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Title: Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges
Author: Anonymous
Language: German
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Copyright Status: Not copyrighted in the United States. If you live elsewhere check the laws of your country before downloading this ebook. See comments about copyright issues at end of book.

*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges" ***

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          63. Band. Jeder Band ist vollständig abgeschlossen.
                       Preis 10 Pf. (15 Heller.)



              Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff.



               Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges.


       [Illustration: Immer tiefer sank der Koloß in die glühend
        heiße, weiche Masse, deren Feuerwellen über dem Fahrzeug
                      zusammenzuschlagen drohten.]


                    Druck- und Verlags-Gesellschaft
                                 Berlin



               Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges.



                              1. Kapitel.
                          Die Welt in Gefahr.


»Halt, wer da! Antwort -- oder ich schieße!«

Diesen Worten folgte das scharfe Knacken eines Revolverhahns. Sonst
umgab Dunkelheit diese nächtliche Szene.

»Schießen Sie nicht,« tönte eine sonore Stimme. »Ich komme zwar zu
ungewöhnlicher Stunde, aber ich bin kein Dieb, kein Mörder.«

Im nächsten Moment blitzte das helle Licht einer elektrischen Lampe auf.

Das blendende Licht beleuchtete ein geräumiges, sehr behaglich
eingerichtetes Zimmer, an welches ein großes Schlafzimmer stieß.

Der Vorhang, welcher dies Gemach von dem Zimmer trennte, war
zurückgeschoben.

Dort stand ein Mann in mittleren Jahren, der in aller Hast einen
Schlafrock angezogen zu haben schien.

Er war wohl offenbar aus dem Bett gesprungen, seine bloßen Füße steckten
in Pantoffeln und in der rechten Hand hielt der Mann einen
scharfgeladenen Armeerevolver.

Die Unruhe dieses Herrn war erklärlich, denn das Geräusch eines
zerbrochenen Fensters weckte ihn aus dem besten Schlummer.

Der Fensterladen vor der großen Spiegelglasscheibe war emporgehoben und
die Scheibe selbst durch einen anscheinend mit großer Wucht geführten
Schlag zertrümmert.

Das elektrische Licht aber hatte nicht der Bewohner dieser Räume
entflammen lassen, sondern ein Eindringling, der zur Mitternachtsstunde
durch das zerbrochene Fenster hereingekommen sein mußte.

Da stand dieser Mann, dessen athletische Gestalt durch einen grauen
Mantel in militärischem Schnitt verhüllt wurde.

Er stand hoch aufgerichtet, in der Linken die elektrische Lampe haltend,
eine blaue Mütze mit breitem, goldenem Streifen bedeckte seinen Kopf,
während eine schwarze Halbmaske das energische, kühn geschnittene
Antlitz bedeckte.

»Da bin ich,« sprach er zu dem schier fassungslosen Bewohner dieser
Räume. »Sie haben mich gerufen. Ich habe den geheimnisvollen Hilferuf in
einer der größten Zeitungen des Kontinents gelesen. Ich habe die
Bedeutung desselben verstanden. Daß ich zur Nachtzeit hierherkommen
mußte, ist freilich ungewöhnlich, aber ich kann nicht anders. Kapitän
Mors steht vor Ihnen!«

Gleichzeitig hatte der rätselhafte Besucher ein großes Zeitungsblatt
unter seinem Mantel hervorgezogen.

»Dieses Inserat stammt von Ihnen, nicht wahr?« fuhr er fort, während der
so jäh aufgeweckte Mann vor ihm noch immer nicht wußte, ob er wachte
oder träumte. »Hier lesen Sie, das ist das Inserat, in welchem ich,
Kapitän Mors, aufgefordert werde, die Welt und deren Bewohner vor einer
Katastrophe zu bewahren. Und zwar vor einer Katastrophe, wie sie die
Weltgeschichte noch nicht kennen soll. Diese Worte hier sind nur für
mich berechnet. Anderen würde dies Inserat als die Eingabe eines
Wahnwitzigen erscheinen. Aber Sie haben Ihre Gründe gehabt, dieses
Inserat so geheim zu halten. Ich bin dem Rufe gefolgt. Sprechen Sie. Wie
kann ich Ihnen helfen?«

Der Aufgeweckte ließ den Revolver sinken.

Sein Gesicht war ungemein geistvoll und verriet den Denker, zugleich
aber auch den Mann, der, wenn er wollte, auch recht energisch
aufzutreten vermochte.

»Sie sind Ingenieur Reymond,« fuhr Kapitän Mors fort. »Sie haben gewußt,
daß ich mich stets über alles, was in der Welt vorgeht, auf dem
Laufenden halte, daß ich alle großen Zeitungen genau lese. Nun sagen Sie
mir alles, denn ich habe Zeit, so lange die Dunkelheit dauert. Beim
ersten Morgengrauen muß ich den Rückweg antreten.«

»Aber um Himmels willen, wie sind Sie nur hier hereingekommen?« fragte
der Ingenieur, als er sah, daß sich Kapitän Mors ruhig in einem Sessel
niederließ. »Dieses turmartige Gebäude ist ja sechs Stock hoch. Da
vermöchte nicht einmal eine Katze hinaufzugelangen.«

»Je höher, desto besser,« erwiderte der Luftpirat mit eisiger Ruhe. »Im
übrigen gibt es für mich wenig Hindernisse. Doch zur Sache. Ich nehme
an, daß die Angelegenheit, die mich hierher geführt hat, eilig ist und
daß es sich in der Tat um das Schicksal der ganzen Welt handelt.«

Ingenieur Reymond war gewiß kein Feigling, er gewann bald seine
Selbstbeherrschung wieder.

Er betrachtete den berühmten Mann, von dem die Welt so viel erzählte,
mit einem Gemisch von heimlichem Grauen und Bewunderung.

Rasch war eine Lampe entzündet und der Ingenieur nahm seinem
unheimlichen Besucher gegenüber Platz.

»Ich will mich kurz fassen,« begann er. »Genug, ich bin der technische
Leiter eines riesigen Etablissements, welches Maschinenteile liefert.
Dort erschienen vor einiger Zeit ein paar Männer, die ich für Amerikaner
halte. Sie machten verschiedene Bestellungen und sprachen hauptsächlich
mit dem zweiten Leiter der Fabrik, ich hatte zu jener Zeit eine andere,
sehr wichtige Arbeit vor und achtete wenig auf die Fremdlinge. Erst
durch einen Zufall wurde mein Verdacht rege, nämlich, als ich von meinem
Kollegen erfuhr, daß an die fremden Herren Maschinenteile abgeliefert
wären, über deren Verwendung man sich gar keinen Begriff machen könnte.
Unglücklicherweise war der Auftrag schon ausgeführt und der Rest der
Bestellung abgeliefert, ohne daß ich es zu verhindern vermochte. Nun,
ich will wenig Worte machen, Kapitän Mors. Jene Fremden, die übrigens
über bedeutende Summen verfügten, haben zweifellos einige
Weltenfahrzeuge hergestellt, welche möglicherweise dem wunderbaren
Fahrzeug ähneln, mit welchem Sie durch die Weltenräume kreuzen.«

»Ihre Ausführungen setzen mich in einige Verwunderung,« erwiderte Mors,
nachdem er einen Augenblick nachgesonnen. »Indessen lassen sich ja
wenige Geheimnisse bewahren, und so mag es schon sein, daß hier und da
etwas von meinem Weltenfahrzeug bekannt wurde, ganz so, wie ja auch mein
Luftschiff von vielen gesehen, betrachtet, von einigen sogar
photographiert wurde. Aber das alles überzeugt mich noch nicht, ob der
Welt auch wirklich Gefahr droht. Angenommen, jene Fremden hätten in der
Tat einige Weltenfahrzeuge hergerichtet, was könnte das der Erde für
Schaden bringen?«

»Jetzt kommt die Hauptsache,« erwiderte Ingenieur Reymond. »Deshalb habe
ich ja auch meinen Hilferuf in der Zeitung erlassen. Nachdem ich
Verdacht geschöpft, spürte ich den Fremden nach und es gelang mir eines
Abends durch List, über die ich hier nicht näher sprechen will, die
Fremden zu belauschen. Genug, ich verbarg mich in ihrer Nähe und hörte
ihren Gesprächen zu, die mich mit Entsetzen erfüllten. Diese
gefährlichen Männer wollen eine geradezu grauenvolle Katastrophe
herbeiführen und sich dadurch zu Herren der Erde machen. Der eine dieser
Unmenschen meinte, die Erde sei viel zu stark bevölkert und es würde gar
nicht schaden, wenn die Hälfte der Menschheit vernichtet würde. Hierauf
wollte er mit seinem Kumpan eine Tyrannenherrschaft über das Weltall
ausüben.«

»So, so,« meinte Mors. »Darüber möchte ich noch einige Fragen stellen.
Zunächst, war es Ihnen, mein Herr, denn nicht möglich, diese
gefährlichen Menschen verhaften zu lassen?«

»Nein,« erwiderte Reymond. »Ich war allein, ein unglücklicher Zufall
wollte es, daß sie mich entdeckten. Sie verfolgten mich sofort und
hätten sie mich eingeholt, so wäre ich zweifellos ermordet worden. So
aber stürzte ich mich in den Fluß und da ich ein ausgezeichneter
Schwimmer bin, hielt ich mich lange genug unter Wasser, während sie
überall herumsuchten. Sie glaubten, ich sei ertrunken. Glücklicherweise
haben sie mich nicht erkannt, denn sonst gehörte ich längst zu den
Toten. Wenn sie aber jenes Inserat in der Zeitung gelesen haben, kommen
sie auf die Spur. Deshalb habe ich auch, um mich zu schützen,
Vorsichtsmaßregeln getroffen und wohne hier in diesem unzugänglichen
Gebäude, hoffend, daß ich von Ihnen eine Nachricht erhalten würde. Statt
dessen kommen Sie selbst und das ist umso besser.«

Mors überlegte noch einen Augenblick.

»Herr Reymond,« sprach er dann in seiner gewinnenden Art und Weise. »Ich
glaube bestimmt, daß jene Unholde das Inserat gelesen haben und daß sie
Ihnen möglicherweise nach dem Leben trachten. Ich mache Ihnen einen
Vorschlag. Wollen Sie mit mir gehen? Wollen Sie meine Heimat aufsuchen,
die geheimnisvolle Insel, die ich bewohne, den Ort, wo Ihnen kein Mörder
nahen dürfte? Dort sind Sie sicher.«

»Nein, das kann ich nicht,« entgegnete Reymond. »Ich möchte hier in
Frankreich bleiben, bei meinen Instrumenten, bei meinen Büchern.«

»Aber dann kann ich Sie nicht schützen,« erwiderte Mors, »und ich
fürchte, daß Sie alsdann dem Verderben verfallen.«

»Nun, ich lasse es darauf ankommen,« erwiderte Reymond. »Ich glaube,
hier bin ich sicher.«

»So wenig sicher wie vor mir,« erwiderte der Luftpirat. »Sie sehen ja,
daß auch ich hier eingedrungen bin, und diese Unholde könnten das
gleiche tun. Also ich biete Ihnen nochmals Schutz in meiner
geheimnisvollen Heimat an. Wollen Sie?«

»Ich danke Ihnen herzlichst für Ihr Anerbieten, aber ich kann nicht. Ich
hänge zu sehr an Frankreich. Hoffentlich haben jene Unholde auch anderes
zu tun, als sich mit mir zu beschäftigen. Doch nun zur Hauptsache. Das,
was ich Ihnen sagen will, betrifft die Katastrophe, die den Bewohnern
der Erde droht.«

»Ganz recht, das interessiert mich,« erwiderte Mors. »Angenommen, jene
Menschen hätten einige Weltenfahrzeuge erbaut, so genügt das nicht, um
die Bewohner der Erde zu vernichten, dazu gehören noch kolossale
Zerstörungsmittel von einer Furchtbarkeit, gegen die unsere irdischen
Sprengstoffe als Kinderspielzeug erscheinen.«

Reymond war aufgestanden.

