uns rechts und kommen
zu der vom Steige rechts sich befindlichen _Wolfspinge_. Dieselbe ist
ein alter Tagbau, der nun als riesiges Felsennest von der primitiven
Abbauung der Erze vor dreihundert Jahren Zeugniss gibt; die Annalen
erzählen, dass man darin centnerschwere Zinngraupen gefunden hat.
Etwas nördlicher kommen wir, das Augenmerk ängstlich auf unsere Füsse
richtend, zur sog. _Eispinge_. Risse und Spalten in die Erde, die der
Fuss zu überschreiten vermag, und die mit Gestrüpp überwachsen sind,
verhindern den Zutritt des Sonnenlichtes in die gähnende Schlucht, in
welcher ewiges Eis in mächtigen Stalagmiten, die Wände emporstrebend,
sich befindet. Bemerkt sei, dass es auf dem Plattenberg ausser den
beiden genannten Zeugen alten Bergbaues noch andere offene Stollen und
Höhlen gibt (bei Irrgang die Schneepinge).

3. _Nach *Ziegenschacht_ (1 St.). Von der oben genannten Löffelfabrik
betreten wir links den Wiesensteig. Zur Rechten und Linken breiten
sich im schönsten Farbenschmucke prangende Wiesen aus. Wir gehen gegen
Norden und kommen nach kurzer Strecke in eine Fichtenjugend, in welcher
zwei Waldwege führen, die sich aber wieder vereinigen. Hat man die
abgeholzte Richtung erreicht, so hält man sich links. Der Weg führt
wieder in einen Fichtenbestand hinein, aus dem er erst in Ziegenschacht
heraustritt. Die schöne Waldeinsamkeit, der duftige Harzgeruch und
brennende Meiler machen diesen Spaziergang zu dem angenehmsten in
Plattens Umgebung. Gasthaus im Ziegenschacht.


Tour Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.

Die vom Bahnhofe aus nach Schlackenwerth führende Aerarialstrasse
verfolgend, betreten wir die auf der sog. _Weheditzer-Zettlitzer_
Höhe links sich abzweigende und durch den Ort _Ottowitz_ führende
Bezirksstrasse, die sich zwischen gutbebauten und ergiebigen Fluren
dahinzieht, deren Inneres auch reiche Kohlenlager birgt. Man geniesst
eine _hübsche Aussicht_ nach Zettlitz, Altrohlau. An der sog.
_Widitzmühle_, dem _Widitzhofe_ und einigen Häusern der Gemeinde
_Halmgrün_ vorbei leitet die Strasse durch einen grossherzoglich
Toskanischen Fichten- und Föhrenwald und bringt uns nach 1¾stündiger
Tour in das Dorf _Grossenteich_ (liegt 1 St. sw. von Schlackenwerth)
mit dem nördlich am Dorfe gelegenen, einem kleinen See gleichenden
_Grossteich_ von 110⅓ J. Area. Hier bietet sich ein _schöne Rundsicht_;
man erblickt westlich die Dörfer Ruppelsgrün und Edersgrün, gegen
Norden und Nordwesten das Erzgebirge mit dem Wölfling, gegen Osten und
Süden das Duppauer Gebirge. Wir wandern auf der Strasse noch ¼ Stunde
weiter und erreichen _Lichtenstadt_, wo sich uns gleichfalls eine _gute
Rundsicht_ erschliesst.



Lichtenstadt.


    =Gasthöfe=: _Zum Rathhaus. Zur Sonne._

    =Postamt.= Bürgermeisteramt (im städt. Rathhaus).

=Sehenswürdigkeiten=: _Eisengiesserei-Fabrik_ des _Heinrich Reichel_ (5
Minuten oberhalb der Stadt). Lichtenstadt gehörte i. J. 1217 dem Wladik
Hroznada, welcher es dem von ihm gegründeten Stifte Tepl vermachte.
Diese Schenkung bestätigte Karl IV. am 3. Mai 1350 und ertheilte
zugleich die Erlaubniss, in dem an Lichtenstadt anliegenden Walde oder
auf anderen, dem Stifte gehörigen Gütern Mühlen und Eisenbergwerke
anzulegen. Die Geistlichen zogen fleissige deutsche Ansiedler in die
Gegend, welche in den öden Waldstrecken viele Ortschaften anlegten. Zur
Zeit des Husitenkrieges kam das Gut an die königl. Kammer, bis Kaiser
Sigmund 1437 es nebst anderen Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick
zum Geschenk machte. In älterer Zeit wurde hier Bergbau auf Silber
und Zinn betrieben, der aber im Husitenkrieg einging. Unter Kaiser
Ferdinand I. erblühte der Bergbau von neuem, allein der 30jährige
Krieg vernichtete ihn. In den Jahren 1770 und 1785 stellte man neue
Bergbauversuche an, erzielte aber keine Erfolge.

=Besteigung des *Wölfling.= In der unmittelbaren Nähe von der
Reichel'schen Fabrik erhebt sich rechts der sog. _Hohenberg_, an dessen
Fusse der israelitische Friedhof gelegen ist; links »der ausgedehnte
und hohe _Glasberg_, welcher mit seinen Abhängen bis an den Fuss des
Gebirges (Erzgebirges) abdacht und sich als ausgebreitetes Gebirgsjoch
von seiner sich steil erhebenden ansehnlichen Kuppe in nordwestlicher
Richtung bis auf den Hauptkamm des Gebirges hinzieht. Der höchste Punct
dieses Gebirgsjoches ist der _Trausnitzberg_, westlich von Salmthal.
Durch die südlichen ausgedehnten Gipfel des Glasberges wird diese
weiter nordwestlich liegende Kuppe, sowie der höhere Hauptkamm des
Gebirges, verdeckt.« Einer der südlichen Gipfel heisst _*Wölfling_
und gewährt wegen seiner frei vorspringenden Lage eine _umfassende,
prachtvolle Aussicht_, wie sie nur _wenige_ Puncte des Erzgebirges
gewähren. Fast ausnahmslos in den bezüglichen Reise-Führern ignorirt,
lässt sich auf dem Wölfling nur hie und da ein Tourist sehen. Wir
können die Besteigung dieses Berges, obgleich die dahin führenden
Wege manches zu wünschen übrig lassen, allen Erzgebirgstouristen
auf das _wärmste_ empfehlen. Wir besteigen in einer Stunde den
Wölfling von Lichtenstadt aus, passiren den sog. »Kirchsteig«, der
beim lichtenstädter Schiesshause seinen Anfang nimmt und durch die
Waldung oberhalb des Dorfes _Edersgrün_ führt. (Mit _Wagen_ kommt
man auf der Bezirksstrasse über _Merkelsgrün_, _Salmthal_ in 1¼
St. nach _Bärringen_, von wo südlich der gewöhnliche Weg, das sog.
»Bärringer Strass'l« durch die grossherzogliche Waldung in 1 Stunde
nach Wölfling führt, oder man fährt auf der vor der Reichel'schen
Fabrik abzweigenden, über Edersgrün, Tüppelsgrün bis Neudek leitenden
Bezirksstrasse bloss bis _Tüppelsgrün_, von wo sich in nordwestlicher
Richtung ein Waldweg nach _Kammersgrün_ schlängelt; der nicht gar
gute Verbindungsweg zieht sich in einer sanften Anhöhe nach Wölfling
und kann ebenfalls in 1 Stunde zurückgelegt werden. Ist man am Gipfel
des Berges angekommen, so sieht man das _Forsthaus_ und noch ein
einzelnes Haus. Beide bilden das »_Vorder-Wölfling_«. Von da bietet
sich dem Beschauer ein _wahrhaft entzückender und seltener Anblick_
von einem bunten Gemische von Waldungen, Feldern, Wiesen und Teichen,
Städten und Dörfern, Bergen und Thälern, dass demselben, überwältigt
von dem herrlichen, farbenprächtigen Bilde, unwillkürlich ein »Ach«
entfällt. Lässt man das Auge gegen den Fuss des Berges schweifen, so
erblickt man südlich und südwestlich an dem Abhange kleine Vorberge
und Thäler, welche reizend aussehen; namentlich nimmt sich das Dorf
_Tüppelsgrün_, am Tüppelsgrüner Bache gelegen, sehr schön aus.
Verfolgt man die Ebene südöstlich, so sieht man viele Ortschaften,
darunter Schlackenwerth, die Gegend von Buchau, Giesshübl, die Ruine
Engelhaus; südlich die Gebirgskette von Tepl, die Stadt Karlsbad
mit ihren Ausflugsorten, z. B. Bahnhof, Waldschloss, Dreikreuzberg,
Hirschensprung und Antonienshöhe, ferner Donitz, Fischern, Dallwitz,
Aich, Altrohlau, Zettlitz u. a., den Grossteich und mehrere kleinere,
zu Tüppelsgrün gehörige Teiche (Wiesenteich, Haideteich); südwestlich
Neurohlau mit seinem grossen Teich, Chodau mit mehreren umliegenden
Ortschaften, Elbogen, Altsattel, Neusattel, Falkenau und Umgebung,
Maria-Kulm, die Gegend von Eger und Franzensbad. Ueberdies wird die
lachende, herrliche Landschaft -- das Egerthal -- von dem Silberbande
der Eger durchzogen. Einen unvergleichlich schönen, köstlichen Anblick
geniesst man hier kurz vor Sonnenuntergang durch das Blitzen der
vielen Teichspiegel, das Brennen der Fabriks-Essen von Dallwitz,
Aich, Fischern, Altrohlau und Chodau. Von Wölfling gelangt man in
nordwestlicher Richtung zu dem sog. »_Hohen Hau_« (zu Kammersgrün
gehörig), woselbst ein _Gloriett_ errichtet ist zur besseren Aussicht
auf das Egerland. -- Die Strasse, welche sich nördlich am rechten Ufer
des forellenreichen Wistritzbaches zwischen Wiesen im reizend schönen,
romantischen Wistritzthale dahinzieht, führt nach ½stündiger Wanderung
durch das Dorf _Merkelsgrün_, welches am Wistritzbache gelegen, rechts
von Feldern, links von Wiesen umgeben ist. Beim Wirthshause führt
rechts von der Bezirksstrasse eine Strasse zur _Porzellanfabrik_. Wir
schreiten auf der nun am linken Ufer des Wistritzbaches führenden
Strasse entlang weiter und gelangen nach dem an Merkelsgrün
unmittelbar sich anschliessenden Orte _Salmthal_, das 1 Stunde nw.
von Lichtenstadt an den Thalgehängen des Glasberges und Plessberges
liegt. (_Holzschleifereien_ des Wilhelm _Schreiter_, Heinrich _Kluge
u. Comp._ und Johann _Geutner_.) (Erwähnenswerth ist, dass hier hinter
dem Gasthause »zum grünen Thal« durch ein enges Seitenthal, den
sog. Modersgrund, ein guter Waldweg nach _Abertham_ führt.) Weiter
thalaufwärts steigend, kommen wir nach ½ Stunde in _Bärringen_ an.



Bärringen.


    =Gasthöfe=: _Rathhaus_ und _Stadt Leipzig_.

    =Post- u. Telegrafenamt.= Bürgermeisteramt.

Die Bergstadt Bärringen mit 2360 Einwohnern liegt hoch im Gebirge an
der Schwarzen Wistritz. Die Haupterwerbsquellen sind Rindviehzucht,
Stickerei und Spitzenklöppelei. Erwähnenswerth ist wohl hier die
_Gimpelzucht_, die den Züchtern jährlich einige hundert Gulden abwirft.
Die jungen Gimpel werden nämlich aus dem Neste genommen, zu Hause
erzogen und gelehrt, indem man ihnen das einzuübende Liedchen bloss mit
dem Munde rein und immer gleichmässig vorpfeift. In jüngster Zeit wurde
hier durch Vermittelung des Herrn Ritters von Dotzauer auch die Harzer
Kanarienvogelzucht eingeführt.

=Sehenswürdigkeiten=: _Die grossen Stickerei-Etablissements_ von _A.
Meinls Erben_, _Gebrüder Pfob_ und _J. T. Poppenberger_.

Das Städtchen verdankt seinen Ursprung dem Bergbau, welcher hier 1532
begann. Der Sage nach soll ein Bär durch Scharren seines Lagers in der
Gegend des sogenannten Schwarzen Teiches das Erz entblösst haben, und
so die Lagerstätte von Zinnerz erschürft worden sein; darauf soll auch
das Wappen des Städtchens deuten, welches einen Bären vorstellt, der
einen Ring in der Pfote hält. In der grössten Blüthe war der Bergbau,
der schon längst erloschen ist, unter der Regierung Kaiser Ferdinands
I., denn nicht weniger als 72 Pochwerke waren damals hier in Betrieb.
Im Jahre 1559 wurde Bärringen zur Stadt erhoben.


Tour: Karlsbad-Schlackenwerth-Joachimsthal.

Von Karlsbad gelangen wir, wenn wir die Tour auf der schönen
Reichsstrasse machen, in 2 Stunden (zu Wagen in 1 Stunde) nach
Schlackenwerth, oder wir fahren zu dieser Stadt pr. Buschtěhrader Bahn
in ½ Stunde.

Wir wählen die Fusstour. Unterhalb des Karlsbader Bahnhofes, wo sich
die nach Schlackenwerth führende Strasse rechts zweigt, erblicken
wir sogleich zur Linken das Dorf _Zettlitz_, zur Rechten _Karlsbad_,
_Drahowitz_, den _Egerfluss_, _Weheditz_. Die Strasse führt durch
Felder; wir schreiten bei einer grossartigen _Dampfziegelei_ vorüber
und erreichen die sog. _Weheditzer-Zettlitzer_ Höhe, wo wir eine
_schöne Aussicht_ geniessen (Siehe Tour Karlsbad-Lichtenstadt). (Auf
dieser Höhe zweigt linksab die Strasse nach Lichtenstadt, etwas weiter
entfernt rechtsab die Strasse nach Dallwitz.) Die in nordöstlicher
Richtung dahinziehende Strasse weiter verfolgend, gelangen wir
unterhalb _Sodau_ zu einem Theil dieses Dorfes mit 2 Gasthäusern,
nähern uns dann dem rechts liegenden Dorfe _Lessau_, wandern links
an dem Orte _Fuchsloch_ (½ St. sw. von Schlackenwerth) und dem
Dorfe _Grasengrün_ (Teiche; der _Peinteich_ zwischen Grasengrün und
Hauptstrasse) vorbei und kommen endlich nach _Schlackenwerth_. Links
von der Strasse sehen wir den _Friedhof_ und den grossherzoglich
toskanischen _Park_, rechts das _Actienbräuhaus_.



Schlackenwerth.


    =Gasthöfe=: _Zum Renthaus_, am Marktplatze, _Schwarzer Adler_.

    =Post- und Telegrafenamt= im erstgenannten Gebäude.

    =Postverbindung= nach dem Bahnhofe »Schlackenwerth«.
            "         "   Joachimsthal täglich 3mal.

    =Aemter=: _Bürgermeisteramt_. _Spar-_ und _Vorschusskassa_.


Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Schlackenwerth, der Hauptort der gleichnamigen, dem Grossherzog von
Toskana gehörigen Herrschaft, liegt am Fusse des Erzgebirges an der
Wistritz und an der Buschtiehrader Bahn in einer schönen und reizenden
Ebene, welche nördlich von den gewaltigen, waldbekrönten Bergketten
des Erzgebirges, westlich von dessen milderen Ausläufern, südlich von
den Karlsbader Hügelketten und östlich von dem kegelartig gestalteten
Egergebirge eingeschlossen wird. Dieser sehr fruchtbare, an Aeckern
und Wiesen reiche Basalt-Kessel wird vom Wistritz- und Weseritz-Bache
durchfurcht. Ersterer nimmt, bevor er Schlackenwerth erreicht,
den Weseritzbach auf. Die Stadt zählt 2000 Einwohner, welche sich
hauptsächlich mit der Landwirthschaft beschäftigen.

=Sehenswürdigkeiten.= _Das grossherzoglich Toskanische Schloss_, in
einfachem Renaissancestyl erbaut, ist in jüngster Zeit durch zwei
Seitenflügel und einen rückwärtigen Trakt vergrössert worden. Dasselbe
besitzt einen _grossartigen Rococo-Park_ mit hundertjährigen Eschen
und Linden, stattlichen Erlen, Ahornen, Weiden, Cirpisbäumen und
hohen Tannen, sowie mit anmuthig angelegten Spaziergängen. Mitten im
Parke, der in den Sommermonaten von Karlsbader Curgästen und Touristen
sehr häufig besucht wird, steht das im Rococostyle erbaute herrliche
_Gartenhaus_, ein octogones, barockes Gebäude mit _Restauration_.
(Geschichtliches siehe bei der Geschichte der Stadt.)

_Die Pfarrkirche_, im gothischen Styl erbaut und neu renovirt, hat
ausser dem imposanten Hauptaltar noch 6 Seitenaltäre. Das Altarbild des
ersteren stellt die Grabbestattung Jesu vor und ist ein Meisterwerk des
berühmten böhmischen Malers _Karl Skreta_. _Das Piaristen-Collegium_
mit einem durch den letzten Gymnasialdirector P. Ernst _Miebes_, einen
geborenen Schlackenwerther, _trefflich angelegten, reichhaltigen
Lehrmittel-Cabinet_, mit einer werthvollen _Bibliothek_, im grossen,
schönen Archivsaale, an dessen Wänden nebst den Ahnenbildern der
_Lauenburger_ auch die Bildnisse der kaiserlichen Hoheiten _Leopold_
II. und _Maria Antonia_ in Lebensgrösse prangen. Für den Archäologen
und Bibliographen ein Unicum: Der _Manuskript-Pergamentcodex vom Jahre
1353_, welcher die Legende der hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, und
vier Homilien des hl. Bernhard enthält.

=Geschichtliches.= Das Piaristen-Collegium wurde von _Anna Magdalena
Popelia_, der Gemahlin des Herzogs Julius Heinrich von Lauenburg,
1666 gestiftet; das Gymnasium, 1780 in eine Normalhauptschule
verwandelt, wurde 1804 abermals eröffnet und bestand bis zum Jahre
1820, in welchem die beiden Humanitätsklassen aufgehoben wurden,
so dass nur die 4 Grammatikalklassen blieben, die aber 1852 sammt
der Hauptschule geschlossen wurden. Durch die wahrhaft fürstliche
Munificenz der durchlauchtigsten Frau _Grossherzogin Maria Antonia_
und des edlen _Grossherzogs Leopold_ II. konnte am 1. Okt. 1863 das
Piaristen-Untergymnasium wieder eröffnet werden, das aber leider
mit dem Schuljahre aufhörte. -- In der Piaristenkirche, welche
1674 eingeweiht worden ist, befindet sich auf dem Hochaltare die
_Muttergottesstatue Maria-Treu_, wohin nicht nur Schlackenwerther,
sondern auch Katholiken aus der ganzen Umgegend ihre Zuflucht nehmen.

_Porzellanfabrik von Pfeiffer und Löwenstein._ (Rechts von der Strasse
zum Bahnhofe.) -- _Actienbräuhaus._ (Links an der Karlsbader Strasse.)

Die Erbauung Schlackenwerths (zuerst Schlawkes Warthe, später Schlawkes
Werth, zuletzt Schlackenwerth) wird dem Slavek von Riesenburg
zugeschrieben, welcher die Stadt dem Bürgermeister und Rath überliess,
so dass dieselbe von König Johann (1310) bis zu Kaiser Sigmunds
Regierung unter dem Stadtrathe verblieb, bis endlich genannter Kaiser
dieselbe im J. 1419 an seinen Kanzler Caspar Schlick verpfändete, der,
aus einer Egerischen Patricierfamilie stammend, bis zum Reichsgrafen
(1437) emporstieg und mit Elbogen, Falkenau und Schlackenwerth belehnt
wurde. Graf Caspar Schlick, dreier Kaiser Reichskanzler und »ein Mann
von grosser Geistesgewandtheit«, wurde der Begründer dreier berühmten,
reichbegüterten Grafenlinien, von denen die Schlackenwerther Schloss,
Dominium und Stadt bis zum Jahre 1578 beherrschte. Unter der Regierung
des Königs Georg von Poděbrad wurde ein Theil des Schlosses und der
Stadt in Asche gelegt, da Graf Schlick mit den Schlackenwerthern an
den katholischen Herrenbund gegen den König sich angeschlossen hatte.
1578 kam die Herrschaft Schlackenwerth an die Schönburge, Stadt und
Schloss wurden 1621 von den Soldaten Mannfelds geplündert. Die nach
der Schlacht am Weissen Berge von dem königlichen Fiscus eingezogene
Herrschaft überliess Kaiser Ferdinand II. im J. 1625 käuflich dem
Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg. Derselbe liess 1650
mit Benützung der Grundmauern des Schlick'schen Schlosses ein neues
Schloss aufbauen und mit einem Geldaufwande von 60.000 Reichsthalern
einen grossartigen Park anlegen, der mit seinen Wasserleitungen und
50 Springbrunnen eine Art Klein-Versailles darstellen sollte und von
einem Schriftsteller des 18. Jahrhunderts sogar das achte Wunder der
Welt genannt wurde. Dem verstorbenen Herzog Julius Heinrich folgte
sein Sohn Julius Franz, dessen Tochter Franziska Sybilla Augusta
sich 1690 nach dem Tode ihres Vaters (1689) mit dem Markgrafen Ludwig
Wilhelm von Baden-Baden vermählte. So gelangte der Besitz an das Haus
Baden-Baden, um bei demselben bis 1782 zu verbleiben. Nach dem Tode des
Markgrafen August Georg erhielt dessen Nichte, die Prinzessin Elisabeth
Augusta von Baden, das Nutzungsrecht der Herrschaft Schlackenwerth von
der Kaiserin Maria Theresia lebenslänglich. Von 1799 fiel auch das
Nutzungsrecht wieder an die Kammer zurück. Später kam Schlackenwerth
an Ferdinand II., Grossherzog von Toskana. Als Grossherzog Leopold
II. von Toskana, der edle, so schwer geprüfte Fürstengreis aus
Habsburgs Herrscherhause, in dem verhängnissvollen Jahre 1859 mit der
grossherzoglichen, hochherzigen Familie hier bleibenden Aufenthalt
genommen, begann für Schlackenwerth eine neue segensreiche Periode.
In Schlackenwerths Annalen wird für immerwährende Zeiten mit goldenen
Lettern der denkwürdige 23. Februar 1861 glänzen, wo Leopold II.,
Grossherzog von Toskana und Erzherzog von Oesterreich, einstimmig zum
Bürgermeister der Stadt Schlackenwerth gewählt wurde. »Leopold II. nahm
aber nicht blos die Wahl als Bürgermeister an, sondern unterzog sich
auch persönlich allen durch die Communalgesetze gebotenen Pflichten,
ein schönes und seltenes Beispiel in der That, welches hier einerseits
aus einem Familienzuge der Habsburger, der Achtung vor dem Volke,
anderseits aus dem in Italiens Boden tiefgewurzelten Bewusstsein,
bei der Gemeindeautonomie mit der Entgegennahme des Rechtes sich
auch im strengsten Sinn der Pflicht zu unterziehen, entspringt.
Diese enge Beziehung zwischen dem Grossherzog und der Bürgerschaft
Schlackenwerths erneuerte sich bei der Wiederwahl (22. August
1864), deren Annahme wieder erfolgte und in der Stadt grosse Freude
hervorrief.« Der durchlauchtigste Grossherzog-Bürgermeister leistete
für Schlackenwerth wahrhaft Hervorragendes und Unvergängliches! Aber
auch dessen durchlauchtigste Gemahlin, die Frau Grossherzogin Maria
Antonia bewährte sich stets als eine hohe Gönnerin und fürstliche
Wohlthäterin dieser Stadt. »In ganz ähnlicher Weise übertrug sich auch
dieses Verhältniss auf den dermaligen Besitzer und seine Gemahlin«,
nämlich auf Sr. kais. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn Ferdinand IV.,
Grossherzog von Toskana, und Ihre kais. Hoheit die durchlauchtigste
Frau Grossherzogin. Von hohen fürstlichen Besuchen, deren sich
Schlackenwerth zu erfreuen hatte, heben wir hervor: _Den Besuch Sr.
kais. u. kön. Majestät des Kaisers Franz Josef_ I. am 23. Juni 1864,
welchen Tag Grossherzog Leopold II., der damalige Bürgermeister
Schlackenwerths, durch eine Gedenktafel aus Marmor am Rathhausgebäude
verewigte. In demselben Jahre (am 30. Juni 1864) stattete auch _König
Otto von Griechenland_ der grossherzoglichen Familie einen Besuch ab.
_König Johann von Sachsen_, der gekrönte Dante-Uebersetzer, Vater der
ersten Gemahlin des Grossherzogs und Grossvater der Erzherzogin Maria
Antoinette, der fürstlichen Dichterin, verweilte wiederholt bei der
Grossherzog Toskanischen Familie zum Besuche.

Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten Schlackenwerths in Augenschein
genommen haben, kehren wir der Stadt den Rücken, um unsere Tour
fortzusetzen. Ein wahrhaft entzückendes Landschaftsbild entrollt sich
vor unseren trunkenen Blicken! Inmitten einer vegetationsreichen
Ebene mit wogenden Feldern, beblumten, saftiggrünen Wiesen und
ergiebigen Obstbäumen sehen wir aus dreiviertelstündiger Entfernung die
waldesdunklen und mannigfaltig geformten Berge des wie eine Mauer steil
sich aufthürmenden Erzgebirges, durchbrochen von einem tiefgefurchten,
romantischen Querthal, dem unsere Tour gilt. Wir wandern, aufjauchzend
vor Lust, auf der schönen, beiderseits mit Obstbäumen bepflanzten
Aerarialstrasse in nördlicher Richtung weiter und gelangen in
einer halben Stunde nach _Unterbrand_, wo wir den grossherzoglich
Toskanischen Meierhof besichtigen, dessen landwirthschaftliche
Maschinen, den neuesten Fortschritten auf diesem Gebiete Rechnung
tragend, besonders den Oekonomen interessiren dürften. Von hier
erreichen wir nach ¼stündiger Wanderung das freundliche, mit Obstbäumen
geschmückte Dorf _Oberbrand_, dessen Einwohner noch den lohnendsten
Feldbau betreiben. Statt der Obstbäume bilden aber bald Vogelbeerbäume
mit ihren zinnoberfarbenen Beeren Strassenspalier; wir stehen an der
Eingangspforte des engen, prächtigen _Weseritzthales_. Die Strasse, ein
schmaler Wiesensaum und die rauschende Weseritz bilden die Thalsohle,
während zur Rechten und Linken die mit Fichten, Tannen und Buchen reich
bedeckten Abhänge mit jedem Schritte steiler und majestätischer sich
gestalten. Bald wird das immer höher aufsteigende Thal etwas weiter,
wir schreiten an mehreren, schon zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen
Mühlen vorbei, _Hansgirgs_ Verse reproducirend: »Im Erzgebirge, wie
klappern die Mühlen so laut; so laut, wie rauschen die Bächlein gar
frisch im Kühlen so traut, so traut.« Oberhalb der _Herrenmühle_ (die
dritte Mühle oberhalb der _Trinksmühle mit Restauration_) betreten wir
-- was den Touristen _warm empfohlen_ werden kann -- den links von der
Strasse abzweigenden, bequemen Fussweg, der in Serpentinen durch den
schattigen Wald aufwärts führt. Nach kurzer Steigung erreichen wir den
ebenen _Seilerweg_, der, an der westlichen Berglehne sich dahinziehend,
eine _wunderschöne Aussicht_ gewährt (siehe Joachimsthaler Spaziergänge
3). Verfolgt man dagegen die Strasse, so kommt man zum k. k.
_Hüttenwerke_ (siehe Joachimsthaler Spaziergänge 2), das uns daran
erinnert, dass wir in der Nähe von Joachimsthal sind, das jedoch --
wir meinen die eigentliche obere Stadt -- die Krümmung des Thales noch
verhüllt, links erblickt man die Barbara-Kapelle. Hier sieht man den
untersten Theil der Stadt, nordwestlich aufsteigend, und hoch auf dem
Berge nordöstlich die _Prokopi-Kapelle_. Immer mehr sind die Wälder
gelichtet, und was sich die Natur abzwingen liess, ist zu Feldern und
Wiesen verwandelt.



Joachimsthal.


    =Gasthöfe=: _Hôtel zur Stadt Dresden_, im oberen Theile der
    Stadt am Marktplatze gelegen. -- _Hôtel zum wilden Mann_, das
    zweite Haus neben genanntem Hôtel.

    =Photographische Ansichten= von Joachimsthal und hervorragenden
    Gebäuden dieser Stadt bei dem Photographen _Anton Kraus_
    (Marktplatz).

    =Post- und Telegraphenamt= auf dem Marktplatze.

    =Postverbindung= nach Schlackenwerth täglich 3mal.
           "          "   Platten           "    1 "
           "          "   Weipert           "    1 "

    =Privatfuhrwerke= bei Rudolf Günther, Christof Porkert und
    Wilhelm Seidl. Auf besonderes Verlangen besorgt auch der
    Hôtelbesitzer »zur Stadt Dresden« Fahrgelegenheiten.

    =Aemter.= Bezirkshauptmannschaft, Bezirksgericht, Steuer-
    und Grundbuchsamt, Bürgermeisteramt, städt. Forst- und
    Rentamt, Sparkassa (sämmtlich im Stadthause), Berg- und
    Hüttenverwaltung sowie Forstamt (Oberamtsgebäude), Notariat,
    Finanzwachkommissariat.


Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Die k. Bergstadt Joachimsthal, die Metropole des böhmischen Erzgebirges
genannt, liegt in einem engen und tiefen, nach Südosten und Süden
geöffneten Querthale, das von dem rasch herabstürzenden Weseritzbache
durchbraust wird, zwischen hohen Bergen, dem _Galgenberge_ im Osten,
dem _Pfaffenberge_ im Süden, dem _Schlossberge_ im Westen, dem _Obern_
und _Untern Türkner-Berge_ im Norden. Sie besteht in ihren eigentlichen
Grundlinien im Thalgrunde vorzugsweise nur aus zwei Häuserreihen,
an die sich aber beim Bräuhausplatze, wo das Thal sich erweitert,
beiderseits terrassenförmig noch je zwei Häuserzeilen, sowie in
einem westlichen Seitenthale der Stadttheil Pfaffenberg anreihen.
Die seit dem grossen Brande von 1873 grösstentheils neu aufgebaute,
sehr freundliche Stadt, die überdies vom hiesigen Anpflanzungsvereine
an mehreren Plätzen durch Anlagen verschönert wurde, übt sicherlich
auf jeden Besucher einen _wahrhaft bezaubernden, nachhaltigen_
Eindruck aus, so dass man kaum fehlgehen wird, Joachimsthal als _die
schönste und regelmässigste_ Stadt im ganzen böhmischen Erzgebirge
zu bezeichnen. Sie zählt 612 Häuser und gegen 7000 Einwohner, welche
sich durch Bergbau, Cigarren-, Handschuh- und Stöpselfabrication,
Spitzenklöppelei, Spitzenhandel, sowie durch das karge Erträgniss der
Landwirthschaft ernähren.

=Sehenswürdigkeiten=: _Decanalkirche_ (auf dem viereckigen, mit einer
Anlage geschmückten Kirchenplatze gelegen) wurde von der Stadtgemeinde
in den Jahren 1874--1876 in neugothischem Styl vom Baumeister Friedrich
Karl _Richter_ aus Breitenbach unter Leitung des Prager Dombaumeisters
und Architekten Josef _Mocker_ neu hergestellt. Mit Bezug auf die
inneren Räume dieser Kirche hat _Hansgirg's_ Behauptung: _dass sie
ein gar seltenes, sowohl im Totaleindruck als auch in der liebevollen
Durchführung des Details überwältigendes Kunstwerk sei, welchem im
westlichen Böhmen kaum noch ein Bau ähnlicher Art ebenbürtig an die
Seite gestellt werden kann_, seine vollste Berechtigung. Architekt
(_Mocker_), Maler (_Gebrüder Jobst_ aus Wien) und _Bildhauer_ (_Leimer_
aus Wien) haben sich hier ein unvergängliches Monument einheitlichen
Strebens gesetzt. Nicht nur die Altäre (3) und die Kanzel, sondern
alle übrigen Objecte der inneren Kirche entsprechen dem Geiste der
Gothik. Die Gemälde der Altäre sind _plastisch_. Der _Hauptaltar_ ist
ein grossartiger, echt gothischer Bau. »Anmuth ist der Grundtypus
dieses herrlichen Werkes, das durch das echte Naive und Herzinnige der
Skulpturcompositionen noch potencirt wird, deren Bemalung eine elegante
ist, dass bei der Empfindung der Frömmigkeit zugleich die des höchsten
Wohlgefallens erweckt wird.« Die Hauptnische dieses Altars enthält
die _hl. Familie_ (in der Mitte die hl. _Maria_, etwas rückwärts zur
Seite St. _Joachim_ und St. _Anna_ -- die Patrone der Kirche). In
den zwei Nebennischen (links) der hl. Prokopius, Schutzpatron der
Bergleute, (rechts) der hl. Johannes. Bei sämmtlichen Altären ist
Plastik, Ornamentik, Farbe und Goldzier gleich rühmenswerth. Den
Kunstfreunden sei von den Seitenaltären besonders der _Marien-Altar_
(links) empfohlen (Hauptfigur: _die unbefleckte Maria im Gebet_). Der
_Josefi-Altar_ (rechts), Hauptfigur: der hl. _Josef_, den Lilienstengel
in der rechten Hand, das Jesukindlein mit der Erdkugel am linken Arm
haltend. Die prachtvolle _Kanzel_ mit den Gestalten der Kirchenlehrer;
das _Baptisterium_ (Taufkapelle), die _Orgel_ (Kegelladensystem,
_Steinmeier_ in Oettingen).

_Das Stadthaus_ (an der Ecke des Kirchenplatzes), ein alterthümliches,
ansehnliches Gebäude, das dem letzten gewaltigen Brand Widerstand
geleistet, enthält _die interessante, sehenswerthe Gemeindebibliothek_,
welche 1540 begründet worden ist. Sie enthält 190 Werke aus dem XV.
und XVI. Jahrhundert (in deutscher, lateinischer, griechischer und
hebräischer Sprache) und zwar dem Inhalte nach: Jurisprudenz 17,
Theologie 60, Poesie und classische Literatur 51, realistische Fächer
17, hebräische Sprache 7, linguistische 20, Geschichte, Geographie und
Statistik 18. -- Eine Biblia hebräica, in Frakturlettern auf Pergament
sehr schön geschrieben, stammt nach Dr. Oppenheimer's Untersuchung vom
Jahre 1384.

_Das k. k. Bergoberamtsgebäude_ (neben dem Stadthause) mit
reichhaltiger _Mineraliensammlung_ des montanistischen Vereines.
(Daselbst werden auch Mineralien verkauft.) _Das Volks- und
Bürgerschulgebäude_ (links von der Kirche), ein wahrer Schulpalast,
mit einer reichlich ausgestatteten Lehrmittelsammlung. -- (Rechts
von der Kirche): _Die k. k. priv. Handschuhfabrik von Martin Bencker
u. Sohn_, die grösste in Oesterreich-Ungarn, und _die Stöpselfabrik
des Anton Schreiber_. _Der k. k. Einigkeitsschacht_ (ober dem
Schulgebäude) bietet vielfaches Interesse, und ist dessen Befahren
durch Schalenbeförderung leicht, gefahrlos und lohnend. (Wegen Einfahrt
wende man sich an den k. k. Bergrath im Oberamtsgebäude.) _Schloss
Freudenstein, k. k. Cigarrenfabrik und k. k. Hüttenwerk._ (Siehe
»Kleine Spaziergänge«.)

Die ganze Gegend, wo jetzt Joachimsthal steht, war bis zum Jahre
1516, dem eigentlichen Gründungsjahre dieser Stadt, eine nur mit Wald
bedeckte Gebirgslandschaft, welche zur Herrschaft Schlackenwerth
gehörte, die nebst Lichtenstadt Kaiser Sigmund 1437 seinem treuen
Reichskanzler Kaspar Schlick, Grafen von Passaun (Bassano), geschenkt
hatte. Einzelne Bergleute aus Schlackenwerth (»der alte Oeser«) und
aus dem Markgrafenthum Meissen (»Kaspar Bach«) betrieben hier ohne
Zweifel schon gegen Ende des XV. oder in den ersten Jahren des XVI.
Jahrhunderts Bergbau auf Silber, der aber nicht bedeutend gewesen zu
sein scheint. Im Jahre 1515 stellte sich Graf Stefan Schlick an die
Spitze einer Gewerkschaft, welche die alte Fundgrube am Schottenberg
wieder belegte und 1516 die erste Ausbeute vertheilte. Bis zu diesem
Jahre sollen etliche verfallene Häuser am untern Türckner, eine Mühle
am Brotmarkt -- dem heutigen Pfaffenberg -- und ein Hammer in dieser
Gegend gewesen sein; nach einer Wiese wurde Thal und Weiler Conradsgrün
(»Cunradisgrün«) genannt. Aber die Kunde von dem überaus ergiebigen
Bergbau drang mit staunenswerther Raschheit durch das ganze Erzgebirge
und lockte baulustige deutsche Bergleute und Gewerke in solcher Anzahl
in's »Thal«, dass die neue Bergcolonie bis December genannten Jahres
bereits 400 Häuser gezählt haben soll. Der Silberreichthum war hier
geradezu fabelhaft. Deshalb fand sich Graf Stefan Schlick, der damalige
Grundherr, bewogen, den Grund zu einer Bergstadt zu legen, welche
bald gedeihlich aufblühte. Da es auf dem jenseitigen meissnischen
Gebiete bereits ein Annaberg (1496) und Jöhstadt (Josefsstadt, 1517)
gab, wurde, um die Glieder der hl. Familie als Schutzpatrone auf
einem verhältnissmässig kleinen Raume zu ergänzen, das Thal und die
neu angelegte Stadt nach Christi Grossvater, dem hl. Joachim, St.
Joachimsthal (»Jochimsthal«) genannt. Aber gar bald erhoben die
Brüder von Haslau, deren Grundeigenthum an das Schlickische grenzte,
Ansprüche auf benachbartes Gebiet, bis auf welches sich der Bergbau
und die Anlage der Stadt auszudehnen begonnen hatten. Der darüber
mit den Grafen Schlick entstandene Streit wurde jedoch durch einen
schleunigen Vergleich (1518) beendigt, in Folge dessen die Herren von
Haslau eine Entschädigung zugesichert erhielten. Ein in demselben
Jahre ausgebrochener Aufstand der Bergleute veranlasste den Grafen
Schlick zur Herausgabe der berühmten Bergordnung; er liess ferner eine
Münze (an dieser Stelle steht das heutige Oberamtshaus) erbauen, »aus
welcher im nächsten Jahre 1519 die ersten Münzen, Guldengroschen, zu
24 weissen Groschen, wie sie in Sachsen geprägt wurden, hervorgingen.
Man nannte sie nach dem Orte ihres Ursprungs _Thalergroschen_, später
einfach _Thaler_, ein Name, welcher allmählig in ganz Deutschland
das Bürgerrecht erhalten und selbst in fremden Ländern (als Dollar
in England und Amerika, als _Talar_, _Talari_ in der Levante etc.)
Eingang gefunden hat. Sie trugen auf der Vorderseite das Bildniss des
hl. Joachim, auf der Rückseite das des Königs Ludwig und des Grafen
Schlick, oder auch den böhmischen Löwen und führten daher auch den
Namen _Schlickenthaler_ und _Löwenthaler_. Lateinisch nannte man sie,
weil sie zwei Loth oder eine Unze wogen, _Unciales_, auch _Vallenses_
(_Joachimicos_) und später, nachdem sie als deutsche Reichsmünze
Geltung und Umlauf erlangt hatten, _Imperiales_ (Reichsthaler). --
König Ludwig bestätigte nicht nur im Jahre 1519 die Freiheiten, welche
Graf Stefan Schlick der Gemeinde und Knappschaft zu Joachimsthal
verliehen hatte, sondern erhob auch auf Ansuchen des genannten Grund-
und Burgherrn mittelst Majestätsbriefes vom 6. Jänner 1520 Joachimsthal
zu einer _freien Bergstadt_ und verlieh ihr alle damit verbundenen
Rechte und Freiheiten, sowie die Errichtung eines Schöppenstuhls
zur Schlichtung der zwischen dem Bergpersonale entstehenden
Rechtsstreitigkeiten. In demselben Jahre bestätigte der König auch
das Münzprivilegium des Grafen Schlick.« Trotz zweier neuerlicher
Aufstände (1523 und 1525) blühte die Bergstadt unter der vortrefflichen
Fürsorge des ritterlichen Grafen Stefan Schlick immer mehr und mehr zu
einer hochansehnlichen, reichen, dichtbevölkerten Stadt empor, die mit
tüchtiger Gemeideverwaltung und Schule ausgestattet war. Sie zählte
zur Zeit ihrer höchsten Blüthe über 1200 Häuser, gegen 12000 Bergleute,
400 Schichtmeister, 800 Steiger und 800 in Betrieb stehende Zechen.
Leider fand Graf Stefan Schlick, ein treuer und tapferer Unterthan
seines Königs, im 39. Lebensjahre seinen Tod in der unglücklichen
Schlacht bei Mohacz (29. August 1526).

Nun folgten dessen jüngere Brüder Graf Hieronymus und Lorenz, die
Joachimsthal wechselweise immer zwei Jahre beherrschten; doch kam es zu
Erbstreitigkeiten. Diese gaben den ersten Anlass, dass König Ferdinand
I. den Grafen Schlick »ihr ohnehin nicht ganz rechtmässiges Münzregal«
entzog, das nun an die Regierung kam (1528). Nichtsdestoweniger
schenkten die Schlicke in den Jahren 1530--1536 der Stadt von neuem
Grund und Boden und begannen 1534 den Bau der Kirche, »welche ohne
fremde Hilf erbaut ist« und 1537 zum Gottesdienste benützt wurde. 1545
mussten die Schlicke das Joachimsthaler Bergwerk dem König unter der
Bedingung abtreten, »dass sie sich« -- wie Mathesius sagt -- »ihres
Zehendens Erbkux und Hüttenwerks unverhindert von meniglich gebrauchen
mögen.« -- Als 1518 die Reformation im benachbarten Sachsen feste
Wurzeln fasste, fanden Dr. Luthers Lehren auch in Joachimsthal eifrige
Anhänger, namentlich in den Grafen Schlick. Lange stritten sich hier
die katholische und protestantische Partei um die Herrschaft, bis
endlich 1540 der Protestantismus den vollständigen Sieg davontrug.
In jener Zeit wirkten zu Joachimsthal: Der hervorragende Gelehrte
M. _Johannes Mathesius_ (geb. am 24. Juni 1504 zu Rochlitz in
Sachsen, gest. zu Joachimsthal den 8. Okt. 1565) erst als Rector an
der berühmten Lateinschule, dann als Pfarrer; (die Bürgerschaft hat
ihm am 24. Juni 1874 an dem Stadthause eine Votivtafel eingesetzt),
ferner _Nikolaus Hermann_, der »alte Cantor« genannt, einer der
besten Liederdichter des XVI. Jahrhunderts, als Cantor (gest. am 3.
Mai 1561 zu Joachimsthal) und endlich _Georg Agricola_, der Begründer
der Mineralogie (geb. am 24. März 1494 zu Glaucha in Sachsen, gest.
am 21. Nov. 1555 zu Chemnitz) von 1527--1530 (1533?) als Stadtarzt.
Durch den schmalkaldischen Krieg, in welchem die Joachimsthaler sich
den aufständischen böhmischen Ständen anschlossen und die Stadt
von sächsischen Truppen eingenommen wurde, büsste sie ihre alte
Blüthe ein und ging, obgleich Kaiser Ferdinand I. und namentlich
Kaiser Rudolf II. verschiedene Mittel zum Aufschwunge des Bergbaues
anwandten, immer mehr dem Verfalle entgegen, der mit dem 30jährigen
Kriege eintrat. Das protestantische Joachimsthal stellte sich bei
dessen Ausbruche auf die Seite der aufrührerischen Stände Böhmens
und wurde sammt dem Schlosse Freudenstein von dem utraquistischen
Feldherrn Mannsfeld besetzt, der aber 1621 abzog. Nach der Schlacht
am Weissen Berge (1620) trat bekanntlich die Gegenreformation ein,
und da sich der grösste Theil der Bewohner Joachimsthals zur Annahme
der katholischen Lehre nicht bequemen wollte, wanderten Tausende über
die Landesgrenze. Die letzten Auswanderungen der Protestanten fanden
1653 statt. (Vergl. Bergstadt _Platten_.) 1631 besetzten die Sachsen
Joachimsthal und die Veste Freudenstein, wohin aber schon 1632 die
Kaiserlichen eine Besatzung legten. Dieselbe vertheidigte sich 1634
gegen eine schwedisch-sächsische Heeresabtheilung so tapfer, dass sie
erst capitulirte, als die Feinde durch ihre Batterie-Kugeln das Schloss
unhaltbar gemacht hatten. Die Schweden plünderten dasselbe, überliessen
es den Flammen, wodurch es zur Ruine wurde. Schon vorher hatte sich die
arg verwüstete Stadt ergeben müssen.

Am 31. März 1873 wurde Joachimsthal durch einen schrecklichen Brand
schwer heimgesucht, so zu sagen vernichtet, denn das wüthende
Element verwandelte unaufhaltsam in fliegender Eile 309 Häuser sammt
Nebengebäuden in Schutt und Trümmerhaufen. Auch die grossartige Kirche,
»ein kunsthistorisches und archäologisches Unicum,« wurde zerstört.
Tausende hatten Obdach und Habe verloren! Bei dieser Gelegenheit hat
sich der deutsch-böhmische Dichter und Menschenfreund _Karl Viktor
Ritter von Hansgirg_, der damals Bezirkshauptmann war (geb. am 5.
August 1823 zu Pilsen, gest. den 12. Jänner 1877 zu Joachimsthal), ein
bleibendes Denkmal durch seine aufopferungsvolle, rastlose Thätigkeit
zur Milderung der Nothlage gesetzt. Seine an die Mildthätigkeit
appellirenden Worte wirkten wie ein zündender Funke, und Dank der
Staatssubvention von 500.000 fl., Dank den grossartigsten Hilfsquellen
von Seite der vielsprachigen Völker Oesterreichs und der Nachbarländer
konnte der Wiederaufbau der Stadt in überraschend kurzer Zeit
stattfinden; leider fiel derselbe aber in eine äusserst kostspielige
Bauperiode, so dass es niemand Wunder nimmt, wenn der grösste Theil der
Häuser noch schwer mit Schulden belastet ist.


Kleinere Spaziergänge.

Die Umgebung von Joachimsthal bietet eine Menge einladender und
lohnender Spaziergänge:

1. _Schloss Freudenstein_, auf der westlichen Seite der Stadt, liegt
auf dem steilen Schlossberg, der nur westwärts in eine Ebene ausläuft.
Von der einstigen festen, überaus zweckmässig angelegten Veste sind nur
zwei runde Thürme von bedeutendem Umfange und ein Stück Ringmauer übrig
geblieben. Von denselben zeichnet sich der vordere, nordöstliche durch
seine Höhe aus; er besitzt ein Laternenthürmchen mit einer Glocke und
wird von dem Stadtwächter bewohnt, welcher früh Morgens um 3 Uhr, dann
um 4 Uhr, Mittags um 11, beziehungsweise 12 Uhr, Abends aber um 7 und
8 Uhr durch Glockengeläute den Bergknappen zum Ein- und Ausfahren das
Signal geben, überdies aber bei Tag und Nacht der Stadtuhr nachschlagen
muss. Den zweiten, kleineren Thurm benützt das k. k. Bergamt als
Pulvermagazin. -- Vom Bergabhange geniesst man _eine ausgezeichnete
Uebersicht der ganzen Stadt_. »Wie im Grundrisse sehen wir sie vor
uns aufgerollt, und einem spähenden Auge entgeht kein Reisender, der
die Strasse einherwandelt; ja, selbst die von anderen Seiten über das
Gebirge herführenden Fusssteige können von diesem Punkte aus übersehen
und bewacht werden, so dass -- wie man sich gewöhnlich ausdrückt --
nicht eine Maus in die Stadt gelangen kann, ohne dass sie von dem
lauernden Wächter nicht bemerkt worden wäre.«

=Geschichtliches.= Graf Stefan Schlick legte 1518 den Grundstein zu
dem Schlosse Freudenstein, dessen Bau 1520 vollendet ward. Es lag vor
dem 30jährigen Kriege in der Mitte der Stadt, dessen oberer Theil im
Thale lag, während ein grösserer Theil hinter der Burg auf dem Berge,
wo jetzt die _Neustadt_ liegt, stand. Von dem ehemaligen Stadttheil,
hinter dem Freudenstein gegen Westen, sind jetzt nur Spuren von Mauern
und Kellern vorhanden. Es wurde Anfangs von dem Berghauptmann des
Burgherrn bewohnt, 1525 von aufständischen Bergleuten geplündert und
theilweise verwüstet, bald aber wieder hergestellt. Seit 1545 diente
es dem jeweiligen königl. Berghauptmann zur Wohnung, bis es nebst dem
oberen Theil der Stadt 1634 von den Schweden zerstört wurde. (Siehe
Näheres Geschichte der Stadt Joachimsthal.)

2. _*K. k. Cigarrenfabrik und k. k. Hüttenwerk._ Auf der
Aerarialstrasse thalabwärts betritt man die _links_ abzweigende
Gemeindestrasse, die zur Cigarrenfabrik führt. Kürzer und bei
staubiger Strasse empfehlenswerther ist der Weg längs der sogenannten
»Ziegengasse«, die von der Hauptstrasse schon beim Kaufmann Siegl
abbiegt. Die k. k. Cigarrenfabrik, ein imposantes Gebäude, liegt in
einem _höchst romantischen_ Seitenthal und beschäftigt 700 Personen.
(Anmeldung behufs innerer Besichtigung hat beim k. k. Fabriksdirektor
zu geschehen.) -- Auf der Aerarialstrasse etwas weiter abwärts gelangt
man zur _Barbara-Kapelle_ und dann zum k. k. _Hüttenwerk_, leicht
erkenntlich durch seine riesenhaften schlanken Essen. Hier werden die
_berühmten Uranpräparate_ erzeugt, die nicht nur nach den verschiedenen
Ländern von Oesterreich-Ungarn, sondern auch in's Ausland versendet
werden. (Man melde sich beim k. k. Hüttenverwalter in dem rechts von
der Strasse auf einer Anhöhe liegenden Verwaltungsgebäude an.)

3. _Zum Seilerweg._ Die früher genannte Aerarialstrasse benützend,
lenken wir von dieser beim sogenannten Badhause, jetzt Unger's
Färberei, ab und schlagen den Weg _rechts_ zu dem durch den
unvergesslichen Erzgebirgsfreund K. V. Ritter von _Hansgirg_
verschönerten _Friedhofe_ und zu der _Spital-_ oder _Todtenkirche_
mit mehreren guten Gemälden aus alter Zeit, ein. Beim Hauptthore
des Friedhofes eintretend, die _Grabdenktafel des Dechants P. Anton
Böhm_, des Verfassers einer Joachimsthaler Chronik, (gebor. 29.
Juni 1785, gestorben 14. Feb. 1862), nahezu in gleicher Richtung an
der gegenüberstehenden Mauer das einfache _Grabdenkmal des Dichters
Karl Victor R. von Hansgirg_, gesetzt von den Bezirksgemeinden. Auf
dem ebenen Seilerwege selbst entrollt sich vor unseren Augen ein
_prachtvolles, malerisch schönes Bild der Stadt_. Vor uns liegt der
ganze Marktplatz, durch dessen Mitte längs des Weseritzbaches sich
eine Allee Kastanienbäumchen windet. Dazu die die Stadt umfriedenden
Bergeslehnen mit ihren Wiesen, Feldern und Halden, das herrliche
Seitenthal der Cigarrenfabrik mit den prächtigen, dicht bewaldeten
Höhenzügen und den darauf idyllisch ruhenden Häuschen -- dies alles
gewährt wahrlich ein ebenso überwältigendes als seltenes Panorama!

4. _Zur Halde_ bei dem Einigkeitsschacht, oben sehr schöner, ebener Weg
mit herrlicher Aussicht auf die Stadt und Gebirgslandschaft.

5. _Zum Kaiser Josef-Schacht_ vom Einigkeitsschachte entlang der sog.
»Eisenbahn« dann den Weg links ab. Ist an heissen Sommernachmittagen
sehr empfehlenswerth, weil kühl und ebenfalls schöne Aussicht auf die
Stadt.

6. _Zur Johannis- und Prokopi-Kapelle._ Erstere liegt auf einer Anhöhe
an der Ostseite der Stadt und führt von ihr ein Weg zu der weiter
nordöstlich auf einem hohen Berge stehenden, weithin sichtbaren
_Prokopi-Kapelle_ mit _lohnendster_ Aussicht. Diese Kapelle, von
Feldern umgeben, ist unausgebaut geblieben und zeigt sich als Ruine.

7 _*Zum Graben und auf den Grauenstein._ Durch das Oberthal auf der
nach Gottesgab führenden Strasse aufwärts, schlagen wir, zur Rechten
eine Allee erblickend, den von derselben beschatteten Weg, »_Graben_«
genannt, ein, der uns eine _schöne_ Aussicht auf den gegenüber an der
westlichen Berglehne liegenden Einigkeitsschacht und die Halde sowie
auf die Stadt und die sie umrahmenden Bergeshöhen gewährt. Er zieht
sich um die sogen. »_Schwedenschanze_« herum. Wir schreiten weiter,
gelangen zum städt. Forsthaus »_Hut_«, wo _gute_ Aussicht auf Theile
des Mittelgebirges, betreten links den prächtigen Fichtenwald und
kommen zur _Reichen-Geschieb-Zeche_ am Widergebirge. Rechts von der
»_Hut_« über »_Rauschererb_« auf den sagenreichen »_Grauenstein_«, wo
wir eine _herrliche_ Aussicht auf die umliegende _Gebirgslandschaft_
geniessen (die schön gelegene Einschicht _Schönerz_, auch _Oelbecken_
genannt, in ihrer Thalschlucht von Wiesen umgeben, die _Cigarrenfabrik_
und _Schmelzhütte_, die _Neustadt_, das _Spitzbergel_ bei Pfaffengrün).
Rückweg durch das Thal der Cigarrenfabrik. (Vom Grauenstein aus kann
man auch weiter den _Keilberg_ besteigen. Man geht bis zur »_grünen_
Kohlstätte«, wo sich rechts der Weg nach Oelbecken, _links_ zum Press
zweigt, von wo man auf die sog. Sonnenwirbler Strasse gelangt.)


Ausflüge.

8. _*Mariasorg_ ¾ St. westsüdwestlich von Joachimsthal. Dorf mit einem
_Kapuzinerkloster_, dessen Kirche mit Gnadenbild ein _vielbesuchter
Gnadenort_ ist; ein sehr beliebter Ausflugsort der Joachimsthaler.
_Wagners Gasthaus._ -- Von dem Einigkeitsschachte führt eine steile
Gemeindestrasse südwestlich zu der Höhe hinan (»_Neustadt_«), links
liegt _Freudenstein_. Auf dem Wege einen Blick rückwärts werfend,
liegt in überraschender Tiefe Joachimsthal, während man ganz auf
der Höhe, der sog. _Mariasorger-Höhe_, eine _bezaubernde Fernsicht_
auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine
_Engelhaus_, auf das Mittelgebirge vom Königswarter Kaiserwald bis
gegen das Duppauer Gebirge, ferner einen Theil des Egergebietes erhält;
rechts streckt der _Plessberg_, links der _Koboldstein_ sein Haupt
empor. Ist unstreitig _eine der schönsten und lohnendsten Partien im
Erzgebirge_.

9. _Koboldstein._ Von der Mariasorger Höhe gelangt man südlich in
gerader Richtung zum _Koboldstein_ bei Pfaffengrün. Die Aussicht
ist zwar etwas beschränkter, wie auf der Mariasorger Höhe, aber
_deutlicher_. (Zettlitz-Karlsbader Bahnhof.)

10. _Ullersgrün_ 1½ St. (über Mariasorg s. 8). Oberhalb von Wagners
Gasthause wandern wir auf dem angenehmen Wege waldeinwärts südlich
durch den mit den schönsten Waldungen geschmückten _Wolfsberg_, die
würzigste Luft einathmend, bis zu dem schön zwischen Feldern und Wiesen
auf einem Plateau des Hahnberges gelegenen Dörfchen _Ullersgrün_. Vor
unseren Blicken entrollt sich eine _wahrhaft köstliche Rundschau_. (Von
Ullersgrün abwärts kommt man in ½ St. nach Lichtenstadt.)

11. _Spitzbergel bei Pfaffengrün_ (1 St.) Wir gehen zum
Friedhofskirchlein (siehe 3), bei dem nahe liegenden Häuschen biegt
rechts der Weg ab, von da den steilen Berg hinan, geht man dann -- die
Hauptrichtung ist südlich -- durch den Wald und sieht aus der Ferne
das mit einem Kreuze gezierte _Spitzbergel_, wo sich eine _schöne_
Aussicht bietet. (_Schönwald_, _Permesgrün_, _Ober-_ und _Unterbrand_,
_Schlackenwerth_, _Lichtenstadt_, _Zettlitz_.)

12. _*Hauenstein_ (2 St.). _a_) _Gebirgstour._ Der Fussweg nach dem
»wundersam lieblichen Hauenstein«, einem der lohnendsten Ausflugsorte
der Umgebung, führt über den sog. _Galgenberg_ nach _Arletzgrün_,
_Honnersgrün_, _Holzbach_ über _Schönwald_ nach _Hauenstein_. _b_)
_Ueber Oberbrand_, _Weidmesgrün_, _Marletzgrün_, sog. untere Holzbacher
Mühle, _Schönwald_, _Hauenstein_.

Das Schloss gleichen Namens -- von den Burgen des Egerthales ganz
allein nur bis heute bewohnbar -- ruht höchst malerisch auf einem fast
senkrecht abfallenden Basaltfelsen, dem Hauensteiner _Schlossberg_,
welcher zwischen zwei Bächen, dem Gerinne und dem Zwiesebache, aus
dem Thale sich emporhebt. »Da liegt es«, sagt _Theodor Reinwald_
(_Therese v. Hansgirg_) so poetischschön, »in's Grün gebettet, auf
Skargen und Terrassen aufsteigend, waldumgürtet, buschumweht, aus
reicher Blättermasse traut herüberwinkend, ein anspruchloses _Schloss_
im alten Gebirgsstyl, mit Riegelwänden und hohen Giebeln, über denen
sich trotzig, mit wahrhaft feudaler Grösse der alte steinerne Rundthurm
erhebt, im Volksmund der »_Bürgermeister_« genannt. Er schaut so
kühn herunter, als gehöre er einer mittelalterlichen Veste an. --
Die modernen Wirthschaftsgebäude und Beamtenwohnungen ergänzen das
Gesammtbild.« Die ganze Umgebung des Schlosses, das in neuester Zeit
durch einen Neubau vergrössert wurde, hat die frühere Grundherrin,
_Gabriele Gräfin von Bouquoi_, mit herrlichen, parkartigen Anlagen
und bequemen Wegen verschönert und in der That zu »einem Eldorado
des Egerthales« umgeschaffen. Auf dem höher gelegenen Berge thront
im gothischen Style die _Kapelle_, die der berühmte Architekt und
Professor B. _Grueber_ gebaut und der heimische Bildhauer _Max_ mit
künstlicher Steinmetzarbeit ausgestattet hat. Hier entrollt sich
dem Naturfreunde ein bezauberndes Landschaftsbild. Zu der »_Koppe_«
des östlich vom Schlossberge aufsteigenden _Eichelberges_, dessen
Waldung über 50 Baumarten enthält, gelangt man auf sehr bequemen,
serpentinartig angelegten Pfaden in ½ Stunde. »Es ist geradezu
ein Tempel voll gigantischer Säulen, unter dessen hochgewölbtem
Dach man hinanstrebt.« Von der »Koppe« erschliesst sich ein
_überwältigendes, wahrhaft malerisches Panorama_. Am Fusse des Berges
weithin das lachende, fruchtbare, mit Ortschaften gezierte, von der
Eger durchschlängelte Thal, westlich das Fichtelgebirge, östlich
Komotau, nördlich Schönwald und der Keilberg, der gigantische König
des Erzgebirges; dazu winken vier alte Ritterburgen; links das
nahe _Hauenstein_, nordöstlich auf schroffen, zerklüfteten Felsen
_Himmelstein_, südlich das hochragende, sagenreiche _Engelhaus_ und
stromabwärts _Schönburg_. Rückwärts kehrt man über den »_Seeteich_«
oder die »steile Wand« in das »_Fremdenhaus_« zurück. Dasselbe ist
im Schweizerstyl erbaut, enthält eine Restauration und gewährt vom
Balkon des Sommersalons eine herrliche Aussicht. Empfehlenswerth ist
die schattige Promenade am »_Meierrang_«, wohin man auf wohlgepflegten
Wegen gelangt. Von Hauenstein aus wird ein Abstecher auf der Strasse
in südöstlicher Richtung, dann weiter nordöstlich längs der Bahn in
dem herrlichen Egerthale nach dem Orte »*Krondorf« mit dem bekannten
Sauerbrunn allen Touristen empfohlen. Die Landschaftsbilder sind
hier sehr mannigfaltig und von überraschender Schönheit. Die hier
liegende Eisenbahnstation Wickwitz-Welchau, sowie die Station Neudau
sind Absteigestationen für den Besuch von Giesshübel-Puchstein. Für
Hauenstein selbst ist Absteigestation Hauenstein-Warta, so dass diese
Partie in bequemer Weise von Schlackenwerth oder Klösterle mit der
Bahn zu machen ist. Dann können wir den Weg in bekannter Weise nach
Joachimsthal fortsetzen.

