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´╗┐Title: Reise ins heilige Land - Im Jahr 1829
Author: Osten, Anton Prokesch Ritter von
Language: German
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*** Start of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Reise ins heilige Land - Im Jahr 1829" ***

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                                 Reise
                                  ins
                             heilige Land.

                             Im Jahr 1829.



                       Tagebuch meiner Reisen.



                                 Reise
                                  ins
                             heilige Land.

                             Im Jahr 1829.

                                  Von
                     A. Prokesch Ritter von Osten,
                             k. k. Major.



                                 Wien.
               Gedruckt und im Verlage bei Carl Gerold.
                                 1831.



  \xBBSie werden vergehen, aber du wirst bleiben. Sie werden alle veralten
  wie ein Gewand; sie werden gewechselt werden wie ein Kleid, wenn du
  sie wechseln wirst.\xAB

                                                       =Psalm= CII. 27.


Die Oberfl\xE4che der Erde ist ein aufgeschlagenes Buch. Viele Bl\xE4tter
sind noch wei\xDF gelassen, viele beschrieben, bald mit mehr, bald mit
weniger ansprechender Geschichte, bald mit Hymnen und Klagen, bald mit
Wissen und Kunst. Manche aus diesen wurden es mehrmals, und dennoch
\xFCberschl\xE4gt man sie gerne; andere fesseln den Blick in Bewunderung, in
Staunen und Ehrfurcht, und ihr uralter Text bricht unverg\xE4nglich durch
die \xDCberlage der sp\xE4teren Jahrhunderte. Zu diesen letzten Bl\xE4ttern
geh\xF6ren die Landstriche zwischen dem Euphrat und dem Mittelmeere,
zwischen dem bl\xFChenden Syrien und dem w\xFCsten Arabien, die man unter dem
Namen des =heiligen Landes= zusammen zu fassen gewohnt ist.

Diese Bezeichnung kommt von den Juden, in so ferne sie dies Land
als das vorzugsweise von dem Gotte, den sie anbeten, sich und ihnen
erw\xE4hlte betrachten; sie gilt den Christen, in so ferne sie S\xF6hne des
Judenthumes sind, und haupts\xE4chlich, weil in diesem Lande, wie auf
einem gro\xDFen Altar, das Opfer ihres Heilandes vollbracht wurde. Im
Buche von der Weisheit Salomons (XII. 3.), so wie in dem der Makkab\xE4er
(II. I. 7.) ist der Ausdruck \xBBheiliges Lands\xAB schon zu finden. In
jeder der alten Religionen waren gewisse Landstrecken f\xFCr heilig
erkl\xE4rt.

\xC4lter als diese Bezeichnung ist f\xFCr das Land, von dem wir sprechen,
die k\xFCrzere: das =Land=. \xBBZu der Zeit, da die Richter regierten, war
Theurung im =Lande=,\xAB sagt das Buch =Ruth= (I. 1.) und bezeichnet es
nicht weiter. So ruft =Jeremias= aus: \xBB=Land=, =Land=, =Land=, h\xF6re das
Wort des Herrn!\xAB (XXII. 29.) -- \xBBMeine Seele h\xF6rt der Posaunen Schall,
und die Feldschlacht, und das Geheul des Mordes, denn Verheerung kommt
\xFCber das =Land=.\xAB (IV. 20.)

Das =Land Israel=, das =gelobte Land= sind gleichfalls \xE4ltere
Bezeichnungen, die denselben Raum umfassen, wie die fr\xFCher genannten.
Die B\xFCcher Samuels und der K\xF6nige geben hiezu viele Belege. Der
Samaritanische Text bezeichnet diesen Umfang klar: \xBBUnd der Herr zeigte
ihm das ganze Land vom Flusse \xC4gyptens bis zum gro\xDFen Flusse, dem
Flusse Euphrat, und bis an das \xE4u\xDFerste Meer; und der Herr sprach zu
ihm: die\xDF ist das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen
habe....\xAB (V. Mos. 34.) Und: \xBBAlle Orte, darauf eure Fu\xDFsohle tritt,
sollen euer seyn; von der W\xFCste an und von dem Berge Libanon und von
dem Flusse Phrat bis au das \xE4u\xDFerste Meer soll eure Gr\xE4nze seyn.\xAB (V.
Mos. XI. 24).

Oft f\xFCr den Begriff des gesammten Landes gebraucht, aber eigentlich
nur Theilen desselben geh\xF6rig, sind die Bezeichnungen: =Land Kanaan=,
=Gilead=, =Jud\xE4a=. Unter Kanaan wurde im engern Sinne das Land westlich
dem Jordan verstanden, denn der Herr spricht zu Moses, im Lande der
Moabiter, also \xF6stlich vom Jordan: \xBBwenn ihr \xFCber den Jordan gegangen
seyd in's Land Kanaan\xAB (IV. Mos. XXXIII. 51); unter =Gilead= h\xE4ufig
das Land \xF6stlich dem Jordan, welches von den St\xE4mmen Ruben, Gad und
halb Manasse bewohnt wurde; daher (Josua XXII. 9): \xBBAlso kehreten nun
die Rubeniter, Gaditer und der halbe Stamm Manasse und gingen von den
Kindern Israel aus Silo, die im Lande =Kanaan= liegt, da\xDF sie in's Land
=Gilead= z\xF6gen, das sie erbeten auf Befehl des Herrn durch Mose.\xAB

Da\xDF der Jordan die Ostgr\xE4nze von Kanaan machte, geht aus der
Vergleichung mehrerer Stellen unter sich hervor; z. B. sagt Moses (II.
XVI. 35): \xBBda\xDF die Kinder Israel bis an die Gr\xE4nze des Landes Kanaan
Manna a\xDFen;\xAB Josua aber (V. 12) erz\xE4hlt, da\xDF das Manna aufh\xF6rte, sobald
sie den Jordan erreicht hatten. -- Der Herr straft Moses, indem er
ihm verweigert, das gelobte Land zu betreten (IV. Mos. XX. 12), und
als Moses in's Land der Moabiter gelangt war, sprach er zu ihm: \xBBGehe
auf das Gebirge Aharim, auf den Berg Nebo, der da liegt .... Jericho
gegen\xFCber und besiehe das Land Kanaan, das ich den Kindern Israel zum
Eigenthum geben werde und stirb auf dem Berge.... denn du sollst das
Land sehen vor dir, aber nicht hineinkommen.\xAB (V. Mos. XXXII. 49-52.)

Aus diesen Stellen aber geht hervor, da\xDF nach der ersten Offenbarung
des Herrn das Land Gilead keinen Theil des gelobten Landes ausmachen
sollte; warum es dennoch zu einem solchen ward, erkl\xE4rt sich aus der
den Kindern Israel niemals gelungenen g\xE4nzlichen Unterwerfung von
Kanaan. Nur in so ferne das gelobte Land \xFCberhaupt das den Israeliten
zwischen Jordan und Meer vermeinte des Herrn bedeutet, finden wir vor
der Trennung des Reiches, auch die Bezeichnung =Israel= auf diese
Ausdehnung beschr\xE4nkt. (Ezechiel XLVII. 18.)

In Kanaan ist der ph\xF6nizische Gleichlaut [Greek: chnha] zu finden. Nach
=Sanchoniatan= gab dieser [Greek: Chnha], der sp\xE4ter Ph\xF6nix gehei\xDFen
haben soll, den Pchn[=a]h\xF6nikern den Namen. (Euseb. _praep. Evang._
II.) Er ist der Kanaan, von welchem die Genesis spricht (X. 15), der
Gr\xFCnder von Sidon und selbst von Jerusalem als Stadt der Jebusiten,
\xFCberhaupt der Urvater der St\xE4mme, welche das sch\xF6ne Kanaan bewohnten,
die Welt in \xE4ltester Zeit durchschifften und im Vertilgungskriege
gegen die Kinder Israel Jahrhunderte hindurch standen. Diese, mit dem
Schwerte des Glaubens bewaffnet und in \xC4gypten zur Lehre erzogen, da\xDF
zwischen Religionen kein Vertr\xE4gni\xDF, kein Zusammenwohnen, sondern nur
ein Kampf auf Leben und Tod erlaubt sey, brachen zahlreiche St\xE4dte
der gebildeten Kananiter, scheiterten vor anderen und bewahrheiteten
damals schon den oft wiederholten Satz der Geschichte, da\xDF zuletzt das
gebildete Volk dem rohen unterliegt.

=Jud\xE4a= bezeichnet eigentlich den von dem Tribus Juda bewohnten
Landstrich. Sp\xE4ter hie\xDF der eine Theil des Reiches so; der andere,
im Gegensatze, Israel. Da\xDF die Bezeichnung Jud\xE4a auch f\xFCr das ganze
gelobte Land genommen wurde, geht aus II. Chronik IX. 11 hervor, so wie
aus den Parallelstellen Matth. XIX. 1. und Mark. X. 1. Sp\xE4tere brauchen
sie h\xE4ufig in diesem erweiterten Sinne, wie Josephus, Ptolem\xE4us,
Rutilius, Eusebius u. a. m., und Medaillen des =Titus Vespasianus=
tragen die Umschrift: _Judaea capta_.

Wir Neueren bedienen uns am h\xE4ufigsten der Bezeichnung =Pal\xE4stina=,
verstehen aber nicht selten nur das eigentliche Kanaan darunter. Die
Bibel kennt das Wort nicht. =Philo= braucht dasselbe als syrischen
Ursprunges in der erw\xE4hnten engeren Bedeutung (_de Abrah._). Die alten
Ausleger der Genesis nehmen es nicht selten im weiteren Sinne; so auch
die Griechen und R\xF6mer. Medaillen =Vespasians= sagen gleichfalls:
_Palestina in potestatem P. R. redacta_. Die \xE4lteren christlichen
und arabischen Schriftsteller bedienen sich dieser Bezeichnung
h\xE4ufig. Unter =Theodosius= erscheint die Eintheilung in das =erste=,
=zweite= und =dritte Pal\xE4stina=. -- Als Theil von Syrien betrachtet,
wird es schon von =Herodot= (VII. 89) Pal\xE4stina genannt, oder auch
das =syrische Pal\xE4stina= (I. 105), eine von Anderen oft gebrauchte
Bezeichnung.

                   *       *       *       *       *

Die Bedr\xFCckungen, welche =Abdallah=, Pascha von =Akka=, =Tripolis=
und =Seida=, gegen viele in Pal\xE4stina wohnende und des Schutzes =Sr.
Majest\xE4t des Kaisers= genie\xDFende Christen und Juden sich erlaubte,
veranla\xDFten im M\xE4rz 1829 meine Sendung nach diesem Lande. Er hatte die
Freiz\xFCgigkeit von Ort zu Ort mit Fesseln belegt, den Handel willk\xFCrlich
beschr\xE4nkt, dem k. k. Konsul von Akka eine bedeutende Geldsumme
abgezwungen, ihn und dessen Familie mit Schimpf und Gefahren bedroht,
endlich sogar zur Flucht in die H\xE4nde aufr\xFChrerischer arabischer St\xE4mme
nach Nazareth gen\xF6thiget, die Flagge Sr. Majest\xE4t, vor bald tausend
Jahren auf den W\xE4llen von Akka gegr\xFCndet, vom Konsulate herunter rei\xDFen
lassen und jede Verbindung mit unseren Kauffahrern einzig auf seine
Willk\xFCr gesetzt. Diese \xDCbelst\xE4nde auszugleichen war mein Auftrag.

Ich ging zu Ende M\xE4rz von Smyrna mit der k. k. Korvette =Veloce= unter
Segel. Der Himmel war tr\xFCb und es st\xFCrmte heftig aus S\xFCd und S\xFCdost.
Ich h\xE4tte kl\xFCger gethan, zwischen den Inseln von =Vurla= oder auf
den Untiefen von =Smyrna= den Wechsel des Windes abzuwarten; aber
gewohnt an die See, gefiel mir besser, die\xDF im Freien und unter Segel
zu thun. Am Abend des 31. M\xE4rz war ich in den Gew\xE4ssern von =Ipsara=.
Die See ging hohl und es hing furchtbar schwer und schwarz ringsum
am Himmel. Dabei regnete es und warf zeitweise Schnee und Hagel, so
da\xDF wir, \xFCberdie\xDF von den \xFCber Bord schlagenden Wellen fortw\xE4hrend
durchn\xE4\xDFt, ungemein an K\xE4lte litten. Wir hatten noch die Wahl, nach
=Phok\xE4a=, einem ger\xE4umigen Hafen der asiatischen K\xFCste, oder in die
Stra\xDFe zwischen dieser und der Insel =Lesbos= zu fl\xFCchten; aber beide
Richtungen h\xE4tten uns weit vom Wege abgebracht. Wir sagten uns, da\xDF
unser Schiff gut sey und auch die schw\xE4rzeste Nacht zu Ende gehe, und
beschlossen die See zu halten. Um Mitternacht sprang der Wind nach
S\xFCdwest um, und ging in St\xF6\xDFe \xFCber. Die See begann zu st\xE4uben und
zu kochen; das Schiff, ohnedie\xDF sehr zum Rollen geneigt, arbeitete
schrecklich. Vieles Tauwerk ri\xDF und wurde nur m\xFChsam ersetzt. Wir zogen
nach und nach alle Segel ein bis auf die Marsen des Haupt- und des
Fockmastes. Um 4 Uhr war die Wuth am h\xF6chsten. Es versuche keine Feder,
die Kraft des Elements zu malen, das pl\xF6tzlich, wie lebendig gewordenes
Gebirge, sich hebt und einherschreitet! -- Der Mensch kann in solcher
Stunde nichts mehr thun, als in die Treue seiner Breter und in Gottes
Gnade hoffen. -- Bei den gewaltsamen Schwingungen der Masten, und dem
Froste, der die Glieder l\xE4hmte, wurde unsere Mannschaft nur schwer der
Marssegel Meister, an welchen wir das letzte Reff nehmen lie\xDFen. Wir
versuchten noch, gegen Sturm und See, die Richtung S\xFCdwest zu erzwingen
und hielten uns hart an beide, bis endlich der Tag anbrach. Eine graue
Verheerung -- ein Chaos, wo alle Atome im Aufruhr stehen, umgab uns;
Himmel und See lagen fest auf einander. Indessen, man =sah= doch!
und die Blitze, diese Mitverschworenen des Schreckens und des Todes,
\xFCbergossen zwar noch unsere Wangen mit Gluth, hatten aber \xFCber unsere
Augen die verwundende Macht gr\xF6\xDFtentheils verloren.

Um 1/2-6 wurde es pl\xF6tzlich lichthell im NNW. Aber es war kein
tr\xF6stliches Licht, sondern jener wei\xDFe Leichenglanz wie an Sternen,
die verl\xF6schen. Es th\xFCrmte sich schnell \xFCber einander und stand
aufgerichtet wie ein Riese da. Alle Blicke starrten darauf. Jetzt
begann es sich zu neigen und zu bewegen, und Blitze zuckten von Zeit
zu Zeit daraus. Noch hofften wir, der Ouragan und diese ungeheure
Wassermasse, denn das war es, w\xFCrden nach einer, uns nicht gef\xE4hrlichen
Richtung getrieben; und wir durften die\xDF hoffen, so lange der Sturm
noch in SW. fest stand. Aber wer schildert die Angst, als wir den
Wind matter werden und immer westlicher abfallen sahen, und nicht mehr
zweifeln konnten, da\xDF der Ouragan den Sturm \xFCbermeistere! Wir konnten
unsere Kanonen gegen die herannahenden Wasserhosen nicht brauchen
wegen dem entsetzlichen Schwanken des Schiffes, das nun, da der Wind
todt geworden war, die See aber noch den Andrang aus SW. behielt, uns
alle fast bet\xE4ubt schlug. Es nahte und nahte immer schrecklicher --
und zerplatzte und richtete sich ohne Unterla\xDF wirbelnd auf; -- jetzt
war es da, fa\xDFte uns am Steuerbord -- ri\xDF dessen ganze Bekleidung ein
-- brach die Ketten und Gurten ab, an welchen der Anker au\xDFen am Bug
hing, und warf diese Last nach innen ins Schiff, so da\xDF sie das Verdeck
durchschlug -- brach eben so die schweren Taue durch, womit die Boote
im Schiffe befestiget lagen -- ri\xDF diese und eine Menge Gegenst\xE4nde mit
sich fort, -- zerbrach den Matrosen, die sich nicht sch\xFCtzen konnten,
Arm und Beine, -- \xF6ffnete die festgeschlossenen Lucken der Kaj\xFCte und
der Offiziersgem\xE4cher, -- f\xFCllte diese R\xE4ume und das ganze Verdeck
mit Wasser und legte das Schiff auf die Wellen, so da\xDF das Steuer
nicht mehr griff. In dieser entsetzlichen Noth hatte Jeder so viel mit
sich zu thun, da\xDF kaum Einer an den Tod dachte. Die Einen schwammen
auf dem Verdecke und suchten sich an Seilen zu fangen; die anderen
tauchten aus den Lucken empor; die dritten klammerten sich fester an
die Gegenst\xE4nde, die ihnen zur Rettung gedient hatten; eine Zahl war
bet\xE4ubt durch den Schlag und durch die Wunden, und wu\xDFte gar nicht, was
geschah; einer der Offiziere, der Lieutenant =Sandry=, war \xFCber Bord
geschleudert worden und hatte sich wunderbar an einem Stricke im Fluge
gefangen. Ich hielt mich an den Arm des Steuers und dachte in mir:
\xBBalso noch f\xFCnf oder sechs Sekunden, und wir sind versunken!\xAB --

Durch ein Zusammentreffen von Gl\xFCck und Besonnenheit wurde das Schiff
gerettet. Die Veranlassung hiezu war eine nat\xFCrliche, aber ich traue
keinem Menschen auf dieser Erde die Kraft zu, in solchem Augenblicke
dies Nat\xFCrliche anders als durch Instinkt zu errathen. Die Wassermasse,
die uns umgeworfen hatte, war aus NNW. gekommen; die See kam, wie oben
gesagt, aus SW. und zwar mit der Geschwindigkeit von sechs bis sieben
Meilen. So wie die Wassermasse gegen die See anst\xFCrzte, lehnte sich
diese ihr entgegen auf und dieser R\xFCcksto\xDF richtete uns empor. In
diesem Augenblicke, da das Steuer wieder griff, hatte der Steuermann
die Besonnenheit, es herumzuwerfen, so da\xDF das Schiff die See in R\xFCcken
bekam und alsogleich von ihr getrieben wurde. Nun schlugen wir alle,
ohne Wink oder Befehl, sondern durch den richtigen Takt getrieben,
die Kanonenpforten backbord ein, und machten dadurch m\xF6glich, da\xDF das
Verdeck sich entleere und das Schiff Athem bekomme. Wo sind wir? --
wohin? waren die ersten Fragen, die wir mit heiterem Auge, in dessen
Winkeln noch der Schrecken nachgl\xE4nzte, einer dem andern stellten. Es
fand sich aus der Berechnung, da\xDF wir vom n\xE4chsten Hafen unter dem
Winde, =Sigri= auf =Lesbos=, etwa f\xFCnfzig Meilen entfernt waren. Wir
hatten keine Wahl und nahmen alsogleich die Richtung dahin.

In dem Zustande, in welchem wir uns befanden, nach allen Seiten der See
ge\xF6ffnet, mit zerbrochenen Raaen und St\xE4ngen, mit zerrissenem Tau- und
Takelwerk, Kaj\xFCte und Offiziersgem\xE4cher noch voll von Wasser, hatte
unsre Lage mitten in der st\xFCrmenden See genug, was zu anderer Zeit
erschrecken konnte. Damals aber schien uns, die wir der gr\xF6\xDFten Gefahr
so wunderbar entgangen waren, die geringere keine mehr.

Besch\xE4ftigt in vollem Ma\xDFe mit Ausbessern, Wehren und Pumpen langten
wir gegen Mittag in der Gegend an, wo, nach unserer Berechnung, die
Hafeneinfahrt nahe vor uns liegen mu\xDFte. Aber die Wolkendichte erlaubte
durchaus nichts zu sehen. So hoch die Berge von =Lesbos= im R\xFCcken
von =Sigri= sind, es war doch nicht m\xF6glich, irgend ein St\xFCck Umri\xDF
derselben oder auch nur einen Farbenunterschied in den Wolken zu
unterscheiden, der dem ge\xFCbten Auge des Seemanns so oft das einzige
Zeichen eines nahen Hintergrundes von Bergen ist. Unsere Verlegenheit
war nicht klein, da die Einfahrt enge, voll Untiefen und Klippen,
und die K\xFCste zur Seite gewissen Untergang bringend ist, auch wir
nicht auf hellere Zeit warten konnten, weil die See uns vor sich her
trieb und das Schiff nicht im Zustande war, gegen die See zu halten.
Wir durchflogen nochmals eilig unsere Berechnungen, und da diese die
Linie unseres Laufes genau auf die Hafeneinfahrt gerichtet wiesen, so
fuhren wir in Gottes Namen im Dunkel darauf los, das Beste hoffend und
das Schlimmere zu nehmen entschlossen. Und es war uns zum Heile! denn
richtig erreichten wir die Einfahrt und konnten sie erst dann erkennen,
nachdem wir schon darin waren. Ein allgemeiner Jubelruf erscholl aus
allen Theilen unseres Schiffes.

Im Hafen lagen die k. k. Kriegsbrigg =Montekukulli= und mehrere
Kauffahrer, die uns sogleich mit dem N\xF6thigen an frischen Lebensmitteln
und Wein beisprangen, denn alle unsere H\xFChner und L\xE4mmer waren
ertrunken und der franz\xF6sische Wein verdorben. Sechs Tage lang baute
unsere Mannschaft und die der \xFCbrigen Schiffe, um die =Veloce= wieder
herzustellen. Da Vorrath an bearbeitetem Material nicht fehlte, so
stand die Korvette bald wieder segelfertig da, und w\xE4hrend man zu
=Smyrna=, dem Berichte eines \xF6sterreichischen Kauffahrers zufolge, der
uns bald nach neun Uhr gekreuzt hatte, uns versunken glaubte, waren wir
guten Muthes und am 6. April Abends bereits wieder unter Segel.

Das Wetter blieb uns durch mehrere Tage g\xFCnstig. Leichter Nordwest
trieb uns in der Nacht rasch an =Scio= vor\xFCber. Am 7. umsegelten wir
=Nikaria= an der Westseite und kamen hart an =Pathmos=, dessen breites
Haupt die Stadt und das Kloster zum heil. Johannes kr\xF6nen; am 9. sank
bereits =Rhodus= unter den Gesichtskreis und die Schneegebirge der
=Karamanischen= K\xFCste, der =Kragus= und =Antikragus=, wohin die Alten
die Fabel von der =Chim\xE4re= verlegten, stiegen empor. Ein Meteor
fuhr, bald nach Sonnenuntergang, von Nordwest nach West, ungeachtet
des hellen Tages noch gl\xE4nzend, ja blendend wei\xDF, durch die Luft und
zerstob in Sterne, wie eine Rakete, mit einem Lichte dieser \xE4hnlich,
aber viel st\xE4rker und gr\xF6\xDFer. Am 11. umw\xF6lkte sich der Himmel von
Neuem und der Wind ging wieder nach S\xFCd. =Castelrosso= (Megiste oder
Cisthene) und =Kap Khelidonia= (_sacrum promontorium_) zeigten sich des
Morgens, von Schneegipfeln des =Taurus= \xFCberragt; Tags darauf wurde die
See stark bewegt, und der Himmel tr\xFCber. =Cypern= blieb uns unsichtbar,
so nahe wir auch daran vorbeistrichen. Abends konnten wir kaum mehr
f\xFCnfzig Meilen von der syrischen K\xFCste seyn -- aber wir wagten nicht,
uns in der Nacht ihr zu n\xE4hern, denn Niemand an Bord kannte dieselbe.
Wir legten daher um und brachten die lange Nacht hin- und herfahrend
zu.

Der darauf folgende Tag war fast ohne Licht; nur graue Helle lag \xFCber
See und Himmel, und auf Entfernung weniger Meilen unterschied das
Auge nicht mehr die eine von dem anderen. Wir steuerten k\xFCstenw\xE4rts,
mit Vorsicht erst und dann mit verdoppelten Segeln. Erst um zwei Uhr
Nachmittags sahen wir oder erriethen vielmehr einige Umrisse von
Gebirgen, zweifelhafte und schwebende Linien durch die Regenwolken
zitternd. Sie wurden deutlicher -- zeigten sich langgestreckt, hoch,
wenig abgezeichnet. Wir konnten, der Berechnung zufolge, nur den Berg
=Karmel= vor uns haben, und er war es auch und neben ihm die K\xFCste von
=Sur= bis =C\xE4sarea=. Die Ruinen einer Stadt hoben sich aus den Wellen;
s\xFCdlicher stieg ein hoher Thurm hervor. Wir steuerten nach diesem
und erkannten erst sp\xE4t, da\xDF wir =C\xE4sarea= selbst vor uns hatten.
Wir wandten nach Nord, erreichten =Kap Karmel=; da hatte sich der
Himmel eben aufgehellt, die Sonne trat wie zum Abschied am westlichen
Horizonte hervor, und ihre feuchten, zitternden Strahlen vergoldeten
die Mauern und Minarete von =S. Jean d'Acre=. Wir warfen die Anker auf
der Rhede von =Kaipha=.

Dies kleine St\xE4dtchen liegt am Fu\xDFe des =Karmel= nahe am S\xFCdostwinkel
der Bai. Die Araber nennen es =Hipha=, die Juden =Kepha= oder auch
=Hepha=, die Griechen und Lateiner meist =Kaipha= oder =Kaiphas=.
Es ist ein ins Viereck von etwa vierhundert Schritt Grundlinie,
ummauerter Ort, der nach jeder Seite drei Th\xFCrme weiset. An drei
tausend Seelen bewohnen denselben, meist T\xFCrken aus der Barbarei; ein
Zehntheil der Bev\xF6lkerung mag katholisch seyn; es gibt auch einige
Griechen dort und zehn Familien Juden. Die Griechen haben einen Papas,
die Katholiken einen M\xF6nch aus dem Kloster auf dem =Karmel=, das von
Rom aus erhalten wird und seine armen J\xFCnger bis Tripoli, Haleb, Basra
und Bagdad und bis nach Indien sendet. Der Ort erzeugt etwas \xD6hl,
Baumwolle und Getreide, und f\xFChrt des letztern aus. Die Umgebungen sind
kahl und traurig. Wei\xDFe, erstorbene Wellen decken das \xF6stliche Gestade;
kahle H\xF6hen steigen im S\xFCden auf; nur selten belebt ein \xD6hlbaum oder
eine Dattelpalme das Gestade. Auf dem Abhange des Karmel steht auf
Entfernung eines Flintenschusses ein Zwinger, welcher die Stadt im
Zaume halten soll, und dermalen unbesetzt ist. --

Scherif =Ibn-Idris=, in seiner Erdbeschreibung, nennt Kaipha den Hafen
der Landschaft Tiberias, und r\xFChmt denselben als selbst f\xFCr gr\xF6\xDFere
Schiffe gut. Heut zu Tage ist \xFCberhaupt nur von einer Rhede dort zu
sprechen, und diese so versandet, da\xDF die Boote sich kaum auf f\xFCnfzig
Schritte dem Gestade n\xE4hern k\xF6nnen. Die Bai von =S. Jean d'Acre= und
selbst die Rhede von =Kaipha= geh\xF6ren unter die gef\xE4hrlichsten Stellen,
um Anker zu werfen. Zwar ist der Grund feiner Sand (wir lagen in 8-1/2
Faden) und h\xE4lt; aber die Winde \xFCben eine ungeheure Gewalt in diesem
nach der Westseite ganz offenen Trichter, wie stundenbreite D\xFCnen
hinl\xE4nglich darthun. Im S\xFCdostwinkel der Bai, eine Viertelstunde von
Kaipha, ist die M\xFCndung eines Fl\xFC\xDFchens, des =Kischon= oder =Kilson=
der Bibel (1. K\xF6nige, XVIII. 40). Nahe daran sind ausgebreitete
Grundfesten und Reste uralter Bauten, in unf\xF6rmlichen Haufen \xFCber
einander liegend und vom Sande versch\xFCttet, vielleicht, was noch \xFCbrig
von =Kilson= (=Gem. Schabbath=, 26. 1.) oder =Porphyreon= ist, die
entweder nur andere Namen f\xFCr Kaipha sind, oder demselben ganz nahe
lagen. An diesem Gestade und an dieser Stelle haupts\xE4chlich wurde der
kostbare =Purpur= erzeugt, die Farbe der Herrschaft und des Reichthums.

Zwei Menschen unter denen, die ich in Kaipha sah und sprach, zeichneten
sich in mein Ged\xE4chtni\xDF ein, der Befehlshaber der Stadt und ein M\xF6nch.
=Jener=, ein Mann aus Algier, empfing mich im mittleren Thurme der
Seeseite, von Rauch und allen seinen Soldaten umgeben, arm wie ein
Bettler, stolz wie ein K\xF6nig, und freim\xFCthig wie ein Held. =Dieser=
diente mir emsig und in verst\xE4ndiger Demuth im Kleinsten wie im
Gr\xF6\xDFten. Er war aus Malta und lebte schon seit f\xFCnf und zwanzig Jahren
in seinem H\xE4uschen zu Kaipha, das, rings umplankt und verschlossen,
sammt dem G\xE4rtchen vor dessen Th\xFCre nicht gr\xF6\xDFer war, als einer
der S\xE4le unserer Pall\xE4ste. Priester, Arzt und Handwerker zugleich,
lagen Bibel und Missale, Kr\xE4uterbuch und Phiole, Kruzifix und Haue,
Palmenzweig und T\xFCrkens\xE4bel in friedlicher Unordnung \xFCber einander,
die, wenn ich so sagen darf, ein Abbild seines Innern war.

Der Zufall wollte, da\xDF eben als ich anlangte, Abdallah Pascha sich
auf seinem Landhause bei Kaipha auf dem Berge Karmel befand. Mit dem
Stolze der Unwissenheit und dem D\xFCnkel von Macht, der nicht selten den
ausgearteten F\xFCrsten des Orients eigen ist, und zu dessen Steigerung
das Benehmen von eingebornen Christen und von Franken nachdr\xFCcklich
beitr\xE4gt, wies er meine erste Botschaft, das Verlangen ihn zu sprechen,
mit den Worten zur\xFCck: er aber verlange das nicht. Mein Ziel im Auge,
lie\xDF ich mich durch diese \xC4u\xDFerung nicht abschrecken. Ich schrieb sie
zum Theil dem Umstande zu, da\xDF das englische Bombenschiff =Infernal=
auf der Rhede lag, das von dem Pascha auf gleiche, und schlimmere
Weise behandelt war, und zwar durch eigene Schuld; denn der Kapit\xE4n
desselben, ein junger und mit dem Stande der Verh\xE4ltnisse unbekannter
Mann, hatte zu Alexandrien, von wo er kam, sich vom Vizek\xF6nige von
\xC4gypten Empfehlungsbriefe an Abdallah-Pascha erbeten, und diese ihm
ank\xFCndigen lassen. In eben diesem Zeitpunkte aber war das Mi\xDFtrauen
des Pascha gegen seinen m\xE4chtigen Nachbar auf einen so hohen Grad
gestiegen, da\xDF Empfehlung von diesem jeden Fremden in seinen Augen
verd\xE4chtig machte. Er lie\xDF demnach den =Infernal= wissen, da\xDF kein
Mann desselben die K\xFCste betreten d\xFCrfe. Als die\xDF doch versucht wurde,
lie\xDF er die Ausgeschifften mit Gewalt zur\xFCckweisen, und, als Folge
hievon, dem Schiffe bedeuten, binnen vier und zwanzig Stunden die Rhede
zu verlassen, widrigenfalls er es durch die Kanonen der K\xFCste hiezu
n\xF6thigen w\xFCrde.

Bei diesem Stande der Dinge, und da ich mit unserem nach Nazareth
gefl\xFCchteten Konsul R\xFCcksprache nehmen mu\xDFte, um mit voller Kenntni\xDF
gegen den Gewalthaber auftreten zu k\xF6nnen, lie\xDF ich demselben sagen:
\xBBIch begriffe seine Weigerung, mich zu sehen, und wollte f\xFCr den
Augenblick auch gar nichts, als P\xE4sse und sicheres Geleite nach
Jerusalem und den heiligen Orten.\xAB Gleichzeitig lie\xDF ich dem Konsul zu
wissen machen, mich ruhig in Nazareth zu erwarten.

Der Pascha antwortete freundlich: er gew\xE4hre mir gerne, was ich
verlange. Noch an demselben Abende hatte ich Briefe von ihm an
den Statthalter des Pascha von Damaskus in Jerusalem, und an die
Befehlshaber der Truppen in Jaffa und Ramle, so wie Pferde und Geleite,
und am n\xE4chsten Morgen setzte ich meine kleine Karawane in Bewegung.

