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Title: Geologische Beobachtungen über die Vulcanischen Inseln
 - Mit kurzen Bemerkungen über die Geologie von Australien und dem Cap der guten Hoffnung
Author: Darwin, Charles
Language: German
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 - Mit kurzen Bemerkungen über die Geologie von Australien und dem Cap der guten Hoffnung" ***


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                 Ch. Darwin's

              ~gesammelte Werke.~

        ~Aus dem Englischen übersetzt~

                     von

               J. Victor Carus.

         Autorisirte deutsche Ausgabe.

          Elfter Band. Zweite Hälfte.

             ~Vulcanische Inseln.~

   Mit einer Karte und vierzehn Holzschnitten.

                   STUTTGART.
   E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).

                     1877.


         Geologische Beobachtungen

                 über die

          =Vulcanischen Inseln=

                   mit

   kurzen Bemerkungen über die Geologie

                   von

  Australien und dem Cap der Guten Hoffnung.

                   Von

            =Charles Darwin=.

  Nach der 2. Ausgabe aus dem Englischen übersetzt

                   von

             J. Victor Carus.

  Mit einer Karte und vierzehn Holzschnitten.

               STUTTGART.

  E. Schweizerbart'sche Verlagshandlung (E. Koch).

                  1877.

  K. Hofbuchdruckerei Zu Guttenberg (Carl Grüninger) in Stuttgart.



Vorrede zur zweiten Ausgabe.


Die erste Ausgabe meiner »Geologischen Untersuchungen über die
Vulcanischen Inseln, welche während der Reise von S. M. S. Beagle unter
dem Commando des Capt. FITZROY besucht wurden«, erschien unter
Gutheiszung der Lord Commissioners of Her Majesty's Treasury im Jahre
1844, und meine »Beobachtungen über Süd-America« im Jahre 1846. Da diese
beiden Werke jetzt vergriffen sind, und da ich glaube, dasz sie doch
noch Sachen von wissenschaftlichem Werthe enthalten, schien es mir
räthlich, sie neu herauszugeben. Sie handeln von Theilen der Erde,
welche so selten von wissenschaftlichen Leuten besucht worden sind, dasz
mir nicht bekannt ist, dasz etwa Vieles nach später angestellten
Beobachtungen verbessert oder zugefügt werden könnte.

In Folge der groszen Fortschritte der Geologie in neuerer Zeit dürften
meine Ansichten über einige wenige Punkte etwas veraltet erscheinen; ich
habe es aber für das Beste gehalten, sie so zu lassen, wie sie
ursprünglich erschienen sind. Um meinen Bericht über die während der
Reise des >Beagle< angestellten geologischen Beobachtungen zu
vervollständigen, will ich hier noch auf vier besonders erschienene
Abhandlungen hinweisen: 1. Ȇber den Zusammenhang gewisser vulcanischer
Erscheinungen in Süd-America«, im Jahre 1838 gelesen, in Bd. 5 der
>Transactions of the Geological Society< erschienen; 2. Ȇber die
Verbreitung der erratischen Blöcke und die gleichzeitigen geschichteten
Ablagerungen von Süd-America«, gelesen 1841 und in Bd. 6 der nämlichen
Abhandlungen veröffentlicht; 3. »Eine Schilderung des feinen Staubs,
welcher häufig auf Schiffe im Atlantischen Ocean fällt«, in den
Proceedings derselben Gesellschaft, 4. Juni 1845; und 4. vom 25. März
1846 in demselben Journal »Über die Geologie der Falkland-Inseln«.



Inhalt.                                                     Seite


Erstes Capitel.                                                 1

S. Jago, im Cap Verdischen Archipel.

  Gesteine der untersten Reihe. -- Eine kalkige,
  sedimentäre Ablagerung, mit recenten Muscheln, durch
  die Berührung mit darüber liegender Lava verändert;
  ihre horizontale Lage und Ausdehnung. -- Später
  erfolgte vulcanische Ausbrüche, in Begleitung mit
  kalkiger Substanz in erdiger oder fasriger Form und
  häufig innerhalb der einzelnen Scorien-Zellen
  eingeschlossen. -- Alte und obliterite
  Auswurfsöffnungen von geringer Grösze. --
  Schwierigkeit, über eine nackte Ebene neuere Lavaströme
  zu verfolgen. -- Landeinwärts gelegene Berge von
  älterem vulcanischen Gestein. -- Zerfallener Olivin in
  groszen Massen. -- Feldspathige Gesteine unterhalb der
  oberen krystallinischen basaltischen Schichten.
  -- Gleichförmige Structur und Form der älteren
  vulcanischen Berge. -- Form der Thäler in der Nähe der
  Küste. -- Conglomerat jetzt den Strand bildend


Zweites Capitel.                                               24

  ~Fernando Noronha.~ -- Steil abstürzender Berg von
  Phonolith. -- ~Terceira.~ -- Trachytische Gesteine; ihre
  eigenthümliche Zersetzung durch Dampf von hoher
  Temperatur. -- ~Tahiti.~ -- Übergang von Wacke in
  Trapp; eigenthümliches vulcanisches Gestein; dessen
  Blasenräume halb mit Mesotyp erfüllt sind. --
  ~Mauritius.~ -- Beweise für seine neuere Erhebung. --
  Structur seiner älteren Gebirge; Ähnlichkeit mit S.
  Jago. -- ~St. Paul's Felsen;~ nicht-vulcanischen
  Ursprungs; -- ihre eigenthümliche mineralogische
  Zusammensetzung


Drittes Capitel.                                               36

Ascension.

  Basaltische Laven. -- Zahlreiche Cratere, welche an der
  nämlichen Seite abgestutzt sind. -- Eigenthümliche
  Structur vulcanischer Bomben. -- Explosionen gasförmiger
  Massen. -- Ausgeworfene granitische Bruchstücke. --
  Trachytische Gesteine. -- Eigenthümliche Adern. --
  Jaspis, seine Bildungsweise. -- Concretionen in
  bimssteinartigem Tuff. -- Kalkige Ablagerungen und
  frondescirende Incrustationen an der Küste.
  -- Merkwürdige blättrige Schichten, welche mit Obsidian
  abwechseln und in solchen übergehen. -- Ursprung des
  Obsidians. -- Blättrig-werden vulcanischer Gesteine


Viertes Capitel.                                               75

St. Helena.

  Laven der feldspathigen, basaltischen und submarinen
  Reihe. -- Durchschnitt des Flagstaff-Hill und des Barn.
  -- Turk's Cap und Prosperous Bay. -- Basaltischer Ring.
  -- Centraler craterförmiger Rücken, mit einer innern
  Leiste und einer Brustwehr. -- Phonolith-Kegel. --
  Oberflächliche Schichten von kalkig Sandstein.
  -- Ausgestorbene Landschnecken. -- Schichten von
  Detritus. -- Erhebung des Landes. -- Denudation. --
  Erhebungscratere


Fünftes Capitel.                                              101

Galapagos-Archipel.

  Chatham-Insel. -- Aus einer besondern Art von Tuff
  zusammengesetzte Cratere. -- Kleine basaltische Cratere
  mit Höhlen an ihren Basen. -- Albemarle-Insel, flüssige
  Laven, ihre Zusammensetzung. -- Tuff-Cratere, Neigung
  ihrer äuszeren divergirenden Schichten, und Structur
  ihrer inneren convergirenden Schichten. -- James-Insel,
  Segment eines kleinen basaltischen Craters; Flüssigkeit
  und Zusammensetzung ihrer Lava-Ströme und der von ihr
  ausgeworfenen Fragmente. -- Schluszbemerkungen über die
  Tuff-Cratere und über den durchbrochenen Zustand ihrer
  südlichen Seiten. -- Mineralogische Zusammensetzung der
  Felsarten des Archipels. -- Erhebung des Landes. --
  Richtung der Eruptionsspalten


Sechstes Capitel.                                             120

Trachyt und Basalt. -- Verbreitung der vulcanischen
Inseln.

  Das Einsinken von Krystallen in flüssige Lava.
  -- Specifisches Gewicht der constituirenden
  Bestandtheile des Trachyt und Basalt und ihre spätere
  Trennung. -- Obsidian. -- Scheinbar nicht erfolgende
  Trennung der Elemente der plutonischen Gesteine. --
  Ursprung der Trappgänge in der plutonischen Reihe. --
  Verbreitung vulcanischer Inseln; ihr Vorherrschen in
  den groszen Oceanen. -- Sie sind meist in Reihen
  angeordnet. -- Die centralen Vulcane L. VON BUCH'S
  zweifelhaft. -- Vulcanische Inseln Continente umsäumend.
  -- Alter vulcanischer Inseln und ihre Erhebung in Masse.
  -- Eruptionen auf parallelen Spaltungslinien innerhalb
  einer und derselben geologischen Periode


Siebentes Capitel.                                            133

  ~Neu-Süd-Wales.~ -- Sandstein-Formation. --
  Eingeschlossene Pseudofragmente von Schiefer. --
  Stratification. -- Sich kreuzende Lagen. -- Grosze
  Thäler. -- ~Van Diemen's Land.~ -- Palaeozoische
  Formation. -- Neuere Formation mit vulcanischen
  Gesteinen. -- Travertin mit Blättern ausgestorbener
  Pflanzen. -- Erhebung des Landes. -- ~Neu-Seeland.~ --
  ~King George's Sound.~ -- Oberflächliche eisenhaltige
  Schichten. -- Oberflächliche kalkige Ablagerungen mit
  Abgüssen von Zweigen. -- Ihr Ursprung aus angetrifteten
  Stückchen Muscheln und Corallen. -- Ihre Ausdehnung. --
  ~Cap der Guten Hoffnung.~ -- Verbindung des Granits und
  Thonschiefers. -- Sandstein-Formation


Anhang.                                                       164

Beschreibung fossiler Muscheln, von G. B. SOWERBY.

  Muscheln aus einer tertiären Ablagerung unter einem
  groszen basaltischen Strom auf S. Jago im
  Cap-Verdischen Archipel. -- Ausgestorbene Landschnecken
  von St. Helena. -- Palaeozoische Muscheln von Van
  Diemen's Land S. 156.

  Beschreibung von Corallen aus der palaeozoischen
  Formation von Van Diemen's Land, von W. LONSDALE



Erstes Capitel.

St. Jago, im Cap Verdischen Archipel.

     Gesteine der untersten Reihe. -- Eine kalkige, sedimentäre
     Ablagerung, mit recenten Muscheln, durch die Berührung mit darüber
     liegender Lava verändert; ihre horizontale Lage und Ausdehnung. --
     Später erfolgte vulcanische Ausbrüche, in Begleitung mit kalkiger
     Substanz in erdiger oder fasriger Form und häufig innerhalb der
     einzelnen Scorien-Zellen eingeschlossen. -- Alte und obliterite
     Auswurfsöffnungen von geringer Grösze. -- Schwierigkeit, über eine
     nackte Ebene neuere Lavaströme zu verfolgen. -- Landeinwärts
     gelegene Berge von älterem vulcanischem Gestein. -- Zerfallener
     Olivin in groszen Massen. -- Feldspathige Gesteine unterhalb der
     oberen krystallinischen basaltischen Schichten. -- Gleichförmige
     Structur und Form der älteren vulcanischen Berge. -- Form der Thäler
     in der Nähe der Küste. -- Conglomerat jetzt den Strand bildend.


Die Insel St. Jago dehnt sich in einer nord-nordwestlichen und
süd-südöstlichen Richtung dreiszig Meilen in der Länge aus bei einer
Breite von ungefähr zwölf Meilen. Meine während zweier Besuche
angestellten Beobachtungen haben sich auf die südliche Partie innerhalb
einer Entfernung von einigen wenigen Stunden von Porto Praya beschränkt.
Das Land bietet vom Meere aus gesehn einen abwechselnden Umrisz dar:
glatte, kegelförmige Berge von einer röthlichen Färbung (wie der Red
Hill in dem Holzschnitt S. 2)[1], und andere weniger regelmäszige, mit
ebenen Gipfeln und von schwärzlicher Farbe (wie A, B, C), steigen von
hintereinander liegenden, stufenförmigen Lavaebenen empor. In der
Entfernung durchzieht eine viele tausend Fusz hohe Bergkette quer das
Innere der Insel. Auf St. Jago findet sich kein activer Vulcan, und
überhaupt nur einer in der ganzen Gruppe, nämlich auf Fogo. Seitdem die
Insel bewohnt ist, hat sie nicht von zerstörenden Erdbeben zu leiden
gehabt.

[Illustration: Fig. 1. Theil von St. Jago, einer der capverdischen
Inseln.]

Die untersten, an der Küste in der Nähe von Porto Praya sich dem Blicke
darbietenden Gesteine sind in hohem Grade krystallinisch und compact;
sie erscheinen als von altem, submarinem, vulcanischem Ursprung; sie
werden in discordanter Lagerung von einer dünnen, unregelmäszigen,
kalkigen Ablagerung bedeckt, welche äuszerst reichlich Muscheln einer
späten tertiären Periode enthält, und diese wiederum wird bedeckt von
einer breiten Fläche basaltischer Lava, welche in aufeinander folgenden
Strömen aus dem Innern der Insel zwischen den plattgipfeligen Bergen A,
B, C u. s. w. herabgeflossen ist. Noch neuere Lavaströme sind von den
zerstreut stehenden kegelförmigen Hügeln, wie Red Hill und Signal Post
Hill ausgeworfen worden. Die oberen Schichten der plattgipfeligen Berge
sind in ihrer mineralogischen Zusammensetzung und in anderen Beziehungen
eng verwandt mit der untersten Reihe der an der Küste anstehenden
Gesteine, mit welchen sie in continuirlichem Zusammenhange zu stehen
scheinen.

~Mineralogische Beschreibung der Gesteine der untersten Reihe.~ -- Diese
Gesteine besitzen einen äuszerst verschiedenartigen Character; sie
bestehn der Grundmasse nach aus schwarzen, braunen und grauen compacten
Felsarten mit zahlreichen Krystallen von Augit, Hornblende, Olivin,
Glimmer und zuweilen glasigem Feldspath. Eine sehr häufig vorkommende
Varietät ist beinahe ganz und gar aus Krystallen von Augit mit Olivin
zusammengesetzt. Bekanntlich kommt Glimmer nur selten da vor, wo Augit
reichlich vorhanden ist; auch bietet wahrscheinlich der vorliegende Fall
keine wirkliche Ausnahme dar; denn der Glimmer ist (wenigstens in meinem
characteristischsten Handstück, an welchem ein Einschlusz dieses
Minerals beinahe einen halben Zoll lang ist) so vollkommen abgerundet
wie ein Rollstein in einem Conglomerate und ist offenbar nicht in der
Grundmasse, in welcher er jetzt eingeschlossen ist, krystallisirt,
sondern ist aus der Schmelzung irgend eines schon vorher hier gewesenen
Gesteins hervorgegangen. Diese compacten Lava-Arten wechseln mit Tuffen,
Mandelsteinen und Wacke und an einigen Stellen mit grobem Conglomerate
ab. Einige von den thonsteinhaltigen Wacken sind von einer dunkel grünen
Färbung, andere sind gelblich grün und noch andere nahezu weisz; ich war
überrascht, als ich fand, dasz einige von den letztgenannten Varietäten,
selbst von den weiszesten, zu einem pechschwarzen Email schmolzen,
während manche von den grünen Varietäten nur eine blaszgraue Perle vor
dem Löthrohr ergaben. Zahlreiche, hauptsächlich aus in hohem Grade
compacten augitischen Gesteinsarten und aus grauen amygdaloiden
Varietäten bestehende Gänge durchsetzen die Schichten, welche an
mehreren Stellen mit beträchtlicher Gewalt in ihrer Lagerung gestört und
in sehr stark geneigte Stellungen geworfen worden sind. Eine Linie einer
solchen Störung geht quer durch das nördliche Ende von Quail Island
(eine kleine Insel in der Bucht von Porto Praya) und kann bis auf das
Festland verfolgt werden. Diese Störungen haben vor der Ablagerung der
neueren sedimentären Schichten stattgefunden, und auch die Oberfläche
hat schon vorher in einem hohen Grade eine Denudation erfahren, wie es
sich in vielen abgestutzten Gängen zeigt.

~Beschreibung der kalkigen Ablagerung, welche die vorstehend erwähnten
vulcanischen Gesteinsmassen überlagert.~ -- Diese Schicht ist wegen
ihrer weiszen Farbe und wegen der auszerordentlichen Regelmäszigkeit,
mit welcher sie sich einige Meilen der Küste lang in einer horizontalen
Linie hinzieht, sehr in die Augen fallend. Ihre mittlere Höhe über dem
Meere, von der oberen Verbindungslinie mit der darüber liegenden
basaltischen Lava aus gemessen, beträgt ungefähr 60 Fusz; und ihre
Mächtigkeit kann, trotzdem sie wegen der Unebenheiten der darunter
liegenden Formation bedeutend schwankt, zu ungefähr 20 Fusz geschätzt
werden. Sie besteht aus völlig weiszer kalkiger Substanz, welche zum
Theil aus organischen Bruchstücken und zum Theil aus einer Masse
zusammengesetzt ist, die man ganz passend ihrem äuszern Ansehn nach mit
Mörtel vergleichen kann. Gesteinsbruchstücke und Rollsteine sind durch
diese ganze Schicht zerstreut und bilden häufig, besonders in dem
unteren Theile, ein Conglomerat. Viele von den Gesteinsfragmenten sind
von einer dünnen Schicht kalkiger Substanz, wie von einer Tünche
überzogen. Auf Quail Island wird die kalkige Ablagerung in ihrem
untersten Theile durch einen weichen, braunen, erdigen Tuff voll von
Turritellen vertreten; dieser wird von einer Schicht Geschiebe bedeckt,
welches in Sandstein übergeht und mit Bruchstücken von Echinen,
Krebsscheren und Muscheln untermischt ist; die Austermuscheln hängen
noch an dem Gesteine fest, an welchem sie wuchsen. Zahlreiche weisze
Kugeln, wie pisolithische Concretionen, von der Grösze einer Wallnusz
bis zu der eines Apfels sind in dieser Ablagerung eingebettet; sie haben
gewöhnlich einen kleinen Geschiebestein in ihrer Mitte. Obgleich sie
Concretionen so ähnlich sind, überzeugte mich doch eine nähere
Untersuchung, dasz es Nulliporen waren, welche zwar ihre eigenthümliche
Form beibehalten hatten, aber an ihrer Oberfläche unbedeutend abgerieben
waren: es bieten diese Körper (Pflanzen, für was sie jetzt allgemein
angesehen werden) unter dem Mikroskop bei gewöhnlichen Vergröszerungen
keine Spur von Organisation in ihrem innern Bau dar. Mr. GEORGE R.
SOWERBY ist so freundlich gewesen, die Schalthiergehäuse, welche ich
gesammelt habe, zu untersuchen, es finden sich vierzehn Species darunter
in einem hinreichend vollkommenen Zustande, um ihre Charactere mit
irgend einem Grade von Sicherheit zu bestimmen, und vier, welche nur in
Bezug auf die Gattung, zu der sie gehören, bestimmt werden können. Von
den vierzehn Muscheln, deren Verzeichnis im Anhange mitgetheilt wird,
sind elf recente Species; eine davon, obschon noch unbeschrieben, ist
vielleicht mit einer Art identisch, welche ich im Hafen von Porto Praya
lebend gefunden habe; die zwei noch übrigen Arten sind noch unbekannt
und von Mr. SOWERBY beschrieben worden. So lange als die Schalthiere
dieses Archipels und der benachbarten Küsten nicht besser bekannt sind,
würde es voreilig sein zu behaupten, dasz selbst diese beiden letzten
Species ausgestorben wären. Die Zahl von Species, welche mit Sicherheit
zu den noch jetzt lebenden gehören, ist freilich nur gering, aber doch
immerhin grosz genug, um zu beweisen, dasz diese Ablagerung einer
späten tertiären Periode angehört. Nach ihren mineralogischen Merkmalen,
nach der Anzahl und Grösze der eingeschlossenen Fragmente und nach dem
so reichlichen Vorhandensein von Patellen und andern littoralen Muscheln
ist es wohl offenbar, dasz die ganze Schicht in einem seichten
Meerestheile in der Nähe eines alten Küstengebiets zur Ablagerung
gelangte.

~Wirkungen, welche durch das Flieszen der darüber liegenden basaltischen
Lava über die kalkige Ablagerung auf letztere hervorgebracht worden
sind.~ -- Diese Wirkungen sind sehr merkwürdig. Die kalkige Masse ist
bis zur Tiefe von ungefähr einem Fusze unter der Verbindungslinie hinab
verändert worden; und es läszt sich eine äuszerst vollkommene Abstufung
verfolgen von lose zusammengeballten kleinen Stückchen von
Schalthiergehäusen, Corallinen und Nulliporen bis zu einer Gesteinsform,
in welcher nicht eine Spur von einem mechanischen Ursprunge selbst mit
dem Mikroskope erkannt werden kann. Wo die metamorphische Veränderung am
gröszten ist, kommen zwei Varietäten vor. Die erste ist ein hartes,
compactes, weiszes, feinkörniges Gestein, welches in einigen wenigen
parallelen Linien von schwarzen, vulcanischen Partikeln gestreift und
einem Sandstein ähnlich ist, welches aber bei näherer Untersuchung sich
als durch und durch krystallisirt herausstellt, mit so vollkommenen
Spaltungsflächen, dasz sie leicht mit dem Reflexions-Goniometer gemessen
werden können. An Handstücken, bei denen die Veränderung weniger
vollkommen gewesen ist, kann man, wenn sie befeuchtet und unter
einer starken Lupe untersucht werden, die interessanteste Abstufung
verfolgen: einige von den abgerundeten Stückchen haben die ihnen
eigenthümliche Form bewahrt und andere verschmelzen unmerkbar zu der
körnig-krystallinischen breiigen Masse. Die dem Wetter ausgesetzt
gewesene Oberfläche dieses Steines nimmt, wie es bei gewöhnlichen
Kalksteinen so häufig der Fall ist, eine ziegelrothe Färbung an.

Die zweite metamorphosirte Varietät ist gleichfalls ein hartes Gestein,
aber ohne irgend welche krystallinische Structur. Sie besteht aus einem
weiszen, opaken, compacten kalkigen Steine, welcher dicht mit
abgerundeten, wenn auch unregelmäszigen Flecken einer weichen, erdigen,
ockerartigen Substanz gefleckt ist. Diese erdige Substanz ist von einer
blassen gelblich-braunen Färbung und ist augenscheinlich eine Mischung
von kohlensaurem Kalk mit Eisen; sie braust mit Säuren auf, ist
unschmelzbar, wird aber vor dem Löthrohr schwarz und wird magnetisch.
Die abgerundete Form der minutiösen Fleckchen erdiger Substanz und die
stufenweisen Übergänge bis zu ihrer vollkommenen Ausbildung, welche an
einer Reihe von Handstücken verfolgt werden kann, zeigen deutlich, dasz
sie sich entweder in Folge irgend eines Aggregationsvermögens, welches
die erdigen Partikel unter einander besitzen, oder noch wahrscheinlicher
in Folge einer starken Anziehung der Atome kohlensauren Kalkes und
folglich einer Sonderung der diesen fremdartigen erdigen Substanz
gebildet haben. Diese Thatsache gewährte mir bedeutendes Interesse, weil
ich häufig Quarzgesteine gesehen habe (so z. B. auf den Falkland-Inseln
und in den unteren silurischen Schichten der >Stiper-stones< in
Shropshire), welche in einer völlig analogen Art und Weise mit kleinen
Fleckchen einer weiszen erdigen Substanz (erdigem Feldspath?) durchsetzt
waren; und es waren gute Gründe zur Vermuthung vorhanden, dasz diese
Gesteine der Wirkung der Hitze ausgesetzt gewesen waren, -- eine
Ansicht, welche hiernach Bestätigung erhält. Diese gefleckte Structur
kann möglicherweise einen Fingerzeig abgeben, diejenigen Formationen von
Quarz, welche ihre gegenwärtige Structur der Wirkung des Feuers
verdanken, von denen zu unterscheiden, welche allein durch die Wirkung
des Wassers erzeugt worden sind; es lag hier ein Zweifel vor, welchen,
wie ich nach meiner eigenen Erfahrung meinen möchte, die meisten
Geologen erfahren haben müssen, wenn sie sandig-quarzige Districte
untersuchten.

Der unterste, am meisten schlackenartige Theil der Lava hat, als er sich
über die kalkige Ablagerung auf dem Grunde des Meeres ergosz, grosze
Mengen einer kalkigen Substanz aufgenommen, welche jetzt eine
schnee-weisze, in hohem Grade krystallinische Grundmasse einer Breccie
bildet, die kleine Stücke von schwarzen, glänzenden Schlacken
einschlieszt. Ein wenig über dieser Lage, da wo der Kalk weniger
reichlich vorhanden und die Lava mehr compact ist, nehmen kleine, aus
Spiculis von Kalkspath, die von gemeinsamen Centern ausstrahlen,
zusammengesetzte Kugeln die Zwischenräume in der Lavamasse ein. An einem
Theile von Quail Island ist in dieser Weise der Kalk durch die Hitze der
darüber liegenden Lava, wo sie nur 13 Fusz an Mächtigkeit besitzt,
krystallisirt worden; auch ist die Lava nicht etwa ursprünglich dicker
gewesen und ist nicht seitdem durch Verwitterung an Umfang vermindert
worden, wie sich nach dem Grade der zelligen Beschaffenheit ihrer
Oberfläche bestimmen läszt. Ich habe bereits bemerkt, dasz das Meer, in
welchem diese Ablagerung angesammelt wurde, seicht gewesen sein musz. In
diesem Falle ist daher die gasförmige Kohlensäure unter einem Drucke
zurückgehalten worden, welcher verglichen mit dem, welchen Sir JAMES
HALL ursprünglich als zu diesem Zwecke erforderlich hielt (eine
Wassersäule von 1708 Fusz Höhe) unbedeutend erscheint; aber seit der
Zeit, in dem seine Experimente angestellt wurden, ist entdeckt worden,
dasz der Druck weniger mit dem Zurückhalten von Kohlensäure-Gas zu thun
hat, als die Beschaffenheit der umgebenden Atmosphäre; und daher kommt
es, wie es nach FARADAY's[2] Angabe wohl der Fall ist, dasz Massen von
Kalk zuweilen selbst in gewöhnlichen Kalköfen geschmolzen und
krystallisirt werden. Kohlensaurer Kalk kann nach FARADAY's Angabe
beinahe auf jeden beliebigen Grad in einer Atmosphäre von kohlensaurem
Gas erhitzt werden, ohne zersetzt zu werden, und GAY LUSSAC hat
gefunden, dasz Kalkstücke, in eine Röhre gelegt und bis zu einem Grade
erhitzt, welcher an sich noch nicht ihre Zersetzung verursacht, doch
sofort ihre Kohlensäure abgeben, wenn ein Strom von gewöhnlicher Luft
oder von Dampf über sie hingeleitet wird: GAY LUSSAC schreibt dies der
mechanischen Verdrängung der im Freiwerden begriffenen gasförmigen
Kohlensäure zu. Die kalkige Masse unterhalb der Lava und besonders jene,
welche die krystallinischen Spiculae in den Lücken zwischen den
Schlacken bildet, konnte, trotzdem sie in einer wahrscheinlich
hauptsächlich aus Dampf zusammengesetzten Atmosphäre erhitzt wurde, doch
nicht den Einwirkungen eines durchtretenden Dampfstroms ausgesetzt
gewesen sein; und daher kommt es vielleicht, dasz sie unter einem Drucke
geringeren Grades ihre Kohlensäure behalten hat.

Die in der krystallinischen kalkigen Grundmasse eingeschlossenen
Schlackenbruchstücke sind von einer pech-schwarzen Farbe und haben einen
glänzenden Bruch wie Pechstein. Indessen ist ihre Oberfläche mit einer
Schicht einer röthlich-orangenen, durchscheinenden Substanz überzogen,
welche leicht mit einem Messer abgekratzt werden kann; sie sieht daher
aus, als wäre sie von einer dünnen Schicht Lack bedeckt. Einige der
kleineren Fragmente sind theilweise durch und durch in diese Substanz
verwandelt, eine Umänderung, welche von gewöhnlicher Zersetzung gänzlich
verschieden zu sein scheint. Auf dem Galapagos-Archipel werden (wie in
einem spätern Capitel beschrieben werden wird) grosze Lager aus
vulcanischer Asche und Schlackenstückchen gebildet, welche eine ganz
ähnliche Veränderung erlitten haben.

~Die Ausdehnung und die horizontale Lagerung der kalkigen Schicht.~ --
Die Begrenzungslinie der oberen Fläche der kalkigen Schicht, welche so
auffallend ist, weil sie vollkommen weisz und beinahe ganz horizontal
ist, zieht sich der Küste entlang in der Höhe von ungefähr 60 Fusz über
dem Meere meilenweit hin. Die Basaltlage, von welcher sie bedeckt wird,
ist im Mittel 80 Fusz dick. Westlich von Porto Praya jenseits Red Hill
ist die weisze Kalkschicht mit dem darüber liegenden Basalt von noch
neuern Strömen bedeckt. Nördlich von Signal Post Hill konnte ich sie mit
dem Auge verfolgen, wie sie sich mehrere Meilen weit den Uferklippen
entlang hinzog. Die hierbei beobachtete Entfernung beträgt ungefähr 7
Meilen; nach ihrer Regelmäszigkeit kann ich aber nicht zweifeln, dasz
sie sich noch viel weiter erstreckt. In einigen rechtwinklig auf die
Küste treffenden Schluchten sieht man, dasz sie sanft nach dem Meere zu
einfällt, wahrscheinlich mit derselben Neigung, unter welcher sie rings
um die alten Ufer der Insel abgelagert wurde. Ich habe landeinwärts nur
einen einzigen Durchschnitt gefunden, nämlich am Fusze des mit A
bezeichneten Berges, wo diese Schicht in der Höhe von einigen hundert
Fusz exponirt war; sie ruhte auf dem gewöhnlichen augitischen mit Wacke
vergesellschafteten Gesteine, und wurde von dem weit verbreiteten Lager
neuer basaltischer Lava bedeckt. In Bezug auf die horizontale Lagerung
der weiszen Schicht kommen einige Ausnahmen vor: auf Quail Island liegt
ihre obere Fläche nur 40 Fusz über dem Meeresspiegel; auch beträgt hier
die Lavadecke nur zwischen 12 und 15 Fusz an Mächtigkeit; andererseits
erhält auf der nordöstlichen Seite vom Hafen von Porto Praya die kalkige
Schicht ebenso wie das Gestein, auf welchem sie ruht, eine das mittlere
Niveau übersteigende Höhe: die Ungleichheit des Niveaus in diesen beiden
Fällen ist, wie ich meine, nicht eine Folge einer ungleichen Erhebung,
sondern ist durch Unregelmäszigkeiten auf dem Meeresgrunde verursacht
worden. Für diese Thatsache, wie sie sich auf Quail Island darstellt,
fand sich ein offenbarer Beweis darin, dasz die kalkige Ablagerung an
einer Stelle von einer viel bedeutenderen Mächtigkeit war, als sie im
Mittel zeigte, und dasz sie an einer andern Stelle gänzlich fehlte; in
diesem letztern Falle ruhten die modernen basaltischen Lava-Massen
direct auf denen älteren Ursprungs.

[Illustration: Fig. 2. Signal Post Hill.]

Unter dem Signal-Posten-Berge fällt die weisze Schicht in einer
merkwürdigen Art und Weise in das Meer hinein. Dieser Berg ist
kegelförmig, 450 Fusz hoch und zeigt noch einige Spuren davon, dasz er
einen craterförmigen Bau gehabt hat; er ist hauptsächlich aus Massen
zusammengesetzt, welche später nach der Emporhebung der groszen
basaltischen Ebene ausgeworfen worden sind, zum Theil aber aus Lava von
augenscheinlich submarinem Ursprung und beträchtlich hohem Alter. Die
den Berg umgebende Ebene, ebenso wie die östliche Seite desselben ist in
steile, in das Meer überhängende Abstürze ausgewaschen worden. An diesen
steilen Abstürzen kann man die weisze kalkige Schicht in einer Höhe von
ungefähr 70 Fusz oberhalb des Meeresstrandes für einige Meilen weit nach
Norden und Süden vom Berge aus in einer, dem Anscheine nach vollkommen
horizontalen Linie hinlaufen sehen; aber auf einer Strecke von einer
Viertel Meile Länge direct unter dem Berge fällt sie in das Meer ein und
verschwindet. Auf der südlichen Seite ist das Fallen ganz allmählich,
auf der nördlichen dagegen ist es plötzlicher, wie es in beistehendem
Holzschnitt zu sehen ist. Da weder die kalkige Schicht, noch die darüber
liegende basaltische Lava (so weit die letztere von den noch neueren
Auswurfsmassen unterschieden werden kann) dem Anscheine nach an Dicke
zunehmen, wo sie einfallen, so schliesze ich hieraus, dasz diese
Schichten nicht ursprünglich in einer Mulde angehäuft wurden, deren
Mittelpunkt später ein Eruptionspunkt geworden ist, sondern dasz sie
später gestört und verbogen worden sind. Wir können annehmen, entweder,
dasz Signal Post Hill nach seiner Emporhebung mit dem umgebenden
Lande gesunken ist, oder dasz er niemals zu der nämlichen Höhe wie
jenes emporgehoben worden ist. Dies letztere scheint mir die
allerwahrscheinlichste Alternative zu sein; denn während der langsamen
und gleichmäszigen Erhebung dieses Theils der Insel wird aller
Wahrscheinlichkeit nach die unterirdische bewegende Kraft, da sie einen
Theil ihrer Wirkung auf das wiederholte Auswerfen von vulcanischer Masse
aus dem Innern unterhalb dieses Punktes verwandt hat, weniger Fähigkeit
gehabt haben, denselben in die Höhe zu heben. Etwas ganz Ähnliches
scheint in der Nähe des Red Hill vorgekommen zu sein; denn als ich die
bloszliegenden Ströme von Lava von der Nähe von Porto Praya aus aufwärts
nach dem Innern der Insel hin verfolgte, wurde ich stark zu vermuthen
veranlaszt, dasz die Neigung des Landes seit der Zeit, wo die Lava
geflossen war, unbedeutend modificirt worden ist, entweder dadurch, dasz
in der Nähe von Red Hill eine geringe Senkung eingetreten ist, oder
dadurch, dasz jener Theil der Ebene während der Erhebung des ganzen
Gebiets nur bis zu einer geringeren Höhe emporgehoben worden ist.

~Die basaltische Lava, welche die kalkige Ablagerung überlagert.~ -- Die
Lava ist von einer blasz blauen Farbe und schmilzt vor dem Löthrohre zu
einem schwarzen Email: ihr Bruch ist beinahe erdig, concretionär uneben;
sie enthält Olivin in kleinen Körnern. Die centralen Theile der Masse
sind compact oder höchstens von einigen wenigen minutiösen Höhlungen
fein gekerbt oder punktirt und häufig säulenförmig abgesondert. Auf
Quail Island hatte die Lava diese Structur in einer sehr auffallenden
Art angenommen; sie war an der einen Stelle in horizontale Lamellen
getheilt, welche an einer andern Stelle durch senkrechte Spalten in
fünfseitige Tafeln zerspalten waren; und diese wiederum, eine auf die
andere gehäuft verschmolzen unmerklich unter einander und bildeten
schöne symmetrische Säulen. Die untere Oberfläche der Lava ist blasig,
aber zuweilen nur bis zur Dicke von einigen wenigen Zollen; die obere
Fläche, welche gleichfalls blasig ist, ist in Kugeln getheilt, welche,
häufig selbst bis zu 3 Fusz im Durchmesser haltend, aus concentrischen
Schichten gebildet sind. Die Masse besteht aus mehr als einem Strome;
ihre totale Mächtigkeit beträgt im Mittel ungefähr 80 Fusz: die untere
Partie ist sicherlich unter dem Meere hingeflossen und wahrscheinlich
gleicherweise auch der obere Theil. Die hauptsächlichste Masse dieser
Lava ist von den centralen Districten zwischen den auf der
Holzschnitt-Karte mit A, B, C u. s. f. bezeichneten Bergen her
geflossen. Die Oberfläche des Landes in der Nähe der Küste ist ganz eben
und kahl; nach dem Innern zu erhebt sich das Land in aufeinander
folgenden Terrassen, von denen, aus einiger Entfernung gesehen, vier
gezählt werden konnten.

~Vulcanische Eruptionen, welche später nach der Erhebung des
Küstenlandes eintraten; die ausgeworfene Masse in Verbindung mit erdigem
Kalke.~ -- Diese neueren Lava-Massen sind von jenen zerstreut liegenden,
kegelförmigen, röthlich-gefärbten Bergen ausgegangen, welche steil und
plötzlich aus dem ebenen Lande in der Nähe der Küste aufsteigen. Ich
habe einige derselben bestiegen, will aber nur einen von ihnen
beschreiben, nämlich den Rothen Berg, Red Hill, welcher als Typus dieser
Classe gelten kann und in einigen besondern Beziehungen merkwürdig ist.
Seine Höhe beträgt ungefähr 600 Fusz; er wird aus einem hell rothen, in
hohem Grade schlackigen Gestein einer basaltischen Beschaffenheit
gebildet; auf der einen Seite seines Gipfels findet sich eine Höhlung,
wahrscheinlich der letzte Überrest eines Craters. Mehrere von den andern
Bergen dieser Classe sind, nach ihrer äuszern Form zu urtheilen, von
viel vollkommeneren Cratern gekrönt. Als wir der Küste entlang
hinsegelten, konnten wir ganz deutlich erkennen, dasz eine beträchtliche
Masse von Lava vom Red Hill aus über eine Klippenreihe von ungefähr 120
Fusz Höhe in's Meer geflossen ist: diese Klippenreihe ist mit der in
continuirlichem Zusammenhange, welche die Küste bildet, und auch die
Ebene auf beiden Seiten dieses Berges begrenzt; diese Lava-Ströme wurden
daher nach der Bildung der Uferklippen aus dem Rothen Berge ausgeworfen,
als er schon, wie er es jetzt thut, über dem Meeresspiegel gestanden
haben musz. Diese Schluszfolgerung stimmt mit dem in hohem Grade
schlackigen Zustande sämmtlichen Gesteins an ihm überein, welches als an
der Luft entstanden erscheint; und dies ist von Wichtigkeit, da sich in
der Nähe seines Gipfels einige Schichten einer kalkigen Substanz finden,
welche nach einem flüchtigen Blicke fälschlich für eine untermeerische
Bildung genommen werden könnten. Diese Schichten bestehn aus weiszem,
erdigem kohlensaurem Kalke, welcher so auszerordentlich zerreiblich ist,
dasz er mit dem geringsten Drucke zerquetscht werden kann; die
compactesten Handstücke widerstehn nicht einmal dem Drucke der Finger.
Manche von diesen Massen sind so weisz wie ungelöschter Kalk und
augenscheinlich absolut rein; untersucht man sie aber näher mit der
Lupe, so sind immer minutiöse Stückchen von Schlacken zu sehn, und ich
habe keine finden können, welche nicht, wenn sie in Säuren aufgelöst
wurden, einen Rückstand von dieser Beschaffenheit hinterlassen hätten.
Es ist überdies schwierig, ein Stückchen von diesem Kalke zu finden,
welches nicht vor dem Löthrohre die Farbe änderte; die meisten derselben
werden sogar glasirt. Die schlackigen Bruchstücke und die kalkige Masse
sind in der allerunregelmäszigsten Art und Weise mit einander verbunden,
zuweilen zu undeutlichen Schichten, aber viel allgemeiner zu einer
verwirrten Breccie, in welcher an einigen Stellen der Kalk und an andern
Stellen die Schlacken am reichlichsten vertreten sind. Sir HENRY DE LA
BECHE ist so freundlich gewesen, einige von den reinsten Handstücken
analysiren zu lassen, in der Absicht um nachzuweisen, ob sie, in
Anbetracht ihres vulcanischen Ursprungs, viel Magnesia enthielten; es
wurde indessen nur eine geringe Menge davon gefunden, so wie sie in den
meisten Kalksteinen vorhanden ist.

Bruchstücke der in der kalkigen Masse eingebetteten Schlacken bieten,
wenn sie zerbrochen werden, die Erscheinung dar, dasz viele von ihren
zelligen Räumen mit einem weiszen, zarten, ganz excessiv zerbrechlichen,
moosartigen oder vielmehr confervenähnlichen Netzwerk von kohlensaurem
Kalke ausgekleidet und theilweise erfüllt sind. Die Fasern dieses
Maschenwerkes erscheinen unter einer Lupe von einem Zehntel Zoll
Focaldistanz untersucht, cylindrisch; sie messen eher etwas mehr als ein
Tausendstel Zoll im Durchmesser; sie sind entweder einfach verzweigt
oder noch gewöhnlicher zu einer Masse eines unregelmäszigen Netzwerks
verbunden, dessen Maschen von sehr ungleicher Grösze und ungleicher
Seitenzahl sind. Manche von den Fasern sind dick mit äuszerst minutiösen
Spiculis bedeckt, welche gelegentlich zu kleinen Büscheln
zusammengeballt sind; in Folge dessen haben sie ein haariges Ansehn.
Diese Spiculae sind ihrer ganzen Länge nach von dem nämlichen
Durchmesser; sie lösen sich leicht ab, so dasz der Objectträger des
Mikroskops bald ganz von ihnen überstreut ist. Innerhalb der zelligen
Räume vieler Fragmente von Schlacken bietet der Kalk diese faserige
Structur dar, aber meistens in einem weniger vollkommenen Grade. Diese
zelligen Hohlräume hängen augenscheinlich nicht einer mit dem andern
zusammen. Wie sofort gezeigt werden wird, kann es nicht bezweifelt
werden, dasz der Kalk untermischt mit Lava im flüssigen Zustand zum
Ausbruch gelangte; ich habe es daher für der Mühe werth gehalten,
minutiös diese merkwürdige faserige Structur zu beschreiben, von welcher
mir nichts Analoges bekannt ist. Wegen der erdigen Beschaffenheit der
Fasern ist diese Structur dem Anscheine nach nicht mit einer
Krystallisation verwandt.

An andern Bruchstücken des schlackigen Gesteins von diesem Berge sieht
man häufig, wenn sie zerbrochen werden, dasz sie mit kurzen und
unregelmäszigen weiszen Streifen gezeichnet sind; es ist dies eine Folge
davon, dasz eine Reihe einzelner Zellen entweder zum Theil oder gänzlich
mit weiszem kalkigem Pulver erfüllt ist. Diese Structur erinnerte mich
sofort an das Aussehn von Gebäck mit schlecht geknetetem Teig, an Kugeln
und lang ausgezogene Streifen von Mehl, welche unvermischt mit dem
übrigen Teig zurück geblieben sind; und ich kann nicht daran zweifeln,
dasz kleine Massen von Kalk in derselben Weise unvermischt mit der
flüssigen Lava geblieben, und lang ausgezogen worden sind, als die ganze
Masse in Bewegung war. Ich habe sorgfältig, durch Zerkleinerung und
Auflösung in Säuren, Stücke der Schlacken untersucht, nicht ganz einen
halben Zoll von jenen zelligen Räumen entfernt, welche mit kalkigem
Pulver gefüllt waren, und sie enthielten nicht ein Atom von freiem
Kalke. Es ist hier augenfällig, dass die Lava und der Kalk in groszem
Maszstabe nur unvollkommen mit einander gemischt worden sind; und wo
kleine Portionen Kalk innerhalb eines Stückes der zähflüssigen Lava
eingehüllt worden sind, ist der Umstand, dasz sie jetzt in Form eines
Pulvers oder eines faserigen Netzwerks die blasigen Hohlräume einnehmen,
wie ich meine, offenbar eine Folge davon, dasz die eingeschlossenen Gase
sich am leichtesten an den Punkten ausgedehnt haben, wo der nicht
zusammenhängende Kalk die Lava weniger klebrig machte.

Eine Meile östlich von der Stadt Praya findet sich eine ungefähr 150
Yards breite Schlucht mit steilen Seitenwänden, welche durch die
basaltische Ebene und die darunter liegenden Schichten eingeschnitten
gewesen, aber seitdem durch einen Strom noch neuerer Lava wieder
ausgefüllt worden ist. Diese Lava ist dunkel grau und an den meisten
Stellen compact und grob säulenförmig; aber in einer geringen Entfernung
von der Küste schlieszt sie in einer unregelmäszigen Art und Weise eine
breccienartige Masse von rothen Schlacken ein, welche untermischt sind
mit einer beträchtlichen Quantität weiszen, zerreiblichen, und an
einigen Stellen beinahe rein erdigen Kalkes, ähnlich dem am Gipfel des
Red Hill. Diese Lava mit dem eingeschlossenen Kalke ist sicherlich in
der Form eines regelmäszigen Stromes herabgeflossen, und nach der
Gestaltung der Schlucht zu urtheilen, nach welcher der Wasserabflusz des
Landes (so unbedeutend er auch gegenwärtig sein mag) noch immer hin
gerichtet ist, und nach der äuszern Erscheinung der Schicht von losen
vom Wasser abgenagten Blöcken, deren Zwischenräume, wie in dem Fluszbett
eines Bergstromes, nicht ausgefüllt sind, einer Schicht, auf welcher die
Lava ruht, können wir schlieszen, dasz der Strom an der Luft (nicht
unter Wasser) seinen Ursprung hatte. Ich bin nicht im Stande gewesen,
ihn bis zu seiner Quelle zu verfolgen, aber seiner Richtung zufolge
scheint er vom Signal-Post-Berge hergekommen zu sein, welcher eine und
eine Viertel Meile entfernt liegt und ähnlich wie Red Hill ein
Eruptionspunkt noch nach der Emporhebung der groszen basaltischen Ebene
gewesen ist. Es steht in Übereinstimmung mit dieser Ansicht, dasz ich
auf dem Signal-Post-Berge eine Masse von erdiger kalkiger Substanz von
der nämlichen Beschaffenheit mit Schlacken vermischt gefunden habe. Ich
will hier bemerken, dasz ein Theil der kalkigen Masse, welche das
horizontale sedimentäre Lager und besonders die feinere Substanz bildet,
mit welcher die eingeschlossenen Gesteinsbruchstücke wie mit einer
Tünche überzogen sind, wahrscheinlich von ähnlichen vulcanischen
Eruptionen herrührt, ebenso wie von der Zerkleinerung organischer Reste:
die darunter liegenden, alten, krystallinischen Gesteine sind
gleichfalls mit kohlensaurem Kalke reichlich untermischt, welcher
amygdaloide Hohlräume erfüllt und unregelmäszige Massen bildet; die
Natur dieser letzteren bin ich nicht im Stande gewesen zu verstehn.

In Anbetracht der auszerordentlich reichlichen Menge von erdigem Kalke
in der Nähe des Gipfels von Red Hill, einem vulcanischen Kegel von 600
Fusz Höhe und von einem nicht submarinen Ursprung, sondern an der Luft
entstanden, -- in Anbetracht der innigen Art und Weise, in welcher
äuszerst kleine Partikel und grosze Massen von Schlacken in den Massen
beinahe reinen Kalkes eingebettet sind, und andererseits der Art, in
welcher kleine Kerne und Streifen des kalkigen Pulvers in soliden
Schlackenstücken eingeschlossen sind, -- in Anbetracht ferner des
ähnlichen Vorkommens von Kalk und Schlacken innerhalb eines
Lavastromes, von dem mit triftigen Gründen angenommen wird, dasz er
gleichfalls modernen, an der Luft erfolgten Ursprungs ist, und dasz er
von einem Berge aus herabgeflossen ist, wo auch erdiger Kalk vorkommt:
-- in Anbetracht aller dieser Thatsachen läszt sich, glaube ich, nicht
daran zweifeln, dasz der Kalk mit der geschmolzenen Lava vermischt zum
Ausbruche gelangt ist. Mir ist nicht bekannt, dasz irgend ein ähnlicher
Fall beschrieben worden ist: wie es mir erscheint, ist er ein
interessanter, umsomehr als die meisten Geologen doch über die
wahrscheinlichen Wirkungen eines vulcanischen Heerdes Betrachtungen
angestellt haben müssen, welcher durch tief gelagerte Schichten von
verschiedener mineralogischer Zusammensetzung ausbricht. Der grosze
Reichthum an freier Kieselerde in den Trachyten mancher Länder (wie
BEUDANT aus Ungarn und P. SCROPE von den Ponza Inseln beschrieben haben)
wird vielleicht durch die Annahme tief liegender Quarzschichten erklärt;
und wir sehn wahrscheinlich hier eine ähnliche Antwort auf die Frage
nach der Abkunft eines bestimmten Elements, wo die vulcanische
Thätigkeit unten liegende Massen eines Kalksteins durchsetzt hat. Man
wird natürlich dazu veranlaszt, sich darüber eine Vermuthung zu bilden,
in welchem Zustande der gegenwärtig erdige kohlensaure Kalk existirt
hat, als er mit der intensiv erhitzten Lava ausgeworfen wurde: nach der
auszerordentlich zelligen Beschaffenheit der Schlacken auf dem Red Hill
zu urtheilen, kann der Druck nicht grosz gewesen sein; und da die
meisten vulcanischen Eruptionen von Auswürfen groszer Mengen von Dampf
und andern Gasen begleitet werden, so haben wir hier, nach den
gegenwärtig von den Chemikern vertretenen Ansichten, die
allergünstigsten Bedingungen für das Austreiben von Kohlensäure[3]. Es
kann nun gefragt werden: hat die langsam wieder eintretende Absorption
dieses Gases dem Kalke in den zelligen Hohlräumen der Lava jene
eigenthümliche faserige Structur, wie die eines efflorescirenden Salzes
gegeben? Endlich will ich noch auf den groszen Contrast hinweisen, der
in dem äuszeren Aussehen dieses erdigen Kalkes, welcher in einer freien
Atmosphäre von Dampf und andern Gasen erhitzt worden sein musz, und des
weiszen, krystallinischen, kalkigen Spaths besteht, welcher von einer
dünnen einzelnen Lavaschicht (wie auf Quail Island) hervorgebracht
worden ist, die über ähnlichen erdigen Kalk und zerfallene organische
Reste am Grunde eines seichten Meeres hingeflossen ist.

~Signal Post Hill.~ -- Dieser Berg ist bereits mehrere Male erwähnt
worden, besonders in Bezug auf die merkwürdige Art und Weise, in welcher
die weisze kalkige Schicht, welche an andern Orten so horizontal ist,
unter ihm in das Meer hineinfällt (s. Holzschnitt Fig. 2). Er hat einen
breiten Gipfel mit undeutlichen Spuren einer craterförmigen Structur und
wird aus basaltischen Gesteinen[4] gebildet, von denen einige compact,
andere in hohem Grade zellig sind, mit geneigten Schichten loser
Schlacken; von denen einige mit erdigem Kalke untermischt sind. Wie Red
Hill ist er die Quelle von Eruptionen gewesen, welche nach der
Emporhebung der umgebenden basaltischen Ebene eingetreten sind; aber
verschieden von jenem Berge hat er beträchtliche Denudation erlitten und
ist bereits der Sitz vulcanischer Thätigkeit in einer weit
zurückliegenden Zeit gewesen, als er noch unter dem Meeresspiegel lag.
Ich folgere dies letztere aus dem Umstande, dasz ich auf seiner
landeinwärts gelegenen Seite die letzten Überreste von drei kleinen
Eruptionspunkten gefunden habe. Diese Stellen bestehn aus glänzenden
Schlacken, welche durch krystallinischen kalkigen Spath mit einander
verkittet sind, genau dem der groszen submarinen kalkigen Ablagerung
gleich, wo die heisze Lava über dieselbe geflossen ist; ihr gestörter
Zustand kann, wie ich meine, nur durch die denudirende Wirkung der
Meereswellen erklärt werden. Ich wurde zu der ersten Öffnung dadurch
geführt, dasz ich eine ungefähr 200 Yards im Geviert messende Lavafläche
mit ziemlich steilen Seiten fand, welche auf der basaltischen Ebene
gelagert war, ohne irgend einen Hügel in der Nähe, von welchem dieselbe
hätte zum Ausbruch gelangen können, und die einzige Spur eines Craters,
welche ich zu entdecken im Stande war, bestand aus einigen geneigten
Schichten von Schlacken an einem seiner Ränder. In der Entfernung von 50
Yards von einem zweiten ebengipfeligen Lavaflecken, der aber von
geringerer Grösze war, fand ich eine unregelmäszige kreisförmige Masse
von cementirter, schlackenhaltiger Breccie, ungefähr von 6 Fusz Höhe,
welche ohne Zweifel früher einmal den Eruptionspunkt gebildet hat. Die
dritte Öffnung ist jetzt nur noch durch einen unregelmäszigen Kreis
unter einander verkitteter Schlacken von ungefähr 4 Yards im Durchmesser
bezeichnet, welcher in seinem höchsten Punkte kaum 3 Fusz über das
Niveau der umgebenden Ebene sich erhebt, deren Oberfläche dicht rings
herum ihr gewöhnliches Aussehn darbietet: wir haben daher hier einen
horizontalen durch die Basis gelegten Durchschnitt eines vulcanischen
Ventils, welches zusammen mit der durch dasselbe ausgeworfenen Masse
beinahe ganz und gar verwischt ist.

Der Lavastrom, welcher die enge Schlucht[5] erfüllt, östlich von der
Stadt Praya, scheint, nach seinem Laufe zu urtheilen, wie bereits vorhin
bemerkt wurde, von dem Signal-Post-Hügel gekommen und über die Ebene
nach deren Emporhebung geflossen zu sein: dieselbe Bemerkung gilt auch
für einen Strom (möglicherweise nur ein Theil des nämlichen), welcher
die Uferklippen ein wenig östlich von der Schlucht überlagert. Als ich
diese Ströme über die steinige horizontale Ebene zu verfolgen versuchte,
welche beinahe ganz von Erde und Pflanzenwuchs entblöszt ist, war ich
sehr überrascht zu finden, dasz, obgleich sie aus harter basaltischer
Masse gebildet und keiner Abnutzung durch das Meer ausgesetzt gewesen
sind, doch jede deutliche Spur von ihnen bald gänzlich verloren gieng.
Ich habe indessen seitdem auf dem Galapagos-Archipel beobachtet, dasz es
häufig ganz unmöglich ist, selbst grosze Überschwemmungen von völlig
recenter Lava quer über alten Strömen zu verfolgen, ausgenommen durch
die Grösze der auf ihnen wachsenden Gebüsche oder durch den
verhältnismäszigen Grad von Glänzend-sein ihrer Oberfläche, -- Merkmale,
welche gänzlich zu verwischen selbst eine kurze Zeitdauer vollständig
genügen würde. Ich will noch bemerken, dasz in einem ebenen Lande mit
einem trockenen Clima und wo die Winde beständig in einer Richtung wehn
(wie auf den Inseln des Capverdischen Archipels) die Wirkungen der
atmosphärischen Zerstörung wahrscheinlich viel gröszer sind, als auf den
ersten Blick hätte erwartet werden können; denn in diesem Falle sammelt
sich Erde nur in einigen wenigen geschützten Höhlungen an, und da sie
stets in einer Richtung fortgeweht wird, so schreitet sie immer in der
Form des feinsten Staubes nach dem Meere zu weiter und läszt die
Oberfläche der Gesteine kahl, so dasz dieselben der vollen Einwirkung
der sich beständig erneuernden meteorischen Kräfte ausgesetzt werden.

[5] Die Seiten dieser Schlucht sind da, wo die obere basaltische Schicht
durchsetzt wird, beinahe senkrecht. Die Lava, welche sie seitdem
ausgefüllt hat, ist beinahe so fest diesen Seiten angeheftet, wie ein
Gang seinen Wänden. In den meisten Fällen, wo ein Lavastrom ein Thal
hinab geflossen ist, wird er auf beiden Seiten von schlackigen Massen
eingefaszt.

~Landeinwärts gelegene Berge von älterem vulcanischen Gestein.~ -- Diese
Berge sind auf dem Holzschnittkärtchen nach dem Augenmasze eingetragen
und mit A, B, C u. s. w. bezeichnet. In ihrer mineralogischen
Zusammensetzung sind sie mit den untersten der an der Küste dem Blicke
ausgesetzten Gesteinsmassen verwandt und stehn wahrscheinlich mit
denselben in directem continuirlichem Zusammenhang. Werden diese Berge
aus der Entfernung gesehn, so erscheinen sie so, als hätten sie früher
einmal einen Theil eines unregelmäszigen Tafellandes gebildet, und nach
ihrer sich entsprechenden Structur und Zusammensetzung zu urtheilen, ist
dies wahrscheinlich der Fall gewesen. Sie haben platte, unbedeutend
geneigte Gipfel und sind im Mittel ungefähr 600 Fusz hoch; sie bieten
ihre steilsten Abhänge dem Innern der Insel zu dar, von welchem Punkte
aus sie nach auszen hin strahlenförmig sich verbreiten, und sind von
einander durch breite und tiefe Thäler getrennt, durch welche die
groszen Lavaströme, welche die Küstenebenen bilden, herabgekommen sind.
Ihre inneren und steileren Abdachungen sind in einer unregelmäszig
gekrümmten Linie angeordnet, welche in grobem Umrisz der Uferlinie
folgt, zwei oder drei Meilen landeinwärts davon gelegen. Ich habe einige
wenige dieser Berge bestiegen, und von andern, welche ich im Stande war
mit einem Teleskope zu untersuchen, habe ich durch die Freundlichkeit
Mr. KENT's, des Assistenz-Arztes des >Beagle<, Handstücke erhalten;
obgleich ich auf diese Weise nur mit einem, fünf oder sechs Meilen
langen Theile der Reihe bekannt geworden bin, so möchte ich doch wegen
ihrer gleichförmigen Structur kaum zögern, bestimmt auszusprechen, dasz
sie Theile einer einzigen groszen Formation sind, welche sich um ein
groszes Stück des Umfangs der Insel herum erstreckt.

Die obern und untern Gesteinsschichten dieser Berge sind in ihrer
Zusammensetzung bedeutend von einander verschieden. Die oberen sind
basaltisch, meistens compact, aber zuweilen auch schlackig und
amygdaloid, mit Massen von Wacke verbunden: da wo der Basalt compact
ist, ist er entweder feinkörnig oder in sehr grober Art krystallisirt,
im letztern Falle geht er in ein augitisches, viel Olivin enthaltendes
Gestein über; der Olivin ist entweder farblos oder von den gewöhnlichen
gelben und trübe rothen Schattirungen. Auf manchen von diesen Bergen
sind Schichten von kalkiger Substanz, sowohl in einer erdigen als in
einer krystallinischen Form, welche Fragmente glänzender Schlacken
enthalten, mit den basaltischen Lagern verbunden. Diese Lager sind von
den Strömen basaltischer Lava, welche die Küstenebenen bilden, nur darin
verschieden, dasz sie compacter sind und dasz die Augitkrystalle und die
Körner von Olivin von viel bedeutenderer Grösze sind: -- Charactere,
welche mich, mit der äuszern Erscheinung der mit ihnen verbundenen
kalkigen Schichten zusammengehalten zu der Annahme bestimmen, dasz sie
submariner Bildung sind.

Einige beträchtliche Massen von Wacke, welche mit diesen basaltischen
Schichten verbunden sind, und welche in gleicher Weise in der basalen
Reihe an der Küste, besonders auf Quail Island vorkommen, sind
merkwürdig. Sie bestehn aus einer blassen gelblich-grünen thonartigen
Substanz, von krümlicher Textur wenn sie trocken, aber fettig-schmierig,
wenn sie feucht ist: in ihrer reinsten Form ist sie von einer
wundervollen grünen Färbung mit durchscheinenden Rändern und
gelegentlich mit undeutlichen Spuren einer ursprünglichen Spaltbarkeit.
Vor dem Löthrohre schmilzt sie sehr leicht zu einer dunkel-grauen und
zuweilen selbst schwarzen Perle, welche in unbedeutendem Grade
magnetisch ist. Nach diesen Characteren glaubte ich natürlich, dasz es
eine der zersetzten blaszen Species der Gattung Augit wäre, -- eine
Folgerung, welche dadurch unterstützt wurde, dasz das nicht veränderte
Gestein voll von einzelnen groszen Krystallen von schwarzem Augit und
von Kugeln und unregelmäszigen Streifen einer dunkel-grauen augitischen
Gesteinsart war. Da der Basalt gewöhnlich aus Augit besteht und aus
Olivin, welcher häufig gefleckt und von einer schmutzig rothen Färbung
ist, so wurde ich darauf geführt, die einzelnen Stadien der Zersetzung
dieses letzteren Minerals zu untersuchen; und da fand ich denn zu meiner
Überraschung, dasz ich eine beinahe vollkommene Abstufungsreihe von
unverändertem Olivin an bis zu der grünen Wacke verfolgen konnte. Ein
Theil eines und des nämlichen Korns verhielt sich in einigen Fällen vor
dem Löthrohre wie Olivin, seine Farbe wurde nur unbedeutend verändert,
und ein andrer Theil ergab eine schwarze magnetische Perle. Ich kann
daher nicht daran zweifeln, dasz die grünliche Wacke ursprünglich als
Olivin existirte; es müssen indessen bedeutende chemische Veränderungen
während des Actes der Zersetzung bewirkt worden sein, um in dieser Weise
ein sehr hartes, durchscheinendes, unschmelzbares Mineral in eine
weiche, schmierige, leicht schmelzbare, thonartige Substanz
umzuwandeln[6].

Die basalen Schichten dieser Berge, ebenso wie einiger benachbarter,
getrennt stehender, kahler, abgerundeter Hügel, bestehn aus compacten,
feinkörnigen, nicht krystallinischen (oder so unbedeutend
krystallinisch, dasz es kaum bemerkbar ist), eisenschüssigen,
feldspathigen Gesteinsarten, welche sich meistens im Zustande einer
halben Zersetzung finden. Ihr Bruch ist auszerordentlich unregelmäszig
und splittrig; doch sind kleine Bruchstücke häufig sehr zähe. Sie
enthalten viel eisenhaltige Substanz entweder in der Form minutiöser
Körner mit einem metallischen Glanze oder in der Form brauner
haarähnlicher Fäden; das Gestein nimmt in diesem letzteren Falle eine
pseudo-breccien-artige Structur an. Diese Gesteine enthalten zuweilen
Glimmer und Adern von Achat. Ihre rostig braune oder gelbliche Farbe ist
zum Theil Folge der Anwesenheit von Eisenoxyden, aber hauptsächlich von
unzähligen mikroskopisch kleinen schwarzen Flecken, welche, wenn ein
Bruchstück erhitzt wird, leicht schmelzen und offenbar entweder
Hornblende oder Augit sind. Diese Gesteine enthalten daher, trotzdem sie
auf den ersten Blick wie gebrannter Thon oder wie irgend eine veränderte
sedimentäre Ablagerung erscheinen, doch alle die wesentlichen
Bestandtheile des Trachyts; sie weichen von demselben nur dadurch ab,
dasz sie nicht hart sind und dasz sie keine Krystalle von glasigem
Feldspath enthalten. Wie es so häufig mit trachytischen Formationen der
Fall ist, so ist hier keine Stratification bemerkbar. Man würde wohl
nicht leicht glauben mögen, dasz diese Gesteine als Lava geflossen sein
könnten; und doch finden sich auf St. Helena (wie in einem der folgenden
Capitel beschrieben werden wird) gut characterisirte Ströme von beinahe
ähnlicher Zusammensetzung. Mitten unter den aus diesen Gesteinsarten
bestehenden Hügeln fand ich an drei Stellen glatte kegelförmige Hügel
von Phonolith, welcher auszerordentlich reich an schönen Krystallen von
glasigem Feldspath und an Hornblende-Nadeln war. Diese Kegel von
Phonolith stehn, wie ich meine, in demselben Verhältnis zu den
umgebenden feldspathhaltigen Schichten, in dem an einer andern Stelle
der Insel einige Massen eines grob-krystallisirten augitischen Gesteins
zu dem umgebenden Basalt stehn: ich glaube nämlich, dasz beide injicirt
sind. Dasz die Gesteine von einer feldspathigen Beschaffenheit ihrem
Ursprunge nach früher vorhanden waren, als die basaltischen Schichten,
welche sie bedecken, und auch als die basaltischen Ströme der
Küstenebenen, stimmt mit der gewöhnlichen Reihenfolge dieser beiden
groszen Abtheilungen der vulcanischen Reihe überein.