=Geschichtliches.= Die Burg _Hauenstein_ taucht urkundlich zuerst
zu König Johanns Zeiten auf, wo sie der Ritter _Nikolaus Winkler_
lehensweise besass, der sie an das Prämonstratenser-Nonnenkloster zu
Doxan verkaufte. Dieses vertauschte 1336 die Burg an König Johann,
der sie wieder verpfändete. Hauenstein, das rasch seine Besitzer aus
verschiedenen Geschlechtern wechselte, kam endlich 1528 an Heinrich
II. Schlick von Holicz, Grafen von Passaun, und blieb bei dessen
Nachkommenschaft bis 1664, in welchem Jahre Franz Ernst Schlick das Gut
an Heinrich Julius von Sachsen-Lauenburg verkaufte, der dasselbe mit
der Herrschaft Schlackenwerth vereinigte. Seitdem erfuhr Hauenstein
mit dieser alle Besitzveränderungen. 1811 wurden die Herrschaften von
einander getrennt. Hauenstein blieb Eigenthum der k. k. Kammer und
wurde nebst Kupferberg 1836 an die kunstsinnige Gräfin Gabriele von
Bouquoi, einer Wohlthäterin des Erzgebirges, verkauft, die es ihrem
Sohne, dem Grafen Georg von Bouquoi, vererbte.

13. _Zum *Keilberg._ Indem wir auf die Tour _Joachimsthal-Gottesgab_
verweisen, von wo der Keilberg am _bequemsten_ bestiegen werden kann,
halten wir es für unsere Pflicht, die Touristen auf zwei _kürzere_,
freilich etwas steiler führende _Waldwege_ aufmerksam zu machen.
1. Vom Forsthause _Hut_ (Siehe Joachimsthaler Spaziergänge 7) nach
der _Pfarrwiese_ unterhalb der _Reichen-Geschieb-Zeche_, über's
_Pfarrknöchel_ zum _Press_ und von da auf die sog. Sonnenwirbeler
Strasse. 2. Vom Pfarrknöchel zum ärarischen _Wassergraben_ bis zum
_Unruhstollen_, von da über die _Maderwiese_ zu den _Unruhhäusern_ und
weiter zum _Keilberg_. (Man nehme einen _Führer_.)

14. _Zum Spitzberg._ Haben wir denselben erstiegen, so breitet sich
ringsum ein _reiches_ Panorama aus. Man hat im Osten vor sich das
Riesenhaupt des Keilberges, der, von unserem Standpunkte betrachtet,
wegen seiner imposanten, keilförmigen Ausdehnung nach Südost so recht
seinen Namen rechtfertigt, weiter links den Fichtelberg in Sachsen
und zwischen den beiden Giganten des Erzgebirges ganz im Vordergrunde
»auf tiefverlass'ner stiller Bergeshaide« das Städtchen Gottesgab mit
seinem Territorium. Nach Norden hin sehen wir ausgedehnte, endlose
Waldungen, nach Nordwest die Gegend bei Johanngeorgenstadt, Eibenstock
und immer westlicher die deutlichen Conturen des Fichtelgebirges. Die
_schönste_ Aussicht aber bietet sich dem Beschauer nach Süden und
Südwesten; denn der Spitzberg beherrscht beinahe die Hälfte des Egerer
Kreises. Vor uns liegen der kahle Plessberg bei Abertham, die dürre
Haide bei Wölfling und andere Punkte der Erzgebirgswelt; das Duppauer-
und Tepler-Gebirge, sowie der Kaiserwald bilden den Hintergrund des
herrlichen Landschaftsgemäldes, aus dem ein Theil von Schlackenwerth,
die nächste Umgebung Lichtenstadt's, der Grossteich, der Karlsbader
Bahnhof, die Ruine Engelhaus, Giesshübel, Tüppelsgrün und in blauer
Ferne die Gegend bei Maria-Kulm bis in die nächste Umgegend von Eger
hervortreten; ausserdem gewahrt man die Umgebung von Einsiedl und
Marienbad.


Tour:
Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten-Breitenbach-Johanngeorgenstadt.

Wir gehen auf derselben Strasse, die wir auf unserer Reise nach
Gottesgab benützten (siehe Tour Joachimsthal-Gottesgab), bei der
Dekanalkirche durch das Oberthal, wo die Berge ziemlich nahe
zusammentreten, stets bergan und treten bald oberhalb des links im
Thale einsam stehenden _Nadelhäusel's_ bei den _Gneis-Steinbrüchen_
in den herrlichen Fichtenwald, der zu beiden Seiten der Strasse uns
begleitet. Dieselbe macht kurz darauf eine Biegung nach Westen,
und wir kommen dann zu jener Stelle, wo bei einer steinernen, die
Fahrwege markirenden Säule links von der Reichsstrasse die Strasse
nach Abertham abbiegt. Wir betreten letztere, die bei allmählicher
Steigung erst eine nordwestliche, nach einer abermaligen Biegung aber
eine südwestliche Richtung einschlägt und schreiten nach ¾stündiger
Wanderung an dem rechts von der Strasse am Fusse des Werlsberges
liegenden, zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen Orte _Werlsberg_
vorbei. Schattige Nadelwaldungen erquicken noch immer Auge und
Herz. Auf der Höhe angekommen, tritt zur Linken der Wald zurück und
öffnet uns die Aussicht auf die angrenzende Wiesenflur und den etwas
entfernteren Plessberg, während er zur Rechten längs der immer mehr
sich senkenden Strasse uns noch kurze Zeit das Geleite gibt, um uns
bei seinem Scheiden den freien Blick auf das grosse, krippenartig
zerstreute Dorf _Hengstererben_, das zur Gemeinde Abertham gehört, zu
gewähren. Wir überschreiten unterhalb Abertham's eine über die rothe
Wistritz führende Brücke und erblicken links den sog. _Modersgrund_,
ein Seitenthal, das von genanntem Wässerlein durcheilt wird und sich
in mehreren Krümmungen südlich gegen Salmthal zieht, wo es in das
Wistritzthal mündet. Noch einen steilen Abhang empor, und wir sind nach
1½stündiger Tour in _Abertham_, das uns schon von der Höhe aus durch
seine Lage erfreut hat. (Wir wollen hier besonders bemerken, dass von
Joachimsthal nach Abertham ein kürzerer, freilich etwas steiler, sonst
aber empfehlenswerther Fussweg führt. Man geht zur _Neustadt_ (siehe
Joachimsthaler Ausflüge 8), schlägt daselbst bei der Kapelle den Weg
rechts ein, der hinter den Häusern sich in eine Strasse verwandelt, die
längs den _Schweizerhalden_ über den Kamm nach der _Eliaszeche_ führt;
von dort leitet ein Weg nach Werlsberg, der in die von Joachimsthal
nach Abertham führende Strasse mündet.)



Abertham.


    =Gasthöfe=: »_Hôtel zur Stadt Wien_« und »_Gasthaus zur Stadt
    Berlin_«.

    =Postamt.= _Bürgermeisteramt._

Abertham liegt an einem kleinen Bache, der Rothen Wistritz unweit am
Fusse des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Plessberges auf einem
rauhen Hochplateau, »auf welchem man an einem Abhange gleich einem
_Bethlehem_ des alten Bergstädtchens gewahr wird, dessen nette, aber
meist hölzerne Häuser krippenspielartig gelagert sind und mit dem dazu
gehörigen Orte _Hengstererben_ sich einigen.« Die Bevölkerung nährt
sich durch Viehzucht, Spitzenklöppelei und Handschuhfabrication. Auch
hier werden, wie in Bärringen, junge Gimpel aufgezogen und mit ihnen
passende Melodien eingeübt, was den Züchtern jährlich ein hübsches
Geldsümmchen einbringt.

=Sehenswürdigkeiten.= _Handschuhfabrik_ des Alois Chiba. Die St.
_Mauriz-Zinn-Zeche_ (bei Hengstererben). Abertham, das seine Entstehung
dem 1529 hier beginnenden Bergbau verdankte, gehörte zu Joachimsthal
und theilte mit dieser Stadt bis in's XVII. Jahrhundert Gutes und
Böses. Am ergiebigsten war die Silberausbeute in den Jahren von
1531--1558. Die St. Lorenz-Fundgrube soll bis 1562 allein für 209.992
Goldgulden Ausbeute an Silber geliefert haben.

=Besteigung des Plessberges.= Dieser Berg, der wegen seiner
_herrlichen_ Aussicht des Besuches werth ist, hat eine Höhe von 1025 m.
Er liegt südöstlich von Abertham und kann von einem rüstigen Fussgänger
in ¾ Stunden erreicht werden. Sein Plateau ist ziemlich eben, mit einer
_Triangulirungspyramide_ versehen und von drei Seiten zugänglich,
und zwar: von Seite des sog. _Mühlberges bei Abertham_ (dies ist der
_kürzeste_ Weg, doch _verweichlichten_ Touristen wegen vieler nassen
Wiesen nicht zu empfehlen), _durch den Modersgrund über Oberkaff_ (Kaff
liegt am Gehänge des Plessberges, gegen das Wistritzthal) (dies ist
der beste Weg) und über die sogenannte _weite Wiese_ (diese liegt in
joachimsthaler städt. Waldungen und befindet sich unweit Werlsberg ein
Hegerhaus.)

Wir erblicken gegen Norden und Nordwesten: Abertham mit Hengstererben,
die Kirchthürme und einige höher gelegene Häuser von Bärringen
und Platten. (Die Aussicht in weitere Ferne wird durch bewaldete
Berge gehemmt); gegen Nordosten und Osten bietet sich dem Auge ein
coupirtes, mit Waldungen bedecktes Terrain dar, aus dem einzelne
Häuser von Werlsberg, Werlsgrün und Mariasorg wunderschön hervorlugen;
der Spitzberg (rechts davon der Kirchthurm von Gottesgab) und der
Keilberg schliessen die weitere Aussicht ab. Die reichste und
lohnendste Fernsicht ist gegen Südost und Süden, denn in diesen
Richtungen erschliesst sich ein prachtvolles Landschaftsbild bis auf
5 Meilen Entfernung. Deutlich sichtbar ist: Kaff, Lindig, Ullersgrün,
Pfaffengrün, Schlackenwerth mit den umliegenden Dörfern (Liditzau,
Müritschau, Permesgrün, Neudau, Elm, Haid, Langgrün und Gfell),
weiterhin Karlsbad mit den Dörfern (Zettlitz, Dallwitz, Hohenhof),
dann die reichbewaldete Berglehne zwischen Karlsbad und Puchstein
(Giesshübler Sauerbrunn) mit der Ruine Engelhaus. Bei reinem Wetter
oder nach einem Gewitterregen kann man mit einem halbwegs bewaffneten
Auge die Fenster des Schlosses zu Giesshübel zählen und sieht in
weitester Ferne Gabhorn (bei Petschau) und eine Menge umliegender
Dörfer, darüber hinaus das Tepler Gebirge mit dem branischauer Berge
bei Theusing, dem prohomuter Berge, der wie eine Brille sieht, der
Stenzka zwischen Neumarkt und Tepel und dem Podhorn bei Marienbad,
ferner viele zerstreut liegende Ortschaften gegen Duppau. Die Fernsicht
gegen Prag zu hemmt der Oedschlossberg bei Duppau, die _höchste Kuppe
des Buchwaldes_, und der Gross(Heu)berg bei Jokes. Leider beschränkt
der Glasberg mit den wöflinger Waldungen die Aussicht gegen Westen und
Südwesten gänzlich, bei hellem Horizonte aber sind bewaldete Kuppen
bemerkbar, die wohl höher gelegene Berge bei Königsberg oder auch
Theile des Fichtelgebirges sein mögen.

Oberhalb der Stadt Abertham, der sich fast unmittelbar der Ort
_Ober-Fischbach_ anreiht, führt die Strasse auf dem öden, rauhen
Plateau zwischen Wiesen, Hutweiden und Mooslagern, senkt sich
dann, und wir gelangen in ½ Stunde nach _Bärringen_. (Siehe Tour
Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.)

Von Bärringen nimmt die Strasse bei mässiger Steigung eine nördliche
Richtung, wir durchschreiten bald einen Wald, an dessen Saume wir bei
der sog. Plattner Säule die Anhöhe erreichen. Von hier erblicken wir
die Stadt _Platten_, die wir bei allmählicher Senkung der Strasse nach
½stündiger Tour betreten. (Denjenigen Touristen, die Bärringen bereits
kennen, sei der von Abertham direct nach Platten zwischen Wiesen und
Feldern führende Fussweg der Kürze wegen besonders empfohlen; er
zweigt in Abertham rechts von der Strasse ab und mündet unterhalb der
Plattersäule wieder in die Strasse. Siehe Tour Neudek-Platten.)

Durch die Kaisergasse in Platten geht die Strasse westlich, wendet
sich bald mehr nordwestlich und führt in mehreren Windungen durch ein
schönes, anmuthendes Waldthal, das der Breitenbach durchfliesst, nach
dem Dorfe _Breitenbach_ (¾ St.). Auf dem Wege dahin sehen wir die sog.
_Heinrichssteinfelsen_, 3 Mühlen und 2 Holzschleifereien des Friedrich
Karl _Richter_ und _Weizmann_ (Hahns Gasthaus zur Sonne).


Seiten-Tour Joachimsthal-Spitzberg-Seifen-Irrgang-Zwittermühl-
Jungenhengst-Wittigsthal.

Man geht auf der Strasse nach Abertham bis zum Wegweiser, der uns die
_rechts_ zum _Spitzberge_ (1½ St.) und von da nach _Försterhäuser_ (¼
St.) und nach _Seifen_ (¼ St.) führende Strasse angibt. Letzterer Ort
liegt am Wassergraben (siehe Platten). Nun geht man entweder direct
nach _Zwittermühl_ (½ St.), das am Schwarzwasser liegt, oder betritt
die über _Irrgang_ (Eisenwerk) dorthin leitende Bezirksstrasse. Von
Zwittermühl führt die Strasse durch das *_reizende Schwarzwasserthal_
nach _Jungenhengst_, _Brettmühl_ und Wittigsthal (Sachsen).


Tour Joachimsthal-Gottesgab-Weipert.

Von Joachimsthal führt über Gottesgab nach Weipert eine gute Strasse.
(4 St.) Wir schlagen entweder die rechts bei der Dekanalkirche
vorüberleitende Strasse ein, oder gehen an der links davon befindlichen
Häuserreihe den Weg durch das Oberthal aufwärts, der sich bei den
letzten Häusern mit der Strasse vereinigt. Diese geht nur noch eine
kleine Strecke thalauf (der Fussgänger verfolge den Thalweg bis
zur Strasse weiter), erklimmt in zwei Windungen die Berglehne und
führt durch prächtige Waldungen auf den rauhen, moorreichen Kamm
des Gebirges; wir schneiden aber kurz nach Eintritt in den Wald
die vielfachen Krümmungen der Strasse ab, indem wir den rechts
abzweigenden, stark betretenen, aber etwas steil ansteigenden Fussweg
wählen, der auf dem Plateau am Ende des Waldes in die Strasse mündet,
die uns endlich nach einstündiger Tour nach Gottesgab bringt.



Gottesgab.


    =Gasthöfe=: »_Zum grünen Haus_« und »_Zur Stadt Berlin_«.
    (Beide an der Strasse, ersterer zur Linken, letzterer zur
    Rechten).

    =Postamt= (an der Strasse).

    =Aemter=: _Bürgermeisteramt_ (am Marktplatze). _Zollamt._


Beschreibung und Geschichte der Stadt.

Die kön. Bergstadt Gottesgab liegt auf einem überaus stiefmütterlich
ausgestatteten, unwirthbaren und frostig-rauhen Moor-Plateau hart an
der sächsischen Grenze, 1015 Meter ü. M., und ist die höchstgelegene
Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Auf dieser baumlosen,
öden Hochfläche, auf welcher nur ein dürftiger, doch sicherer Graswuchs
fortkommt, wird der Hafer selten reif, und der Kartoffelbau, der in
manchen Jahren ganz misslungen ist, lohnt kaum die Saat und Pflege;
daher beschränkt sich die Landwirthschaft fast ausnahmslos auf die
_Viehzucht_. Das Städtchen, welches sehr regelmässig angelegt ist und
einen grossen, quadratischen Marktplatz besitzt, zählt 1600 Einwohner,
die grösstentheils auf Hausindustrie angewiesen sind. Die weibliche
Bevölkerung beschäftigt sich hauptsächlich mit Spitzenklöppeln,
Weissnäherei u. dgl., auf die männliche aber, von der ein Theil
Weissstickerei betreibt, lässt sich Schiller's Wort: »Der Mann muss
hinaus in's feindliche Leben« im weitesten Sinne anwenden; sie zieht
hinaus in die Welt, um durch Musik und Handel das Brot zu verdienen.
»Fahrende« Musikkünstler aus Gottesgab sind in aller Herren Ländern
zu finden. Ursprünglich hiess das Städtchen _Wintersgrün_, erhielt
aber seiner reichlichen Silbererze wegen von frommen und dankbaren
Bergleuten den bedeutungsvollen Namen Gottes Gabe. Der Sage nach soll
dieser Namen von Johann Friedrich, Churfürsten von Sachsen, herrühren,
dem man bei einem Besuche einen aus einer Silberstufe ausgehauenen
Sessel zum Niedersetzen vorgesetzt habe. Der fromme Churfürst habe
aber dieses Anerbieten mit den Worten abgewiesen: »Das sei Gottes
Gabe, und so soll die Stadt hinfüro genannt werden.« _Sehenswerth_
sind: »_Die Klöppelschule_«, gegründet von dem thatkräftigen
»Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhm. Erz-
und Riesengebirgsbewohner«, und _zwei Maschinenstickerei-Fabriken_ des
_Karl Günther_ und _Günther und Schönfelder_. Seine Entstehung verdankt
Gottesgab dem Silberbergbau; ein Herr von Tetau soll es im Anfange des
XVI. Jahrhunderts angelegt haben. Im Jahre 1532 begann der Bergbau auf
Silber. Der Churfürst Johann Friedrich von Sachsen gab der Stadt 1534
eine Bergfreiheit und 1546 das Privilegium als eine freie Bergstadt.
Kraft eines im Jahre 1556 mit Moriz von Sachsen abgeschlossenen
Vertrages kam Gottesgab an Böhmen.

Wie an vielen anderen Orten des Erzgebirges ist auch hier der ehemals
blühende Bergbau ganz eingestellt; nur Halden, Pingen, Stollen zeugen
von einstigen unterirdischen Metallschätzen. Die am 4. Mai 1808
ausgebrochene Feuersbrunst legte 142 Häuser sammt dem Rathhause, der
Pfarrei und Schule in Asche. Dadurch verarmten viele Bewohner, die
überdies durch die grosse Theuerung i. J. 1817 viel Ungemach zu leiden
hatten. Nur die wohlthätige Unterstützung Böhmens rettete die Stadt vor
Hungersnoth. Bei dieser Gelegenheit erwarb sich der damalige Pfarrer
von Gottesgab, _Franz Wilhelm Tippmann_, später Weihbischof des Prager
Domcapitels, bedeutende, unvergessliche Verdienste. Derselbe stiftete
auch, durchdrungen von wahrer christlicher Nächstenliebe, ein Spital.
-- Gottesgab ist die Geburtsstätte mehrerer verdienter Deutschböhmen:
_Thaddäus Peithner_ war k. k. Hofrath, _Johann Theodor Anton Peithner
Ritter von Lichtenfels_ war Bergrath und Bergwerkshistoriker
(gest. 1792) und _Josef Köhler_ starb als General-Grossmeister des
Kreuzherrenordens zu Prag.

=*Besteigung des Keilberges.= (¾ St.) Etwa 300 Schritte oberhalb
des Zollschrankens zweigt von der Kaiserstrasse zu unserer Linken
eine Strasse über Sächs. Wiesenthal nach Annaberg in Sachsen ab.
Auf ersterer in südöstlicher Richtung weiterschreitend (falls man
nicht schon früher einen rechts von der Strasse führenden, sehr
empfehlenswerten _Wiesenweg_, der bis zu den Sonnenwirbelhäusern
leitet, gewählt hat), erblicken wir geradeaus die drei
Sonnenwirbelhäuser, die höchsten Wohnungen des Erzgebirges. Immer
bedeutender wird die Steigung der Strasse; nach ¼stündiger Wanderung
nähern wir uns dem Sonnenwirbel (so wird gewöhnlich die westliche
Kuppe des Keilberges genannt), dessen nördliche Abdachung nur mit
spärlichem Fichtenbestand bedeckt ist; nach unten zieht sich der
sog. _Kaltewintergrund_ hin, der wohl die traurigste Gegend des
Erzgebirges ist; denn auf der Mitternachtseite, wo selten oder nie
ein Sonnenstrahl in diese beinahe unheimliche Schlucht dringt,
liegt selbst im Juni noch Schnee. Und doch findet sich daselbst
eine Ansiedlung, der »_Kalte Winter_«, im Volksmunde »_Böhmisch
Sibirien_« genannt. Die Bewohner dieser Einschichte können bei
schrecklichen Schneestürmen oft acht Tage lang nicht aus dem Hause,
und es wäre fürwahr tollkühn, wenn sie sich aufs Geradewohl durch
die klafterhohen Schneemassen einen Weg bahnen wollten. Noch eine
kurze Strecke aufwärts und es entrollt sich vor unseren Blicken ein
überraschendes Panorama. Südlich vor uns breitet sich ein imposantes
Seitenthal aus, dessen schützende Lehnen mit stattlichen Wäldern
bedeckt sind. Hier in nächster Nähe fristet die verkrümmte Fichte, ja
sogar die sonst zähe Eberesche ein kümmerliches Dasein und dort unten
im Thale strecken Tannen, Lärchen, Birken und Buchen ihre Häupter
stolz empor. Welch ein Contrast! Den Hintergrund der herrlichen
Scenerie bildet das grossartige Gebäude der Joachimsthaler k. k.
Zigarrenfabrik. Nach einigen Minuten zeigt uns ein _Wegweiser_ mit
der Aufschrift »Zum Keilberg« an, dass wir die Strasse verlassen und
einen gut erhaltenen _Fahrweg_ betreten müssen, der uns bis _auf die
höchste Kuppe des Keilberges_ führt. »Dieser Höhenpunkt, der _höchste
im Erzgebirge_, bildet gewissermassen den _Hauptstock_ des ganzen
Gebirges; einen _Gebirgsknoten_, von welchem dasselbe in nordöstlicher
und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich
zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast _das Ansehen eines
Hochgebirges_ erhält.« Diese Bezeichnung kommt vorzugsweise dem steilen
südlichen Abfalle oder Joche des Keilberges zu, auf welchem sich
mehre Kuppen mit abfallender Höhe, am bedeutendsten der _Leerberg_,
die Kuppen bei Dornberg und bei Marletzgrün, dann die Berge bei
Hauenstein (der Hauensteiner _Schlossberg_, westlich von ihm der
_Maierrang_ und östlich der _Eichelberg_) hervorheben. Der Fuss dieses
Gebirgsjoches wird unmittelbar von der Thalebene (Egerthal) begrenzt,
aus welcher es plötzlich sehr schroff emporsteigt. Westlich ist es
durch das tief eingeschnittene _Weseritzthal_ begrenzt, in welches
einige enge, von hohen, steilen Gehängen eingefasste Seitenthäler
einmünden. Diese steilen Abhänge und hohen Gehänge der engen Thäler,
die Gruppirung ansehnlicher Kuppen, welche in ihrer Zusammensetzung
einander überragen, geben ihm hier mehr als an einer anderen Stelle
seiner Verbreitung das Ansehen eines »Hochgebirges.« Die bedeutendsten
Höhenpunkte, welche sich um den Keilberg gruppiren, sind: (im Norden)
der _Fichtelberg_ (jenseits der Landesgrenze), der _Gattersberg_
(zwischen Stolzenhahn und Wiesenthal), der _Hofberg_, der _Riegelberg_,
der _Grosse_ und _Kleine Wolfsberg_ (nordöstl. von Stolzenhahn) und der
_Blaselsberg_ (zwischen Stolzenhahn und Kupferberg); (im Osten) der
_Wirbelstein_ (nördlich vom Hauensteiner Forsthause), der _Eisenkopf_
und der _Buchberg_; (im Süden) die _hohe Wiese_, weiter abwärts der
_Schobert-_ oder _Schubertberg_ und westlich von diesen der _Hohe
Berg_ und der sagenreiche _Graue Stein_, von welchen beiden dann die
Gehänge dieser Bergmasse in Absätzen in das Thal abfallen; (im Westen)
der _Spitzberg_ (bei Gottesgab), der _Steinhübel_ (bei Irrgang), der
_Plattenberg_ (östl. von Platten), der _Buchberg_ (westl. von Platten);
(im Nordwesten) der _Kaffberg_ und der _Mückenberg_ (bei Goldenhöhe).

Den höchsten Punkt des Keilberges krönt ein 21 Fuss hohes, einfaches,
_aber sehr fest_ und _praktisch gebautes Aussichtsobject_, das der
Erzgebirgsverein in Joachimsthal im Jahre 1880 errichtet hat. Haben wir
die zweite Terrasse dieses Objectes bestiegen, so eröffnet sich uns
eine _umfassende, wahrhaft grossartige, überwältigende Rundsicht_, die
uns unwillkürlich an die vortrefflichen Worte _Karl Egon_ von _Eberts_,
des hochgefeierten Altmeisters der deutsch-böhmischen Dichter, erinnert:

    »Ihr Berge, stolze Berge, du schwarze Wäldernacht,
    Ihr golderfüllten Ströme, ihr Au'n in grüner Pracht,
    Ihr sanft gewölbten Hügel im blumigen Gewand,
    Euch nenn' ich freudig rufend, mein _schönes_ Vaterland!«

In nächster Nähe streben dicht an einander gereiht, wie Mastbäume die
schlank gewachsenen Fichten und Tannen des prächtigen _Schwarzwaldes_
(die ausgedehnten, herrlichen Waldungen, am Südabhange des Keilberges
führen diesen Namen) empor, an den sich weithin nach den verschiedenen
Richtungen die gewaltige Waldregion, ein förmliches Forstmeer, der
mannigfaltigen Höhenzüge mit ihren Kuppen anreiht; denn der Blick
schweift bei heiterem Himmel über das ganze (besonders das böhmische)
Erzgebirge vom Böhmerwalde und Fichtelgebirge bis an das Riesengebirge,
eine wundervolle Aussicht, wie sie in solchem Masse _kein_ zweiter
Punkt im ganzen Erzgebirge bietet. In südöstlicher Richtung sehen wir
die Städte: Saaz, Kaaden, Klösterle und viele grössere und kleinere
Ortschaften (mit einem guten Fernglase sieht man bei heiterem Himmel
sogar den historischen weissen Berg bei Prag); östlich gewahren wir
zunächst Kupferberg mit dem kegelförmigen Kupferhügel (letzterer
ist gegen unseren Standpunkt verschwindend klein) und in weiterer
Entfernung links Dörnsdorf, Reischdorf, die Kirchthurmspitze von
Pressnitz. Ganz im Hintergrunde erblicken wir die Kuppen des herrlichen
böhmischen Mittelgebirges mit dem Milleschauer. Gegen Norden verdecken
die beiden Fichtelberge die Aussicht nach Sachsen, doch ist diese
nach Nordost lohnend. (Schmiedeberg, Jöhstadt, Weipert, Annaberg);
der Bahnhof von Weipert, die Kirche von Annaberg und die imposante
Volksschule in Schmiedeberg sind mit freiem Auge sichtbar. Gegen Süden
bemerken wir das Duppauer Gebirge mit der Ruine Engelhaus, den Bahnhof
von Karlsbad, ferner Schlackenwerth und das liebliche, reizvolle
Egerthal, im Südwesten im Hintergrunde den Dillenberg bei Eger, den
Kaiserwald, im Westen das Fichtelgebirge mit dem Hainberge bei Asch.
Bei dieser Darlegung wurde nur das Wichtigste hervorgehoben, denn alle
einzelnen Punkte dieses _farbenprächtigen Panoramas_ zu schildern,
lässt der Raum des Buches nicht zu, zudem wir in anderer Beziehung des
Keilberges gedenken mussten. Erhaben und schön ist auf diesem Berge
die Beobachtung des _Sonnenaufganges_. (Der Botaniker findet Moose und
Vorboten subalpiner und selbst alpiner Pflanzen).

Um unsere beabsichtigte Tour zu vollenden, kehren wir wieder bis zum
bekannten Wegweiser zurück, wo wir die nach Weipert führende Strasse
weiter verfolgen; dieselbe zieht sich anfangs einige hundert Schritte
auf der Ebene dahin, senkt sich dann allmählig, und wir sehen plötzlich
bei einer Biegung ein malerisches Bild. Wie hingegossen liegt das
sächsische Städtchen _Oberwiesenthal_ vor uns, das bloss durch die Pöhl
von _Böhmisch-Wiesenthal_ getrennt ist. Man wird nicht satt, dieses
Bild zu betrachten, immer wieder zieht es das Auge des Touristen auf
sich. Wir steigen indess tiefer und gelangen zu den _Hofberghäusern_
mit dem anständigen Gasthof »_Hofberg_« (Hier biegt, rechts die Strasse
nach Kupferberg, links nach Böhmisch-Wiesenthal ab). Nachdem wir durch
eine kleine Erfrischung uns erquickt haben, schreiten wir auf der
Strasse bei kaum wahrnehmbarer Senkung zur rechten Seite des grossen
Dorfes _Stolzenhahn_ hin und erreichen nach einer ½stündigen Wanderung
durch eine zu beiden Seiten der Strasse liegende liebliche Waldung
_Böhmisch-Hammer_, wo sich _rechts_ die Strasse nach _Schmiedeberg_
abzweigt. (Gleich oberhalb des Dörfchens ist ein ansehnlicher _Viaduct_
der Buschtěhrader Zweigbahn Komotau-Weipert bemerkenswerth.) An der
Strasse selbst liegt der ansehnliche _Gasthof_ »_zum Schlössl_.« Immer
näher zieht sich dieselbe an der Landesgrenze auf der Ebene dahin
und wir erblicken bald auf böhmischem, bald auf sächsischem Boden
ein Gehöfte, eine Mahl- oder Papiermühle, ein Gasthaus u. dgl., was
uns eine annehmbare Abwechslung gewährt. Wir merken kaum, dass wir
uns schon _Weipert-Neugeschrei_, der Vorstadt Weiperts, nähern. Hier
liegen die Häuser einzeln gebaut, zu beiden Seiten der Strasse. Von
_Gottesgab_, noch besser von _Försterhäuser_ (siehe oben), können wir,
in Försterhäuser unweit des Forsthauses abbiegend, eine prächtige
Seitentour ausführen. Wir gehen auf einer guten, durch herrliche
Wälder führenden Strasse oder auf einem Fusswege am Goldenhöher
Forsthause vorüber in das idyllisch gelegene Dorf _*Goldenhöhe_,
dann nach der sogenannten _böhmischen Mühle_ und von da weiter nach
Sachsen. Dieser, zwei Stunden bis zur Grenze in Anspruch nehmende
Weg ist herrlich. Die schönen, wohlgepflegten Waldbestände erwecken
die Bewunderung jedes Touristen. Es ist eine ächte Gebirgswanderung.
Bei der genannten Mühle öffnet sich das Thal, vom reissenden
Pöhlbach durchbraust; wir überschreiten die Grenze, durchwandern das
industriereiche, an beiden Abhängen des erweiterten Thales romantisch
gelegene Dorf _Rittersgrün_ und kommen in ¾ Stunden in _*Globenstein_
an, wo die höchstinteressanten Felsgebilde unsere Aufmerksamkeit
erwecken. Fortsetzung der Tour über _Crandorf_ oder _Raschau_ nach
_*Schwarzenberg_. Herrliche Partie!



D. Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus.



Komotau.


    =Gasthöfe=: Scherbers Hôtel (Nr. 98 in der Frohngasse).

    Hôtel Reiter (Nr. 14, 15, Ringplatz).

    Städtisches Schiesshaus inmitten des neuen, sehenswerthen
    Stadtparkes (nördlich der Stadt) gelegen, sehr beliebter,
    besonders im Sommer reich besuchter Ausflugsort der
    Stadtbewohner.

    Hôtel Adler Nr. 16 am Marktplatze, Eck der Steingasse.

    Gasthof zum grünen Baum in der Bahnhofstrasse.

    Städtischer Lagerkeller (Nr. 1 Weinberggasse), schön gelegen,
    mit einem grossen Garten und herrlichen Blick auf die Stadt und
    das Gebirge.

    Güttler's Restauration (Schäfergasse Nr. 7) schöner Garten mit
    Gartenhaus und gedeckter Kegelbahn.

    =Restauration= am Bahnhofe.

    Weiter sind noch erwähnenswerth: Gasthof zum Bahnhof in der
    Bahnhofstrasse, »Gasthaus zum Schiefer« in der Prager-Strasse,
    »Austria« in der Weinberggasse (Lokal des Lesekasinos),
    Städtische Restauration (genannt »Criminelle«), »Binders
    Weinhandlung« in der Herrengasse.

    =Aemter=: 1. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft; 2. das k.
    k. Bezirksgericht; 3. das k. k. Revier-Bergamt; 4. das
    k. k. Steueramt; 5. das k. k. Grenz-Inspektorat mit der
    k. k. Finanz-Wachkontrolsbezirksleitung und dem k. k.
    Hauptzollamte; 6. das k. k. Postamt am Schulplatz; 7. das k.
    k. Telegraphenamt in der k. k. Bezirkshauptmannschaft; 8.
    das k. k. Aichamt; 9. das k. k. Gendarmeriepostenkommando;
    10. die Komotau-Sebastiansberger Bezirksvertretung; 11. das
    Bürgermeisteramt.

    =Lehranstalten=: 1. das Communal-Obergymnasium; 2. die k.
    k. Lehrerbildungsanstalt; 3. die mechanisch-technische
    Lehrwerkstätte des k. k. Handelsministeriums; 4. die
    Bürgerschule und 5. die Privatvolksschule der Schwestern vom
    hl. Kreuz mit Pensionat.

    =Verkehrsanstalten.= 1. die k. k. priv. Aussig-Teplitzer
    Eisenbahn; 2. die ausschl. priv. Buštěhrader Eisenbahn; 3. die
    k. k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn; 4. die Pilsner-Priesner
    Eisenbahn.

    Zwei Lesezimmer a) das der Gesellschaft »=Casino=« b) das der
    =Ressource=. Eingeführte Fremde haben Zutritt. Die Buchhandlung
    von A. _Stumpf_ am Marktplatz ertheilt allen Touristen über
    den Gebirgsverein, Führer in's Gebirge u. s. w. Auskünfte; 2.
    Buchhandlung von _Mändl_.

=Sehenswürdigkeiten.= 1. Die Stadtkirche. Der gothische Hauptbau
stammt aus dem Jahre 1542; in früheren Jahren, etwa 400 Jahre zuvor,
stand an diesem Orte eine kleine Kirche; der jetzige Hauptaltar
wurde 1723 erbaut; sehenswerthe, kunstvolle Bilder am Kreuzaltare
sind die der hl. Bonaventura und des hl. Franz von Assisi. In der
Taufkapelle dieser Kirche erweckt besonders Interesse das merkwürdige,
künstlerisch-werthlose Žižka-Bild, welches die Verheerung der Stadt
durch die Hussiten darstellt. 2. Die *St. _Ignaziuskirche_ oder
Jesuitenkirche genannt an der Südseite des Marktplatzes, die grösste
und schönste Kirche Komotaus und im italienischen Baustyl des 17.
Jahrh. erbaut; die Kirche und die jetzt als Kaserne dienenden
Nebengebäude bildeten einst das Jesuitencollegium, das 1773 aufgehoben
wurde. Den Hochaltar dieser Kirche schmückt in seinem oberen Theile ein
Kunstgemälde, darstellend Gott-Vater im Kreise seiner Engelschaaren.
Lanfranco, ein Schüler der florentinischen Schule, malte es. Das
Hauptbild des Hochaltars, gemalt vom Meister Kandler in Prag, stellt
den hl. Ignatius vor; unter dem Presbyterium ist die Jesuitengruft. Die
zweite Seitenkapelle rechts birgt die irdischen Ueberreste des 1681
verstorbenen Johann Grafen von Hrzan, k. k. Statthalters von Böhmen.
Auf dem Seitenaltare des hl. Viktor befinden sich die Reliquien dieses
Heiligen, mit welchen und zu deren Verehrung die Jesuiten ehemals
jährlich eine Procession durch die ganze Stadt hielten. 3. Das Schloss,
jetzt städt. Rathhaus, auf der Westseite des Marktplatzes, einst der
Wohnsitz von Komotaus Oberherrn, dürfte in seinem noch bestehenden
Bau 1520 errichtet worden sein. Gegenwärtig befindet sich darin das
Bürgermeisteramt, die Sparkasse, das städtische Forstamt, ein Turnsaal
u. s. w. 4. Die Katharinenkirche, dem Schlosse angebaut, darum auch
Schlosskirche genannt, ist das älteste Baudenkmal Komotaus. Schon 1383
wird bei derselben unter anderen einer Frühmessstiftung Erwähnung
gethan. Unter Kaiser Josef II. wurde die Kirche Eigenthum der Stadt;
jetzt dienen ihre Räumlichkeiten verschiedenen privaten Zwecken.
Die Bauart spricht für das 14. Jahrhundert. 5. Die Spittelkirche
oder Kirche vom hl. Geist in der Gerstnergasse; sehenswerth ist ein
kunstvolles Bild, darstellend den hl. Josef. 6. Gleich darunter
steht die in den fünfziger Jahren erbaute protestantische Kirche.
Die Juden-Synagoge, erbaut 1876, befindet sich in der Weinberggasse.
7. Das Gymnasium, ein schöner Bau mit einem Thurme (ehem. Sternwarte
der Jesuiten), am linken Ufer des Assigbaches gelegen, angrenzend an
die Jesuitenkirche. 8. Das Pädagogium, südlich ausserhalb der Stadt
gelegen, früher das städtische Spital; die technische Lehrwerkstätte
im unteren Ende der langen Gasse; die Eröffnung der Anstalt fällt in
das Jahr 1874 und ist in ihrer Art die einzige in ganz Oesterreich
und Deutschland. 9. Die Bürgerschule für Knaben und Mädchen unweit
der Stadtkirche gelegen mit 19 Classen. 10. Die umfangreichen Gebäude
der Schwestern vom hl. Kreuz mit einer 7classigen Privatvolksschule
mit Oeffentlichkeitsrecht in der unteren langen Gasse. 11. Der nach
englischem Muster angelegte Stadtpark, nördlich der Stadt, gehört zu
den beliebtesten Spaziergängen der Komotauer.

=Kurze Beschreibung der Stadt.= Die königliche (1605) Stadt Komotau
zählt über 700 Häuser mit einer Bevölkerung von 10100. Sie liegt am
Fusse des Erzgebirges, zu beiden Seiten des Assigbaches, inmitten von
Obst- und Gemüsegärten. Die Stadt hat 5 Jahrmärkte und wöchentlich 3
Märkte, betreibt lebhaft Obst- Getreide- und Gemüsehandel; merkwürdig
ist das Gedeihen der edlen Kastanien in der Nähe von Komotau.
Von Komotau führen mehrere Strassen auswärts: Die Leipziger oder
Kaiserstrasse durch die Bahnhofstrasse in nordwestlicher Richtung
nach Sachsen; die Prager Strasse durch die lange Gasse in südlicher
Richtung über Postelberg, Laun nach Prag. Eine andere Strasse führt
durch die Weinberggasse nach Görkau; die Kaadner Strasse durch die
Bahnhofstrasse, beim Gasthause zum grünen Baum von der Leipziger
Strasse abzweigend, führt beim Bahnhofe vorüber in westlicher Richtung
nach Kaaden. Auch führt eine Bezirksstrasse in südlicher Richtung
nach Eidlitz, eine in nördlicher Richtung übers Gebirge nach Platten,
Kallich gegen die sächsische Grenze.

=Geschichtliches.= 1252 tritt der Name Comotov in den Urkunden auf;
jedenfalls war da Komotau ein Dorf, das sich um eine Veste gruppirte;
dieselbe stand an dem Orte, wo jetzt das Rathhaus und das Bräuhaus
steht; im selben Jahre wird der deutsche Ritterorden als Herr des
Marktes Komotau genannt. Von 1353 an erscheint Komotau als Stadt. Diese
litt 1418 durch eine Feuersbrunst grossen Schaden. Ein Schreckenstag
für Komotau war der 14. März 1421, an welchem die Stadt durch die
Hussiten erstürmt wurde; die gesammte katholische Bevölkerung wurde
grässlich hingemordet; nur 30 Einwohner wurden verschont, um ihre
todten Mitbürger zu begraben. Kaiser Sigismund belohnte später die
Lobkowitze mit Komotau. Bereits im Jahre 1456 wird Johann Czalta von
Steinsberg als Herr von Komotau genannt. Durch Erbrecht ging die Stadt
in den Besitz der Herren von Weitmühl über, wurde im Jahre 1560 an
Erzherzog Ferdinand, Gemahl der Philippine Welser, und von diesem im
Jahre 1571 an die Familie der Lobkowitze von Hassenstein verkauft. Zur
Zeit der Reformation fand die neue Lehre hier Eingang. Georg Popel von
Lobkowitz berief aber die Jesuiten zur Vertreibung des Protestantismus,
der auch schliesslich wieder unterging. Derselbe Herr von Komotau trug
sich auch mit dem Plane um, in Komotau eine Universität zu errichten;
er fiel aber beim Kaiser in Ungnade und endete als Gefangener 1606
durch das Henkerbeil sein Leben in Elbogen. Die Güter Georgs von
Lobkowitz gingen nun an den Staat über; dieser verkaufte ein Dritttheil
dieser Güter an die Komotauer Bürgerschaft, welche dadurch von aller
Oberherrschaft frei wurde. Der dreissigjährige Krieg machte sich in
seinen traurigen Folgen auch in Komotau und Umgebung bemerkbar; am
ärgsten hausten die Truppen des schwedischen Generals Pfühl in Komotau.
Es wird erzählt, dass viele angesehene Komotauer Bürger der Tortour
(Schwedentränkel) unterworfen wurden, um Geld von ihnen zu erpressen.
Es sollen 160 Wagenladungen geraubter Gegenstände von den Schweden
fortgeführt worden sein. Schon 1651 hatte sich der Wohlstand Komotaus
so weit gehoben, dass es seinen Grundbesitz vergrössern konnte. Unter
den höchsten gekrönten Häuptern, die Komotau im Laufe der Jahre mit
einem Besuche beehrten, seien genannt: 1703 der König Karl von Spanien;
derselbe übernachtete im Rathhause; 1771 der unvergessliche Josef II.;
1813 begaben sich die drei verbündeten Monarchen über Komotau nach
Leipzig, um die Völkerschlacht zu schlagen. In demselben Jahre wurde
in Komotau ein Haupt-Lazareth errichtet. In neuerer Zeit hat sich
Komotau dadurch, dass es Knotenpunkt von vier Eisenbahnlinien wurde,
sehr gehoben. Der vielen Schulanstalten wegen wird Komotau »Schulstadt«
Westböhmens genannt. Komotau ist der Geburtsort von bemerkenswerthen
Gelehrten und zwar: von Mathäus Goldhahn, einem berühmten Philologen,
bekannt unter dem latinisirten Namen Aurogallus, gestorben 1543; von
dem Historiker Franz Pubitschka, geboren 1722 und gestorben 1809; von
Franz Josef Ritter von Gerstner, geboren 1754 und gestorben 1832 als
k. k. Gubernialrath, Wasserbaudirector und Director der technischen
Lehranstalt zu Prag, von ganz Europa als einer der ersten Mathematiker
anerkannt.


Spaziergänge:

1. _Von Komotau auf die *Alaunhütte, auch Schweizerhütte genannt._
Wir gehen vom Ringplatze durch die Weinberggasse. Am Ende dieser
Gasse erhebt sich eine kleine Anhöhe, »Weinberg« genannt. Links
der Strasse zieht sich ein schmaler Fusssteig zum Endziele unseres
Spazierganges. Eine Tafel mit der Aufschrift: »Weg zur Alaunhütte«
macht den Touristen auf den Weg aufmerksam. In etwa ¼ Stunde sind wir
am Ziele. Die Alaunhütte, eine Restauration in romantischer Lage, ist
einer der beliebtesten Ausflugsorte für Komotau und Umgebung. Nächst
der Alaunhütte befindet sich der Alaunsee. Wer des Ruderns kundig ist,
miethet sich einen Kahn und befährt den See. Zur Winterszeit bietet der
Alaunsee mit seiner schönen Eisbahn einen mächtigen Anziehungspunkt
für Schlittschuhläufer. Ehemals war hier, wo sich jetzt der Alaunsee
ausbreitet, ein grosses Alaunbergwerk. Die rothe alaunhältige Erde,
welche rings um die Alaunhütte massenhaft zu sehen ist, erinnert an
den einstigen Bestand des Bergwerkes. In der Nähe der Alaunhütte
gedeihet die edle Kastanie in einer seltenen Grösse und Schönheit der
Frucht. Die mächtigen Stämme und Kronen dieses Baumes gewähren einen
herrlichen Anblick. Neben den Gastlocalitäten der »Hütte« ist auch
eine Badeanstalt mit warmen Bädern. Den Sonntag nach Anton im Juni
jedes Jahres begeht die Hüttenrestauration im Blätterschmucke mächtiger
Eichen im schönsten Frühlingskleide der Natur ihr Fest mit Concert und
Tanz.

2. _Nach dem Komotauer *Stadtpark und dem städtischen Schiesshause._
Wir gehen vom Marktplatze durch die Schiesshausgasse und kommen in ca.
10 Minuten bei der Komotauer Dampfmühle vorüber in den Park, der nach
englischer Art angelegt ist. Naturfreunden bereiten hier die schönen
Baumgruppirungen und Blumenpflanzungen einen wahren Genuss. Im Parke
befindet sich das im Jahre 1833 erbaute städtische Schiesshaus und in
dessen Nähe das aus Holz errichtete Sommertheater.

3. _Von Komotau auf den *Hutberg._ Durch die Schiesshausgasse gehend,
gelangen wir, von den Parkanlagen links ab, in einen Fahrweg, der uns
durch schöne Obstgärten in ca. ¾ Stunden auf den Hutberg führt. Die
Aussicht von demselben ist bezaubernd schön. Am Fusse des Hutberges
liegt in romantischer Lage das Dörfchen Pirken.

4. _Von Komotau nach dem *»Ruland«._ Die Plattner Strasse führt uns
direct auf eine Anhöhe, wo mitten von Obstgärten, Feldern und Wiesen
das schöne Wohn- und Wirthschaftsgebäude, genannt »Ruland«, malerisch
gelegen ist. Eine schöne Aussicht über Komotau und in's Gebirge lohnt
die Mühe des Touristen, welcher von den freundlichen Bewohnern des
Gehöftes »Ruland« mit Milch, Obst u. s. w. bewirthet wird. Die Anhöhe
»Ruland« wird häufig auch Galgenberg genannt, weil hier ehemals
Verbrecher gerichtet wurden.

5. _Von Komotau nach Eidlitz._ Wir wenden uns durch die Gerstnergasse
in die Prager Vorstadt und kommen bald auf die Komotau-Eidlitzer
Bezirksstrasse. Der Weg ist ungemein angenehm. In ¾ Stunden sind wir in
Eidlitz. Sehenswerth ist das Schloss und eine Zuckerfabrik.

6. _Von Komotau nach *Görkau_ (1 Stunde). _a_) Auf der Strasse. Von
Komotau durch die Weinberggasse führt die Strasse über den Weinberg
durch schöne Obstgärten und Felder nach dem Kirchdorfe Udwitz mit
seinen Kohlenbrüchen. Von hier kommen wir in ½ Stunde nach Görkau.
(Siehe Görkau.) _b_) Auf dem Fusssteige. Von Komotau gehen wir durch
die Weinberggasse nach der Alaunhütte. Von hier führt ein Fusssteig
nach den sogenannten Kohlenhäuseln. Wir gelangen auf demselben zur
»Tempis-Kapelle«, welche ein Schlosskaplan von Rothenhaus, Hans
von Tempis, vor vielen Jahren wegen seiner glücklichen Rettung aus
Räubershänden an dieser Stelle erbauen liess. Der Fusssteig führt uns
jetzt direct in ca. ¼ Stunde nach Görkau.

7. _Von Komotau nach dem Gebirgsdorfe *Platten._ Auf der Plattner
Strasse, ziemlich steil ansteigend, kommen wir in ca. 1½ Stunde nach
Platten mit seiner zu Ende des 14. Jahrhundertes bereits bestehenden
Kirche und seinem Schlosse, das als Jagdschloss des Besitzers von
Rothenhaus einst bessere Zeiten gesehen hat. Unweit Platten ist der
viel besuchte Wallfahrtsort Quinau. Die Aussicht beim Schulhause in's
Böhmerland ist prachtvoll! (Siehe Bereisung von Görkau aus.)


Touren.

1. _Von Komotau bis zur *Grundmühle, nach Domina, Troschig und
Tschernowitz._ Von Komotau gehen wir an dem Assigbache hinauf
nach Oberdorf. Oberhalb der Oberdorfer Hammermühle beginnt das
überaus freundliche Assigbachthal mit üppigen Wiesen und bewaldeten
Thalgehängen. Wir wandern hier ohne alle Anstrengung und erreichen in
1 Stunde die erste Grundmühle, auch »Kleinmühle« genannt. Hier können
wir einen kleinen Imbiss nehmen und uns an einem Trunke Bier oder Milch
erquicken. Von hier nehmen wir den Weg rechts an der Thalwand hinauf
gegen Domina. Der Weg ist ziemlich gut. Der Ort lässt sich von der
Grundmühle aus in 1 Stunde bequem erreichen. Doch ist es nicht nöthig,
bis in das genannte Dorf zu gehen; wir verlassen deshalb denselben,
wenden uns rechts dem Dörnthaler Weg zu. Nördlich von Dörnthal sehen
wir schon den Troschiger- oder Klingerberg ansteigen, das vorläufige
Ziel unserer Reise. In 1½ Stunde ist die erste Höhe erreicht. Die
Aussicht ist hier lohnend; am westlichen Gehänge schlängelt sich die
Strasse über Sebastiansberg zur Landesgrenze, dort unten östlich
bricht die Bahnlinie aus Felsen hervor. Oestlich und südlich haben
wir die Gegenden von Brüx und Saaz und östlich verfolgen wir den
Erzgebirgszug bis Eisenberg und noch weiter, und westlich hebt
sich Terrasse um Terrasse im schönen Wechsel von Wald und Flur zum
Horizonte. Wir steigen den westlichen Abhang hinunter, treffen hier das
an der Komotau-Sebastiansberger Strasse liegende Gasthaus »g. Hübel.«
In 5 Minuten haben wir auch das südlich gelegene Dörfchen Troschig
erreicht. Auf einem kleinen Plateau gebaut, ist es das kleinste
unter den 4 Strassendörfern: Schönlind, Domina, Krima und Neudorf.
Die Bevölkerung treibt Oekonomie und besorgte früher den Vorspann
über die Berge. Weiter südlich wandernd, treffen wir einen schönen
Wald; es ist dies das Troschiger Revier, der Komotauer Stadtgemeinde
gehörig, die hier einen Förster angestellt hat. Der links des Weges
sich erhebende »Tennich« ist der höchste Berg dieser Kette. Er ist
prächtig bewaldet und daher als Aussichtspunct weniger zu empfehlen.
Wir empfehlen daher den Weg, der von Troschig dem südlich laufenden
Gebirgszuge folgt, behalten rechts das Höllenthal und sehen nach einer
Stunde gemüthlichen Wanderns, die Buschtěhrader Bahn überschreitend,
den _kl. Purberg_. Weit in's Land vorgeschoben und sich langsam
erhebend, ist dies ein mächtiger Stock von Steinmassen, gleichsam ein
Knoten, mit dem der Gebirgszug abhebt. Bald haben wir denselben ohne
Anstrengung bestiegen. Die Aussicht nach 3 Seiten ist herrlich: Die
Gegend von Komotau, theilweise auch die Stadt, speciell der Bahnhof,
die Dörfer Tschernowitz, Sporitz, Körbitz, Malkau, Sosau, Grün und
das Städtchen Kralupp liegen zu unseren Füssen. Dort westlich, wo die
Eger in die Ebene bricht, liegt Kaaden, von Bergen umstellt, östlich
sind die Brüxer Berge. Ringsum siehst du Strassenzüge, Eisenbahnen,
Felder, Fluren, Teiche und Obstgärten. Der Berg selbst bildet oben
ein Plateau, das so wie sein Abhang mit Eichen- und Birkengestrüpp
bewachsen ist. Auch erfrischendes Wasser befindet sich oben. Von allen
Seiten fallen seine Granitmassen steil ab mit oft wunderlichen Klüften,
worin heute noch der immer seltener werdende Dachs zu Hause ist. Von
unten gesehen gleicht der Berg einer Ruine, so täuschend thürmen sich
hier die Steinmassen. Die Gemeinde Tschernowitz, welcher der Berg
mit den Abhängen gehört, nimmt von ihm das Material zu gewöhnlichen
Steinmetzarbeiten. Die siebenziger Jahre haben den Berg in Fesseln
gelegt, weil seit jener Zeit die Buschtěhrader Gebirgsbahn ihren
Weg rings um denselben genommen. Merkwürdig ist der Fall, dass hier
Sporitzer Felder 6mal von der Bahn durchschnitten werden. Der Purberg
hat seine Geschichte, und das deutsche Volk ringsum bis weit in's Land
kennt ihn und umwebt denselben mit dem Gewande der Sage. So erzählt
man, dass alte Jungfrauen berufen seien, den Berg abzutragen. Es sollen
ferner schlechte Zeiten hereinbrechen, wenn der Berg mit Eisen belegt
sein wird. Auf der östlich angrenzenden Tschernowitzer Haide soll einst
der Schlussact eines grossen Völkerkampfes stattfinden, worauf erst
wieder bessere Zeiten zu erwarten seien u. s. w. Den östlichen Abhang
hinab führt ein Fahrweg und dieser bringt uns bald nach dem nahen
Tschernowitz. Schon der kurze Weg dahin zeigt Halden, Steinbrüche,
gearbeitete und rohe Steine, den Gewerbefleiss der Ortsbevölkerung
deutend. Strauss, Dietz und Bertl sind bekannte Steinmetzer und die
Güte des hier gefundenen Materials macht ihre Arbeit gesucht. Der Ort
selbst mit 54 Häusern und 440 Einwohnern hat vorzügliches Trinkwasser
und viel Obstbau. Gasthäuser sind da. Die Strasse führt in ¾ Stunden
nach Komotau zurück.