»Das ist es ja, Kapitän Mors,« sprach er mit furchtbarem Ernst und mit
gedämpfter Stimme. »Die Unholde wollen sich einen furchtbaren,
zerstörenden Stoff verschaffen, den sie mittelst ihrer Weltenfahrzeuge
holen wollen und zwar aus ungeheurer Ferne. Haben sie diesen Stoff, der
von geradezu vernichtender Wirkung sein muß, so verwandeln sie ihre
Weltenfahrzeuge in Zerstörungsmaschinen und dann wird die Erde von einem
Schicksal betroffen, wie es in der ganzen Weltgeschichte noch nicht
dagewesen ist. Jene unheimlichen Männer müssen große Kenntnisse in der
Mathematik, Astronomie und der Physik besitzen. Wunderbare Kenntnisse,
die sie allerdings zu Verbrechen anwenden wollen.«

»Woher gedenken jene Elenden den Zerstörungsstoff zu holen?« fragte
Mors, jedes Wort betonend.

»Vom Planeten Saturn,« lautete die Antwort. »Von jenem mächtigen
Weltkörper, der seltsamerweise das einzige Gestirn ist, das von Ringen
umgeben wird, und diese Ringe, die den Riesenkörper des Planeten
umkreisen, bergen nach genauen wissenschaftlichen Beobachtungen eine
Materie, die so fürchterlich wirkt, daß sie imstande ist, die ganze Erde
in Trümmer zu zerspalten. Diesen furchtbaren Stoff wollen jene
Unmenschen holen und damit zur Erde zurückkehren.«

»Ich verstehe,« versetzte Mors mit großer Ruhe. »Sie wünschen, daß ich
mit meinem Weltenfahrzeug dies Vorhaben vereitle? Wenn jene Unholde mit
dem Zerstörungsstoff zurückkehren, ist es zu spät. Sie würden zuerst
mich und meine Fahrzeuge vernichten. Ich bin Ihnen sehr zu Dank
verpflichtet, Herr Reymond, und ich erneuere zum dritten Male mein
Anerbieten, mit mir nach meiner fernen Insel zu reisen.«

»Nein, ich bleibe in Frankreich,« erwiderte Reymond. »Ich habe jetzt
meine Pflicht getan und das Schicksal der Erde in Ihre Hände gelegt.«

»Aber Sie sind verloren, Herr Reymond,« sprach Mors, indem er sich
langsam erhob. »Ich fürcht das Schlimmste.«

Es war umsonst. Reymond gab nicht nach, er hing zu sehr an seiner
schönen, sonnigen Heimat. In dieser Beziehung war er ein Starrkopf.

Er gab Mors noch verschiedene Informationen, aus denen der Luftpirat den
Ort entnehmen konnte, an welchem die Weltenfahrzeuge erbaut wurden.

»Ich schulde Ihnen wirklich außerordentlichen Dank,« erwiderte der
Luftpirat. »Ich habe Ihnen sogar das Fenster zerbrochen und Sie in ihrem
Schlaf gestört. Sprechen Sie, Herr Reymond, kann ich Sie nicht in irgend
einer Weise für diese wichtigen Mitteilungen belohnen?«

»Nein,« erwiderte der Franzose. »Ich bin selbst sehr vermögend und
bedarf nichts. Ich habe jene Pflicht erfüllt, welche das Gebot der
Menschenliebe vorschreibt und bin überzeugt, daß Sie alles aufbieten
werden, um das Furchtbare zu verhindern. Damit bin ich reich belohnt,
das genügt vollkommen.«

»Nun denn, so muß ich handeln,« rief der Luftpirat. »Ich darf keine Zeit
verlieren. Hier ist vielleicht jede Minute kostbar. Leben Sie wohl, mein
Herr, ich ruhe und raste nicht, bis ich das Furchtbare verhindert habe.
Gelingt es mir nicht, dann habe ich meinen Untergang gefunden.«

Er sprach diese Worte mit finsterem Entschluß und schwang sich auf das
Fensterbrett.

Außerhalb befand sich eine kleine Brüstung, da glaubte der Ingenieur
trotz der Dunkelheit zu sehen, daß sich dort etwas Schattenhaftes
bewegte.

Er hörte auch ein leises Sausen und Summen, dann schien es, als ob
Kapitän Mors in die Nacht hinausspränge.

Er hörte einen leichten Aufprall, aber unmittelbar am Fenster, dann
folgte ein Rauschen und Schwirren und da sah Reymond, als ob durch die
Finsternis etwas Schwarzes, Schattenhaftes von dannen huschte.

Vorsichtig ließ er den Fensterladen wieder herab, aber er fand in dieser
Nacht keine Ruhe.

Wohl aber fand er sie vierundzwanzig Stunden später, und zwar für immer,
denn da wurde der Ingenieur Reymond, dieser wackere, von allen
geschätzte Mann, auf unerklärliche Weise ermordet aufgefunden.

Der Luftpirat hatte es geahnt, aber Reymond die Warnung des seltsamen
Mannes mißachtet. Er war zurückgeblieben, er hatte den Schutz, den ihm
Mors anbot, verschmäht. Der wackere Mann mußte seine Menschenliebe mit
seinem Leben bezahlen.



                              2. Kapitel.
                           Zu spät gekommen.


Kapitän Mors hatte mit einer kleinen Flugmaschine, die sich auf dem
lenkbaren Luftschiff befand, den Franzosen besucht.

Das Luftschiff selbst lag auf einer der Felseninseln, an der
französischen Küste und in der nächsten Nacht befand sich Mors bereits
auf dem Rückwege.

Nach glücklicher Fahrt gelangte er auf seiner Insel an, da war es sein
erstes, das Weltenfahrzeug zu inspizieren.

Der »Meteor« war jeden Augenblick zu seinem Flug in den Weltenraum
bereit und Mors säumte nicht, das Fahrzeug mit einer ausgewählten
Mannschaft zu besteigen.

Auch der Professor nahm daran teil, obwohl ihn Mors vor den Gefahren der
bevorstehenden Reise warnte.

»Diesmal werden wir uns der Wissenschaft wenig widmen können,
Professor,« sprach Mors zu seinem gelehrten Freunde. »Diesmal gilt es
eine entsetzliche Katastrophe zu verhindern. Es wäre besser, Sie blieben
hier. Ich glaube, es kommt zu den furchtbarsten Abenteuern, zu
gefährlichen Kämpfen. Es geht auf Tod und Leben.«

Der Professor war aber nicht zu halten.

Er wußte ja, daß möglicherweise der Saturn besucht wurde. Mors sprach ja
die Vermutung aus, daß jene Unheimlichen bereits die Reise nach dem
fernen Weltkörper angetreten haben könnten.

»Wie, eine solche Gelegenheit sollte ich verpassen,« rief Professor van
Halen enthusiasmiert, »nimmermehr, der Saturn birgt ja die größten
Rätsel, ich bebe förmlich bei dem Gedanken, diesen wunderbaren
Weltkörper in der Nähe zu sehen. Nehmen Sie mich mit, Kapitän, ich bitte
Sie darum. Sie machen mich unglücklich, wenn Sie mich zurücklassen.«

Mors gab nach, aber er war diesmal ernst und düster wie nie zuvor.

Er nahm nur Terror mit und hinterließ Star und Herbert genaueste
Instruktionen für den Fall, daß er von der abenteuerlichen Fahrt nicht
mehr wiederkehren sollte.

Diese Instruktionen betrafen das Schicksal der Insel mit allem, was sich
darauf befand. Es war kein Zweifel, wenn Mors zu Grunde ging, so würde
auch sein ganzes Werk vernichtet.

Inzwischen hatte der Luftpirat die Kunde von Reymonds Tod erfahren.

»Ich habe ihn gewarnt,« sprach er, als er die Nachricht las. »Aber der
Unglückliche wollte ja nicht hören. Nun, vielleicht kann ich ihn
wenigstens rächen.«

Nach den Angaben des Ingenieurs befand sich der Ort, an dem die
geheimnisvollen Amerikaner ihre Weltenfahrzeuge erbaut hatten, irgendwo
im Süden der Vereinigten Staaten Nordamerikas.

Dorthin waren die Maschinenteile geschickt worden und Reymond, der sich
um diese Angelegenheiten sehr bekümmert, hatte Mors noch Winke gegeben,
welche die Nachforschungen des Luftpiraten erleichterten.

Diesmal wendete sich das Weltenfahrzeug nicht nach dem Weltenraum,
sondern durchschoß mit Blitzesschnelligkeit die Luftzonen über der
Südsee und wendete sich nach den südkalifornischen Landschaften.

Ein Zufall unterstützte Mors, der sein wunderbares Fahrzeug in den
wilden Gebirgen der Sierra Nevada landen ließ und von dort aus einige
Späher aussandte.

Bald erhielt er die Nachricht, daß an der Grenze des Staates Sonora, der
schon zu Mexiko gehörte, merkwürdige Dinge beobachtet worden seien, die
auf eine sonderbare Arbeit schließen ließen.

Wenige Tage später wurde der Verdacht bestätigt, dort hatten die
geheimnisvollen Amerikaner gearbeitet, dort hatten sie ihre
Weltenfahrzeuge, zu denen sie sich die Materialien in verschiedenen
Ländern bestellt, zusammengesetzt.

Ob die Pläne zu diesen wunderbaren Fahrzeugen von ihnen selbst
ausgesonnen worden waren, ob sie einiges über Mors' Weltenfahrzeug durch
Verrat vernommen, blieb in Dunkel gehüllt. Genug, die Geheimnisvollen
hatten derartige Fahrzeuge zusammengestellt, montiert und für die Fahrt
in den Weltenraum bereit gemacht.

In der nächsten Nacht befand sich Mors mit seiner ganzen Mannschaft
wieder im »Meteor«, der ihn mit ungewöhnlicher Geschwindigkeit nach der
bezeichneten Gegend brachte.

Das war eine Einöde, die selten oder nie von Menschen betreten wurde.
Dort hatten die Unheimlichen mit Muße arbeiten können.

Als der Morgen graute, war Mors an Ort und Stelle, fest entschlossen,
alles, was er an Zerstörungsmaschinen besaß, zur Vernichtung dieser
gefährlichen Menschen und ihrer Werke aufzubieten.

Schon sah er in der Einöde große Wellblechhallen, die zum Schutz gegen
die Witterung gedient hatten.

Regen gab es hier selten, deshalb dienten diese Wellblechhallen wohl nur
als Schutz gegen die glühende Sonne.

Der »Meteor« erhob sich über diesen Hallen, alles war bereit, um das
Zerstörungswerk auszuüben.

Der Luftpirat aber ballte grimmig die Fäuste, denn er sah von oben in
leere Räume. Die drei großen Hallen bargen nichts mehr als einige
Gerätschaften und Werkzeuge. Die Flugmaschinen aber, die man drin
montiert, die waren verschwunden.

Mors ließ den »Meteor« zu Boden sinken und verließ mit einigen Indern
das Weltenfahrzeug.

Plötzlich begannen einige der Inder zu rennen und zu laufen und sausten
wie Antilopen hinter einer Gestalt her, die mit wilden Sprüngen zu
entkommen suchte.

Bald darauf vernahm Mors lautes Gekreisch, die Inder kehrten zurück und
führten in ihrer Mitte einen Mischling, einen sogenannten Mulatten.

Der Mann war halbtot vor Angst und glaubte, daß es ihm an den Kragen
ginge. Beim Anblick des Luftpiraten schnappte er beinahe über und flehte
mit jämmerlicher Stimme, ihm das Leben zu schenken.

Mors beruhigte den Zitternden. Es stellte sich heraus, daß der Mulatte
zu den Arbeitern gehörte, die an dieser Stätte für die Fremdlinge tätig
gewesen waren.