Die Schichten der meisten dieser Berge sind im oberen Theile, wo die
Begrenzungsebenen allein zu unterscheiden sind, unter einem kleinen
Winkel vom Innern der Insel aus nach der Meeresküste zu geneigt. Die
Neigung ist nicht an jedem Berge dieselbe; in dem mit A bezeichneten ist
sie geringer als in den B, D oder E bezeichneten; bei dem Berge C sind
die Schichten kaum aus der horizontalen Ebene heraus gebogen, und bei F
sind sie (so weit ich es beurtheilen konnte, ohne den Berg selbst zu
besteigen) unbedeutend in der umgekehrten Richtung geneigt, d. h.
einwärts und nach dem Mittelpunkte der Insel zu. Ungeachtet dieser
Verschiedenheiten der Neigung scheint die Übereinstimmung in ihrer
äuszern Form und in der Zusammensetzung sowohl ihrer oberen als unteren
Theile, -- ihre relative Stellung in einer einzigen gekrümmten Linie,
mit ihren steilsten Seiten landeinwärts gekehrt, -- scheint, sage ich,
alles dies zu beweisen, dasz sie ursprünglich Theile eines einzigen
Plateaus gebildet haben, welches Plateau sich, wie vorhin schon bemerkt
wurde, wahrscheinlich um einen beträchtlichen Theil des Umfangs der
Insel herum erstreckte. Die oberen Schichten sind sicherlich als Lava,
und zwar wahrscheinlich unter dem Meere geflossen, wie es vielleicht
auch mit den unteren feldspathigen Massen der Fall gewesen ist: wie
kommt es nun, dasz diese Schichten ihre gegenwärtige Stellung einnehmen,
und von woher sind sie zum Ausbruche gelangt?

In der Mitte der Insel[7] finden sich hohe Berge; sie sind aber von den
steilen landeinwärts gekehrten Abhängen dieser Berge durch eine breite
Strecke niedrigen Landes getrennt: überdies scheinen die im Innern
gelegenen Berge die Quelle jener groszen Ströme basaltischer Lava
gewesen zu sein, welche, sich bei ihrem Durchtritt zwischen den hier in
Rede stehenden Bergen hindurch sich zusammenziehend, in die Küstenebenen
ausgebreitet haben. Rings um die Küsten von St. Helena findet sich ein
undeutlich gebildeter Ring von basaltischen Gesteinen, und auf Mauritius
finden sich Überreste eines andern derartigen Ringes um einen Theil,
wenn nicht um das Ganze, der Insel; hier tritt uns dann wiederum die
nämliche Frage sofort entgegen: wie kommt es, dasz diese Massen ihre
gegenwärtige Stellung einnehmen und von woher sind sie zum Ausbruche
gelangt? Die nämliche Antwort, welches auch dieselbe immer sein mag,
gilt wahrscheinlich für alle diese drei Fälle; in einem spätern Capitel
werden wir auf diesen Gegenstand zurückkommen.

~Thäler in der Nähe der Küste.~ -- Diese sind breit, sehr flach und
meistens von niedrigen, aus Felsklippen gebildeten Seiten eingefaszt.
Theile der basaltischen Ebene werden von ihnen zuweilen beinahe oder
auch gänzlich isolirt, für welche Thatsache der Raum, auf welchem die
Stadt Praya steht, ein Beispiel darbietet. In dem groszen Thale westlich
von der Stadt ist der Boden bis zu einer Tiefe von mehr als 20 Fusz mit
gut abgerundeten Rollsteinen aufgefüllt, welche an einigen Stellen durch
eine weisze kalkige Masse fest mit einander verkittet sind. Nach der
Form dieser Thäler kann daran kein Zweifel sein, dasz dieselben durch
die Wellen des Meeres während jener gleichförmigen Erhebung des Landes
ausgehöhlt worden sind, für welche die horizontale kalkige Ablagerung
mit den darin enthaltenen jetzt existirenden Species mariner Fossilreste
einen Beweis gibt. Bedenkt man, wie gut Schalthiergehäuse in dieser
Schicht erhalten worden sind, so ist es eigenthümlich, dasz ich in dem
Conglomerate auf dem Grunde der Thäler auch nicht einmal ein einziges
Muschelfragment finden konnte. Die Schicht von Rollsteinen in dem Thale
westlich von der Stadt wird durch ein zweites, sich mit diesem als ein
Nebenthal verbindendes gekreuzt; aber selbst dieses Thal erscheint viel
zu breit und flachgrundig, als dasz es durch die geringe Menge Wasser
hätte gebildet werden können, welches hier nur während der einen kurzen
nassen Jahreszeit niederfällt; denn zu andern Zeiten des Jahres sind
diese Thäler absolut trocken.

~Recentes Conglomerat.~ -- An den Ufern von Quail Island fand ich
Bruchstücke von Ziegeln, eiserne Bolzen, Rollsteine und grosze
Basalt-Fragmente mittelst einer spärlichen Grundmasse von unreiner
kalkiger Substanz zu einem festen Conglomerate verbunden. Um zu zeigen,
wie auszerordentlich fest dieses neuere Conglomerat ist, will ich
erwähnen, dasz ich mit einem schweren geologischen Hammer den Versuch
machte, einen dicken eisernen Bolzen herauszuschlagen, welcher ein wenig
oberhalb der Ebbgrenze eingeschlossen war, dasz ich aber nicht im Stande
war, dies zu erreichen.

[1] Der Umrisz der Küste, die Lage der Ortschaften, Wasserläufe und der
meisten Berge auf diesem Holzschnitte sind nach der an Bord des »Leven«
gemachten Karte copirt. Die plattgipfeligen Berge (A, B, C u. s. w.)
sind nur nach dem Augenmasze eingezeichnet, um meine Beschreibung zu
erläutern.

[2] Ich bin Mr. E. W. ~Brayley~ sehr dafür verbunden, dasz er mir die
folgenden Verweisungen auf Abhandlungen über diesen Gegenstand gegeben
hat: ~Faraday~, in: New Philosoph. Journal, Vol. XV. p. 398; ~Gay
Lussac~, in: Annales de Chimie et de Physique, Tom. LXIII. p. 219,
übersetzt in: London and Edinburgh Philos. Magazine, Vol. X. p. 496.

[3] So lange er noch tief unter der Oberfläche war, fand sich, wie ich
vermuthe, der kohlensaure Kalk im flüssigen Zustande. Es ist bekannt,
dasz ~Hutton~ der Ansicht war, dasz alle Mandelsteinbildungen durch
Tropfen geschmolzenen Kalksteines, welche im Trapp wie Öl im Wasser
schwämmen, hervorgebracht wären: dies ist ohne Zweifel falsch; wenn aber
die den Gipfel des Red Hill bildende Masse unter dem Drucke eines mäszig
tiefen Meeres oder innerhalb der Wände eines Gangs abgekühlt wäre, so
würden wir aller Wahrscheinlichkeit nach ein mit groszen Massen
compacten, krystallinischen kalkigen Spaths verbundenes Trappgestein
haben, welches nach den von vielen Geologen getheilten Ansichten nur
fälschlich einer spätern Infiltration zugeschrieben worden sein würde.

[4] Von diesen ist eine häufige Varietät merkwürdig, weil sie voll ist
von kleinen Bruchstücken eines dunkel jaspis-rothen Minerals, welches
bei sorgfältiger Untersuchung eine undeutliche Spaltbarkeit zeigt; die
kleinen Fragmente sind der Form nach länglich, weich, sind ehe und
nachdem sie erhitzt waren, magnetisch und schmelzen mit Schwierigkeit zu
einem trüben Email. Dies Mineral ist offenbar nahe mit den Eisenoxyden
verwandt; ich kann aber nicht genau ermitteln, was es ist. Das dies
Mineral enthaltende Gestein ist mit kleinen Höhlungen durchsetzt, welche
mit gelblichen Krystallen von kohlensaurem Kalke ausgekleidet und
erfüllt sind.

[5] Die Seiten dieser Schlucht sind da, wo die obere basaltische Schicht
durchsetzt wird, beinahe senkrecht. Die Lava, welche sie seitdem
ausgefüllt hat, ist beinahe so fest diesen Seiten angeheftet, wie ein
Gang seinen Wänden. In den meisten Fällen, wo ein Lavastrom ein Thal
hinab geflossen ist, wird er auf beiden Seiten von schlackigen Massen
eingefaszt.

[6] ~D'Aubuisson~, Traité de Géognosie (Tom. II. p. 569), erwähnt, nach
der Autorität von ~Marcel de Serres~, Massen grüner Erde aus der Nähe
von Montpellier, von welcher angenommen wird, dasz sie durch Zersetzung
von Olivin entstanden ist. Ich finde indessen nicht, dasz bemerkt worden
ist, wie sich das Verhalten dieses Minerals vor dem Löthrohr gänzlich
ändert, wenn es der Zersetzung unterliegt; und die Kenntnis dieser
Thatsache ist von Wichtigkeit, da es auf den ersten Blick in hohem Grade
unwahrscheinlich erscheint, dasz ein hartes, durchscheinendes, schwer
aufzuschlieszendes Mineral in einen weichen, leicht schmelzlichen Thon,
wie dieser von St. Jago, verwandelt würde. Ich werde später eine grüne
Substanz beschreiben, welche innerhalb der zelligen Räume einiger
blasigen basaltischen Gesteine von Van-Diemens-Land Fäden bildet und
sich vor dem Löthrohre wie die grüne Wacke von St. Jago verhält; aber
ihr Vorkommen in cylindrischen Fäden beweist, dasz sie nicht das
Resultat einer Zersetzung des Olivins sein kann, eines Minerals, welches
immer in der Form von Körnern oder Krystallen existirt.

[7] Von den landeinwärts gelegenen Theilen der Insel habe ich sehr wenig
gesehn. In der Nähe des Dorfes St. Domingo finden sich prachtvolle
Klippen von ziemlich grob krystallisirter basaltischer Lava. Folgte man
dem Laufe des kleinen Flusses in diesem Thale bis ungefähr eine Meile
weit oberhalb des Dorfes, so ergab sich die Klippe als aus einem
compacten, feinkörnigen Basalt gebildet, der in concordanter Lage von
einer Schicht Geschiebe bedeckt war. In der Nähe von Fuentes traf ich
auf warzenförmige Hügel der compacten feldspathigen Gesteinsreihe.



Zweites Capitel.

     ~Fernando Noronha.~ -- Steil abstürzender Berg von Phonolith. --
     ~Terceira.~ -- Trachytische Gesteine; ihre eigenthümliche
     Zersetzung durch Dampf von hoher Temperatur. -- ~Tahiti.~ --
     Übergang von Wacke in Trapp; eigenthümliches vulcanisches Gestein;
     dessen Blasenräume halb mit Mesotyp erfüllt sind. -- ~Mauritius.~
     -- Beweise für seine neuere Erhebung. -- Structur seiner älteren
     Gebirge; Ähnlichkeit mit St. Jago. -- ~St. Paul's Felsen.~ -- Nicht
     vulcanischen Ursprungs; -- ihre eigenthümliche mineralogische
     Zusammensetzung.


~Fernando Noronha.~ -- Während unsres kurzen Besuchs auf dieser und den
folgenden vier Inseln habe ich nur sehr wenig beobachtet, was der
Beschreibung werth gewesen wäre. Fernando Noronha ist im atlantischen
Ocean 3° 50' s. Br. und 230 Meilen von der Küste von Süd-America
entfernt gelegen. Es besteht aus mehreren einzelnen kleinen Inseln,
welche zusammen 9 Meilen lang und 3 Meilen breit sind. Das Ganze scheint
vulcanischen Ursprungs zu sein, obgleich kein Anzeichen irgend eines
Craters oder irgend einer mittleren Erhöhung vorhanden ist. Der
merkwürdigste Zug im Bilde dieser Insel ist ein 1000 Fusz hoher Berg,
von welchem die oberen 400 Fusz aus einem sich steil erhebenden,
eigenthümlich gestalteten Gipfel bestehn; derselbe ist aus
säulenförmigem Phonolith gebildet, welcher zahlreiche Krystalle von
glasigem Feldspath und einige wenige Nadeln von Hornblende enthält. Von
dem höchsten erreichbaren Punkte dieses Berges aus konnte ich an
verschiedenen Stellen der Inselgruppe noch mehrere andere kegelförmige
Berge, allem Anscheine nach von derselben Beschaffenheit, erkennen. Auf
St. Helena finden sich ähnliche grosze, kegelförmige, vorspringende
Massen von Phonolith, von nahezu 1000 Fusz Höhe, welche durch das
Eindringen flüssiger feldspathiger Lava in nachgebende Schichten
gebildet worden sind. Wenn dieser Berg hier, wie es wahrscheinlich ist,
einen ähnlichen Ursprung gehabt hat, dann ist Denudation in einem
ungeheuren Maszstabe wirksam gewesen. In der Nähe der Basis dieses
Berges beobachtete ich Schichten weiszen Tuffs, von zahlreichen Gängen
durchsetzt, andere von amygdaloidem Basalte und andere von Trachyt;
ferner auch Schichten von schiefrigem Phonolith mit nordwestlich und
südöstlich gerichteten Spaltungsflächen. Stellenweise war dieses
Gestein, da wo die Krystalle nur spärlich vorkamen, gewöhnlichem
Thonschiefer sehr ähnlich, der durch die Berührung mit einem Trapp ganz
verwandelt worden ist. Das Blättrig-werden von Gesteinen, welche
zweifellos früher einmal flüssig gewesen sind, scheint mir ein der
Aufmerksamkeit sehr werther Gegenstand zu sein. Am Strande fanden sich
zahlreiche Bruchstücke compacten Basalts, aus welcher Gesteinsart eine
in einiger Entfernung zu sehende Säulen-Façade gebildet zu werden
schien.

~Terceira in den Azoren.~ -- Die centralen Theile dieser Insel bestehn
aus unregelmäszig abgerundeten Bergen von keiner bedeutenden Erhebung;
sie sind aus Trachyt zusammengesetzt, welcher im allgemeinen Character
dem sofort zu beschreibenden Trachyt von Ascension sehr ähnlich ist.
Diese Formation ist an vielen Stellen, in der gewöhnlichen Ordnung der
Aufeinanderfolge, von Strömen basaltischer Lava überlagert, welche in
der Nähe der Küste beinahe die ganze Oberfläche bilden. Der Verlauf,
welchen diese Ströme von ihren Cratern aus genommen haben, kann häufig
mit dem Auge verfolgt werden. Die Stadt Angra wird von einem
craterförmigen Berge (Mount Brazil) überragt, welcher ganz und gar aus
dünnen Schichten eines feinkörnigen, spröden, braun gefärbten Tuffes
aufgebaut ist. Man sieht, dasz die oberen Schichten die basaltischen
Ströme, auf welchen die Stadt steht, überlagern. Dieser Berg ist in
seiner Structur und Zusammensetzung beinahe identisch mit zahlreichen
craterförmigen Bergen im Galapagos-Archipel.

~Wirkungen von Dampf auf die trachytischen Gesteine.~ -- Im mittleren
Theile der Insel findet sich eine Stelle, wo Dampf beständig in Strahlen
vom Grunde einer kleinen schluchtartigen Höhlung, welche keinen Ausweg
hat, ausgestoszen und gegen eine Reihe von trachytischen Bergen
angetrieben wird. Der Dampf tritt durch mehrere unregelmäszige Spalten
aus: er ist geruchlos, schwärzt Eisen in kurzer Zeit und ist von einer
viel zu hohen Temperatur, als dasz er von der Hand ertragen werden
könnte. Die Art und Weise, in welcher der feste Trachyt an den Bändern
dieser Öffnungen verändert wird, ist merkwürdig; zuerst wird die
Grundmasse erdig mit rothen Flecken, offenbar in Folge der Oxydation von
Eisenpartikeln; dann wird sie weich; und zuletzt unterliegen selbst die
Krystalle des glasigen Feldspaths der auflösenden Wirkung. Nachdem die
Masse in Thon umgewandelt worden ist, scheint das Eisenoxyd aus einigen
Stellen gänzlich entfernt zu sein, welche vollkommen weisz bleiben,
während es an andern daneben liegenden Stellen, welche von der hellsten
rothen Farbe sind, in gröszerer Menge abgelagert zu sein scheint; einige
andere Massen sind mit diesen beiden verschiedenen Farben marmorirt.
Portionen des weiszen Thons können nun, wo sie trocken sind, mit bloszem
Auge nicht von der feinsten präparirten Kreide unterschieden werden; und
wenn man sie zwischen die Zähne bringt, ergeben sie sich gleicherweise
als weichkörnig; die Einwohner benützen diese Substanz zum Weiszen ihrer
Häuser. Die Ursache davon, dasz das Eisen an der einen Stelle aufgelöst
und dicht daneben wieder abgelagert wird, ist dunkel; die Thatsache ist
aber an mehreren andern Orten beobachtet worden[8]. An einigen halb
zerfallenen Handstücken fand ich kleine, kugelige Aggregate von gelbem
Hyalith, arabischem Gummi ähnlich, welche ohne Zweifel durch den Dampf
niedergeschlagen worden waren.

Da es für das Regenwasser, welches die Seiten der schluchtähnlichen
Höhlung, aus welcher der Dampf herauskommt, hinabrieselt, keinen Ausgang
gibt, so musz es ganz durch die Spalten am Boden der Höhle abwärts
dringen. Mehrere von den Einwohnern theilten mir mit, dasz ein Bericht
existire, dasz ursprünglich Flammen (irgend eine leuchtende
Erscheinung?) von diesen Klüften ausgegangen seien, und dasz dem
Ausbruch der Flammen später der Dampf gefolgt sei; ich bin aber nicht im
Stande gewesen, weder zu ermitteln, wie lange dies wohl her sei, noch
irgend etwas Bestimmtes über die Sache zu erfahren. Als ich mir die
Stelle ansah, stellte ich mir vor, dasz die Injection einer groszen
Gesteinsmasse, wie des Phonolithkegels auf Fernando Noronha, im
halbflüssigen Zustande, durch eine Überwölbung der Oberfläche eine
keilförmige Höhlung mit Rissen am Boden hervorgebracht haben könnte, und
dasz dann das in der Nähe der erhitzten Masse durchsickernde Regenwasser
wohl während vieler spätern Jahre in der Form von Dampf wieder
ausgestoszen werden könnte.

~Tahiti~ (~Otaheite~). -- Ich habe nur einen Theil der nordwestlichen
Seite dieser Insel besucht, und dieser Theil besteht durchaus aus
vulcanischem Gesteine. In der Nähe der Küste finden sich mehrere
Varietäten von Basalt, einige auszerordentlich reich an groszen
Krystallen von Augit und schmutzig geflecktem Olivin, andere compact und
erdig, -- einige in unbedeutendem Grade blasig und andere gelegentlich
mit amygdaloider Bildung. Diese Gesteine sind meistens bedeutend
zersetzt, und zu meiner Überraschung fand ich an mehreren
Durchschnitten, dasz es unmöglich war, auch nur annäherungsweise die
Trennungslinie zwischen der zerfallenen Lava und den abwechselnden
Tuffschichten zu unterscheiden. Seitdem die Handstücke trocken geworden
sind, ist es im Ganzen leichter, die zersetzten plutonischen Gesteine
von den sedimentären Tuffarten zu unterscheiden. Dieser Übergang im
Character zwischen Gesteinsarten, welche einen so weit von einander
verschiedenen Ursprung haben, dürfte, wie ich glaube, wohl dadurch
erklärt werden, dasz die erweichten Seiten der blasenartigen Hohlräume,
welche in vielen vulcanischen Gesteinen einen verhältnismäszig groszen
Theil ihres Raumumfangs einnehmen, unter Druck nachgeben. Da die
Blasenräume meistens an Grösze und Zahl in den oberen Theilen eines
Stromes von Lava zunehmen, so werden auch die Wirkungen ihrer
Zusammendrückung hier sich vergröszern; überdies musz das Nachgeben
jedes tiefer gelegenen Blasenraums dahin streben, die sämmtliche darüber
liegende erweichte Masse zu stören. Wir dürfen daher erwarten, eine
vollkommene Abstufung von einem unveränderten krystallinischen Gestein
in ein solches verfolgen zu können, in welchem sämmtliche Partikel
(obgleich sie ursprünglich einen Theil einer und derselben soliden Masse
bilden) eine mechanische Verschiebung erlitten haben; und derartige
Partikel können kaum von andern von ähnlicher Zusammensetzung
unterschieden werden, welche als Sediment abgelagert worden sind. Da die
Laven zuweilen in ihrem oberen Theilen blättrig sind, so kann man sich
selbst auf die horizontalen Linien, welche wie solche eines in Wasser
erfolgenden Absatzes erscheinen, nicht in allen Fällen als auf ein
Erkennungszeichen eines sedimentären Ursprungs verlassen. Nach diesen
Betrachtungen ist es nicht überraschend, dasz früher viele Geologen an
wirkliche Übergänge von aus Wasser sich absetzenden Niederschlägen durch
die Wacke bis zu vulcanischen Trappen geglaubt haben.

In dem Thale von Tia-auru sind die häufigsten Gesteinsarten Basalte mit
viel Olivin, welche auch in manchen Fällen aus groszen Krystallen von
Augit zusammengesetzt sind. Ich nahm einige Handstücke auf mit viel
glasigem Feldspath, welche sich im Character dem Trachyt näherten. Es
fanden sich dort auch viele grosze Blöcke von blasigem Basalt, dessen
Hohlräume wunderschön mit Chabasit (?) und strahlenförmig angeordneten
Bündeln von Mesotyp ausgekleidet waren. Einige von diesen Handstücken
boten ein merkwürdiges Aussehn dar in Folge des Umstandes, dasz eine
Anzahl der Hohlräume halb erfüllt waren von einem weiszen, weichen,
erdigen, mesotyp-artigen Mineral, welches vor dem Löthrohre in einer
merkwürdigen Weise aufblähte. Da die Oberflächen desselben in allen den
halberfüllten Zellen genau parallel sind, so geht hieraus offenbar
hervor, dasz diese Substanz in Folge ihres Gewichts auf den Boden einer
jeden Zelle hinabgesunken ist. Zuweilen füllt sie indessen die Zellen
ganz aus. Andere Zellen sind entweder ganz mit kleinen Krystallen,
augenscheinlich von Chabasit, erfüllt oder mit solchen ausgekleidet:
auch kleiden diese Krystalle häufig die obere Hälfte derjenigen Zellen
aus, welche zum Theil mit dem erdigen Mineral gefüllt sind, ebenso wie
die obere Fläche dieser letzten Substanz selbst mit solchen überzogen
ist, in welchem Falle die beiden Minerale in einander zu verschmelzen
scheinen. Ich habe niemals irgend ein anderes amygdaloides Gestein[9]
gesehn, dessen Zellen in der hier beschriebenen Art halb erfüllt gewesen
wären; und es ist schwierig, sich die Ursachen vorzustellen, welche das
erdige Mineral dazu bestimmte, seiner Schwere nach auf den Boden der
Zellen zu sinken, und das krystallinische Mineral dazu, in einem
Überzuge von gleicher Dicke ringsum den Seiten der Zellen anzuhängen.

Die basaltischen Schichten an den Seiten des Thales sind sanft nach dem
Meere zu geneigt, und habe ich nirgends irgend ein Zeichen einer
Störung beobachtet; die Schichten sind von einander durch dicke compacte
Lager von Conglomerat getrennt, in welchem die Bruchstücke grosz, einige
abgerundet, die meisten aber eckig sind. Wegen des Characters dieser
Lager, des compacten und krystallinischen Zustandes der meisten
Lavaschichten und wegen der Natur des infiltrirten Minerals wurde ich
auf die Vermuthung geführt, dasz sie ursprünglich unter dem Meere
hingeflossen seien. Diese Folgerung stimmt mit der Thatsache überein,
dasz Mr. W. ELLIS marine Fossilreste in einer beträchtlichen Höhe
gefunden hat, welche, wie er glaubt, zwischen Schichten vulcanischer
Substanz gelegen haben, wie es nach der Beschreibung der Herren TYERMAN
und BENNETT gleicherweise auf Huaheine, einer andern Insel des nämlichen
Archipels der Fall ist. Auch STUTCHBURY entdeckte in der Nähe des
Gipfels eines der höchsten Berge von Tahiti, in der Höhe von mehreren
tausend Fusz eine Schicht halbfossiler Corallen. Keiner dieser
Fossilreste ist specifisch bestimmt worden. An der Küste, wo Massen von
Corallen-Gestein den klarsten Beweis dargeboten haben würden, habe ich
vergebens nach irgend einem Zeichen neuerer Emporhebung gesucht. In
Bezug auf die oben angezogenen Autoritäten und wegen weiterer einzeln
ausgeführter Gründe dafür, dasz ich nicht glaube, dasz sich Tahiti in
neuerer Zeit emporgehoben hat, musz ich auf mein Buch über den Bau und
die Verbreitung der Corallen-Riffe verweisen (Übers. p. 182-183).

~Mauritius.~ -- Nähert man sich dieser Insel von der nördlichen oder
nordwestlichen Seite her, so sieht man eine gekrümmte Kette kühn
emporsteigender, mit zerklüfteten Gipfeln gekrönter Berge sich von einem
glatten Rande cultivirten Landes erheben, welches sanft nach der Küste
hinabfällt. Auf den ersten Blick wird man anzunehmen versucht, dasz das
Meer vor Kurzem noch den Fusz dieser Berge erreicht habe, und bei
näherer Untersuchung ergibt es sich, wenigstens mit Rücksicht auf den
untern Theil dieses Randes, dasz diese Ansicht vollkommen correct ist.
Mehrere Autoren[10] haben Massen von emporgehobenem Corallen-Gestein
rings um den gröszeren Theil des Umfangs der Insel beschrieben. Zwischen
Tamarin Bay und dem Great Black River habe ich in Gesellschaft mit Capt.
LLOYD zwei Hügel von Corallen-Gestein beobachtet, welche in ihrem untern
Theile aus harter kalkiger Substanz und in ihren obern Theilen aus
groszen, leicht zusammengeballten Blöcken von _Astraea_ und _Madrepora_
und aus Fragmenten von Basalt gebildet waren; sie waren in Schichten
getheilt, welche meerwärts, in einem Falle unter einem Winkel von 8°, in
einem andern von 18° einfielen; sie hatten das Ansehn, als wären sie vom
Wasser ausgenagt, und stiegen steil von einer glatten Oberfläche aus
empor, welche bis zu einer Höhe von ungefähr 20 Fusz mit abgerollten
Stücken organischer Reste überstreut war. Der »Officier du Roy« hat in
seiner äuszerst interessanten, 1768 ausgeführten Tour rings um die Insel
Massen emporgehobener Corallen-Felsen beschrieben, welche noch immer den
grabenartigen Bau beibehalten haben, welcher für die lebenden Riffe
characteristisch ist (s. mein Buch über die Corallen-Riffe p. 73). An
der Küste nördlich von Port Louis fand ich, dasz die Lava eine
beträchtliche Strecke weit landeinwärts von einem aus Corallen und
Muscheln gebildeten Conglomerate verdeckt wurde, ähnlich denen am
Strande, aber durch eine rothe eisenhaltige Masse fest geworden. BORY DE
ST. VINCENT hat ähnliche kalkige Lager beschrieben, welche beinahe die
ganze Ausdehnung der Ebene der Pamplemousses bedeckten. In der Nähe von
Port Louis habe ich, als ich einige grosze Steine umwendete, welche in
einem Fluszbette am oberen Ende einer geschützten Bucht in der Höhe von
einigen Yards über dem Niveau der Springfluthen lagen, mehrere
Serpula-Röhren gefunden, welche noch an deren unterer Seite festhiengen.

Die zerklüfteten Berge in der Nähe von Port Louis steigen bis zu einer
Höhe von zwischen 2000 und 3000 Fusz empor; sie bestehn aus
Basalt-Schichten, welche durch fest aggregirte Lager von fragmentärer
Masse undeutlich von einander getrennt sind; sie werden ferner durch
einige wenige senkrechte Gänge durchsetzt. Der Basalt ist an einigen
Stellen auszerordentlich reich an groszen Krystallen von Augit und
Olivin und ist meistens compact. Das Innere der Insel bildet eine Ebene,
welche wahrscheinlich ungefähr ein tausend Fusz über dem Meeresspiegel
erhoben ist und aus Lavaströmen besteht, welche um die zerklüfteten
Berge herum und zwischen denselben hindurch geflossen sind. Diese
neueren Lavamassen sind gleichfalls basaltisch, aber weniger compact und
einige sind sehr reich an Feldspath, so dasz sie vor dem Löthrohr selbst
zu einem blasz gefärbten Glase schmelzen. An den Ufern des Great River
ist ein nahezu 500 Fusz tiefer Durchschnitt dem Blicke ausgesetzt,
welcher durch zahlreiche dünne Blätter von Lava dieser Reihe
ausgearbeitet ist, die durch Schlacken-Schichten von einander getrennt
sind. Sie scheinen auf dem Lande entstanden und aus mehreren
Eruptionspunkten des centralen Plateau herabgeflossen zu sein, unter
welcher der Piton du Milieu einer der hauptsächlichsten sein soll. Es
finden sich auch mehrere vulcanische Kegel, augenscheinlich aus dieser
modernen Zeit, rings am Umfange der Insel, besonders an dem nördlichen
Ende, wo sie besondere kleine Inselchen bilden.

Die aus dem mehr compacten und krystallinischen Basalt zusammengesetzten
Berge bilden das Hauptskelett der Insel. BAILLY[11] gibt an, dasz sie
sämmtlich »se développent autour d'elle comme une ceinture d'immenses
remparts, toutes affectant une pente plus ou moins inclinée vers le
rivage de la mer, tandis au contraire, que vers le centre de l'île elles
présentent une coupe abrupte et souvent taillée à pic. Toutes ces
montagnes sont formées de couches parallèles inclinées du centre de
l'île vers la mer.« Diese Angaben sind, wenn auch nicht im Einzelnen,
von QUOY in FREYCINET's Reise bestritten worden. So weit meine geringen
Beobachtungsmittel reichten, fand ich sie vollkommen richtig[12]. Die
Berge an der nordwestlichen Seite der Insel, welche ich untersucht habe,
nämlich La Pouce, Peter Botts, Corps de Garde, Les Mamelles und allem
Anscheine nach auch noch ein anderer weiter nach Süden gelegener, haben
genau die von BAILLY beschriebene äuszere Gestalt und Schichtung. Sie
bilden ungefähr den vierten Theil seines Wallgürtels. Obgleich diese
Berge gegenwärtig vollständig einzeln stehn, von einander durch, selbst
mehrere Meilen breite Durchbrüche getrennt sind, durch welche ungeheure
Ströme von Lava vom Innern der Insel her geflossen sind, so fühlt man
sich doch, beim Hinblick auf ihre sehr grosze allgemeine Ähnlichkeit,
notwendigerweise überzeugt, dasz sie ursprünglich Theile einer einzigen
zusammenhängenden Masse gebildet haben. Nach der wundervollen Karte von
Mauritius zu urtheilen, welche die Admiralität nach einem französischen
Manuscript veröffentlicht hat, findet sich eine Reihe von Bergen (M.
Bamboo) auf der entgegengesetzten Seite der Insel, welche in Höhe,
relativer Stellung und äuszerer Form den eben beschriebenen entspricht.
Ob der Berg-Gürtel jemals vollständig war, könnte wohl bezweifelt
werden; aber nach BAILLY'S Angaben und meinen eigenen Beobachtungen kann
man getrost folgern, dasz Berge, deren landeinwärts gerichtete Seiten
steil abstürzten und welche aus Schichten bestanden, die nach auszen hin
einfielen, sich früher einmal um ein beträchtliches Stück des Umfangs
der Insel erstreckt haben. Der Ring scheint oval und von ungeheurer
Grösze gewesen zu sein; seine kürzere Axe, quer über von der innern
Seite der Berge in der Nähe von Port Louis zu denen in der Nähe von
Grand Port gemessen, beträgt nicht weniger als dreizehn geographische
Meilen an Länge. BAILLY stellt die kühne Vermuthung auf, dasz dieser
enorme Schlund, welcher seitdem in bedeutendem Masze von Strömen
moderner Lava erfüllt worden ist, durch das Einsinken des ganzen oberen
Theils eines einzigen groszen Vulcans gebildet worden ist.

Es ist eigenthümlich, in wie vielen Beziehungen diejenigen Theile von
St. Jago und von Mauritius, welche ich besucht habe, in ihrer
geologischen Geschichte mit einander übereinstimmen. Auf beiden Inseln
folgen Berge von ähnlicher äuszerer Gestalt, Stratification und
(wenigstens in ihren oberen Schichten) Zusammensetzung in einer
gebogenen Reihe der Uferlinie. Diese Berge haben augenscheinlich in
beiden Fällen ursprünglich Theile einer einzigen continuirlichen Masse
gebildet. Die basaltischen Schichten, aus denen sie zusammengesetzt
sind, scheinen nach ihrer compacten und krystallinischen Structur, wenn
man sie den benachbarten basaltischen Strömen von einem auf dem trocknen
Lande erfolgten Ursprunge entgegenhält, unter dem Drucke des Meeres
geflossen, und später emporgehoben worden zu sein. Wir dürfen annehmen,
dasz die breiten Durchbrüche zwischen den Bergen in beiden Fällen
während ihrer allmählichen Erhebung durch die Wellen ausgewaschen worden
sind; -- für den Hebungsprocesz innerhalb neuerer Zeiten finden sich
äuszerst zahlreiche Belege an dem Küstenlande beider Inseln. Auf beiden
sind ungeheure Ströme neuerer basaltischer Lavamassen von dem Innern der
Insel her um die ältern basaltischen Berge herum und zwischen denselben
durch geflossen; überdies sind auf beiden recente Eruptionskegel rings
um den Umfang der Insel zerstreut vorhanden; aber auf keiner von beiden
haben Eruptionen innerhalb der geschichtlichen Zeit stattgefunden. Wie
im letzten Capitel bemerkt wurde, ist es wahrscheinlich, dasz diese
alten basaltischen Berge, welche (wenigstens in vielen Beziehungen) den
basalen und gestörten Überresten zweier riesiger Vulcane ähnlich sind,
ihre gegenwärtige Form, Structur und Stellung der Wirkung ähnlicher
Ursachen verdanken.

~St. Paul's Felsen.~ -- Diese kleine Insel ist im Atlantischen Ocean,
nahezu einen Grad nördlich vom Äquator und 540 Meilen von Süd-America
entfernt, in 29° 15' w. L. gelegen. Ihr höchster Punkt liegt kaum höher
als 50 Fusz oberhalb des Meeresspiegels; ihr Umrisz ist unregelmäszig
und ihr ganzer Umfang miszt kaum drei Viertel Meilen. Dieser kleine
Felsenpunkt steigt plötzlich aus dem Ocean empor; und ausgenommen an
seiner westlichen Seite wurde selbst in der kurzen Entfernung von einer
Viertel Meile an seinem Ufer kein Grund erlothet. Er ist nicht
vulcanischen Ursprungs; und dieser Umstand, welcher den merkwürdigsten
Punkt in seiner Geschichte ausmacht (wie hernach noch angeführt werden
wird), sollte ihn eigentlich von einer Erwähnung im vorliegenden Bande
ausschlieszen. Er ist aus Gesteinsarten zusammengesetzt, welche keiner
von mir sonst angetroffenen gleichen und welche ich nicht durch irgend
einen Namen characterisiren kann; ich musz sie deshalb beschreiben.

Die einfachste Art, und eine der am allerhäufigsten vorkommende, ist ein
sehr compactes, schweres, grünlich schwarzes Gestein, welches einen
winkligen, unregelmäszigen Bruch hat; einige Spitzen daran sind eben
hart genug um Glas zu ritzen; es ist nicht schmelzbar. Diese Varietät
geht in andere von blassen grünen Färbungen und weniger harte über,
deren Bruch aber mehr krystallinisch und an den Rändern durchscheinend
ist; und diese schmelzen vor dem Löthrohr zu einem grünen Email. Mehrere
andere Varietäten sind hauptsächlich dadurch characterisirt, dasz sie
unzählige Fäden von dunkel grünem Serpentin und kalkige Substanz in
ihren Zwischenräumen enthalten. Diese Gesteine haben eine undeutliche
concretionäre Structur und sind voll von verschiedenartig gefärbten
winkligen Pseudo-Fragmenten. Diese winkligen Pseudo-Fragmente bestehn
aus der zuerst beschriebenen dunkel grünen Gesteinsart, aus einer
braunen weichern Art, aus Serpentin und aus einem gelblichen spröden
Stein, welcher vielleicht mit dem Serpentin verwandt ist. Es finden sich
noch andere blasige, kalkig-eisenhaltige, weiche Steinarten. Es ist
keine deutliche Stratification vorhanden, aber einzelne Stellen sind
unvollkommen blättrig; und das Ganze ist auszerordentlich reich an
unzähligen Adern und ader-artigen Massen, sowohl kleinen als groszen.
Von diesen ader-artigen Massen sind einige kalkige, welche minutiöse
Muschel-Fragmente enthalten, offenbar von späterem Ursprung als die
andern.

~Eine glänzende Incrustation.~ -- Stücke dieser Felsen sind in groszer
Ausdehnung von einer Schicht einer glänzenden polirten Substanz
überzogen, welche einen perlmutterartigen Glanz und eine graulich weisze
Farbe hat; sie folgt allen Ungleichmäszigkeiten der Oberfläche, an
welche sie fest angeheftet ist. Wird sie mit einer Lupe untersucht, so
zeigt es sich, dasz sie aus zahlreichen dünnen Lagen besteht, deren
Dicke zusammengenommen nur ungefähr ein Zehntel Zoll beträgt. Sie ist
beträchtlich härter als Kalkspath, kann aber mit einem Messer geritzt
werden; vor dem Löthrohre blättert sie sich ab, knistert, wird
unbedeutend schwärzlich, gibt einen fauligen Geruch aus und wird stark
alkalisch; mit Säuren braust sie nicht auf[13]. Ich vermuthe, dasz diese
Substanz sich aus Wasser niedergeschlagen hat, welches über
Vogelexcremente, mit denen die Felsen bedeckt sind, geflossen ist. Auf
Ascension habe ich in der Nähe einer Höhlung in den Felsen, welche mit
einer blättrigen Masse infiltrirter Vogelexcremente erfüllt war, einige
unregelmäszig gestaltete, stalactitische Massen von augenscheinlich
derselben Natur gefunden. Wenn diese Massen zerbrochen wurden, so hatten
sie eine erdige Textur; aber an ihrer äuszern Seite, und besonders an
ihren Enden, wurden sie von einer perlmutterartigen Substanz gebildet,
meistens in kleinen Kügelchen, wie der Schmelz der Zähne, aber
durchscheinender, und so hart, dasz sie eben Spiegelglas ritzte. Diese
Substanz wird vor dem Löthrohr leicht schwärzlich, gibt einen üblen
Geruch aus, wird dann ganz weisz, schwillt ein wenig auf und schmilzt
dann zu einem trüb weiszen Email zusammen; sie wird nicht alkalisch,
auch braust sie mit Säuren nicht auf. Die ganze Masse hatte ein
collabirtes Aussehn, als wenn bei der Bildung der harten glänzenden
Kruste das Ganze bedeutend zusammengeschrumpft wäre. Auf den
Abrolhos-Inseln an der Küste von Brasilien, wo sich gleichfalls massige
Vogelexcremente finden, fand ich eine grosze Menge einer braunen,
baumförmig sich verästelnden Substanz an manchen Trappfelsen festhängen.
In ihrer baumförmig verästelten Form ist diese Substanz manchen von den
verzweigten Species von _Nullipora_ eigenthümlich ähnlich. Vor dem
Löthrohre verhält sie sich wie die Stücke von Ascension; sie ist aber
weniger hart und glänzend, und die Oberfläche hat nicht das
zusammengeschrumpfte Aussehn.

[8] ~Spallanzani~, ~Dolomieu~ und ~Hoffmann~ haben ähnliche Fälle von
den italienischen vulcanischen Inseln beschrieben. ~Dolomieu~ sagt, dasz
das Eisen auf den Ponza-Inseln in der Form von Adern wieder abgelagert
wird (Mémoires sur les îles Ponces, p. 89). Diese Autoren nehmen
gleichfalls an, dasz der Dampf Kieselerde niederschlage: es ist jetzt
auf experimentellem Wege ermittelt worden, dasz Dampf in hohen
Temperaturen im Stande ist, Kieselsäure aufzulösen.

[9] ~MacCulloch~ hat indessen ein Trapp-Gestein beschrieben und eine
Abbildung davon gegeben (Transact. Geolog. Soc. 1. Series, Vol. IV. p.
225), dessen Hohlräume horizontal mit Quarz und Chalcedon erfüllt waren.
Die oberen Hälften dieser Hohlräume sind häufig von Lagern, welche jeder
Unregelmäszigkeit der Oberfläche folgen, und von kleinen herabhängenden
Stalactiten derselben kieseligen Substanzen erfüllt.

[10] Capt. ~Carmichael~ in: ~Hooker's~ Botan. Miscell. Vol. II. p. 301.
Capt. ~Lloyd~ hat vor Kurzem in den Proceedings of the Geological
Society (Vol. III. p. 317) sorgfältig einige von diesen Massen
beschrieben. In der »Voyage à l'Isle de France par un Officier du Roy«
werden viele interessante Thatsachen über diesen Gegenstand mitgetheilt.
Vergl. auch »Voyage aux quatre Isles d'Afrique« par M. ~Bory St.
Vincent~.

[11] Voyage aux Terres Australes, Tom. I. p. 54.

[12] ~Lesson~ scheint bei seiner Schilderung dieser Insel, in der Reise
der >Coquille<, ~Bailly~'s Ansichten zu folgen.

[13] In meiner Reise (Übers. p. 9 und 14) habe ich diese Substanz
beschrieben; ich glaubte damals, dasz es ein unreiner phosphorsaurer
Kalk sei.



Drittes Capitel.

Ascension.

     Basaltische Laven. -- Zahlreiche Cratere, welche an der nämlichen
     Seite abgestutzt sind. -- Eigenthümliche Structur vulcanischer
     Bomben. -- Explosionen gasförmiger Massen. -- Ausgeworfene
     granitische Bruchstücke. -- Trachytische Gesteine. --
     Eigenthümliche Adern. -- Jaspis, seine Bildungsweise. --
     Concretionen in bimssteinartigem Tuff. -- Kalkige Ablagerungen und
     frondescirende Incrustationen an der Küste. -- Merkwürdige
     blättrige Schichten, welche mit Obsidian abwechseln und in solchen
     übergehen. -- Ursprung des Obsidians. -- Blättrig-werden
     vulcanischer Gesteine.


Diese Insel ist im atlantischen Ocean in 8° s. Br. und 14° westl. Länge
gelegen. Sie hat die Form eines unregelmäszigen Dreiecks (s. die
beiliegende Karte), von welchem jede Seite ungefähr 6 Meilen lang ist.
Ihr höchster Punkt liegt 2870 Fusz[14] über dem Meeresspiegel. Das Ganze
ist vulcanisch und, wie ich nach dem Fehlen von Beweisen für das
Gegentheil glaube, nicht submarinen Ursprungs. Das Grundgestein ist
überall von einer blaszen Färbung, meistens compact und von
feldspathiger Beschaffenheit. In dem südöstlichen Theile der Insel, wo
das höchste Land gelegen ist, kommen gut characterisirter Trachyt und
andere Gesteine gleichen Ursprungs aus dieser formenreichen Familie vor.
Beinahe der ganze Umfang der Insel wird von schwarzen und zerklüfteten
Strömen basaltischer Lava bedeckt, während hier und da ein Berg oder
eine einzige Felsspitze (von denen die eine in der Nähe der Meeresküste
nördlich vom Fort nur 2 oder 3 Yards im queren Durchmesser miszt) von
Trachyt noch exponirt bleibt.

~Basaltische Gesteine.~ -- Die aufliegende basaltische Lava ist an
einigen Stellen äuszerst blasig, an andern nur wenig; sie ist von
schwarzer Färbung, enthält aber zuweilen Krystalle glasigen Feldspaths
und nur selten viel Olivin. Diese Ströme scheinen hier eigenthümlich
geringe Flüssigkeit gehabt zu haben; ihre seitlichen Wände und ihre
unteren Enden sind sehr steil und haben eine Höhe selbst bis zwischen 20
und 30 Fusz. Ihre Oberfläche ist auszerordentlich zerklüftet und
erscheint aus einer geringen Entfernung wie mit kleinen Crateren dicht
besetzt. Diese Vorsprünge bestehn aus breiten, unregelmäszig
kegelförmigen kleinen Hügeln, welche von Spalten durchsetzt und aus dem
nämlich ungleich schlackigen Basalt wie die umgebenden Ströme
zusammengesetzt sind, aber eine undeutliche Neigung zu einer
säulenförmigen Anordnung zeigen; sie erheben sich bis zu einer Höhe von
zwischen 10 und 30 Fusz über die allgemeine Oberfläche und sind, wie ich
vermuthe, durch das Anhäufen der klebrigen Lava an Punkten von gröszerer
Widerstandskraft gebildet worden. Am Fusze mehrerer dieser Hügel und
gelegentlich auch an ebeneren Stellen springen solide, aus eckig
abgerundeten Massen von Basalt gebildete Rippen, welche in ihrer Grösze
und ihrem Umrisse gebogenen Schleusenröhren oder Rinnsteinen aus Ziegeln
ähnlich, aber nicht hohl sind, zwischen 2 und 3 Fusz über die Oberfläche
der Ströme vor; welches ihr Ursprung gewesen sein mag, weisz ich nicht.
Viele der oberflächlichen Bruchstücke von diesen basaltischen Strömen
bieten eigenthümlich gewundene Formen dar; und manche Exemplare konnten
von Klötzen dunkel gefärbten Holzes ohne Rinde kaum unterschieden
werden.

Viele der basaltischen Ströme können entweder bis zu Eruptionspunkten am
Fusze der groszen centralen Masse von Trachyt oder bis zu einzeln
stehenden, conischen, roth gefärbten Hügeln verfolgt werden, welche über
die nördlichen und westlichen Ränder der Insel zerstreut liegen. Auf der
centralen Erhöhung stehend zählte ich zwischen 20 und 30 solcher
Eruptionskegel. Die gröszere Zahl derselben hatte Gipfel, welche schräg
abgeschnitten und abgestutzt waren, und sie fielen sämmtlich nach
Süd-Osten hin ab, von welcher Seite her der Passatwind weht[15]. Dieser
Bau ist ohne Zweifel dadurch verursacht worden, dasz die ausgeworfenen
Bruchstücke und Aschenmassen stets während der Eruptionen in gröszerer
Menge nach der einen als nach der andern Seite hin geweht worden sind.
MOREAU DE JONNÈS hat eine ähnliche Beobachtung in Bezug auf die
vulcanischen Öffnungen auf den westindischen Inseln gemacht.

[Illustration: Fig. 3. Fragment einer kugligen vulcanischen Bombe, die
innern Theile grob zellig, von einer concentrischen Schicht compacter
Lava, diese wieder von einer Rinde fein zelligen Gesteins umhüllt.]

~Vulcanische Bomben.~ -- Es kommen dieselben in groszer Anzahl über den
Boden zerstreut vor, und manche von ihnen liegen in beträchtlichen
Entfernungen von irgend einem Eruptionspunkte. Sie schwanken in ihrer
Grösze von der eines Apfels bis zu der eines menschlichen Körpers; sie
sind entweder kuglig oder birnenförmig, oder am hintern Ende (welches
dem Schwanze eines Cometen entspricht) unregelmäszig, mit vorspringenden
Spitzen besetzt und selbst concav. Ihre Oberfläche ist rauh und durch
sich verzweigende Sprünge gespalten; ihre innere Structur ist entweder
unregelmäszig schlackenartig und compact oder sie bietet ein
symmetrisches und sehr merkwürdiges Aussehn dar. Ein unregelmäsziges
Segment einer Bombe von dieser letzten Art, von denen ich mehrere fand,
ist in dem beistehenden Holzschnitte sorgfältig dargestellt worden. Ihre
Grösze war ungefähr die eines Manneskopfes. Das ganze Innere ist grob
zellig; die Zellen messen im Mittel ungefähr ein Zehntel Zoll, näher
nach der äuszern Seite nehmen sie aber allmählich an Grösze ab. Diesem
Theile folgt nach auszen hin eine wohl umschriebene Schale compacter
Lava, welche eine nahezu gleichförmige Dicke von ungefähr einem Drittel
Zoll besitzt; auf dieser Schale liegt dann ein etwas dickerer Überzug
von fein zelliger Lava (die Zellen schwanken in ihrer Grösze von einem
Fünfzigstel bis zu einem Hundertstel Zoll), welche die äuszere
Oberfläche bildet: die Trennungslinie zwischen der Schale von compacter
Lava und der äuszern schlackigen Rinde ist scharf ausgeprägt. Diese
Structur erklärt sich sehr einfach, wenn wir annehmen, dasz eine
klebrige, zähe, schlackige Masse mit einer rapiden drehenden Bewegung
durch die Luft geschleudert wird; denn während die äuszere Rinde in
Folge der Abkühlung fest wurde (bis zu dem Zustande, in dem wir sie
jetzt sehen), gestattete die Centrifugalkraft durch Verminderung des
Drucks in den inneren Theilen der Bombe den erhitzten Dämpfen sich
auszudehnen; dieselben wurden aber durch dieselbe Kraft gegen die
bereits erhärtete Rinde angetrieben und wurden daher immer kleiner und
kleiner oder weniger ausgedehnt, bis sie in eine compacte solide Schale
eingepackt wurden. Da wir wissen, dasz Splitter von einem
Schleifstein[16] fortgeschleudert werden können, wenn er mit
hinreichender Geschwindigkeit in Umdrehung gesetzt wird, so können wir
nicht daran zweifeln, dasz die Centrifugalkraft das Vermögen hat, die
Structur einer erweichten Bombe in der eben erwähnten Art und Weise zu
modificiren. Geologen haben die Bemerkung gemacht, dasz die äuszere Form
einer Bombe sogleich die Geschichte ihres Laufs durch die Luft verräth,
und wir sehn nun, dasz der innere Bau mit beinahe gleicher Deutlichkeit
für ihre drehende Bewegung spricht.

[Illustration: Fig. 4. Vulcanische Bombe von Obsidian aus Australien.
Die obere Figur gibt eine Flächenansicht, die untere eine Seitenansicht
desselben Gegenstandes.]

BORY ST. VINCENT[17] hat einige Lavakugeln von der Insel Bourbon
beschrieben, welche eine äuszerst ähnliche Structur zeigen: seine
Erklärung indessen (wenn ich sie richtig verstehe) ist von der, welche
ich gegeben habe, sehr verschieden; denn er vermuthet, dasz sie wie
Schneebälle an den Seiten eines Craters hinabgerollt sind. BEUDANT[18]
hat gleichfalls einige eigenthümliche kleine Kugeln von Obsidian
beschrieben, nie gröszer als 6 oder 8 Zoll im Durchmesser, welche er auf
der Oberfläche des Bodens umhergestreut fand; ihre Form ist immer oval;
zuweilen sind sie in der Mitte stark angeschwollen und selbst
spindelförmig; ihre Oberfläche ist regelmäszig mit concentrischen
Leisten und Furchen gezeichnet, welche sämmtlich an einer und der
nämlichen Kugel rechtwinklig auf einer Axe stehn: ihr Inneres ist
compact und glasig. BEUDANT vermuthet, dasz Lavamassen, so lange sie
weich waren, mit einer um dieselbe Axe rotirenden Bewegung in die Luft
geschossen wurden und dasz ihre Form und die oberflächlichen Leisten der
Bomben in dieser Weise hervorgebracht wurden. Sir THOMAS MITCHELL hat
mir etwas gegeben, was auf den ersten Blick wie die Hälfte einer stark
abgeplatteten ovalen Kugel von Obsidian aussieht; es hat ein
eigenthümlich künstliches Ansehn, welches in dem beistehenden
Holzschnitt (von natürlicher Grösze) gut dargestellt ist. Es wurde in
seinem gegenwärtigen Zustande auf einer groszen sandigen Ebene zwischen
den Flüssen Darling und Murray in Australien und in einer Entfernung von
mehreren hundert Meilen von irgend einer bekannten vulcanischen Gegend
gefunden. Es scheint in irgend eine röthliche tuffartige Masse
eingebettet gewesen zu sein, und könnte wohl entweder durch die
Eingebornen verschleppt oder durch natürliche Mittel weiter transportirt
worden sein. Die äuszere untertassenförmige Schale besteht aus compactem
Obsidian von einer flaschengrünen Farbe und wird von fein zelliger
schwarzer Lava erfüllt, welche viel weniger durchscheinend und glasig
ist als der Obsidian. Die äuszere Oberfläche ist mit vier oder fünf
nicht ganz vollkommenen Leisten gezeichnet, welche im Holzschnitt eher
etwas zu bestimmt dargestellt worden sind. Wir haben daher hier die von
BEUDANT beschriebene äuszere Structur und den innern zelligen Zustand
der Bomben von Ascension vor uns. Der Rand der untertassenförmigen
Schale ist leicht concav, genau so wie der Rand eines Suppentellers, und
seine innere Kante springt ein wenig über die central gelegene zellige
Lava vor. Diese Structur ist rings um den ganzen Umfang so symmetrisch,
dasz man zu der Vermuthung genöthigt wird, dasz die Bombe während ihres
rotirenden Laufes, ehe sie vollständig fest geworden war, geplatzt ist
und dasz hierdurch der Rand und seine Kanten leicht modificirt und nach
innen gewendet wurden. Es mag noch erwähnt werden, dasz die
oberflächlichen Leisten in Ebenen liegen, welche rechtwinklig auf eine,
zu der längeren Axe des abgeplatteten Ovals quer liegende Axe stehn; um
diesen Umstand zu erklären, können wir annehmen, dasz, als die Bombe
platzte, die Rotationsaxe verändert wurde.

~Explosionen gasförmiger Massen.~ -- Die Seitenabhänge des Grünen Berges
(Green Mountain) und das umgebende Land sind mit einer groszen Masse
loser Bruchstücke von einigen hundert Fusz an Mächtigkeit bedeckt. Die
untern Schichten bestehn meistens aus feinkörnigen, in unbedeutendem
Grade consolidirten Tuffen[19] und die obern Schichten aus groszen losen
Fragmenten, welche mit Schichten feinerer abwechseln[20]. Eine weisze
bandartige Schicht einer zerfallenen bimssteinartigen Breccie war in
merkwürdiger Art in tiefen ununterbrochenen Bogen unterhalb eines jeden
der gröszeren Fragmente in der darüber liegenden Schicht eingebogen.
Nach der relativen Lage dieser Schichten vermuthe ich, dasz ein Crater
mit enger Mündung, welcher nahezu an der Stelle des Grünen Berges stand,
wie eine ungeheure Windbüchse vor seiner endlichen Erlöschung diese
colossale Anhäufung loser Massen ausgeschossen hat. Später nach diesem
Ereignisse haben beträchtliche Lagenveränderungen stattgefunden und ein
ovaler Circus hat sich durch Senkung gebildet. Dieser gesunkene Raum
liegt am nordöstlichen Fusze des Grünen Bergs und ist auf der
beiliegenden Karte ganz gut dargestellt. Seine längere Axe, welche mit
einer von Nordost nach Südwest ziehenden Spaltungslinie in Zusammenhang
steht, beträgt in der Länge drei Fünftel einer nautischen Meile; seine
Seiten sind nahezu senkrecht, mit Ausnahme einer Stelle, und ungefähr
400 Fusz hoch; sie bestehn im untern Theile aus einem blassen Basalt mit
Feldspath und im obern Theile aus dem Tuff und ausgeworfenen losen
Bruchstücken; der Boden ist glatt und eben, und in beinahe jedwedem
andern Clima würde sich hier ein tiefer See gebildet haben. Nach der
Mächtigkeit der Schicht loser Fragmente zu urtheilen, von welcher das
umgebende Land bedeckt ist, musz die Masse gasförmiger Substanzen,
welche zu ihrem Auswerfen nothwendig war, ganz enorm gewesen sein; wir
dürfen es daher für wahrscheinlich halten, dasz nach den Explosionen
ungeheure unterirdische Höhlen blieben und dasz das Einsinken des Dachs
von einer derselben die eben beschriebene Vertiefung erzeugte. Auf dem
Galapagos-Archipel kommen grubenartige Löcher von ähnlichem Character,
aber von viel geringerer Grösze häufig am Fusze kleiner Eruptionskegel
vor.

~Ausgeworfene Bruchstücke von Granit.~ -- In der näheren Umgebung des
Grünen Bergs werden nicht selten Fragmente fremder Gesteinsarten mitten
in die Schlackenmassen eingebettet gefunden. Lieut. EVANS, welchem ich
für mancherlei Information verbunden bin, gab mir mehrere Stücke und ich
selbst habe andere gefunden. Sie besitzen nahezu sämmtlich eine
granitische Structur, sind brüchig, dem Gefühle nach rauh, und offenbar
von veränderter Färbung. ~Erstens~: ein weiszer Syenit, mit Roth
gestreift und gefleckt; er besteht aus gut krystallisirtem Feldspath,
zahlreichen Quarzkörnern und glänzenden, wennschon kleinen Krystallen
von Hornblende. Der Feldspath und die Hornblende sind in diesem und in
den folgenden Fällen durch das Reflexions-Goniometer, der Quarz durch
seine Erscheinung vor dem Löthrohr bestimmt worden. Der Feldspath in
diesen ausgeworfenen Fragmenten ist wie die glasige Art im Trachyt nach
seiner Spaltung ein Kali-Feldspath. ~Zweitens~: eine ziegelrothe Masse
von Feldspath, Quarz und kleinen dunklen Flecken eines zersetzten
Minerals; ein sehr kleines Stückchen desselben war ich seiner Spaltung
nach als Hornblende zu bestimmen im Stande. ~Drittens~: eine Masse
verworren krystallisirten weiszen Feldspaths mit kleinen Nestern eines
dunkel gefärbten Minerals, häufig angefressen, äuszerlich abgerundet,
mit einem glänzenden Bruche, aber ohne deutliche Spaltbarkeit; nach
einem Vergleiche mit dem zweiten Handstück zweifle ich nicht daran, dasz
es geschmolzene Hornblende ist. ~Viertens~: eine Gesteinsart, welche auf
den ersten Blick wie eine einfache Aggregation deutlicher und groszer
Krystalle von trüb gefärbtem Labrador-Feldspath erscheint[21]; aber in
den Zwischenräumen zwischen denselben findet sich etwas weiszer
körniger Feldspath, äuszerst zahlreiche Glimmerblättchen, ein wenig
veränderte Hornblende und, wie ich glaube, kein Quarz. Ich habe diese
Fragmente im Detail beschrieben, weil es selten ist[22], granitische
Gesteinsarten aus Vulcanen ausgeworfen zu finden, deren ~mineralische
Bestandtheile unverändert~ sind, wie es bei dem ersten Stücke und zum
Theile auch bei dem zweiten der Fall ist. Ein anderes groszes, an einer
andern Stelle gefundenes Fragment verdient eine Erwähnung; es ist ein
Conglomerat, welches kleine Bruchstücke von granitischen, zelligen und
jaspisartigen Gesteinsarten und von Hornstein-Porphyren in eine
Grundmasse von Wacke eingebettet enthält, die von zahlreichen dünnen
Schichten eines concretionären, in Obsidian übergehenden Pechsteins
durchzogen ist. Diese Schichten sind parallel, unbedeutend gewunden und
kurz; sie dünnen sich an den Enden aus und sind der Form nach den
Quarzschichten im Gneisz ähnlich. Es ist wahrscheinlich, dasz diese
kleinen eingeschlossenen Fragmente nicht einzeln ausgeworfen, sondern in
einem flüssigen vulcanischen, mit Obsidian verwandten Gestein
eingewickelt waren; und wir werden sofort sehn, dasz mehrere Varietäten
dieser letzteren Gesteinsreihe eine lamellöse Structur annehmen.

~Trachytische Gesteinsreihe.~ -- Dieselben nehmen die erhobeneren und
centralen und gleicherweise auch die südöstlichen Theile der Insel ein.
Der Trachyt ist meistens von einer blaszbraunen Färbung, mit kleinen
dunkleren Stellen gefleckt; er enthält zerbrochene und verbogene
Krystalle von glasigem Feldspath, Körner spiegelnden Eisens und schwarze
mikroskopische Punkte, welche letztere, da sie leicht schmelzen und dann
magnetisch werden, wie ich vermuthe, Hornblende sind. Die gröszere Zahl
der Berge besteht indessen aus einem weiszen, zerreiblichen Steine,
welcher wie ein trachytischer Tuff erscheint. Obsidian, Hornstein und
mehrere Arten von blättrigen, feldspathigen Gesteinsarten sind mit dem
Trachyt verbunden. Es findet sich keine deutliche Stratification; auch
konnte ich an keinem der Hügel dieser Reihe eine craterförmige Bildung
entdecken. Beträchtliche Dislocationen haben stattgefunden; viele
Spalten in diesen Gesteinen sind noch offen oder nur zum Theil mit losen
Fragmenten erfüllt. Innerhalb des hauptsächlich aus Trachyt gebildeten
Raumes[23] sind einige basaltische Ströme hervorgebrochen; und nicht
weit vom Gipfel des Grünen Berges findet sich ein Strom vollständig
schwarzer blasiger Lava, welche äuszerst kleine Krystalle glasigen
Feldspaths von abgerundetem Aussehn enthält.

Das oben erwähnte weiche weisze Gestein ist dadurch merkwürdig, dasz es,
wenn es in Masse zur Betrachtung kömmt, in eigenthümlicher Weise einem
sedimentären Tuff ähnlich ist: es dauerte lange, bis ich mich davon
überzeugen konnte, dasz sein Ursprung ein anderer gewesen sei; andere
Geologen sind durch äuszerst ähnliche Bildungen in andern trachytischen
Gebieten gleichfalls verwirrt worden. An zwei Stellen bildete dieses
weisze erdige Gestein isolirt stehende Hügel, an einer dritten war es
mit säulenförmigem und blättrigem Trachyt vergesellschaftet; ich bin
aber nicht im Stande gewesen, eine wirkliche Verbindung zu verfolgen. Es
enthält zahlreiche Krystalle glasigen Feldspaths und schwarze
mikroskopische Flecken und ist mit kleinen dunkleren Stellen gezeichnet,
genau so wie in dem umgebenden Trachyt vorkommen. Seine Grundsubstanz
ist indessen unter dem Mikroskop betrachtet meistens völlig erdig;
zuweilen aber bietet sie eine entschieden krystallinische Structur dar.
Auf dem als »Crater eines alten Vulcans« bezeichneten Berge geht das
Gestein in eine blasz grünlich-graue Varietät über, welche nur darin von
ihm verschieden ist, dasz sie eine andere Färbung besitzt und nicht so
erdig ist; der Übergang war in einem Falle unmerkbar, in einem andern
Falle machte er sich so, dasz zahlreiche abgerundete und eckige Massen
der grünlichen Varietät in die weisze Varietät eingebettet waren; -- in
diesem letztern Falle war die äuszere Erscheinung der einer sedimentären
Ablagerung sehr ähnlich, welche während der Ablagerung einer folgenden
Schicht zerbrochen und abgenagt wurde. Diese beiden Varietäten werden
von unzähligen gewundenen (sofort näher zu beschreibenden) Adern quer
durchsetzt, welche eingespritzten Trappgängen und in der That allen
andern Adern, welche ich jemals gesehen habe, gänzlich unähnlich sind.
Beide Varietäten schlieszen einige wenige zerstreute, gröszere und
kleinere Fragmente dunkelfarbiger schlackenartiger Gesteinsarten ein;
bei einigen derselben sind die Zellen zum Theil mit der weiszen erdigen
Gesteinsart erfüllt; sie schlieszen gleichfalls einige ungeheure Blöcke
eines zelligen Porphyrs ein[24]. Diese Gesteinsbruchstücke springen von
der verwitterten Oberfläche vor und sind vollständig den in einem echten
sedimentären Tuff eingebetteten Fragmenten ähnlich. Da es aber bekannt
ist, dasz fremdartige Fragmente zelligen Gesteins zuweilen in
säulenförmigen Trachyt, in Phonolith[25] und in andere compacte Laven
eingeschlossen sind, so bietet dieser Umstand keinen wirklichen
Beweisgrund für den sedimentären Ursprung des weiszen erdigen Gesteins
dar[26]. Der unmerkliche Übergang der grünlichen Varietät in die weisze
und ebenso der plötzlichere sich darin zeigende Übergang, dasz Fragmente
der ersteren in der letzteren eingeschlossen sind, dürften das Resultat
unbedeutender Verschiedenheiten in der Zusammensetzung einer und der
nämlichen Masse geschmolzenen Gesteins und der abschleifenden Wirkung
eines derartigen noch immer flüssigen Theils auf einen andern bereits
festgewordenen Theil sein. Die merkwürdig geformten Adern haben sich,
wie ich glaube, dadurch gebildet, dasz sich kieselige Substanz später
abgelöst hat. Der hauptsächlichste Grund aber für meine Annahme, dasz
diese weiszen erdigen Gesteine mit ihren fremdartigen Einschlüssen nicht
sedimentären Ursprungs sind, ist die äuszerste Unwahrscheinlichkeit,
dasz Krystalle von Feldspath, schwarze mikroskopische Stellen und kleine
Flecken von einer dunkleren Färbung in der nämlichen verhältnismäszigen
Anzahl in einem wässrigen Niederschlag und in Massen soliden Trachyts
vorkommen. Überdies erschlieszt, wie ich bemerkt habe, das Mikroskop
gelegentlich eine krystallinische Structur in der scheinbar erdigen
Grundsubstanz. Andererseits ist die theilweise Zersetzung solcher
groszen Massen von Trachyt, welche ganze Berge bilden, zweifellos ein
Umstand, der nicht leicht zu erklären ist.