2. _*Von Komotau über Domina nach Glieden, *Wisset, Schweiger,
Hohentann, *Hassenstein, *Platzer Grund, Zollhaus, Neudorf und retour._
Dies ist eine starke Tour und erheischt ein zeitliches Verlassen
der Lagerstätte. Unser Weg führt vorerst auf der Kaiserstrasse
nach Oberdorf. Hier sehen wir im Vorbeigehen das grosse Bräuhaus
von Philipp. Die alterthümliche unvollendete Kirche stammt von dem
unglücklichen Labketz, der unter dem Henkerbeile verblutete. Hier
haben wir zwei Wege vor uns. Den ersten, die Strasse, vermeiden
wir, denn sie führt steil über das Gebirge. Der grosse Kaiser Josef
liess sie anlegen und das Volk erzählt sich, dass, als er später die
Gegend bereiste, die steile Anlage sah und den Bauleiter zur strengen
Rechenschaft zog. Wir wenden uns dem Landwege zu, an dem Oberdorfer
Friedhofe vorbei. Bald haben wir die Vorberge erreicht. Diese tragen
Obstgärten. In kurzer Zeit haben wir das kleine, mit Erlengebüsch
besäumte Hatschkabächlein erreicht, das die Sporitzer Wiesen bewässert
und auf den Troschiger und Schönlindner Wiesen entspringt. Dem
steigen wir nach und kommen in die sogenannte »Ranz.« Später theilt
sich der Weg, der rechts führt nach Schönlind, der links durch das
Troschiger Revier nach dem Dörfchen Troschig. Von hier wenden wir
uns nach Glieden. Dazu stehen uns zwei Wege offen. Der eine führt
über Nokowitz und ist ein Fahrweg, geht anfangs nördlich der Strasse
zu, wendet sich alsdann westlich und in ½ Stunde haben wir Nokowitz
erreicht, das an der linken Lehne des Höllenthales ½ Stunde südlich
von Krima liegt. Der Ort hat nur Getreidebau und Holzhandel, 23
Häuser und 152 Einwohner. Der zweite Weg ist ein Fusssteig und führt
von Troschig westlich auf der linken Lehne des Höllenthales hinunter
durch einen Eichenbusch. Unten angekommen, finden wir die schönsten
Wiesen und ein kleines Bächlein, den Höllenbach, der auf der Krimaer
und Wisseter Heide sich sammelt und mit dem Thale einem südöstlichen
Laufe folgt, sich später westlich wendet, eingeschlossen und beengt von
dichtbewaldeten Thallehnen. Bei Malkau tritt er in die Ebene und bildet
mit dem Grüner und Plassdorfer Bächlein den sogenannten Saubach. Der
Weg durch's Höllenthal ist oft beschwerlich. Bei einer Einschichte,
links vorbei, gelangen wir an der Berglehne hinauf nach Glieden. Die
Ortschaft hat 16 Häuser mit 117 Einwohnern, die Oekonomie treiben. Die
Lage des Oertchens ist überaus freundlich. Vom Nordsturme durch den
Gliednerberg geschützt, ist das Klima schon so mild, dass hier Obst
gedeiht. Die nach allen Richtungen hin sehr beschwerliche Communication
ist freilich den Einheimischen nicht auffällig. Südlich von Glieden,
½ St., finden wir den _*Höllenstein_, der eine Wand des Höllenthals
bildet. Pittoresk geformt, mit einer schönen Aussicht auf demselben und
schauerlicher Tiefe zu den Füssen, ist es für den Touristen lohnend,
ihn zu besuchen. Wir gehen von Glieden auf einem Fusssteige nach
Wisset. Der Ort hat 29 Häuser mit 232 Einwohnern. Wisset liegt auf der
ersten Terrasse des hier aufsteigenden Gebirges, der Wisseter Platte.
Die Lage der Ortschaft ist freundlich, die Communication per Wagen
überaus beschwerlich. Der nördlich und nordöstlich sich hinziehende
Höhenzug hat den Namen »Ziegenrück.« Er ist theilweise urbar, doch
reift hier das Getreide 2 bis 3 Wochen später. Wisset selbst hat zwei
Wirthshäuser. Jedem Touristen gewährt die Aussicht vom »Obern Berg«
aus in's Saazer Land einen grossen Genuss. Wir verfolgen jetzt den
Weg nach _Hohentann_, der westwärts durch die Wisseter Flur führt.
Kurz vor dem Walde (ein Kreuz in der Nähe) theilt sich der Weg. Der
rechts führt uns zur »Schweiger-Höhe«, der links abbiegende an der
südlichen Schweigerlehne durch dichten Nadelwald nach *Hohentann. Wir
verfolgen den erstgenannten und haben in ca. ½ Stunde den Höhepunkt
»_*Schweiger_« erreicht. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast
bis zu seinem Scheitel urbar, fällt er südlich, westlich und östlich
gäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht bereitend. Das
Biela- und Egergebiet, die Höhen des Duppauer Gebirges und fast der
ganze Erzgebirgszug repräsentiren sich in ihrer Schönheit. Dort die
alte Ruine Hassenstein, die Stadt Sonnenberg zu unseren Füssen,
nördlich Sebastiansberg und die vielen Ortschaften bis gegen Eisenberg.
Der Name Schweiger soll daher kommen, dass der Sage nach hier einst
ein Sprosse der Hassensteine als Einsiedler seine Zelle hatte und
schweigend seine Lebtage zubrachte. Südöstlich, den ersten besten Weg
abwärts, kommen wir nach Hohentann. Dieses Dorf hat 29 Häuser und 180
Einwohner, die Oekonomie und Holzhandel treiben. Im Winter halten
sich Weib und Kinder an die Spitzenklöppelei. Dort bei der kleinen
Ortskapelle vorbei führt der Weg westwärts. Nicht weit vom Dorfe
theilt er sich. Wir verfolgen den Weg links, lassen die Hohentanner
Hügel zwischen Hohentann und Platz ebenfalls links, kommen zu einem
Holzkreuze (am Kreuzwege), finden auf einer Wiesentrift den Fusssteig
zum Platzer Forsthause und können hier den Fahrweg verfolgen zur Ruine
Hassenstein. Der Tourist wendet sich auf dem Rückwege beim Forsthause
nordwestlich, behält den mit Kiefern bewachsenen Lerchenberg seitwärts
des Forsthauses rechts, die »Kalkofenhöhe« links und sieht bald in
das tiefe »Grundthal«. Hier wendet er sich dem Wistritzbach, der
dieses Waldthal durchfliesst, entgegen. Dort, wo der Weg die Thalsohle
erreicht, liegt rechts das Grundwirthshaus. Hier ist jederzeit frisches
Bier und ein Imbiss zu haben. Wir erreichen jetzt das schattige --
oft wildromantische Grundmühlthal oder Wistritzbachthal, das sich
aufwärts immer mehr verengt und später zur Schlucht wird, kaum einen
Fuhrweg lassend. Das Wasser des Baches ist hier spiegelhell; es würde
bei normaler Körpertemperatur ein wohlthuendes Bad geben. Jetzt müssen
wir darauf verzichten. Von dem Forellenreichthume früherer Zeit ist
jetzt bei dem herrschenden Raubsystem wenig zu merken. Nach 1½stündiger
Wanderung erweitert sich oben genanntes Thal, wir sehen die Holzmühle
an der Komotau-Pressnitzer Strasse, gehen rechts die Strasse hinauf
über's Zollhaus zum Bahnhofgebäude Krima-Neudorf. Hier pflegen wir
unsere Glieder, stärken uns mit Speise und Trank und erwarten in Geduld
den um 9 Uhr Abends nach Komotau abgehenden Zug, der uns um 10 Uhr nach
Komotau bringt.

3. _*Von Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün, Plassdorf, *Platz,
*Hassenstein und Brunnersdorf. (Bahnstation.)_ Wir verfolgen die
Bahnhofstrasse, lassen den Bahnhof links, treffen hier die sogenannte
Kaadner Kapelle (ehemals Wallfahrtsort mit Kreuzweg) und gehen auf
der Kaadner Strasse bis unweit Tschernowitz. Hier biegen wir bei
einer kleinen Restauration rechts in einen Fusssteig ab, gehen durch
die Tschernowitzer Steinbrüche am Fusse des südlichen Abhanges des
Purberges. Unser Fussweg führt uns in ca. ½ Stunde nach dem Dörfchen
Malkau mit 22 Häusern und 143 Einwohnern. Die Bewohner von Malkau
sind durchgehends Oekonomen und verwenden einen regen Fleiss auf die
Obstbaumzucht. Das Dörfchen Malkau hatte sich im Anfang der 70er Jahre
der Naturforscher Dr. Martius zu seinem Domicil erwählt. In jener Zeit
hat es wohl mehr Fremde gesehen, als gegenwärtig. Doch wir verfolgen
nach dieser Abschweifung unseren Wegweiser. Dort, wo am nördlichen Ende
des Dörfchens die »Höllenmühle« steht, führt der Weg nach dem ¼ Stunde
entfernten Nachbardorfe Grün. (27 Häuser mit 168 Einwohnern.) Zwischen
Grün und Malkau befindet sich eine kahle Anhöhe der »Lerchenberg«.
Der bequeme Aufstieg ist der Fernsicht halber lohnend. Der Fusssteig
nach Grün ist, um Irrungen zu vermeiden, wohl zu beachten. Wir
betreten bei der kleinen Ortskapelle das freundliche Dörfchen. Grün
ist unter den »Birndörfern« (von den nahen Gebirgsbewohnern der
reichen Obstkultur halber so genannt) das grösste. In Grün befinden
sich 2 Einkehrhäuser. Am Fusse des aufsteigenden Gebirges führt uns
der Fusssteig westwärts in ½ Stunde nach Plassdorf (25 Häuser, 134
Einw.), welches an der Südlehne des Schweigers wie angeklebt ist. Die
Bewohner von Plassdorf sind grosse Freunde des Obstbaues, vorzüglich
aber verwenden sie auf die Cultur der Kirschen grosse Mühe. Das einzige
Wirthshaus schliesst das Dorf südlich ab. Weiter südlich erhebt sich
eine Anhöhe, genannt »Kralupper Berg«, mit Eichen und Birken besetzt.
Von Plassdorf führt uns der Weg ½ Stunde durch eine Thalschlucht
aufwärts an den Südabhang des Salberges dem Städtchen Platz (mit 400
Einw.) zu. Dieses Städtchen verdankt seine Entstehung den Burgherren
des nahen Hassenstein. Die Einwohner beschäftigen sich theilweise mit
Oekonomie, theilweise sind es Handwerker, vornehmlich Maurer. Die
Spitzenklöppelei wird von dem weiblichen Theil der Bevölkerung ziemlich
stark betrieben. Zwei Gasthäuser bieten dem Touristen die nöthige
Unterkunft und Erfrischung. Zur Zeit des Zunftwesens war Platz das
»Mekka« der Handwerker von den nahen Dörfern, selbst vom Flachlande;
hier wurde der Lehrling zum Gesellen, der Gesell zum Meister befördert.
Das Städtchen Platz bietet vom Kirchenplatze aus eine prächtige
Fernsicht in die Saazer Gegend. Die meiste Anziehungskraft für die
Touristen aber hat die ca. 10 Minuten westlich von Platz gelegene
Ruine _Hassenstein_, welche noch heute in ihren Trümmern auf ihre
vormalige Grossartigkeit schliessen lässt. Die Stätte selbst ist, wie
die Nachgrabungen zu Anfang der dreissiger Jahre vermuthen lassen,
schon in heidnischer Vorzeit bewohnt gewesen und zu gottesdienstlichen
Zwecken oder als Begräbniss- auch Opfer-Platz benutzt worden. Man
hat nämlich mehrmals Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste gefunden.
Wann und von wem die Burg Hassenstein erbaut wurde, ist unbekannt. Zu
Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen die Brüder Friedrich und Theodor
von Schönburg als Herren von Hassenstein, das damals ein Kronlehen
war. Im Jahre 1418 war der damalige Besitzer in eine Verschwörung
gegen König Wenzel IV. verwickelt, und der Monarch übertrug die
Bestrafung dem Oberst-Landschreiber Niklas von Lobkowitz, welcher
das Schloss Hassenstein eroberte und dasselbe als Eigenthum erhielt.
Diese Schenkung wurde ihm 1421 von Sigmund und seinem Sohne Niklas
von Lobkowitz 1457 vom König Ladislaw auf immerwährende Zeiten
bestätigt. In Bohuslav Lobkowitz von Hassenstein feiert das Haus
seinen glänzendsten Namen, die klassisch-humanistische Bildung des
16. Jahrhunderts eine ihrer ersten Grössen. Unter ihm glich die Burg
Hassenstein einem kleinen Musenhof. Er war durch Gelehrsamkeit,
Dichtergenie und Erhabenheit des Charakters ausgezeichnet. Zwei
andere Lobkowitze auf Hassenstein, die Herren Sebastian und Bohuslav
Felix, erwarben sich grosse Verdienste um den erzgebirgischen Bergbau
damaliger Zeit. Gegen das Ende des 16. Jahrh. kam Popel von Lobkowitz
in den Besitz von Hassenstein. Der letzte Lobkowitz auf Hassenstein
war Christof. Im Jahre 1606 ging die Burg Hassenstein in den Besitz
des Herrn Leonhard von Stampach über. Unter demselben, der seine
lutherische Gesinnung mit 2 Dritttheilen seines Vermögens büssen
musste, ging Hassenstein seinem Verfalle entgegen. Herr Jaroslav
Bořita von Martinitz erwarb die halbverfallene Burg sodann für ein
Billiges. Später bekam die Ruine mit dem dazu gehörigen Grundbesitz die
Nebenlinie Martinitz-Hagensdorf. Durch die erbliche Nachfolge dieser
Linie kam Hassenstein in den Besitz der Grafen Wolkenstein-Trostburg.
1880 verkaufte Engelhardt von Wolkenstein sein Erbe und mit ihm
Hassenstein an den Grossindustriellen Preidl.

Nur noch Einiges über den jetzigen Zustand der Burgruine im
Allgemeinen. Der Schlossberg mit der alten Ruine Hassenstein fällt
nach 3 Seiten, besonders gegen den Brunnersdorfer Bach zu, steil ab.
Die Wallgräben sind grösstentheils verfallen, die 4 Burghöfe kaum mehr
erkennbar. Stolz aber schaut noch in's Thal der mächtige Wartthurm
mit seinen massiven Mauern. Viele Gewölbe sind noch ziemlich gut
erhalten und Alterthumsfreunde, wie Dr. Martius, meldeten öfters
von interessanten Funden. Dass auch Schatzgräber, mit geweihter
Kreide und Schildwachbüchlein ausgerüstet, hier ihre Rechnung zu
finden vermeinten, darüber kann man in Platz und Umgebung manche
tragi-komische Geschichte erfahren.

Wir steigen den steilen und fast ungangbaren Fusssteig durch Hochwald
hinab und kommen an den Brunnersdorfer Bach. Hier finden wir am Ufer
dieses Baches einen Eisenhammer und weiter unten am Ausgange des
Thales den Anfang des lang gestreckten, zu beiden Seiten des Baches
liegenden Dorfes Brunnersdorf, das hier in seinem oberen Theile den
Namen »Rossstall« führt. (165 Häuser, 1295 Einwohner.) Die Bewohner
von Brunnersdorf treiben Oekonomie und haben grossen Obstbau. Zu den
Sehenswürdigkeiten zähle ich im unteren Theile das Schloss und die
Zuckerfabrik an der Kaadner Strasse. Das Gasthaus im oberen Theile des
Dorfes (Rossstall) und Fischers Gasthaus am Schulplatz sind Touristen
zu empfehlen. Der Tourist, der wieder zurück nach Komotau oder weiter
westwärts nach Kaaden will, kann dies einerseits durch die Bahn,
andererseits durch Kaadner Omnibusse bewerkstelligen.

4. _Von *Komotau nach Deutsch-Kralupp-»*Keller«, Neudörfel, durch das
*Grundbachthal über Zieberle nach Sonnenberg._ Wir beeilen uns zum
1. Karlsbader Zug und lösen eine Fahrkarte bis Deutsch-Kralupp. Das
Städtchen liegt 10 Minuten von der Station. Die Kirche, welche schon
im J. 1360 als Pfarrkirche vorhanden war, besteht in ihrer jetzigen
Gestalt erst seit 1796, wo sie nach dem Brande neu gebaut worden ist.
Sie hat ein gutes Hochaltarblatt von Kindermann in Wien, den hl.
Jakob darstellend. Auch enthält sie die Familiengruft der Grafen von
Martinitz. Die Stadt wird durch den Saubach, welcher im Höllthale
entspringt und durch die Dörfer Malkau, Sosau und Hagensdorf fliesst,
in zwei ungleiche, durch eine steinerne Brücke verbundene Theile
gesondert, von welchen der am südlichen Ufer liegende, kleinere, wo
die Kirche steht, die Kunewitz heisst. Wir wenden uns nördlich von der
Station Deutsch-Kralupp dem ¼ Stunde entfernten Dörfchen Hagensdorf
zu. Die Einwohner treiben Oekonomie und Obstbau. Sehenswerth ist
das im Rococostyl erbaute herrschaftliche Schloss Hagensdorf mit
einer ansehnlichen Baum- und Blumengärtnerei. Dieses Schloss war in
den Robotzeiten in der Hagensdorfer Umgebung bis in's nahe Gebirge
hinauf nichts weniger als beliebt, denn hier hauste der gestrenge
Herr Amtmann mit seinem Beamtenstabe. Durch den Schlosshof führt ein
ganz angenehmer Weg durch eine Baum-Allee nach der nahe gelegenen
Restauration »Am Keller«. Hier bieten sich im Sommer unter schönen
Linden und mächtigen Eichen bei einem frischen Trunke vorzüglichen
Brunnersdorfer Biers stille und angenehme Ruheplätzchen. Für Kralupp
und die weitere Umgebung ist der »Keller« der besuchteste Ausflugsort
und er wäre es sicherlich in noch ausgedehnterem Masse, wenn der
Besitzer für eine comfortablere Einrichtung der Restauration, sowie
für bessere Instandhaltung und Erweiterung der Anlagen Sorge trüge.
An der Stelle des Kellerwirthshauses soll in alter Zeit ein Kloster
gestanden sein; wenigstens wird die dortige Feldflur noch heute von
den älteren Bewohnern das »wüste Kloster« genannt, und von den alten
Kellerruinen, auf denen das Wirthshaus erbaut wurde, erhielt dasselbe
den Namen. Gegen Kralupp zu finden wir mehrere grosse Fischteiche,
der Gutsherrschaft gehörig. -- Wir wenden uns nun westwärts dem
Dörfchen Neudörfel am Abhange des Kralupper Berges zu. Auf unserem
Wege dahin rechts und links treffen wir kleine Teiche, sie sind die
Ueberbleibsel eines vormals sich hier ausbreitenden grossen Sees, der
im J. 1829 das letztemal gefischt, im nächstfolgenden Jahre entwässert
wurde und an den noch jetzt das sogenannte »Seehäusel« (gegenwärtig
ein herrschaftliches Hegerhaus) erinnert. In den Robotzeiten hatten
die Einwohner von Platz und Neudörfel die Fischerei als Robotarbeit
zu besorgen. Dafür bekam der Mann per Tag einen Fisch. Neudörfel
bietet für den Touristen ausser seinen Kirschenpflanzungen nichts
Sehenswerthes, dagegen wird es sich für denjenigen empfehlen, der
es nicht scheut, den nördlich gelegenen _Saustein_ zu besteigen. An
schönen Tagen lohnt ein Einblick in die Saazer und Kaadner Gegend
vollkommen die Mühe der Besteigung. Von hier steigen wir in westlicher
Richtung das Berggelände hinab in das Thal des Brunnersdorfer Baches.
Wir gehen durch dieses, sich immer wildromantischer gestaltende Thal
den Brunnersdorfer Bach aufwärts, haben rechts die Schnabelmühl-Lehne,
links den Gigerich-Berg und sehen, wie die Trümmer der Burg Hassenstein
melancholisch in's Thal schauen. Unser Weg durch das Thal, genannt
Brunnersdorfer Grund, wendet sich am Fusse des Schlossberges plötzlich
westlich. Die Brunnersdorfer Gutsverwaltung hält hier eine Holzschwemme
in Stand. In neuerer Zeit wurde auch die Communication durch Anlegung
eines strassenähnlichen Weges bedeutend verbessert. Mächtige Felswände
heben sich zu beiden Seiten des Thales. Das Gehänge von der Burg
Hassenstein herab führt den Namen Kalkofenlehne und soll früher ein
Thiergarten gewesen sein, von dessen Umfangsmauern noch Ueberreste zu
sehen sind. Die linke Berglehne (rechtes Bachufer), die sogenannte
Gigerich-Lehne, zeigt pittoreske Felsengruppen, würdige Seitenstücke
zu den in fast gleicher Höhe gegenüberliegenden Burgtrümmern von
Hassenstein. Von nun an verengt sich das Thal zusehends, statt durch
Laubholz schlängelt sich der Thalweg knapp am linken Bachufer durch
finstere Fichten, so recht an Tiek'sche »Waldeinsamkeit« erinnernd. Am
rechten Bachufer erhebt sich der Hutberg, und die durch ein kleines
Querthal davon getrennte Hundskoppe. Hier, wo sich das Thal nördlich
wendet, liegt so recht einsam die »Hasenmühle«, eine Einschicht, von
dem weiter westwärts gelegenen Gebirgsdorfe Wohlau. Der freundliche
Müller bietet dem müden Wanderer Brod, Bier und Milch zur Labe.

Werfen wir einen Blick auf unsere bisherige Wanderung im Thale des
Brunnersdorfer Baches (unrichtig Brandbach, welchen Namen nur das durch
Sonnenberg geleitete Bächlein führt) zurück, so finden wir, dass dieses
Thal an Naturschönheiten mit den schönsten Gebirgspartien Oesterreichs
wetteifert. Man glaubt sich in ein herrliches Hochgebirgsthal versetzt.
Es ist zu wundern, dass Touristen, wenigstens der nahen Städte, dies
nicht schon längst gefunden und touristisch ausgebeutet haben. Nach der
Ansicht eines unserer besten Geologen wäre dieses Thal in alten Zeiten
die einzige Communication aus dem Saazer Lande über das Gebirge »in's
Reich« gewesen. Dies wird auch die ersten Dynastien auf Hassenstein zur
Gründung dieser Burg in herrschender Stellung dieses Verbindungsweges
bewogen haben. Vielleicht genügt eine Hindeutung auf das Gesagte, um
die Jetztzeit zur Anlage einer Strasse in diesem Thale zu bewegen.
-- Von der Hasenmühle aus wandern wir am rechten Bachufer über das
Gelände nach Zieberle. Der Fusssteig durch ein Gewirr von Wald-
und Feldwegen, ¼ Stunde lang, dürfte für das erstemal einen Führer
nothwendig machen, wozu der »Hasenmüller« gerne jemanden zur Verfügung
stellt. Das Oertchen Zieberle hat 11 Häuser mit 81 Einwohnern. Es
liegt am Abhange der »Zieberle Kappe«, von welcher man eine lohnende
Aussicht hat. Nördlich von Zieberle, in 15 Minuten erreichbar, liegt
auf dem Sonnenberge die königliche Bergstadt _Sonnenberg_. Gneis und
Urthonschiefer bilden seine Unterlage. Die Stadt mit 2600 Einwohnern
zählt 212 Häuser. Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit
Spitzenklöppelei; Jung und Alt sind Alliirte des Klöppelsackes.
Ausserdem wird hier Handweberei betrieben. Das Centralcomité zur Hebung
der Erwerbsthätigkeit im Erz- und Riesengebirge besitzt hier eine
Sammtfabrik im eigenen Gebäude und überdies ist die Anfertigung von
Schuh- und Handschuhwaaren nicht unbedeutend. Dass die edle Musikkunst
sich hier einer besonderen Pflege erfreut, bezeugen ungefähr 200
Sonnenberger, welche »mit Musik« alljährlich und in fast alle Länder
Europas bis nach Asien reisen und Tüchtiges leisten. Der Hausierhandel
mit Manufactur- und Galanteriewaaren hat in Sonnenberg viele Vertreter.

Die Stadt zeichnet sich vor vielen anderen Landstädten durch ihre
regelmässige Anlage und Bauart aus. Von dem ein Viereck bildenden Ringe
laufen die Gassen in schnurgerader Richtung aus, so dass man hier nach
allen vier Seiten in's Freie hinausblicken kann.

    =Gast-= und =Einkehrhäuser= sind: Gasthaus zur »Sonne«
    am Ringplatze, an der Strasse gelegen; Franz Reichmann's
    Gasthaus bei der Kirche; Leopold Hütters Einkehrhaus in
    der Kirchengasse; Gasthaus zum Kronprinzen Rudolf an der
    Pressnitzer Strasse am Ringplatze u. s. w. Lohnfuhren und
    Fiakergeschäfte übernimmt Herrmann _Stocklöw_ und Josef
    _Puschack_.

    =K. k. Postamt.=

Sehenswerth ist die im J. 1857 vollendete Pfarrkirche. Das
Kirchenschiff hat eine Länge von 35 m und eine Breite von 20 m. Das
Presbyterium ist 10 m lang und eben so breit. Im Schiffe stehen 36 in
6 Abtheilungen aufgestellte Betstühle, fünf Altäre mit sehenswerthen
Altarbildern von Lhota (St. Wenzel Hauptaltar), Weidlich (St. Josef und
Maria Heimsuchung), Josef Hellich (St. Michael und Maria Empfängniss).
Die Kirche besitzt auch kostbare Kirchenornate und Paramente; die
achtzehnstimmige, mit 2 Koppeln ausgestattete Orgel, Predigers
Meisterwerk, wurde von Prediger aus Lichtenberg bei Hohenstadt um
den Preis von 4230 fl. gebaut. Die Glocken, von denen die grösste
29 Ctr., die zweite 14 Ctr. und die dritte 7 Ctr. wiegt, goss der
Prager Hofglockengiesser Karl Bellmann. Sehenswerth ist auch die
hübsche Johannisstatue am Ringplatze und das von dem gelehrten Pfarrer
Schwarz in Sonnenberg im J. 1750 angelegte Kirchengedenkbuch, welches
interessante und wichtige Aufzeichnungen enthält. Die weit in's Land
schauende Kirche und die sehr hübsche Lage des Städtchens führt
jährlich viele hunderte von Touristen hieher um -- wie die Sachsen
sagen -- »das schöne Böhmen« zu sehen. Ganz in der Nähe des Städtchens
finden sich recht schöne Aussichtspunkte, wie der Galgenberg, die
Zieberle Kappe bei Zieberle, der Hutberg, der Hassberg u. s. w. Der zur
Sonnenberger Bahnstation täglich viermal verkehrende Postwagen führt
den Touristen wieder zurück in seine Heimath.

5. _*Von Komotau durch das *Assigbachthal nach Sebastiansberg._
Wir gehen von Komotau über Oberdorf den Assigbach aufwärts. Nach
ungefähr einer einstündigen Wanderung durch ein schönes *Wiesenthal,
dessen Gehänge mit Nadel- und Laubholz bewaldet, kommen wir zur
ersten Grundmühle, genannt auch »Kleinmühle.« Erfrischungen hält der
betreffende Müller stets bereit. Von hier führt ein Weg rechts nach
Petsch und links nach Domina. Im Thale weiter aufwärts treffen wir die
zweite Grundmühle, nach ihrem Besitzer (Zein) »Zeinmühle« genannt.
Diese Mühle ist so ziemlich die ansehnlichste der »Grundmühlen«. Von
hier kann man rechts, das kleine Querthal verfolgend, das ca. ½ Stunde
entfernte Dorf Dörnthal mit 17 Häusern und 107 Einwohnern erreichen.
Sehenswerth ist hier der das Querthal überbrückende Bahndamm. Rechts
von der Zeinmühle führt eine sogenannte Halbstrasse nach Petsch, einem
freundlich gelegenen Oertchen, zum Pfarrdorfe Platten gehörig. Von
der »Zeinmühle« nicht weit thalaufwärts entfernt, liegt die Dörnthal-
oder Dreiwassermühle. Hier vereinigt sich mit dem Assigbache der
mit dem Märzdorfer Bache bereits vereinigte Tschoschelmühlbach und
der Rothenhäuser Flössbach. Wir verfolgen durch das mittlere Thal,
Assigbachthal, unsere Tour weiter. Der bereits isolirt liegende, mit
schönen Buchenstämmen bewachsene Berg ist der Ahrenberg, das Kleinod
unter den Komotauer Wäldern. Circa ½ Stunde von der Dreiwässermühle
in einer Thalenge befindet sich das sogenannte »böse Loch«, eine
wildromantische Thalschlucht. Weiter den Lauf des Assigbaches aufwärts
verfolgend, kommen wir zu den Felsen: Ringelstein und Otterstein. Links
aufsteigend erreichen wir nach ziemlich anstrengendem Marsche die
Bergstadt Sebastiansberg mit 2200 Einwohnern und ungefähr 200 Häusern.
Die Partie ist sehr interessant und lohnt die Anstrengung in hohem
Grade. Sebastiansberg soll seinen Namen von seinem Gründer Sebastian
von Weitmühl erhalten haben. Man betrieb hier früher Bergbau auf Kupfer
und Silber. Kaiser Rudolf II. erhob den Ort zu einer freien Bergstadt.
Jetzt ist von dem früheren Bergbau keine Spur mehr. Die Bewohner
beschäftigen sich mit Gänse- und Schweinehandel und Spitzenklöppelei.

    =Gasthäuser=: »Strubels Gasthof« am Ring, »Heineich's Gasthaus«
    in der Schmiedgasse, »Lang's Gasthof« am Ring, Gasthof »zum
    schwarzen Adler« am Ring.

    Die königliche Bergstadt Sebastiansberg hat ein k. k.
    Bezirksgericht, Notariatsamt, ein k. k. Postamt, ein Lese-,
    Gesang-, land- und forstwirthschaftliches Casino. Eingeführte
    Gäste haben Zutritt. Sehenswerth ist die im J. 1877 erbaute
    _Stadtkirche_ und das im J. 1879 errichtete _Kriegerdenkmal_ am
    Marktplätze.

Ein schöner Spaziergang in nordwestlicher Richtung auf der
Kaiserstrasse ist der nach _*Reitzenhain_ (Eisenbahnstation) dem
beliebtesten Ausflugsorte der Sebastiansberger. Der Weg führt durch
ausgedehnte, herrliche Waldungen. Der Ort selbst liegt inmitten
derselben und bietet im Sommer einen sehr angenehmen Aufenthalt.
Gesunde finden hier nach angestrengter Arbeit Erholung und Kränkliche
Kräftigung. Hier athmet es sich leicht und wohl. Ueberall, wohin man
blickt, ist das dem Auge wohlthuende Grün, von allen Seiten kommt uns
der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und Blumen, von harztriefenden
Fichten und Tannen entgegen, was zur Erfrischung des Blutes nicht
wenig beiträgt; darum mehrt sich die Zahl der Fremden, welche in dem
Gasthause »zum Malzhaus« eine ausgezeichnete Verpflegung und Unterkunft
finden, in auffallender Weise. Böhmisch-Reitzenhain ist ein beliebter
und gesuchter klimatischer Curort. Die Umgebung des Ortes ist herrlich,
die Waldpartie nach _*Marienberg_ in Sachsen, (2 Stunden), nach
_*Ulmbach_, _*Kienhaide_ und _*Natschung-Kallich_ auf guten Wegen sind
von seltener Schönheit.

6. _Von Sebastiansberg nach Komotau zurück._ Der müde Tourist kann dies
erstens mit der Bahn thun und zwar von der Station Krima-Neudorf aus,
wohin er mittelst Postwagen in ca. ½ Stunde gelangt. Sollte er aber in
Sebastiansberg übernachtet haben, so ist ihm mehr zur Fusspartie nach
Komotau zu rathen; man rechnet auf diese Fusstour 3 Stunden. Immer auf
der Strasse abwärts schreitend, berühren wir in ca. 20 Min. Neudorf.
In weiteren 20 Min. führt die Strasse beim Bahnhofe Krima-Neudorf,
dem grössten zwischen Komotau und Weipert, vorüber. Hier zweigt auch
die Bahnlinie »Krima-Reitzenhain« ab. Gleich unterhalb des Bahnhofes
treffen wir, wo sich von der Kaiserstrasse eine Bezirksstrasse über
Sonnenberg nach Pressnitz abzweigt, das Gasthaus zur »Spitz«. Wir
lassen es rechts und gelangen nach abermals einer viertelstündigen
Wanderung in das alte Pfarrdorf »Krima«, welches 460 Einwohner in 63
Häusern zählt und zu welchem 9 Ortschaften eingepfarrt sind. Zur Zeit,
als noch der Waarentransport per Achse besorgt wurde, herrschte hier
reges Leben. Die zwei grossen Gasthäuser mit geeigneten Stallungen und
grossen Hofräumlichkeiten sahen wohl damals bessere Tage. Dem Touristen
können sie aber auch jetzt noch empfohlen werden, und zwar Bernhard
Pilz's Gasthaus, beim Eintritte in's Dorf gelegen, bietet vorzügliche
Speisen und Getränke und bequemes Nachtquartier. Dasselbe kann man
auch vom zweiten Gasthause in Krima, an der Strasse gelegen, sagen.
Krima hat ein k. k. Postamt und mehrere Vereine. Die Erwerbsquelle der
Einwohner ist Oekonomie. In ca. ¼ Stunde in südwestlicher Richtung
führt uns die Strasse am Gasthofe zum »Hübel« und am Fusse des links
sich erhebenden Klingerberges vorüber; von hier an bekommt die Strasse
ein immer grösseres terrassenförmiges Gefälle, führt durch die Dörfer
Domina und Schönlind und endigt nach einem sehr starken Abfalle
unterhalb Schönlind, von hier aus _*prächtige Ausblicke_ in's Land
gewährend -- durch Oberdorf nach Komotau.

7. _Von Komotau nach *Kaaden._ Die Tour wird mit der Buschtěhrader
Eisenbahn in 28 Minuten zurückgelegt und bietet der Blick auf das
Erzgebirge während der Fahrt sehr viel Angenehmes. Absteigestation ist
Kaaden-Brunnersdorf, wo Omnibusse der Reisenden harren und dieselben in
einer halben Stunde in die Stadt befördern.



Kaaden.


Die Stadt zählt 5052 Einwohner und liegt an der Eger.

    =Gasthöfe=: »Zur Sonne« am Marktplatz; »zum grünen Baum«; »zum
    goldenen Hirschen«.

    =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft; k. k. Bezirksgericht;
    k. k. Post- und Telegraphenamt.

    =Verkehrsanstalten=: Buschtěhrader Eisenbahn westwärts gegen
    Karlsbad-Eger und ostwärts gegen Komotau und von da einerseits
    nach Aussig-Bodenbach, andererseits nach Prag.

    =Schulanstalten=: Ober-Gymnasium, Ackerbauschule, Bürgerschule.

=Sehenswürdigkeiten=: _Die Dreifaltigkeitssäule_ auf dem Ring; dieselbe
wurde im J. 1761 errichtet. _Das Rathhaus_; es bestand schon zu Anfang
des 15. Jahrh. und ist nach dem Brande 1811 neu wieder hergestellt
worden. An der Vorderseite des Gebäudes sieht man die Wappen des Hauses
Oesterreich, der Königreiche Ungarn und Böhmen und der Stadt Kaaden.
Das Kloster der Elisabethinerinnen in der unteren Vorstadt am Einflusse
des Brunnersdorfer Baches in die Eger, gestiftet im J. 1748. Die Kirche
zu _Mariä-Verkündigung_ nebst der darin befindlichen _Kapelle_ zu den
heil. 14 Nothhelfern und einem Franziskanerkloster ausserhalb der
Stadt, ¼ St. nordwestlich am linken Ufer der Eger. Die Kapelle bestand
als Wallfahrtsort schon im 14. und 15. Jahrh. und 1473 stiftete auf
Anregung des Herrn Niklas von Lobkowitz die Stadtgemeinde das Kloster,
dessen, sowie der Kirche vollständiger Ausbau aber erst 1662 zu Stande
kam.

=Geschichtliches=. Der Name der Stadt rührt von einer Burg her, welche
der böhmische Feldherr _Kadan_ angeblich auf dem Felsen, wo jetzt die
Kaserne steht, schon im J. 821 errichtete und nach sich benannte.
Unter seinem Schutze entstanden allmählig Ansiedelungen und eine
Stadt, welche im J. 1128 durch Herzog Sobieslaw mit Mauern umgeben
wurde. Sonach zählt der Ort zu den ältesten Städten des Egerthales.
König Přemysl Ottokar II. erhob sie zu einer königlichen Stadt. Kaiser
Karl IV. verlieh ihr verschiedene Privilegien. Im J. 1421 wurde
sie von den Taboriten überfallen und furchtbar verheert. Weil die
Stadt im Schmalkaldischen Kriege 1547 an der Widersetzlichkeit gegen
Ferdinand mit theilgenommen, wurden ihr alle Privilegien und Freiheiten
bestätigt, welche ihr früher verliehen worden. Während des 30jährigen
Krieges wurde Kaaden zweimal von den Schweden und zwar 1642 unter
General Torstensohn und 1648 unter General Königsmark eingenommen.
Grosses Unglück traf sie am 1. October 1811, an welchem Tage sie
von einem furchtbaren Brande heimgesucht wurde. Das Rathhaus, die
Dechantei, die Schulgebäude und 243 Häuser sammt Nebengebäuden wurden
von dem entfesselten Elemente eingeäschert.

Die Umgebung der Stadt ist reizend und besuchenswerth. Die Abhänge
des Egerthales sind von Warta aus bis Klösterle, ja selbst bis Kaaden
grösstentheils felsig, und oft fallen die Felsmassen bis in das
Flussbett steil ab und erfreuen den Touristen durch ihre mannigfaltige
Gestaltung und dadurch bedingten häufigen, sehr angenehmen Wechsel der
Landschaftsbilder.


Touren:

Wir können uns hier nur auf die in's Erzgebirge beschränken und
weisen auf eine grosse, interessante Tour in's Duppauer Gebirge bloss
hin. Es ist: _Kaaden-Radonitz-Duppau-Rodisfurt mit dem Abstecher zum
Giesshübler Sauerbrunn und von da über Welchau in die Bahnstation
Wickwitz-Welchau und retour mit der Buschtiehrader Bahn nach Kaaden
über Hauenstein-Warta-Klösterle_ (sehr interessante Fahrt). Von Kaaden
südlich nach Fünfhunden, von da südwestlich nach Radonitz und in
derselben Richtung nach Duppau. Die Oberfläche bei Radonitz und Duppau
ist gebirgig. An der südwestlichen Seite erstreckt sich ein Bergrücken,
aus welchem sich die Bergspitze _Burgstadel_ 925 m erhebt, welche
einst eine Burgruine unbekannten Ursprunges trug und von welcher nur
noch ein zugeschütteter Brunnen übrig ist. Von der Spitze des Berges
sieht man deutlich nicht nur das ganze Erzgebirge, sondern auch bei
reinem Horizonte den Milleschauer Berg und andere Kuppen des böhmischen
Mittelgebirges, den Georgsberg bei Raudnitz, den Bösig zwischen
Weisswasser und Hirschberg, den Frauenberg und mehrere Punkte des
Fichtelgebirges. Vor mehreren Jahren stand hier eine hölzerne Pyramide,
welche leider in Trümmer ging und gegenwärtig durch eine Stange mit
zwei Tafeln ersetzt ist. Etwas niedriger ist der _*Oedschlossberg_
917 m, südwestlich von Duppau, an dessen westlichem Abhange sich in der
Basaltmasse mehrere natürliche Löcher von der Grösse eines menschlichen
Kopfes befinden, welche vom Volke _die Zwerglöcher_ genannt werden,
weil der Sage nach in uralter Zeit Zwerge darin gewohnt haben sollen.

Die Stadt Duppau hat ein Schloss, welches schon im J. 1119 von
Doupowetz errichtet worden sein soll, im J. 1500 von Anna Maria
Margaretha Daupowetz erneuert und im J. 1723 vom Grafen Gottfried von
Lützow überbaut wurde. Die Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt wurde von
demselben Grafen im J. 1745 vollständig renovirt. Die Elisabeth-Kirche
wurde nebst dem dazu gehörigen Klostergebäude für die Jesuiten
gegründet und denselben im J. 1770 übergeben. Nach Aufhebung dieses
Ordens im J. 1773 erhielten die Piaristen das Collegium sammt dem
Gymnasium, welches gegenwärtig geschlossen ist. Die Kirche gehört durch
ihre Grösse, geschmackvolle Bauart und innere Ausschmückung unter die
bemerkenswerthesten Landkirchen Böhmens.

Von Duppau in westlicher Richtung nach Rodisfort (Rodisfurt), rechts an
der Eger, über welche eine Brücke führt, und an der Landstrasse nach
Schlackenwerth, und dann ½ Stunde südlich zum Sauerbrunn.

=Giesshübler Sauerbrunn= (siehe Bereisung von Karlsbad aus). Von da in
nördlicher Richtung nach _Welchau_ am rechten Ufer der Eger in einem
von mehreren Bergen eingeschlossenen herrlichen Thale. Eigenthümer
des Gutes _Welchau_ ist gegenwärtig Herr Hofrath Dr. von Löschner,
welcher in diesem schönen Thale seinen Ruhesitz nach vieljähriger
ausgezeichneter Wirksamkeit als Professor und Arzt aufgeschlagen und
sehr viel für die Verschönerung der Gegend gethan hat. Die auf einem
Hügel ausserhalb des Dorfes liegende Kirche hatte schon 1384 einen
eigenen Pfarrer. Im Pfarrhause befindet sich das Bildnis des Pfarrers
_Anton Hasch_ zu Lioch (? in dioecesi Liochensi), welcher 125 Jahre alt
geworden und 100 Jahre sein Amt als Pfarrer verwaltet hat. Das Schloss
ist im 16. Jahrh. vom Grafen Schlick gebaut, und, nachdem es 1621 am
21. April mit dem ganzen Orte abgebrannt war, vom Freiherrn von Hessler
wieder hergestellt und später wieder erneuert worden. Von der Station
»Wickwitz-Welchau« wieder retour nach Kaaden.

2. =Kaaden-*Leskau-*Schönburg=. In westlicher Richtung gehen wir von
Kaaden aus über Roschwitz zu dem nordwestlich von dem Dorfe _Leskau_
sich erhebenden _Leskauer Schlossberg_ mit der malerischen Ruine der
Burg Egerberg, auch Egerwerk und Egerburg genannt, über deren Erbauer
und früheren Besitzer nichts bekannt ist. Von da wandern wir in
westlicher Richtung gegen Kettwa fort, wo sich eine Ueberfuhr befindet,
und setzen auf das jenseitige Egerufer über, um in nördlicher Richtung
dem, aus dem Egerthale steil aufsteigenden Berge _Schönburg_ zuzueilen.
Auf dem Gipfel des mit Wald bedeckten Berges sind die ansehnlichen
Ruinen des Schlosses _Alt-Schönburg_. Wir geniessen von hier aus eine
herrliche Aussicht in die Saazer Ebene und das ferne Mittelgebirge. Die
Burg soll von den Eigenthümern ihrer Baufälligkeit wegen (sie ist von
Basaltblöcken erbaut) verlassen worden sein; sie erbauten am Fusse des
Berges ein neues Schloss und benannten sich auch nach diesem, Herren
auf _Neuschönburg_; von diesem sind sehr wenige Spuren noch vorhanden.
Retour nach Kaaden.

3. =Kaaden-Klösterle-Kupferberg-= (=*Sphinx= und =*Kupferhügel=)
=Schmiedeberg-Weipert-Pressnitz=. (Herrliche Partie für drei Tage.)
Wir treten unseren Weg an und kommen in westlicher Richtung nach dem
1¾ St. entfernten _Klösterle_. Wir haben eine Gebirgslandschaft vor
uns, welche durch das Thal der Eger in zwei Theile getrennt ist. An der
linken Seite ist es die steile Abdachung des Erzgebirges, welche das
Thalgehänge bildet, an der rechten Seite das Duppauer-Gebirge, hier
das Liesengebirge genannt, welches sich hier aus dem Thale erhebt. Das
Thal selbst ist fast durchaus enge, die Abhänge am Fusse fast überall
felsig; sie lassen nur stellenweise eine schmale Thalsohle übrig und
häufig steigen sie fast unmittelbar bald an der rechten, bald an der
linken, bald auch an beiden Seiten in schroffen Felswänden aus dem
Flusse auf. Ueber diesen Felsgehängen dachen sich die Gebirgsabhänge
bald mit grösserer, bald mit geringerer Steilheit ab.

=Klösterle=, Stadt, auf einer geneigten Anhöhe am linken Ufer der Eger.

    =Gasthäuser=: Rathhaus am Markte, Restauration zum Bräuhaus,
    herrliche Aussicht.

    =Eisenbahnverbindung= einerseits gegen Eger, andererseits gegen
    Komotau-Prag-Aussig-Bodenbach.

    =Post- und Telegrafenamt.=

=Sehenswürdigkeiten=: Die Dreifaltigkeitskirche, ein schönes,
geräumiges Gebäude in neu-italienischem Styl im J. 1670 vom Grafen
Michel Oswald von Thun erbaut. Das schöne, herrschaftliche _Schloss_,
auf einem Felsen am Ufer der Eger, welche hier durch einen weiten Busen
das Ansehen eines beträchtlichen Stromes zeigt. Der Schlossgarten zeigt
herrliche Baumgruppen. (Von Klösterle aus kann man auch Leskau und
Schönburg besuchen, siehe Kaaden.)

Jetzt treten wir eine echte Gebirgspartie an. Wir kommen der höchsten
Masse des Erzgebirges immer näher. Von Klösterle gehen wir in
westlicher und nordwestlicher Richtung nach dem ¾ St. entfernten,
an einem Berge gelegenen _Haadorf_ und erreichen in einer halben
Stunde _Steingrün_, ein Dorf an der Hauptstrasse, grösstentheils
aber zerstreut an den Abhängen eines inneren Thales, in welchem ein
kleiner Bach nach Pürstein fliesst, gelegen. Von hier aus erreichen
wir, nördlich wandernd, wieder in einer halben Stunde _*Kupferberg_.
Diese Partie lässt sich noch über _Wenkau_, ein Dorf am südlichen
Gebirgsabhange in einem Thale zwischen Waldungen, zurücklegen. Beide
Partien zeichnen sich durch grossartigen Gebirgscharakter aus.
Ausdauernden Touristen empfehlen wir die _Fusstour_ von Klösterle aus
durch das wiederholt berührte, herrliche Egerthal auf der Kaiserstrasse
nach _Pürstein_ über Aubach nach _Wotsch_, von da nach _Warta_ und
endlich nordwestlich abbiegend, nach Hauenstein (siehe Bereisung von
Johannisthal aus). -- Retour nach Pürstein (zu Fuss und per Bahn), das
am Zusammenflusse von drei Bächen, im Ausgange eines engen Thales,
am Fusse des Erzgebirges in malerischer Gebirgsgegend gelegen ist.
Wir gehen nun nördlich und kommen zu dem Schlossberge mit einigen
Ueberresten der Burg Pürstenstein, auch Finkelstein, und setzen unseren
Weg steil aufwärts nach _Kleinthal_, dann nach Steingrün fort und
erreichen endlich _Kupferberg_. Dieser Aufstieg wird den Touristen
wegen der reichen Abwechslung der wildromantischen Gegend besonders
empfohlen. Zuvor statten wir der, an der Strasse gelegenen herrlichen
Felspartie einen Besuch ab und erfreuen uns über den prachtvollen
Einblick in das Egerthal. Der berühmte Landschaftsmaler Slowikowski,
der gegenwärtig mit der Aufnahme von Bildern im Erzgebirge beschäftigt
ist, entdeckte hier im J. 1880 eine schöne Sphinx und entwarf eine
correcte Zeichnung davon, deren Abdruck sammt dem von ihm verfassten
Gedichte nächstens in der Erzgebirgszeitung erscheinen wird.

=Kupferberg=, eine Bergstadt, auf dem Rücken des Erzgebirges 834 m
über dem Meere gelegen. Die Kirche wurde in den Jahren 1803 bis 1814
neuerbaut und die alte, ganz baufällige abgetragen; sie hat einen Thurm
mit einem harmonischen Geläute von 5 Glocken, welche noch von der alten
Kirche herrühren. Das Städtchen ist regelmässig angelegt, die Häuser
fassen einen grossen, quadratischen Platz ein.

    =Gasthäuser=: Rathhaus, Deutsches Haus, Post.

    =Eisenbahnstation= (20 Minuten von der Stadt, Verbindung mit
    Komotau-Weipert).

    =Postamt=.

Der an der Nordseite der Stadt sich erhebende _*Kupferhügel_ (in 12
Min. ohne Anstrengung zu erreichen) ist vom Bergbau ganz unterwühlt,
eine Menge Halden an seinem Abhange und in seiner Umgebung sind die
Reste der seit vielen Jahren erloschenen unterirdischen Thätigkeit. Auf
dem Gipfel steht eine Kapelle, welche von Einheimischen und Fremden
häufig der Andacht und auch der herrlichen Aussicht wegen besucht
wird. Diese ist eine der merkwürdigsten und schönsten in Böhmen; gegen
Nordwest, Nord und Nordost ist sie zwar durch die höheren bewaldeten
Rücken und Kuppen des Gebirges beschränkt, aber in anderen Richtungen
erstreckt sie sich in unbegrenzte Ferne, besonders gegen Süd und
Südosten. Wir sehen bis in die Gegend von Prag, wo dann die Hochebene
des mittleren Böhmen den Horizont bildet, und dann weit in die Gegend
von Elbogen und Pilsen. Unterhalb der Kapelle befindet sich das
bekannte »Gasthaus am Kupferhügel.« (Erscheinungen siehe _Klima_.)

Von Kupferberg aus gehen wir (auf dem Plateau wird doch niemand die
Bahn benützen wollen) in der herrlichen Waldluft auf der Strasse in
westlicher Richtung nach Oberhals (¾ St.), einem zerstreut am südlichen
schroffen Rande des Gebirgsrückens in ebener Gegend liegenden Dorfe,
biegen hinter demselben rechts ab und kommen in dem langgestreckten
Orte _Schmiedeberg_ an. Das Dorf hat eine Eisenbahnstation der
Buschtiehrader Eisenbahn von Komotau nach Weipert her und ist
Absteigestation für die herrlichen _Aussichtspunkte_: _Keilberg_,
_Fichtelberg_, _Spitzberg_ bei Gottesgab, _Halsberg_ bei Pressnitz,
_Kupferhügel_ und _Bärenstein_ bei Weipert (siehe oben Bereis. des
Erzgebirges von Joachimsthal und Kaaden aus!). Hervorragende Gebäude
sind die Kirche und das Schulhaus.

    =Gasthöfe=: Schneeberg, Ross.

Von Schmiedeberg gelangen wir in je 1¼ St. in nordöstlicher Richtung
nach Pressnitz, in südöstlicher nach Kupferberg, in nordwestlicher nach
Weipert und in südwestlicher nach Böhmisch-Wiesenthal (siehe Bereisung
von Joachimsthal aus!). Nach Pressnitz führt von Schmiedeberg die
Pressnitz-Schmiedeberger Bezirksstrasse. Der Weg ist sehr angenehm.

=Pressnitz=, Bergstadt, mit 3000 Einwohnern, auf der nördlichen sanften
Abdachung.

    =Gasthäuser=: »Herrenhaus«, »Rössel«.

    =Aemter=: K. k. _Bezirksgericht_, _Post-_ und _Telegrafenamt_.

    =Eisenbahnstation= der Buschtiehrader Bahn einerseits gegen
    Weipert, andererseits gegen Komotau.

=Geschichtliches=: Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem
Silberbergbau. Hier ist bereits zur Zeit der Regierung des Königs Georg
von Poděbrad Silber gegraben und dem Herrn Niklas von Lobkowitz auf
Hassenstein eine unbeschränkte Bergfreiheit zum Abbau aller Metalle
drei Meilen rings um sein Stammschloss Hassenstein verliehen worden.
Diese wurde vom Könige Wladislaw den Gliedern dieses Adelsstammes im J.
1473, 1490, 1500 und 1514 fortwährend weiter zugestanden. Unter König
Mathias wurde, um den Bergbau zu heben, ein Vertrag geschlossen, der
aber leider kein Heil mehr brachte, weil gleich darnach der 30jährige
Krieg ausbrach. Er wurde zwar auch von allen späteren Monarchen gleich
den anderen Privilegien bestätigt, ohne aber den erwarteten Erfolg zu
haben.

Seit dem grossen Brande am 1. August 1811 sind die Pressnitzer mehr
in der Welt bekannt geworden. Seitdem gehen junge Mädchen, mit der
Harfe die entferntesten Gegenden besuchend, zum Theile von den Vätern,
welche die Geige oder Flöte spielen, begleitet, einem oft nicht
unbeträchtlichen Erwerbe nach, mit dem sie zur Unterstützung ihrer
Eltern und Geschwister zeitweilig nach Hause kehren. Von Pressnitz
aus gelangen wir auf einer guten Strasse durch das weitläufige Dorf
_Reischdorf_ über den _Reischberg_ 457 m nach Sonnenberg (1¾ St. --
siehe Bereisung von Komotau aus).



E. Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus.



Görkau.


=Görkau=, eine Stadt mit mehr als 4000 Einwohnern, 15 Minuten südlich
vom Fusse des Erzgebirges gelegen, von der Biela und dem Aubach
durchflossen. Die Umgebung der Stadt bilden zahlreiche geschlossene
Obstgärten, worin Birnen, Aepfel, Nüsse, Kirschen und Zwetschken
gezogen werden. Die Stadt hat schöne Waldungen (über 2000 Joch), welche
hoch im Gebirge zwischen den Waldungen der Herrschaft Rothenhaus, den
fürstlich Lobkowitz'schen von Eisenberg-Neudorf und den Katharinaberger
liegen. In jüngster Zeit hat die Stadtgemeinde auch die schöne Graf
Wolkenstein'sche Waldherrschaft Göttersdorf angekauft.

    =Gasthöfe=: Hôtel »_Schorsch_« -- Garten, eigene Gelegenheit
    zur Bahn und zu anderweitigen Fahrten, zu Gebirgstouren;

    »_Weisses Ross_« -- Garten und Gelegenheit mit der Post zur
    Bahn; beide in der Kaiserstrasse gelegen;

    »_Zum rothen Hirschen_« und »_Zum Stern_« am Ring gelegen;
    dann »_Zum Nussbaum_« ausserhalb der Bahnhofstrasse; grosse
    Gartenrestaurants: »_Am Büschel_« mit grossem Saale und Veranda
    -- nebenan die Schiessstätte; »_Zur Hütte_« mit Billard;
    »_Zum goldenen Kreuz_« und »_Am Rothenhäuser Keller_«; ferner
    ein Mineralbad mit Restauration. Führer zu Gebirgstouren und
    Auskünfte in den 2 erstgenannten Gasthäusern.

    =Eisenbahn-Stationen=: »_Udwitz-Görkau_« der Aussig-Teplitzer
    Bahn; »_Görkau_« der Dux-Bodenbacher Bahn; diese 10 Minuten,
    jene 25 Minuten vom der Stadt entfernt; zu jedem Zuge
    Gelegenheiten nach Udwitz.

    In die Stadt führende Strassen:

    a) von Teplitz über Dux, Brüx, Seestadtl;
    b) von Teplitz über Ossegg, Oberleutensdorf, Obergeorgenthal,
       Eisenberg;
    c) von Karlsbad über Schlackenwerth, Klösterle, Kaaden, Kralupp,
       Komotau;
    d) von Saaz über Eidlitz oder Komotau;
    e) von Postelberg über Komotau oder Eidlitz;
    f) von der sächsischen Grenze über Kallich, Göttersdorf, Rothenhaus;
    g) von der sächsischen Grenze über Grünthal, Brandau, Gabrielahütte,
       Göttersdorf, Rothenhaus;
    h) von der sächsischen Grenze über Katharinaberg, Neuhaus,
       Göttersdorf, Rothenhaus;
    i) von der sächsischen Grenze über Kallich, Bernau, Gersdorf,
       Platten, Pirken.

    =Gebäude und Institute=: 2 katholische Kirchen mit Dechantei,
    1 protestantische Kirche mit Pfarrei, 1 jüdischer Tempel,
    1 fünfklassige Volksschule für Knaben und Mädchen mit 10
    Lehrsälen, 1 Kindergarten, 1 städtisches Krankenhaus, 1
    städtische Sparkasse, 1 Bürgerversorgungshaus, 1 Apotheke. --
    (3 Doktoren der Medizin, 2 Thierärzte.)

    =Aemter und Behörden=: ein k. k. Notariat, ein Stadthaus mit
    den Gemeindeämtern, ein k. k. Bezirksgericht, ein k. k. Steuer-
    und Grundbuchsamt, ein k. k. Post- u. Telegraphenamt, ein
    Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.

    =Industrielle Etablissements= in der Stadt und deren nächster
    Nähe: 7 Baumwollspinnereien und Zwirnfabriken, 1 Papierfabrik,
    4 Dampfmühlen, 9 Getreide- und Brettmühlen mit Wasserbetrieb,
    2 Bierbrauereien, 2 Eisenhämmer, 1 Metallfabrik mit Dampf, 1
    Holzdreherei mit Wasserkraft, 3 Färbereien, 1 photographisches
    Atelier, 1 Wechselstube, viele solide Handlungen.

Eine grosse Merkwürdigkeit Görkaus ist ein in weichen Sandstein
gehauener Keller, der sich weit unter der Stadt hinzieht und
ursprünglich 150 Abtheilungen hatte, wovon jetzt noch ca. 100 erhalten
sind, da eine Anzahl durch Bauten kassiert worden ist und mehrere
verfielen. Diese Kellerabtheilungen gehören zu den brauberechtigten
Bürgerhäusern, wurden zur Zeit, als noch die Reihenbrauerei ausgeübt
wurde, als Gährkeller benützt und danken diesem Umstande ihre
Entstehung.

=Geschichtliches.= Die Dekanalkirche war schon 1384 als Pfarrkirche
vorhanden. Ueber ihr Schicksal fehlt es an Nachrichten. Sie enthält das
Grabmal des am 5. Jänner 1578 verstorbenen Besitzers von Rothenhaus,
Christof von Karlowitz. Auf dem Rathhause bewahrt man mehrere
Privilegien von den Monarchen Ladislaus, Ferdinand III., Maximilian
II. und Rudolf II., welch letzterer der Stadt ein Wappen im Jahre
1588 verlieh, bestehend aus einem in zwei Hälften quer getheilten
Schild. Die untere Hälfte zeigt eine Stadtmauer mit halboffenem Thore
und Fallgatter, die obere drei rothe Herzen im goldenen Felde. Ueber
dem Schilde ist ein Stechhelm und ein silberner Flügel mit drei
Kleeblättern.


Kleine Spaziergänge.

1. Zum »_*Buschel_«, Restauration mit Saal und Veranda; der Anstieg
auf der mit Obstbäumen bepflanzten Strasse ist kaum merkbar; ¼ Stunde.
2. Zum _Weingarten_ in nordwestlicher Richtung, 25 Minuten; sanfter
Anstieg zwischen Obstbaumpflanzungen; Gasthaus des Anton Proksch. 3.
Die innerhalb 1 Stunde und ohne grosse Mühe zu erreichenden Berge:
_Ziegenberg_ bei Görkau, _Breitenstein_, _Galgenberg_, _Wachhübel_,
_Spitzberg_ bei Hannersdorf, _Georgshöhe_, _Hänselberg_, _Katzenhübel_,
_*Hutberg_ bei Pirken. Diese Berge bieten insgesammt eine schöne
Aussicht auf die mit Städten und Dörfern übersäete Fläche von Komotau
bis in die Gegend von Bilin mit den als südöstliche Begrenzung
aufsteigenden Kegeln des Mittelgebirges. 4. _*Das gräflich Bouquoi'sche
Schloss Rothenhaus_, 25 Minuten, auf einer mit Kastanienbäumen
bepflanzten Strasse in nördlicher Richtung erreichbar. Rothenhaus
liegt am Vorgebirge mit gegen Süden und Westen gewendeter offener
Front; das grossartige Schloss steht mitten im Parke, umgeben von
prächtigen Gartenanlagen, Glashäusern mit den seltensten einheimischen
und exotischen Gewächsen. Es gehört unter die schönsten Gebäude dieser
Art in ganz Böhmen und gewährt bei seiner hohen und freien Lage eine
reizende Aussicht auf das innere Land und das Mittelgebirge. Im oberen
eingefriedeten Parke Hirsch- und Rehstand, im unteren Parke ein
Pferdegestüt edler Racen; auch Fluss-, Teich- und Forellenfischerei.
Der Park ist dem Publikum an Sonn- und Feiertagen, sonst aber nach
erbetener Erlaubniss, zugänglich.

=Lohnende Ausflüge von grösserer Entfernung=: 1. Ueber Pirken, Schergau
nach dem Pfarrorte _*Platten_, auf guter Strasse in zwei Stunden, mit
einem überraschend schönen Ueberblicke der Komotauer und Saazer Gegend,
des Mittelgebirges bis weit in das Innere unseres Heimathslandes, der
Gebirgsbahnen nach Weipert und Reizenhain. Von Platten 15 Minuten
entfernt der Wallfahrtsort _Quinau_ mit schöner Wallfahrtskirche.
Von Platten führt eine Strasse über Rodenau, Gersdorf nach Bernau
und zum _Gaisberg_, auf welchem die Biela entspringt -- nicht weit
davon _der Beerhübel_ 889 m über der Ostsee; auf der Strasse weiter
zu dem Pfarrorte _Kallich_ mit einem Post- und Grenz-Zollamte, einem
Eisenguss- und Walzwerke und gutem Gasthofe. Bei Kallich finden wir
Lager von Urkalkstein, während die Felsarten in diesem Reisebezirke im
Erzgebirge fast durchgängig Gneisabänderungen sind. Bei Rudelsdorf und
Kleinhan finden sich Granitkuppen und bei Brandau einige Basaltkuppen.
Hier wird Anthracitkohle gewonnen. Am Fusse des Erzgebirges kommen hie
und da die sandigen und thonigen Gesteine der Braunkohlenformation
zum Vorscheine. Von Görkau bis dahin 3 Stunden. _Das ist eine echte
Gebirgspartie theilweise durch schöne ausgedehnte Wälder._

2. Nach der Ruine _*Neustein_, fortwährend auf schattiger Strasse durch
das herrliche Teltschthal, der Biela entgegen, an Fabriken, Mühlen,
Eisenhämmern und einer Holzdreherei vorüber, bis zum Fusse des Berges,
auf dessen Gipfel die von Bäumen umsäumte Ruine; 1½ Stunde; einige
Minuten davon eine Rothenhäuser Försterei.

3. Durch das Teltschthal, Uhrissen, Gersdorf nach _*Bernau_, immer an
der Biela, bis Uhrissen gute Strasse, dann Feldweg; 2 Stunden; von der
Schule in Gersdorf eine wundervolle Aussicht in das Innere Böhmens.

4. Durch das schattige Tiefenthal nach _Hannersdorf_, stark steigender
Weg; 1 Stunde.

5. *Durch den Ort Rothenhaus, Göttersdorf mit Pfarrei und guten
Restaurationen, Forst, Ochsenstall nach _Kallich_, fortwährend Strasse
durch Hochwald, 3 Stunden, prächtige Waldpartie; schöne Rückblicke,
namentlich bei Göttersdorf in das Innere Böhmens.