Die Unheimlichen hatten die Arbeiter reichlich belohnt und sie dann
entlassen. Der Mulatte aber war dem Trunke ergeben und hatte sich zur
Feier, daß die Arbeit beendigt, so bezecht, daß er in einer Felsenspalte
zurückblieb.

Als er erwachte, fand er sich allein und war gerade im Begriff gewesen,
den Weg nach der nächsten Ansiedlung zu suchen.

»Wo sind die Leute, die hier gearbeitet haben?« fragte Mors hastig.

»Sie haben drei wunderbare Maschinen gebaut,« erwiderte der Mulatte
zaghaft. »Damit sind sie in den Himmel hineingeflogen.«

»Also zu spät gekommen,« erwiderte Mors. »Aber der Vorsprung kann nicht
allzugroß sein. Ich muß ihnen nach. Ich muß das Schreckliche verhindern!
Freilich, es wird im Weltenraum zum Kampf auf Tod und Leben kommen.«

Dem Mulatten wurden noch einige Fragen vorgelegt, und Mors entnahm
daraus, daß jene unheimlichen Amerikaner einen Vorsprung von
sechsunddreißig bis vierzig Stunden besitzen müßten.

Mors gab dem Erschrockenen noch einige Goldstücke und bestieg mit seinen
Mannschaften das Weltenfahrzeug, welches der Mulatte dumm und blöde
anstarrte.

Seinen Aussagen nach hatten die Weltenfahrzeuge der Amerikaner ein
anderes Aussehen besessen, als der »Meteor«; sie waren etwas kleiner,
aber auch mit flüssiger Luft und mit Riesenmagneten ausgerüstet.

Mors gab den Befehl zur Abfahrt, die Türen schlossen sich, der »Meteor«
hob sich.

Dann hörte man das eigentümliche Surren, welches die Tätigkeit des
Riesenmagneten verkündete. Der »Meteor« hob sich, und schoß mit
furchtbarer Geschwindigkeit in die Lüfte, den Augen des nachschauenden
Mulatten im Nu entschwindend.

                   *       *       *       *       *

Mors hatte den Professor und Terror von allem, was er erfahren, in
Kenntnis gesetzt.

»Es handelt sich darum, die Erde vor einer Katastrophe zu schützen,«
sprach er kalt. »Wir haben es mit drei Gegnern zu tun und wenn dieselben
auch etwas kleiner sind, als unser Fahrzeug, so könnten sie doch durch
ihre Ueberzahl einen Vorteil gewinnen. Es handelt sich also darum, daß
wir nicht allein diese drei Weltenfahrzeuge einholen, sondern sie
einzeln vernichten, vor allen Dingen aber verhindern, daß sie vor uns
nach dem Planeten Saturn kommen. Erreichen sie diesen Planeten vor uns
und gelingt es ihnen, sich des zerstörenden Stoffes, der in den Ringen
zu finden ist, zu bemächtigen, so ist die letzte Hoffnung geschwunden.
Jene Schurken sind Verbrecher, obgleich sehr gebildete Verbrecher. Sie
werden ihre Wissenschaft und ihre Kenntnisse zum Unheilstiften anwenden.
Zunächst würden sie uns vernichten und dann nach der Erde zurückkehren,
um daselbst ein Blutbad anzurichten, gegen welches die fürchterlichsten
Kriege der Weltgeschichte als Spielerei erscheinen. So steht es. Wir
haben auf keine Schonung zu rechnen. So wenig wie wir solche selbst
ausüben werden. Vorerst bleibt uns nichts übrig, als die ganze
Schnelligkeit des »Meteor« zu benutzen und Ausguck nach den drei
Weltenfahrzeugen zu halten.«

Letzteres übernahm der Professor, der ja am Fernrohr die größte Uebung
besaß. Mors und Terror teilten sich in die Handhabung der Maschinen.

Noch nie hatte der »Meteor« so schnell die Luftzone der Erde
durchschnitten wie dieses Mal. Noch nie war er mit so furchtbarer
Schnelligkeit in den Weltenraum hinausgefahren.

Mors schien die Gefahren, die der Weltenraum barg, diesmal gar nicht zu
beachten. Er kümmerte sich nicht einmal darum, daß er bei dieser
Gelegenheit eine Meteorsteinzone streifte.

Terror war gewiß ein Mann von Eisen, aber ihm grauste beinahe, als er
sah, mit welcher Rücksichtslosigkeit Mors diesmal das Fahrzeug
handhabte.

Bei einem Zusammenstoß wäre das Weltenfahrzeug in Atome zermalmt worden,
aber Mors pochte auf sein Glück, welches ihm schon so oft in den
gefährlichsten Tagen seines Lebens beigestanden.

Er trotzte den Gefahren, er steigerte die Schnelligkeit des »Meteor« bis
ins Unglaublichste.

Selbst der Professor beobachtete manchmal kopfschüttelnd die
Instrumente, welche die Schnelligkeit des Fahrzeuges anzeigten.

»Kapitän,« sprach er zu dem Luftpiraten. »Wir fahren mit einer geradezu
entsetzlichen Geschwindigkeit. Stoßen wir bei dieser Gelegenheit mit
einem Weltkörper zusammen, so werden von unserem »Meteor« nicht einmal
Atome übrig bleiben.«

»So ist es,« versetzte Mors. »Aber es handelt sich hier um das Geschick
von Hunderten von Millionen Menschenleben. Ich habe das Schicksal
herausgefordert und das Schicksal soll entscheiden. Sterben wir, so
geschieht es im Interesse der Menschheit und dann hat es das ewige
Geschick so gewollt. Erreichen wir die Unholde und vernichten wir sie,
so haben wir eine gute Tat begangen, und die ganze Welt muß uns dankbar
sein. Vorwärts!«

Die eiserne Energie des Luftpiraten teilte sich der Mannschaft mit, und
da war nicht einer, der Zaghaftigkeit zeigte. Der Professor aber begab
sich alle halben Stunden an seine Instrumente, um damit die Tiefen des
Himmelsraumes zu durchsuchen.

Er war ein äußerst geübter Beobachter, aber bis jetzt sah er vergeblich
nach den drei geheimnisvollen Weltenfahrzeugen aus, sie mußten noch
immer einen großen Vorsprung besitzen.

Inzwischen wurde nichts verabsäumt.

Alle Zerstörungsmaschinen wurden so aufgestellt, daß sie jeden Moment
benutzt werden konnten. Die Leute waren immer auf ihren Posten.

Die Entfernung, welche die Weltenfahrer von dem Riesenplaneten Saturn
trennte, war ungeheuer, denn sie betrug schlecht gerechnet zwölfhundert
Millionen Kilometer.

Mors aber betrachtete diese Entfernung als etwas Geringes, denn sein
»Meteor« durchschoß ja den Weltenraum mit der Schnelligkeit des Blitzes.

Man hatte während der Fahrt eine Zone zu passieren, in der man schärfste
Umschau halten mußte.

In der Urzeit war zwischen dem Planeten Jupiter und dem Mars ein
ungeheurer Planet durch irgend eine Naturkatastrophe zertrümmert worden.

Diese Trümmer flogen noch immer als kleine Planeten durch den Raum und
wurden auf der Erde mit dem Namen Asteroiden bezeichnet.

Diese winzigen kleinen Planeten mußten dem Weltenfahrzeug teilweise
begegnen, auch zuweilen ihre Anziehungskraft ausüben. Dort war also
große Vorsicht geboten.

Tag verging für Tag, Nacht für Nacht, wenn man überhaupt hier, wo die
Sonne unablässig am schwarzen Sternenhimmel glänzte, von Tag und Nacht
reden konnte.

Den einzigen Unterschied bildeten Wachen und Schlafen und die
verrinnende Zeit, denn von der Geschwindigkeit des »Meteor« war im
Weltenfahrzeug nicht das Geringste zu bemerken.

Man konnte an nichts ermessen, mit welcher Geschwindigkeit das Fahrzeug
diese ungeheuren Räume durchsauste, es fehlten die Gegenstände, denen
gegenüber man die Schnelligkeit abmaß.

Das einzige Kennzeichen bildeten die Instrumente, auf denen sich Zeiger
mit rasender Geschwindigkeit drehten und die Zahl der zurückgelegten
Kilometertausende verzeichneten.

Sah man die Instrumente nicht an, so schien das Fahrzeug still zu stehen
und sich gar nicht von der Stelle zu bewegen.

Endlich kamen in weiter, weiter Ferne glänzende Körper zum Vorschein.

Sie waren anfangs wie Sterne, wurden aber größer und größer, als man
ihnen näher kam. Es waren die Asteroiden, auf die man zufuhr. Hier
mäßigte Mors die Geschwindigkeit seines Weltenfahrzeuges.



                              3. Kapitel.
                    Der erste Kampf mit den Gegnern.


Es waren wiederum einige Tage und Nächte verflossen, da man auf dem
Weltenfahrzeug die Zeit danach einteilte.

Mors war gerade in seiner Schlafkabine, als die Telephonklingel, welche
aus dem Beobachtungsraum hinabführte, heftig schrillte.

Im nächsten Moment hielt der Luftpirat das Hörrohr.

»Kommen Sie sofort herauf, Kapitän,« hörte er die Stimme des Professors.
»Einer unserer Gegner ist in Sicht. Merkwürdigerweise hält er sich in
der Nähe eines der kleinen Planeten verborgen.«

Mors war in wenigen Augenblicken im Beobachtungsraum.

Ein prachtvoller Anblick erwartete ihn hier.

Der Professor hatte den einen Fensterschieber geöffnet und ein
blendender Glanz strömte in das Innere des Beobachtungsraumes. Die
massive Glasscheibe schützte das Innere des »Meteor« vor der Kälte des
Weltenraumes, denn eine entsetzliche Kälte mußte ja draußen im
luftleeren Raum herrschen.

Der blendende Glanz rührte von einem Asteroiden her, dem sich der
»Meteor« stark genähert hatte.

Dieses Ueberbleibsel einer ehemals bedeutenden Welt war aber nicht rund
oder abgeflacht, wie andere Planeten, sondern eckig, und glich einem
Rhomboid, welches in regelmäßiger Umdrehung durch den Weltenraum
dahinsauste.

Das war schon der Beweis, daß einstmals eine unbekannte Gewalt den
riesigen Planeten zersprengt hatte, das war ein Ueberrest dieser
fürchterlichen Katastrophe.

Der Astroid schien eine Lufthülle zu besitzen, wenigstens gewahrte man
einen nebelartigen Schimmer an den Rändern und Vorsprüngen.

Mors warf nur einen einzigen Blick auf diesen rätselvollen Weltkörper,
dann suchte er nach dem Feinde.

Der Professor zeigte dem Luftpiraten, was er entdeckt und Mors heftete
seine Feueraugen durch das Fernglas in die geheimnisvolle Ferne.

»Sie haben sich nicht getäuscht, lieber Professor,« sprach der
Luftpirat. »Es ist in der Tat ein Werk von Menschenhand. Es könnte
allerdings das Weltenfahrzeug eines anderen Planeten sein, denn wir
haben ja ähnliche Dinge schon früher gesehen. Aber dies dort ist ein
Werk, welches auf der Erde fertig gestellt wurde. Es ist kein Zweifel,
das ist ein Fahrzeug der unheimlichen Amerikaner.«

Das fremde Fahrzeug befand sich in größter Nähe des Asteroiden und
schien Schutz gesucht zu haben.

Nach den anderen beiden Fahrzeugen sah sich Mors vergeblich um,
möglicherweise hielten sie sich hinter dem Bruchstück einer zerrissenen
Welt verborgen.

Die Inder waren an der Tür des Beobachtungsraumes versammelt und
warteten schweigend, aber mit brennender Neugierde auf die Befehle des
Luftpiraten.

Mors ergriff das Hörrohr und klingelte nach dem Maschinenraum, in
welchem Terror weilte.