~Adern in den erdigen trachytischen Massen.~ -- Diese Adern sind
auszerordentlich zahlreich und durchsetzen in der allercomplicirtesten
Art und Weise die beiden gefärbten Varietäten des erdigen Trachyts: sie
sind am besten an den Seitenabhängen des »Craters eines alten Vulcans«
zu sehen. Sie enthalten Krystalle von glasigem Feldspath, schwarze
mikroskopische Flecke und kleine dunkle Stellen, genau so wie in dem
umgebenden Gestein; die Grundsubstanz ist aber sehr verschieden, sie ist
auszerordentlich hart, compact, etwas brüchig und von einer eher weniger
leichten Schmelzbarkeit. Die Adern schwanken beträchtlich in ihrer Dicke
und zwar plötzlich von einem Zehntel Zoll zu einem Zoll; sie dünnen sich
häufig aus, und zwar nicht blosz an ihren Rändern, sondern auch in ihren
mittleren Theilen, wo dann runde unregelmäszige Öffnungen übrig bleiben;
ihre Oberfläche ist rauh. Sie sind unter allen nur möglichen Winkeln
gegen den Horizont geneigt oder auch horizontal; sie sind meistens
krummlinig und verzweigen sich häufig unter einander. Ihrer Härte wegen
widerstehn sie dem Verwittern, und erstrecken sich, 2 oder 3 Fusz
oberhalb des Bodens vorspringend, gelegentlich einige Yards an Länge
hin: werden diese plattenartigen Adern angeschlagen, so geben sie einen
Ton fast wie den einer Trommel und man kann deutlich sehn, dasz sie
schwingen; ihre über den Boden hin zerstreuten Bruchstücke klappern wie
Eisenstücke, wenn sie gegen einander gestoszen werden. Sie nehmen
zuweilen die eigenthümlichsten Formen an; ich sah ein Fuszgestell von
erdigem Trachyt, welches von einem halbkugligen Abschnitt einer Ader wie
von einem groszen Regenschirm bedeckt wurde, grosz genug, um zwei
Personen Schutz zu gewähren. Ich habe sonst nirgendwo derartige Adern
oder Beschreibungen solcher gesehn; ihrer Form nach sind sie aber den
eisenhaltigen Bändern ähnlich, welche, in Folge irgend eines
Absonderungsprocesses, nicht ungewöhnlich in Sandsteinen vorkommen, --
beispielsweise im Neuen Rothen Sandstein (Buntsandstein) in England.
Zahlreiche Adern von Jaspis und von Kieselsinter, welche auf dem Gipfel
des nämlichen Berges vorkommen, zeigen, dasz irgend eine äuszerst reiche
Quelle von Kiesel vorhanden gewesen ist, und da diese plattenförmigen
Adern vom Trachyt nur in ihrer gröszern Härte, Brüchigkeit und weniger
leichten Schmelzbarkeit verschieden sind, so erscheint es
wahrscheinlich, dasz ihr Ursprung der Absonderung oder Infiltration von
kieseliger Substanz zuzuschreiben ist, in derselben Art und Weise, wie
es in vielen sedimentären Gesteinen mit den Eisenoxyden der Fall ist.

~Kieseliger Sinter und Jaspis.~ -- Der kieselige Sinter ist entweder
völlig weisz, von geringem specifischem Gewicht und von einem etwas
perligen Bruche, in rosa perligen Quarz übergehend, oder er ist gelblich
weisz mit hartem Bruche und enthält dann in kleinen Höhlungen ein
erdiges Pulver. Beide Varietäten kommen entweder in groszen
unregelmäszigen Massen in dem veränderten Trachyt vor, oder in Bändern,
welche in breiten, senkrechten, gewundenen, unregelmäszigen Adern eines
compacten, derben Gesteins von einer trüb röthlichen Färbung, das wie
Sandstein aussieht, eingeschlossen sind. Dies Gestein ist indessen nur
veränderter Trachyt; und eine sehr ähnliche Varietät, nur häufig
wabenartig durchbrochen, hängt zuweilen den im vorigen Paragraphen
beschriebenen vorspringenden, plattenförmigen Adern an. Der Jaspis ist
von einer ockergelben oder rothen Farbe; er kommt in groszen
unregelmäszigen Massen und zuweilen in Adern vor, und zwar sowohl in dem
veränderten Trachyt als auch in einer zusammengehäuften Masse von
schlackigem Basalt. Die Zellen des schlackigen Basalts sind mit feinen,
concentrischen Schichten von Chalcedon ausgekleidet oder erfüllt, welche
von hellrothem Eisenoxyd bedeckt oder gefleckt sind. In diesem Gesteine,
besonders in den im Ganzen compacteren Theilen sind unregelmäszige
eckige Flecken des rothen Jaspis eingeschlossen, deren Ränder unmerklich
in die umgebende Masse übergeht; es kommen noch andere derartige
Flecken vor, welche einen zwischen dem des vollkommenen Jaspis und dem
des eisenhaltigen zerfallenen basaltischen Grundgesteins mitten
innestehenden Character haben. In diesen Flecken und gleicherweise auch
in den groszen aderartigen Massen von Jaspis kommen kleine abgerundete
Höhlungen vor von genau derselben Grösze und Form wie die Lufträume,
welche in dem schlackigen Basalt mit Schichten von Chalcedon erfüllt und
ausgekleidet sind. Kleine Fragmente des Jaspis unter dem Mikroskop
untersucht scheinen einem Chalcedon ähnlich zu sein, dessen färbende
Substanz nicht in Schichten getrennt, sondern in die kieselige Paste,
zusammen mit einigen Unreinigkeiten, eingemischt ist. Ich kann diese
Thatsache, -- nämlich den Übergang des Jaspis in den halb zersetzten
Basalt, -- sein Vorkommen in winkligen Flecken, welche deutlich
nachweisbar keine früher existirende Höhlungen in dem Gestein einnehmen,
-- und den Umstand, dasz er kleine mit Chalcedon erfüllte Blasen enthält
wie diejenigen in der schlackigen Lava, -- nur unter der Annahme
verstehn, dasz eine Flüssigkeit, wahrscheinlich dieselbe Flüssigkeit,
welche den Chalcedon in den Lufträumen absetzt, in denjenigen Theilen,
wo keine Höhlungen vorhanden waren, die Bestandtheile des basaltischen
Gesteins entfernte, an deren Stelle Kieselsäure und Eisen zurückliesz
und in dieser Weise den Jaspis erzeugte. An einigen Exemplaren von
verkieseltem Holze habe ich beobachtet, dasz in derselben Art und Weise
wie in dem Basalt die festen Theile in eine dunkel gefärbte homogene
Gesteinsmasse umgewandelt waren, während die von den gröszeren
Saftgefässen gebildeten Räume (welche mit den Lufträumen in der
basaltischen Lava verglichen werden können) und andere unregelmäszige
Höhlungen, die augenscheinlich durch den Zerfall entstanden waren, mit
concentrischen Schichten von Chalcedon erfüllt waren; in diesem Falle
läszt sich kaum daran zweifeln, dasz eine und die nämliche Flüssigkeit
die homogene Grundsubstanz und die Schichten von Chalcedon abgesetzt
hat. Nach diesen Betrachtungen kann ich nicht daran zweifeln, dasz der
Jaspis von Ascension als ein verkieseltes vulcanisches Gestein angesehen
werden kann, in demselben Sinne wie dieser Ausdruck auf verkieseltes
Holz angewendet wird; wir sind hier gleicherweise darüber in
Unwissenheit, durch welche Mittel ein jedes Atom von Holz, während es in
einem vollkommenen normalen Zustande war, entfernt und durch Kiesel
ersetzt wurde, wie darüber, durch welche Mittel in dieser Weise auf die
constituirenden Bestandtheile eines vulcanischen Gesteins eingewirkt
werden konnte[27]. Ich war dadurch zu einer sorgfältigen Untersuchung
dieser Gesteine und zu der hier mitgetheilten Schluszfolgerung geführt
worden, dasz ich Professor HENSLOW eine ähnliche Ansicht in Bezug auf
den Ursprung vieler Chalcedone und Achate in Trappgesteinen habe
aussprechen hören. Kieselige Ablagerungen scheinen in theilweise
zersetzten trachytischen Tuffen von sehr weitem, wenn nicht von ganz
allgemeinem Vorkommen zu sein[28]; und da diese Berge, nach der oben
mitgetheilten Ansicht, aus in situ erweichtem und verändertem Trachyt
bestehn, so dürfte das Vorkommen freier Kieselsäure in diesem Falle der
bekannten Liste als ein weiteres Beispiel noch hinzugefügt werden
können.

~Concretionen in bimssteinartigem Tuff.~ -- Der auf der Karte mit der
Bezeichnung »Crater eines alten Vulcans« versehene Berg hat keine
Berechtigung zu dieser Benennung, die ich hätte finden können,
ausgenommen in dem Umstand, dasz er von einem kreisförmigen, sehr
seichten, untertassenförmigen Gipfel von nahezu einer halben Meile
gekrönt wird. Diese Aushöhlung ist durch viele aufeinanderfolgende
Schichten von Asche und Schlacken verschiedener Färbungen beinahe
ausgefüllt, welche in geringem Grade consolidirt sind. Jede der
übereinanderliegenden, gleichfalls untertassenförmigen Schichten steht
im ganzen Umkreise des Randes an; sie bilden eben so viele Ringe von
verschiedener Farbe und geben dem Berg ein phantastisches Ansehn. Der
äuszerste Ring ist breit und von weiszer Farbe; er ist daher einer Bahn
ähnlich, auf welcher rund herum Pferde eingeritten worden sind; er hat
daher den Namen »des Teufels Reitbahn« erhalten, unter welchem er am
allgemeinsten bekannt ist. Diese aufeinander folgenden Schichten von
Asche müssen auf die ganze Gegend in der Umgebung des Berges gefallen
sein; sie sind aber überall wieder weggeweht worden, ausgenommen in
dieser Vertiefung, in welcher sich wahrscheinlich entweder während eines
Jahres wo auszerordentlicher Weise Regen fiel oder während der,
vulcanische Ausbrüche häufig begleitenden Stürme Feuchtigkeit
angesammelt hatte. Eine dieser Schichten von einer rosa Färbung und
hauptsächlich aus kleinen zerfallenen Bimssteinfragmenten bestehend ist
deshalb merkwürdig, dasz sie zahlreiche Concretionen enthält. Dieselben
sind meist sphärisch, von einem halben Zoll bis zu drei Zoll im
Durchmesser; sie sind aber gelegentlich cylindrisch, wie die
Eisenkies-Concretionen in der europäischen Kreide. Sie bestehn aus einem
sehr zähen, compacten, blasz braunen Gesteine mit einem glatten und
ebenen Bruche. Sie sind durch dünne weisze Unterschiede in concentrische
Schichten getheilt, welche der allgemeinen Oberfläche gleichen; sechs
oder acht solcher Schichten näher an der Auszenseite sind deutlich und
bestimmt; diejenigen aber nach dem Innern zu werden undeutlich und
verschmelzen zu einer homogenen Masse. Ich vermuthe, dasz diese
concentrischen Schichten durch das Zusammenschrumpfen der Concretion
beim Compactwerden derselben sich bildeten. Der innere Theil ist
meistens durch äuszerst kleine Spalten oder Durchzüge durchbrochen,
welche sowohl von schwarzen metallischen, als von weiszen und
krystallinischen Flecken überzogen sind, deren Beschaffenheit ich nicht
im Stande war zu ermitteln. Einige der gröszeren Concretionen bestehn
einfach aus einer kugligen Schale, welche mit leicht zusammengeballter
Asche gefüllt ist. Die Concretionen enthalten eine geringe Menge von
kohlensaurem Kalk; ein Stückchen vor das Löthrohr gebracht, decrepitirt,
wird dann weisz und schmilzt zu einem blasigen Schmelz zusammen, wird
aber nicht caustisch. Die umgebende Asche enthält keinen kohlensauren
Kalk; die Concretionen haben sich daher wahrscheinlich, wie es so häufig
der Fall ist, durch Zusammenhäufen dieser Substanz gebildet. Mir ist
nirgends eine Beschreibung ähnlicher Concretionen vorgekommen; und zieht
man ihre grosze Festigkeit und Compactheit in Betracht, so ist ihr
Vorkommen in einer Schicht, welche wahrscheinlich nur der Einwirkung der
atmosphärischen Feuchtigkeit ausgesetzt gewesen ist, merkwürdig.

~Bildung kalkiger Gesteine an der Meeresküste.~ -- An verschiedenen
Stellen des Meeresstrandes finden sich ungeheure Anhäufungen von
kleinen, gut abgerundeten Stückchen von Muscheln und Corallen, von
weiszer, gelblicher und rosa Färbung, dazwischen einige wenige
vulcanische Bruchstücke eingestreut. In der Tiefe von einigen wenigen
Fuszen findet man dieselben zu einem Gesteine verkittet, deren weichere
Varietäten zum Bauen benutzt werden; es gibt noch andere Varietäten,
sowohl grob- als fein-körnig, welche für diesen Zweck zu hart sind: ich
habe eine Masse solchen Gesteins gesehn, welche, in ebene Schichten von
einem halben Zoll an Mächtigkeit getheilt, so compact waren, dasz sie
beim Anschlagen mit einem Hammer wie Feuerstein klangen. Die Einwohner
sind der Ansicht, dasz die einzelnen Stückchen im Laufe eines Jahres mit
einander verbunden werden. Die Verbindung wird durch kalkige Masse
bewirkt; und in den compactesten Varietäten kann man deutlich sehn, dasz
jedes einzelne abgerundete Stückchen von Muscheln und vulcanischem
Gestein in eine Schale von durchsichtigem kohlensaurem Kalk eingehüllt
ist. Äuszerst wenig vollkommene Muscheln sind in diesen
zusammengekitteten Massen eingeschlossen: ich habe selbst ein gröszeres
Fragment unter dem Mikroskop untersucht, ohne im Stande gewesen zu sein,
auch nur die geringste Spur von Streifen oder andern Andeutungen der
äuszeren Gestalt zu entdecken; dies weist darauf hin, wie lange ein
jedes Stückchen umher gerollt worden sein musz, ehe es an die Reihe kam,
eingeschlossen und verkittet zu werden[29]. Wurde eine der compactesten
Varietäten in Säure gelegt, so wurde sie gänzlich aufgelöst, mit
Ausnahme von etwas flockiger thierischer Substanz; ihr specifisches
Gewicht war 2,63. Das specifische Gewicht des gewöhnlichen Kalksteins
schwankt von 2,6 bis 2,75; reiner Marmor aus Carrara hatte, wie Sir
HENRY DE LA BECHE fand[30], 2,7. Es ist merkwürdig, dasz diese Gesteine
von Ascension, welche so dicht an der Oberfläche sich bilden, beinahe so
compact sind, wie Marmor, welcher in den plutonischen Gegenden der
Wirkung der Hitze und des Drucks unterworfen gewesen ist.

Die grosze Anhäufung loser kalkiger Gesteinsfragmente, welche in der
Nähe der Niederlassung auf dem Strande liegen, beginnt im Monat October
und ist in ihrer Bewegung nach Südwesten gerichtet, was, wie mir Lieut.
EVANS mitgetheilt hat, die Folge einer Veränderung in der
vorherrschenden Richtung der Strömungen ist. Zu dieser Zeit werden die
zwischen den Fluthgrenzen liegenden Felsen am Südwest-Ende des Strandes,
wo sich der kalkige Sand anhäuft und um welches die Strömungen
herumbiegen, allmählich von einer kalkigen, einen halben Zoll mächtigen
Incrustation überzogen. Sie ist völlig weisz, compact, an einigen
Stellen unbedeutend spathig und fest an die Felsen angeheftet. Nach
einer kurzen Zeit verschwindet sie allmählich; sie wird entweder
aufgelöst, wenn das Wasser mit Kalk weniger beladen ist, oder noch
wahrscheinlicher, sie wird mechanisch abgerieben. Lieut. EVANS hat diese
Thatsachen während der sechs Jahre, in denen er auf Ascension gelebt
hat, beobachtet. Die Incrustation schwankt in verschiedenen Jahren in
ihrer Dicke: im Jahre 1831 war sie ungewöhnlich dick. Als ich im Juli
dort war, war kein Rest der Incrustation mehr übrig geblieben; aber an
einer Basaltkuppe, von welcher die Steinbrecher vor Kurzem eine Masse
des kalkigen Sandsteins entfernt hatten, war die Incrustation
vollständig erhalten. Zieht man die Lage der zwischen den Fluthgrenzen
befindlichen Felsen in Betracht und die Periode, zu welcher sie mit
diesem Überzuge versehen werden, so läszt sich nicht daran zweifeln,
dasz die Bewegung und Aufstörung der ungeheuren Anhäufung kalkiger
Theilchen, von denen viele theilweise mit einander verklebt sind, eine
so bedeutende Schwängerung der Meereswellen mit kohlensaurem Kalke
verursacht, dasz sie denselben an den ersten Gegenstand niederlegen,
welchen sie benetzen. Lieut. HOLLAND, R. N., hat mir mitgetheilt, dasz
sich diese Incrustation an vielen Stellen der Küste bildet; an den
meisten derselben finden sich, wie ich glaube, auch grosze Massen fein
zerkleinerter Schalthiergehäuse.

~Eine blattartige kalkige Incrustation.~ -- Es ist dies ein in vielen
Beziehungen merkwürdiger Niederschlag; er überzieht das ganze Jahr
hindurch die zwischen den Fluthgrenzen liegenden vulcanischen Felsen,
welche aus dem aus zerbrochenen Schalthiergehäusen bestehenden sandigen
Strande vorspringen. Sein allgemeines äuszeres Aussehn ist in dem
beistehenden Holzschnitt ganz gut wiedergegeben; aber die blattartigen
Gebilde oder Scheiben, aus denen er besteht, sind meistens so dicht
zusammengedrängt, dasz sie sich berühren. Diese laubartigen Gebilde sind
an ihren buchtigen Rändern fein crenelirt und springen über ihre Stiele
oder Träger vor; ihre obern Flächen sind entweder unbedeutend concav
oder leicht convex; sie sind in hohem Grade polirt und von einer dunkel
grauen oder ruszschwarzen Färbung; ihre Form ist unregelmäszig, meistens
kreisförmig, sie messen von einem Zehntel Zoll bis zu anderthalb Zoll im
Durchmesser; ihre Dicke oder die Höhe ihres Vorspringens von dem
Gesteine, auf welchem sie stehn, schwankt bedeutend, ein Viertel Zoll
ist vielleicht das gewöhnlichste Masz. Die laubartigen Bildungen werden
gelegentlich immer mehr und mehr convex, bis sie in blumenkohlartige
Massen mit gespaltenen freien Enden übergehn; finden sie sich in diesem
Zustande, so sind sie glänzend und intensiv schwarz, so dasz sie irgend
einer geschmolzenen metallischen Substanz ähnlich sind. Ich habe die
Incrustation sowohl in diesem letzt erwähnten als auch in ihrem
gewöhnlichen Zustande mehreren Geologen gezeigt, und nicht einer unter
ihnen konnte ihren Ursprung errathen, ausgenommen dasz sie vielleicht
vulcanischer Natur sei!

[Illustration: Fig. 5. Eine Incrustation aus kalkiger und animaler
Substanz, welche die zwischen den Fluthgrenzen gelegenen Felsen auf
Ascension überzieht.]

Die blattartigen Vorsprünge bildende Substanz hat einen sehr
compacten und häufig beinahe krystallinischen Bruch; die Ränder sind
durchscheinend und hart genug, um Kalkspath leicht zu ritzen. Vor dem
Löthrohre wird sie sofort weisz und entwickelt einen starken animalen
Geruch, ähnlich dem frischer Muscheln. Sie ist hauptsächlich aus
kohlensaurem Kalke zusammengesetzt; wird sie in Salzsäure gelegt, so
braust sie stark auf und läszt einen Rückstand von schwefelsaurem Kalke
und von Eisenoxyd, zusammen mit einem schwarzen Pulver zurück, welches
in heiszen Säuren nicht löslich ist. Diese letztere Substanz scheint
kohlenstoffhaltig zu sein; sie ist offenbar die färbende Substanz. Der
kohlensaure Kalk ist fremdartiger Gemengtheil; er kommt in einzelnen,
äuszerst minutiösen, lamellösen Blättern vor, mit welchen die
Oberflächen der laubartigen Gebilde besetzt sind und welche zwischen den
feinen Lagen, aus welchen dieselben zusammengesetzt sind, eingeschlossen
werden; wird ein Bruchstück vor dem Löthrohr erhitzt, so werden diese
Lamellen sofort sichtbar gemacht. Die ursprünglichen Umrisse der
blattartigen Gebilde lassen sich häufig entweder bis zu einem minutiösen
Muscheltheilchen, welches in einer Gesteinsspalte steckt, oder zu
mehreren solchen mit einander verkitteten hin verfolgen; diese werden
durch die auflösende Kraft der Wellen zuerst tief zu scharfen
Leisten angeätzt und werden dann von aufeinanderfolgenden Schichten
der glänzenden, grauen, kalkigen Incrustation überzogen. Die
Unebenheiten der ersten Unterlage beeinflussen den Umrisz jeder der
aufeinanderfolgenden Schichten, in derselben Art und Weise, wie man es
häufig an Bezoarsteinen sehen kann, wenn ein Gegenstand wie ein Nagel
den Mittelpunkt der Ablagerungen bildet. Die crenelirten Ränder indessen
sind augenscheinlich eine Folge der anätzenden Kraft der Brandung auf
ihren eignen Niederschlag, die abwechselnd mit frischen Ablagerungen in
Thätigkeit tritt. An einigen glatten basaltischen Gesteinen an der Küste
von St. Jago fand ich eine äuszerst dünne Schicht einer braunen kalkigen
Masse, welche unter der Lupe eine Miniatur-Ähnlichkeit mit dem
crenelirten und polirten frondescirenden Gebilden von Ascension darbot;
in diesem Falle boten keinerlei vorspringende fremdartige Theilchen
irgend welche Grundlage. Obgleich die Incrustation von Ascension das
ganze Jahr hindurch bestehn bleibt, so scheint doch nach dem abgenagten
Aussehn einiger Stellen und nach dem frischen Ansehn anderer Theile das
Ganze einen Kreislauf von Zerfall und Erneuerung durchzumachen,
wahrscheinlich in Folge von Veränderungen in der Form des beweglichen
Strandes und in Folge dessen auch in der Wirkung der Brandungswellen;
daher rührt es auch wahrscheinlich, dasz die Incrustation niemals eine
grosze Mächtigkeit erreicht. Nimmt man die Lage der incrustirten Felsen
mitten in dem kalkigen Strande, zusammen mit ihrer Zusammensetzung in
Betracht, so läszt sich, wie ich glaube, wohl nicht daran zweifeln, dasz
die Entstehung der Incrustation eine Folge der Auflösung und später
wieder erfolgenden Ablagerung der, die abgerundeten Muschel- und
Corallentheilchen zusammensetzenden Substanz ist[31]. Aus dieser Quelle
entnimmt die Incrustation die animale Substanz, welche offenbar das
färbende Princip in ihr ist. Die Beschaffenheit des Niederschlags in
seinen Anfangsstadien läszt sich häufig an einem Fragmente weiszer
Muscheln erkennen, wenn dasselbe zwischen zwei der blattartigen Gebilde
eingeklemmt ist; er erscheint dann genau wie der allerdünnste Anstrich
von einem blasz grauen Firnisz. Die Dunkelheit desselben schwankt ein
wenig, aber die tiefe Ruszschwärze einiger der laubartigen Gebilde und
der blumenkohlähnlichen Massen scheint eine Folge des Durchscheinens der
aufeinanderfolgenden grauen Schichten zu sein. Darin zeigt die
Ablagerung ein eigenthümliches Verhalten, dasz sie, wenn sie auf der
untern Fläche überhängender Felsstufen oder in Spalten gebildet wird,
immer von blasz grauer, perlenartiger Färbung erscheint, selbst wenn sie
von beträchtlicher Dicke ist; man wird daher zu der Vermuthung geführt,
dasz eine reichliche Menge von Licht für die Entwickelung der dunklen
Farbe nothwendig ist, in derselben Art und Weise, wie es mit den dem
Lichte ausgesetzten oberen Flächen der Schalen lebender Mollusken der
Fall zu sein scheint, welche immer, verglichen mit ihrer untern Fläche
und mit den gewöhnlich vom Mantel der Thiere bedeckten Stellen dunkel
sind. In diesem Umstande, -- in dem sofortigen Verlust der Farbe und dem
abgegebenen Geruche in der Flamme des Löthrohrs, -- in dem Grade der
Härte und des Durchscheinens der Ränder, -- und in der schönen Politur
der Oberfläche[32], welche im frischen Zustande mit der schönsten
_Oliva_ rivalisirt, besteht eine auffallende Analogie zwischen dieser
anorganischen Incrustation und den Schalen lebender Weichthiere[33]. Es
scheint mir dies eine interessante physiologische Thatsache zu sein[34].

~Eigenthümliche blättrige Schichten, welche mit Obsidian abwechseln und
in solchen übergehn.~ -- Diese Schichten kommen innerhalb des
trachytischen Districts am westlichen Fusze des Grünen Berges (Green
Mountain) vor, unter welchem sie mit starker Neigung einfallen. Sie sind
nur theilweise dem Blicke ausgesetzt, und von modernen Auswürflingen
bedeckt; aus diesem Grunde war ich nicht im Stande, ihre Verbindung mit
dem Trachyt zu verfolgen oder ausfindig zu machen, ob sie als ein
Lavastrom ausgeflossen sind oder ob sie zwischen die darüberliegenden
Schichten injicirt worden sind. Es sind drei Hauptschichten von Obsidian
vorhanden, von welchen die dickste die Unterlage des Durchschnitts
bildet. Die abwechselnden steinigen Schichten scheinen mir in hohem
Grade merkwürdig zu sein und sollen zuerst beschrieben werden, später
dann ihr Übergang in den Obsidian. Sie haben ein äuszerst
verschiedenartiges Aussehn; man kann fünf hauptsächliche Varietäten
beobachten, dieselben gehn aber durch endlose Abstufungen in einander
über.

Erstens: -- ein blasz graues, unregelmäszig und grob-blättriges[35],
sich rauh anfühlendes Gestein, Thonschiefer ähnlich, welcher mit einem
Trappgang in Berührung gewesen ist, und mit einem Bruche von ungefähr
demselben Grade krystallinischer Structur. Dies Gestein, ebenso wie die
folgenden Varietäten, schmilzt leicht zu einem blassen Glase. Der
gröszere Theil ist wabenartig von unregelmäszigen, winkligen Höhlungen
durchbrochen, so dasz das Ganze ein angefressenes Aussehn hat; manche
Bruchstücke sind in einer merkwürdigen Art und Weise verkieselten
Klötzen zerfallenen Holzes ähnlich. Diese Varietät ist häufig, besonders
da wo sie compacter ist, mit dünnen weiszlichen Streifen gezeichnet,
welche entweder gerade verlaufen oder einer nach dem andern die
länglichen cariösen Höhlungen umgeben.

Zweitens: -- ein bläulich graues oder blasz braunes, compactes,
schweres, homogenes Gestein mit einem winkligen, unebenen, erdigen
Bruche; betrachtet man es indessen unter einer Lupe von starker
Vergröszerung, so sieht man deutlich, dasz der Bruch krystallinisch ist;
es lassen sich selbst einzelne Mineralien unterscheiden.

Drittens: -- ein Gestein von derselben Art, wie das letzterwähnte, aber
mit zahlreichen, parallelen, unbedeutend gewundenen, weiszen Linien von
der Dicke eines Haares gezeichnet. Diese weiszen Linien sind
krystallinischer als die Stellen zwischen ihnen; und das Gestein spaltet
sich denselben entlang: sie dehnen sich häufig zu auszerordentlich
dünnen Höhlungen aus, welche häufig mit einer Lupe nur eben wahrnehmbar
sind. Die diese weiszen Linien bildende Substanz ist in diesen Höhlungen
besser krystallisirt, und Professor MILLER war nach mehreren Versuchen
so glücklich festzustellen, dasz die weiszen Krystalle, welche die
gröszten sind, aus Quarz bestanden[36], und dasz die äuszerst kleinen
grünen, durchscheinenden Nadeln Augit waren, oder, wie sie wohl
allgemeiner genannt werden dürften, Diopsid: auszer diesen Krystallen
finden sich einige äuszerst kleine, dunkle Flecken ohne eine Spur von
Krystallisation und eine schöne, weisze, granulöse, krystallinische
Substanz, welche wahrscheinlich Feldspath ist. Minutiöse Fragmente
dieses Gesteins sind leicht schmelzbar.

Viertens: -- ein compactes krystallinisches Gestein, in geraden Linien
von unzähligen Schichten in weiszen und grauen Farbenschattirungen
gestreift, welche in der Breite von 1/30 bis 1/200 Zoll variiren; diese
Schichten scheinen hauptsächlich aus Feldspath zusammengesetzt zu sein
und enthalten zahlreiche vollkommene Krystalle von glasigem Feldspath,
welche der Länge nach gestellt sind; sie sind auch dicht mit
mikroskopisch minutiösen, amorphen, schwarzen Flecken besetzt, welche in
Reihen geordnet sind und entweder einzeln stehn oder noch häufiger zu
zweien oder dreien oder noch mehreren mit einander zu schwarzen Linien
verbunden sind, welche dünner als ein Haar sind. Wenn ein kleines
Bruchstück vor dem Löthrohr erhitzt wird, so schmelzen die schwarzen
Flecke leicht zu glänzenden schwarzen Perlen, welche magnetisch werden,
-- Charactere, welche auf kein gewöhnliches Mineral passen, mit Ausnahme
von Hornblende oder Augit. Mit den schwarzen Flecken sind einige andere
von rother Farbe gemengt, welche schon vor dem Erhitzen magnetisch sind
und ohne Zweifel aus Eisenoxyd bestehn. An einem Handstück dieser
Varietät fand ich rings um zwei kleine Höhlungen die schwarzen Flecke zu
äuszerst kleinen Krystallen zusammengehäuft, welche wie Krystalle von
Augit oder Hornblende aussahen, aber zu trübe und klein waren, um mit
dem Goniometer gemessen zu werden; an diesem Exemplar konnte ich auch
zwischen dem krystallinischen Feldspath Körner unterscheiden, welche das
Aussehn von Quarz hatten. Bei einem Versuch mit dem Parallel-Lineal fand
ich, dasz die dünnen grauen Schichten und die schwarzen haar-ähnlichen
Linien absolut gerade und einander parallel waren. Man kann unmöglich
den allmählichen Übergang der homogenen grauen Gesteine in diese
gestreiften Varietäten verfolgen, ja selbst die Beschaffenheit der
verschiedenen Schichten an einem und demselben Handstück vergleichen,
ohne davon überzeugt zu werden, dasz die mehr oder weniger vollkommene
weisze Farbe der krystallinischen feldspathartigen Substanz von der mehr
oder minder vollständigen Verbindung diffundirter Massen zu den
schwarzen und rothen Flecken von Hornblende und Eisenoxyd abhängt.

Fünftens: -- ein compactes, schweres, nicht blättriges Gestein mit einem
unregelmäszigen, winkligen, in hohem Grade krystallinischen Bruche;
Krystalle von glasigem Feldspath sind äuszerst zahlreich in ihm und die
krystallinische Grundsubstanz und Feldspath ist mit einem schwarzen
Mineral gefleckt, welches an der verwitterten Oberfläche zu kleinen
Krystallen zusammengeschlossen zu sehn ist, von denen einige
vollkommen, die aber der gröszern Zahl nach unvollkommen sind. Ich
zeigte ein Handstück hiervon einem erfahrenen Geologen und frug ihn, was
es wäre; er antwortete mir, wie jeder Andere, glaube ich, gethan haben
würde, dasz es ein primitiver Grünstein wäre. Auch die verwitterte
Oberfläche der vorigen, gestreiften Varietät (No. 4) ist einem
abgeriebenen Fragmente fein blättrigen Gneiszes auffallend ähnlich.

Diese fünf Varietäten, mit noch vielen dazwischen liegenden, gehn nun
wiederholt abwechselnd in einander über. Da die compacten Varietäten den
andern vollständig untergeordnet sind, kann man das Ganze als blättrig
oder gestreift betrachten. Die einzelnen Blätter sind, um ihre
characteristischen Merkmale zusammenzufassen, entweder vollkommen gerade
oder in unbedeutendem Grade gewunden oder verschlungen; sie sind
sämmtlich einander und den dazwischen liegenden Schichten von Obsidian
parallel; sie sind meist von äuszerster Dünne sie bestehn entweder aus
einem dem Augenscheine nach homogenen, compacten, mit verschiedenen
Schattirungen grauer und brauner Färbung gestreiften Gesteine, oder aus
krystallinischen feldspathigen Schichten in einem mehr oder weniger
vollkommenen Zustande von Reinheit und von verschiedener Mächtigkeit mit
deutlichen, der Länge nach angeordneten Krystallen von glasigem
Feldspath, oder aus sehr dünnen Schichten, welche hauptsächlich aus
äuszerst kleinen Krystallen von Quarz und Augit, oder aus schwarzen und
rothen Flecken eines augitischen Minerals und Eisenoxyds, entweder gar
nicht oder nur unvollkommen krystallisirt, zusammengesetzt sind. Nachdem
ich den Obsidian ausführlich beschrieben habe, werde ich auf das Capitel
von der blättrigen Beschaffenheit der Gesteine der Trachyt-Reihe
zurückkommen.

Der Übergang der vorstehend geschilderten Lager in die Schichten des
glasigen Obsidians wird auf verschiedene Arten bewerkstelligt: entweder
erstens: es treten eckige knotige Massen von Obsidian, sowohl grosze als
kleine, plötzlich in einem schiefrigen, oder in einem amorphen, blasz
gefärbten feldspathigen Gestein mit einem einigermaszen perligen Bruche
auf. Oder zweitens: kleine unregelmäszige Knötchen von Obsidian, welche
entweder einzeln stehn oder in dünne, selten mehr als ein Zehntel Zoll
an Mächtigkeit messende Schichten vereinigt sind, wechseln wiederholt
mit sehr dünnen Lagen eines feldspathigen Gesteins ab, welches mit den
feinsten parallelen Farbenzonen wie ein Achat gestreift ist und welches
zuweilen in die Beschaffenheit des Pechsteins übergeht; die
Zwischenräume zwischen den Obsidiankörnern sind meistens mit weicher,
weiszer Substanz erfüllt, welche Bimssteinasche ähnlich ist. Drittens:
die ganze Substanz des angrenzenden Gesteins geht plötzlich in eine
kantig-concretionäre Masse von Obsidian über. Derartige Massen (ebenso
wie die kleinen Knötchen) von Obsidian sind von einer blasz grünen
Färbung und meist mit verschiedenen Farbenschattirungen gestreift,
welche den Blättern des umgebenden Gesteins parallel sind; sie enthalten
gleicherweise meistens minutiöse weisze Sphäruliten, deren eine Hälfte
zuweilen in eine Zone der einen Farbenschattirung, die andere Hälfte in
eine Zone einer andern Schattirung eingebettet ist. Der Obsidian nimmt
seine ruszschwarze Farbe und seinen vollkommen muschligen Bruch nur da
an, wo er in groszen Massen auftritt; aber selbst an solchen konnte ich
bei sorgfältiger Untersuchung und wenn ich die Exemplare in verschiedene
Beleuchtungen brachte, meistens parallele Streifen verschiedener
Schattirungen von Dunkelheit erkennen.

[Illustration: Fig. 6. Opake, braune Sphäruliten, in vergröszertem
Maszstabe gezeichnet, die oberen sind äuszerlich mit parallelen Leisten
gezeichnet. Die innere strahlige Structur der unteren ist viel zu
deutlich dargestellt.]

[Illustration: Fig. 7. Eine durch die Verbindung äuszerst kleiner
brauner Sphäruliten gebildete Lage, welche zwei andere ähnliche Lagen
durchschneidet; das Ganze ist nahebei in natürlicher Grösze
dargestellt.]

Eines der häufigsten Übergangsgesteine verdient in mehreren Beziehungen
noch eine weitere Beschreibung. Es ist von einer sehr complicirten
Beschaffenheit und besteht aus zahlreichen dünnen, leicht gewundenen
Schichten eines blaszgefärbten, feldspathigen Steins, welcher häufig in
einen unvollkommenen Pechstein übergeht und mit, aus zahllosen kleinen
Kügelchen von zwei Varietäten von Obsidian und zwei Arten von
Sphäruliten, die in eine weiche oder eine harte perlige Grundlage
eingeschlossen sind, bestehenden Schichten abwechselt. Die Sphäruliten
sind entweder weisz und durchscheinend, oder dunkel braun und opak; die
ersteren sind vollkommen sphärisch, von geringer Grösze und deutlich von
ihrem Mittelpunkte aus strahlig. Die dunkel braunen Sphäruliten sind
weniger vollkommen rund und schwanken im Durchmesser von 1/20 bis zu
1/30 Zoll; werden sie zerbrochen, so bieten sie nach ihrem Mittelpunkte
hin, welcher weiszlich ist, ein undeutlich strahliges Gefüge dar; sind
zwei von ihnen verbunden, so haben sie zuweilen nur einen einzigen
mittleren Punkt des Ausstrahlens; gelegentlich findet sich eine Spur
einer Höhlung oder einer Spalte in ihrem Mittelpunkte. Sie stehn
entweder einzeln oder sind zu zweien oder dreien oder vielen in
unregelmäszige Gruppen, oder noch häufiger in Schichten geordnet, welche
der Schichtung der ganzen Masse parallel laufen. Diese Verbindung ist in
vielen Fällen so vollkommen, dasz die beiden Seiten der in dieser Weise
gebildeten Schicht ganz eben sind; und in dem Masze als diese Schichten
weniger braun und opak werden, können sie von den abwechselnden
Schichten des blasz gefärbten feldspathigen Gesteins nicht unterschieden
werden. Sind die Sphäruliten nicht verbunden, so sind sie meistens in
der Ebene der Blätterung der ganzen Masse zusammengedrückt; und in
dieser nämlichen Ebene sind sie häufig im Innern von Zonen verschiedener
Farbenschattirungen und äuszerlich mit kleinen Leisten und Furchen
gezeichnet. In dem oberen Theile des beistehenden Holzschnittes (Fig. 6)
sind die Sphäruliten mit den parallelen Leisten und Furchen in einem
vergröszerten Maszstabe dargestellt, aber nicht gut ausgeführt; im
untern Theile ist die gewöhnliche Art ihrer Anordnung dargestellt. An
einem andern Handstück durchschneidet eine dünne, aus den braunen, dicht
mit einander verbundenen Sphäruliten bestehende Lage, wie im
Holzschnitt, Fig. 7, dargestellt ist, eine Lage von ähnlicher
Zusammensetzung; und nachdem sie eine kurze Strecke weit in einer leicht
bogenförmigen Linie weitergezogen ist, durchschneidet sie die andere
nochmals und gleicherweise eine zweite Schicht, welche eine kurze
Strecke weit unter der zuerst durchschnittenen liegt. Auch die kleinen
Knötchen von Obsidian sind zuweilen äuszerlich mit Leisten und Furchen
gezeichnet, welche meistens der Blätterung der Masse parallel laufen,
aber stets weniger deutlich als bei den Sphäruliten sind. Die
Obsidianknötchen sind meistens eckig mit abgestumpften Kanten; häufig
ist auf ihnen die Form der benachbarten Sphäruliten abgedrückt, sie sind
immer gröszer als diese; die einzelnen Knötchen erscheinen selten so,
als hätten sie einander durch Äuszerung einer gegenseitigen
Anziehungskraft ausgezogen. Hätte ich nicht in einigen Fällen ein
deutliches Attractionscentrum in diesen Obsidianknötchen gefunden, so
würde ich darauf geführt worden sein, sie als Rückstandsmasse zu
betrachten, welche während der Bildung des Perlsteins, in welchem sie
eingeschlossen sind, und der sphärulitischen Kugeln zurückgeblieben
wäre.

Die Sphäruliten und die kleinen Obsidianknötchen in diesen Gesteinen
ähneln in ihrer allgemeinen Gestalt und Structur den Concretionen in
sedimentären Niederschlägen so sehr, dasz man versucht wird, ihnen einen
analogen Ursprung zuzuschreiben. Sie sind gewöhnlichen Concretionen in
den folgenden Beziehungen ähnlich: -- in ihrer äuszeren Gestalt, -- in
der Vereinigung von zweien oder dreien oder von mehreren zu einer
unregelmäszigen Masse oder zu einer Schicht mit ebenen Seiten, -- in dem
gelegentlichen Durchschneiden einer derartigen Schicht durch eine
andere, wie es mit den Lagen von Feuersteinen in der Kreide der Fall
ist, -- in dem Vorhandensein von zwei oder drei Arten von Knötchen in
derselben Grundsubstanz, häufig dicht neben einander, -- in ihrer
faserigen, strahligen Structur, gelegentlich mit Höhlungen in ihrer
Mitte, -- in dem Nebeneinander-Bestehn einer blättrigen, concretionären
und strahligen Structur, wie dieselbe in den Concretionen im Zechstein
(magnesian limestone) die Professor SEDGWICK beschrieben hat[37], so gut
entwickelt ist. Concretionen in sedimentären Niederschlägen sind
bekanntlich die Folge einer Trennung einer bestimmten mineralischen
Substanz im Ganzen oder theilweise aus der umgebenden Masse und deren
Anhäufung um gewisse Attractionspunkte. Durch diese Thatsache geleitet
habe ich zu entdecken mich bemüht, ob der Obsidian und die Sphäruliten
(denen noch Marekanit und Perlstein, welche beide in knotigen
Concretionen in der Trachyt-Reihe vorkommen) in ihren constituirenden
Bestandtheilen von den allgemein die trachytischen Gesteine
zusammensetzenden Mineralien verschieden sind. Aus drei Analysen geht
hervor, dasz Obsidian im Mittel 76 Procent Kieselsäure enthält; eine
Analyse ergab, dasz die Sphäruliten 79,12% enthalten, und zwei Analysen,
dasz Marekanit 79,25, zwei andere Analysen, dasz der Perlstein 75,62%
Kieselsäure enthält[38]. Es bestehn nun die constituirenden Theile des
Trachyts, so weit dieselben unterschieden werden können, aus Feldspath,
welcher 65,21% Kieselsäure enthält, oder aus Albit mit 69,09, oder aus
Hornblende, die 55,27% enthält[39], und Eisenoxyd; so dasz die vorhin
geschilderten glasigen concretionären Substanzen sämmtlich einen höhern
Procentsatz an Kieselsäure enthalten, als ein solcher in den
gewöhnlichen feldspathigen oder trachytischen Gesteinen vorkommt.
D'AUBUISSON[40] hat gleichfalls das, im Verhältnis zur Thonerde grosze
proportionale Masz an Kieselsäure in sechs, in BRONGNIART'S Mineralogie
gegebenen Analysen von Obsidian und Perlstein hervorgehoben. Ich komme
daher zu dem Schlusse, dasz die vorhin geschilderten Concretionen durch
einen, jenem in wässrigen Niederschlägen stattfindenden streng analogen
Aggregationsprocesz gebildet worden sind, welcher hauptsächlich auf die
Kieselsäure, aber gleicherweise auch auf einige der anderen Elemente der
umgebenden Masse wirkt, und in dieser Weise die verschiedenen Varietäten
der Concretionen hervorbringt. Nach den allgemein bekannten Wirkungen
rapider Abkühlung[41], welche eine glasige Textur erzeugt, ist es
wahrscheinlich nothwendig, dasz in solchen Fällen wie auf Ascension die
ganze Masse mit einer gewissen Schnelligkeit abgekühlt ist; zieht man
aber das wiederholte und complicirte Alterniren von Knötchen und dünnen
Lagen einer glasigen Textur mit andern völlig steinigen oder
krystallinischen Lagen, die sämmtlich innerhalb eines Raumes von wenigen
Fuszen oder selbst Zollen liegen, in Betracht, so ist es kaum möglich,
dasz sie mit verschiedener Schnelligkeit abgekühlt sind und dadurch ihre
verschiedene Textur erlangt haben.

Die natürlichen Sphäruliten in diesen Gesteinen[42] sind denjenigen
auszerordentlich ähnlich, welche sich im Glas bilden, wenn es langsam
abgekühlt wird. An einigen schönen Exemplaren entglasten Glases im
Besitz des Mr. STOKES sind die Sphäruliten zu geraden Schichten mit
ebenen, einander parallelen Seiten, welche auch einer der äuszern
Flächen parallel sind, genau wie beim Obsidian, verbunden. Diese
Schichten verzweigen sich zuweilen unter einander und bilden Schlingen;
ich habe aber keinen Fall von wirklichem Durchschneiden gesehn. Sie
bilden den Übergang von den vollkommen glasigen Partien zu denjenigen,
welche nahezu homogen und steinig mit nur undeutlicher concretionärer
Structur sind. An einem und dem nämlichen Handstücke kommen auch
unbedeutend in der Färbung und in der Structur verschiedene Sphäruliten
dicht neben einander eingelagert vor. Zieht man diese Thatsachen in
Betracht, so dient es einigermaszen zur Bestätigung der oben angeführten
Ansicht von dem concretionären Ursprung der Obsidian- und der
natürlichen Sphäruliten, wenn wir finden, dasz DARTIGUES[43] in seinem
merkwürdigen Aufsatze über diesen Gegenstand die Entstehung der
Sphäruliten im Glase dem Umstande zuschreibt, dasz die verschiedenen
Ingredientien desselben ihren eigenen Attractionsgesetzen folgen und
zusammengehäuft werden. Zu der Annahme, dasz dies stattfindet, wird er
durch die Schwierigkeit geführt, sphärulitisches Glas wieder
umzuschmelzen, ohne das Ganze vorher wiederum durchaus gepulvert und
durcheinander gemengt zu haben; ferner auch durch die Thatsache, dasz
die Veränderung am leichtesten an Glas stattfindet, welches aus vielen
Bestandtheilen zusammengesetzt ist. Zur Bestätigung von DARTIGUES'S
Ansicht will ich noch bemerken, dasz FLEURIAU DE BELLEVUE[44] gefunden
hat, dasz die sphärulitischen Partien devitrificirten Glases sowohl von
Salpetersäure als von der Löthrohrflamme in einer verschiedenen Art und
Weise beeinfluszt wurden von der compacten Masse, in welcher sie
eingeschlossen waren.

~Vergleichung der Obsidian-Lager und der damit alternirenden Schichten
von Ascension mit denen in andern Ländern.~ -- Mir ist zu meiner groszen
Überraschung bedeutend aufgefallen, wie auszerordentlich die
ausgezeichnete Beschreibung der Obsidian-Gesteine von Ungarn, die
BEUDANT gegeben hat[45], und die von HUMBOLDT gegebene von derselben
Formation in Mexico und Peru[46], und gleicherweise die von
verschiedenen Autoren gegebenen Beschreibungen[47] der trachytischen
Gegenden auf den italienischen Inseln mit meinen Beobachtungen auf
Ascension übereinstimmen. Viele Stellen hätten sich ohne Abänderungen
aus den Werken der genannten Autoren übertragen lassen und würden auf
diese Insel gepaszt haben. Sie stimmen sämmtlich in der Schilderung des
blättrigen und geschichteten Characters der ganzen Reihe überein; und
HUMBOLDT sagt von einigen der Obsidian-Lager, dasz sie wie Jaspis
gebändert wären[48]. Sie stimmen sämmtlich in der Erwähnung des knotigen
oder concretionären Characters des Obsidians und des Übergangs dieser
Knötchen in Lager überein. Sie erwähnen auch sämmtlich das wiederholte,
häufig in wellenförmig gebogenen Ebenen angeordnete Abwechseln glasiger,
perliger, steiniger und krystallinischer Schichten; indessen scheinen
die krystallinischen Schichten auf Ascension viel vollkommener
entwickelt zu sein als in den obengenannten Ländern. HUMBOLDT vergleicht
einige der steinigen Schichten, wenn sie aus der Entfernung angesehn
werden, mit den Schichten eines glimmerigen Sandsteins. Sphäruliten
werden in allen Fällen als in ungeheurer Menge vorkommend beschrieben;
sie scheinen überall den Übergang von den vollkommener glasigen zu den
steinigen und krystallinischen Lagern zu bezeichnen. BEUDANT's
Schilderung[49] seines »perlite lithoide globulaire« hätte mit allen,
selbst den allerunbedeutendsten Einzelnheiten für die kleinen braunen
sphärulitischen Körnchen in den Gesteinen von Ascension
niedergeschrieben sein können.

Wegen der in vielen Beziehungen so groszen Ähnlichkeit zwischen den
Obsidian-Bildungen in Ungarn, Mexico, Peru und einigen der italienischen
Inseln und der von Ascension, kann ich kaum noch daran zweifeln, dasz in
allen diesen Fällen der Obsidian und die Sphäruliten ihre Entstehung
einem concretionären Zusammenballen der Kieselsäure und einiger der
andern constituirenden Elemente verdanken, welches eintrat, während die
verflüssigte Masse mit einer gewissen geforderten Schnelligkeit
abkühlte. Es ist indessen bekannt, dasz an einigen Orten Obsidian wie
Lava in Strömen geflossen ist, so z. B. auf Teneriffa, auf den
liparischen Inseln und auf Island[50]. In diesen Fällen sind die
oberflächlichst gelegenen Theile die am vollkommensten verglasten,
während in der Tiefe von einigen wenigen Fuszen der Obsidian in ein
opakes Gestein übergeht. In einer Analyse eines Exemplars von Obsidian
vom Hekla von VAUQUELIN, welches wahrscheinlich als Lava geflossen ist,
war das Verhältnis der Kieselsäure nahezu dasselbe wie in dem knotigen
und concretionären Obsidian von Mexico. Es wäre interessant zu
ermitteln, ob die opaken inneren Partien und der oberflächliche glasige
Überzug die nämlichen Mischungsverhältnisse der constituirenden Theile
zeigten: wir wissen durch DUFRÉNOY[51], dasz die äuszern und innern
Theile eines und des nämlichen Lavastroms zuweilen beträchtlich in ihrer
Zusammensetzung von einander verschieden sind. Selbst wenn sich ergeben
sollte, dasz der ganze Strom von Obsidian ähnlich zusammengesetzt wäre
wie der knotige Obsidian, so würde es, in Übereinstimmung mit den
vorstehenden Thatsachen doch nothwendig sein anzunehmen, dasz in diesen
Fällen Lava zum Ausbruch gelangt wäre, deren Bestandtheile in denselben
Verhältnissen gemischt waren, wie in dem concretionären Obsidian.

Blättrige Beschaffenheit vulcanischer Gesteine der Trachyt-Reihe.

Wir haben gesehn, dasz in verschiedenen und weit von einander entfernt
liegenden Ländern die mit Lagern von Obsidian abwechselnden Schichten in
hohem Grade blättrig sind. Auch die Obsidian-Knollen, sowohl grosze als
kleine, sind in verschiedenen Farbenschattirungen gebändert; in Mr.
STOKES' Sammlung habe ich ein Exemplar aus Mexico gesehn, dessen äuszere
Fläche unter Bildung von Leisten und Furchen verwittert war[52], welche
den Schichten verschiedener Verglasungsgrade entsprachen; überdies hat
auch HUMBOLDT[53] auf dem Pik von Teneriffa einen Obsidianstrom
gefunden, welcher durch sehr dünne, abwechselnde Schichten von Bimsstein
getheilt war. Viele andere Lava-Arten aus der Feldspathreihe sind
blättrig; so sind Massen von gewöhnlichem Trachyt auf Ascension durch
feine erdige Linien getheilt, denen entlang das Gestein sich spaltet und
dadurch dünne Schichten unbedeutend verschieden gefärbter Beschaffenheit
von einander trennt; auch ist die gröszere Zahl der eingeschlossenen
Krystalle glasigen Feldspaths längsweise in der nämlichen Richtung
angeordnet. P. SCROPE[54] hat einen merkwürdigen säulenförmigen Trachyt
von den Panza Inseln beschrieben, welcher in eine darüber liegende Masse
von trachytischem Conglomerat injicirt worden zu sein scheint: er ist
mit Bändern gestreift, welche, häufig äuszerst dünn, von verschiedener
Textur und Farbe sind; die härteren und dunkleren Bänder scheinen eine
gröszere Proportion von Kieselsäure zu enthalten. Auf einer andern
Stelle der Insel finden sich Schichten von Perlstein und Pechstein,
welche in vielen Beziehungen denen von Ascension ähnlich sind. Die
Bänder in dem säulenförmigen Trachyt sind meistens gewunden; sie
erstrecken sich über eine bedeutende Länge in senkrechter Richtung und
augenscheinlich den Wandungen der gangartigen Masse parallel. VON
BUCH[55] hat einen Strom von Lava auf Teneriffa beschrieben, welche
unzählige dünne, plattenartige Krystalle von Feldspath enthält, die wie
weisze Fäden einer hinter dem andern angeordnet sind und meist in
derselben Richtung liegen: auch DOLOMIEU[56] gibt an, dasz die grauen
Laven des neuen Kegels von Volcano, welche ein glasiges Gefüge haben,
mit parallelen weiszen Linien gestreift sind: er beschreibt ferner einen
soliden Bimsstein, welcher eine spaltige Structur besitzt, ähnlich der
gewisser glimmriger Schiefer. Auch Phonolith, welcher, wie ich bemerken
will, häufig, wenn nicht immer, ein injicirtes Gestein ist, besitzt
häufig eine spaltige Structur; dies ist meistens Folge der parallelen
Lage der eingeschlossenen Feldspath-Krystalle; zuweilen aber, so auf
Fernando Noronha, scheint es beinahe ganz unabhängig von deren
Anwesenheit zu sein[57]. Aus diesen Thatsachen sehen wir, dasz
verschiedene Gesteine der Feldspathreihe entweder eine blättrige oder
eine spaltige Structur besitzen, und dasz eine solche sowohl in Massen
vorkommt, welche in darüberliegende Schichten injicirt worden sind, als
auch in andern, welche als Lavaströme geflossen sind.

Die auf Ascension mit dem Obsidian abwechselnden Blätter der Schichten
fallen mit einem bedeutenden Winkel unter den Berg ein, an dessen Fusze
sie liegen; und sie erscheinen nicht so, als wären sie durch Gewalt in
ihre geneigte Stellung gebracht worden. Eine starke Neigung kommt diesen
Schichten gemeinsam in Mexico, Peru und auf einigen der italienischen
Inseln zu[58]; andererseits liegen in Ungarn die Schichten horizontal;
auch die Blätter einiger der oben erwähnten Lavaströme scheinen, so weit
ich die von denselben gegebenen Beschreibungen verstehen kann, stark
geneigt oder ganz senkrecht zu sein. Ich zweifle daran, ob in irgend
einem dieser Fälle die Blätter in ihre jetzige Stellung aufgestülpt
worden sind; und in manchen Fällen, so bei dem von Mr. SCROPE
beschriebenen Trachyt, ist es beinahe sicher, dasz sie sich ursprünglich
schon mit einer starken Neigung gebildet haben. Bei vielen von diesen
Fällen finden sich Beweise dafür, dasz die Masse des verflüssigten
Gesteins sich in der Richtung der Blätter bewegt hat. Auf Ascension
haben viele von den Luftblasen ein langausgezogenes Aussehn und werden
in der Richtung der Blätter von groben halbverglasten Fasern durchsetzt;
einige von den die sphärulitischen Körner trennenden Schichten haben ein
verschlacktes Ansehn, als wenn sie durch Rösten der Körner
hervorgebracht wären. Ich habe ein Exemplar von gebändertem Obsidian aus
Mexico in Mr. STOKES' Sammlung gesehn, an dem die Oberfläche der am
besten ausgeprägten Schichten mit parallelen Linien gestreift oder
gefurcht war; und diese Linien oder Streifen waren ganz genau denen
ähnlich, welche sich auf der Oberfläche einer Masse künstlichen
Glasflusses dadurch gebildet hatten, dasz er aus einem Gefäsz
ausgegossen worden war. Auch HUMBOLDT hat hinter Sphäruliten in
blättrigen Obsidian-Gesteinen aus Mexico kleine Höhlungen und Mr. SCROPE
andere Höhlungen hinter Bruchstücken, die in seinem blättrigen Trachyt
eingeschlossen waren, beschrieben, von denen er annimmt, dasz sie
während der Bewegung der Masse entstanden sind[59]. Nach solchen
Thatsachen haben die meisten Schriftsteller die Blätterung dieser
vulcanischen Gesteinsarten ihrer Bewegung im noch flüssigen Zustande
zugeschrieben. Obgleich es leicht einzusehn ist, warum jede einzelne
Luftblase oder jede Faser im Bimsstein[60] in der Richtung der sich
bewegenden Masse ausgezogen ist, so liegt es doch durchaus nicht auf den
ersten Blick klar vor, warum derartige Luftblasen und Fasern durch die
Bewegung in denselben Ebenen in absolut geraden und einander parallel
liegenden Blättern angeordnet werden, die auch häufig äuszerst dünn
sind; und noch weniger in die Augen fallend ist es, warum derartige
Schichten von unbedeutend verschiedener Zusammensetzung und von
verschiedener Textur sind.

In Bezug auf den Versuch, die Ursache der blättrigen Beschaffenheit
dieser plutonischen feldspathigen Gesteine aufzufinden, wollen wir zu
den so ausführlich beschriebenen Thatsachen auf Ascension zurückkehren.
Wir sehen dort, dasz einige der dünnsten Schichten hauptsächlich aus
zahlreichen, äuszerst minutiösen, wennschon vollkommenen Krystallen
verschiedener Mineralien gebildet werden, dasz andere Schichten durch
die Verbindung verschiedener Arten concretionärer Knollen gebildet
werden, und dasz die in dieser Weise gebildeten Schichten häufig nicht
von den gewöhnlichen Feldspath- und Pechstein-Schichten unterschieden
werden können, welche einen groszen Theil der ganzen Masse bilden. Die
faserige, strahlenförmige Structur der Sphäruliten scheint, nach vielen
analogen Fällen zu urtheilen, eine Verbindung der concretionären und
krystallinischen Kräfte anzudeuten; auch die einzelnen Krystalle von
Feldspath liegen sämmtlich in denselben parallelen Ebenen [61]. Diese
verwandten Kräfte haben daher bei der Hervorbringung der blättrigen
Beschaffenheit der Masse eine bedeutungsvolle Rolle gespielt, man kann
sie aber nicht als die primäre Kraft betrachten; denn die verschiedenen
Arten von Körnern, sowohl die kleinsten als die gröszten, sind innen in
äuszerst feinen Farbenschattirungen, welche der Blätterung des Ganzen
parallel ziehn, gebändert; und viele derselben sind auch äuszerlich in
derselben Richtung mit parallelen Leisten und Furchen gezeichnet, welche
nicht durch das Verwittern entstanden sind.

Einige von den feinsten Farbenstreifen in den steinigen, mit dem
Obsidian abwechselnden Schichten sind, wie man ganz deutlich sehen kann,
Folge einer beginnenden Krystallisation der sie zusammensetzenden
Mineralien. Die Ausdehnung, bis zu welcher die Mineralien krystallisirt
sind, steht, wie gleichfalls deutlich zu sehen ist, mit der
bedeutenderen oder geringeren Grösze und mit der Anzahl der minutiösen,
abgeplatteten, crenelirten Luftbläschen oder Spalten im Zusammenhang.
Zahlreiche Thatsachen, wie bei den Geoden und den Hohlräumen in
verkieseltem Holz, in primären Gesteinen und in Adern, zeigen, dasz die
Krystallisation durch die räumlichen Verhältnisse sehr begünstigt wird.
Ich komme daher zu dem Schlusse, dasz, wenn in einer Masse sich
abkühlenden vulcanischen Gesteins irgend eine Ursache eine Anzahl
minutiöser Spalten oder Zonen von geringerer Spannung erzeugt (welche
wegen der eingeschlossenen Dämpfe häufig zu zackigen Lufträumen
ausgedehnt werden), die Krystallisation der constituirenden
Bestandtheile und wahrscheinlich die Bildung von Concretionen in
derartigen Ebenen herbeigeführt oder bedeutend begünstigt werden wird;
und es wird in dieser Weise eine blättrige Structur der hier
besprochenen Art hervorgerufen werden.

Dasz irgend eine Ursache parallele Zonen von geringerer Spannung in
vulcanischen Gesteinen während deren Erstarrung wirklich erzeugt, müssen
wir für die Fälle annehmen, wo sich dünne abwechselnde Schichten bilden,
wie es bei Obsidian und Bimsstein HUMBOLDT beschrieben hat, und wo sich
kleine, abgeplattete, crenelirte Luftblasen in den blättrigen Gesteinen
von Ascension finden; denn unter keiner andern Voraussetzung können wir
einsehen, warum die eingeschlossenen Dämpfe durch ihre Ausdehnung
Luftblasen und Fasern in getrennten parallelen Ebenen anstatt
unregelmäszig durch die ganze Masse zerstreut bilden sollten. In Mr.
STOKES' Sammlung habe ich ein sehr schönes Beispiel dieser Structur an
einem Exemplar von Obsidian aus Mexico gesehn, welches wie der schönste
Achat mit zahlreichen, geraden parallelen, mehr oder weniger opaken und
weiszen oder vollkommen glasigen Schichten schattirt und gebändert ist:
der Grad der Opacität und Verglasung hängt von der Anzahl der
mikroskopisch kleinen, abgeplatteten Luftblasen ab; in diesem Falle
läszt sich kaum daran zweifeln, dasz die ganze Masse, zu der dieses
Fragment gehört hat, irgend einer, wahrscheinlicherweise fortgesetzten
Einwirkung unterlegen ist, welche eine unbedeutende Verschiedenheit der
Spannung in den aufeinander folgenden Ebenen verursachte.