6. Ueber Göttersdorf, Neuhaus mit dem Görkauer Forstamt, nach _Ladung_
mit einer Eisenberger Försterei, 2½ St., von letzterer eine lohnende
Fernsicht; unweit der Berg _Hübladung_ 796 m; bis Neuhaus Strasse, dann
Waldweg.

7. *Ueber Göttersdorf, Kallich, Gabrielahütte durch ein zwei Stunden
langes, bewässertes, tiefgrünes Thal mit dichtgereihten Hammer-
und Blechwalzwerken, Mühlen und anderen Industrien nach _*Brandau
und *Grünthal_, immer Strasse, 5½ St.; hier die nahen Berge:
_Töltschberg_, _Katzenrücken_ und _Zechenberg_. Diese Partie gehört zu
den schönsten im Erzgebirge und kann sich in Bezug auf Grossartigkeit
und Pracht, sowie Mannigfaltigkeit der Scenerie mit den herrlichsten
Alpenlandschaften messen. Der schönste Theil derselben ist von Kallich
auf guter Strasse durch ausgedehnte Buchen- und Nadelwälder über
Gabrielahütten durch das Teltschthal (zu unterscheiden von dem bei
Görkau) nach Brandau und Grünthal. Der Ort Gabrielahütten wurde im
Jahre 1778, gleichzeitig mit dem Eisenwerke, vom Grafen Heinrich von
Rothenhan errichtet und seiner Tochter, der edlen Gabriela Maria,
verehelichten Gräfin von Bouquoi, Sternkreuzordensdame und Dame du
Palais, welche die Herrschaft nach dem im Jahre 1809 erfolgten Tode
ihres Vaters als Erbschaft erhalten hat, zu Ehren benannt. Der Ort hat
eine Schule und eine im schweizer Styl erbaute Restauration. Das Thal
wird von dem Teltschbach, der sich in den schäumenden Natschungbach
ergiesst, durchbraust. Das Thal ist einsam und voll würziger,
erfrischender Waldluft. Es verengt sich oft, die hohen Thalwände werden
wiederholt von schroffen Felswänden unterbrochen, und die vielfachen
Windungen verändern von Strecke zu Strecke das Bild und bewirken eine
reiche Scenerie der Landschaft. Nach 3½stündiger Wanderung kommen wir
in eine von herrlichen Waldungen umrahmte Landschaft, in deren Mitte
sich das Dorf Brandau befindet und treffen nach einer halben Stunde
in _*Grünthal_ ein, unserer Endstation, einem reizend, unmittelbar an
der Grenze gelegenen Orte mit grossartigem Hôtel. Fortsetzung der Tour
längs der Flöha nach Olbernhau in Sachsen.

8. Ueber Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan mit Pfarre nach
_Katharinaberg_, immer Strasse, 4 St.

9. Ueber Rothenhaus beim Gestüte vorbei nach der Aubachmühle, ferner
auf stark steigendem Wege über Stolzenhan nach _Ladung_, 2½ St.

10. Durch den unteren Rothenhäuser Park und über Türmaul zum
_Silberstollen_, durch ein schönes saftig grünes Thal, 1 Stunde lang,
immer fahrbar; das Silberwerk ist gegenwärtig ausser Betrieb.

11. Auf der Strasse zum Forsthause in Hohenofen, dann im Walde auf
den _*Tannichberg_ 847 m hoch, mit prachtvoller Rundschau, zum
Forsthause »Rothe Grube«, 3¼ St.; von hier in 15 Minuten auf den
_*Bernstein_ mit einem von Oesterreich und Sachsen gemeinschaftlich
erbauten Aussichtsthurme, 917 m hoch, unstreitig einer der schönsten
Fernsichtspunkte im ganzen Erzgebirge. Man übersieht von demselben
einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, von Böhmen gegen
die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz und das Erz- und
vorliegende Mittelgebirge.

12. Zum Forsthause Hohenofen, auf der Waldstrasse zum _*Theresiensitz_
mit einem Tempel und schöner Fernsicht, _auf den *Seeberg_ mit einem
Felsenlabyrinthe und dem _Johannisfeuerberg_; beide durch eine tiefe
Schlucht von einander getrennt, mit der gleichen Höhe von 631 m, bieten
sie eine ausgedehnte Fernsicht bis Prag, auf das Mittelgebirge und in's
Land; 3 St. Vom Theresiensitz in ¾ St. zum Forsthause »Rothe Grube« und
in abermals ¾ St. zum Hegerhaus im _Flachsgrund_. Hier ist ein Local,
dessen sämmtliche Möbel kunstvoll aus Hirschgeweihen zusammengesetzt
sind, sehenswerth.

13. Durch den unteren Rothenhäuser Park, Türmaul, Forsthaus Hohenofen,
durch den Thiergarten nach _*Eisenberg_, 1½ St., schattige Strasse.
Schloss Eisenberg, dem Fürsten Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz gehörig,
ist ein im jüngsten Renaissancestyl erbauter herrlicher Edelsitz,
historisch berühmt als einstiger Aufenthalt des Prinzenräubers Kunz von
Kaufungen, auf einem Bergvorsprunge im Süden des Erzgebirges, mit einem
wundervollen Panorama. Gegen Nordosten die Abhänge des Erzgebirges,
gegen Osten und Südosten das böhmische Mittelgebirge, Hügel an Hügel,
Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene, pittoresk gestaltete Bořen bei
Bilin mächtig überragt. Gegen Süden breitet sich die Saazer Ebene,
»der Garten Böhmens«, aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie
besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Nach Südwesten ist
der Horizont durch das Karlsbader und Duppauer Gebirge abgegrenzt.
Die Park- und Garten-Anlagen, sowie die Glashäuser des Schlosses sind
grossartig. In einer prunklosen, zur Andacht stimmenden Waldkapelle
befindet sich ein Kreuz von grosser Dimension am Altare, das in einem
Stücke aus einem Eichbaume geschnitten ist, bei dessen Fällung ein
Graf Lobkowitz vor 156 Jahren den Tod fand. Er hatte die Warnung der
Holzschläger, sich zu entfernen, nicht beachtet, der Baum fiel auf
ihn und erschlug ihn. In der Schlosskapelle ferner ist ein Dorn unter
Glas und Rahmen aufbewahrt, welchen die Kreuzritter aus Palästina
mitgebracht und welcher aus der Dornenkrone des Heilandes entnommen
ist. Diese Reliquie wird jedes Jahr vor Ostern eine Woche in der
Kirche zu Neundorf und einen Tag in Seestadtl zur Verehrung ausgesetzt
und zieht viele Wallfahrer an. Die Herren von Lobkowitz legen dem
»heiligen Dorn« einen hohen Werth bei und soll einmal ein fürstliches
Familienglied bei der Erbtheilung denselben einer Herrschaft vorgezogen
haben.

14. Mit der Eisenbahn nach Eisenberg, dann auf der Gebirgsstrasse
nach _Nikelsdorf_, _Böhmisch-Einsiedel_, _Deutsch-Einsiedel_ und
_Bad *Einsiedel_, einem reizend gelegenen, von sächsischer Seite mit
Vorliebe besuchten Luft-Curort mit Naturbädern; 4 St.

15. Mit der Eisenbahn nach _Obergeorgenthal_, über _Marienthal_ (mit
einer Baumwollspinnerei) auf der Gebirgsstrasse nach Nikelsdorf und
Einsiedel; 3½ St. (Siehe Oberleutensdorf.)

16. Mit der Eisenbahn _nach Johnsdorf_; daselbst an der Strasse
das *Hôtel Weber, das durch sein luxuriöses Ameublement und seine
kunst- und geschmackvollen Malereien an den Wänden und Decken die
Beschauer zur Bewunderung hinreisst. Von da erreicht man durch
Obstgärten in 15 Minuten den Ort _*Hammer_ mit schöner Fernsicht und
vielbesuchter Restauration »_*Zur deutschen Bruderhalle_«; weiter
auf stark steigender Gebirgsstrasse nach _Kreuzweg_, in der Nähe
der _Kampelberg_, und nach Einsiedel, unweit der Göhrenberg. (S.
Oberleutensdorf.)

Die Stadt _*Katharinaberg_ erreichen wir von Görkau über Göttersdorf,
Neuhaus, Kleinhan und den Grund auf guten Wegen durch ausgedehnte,
herrliche Wälder -- eine echte Gebirgspartie, oder wir fahren mit
der Dux-Bodenbacher Bahn nach Obergeorgenthal und gehen von da über
Marienthal und Nikelsdorf nach Katharinaberg, ebenfalls eine herrliche
Gebirgspartie. Katharinaberg, eine Bergstadt mit über 2200 Einwohnern,
liegt, von Görkau ca. 4 St. entfernt, auf einem schmalen, mässig hohen,
aber steil abfallenden Bergrücken. Dazu gehört das Pachendörfel, eine
südöstlich gelegene Gruppe von Häusern, und der Grund, eine in dem vom
Zobelbach durchflossenen Thale gelegene doppelte Häuserreihe.

    =Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«; »Kronprinz Rudolf«; beide
    am Marktplatz gelegen; »Zur Herrenschänke«, hart an der Grenze
    im »Grund« gelegen.

    In die Stadt führende =Strassen=:

    1. Von Brüx über Nieder- und Obergeorgenthal, Marienthal,
    Nikelsdorf.

    2. Von Oberleutensdorf über Johnsdorf, Obergeorgenthal,
    Marienthal, Nikelsdorf.

    3. Von Görkau über Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan.

    4. Von Kallich über Gabrielahütten, Brandau.

    5. Von Olbernhau über Grünthal, Brandau.

    =Gebäude und Institute=: Eine katholische Kirche mit
    Pfarre, eine vierklassige Volksschule, eine Apotheke -- (2
    Medizin-Doktoren).

    =Aemter und Behörden=: Stadthaus mit dem Gemeindeamt, ein
    k. k. Bezirksgericht mit Dependenzen, ein _Postamt_, ein
    Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.

    =Industrielle Etablissements=: Wirkwaaren-Industrie,
    Holzdrehereien mit Wasserbetrieb, Brettmühlen,
    Spielwaarenerzeugung, eine städtische Brauerei.

Die Entstehung der Stadt fällt wahrscheinlich mit dem Ursprunge des
Bergbaues zusammen. Geschichtliches ist nichts davon bekannt, als die
Begnadigungen, welche der Ort seit dem 16. Jahrhundert, wo er bereits
zu Rothenhaus gehörte, erhalten hat. Im Jahre 1528 erhielt die Stadt
von Ferdinand I. das Wappen und die Befugniss, mit grünem Wachs zu
siegeln. Seit dem dreissigjährigen Kriege kam der Silberbergbau immer
mehr in Verfall. In diesem Kriege wurde die Stadt von den Schweden und
Sachsen durch Brand und Plünderung hart mitgenommen. Es gingen damals
alle Urkunden und andere schriftliche Nachrichten über den früheren
Bergbau aus der Zeit vor 1528 zu Grunde. Auch im siebenjährigen
Kriege litt die Stadt durch Brandschatzung und Plünderung und verlor
namentlich die Bergkassa der bürgerlichen Gewerkschaft.

=Kleiner Spaziergang.= Zum _Gasthaus »zum grünen Baum«_, ¼ St., Fahrweg
dahin; zwischen Gebirgs-Neudorf und Katharinaberg gelegen.


Ausflüge von grösserer Dauer.

1. Im herrlichen Flöhathale der sächsischen Grenze entlang nach
_*Brandau_ und _*Grünthal_; gute, zum Theil durch Hochwald führende
Strasse, 1¼ Stunden. In dem hart an der sächsischen Grenze, am
Zusammenflusse der drei Grenzgewässer Natschung, Schweinitz und Flöha
gelegenen Orte Grünthal, das wegen seiner guten Küche und feiner Weine
und Biere von Touristen vielfach besuchte Griessl'sche Gasthaus;
in dem nur durch den Natschungbach getrennten sächsischen Grünthal
sind Schwefelbäder und ein in seiner Art grossartig angelegtes
»Kupfer-Hammerwerk«, welches die verschiedenartigsten Erzeugnisse aus
Kupfer fast in alle Welttheile versendet. (Siehe Seite 150.)

2. Ueber Brandau auf schöner Strasse nach _*Gabrielahütten_ in dem
prächtigen, 2 Stunden langen, den Thälern der Schweiz vergleichbaren
Teltschthal, wo der Natschungbach zahlreiche Hammer- und
Blechwalzwerke, Holzdrehereien, Brettmühlen und andere Industriewerke
in Betrieb setzt. 2½ St. -- (siehe von Görkau aus.) Das der Herrschaft
Rothenhaus gehörige Gasthaus »zur böhmischen Schweiz« mit Garten
bietet den Touristen willkommene Gelegenheit zur Erfrischung; unweit
Gabrielahütten auf sächsischer Seite der an der Südseite steil
abfallende _Habichts-_ oder _Stösserfelsen_ mit herrlicher Aussicht.
-- (Siehe oben Seite 150.)

3. Im Flöhathale der sächsischen Grenze entlang über Ober- und
Niederlochmühle durch ein herrliches Thal auf schöner Strasse nach
_Seifen_ und von da nach _Bad *Einsiedel_ (sächsisch), das nicht
allein durch seine Schwefelbäder, sondern auch durch seine romantische
Lage den hier weilenden Curgästen Erquickung und Heilung gewährt.
Restauration mit Garten und herrlichen Spaziergängen. 2½ Stunden.
(Siehe Görkau Seite 152.)

4. Ueber Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach _Bad Einsiedel_. Bis »zum
grünen Baum« Fahrweg, dann schöne, von Waldungen beschattete Strasse; 2
Stunden. In 25 Minuten von da nach Einsiedel (böhmisch) schöne Strasse.

5. Ueber Gebirgs-Neudorf, oder auf sächsischer Seite über
Deutsch-Neudorf, Brüderwiese _nach Einsiedel_ (_der Haselstein_ mit
schöner Fernsicht bis in die Aussiger, Schlaner und Komotauer Gegend,
und der _Käsherdberg_), Göhren (der Farbenhügel, der Göhrenberg, der
Krummschuss), Zettel (der Falkenberg und der Nitschenberg) _durch
*Rauschengrund nach *Oberleutensdorf_. In Rauschengrund zwei Fabriken
der Herren Marbach und Riecken, Baumwollgarn- und Kattunerzeugung;
Brettsägen und Mühlen. Grösstentheils Waldweg, 4 Stunden. Prächtige
Gebirgspartie!

6. Ueber Gebirgs-Neudorf. Einsiedel, Kreuzweg (der Flösselberg, der
Hellwikstein, der Kampfberg und der Pflasterberg) durch den herrlichen
_*Hammergrund_ nach _*Johnsdorf_; von Einsiedel bis Johnsdorf schöne
Strasse; 2½ St.

7. Ueber Nikelsdorf (Wachhübel mit schöner Fernsicht) durch ein
herrliches Thal nach Marienthal mit einer Baumwollspinnfabrik (der
_Weinberg_ mit einem prächtigen Ueberblick der ganzen Kesselgegend
gegen Osten, Süden und Westen) und Obergeorgenthal (Dux-Bodenbacher
Bahnstation); schöne grossentheils schattige Strasse, 2½ Stunden.

8. Ueber Kleinhan, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus nach _Görkau_;
immer schöne Strasse, 4 Stunden. Vor Göttersdorf öffnet sich der
Ausblick auf die Komotauer und Brüxer Gegend.

=Bergbesteigungen.= 1. _*Steinl_ mit herrlicher Aussicht bis zum
Sonnenwirbel bei Gottesgab und in das Flöha- oder Fleythal bis nach
Augustusburg in Sachsen; an der Herrnschänke vorbei, ein Waldweg, 1
Stunde, oder besser über Kleinhan, 1½ St.

2. _*Hübladung_ bei Kleinhan, schöne Strasse, 1 St.; herrliche
Aussicht in das Flöhathal, in die Gegend von Saida und bis nach
Augustusburg.

3. _Bärenstein_ oder _Bernstein_, entweder direct auf einem Waldwege
dahin, ¾ Stund.; oder aber besser zum Forsthaus »Rothe Grube« und von
da der Aufstieg, 1½ St. Prachtvolle Aussicht auf einen grossen Theil
von Sachsen bis Augustusburg, gegen die Elbe und Eger, nach Prag,
Teplitz, Brüx, Saaz, das Erz- und vorliegende Mittelgebirge. (Siehe von
Görkau aus!)



F. Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über Oberleutensdorf.



*Dux.

(Von Eger-Karlsbad und von Aussig mit der Bahn leicht zu erreichen.)


    =Gasthöfe.= Hôtel »zur Krone«, »Herrschaftlicher Gasthof«,
    Gasthof »zum weissen Ross«, »Zum Tobisch«.

    =Post- und Telegrafenamt.=

    =Bahnhof= der Aussig-Teplitzer und der Dux-Bodenbacher Bahn.

=Dux=, Stadt 213 m (4000 E.) mit mehrfachen gewerblichen Anlagen:
Zuckerfabrik, Glasfabrik, Syderolithwaarenfabrik, Kohlenwerke u. s. w.

=Sehenswürdigkeiten=: Neben der Kirche (kostbares Tabernakel und
Altarbild) das Schloss, dem Grafen Waldstein, Nachkommen eines
Nebenzweiges der Familie des berühmten Friedländers, gehörig; es
enthält 4 Säle, 60 Zimmer und besitzt einen berühmten Garten. Im
Schlosse ist besonders sehenswerth: 1. Der grosse Familiensaal mit
Bildnissen aus der Familie Waldstein und dem höchst imposanten
Deckengemälde von Reiner, welches die Scene darstellt, wie Heinrich
Waldstein 1254 dem Könige Ottokar seine 24 Söhne nebst 24 Knappen,
sämmtlich zu Ross, vorführt. 2. Die Bildergallerie, in 8 Zimmern,
wo sich auch das Portrait des Herzogs von Friedland von van Deyk
befindet. 3. Der Waffensaal, der unter den verschiedensten Armaturen
auch Waffenstücke des grossen Friedländers aufzuweisen hat. 4.
Das Porzellan-Cabinet mit seinen japanesischen und chinesischen
Vasen, Pyramiden und Figuren. 5. Das Kunst- und Antiken-Cabinet
mit Antiquitäten aus Herkulanum und Pompeji, Fayence-Malereien,
Mosaiktafeln, Bronce-Gruppen, Modellen u. s. w. 6. Die Bibliothek
mit ca. 12.000 Bänden, darunter viele alte Manuscripte, Prachtwerke,
Kupferstichsammlungen u. s. w. 7. Das Naturaliencabinet enthält eine
reiche Sammlung von Mineralien, Seegewächsen, Conchilien, Fischen und
Vögeln.

Im Schloss-Vorhofe ein Wasserbehälter aus Geschützen verfertigt, die
der Friedländer erobert hatte.

=Geschichtliches.= Stadt und Herrschaft gehörte zu Anfang des 16.
Jahrhunderts Joh. Kapiřz von Sulewitz, welcher sie 1530 an Dippold v.
Lobkowitz verkaufte. Bei dieser Familie verblieb sie bis 1618. Bald
darauf aber gelangte sie durch Kauf an den Grafen von Waldstein; Johann
Friedrich Graf von Waldstein, Erzbischof zu Prag, erhob 1680 Dux und
Oberleutensdorf zu einem Fideicommiss und vererbte sie 1694 an Johann
Grafen von Waldstein-Wartenberg, nachmaligen Landesmarschall von Böhmen.


Spaziergänge.

_Zur Riesenquelle, auch Grünze_ genannt, 20 Minuten an der Strasse
nach Teplitz mit Fremdenzimmern, Gartenanlagen; enthält zugleich
Gesundheitsbäder durch die in der Nähe befindliche Quelle.

_Nach Ossegg_ ¾ Stunden. Der Weg führt unterhalb der Kirche an der
Schlossgartenmauer, dann längs des Baches sehr angenehm.

=*Ossegg=, 1100 E., Marktflecken am Fusse des Erzgebirges.

    =Gasthöfe=: Hôtel »zum Kaiser von Oesterreich« mit
    Garten-Restauration; Gasthof »zur Weilburg«.

    =Bahnhof= der Dux-Bodenbacher und der Dux-Prager Bahn.

Ossegg kommt als Sommeraufenthaltsort immer mehr in Aufnahme.

=Sehenswürdigkeiten=: Die _*Stiftskirche_ des Cistercienserstiftes.

Die Errichtung dieses Stiftes reicht in das Jahr 1196 zurück, in
welchem Slavko von Riesenberg (od. eigentlich Riesenburg), der damalige
Besitzer der hiesigen Gegend, die schon im Jahre 1193 durch Johann
Milgost aus Waldsassen in Baiern nach dessen Besitzung Maschau bei
Kaaden berufenen Geistlichen des Cistercienser-Ordens, welche daselbst
durch häufige Ueberfälle von Räubern sehr beunruhigt und zur Verlegung
ihres Sitzes gezwungen wurden, bei sich aufnahm, ihnen die bereits
früher hier bestandene Marienkirche abtrat und die neue Niederlassung
durch mehrere Dörfer und andere Geschenke so reich dotirte, dass sie
dadurch für den Verlust ihrer früheren Besitzungen zu Maschau, welche
ihnen Milgost, aus Verdruss darüber, dass sie ohne sein Vorwissen
ihren Sitz verändert hatten, wieder entzog, schadlos gehalten wurden.
König Přemysl Ottokar I. bestätigte 1203 die neue Stiftung, nahm
sie in seinen königl. Schutz und beschenkte sie mit neuen Gütern und
Vorrechten. Aber schon 1249 überfiel Přemysl Ottokar, Markgraf von
Mähren, das Kloster, welches sich auf die Seite seines Vaters Wenzel I.
von Böhmen geschlagen hatte, jagte sämmtliche Geistliche weg und gab
das Kloster den Soldaten preis. Zwar entschädigte er, nachdem er selbst
König von Böhmen geworden, dasselbe in reichem Masse für die erlittenen
Verluste, aber nach seinem Tode (1278) wurde es neuerdings durch die
Truppen Rudolfs von Habsburg zerstört und ausgeplündert. Kaum wieder
hergestellt, gerieth es 1341 neuerdings in Brand, bis es 1421 von den
Pragern und 1429 von den Taboriten dergestalt zerstört und verwüstet
wurde, dass es lange Zeit ganz verödet blieb. Erst vom Jahre 1626 an
begann es wieder aufzuleben; es wurden jetzt Kloster und Kirche in
ihrer gegenwärtigen Pracht erbaut.


Spaziergänge:

_*Zur Salesiushöhe_ ¼ St.; auf der Strasse nach Langewiese, von der
Säule links in den Wald 10 Min. Schönes Panorama über das Bielathal.
Ihre Entstehung verdankt sie der Verehrung der Stiftsbrüder zu ihrem
Prälaten Salesius Krügner. Von der Salesiushöhe zurück bis zur
Strasse; jenseits derselben Fussweg 5 Min. zum _Kroatenloch_; alter
Bergwerksstollen. Fussweg fortsetzen nach _Riesenberg_.


Ausflüge:

1. _*Riesenburg_ ½ Stunde, dem Domainenbesitzer von Dux gehörig, eine
der ältesten Burgen Böhmens, im 9. Jahrhunderte von dem böhmischen
Ritter Slawko erbaut, gerieth ebenfalls durch die Husiten in Trümmer.
Vom Wartthurme aus herrliche Aussicht.

2. _Nach Klostergrab_ 1 St., Bergstadt, 1500 Einw.

    =Gasthof=: »Zum Rathhaus«.

    =Endstation= der Prag-Duxer Bahn; nord-nordöstlich von Ossegg
    gelegen.

Der Silberbergbau war einst in grösster Blüthe; denn schon im Jahre
1082 standen 600 Bergleute in Arbeit, die in einem Vierteljahre 13 Ctr.
(728 Kgr.) geschmolzenes Silber producirten. Diese Bergleute sind durch
ihre Ansiedelungen in der Nähe der Gruben als die Gründer des Ortes zu
betrachten.

Klostergrab ist nebst Braunau der geschichtlich merkwürdige Ort, wo die
ersten Funken der Religionsunruhen hervorbrachen, indem die daselbst
befindliche protestantische Kirche 1616 auf Befehl des Kaisers Mathias
zerstört wurde.


Merkwürdigkeiten:

Das Schützencorps besitzt einen aus Klostergraber Silber gearbeiteten
Schmuck für den jeweiligen Schützenkönig.


Spaziergänge:

Oberhalb Klostergrab der _*Königshügel_; bietet eine herrliche
Fernsicht über das Teplitzer Thal und die ganze Umgegend. Im Sommer
auch Restauration.

3. Von Ossegg über die Riesenburg nach Langewiese (1 St), schöne
Aussicht, und nach der Porphyrkuppe des _*Wieselstein's_ (1 St.) 944 m
hoch. Von hier übersieht man das Bielathal, das Mittelgebirge, die
Gegend bei Saaz und Kaaden.

Weiter nach dem gräfl. Waldstein'schen Jagdschlosse _Lichtenwald_;
bietet nichts Bemerkenswerthes, wurde im Jahre 1760 erbaut. Dann nach
_Georgshöhe_, einem einsam gelegenen Forsthause, und dem Höllengrund
in das schöne Rauschengrunder Thal nach Oberleutensdorf (siehe
Katharinaberg).

4. Von Ossegg über Ladung nach _Oberleutensdorf_ 1¼ St. Zuerst auf der
Strasse gegen Langewiese -- schöner Rückblick --; wo die Strasse eine
scharfe Biegung nach rechts macht, auf den Fussweg links in den Wald.
Beim Heraustreten aus demselben prachtvolles Bild. Durch Ladung bei der
Brettsäge rechts Fahrweg -- nicht zu fehlen.



Oberleutensdorf.


    =Gasthöfe=: »Drei Linden«, »Weisses Ross«, »Rathhaus«, »Kaiser
    von Oesterreich«.

    =Post- und Telegraphenamt.=

    =Bahnhof= der Dux-Bodenbacher, Prag-Duxer und 1 Stunde
    entfernt: Aussig-Teplitzer Bahn.

=Oberleutensdorf=, Stadt, 3300 E., 320 m; Mittelpunkt der
Spielwaarenindustrie, hat ferner eine Filztuch-, Garn- und Möbelfabrik,
ein dem Grafen Waldstein gehöriges Schloss, ein stark eisenhaltiges Bad.

=Geschichtliches.= Oberleutensdorf war vor dem Jahre 1715 ein
unbedeutendes Dörfchen und wurde in diesem Jahre von Karl VI. zu
einem »Stadtl« erhoben; der Ort wuchs, besonders seit der 1715
in's Leben getretenen Tuchfabrication durch die aus Nah und Fern
herbeiströmenden Arbeiter. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges
schuf die eingeführte Strumpfwirkerei, noch mehr aber die seit 1822
für Oberleutensdorf so wichtige Erzeugung von Spielwaaren einen neuen
Erwerbszweig. (Siehe: Geschichtliches über Dux.)

=Sehenswürdigkeiten=: 1. Das vom Grafen Johann Josef von Waldstein im
J. 1732 erbaute Schloss mit dem neu angelegten schönen Park;

2. die Pfarrkirche mit einem schönen Altarblatt von _Skreta_;

3. auf dem Friedhofe die gräfliche Todtenkapelle mit der
Todtengruft, worin der am 23. Mai 1823 verstorbene Franz Adam Graf
von Waldstein-Wartenberg begraben liegt. Die Kapelle enthält ein
meisterhaftes Denkmal des Verstorbenen;

4. das prächtige Bürgerschulgebäude, in herrlicher Lage auf einer
kleinen Anhöhe.


Spaziergänge:

1. _Zum *Schiesshaus_; prächtige Lage am Saume des Waldes mit schöner
Aussicht auf das ganze Mittelgebirge.

2. _Nach *Rauschengrund_ ½ St. Vor dem Eingange in das Thal links von
der Strasse neue, schön gelegene Restauration; weiter die Villa des
Fabriksbesitzers Hrn. Riecken, dann die Baumwollspinnerei desselben.
Einkehrhaus des Prokop Loos (siehe Katharinaberg).

3. _Nach Sandel_ ½ St. durch den Wald sanft ansteigend mit schöner
Aussicht; Gasthaus.

4. _Nach *Hammer-Johnsdorf_ ¾ St., schön zwischen Obstgärten gelegen,
als Sommeraufenthaltsort ziemlich besucht, reine, gesunde Waldluft,
gegen Ost- und Nordstürme ganz geschützt. Weber's Hôtel zunächst
der Haltestation der Dux-Bodenbacher Bahn, elegante Einrichtung,
aufmerksame Bedienung. -- Mildner's Gasthaus »zur deutschen
Bruderhalle« mit einer prachtvollen Aussicht. Oberhalb der Bruderhalle
am Saume des Waldes das im eleganten Schweizerstyl neuerbaute _Curhaus_
des Med. Dr. Tschuschner mit entzückender Aussicht über das böhmische
Erz- und Mittelgebirge. Griessel's Gasthaus. Hammergrundthal (siehe
Bereisung von Katharinaberg).

5. _Nach dem Gebirgsdorfe Schönbach_ ¾ St.; Gasthaus Fritsch, einfach,
aber gut.


Ausflüge:

1. _Nach dem Wieselstein_ über Schönbach 3 St., nur mit Führer
(im Gasthause zu drei Linden beigestellt); von hier entweder über
Langewiese, Riesenberg nach Ossegg (Siehe dieses), oder nach
Lichtenwald in's Rauschengrunder Thal.

2. _Nach Oberdorf_ ½ St., Göhren 1 St., böhm. Einsiedl ¾ St., Bad
Einsiedl (sächsisch) 20 Min. (Siehe Seite 154).

3. _Nach Eisenberg_ mit der Dux-Bodenbacher Bahn ½ St., prächtiges
Schloss, grossartige Gartenanlagen.

4. _Nach Obergeorgenthal_, Nickelsdorf, von da auf den _Bernstein_
-- einem der höchsten und schönsten Aussichtspunkte der hiesigen
Gegend --; von dort über Ladung nach Katharinaberg. (2, 3, 4 siehe
Bereisung von Katharinaberg aus.)



G. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Brüx-Bilin aus.



Stadt und Schloss Brüx.


    =Gasthöfe=: »Hotel Ross«, »Zum Löwen«, »Zum schwarzen Adler«,
    »Zum Hirschen«, alle am 1. Platz; »Zum blauen Stern« am 3. oder
    Gymnasium-Platz, Siegl's Gasthof am Bahnhof.

    =Restaurationen=: »Zum Suk«, »Bielarestauration«,
    »Schiesshaus«, »Saras«.

    =Caféhaus= Bahnhofstrasse.

    =Post- u. Telegrafenamt= Wassergasse in der Nähe des 1. oder
    Marktplatzes.

    =Postfahrten= nach Hawran, Nieder- und Ober-Georgenthal.

    =Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ gegen Komotau-Karlsbad-Eger
    und Teplitz-Aussig-Bodenbach; _Prag-Duxer_ gegen
    Ossegg-Klostergrab, gegen Obernitz-Prag, Obernitz-Sauerbrunn,
    Bilin; _Pilsen-Priesener_ gegen Pilsen-Eisenstein.

    =Omnibusse= (3) zu jedem Zuge; Droschken, Zweispänner nach
    allen Richtungen.

    =Zeitungslese-Cabinet= im Casino. Einführung von Gästen durch
    Mitglieder gestattet.

    =Photographische Ansichten= von Brüx und Umgebung in den
    Buchhandlungen von Hanns Eichler und Sommer, beide am
    Marktplatz.

    =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Kreisgericht,
    beide am Marktplatz; k. k. Bezirksgericht an der Biela;
    Bürgermeisteramt im Gemeindehause, Fleischbankgasse.

    =Bank- und Wechselgeschäft=, Wassergasse.

    =Zwei Dienstmänner-Institute= (roth und grün).

Unter den Städten des gesegneten nördlichen Böhmen ist wahrlich nicht
die geringste die kön. Stadt Brüx; ihr Name hat einen guten Klang
durch ihr Alter, ihre ruhmvolle Vergangenheit, und die Gegenwart kennt
sie als eine wohlhabende, freundliche Stadt, deren Handel und Verkehr
stetig zunimmt.

Die Chronisten setzen sie _unter die ältesten Städte_ Böhmens. Die
ersten Erbauer von Brüx sind unbekannt, und ihr (der Stadt) Ursprung
ist sehr alt. Sie bediente sich des deutschen Rechtes und von den
Aussprüchen ihrer Gerichte ging der weitere Zug an den Magdeburger
Schöppenstuhl. Im J. 1004 geschieht ihrer das _erstemal Erwähnung_, da
sie sich im Kriege Kaiser Heinrich II. gegen Boleslav III. freiwillig
an jenen ergab. -- Als im Jahre 1040 Helikard, Herzog von Sachsen,
in Böhmen einfiel und bei Gnevin (so hiess damals Brüx) das Lager
aufschlug, liess ihm Herzog Břetislav bedeuten, wofern er binnen 3
Tagen das Land nicht verlasse, werde er ihm den Kopf vor die Füsse
legen. Eingeschüchtert durch diese Drohung verliess Helikard Böhmen,
und Břetislav begann noch in demselben Jahre auf dem Berge, an dessen
Fusse Brüx liegt, zur Sicherung der Grenze die _feste Landeswarta_ zu
bauen. Ihre Schicksale sind bis zu ihrer Zerstörung innig verbunden
mit denen der Stadt. Im Jahre 1045 erhielt sie ob der vielen Brücken,
die über die zahlreichen Gewässer führten, den _Namen_, den sie
bislang führt: _Brüx_, _Most_, _Pontum_ oder _Pons_. -- Um 1200
gehörte Brüx dem Oberkämmerer Grabisa, der den 10. Theil von dessen
Wochenmarkt-Einkommen und den Weinzehent dem Stift Ossegg schenkte.
Hier sei gleich bemerkt, dass der Weinbau hierorts ein bedeutender
gewesen sein muss. Gojata, des obgenannten Grabisa Sohn, vermachte Brüx
testamentarisch der Kirche von Zderas in Prag, doch so, dass seine
Gemahlin bei ihren Lebzeiten den Nutzgenuss haben sollte. Gojata starb
1238 und bald vielleicht auch seine Gattin, denn König Wenzel I., der
grosse Vorliebe für Brüx hatte, zog die Stadt an sich und versprach,
die Zderaser Kanoniker anderweitig und entsprechend zu entschädigen.
Diese Entschädigung scheint jedoch nicht gleich erfolgt zu sein, da
auch sein Sohn und Nachfolger Přemysl Ottokar II. auf Andringen des
päpstlichen Stuhles solche neuerdings zu leisten gelobte. -- Im Kriege
Wenzel's I. mit seinem Sohne ward letzterer, da er Stadt und Schloss
Brüx belagerte, von Boreš, dem obersten königlichen Marschall und
Brüxer Schlosshauptmann des Nachts überfallen, geschlagen, (1. November
1248) und war in Folge dessen gezwungen, mit dem Vater sich auszusöhnen.

Das erste grosse _Privileg_, das _des Meilenrechtes_, erhielt die Stadt
unter'm 26. März 1273 von Přemysl Ottokar. In dieser Privilegienurkunde
wird Brüx auch das erstemal Stadt »civitas nostra« genannt. -- Im
Jahre 1282 hatte Otto, Markgraf von Brandenburg, für die Vormundschaft
über König Wenzel II. ausser 15.000 Mark Silber noch Stadt und Schloss
Brüx, Aussig und etliche Dörfer verpfändet erhalten; aber schon das
Jahr darauf ward er durch den Reichstag zu Freiburg verhalten, die
genannten Orte wieder herauszugeben. (23. August.) Wenzel II. schenkte
Brüx sogleich einem seiner Getreuen Johann von Michelsberg, der es noch
im selben Monate (28. August) seinem Könige wieder abtrat. Seit diesem
Tage ist Brüx _ununterbrochen königliche Stadt_ geblieben, wenn es auch
in der Folgezeit öfter, besonders an Meissen, verpfändet war. Alle
folgenden Könige statteten sie, stets in Ansehung »des getreuen Nutzens
und der unverdrossenen Dienste« entweder mit neuen Privilegien aus,
oder bestätigten ihre alten Freiheiten und Rechte.

Die ruhmvollste Periode ihrer Geschichte aber ist die der
_Hussitenkriege_. Die umliegenden Städte hatten sich den Taboriten
entweder ergeben und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, wie Saaz und
Laun, oder sie waren, wie Komotau und Bilin, gefallen. Um ihre Stadt
nun vor ähnlichen Geschicken zu bewahren, war bereits im Frühjahre
1421 an König Sigmund eine Gesandtschaft abgegangen, die das Gelöbniss
unverbrüchlicher Treue erneuern, aber auch um Hilfe für die bedrohte
Stadt bitten sollte.

Sigmund, ausser Stande, ihrer Bitte willfahren zu können, empfiehlt sie
an den Markgrafen Friedrich von Meissen. Dieser hatte die Besatzung
der Stadt und des Schlosses verstärkt, und so erwarteten denn die
Brüxer muthig und vertrauensvoll den Feind, der auch am 24. Juli 1421
vor Brüx erschien, und nach wiederholter vergeblicher Aufforderung zur
Uebergabe am folgenden Tage die Belagerung der Stadt und des Schlosses
begann. Tapfer wehrten sich die Belagerten, der fortlebenden Tradition
zufolge, besonders angefeuert von ihren Frauen und Jungfrauen. Aber
Tag um Tag schwindet und bald auch die Hoffnung auf Entsatz. Der 5.
August bricht an, das Fest Mariaschnee. Die Bürger strömen zur Kirche,
vertrauensvoll die Mutter Gottes um Hilfe anflehend. Ein festlicher
Gottesdienst wird gefeiert, die ehernen Zungen, die seit Beginn der
Belagerung geschwiegen, hallen hinaus über die Stadt in's feindliche
Lager, wo man der Thörichten spottet; beseelt von neuem Muthe, gerüstet
mit frischer Kraft, eilen die Bedrängten dann an die Mauern, mannhaft
abzuwehren der Feinde Horden. Da siehe! vom Erzgebirge herab leuchten
schon die weissen Rüstungen der Entsatztruppen. Otto Pflug ist's, des
Markgrafen Friedrich getreuer Vasall an der Spitze des Meissnischen
Heeres, verstärkt durch Zuzug der böhmischen Herren Sigmund von
Wartenberg, Hlavač von Duba und Niklas von Lobkowitz. Die Schlacht
beginnt. Total war die Niederlage der Hussiten. 3000 Feinde bedeckten
das Schlachtfeld, das Lager mit seinen geraubten Schätzen ward eine
Beute des Siegers. Die Freude über diesen glänzenden Sieg bewog die
Brüxer Bürger, die im frommen Glauben der Hilfe Mariens ihre Rettung
zuschrieben, zu dem Gelöbnisse, alljährlich mit grösster Feierlichkeit
das Fest Mariaschnee zu begehen, und die Nachkommen sind beflissen,
getreulich zu halten, was die Väter gelobt. Das Mariaschnee-Fest mit
seiner prunkvollen, grossartigen Feierlichkeit gibt ihnen Gelegenheit,
den biederen, frommen Sinn zu erneuern, das patriotische Gefühl zu
stärken.

Von jetzt an kamen auf langehin für die Brüxer trübe Tage. Einigemale
noch waren sie bedroht von den Kelchnern, mehrere furchtbare
Feuersbrünste, Orkane, andere Elementarereignisse, und endlich die
Pest (1582 und 1680) verwüsteten die arme Stadt. Dazu kam noch, dass
die Stadt von Georg von Poděbrad nach einem verheerenden Brande (1455)
eingenommen und besetzt ward, während die Burg sächsische Besatzung
hatte, und die fortwährenden Friedensbrüche immer nur der Stadt Schaden
brachten. -- 1595 _kauften die Brüxer_ von Rudolf II. _die Burg_ sammt
den zugehörenden Gütern um 81.060 fl. rhein., und übernahmen damit
die Verpflichtung, die Besatzung des Schlosses zu erhalten. Allein
die Ehre, Burgherren zu sein, kam den Bürgern theuer zu stehen. Die
Burg zog stets jeden Feind an, und die Stadt hatte mit zu leiden unter
den Belagerungen. Dreimal ward die Burg von den Schweden belagert,
und zwar 1639, 1645 und 1646. Das letztemal mussten die Brüxer wegen
Wassernoth, wegen der geringen Zahl der Vertheidiger, 200 Bürger
gegenüber einem Heere von 30.000 Schweden unter General Wrangel, und
wegen des schlechten Zustandes der Befestigungswerke das Schloss nach
dreitägiger Belagerung am 16. Jänner übergeben. Solch' schwere Wunden
hatte der dreissigjährige Krieg der Stadt geschlagen, dass sie, als die
schwedische Besatzung zu Ende des Krieges 1648 abzog, keinen einzigen
ansässigen Bürger mehr hatte. So ward es erklärlich, dass Ferdinand
III., den inständigen Bitten der Bewohner nachgebend, 1651 die
Demolirung der Burg bewilligte. Wenige in der letzten Zeit blossgelegte
Mauerreste sind noch die Ueberbleibsel dieser Landesgrenzveste.

Nunmehr genoss die Stadt, abgerechnet einige Ueberfälle seitens der
Sachsen und Preussen, die wenig Nachtheil brachten, ziemliche Ruhe; ihr
Wohlstand hob sich, besonders da sie zu Beginn des 18. Jahrhundertes
viele Güter durch günstige Käufe von den umliegenden Adeligen an sich
brachte. So ist sie heute unter den reichsten Städten Böhmens in erste
Reihe mit zu setzen.

Im Jahre 1813 beherbergte Brüx, das eine Zeit der Mittelpunkt des
Lagers war, die drei alliirten Monarchen. Wenige Jahre darauf
sollte Brüx fast ganz untergehen. Am 21. April 1820 verzehrte eine
Feuersbrunst alle öffentlichen Gebäude bis auf die Stadtkirche und das
Stadthaus. Der Schaden belief sich nach damaligen Werthverhältnissen
auf 700.000 fl. W. W. Der abgebrannten Stadt ward durch ein
staatliches Anlehen und die Unterstützung der Umwohner Hilfe. Die Folge
der vielen Brände und besonders dieses ist, dass die Stadt, regelmässig
gebaut, ein freundliches Aussehen hat, und mit wenigen Ausnahmen keine
alten Gebäude besitzt.

Zu diesen gehören _Rathhaus_ und _Stadtkirche_, beide noch
bemerkenswerth auch durch ihre Bauart. Das Jahr der Entstehung des
ersteren Gebäudes ist nicht bekannt; es gehört überdies in seiner
heutigen Gestalt mehreren Perioden an. Der Thurm ist jedenfalls ein
Baudenkmal des 14. Jahrhundertes, und nicht viel jünger ist der an
selben anstossende Vorbau, während das übrige Gebäude das Gepräge des
16. Jahrhundertes trägt. Es war jedenfalls früher zweistöckig, und
ist nach dem Brande von 1515, der auch das Rathhaus schwer schädigte,
unausgebaut geblieben. Die Stylrichtung ist die nachgothische. Die
Vorderfront wird durch mächtige Wölbungen und vorstehende Pfeiler, 7
an der Zahl, getragen. Der mittlere trägt den kaiserl. Adler, je zwei
zu beiden Seiten tragen vier, die Elemente symbolisirende Statuen,
die beiden äussersten aber Wappenträger mit dem böhmischen Löwen
und dem Stadtwappen. Die Felder zwischen den Fenstern, wie auch die
Brustwände unter den Fenstern sind bemalt mit allegorischen Figuren,
das Gesimse mit Schlachtendarstellungen. Dem projectirten Bau eines
Kreisgerichtsgebäudes wird das Rathhaus zum Opfer fallen. Höchstens der
Thurm dürfte erhalten bleiben.

Der Bau der _Dekanalkirche_ wurde 1517, nachdem im Jahre 1515 die
alte Pfarrkirche mit einem grossen Theile der Stadt in Flammen
aufgegangen war, begonnen, und war in wenigen Jahren vollendet.
Feierlich eingeweiht wurde sie aber erst am 22. Mai 1594 durch den
Prager Erzbischof Zbyněk von Duba und Lipa, nachdem sie bereits durch
den Brand von 1578 grossen Schaden im Innern und auch am äusseren Bau
erlitten. Der Erbauer der Kirche ist Beneš von Laun, Hofbaumeister
des Königs Wladislav. Die Brüxer Stadtkirche ist sein letztes und
Meister-Werk. Der Baustyl ist die spätere, sogenannte Wladislav'sche
Gothik, wie sie bereits in den romanischen Styl überzugehen beginnt.
Die innere Länge beträgt 73, die Breite 37 und die Höhe 24 m. Sie
bildet ein langes Viereck, nur das Presbyterium endet in ein Sechseck.
Das Aeussere ist mächtig und imposant durch seine ungeheure Breite,
zu der die zwei Anbauten, die auf beiden Seiten eine Art Kreuzschiff
oder Kreuzkuppel bilden, und im Innern oben Gallerien, unten Kapellen
fassen, viel beitragen. Eine Beeinträchtigung erleidet der imposante
Bau nur durch das unverhältnissmässige, niedere Kirchendach. Das 1578
abgebrannte, kupfergedeckte Dach hatte sicher diesen Mangel nicht.
Das Innere der Kirche weist ein Gewölbe mit drei gothischen Kuppeln
auf, eine Eigenthümlichkeit des Meisters Beneš. Die Gürtel und Rippen
derselben laufen aus schwachen, schlanken Säulen, 16 an der Zahl,
aus, und haben eine künstlerische Verwebung. Merkwürdig sind auch
die Stützen der Kirche, welche kuppelähnliche Räume bilden, in denen
Kapellräume sich befinden. -- Der Hochaltar, im Style der Renaissance,
also durchaus der Bauart des Hauses nicht entsprechend, wurde erst
1773 aufgestellt. Der Altartisch sammt dem auf ihm ruhenden Säulenbau
ist von natürlichem Marmor, die freistehende Rückwand eine Imitation.
Rings an den Brüstungen der Gallerie befinden sich in Stein gehauene
biblische Darstellungen, im Geiste des 13. Jahrhundertes gehalten.
Gleich hier müssen wir der einfachen und der Doppelwendeltreppe
erwähnen, die zu den Emporien führend, und ohne alle Stütze gebaut, von
jedem Sachverständigen als Meisterwerke der Baukunst gerühmt werden.

Von Gemälden nennen wir vor allem die in einer Seitenkapelle nahe dem
Hochaltar befindlichen, auf Holz gemalten Bilder der hl. Katharina und
Barbara. Es sind dies zwei Flügel eines leider verloren gegangenen
Bilderschreines, die unbeachtet im Depositorium der Kirche lagen, bis
Gubernialrath Janko auf sie aufmerksam machte. Kandler verfertigte
1837 die erste Zeichnung. Sct. Barbara ist von geringerer Schönheit,
aber eigenthümlich in der Auffassung und grossartiger im Faltenwurf,
der an die schönsten Gewandmotive Dürers erinnert; Sct. Katharina
zeigt die altdeutsche Auffassung jungfräulicher Schönheit, wie sie der
Kölner Schule eigen ist und in Holbein's hl. Frauen den eigentlichen
Typus gefunden. Beide Flügel sind Werke deutscher Kunst aus dem 16.
Jahrhunderte. -- Ausserdem sind noch in den Seitenkapellen eine
ziemliche Anzahl von Ueberresten solcher Bilderschreine angebracht, die
nicht ohne Werth sind. Von Altarbildern sind als Meisterwerke bekannt:
Der hl. Josef, Anbetung der drei Weisen, Tod des hl. Franziskus. Von
Schnitzwerk bewundern wir die beiden Altäre der Kreuzigung und der
Auferstehung; erstere besonders entzückt bei eingehender Betrachtung
durch Plastik und Figurenreichthum. In diesen beiden Kapellen erregen
noch unsere Aufmerksamkeit die kunstvoll geschnitzten, alterthümlichen
Bänke. -- Der Thurm soll nach Meinung aller Sachverständigen älter
als die Kirche sein. Von seiner Gallerie aus geniesst man eine schöne
Aussicht weit hinaus über die Stadt und ihr Weichbild in's Erzgebirge.

Unweit der Kirche befindet sich der Glockenthurm für die beiden grossen
Glocken, welche ein harmonisches, wundervolles Geläute geben.

Sonstige Denkwürdigkeiten finden wir noch in der _Piaristenkirche_,
jetzt der Stadt gehörig. Der Hochaltar enthält ein herrliches Altarbild
von Raab: eine freie Nachbildung der in der Dresdner Gallerie
befindlichen hl. Nacht von Corregio. Auch die Bilder der beiden
vorderen Seitenaltäre, der hl. Johann von Nepomuk, von Amalia Gräfin
von Waldstein, und der hl. Josef von Calasanz von Vogel sind werthvoll.
Sehenswerth sind noch: das Gymnasial- und Bürgerschulgebäude, beide mit
reichhaltigen Lehrmittelsammlungen ausgestattet, ersteres am 3. Platz,
letzteres in der Schulgasse.


Spaziergänge:

Gestatten wir uns noch eine kleine Ausschau in die allernächste
Umgegend der Stadt, so werden wir auf das südlich etwa 15 Minuten
entfernte Saras und das dahinter gelegene Resselgebirge aufmerksam
gemacht. Das Wort »_*Saras_« leitet der Chronist aus dem Böhmischen
ab und bezeichnet damit einen Ort hinter dem Damme (za hrázem), indem
nach Balbinus Saras gegen den unweit (jedenfalls östlich) befindlichen
Teich durch einen Damm geschützt gewesen sei. Die Gründung von Saras
vollzog sich bereits vor nahezu 600 Jahren, als König Wenzel II.
unter'm 21. November 1283 das Kloster Saras stiftete und dasselbe reich
dotirt den Jungfrauen vom Orden der hl. Maria Magdalena verlieh. Wenn
auch die Ordensfrauen der strengen Disciplin anhingen, so kamen sie
doch genügsam in Verkehr mit den Stadtbewohnern und wurden hoch in
Ehren gehalten, denn »die Bürger gaben ihre Töchter dahin, damit sie
in jungfräulicher Arbeit, Gottesfurcht und guten Sitten unterwiesen
würden.« 1421 wurde das Kloster von den Husiten niedergebrannt, die
zurückgebliebenen sieben Nonnen vor dem Altare der Klosterkirche
niedergemacht. Zwar erstand das Kloster wieder, aber die bewegten
Zeitläufte und besonders die Bitten der Bürger bewogen die Ordensfrauen
zur Uebersiedelung in die Stadt im Jahre 1515. Die Saraser Kirche
selbst blieb geöffnet, da sie lange schon den Ruf einer berühmten
Wallfahrtskirche genoss. 1782 wurde das Kloster von Kaiser Josef II.
aufgehoben, 1786 auch die Saraser Kirche geschlossen. Kirche und
Kloster in der Stadt wurden den Vätern der frommen Schulen eingeräumt,
die den Ordensfrauen gehörigen Höfe Saras, Oberpriesen und Seidowitz
kaufte drei Jahre später die Stadt von der königlichen Kammer. -- Die
dort eingerichtete Restauration mit grossem Garten, die annehmliche
Lage, gesunde, frische Luft, und der gut gehaltene Promenadenweg machen
Saras zu einem beliebten Ausflugsorte der Brüxer.

Gleiche Anziehungskraft übt im Sommer »_*der Ressel_« auf Vereine und
Gesellschaften aus. Seine zwei Thäler, Fuchsgrund und Schiefergrund,
sind durch ihre einfache Naturschönheit wie geschaffen als Ruhepunkte
bei kleineren Excursionen. Eine angenehme Fernsicht, besonders nach
Osten und Süden in's Flachland, und auf die Erzgebirgskette im Norden,
bietet das Plateau hinter dem Schlosshofe, letzterer so genannt, weil
er einst zum Schlosse gehörte.

Dem oberwähnten _*Schlossberge_ müssen wir noch an dieser Stelle mehr
Aufmerksamkeit widmen. Derselbe liegt im Westen der Stadt und kann auf
zahlreichen, gut erhaltenen Wegen erstiegen werden. Wir empfehlen allen
Touristen den über Saras und bemerken, dass von da aus die Spitze des
Berges in 20 Min. ohne Anstrengung erreicht werden kann. Schon während
der Besteigung geniessen wir herrliche Blicke in das Mittelgebirge
und in die von dem Erzgebirge umrahmte Saazer Ebene. Die überall
angelegten Pflanzungen interessiren uns in hohem Grade, da wir uns über
das Gedeihen und die von Jahr zu Jahr wachsende Ausdehnung derselben
ungemein freuen. Den unermüdlichen Bemühungen des Stadtrathes und
Kaufmannes in Brüx, Herrn A. Zein und dem Eingreifen der Stadtgemeinde
haben wir es zu danken, dass sich auf der Spitze des Berges ein
Schweizerhaus mit einer gut bestellten Restauration und ein Thurm mit
einer camera obscura befindet. Der Schlossberg ist ein Aussichtspunkt
1. Ranges, was malerische Schönheit des Panoramas anbetrifft. Im Norden
und Westen dehnen sich die Abhänge des herrlichen Erzgebirges hin und
längs derselben breitet sich die Saazer Ebene »der Garten Böhmens«
aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen
grossartigen Eindruck macht. Gegen Süden und Osten lassen wir unsere
Blicke über das merkwürdige böhmische Mittelgebirge schweifen und sehen
Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene Bořen bei Bilin
und der König der Berge, der Milleschauer unweit von Teplitz, überragen.

Der Schlossberg besteht aus Klingstein; an seinem nördlichen
und nordöstlichen Fusse finden sich die thonigen Gebilde der
Braunkohlenformation; sonst ist letztere in der Umgebung der Stadt von
aufgeschwemmtem Lande bedeckt. Die ganze Stadt, sowie die Umgebung
ruht auf einem einzigen grossen Braunkohlen-Fletz, welches sich in der
Richtung von Südwesten nach Nordosten bis gegen Aussig erstreckt.

In Brüx und Umgebung wird sehr viel Landwirthschaft betrieben. Sowohl
das Klima als auch der Boden sind derselben in hohem Grade günstig.
Das Klima ist in Folge der durch das Gebirge gegen die herrschenden
Winde geschützten Lage wärmer, als man der geografischen Breite der
Stadt zufolge erwarten sollte. Der Boden gehört zu dem fruchtbarsten
im weiten Umkreise; einzelne Strecken sind ungemein humusreich. Die
Wiesen längs der Biela und des Weissbachs sind mit den herrlichsten
natürlichen Futterkräutern bewachsen. Obst wird in Menge gewonnen, und
ist von ausgezeichneter Güte. Der Weinbau erfreut sich in jüngster Zeit
grösserer Aufmerksamkeit und Pflege. Man will den alten Ruf wieder
herstellen. In früherer Zeit gab es in der Umgebung der Stadt über 500
Weiner (Winzer). Sie bildeten eine eigene Zunft, von welcher noch eine
Fahne und ein Weinerbuch vorhanden ist.


Touren.

_Brüx-Brüxer Sprudel-Ober-Georgenthal._ (Von da über Niklasdorf nach
Katharinaberg-Brandau-Grünthal-Teltschthal-Kallich-Göttersdorf-
Rothenhaus-Görkau, also in umgekehrter Richtung -- siehe Bereisung von
Görkau aus.) Wir gehen auf der Kaiserstrasse in westlicher Richtung,
biegen vor dem Orte Kommern rechts ab und langen nun auf einem Sandwege
bei dem neuentdeckten Sprudel an, dessen mächtiger Wasserstrahl
die Verwunderung jedes Touristen erwecken muss. Von da setzen wir
unseren Weg in nördlicher Richtung fort, wandern durch üppige Wiesen
und fruchtbare Felder, das herrliche Erzgebirge mit dem malerisch
gelegenen Schlosse Eisenberg und dem sich in der Ferne prächtig
erhebenden Rothenhaus vor sich, über Nieder-Georgenthal (vulgo Gärten)
und Vierzehnhöfen auf einer guten Bezirksstrasse nach dem romantisch
gelegenen, freundlichen Ober-Georgenthal, welchen Weg man in 2 Stunden
bequem zurücklegt. Hier ist eine grosse Spinnfabrik, Marienthal
genannt, herrlich im Walde an der Strasse gelegen und der Firma Gustav
Tetzner in Görkau gehörig; eine Spielwaarenfabrik der Firma Kaaden
und Weigel und eine Vereins-Parquetfabrik. Die Kirche, in der Nähe
der Bahn gelegen, ist ein schönes, majestätisches Gebäude. In den
Gasthöfen zum »_schwarzen Adler_« und zur »_frohen Aussicht_« findet
man gute Unterkunft und hier, sowie noch in 8 Restaurationen bekommt
man vorzügliche Biere und nach vorheriger Bestellung gute Speisen. Nach
Ober-Georgenthal kommt von Niklasdorf ein Bach, der bis zur Grundmühle
»_Grundbach_«, von da bis zum Ende des Dorfes »Dorfbach« und dann
»_Ruttenbach_« heisst.

Von Ober-Georgenthal wird _Eisenberg_ in 25 Minuten und
_Hammer-Johnsdorf_ in 30 Minuten erreicht -- zu beiden Orten führen
prachtvolle Waldwege (siehe _für Eisenberg Bereisung_ von Görkau und
für _Hammer_ von Oberleutensdorf aus).

_Brüx-Kopitz-*Rosenthal-Lindau-Oberleutensdorf._ (1¾ St.) Diese Tour
hat das Angenehme, dass wir das herrliche Erzgebirge fortwährend
vor uns liegen haben, durch zahlreiche Ortschaften und fast ohne
Unterbrechung durch schöne Obstbaumanlagen wandern. Wir erreichen in
nördlicher Richtung auf guter Strasse zuerst das Dorf Kopitz, dann
_Rosenthal_, welches wie Kopitz am Goldflusse oder Weissbache gelegen
ist. Aus einer benachbarten Quelle wird durch hölzerne Röhren auf einer
Strecke von 5251 m das Wasser nach Brüx in den grossen Behälter auf dem
Hauptplatze geleitet. Nach kurzer Wanderung erreichen wir, den Goldbach
aufwärts, die schön gelegenen Orte Lindau und Niederleutensdorf,
überschreiten die Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn und kommen endlich
in dem industriereichen, herrlich gelegenen, sich von dem reich
bewaldeten Erzgebirge malerisch abhebenden Oberleutensdorf an (siehe
Besuch von Dux-Oberleutensdorf aus).

_Brüx-*Püllna_ in südlicher Richtung auf der prächtigen Saazer Strasse;
in einer halben Stunde erreichen wir eine kleine Anhöhe, von welcher
wir einen köstlichen Rückblick auf Brüx und einen grossen Theil des
Erzgebirges geniessen. Der Besuch des freundlichen Ortes Püllna
empfiehlt sich wegen Besichtigung der Quellen, welche das berühmte
Püllnaer Bitterwasser liefern. Sie befinden sich auf einer etwa 20
Acker betragenden Flur, die eine ebene Wiesentrift bildet und von
Fruchtfeldern umgeben ist. Aus diesem Wasser wurden von der Gemeinde
schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts Massen von Bittersalz gewonnen,
ohne derselben als Besitzerin der Quellen einen grossen Gewinn
abzuwerfen. Da lenkte mit dem Beginn unseres Jahrhunderts der Brüxer
Bürger und Kaufmann _Adalbert Ulbrich_ die Aufmerksamkeit von Männern
der Wissenschaft auf diese der leidenden Menschheit zum Heile dienenden
Wässer. Er übernahm den Verschleiss derselben und es gelang seinem
rastlosen Eifer, dass im J. 1801 von dem Professor der Chemie Dr.
Gottfried Mikan die erste Untersuchung vorgenommen wurde; dieser folgte
im J. 1819 eine zweite durch Professor J. B. Tromsdorff in Erfurt und
Professor J. Steinmann in Prag, worauf die nöthigen Wirthschaftsgebäude
nebst einem stattlichen Wohnhause errichtet wurden. Mit der Anerkennung
des Püllnaer Bitterwassers durch medicinische Autoritäten vermehrte
sich dessen Verbreitung. Adalbert Ulbrich ruhte nicht; er liess als
Pächter der Quellen das Wasser neuerdings chemisch untersuchen und
zwar im Jahre 1821 von Professor Pleischl, im Jahre 1826 von Struve
in Dresden, im Jahre 1829 von dem Chemiker Barruel in Paris und im J.
1837 von Ficinus in Dresden, was zur Verbreitung des Wassers nicht nur
in ganz Europa, sondern auch jenseits des Oceans wesentlich beitrug.
Durch seinen rastlosen Fleiss erwarb er sich Vermögen, vergass aber
der Gemeinde nicht, in welcher er eine so erspriessliche Thätigkeit
entwickeln konnte. Er vermachte derselben testamentarisch ein Legat von
20.000 fl. C.-M. zum Baue einer Kapelle und einer Schule. Nach seinem
Tode übernahm dessen ältester Sohn _Adalbert_ die Versendung auf eigene
Rechnung und seit 1863 als Brunnendirector und wirkt in bester Weise
für die Verbreitung des Wassers, unterstützt von seinem trefflichen,
mehrere Sprachen sprechenden Sohne _Konstantin_, in erfolgreicher Weise
fort.