Durch Oliveng\xE4rten und \xFCber Felder ritten wir um das Kap =Karmel=
(1/2 Stunde), einige alte Reste und in Felsen gehauene Gr\xE4ber nahe am
Gestade zur Rechten lassend; zur Linken weidete unter den B\xE4umen die
herrliche Zucht arabischer Pferde des Pascha. Das Vorgebirge ist steil,
und zum Theile nackt, mit wagrechten Lagerungen Kalkstein, in welchen
Hornstein eingesprengt sich befindet. Die\xDF ist der Charakter des ganzen
Gebirges die\xDFseits des Jordan. Eine von M\xF6nchen zum Theil aufgemauerte,
zum Theil in den Felsen gehauene Stiege f\xFChrt l\xE4ngs dem \xE4u\xDFersten
Abfall des Vorgebirges hinauf, vor\xFCber an einem t\xFCrkischen Kloster zum
Landhause des Pascha und weiter zum Kloster der Karmeliten, das an der
Stelle erbaut seyn soll, wo =Elias= dem Herrn den Altar errichtete, und
die vierhundert und f\xFCnfzig Baalspfaffen, und die vierhundert Propheten
des Hains dem Zorne des gl\xE4ubigen Volkes preis gab. (1. K\xF6nige, XVIII.)
Abdallah Pascha hatte dies Kloster in einem Anfalle von Laune zerst\xF6ren
lassen, stellte dasselbe aber eben damals, durch die Pforte hiezu
vermocht, wieder her.

Um das Vorgebirge gekommen, hat man herrliche Ebene vor sich, die sich
bis =Ramle=, und weiter bis =Gaza= ausdehnt, und an Reichthum und an
Kraft des Bodens von keinem Lande, das ich gesehen, \xFCbertroffen wird.
Wahrlich diese Strecke verdient das gelobte Land zu hei\xDFen! -- Ihre
Breite ist zun\xE4chst die einer halben Stunde. Das Getreide wogte wie
Wellen der See, denn die Ebene am Karmel auf dieser Seite ist trefflich
bebaut durch die Bewohner des t\xFCrkischen Dorfes =Tz\xF6ri=, das aus einem
Olivenwalde am Abhange blickt. Ich vermuthe, da\xDF der Ort =Karmel=, wo
=Nabal=, der Gatte =Abigails=, die sp\xE4ter Gemahlin =Davids= wurde,
seine reichen Besitzungen hatte (1. Samuel, XXV.), auf diese Seite des
Gebirges zu setzen komme. =Eusebius= erw\xE4hnt eines Ortes =Karmel=, der
zu seiner Zeit noch bestand (Prokop. Comm. 1. K\xF6nige), und den schon
=Plinius= kannte, nach welchem der Ort vormals =Ekbatana= gehei\xDFen
haben soll (V. 19); =Hieronymus= aber zweier Berge dieses Namens, wovon
der eine der allgemein auch heute noch so genannte ist, der andere
aber s\xFCdlicher gelegen haben soll (Comm. zu Amos, 1.). Wahrscheinlich
versteht er darunter die Fortsetzung des eigentlichen Karmel, des
s\xFCdlichsten Gebirgsvorsprunges in Syrien, welche die \xF6stliche, mit dem
Segen des Himmels bedeckte H\xFCgelwand ist, und als solche die Verbindung
mit den Gebirgen von Samaria und Jerusalem macht. --

Von =Tz\xF6ri= f\xFChrt ein Weg nach einem Brunnen am Gestade, der
treffliches Wasser hat, und ein uralter Bau ist. So wie man diesen Weg
kreuzt (1 Stunde), hat man niedere Felsenriffe zur Rechten, die sich
nach und nach zu niederen Felsh\xFCgeln erheben, und gleichlaufend dem
Gestade, dieses von der gro\xDFen Ebene scheiden. Diese Riffe und H\xFCgel
sind voll eingehauener Gr\xE4ber und Wohnungen, und voll Steinbr\xFCche. Ein
Bach grub sich den Weg durch dieselben. Ist man \xFCber diesen gekommen
(1-1/2 Stunde), so bemerkt man Reste eines Thurmes, r\xF6mischen Baues,
auf den H\xFCgeln selbst und bald darauf eine Stra\xDFe quer durch dieselben
gehauen. Die Reste einer m\xE4chtigen Verrammlung aus Werkst\xFCcken weisen
sich am Eingange in diesen Pa\xDF, der einst mit einem Thore geschlossen
war. Man gelangt durch denselben an das Gestade. Dieses hat eine
schmale Ebene vor sich. Da steht, aus niederem Vorsprunge in die See,
der Ort =Athlit=, mit Mauern, Th\xFCrmen und r\xF6mischen Tr\xFCmmern, jetzt nur
von wenigen, und zwar t\xFCrkischen Familien bewohnt.

Nun beh\xE4lt man die H\xFCgelkette zwischen sich und der gro\xDFen Ebene,
und folgt dem Gestade. Man findet an diesem Wege eine Menge alter
Brunnen, und in den Felsgrund abgeteufter Kornmagazine, denen auf der
Halbinsel Munychia \xE4hnlich. Dieselben gleichen an Form den Amphoren
und antiken Kr\xFCgen, worin man \xD6hl, oder andere Fl\xFCssigkeiten bewahrte,
und den Wasserkr\xFCgen der Araberinnen am Nil. Sie haben einen runden,
verh\xE4ltni\xDFm\xE4\xDFig schmalen Hals von zwei bis vier Fu\xDF Durchmesser, und
bauchen sich dann bis auf vierzig und mehr Fu\xDF aus.

Zwanzig Minuten Weges unter =Athlit= ist ein zweiter Durchschnitt
in der H\xFCgelkette, gleichfalls Werk von Menschenhand. Auch stehen
Mauerreste dort. An diese Stelle d\xFCrfte eines der St\xE4dtchen zu setzen
kommen, die =Strabo=, als zwischen dem Karmel und C\xE4sarea liegend
anf\xFChrt, n\xE4mlich =Sykaminopolis=, =Bukolopolis=, =Krokodilopolis= u. a.
m. (_p._ 758). Drei Viertelstunden weiter fanden wir das Beduinendorf
=Surfent=, wo wir, da es Abend war, bei den Aeltesten einsprachen.
Diese, im Vorhofe der Moschee versammelt, wiesen uns Ungl\xE4ubigen die
Moschee selbst als Schlafgemach an, und gaben uns die Stelle an der
Kibla. Wir machten dort Feuer an, bereiteten den Kaffeh, a\xDFen Schinken,
tranken Wein und schliefen mit einigen zwanzig Hirten gemeinschaftlich.
Bei einem in Religionssachen lauen Volke w\xE4re dies Beispiel der Duldung
wenig zu r\xFChmen; bei diesem aber ist es ein Sieg der Gerechtigkeit. Um
ein Uhr nach Mitternacht standen die Hirten auf, wuschen sich, nahmen
ihre Keulen zur Hand und gingen zu den Herden. Wir wurden weder durch
Neugierde, noch Mi\xDFtrauen, noch durch Zudringlichkeit geplagt.

Von Surfent bis an das St\xE4dtchen =Tentura= ist eine halbe Stunde Weges.
Es hat einen Sumpf vor sich, der ein ummauerter Teich gewesen zu seyn
scheint. Auf dem \xE4u\xDFersten Vorsprunge des Ufers steht eine hohe Warte,
Bau aus R\xF6merzeit. Viele andere r\xF6mische Reste, und einen k\xFCnstlichen,
nun versandeten Hafen weiset der Ort.

Die Bibel kennt Tentura unter dem Namen =Dor=, als eine kananitische
Stadt, die bei der Vertheilung des Landes der einen H\xE4lfte des Stammes
Manasse zur Besitznahme zugewiesen wurde. Die Kinder Israel konnten
aber die Stadt nicht erobern, und machten erst sp\xE4terhin die Kananiter
darin sich zinsbar. (Josua, XVII. 11-13, Richter, I. 27.) -- Unter
=Salomo= wurde die vierte der zw\xF6lf Regionen des Reiches nach ihr
benannt und Abinadab, der eine seiner S\xF6hne, schlug darin den Sitz
auf. (Jos. _Ant._ VIII. 2.) =Polybius= kennt sie als eine feste
Stadt, welche in den Kriegen zwischen Ptolem\xE4us und Antiochus dem
letzteren widerstand. (V.) =Josephus= erw\xE4hnt ihrer an mehreren Orten,
und =Claudius Julus= sagt, da\xDF wegen des Reichthums des Gestades an
Purpurmuscheln die Ph\xF6niker sich dort anbauten, den Hafen gr\xFCndeten
und die Stadt mit Mauern umgaben (Ph\xF6n. III.). Die Griechen gefielen
sich, einen Sohn Poseidons, =Dorus=, als Gr\xFCnder zu nennen (_Steph.
[Greek: Ethnika] ad voc. Doros_), was wenigstens den Ursprung der
Stadt in ur\xE4lteste Zeit setzt, und so die biblische Angabe best\xE4tiget.
Auf Kaiserm\xFCnzen f\xFChrt =Dora= h\xE4ufig den Beinamen die =heilige=, und
auch den der =unverletzbaren= und der =selbstherrschenden= ([Greek:
D\xD4R. IER. ACYA. AYTO.]). Nach Einf\xFChrung des Christenthums wurde sie
ein Bischofsitz; jetzt ist sie ein Haufen Tr\xFCmmer, in welchem etwa
zweyhundert Menschen herumkriechen. --

Von Dor am Sandgestade fortwandelnd, das fu\xDFtief mit den sch\xF6nsten
Muscheln bedeckt ist, kommt man \xFCber zwei B\xE4che und an die Ruinen einer
r\xF6mischen Br\xFCcke \xFCber einer dritten (1-1/2 Stunde), der wahrscheinlich
der _Flumen crocodilon_ des Plinius, oder auch der =Krysorroas= des
=Ptolem\xE4us=, oder endlich der =Cana= des =Josua= (XVII. 9.) ist; dann
an gewaltige Ufermauern (1/2 St.), zum Theil von Bogen getragen, hoch
und \xFCber eine Viertelstunde lang. Diese schlie\xDFen sich an die Ruinen
von =C\xE4sarea=, welche die flache Uferh\xF6he kr\xF6nen.

Auf einer K\xFCste von der Beschaffenheit, wie die syrische, gegen welche
der t\xE4gliche Westwind die See aus weiter Ferne ungehindert heranf\xFChrt,
und die \xFCberdie\xDF schon in \xE4ltester Zeit von einem Schiffahrt treibenden
Volke bewohnt wurde, mu\xDFte jede Stelle, die Schutz den Schiffen bietet
oder mit verh\xE4ltni\xDFm\xE4\xDFig geringeren M\xFChen und Kosten als eine andere
dazu eingerichtet werden konnte, ein Vereinigungspunkt f\xFCr den Flei\xDF
werden, und zur Gr\xFCndung einer Stadt einladen. Eine solche Stelle
ist die von =C\xE4sarea=. Senkrecht auf die Uferlinie streckt sich ein
Felsenriff etwa 400 Schritte weit in die See vor. Kleine Einbuchten
sind demselben zur Seite. Diese konnten von den ph\xF6nizischen Seeleuten
wohl nicht \xFCbersehen werden, und schon in \xE4ltester Zeit mag zu \xE4u\xDFerst
auf dem Riffe eine Warte aufgerichtet worden seyn, dem Schiffer ein
Zeichen bei Tag und Nacht. Dahin deutet auch der \xE4ltere Name von
C\xE4sarea, der, nach Strabo, der =Thurm des Strato= hie\xDF, was einen Ort
voraussetzen macht, der sich um eine schon bestehende Warte angesiedelt
hat, wie heut zu Tage in \xC4gypten um die Telegraphenth\xFCrme Orte sich
bilden. =Herodes= erweiterte und verherrlichte die Stadt am Ende der
192. Olympiade, d. i. acht oder neun Jahre vor Christo, und nannte sie,
=Augustus= zu Ehren, =C\xE4sarea=. (Jos. _Antiq._ XVI. 9.) Was dermalen an
Tr\xFCmmern sichtbar ist, geht nicht \xFCber diese Epoche hinauf.

Noch stehen die Mauern und Thore der Stadt. Der Reisende findet darin
Herberge unter den Tr\xFCmmern, und Brunnen f\xFCr ihn und seine Rosse; aber
kein Mensch bewohnt diese St\xE4tte, die vielmehr eine geflohene ist,
aus Furcht vor den Beduinen. Ich umging und ma\xDF die Mauern, bestieg
und durchkroch die Reste. Hohes Gras und Blumen, dicht und bis an die
Brust reichend, decken den ganzen Stadtraum. Sie fordern zur Vorsicht
auf, wohin man den Fu\xDF setze, damit man nicht in die Brunnen, Gew\xF6lbe
und L\xF6cher st\xFCrze, die von der gr\xFCnen H\xFClle bedeckt sind. -- C\xE4sarea
ist ein Rechteck von 540 Schritten L\xE4nge von S\xFCd nach Nord, und 350
Schritten Breite von Ost nach West. Die Ostseite hat zehn Th\xFCrme; die
gegen Nord deren drei und eine Art Bollwerk am nordwestlichen Winkel;
die See- oder Westseite zeigt dermalen ebenfalls nur drei, es nimmt
aber der n\xF6rdliche Hafen mehr als die H\xE4lfte der Entwicklung dieser
Seite ein; die S\xFCdseite hat vier Th\xFCrme. Von der S\xFCdwestecke greift
der Felsenriff vor, der den abgesonderten Bau des Schlosses tr\xE4gt,
dem wieder an der \xE4u\xDFersten Spitze ein Wartthurm vorliegt. Starke
D\xE4mme sind von dem Schlosse hinaus in die See gezogen. Zur Linken dem
Riffe und somit dem Schlosse bleibt der s\xFCdliche Hafen. Beide H\xE4fen
waren durch die Kunst bis auf 200 Schritte Durchmesser erweitert und
mit Mauern gesichert worden. Die Landseiten haben einen Graben zu 36
Fu\xDF Breite, mit gemauerter Gegenwand vor sich. Th\xFCrme und Mauern sind
geb\xF6scht, was ich f\xFCr sp\xE4teren Zubau halte, wahrscheinlich aus den
Zeiten der Kreuzz\xFCge. Die Mauern haben von 20 bis 30 Fu\xDF H\xF6he, 6 Fu\xDF
Dicke; die Th\xFCrme, ungleichen Abstandes unter sich, von 50 bis 90 Fu\xDF
Breite. Die Stadt scheint vier Thore gehabt zu haben. Zwei derselben
bestehen noch. Die Thorangeln rollten in Marmorkugeln. Das Thor der
Ostseite ist verfallen. Wir ritten dar\xFCber weg in die Stadt. Das
vierte, das nach dem innern oder n\xF6rdlichen Hafen gef\xFChrt haben d\xFCrfte,
ist sammt den Hafenmauern verschwunden. Vor der Nordseite ist eine Art
Glacis angebracht, hinter welchem die hohe Gestademauer beginnt. Alle
Mauern sind aus Werkst\xFCcken mit M\xF6rtel gebunden.

Das =Schlo\xDF=, von der Stadt durch einen 125 Fu\xDF langen und 25 Fu\xDF
breiten Weg, welcher das Gestade beider H\xE4fen verbindet, geschieden,
ist ein Viereck, aus dem ein hoher Thurm emporsteigt. Eine Menge
S\xE4ulensch\xE4fte grauen, auch einige rothen Granites, offenbar aus \xC4gypten
her\xFCbergeschleppt, sind als Werkst\xFCcke ben\xFCtzt. Der Damm an der
Nordseite des n\xF6rdlichen Hafens, so wie derjenige, der vom Schlosse
auf etwa 200 Schritte s\xFCdwest in die See gezogen ist, und auf dessen
\xE4u\xDFerster Spitze die Warte steht, sind fast ausschlie\xDFlich aus Tr\xFCmmern
weit \xE4lterer Bauten und haupts\xE4chlich aus Granits\xE4ulen zusammengesetzt.
Am Fu\xDFe des Schlosses, nordw\xE4rts, schon im Wasser des n\xF6rdlichen
Hafens, liegt ein Fu\xDFgestell aus einem einzigen Blocke Syenit zu 6'
4" Breite und L\xE4nge und 3' 2" H\xF6he. Die Mauern nach dieser Seite sind
ungeachtet ihrer betr\xE4chtlichen Dicke eingest\xFCrzt. Ich bestieg den
Thurm im Schlosse, der vor sich eine Cisterne und einen tiefen Schacht
hat. Zwei Gew\xF6lbe im Thurme sind noch erhalten. Die Thorleisten der
Eing\xE4nge zu denselben sind von K\xF6pfen schlechter Arbeit getragen. Von
der Spitze des Thurmes \xFCberblickt man die ganze Stadt, und weithin See
und Land. Das s\xFCdlichste Vorgebirge, welches das Auge erreicht, bleibt
in S. 20\xB0 W; Athlit aber N bei O.

Die Ruinen im Innern der Stadt sind gro\xDFe Massen aus Backsteinen,
bieten aber wenig Merkw\xFCrdiges. Im Nordwestwinkel steht hart an der
Mauer eine unterirdische Kirche; Reste anderer Kirchen erkennt man,
darunter eine von schweren Mauern, vielleicht die Kathedrale dieses
einstigen Sitzes eines Erzbischofes, der zwanzig Bisch\xF6fe unter sich
hatte.

Nahe au\xDFerhalb dem s\xFCdlichen Thore sieht man die Form des Stadiums.
Die Bekleidung desselben ist verschwunden, doch liegen ein paar
Granits\xE4ulen darin. Auf einem Blocke las ich den Namen _Fibianus
Candidus_. Weiter trifft man auf eine andere Umwallung, welche der
Vorstadt am s\xFCdlichen Hafen angeh\xF6rte. Auch an diesem Hafen sind viele
Mauerreste aus \xE4lteren Tr\xFCmmern, und D\xE4mme sch\xFCtzen nach beiden Seiten
die Einfahrt.

In der Apostelgeschichte, so wie \xFCberhaupt in den ersten Jahrhunderten
des Christenthums erscheint C\xE4sarea als eine m\xE4chtige Stadt. Dahin
retteten die Gef\xE4hrten den Apostel Paulus, und lie\xDFen ihn nach Tarsus
einschiffen (IX. 30). Zu C\xE4sarea wohnte \xBBCornelius, ein Hauptmann von
der Schaar die da hie\xDF die W\xE4lsche\xAB (X. I), den Petrus taufte. Herodes
hielt gerne seinen Hof in dieser Stadt. \xBBEr zog von Jud\xE4a hinab gegen
C\xE4sarea, und hielt allda sein Wesen, denn er gedachte wider die von
Tyrus und Sidon zu kriegen. Die aber kamen einm\xFCthiglich zu ihm und
\xFCberredeten des K\xF6nigs K\xE4mmerer Blastum, und baten um Frieden, darum,
weil ihre L\xE4nder sich n\xE4hren mu\xDFten von des K\xF6nigs Lande. Aber auf
einem bestimmten Tag that Herodes das k\xF6nigliche Kleid an, setzte sich
auf den Richtstuhl und that eine Rede zu ihnen. Das Volk aber rief: das
ist Gottes Stimme, und nicht eines Menschen. -- Alsobald schlug ihn
der Engel des Herrn, darum, da\xDF er die Ehre nicht Gott gab, und ward
gefressen von den W\xFCrmern, und gab den Geist auf\xAB. (XII.)

Paulus, auf seinem R\xFCckwege aus Griechenland und Kleinasien, zu
Ptolemais, d. i. =S. Jean d'Acre= gelandet, zog von dort den
Landweg nach C\xE4sarea, wo Philipp der Evangelist, \xBBder einer der
Sieben war\xAB (XXI. 8) wohnte. In dessen Hause wurde dem Apostel die
Gefangennehmung geweissagt, die ihn kurz darauf zu Jerusalem traf,
und die ihn wieder zur\xFCck nach C\xE4sarea in die Hand des Landpflegers
Felix brachte (XXIII.); dort wurde er von dem Hohenpriester und den
\xC4ltesten angeklagt, und mu\xDFte, obwohl nicht \xFCberwiesen, ja sogar im
Herzen von diesem R\xF6mer freigesprochen, aus Gleichg\xFCltigkeit oder
Unentschlossenheit desselben, zwei Jahre in der Haft bleiben (XXIV.),
bis er durch seine Beredsamkeit von dem K\xF6nige =Agrippa= das Zeugnis
der Unschuld, und, auf das Recht des r\xF6mischen B\xFCrgers sich berufend,
von dem neuen Landpfleger =Festus= die Erlaubni\xDF erhielt, vor den
Kaiser nach Rom gebracht zu werden. (XXVI.)

Zu =Vespasians= Zeiten wurde C\xE4sarea als Kolonie betrachtet und
=Flavia Augusta C\xE4sarea= genannt. =Scherif Ebn-Idris= und =Abulfeda=
kennen sie als m\xE4chtigen und starken Platz. So erscheint sie auch in
den Kreuzz\xFCgen. Wann sie verfiel und endlich ganz verlassen wurde,
und zur St\xE4tte wilder Thiere und R\xE4uber herabkam, wei\xDF ich nicht zu
beantworten. Ruhig lagen wir vor der Halle des s\xFCdlichen Thores;
ein T\xFCrke aus Damaskus hatte sich zu uns gesellt; wir verzehrten
gemeinschaftlich das Mittagbrot, und holten uns Wasser aus dem Brunnen
innen am Thore. Es war die\xDF ein \xF6ffentlicher Brunnen gewesen; ein paar
Steinbecken stehen noch daneben. Wie manches Jahrhundert hindurch mag
er Wasser den Bewohnern der Stadt gegeben haben, die nun ein Feld von
Blumen und Disteln ist! --

Nachdem wir drei Stunden l\xE4ngs dem Gestade durch Sand und Muscheln,
welche die sch\xF6nsten Farben in Gelb, Blau und Purpur spielten, weiter
geritten waren, wandten wir links ins Land, erst \xFCber Heide (1/4 St.),
dann \xFCber Fruchtboden, H\xFCgel und Sumpfstrecken bis ans Dorf =Mohallet=
(1/2 St.), das ich f\xFCr das =El-Mukhalid= Buckinghams (_Travels in
Palestina_, I. 217) und f\xFCr das =Mohaila= des Relandus (=Pal\xE4st.= III.)
halte. Dieser Ort, der einige Ruinen aus R\xF6merzeit zeigt, ist nach
meiner Ansicht auch einer und derselbe mit dem =Moleah\xE4= der _Notitia
dignitatum Imperii Romani_ (_Paris_ 1651. _Sect._ 21), indem diese die
_Cohors prima =Flavia=_ dahin verlegt, was auf die N\xE4he von C\xE4sarea
deutet.

Wir ruheten dort unter einer Sykomore, die gro\xDF genug war, um mit ihren
Zweigen uns und unsere Pferde gegen die Sonne zu sch\xFCtzen; wir waren
aber unser Zw\xF6lf, denn es hatten sich auch ein Armenier aus Alexandria
und ein Grieche aus Akka nebst Dienern an uns geschlossen. Mohallet
liegt auf der Ostseite der H\xFCgelscheide zwischen der See und der gro\xDFen
Ebene. Diese lag nun aufgethan vor uns mit ihrer F\xFClle von Getreide,
mit ihren \xD6hl- und Johannisbrotb\xE4umen, mit ihren zahllosen Herden von
Rindern, Schafen und Pferden. Jenseits stieg das nackte Gebirge von
Samaria empor und im NO. gl\xE4nzte hoch im blauen Himmel eine riesige
Schneemasse, der =Antilibanon=.

Von Mohallet bis =Dschelir= sind 3-1/2 Stunden Weges \xFCber Hutweide,
Sandd\xFCnen und Feld. Man kommt halbwegs \xFCber einen starken Bach, den
=Nahr-el-Kassab=, und findet dann Sumpf. Die See bleibt auf eine
Viertelstunde zur Rechten. Sp\xE4ter entfernt man sich bis auf eine Stunde
von derselben. =Dschelir= ist ein arabischen Dorf, zwischen und auf
zwei H\xFCgeln liegend. Die Einwohner empfingen uns mit Steinw\xFCrfen. Wir
brachten die Nacht in einer schlechten H\xFCtte zu. Am Meere liegt der Ort
=Eujejalie=, vielleicht =Apollonia= (Jos. _Antiq._ XIII. 23), welchen
die Peutingerische Tafel halbwegs zwischen C\xE4sarea und Joppe setzt. --

Eine Stunde vor Tagesanbruch verlie\xDFen wir die ungastliche Herberge,
ritten \xFCber H\xFCgel in ein Thal nieder, das links nach der Ebene und
rechts nach der See sich \xF6ffnet, und kamen darin \xFCber einen starken
Bach, =Nahr-el-Arsuff=, wo eine Steinbr\xFCcke auf Resten einer \xE4lteren
steht (1 Stunde). Tr\xFCmmer von Geb\xE4uden sind zur Seite, rechts aber auf
den H\xFCgeln die \xE4rmlichen H\xFCtten des t\xFCrkischen Dorfes =Schech-Said=.
Auf der jenseitigen H\xF6he fanden wir ein Beduinenlager (1/2 St.), aus
schwarzen Zelten bestehend, die ins Viereck geordnet waren und die
Herden umschlossen. Man gr\xFC\xDFte uns freundlich und bot uns Milch. Eine
weite Ebene zeigt sich im S\xFCden dieser H\xF6he und in derselben der Thurm
der Templer von =Ramle=, noch 3-1/2 Stunde entfernt. Die Ebene ist voll
Ortschaften. Wir kamen durch =Tschelebi=, =Jasur=, =Gebra=, =Hadelet=
und =Agrab=. Alle sind von dichtem Geh\xE4ge indischer Feigen umgeben, die
hier st\xE4rker und h\xF6her sind, als ich sie irgendwo sah. Alles ist oder
war Blatt an diesem Gew\xE4chse, das eine Art Zerrbild eines Baumes ist.
Ein Blatt w\xE4chst aus dem andern, aus dem Rande des Blattes die Bl\xFCthe
und weiter die Frucht; das untere Blatt verholzt sich dann, schmiegt
sich an das n\xE4chste, das in gleichem Zustande sich befindet, und so
wird ein Stamm daraus. --

=Ramle=, welches Einige irriger Weise f\xFCr =Rama= in Ephraim halten, ist
wahrscheinlich die =Arimath\xE4a= der Schrift (_Hieron. Epist. Paulae_).
-- Wir stiegen im Kloster des heiligen Landes ab, ein ger\xE4umiges, mit
hohen Mauern umschlossenes Geb\xE4ude, zur Herberge f\xFCr die Pilger von
=Philipp dem Guten=, Herzoge von Burgund, gestiftet. Zwei spanische
M\xF6nche des heil. Franziskus, Pater Thomas und Cyrillus Simeon, der
eine aus Murcia, der andere aus Kastilien, empfingen uns dort gut und
bewirtheten uns mit etwas Fischen, Brot und Gem\xFCse. Die Kirche des
Klosters soll an der Stelle des Hauses =Josephs von Arimath\xE4a= stehen,
der den Heiland begrub. Sie ist klein, fa\xDFt aber leicht die jetzige
katholische Gemeinde von =Ramle=, die nur aus zwei Familien besteht.
Das Kloster genie\xDFt unverbr\xFCchlichen Schutzes von Seite des t\xFCrkischen
Gouverneurs der Stadt, an welchen es daf\xFCr j\xE4hrlich die geringe Summe
von 100 Piastern und ein Geschenk von 4 Ellen Tuch gibt.

=Ramle= ist ein h\xF6chst anmuthig liegendes, reich umgebenes St\xE4dtchen,
welches dermalen \xFCber 800 griechische und etwa 2000 mohamedanische
Einwohner hat. Die letzteren sind ziemlich wohlhabend, ob der
Fruchtbarkeit des Bodens. Sie feierten an diesem Tage eben ein Fest,
so da\xDF die Flur um die Stadt, die Brunnen und Wasserbecken voll von
Frauen und Gefolge waren. -- =Abulfeda= behauptet den Ursprung dieser
Stadt durch =Soleiman=, den Sohn =Abdulmeleks=, nach der Zerst\xF6rung
von dem auf ein Paar Stunden entlegenen =Lydda= (_Geog. Man._), und
ein christlicher Schriftsteller, =Sanutus= (_Secret. fid. cruc. p._
152) behauptet gleichfalls die Gr\xFCndung von =Ramle= durch die Araber.
=Anna Comnena=, in der Alexiade, schreibt =Ramel= (XI). Es wird diese
Stadt h\xE4ufig in den Schriftstellern jener Zeit mit =Lydda= verwechselt.
Sie mu\xDF vordem eine weit gr\xF6\xDFere Ausdehnung gehabt haben, da die
G\xE4rten ringsum Cisternen und Ruinen in Menge zeigen. Im Norden der
Stadt findet man eine Cisterne zu vier und zwanzig Gew\xF6lben, vier
zu sechs, die noch dient und f\xFCr ein Werk der Kaiserin Helena gilt.
Pater Simeon, der uns f\xFChrte, wies uns auch ein Kapellchen am Abhange
im Felde, nun in Ruinen, das die Stelle bezeichnen soll, wo Simson
dreihundert F\xFCchsen die Schw\xE4nze zusammenband, je zwei zu zweien,
Br\xE4nder dazwischen gab und sie so in die Felder der Philist\xE4er laufen
lie\xDF. (Richter XV.) Die Stelle ist gut gew\xE4hlt, denn herrlich breitet
sich unabsehbar die Flur hin, welche so lange der Neid der Kinder
Israel und zu allen Zeiten eine reiche war. Wir besuchten die Kirche
der Johanniter, die der heil. Helena und die der Templer, die nun
s\xE4mmtlich in Moscheen verwandelt sind. Die letztere, ein gro\xDFer Bau,
ist eine Doppelkirche, denn unter der einen steht unterirdisch die
andere. An die Kirche schlossen sich Hospit\xE4ler und Wohngeb\xE4ude. Das
Ganze bildet ein Viereck, in dessen n\xF6rdlicher Seite der oben erw\xE4hnte,
weit sichtbare, zierliche Thurm steht. Hundert acht und zwanzig
Stufen zu 9" f\xFChren auf dessen Spitze, deren nordwestliche Kante vor
wenigen Jahren der Blitz stark verletzte. Ich wartete auf der Spitze
des Thurmes, bis die Sonne unterging, das sch\xF6ne Land der Philist\xE4er
weithin \xFCberblickend.

Der Malem des Gouverneurs, ein Katholik, der mit seiner Familie nach
Jerusalem wollte, trug sich an, mit uns gemeinsame Karawane zu bilden.
Wir gaben die\xDF gerne zu, und machten uns Abends 9 Uhr bei herrlichem
Mondenschein auf den Weg. Die Frau, die T\xF6chter und M\xE4gde des Malem
reiseten in Tragk\xF6rben, je zwei und zwei auf einem Rosse. Da sich auch
ein Paar T\xFCrken aus =Ramle= an uns geschlossen hatten, so war unsere
Karawane zahlreich, und bestand aus Katholiken, Griechen, Armeniern und
Mohamedanern, alle zur Pilgerschaft nach der einen und selben Stelle,
=dem heiligen Grabe=, vereiniget! -- Am Dorfe =Kebab= (3 Stunden)
verlie\xDFen wir die Ebene und traten zwischen H\xFCgel. Dort blieb uns ein
anderes Dorf auf einer H\xF6he zur Rechten, Ruinen einer Warte in sich,
die im Halbdunkel der Nacht sich riesig ausnahmen (1 Stunde). Ich halte
die\xDF f\xFCr die Stelle von =Nikopolis=, die fr\xFCher =Emmaus= hie\xDF und
nicht zu verwechseln ist mit dem Dorfe =Emmaus=, das nur drei Stunden
(60 Stadien) von Jerusalem entfernt lag. (Luk. 24. 13.) Der Talmud
bezeichnet die Lage von Nikopolis genau durch die Worte: \xBBVon Bethkoron
bis Emmaus ist das Land gebirgig, von Emmaus bis Lydda Feld, und von
Lydda bis ans Meer Ebene.\xAB Das _Itinerarium Veteri Hierosolymitano_
setzt die Entfernung von Emmaus bis Jerusalem auf 22 Miliarien, und
von Emmaus bis Lydda auf 10; was die Entfernung der erw\xE4hnten Orte
von diesen beiden bekannten Punkten wirklich ist. =Hieronymus= (im
Commentar zu =Daniel=, Kap. 12) sagt: da\xDF bei Emmaus das Gebirge von
Juda beginnt, was ganz mit der Lage dieses Ortes \xFCbereinstimmt. Auch
sieht man einige Reste alter Mauern dort. =Josephus= aber f\xFChrt an, da\xDF
Emmaus mit Th\xFCrmen und Mauern umgeben war. (_Antiq._ XIII. 1.) Keine
Stelle auf dem Wege von Jerusalem bis Lydda oder bis Ramle ladet so
sehr zur Anlage eines Vorwerkes, eines festen Punktes ein, und als
solcher erscheint Nikopolis in mehreren Kriegen der alten Zeit.