Verschiedene Ursachen scheinen im Stande zu sein, Zonen verschiedener
Spannung in durch Hitze halbflüssig gewordenen Massen hervorzubringen.
In einem Stücke entglasten Glases habe ich Schichten von Sphäruliten
beobachtet, welche nach der Art und Weise, in welcher sie plötzlich
gebogen waren, durch die einfache Zusammenziehung der Masse in dem
Gefäsze, in welchem es abkühlte, hervorgebracht worden zu sein scheinen.
Bei gewissen Trappgängen am Aetna, welche ÉLIE DE BEAUMONT[62]
beschrieben hat und welche danach von abwechselnden Streifen schlackigen
und compacten Gesteins begrenzt sind, wird man auf die Vermuthung
geführt, dasz die Bewegung des Ausstreckens in den umgebenden Schichten,
welche ursprünglich die Spalten hervorgerufen hatte, noch fortdauerte,
so lange die injicirte Gesteinsmasse flüssig blieb. Durch Professor
FORBES'[63] klare Beschreibung der gebänderten Structur des
Gletscher-Eises geleitet, scheint indessen die bei weitem
wahrscheinlichste Erklärung der blättrigen Structur dieser feldspathigen
Gesteinsarten diejenige zu sein, dasz sie gestreckt worden sind, so
lange sie noch in einem teigigen Zustande langsam hinfloszen[64], in
genau derselben Art und Weise, wie Professor FORBES annimmt, dasz das
Eis sich bewegender Gletscher gestreckt und gespalten wird. In beiden
Fällen können die Bänder mit denen im schönsten Achate verglichen
werden; in beiden dehnen sie sich in der Richtung aus, in welcher die
Masse geflossen ist und die an der Oberfläche exponirten sind meistens
senkrecht; im Eise werden die porösen Lamellen durch das nachfolgende
Gefrieren des infiltrirten Wassers deutlich gemacht, in den steinigen
feldspathigen Laven durch später eintretende krystallinische und
concretionäre Einwirkung. Das Fragment von glasigem Obsidian in Mr.
STOKES' Sammlung, welches mit minutiösen Luftblasen gebändert ist, musz,
nach Professor FORBES' Beschreibung zu urtheilen, in auffallendem Grade
einem Stück gebänderten Eises ähnlich sein; und wenn die Schnelligkeit
seiner Abkühlung und die Beschaffenheit der Masse deren Krystallisation
oder concretionären Wirkung günstig gewesen wäre, so würden wir auch
hier die schönsten parallelen Bänder von verschiedener Zusammensetzung
und Textur finden. Bei Gletschern scheinen die Linien porösen Eises und
minutiöser Spalten Folgen eines beginnenden Streckens zu sein, welches
dadurch verursacht wird, dasz die central gelegenen Theile des gefrornen
Stromes sich schneller bewegen als die Seiten und der Grund, welche
durch Reibung aufgehalten werden: es werden daher bei Gletschern von
gewissen Formen und am untern Ende der meisten Gletscher die Bänder
horizontal. Dürfen wir anzunehmen wagen, dasz wir in den feldspathigen
Laven mit horizontalen Blättern einen analogen Fall vor uns haben? Alle
Geologen, welche trachytische Gegenden untersucht haben, sind zu dem
Schlusse gekommen, dasz die Laven dieser Reihe eine äuszerst
unvollkommene Flüssigkeit besessen haben; und da offenbar nur Substanz
von derartiger Beschaffenheit dem ausgesetzt sein wird, gespalten zu
werden und Bänder verschiedener Spannung in der hier angenommenen Art
und Weise zu bilden, so sehn wir wahrscheinlich hierin die Ursache,
warum augitische Laven, welche allem Anscheine nach meistens einen hohen
Grad von Leichtflüssigkeit besessen haben, nicht[65] wie die
feldspathigen Laven in Blätter verschiedener Zusammensetzung und Textur
gespalten sind. Überdies scheint in der Reihe der Augitgesteine niemals
irgend eine Neigung zu concretionärer Wirkung vorhanden zu sein, welche,
wie wir gesehen haben, bei dem Blättrigwerden der Gesteine der
Trachyt-Reihe oder mindestens beim Hervortretenlassen dieser
Bildungsweise eine so bedeutungsvolle Rolle spielt.

Was man nun auch immer von der hier vorgebrachten Erklärung der
blättrigen Structur der Gesteine der Trachyt-Reihe denken mag, so
erlaube ich mir nur, die Aufmerksamkeit der Geologen auf die einfache
Thatsache zu lenken, dasz in der Masse eines Gesteines auf Ascension von
unzweifelhaft vulcanischem Ursprung Schichten, oft von äuszerster Dünne
erzeugt worden sind, welche völlig gerade und einander parallel sind; --
einige sind aus deutlichen Krystallen von Quarz und Diopsid, mit
amorphen augitischen Flecken und körnigem Feldspath untermischt,
zusammengesetzt, -- andere bestehn ganz und gar aus derartigen schwarzen
augitischen Flecken mit Körnchen von Eisenoxyd --, und endlich noch
andere werden aus krystallinischem Feldspath in einem Zustande mehr oder
weniger vollkommener Reinheit, in Verbindung mit zahlreichen, längsweise
angeordneten Krystallen von Feldspath gebildet. Auf dieser Insel haben
wir Ursache anzunehmen und bei einigen analogen Fällen ist es als sicher
bekannt, dasz die Lamellen sich schon ursprünglich mit ihrer jetzigen
starken Neigung gebildet haben. Thatsachen von solcher Beschaffenheit
sind ganz offenbar in Bezug auf den Ursprung der Structur jener groszen
Reihe plutonischer Gesteine von Bedeutung, welche wie die vulcanischen
der Einwirkung der Wärme unterworfen gewesen sind und welche aus
abwechselnden Schichten von Quarz, Feldspath, Glimmer und anderen
Mineralien bestehn.

[14] Geographical Journal, Vol. V. p. 243.

[15] ~Lesson~ hat diese Thatsache beobachtet: Zoologie du Voyage de la
Coquille, p. 490. Mr. ~Hennah~ bemerkt ferner (Geolog. Proceedings,
1835. p. 189), dasz die ausgedehntesten Aschenschichten auf Ascension
ausnahmslos auf der Seite der Insel unter dem Winde vorkommen.

[16] ~Nichol~'s Architecture of the Heavens.

[17] Voyage aux Quatre îles d'Afrique, Tom. I. p. 222.

[18] Voyage en Hongrie, Tom. II. p. 214.

[19] Manche Stücke dieses Peperino oder Tuffs sind hinreichend hart, um
mit der gröszten Kraft von den Fingern nicht zerbrochen werden zu
können.

[20] Auf der nördlichen Seite des Grünen Bergs zieht sich ein dünnes,
ungefähr einen Zoll dickes Band von compactem Eisenoxyd in
beträchtlicher Ausdehnung hin; es hat eine concordante Lagerung im
untern Theile der geschichteten Masse von Asche und Bruchstücken. Diese
Substanz ist von röthlich brauner Farbe mit einem beinahe metallischen
Glanze; sie ist nicht magnetisch, wird es aber nach Erhitzung vor dem
Löthrohre, wo sie geschwärzt und zum Theil geschmolzen wird. Dieses Band
compacten Gesteins gibt dadurch, dasz es das wenige auf der Insel
fallende Regenwasser aufhält, einer kleinen tröpfelnden Quelle
Entstehung, welche zuerst von ~Dampier~ entdeckt wurde. Sie ist das
einzige Süszwasser auf der Insel, so dasz die Möglichkeit ihres
Bewohntseins gänzlich von dem Vorkommen dieser eisenhaltigen Schicht
abgehangen hat.

[21] Professor ~Miller~ ist so freundlich gewesen, dies Mineral zu
untersuchen. Er erhielt zwei gute Spaltflächen von 86° 30' und 86° 50'.
Das Mittel aus mehreren, welche ich erhielt, war 86° 30'. Prof. ~Miller~
gibt an, dasz diese Krystalle zu einem feinen Pulver zerstoszen in
Salzsäure löslich sind und etwas ungelöste Kieselsäure zurücklassen; der
Zusatz von oxalsaurem Ammoniak gibt einen copiösen Niederschlag von
Kalk. Er bemerkt ferner, dasz der Angabe ~von Kobell~'s zufolge Anorthit
(ein in den ausgeworfenen Massen von Monte Somma vorkommendes Mineral)
immer weisz und durchsichtig ist, so dasz, wenn dies der Fall ist, diese
Krystalle von Ascension für Labrador-Feldspath gehalten werden müssen.
Prof. ~Miller~ fügt hinzu, dasz er in ~Erdmann~'s Journal für technische
Chemie die Schilderung eines von einem Vulcane ausgeworfenen Minerals
gelesen habe, welches die äuszern Charactere des Labrador-Feldspaths
besasz, aber von der, von Mineralogen gegebenen Analyse dieses Minerals
abwich; der Verfasser schrieb diese Verschiedenheit einem Irrthum in der
Analyse des Labrador-Feldspaths zu, welche sehr alt ist.

[22] ~Daubeny~ bemerkt in seinem Buche über Vulcane (p. 386), dasz dies
der Fall ist; und ~Humboldt~ sagt (Personal Narrative, Vol. I, p. 236):
»Im Allgemeinen sind die Massen bekannter primitiver Gesteine, ich meine
diejenigen, welche vollkommen unsern Graniten, Gneisz und
Glimmerschiefer ähnlich sind, in Laven sehr selten: die Substanzen,
welche wir allgemein mit dem Namen Granit bezeichnen, welche vom Vesuv
ausgeworfen werden, sind Gemische von Nephelin, Glimmer und Pyroxen.«

[23] Dieser Raum wird nahezu von einer Linie umschlossen, welche um den
Grünen Berg herumgeht und die Berge mit einander verbindet, welche
Weather Port Signal, Holyhead heiszen und von denen der eine »der Crater
eines alten Vulcans« (im geologischen Sinne uneigentlich) genannt wird.

[24] Der Porphyr ist dunkel gefärbt; er enthält zahlreiche, häufig
zerbrochene Krystalle weiszen opaken Feldspaths, auch zerfallende
Krystalle von Eisenoxyd; seine Blasen schlieszen Massen von zarten
haarähnlichen Krystallen, augenscheinlich von Analcim ein.

[25] ~D'Aubuisson~, Traité de Geógnosie, Tom. II. p. 548.

[26] ~Daubeny~ (on Volcanos, p. 180) scheint zu der Annahme geführt
worden zu sein, dasz gewisse trachytische Formationen von Ischia und Puy
de Dôme, welche denen von Ascension in hohem Grade ähnlich sind,
sedimentären Ursprungs seien, und zwar hauptsächlich wegen der häufigen
Anwesenheit »von schlackenartigen Stücken in ihnen, die in der Farbe von
der Grundsubstanz abweichen.« ~Daubeny~ fügt andererseits hinzu, dasz
~Brocchi~ und andere bedeutende Geologen diese Schichten für erdige
Varietäten von Trachyt angesehen haben; er hält den Gegenstand für
weiterer Beachtung werth.

[27] ~Beudant~ (Voyage en Hongrie, Tom. III. p. 502, 504) beschreibt
nierenförmige Massen von Jaspis-Opal, welche entweder in das umgebende
trachytische Conglomerat übergehn oder wie Kreide-Feuersteine in ihm
eingeschlossen sind; er vergleicht sie mit den Stücken opalisirten
Holzes, welche in dieser Formation so häufig sind. ~Beudant~ scheint
indesz ihren Bildungsprocesz eher für einen Procesz einfacher
Infiltration als für eine moleculare Umwandlung angesehen zu haben; es
scheint mir aber das Vorhandensein von Concretionen, die von der
umgebenden Substanz gänzlich verschieden sind, wenn sie nicht in einer
vorher bestehenden Höhlung gebildet wurden, entweder eine moleculare
oder eine mechanische Umlagerung der Atome zu erfordern, welche den
später von ihnen eingenommenen Raum erfüllten. Der Jaspis-Opal von
Ungarn geht in Chalcedon über; es scheint daher in diesem Falle, wie bei
Ascension, der Jaspis seinem Ursprunge nach in inniger Beziehung zum
Chalcedon zu stehn.

[28] ~Beudant~ (Voyage Minér. Tom. III. p. 507) zählt Fälle des
Vorkommens auf aus Ungarn, Deutschland, dem mittleren Frankreich,
Italien, Griechenland und Mexiko.

[29] Die Eier der Schildkröte, welche von dem Weibchen begraben werden,
werden zuweilen in das solide Gestein eingeschlossen. ~Lyell~ hat
(Principles of Geology, Buch III, Cap. 17) eine Abbildung einiger Eier
gegeben, welche, schon die Knochen junger Schildkröten enthaltend, in
dieser Weise eingeschlossen gefunden wurden.

[30] Researches in theoretical Geology, p. 12.

[31] Der Selenit ist, wie ich bemerkt habe, den Gesteinen fremd und musz
aus dem Meerwasser herrühren. Es ist ein interessanter Umstand, in
dieser Weise zu finden, dasz die hinreichend schwefelsauren Kalk
enthaltenden Wellen des Oceans ihn auf die Felsen ablegen, gegen welche
sie in der Gezeit anschlagen. Dr. ~Webster~ hat (Voyage of the
Chanticleer, Vol. II. p. 319) Schichten von Gyps und Salz beschrieben,
welche bis zu zwei Fusz an Mächtigkeit durch Verdampfung des Flugwassers
auf den Felsen an der dem Winde zugekehrten Küste zurückbleiben.
Wundervolle Selenit-Stalactiten, welche in der Form denen von
kohlensaurem Kalk ähnlich sind, bilden sich in der Nähe dieser Küsten.
Auch amorphe Massen von Gyps kommen in Höhlen im Innern der Insel vor;
und auf Cross Hill (einem alten Crater) sah ich eine beträchtliche Menge
von Salz aus einem Schlackenhaufen vorquellen. In diesen letzten Fällen
scheinen das Salz und der Gyps vulcanische Producte zu sein.

[32] Nach der in meiner Reise (Übers. p. 14) beschriebenen Thatsache,
dasz ein von einem Bache abgesetzter Überzug von Eisenoxyd (wie ein sehr
ähnlicher Überzug an den groszen Cataracten des Orinocco und Nils) fein
polirt wird, wo die Brandung einwirkt, vermuthe ich, dasz auch in diesem
Falle die Brandung polirend wirkt.

[33] In dem der Beschreibung von St. Paul's Felsen gewidmeten Abschnitt
habe ich eine glänzende, perlige Substanz, welche die Felsen überzieht,
und eine verwandte stalactitenartige Incrustation von Ascension
beschrieben, deren Rinde dem Schmelz der Zähne ähnlich ist, aber hart
genug ist, Tafelglas zu ritzen. Diese beiden Substanzen enthalten
animale Substanz und scheinen von Wasser abgesetzt worden zu sein,
welches durch Vögelexcremente gesickert ist.

[34] Mr. ~Horner~ und Sir ~David Brewster~ haben (Philosoph.
Transactions, 1836, p. 65) eine eigenthümliche, »künstliche, Muscheln
ähnliche Substanz« beschrieben. Sie wird in feinen, durchsichtigen,
bedeutend polirten, braun gefärbten Blättern, welche eigenthümliche
optische Eigenschaften haben, auf der Innenseite eines Gefäszes
abgesetzt, in welchem zuerst mit Leim und dann mit Kalk präparirtes Zeug
rapid in Wasser in Umdrehung versetzt wird. Sie ist viel weicher,
durchscheinender und reicher an animaler Substanz als die natürliche
Incrustation von Ascension; wir sehn aber doch hier wiederum die starke
Neigung, welche kohlensaurer Kalk und animale Substanz darbieten, eine
feste, mit Schalensubstanz verwandte Substanz zu bilden.

[35] Dieser Ausdruck kann leicht miszverstanden werden, da er sowohl auf
Gesteine, welche in Blätter von genau derselben Zusammensetzung getheilt
sind, als auch auf fest aneinander geheftete Schichten ohne Neigung zur
Spaltbarkeit, aber aus verschiedenen Mineralien bestehend oder von
verschiedenen Farbenschattirungen, angewendet werden kann. Der Ausdruck
blättrig wird in diesem Capitel in dem letztern Sinne gebraucht; wo ein
homogenes Gestein wie in dem erstgenannten Sinne in einer gegebenen
Richtung spaltet, wie Thonschiefer, habe ich den Ausdruck spaltbar
gebraucht.

[36] Professor ~Miller~ theilt mir mit, dasz die von ihm gemessenen
Krystalle die Flächen _P_, _z_, _m_ der Figur 147 hatten, welche
~Haidinger~ in seiner Übersetzung von ~Mohs~ gibt; er fügt hinzu, es sei
merkwürdig, dasz keiner auch nur die unbedeutendste Spur der Fläche _r_
des regelmäszigen sechsseitigen Prismas hatte.

[37] Geological Transactions, Vol. III. P. I. p. 37.

[38] Die vorstehenden Analysen sind aus ~Beudant~, Traité de
Minéralogie, Tom. II. p. 113, und eine Analyse des Obsidians aus
~Philipps's~ Mineralogie entnommen.

[39] Diese Analysen sind aus ~Kobell's~ Grundzügen der Mineralogie,
1838, entnommen.

[40] Traité de Géognosie, Tom. II. p. 535.

[41] Dies ist bei der Fabrication des gewöhnlichen Glases und bei
~Gregory Watt's~ Experimenten an geschmolzenem Trapp zu beobachten;
ebenso auch an der natürlichen Oberfläche von Lavaströmen und an den
Seitenwänden von Trappgängen.

[42] Ich weisz nicht, ob es allgemein bekannt ist, dasz Körper, welche
genau dasselbe Aussehn wie Sphäruliten haben, zuweilen im Achat
vorkommen. ~Robert Brown~ zeigte mir an einem innerhalb einer Höhlung in
einem Stücke verkieselten Holzes gebildeten Achate einige kleine Flecke,
welche für das blosze Auge gerade eben sichtbar waren: als er diese
Flecke unter eine stark vergröszernde Lupe brachte, boten sie ein
wunderschönes Ansehn dar: sie waren vollkommen kreisrund und bestanden
aus den feinsten Fasern von brauner Färbung, welche mit groszer
Genauigkeit von einem gemeinsamen Mittelpunkte ausstrahlten. Diese
kleinen strahlenförmigen Sterne wurden gelegentlich von bandartigen
Farbenzonen im Achat durchschnitten oder es wurden Stücke von ihnen
völlig abgeschnitten. In dem Obsidian von Ascension liegen die beiden
Hälften eines Sphärulits häufig in verschiedenen Farbenzonen, sie werden
aber nicht von solchen abgeschnitten, wie im Achat.

[43] Journal de Physique, Tom. 59, (1804), p. 10, 12.

[44] Journal de Physique, Tom. 60, (1805), p. 418.

[45] Voyage en Hongrie, Tom. I. p. 330; Tom. II. p. 221 u. 315; Tom.
III. p. 369, 371, 377, 381.

[46] Essai géognostique, p. 176, 326, 328.

[47] ~P. Scrope~, in: Geological Transactions, 2. Ser., 2. Vol. p. 195.
Vergl. auch ~Dolomieu~, Voyage aux isles Lipari, und ~D'Aubuisson~,
Traité de Géognosie, Tom. II. p. 534.

[48] In Mr. ~Stokes'~ schöner Sammlung von Obsidianen aus Mexico bemerke
ich, dasz die Sphäruliten meistens viel gröszer sind als die von
Ascension; sie sind meistens weisz, opak und in deutliche Lagen
verbunden: es finden sich viele eigenthümliche, von allen auf Ascension
vorkommenden verschiedene Varietäten. Die Obsidiane sind schön
gebändert, in vollkommen geraden oder gekrümmten Linien, mit äuszerst
unbedeutenden Verschiedenheiten des Farbentons, der Zelligkeit und des
mehr oder minder vollkommenen Grades der Verglasung. Verfolgt man einige
der weniger vollkommen glasigen Zonen, so sieht man, dasz sie dicht mit
äuszerst kleinen weiszen Sphäruliten besetzt sind, welche immer
zahlreicher und zahlreicher werden, bis sie sich zuletzt vereinen und
eine deutliche Schicht bilden; andererseits verbinden sich auf Ascension
nur die braunen Sphäruliten zur Bildung von Lagen; die weiszen sind
immer unregelmäszig zerstreut. Einige Handstücke in der Sammlung der
Geologischen Gesellschaft, welche einer Obsidian-Formation in Mexico
angehören sollen, haben einen erdigen Bruch und werden durch Flecke
eines schwarzen Minerals in die feinsten parallelen Blätter getheilt,
ähnlich den Augit- oder Hornblende-Flecken in den Gesteinen von
Ascension.

[49] ~Beudant~'s Voyage, Tom. III. p. 373.

[50] Wegen Teneriffa s. ~von Buch~, Description des îles Canaries, p.
184 und 190; wegen der liparischen Inseln s. ~Dolomieu~. Voyage, p. 34;
wegen Island s. ~Mackenzie~'s Travels, p. 369.

[51] Mémoires pour servir à une déscription géologique de la France,
Tom. IV. p. 371.

[52] ~MacCulloch~ gibt an (Classification of Rocks, p. 531), dasz die
exponirten Flächen der Pechsteingänge in Arran »in wellenförmig
verlaufenden Linien gefurcht sind, welche gewissen Arten marmorirten
Papiers ähnlich sind, und welche offenbar das Resultat irgend einer
entsprechenden Verschiedenheit der blättrigen Structur sind.«

[53] Personal Narrative, Vol. I. p. 222.

[54] Geological Transactions, 2. Ser., Vol. II. p. 195.

[55] Description des îles Canaries, p. 184.

[56] Voyage aux îles de Lipari, p. 35 und 85.

[57] In diesem Falle, wie in dem des spaltigen Bimssteins ist die
Structur von der in den vorher erwähnten Fällen sehr verschieden, wo die
Blätter aus abwechselnden Schichten verschiedener Zusammensetzung oder
Textur bestehn. Bei einigen Sedimentärformationen indessen, welche allem
Anscheine nach homogen und spaltbar sind, wie bei glasigem Thonschiefer,
haben wir Grund zur Annahme, dasz, der Angabe ~D'Aubuisson~'s zufolge,
die Blätter wirklich die Folge äuszerst dünner abwechselnder
Glimmerschichten sind.

[58] ~Phillip~'s Mineralogy, in Bezug auf die italienischen Inseln, p.
136. Wegen Mexico und Peru s. ~Humboldt~, Essai géognostique. Auch Mr.
~Edwards~ beschreibt die starke Neigung der Obsidiangesteine des Cerro
del Navaja in Mexico, in: Proceed. Geolog. Soc. June, 1838.

[59] Geological Transactions, 2. Ser., Vol. II. p. 200 u. flgde. Diese
eingeschlossenen Bruchstücke bestehn in manchen Fällen aus abgebrochenem
blättrigem Trachyt, »welcher von den noch flüssig gebliebenen Theilen
eingehüllt wurde.« Auch ~Beudant~ erwähnt in seinem groszen Werke über
Ungarn (Tom. III p. 386) häufig trachytische Gesteine, welche
unregelmäszig mit Fragmenten derselben Varietäten gefleckt sind, die an
andern Stellen die parallelen Bänder bilden. In diesen Fällen müssen wir
annehmen, dasz, nachdem ein Theil der geschmolzenen Masse eine blättrige
Structur angenommen hat, ein frischer Ausbruch von Lava die Masse
zerbrach und Bruchstücke einschlosz, und dasz später das Ganze blättrig
wurde.

[60] ~Dolomieu's~ Voyage, p. 64.

[61] Es setzt allerdings die Bildung eines groszen Krystalls irgend
eines Minerals in einem Gestein von gemischter Zusammensetzung eine
Aggregation der erforderlichen Atome voraus, welche mit der
Concretionskraft verwandt ist. Die Ursache davon, dasz die
Feldspathkrystalle in diesen Gesteinen von Ascension sämmtlich
längsweise gestellt sind, ist wahrscheinlich die nämliche wie die,
welche alle die braunen sphärulitischen Körnchen (welche sich vor dem
Löthrohre wie Feldspath verhalten) in der nämlichen Richtung verlängert
und abgeplattet hat.

[62] Mémoires pour servir etc. T. IV. p. 131.

[63] Edinburgh New Philos. Journal, 1842, p. 350.

[64] Ich vermuthe, dasz dies nahezu dieselbe Erklärung ist, welche
~Scrope~ im Sinne gehabt hat, wenn er (Geolog. Transactions, 2. Ser.
Vol. II. p. 228) von der gebänderten Structur seiner trachytischen
Gesteine in der Weise spricht, dasz sie entstanden sei »in Folge einer
linearen Ausdehnung der Masse, so lange sie sich noch im Zustande
unvollkommener Flüssigkeit befunden habe, in Verbindung mit einem
concretionären Procesz.«

[65] Basaltische Laven und viele andere Gesteine sind nicht selten in
dicke Lamellen oder Platten von der nämlichen Zusammensetzung getheilt,
welche entweder gerade oder gekrümmt sind; dieselben werden durch
senkrechte Spaltungslinien durchsetzt und werden zuweilen zu Säulen
verbunden. Ihrem Ursprunge nach scheint diese Structur mit derjenigen
verwandt zu sein, bei welcher viele Gesteine, sowohl feurigen als
sedimentären Ursprungs, von parallelen Spaltensystemen durchsetzt sind.



Viertes Capitel.

St. Helena.

     Laven der feldspathigen, basaltischen und submarinen Reihe. --
     Durchschnitt des Flagstaff-Hill und des Barn. -- Turk's Cap und
     Prosperous Bay. -- Basaltischer Ring. -- Centraler craterförmiger
     Rücken, mit einer innern Leiste und einer Brustwehr. --
     Phonolith-Kegel. -- Oberflächliche Schichten von kalkigem
     Sandstein. -- Ausgestorbene Landschnecken. -- Schichten von
     Detritus. -- Erhebung des Landes. -- Denudation. --
     Erhebungscratere.


Die ganze Insel ist vulcanischen Ursprungs; ihr Umfang beträgt nach der
Angabe BEATSON's[66] ungefähr 28 Meilen. Der centrale und gröszte Theil
besteht aus Gesteinen einer feldspathigen Beschaffenheit, meistentheils
in einem ganz auszerordentlichen Grade zersetzt; sie bieten in diesem
Zustande eine eigenthümliche Sammlung von abwechselnden rothen,
purpurnen, braunen, gelben und weiszen, weichen, thonartigen Schichten
dar. Wegen der Kürze unsres Besuchs habe ich diese Schichten nicht mit
Sorgfalt untersucht; einige derselben, besonders diejenigen der weiszen,
gelben und braunen Schattirungen, bestanden ursprünglich als Lavaströme,
die gröszere Zahl derselben wurde aber wahrscheinlich in der Form von
Schlacken und Aschen ausgeworfen; andere Schichten von einer purpurnen
Färbung, porphyrartig mit krystallförmigen Flecken einer weiszen weichen
Substanz, welche jetzt fettig sind und wie Wachs beim Druck mit dem
Nagel einen polirten Strich darbieten, scheinen einmal als solide
Thonstein-Porphyre bestanden zu haben: die rothen, thonigen Schichten
haben meistens eine breccienartige Structur und sind ohne Zweifel durch
Zerfall von Schlacken gebildet worden. Indessen behalten mehrere
ausgedehnte, zu dieser Reihe gehörende Ströme ihren steinigen
Character: dieselben sind entweder von einer schwärzlich-grünen Farbe,
mit minutiösen nadelförmigen Krystallen von Feldspath, oder von einer
sehr blassen Färbung und beinahe ganz aus minutiösen, häufig
schuppenartigen Krystallen von Feldspath, auszerordentlich reich mit
mikroskopischen schwarzen Flecken bedeckt, zusammengesetzt; sie sind
meistens compact und in Blätter getheilt; indessen sind andere von
ähnlicher Zusammensetzung zellig und etwas zerfallen. Keines dieser
Gesteine enthält grosze Feldspath-Krystalle, oder hat den harten, dem
Trachyt eigenen Bruch. Diese feldspathigen Laven und Tuffe sind die
obersten oder die zuletzt ausgeworfenen; doch sind unzählige Gänge und
grosze Massen geschmolzenen Gesteins später in dieselben injicirt
worden. Sie convergiren, wie sie aufsteigen, nach dem centralen,
gebogenen Rücken zu, an welchem ein Punkt die Höhe von 2700 Fusz
erreicht. Dieser Rücken ist das höchste Land auf der Insel; er bildete
früher den nördlichen Rand eines groszen Craters, aus welchem die Laven
dieser Reihe floszen; wegen seines ruinösen Zustandes, wegen des
Umstandes, dasz die südliche Hälfte entfernt worden ist, und wegen der
gewaltsamen Verwerfung, welcher die ganze Insel ausgesetzt gewesen ist,
ist sein Bau sehr undeutlich geworden.

~Basaltische Reihe.~ -- Der Rand der Insel wird von einem
unregelmäszigen Kreise groszer, schwarzer, stratificirter Wälle von
Basalt gebildet, welcher nach der See hin einfällt und zu Klippen
ausgenagt worden ist, die häufig nahezu senkrecht sind und in ihrer Höhe
von einigen wenigen hundert Fusz bis zu zwei tausend schwanken. Dieser
Kreis oder vielmehr hufeisenförmige Ring ist nach Süden hin offen und
noch durch mehrere andere weite Zwischenräume durchbrochen. Sein Rand
oder Gipfel springt meistens wenig über das Niveau des anstoszenden
landeinwärts gelegenen Landes vor; und die neueren feldspathigen Laven,
welche von den im Mittelpunkte der Insel gelegenen Höhen herabsteigen,
stoszen meistens gegen seinen innern Rand an und überlagern ihn;
indessen scheinen sie an der nordwestlichen Seite der Insel (nach einem
Blick von der Entfernung aus zu urtheilen) über denselben weggeflossen
zu sein und Theile davon verdeckt zu haben. An einigen Stellen, da wo
der basaltische Ring durchbrochen ist und die schwarzen Wälle einzeln
stehn, sind die feldspathigen Laven zwischen ihnen hindurchgegangen und
stehn nun an der Meeresküste in hohen Uferklippen. Die basaltischen
Gesteine sind von schwarzer Farbe und dünn stratificirt; sie sind
meistens in hohem Grade blasig, gelegentlich aber compact; einige
derselben enthalten zahlreiche Krystalle glasigen Feldspaths und
Octaëder von titanhaltigem Eisen; andere sind auszerordentlich reich an
Krystallen von Augit und an Olivinkörnern. Die blasigen Zellräume sind
häufig mit äuszerst kleinen Krystallen (von Chabasit?) ausgekleidet und
werden selbst durch solche amygdaloid. Die einzelnen Ströme sind von
einander durch aschige Massen oder durch einen hellrothen,
zerreiblichen, salzführenden Tuff getrennt, welcher durch
übereinanderliegende Linien gezeichnet ist, wie sie bei Niederschlägen
aus Wasser vorkommen; zuweilen hat er einen undeutlich concretionären
Bau. Die Gesteine dieser basaltischen Reihe kommen sonst nirgends vor
auszer in der Nähe der Küste. In den meisten vulcanischen Districten
sind die trachytischen Laven von früherem Ursprung als die basaltischen;
hier sehn wir aber, dass ein sehr mächtiges, in seiner Zusammensetzung
der Familie der Trachyte sehr ähnliches Gestein in einer späteren Zeit
zur Eruption gelangt ist als die basaltischen Schichten; indessen weist
die grosze Zahl von Gängen, die auszerordentlich reich an groszen
Augitkrystallen sind, und mit welchem die feldspathigen Laven erfüllt
worden sind, vielleicht auf eine gewisse Neigung hin, zu der
gewöhnlicheren Ordnung der Übereinanderlagerung zurückzukehren.

~Basale submarine Laven.~ -- Die Laven dieser basalen Reihe liegen
unmittelbar sowohl unter den basaltischen als auch unter den
feldspathigen Gesteinen. Der Angabe Mr. SEALE's[67] zufolge sind sie in
gewissen Absätzen am Meeresstrande rings um die ganze Insel herum zu
sehen. An den Durchschnitten, welche ich untersucht habe, variirte ihre
Beschaffenheit bedeutend; einige der Schichten waren auszerordentlich
reich an Augitkrystallen; andere sind von einer braunen Farbe, entweder
lamellös oder in einem geschiebeartigen Zustande; und viele Stellen sind
durch kalkige Substanz in hohem Grade amygdaloid geworden. Die
aufeinander folgenden Schichten sind entweder dicht mit einander
verbunden oder durch Lager von schlackigem Gesteine oder von blättrigem
Tuff, der häufig gut abgerundete Bruchstücke enthält, von einander
getrennt. Die Zwischenräume dieser Lager sind mit Gyps und Salz erfüllt;
auch der Gyps kommt zuweilen in dünnen Schichten vor. Wegen der groszen
Menge dieser beiden Substanzen, wegen der Anwesenheit abgerundeter
Rollsteine in den Tuffen und wegen der auszerordentlich zahlreichen
Amygdaloide kann ich nicht daran zweifeln, dasz diese basalen
vulcanischen Schichten unter dem Meere geflossen sind. Diese Bemerkung
sollte vielleicht auch auf einen Theil der darüberliegenden basaltischen
Gesteine ausgedehnt werden; ich bin aber nicht im Stande gewesen, über
diesen Punkt gültige Aufklärung zu erhalten. Die Schichten der basalen
Reihe wurden, wo ich sie auch immer untersuchte, von einer
auszerordentlichen Zahl von Gängen durchschnitten.

[Illustration: Fig. 8. Die doppelten Linien stellen die basaltischen
Schichten, die einfachen die basalen submarinen Schichten dar, die
punktirten die oberen feldspathigen Schichten, die Gänge sind quer
schraffirt.]

~Flagstaff Hill und der Barn.~ -- Ich will nun einige der
bemerkenswerthesten Durchschnitte beschreiben und will mit jenen beiden
Bergen anfangen, welche den hauptsächlichsten Zug in der äuszern
Erscheinung an der nordöstlichen Seite der Insel bilden. Der viereckige,
winklige Umrisz und die schwarze Färbung des Barn weist sofort darauf
hin, dasz er zu der basaltischen Reihe gehört, während die glatte,
conische Form und die verschiedenartigen hellen Färbungen des Flagstaff
Hill es in gleicher Weise deutlich erkennen lassen, dasz er aus den
erweichten feldspathigen Gesteinsarten zusammengesetzt ist. Diese beiden
hohen Berge stehn (wie es in dem beistehenden Holzschnitt, Fig. 8,
dargestellt ist) durch einen schmalen Rücken mit einander in Verbindung,
welcher aus den geschiebeartigen Laven der basalen Reihe gebildet wird.
Die Schichten dieses Rückens fallen nach Westen ein, die Neigung wird
dabei nach dem Flagstaff Hill hin allmählich geringer; auch kann man,
wenn schon mit einiger Schwierigkeit, sehn, dasz die oberen
feldspathigen Schichten dieses Berges in concordanter Weise nach
West-südwest einfallen. Dicht am Barn liegen die Schichten des Rückens
beinahe senkrecht, sind aber durch unzählige Gänge sehr undeutlich
gemacht; unter diesem Berge ändern sie wahrscheinlich ihre Lage aus der
senkrechten in eine entgegengesetzte Neigung; denn die oberen oder
basaltischen Schichten, welche ungefähr 800 oder 1000 Fusz mächtig sind,
sind unter einem Winkel von zwischen 30 und 40 Graden nach Nordosten
geneigt.

Dieser Rücken, und ebenso auch der Barn und der Flagstaff Hill, ist von
Gängen durchschnitten, von denen viele einen merkwürdigen Parallelismus
in einer nord-nordwestlichen und süd-südöstlichen Richtung bewahren. Die
Gänge bestehn hauptsächlich aus einer Gesteinsart, welche porphyrartig
mit groszen Augitkrystallen ist; andere werden von einem feinkörnigen
und braungefärbten Trapp gebildet. Die meisten dieser Gänge sind mit
einer glänzenden Schicht[68] überzogen von einem bis zwei Zehntel Zoll
Dicke, welche, ungleich dem echten Pechstein, zu einem schwarzen Email
schmilzt; diese Schicht ist offenbar dem glänzenden oberflächlichen
Überzug vieler Lavaströme analog. Die Gänge können häufig sowohl in
senkrechter als wagerechter Richtung auf grosze Strecken hin verfolgt
werden und scheinen eine nahezu gleichförmige Mächtigkeit zu
behalten[69]. Mr. SEALE gibt an, dasz ein Gang in der Nähe des Barn in
einer Höhe von 1260 Fusz nur um 4 Zoll in der Breite abnimmt, -- nämlich
von 9 Fusz am Grunde bis zu 8 Fusz 8 Zoll am Gipfel. Auf dem
Verbindungsrücken scheinen die Gänge in ihrem Laufe in einem
beträchtlichen Grade von den abwechselnden harten und weichen Schichten
geleitet worden zu sein: sie sind häufig innig mit den harten Schichten
verbunden und bewahren ihren Parallelismus auf solch bedeutenden
Strecken, dasz es in sehr vielen Fällen unmöglich war, zu vermuthen,
welche von den Schichten derartige Ausfüllungsgänge und welche Schichten
Lavaströme waren. Obschon die Gänge auf diesem Rücken so zahlreich sind,
so sind sie doch in den Thälern ein wenig südlich von ihm noch
zahlreicher und bis zu einem Grade, den ich nirgendwo anders auch nur
annähernd erreicht gefunden habe: in diesen Thälern ziehn sie sich in
weniger regelmäszigen Linien hin; sie bedecken den Boden mit einem
Spinnengewebe ähnlichen Netze, und einige Stellen der Oberfläche
erscheinen selbst so, als beständen sie vollständig aus Gängen, welche
von andern Gängen durchwoben wären.

Wegen der durch diese Gänge verursachten Complexität, wegen der starken
Neigung und des anticlinischen Einfallens der Schichten der basalen
Reihe, über welchen an den entgegengesetzten Enden des kurzen Rückens
zwei grosze Massen verschiedenen Alters und verschiedener
Zusammensetzung gelagert sind, bin ich darüber nicht überrascht, dasz
dieser merkwürdige Durchschnitt falsch verstanden worden ist. Es ist
selbst die Vermuthung ausgesprochen worden, dasz er einen Theil eines
Craters bilde; aber hieran ist um so weniger zu denken, als vielmehr der
Gipfel des Flagstaff Hill früher einmal das untere Ende eines groszen
Stromes von Lava und Asche gebildet hat, welcher von dem centralen
craterförmigen Rücken her zum Ausbruch gekommen ist. Nach der Abdachung
der gleichzeitigen Ströme in einem angrenzenden und nicht gestörten
Theile der Insel zu urtheilen, müssen die Schichten des Flagstaff Hill
mindestens zwölfhundert Fusz, und wahrscheinlich noch viel mehr,
aufgerichtet worden sein, denn die groszen abgestutzten Gänge an seinem
Gipfel beweisen, dasz er einer starken Denudation unterlegen ist. Der
Gipfel dieses Berges ist in der Höhe jetzt nahezu dem craterförmigen
Rücken gleich; und ehe er der Denudation unterlegen ist, war er
wahrscheinlich höher als dieser Rücken, von welchem er durch einen
breiten Strich viel niedrigeren Landes getrennt ist. Wir sehn daher
hier, dasz das untere Ende einer Gruppe von Lavaströmen bis zu einer
ebenso bedeutenden, oder vielleicht sogar zu einer noch gröszeren Höhe
aufgestülpt worden ist, als der Crater besasz, an dessen Wänden sie
ursprünglich herabgeflossen waren. Ich glaube, dasz Dislocationen in so
bedeutendem Maszstabe in vulcanischen Districten äuszerst selten
sind[70]. Die Bildung solcher Mengen von Ausfüllungsgängen in diesem
Theile der Insel weist darauf hin, dasz die Oberfläche hier in einem
ganz auszerordentlichen Grade gestreckt worden sein musz: diese
Streckung trat an dem Rücken zwischen dem Flagstaff Hill und dem Barn
wahrscheinlich erst ein, nachdem (wennschon vielleicht unmittelbar
darauf) die Schichten aufgerichtet wurden; denn hätten zu jener Zeit
die Schichten in horizontaler Ausdehnung dagelegen, so würden sie aller
Wahrscheinlichkeit nach quer gespalten und injicirt worden sein statt in
der Ebene ihrer Schichtung. Obgleich der Raum zwischen dem Barn und dem
Flagstaff Hill eine deutliche, sich nördlich und südlich erstreckende
anticlinische Linie darbietet, und obgleich die Mehrzahl der Gänge mit
groszer Regelmäszigkeit in dieser selben Linie sich hinziehen, so liegen
doch nur eine Meile gerade südlich von dem Rücken die Schichten
ungestört. Es scheint daher die störende Kraft mehr unterhalb eines
Punktes statt einer Linie entlang gewirkt zu haben. Die Art und Weise,
in welcher sie gewirkt hat, wird wahrscheinlich durch die Structur des
Little Stony-top erklärt, eines 2000 Fusz hohen Berges, welcher einige
wenige Meilen südlich vom Barn liegt; wir sehen dort, selbst von einer
gewissen Entfernung aus, einen dunkelfarbigen, scharfen Keil compacten
säulenförmigen Gesteins und die hellgefärbten feldspathigen Schichten
von seiner unbedeckten Spitze aus nach beiden Seiten hin abfallen.
Dieser Keil, nach welchem der Berg seinen Namen »Stony-top« erhalten
hat, besteht aus einer Gesteinsmasse, welche im verflüssigten Zustande
in die darüber liegenden Schichten injicirt worden ist; und wenn wir
annehmen dürfen, dasz eine ähnliche Gesteinsmasse unter dem, den Barn
und Flagstaff Hill verbindenden Rücken injicirt worden ist, so ergibt
sich hieraus die dort beobachtete Structur.

~Turks' Cap und Prosperous Bays.~ -- Prosperous Hill ist ein groszer,
schwarzer, steil abstürzender Berg, welcher zwei und eine halbe Meile
weit südlich vom Barn liegt und gleich diesem aus basaltischen Schichten
zusammengesetzt ist. Diese liegen an einer Stelle auf den
braungefärbten, porphyrartigen Schichten der basalen Reihe und an einer
andern Stelle auf einer zerklüfteten Masse eines stark schlackigen und
amygdaloiden Gesteins, welches einen kleinen Eruptionspunkt unter der
Meeresfläche, gleichzeitig mit der basalen Reihe, gebildet zu haben
scheint. Prosperous Hill wird, in gleicher Weise wie der Barn, von
vielen Gängen durchsetzt, von denen die gröszere Zahl von Nord nach Süd
hinziehen, und seine Schichten fallen unter einem Winkel von ungefähr 20
Grad ziemlich schräg von der Insel nach dem Meere hin ein. Der Raum
zwischen Prosperous Hill und dem Barn, wie er in beistehendem
Holzschnitt Fig. 9 dargestellt ist, besteht aus hohen, aus den Laven der
oberen oder feldspathigen Reihe zusammengesetzten Klippen, welche,
wenngleich in discordanter Lagerung, auf den basalen submarinen
Schichten ruhen, wie wir es auch am Flagstaff Hill gesehen haben.
Verschieden indessen von ihrem Verhalten an jenem Berge sind hier diese
oberen Schichten nahezu horizontal und erheben sich nur sanft nach dem
Innern der Insel zu; sie bestehen aus grünlich-schwarzen oder noch
gewöhnlicher aus blaszbraunen compacten Laven, statt aus erweichten und
lebhaft gefärbten Massen. Diese braungefärbten compacten Laven bestehen
beinahe gänzlich aus kleinen glänzenden Schuppen oder aus minutiösen
nadelförmigen Krystallen von Feldspath, welche dicht aneinander liegen
und auszerordentlich reich an minutiösen schwarzen Flecken,
augenscheinlich von Hornblende, sind. Die basaltischen Schichten von
Prosperous Hill springen nur wenig über das Niveau der sanft abfallenden
feldspathigen Ströme vor, welche sich an ihre aufgerichteten Enden
anstemmen und um sie herumwinden. Die Neigung der basaltischen Schichten
scheint zu grosz zu sein, als dasz sie durch deren Flieszen einen Abhang
hinab hätte verursacht werden können; sie müssen in ihre jetzige
Stellung schon vor der Eruption der feldspathigen Ströme aufgerichtet
worden sein.

[Illustration: Fig. 9. Die doppelten Linien stellen die basaltischen
Schichten, die einfachen die basalen submarinen Schichten, die
punktirten die obern feldspathigen Schichten dar.]

~Basaltischer Ring.~ -- Geht man rings um die Insel herum, so sieht man
die Laven der oberen Reihe nach Süden von Prosperous Hill in hohen,
steil abstürzenden Klippen in's Meer ragen. Weiter hin wird das, Great
Stony-top genannte Vorland, wie ich glaube, aus Basalt gebildet;
dasselbe ist mit Long Range Point der Fall, an dessen landeinwärts
gelegener Seite die gefärbten Schichten anstoszen. Auf der südlichen
Seite der Insel sieht man die basaltischen Schichten des Süd-Barn schräg
unter einem beträchtlichen Winkel meerwärts einfallen; auch steht dieses
Vorland ein wenig oberhalb des Niveaus der neueren feldspathigen Laven.
Weiterhin ist ein groszer Theil der Küste, auf jeder Seite von Sandy
Bay, bedeutend denudirt worden, und es scheint hier nur der basale Rest
des groszen centralen Craters übrig geblieben zu sein. Die basaltischen
Schichten erscheinen mit ihrer nach dem Meere hin gerichteten Neigung
wieder am Fusze des, Man-and-horse genannten Berges; sie haben überall
dieselbe Neigung nach dem Meere hin und ruhen, wenigstens an manchen
Stellen, auf den Laven der basalen Reihe. Wir sehen in dieser Weise,
dasz der Umkreis der Insel von einem bedeutend durchbrochenen Ringe,
oder vielmehr von einem Hufeisen von Basalt gebildet wird, welches nach
Süden hin offen ist und auf der östlichen Seite von vielen weiten
Durchlässen unterbrochen wird. Die Breite dieses randständigen Saumes
scheint auf der nordwestlichen Seite, wo er allein einigermaszen
vollkommen ist, von einer bis zu anderthalb Meile zu schwanken. Die
basaltischen Schichten fallen ebenso wie diejenigen der darunter
liegenden basalen Reihe mit einer mäszigen Neigung nach dem Meere hin
ein, wo sie nicht später gestört worden sind. Der durchbrochenere
Zustand des basaltischen Ringes auf der östlichen Hälfte im Vergleich
mit der westlichen Hälfte der Insel ist offenbar eine Folge der viel
bedeutenderen erodirenden Gewalt der Wellen auf der östlichen oder der
nach dem Winde hin gelegenen Seite als auf der Seite unter dem Winde,
wie es sich in der gröszeren Höhe der Klippen auf jener Seite zeigt. Ob
der Basaltrand vor oder nach der Eruption der Laven der oberen Reihen
durchbrochen worden ist, ist zweifelhaft; da aber einzelne Partien des
basaltischen Ringes vor jenem Ereignisse aufgerichtet worden zu sein
scheinen, und noch aus andern Gründen, ist es wahrscheinlicher, dass
wenigstens einige von den Durchbrüchen früher gebildet wurden. Stellen
wir im Geiste, so weit es möglich ist, den Ring von Basalt wieder her,
so scheint der innere Raum oder die Höhlung, welche seitdem mit den aus
dem groszen centralen Crater ausgeworfenen Massen erfüllt worden ist,
von ovaler Form gewesen zu sein, acht oder neun Meilen lang, ungefähr
vier Meilen breit und mit seiner Axe in einer nordöstlichen und
südwestlichen Linie liegend, die mit der jetzigen längsten Axe der Insel
zusammenfällt.

[Illustration: Fig. 10. 1. Graue feldspathige Lava. 2. Eine,
einen Zoll mächtige Schicht röthlicher erdiger Substanz. 3.
Breccienartige, rothe, thonhaltige Tuffe.]

~Der centrale gebogene Rücken.~ -- Dieser Bergkamm besteht, wie vorhin
schon bemerkt wurde, aus grauen feldspathigen Laven und aus rothen,
breccienartigen, thonhaltigen Tuffen, wie die Schichten der oberen
gefärbten Reihe. Die grauen Laven enthalten zahlreiche minutiöse
schwarze, leicht schmelzbare Flecken, und nur sehr wenige grosze
Krystalle von Feldspath. Sie sind meistens bedeutend erweicht; mit
Ausnahme dieses Merkmals und des Umstandes, dass sie an vielen Stellen
in hohem Grade zellig sind, sind sie denen jener groszen Lavaflächen
auszerordentlich ähnlich, welche an der Küste von Prosperous Bay die
hohen Klippen bilden. Nach den Anzeichen der Denudation zu urtheilen,
scheinen zwischen der Bildung der einzelnen aufeinanderfolgenden
Schichten, aus welchen dieser Rücken zusammengesetzt ist, beträchtliche
Zeiträume verflossen zu sein. An dem steilen nördlichen Abhange
beobachtete ich an mehreren Durchschnitten eine bedeutend verwitterte
wellenförmige Fläche rothen Tuffs, welcher von grauen, zersetzten,
feldspathigen Laven bedeckt war, mit einer nur dünnen erdigen, zwischen
beide eingelagerten Schicht. An einer in der Nähe gelegenen Stelle
bemerkte ich einen Trapp-Gang, vier Fusz breit, oben abgeschnitten und
von der feldspathigen Lava bedeckt, wie es in dem beistehenden
Holzschnitt dargestellt ist (Fig. 10). Der Bergrücken endet auf der
östlichen Seite in einem Haken, welcher auf keiner der Karten, welche
ich gesehen habe, deutlich genug dargestellt worden ist; nach dem
westlichen Ende hin dacht er sich allmählich ab und theilt sich in
mehrere untergeordnete Kämme. Der am deutlichsten hervortretende Theil
zwischen Diana's Peak und Nest Lodge, welcher die höchsten Bergzinnen
auf der Insel von einer zwischen 2000 und 2700 Fusz schwankenden Höhe
trägt, ist eher etwas weniger als drei Meilen in einer geraden Linie
lang. Über diesen ganzen Raum hin hat der Rücken ein gleichförmiges
Aussehen und gleiche Structur; seine Krümmung ist der dem Küstenzuge
einer groszen Meeresbucht ähnlich, aus vielen kleineren, sämmtlich nach
Süden offenen Bogen zusammengesetzt. Die nördliche, äuszere Seite wird
von schmalen Rücken oder Stützpfeilern unterstützt, welche sich nach dem
angrenzenden Lande abdachen. Die Innenseite ist viel steiler und beinahe
abgrundartig abfallend; sie wird von den Ausstrichenden der Schichten
gebildet, welche sanft nach auszen hin abfallen. Einigen Stellen der
innern Seite entlang, eine kurze Strecke unterhalb des Gipfels, zieht
sich eine flache Schwelle hin, welche in ihrem Umrisse die kleineren
Krümmungen des Kammes nachahmt. Schwellen oder Stufen dieser Art kommen
nicht selten innerhalb vulcanischer Cratere vor; ihre Bildung scheint
die Folge des Einsinkens einer erhärteten Lava zu sein, deren Ränder an
den Seitenwandungen hängen bleiben[71] (wie das Eis rings herum in einem
Tümpel, dessen Wasser abgelassen worden ist).

An einigen Stellen wird der Rücken von einer Mauer oder Brustwehr
überragt, welche auf beiden Seiten senkrecht abfällt. In der Nähe von
Diana's Peak ist diese Mauer auszerordentlich schmal. Auf dem
Galapagos-Archipel beobachtete ich solche Brustwehren, welche eine
völlig übereinstimmende Structur und Erscheinung darboten und mehrere
der dortigen Cratere überragten; eine davon, welche ich besonders genau
untersuchte, war aus glänzenden, rothen, fest mit einander verkitteten
Schlacken gebildet; da sie nach auszen ganz senkrecht war und sich
nahezu rings um den ganzen Umfang des Craters erstreckte, machte sie
denselben beinahe unzugänglich. Der Pik von Teneriffa und der Cotopaxi
sind, der Angabe HUMBOLDT's zufolge, ähnlich gebaut: er gibt an[72],
dasz »an ihren Gipfeln eine kreisförmige Mauer die Cratere umgibt,
welche Mauer von der Entfernung gesehen das Aussehen eines kleinen, auf
einen abgestutzten Kegel gestellten Cylinders hat. Am Cotopaxi[73] ist
dieser eigenthümliche Bau mit bloszem Auge schon in einer Entfernung von
mehr als 2000 Toisen zu erkennen; und noch niemals hat irgend Jemand
seinen Crater erreicht. Am Pik von Teneriffa ist diese Brustwehr so
hoch, dasz es unmöglich wäre, die >Caldera< zu erreichen, wenn nicht auf
der östlichen Seite eine Lücke in derselben existirte.« Die Entstehung
dieser eigenthümlichen Brustwehren ist wahrscheinlich das Resultat der
die Seitenwände durchdringenden und bis zu einer annähernd gleichen
Tiefe erhärtenden Hitze oder Dämpfe und der späteren langsamen
Einwirkung des Wetters auf den Berg, welche die erhärteten Theile in der
Form eines Cylinders oder einer kreisförmigen Brustwehr vorspringend
zurückläszt.

Wegen der einzelnen Punkte der Structur an dem centralen Rücken, welche
nun aufgezählt worden sind, -- nämlich der Convergenz der Schichten der
oberen Reihe nach ihm hin, -- des in hohem Grade Zelligwerdens der Laven
dort, -- der flachen stufenförmigen, sich seiner inneren und steilen
Seite entlang erstreckenden Schwelle, ähnlich der innerhalb mehrerer
noch activer Cratere, -- wegen der brustwehrartigen Mauer auf seinem
Gipfel, -- und endlich wegen seiner eigenthümlichen Krümmung, welche von
der irgend einer andern gewöhnlichen Erhebungslinie verschieden ist,
kann ich nicht daran zweifeln, dasz dieser gebogene Rücken den letzten
Überrest eines groszen Craters bildet. Versucht man indessen, seinen
früheren Umrisz zu verfolgen, so geräth man bald in Verwirrung; sein
westliches Ende fällt ganz allmählich ab und erstreckt sich, sich in
andere Kämme verzweigend, bis zur Meeresküste; das östliche Ende ist
stärker gebogen, aber nur um ein Weniges schärfer bestimmt. Einige
Erscheinungen führen mich zu der Vermuthung, dasz die südliche Wand des
Craters sich mit dem jetzt vorhandenen Rücken in der Nähe von Nest Lodge
verband; in diesem Falle musz der Crater nahezu drei Meilen lang und
ungefähr anderthalb Meilen breit gewesen sein. Wäre die Denudation des
Rückens und die Zersetzung der sie bildenden Gesteinsmassen noch wenige
Schritte weiter gegangen, und wäre dieser Rücken, wie mehrere andere
Theile der Insel, durch grosze Gänge und Massen von injicirter Substanz
durchbrochen worden, so hätten wir vergebens versuchen können, seine
wahre Natur aufzufinden. Selbst jetzt haben wir gesehen, dasz am
Flagstaff Hill das untere Ende und die am weitesten abliegende Partie
eines groszen Feldes ausgeworfner Masse bis zu einer so bedeutenden Höhe
aufgerichtet worden ist, wie sie der Crater, aus dem sie herabflosz,
besasz, und wahrscheinlich sogar zu einer noch gröszeren Höhe. Es ist
interessant, in dieser Weise die Schritte zu verfolgen, auf denen die
Structur eines vulcanischen Districts allmählich undeutlich gemacht und
schlieszlich verwischt wird: St. Helena findet sich in einem dieser
letzten Stufe so nahen Zustande, dasz, wie ich glaube, noch Niemand bis
jetzt vermuthet hat, dasz der centrale Rücken oder die Axe dieser Insel
der letzte Überrest des Craters darstellt, aus welchem die neuesten
vulcanischen Ströme ergossen wurden.

Der grosze ausgehöhlte Raum oder das Thal nach Süden von dem centralen
bogenförmigen Rücken, über die Hälfte von dem sich früher einmal der
Crater erstreckt haben musz, wird von kahlen, vom Wasser abgenagten
Hügeln und Kämmen von rothen, gelben und braunen Gesteinen gebildet,
welche in chaotischer Unordnung durcheinander gemengt, von Gängen
durchsetzt sind und keine irgendwie regelmäszige Stratification zeigen.
Der hauptsächlichste Theil besteht aus rothen, zerfallenden Schlacken,
welche mit verschiedenen Arten von Tuff und gelben, thonartigen
Schichten verbunden sind, voll von zerbrochenen Krystallen, unter denen
die Augitkrystalle besonders grosz sind. Hier und da ragen Massen von in
hohem Grade zelligen und amygdaloiden Laven vor. Von einem der Kämme in
der Mitte des Thals ragt ein conischer, steil abstürzender Hügel,
genannt Lot, kühn hervor und bildet einen äuszerst eigenthümlichen und
auffälligen Gegenstand. Er ist aus Phonolith zusammengesetzt, welcher an
einer Stelle in grosze gebogene Lamellen, an einer andern in winklige
concretionäre Kugeln, und an einer dritten Stelle in nach auszen
ausstrahlende Säulen getheilt ist. An seiner Basis fallen die
Lavaschichten, die Tuff- und Schlackenlager nach allen Seiten hin
ab[74]: der unbedeckte Theil ist 197 Fusz[75] hoch, und sein
horizontaler Durchschnitt zeigt eine ovale Form. Der Phonolith ist von
einer grünlich-grauen Farbe und ist voll von äuszerst winzigen,
nadelförmigen Feldspath-Krystallen; an den meisten Stellen hat er einen
muscheligen Bruch und ist klingend, doch ist er von minutiösen
Lufträumen durchsetzt. In südwestlicher Richtung von Lot finden sich
noch einige andere merkwürdige säulenförmige Berggipfel, aber von einer
weniger regelmäszigen Form, nämlich Lot's Weib und die Eselsohren,
welche aus verwandten Gesteinsarten bestehen. Nach ihrer abgeplatteten
Gestalt und ihrer relativen Stellung zu einander zu urtheilen, stehen
sie offenbar auf der nämlichen Spaltungslinie miteinander in Verbindung.
Es ist überdies merkwürdig, dasz dieselbe nordöstliche und südwestliche
Linie, welche Lot und Lot's Weib miteinander verbindet, wenn sie
verlängert wird, auch den Flagstaff Hill durchschneidet, welcher, wie
vorhin angeführt wurde, von zahlreichen in dieser Richtung verlaufenden
Gängen gekreuzt wird und welcher eine confundirte Structur besitzt; es
wird hierdurch wahrscheinlich gemacht, dasz eine grosze Masse ehemals
flüssigen Gesteins als Erfüllungsmasse unter ihr liegt.

In diesem nämlichen groszen Thale finden sich mehrere andere
kegelförmige Massen injicirten Gesteins (von denen eine, wie ich
beobachtete, aus compactem Grünstein bestand), von denen einige allem
Anscheine nach mit keiner Ganglinie in irgend einer Verbindung steht,
während andere augenfällig eine solche Verbindung besitzen. Drei oder
vier grosze Züge dieser Gänge erstrecken sich quer durch das Thal in
einer nordöstlichen und südwestlichen Richtung, parallel zu dem, welcher
die Eselsohren, Lot's Weib und wahrscheinlich Lot untereinander
verbindet. Die grosze Zahl dieser Massen injicirten Gesteins ist ein
merkwürdiger Zug in der Geologie von St. Helena. Auszer den soeben
erwähnten und der hypothetisch angenommenen unter dem Flagstaff Hill
gehört hieher noch Little Stony-top und, wie ich anzunehmen Grund habe,
noch andere bei dem Man-and-Horse und High Hill. Die meisten dieser
Massen, wenn nicht sämmtliche, sind in einer den letzten vulcanischen
Eruptionen aus dem centralen Crater folgenden Periode injicirt worden.
Die Bildung von kegelförmigen Gesteinshöckern auf Spaltungslinien, deren
Wandungen in den meisten Fällen parallel sind, können wahrscheinlich
Ungleichheiten in der Spannung zugeschrieben werden, welche kleine quere
Spalten verursachen; und an solchen Durchschnittspunkten werden
natürlich die Ränder der Schichten nachgeben und leicht nach aufwärts
gebogen werden. Endlich will ich noch bemerken, dasz Hügel von Phonolith
überall gern eigenthümliche und selbst groteske Gestalten, wie die
Lot's, annehmen[76]: der Pik auf Fernando Noronha bietet ein Beispiel
hiervon dar; indessen haben bei S. Jago die Kegel von Phonolith, obschon
sie zugespitzt sind, eine regelmäszige Form. Nimmt man an, wie es
wahrscheinlich der Fall gewesen ist, dasz alle derartige Hügel oder
Obelisken ursprünglich noch in flüssigem Zustande in eine von
nachgebenden Schichten gebildete Form injicirt worden sind, wie es mit
Lot der Fall gewesen ist, wie können wir die häufige Steilheit und
Eigenthümlichkeit ihrer Umrisse erklären, im Vergleich mit ähnlich
injicirten Massen von Grünstein und Basalt? Kann dies wohl die Folge
eines weniger vollkommenen Grades von Flüssigkeit sein, welcher, wie
allgemein angenommen wird, für die verwandten trachytischen Laven
characteristisch ist?

~Oberflächliche Ablagerungen.~ -- Weicher kalkiger Sandstein kommt in
ausgedehnten, wenn schon dünnen, oberflächlichen Lagern sowohl auf den
nördlichen als südlichen Ufern der Insel vor. Er besteht aus sehr
minutiösen, gleich groszen, abgerundeten Schalenstückchen und andern
organischen Körpern, welche zum Theil ihre gelben, braunen und rosa
Färbungen beibehalten und gelegentlich auch, wenngleich sehr selten,
eine undeutliche Spur ihrer ursprünglichen äuszeren Formen darbieten.
Ich habe mich vergebens bemüht, auch nur ein einziges nicht abgerolltes
Fragment einer Schale aufzufinden. Die Farbe der Theilchen ist der
augenfälligste Character, aus welchem ihr Ursprung erkannt werden kann;
die Farbentöne werden durch mäszige Hitze in der nämlichen Weise
afficirt (und auch ein Geruch hervorgebracht), wie bei frischen
Muscheln. Die Theilchen sind miteinander verkittet und mit etwas erdiger
Substanz vermengt: die reinsten Massen enthalten nach der Angabe
BEATSON's 70 Procent kohlensauren Kalk. Die in ihrer Mächtigkeit
zwischen zwei oder drei und fünfzehn Fusz schwankenden Schichten
überziehen die Oberfläche des Bodens; sie liegen meistens an derjenigen
Seite des Thales, welche gegen den Wind geschützt ist, und kommen in der
Höhe von mehreren Hundert Fusz über dem Meeresspiegel vor. Ihre Lage ist
die nämliche, welche Sand, wenn er von den Passatwinden angetrieben
würde, einnehmen würde; und ohne Zweifel entstanden sie auch auf diese
Weise, was auch die gleiche Grösze und Winzigkeit der Schalenstückchen
und gleichfalls auch die gänzliche Abwesenheit ganzer Muscheln oder
selbst nur mäszig groszer Fragmente erklärt. Es ist merkwürdig, dasz
sich heutigen Tags keine muschligen Strandpartien an irgend einem Theile
der Küste finden, von denen aus kalkiger Staub fortgetriftet und
gesichtet werden könnte: wir müssen daher nach einer früheren Periode
zurückblicken, wo eine leicht abfallende Küste wie die auf Ascension die
Ansammlung muschlichen Detritus begünstigte, ehe noch das Land in die
jetzigen steil abfallenden Küsten abgenagt war. Einige von den Schichten
dieses Kalksteins finden sich zwischen 600 und 700 Fusz über dem Meere;
aber ein Theil dieser Höhe dürfte möglicherweise Folge einer Erhebung
des Landes nach der Anhäufung des kalkigen Sandes sein.