Der Boden des Bitterwassergrundes und die angrenzenden Felder
zeigen mächtige Lager von vulkanisch-ausgebranntem Thon bis hin zum
Serpina-Thale und den Nachbarbitterwässern von Sedlitz und Saidschütz
(östlich von Püllna). Die ganze Gegend ringsherum bis an die Eger ist
braunkohlenhältig. In geringer Tiefe unterhalb der Bodenfläche ist ein
reichhaltiges Lager von tertiärem Mergel, der zahlreiche Krystalle
von schwefligen Gebilden und schwefelsauren Salzen, sowie von Basalt
enthält. Diese Bildungen sind die Werkstätte des Bitterwassers; aus
ihnen wird es durch den Zutritt des Wassers von der Oberfläche (des
atmosphärischen Wassers) erzeugt. Es sind daher die Bitterwässer
Seihewässer, kommen nicht aus grosser Tiefe, sondern von den Seiten bis
zu einer gewissen Abtiefung und sind durch das genannte Mergellager
bedingt. Deshalb dürfen die Brunnen nur bis zu einem gewissen
bestimmten Masse abgeteuft werden. In Püllna beträgt es 1·8 bis 2·8 m.
Das Püllnaer Bitterwasser ist ein helles, klares Wasser von etwas
gelbgrünlicher Farbe, das überhaupt geruchlos ist, jedoch in den
Frühstunden im Brunnengebäude einen angenehmen, veilchenartigen Geruch
wahrnehmen lässt, der wohl von einem besonderen Naphtha-Oele herrühren
mag. Der Geschmack dieses Wassers ist salzig und bitter, ohne dabei
die Zunge und den Gaumen unangenehm zu berühren. Es ist ein gelinder
Weise, doch kräftig auflösendes und abführendes Mineralwasser, das,
abgesehen von den bewirkten Entleerungen, Secretionen, namentlich
der Verdauungsorgane bethätigt, den Stoffwechsel beschleunigt, die
organische Säftemasse verdünnt und den gesammten Digestionsprocess
anregt.

_Brüx-Kollosoruk-Kosel_ (2 Stunden). Durch das Biela- und Serpina-Thal
kommen wir auf der Launer Strasse nach Kollosoruk mit einem prächtigen
Schlosse, umgeben von schönen Anlagen und dem Herrn Richter in Prag
eigenthümlich, erblicken links das sich auf einer Anhöhe malerisch
abhebende Luschitz und schliessen unsere Tour mit Kosel ab, wo sich der
Hořenzer Berg mit den hier vorfindlichen Aragoniten erhebt. (Retour
nach Brüx von Obernitz mit der Bahn.)

_Brüx-*Sauerbrunn-Bilin_ (2 Stunden zu Fuss oder mit der
Aussig-Teplitzer Bahn nach Preschen und von da nach Bilin und
Sauerbrunn oder mit der Prag-Duxer Bahn über Obernitz nach
Sauerbrunn-Bilin). Wir gehen in südöstlicher Richtung durch das
Bielathal, berühren Rudelsdorf und Kahn und wenden uns hier mit
der Biela nach Nordosten, kommen nach Obernitz, Böhmisch-Zlatnik,
betrachten hier die rechts stehenden, äusserst interessanten Kuppeln
des Böhmisch-Zlatniker 517 m und Sellnitzer Berges, gehen an dem Dorfe
Sellnitz vorbei, berühren weiter in dem immer schöner und interessanter
werdenden Thale Liebschitz, sehen nun den imposanten, durch seine
zerrissene Gestalt eigenthümlichen und 535 m hohen Bořen vor uns, und
gelangen nach kurzer Wanderung zu unserem Ziele, dem jüngsten Badeorte
des nordwestlichen Böhmen, zum _Sauerbrunn_.

Dieser aufstrebende Curort (Station der Prag-Duxer Bahn, daher von
Dux, Teplitz und Brüx leicht erreichbar), hat jetzt ein grossartiges
Curhaus, welches glänzend eingerichtet ist und allen Comfort bietet.
Seine Lage ist eine herrliche. Von der Terrasse des Curhauses sehen
wir den merkwürdig gestalteten Bořen vor uns und lassen unsere Blicke
über einen grossen Theil des böhmischen Mittelgebirges schweifen.
Im Souterrain des Curhauses befinden sich allen Anforderungen
entsprechende gewöhnliche und Dampfbäder, und der im Parterre
hergestellte geräumige Lese- und Conversationssaal befriedigt alle
Ansprüche, selbst der verwöhnten Besucher der nordwestböhmischen
Bäder. Die das Curhaus umgebenden Anlagen sind herrlich und verleihen
dem Curorte, der sich von Jahr zu Jahr hebt, einen besonderen Reiz.
Der Aufenthalt daselbst ist nicht kostspielig. Das schönste, mit
aller Bequemlichkeit ausgestattete Zimmer kostet _nur zwölf_ Gulden
in der Woche, ein kleineres und ganz entsprechend eingerichtetes 6
bis 8 fl. Eben so mässig sind die Preise der Speisen in der eigenen
Restauration, welche vom 1. Jänner dieses Jahres von einem tüchtigen
Wirthe in Pacht genommen wurde. Der Brunnen liefert aus 4 Quellen
ein kohlensaures Wasser. Sie liegen am nordöstlichen Abhange des
Ganghofer Berges. Es ist nicht bekannt, zu welcher Zeit sie entdeckt
worden sind. Ein bleibendes Augenmerk erhielten sie erst zu Anfang
des achtzehnten Jahrhunderts, wo die Fürstin Eleonore von Lobkowitz
Besitzerin der Herrschaft wurde. Die _Josefs-_ und _Caroline-Quellen_
sind so ergiebig, dass sie allein den ganzen Bedarf decken. Das Wasser
wird theils an Ort und Stelle, besonders von Touristen, Curgästen
aus Teplitz und Besuchern aus der nächsten reichen Umgebung, unter
deren angenehmste Ausflüge eine Fahrt oder ein Spaziergang nach dem
»Biliner Sauerbrunn« gehört, getrunken, theils und zwar grösstentheils
so bedeutend versendet, dass heute über _eine_ Million Glasflaschen
in die Welt geht. Das Wasser ist ein hervorragender Repräsentant
der alkalischen Säuerlinge, zeichnet sich in der Wirkung als
säurebindendes, die Alkalessenz des Blutes erhöhendes Mittel vor
allen anderen aus, leistet daher bei Sodbrennen, Magenkrampf, chron.
Magenkatarrh, bei sogenannter Harnsäure, Nierensteinen, Gicht, chron.
Rheumatismus, chron. Blasen- und Lungenkatarrh, bei Gallensteinbildung,
Fettleber und Scrophulose die erspriesslichsten Dienste. Auch bietet
der Biliner Sauerbrunn ein vortreffliches, dietätisches -- mit Wein-
oder Citronensaft und pulverisirtem Zucker versetzt -- vermöge seines
grossen Kohlensäuregehaltes, hochschäumendes, erfrischendes Getränk und
ist dann, insbesondere während der heissen Sommermonate zu empfehlen.
Ueberdies gewinnt man durch Abdampfen des Wassers in einem eigenen
Laboratorium kohlensaures Natron (Biliner Pastillen).

Grosses Interesse wendet der Tourist dem Bořen, auch Biliner Stein
genannt, zu. Er ist ein Klingsteinfelsen und wird von den Botanikern
wegen seines Reichthums an seltenen Pflanzen viel besucht. Aus der
Ferne betrachtet, präsentirt sich der steile und schroffe Fels, dessen
Basis von Feldern und Obstgärten umgeben ist, als eine riesige,
compacte Masse, weist aber in der Nähe eine Menge von Rissen und
Zerklüftungen auf, so dass er durch sein abenteuerliches Zickzack das
Staunen des Besuchers erregt und durch diese seine pittoreske Gestalt
an den Säntis bei St. Gallen in der Schweiz, von Lindau oder Bregenz
aus betrachtet, erinnert. Der Anstieg ist höchst schwierig und nur
auf der westlichen Seite möglich. Ein Führer ist nicht nöthig, da
der Weg durch weisse Striche an Steinen und Bäumen bezeichnet ist.
Vom »Sauerbrunn« erreichen wir die Spitze in _einer_ Stunde. Wir
überschreiten bei der Station die Bahn, gehen auf dem Wege einige
hundert Schritte fort, lenken in den nach links sich abzweigenden Weg
ein und folgen nun den oberwähnten Strichen. Da das Steingeröll leicht
nachgibt, so ist beim Anstieg alle Vorsicht zu gebrauchen. Unter den
Höhlungen ist die _Michelshöhle_ die hervorragendste. An ihrem Eingänge
ist die gewaltige Basaltsäule beachtenswerth. Diese Felsart finden wir
längs der östlichen und südlichen Seite des Bořen. Dieser Berg ist
überhaupt eine der ersten Zierden des an malerischen Schönheiten und
geognostischen Merkwürdigkeiten so überaus reichen Mittelgebirges, er
ist der Stolz der Gegend.

Die Aussicht vom Bořen ist überraschend schön; wir übersehen die
westliche Seite des Teplitzer Thales mit den prächtig bewaldeten,
schluchtenreichen Abhängen des Erzgebirges. Im Norden sehen wir
zu unseren Füssen das freundliche Städtchen Bilin und den reizend
gelegenen »Sauerbrunn«, weiter links Dux mit seinem stattlichen
Kirchthurme, dem gräflich Waldstein'schen Schlosse sammt Park, dann
weiter am Fusse des Erzgebirges das romantisch gelegene Stift Ossegg.
Aus der Teplitzer Ebene ragt der Schlossberg empor und erweckt unsere
Aufmerksamkeit, rechts davon sehen wir die Ruine Kostenblatt, noch
weiter rechts, gerade in östlicher Richtung die Klotzberge, den
Radelstein, der Milleschauer ist verdeckt. Im Süden erblicken wir
den Millayer Berg 504 m, weiter den Hoblik von derselben Höhe und
schliesslich die Launer Berge, im Westen den Böhmisch-Zlatniker Berg,
Brüx mit dem prächtigen Schlossberge, im Nordwesten hebt sich Eisenberg
aus dem Grün der Tannen und Buchen hervor, und weiterhin verfolgt das
Auge den Rücken des Erzgebirges.

Eine eben so schöne Aussicht bietet der _Ganghofer Berg_, dessen
Gesteine deutlich die Verwandtschaft des Klingsteins mit gewissen
Prophyr-Abänderungen zeigen. Er erhebt sich westlich über dem
»Sauerbrunn«, ist leicht zu besteigen, da nahezu bis zum Gipfel schön
angelegte Promenadenwege führen.

Ein bequemer Fahrweg führt in 20 Minuten langsamen Gehens zu dem
niedlichen Städtchen _Bilin_.



Bilin.


    =Gasthöfe=: »Hohes Haus,« »Weisser Löwe«, beide am Marktplatz.

    =Post- und Telegrafenamt= (ersteres Lange Gasse, letzteres
    Wenzelsplatz). _Aussig-Teplitzer Bahn_ mit dem Bahnhof
    Preschen, 10 Minuten entfernt; _Prag-Duxer Bahn_ mit den
    Stationen Sauerbrunn und Bilin. _Bielathalbahn_, Verbindung mit
    Aussig.

    =Fahrgelegenheiten=: _Postomnibus_ zum Bahnhof in Preschen.

Die Stadt zählt beiläufig 5000 Einwohner, liegt an der Biela, welche
die Stadt selbst von der Brüxer Vorstadt trennt und hier den von
Südosten kommenden Zischken-Bach aufnimmt. Im Süden erhebt sich der
Bořen, im Westen der Ganghofer Berg, im Norden, hinter der Teplitzer
Vorstadt, der grosse Chlum, im Osten der Schlossberg, dessen
Fortsetzung der Hradischt heisst.

=Geschichtliches.= Die Erzählungen von der »Fürstin Bila«, die schon
744 hier ein Schloss erbaut und dem Orte, sowie dem Flusse den Namen
gegeben haben soll, dann von den »Bilinen«, einem čechoslavischen
Stamme, der sich zu Ende des 5. Jahrhunderts hier an den Gestaden der
sanft dahingleitenden Biela ansiedelte, dürften in das Bereich der
Sagen gehören. Indessen sind echte geschichtliche Ueberlieferungen
von der ehemaligen »Provinz Bilin« vorhanden, welche schon vor dem
11. Jahrhunderte im Auftrage der böhmischen Herzoge von eigenen
Grafen verwaltet wurde. Unter König Wenzel II., der von 1223 bis 1253
regierte, erhielt _Hogerius_, der Truchsess dieses Königs, die Burg
und die Stadt Bilin für sich und seine Erben als Geschenk. Im J. 1342
wird in den Urkunden einer Schule erwähnt. Albrecht von Berka verlieh
der Stadt im J. 1365 gewisse Privilegien und wurde 1381 vom Kaiser
Karl IV. mit Bilin belehnt. Im Husitenkriege, wo sie dem Albert von
Kolditz gehörte, wurde sie 1421 erobert und verwüstet. Im J. 1426
bemächtigte sich der Stadt Jakubko von Wřeschowitz, der sich von ihr
den Namen Bilinský beilegte. Nach seinem Tode fiel sie wieder an die
Herren von Kolditz und gelangte dann 1464 an die Herren Popel von
Lobkowitz. Von dieser Zeit verblieb sie bei dieser Linie, welche mit
dem Grafen Leopold von Lobkowitz im Jahre 1707 männlicherseits erlosch.
Die Tochter Eleonora Carolina vermählte sich mit Philipp Fürsten von
Lobkowitz, Herzog zu Sagan und vermachte ihm die Herrschaft Bilin. Ihm
folgte 1748 sein Sohn Ferdinand Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Sagan,
diesem 1796 sein Sohn Franz Josef, Fürst von Lobkowitz, Herzog zu
Raudnitz, und diesem Moritz Fürst von Lobkowitz, Herzog von Raudnitz,
der gegenwärtige Besitzer.

=Sehenswürdigkeiten=: Das stattliche Fürst Lobkowitz'sche _Schloss_
mit seinem schönen Parke. Dasselbe überragt die Stadt, und wurde um
das J. 1680 von Christof Freiherrn von Lobkowitz erbaut. Es enthält
eine Menge unterirdischer Gänge, worin man alte Pfeile und andere
Gegenstände gefunden; die schöne _Pfarrkirche_ ist auch zu beachten.
Sie wurde schon 1061 gegründet, besteht aber in ihrer jetzigen Gestalt
erst seit 1573. Bemerkenswert sind noch die _neugebaute Schule_ und das
_Gerichtsgebäude_.


Touren:

_Radek-Werschetiner Berg-Suttomer Berg-Skalken-Kostial-Lobositz_
oder umgekehrt. (Wir wählen zum Standorte _Bilin_ oder von der
entgegengesetzten Seite, je nachdem der Tourist kommt, _Lobositz_.)

_Bilin-*Radelstein._ Zum _Radelstein_ entweder über Kutschlin und
Rasitz (mit Führer) oder über Radowesitz und Stepanow. Dieser Berg
liegt inmitten des Mittelgebirges und bietet uns von seinem Rücken
ein interessantes Bild. Er ist nicht, wie die anderen Berge des
Mittelgebirges, spitzig, sondern zeigt einen breiten, waldigen Rücken,
dessen höchste Erhebung ein ebenes, rundes, frischgrünes Plateau
bildet. Dieses ist ringsum von mächtigen Steinwällen eingefasst, hinter
welchen sich dunkles Nadelholz erhebt; nur ein kleiner Lärchenwald
macht sich bemerkbar und kennzeichnet den Radelstein schon von der
Ferne. Die Steinwälle stammen offenbar aus altheidnischer Zeit her.
Hier bestand gewiss eine heidnische Cultusstätte, wie auf dem Deblik
bei Leitmeritz, dem Hradek bei Gross-Czernosek, wo sich derartige
Steinwälle gleichfalls vorfinden. Ueberreste von Burgen sind es, wie
die Sage berichtet, nicht, da Mauerreste nicht zu entdecken sind, und
eine gänzliche Beseitigung derselben von so hochgelegenen Punkten nicht
möglich ist.

In dem hier befindlichen Forsthause wird uns eine Erfrischung
verabreicht. Die schönste Aussicht geniessen wir von der Hütte auf der
Südseite des Plateaus. Im _Süden_ erblicken wir zwischen den Launer
Bergen die Stadt Laun, rechts davon den Hoblik und den Millayer Berg;
im _Südosten_ präsentirt sich uns die Hasenburg, rechts davon die
ausgedehnte, fruchtbare, von der Eger durchschnittene Ebene. Links
von der Hasenburg sehen wir im Hintergründe den prächtigen Georgsberg
(Říp) bei Raudnitz, im Vordergrunde den Kostial mit seiner Ruine,
an seinem Fusse links den hohen Thurm von Skalken. Weiter links
erblicken wir die Elbe mit der Brücke bei Leitmeritz, das sich hinter
dem Lobosch verbirgt, und weiter links am Horizont den Wilschberg und
Geltsch, zwischen denselben den Ronberg und in weiter Ferne hinter
diesem den Jeschken. Auch der Milleschauer und die Berge bei Aussig
sind sichtbar. Im Norden ist der Horizont durch das Erzgebirge, aus
dem das Mückenthürmchen und der Schneeberg hervorragen, begrenzt und
im Westen erscheint der Böhmisch-Zlatniker, der Ganghofer Berg und im
Vordergrunde die dunkle Masse des Bořen. Die Aussicht ist grossartig
und es steht zu erwarten, dass die Touristen diesem Punkte künftighin
eine solche Aufmerksamkeit schenken werden, wie er es verdient.

Östlich vom Radelstein liegen der _Suttomer Berg_ und _Skalken_,
südlich von diesen der Werschetiner Berg -- auf derselben Strasse wie
zum Radelstein von Bilin in 2 bis 3 Stunden zu erreichen. Suttom und
Skalken liegen ¼ Stunde auseinander. Der Suttomer Berg ist leicht zu
ersteigen und bietet eine schöne Aussicht. Das Dorf hat eine schon im
J. 1388 bestandene, in ihrer jetzigen Gestalt aber erst 1716--1724
durch Anna Sigismunda Gräfin von Hřzan, damalige Besitzerin des Gutes
Skalken, erbaute Pfarrkirche. Südöstlich davon liegt das Dorf Wlatislav
im Thale des Modelbaches. Es sollte eigentlich Wlatislav heissen,
da es ehedem eine wohlbefestigte, von dem Saazer Herzog Wlastislav
erbaute Stadt gewesen, aber schon im J. 936 vom Prager Herzog Boleslaw
I. zerstört worden sein soll. Die Spuren einer dreifachen Schanze auf
einer Anhöhe nördlich vom Dorfe hält man für Ueberreste der ehemaligen
Burg. Am südlichen Flügel des Schlosses im Dorfe Skalken erhebt sich
auf einem schroffen Felsen ein alterthümlicher, 18·9 m hoher ovaler
Thurm, mit 3·7 m dicken, sehr festen Mauern, welche aus weissen
Bausteinen bestehen; in das Innere konnte man früher nur von der
steilsten Seite des Felsens mittelst einer 3·7 m über dem Boden in der
Mauer befindlichen viereckigen Oeffnung gelangen. Höchst wahrscheinlich
ist es ein sogenanntes Burgverliess gewesen. Die Aussicht ist ungemein
lieblich, da den Felsen ein herrlicher Kranz von vulcanischen Bergen
umgibt. Auf der Strasse südlich von Watislav kommen wir in einer halben
Stunde nach _Woborzitz_, in dessen Nähe sich der _Woborzitzer Berg_,
der _Werschetin_, 426·6 m hoch, befindet und dann nach dem Dorfe
Podseditz mit den Granatengruben und einer Granatenfabrik.

Südöstlich von Skalken (etwa ¾ St.) liegt der _*Kostial_, ein schön
geformter Basaltfels, der auf seinem Scheitel die malerischen Trümmer
einer Burg trägt. Dieser Punkt, sowie die Hasenburg sind von _Lobositz_
besser und angenehmer zu erreichen, und es empfiehlt sich die Theilung
der Tour von _Bilin_ nach _Lobositz_ in die Touren: Bilin-Radelstein
und Lobositz-Hasenburg-Kostial bis einschliesslich Suttomer Berg.
Auf den Kostial gehen wir von Lobositz südwestlich auf der Strasse
über Sullowitz (½ St.), Jentschitz (¾ St.) und wenden uns hier rechts
nach dem ¾ St. südöstlich von Skalken gelegenen Dorfe Kostial, am
östlichen Abhange des Kostialer Berges. Von da gehen wir in westlicher
Richtung auf den Berg und erreichen ihn in einer halben Stunde (für den
ganzen Weg von Lobositz 2 St.) Die Aussicht ist sehr lohnend. Südlich
begegnen unsere Blicke der herrlichen Hasenburg, im Hintergrunde der
Stadt Budin, südwestlich und westlich in der Ferne dem Hoblik und
Millayer Berge und in der Nähe dem Werschetiner Berge, dem Radek,
weiter nach Nordwesten dem Radelstein, den Klotzbergen und im Norden
dem Milleschauer, im Hintergrunde dem Erzgebirge mit dem Schneeberg,
rechts vom Milleschauer dem Kletschen, östlich der Elbe mit den
Städten Lobositz und Leitmeritz, dem Radobyl und dem hohen Geltsch und
südöstlich dem Georgsberg mit der Stadt Raudnitz am Fusse desselben und
weit im Hintergrunde der Stadt Melnik.

Der Abstieg erfolgt nach der Stadt Trebnitz, südlich am Fusse des
Kostialer Berges und am Modelbache, sowie an der Lobositzer Strasse
gelegen. In der Pfarrkirche, welche schon seit dem J. 1384 besteht,
sind 2 kunstreiche Alabasterbilder. Auch befindet sich hier ein in den
Jahren 1573 bis 1575 geschriebenes Cancionale in böhmischer Sprache
aus 470 kalbledernen Blättern bestehend und nach damaliger Weise
mit schönen Malereien, Goldbuchstaben, Initialen u. s. w. verziert.
Von da gehen wir auf der Strasse südlich nach Chodolitz und biegen
vor dem Orte Klapay links auf die _*Hasenburg_ ab (2¼ St.). Das ist
ein steiler, 413 m hoher und aus Basalt bestehender Berg, welcher
durch seine schönen, zu Tage entblössten Säulengruppirungen dem
wissenschaftlichen Forscher sowohl als dem Naturfreunde überhaupt
ein hohes Interesse bietet. Auf der Hasenburg liegen die Ruinen
der alten Burg Klapay, welche aus zwei hohen, weit in die Ebene
sichtbaren Thürmen besteht. Der eine dieser Thürme ist viereckig und
wird gewöhnlich der weisse, der andere runde aber der schwarze Thurm
genannt. Diese Burg soll schon im J. 874 erbaut worden sein; im J.
1336 ist sie an die Familie der Hasenburge gekommen und wird auch seit
dieser Zeit Hasenburg genannt. Im J. 1431 wurde sie von den Taboriten
erobert und von ihnen gänzlich zerstört; seitdem ist sie nicht mehr
bewohnt worden.

Die Aussicht ist prachtvoll. Im Norden das Erzgebirge, in derselben
Richtung, sowie im Nord-Westen, Westen die wiederholt oben (siehe
Kostial) angegebenen herrlichen Punkte unseres höchstinteressanten
Mittelgebirges, im Osten der Georgsberg, südöstlich die Stadt
Libochowitz mit Schloss und Kirche und nach diesen beiden Richtungen
hin, die herrlichen, fruchtbaren Thäler der Eger und Elbe mit
zahlreichen Städten, Dörfern und Weilern.

_*Der Milleschauer._ Derselbe ist 834 m hoch und besteht aus
Klingstein. Unter den einzelnen Bergen des Mittelgebirges nimmt er
den ersten Platz ein. Die weite und reizende _Aussicht_, welche
man von hier über einen sehr beträchtlichen Theil unseres schönen
Heimatslandes, namentlich auf das Erzgebirge, das Teplitzer- und
Bielathal, weit über das rechte Elbufer, wo das Iser- und Riesengebirge
den Horizont begrenzen, ferner nach Südosten und Süden über Rakonitz
bis in die Umgebungen Prags und selbst noch jenseits der Hauptstadt
über das rechte Moldauufer hinaus geniesst, machen diesen Berg zu
einem der herrlichsten Standpunkte für den Bewunderer mannigfaltiger
Naturschönheiten und eines mit den Gaben der Ceres überschütteten,
durch Gewerbefleiss blühenden, nach allen Richtungen hin mit Städten,
Flecken und Dörfern bedeckten Landes. Die Zahl der Besucher dieses
herrlichen, bis zur Spitze reich bewaldeten und höchst interessanten
Berges ist sehr gross und steigert sich von Jahr zu Jahr. Die oben
befindliche Restauration entspricht in Bezug auf Qualität der Speisen
und Getränke und Unterbringung der Gäste in den geräumigen, mit allem
Comfort ausgestatteten Mooshütten allen Anforderungen. Die Wege nach
dem Milleschauer sind recht bequem.


Touren nach dem Milleschauer:

_Teplitz-Borislau-Pilkau_ (4 St. zu Fuss -- bis Pilkau ein guter
Fahrweg -- in Pilkau gibt es Esel und Tragsessel für diejenigen, welche
nicht steigen können oder wollen). Wir gehen auf der Strasse nach
Lobositz in südöstlicher Richtung nach Auperschin (1 St.), Schallan
(¾ St.), am Abhange des Mittelgebirges endlich nach Borislau (½
St.), bereits hoch im Mittelgebirge; dieses Dorf hat eine im J. 1717
neuerbaute und 1820 auf Kosten des Fürsten Johann von Clary restaurirte
Kirche mit einem Gemälde von einem unbekannten Meister, den Märtyrertod
der hl. Katharina darstellend; dasselbe wird von Kennern sehr gelobt.
Nach einer halben Stunde erreichen wir, rechts von der Strasse
abbiegend, das am Fusse des Milleschauer liegende Dorf Pilkau, von wo
aus wir die Spitze des Berges in einer Stunde auf einem gut erhaltenen,
steilen Wege erreichen.

_Aussig-Türmitz-Kosten-Staditz-Tschochau-Borislau-Pilkau_ (5 St.). In
einer halben Stunde erreichen wir von unserem Standquartiere Aussig den
Ort Türmitz, an beiden Ufern der Biela gelegen, setzen unseren Weg im
Bielathal fort und kommen nach Kosten und Staditz; in letztem Orte, dem
Geburtsorte Přemysl's, dem Gemahl Libuša's, verweilen wir einige Zeit,
lassen uns die Haselstaude, in welche sich die von Přemysl in die Erde
gesteckte Ruthe verwandelt haben soll, zeigen und besichtigen noch das
sogenannte _Königsfeld_, d. i. das Feld, wo Přemysl pflügte, als ihn
die Gesandten der Libuša fanden. Nach Passirung der Orte Tschochau und
Borislau erreichen wir auf der schon berührten Tour über Pilkau unser
Ziel. (Für diese Tour können wir auch die Bielathalbahn bis zur Station
Tschochau-Hlinai benützen; siehe überdies Bereisung von Teplitz über
Tschochau.)

_Lobositz-Billinka-Wellemin-Milleschau-Milleschauer._



Lobositz.


=Lobositz= liegt an der Mündung des Modelbaches in die Elbe, Stadt mit
etwa 4000 Einwohnern.

    =Gasthäuser=: »Hôtel Post« am Bahnhof, »schwarzes Ross«,
    »goldener Löwe«; »Dampfschiffrestauration an der Elbe« mit
    prächtiger Aussicht, schöner Garten. -- »Hôtel zur Eisenbahn«.

    =Post- und Telegrafenamt.= -- =Eisenbahn- und
    Dampfschifffahrts-Station.=

    =Fahrgelegenheiten.= -- =Schwimmanstalt.=

Bei Lobositz verlässt die Elbe die westliche Richtung, schlägt die
nördliche ein und strömt mit derselben mit einigen kleinen Abweichungen
bis Zirkwitz. Die mit zahlreichen Ortschaften, Wein- und Obstgärten
bedeckten Ufer- und Bergabhänge zu beiden Seiten des Stromes gehören
unter die reizendsten Gegenden nicht bloss von Böhmen, sondern von ganz
Oesterreich-Ungarn.

In Lobositz sind viele _Fabriken_ und _Industriewerke_ im Betrieb,
darunter bedeutende Zuckerfabriken, eine Dampfmühle, und die
grossartige Cichorienfabrik von Tschinkel. _Die Pfarrkirche_ ist
ein in den Jahren 1733 bis 1743 von Grund aus neu errichtetes
schönes Gebäude, welches im Presbyterium den aus der vorigen alten
Kirche aufbewahrten Marmorgrabstein der am 7. März 1702 verstorbenen
Markgräfin _Maria Franziska_ von _Baden_ und _Hochberg_, geb.
Landgräfin von Fürstenberg, enthält. Von den Glocken trägt eine die
Jahreszahl 1532, die andere 1691.

In dem herrschaftlichen _Schlosse_ befinden sich die fürstlich
Schwarzenberg'schen Wirthschaftsämter und ein Saal für chemische
Untersuchungen. Bei der Erhebung des Ortes Lobositz zum Range einer
Stadt unter Kaiser Rudolf II. im J. 1600 (zu deren Erinnerung im J.
1776 auf Kosten des damaligen Primators Johann Georg Tscherney die St.
Procopius-Säule auf dem Marktplatze errichtet wurde) erhielt Lobositz
das Recht, ein eigenes Wappen zu führen und an jedem Freitage einen
Wochenmarkt zu halten. Das Wappen enthält zwei Thürme im blauen Feld
und ein offenes Thor mit einem Schutzgitter und einem Löwen darunter.
Die Stadt ist reich an geschichtlichen Momenten. In den Jahren 1315,
1648, 1680 und 1742 richteten die Pest und andere Seuchen in der
Stadt und Umgebung grosse Verheerungen an, woran noch die Namen
der »Pestkirchhöfe« und einige Merkzeichen in der Gegend erinnern.
Während der Husitenkriege wurde Lobositz besonders in den J. 1420 und
1426 sehr hart mitgenommen. Im 30jährigen Kriege hatte es in den J.
1634, 1635 und 1639 von den Schweden grosse Drangsale zu erdulden.
Am 1. October 1756 fand hier am Fusse des Lobosch-Berges die erste
Schlacht im 7jährigen Kriege statt. Nach der Schlacht bei Kolin, dann
in den J. 1759 und 1773 hatte es abermals viel zu leiden. Wiederholte
Feuersbrünste verursachten auch vielfachen Schaden. Am 13. Februar 1809
wurde die Stadt sammt dem Schlosse ganz eingeäschert. Kaum hatte sie
sich von diesem Unglücke erholt, als 1813 der verhängnissvolle Krieg
zwischen Frankreich und den verbündeten Mächten ausbrach und die Stadt
die Nähe des Kriegsschauplatzes mehrere Monate hindurch schmerzlich
empfinden liess.

Von Lobositz gehen wir auf der Strasse in nordwestlicher Richtung
nach _Billinka_ (¾ St.) auf einer sanften Anhöhe. Bevor wir die Tour
auf den Milleschauer fortsetzen, statten wir von hier aus dem rechts
(östlich) von der Strasse gelegenen _*Lobosch_ 568 m einen Besuch ab.
Derselbe ist nach Süden und Osten durch keine Vorberge gedeckt und
gestattet deshalb eine herrliche Uebersicht von einem grossen Theile
des ehemaligen Leitmeritzer und Rakonitzer Kreises. (Der Besuch dieses
Berges empfiehlt sich mehr von Lobositz über Welhota.) Von Billinka
wandern wir auf der Strasse über Wellemin nach _Milleschau_, einem
Dorfe am südöstlichen Abhange des »_Milleschauer_«. Hier befindet sich
ein grosses und sehr schönes von Kaspar Zdenko von Kapliř im J. 1682
auf einem hohen Felsen erbautes Schloss und ein grosser Obst-, Gemüse-
und Ziergarten. Von Milleschau aus erreichen wir auf einem guten,
stellenweise sehr steilen Wege die Spitze des Berges.


_Bilin-Kostenblatt-Tschentschitz-Milleschauer._ Von Bilin nach
Kostenblatt 1 Meile, und von da, am besten mit Führer, in östlicher
Richtung meist durch Wald nach Tschentschitz (¾ St.), hoch im Gebirge,
am Abhange des »Milleschauer«. Hier kann der Führer entlassen werden.



H. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Teplitz aus.



Teplitz

(221 m. Seehöhe).


    =Gasthöfe=: »König von Preussen« (Stephansplatz); »Hôtel
    Post«, »Stadt London« (beide Lange Gasse); »Altes Rathhaus«
    (Marktplatz); zur »Riesenburg« (Graupnergasse); »Kronprinz
    Rudolf«, »blauer Stern« (beide Bahnhofstrasse); »Neptun«
    (Mühlstrasse); »Schwarzes Ross« (Kirchengasse); »Preussischer
    Hof« und »Wigand's Hôtel« (Kurpark).

    =In Schönau=: »Haus Oesterreich« (Neubadallee), »Hermannsburg«
    (Badegasse von Schönau). Zimmer von ½ bis 3 fl. täglich,
    Bedienung 30 kr., Licht 30 kr., Suppe 12 kr., Braten 40--80
    kr., Kaffee 20--24 kr. Gutes Brod, vorzügliche Biere und Weine.

    =Weinstuben=: »Fleck« (Lange Gasse), »Rüdesheim«
    (Lindenstrasse), »3 Aepfel« (Badeplatz). =Restaurants= ausser
    den oben genannten Gasthöfen: »Leitmeritzer Bierhalle«
    (Schulplatz), »zum Erzherzog Stephan« (Königstrasse),
    »Günther's Bierhalle« (Alleegasse), »Kursalon«.

    Gartensalon im Schlossgarten, Askonas, isr. Restauration,
    Edmundsstrasse zu drei Rosen, zum Felsenkeller, zum hohen Haus
    (Mühlstrasse), Germania (Steinbadgasse), Glaser, Weilburg
    (Lindenstrasse).

    Die Reihenfolge ist durchaus nicht mit Rücksicht auf
    verschiedene Güte zusammengestellt.


Stadt Schönau:

    Merkur, Stadt Warschau, Rosenlaube, Ordensband.

    Das Couvert zumeist à la carte von 1--2 fl. Table d'hôte
    weniger üblich.

    =Kaffeehäuser=: Kursalon, Theater, Stadt Dresden. Mehrere
    vorzügliche Konditoreien.

    Ausserdem befinden sich auf bedeutenderen Ausflugsorten zumeist
    vortrefflich eingerichtete Sommerrestaurationen, wo neben
    allerlei Erfrischungen, Mineralwässern, auch kalte und warme
    Speisen für civile Preise dargeboten werden.

Kurgäste finden in etwa 230 Häusern in Teplitz und mehr als 80 in
Schönau Logis. Da dieselben auch in anderen Häusern in der Stadt
Unterkunft finden, so können zu einer Zeit wohl gegen 3000 derselben
ihre Kur geniessen. Bei der Ankunft in Teplitz ist es nicht rathsam,
sich am Bahnhofe von Agenten, Gepäcksträgern und Droschkenkutschern,
die sich in eigennütziger Weise an den Fremden herandrängen, eine
Wohnung anempfehlen zu lassen. Man kann da leicht in schlechte oder
von den Bädern sehr weit entfernte Wohnungen geschickt werden, die
dann wiederum aufgegeben werden müssen. Man lasse sich durch die
gewöhnlichen Versicherungen dieser Agenten, es sei alles überfüllt
etc., ja nicht ängstlich machen. Wer nicht schon vorher eine Wohnung
bestellt hat oder von verlässlicher Seite in ein gutes Haus empfohlen
ist, der thut am besten, zunächst in ein Hôtel zu fahren, dann einen
Arzt bezüglich der Wahl des Bades zu consultiren und dann eine Wohnung
in der Nähe des verordneten Bades zu suchen. Die Täfelchen »Logis«
zeigen derlei Häuser an; ein weisser Streifen darüber gibt an, dass das
Haus momentan keine Wohnung abgeben kann. Die Miethpreise, die sich per
Woche verstehen, sind je nach der Saison verschieden und variiren im
Sommer von 5--25 fl., im Winter von 3--12 fl. Das Frühstück wird meist
im Logis genommen, im Gegensatze zu anderen Kurorten. Doch kann bei der
grossen Zahl Kurhäuser nie Wohnungsnoth eintreten. Dem stets wachsenden
Zudrang des Kurpublikums entsprechen grosse und zweckmässige Neubauten
der letzten Jahre.

Auskünfte über Wohnungen, sowie Kurangelegenheiten jeder Art ertheilen
die Bürgermeisterämter von Teplitz und Schönau, der städtische
Badeinspector in Teplitz und in den meisten Fällen auch die Badeärzte.

    =Lesekabinet= im Kursalon. Es liegen auf: die Kur- und
    Fremdenlisten der besuchtesten Badeorte, ferner eine bedeutende
    Anzahl Zeitungen politischen und belletristischen Inhaltes in
    9 europäischen Sprachen. Kurgäste haben freien Zutritt. Im
    Damensalon ein Klavier zu freier Benützung. Billardsaal.

    Der Kurort Schönau hat ebenfalls ein reich eingerichtetes
    Lesekabinet.

    =Buchhandlungen=: Ernst Pörzler (Seumestrasse) und H. Dominicus
    (Königsstrasse). Beide haben Leihbibliotheken, reichlich
    ausgestattet mit den neuesten Erscheinungen der Literatur, auch
    in fremden Sprachen.

    =K. k. Postämter=: Teplitz, Schlossplatz, Schönau, Badeg. 85.

    =K. k. Telegrafenamt=: Waisenhausgasse (7 Uhr Früh bis 9 Uhr
    Abends).

    =K. k. Hauptzollamt=: Schlossplatz 14.

    =K. k. Bezirkshauptmannschaft=: Marktplatz 26.

    Die =Communalbehörden= sind: In Teplitz der Magistrat,
    Marktplatz, in Schönau das Bürgermeisteramt, Neubadallee.

    In der Königsstrasse und in der Langen Gasse befinden sich
    Banken und Wechselstuben.

    =Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ Bahn (Linie: Komotau-Aussig).
    _Dux-Bodenbacher_ (Linie: Komotau-Bodenbach). Der Bahnhof der
    letzteren ist etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt, doch
    fahren zu allen Zügen Omnibusse.

    Ein- und zweispännige Wägen mit festgesetztem Tarif nach
    allen Richtungen. Rollwagenführer im Dienstmanninstitut
    (Graupnergasse). An den Bahnhöfen eigene Gepäckträger.
    Omnibusse nach Eichwald und Probstau.

    =Stadttheater= im Kurpark, das ganze Jahr hindurch
    Vorstellungen; es werden Operetten, Schau- und Lustspiele
    gegeben. Im Sommer gastiren daselbst oft Künstler der
    bedeutendsten Bühnen. Anfang 7 Uhr.

    =Kurmusik=: _Teplitz._ Die Kurkapelle spielt täglich Morgens
    im Kurgarten, Mittags 11--1 Uhr im Schlossgarten; Montag und
    Freitag Nachm. 5--7 im Kurgarten.

    Tanzreunionen finden gewöhnlich Samstag Abends im Gartensalon
    statt.

    _Schönau._ Militärkapelle jeden Mittwoch und Samstag Nachm.
    5--7 Uhr; Donnerstag u. Sonntag Vorm. 9--10½ Uhr im Schönauer
    Musikpavillon.

    =Zeitungsagentur=: Erwähnenswerth ist die Zeitungsagentur
    (Königsstrasse), welche alle Zeitschriften zu Originalpreisen
    anbietet.

    Die Kurtaxe zahlt jeder Fremde, der sich länger als 8 Tage
    aufhält, nach vier Ständeklassen. Gewisse Stände sind davon
    befreit, doch zahlen sie wie alle Fremden, die sich länger als
    drei, aber weniger als 8 Tage aufhalten, die Musiktaxe (50 kr.).

    =Kuranstalten=: Bäder sind in _Teplitz_: das Stadt-, Kaiser-,
    Stein- und Stefansbad (Eigenthum der Stadt Teplitz), Fürsten-
    und Herrenhausbad (Eigenthum des Fürsten Clary), Sophienbad,
    (Eigenthum der israel. Kultusgemeinde).

    _In Schönau_: Das Schlangenbad (dem Kurort Schönau gehörig),
    das Neubad (fürstlich).

Alle in- und ausländischen Mineralwässer sind in der städt.
Mineralwasserniederlage (Badeplatz) und im Schlangenbad (Schönau) zu
haben. Das Wasser der Stadtbadquelle, welches bei gewissen Krankheiten
ärztlich verwendet wird, ist im Kurgarten und im Stadtbad unentgeltlich
zu haben. Hier sei auch das 54 m lange und 15 m breite Schwimmbassin,
mit klarem Gebirgswasser gefüllt, erwähnt. Dasselbe befindet sich im
westlichen Theile des Turnerparkes, etwa 15--20 Min. vom Centrum der
Stadt entfernt. Der Bau ist in mancher Beziehung sehenswerth.

Die Balneologen rechnen die Teplitzer Thermen zu den chemisch
indifferenten, d. h. solchen, die wenig fixe oder gasförmige
Bestandtheile enthalten. Indessen ist das Teplitzer Thermalwasser
reicher an fixen Bestandtheilen, als andere indifferente Thermen und
unterscheidet sich besonders dadurch, dass das kohlensaure Natron
prävalirt. Ueber ihre oft wunderbare heilende Wirkung zu sprechen,
dürfte nicht hier der Platz sein. Auch ist sie weithin bekannt. Die
ebenfalls bekannte Katastrophe, die die Urquelle am 13. Feber 1879
traf, kann, ihr eigentlicher Abschluss mag sein, wie er will, nur die
Folge haben, dass das Wasser, welches früher selbst herausfloss, jetzt
aus der Tiefe künstlich hervorgeholt wird.

Diese Hauptquelle speist das Stadt-, Sophien-, Fürsten-, Herrenhaus-
und Kaiserbad. Ueberhaupt haben alle Quellen in Bezug auf ihren
stofflichen Gehalt nur wenig Differenzen; sie unterscheiden sich
hauptsächlich durch ihre Temperatur; so hat die Neubadquelle und die
Hauptquelle 35° R., die Schlangenbadquelle 31° R., die Stein- und die
Stefansbadquelle etwa 30° R., die Wiesenquelle (im Stefansbad) und die
Sandbadquelle (im Steinbad) haben 26° R.

In einigen Bädern wird eine hinreichende Menge gereinigten Moores mit
Thermalwasser zu einem mehr oder minder konsistenten Brei gekocht,
und es werden diese Moorbäder auf verschiedene Weise verwendet. Der
Moor, welcher in der Umgebung von Teplitz (Dreihunken und im Seegrund)
gestochen wird, besteht aus einem Gemenge einer eigenthümlichen
humusartigen Säure und in Zersetzung begriffener Pflanzenreste.

Die Benützung der warmen Quellen muss in eine sehr alte Zeit
zurückgehen. Vielleicht haben schon römische Mercatores da ihre
Heilung gefunden und haben aus Dankbarkeit der Quell-Nymphe jene
Silbermünzen dargebracht, die man 1879 daselbst gefunden hat. Nach
der Christianisirung des Landes verlegt die Sage die Auffindung
der Quellen auf den 29. August 762 unter der Regierung des Herzogs
Nezamysl. Die zwei Spitzthürme in der Kirchengasse beim Eingang in den
Schlossgarten gelten für die ältesten Gebäude von Teplitz. Die Sage der
Quellenauffindung erzählt eine lateinische Inschrift auf einem in der
Nähe der Hauptquelle befindlichen Steine; sie ist bekannt: weidende
Schweine sollen die Quelle aufgewühlt haben.

Im Jahre 1153 erbaute Judith, Gemahlin des Herzogs Vladislav, hier
ein Benediktiner-Nonnenkloster, welches aber in den Hussitenkriegen
spurlos unterging. Nach 1544 wurden die ersten zweckentsprechenden
Bäder erbaut, das Schloss auf dem Schlossberg restaurirt und die
Schlosskirche gegründet. 1585 nimmt Janusch von Schönberg den Bürgern
die Bräugerechtigkeit, die bis auf heute Eigenthum der Besitzer
geblieben ist.

Seit 1653 ist Teplitz im Besitze der Clary-Aldringen. 1848 hörte für
die Stadt das Unterthänigkeitsverhältniss auf und der Kurort wurde zur
selbstständigen Stadt.

Der Besuch von Kurgästen und Passanten ist während der Sommersaison (1.
Mai bis Ende September) ein sehr starker und nimmt stetig zu. (Im Jahre
1879 über 32.000.)

Es dürfte aber auch kaum einen zweiten Kurort geben, der eine so
mannigfaltige, an Naturschönheiten überreiche Umgebung aufzuweisen
hätte und in dieser herrlichen Umgebung soviel interessante Punkte
bieten könnte, wie Teplitz-Schönau. Es hat in den letzten zwei
Decennien sich ungemein ausgedehnt; der Handel und die Industrie haben
einen grossen Aufschwung genommen, so dass ein grosser Theil der Stadt
dem Badeleben fast ganz entzogen ist. Die zur Aufnahme der Kurgäste
bestimmten Häuser liegen in der Nähe der Bäder und sind zum grössten
Theil bequem und elegant eingerichtet. Das gesunde Klima und die
schöne Umgebung hat viele Fremde, besonders Pensionisten und Rentiers
zur dauernden Niederlassung in Teplitz bewogen. Die breiten, gut
gebahnten Wege, die herrlichen wohlgepflegten Anlagen, die Alleen dicht
belaubter Bäume, dann die Gelegenheit häufiger Vergnügungen und die
Möglichkeit, alle Wünsche in Bezug auf Liebhabereien und Luxusartikel
hier befriedigen zu können, machen den Aufenthalt in Teplitz angenehm,
so dass der Andrang der Passanten und Touristen, wie schon bemerkt,
jedes Jahr grössere Dimensionen annimmt. Besonders sehenswerth ist
der _Kurpark_. In seinem nördl. Theile steht das Theater, ein grosser
Renaissancebau. Es kann etwa 1000 Personen fassen. Unweit ist eine
Säule, welche eine Uhr, ein Thermo-, Hygro- und Barometer, die
Quellenanalyse und die täglichen Daten der metereologischen Station
enthält. Der Säule gegenüber ist die städtische Trinkanstalt. Einige
Schritte davon steht ein allegorisches Standbild, im J. 1862 zur
Feier des 1100jährigen Jubiläums der Quellenauffindung errichtet. Am
südlichen Theile steht das Herrenhaus und daran anschliessend ein
grossartiger Neubau, _das Gartengebäude_. Im Osten befindet sich
das Kaiserbad, ein prachtvolles, im altfranzösischen Mansardenstyl
aufgeführtes Gebäude. Anstossend daran der Kursalon mit dem
Lesekabinet. Unweit davon ist der Musikpavillon, auch wird in der Nähe
das Wasser der Urquelle zum Trinken verabreicht.

Durch die Graupnergasse, den Marktplatz und die lange Gasse, die durch
eine grosse Zahl eleganter Läden sich auszeichnet, gelangt man auf
den _Schlossplatz_ mit dem fürstl. Claryschen Schlosse (1751 erbaut),
der Schlosskirche (1568), der Dekanalkirche (um 1700) mit einigen
künstlerisch werthvollen Altarbildern. Durch das Schloss kommt man
in den fürstlichen _*Schlossgarten_, ein bescheidener Name für einen
herrlichen Park, wie ihn nur wenige Städte aufweisen können. Die
Baumriesen zeigen, dass er schon vor Jahrhunderten angelegt ist. Die
schönen, breiten, dicht beschatteten Alleen, die reizenden Wiesen mit
herrlichen Durchsichten und grossartigen Baumgruppen, zwei grosse
Wasserbassins, die Bemühungen der modernen Gartenkunst, sowie die mit
den seltensten exotischen Pflanzen gefüllten Treibhäuser, zahlreiche
Ruhebänke machen ihn zum beliebtesten Aufenthalt. Während der Mittags
abgehaltenen Concerte ist er der Sammelpunkt von allem, was der Kurort
an Geschmack, Schönheit und Eleganz aufweisen kann.

Mit dem Kurpark hängt der _Seumepark_ zusammen, ein umgewandelter
alter Friedhof, mit dem Grabe Seume's (gest. 16. Juni 1810), das
wohl bald ein würdiges Denkmal haben wird. Daran schliessen sich
die neuerrichteten _Payeranlagen_, überragt von dem Mont de Ligné,
(Restauration und reizender Aussichtspunkt). (Pavillon 1831 erbaut; im
Volksmunde von der Aehnlichkeit »Pfefferbüchse« genannt.) Durch die
Lindenstrasse, die diese Anlagen begrenzt und in welcher sich eine
Reihe Badespitäler, darunter das sächsische und preussische befinden,
gelangt man in den _Kaiserpark_, eine ebenfalls reizende Anlage der
Neuzeit mit schöner Rundsicht. Man erblickt hier die neue, im streng
gothischen Style erbaute _kath. Kirche_ von Schönau, das _Stefans-_
und _Steinbad_, das grossartige k. k. Militärspital und davor den
Musikpavillon. Anschliessend befinden sich wieder Parkanlagen, und
zwar die Neubad-Allee, die Humbolds-Anlagen und die mit schönen Villen
geschmückte Giselastrasse, welche zum _Teplitzer Bahnhof_ führt, einem
grossartigen Gebäude mit einem pompösen Wartesaal. Vor demselben
befinden sich auch Gartenanlagen.

Von Gebäuden wären noch zu erwähnen: _Die evangelische Kirche_
(Elisabethgasse), eine stylvolle Basilika (1861 gebaut). Auf der
Freitreppe eine _der *schönsten Aussichten_. In derselben Gasse wird
sich auch der israel. Tempel befinden, der auch ein Monumentalbau
werden dürfte. In der Jägerzeile steht die Loretto-Kapelle mit der
fürstl. Claryschen Familiengruft.


Spaziergänge.

1. _Die *Königshöhe_ (3 Wege hinauf). Bei dem Monument des langjährigen
königlichen Freundes von Teplitz, Friedrich Wilhelm III. schöne
Aussicht.

Sehenswerth ist die _Schlackenburg_ (Restauration und camera obscura),
ein eigenthümlicher Bau mit vielen kleinen Zimmern, aufgeführt von
einem einzigen Mann in mehr als 20 Jahren aus Ziegelschlacken und
Feldsteinen.

Von der Plattform eine der reizendsten Rundsichten über das Thal
zwischen dem Erz- und Mittelgebirge. Ebenso bieten die Restaurants
_*Bella vista_ und _*Belvedère_ prächtige Fernsichten. Hier ist auch
das Schiesshaus der über 300 Jahre alten Schützengesellschaft mit
einer interessanten Autographensammlung und dem Memorialbuch. An dem
Vogel- und Scheibenschiessen können sich auch Fremde betheiligen. Nahe
an demselben wird in dem Kesselhause der Dampf erzeugt, der die im
Schachte der Urquelle eingebauten Maschinen treibt.

2. _Die *Stefanshöhe_ in Schönau mit einer lohnenden Aussicht über die
Stadt.

3. _Der Turnerpark_ bei dem mit Teplitz zusammenhängenden grossen und
wohlgebauten Dorfe Turn, ¼ St. nordwestl. von Teplitz auch zugleich an
Schönau anstossend. Er hat mächtige Buchen und Eichen und bietet daher
angenehmen Schatten, ist sehr anmuthig und im englischen Geschmack
angelegt. Hinter der auf einer Anhöhe stehenden Restauration ist eine
sehenswerthe Porphyrgruppirung, anschliessend beginnt die Kalkformation.

4. Von da, an der Schwimmschule vorüber und durch den Ort Turn kommt
man zu einem Promenadenweg, der nach _*Probstau_ (¾ St. nördlich von
Teplitz) führt. Er ist reich an landschaftlichen Reizen, besonders
in der Nähe des Angerteiches. Probstau ist wegen seines grossen,
schattigen Waldparkes und der guten Restauration (Café) immer sehr
besucht.

5. Vom Schlossplatz, durch die Jägerzeile, beim Mauthhaus links
und den Berg hinan führt der Weg auf die _*Bergschenke_ (½ St.),
Restauration mit sehr lohnender Aussicht über das Teplitzer Thal. Die
zahlreich erwähnten Aussichten unterscheiden sich sehr von einander
durch die Abwechslung, die sie stets bieten. An die Bergschenke stösst
der wenig gepflegte Galgenbusch. Verfolgt man den Katharinasteg
und einen durch zahlreich auf einander folgende rothe Punkte, die
an Bäumen und Steinen angebracht sind, bezeichneten Waldung, so
erreicht man die _*Helm's Ruhe_ (nach dem Teplitzer Bürger Anton Helm
benannt). Man wird hier durch ein herrliches Panorama, das von den
früheren Aussichten wesentlich verschieden ist, angenehm überrascht
sein. Der etwa 1000 Schritte von der Restauration (Bergschenke oder
Bergschlösschen) entfernte 379 m hohe _*Wachholder-Berg_ bietet eine
grossartige Rundschau. Eine Menge Ortschaften werden durch die Höhen
des Mittelgebirges und den weiten Bogen des Erzgebirges begrenzt.

Eine wiederum schöne Rundsicht bietet _*der Schlossberg_ (½ St.). Man
erreicht ihn, wenn man durch Schönau, am Neubad vorbei, eine breite
Strasse geht, die bis an seinen Fuss führt. Man kann entweder auf
schönen Promenadenwegen oder der neugebauten, an Serpentinen reichen
Strasse hinauf gelangen.

Auch kann man die bei dem verfallenen Thore am Fusse befindlichen
Esel benutzen. Der Berg selbst, eine auf Basalt und Porphyr gelagerte
Phonolythmasse, wird von einer Burg gekrönt. Ihre Gründungszeit
ist unbekannt, doch ist wahrscheinlich, dass dieser sowohl zur
Vertheidigung als zur Beherrschung eines grossen Gebietes eminent
günstige Ort schon in uralter Zeit befestigt gewesen sei. Am Fusse
desselben stand das ehemalige Kirchdorf Daubrawitz, jetzt nur ein
Meierhof, von dem die Burg auch in früherer Zeit den Namen hatte.
Im Jahre 1585 kam sie in den Besitz der Kinsky, welche sie durch
holländische Baumeister restauriren und einen Thiergarten anlegen
liessen, von welchem noch die Thormauer am Fusse erhalten ist. 1615
erbte sie Wilhelm Kinsky, ein Vetter und Schwager Wallenstein's, der
in Eger am 22. Febr. 1634 ermordet wurde. Kaiser Ferdinand II. verlieh
sie mit den Herrschaften Teplitz und Pinsdorf an den General Grafen
Aldringen, nach dessen Ende (bei Landshut im Gefechte am 20. Juli 1634)
ging sie an seine Schwester Anna über, vermählte Clary; die Clary's
hatten mit kaiserl. Rescript vom 24. Mai 1653 Namen und Wappen der
Aldringen zu führen. Während des dreissigjährigen Krieges war die Burg
mehrmals im Besitze der Schweden gewesen. Im Jahre 1655 liess sie der
kaiserliche Hof mit Rücksicht darauf, dass sich leicht Raubschaaren
dort festsetzen könnten, schleifen und seit dieser Zeit liegt sie in
Trümmern. Die Restauration, die theils kasemattenartig in die Mauern
eingebaut ist, theils einen modernen Holzbau bildet, ist als sehr gut
zu bezeichnen. Die Rundsicht ist prachtvoll. Man sieht einen grossen
Theil des Mittelgebirges, das den Milleschauer überragt, den Biliner
Felsen, die Gegend bei Brüx, den ganzen Zug des Erzgebirges mit seinen
zahlreichen Städten, Flecken und Dörfern, das Kulmer Schlachtfeld und
die Höhen bei Aussig. Geht man auf der Prager Strasse durch Schönau,
an der Gasanstalt vorbei bis zu einer Gerberei, biegt rechts um, so
gelangt man auf einem Pfade in einer halben Stunde südöstlich von
Teplitz zur Fasanerie (zum Dorfe Zwettnitz gehörig), einem waldartigen
Park mit hübschen Spaziergängen. In der Försterswohnung eine kleine
Restauration. Die Aussicht erwähnenswerth.


=I. Touren= (in das Mittelgebirge und auf den Milleschauer siehe oben
von Bilin, beziehungsweise Lobositz aus).

Als besonders bemerkenswerthe Touren empfehlen sich von Teplitz
aus in der Richtung gegen das anmuthige Bielathal folgende: 1. Man
geht entweder auf der Strasse über Auperschin (Bielathalbahn) nach
Welboth (durch die Prager Strasse in Schönau), oder man biegt bei der
Ueberbrückung des Saubaches durch die Strasse links ab, geht auf einem
Fahrwege nach Wisterschan, dann an der Schule vorbei und gelangt,
indem man fort dem Bache nahe zu bleiben trachtet, über Neuhof in ein
hübsches Thal, an dessen Ende das Dörfchen Kozlike sich befindet; von
hier geht der Weg nach Welboth. Verfolgt man nun die Strasse nach
Hertine, so bietet dieses Dorf, unweit der Bielabrücke von Welboth, ein
reizendes Bildchen. Der es überragende Berg heisst nach einem kleinen
Dörfchen _der Frauschieter Berg_. Von Hertine (Bahnstation) geht man
längs der Geleise der Bielathalbahn nach Prosanken. Ein sehr hübscher
Wiesenweg führt uns nach Tschochau (Station), einem grossen Dorfe mit
einem Bräuhaus und einigen ziemlich guten Wirthshäusern (besonders
böhmische Krone; bisher etwa 3 Stunden). In kürzerer Zeit erreicht man
Tschochau auf dem ebenfalls nicht uninteressanten Wege über Drakowa
auf der am Fusse des Schlossberges vorbeiführenden Strasse, dann über
Quikau, Suchey, an dem über 360 m hohen Jedowinberg vorbei über
Habrzie und Hlinai.

Von _Tschochau_ aus lassen sich mehrere hübsche Partien machen, und
zwar zunächst nach _Staditz_; schon nach einer kleinen halben Stunde
kommt man zu dem sogenannten Königsfelde, das noch vor dem Dorfe einem
Försterhause, zugleich Restauration, gegenüber liegt. Es ist dies wohl
die älteste Stätte Böhmens, die die Sage nennt. Hier soll das weisse
Pferd, das Libuša, die Tochter des ersten Tschechenherzogs Krok, zum
Aufsuchen des Bräutigams ausschickte, den vom Pflügen ausruhenden
Wladyken Přemysl gefunden und durch Stehenbleiben und freudiges Wiehern
als den erwähnten Bräutigam bezeichnet haben. Er wurde Stammvater des
Jahrhunderte lange herrschenden Přemyslidengeschlechtes.