»Wir halten auf den Astroiden zu,« lautete das Kommando. »Die
Mannschaften haben alles für einen Kampf fertig zu machen. Sowie wir in
die Luftzone des Weltenkörpers kommen, wird das Fahrzeug dort
angegriffen.«

Terror gehorchte auf der Stelle.

Der »Meteor« beschrieb einen gewaltigen Bogen und sauste dann mit
fürchterlicher Schnelligkeit auf den Asteroiden zu.

Bald befand man sich in der dünnen, nebelartigen Höhe, die fast
undurchsichtig wie Glas diese unbekannte Welt umgab.

Man warf kaum einen flüchtigen Blick auf die Oberfläche dieses
Planetenüberbleibsels, auf diese Oberfläche, welche als geradezu
entsetzliche Stein- und Sandwüste erschien.

Selbst der Professor vergaß seine Leidenschaft, neue Entdeckungen zu
machen und blickte mit fieberhafter Spannung auf den Feind, den er jetzt
schon mit bloßen Augen gewahren konnte.

Kein Zweifel, das war eins der Fahrzeuge, die Mors verfolgte.

Es lag in der unmittelbarsten Nähe des Planetenüberbleibsels und mochte
vielleicht zwei Meilen über der Oberfläche desselben in der Dunsthülle
schweben.

Aus allem, was man sehen konnte, schien hervorzugehen, daß das Fahrzeug
während dieser Fahrt Schaden genommen und daß man diesem abzuhelfen
versuchte.

Die beiden anderen Fahrzeuge waren nicht zu sehen, aber es konnte sehr
leicht möglich sein, daß auch sie über kurz oder lang in Sicht kamen.

Weiter sauste der »Meteor«, jetzt trennten ihn noch zwei Meilen von dem
Gegner. Jetzt nur noch eine, nur noch eine halbe.

Die Entfernung verringerte sich immer mehr und als Mors den Befehl zum
Stoppen gab, schwebten die Fahrzeuge in einer Entfernung von fünfhundert
Fuß, sodaß sie sich gegenseitig umkreisten.

Der unglückliche Reymond hatte Mors das Aussehen der von dem
Etablissement gelieferten Maschinenteile aufs Genaueste beschrieben.

Man hat sogar die Platten, die den Rumpf des Weltenfahrzeuges bildeten,
dort geliefert, und so konnte Mors ohne viel Mühe sehen, daß seine
Vermutungen völlig zutrafen.

Das war einer der Feinde und man schien dort auf der Hut zu sein.

Deutlich gewahrte man ein großes Glasfenster, dieses aber verschwand,
als eine große Metallplatte die Scheibe bedeckte.

»Sie bereiten sich zum Kampfe vor,« murmelte Mors. »Sie besitzen
sicherlich Zerstörungsmaschinen. Nun wollen wir sehen, wer den Sieg
erringt. Vorwärts, wenn ich einen der Gegner vernichte, habe ich es nur
noch mit zweien zu tun. Vielleicht kann hier fern vom Saturn die
Entscheidung fallen.«

Zunächst müßte man die Dunsthülle prüfen und sehen, ob dieselbe zum
Atmen geeignet war.

Einer der Inder unternahm den Versuch, indem er sich mit einem Glashelm
versehen in einen luftleeren Raum begab.

Nach kurzer Zeit kehrte der Mann zurück.

»Kapitän,« meldete er, »die Luft ist zum Atmen geeignet, sie ist etwas
dünn, aber wenn man schnell atmet, genügt sie für die Lunge. Dies kann
uns nicht hindern, und wir brauchen keine Sorge zu haben, daß
wir ersticken müssen. Jetzt können die Klappen, welche die
Zerstörungsmaschinen verdecken, geöffnet werden.«

Mors nickte zustimmend, und sagte den braven Gefährten einige
freundliche Worte.

Hierauf wendete er seine Aufmerksamkeit dem Gegner zu.

Der Feind schien das heransausende Weltenfahrzeug auch schon frühzeitig
bemerkt zu haben und wollte deshalb an dieser Stelle den Kampf
aufnehmen.

Man sah, wie sich an der metallenen Außenseite des fremden Fahrzeuges
kleine Oeffnungen bildeten, die Schießscharten glichen.

Dort standen sicherlich die Waffen des Gegners.

Mors kam näher und näher heran, bis aus einer der Schießscharten des
feindlichen Fahrzeuges ein kurzer, gelblich-blauer Blitz zuckte.

Unmittelbar darauf sah man etwas Weißliches herausfahren, und genau auf
die Bordwand des »Meteor« zufliegen.

Dann empfand man einen dumpfen Schlag von ziemlicher Heftigkeit, sodaß
die Instrumente, die an den Wänden hingen, hin- und herschwankten.

Dem Aufschlag folgte ein scharfes betäubendes Krachen, aber das war
alles.

»Der »Meteor« widersteht,« sprach Mors, als er flüchtig die Wände seines
Wunderwerkes prüfte. »Das feindliche Geschoß kann die Metallwand nicht
durchdringen. Gut, nun kommen wir an die Reihe.«

Auf dem »Meteor« befanden sich verschiedene Zerstörungsmaschinen.

Einige sahen aus wie kleine Maschinengewehre, die auf fahrbaren Lafetten
ruhten, andere wie kleine Geschütze.

Es gab noch eine dritte Sorte von Maschinen, die aber nur im äußersten
Notfalle gebraucht wurden. Auch diese waren zur Hand, wurden aber als
gefährlich, immer bis zum letzten Augenblick zurückgehalten.

Nur wenn es um die Existenz ging, wurden diese fürchterlichen Maschinen
in Tätigkeit gesetzt, aber so weit war es noch nicht gekommen.

Die Inder hatten die Maschinengewehre bereits an die Schießscharten
gebracht und zielten auf den Feind, der noch immer um den »Meteor«
kreiste.

Wenige Minuten später vernahm man das dumpfe Krachen der Schüsse, die
ein unheimliches Echo in der tief unten liegenden Felsenwildnis
erweckten.

Mors, der alles beobachtete, sah deutlich, wie die Geschosse die Wand
des feindlichen Fahrzeuges trafen, wie dieses furchtbare Schläge erhielt
und hin- und herschwankte.

Die Geschosse schienen auch Beulen zu schlagen, aber keine Breschen, sie
genügten offenbar nicht, die Wand des Feindes war gut gepanzert.

Drüben blieb man übrigens auch nicht müßig.

Der Feind nahm offenbar den Lenkapparat des Weltenfahrzeuges zum Ziel
und richtete seine Geschosse auf die Verbindungsstangen, welche die
Riesenmagneten in Tätigkeit setzten.

Mors bemerkte das und schickte sofort einen Befehl nach dem Lenkraum.

Augenblicklich drehte sich der Magnet und legte sich auf die dem Feinde
abgewendete Seite des Weltenfahrzeuges. Dadurch wurde er vor
Verletzungen gesichert.

Auf dem feindlichen Fahrzeug drüben tat man jetzt das gleiche.

Auch schien man jeden Vorteil benutzen zu wollen.

Höchst wahrscheinlich hatten die Gegner, die sich drüben im
Weltenfahrzeug befanden, erkannt, daß sie mit ihren Geschossen dem
»Meteor« wenig oder gar keinen Schaden zufügen konnten.

»Kapitän,« schrie plötzlich einer der Inder, der durch eine
Schießscharte die Bewegungen des Feindes beobachtete, »aufgepaßt,
Kapitän, sie wollen rammen!«

»Ich sehe es, mein Getreuer,« erwiderte Mors, indem er das Glas
absetzte. »Sie haben sich auf alles vorbereitet. Dieses fremde Fahrzeug
besitzt einen scharfen Metallsporn, aber auch ich werde nicht ruhig
zusehen, wenn uns die Gegner angreifen. Jetzt kommt es darauf an, wer
die größere Geschicklichkeit im Lenken des Fahrzeugs besitzt. Die
Amerikaner dort oder ich. Das muß sich bald entscheiden.«

Der Mann mit der Maske wendete sich an die Inder.

»Zieht diese Maschinen zurück,« befahl er, auf die gewehrähnlichen
Zerstörungsmaschinen deutend. »Jetzt werden die anderen verwendet. Aber
erst dann, wenn der Feind in größere Nähe herankommt. Ich gehe nach dem
Lenkraum, denn ich muß meinen »Meteor« in dieser entscheidenden Stunde
selbst führen. Terror kann inzwischen das Kommando über Euch
übernehmen.«

Wenige Minuten später stand Mors bei seinem braven Terror, der alle
Befehle des Gebieters im Nu ausgeführt hatte.

»Brav gemacht,« sprach Mors anerkennend. »Nun will ich Dich ablösen.
Kümmere Dich nicht um die Angriffe des Feindes, sondern übernimm den
Befehl über die indische Besatzung. Sie sollen jetzt die
Zerstörungsmaschinen Nr. 2 gebrauchen, der Gegner will rammen! Er will
uns mit seinem spitzen Metallsporn vernichten.«

Terror nickte nur und rannte mit großen Sprüngen nach dem
Beobachtungsraum hinüber.

Mors aber setzte sich neben den Apparat, der den Riesenmagneten bewegte
und blickte zuweilen durch das Guckloch an der Seite.

Der Gegner war in der Tat zum Angriff bereit.

Er fuhr allerdings noch immer im Halbkreis, aber man sah, wie er seinen
Magneten der unbekannten Welt in der Tiefe zudrehte.

Gleich darauf schoß der Feind mit fürchterlicher Gewalt vorwärts.

Es war ein unheimlicher Anblick, wie das Weltenfahrzeug heranbrauste. Es
schien, als sollte der spitze Sporn an seinem Vorderteil den »Meteor« in
der Mitte treffen und das Wunderwerk des Luftpiraten in zwei Teile
schneiden.

Mit eisiger Ruhe beobachtete Mors das Manöver seines Feindes. Er besaß
keine solche Waffe, aber dafür andere Mittel, die ihn dem Gegner
ebenbürtig machten.

Im letzten Moment drehte er die eine Lenkstange und wie von Zaubergewalt
bewegt, schnellte sich der »Meteor« in die Höhe.

Das feindliche Weltenfahrzeug war im vollen Ansturm und sauste mit
furchtbarer Gewalt unter dem »Meteor« hinweg.

Der spitze Metallsporn aber durchschnitt nur die Luft, sonst wäre der
Rammstoß für Mors und sein Fahrzeug verhängnisvoll geworden.

Gleich darauf setzte Mors sein Fahrzeug wieder in Bewegung.

Es senkte sich und schwebte parallel mit dem Gegner, gleichzeitig
drückte Mors auf einen Knopf, der ein schrilles Klingelsignal
vermittelte. Es war das Zeichen zum neuen Feuern.

Die Inder zielten genau und im Nu sah man das feindliche Fahrzeug von
einer sonderbar gefärbten Rauchwolke umgeben.

Es schwankte, es fuhr bald links, bald rechts, jetzt machte es kurze,
scharfe Zickzackbewegungen und mit einem Male überschlug es sich selber.

Senkrecht richtete sich der Koloß auf, dann fiel er nach hinten über, er
drehte sich, der Riesenmagnet war halb gelöst, er hing nur noch an einer
einzigen Lenkstange.

Drüben machte man jedenfalls verzweifelte Versuche, um das Fahrzeug
wieder ins Gleichgewicht zu bringen, aber vergebens.

Noch einmal bäumte sich der Riese auf, als wollte er in den Weltenraum
hineinsausen. Aber es war die letzte Anstrengung der Maschinen.

Der Magnet funktionierte nicht mehr, die Lenkstangen zerbrachen, jetzt
wirbelte das Fahrzeug wie ein Kreisel und schmetterte mit furchtbarer
Gewalt nach unten.

Es stürzte, es war jetzt nur noch eine plumpe, schwere Masse. Mit
entsetzlicher Schnelligkeit schoß das Fahrzeug in die Tiefe, hinab in
die Steinwildnis des Asteroiden.