In einem bebauten aber engen Thale ruhten wir, und stiegen dann die
steilen und felsigen =Berge von Jud\xE4a= hinauf, deren R\xFCcken wir nach
f\xFCnf Stunden Weges auf m\xFChsamen und gef\xE4hrlichen Pfaden erreichten.
Hart unter demselben, an der Ostseite, liegt der Ort =Errit-el-Enneb=,
mit netten und ger\xE4umigen H\xE4usern aus Stein, welche Terrassen und
mehrere Stockwerke haben. Er wird von Arabern bewohnt, die uns
freundlich entgegen kamen. Dort steht auch eine verlassene Kirche der
Templer, ein ehrw\xFCrdiger Bau, aus drei Schiffen bestehend, jedes zu
sechs Pfeiler; nun Salzmagazin und Viehh\xFCrde. Auch andere Reste des
Mittelalters bemerkt man dort. Die n\xE4chste Bergspitze kr\xF6nt der Ort
=Suba=, eine der folgenden =Ka\xDFr=. Man reitet unter dieser weg (50
Min.), steigt einen steilen Pfad hinab und erreicht, ganz im Thale (35
Min.), Ruinen von Kirchen und Hospitien starken Baues. Daran rauscht
ein Bach vorbei, \xFCber den eine Steinbr\xFCcke f\xFChrt; am Abhange liegt
das Dorf =Kolonia=, der Sitz eines arabischen H\xE4uptlings, =Bogooz=.
Das Gebirge rings ist unwirthbaren Anblickes; die wei\xDFen wagrechten
Lagerungen des Gesteins scheiden Terrasse von Terrasse; aber diese sind
wohlbepflanzt und gesegnet. Nach anderthalb Stunden erreichten wir die
n\xE4chste H\xF6he und ritten \xFCber w\xFCstes Steinfeld langsam fort. Da trat im
Osten mehr und mehr hohes Gebirge hervor, einfach, langgestreckt, und
begr\xE4nzte den Gesichtskreis nach dieser Richtung; es war das Gebirge
=jenseits des todten Meeres=. Im Westen hoben sich H\xFCgel, steinig
und nackt; aber die Schluchten wiesen lebendiges Gr\xFCn, hochummauerte
Kl\xF6ster, Kirchlein und Moscheen. Vor uns stieg, olivenbekr\xE4nzt, eine
H\xF6he empor, mit Kirchengeb\xE4uden zu oberst, es war der =\xD6hlberg=. Bald
darauf, quer \xFCber die Flachh\xF6he gezogen, erblickten wir hohe Th\xFCrme und
Mauern, m\xE4chtige Kuppelgeb\xE4ude und schlanke Minarete, alles von der
Farbe des Felsens und wie daraus gehauen; =Khode\xDF!= rief der F\xFChrer der
Karawane. =Jerusalem!= riefen wir alle -- und sie war es; =die heilige
Stadt stand vor uns!= --

Wir ritten durch das Pilgerthor fr\xFCh 9 Uhr, und stiegen im Kloster
der =Terra Santa= ab, diesem gro\xDFen Hospitium aller abendl\xE4ndischen
Pilger, das von einigen vierzig Franziskaner-M\xF6nchen servirt wird,
dermalen durchaus Spanier und Italiener. Unter den Fremden fanden wir
zwei Kapl\xE4ne der franz\xF6sischen Truppen der Morea, einen Irl\xE4nder,
mehrere Italiener u. s. w. Der Vorsteher des Klosters und \xFCberhaupt
des kirchlichen Kreises des heil. Landes, welcher den Rang eines
insulirten Abtes hat, war in der Kirche zum heil. Grabe eingeschlossen,
wo er w\xE4hrend der Charwoche zu bleiben pflegt. Der Prokurator wies uns
einstweilen Zimmer an, und die M\xF6nche waren auf das Freundlichste
beeifert, uns gef\xE4llig zu seyn.

Dieses Kloster enth\xE4lt die Kirche zum heil. Erl\xF6ser, und ist ein Bau
mancher Jahrhunderte, ein Labyrinth von G\xE4ngen, Stiegen, Gem\xE4chern,
H\xF6fen, G\xE4rten und Terrassen, von hohen Mauern umfangen und an die
n\xF6rdlichen Stadtmauern zwischen die Thore von Damaskus und Betlehem
gelehnt.

Bevor ich irgend einen Gang unternahm, bestieg ich die h\xF6chste
Terrasse des Klosters und besah das gro\xDFe Bild der Stadt. Sie deckt
den Ausgang der Flachh\xF6he, die von Nord nach S\xFCd sanft sich senket,
eben wo dieselbe in mehrere F\xFC\xDFe sich theilet, in vier n\xE4mlich; davon
fallen zwei nach dem Thale =Josaphat= ab, das nahe am Nordostwinkel
der Stadt seinen Ursprung nimmt und diese vom \xD6hlberg und weiter vom
Berg der Verunreinigung (_Mons offensionis_, I. K\xF6nige 11) scheidet.
Der dritte Fu\xDF tr\xE4gt das S\xFCdwestviertel und f\xE4llt im S\xFCden gleichfalls
nach Josaphat, im Westen aber nach einem aus der Flachh\xF6he in der
Richtung s\xFCdwest auslaufenden Thale ab; nach diesem auch der vierte,
oder nordwestliche. Im Ganzen geht die allen gemeine Hauptrichtung
der Neigung Ost und S\xFCdost. Wo in der Mitte der Stadt die vier H\xFCgel
sich mit sanfter Vertiefung finden, hebt sich ein f\xFCnfter, kleiner,
felsiger, wie die Flachh\xF6he selbst solcher mehrere hat; dieser
ist der =Golgatha=, und dort ragt mit zwei gewaltigen Kuppeln die
Kirche den heiligen Grabes empor. Der nordwestliche H\xFCgel ist der
h\xF6chste, und tr\xE4gt die Burg; der s\xFCdwestliche, au\xDFerhalb der Mauern,
die Geb\xE4ude, welche \xFCber den Gr\xE4bern der K\xF6nige David und Salomon
errichtet sind; der s\xFCd\xF6stliche oder niedrigste die Moschee an der
Stelle des Tempels Salomons. Die Stadt weiset ein Gedr\xE4nge hoher
Geb\xE4ude, alle mit Terrassen gedeckt, zwischen denen die Minarete,
Kuppeln und Dattelpalmen, majest\xE4tische Gruppen bildend, emporragen.
Der \xD6hlberg zur Linken, d. i. im Osten, nur durch das schmale Thal
getrennt, ist h\xF6her als die H\xFCgel der Stadt, und begr\xE4nzet somit die
Aussicht. Nach S\xFCden und Westen strecken sich felsige H\xF6hen, hier
h\xF6her, dort niedriger, hin. Die allgemeine Farbe der Landschaft ist die
graue. Gr\xFCne Feldstreifen durchziehen sie. Feierliche Ruhe herrscht
in diesem Bilde, die demselben einen vereinenden und unvergleichbaren
Ausdruck gibt. Jerusalem und dessen Umgebung sind keiner anderen Stadt
und keiner anderen Gegend \xE4hnlich. Man kann nicht auf dieser Stelle
stehen, die, geschichtlich betrachtet, die Mutter einer der gr\xF6\xDFten
Weltumwandlungen ist, ohne da\xDF tiefer Ernst das Gem\xFCth \xFCberkomme und es
in die Farbe der Landschaft selbst kleide.

Die Bibel erw\xE4hnt zum ersten Male Jerusalems im I. Buche Mosis 14.
Kap. 18. V. -- Damals hie\xDF sie =Salem=, d. i. =Friede=! Man nimmt
an, da\xDF sie von =Melchisedech=, der in der angezeigten Stelle als
Herr derselben genannt wird, im J. 2023 gegr\xFCndet worden sey. Damals
umfa\xDFte sie die H\xFCgel =Morija= und =Akka=. F\xFCnfzig Jahre darauf
eroberten die Jebus\xE4er die Stadt und bauten eine Burg auf dem H\xFCgel
Sion. Sie nannten die Burg nach ihrem Stammherrn Jebusi, Kanaans des
Sohnes Hams, des Sohnes Noahs Sohn (I. Mos. 10) =Jebus=. So wurde
aus Burg und Stadt =Jebus-Salem=, und sp\xE4ter mittelst einer in den
morgenl\xE4ndischen Sprachen h\xE4ufigen Verwechslung mancher Mitlaute,
=Jerusalem=. -- Josua, in seinem Verheerungskriege von Kanaan eroberte
Salem; aber erst =David= verjagte die Jebus\xE4er aus der Burg. Er setzte
sich in derselben fest und nannte sie nach sich. Er erst durfte singen:
\xBBZu Salem ist Gottes Gezelt und seine Wohnung auf Sion.\xAB (Ps. 76.)
=Salomon= verherrlichte die K\xF6nigsstadt; aber f\xFCnf Jahre nach dessen
Tode zog der \xC4gypterk\xF6nig =Schischak= (der Sesonchis des Manetho und
der Scheschonk der k\xF6niglichen Ringe des Tempels von Karnack u. s. w.;
siehe meine Erinnerungen aus \xC4gypten II. _p._ 85) gegen =Roboam= und
pl\xFCnderte ganz Jud\xE4a und auch Jerusalem, \xBBund nahm die Sch\xE4tze aus dem
Hause des Herrn und aus dem Hause des K\xF6niges, und alles, was zu nehmen
war, und die goldenen Schilde, so Salomon hatte machen lassen.\xAB (II.
Chronik 12. K\xF6nige 14.) Hundert f\xFCnfzig Jahre nach Salomon eroberte
=Joas=, K\xF6nig von Israel, Stadt und Burg, und pl\xFCnderte beide. (II.
K\xF6nige 14.) Der Kampf zwischen Assyrien und \xC4gypten, der =siebenzig=
Jahre sp\xE4ter ausbrach, f\xFChrte =Sancherib= vor Jerusalem (II. K\xF6nige 18,
19. II. Chronik. 32), warf die Stadt und ihren K\xF6nig =Josias= unter die
Waffen des Pharaonen =Neko= (Jerem. 46. II. K\xF6nige 23. II. Chronik 35.
36), und endlich unter diejenigen des Babyloniers =Nebukadnezar=, der
die Mauern brach und ganz Juda in Gefangenschaft schleppte. (II. K\xF6nige
24. 25. II. Chronik 36.)

=Siebenzig= Jahre nach diesem schweren Gerichte des Himmels, da =Cyrus=
Herr in Asien geworden war und den Juden die Heimath wieder er\xF6ffnet
hatte, bauten =Zerubabel=, =Esra= und =Nehemia= Stadt und Tempel wieder
auf. (Esra. Nehem.) Jerusalem diente den =Persern=, bis diese den
=Mazedoniern= erlagen. =Alexander= ging im J. 3573 durch die Stadt.
=Philadelphus= beschenkte den Tempel. =Antiochus Epiphanes= eroberte
und pl\xFCnderte Jerusalem; die =Makkab\xE4er= errangen ihr die Freiheit.
=Pompejus= unterwarf sie den R\xF6mern; =Crassus= beraubte den Tempel;
die =Parther= pl\xFCnderten sie. =Herodes= schwang sich zum abh\xE4ngigen
Herrscher auf; er und sein Geschlecht gaben Jerusalem ein Nachbild von
Glanz und Leben; aber Jud\xE4a, als r\xF6mische Provinz, lehnte sich auf, und
=Titus= der G\xFCtige vollbrachte die g\xE4nzliche Zerst\xF6rung der Stadt.
Vom 14. April bis 1. Juli, Jahr 71 nach Christo, wurden aus einem
einzigen Thore 115,880 Leichen aus der Stadt getragen; im Ganzen gingen
in Jerusalem 1,100,000 Menschen, im Lande aber 238,460 M\xE4nner w\xE4hrend
dieser Schreckenszeit zu Grunde; 99,200 wurden gefangen und zu drei\xDFig
f\xFCr einen Denar verkauft. (=Josephus= _de bello Jud._ VI. 16. VII. 17.)

=Hadrian= warf \xFCber den Haufen, was bis zu seiner Zeit aufs Neue
gebaut war; baute darauf selbst und zwar nach der Ausdehnung, die noch
besteht. Jerusalem hie\xDF nun _Aelia Capitolina_. Der neue Name brachte
den alten fast in Vergessenheit (_Euseb. de martyr. Palaestinae_ XI.),
we\xDFhalb auch die arabischen Schriftsteller sie h\xE4ufig nur unter dem
Namen =Aelia= kennen. Als solche wurde sie, im J. 613, von =Kosroes=,
dem Perser, erobert, wobei 90,000 Christen in die H\xE4nde der Juden
fielen. Vierzehn Jahre darauf trug Kaiser =Heraklius= das Kreuz wieder
hin. Aber schon im J. 636 fiel sie in die H\xE4nde der Bekenner Mohammeds;
=Omar= eroberte sie nach viermonatlicher Belagerung und wurde darin
ermordet. Nach vielem Elend und Jammer, nach mancher Belagerung und
Einnahme in den K\xE4mpfen zwischen den Geschlechtern der Kaliphen, kam
sie zuletzt in die H\xE4nde der =Fatimiten=, denen sie die =Kreuzfahrer=
(Freitag, 15. Juli 1099, 3 Uhr Nachmittags) abnahmen. Nun folgten sich
dort =neun= K\xF6nige aus fr\xE4nkischen Rittergeschlechtern, Gottfried v.
=Bouillon=, =Balduin= I., =Balduin= II., =Foulques d'Anjou=, =Balduin=
III., =Amaury=, =Balduin= IV., =Balduin= V. und =Guido Lusignan=, der
Jerusalem im J. 1188 an =Salaheddin= verlor. F\xFCr jeden Kopf verlangte
der Sarazene zehn byzantinische Goldst\xFCcke L\xF6segeld; er sch\xE4tzte also
den Menschen zu h\xF6herem Preise als Titus der G\xFCtige. 14,000 Christen
fielen aus Mangel dieser Summe in Sklaverei. Die Kirche zum heiligen
Grabe wurde von den Syrern freigekauft; die \xFCbrigen Kirchen wurden in
Moscheen umgewandelt. Im J. 1242 lieferte der Emir =Saleh-Ismail= von
Damaskus, da er gegen den Sultan von \xC4gypten, =Nehimeddin=, zu Felde
lag, Jerusalem in die H\xE4nde der Lateiner. Der \xC4gypter eroberte die
ungl\xFCckliche Stadt noch in demselben Jahre, und vertilgte alle Bewohner
darin. Im J. 1291 wurden die Lateiner ganz aus Pal\xE4stina vertrieben,
und die Krone, die seit =Salaheddin= (trotz dem, da\xDF Kaiser Friedrich
II. mit dem Sultan Jerusalem getheilt, und auf dem heiligen Grabe die
Kr\xF6nung empfangen hatte) wenig mehr als ein Titel war, kam als solcher
an das Haus Sizilien.

Seit der Eroberung \xC4gyptens durch =Selim= I., Jahr 1716, wohnt Ruhe in
der von dem Verh\xE4ngnisse schwerer als irgend eine andere getroffenen
Stadt. Jetzt ist sie dem Pascha von Damaskus untergeordnet und wird
durch einen Statthalter desselben regiert. Sie z\xE4hlt 21,000 Einwohner,
darunter 8000 Mohammedaner, 3000 Griechen, 5000 Juden, 4000 Armenier
und bei 1000 Katholiken und Maroniten. Ihr heutiger arabischer Name ist
=Khode\xDF=; dieser ist auch wahrscheinlich ihr \xE4ltester bei den Arabern.
=Herodot= nennt sie =Kadytos= (II. 159. III. 5.)

Der erste Weg, den ich durch die Stadt machte, war derjenige quer durch
dieselbe von Nord nach S\xFCd bis ans Thor von Sion und vor dasselbe.
Dort, au\xDFerhalb den Mauern, bietet die Flachh\xF6he einen fast ebenen
Platz von 200 Schritten Breite und 500 Schritten L\xE4nge. Ich denke,
da\xDF dahin =Millo= zu setzen komme. (Chron. 12. II. Chron. 32) Darauf
steht zun\xE4chst au\xDFer dem Thore eine Kirche der Armenier, welche man das
Haus des Hohenpriesters =Kaiphas= nennt (Matth. 26), ein schlechter
Bau, etwa ein Paar Jahrhunderte alt. Weiter ist eine Moschee und
daran ein Hospital; diese waren einst Kirche und Kloster, den M\xF6nchen
zum h. Franziskus von =Donna Sanzia=, Gemahlin des K\xF6nigs Robert von
Sizilien, im J. 1336 erbaut, und stehen auf der Stelle, wo man das
=Grab Davids= und =Salomons= wissen will und lange verehrte. (Nehemias
III.) Die Bibel sagt jedoch, da\xDF beide in der Burg Davids begraben
wurden. (K\xF6nige II. XI.) Vergleichstellen aus =Jeremias= (XXVI. XXXVI.)
lassen vermuthen, da\xDF unter dem =Hause= Davids und der =Burg= Davids
verschiedene Orte verstanden wurden. Auf derselben Stelle soll auch
das Haus =Obed Edoms=, des Gathithers, gestanden haben, wo die Arche
des Herrn drei Monate hindurch beigesetzt blieb, bevor sie in Davids
Burg gebracht wurde. (II. Sam. 6.) In der =neuen= Kirche wird diese
Stelle verehrt als diejenige, wo Christus das letzte Osterfest hielt,
das =Abendmahl= einsetzte, den Aposteln nach der Auferstehung erschien
und den heiligen Geist \xFCber sie sandte; wo er Thomas die Finger in
seine Wundmale legen hie\xDF und sprach: \xBBselig sind die, die nicht sehen
und doch glauben;\xAB wo er den J\xFCngern sagte: \xBBgehet hinaus und prediget
der ganzen Welt!\xAB wo ferner die =erste Kirche= erh\xF6ht, der =erste
Bischof= von Jerusalem, St. Jakob der kleinere, geweiht und durch St.
Petrus das =erste Konzilium= gehalten wurde. In den Umfangmauern der
Moschee zeigt man einige \xE4ltere Mauerreste, und sagt sie dem Hause
angeh\xF6rig, worin die Mutter des Heilands verschied. Auf dem freien
Raume neben den erw\xE4hnten Geb\xE4uden sind die Grabst\xE4tten der Christen,
durch in den Boden gelegte Steine geschieden nach den verschiedenen
Sekten, und eifers\xFCchtig bewacht. -- Ich besah noch Kirche und Kloster
zum =heil. Jakob=, das sch\xF6nste und reichste aller christlichen
Hospitien in Jerusalem, einst den Katholiken geh\xF6rig, aber von diesen
den Armeniern in der nicht erf\xFCllten Hoffnung einer Kirchenvereinigung
abgetreten. Die W\xE4nde der Kirche sind bekleidet mit in vergoldete
Rahmen eingelegten Bildern; der Boden, aus feinem gegl\xE4tteten Marmor,
ist mit k\xF6stlichen Teppichen belegt; Kanzel und Th\xFCren sind aus
Schildkr\xF6te und Perlenmutter-Reichthum und Kunst zieren vorz\xFCglich
die kleine Kapelle, \xFCber der Stelle erbaut, wo der heilige Jakob
enthauptet wurde, und die als ein vorz\xFCgliches Heiligthum verehret
wird. Die Pilgerherberge ist ger\xE4umig und mit allem N\xF6thigen f\xFCr Mann
und Ro\xDF reichlich versehen. Es herrscht eine wohlth\xE4tige Reinlichkeit
in allen Theilen dieses armenischen Hospitiums. -- Von den weitl\xE4ufigen
Terrassen genie\xDFet man eines herrlichen Ueberblickes der Stadt, denn
dies Geb\xE4ude kr\xF6nt den s\xFCdwestlichen H\xFCgel, den ich f\xFCr den =Akka=
halte, w\xE4hrend der nordwestliche oder h\xF6chste am wahrscheinlichsten
der vielbesungene =Sion= ist. =Morija=, welcher den Tempel trug, und
=Bezetha= sind die beiden \xF6stlichen. Mit ganzer Sicherheit l\xE4\xDFt sich
eigentlich nur =Morija= bestimmen, denn noch weiset er das geebnete
Feld, vier Stadien ins Gevierte, worauf (_Jos. d. bell._ VI. 6) der
Tempel stand. Da die vier H\xFCgel Abf\xE4lle einer und derselben H\xF6he sind,
so ist h\xE4ufig =Sion= der allen gemeinsame Name, und noch h\xE4ufiger
wurden unter dieser Bezeichnung die beiden westlichen, Sion und Akka,
begriffen.

Am Ostersonntage, fr\xFCh 3 Uhr, also vor Anbruch des Tages, f\xFChrten uns
die M\xF6nche in die Kirche zum heiligen Grabe; ein ehrw\xFCrdiger, m\xE4chtiger
Bau; eine Welt, in welcher besonders zur Nachtzeit und bei dem Scheine
von tausend Lichtern und Lampen, das Auge des Pilgers erst sp\xE4t
sich zurecht findet. Der erste Anblick schl\xE4gt mit Verwunderung und
Ehrfurcht. Die Gr\xF6\xDFe und H\xF6he der Mittelhalle, der Tempel im Tempel,
die G\xE4nge und Kirchen, die Stiegen und H\xF6hlen; die verschiedenen
V\xF6lkerschaften, welche =zugleich= den Gottesdienst \xFCben; das Wohnen,
Kaufen und Verkaufen in den Zwischenhallen; die Fr\xF6mmigkeit, womit
Christ und Mohammedaner vor =demselben= Grabe sich beugen, machen
diesen Tempel zum Mittelpunkte der Welt. Er ist bei Tag und Nacht
besucht und niemals leer. Die Marken der Zeit sind da ohne Kraft.

Am Eingange sah ich eine Zahl reich gekleideter T\xFCrken in einer Nische
zur Linken auf Teppichen ruhn und die Pfeife schmauchen. Diese sind die
Z\xF6llner und W\xE4chter des Tempels. Sie nehmen jedem Raja beim Eintritt
vier Piaster d. i. einige zwanzig Kreuzer ab. Franken sind frei, au\xDFer
sie wollen sich die heilige Grabstelle, das Allerheiligste, zu Stunden,
wo es geschlossen zu seyn pflegt, \xF6ffnen lassen, in welchem Falle sie
ein beliebiges Trinkgeld geben. W\xE4hrend alle Sekten des Christenthums
wie Strahlen in diesem einen Mittelpunkte sich vereinigen, tragen sie
ihren Ha\xDF und Neid bis auf diese heilige Stelle mit sich, und schlagen
sich da mit ihren Ketten. Die eine verspottet und verfolgt die andere,
und sucht ihr ein St\xFCckchen Raum oder ein paar Lampen abzudr\xE4ngen. Die
T\xFCrken, mit unst\xF6rbarer Ruhe und W\xFCrde, halten die Ordnung aufrecht
und gebieten jeder Sekte Achtung f\xFCr die Rechte und Gebr\xE4uche der
\xFCbrigen. Sie schreiten vor den Priestern bei den heiligen Umg\xE4ngen
einher, \xF6ffnen das Gedr\xE4nge des Volkes jetzt f\xFCr Katholiken, jetzt
f\xFCr Griechen, jetzt f\xFCr Armenier, jetzt f\xFCr Kopten u. s. w., f\xFCr jede
Sekte nach ihrer Reihe und Weise. Ohne die T\xFCrken f\xFChren an dem ersten
Festtage die Christen sich einander in die Haare, und machten den
Tempel zur M\xF6rdergrube. Das ist die Wahrheit; ich wei\xDF wohl, da\xDF sie
eben keine erfreuliche oder ehrenvolle f\xFCr uns ist. --

Ich besah alle Heiligth\xFCmer, und blieb eine halbe Stunde im
Allerheiligsten. Dann wohnte ich dem \xF6sterlichen Hochamte und dem
dreimaligen Umgange nach Weise aller Pilger, mit brennender Wachsfackel
in der Hand, bei, und besah zuletzt noch die Ceremonien der Griechen
und Armenier, welche das Palmenfest, zuerst jene, dann diese, mit Amt
und Umg\xE4ngen feierten. Es war eine gro\xDFe Menschenmenge im Tempel.
Ein Theil des \xE4rmeren Volkes schl\xE4ft und wohnt darin w\xE4hrend der
Festzeit. Das Geschrei des Marktes dringt aus den Hallen. Die Orgel der
Katholiken, die Cymbeln und Metallplatten der Griechen und Armenier,
die Ges\xE4nge der Priester und Gl\xE4ubigen, das Geschw\xE4tz der M\xFC\xDFigen,
die Ordnungsrufe der T\xFCrken dringen in und durch einander. Manche der
sonderbarsten Gebr\xE4uche uralter Verbreitung im Orient, unserer viel zu
verdorbenen Einbildung nicht fa\xDFlich, sind da herrschend. Wahrlich, es
ist eine Welt, und r\xFChrend der Zusammenflu\xDF der V\xF6lker und majest\xE4tisch
die Nacht darin.

Ich will mich nicht in eine Kritik der heiligen Stellen einlassen. Der
Glaube thut hierin das Meiste, und einige Klafter zur Rechten oder
Linken thun nichts. Es ist h\xF6chst wahrscheinlich, da\xDF die Nachweisung
der heiligen Stellen von den ersten Christen ihren Kindern \xFCberliefert
wurde; ja es ist unwahrscheinlich, da\xDF, w\xE4hrend die Christen in Asien
und Europa Kirchen baueten, sie nicht die durch ihren Meister und
Heiland merkw\xFCrdig gewordenen Stellen gekannt haben sollen, welche die
Zeitgenossen Christi kennen mu\xDFten. Sechs und vierzig Jahre nach der
Zerst\xF6rung der Stadt durch =Titus= erhielten die Gl\xE4ubigen von Kaiser
=Hadrian= die Erlaubni\xDF, =\xFCber dem Grabe Christi= ein Gotteshaus zu
errichten (_Epit. Bell. Sacror._). Bis Hadrian war aber seit Jakob,
welcher im Jahre 35 nach Christi zum ersten Bischof von Jerusalem
gesalbt worden war, eine ununterbrochene Reihe von Bisch\xF6fen. Die\xDF
und die nat\xFCrliche Voraussetzung, da\xDF man seit erster Zeit die Gebete
lieber auf geweihten als anderen Stellen gehalten habe, b\xFCrgen f\xFCr die
Treue der Ueberlieferung. =Konstantin= baute eine Basilika \xFCber dem
heiligen Grabe. =Hieronymus=, der sich im Jahre 385 nach =Bethlehem=
zur\xFCck zog, gibt eine Schilderung der heiligen Stellen, welche die
Einerleiheit der zu seiner Zeit und der heute daf\xFCr angesehenen
darthut; =Eusebius= und =Cyrillus= de\xDFgleichen, und =Gregor von Nissa=
eifert gegen den Mi\xDFbrauch der Pilgerschaften, denn damals schon kamen
Pilger aus allen Weltgegenden dahin. Die Basilika Konstantins, von
=Kosroes= zerst\xF6rt, wurde von =Heraklius= wieder hergestellt. =Omar=
lie\xDF den Christen dies Gotteshaus. =Hakem= verw\xFCstete es zum Theile (J.
1009). Die =lateinischen= K\xF6nige stellten es her und erweiterten es,
um die Sch\xE4delst\xE4tte, =Golgatha=, wovon das Grab nur f\xFCnfzig Klafter
entfernt liegt, mit einzuschlie\xDFen. Wir wissen, da\xDF erst Hadrian den
Golgatha mit in die Stadt zog. Nichts nat\xFCrlicher als da\xDF das Grab
Josephs von Arimath\xE4a sich in dessen N\xE4he befand. Tausende \xE4hnlicher
Gr\xE4ber sind rings um Jerusalem, und kaum eine Felsspitze ragt dort \xFCber
den Boden, in die nicht ein Grab oder der Eingang zu einem solchen
gehauen w\xE4re. Familiengr\xE4ber im Fels seines Ackers oder seines Gartens
waren seit \xE4ltester Zeit in diesem Lande \xFCblich. Joseph von Arimath\xE4a
hatte aber seinen Garten am Golgatha.

Der Tempel, den die lateinischen K\xF6nige hinterlie\xDFen, hatte 120\xB0 L\xE4nge,
70\xB0 Breite und drei Kuppeln, wovon die \xFCber dem heiligen Grabe zu 30
Klafter Durchmesser. Balken von Cedern des Libanons bildeten die Decke.
-- Dieser Tempel verbrannte vor wenigen Jahren. Die Katholiken geben
den Griechen Schuld, den Brand angelegt zu haben. Wahr ist, da\xDF diese
zur Zeit, als das Ungl\xFCck geschah, die Kapitale und Materialien zum
Bau des heutigen Tempels bereit liegen hatten, und seit sie denselben
ausf\xFChrten, die Katholiken aus vielen ihrer Vorrechte verdr\xE4ngten.

Der heutige Tempel ist von der Ausdehnung des fr\xFCheren. Innerhalb
dem Umfange desselben, nach Art des Allerheiligsten in den meisten
Tempeln der alten Welt, steht als ein f\xFCr sich geschlossenes Haus
das =Allerheiligste= dieses Tempels, n\xE4mlich das =Grab Christi=. Die
Pforte sieht nach Ost und hat 4' H\xF6he und 2' 4" Breite. Vor derselben
sind zwei gro\xDFe Kandelaber aus Silber aufgerichtet, und an den Seiten
zwei Marmorb\xE4nke angebracht; \xFCber der Pforte aber, in Marmor gehauen,
sieht man die drei Marien, den Erzengel Gabriel und den auferstehenden
Heiland. Durch diese Pforte tritt man in das erste, ganz mit Marmor
ausgelegte, von zw\xF6lf S\xE4ulen an den W\xE4nden gest\xFCtzte Gemach, das des
Engels genannt, weil darin, auf Fu\xDFgestelle von Marmor und in Marmor
gefa\xDFt, das St\xFCck Kalkstein bewahrt wird, an welches, wie man glaubt,
von dem Engel, der zu Marien sprach, der Schlu\xDFstein des Grabes gelehnt
worden war. \xBBUnd der Engel des Herrn kam vorm Himmel herab und w\xE4lzte
den Stein von der Th\xFCr und setzte sich darauf; Und seine Gestalt war
wie der Blitz und sein Kleid wei\xDF wie der Schnee.\xAB (Matth\xE4i, 28).