Eine andere Version der Sage erzählt, dass Libuša unter der Führung
des weissen Pferdes Leute ausgeschickt habe, die den als Bräutigam auf
den Wyschehrad führen sollten, der auf einem eisernen Tische essen
würde. Und Přemysl ass sein Brod auf der Pflugschar des umgekehrten
Pfluges. Die Sage hat manchen verwandten Zug mit den Stammsagen der
indoeuropäischen Völker. Auf dem Königsfelde, das bis jetzt in dieses
Jahrhundert steuerfrei gewesen ist (?) und von dessen Haselstaude, die
aus der von Přemysl gesteckten Ruthe abstammen soll, die Früchte zur
königlichen Tafel nach Prag geliefert wurden, hat Graf Erwin Nostitz,
der Besitzer von Türmitz, 1841 ein Denkmal errichten lassen. (Siehe
Seite 178.)

Es ist das ein, auf zwei Terrassen ruhender grosser Steinwürfel mit
zwei Reliefdarstellungen, von denen die eine das Zusammentreffen der
Gesandtschaft, die zweite den Einzug Přemysl's in die Burg Wyschehrad
darstellt. Sie sind ein Werk von Max. Das Ganze krönt ein eiserner
Pflug von bedeutender Dimension. Von da führt ein Weg durch das
malerische Bielathal über das Dörfchen Kosten nach _Türmitz_ (Station
der Aussig-Teplitzer Bahn), einem recht aufstrebenden Orte mit einer
grossen Zuckerfabrik. Die ganze Partie beansprucht etwa 5 Stunden.

Eine andere Partie von Tschochau aus ist folgende: Auf der Strasse nach
_Nabrowan bis Razeine_, von da links ab nach _Dubitz_ und dann bis
zu dem vom Orte etwa 10 Minuten entfernten Kirchlein. Hier geniesst
man einen Einblick von seltener Schönheit in das prachtvolle Elbthal.
Gegenüber hat man die pittoreske Gestalt des Deblikberges, an dessen
Fusse das Dorf Tirkowitz liegt.

Geht man nun von dem Kirchlein, das Gesicht zur Elbe gewendet, rechts
ab, so gelangt man auf einem mehrfache hübsche Aussichten bietenden
Wege zur Eisenbahn- (Staatsbahn) und Dampfschifffahrtsstation
Praskowitz. (Der ganze Weg von Tschochau etwas über 3 Stunden.)
Freunden romantischer Aussichten, auf allerdings etwas beschwerlichen
Wegen, seien die Touren empfohlen von Tschochau über _Suchey_ nach
_Höben_ und von da entweder über _Qualen_ nach _Salesl_ (Station d.
Staatsb. und des Dampfschiffes) oder auf das gegenüberliegende Ufer,
eine kleine ¼ Stunde elbeabwärts nach Sebusein (Station der Nordwestb.
und des Dampfschiffes). (Der ganze Weg bequem 3 Stunden.) Auch führt
von Stöben ein Weg, der landschaftliche Schönheiten bietet, über den
Rücken des _Glaberberges_ und dann in einer Thalsenkung über die
kleinen Ortschaften Elbogen und Augiesel oder auf der Strasse durch
den Wald nach Türmitz (2 gute Wegstunden). Der erwähnte Glaberberg
bildet jene steilen, von den Fahrgästen des Dampfschiffes oft
bewunderten Wände des Elbthales, die bei dem kleinen Oertchen Wannow,
dem letzten am linken Elbufer vor Aussig, eine besonders interessante
Form annehmen, ein Werk der sich mühsam durchbrechenden Wässer. Sie
sind unter dem Namen Wannower Wände oder Felsen bekannt. Den Endpunkt
dieses mächtigen Bergrückens bildet die Ferdinandshöhe 205 m hoch bei
Aussig, ¼ St. entfernt, eine der prachtvollsten Aussichten weit über
das Elbthal bietend; die geringe Mühe des Aufstieges ist durch dieses
liebliche Panorama wohl belohnt. (Siehe Aussig!) Endlich sei noch einer
an landschaftlichen Reizen reichen Tour gedacht: _von Tschochau über
Nabrowan nach Razeine_. Hierauf verfolge man einen in oos. Richtung
gehenden Pfad, der bei dem letzten Wirthshause rechts von der Strasse
ablenkt. Man gelangt nach einigem Steigen zu einer coulissenartigen
Digression des Bergzuges, welche ebenfalls einen herrlichen Ausblick
über ein anderes Stück des Elbthales bietet, gegen Lobositz,
Theresienstadt und den lang gedehnten Rücken des Radobil am anderen
Ufer.

Wer Zeit hat, mache den sehr lohnenden Umweg über das Dörfchen
Padloschin. Er wird, von hier nach Norden auf dem Fahrwege abbiegend,
eine lohnende Augenweide finden -- einen Blick in das tiefliegende
Elbthal. Dann geht es ohne besondere Schwierigkeiten nach Praskowitz
herab. Bemerkt sei noch, dass es von hier einen an hübschen
Perspectiven reichen Weg nach Leitmeritz (2½ St.) gibt und zwar über
das Praskowitz gegenüber liegende Libochowan und Kamaik.

2. _Von Teplitz nach Kostenblatt._ Es sind dahin 2 Wege. Auf dem
einen gelangt man, wenn man an dem Kesselhause der Stadtbadquelle,
zwischen der Königshöhe und dem Schlossgarten durchgeht, den Weg bis
an das Eck des letzten verfolgt und, dann links abbiegend, durch den
sogenannten Lipnaibusch, wo sich eine Einsiedelei befand, jetzt
alles verwildert, fortgeht, eine Gruppe alter Eichen bleibt links --
bis in das Dörfchen Pittling. Darauf steigt man nach Welbine herab,
und der Weg geht über die nahe an einander liegenden Orte Liessnitz,
Ratsch, Webeschan und Welhenitz nach Kostenblatt. Hier beim Düwock
ein Gasthaus. Das Schloss, dem Grafen Czernin gehörig, ist ein Neubau
aus dem Jahre 1864. ¼ St. vom Dorfe liegt die hochinteressante
Ruine Kostenblatt, 570 m hoch, wohl eine mit von den schönsten des
Landes. Aus ihrer reichen Geschichte sei erwähnt, dass sie von einem
sagenhaften Kostomlat gegründet, im Jahre 1350 einem Ritter Žerotin
gehörte, dessen Nachkommen noch in Mähren leben. Von 1422 an war die
Burg Eigenthum des deutschen Ordens, dessen letzter böhmisch-mährischer
Landcomthur Albrecht von Duba sich hierher zurückzog (1422--30).
Der hussitischen Berennung widerstand die Burg mit Erfolg. Doch
eroberte sie 1434 Jakoubek von Wřesowitz und zerstörte grösstentheils
die Befestigungen. Georg von Podiebrad, dessen Familie -- früher
von Kunstadt, später von Podiebrad genannt -- sie nachher gehörte,
verbrachte hier einen Theil seiner Jugend. Nach der Schlacht am weissen
Berge wurde sie dem letzten Besitzer Ulrich Kostomlacky von Wřesowitz
confiscirt und gelangte schliesslich in den Besitz der gräfl. Familie
Ledebour, der sie bis jetzt angehört. Die Aussicht vom Wartthurm, auf
den eine bequeme Wendeltreppe hinaufführt, ist überaus lohnend. Man
übersieht den weiten Bogen des Erzgebirges und die dazwischen liegende
Ebene; die dichtbewaldeten Kuppen des Mittelgebirges in wechselnder
Form heben sich kräftig von dem in nebelhafter Ferne verschwindenden
Hintergrunde ab. Nicht vergessen sei die kleine Restauration daselbst.
3. Ein _anderer_ Weg nach Kostenblatt (etwa 2½ St. lang, reicher an
Abwechslung, geht von Teplitz auf der Bilinerstrasse bis Kradrob.
Fussgänger können hier bei der Schmiede links einbiegen und gelangen
auf einem Wege nach Křemusch (1 St. von Teplitz). Hier ist ein schönes,
dem Grafen Ledebour gehöriges Schloss mit einem prächtigen Parke.
Ein angenehmer Fahrweg führt aus dem Parke zur Teufelsmauer, einer
wildromantischen Partie des Bielathales. Es ist das ein steiler, durch
Basaltlava gebildeter Abhang. Von hier eine schöne Aussicht über das
Bielathal.

Von Křemusch hat man nach Kostenblatt zwei Wege, einen näheren
über Dollanken, Wohontsch (Station der Bielathalbahn, eine kleine
halbe Stunde von Křemusch), Niemetschen, Poratsch und Aupoř, reich
an herrlichen Ausblicken über ein stets wechselndes Panorama nach
Kostenblatt (etwas über 1 Stunde). Der weitere Weg führt von Křemusch
über Hostomitz nach Schwatz (½ St.) (Station Schwatz-Kuttowitz), dem
Mensalgute des Prager Erzbisthums. Der einst berühmte Schlossgarten
ist sehenswerth. Die ganze Gegend wird Geologen und Mineralogen
viel Interessantes bieten. Eine grossartige Rundschau bietet der
Basaltkegel hinter dem Dorfe, der sogenannte Paraplüberg. Von Schwatz
geht der Fahrweg in 1 St. nach Kostenblatt. Von da aus kann man noch
folgende interessante Touren machen. 1. Durch anmuthige Wälder über
Milleschau am Fusse des davon benannten Milleschauer nach Wellemin (2
St.) zu dem reizenden _Wopparna-Thale_. Bei Kleintschernosek kommt
man heraus und vergesse nicht hier in der ureigentlichen Heimat des
berühmten Weines eine diesbezügliche Quellenstudie zu machen. Indess
hat es in der neuesten Zeit damit einige Schwierigkeiten, aber damit
soll ja jedes Quellenstudium verbunden sein. 2. Nach Radowesitz (¾
St.), dann weiter auf der über Trebnitz (am Fusse des Kostial) nach
Lobositz führenden Strasse bis zu einem rechts befindlichen Hegerhause
(keine Restauration) (etwa 1½ St.). Von hier geht durch eine Rodung
ein in seinem letzten Drittel etwas steiler Weg auf den altehrwürdigen
Radelstein. Ich sage altehrwürdig, denn es bestand hier eine uralte
Culturstätte. (Siehe von Bilin aus! Retour nach Bilin und von da mit
der Bahn nach Teplitz.)


II. Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge.

Hier sei von der im Süden des Erzgebirges gelegenen Ebene nur jener
Theil in Betracht gezogen, der von Teplitz nördlich liegt. Etwa von
Kulm schrumpft sie in ein mehr oder minder schmales Thal zusammen,
in welchem sich bis Bodenbach das Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn
befindet und soweit erstreckt sich auch dieses Thal. In der Ebene ist
die Braunkohlenformation vorherrschend, fast ausschliesslich in ihrem
westlichen Theile. Im östlichen Theile treten allmählich und mit dem
ansteigenden Terrain desto mehr zusammenhängend Basalt, basaltische
Tüffe und Conglomerate, Phonolithe und Trachit, aus welchen das
zwischen dieser Ebene und dem Elbthale sich erhebende Gebirge besteht,
welches daher auch im Allgemeinen den Charakter des Mittelgebirges
trägt.

In der Ebene erblickt man daher zahlreiche Kohlenwerke und infolge
des Reichthums an Kohle sind hier zahlreiche Industrie-Etablissements
entstanden, so dass diese Gegend zu den bevölkertsten und productivsten
Gebieten unseres Vaterlandes gehört.

Doch hat sie auch noch ein anderes Interesse. Sie ist »ein Tanzplatz
des blutigen Ares.« Es sind seit den ältesten Zeiten hier viele blutige
Schlachten geliefert worden. Schon 1040 besiegte hier der Herzog
Břetislav die von Meissen kommenden Truppen des deutschen Kaisers
Heinrich II. Im J. 1126 umzingelte Herzog Soběslav die vereinigten
Heere des Königs Lothar und des Markgrafen Otto von Meissen. Diese
erlitten hier eine schwere Niederlage. Nach deutschen Quellen fielen
hier über 270 Grafen und Edle. Der Grossmuth Soběslav's verdankte
Lothar den freien Abzug. Das Treffen fand am Sernitzbache statt, der,
im Erzgebirge entquellend, bei Kulm und Karbitz vorbeifliesst und
unweit von Aussig in die Biela mündet. Viel blutiger aber war die
Schlacht am 16. Juni 1426. Die Hussiten hatten unter Prokop auf dem
niedrigen, zwischen Karbitz und Türmitz sich hinziehenden Bergrücken,
der Bihana, ihre Wagenburg errichtet. Das Kreuzheer der Deutschen
rückte durch die Pässe des Erzgebirges herein und griff die Hussiten
an. Die wehrten den Angriff ab und gingen nun selbst vor. Es entstand
nun ein furchtbares Gemetzel. Die Hussiten wüthend darüber, dass
man auf ihr Ansuchen, am Sonntag die Waffen ruhen zu lassen, nicht
eingegangen war, gaben keinen Pardon. Die Biela soll, wie eine Chronik
meldet, an diesem Tage roth zur Elbe geflossen sein. 15.000 Theilnehmer
des Kreuzzuges deckten die Walstatt. Bei einem Baume auf der Bihana
zeigt man das sogenannte Blutloch, wo 14 sächsische Heerführer den
Tod fanden. Aussig wurde vernichtet und lag 3 Jahre öde. Eine grosse
Zahl von Burgen und Schlössern, viele Klöster sanken in Ruinen. Und
noch einmal sollte dieser Boden mit Blut gedüngt werden. Am 27. Aug.
1813 hatte Napoleon die Verbündeten bei Dresden geschlagen und diese
zogen sich zum Theil in die Pässe des Erzgebirges zurück und zwar Fürst
Schwarzenberg über Dippoldiswalde und Altenburg, Ostermann und Barcley
auf der über Peterswalde nach Teplitz führenden Strasse. Vandamme
sollte sie mit 30.000 Mann verfolgen und die Niederlage vollständig
machen. Am Tage der Dresdner Schlacht war er von Pirna aufgebrochen und
drängte den russischen General Ostermann-Tolstoi über die Nollendorfer
Höhe in die Ebene herab. Ostermann, die grosse Gefahr der Verbündeten
sehend, suchte mit seinem Häuflein Russen, etwa 8000 Mann, die
Franzosen so lange aufzuhalten, bis sich die Preussen und Oesterreicher
genähert hatten. Am 29. August hielt er, trotzdem ihm eine Kanonenkugel
den linken Arm zerschmettert hatte, Stand, bis endlich Abends 6 Uhr
Schwarzenberg ihm Hilfe schickte. Vandamme besetzte Kulm und erwartete
Hilfe von Napoleon. Der aber theils im Glauben, dass Vandamme stark
genug sei, theils mit dem neuen Plane umgehend, die Nordarmee unter
Bernadotte anzugreifen, schickte sie nicht. Am 30. August stand daher
die Sache für die Franzosen ungünstig. Die beiden Divisionen des
Generals Colloredo hatten sich mit den Russen vereinigt und längs
der ganzen Strasse von Pristen an bis Arbesau wogte die Schlacht.
Die russische Angrifflinie ging vom Fusse des Gebirges über die
Kulmerstrasse von Pristen bis gegen Karbitz, die österreichische von
da bis gegen Deutsch-Neudörfel, Graf Colloredo hatte die Franzosen
umgangen und durch einen brillanten Angriff von der Střisowitzer Höhe
herabgedrängt. Die Preussen standen bei Arbesau. Mit welcher Heftigkeit
gekämpft wurde, konnte man an einem mässig starken Baume bei Kulm
sehen; er war von 60 Kugeln durchlöchert. Um 11 Uhr erschienen die
Preussen unter Kleist, besetzten die Peterwalderstrasse und griffen die
Franzosen an. Alle ihre Versuche, die Nollendorfer Höhe zu stürmen,
scheiterten. Die Reiterei unter Corbineau entkam allein. Nachdem sie
mit ausgezeichnetem Muthe gefochten, Vandamme war selbst verwundet,
mussten sich 10.000 Mann ergeben; 5000 lagen todt oder verwundet auf
dem Kampfplatze. Die Vernichtung eines ganzen französischen Corps,
die Gefangennahme eines erfahrenen und tapferen Generals (Vandamme,
einer der fähigsten und energischesten Generale Napoleons, geb. 5.
Nov. 1771 in Kassel, war 1799 bereits Divisionsgeneral, wurde nach
seiner Gefangennahme nach Sibirien verbannt, kehrte 1815 zurück und
starb, ohne mehr eine Anstellung zu bekleiden, den 15. Juli 1830 in
Kassel), erfüllte die Verbündeten mit neuen Hoffnungen. Für Napoleon
war diese Niederlage, sowie fast gleichzeitig verlorene Schlacht
an der Katzbach der Anfang in der verhängnissvollen Wendung seines
Schicksals. Der Sieg wurde in Teplitz, von wo am 31. Aug. der Bericht
in den Zeitungen veröffentlicht wurde, am 1. und 2. Sept. gefeiert.
Doch war noch nicht hier alle Gefahr beseitigt. Denn auf den Höhen des
Erzgebirges kam es zu neuen Gefechten. Napoleon zog einen grossen Theil
der Truppen zusammen und suchte über Nollendorf in Böhmen einzufallen.
Der wichtigste Tag war der 17. Sept. Die Franzosen waren bis Arbesau
vorgedrungen, Napoleon war in Nollendorf auf dem Kirchthurme; später
wurde ein Pferd unter ihm verwundet. Doch wurden seine Truppen
verdrängt und in grösster Unordnung zurückgeworfen, General Kreutzer
mit 2000 Mann gefangen. Hiebei zeichneten sich besonders Oesterreicher
unter Feldzeugmeister Grf. Colloredo-Mansfeld aus. Teplitz war während
dieser ganzen Zeit das Quartier der alliirten Monarchen. Kaiser Franz
wohnte im Schlosse, Kaiser Alexander im »goldenen Kreuz«, König
Friedrich Wilhelm im »Herrenhaus«. General Ostermann, der zuerst am
Schlachtfeld, ungefähr an der Stelle, wo jetzt das russische Monument
steht, amputirt wurde, lag im Hause Nr. 181 »Zur goldenen Brücke«,
wo er nochmals operirt und glücklich hergestellt wurde. Im Teplitzer
Thale hatte sich nun das ganze Hauptheer der Verbündeten an 200.000
Mann gesammelt, um Anfangs October gegen Leipzig aufzubrechen. Es sei
aus dieser Zeit noch zweier Tage erwähnt. Am 9. Sept. 1813 wurden im
Teplitzer Schlosse die Freundschafts- und Allianz-Tractate zwischen
Oesterreich, England, Russland und Preussen unterzeichnet und
ratificirt. Am 27. Sept. wurde der Jahrestag der Thronbesteigung Kaiser
Alexanders gefeiert. Die russische Garde hatte in Turn im Hause Nr. 37
einen Saal für 300 Personen errichtet; an dem Festmahle nahmen die drei
Monarchen, sowie die Spitzen der Diplomatie und der Heere Theil.

Mehr wie ein halbes Jahrhundert hat die Spuren des Krieges verwischt,
aber jeder wird der gefallenen Helden gedenken, wenn seine Blicke
den Denksäulen begegnen, die in dankbarer Verehrung den Kämpfern
jener Tage errichtet wurden. Sie stehen alle an der Strasse, die von
Teplitz über Kulm nach Peterswalde führt. Das nächste, etwa 1½ St.
von Teplitz entfernte ist das russische, unweit von Pristen, welches
auch in künstlerischer Beziehung das hervorragendste ist. Auf einem
Granitsockel erhebt sich das Fussgestell, welches die 9 Fuss hohe
Nachbildung der in Brescia aufgefundenen geflügelten Siegesgöttin
Victoria trägt. Die Vorderseite hat eine lat. Inschrift, welche das
Factum vom 28. Sept. 1813 berichtet, die der Rückseite gibt den Tag
der Grundsteinlegung (am 29. Sept. 1835) und die Namen der Monarchen,
welche Zeugen dieser Feierlichkeit waren, die zweite und vierte Seite
enthalten ebenfalls lat. Widmungsinschriften, ohne, wie mehrfach in
Führern zu lesen ist, die Namen russischer Krieger aufzuführen. Um das
Monument ist ein kleiner Garten; der in dem dabei befindlichen Häuschen
wohnende Veteran ist der Custos.

Gleich hinter diesem Monument sieht man ein von der Strasse in einer ¼
St. erreichbares Wäldchen. Das ist eine sehr denkwürdige Stelle. Denn
selbst eine geraume Zeit nach der Schlacht stellte es sich heraus,
dass im Waldgebirge, auf allen Feldern, in Schluchten und Abgründen
eine Menge Schädel und Gebeine der Gebliebenen fast zu Tage lagen. Da
liess Josef Graf Westfalen durch hunderte von Arbeitern alle diese
menschlichen Ueberreste sammeln und in einem grossen gemeinsamen Grabe
feierlich beerdigen. Es steht dort über Felsenstücken ein Steinkreuz
und an seinem Fusse liest man die Worte:

    Hier ruhen die in den nahen Wäldern in neuerer Zeit noch
    aufgefundenen Schädel und Gebeine von den an den Schlachttagen
    1813 Gebliebenen.

        Sie ruhen im Frieden. 1835.

Die feierliche Einweihung geschah erst am 26. Aug. 1836.

Von hier erreicht man bald Kulm[3] selbst. Hier ist ein Schloss
der Grafen Westfalen. Das Dorf hat etwa 120 Häuser und gegen
700 Einwohner. Als Gasthäuser sind die Morgenröthe und Gürtlers
Gastwirthschaft zu empfehlen. Nachdem in den Schlachttagen der ganze
Ort fast in Flammen aufgegangen war -- es blieben nur die Kirche,
das Pfarrgebäude und wenige Häuser verschont -- ist er in seiner
jetzigen Gestalt grösstentheils neu erbaut. Sonntag am 29. Aug. 1813
ging es hier gar fröhlich zu. Vandamme hielt offene Tafel, der hier
vorgefundene Wein floss in Strömen. »Jeudi, messieurs nous dinerons
à Prague«, rief er seinen Offizieren zu. Es erfüllte sich die
Prophezeiung, er kam bald nach Prag, aber als Gefangener. Der Hügel
nördlich von Kulm bietet eine hübsche Aussicht, aber nicht nach allen
Seiten, und trägt die im J. 1691 errichtete Dreifaltigkeitskapelle.

    [3] Station der Dux-Bodenbacher Bahn, etwas über 20 Min. vom
        Bahnhof entfernt, vom Karbitzer Bahnhof 1 Stunde.

Auf derselben Strasse den Weg fortsetzend, gelangt man nach etwa einer
halben Stunde zu dem links von der Strasse stehenden preussischen
Monumente. Es ist einfach und anspruchslos, auf einem Piedestal erhebt
sich eine Spitzsäule,[4] die von einem eisernen Kreuze gekrönt wird.
Die kurze Inschrift lautet: Die gefallenen Helden ehret dankbar König
und Vaterland. Sie ruhen im Frieden. Kulm, 30. Aug. 1813. Es wurde vom
preussischen Könige Friedrich Wilhelm III. errichtet und am 30. Aug.
1817 feierlich enthüllt. Es ist daher das erste Monument. Rechts von
der Strasse liegt der Ort Arbesau mit etwa 400 Einwohnern in gegen 70
grösstentheils neu gebauten Häusern. Einige Schritte auf der Chaussee
weiter, an dem Invalidenhäuschen und dem Wirthshause zur Post vorüber,
erblickt man rechts an der Strasse das österreichische Monument. Es
ist 54 Fuss hoch und stellt eine auf gemauertem Piedestal stehende
vierseitige Pyramide vor, deren Spitze der österreichische Doppelaar,
einen Lorbeerkranz haltend, schmückt.

    [4] Im Jahre 1857 wurde das Monument erhöht und man sieht nun
        das Brustbild Friedrich Wilhelms III. und den preussischen
        Adler.

Am Fusse der Pyramide liegt der böhmische Löwe. Der unterste Würfel
trägt folgende Inschriften:

    Vorn:

    Den Feinden furchtbar,
    den Seinen theuer.

    Rechts: Das österreichische Heer einem seiner Führer auf dem
    Felde des Ruhmes.

    Hinten: Arbesau, am 17. Sept. 1813.

    Links: Dem Vaterlande und seinen Freunden zu früh entrissen.

Weiter befinden sich am untern Theile der Pyramide folgende Basreliefs
und Inschriften:

    Vorn: Das Bildniss des Verewigten mit der Umschrift:

    Hieronymus Graf Colloredo-Mannsfeld,
    k. k. General-Feldzeugmeister.

    Rechts: Geboren den 30. März 1775.

    Hinten: das gräfliche Wappen.

    Links: Gestorben den 23. Juli 1822.

Eine Balustrade umgibt das Piedestal.[5]

    [5] Es sei noch erwähnt, dass Graf Colloredo unweit des
        Denkmals ein Pferd unter dem Leibe verlor.

Es ist das Denkmal vom österr. Heere errichtet und am 17. Sept., dem
Tage der Schlacht von Arbesau -- nicht zu verwechseln mit der Schlacht
bei Kulm -- im Jahre 1825 eingeweiht worden.

In einer kleinen Entfernung davon befindet sich noch ein Denkmal, und
zwar am Bache auf dem freien Felde. Ein grosser unbehauener Felsblock
trägt ein 5 Fuss hohes eisernes Kreuz. Es ist das ein Andenken an den
am 30. Aug. 1813 gefallenen preussischen Major von Röder. Das Gitter am
Eingang trägt das Wappen des Verstorbenen.

Das wären alle Denkwürdigkeiten der Ebene. Die am Fusse des Erzgebirges
liegenden Orte sind bei diesem erwähnt.


III. Das Erzgebirge und das Quadersandsteingebirge.

(Von _Niklasberg_ bis zum _Elbethal_.)

Diese beiden Gebirgssysteme sind geologisch wesentlich verschieden und
bieten daher landschaftlich ganz andere Bilder. Als Grenze zwischen
beiden kann man die von Königswalde über Tyssa nach Raitza führende
Strasse im allgemeinen gelten lassen.

Das Erzgebirge hat hier keine Vorberge gegen die Ebene mehr. Die
Längenthäler hören ganz auf, die Querthäler werden oft schluchten- oder
passartig und führen auf das Plateau hinauf. In Beziehung auf die Höhe,
die am östlichsten Ende des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswald
bis zu 630 m. herabsinkt, sowie auf die Mannigfaltigkeit der Gliederung
steht dieser östliche Theil dem westlichen weit nach und je weiter man
ostwärts schreitet, desto grösser wird die Einförmigkeit, sowohl in
geologischer als orographischer Beziehung.

Es zerfällt dieser Theil des Erzgebirges in zwei Gebiete. Das
des Porphyrs (desselben wie in Teplitz) von der Niklasberger bis
etwa zur Mückenberger Strasse, und das des Gneises, von hier bis
zum Quadergebirge. Doch findet sich Granit vor im Norden von
Ebersdorf und bei Sellnitz, der Spitzberg nördlich von Schönwald ist
merkwürdigerweise ein Basaltkegel.

In touristischer Beziehung gehört dieser Theil zu den dankbarsten
Gebirgen. Man findet da herrliche Thäler mit schönen Wiesen und
bewaldeten Abhängen, schattige Wälder, reizend gelegene Ortschaften;
besonders anziehend sind die häufigen stets wechselnden grossartigen
Aussichten auf die Ebene mit ihren vielen Städten und Dörfern,
Feldern und Eichen und immer ist dieses Bild durch den Hintergrund
des gipfelreichen Mittelgebirges abgeschlossen. Die Wanderung ist
eine leichte, eine grosse Zahl guter Strassen und Wege bietet sich
dar. Auch für Unterkunft ist gesorgt, man findet in den weit sich
hinziehenden Wäldern bald Forsthäuser, die allerlei Erfrischungen im
Vorrath haben, bald erreicht man grosse Dörfer mit verschiedenartigen
Industrien. Diese haben Gasthäuser, in denen man das Nothwendige für
Ruhe und Erquickung vorfindet. Eine besondere Annehmlichkeit bietet
die längs des ganzen Gebirges sich am südlichen Abhange dahin windende
Dux-Bodenbacher Eisenbahn, man hat eine leichte Verbindung mit den
grösseren Städten (Teplitz, Brüx, Aussig, Bodenbach). Aber auch das
Plateau hat seine Reize, hier seien vorläufig nur erwähnt die weiten
Ausblicke in das Sachsenland. Und schliesslich hat noch das Erzgebirge
auch in diesem Theil etwas vor den anderen Gebirgen Deutschlands
voraus: ein fleissiges Volk wohnt da, jedes Dörfchen, jedes Städtchen
ist die Stätte ununterbrochenen Gewerbfleisses.

Von Teplitz aus dürften sich folgende Touren am besten empfehlen:


I. Nach Kosten und Niklasberg.

Kosten erreicht man am bequemsten, wenn man von Teplitz per Bahn
(Dux-Bodenbacher Bahnhof eine ¼ St. von der Stadt auf der Eichwalder
Strasse) dahin fährt, da die hinführenden Wege nur wenig Interessantes
haben. Die Station Kosten beim Orte selbst. Man gehe durch den Ort zu
der schon von weitem sichtbaren neuen Kirche zu, der Weg bietet eine
hübsche Aussicht auf das Gebirge und die Ebene. Unweit der Kirche ist
der Eintritt in den Park; die gerade ausführende Strasse führt über
Doppelburg nach Eichwald (1 St.), ein sehr zu empfehlender Weg, der
eine Fülle von schönen Waldpartien, Durchsichten, Wiesen bietet, und
speciell sei hier einer altehrwürdigen Eiche mit gewaltigen weithin
ragenden Aesten gedacht. Das Jagdschloss, dem Fürsten Lobkowitz
gehörig, hat eine sehr anmuthige Lage. Die an der Wegtheilung links
abgehende Strasse führt nach Niklasberg (1½ St.). Um nun zu dem
prachtvollen, aber wenig bekannten Aussichtspunkte _Wolfstein_ zu
kommen, verfolge man diese Strasse von Kosten aus fort immer gerade
aus. Nach einer ½ St. erreicht man das in Waldeseinsamkeit versteckte
Forsthaus Fuchshütte oder Fuchswarte, wo Erfrischungen zu haben sind.
Bisher können Wägen fahren. Wenn man auf einem ziemlich steilen Wege
etwa 20--30 Min. aufwärts gestiegen ist, achte man auf einen links
abgehenden schmalen, aber ausgetretenen Pfad. Schon nach wenigen
Minuten hat man die merkwürdige Porphyrformation des Wolfssteines vor
sich.

Eine kleine Holzhütte bietet Ruhe und Erholung.

Die Aussicht von hier wird von Vielen jener vom Mückenthürmchen
gleichgestellt. Man überblickt ein weites wechselvolles Panorama. Im
Norden und Osten ein herrlicher Wald, der sich stundenweit an den
Abhängen des Erzgebirges hinzieht, und den kein anderer Aussichtspunkt
in solcher Masse überblicken lässt. Gegen Süden und Westen die Ebene
mit allen ihren oft schon erwähnten Schönheiten, die den Blick auf sie
immer neu und immer reizend machen.

Darauf geht es zurück auf jenen Weg, der dann nach etwa ¼ Stunde auf
eine Strasse trifft. Geht man nun nach links, erreicht man in einer
halben Stunde Niklasberg, nach rechts führt die Waldstrasse in etwa 1
Stunde nach Eichwald.

Niklasberg ist eine auf einem Abhange gebaute Bergstadt, die ehemals,
als noch der Silberbergbau sich lohnte, sehr wohlhabend war. Heute
leben die Einwohner (etwa 600) zumeist von der Oekonomie. Das
vorzüglichste Gasthaus ist das zum Rathhaus mit guter Unterkunft.
Empfehlenswerthe weitere Touren von hier sind:

1. Nach _Zaunhaus und Rehefeld_ (königl. sächsisches Jagdschloss). Der
Weg, reich an landschaftlichen Schönheiten, geht rechts von der aus
Niklasberg nach Neustadt über die Grenze -- nächster grösserer Ort in
Sachsen ist Frauenstein (3 St.) -- führenden Strasse. Man steigt unweit
der Stadt (keine Viertelstunde) rechts auf den Hügel an der Strasse.
Die Partie über Rehefeld nach Altenberg oder Geising (beides sächsische
Städte mit guter Unterkunft) beträgt etwa 3 St.

2. Zum _Jagdschloss nach *Eichwald_ (2 St.). Der Weg dahin ist eine
etwa 20 Min. steil aufsteigende, zerfahrene Waldstrasse. Später bietet
sie eine grossartige Aussicht über den waldigen Abhang in die Ebene.

3. Nach _Klostergrab und Kosten_ durch den sogenannten _Hüttengrund_.
Es ist das ein sehr anmuthiger, von einem starken Bache durchrauschter
Thalweg.

An seinem Ende eine gute Restauration. Von Niklasberg nach Kosten etwa
1½ St., so dass die ganze Tour über den Wolfsstein sich bequem in 4
Stunden machen lässt.


II. Nach Eichwald-Doppelburg-Zinnwald.

Von Teplitz führt nach Eichwald eine gute Strasse in 1 Stunde an
Zuckmantel vorbei, dessen Bessemerstahlwerk besichtigenswerth.
Auch zahlreiche Omnibusse stellen die Verbindung her mit diesem
aufstrebenden klimatischen Kurorte. Ein anderer, etwas längerer Weg,
der mehr Abwechslung bietet, führt durch die Orte Weisskirchlitz (auch
über Turn) und Wistritz an mehreren grossen Industrie-Etablissements
vorbei.

_Eichwald_ -- der lohnendste und beliebteste Ausflugsort von Teplitz
aus -- erstreckt sich mit seinem oberen Theile tief in das Erzgebirge
hinein. Einen besonderen Reiz gewähren die zahlreichen Aussichtspunkte,
die immer wechselnde Bilder zeigen, sowie die sich weit hinziehenden
wenig oder nur sanft ansteigenden Spaziergänge durch die schattigen und
duftenden Waldungen, wo man eine würzige und kräftigende Luft athmet.

Die Zahl der zur Aufnahme von Kurgästen vollkommen eingerichteten
Kurhäuser und der geschmackvollen Villen im steten Zunehmen begriffen.

Kuranstalten sind die von Dr. Brecher vorzüglich geleitete
Kaltwasserheilanstalt und das im Jahre 1879 erbaute grossartige,
musterhaft eingerichtete Theresienbad. Beide bieten verschiedenartige
Bäder nach medicinischen Vorschriften.

    =Restaurationen= und =Gasthöfe=: Das Waldschlösschen,
    Waldesruhe, Dankbarkeit und Theresienbad. Besonders kann das
    letzte eine grosse Zahl Fremder aufnehmen. Die Preise sind im
    Ganzen dieselben, wie in Teplitz. Die Kurtaxe beträgt 2 fl. per
    Person.

    Ein =Post- und Telegraphenamt= ist ebenfalls im Orte.

    Besuch von Kurgästen (bis über 600 oft aus weiter Ferne) sowie
    der Touristenverkehr sind im steten Aufsteigen begriffen.

Um die Hebung des Ortes hat sich besonders verdient gemacht der
bekannte Industrielle Anton Tschinkel aus Lobositz, der auch im unteren
Theile des Ortes eine grosse Siderolithwaarenfabrik besitzt.

Partien von Eichwald aus.

In der unmittelbaren Umgebung, östlich von der Hauptstrasse:

1. _Der Mühlberg_ mit einem »Tempel«, der eine grossartige Fernsicht
bietet.

2. _Der Vogelherd_ (auch Schlichtelberg), dessen Aussicht deswegen
interessant ist, weil man keine Häuser, sondern nur weite Bergrücken
mit prachtvollen Waldungen überblickt.

3. _Der Parapluieberg_ (nur ein kleiner Hügel), ein angenehmer
Ruhepunkt.

Westlich von der Strasse auf _den Rehberg_.

4. _Die Manfredterrasse_, von der man das ganze Eichwalder Thal mit
seinen Villen und Wohnhäusern übersieht.

5. Die _Franz Josef-Terrasse_ (Restauration) mit einem weiten Ausblick
in die Ebene.

Weitere Touren sind:

_a_) _*Doppelburg_ (½ St.), ein 1703 im chinesischem Geschmacke
erbautes Jagdschloss in der Form eines achteckigen Sternes, dessen
Spitzen ebensoviel in den Wald gehauenen Alleen entsprechen. Die
Restauration unter hohen Bäumen vor einer Wiese. In ihrer Nähe immer
einige Hirsche, die durch Gewohnheit so zahm geworden sind, dass sie
sich dargereichtes Brod aus der Hand holen.

_b_) _*Schweissjäger_ (20 Min.), ein mitten im Walde gelegenes
Försterhaus mit prachtvoller Fernsicht (Restauration).

_c_) Das fürstliche _Lobkowitz'sche Jagdschloss_, auch _Jagdhaus_
genannt (1½ St.). Man geht auf der Strasse von Eichwald gegen Zinnwald
bis zu der Lobkowitz'schen Brettmühle, von hier geht links eine Strasse
ab, die hinauf führt. Das Forsthaus liegt sehr hübsch, die Aussicht
lohnend. Der eigentliche Aussichtspunkt liegt etwa ¼ St. weiter, dürfte
aber gegenwärtig verwachsen sein.

_d_) _Der *Seegrund_, eine angenehme Waldpartie, die für den Geologen,
Naturforscher und Forsttechniker manches Interessante haben wird. Man
geht auf der Zinnwalderstrasse bis zur Försterei Seegrund (auch eine
Mühle und Restauration) (von Eichwald 1½ St.) hier links ab durch
einen Durchschlag bis zu dem Moorgrund (gegen 2 St. Umfang), wo die
Mooskiefer in dem Torf- und Moosboden gedeihlich wächst.

Dass solche Moore kolossale Wasserreservoire sind, sei als bekannt hier
nur erwähnt.

_e_) _Zinnwald_, ein ausgedehntes Dorf, das in Böhmisch- und
Sächsisch-Zinnwald zerfällt. Von Eichwald etwa 2 St. entfernt.
Fussgänger mögen vor der Seegrundmühle oder gleich nach ihr die Strasse
rechtsab verlassen, um die letzte Serpentine zu vermeiden.

Es liegt auf dem Kamme des Erzgebirges und hat den grössten Theil
des Jahres ein sehr rauhes Klima, das meist nur die Kartoffel
aufkommen lässt. Das Getreide wird selten reif, es muss oft noch
unter Schneewehen gemäht und kann dann nur als Viehfutter verwendet
werden. Wer da hinaufkommt, staunt über den klimatischen Contrast, den
schon eine Entfernung von 2 Stunden bewirkt. Wenn unten im Flachlande
drückende Hitze herrscht, ist hier oben eine kühlende Frische. In den
Sommermonaten ist daher ein Spaziergang hinauf sehr angenehm.

Von Gasthäusern für längeren Aufenthalt und Nachtherberge sind
empfehlenswerth: »Zur Saxonia«, »Biliner Bierhalle« und »Der sächsische
Reiter.«

Sehenswerth sind folgende Punkte:

Auf der Strasse unweit vom österr. Zollamt bei einer alten Eiche ist
eine hübsche Aussicht auf den Schneeberg, den König- und _Lilienstein_;

dann beim sogenannten »alten Forsthause« oder bei dem »Schupfenhau«;
und südlicher, mehr landeinwärts bei den »Brücken oder bei dem
Lugstein«, hier »Lochstein« genannt. Es ist hier der höchste Punkt von
Zinnwald.

Ein weiterer herrlicher Aussichtspunkt ist der _*Geisinger Berg_ bei
der Stadt Altenberg und Geising (ersteres ¾ St., letzteres ½ St. von
Zinnwald) gegen Norden. Er soll einst ein Vulcan gewesen sein. Auf der
Spitze, zu der ein schöner Fussweg führt, steht ein Ahornbaum, der
durch eine Wendeltreppe erstiegen werden kann. Die Aussicht wird jeder
Besucher zu den schönsten zählen.

In Altenberg sind die Pochwerke und Zinnschmelzereien, sowie die
»grosse Pinge«, eine Erdsenkung, sehenswerth.

Von Zinnwald kann man in 1½ St. gegen Westen das Dorf _Zaunhaus_
(_schon erwähnt_) auf einem sehr hübschen Fahrwege durch den Wald
erreichen, daselbst das Jagdschloss des sächs. Königs »_Rehefeld_«.

Nordwestlich von Zinnwald liegt mitten im Walde _der *Kahlenberg_,
dessen Thurm eine weite Fernsicht bietet. Der Schlüssel ist in dem eine
¼ St. entfernten Gasthause »Zum Paradies« auf der Zaunhaus-Altenberger
Strasse zu bekommen.

Der Kahlenberg ist von Hinterzinnwald in 1 St., von Altenberg in ½ St.
zu erreichen.

Weitere Ausflüge sind nach den sächsischen Städten _Bärenstein_ und
Lauenstein.

Zu erwähnen ist noch, dass die Gegend bei Zinnwald für Naturforscher,
besonders Mineralogen, Geologen und Botaniker sehr interessant ist. Die
Zinnbergwerke sind wegen des billigen Zinnes nicht mehr im Betrieb. Die
Bewohner leben meist von Bast-, Holz- und Strohflechtereien, sowie von
Waldarbeiten.

_f_) _Siebengiebel und Vorderzinnwald._ Von Eichwald auf der vom
Fürsten Clary gebauten Strasse -- an der Claryschen Sägemühle vorbei
-- in 1½ St. erreichbar; der Weg führt durch schönen Wald, die Neigung
gering. Wo der Wald an der Südseite der Strasse aufhört, fängt eine
weite Aussicht über das Teplitzer Thal an; der Bergrücken, von dem
aus man sie geniesst, heisst der »Eisknochen«. Siebengiebel ist ein
anmuthig gelegenes Försterhaus, Erfrischungen sind daselbst zu haben.

Vorderzinnwald ist von hier kaum eine Viertelstunde, (Hinter-) Zinnwald
eine halbe Stunde entfernt.


III. Mückenberg-Graupen-Mariaschein.

Graupen ist zu erreichen von Teplitz aus entweder auf der Strasse über
Turn (bei der Mauth links ab), Soborten an der Prokopikirche, auch
Bettelmannskirche genannt, weil der Sage nach von einem Bettelmann aus
Almosengeldern erbaut, stand schon im 12. Jahrh., vorbei (hier bei der
Restauration links ab) rechts geht es nach Mariaschein, in etwa 1½ St.

Angenehmer und kürzer ist folgender Weg; man geht durch den Park von
Probstau, an der Strasse in nordwestlicher Richtung einige Schritte
fort bis dorthin, wo sich die Strasse nach Norden (zu dem Orte
Judendorf) dreht, _hier verlässt man sie, um an einem Kreuze_ über
einen Bach zu schreiten. Der weitere Weg ist nicht zu verfehlen, da man
Graupen vor sich sieht.

Man passirt die Bahnstrecke (Dux-Bodenbacher, Station Rosenthal), daher
auch mit der Bahn zu erreichen.

Setzt man nun den Weg gleich hinter der Station gegen das Gebirge fort,
so gelangt man an die Eichwald-Graupner Strasse, diese passirt man
schräg rechts und findet sofort wieder einen Pfad, der dann sowohl auf
_die Rosenburg_, als auf die _Wilhelmshöhe_ und in den Ort _Graupen_
führt. Von Eichwald führt die erwähnte Strasse in 1 Stunde über
Pihanken, Dreihunken, Judendorf hin. Auf ihr schöne Aussicht auf das
Thal.

_Graupen_, Bergstadt, an 3000 Einw. zählend, die sich von
Kohlen-Zinnbergbau, der Fabrication von Wirkwaaren, Dachpappe und
Korbflechtereien nähren, ist ein Specificum in seiner Erscheinung. Es
ist sehr lang in das mitunter ziemlich steilsteigende schmale Thal
hineingebaut. Die Bauart oft alterthümlich. (Gasth. Stadt Dresden.) In
der Kirche ist eine Darstellung des Fegefeuers sehenswerth. Zu erwähnen
ist die heilige Stiege, die man kniend zu erklimmen pflegt.

Aussichtspunkte sind: _a_) die _*Wilhelmshöhe_, nach König Friedrich
Wilhelm III. von Preussen benannt, dessen Lieblingsplatz das hier war.
Die Aussicht prachtvoll, die Restauration sehr gut.

Etwas höher ist _b_) die _*Rosenburg_, die Aussicht daher auch
weitgreifender, ohne bedeutenden Unterschied. Es ist hier eine Ruine,
die nach den erhaltenen Resten zu schliessen, eine der schönsten
und grössten in Böhmen sein musste. Sie wurde um 1330 von Timo von
Kolditz erbaut, von den Taboriten auf ihrem Zuge gegen Sachsen
1429 erstürmt, wurde jedoch bald darauf wieder hergestellt, 1584
kam sie in kaiserlichen Besitz, 1619 kaufte sie die Stadt. Mit dem
traurigen Verfall der ehemals wohlhabenden Stadt Graupen verfiel sie
auch selbst. Der mittlere Theil der Ruine ist in einen Rosengarten
verwandelt und bietet einen herrlichen Anblick. Die Fernsicht von dem
Pavillon ist eine der reizendsten. (Restauration.)

Eine etwas weitere Partie, aber jedenfalls die lohnendste ist der
_Mückenberg_ mit dem Aussichtspunkte _*Mückenthürmchen_, das zugleich
Restauration ist und selbst für die Nacht gute Unterkunft bietet

Es führt eine Chaussée hinauf, die Hauptstrasse aber in Graupen, die
sich dann nach Sachsen fortsetzt, in das Müglitzthal nach Lauenstein
und Bärenstein, in etwas mehr als 1½ St. Der Wanderer zu Fuss kann
oberhalb Graupen, bei einer grossen Biegung der Strasse nach links,
rechts auf einem etwas steileren, aber kürzeren Weg über die Ortschaft
Obergraupen entweder wieder die Strasse erreichen, dann beim Mauthaus
rechts, an der 1700 erbauten Sct. Wolfgangskapelle vorbei, oder direct
auf leicht auffindbaren Pfaden zu der Restauration gelangen.

Das Mückenthürmchen nimmt eine derartige isolirte Stellung ein, dass
die Aussicht nach allen Seiten ungehemmt ist. Am grossartigsten ist
der Blick nach Böhmen. Als Grenzpunkte der Aussicht seien erwähnt:
nach Süden über den gar merkwürdig klein erscheinenden Schlossberg weg
sind es die Höhen des Mittelgebirges; im Südosten der Geltsch, der Říp
bei Raudnitz, die Bösige und der Jeschken bei Reichenberg. Im Osten
in weiter Ferne der Höhenzug des Riesengebirges, die Lausitzer Berge
und der Iserkamm. Nach Norden hin ist die Aussicht weniger bedeutend,
gar auffällig ist der Gegensatz der rauhen, ziemlich unfruchtbaren, an
Abwechslung armen Gegenden gegen die fruchtbare Ebene im Süden. Man
sieht die Elbhöhen bei Dresden und bei sehr klarem Wetter durch ein
gutes Fernglas hat Schreiber dieses die Thürme der kath. Kirche in
Dresden gesehen. Nach Westen sieht man die Fortsetzung des Erzgebirges;
über Ossegg, an seinen rothen Thürmen leicht kenntlich, ragt der schon
erwähnte Wieselstein, in weiter grauer Ferne der Fichtelberg bei
Joachimsthal und noch das Fichtelgebirge (Ochsenkopf?) hervor. Die
Rundschau umfasst einen Kreis von 350 km Durchmesser. Die Aussicht wird
von vielen mit der vom Brocken und der von der Schneekoppe verglichen.

Erwähnt sei noch die uralte Glocke im Thurme, die einst den Bergleuten
zum »Einfahren« in die Zinnwerke geläutet haben soll, dann weiter der
grosse Erdsturz unmittelbar bei dem Gebäude.

Von hier gehen Wege ab: über Siebenhügel nach Zinnwald 1½ St. und
Eichwald (2½ St.), über Voitsdorf in das Müglitzthal (1 St.), über
Ebersdorf, Streckenwald nach Schönwald (Spitzberg) (2½ St.) oder von
Streckenwalde zur Nollendorfer Höhe (2½ St.), endlich noch über
Ebersdorf nach Adolfsgrün und Hintertellnitz, dann durch das Tellnitzer
Thal zur Station Tellnitz über 3 St.

_*Mariaschein_ (Station der Aussig-Teplitzer E. etwa 20 Min. entfernt)
ist von Teplitz eine Stunde, von Graupen einige Minuten entfernt. Es
ist als wunderthätiger Wallfahrtsort weithin bekannt, von Pfingsten
bis Ende December kommen zahlreiche Processionen von Nah und Fern
allwöchentlich hier an. Die Kirche, reich ausgestattet -- das
Gnadenbild in goldener Kapsel am Hochaltar -- ist von einem Kreuzgange
umgeben, in welchem sich zahlreiche Kapellen der Clary-Waldstein,
Lobkowitz und mehrerer Städte befinden. Die vielfach beschädigten
Wandgemälde haben Bezug entweder auf die Gründung des Klosters oder auf
stattgefundene Wunder.

Ueber die Entstehung des Gnadenortes erzählt die Sage Folgendes:
Nach der Zerstörung des Nonnenklosters in Schwaz durch die Hussiten
verbargen die fliehenden Nonnen die Holzfigur »Maria mit dem entseelten
Körper ihres Sohnes im Schoosse« in das Laubwerk einer Linde. Als nun
eine Magd in der Nähe dieses Baumes von einer Schlange angegriffen
wurde, rettete sie ein flehender Blick zu dem plötzlich offen
erscheinenden Gnadenbilde. Das nun dadurch bald berühmt gewordene Bild
wurde nach Graupen feierlich abgeholt, verschwand aber mehreremal auf
den früheren Ort. 1442 wurde daselbst von Albert von Kolowrat eine
Kapelle erbaut, und der Ruf des Gnadenbildes ging damals schon weit.
1507 wurde eine Kirche, 1584 von Popel von Lobkowitz ein Kreuzgang
mit mehreren Kapellen erbaut, seit 1591 hatten Jesuiten hier die
Aufsicht. 1602 kam das Gut Geiersburg, zu welchem ausser Sobochleben
das Graupner Vorwerk »die Scheune« (eben der Gnadenort) gehörte, um
diese Zeit schon ein förmliches Dörfchen, an den Protestanten Kekule
von Stradonitz; die Kirche war aber von diesem Besitze ausgeschlossen.
Am 5. Juni 1618 flohen die Jesuiten mit dem Gnadenbilde nach Dux. In
der Kirche predigten Protestanten. Aber nach der Schlacht am Weissen
Berge trat ein Umschwung ein; Kekule starb am Schlagfluss, als ihm die
Confiscirung seiner Güter gemeldet wurde. Der kais. Oberstwachmeister
Alex. Regnier, Ritter von Bleileben wurde der Besitzer. Da sein
Sohn, der hierorts berüchtigte Hans von Bleileben, von schwedischen
Officieren aus unbekannten Gründen nach einem Male getödtet wurde --
er liegt in der Graupner Kirche begraben -- vermachte seine Mutter,
geb. von Pichelberg, 1662 das Gut Sobochleben an die Jesuiten. Der Ort
führte von da an den Namen Mariaschein statt wie bisher Mariascheune.
1679 Gründung der Lateinschule. 1773 wurde bei der Auflösung des
Ordens die Herrschaft Sobochleben eingezogen, aber 1806 an die hier
seit 1779 (eigentlich erst 1798) bestehende Probstei zurückgegeben.
Seit 5. Dec. 1852 besteht die Verfügung, dass der Ordinarius (Bischof)
von Leitmeritz unumschränkter Verwalter des Kirchengutes sei. Bald
darauf zogen die Jesuiten wieder ein. Heute haben sie in dem südlich
von der Kirche befindlichen Gebäude ein Obergymnasium mit einer
Pensionsanstalt. Vom 11. bis 28. Sept. 1813 war das Kloster und der
Kirchgang von Preussen befestigt worden.

Der Besucher vergesse nicht auf den Wunderbrunnen mit erfrischendem
klaren Wasser im Vorhofe und auf den Fressbrunnen ausserhalb des
Klosters, eine eisenhaltige kalte Quelle; ihr Genuss soll Appetit
erregen.


IV. *Geiersburg.

Station der Dux-Bodenbacher B. Hohenstein. Von Mariaschein und Graupen
ist das Thal, in dessen Tiefe sich auf einem Berggipfel diese Ruine
befindet, auf einem hübschen schattigen Wege, ganz am Abhange der Berge
zu erreichen. Man geht in diesem Thale an einer Restauration fort,
sich rechts haltend, bis zu einer Wegtheilung, dann wieder rechts
und erreicht in ½ St. diese romantisch gelegene Burgruine, in deren
Inneres einzudringen etwas Uebung im Klettern erfordert. Man thut es
nur selten, da es wenig Interessantes bietet. Der hohe Thurm und die
klafterdicken Mauern sprechen für eine grosse Festigkeit dieser Burg.
Sie wurde als Landesfestung gegen Meissen bereits unter dem Namen
Chlumec von den böhmischen Herzögen errichtet. Es wurde hier der Zoll
und die Wegmauth gezahlt für die Saumthiere -- damals die gewöhnliche
Verkehrsart. Im 12. Jahrhundert gehörte sie den Herren von Riesenburg
und erhielt ihren jetzigen Namen. Interessant ist, dass der letzte
ohne Nachkommen war und seine Herrschaften unter seine Edel-Knechte
vertheilte. Sie fiel einem gewissen Blasius zu. Seit 1329 war sie
Eigenthum des Bischofs von Prag (daher mons episcopalis), deren einer,
Erzbischof Johann von Genczstein, hier vor dem Zorne König Wenzels IV.
seine Zuflucht fand (1393; der Name Johann von Nepomuk spielte dabei
eine Rolle). Ihre Besitzer wechselten dann, ihr letzter ist Wolfgang
von Salhausen, der im J. 1526 hier ein Fest feierte. Da gab Glatz
von Altenhof, ein Gast, unvorsichtig einen Büchsenschuss ab, dieser
entzündete das Strohdach und die Burg brannte nieder und liegt seither
in Trümmern. Der Herrschaftssitz wurde nach Sobochleben verlegt, mit
welchem die Ruine gemeinsame Schicksale hat. Die Aussicht von der
Ruine auf das Tiefland und das jenseitige Mittelgebirge ist über alle
Beschreibung entzückend.

Es knüpfen sich viele alte Volksmärchen an dieses Bergschloss, die
zum Theile Spiess in dem Ritterroman »Hans von Bleileben« oder »der
irrende Geist bei Teplitz« der Lesewelt seinerzeit zum Besten gegeben
hat.


V. Tellnitz-Schönwald-Nollendorf.

Man fährt bis Tellnitz (Station der Dux-Bodenbacher E.), geht einen
sehr hübschen Thalweg (Strasse) bis Hintertellnitz bei den letzten
Häusern auf einem Fusspfade rechts von der Strasse ab, dann wieder auf
ihr fort -- der Spaziergang ist in der frischen Waldluft sehr angenehm
-- und erreicht dann bald das Dörfchen _Adolfsgrün_ (1¼ St.). Hier
auf der Höhe ein weiter Blick über das Plateau bis zum Mückenberg
und zum Geisinger Berg. Von hier nach Streckenwalde und Schönwald
(¾ St.). Von Schönwald, einem grossen langausgedehnten Gebirgsdorfe
mit einigen guten Gasthäusern, erreicht man in ¼ St. den Sattel oder
_*Spitzberg_, einen Basaltkegel mitten aus dem Gneis hervorragend, der
wegen seiner weit ausgedehnten Aussicht über das Plateau und seinen
allmähligen Abfall nach Sachsen die leichte Besteigung überaus lohnt
und dennoch unter den Touristen im Ganzen wenig bekannt ist. Von
Schönwald ist das industriereiche (Sammet und Knöpfe), über eine Stunde
sich ausdehnende Peterswald (2600 E., Gasthaus zur Post) in ½ St. zu
erreichen. Dieses wurde 1813 durch fortwährende Durchmärsche hart
mitgenommen. Napoleon übernachtete hier 16.--17. Sept. Das Haus, jetzt
eine Finanzwachkaserne, trägt die Inschrift: »Haec domus auxilio patris
aeterni exstructa«. Am 17. Sept., während der Schlacht bei Arbesau
hatte Napoleon den Kirchthurm von Nollendorf bestiegen. Von beiden
erreicht man in etwa 1 Stunde _Nollendorf_, mit seiner berühmten, weit
sichtbaren und daher auch eine weite Aussicht bietenden Kirche --
bekannt als Nollendorfer Kapelle. Schöner ist noch die Aussicht von der
Nollendorfer Höhe bei Jungferndorf, zwischen Peterswald und Nollendorf
(von ersterem fast 2, von letzterem ½ St. entfernt). Man erblickt
von hier die Spitzen des Elbesandsteingebirges, des Lausitzer und
Isergebirges. Von Nollendorf auf der sanft abfallenden Strasse -- die
ganze Partie ist der berühmte Nollendorfer Pass -- gelangt man wieder
nach Tellnitz. Doch versäume man nicht, das einige Minuten rechts von
der Strasse gelegene, neuerbaute gothische Kirchlein zu besuchen. Es
ist wegen seiner idyllischen Lage einer kleinen Abbiegung höchst werth.

Diese ganze Tour dürfte ein mässig rasch gehender Fussgänger in einem
Tage, zum Abendzug der D.-B.-B. nach Teplitz leicht zurücklegen.



Das Quadersandsteingebirge.


Seine östliche Begrenzung ist bereits angegeben worden. Sein Charakter
sind abgeplattete, in ziemlich gleichem Niveau liegende Gipfel, enge
Spaltenthäler mit steilen, oft senkrechten Wänden, hohe, aus Quadern
aufgethürmte Felsmauern, einzelne thurmähnliche, mitunter grotesk
gestaltete Gesteinsmassen, tiefe Spalten und bizarre Höhlungen.

In touristischer Beziehung sind drei Partien bemerkenswerth ausser
mehreren, an sich interessanten Spaziergängen. Es sind die Tyssaer
Wände, der Schneeberg und die Partien um Bodenbach.


I. Die *Tyssaer Wände.

Zu erreichen: von Peterswalde (unweit der Kirche nach Osten) in ¾ St.
Von Teplitz auf der Dux-Bodenbacher Bahn Station Königswald, 1 St. von
Tyssa. Von Bodenbach dieselbe Bahn und Station.

In Tyssa ist sehr viel Industrie, besonders werden Knöpfe aus
verschiedenem Material verfertigt.

    =Gasthaus= »Beim Jäger« (Eigenname), »zum Grafen Thun« (nahe am
    Eingange in die Wände). Rest. »beim Sturm«.

Der Weg zu den Felswänden ist wohl nicht zu verfehlen, doch ist nöthig,
sich den Eingang zeigen zu lassen. Nun hat man zwei Wege vor sich:
rechts nach oben und schräg rechts im Thale, beide sind zu empfehlen,
bieten aber verschiedenes.

Der obere führt über das Plateau oder besser den horizontalen Kamm
dieser Sandsteinwände, die steil, mauerartig, mit tiefen Klüften und
Spalten, 57 bis 62 m. hoch, emporragen. Die bizarren Formationen
erinnern an Weckelsdorf und Adersbach oder an die Partien um die
Louisenburg im Fichtelgebirge und dürften einen Vergleich mit ihnen
wohl aushalten.

Manche kann man mit wenig Phantasie zu verschiedenen Gestalten leicht
ergänzen, ein Führer wird daher Namen wie Medusenhaupt, Löwenkopf,
Bürgermeister, Doctor anführen. Man hat auch eine schöne Aussicht
auf die tief unten liegende anmuthige Landschaft. Die Lage mancher
Steinkolosse ist so grotesk, dass man hier Naturscherze und Spielereien
dahinter vermuthen möchte. Beim Ausgange kommt man auf die Strasse, die
zu dem Orte Schneeberg führt.

Der innere Weg zeigt die mannigfaltigen, oft untereinander verbundenen
Höhlungen und Grotten, wie das Schneiderloch, die Raschhöhle u. s. w.
Auch der malerische Hintergrund, wo ein ganzes Feld kleinerer und
grösserer Steinmassen sich befindet, wird den Blick des Beschauers
fesseln.