Das Durchsickern von Regenwasser hat Theile dieser Schichten zu einem
festen Stein consolidirt und hat Massen eines dunkelbraunen
stalagmitischen Kalksteins gebildet. In dem Sugar-Loaf-Steinbruch sind
Fragmente von Gestein an den anstoszenden Abhängen[77] dick von
aufeinanderfolgenden feinen Lagen einer kalkigen Substanz überzogen
worden. Es ist eigenthümlich, dasz viele von diesen Geschiebestücken
ihre ganze Oberfläche überzogen haben, ohne dasz irgendwo ein
Berührungspunkt unbedeckt gelassen wäre; es müssen daher diese
Rollsteine durch die langsam zwischen sie erfolgende Ablagerung der
aufeinanderfolgenden Niederschläge von kohlensaurem Kalk in die Höhe
gehoben worden sein. Massen von weiszem, fein oolithischem Gestein
hängen der Auszenseite einiger dieser überzogenen Geschiebesteine an. L.
VON BUCH hat einen compacten Kalkstein von Lanzarote beschrieben,
welcher der eben erwähnten stalagmitischen Ablagerung vollständig
ähnlich zu sein scheint: er überzieht Geschiebesteine und ist
stellenweise fein oolithisch; er bildet eine weit ausgedehnte Schicht
von einem Zoll bis zu zwei oder drei Fusz an Mächtigkeit und kommt in
einer Höhe von 800 Fusz über dem Meeresspiegel, aber nur an der Seite
der Insel vor, welche den heftigen Nordwest-Winden ausgesetzt ist. L.
VON BUCH bemerkt[78], dasz er nicht in Vertiefungen gefunden wird,
sondern nur an den nicht unterbrochenen und geneigten Oberflächen des
Berges. Er ist der Meinung, dasz er von dem Flugwasser abgesetzt wird,
welches von jenen heftigen Winden über die ganze Insel getragen wird. Es
erscheint mir indessen viel wahrscheinlicher, dasz er, wie auf St.
Helena, durch das Durchsickern von Wasser durch fein zerkleinerte
Schalthiergehäuse gebildet worden ist; denn wenn Sand auf eine bedeutend
exponirte Küste geweht wird, strebt er sich immer auf breiten, ebenen
Flächen anzuhäufen, welche den Winden einen gleichmäszigen Widerstand
darbieten. Überdies findet sich auf der benachbarten Insel
Fuerteventura[79] ein erdiger Kalkstein, welcher, der Angabe L. VON
BUCH's zufolge, Handstücken von St. Helena, welche er gesehen hat,
völlig ähnlich ist, und welcher, wie er meint, durch die Antrift
muschligen Detritus gebildet worden ist.

Die oberen Schichten des Kalksteins in dem oben erwähnten Steinbruche am
Sugar-Loaf-Berge sind weicher, feinkörniger und weniger rein als die
tiefern Schichten. Sie sind auszerordentlich reich an Fragmenten von
Landmuscheln und enthalten einige vollkommene; sie enthalten auch
Knochen von Vögeln und die groszen Eier[80], allem Anscheine nach von
Wasservögeln. Wahrscheinlich haben diese oberen Schichten lange in einer
nicht consolidirten Form bestanden, während welcher Zeit diese
terrestrischen Erzeugnisse eingeschlossen wurden. Mr. G. R. SOWERBY ist
so freundlich gewesen, drei Species von Land-Schalthieren, welche ich
aus dieser Schicht erhalten habe, zu untersuchen; seine Beschreibungen
sind im Anhange mitgetheilt. Eine derselben ist eine _Succinea_,
identisch mit einer noch jetzt in auszerordentlicher Menge auf der Insel
lebenden Art; die zwei andern, nämlich _Cochlogena fossilis_ und _Helix
biplicata_ sind nicht in lebendem Zustande bekannt; die letztere Art
wurde auch noch an einer andern, verschiedenen Örtlichkeit gefunden, in
Gesellschaft mit einer Species von _Cochlogena_, welche unzweifelhaft
ausgestorben ist.

~Schichten ausgestorbener Landschalthiere.~ -- Landschnecken, welche
sämmtlich zu jetzt ausgestorbenen Species zu gehören scheinen, kommen,
in Erde eingeschlossen, an mehreren Stellen der Insel vor. Die Mehrzahl
derselben ist in einer beträchtlichen Höhe um Flagstaff Hill gefunden
worden. Auf der Nordwest-Seite dieses Berges bietet ein Regen-Rinnsal
einen Durchschnitt von ungefähr zwanzig Fusz Dicke dar, dessen oberer
Theil aus schwarzer vegetabilischer Dammerde, offenbar von den
darüberliegenden Höhen herabgewaschen, und dessen unterer Theil aus
weniger schwarzer Erde besteht, welche auszerordentlich reich an jungen
und alten Schneckenschalen und deren Fragmenten ist: ein Theil dieser
Erde ist durch kalkige Substanz leicht consolidirt worden, welche
augenscheinlich von einer theilweisen Zersetzung einiger dieser
Schneckenschalen herrührt. Mr. SEALE, ein intelligenter Bewohner der
Insel, welcher zuerst die Aufmerksamkeit auf diese Schalthiergehäuse
lenkte, gab mir eine grosze Sammlung von einer andern Örtlichkeit, wo
die Schalen augenscheinlich in sehr schwarzer Erde eingeschlossen
gewesen sind. Mr. G. R. SOWERBY hat diese Schalen untersucht und sie in
dem Anhange beschrieben. Es sind dies sieben Species, nämlich eine
_Cochlogena_, zwei Species von _Cochlicopa_ und eine von _Helix_: keine
derselben ist im lebenden Zustande bekannt oder in irgend einem andern
Lande gefunden worden. Die kleineren Arten sind von der Innenseite der
groszen Schalen der _Cochlogena auris-vulpina_ herausgeholt worden.
Diese letztgenannte Species ist in vielen Beziehungen eine sehr
merkwürdige; sie wurde, selbst von LAMARCK, in eine marine Gattung
gestellt; und da man sie hiernach irrthümlich für eine Seeschnecke
hielt, und die kleineren begleitenden Species übersehen wurden, so masz
man genau die Höhe ihrer Fundorte und leitete daraus die Erhebung dieser
Insel ab! Es ist sehr merkwürdig, dasz sämmtliche von mir an einem Orte
gefundenen Schalen dieser Species eine, nun von Mr. SOWERBY beschriebene
verschiedene Varietät von denen bilden, welche Mr. SEALE von einer
andern Örtlichkeit erhielt. Da diese _Cochlogena_ eine grosze und in die
Augen fallende Schnecke ist, so erkundigte ich mich besonders bei
mehreren intelligenten Einwohnern, ob sie dieselbe jemals lebendig
gesehen hätten; sie versicherten mir alle, dasz sie dies nicht gethan
hätten, und wollten nicht einmal glauben, dasz es ein Landthier wäre:
überdies hat auch Mr. SEALE, der sein ganzes Leben lang Muschelsammler
auf St. Helena gewesen ist, sie niemals lebend gesehen. Möglicherweise
ergibt sich noch, dasz einige von den kleineren Species noch lebenden
Arten angehören; andererseits aber kommen die beiden Landschnecken,
welche jetzt auf der Insel in groszer Menge leben, so weit bis jetzt
bekannt ist, nicht mit den ausgestorbenen Species eingeschlossen vor.
Ich habe in meiner Reise[81] gezeigt, dasz das Aussterben dieser
Landschnecken möglicherweise kein altes Ereignis ist, da eine grosze
Veränderung im Zustande dieser Insel vor 120 Jahren eintrat, indem die
alten Bäume abstarben und nicht durch junge ersetzt wurden; diese wurden
von den Ziegen und Schweinen zerstört, welche seit dem Jahre 1502 in
groszen Mengen verwildert waren. Mr. SEALE gibt an, dasz auf dem
Flagstaff Hill, wo, wie wir gesehen haben, die eingeschlossenen
Landschnecken ganz besonders zahlreich waren, überall Spuren nachweisbar
sind, welche deutlich anzeigen, dasz er früher einmal dicht mit Bäumen
bedeckt war; jetzt wächst nicht einmal ein Busch dort. Die dicke Schicht
schwarzer vegetabilischer Dammerde, welche die Schalenschicht bedeckt,
an den Seiten dieses Berges, ist wahrscheinlich von dem obern Theile
herabgewaschen worden, sobald die Bäume vernichtet waren und der durch
dieselben gewährte Schutz verloren war.

~Erhebung des Landes.~ -- Da ich gesehen hatte, dasz die Laven der
basalen Reihe, welche submarinen Ursprungs sind, über den Spiegel des
Meeres, und zwar an einigen Stellen bis zur Höhe von vielen hundert Fusz
erhoben sind, so suchte ich nach andern an der Oberfläche sich bietenden
Zeichen für die Erhebung des Landes. Der Boden einiger der Klüfte,
welche nach der Küste hinabreichen, ist bis zur Tiefe von ungefähr
einhundert Fusz von undeutlich geschiedenen Schichten von Sand,
schlammigem Thon und fragmentaren Massen erfüllt; in diesen Schichten
hat Mr. SEALE die Knochen des Tropikvogels und des Albatross gefunden;
von ihnen besucht der erstere jetzt nur selten, und der letztere niemals
die Insel. Wegen der Verschiedenartigkeit dieser Schichten und den sich
abdachenden Haufen von Detritus, welche auf ihnen liegen, vermuthe ich,
dasz dieselben zur Ablagerung gelangten, als die Schluchten noch unter
der Meeresfläche standen. Mr. SEALE hat überdies nachgewiesen, dasz
einige der spaltenähnlichen Schluchten[82] allmählich mit einer concaven
Contur am Boden eher weiter werden als am obern Ende; und dieser
eigenthümliche Bau ist wahrscheinlich durch die abnagende Thätigkeit der
Wellen hervorgebracht worden, als sie in den untern Theil dieser
Schluchten eindrangen. In bedeutenderen Höhen sind die Beweise für das
Aufsteigen des Landes selbst noch weniger deutlich; demungeachtet finden
sich in einer buchtartigen Einsenkung auf dem Plateau hinter Prosperous
Bay in der Höhe von ungefähr 1000 Fusz plattgipfelige Felsmassen, von
denen kaum zu begreifen ist, dasz sie durch irgend welche andere Kräfte
von den umgebenden ähnlichen Schichtenlagen inselförmig losgetrennt
worden sind als durch die erodirende Wirkung eines Meeresstrandes. Es
ist in der That ein bedeutender Betrag von Denudation in groszen Höhen
eingetreten, welchen durch irgend welche andere Mittel zu erklären nicht
leicht sein würde: so bietet, dem Berichte Mr. SEALE's zufolge, der
Gipfel des Barn, welcher 2000 Fusz hoch ist, ein vollkommenes Netzwerk
abgestutzter Gänge dar; auf Bergen, welche wie der Flagstaff Hill aus
weichem Gestein bestehen, könnten wir vermuthen, dasz die Gänge durch
meteorische Einwirkungen niedergewaschen und abgestutzt worden seien;
wir können dies aber in Bezug auf die harten basaltischen Schichten des
Barn kaum für möglich halten.

~Denudation der Küste.~ -- Die ungeheuren, an manchen Stellen zwischen
1000 und 2000 Fusz hohen Klippen, von denen diese gefängnisartige Insel
rings umgeben ist (mit Ausnahme von nur wenigen Stellen, wo schmale
Thäler nach der Küste hinabsteigen), ist der am stärksten auffallende
Zug in der Scenerie derselben. Wir haben gesehen, dasz Partien des
basaltischen Ringes gänzlich entfernt worden sind, welche eine
Längenausdehnung von zwei oder drei Meilen, eine Breite von einer oder
zwei Meilen hatten, und von einem bis zweitausend Fusz hoch waren. Es
finden sich auch Stufen und Bänke von Gesteinsmassen, aus äuszerst
tiefem Wasser aufsteigend und von der gegenwärtigen Küste zwischen drei
und vier Meilen entfernt, welche nach Mr. SEALE's Angabe bis zum Ufer
verfolgt werden können und sich als die Fortsetzungen gewisser bekannter
groszer Gesteinsgänge herausstellen. Die Wellenkraft des atlantischen
Oceans ist offenbar bei der Bildung dieser Klippen das wirksame Agens
gewesen: und es ist interessant zu beobachten, dasz die geringere, aber
immerhin noch bedeutende Höhe der Klippen auf der unter dem Winde
gelegenen und theilweise geschützten Seite der Insel (auf der Strecke
von Sugar-Loaf Hill bis zum South-West Point) dem geringeren Grade des
Exponirtseins entspricht. Wenn man die vergleichsweise niedrigen Küsten
vieler vulcanischer Inseln betrachtet, welche gleichfalls ganz exponirt
im offenen Meere stehen und augenscheinlich von beträchtlichem Alter
sind, so schreckt der Geist von dem Versuche zurück, die Anzahl von
Jahrhunderten zu fassen, durch welche notwendigerweise diese Küste
exponirt gewesen sein musz, um die ungeheuren cubischen Massen von
Gestein zu Schlamm zermahlen und zerstreuen zu lassen, welche von dem
Umfange dieser Insel entfernt worden sind. Der Contrast in dem Zustande
der Oberfläche von St. Helena verglichen mit dem der nächsten Insel,
nämlich Ascension, ist sehr auffallend. Auf Ascension sind die
Lavaströme glänzend, als hätten sie sich eben ergossen, ihre Grenzen
sind scharf bestimmt, und sie können oft bis zu vollständigen Crateren
verfolgt werden, aus welchen sie ausgeworfen worden sind; im Verlaufe
der vielen langen Spaziergänge bemerkte ich nicht einen einzigen
Gesteinsgang; die Küste ist beinahe ganz rings um den Umkreis der Insel
niedrig und ist zu einem kleinen Walle von nur zehn bis dreiszig Fusz
Höhe rückwärts abgetragen und niedergewaschen worden (obschon auf diese
Thatsache nicht zu viel Gewicht gelegt werden darf, da die Insel in der
Senkung begriffen gewesen sein kann). Und doch ist während der 340
Jahre, seitdem Ascension entdeckt worden ist, auch nicht einmal das
schwächste Zeichen von vulcanischer Thätigkeit berichtet worden[83].
Andererseits kann auf St. Helena der Lauf auch nicht eines einzigen
Lavastroms verfolgt werden, weder durch die Beschaffenheit seiner
Grenzen noch durch die seiner Oberfläche; das blosze Wrack eines groszen
Craters ist übrig geblieben; nicht allein die Thäler, sondern die
Oberfläche einiger von den höchsten Bergen sind von niedergeriebenen
Gesteinsgängen durchwoben, und an vielen Stellen stehen die denudirten
Gipfel groszer Kegel von injicirter Gesteinsmasse exponirt und nackt da;
endlich ist, wie wir gesehen haben, der ganze Umkreis der Insel zu den
groszartigsten Felsklippen abgetragen und abgenagt worden.


Erhebungs-Cratere.

In Bezug auf den Bau und die geologische Geschichte besteht eine
bedeutende Ähnlichkeit zwischen St. Helena, S. Jago und Mauritius. Alle
drei Inseln sind (wenigstens an den Stellen, welche ich zu untersuchen
im Stande war) von einem Ringe von basaltischen Bergen eingefaszt,
welcher zwar jetzt vielfach durchbrochen ist, aber offenbar früher
zusammenhängend war. Diese Berge haben, oder hatten augenscheinlich
früher, nach dem Innern der Insel zu steile Abdachungen, und ihre
Schichten fielen nach auszen ein. Ich war nur in einigen wenigen Fällen
die Neigungsverhältnisse der Schichten zu ermitteln im Stande; auch war
dies durchaus nicht leicht, denn die Stratification war meistens
undeutlich, ausgenommen, wenn man die Gesteine von fern betrachtete. Ich
zweifle indessen nur wenig daran, dasz, in Übereinstimmung mit den
Untersuchungen ÉLIE DE BEAUMONT's, ihre mittlere Neigung gröszer ist als
eine solche, welche sie in Anbetracht ihrer Mächtigkeit und Compactheit
durch das Hinabflieszen auf einer geneigten Fläche hätten erlangen
können. Auf St. Helena und auf S. Jago liegen die basaltischen Schichten
auf älteren und wahrscheinlich submarinen Schichten verschiedener
Zusammensetzung. Auf allen drei Inseln sind grosze Fluthmassen neuerer
Lava vom Mittelpunkte der Insel aus nach den basaltischen Bergen hin und
zwischen ihnen durchgeflossen; und auf St. Helena ist das centrale
Plateau von solchen erfüllt worden. Alle drei Inseln sind in Masse
emporgehoben worden. Auf Mauritius musz das Meer innerhalb einer späten
geologischen Periode bis an den Fusz der basaltischen Berge gereicht
haben, wie es auf St. Helena noch der Fall ist; und auf S. Jago nagt es
die zwischenliegende Ebene nach ihnen hin nieder. Wenn man auf diesen
drei Inseln, aber besonders auf S. Jago und Mauritius, auf dem Gipfel
einer der alten basaltischen Berge steht, so sucht man nach dem
Mittelpunkte der Insel hin, nach dem Punkte, wohin die Schichten unter
den Füszen des Beobachters und an den Bergen zu beiden Seiten im Groszen
und Ganzen convergiren, -- vergebens nach einer Quelle, aus welcher
diese Schichten hervorgebrochen sein könnten; man sieht dagegen nur eine
ungeheure vertiefte Plattform, die sich zu Füszen hinstreckt, oder
Haufen von Massen viel neueren Ursprungs.

Diese basaltischen Berge gehören, wie ich vermuthe, in die Classe der
Erhebungs-Cratere: es ist von keiner Bedeutung, ob die Ringe jemals
vollständig ausgebildet gewesen sind; denn die Theile davon, welche
jetzt noch existiren, haben eine so gleichförmige Structur, dasz sie,
wenn sie nicht Bruchstücke wirklicher Cratere darstellen, mit
gewöhnlichen Erhebungslinien nicht in eine Classe zusammengestellt
werden können. Was ihren Ursprung betrifft, so kann ich, nachdem ich die
Werke von CH. LYELL[84] und von C. PREVOST und VIRLET gelesen habe,
nicht glauben, dasz die groszen centralen Einsenkungen durch eine
einfache kuppelförmige Erhebung und eine darauffolgende Biegung der
Schichten gebildet worden sind. Andererseits könnte ich nur mit sehr
groszer Schwierigkeit annehmen, dasz diese basaltischen Gebirge blosz
die basalen Fragmente groszer Vulcane sind, deren Gipfel entweder
weggesprengt, oder noch wahrscheinlicher durch Senkung fortgeschwemmt
worden sind. Diese Ringe sind in manchen Fällen so ungeheuer, wie auf S.
Jago und auf Mauritius, dasz ich mich kaum dazu bereden kann, diese
Erklärung anzunehmen. Überdies vermuthe ich, dasz die folgenden
Umstände, wegen ihres häufigen Zusammenauftretens, in irgend einer Weise
mit einander in Verbindung stehen, eine Verbindung, welche durch keine
der oben angeführten Ansichten erklärt wird: nämlich erstens der
durchbrochene Zustand des Ringes, welcher darauf hinweist, dasz die
jetzt getrennt stehenden Partien einer bedeutenden Denudation ausgesetzt
gewesen sind, und, vielleicht in einigen Fällen, es wahrscheinlich
macht, dasz der Ring niemals vollständig gewesen ist; zweitens, die
bedeutende Menge der aus dem centralen Gebiete vor oder während der
Bildung des Ringes ausgeworfenen Masse; und drittens, die Erhebung des
ganzen Gebietes in Masse. Was den Umstand betrifft, dasz die Neigung der
Schichten gröszer ist als diejenige, welche die basalen Fragmente
gewöhnlicher Vulcane naturgemäsz besitzen würden, so kann ich gern
glauben, dasz diese Neigung langsam durch den Betrag von Erhebung
erlangt worden ist, für welche nach ÉLIE DE BEAUMONT die zahlreichen
ausgefüllten Spalten oder Gesteinsgänge den Beweis und den Maszstab
abgeben, -- eine in gleicher Weise neue und bedeutungsvolle Ansicht,
welche wir den Untersuchungen dieses Geologen über den Ätna verdanken.

Eine Vermuthung, welche die oben erwähnten Umstände mit in Betracht
zieht, drängte sich mir auf, als ich, -- nach den 1835 in
Süd-America[85] beobachteten Erscheinungen vollständig davon überzeugt,
dasz die Kräfte, welche Substanz aus vulcanischen Öffnungen auswerfen
und welche Continente in Masse erheben, identisch sind, -- jenen Theil
der Küste von S. Jago betrachtete, wo die horizontal emporgehobene
kalkige Schicht in das Meer einfällt, direct unter einem Kegel von
später ausgeworfener Lava. Diese Conjunctur ist die folgende, dasz
nämlich während der langsamen Erhebung eines vulcanischen Districts oder
einer Insel, in deren Mittelpunkt eine oder mehrere Öffnungen beständig
offen sind und in dieser Weise den unterirdischen Kräften einen Ausweg
bieten, die Ränder mehr erhoben werden als die centrale Fläche, und dasz
die so erhobenen Partien nicht sanft nach der centralen, weniger
erhobenen Fläche abfallen, wie es die kalkige Schicht unter dem
Lavakegel auf S. Jago und wie es ein groszer Theil des Umkreises von
Island[86] thut, sondern dasz sie von derselben durch gebogene
Verwerfungen getrennt sind. Nach dem, was wir an gewöhnlichen
Verwerfungen sehen, dürfen wir erwarten, dasz die Schichten auf der
emporgehobenen Seite, welche bereits wegen ihrer ursprünglichen Bildung
als Lavaströme nach auszen fallen, von der Verwerfungslinie aus
aufgerichtet werden, dasz also hiernach ihre Neigung vermehrt wird.
Dieser Hypothese zufolge, welche ich versucht bin, nur auf einige wenige
Fälle auszudehnen, ist es nicht wahrscheinlich, dasz der Ring jemals
vollständig gewesen ist; und weil die Erhebung langsam war, werden die
emporgehobenen Partien starker Denudation ausgesetzt gewesen, der Ring
dadurch unterbrochen worden sein; wir dürfen auch gelegentlich
Ungleichheiten im Fall der aufgehobenen Massen zu finden erwarten, wie
es auf S. Jago der Fall ist. Durch diese Hypothese werden die Erhebung
der Districte in Masse und das Flieszen ungeheurer Lavafluthen aus den
centralen Plateaus gleichfalls mit einander in Verbindung gebracht. Nach
dieser Ansicht können die randständigen basaltischen Gebirgszüge der
drei vorstehend genannten Inseln noch immer als »Erhebungs-Cratere«
bildend angesehen werden; die dabei in Wirksamkeit gewesene
Erhebungsweise ist langsam vor sich gegangen und die centrale Einsenkung
oder Platform ist nicht durch eine Beugung der Oberfläche, sondern
einfach dadurch entstanden, dasz dieser Theil nur bis zu einer
geringeren Höhe erhoben worden ist.

[66] Governor ~Beatson~'s Account of St. Helena.

[67] »Geognosy of the Island of St. Helena«. Mr. ~Seale~ hat ein Modell
von St. Helena in colossalem Maszstabe angefertigt, welches der
Betrachtung wohl werth, jetzt in Addiscombe College, Surrey, deponirt
ist.

[68] Dieser Umstand ist (~Lyell~, Principles of Geology, Vol. IV.; Chap.
X. p. 9) an den Gängen des Atrio del Cavallo beobachtet worden, ist aber
augenscheinlich nicht von sehr gewöhnlichem Vorkommen. Indessen gibt Sir
G. ~Mackenzie~ an (Travels in Iceland, p. 372), dasz alle Adern auf
Island einen »schwarzen glasigen Überzug auf ihren Seiten haben.« Wo
Capt. ~Carmichael~ von den Gängen auf Tristan d'Acunha, einer
vulcanischen Insel im südlichen atlantischen Ocean, spricht, sagt er
(Linnean Transactions, Vol. VII. p. 485), dasz ihre Seiten, »wo sie mit
den Gesteinen in Berührung kommen, sich ausnahmslos in einem
halbverglasten Zustande befinden.«

[69] Geognosy of the Island of St. Helena, Taf. 5.

[70] ~Constant Prevost~ bemerkt (Mém. de la Soc. géolog., Tom. II): »les
produits volcaniques n'ont que localement et rarement même dérangé le
sol, à travers lequel ils se sont fait jour.«

[71] Ein äuszerst merkwürdiges Beispiel dieses Baues ist in ~Ellis'~
Polynesian Researches (2. Ausg.) beschrieben, wo auch eine sehr schöne
Zeichnung von den aufeinanderfolgenden Stufen oder Terrassen
mitgetheilt wird, welche sich an den Rändern des ungeheuren Craters auf
Hawaii in den Sandwich-Inseln finden.

[72] Personal Narrative, Vol. I. p. 171.

[73] ~Humboldt~'s Atlas pittoresque, folio, pl. 10.

[74] ~Abich~ hat in seinen Ansichten vom Vesuv (Taf. VI) die Art und
Weise nachgewiesen, in welcher unter sehr ähnlichen Umständen Schichten
aufgerichtet worden sind. Die obern Schichten sind stärker aufgebogen
als die unteren, und dies erklärt er damit, dasz sich die Lava
horizontal zwischen die untern Schichten eindrängt.

[75] Diese Höhe gibt ~Seale~ in seiner Geognosie der Insel an; die Höhe
des Gipfels über dem Meeresspiegel soll 1444 Fusz betragen.

[76] ~D'Aubuisson~ bemerkt in seinem Traité de Géognosie (Tom. II. p.
540) besonders, dasz dies der Fall ist.

[77] In dem erdigen Detritus an mehreren Stellen dieses Berges kommen
unregelmäszige Massen von sehr unreinem, krystallisirtem schwefelsaurem
Kalke vor. Da diese Substanz jetzt in auszerordentlich groszer Menge von
der Brandung auf Ascension abgesetzt wird, so können möglicherweise
diese Massen hier in dieser Weise entstanden sein; ist dies aber der
Fall gewesen, so musz es zu einer Zeit geschehen sein, wo das Land ein
viel niedrigeres Niveau hatte. Dieser erdige Selenit wird jetzt in einer
Höhe von zwischen 600 und 700 Fusz gefunden.

[78] Description des îles Canaries, p. 293.

[79] Ebenda, p. 314 und 374.

[80] Colonel ~Wilkes~ gibt in einem mit einigen Handstücken der
Geologischen Gesellschaft übergebenen Cataloge an, dasz bis zu zehn
Eiern von einer Person gefunden wurden. Dr. ~Buckland~ hat Bemerkungen
über diese Eier gemacht (Geolog. Transactions, Vol. V., p. 474).

[81] Reise eines Naturforschers (Übers.), p. 564.

[82] Eine spaltenartige Schlucht in der Nähe des Stony-top soll nach Mr.
~Seale~'s Angabe 840 Fusz tief und nur 115 weit sein.

[83] Im Nautical Magazine für 1835, p. 642, und für 1838, p. 361, und in
den Comptes Rendus, April, 1838, werden Berichte über eine Reihe von
vulcanischen Erscheinungen mitgetheilt, -- Erdbeben, -- unruhiges Wasser,
-- schwimmende Schlacken und Rauchsäulen, -- welche in Zwischenräumen
seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf einer Fläche des offnen
Meeres zwischen dem 20. und 22. Grade westlicher Länge und ungefähr
einen halben Grad südlich vom Äquator beobachtet worden sind. Diese
Thatsachen scheinen darauf hinzuweisen, dasz eine Insel oder ein
Archipel in der Mitte des atlantischen Oceans in der Bildung begriffen
ist: eine St. Helena und Ascension verbindende Linie durchschneidet,
verlängert, diesen im Entstehen begriffenen Heerd vulcanischer
Thätigkeit.

[84] Principles of Geology (5. edit.), Vol. II. p. 171.

[85] Ich habe ausführliche Schilderungen dieser Erscheinungen in einem
vor der Geological Society im März 1838 gelesenen Aufsatze gegeben. In
dem Augenblicke, wo ein ungeheures Gebiet erschüttert und ein
bedeutender Landstrich emporgehoben wurde, blieben die, mehrere der
groszen Auswurfsöffnungen in der Cordillera unmittelbar umgebenden
Districte ruhig; die unterirdischen Kräfte wurden augenscheinlich durch
die Eruptionen erleichtert, welche dann mit groszer Heftigkeit wieder
begannen. Ein Ereignis von ziemlich derselben Art, aber in einem
unendlich kleineren Maszstabe scheint der Angabe ~Abich~'s in zufolge
(Ansichten vom Vesuv, Taf. I. und IX.) innerhalb des Craters des Vesuv
stattgefunden zu haben, wo auf der einen Seite einer Spalte ein Plateau
in Masse zwanzig Fusz erhoben wurde, während auf der andern Seite eine
Reihe kleiner Vulcane in Eruption ausbrachen.

[86] Aus einer mir in der dankenswerthesten Weise gemachten Mittheilung
des Mr. ~E. Robert~ geht hervor, dasz die den Umkreis der Insel
bildenden, aus alten basaltischen, mit Tuff abwechselnden Schichten
zusammengesetzten Theile von Island landeinwärts einfallen und so eine
colossale untertassenförmige Gestalt bilden. Mr. ~Robert~ fand dies
Verhalten, mit einigen wenigen und völlig localen Ausnahmen, über eine
Küstenstrecke von mehreren hundert Meilen Länge. Ich finde diese Angabe,
in Bezug auf eine Stelle, bestätigt von ~Mackenzie~ in seinen Reisen (p.
377) und in Bezug auf einen andern Ort in einigen handschriftlichen
Bemerkungen, welche mir Dr. ~Holland~ freundlichst geliehen hat. Die
Küste ist tief von Buchten eingeschnitten, an deren oberem Ende das Land
meistens niedrig ist. Mr. ~Robert~ theilt mir mit, dasz sich die nach
innen einfallenden Schichten bis zu dieser Linie zu erstrecken scheinen
und dasz ihre Neigung gewöhnlich der Abdachung der Oberfläche
entspricht, von den hohen Küstenbergen an bis zu dem niedrigen Lande am
obern Ende dieser Buchten. In dem von Sir ~G. Mackenzie~ beschriebenen
Durchschnitt beträgt der Einfall 12°. Die inneren Theile der Insel
bestehen, so weit es bekannt ist, hauptsächlich aus neueren
ausgeworfenen Massen. Indessen sollte vielleicht die bedeutende Grösze
von Island, welche dem umfangreichsten Theile von England gleichkommt,
die Insel von der Classe von Inseln, die wir hier betrachten,
ausschlieszen; ich kann aber die Vermuthung nicht unterdrücken, dasz,
wenn die Küstenberge, anstatt sanft sich nach dem weniger erhobenen
centralen Gebiete abzudachen, von diesem durch unregelmäszige gekrümmte
Verwerfungen getrennt wären, dann die Schichten nach dem Meere hin
aufgerichtet worden wären und ein »Erhebungs-Crater« gebildet worden
wäre, wie der von S. Jago oder von Mauritius, und von viel ungeheureren
Dimensionen. Ich will nur noch weiter bemerken, dasz das häufige
Vorkommen ausgedehnter Seen am Fusze groszer Vulcane und die häufige
Vergesellschaftung von vulcanischen und Süszwasser-Schichten anzudeuten
scheint, dasz die Gebiete rings um Vulcane gern unter das allgemeine
Niveau des umgebenden Landes niedergedrückt sind, und zwar entweder,
weil sie weniger hoch emporgehoben worden sind, oder in Folge der
Wirkung einer Senkung.



Fünftes Capitel.

Galapagos-Archipel.

     Chatham-Insel. -- Aus einer besondern Art von Tuff zusammengesetzte
     Cratere. -- Kleine basaltische Cratere mit Höhlen an ihren Basen. --
     Albemarle-Insel, flüssige Laven, ihre Zusammensetzung. --
     Tuff-Cratere, Neigung ihrer äuszeren divergirenden Schichten, und
     Structur ihrer inneren convergirenden Schichten. -- James-Insel,
     Segment eines kleinen basaltischen Craters; Flüssigkeit und
     Zusammensetzung ihrer Lava-Ströme und der von ihr ausgeworfenen
     Fragmente. -- Schluszbemerkungen über die Tuff-Cratere und über den
     durchbrochenen Zustand ihrer südlichen Seiten. -- Mineralogische
     Zusammensetzung der Felsarten des Archipels. -- Erhebung des
     Landes. -- Richtung der Eruptionsspalten.


Dieser Archipel ist unter dem Äquator gelegen, in einer Entfernung von
zwischen fünf- und sechshundert Meilen von der Westküste von America. Er
besteht aus fünf Haupt-Inseln und mehreren kleinen, welche in
Flächenausdehnung[87], aber nicht an Ausdehnung trocknen Landes,
Sicilien in Verbindung mit den Jonischen Inseln entsprechen. Sie sind
sämmtlich vulcanisch; auf zweien sind Cratere in Eruption gesehen
worden, und auf mehreren von den andern Inseln haben Lava-Ströme ein
recentes Aussehen. Die gröszeren Inseln bestehen hauptsächlich aus
solidem Gestein, und sie steigen mit einem sanften Umrisz bis zu einer
Höhe von zwischen ein- und viertausend Fusz aus dem Meere auf. Auf ihrer
höchsten Spitze findet sich zuweilen, aber nicht allgemein, eine
Hauptöffnung. Die Cratere schwanken in der Grösze von bloszen
Spaltöffnungen bis zu ungeheuren, mehrere Meilen im Umfang messenden
Kesseln; sie sind auszerordentlich zahlreich, so dasz ich glaube, wenn
sie gezählt würden, würden sich mehr als zweitausend herausstellen: sie
sind entweder aus Schlacken und Lava oder aus einem braun gefärbten Tuff
zusammengesetzt; und diese letzteren Cratere sind in mehreren
Beziehungen merkwürdig. Die ganze Gruppe wurde von den Officieren des
>Beagle< vermessen. Ich selbst habe vier von den Haupt-Inseln besucht
und Handstücke und Exemplare von sämmtlichen übrigen erhalten. Unter der
Überschrift der verschiedenen Inseln will ich nur das beschreiben, was
mir der Beachtung werth zu sein scheint.

[Illustration: Fig. 11. Galapagos-Archipel.]

_Chatham-Insel._ ~Aus einer eigenthümlichen Art von Tuff
zusammengesetzte Cratere.~ -- Nach dem östlichen Ende dieser Insel hin
kommen zwei Cratere vor, welche aus zwei Arten von Tuff zusammengesetzt
sind; die eine Art ist zerreiblich, wie leicht zusammengesinterte Asche,
und die andere compact und von Allem, wovon ich bis jetzt eine
Beschreibung gelesen habe, ihrer Beschaffenheit nach verschieden. Diese
letztere Substanz ist da, wo sie am characteristischsten auftritt, von
einer gelblich-braunen Farbe, durchscheinend und mit einem, etwas an
Harz erinnernden Glanze; sie ist zerbrechlich, mit einem winkligen,
rauhen und sehr unregelmäszigen Bruche, zuweilen indessen unbedeutend
körnig und selbst undeutlich krystallinisch; sie kann leicht mit einem
Messer geritzt werden, doch sind manche Stellen gerade hart genug, um
gewöhnliches Glas eben zu zeichnen; sie schmilzt mit Leichtigkeit zu
einem schwärzlich-grünen Glase. Die Masse enthält zahlreiche zerbrochene
Krystalle von Olivin und Augit und kleine Stückchen schwarzer und
brauner Schlacken: sie wird häufig von dünnen Säumen kalkiger Substanz
quer durchsetzt. Sie bietet meistens eine knotige oder concretionäre
Structur dar. In einem Handstück würde man diese Substanz sicher
irrthümlich für eine blasse und eigenthümliche Varietät von Pechstein
halten; sieht man sie aber in Masse, so geben ihre Schichtung und die
zahlreichen Lagen von basaltischen Fragmenten, sowohl eckigen als
abgerundeten, sofort ihren unter Wasser erfolgten Ursprung deutlich zu
erkennen. Eine Untersuchung von einer Reihe von Handstücken zeigt, dasz
diese harzähnliche Substanz das Resultat einer chemischen Umwandlung an
kleinen Stückchen blasser und dunkel gefärbter schlackiger Gesteine ist;
diese Veränderung konnte man deutlich in verschiedenen Stufen rings um
die Ränder selbst eines und des nämlichen Stückchens verfolgen. Die Lage
in der Nähe der Küste von allen aus dieser Art von Tuff oder Peperino
zusammengesetzten Crateren, ebenso wie ihr durchbrochener Zustand machen
es wahrscheinlich, dasz sie sich alle in's Meer eingetaucht gebildet
haben; in Anbetracht dieses Umstandes, in Verbindung mit der
merkwürdigen Abwesenheit groszer Schichten von Asche im ganzen Archipel,
halte ich es für in hohem Grade wahrscheinlich, dasz bei weitem der
gröszere Theil des Tuffs aus der Zerkleinerung der grauen basaltischen
Laven in der Mündung der im Meere stehenden Cratere hervorgegangen ist.
Es kann gefragt werden, ob das erhitzte Wasser innerhalb dieser Cratere
diese eigenthümliche Veränderung in den schlackigen Stückchen
hervorgebracht und ihnen ihren durchscheinenden, harzartigen Bruch
gegeben hat? Oder hat der in Gemeinschaft auftretende Kalk irgend einen
Theil an dieser Veränderung gehabt? Ich stelle diese Fragen auf, weil
ich auf S. Jago, in den Capverdischen Inseln, gefunden habe, dasz da, wo
ein groszer Strom geschmolzener Lava über einen kalkigen Boden in das
Meer geflossen ist, der alleräuszerste Überzug, welcher an andern
Stellen Pechstein ähnlich ist, augenscheinlich in Folge seiner Berührung
mit dem kohlensauren Kalke in eine harzähnliche Substanz umgewandelt
worden ist, genau den am characteristischsten ausgeprägten Stücken Tuff
von diesem Archipel gleich[88].

Um nun zu den beiden Crateren zurückzukehren: einer von ihnen steht in
einer Entfernung von einer Stunde von der Küste; der zwischenliegende
Strich Landes besteht aus einem kalkigen Tuff von augenscheinlich
submarinem Ursprung. Dieser Crater besteht aus einem Kreise von Hügeln,
von denen einige gänzlich isolirt stehen, welche aber sämmtlich ein sehr
regelmäsziges, nach auszen gerichtetes Fallen der Schichten mit einer
Neigung von zwischen dreiszig und vierzig Graden zeigen. Die untern
Schichten, in einer Mächtigkeit von mehreren hundert Fusz, bestehen aus
dem harzähnlichen Steine mit eingeschlossenen Fragmenten von Lava. Die
oberen Schichten, welche eine Mächtigkeit von zwischen dreiszig und
vierzig Fusz haben, sind aus einem dünn geschichteten, feinkörnigen,
harten, zerreiblichen, braun gefärbten Tuff oder Peperino[89]
zusammengesetzt. Eine centrale Masse ohne irgend welche Stratification,
welche früher die Höhlung des Craters eingenommen haben musz, jetzt aber
nur einigen wenigen der im Umkreise stehenden Berge angeheftet ist,
besteht aus Tuff, welcher in seinem Character zwischen dem mit einem
harzartigen und dem mit einem erdigen Bruche mitten inne steht. Diese
Masse enthält weisze kalkige Substanz in kleinen Flecken. Der zweite
Crater (520 Fusz hoch) musz bis zur Eruption eines neueren groszen
Lavastroms als eine besondere Insel existirt haben; ein schöner, vom
Meere ausgewaschener Durchschnitt zeigt eine groszartige trichterförmige
Masse von Basalt, umgeben von steilen geneigten Seitenwänden von Tuff,
welcher an einigen Stellen einen erdigen, an andern einen halbharzigen
Bruch hat. Der Tuff ist von mehreren breiten, senkrechten Gängen mit
glatten und parallelen Seiten quer durchsetzt, von denen ich anfangs
nicht zweifelte, dasz sie aus Basalt beständen, bis ich thatsächlich
Fragmente losbrach. Indessen bestehen diese Gänge aus Tuff ähnlich dem
der umgebenden Schichten, nur ist er compacter und von glätterem Bruch;
wir müssen daher schlieszen, dasz Spalten gebildet und mit dem feineren
Schlamm oder Tuff aus dem Crater erfüllt wurden, ehe sein Inneres, wie
es jetzt der Fall ist, von einem erstarrten See von Basalt eingenommen
wurde. Andere Spalten, parallel diesen eigenthümlichen Gängen, sind
später noch gebildet und blosz mit losem Abfall ausgefüllt worden. Die
Umwandlung der Gesteinsmasse von gewöhnlichen schlackigen Stückchen an
bis zur Substanz mit einem halbharzigen Bruche konnte an einzelnen
Partien des compacten Tuffs dieser Gänge deutlich verfolgt werden.

[Illustration: Fig. 12. Der Kicker-Felsen.]

In einer Entfernung von einigen wenigen Meilen von diesen beiden
Crateren steht der Kicker-Felsen oder -Insel, wegen seiner
eigenthümlichen Form merkwürdig. Er ist nicht geschichtet und besteht
aus compactem Tuff, welcher stellenweise den harzähnlichen Bruch hat.
Wahrscheinlich hat diese amorphe Masse, wie jene ähnliche Masse in dem
zuerst beschriebenen Falle früher einmal die mittlere Höhlung eines
Craters erfüllt, dessen Seiten oder sich abdachenden Wandungen seitdem
von dem Meere, in welchem sie ganz exponirt dasteht, weggewaschen worden
sind.

~Kleine basaltische Cratere.~ -- Ein kahler, wellenförmig bewegter
Strich Landes am östlichen Ende von Chatham-Insel ist merkwürdig wegen
der groszen Zahl, groszen Nähe und Form der kleinen basaltischen
Cratere, mit denen er dicht besetzt ist. Sie bestehen entweder aus einem
bloszen conischen Haufen oder, indessen weniger häufig, aus einem Kreise
von schwarzen und rothen, glänzenden Schlacken, welche theilweise
miteinander verkittet sind. Sie schwanken im Durchmesser von 30 bis 150
Yards und erheben sich von ungefähr 50 bis 100 Fusz über das Niveau der
umgebenden Ebene. Von einer kleinen Erhöhung aus zählte ich sechzig
solcher Cratere, von denen alle näher als eine Drittel-Meile aneinander
standen, und viele waren einander noch näher. Ich masz die Entfernung
zwischen zwei sehr kleinen Crateren und fand, dasz sie von dem
Gipfelrande des einen bis zum Rande des andern nur dreiszig Yards
betrug. Kleine Ströme schwarzer, basaltischer Lava, welche Olivin und
viel glasigen Feldspath enthält, sind von vielen, aber nicht von allen
diesen Crateren ausgeflossen. Die Oberflächen der neueren Ströme waren
auszerordentlich zerrissen und waren durch grosze Spalten quer
durchsetzt; auch waren sie sämmtlich in vollständiger Confusion
miteinander verschmolzen und durcheinander gemengt. Indessen bezeichnete
das verschiedene Wachsthum der Bäume auf den Strömen deutlich ihr
verschiedenes Alter. Ohne diesen letzteren Umstand hätten die einzelnen
Ströme nur in wenig Fällen unterschieden werden können; in Folge dessen
könnte man diesen weiten wellenförmigen Strich (wie es wahrscheinlich
bei vielen solchen Strichen geschehen ist) irrthümlich als von einer
einzigen groszen Überfluthung von Lava gebildet betrachten, anstatt von
einer Menge kleiner, aus vielen kleinen Öffnungen ausgebrochener Ströme.

An mehreren Stellen dieses Landstrichs, und ganz besonders am Fusze der
kleinen Cratere finden sich kreisförmige Gruben mit senkrechten
Wandungen und von zwanzig bis vierzig Fusz tief. Am Fusze eines kleinen
Craters waren drei solcher Gruben vorhanden. Sie sind wahrscheinlich
durch das Einstürzen des Dachs kleiner Höhlen gebildet worden[90]. An
andern Stellen finden sich halbkuglige Hügel, welche groszen Lavablasen
ähnlich sind, und deren Gipfel von unregelmäszigen Sprüngen gespalten
sind; diese scheinen, nach dem Versuch in sie einzudringen, sehr tief;
Lava ist aus diesen Hügeln nicht ausgeflossen. Es finden sich auch noch
andere sehr regelmäszige halbkugelige Hügel, die aus stratificirter Lava
zusammengesetzt sind und auf deren Gipfel kreisförmige Höhlen mit
steilen Seiten sich finden, welche, wie ich vermuthe, durch eine
Gasmasse gebildet worden sind, welche zuerst die Schichten zu einem
blasenähnlichen Hügel aufwölbten und dann ihren Gipfel absprengten.
Diese verschiedenen Arten von Hügeln und Gruben, ebenso wie die
zahlreichen kleinen, schlackigen Cratere, alles dies weist darauf hin,
dasz dieser Strich Landes beinahe wie ein Sieb durch den Austritt
erhitzter Dämpfe durchlöchert worden ist. Die regelmäszigeren Hügel
können nur aufgehäuft worden sein, während sich die Lava in einem
erweichten Zustande befand[91].

~_Albemarle-Insel._~ -- Diese Insel besteht aus fünf groszen,
platt-gipfeligen Crateren, welche, zusammen mit dem einen auf der
benachbarten Insel Narborough, einander in eigenthümlicher Weise in Form
und Höhe ähnlich sind. Der südliche ist 4700 Fusz hoch, zwei andere sind
3720 Fusz hoch, ein dritter nur 50 Fusz höher, und die noch übrigen dem
Anscheine nach von derselben Höhe. Drei von diesen sind in einer Linie
gelegen, und ihre Cratere erscheinen in nahezu der nämlichen Richtung
verlängert. Der nördliche Crater, welcher nicht der gröszte ist, ergab
durch Triangulation für seinen äuszern Durchmesser ein Masz von nicht
weniger als drei und ein Achtel Meilen. Über die Mündungsränder dieser
groszen, breiten Kessel und aus kleinen Öffnungen in der Nähe ihrer
Gipfel sind grosze Fluthen schwarzer Lava ihre nackten Seiten hinab
geflossen.

~Flüssigkeitszustand verschiedener Laven.~ -- Aus der Nähe von Tagus
oder Banks' Cove untersuchte ich einen dieser groszen Ströme von Lava,
welche wegen der deutlichen Beweise für den hohen Grad ihrer früheren
Flüssigkeit, besonders wenn man ihre Zusammensetzung in Betracht zieht,
merkwürdig ist. In der Nähe der Meeresküste ist dieser Strom mehrere
Meilen breit. Die Lava besteht aus einer schwarzen compacten Basis,
welche leicht zu einer schwarzen Perle schmilzt, winklige und nicht sehr
zahlreiche Luftblasen enthält und dicht mit groszen, zerbrochenen
Krystallen von glasigem Albit[92], die im Durchmesser von einem Zehntel
bis zu einem halben Zoll schwanken, durchsetzt ist. Obgleich diese Lava
auf den ersten Blick auffallend porphyrartig zu sein scheint, so kann
sie doch nicht eigentlich als solche angesehen werden, denn die
Krystalle sind offenbar von der Lava eingehüllt, abgerundet und
durchdrungen worden, wie Bruchstücke eines fremdartigen Gesteins in
einem Trappgange. Dies war sehr deutlich an einigen Handstücken einer
ähnlichen Lava von Abingdon-Insel, an welcher der einzige Unterschied
der war, dasz die Bläschen sphärisch und zahlreicher waren. Der Albit in
diesen Laven findet sich in einem ähnlichen Zustande wie der Leucit vom
Vesuv und wie der Olivin, welchen L. VON BUCH[93] als in groszen Kugeln
aus dem Basalt von Lanzarote vorspringend beschreibt. Auszer dem Albit
enthält diese Lava zerstreute Körner eines grünen Minerals ohne
deutliche Spaltflächen und dem Olivin auszerordentlich ähnlich[94]; da
es aber leicht zu einem grünen Glase schmilzt, gehört es wahrscheinlich
zur Familie des Augit: indessen enthält auf der James-Insel eine
ähnliche Lava echten Olivin. Ich erhielt Handstücke von der wirklichen
Oberfläche und aus einer Tiefe von vier Fusz; sie waren aber in
keinerlei Beziehung verschieden. Der beträchtliche Grad von Flüssigkeit
dieses Lavastroms gieng sofort daraus hervor, dasz seine Oberfläche
glatt und sanft abfallend war, ferner aus der Art und Weise, in welcher
der Hauptstrom durch kleine Unebenheiten in kleine Bäche getheilt war,
und besonders aus der Art, in welcher seine Ränder, eine grosze Strecke
weit unterhalb seiner Ausgangsquelle und wo er schon in einem gewissen
Grade abgekühlt gewesen sein musz, sich zu fast gar Nichts verdünnten:
der Rand selbst bestand factisch aus losen Fragmenten, von denen wenige
gröszer als ein Mannskopf waren. Der Contrast zwischen diesem Rande und
den steilen, über zwanzig Fusz hohen Wänden, welche viele von den
basaltischen Strömen auf Ascension begrenzen, ist sehr merkwürdig. Es
ist allgemein angenommen worden, dasz Laven, welche auszerordentlich
reich an grossen Krystallen sind und winkelige Höhlungen enthalten[95],
nur geringe Flüssigkeit besessen haben; wir sehen aber, dasz sich die
Sache auf der Albemarle-Insel verschieden verhalten hat. Der
Flüssigkeitsgrad bei verschiedenen Laven scheint keiner ~anscheinenden~
entsprechenden Grösze der Verschiedenheit in ihrer Zusammensetzung zu
entsprechen: auf Chatham-Insel sind einige, viel glasigen Albit und
etwas Olivin enthaltende Ströme so zerklüftet, dasz sie mit einem
während eines Sturmes gefrornen Meere verglichen werden können; während
der grosze Strom auf der Albemarle-Insel beinahe so glatt ist, wie die
Oberfläche eines durch eine leichte Brise gekräuselten Sees. Auf
James-Insel bietet schwarze basaltische Lava, die sehr reich an kleinen
Olivin-Körnern ist, einen mittleren Grad von Rauhheit der Fläche dar;
ihre Oberfläche ist glänzend und die losgelösten Fragmente sind in einer
höchst merkwürdigen Weise Faltungen einer Draperie, Tauen und Stücken
von Baumrinde ähnlich[96].

~Tuff-Cratere.~ -- Ungefähr eine Meile südlich von Banks' Cove liegt ein
schöner elliptischer Crater, ungefähr 500 Fusz tief und drei Viertel
Meile im Durchmesser. Seinen Grund nimmt ein See von Salzwasser ein, aus
welchem einige kleine craterförmige Hügel von Tuff hervorragen. Die
untern Schichten werden aus compactem Tuff gebildet, welche wie eine
unter Wasser erfolgte Ablagerung erscheinen, während die obern
Schichten, rings um den ganzen Umfang, aus einem harten, zerreiblichen
Tuff von geringem specifischen Gewicht bestehen, aber häufig
Gesteinsfragmente in Lagern enthalten. Dieser obere Tuff enthält
zahlreiche pisolithische Kugeln, ungefähr von der Grösze kleiner
Flintenkugeln, welche von der umgebenden Substanz nur darin verschieden
sind, dasz sie unbedeutend härter und feinkörniger sind. Die Schichten
fallen sehr regelmäszig nach allen Seiten hin ab, unter Winkeln, welche,
wie ich durch Messung gefunden habe, zwischen 25 und 30 Grad schwanken.
Die äuszere Oberfläche des Craters dacht sich mit einer nahezu ähnlichen
Neigung ab; sie wird aus unbedeutend convexen Rippen gebildet, ähnlich
denen auf den Schalen einer Kamm- oder Pilgrimsmuschel, welche in dem
Masze, als sie sich von der Mündung des Craters nach seiner Basis hin
erstrecken, breiter werden. Diese Rippen sind meist von acht bis zwanzig
Fusz breit, zuweilen sind sie aber selbst vierzig Fusz breit; sie sind
alten, mit Mörtel beworfenen, stark abgeplatteten Gewölben ähnlich, von
denen sich der Mörtel in Platten abschält: sie sind durch Hohlkehlen von
einander getrennt, welche durch alluviale Einwirkung weiter vertieft
sind. An ihrem obern und schmälern Ende in der Nähe der Mündung des
Craters bestehen diese Rippen häufig aus wirklichen hohlen Gängen,
ähnlich denjenigen, aber im Ganzen kleiner als die, welche häufig durch
das Abkühlen der Rinde eines Lavastroms gebildet werden, während die
innern Theile noch weiter geflossen sind: -- Beispiele einer derartigen
Structur habe ich viel auf Chatham-Insel gesehen. Es kann daran kein
Zweifel sein, dasz diese hohlen Rippen oder gewölbten Stellen in einer
ähnlichen Weise gebildet worden sind, nämlich durch das Sich-setzen und
Erhärten einer oberflächlichen Rinde auf Schlammströmen, welche vom
obern Theil des Craters herabgeflossen sind. An einer andern Stelle
desselben Craters sah ich offene concave Canäle, zwischen einem und zwei
Fusz breit, welche augenscheinlich durch das Hartwerden der unteren
Fläche eines Schlammstroms, anstatt wie im vorhergehenden Falle der
oberen Fläche, gebildet worden sind. Nach diesen Thatsachen ist es, wie
ich meine, sicher, dasz der Tuff als Schlamm geflossen sein musz[97].
Dieser Schlamm kann sich entweder innerhalb des Craters oder aus
Aschenmassen gebildet haben, welche an seinen obern Theilen abgelagert
und später von Regenströmen nach unten gewaschen worden sind. Die
erstere Bildungsart scheint in den meisten Fällen die wahrscheinlichere
zu sein; indessen erstrecken sich auf James-Insel einige Schichten der
zerreiblichen Tuffart so continuirlich über eine unebene Oberfläche,
dasz sie sich wahrscheinlich durch das Fallen von Aschenschauern
gebildet haben.

Innerhalb dieses nämlichen Craters stoszen Schichten eines groben,
hauptsächlich aus Lavafragmenten zusammengesetzten Tuffs, wie eine fest
gewordene Böschung, an die inneren Wandungen. Sie erheben sich bis zu
einer Höhe von zwischen 100 und 150 Fusz über die Oberfläche des inneren
Salzwasser-Sees; sie fallen nach innen ein und sind unter einem von 30
bis 36 Grad schwankenden Winkel geneigt. Sie scheinen unter Wasser
gebildet worden zu sein, wahrscheinlich zu einer Zeit, wo das Meer die
Höhlung des Craters einnahm. Es überraschte mich zu beobachten, dasz
Schichten, welche eine solche bedeutende Neigung haben, sich, so weit
sie verfolgt werden konnten, nach ihrem untern Ende zu nicht verdickten.

~Banks' Cove.~ -- Dieser Hafen nimmt einen Theil des Innern eines
zertrümmerten Tuff-Craters ein, der gröszer als der zuletzt beschriebene
ist. Der ganze Tuff ist compact und schlieszt zahlreiche Bruchstücke von
Lava ein; er sieht aus wie eine unter Wasser erfolgte Ablagerung. Der
merkwürdigste Zug in der Erscheinung dieses Craters ist die grosze
Entwickelung von nach einwärts convergirenden Schichten, welche, wie im
letzten Falle, unter einer beträchtlichen Neigung fallen und häufig in
unregelmäszigen, gekrümmten Lagern abgesetzt sind. Diese inneren,
convergirenden Schichten, ebenso wie die eigentlichen, divergirenden
craterförmigen Lager sind in der beistehenden flüchtigen,
durchschnittsartigen Skizze der Vorlande (Fig. 13), welche diese Bucht
bilden, dargestellt. Die inneren und äuszeren Schichten sind in ihrer
Zusammensetzung nur wenig verschieden; die ersteren sind offenbar das
Resultat der Abnutzung und Wiederablagerung der, die äuszeren,
craterförmigen Schichten bildenden Gesteinsmasse. Wegen der bedeutenden
Entwickelung dieser inneren Schichten könnte sich Jemand, welcher an dem
Rande dieses Craters herumgeht, auf einen kreisförmigen anticlinischen
Sattel von geschichtetem Sandstein und Conglomerat versetzt vorstellen.
Das Meer nagt sowohl die inneren als äuszeren Schichten weg, besonders
die letzteren, so dasz die nach innen convergirenden Schichten
vielleicht in einer künftigen Zeit allein stehen gelassen werden, ein
Fall, welcher einen Geologen anfangs verwirren dürfte[98].

[Illustration: Fig. 13. Eine durchschnittartige Skizze der Banks' Cove
bildenden Vorberge, um die divergirenden craterförmigen Schichten und
die innere convergirende geschichtete Böschung zu zeigen. Der höchste
Punkt dieser Berge ist 817 Fusz über dem Meeresspiegel.]

~_James-Insel._~ -- Zwei Tuff-Cratere auf dieser Insel sind die einzig
übrigen, welche irgend einer Erwähnung bedürfen. Einer derselben liegt
anderthalb Meile landeinwärts von Puerto-Grande; er ist kreisförmig,
ungefähr eine Drittel Meile im Durchmesser und 400 Fusz tief. Er weicht
von allen Tuff-Crateren, welche ich untersucht habe, darin ab, dasz der
untere Theil seiner Höhlung, bis zu einer Höhe von zwischen 100 und 150
Fusz, von einer steil abfallenden Mauer von Basalt gebildet wird, was
dem Crater das Ansehen gibt, als sei er durch solide Felsflächen
durchgebrochen. Der obere Theil dieses Craters besteht aus Schichten des
umgewandelten Tuffs mit harzähnlichem Bruche. Seinen Boden nimmt ein
seichter See von Salzlake ein, Schichten von Salz bedeckend, welche auf
tiefem, schwarzem Schlamm aufliegen. Der andere Crater liegt einige
wenige Meilen davon entfernt und ist nur wegen seiner Grösze und seines
vollkommenen Zustandes merkwürdig. Sein Gipfel ist 1200 Fusz über dem
Meeresspiegel hoch, und die innere Höhle ist 600 Fusz tief. Seine
äuszere abfallende Fläche bot wegen der Glätte der weiszen
Tuffschichten, welche einem ungeheuren gypsbekleideten Fuszboden ähnlich
waren, einen merkwürdigen Anblick dar. Brattle Island ist, glaube ich,
der gröszte aus Tuff gebildete Crater im Archipel; sein innerer
Durchmesser beträgt nahezu eine nautische Meile. Gegenwärtig ist er in
einem zerstörten Zustande, nach Süden hin offen und besteht aus wenig
mehr als einem halben Kreise; seine bedeutende Grösze ist wahrscheinlich
zum Theil das Resultat einer inneren Zerstörung durch die Einwirkung des
Meeres.

[Illustration: Fig. 14. Segment einer sehr kleinen Eruptionsöffnung am
Strande der Süszwasser-Bucht.]

~Segment eines kleinen basaltischen Craters.~ -- Die eine Seite der
Süszwasser-Bucht (Freshwater-Bay) wird von einem Vorgebirge gebildet,
welches den letzten Überrest eines groszen Craters darstellt. Am
Strandende dieses Vorgebirges ist ein quadrant-förmiges Segment eines
kleinen untergeordneten Eruptionspunktes bloszgestellt. Es besteht aus
neun einzelnen kleinen, aufeinander gehäuften Lavaströmen und aus einer
unregelmäszigen, ungefähr fünfzehn Fusz hohen Säule eines röthlich
braunen, blasigen Basalts, welcher auszerordentlich reich an groszen
Krystallen glasigen Albits und an geschmolzenem Augit ist. Diese Säule
und einige benachbarte Gesteinshügel am Strande stellen die Axe des
Craters dar. Die Lavaströme können in einer kleinen, senkrecht zur Küste
stehenden Schlucht zwischen zehn und fünfzehn Yards lang verfolgt
werden, bis sie unter Detritus verborgen werden; dem Strande entlang
sind sie in einer Länge von nahezu achtzig Yards sichtbar; ich glaube
auch nicht, dasz sie sich viel weiter erstrecken. Die drei unteren
Ströme sind mit der Säule in Verbindung und sind an dem
Vereinigungspunkte (wie in der beistehenden, an Ort und Stelle gemachten
flüchtigen Skizze zu sehen ist) unbedeutend gebogen, als wären sie
gerade im Begriffe, über den Rand des Craters überzuflieszen. Die oberen
sechs Ströme waren ohne Zweifel ursprünglich mit dieser selben Säule
verbunden, ehe dieselbe vom Meere abgenagt wurde. Die Lava dieser Ströme
ist von einer ähnlichen Zusammensetzung wie die der Säule, ausgenommen,
dasz die Albitkrystalle stärker zertrümmert sind und dasz die Körner von
geschmolzenem Augit fehlen. Jeder Strom ist von dem darüber liegenden
durch eine, einige wenige Zolle bis höchstens einen oder zwei Fusz
mächtige Schicht loser, bruchstückartiger Schlacken getrennt, welche
allem Anscheine nach von einer Abreibung der Ströme, wie sie über
einander hingiengen, herrühren. Diese sämmtlichen Ströme sind wegen
ihrer Dünne sehr merkwürdig. Ich habe mehrere von ihnen sorgfältig
gemessen; einer derselben war acht Zoll dick, war aber oben drei Zoll,
unten gleichfalls drei Zoll, fest von einem rothen schlackenartigen
Gestein überzogen (was bei allen den Strömen der Fall ist); und dies
ergibt eine Gesammtdicke von vierzehn Zoll: diese Länge wurde völlig
gleichmäszig der ganzen Länge des Durchschnitts nach eingehalten. Ein
zweiter Strom war nur acht Zoll dick, mit Einschlusz der oberen und
unteren schlackigen Fläche. Bis ich diesen Durchschnitt untersucht
hatte, hatte ich es nicht für möglich gehalten, dasz Lava in solch
gleichförmig dünnen Schichten über eine durchaus nicht glatte Fläche
hätte flieszen können. Diese kleinen Lavaströme sind in ihrer
Zusammensetzung jener groszen Überfluthung von Lava auf Albemarle-Insel
äuszerst ähnlich, welche gleichfalls einen hohen Grad von
Leichtflüssigkeit besessen haben musz.

~Scheinbar fremdartige Auswürflinge.~ -- In der Lava und in den
Schlacken dieses kleinen Craters fand ich mehrere Bruchstücke, welche
wegen ihrer eckigen Form, ihrer körnigen Structur und ihres Freiseins
von Luftblasen, sowie wegen ihres zerbrechlichen und verbrannten
Zustandes jenen Bruchstücken von primären Gesteinsarten auszerordentlich
ähnlich waren, welche gelegentlich, wie auf Ascension, von Vulcanen
ausgeworfen werden. Diese Fragmente bestehen aus stark abgeriebenem,
glasigem Albit mit sehr unvollkommenen Spaltflächen, untermischt mit
halb abgerundeten Körnern eines stahlblauen Minerals mit trübe
glänzender Oberfläche. Die Albitkrystalle sind von einem rothen
Eisenoxyd überzogen, welches wie eine niedergeschlagene Substanz
aussieht; auch ihre Spaltungsebenen sind zuweilen durch äuszerst feine
Schichten dieses Oxyds getrennt, was den Krystallen das Ansehen gibt,
als wären sie mit Linien eingetheilt wie ein Glas-Micrometer. Es war
kein Quarz vorhanden. Das stahlblaue Mineral, welches in der Basaltsäule
auszerordentlich reichlich vorhanden ist, aber in den von der Säule
ausgehenden Strömen verschwindet, hat ein geschmolzenes Ansehen und
bietet nur selten auch nur eine Spur von Spaltung dar; es gelang mir
indessen, eine Messung zu machen, aus welcher hervorgieng, dasz es Augit
war; und an einem andern Fragmente, welches von den andern darin abwich,
dasz es unbedeutend zellig war und allmählich in die umgebende
Grundmasse übergieng, waren die Körner des Minerals ziemlich gut
krystallisirt. Obgleich ein so groszer Unterschied in der äuszern
Erscheinung zwischen der Lava der kleinen Ströme und besonders ihres
rothen, schlackenartigen Überzugs, und diesen eckigen, ausgeworfenen
Fragmenten besteht, welche auf den ersten Blick leicht für Syenit
gehalten werden können, so glaube ich doch, dasz die Lava durch das
Schmelzen und Fortbewegen einer Gesteinsmasse entstanden ist, welche
eine absolut ähnliche Zusammensetzung wie diese Fragmente besessen hat.
Auszer dem oben erwähnten Exemplar, an welchem wir sehen, wie ein
solches Fragment unbedeutend zellig wurde und in die umgebende
Grundmasse übergieng, wird auch bei manchen Körnern des stahlblauen
Augits die Oberfläche sehr fein blasig und ihre Beschaffenheit geht in
die der umgebenden Masse über; andere Körner befinden sich in einem
intermediären Zustande. Die Grundmasse scheint aus Augit zu bestehen,
welcher vollkommener geschmolzen oder, noch wahrscheinlicher, nur durch
die Bewegung der Masse in seinem erweichten Zustande aufgerührt und mit
dem Eisenoxyd und fein zerkleinerten glasigen Albit untermengt ist.
Wahrscheinlich rührt es daher, dass der geschmolzene Augit, welcher in
der Basaltsäule so reichlich vorhanden ist, in den Strömen
verschwindet. Der Albit ist in der Lava und in den eingeschlossenen
Fragmenten in genau demselben Zustand, ausgenommen, dass die meisten
Krystalle kleiner sind; in den Bruchstücken erscheinen sie aber weniger
reichlich: dies wird indessen die natürliche Folge des Aufschwellens der
augitischen Grundmasse und ihrer davon abhängigen scheinbaren
Massenzunahme sein. Es ist interessant, in dieser Weise die Schritte zu
verfolgen, durch welche ein compactes, körniges Gestein in eine blasige,
scheinbar porphyrartige Lava und schlieszlich in rothe Schlacke
umgewandelt wird. Die Structur und Zusammensetzung der eingeschlossenen
Fragmente zeigen, dasz sie Theile sind entweder von einer Masse primären
Gesteins, welches durch vulcanische Einwirkung einer bedeutenden
Veränderung unterlegen hat, oder noch wahrscheinlicher, von der
Rindenschicht einer abgekühlten und krystallirten Lavamasse, welche
später zerbrochen und wieder flüssig gemacht wurde: die Rinde wird von
der sich erneuernden Hitze und Bewegung weniger beeinfluszt worden sein.