Das zweite Gemach, 5' 11" lang, 5' 10" breit, 3' 7" hoch, ist das Grab
des Heilandes, eine in das Leben des Felsens gehauene, mit Marmor
ausgelegte Grotte. Ueber dem Eingange ist dieselbe Darstellung wie
\xFCber dem ersten, aber statt der drei Marien, =Magdalena=, =Jakobi= und
=Salome=, deren die Evangelien des =Markus= und =Lukas= im letzten
Kapitel erw\xE4hnen, erscheinen hier nur die ersten beiden, wie bei
=Matth\xE4us= zu lesen. -- Zur Rechten, im Eingange selbst, zeigt man den
gespaltenen Schlu\xDFstein, in der Grotte aber die Grabstelle, wo aus
einem Steinblocke von 2' 4" H\xF6he, 5' 11" L\xE4nge und 2' 10" Breite der
Leichnam, mit dem Haupte nach Abend gewendet, lag. Eine Marmorplatte
deckt diesen Block und dient als Altar bei Lesung der Messe. Den
Hintergrund schm\xFCcken ein katholisches und ein griechisches Bild. Vier
und vierzig Lampen brennen darin, f\xFCnfzehn aber im Vorgemache. Drei
L\xF6cher sind in der Decke angebracht, um den Dampf hinaus zu lassen;
\xFCber der Decke steht eine Art Thurm morgenl\xE4ndischen Styles. Im
Vorgemache zwischen der zweiten und dritten S\xE4ule zu beiden Seiten des
Einganges, sind l\xE4nglichrunde L\xF6cher durch die Wand geschlagen, durch
welche am Charsamstage der im heil. Grabe eingeschlossene griechische
und armenische Bischof =das heilige Feuer= den Gl\xE4ubigen reichen. Die
einen behaupten und die anderen glauben n\xE4mlich, der heilige Geist
steige an diesem Tage vom Himmel, und z\xFCnde die Kerzen an. Diese Szene
ist die feierlichste des Jahres. Der t\xFCrkische Gouverneur mit seinem
ganzen Hofstaate wohnet derselben in der Gallerie der Katholiken bei
(wobei die M\xF6nche des heil. Franziskus ihm Erfrischungen reichen
m\xFCssen), und auf seinen Wink geschieht das Wunder. Das Volk rei\xDFt sich
um das Gl\xFCck, ein Kerzchen am heiligen Feuer anzuz\xFCnden, und jeder
tr\xE4gt es in seine Herberge, sorgsam bem\xFCht, da\xDF es nicht verl\xF6sche.
Es gibt Beispiele, da\xDF Gl\xE4ubige es von Jerusalem bis Konstantinopel
gebracht haben. Reste uralter, l\xE4ngst verschwundener Religionen leben
als Erbst\xFCcke in den heutigen fort. --

Ueber das Allerheiligste w\xF6lbt sich die gro\xDFe Kuppel des Domes. Eine
runde Halle umgibt dasselbe, die von achtzehn Pfeilern getragen wird.
Die Pfeiler haben 5' 10" Breite und 4' Abstand unter sich, mit Ausnahme
der beiden Paare in West und Ost, wovon die ersten 4' 6", die anderen
aber, von dreifacher Breite der \xFCbrigen, 20' Raum zwischen sich haben.
Auf den Pfeilern ruhen zwei Stockwerke von Bogeng\xE4ngen, worin jeder
Sekte ihr besonderer Gebetplatz angewiesen ist. Im Osten des heiligen
Grabes zwischen den beiden breiten Pfeilern hindurch tritt man in
die =Kirche der Griechen=, die ger\xE4umigste und reichste derjenigen,
welche die Mittelhalle umgeben. Sie ist mit Gold, Bildwerken, Marmor
und Lampen geschm\xFCckt, und \xFCber sie w\xF6lbt sich die zweite Kuppel,
zu deren geschlossener Krone von au\xDFen eine Stiege hinaufl\xE4uft.
Die mittlere allein ist mit Blei gedeckt und oben wie die Rotonda
ge\xF6ffnet. Den Mittelstein ihrer Kirche sehen die Griechen als den
Mittelpunkt der Erde an. Was Wunder, betrachtet sich doch jeder Mensch
als den Mittelpunkt der Sch\xF6pfung; und warum sollte er es nicht? --
Im Norden des heil. Grabes, zwischen dem zweiten und dritten Pfeiler
hindurch, geht man in eine Vorhalle, worin die Orgel der =Katholiken=
aufgerichtet steht, und kommt dann in die Kirche derselben. An diese
ist ein Hospitium angebaut, f\xFCr die M\xF6nche, welche den Dienst im
heiligen Grabe haben. Aus Mangel an Geld ist dieses sehr verfallen,
und der Regen bricht durch. Das obere Stockwerk geh\xF6rt den T\xFCrken, die
gerade \xFCber der katholischen Kirche Pferdest\xE4lle haben, denn ob der
Neigung des Berges ist der Eingang in dies Stockwerk von der einen
Seite ebenen Schrittes.

Aus der Vorhalle der Katholiken geht man in ihre Sakristei, und \xFCber
Stiegen in den ihnen zugewiesenen Theil der Bogeng\xE4nge. In dieser
Vorhalle wird die Stelle verehrt, wo =Magdalena= den auferstandenen
Heiland f\xFCr den G\xE4rtner des Ortes nahm, und er ihr zurief: \xBBWeib, was
weinest du?\xAB (Joh. 20).

An der Nordseite, gleichlaufend mit der Au\xDFenwand der griechischen
Kirche, ziehen zwei Gallerien hin; die erste ist diejenige, wo heut
zu Tage Markt gehalten wird f\xFCr das Volk, so im Tempel nachtet und
wohnet. Getreide, Gr\xFCnzeug, Speisen aller Art werden da mit dem
\xFCblichen Geschrei verkauft und gekauft. Die andere Gallerie hat an
ihrem \xF6stlichen Ende eine Grotte, 7' lang und 6' breit, die man das
=Gef\xE4ngni\xDF Christi= zu nennen pflegt, als den Ort, wo er vor der
Kreuzigung, bis alles zu dieser Handlung bereit gelegt war, gehalten
und verh\xF6hnt worden seyn soll. Im Osten, hinter der griechischen Kirche
l\xE4uft ein Bogengang, an dem mehrere Kapellen zur Linken angebaut
sind, und zwar zuerst ein Altar der Armenier; dann Pforte und Aufgang
ins griechische Kloster, welches an den Tempel gebaut ist; weiter
die Kapelle zur Erinnerung an die Stelle, wo um die Kleider Christi
gew\xFCrfelt wurde, \xBBauf da\xDF erf\xFCllet w\xFCrde die Schrift, die da sagt:
sie haben meine Kleider unter sich getheilet und haben \xFCber meinen
Rock das Loos geworfen\xAB (Joh. 19. 24); weiter eine Stiege zu acht und
zwanzig Stufen, welche in eine Grotte hinabf\xFChrt. Dort ist die jetzt
den Armeniern geh\xF6rige =Kapelle der heil. Helena=, von vier S\xE4ulen
getragen, und der Sitz, wo sie w\xE4hrend der Kreuzauffindung betete.
Dreizehn Stufen tiefer gelangt man in die Grotte der =Kreuzauffindung=.
Am oberen Ende der Stiege steht die =Schimpfs\xE4ule=, 2' hoch und 1'
Durchmesser, auf welcher Christus verspottet und gekr\xF6nt wurde.
Nachdem man abermals an einer Pforte, die zum griechischen Kloster
f\xFChrt, vor\xFCber gekommen ist, steigt man \xFCber zwanzig Stufen auf die
=Sch\xE4delst\xE4tte=, welche gerade Raum f\xFCr eine Kapelle und Vorhalle hat.
Die n\xF6rdliche H\xE4lfte der Kapelle enth\xE4lt die Stelle der Kreuzigung.
Da, wo man voraussetzt, da\xDF Christus auf das liegende Kreuz geheftet
wurde, ist eine Marmorplatte ausgebreitet. Die s\xFCdliche H\xE4lfte zeigt
das Loch, worin das Kreuz aufgerichtet stand. Der Gekreuzigte sah
=abendw\xE4rts=, als wenn sein letzter Hauch den Sieg vorz\xFCglich nach
dieser Richtung tragen sollte! -- Das Kreuz des guten S\xFCnders war also
an der Nordseite. Der Vorplatz bezeichnet die Stelle, wo Maria weinte,
und wo neben ihr stand der geliebte J\xFCnger des Herrn. \xBBWeib, siehe, das
ist dein Sohn!\xAB und Du: \xBBSiehe, das ist deine Mutter!\xAB (Joh. 19). Unter
der Kapelle zeigt man eine Grotte und darin die =Spaltung des Felsens=.
\xBBUnd siehe, der Vorhang des Tempels zerri\xDF von oben bis unten, und die
Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich, und die Gr\xE4ber thaten
sich auf.\xAB (Matth. 27). In dieser Spalte, so glaubt das Volk, wurde
damals das Haupt Adams gefunden; denn auf dem Golgatha soll er Gott
dem Sch\xF6pfer sein letztes Opfer gebracht haben. So kn\xFCpft die Sage die
beiden Epochen der Gr\xFCndung und der Erl\xF6sung des Menschengeschlechtes
an eine und dieselbe Stelle der Erde. Dort waren bis zum letzten Brande
auch die Ruhest\xE4tten =Gottfrieds von Bouillon= und =Balduins=; diesen
gegen\xFCber aber die vier anderer lateinischer K\xF6nige. Die Male bestehen
noch, sind aber in der Mauer verborgen.

Neben dem Golgatha ist der Eingang in den Tempel und der Stein der
Salbung, eine Platte aus dem Marmor des Sion, roth und gelbwei\xDF, 7' 9"
lang und 1' 11" breit. Dort knieen die Gl\xE4ubigen aller Sekten zuerst
und k\xFCssen mit Andacht den Stein. Neben dem Tempeleingang westlich
folgt eine Halle, aus welcher die Stiege nach dem armenischen Theile
der oberen Bogeng\xE4nge f\xFChrt. Aus dieser Halle tritt man zur Rechten
zwischen dem zweiten und dritten Pfeiler in die gro\xDFe Mittelhalle,
und hat den Kreisgang um die griechische Kirche vollendet. Alle
Heiligth\xFCmer, mit Ausnahme des Grabes, fallen sonach in die =\xF6stliche=
H\xE4lfte des Tempels. Zwischen den Pfeilern der Haupt- und Mittelhalle
sind kleine Gem\xE4cher angebracht, welche die Priester zu bewohnen
pflegen.

Vormals theilte man die christlichen Besitzer des heil. Grabes in
=acht= V\xF6lkerschaften, die Lateiner, die Griechen, die Abyssinier,
die Kopten, die Armenier, die Nestorianer, die Maroniten und die
Gregorianer. Jetzt bestehen dort nur mehr die ersten beiden, dann die
vierte und f\xFCnfte. Die Griechen haben die oberste Hand und sind die
W\xE4rter des heiligen Grabes, was bis zum letzten Brande die Lateiner
gewesen sind. Beide theilen unter sich den Golgatha, und die Griechen
\xFCberlassen f\xFCr den Charfreitag Abend ihren Theil (die Stelle der
Kreuzerh\xF6hung) den Lateinern. Diese besitzen allein eine Orgel,
halten Lampen im Allerheiligsten und auf dem Salbungsteine (den sie
an die Griechen verloren) und lesen die Messe, bevor die Griechen sie
lesen d\xFCrfen. Daf\xFCr halten diese in der lateinischen Kirche Lampen.
Die Gregorianer verloren an die Griechen das Gef\xE4ngni\xDF Christi
und die Stelle der Kreuzerh\xF6hung; die Abyssinier an die Armenier
die Schimpfs\xE4ule; die Nestorianer an die Lateiner die Kapelle der
Magdalena. Die Armenier besitzen die Kapelle der heil. Helena und die
der Vertheilung der Kleider. Die Kopten haben eine kleine Kapelle au\xDFen
an die Westseite des Allerheiligsten gelehnt, und sind die \xE4rmsten und
ruhigsten aus allen. Die gro\xDFen Messen werden auf einem Tragaltare vor
dem Eingange ins Gemach des Engels gelesen. Ist die Reihe hiezu an den
Katholiken, so wird nur die rechte H\xE4lfte der Kerzen auf dem Altare
angez\xFCndet; so bei den Griechen nur die linke. -- Der Neid und der Ha\xDF
knien, wie Teufel neben der Unschuld, hier neben der Andacht und singen
mit im Chor der Frommen.

                   *       *       *       *       *

Der erste Ritt, den ich au\xDFerhalb der Stadt machte, ging durch das
Pilgerthor in das s\xFCdwestliche Thal. Dieses, einerseits von dem
=Sion=, anderseits von den H\xF6hen eingefangen, wor\xFCber der Weg nach
=Bethlehem= f\xFChrt, ist enge und felsig. Man findet ein Bend darin,
hundert Schritte breit und vierhundert lang;[A] offenbar ein uralter,
neben dieser K\xF6nigsstadt unerl\xE4\xDFlicher und sp\xE4ter oft erneuerter Bau,
dessen, wenn ich recht verstehe, das zweite Buch der Chroniken erw\xE4hnt
als eines Werkes des K\xF6niges =Hiskias=, des Zeitgenossen =Sancheribs=
des Assyrers. (XXXII. 30 und zur Erl\xE4uterung =Gihons=, XXXIII. 14.) Die
heute das Bend umgebenden Mauern sind sarazenisches Werk.

Die Thalwand zur Rechten zeigt viele Felsengr\xE4ber, meist f\xFCr Familien
eingerichtet und bald aus einem, bald aus mehreren Gem\xE4chern bestehend,
an Arbeit roh. Eine dieser H\xF6hlen verehrt man als diejenige, worin die
J\xFCnger nach der Gefangennehmung Christi sich geborgen haben sollen. Sie
ward von den Griechen behauen, bemalt und in ein Kirchlein umwandelt,
auch am Eingange verziert, und ist ein Grab, wie die anderen, mit
mehreren Kammern. Nahe daran ist eine andere Grabh\xF6hle, in die ich
durch ein enges Loch mich einschob. Sie besteht aus einer gew\xF6lbt
ausgehauenen Halle zu 14 Fu\xDF ins Gevierte und aus sechs Gem\xE4chern, zwei
zu jeder Seite. Jedes Gemach hat zwei oder drei Felsenb\xE4nke, worauf die
Leichname in T\xFCcher geh\xFCllt gelegt worden sind. In einem der hinteren
Gem\xE4cher ist auch ein Schacht, wie in \xE4gyptischen Gr\xE4bern; in anderen
gehen Gebein- und Moderh\xF6hlen in den Fels ein; alle diese Gem\xE4cher sind
noch jetzt voll von Gebeinen. \xDCber einer Grabh\xF6hle las ich [Greek:....
T\xCAS AGIAS.... SI\xD4N]. Sonst fand ich nirgend Aufschriften. -- H\xF6her
am Abhange ist eine breite, tiefe, in zwei Theile getheilte und mit
einem m\xE4chtigen Vorbau aus christlicher Zeit versehene Grotte, worin
bis vor kurzem noch die Armenier zu begraben pflegten. Die Stelle
wird der =Blutacker= genannt, =Hakeldama=, den Judas um das Blutgeld
erwarb (Apostelgesch. I. 19), oder den die Hohenpriester, nachdem der
Verr\xE4ther ihnen die Silberlinge zur\xFCckgeworfen und sich erhenkt hatte,
zum Begr\xE4bni\xDF der Pilger um dieses Geld erkauften. \xBBUnd wird derselbe
Acker der Blutacker genannt bis auf den heutigen Tag.\xAB (Matth. 27)

Die Schlucht wendet \xF6stlich und f\xFChrt in das Thal =Josaphat=, das hier
nicht \xFCber hundert Schritte Breite hat. Auch dieses schlie\xDFt, gerade
unter der Vereinigung der beiden Th\xE4ler, ein Bend, vielleicht das
Becken =Asuja=, dessen Nehemias (III. 16) erw\xE4hnt. Man findet eine
tiefe Cisterne dort und eine nun verlassene Moschee. Jene wird der
=Brunnen Marias= genannt. Das Thal l\xE4uft nach S\xFCden aus und erweitert
sich dort. Die Meinung, da\xDF im Thale Josaphat das Gericht des Herrn
werde gehalten werden, gr\xFCndet sich auf die Stelle des Propheten =Joel=:

\xBBDie Heiden werden sich aufmachen und herauf kommen zum Thal Josaphat:
denn daselbst will ich sitzen, zu richten alle Heiden um und um.\xAB..

\xBBSchlaget die Sichel an, denn die Ernte ist reif; kommt herab, denn die
Kelter ist voll, und die Kelter l\xE4uft \xFCber, denn ihre Bosheit ist gro\xDF.\xAB

\xBBEs werden Haufen Volkes seyn im Thale des Urtheils, denn des Herrn Tag
ist nahe im Thale des Urtheils.\xAB

\xBBSonne und Mond werden verfinstert und die Sterne ihren Schein
versagen;\xAB

\xBBUnd der Herr wird aus Sion br\xFCllen und aus Jerusalem seine Stimme
schallen lassen, da\xDF Himmel und Erde beben. Aber der Herr wird seinem
Volke eine Zuflucht seyn, und eine Feste den Kindern Israel.\xAB (III.
17-21).

Die Auslegung, welche diese Stelle und eine andere desselben Propheten
bei den Juden fanden, mu\xDFte in den Jahrhunderten, wo die Religion in
voller Frische Herz und Einbildung der Christen besch\xE4ftigte, auch bei
diesen Gl\xFCck machen. \xDCbrigens ist des Thales Josaphat in keinem anderen
Theile der Bibel gedacht.

Steigt man dies Thal von dem Bend aufw\xE4rts, so hat man zur Rechten den
=Berg der Verunreinigung= und dann den =\xD6hlberg=; zur Linken den =Sion=
und den =Morija=. Der erste tr\xE4gt seinen Nahmen von der Abg\xF6tterei,
die darauf getrieben wurde; \xBBda erh\xF6hte Salomo einen Altar Chamos,
dem Gr\xE4uel der Moabiter, auf dem Berge, der vor Jerusalem liegt, und
Molech, dem Gr\xE4uel der Ammoniter\xAB (K\xF6nige, XI. 7.) Aber Josia reinigte
den Gottesdienst; \xBBauch die Tempel, die vor Jerusalem waren, zur
Rechten am Berge Mashith, welche Salomo, der K\xF6nig Israels, gebaut
hatte Asthoreth, dem Gr\xE4uel von Sidon, und Chamos, dem Gr\xE4uel von Moab,
und Milkon, dem Gr\xE4uel der Kinder Ammon, verunreinigte der K\xF6nig; und
zerbrach die S\xE4ulen und rottete aus die Haine und f\xFCllete ihre St\xE4tte
mit Menschenknochen\xAB (II. K\xF6nige, XXIII.)

In der schmalen Schlucht zwischen dem Sion und Morija, zur Linken des
Pfades, wo ein m\xE4chtiger Felsblock sich th\xFCrmet, findet man die Quelle
=Rogel=. Sie flie\xDFt in ein sch\xF6nes antikes Becken, und wird aus diesem
durch in den Felsen gehauene Kan\xE4le weitet gef\xFChrt. Unter dem Becken
ist ein nun unbenutztes Bend. Wohlthuendes Gr\xFCn ziert diese Schlucht
und ihren Ausgang ins Thal Josaphat, dessen W\xE4nde kahl und schon
im April ausgebrannt erschienen, und kaum hie und da einen \xD6hlbaum
n\xE4hrten. Der Quelle Rogel erw\xE4hnt schon das Buch Josua (XVIII. 16) als
eines der Punkte, welche die Gr\xE4nze des Gebietes Benjamin bestimmten.
Das zweite Buch Samuels zeigt uns =Jonathan= und =Achimaaz= an dieser
Quelle stehend, \xBBund eine Magd ging hin und sagte ihnen, was =Absolom=
zum Angriffe gegen seinen Vater eingeleitet hatte.\xAB (XVII.) Das erste
Buch der K\xF6nige nennt auch den Felsen an der Quelle Rogel: \xBBUnd da
Adonia Schafe und Rinder und gem\xE4stetes Vieh opferte an dem Felsen
=Soheleth=, der neben der Quelle Rogel steht, lud er alle seine Br\xFCder,
des K\xF6niges S\xF6hne und alle M\xE4nner Juda, des K\xF6niges Knechte; aber den
Propheten Nathan und Benaja, und die Helden und Salomo, seinen Bruder,
lud er nicht.\xAB -- (I. 9. 10.)

Wie geklebt an die Wand des Berges zur Rechten, der Quelle gegen\xFCber,
h\xF6chst malerisch zwischen Grabeing\xE4ngen und Todtenmalen, liegt das
Dorf =Silo= oder =Siloa=, das noch an 30 H\xE4user hat; nicht zu
verwechseln mit =Silo=, der =Wohnung des Herrn=. (Psalm 78. 60.)

Zur Linken, unten am Kedron, flie\xDFt die mit dem Orte gleichbenannte
Quelle =Siloa=, wie die fr\xFChere so auch diese in ein antikes Becken. Da
eben t\xFCrkische Frauen darin sich badeten, so stieg ich nicht in die\xDF
Becken hinab. An der Quelle, die Nehemias das Becken =Seloah= nennt,
war einst ein Garten der K\xF6nige. (III. 15.) Jesaias schreibt =Siloha=
(VIII. 6); eben so Johannes, da er die Heilung des Blindgebornen
erz\xE4hlt, den Christus an dieser Stelle sich waschen hie\xDF (9.)

Hoch schauen die Mauern der Stadt vom Berge Morija ins Thal des
=Kedron=. Dessen Bette ist tief eingeschnitten, enge; dessen Ufer
sind ohne Baum. Ich fand diesen vielbesungenen Gie\xDFbach, dessen die
B\xFCcher Samuels, der K\xF6nige und der Chroniken oft erw\xE4hnen, ohne Wasser.
Er zieht zwischen Gr\xE4bern hin, denn der \xF6stliche Abfall des Morija
ist mit t\xFCrkischen, der westliche des \xD6hlberges und des Berges der
Verunreinigung mit j\xFCdischen Malen bedeckt. Seit \xE4ltester Zeit scheint
dieser Raum Grabst\xE4tten gewidmet zu seyn. =Drei= Male ziehen vor Allen
den Blick auf sich. Das erste wird das =Grab Josaphats=, das zweite das
des =Zacharias=, das dritte das des =Absolom= genannt. Alle drei sind
antik, gemischten r\xF6misch-morgenl\xE4ndischen Geschmacks und m\xE4chtiger
Ausf\xFChrung. Das =Grab Josaphats= ist ein aus dem Leben des Felsens
gehauenes Tempelchen zu 21 Fu\xDF ins Gevierte und etwa 30 Fu\xDF hoch. Zwei
S\xE4ulen und zwei Halbs\xE4ulen, die sich an Pfeiler schlie\xDFen, jonischer
Ordnung, schm\xFCcken jede Seite. Auf dem Gesimse l\xE4uft ringsum ein
Aufsatz aus Akanthusbl\xE4ttern, etwa 3 Fu\xDF hoch, der mich an das Fries
des Portikus von =Esne= in Ober\xE4gypten erinnerte. Dann folgt als Schlu\xDF
nach oben eine vierseitige Pyramide, etwa 12 Fu\xDF hoch. Der Eingang ist
versch\xFCttet oder unter der dermaligen Oberfl\xE4che. Die Arbeit an diesem
Male ist reich, aber nicht rein. Das ganze Tempelchen steht in einer
aus dem Felsen gehauenen Nische, jetzt sorgsam mit Gr\xE4bern belegt.

Durch die n\xF6rdliche Wand dieser Nische ist ein Gang in den Felsen
gebrochen, der in das =Grab des Zacharias= f\xFChrt. Dieses besteht aus
einer Folge von Gem\xE4chern, unverziert und roh. Das Atrium ist von drei
S\xE4ulen getragen. Alles aus dem Felsen gehauen.

Das =Grab Absoloms=, des Sohnes Davids, steht etwas h\xF6her und gleich
demjenigen Josaphats in einer Felsnische. Es ist ein Tempelchen zu
24 Fu\xDF ins Gevierte, dessen untere H\xE4lfte, die Zelle, au\xDFen mit zwei
ganzen und zwei halben S\xE4ulen, die sich an Eckpfeiler lehnen, auf jeder
Seite geschm\xFCckt und aus dem Felsen gehauen ist. Der Architrav hat
als Zierrath Triglyphen und dorische Rosen und Tropfen. Die S\xE4ulen
aber sind jonischer Ordnung. Das Tempelchen ragt etwa 18 Fu\xDF \xFCber den
Boden bis zum Aufsatz \xFCber dem Architrave. Daraus ruht ein anderer
Aufsatz aus zwei Vierecken, das obere schm\xE4ler, beide aus m\xE4chtigen
Werkst\xFCcken und mit besonderem Fries geziert. Aus dem zweiten steigt
als Zierde ein Spitzdach, das sich nach oben wie eine Blume aufschlie\xDFt
und wahrscheinlich mit Akanthus endete. Es gleicht dem obern Theile
des Males des Lysikrates zu Athen. Was gebaut an diesem Male Absoloms
ist, mag 20 Fu\xDF H\xF6he haben. An der Hinterwand der Felsnische sieht man
ein Tympanon, und darunter blickt ein versch\xFCtteter Eingang hervor.
Auch das Grab Absoloms ist innen versch\xFCttet, doch kann man zu oberst
hineinkriechen. Was man da von den W\xE4nden sieht, ist unverziert.

Es versteht sich, da\xDF diese Male nicht aus der Zeit ihrer Namen seyn
k\xF6nnen. Josaphat ward im Grabe seiner V\xE4ter beigesetzt (K\xF6nige XXII.
51.); \xFCber Zacharias wei\xDF ich nichts zu sagen; f\xFCr ein besonderes Mal
Absoloms spricht zwar entschieden folgende Stelle:

\xBBAbsolom aber hatte sich ein Mal aufgerichtet, da er noch lebte; das
stehet im K\xF6niggrunde. Denn er sprach: ich habe keinen Sohn, darum soll
die\xDF meines Namens Ged\xE4chtni\xDF seyn; und hie\xDF das Mal nach seinem Namen
und hei\xDFt auch bis auf den heutigen Tag: =Absoloms St\xE4tte=\xAB (II. Sam.
XVIII. 18.)

Diese Stelle erkl\xE4rt, nach meiner Ansicht, wohl, warum man dem Male,
das heut zu Tage das Grab Absoloms hei\xDFt, diesen Namen gab; nicht aber
beweiset sie, da\xDF der Name richtig gegeben wurde. Die Bauart spricht
klar dar\xFCber ab.

H\xF6her hinauf am Kedron, am Fu\xDFe des \xD6hlbergs, zeigt man den Garten
=Gethsemane=, ein mit trockener Haltmauer umfangenes Graspl\xE4tzchen,
in welchem acht uralte \xD6hlbaume stehen. Man glaubt, da\xDF sie aus der
Zeit Christi sind, was durch die Versicherung des Josephus, da\xDF Titus
w\xE4hrend der Belagerung alle B\xE4ume auf hundert Stadien in die Runde
niederhauen lie\xDF (_Bell. Jud._ VII. 15), zweifelhaft wird. Indessen im
Jahre der Eroberung Jerusalems durch die Muselm\xE4nner bestanden diese
B\xE4ume schon, denn sie zahlen nur acht Medinen; zu einer Medine aber
wurde damals jeder \xD6hlbaum besteuert. Der Nachwuchs seit der Eroberung
zahlt die H\xE4lfte der Ernte. -- Diese Stelle, mit welchem Auge man sie
ansehen mag, ist eine derjenigen, deren Geschichte unwiderstehlich
die Seele mit R\xFChrung durchdringet. Welcher Held auf der B\xFChne des
\xF6ffentlichen Lebens hat nicht eine St\xE4tte Gethsemane, wo unter der
Last des Neides und Hasses der Feinde, unter den Leiden des Undanks,
der Schw\xE4che und des Leichtsinns der Freunde, wo unter den Vorgef\xFChlen
der schweren Opfer und Pr\xFCfungen, wozu jedes edle Streben der Menschen
verdammet, seine Seele trauert und zagt, betr\xFCbt bis in den Tod, und
sein Herz fleht, da\xDF, so es m\xF6glich sey, die Stunde vor\xFCbergehe! In
solchen Augenblicken \xFCberz\xE4hlt man die Wenigen, die wahrhaft an Einem
h\xE4ngen, und spricht im Geiste zu ihnen: \xBBBleibet hier und wachet mit
mir!\xAB Aber ach, auch von diesen, wie gering ist die Zahl derer, die
eine Stunde mit ihm wachen! \xBBDer Geist ist willig, aber das Fleisch ist
schwach.\xAB (Matth. 26.)

Die Stelle, wo Christus betete: \xBBVater, \xFCberhebe mich dieses Kelches!
aber dein Wille geschehe, nicht der meine,\xAB lag vom Garten auf
Entfernung eines Steinwurfs. (Luk. 22.) Man weiset eine Grotte an
Gethsemane als diese Stelle, und die Katholiken haben dieselbe zum
Gottesdienste eingerichtet. Nahe daran ist auch die sch\xF6ne, in eine
Felsnische eingesenkte Kirche \xFCber dem =Grabe der heil. Jungfrau=, des
=heil. Joseph=, der =heil. Anna= und des =heil. Joachim=. Man steigt
\xFCber f\xFCnfzig Stufen in diese Kirche hinab, die nun ausschlie\xDFend den
Griechen geh\xF6rt. Von allen Sekten hochverehrt, hatten auch alle eine
Betstelle darin, und selbst die T\xFCrken ein frommes Pl\xE4tzchen, an dem
sie gerne der tiefen Andacht sich hingaben, mit welcher sie \xFCberhaupt
Jerusalem betrachten. =Ihnen= ist sie die =heilige Stadt=, =uns= ein
M\xE4hrchen von ehemals. Was aber bei uns die wirkliche Geschichte des
Tages ist, das sagen die Worte des Evangelisten: \xBBUnd alsbald trat er
zu Jesu und sprach: Gegr\xFC\xDFet seyst Du, und k\xFCssete ihn ...\xAB (Matth.
26.)

Gethsemane und der Abhang des Morija war von einer unz\xE4hligen Menge
t\xFCrkischer Frauen und M\xE4dchen besetzt. Auf allen Stra\xDFen kamen
t\xFCrkische Pilger unter Ges\xE4ngen, lautem Gebet und vorgetragenen
Fahnen und wurden von den Frauen mit dem Entgegenwerfen von Rosen und
Palmzweigen empfangen. Gegen uns Christen hob manche sch\xF6ne Hand einen
Stein auf. Auch die Muselm\xE4nner haben zu unserer Osterzeit heilige
Feste zu Jerusalem, und zwar durch acht volle Tage. Aus \xC4gypten,
Arabien und Damaskus str\xF6men sie nach der heiligen Stadt, wie wir aus
den L\xE4ndern im Abend.

Bei Gethsemane f\xFChrt eine Steinbr\xFCcke \xFCber den Kedron. Daran steht eine
tiefe Cisterne. Steigt man nach der Stadt hinauf, so k\xF6mmt man an der
Stelle vor\xFCber, wo der =heil. Stephan= gesteiniget wurde (Apostelg.
VII.), und dann nach dem Thore, das nach ihm hei\xDFt. Darauf sind vier
L\xF6wen eingehauen. Durch dasselbe gelangt, hat man zur Rechten ein
Wasserbecken, 150 Fu\xDF lang und 40 Fu\xDF breit, mit aufgemauerten W\xE4nden,
ein Bau aus Byzantinerzeit, denke ich, nun als Garten ben\xFCtzt. Die
Priester halten es f\xFCr das _Stagnum Salomonis_, f\xFCr die _Piscina
probatica_ oder des Becken =Bethesda=, dessen Wasser man zu den Zeiten
Christi eine heilende Kraft zuschrieb. (Joh. V.).

Nicht ferne vom Thore St. Stephans weiset man das =Haus des Pilatus=,
ein gro\xDFes Geb\xE4ude neuerer Zeit \xFCber den Ruinen eines \xE4lteren. Dort
beginnt die _Via dolorosa_, eine der Hauptstra\xDFen der dermaligen Stadt,
wo die Leidensstationen durch liegende S\xE4ulensch\xE4fte, urspr\xFCnglich von
der Kaiserin Helena gesetzt, angegeben sind. Dem Hause des Pilatus
gegen\xFCber ist das Gew\xF6lbe der Gei\xDFelung. Ruinen einer Kirche stehen an
derjenigen Stelle, wo (nach Bonifazius und Anselmus) die heil. Jungfrau
dem Sohne auf seinem letzten Wege begegnete und in Ohnmacht sank,
hundert zwanzig Schritte vom Hause des Pilatus. F\xFCnfzig Schritte weiter
wendet die Stra\xDFe aus West nach S\xFCd. An dieser Ecke soll =Simon von
Kyrene= das Kreuz \xFCbernommen haben. (Luk. XXIII. 26.) Nahe daran ist
die Stelle, wo Christus sich wendete zu den nachfolgenden Frauen und
ihnen zurief: \xBBWeinet nicht \xFCber mich, ihr T\xF6chter Jerusalems! weinet
\xFCber euch und eure Kinder!\xAB (Luk. XXIII. 28.) Gerade vor sich hat man
das Haus des b\xF6sen Reichen, den die Juden =Nabal= nennen, und an dessen
Schwelle =Lazarus= lag. (Luk. XVI.) Nach Kurzem wendet die Stra\xDFe
wieder nach Westen und hundert zwanzig Schritte von der ersten Wendung
zeigt man das Haus der =Veronika=. Nach anderen hundert Schritten aber
ist der Aufgang zum Golgatha, der jetzt durch eine M\xFChle f\xFChrt. Von
dieser Stelle ist diejenige der Kreuzigung noch zweihundert Schritte
entlegen, also betr\xE4gt die ganze L\xE4nge der _Via dolorosa_ f\xFCnfhundert
und neunzig Schritte.

Der h\xF6chste Berg in der n\xE4chsten Umgebung von Jerusalem ist der
=\xD6hlberg=. Am Osterdienstage, mit fr\xFChem Morgen, bestieg ich denselben
auf dem Wege, der an =Gethsemane= vor\xFCberf\xFChrt. Die Lage dieses Berges
im Osten der Stadt, durch das Thal des Kedron geschieden von ihr, ist
aus alten und neuen Schriftstellern bekannt; ebenso, da\xDF er schon in
\xE4ltester Zeit wie heut zu Tage vorz\xFCglich mit \xD6hlb\xE4umen bekleidet war.