Jeder Besucher wird sich durch diese hoch interessanten
Felsenformationen befriedigt fühlen, und es ist wohl nicht Recht, dass
sich die Touristenliteratur mit ihnen nur wenig beschäftigt oder sie
gar nicht erwähnt.

Der Schneeberg (auch hoher Schneeberg genannt) ist die höchste
Erhebung des Elbesandsteingebirges, 725 m, er überragt alle Höhen der
sogenannten sächsischen Schweiz. Es ist das ein etwa 1 Stunde langer
und ¼ breiter Bergrücken, der steil nach Süden abfällt. Es dehnen sich
die Wälder hier nach Norden und Westen viele Stunden weit aus. Unweit
der guten Restauration hat der Tetschner Graf Thun 1864 einen 104 Fuss
hohen festen Aussichtsthurm erbauen lassen, der sich bequem ersteigen
lässt. Die Aussicht von hier ist eine solche, dass sie sich den
grossartigsten an die Seite stellen kann. Man übersieht im Süden und
theilweise im Osten die bedeutendsten Höhen des ganzen Mittelgebirges
-- die Hasenburg, den zweispitzigen Lobosch, den Milleschauer, den
Kletschen (kleinen Milleschauer), den Biliner Stein, den kleinsten
unter dieser Gesellschaft -- Schlossberg, dann näher die Berge jenseits
des Eulauthales, den Hut-, Hopfen- (auch Koppen-) und Pfaffenberg.
Gegen Nordost tritt scharf hervor der Rosenberg, ferner überblickt
man die Berge bei Kamnitz -- den Tannen- und Kaltenberg, dahinter die
Tafelfichte bei Friedland. Bei klarer Aussicht in grauer Ferne den
Jeschken und die Schneekoppe. Gegen Norden alle Höhen der sächsischen
Schweiz und zwar rechts vom Königstein in folgender Ordnung: den
Pfaffenstein, den Lilienstein, Gorisch, Papststein, die Kuppelberge und
endlich den grossen und kleinen Winterberg. Ausserdem die Nollendorfer
Höhe, den Sattel- oder Spitzberg und den Geisinger Berg. Nicht zu
vergessen sind die Thürme von Dresden, die sich deutlich erkennen
lassen. Man übersieht hier ein an sich schon bunt und wundersam
gestaltetes Stück Erde, wie es sich in diesem weiten Umfange nur selten
dem Beschauer darbietet. Die Ersteigung ist viel leichter, als man
erwarten sollte. Man kann ihn von Tyssa (Ort) in 2½ St. auf der Strasse
über den Ort Schneeberg am besten beim Wirthshause zur Vintzin (Bänke
vor dem Hause), den man in nordöstlicher Richtung, in den Wald hinein,
quer passirt -- der eigentliche Ort liegt südlicher -- dann auf dem mit
Ruhe- und Aussichtsbänken versehenen Promenadenwege erreichen.

Von Bodenbach aus geht man entweder über Peiperz (nördlich von der
Tetschner Brücke einige Schritte, dann über die Bahn bei dem Badehôtel
hinauf) und Kalmswiese (eine Wirthschaft an der Strasse), dann
geradeaus fort, dann bei der Wegtheilung im Walde links ab gegen
Alt-Biela, aber vor dem Friedhofe wieder links ab, so dass das Dorf
rechts bleibt, dann passirt man das Dörfchen Tscheche, auf einer
steilen Berghöhe, links unten sieht man Neudorf und die Dux-Bodenbacher
Bahnlinien. Nach einigen Minuten betritt man den Hochwald und nun
heisst es auf die Kalkstriche achten, die an Bäumen und Steinen
zahlreich angebracht sind und bis hinauf führen.

Ein zweiter Weg führt von Bodenbach aus auf der Teplitzer Strasse,
rechts geht dann eine Strasse ab vor den ersten Häusern von
Niederulgersdorf nach Biela (gegenüber einem Speicher), aber er wendet
sich schon bei den letzten Häusern hier links ab und geht bergauf, um
durch Tscheche wieder zu den Kalkstrichen in den Wald zu kommen.

Beide Wege führen in 2½ St. hinauf.

Von Eulau (Station der Dux-Bodenbacher B.) führt ebenfalls ein Weg
hinauf in 1 St. über den Ort Schneeberg auf einer Fahrstrasse, von hier
sind dann etwa ¾ St. zum Thurme.

Von der Schweizermühle in Sachsen führt auch ein Weg in 2 St. hinauf.
Und zwar über Rosenthal zur Grenze am Zollhause vorbei geradeaus --
die links abgehende Waldstrasse führt in 3 St. über Kalmswiese und
Peiperz nach Bodenbach -- bis zum Gasthaus »zur Vintzin« -- so der
Localname --; an demselben geht dann ein Fusssteig links ab hinauf.

Alle diese Wege können selbstverständlich als Rückwege benützt werden.

In einem Tage kann man von Teplitz aus die Tyssaer Wände und den
Schneeberg so besuchen, dass man Früh nach Königswalde fährt -- von
Eulau Abends Rückfahrt. Von Bodenbach zeitlich aufbrechend, kann man
mit Musse den Abendzug von Königswald zur Rückfahrt benutzen.

Wer Zeit hat, kann den sehr empfehlenswerthen Abstecher nach Eiland
machen, dieses Dörfchen liegt in einem Kessel, der rings um -- nur nach
Norden offen -- von steilen Sandsteinwänden umgeben ist. Man geht dort,
wo nach Passirung der Tyssaer Wände der Weg in die Strasse einmündet,
links ab und gelangt in ¾ St. in dieses interessant gelegene Dörfchen.
Es befindet sich am nordwestlichen Abhange des Schneeberges an der
sächsischen Grenze.



Bodenbach.


=Bodenbach.= Von Teplitz auf der Dux-Bodenbacher Bahn in nicht ganz
2 Stunden zu erreichen. Die ganze Fahrt ist landschaftlich sehr
interessant. Der Bahnhof 20 Min. ausser der Stadt. Die Stationen sind
schon fast alle als Ausgangspunkte interessanter Partien genannt
worden. Man setze sich womöglich rechts. Zwischen Kulm und Tellnitz
sieht man das österr. und preussische Monument, früher schon hinter
Hohenstein das russische. Von Kleinkahn suche man die rechte Seite zu
gewinnen. Hier ein Ausblick auf Nollendorf. Hier hört die Steigung der
Bahn auf, und es geht abwärts, so dass man keinen Dampf mehr nöthig
hat, denn die Seehöhe von Kleinkahn beträgt 431 m, die im Bodenbacher
Bahnhofe 132 m.

In Königswald, sowie in Eulau viel Industrie, im letzteren eine
Spinnfabrik und Verfertigung von Mühlsteinen. Die letzte Station
ist Bünaburg (früher nach einem alten Adelsgeschlechte Bünauburg),
ebenfalls reich an verschiedenen Industrien. Der hohe Berg rechts ist
der Hutberg, und der letzte rechts, schon gegen das Elbthal abfallend,
ist der Pfaffenberg. Beide bestehen wesentlich aus Basalt. Hinter
ihnen ist gegen Süden der Koppenberg (auch Hopfenberg) genannt. In
geologischer Beziehung ist interessant, dass über dem Alluvium des
Elbethales sich eine Strecke Braunkohlenformation befindet, über dieser
ist ein Gürtel Kreide und die Kuppe (des Pfaffenberges) ist Basalt.
Also vier verschiedene Gebiete auf einer Strecke von wenig mehr als ¼
St. Länge.

Die Fahrt von Eulau bis Bodenbach ist durch den Blick auf das schöne,
grüne, steil umrahmte Eulauthal besonders angenehm.

In Bodenbach achte man darauf, nicht auf dem Dux-Bodenbacher Bahnhof
auszusteigen. Der Zug fährt eben in den Staatsbahnhof, man ist dann
gleich mitten in dem Industrieorte. Ebenso beim Einsteigen. Man bekommt
die Karte am südlichen Ende des Staatsbahnhofes, der Zug steht auf
dem letzten Schienenstrange gegen die an die Häuser von Bodenbach
angrenzende Mauer. Ausserdem ist Bodenbach von Teplitz zu erreichen auf
der Aussig-Teplitzer Bahn. Zu achten, dass man in Aussig-Neustadt bei
der chemischen Fabrik nicht aussteigt, denn von hier fährt über die
Brücke der Omnibuszug zum Bahnhof der Nordwestbahn nach Schreckenstein
(früher Aussig -- rechtes Ufer).

Diese Bahn fährt durch das Braunkohlengebiet, daher viele Schächte
und Fabriken -- bei Mariaschein eine grosse Cementfabrik. Von
Mariaschein bis Karbitz nördlich das Kulmer Schlachtfeld, von hier
bis Schönfeld die Bihana, das Locale der Husitenschlacht (16. Juni
1426). Die alterthümliche Laurentiuskapelle nördlich von Nerbitz
soll eine Erinnerung an die Schlacht sein. Von hier bis Aussig im
Norden der Střisowitzer Berg (340 m hoch). In Türmitz Obstbau,
grosse Zuckerfabrik, Schloss des Grafen Nostitz mit einem Park. Die
Bielathalbahn -- derselben Actiengesellschaft wie die Aussig-Teplitzer
gehörig, zumeist Kohlenverkehr -- zweigt sich hier ab. Hübscher
Ausblick in das Bielathal.

Von Aussig empfiehlt es sich, das Dampfschiff zu benützen. (Die Karten
sind in Teplitz, Bahnhof, Tabak-Trafik zu bekommen.) Die Fahrt ist eine
der schönsten, die überhaupt die Flüsse Europas aufweisen können. Die
Fahrt von Leitmeritz über Aussig, Tetschen, Herrenskretschen bis über
Pirna zu bis Dresden ist so reich an landschaftlicher Schönheit, dass
sie mit den schönsten Rheinpartien verglichen, ja selbst von Kennern
ihnen vorgezogen wird. (Siehe Tetschen!)

Bodenbach hat eine prachtvolle Lage und einen hohen Aufschwung
genommen, wovon die zahlreichen Villen im Elbthale ein beredtes
Zeugniss abgeben, ebenso wie die vielen Industrie-Etablissements:
Cichorien- und Chocoladenfabrik, Siderolithwaaren-Fabrik.

    Bodenbach -- von Eulau- oder Bodenbache so benannt, früher
    ein einsamer Meierhof zur Herrschaft Tetschen gehörig --
    hat folgende Gasthöfe: das Posthôtel (beim Bahnhof), Stadt
    Hamburg, Hôtel Frieser, zum Stern, Krone, Engel, Stadt Prag, in
    Obergrund -- nördlich von der Kettenbrücke am linken Elbeufer,
    hier zahlreiche und geschmackvolle Villen -- ist noch das
    Bade-Hôtel zu erwähnen. Restauration Lerchenfeld. Der Ort ist
    von Sommerfrischlern und Kurgästen (Josefsbad) sehr besucht.

=An Spaziergängen und Ausflügen= ist diese Gegend sehr reich. Um nicht
den Rahmen des Buches zu überschreiten, seien sie nur kurz erwähnt.
Schöne, mannigfach wechselnde Aussichten und angenehme Spaziergänge in
den waldigen Höhen sind ihr Hauptreiz.

1. _Die Brücke_ selbst (2 Kr. Brückengeld).

2. _Die Bohemia_ hinter dem Tetschner Schützenhaus und der Nordwestbahn
(¼ St.) einst hier der Galgenberg.

3. _Der Quaderberg_ auf der hier befindlichen Höhle eine fliegende
Restauration, rechts von der Bohemia nach dem Promenadenwege bis zur
Tafel (½ St.), dieser Weg geht nach Laube und in die Schlucht nach
Loosdorf.

4. _Die Leopoldshöhe_ 10 Min. weiter, fort links durch den Wald.

5. _Die Laubenschlucht_, ein tief eingeschnittenes Felsenthal. Auf der
Höhe am Rande, von der Leopoldshöhe fort bis zur Tafel, die nach Nr.
3 weist, dann links auf Serpentinen in's Thal bis zu einem Weg, auf
diesem dann rechts. Dann am Ende Sandsteintreppen, ein Waldweg, der Ort
Loosdorf (Gasthaus Blumentritt's). Auch auf der Allee von Tetschen in 1
St. bergauf zu erreichen.

6. _Die Rosenwände_ (2 St.) oder Rosenkämme. Bei dem Wirthshause in
Laube fuhrt der Weg hinauf.

7. _Die Schäferwand_ (½ St.) unmittelbar über Bodenbach, über dem
Tunnel der sächsischen Bahn. Zu ersteigen durch das Thor bei der
Kettenbrücke oder auf den Stufen beim Posthotel in der Nähe eines
Muttergottesbildes in der Mauer. Zickzackwege.

8. _Das Spitzhütel_ (1½ St.) Entweder nach 7 oder am Badehotel vorbei,
dann bei einer Mühle rechts in den Wald, oder von Starks Villa auf
einem Serpentinweg. Es ist ein Felsenvorsprung, vielleicht die
lohnendste Aussicht unter diesen Punkten.

9. Im Pulnitz- oder Polzenthale: Liebwerd ½ St., Bensen 2 Stund.
(Nordbahnstation), ½ Stunde weiter die schöne Ruine _Scharfenstein_.

10. _Herrenskretschen_ (siehe Tetschen).

11. _Der Sperlingstein_, auch _Heidenschloss_. Dampfschiff bis
Topkowitz, besser Tichlowitz, oder Eisenbahn bis Tichlowitz, dann über
Nieder-Welhotten und Scheras ½ St. Zu Fuss über Krischwitz, Veschwitz
(auch Bahnstation) Scheras in 3 St.

12. _Der Zinkenstein._ Am besten über Rongstock, über die Elbe
nach Pschira, Wittine und (Alt) Hummel zu erreichen. Die Aussicht
grossartig, in den Basaltspalten eine Eishöhle, Eis nur an heissen
Sommertagen.

13. _Der hohe Schneeberg._

14. _Die Tyssaer Wände._

Zu erwähnen noch die Johanniskapelle, bei dem Dux-Bodenbacher Bahnhof
(20 Min.). Die Familiengruft der gräfl. Thun'schen Familie, die hier
weithin die meisten Besitzungen hat.



I. Der Besuch der Städte *Leitmeritz, *Aussig, *Tetschen bis
*Herrenskretschen mit dem *Edmundsgrund und *Prebisch-Thor.



Leitmeritz.


    =Gasthöfe=: Hôtel »Krebs« am Stadtplatz, Gasthof »zum
    Hirschen«, Lange Gasse, Gasthof »zum schwarzen Adler« am
    Stadtplatz, Brosche's Gasthaus, Lange Gasse, »Cocanda« Eck der
    Ferdinandsstrasse und des Rossmarktes, Gasthof »zum Kaiser von
    Oesterreich«, Ferdinandsstrasse.

    Von =Restaurationen= wären zu erwähnen: Elbschlossbräuhaus
    an der Tschalolitzer Strasse, Elberestauration am
    Dampfschifflandungsplatze, Restauration zum »Rudolfsgarten« mit
    Sommertheater in der Rudolfsgasse, Schützeninselrestauration,
    Bahnhofrestauration der Nordwestbahn, Eisendörfel am linken
    Elbeufer an der Theresienstädter Strasse; =Café=: Schubert am
    Stadtplatz, oberhalb des »Hôtel Krebs«, zum schwarzen Adler,
    in Verbindung mit dem Gasthause gleichen Namens am Stadtplatz;
    =Conditorei= und Café Bärwinkel am Stadtplatz, Schustermannel
    in der Nähe der bischöfl. Residenz, beste Weinstube.

    =Post- und Telegraphenamt=, Jesuitengasse im alten Gymnasium,
    ebenerdig.

    =Post- und Eisenbahnverbindungen=: k. k. priv. österr.
    Nordwestbahn. Von Leitmeritz in der Richtung nach Tetschen. In
    der Richtung nach Lissa-Wien.

    K. k. priv. österr. Staatsbahn; Station Theresienstadt
    (Bauschowitz): In der Richtung Aussig-Bodenbach und in der
    Richtung Prag-Wien.

    =Postverbindung= nach _Auscha_.

    =Omnibusfahrten= von den Gasthöfen »Krebs« und »zum Hirschen«
    zu den Bahnen.

    Das =Dampfschiff= verkehrt von Leitmeritz um halb 9 Uhr
    Vormittags bis Dresden und um 2 Uhr Nachmittags bis Tetschen.

    =Fahrgelegenheiten= sind zu haben im »Hôtel Krebs« (Ferd.
    Krombholz), im Gasthof »zum Hirschen«, sowie Einspänner bei dem
    Lohnfuhrwerker Kühnel in der Langen Gasse.

Die Stadt Leitmeritz, ehemals königliche Stadt, liegt am rechten Ufer
der Elbe, dort, wo dieser Strom in das deutsche Sprachgebiet tritt und
sich seinen Lauf durch das böhmische Mittelgebirge zu bahnen sucht.

Leitmeritz zählte am 31. December 1880 in über 900 Häusern ca. 10.900
anwesende Personen, welche Bevölkerungszahl sich mit den Studenten
auf rund 12.000 erhöht. 1869 betrug die Einwohnerzahl in 800 Häusern
10.023. Die geographische Lage ist 50° 31´ 38´´ nördl. Br. und 31° 47´
50´´ östl. Länge. Sich ansehnlich über das Niveau des Flusses erhebend,
bietet die Stadt von der Elbe, sowie von der Theresienstädter Strasse
aus einen ungemein malerischen Anblick. Im Vordergrunde sind die
hervorragendsten Gebäude der Stadt, nämlich die Elbschlossbräuerei,
die bischöfliche Residenz, die Villa Georg, das bischöfliche Seminar
mit der Jesuitenkirche, die Klosterschule u. s. w., dann lehnt sich
unmittelbar hinter der Stadt gegen Norden eine Hügelkette, die
Maschkahora (auch mastna hora, eigentlich mostská hora) an, die dann
an die waldbedeckten Höhen des Mittelgebirges, an den »Kreuzberg« mit
dem »langen Berge«, den Hradischken und im Westen an die Radebeule
(fälschlich Radobyl genannt) anschliessen. Die Berge ringsumher gehören
der Basaltformation an, während im Thale Plänerkalk mit Sandstein und
dem reinen Angeschwemmten der Elbe wechseln. Nach Süden öffnet sich die
weite Ebene ins Innere Böhmens, welche bloss den »Říp« (Georgsberg) bei
Raudnitz als bedeutendere Bodenerhebung aufzuweisen hat.

Leitmeritz, bis vor wenigen Jahren die bedeutendste Stadt des nach ihr
benannten Kreises, hat sich weit über die Grenzen unseres Vaterlandes
hinaus einen bedeutenden Ruf als Schulstadt erworben; die Mittelschulen
erfreuen sich eines sehr zahlreichen Besuches.

_Das k. k. Obergymnasium_ ist seit 1879 in einem palastartigen neuen
Gebäude untergebracht.

_Die Communal-Oberrealschule_ wurde in ihrer heutigen Gestalt 1864
eröffnet und befindet sich seit 1865 in einem neuen prachtvollen
Gebäude.

_Die k. k. Lehrerbildungsanstalt_ ist leider nur nothdürftig
untergebracht.

_Die theologische Lehranstalt_, in Verbindung mit einem bischöflichen
Priesterseminar, befindet sich in den Räumen des ehemaligen
Jesuitencollegiums.

_Das Taubstummen-Institut_ wurde 1858 gegründet und wird vornehmlich
vom Lande unterstützt.

Ausser der städtischen _Knabenvolks-_ und der städtischen
_Mädchenvolks-_ und _Bürgerschule_ besteht in Leitmeritz auch noch
eine _fünfklassige Mädchenschule_ der Schulschwestern vom heil. Karl
Boromäus mit _Pensionat_.

Von industriellen Unternehmungen sind anzuführen:

1. _Die Actienbrauerei_ zum »Elbschloss«.

2. _Die bürgerliche_ (städtische) Brauerei.

3. _Die Dampf- und Kunstmühle._

4. _Die Malzfabrik_ der Firma Bergwein im ehemaligen Schanzenbräuhause.

5. _Die Actiengesellschaft_ für Kalk- und Ziegelbrennerei.

6. _Die Spinnfadenfabrik._

Ferner bestehen von Gewerbsunternehmen die _Brettsägen_ von Frz.
Gudera, sowie Ed. Salomon, _die Essigfabrik_ von Herrnheiser, _die
Metall-_ und _Glockengiesserei_ von F. Herold, _die Eisengiesserei_
von Mandler, _die Maschinenschlosserei_ von Josef Fiedler, _die
Lederfabrik_ von Joachim Taussig's Söhnen u. s. w.

_Von Geldinstituten_ wären zu nennen: 1. _Die Communalsparkasse_, 2.
_der Spar- und Vorschussverein_ für Leitmeritz und Umgebung, sowie 3.
_die Filiale der böhmischen Eskomptebank_.

Geschichte:

Wie bei so vielen andern Orten verliert sich auch die Gründung der
Stadt Leitmeritz in das Dunkel der Geschichte Böhmens. Abgesehen von
zahlreichen Gräberfunden, welche erst vor 2 Jahren wieder auf den
Lehmfeldern der Lopata'schen Ziegelei erfolgten, die beweisen, dass
das fruchtbare Elbethal schon in der vorgeschichtlichen Zeit stark
bewohnt war, wissen wir, dass nach der Einwanderung der Slaven sich ein
Stamm derselben, die Luthomirici, hier niederliess. Als Mittelpunkt
des Stammes galt eine Burg, die denselben Namen wie der Stamm,
nämlich Luthomirici, führte und am jetzigen Domhügel lag. Gegenwärtig
sind keine Spuren davon mehr wahrnehmbar. Um die Burg herum lagen
schon in uralter Zeit zahlreiche Dörfchen, die ihren Namen noch bis
heute erhalten haben. Die Verwaltung der Burg und des dazugehörigen
Landstriches leiteten Gaugrafen. Schon um das Jahr 1057 wurde auf der
Leitmeritzer Burg eine Kirche gegründet und dem heil. Stefan geweiht;
sie stand an der Stelle der jetzigen Domkirche.

In der Nähe der Burg und ihrer Kirche siedelten sich allmählig unter
den letzten Regenten aus dem Hause der Pržemysliden zahlreiche, aus
Deutschland hereingekommene Familien an; sie legten so den Grund zu
der eigentlichen Stadt Leitmeritz, die schon vom König Wenzel I.
mehrfache Freiheiten und Rechte erhielt, welche seine Nachfolger nicht
nur bestätigten, sondern auch vermehrten. So wurde das Magdeburger
Stadtrecht in Leitmeritz eingeführt und zur Handhabung desselben ein
eigener Gerichtshof daselbst eingesetzt. Neben dem Ackerbau bildeten
Handel und Gewerbe die vorzüglichste Nahrungsquelle der Bevölkerung;
besonders blühte der Handel; niemand durfte stromauf- oder abwärts
Waaren verfrachten, ohne sie vorher in Leitmeritz ausgeladen und zum
Verkaufe ausgestellt zu haben. Zum Zeichen des letzteren Rechtes, des
Stapelrechtes, wurde eine aus Stein gehauene Figur in der Nähe des
Stromes aufgestellt, der sogenannte »Roland«, der gegenwärtig an der
nördlichen Ecke des alten Rathhauses, in dem sich jetzt das k. k.
Kreisgericht befindet, auf einem Pfeiler steht.

Einer besonderen Begünstigung erfreute sich Leitmeritz, wie alle
Städte Böhmens, unter der Regierung des städte- und bürgerfreundlichen
Karls IV., welcher der Stadt grosse Strecken Wald, Ackerland und
Weinberge schenkte, die Neuanlage von Weinbergen begünstigte, wodurch
er den Weinbau im Elbethal ungemein förderte. Zu jener Zeit erfreute
sich Leitmeritz bereits einer hohen Blüte, und Wohlstand, ja selbst
Reichthum waren in der trefflich gelegenen Stadt keine Seltenheit.

Aber bald sollte die Stadt von Zeiten des Schreckens heimgesucht
werden; es kamen die verheerenden Husitenkriege. Am 29. Mai 1421 fiel
nach langem, energischen Widerstand die Stadt in die Hände der Husiten.
Die vertriebenen Bürger und Priester zogen theils in die noch deutschen
Städte des Bielathales, theils nach Meissen. Jahrelang tobte der Kampf
der Parteien um die Mauern der Stadt. Auch als Leitmeritz unter die
Botmässigkeit König Sigismunds (1436) zurückgekehrt war, blieb die
Stadt tschechisch, und die Deutschen, die sich des Handels und der
Gewerbe wegen in der Stadt eingefunden hatten, waren nach wie vor von
Aemtern und Würden ausgeschlossen.

Auch die folgende Zeit des Streites zwischen den Städten und dem
Adel in Böhmen war für die Stadt nicht günstig. Sie konnte in dem
Streite umsoweniger verschont werden, da rings umher eine gute Anzahl
adeliger Burgen und Schlösser lag. Diese Streitigkeiten verzehrten
bedeutende Summen. Zwar wurden die alten Handelsrechte der Stadt,
auf die in den bewegten Zeiten so oft vergessen worden war, wieder
hergestellt, aber bald darauf der Handel mit dem Auslande untersagt,
wodurch eine wichtige Einnahmequelle versiegte. Ueber Leitmeritz erging
wegen seines Widerstandes gegen Ferdinand I. das Strafgericht, indem
das alte Magdeburger Stadtrecht abgeschafft und königliche Richter
eingesetzt, sowie die Güter der Stadt eingezogen wurden. Leitmeritz
war tiefer gedemüthigt als je. Als kümmerlichen Ersatz erhielt
Leitmeritz das Collegium im Jahre 1549, aus dem sich das heutige k. k.
Obergymnasium entwickelte.

Nach einigen Jahrzehnten der Erholung brach der dreissigjährige Krieg
herein. Der Friede von 1648 brachte auch Leitmeritz Ruhe und Frieden.
Ausser der Kriegsfurie wüthete 1649 auch noch eine furchtbare Pest und
im Jahre 1655 eine grosse Ueberschwemmung.

Erwähnt sei die Errichtung des Leitmeritzer Bisthums im Jahre 1655. Der
erste Bischof war Maximilian Rudolf Freiherr von Schleinitz. Er baute
die jetzige Domkirche, deren Thurm erst jetzt vollendet werden soll.

Kurz nach dem dreissigjährigen Kriege wurde Leitmeritz wieder eine
deutsche Stadt.

Auch die Kriege unter Maria Theresia gingen an Leitmeritz nicht
spurlos vorüber. Im Jahre 1741 hausten polnische und sächsische,
1742 französische Truppen in der Stadt, und im Jahre 1757 nach der
Schlacht bei Kolin wohnte Friedrich II. selbst durch eine Woche in
der bischöflichen Residenz. Am 1. Oktober 1756 tobte der Kampf in der
unmittelbaren Nähe der Stadt, indem an diesem Tage die Schlacht bei
Lobositz geschlagen wurde.

Im Jahre 1780 wurde unter Kaiser Josef II., der siebenmal Leitmeritz
besuchte, die Festung Theresienstadt gegründet. Die Napoleonischen
Kriege berührten die Stadt nicht unmittelbar, und so konnte sich im
letzten Jahrhundert die Stadt ruhig entwickeln.

=Sehenswürdigkeiten.= Leitmeritz, welches in die eigentliche Stadt
und mehrere Vorstädte zerfällt, die freilich mit einander unmittelbar
zusammenhängen, macht auf den Besucher den Eindruck einer Stadt, die
schon in früheren Jahrhunderten von einiger Bedeutung gewesen sein
muss. Der Ringplatz oder der Stadtplatz bildet den Mittelpunkt der
Stadt und ist von grosser Ausdehnung; seine Länge beträgt 235, die
Breite 126 Schritte. Die Häuser sind meist neuerer Bauart; doch hie und
da schaut noch ein Giebel hervor, dem man es ansieht, dass er schon
manches Menschengeschlecht, manches Jahrhundert an sich vorüberwandeln
sah. Die Laubengänge sind meist schon verbaut. Wir wollen nun die
hervorragendsten Bauwerke hier anführen:

1. _Das alte Rathhaus_, an der Ostseite des Stadtplatzes gelegen,
beherbergt jetzt das k. k. Kreisgericht in seinen Räumen.

2. _Das Gemeindehaus_, ebenfalls am Stadtplatze, enthält die
Kanzleien des Bürgermeisteramtes, der Sparkasse und im Parterre die
Gasthauslocalitäten »zum schwarzen Adler«. Im Hofe befindet sich das
Stadttheater. Im Bürgermeisteramte wird das hochinteressante und
historisch äusserst werthvolle _*Cantional_ aufbewahrt, eine Sammlung
lateinischer Kirchengesänge aus der Zeit der husitischen Herrschaft
in Leitmeritz und zum gottesdienstlichen Gebrauche bestimmt. Das
gewaltige, in Leder gebundene und mit kunstvollen Messingbeschlägen
gezierte Buch umfasst 465 Pergamentblätter, ist 29 Zoll hoch, 19 Zoll
breit und wiegt 110 Pfund. Das Buch ist über und über mit herrlichen
_Initialen_ und prachtvollen _Miniaturen_ bedeckt, viele Buchstaben
und Noten sind mit reinem Golde auf das Pergament aufgetragen. Dies
reichgeschmückte Cantional gehört zu dem Bedeutendsten, was die Kunst
dieser Art in Böhmen geleistet.

3. _Die *Dekanalkirche zu Allerheiligen_ nächst dem Stadtplatz. Eine
besondere Erwähnung verdient das in der Kirche beim Seitengange
stehende zinnerne Taufbecken aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, eines
der schönsten Werke dieser Art in Böhmen. Unmittelbar an der Kirche
erhebt sich der mächtige _Stadtthurm_, 53 m hoch. Sein Inneres birgt
ein wahres Meisterwerk der Holzbaukunst, den gewaltigen Glockenstuhl,
der vom Grund des Bodens ganz frei ohne jede Verbindung mit der Mauer
aus Eichenholz hergestellt ist. Er trägt 7 Glocken, von denen die
grösste 81 Centner, die nächste 47 Centner wiegt. Von der Gallerie des
Thurmes aus bietet sich eine _herrliche *Aussicht_ über die Stadt und
ihre Umgebung dar.

4. _Das *Kelchhaus am Stadtplatz_, erbaut von dem reichen
utraquistischen Bürger Johann Mraz von Mileschowka und um 1584
vollendet. Von dem kelchartigen Thurme, dem utraquistischen Symbole,
der seitdem ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt geblieben
ist, geniesst man ebenfalls eine _weite *Rundsicht_. Nach dem
dreissigjährigen Kriege wurde das Kelchhaus als Proviantmagazin
benützt, daher noch der heutige Name desselben, Provianthaus.
Gegenwärtig ist in demselben -- allerdings nicht besonders zweckmässig
-- die städtische Mädchen-Volks- und Bürgerschule untergebracht. In
einem Parterrelocale befindet sich auch _das *Gewerbemuseum_, das recht
interessante Gegenstände aufweist.

5. _Die Schulpaläste_, nämlich die Communal-Oberrealschule und das k.
k. Obergymnasium in den Anlagen, haben wir schon weiter oben besprochen.

6. _Der Dom._ Die Bauten des Domes erheben sich auf einem Hügel,
zu dem man durch die Domgasse von der Stadt aus gelangt. Nach
Erhebung zum Bisthume legte der erste Bischof Maximilian Rudolf von
Schleinitz den Grundstein zur gegenwärtigen _*Cathedrale_, welche
von dem zweiten Bischof Franz Grafen von Sternberg 1681 eingeweiht
wurde. Die Domkirche ist im nüchternen Baustyle des 17. Jahrhunderts
aufgeführt. Mit einem gedeckten Gang ist mit dem Dom _die bischöfliche
Residenz_ verbunden. Dieselbe enthält ausser einer ziemlich
umfangreichen Bibliothek auch eine Sammlung _*werthvoller Gemälde_,
die vom gegenwärtigen hochw. Bischof Dr. Ludwig Anton Frind zum
Theil restaurirt worden sind. Ferner erheben sich auf dem geräumigen
Domplatze _das Consistorialgebäude_, kenntlich durch das an demselben
angebrachte Wappen des Bischofs M. A. von Lachsen usw.; endlich die
aneinander gereihten Wohnungen der einzelnen Domherren. _Die Lage der
bischöflichen Residenz_ gewährt eine weite und ungemein _reizende
*Aussicht_ auf den ganzen Lauf der Elbe von Raudnitz bis Lobositz, wo
sie sich nordwärts in's Gebirge wendet, sowie auf den grössten Theil
der Stadt und der jenseits derselben und am linken Ufer der Elbe sich
ausbreitenden Fluren zwischen dem Mittelgebirge und der Eger.

7. _*Elbschlossbrauerei._ In der That wie ein stolzes Elbschloss
thront auf einem Plateau an der Elbe die Elbschlossbrauerei, der
wir schon oben Erwähnung gethan haben. Sehenswerth ist die schöne
geräumige _*Braustätte_, mit ihrer kühnen Wölbung, ferner die
grossartigen _Kellerräume_, die mit ihren labyrinthartigen Gängen
eine kleine unterirdische Stadt bilden. _Die *Gartenrestauration_ mit
den schattigen Kastanienbäumen, sowie dem amerikanischen _*Pavillon_
gewährt einen recht angenehmen Aufenthalt während der schönen
Sommertage. _Herrliche Aussicht!_

8. _Das bischöfliche Seminar_, welches in dem ehemaligen
Jesuitencollegium untergebracht ist, ist mit der Kirche Maria
Verkündigung, für gewöhnlich Jesuitenkirche genannt, verbunden.
In einer Nische unterhalb der Bogenwölbung an der sogenannten
Jesuitenstiege erhebt sich das Denkmal des vaterländischen Dichters
Josef Emanuel Hilscher, der am 22. Jänner 1806 in Leitmeritz geboren
wurde und nach einem unglücklichen Soldatenleben im Mai 1837 als
Feldwebel starb.

9. _Das Kapuzinerkloster_ mit der Kirche der heil. Ludmilla am
Kapuzinerplatz.

10. _Das Dominikanerkloster_ mit der Kirche des heil. Jakob in der
Dominikanergasse.

11. _Die Kirche des heil. Adalbert_ in der Vorstadt Sasada.

12. _Die Kirche des heil. Wenzel_, während der Pest 1713 in Folge eines
Gelübdes von dem italienischen Baumeister Broggio im italienischen
Renaissancestyl erbaut, später aufgehoben und als Getreideschüttboden
benützt, seit 1852 wieder dem Gottesdienste geweiht.

13. _Die Kirche des heil. Johann des Täufers_ unterhalb des Domhofes
in der Rudolfsgasse an der Nordwestbahn, 1465 gegründet, im
dreissigjährigen Kriege zerstört und 1682 wieder hergestellt.

14. _Das Marien-Hospital_ an der Schüttenitzer Strasse, im Jahre 1845
vom Bischof Augustin Bartholomäus Hille erbaut.

15. _Die alte Sct. Georgskirche_ nächst dem Domhofe, oberhalb der
Vorstadt Fischerei auf einem Hügel gelegen, von Leitmeritzer Fischern
gegründet und zur Pfarrkirche der Vorstadt Fischerei bestimmt. Auf dem
Friedhofe rings um die Kirche wurden die Leitmeritzer Fischer beerdigt;
jetzt erhebt sich dort die dem Leitmeritzer Bürger Baschta gehörige
Villa Georg.

Wenn wir nun noch

16. _die Elbebrücke_ erwähnen, so haben wir die bedeutendsten
Bauten und Sehenswürdigkeiten von Leitmeritz angeführt. Der Bau der
gegenwärtigen ärarischen Eisenbrücke, nach Schiffkorn'schem System
construirt, wurde 1857 bewilligt und 1858 bis 1859 vollendet.


Spaziergänge:

(Bis zu 2 Stunden.)

Ehe wir daran gehen, die Umgebung von Leitmeritz, die an
Naturschönheiten so reich ist, aufzusuchen, müssen wir vor allem
dem Lieblingsspaziergange der Leitmeritzer, der lieblichen
_*Schützeninsel_, in unmittelbarer Nähe der Stadt, einen Besuch
abstatten. Die Schützeninsel ist zum grössten Theile mit herrlichen
Bäumen, darunter mehrhundertjährigen majestätischen Eichen bewachsen
und wurde in den letzten Jahren durch die Fürsorge des im Jahre 1868
gegründeten Anpflanzungsvereines zu einem Parke umgestaltet, der selbst
einer Grossstadt zur Zierde gereichen würde. In der Mitte der Insel
befindet sich das mit einer Restauration verbundene Schützenhaus.

_*Die Radebeule_, auch Radobyl genannt, ist jener mächtige Basaltkegel
im Westen der Stadt, welcher mit dem ihm gegenüberliegenden Lobosch
gewissermassen die Wache am Eingange der böhmischen Schweiz hält. Ein
gewaltiges gusseisernes Kreuz krönt den Berg, von dessen Gipfel man
eine herrliche Rundsicht über einen grossen Theil des nordwestlichen,
sowie des mittleren Böhmen geniesst. Ein gut gangbarer Weg führt von
Leitmeritz aus auf den Berg, dessen Fuss von Reben umrankt wird.

Nördlich von der Radebeule erhebt sich der _*Kamaiker Eisberg_. Von
Leitmeritz gelangt man in einer Stunde auf der Kamaiker Strasse nach
dem Orte Kamaik mit der Burgruine gleichen Namens. Oberhalb dieser
Ruine, die weithin in's Elbethal sichtbar ist, liegt der erwähnte
Eisberg, merkwürdig dadurch, dass man in heissen Sommertagen, besonders
nach einem Regen, in den vom Steingerölle umgebenen Gruben Eis findet.
Am nördlichen Abhange des Eisberges steht, eine anmuthige Idylle
bildend, die Kapelle des heil. Johannes des Täufers in der Wüste,
von wo aus, unter den Aesten mächtiger Eichen hinweg, das Auge über
eine prächtige Elbelandschaft zu schweifen vermag. Die Aussicht ist
besonders nach Süden und Südosten reizend. Von Kamaik kann man nun
entweder den Abstieg zur Elbe nach Gross-Tschernosek oder auch nach
Libochowan nehmen.

_Gross-Tschernosek_ liegt in der Richtung gegen Milleschau und ist
berühmt wegen des dort gebauten Weines. Unter dem Namen »Tschernoseker«
kommt eigentlich aller im Leitmeritzer Elbegau producirte Wein in
den Handel. Eine Sehenswürdigkeit in Tschernosek bildet der _*gräfl.
Nostiz'sche Weinkeller_, der horizontal in den Berg hineingebaut ist.
Dieser Keller stammt zum Theil aus dem 13. Jahrhundert und zeichnet
sich durch seine riesige Ausdehnung aus. 50.000 Eimer Wein vermögen
darin ganz gut untergebracht zu werden. Durchschnittlich enthält er
8000 Eimer.

_Nach Libochowan_ führt von Kamaik aus eine Fahrstrasse über das
obstbaumreiche Dorf Rschepnitz zur Elbe. Bei Libochowan befinden sich
Wälle aus der Keltenzeit, wie auch in der Nähe des genannten Dorfes vor
einigen Jahren Heidengräber entdeckt wurden. Zwischen Tschernosek und
Libochowan erhebt sich an der Elbe _der Dreikreuzberg_.

Sehr beliebte und sehr besuchte Ausflugsorte sind die Einsiedelei
_*Skalitz_, die _Villa *Mentau_ und _*Kundratitz_. Wir können alle
drei Punkte in einem auf einen Nachmittag berechneten Spaziergange
besuchen. Unser erstes und nächstes Ziel sei die Einsiedelei Skalitz,
welche dort am Bergesabhange zwischen grünen Waldbäumen hervorlugt.
Wir können entweder den Weg über das nahe Pokratitz in nördlicher
Richtung einschlagen, um am Bachesrande im schattigen Thale vorwärts
zu schreiten, oder wir können auch auf der bequemeren, von zwei
Obstbaumalleen begrenzten Schüttenitzer Strasse über das zwischen
Obstbäumen gelegene Dorf Schüttenitz, welches das mildeste Klima in
Böhmen besitzen soll, die Skalitzer Höhe erreichen. Die so anmuthige
Einsiedelei ist gegenwärtig von einem Förster bewohnt, bei welchem
man einen ganz guten Kaffee, sowie Bier u. s. w. erhält. Unweit des
Försterhauses streckt ein kleines Kirchlein seinen Thurm in die Höhe,
und unterhalb des Hauses zeigt man eine Höhlung in Sandsteinfelsen,
welche dem Einsiedler als Wohnung diente. Natürlich geniesst man von
hier eine prachtvolle Fernsicht auf die weite Ebene, durch welche sich
der Elbstrom schlingt.

Etwas höher und westlich von Skalitz blickt die _Villa Mentau_ vom
Bergesabhange in's weite Thal hinab. Diese Villa wurde erst im Jahre
1878 von dem Herrschaftsbesitzer und Grossindustriellen Edlen von
Schroll in Liebeschitz, dem Besitzer des Waldes, welcher diese Höhen
schmückt, mit einem Kostenaufwande von 40.000 fl. erbaut und dient
ebenfalls einem Förster, der gleichzeitig Restaurateur ist, als
Wohnung. Unten in der Thalschlucht, dem Melbiner Thale, verborgen
hinter mächtigen Bäumen, klappert die Melbiner Mühle, wo man auch
leibliche Stärkung erhalten kann, und an unser Ohr dringt das
einförmige und doch so anheimelnde und wohlthuende Rauschen des klaren
Gebirgsbaches, der sich durch dichtes Gebüsch über Stock und Stein
seinen rauhen Weg gebahnt.

Doch wir müssen weiter; noch einen Blick auf das grosse und schöne
Panorama zu unseren Füssen, und wir setzen unseren Bergstock wieder
fest auf, um über Wiesen und Fluren und durch den schattigen Wald
den Bergesrücken zu erklimmen, hinter welchem ein wahres Kleinod des
böhmischen Mittelgebirges verborgen liegt, wir meinen die Sommerfrische
_*Kundratitz_. Hier sei erwähnt, dass man von Mentau aus auch auf den
Berg _Hradisken_ gelangen kann, der sich durch eine schöne Rundsicht
auszeichnet. Unser Ziel ist jedoch, wie gesagt, Kundratitz. Zwischen
den Waldbäumen sehen wir nach halbstündiger Wanderung, nördlich von
Mentau, die Villa »Henriettenruh« hervorschimmern und bald ruhen wir
im Schatten des Waldes, unmittelbar an der Villa, von unserem immerhin
etwas anstrengenden Marsche aus. Man kann Kundratitz auch von einer
anderen Seite von Leitmeritz aus erreichen, indem man auf der Strasse
über Pokratitz nach Hlinay geht, wobei sowohl Skalitz als Mentau
rechts liegen bleiben. Nachdem wir uns gestärkt, betreten wir die
Terrasse der Villa und erquicken unser Herz an der überraschend schönen
Fernsicht, die man von hier aus geniesst. Ein landschaftliches Bild,
wie es lieblicher, prächtiger nicht gedacht werden kann, eröffnet sich
da vor unseren Augen; mehr als dreissig kegelförmige Bergspitzen des
Mittelgebirges, mit dem Vater »Milleschauer« in der Mitte, erheben sich
in den duftigen Aether, während im Vordergrunde sich das _Tlutzner_
Thal, eingeschlossen von grünen Waldesflächen, mit seinen tausenden
von Obstbäumen, aus denen die Dächer der Orte Kundratitz und Tlutzen
verführerisch hervorlugen, ausbreitet. Fürwahr, es ist entzückend
schön, dieses Landschaftsbild und immer und immer wieder schweift der
Blick wie trunken über diese anmuthigen Scenerien, die ihres Gleichen
nicht bald wieder haben.

Sind wir einmal 599 m über der Meeresfläche, so können wir auch noch
etwas weiter steigen und dem in einer guten Viertelstunde erreichbaren
_Warhorscht_ einen Besuch abstatten. Von diesem ringsherum frei
dastehenden Berggipfel ist die Rundsicht eine vollständige, aber auch
eine grossartig schöne. Von hier aus überblickt man das Teplitzer Thal
und das ganze herrliche Thal von Aussig, Kulm bis Teplitz, weiter
Dux, Ossegg u. s. w. Der schwarze Maulwurfshügel in der Ebene ist der
Teplitzer Schlossberg, der uns leider die alte Thermenstadt verdeckt.

Dort oben am Kamme des Erzgebirges winkt das Mückenthürmchen herüber,
während weiter im Norden die Nollendorfer Kirche sichtbar wird. Recht
deutlich bemerkt man auch den hohen Schneeberg bei Bodenbach. Mehr im
Vordergrunde windet sich die Elbe durch die Berge, und soeben sehen
wir vor uns in der Tiefe den Dampfer in Salesl landen. Nördlich,
wo die Elbe in den Bergen verschwindet, klebt nett und winzig der
Schreckenstein, der uns nicht gestattet, mehr als bloss einige Häuser
der gewerbefleissigen Elbestadt Aussig zu sehen. Gegen Nordosten
schimmern in blauer Ferne die Berge des Isergebirges und vom Jeschken
bei Reichenberg ragt der Gipfel, für unser Auge sichtbar, gegen den
Himmel. Wenden wir uns nunmehr gegen Süden, so ist die Landschaft eine
ganz veränderte; eine meilenweite Ebene erstreckt sich nach Süden, in
welcher sich bei Raudnitz der Říp und einige weniger bedeutende Höhen
erheben. Es würde zu weit führen, wollten wir hier eine ausführliche
Schilderung dieser wundervollen Rundsicht, die in dieser Gegend
jedenfalls nur von jener des Milleschauer übertroffen wird, wiedergeben.

Kundratitz gewinnt als Sommerfrische von Jahr zu Jahr an Beliebtheit
und sind es Familien aus Dresden, Berlin, Prag usw., die mehrere Wochen
des Sommers in stiller Abgeschiedenheit hier zubringen.

Ein von Kundratitz in einer guten halben Stunde zu erreichender
Aussichtspunkt ist die _*Wache_, ein Gebirgsvorsprung unterhalb
des Warhorscht, mit einem herrlichen Einblick in's Elbethal. Ein
weiterer Spaziergang von Kundratitz aus ist _das lange Loch oder der
Höllengrund_, ein Felsenabsturz rechts von der Strasse nach Tschersing.
Das Dorf Tschersing ist in ¾ Stunden von Kundratitz zu erreichen. Von
hier führt eine romantische Thalschlucht zum Elbethal gegen Sebusein.

Eine Reihe prächtiger Waldpartien, die freilich noch weniger bekannt
sind und von Fremden ohne Führer nicht gemacht werden können, lassen
sich von Skalic aus unternehmen. Wir nennen hier Neuhof, die Tetschner
Aussicht und das Dorf Babina.

_Grössere Partien_: Wer einen ganzen Tag aufwenden will, ohne sich
dabei anzustrengen, dem ist die Partie nach Triebsch zu empfehlen.

Von Leitmeritz aus schlagen wir die Aerarialstrasse nach _Trnowann_
ein. Hinter diesem Orte führt die Strasse über den _*Weissen Berg_,
welchen bereits in diesem Jahre ein Standbild Kaiser Josefs II.
krönen wird, das die Landwirthe des Ploschkowitzer Thales dem grossen
Volkskaiser zu errichten gedenken. Von der Höhe des Weissen Berges
bietet sich dem Beschauer ein reizendes landschaftliches Gemälde
dar. Ueber Leitmeritz hin breitet sich die weite Ebene aus, die von
den Bergen des Mittelgebirges begrenzt wird, während in der Richtung
gegen Ploschkowitz, das Ploschkowitzer Thal, mit seinen überaus
fruchtbaren Fluren, seinen ungezählten Obstbäumen und den Bergeshöhen
wie ein Schmuckkästchen der Natur daliegt. Wieder am Fusse des
Hügels angelangt, weichen wir links von der Auschaer Strasse ab und
schlagen die Bezirksstrasse nach _*Ploschkowitz_ ein, das wir in einer
Viertelstunde (von Leitmeritz 1½ St.) erreichen. Ploschkowitz besitzt
ein prächtiges kaiserliches Schloss mit einem Parke im französischen
Styl.

Wir wenden uns nördlich über Techobusitz gegen Triebsch, das sich
anmuthig am Fusse des Kelchberges ausbreitet und das zweit grösste
Dorf des Leitmeritzer Bezirkes ist. (3 Stunden von Leitmeritz.) _Der
Kelchberg_ steigt in 2 Terrassen auf; er ist bequem zu besteigen und
bietet eine schöne Aussicht nach allen Richtungen. Im Orte Triebsch
befindet sich ein Herrenhaus mit einem sehr hübschen Parke.

Den Rückweg nach Leitmeritz schlagen wir über Kudeslawitz ein. Dieses
Dorf liegt am südlichen Abhange der »Dreiberge« und erfreut sich
schöner Waldungen, die von Strassen durchschnitten werden, so dass der
Wald einen parkähnlichen Charakter erhält. Am Bergabhange führt die
Strasse über Pohorschan nach Schüttenitz und von da nach Leitmeritz.
Von Pohorschan windet sich die Strasse zwischen dem langen Berge und
dem Goldberge hindurch.

Wenn man nun die Trnowanner Strasse, statt unterhalb des Weissen Berges
abzuzweigen, weiter einschlägt, so gelangt man nach dem Marktflecken
Liebeschitz (2½ St. von Leitmeritz) mit einem herrschaftlichen Schloss
und Park des Edlen von Schroll. In einer guten halben Stunde erreicht
man die Stadt _Auscha_, bekannt durch ihren Hopfenhandel.

Nördlich hievon liegt der _*Geltschberg_, der höchste Berg der Gegend.
Am Fusse desselben befindet sich die Kaltwasseranstalt _*Geltschbad_
mit schönen Spaziergängen und Waldpartien. (1 Stunde von Auscha.)

Unweit hievon das Städtchen Lewin (1 Stunde von Auscha) auf
einer Anhöhe gelegen, zeichnet sich durch einen regen Handel und
Gewerbefleiss aus.

Von Auscha eine Stunde entfernt, ist die Burg _Hradek_; ferner ist zu
erwähnen das Dorf Konojed (1 Stunde von Auscha), mit Schloss, einem
ehemaligen Kloster und Garten.

Unweit von Konojed erhebt sich der _Eichberg_, an dessen Ostseite ein
interessanter Basaltsteinbruch mit schiefliegenden Basaltsäulen sich
befindet.

In derselben Richtung liegen _Graben_ und _Drum_. Im letzteren Orte ist
ein bischöfliches Schloss.

Eine Partie, die man per Bahn unternehmen kann, ist die nach _Liboch_
a. d. Elbe. Liboch zeichnet sich durch hervorragenden Weinbau aus.
Romantisch ist das östlich gelegene Thal _Kokorschin_.

Eine grössere Partie über das Mittelgebirge bildet die von Leitmeritz
nach _*Grosspriesen_, und kann man zwei Wege einschlagen. Die erste
Tour hält sich an die Strasse, welche über Schüttenitz, Pohorschan,
Stankowitz, Ritschen und Proboscht, wo sich in einer Felsenschlucht
die romantische Kaisermühle befindet, in das Grosspriesner Thal führt.
Dieser Weg ist ungemein anziehend, da er lange Strecken durch herrliche
Forste hinzieht. Im Grosspriesner Thal sind bei Salesl die Kohlenwerke
bemerkenswerth. Der Bergverwalter Herr Kastelly besitzt eine reiche
mineralogische Sammlung, die er Besuchern gern zeigt.

Der zweite Weg ist schwer zu finden und kann nur zu Fuss zurückgelegt
werden; er zieht sich über Skalitz, Neuhof, den Hohenstein und die
Tetschner Aussicht nach Proboscht.

Es liessen sich noch mancherlei herrliche Partien in der Umgebung von
Leitmeritz anführen, allein dieselben sind zu wenig bekannt und von
Fremden nicht so leicht auffindbar. In diesem herrlichen Gau hätte
ein Gebirgsverein eine grosse und schöne Aufgabe zu erfüllen, und wir
wollen hoffen, dass es doch noch gelingt, dieses schöne Stück Erde dem
Touristenstrom zu erschliessen.



Aussig.


    =Eisenbahnen=: 1. _Oesterreichische Staatsbahn-Linie_:
    Aussig-Bodenbach-Dresden; Aussig-Prag-Wien. 2.
    _Oesterreichische Nordwestbahn_, rechtes Elbeufer --
    nach _Tetschen_ in 50, nach _Leitmeritz_ in 50 Minuten.
    3. _Aussig-Teplitzer Bahn_ -- nach Teplitz (40 Min.),
    Dux-Bilin-Brüx-Komotau und Anschluss nach Karlsbad-Eger. 4.
    _Bielathal-Bahn_, Bahnhof in der Nähe der chemischen Fabrik,
    nach Bilin-Sauerbrunn in 2 Stunden.

    =Dampfschifffahrt= gegen Leitmeritz und gegen Tetschen,
    Herrenskretschen, Schandau, Dresden.

    =Gasthöfe=: »Goldene Krone« am Marktplatz, »englischer Hof« in
    der Lindenstrasse, »Goldener Engel«, »Stadt London«, »Stadt
    Prag« am Markt, Hohes Haus« bei der Bahn.

    =Restaurationen=: Belvedere- und Dampfschifffahrts-Restauration
    mit schöner Aussicht; Schmidt's Restauration und Garten, grosse
    Wallstrasse, Elisium mit Garten, Ostervorstadt; Ferdinandshöhe
    auf einem Vorsprung des Galgenberges mit prächtiger Aussicht.

    =Post- u. Telegrafenamt. -- Buchhandlung.=

_Aussig_ liegt am linken Elbeufer, an der Mündung der Biela in die
Elbe, sowie am Fusse des Střezowitzer und des Marienberges, welcher
letztere, aus Klingstein bestehend, wegen der mannigfaltigen Mineralien
merkwürdig ist. Vom Gipfel desselben geniesst man eine herrliche
Aussicht in das Elbthal und die Gebirgsketten diesseits und jenseits
des Stromes, von dessen Ufern sich der Marienberg fast senkrecht
erhebt. Unmittelbar über der Stadt erhebt sich _*die Ferdinandshöhe_
mit prachtvoller Aussicht (früher waren hier die Ruinen der Burg
Witrusch).

=Geschichtliches=: Die Gründung der Stadt soll schon im J. 827 erfolgt
sein. Im Jahre 1277 wurde sie der Krone von Böhmen einverleibt, 1282 an
Otto von Brandenburg abgetreten und vom Kaiser Rudolf von Habsburg der
böhmischen Krone wieder zurückgegeben.

Während des Husitenkrieges verpfändete Kaiser _Sigmund_ die Stadt an
die Meissner, was eine grosse Erbitterung in Böhmen hervorrief und
eine Belagerung der Stadt zur Folge hatte. Ein meissnisches Ersatzheer
wurde zwar am 16. Juni 1426 vollständig besiegt, allein die Stadt
dabei so eingeäschert und verwüstet, dass sie drei Jahre lang ganz
verödet blieb. Ein zweites, trauriges Loos traf die Stadt am 8. Mai
1538, wo ein grosser Theil derselben sammt der Stadtkirche in Flammen
aufging. Ferdinand I. gab der Stadt Aussig für die Treue, welche sie
ihm gelegentlich der Zwistigkeiten zwischen Karl V. und dem Kurfürsten
_Johann Friedrich_ von Sachsen bewies, nebst vielen anderen Vorrechten
auch Sitz und Stimme im Landtage. Während des 30jährigen Krieges wurde
Aussig 1631 von sächsischen Truppen verwüstet und in Brand gesteckt,
dagegen ist es während des 7jährigen Krieges und bei dem Einfalle der
Franzosen im J. 1813 von grösseren Unglücksfällen verschont geblieben.

In neuester Zeit ist die Stadt durch ihre äusserst günstige Lage
an der schiffbaren Elbe, in unmittelbarer Nähe des ausgedehnten,
reichhaltigen nordwestböhmischen Braunkohlenbeckens, durch die
zahlreichen Eisenbahnen ein bedeutender Handels- und Industrieplatz
geworden. Die Einwohnerzahl ist seit 1869 bis zum 31. Dezember
1880 von 10.000 über 16.000 gestiegen. Die im J. 1857 von einer
Actiengesellschaft gegründete _chemische Fabrik_ für chemische und
metallurgische Production ist eine der grössten Europas und beschäftigt
über 1300 Arbeiter. Sie liefert Schwefelsäure, Sulfate, Salzsäure,
Superphosphate u. s. w., besitzt eine eigene Gasanstalt, welche
auch die Stadtbeleuchtung besorgt, eine Dampfziegelei u. s. w. Der
Flächenraum des Fabriksgebietes beträgt 58 Hekt. An Arbeitslöhnen wird
wöchentlich die Summe von 12.000 fl. ausgezahlt. Der Kohlenverbrauch
belief sich im Jahre 1880 auf 12.734 Waggon zu 11 Tonnen.

Weitere industrielle Etablissements befinden sich hier: eine
Lederfabrik, zwei Siderolithwaarenfabriken, Baumwollspinnerei,
Glasfabrik, Paraffinfabrik, Webewaarenfabrik, Bandfabrik u. s. w. Viele
Braunkohlenniederlagen. Die Kohlenverfrachtung auf der Aussig-Teplitzer
Bahn grossartig.

In Aussig wurde am 12. März 1728 während eines vorübergehenden
Aufenthaltes seiner in Dresden wohnhaften Eltern _Anton Raphael Mengs_
geboren.

=Sehenswürdigkeiten=: 1. Die im sogenannten altgothischen Style erbaute
und mit einer kunstreich gearbeiteten steinernen Kanzel versehene
Dekanalkirche. Dieselbe besitzt eine kostbare _*Madonna_, die sich
in einem feuerfesten eingemauerten Schreine befindet und nur bei
hohen Festen ausgestellt ist. Dieses prachtvolle Bild von bedeutendem
Kunstwerthe ist nach dem Urtheile gewiegter Kenner (auch Göthe schloss
sich dieser Ansicht 1813 an) ein Werk Carlo Dolce's. Fälschlich hat
man es dem obgenannten Anton Raphael Mengs zugeschrieben, welche
Annahme aus dem Grunde unstatthaft ist, als Raphael Mengs zur Zeit
der testamentarischen Uebergabe des Bildes an die Decanalkirche
(1737) 9 Jahre alt war. Das Gerücht mag deshalb entstanden sein,
dass die Erblasserin Margaretha Fischer geb. Rochus von Lindenfels
die Besitzerin des Geburtshauses des wiederholt genannten Raph.
Mengs gewesen und das Bild nach der übereinstimmenden Aussage vom
Vater Raphaels, dem sächsischen Hofmaler Ismael Mengs, zum Geschenke
erhielt. 2. Die St. Adalbertskirche bei dem Dominikanerkloster, im
Renaissancestyl erbaut. 3. Die grossartige _eiserne Elbbrücke_, welche
die Nordwestbahn mit den Bahnen des linken Elbufers verbindet. 4. Die
neue Knabenschule und zwei andere grosse Schulgebäude. 5. Die älteste
Kirche ist die Maternus-Kirche, deren Friedhof seit vielen Jahren
aufgelassen ist und jetzt in einen Park verwandelt wird. (Die _Touren_
ins böhmische Erz- und Mittelgebirge siehe »Der Besuch des böhmischen
Erz- und Mittelgebirges von Teplitz-Bilin, eventuell Lobositz« aus.)