~Schluszbemerkungen über die Tuff-Cratere.~ -- Diese Cratere bieten
wegen der eigenthümlichen Beschaffenheit der harzartigen Substanz,
welche in groszem Umfang sich an ihrer Zusammensetzung betheiligt, wegen
ihrer Structur, ihrer Grösze und Anzahl einen der allerauffallendsten
Züge in der Geologie dieses Archipels dar. Die grosze Mehrzahl derselben
bildet entweder besondere Inseln oder an gröszere Inseln angeheftete
Vorgebirge; und diejenigen unter ihnen, welche jetzt in einer geringen
Entfernung vom Ufer liegen, sind abgerieben und durchbrochen, so wie es
durch die Einwirkung des Meeres geschieht. Nach diesen allgemeinen
Verhältnissen ihrer Lage und nach der geringen Menge von ausgeworfener
Asche auf allen Theilen des Archipels werde ich zu der Folgerung
geführt, dass der Tuff hauptsächlich durch das gegenseitige Abreiben von
Lavafragmenten innerhalb activer Cratere, welche mit dem Meere
communicirten, hervorgebracht worden ist. In der Entstehungsweise und
der Zusammensetzung des Tuffs und in dem häufigen Vorkommen eines
centralen Sees von Salzlauge oder von Salzschichten sind diese Cratere,
obschon in einem colossalen Maszstabe, den »Salsen« oder Schlammhügeln
ähnlich, welche in einigen Theilen von Italien und in andern Ländern
häufig vorkommen[99]. Indessen wird ihr innigerer Zusammenhang mit
gewöhnlicher vulcanischer Thätigkeit auf diesem Archipel durch die
Lachen von festgewordenem Basalt erwiesen, von denen sie zuweilen
erfüllt sind.

Es erscheint auf den ersten Blick sehr merkwürdig, dasz bei den
sämmtlichen aus Tuff gebildeten Crateren die südlichen Seiten entweder
ganz niedergebrochen und vollständig entfernt, oder viel niedriger sind
als die andern Seiten. Ich habe achtundzwanzig solcher Cratere gesehen
und Beschreibungen von ihnen erhalten; von diesen bilden zwölf besondere
Inseln[100] und existiren jetzt nur noch als blosze halbmondförmige,
nach dem Süden offene Bogen, gelegentlich mit einigen vorragenden
Felsspitzen, welche ihren früheren Umfang andeuten; von den übrigen
sechszehn bilden einige Vorgebirge und andere stehen in einer geringen
Entfernung vom Ufer landeinwärts; bei allen aber ist die südliche Seite
entweder die niedrigste oder sie ist gänzlich zusammengebrochen. Bei
zweien von diesen sechszehn war indessen auch die nördliche Seite
niedrig, während die östliche und westliche Seite vollständig waren. Ich
habe auch nur von einer einzigen Ausnahme von der Regel, dasz diese
Cratere auf der Seite, welche nach einem zwischen Südost und Südwest
gelegenen Punkte des Horizontes hingerichtet ist, eingestürzt oder
niedrig sind, weder etwas gesehen noch gehört. Diese Regel gilt nicht
für Cratere, welche aus Lava und Schlacke zusammengesetzt sind. Die
Erklärung ist einfach: auf diesem Archipel fallen die durch die
Passatwinde hervorgerufenen Wellen und der von den weiter entfernten
Theilen des offenen Oceans fortgepflanzte Wogenschwall in der Richtung
zusammen (was an vielen Stellen des stillen Oceans nicht der Fall ist),
und beide greifen nun mit verbundenen Kräften die südliche Seite
sämmtlicher Inseln an; in Folge dessen ist der südliche Abhang, selbst
wenn er gänzlich aus hartem, basaltischem Gestein gebildet wird,
ausnahmslos steiler als der nördliche Abhang. Da die Tuff-Cratere aus
einem weichen Material zusammengesetzt sind und da wahrscheinlich alle,
oder beinahe alle, in einer gewissen Periode im Meere eingetaucht
gestanden haben, so dürfen wir uns nicht wundern, dasz sie auf ihren
stärker exponirten Seiten ausnahmslos die Wirkungen dieser mächtigen,
denudirenden Kraft darbieten. Nach dem stark abgenutzten Zustande vieler
dieser Cratere zu urtheilen, ist es wahrscheinlich, dasz manche ganz und
gar fortgewaschen worden sind. Da wir keinen Grund haben, zu vermuthen,
dasz die aus Schlacken und Lava gebildeten Cratere zur Eruption
gelangten während sie im Meer standen, so können wir auch einsehen,
weshalb jene Regel nicht für sie gilt. Auf Ascension zeigte es sich,
dasz die Mündungen der Cratere, welche dort sämmtlich terrestrischen
Ursprungs sind, von den Passatwinden afficirt worden sind. Dieselbe
Kraft könnte auch dazu beitragen, die nach dem Winde zu gelegene und
exponirte Seite einiger dieser Cratere ursprünglich zur niedrigsten zu
machen.

~Mineralogische Zusammensetzung der Gesteine.~ -- Auf den nördlichen
Inseln scheinen die basaltischen Laven allgemein mehr Albit zu
enthalten, als in der südlichen Hälfte des Archipels; es enthalten aber
beinahe sämmtliche Ströme etwas. Der Albit ist nicht selten mit Olivin
verbunden. An keinem einzigen Exemplar beobachtete ich deutlich
unterscheidbare Krystalle von Hornblende oder Augit; ich nehme dabei die
geschmolzenen Körner in den ausgeworfenen Bruchstücken und in der
Basaltsäule des oben beschriebenen kleinen Craters aus. Ich bin auf kein
einziges Exemplar echten Trachyts gestoszen; es sind zwar manche von den
blässeren Laven, wenn sie sehr reich an groszen Krystallen des harten
und glasigen Albits sind, in einem gewissen Grade diesen Gesteinen
ähnlich; aber in allen Fällen schmilzt die Grundmasse zu einem schwarzen
Schmelz. Schichten von Asche und weit ausgeworfenen Schlacken fehlen,
wie früher angegeben wurde, beinahe ganz; auch habe ich nicht ein
Bruchstück von Obsidian oder Bimsstein gesehen. L. VON BUCH[101] glaubt,
dasz das Fehlen von Bimsstein am Aetna eine Folge davon ist, dasz der
Feldspath zu der Varietät des Labrador-Feldspaths gehört; wenn das
Vorhandensein von Bimsstein von der Zusammensetzung des Feldspaths
abhängt, so wäre es merkwürdig, dasz er auf diesem Archipel gar nicht,
und auf der Cordillera in Süd-America so reichlich vorhanden ist, da in
diesen beiden Gegenden der Feldspath zu der Varietät des
Albit-Feldspaths gehört. In Folge des Fehlens von Aschenmassen und wegen
des im Allgemeinen unzersetzlichen Characters der Lava auf diesem
Archipel werden die Inseln nur langsam mit einer ärmlichen Vegetation
bekleidet und die ganze Scenerie hat ein desolates und schauriges
Ansehen.

~Erhebung des Landes.~ -- Beweise für das Emporsteigen des Landes sind
dürftig und unvollkommen. Auf Chatham-Insel beobachtete ich einige
grosze Lava-Blöcke, welche durch kalkige Substanz verkittet waren und
recente Muscheln enthielten; sie kamen aber nur in der Höhe von einigen
wenigen Fuszen oberhalb der Fluthgrenze vor. Einer von den Officieren
gab mir einige Muschelfragmente, welche er mehrere hundert Fusz über dem
Meeresspiegel in dem Tuff von zwei, von einander entfernt liegenden
Crateren eingeschlossen gefunden hatte. Es ist möglich, dasz diese
Fragmente in ihre gegenwärtige Höhe mit einer Schlammeruption gebracht
worden sind; da sich aber in einem Falle zerbrochene und beinahe eine
Schicht bildende Austernschalen in ihrer Gesellschaft fanden, so ist es
wahrscheinlicher, dasz der Tuff mit den Muscheln in Masse emporgehoben
wurde. Die Exemplare sind so unvollkommen, dasz sie nur als zu recenten
marinen Gattungen gehörend wiedererkannt werden können. Auf
Charles-Insel beobachtete ich eine Reihe groszer abgerundeter Blöcke,
welche auf dem Gipfel einer verticalen Klippe in der Höhe von fünfzehn
Fusz oberhalb der Linie, bis zu welcher die Wirkung des Meeres während
der heftigsten Stürme reicht, aufgehäuft waren. Dies schien auf den
ersten Blick einen guten Beweis zu Gunsten der Ansicht von der Erhebung
des Landes darzubieten; es war dies aber eine völlige Täuschung; denn
später habe ich an einem benachbarten Theile dieser nämlichen Küste
gesehen und es von Augenzeugen gehört, dasz überall da, wo ein neuer
Lavastrom eine glatte geneigte Fläche bildet, welche in das Meer
eintritt, die Wellen während der Stürme die Kraft haben, ~abgerundete
Blöcke~ bis zu einer bedeutenden Höhe ~aufzurollen~, höher als die Linie
ihrer gewöhnlichen Wirkung liegt. Da die kleine Klippe in dem
vorliegenden Fall von einem Lavastrom gebildet wird, welcher, ehe er
durch Abnagen mit seinem Ende zurücktrat, in das Meer mit einer sanft
abfallenden Fläche eintrat, so ist es möglich, oder vielmehr
wahrscheinlich, dasz die abgerundeten, jetzt auf seinem Gipfel liegenden
Blöcke einfach die Überreste von denen sind, welche während der Stürme
bis zu ihrer gegenwärtigen Höhe ~hinaufgerollt~ wurden.

~Richtung der Eruptionsspalten.~ -- Man kann die vulcanischen Mündungen
auf dieser Gruppe nicht als ganz ordnungslos zerstreut betrachten. Drei
grosze Cratere auf Albemarle-Insel bilden eine wohlausgeprägte Linie,
welche sich von Nordwest bei Nord nach Südost bei Süd erstreckt.
Narborough-Insel und der grosze Crater auf dem rechteckigen Vorsprung
von Albemarle-Insel bilden eine zweite parallele Reihe. Nach Osten hin
bilden Hood's-Insel und die Inseln und Felsen zwischen ihr und
James-Insel eine andere, nahezu parallele Reihe, welche in ihrer
Verlängerung Culpepper und Wenman-Inseln trifft, die siebzig Meilen nach
Norden entfernt liegen. Die andern noch weiter nach Osten liegenden
Inseln bilden eine weniger regelmäszige vierte Linie. Mehrere von diesen
Inseln und die Auswurfsöffnungen auf Albemarle-Insel liegen so, dasz sie
gleichfalls auf eine Gruppe von im Allgemeinen parallelen Linien fallen,
welche die früheren unter rechten Winkeln schneiden, so dasz hiernach
die hauptsächlichsten Cratere augenscheinlich auf den Punkten liegen, wo
zwei Spaltengruppen einander schneiden. Die Inseln selbst sind, mit
Ausnahme von Albemarle-Insel, nicht in derselben Richtung wie die Linien
verlängert, auf welchen sie stehen. Die Richtung dieser Inseln ist
nahezu die nämliche, wie die, welche in einer so merkwürdigen Weise in
den zahlreichen Archipelen des groszen Stillen Oceans vorherrscht.
Endlich will ich noch bemerken, dasz es auf den Galapagos-Inseln nicht
einen einzigen dominirenden Crater gibt, der viel höher wäre als alle
die übrigen, wie man es auf vielen vulcanischen Archipelen beobachten
kann: der höchste ist der grosze Wall am südwestlichen Ende von
Albemarle-Insel, welcher mehrere andere in der Nähe liegende Vulcane um
kaum tausend Fusz überragt.

[87] Bei dieser Messung schliesze ich die kleinen vulcanischen Inseln,
Culpepper- und Wenman-Insel, aus; sie liegen siebenzig Meilen nördlich
von der Gruppe. Cratere waren auf sämmtlichen Inseln des Archipels
sichtbar, ausgenommen auf Towers-Insel, welche eine der niedrigsten ist;
es ist indessen diese Insel aus vulcanischen Gesteinen gebildet.

[88] Die Kalk enthaltenden Concretionen, von welchen ich mitgetheilt
habe, dasz sie sich in einer Schicht von Asche gebildet haben, bieten in
einem gewissen Grade eine Ähnlichkeit mit dieser Substanz dar, haben
aber keinen harzigen Bruch. Auch auf St. Helena habe ich Adern von einer
in gewisser Weise ähnlichen, compacten, aber nicht harzartigen Substanz
gefunden, welche in einer Schicht von Bimsstein-Asche vorkam,
augenscheinlich frei von kalkiger Substanz: in keinem von beiden Fällen
kann Hitze eingewirkt haben.

[89] Diejenigen Geologen, welche den Ausdruck >Tuff< auf Aschenmassen
von weiszer Färbung beschränken, welche das Resultat des Zerkleinerns
feldspathiger Laven sind, werden diese braun gefärbten Schichten
>Peperino< nennen.

[90] ~Élie de Beaumont~ hat (Mém. pour servir etc. Tom. IV. p. 113)
viele »petits cirques d'éboulement« um Ätna beschrieben, unter denen von
einigen der Ursprung historisch bekannt ist.

[91] Sir ~G. Mackenzie~ hat (Travels in Iceland, p. 389 bis 392) eine
Lava-Ebene am Fusze des Hecla beschrieben, welche überall in grosze
Blasen aufgehoben ist. Sir ~George~ gibt an, dasz diese blasige Lava die
oberste Schicht bildet; dieselbe Thatsache ist von ~L. von Buch~ in
Bezug auf den basaltischen Strom in der Nähe von Realejo auf Teneriffa
bestätigt worden (Description des îles Canaries, p. 159). Es erscheint
eigenthümlich, dasz gerade die oberen Ströme cavernös sein sollen, denn
man sieht keinen Grund, warum die oberen und unteren nicht zu
verschiedenen Zeiten gleichförmig afficirt worden sein können; -- sind
die unteren Ströme unter dem Drucke des Meeres geflossen und so nach dem
Austritt von Gasmassen durch sie hindurch später abgeplattet worden?

[92] In der Cordillera von Chile habe ich Lava gesehen, welche dieser
Varietät vom Galapagos-Archipel äuszerst ähnlich war. Sie enthielt
indessen auszer dem Albit gut ausgebildete Krystalle von Augit, und die
Basis (vielleicht in Folge der Aggregation der augitischen Theilchen)
war eine Schattirung heller in der Farbe. Ich will hier bemerken, dasz
ich in allen diesen Fällen die Feldspathkrystalle >~Albit~< nenne, weil
ihre Spaltungsebenen (mit dem Reflexions-Goniometer gemessen) denen
jenes Minerals entsprachen. Da man indessen bei einer andern Species
dieser Gattung neuerdings entdeckt hat, dasz sie sich in nahezu
denselben Ebenen spaltet wie der Albit, so musz jene Bezeichnung nur für
provisorisch betrachtet werden. Ich habe die Krystalle in den Laven
vieler verschiedener Theile der Galapagos-Gruppe untersucht und
gefunden, dasz keine von ihnen, mit Ausnahme einiger Krystalle von einer
Stelle auf James-Insel, Spaltungsflächen von der Richtung zeigte wie
Orthit oder Kali-Feldspath.

[93] Description des îles Canaries, p. 295.

[94] ~Humboldt~ erwähnt, dasz er ein, in den vulcanischen Gesteinen der
Cordillera vorkommendes, grünes augitisches Mineral irrthümlich für
Olivin hielt.

[95] Die unregelmäszige und winklige Form der Bläschen ist
wahrscheinlich durch das ungleiche Nachgeben einer, fast in gleichen
Verhältnissen aus soliden Krystallen und einer zähflüssigen Basis
bestehenden Masse verursacht. Sicherlich scheint es, wie sich auch hätte
erwarten lassen, ein ganz allgemeines Verhalten zu sein, dasz in Lava,
welche einen hohen Grad von Flüssigkeit, ~ebenso wie ein gleichförmiges
Korn~ besessen hat, die Bläschen innen glatt und sphärisch sind.

[96] Ein Handstück von basaltischer Lava mit einigen wenigen
zerbrochenen Krystallen von Albit, was mir einer der Officiere gegeben
hat, ist vielleicht der Beschreibung werth. Es besteht aus cylindrischen
Ramificationen, von denen einige nur ein Zwanzigstel Zoll im Durchmesser
halten und in die schärfsten Spitzen ausgezogen sind. Die Masse hat sich
nicht nach Art eines Stalactiten gebildet, denn die Spitzen gehen sowohl
nach oben als nach unten aus. Nur ein Vierzigstel Zoll im Durchmesser
messende Kügelchen sind von einigen der Spitzen abgetropft und hängen an
den nächstliegenden Zweigen. Die Lava ist blasig; die Bläschen erreichen
aber nirgends die Oberfläche, welche glatt und glänzend ist. Da
allgemein angenommen wird, dasz Bläschen immer in der Richtung der
Bewegung der flüssigen Masse verlängert sind, so will ich bemerken, dasz
in diesen cylindrischen Zweigen, welche im Durchmesser von nur einem
Zwanzigstel Zoll bis zu einem Zoll schwanken, eine jede Luftblase
sphärisch ist.

[97] Diese Schluszfolgerung ist von einigem Interesse, weil Mr.
~Dufrénoy~ (Mémoires pour servir etc. Tom. IV. p. 274) aus dem Umstande,
dasz Tuffschichten von augenscheinlich ähnlicher Zusammensetzung wie die
hier beschriebenen unter Winkeln von zwischen 18 und 20° geneigt sind,
gefolgert hat, dasz der Monte Nuovo und andere Cratere im südlichen
Italien durch Erhebung gebildet worden sind. Aus den oben angeführten
Thatsachen, dem gewölbten Character der einzelnen Leisten, und dem
Umstand, dasz der Tuff sich nicht in horizontalen Flächen rund um diese
craterförmigen Hügel ausbreitet, wird Niemand folgern, dasz diese
Schichten durch Erhebung hervorgebracht worden sind; und doch sehen wir,
dasz ihre Neigung über 20° beträgt und häufig bis 30° steigt. Auch die
consolidirten Schichten der inneren Böschung fallen, wie sofort
angegeben werden wird, unter einem Winkel von über 30 Graden.

[98] Ich glaube, dasz dieser Fall factisch auf den Azoren vorkommt, wo
Dr. ~Webster~ (Description, p. 185) eine bassinförmige, kleine Insel
beschrieben hat, welche aus nach innen fallenden und nach auszen von
steilen, vom Meer zernagten Klippen begrenzten ~Schichten~ von ~Tuff~
zusammengesetzt ist. ~Daubeny~ (on Volcanos, p. 266) vermuthet, dasz
diese Höhlung durch eine kreisförmige Senkung gebildet worden sein musz.
Es scheint mir viel wahrscheinlicher zu sein, dasz wir hier Schichten
vor uns haben, welche ursprünglich innerhalb der Höhle eines Craters
abgelagert wurden, dessen äuszere Wandungen seitdem vom Meere
weggewaschen worden sind.

[99] ~D'Aubuisson~, Traité de Géognosie, Tom. I. p. 189. Ich will hier
noch erwähnen, dasz ich auf Terceira in den Azoren einen Crater von Tuff
oder Peperino gesehen habe, welcher denen auf dem Galapagos-Archipel
sehr ähnlich war. Nach der in ~Freycinet's~ Reise gegebenen Beschreibung
kommen ähnliche auch auf den Sandwich-Inseln vor; wahrscheinlich finden
sich solche noch an vielen anderen Orten.

[100] Diese sind: die drei Crossman-Inselchen, von denen die gröszte 600
Fusz hoch ist; Enchanted Island (Bezauberte Insel); Gardner Insel (760
Fusz hoch); Champion-Insel (331 Fusz hoch); Enderby-Insel;
Brattle-Insel; zwei Inselchen nahe bei Indefatigable Island, und eines
nahe bei James-Insel. Ein zweiter Crater in der Nähe der James-Insel
(mit einem Salzsee in seinem Centrum) hat eine Südseite, welche nur
ungefähr zwanzig Fusz hoch ist, während die anderen Theile des Umfangs
ungefähr 300 Fusz hoch sind.

[101] Description des îles Canaries, p. 328.



Sechstes Capitel.

Trachyt und Basalt. -- Verbreitung der vulcanischen Inseln.

     Das Einsinken von Krystallen in flüssige Lava. -- Specifisches
     Gewicht der constituirenden Bestandtheile des Trachyt und Basalt
     und ihre spätere Trennung. -- Obsidian. -- Scheinbar nicht
     erfolgende Trennung der Elemente der plutonischen Gesteine. --
     Ursprung der Trappgänge in der plutonischen Reihe. -- Verbreitung
     vulcanischer Inseln; ihr Vorherrschen in den groszen Oceanen. --
     Sie sind meist in Reihen angeordnet. -- Die centralen Vulcane L.
     VON BUCH's zweifelhaft. -- Vulcanische Inseln Continente umsäumend.
     -- Alter vulcanischer Inseln und ihre Erhebung in Masse. --
     Eruptionen auf parallelen Spaltungslinien innerhalb einer und
     derselben geologischen Periode.


~Über die Trennung der constituirenden Mineralien der Lava je nach ihrem
specifischen Gewicht.~ -- Die eine Seite von Freshwater-Bay auf
James-Insel wird von dem Rest eines im letzten Capitel erwähnten Craters
gebildet, dessen Inneres von einem, ungefähr 2000 Fusz mächtigen
Basaltsee ausgefüllt worden ist. Dieser Basalt ist von einer grauen
Farbe und enthält viele Krystalle von glasigem Albit, welche in dem
unteren, schlackigeren Theile viel zahlreicher werden. Dies steht im
Widerspruch mit dem, was sich hätte erwarten lassen; denn wenn die
Krystalle ursprünglich in gleicher Anzahl verbreitet gewesen wären, so
würde die stärkere Anschwellung dieses unteren schlackigen Theils sie in
einer geringeren Zahl haben erscheinen lassen. L. VON BUCH[102] hat
einen Obsidian-Strom am Pik von Teneriffa beschrieben, an welchem die
Feldspath-Krystalle immer zahlreicher und zahlreicher werden in dem
Masze, als die Tiefe oder Mächtigkeit zunimmt, so dasz in der Nähe der
unteren Fläche des Stroms die Lava selbst einem primären Gestein
ähnlich wird. L. VON BUCH gibt ferner an, dasz DRÉE in seinen
Experimenten über das Schmelzen von Lava gefunden hat, dasz die
Feldspath-Krystalle immer die Neigung haben, sich auf den Boden des
Schmelztiegels niederzuschlagen. In diesen Fällen, meine ich, läszt sich
nicht daran zweifeln[103], dasz die Krystalle in Folge ihres Gewichts
untersinken. Das specifische Gewicht des Feldspaths schwankt[104] von
2,4 bis zu 2,58, während der Obsidian gewöhnlich 2,3 bis zu 2,4 zu
wiegen scheint; in einem verflüssigten Zustande wird sein specifisches
Gewicht wahrscheinlich noch geringer sein, was das Untersinken der
Feldspath-Krystalle erleichtern wird. Auf James-Insel dürften die
Albit-Krystalle, obschon sie ohne Zweifel von geringerem Gewicht sind
als der graue Basalt an den Stellen, wo er compact ist, wohl leicht von
gröszerem specifischen Gewichte als die aus geschmolzener Lava und
Blasen von erhitztem Gas gebildete schlackenartige Masse sein.

Das Untersinken von Krystallen durch eine klebrige Substanz wie
geschmolzenes Gestein, wie es nach unzweideutigen Beweisen in den
Experimenten DRÉE's der Fall gewesen ist, ist noch weiterer Betrachtung
werth, da es Licht wirft auf die Trennung der trachytischen und
basaltischen Reihen von Laven. Mr. P. SCROPE hat Betrachtungen über
diesen Gegenstand angestellt; er scheint aber keine positiven
Thatsachen, solche wie die oben angeführten, gekannt zu haben; er hat
auch ein, wie es mir erscheint, sehr nothwendiges Element in der
Erscheinung übersehen, -- nämlich das Vorhandensein entweder des
leichteren oder des schwereren Minerals in Körnern oder in Krystallen.
Bei einer Substanz von unvollkommener Flüssigkeit, wie geschmolzenem
Gestein, ist es kaum glaublich, dasz die einzelnen, unendlich kleinen
Atome, mögen sie von Feldspath, Augit oder von irgend einem andern
Mineral sein, die Kraft haben werden, durch ihr unbedeutend
verschiedenes specifisches Gewicht die Reibung zu überwinden, welche
durch ihre Bewegung hervorgerufen wird; wenn aber die Atome irgend eines
dieser Minerale, während die übrigen flüssig blieben, zu Krystallen oder
Körnchen verbunden wären, so ist es leicht zu begreifen, dasz in Folge
der verringerten Reibung ihr Vermögen einzusinken oder zu schwimmen
bedeutend vermehrt würde. Wenn aber andererseits die sämmtlichen
Mineralbestandtheile zu derselben Zeit körnig würden, so ist es kaum
möglich, wegen ihres gegenseitigen Widerstandes, dasz dann irgend eine
Trennung eintreten könnte. Eine werthvolle praktische Entdeckung, welche
die Wirkung des Körnigwerdens eines einzelnen Elementes in einer
flüssigen Masse, als dessen Trennung unterstützend, erläutert, ist vor
Kurzem gemacht worden: wenn Blei, welches eine geringe Portion von
Silber enthält, während seiner Abkühlung beständig geschüttelt wird, so
wird es granulirt, und die Körner oder unvollkommenen Krystalle von
nahezu reinem Blei sinken zu Boden, einen Rückstand von geschmolzenem,
an Silber viel reicherem Metall zurücklassend, während, wenn die
Mischung ungestört gelassen, wennschon für eine lange Zeit flüssig
erhalten wird, die beiden Metalle kein Zeichen einer Trennung erkennen
lassen[105]. Der einzige Nutzen des Schüttelns scheint in der Bildung
einzelner Körnchen zu bestehen. Das specifische Gewicht des Silbers ist
10,4, das des Bleis 11,35; das körnig gewordene Blei, welches zu Boden
sinkt, ist niemals absolut rein und die rückständige flüssige
Metallmasse enthält, wenn sie am reichsten ist, nur 1/119 Silber. Da die
durch die verschiedenen Proportionen der beiden Metalle verursachte
Verschiedenheit des specifischen Gewichts so auszerordentlich gering
ist, so wird die Trennung wahrscheinlich in einem bedeutenden Grade
durch die Gewichtsverschiedenheit zwischen dem zwar körnigen, aber noch
heiszen und dem flüssigen Blei unterstützt.

In Übereinstimmung mit den oben angeführten Thatsachen dürfen wir
erwarten, dasz in einer, einige Zeit lang ruhig ohne irgend eine heftige
Störung gelassenen Masse flüssig gewordenen vulcanischen Gesteins, wenn
eines der constituirenden Mineralien zu Krystallen oder Körnchen
aggregirt oder in diesem Zustande aus einer schon früher existirenden
Masse eingeschlossen wird, derartige Krystalle oder Körner ihrem
specifischem Gewicht entsprechend steigen oder sinken werden. Wir haben
nun deutliche Beweise dafür, dasz Krystalle in viele Laven
eingeschlossen worden sind, so lange der Teig oder die Grundmasse
derselben flüssig blieb. Ich brauche nur als Beispiele die verschiedenen
groszen, täuschend porphyrähnlichen Ströme auf den Galapagos-Inseln und
die trachytischen Ströme in vielen Theilen der Welt anzuführen, in
welchen wir Feldspath-Krystalle durch die Bewegung der umgebenden
halbflüssigen Masse verbogen und zerbrochen finden. Laven sind
hauptsächlich zusammengesetzt aus drei Varietäten von Feldspath, welche
in ihrem specifischen Gewicht von 2,4 bis zu 2,74 schwanken, aus
Hornblende und Augit, welche von 3,0 bis 3,4 schwanken, aus Olivin, von
3,3 bis zu 3,4 variirend, und endlich aus Eisenoxyden mit einem
specifischen Gewicht von 4,8 bis 5,2. Es würden daher in eine Masse von
flüssig gewordener, aber nicht stark blasiger Lava eingeschlossene
Feldspath-Krystalle die Neigung haben, nach den oberen Theilen
aufzusteigen, und Krystalle oder Körner der andern Mineralien, in
gleicher Weise eingeschlossen, werden zu sinken neigen. Wir dürfen
indessen in einem so klebrigen und zähflüssigen Material keinen
irgendwie vollkommenen Grad von Trennung erreicht zu sehen erwarten.
Trachyt, welcher hauptsächlich aus Feldspath mit etwas Hornblende und
Eisenoxyd besteht, hat ein specifisches Gewicht von ungefähr 2,45[106],
während hauptsächlich aus Augit und Feldspath, häufig mit viel Eisen und
Olivin zusammengesetzter Basalt ein specifisches Gewicht von ungefähr
3,0 besitzt. Dem entsprechend finden wir, dasz, wo beiderlei Arten
sowohl trachytische als basaltische Ströme aus derselben Öffnung
hervorgegangen sind, die trachytischen Ströme meist zuerst zur Eruption
gelangt sind, wie wir annehmen müssen in Folge des Umstandes, dasz sich
die geschmolzene Lava dieser Reihe in den oberen Theilen des
vulcanischen Herdes angesammelt hat. Diese Reihenfolge des Ausbruchs ist
von BEUDANT, SCROPE und andern Autoren beobachtet worden; auch sind drei
Beispiele hiervon in dem vorliegenden Buche mitgetheilt worden. Da
indessen die späteren Eruptionen aus den meisten vulcanischen Bergen
durch ihre basalen Theile durchgebrochen sind, und zwar in Folge der
vermehrten Höhe und Schwere der innern Säule geschmolzenen Gesteins, so
sehen wir, warum in den meisten Fällen nur die untern Seiten der
centralen, trachytischen Massen von basaltischen Strömen eingehüllt
sind. Die Trennung der Bestandtheile einer Lavamasse dürfte vielleicht
zuweilen innerhalb des Gerüstes eines vulcanischen Berges stattfinden,
wenn er hoch und von groszen Dimensionen ist, anstatt innerhalb des
unterirdischen Herdes; in diesem Falle würden trachytische Ströme
beinahe gleichzeitig oder in kurzen wiederkehrenden Intervallen von
seinem Gipfel aus und basaltische Ströme von seinem Fusze aus ergossen
werden: dies scheint auf Teneriffa stattgefunden zu haben[107]. Ich
brauche nur noch weiter zu bemerken, dasz in Folge heftiger Störungen
die Trennung der beiden Reihen, selbst unter im Übrigen günstigen
Bedingungen, natürlicherweise häufig verhindert und gleichfalls ihre
gewöhnliche Reihenfolge der Eruption umgekehrt werden wird. Wegen des
hohen Grades von Flüssigkeit der meisten basaltischen Laven würden
vielleicht diese in vielen Fällen die Oberfläche erreichen.

Da wir gesehen haben, dasz in dem von L. VON BUCH beschriebenen
Beispiele Feldspath-Krystalle in Obsidian untersinken, in
Übereinstimmung mit ihrem bekannten gröszeren specifischen Gewichte, so
dürfen wir auch in jedem trachytischen District, wo Obsidian als Lava
geflossen ist, zu finden erwarten, dasz er von den oberen oder höchsten
Öffnungen ausgegangen ist. Dies gilt nach der Angabe L. VON BUCH's in
einer merkwürdigen Weise sowohl für die Liparischen Inseln, als auch für
den Pik von Teneriffa; an diesem letzteren Orte ist Obsidian niemals aus
einer geringeren Höhe als 9200 Fusz geflossen. Allem Anschein nach ist
Obsidian auch von den höchsten Piks der Peruanischen Cordillera
ausgebrochen. Ich will nur noch weiter bemerken, dasz das specifische
Gewicht des Quarzes von 2,6 zu 2,8 schwankt, und dasz er daher, wenn er
in einem vulcanischen Herde vorhanden ist, keine Neigung haben wird, mit
den basaltischen Grundmassen zu sinken; dies erklärt vielleicht das
häufige Vorkommen und die auszerordentliche Menge dieses Minerals in den
Laven der trachytischen Reihe, wie in früheren Theilen des vorliegenden
Buches beschrieben wurde.

Ein Einwand gegen die vorstehend entwickelte Theorie wird vielleicht aus
dem Umstande entnommen, dasz die plutonischen Gesteine nicht in zwei
offenbar verschiedene Reihen von verschiedenem specifischem Gewicht
getrennt werden, trotzdem sie wie die vulcanischen flüssig gewesen sind.
Als Antwort darauf mag zuerst bemerkt werden, dasz wir keinen Beweis
dafür haben, dasz die Atome irgend eines der constituirenden Minerale in
der plutonischen Gesteinsreihe aggregirt wurden, während die andern
flüssig blieben, was, wie wir nachzuweisen gesucht haben, eine beinahe
nothwendige Bedingung für ihre Trennung ist; im Gegentheil haben die
Krystalle meist ihre Form auf einander eingedrückt[108].

An zweiter Stelle wird die vollkommene Ruhe, in welcher aller
Wahrscheinlichkeit nach die in ungeheuren Tiefen begrabenen plutonischen
Massen erkaltet sind, äuszerst wahrscheinlich der Trennung ihrer
mineralischen Bestandtheile in hohem Grade ungünstig sein; denn wenn die
Anziehungskraft, welche während der fortschreitenden Erkaltung die
Molecule der verschiedenen Mineralien zusammenzieht, mächtig genug ist,
sie beisammen zu halten, so wird die Reibung zwischen solchen
halbgebildeten Krystallen oder teigigen Kügelchen sehr wirksam die
schwereren am Sinken und die leichteren am Aufsteigen hindern.
Andererseits wird ein geringer Grad von Störung, welcher wahrscheinlich
in den meisten vulcanischen Herden vorkommen wird und welcher, wie wir
gesehen haben, die Trennung von Bleikörnchen aus einer Mischung von
geschmolzenem Blei und Silber oder von Feldspath-Krystallen aus
Lavaströmen, dadurch, dasz er die weniger vollkommen gebildeten
Kügelchen zerbricht und auflöst, nicht hindert, es den vollkommneren und
daher nicht zerbrochenen Krystallen gestatten, zu sinken oder zu steigen
je nach ihrem specifischen Gewicht.

Obgleich unter den plutonischen Gesteinen zwei, der trachytischen und
der basaltischen Reihe entsprechende, verschiedene Species nicht
existiren, so vermuthe ich doch stark, dasz ein gewisser Betrag von
Trennung ihrer constituirenden Bestandtheile häufig stattgefunden hat.
Ich vermuthe dies, weil ich beobachtet habe, wie Gänge von Grünstein und
Basalt weit ausgedehnte Granitformationen und die verwandten
metamorphischen Gesteine durchsetzt haben. Ich habe niemals einen Bezirk
in einer weit ausgedehnten granitischen Gegend untersucht, ohne Gänge
entdeckt zu haben; ich will beispielsweise die zahlreichen Trappgänge in
mehreren Bezirken von Brasilien, Chile und Australien und am Cap der
Guten Hoffnung erwähnen; es kommen gleichfalls viele solche Gänge in den
groszen granitischen Gebieten von Indien, im Norden von Europa und in
andern Ländern vor. Woher ist nun der diese Gänge bildende Grünstein und
Basalt gekommen? Haben wir, wie manche von den älteren Geologen,
anzunehmen, dasz eine Trappzone gleichförmig unter der granitischen
Gesteinsreihe, welche, so viel wir wissen, die Grundlagen der Erdrinde
bildet, ausgebreitet vorhanden sei? Ist es nicht wahrscheinlicher, dasz
diese Gänge in der Weise gebildet worden sind, dasz Spalten in die zum
Theil erkalteten Gesteine der granitischen und metamorphischen Reihe
eingedrungen sind und dasz die, hauptsächlich aus Hornblende bestehenden
flüssigeren Theile aus letzterer ausschwitzten und in derartigen Spalten
eingesogen wurden? Bei Bahia in Brasilien habe ich in einem aus Gneisz
und primitivem Grünstein gebildeten Bezirke viele Gänge eines dunklen,
augitischen (denn ein Krystall war sicher dies Mineral) oder
Hornblende-Gestein gesehen, welche, wie mehrere Erscheinungen deutlich
ergaben, gebildet worden waren, ehe die umgebende Masse fest geworden
war, oder mit dieser zusammen später durchaus erweicht worden
waren[109]. Auf beiden Seiten eines dieser Gänge war der Gneisz bis auf
eine Entfernung von mehreren Yards von zahlreichen, gekrümmt
verlaufenden Fäden oder Streifen einer dunklen Substanz durchdrungen,
welche in ihrer Form den Wolken von der >cirrhi-comae< genannten Classe
ähnlich waren; einige wenige dieser Fäden konnten bis zu ihrer
Verbindung mit dem Gang verfolgt werden. Als ich dieselben untersuchte,
bezweifelte ich es, ob derartige haarähnliche und krummlinige Adern
injicirt worden sein könnten, und ich vermuthe jetzt, dasz sie, anstatt
vom Gange aus injicirt worden zu sein, umgekehrt dessen Nahrungszuflüsse
waren. Wenn die vorstehend angeführte Ansicht von der Entstehung von
Trappgängen in weit ausgedehnten granitischen Gegenden, weit entfernt
von irgend einer andern Formation, als wahrscheinlich angenommen wird,
so können wir, was den Fall betrifft, wo eine grosze Masse plutonischen
Gesteins durch wiederholte Bewegungen in die Axe einer Bergkette
eingetrieben worden ist, noch weiter annehmen, dasz dessen flüssigere,
constituirende Bestandtheile in tiefe und unbekannte Abysse abflieszen
dürften, um vielleicht später unter der Form entweder von injicirten
Massen von Grünstein und augitischem Porphyr[110] oder von basaltischen
Eruptionen an die Oberfläche gebracht zu werden. Ein groszer Theil der
Schwierigkeit, welche Geologen empfunden haben, wenn sie die
Zusammensetzung vulcanischer mit der der plutonischen Formation
verglichen haben, wird, wie ich glaube, beseitigt, wenn wir annehmen
dürfen, dasz die meisten plutonischen Massen bis zu einer gewissen
Ausdehnung jene vergleichsweise schweren und leicht zu verflüssigenden
Elemente durch Ausflieszen verloren haben, welche die trappartigen und
basaltischen Gesteinsreihen zusammensetzen.

~Über die Verbreitung vulcanischer Inseln.~ -- Während meiner
Untersuchung über Corallen-Riffe hatte ich Veranlassung die Schriften
vieler Reisenden zu Rathe zu ziehen; und da wurde ich ausnahmslos von
der Thatsache überrascht, dasz mit seltenen Ausnahmen die unzähligen
über den ganzen Stillen, Indischen und Atlantischen Ocean hin
zerstreuten Inseln entweder aus vulcanischem oder aus neuerem
Corallengestein zusammengesetzt sind. Es würde langweilig sein, einen
langen Catalog von sämmtlichen vulcanischen Inseln zu geben; dagegen
lassen sich die Ausnahmen, welche ich gefunden habe, leicht aufzählen.
Im Atlantischen Ocean haben wir St. Paul's Felsen in diesem Buche
beschrieben, und die Falkland-Inseln, welche aus Quarz und Thonschiefer
zusammengesetzt sind; aber diese letzteren Inseln sind von
beträchtlicher Grösze und liegen nicht sehr weit von der
südamericanischen Küste entfernt[111]; im Indischen Ocean bestehen die
Seychellen (in einer von Madagascar aus verlängerten Linie gelegen) aus
Granit und Quarz: im Stillen Ocean gehört Neu-Caledonien, eine Insel von
bedeutender Grösze, (so weit bis jetzt bekannt ist) in Bezug auf ihre
Gesteine zur primitiven Classe; Neu-Seeland, welches viele vulcanische
Gesteine und einige active Vulcane enthält, kann wegen seiner Grösze
nicht zu den kleinen Inseln gerechnet werden, welche wir jetzt in
Betracht ziehen. Das Vorhandensein von einer geringen Menge nicht
vulcanischen Gesteins, wie Thonschiefer auf dreien unter den
Azoren[112], oder tertiärer Kalk auf Madeira, oder Thonschiefer auf
Chatham-Insel im Stillen Ocean, oder Lignit auf Kerguelen-Land, kann
derartige Inseln oder Archipele, wenn sie hauptsächlich aus erumpirten
Massen gebildet werden, nicht von der Classe der vulcanischen Inseln
ausschlieszen.

Die Thatsache, dasz die Zusammensetzung der zahlreichen, über den
groszen Ocean zerstreuten Inseln mit so seltenen Ausnahmen vulcanisch
ist, ist offenbar eine Erweiterung jenes Gesetzes und die Wirkung jener
nämlichen Ursachen, mögen nun dieselben chemisch oder mechanisch sein,
aus denen hervorgeht, dasz eine ungeheure Majorität der jetzt thätigen
Vulcane entweder als Inseln im Meere oder in der Nähe von dessen Küsten
stehen. Diese Thatsache, dasz die oceanischen Inseln so allgemein
vulcanisch sind, ist auch in Bezug auf die Beschaffenheit der Bergketten
auf unseren Continenten interessant, welche vergleichsweise selten
vulcanisch sind; und doch werden wir zu der Annahme geführt, dasz da, wo
unsere Continente jetzt stehen, sich früher ein Ocean ausbreitete. Wir
können fragen: erreichen vulcanische Eruptionen die Oberfläche leichter
durch Spalten, welche sich während der ersten Stufen der Umwandlung des
Meeresgrundes in einen Landstrich gebildet haben?

Wirft man einen Blick auf die Karten der zahlreichen vulcanischen
Archipele, so sieht man, dasz die Inseln meistens entweder in einfache
und doppelte oder dreifache Reihen, in Linien angeordnet sind, welche
häufig in einem bedeutenden Grade gekrümmt sind[113]. Jede einzelne
Insel ist entweder abgerundet oder, allgemeiner noch, in der nämlichen
Richtung wie die Gruppe, in welcher sie steht, zuweilen aber auch quer
zu dieser verlängert. Einige von den Gruppen, welche nicht bedeutend
verlängert sind, bieten nur wenig Symmetrie in ihren Formen dar; VIRLET
gibt an[114], dasz dies mit dem griechischen Archipel der Fall ist; in
solchen Gruppen vermuthe ich (denn ich bin mir bewuszt, wie leicht man
sich in Betreff dieser Punkte täuscht), dasz die Auswurfsöffnungen
meistens in einer Linie oder in einer Gruppe kurzer paralleler Linien
angeordnet sind, welche unter nahezu rechtem Winkel eine andere Linie
oder Gruppe von Linien durchschneidet. Der Galapagos-Archipel bietet ein
Beispiel dieser Structur dar, denn die meisten Inseln und die
hauptsächlichsten Öffnungen auf der gröszten Insel sind so gruppirt,
dasz sie auf eine Gruppe von Linien, die ungefähr nach Nordwest bei
Nord, und auf eine andere Gruppe von Linien fallen, welche ungefähr nach
Südwest bei West gerichtet sind; im Archipel der Canarischen Inseln
haben wir eine einfachere Structur der nämlichen Art: in der
Cap-Verdischen Gruppe, welche dem Anscheine nach der am wenigsten
symmetrische unter allen oceanischen vulcanischen Archipelen ist, würde
eine von Nordwest nach Südost ziehende, von mehreren Inseln gebildete
Linie in ihrer Verlängerung eine andere gekrümmte Linie unter rechtem
Winkel durchschneiden, welche die übrigen Inseln gestellt sind.

L. VON BUCH hat alle Vulcane in zwei Classen vertheilt[115], nämlich
~Central-Vulcane~, um welche rundum auf allen Seiten zahlreiche
Eruptionen in einer beinahe regelmäszigen Art und Weise stattgefunden
haben, und ~vulcanische Ketten~ oder ~Vulcanreihen~. Nach den von der
ersten Classe gegebenen Beispielen kann ich, soweit die Stellung in
Betracht gezogen wird, keine Gründe sehen, weshalb sie »centrale«
genannt werden; und die Beweise für irgend eine Verschiedenheit in der
mineralogischen Beschaffenheit zwischen ~Central-Vulcanen~ und
~Reihen-Vulcanen~ erscheinen unbedeutend. Ohne Zweifel ist irgend eine
einzelne Insel in den meisten kleinen vulcanischen Archipelen gern
beträchtlich höher als die übrigen, in einer ähnlichen Weise wie auf
einer und der nämlichen Insel, was auch die Ursache immer sein mag, eine
Auswurfsöffnung meistens höher ist, als alle die andern. L. VON BUCH
schlieszt kleine Archipele, in denen die einzelnen Inseln, wie auf den
Azoren z. B., seiner Annahme nach in Linien angeordnet sind, nicht mit
in seine Classe der Vulcan-Reihen ein; wenn man aber auf einer Weltkarte
sieht, was für eine vollkommene Stufenreihe von einigen wenigen in eine
Reihe gestellten vulcanischen Inseln bis zu einem ganzen Zuge linearer,
einander in einer geraden Linie folgenden Archipele und so fort bis zu
einer groszen Mauer wie die der Cordillera von America existirt, so ist
es schwierig anzunehmen, dasz irgend ein wesentlicher Unterschied
zwischen kurzen und langen Vulcan-Reihen existirt. L. VON BUCH gibt
an[116], dasz seine Vulcan-Reihen Bergketten von primären Formationen
krönen oder innig mit solchen in Zusammenhang stehen; wenn aber Züge
linearer Archipele im Verlaufe der Zeiten durch die lange fortgesetzte
Wirkung der hebenden und vulcanischen Kräfte in Bergketten umgewandelt
werden, so wird ein natürliches Resultat hiervon sein, dasz die untern
primären Gesteine häufig emporgehoben und zur Ansicht gebracht werden.

Einige Schriftsteller haben die Bemerkung gemacht, dasz vulcanische
Inseln, wennschon in sehr ungleichen Entfernungen, den Küsten der
groszen Continente entlang zerstreut sind, als wenn sie in irgend
welchem Masze mit ihnen in Verbindung ständen. Was den Fall von Juan
Fernandez betrifft, welches 330 Meilen von der Küste von Chile entfernt
liegt, so bestand hier unzweifelhaft ein Zusammenhang zwischen den
vulcanischen Kräften, welche unter dieser Insel, und denen, welche unter
dem Continent thätig sind, wie es sich während des Erdbebens von 1835
zeigte. Überdies sind die Inseln einiger der kleinen vulcanischen
Gruppen, welche in dieser Weise Continente säumen, in Linien angeordnet,
welche zu der Richtung, in welcher die nächstliegenden Küsten der
Continente hinziehen, in Beziehung stehen; ich will als Beispiele die
Kreuzungslinien auf dem Galapagos und dem Cap-Verdischen Archipel und
die am besten ausgeprägte Linie bei den Canarischen Inseln anführen.
Wenn diese Thatsachen nicht blosz zufällige sind, so erkennen wir
hieraus, dasz viele zerstreute vulcanische Inseln und kleine Gruppen
nicht blosz durch ihre grosze Nähe, sondern auch in der Richtung der
Eruptionsspalten zu den benachbarten Continenten in Beziehung stehen, --
eine Beziehung, welche L. VON BUCH als characteristisch für seine
groszen Vulcan-Reihen betrachtet.

In vulcanischen Archipelen sind die Eruptionsöffnungen selten auf mehr
als einer Insel zu einer und derselben Zeit in Thätigkeit; und die
gröszeren Eruptionen kommen gewöhnlich nur nach langen Zwischenräumen
wieder. Wenn man die grosze Zahl von Crateren, welche gewöhnlich auf
jeder Insel einer Gruppe gefunden wird, und die ungeheure Masse von
Gestein betrachtet, welche aus ihnen zur Eruption gelangt ist, so wird
man darauf geführt, selbst denjenigen Gruppen ein sehr hohes Alter
zuzuschreiben, welche, wie die Galapagos-Inseln, von vergleichsweise
neuerem Ursprung zu sein scheinen. Diese Schluszfolgerung stimmt mit dem
ungeheuren Masze von Zerstörung durch die langsame Einwirkung des Meeres
überein, welche ihre ursprünglich sich abdachenden Küsten erlitten haben
müssen, wo sie, wie es häufig der Fall ist, zu steil abstürzenden und
zurücktretenden Felsen abgenagt worden sind. Wir dürfen indessen kaum in
einem einzigen Falle vermuthen, dasz die ganze, eine vulcanische Insel
bildende Gesteinsmasse auf dem Niveau ausgeworfen worden ist, auf
welchem sie gegenwärtig liegt: die grosze Zahl von Gängen, welche
ausnahmslos die inneren Theile eines jeden Vulcans zu durchsetzen
scheinen, beweisen, nach den von ÉLIE DE BEAUMONT auseinandergesetzten
Grundsätzen, dasz die ganze Masse emporgehoben und gespalten worden ist.
Überdies glaube ich in meinem Buche über die Corallen-Riffe aus dem
häufigen Vorhandensein emporgehobener organischer Überreste und aus der
Structur der benachbarten Corallen-Riffe gezeigt zu haben, dasz ein
Zusammenhang zwischen vulcanischen Eruptionen und gleichzeitigen
Emporhebungen in Masse[117] besteht. Endlich will ich bemerken, dasz in
einem und demselben Archipel innerhalb der historischen Zeit Eruptionen
auf mehr als einer der parallelen Spaltungslinien stattgefunden haben:
so haben auf dem Galapagos-Archipel Eruptionen aus einer Öffnung auf
Narborough-Insel und aus einer auf Albemarle-Insel stattgefunden, welche
Öffnungen nicht in die nämliche Linie fallen; in den Canarischen Inseln
haben Eruptionen stattgefunden auf Teneriffa und Lanzarote, und in den
Azoren auf den drei parallelen Linien von Pico, S. Jorge und Terceira.
Von der Annahme ausgehend, dasz eine Bergkette von einem Vulcan
wesentlich nur darin verschieden ist, dasz plutonische Gesteine injicirt
worden sind, statt dasz vulcanische Masse ausgeworfen worden ist,
scheint mir dies ein interessanter Umstand zu sein; denn wir können
hieraus als wahrscheinlich folgern, dasz bei der Erhebung einer
Bergkette zwei oder noch mehr von den parallelen dieselbe bildenden
Linien innerhalb einer und der nämlichen geologischen Periode
emporgehoben und injicirt werden können.

[102] Description des îles Canaries, p. 190 und 191.

[103] In einer Masse von geschmolzenem Eisen hat man gefunden (Edinburgh
New Philosoph. Journal, Vol. XXIV, p. 66), dasz diejenigen Substanzen,
welche eine stärkere Verwandtschaft zum Sauerstoff haben, als Eisen, von
dem Innern der Masse nach der Oberfläche steigen. Eine ähnliche Ursache
läszt sich aber kaum auf die Trennung der Krystalle dieser Lavaströme
anwenden. Die Abkühlung der Oberfläche der Lava scheint in manchen
Fällen ihre Zusammensetzung beeinfluszt zu haben; denn ~Dufrénoy~
(Mémoires pour servir etc., Tom. IV. p. 271) hat gefunden, dasz die
inneren Theile eines Stromes in der Nähe von Neapel zwei Drittel eines
Minerals enthielten, welches von Säuren angegriffen wurde, während die
Oberfläche hauptsächlich aus einem von Säuren nicht angegriffenen
Mineral bestand.

[104] Das specifische Gewicht der einfachen Mineralien habe ich ~von
Kobell~, einer der neuesten und besten Autoritäten, entnommen, das der
Gesteine aus verschiedenen Autoritäten. Obsidian hat nach ~Phillips~
2,35, und ~Jameson~ sagt, dasz es niemals über 2,4 geht; doch ergab ein
von mir selbst gewogenes Exemplar von Ascension 2,42.

[105] Eine ausführliche und interessante Schilderung dieser Entdeckung,
von ~Pattinson~, wurde der British Association im September 1838
vorgelesen. Bei einigen Legirungen sinkt nach der Angabe ~Turner's~
(Chemistry, p. 210) das schwerste Metall zu Boden und es findet dies
augenscheinlich statt, wenn beide Metalle flüssig sind. Wo eine
beträchtliche Gewichtsverschiedenheit besteht, wie zwischen dem Eisen
und der während des Schmelzens des Erzes sich bildenden Schlacke, dürfen
wir nicht erstaunt sein, dasz sich die Atome trennen, ohne dasz eine von
beiden Substanzen körnig würde.

[106] Das specifische Gewicht von Trachyt aus Java wurde von ~L. von
Buch~ zu 2,47 ermittelt, aus der Auvergne von ~De la Beche~ zu 2,42, von
Ascension von mir selbst zu 2,42. ~Jameson~ und andere Autoren geben dem
Basalt specifisches Gewicht von 3,0; Exemplare aus der Auvergne wurden
aber von ~De la Beche~ nur zu 2,78 und vom Giant's Causeway zu 2,91
ermittelt.

[107] Vergl. ~L. von Buch's~ bekannte und ausgezeichnete Description
physique dieser Insel, welche als Muster der beschreibenden Geologie
dienen kann.

[108] Die krystallinische Grundmasse des Phonolith wird häufig von
langen Hornblende-Nadeln durchsetzt; hieraus geht hervor, dasz die
Hornblende, obgleich sie das leichter schmelzbare Mineral ist, eher als
oder zu derselben Zeit wie eine stärker widerstehende Substanz
krystallisirt ist. Phonolith scheint, so weit meine Beobachtungen
reichen, in allen Fällen ein injicirtes Gestein zu sein, ähnlich denen
der plutonischen Reihe; er ist daher wahrscheinlich, wie diese
letzteren, ohne wiederholte und heftige Störungen abgekühlt. Diejenigen
Geologen, welche daran zweifeln, ob Granit durch feurige Schmelzung
gebildet worden sein kann, weil Mineralien von verschiedenen
Schmelzbarkeitgraden gegenseitig Eindrücke ihrer Formen erhalten, können
die Thatsache nicht gekannt haben, dasz krystallisirte Hornblende den
Phonolith, ein Gestein von unzweifelhaft plutonischem Ursprung,
durchsetzt. Die Zähflüssigkeit, welche, wie jetzt bekannt ist, sowohl
Feldspath als Quarz bei einer weit unter ihrem Schmelzpunkte liegenden
Temperatur behalten, erklärt leicht ihre gegenseitigen Eindrücke. Vergl.
über diesen Gegenstand den Aufsatz von ~Leonard Horner~, Geology of the
environs of Bonn, in: Transact. Geolog. Soc. Vol. IV. p 439, und in
Bezug auf den Quarz: l'Institut, 1839, p. 161.

[109] Theile dieser Gänge sind abgebrochen worden und sind nun von den
primären Gesteinen umgeben, deren Blätter sich in conformer Lage um sie
herum winden. Auch Dr. ~Hubbard~ (Silliman's Journal, Vol. XXXIV. p.
119) hat eine Durchflechtung von Trappgängen im Granit der Weiszen Berge
beschrieben, welche, wie er meint, sich gebildet haben musz, so lange
beide Gesteine noch weich waren.

[110] ~Phillips~ (Lardner's Encyclop., Vol. II. p. 115) citirt L. von
Buch's Angabe, dasz augitischer Porphyr parallel mit groszen Bergketten
sich ausbreitet und beständig am Fusze solcher gefunden wird. Auch
~Humboldt~ hat das häufige Vorkommen von Trappgestein in einer ähnlichen
Lage angegeben, von welchem Verhalten ich viele Beispiele am Fusze der
Chilenischen Cordillera beobachtet habe. Das Vorhandensein von Granit in
der Axe groszer Bergketten ist immer wahrscheinlich, und ich werde zu
vermuthen versucht, dasz die seitlich injicirten Massen von augitischem
Porphyr und Trapp nahezu in demselben Verhältnis zu den granitischen
Axen stehen, in dem die basaltischen Laven zu den centralen
trachytischen Massen stehen, um deren Seiten herum sie so häufig zur
Eruption gelangt sind.

[111] Nach ~Forster's~ unvollständiger Beobachtung zu urtheilen, ist
vielleicht Georgien nicht vulcanisch. Mein Gewährsmann in Bezug auf die
Seychellen ist Dr. ~Allan~. Ich weisz nicht, aus welcher Formation
Rodriguez im Indischen Ocean zusammengesetzt ist.

[112] Dies wird nach der Autorität des Grafen ~V. de Bedemar~ in Bezug
auf Flores und Graciosa angegeben (Charlesworth, Magazine of Nat. Hist.,
Vol. I p. 557). Nach der Angabe des Capitain ~Boyd~ hat Sta. Maria kein
vulcanisches Gestein (~L. von Buch~, Description, p. 365). Chatham-Insel
ist von ~Dieffenbach~ im Geographical Journal, 1841, p. 201 beschrieben
worden. In Bezug auf Kerguelen-Land haben wir bis jetzt nur
unvollständige Mittheilungen von der antarctischen Expedition erhalten.

[113] Die Professoren ~William~ und ~Henry Darwin Rogers~ haben vor
Kurzem in einem vor der American Association gelesenen Aufsatze die
regelmäszig gekrümmten Erhebungslinien in Theilen der Appalachischen
Kette sehr stark betont.

[114] Bullet. de la Soc. Géolog. Tom. III. p. 110.

[115] Description des îles Canaries, p. 324.

[116] a. a. O. p. 393.

[117] Eine ähnliche Folgerung drängt sich uns durch die Erscheinungen
auf, welche das Erdbeben von Concepcion i. J. 1835 begleiteten und
welche in meinem Aufsatze in den Geological Transactions (Vol. V. p. 601
Übers. Werke, Bd. XII) ausführlich beschrieben worden sind.



Siebentes Capitel.

     Neu-Süd-Wales. -- Sandstein-Formation. -- Eingeschlossene
     Pseudofragmente von Schiefer. -- Stratification. -- Sich kreuzende
     Lagen. -- Grosze Thäler. -- Van Diemen's Land. -- Palaeozoische
     Formation. -- Neuere Formation mit vulcanischen Gesteinen. --
     Travertin mit Blättern ausgestorbener Pflanzen. -- Erhebung des
     Landes. -- Neu-Seeland. -- King George's Sound. -- Oberflächliche
     eisenhaltige Schichten. -- Oberflächliche kalkige Ablagerungen mit
     Abgüssen von Zweigen. -- Ihr Ursprung aus angetrifteten Stückchen
     Muscheln und Corallen. -- Ihre Ausdehnung. -- Cap der Guten
     Hoffnung. -- Verbindung des Granits und Thonschiefers. --
     Sandstein-Formation.

Der >Beagle< berührte auf seiner Fahrt nach der Heimath Neu-Seeland,
Australien, van Diemen's Land und das Vorgebirge der guten Hoffnung. Um
den dritten Theil dieser geologischen Untersuchungen auf Süd-America zu
beschränken, will ich hier in Kurzem alles das der Aufmerksamkeit der
Geologen Werthe beschreiben, was ich an diesen Orten beobachtet habe.

~Neu-Süd-Wales.~ -- Meine Gelegenheiten, Beobachtungen anzustellen,
bestanden in einem Ritt von neunzig geographischen Meilen nach Bathurst,
in einer west-nordwestlichen Richtung von Sydney. Die ersten dreiszig
Meilen von der Küste aus führen über eine Sandsteingegend, welche an
vielen Stellen durch Trapp-Gesteine durchbrochen und durch eine kühne
Böschung, welche das steile Ufer des Flusses Nepean bildet, von dem
groszen Sandstein-Plateau der Blauen Berge getrennt wird. Dieses obere
Plateau ist am Rande der Böschung 1000 Fusz hoch und steigt in einer
Entfernung von 25 Meilen bis zwischen 3000 und 4000 Fusz über dem
Meeresspiegel an. In dieser Entfernung steigt die Strasze in eine im
Ganzen weniger erhobene Gegend nieder, welche zum hauptsächlichsten
Theil aus primären Gesteinen zusammengesetzt ist. Es findet sich viel
Granit, an einer Stelle in einen rothen Porphyr mit octagonalen
Quarz-Krystallen übergehend und an einigen Stellen von Trappgängen
durchsetzt. In der Nähe der Downs von Bathurst kam ich über ein gut
Theil blasz-braunen, glänzenden Thonschiefers, dessen verstörte
Blätterung nördlich und südlich verlief; ich erwähne diese Thatsache,
weil mir Capitain KING mittheilt, dasz in dem Lande hundert Meilen
weiter nach Süden, in der Nähe von Lake George, der Glimmerschiefer so
ausnahmslos nördlich und südlich streicht, dasz die Einwohner hieraus
beim Suchen ihres Weges durch die Wälder Vortheil ziehen.

Der Sandstein der Blauen Berge ist wenigstens 1200 Fusz mächtig und ist
allem Anscheine nach an einigen Stellen von noch gröszerer Mächtigkeit;
er besteht aus kleinen Körnern von Quarz, welche durch eine erdige
Substanz mit einander verkittet und von eisenhaltigen Adern
auszerordentlich reich durchzogen sind. Die unteren Schichten wechseln
zuweilen mit Schiefer und Steinkohle ab; bei Wolgan fand ich in
Kohlenschiefer Blätter der _Glossopteris Brownii_, einem Farnkraute,
welches die Steinkohle von Australien so häufig begleitet. Der Sandstein
enthält Quarzrollsteine; und diese nehmen meistens in den oberen
Schichten an Zahl und Grösze zu (indessen selten einen Durchmesser von
einem oder zwei Zoll überschreitend): ein ähnliches Verhältnis habe ich
in der groszen Sandstein-Formation am Cap der Guten Hoffnung beobachtet.
An der Küste von Süd-America, wo tertiäre und supratertiäre Schichten in
so ausgedehntem Masze emporgehoben worden sind, habe ich wiederholt
bemerkt, dasz die obersten Schichten aus gröberem Material gebildet
worden als die unteren: dies scheint darauf hinzuweisen, dasz in dem
Masze, als das Meer seichter wurde, die Kraft der Wellen oder Strömungen
zugenommen hat. Indessen habe ich auf dem untern Plateau zwischen den
Blauen Bergen und der Küste beobachtet, dasz die oberen Schichten des
Sandsteins häufig in einen thonigen Schiefer übergiengen, --
wahrscheinlich die Wirkung davon, dasz dieser untere Raum während seiner
Erhebung gegen starke Strömungen geschützt war. Der Sandstein der Blauen
Berge ist offenbar mechanischen Ursprungs, und deshalb war ich
überrascht, zu bemerken, dasz in manchen Stücken nahezu sämmtliche
Quarzkörner so vollkommen mit brillanten Facetten krystallisirt waren,
dasz sie offenbar in ihrer ~gegenwärtigen~ Form in keinerlei irgend
früher schon existirendem Gestein aggregirt worden sind[118]. Es ist
schwierig, sich vorzustellen, wie diese Krystalle sich gebildet haben
können; man kann doch kaum annehmen, dasz sie in ihrem jetzigen
krystallisirten Zustande einzeln niedergeschlagen wurden. Ist es
möglich, dasz eine Flüssigkeit, welche ihre Flächen corrodirte, auf die
abgerundeten Quarzkörner eingewirkt und frische Kieselsäure auf sie
abgelagert hat? Ich will bemerken, dasz es bei der Sandstein-Formation
des Caps der Guten Hoffnung offenbar ist, dasz sich Kieselsäure in
überreicher Menge aus wässriger Lösung niedergeschlagen hat.