Auf der halben H\xF6he des Abhanges wies man mir einen Fels als die
Stelle, wo Christus \xFCber den Untergang der Stadt weinte.

\xBBUnd als er nahe hinzu kam, sah er die Stadt an und weinte \xFCber sie.\xAB

\xBBUnd sprach: Wenn du es w\xFC\xDFtest, so w\xFCrdest du auch bedenken zu dieser
deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet. Aber nun ist es vor deinen
Augen verborgen.\xAB

\xBBDenn es wird die Zeit \xFCber dich kommen, da\xDF deine Feinde werden um
dich und deine Kinder eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an
allen Orten \xE4ngstigen.\xAB

\xBBUnd werden dich schleifen und keinen Stein auf dem andern lassen;
darum, da\xDF du nicht erkannt hast die Zeit, da du heimgesucht bist.\xAB
(Luk. XIX.)

Diese Stelle soll auch dieselbe seyn, wo Titus sein Zelt aufschlug.
Und wirklich ist aus diesem Standpunkte der Blick \xFCber die Stadt,
die sich sanft geneigt entgegenbreitet, v\xF6llig. Von hier aus besah
ich mit meinem Glase die Moschee =el-Sakhra=, die von =Omar= auf dem
Platze des Tempels Salomons erbaut wurde. Die Kreuzfahrer machten eine
Kirche daraus. Saladin stellte die Moschee her. Sie nimmt das ganze
s\xFCd\xF6stliche Viertel der heutigen Stadt ein und kr\xF6net die Flachh\xF6he
Morija. Auf dem mit Marmor belegten Platze erhebt sich ein Fu\xDFgestell,
200 Schritte lang, 150 breit und acht Stufen hoch. Darauf ruht ein
achteckiger Tempel, \xFCber den eine Kuppel sich w\xF6lbt mit Blei gedeckt.
Diese endet in eine Spitze, die den Halbmond tr\xE4gt. Die Fenster des
Tempels, acht an der Zahl, sind so hoch als die W\xE4nde. Die Hauptfarbe
ist die gr\xFCne; der Bau leicht und fein. Um den Platz l\xE4uft eine
Rasenstelle, und diese ist von zw\xF6lf Portiken zu zwei und drei Bogen
aus wei\xDFem Marmor umgeben. Den weiteren Umfang bilden ansehnliche
Geb\xE4ude, die zur Moschee geh\xF6ren. Der Rasenplatz mag 500 Schritte L\xE4nge
und 460 Breite haben.

So viel von au\xDFen. Kein Ungl\xE4ubiger darf durch die Portiken treten; er
setzt sich dem Tode aus. Ein Englander wagte kurz vor meiner Ankunft
dreimal in den Tempel zu gehen, und wurde, trotz der Verkleidung, beim
dritten Male erkannt. Halbtodt geschlagen rettete ihn die Wache des
Gouverneurs, und die M\xF6nche zum heil. Erl\xF6ser kauften ihn von diesem
f\xFCr 3000 Piaster los. Das Innere dieser Moschee, wo man den Stein
zeigt, von welchem Mohammed sich auf zum Himmel schwang, ist mit Mosaik
geziert. Sechzehn Marmors\xE4ulen tragen das erste Stockwerk und eben so
viele die Kuppel. Nach jeder Weltgegend sieht eine Pforte, wie die\xDF
schon im alten Tempel der Fall war. (Hesekiel XL.) Sechs Marmor- oder
Porphyrs\xE4ulen st\xFCtzen dieselbe.

Ich kann hier nicht umhin zu bemerken, da\xDF die Schilderung, welche
die B\xFCcher der K\xF6nige und der Chroniken von dem Salomonischen Tempel
machen, auf eine den \xE4gyptischen Tempeln sehr \xE4hnliche Bauart weisen.
\xC4gypten war auch zu Salomons Zeit das Musterland der Kunst f\xFCr den
ihm verb\xFCndeten Nachbarstaat. Es ist auch wahrscheinlich, da\xDF Salomo,
so wie er tyrischer und sidonischer Werkleute zum Behauen des Holzes
und der Steine und tyrischer K\xFCnstler zu den Arbeiten in Erz, Gold
und Elfenbein sich bediente (K\xF6nige V. VI.), \xE4gyptische Meister zu
Rathe gezogen habe, da er ja selbst die Tochter eines Pharaonen zur
Gemahlin hatte und ihr das Wohnhaus am Tempel erbaute. (VII. 8. IX.
24.) Die Pracht und der Reichthum dieses Tempels k\xF6nnen nur demjenigen
unglaublich scheinen, der die \xE4gyptischen Tempel nicht sah. Diese, in
ihrer Zerst\xF6rung, beurkunden genug die ungeheure Kraft der Religion in
jener Zeit, und den Umfang des Aufwandes, der f\xFCr sie gemacht wurde.
Lie\xDFe die Herrlichkeit \xC4gyptens nicht auf die Entwicklung der Kunst
in dem n\xE4chsten Nachbarlande gegen Osten schlie\xDFen; die Schilderung
selbst, die wir in der Bibel davon lesen, w\xE4re Beweises genug. Da\xDF
diese Kunstbildung nicht erst von den Juden nach Pal\xE4stina gebracht,
sondern von ihnen dort vorgefunden wurde, geht aus vielen Stellen
hervor. Aus den St\xE4dten =Hadad-Esers= und aus denen seiner \xFCbrigen
Nachbaren nahm David eine gro\xDFe Menge von silbernen, goldenen und
ehernen Gef\xE4\xDFen (Chron. XIX.) und die reiche Tyrus, deren Schiffe
dem K\xF6nige Salomo dienten, war damals bereits auf einer H\xF6he der
Entwicklung, die Jerusalem ein gl\xE4nzendes Muster gab. (K\xF6nige V.) Wo
aber kamen die ungeheuren Sch\xE4tze hin, die im Tempel verwendet und
aufgeh\xE4uft waren, die hunderttausend Centner Goldes und die tausendmal
tausend Centner Silbers? (Chron. XXIII. 14.) Die Tempel von \xC4gypten
und die Stellen der Bibel antworten darauf, die von der Eroberung
Jerusalems durch den Pharaonen Schischak (K\xF6nige XXIV.), von dem
Heereszuge des K\xF6nigs von Syrien Hasael (II. K\xF6nige XII.), von der
Pl\xFCnderung durch Joas, K\xF6nig von Israel (II. K\xF6nige XIV.), von den
Brandschatzungen Sancheribs, K\xF6nigs von Assyrien (II. K\xF6nige XVIII.)
und des Pharaonen Neko (II. K\xF6nige XXIII.), endlich von der Vernichtung
des Reiches durch den Babylonier Nebukadnezar (II. K\xF6nige XXIV. XXV.)
sprechen.

\xBBMeister,\xAB sagte einer der J\xFCnger zu dem Herrn, da sie aus dem Tempel
gingen, \xBBwelche Steine, welch ein Bau!\xAB -- Und Jesus antwortete: \xBBJa,
staune an diesem m\xE4chtigen Bau, und doch, kein Stein wird da \xFCber dem
andern bleiben und keiner seyn, der nicht zerbrochen werde!\xAB -- Und so
ist es auch gegangen.

Aber zur\xFCck zu unserer Wanderung auf dem \xD6hlberge. Von der Stelle der
Beschauung kam ich zu einigen Grotten, welche man die =Gr\xE4ber der
Propheten= nennt, dann zu einer Cisterne zu zw\xF6lf Bogen. An dieser
sollen die Apostel das =Glaubensbekenntni\xDF= verfa\xDFt haben. Nahe daran,
wo die Tr\xFCmmer einer Kapelle stehen, wird der Platz verehrt, wo
Christus das =Gebet des Herrn= lehrte, und drei\xDFig Schritte weiter,
an einem \xD6hlbaume, derjenige, wo er das =Weltgericht= verk\xFCndete
(Matth. 24. 25. Mark. 13). Aus der Spitze endlich steht die Moschee
(einst Kirche) der =Himmelfahrt=. Ein kleines, achteckiges, nacktes
Geb\xE4ude umschlie\xDFt einen Stein, worin man den Abdruck eines =linken=
Fu\xDFes sieht, der im Begriffe des Aufschwunges ist. Das Haupt des
Entschwebenden mu\xDF nach Norden sehend gedacht werden.

Auf dieser H\xF6he war seit \xE4ltester Zeit ein Gebetplatz. \xBBDavid aber
ging den \xD6hlberg hinan und weinete und sein Haupt war verh\xFCllet und er
ging barfu\xDF ... und da David auf die H\xF6he kam, =wo man Gott pflegte
anzubeten=\xAB u. s. w. (II. Sam. XV.) Die Stelle, weithin die Gegend
beherrschend, drang sich selbst zum Gottesdienste auf. Darum ist auch
treffend das Bild Hesekiels: \xBBUnd die Herrlichkeit des Herrn erhob sich
aus der Stadt und stellete sich auf den Berg, der ihr gegen Morgen
liegt.\xAB (XI. 23.) Eben so sch\xF6n ist dasjenige in Zacharias. XIV.

Vom \xD6hlberge den Blick ringsum sendend, ist demselben w\xFCstes, trauriges
Land nach allen Seiten aufgethan. H\xFCgel \xFCber H\xFCgel geworfen scheinen
ein Bild der Zerst\xF6rung. Im Norden ist Flachh\xF6he, \xFCber die aus 35\xB0
nordwestlich von hoher Felsspitze eine Moschee schaut, einst das
Kirchlein Samuels und in fr\xFChester Zeit =Silo=, wo die Gemeinde des
Herrn die Stifth\xFCtte aufrichtete und Josua das Loos warf zur Theilung
des Landes. (Jos. XVIII.) Im S\xFCden, nach =Hebron= hin, \xF6ffnet sich
das Thal. Im Osten sieht man die breite Ebene von =Jericho=, den
=Jordan=, und eine lange Strecke des =todten Meeres=, jenseits aber
hohes, glattes, gleichf\xF6rmiges, ausdruckloses Gebirge, =Pisga= in
der Bibel genannt (V. Buch Mos. 34), von welchem herunter Moses das
Land \xFCberblickte, das zu betreten ihm nicht gegeben war, und in das
die Kinder Israel unter Josuas F\xFChrung zur Eroberung von Kanaan
niederstiegen. Das Land zwischen Jerusalem und dem Jordan ist wie
verbrannter Boden, aschenfarb und braun; nur in den Schluchten sind
Feld, Feigen-, Mandel- und \xD6hlb\xE4ume, diese aber voll Kraft und Farbe.
Die Entfernung vom \xD6hlberg zur M\xFCndung des Jordans ins todte Meer ist
sechs Stunden, kann aber in gerader Linie deren kaum drei betragen.

Ein Trupp Beduinen lag eben damals, jede Ann\xE4herung verbietend, in
der Ebene von =Jericho=; die\xDF lie\xDF uns einen Ritt an das Gestade des
=todten Meeres= nicht ausf\xFChren.

Wir kamen durch das Dorf =Bethphage=, noch heute so genannt, und bis
an den Brunnen, an welchem Christus mit den Aposteln auf dem R\xFCckwege
von =Jericho= auszuruhen pflegte; dann nach =Bethania=, wo man uns
des =Lazarus Grab= zeigte, ein Gemach und eine Grotte, 26 Stufen tief
in den Felsen gehauen, den Katholiken geh\xF6rig und zum Gottesdienste
eingerichtet. In =Abuti\xDF=, einem nahen Dorfe, wies man uns das =Haus
Magdalena's=, und weiter \xF6stlich die Stelle, wo Christus die B\xFC\xDFerin
traf. Alle H\xF6hen im Osten des \xD6hlberges sind voll von Steinbr\xFCchen,
Grotten, Gr\xE4bern, tiefen und gro\xDFen Brunnen und in den Felsen gehauenen
Getreidebeh\xE4ltern.

Auf dem R\xFCckwege zeigte man uns an der S\xFCdseite des \xD6hlberges die
Stelle, wo sich Judas erh\xE4ngt haben soll. --

Die Stellen, welche den christlichen Gl\xE4ubigen in der Stadt
insbesondere zur Verehrung empfohlen werden, sind au\xDFer den schon
erw\xE4hnten das =Haus des Zebed\xE4us=, nun eine griechische Kirche; das
Haus =Simon des Pharis\xE4ers=, nun eine zerst\xF6rte Kirche an der _Via
dolorosa_; nicht ferne davon das Kloster zur heil. Anna mit der
=Grotte der Empf\xE4ngni\xDF=, nun eine Moschee; der Ort der Erscheinung
des auferstandenen Heilandes den drei Marien; das Haus der =Maria=,
Mutter des Johann Markus, wohin Petrus sich begab, nachdem er von dem
Engel gerettet worden war, nun eine Kirche der Maroniten; der =Kerker
des heil. Petrus=, nun eine verfallene Kirche und, nicht ferne davon,
der Ort wo =Abraham= seinen f\xFCnf und zwanzigj\xE4hrigen Sohn =Isaak=
opfern wollte (Jos. _Ant._ I. 13), nun mitten in einer Wiese zwischen
Ruinen, nicht ferne vom heiligen Grabe. Indische Feigen bewachsen die
eingest\xFCrzten W\xE4nde, und Palmen wiegen ihre Kronen dar\xFCber.

Das =griechische Kloster= und Hospitium am Tempel zum heil. Grabe ist
von Konstantin und Helena gestiftet. Zwei Kapellen sind darin, gro\xDF und
reich und mit vielen Gem\xE4lden geziert. Von der Terrasse dieses Klosters
gelangt man auf diejenige des Tempels selbst, von welcher ein anderer
herrlicher Ausblick \xFCber die Stadt ist. Ich verweilte auf den Zinnen
des Tempels in der Stunde des Sonnenuntergangs. Eine Farbe der Wehmuth
war \xFCber das ganze Gem\xE4lde ausgegossen, nur in den Klagliedern Jeremias
errathen und ausgesprochen! -- Im fernsten S\xFCd gl\xE4nzte mir ein Streifen
der arabischen W\xFCste entgegen, brennend in Gelb. Die Sandfelder
=Nubiens=, schweigend und leblos, mit ihren schwarzen Felsmassen lebten
in meiner Erinnerung auf, und es war mir als habe die Geschichte ein
\xE4hnliches Bahrtuch \xFCber den Boden gelegt, worauf ich stand.

In der Nacht kam Regen und Gewitter. Der Donner rollte \xFCber der Tochter
Sions. -- Am n\xE4chsten Morgen waren die Berge ringsum wie mit frischem
Teppich des heitersten Gr\xFCns belegt.

Die =Mauern= der heutigen Stadt sind ein Werk Soleimans, des Sohnes
Selims, aus dem Jahre 1543. Sie sind durchaus gut erhalten, besser
als diejenigen irgend einer t\xFCrkischen Stadt, Konstantinopel nicht
ausgenommen, stark, aber unbewaffnet. Geht man durch das =Thor der
Pilger=, von den Christen auch das Thor von =Bethlehem=, das Thor von
Jaffa, von den Mohamedanern =Bab-el-Kzalil= (Thor des Erw\xE4hlten) oder
auch =Bab-el-Khalil= (Thor Abrahams) genannt, so hat man zur Linken die
Schlucht zwischen dem Sion und dem H\xFCgel des Blutackers, gerade vor
sich aber die sanft aufsteigende Flachh\xF6he. Das Thor sieht nach NNW.
Die Ummauerung nimmt links desselben die Richtung S\xFCd und folgt durch
440 Schritte der Kante des Sion. Die Th\xFCrme und Mauern des Schlosses
in der Stadt, die =Burg Davids= genannt, sehen \xFCber die erste H\xE4lfte
dieser Strecke, der ein Bollwerk vorgelegt ist, f\xFCr 36 Gesch\xFCtze
nach vornen und 7 nach S\xFCd eingerichtet. Die Schie\xDFscharten sind
dermalen fast alle vermauert, und ein paar geringe St\xFCcke bilden die
Bewaffnung dieses neuesten Baues. Aus der Richtung von S\xFCd wendet die
Ummauerung nach Ost, zieht quer \xFCber die Fl\xE4che des Sion und erreicht
nach 240 Schritten das =Thor von Sion=, =Bab-el-Nebi-Dahud= (Thor des
Propheten David). Von dort senkt sich der Boden. L\xE4ngs dem Abhange des
Sion hinab zieht die Ummauerung noch 364 Schritte nach Ost, dann den
Morija hinauf erst 100 Schritte NO., dann 140 ONO. und wieder 100 NO.;
weiter l\xE4ngs der Kante des Morija abermals 300 Schritte Ost. Durch
die Westseite des zweiten Thurmes dieser Strecke geht das Pf\xF6rtchen
=Bab-el-Mograbi= (=Barbareskenpforte=) d. i. die _Porta sterquilinia_,
durch welche die Juden Christum nach der Gefangennehmung zu Pilatus
f\xFChrten. Die Ummauerung bricht rechtwinklich aufw\xE4rts, 80 Schritte,
wo eine vermauerte Pforte steht, und der Weg aus dem Thale Josaphat,
Silo gegen\xFCber, heraufkommt. Hoch \xFCber die Mauer schauen Geb\xE4ude zur
Moschee =el-Sakhra= geh\xF6rig. L\xE4ngs der Kante des Morija, wo diese am
h\xF6chsten und steilsten ist, zieht die Ummauerung Ost 200 Schritte;
dann Nord 450 Schritte bis an die goldene Pforte (=Bab-el-Darabie=).
Diese, ein r\xF6mischer Bau, aus zwei Bogen korinthischer Ordnung
bestehend, f\xFChrt gerade auf den Platz =el-Sakhra=. Sie wird von den
T\xFCrken vermauert gehalten, denn durch diese soll, der Sage zufolge, an
einem Palmsonntage ein christlicher Eroberer einziehen. Von dort bis
zum Thor =des heil. Stephan= (=Bab-el-Sidi-Mariam=, Thor der Jungfrau
Maria) sind 250 Schritte Nord. Nun beginnt die Flachh\xF6he sanft sich
zu heben. Nach 490 Schritten, abermals Nord, erreicht die Ummauerung
die Nordostecke, der =Thurm Tankreds= genannt. Der Abfall, l\xE4ngs der
Ostseite der Stadt hoch und steil, verschwindet nun, denn nahe an
dieser Ecke nimmt das =Thal Josaphat= seinen Ursprung, dort auch der
=Kedron=. Die Flachh\xF6he im Norden der Stadt hat da ihre Verbindung mit
dem \xD6hlberge.

Die Nordseite der Ummauerung ist die eigentliche Angriffsseite.
Sie bildet einen ausspringenden Winkel. Es zieht n\xE4mlich ein Theil
derselben West, der andere S\xFCdwest 430 Schritte in der ersten Richtung,
wovon zweihundert sanftaufsteigend, f\xFChren bis zum =Pf\xF6rtchen Herodes
oder Ephraim=, das durch den sechsten Thurm geht. Im Graben am dritten
Thurm ist eine gedeckte Cisterne und ein Sch\xF6pfbrunnen daneben, dem ein
Marmorsarg als Trog dient. Die Cisterne war, als ich sie sah, gef\xFCllt.

Hinter dem Pf\xF6rtchen senkt sich die Mauer durch 146 Schritte, und
hebt sich dann wieder durch 170. Dort ruht sie auf Felsen, und
nimmt dann die Richtung S\xFCdwest. Nach 180 Schritten trifft sie das
=Thor von Damaskus= (=Bab-el-Cham=), auch das S\xE4ulenthor genannt
(=Bab-el-Hamond=), das zierlichste aus allen, in der Einsenkung der
H\xFCgel liegend. Vor demselben an der Stra\xDFe steht ein Brunnen. Von
dort steigt die Ummauerung durch 500 Schritte wieder auf den Sion,
springt 60 Schritte stumpfwinklich aus und hat in diesem Vorsprunge
ein Wasserbecken vor sich. Dort zeigen sich auch auf wenige Schritte
von den Mauern Reste der \xE4lteren oder r\xF6mischen, Massen von Steinf\xFClle
mit schweren Quadern bekleidet. Nach 320 Schritten quer \xFCber die H\xF6he,
mit vier Vorspr\xFCngen, jeder zu 10 Schritten, erreicht man den anderen
Winkel der Nordseite, der durch einen auf Felsen ruhenden Thurm zu 26
Schritten Breite gebildet wird. Dort endet der Graben, der vom Thore
St. Stephan bis zu dieser Stelle der Ummauerung vorliegt, meist in den
Felsen gehauen ist, bald 6 Fu\xDF, bald 8 Fu\xDF Tiefe und bis 24 Schritt
Breite hat.

Nun geht die Mauer 60 Schritte tief ein, h\xE4lt aber noch w\xE4hrend 158
die Richtung S.N., worauf sie diejenige von S.S.O. nimmt und nach 300
Schritten das Thor von Bethlehem wieder erreicht.

Die Stadt hat demnach =sieben= Thore, und die Ummauerung in ihrer
ganzen Entwicklung 5616 Schritte L\xE4nge. =Vierzig Th\xFCrme= und =sechs und
zwanzig Halbth\xFCrme= oder Flanken brechen dieselbe. Davon fallen auf


  die Nordseite 1816 Schritte, 15 Th\xFCrme, 17 Flanken
   "  Westseite  968    "      10   "      5    "
   "  S\xFCdseite  1618    "       9   "      2    "
   "  Ostseite  1214    "       6   "      2    "


Die Mauern sind von behauenen Steinen, mit M\xF6rtel verbunden,
hinl\xE4nglich dick, mit Deckungen, Stiegen und Auftritten versehen, im
Durchschnitt 22 Lagen hoch, die Lage zu 28 Zoll. Die Zinnen halten
zwei andere Lagen. Die ganze H\xF6he der Mauern betr\xE4gt also 56 Fu\xDF. Am
niedrigsten sind sie an der S\xFCdseite, wo sie zur _Porta sterquilinia_
aufsteigen; am h\xF6chsten von dieser bis zum S\xFCdostwinkel. In dieser
Strecke dienen die Reste \xE4lterer Mauern; es ruhen n\xE4mlich die zwei
und zwanzig neuen Lagen auf f\xFCnf Lagen riesiger Werkst\xFCcke. Der
S\xFCdostwinkel der letzten vierzehn Lagen, und der anderen zwei und
zwanzig, und ist die m\xE4chtigste und zugleich, da der Berg ins Thal
Josaphat abst\xFCrzt, die am wenigsten nahbare Stelle der Ummauerung. --
=Die Th\xFCrme= haben durchaus Vierecke oder Rechtecke zur Grundfl\xE4che.
Ihre Abst\xE4nde unter sich sind ungleich. Die Breite derselben ist es
auch, und wechselt von 6 bis 24 Schritten. Sie greifen von 4 bis 14
Schritte aus der Mauer vor. Die st\xE4rksten Th\xFCrme sind die beiden
s\xFCdlichen der Westseite; derjenige zwischen dem S\xFCdwestwinkel und
dem Thore von Sion; der erste und dritte \xF6stlich von diesem Thore
(jener ist f\xFCnf Schritte vorragend und 16 breit; dieser bildet den
Winkel der Wendung aus Ost nach Nordost, hat 18 Schritte Breite und
8 und 9 Schritte Vorsprung); der Thurm Tankreds; der Thurm auf dem
Felsvorsprung in der Nordseite, endlich derjenige welcher das westliche
Ende dieser Seite bildet. Die =Halbth\xFCrme= (Flanken) greifen von der
Breite eines Schrittes bis zu der von zehn vor. Die st\xE4rksten sind zu
beiden Seiten des Nordwestwinkels.

Obgleich die Nordseite die eigentliche des Angriffes ist, so kann
dieser doch mit Vortheil \xFCber die halbe Ost und Westseite ausgedehnt
werden. Die Nordseite, als auf den Ausl\xE4ufen der Flachh\xF6he gef\xFChrt, ist
beherrscht; ihr schw\xE4chster Punkt an der Pforte =Ephraim=.

=Die Burg= (auch der Thurm =Pisani= genannt) steht hart innerhalb
dem Pilgerthore, und ist ein mit tiefem Graben umgebenes Rechteck zu
zweihundert Schritt Breite und etwa sechzig L\xE4nge. Sie ragt mit zwei
hohen Th\xFCrmen \xFCber die Stadtmauer zur Linken des Pilgerthores, weiset
gegen S\xFCd andere zwei von bedeutender St\xE4rke, und eben so viele gegen
Ost, zwischen welchen der Eingang ist. Diesem wurde k\xFCrzlich eine
Batterie vorgelegt, um die Stadt bequemer im Zaume zu halten. Diese
Burg ruht ohne Zweifel \xFCber derjenigen =Davids=, die ihrerseits auf
der Burg der Jebusiter ruhte. \xBBDavid aber gewann die Burg Sion, das
ist Davids Stadt.\xAB (Chron. III. 5) \xBBDavid aber wohnte auf der Burg;
darum hei\xDFt man sie Davids Stadt\xAB (e. d. 7.). Die Stelle ist die
beherrschende der Stadt. Eine Burg in ihr kann daher nicht anderswo,
als an diese Stelle gesetzt worden seyn. Ein Beleg hiezu sind auch
folgende Worte: \xBBUnd der Knabe auf der Warte hob seine Augen auf und
schaute; und sieh, eine Menge Volkes kam auf dem Wege herbei, an der
Seite des Berges\xAB (II. Sam. 13). Von keinem Orte der Stadt \xFCberschaut
man besser die Wege, so von der Flachh\xF6he nach der Stadt f\xFChren, als
von derjenigen, wo die Burg noch heut zu Tage errichtet steht. Von
ihren Zinnen liegen vor dem Blicke zwei Wasserbecken auch heute noch
so nahe, da\xDF man sich an dem Anblicke eines darin Badenden hinl\xE4nglich
erg\xF6tzen kann, das eine in der Schlucht gegen Westen des Pilgerthores,
das andere, innerhalb der Stadt, im Norden der Burg; das eine oder das
andere nimmt man f\xFCr das Becken, worin David, von den Zinnen der Burg
herab, =Bethseba=, das Weib =Urias= des Hethithers belauschte.

Da zu den Zeiten Christi der Golgatha au\xDFerhalb den Mauern der Stadt
lag, aus vielen Stellen der Bibel aber, und so auch aus der Natur des
Bodens klar hervorgeht, da\xDF im Osten, S\xFCden und Westen und an der
Nordostseite die Ummauerung der damaligen Stadt derjenigen der heutigen
gleich kam, so ist nur die Strecke vom Pilgerthore bis zu demjenigen
von Damaskus als vorgeschoben zu betrachten, und es ist wahrscheinlich,
da\xDF damals die Ummauerung von dem auf dem Felsvorsprunge stehenden
Thurme der Nordseite l\xE4ngs dem Abfalle der H\xF6he Bethseda s\xFCdlich zog,
die _Via dolorosa_ durchschnitt und den Morija hinaufstieg, dort aber
sich mit einem vom Pilgerthore, \xF6stlich den Sion herabziehenden Theile
der Ummauerung traf. Die Bibel deutet h\xE4ufig auf eine doppelte Mauer;
z. B. \xBBUnd er (=Hiski\xE4=) ward getrost und besserte die Mauern aus, wo
sie l\xFCckig waren und machte Th\xFCrme darauf, und bauete draussen noch
eine Mauer\xAB -- (II. Chron. XXXII. 5). \xBBDarnach baute er (=Manasse=) die
\xE4u\xDFersten Mauern an der Stadt Davids von abendw\xE4rts an Gihon im Bach,
und da man zum Fischthor eingeht, und umher am Ophel, und machte sie
sehr hoch\xAB (II. Chron. XXXIII. 14).

Diese Mauern wurden aber durch die Babylonier niedergerissen. Als
=Kyros= den Juden die R\xFCckkehr ins Vaterland gew\xE4hrte, erlaubte
er ihnen zwar den Tempel wieder aufzubauen; als sie aber, unter
=Artaxerxes= (=Arthasastha=), auch die Mauern wieder herstellen
wollten, verbot dieser K\xF6nig es zun\xE4chst (_Esra._ IV.), we\xDFhalb auch
=Nehemia= schreibt: \xBBUnd ich ritt zum Thalthor aus bei der Nacht,
vor dem Drachenbrunnen und an das Mistthor; und that mir wehe da\xDF
die Mauern Jerusalems zerrissen waren, und die Thore mit Feuer
verzehrt. Und ging hin\xFCber zu dem Brunnenthor und zu des K\xF6niges
Teich; und war da nicht Raum meinem Thier, da\xDF es unter mir hatte
gehen k\xF6nnen\xAB (II. 13. 14). Im folgenden Kapitel schildert Nehemia auf
das genaueste den Zug der Ummauerung, wie unter seiner Leitung sie
dennoch erbaut wurde. Der Bau, eigentlich gleichzeitig auf der ganzen
L\xE4nge der Entwicklung gef\xFChrt, fing am =Schafthore= an, ging von da
nach dem =Fischthor=, wieder nach dem =alten Thore=, \xFCber die breite
Mauer nach dem =Thalthore=, nach dem tausend Ellen davon entlegenen
=Mistthore=, weiter nach dem =Brunnenthor=, und vorbei an der Quelle
Siloe (=Seloah=) am Garten des K\xF6niges und an den Stufen, die von
der Stadt Davids heruntergingen, an den Gr\xE4bern Davids, am Teich
=Asuja= und an der Burg der Krieger bis an den Winkel am R\xFCsthause,
der hinauf die H\xF6he zog und wovon ein Theil schon auf der H\xF6he selbst
lag. Weiter machte die Ummauerung ein paar Winkel bis nach einem hohen
Thurme, der vom K\xF6nigshause heraussah, umschlo\xDF den =Ophel= (den ich
f\xFCr gleichbedeutend mit der H\xF6he Bethzeda halte), wo das =Wasserthor=
stand, ging nach dem =Ro\xDFthore= und weiter nach dem =Rathsthore= bis an
die Nordostecke, worauf sie das Schafthor wieder erreichte.

Aus dieser Folge ergibt sich mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit
folgende Bestimmung: das Schafthor ist (Joh. V.) das heute nach dem
heil. Stephan genannte. In den Raum von diesem bis zum S\xFCdostwinkel
der heutigen Stadt fielen das Fischerthor und das alte Thor. Der
S\xFCdostwinkel selbst ist die breite Mauer. Durch die S\xFCdseite gingen das
Thalthor, das Mistthor (_Porta sterquilinia_), das Brunnenthor. Der
Garten des K\xF6nigs lag zwischen den Quellen Siloe und Rogel; an dieser
letztern, die Schlucht hinauf, f\xFChrten die Stufen zur Stadt Davids, die
also, im weiteren Sinne des Wortes, den ganzen auf dem Sion gelegenen
Theil von Jerusalem in sich begriff. Die Gr\xE4ber Davids, worunter nur
dann die eigentlichen K\xF6nigsgr\xE4ber zu verstehen sind, wenn man die
Bezeichnung: \xBBdie Stadt Davids,\xAB so oft im obigen Sinne versteht, als
die B\xFCcher der K\xF6nige sagen, \xBBund wurde begraben in der Stadt Davids,\xAB
waren sonach an der Stelle, die man heute noch daf\xFCr bezeichnet. --
Der Teich, oder vielmehr das Becken Asuja ist das in der Schlucht vor
der Westseite, oder das etwas s\xFCdlicher liegende. Die Burg der Krieger
bezeichnet insbesondere das Schlo\xDF oder die Stadt Davids im engeren
Sinne. Das R\xFCsthaus mu\xDF am nordwestlichen Abhange des Morija gelegen
haben. Das K\xF6nigshaus ist eines der Nebengeb\xE4ude des Tempels. Das
Wasserthor f\xE4llt in die Thalung nach dem heutigen Thore von Damaskus;
das Ro\xDF- und Rathsthor in die Nordseite.

Die Bibel nennt aber noch einige andere Thore: n\xE4mlich das =Thor
Ephraim= und das =Eckthor=, vierhundert Ellen von einander abstehend
(II. K\xF6nige, XIV. 13); das =Kerkerthor= (Nehem. XII. 39); das
=Ziegelthor= (Jerem. XIX.); das =Thor Benjamin= (Jerem. XXXVIII. 7);
das =innere Thor= (Hesek. VIII. 3).