Hier sei Erwähnung gethan der herrlichen Ausflüge zur _*Ruine
Schreckenstein_ (½ St.) und auf die _*hohe Wostrey_ (2 St.). Wir gehen
von Aussig süd-südöstlich auf das rechte Elbufer und erreichen in einer
halben Stunde den Klingsteinfelsen, auf welchem sich die malerischen
Ruinen der alten _Veste Schreckenstein_ erheben, die im Sommer der
Gegenstand zahlreicher Besuche von Einheimischen und Fremden sind.
Der Felsen steht senkrecht 80 m hoch über dem Spiegel der Elbe, ist
nur von einer Seite zugänglich und macht einen imposanten Eindruck.
Zwischen dem Burgfelsen und dem grünbewaldeten Schanzenberge liegt die
sogenannte _Schäferei_. Von hier führt der einzige Zugang zur Burg,
ein schmaler Gang, auf dessen beiden Seiten niedrige Gebäude stehen,
darunter das alte Bräuhaus, während der Burgfelsen auf der Ostseite
auch hier 37·9 m hoch senkrecht wie eine Wand aufsteigt. Wir kommen zu
dem gut erhaltenen Burgthor, das mittelst einer Treppe passirt wird.
Durch das Thor treten wir in den Burghof, welcher mit einer starken
Ringmauer umgeben ist. Hier befindet sich die Restauration, für die es
seit 1877 ein eigenes Gebäude mit Fremdenzimmern gibt.

Der sogenannte Rittersaal steht mit dem Burghofe durch einen schmalen
Gang in Verbindung. Durch die nach der Elbe gerichteten sechs Fenster
hat man einen prächtigen Blick in das Thal. Daneben befindet sich
ein kleines Gebäude, welches zu Restaurationszwecken verwendet
wird. Von hier führt links ein Fusspfad nach einem Felsenvorsprung,
einer ehemaligen Warte, welche mit einem Dache versehen ist und
einen vorzüglichen Blick auf die eigenthümliche Steinschichtung des
Felsens gewährt. Von diesem unteren Theile steigen wir auf einer
Treppe in _die Hauptburg_ und dann in _die Burgkapelle_ mit schönen
Spitzbogenfenstern; da ist ein Vorsprung mit schöner Aussicht.
Sehenswerth sind noch die _Burgherrenwohnung_, _die Citadelle_,
von welcher noch die Reste von zwei halbrunden Bastionen und ihrer
Verbindungsmauer vorhanden sind, und _der Wartthurm_, welcher mit einem
Holzdache versehen ist und bis jetzt den Stürmen der Zeit getrotzt hat.
Von hier können wir die Tour auf _die hohe Wostrey_ fortsetzen (1½ St.)
oder nach Aussig zurückkehren.

Aussig-_hohe *Wostrey_. Wir gehen von Aussig in südöstlicher Richtung
nach Ober-Sedlitz, einem Dorfe ¼ St. von der Elbe und am Fusse des
Gebirges und kommen nach Neudörfel (1 St.), wo bereits der Milleschauer
(im Südwesten) zum Vorschein kommt, während im Rücken (Norden) des
Wanderers der Schneeberg mit seinem weitsichtbaren Thurme auftaucht.
Neben einem grossen Nussbaum theilt sich der Fahrweg; wir benützen
weiter den Seitenweg rechts und langen bei einer, zwischen zwei
hohen Eichen angebrachten Ruhebank an, von wo aus wir, auf dem
windungsreichen Fusswege links fortschreitend, die Spitze dieses 583 m
hohen Basaltkegels erreichen. Derselbe ist einer der bedeutungsvollsten
und lohnendsten Aussichtspunkte im Norden unseres Heimathslandes.
Wir haben eine prachtvolle Waldlandschaft unmittelbar vor uns. Das
herrliche Elbthal können wir weit verfolgen. Im Norden wird der Thurm
des Schneeberges sichtbar, der sich als ein langgedehnter, nordöstlich
laufender Bergrücken über ein hohes, aus dem Elbthale und dem Eulauer
Thale östlich und südlich steil aufsteigendes, an seinen Rändern durch
tiefe Thaleinschnitte zerrissenes Plateau erhebt. Vor dem Erzgebirge
ist die mit allen Reizen einer üppigen Natur geschmückte Thalebene,
welche ihren Anfang bei Arbesau nimmt, mit dem Eulauer Thale durch
einen niedrigen Pass zusammenhängt und sich bei Kulm und darüber
hinaus erweitert, ausgebreitet. Rechts vom Schneeberge sehen wir die
Ruine des, wahrscheinlich im 30jährigen Kriege zerstörten Schlosses
Blankenstein, von dem man eine sehr weite und schöne Aussicht,
namentlich auf den Elbstrom geniesst.

Im Vordergrunde liegt Aussig. Westwärts lassen wir unsere Blicke über
das herrliche Mittelgebirge schweifen und nehmen den Milleschauer,
Kletschen, Radelstein, die Klotzberge, den Kostial, den Lobosch und
ganz im Hintergründe die Hasenburg wahr. Unmittelbar unter uns liegt
das Dorf Birnay, am rechten Elbufer, am Fusse des Prutschelberges. Im
Osten sehen wir den Geltsch bei Auscha, nordwestlich den Zinkenstein,
links davon im Hintergrunde den Rosenberg bei Tetschen.



Tetschen.


=Tetschen=, Stadt, an der Elbe, zählt über 5000 Einwohner; sie ist mit
dem linken Elbufer durch die prächtige Kaiserin Elisabeth-Kettenbrücke
verbunden. Die Stadt hat viele Neubauten aufzuweisen, was auf einen
nicht unbedeutenden Aufschwung schliessen lässt. Obst-, Getreide- und
Holzhandel ist gross. Alle Holzgattungen werden bis Hamburg verschifft
und verflösst. Bedeutend ist auch der Schiffbau.

    =Gasthäuser=: Stadt Prag, Krone, silberner Stern am Ring, Hôtel
    Ullrich an der Elbe, das Schützenhaus in prächtiger Lage mit
    einem schönen Garten; Hôtel zum Dampfschiff, neben der Brücke
    an der Elbe; Restaurationen; Weinstuben.

    =Eisenbahnen=: Oesterreichische Staatsbahn, Nordwestbahn,
    böhmische Nordbahn nach Warnsdorf und Böhmisch-Leipa,
    Dux-Bodenbacher Bahn von dem gegenüberliegenden _Bodenbach_ aus.

    =Dampfschifffahrtsstation.= -- =K. k. Post- und Telegrafenamt.=
    -- =Badeanstalt.=

=Sehenswürdigkeiten=: Auf einem vom Ufer der Elbe 47·4 m senkrecht
aufsteigenden, gegen Norden und Osten sich abdachenden Sandsteinfelsen
steht das _stolze *Schloss_ der Grafen von Thun. Es wurde 1668 vom
Grafen Maximilian von Thun neu erbaut und vom Grafen Wenzel Thun 1788
im gegenwärtigen imposanten Zustande vollendet. Das Schloss ist
eine Zierde des Elbthales und hat fast von allen Seiten herrliche
Aussichten in die paradiesisch schönen, zum Theile wildromantischen
Gegenden desselben. Es enthält eine Schlosscapelle zum hl. Georg
mit einem Altarbilde von Berglen, eine schätzbare Bibliothek, eine
Gemäldesammlung, ein Münz- und Waffenkabinet. An den Abhängen des
Schlossberges und am Fusse desselben befinden sich _herrliche
*Gartenanlagen_ mit Orangerie und Gewächshäusern für seltene exotische
Pflanzen und einem der grössten Ananashäuser, nach englischer Art
eingerichtet. Die Auffahrt zum Schlosse von der Stadtseite ist in
Felsen ausgehauen. Am Ufer der Elbe ist ein Fussweg, theilweise durch
den Felsen gehauen, und über den Arm der Pulsnitz, welche hart am
Schlossfelsen in die Elbe mündet, führt ein Kettensteg zur Verbindung
des nördlichen Theiles der Gartenanlagen mit dem südlichen. Dieses
Schloss war als ein fester Punkt an der Elbe und Schlüssel dieses
Stromes von militärischer Wichtigkeit. Wiederholt wurde es besetzt,
so im J. 1631 von den Sachsen, 1635 und 1638 von dem schwedischen
Parteigänger Stalhantsch. 1641 von den Kaiserlichen, 1647 von dem
schwedischen Obersten Kopi (da wurde es mit 700 Kugeln beschossen),
1741 von den Franzosen, 1744, 1756 und 1778 von den Preussen.

Die _Dekanalkirche_ zum hl. Kreuz, 1687 vom Grafen Max Thun zum Theile
auf Felsengrund erbaut, auf welchen Umstand die auf dem freistehenden
natürlichen Grundsteine angebrachte Inschrift deutet. Diese Kirche,
welche von Cramolin ausgemalt ist, ist eigentlich die Schlosskirche.
Die _Stadtkirche_ zu Sct. _Wenzel_ und _Blasius_ brannte 1749 ab und
wurde als Waarenmagazin verwendet; vor zwei Jahren wurde sie wieder
hergestellt. Weitere nennenswerthe Gebäude sind: Das _Stadthaus_ mit
der Sparkassa, das k. k. _Bezirksgericht_, das _Bürgerschulgebäude_,
die _Lorettokapelle_ und der _Bahnhof_ der österreichischen
Nordwestbahn.

(Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Tetschen und dem
gegenüberliegenden Bodenbach siehe Besuch von Lobositz, Teplitz und
Bilin aus.)

Herrliche Spaziergänge und Touren. (Siehe Bodenbach!) Wir wenden uns
von Tetschen-Bodenbach nach Norden gegen _*Herrenskretschen_. Links
haben wir das Erzgebirge, welches hier in geographischer Beziehung mit
dem Elbufer endigt. Gewöhnlich nimmt man als Grenze den Nollendorfer
Pass an und bezeichnet das Gebirge von da an zu beiden Seiten der Elbe
als Elbsandsteingebirge oder böhmisch-sächsische Schweiz. Der höchste
Punkt ist _der hohe Schneeberg_, welcher sich mit seinen Abdachungen
über ein grosses Gebiet verbreitet, so dass alle, besondere Namen
führenden Bergmassen als Vorsprünge und Ausläufer zu betrachten sind.
Der nordöstliche heisst _die Scheibenkoppe_; nördlich verflacht sich
diess Gebirge nach Sachsen, hat jedoch auch hier felsige Vorsprünge:
_den Brunnnesselkamm_ und _den Breitenstein_; westlich hängt es
mit dem in dieser Richtung fortlaufenden Rücken des Erzgebirges
ununterbrochen zusammen. Unmittelbar an dem linken Elbufer gibt es
steile Berge, welche zum Theile in senkrechten, gleichsam in mehreren
Stockwerken über einander gethürmten, mannigfach zerrissenen und
grotesken Felswänden emporsteigen, wie bei Niedergrund, Mittelgrund.
Die herrschende Formation in diesem Gebirge ist der Quadersandstein,
welcher hier alle seine Eigenthümlichkeiten hinsichtlich des Grotesken
und Malerischen auf die mannigfaltigste Weise entwickelt; besonders
zeigen sich seine kühnen, oft abenteuerlichen Formen in den engen
Thälern und Schluchten, welche diess Gebilde durchschneiden, und
einzelnen, von der Hauptmasse losgerissenen Felspfeilern und Pyramiden,
sowie auch Grotten und Höhlen, welche sich hier vorfinden. Auch am
rechten Elbufer, wo der _Quaderberg_, die steilen _Rosenwände_ bei dem
Dorfe Rasseln und die _*Elbleiten_ bemerkenswerth sind, wird das Thal
durch die bis fast an die Ufer des Stromes vorspringenden Berggehänge
so eingeengt, dass nur ein schmaler Streifen Landes am Flusse für den
Anbau erübrigt. Die Fahrt auf dem Dampfschiff nach Herrenskretschen ist
eine hochinteressante und sehr lohnende (1 St. -- zu Fuss geht man über
Ober-, Mittel- und Niedergrund).



Herrenskretschen.


    =Dampfschifffahrtsstation.= -- Eisenbahnstation in _Schöna_,
    Herrenskretschen gegenüber. -- Postfahrt nach Dittersbach. --
    Lohnfuhrwerke.

    =Gasthäuser=: Hôtel Herrenhaus, Hôtel zum grünen Baum.

Der Ort liegt am rechten Elbufer, am Ausflusse der Kamnitz in die
Elbe, in einem tiefen, zu beiden Seiten von hohen Sandsteinwänden
eingeschlossenen Thale. In der Nähe des Ortes mündet von Norden her
in das Kamnitzthal der _*Prebisch-Grund_ mit den _*Prebisch-Wänden_
und dem _*Prebisch-Thor_, ein hochinteressanter Bestandtheil der
_böhmisch-sächsischen Schweiz_. Das _Prebisch-Thor_ ist ein viele
Klafter hoher und weiter, von der Natur selbst über das Thal
brückenähnlich gespannter Felsenbogen. Man geniesst von seiner Höhe,
am Rande eines schauerlichen Abgrundes, aber durch feste Brustwehren
geschützt, die herrlichsten Aussichten auf die benachbarten Gegenden.
Mit Entzücken verweilt das Auge auf einer Menge von Ortschaften,
wie Rosendorf, Arnsdorf, Steinschönau u. s. w., auf hohen Bergen,
wie _Rosenberg_, _Schneeberg_, _Bösig_ u. s. w., auf den schönsten
Waldungen und den fürchterlichsten Abgründen und Felsenmassen. Es ist
bereits vieles geschehen, um sowohl den Einheimischen als auch den
Fremden den Besuch dieser _herrlichen, berühmten, aber noch nicht
gehörig gewürdigten_ Felspartien zu erleichtern. Ein bequemer Weg, mit
Ruhebänken versehen, führt bis auf die Höhe des _Prebischthores_ und
mehrere Brücken, über tiefe Schluchten gespannt, geleiten den Touristen
auf die zunächst liegenden Höhepunkte dieses Felsenlabyrinths bis nach
Sachsen hinein.

_Herrenskretschen-*Edmundsgrund_ -- diese herrliche Partie, welche den
Wettkampf mit den bedeutendsten Hochgebirgspartien aufnehmen kann, ist
leider auch noch sehr wenig gekannt. Wir folgen von einem der Gasthöfe
dem Laufe der Kamnitz und treten in den Edmundsgrund ein, welcher mit
seinen grossartigen, steilen und reich bewaldeten Gebirgsabhängen,
mit dem klaren und forellenreichen Wasser und durch die reiche
Scenerie der Landschaften einen imposanten Eindruck hervorbringt.
Sehr empfehlenswerth ist auch der _Aufstieg_ auf den, dem Herrenhause
gegenüberliegenden _*Elisalexfelsen_ mit einem herrlichen Blicke auf
die Elbe und in das Kamnitzthal. Das 1 Stunde entfernte _Belvedere_,
zwei künstlich bearbeitete und von der Südseite zugänglich gemachte
Sandsteinfelsen (bei Elbleiten), deren einer die Gestalt einer
Festung mit Schiessscharte darbietet, der andere aber zu einem Tempel
ausgehauen ist, von welchem man auf die in der Tiefe vorüberströmende
Elbe und das jenseitige Ufer bis Niedergrund hin eine reizende Aussicht
hat, wird wenig mehr besucht. Dieser Theil der böhmischen Schweiz ist
grossartig, und deshalb geben wir der Hoffnung Raum, dass er seitens
der Touristen so gewürdigt werden wird, wie er es verdient.

       *       *       *       *       *

Benutzt wurden: Sommer's Königreich Böhmen; Karlsbad in
geschichtlicher, medicinischer und topographischer Beziehung von Dr. E.
Hlawaček, Verlag v. Hans Feller in Karlsbad; der Wegweiser für Karlsbad
und Umgebung von Dr. Hlawaček, Verlag von Feller in Karlsbad; der
Führer in Karlsbad und seiner Umgebung (Verlag v. Franiek und Comp. in
Karlsbad); Führer durch die westböhmischen Kurorte und deren Umgebung,
Eger, Druck und Verlag von Stadler und Comp.

Bezüglich der Karte unseres Reisegebietes bemerken wir, dass es
unmöglich war, sämmtliche Aussichtspunkte und Orte, welche der Führer
enthält, in dieselbe einzuzeichnen; wir mussten uns auf die wichtigsten
beschränken, da sonst die Karte unleserlich und dadurch unbrauchbar
geworden wäre. Eisenbahnen, Strassen, Wege und Stege enthält sie
vollständig, und das ist umsomehr die Hauptsache, als die einzelnen,
nicht eingezeichneten Objekte im Buche so genau beschrieben sind, dass
die Bestimmung der Lage derselben gar keiner Schwierigkeit unterliegt.



Register.


Orte, welche bei Aussichtspunkten nur erwähnt sind, wurden nicht
vollständig aufgenommen. Ist ein Ort, Berg u. s. w. speciell behandelt
oder besonders betont, so ist er mit der Seitenzahl angeführt. Die
fettgedruckten Zahlen weisen auf die spezielle Behandlung hin.


    A.

    Abenddämmerung =18=.

    Abendröthe =18=.

    Aberg 11, 38, 78.

    Abg'span das 91.

    Abertham 21, =115=, =116=, =117=.

    Adelsberg 7.

    Adorf 21, 40, 41.

    Aich 11, =82=.

    Alpenglühen =20=.

    Altenberg 21.

    Altengrün 60.

    Altenteich 36.

    Altrohlau 85.

    Altsattel 15.

    Alaunhütte =127=.

    Annaberg 21.

    Annakirche bei Eger =31=.

    Annathal 60.

    Antonienhöhe 30.

    Assigbach 15, 16.

    Assigbachthal 138.

    Asch =41=, =42=.

    Aschberg 10, =62=, =63=, 64.

    Aubach 16.

    Auerhahnl 93.

    Auersberg 36, 65.

    Auperschin 178, 187.

    Aussengefield 21.

    Aussig 14, 178, 210, 211, =224= bis =228=.

    Auscha 223.

    Austein 15.


    B.

    Bärenbrand 36.

    Bärenstein (Berg) 8, 146.

    Bärenstein (Städtchen) 201.

    Bärringen 21, 96, =97=, =98=, 117.

    Beerberg 21.

    Beerhübel 7, 149.

    Bellevue-Tempel 79.

    Belvedere (Karlsbad) =77=.

    Belvedere (böhmische Schweiz) 231.

    Bensen 212.

    Berg Troschiger 129.

    Bernau =149=.

    Bergwerkzechen 23, 24.

    Bergwirthshaus 80.

    Bernstein 7, 151, 155, 160.

    Biela 14, 16.

    Bielathal 188.

    Bihana 210.

    Bilin =173= bis =178=.

    Billinka 178, 179.

    Bleistadt =58=.

    Bodenbach 212 bis 219.

    Bohemia 211.

    Borislau 177, 178.

    Bořen 19, =172=, =173=.

    Böhmische Schweiz 230.

    Böhmischer Sitz 80.

    Böhmisch Sibirien 120.

    Brandau 150, 153.

    Brandbach 15.

    Breitenbach 91, 117.

    Breitenstein 148, 230.

    Brockengespenst 20.

    Brunndöbra 62, 64.

    Brunndöbrathal 62.

    Brunnersdorf 132, =135=.

    Brunnnesselkamm 230.

    Brüx 16, =160= bis =173=.

    Buchenhöhe 11.

    Buchholz 21.

    Burberg 8, 9.

    Bünaburg 210.

    Büschel (bei Görkau) =148=.


    C.

    Crandorf 123.

    Crudum 10, =53=.

    Cubabrunn 40.


    D.

    Dallwitz 15, =81=.

    Dassnitz 15, 38, 49.

    Davidsthal 51.

    Deblikberg 188.

    Denkmäler bei Kulm =194=--=196=.

    Dillenberg 10, 16.

    Domina 129, 130, 140.

    Donnersberg 12, 19.

    Doppelburg 199, 200.

    Dorotheentempel 80.

    Dörnsdorfer Bach 17.

    Dörnthal 16.

    Drahowitz 98.

    Dreiberg 223.

    Dreikreuzberg 79, 220.

    Drosau 49.

    Drum 229.

    Dubitz 188.

    Duppau 142.

    Dux =155=, =156=.

    Dürnberg 7.


    E.

    Ebene Teplitzer =191=, =192=, =193=.

    Ebersdorf 203.

    Edelweiss 20.

    Edersgrün 96.

    Edmundsgrund 231.

    Eger (Fluss) 14, 15.

    Eger 15, =31=, =32=, =33=, =34=, =35=, 38.

    Egerland 40.

    Egerthal 38.

    Eibenstock 21.

    Eidlitz 16, 128.

    Eichberg 224.

    Eichelberg =112=, =113=.

    Eichwald 20, 199, 203.

    Eiland 209.

    Einsiedel 20, 152, 154.

    Einsiedel (Bad) 152.

    Einsiedel (Deutsch) 152.

    Einwohnerzahl 21.

    Eisenberg 8, =151=, =152=, 160, 168.

    Eisknochen 201.

    Eispinge 94.

    Eisenstrass 21.

    Elbe 14.

    Elbgebirge 13.

    Elbleiten 230.

    Elbogen 11, 16, =54= bis =58=.

    Elbsandsteingebirge 14.

    Elisalexfelsen 231.

    Elster 21, 36, 37, 41.

    Elstergebirge 40.

    Elterlein 21.

    Engelhaus =83=, =84=.

    Erlbach 40, 41.

    Erzgebirge 5, 38, 40, =196=, =197=.

    Eulau 209, 210.

    Eulauthal 210.


    F.

    Falkenau 10, 15, 16, 38, 39, =49= bis =52=, 53, 54, 58, 59.

    Falkenauer Land 10, 49.

    Falkenstein 21.

    Felshäuser (Neudek) 89.

    Ferdinandshöhe 47, 225.

    Fichtelberg 9, 36, 146.

    Fichtelgebirge 16, 38, 40.

    Findlaters-Tempel =76=.

    Fischern 15, 82, 85.

    Fladererberg 91.

    Flachsgrund 151.

    Fleissenbach 15.

    Flöhe 17.

    Flöhauerbach 16.

    Flössberg 65.

    Flössgraben 16.

    Fluthbach 16.

    Flüsse 14.

    Försterhäuser 17, 117.

    Försterhaus (Marienbad) 47.

    Franzensbad =28=, =29=, =30=, 35, 41.

    Frauenreuth 36.

    Frauschieterberg 187.

    Frauenstein 21.

    Freudenstein =108=, =109=.

    Freundschaftsanhöhe =77=.

    Frühbuss 21, =65=.

    Friederikenfels 80.

    Freiberg 21.

    Fuchsgrund =167=.

    Fuchshütte 198.

    Fuchsloch 98.

    Fuchswarte 198.

    Fundorte der Mineralien 24 bis =27=.

    Fürnstein Anton =50=, =51=.


    G.

    Gabhorn 49.

    Gabrielahütten =150=, =153=.

    Gaisberg 149.

    Galgenberg bei Görkau 148.

    Galgenberg b. Joachimsthal 103.

    Ganghofer Berg =173=.

    Gängerhäusel 49.

    Geiersburg 205, 206.

    Geisinger Berg 201.

    Geltschbad 223.

    Geltschberg 223.

    Georgshöhe 148, 158.

    Gesteinlicht 61.

    Geyer 21.

    Giebacht 86.

    Giesshübel-Puchstein =84=, =85=, =142=, 143.

    Glatze 36.

    Glasberg 8, 61, 95, 189.

    Glieden 130.

    Gliedner Berg 8.

    Globenstein 123.

    Goldbach 16.

    Goldenhöhe =123=.

    Gossengrün =58=.

    Gottesgab 9, 10, 21, =118=, =119=.

    Göhrner Hügel 7.

    Görkau 16, 128, =147= bis =152=.

    Göthe =50=.

    Göttersdorfer Bach 16.

    Graben 110, 224.

    Grasengrün 98.

    Graslitz 15, =60=, =61=, =62=, 63, 64.

    Gränzbach 17.

    Grauenstein 111.

    Graupen 17, 202.

    Grossenteich 95.

    Grosspriesen 224.

    Grundbach 16, 168.

    Grundbachthal 135, 136.

    Grund Komotauer =138=, =139=.

    Grundmühle (Komotau) 128.

    Grund Platzer =130=.

    Grundthal 132.

    Grün 53, 132, 133.

    Grünberg 31.

    Gründung der Städte im Erzgebirge =21=.

    Grünhain 21.

    Grünlasthal 54.

    Grünthal 150, 153.

    Grünze 156.


    H.

    Haardorf 144.

    Habichtsfelsen 154.

    Hagensdorf 15, 135.

    Halde 110.

    Halmgrün 95.

    Hammer 20, 152, 168.

    Hammerberg 8.

    Hammer Böhmisch 123.

    Hammer (Hammergrund) 154, =159=.

    Hannersdorf 149.

    Hansheiling 57, =82=.

    Hartenberg =51=, =52=, 65.

    Haselbach 54.

    Haselstein 7, 154.

    Hasenburg 176, 177.

    Haslau 35.

    Hassenstein 130, =132=, =133=, =134=, =135=, 136.

    Hassensteiner Schlossberg 8.

    Hauenstein =112=.

    Hauensteinberg 9.

    Hauenstein-Warta 142.

    Hausberg 61.

    Häuselberg 148.

    Heidenschloss 212.

    Heinrichsgrün 21, =58=, =59=, =60=.

    Heinrichssteinfels 117.

    Helenenhof 80.

    Helms Ruhe 186.

    Hengstererben 21, 115.

    Herrenskretschen 14, 212, =230=, =231=.

    Herrgottsstuhlberg 9.

    Hertine 187.

    Himmelstein 8.

    Hirschberg 36.

    Hirschensprung =76=.

    Hirschenstand 21, 64, 65.

    Hofberg 90.

    Hochtannenberg =89=.

    Hohe Glatze 10.

    Hohenberg 95.

    Hohenstein 210.

    Hohentann 130.

    Hoher Hau 97.

    Hoher Stein =10=, 36, =40=, =41=.

    Hochstadt 21.

    Holzbach 15.

    Holzbau 61.

    Horatitz 15.

    Hořenzer Berg 170.

    Hostenitz 15.

    Höben 189.

    Höflas 35.

    Höhendorfer Höhe 47.

    Hölle 62.

    Höllenbach 15.

    Höllengrund 222.

    Höllenhammer 62.

    Höllenstein 131.

    Hradek 224.

    Hradisken 220.

    Hundsbach 16.

    Huritzberg 49.

    Hut (Forsthaus) 114.

    Hutberg 8, =127=, =128=, 148.

    Hutberg bei Bünaburg 210.

    Hübladung 150, 154, 155.

    Hüttengrund 198.


    CH.

    Charakter der Erzgebirger 21.

    Chodaubach 15.

    Chodolitz 176.


    I.

    Illmesberg 65.

    Industriezweige 22.

    Irrgang 93, 118.


    J.

    Jagdschloss bei Eichwald 198, 200.

    Jentschitz 176.

    Joachimsthal 21, =103= bis =115=.

    Johannisfeuerberg 151.

    Johann-Georgenstadt 21, 91.

    Johannis-Kapelle 110.

    Johnsdorf 152, 154, =159=, 168.

    Josefsdorf 51.

    Judendorf 202.

    Jungenhengst 118.


    K.

    Kaaden 15, =140=, =141= bis =145=.

    Kaff (Ober) 116.

    Kahlenberg 201.

    Kaiserbuchwald 91.

    Kaiser Franz Josefs-Höhe =77=.

    Kaiser Josefs-Schacht 110.

    Kaiserwald 10, 38.

    Kalkofenhöhe 132.

    Kallich 140, =149=.

    Kalter Winter 120.

    Kamaiker Eisberg =219=, =220=.

    Kammerbühl =30=, =31=.

    Kammersberg =89=.

    Kammersgrün 96.

    Kampelberg 152.

    Kapellenberg bei Steinbach =53=.

    Kapellenberg bei Voitersreuth 10, =35=, =36=, 40.

    Kapuzinerhau 7.

    Karlsbad 15, 16, =66= bis =85=, 98.

    Karls IV. Statue 79.

    Katharinaberg 21, 150, =152= bis =155=.

    Katzenfelsen 61.

    Katzengrün 39.

    Katzenhübel 148.

    Katzenrücken 150.

    Käsherdberg 154.

    Keilberg 9, 36, =113=, =114=, =119=, 146.

    Keller (bei Deutsch-Kralupp) 135, 136.

    Kelchberg 223.

    Kernberg 60.

    Kirchberg 40.

    Kiel 36, 63.

    Kirchenbirg 53.

    Kienhaide 139, 140.

    Klapay 176, 177.

    Kleinkahn 210.

    Kleinpriesen 14.

    Kleinthal 144.

    Klein-Versailles 78.

    Klima 18.

    Klingenthal 15, =62=, =63=, 64.

    Klinghard 36.

    Kloben 15.

    Klostergrab =157=, =158=, 198.

    Klösterle 15, 143, 144.

    Koboldstein 111.

    Kohlhau 91.

    Kohling 10, 53.

    Kokorschin 224.

    Kolditz 17.

    Kollosoruk 170.

    Komotau 16, =123= bis =140=.

    Komotauer Grund 16.

    Konojed 224.

    Kopitz 169.

    Koppe 112, 113.

    Koppenberg 210.

    Koppenstein 49.

    Kosel 170.

    Kosten 178, 179, 198.

    Kostenblatt 180, =189=, =190=, =191=.

    Kostial 174, 176.

    Königsberg a. E. 9, 10, 15, 36, 38, 49.

    Königsfeld =188=.

    Königshöhe =185=.

    Königshügel 7, 158.

    König Otto's Höhe 79.

    König Otto's Quelle =84=.

    Königswald 209, 210.

    Königswarth (Schloss, Stadt u. Kurort) =42=, =43=, =44=, =45=.

    Königswerth 52.

    Kösseine 35.

    Kralupp-Deutsch 15, =135=.

    Kranichsee =64=, =65=.

    Kreuzberg (Neudek) =88=.

    Kreuzweg 152.

    Krima 15, 140.

    Kroatenloch 157.

    Kröndorf 113.

    Křemusch (Krschemusch) 14, 190.

    Kundratitz =220=, =221=.

    Kulm 210.

    Kulmer Schlachtfeld 210.

    Kupferberg =143=, =144=, =145=, 146.

    Kupferhügel 9, 143, 144, =145=, 146.


    L.

    Labitzki Josef 49.

    Ladung 149.

    Landwüst 36, 40.

    Lanz 51, 59.

    Laubenschlucht =211=.

    Lauenstein 201.

    Laurenzkapelle 80.

    Lauterbach 10, 53.

    Leibitsch 15.

    Leibitschbach 15.

    Leibitschkamm 10.

    Leibitschthal =41=.

    Leitmeritz 14, 15, =212=--=224=.

    Leopoldshammer im Leibitschthal 58.

    Leopoldshöhe 211.

    Leskau =143=.

    Leskauer Schlossberg 9.

    Lessau 98.

    Liboch 224.

    Libochowan 220.

    Libotschan 16.

    Lichtenstadt =95=, =96=.

    Lichtenwald 158.

    Liebaubach 10.

    Liebenau 58.

    Liebeschitz 223.

    Liebenstein 35.

    Liebenstein Schloss 36.

    Liebensteiner Bach 15.

    Liebwerd 212.

    Lilienstein 201.

    Lindau 169.

    Littmitz 54.

    Lobosch 179.

    Lobositz 14, 174, 176, =178=, =179=, =180=.

    Lobsbach 10, 16.

    Lobsthal 50, 52, 59.

    Loch langes 222.

    Lochstein 201.

    Lohma-Ober 35.


    M.

    Maierhöfen 15.

    Malkau 132, 133.

    Manfredterrasse 199.

    Maria-Kulm 36, =37=, =38=, =39=, 53.

    Mariaschein 202, 204.

    Maria-Sophienweg =78=, =79=.

    Mariasorg =111=.

    Marienbad 45, =46=, =47=.

    Marienberg 21, 139, 225.

    Marienkirchen 21.

    Marienthal 152.

    Markhausen 64.

    Markneukirchen 40, 41, =63=, =64=.

    Mähring in Baiern 16.

    Meczery-Höhe 83.

    Mentau 220, 221.

    Merkelsgrün 96, 97.

    Michelshöhle 172.

    Millersgrün 49.

    Milleschau 167, 179.

    Milleschauer 12, =177=, =178=, 179, 180.

    Mineralreich 23.

    Miramonte 30.

    Mittelgebirge 11.

    Morgendämmerung 18.

    Morgenröthe 18.

    Mostau 54.

    Muckenbühl 10, =61=, =62=.

    Mulde 17.

    Mückenberg 202, =203=.

    Mückenthürmchen 7, 203.

    Müglitz 17.

    Müglitzthal 203.

    Mühlacker der 58.

    Mühlbach 15.

    Mühlberg 199.


    N.

    Nabrowan 188, 189.

    Nancy Forsthaus 64.

    Natschung 17, 140.

    Nebanitz 15.

    Neudek =85=, =91=.

    Neudorf 130, 140.

    Neudorf bei Petschau 49.

    Neudörfel 135.

    Neufischern 85.

    Neuhammer =90=.

    Neuhaus 16.

    Neuhäuser 58.

    Neukirchen 36.

    Neundorf 16.

    Neustein =149=.

    Niklasberg 197, 198.

    Nickelsdorf 15, 152.

    Nollendorf 7, 13, 206.

    Nollendorfer Höhe 203, 206.

    Nollendorfer Pass 206, 207.

    Nonnengrün 41.

    Nonnenhübel 7.


    O.

    Oberdorf 16, 128, 160.

    Obergeorgenthal 152, 154, 160, 168.

    Obergrüntes 58.

    Oberleutensdorf 154, =158=, =159=, =160=, 169.

    Obersachsenberg =62=, =63=, 64.

    Oberwernersdorf 15.

    Olbernhau 150.

    Ossegg 20, =156=, =157=.

    Otterstein 7, 139.

    Ottowitz 94.


    P.

    Panorama 79.

    Parapluieberg 199.

    Peintlberg =86=.

    Peiperz 209.

    Peterswalde 13.

    Petschau =48=, =49=.

    Pfaffenberg 103, 210.

    Pfarrknöchel 114.

    Pichlberg 52.

    Pilkau 177, 178.

    Pirkenhammer =82=, =83=.

    Pirkner-Bach 16.

    Plassdorf 132, 133.

    Platten 9, 10, 16, 17, 21, =91=, =92=, =93=, =94=, =95=, 117, 128.

    Platten bei Komotau 149.

    Plattenberg 10, =93=.

    Platz 132, 133.

    Pleilberg 8.

    Plessberg 116.

    Ploben 81.

    Ploschkowitz 223.

    Podhorn 48.

    Podhornberg 16, 48.

    Poschitzau 11.

    Postelberg 16.

    Posthof 75.

    Pöhlbach 17.

    Pöllner-Berg 8.

    Prebischgrund 230.

    Prebischthor 230.

    Prebischwände 230.

    Press 114.

    Pressnitz 143, =146=.

    Pressnitz-Bach 17.

    Priesen 15.

    Prosanken 187.

    Probstau 186.

    Prölberg 9.

    Prösau 53.

    Pulsnitzthal 212.

    Purberg kleiner 129.

    Püllna =169=, =170=.

    Pürstein 144.


    Q.

    Quaderberg 211, 230.

    Quadersandstein-Gebirge 196, 197, 207.

    Quinau 149.

    Quinauerbach 16.


    R.

    Rabenstein =53=.

    Rabitsch 54.

    Radebeule (Radobyl) =219=.

    Radelstein =174=, =175=.

    Radonitz 142.

    Ranz 131.

    Raschau 123.

    Raudnitz 14.

    Rauschengrund 154, 159.

    Razeine 188, 189.

    Rehefeld 198, 201.

    Reichenau 53.

    Reichen-Geschieb-Zeche 114.

    Reischberg 146.

    Reischdorf 146.

    Reischhöhe 8, 15.

    Reiseregeln 1.

    Reitzenhain 20, =139=.

    Ressel =166=, =167=.

    Richardshöhe 61.

    Riesenburg 7, 157.

    Riesenquelle 156.

    Ringelberg 7.

    Ringelstein 139.

    Robitschberg 58.

    Rodabach 10.

    Rodenauer-Bach 16.

    Rodisfort 85, 142.

    Rohankreuz 78.

    Rohlaubach 15.

    Roland 8.

    Rongstock 14.

    Rosenberg 14.

    Rosenburg 202.

    Rosenthal 169.

    Rosenthal bei Bodenbach 209.

    Rosenwände 211, 230.

    Rothau 60.

    Rothenhaus 20, =148=, =149=.

    Rothenhauser Flössbach 16.

    Röthlinger Bach 16.

    Ruland 128.

    Russelsitz =78=.

    Ruttenbach 168.


    S.

    Saaz 15.

    Salesiushöhe 7, =157=.

    Salesl 189.

    Sandel 159.

    Sandhäuser 52.

    Salmthal 95, 96, 97.

    Sangerberg 16, =45=, 53.

    Saras =166=.

    Saubach 15.

    Sauerbrunn Biliner =170=, =171=, =172=.

    Sauersack 64.

    Saustein 136.

    Sängerhöhe 61.

    Säuerling (Karlsbad) 80.

    Schäferei (Dorf) 52.

    Schäferwand 211.

    Schallan 178.

    Scharfenstein 212.

    Scheibenberg 21, 36.

    Scheibenkoppe 230.

    Schiefergrund 167.

    Schiesshaus bei Oberleutensdorf 159.

    Schindelwaldel 60.

    Schiselitz 15.

    Schlacht bei Kulm =192=, =196=.

    Schlackenwerth 15, =98= bis =103=.

    Schladabach 15.

    Schlaggenwald 16.

    Schlossberg (bei Brüx) =167=.

    Schlossberg (bei Engelhaus) 11.

    Schlossberg (bei Joachimsthal) 103.

    Schlossberg (bei Teplitz) =186=, =187=.

    Schmiedeberg 143, 145, =146=.

    Schneckenstein 64.

    Schneeberg 7, 13, 21, 35, 94, =208=, 209, 212.

    Schömnitzstein 84.

    Schönau (Graslitz) 62.

    Schönau (Marienbad) 47.

    Schönau (Teplitz) =180=, =181=, =182=.

    Schönbach 10, =39=, =41=.

    Schönbach (bei Oberleutensdorf) 159.

    Schönberg 35.

    Schönbrunn 80.

    Schönburg =143=.

    Schönburger Schlossberg 8.

    Schöneck 21, 36.

    Schönwerth 50.

    Schreckenstein =226=, =227=.

    Schützeninsel (bei Leitmeritz) =219=.

    Schwaderbach 15, 64.

    Schwand 53.

    Schwanderberg 53.

    Schwarzenberg 21, 123.

    Schwarzfelsberg 9.

    Schwarzwasser 17.

    Schwarzwasserbach 17.

    Schwarz- oder Pleilwasserbach 17.

    Schwarzwasserthal 118.

    Schweiger 130, 132.

    Schweiger Berg 8.

    Schweinitzbach 17.

    Schweissjäger 200.

    Schweizerhof 80.

    Schweizermühle 200.

    Schwindelweg 80.

    Sebastiansberg 16, 138, =139=, 140.

    Seeberg 8, 9, =35=, 151.

    Seegrund 200.

    Seestadtl 16.

    Seifen 17, 117.

    Seifen (Sachsen) 154.

    Seilerweg =110=.

    Selb 35.

    Serpinathal 170.

    Seyda 21.

    Siebenbrunn 40.

    Siebengiebel 201.

    Siechenhaus 31.

    Silberstollen (bei Rothenhaus) 150.

    Sirmitzbach 15.

    Sittmesgrün 86.

    Skalitz =220=.

    Skalken 174, 175.

    Sodau 98.

    Somerau 14.

    Sonnenwirbel oder Keilberg 9, 36, =113=, =114=, =119=, 146.

    Sonnenberg 135, =137=, =138=.

    Sperlingstein 212.

    Sphinx 143, 144.

    Spinnelsdorfer Kuppe 9.

    Spitzberg bei Gottesgab 10, 114, 117, 146.

    Spitzberg bei Hannersdorf 148.

    Spitzberg bei Lauterbach 10.

    Spitzberg bei Nickelsdorf 9.

    Spitzberg bei Pressnitz 8.

    Spitzberg bei Schönwald =206=.

    Spitzbergel 112.

    Spitzhüttel =212=.

    Spitziger Stein 58.

    Sprudel (Brüxer) 168.

    Staditz 178, =188=.

    Stefanshöhe =79=, 185.

    Stein 31, 40.

    Stein Biliner oder Bořen =172=, =173=.

    Steinbach 53.

    Steinberg 7, =89=.

    Steinbock 36.

    Steingrub 36.

    Steingrün 144.

    Steinl 154.

    Stockraumwald 7.

    Stolzenhahn 122.

    Störlberg 36.

    Stösserfelsen 154.

    Streckenwald 203.

    Střezowitzer Berg 225.

    Strösauer Hügel 9.

    Suchey 189.

    Sullowitz 176.

    Suttomer Berg 174, 175.


    T.

    Tannich 8.

    Tannichberg 150.

    Taschenhäusel 86.

    Tellnitz 200.

    Tepel 11, 16, =48=.

    Tepeles 49.

    Tepler Gebirge 10, 38.

    Teplitz Schönau 177, =180=--=209=.

    Teschwitz 52.

    Tetschen 14, =228=, =229=, =230=.

    Theinwald 51.

    Theresienstadt 15.

    Theresiensitz 151.

    Thierbach 86.

    Thierbacher Kapelle =88=, =89=.

    Thum 21.

    Tichlowitz 14.

    Tiefenbach 49.

    Tirschnitz 15.

    Tlutznerthal 220.

    Töltschberg 150.

    Trausnitzberg 95.

    Trebnitz 176.

    Tschausch 16.

    Tschenschitz 180.

    Tschernosek-Gross 220.

    Tschernowitz (Komotau) 128, 129, =130=, 132.

    Tschochau 178, 187, 188, 189.

    Turner Park =185=, =186=.

    Tüppelsgrün 86, 96.

    Türkner Berg 103.

    Türmitz 178, 188, 210.

    Tyrnowan 16.

    Tyssa 207, 208.

    Tyssaer Wände 7, =207=, 209, 212.


    U.

    Ullersgrün 111.

    Ulmbach 139.

    Unterland 38.

    Untergrün 59.

    Urissner Bach 16.

    Ursprung 40.


    V.

    Veitsberg 81.

    Verkehrswesen 21.

    Vierfels 91.

    Vieruhrpromenade =76=, =77=.

    Villa Lützow 79.

    Vogelherd 199.

    Voigtsgrün 86.

    Voitersreuth 10, 36, 41.

    Voitsdorf 203.


    W.

    Wache 222.

    Wachhübel 7, 148, 154.

    Wachholder Berg 186.

    Wachtberg 7.

    Waldl 59.

    Waldsassen 16, =34=, =35=.

    Waldstein 35.

    Warhorscht 222.

    Wartha 15, 144.

    Watislaw 175.

    Wächterhau 89.

    Weheditz 98.

    Weheditzer- (Zettlitzer) Höhe 94.

    Weinberg 154.

    Weingarten 148.

    Weipert =123=, 143, 145.

    Weissenstadt 14.

    Weisseritz 17.

    Weisser Berg (Leitmeritz) 202.

    Weisses Kreuz 78.

    Weitzengrün 15.

    Welboth 187.

    Welchau 142.

    Welchau-Wickwitz 85.

    Wellemin 178.

    Wenkau 144.

    Werlsberg 115.

    Wernersdorfer Bach 15.

    Wernitzgrün 40.

    Werschetiner Berg 174, 175.

    Weseritz 15.

    Wiener Sitz 80.

    Wies 36.

    Wiese =74=, =75=.

    Wieselstein 7, =158=, 160.

    Wiesenthal (Böhmisch) 21, 122.

    Wiesenthal (Sächsisch) 21, 122.

    Wildenthal 10, 65.

    Wildstein 36.

    Wilhelmshöhe 7, 202.

    Wisset 15, 120.

    Wistritz 15.

    Wistritzberg 9.

    Wittigsthal 118.

    Wolfsberg 8.

    Wolfs- (oder Eis-) Pinge 94.

    Wolfstein 7, 198.

    Wolkenstein 21.

    Wondreb 16.

    Wostrey (Hohe) =226=, =227=, =228=.

    Wotsch 144.

    Wölfling =95=, =96=.

    Wörth 52.

    Wudingrün 52, 53.


    Z.

    Zaunhaus 198, 201.

    Zechenberg 150.

    Zechenthal 10, 16.

    Zettlitz =81=, 98.

    Zieberle 135, 136.

    Ziegenberg 148.

    Ziegenschacht 94.

    Zinkenstein 212.

    Zinnwald 200, 201, 203.

    Zollhaus 130.

    Zöblitz 21.

    Zschoppau 211.

    Zwittermühl 117.

    Zwodau 15, 51.

    Zwodauthal 50, 59, 62.

[Illustration]

[Illustration]



Im Verlage von HANS FELLER in KARLSBAD erscheint im Herbst 1881:


Der Joachimsthaler Bezirk.

Heimatskunde für Schule und Haus.

Bearbeitet von

=Eduard Wenisch=,

Bürgerschullehrer in Joachimsthal.


Der Karlsbader Bezirk.

Heimatskunde für Schule und Haus.

Bearbeitet von

=Franz Josef Herrmann=,

k. k. Bezirksschul-Inspector in Karlsbad.


Im Verlage von CARL BELLMANN in PRAG erschien:


Dichterbuch

zur Pflege der österreichischen Vaterlandsliebe.

Für Schule und Haus.

Gesammelt und zusammengestellt von =Eduard Wenisch=, Bürgerschullehrer
in Joachimsthal.

Epische und lyrische Poesie.

    Erster Theil:

    Epische Poesie

    Mit den Porträts Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. und
    Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth.


    Zweiter Theil:

    Lyrische Poesie

    Mit den Porträts Sr. kais. Hoheit des Kronprinzen Rudolf und
    Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Albrecht.

Preis: =broschirt= à Bd. =fl. 3.--=, in =Pracht-Einband= à Bd.
=fl. 4.--=.

Die überaus freundliche Aufnahme, welche dem »Dichterbuch« besonders
von Seite _der Presse_ zu Theil wurde, gründet in uns die Ueberzeugung,
dass dieses patriotische Werk auch beim _Publikum_ die weiteste
Verbreitung finden wird, und empfehlen wir dasselbe vorzugsweise als
_Festgeschenk für die österreichische Jugend sowie allen Schul- und
Lehrerbibliotheken_.

=Wir richten an alle Patrioten von Oesterreich-Ungarn, insbesondere
an den varterländischen Lehrerstand, die Bitte, nach Kräften zur
Verbreitung des österreichischen Dichterbuches gütigst beitragen zu
wollen.=

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Vorräthig bei =HANS FELLER in Karlsbad=.

Mitte der alten Wiese.


Hôtel- und Bahnhofskurskarte von Mittel-Europa

_9 Sectionen._

Preis 10 Mark in Umschlag. Aufgespannt mit Stäben 20 Mk.


Speciell für die praktischen Bedürfnisse des reisenden Publikums.


W. WILLIAMS'

Original-Kurskarte von Mittel-Europa.

Preis 1 Mark.

Diese Karten sind nach ganz neuem Princip bearbeitet, die Einrichtung
ist das Resultat eingehender Versuche. Alle Eisenbahnverbindungen
werden durch rothe, die Postrouten durch gelbe und die Fluss- und
Seedampfer durch blaue Linien dargestellt und die Hauptverbindungen
verstärkt hervorgehoben. Die Postlinien stehen erst in zweiter
Linie der Wichtigkeit und wurden zweckentsprechend mit lichter
Farbe eingedruckt; ein dunkler Ton würde die Uebersichtlichkeit der
Eisenbahnverbindungen aufgehoben haben.

So weit die rothen Linien auf den Karten reichen, befördert die
Eisenbahn den Reisenden; wo dieselben endigen, hört auch diese
Beförderung auf. Eine gelbe Linie bezeichnet das Vorhandensein von
Personenposten, ihre Richtung und Ausdehnung. Vom Ausgangspunkte
regelmässiger Dampfer-Kurse beginnt die blaue Linie und führt von
Station zu Station zum Endpunkte.

Die Karte ist so gefaltet, dass alle Theile derselben besichtigt werden
können, ohne dass sie ganz auseinander gelegt zu werden braucht. Diese
Einrichtung erspart zugleich den theuren Aufzug auf Leinwand.

        Geographisches Institut zu Weimar.

[Illustration]

[Illustration]



Grieben's

Reise-Bibliothek.

Sammlung von praktischen Reiseführern

mit Reisekarten und Städteplänen.


    Nr.                                                 M. Pf.

    1. Deutschland und Oesterreich, geb.                 5.--

    2. Harz, grosse Ausg.                                2.--

    3. Thüringen, grosse Ausg.                           2.--

    4. Dresden und Sächsische Schweiz, gr. Ausgabe       2.--

    5. Dresden, kl. Ausgabe                              0.80

    6. Berlin und Potsdam, gr. Ausg.                     2.--

    7. Hamburg, gr. Ausg.                                1.50

    8. Wien, gr. Ausg.                                   1.20

    10. Potsdam                                          0.50

    12. Schweden, geb.                                   4.--

    13. Norwegen                                         2.50

    14. Fröhlich's Reisebuch für Handwerker              1.50

    14a. do. cartonn. m. Karte                           1.80

    16. Sächsische Schweiz                               1.--

    17. Brunnen- und Badeorte                            2.--

    18. Riesengebirge, gr. Ausg.                         2.--

    19. München, gr. Ausgabe                             1.--

    20. Salzkammergut und Tirol                          2.--

    21. Paris und Umgebungen                             1.50

    22. Belgien und Holland                              2.--

    23. Die Schweiz, gr. Ausg.                           3.--

    24.      dto.    kl. Ausg.                           1.50

    26. Prag                                             1.50

    27. St. Petersburg                                   3.--

    28. Die Rheinlande von der Nordsee bis zur
        Schweizer Grenze, geb.                           5.--

    29. Der Rhein                                        2.25

    33. Saint-Pétersbourg (frz.)                         1.50

    35. Fichtelgebirge und Fränk. Schweiz                1.50

    36. Schwarzwald                                      2.50

    39. Warmbrunn, Reinerz, Landeck und weitere
        Schlesische Kurorte                              1.--

    41. Franzensbad, Elster                              0.75

    42. Marienbad                                        1.--

    43. Karlsbad                                         1.50

    44. Teplitz                                          1.50

    50. Kreuznach                                        1.50

    50a. Kreuznachs Heilquellen                          0.80

    56. Swinemünde, Misdroy, Heringsdorf                 1.20

    57. Kopenhagen                                       2.--

    58. Frankreich und Spanien                           1.50

    59. London, kl. Ausg.                                1.20

    60. Harz, kl. Ausg.                                  0.75

    61. Bad Ems                                          1.--

    62. Nürnberg                                         1.--

    65. Insel Rügen                                      1.--

    66a. Potsdam (englisch)                              0.75

    67. München (englisch)                               1.70

    68. Berlin, kl. Ausg.                                0.80

    69. Märkische Schweiz                                0.80

    71. Kissingen                                        1.--

    72. Von München oder Wien nach Ober-Italien          2.--

    73. Hamburg, kl. Ausgabe                             0.80

    74. München (franz.)                                 1.50

    75. Kleiner Führer für die Rheinreise
        (Köln-Heidelberg)                                1.20

    77. Strassburg, Metz und die Vogesen                 1.50

    80. Italien (in einem Bande)                         5.--

    81. Riesengebirge, kl. Ausg.                         0.75

    82. Thüringen, kl. Ausg.                             0.80


Die Führer aus »=Grieben's Reisebibliothek=« sind in allen grösseren
Buchhandlungen vorräthig, sonst zu beziehen aus der Verlagsbuchhandlung
von

Albert Goldschmidt

in Berlin W.



Inhalts-Verzeichniss.


                                                      Seite

    Einleitung                                    I bis VII

    Reiseregeln                                           1

    Verkehrs- und Transportwesen                          2

    Geografisches                                         5

    Das Erzgebirge                                        5

    Gestaltung, Begrenzung, mittlere Höhe,
    ausgezeichnete Höhepunkte des Erzgebirges             6

    Das Gebirge nördlich von der Eger                    10

    Das Mittelgebirge                                    11

    Flüsse                                               14

    Elbe, Eger                                           14

    Biela                                                16

    Klima                                                17

    Morgen- und Abenddämmerung, Morgen- und Abendröthe   18

    Einwohnerzahl, Charakter der Erzgebirgsbewohner      20

    Das Mineralreich                                     23

    Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden
    Gebiete von Franzensbad aus                          28

    Franzensbad                                          28

    Eger                                                 31

    Franzensbad -- Seeberg -- Kapellenberg               35

    Franzensbad -- Wildstein -- Wies --
    Schloss Liebenstein-Elster -- Maria-Kulm --
    Schönbach -- Asch -- Königswart --
    Sangerberg -- Marienbad                          36--47

    Marienbad -- Podhorn -- Tepl                         48

    Marienbad -- Petschau                                48

    Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus          49

    Falkenau -- Hartenberg                               51

    Falkenau -- Sangerberg -- Crudum --
    Schwanderberg -- Kapellenberg -- Maria-Kulm --
    Mostau                                           53, 54

    Elbogen                                              54

    Falkenau -- Gossengrün -- Bleistadt --
    Heinrichsgrün -- Graslitz -- Klingenthal --
    Markneukirchen -- Schneckenstein --
    Schwaderbach -- Forsthaus Nancy -- Sauersack --
    Kranichsee -- Hirschenstand -- Frühbuss          58--65

    Besuch des böhmischen Erzgebirges und der
    angrenzenden Gebiete von Karlsbad aus                66

    Karlsbad -- Dallwitz -- Zettlitz -- Fischern --
    Aich -- Pirkenhammer -- Engelhaus -- Schloss
    Giesshübel -- Schömnitzstein -- Kurort
    Giesshübel-Puchstein -- Neudek                   81--86

    Neudek -- Kreuzberg -- Peintlberg -- Thierbacher
    Kapelle -- Felshäuser -- Kammersberg oder
    Hohenau -- Hochtannenberg -- Wächterhau --
    Neuhammer -- Platten                             86--91

    Platten -- Plattenberg -- Auerhahnl -- Wolfs-
    oder Eispinge -- Lichtenstadt                    91--94

    Lichtenstadt -- Wölfling -- Bärringen            95--97

    Karlsbad -- Schlackenwerth -- Joachimsthal           98

    Schlackenwerth                                       98

    Joachimsthal                                        103

    Joachimsthal -- Mariasorg -- Koboldstein --
    Ullersgrün -- Spitzbergel bei Pfaffengrün --
    Hauenstein                                     111--113

    Keilberg                                            113

    Spitzberg                                           114

    Joachimsthal -- Abertham -- Bärringen --
    Platten -- Breitenbach -- Johanngeorgenstadt        114

    Abertham                                            115

    Plessberg                                           116

    Joachimsthal -- Spitzberg -- Seifen -- Irrgang --
    Zwittermühl -- Jungenhengst -- Wittigsthal          117

    Joachimsthal -- Gottesgab -- Weipert                118

    Gottesgab                                           118

    Besteigung des Keilberges                           119

    Gottesgab -- Försterhäuser -- Goldenhöhe --
    böhmische Mühle -- Rittersgrün -- Globenstein       123

    Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus          123

    Komotau                                             123

    Komotau -- Alaunhütte -- Stadtpark -- Hutberg       127

    Komotau -- Ruland -- Eidlitz -- Görkau -- Platten   128

    Komotau -- Grundmühle -- Domina -- Troschig --
    Tschernowitz                                        128

    Komotau -- über Domina nach Glieden -- Wisset --
    Schweiger -- Hohentann -- Hassenstein -- Platzer
    Grund -- Neudorf -- retour                          130

    Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün,
    Plassdorf, Platz -- Hassenstein -- Brunnersdorf     132

    Komotau -- Deutsch-Kralupp, Keller, Neudörfel,
    durch das Grundbachthal über Zieberle nach
    Sonnenberg                                          135

    Sonnenberg                                          137

    Komotau durch das Assigbachthal nach Sebastiansberg 138

    Sebastiansberg                                      139

    Sebastiansberg -- Komotau                           140

    Komotau -- Kaaden                                   140

    Kaaden                                              140

    Kaaden -- Radonitz -- Duppau -- Rodisfurth zum
    Giesshübler Sauerbrunn über Welchau nach der
    Bahnstation Wickwitz -- Welchau                     142

    Kaaden -- Leskau -- Schönburg                       143

    Kaaden -- Klösterle -- Kupferberg (Sphinx und
    Kupferhügel) -- Schmiedeberg -- Weipert --
    Pressnitz                                           143

    Klösterle                                           144

    Kupferberg                                          145

    Pressnitz                                           146

    Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus           147

    Görkau                                              147

    Görkau -- Platten -- Neustein -- Bernau --
    Hannersdorf -- Kallich -- Ladung                    149

    Görkau -- Gabrielahütten -- Brandau --
    Grünthal -- Katharinaberg -- Tannichberg --
    Theresiensitz -- Eisenberg -- Einsiedel --
    Ober-Georgenthal -- Johnsdorf -- Hammer        150--152

    Katharinaberg                                       152

    Katharinaberg -- Brandau -- Grünthal --
    Gabrielahütten -- Bad Einsiedel --
    Rauschengrund -- Oberleutensdorf --
    Hammergrund -- Johnsdorf -- Görkau --
    Steinl -- Hübladung -- Bernstein               153--155

    Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über
    Oberleutensdorf                                     155

    Dux                                                 155

    Ossegg                                              156

    Salesiushöhe -- Riesenburg                          157

    Klostergrab                                         157

    Oberleutensdorf                                     158

    Oberleutensdorf -- Rauschengrund -- Sandel --
    Hammer-Johnsdorf -- Schönbach -- Wieselstein --
    Oberdorf -- Eisenberg -- Obergeorgenthal --
    Bernstein                                      159--160

    Der Besuch des böhmischen Erz- und
    Mittelgebirges von Brüx -- Bilin aus                160

    Brüx                                                160

    Brüx -- Saras -- Schlossberg                        167

    Brüx -- Brüxer Sprudel -- Ober-Georgenthal --
    Eisenberg -- Hammer -- Johnsdorf                    168

    Brüx -- Kopitz -- Rosenthal -- Lindau --
    Oberleutensdorf                                     169

    Brüx -- Püllna                                      169

    Brüx -- Kollosoruk -- Kosel                         170

    Brüx -- Sauerbrunn -- Bilin                         170

    Bilin                                               173

    Bilin -- Radelstein                                 174

    Suttomer Berg -- Skalken -- Kostial --
    Lobositz                                       174--176

    Hasenburg                                           176

    Milleschauer                                        177

    Teplitz -- Borislau -- Pilkau -- Milleschauer       177

    Aussig -- Türmitz -- Kosten -- Staditz --
    Tschochau -- Borislau -- Pilkau -- Milleschauer     178

    Lobositz -- Billinka -- Wellemin -- Milleschau --
    Milleschauer                                        178

    Lobositz                                            178

    Bilin -- Kostenblatt -- Tschentschitz --
    Milleschauer                                        180

    Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges
    von Teplitz aus                                     180

    Teplitz -- Schönau                                  180

    Teplitz -- Tschochau                                187

    Teplitz -- Kostenblatt                              189

    Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge       191

    Das Erz- und Quadersandsteingebirge                 196

    Teplitz -- Kosten und Niklasberg                    197

    Eichwald -- Doppelburg -- Zinnwald                  199

    Mückenberg -- Graupen -- Mariaschein                202

    Geiersburg                                          205

    Tellnitz -- Schönwald -- Nollendorf                 206

    Die Tyssaer Wände                                   207

    Bodenbach                                           209

    Leitmeritz                                          212

    Aussig                                              224

    Tetschen                                            228

    Herrenskretschen                                    230


Correctur: auf der Karte lies bei Brüx statt »Kreidenberg«
»»Breitenberg.««



    Anmerkungen zur Transkription

    Das Buch ist laut Bibliothekseintrag des Deutschen Alpenvereins
    vermutlich ca. 1880 erschienen.

    Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
    Unterschiedliche Schreibweisen wurden wie im Original beibehalten.
    Die Zeitangabe »5/4 Stunde« wurde durch »1¼ Stunde« ersetzt.

    Korrekturen:

    S. 13: Gneuss → Gneis
      Erzgebirge sichtbar auf dem {Gneis} desselben

    S. 84: Egelhaus → Engelhaus
      Sigmund das Schloss {Engelhaus} nebst anderen Besitzungen

    S. 90: Seifenballen → Seifenhalden
      beweisen die vielen Zechen- und {Seifenhalden}





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete" ***

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