                              4. Kapitel.
                            Neue Verfolgung.


Atemlos, schweigend hatten die Inder die Katastrophe mit angesehen.

Die Zerstörungsmaschinen taten ihre Pflicht und da der Feind seinen
furchtbaren Sporn nicht mehr verwenden konnte, war Mors Sieger im Kampf
geblieben.

Wenige Augenblicke später sah man das Weltenfahrzeug unten in der
Steinwildnis ankommen und dort auf den spitzen Felsen in Stücke
zerschellen.

Terror kam in den Lenkraum gestürzt.

»Ein Gegner ist vernichtet, Kapitän,« rief er triumphierend. »Der fügt
uns keinen Schaden mehr zu. Da unten liegen die Trümmer des Fahrzeuges.«

»Gut, wir wollen hinunter,« erwiderte Mors. »Ich will sehen, was wir
noch für Ueberreste entdecken können. Vielleicht kann ich daraus
entnehmen, was für eine Bemannung dieses Fahrzeug besessen hat.«

»Es wird nicht viel zu sehen sein, Kapitän,« erwiderte Terror. »Der
Aufprall muß fürchterlich gewesen sein. Aber Ihr habt Recht, wir müssen
hinunter!«

Wenige Minuten später senkte sich der »Meteor« langsam und allmählich
auf die furchtbare Oberfläche des Asteroiden hinab.

Dort landeten die Weltenfahrer neben den Ueberresten des vernichteten
Feindes.

Ein grausiges Gemisch bot sich dem Auge dar.

Da lagen Eisenplatten, Maschinenteile, alles in buntem Gemisch und
dazwischen, noch schrecklicher anzusehen, die Ueberreste von Menschen.

Terror hatte recht gehabt, viel war von der Besatzung des
Weltenfahrzeuges nicht übrig geblieben. Die meisten Körper waren
buchstäblich in Stücke zerrissen.

Dennoch erkannten Mors und seine Begleiter die Ueberreste von zwei
Männern ihrer eigenen Rasse. Die Köpfe der beiden waren noch
einigermaßen erhalten, machten aber einen abstoßenden, widerwärtigen
Eindruck. Man las in den Gesichtern Intelligenz, aber zugleich
Brutalität und Grausamkeit.

Die übrige Besatzung des Weltenfahrzeuges schien aus Negern bestanden zu
haben.

Jedenfalls waren es Untergebene der eigentlichen Leiter des Fahrzeuges,
und die Ueberreste ließen erkennen, daß man es mit ausnehmend kräftigen,
muskulösen Schwarzen zu tun gehabt.

Auch die Ueberreste der Zerstörungsmaschinen waren noch teilweise zu
sehen und der Aufenthalt in der Nähe des zerstörten Weltenfahrzeuges
durchaus nicht ungefährlich.

Es krachte und knatterte von Zeit zu Zeit, sodaß die Inder die
gefährliche Stelle verließen.

Mors sah noch nach, ob er vielleicht irgend welche Dokumente oder
Schriftstücke entdecken könnte, und fand endlich eine halb zertrümmerte
eiserne Kassette, in welcher verschiedene beschriebene Papiere lagen.

Hastig nahm er dieselben an sich und eilte mit seinen Begleitern wieder
nach dem »Meteor« zurück, der sich kurz darauf stolz in die Lüfte erhob.

Ein Fahrzeug war also zerstört. Aber wo blieben die beiden anderen?
Lauerten die vielleicht in der Nähe, hatten sie auf dem Asteroiden einen
anderen Ankerplatz gefunden?

Mors faßte einen schnellen Entschluß.

Er gab Terror den Befehl, daß der »Meteor« den Asteroiden umkreisen
sollte, und zog sich dann in seine Kabine zurück, da er die gefundenen
Papiere in aller Ruhe durchlesen wollte.

Ein Teil dieser Papiere war freilich zerstört, aber das noch Brauchbare
für Mors völlig genügend.

Er wußte jetzt, daß er mit einer Anzahl Amerikaner zu tun hatte, mit
hochgebildeten, aber gewissenlosen Männern, die sich zu Herrschern der
Erde aufzuwerfen gedachten.

Sie hatten das Unternehmen offenbar schon lange geplant und sich
zweifellos an Kapitän Mors ein Vorbild genommen.

Der Unterschied war nur, daß Mors seine Macht niemals mißbrauchte,
während diese Männer ihre Kenntnisse zur Ausführung eines grauenvollen
Verbrechens benutzen wollten.

Während Mors die Papiere durchsah, vollbrachte Terror die Fahrt um den
Asteroiden.

Darauf ging er nach der Kabine seines Gebieters.

»Wir haben die Umgebung des kleinen Weltkörpers genau durchsucht,«
sprach er, »aber nirgends eine Spur vom Feinde gesehen. Vielleicht haben
sich die Feinde anderweitig verborgen.«

»Nein,« erwiderte Mors. »Sie sind weiter gefahren. Die beiden Fahrzeuge
haben ihre Reise fortgesetzt und das Fahrzeug, welches wir bekämpften,
zurückgelassen. Es ist nämlich von Anfang an nicht in demselben guten
Zustand gewesen, wie die beiden anderen, und sollte, wie ich aus den
Papieren entnehme, hier einer Reparatur unterzogen werden. Den einen
Gegner haben wir vernichtet. Jetzt gilt es, die beiden anderen
aufzusuchen. Es hilft nichts, mein treuer Gefährte, wir müssen die Fahrt
nach dem Planeten Saturn fortsetzen.«

»Meinetwegen bis ans Ende der Welt,« erwiderte Terror. »Mir ist es
gleich. Ich gehe mit Euch, Kapitän, wohin Ihr wollt, ins Endlose.«

»Ja, das ist auch eine bessere Bezeichnung als wie das Ende der Welt,«
erwiderte der Luftpirat mit flüchtigem Lächeln. »Ein Ende gibt es nicht,
sondern nur eine Unendlichkeit. Wenn wir die größte Schnelligkeit
unseres »Meteor« aufbieten, wenn wir Millionen Jahre mit
Blitzgeschwindigkeit dahinführen, wir würden nie an das Ende der Welt
kommen, denn ein solches Ende existiert nicht. Aber unser Ziel liegt ja
verhältnismäßig nahe. Es ist der geheimnisvolle, glänzende Planet mit
seinen Ringen. Vorwärts, wir müssen weiter. Wir haben schon bei dem
Kampfe wiederum Zeit verloren und dem Gegner einen neuen Vorsprung
verschafft.«

Wieder begann die Fahrt durch das Endlose, wieder sauste der »Meteor«
den Asteroiden verlassend, mit geradezu entsetzlicher Schnelligkeit in
das Reich der Weltenkörper.

Der mächtigste aller Planeten, der Jupiter, war diesmal nicht zu
fürchten, denn der stand viele tausende von Meilen entfernt, sodaß seine
ungeheure Anziehungskraft dem »Meteor« keinen Schaden zufügen konnte.

Aber auch den verfolgten Amerikanern mußte dieser Umstand zu statten
gekommen sein, sie waren ja dem Weltenfahrzeug voraus, sie befanden sich
auf der Fahrt nach dem Saturn. Man mußte sie einholen, um jeden Preis.

Es ging um die Existenz, das wußte jedermann an Bord des
Weltenfahrzeuges, jeder verstand, weshalb Mors die Schnelligkeit seines
Wunderwerkes diesmal bis zum Äußersten anstrengte. Das war kein Fahren
mehr, das war ein Lauf mit dem Tode.

Vor dem »Meteor« lag das Ziel, welches sich mit jeder Stunde zu
vergrößern schien. Ein wunderbares Ziel, denn es war jener Planet, der
durch seine eigentümlichen Anhängsel von jeher die Aufmerksamkeit der
Menschen auf sich gezogen. Es war der Saturn mit seinen Ringen.

Dieser kolossale Weltkörper war jetzt schon für das bloße Auge ins
Riesige gewachsen. Wunderbar war sein Anblick, und die seltsame
Erscheinung des Ringplaneten wurde noch durch die acht Monde vermehrt,
die den Giganten umschwebten.

Mors hielt jetzt mehrere ernste Beratungen mit dem Astronomen ab und
zwar Beratungen, die sich auf die Begegnung mit dem Riesenplaneten
bezogen.

»Dort treffen wir die beiden amerikanischen Fahrzeuge,« setzte Mors
hinzu, als er seine Bedenken geäußert. »Jetzt fragt es sich nur, wo wir
landen. Es ist ja möglich, daß der Kampf, der uns bevorsteht, vielleicht
auf seinen Ringen, möglicherweise sogar auf seinen Monden ausgefochten
wird. Da fragt es sich, wo wir landen. Wir haben es mit Gegnern zu tun,
die rücksichtslos unseren Untergang herbeizuführen suchen. Es wird ein
Kampf auf Leben und Tod; folglich müssen wir wenigstens von den
Gefahren, die uns in dieser unbekannten Welt drohen, verschont bleiben.
Ich verlasse mich hier auf Ihren bewährten Rat, der mir schon oft die
größten Dienste leistete.«

»Dann möchte ich raten, daß wir einen der Saturn-Monde aufsuchen,«
entgegnete der Professor, der diese Frage erwartet hatte. »Nach den
Beobachtungen, die man seit vielen Jahren auf der Erde angestellt hat,
zu denen auch meine Forschungen hinzukommen, muß sich der Saturn in
einem Zustand befinden, der eine Landung absolut nicht gestattet. Seine
Masse besitzt noch nicht einmal die Dichtigkeit des irdischen Wassers,
die Riesenkugel besteht aus einem Chaos, aus einer Masse, die allerdings
noch dichter ist als das Gas, aber noch nicht einmal die Tragfähigkeit
des Wassers erreicht. Wollten wir auf der Saturnkugel landen, müßten wir
mit unserem »Meteor« ins Bodenlose versinken. Dagegen sind die Monde
sicherlich in einem anderen Zustande, obgleich auch bei ihnen noch
manche Verschiedenheit von dem irdischen Mond vorhanden sein dürfte. Es
ist auch möglich, daß auf den Ringen gelandet werden kann, wenn diese,
wie einige Beobachter behaupten, aus einer Unmenge neben einander
dahinrollender winziger Weltkörper bestehen. Aber das müßte man erst
untersuchen.«

»Ich teile Ihre Ansichten vollständig, lieber Professor,« erwiderte
Mors. »Wir werden den einen der Monde und zwar den kleinsten als
Beobachtungsposten aufsuchen und von dort aus unseren eigentlichen
Kriegszug beginnen.«

Weiter sauste der »Meteor«, während sich der Planet von Stunde zu Stunde
vergrößerte.

Riesengroß hing der Koloß am Himmel, an dem pechschwarzen Firmament,
während seine Ringe, die sich um die gigantische Kugel drehten, einen
geradezu märchenhaften Anblick darboten.

Alles war in eine Flut von Licht getaucht und darüber, daneben und
darunter schwebten die acht Monde, von denen allerdings immer zwei oder
auch drei durch die riesige Kugel verdeckt wurden.

Der Professor hatte schon mit seinen Instrumenten die Größen dieser
Trabanten bestimmt und den kleinsten derselben genau bezeichnet. Dorthin
schoß das Weltenfahrzeug, während man noch immer mit dem Fernrohr nach
den Fahrzeugen der Amerikaner umhersuchte.

Sie waren nirgends zu sehen und das bereitete Kapitän Mors schwere
Bedenken. Vielleicht waren die Unheimlichen schon auf den Ringen
angelangt, um sich dort mit dem Sammeln des schrecklichen Stoffes zu
beschäftigen, vielleicht kam er zu spät, wurde vernichtet und darauf
konnte das Zerstörungswerk auf der Erde beginnen.

Es gab nur eine Lösung, vorwärts, vorwärts. Der Kampf mußte im
Weltenraum entschieden werden. Dort auf den leuchtenden Monden, die mit
ihrem Erscheinen und Verschwinden die wunderbarsten Bilder darboten.