Schon aus dem Umstande, da\xDF Joas, K\xF6nig von Israel, die Stadt zwischen
dem Thore Ephraim und dem Eckthore angriff, beweiset sich, da\xDF
dieselben h\xF6chst wahrscheinlich an der Nordseite sich befunden haben.
Das erstgenannte als ein kleineres ist vielleicht erst in sp\xE4teren
Zeiten wieder erneut worden, und wahrscheinlich ein und dasselbe mit
dem heute sogenannten. Das Eckthor scheint nahe am Thurme Tankreds
gewesen zu seyn, der die Nordostecke der heutigen Stadt bildet und 430
Schritte vom Pf\xF6rtchen Ephraim absteht. Das Kerkerthor scheint ein
inneres gewesen zu seyn, oder im Winkel nach der Sch\xE4delst\xE4tte gelegen
zu haben. Das Ziegelthor, als nach dem Thale =Ben Himmon= sehend, f\xE4llt
in die S\xFCdseite, und ist wahrscheinlich eines und dasselbe mit dem
Brunnenthore. Die beiden anderen scheinen gleichfalls innere Thore, und
deuten auf Mauerabschnitte innerhalb der Stadt, wie man deren heut zu
Tage noch in allen orientalischen ummauerten St\xE4dten sieht. --

Au\xDFerhalb der Stadt zwischen dem Thore von Damaskus und der Pforte
Ephraim, auf einen Steinwurf vom Graben, hebt sich ein niederer
felsiger H\xFCgel. Darin befindet sich eine Grotte, deren Eingang der
Stadt zugewendet und durch ein schmales G\xE4rtchen und dessen Umfangmauer
geschlossen ist. In dieser Grotte soll =Jeremias= seine herrlichen
Klaglieder verfa\xDFt haben, die, so wahr am heutigen Tage, mit den Worten
beginnen:

\xBBWie liegt die Stadt so w\xFCste, die voll Volkes war! Sie ist wie eine
Wittwe. Sie, die eine F\xFCrstin war unter den Heiden und eine K\xF6nigin in
den L\xE4ndern, sie mu\xDF nun dienen!\xAB

Jetzt wohnt ein muselm\xE4nnischer Heiliger in dieser Grotte und verkauft
Grabstellen in ihr und im G\xE4rtchen, so davor liegt. Der innere Raum
der Grotte ist fast rund, zu zwei und vierzig Schritte Durchmesser,
von zwei massiven Pfeilern getragen, in der Mitte etwa 30 Fu\xDF hoch.
Der Mei\xDFel hat der Natur nachgeholfen. Rundum an der Wand, 1-1/2 Fu\xDF
\xFCber dem Boden, laufen einige Zoll hohe Durchz\xFCge im Stein, so da\xDF
man ringsum ein Seil ziehen k\xF6nnte. An dem rechten Pfeiler haben die
Muselm\xE4nner einen Gebetplatz.

Die =Flachh\xF6he= im Norden der Stadt, die auf eine Stunde L\xE4nge fast
eben so viele Breite hat, ist ein Gemenge von Felsspitzen, die von
zwei bis zwanzig Fu\xDF \xFCber den Boden ragen, und zwischen denen Saaten
und \xD6hlb\xE4ume stehen. Fast jede dieser Spitzen zeigt den Eingang in eine
Todtenkammer, in die man bald ebenen Fu\xDFes geht, bald abw\xE4rts steigt.
Die Eing\xE4nge sind jederzeit rechtwinkelig, manchmal mit einem Fries
und Tympanen versehen, meist aber unverziert. So viele davon ich auch
besah, ich konnte nirgends eine Inschrift entdecken.

Die Beschreibung zweier gen\xFCgt, um die \xFCbrigen zu kennen. Nicht ferne
von der Grotte =Jeremi\xE4= ist eine Nische, f\xFCnfzehn Schritte breit
und vierzig lang in den Felsen gehauen, in deren linker Wand ein nur
wenige Fu\xDF hoher, gew\xF6lbter Durchgang sich befindet. Durch diesen
tritt man in einen Hof zu vierzig Fu\xDF ins Gevierte, von gegl\xE4tteten
Felsw\xE4nden umfangen. Durch die s\xFCdliche Wand, siebzehn Schritte breit,
ist der Eingang in ein Vorgemach, das sieben Schritte Tiefe hat. Das
Fries \xFCber dem Eingange ist von feiner Mei\xDFelarbeit; es besteht zu
oberst aus mehreren Leisten, dann folgt eine Reihe Triglyphen, die mit
Blumenkr\xE4nzen, Rosen, Trauben, Palmen- und Akanthuszweigen wechseln,
und darunter eine Rinne mit Tropfen unter den Triglyphen und Zweigen;
weiter ein sch\xF6nes Band aus Weinbl\xE4ttern, Granat\xE4pfeln, Blumengewinden
und Pinienfr\xFCchten, endlich der gew\xF6hnliche Architrav. Diese Zierden
sind hoch und sch\xF6n ausgehauen; ihre Wahl und Anordnung erinnert an die
Schilderung der Mei\xDFelarbeiten im Tempel des Salomon, so wie die B\xFCcher
der K\xF6nige sie geben. Das Vorgemach ist unverziert. Durch den Boden
desselben, zur Linken, kriecht man in ein Loch, das bis 8 Fu\xDF L\xE4nge und
2 Fu\xDF H\xF6he haben mag, und kommt in ein Gemach zu 22 Fu\xDF ins Gevierte.
Dieses hat in der Hinterwand zwei Thore. Das linke f\xFChrt in einen Saal,
in welchem die Eing\xE4nge zu sechs Gem\xE4chern, jedes f\xFCr zwei oder drei
Leichenstellen, sich finden; das rechte in einen \xE4hnlichen Saal, das
au\xDFer den sechs Seitengem\xE4chern noch eines acht Stufen tief unter sich
hat. Durch die rechte Seitenwand des ersten Gemaches kommt man in ein
anderes zu 15 Fu\xDF ins Gevierte und 10 Fu\xDF hoch; aus diesem aber in zehn
Seitenkammern.

Alle diese unterirdischen Gem\xE4cher sind in den Felsen gehauen, und
gegen unsere Gr\xFCfte gehalten eben so wunderbare Werke, als die
\xE4gyptischen durch Pracht, Ausdehnung und Zierath solche gegen die
j\xFCdischen sind. Die Thore haben nur 2 Fu\xDF 6 Zoll Breite und sind oben
gerundet. Die Th\xFCren liegen h\xE4ufig darneben. Jede besteht aus einem
einzigen starken, einfach verzierten Steinblocke. Jedes Gemach hat
in der Mitte des Bodens eine Rinne, 8 Zoll breit und eben so tief;
jeder Saal in der Mitte eine Vertiefung, so zwar, da\xDF nur l\xE4ngs
den W\xE4nden der h\xF6here Auftritt besteht. Sehr merkw\xFCrdig sind die
Leichendeckel, die in einigen Kammern noch ganz, in andern in Tr\xFCmmern
zu sehen sind. Sie haben 7 Fu\xDF L\xE4nge, aber nur 11 Zoll Breite und
sind innen ausgeh\xF6hlt, au\xDFen aber mehr oder weniger fein mit Eichen-
und Weinbl\xE4ttern, mit Blumen und Fr\xFCchten verziert. Sie m\xFCssen
unmittelbar auf den Leichen geruhet haben. In der Wand zur Seite der
Schlummerst\xE4tte ist nicht selten eine kleine, seichte, dreieckige
Nische, gerade gro\xDF genug, um eine Lampe zu fassen. Man sieht den
oberen Winkel nicht selten noch geschw\xE4rzt.

Man nennt diese Grabh\xF6hlen die =Gr\xE4ber der K\xF6nige=. Welcher K\xF6nige?
Die des Reiches Juda wurden gro\xDFentheils in der Stadt Davids begraben
(K\xF6nige XIV. XV. -- II. K\xF6nige VIII. IX. XII. XIV. XV. XVI. XXI.);
Ausnahme machten =Manasse=, =Amon=, =Josias=, die im Garten Usa
begraben wurden. (II. K\xF6n. XXI. II. Chron. XXXV.) Lag dieser auf der
Flachh\xF6he, so kann die obige Bezeichnung allerdings eine richtige seyn,
und w\xFCrde sich dann auf die genannten K\xF6nige dieses Reiches anwenden
lassen. Schon =Joram= und =Joas= waren nicht in den Gr\xE4bern der K\xF6nige
beigesetzt worden (II. Chron. XXI. XXIV.), und von =Usias= sagt die
Chronik: \xBBund sie begruben ihn bei seinen V\xE4tern =im Felde bei dem
Begr\xE4bnisse der K\xF6nige=.\xAB (XXVI. 23.) -- Die Gr\xE4ber der =Makkab\xE4er=
k\xF6nnen diese nicht wohl seyn, da dieselben vom Meere aus sichtbar
gewesen seyn sollen. Nicht unwahrscheinlich sind es die Gr\xE4ber der
Familie =Herodes=, die =Josephus= als im Norden der Stadt gelegen
schildert. Mir schienen Anlage und Verzierung aus r\xF6mischer Zeit,
obwohl nicht durch r\xF6mische Hand bewirkt. -- =Pausanias= (VIII. 16)
und =Josephus= (_Ant._ XX. 2) sprechen auch von bewunderungsw\xFCrdigen
Gr\xE4bern der =Helena=, Gemahlin des =Monobazus=, K\xF6nigs von Adiabene,
die im ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung lebte, sammt ihrem
Sohne =Itazes= nach Jerusalem zog und dort die j\xFCdische Religion
annahm. Drei Pyramiden sollen \xFCber ihrer Grabst\xE4tte, drei Stadien
weit von der Stadt, aufgerichtet worden seyn. Die Pyramiden bestehen
nun freilich nicht mehr, was nichts f\xFCr die Bezeichnung unserer oben
beschriebenen Ruhest\xE4tten beweiset. Diese letzteren sind aber f\xFCr eine
weit gr\xF6\xDFere Zahl von Leichen eingerichtet. =Pausanias= spricht von
einer besondern Schlie\xDFungsweise der Grabst\xE4tte dieser K\xF6nigin, und
der M\xF6nch =Bernardino von Gallipoli= in seinem sonst verdienstlichen
_Trattato delle piante ed immagini de' sacri Edifizi di terra santa,
Firenze 1620_, erz\xE4hlt bei Schilderung der _Spelonche Regie_ von etwas
\xE4hnlichem. Ich habe davon nichts gesehen, und finde \xFCberhaupt seine
Zeichnung dieser Gr\xE4ber ganz und gar unpassend auf diejenigen, die man
mir und Andern als die =Gr\xE4ber der K\xF6nige= wies.

Eine Stunde weiter gegen Nord, wo sich die Flachh\xF6he, der Spitze
des Kirchleins =Samuels= gegen\xFCber, senkt, und ein Thal nach Osten
ausl\xE4uft, sind die =Gr\xE4ber der Richter=. Der Eingang ist mit Akanthus
im Fries und Tympanum verziert; eben so die kleine Pforte, die aus
dem f\xFCnf Schritte tiefen Atrium in ein Gemach, zu 29 Fu\xDF 8 Zoll ins
Gevierte, f\xFChrt. In diesem sind in der linken Seitenwand, in zwei
Reihen \xFCber einander, dreizehn Geschiebe, d. i. wagrechte L\xF6cher,
16 Zoll breit, 26 Zoll hoch und 7 Fu\xDF 6 Zoll tief, unten eben, oben
gerundet und jedesmal vorne in ein vertieftes Rechteck eingefangen.
In jedem Geschiebe war nur f\xFCr eine Leiche Raum, und zwar ohne Sarg;
man wickelte dieselbe wahrscheinlich in Leinen und gab Spezereien
hinzu. (II. Chron. XVI. 14.) Die Eingangswand dieses Gemaches, das eben
hoch genug ist, um darin stehen zu k\xF6nnen, hat zur Linken ebenfalls
ein solches Geschiebe, zur Rechten aber ein anderes Gemach und zwar
eingesenkt. Durch die rechte Seitenwand kommt man in ein Gemach, das
unten neun Geschiebe, oben aber eine breite Steinbank ringsum zeigt,
als habe man da die Leichen erst umwickelt und bereitet, bevor man sie
in ihre letzte Wohnung schob. Durch die Hinterwand gelangt man in ein
Gemach mit zw\xF6lf Geschieben oben und neun unten, und durch eine Stiege
links zuerst in eines zu drei und dann in ein anderes zu dreizehn
Geschieben.

Ich halte diese Gr\xE4ber f\xFCr weit \xE4lter als die fr\xFCher beschriebenen.
Sie sind auf wenig Raum berechnet. \xC4hnliche gibt es auf der syrischen
K\xFCste, gegen\xFCber der Insel =Ruad= (_Aradus_), bei =Sidon= und in der
N\xE4he von =Damaskus=. (_Maundrell, Voyage d'Alep \xE0 J\xE9rus. 1525_) Ich
erinnere mich in keinem anderen Lande deren gesehen zu haben.

Nicht ferne von den =Gr\xE4bern der Richter= (mir unbekannt, warum man
sie so hei\xDFt, denn die Bibel gibt nirgends einen Wink hievon) ist eine
in den Felsen gehauene Cisterne. Eine genaue Untersuchung der H\xF6hlen,
Gr\xE4ber, Nischen, Cisternen und anderen Beh\xE4lter des weiten Feldes im
Norden Jerusalems m\xFC\xDFte eine lehrreiche Ausbeute geben.

Ich brachte den Abend dieses Tages mit einem seltsamen Manne zu, Joseph
=Wolff=, Mission\xE4r in Jerusalem, und seiner Gemahlin Lady =Georgiana
Wolff=, der bei einem ungeheuren Wissen und einem Muthe, der des
edelsten M\xE4rtyrers w\xFCrdig w\xE4re, eine Menge von Narrheiten im Kopfe
hatte; eine Verm\xE4hlung, die man so h\xE4ufig in ausgezeichneten K\xF6pfen
sieht, und die f\xFCr die nahe Verwandtschaft des Wahnsinns mit dem
Verstande zeugen. Er und seine Gemahlin weihten sich in Jerusalem der
Judenbekehrung, und er hatte de\xDFhalb eine freie Ausforderung an alle
Schriftgelehrten dieses Volles ergehen lassen und war zu jeder Stunde
bereit, Mann gegen Mann, den Kampf aufzunehmen. Er versicherte mich
m\xFCndlich und schriftlich, da\xDF, Daniel zufolge, in siebzehn Jahren alle
Juden Christen seyn w\xFCrden. Ohne die Bekehrung \xFCberhaupt in Zweifel
zu ziehen, rieth ich ihm aus Freundschaft, die Frist der Prophezeiung
wenigstens um hundert Jahre hinaus zu r\xFCcken. Ich glaube, da\xDF man mir
auch hierin nicht Unrecht geben, noch meine Absicht verkennen wird.

Der Vorsteher der katholischen Gemeinde in Jerusalem bewahrt als
Bevollm\xE4chtigter des Papstes im heiligen Lande das Recht der Ertheilung
des =Ordens vom heiligen Grabe=, der von Gottfried von =Bouillon= im
J. 1099 gestiftet worden ist, und dessen Statuten mehrere P\xE4pste,
namentlich =Benedikt= XIV. erneuerten und festsetzten. Der Vorgang
bei Aufnahme in diesen Orden, die auch mir zu Theil wurde, ist ob
der geschichtlichen Erinnerungen und der Stelle, wo sie geschieht,
ergreifend. Wir versammelten uns hiezu eines Morgens vor Sonnenaufgang
am Allerheiligsten, und zogen sodann in die den Katholiken zugeh\xF6rige
Kapelle im Tempel. Alle versammelten M\xF6nche und Br\xFCder beteten laut.
Dann setzte sich der Abt des heiligen Landes auf einen Thronsessel.
Kniend vor demselben, spricht der Aufzunehmende den Schwur des Bundes
in seine H\xE4nde. Ein M\xF6nch g\xFCrtet dem Ritter sodann die F\xFC\xDFe in seidene,
goldverbr\xE4mte Kamaschen und schnallt die Spornen Gottfrieds von
=Bouillon= demselben an. Diese sind aus Metall, ganz einfach, stark, 8
Zoll lang, wovon 5 auf die Spitze kommen, mit einem scharfen Stern,
dessen Dornen 1 Zoll 4 Linien L\xE4nge haben. Das Schwert Gottfrieds,
eine 30 Zoll lange, zweischneidige, flache Klinge mit 5 Zoll langem
einfachen Kreuzgriff, dessen Querarme nach unten etwas eingekr\xFCmmt
sind, in einer Lederscheide, Knopf und Beschl\xE4ge aus Metall, wird
entbl\xF6\xDFt in die Hand gegeben, darin umg\xFCrtet; endlich empf\xE4ngt man um
die Brust Gottfrieds Kreuz, aus Metall mit Granaten geziert, an langer,
metallener Kette h\xE4ngend. Zwischen jedem Abschnitte der Ceremonie
finden Gebete Statt, und zwischen den beiden letzten der eigentliche
Ritterschlag mit Gottfrieds Schwert auf Haupt und Achseln, worauf man
von allen Br\xFCdern und M\xF6nchen umarmt wird und sie umarmt. Vormals
geschah die Aufnahme in diesen Orden vor dem heiligen Grabe selbst,
jetzt aber findet sie in der katholischen Kapelle bei verschlossenen
Th\xFCren Statt. -- W\xE4hrend dieser Scene h\xF6rten wir Gepolter \xFCber uns. Was
war es? -- Pferdegetrappel; denn die T\xFCrken haben Stallungen gerade
\xFCber dieser Kapelle.

Um der seltsamen, die Zeit der Stiftung malenden Privilegien und
Pflichten willen, gebe ich in Folgendem das Diplom des Ordens, das mir
\xFCberreicht wurde.


                      _Fr. Thomas a Monte Asula,_

  _Ordinis Minorum strictioris Observantiae S. P. N. Francisci,
  Provinciae Seraphicae Concionator, Sac. Theologiae Lector, Sini.
  Dni. Papae in Lateranensi Archi-Basilica jam Poenitentiarius, Sac.
  Congregationis de Propaganda fide Responsalis, Mission\xFB. Aegypti,
  et Cypri Praefectus, in Partibus Orientis Commissarius Apostolicus,
  Sacri montis Syon, et SS. Sepulcri D. N. I. C. Guardianus, ac totius
  Terrae Sanctae cum plenitudine potestatis Custos, humilisque in Domino
  Servus._

  _Universis, et singulis Christi Fidelibus praesentes nostras Litteras
  inspecturis, vel legi audituris, salutem ab eo, qui est vera Salus._

  _Ex gestorum monumentis tenemus invictissimos Heroes Carolum Magnum
  Imperatorem semper Augustum, Ludovicum VI. Philippum sapientem,
  Sanctum Ludovicum IX. Philippum Hispaniarum Regem, aliosque multos
  reipublicae Christianae magnanimos Reges, et Principes, Dei honoris,
  et Catholicae fidei nedum Zelatores, verum etiam strenuissimos
  defensores, sese, bonaque sua Deo immortali sponte obligasse, et
  noviter emancipasse, fortissimosque diversis temporibus Equites
  sub quibusdam regulis creasse; ad hunc finem dumtaxat, ut nefariis
  infedelibus devictis, sanctam Jerosolymorum Urbem, ac resurgentis
  Domini sepulcrum libere custodire, et pro viribus defendere valerent.
  Et tunc, aura secunda Equestris hujusmodi effloruit dignitas, cum
  inter Christianorum Principum, contra infedeles multos, demandatas
  expeditiones, praeclarus, Dux Godefridus de Bullion memoria dignus,
  anno \xE0 Partu Virgineo 1099; in sanctae Civitatis expugnatione copioso
  trecentorum millium, cruce signatorum militum, ab Urbano II. Pontifice
  Maximo comparato exercitu, ultra trecentorum millia hostium, favente
  Deo devicit. Capta Jerosolyma, unanimi omnium voto praelaudatus
  Godefridus in Jerosolymorum Regem solemniter proclamatus est. Quo in
  munere, nulla interposita mora, ardenti (quo flagrabat) animo, Christi
  Domini Mausoleum in curam sibi recepit. Utque rite custodiretur,
  sacrum Ordinem ejusdem SS. Sepulcri Equitum sub ss[=m]is. legibus
  instaurare et instituere, non est sane dedignatus: ac proinde
  plurimos illustrissimos, ac nobilissimos viros, resurgentis Domini
  sepulcri continuo creavit Equites; cosque rubeis crucibus in scuto
  argenteo insculptis armavit, et decoravit: Decernens in posterum,
  ut eas vestibus appositas, tum in bello, cum Regum in aulis, nec
  non quorumcumque fidelium coetibus pro gentilitio stemmate deferre
  tenerentur. Unde, Christianissimi Reges, ut erectores, ita et rectores
  hujus sacri Ordinis fuere. Sicque, fulcimento tali munitus, quondam
  Equitum Ordo auspicato florescebat. Sed proh dolor! capta iterum ab
  infidelibus Jerosolyma anno 1187, habenas Ecclesiasticas Urbano III.
  moderante, et cunctis ab Asia pulsis Catholicis, ss. Equestris Ordo
  pene sopitus, et extinctus remansit. Unde merito facta est quasi
  vidua Domina gentium, et ex omnibus charis ejus, quis amplius non
  erat ei solatium praebiturus. In moestitudine tamen positam, ubi
  Domino placuit, consolatus est eam, stimulando animum devotissimi
  Roberti utriusque Siciliae Regis, ut ab Aegypti Sultano, ss[=m]ae.
  Redemptionis Loca pro viribus compararet. Quod quidem Laudatus
  Princeps (Clemente V. Piscatoris vices gerente) non sine difficultate,
  ac sumptibus, pro nostri seraphici Patriarchae S. Francisci
  Assisiatis, humilibus filiis obtinuit; atque eis in persacrato
  monte Syon, ubi fuerunt miracula tanta patrata, et in praegrandi,
  ac praeomnibus sanctiore, Resurrectionis Domini Basilica commorandi
  facultas fuerit dilargita. Quo circa SS. D. Alexander Papa VI. anno
  1496. ad innovandam non solum perantiqui Instituti praelaudati Ordinis
  Equestris jam fere abolitam memoriam, imo etiam ad augendam erga
  Christi sepulerum fidelium pietatem, et religionem, eorumque animos,
  pro SS. Locorum recuperatione vehementer excitandos, persacrati montis
  Syon, ac SS. sepulcri D. N. I. C. Guardiano, ejusque Vicario generali
  (hoc est totius Terrae Sanctae Praesidi) eorumque successoribus pro
  tempore existentibus, hujusmodi Equites SS. sepulcri, ut olim, creare,
  armare, et instituere misericorditer indulsit. Posthac, Leo X. die 4.
  Februarii 1616; Pius IV. die 1. August 1561; Alexander VII. die 3.
  Augusti 1565; Benedictus XIII. die 3. Martii 1727. idem concessere,
  et laudavere. Ultimo autem Benedictus, eo nomine, Pontifex XIV. dum
  pro gubernio Terrae Sanctae, statuta et Constitutiones approbavit,
  praefatam gratiam creandi Equites SS. sepulcri, per suos Antecessores
  superibus Terrae sanctae respective impertitam, speciali favore
  confirmavit per Bullam incipientem: In supremo militantis Ecclesiae:
  datam Romae 7. Januarii 1746. Pontificatus vero sui sono sexto. Quod
  ita sane a praedecessoribus nostris hucusque exequutum est, ut dehinc
  Equites permulti fuerint creati, et in praesentiarum creentur. In
  quorum numerum: Illm\xFBs. Dn\xFBs. Antonius Prokesch, ex nobili familia
  Austriaca, S. M. I. R. A. in Exercitu Dux, et diversorum Ordinum
  Eques. etc. supra dicti Ordinis Equestris SS. sepulcri Laureari, et
  splendoribus insigniri maximopere expostulavit. Nos igitur piis ejus
  precibus inclinati (solerti indagatione circa ea quae Catholicae fidei
  puritatem spectant, prius facta, et diligenti inquisitione super
  hisque ex antiquissimis Legibus in vero Christi Equite requirebantur,
  jam habita) Praefatum Illm\xFBm. Dm\xFBm. Antonium etc. in omnibus idoneum,
  ac tanto honore dignum reperimus. Emisso itaque (ut moris est)
  voto perse ipsum, Nos, Apostolica qua in hac parte peculiariter
  fungimur, autoritate, Eum SS. sepulcri D. N. S. C. Equitem armavimus,
  creavimus, insignivimus, et condecoravimus; nec non torquem auream
  de more solemni, cum pendenti cruce ad collum ejusdem, proprio Loco
  SS. sepulcri imposuimus die 23. mensis Aprilis anni 1829. Adque per
  praesentes \xE0 Nobis condecoratum, insignitum, creatum, et armatum,
  nominamus, declaramus, et publicamus, cum singulari potestate stemmata
  hujusmodi deferendi assiduo, tum publice, cum private, et iisdem pro
  Insignibus, utendi; nec non omnibus, privilegiis, indultis, gratiis,
  exemptionibus, et praerogativis, quibus caeteri ejusdem Equestris
  Ordinis Equites gaudent, vel in posterum gaudebunt, perfruendi.
  In quorum omnium et singulorum fidem hoc Diploma, manu nostra
  subscriptum, ac pendente sigillo majori Resurrectionis Dominicae
  munitum, expedire decrevimus. Vale, Deusque suum, pro defensione et
  exaltatione sanctorum Locorum, tibi praestet auxilium._

  _Privilegia, Equitibus SS. sepulcri, \xE0 Pontificibus, Imperatoribus, et
  regibus concessa. 1. Equites SS. sepulcri praecedere debent reliquos
  alios cujuscumque Ordinis, seu Militiae: exceptis illis Velleris aurei
  vulgo: del Toison d'Oro, nuncupatis. 2. Possunt legitimare eos, qui
  ex legitimo Matrimonio non sunt nati; baptismale nomen mutare: arma
  seu stemmata concedere, et Notarios creare. 3. Bona Ecclesiastica,
  pro tuenda fide Christi, licet sint uxorati, possunt tenere absque
  Ecclesiae praejudicio. 4. Ubique locorum sunt exempti ab omnibus
  gabellis, et tributis tam vini, quam cerevisiae et aliorum. 5. Tempore
  belli sunt exempti \xE2 vigiliis, et \xE2 militum hospitio. 6. Si corpus
  patibulo appensum in via repererint, educto gladio de vagina possunt
  praecidere laqueum, et ut sepulturae mandetur imperare._

  _Obligationes. Ad quas tenentur Equites SS. sepulcri ex juramento et
  voto professionis eorum. 1. Equites SS. sepulcri, data opportunitate,
  debent quotidie audire Missam. 2. Cum opus fuerit, bona temporalia,
  et vitam exponere tenentur, dum bellum universale contra infideles
  paratur, et in propria venire persona, aut mittere idoneam. 3.
  Sunt obligati sanctam Dei Ecclesiam, ejusque Ministros ab eorum
  persecutoribus defendere, ac pro viribus ab iisdem liberare. 4. Debent
  injusta bella, turpia stipendia, et lucra, hastiludia, duellum, et
  caetera hujusmodi (nisi causa militaris exercitii) vitare. 5. Debent
  inter Christi fedeles pacem, et concordiam procurare, Rempublicam
  exornare, cultum Divinum promovere, opera pietatis exercere, verbo et
  exemplo monita salutis cunctis praebere, ac sese tanto honore dignos
  demonstrare._

    _Fr. Thomas a Monte Asula_
     _Terrae Sanctae Custos._

                        _De mandato R[=m]i in Christo Patris._
                          _F. Coelestinus ab Aunano Terrae_
                               _Sanctae Secretarius._

   (_L. S._)

                   *       *       *       *       *

Der Weg nach =Bethlehem= f\xFChrt vom Pilgerthor nach der =H\xF6he des b\xF6sen
Rathes=, wo die Hohenpriester die Verdammung Christi beschlossen
haben sollen. Es stehen die Ruinen einer Kirche dort und eine Moschee
daneben. Das Feld ringsum ist baumlos und felsig; es hat eine halbe
Stunde Durchmesser. Auf dem H\xFCgel zur Rechten gewahrt man die Reste
eines Thurmes, fast zum Steinhaufen umwandelt. Man nennt die Stelle den
=Thurm Simeons des Alten=. Sch\xF6n zeigt sich das griechische Kloster =S.
Elias=, in der Einsattlung zweier sanfter H\xF6hen aus dichtem \xD6hlwald
mit hohen Mauern ragend, rechts aber das Dorf =Atamon=, auch das Dorf
=Simeons des Alten= genannt, und weiter im Thale =Bethsafafa=. Ein
Paar hundert Schritte vor dem Kloster =S. Elias= (drei Viertelstunden
von Jerusalem) steht ein alter, mit m\xE4chtigen Bl\xF6cken umgebener
Brunnen; er wird als derjenige verehrt, woraus der Stern den drei
Weisen emporstieg. Am Wege, der Klosterpforte gegen\xFCber, findet man
einen \xD6hlbaum, um welchen, nach morgenl\xE4ndischer Sitte, eine Betstelle
gebaut ist; daran zeigt man im Felsboden eine Aush\xF6hlung, worin der
Prophet geruht haben soll. =Bethlehem= wird von dort aus sichtbar. Es
ist nicht viel \xFCber eine halbe Stunde entlegen und nimmt sich auf dem
kahlen Hintergrunde felsiger H\xF6hen stattlich aus. Alle tiefen und alle
wagrechten R\xE4ume zwischen den Felsschichten der H\xF6hen sind trefflich
bebaut; die Erde ist r\xF6thlich, das Gestein Marmor. Auf dem Wege dahin,
eine Viertelstunde weiter, sind einige Reste alter Umfangsmauern aus
trocken gef\xFCgten Bl\xF6cken, die ein Paar Fu\xDF \xFCber den Boden ragen.
Dort soll =Rama= gestanden haben, dessen =Jeremias= mit den von dem
Evangelisten =Matth\xE4us= wiederholten Worten erw\xE4hnt: \xBBUnd horch!
bitteres Schluchzen und Klagegeheul auf Rama. Rachel weinet \xFCber ihre
Kinder.\xAB (XXXI. 15.) Auf wenige Schritte zur Rechten von den Ruinen
zeigt man einen Mauersarg, 11 Fu\xDF lang und 4 Fu\xDF breit, unf\xF6rmliches
und offenbar t\xFCrkisches Werk; auch von einer kleinen Moschee umfangen.
Juden und T\xFCrken wallfahrten flei\xDFig an diese Stelle, die sie das
=Grab Rachels= nennen. Zahlreiche Aufschriften zeugen davon. Darneben
ist eine Cisterne. Gr\xE4ber der Muselm\xE4nner umgeben die\xDF Heiligthum,
das allerdings die durch \xDCberlieferung bekannt gebliebene Stelle
bezeichnen kann. Das erste Buch =Moses= sagt: \xBBAlso starb Rachel und
ward begraben =an dem Wege= gen Ephrath, die nun hei\xDFt Bethlehem.\xAB
(XXXV. 19.) Ferner =Samuel=: \xBBWenn du jetzt von mir gehst, so wirst du
zween M\xE4nner finden bei dem Grabe Rachels, in der Gr\xE4nze Benjamin, zu
Zelzah.\xAB (X. 2.) Diese Angaben beweisen einmal, da\xDF das Grab Rachels
ein in den fr\xFChen Jahrhunderten bekannter Gegenstand war, und dann,
da\xDF es in der Gr\xE4nze des Gebietes von dem Stamme Benjamin und auf dem
Wege von Jerusalem nach Bethlehem lag. Es hie\xDFe sonach gewaltsam die
Wahrscheinlichkeit von sich sto\xDFen, wollte man nicht annehmen, da\xDF nach
und nach die Merkzeichen der Stelle zwar wechselten, =diese= aber eine
bekannte blieb, und die heut zu Tage daf\xFCr angegebene ist. Eben die
Einerleiheit dieses Punktes mit dem von der Schrift daf\xFCr gehaltenen
berechtigt zur Voraussetzung, da\xDF der daran sto\xDFende Ort derjenige ist,
den Jeremias =Rama= nennt, und der vielleicht in fr\xFCherer Zeit =Zelzah=
hie\xDF. Mehrere Orte tragen den Namen =Rama=, wie wir aus Jos. XVIII.,
Richter XIX., Samuel XIX. XXII. XXVIII., K\xF6nige XV. u. s. w. ersehen.
Er wurde von den Griechen auch mit [Greek: hups\xEAl\xEAn], H\xF6he, Hochfeld,
\xFCbersetzt, eine Bezeichnung, die sich trefflich aus die \xD6rtlichkeit der
Ruinen am Grabe Rachels anwenden l\xE4\xDFt.

Rechts von diesem Grabe aus dem Berge liegt das Dorf =Bethisallah=,
das von Griechen bewohnt und reich an Wein und \xD6hl ist. Auch ein
Wasserbecken, l\xE4nglichrund, zu hundert Schritt gr\xF6\xDFeren Durchmessers,
nat\xFCrlich gebildet, jetzt ein Garten, findet man zwischen =Rama= und
=Bethlehem=, links aber am Abhange einen Wasserzug, der bis vor Kurzem
noch Jerusalem diente, jetzt aber unterbrochen ist; vielleicht die
Quelle =Gihon=. (II. Chron. 32.)