An mehreren Stellen im Sandstein bemerkte ich Flecken von Schiefer,
welche auf den ersten Blick leicht fälschlich für fremdartige
Einschlüsse hätten gehalten werden können; ihre horizontale Blätterung
indessen, welche mit der des Sandsteins parallel war, zeigte, dasz sie
nur die Überreste dünner, zusammenhängender Schichten waren. Ein
derartiges Fragment (wahrscheinlich der Durchschnitt eines langen
schmalen Streifens), welches in der Wandfläche einer Felsklippe zu sehen
war, war von gröszerer senkrechter Mächtigkeit als Breite, was beweist,
dasz diese Schieferschicht in einem gewissen unbedeutenden Grade
consolidirt gewesen sein musz, nachdem sie abgelagert war und ehe sie
wieder von den Strömungen abgenagt wurde. Auch weist jeder Fleck von
Schiefer darauf hin, wie langsam viele von den aufeinander folgenden
Sandsteinschichten abgelagert worden sind. Diese Pseudo-Fragmente von
Schiefer werden vielleicht in manchen Fällen den Ursprung scheinbar
fremdartiger Fragmente in krystallinischen, metamorphischen Gesteinen
erklären. Ich erwähne dies, weil ich in der Nähe von Rio de Janeiro ein
scharf begrenztes, eckiges, sieben Yards langes und zwei Yards breites
Fragment von Gneisz beobachtet habe, welches, Granaten und Glimmer in
Schichten enthaltend, in dem gewöhnlichen, geschichteten,
porphyritischen Gneisz des Landes eingeschlossen war. Die Blätter des
Bruchstücks und der umgebenden Grundmasse liefen in genau derselben
Richtung, sie fielen aber unter verschiedenen Winkeln ein. Ich will
nicht behaupten, dasz dies eigenthümliche Fragment (so viel ich weisz,
ein einzeln dastehender Fall) ursprünglich in einer Schicht abgelagert
wurde, wie der Schiefer in den Blauen Bergen, zwischen den Schichten
des porphyritischen Gneiszes, ehe dieselben metamorphosirt wurden; es
besteht aber doch eine hinreichende Analogie zwischen den beiden Fällen,
um eine solche Erklärung möglich zu machen.

~Stratification der Böschung.~ -- Die Schichten der Blauen Berge
erscheinen dem Auge horizontal; sie haben aber wahrscheinlich eine
ähnliche Neigung wie die Oberfläche des Plateaus, welches von Westen her
nach der Böschung über den Nepean hin unter einem Winkel von einem Grad,
oder hundert Fusz auf eine Meile abfällt[119]. Die Schichten der
Böschung fallen beinahe übereinstimmend mit deren steil geneigter Fläche
und mit so groszer Regelmäszigkeit, dasz es aussieht, als seien sie in
ihre gegenwärtige Stellung geworfen worden; indessen sieht man bei einer
sorgfältigen Untersuchung, dasz sie sich verdicken und ausdünnen und in
den oberen Theilen von horizontalen Schichten fortgesetzt und beinahe
bedeckt werden. Diese Erscheinungen machen es wahrscheinlich, dasz wir
hier eine ursprüngliche Böschung vor uns haben, welche nicht dadurch
gebildet worden ist, dasz das Meer in die Schichten nagend eingedrungen
ist, sondern dadurch, dasz die Schichten ursprünglich nur so weit sich
erstreckt haben. Wer sich daran gewöhnt hat, sorgfältig ausgeführte
Karten von Meeresküsten zu untersuchen, wo sich Sediment anhäuft, wird
erfahren haben, dasz die Oberfläche der in dieser Weise gebildeten Bänke
meistens von der Küste aus sehr sanft bis zu einer bestimmten Linie im
offenen Meere sich abdacht, jenseits welcher die Tiefe in den meisten
Fällen ziemlich grosz wird. Ich will beispielsweise die groszen
Sedimentbänke innerhalb des westindischen Archipels[120] anführen,
welche in untermeerischen Abhängen enden, welche unter Winkeln von
zwischen 30 und 40 Grad und zuweilen selbst von mehr als 40 Graden
geneigt sind; Jedermann weisz, wie steil ein solcher Abhang auf dem
Lande erscheinen würde. Wenn Bänke von dieser Beschaffenheit
emporgehoben würden, so würden sie wahrscheinlich nahezu dieselbe
äuszere Form wie das Plateau der Blauen Berge haben, wo es plötzlich
über dem Nepean endet.

~Sich kreuzende Lagen.~[A] -- Die Sandstein-Schichten oder -Lagen in dem
niedrigen Küstenlande, und gleichfalls auch in den Blauen Bergen, werden
häufig von queren oder sich kreuzenden Lagen abgetheilt, welche in
verschiedenen Richtungen einfallen, häufig unter einem Winkel von 45
Graden. Die meisten Autoren haben diese sich kreuzenden Lagen auf
hintereinanderfolgende kleine Anhäufungen auf einer geneigten Fläche
bezogen; aber nach einer sorgfältigen Untersuchung einiger Stellen des
Neuen Rothen Sandsteins von England glaube ich, dasz derartige Lagen
meistens Theile einer Reihe von Bogen, ähnlich colossalen Rippelmarken,
bilden, deren Spitze seitdem entweder durch nahezu horizontale Lagen
oder durch eine andere Gruppe groszer Wellenrippeln beseitigt worden
sind, wobei die Falten dieser letzteren nicht genau mit den unter ihnen
liegenden zusammenfallen. Denen, welche den Meeresgrund vermessen haben,
ist es wohl bekannt, dasz Schlamm und Sand während der Stürme noch in
beträchtlichen Tiefen, mindestens von 300 bis 450 Fusz[121] aufgerührt
werden, so dasz selbst die Beschaffenheit des Grundes zeitweise
verändert wird; man hat auch beobachtet, dasz der Boden in einer Tiefe
zwischen 60 und 70 Fusz breit gerippelt war.[122] Nach den oben
erwähnten Erscheinungen im Neuen Rothen Sandstein ist daher wohl die
Vermuthung gestattet, dasz während heftiger Stürme der Meeresgrund in
gröszerer Tiefe in grosze rippelartige Leisten und Vertiefungen
aufgewühlt wird, welche später durch die Strömungen während ruhigen
Wetters abgeflacht und während neuer Stürme von neuem gefurcht werden.

[A] Es ist diese Erscheinung die »Discordante Parallelstructur« ~C. F.
Naumann's.~ Der Übers.

[121] s. ~Martin White~, über Lothungen im Britischen Canal, p. 4 und
166.

[122] ~Siau~, über die Wirkung der Wellen, in: Edinburgh New Philos.
Journal, Vol. XXXI. p. 245.

~Thäler in den Sandstein-Plateaus.~ -- Die groszen Thäler, von welchen
die Blauen Berge und die andern Sandstein-Plateaus dieses Theils von
Australien durchschnitten werden und welche lange Zeit selbst für die
unternehmendsten Colonisten ein unübersteigliches Hindernis bildeten,
das innere Land zu erreichen, bieten den allerauffallendsten Zug in der
Geologie von Neu-Süd-Wales dar. Sie sind von groszartigen Dimensionen
und werden von fortlaufenden Reihen hoher Felswände begrenzt. Man kann
sich nur schwer ein prächtigeres Schauspiel vorstellen als dasjenige,
welches sich Jemandem darbietet, wenn er, auf den Hochebenen hingehend,
ohne irgend ein vorheriges Anzeichen am Rande einer dieser Klippen
anlangt, welche so senkrecht sind, dasz er (wie ich es versucht habe)
mit einem Steine die in einer Tiefe von zwischen 1000 und 1500 Fusz
unter ihm wachsenden Bäume treffen kann; nach beiden Seiten hin sieht er
einen Bergvorsprung hinter dem andern an der zurücktretenden
Klippenreihe; und auf der gegenüberliegenden Seite des Thales, häufig in
der Entfernung von mehreren Meilen erblickt er eine andere Reihe, welche
sich zu derselben Höhe erhebt wie die auf der er steht und welche aus
denselben horizontalen Schichten blassen Sandsteins gebildet wird. Die
Sohle dieser Thäler ist ziemlich eben und der Fall der in ihnen
flieszenden Flüsse ist nach der Angabe Sir TH. MITCHELL's sehr sanft.
Die Hauptthäler senden häufig in das Plateau hinein grosze bay-artige
Arme, welche sich an ihrem obern Ende erweitern; andererseits schickt
auch das Plateau häufig Vorgebirge in das Thal und läszt selbst grosze,
beinahe inselförmig getrennte Massen in ihm stehen. Die das Thal
begrenzenden Klippenreihen sind so continuirlich, dasz es, um in manche
dieser Thäler hinabzusteigen, nothwendig ist, einen Umweg von 20 Meilen
zu machen; in andere sind die Landvermesser erst vor kurzem eingedrungen
und die Colonisten sind noch nicht im Stande gewesen, ihr Vieh in
dieselben zu treiben. Aber der allermerkwürdigste Punkt in der Structur
dieser Thäler ist, dasz dieselben, obgleich sie in ihren oberen Theilen
mehrere Meilen weit sind, sich meistens nach ihrer Mündung zu so
zusammenziehen, dasz sie unpassirbar werden. Der Surveyor-General,
Sir TH. MITCHELL[123], versuchte vergebens, zuerst zu Fusz und
dann kriechend, zwischen den groszen zusammengestürzten
Sandstein-Bruchstücken durch die Felsschlucht aufwärts zu dringen, durch
welche sich der Flusz Grose mit dem Nepean verbindet; und doch bildet
das Thal des Grose in seinem oberen Theile, wie ich gesehen habe, ein
prachtvolles, mehrere Meilen weites Bassin und wird auf allen Seiten von
Felsklippen umgeben, deren Gipfel man nirgends für weniger als 3000 Fusz
über dem Spiegel des Meeres hoch hält. Wenn Vieh in das Thal des Wolgan
auf einem Pfade (auf welchem ich hinabstieg), der zum Theil von den
Colonisten eingehauen worden ist, eingetrieben wird, kann es nicht
entfliehen; denn dies Thal wird an jeder andern Stelle von senkrechten
Klippen umgeben, und acht Meilen weiter abwärts zieht es sich von einer
mittleren Breite von einer halben Meile zu einem bloszen Spalt zusammen,
welcher für Menschen und Vieh gleich unpassirbar ist. Sir TH.
MITCHELL[124] gibt an, dasz das grosze Thal des Cox-Flusses mit allen
seinen Zweigen sich da, wo er sich mit dem Nepean verbindet, zu einer
2000 Yards breiten und ungefähr 1000 Fusz tiefen Schlucht zusammenzieht.
Es könnten noch andere ähnliche Fälle hinzugefügt werden.

[123] Travels in Australia, Vol. I. p. 154. -- Ich bin Sir ~Th.
Mitchell~ für mehrere interessante persönliche Mittheilungen über diese
groszen Thäler von Neu-Süd-Wales sehr verbunden.

[124] a. a. O. Vol. II. p. 358.

Wenn man die Übereinstimmung der horizontalen Schichten auf jeder Seite
dieser Thäler und groszen amphitheatralischen Einsenkungen sieht, so ist
der erste Eindruck der, dasz sie zum hauptsächlichsten Theile wie andere
Thäler durch wässerige Erosion ausgehöhlt worden sind; wenn man sich
aber die ganz enorme Menge von Gestein überlegt, welche nach dieser
Ansicht entfernt worden sein musz, und zwar in den meisten der oben
angeführten Fälle durch blosze Schluchten oder Spalten, so wird man auf
die Frage geführt, ob diese Räume nicht gesunken sein können. Betrachten
wir indessen die Form der sich unregelmäszig verzweigenden Thäler und
die schmalen, in dieselben von den Plateaus aus einspringenden
Vorgebirge, so wird man genöthigt, diese Vorstellung aufzugeben. Diese
Aushöhlungen einer alluvialen Wirkung zuzuschreiben, wäre widersinnig;
auch fällt der Wasserlauf von der Gipfelebene nicht immer, wie ich es in
der Nähe des Weatherboard beobachtete, in das obere Ende dieser Thäler,
sondern in die eine Seite ihrer meerbusenartigen Ausbuchtungen. Einige
der Einwohner machten gegen mich die Bemerkung, dasz sie niemals eine
dieser meerbusenartigen Buchten, mit den zu beiden Seiten hintereinander
liegenden Bergvorsprüngen, ansehen könnten, ohne von deren Ähnlichkeit
mit einer kühn sich erhebenden Meeresküste überrascht zu werden. Dies
ist auch sicherlich der Fall. Überdies bieten auch die zahlreichen
schönen Häfen mit ihren sich weit verzweigenden Armen an der
gegenwärtigen Küste von Neu-Süd-Wales, welche meistens mit dem Meere
durch eine enge, von einer Meile bis zu einer Viertelmeile weite
Mündung, durch die Sandstein-Uferklippen hindurchführend,
zusammenhängen, eine Ähnlichkeit, wennschon in einem Miniatur-Maszstabe,
mit den groszen Thälern des Innern dar. Hier tritt nun aber sofort die
bedenkliche Schwierigkeit entgegen: warum hat das Meer diese groszen,
wenngleich unscheinbaren, Einsenkungen auf einem weiten Plateau
ausgewaschen und blosze Schluchten übrig gelassen, durch welche die
ganze ungeheure Masse von zerkleinerter Gesteinssubstanz entfernt worden
sein musz? Das einzige Licht, was ich auf dieses Räthsel werfen kann,
besteht darin, darauf hinzuweisen, dasz sich allem Anscheine nach in
einigen Meeren Bänke der allerunregelmäszigsten Formen bilden und dasz
die Seitenwände derartiger Bänke so steil sind (wie vorhin angegeben
wurde), dasz ein vergleichsweise geringer Grad von später eintretender
Erosion sie dann zu Klippen machen würde; dasz die Wellen die Kraft
haben, hohe und steil abstürzende Klippen selbst in rings von Land
umschlossenen Häfen zu bilden, das habe ich an vielen Orten in
Süd-America beobachtet. Im Rothen Meer werden Bänke, von einem äuszerst
unregelmäszigen Umrisz und aus Sediment bestehend, von den
allereigenthümlichst gestalteten Canälen mit engen Mündungen durchsetzt:
dies ist gleichfalls, obschon in einem gröszeren Maszstabe, bei den
Bahama-Bänken der Fall. Derartige Bänke sind, wie ich zu vermuthen
veranlaszt worden bin[125], durch Strömungen gebildet worden, welche
Sediment auf einem unregelmäszigen Boden anhäuften. Dasz in einigen
Fällen das Meer, anstatt das Sediment in einer gleichförmigen Fläche
auszubreiten, es rings um unterirdische Felsen und Inseln anhäuft, daran
läszt sich unmöglich zweifeln, wenn man die Seekarten von West-Indien
untersucht hat. Um nun diese Ideen auf die Sandstein-Plateaus von
Neu-Süd-Wales anzuwenden, so stelle ich mir vor, dasz die Schichten
durch die Wirkung starker Strömungen und der Wellenbewegung eines
offenen Meeres auf einem unregelmäszig gebildeten Grunde aufgehäuft
worden sein, und dasz die steil abfallenden Seitenwände der hierbei
unausgefüllt gelassenen thalartigen Räume während einer langsamen
Erhebung zu Klippen ausgewaschen worden sein dürften; der abgewaschene
Sandstein wurde dann, entweder zu der Zeit, wo die engen Schluchten
durch das zurückweichende Meer eingeschnitten wurden, oder erst später
durch alluviale Wirkungen entfernt.


Van Diemen's Land.

Der südliche Theil dieser Insel wird hauptsächlich aus Bergen von
Grünstein gebildet, welcher häufig einen syenitischen Character annimmt
und viel Hypersthen enthält. Diese Berge sind in ihrer untern Hälfte
meistens von Schichten umschlossen, welche zahlreiche kleine Corallen
und einige Schalthiergehäuse enthalten. Diese Muscheln sind von Mr. G.
B. SOWERBY untersucht und im Anhange beschrieben worden; sie bestehen
aus ~zwei Species~ von _Productus_ und aus sechs Species von _Spirifer_;
zwei derselben, nämlich _P. rugatus_ und _S. rotundatus_, gleichen,
soweit ihre unvollkommene Erhaltung eine Vergleichung gestattet,
Muscheln aus dem englischen Bergkalkstein. Mr. LONSDALE hat die
Freundlichkeit gehabt, die Corallen zu untersuchen; sie bestehen aus
sechs unbeschriebenen Species, welche zu drei Gattungen gehören. Species
dieser Gattungen kommen in den silurischen, devonischen und
Steinkohlen-Schichten Europa's vor. Mr. LONSDALE bemerkt noch, dasz
diese sämmtlichen Fossile unzweifelhaft einen paläozoischen Character
haben und dasz sie in Bezug auf ihr Alter wahrscheinlich einer
Abtheilung des Systems oberhalb der silurischen Formationen entsprechen.

Die diese Überreste enthaltenden Schichten sind merkwürdig wegen der
auszerordentlichen Variabilität ihrer mineralogischen Zusammensetzung.
Jede intermediäre Form ist vorhanden zwischen Kieselschiefer, in
Grauwacke übergehendem Thonschiefer, reinem Kalkstein, Sandstein und
Porzellangestein (Kaolin); manche Schichten können nur als aus
kieselig-kalkigem Thonschiefer zusammengesetzt beschrieben werden. So
weit ich es beurtheilen konnte, ist die Formation wenigstens 1000 Fusz
mächtig: die oberen wenig hundert Fusz bestehen gewöhnlich aus einem
kieseligen Sandstein, welcher Geschiebsteine und keine organischen Reste
enthält; die unteren Schichten, in denen ein blasser flinthaltiger
Schiefer vielleicht am reichlichsten vertreten ist, sind die
variabelsten; und diese sind hauptsächlich auszerordentlich reich an
organischen Resten. Zwischen zwei Schichten harten krystallinischen
Kalksteins in der Nähe von Newtown wird eine Schicht weicher, weiszer,
kalkiger Gesteinsmasse abgebaut und zum Abputz der Häuser benutzt. Nach
Mittheilungen, welche mir Mr. FRANKLAND, der Vorstand der
Vermessungsarbeiten, gegeben hat, wird allem Anscheine nach diese
paläozoische Formation an verschiedenen Stellen der ganzen Insel
gefunden; nach derselben Autorität will ich noch hinzufügen, dasz an der
nordöstlichen Küste und in der Bass-Strasze primäre Gesteine in
ausgedehnter Weise vorkommen.

Die Ufer der Storm-Bay sind bis zur Höhe von einigen wenigen hundert
Fusz von Sandsteinschichten eingefaszt, welche Rollsteine der eben
beschriebenen Formation mit ihren characteristischen Fossilien enthalten
und folglich einer spätern Zeit angehören. Diese Schichten von Sandstein
gehen häufig in Schiefer über und wechseln mit Lagern unreiner Kohle ab;
sie sind an manchen Stellen heftig gestört worden. In der Nähe von
Hobart Town beobachtete ich einen Trappgang von nahezu 100 Yards Breite,
an dessen einer Seite die Schichten in einem Winkel von 60 Grad
aufgerichtet und an dessen anderer Seite sie an einigen Stellen
senkrecht und durch die Wirkungen der Hitze verändert waren. Auf der
westlichen Seite von Storm-Bay fand ich diese Schichten überdeckt von
Strömen basaltischer Lava mit Olivin; und dicht dabei fand sich eine
Masse breccienartiger Schlacken, welche Lavageschiebe enthielt und
wahrscheinlich den Ort eines alten submarinen Craters bezeichnete. Zwei
von diesen Basaltströmen waren von einander durch eine Schicht thoniger
Wacke getrennt, deren Übergang in theilweise veränderte Schlacken
verfolgt werden konnte. Die Wacke enthält zahlreiche abgerundete Körner
eines weichen, grasgrünen Minerals mit einem Wachsglanz und an den
Rändern durchscheinend: vor dem Löthrohre wird es augenblicklich
geschwärzt und die Spitzen schmelzen zu einem stark magnetischen
schwarzen Schmelz. In diesen Characteren ist es jenen Massen von
zersetztem Olivin ähnlich, welche von S. Jago in der Gruppe der
Cap-Verdischen Inseln beschrieben wurden; ich würde auch geglaubt haben,
dasz sie in dieser Weise entstanden seien, hätte ich nicht eine ähnliche
Substanz in cylindrischen Fäden innerhalb der Zellen des blasigen
Basalts gefunden, -- ein Zustand, in welchem Olivin niemals erscheint; es
würde diese Substanz[126], wie ich glaube, von den Mineralogen als Bolus
beschrieben werden.

~Travertin mit ausgestorbenen Pflanzen.~ -- Hinter Hobart-Town findet
sich ein kleiner Steinbruch in hartem Travertin, dessen untere Schichten
auszerordentlich reich an deutlichen Blätterabdrücken sind. ROBERT BROWN
hat die Freundlichkeit gehabt, sich meine Exemplare anzusehen; er theilt
mir mit, dasz es vier oder fünf Species sind, von denen er keine als mit
einer existirenden Art zusammenfallend wiedererkennt. Das merkwürdigste
Blatt ist handförmig getheilt, wie das einer Fächer-Palme, und bis jetzt
ist keine Pflanze, welche Blätter dieser Bildungsart besitzt, in Van
Diemen's Land entdeckt worden. Die andern Blätter sind weder der
gewöhnlichsten Form von _Eucalyptus_ (aus welcher Gruppe die hier
existirenden Wälder hauptsächlich gebildet werden), noch jener Classe
von Ausnahmen von der gewöhnlichen Form der Blätter des _Eucalyptus_
ähnlich, welche auf dieser Insel vorkommen. Der, diese Überreste einer
untergegangenen Vegetation enthaltende Travertin ist von blaszgelber
Färbung, hart, und stellenweise selbst krystallinisch; aber er ist nicht
compact und wird überall von sehr feinen, gewundenen, cylindrischen
Poren durchsetzt. Er enthält sehr wenig Quarzgeschiebe und gelegentlich
Lager von Chalcedon-Kügelchen, ähnlich den Hornsteinkörnern im
englischen Grünsandstein. Wegen der Reinheit dieses kalkigen Gesteins
ist an andern Orten nach ihm gesucht worden; man hat es nirgends weiter
gefunden. Wegen dieses Umstandes und wegen des Characters der Ablagerung
ist es wahrscheinlich in der Weise gebildet worden, dasz eine
kalkhaltige Quelle in einen kleinen Teich oder schmalen Canal einflosz.
Die Schichten sind später aufgerichtet und gespalten worden; und die
Oberfläche ist von einer eigenthümlichen Masse bedeckt, auch jene grosze
Spalte mit derselben ausgefüllt worden, welche aus, in einer Mischung
von Wacke und einer weiszen, erdigen, thonigen, kalkigen Substanz
eingeschlossenen Trappkugeln gebildet wird. Hieraus dürfte hervorgehen,
dasz am Rande des Teichs, in welchem die kalkige Masse abgelagert wurde,
eine vulcanische Eruption stattgefunden hat, welche jenen durchbrochen
und abgeleitet hat.

~Emporhebung des Landes.~ -- Sowohl die östlichen als westlichen Ufer
der Bay in der Nähe von Hobart Town sind an den meisten Stellen bis zur
Höhe von 30 Fusz über dem Niveau der Hochfluthgrenze mit zerbrochenen
Muscheln, untermischt mit Geschiebesteinen, bedeckt. Die Colonisten
schreiben das Vorkommen dieser Muscheln hier dem Umstande zu, dasz die
Eingeborenen sie der Nahrung wegen da hinauf gebracht hätten:
unzweifelhaft finden sich viele grosze Hügel, welche, worauf mich Mr.
FRANKLAND aufmerksam gemacht hat, auf diese Weise gebildet worden sind;
aber wegen der groszen Anzahl der Muscheln, wegen ihrer häufig so
geringen Grösze, wegen der Art, in der sie nur dünn zerstreut liegen und
wegen einiger Erscheinungen in der Form des Landes glaube ich, dasz wir
das Vorhandensein der gröszeren Zahl derselben einer geringen Erhebung
des Landes zuschreiben müssen. Am Ufer der Ralph-Bay (welche in
Storm-Bay mündet) beobachtete ich einen continuirlichen, mit Vegetation
bedeckten Strandzug ungefähr 15 Fusz über der Hochfluthgrenze, und als
ich in ihn eingrub, fanden sich mit Serpula-Röhren bedeckte Rollsteine;
auch den Ufern des Flusses Derwent entlang fand ich eine Lage
zerbrochener Seemuscheln über der Oberfläche des Flusses und an einem
Orte, wo das Wasser jetzt viel zu süsz ist, um Seemuscheln darin leben
zu lassen; aber in diesen beiden Fällen ist es eben möglich, dasz, ehe
gewisse Bänke von Schlamm oder Dünen von Sand in Storm-Bay angehäuft
wurden, die Fluthen bis zu der Höhe gestiegen sein könnten, wo wir jetzt
die Muscheln finden[127].

Mehr oder weniger deutliche Beweise für eine Veränderung des Niveaus von
Land und Wasser sind beinahe an allen Landstrecken in jenem Theile der
Erde entdeckt worden. Capt. GREY und andere Reisende haben im südlichen
Australien emporgehobene Schalthiergehäuse gefunden, welche entweder der
jetzigen oder einer späteren tertiären Periode angehören. Die
französischen Naturforscher bei BAUDIN's Expedition fanden Muscheln in
ähnlichen Verhältnissen an der Südwest-Küste von Australien. W. B.
CLARKE[128] findet Beweise für eine Erhebung des Landes bis zum Betrage
von 400 Fusz am Vorgebirge der Guten Hoffnung. In der Umgebung der Bay
of Islands auf Neu-Seeland[129] beobachtete ich, dasz die Küsten bis in
eine ziemliche Höhe mit Seemuscheln überstreut waren wie auf Van
Diemen's Land, was die Colonisten den Eingeborenen zuschreiben. Was auch
immer der Ursprung dieser Muscheln gewesen sein mag, so kann ich,
nachdem ich einen Durchschnitt des Thales des Themse-Flusses (37° s.
Br.), von W. WILLIAMS aufgezeichnet, gesehen habe, nicht daran zweifeln,
dasz dort das Land emporgehoben worden ist; auf den gegenüberliegenden
Seiten dieses groszen Thales entsprechen drei stufenförmige Terrassen,
welche aus einer enormen Anhäufung von abgerundetem Geschiebe gebildet
sind, einander ganz genau; die Böschung einer jeden Terrasse ist
ungefähr 50 Fusz hoch. Wer nur immer die Terrassen in den Thälern von
Süd-America untersucht hat, welche mit Seemuscheln überstreut sind und
während der Perioden der Ruhe in dem langsamen Emporheben des Landes
gebildet worden sind, kann nicht daran zweifeln, dasz die Terrassen auf
Neu-Seeland in ähnlicher Weise gebildet worden sind. Ich will noch
hinzufügen, dasz Dr. DIEFFENBACH in seiner Beschreibung der
Chatham-Inseln[130] (südwestlich von Neu-Seeland) angibt, es sei
offenbar, »dasz das Meer viele Stellen nackt gelassen hat, welche früher
einmal von dessen Wassern bedeckt waren.«


=King Georgs Sound.=

Diese Niederlassung liegt am südwestlichen Winkel des australischen
Continents; die ganze Gegend ist granitisch, die constituirenden
Mineralbestandtheile sind zuweilen undeutlich in gerade oder gekrümmte
Blätter angeordnet. In diesen Fällen würde HUMBOLDT das Gestein
Gneisz-Granit genannt haben, und es ist merkwürdig, dasz die Form der
nackten kegelförmigen Berge, welche dem Anscheine nach aus groszen
gefalteten Schichten bestehen, in einem auffallenden Grade in kleinem
Maszstabe jenen, aus Gneisz-Granit zusammengesetzten bei Rio de Janeiro
und denen von HUMBOLDT in Venezuela beschriebenen ähnlich sind. Diese
plutonischen Gesteine werden an vielen Stellen von trappartigen Gängen
durchsetzt: an einer Stelle fand ich zehn parallele Gänge, in einer
ostwestlichen Linie hinziehend; nicht weit davon war eine andere Gruppe
von acht Gängen, welche aus einer verschiedenen Varietät von Trapp
gebildet waren und rechtwinkelig zu den ersteren hinzogen. Ich habe in
mehreren primären Bezirken das Vorkommen von Gangsystemen beobachtet,
welche dicht nebeneinander und einander parallel waren.

~Oberflächliche eisenhaltige Lager.~ -- Die tieferen Theile des Landes
werden überall von einer, den Unebenheiten der Oberfläche folgenden
Schicht eines wabenartig durchlöcherten Sandsteins bedeckt, welcher an
Eisenoxyd auszerordentlich reich ist. Schichten einer nahezu ähnlichen
Zusammensetzung sind, wie ich glaube, der ganzen westlichen Küste von
Australien entlang und auf vielen der ostindischen Inseln häufig. Am Cap
der Guten Hoffnung ist am Fusze der aus Granit bestehenden und von
Sandstein überlagerten Berge der Boden überall entweder von einer
feinkörnigen, bröckligen, ockerartigen Masse, wie der an King George's
Sound, oder von einem gröberen Sandstein mit Quarzfragmenten bedeckt,
welcher durch einen auszerordentlichen Reichthum an Eisenoxydhydrat hart
und schwer gemacht ist und beim frischen Bruch einen Metallglanz
darbietet. Diese beiden Varietäten haben eine sehr unregelmäszige Textur
und schlieszen entweder abgerundete oder eckige Räume ein, die voll von
losem Sand sind; aus dieser Ursache ist die Oberfläche immer wabenartig.
Das Eisenoxyd ist am reichlichsten an den Rändern der Höhlungen, wo
allein es einen metallischen Bruch mit sich bringt. In diesen
Formationen, ebenso wie in vielen echten sedimentären Ablagerungen, hat
das Eisen offenbar die Neigung, in der Form einer Schale oder eines
Netzwerks aggregirt zu werden. Der Ursprung dieser oberflächlichen
Schichten scheint, obschon er ziemlich dunkel ist, eine Folge der
alluvialen Einwirkung auf einen an Eisen sehr reichen Detritus zu sein.

~Oberflächliche kalkige Ablagerung.~ -- Eine kalkige Ablagerung auf dem
Gipfel von Bald Head, welche verzweigte, von einigen Autoren für die
Überreste von Corallen gehaltene Körper enthält, ist durch die
Beschreibung vieler ausgezeichneter Reisenden berühmt geworden[131]. In
der Höhe von 600 Fusz über dem Meeresspiegel faltet sie sich rings um
unregelmäszige Vorsprünge von Granit und verbirgt dieselben. Sie
schwankt in ihrer Mächtigkeit bedeutend; wo sie geschichtet ist, sind
die Schichten häufig unter groszen Winkeln geneigt, selbst bis zu 30
Graden, und sie fallen nach allen Richtungen hin ein. Diese Schichten
werden zuweilen von schrägen und ebenseitigen Blättern durchkreuzt. Die
Ablagerung besteht entweder aus einem feinen, weiszen, kalkigen Pulver,
in welchem nicht eine Spur von Structur nachgewiesen werden kann, oder
aus äuszerst minutiösen, abgerundeten Körnern von braunen, gelblichen
und purpurnen Färbungen; beide Varietäten sind meistens, aber nicht
immer, mit kleinen Quarzstückchen durchmengt und zu einem mehr oder
weniger vollkommenen Steine verkittet. Wenn die abgerundeten kalkigen
Körner in geringem Grade erhitzt werden, verlieren sie augenblicklich
ihre Farbe; in dieser, wie in jeder andern Beziehung sind sie jenen
minutiösen, gleichgroszen Stückchen von Muscheln und Corallen
auszerordentlich ähnlich, welche auf St. Helena an den Seiten der Berge
hinauf angetrieben worden und dabei aller gröberen Fragmente verlustig
gegangen sind. Ich kann nicht daran zweifeln, dasz die gefärbten,
kalkigen Partikel hier einen ähnlichen Ursprung gehabt haben. Das
unfühlbar feine Pulver rührt wahrscheinlich von dem Zerfall der
abgerundeten Stückchen her; dies ist sicherlich möglich; denn an der
Küste von Peru habe ich ~grosze zerbrochene~ Muscheln allmählich in eine
Substanz zerfallen sehen, die so fein wie zerpulverter Kalk war. Die
beiden oben erwähnten Varietäten von kalkigem Sandstein wechseln häufig
mit dünnen Lagen eines harten, substalagmitischen[132] Gesteins ab und
gehen in sie über, welche selbst da, wo der Stein auf beiden Seiten
Quarz enthält, gänzlich frei von ihnen ist; wir müssen daher annehmen,
dasz diese Lager, ebensowohl wie gewisse aderartige Massen, dadurch
gebildet worden sind, dasz der Regen die kalkige Masse aufgelöst und
wieder niedergeschlagen hat, wie es sich auf St. Helena ereignet hat.
Jede Lage bezeichnet wahrscheinlich eine frische Fläche, wo die jetzt
fest mit einander verkitteten Stückchen als loser Sand existirten. Diese
Lager sind zuweilen breccienartig zerbrochen und wieder verkittet, als
wenn sie durch das Herabrutschen des Sandes im weichen Zustande
zerbrochen worden wären. Ich habe nicht ein einziges Fragment einer
Seemuschel gefunden; aber ausgebleichte Schalen von _Helix melo_, einer
jetzt existirenden Landspecies, kommt auszerordentlich zahlreich in
sämmtlichen Schichten vor; ich habe gleichfalls eine andere _Helix_ und
den Panzer eines _Oniscus_ gefunden.

Die Zweige sind ihrer Gestalt nach von den abgebrochenen und aufrecht
stehenden Strümpfen eines Dickichts absolut nicht zu unterscheiden; ihre
Wurzeln sind häufig unbedeckt und scheinen nach allen Seiten hin zu
divergiren; hier und da liegt ein Zweig ausgestreckt nieder. Die Zweige
bestehen meistens aus dem Sandstein, nur eher etwas fester als die
umgebende Masse; ihre centralen Theile sind entweder mit zerreiblicher
kalkiger Substanz oder mit einer substalagmitischen Varietät angefüllt;
dieser centrale Theil wird auch häufig von linearen Spalten
durchbrochen, welche zuweilen, wenngleich selten, eine Spur von holziger
Substanz enthalten. Diese kalkigen, sich verzweigenden Körper haben sich
allem Anscheine nach dadurch gebildet, dasz feine kalkige Substanz in
die Abgüsse oder Höhlungen hineingewaschen worden ist, welche nach dem
Zerfall von Zweigen oder Wurzeln von Dickichten, die unter Sand begraben
waren, übrig geblieben sind. Die ganze Oberfläche des Berges erleidet
gegenwärtig eine Zersetzung, und daher werden die Ausgüsse, welche
compact und hart sind, vorspringend übrig gelassen. In kalkigem Sand am
Vorgebirge der Guten Hoffnung fand ich die von ABEL beschriebenen
Abgüsse denen von Bald Head ganz ähnlich; aber ihre Centren sind noch
häufig mit schwarzer, kohlenhaltiger Substanz erfüllt, welche noch nicht
entfernt ist. Es ist nicht überraschend, dasz die holzige Substanz aus
den Abgüssen von Bald Head beinahe gänzlich entfernt worden ist; denn
gewisz ist es, dasz viele Jahrhunderte vergangen sein müssen, seitdem
die Dickichte begraben wurden; gegenwärtig wird in Folge der Form und
Höhe des schmalen Vorgebirges kein Sand angetriftet und die ganze
Oberfläche wird, wie ich schon bemerkt habe, abgenagt. Wir müssen uns
daher nach einer Zeit umsehen, wo das Land auf einem niedrigeren Niveau
stand und in welcher der kalkige und quarzige Sand auf Bald Head
angetriftet wurde und in Folge dessen die Pflanzenreste begraben wurden,
wofür die französischen Naturforscher[133] Beweise in emporgehobenen
Schalen jetzt lebender Thierarten fanden. Nur eine Erscheinung liesz
mich Anfangs in Betreff des Ursprungs dieser Abgüsze zweifeln, --
nämlich, dasz die feineren, von verschiedenen Stämmen ausgehenden
Wurzeln zuweilen zu aufrecht stehenden Platten oder Adern vereinigt
wurden; wenn man sich aber der Art und Weise erinnert, in welcher feine
Wurzeln häufig Spalten in harter Erde ausfüllen, und dasz diese Wurzeln
ebensogut zerfallen und Höhlungen hinterlassen werden wie die Stämme, so
liegt keine wirkliche Schwierigkeit in diesem Falle vor. Auszer den
kalkigen Zweigen vom Cap der Guten Hoffnung habe ich Abgüsse von genau
denselben Formen von Madeira[134] und von den Bermudas gesehen; auf den
letzteren sind, nach den von Lieut. NELSON gesammelten Exemplaren zu
urtheilen, die umgebenden kalkigen Gesteine gleichfalls ähnlich, wie es
auch ihre oberflächliche Bildung ist. Bedenkt man die Stratification der
Ablagerung von Bald Head, -- die unregelmäszig abwechselnden Lager
substalagmitischen Gesteins, -- die gleichförmig groszen und
abgerundeten Partikel, augenscheinlich von Seemuscheln und Corallen, --
den auszerordentlichen Reichthum von Landmuscheln durch die ganze Masse,
und endlich die absolute Ähnlichkeit der kalkigen Abgüsse mit den
Stümpfen, Wurzeln und Zweigen jener Art von Pflanzenwuchs, welcher eben
auf Sandhügeln wachsen dürfte, so, meine ich, läszt sich, trotz der
verschiedenen Meinung mancher Autoren, vernünftigerweise nicht daran
zweifeln, dasz eine richtige Ansicht von ihrem Ursprung hier gegeben
worden ist.

Kalkige Ablagerungen, gleich denen von King George's Sund, sind an den
australischen Küsten in ungeheurer Ausdehnung vorhanden. Dr. FITTON
macht die Bemerkung, dasz »recente, kalkige Breccie (unter welchem
Ausdruck diese sämmtlichen Ablagerungen eingeschlossen werden) während
BAUDIN'S Reise über einen Raum hin von nicht weniger als 25
Breitengraden und in einer gleichen Längenausdehnung an den südlichen,
westlichen und nordwestlichen Küsten gefunden wurde.«[135] Aus PÉRON's
Angaben, mit dessen Beobachtungen und Ansichten über den Ursprung der
kalkigen Substanz und der sich verzweigenden Abgüsse die meinigen
gänzlich übereinstimmen, geht auch hervor, dasz die Ablagerung meist
viel continuirlicher ist, als in der Nähe von King George's Sound. Beim
Swan-Flusz gibt Archdeacon SCOTT an[136], dasz sie sich an einer Stelle
zehn Meilen weit landeinwärts erstreckt. Überdies theilt mir Captain
WICKHAM mit, dasz während der kürzlich von ihm vorgenommenen Vermessung
der Westküste der Meeresgrund, wo nur immer das Fahrzeug vor Anker
gieng, aus weiszer kalkiger Substanz bestand, wie durch Hinablassen von
Brecheisen ermittelt wurde. Es scheint daher, als wären dieser Küste
entlang, wie auf den Bermudas und am Keeling Atoll, untermeerische und
oberflächliche Ablagerungen gleichzeitig in Folge des Zerfallens mariner
organischer Körper im Processe der Bildung begriffen. Die Ausdehnung
dieser Ablagerungen ist in Anbetracht ihres Ursprungs sehr auffallend;
sie können in dieser Beziehung nur mit den groszen Corallenriffen des
Indischen und Stillen Oceans verglichen werden. In andern Theilen der
Welt, beispielsweise in Süd-America, finden sich ~oberflächliche~
kalkige Ablagerungen von groszer Ausdehnung, in welchen nicht eine Spur
organischer Structur zu entdecken ist; diese Beobachtungen dürften zu
der Untersuchung veranlassen, ob derartige Ablagerungen nicht auch aus
zerfallenen Muscheln und Corallen gebildet worden sind.


Cap der Guten Hoffnung.

Nach den von BARROW, CARMICHAEL, BASIL HALL und W. B. CLARKE über die
Geologie dieses Districts gegebenen Schilderungen werde ich mich auf
einige wenige Bemerkungen über die Verbindung der drei hauptsächlichen
Formationen beschränken. Das fundamentale Gestein ist Granit[137],
überlagert von Thonschiefer; der letztere ist meistens hart und in Folge
des Einschlusses minutiöser Glimmerschuppen glänzend; er wechselt mit
Schichten unbedeutend krystallinischen, feldspathigen, schieferigen
Gesteins ab und geht in solche über. Dieser Thonschiefer ist deshalb
merkwürdig, weil er an einigen Stellen (wie an dem Lion's Rump), selbst
bis zur Tiefe von 20 Fusz zu einem blasz gefärbten, sandsteinartigen
Gestein zersetzt ist, welches, wie ich glaube, von mehreren Beobachtern
irrthümlich für eine besondere Formation gehalten worden ist. Ich wurde
von Dr. ANDREW SMITH zu einer schönen Verbindung zwischen Granit und
Thonschiefer am Green Point geführt; der letztere wird in der Entfernung
von einer Viertel-Meile von dem Orte, wo der Granit am Strand erscheint
(obgleich der Granit wahrscheinlich viel näher unter der Oberfläche
liegt), compacter und krystallinischer. In einer geringeren Entfernung
sind einige von den Thonschieferschichten von homogener Textur und
undeutlich mit verschiedenen Farbenbändern gestreift, während andere
undeutlich gefleckt sind. Innerhalb hundert Yards von der ersten
Granitader besteht der Thonschiefer aus mehreren Varietäten; einige sind
compact mit einem Stich ins Purpurne, andere glänzen von zahlreichen
minutiösen Schuppen von Glimmer und unvollkommen krystallisirtem
Feldspath; einige sind undeutlich körnig, andere porphyrartig mit
kleinen, verlängerten Flecken eines weichen weiszen Minerals, welches
wegen der Leichtigkeit, mit der es corrodirt wird, dieser Varietät ein
blasiges Ansehen gibt. Dicht am Granit ist der Thonschiefer in ein
dunkelfarbiges blätteriges Gestein mit einem körnigen Bruch verwandelt,
welch' letzterer Folge des Vorhandenseins unvollkommener Krystalle von
Feldspath ist, die von minutiösen, glänzenden Glimmerschuppen überzogen
sind.

Die factische Verbindung zwischen den granitischen und
Thonschiefer-Districten erstreckt sich über eine Breite von ungefähr 200
Yards und besteht aus unregelmäszigen Massen und zahlreichen Gängen von
Granit, welche von dem Thonschiefer eingewickelt und umgeben sind; die
meisten Gänge liegen in einer nordwestlichen und südöstlichen Linie,
parallel zu der Spaltungsebene des Schiefers. Wenn man die Verbindung
verläszt, werden dünne Schichten und zuletzt blosze Säume des
veränderten Thonschiefers sichtbar, völlig isolirt, als schwämmen sie in
dem grob krystallisirten Granit; obschon sie aber vollständig getrennt
sind, behalten sie doch alle noch Spuren der nordwestlich-südöstlichen
Spaltung. Diese Thatsache ist in anderen ähnlichen Fällen beobachtet
worden, und ist von mehreren ausgezeichneten Geologen[138] als eine
bedeutende Schwierigkeit in Bezug auf die gewöhnlich verbreitete
Theorie, dasz der Granit im flüssigen Zustande injicirt worden sei,
vorgebracht worden; wenn wir uns aber den wahrscheinlichen Zustand der
untern Oberfläche einer geblätterten Masse, wie Thonschiefer, nachdem
sie durch eine Masse geschmolzenen Granits gewaltsam emporgewölbt worden
ist, vergegenwärtigen, so können wir wohl schlieszen, dasz sie voll von
Spalten, die den Spaltungsebenen parallel sind, sein werde, dasz diese
ferner mit Granit erfüllt sein werden, so dasz, wo nur immer die Spalten
dicht bei einander liegen, blosze getrennte Lagen oder Keile des
Schiefers in den Granit hinein hängen werden. Würde daher später die
ganze Gesteinsmasse abgewaschen und denudirt werden, so werden die
untern Enden dieser herabhängenden Massen oder Keile von Granit völlig
isolirt im Granit übrig bleiben; und doch würden sie ihre eigenen
Spaltungslinien behalten, weil sie, so lange der Granit noch flüssig
war, mit einer zusammenhängenden Decke von Thonschiefer in Verbindung
gestanden hatten.

Als ich in Gesellschaft des Dr. A. SMITH der Verbindungslinie zwischen
dem Granit und dem Schiefer folgte, wie sie sich in einer südöstlichen
Richtung landeinwärts erstreckte, kamen wir zu einer Stelle, wo der
Schiefer in einen feinkörnigen, vollkommen characterisirten Gneisz
verwandelt war, der eine Zusammensetzung aus gelblichbraunem Feldspath,
auszerordentlich reichlichem, schwarzem, glänzendem Glimmer und einigen
wenigen dünnen Quarzblättern erkennen liesz. Aus dem auszerordentlich
reichlichen Vorhandensein von Glimmer in diesem Gneisz, im Vergleich zu
der geringen Menge und den äuszerst minutiösen Schuppen, in denen er in
dem glänzenden Thonschiefer existirt, müssen wir schlieszen, dasz er
sich hier in Folge einer metamorphischen Einwirkung gebildet hat -- ein
Umstand, welcher unter nahezu ähnlichen Verhältnissen, von manchen
Autoren bezweifelt wird. Die Lamellen des Thonschiefers sind gerade; und
es war interessant zu beobachten, dasz sie in dem Masze, als er den
Character des Gneiszes annahm, wellenförmig wurden, wobei manche der
kleinen Biegungen, wie die Lamellen vieler echten metamorphischen
Schiefer, winklig wurden.

~Sandstein-Formation.~ -- Diese Formation bildet den imposantesten Zug
in der Geologie von Süd-Africa. Die Schichten sind an vielen Stellen
horizontal und erreichen eine Mächtigkeit von ungefähr 2000 Fusz. Der
Sandstein schwankt im Character: er enthält wenig erdige Substanz, ist
aber häufig mit Eisen gefärbt; einige der Schichten sind sehr feinkörnig
und vollständig weisz, andere sind so compact und homogen wie
Quarzgestein. An einigen Stellen bemerkte ich eine Quarzbreccie, deren
Fragmente in einer Kieselpaste beinahe gelöst waren. Breite Adern von
Quarz, oft grosze und vollkommene Krystalle einschlieszend, sind sehr
zahlreich; und an all diesen Schichten ist es offenbar, dasz Kieselsäure
aus einer Lösung in merkwürdiger Weise abgelagert ist. Viele von den
Varietäten des Quarzits erscheinen völlig wie metamorphische Gesteine;
da aber die oberen Schichten so kieselhaltig sind wie die untern, und
wegen der ungestörten Verbindungen mit dem Granit, die an vielen Stellen
untersucht werden können, kann ich kaum glauben, dasz diese
Sandsteinschichten der Hitze ausgesetzt gewesen sind[139]. An den
Verbindungslinien zwischen diesen beiden groszen Formationen fand ich an
mehreren Stellen den Granit bis zur Tiefe von einigen wenigen Zollen
zerfallen; ihm folgte entweder eine dünne Schicht eisenhaltigen
Schiefers oder eine vier oder fünf Zoll dicke Lage wieder verkitteter
Granitkrystalle, auf welcher die grosze Masse des Sandsteins unmittelbar
ruhte.

Mr. SCHOMBURGK hat eine grosze Sandsteinformation im nördlichen
Brasilien beschrieben[140], welche auf Granit ruht und in einem
merkwürdigen Grade, in ihrer Zusammensetzung und der äuszeren Form des
Landes, dieser Formation am Cap der Guten Hoffnung ähnlich ist. Die
Sandsteine der groszen Plateaus im östlichen Australien, welche auch auf
Granit ruhen, weichen darin ab, dasz sie mehr erdige und weniger
kieselige Substanz enthalten. Keine fossilen Reste sind in diesen drei
ungeheuern Ablagerungen entdeckt worden. Endlich will ich noch
hinzufügen, dasz ich irgend welche erratische Blöcke von weither
transportirten Gesteinen weder am Cap der Guten Hoffnung, noch an den
östlichen und westlichen Küsten von Australien, noch auf Van Diemen's
Land gesehen habe. Auf der nördlichen Insel von Neu-Seeland bemerkte ich
einige grosze Blöcke von Grünstein; ob aber ihr Muttergestein weit
entfernt war, hatte ich keine Gelegenheit zu ermitteln.

[118] Ich habe vor Kurzem in einem Aufsatze von ~Will. Smith~ (dem Vater
der englischen Geologen) in dem Magazine of Natural History gesehen,
dasz die Quarzkörner im Millstone-grit von England häufig krystallisirt
sind. Sir ~David Brewster~ gibt in einem vor der British Association,
1840, gelesenen Aufsatze an, dasz in altem zersetzten Glase die
Kieselsäure und Metalle sich in concentrischen Ringen scheiden und dasz
die Kieselsäure ihre krystallinische Structur wieder erlangt, wie es aus
ihrer Wirkung auf das Licht hervorgeht.

[119] Dies wird nach der Autorität von Sir Th. ~Mitchell~ angegeben: s.
seine Travels, Vol. II. p. 357.

[120] Ich habe diese sehr merkwürdigen Bänke im Anhange zu meinem Buche
über die Structur der Corallen-Riffe beschrieben (Übers. p. 206). Ich
habe die Neigung der Ränder der Bänke nach Mittheilungen, welche mir
Capitain B. ~Allen~, einer der vermessenden Officiere, gegeben hat, und
nach sorgfältigen Messungen der horizontalen Abstände zwischen der
letzten Lothung auf der Bank und der ersten im tiefen Wasser bestimmt.
Weit ausgedehnte Bänke in allen Theilen West-Indiens haben dieselbe
allgemeine Oberflächenform.

[A] Es ist diese Erscheinung die »Discordante Parallelstructur« ~C. F.
Naumann's.~ Der Übers.

[121] s. ~Martin White~, über Lothungen im Britischen Canal, p. 4 und
166.

[122] ~Siau~, über die Wirkung der Wellen, in: Edinburgh New Philos.
Journal, Vol. XXXI. p. 245.

[123] Travels in Australia, Vol. I. p. 154. -- Ich bin Sir ~Th.
Mitchell~ für mehrere interessante persönliche Mittheilungen über diese
groszen Thäler von Neu-Süd-Wales sehr verbunden.

[124] a. a. O. Vol. II. p. 358.

[125] s. den Anhang (Übers. p. 201 und 206) zu dem Buche über
Corallen-Riffe. Die Thatsache, dasz das Meer Schlamm um einen
untermeerischen Kern anhäuft, verdient die Beachtung der Geologen: denn
es werden hierdurch im Meere auszen liegende Bänke von derselben
Zusammensetzung wie die Küstenbänke gebildet; und wenn dann beide
emporgehoben und zu Klippen ausgewaschen werden, würde man natürlich
meinen, dasz sie früher einmal im Zusammenhang gestanden hätten.

[126] Chlorophaeit, welcher von ~MacCulloch~ (Western Islands, Vol. I.
p. 504) als in einem basaltischen Mandelstein vorkommend geschildert
wird, weicht von dieser Substanz dadurch ab, dasz er vor dem Löthrohr
unverändert bleibt und sich schwärzt, wenn er der Luft ausgesetzt wird.
Dürfen wir annehmen, dasz Olivin beim Erleiden jener merkwürdigen, von
S. Jago beschriebenen Veränderung mehrere Stufen durchläuft?

[127] Es möchte fast scheinen, als wären irgend welche Veränderungen
gegenwärtig in Ralph Bay im Fortschreiten; denn ein intelligenter Farmer
versicherte mir, dasz früher Austern sehr reichlich in ihr vorhanden
gewesen wären, dasz sie aber um das Jahr 1834 ohne irgend eine
augenscheinliche Ursache verschwunden wären. In den Transactions der
Maryland Academy (Vol. I. P. I. p. 28) findet sich ein Bericht von
~Ducatel~ über ungeheure Lager von Austern und Klaffmuscheln, welche
durch das allmähliche Auffüllen der engen Lagunen und Canäle an den
Ufern der südlichen Vereinigten Staaten zerstört worden sind. Auf Chiloë
in Süd-America hörte ich von einem ähnlichen Verlust, den die Einwohner
durch das Verschwinden einer eszbaren Species von Ascidien von einem
Theile der Küste erlitten haben.

[128] Proceedings of the Geological Society, Vol. III. p. 420.

[129] Ich will hier ein Verzeichnis der Gesteinsarten geben, welche ich
in der Nähe der Bay of Islands in Neu-Seeland gefunden habe: -- 1. Viel
basaltische Lava und schlackenförmige Gesteine, distincte Cratere
bildend; -- 2. einen thurmartigen Hügel mit horizontalen Schichten eines
fleischfarbigen Kalkes, welcher beim Zerbrechen deutliche
krystallinische Facetten zeigte: der Regen hat auf dies Gestein in einer
merkwürdigen Art eingewirkt, indem er die Oberfläche zu einem
Miniatur-Modell einer Alpen-Landschaft corrodirte: ich beobachtete hier
Lagen von Hornstein und von Thoneisenstein und im Bette eines Flusses
Geschiebe von Thonschiefer; -- 3. die Ufer der Bay of Islands werden von
einem feldspathigen Gestein von einer bläulich-grauen Färbung gebildet,
das häufig stark zersetzt ist, einen winkligen Bruch hat und von
zahlreichen eisenhaltigen Bändern durchsetzt wird, aber ohne deutliche
Stratification oder Spaltung. Manche Varietäten sind in hohem Grade
krystallinisch und würden sofort für Trapp erklärt werden; andere waren
in auffallender Weise Thonschiefer ähnlich, der leicht durch Hitze
verändert ist; ich bin nicht im Stande gewesen, mir irgend eine
bestimmte Ansicht über diese Formation zu bilden.

[130] Geographical Journal, Vol. XI. p. 202, 205.

[131] Ich besuchte diesen Berg in Gesellschaft des Capt. FITZ ROY und
wir kamen beide zu einem ähnlichen Schlusse in Bezug auf diese sich
verästelnden Körper.

[132] Ich nehme diesen Ausdruck an aus Lieut. ~Nelson's~ ausgezeichnetem
Aufsatze über die Bermuda-Inseln (Geolog. Transactions, Vol. V. p. 106)
für den harten, compacten, rahmfarbigen oder braunen Stein ohne irgend
welche krystallinische Structur, welcher so häufig oberflächliche
kalkige Anhäufungen begleitet. Ich habe derartige oberflächliche, mit
substalagmitischem Gestein bedeckte Schichten am Cap der Guten Hoffnung,
in mehreren Theilen von Chile und über weite Räume in La Plata und
Patagonien beobachtet. Einige von diesen Schichten sind aus zerfallenen
Muscheln gebildet worden, aber der Ursprung der Mehrzahl derselben ist
ziemlich dunkel. Die Ursachen, welche es bestimmen, dasz Wasser Kalk
auflöst und denselben bald wieder niederschlägt, sind, wie ich meine,
nicht bekannt. Die Oberfläche der substalagmitischen Schichten erscheint
immer vom Regenwasser corrodirt. Da sämmtliche obengenannten Länder
eine, im Vergleich zur Regenzeit lange trockene Jahreszeit haben, so
würde ich geglaubt haben, dasz das Vorhandensein des substalagmitischen
Gesteins mit dem Clima im Zusammenhang stehe, hätte nicht Lieut.
~Nelson~ gefunden, dasz sich diese Substanz unter Seewasser bildet.
Zerkleinerte Schalensubstanz scheint äuszerst löslich zu sein; hiervon
fand ich einen deutlichen Beweis an einem merkwürdigen Gestein bei
Coquimbo in Chile, welches aus kleinen, durchscheinenden, leeren, mit
einander verkitteten Hülsen bestand. Eine Reihe von Exemplaren zeigte
deutlich, dasz diese Hülsen ursprünglich kleine abgerundete
Schalenstückchen enthalten hatten, welche von kalkiger Substanz umhüllt
und mit einander verkittet waren (wie es häufig an Strandbildungen
vorkommt), später dann zerfallen und von Wasser aufgelöst worden waren,
welches durch die kalkigen Hülsen durchgedrungen sein musz, ohne sie zu
corrodiren, von welchem Vorgange jede einzelne Stufe zu sehen war.

[133] s. ~Péron~'s Reisen, Tom. I. p. 204.

[134] Dr. J. ~Macaulay~ hat die Abgüsse von Madeira ausführlich
beschrieben (Edinburgh New Philos. Journal, Vol. XXIX, p. 350). Er
betrachtet (verschieden von Mr. ~Smith~ von Jordan Hill) diese Körper
als Corallen und hält die kalkige Ablagerung für unter Wasser
entstanden. Seine Gründe stützen sich hauptsächlich (denn seine
Bemerkungen über die Structur derselben sind sehr unbestimmt) auf die
grosze Menge kalkiger Substanz und darauf, dasz die Abgüsse thierische
Substanz enthalten, wie es sich aus der Entwickelung von Ammoniak aus
ihnen ergibt. Hätte Dr. ~Macaulay~ die ungeheuren Massen abgerollter
Stückchen von Muscheln und Corallen am Strande von Ascension und
besonders an Corallen-Riffen gesehen, und hätte er über die Wirkungen
lange anhaltender, mäsziger Winde in Bezug auf das Antreiben feiner
Stückchen nachgedacht, so würde er kaum das Moment der Menge betont
haben, welches in der Geologie selten zuverlässig ist. Wenn die kalkige
Substanz aus zerfallenen Muscheln und Corallen herrührt, so hätte sich
das Vorhandensein von thierischer Substanz erwarten lassen. Mr.
~Anderson~ hat für Dr. ~Macaulay~ ein Stück eines Abgusses analysirt und
folgende Zusammensetzung gefunden:

    Kohlensaurer Kalk         73,35
    Kieselsäure               11,90
    Phosphorsaurer Kalk        8,81
    Thierische Substanz        4,25
    Schwefelsaurer Kalk   eine Spur
                       ------------
                              98,11.

[135] Wegen ausführlicher Einzelnheiten über diese Formation vergl. Dr.
~Fitton~'s Anhang zu Capt. ~King~'s Reise. ~Fitton~ ist geneigt, den
verzweigten Körpern einen concretionären Ursprung zuzuschreiben: ich
will bemerken, dasz ich in Sandschichten in La Plata cylindrische Stämme
gesehen habe, welche ohne Zweifel in dieser Weise entstanden sind; sie
waren aber in ihrer Erscheinung von denen am Bald Head und an den andern
oben einzeln angeführten Örtlichkeiten verschieden.

[136] Proceedings of the Geological Society, Vol. I. p. 320.

[137] An mehreren Stellen beobachtete ich im Granit dunkelgefärbte
Kugeln, die aus minutiösen Glimmerschuppen in einer zähen Grundmasse
zusammengesetzt waren. An einer andern Stelle fand ich Krystalle von
schwarzem Schörl, die von einem gemeinsamen Centrum ausstrahlten. Dr.
~Andrew Smith~ fand in den inneren Theilen des Landes wundervolle
Exemplare von Granit mit silberglänzendem Glimmer, der von centralen
Punkten aus ausstrahlte oder sich vielmehr wie Moos verästelte. In der
Geologischen Gesellschaft finden sich Handstücke von Granit mit
krystallisirtem Feldspath, der in gleicher Weise verzweigt und strahlig
angeordnet ist.

[138] s. ~Keilhau's~ Theorie über den Granit; übersetzt in: Edinburgh
New Philosoph. Journal, Vol. XXIV, p. 402.

[139] ~W. B. Clarke~ gibt indessen zu meiner Überraschung an (Geologic.
Proceedings, Vol. III. p. 422), dasz der Sandstein an manchen Orten von
Granitgängen durchsetzt wird; derartige Gänge müssen durchaus einer auf
diejenige Periode, wo der geschmolzene Granit auf den Thonschiefer
wirkte, folgenden Zeit angehören.

[140] Geographical Journal, Vol. X. p. 246.



Anhang.

Beschreibung fossiler Muscheln

von G. B. Sowerby.

Muscheln aus einer tertiären Ablagerung unter einem groszen basaltischen
Strom auf S. Jago im Cap-Verdischen Archipel; erwähnt auf p. 4.


1. _Litorina Planaxis_ G. SOWERBY.

_Testa subovata, crassa, laevigata, anfractibus quatuor, spiraliter
striatis; apertura subovata; labio columellari infimaque parte anfractus
ultimi planatis; long. 0,6, lat. 0,45 poll._

In der Statur und beinahe auch in der Form ist diese Art einer kleinen
_Litorina litorea_ ähnlich; sie weicht indessen sehr wesentlich darin
ab, dasz der untere Theil der letzten Windung und die Columellarlippe
wie abgeschnitten und abgeplattet sind, wie bei den _Purpura_-Arten.
Unter den lebenden Schnecken von derselben Örtlichkeit findet sich eine,
welche dieser sehr ähnlich und vielleicht mit ihr identisch ist; sie ist
aber eine sehr junge Schnecke und kann daher nicht genau mit ihr
verglichen werden.


2. _Cerithium aemulum_ G. SOWERBY.

_Testa oblongo-turrita, subventricosa, apice subulato, anfractibus decem
leviter spiraliter striatis, primis serie unica tuberculorum instructis,
intermediis irregulariter obsolete tuberculiferis, ultimo longe majori
absque tuberculis, sulcis duobus fere basalibus instructo; labii externi
margine interno intus crenulato: long. 1,8, lat. 0,7 poll._

Diese Art ist einer der von LAMARCK unter dem Namen _Cerithium Vertagus_
zusammengebrachten Formen so ähnlich, dasz ich auf den ersten Blick
glaubte, sie sei identisch mit denselben; sie kann indessen leicht
dadurch unterschieden werden, dasz ihr die Falte im Centrum der
Columella, welche in jenen Schnecken so auffallend ist, fehlt. Es ist
nur ein Exemplar vorhanden, welches unglücklicherweise den unteren
Theil der äuszeren Lippe verloren hat, so dasz es unmöglich ist, die
Form der Mündung zu beschreiben.


3. _Venus simulans_ G. SOWERBY.

_Testa rotundata, ventricosa, laeviuscula, crassa; costis obtusis,
latiusculis, concentricis, antice posticeque tuberculatim solutis; area
cardinali postica alterae valvae latiuscula; impressione subumbonali
postica circulari: long. 1,8, alt. 1,8, lat. 1,5 poll._

Eine Muschel, welche in ihren Characteren intermediär ist und ihre
Stellung zwischen der _Venus verrucosa_ des englischen Canals und der
_V. rosalina_ RANG von der Westküste von Africa hat, aber von beiden
hinreichend scharf durch ihre breiten, stumpfen, concentrischen Rippen
unterschieden wird, welche sowohl vorn als hinten in Tuberkel getheilt
sind. Ihre Gestalt ist auch kreisförmiger als eine jener beiden anderen
Species.

Die folgenden Schalen aus derselben Schicht sind, so weit sie bestimmt
werden können, von lebenden Arten:

     4. ~_Purpura Fucus_~.

     5. ~_Amphidesma australe_~ SOWERBY.

     6. ~_Conus venulatus_~ LAM.

     7. ~_Fissurella coarctata_~ KING.

     8. ~_Perna_~, -- zwei einzelne Schalen, aber in einem solchen
     Zustande, dasz die Art nicht zu bestimmen war.

     9. ~_Ostrea cornucopiae_~ LAM.

     10. ~_Arca ovata_~ LAM.

     11. ~_Patella nigrita_~ BGN.

     12. ~_Turritella bicingulata?_~ LAM.

     13. ~_Strombus_~, -- zu stark abgerieben und verstümmelt, um
     identificirt werden zu können.

     14. ~_Hipponyx radiata_~ GRAY.

     15. ~_Natica uber_~ VALENCIENNES.

     16. ~_Pecten_~, welcher der Form nach dem _P. opercularis_ ähnlich
     ist, von ihm aber durch mehrere Charactere zu unterscheiden ist. Es
     findet sich nur eine Schalenhälfte, weshalb ich nicht wage,
     dieselbe zu beschreiben.

     17. ~_Pupa diaphana_~ KING.

     18. ~_Trochus_~, -- unbestimmbar.


Ausgestorbene Land-Schnecken von St. Helena.

Die folgenden sechs Arten wurden in Gesellschaft mit einander auf dem
Boden einer dicken Schicht von Ackererde gefunden; die zwei letzten
Species, nämlich die _Cochlogena fossilis_ und _Helix biplicata_ wurden
zusammen mit einer, jetzt auf der Insel lebenden Art von _Succinea_ in
einem sehr neuen kalkigen Sandstein gefunden. Diese Schnecken wurden auf
p. 91 des vorliegenden Bandes erwähnt.


1. _Cochlogena auris-vulpina_ FÉR.