Jetzt konnte man die Reise schon nach Stunden bemessen, denn die
Anziehungskraft des Saturn machte sich seit längerer Zeit geltend.

Immer schneller sauste der »Meteor«, sodaß sich die Zeiger der
Instrumente wie flüchtige Schatten drehten. Man hörte, wie die Uhrwerke
arbeiteten, und die Schnelligkeit war so groß, daß der Professor schon
an die Vernichtung der Geschwindigkeitsmesser glaubte.

Das war keine Fahrt mehr, das war ein Absturz. Aber noch immer wollte
Mors die Schnelligkeit des »Meteor« nicht mindern. Noch immer war der
Riesenmagnet dem Giganten abgewendet, dem man sich jetzt mit geradezu
unglaublicher Schnelligkeit näherte.

Schon meinte Terror, daß eine Katastrophe erfolgen müsse, da griff Mors
nach den Hebeln, welche den Magneten regierten.

Ein Ruck und im nächsten Moment ging ein Zittern durch das gewaltige
Fahrzeug. Es war kein direkter Stoß, sondern nur ein Empfinden, als ob
der »Meteor« plötzlich in eine zähe Masse getaucht sei, die sich von
allen Seiten an ihn schmiegte.

Die Zeiger an den Geschwindigkeitsmessern verlangsamten ihren rasenden
Gang, sie waren nunmehr deutlich zu sehen. Sie kreisten wie die Zeiger
einer Uhr. Der »Meteor« aber schwebte in der Nähe des kleinsten der acht
Monde, die mit der Regelmäßigkeit, welche ihnen das Weltengesetz
vorschrieb, den Giganten umkreisten.



                              5. Kapitel.
                        Ein Kampf ohne gleichen.


»Meine Vermutungen haben sich bestätigt,« rief der Professor, der schon
seit längerer Zeit diese seltsame Welt beobachtete. »Der Mond, dem wir
uns jetzt nähern, befindet sich in einem Zustand der Erstarrung. Das ist
eine Wildnis, eine Stein- und Sandwüste, dort ist jedes Leben wohl schon
seit Jahrtausenden erloschen.«

Van Halen täuschte sich nicht, denn dieser kleinste der Monde bot in der
Tat einen trostlosen Anblick. Man sah Sandwüsten, riesige Gebirgszüge,
aber alles starr und tot, keine Spur von Vegetation, kein Ueberrest von
Wasser.

Allerdings war dieser Mond ausnehmend klein und es konnte sehr leicht
möglich sein, daß man auf den anderen Trabanten Lebensbedingungen
entdeckte.

Mors und seine Begleiter aber hatten keine Zeit, darauf zu achten oder
die übrigen Monde zu betrachten. Ihre Blicke wurden jetzt von ganz
anderen Dingen in Anspruch genommen.

»Da sind sie,« rief Halen, dessen geübte Augen alles zu sehen schienen.
»Dort, dort in der Nähe der ungeheuren Berge. Das sind die von uns
Verfolgten. Man kann sie mit bloßen Augen erblicken.«

Die Inder drängten sich heran und blickten durch die große Glasscheibe
am Vorderteil des Weltenfahrzeuges.

Man sah geradezu ungeheuerliche Berge, die sich auf der Nordhälfte des
Saturnmondes erhoben. Gebirge von einer solchen Größe, daß die höchsten
Berggipfel der Erde wie Zwerge erscheinen mußten.

Dort zwischen einem riesigen Gebirgssattel schwebten, dem Auge deutlich
erkennbar, zwei graue Kolosse, die sich langsam bewegten, die Fahrzeuge
der Amerikaner, welche ebenfalls auf diesem Mond einen Landungsplatz
gesucht hatten.

Höchstwahrscheinlich waren die beiden Fahrzeuge auf dem Saturnmond
gelandet und erst beim Erblicken von Mors' Fahrzeug wieder
emporgestiegen.

Anfangs bewegten sie sich langsam, dann immer schneller und schneller.
Man sah, wie ihre Magneten wirkten, wie sie mit rasender Geschwindigkeit
die Räume durchfuhren.

Einen Augenblick blieben sie noch bei einander, offenbar, um noch
Signale zu wechseln.

Deutlich sah man vom »Meteor« aus blinkende Lichtstreifen in
verschiedenen Farben, bald blau, bald rot, bald grün.

Hierauf trennten sich die beiden Kolosse.

Der eine fuhr rechts, der andere links und nun beschrieben sie ein paar
ungeheure Halbkreise.

Kapitän Mors blickte finster auf die beiden Gegner.

»Sie haben uns bemerkt,« sprach er nach kurzem Besinnen, »und denken gar
nicht daran, uns aus dem Wege zu gehen. Sie rüsten sich zum Angriff und
wollen uns von zwei Seiten angreifen, von rechts und von links, um uns
alsdann mit ihren spitzen Stahlspornen zu rammen. Sie wollen das Manöver
des vernichteten Weltenfahrzeuges wiederholen. Vorwärts, es gilt!«

Mors und Terror eilten nach dem Lenkraum, und dort begann der Luftpirat
zu manövrieren.

Seltsamerweise lenkte er den »Meteor« nach den riesigen Gebirgen, wo
schon die Amerikaner einen Landungsplatz gefunden hatten.

Terror wunderte sich hierüber, denn er meinte, es sei besser im leeren
Raum zu bleiben. Indessen überließ er alles seinem Kapitän, dem er
blindes Vertrauen schenkte.

Die Feinde hatten dies nicht erwartet.

Ihre Fahrzeuge schossen bereits in großem Bogen in das Endlose hinaus,
während der »Meteor« schnell wie der Blitz dem Monde zustrebte.

Wenige Minuten später waren die funkelnden Bergspitzen in der Nähe des
gigantischen Fahrzeuges. Der »Meteor« fuhr bis zu dem Bergsattel und
erwartete dort die Angreifer.

Die feindlichen Fahrzeuge trafen auf ihrer Fahrt durch den Raum wieder
zusammen, schwenkten und wechselten wieder farbige Lichtsignale.

Dann trennten sie sich von neuem und kamen jetzt ihrerseits mit
fürchterlicher Geschwindigkeit auf die Berggipfel zugesaust.

Die Inder standen bereits an den Zerstörungsmaschinen und warteten auf
die Befehle ihres Gebieters.

Diesmal hatte man die Waffen, welche großen Gewehren ähnlich sahen,
einfach beiseite gelassen, denn man wußte, daß sie keine Wirkungen auf
die Gegner ausübten.

Dafür standen die glänzenden Rohre hinter den kleinen,
schießschartenähnlichen Oeffnungen.

Es war ein merkwürdiger Kampf, denn es galt ja, gewissermaßen im
luftleeren Raum zu fechten.

Mors aber hatte auch hier seine Vorsorge getroffen, sein Weltenfahrzeug
war auf einen Kampf im luftleeren Raume vorbereitet.

Die Schießscharten waren durch eiserne Klappen verschlossen, die sich
nur im Augenblick des abgefeuerten Schusses öffneten.

Hierauf schlugen sie blitzschnell wieder zu, sodaß nur sehr wenig von
dem Luftvorrat verloren ging. Der Mechanismus selbst wurde durch
Elektrizität in Bewegung gesetzt und funktionierte vorzüglich.

Daß dieser Mond keine Luft besaß, sah man, denn hier war keine Spur
einer Hülle vorhanden, hier leuchtete alles in reinstem für die Augen
geradezu schmerzlichen Weiß und alle Schatten waren so pechschwarz wie
die ägyptische Finsternis. Dieser kleine Mond war eine Welt des Todes.

Jetzt fragte sich nur, ob die Amerikaner ähnliche Vorrichtungen besaßen,
ob auch sie im luftleeren Raum zu feuern vermochten. Aber das mußte sich
ja binnen kurzem entscheiden.

Jetzt kam das Ungetüm heran, offenbar in der Absicht, den Rammsporn
anzuwenden.

Mors beobachtete den Gegner sorgfältig, bis er bemerkte, daß der Feind
in Schußnähe war. Nun drückte er auf den Knopf, der das elektrische
Signal zum Beginn des Schießens gab.

Unmittelbar darauf hörte man im Weltenfahrzeug ein eigentümliches
Geräusch. Ein Krachen und Dröhnen ließ sich aber nicht vernehmen. Kein
Wunder, hier fehlte ja die Luft, hier fehlte das Element, welches den
Schall hervorbrachte.

Die Inder machten ihre Sache gut und Mors gewahrte deutlich, wie die
Geschosse aus den Zerstörungsmaschinen den grauen Rumpf des feindlichen
Weltenfahrzeuges trafen.

Mit ungeheurer Wucht schlugen sie dort auf, sodaß das feindliche
Weltenfahrzeug hin- und hergeschüttelt wurde.

Das zweite Weltenfahrzeug war noch nicht sichtbar. Mors aber blickte
öfters danach aus, es konnte ja möglich sein, daß ihm dieser Feind in
den Rücken fiel und den Riesenmagneten und den Lenkapparat zu zerstören
suchte.

Deshalb mußte man zunächst mit dem einen Gegner fertig werden. Mors
wiederholte das Signal, durch welches er seine Mannschaft zum
schnellsten Schießen aufforderte.

Drüben auf dem feindlichen Fahrzeug war man offenbar über den
hartnäckigen Angriff erstaunt.

Wenn die Geschosse des Weltenfahrzeuges auf den grauen Rumpf des
amerikanischen Weltenschiffes aufschlugen, wurde es immer wieder
seitwärts geworfen. Schließlich schien man darüber sehr erbittert zu
sein. Der Koloß flog immer wieder empor, um seinerseits zum Angriff
übergehen zu können.

Mors aber lenkte sein eigenes Fahrzeug mit geradezu bewunderungswürdiger
Geschicklichkeit, sodaß seine Inder immer ihre Maschinen benutzen
konnten. Der »Meteor« wendete und drehte sich, als wäre er ein lebendes
Wesen, welches den Feind abwehrte, während sein Riesenkörper immer
wieder unter dem Rückstoß der abgefeuerten Geschütze erzitterte.

Drüben blieb man auch nicht müßig, auch dort kamen Geschosse
herübergeflogen.

Mors bemerkte aber sofort, daß der Feind keine solche Vorrichtung besaß,
wie er sie selbst erdacht. Dies Fahrzeug verlor beim Schießen Luft, die
aus den Schießscharten hervorströmte.

Das sah eigentümlich, ja geradezu gespenstig aus. Die Luft verwandelte
sich sofort in weiße Dampfgestalten, welche die wunderlichsten Formen
annahmen. Sie drehten und wendeten sich eine zeitlang hin und her, bis
sie spurlos ins Nichts verschwanden.

Wieder wurde das feindliche Fahrzeug durch den Anprall einiger Geschosse
zurückgeworfen.

Es war hohe Zeit gewesen, da der Gegner eben zu rammen versuchte. Er war
dem »Meteor« schon ganz nahe, man sah seinen spitzen, stählernen Sporn
in grellster Beleuchtung funkeln.

Die Inder hatten schon geglaubt, daß sich dieser spitze Stahlsporn, den
das Weltenfahrzeug nicht besaß, in den Rumpf des »Meteor« bohren würde.
Sie strengten alle ihre Kräfte an, sie feuerten so rasch sie nur
vermochten.

Acht, zehn Geschosse schlugen fast zu gleicher Zeit auf den Metallrumpf
des Feindes, der im rasenden Anlauf dahergeschossen kam.

Der furchtbare Anprall warf den Gegner seitwärts, und da er noch mit
gewaltiger Schnelligkeit dahinbrauste, stieß er plötzlich gegen einen
weit hervorragenden Felsen.

Es war die Rettung für den »Meteor«, denn beim zweiten Angriff wäre der
Koloß sicherlich angebohrt worden.

Wieder hörte man nichts, denn die Luft verhinderte ja, daß das Dröhnen
des Anpralls Geräusch verursachte.