=Bethlehem=, welches schon das erste Buch Moses nennt (XXXV. 19), und
die auch im alten Testamente mit einem heiligen Glanze umgeben war
durch die Geschichte der Moabitin =Ruth=, so w\xFCrdig besungen in unseren
Tagen durch eine unserer edelsten Frauen; =Bethlehem=, welche Israel
einen Richter gegeben hatte (Richt. XII. 8) und den k\xF6niglichen S\xE4nger
=David= (1. Sam. XVI.), und von der ein Prophet wei\xDFsagend sang: \xBBdu,
die du klein bist unter den Tausenden in Juda, aus dir soll er kommen,
der in Israel Herr sey, und welches Ausgang von Anfang und von Ewigkeit
her gewesen ist\xAB (Mich. V. 1): =Bethlehem= kr\xF6net die Einsattlung
zwischen zwei H\xFCgeln und den einen dieser H\xFCgel selbst; w\xE4hrend das
Kloster und die Kirche \xFCber der Geburtst\xE4tte Christi, einer stattlichen
Burg gleich, auf dem anderen liegen. Das Thal, das dort den Ursprung
nimmt, ist reizend durch trefflichen Anbau und durch die F\xFClle an
Mandel-, \xD6hl- und Feigenb\xE4umen. Vieles Volk war im Freien und gr\xFC\xDFte
uns mit einem _buon giorno_. Da es gut bewaffnet war, k\xFChn auftrat und
reiche Kleider trug, so hielt ich es f\xFCr muselm\xE4nnisches. Es bestand
aber aus Christen, denn diese haben in =Bethlehem= das Recht, Waffen zu
tragen. Es wohnen \xFCber 1000 Katholiken, an 1000 Griechen, 30 armenische
und 40 t\xFCrkische Familien in =Bethlehem=. Die ersten spielen den
Meister. Sie t\xF6dteten vor Kurzem dem Pascha vier Soldaten von drei\xDFig,
die er dort hielt, und verjagten die \xFCbrigen.

Man f\xFChrte uns am Kloster vor\xFCber und hinter demselben auf die freie
H\xF6he. Dort verehrt man die Grotte, in welcher die h. Jungfrau, kurz vor
ihrer Flucht nach \xC4gypten, das Christuskind vor Herodes verborgen haben
soll. Zw\xF6lf Stufen f\xFChren zu einem Altare hinab, vor dem drei Lampen
brennen. Die W\xE4nde sind roh, das Gestein ist Kreide. Die Gl\xE4ubigen
sagen, einige Tropfen von der Milch der h. Jungfrau habe demselben die
wei\xDFe Farbe gegeben. Darum glauben die Frauen auch, es erleichtere, als
Pulver genommen, die Geburtschmerzen. Der Eingang dieser Grotte sieht
nach Nord.

Der Zugang des Klosters ist mit breiten Steinen gepflastert, mit
Brunnen und Aufs\xE4tzen begleitet, breit und ansehnlich. Kloster und
Kirche sind es nicht minder, aber in Verfall, und wenn nicht H\xFClfe
kommt, bald in Ruinen. Die Armenier haben die Oberhand in diesem
Gotteshause, das erst vor wenigen Monaten von der katholischen Gemeinde
verlassen werden mu\xDFte, weil dieselbe eine Geldforderung des Pascha
nicht befriedigen konnte oder wollte. Die Kirche hat Kreuzform, ist
aber am Vereinigungsorte des Stieles mit den Armen vermauert. Acht und
vierzig S\xE4ulen, zu zw\xF6lf in der Reihe, tragen das Schiff; sie sind aus
wei\xDFem Marmor, 18 Fu\xDF hoch, haben 2-1/2 Fu\xDF Durchmesser, 9-1/2 Fu\xDF
Abstand unter sich und eine Art korinthischer Kn\xE4ufe von schlechter
Arbeit. Die Querbalken und das Dach sind aus Cedernholz, sagt man; mir
schien es von Cypressen. Die W\xE4nde waren mit Mosaik belegt, von der
man Reste sieht, und auch mit Marmor, wovon der gr\xF6\xDFere Theil von den
T\xFCrken genommen und zu der gro\xDFen Moschee in Jerusalem verwendet wurde.

Der dermalen ben\xFCtzte Theil der Kirche ist der obere des Kreuzes. \xDCber
der Mitte steht ein Altar der drei K\xF6nige und der Geburt, und ist der
eigentliche Hauptaltar. Die Griechen haben einen Fl\xFCgel daran; der
andere Fl\xFCgel und der Mittelaltar geh\xF6ren den Armeniern. Die Katholiken
d\xFCrfen dort gar nicht Messe lesen. Der vormals f\xFCr sie bestimmt
gewesene Eingang in die Kirche ist nun vermauert. \xDCber dem Hochaltar
sind die geheimni\xDFvollen Grotten der Geburt und der Krippe. Zwei
Stiegen f\xFChren hinab zur Rechten und Linken, jede zu sechzehn Stufen;
die eine geh\xF6rt den Griechen, die andere den Armeniern. Die L\xE4nge
der Grotte der Geburt ist 37 Fu\xDF 6 Zoll von Osten nach Westen; die
Breite 11 Fu\xDF 9 Zoll, die H\xF6he 9 Fu\xDF. Die Geburtsstelle liegt an der
\xF6stlichen Wand und f\xE4llt in eine gerundete Nische. Im Boden derselben,
mit feinem Marmor belegt, ist ein flammender Stern aus Silber, der eine
Kreisplatte gr\xFCnlichen Marmors zu etwa 4 Zoll Durchmesser umgibt. Im
Saum um diese Platte stehen die Worte: _=Hic de virgine Maria Jesus
Christus natus est.=_ Vierzehn Lampen brennen in der Nische, die, so
wie die ganze Grotte, mit Seidenstoffen beh\xE4ngt und reich geziert
ist. Wenige Schritte davon, in der s\xFCdlichen Eintiefung, zeigt man
auf der einen Seite den Stein der Krippe, auf der andern die Stelle,
wo die drei Weisen ihre Geschenke niederlegten und anbeteten. Jener
steht in \xE4hnlicher Nische; ein Stern aus wei\xDFem Marmor umschlie\xDFt
eine Porphyrplatte; f\xFCnf Lampen brennen dar\xFCber. Ein Bild der Geburt
Christi, von =Jacopo Palma=, schm\xFCckt den Hintergrund. Auf dem Altar
der drei K\xF6nige ist ein Bild von demselben Meister, welches die
Anbetung darstellt. Dieser Altar ruht auf dem Steine, wo die Jungfrau
sitzend die drei K\xF6nige empfangen haben soll.

Der den Katholiken erlaubte Eingang in das Heiligthum, worin sie
neunzehn, die Griechen siebzehn und die Armenier zehn Lampen halten,
geht westw\xE4rts durch einen unterirdischen Gang. In diesem findet man
zuerst den Altar =Josephs=, dann denjenigen der =unschuldigen Kinder=,
unter welchem mit eisernem Gitter verschlossene Grotte die Gebeine
der Gemordeten enthalten soll. Von dort kommt man in die zur Kapelle
umwandelte Grotte des h. =Hieronymus=, worin er gewohnt und die Bibel
\xFCbersetzt hat; nahe daran ist sein Grab, und auch dasjenige des h.
=Eusebius= und der hh. =Paula= und =Eustochia=. \xDCber jedem Altar
steht ein Bild. Wirklich r\xFChrend im Ausdruck ist dasjenige der beiden
Frauen, dieser Sprossen aus dem Geschlechte der Gracchen und Scipionen.
Beide, Mutter und Tochter, schlummern den Schlaf des Todes; die
Verwandtschaft und eine leise Wehmuth wohnen in ihren Z\xFCgen. Sie ruhen
auf goldverbr\xE4mten Kissen aus rothem Sammt, die Mutter im schwarzen
Pilgerkleide, die Tochter mit gel\xF6sten Haaren von Rosen durchflochten,
den gekreuzigten Heiland in der Rechten gegen die linke Brust gelehnt,
die noch unter der zarten Tunika zu beben scheint. Ein Paar Engelchen
schweben dar\xFCber, und einer derselben reicht die Krone.

Von dort sind drei und zwanzig Stufen hinauf in die katholische Kirche,
die klein, aber reich an Schmuck und Bildern ist; besonders ist das
Bild der Geburt Christi in der hinter dem Hochaltare befindlichen
Sakristei sehenswerth. Um der Bev\xF6lkerung zu gen\xFCgen, mu\xDFte der Altar
der Th\xFCre gegen\xFCber aufgerichtet werden, damit der Kreuzgang des
Klosters die Frommen fassen k\xF6nne.

Die Katholiken haben dermalen nur einen W\xE4rter, der zugleich
Schullehrer ist, und der katholischen Bev\xF6lkerung die paar
italienischen Worte vorsagt, womit sie die Reisenden zu begr\xFC\xDFen
pflegt. Doch fand ich einige maronitische Priester vom Libanon dort,
welche einstweilen Seelsorge \xFCben, stille Leute, h\xF6chst ruhigen
Ausdruckes, ernst und einfach. Mit diesen nahm ich gemeinschaftlich das
Mahl. Es war mir als s\xE4\xDFe ich mit Abraham zu Tische. --

Kloster und Kirche sind von der h. =Helena= erbaut und von christlichen
F\xFCrsten erneuert worden. Aber schon in der ersten Zeit hatten die
Gl\xE4ubigen ein Gebethaus \xFCber der =Krippe des Heilandes=. =Hadrian=
stellte eine Statue des =Adonis= dort auf. Die heil. =Helena= warf
diese nieder. Von der Terrasse des Klosters blickt man weit \xFCber
stilles, felsiges, in Schluchten und auf Abh\xE4ngen mit lebendigem Gr\xFCn
bedecktes Land. Wir hatten das Kloster


  =St. Elias= in                    N. 10\xB0 O.
  =Bethlehem= in                    W.
  Arabisches Gebirge von            NO. bis SSO.
  den Weg nach dem Kloster =Saba=   O. bis N.
  die Grotte der Hirten             S. 75\xB0 O.
  die Grotte der heil. Jungfrau     S. 32\xB0 O.


=Lukas= erw\xE4hnt der Grotte der Hirten (II. 8). Ich wei\xDF nicht ob es
eine und dieselbe mit der H\xF6hle =Adullam= ist, die in den Kriegen
=Davids= bekannt wurde. (II. Sam. XXIII.)

Ich kaufte in =Bethlehem= eine Zahl Heiligenbilder, Madonnen und Kreuze
aus Holz oder Perlenmutter geschnitzt, oder mit solchen eingelegt, mit
M\xFChe und Flei\xDF, aber ohne alle Kunst\xFCbung gemacht von den Bewohnern
der Stadt; auch ein paar sch\xF6ne Trinkschalen von den Arabern aus =Wadi
Musa=, aus Stein des todten Meeres geschnitzt und mit Spr\xFCchen des
Korans versehen.

Am Engwege im Norden von Bethlehem wies man mir die Stelle, wo das
Haus Davids gestanden haben soll (Sam. XVI. XVII. XX.). Von dort ritt
ich zum Grabe =Rachels= und dann westw\xE4rts nach =Bethsafafa= (1/2
St.). Tausend Schritte vor diesem Orte sieht man eine tiefe Cisterne,
zur Linken aber, auf einer H\xF6he, =Sch\xF6rafat=. In der Ebene steht eine
riesige Terebynthe, darunter die heil. Jungfrau auf ihrer Flucht
nach \xC4gypten geruht haben soll. Auf den jenseitigen H\xF6hen reitet man
durch Roseng\xE4rten (wozu hier der Grund f\xF6rmlich bereitet und bebaut
wird, denn Rosenwasser und Rosen\xF6hl sind Erwerbzeuge), durch Wein und
\xD6hlpflanzungen und \xFCber einige Felder hinauf zum Dorfe =M\xE4lha= (1/2
St.), das gleich den beiden erstgenannten nur von Muselm\xE4nnern bewohnt
ist; dann auf der H\xF6he fort, drei Tumuli zur Linken lassend, und hinab
durch Terebynthen und Reben ins Dorf =St. Johann= (3/4. St.), das
reizend liegt von wohlbebauten H\xFCgeln umbreitet. Das Kloster daselbst
wird von vierzehn spanischen M\xF6nchen bewohnt, und ist das sch\xF6nste
katholische im heiligen Lande. Die Kirche, ganz mit Marmor ausgelegt,
hat innen sieben und drei\xDFig Schritte L\xE4nge, vier und zwanzig Breite,
vier Pfeiler und Kreuzform. Durch ein vergoldetes Gitter steigt man
zur Linken in die Grotte der Geburt =Johannis= hinab, mit wei\xDFem
und schwarzem Marmor ausget\xE4felt, mit Seidenstoffen und Goldfransen
behangen. Im Hintergrunde ist die Nische, wo ein Stern aus wei\xDFem
Marmor die Stelle umschlie\xDFt: _hic praecursor Domini natus est_. F\xFCnf
Basreliefs in wei\xDFem Marmor decken die W\xE4nde dieser Nische. Das erste
stellt die Heimsuchuug, das andere die Niederkunft, das dritte die
Predigt in der W\xFCste, das vierte die Taufe Christi, das f\xFCnfte die
Enthauptung vor. Die Arbeit daran ist mittelm\xE4\xDFig und geziert. In der
schwarzen Marmordecke dar\xFCber ist ein Lamm aus wei\xDFem Marmor eingef\xFCgt,
und dar\xFCber lieset man die Worte: _Ecce agnus Dei._ \xDCber der Nische
ist ein reicher Altar mit dem Bilde des T\xE4ufers. Die Kirche selbst hat
sieben Alt\xE4re, eine Orgel, mehrere Gem\xE4lde von Werth, darunter einen
Johannes in der W\xFCste, von Murillo, und eine sch\xF6ne Heimsuchung in der
Kapelle zur Rechten. Dort zeigt man auch einen Stein, worauf Johannes
in der W\xFCste \xF6fters gesessen haben soll.

Von der H\xF6he des Klosters fand ich


  =Cassr=                        N. 25\xB0 W.
  =Colonia=                      N. 10\xB0 O.
  Johannis Grotte in der W\xFCste   W.
  das Haus der Heimsuchung       S. 60\xB0 W.
  den Berg der Makkab\xE4er         NO.
  die Stra\xDFe nach Bethlehem      OSO.
  den Berg Obed-Edoms[B]         O.


Das Thal von =St. Johann= nach Colonia ist breit und baumreich. Es wird
f\xFCr das Terebynthenthal gehalten, worin =David= den =Goliath= erschlug.
-- Der Weg nach der W\xFCste des heil. =Johannes= f\xFChrt zun\xE4chst am Hause
der Heimsuchung vor\xFCber, d. i. an den Ruinen eines Klosters, auf der
Stelle erbaut, wo die Mutter des Vorl\xE4ufers Christi gewohnt haben soll.
In einer Grotte daran soll die heil. Jungfrau dieselbe begr\xFC\xDFet und die
sch\xF6nen Worte gesprochen haben, die Lukas im ersten Kapitel auff\xFChrt.
Von dort nach der =W\xFCste= ist nicht \xFCber eine Stunde Weges. Das Wort
=W\xFCste= ist unrichtig von der =\xD6de= gebraucht, in welche man tritt, und
wo abermals eine Grotte zwischen Felsen und Bergen, verehrt wird als
der Ort, wo Johannes gewohnt und geprediget hatte.

Wir ritten nach St. Johann zur\xFCck und nahmen weiter den Weg nach
Jerusalem. Dieser f\xFChrt l\xE4ngs dem =Berge der Makkab\xE4er= hinauf, so
genannt, weil dort ihre Gr\xE4ber seyn sollen, h\xE4lt sich dann auf der
Flachh\xF6he, kreuzt ein Wiesthal, welches das Thal der =Beduinen= hei\xDFt,
und kommt nach einer Stunde von St. Johann an das hochumth\xFCrmte
griechische =Kloster zum heil. Kreuze=, das, ganz einsam, an der Stelle
steht, die man als diejenige, wo der Baum zum Kreuze Christi gehauen
wurde, verehrt.

Nach einer halben Stunde von diesem Kloster erreichten wir die Stadt.
Vor dem Pilgerthore steht eine gro\xDFe Terebynthe, und nicht ferne
davon sieht man ein gro\xDFes Wasserbecken, offenbar uralten Ursprunges
und h\xF6chst wahrscheinlich dasjenige, dessen das zweite Buch der
K\xF6nige (XVIII. 17.) und =Jesaias= (VII. 3. -- XXXVI. 2.) erw\xE4hnen.
Die \xD6rtlichkeit und die Bezeichnung \xBBder obere Teich\xAB sind hier
entscheidend, und die letztere beweiset f\xFCr das Alter auch des unteren
Bends, dessen weiter oben erw\xE4hnt wurde. -- Dort ist die Flachh\xF6he mit
den wei\xDFen Todtenmalen der T\xFCrken bes\xE4et. Es war ein r\xFChrender Anblick;
eine Menge Frauen besch\xE4ftigt zu sehen, an diesen Malen zu beten oder
sie mit Rosen zu bestreuen.

Mir lie\xDF die heilige Stadt, da ich von ihr schied, einen m\xE4chtigen,
aber wehmuthvollen Eindruck zur\xFCck. Die Verg\xE4nglichkeit dessen, was so
bedeutend war, ist eine gro\xDFe Lehre. Mein Leben unter Ruinen und selbst
in Tr\xFCmmer zerfallen, f\xFChlt die Verwandtschaft im Schicksal mit diesen
Resten.

Du bist nun verlassen, hochgepriesene Tochter =Sions=! Der S\xE4nger
w\xFCnschet dir: \xBBEs m\xFCsse =Friede= seyn in deinen Mauern und Gl\xFCck in
deinen Pal\xE4sten!\xAB (Psalm. 122.) Aber richtig fr\xE4gt der Prophet: \xBBWer
will sich denn deiner erbarmen, Jerusalem? Wer wird denn hingehen und
Dir =Frieden= erwerben?\xAB -- (Jerem. XV. 5.)

=Jerusalem=, als Wiege des Christenthums betrachtet, ist zweifelsohne
ein trauriger, christliche F\xFCrsten schm\xE4hender Anblick. Falsch ist,
was Chateaubriand und andere Fr\xF6mmler sagen, da\xDF die =T\xFCrken= das
heilige Grab mit Feuer und Schwert zerst\xF6ren wollen. Wer h\xE4tte sie
daran gehindert, w\xFCrden sie es gewollt haben? -- Im Gegentheile sind
sie es, die =erhalten=. Was =zerst\xF6ret=, ist der Teufel des Neides
zwischen den christlichen Sekten und die Versagung der kleinen Almosen,
die zur Erhaltung der Bauten und Menschen unerl\xE4\xDFlich sind. Der Tribut
der katholischen M\xF6nche an die Pforte ist nur 7000 Piaster, aber die
Pascha und Statthalter wollen Geschenke, und die arabischen H\xE4uptlinge
der Umgegend, wie z. B. =Bogooz=, verkaufen ihren Schutz und das
freie Geleite theuer. Dermalen hat das Kloster zum heil. Erl\xF6ser \xFCber
anderthalb Millionen Piaster Schulden; aber es sind auch seit Jahren
keine Zusch\xFCsse aus Europa gekommen. Die Worte der Apostel (R\xF6m. XV. --
Korinth. XVI. -- II. Korinth. IX.) sind l\xE4ngst verschollen.

Die katholische Gemeinde und ein englischer Reisender, =John Porter=,
mit dem ich in freundschaftlicher Verbindung stand, gaben mir das
Geleite bis zur Stelle im Norden des Pilgerthores, wo die Karawane,
mit der ich nach =Ramle= zur\xFCckging, zusammen wartete. Eine Stunde,
nachdem wir aufgebrochen waren, ritten wir unter =Colonia= weg. Die
Stra\xDFe war voll von Weibern und Kindern, die nach der Stadt gemalte
Eier und Esswaaren zu Markte trugen. Wir tr\xE4nkten unsere Pferde an
einem Brunnen, 1/4 Stunde vor =Errit-el-Enneb=, und hielten unter
den Feigenb\xE4umen dieses Dorfes an. Es geh\xF6rt so wie die meisten der
Umgegend dem oben genannten Araberh\xE4uptling. Die Bewohner eilten herbei
und setzten sich freundlich zu uns, ein sch\xF6nes, kr\xE4ftiges Geschlecht,
gelenkigen schlanken Baues und tiefdunkelen Auges. Sobald wir die H\xF6he
hinter dem Dorfe erstiegen hatten, wies sich hellgl\xE4nzend im West das
Sandgestade von =Jaffa=, und hinter demselben die dunkle See. Nach
anderthalb Stunden waren wir, den Felsensteig herunter, im Thal. Die
schroffen W\xE4nde dienten gro\xDFen Ziegenherden zur Weide, feinbehaarte
Thiere, schwarz, mit rothgelber Zeichnung an F\xFC\xDFen, Bauch und Stirne,
mit zur\xFCckgekr\xFCmmten roth bestrichenen H\xF6rnern. Die Hirten waren mit
Flinten und Keulen bewaffnet.

Im engen Thal, am Fu\xDFe der H\xF6hen, stehen die Ruinen einer Kirche, die
seit lange zerst\xF6rt seyn mu\xDF, da aus dem Schutte gro\xDFe Terebinthen sich
heben. Eine halbe Stunde weiter \xF6ffnet sich das Thal und beginnt der
Anbau. Bald erreicht man zwei gro\xDFe, tiefe, aufgemauerte Brunnen und
tritt dann in die Ebene, die ein Bild des gesegnetesten Landes der Erde
gibt. Auf den H\xF6hen sind hie und da Ruinen von Kirchen, Moscheen und
Heiligengr\xE4ber.

=Ramle=, von der Ostseite gesehen, tr\xE4gt ganz besonders das
morgenl\xE4ndische Kleid. Ruinen, Kuppelgeb\xE4ude, Minarets, hohe Palmen,
die \xFCber die wei\xDFen Terrassen der H\xE4user schauen; ein Vordergrund voll
m\xE4chtiger F\xFClle an Gestr\xE4uchen und B\xE4umen; Grabw\xE4lder mit blinkenden
Malen, Brunnen und Wasserbecken zur Seite, und \xFCber das Ganze ein
wolkenloser aber bla\xDFblauer Himmel gew\xF6lbt!

Wir stiegen im Kloster ab. Von der Terrasse desselben bleibt die
Schlucht des Gebirges von Jud\xE4a, durch welche der Weg nach Jerusalem
f\xFChrt, in Ost. =Strabo= sagt, man behaupte von =Joppe= nach Jerusalem
zu sehen (_p._ 759). =Van Egmont= berichtigt diesen Irrthum (_Travels_
I. 297), =Pockock= bringt denselben wieder auf. (_Descript. of the
East._ II. 3.) Die Wahrheit ist, da\xDF man von Joppe nicht einmal bis
Ramle sieht. Von Jerusalem, das am \xF6stlichen Abfall des Gebirges von
Jud\xE4a liegt, und westw\xE4rts auf mehrere Stunden Breite den R\xFCcken
desselben als Scheidewand hat, ist es geradezu unm\xF6glich die westliche
See zu sehen. Wenn =Josephus= (_de bello Jud._ IV. 3.) erz\xE4hlt, vom
Thurme Psephina zu Jerusalem reichten die Blicke bis ans Meer, so ist
die\xDF eine \xDCbertreibung. \xDCbrigens kann man ganz gut das Roth des Brandes
am Himmel gesehen haben, als Judas =Jamnia= verbrannte (II. Makk. XII.
9). Man sieht von Jerusalem auch nicht das todte Meer, denn die Gegend
ist nur nach S\xFCd etwas ge\xF6ffnet.

Gefoltert durch eine unz\xE4hlige Menge von M\xFCcken, die mich um die
gehoffte Ruhe gebracht hatten, verlie\xDF ich =Ramle=, um nach =Nazareth=
zu reisen. Der Weg f\xFChrt n\xF6rdlich durch die herrliche Ebene zwischen
Feldern bis an das Dorf =Hudieh= (2-1/2 St.). Hinter diesem beginnt
Hutweide und dauert durch drei Viertelstunden Weges, dann ist abermals
bebaute Flur, bis zum Dorfe =Mir= (3/4 St.), das auf einem H\xFCgelchen
liegt. An der Stra\xDFe stehen zwei Kreise von =Sidirb\xE4umen=[C] zum
Behufe der Reisenden. W\xE4hrend wir dort ruhten, kam ein Zug Jauchzender
aus dem Dorfe. M\xE4nner er\xF6ffneten denselben, spielten auf Cymbeln und
Hirtenfl\xF6ten, sangen und schossen ihre Gewehre ab. Ihnen folgte ein
schwer beladenes Kameel, worauf zwei M\xE4dchen sa\xDFen. Dann kamen Weiber,
die zum Theile weinten und heulten. Es war eine Brautabholung aus
dem nahen St\xE4dtchen =Lydda= (Apost. Gesch. IX), welches die R\xF6mer
=Diospolis= hie\xDFen, und das, wie so manches andere, heut zu Tage wieder
den alten Namen tr\xE4gt.

Eine Viertelstunde weiter steht ein Beduinend\xF6rfchen. Das Volk war um
einen Araber versammelt, der f\xFCr einige Para einen grauen gro\xDFen Affen
tanzen lie\xDF. Unsere Ankunft zog die Aufmerksamkeit der Menge auf uns,
und der Affe blieb verlassen, bis wir vor\xFCber waren. An der Nordseite
des D\xF6rfchens flie\xDFt ein starker Bach, das gr\xF6\xDFte Wasser zwischen Ramle
und Nazareth, wor\xFCber eine Steinbr\xFCcke von sechs Bogen f\xFChrt. Unter
jedem Bogen sind zwei M\xFChlen angebracht. Diese zw\xF6lf M\xFChlen werden
diejenigen von Jaffa genannt. Rechts auf eine halbe Stunde, in der
Ebene, liegt das Schlo\xDF =Ra\xDF-el-Eyn=. Der Bach kommt an diesem vor\xFCber
aus dem Gebirge im Osten.

Eine Stunde weiter ritten wir durch den Ort =D\xF6r-Ade\xDF=, und, mit
Abstand von einer halben Stunde von einem Punkte zum andern, \xFCber
wellenf\xF6rmigen bebauten Grund, durch das D\xF6rfchen =Kaffr-Suba=, an
einer einsamen Moschee, an einer zweiten und an =Karentsau\xFCh= vor\xFCber,
das eine zerst\xF6rte Feste mit Ruinen einer Kirche ist, und etwas zur
Rechten auf einer schwachen H\xF6he liegt. Dort ist auch ein Brunnen, der
erste seit den M\xFChlen. Reisende aus Baalbeck und Damask hatten ihre
Gezelte daran aufgeschlagen.

Anderthalb Stunden weiter ist =Kahun=, ein ummauerter Ort mitten in
der Ebene auf einem H\xFCgel. In solchen Nestern, hinter Mauern von etwa
15 Fu\xDF H\xF6he, trotzen die arabischen H\xE4uptlinge den Statthaltern des
Sultans. =Kahun=, nebst einigen Orten im Gebirge von Naplu\xDF, standen
eben damals im Aufruhr gegen den Pascha von Damask. Ich z\xE4hlte, von
=Karentsau\xFCh= aus, sechzehn Orte am Gebirge oder auf demselben,
jedes ummauert und einer Feste gleich, meist die Spitzen der Berge,
so wie die H\xFCgel der Ebene suchend, ein Umstand, der hinl\xE4nglich
den fortdauernden Kriegzustand dieses Landes beurkundet. Unter dem
Thore von Kahun wurden wir angehalten und mu\xDFten den =Aga= der Stadt
abwarten, der seit fr\xFCh Morgens ausw\xE4rts war. Gro\xDFe Herden von Rindern
zogen ein, denn die Sonne war im Untergehen; vieles Volt kehrte von
den Feldern heim, wo wir es pfl\xFCgen und ernten gesehen hatten; M\xE4gde
und Frauen gingen und kamen von dem Brunnen unten am H\xFCgel, den
l\xE4nglich-runden irdenen Krug auf dem Kopfe. Die Tracht der arabischen
Weiber ist hier dieselbe wie in =\xC4gypten=, ein blaues Hemde, und um den
Kopf ein rothes Tuch gewunden, das l\xE4ngs dem R\xFCcken hinabh\xE4ngt.

Endlich kam der =Aga=. Er ritt ein gutes Ro\xDF, f\xFChrte eine lange Lanze
und war von einigen Soldaten begleitet. Er empfing uns sehr freundlich,
lie\xDF in der Burg ein gro\xDFes Gemach f\xFCr uns ausr\xE4umen, ein Mahl aus
Fleisch und Reis bereiten, und leistete uns, bis die\xDF gebracht wurde,
Gesellschaft. Er plauderte viel \xFCber die Weltangelegenheiten, und
beklagte sich bitter \xFCber den Vizek\xF6nig =Mohammed-Ali=, den er als
einen heimlichen Christen und Verr\xE4ther am Sultan schilderte. Auch zwei
Seeleute aus Tanger, Durchreisende wie wir, setzten sich zu uns, und
zechten ganz wacker, sobald sie mit uns allein waren.

Drei Stunden n\xF6rdlich von Kahun nimmt man die Richtung gegen Nordost
und Ost durch die niederen Waldh\xFCgel, welche zwischen dem Karmel
und dem Gebirge von Samaria die Verbindung bilden. Die Th\xE4ler sind
bebaut und die sanften H\xF6hen mit Wallnu\xDFb\xE4umen bedeckt. Von Stunde zu
Stunde trifft man Ruinen von Kirchlein, aber von Kahun bis auf den
R\xFCcken dieser H\xF6hen keinen Tropfen Wasser. Dort (5-1/2 St.) ist eine
schlechte Tr\xE4nke, bald darauf ein frisches B\xE4chlein, vielleicht der
Bach =Kedumim= der Schrift (Richter. V. 21.). Im Schatten der B\xE4ume,
die dessen Ufer bekleiden, lie\xDFen wir die Gluth des Mittags vor\xFCber
gehen. Ein T\xFCrke aus Damaskus schlo\xDF sich an uns. Dann stiegen wir
rasch in die Ebene von =Esdrelon= hinab, die acht Stunden lang und halb
so breit, im S\xFCden vom Gebirge von Samaria, im Westen vom Karmel, im
Norden von den H\xF6hen von Nazareth, im Osten von den Bergen Thabor und
Hermon umschlossen ist, zwischen diesen beiden aber eine Verbindung mit
der Ebene des Jordan hat. Sie ist bebaut, wird aber auch von S\xFCmpfen
und dem tief eingeschnittenen =Kischon= durchzogen. Wir irrten, um den
Weg durch die Mor\xE4ste zu finden, wagend und rathlos umher, bis ein
Beduine uns die richtige Furt zeigte, erreichten nach drei Stunden die
n\xF6rdlichen H\xF6hen, und nach andern zwei, am Dorfe Jaffa vor\xFCberkommend,
das in einem kahlen Bergkessel hochgelegene St\xE4dtchen =Nazareth=.

Da empfing uns in morgenl\xE4ndischer Tracht, aber mit dreieckigem Hute,
dem Zeichen seiner W\xFCrde, der Vizekonsul Sr. Majest\xE4t zu =Akka=,
=Antonio Catafago=, und f\xFChrte uns in das Kloster ein, wo Gem\xE4cher
f\xFCr uns bereit waren. Abends a\xDFen wir bei ihm, und fanden uns von
seiner liebensw\xFCrdigen Familie umgeben, welche unter den Christen die
reichste der syrischen K\xFCste ist. Er und seine Frau sind italienischen
Ursprunges; aber in Aleppo geboren. Wie ein Patriarch sa\xDF er inmitten
von S\xF6hnen, T\xF6chtern, Schwiegers\xF6hnen und Schn\xFCren. Die Frau des
einen Sohnes, auf dem Libanon geboren, war kaum dreizehn Jahre alt,
und doch schon \xFCber ein Jahr verheirathet. Diamanten, Perlen und
Goldst\xFCcke gl\xE4nzten an der reichen t\xFCrkischen Tracht dieser Frauen
und M\xE4dchen; ich glaube, da\xDF jede f\xFCnfzigtausend Piaster Werth an
solchen auf sich trug. Sie sprachen nur die Landessprache, d. i. die
arabische, waren heiter und freundlich, von angenehmen Gesichtformen,
mit tiefen schwarzen Augen, sehr wei\xDF und rein an Farbe, und hatten die
Augenlieder schwarz bemalt.