Diese Art ist im elften Bande von MARTINI und CHEMNITZ gut beschrieben
und abgebildet worden. CHEMNITZ äuszert einen Zweifel in Bezug auf die
Gattung, zu welcher sie eigentlich zu bringen ist, und auch eine stark
ausgesprochene Meinung zu Ungunsten der Folgerung, dasz sie als
Landschnecke anzusehen sei. Seine Exemplare waren auf einer öffentlichen
Auction in Hamburg gekauft worden, wohin sie von G. HUMPHREY geschickt
waren, der sehr wohl mit ihrem richtigen Wohnorte bekannt gewesen zu
sein scheint und sie für Landschnecken verkaufte. CHEMNITZ erwähnt
indessen ein Exemplar in SPENGLER's Sammlung in einem frischeren
Zustande als seine eigenen und welches aus China gekommen sein sollten.
Die Darstellung, welche er von der Art gibt, ist nach diesem Individuum
entworfen; mir scheint es nur ein gereinigtes Exemplar der St.
Helena-Schnecke gewesen zu sein. Man kann sich leicht vorstellen, dasz
eine Schnecke von St. Helena etwa zufällig oder absichtlich, nachdem sie
durch zwei oder drei Hände gegangen ist, für eine Chinesische verkauft
worden sein könnte. Ich halte es nicht für möglich, dasz eine Schnecke
dieser Species wirklich in China gefunden worden sein könnte; und unter
den enormen Mengen von Schnecken, welche vom himmlischen Reiche nach
England kommen, habe ich niemals eine gesehen. CHEMNITZ konnte sich
nicht dazu bringen, zur Aufnahme dieser merkwürdigen Schnecke eine neue
Gattung zu errichten, obgleich er sie offenbar nicht mit einer der
damals bekannten Gattungen in Einklang bringen konnte; und trotzdem er
sie für keine Landschnecke hielt, hat er sie _auris-vulpina_ genannt.
LAMARCK hat sie als zweite Art zu seiner Gattung _Struthiolaria_
gestellt unter dem Namen _crenulata_. Mit dieser Gattung hat sie
indessen keine Verwandtschaft; man kann an der Richtigkeit von
FÉRUSSAC's Ansicht nicht zweifeln, welcher sie in die vierte Abtheilung
seiner Untergattung _Cochlogena_ bringt; LAMARCK würde auch nach seinen
eigenen Grundsätzen ganz im Rechte gewesen sein, wenn er sie in seine
Gattung _Auricula_ gebracht hätte. Es kommt eine Varietät dieser Species
vor, welche in der folgenden Weise characterisirt werden kann:

_Cochlogena auris-vulpina_ var.

_Testa subpyramidali, apertura breviori, labio tenuiori: long. 1,68,
aperturae 0,76, lat. 8,87 poll._

~Anm.~ Die Maszverhältnisse dieser Varietät weichen von denen der
gewöhnlichen Varietät ab, welche die folgenden sind: Länge 1,65, der
Mündung 1,0, Breite 0,96 Zoll. Es ist der Beachtung werth, dasz
sämmtliche Schnecken dieser Varietät von einem andern Theile der Insel
herkommen als die vorigen Exemplare.


2. _Cochlogena fossilis_ G. SOWERBY.

_Testa oblonga, crassiuscula, spira subacuminata, obtusa, anfractibus
senis, subventricosis, leviter striatis, sutura profunde impressa,
apertura subovata; peritremate continuo, subincrassato; umbilico parvo:
long. 0,8, lat. 0,37 poll._

Diese Species ist von der Statur der _C. Guadaloupensis_, ist aber
leicht durch die Form der Windungen und die tief ausgezeichnete Naht zu
unterscheiden. Die Exemplare sind in ihren Verhältnissen unbedeutend
verschieden. Diese Art wurde nicht von Herrn DARWIN erhalten, sondern
ist aus der Sammlung der Geologischen Gesellschaft.


1. _Cochlicopa subplicata_ G. SOWERBY.

_Testa oblonga, subacuminato-pyramidali, apice obtuso, anfractibus novem
laevibus, postice subplicatis, sutura crenulata; apertura ovata, postice
acuta, labio externo tenui; columella obsolete subtruncata; umbilico
minimo: long. 0,93, lat. 0,28 poll._

Diese und die folgende Art werden zu FÉRUSSAC's Subgenus _Cochlicopa_
gebracht, weil sie äuszerst nahe mit seiner _Cochlicopa folliculus_
verwandt sind. Als Species sind sie indessen vollkommen distinct; sie
sind viel gröszer und nicht glänzend und glatt wie _C. folliculus_,
welche Art im Süden von Europa und auf Madeira gefunden wird. Einige
sehr junge Schalen und ein Ei wurden gefunden, welche, wie ich glaube,
zu dieser Species gehören.


2. _Cochlicopa terebellum_ G. SOWERBY.

_Testa oblonga, cylindraceo-pyramidali, apice obtusiusculo, anfractibus
septenis, laevibus; sutura postice crenulata; apertura ovali, postice
acuta, labio externo tenui, antice declivi; columella obsolete truncata,
umbilico minimo: long. 0,77, lat. 0,25 poll._

Diese Art weicht von der letzteren darin ab, dasz sie cylindrischer und,
im ganz erwachsenen Zustande, nahezu frei von den stumpfen Falten der
hinteren Windungen ist; auch ist die Form der Öffnung verschieden. Die
jungen Schalen dieser Art sind längsweise gestreift und haben sehr
obsolete längslaufende Falten.


1. _Helix bilamellata_ G. SOWERBY.

_Testa orbiculato-depressa, spira plana, anfractibus senis, ultimo
subtus ventricoso, superne angulari; umbilico parvo; apertura
semilunari, superne extus angulata, labio externo tenui; interno plicis
duabus spiralibus, postica majori: long. 0,15, lat. 0,33 poll._

Die jungen Schalen dieser Species haben sehr verschiedene
Maszverhältnisse von den vorstehend angegebenen, ihre Axe ist nahezu so
grosz wie ihre Breite. Das gröszte Exemplar ist weisz, mit
unregelmäszigen rostrothen Strahlen. Dies ist sehr verschieden von
irgend einer bekannten recenten Species, obschon es mehrere gibt, mit
welcher sie eine gewisse Analogie zu haben scheint, wie _Helix
epistylium_ oder _Cookiana_ und _H. gularis_; bei diesen beiden sind
indessen die inneren spiralen Falten innerhalb der äuszeren Schalenwand
und nicht auf die innere Lamelle gebracht, wie bei _H. bilamellata_. Es
gibt noch eine andere lebende Species, welche etwas analog zu dieser
sich verhält; sie ist bis jetzt unbeschrieben und weicht von der
vorliegenden und von _H. Cookiana_ in dem Umstände ab, dasz sie vier
innere spirale Falten besitzt, von denen zwei auf der äuszeren, und zwei
auf der inneren Schalenwand stehen; sie ist vom >Beagle< von Tahiti
mitgebracht worden.


2. _Helix polyodon_ G. SOWERBY.

_Testa orbiculato-subdepressa, anfractibus sex, rotundatis, striatis;
apertura semilunari, labio interno plicis tribus spiralibus, posticis
gradatim majoribus, extento intus dentibus quinque instructo; umbilico
mediocri: long. 0,07, lat. 0,15 poll._

Diese ist etwas mit _Helix contorta_ DE FÉRUSSAC, Moll. terr. et fluv.
Tab. 51 A. Fig. 2, verwandt, weicht aber von ihr in mehreren
Einzelnheiten ab.


3. _Helix spurca_ G. SOWERBY.

_Testa suborbiculari, spira subconoidea, obtusa; anfractibus quatuor
tumidis, substriatis; apertum magna, peritremate tenui; umbilico parvo,
profundo; long. 0,1, lat. 0,13 poll._

Die Art ist von _Helix polyodon_ leicht durch ihre weite, zahnlose
Mündung zu unterscheiden.


4. _Helix biplicata_ H. SOWERBY.

_Testa orbiculato-depressa, anfractibus quinque rotundatis, striatis;
apertura semilunari, labio interno plicis duabus spiralibus, postica
majori; umbilico magno: long. 0,04, lat. 0,1 poll._

Diese Art musz wegen ihrer Form für vollkommen verschieden von _Helix
bilamellata_ gehalten werden; ihr Nabel ist viel gröszer, ihre Spira ist
nicht glatt, auch ist der hintere Rand jeder Windung nicht winklig. Es
gibt Exemplare, welche zu dieser Species gerechnet werden müssen, die
mit der vorhergehenden Art und mit der _Cochlogena fossilis_ in dem
neueren kalkigen Sandstein gefunden wurden, welche letztere Art in
Gesellschaft einer lebenden _Succinea_ war.


Palaeozoische Muscheln von Van Diemen's Land,

erwähnt auf p. 141 des vorliegenden Bandes.


1. _Productus rugatus_.

Dies ist wahrscheinlich dieselbe Species wie die von PHILLIPS _Productus
rugatus_ genannte (Geology of Yorkshire, Part II, Plate VII, Fig. 16):
sie findet sich indessen in einem zu unvollkommenen Zustande, um mir
eine positive Entscheidung zu gestatten.


2. _Productus brachythaerus_ G. SOWERBY.

_Productus, testa subtrapeziformi, compressa, parte antica latiori,
subbiloba, postica angustiori, linea cardinali brevi._

Die merkwürdigsten Charactere dieser Species sind: die Kürze der
Schloszlinie und die vergleichsweise Breite des vorderen Theils: ihre
Auszenseite ist mit kleinen, stumpfen Tuberkeln, die unregelmäszig
vertheilt sind, verziert; sie findet sich in Kalkstein von der
gewöhnlichen grauen Farbe des Bergkalksteins. Ein anderes Exemplar,
welches, wie ich vermuthe, ein Abdruck der Innenseite der flachen Schale
ist, liegt in einem Steine von einer hellen, rostbraunen Farbe. Es ist
noch ein drittes Exemplar vorhanden, welches ich für einen Abdruck der
Innenseite der tiefen Schale halte, in einem sehr ähnlichen Stein, in
Gesellschaft anderer Muscheln.


1. _Spirifer subradiatus_ G. SOWERBY.

_Spirifer, testa laevissima, parte mediana lata, radiis lateralibus
utriusque lateris paucis, inconspicuis._

Die Breite dieser Muschel ist eher gröszer als ihre Länge. Die Strahlen
der seitlichen Flächen sind sehr wenig und undeutlich und der mittlere
Lappen ist ungewöhnlich grosz und breit.


2. _Spirifer rotundatus_? PHILLIPS, Geology of Yorkshire.

Pl. IX. Fig. 17.

Obgleich diese Muschel nicht genau den hier angezogenen Figuren gleicht,
so dürfte es doch unmöglich sein, einen irgend gut unterscheidenden
Character aufzufinden. Unser Exemplar ist bedeutend verkrümmt; es ist
überdies ein Beispiel von jener Art zufälliger Abweichung, welche darauf
hinweist, wie wenig man sich in manchen Fällen auf besondere Charactere
verlassen darf; denn die strahlenförmigen Rippen auf der einen Seite der
einen Schale sind viel zahlreicher und dichter als die auf der andern
Seite der nämlichen Schale.


3. _Spirifer trapezoidalis_ G. SOWERBY.

_Spirifer, testa subtetragona, mediana parte profunda, radiis nonnullis,
subinconspicuis; radiis lateralibus utriusque lateris septem ad octo
distinctis: long. 1,5, lat. 2,0 poll._

Es sind zwei Exemplare dieser Art vorhanden in einem dunklen, rostigen,
grauen Kalkstein, wahrscheinlich bituminöser Natur.


_Spirifer trapezoidalis_ var.? G. SOWERBY.

_Spirifer, testa radiis lateralibus tripartitim divisis, lineis
incrementi antiquatis, caeteroquin omnino ad Spiriferum trapezoidalem
simillima._

Anfangs zögerte ich, diese Form mit _Spirifer trapezoidalis_ zu
vereinigen; da ich aber beobachtete, dasz am Anfang die strahlenförmigen
Rippen einfach waren, und ich weisz, dasz dieselben Abänderungen
unterworfen sind, habe ich es für das beste gehalten, dies Exemplar als
blosze Varietät zu unterscheiden.

       *       *       *       *       *

Es finden sich noch mehrere andere, wahrscheinlich distincte Species von
_Spirifer_, da es aber nur Abgüsse sind, so ist es augenfällig
unmöglich, die äuszeren Charactere der Species anzugeben. Da sie
indessen sehr merkwürdig sind, habe ich es für rathsam gehalten, einer
jeder Form einen Namen und eine kurze Beschreibung zu geben.


4. _Spirifer paucicostatus_ G. SOWERBY.

Die Länge ungefähr gleich zwei Dritteln der Breite; Rippen wenig und
variabel.


5. _Spirifer vespertilio_ G. SOWERBY.

Breite mehr als doppelt so grosz wie die Länge, die strahlenförmigen
Rippen grosz, distinct und nicht zahlreich; hintere innere Fläche mit
deutlicher Punktirung in beiden Schalen bedeckt.


6. _Spirifer avicula_ G. SOWERBY.

Die Maszverhältnisse dieser Species sind sehr merkwürdig, insofern sie
nahezu dreimal so breit wie lang gewesen zu sein scheint; die
strahlenförmigen Rippen sind nicht sehr zahlreich und die innere hintere
Fläche der einen Schale allein (der groszen Schale) ist punktirt
gewesen. In ihren Proportionen ist sie dem _Spirifer convolutus_
PHILLIPS[141] ähnlich, da aber unser _Sp. avicula_ nur ein Abgusz der
Innenseite ist, so sind seine Proportionen nicht so abnorm wie die von
_Sp. convolutus_.

Ein Exemplar, welches sehr stark aus seiner natürlichen Gestalt
herausgedrückt ist, welches aber trotzdem etwas in seinen Proportionen
verschieden zu sein scheint, zeigt nicht blosz den Abgusz der
Innenseite, sondern auch den Eindruck der Auszenseite; seine
strahlenförmigen Rippen sind sehr unregelmäszig und zahlreich; es musz
aber noch für zweifelhaft angesehen werden, ob einige von ihnen nicht
Hauptrippen, andere nur interstitielle sind; ihre Unregelmäszigkeit
macht es unmöglich, dies zu unterscheiden.

[141] Geology of Yorkshire, Part II, Pl. IX. Fig. 7.



Beschreibung von sechs Species von Corallen aus der palaeozoischen
Formation von Van Diemen's Land

von W. Lonsdale.


1. _Stenopora Tasmaniensis_ sp. n.[142]

_Verzweigt, die Zweige cylindrisch, verschieden geneigt oder
zusammengedreht; Röhren mehr oder weniger divergirend; Mündungen oval,
die Abtheilungsleisten stark tuberculirt; Andeutungen successiver
Verengerung an jeder Röhre 1-2._

Diese Coralle ist in ihrer allgemeinen Wachsthumsweise der _Calamopora
(Stenopora?) tumida_ (PHILLIPS, Geol. Yorkshire, Part. II, Pl. I. Fig.
62) ähnlich; in der Form der Mündung und andern Structureinzelnheiten
sind die Verschiedenheiten sehr grosz. _Stenopora Tasmaniensis_ erlangt
beträchtliche Dimensionen, ein Exemplar miszt 4½ Zoll in der Länge
und einen halben Zoll im Durchmesser.

Die Zweige haben individuell genommen eine grosze Gleichförmigkeit in
ihrem Umfange, sie weichen aber in Bezug auf einander an einem und
demselben Exemplar ab; es besteht auch keine bestimmte Methode der
Vertheilung oder der Wachsthumsrichtung. Die Enden sind gelegentlich
hohl; und ein Exemplar, ungefähr 1½; Zoll lang und einen halben Zoll
breit, ist vollständig platt gedrückt. Die Röhren haben in den am besten
erkennbaren Fällen eine beträchtliche Länge, sie entspringen beinahe
allein von der Axe des Zweiges und divergiren sehr leicht, bis sie
nahezu den Umfang erreichen, wo sie dann nach auszen biegen. Im Körper
des Zweiges sind die Röhren vom seitlichen Aneinanderdrücken winklig;
beim Annähern an die äuszere Fläche werden sie aber oval in Folge der
nun durch die gröszere Divergenz auftretenden Zwischenräume. Ihr
Durchmesser ist durchaus sehr gleichförmig, mit Ausnahme der
Verengerungen in der Nähe der Enden der vollständig ausgewachsenen
Röhren. Die Wandungen im Innern der Zweige waren augenscheinlich sehr
dünn, es findet sich aber eine verhältnismäszig beträchtliche
Mächtigkeit an Substanz am Umfang. Es wurden keine Spuren von queren
Scheidewänden innerhalb der Röhren bemerkt.

Erläuternde Fälle von Veränderungen bis zur Reife und endlichen
Obliteration in den ovalen Enden der Röhren sind selten; doch wurden die
folgenden beobachtet. Wo die Mündung frei und oval wird, sind die
Wandungen dünn und scharf, und innerhalb der Röhre senkrecht. In einigen
Fällen stehen sie mit einander in Berührung; aber in andern werden sie
durch Gruben von schwankenden Dimensionen getrennt, in denen sehr
minutiöse Löcher oder Poren nachgewiesen werden können. In dem Masze,
wie sich die Mündung der Reife nähert, werden die Gruben mehr oder
weniger ausgefüllt und die Wandungen verdicken sich, wobei eine Reihe
sehr minutiöser Tuberkeln dem Rande entlang nachzuweisen ist. Auf dieser
Stufe hört die Innenseite der Röhre auf, senkrecht zu sein, indem sie
von einem sehr schmalen geneigten Streifen ausgekleidet wird. Die reifen
Mündungen sind durch eine steile Leiste von einander getrennt, die meist
einfach, aber nicht selten durch eine Grube getheilt ist; die doppelte,
ebenso gut wie die einfache Leiste wird von einer Reihe vorspringender
Tuberkeln gekrönt, die sich beinahe einander berühren. Nur ein Beispiel
des Erfülltwerdens der Mündung ist beobachtet worden; es gibt aber
genügende Beweise für eine allmähliche Ausdehnung des innern, vorhin
erwähnten Streifens und für dessen endliche Begegnung in der Mitte. In
diesem extremen Zustande findet ein allgemeines Verwischen der Details
statt, doch sind meistens die Tuberkeln deutlich.

In dieser Species werden Beweise für eine, der Bildung der vollkommenen
Röhren vorausgehende Verengerung der Mündungen und die endliche
Zusammenziehung an den langen cylindrischen, geraden Zweigen nicht sehr
ausgeprägt dargeboten; aber in der Nähe des Punktes, wo die Röhren nach
auszen biegen, findet sich eine ringförmige Indentation, welche
hintereinander von Abgusz zu Abgusz in einer linearen, der Oberfläche
parallelen Richtung verfolgt werden kann; und zwischen dem auffallenden
Verengern und der vollkommenen Oberfläche waren die Wandungen der Röhren
leicht runzlig. An einem andern kurzen Zweige, welcher als zu dieser
Species gehörig angenommen wurde, an welchem aber die Röhren sehr rapid
nach auszen divergirten, ist das Verengern scharf ausgesprochen, aber
nicht in gleicher Ausdehnung am ganzen Exemplar.

Die Grundmasse, in welcher dies Fossil eingeschlossen ist, ist ein
grober kalkiger Schiefer oder ein grauer Kalkstein; es kommt darin auch
_Fenestella internata_ etc. vor.


2. _Stenopora ovata_ sp. n.

_Verzweigt, Zweige oval; Röhren verhältnismäszig kurz, Divergenz
bedeutend; Mündungen rund; Contracturen oder Unregelmäszigkeiten im
Wachsthum zahlreich._

Die Charactere dieser Species sind nur sehr unvollkommen ermittelt
worden. Die Zweige sind nicht gleichförmig oval, selbst in dem,
augenscheinlich nämlichen Fragment. Die Röhren divergirten schnell der
Linie der gröszeren Axe entlang und hatten nur ein beschränktes
verticales Wachsthum. Ihre Abgüsse bieten eine schnelle Aufeinanderfolge
von Unregelmäszigkeiten der Entwickelung dar. Die Mündungen waren, so
weit dies ermittelt werden konnte, rund oder leicht oval und die
theilenden, tuberculirten Leisten scharf; aber in Folge des Umstands,
dasz ihre äuszeren Flächen nicht exponirt waren, konnten ihre
vollständigen Charactere und die vom Wachsthum abhängenden Veränderungen
nicht ermittelt werden.

Die Coralle ist in einem dunklen grauen Kalkstein eingeschlossen.


1. _Fenestella ampla_ sp. n.

_Becherförmig; zellentragende Oberfläche innen; Zweige dichotom, breit,
platt, dünn; Maschen oval; Zellenreihen zahlreich, selten auf zwei,
abwechselnd stehende beschränkt; quere verbindende Fortsätze zuweilen
zellig; innere Lage der nicht-zelligen Oberfläche sehr fasrig; äuszere
Lage sehr körnig, nicht fasrig; knospentragendes Bläschen? klein._

Einige der Abdrücke dieser Coralle haben eine allgemeine Ähnlichkeit mit
_Fenestella polyporata_, wie sie in Capitain PORTLOCK's Report on the
Geology of Londonderry, Pl. XXII. A. Fig. 1.a und 1.d. dargestellt ist;
es findet sich aber keine Übereinstimmung zwischen dem Fossil von Van
Diemen's Land und der Structur jener Species, wie sie auf Pl. XXII, Fig.
3 desselben Werkes, oder in PHILLIPS' Originalfiguren, Geology of
Yorkshire, Part II, Pl. I. Fig. 19, 20 gegeben ist. Eine allgemeine
Ähnlichkeit besteht auch zwischen _Fenestella ampla_ und einer Coralle,
welche MURCHISON von dem Kohlenkalkstein von Kossatchi Datschi am
östlichen Abhange der Ural-Gebirge erhalten hat; und doch besteht
wiederum eine ausgesprochene Verschiedenheit in Structureinzelnheiten.

_Fenestella ampla_ erreichte beträchtliche Dimensionen, Fragmente, wie
es den Anschein hatte, von einem Exemplar bedeckten eine Fläche von
4½ bei 3 Zoll; sie bietet auch eine beträchtliche Massivheit des
Umrisses dar; die Zweige hatten an den Punkten, wo sie sich dichotomisch
theilten, häufig mehr als ein Zehntel Zoll in der Breite.

In der allgemeinen Erscheinung dieser Coralle herrscht eine
beträchtliche Gleichförmigkeit vor; aber die Zweige variiren in der
Breite, sie schwellen in der Nähe der Bifurcationen bedeutend an;
nichtsdestoweniger besteht kein ausgeprägter Unterschied im Character
zwischen der Basis und dem oberen Theile des Bechers, selbst in der Zahl
der Zellenreihen.

Im besterhaltenen Zustande der zelligen Oberfläche, welcher beobachtet
worden ist, sind die Zellenmündungen relativ grosz, rund oder oval, und
werden von einem leicht erhobenen Rande bestimmt; eine wellenförmige,
fadenartige Leiste windet sich zwischen ihnen hin und theilt die
Zwischenräume in biscuitförmige Felder. Die unmittelbar der Bifurcation
vorausgehenden Zellenreihen erheben sich zuweilen bis zu zehn, und sind
nach der Trennung meist mehr als zwei. Die Mündungen der seitlichen
Reihen springen in die Maschen vor; auch sind zuweilen die queren
verbindenden Fortsätze zellig. Die Zwischenräume zwischen den Mündungen,
ebenso wie die wellenförmigen Leisten, sind granulirt oder sehr minutiös
tuberculirt. Innerlich bieten die Zellen die gewöhnliche schräge
Anordnung dar, sie liegen übereinander und endigen gegen den dorsalen
Theil des Zweiges plötzlich. Die vollkommenen Abgüsse der zelligen
Oberfläche geben das Umgekehrte der eben angeführten Charactere, aber
noch gewöhnlicher entfalten der Eindrücke kaum eine Spur von irgend
einer anderen Structur als longitudinale Reihen kreisförmiger Mündungen.

Auf der inneren Lage der nicht-zelligen Oberfläche lassen sich zuweilen
zwanzig gut ausgeprägte parallele Fasern mit zwischenliegenden schmalen
Gruben oder entsprechende Abgüsse nachweisen, und ist deren Zahl immer
beträchtlich. Die Erhaltungsart gestattete nicht, die wahre Natur der
Fasern zu ermitteln, aber nach dem, was bei andern Species entdeckt
worden ist, ist zu schlieszen, dasz sie röhrig sind. Ihre
Verbreitungsstrecke ist beträchtlich; in dem Exemplar aber, welches ihre
Structur am vollständigsten darbietet, sind sie häufig mit kreisförmigen
Löchern abgeschnitten. Ihre vollkommene Oberfläche ist minutiös gekörnt.
Die äuszere Schicht oder der Rücken der Zweige wird aus einer
gleichförmigen Rinde ohne irgend welche Andeutungen von Fasern gebildet,
sie wird aber von zahlreichen mikroskopischen Papillen bedeckt mit
entsprechenden, die Substanz der Schicht durchbohrenden Poren.

Die einzigen Andeutungen knospentragender Bläschen sind kleine
kreisförmige Gruben, welche gelegentlich oberhalb der Mündung liegen und
in ihrer Lage mit den Bläschen übereinstimmen, welche bei andern
zelligen Gattungen als knospentragend betrachtet worden sind. An dem
vorhin erwähnten russischen Exemplar sind ähnliche Gruben sehr
gleichförmig zwischen den Abgüssen der Mündungen vertheilt.

Der jüngste Zustand der Coralle ist nicht beobachtet worden, ebensowenig
irgend welche vom Alter bedingte ausgeprägte Veränderungen, ausgenommen
die allmähliche Verdickung der nicht-zelligen Oberfläche durch das
Bekleidetwerden mit der fasrigen Schicht.

Die Grundmasse der Exemplare ist ein dunkelgrauer splinteriger oder ein
erdiger Kalkstein.


2. _Fenestella internata_ sp. n.

_Becherförmig; zellentragende Fläche innen; Zweige dichotom, comprimirt,
Breite variabel; Maschen oblong, schmal; Zellenreihen 2-5 durch
longitudinale Leisten getheilt; quere verbindende Fortsätze kurz, ohne
Zellen; nicht-zellige Fläche mit scharf fibröser innerer und minutiös
granulirter äuszerer Lage._

Durch die Zartheit ihrer Structur ist diese Species leicht von
_Fenestella ampla_ zu unterscheiden; und darin, dasz die Zellenreihen
von zwei zu fünf schwanken, ebenso in ihrer Entwickelungsweise ergeben
sich noch weitere scharf ausgeprägte Verschiedenheiten. Sie scheint
beträchtliche Dimensionen erreicht zu haben; es sind Fragmente von
anderthalb Zoll Länge und einem Zoll Breite beobachtet worden.

Die Zweige schwanken in ihrer Breite, sie schwellen allmählich nach den
Bifurcationsstellen zu an, aber ohne irgend eine Änderung in der Form
oder Grösze der Maschen; und so weit es der Zustand der Exemplare
gestattet, eine Ansicht zu bilden, kamen auch während der Entwickelung
des Bechers keine ausgeprägten Veränderungen vor, mit Ausnahme einer
sofort zu erwähnenden. Auf der zellentragenden Oberfläche der Zweige
finden beträchtliche, aber gleichförmige Änderungen zwischen den
aufeinanderfolgenden Gabeltheilungen statt. Für eine kurze Strecke
oberhalb des Trennungspunktes ist der Zweig schmal und eckig, und wird
dem Centrum entlang von einer Leiste durchsetzt; auch findet sich nur
eine Reihe von Zellenmündungen auf jeder Seite. In dem Masze als der
Zweig wuchs, verbreiterte sich die Leiste und wurde schlieszlich
zellentragend, indem nun eine Reihe von Mündungen von ihrer Stelle aus
entspringen (_internata_). Die drei Züge zelliger Mündungen waren auf
diesem Wachsthumszustande des Zweiges durch zwei Leisten getrennt und
diese wiederum verbreiteten sich in dem Masze als die Entwickelung
fortschritt, und wurden zellentragend, so dasz nun fünf Zellenreihen
durch vier Leisten getrennt sind. Dies ist augenscheinlich der äuszerste
Wachsthumszustand, der erreicht wird; unmittelbar hinter ihm findet eine
andere Bifurcation statt. An dem zu ältest gebildeten Theile des Bechers
herrschen nur zwei oder drei Reihen Zellen vor; und wo die Zahl gröszer
ist, ist auch ein gewisser Grad von Unregelmäszigkeit in der linearen
Anordnung bemerkbar, welche von einer seitlichen Verbreiterung des
Zweiges herrührt.

An den besterhaltenen Exemplaren sind die Mündungen relativ grosz, rund
oder oval, und der Rand ist unbedeutend erhoben. In den mittleren Reihen
sind sie parallel oder nahezu parallel und liegen in der Richtung der
Axe des Zweiges; aber in den seitlichen Reihen sind sie oft schräg
gestellt und neigen nach den Maschen. Bei diesen nahezu vollkommenen
Exemplaren sind die trennenden Leisten fadenartig und leicht
wellenförmig, es findet sich aber keine Spur von den biscuitförmigen
Abtheilungen, welche bei _Fenestella ampla_ so deutlich sind. Die
Zwischenräume zwischen den Mündungen sind platt oder leicht convex. In
weniger schön erhaltenen Exemplaren oder solchen, welche ihrer
ursprünglichen Oberfläche beraubt sind, sind die Mündungen nicht
gleichförmig im Umrisz und haben keinen vorspringenden Rand. Auch sind
die theilenden Leisten verhältnismäszig breiter; und die ganze
Oberfläche mit Einschlusz der queren verbindenden Fortsätze ist
granulirt oder minutiös tuberculirt.

Die innere Lage der nichtzelligen Fläche ist scharf faserig, und die
nämliche Structur läszt sich mehr oder weniger deutlich an den queren
verbindenden Fortsätzen erkennen. Die Anzahl der Fasern an den Zweigen
überschreitet dem Anscheine nach nicht zwölf, sie sind im Allgemeinen
weniger zahlreich. Ihre Verbreitung ist beträchtlich, da stets frische
eingeschalten werden, wo sich der Zweig verbreitert; ihre Oberfläche ist
minutiös tuberculirt. Es wurden keine besonderen kreisförmigen Löcher
bemerkt. Die äuszere Schicht ist gleichförmig körnig, wo sie vollständig
ist, aber man kann an jedem Exemplar jeden intermediären Zustand von den
scharfen Fasern an verfolgen.

Es wurden keine deutlichen Beweise für das Vorhandensein
knospentragender Bläschen beobachtet; aber an einem Exemplar, von
welchem anzunehmen war, dasz es Eindrücke dieser Species enthielt, waren
gelegentlich in der Nähe der Mündungen halbkuglige Abgüsse zu entdecken,
welche an der Oberfläche vollkommen abgerundet und offenbar ohne
unmittelbaren Zusammenhang mit dem Innern der Zellen waren und von
denen vermuthet wurde, dasz sie diese Bläschen darstellen. _Fenestella
internata_ scheint ein auszerordentlich reichlich vorkommendes Fossil zu
sein; eine nahezu acht Zoll lange und sechs Zoll breite Platte war auf
beiden Seiten mit Fragmenten davon bedeckt, und zahlreiche kleinere
Exemplare kommen noch in der Sammlung vor. Die Matrix ist hauptsächlich
ein grober, grauer, kalkiger Schiefer, ist aber zuweilen ein
splinterigor Kalkstein, oder ein harter, rostfarbener oder hell
gefärbter Thonstein.


3. _Fenestella fossula_ sp. n.

_Becherförmig; zellentragende Oberfläche innen; Zweige dichotom,
schlank; Maschen oval; zwei Reihen von Zellen; quere Fortsätze nicht
zellig; innere Lage der nichtzellentragenden Fläche minutiös fasrig,
äuszere Lage glatt oder granuliert._

Im allgemeinen Ansehen und in Structureinzelnheiten hat diese Species
eine grosze Ähnlichkeit mit _Fenestella flustracea_ des englischen
Zechsteins (magnesian limestone) (_Retepora flustracea_, Geolog.
Transact. 2. Ser., Vol. III, Pl. XII. Fig. 8); sie weicht aber von ihr
in dem eigenthümlichen, am Abgusz der zellentragenden Fläche sich
darbietenden Character ab, dessen Natur bei Schilderung jener Fläche
erwähnt werden wird.

Das hauptsächliche Exemplar ist ein nahezu vollständiger Becher von
1½ Zoll Höhe, ungefähr zwei Zoll quer über den breitesten
comprimirten Theil messend. Es finden sich keine ausgeprägten
Abweichungen des Characters, aber gelegentlich Unregelmäszigkeiten des
Wachsthums, welche augenscheinlich Folge von, während der
fortschreitenden Entwickelung eintretenden Zufälligkeiten sind.

Die folgenden Einzelnheiten sind Abdrücken entnommen, indem keine
vollkommene Oberfläche beobachtet wurde. -- Die Zweige hatten grosze
Gleichförmigkeit der Dimensionen, sie schwollen an den abliegenden
Punkten der Bifurcation nur sehr unbedeutend an und ihre Dicke war allem
Anscheine nach ihrer Breite nahezu gleich. Der Abgusz der
zellentragenden Fläche wird der Mitte entlang von einer scharfen
schmalen Furche (_fossula_) durchzogen mit nahezu verticalen Seiten;
dies ist der unterscheidende Character zwischen dieser Species und
_Fenestella flustracea_. Die cylindrischen Abgüsse der Mündungen oder
des Innern der Zellen sind auf jeder Seite der Furche in einer einfachen
Reihe angeordnet, und an den Bifurcationen ist keine Zahlenzunahme
deutlich wahrnehmbar. Der Mitte der Furche entlang findet sich eine
Reihe von Indentationen oder minutiösen conischen Grübchen, ein bei
andern Species zu bemerkender Character, besonders bei _Fen.
flustracea_. Sie sind ganz offenbar nicht Abgüsse zelliger Mündungen,
sondern solche verhältnismäszig groszer Papillen. Spuren derartiger
Vorsprünge sind auch in mehreren andern Fällen beobachtet worden.

Die Mündungen der Zellen an dem äuszerst kleinen Fragment, welches
solche darbietend erlangt wurde, sind grosz, rund, unbedeutend
vorspringend und nicht sehr weit auseinanderliegend; an demselben
kleinen Stück findet sich auch ein unvollkommener Kiel. Die Reste der
nichtzelligen Fläche bieten keine Merkmale dar, welche einer Erwähnung
verdienten; doch sind Andeutungen einer gestreiften und einer glatten
Lage beobachtet worden.

Die zwei Exemplare, welche diese Structureinzelnheiten darboten, hatten
eine Matrix von dunkelfarbigem, hartem Kalkstein.


_Hemitrypa sexangula_ n. sp.

_Netzwerk fein, sechseckig; Maschen rund in doppelten Reihen._

Die Coralle, auf welche die vorstehende ungenügende Characteristik
angewendet wird, ist in der schieferigen Oberfläche eines dunklen harten
Kalksteins eingeschlossen. Sie ist ungefähr einen Zoll breit und einen
halben Zoll lang, und besteht aus zwei Schichten von Netzwerk, -- die
eine bietet viereckige, die andere sechseckige Maschen dar mit einem
runden inneren Feld; und über einen beträchtlichen Theil des Exemplars
hin ist das viereckige Netzwerk entfernt worden, wodurch der
Zusammenhang der beiden Bildungen vollkommen dem Blicke dargeboten wird.

Ich glaube, dasz dies Fossil in seinen wesentlichen generischen
Merkmalen vollständig mit denen von _Hemitrypa_ übereinstimmt (Pal.
Foss. Cornwall, p. 27); aber sein Erhaltungszustand und einige
Erleichterung, welche dieser der Ermittelung von Structurdetail darbot,
haben mich zu dem Schlusse geführt, dasz seine Natur von der im eben
erwähnten Werke geschilderten in etwas verschieden ist.

Die innere Oberfläche von _Hemitrypa oculata_ (a. a. O.) wird als »mit
strahlenförmigen Leisten gezeichnet« beschrieben, zwischen denen »ovale
Vertiefungen liegen, welche nur halb durch die Substanz der Coralle
durchdringen und nirgends die äuszere Oberfläche erreichen.« Die genau
entsprechende Partie des Exemplars von Van Diemen's Land stimmt
vollkommen mit dieser Angabe überein, ausgenommen in der Form der
Maschen oder Vertiefungen; es ist aber nicht blosz »wie einige
_Fenestellae_«, sondern es besitzt alle wesentlichen Charactere jener
Gattung und ist für ein Fragment von _Fen. fossula_ zu halten. Diese
Folgerung wird von einer minutiösen, mechanisch abgelösten Partie
hergeleitet, welche eine Reihe groszer, runder, vorspringender
Zellenmündungen darbot. Die äuszere Oberfläche der _Hemitrypa oculata_
wird beschrieben als »gänzlich mit zahlreichen runden Poren oder Zellen
bedeckt«, -- »zu doppelten Reihen verbunden«, und an der entsprechenden
Partie von _Hem. sexangula_ ist ermittelt worden, dasz sie gleichfalls
aus einer ähnlichen Fläche mit doppelten Reihen runder Maschen oder
»Poren« besteht, aber mit hexagonaler Begrenzung; und, wie es das
Exemplar in seinem in Stein eingeschlossenen Zustande darbietet, es
zeigt sich, dasz sie bis zur Oberfläche der _Fenestella_ oder dem
viereckigen Netzwerk durchdringen.

Diese Details halte ich für hinreichend, die generische Übereinstimmung
zwischen der Species von Van Diemen's Land und der _Hemitrypa oculata_
zu begründen; und es hat eine Untersuchung eines irländischen Exemplars
jener Gattung die von der »inneren Fläche« desjenigen Exemplars
dargebotenen Structurdetails ausführlich bestätigt, welchem provisorisch
der Name _Hemitrypa sexangula_ gegeben wird.

Über die wahre Natur des »äuszeren« Netzwerkes wage ich keine Meinung zu
äuszern. Es wird beinahe gänzlich aus dunkelgrauer, kalkiger Substanz
gebildet, welche allem Anscheine nach eine ursprünglich zellige Structur
ausfüllt; es sind aber auch noch einige wenige Flecke der äuszeren
Bedeckung da, welche aus einer opaken weiszen Rinde auf der Fläche
besteht, die ursprünglich mit dem äuszeren Netzwerk in Berührung war.
Daran, dasz es eine parasitische Bildung war, zweifele ich nur wenig;
die interessante Übereinstimmung zwischen dem von der doppelten Reihe
von Maschen eingenommenen Raume und dem der parallelen Zweige der
_Fenestella_ rührt dem Anscheine nach daher, dasz die letztere passende
Basallinien zur Anheftung darboten. In dem Exemplar von Van Diemen's
Land wird die Übereinstimmung noch durch eine vermehrte Breite in dem
Netzwerk und durch eine Reihe vorspringender Punkte ausgedrückt. Es
besteht auch eine merkwürdige Übereinstimmung zwischen der Anordnung der
Mündungen der _Fenestella_ und der Maschen des »inneren« Netzwerks.
Ähnliche Conformität werden von Mr. PHILLIPS' ausgezeichneten Figuren
dargeboten (Pal. Foss. Pl. XIII. Fig. 38).

Die soliden Partien der Structur sind äuszerst fein und sind dem Faden
der allerzartesten Spitzen ähnlich; Versuche, in zufriedenstellender
Weise innere Charactere zu entdecken, erwiesen sich erfolglos,
ausgenommen an einer Stelle, wo eine achtzollige Anordnung für erkennbar
erachtet wurde[143]. Auch über die Natur der überziehenden Kruste ist
nichts ermittelt worden.

Trotzdem gegen den Namen _Hemitrypa_ in seiner Anwendung auf die in Rede
stehenden Corallen Einwände erhoben werden können, habe ich es doch für
richtig gehalten, das Wort beizubehalten, bis die vollständigen
Charactere der Gattung ermittelt sein werden.

FALMOUTH, Januar 1844.

[142] Obgleich die Charactere dieser Gattung nicht veröffentlicht sind,
habe ich es doch für rathsam gehalten, sie nicht in dieser Notiz
ausführlich zu geben, da nur sehr wenig Species untersucht worden sind.
Die Coralle wird wesentlich aus einfachen, verschieden aggregirten und
nach auszen strahlenden Röhren zusammengesetzt. Die Mündung ist rund
oder oblong und wird von vorspringenden Wänden umgeben, welche dem Rande
entlang eine Reihe von Tuberkeln haben. Die ursprünglich ovale Mündung
wird allmählich verengt ([Griechisch: stenos]) durch einen von der inneren
Wand der Röhre vorspringenden Streifen und wird endlich geschlossen.

Kurz nach Erscheinen der 1. Auflage theilte mir Mr. ~Lonsdale~ mit, dasz
er glaube, diese Coralle sei zu der Gattung _Thamnopora_ von
~Steininger~ zu bringen.

[143] Eine Codrington-Lupe von einem halben Zoll Durchmesser wurde
ausnahmslos bei der Untersuchung der in dieser Notiz beschriebenen
Corallen benutzt.



Register.


    A.

    ~Abgüsse~, kalkige, von Zweigen, 148.

    ~Abel~, über kalkige Abgüsse vom Cap der Guten Hoffnung, 149.

    ~Abingdon-Insel~, 107.

    ~Abrolhos-Inseln~, Incrustationen auf den, 35.

    ~Adern im Trachyt~, 46;
      Jaspis --, 47.

    ~Albatros~, von St. Helena vertrieben, 93.

    ~Albemarle-Insel~, 106.

    ~Albit~ auf dem Galapagos-Archipel, 107.

    ~Amygdaloide Zellen~, halb erfüllt, 28.

    ~Amygdaloide~, kalkiger Ursprung, 15.

    ~Ascension~, 36;
      arborescirende Incrustation auf Felsen von --, 35;
      Fehlen von Trappgängen, Freisein von vulcanischer Thätigkeit
      und Zustand der Lavaströme, 94.

    ~Ascidien~, Aussterben von, 144, Anm.

    ~Atlantischer Ocean~, neuer vulcanischer Herd in ihm, 95, Anm.

    ~Augit~, geschmolzen, 114.

    ~Ausgeworfene Bruchstücke~ auf Ascension, 42;
      -- auf den Galapagos-Inseln, 113.

    ~Aussterben~ von Landschnecken auf St. Helena, 92.

    ~Austern~, Aussterben von, 144, Anm.

    ~Australien~, 133.

    ~Azoren~, 25.


    B.

    ~Bahia~ in Brasilien, Trappgänge bei, 126.

    ~Bailly~, über die Berge von Mauritius, 31.

    ~Bald Head~, 147.

    ~Bank's Cove~, 106, 110.

    ~Bare~, der, auf St. Helena, 78.

    ~Basalt~, specifisches Gewicht, 123;
      -- säulenförmiger, 10.

    ~Basaltische Küstenberge~ auf Mauritius, 30;
      auf St. Helena, 82;
      auf S. Jago, 18.

    ~Bennett~, über marine Fossilreste auf Huaheine, 29.

    ~Beudant~, über vulcanische Bomben, 39, 40;
      über Jaspis, 49, Anm.;
      über blättrigen Trachyt, 69, Anm.;
      über Obsidian in Ungarn, 65;
      über Kieselerde im Trachyt, 15, 49, Anm.

    ~Bermuda-Inseln~, kalkiges Gestein, 147, 149.

    ~Bimsstein~, fehlt auf dem Galapagos-Archipel, 117;
      blättrig, 67, 68, 70.

    ~Blättrige Beschaffenheit~ vulcanischer Gesteine, 67.

    ~Blei~, Trennung von Silber, 122.

    ~Blöcke~, erratische, fehlen in Australien und am Cap der Guten
      Hoffnung, 155;
      -- von Grünstein auf Neu-Seeland, 155.

    ~Bolus~, 142.

    ~Bomben~, vulcanische, 38.

    ~Bory de St. Vincent~, über vulcanische Bomben, 39.

    ~Brattle-Insel~, 112.

    ~Brewster~, Sir David, über kalkig-thierische Substanz, 56, Anm.;
      über zersetztes Glas, 135.

    ~Brown~, Robert, über ausgestorbene Pflanzen von Van Diemen's
      Land, 143;
      über sphärulitische Körper in verkieseltem Holze, 64.

    ~Bruchstücke~, ausgeworfene, auf Ascension, 42;
      auf dem Galapagos-Archipel, 113.

    ~Buch~, Leopold von, über cavernöse Laven, 106;
      über Central-Vulcane, 130;
      über Krystalle, die in Obsidian einsinken, 120;
      über blättrige Laven, 68;
      über Obsidianströme, 66;
      über Olivin in Basalt, 107;
      über oberflächliche kalkige Schichten auf den canarischen Inseln, 90.


    C.

    ~Cap der Guten Hoffnung~, 151.

    ~Carmichael~, Capt., über glasigen Ueberzug an Gängen, 79.

    _Cerithium_, fossil, 156.

    ~Chalcedon~, Kugeln, 143.

    ~Chalcedon~ in Basalt und verkieseltem Holz, 48.

    ~Chatham-Insel~, 101.

    ~Chlorophaeit~, 142, Anm.

    ~Clarke, W.~, über das Cap der Guten Hoffnung, 145, 151.

    _Cochlicopa_, fossile, 159.

    _Cochlogena auris-vulpina_, 92, 158.

    ~Comptes rendus~, Bericht über vulcanische Erscheinungen im
      atlantischen Ocean, 95, Anm.

    ~Concepcion~, Erdbeben von, 97, 131.

    ~Concretionen~, in wässrigen und plutonischen Gesteinen verglichen, 62;
      in Tuff, 49;
      von Obsidian, 62, 66.

    ~Conglomerat~, neueres, auf S. Jago, 23.

    ~Coquimbo~, merkwürdiges Gestein, 148, Anm.

    ~Corallen~, fossile, von Van Diemen's Land, 141, 164.

    ~Crater~, Segment eines --s auf den Galapagos, 112;
      groszer centraler -- auf St. Helena, 83;
      innere Schwellen und Brustwehren an --en, 84.

    ~Cratere~, basaltische, auf Ascension, 37;
      ihre Form durch die Passatwinde beeinfluszt, 37;
      Erhebungs- --, 95;
      von Tuff auf Terceira, 25;
      -- auf dem Galapagos-Archipel, 100, 103, 108, 111;
      ihr durchbrochener Zustand, 115;
      kleine basaltische -- auf S. Jago, 17;
      kleine -- auf dem Galapagos-Archipel, 104.


    D.

    ~Dartigues~, über Sphäruliten, 64.

    ~Daubeny~, über eine beckenförmige Insel, 111;
      über Fragmente im Trachyt, 45.

    ~D'Aubuisson~, über Berge aus Phonolith, 88;
      über die Zusammensetzung des Obsidian, 63;
      über die Blätterung des Thonschiefers, 68, Anm.

    ~De la Beche~, Sir Henry, über Magnesia in ausgeworfenem Kalke, 12;
      über das specifische Gewicht von Kalksteinen, 51.

    ~Denudation~ der Küste auf St. Helena, 94.

    ~Diana's Pik~ auf St. Helena, 85.

    ~Dieffenbach~, über die Chatham-Inseln, 128, 145.

    ~Dislocationen~ auf Ascension, 41;
      auf St. Helena, 80.

    ~Dolomieu~, über zersetzten Trachyt; 26, Anm.;
      über blättrige Lava, 68, 70-74;
      über Obsidian, 65, 66.

    ~Drée~, über das Einsinken von Krystallen in Lava, 121.

    ~Dufrénoy~, über die Zusammensetzung der Oberfläche gewisser
      Lavaströme, 67, 121;
      über die Neigung der Tuffschichten, 110.


    E.

    ~Eier~, von Vögeln auf St. Helena eingeschichtet, 91;
      von Schildkröten auf Ascension, 51.

    ~Eisenhaltige~ oberflächliche Schichten, 146.

    ~Élie de Beaumont~, über kreisförmige Senkungen in Lava, 105;
      über Trappgänge als Zeichen von Erhebung, 97;
      über die Neigung von Lavaströmen, 95;
      über blättrige Trappgänge, 72.

    ~Ellis, W.~, über schwellenartige Böschungen innerhalb des groszen
      Craters auf Hawaii, 84;
      über marine Fossilreste auf Tahiti, 29.

    ~Erhebung~, von St. Helena, 93;
      des Galapagos-Archipels, 118;
      von Van Diemen's Land, dem Cap der Guten Hoffnung, Neu-Seeland,
      Australien und Chatham-Insel, 144;
      der vulcanischen Inseln, 132.

    ~Erhebungs-Cratere~, 95.

    ~Eruptionsspalten~, 119, 129, 131.


    F.

    ~Faraday, M.~, über Ausstoszen von Kohlensäure-Gas, 7.

    ~Feldspath~, Schmelzbarkeit, 125;
      in strahligen Krystallen, 152;
      Labrador --, ausgeworfen, 43, Anm.

    ~Feldspathige Laven~, 20;
      auf St. Helena, 83;
      -- Gesteine mit Obsidian abwechselnd, 58;
      Blätterung und Ursprung, 67.

    _Fenestella_, fossile, 166.

    ~Fernando Noronha~, 24, 68.

    ~Fibröse~ kalkige Substanz auf S. Jago, 12.

    ~Fitton~, über kalkige Breccie, 150.

    ~Flagstaff Hill~ auf St. Helena, 78.

    ~Fleurian de Bellevue~, über Sphäruliten, 65.

    ~Flüssigkeit der Laven~, 106, 109.

    ~Forbes~, Jam. D., über die Structur der Gletscher, 72.

    ~Freshwater Bay~, 112, 120.

    ~Fuerteventura~, kalkige Schichten, 90.


    G.

    ~Galapagos-Archipel~, 100;
      Brustwehren rings um Cratere, 85.

    ~Gänge~, abgestutzte auf dem centralen craterförmigen Rücken in
      St. Helena, 84;
      auf St. Helena, Zahl derselben, von einer glänzenden Schicht
      überkleidet, gleichförmige Dicke, 79;
      grosze parallele -- auf St. Helena, 87;
      auf Ascension nicht beobachtet, 94;
      -- von Tuff, 103;
      von Trapp in der plutonischen Reihe, 126;
      Reste von --n, sich weit in's Meer erstreckend, rings um St.
      Helena, 94.

    ~Gasförmige~ Explosionen auf Ascension, 41.

    ~Gay Lussac~, über Ausstoszen von Kohlensäure-Gas, 7.

    ~Gewicht~, specifisches, von Lava, 120-128.

    ~Glasige Textur~, Ursprung derselben, 62.

    ~Gletscher~, ihre Structur, 72.

    ~Glimmer~, in abgerundeten Körnern, 3, 151, Anm.;
      Ursprung in metamorphischem Gestein, 153;
      strahlige Form von --, 151.

    _Glossopteris Brownii_, 134.

    ~Gneisz~, von Thonschiefer abgeleitet, 153;
      mit einem eingeschlossenen Fragment, 135.

    ~Gneiszgranit~, Form der Berge von, 146.

    ~Granit~, Verbindung mit Thonschiefer am Cap der Guten Hoffnung, 152.

    ~Granitische~ Bruchstücke ausgeworfen, 42, 113.

    ~Gyps~, auf Ascension, 55;
      in vulcanischen Schichten auf St. Helena, 77;
      auf der Bodenoberfläche ebenda, 89.


    H.

    ~Hall~, Sir James, über Ausstoszen von Kohlensäure-Gas, 7.

    ~Harzähnliche~ umgewandelte Schlacken, 8.

    _Helix_, fossile, 159.

    _Helix melo_, 148.

    _Hemitrypa_, fossile, 170.

    ~Hennah~, über Aschen auf Ascension, 35, Anm.

    ~Henslow~, über Chalcedon, 49.

    ~Hoffmann~, über zersetzte Trachyte, 26, Anm.

    ~Holland~, über Island, 98.

    ~Horner~, über eine kalkig-thierische Substanz, 56;
      über Schmelzbarkeit des Feldspaths, 125.

    ~Hubbard~, über Trappgänge, 129.

    ~Humboldt~, Alex. von, über ausgeworfene Gesteinsbruchstücke, 43, Anm.;
      über Obsidian-Formationen, 65, 67;
      über Brustwehren um Cratere, 85;
      über Sphäruliten, 69.

    ~Hutton~, über Amygdaloide, 15.

    ~Hyalith~ in zersetztem Trachyt, 26.


    I.

    ~James-Insel~, 108, 111, 119.

    ~Jaspis~, Ursprung des, 47.

    ~Incrustation~, auf St. Paul's Felsen, 34.

    ~Incrustationen~, kalkige, auf Ascension, 52.

    ~Inseln~, vulcanische, Verbreitung derselben, 128;
      ihre Erhebung, 131.

    ~Jonnès, Moreau de~, über Cratere von Winden beeinfluszt, 38.

    ~Island~, Schichten der circumferentiell gelegenen Berge, 98.

    ~Juan Fernandez~, 131.


    K.

    ~Kalkige~ Ablagerung auf S. Jago, durch Wärme afficirt, 5-7;
      fasrige Substanz in schlackigen Massen, 12;
      -- Incrustationen auf Ascension, 52;
      -- oberflächliche Schichten bei King George's Sound, 147.

    ~Kalkiger~ Baustein auf Ascension, 51;
      -- Sandstein auf St. Helena, 88.

    ~Keilhau~, über Granit, 153.

    ~Kicker~-Felsen, 104.

    ~Kieselerde~, aus Dampf abgesetzt, 26;
      grosze Proportion in Obsidian, 63, 66;
      specifisches Gewicht, 124.

    ~Kieseliger~ Sinter, 47.

    ~King George's Sound~, 146.

    ~Kohlensäure-Gas~, Ausstoszen von, durch Wärme, 7, 15.

    ~Kristallisation~ durch den Raum begünstigt, 71.


    L.

    ~Labrador-Feldspath~, ausgeworfen, 42.

    ~Landschnecken~, ausgestorben auf St. Helena, 91.

    ~Lanzarote~, Kalkschichten auf, 90.

    ~Lava~, Adhäsion an den Seiten einer Schlucht, 17, Anm.;
      feldspathige, 20;
      mit halb-amygdaloiden Zellen, 28.

    ~Lavaströme~, auf S. Jago verschmelzend, 17;
      Zusammensetzung der Oberfläche, 66;
      Verschiedenheiten im Zustande ihrer Oberfläche, 121;
      äuszerste Dünne, 113;
      auf dem Galapagos-Archipel zu Hügeln angehäuft, 106;
      ihre Flüssigkeit, 106, 108;
      mit unregelmäszigen Erhöhungen auf Ascension, 37.

    ~Laven~, ihr specifisches Gewicht, 120, 127.

    ~Lesson~, über Cratere auf Ascension, 37.

    ~Leucit~, 107.

    _Litorina_, fossile, 156.

    ~Lonsdale~, über fossile Corallen von Van Diemen's Land, 141, 164.

    ~Lot~, auf St. Helena, 87.

    ~Lyell~, Sir Charles, über Erhebungs-Cratere, 96;
      über eingeschlossene Schildkröteneier, 51, Anm.;
      über glänzende Ueberzüge auf Gängen, 79.


    M.

    ~Macaulay~, über kalkige Abgüsse auf Madeira, 149.

    ~Macculloch~, über ein Amygdaloid, 28, Anm.;
      über Chlorophaeit, 142;
      über blättrigen Pechstein, 67, Anm.

    ~Mackenzie~, Sir G., über cavernöse Lavaströme, 106;
      über glänzende Ueberzüge auf Gängen, 79;
      über Obsidianströme, 66;
      über Schichtung auf Island, 98.

    ~Madeira~, Kalkabgüsse auf, 149.

    ~Magazine~, Nautical, Bericht über vulcanische Erscheinungen
      im atlantischen Ocean, 95.

    ~Marekanit~, 62.

    ~Mauritius~, 29;
      Erhebungs-Cratere auf, 96.

    ~Miller~, über ausgeworfenen Labrador-Feldspath, 42, Anm.;
      über Quarzkrystalle in Obsidianschichten, 57.

    ~Mitchell~, Sir Thom., über vulcanische Bomben, 40;
      über die australischen Thäler, 138.

    ~Moreau de Jonnès~, über Cratere von Winden afficirt, 38.

    ~Muscheln~, Farbe vom Lichte beeinfluszt, 55;
      fossile -- von St. Helena, 158,
        von S. Jago, 156,
        von Van Diemen's Land, 141, 161;
        vom Winde angetriebene Stückchen auf St. Helena, 90.

    ~Muschlige~ Substanz von den Wellen abgesetzt, 54.


    N.

    ~Narborough-Insel~, 106.

    ~Nelson~, Lieut., über die Bermuda-Inseln, 147, 150.

    ~Neu-Caledonien~, 128.

    ~Neu-Seeland~, 145.

    ~Neu-Süd-Wales~, 133.

    ~New-Red-Sandstein~, discordante Parallelstructur, 137.

    ~Nulliporen~, fossile, Concretionen ähnlich, 4.


    O.

    ~Obsidian~, fehlt auf dem Galapagos-Archipel, 117;
      Bomben von --, 39, 40;
      Zusammensetzung und Ursprung, 63, 66;
      Feldspath-Krystalle sinken in -- ein, 120;
      seine Eruption aus hohen Crateren, 124;
      Uebergänge von Schichten in --, 56, 59;
      specifisches Gewicht, 121, 124.

    ~Obsidian-Ströme~, 66.

    ~Olivin~, auf S. Jago zersetzt, 19;
      auf Van Diemen's Land, 142;
      in den Laven des Galapagos-Archipels, 107.

    ~Oolithische~ Structur neuerer Kalkschichten auf St. Helena, 90.

    ~Otaheite~, 27.


    P.

    ~Pattinson~, über Trennung von Blei und Silber, 122.

    ~Pechstein~, 60;
      --gänge, 67.

    ~Perlstein~, 62.

    ~Peperino~, 103.

    ~Péron~, über kalkige Gesteine von Australien, 149, 151.

    ~Pflanzen~, ausgestorbene, in Travertin, 143.

    _Phaëton_, jetzt selten auf St. Helena, 93.

    ~Phonolith~, Berge von, 21, 24, 87;
      blättrig, 68;
      mit leichter schmelzbarer Hornblende, 125, Anm.

    ~Plutonische~ Gesteine, Scheidung der Bestandtheile nach dem
      Gewicht, 125.

    ~Ponza-Inseln~, blättrige Trachyte, 68.

    ~Porto Praya~, 1.

    ~Prevost~, Constant, über Seltenheit groszer Dislocationen auf
      vulcanischen Inseln, 80.

    _Productus_, 141, 161.

    ~Prosperous Hill~ auf St. Helena, 81.

    ~Puy de Dôme~, Trachyt von, 45, Anm.


    Q.

    ~Quail Island~, S. Jago, 3, 8, 10.

    ~Quarz~, Krystalle in mit Obsidian abwechselnden Schichten, 57;
      krystallisirt in Sandstein, 134;
      Schmelzbarkeit des --s, 125;
      --gestein durch metamorphische Wirkung mit erdiger Substanz
       gefleckt, 6.


    R.

    ~Red Hill~, 10, 11.

    ~Rio de Janeiro~, Gneisz von, 135.

    ~Robert~, über Schichten auf Island, 98.

    ~Rogers~, über gekrümmte Erhebungslinien, 129.


    S.

    ~Salsen~, mit Tuffcrateren verglichen, 115.

    ~Salz~, vom Meere abgesetzt, 55, Anm.;
      in vulcanischen Schichten, 55, 77;
      --seen in Crateren, 115.

    ~Sandstein~ in Brasilien, 154;
      am Cap der Guten Hoffnung, 154;
      --plateaus in Neu-Süd-Wales, 134, 155.

    ~S. Jago~, 1;
      Erhebungs-Cratere, 95;
      Wirkung kalkiger Substanz auf Lava, 102.

    ~St. Helena~, 75;
      Erhebungs-Cratere, 95.

    ~St. Paul's Felsen~, 33.

    ~Schlammströme~ auf dem Galapagos-Archipel, 109.

    ~Schluchten~, enge, auf S. Helena, 93.

    ~Schörl~, strahliger, 152, Anm.

    ~Schwefelsaurer~ Kalk auf Ascension, 55.

    ~Scrope~, über blättrigen Trachyt, 68, 69, 72;
      über Obsidian, 65;
      über Scheidung von Basalt und Trachyt, 120;
      über Kieselerde in Trachyt, 15;
      über Sphäruliten, 69.

    ~Seale~, Geognosie von St. Helena, 77;
      über Trappgänge, 93, 94;
      über eingeschlossene Vögelknochen, 93;
      über ausgestorbene Schnecken von St. Helena, 92.

    ~Seen~ am Fusze von Vulcanen, 98, Anm.

    ~Sedgwick~, über Concretionen, 62.

    ~Senkungsgebiet~ auf Ascension, 41.

    _Serpula_-Röhren an gehobenen Felsen, 30.

    ~Seychellen~, 128.

    ~Siau~, über Rippelmarken, 137.

    ~Signal Post Hill~, 8, 14, 16.

    ~Smith~, Andr., über Verbindung von Granit und Thonschiefer, 152.

    ~Sowerby, G. B.~, Beschreibung fossiler Muscheln, 156;
      von Van Diemen's Land, 141;
      von S. Jago, 4;
      Landschnecken von St. Helena, 91.

    ~Spallanzani~, über zersetzten Trachyt, 26.

    ~Spaltung~ des Thonschiefers in Australien, 134;
      quere -- in Sandstein, 137.

    ~Specifisches~ Gewicht neuerer und anderer Kalksteine, 51;
      von Laven, 123.

    ~Sphäruliten~, in Glas und verkieseltem Holze, 64;
      in Obsidian, 60, 69.

    _Spirifer_, 141, 161.

    _Stenopora_, fossile, 164.

    ~Stokes~, Sammlung von Sphäruliten und Obsidian, 64, 65, 71.

    ~Stony Top~, little, 81, 88;
      great, 82.

    ~Stratification~ des Sandsteins in Neu-Süd-Wales, 136, 140.

    ~Stutchbury~, über marine Fossilreste auf Tahiti, 29.


    T.

    ~Tahiti~, 27.

    ~Talus~, geschichteter, innerhalb der Tuff-Cratere, 110.

    ~Terceira~, 25.

    ~Tertiäre~ Ablagerung auf S. Jago, 4, 5.

    ~Thäler~, schluchtartige, auf St. Helena, 93;
      auf Neu-Süd-Wales, 137;
      auf S. Jago, 22.

    ~Thonschiefer~, seine Zersetzung und Verbindung mit Granit am
      Cap der Guten Hoffnung, 152.

    ~Trachyt~, fehlt auf dem Galapagos-Archipel, 117;
      auf Ascension, 43;
      auf Terceira, 25;
      Zersetzung durch Dampf, 25;
      seine Blätterung, 67;
      Trennung von Basalt, 121;
      erweicht auf Ascension, 44;
      specifisches Gewicht, 123;
      mit eigenthümlichen Adern, 46.

    ~Trappgänge~ in der plutonischen Reihe, 126;
      an King George's Sound, 146.

    ~Travertin~ auf Van Diemen's Land, 143.

    ~Tropikvogel~, jetzt selten auf St. Helena, 93.

    ~Tuff~, eigenthümlicher, 101, 104.

    ~Tuff-Cratere~, 101, 104, 108, 111;
      ihr durchbrochener Zustand, 115;
      auf Terceira, 25;
      auf dem Galapagos-Archipel, 101.

    ~Turner~, über die Scheidung geschmolzener Metalle, 122.

    ~Tyerman~ und ~Bennett~, über marine Fossilreste auf Huaheine, 29.


    V.

    ~Van Diemen's Land~, 141.

    _Venus_, fossile, 157.

    ~Verbreitung~ der vulcanischen Inseln, 128.

    ~Vulcanische~ Bomben, 38;
      -- Insel im Atlantischen Ocean in der Bildung begriffen, 95;
      -- Inseln, ihre Verbreitung, 128.


    W.

    ~Wacke~, Uebergang in Lava, 28;
      thonige --n, 3, 19.

    ~Wärme~, Wirkung auf kalkige Substanzen, 5.

    ~Webster~, über eine beckenförmige Insel, 111;
      über Gyps auf Ascension, 55.

    ~White~, Mart., über Lothungen, 137.

    ~Wind~, Wirkung auf die Form der Cratere, 37.





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 - Mit kurzen Bemerkungen über die Geologie von Australien und dem Cap der guten Hoffnung" ***

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