Mors sah aber deutlich, daß der Gegner schweren Schaden genommen, daß
durch die Vehemenz des Anpralls die eine Wand des Metallrumpfes
aufgerissen sein mußte.

Ein furchtbarer Anblick bot sich jetzt dar, großartig und schrecklich
zugleich. Das beschädigte Weltenfahrzeug rutschte langsam an den Felsen
hinunter.

Sein Magnet mußte in Unordnung gekommen sein, eine der Lenkstangen
schleifte.

Unten war ein Plateau, auf welchem der Koloß liegen blieb. Schwerfällig
wälzte er sich auf die Seite.

Nun sah man erst die Beschädigung, die sich der Gigant selbst zugefügt.
Die rechte Seite der Metallwand war zerstört, dort klaffte eine
furchtbare Bresche.

Riesige weiße Dampfwolken stiegen empor, es war die Luft, welche sich
einen Ausweg suchte.

Sicherlich führte man auch dort Behälter mit flüssiger Luft mit sich,
aber diese waren wohl größtenteils zerstört. Die Luft verflüchtigte sich
im Endlosen, das Lebenselement entwich, und nun kamen die Insassen des
halbzertrümmerten Kolosses zum Vorschein.

Mors nahm sein Glas und sah hinüber.

Er gewahrte drei Männer, die offenbar der weißen Rasse angehörten, die
sich wie toll gebärdeten.

Jedenfalls fühlten sie die ungeheure Kälte, die auf diesem Monde
herrschte, da der Mangel an Luft der Kälte des Weltenraums kein
Hindernis entgegensetzte.

Mors sah, daß diese Männer etwas trugen, es glich einer großen Kapsel,
die vom Rücken herabhing, vielleicht war es ein Kautschuksack mit
Sauerstoff. Diese Unholde schienen sich gegen das Verderben zu wehren.

Sie taumelten und wankten, dann rannten sie wieder nach dem
halbzerstörten Weltenfahrzeug zurück, als ob sie dort Schutz suchen
wollten.

Auch andere Gestalten tauchten dort empor, aber das waren Neger. Mors
sah die riesigen Gestalten der Schwarzen, die jetzt offenbar mit dem
Tode rangen. Er sah, wie sie auf den Metallrumpf des vernichteten
Weltenfahrzeugs kletterten, mit den Armen wild umherfuchtelten und dann
leblos auf die glitzernden Steinblöcke rollten.

Dort begann der Kampf mit dem Tod, dem in kurzer Zeit alles Lebende in
dem feindlichen Fahrzeug zum Opfer fallen mußte.

Noch blickte er auf das grausige Bild, da schrillte die elektrische
Glocke.

Mors fuhr herum und sah sofort eine neue Gefahr. Das dritte und letzte
amerikanische Fahrzeug war soeben in Sicht gekommen und mit
fürchterlicher Geschwindigkeit auf den »Meteor« losgeschossen.



                              6. Kapitel.
                         Im Urstoff versunken.


Der Luftpirat hatte gerade noch Zeit, den Hebel des Riesenmagneten
herumzuwerfen.

Eine Sekunde später und der »Meteor« wäre von dem Rammstoß getroffen und
höchstwahrscheinlich in zwei Teile gespalten worden.

So aber entging Mors noch durch eine geschickte Wendung seines
Fahrzeuges der drohenden Gefahr, obwohl ihn dieses verzweifelte Manöver
beinahe gegen die leuchtenden Felsen schleuderte.

Er sah noch, wie der graue Körper des Feindes dicht an der gläsernen
Scheibe vorüberglitt und dann zurückprallte.

Der Feind war mit dem gefährlichen Rammsporn gegen die Bergwand
gestoßen, aber er hatte mehr Glück als das zweite Weltenfahrzeug.

Der Koloß zerbrach nicht, nur der Sporn wurde etwas verbogen. Deutlich
sah Mors, wie dieser spitze, stählerne Sporn in eine Art Papageischnabel
verwandelt worden war. Er war bedeutend gekrümmt und deshalb lange nicht
mehr so gefährlich.

Unmittelbar darauf wendete Mors sein Fahrzeug, sodaß die Inder ihre
Geschütze gebrauchen konnten.

Sie zögerten keinen Augenblick, und überschütteten den Feind mit einem
Hagel von Geschossen. Diese trafen gut, und da die Geschosse aus
ziemlicher Nähe abgefeuert wurden, merkte der Gegner den Ernst der Lage.

Ferner hatte man dort das zweite zerstörte Weltenfahrzeug gesehen und da
mochte man das gleiche Schicksal befürchten.

Genug, der Riese erhob sich und fuhr mit fürchterlicher Geschwindigkeit
in die Höhe, Mors aber war gleich hinter ihm her, fest entschlossen, die
Entscheidung herbeizuführen.

Das Blättchen hatte sich gewendet. Aus dem Angreifer war ein Flüchtender
geworden. Das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge wendete sich und
sauste mit unheimlicher Geschwindigkeit ins Endlose hinein.

»Wir dürfen ihn nicht entkommen lassen,« rief Mors seinem treuen Terror
zu. »Zwei der Feinde sind vernichtet und auch der dritte muß fallen.
Vorwärts, ihm nach, wir müssen das äußerste aufbieten.«

Wieder begann die wilde Fahrt, aber diesmal in die Saturnwelt hinein.

Mors behielt den Feind unablässig im Auge und da sah er, wie derselbe
dem größten der acht Saturn-Trabanten zustrebte.

Dieser Mond, der eine eigentümlich gelbrote Färbung besaß, war das
nächste Ziel. Dort schien der Verfolgte Schutz suchen zu wollen.

Es war ein großartiger Anblick, wie die beiden Weltenfahrzeuge durch den
Raum dahinjagten, dem riesigen Mond zu, der mit jedem Augenblick an
Größe zunahm.

Sicherlich besaß dieser Trabant Luft oder wenigstens eine Hülle, die der
Luft sehr ähnelte.

Diese Schicht schien aber ungemein dick zu sein und glich einem grauen
Nebel, aus dem nur zuweilen die gelbrote Oberfläche des Gestirns
hervorleuchtete.

Der Verfolgte strebte unablässig auf diese nebligen Massen zu. Dort
wollte er sich vielleicht verbergen, einen Platz suchen, an dem er die
Schäden ausbessern und vor allen Dingen den gefährlichen Stahlsporn für
einen neuen Angriff bereit machen konnte.

Das mußte Mors vermeiden, aber er sah ein, daß der Gegner vor ihm auf
dem Monde des Saturn anlangen mußte.

Immer näher kam die Nebelhülle. Mors sah deutlich, wie der verfolgte
Feind hineintauchte.

»Ihm nach, ihm nach,« rief Mors unwillkürlich, als ob er mit sich selber
spräche. »Wir dürfen ihn nicht aus den Augen verlieren. Schließlich
benutzt er die Dunsthülle, um die Ringe des Saturn zu erreichen. Das
wäre das Schlimmste. Ich muß ihm auf den Fersen bleiben.«

Wenige Minuten später tauchte der »Meteor« gleichfalls in die
Dunsthülle.

»Terror, prüfe ob das Luft ist,« rief Mors seinem Gefährten zu. »Sieh
zu, ob diese eigenartige Dunsthülle die Elemente enthält, welche zum
Leben nötig sind.«

Der wackere Ingenieur ließ sich das nicht zweimal sagen. Hastig begab er
sich zu einem Apparat, der in einer Ecke des Lenkraumes angebracht war
und zur Prüfung der Außenwelt diente.

Kleine Röhren führten durch die Metallwand des Weltenfahrzeuges hindurch
und in wenigen Augenblicken konnte sich Terror über die Beschaffenheit
der sonderbaren Dunsthülle orientieren.

»Es ist Luft, Kapitän,« rief er freudig. »Sie ist zwar dick und schwer,
aber sie läßt sich atmen.«

Die Dunsthülle schien sehr dick zu sein und umgab den »Meteor« wie ein
leichter Nebel. Man konnte nicht weit sehen, sodaß Mors die
Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges vermindern mußte.

Da schrie Terror laut auf.

»Kapitän, Vorsicht, Vorsicht!« rief er. »Da seht, unter uns, da ist
alles glühend.«

Mors übergab seinem treuen Gefährten die Maschinen, und sprang an das
Ausguckfenster.

Ein unheimlicher Anblick bot sich dar.

Es schien, als ob die Oberfläche des Saturnmondes, die man jetzt
erblickte, aus einer feurig-flüssigen Masse bestände. Diese Masse glich
einem glühenden Ozean und wogte hin und her.

Aus diesem scheinbar glühenden Meere aber ragten hier und dort zackige
Kuppen hervor, die kleinen Inseln glichen.

Der »Meteor« schwebte schon dicht über der gefährlichen Oberfläche des
Saturnmondes.

Mors legte die Hand an die Glasscheibe.

War das wirklich Glut, so mußte sich die Hitze bemerkbar machen. Wie
wunderte sich daher der Luftpirat, als er beim vorsichtigen Berühren der
dicken Glasscheibe keine merkbare Veränderung entdeckte.

»Terror,« rief er seinem Gefährten zu. »Das sind keine feurigen Massen,
sondern jener Stoff, von dem der Professor gesprochen hat. Der ist noch
nicht so dicht wie Wasser und auch kein Gas, es ist der Urstoff, aus dem
die Welten entstanden sind. Der ist nur feurig gefärbt, er enthält keine
Glut. Von einer unnatürlichen Hitze haben wir nichts zu befürchten.«

»Mag sein,« brummte Terror. »Davon verstehe ich wenig, aber ich habe
doch die Empfindung, als ob mit dem glänzenden, funkelnden Zeug da unten
nicht zu spaßen ist.«

Mors blickte jetzt durch die Glasscheiben.

Es schien, als ob sich der Nebeldunst verzog, als ob das Himmelsgewölbe
wieder sichtbar wurde. Gleichzeitig erblickte er den Riesenplaneten mit
seinen Ringen.

»Da ist der Feind,« schrie Terror, als er neben Mors getreten. »Dort,
Kapitän, dort -- seht Ihr, da fliegt er eben schwerfällig über die
Felsenspitzen.«

»Wirklich, da ist er,« antwortete der Luftpirat, »aber der macht ja ganz
sonderbare Bewegungen.«

»So ist es, Kapitän,« versetzte Terror. »Es sieht wahrhaftig aus, als ob
das kolossale Ding hüpfte und springt, es scheint, als wollte der Koloß
empor und könnte nicht, als würde er von einer unnatürlichen Gewalt
immer wieder herabgezogen.«

»Du hast recht,« erwiderte Mors. »So ist es, und er wird auch
hinabgezogen. Ganz so wie wir in diesem Augenblick. Betrachte die
Instrumente, wir sind am Sinken.«

»Alle Teufel,« rief Terror. »Da müssen wir ja rasch in die Höhe! Rasch,
Kapitän, es ist gerade so, als ob die zähe Masse uns hinunterzwingt. Das
ist ja unheimlich.«

Mors ergriff die Hebel, die den Riesenmagneten in Bewegung setzten.

Er riß und zog daran, alles gehorchte. Man hörte deutlich, wie sich die
Diamanten laut knirschend drehten. Man sah, wie sprühende Blitze aus den
großen Edelsteinen hervorfuhren. Aber es war umsonst. Vergebens wurde
der Magnet gegen die grauen Felsspitzen gerichtet. Tiefer sank der
»Meteor«, immer tiefer.

Da deutete Terror wieder auf das Fenster.

»Kapitän, seht, seht,« rief er.

Der Luftpirat vergaß einen Moment sein eigenes bedrohtes Fahrzeug. Der
Anblick, der sich ihm darbot, war geradezu grausig.

Dort war das verfolgte amerikanische Weltenfahrzeug, aber es hüpfte und
sprang nicht mehr. Es befand sich bereits über der wogenden, scheinbar
glühenden Masse. Der Urstoff leckte daran empor wie die feurigen Zungen.