Im Kloster fand ich zw\xF6lf M\xF6nche, deren Vorsteher, Pater =Filkuka=,
ein M\xE4hrer, war, vormals Pfarrer zu Gro\xDFmeferich. Seine Freude, einen
halben Landsmann zu finden, war nicht gering, und er bot sein Bestes
auf, um uns freundlich zu bewirthen. Das Kloster ist ger\xE4umig, gleicht
einer Festung, hat Mauern und verschiedene H\xF6fe, und eine sch\xF6ne
Kirche, als deren Heiligthum die unter dem Hochaltare befindliche
=Grotte der unbefleckten Empf\xE4ngni\xDF= betrachtet wird. Diese ist auf die
Weise der Heiligth\xFCmer in Jerusalem und Bethlehem mit Seide und Marmor
reich ausgeziert. Eine Granits\xE4ule h\xE4ngt ganz seltsam in der Decke der
Grotte, und war lange, und ist noch der Gegenstand der Verehrung der
Wundergl\xE4ubigen. Hinter dieser Grotte werden andere, als Wohnort der
heil. Jungfrau, gezeigt, wobei man die Pl\xE4tze angibt wo sie ruhte,
kochte u. s. w. Auch besuchen die Pilger mit Andacht die =Werkst\xE4tte
Josephs=, nun eine katholische Kapelle; das Haus des =Heilandes=,
worin durch einen Felsblock ein nat\xFCrlicher l\xE4nglich-runder Tisch
gebildet ist, an dem er oft mit seinen Zw\xF6lfen gesessen haben soll; die
=Synagoge=, wo er zu lesen und zu lehren pflegte, nun eine griechische
Kirche; endlich den Abhang, eine Viertelstunde vor der Stadt, wo ihn
die Nazarener herabst\xFCrzen wollten (Luk. VI.). Alle diese heiligen
Stellen finden wir in den Schriftstellern vom sechsten Jahrhundert bis
zu unseren Tagen h\xE4ufig geschildert. Die \xE4lteren sprechen aber auch von
sch\xF6nen Kirchen, welche die Kaiserin Helena dort errichtet hatte. Diese
sind in Tr\xFCmmern, und durch kleinere ersetzt.

=Nazareth= hat dermalen an 5000 Einwohner, darunter 1200 Christen;
gute und bequeme Geb\xE4ude l\xE4ngs dem \xF6stlichen Abhange hinaufgebaut; vor
sich, im Osten, einige G\xE4rten und Felder; im S\xFCden das Thal, das in
die Ebene von Esdrelon ausl\xE4uft. Es behauptet sich in einer Art von
Unabh\xE4ngigkeit vom Pascha von =Akka=, zu dessen Gebiet es geh\xF6rt. Die
Christen haben auch da das Recht, Waffen zu tragen. Die arabischen
H\xE4uptlinge der Umgegend wohnen gerne darin, und betrachten es als einen
Ort der Begegnung und Besprechung unter sich. =Catafago= und die
Seinigen besitzen sch\xF6ne Landh\xE4user daselbst. Gastfreund der H\xE4uptlinge
aus dem Gebirge von =Naplu\xDF=, fl\xFCchtete er hieher seine Familie, da
diese von dem genannten Pascha im Sommer 1828 bedroht und aus =Akka=
vertrieben worden war. Die H\xE4uptlinge selbst trugen ihm Geld und
Leute an, und unter ihrem Schutze war er sicher gegen die Gewalt des
Statthalters.

Von Nazareth nach dem =Jordan= ist nicht \xFCber f\xFCnf Stunden Weges.
Gleich au\xDFer dem St\xE4dtchen findet man den sch\xF6nen Brunnen, der nach
der heil. Jungfrau benannt wird. Man reitet l\xE4ngs den \xF6stlichen H\xF6hen
fort, auf diesen das D\xF6rfchen =Eyn-Mechel= zur Linken, in der Ebene zur
Rechten aber den Ort =Dabura= lassend, den Einige f\xFCr das St\xE4dtchen
=Debora= des Buches der Richter nehmen. Diese Annahme ist irrig, denn
in diesem Buche hei\xDFt es: \xBBUnd sie wohnete unter den Palmen =Debora=
zwischen =Rama= und =Bethel=, auf dem Gebirge =Ephraim=\xAB (IV. 6.)
=Dabura= scheint vielmehr das =Dabrath= des =Josua= (XIX. 12. XXI.
28.), welches =Eusebius= als =Dabira= kennt.

Hart an Dabura, das zwei Stunden von Nazareth entlegen ist, steigt
der =Thabor= frei aus der Ebene, wie ein breiter Kegel empor. Dieser
ber\xFChmte Berg, eine der Denks\xE4ulen im Gebiete der Religionen, ist
eigentlich eine Fortsetzung der H\xF6hen von Nazareth. Er f\xE4llt nach allen
Seiten gleich steil ab. Eichen, wilde Pistazienb\xE4ume und dichtes
Gestr\xE4uch decken dessen R\xFCcken. Man braucht eine starke Stunde, um den
Gipfel zu erreichen, we\xDFhalb auch =Jeremias= in seiner Prophezeiung
gegen =\xC4gypten= von dem \xBBSchl\xE4chter aus Mitternacht,\xAB der es besiegen
wird, sagt: \xBBEr wird daher ziehen, so hoch, wie der Berg =Thabor=
unter den Bergen, und wie der Karmel am Meer!\xAB (XLVI. 18.) Der Gipfel
hat etwa eine halbe Stunde Umfang, ist geebnet und von Resten einer
Umwallung, durch die an der Westseite ein Bogenthor (=Bab-el Hauwa=,
die Windpforte) f\xFChrt, umschlossen. Grundfesten und Cisternen deuten
auf uralte Ben\xFCtzung dieser unvergleichbaren Stelle, von wo das Auge
alles Land zwischen dem Karmel am Meere, den Schneegipfeln des Libanon
und Antilibanon, den Gebirgen von Damaskus, des Landes Hauran und des
steinigen Arabiens umfa\xDFt. Schon zu den Zeiten der Einwanderung der
Israeliten wird einer Stadt =Thabor= gedacht, die an die Priesterkaste
gegeben wurde (Chron. VII. 77). \xBBWie waren die M\xE4nner,\xAB fragte Gideon,
die gefangenen Midianiter-F\xFCrsten =Sebah= und =Zalmuna=, \xBBdie ihr
erw\xFCrgtet zu =Thabor=?\xAB -- diese antworteten: \xBBSie waren wie du, und
ein jeglicher sch\xF6n, wie eines K\xF6niges Kind.\xAB Er aber sprach: \xBBEs sind
meine Br\xFCder, meiner Mutter S\xF6hne gewesen. So wahr der Herr lebt, wo
ihr sie h\xE4ttet leben lassen, so wollte ich euch nicht t\xF6dten.\xAB Und er
t\xF6dtete sie. (Richt. VIII.) -- Polyb (_lib._ V.) kennet Thabor unter
dem Namens =Atabyrium=, worin der urspr\xFCngliche Laut nicht verkennbar
ist, und dem selbst derjenige des heutigen Dabura nahe liegt. Man
k\xF6nnte also auch Dabura und Atabyrium f\xFCr einen und denselben Ort
halten; aber Polyb sagt ausdr\xFCcklich, da\xDF die genannte Stadt auf der
Spitze eines f\xFCnfzehn Stadien hohen Berges lag, was wohl auf Thabor,
nicht aber auf das in der Ebene liegende Dabura sich anwenden l\xE4\xDFt.
=Josephus= nennt den Berg selbst [Greek: horos Itabyrion] (_Ant._ V.
23.) und die oben liegende und ummauerte Stadt auch [Greek: Atabyrion].
-- =Adamnanus=, ein Schriftsteller des siebenten Jahrhunderts (_lib.
II. de loc. sanct._) spricht von einem ger\xE4umigen Kloster auf dem
Gipfel des Thabor und von Grotten, welche die M\xF6nche daselbst
bewohnten. In einer dieser Grotten wird noch von den Katholiken
Gottesdienst gehalten, und zwar am Peterstage; nicht ferne davon auch
von den Griechen, aber am Tage von Maria Geburt; beide betrachten die
Stelle als diejenige der =Verkl\xE4rung=.

Das mittell\xE4ndische, oder wie die Israeliten es nannten, das =gro\xDFe
Meer= und der See von =Tiberias= breiten dem Auge des auf dem Gipfel
des Thabor Stehenden ihren gl\xE4nzenden Spiegel hin. Die Berge von
=Samaria=, diejenigen von =Gilboa= liegen nahe vor dem Blicke; am
n\xE4chsten der =Hermon=, an Gestalt und H\xF6he dem Thabor gleich, aber
auf breiterer Grundlage ruhend und mit einer weit sichtbaren Moschee
gekr\xF6nt. \xBBMitternacht und Mittag hast du geschaffen; =Thabor= und
=Hermon= jauchzen in deinem Namens\xAB (Psalm. 89). -- Am Fu\xDFe des
letztern zeigt sich =Naim=, wo Christus den Sohn der Wittwe erweckte
(Luk. VII. 11.), und =Endor=, so bekannt durch das Weib, das dem K\xF6nige
Saul, am Vorabende seiner letzten Schlacht gegen die Philist\xE4er, den
Schatten Samuels herauf rief, der ihm die furchtbaren Worte sagte:
\xBBMorgen wirst du mit deinen S\xF6hnen bei mir seyn!\xAB (Sam. XXVIII.)
-- Auch die beiden D\xF6rfchen erblickt man, wo in unseren Tagen die
Franzosen die Schlacht am Thabor schlugen. Weit ausgebreitet aber liegt
in ihrer ganzen L\xE4nge die Ebene von Esdrelon vor dem Blicke, wahrlich
vom Himmel zum Schlachtfeld gebildet! -- Vor meinem Geiste stiegen
die alten Bilder empor, die neunhundert eisernen Wagen des Sissera,
sein Kampf, seine Niederlage gegen die M\xE4nner der St\xE4mme Naphtali und
Sebulon, von dem begeisterten Weibe =Debora= gef\xFChrt!

\xBB=Sebulons= Volk wagte seine Seele in den Tod! Naphtali auch, in der
H\xF6he des Feldes.\xAB

\xBBDie K\xF6nige kamen und stritten\xAB ...

\xBBDer Bach =Kischon= w\xE4lzte sie, der Bach =Kedumim=. Tritt, meine Seele,
auf die Starken!\xAB

\xBBDa rasselten der Pferde F\xFC\xDFe vor dem Zagen ihrer m\xE4chtigen Reiter ...\xAB

\xBBGesegnet sey unter den Weibern Jael, das Weib Hebers des Keniters;
gesegnet sey sie in der H\xFCtte unter den Weibern!\xAB

\xBBZu ihren F\xFC\xDFen kr\xFCmmte sich Sissera, fiel nieder und legte sich, und
kr\xFCmmte sich, und fiel wieder zu ihren F\xFC\xDFen; und wie er sich kr\xFCmmte,
so lag er verderbet.\xAB

\xBBDie Mutter Sisseras sah zum Fenster hinaus, und heulete durchs Gitter:
Warum verziehet sein Wagen, da\xDF er nicht kommt? -- Wie bleiben die
R\xE4der seiner Wagen so dahinten?...\xAB

\xBBAlso m\xFCssen umkommen, Herr, alle deine Feinde! die dich aber lieb
haben, m\xFCssen seyn, wie die Sonne aufgehet in ihrer Macht!\xAB (Richt. V.)

Eine starke Stunde nord\xF6stlich vom Thabor, am Fu\xDFe der H\xF6hen von
Nazareth, stehen zwei verlassene viereckige Kastelle. Die Stelle hei\xDFt
=Suchel-khan=, oder auch der =Khan von Dsch\xE4bel Tor=. Wir fanden ein
gro\xDFes Treiben von Menschen dort, weil eben Montag war, und an diesem
Tage dort Markt zwischen den Bewohnern von Nazareth und Tiberias und
den Beduinen zu seyn pflegt. =Diese= bringen Pferde, Rinder, Schafe;
=jene= Kleiderstoffe, Werkzeuge, E\xDFwaaren und Stuten, um sie bespringen
zu lassen. Reihen gelegter Steine bezeichnen die den verschiedenen
Waaren zugewiesenen Pl\xE4tze, und Kauf und Verkauf gehen in voller Ruhe
und Sicherheit vor sich. Ich trieb mich, ohne im mindesten bel\xE4stiget
zu werden, unter diesem Volke herum. Die Beduinen waren aus den
St\xE4mmen =Anasi= (aus der W\xFCste), =Beni-Sohor= (am Jordan), =Szefech=
(am Thabor) und aus turkomannischen Horden. Diese Beduinen sind
durchaus Hirten, und geh\xF6ren nicht in die Klasse jener rein-arabischen
Wanderhorden, die man in der Syrte, in \xC4gypten, in Nubien und im
eigentlichen Arabien findet.

Die beiden Kastelle scheinen byzantischer Anlage und sarazenischen
Zubaues. Sie liegen in Tr\xFCmmern. -- Von der H\xF6he des oberen hat man
einen Ausblick in die Ebene des Jordan, wo sich der Ort =Kokeb=, 38\xB0
s\xFCd\xF6stlich, wie ein Vorgebirge kr\xF6nend zeigt. Da wir uns \xF6stlich
hielten, so hatten wir noch sanfte H\xF6hen zu \xFCberschreiten, aus denen
die D\xF6rfchen =Kuffre-K\xE4ne= und =Sahruni= (1 Stunde) liegen. Das erste
wird f\xFCr das St\xE4dtchen =Kana= gehalten, wo Christus das Wasser in Wein
verwandelte. Nachdem man eine von allen Seiten umschlossene Ebene,
an deren Nordseite der _Mons Christi_ oder _Mons beatudinis_ (im
Arabischen =Kerun-Hottein=), wo die F\xFCnftausend gespeiset wurden, sich
hebt, durchritten, und den R\xFCcken der n\xE4chsten H\xFCgelscheide erreicht
hat, liegt zur Linken der See von =Tiberias=, ein riesiger Spiegel,
der die Schneegipfel des Antilibanon und die finsteren Gebirgsw\xE4nde von
=Bethulia= widerstrahlt, herrlich vor den Blicken; vor sich und zur
Rechten aber zeigt sich, farblos und tief eingesenkt, die breite =Flur
des Jordan=, dessen schimmernder Streif von dort, wo er aus dem See
tritt, bis weit hinab gegen S\xFCden wie das belebte Auge eines erstarrten
K\xF6rpers dem Schauenden entgegenblitzt. Etwa tausend Schritte unter dem
Ausflusse stehen eilf Steinbogen im Flusse, Tr\xFCmmer einer Br\xFCcke. Dort
erreichten wir, nach zwei Stunden Weges von =Saruhni=, den heiligen
Flu\xDF, in welchem noch heut zu Tage Christen, Muselm\xE4nner und Juden mit
gleicher Andacht sich baden.

Es herrscht ein wunderbarer Geist der Stille und Verlassenheit in
diesen Gefilden. Obwohl am Ufer und in der Ebene lange Strecken mit
Tabak, Dura und Getreide bepflanzt sind; obwohl am s\xFCdlichen Gestade
des See's das D\xF6rfchen =Schannag= sich zeigt, so ist es doch, als
wohne kein menschliches Wesen auf dieser ber\xFChmten Flur. Sie ist eine
abger\xE4umte B\xFChne; ihre K\xF6nige und Helden, ihre Entz\xFCckungen und Gr\xE4uel,
ihre Jubelges\xE4nge und ihre Thr\xE4nen sind nicht mehr; Schweigen sitzt wie
eine Mutter \xFCber der Vergangenheit und h\xFCllet die Wundmale ihres Kindes
ein.

Das Thal des Jordans tr\xE4gt im Arabischen den Namen =El-Ghor=. Es wird
an der Ostseite von steilen, nackten, wenig gezeichneten Gebirgen
begleitet. Der Jordan, in vielen Windungen, h\xE4lt sich meist an der
Westseite. =Hadrian Relandus= (_Palaestina Illustrata_ I. 4) gibt
demselben 1200 Stadien L\xE4nge, was wenigstens um die H\xE4lfte zu viel
ist. Im Norden bildet der =See von Tiberias=, den die B\xFCcher Moses das
Meer von =Kinnereth= nennen, im S\xFCden das =todte Meer= dessen Gr\xE4nzen.
=Jericho= in der s\xFCdlichen H\xE4lfte, und =Scythopolis=, die =Betschean=
oder =Betsan= der Schrift, in der n\xF6rdlichen, waren die vorz\xFCglichsten
St\xE4dte derselben. Ich halte die letztere f\xFCr die heutige =Kokeb=.

Das Wasser des =See's Tiberias= ist klar. Keine einzige Barke belebte
den weiten Spiegel, in den hoch herab, in Nordnordost, der =Dsch\xE4bel
El-Hesch=, die S\xFCdspitze des Antilibanon, niedersah. Die Breite von
=El-Ghor= mag da zwei Stunden betragen.

Auf dem zweiten Pfeiler der Ruinen der Br\xFCcke, bis zu dem ich das
Wasser des Jordan durchwatet hatte, sitzend und das Reisemahl
verzehrend, wurde mir ein malerisches Schauspiel zu Theil. Es zogen
n\xE4mlich, aus dem Hauran zur\xFCckkehrend, Karawanen von mehreren hundert
Kameelen durch die Ebene einher und \xFCber den Jordan nach =Tiberias=
hinauf. F\xFCnf bis sechshundert Reiter und Fu\xDFg\xE4nger begleiteten
dieselben als Bedeckung. Es war die Sendung, die der Pascha von Akka
j\xE4hrlich auf die Pilgerstra\xDFe machen mu\xDF, die von =Damaskus= durch das
=Hauran= nach =Bosra= und weiter \xFCber =Wadi-Musa= nach =Mekka= zieht.
Ein betr\xE4chtlicher Theil der Truppenkraft des Pascha ist zum sicheren
Geleite der Lebensmittel verwendet, welche zu =Mezarib= (=Astaroth=)
niedergelegt zu werden pflegen. Die Dehlis sahen mich und die Meinigen
nicht ohne Verwunderung auf dem Pfeiler im Jordan thronen; keiner aus
ihnen gab uns aber auch nur ein b\xF6ses W\xF6rtchen. Sie gingen durch die
Furt nahe unter der Br\xFCcke, wo der Flu\xDF an achtzig Schritte Breite
hatte, und in seiner gr\xF6\xDFten Tiefe dem Fu\xDFgeher bis an die Brust
reichte.

Das Wasser des Jordans ist leicht und angenehm. Ich sah viele Fische
darin. Die Ufer sind dicht mit Rosenlorbeern und B\xE4umen besetzt.
Nachdem ich mich gebadet und eine Flasche aus dem Flusse und eine aus
dem See gef\xFCllt hatte, ritt ich nach =Nazareth= zur\xFCck.

Der arabische Name des Jordan ist =Scheriet-el-Kebir=; der des Berges
Thabor: =Dsch\xE4bel Tor=; der der Ebene Esdrelen: =Merdji Ibn Aamer=.

Am Morgen meiner R\xFCckreise nach =Akka= war ich noch werkth\xE4tiger Zeuge
eines christlichen Gesch\xE4ftes zu Nazareth. Der Pater =Vitus Filkuka=
bat mich, der Bekehrung eines Juden beizuwohnen. Es war ein armer
Schneiderjunge aus Baireuth, wei\xDF Gott wie nach dem Orient gerathen,
und ihm von der Gemeinde zu Kairo zu diesem wohlth\xE4tigen Zwecke
zugesendet. Die Abschw\xF6rung der Ketzerei und Aufnahme in den Schoo\xDF der
christlichen Kirche geschah feierlich vor dem Hochaltare, wobei mein
Landsmann eine deutsche Predigt hielt, die au\xDFer dem Aufzunehmenden und
mir Niemand verstand, aber alle mit Erbauung anh\xF6rten. Ich hielt dem
Jungen eine andere in derselben Sprache, wobei er in Thr\xE4nen zerflo\xDF,
und das ganze Auditorium ger\xFChrt wurde.

Von =Nazareth= nach =Kaipha= f\xFChrt der Weg \xFCber die Einsattlung im
Norden des St\xE4dtchens und jenseits in ein reichbew\xE4ssertes Thal, durch
das ein Bach flie\xDFt, der ein Paar M\xFChlen treibt (1-1/2 St.). Dann
reitet man \xFCber waldige H\xFCgel. Von der Stelle, wo man die Bai von
=S. Jean d'Acre= zuerst erblickt, liegt das Kirchlein auf der H\xF6he
von =Nazareth= 43\xB0 s\xFCd\xF6stlich; =S. Jean d'Acre= 30\xB0 nordwestlich;
das Vorgebirge des =Karmel= 75\xB0 nordwestlich; die h\xF6chste Spitze der
Gebirge von =Samaria= s\xFCdlich.

Am Ausgange der Waldh\xFCgel findet man das christliche Dorf =Schfamer=
(2 St.), gro\xDF und mit einem Schlosse versehen, mit tiefen und guten
Brunnen und vielen in Felsen gehauenen Getreidemagazinen. Durch ein
baumreiches Thal steigt man in die Ebene nieder, erreicht die breiten
D\xFCnen des Gestades (2 St.), geht \xFCber den =Kischon= und folgt der
See bis =Kaipha= (1-1/2 St.). Vor unseren Augen scho\xDF ein Soldat des
Pascha in der Ebene eine Gazelle; auch viele Hasen trieben wir auf. In
Kaipha feierten die Bewohner eben die Best\xE4tigung =Abdallah's= in den
Paschaliken von =Akka=, =Seida= und =Tripolis=, eine F\xF6rmlichkeit, die
alle Jahre Statt hat. Der Sultan ist nur dem Namen nach Herr in diesem
Lande. Auf der Rhede von =Kaipha= lag mein Schiff; ich betrat es mit
freudigem Gef\xFChle, als w\xE4re es ein St\xFCck meiner Heimath.

Vorbereitet durch diese Reise und Carafago mit mir f\xFChrend, ruderte ich
am Morgen darauf in einem Boote des =Veloce= nach =S. Jean d'Acre=,
das ich nach anderthalb Stunden erreichte. Man machte an dem Thore
Anstand uns einzulassen, und wir mu\xDFten \xFCber eine Stunde auf die
Erlaubni\xDF hiezu warten. Man bewirthete uns jedoch einstweilen mit
Kaffeh und Pfeife. Endlich wurde uns zugestanden, in des Konsuls Haus
zu gehen. Von dort aus lie\xDF ich dem Pascha wissen: ich w\xE4re gekommen,
um ihn zu sprechen. Er, auf einem seiner Landh\xE4user eine halbe Stunde
im Norden der Stadt befindlich, wies mich an seinen Kiaja. Da ich
\xFCber diesen Vortheilhaftes h\xF6rte, so ging ich zu ihm, und fand einen
jungen sch\xF6nen Mann, aus dem Kaukasus geboren, und Freund des Pascha.
Es gelang mir, ihn zu bestimmen, an den Pascha zu schreiben, um
diesen \xFCber die Besorgnisse der Eitelkeit zu beruhigen, die mir die
Seele seines Widerstandes zu seyn schienen. Dieser Schritt f\xFChrte zum
Ziele. W\xE4hrend der Nacht, die ich im Konsulate zubrachte, erschien ein
Offizier des Pascha mit der Botschaft: Abdallah sey, um mich zu sehen,
in die Stadt zur\xFCckgekehrt und erwarte mich in der ersten Stunde nach
Sonnenaufgang. Viele Offiziere kamen mich abzuholen. Ich fand l\xE4ngs der
Stra\xDFe des Pallastes die Soldaten in Reihe gestellt, und eben so im
Pallaste selbst den ganzen Schwarm der Hausbedienten bis an die Th\xFCre
des Saales, in welchem der Empfang Statt haben sollte. Ich erwartete
einen finsteren Mann zu sehen, aus dessen Augen die Flecken des Blutes
nicht wegzutilgen w\xE4ren, die er von H\xE4nden und Kleidern waschen konnte.
Ich fand auf dem Divan sitzend in einer der Ecken dieses heiteren,
sonnenhellen Gemaches, durch dessen Fenster See und Land in weiter
Verbreitung sich zeigten, einen freundlichen Mann, nicht \xFCber drei
und drei\xDFig Jahr alt, etwas von Blattern bezeichnet, in einfachem,
doch h\xF6chst reichem Kleide, einen Barbareskenmantel um sich, vorne
durch diamantene Schlie\xDFen gehalten, einen herrlichen Handschar im
G\xFCrtel von Diamanten strotzend, Blumen aus Schoo\xDF und Divan. So wie
ich mich gesetzt hatte, reichte er mir einen Rosenstrau\xDF. Er sprach
mit Milde, Glanz und Feinheit \xFCber die Weltangelegenheiten, \xFCber die
europ\xE4ischen F\xFCrsten, \xFCber den Sultan. Nach und nach leitete ich das
Gespr\xE4ch aus Catafago, und gewann ihn so sehr, da\xDF er das Geschehene
beklagte, die genommene Geldsumme zur\xFCckstellte, die Wiedereinsetzung
des Konsulats und die feierliche Erh\xF6hung der Flagge f\xFCr den n\xE4chsten
Morgen versprach und in alle \xFCbrigen Forderungen einging, die ich ihm
unter dem Kleide von W\xFCnschen vorbrachte. So sehr h\xE4ngt im Orient jedes
Gesch\xE4ft an der Form, und auch das schwierigste gelingt, wenn diese
nicht verletzt wird. Das Mi\xDFtrauen in die Europ\xE4er ist zu gro\xDF, als
da\xDF diese durch schriftliche Unterhandlung leicht zum Ziele kommen;
aber im m\xFCndlichen Zusammenseyn, in Beobachtung der landes\xFCblichen
Ruhe, Heiterkeit und Schonung ist mit Niemanden leichter ein Gesch\xE4ft
gl\xFCcklich zu Ende zu bringen, als mit dem Morgenl\xE4nder, da, mit sehr
seltener Ausnahme, die Grundlage seines Charakters die Wahrhaftigkeit
ist.

Kaum waren wir zur\xFCck im Konsulate, so kam die Musik des Pascha; dann
zu Besuch und Gl\xFCckwunsch f\xFCr Catafago nach und nach die ganze Stadt.
Der Greis weinte vor Freuden, und Boten eilten nach =Nazareth=, um
seine Familie f\xFCr den n\xE4chsten Morgen auf die Spitzen des Gebirges zu
bescheiden, damit sie am Kanonendonner sich ergetzen k\xF6nnte.

Ich besah die Stadt. Sie ist ein Viereck von nicht viel \xFCber 500
Schritte Grundlinie, auf zwei Seiten von der See besp\xFClt. Die Mauern
waren zur Zeit Buonapartes einfach; jetzt ist auf den Landseiten eine
zweite Mauer vorgelegt. Das Landthor geht durch die Ostseite nahe am
Gestade. Diese Seite hat drei, die Nordseite vier bastionirte Th\xFCrme.
Die Courtinen an jener sind f\xFCr drei, an dieser f\xFCr vier Gesch\xFCtze
eingerichtet. Der Graben ist breit und tief. Die Festung ist mehr
als irgend eine der levantischen K\xFCste in Ordnung. Abdallah baute
hinter der Mitte der Nordseite einen hohen, festen Thurm, welcher die
Citadelle bildet. Fast alle Geb\xE4ude im Innern der Stadt sind von hohen
Mauern eingeschlossen, was den Sturm auf dieselbe ungemein schwierig
und gef\xE4hrlich machen mu\xDF.

Au\xDFen, nach Nord und Ost, ist Wellengrund und Ebene. Einige Landh\xE4user
beleben dieselbe, und im Nord gew\xE4hrt eine Wasserleitung, mit vielen
Bogen von einem H\xFCgel zum andern gezogen, einen malerischen Anblick.
Suterazi, d. i. Wasserhebpfeiler, bringen das Wasser nach der Stadt.
Im Osten sieht man viele Grundfesten und sonstige Spuren des alten
=Ptolemais=; im Inneren viele Granit- und Marmorsch\xE4fte, aus =C\xE4sarea=
und =Askalon= herbeigebracht. Jene dehnen sich auf eine halbe Stunde
l\xE4ngs dem Gestade und bis an die M\xFCndung des =Belus= aus, dieses in der
alten Zeit so gesch\xE4tzten Fl\xFC\xDFchens, wo das erste Glas erzeugt worden
war. -- Die T\xFCrken erst\xFCrmten Ptolemais, nach langer Belagerung, am
19. Mai 1291, und zerst\xF6rten die Stadt vom Grunde aus. Ein m\xE4chtiges
Kaufhaus, eine ansehnliche Moschee und viele starke Privatgeb\xE4ude
scheinen zum Theil noch aus jener Zeit her\xFCber zu leben; so auch
die Ruinen der einstigen Kathedrale zum heil. Andreas, das Kloster
der Hospitaliter, der Pallast des Gro\xDFmeisters und die Reste eines
Nonnenklosters, von welchem die Sage geht, da\xDF, am Tage der Erst\xFCrmung
der Stadt die frommen Frauen durch einm\xFCthigen Entschlu\xDF sich die Nase
abschnitten und das Gesicht verwundeten, um durch diese Entstellung die
Gier der Sieger zur\xFCckzuschrecken. Die\xDF war ihnen auch gelungen, und
sie fanden nur den Tod unter den S\xE4beln der Feinde.

Das Wasserthor geht nach dem Hafen, der klein, eng und ganz offen ist.
Kriegsschiffe k\xF6nnen nur auf der Rhede ankern. Auch diese ist sehr
gef\xE4hrlich wegen der Gewalt der Westwinde, welche die t\xE4glichen und das
Heil des Landes sind. Die Hafenmauer ist eingest\xFCrzt, so da\xDF das Schlo\xDF
an der Spitze derselben nun abgesondert steht.

=Akka= hat dermalen 10,000 Einwohner, darunter 2000 Christen, wovon
fast drei Viertheile Katholiken sind. Der Pascha hat das Monopol des
Handels eingef\xFChrt, kauft das Getreide zu geringem Preise und sendet
es nach den europ\xE4ischen und andern Pl\xE4tzen. Er war vor wenigen
Jahren in offenem Krieg gegen die Pforte, die ihn vergeblich durch
Derwisch-Pascha belagern lie\xDF. Mehmed-Ali verglich ihn mit der Pforte.
Seit aber dieser starke Nachbar den Besitz von Syrien f\xFCr sich selbst
angesprochen hat, ist die Eifersucht Abdallah's gegen denselben aufs
\xC4u\xDFerste gebracht. Er war es, der eben als ich dort mich befand, den
Marsch von 12,000 Mann geregelter \xE4gyptischer Truppen, die Mehmed-Ali
zu dem gegen die Russen stehenden Heere des Sultans senden wollte, in
der festen \xDCberzeugung hintertrieb, da\xDF diese Truppen, einmal in Syrien
angelangt, dies Land nicht wieder verlassen w\xFCrden.

Am 1. Mai mit Sonnenaufgang war ich mit der =Veloce= vor =Akka=. Die
\xF6sterreichische Flagge, =auf diesen W\xE4llen gegr\xFCndet=, wurde, wie es
verabredet war, in diesem Augenblicke auf dem Konsulate gehi\xDFt. Ich
gab den kaiserlichen Gru\xDF von ein und zwanzig Kanonensch\xFCssen, den
die Festung mit dem Abfeuern alles ihres Gesch\xFCtzes beantwortete. Die
Haustruppen des Pascha, an 2000 Mann, standen dabei auf den W\xE4llen, und
kriegerische Musik t\xF6nte bis zu uns herab. Alles Voll der Stadt und der
Umgegend war in Bewegung.

Nachdem die Feierlichkeit vor\xFCber war, dankte ich der Festung mit
der gleichen Zahl Kanonensch\xFCsse, und sie gab mir den Gru\xDF, Schu\xDF
f\xFCr Schu\xDF, zur\xFCck. Dann lie\xDF ich die Segel in den Wind brassen, fuhr
l\xE4ngs der K\xFCste von =Tyrus= und =Sidon= langsam hinauf, und ging nach
=Cypern=.



Wien.

Gedruckt und im Verlage bey Carl Gerold.

1831.



Footnotes:


[Footnote A: =Bend= ist eine Verd\xE4mmung des Thales zum Wasserbecken.
Diese vortrefflichen Bauwerke, in ganz Asien bekannt, sind an mehreren
Orten, wie z. B. bei Konstantinopel, mit gro\xDFer Pracht ausgef\xFChrt.]

[Footnote B: So nannten mir die M\xF6nche den Berg. Ich halte daf\xFCr, da\xDF
dorthin =Kiriath-Jearim= zu setzen komme. (Sam. VII. -- 2 Sam. VI. --
Chron. III.)]

[Footnote C: Aus der Familie der Lotosb\xE4ume. Siehe auch =Koran=, Sure
24 und 53.]



Transcriber's Note:


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Antiqua are indicated by =equal signs=.
Footnotes are placed to the end of the text.
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*** End of this Doctrine Publishing Corporation Digital Book "Reise ins heilige Land - Im Jahr 1829" ***

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