Jetzt tauchte der Riese ein, langsam, ganz langsam, drüben machte man
offenbar verzweifelte Anstrengungen, um der Katastrophe zu entgehen.

Es war vergebens, das feindliche Fahrzeug sank tiefer und tiefer, die
seltsame Masse brodelte um das dem Verderben geweihte Werk von
Menschenhand herum.

Jetzt ragte nur noch der Aufbau auf der Galerie empor, noch einmal
funkelte der stählerne Sporn, welcher Kapitän Mors bald verhängnisvoll
geworden.

Nun schlugen die leuchtenden Massen hoch empor, ganz wie das Wasser,
wenn etwas Schweres hineinstürzt. Das dritte und letzte Weltenfahrzeug
der Amerikaner war spurlos verschwunden.

»Die Natur hat selbst gerichtet,« sprach Mors. »Die Elemente haben ihr
Zerstörungswerk ausgeübt. Sie haben das getan, was uns vielleicht nicht
möglich gewesen wäre. Terror, die Erde ist von einer ungeheuren
Katastrophe gerettet.«

»Und das hat sie Euch zu verdanken, Kapitän,« erwiderte der treue Mann.
»Wäret Ihr nicht gewesen, so würde eine geradezu entsetzliche
Katastrophe über die irdische Welt hereingebrochen sein. Aber ich
bezweifle, ob man Euch dafür danken wird.«

»Ich begehre auch gar keinen Dank,« erwiderte der Luftpirat finster.
»Ich habe das, was ich getan, nur aus Menschlichkeit vollbracht. Das ist
meine Befriedigung, das ist mir tausendfacher Lohn.«

»Ganz recht, Kapitän,« brummte Terror. »Aber ich fürchte, Ihr müßt Eure
Aufopferung teuer bezahlen und wir mit Euch. Seht auf die Instrumente.
Wir sinken tiefer und tiefer. Der Magnet wirkt nicht mehr, wir werden
von diesen Massen da unten mit unwiderstehlicher Kraft angezogen. Wir
teilen das Schicksal der Amerikaner!«

Terror hatte recht.

Der »Meteor« begann jetzt ebenfalls mit jenen hüpfenden und springenden
Bewegungen, die man vorher bei dem versunkenen Fahrzeug gewahrt. Er
begann sich ebenfalls in ganz eigentümlicher Weise zu bewegen.

Das Vorderteil strebte empor, das Hinterteil mit dem Magneten wurde
unablässig hinabgezogen.

»Jetzt ist es aus, Kapitän,« meinte Terror. »Jetzt kommt das letzte.«

»Noch nicht,« erwiderte Mors. »Ich sehe jetzt, woran es liegt, daß wir
nicht in die Höhe kommen können. Die brodelnde Masse da unten übt nur
einen Einfluß auf die Lenkstangen aus, die aus einem Metall bestehen,
welches der Anziehung nicht widerstehen kann. Wir müssen die
Isolierketten einschalten, dann wird sich der »Meteor« wieder erheben.«

Terror sprang schon nach der Maschinerie, welche diese Aenderung
bewerkstelligte.

»Zu spät, Kapitän,« rief er tonlos, »wir tauchen schon ein. Wir haben
die Oberfläche dieses unheimlichen Weltkörpers erreicht, wir sind im
Sinken!«

»Nein, noch ist es nicht zu spät,« rief Mors. »Wir müssen hinauf und die
Lenkstangen von der Galerie aus lösen. Wenn die Ketten den Magneten
allein halten, kommen wir hoch. Rasch, rasch, es ist kein Augenblick zu
verlieren.«

Die beiden Männer stürmten nach vorn.

Das Fahrzeug lag schräg, sein Vorderteil ragte noch hoch über die weiche
Masse hinaus, in welche das Achterteil des »Meteor« bereits eingesunken
war.

Ein Blick überzeugte Mors, daß die Türen, die zur Galerie führten, nicht
mehr geöffnet werden konnten. Auch dieser Teil des »Meteor« war bereits
in dem rätselhaften Urstoff verschwunden.

Weiter rannten die beiden Männer. Jetzt erreichten sie den vorderen
Raum, wo die Inder und der Professor standen.

»Das Fenster auf,« schrie Mors mit Donnerstimme. »Rasch, das Fenster
geöffnet!«

Vier baumstarke Inder sprangen zu den Kurbeln, welche die Glasscheibe
bewegten und rissen aus Leibeskräften daran.

Es schien aber, als hätte sich heute alles gegen Kapitän Mors
verschworen.

Ob die starken Männer zu hastig gedreht hatten, ob das Fenster gequollen
war, genug, man hörte ein Bersten und Krachen.

Die vier Inder stürzten zur Erde und hielten den eisernen Handgriff noch
fest. Die Kurbel, welche die Glasscheibe bewegte, war abgebrochen.

Es war übrigens das einzige Glasfenster auf der Vorderseite des
»Meteor«, welches geöffnet werden konnte. Die zweite bewegliche
Glasscheibe befand sich im Hinterteil des Fahrzeuges.

»Nun ist alles vorbei,« murmelte Terror, der sich mit eisiger Ruhe in
das Unvermeidliche zu ergeben schien. »Jetzt geht es hinunter in diese
schauerliche Masse. Da verschwinden wir auf Nimmerwiedersehen.«

Mors warf einen wilden Blick in die Runde.

Er sann auf einen Ausweg, aber er wußte sich keinen Rat mehr.

»Kapitän, die Masse ist doch heiß,« rief jetzt Terror, indem er die Hand
an die dicke Glasscheibe legte. »Man spürt es deutlich, hier ist Glut
vorhanden.«

Zwei der Inder griffen jetzt nach Werkzeugen und schlugen
verzweiflungsvoll auf das dicke Glas.

Es war ganz unmöglich, dasselbe gab nicht nach, ebenso gut hätte man auf
einen Felsen schlagen können.

Immer tiefer sank der Koloß inzwischen in die heiße weiche Masse,
deren gelb und rot gefärbte feurige Wellen über dem Fahrzeug
zusammenzuschlagen drohten.

»Zurück da!« schallte plötzlich die Donnerstimme des Luftpiraten.
»Tretet beiseite. Ich schaffe einen Ausweg, koste es, was es wolle!«

Mors hatte eiligst eine jener Zerstörungsmaschinen herbeigezogen, die
man bei den letzten Kämpfen nicht mehr benutzt hatte. Es war eines jener
Gewehre, die auf einer Lafette standen, die mit Rädern versehen war.
Mors richtete die Mündung der kleinen Maschine auf das Fenster und zog
den Hebel ab. Es krachte. Im Weltenfahrzeug stürzte alles zu Boden. Aber
es war nur der Luftdruck, der die Leute niederwarf, das Geschoß tat
seine Wirkung. Es zertrümmerte die starke Glasscheibe.

Die Stücke flogen hinaus, die eisernen Bänder, welche das Glas
verstärkten, brachen wie morsche Holzstäbchen.

Halb betäubt richteten sich die Inder empor, aber Mors war ihnen bereits
zuvorgekommen. Er stand an der Oeffnung, umfaßte mit seinen Händen die
zersplitterten Kanten.

Ein Ruck, ein Schwung und der Luftpirat befand sich auf der Metallwand
des Weltenfahrzeuges.

Er warf einen flüchtigen Blick in die Runde, er sah den Planeten Saturn,
der scheinbar in greifbarer Nähe schwebte.

Dann aber rannte Mors mit mächtigen Sätzen über die Galerie nach dem
Achterteil des Fahrzeuges.

Ein leiser Aufschrei der Erleichterung kam von seinen Lippen. Noch war
der Lenkapparat nicht völlig versunken.

Mors hatte keine anderen Werkzeuge als seine Hände, aber die genügten
ihm. Er packte die Lenkstangen, welche der unheimlichen Anziehungskraft
des Trabanten nachgaben. Ein furchtbarer Ruck und noch einer, dann riß
er sie aus den Angeln.

Der Magnet war jetzt nur noch durch die Ketten mit dem Weltenfahrzeug
verbunden, denn sowie die obere Lenkstange gelöst war, wurde auch die
untere isoliert.

»Bleibt drinnen!« schrie Mors mit donnernder Stimme, als er bemerkte,
daß ihm einige der Inder nachklettern wollten. »Bleibt und klammert Euch
fest, es geht in die Höhe.«

Gleichzeitig warf sich der Luftpirat auf die Metallwand des »Meteor« und
klammerte sich mit beiden Händen an eine Galeriestange.

Es war hohe Zeit, daß er es tat, denn das Fahrzeug erhielt einen Ruck,
der jeder Beschreibung spottete.

Es war der Riesenmagnet, der jetzt seine Tätigkeit begann. Der Magnet
war es, der das Fahrzeug hob, der den »Meteor« vom sicheren Untergange
rettete.

Mors zog sich auf die Galerie hinauf, indem er sich noch immer an den
Eisenstangen festhielt. Er sah, wie Terrors Gesicht vorn an der
zertrümmerten Fensterscheibe auftauchte.

»Nach dem Lenkraum!« tönte sein Kommando. »Rasch, Terror -- halte den
»Meteor« innerhalb der Nebelhülle schwebend, damit wir nicht in die
luftleere Zone geraten. Ich komme gleich hinein. Wir müssen die
zerstörte Fensterscheibe versperren.«

Terror gehorchte und stürzte nach dem Lenkraum.

Es war hohe Zeit, daß er das mit fürchterlicher Geschwindigkeit
emporstrebende Fahrzeug zum Halten brachte, denn sonst hätte Mors oben
in dem luftleeren Räume ersticken müssen.

So aber brachte der Ingenieur den Koloß in die Dunstzone zum Halten,
wenige Augenblicke später schwang sich Mors durch das zerstörte Fenster.

Dieses ließ sich vorläufig nicht ersetzen, wohl aber luftdicht
verschließen. Die Metallplatte war ja noch intakt, und die Inder griffen
jetzt nach den Hebeln, um die gesprengte Oeffnung zu versperren.

Hierauf wurde mit flüssigem Gummi alles gedichtet, und eine Masse von
Guttapercha darüber geklebt. Stundenlang dauerte diese Arbeit, aber sie
war nötig, die zerstörte Stelle ward luftdicht gemacht.

Dann schoß der »Meteor« über die Dunstzone empor und schwebte wieder im
Weltenraum, hoch über dem unheilvollen Monde, dessen heiße Gasmassen im
urewigen Wellenspiel kochten und brodelten.

Da lag der Saturn, jetzt wieder rein weiß leuchtend, der Saturn mit
seinen Ringen, mit dem fürchterlichen Zerstörungsstoff.

Van Halen trat zu dem Luftpiraten.

»Wir sind gerettet,« sprach der Astronom. »Wir sind dem schrecklichen
Verderben entronnen.«

»Vor allem ist die Katastrophe von der Erde abgewälzt,« sprach Mors,
indem er mit der Rechten auf den glänzenden Planeten deutete. »Dort
liegt der höllische Stoff, den die Gegner holen wollten. Dort liegt die
furchtbare Materie, die in ungerechten Händen grauenvolles Verderben
anrichten kann.«

Höher hob sich der »Meteor«, immer höher.

Ueber dem Trabanten rissen die Nebelschleier; man sah den brodelnden
Urstoff, in dessen Tiefen das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge ein
schauriges Grab gefunden.

Der unglückliche Ingenieur Reymond war gerächt, die Katastrophe, die der
Erde gedroht, beseitigt. Im Weltenraume schwebte das Weltenfahrzeug des
Kapitän Mors, das den Heimweg zur Erde suchte.



Anmerkungen zur Transkription


Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz
J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter
von Reeken, Lüneburg, 2005, S. 197-231. Moderne Zusätze und Anmerkungen
wurden nicht übernommen. Die Originalausgaben hatten auch farbige
Rücktitel. Diese sind in dieser Ausgabe nicht enthalten.

Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch
Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verändert.
Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.





*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges" ***

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